em 250 und höher sstellet, ni. 178 100 ohlen, von Mk.## an ... 5 0 1 Kinder 502 appen, echt "" Mk. , auch mit Goodyear 10050 .. Nk. 1## litäten. imen AIS an. ROftelr 6 6928 13 00 * 40 M 30 M an. à 70 1963 nz in Gold, hen, Sporter Auswahl. 0 adonnementsprets für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 290. D UUTTIPTEG Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkowacht" Gerisch& Co., Rieleseld. 942 Bielefeld, Montag, 13. Dezember 1909. 20. S““ Die heutige Rummer umfaßt 10 Seiten. Eine zeitgemäße Reminissenz. Man erinnert sich noch des ungeheuren Aufsehens, das im Jahre 1900 die sogen. Zwölftausend=Mark=Affäre hervorrief. Die„Leipziger Volkszeitung“, damals vom Genossen Dr. Schönlank geleitet, hatte am 21. Oktober 1900 ein Schreiben des bekannten Scharfmachers Bueck veröffentlicht, in welchem dieser erklärte, das Reichsamt des Innern habe vom Zentralverband der Industriellen 12000 Mark verlangt und zwar„zum Zwecke der Agitation für den Entwurf eines Gesetzes zum Schutz der Arbeitswilligen“, also für die berüchtigte Zuchhausvorlage. Der Zentralverband habe„dieses etwas eigentümliche Verlangen“ nicht zurückgewiesen. Ein großer Teil der bürgerlichen Presse war sprachlos vor Erstaunen; ein anderer hielt so etwas für„unmöglich“ und sprach von„sozialdemokratischer Mache“. Aber die ministerielle„Berliner Korrespondenz“ gab die Tatsachen zu und betonte nur, daß nicht etwa Posadowsky, der Staatssekretär im Reichsamt des Innern, sondern ein untergeordneter Direktor namens Woedtke die 12000 Mark vermittelt habe. Dieser Woedtke wurde denn auch der erregten öffentlichen Meinung zum Opfer gebracht und abeelogt amalg, Sraltten### m# schätggs richtetDie sozialvemotratische Frattion des Reichstags richtete in dieser Sache eine Interpellation an die Regierung. Die Verhandlung fand am 24. November statt. Abg. Auer sagte dabei: „Angesichts dieser alles überwuchernden Macht des Kapitalismus und seiner Vertreter haben wir das Schauspiel, daß ein hoher Beamter des Reichsamts des Innern als Bittsteller bei der gemeingefährlichen Millionätvereinigung(Heiterkeit links) erscheint und dort Mittel flüssig zu machen versucht für ein Unternehmen, das keinen anderen Zweck hatte und haben konnte, als die Verwirklichung des Industriefeudalismus, die Versklavung der Arbeiter. Ein solcher Vorgang ist bisher in Deutschland unerhört gewesen." Posadowsky schwieg wahrend dieser Verhandlungen; seine „sozialen Empfindungen“, von denen man später so viel sprach, machten sich damals nicht bemerkbar. Dagegen ergriff der Reichskanzler Bülow das Wort und erklärte die Sache für einen„Mißgriff". Bei seinen Drehungen und Windungen mußte man unwillkürlich daran denken, wie der berühmte Münchhausen an seinem eigenen Zopfe sich aus dem Sumpf ziehen wollte. Er sprach von dem„guten Glauben“ der beteiligten Beamten; dann I aber schwang er sich in einem„staatsmännischen" Pathos auf und sagte:„ gn Vor solchen duntten und unlauteren Machenschaften weiche ich nicht zurück(Bravo!). Ich hoffe, daß ich die Mehrheit des hohen Hauses auf meiner Seite habe, wenn ich erkläre, daß ich solchen Treibereien und Machenschaften keinen Einfluß einräume auf mein öfferstliches Verhalten und meine amtlichen Entschließungen.(Lebhafter Beifall.] Im übrigen, meine Herren, können Sie versichert sein, daß ich gar keine Neigung empfinde, den Herren von jener Seite des Hauses je wieder ähnlichen Agitationsstoff zuführen zu lassen.(Lachen bei den Sozialdemokraten.— Lebhafter Beifall.). Abg. Dr. Schönlank unterzog diese Antwort einer sehr scharfen Kritik; er meinte, das„Subsidienverhältnis“ eines Reichsamtes zu einer Unternehmergruppe sei offen dargelegt, und er versuchte, die Regierung zu weiteren Aeußerungen über Posadowsky und Woedtke zu provozieren. Das war vergebens. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien, deren Presse den Mund sehr voll genommen hatte, beschränkten sich auf einige abfällige Aeußerungen und die Angelegenheit war erledigt. Der Direktor Woedtke wurde„strafversetzt"; er übernahm das Präsidium des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung. Ein späterer sozialdemokratischer Antrag auf Einsetzung einer Kommission, die untersuchen sollte, welche Beziehungen das Reichsamt des Innern zum Zentralverband der Industriellen unterhalten habe, wurde abgelehnt: alle nichtsozialdemokratischen Parteien stimmten dagegen. Später tauchte die Behauptung auf, nicht der Sündenbock Woedtke, sondern Posadowsky sei durch die Zwölftausend=Mark=Affäre am meisten belastet gewesen; indessen konnten die Nebel, welche die Sache umhüllten, nicht zerstreut werden. Das Bülowsche Pathos hatte gesiegt. Auf diese Tatsachen glaubten wir zurückkommen zu müssen angesichts der jüngsten Enthüllungen über das Verhältnis der großindustriellen Scharfmacher zur nationalliberalen Partei. Die Scharfmacher, die den neuen Juliusturm errichtet haben, hatten angedeutet, daß die nationalliberale Partei von ihnen Geld zur Wahlagitation erhalten habe. Die nationalliberale Presse war so unvorsichtig, dies zu bestreiten. Aber mit den Scharfmachern vom Zentralverband der Industriellen ist nicht zu spaßen. Alsbald rückte die„Deutsche Volkswirtschaftliche Korrespondenz“ mit der unseren Lesern bereits bekannten Enthüllung heraus, daß der vorletzte Reichskanzler, Fürst Bülow, sleich nach der letzten Auflösung des Reichstags, an den Vorzenden des Zentralverbandes, Herrn Vopelius, herangetreten sei mit dem Ersuchen, Geldmittel für den Wahlkampf aufzubringen. Daraufhin seien dem Reichskanzler mehrere hunderttausend Mark zur Verfügung gestellt und von ihm in Verbindung mit mehreren Großindustriellen resp. deren Vertretern verteilt worden. Auch die nationalliberale Partei habe ihr Teil dabei ebbekommen.„6 n5= Manf aefasDamit war die nationalliberale Partei aufs Maul geschlagen. Aber das ist ganz nebensächlich; denn alle Spatzen pfiffen längst von den Dächern, daß die Großindustriellen die Propaganda für nationalliberale Wahlen mit Geld unterstützt haben. Das auch nicht erst von den Wahlen von 1907 her. Die Hauptsache ist dabei die Rolle, welche der Reichskanzler in dieser Affäre gespielt hat. ig ihrer Spezialinteressen erwarten. Bülow von 1900 hat, wie unsere Leser aus den oben angeführten Zitaten ersehen, dem Bülow von 1907 im voraus einen bösen Stich versebt.„., gam Rofadomste Oder hat Bülow das Verfahren von Posaoowsky=Woedtke nachträglich ganz„probat“ gefunden, und ist das ein Triumph seiner„staatsmännischen“ Kunst? Hätte man diese Dinge während der Wahlbewegung erfahren, dann wären die Wahlen auch anders ausgefallen. Politische Uebersicht. Die Veteranen in Laugenburg. Am 4. Dezember 1909 brachte der konservative„Reichsbote" ein reichsverbändlerisches Klagelied darüber, daß die sozialdemokratische Mehrheit in der Gemeindevertretung zu Langenvurg (Reuß j. L.) einen Antrag der bürgerlichen Minderheit abgelehnt habe, wonach den Kriegsveteranen von 1870 bei der kommunalen Besteuerung eine Vorzugsstellung eingeräumt werden sollte. Es sollte diesen Einwohnern, soweit ihr Einkommen nicht höher als 850 Mark ist, eine Steuerermäßigung um 50 Prozent zugebilligt werden. Den sozialdemokratischen Vorsitzenden der Gemeindevertretung aber kennzeichne es, daß er trotz der von den bürgerlichen Vertretern an ihn ergangenen Aufforderung, keinen Ordnungsruf erteilte, als einer seiner Partezgenossen den„Glanztag der deutschen Waffen“ als einen Tag oes Massenmordes beWie uns mitgeteilt wird, ist zunächst diese letztere Behauptung unwahr. Ein sozialdemokratischer Redner hatte allgemein den Krieg richtig als Massenmord gekennzeichnet, doch war es ihm gar nicht eingefallen, die Veteranen des Massenmordes zu bezichtigen. Selbstverständlich hatte unter solchen Umständen der Vorsitzende keinerlei Ursache, den Redner zu disziplinieren, und diese Anschauung hat offenbar bei den bürgerlichen Vertretern obgewaltet, denn entgegen den unwahren Mitteilungen der Reichs=Verbands=Presse sah keiner der Herren sich in der Sitzung veranlaßt, einen Ordnungsruf zu fordern. Was nun den Antrag auf Steuerermäßigung verrifft, charakterisiert er sich schon dadurch, daß er von einem Reichsverbandsagitator am Orte, dem Gemeindeverordneten Schott, ausging. Zuerst wollte der Herr alle Veteranen von Steuern befreit wissen, doch sprachen sich gegen diesen Antrag auch bürgerliche Redner aus. Hierauf kam der Antrag auf Begrenzung eines Einkommens von 850 Mark; es sollten bei dem Erlaß dann Veteranen in Frage kommen, die nach den Listen des Kriegervereins namhaft gemacht waren. Unsere Parteigenossen wiesen diesem Antrage gegenuber darauf hin, daß es Sache des Staates und des Reiches sei, sich der Veteranen anzunehmen. Hieroon scheine man aber wenigstens in Reuß nichts wissen zu wollen, denn als im Juni 1909 im Landtage das Steuergesetz beraten worden sei, habe weder der auch im Landtage sitzende Begründer des Antrages noch irgend einer seiner Freunde zu solchem Zweck den Mund aufgetan. Der Antrag charakteriserte sich als billiges Wahlagitationsmittel, das allerdings umsonst war, denn bei den Neuwahlen Ende November wollte man von den reichsverbändlerischen Kandidaten am Orte nichts wissen, und die Sozialdemokratie befestigte von neuem ihre Mehrheit. Die Wertlosigkeit der ihnen von den Sozialistenfeinden zugedachten Steuerermäßigung hat übrigens auch den Veteranen zum guten Teil eingeleuchtet, denn unseren Parteigenossen ist mehrfach von alten Kriegern erklärt worden, daß ihnen an einer derartigen Hilfe gar nichts liege. Da nun am Orte den Reichsverbändlern kein Heil erblühte, war es begreiflich, daß sie ihrem Aerger wenigstens in der Ordnungspresse in sattsam bekannter Manier Luft machten. Posadowsky resp. dessen Stellvertreter empfingen Geld zur Agitation für die Zuchthausvorlage; Bülow empfing Geld zur Agitation für die Wahlen, und zwar nicht nur 12000 Mark, sondern mehrere hunderttausend Mark. Es ist selbstverständlich, daß das Geld an solche Parteien gegeben worden ist, die später den konservativ=liberalen Block bilden halfen. Wir haben eben gesehen, wie scharf der Reichskanzler„die Treibereien und Machenschaften", die mit der ZwölftausendMark=Affäre zusammenhingen, verurteilt hat. Aber wenn der Reichskanzler von den Industriellen Geldmittel für die Wahlagitation fordert, ist das denn im Grunde etwas anderes, als wenn das Reichsamt des Innern Geldmittel zur Agitation für eine Gesetzesvorlage fordert? Die Scharfmacher geben Akademische Unfreiheit. Der Prorektor der Königsberger Universität, Professor Dr. Händke, hatte bekanntlich einen Vortrag verboten, den der freisinnige Abgeordnete Gyßling vor der Freien Studentenschaft halten sollte; später aber wurde das Verbot wieder auf gehoben. Die Studenten wollten sich nun auch über die sozialdemokratische Partei unterrichten lassen; zu diesem Zwecke hatten sie den Genossen Rechtsanwalt Haase als Referenten gewonnen. Was dem Herrn Gyßling recht war, durfte natürlich dem Sozialdemokraten Haase nicht billig sein. Deshalb sah sich die Leitung der Universität veranlaßt, den zweiten Vortrag nicht zu genehmigen. Die Ablehnung wurde damit begründet, daß das sozialdemokratische Parteiprogramm den Umsturz des Staates bezwecke, der die Universitäten erhalte, und weil zu erwarten stehe, daß der Referent seinen Vortrag zu parteipolitischen Zwecken benutzen werde. Die Königsberger„Hartungsche Zeitung" bemerkt hierzu: Sie sei überzeugt, daß das Verbot viel agitatorischer wirke, als es der Vortrag je hätte tun können. Das Präsidium der Freien Studentenschaft ist übrigens auf disziplinacischem Wege mit einem Verweise bestraft worden, weil es in die Presse eine richtige Darstellung der Vorgänge bei dem Erlaß und der Zurücknahme des Verbots des Gyßlingschen Vortrages gegeben hatte. Die Darstellung war allerdings eine andere, als die des Herrn Prorektors. Zufriedene Agrarier. Diese höchst seltene Erscheinung zeigte sich in einer Versammlung der Landwirtschaftlichen Vereine der Provinz Brandenburg, die Mittwoch in Berlin unter dem Vorsitz des Freiherrn v. Arnim-Güterberg tagte. Der Vorsitzende sagte u. a.: bei den gegenwärtigen Verhältigene Erntejahr gehört ie Sommerernte war im Durchschnitt sehr gut, und auch vom Stande der Wintersaaten kann nur das beste berichtet werden. Der Kartoffelbau hat sich ebenfalls nicht schlecht gelohnt, die erzielten Preise entsprachen im allgemeinen den gehegten Erwartungen. Die Schweineproduktion hebt sich seit einiger Zeit wieder, nachdem bessere Preise geboten werden. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen kann der Landwirt gut bestehen und braucht nicht zu verzagen.“ Weil es den Agrariern jetzt so einigermaßen gut geht, haben sie nach Ansicht des edlen Sprossen aus dem edlen Geschlecht derer von Arnim, mit Freuden die Last der neuen Steuern auf sich genommen, umsomeor, als sie von„glühender Vaterlandsliebe“ bebesem Kopf die Welt; so ist man versacht, mehr als die Agrarier werden die den Junkern tributpflichtigen breiten Massen von den neuen Steuern belastet. Die„glühende Vaterlandsliebe“ der Agrarier kann sich sonach auf diesem Gebiete recht billig betätigen. Immerhin verdient es vermerkt zu werden, daß sich die Agrarier nun doch anscheinend etwas gesättigt fühlen. Das wird natürlich in demselben Moment wieder anders, in dem Regierung oder Reichstag Miene machen sollten, den Interessen des erwerbstätigen Teiles des deutschen Volkes einigermaßen Rechnung zu tragen. Dann jetzt sofort wieder das allbekannte Geschrei von der Not der Landwirtschaft ein, und sollte dieses Geschrei überhört werden, dann ist auch sofort die„glühende Vaterlandsliebe“ der Agrarier wieder sutsch. Klerikale Verleumder und Heuchler. Man schreibt dem„Vorwärts“ aus Köln:. „Die„Kölnische Volkszeitung“ veröffentlicht einen Artikel über ein Ehedrama in einem Orte bei Lüttich. Ein „sozialdemokratischer Gemeindeschullehrer“ soll seine Frau wegen Untreue erschossen haben. Daran knüpft das Blatt einen rabulistischen Sermon über die„sozialdemokratische Hinrich= tung", und es bringt sogar fertig, diese private Tragödie mit dem politischen Fall Ferrer in Verbindung zu bringen. Das schlimmste aber ist die nichtsnutzige Art, wie das fromme Blatt in einem fort Sozialismus und Freidenkerei,„freie Liebe“ und Untreue identifiziert, und wie es schließlich ausführt, die Frau habe, als sie ihren Mann betrog, nur nach den Prinzipien der sozialdemokratischen Partei gehandelt; sie könne sich auf Bebel, Vandervelde und viele andere Propheten der„freien Liebe" berufen. Das ist eine verleumderische Beschimpfung der Sozialdemokratie. Wenn schon die Ehrlichkeit und der Anstand dem Kölner Zentrumsblatt diese Perfidien nicht verboten, so hätte es sie wenigstens aus Klugheitsgründen unterlassen sollen; denn niemand hat so wenig das Recht. Andersdenkenden Vorhaltungen über eheliche und sexuelle Moral überhaupt zu machen, wie die rheinischen Klerikalen. Ein dickes Buch könnte man anfüllen mit den Skandalen, die sich auf diesem Gebiete allein in Köln und dessen näherer Umgebung in den letzten Jahren zugetragen haben. Und alle diese Fälle sind der„Kölnischen Volkszeitung“ genau bekannt Sie weiß beispielsweise, daß ein hervorragender Zentrumsführer seinerzeit neben seiner ihm angetrauten Ehefrau in Kölner Vororten noch zwei Liebesverhältnisse zu gleicher Zeit unter dem Namen eines ledigen Kaufmanns unterhielt. Sie weiß, daß einem anderen örtlichen Zentrumsführer in einem großen Beleidigungsprozeß schmutzige Beziehungen zu Prostituierten nachgewiesen wurden. Die„Kölnische Volkszeitung“ kennt auch den Ritter hoher päpstlicher Orden und klerikalen Parteiführer in einem Kölner Vorort, der abtreten mußte, nachdem er von seiner Maitresse, die er, obgleich Familienvater, viele Jahre lang heimlich unterhielt, vor Gericht gezogen wurde. Sie kennt auch den Verleger des rheinischen Zentrumsblattes, der sich vor dem Revolver eines eifersüchtigen Ehemannes flüchten mußte, und den Chefredakteur des nämlichen Blattes, der in einem Ehescheidungsprozeß nicht in Abrede stellen konnte, mit der beklagten Frau intimen Verkehr gepflogen zu haben. Sie kennt auch den Katholikentagsredner, der die durch seine Hände gehenden Kirchengelder benutzte, um damit seine Maitresse, eine Prostituierte, zu unterhalten. Der Mann hat dafür zwei Jahre Gefängnis belommen., Eg. fue 4.2#zlnischen Alle diese und noch viele andere Faue sino der„Kölnischen Volkszeitung“ so gut bekannt wie uns, und dennoch erfrecht sie sich, die Sozialdemokratie wegen ihrer angeblichen Stellung zur Ehe zu verdächtigen und zu verleumden. Eine widerliche Heuchelei. politische Die konservative Presse macht sich das Vergnügen, den Nationalliberalen immer wieder unter die Nase zu reiben, daß sie aus dem Wahlfonds, den Fürst Bülow im Dezember 1906 zusammengeschnorrt hat, subventioniert worden sind. Die nationalliberale Presse ist darüber empört, sie findet diese Kampfesweise unfair, weil auch die Konservativen aus diesen vom Zentralverband deutscher Industrieller gegebenen Summen gefüttert worden sind. Die„Nationalzeitung“ sagt nämlich: „Die Wahrheit ist: daß aus diesem auf treiben Wahrheit ist: daß aus diesem auf Anregung und des früheren Reichskanzlers zusammengevrachten Fonds alle bürgerlichen Parteien Bezüge erhalten haben.“ An der Tatsache, daß die Hottentottenwahlen von der Regierung mit Geld gemacht worden sind, kann jetzt nichts mehr abgestritten werden. Fürst Bülow hat die bürgerlichen Parteien gründlich korrumpiert. Künftig werden sich Bund der Landwirte Hansabund und Zentralverband deutscher Industrieller in die Aufgabe der Wohlkorruption teilen. Alle drei Organisationen werden Gelder zu Wahlzwecken liefern, und man kann sich künftig die Frage nach der Parteizugehörigkeit der bürgerlichen Kandidaten sparen, es genügt festzustellen, aus welcher Kasse sie für ihren„Kampf um Kaiser und Reich" bezahlt werden Für Gelo empfänglich sind sie mit wenigen Ausnahmen alle. Lehrer und Zentrum. Wie es da, wo das Zentrum noch ausschlaggebend ist, um die Lehrer bestellt ist, beweist die Annonce, die ein Lehrer in einer niederbayerischen Zeitung veröffentlicht hat: „Schneeschaufler gesucht! Vom Unterzeichneten verlangt man ab Winter 1909/1910 das Schneeschaufeln im Friedhof. Weil Unterfertigter anderweitig als Meßner, Kantor, Organist, Gemeinde= und Standesamtsschreiber, auch aIs Lehrer hinreichende Beschäftigung hat, wird die Stelle eines Friedhofsschneeschauflers hiermit zur Bewerbung ausgeschrieben. Schneeschaufel ist mitzubringen. Anmeldungen und Angebote(Stundenlohn) sind zu richten an Obermeßner Abel in Mitterskirchen.“ Auch die„Korrespondenz des deutschen Lehrerverein“ liefer! einen niedlichen Beitrag zu diesem Thema.„In einem elsässischen Dorfe waren in einer Wählerversammlung der Zentrumsabgeordnete Hauß und der Lehrer Bongartz aneinandergeraten. Als der Lehrer dem Zentrumsabgeordneten Oppositivn machte, donnerte ihn, nach der Darstellung der genannten Korrespondenz, der Abgeordnete Hauß mit den Worten an:„Ich kann nicht begreifen, wie Sie als katholischer Lehrer im Lager der Liberalen stehen können. Es ist dies eine Schande für einen katholischen Lehrer. Es ist aber auch eine Schande für eine katholische Gemeinde, einen solchen Lehrer in ihrer Mitte zu haben. Ich hoffe, laß die Gemeinde dafür Sorge trägt, daß der Lehrer entfernt wird. Als der Angegriffene die Anwesenden—“ besonders seinen Pfarrer— zu Zeugen dafür aufrief, daß er seine Pflichten als Katholik und Lehrer stets erfüllt habe, bemerkte der Pfarrer, wenn der Lehrer diese Behauptung aufstelle und doch liberal sei. so spiele er den„Komödianten“, und Herr Hauß erklärte in seinem Schlußworte, wenn der Lehrer dies nicht einsehen wolle, so sei er ein„Hornochse". Der Lehrer stellte Strafantrag wegen Beleidigung. Der Staatsanwalt leitete damals— 1907!— auch Strafverfolgung ein. Die Eröffnung des Gerichtsverfahrens hätte nun nach Schluß des Reichstages im Juli 1909 erfolgen müssen. Da aber wurde der beleidigte Lehrer am 7. Oktober von seinem Kreisschulinspektor aufgefordert, seinen Strafantrag zurückzunehmen, da Staatsanwaltschaft und Ministerium dies für das zweckmäßigste erklärt hätten. Da aber dem Beleidigten nicht die geringste Genugtuung geboten wurde, hielt er den Strafantrag aufrecht und erhielt nunmehr vom Staatsanwalt den Bescheid,„daß, nachdem der Bezirkspräsident den Strafantrag zurückgenommen hat, die Erhebung der öffentlichen Klage nicht weiter durch ein öffentliches Interesse geboten erscheint, und zwar dies um so weniger, als infolge der andauernden Reichstagssession die Angelegenheit 2¼ Jahre nicht betrieben werden konnte.“ Hätte der Lehrer diesen Bescheid im Juli erhalten, so hätte er, so versichert die„Korrespondenz", sogleich die Privatklage einleiten können. Warum der Staatsanwalt ihn so lange hat warten lassen, ist schwer einzusehen. Den Politiker dürfte vielleicht hierbei zunächst die Frage interessieren, ob wohl die veränderte Stellung des Zentrums zur Regierung dazu beigetragen hat, den Staatsanwalt zu einer anderen Auffassung zu bringen. Die hessische Wahlrechtsvorlage in der Krise. Darmstadt, 10. Dez. Die Zweite Kammer hat heute in zweiter Lesung das Wahlgesetz(direkte Wahl mit zwei Altersstimmen) und Verfassungsänderung zugunsten der Ersten Kammer gegen zehn S. mmen der Sozialdemokraten, Freisinnigen und Wilden angenommen. Deutsches Reich. Die Maßregelungen in Kattowitz entpuppen sich immer mehr als eine förmliche Haupt- und Staatsaktion. Wie die„Kattowitzer Zeitung“ meldet, ist die Versetzung der Lehrer auf einen Beschluß des gesamten preußischen Staatsministeriums zurückzuführen. Von dem staatlichen Terrorismus sind übrigens nicht nur die erwähnten Volksschullehrer betroffen worden; ein Oberlehrer vom Königlichen Gymnasium in Kattowitz, der ebenfalls für einen polnischen Kandidaten gestimmt hat, soll vom gleichen Schicksal ereilt worden sein. Japan. Aufstand in Korea? Petersburg, 12. Dez. Nach Meldungen aus Wladiwostok herrscht in Korea große Aufregung. Die Koreaner bewaffnen sich. Die japanische Gendarmerie in Soel hat drei Brigaden Verstärkung erhalten. Konmunales. Soziale Rückständigkeit. Der Magistrat in Augsburg hatte kürzlich, veranaßt durch das Drängen der Regierung, einen schüchternen Versuch gemacht, auf dem Gebiete der Arheitslosenversicherung einen Schritt nach vorwärts zu tun; auch stellte er zu diesem Zwecke verschiedentlich Erhebungen an. Gegen dieses Vorhaben wird nun seitens der Unternehmer und deren Korporationen mit allen Mitteln Sturm gelaufen. Nachdem bereits Landratskammer, Innungsausschüsse und Industrieverein sich einstimmig gegen jede Arbeitslosenversicherung ausgesprochen hatten, hat nun auch die Handelskammer für Schwaben zu der Frage Stellung genommen und nach einem Referat des Syndikus Dr. Büttner einstimmig beschlossen, an den Stadtmagistrat Augsburg das dringende Ersuchen zu richten, von der Einführung einer gemeindlichen Arbeitslosenfürsorge unter allen Umständen abzusehen. Begründet wurde die avlehnende Ha tung der Handelskammer damit, daß eine gemeindliche Arbeitslosenfürsorge der Unparteilichkeit und Gerechtigkeit widerstreite, daß eine Arbeitslosenversicherung in erster Linie zur Förderung der sozialdemokratischen Gewerkschaften beitrage und daß die von der Gemeinde zu leistenden Zuschüsse in der Hauptsache von den Unternehmern aufgebracht würden. Es ist nun selbstverständlich, daß die unternehmerfromme Stadtverwaltunz in Augsburg den Wünschen der Industriellen in vollem Maße Rechnung tragt, zumal die Unternehmer nich verfehlen werden, den nötigen Nachdruck hinter ihre Wünsch zu setzen. Und im Grunde ihres Herzens sind ja die Mitglieder des Magistrats der gleichen Meinung wie die Industriellen. Das kam bei der Beratung eines sozialdemokratischen Antrages auf Gewährung von Geldunterstützung an Arbeitslose zum Ausdruck, wobei ein Mitglied des Gemeindekollegiums unter dem Beifall seiner liberalen Parteifreunde den Grundsatz aufstellte: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 13. Dezember. Die Kunst in Handel und Gewerbe. Vortrag des Herrn Carl Ernst Osthaus aus Hagen, gehalten am Freitag im Stadttheater. Wir werden einen Gegenstand des täglichen Verbrauchs von verschiedenen Gesichtspunkten aus betrachten. Der Gegenstand muß zunächst einem Zweck entsprechen. Der Hersteller des Gegenstandes wird ihn betrachten unter dem Gesichtspunkte der ökonomischen Herstellung, während der Künstler und der Mensch von Geschmack nicht nur die Zweckmäßigkeit und ökonomische Herstellung, sondern auch die Schönheit des Gegenstandes ins Auge faßt. Die drei Wünsche sind leicht ausgesprochen, aber die Kulturgeschichte lehrt, daß es eine Menge Reibungsflächen zwischen diesen Anforderungen gibt. Die verschiedenen wirtschaftlichen Faktoren stellen sich verschieden dazu. Der Künstler sucht den Gegenstand so schön wie möglich zu machen, er ist leicht geneigt, den Zweck der Schönheit zu opfern. Der Fabrikant hingegen will so billig wie möglich fabrizieren, und ebenso dringt der Händler auf niedrige Preise, oft zum Schaden der Qualitat, während der Kunde den Gegenstand nicht nur zweckmäßig und schön, sondern auch so billig wie möglich haben möchte. Es hat Zeiten gegeben, wo Künst er, Fabrikant und Kunde identisch waren, z. B. bei den holsteinischen Bauern, die ihre Möbel im Winter selbst schnitzten, oder wenigstens Künstler, Fabrikant und Händler, wie zum Beispiel bei der mittelalterlichen Klosterwirtschaft. Das war im Mittelalter überhaupt die Regel. Heute hat sich das außerordentlich geandert durch das Eindringen der Maschine. Nicht a's ob man mit der Maschine nicht auch schöne Sachen herstellen könnte, aber die Maschine hat dazu gdführt, daß der Kleinbetrieb durch den Großbetrieb verdrängt Hurde. Die Leitung einer großen Fabrik erfordert aber vor allem Organisationstalent, und das ist etwas ganz anderes, auß das, das die gütige Natur dem Künstler verliehen hat. Der) Künstler ist meist ein schlechter Geschäftsmann. So kommt es, daß seit Beginn des 19. Jahrhunderts der Künstler immer mehr und mehr aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet wird. Der Kampf zwischen Fabrikant und Händler, und die Kenkurrenz zwischen den Fabrikanten ließ vor allem das Bestreben nach Billigkeit hervortreten. Darunter aber litt die Qualität, befonders in Hinsicht auf die künstlerische Form. An die Stelle des Künstlers trat der Musterzeichner, der nicht aus der himmlichen Gabe des Künstlers schörfte, sondern nur auf der Schule zurechtdressiert war. Der Kommissar des Deutschen Reiches gab uber die Erzeugnisse des deutschen Kunstgewerbes, die 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia ausgestellt waren, sein Urteil Ruf hat noch lange mit der Zeit führte das Bedurfnis der Menschen nach Vollkommenheit und Schönheit zu einer Reaktion. Zunächst wurden die Kunstschätze aus früheren Zeiten gesammelt und auf Ausstellungen und in Museen gezeigt Die Musterzeichner mußten die Vorbilder abzeichnen. Was früher in edlem Material ausgeführt worden war, wurde jetzt in schlechtem Material verfertigt; das gab eine Pieudokutur. Eine Stilart folgte nun auf die andere: Renaissance, Gotik, Romantik, Barock, Rokoko. Die künstlerische Form ging dabei ganz verloren. Was ehemals schön war, hat heute keinen Sinn mehr. Die ganze Entwicklung ging auf Kosten des Publikums vor sich. Was heute modern war, war schon in einigen Jahren veraltet. Immer mehr Stimmen erhoben sich im Publitum dagegen. Da unternahmen die Künstler einen Vorstoß, um das verlorene Gebiet wieder zu erobern. Die Entwicklung begann in England. Den Anstoß hat dazu das Wirken John Ruskins gegeben. Seinen Spuren folgte sein Schüler William Morris der sich nicht damit begnugte, Zeichnungen zu entwerfen, sondern auch selbst eine Werkstätte eroffnete. In Deutschland setzte die Bewegung ein auf der Dresdener Kunstausstellung im Jahre 1897, wo Henry Bandevelde zum ersten Male einen Raum ausstellte mit ganz modernen Möbern, bei deren Herstellung vor allem auch der Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit berücksichtigt war. Der Vorstoß wurde in allen Kulturzentren wiederholt. Im Jahre 1901 veranstaltete der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen eine Kunstausstellung in Darmstadt. Er berief eine Anzahl Künstler, u. a. Olbrich, Veter Behrens, nach Darmstadt und ließ von ihnen ein Viertel von Villen in ganz modernem Stil errichten. Nun griff die Bewegung immer mehr um sich, und man muß anerkennen, daß sie auch vom preußischen Staat unterstützt wurde. Im Jahre 1904 wurde Peter Behrens an die Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf berufen. Es entstand nun auch eine Anzahl Unternehmungen für die Fabrikation moderner kunstgewerblicher Erzeugnisse. Sie gingen zunächst nicht vom Fabrikanten aus, sondern von Künstlern. So die Münchener Werkstätten, die Dresdener Werkstätten für Handwerkskunst, die Wiener Werkstätten. Die Fabrikanten und Handler sahen die neue Bewegung zunächst mit Mißtrauen und mit jenem Aerger an, der allem Neuen entgegengebracht wird; aber bald fügten sie sich in die neuen Verhaltnisse. Peter Behrens wurde von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft als künstlerischer Berater berufen. Es wird jetzt zwischen Berlin und Tegel eine Wohnungskolonie für die Arbeiter und Beamten der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft unter seiner Leitung errichtet. Neben der Industrie hat auch der Handel ein großes Interesse an dem Kunstgewerbe, braucht er doch schön ausgestattete Geschäftshäuser und Schaufenster. Auf allen Gebieten ist der moderne Künstler tätig gewesen und überall hat er unser Leben bereichert. Der Redner erläuterte nun seine Ausführungen durch die Vorführung von Lichtbildern. Interessant waren die in den Lichtbildern veranschaulichten Vergleiche unserer Häuser, Wohnungen und Georauchsgegenstände von einst und jetzt. Ein deutliches Beisviel gab das Bild des Oberpostdirektionsgebäudes, dessen Form und Ausschmückung nicht aus Zweckmäßigkeitsgrunden, sondern lediglich aus geistloser Nachahmung heraus entstanden ist. Ein Vergleich mit einer in demselben Stil erzauten italienischen Villa zeigte, wie hier offene Säulenhallen aus klimatischen und örtlichen Verhältnissen heraus entstanden sind, also ihren bestimmten Zweck erfüllen Dieselbe Stilart aber in insere Gegend, in die moderne Großstadt übertragen, ist sinnlos. Er zeigte Bilder überladener, ihrem Zweck nicht entprechender Eß=, Schlaf= und Schreibzimmer, und demgegenüber modern ausgestattete Räume, deren wohltuende Ruhe durch die Anpassung an ihre Bestimmung und mit wenigen, aus dem Material heraus entstandenen Wirkungen erreicht wird. Ter Zweckgedanke hat die Form bestimmt. Während man früher Gebrauchsgegenstände, z. B. Töpferwaren, mit ausgemalten Blumen und Figuren schmückte, sind unsere modernen Künstler bestrebt, nur aus dem verwendeten Material heraus Vierzierung und Ornament zu gestalten. Es zeigte der Redner an Vasen und Töpfe darstellenden Bildern, wie aus den speziellen Eigenschaften des Glases das sich in flüssigem und weichem Zutande ziehen, spinnen, knüpfen und schneiden läßt, die Künstler igenartige Wirkungen hervorbringen. Ferner führte er unter inderem auch Bilder von gut und als Gegenbeispiele auch solche von schlecht dekorierten Schaufenstern vor. Die moderne Kunst vermeidet die Anlehnung an fremde Ideen, sie entwickelt ihren Formen= und Schönheitsbegriff aus sem Zweck und der Beschaffenheit des Materials veraus. Am Schlusse seiner Ausführungen forderte der Redner die Unwesenden auf, als Hersteller und Verbraucher für die künstleische Ausgestaltung der Gegenstände des täglichen Gebrauchs zu sorgen. — Freie Volksbühne. Wegen der Gewerbegerichtsvahl findet die Verlosung der Plätze am Mittwoch, von 5 bis 7½ Uhr nachmittags, im Restaurant„Stadt Bielefeld“ statt. Beitragsmarken, welche bis Dienstag abend nicht abgeholt sind, werden anderweitig verkauft. Die Vorstellung beginnt am Freitag präzise acht Uhr. — Achtung, Vereinsvorstände! Wir machen nochmals auf die am Dienstag, abends 8 Uhr, im Restaurant„S.adt Bielefeld“ stattfindende Besprechung betreffs des Bierkrieges aufmerksam. Die Konsumentenkommission. dahin ab:„Billig, aber schlecht!“ Und dieser Aber dem deutschen Kunstgewerbe angehaftet. — Der gewerkschaftliche Belehrungsabend für Monat Dezemfällt aus. Der Ausschuß des Gewertschaftskartells Bielefeld. — Im Stadttheater wird, wie uns aus dem Theaterbureau geschrieven wird, am Mittwoch unter des Komponisten Georg Jarno persönlicher Leitung dessen siegreiche Operette„Die Forster=Christl“ zum 12. Male aufgeführt; ein Ehrenabend für unsere Bühne. Den festlichen Charakter der Vorstellung bekundet schon das verstarkte Orchester unter Hinzuziehung der Harfe. Alle beteiligten Faktoren werden wetteifern, eine glänzende Wiedergabe des vielgerühmten Werkes herbeizuführen. Die Preise an diesem Abend sind nicht erhöht; es gelten die üblichen Operettenpreise. Heute findet das einmalige Gastspiel des Berliner Kammerspiel=Ensembles statt; zur Aufführung gelangt„Laboremus". Die Vorstellung beginnt schon um 7½ Uhr. Ausstellungs=Erfolge. Auf der 3. Allgemeinen GeflügelAusstellung zu Detmold, welche vom 11. bis 13. Dezember stattfindet, erhielten u. a. folgende Züchter Auszeichnungen: Ehrenpreis und zwei 1. Preise auf Huyner„Bantams“ Herr H. Hellmann, Quelle. Ehrenpreis und zwei 1. Preise auf Hühner „Mechelner“ Herr F. Schildener, Gr. Kurfürstenstraße. Ehrenpreis. 1. Preis und zwei 3. Preise auf Tauben„Langschnablige Tümmler“ Herr Kurt Lüttge, Rathausstr. 7. 1., 2., 3. Preis auf Hühner„Schwarze Wyandottes" und„Thür. Pausbäckchen“ Herr W. Vogt, Hallerweg 50. 1., zwei 2. und 3. Preis auf Hühner„Hamb. Silberlack“ Herr Alb. Brinkmann, Johannistal 46. Drei 2. und 3. Preis auf Hühner„Schwarze Minorka“, Herr G. Schäfer, Brackwede, Bielefelderstraße. 2. und 3. Preis auf Hühner„Weiße Wyandottes“ und 2. Preis auf Gänse„Emdener“ Her C. Krieger, Gütersloherstr. 58a. 2. Preis auf Hühner„Ramelsloher“ Herr Emil Wendt, Stieghorst. 2. Preis auf Tauben„Langschnäblige Tümmler“ Herr H. Günther Brackwede, Lutterstraße. Sämtliche Herren gehören dem Geflügelund Kaninchenzüchter=Verein Gadderbaum an, gewiß ein Beweis dafür, daß der Verein tüchtige Züchter als Mitglieder hat. — Polizeibericht. Festgenommen wurden 3 Personen groben Untugs und Widerstandes; 18 Obdachlose erhielten im Polizei=Gefängnis Unterkunft. Fahrraddiebstahl. Dem Schlosser R. hier wurde vor dem Hause Niederwall 15a ein Fahrrad, Marke„Concordia“, Nr. 40499, mit schwarzem Rahmen und gelben Felgen, gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Diebstahl. In der Nacht zum Senntag wurde 1 Blumentisch im Werte von 15 Mark in der Bismarckstraße gestohlen. Eingebrochen wurde am Sonntag nachmittag gegen 6 Uhr im Hause Siechenmarschstraße 6, Parterre. Die beiden Einbrecher wurden jedoch ertappt, entkamen aber. Entwendet wurde 1 silberne Damenuhr mit langer silberner Kette und 1 silberne Herrenuhr mik goldener Kette. Die Täter sind zwei Mannspersonen im Alter von 20 bis 28 Jahren, von schlanker Figur und zirka 1,70 Meter Größe. Sachdienliche Mitteilunger erdittet die Kriminal=Abteilung. Projekt für einen finitiv bese Versammlungen. Dezember. Abends 8½ Uhr in„StadNontag, 1 Bielefeld. Maßschneider Bielefeld". Dienstag, 14. Dezember. Bielefeld. Soz. Verein, 16. Bezirk. Abends 8 Uhr ber Sundern. Söz. Verein. Abends 6½ Uhr bei Mester. Löhne. Soz. Verein. Abends 8½ Uhr. 2. Vortrag des Genossen Hoffmann=Vielefeld über:„Kulturentwicklung". Mittwoch, 15. Dezember. Bielefeld. Soz. Verein, 9. Bezirk. Abends 8½ Uhr ber C. H. Apenbrink. * Pödinghausen b. Enger, 11. Dez. Etwas von der Firma Engelhardt& Biermann Vor etwa 5 Jahren ließ die Firma Engelhardt& Biermann=Bremen hier eine Zigarrenfabrik bauen. Die Zahl der Tabakarbeiter war zu Anfang klein, jetzt beschäftigt die Firma aber schon 50 Arbeiter. Es sind dies die Kinder der hierorts ländlichen Bevölkerung. Bis jetzt haben die Arbeiter direkt noch nicht die Folgen der Tabaksteuer bemerkt, aber es herrschen in dem Betriebe manche andere Mißstände, die die Arbeiter gern beseitigt wissen möchten. So wird von den Arbeitern verlangt, noch allerhand Kalfaktorarbeiten zu verrichten; die Arbeiter müssen sogar die Zylinder bezahlen, die im Winter auf den Lompen entzwei gehen. Es sind größere Lampen, jeder Zylinder kostet den Arbeitern 30 Pfg., und dieses Geld müssen die Armen noch von ihrem spärlichen Lohn der reichen Firma Engelhardt& Biermann opfern. Die Arbeiter sind schon mehrmals vorstellig geworden. Der Meister erklärt den Arbeitern aber jedesmal: Die Firma nimmt sich hiervon nichts an und ich kann die Zylinder nicht bezahlen. Die Summe für die zersprungenen Zylinder beläuft sich schon auf etwa 30 Mark. Auch sind die Arbeiter schon öfters vorstellig geworden wegen der vierwöchentlichen Lohnzahlung und ersuchten, diese doch in eine acht- eventl. vierzehntägige umzuändern. Es sollte der Firma doch wohl ein Kleines sein, den Arbeitern diesen Wunsch zu erfüllen. Auch sind die Arbeiter der Meinung, daß die Firma von den Zinsen des vier Wochen vorenthaltenen Arbeitslohnes die Zylinder gut bezahlen kann. Mögen diese Zeilen. dazu beitragen, daß diese Mißstande und noch andere mehr bald beseitigt werden. * Barkhausen, 12. Dez. Gemeinderatssitzung vom 9. Dezember. Die Tischlerarbeiten zu dem Schulneubau sollen, versuchsweise, in nächster Zeit in Losen nur an Meister in der Gemeinde vergeben werden.— Von einer Richtfeier dp# Schulneubaues wurde Abstand genommen, es wurden dafür jedem dort beschäftigten Arbeiter 1,50 Mk. gewährt.— Zu der Veranlagung der Wertzuwachssteuer sind folgende Herren bestimmt: Vorst. Erffmeier, Landwirk Münstermann und Bauanternehmer Streming.— Zur Regelung der Gemeinderatswahl im Jahre 1910 wurde ein neues Ortsstatut in Aussicht gestellt. — Im Verschiedenen wurde das Verhalten des Herrn Krüger in Hausberge betr. die Anlage des elektrischen Lichts kritisiert. Krüger hat mit der Gemeinde auf mehrere Jahre einen Vertrag abgeschlossen. Danach ist er verpflichtet, jedem Einwohner Licht und Kraft zu liefern. Krüger stellt nun den Einwohnern die Bedingung, die Montage durch ihn von drei verschiedenen Firmen zu beziehen. Beschlossen wurde, Krüger aufzusordern, seinen Verpflichtungen der Gemeinde gegenüber nachzukommen. — Ueber das Baugesuch Hoppmeier wurde keine Einigung erzielt und die Beschlußfassung vertagt. * Halle, 11. Dez. Feuersbrunst. Heute morgen um 11 Uhr geriet das Haus der Witwe Wölke in Flammen und brannte total nieder. Die Entstehungsursache ist unbekannt ist durch Versicherung gedeckt. § Detmold, 10. Dez. Stadtverordneten- Sitzung vom 9. Dezember. 1. Spezialvoranschläge für das Rechnungsjahr 1910. Einnahme und Ausgabe beim städtischen Schlachthof 27034,30 Mk., bei der Serviskasse 4485 Mk., städtische Fischteiche 185 Mk., Abfuhrapparat 175 Mk. Die Finanzkommission regt an, die beiden letzten Titel wegen ihrer Kleinheit nicht mehr als besondere Rechnung zu führen. Armenkassenrechnung: Einnahme inkl. 16000 Mk. stadtischen Zuschuß 32193,32 Mk. Sonst wurden vereinnahmt von anderen Armenverbanden 6500 Mk., aus Tanzgeldern 1650 Mark. Die Finanzkommission hat den städtiichen Zuschuß auf nur 14000 Mk. bemessen und dementsprechend eine ganze Reihe Ausgabepositionen gekürzt. Gegen diese Kürzung wendet Ratherr Biermann ein, daß die erhöhten Ausgaben sich ergeben aus der Verteuerung der Lebensmittel und aus den erhöhten Pflegesätzen der Anstalt Lindenhaus, die jetzt statt 1,25 Mk. täg ich 1,40 Mk. verlange. Stadtv. Neitzel entgegnet, daß es danne notwendig sei, eine entsprechende Bemerkung im Voranschlag zu machen, dann würde die Kommission auch keine Streichungen vornehmen. Höhere Mädchenschule: Einnahme und Ausgabe 34 659,28 Mark. An Schuldgeld gehen ein 27·800 Mk., Zuschuß fürstlicher Regierung 1404 Mark. Die Stadt muß zuschießen 5555,28 Mark. Es sind 353,36 Mk. für Amortisation des Grund und Bodens, auf dem die Schule steht, eingestellt, was die Finanzkommission bemängelt. Das Kolleg beschließt deren Streichung. Der Zuschuß der Stadt verringert sich um diesen Betrag. Gas= und Wasserwerk: a) Gaswerk: Einnahme 193545 Mk., Ausgabe 153 545 Mk., Ueberschuß 40000 Mk. Es sollen hiervon 5000 Mk. dem Reservefonds, 5000 Mk. dem Spezialreservefonds zugeführt werden, so daß für die Stadtkasse 80000 Mk. verbleiben. Die Haupteinnahmen betragen: Gasverkaufskonto 139 022 Mk., Nebenerzeugungskonto 44 625 Mk., von Gasmessern 500 Mark. Aus den Ausgaben sei erwähnt, daß die Straßenbeleuchtung 5400 Mk. kostet. b) Wasserwerk: Einnahme 45 450 Mk., Ausgabe 32 650 Mk., Ueberschuß 12 800 Mark. Hiervon sollen noch 500 Mk. zugunsten des Reservefonds abgesetzt werden. Stadtv. Kettmann regt an, den Wasserpreis herabzusetzen.— Städt. Obstgarten. Es wird die Summe des dreijährigen Durchschnitts eingestellt: 750 Mark. Stadtverordnete Kettmann, Vogt, Korf, Kühne, Tenge wünschen, daß der Obstgarten verpachtet wird. Das Kolleg beschließt demgemäß.— Städt. Friedhof. 6560 Mk. Einnahme. Nach Abzug der Ausgabe verbleiben 3800 Mk. Ueberschuß.— Städt. Gewerbeschule: Einnahme und Ausgabe 14 091,99 Mark. Der städtische Zuschuß beträgt 8629 Mark.— Kaufmännische Fortbildungsschule. Einnahme und Ausgabe 1965 Mk., städtischer Zuschuß 465 Mark. Die Voranschläge werden sämtlich genehmigt. Auf Antrag des Stadtv. Sieg wird beschlossen, für die Folge drei Etatsjahre ziffernmäßig in den Voranschlägen aufzuführen. Stadtv. Kettmann fragt an, wie es mit seinem gestellten Antrag stehe, der dahin geht, alle bis zu 1000 Mark Einkommen beziehenden Bürger von der Armensteuer zu befreien. Der Oberbürgermeister entgegnet, daß die Sache beiseite gelegt sei, weil es sich nicht machen lasse. Stadto. Klasicht, daß die ing ist der Ansich., daß die Regierung einen solchen Beschluß nicht geneymigen werde. Stadtv. Kettmann bleidt dabei, daß Schritte in dieser Hinsicht unternommen werden können.— Anschluß der Bergstraße an die Gasleitung und Rödlinghausen an die Gas= und Wasserleitung. Die geforderten Betrage für die Bergstraße, 550 Mk., werden bewilligt, ebenso für Rödlinghausen für Gas 4500 Mk für Wasser 2700 Mark.— Der Bebauungsplan für den Hiddeserberg wird genehmigt.— Vorlage des Magistrats betr. Höhere Mädchenschute. Es werden 147,40 Mark Nachbewilligung verlangt. Bei dieser Gelegenheit wird des langen und breiten wiederum leeres Strob gedroschen über einen Neu= oder Umbau der Töchterschule und schließlich auf Antrag Klasing beschlossen: Der Magistrat hat schleunigst ein desinnir schlossen Auf Antrag Kettmi für einen Umbau zu Entwurf sollen 500 Priestersche Grundst die Stadt den Antr Oberverwaltungsger der Dorfschaft Heil wird einstimmig in heiten sollen bei Ge schaft abzuschließen soll für 14 Pfg. abe Rittergut Braunen! r. Detmold, 12. Rentiere zu Tode vor einigen Jahren ihrer Tochter nach vom Sonnabend zi tolt vor ihrem Bet Flammen. Die in Verbrannten hörte in die Kammer der Bette liegen. Wie raten konnte, ist bi die Nachtlampe um Die Leiche wurde: r. Lage, 12. Dez haben einige Bewol tag erhalten. Es etabliert. Aus den und ein Stock ent! einige Röcke gestoh merte sodann noch und stahl durch die Im allgemeinen w Gesindels geklagt, Markttages sich hi s. Herford. 10. 10. Dezember. schlages von 3 M 86 Mk., flagt der Der Beklagte legte kation nur denen Arbeit bleiben. T Abweisung der Kl klagt der Hausdiel Durch Zeugen wir lich gegen seinen A Klage abgewiesen. Klage des Kochs S behalten worden. nach welchem der von den Parteien * Herford, 12. band.„40000 K das Thema in de Kollege Becker=Bei Kollegen die Takt und sorgen für ei * Mennighüffe der Teufel. unser Genosse Ho didat des Kreises, Pastor Dütemeyer haben. Er ist au gesucht hat, hat er zweiten Adventsso hat er einleitend gewiesen, die unte über den Herrgot wäre, wo der SKrone zerrissen 1 solches Haus, wo in kurzer Zeit vor die eigentliche En nicht den Satan1 einem Pferdehuf Teufel nicht aus. Mann, ganz nett, Zeit versteht, mer Zum besserer Pastors sei noch Sonnabend der t brannt ist. 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Auf Antrag Kettmann wird beschlossen, ein Preisausschreiben für einen Umbau zu erlassen, und für den besten und billigsten Entwurf sollen 500 Mark ausgesetzt werden.— Betreffend das Priestersche Grundstück an der Bruchstraße wird beschlossen, daß die Stadt den Antrag auf Enteignung stellen soll, nachdem das Oberverwaltungsgericht dahin entschieden hat.— Der Anschluß der Dorfschaft Heidenoldendorf au das Gaswerk in Detmold wird einstimmig im Prinzip beschlossen. Die näheren Einzelheiten sollen bei Genehmigung des Vertrages, der mit der Dorfschaft abzuschließen ist, beraten werden. Das Kubikmeter Gas soll für 14 Pfg. abgegeben werden. Die Leitung wird über das Rittergut Braunenbruch gewählt. r. Detmold, 12. Dez. Auf eine schreckliche Weise ist hier eine Rentiere zu Tode gekommen. Die Witwe Wiehage, welche vor einigen Jahren aus der Wittener Gegend in Westfalen mit ihrer Tochter nach Detmold verzogen war, wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag mit entsetzlichen Brandwunden tol vor ihrem Bette aufgefunden. Das Bett stand in hellen Flammen. Die in der Kammer nebenan schlafende Tochter der Verbrannten hörte in der Nacht einen Schrei, und als sie bestürzt in die Kammer der Mutter eilte, fand sie diese tot vor ihrem Bette liegen. Wie das Bett der 69jährigen Dame in Brand geraten konnte, ist bisher unaufgeklärt, man nimmt aber an, daß die Nachtlampe umgefallen ist und so das Bett in Brand steckte. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. r. Lage, 12. Dez. Einen rechtüblen Nachgeschmack haben einige Bewohner unserer Stadt von dem Markt am Freitag erhalten. Es hatte sich nämlich eine Spitzbubenbande hier etabliert. Aus dem Henningschen Lokale wurde ein Ueberzieher und ein Stock entwendet, während bei dem Kaufmann Franke einige Röcke gestohlen wurden. Eine Frauensperson zertrümmerte sodann noch in dem Henningschen Hause eine Fensterscheibe und stahl durch die Oeffnung sodann ein Paar Mädchenschuhe. Im allgemeinen wird hier sehr über die Menge des lichtscheuen Gesindels geklagt, welches gerade in diesem Jahre anläßlich des Markttages sich hier eingefunden hatte. s. Herford, 10. Dez. Gewerbegerichtssitzung vom 10. Dezember. Wegen Zahlung eines wöchentlichen Zuschlages von 3 Mk. als Weihnachtsgratifikation, in Summa 86 Mr., flagt der Kürschner B. gegen den Unternehmer Pracht. Der Beklagte legte einen Vertrag vor, nach welchem die Gratifikation nur denen zugestanden ist, die auch bis Weihnachten in Arbeit bleiben. Da dies beim Kläger nicht zutrifft, mußte auf Abweisung der Klage erkannt werden.— Auf 14 Tage Lohn klagt der Hausdiener M. gegen den Hotelbesitzer Uflerbäumer. Durch Zeugen wird nachgewiesen, daß sich der Kläger ungebührlich gegen seinen Arbeitgeber benommen hat. Es wird auch diese Klage abgewiesen.— Gegen denselben Beklagten richtet sich eine Klage des Kochs Sch.; ihm sind 45 Mk. von seinem Lohn zurückbehalten worden. Der Vorsitzende schlägt einen Vergleich vor, nach welchem der Beklagte 30 Mk. zu zahlen hat; derselbe wird von den Parteien angenommen. * Herford, 12. Dez. Deutscher Holzarbeiter=Verband.„40000 Holzarbeiter in der Tarifbewegung“, so lautet das Thema in der Versammlung am Dienstag abend, in der Kollege Becker=Berlin referiert. Hoffentlich schätzen die hiesigen Kollegen die Taktik des Arbeitgeber=Schutzverbandes richtig ein und sorgen für einen guten Besuch. * Mennighüffen, 10. Dez. Pastor Dütemeyer und der Teufel. Die Vorträge über Kulturentwicklung, welche unser Genosse Hoffmann, der sozialdemokratische Reichstagskandidat des Kreises, seit einigen Wochen hier hält, scheinen es dem Pastor Dütemeyer angetan und ihn um seine Ruhe gebracht zu haben. Er ist auf Entdeckungen ausgegangen, und das, was er gesucht hat, hat er auch glücklich gefunden und das Resultat am zweiten Adventssonntag von der Kanzel herab verkündet. hat er einleitend auf das Schicksal der Insel Nordenstrand hingewiesen, die untergegangen wäre wegen über den Herrgott. Aber wo hier in der Gemeinde ein Haus wäre, wo der Satan Bibelstunde hielte, und dem Heiland die Krone zerrissen und gelehrt werde, es ist lein Gott, auch ein solches Haus, wo ihm die Ehre abgesprochen würde, könne Gott in kurzer Zeit vom Erdboden verschwinden lassen. Nun kommt die eigentliche Entdeckung Pastor Dütemeyers: Wir sollen uns nicht den Satan vorstellen, als ob das ein Schwarzer wäre mit einem Pferdehuf und mit Hörnern auf dem Kopfe. So sähe der Teufel nicht aus. Der Teufel wäre ein ganz hübscher junger Mann, ganz nett, gar nicht abstoßend. Wer aber die Zeichen der Zeit versteht, merkte bald den Pferdeszh, 4## Zum besseren Verständpis der Anugugen# pern Pastors sei noch mitgeteilt, daß in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend der vorigen Woche die Göhnersche Wirtschoft abgebrannt ist. Darauf zielte Pastor Dütemeyer mit seiner Erzählung von der Insel Nordenstrand hin, wenigstens wurde es in diesem Sinne von seiner Zuhörern aufgefaßt. Nun könnte man ja über diesen Zornesausbruch des trefflichen Seelsorgers mit lächelnder Miene hinweggehen, wenn das Ding nicht auch eine sehr ernste Seite hätte. Ein Mann, der in solcher Weise über den Teufel Bescheid weiß, sollte sich doch hüten, über politische Gegner Dinge zu erzählen, noch dazu von der Kanzel herab, ohne sich von deren Richtigkeit zu überzeugen. Selbstverständlich hat Pastor Dütemeyer nicht gelogen, denn er hat sicherlich das geglaubt, was er erzählt hat. aber der Vorwurf, fahrlässig die Unwahrheit gesagt zu haben, kann ihm nicht erspark bleiben. Warum hat er sich denn nicht an der Quelle selbst unterrichtet. bevor er derartige Behauptungen in die Welt schleudert? Es mag ja für unseren Genossen Hoffmann sehr schmeichelhaft sein, daß er von Pastor Dütemeyer als ein ganz hübscher junger Mann eingeschätzt wird, und auch, daß ihn dieser Herr als den Teufel hinstellt, bringt ihn gar. nicht in Aufregung. Aber mit welchem Recht behauptet der Pastor und predigt es in der Kirche, daß in den Vorträgen Hoffmanns dem Heiland die Krone zerrissen und Gott die Ehre abgesprochen werde? Es wäre wohl einem Manne, der es mit der Wahrheit gewissenhaft nimmt, angemessen bewesen, sich vorher selbst zu überzeugen, ehe er solche Beschuldigungen ausspricht. Religion ist für den Sozialdemokraten Privatsache, daraus geht hervor, daß niemals Gefühle und Ansichten eines Mitmenschen, der einen anderen Glauben hat, in verletzender Form besprochen werden. Auch wenn Hoffmann in jenen Vorträgen erklärt hätte, seiner wissenschaftlichen Ansicht nach könne es keinen Gott geben, würde er immer dabei seine der existieren müsse! Der Pastor Dütemeyer ist also angelogen worden, und er hat die Kanzel zum Ort der Verteidigung dieser Lügen gemacht!! Unseres Erachtens eine fatale Geschichte für den Herrn Pastor. Das Unangenehmste für den Herrn Pastor dabei ist, daß offenbar infolge seiner Erzählungen von einzelnen seiner Gemeindemitglieder kräftig, weiter gelogen wird. Das ist auch bei früheren Gelegenheiten so gewesen. Da war Pastor Dütemeyer in der Fabrik von Schmidt erschienen, deren Arbeiter sich im freien Verband organisiert hatten, und hatte gefragt: Was wird Jesus dazu sagen? Er wollte nämlich, daß sie in den christlichen Verband gingen. Flugs erzählte man sich nunmehr, daß die Arbeiter an die Wand geschrieben hatten: Was wird Jesus dazu sagen? Während es doch Pastor Dütemeyer war, der dies gesagt hatte. In unserem Falle nun mit den Vorträgen des Genossen Hoffmann erzählen sich die frommen Leute schon, es wäre bei diesen Vorträgen von Hoffmann aufgefordert worden, auf den Herrgott oder auf Jesus anzustoßen und zu trinken. Wobei doch männiglich wissen müßte, daß Hoffmann so gut wie Abstinent ist. Weiter wird erzählt, daß Hoffmann in jener Wirtschaft von Göhner sich noch bis 3 Uhr in der Nacht, wo sie abgebrannt ist, mit dem Genossen Buchholz aufgehalten habe, und daß Buchholz auch vorher in jener Wirtschaft gewesen sei. Wenn's wahr wäre, wär's auch kein Unglück. Aber es ist nicht wahr. Das alles sind elende Lügen. Und prinzipiell möchten wir doch feststellen, daß es unserer Ansicht nach nur ein Mensch, der im tiefsten Aberglauben steckt, aber kein Bekenner einer kulturell so hoch stehenden Religion, wie das Christentum ist, es fertig bringen kann, aus einem so regelmäßig wiederkehrenden Ereignis wie der Brand eines Hauses ist, auf einen persönlichen Eingriff Gottes zu schließen. Herr Pastor Dütemeyer sollte statt dessen lieber ernstlich darüber nachdenken, ob er es mit seinem Gewissen, vereinbaren kann, bei seinen Seelsorgegeschäften den politischen Parteimann mitsprechen zu lassen. Gerichtliches. *s Bielefeld, 11. Dez. Strafkammer. Der Arbeiter Karl Schreiber von Dresden, zuletzt in Isselhorst wohnhaft, allein siebenmal wegen Diebstahls vorbestraft und zurzeit eine siebenmonatliche Gefängnisstrafe verhüßend, hat im Frühjahr dieses Jahres vor der Reparaturwertstatt von König zu Isselhorst vorbeigehend ein Fahrrad stehen sehen. Da er nichts liegen lassen kann, hat er sich zu dem Rade begeben und die an demselben angebrachte Fahrradlaterne gestohlen, ohne eigentlich Verwertung dafür zu haben. Er erhielt wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle eine Zusatzstrafe von 4 Monaten, Gefängnis, Aus der Zwangserziehungsanstalt zu Moorhof und aus der Untersuchungshaft vorgeführt erschienen der 17 Jahre alte frühere Laufbursche Kurt Krüger von Schildesche, jetzt zögling in der Erziehungsanstalt in Moorhof, und der 18 Jahre alte Arbeiter Otto Buch von hier. Der erste war früher bei der Firma Oertmann& Heyer als Laufbursche und der zweite als Arbeiter bei dem Kaufmann Thalenhorst hierselbst beschäftigt. In der Nacht zum 19. Oktober d. J. sind sie bei der Firma Oertmann& Heyer, wo Krüger die Gelegenheit kannte eingestiegen. Sie nahmen ihren Weg durch ein Fenster der Näherei und gelangten so in das Kontor und erbrachen dort das Pult des Buchhalters. Da sie aber nichts fanden, traten sie den Rückzug wieder an und gelangten ins Freie. Nun erbrachen sie die Muchhäuschen am Kaiser=Wilhelms=Platz, am Schillerplatz und in der kleinen Bahnhofstraße und suchten dort nach Geld. Da sie keines fanden, tranken sie Milch, aßen Cakes, und machten sich dann auf nach dem Kaufmann Thalenhorst an der Herforderstraße. Hier packten sie eine ganze Anzahl Sachen im Werte von 36,20 Mark in einen Korb und machten sich auf und davon. Am 10. November wurde vor der hiesigen Strafkammer gegen Krüger wegen des Einbruchs bei Oertmann& Heyer allein verhandelt und er erhielt damals wegen schweren Diebstahls 1 Monat Gefängnis. Heute handelte es sich bei ihm noch um die andern Diebstähle und so erhielt er einschließlich des 1 Monats Gefängnisses heute wegen fortgesetzten schweren Diebstahls in Tateinheit mit versuchtem schweren Diebstahl und einfachem Diebstahl eine Gesamtstrafe von drei Monaten Gefängnis. Buch wurde wegen versuchten schweren Diebstahls, wegen fortgesetzten schweren Diebstahls in Tateinheit mit versuchtem schweren Diebstahl und einfachem Diebstahl zu 6 Monaten Gefängnis verurtennr.enlg Wiut 4igE Mikiskun Auch diesem hier geschilderten Elend dieser Siebjehnjährigen stehen Rechtsprechung und Strafvollzug in trostloser Hilflosigkeit gegenüber. Der Arbeiter Hermann Gieselmann zu Brackwede hatte sich wegen Sittlichleitsverbrechens aus S 176, Abs. 3, des Strafgesetzbuches zu verantworten. Er wurde überführt und zu sieben Monaten Gefängnis verurteilt, worauf 1 Monat erlittener Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wurde. Urteil im Prozeß Großer. Leipzig, 12. Dez., Das Urteil im Prozeß gegen den Kaufmann Großer aus Steglitz wegen des Attentates im Reichsgericht, bei dem der Kanzleirat Straßburg erschossen und Reichsgerichtsrat Männod schwer verletzt wurde, wurde noch gestern in später Abendstunde gefällt. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von 10 Jahren Gefängnis und 5 Jahren Ehrverlust, unter Anrechnung von 8 Monaten der Untersuchungshaft. Das Gericht nahm als strafmildernd an die verzweifelte Lage und die große Aufregung des Angeklagten.— Vor der Urteilsverkündung kam es zu mehrfachen Zwischenfällen. Ein Zeuge wurde von einem schweren Krampfanfall betroffen. Einen weiteren Zwischenfall verursachte Frau Großer, die in großer Bewegung durch den Korridor lief und laut erzählte, sie sei auf Anordnung des Vorsitzenden bis aufs Hemd nach Waffen untersucht worden. Ein Luftschiffer abgestürzt. Perlin, 11. Dez. Kapitän Engelhardt, der seit 14 Tagen auf dem Flugplatze Johannisthal Aufstiege mit seinem Wrightapparate machte und in den letzten Tagen Passagiere mitführte, ist heute vormittag schwer gestürzt. Er wurde bewußtlos in das Krankenhaus von Britz übergeführt. Der Apparat ist fast völlig zertrümmert. Vom Saßnitzer Raubmord. Greifswald, 10. Dezember. In der gestrigen Sitzung des hiesigen Schöffengerichts wurde gegen einen 19jährigen Kahnmätrosen Max Wienholz aus Greifswald wegen Diebstahls verhandelt. Es stellte sich dabei heraus, daß Wienholz dringend verdächtig ist, den Raubmord in Saßnitz verübt zu haben. Festgestellt ist, daß er kurz vor dem Tage des Mordes in Wik in Begleitung eines Kumpans gesehen wurde. Die Staatsanwaltschaft hat sofort eine Untersuchung eingeleitet. Pockenerkrankung. München, 10. Dezember. Eine neue Pockenerkrankung ist hier vorgekommen. Gestern nachmittog wurde die Tochter eines Lohnkutschers aus der Kantstraße ins Krankenhaus eingeliefert. Sämtliche Bewohner des Hauses mußten sich der Schutzimpfung unterziehen. Auch sonst wurden umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Ein Kriegsschiff gestrandet. Glücksburg, 10. Dezember. Das Kriegsschiff„Württemberg“ strandete gestern abend 6 Uhr in der Bucht zwischen Holmis und Glücksburg. Die bisherigen Abbringungsversuche durch Torpedoboote sind vergeblich gewesen. Eine Gefahr scheint jedoch nicht zu bestehen. Tod durch Unvorsichtigkeit. Fürth, 12. Dez. In Langenzenn wurde der Jagdeleve Nebel von einem 20jährigen Kollegen namens Sawatzki beim Hantieren mit einer Pistole aus Unvorsichtigkeit erschossen. Zum Fall Hofrichter. Wien, 12. Dez. Zu der Affäre Hofrichter wurde gestern mitgeteilt, daß von hoher Stelle der Befehl erteilt wurde. im Falle ein Geständnis Hofrichters erfolge, der Oeffentlichkeit sofort Mitteilung davon zu machen. Untat eines Wütenden. Budapest, 12. Dez. In Mezoehegyes wurden der 22jährigen Bäuerin Mohacsi, der schönsten Frau des Dorfes, von ihrem wütenden Ehemann, der darüber erhost war, daß sie auf einer Hochzeit getanzt hatte, während er selbst als Tagelöhner arbeiten mußte, mit einer Hacke beide Brüste abgehackt., EMKpian 8. Gattenmord einer Irrninnigen. Budapest, 12. Dez. Die infolge Eifersucht plötzlich irrsinnig gewordene Gattin des Hausierers Chalzel begoß ihren schlafenden Mann mit Benzin und setzte das Bett in Brand, worauf sie flüchtete. Großes Eisenbahnunglück. Paris, 12. Dez. In der Nähe von Saint Pol entgleiste ein Arbeiterzug, zwei Zugbeamte wurden getötet, 60 Grubenarbeiter verletzt. Der fünffache Mord in Frankreich. Paris, 12. Dez. Zu dem fünffachen Mord im Pachthofe des Dorfes July im Departement Yonne, bei welchem der Pächter Verrieres, dessen Frau, eine Dienstmagd und zwei Stallburschen erstochen wurden, wird noch gemeldet, daß die beiden Täter, zwei Schweizer Pferdehändler im Alter von 16 und 18 Jahren, in dem Moment verhaftet wurden, als sie den Pariser Zug verlassen wollten, um auf Schweizer Gebiet überzutreten. 59 Menschen auf hoher See umgekommen. Buffalo, 12. Dezember. Der Sturm auf dem Eriesee hat großen Schaden angerichtet. Man schätzt ihn auf ungefähr eine Million Dollars. 59 Menschen sind dabei umgekommen. Wettersturz in Skandinavien. Christiania, 12. Dez. Ein mit schweren Regengüssen verbundener Wetterumschlag im südlichen Norwegen brachte Schneeschmelze mit großen Ueberschwemmungen. Frederikshall und Jedern stehen unter Wasser. Viele Fabrikanlagen im Innern des Landes sind von Hochwasser fortgerissen worden. fortgerissen worden. Letzte Nachrichten. Solingen, 13. Dez. Einem ruchlosen Meuchelmord sind in Dünnwald bei Solingen zwei pflichttreue Beamte zum Opfer gefallen. Auf einer in den Diergartschen Waldungen veranstalteten Treibjagd bemerkte der Feldhüter Uhler einen ihm bekannten Wilderer, den er aus dem Walde verwies. Der Wilderer schoß auf Uhler, verletzte ihn durch einen Streifschuß und flüchtete. Als später Uhler und ein Gendarmeriewachtmeister eine Haussuchung bei dem Wilderer vornahmen, fanden sie das Nest verlassen. Sie beschlagnahmten mehrere zum Wildern benutzte Geräte und schickten sich on das Haus zu verlassen, als sie hinterrücks durch mehrere Schüsse getötet wurden. Gegenwärtig sind zahlreiche Patrouillen mit Polizeihunden bemüht, die Spur des Mörders zu verfolgen., 1452— Erzag foselt. sch in Aux WackBerlin, 13. Dez. Ein blutiger Exzeß spielte sich in der Nacht zum Sonntag in Rixdorf ab. In der Gastwirtschaft Schillerpromenade 7 erstach der 24jährige Lederzuschneider Barownick nach voraufgegangenem„Worzwechse, den 18jährigen Tischlergesellen Paul Müller. Der Messerheld, der sich selbst bei der Tat verletzte, wurde auf der Unfallstation festgenommen. Wien, 13. Dez. Die, Untersuchung in der Affäre Hofrichter konzentriert sich namentich guf die Verfolgung einer Spur, die 1 mplicen und die Vermischtes. Wieder eine Giftmordafsäre. Hannover, 12. Dezember. Im benachbarten Bennemühlen versuchte ein Brautpaar die Mutter des Mädchens durch Gift zu ermorden, um in den Besitz ihres kleinen Vermögens von 4000 Mark zu gelangen Die Tochter gab der Mutter an ihrem Geburtstag Blausäure in ein Glas Heidelbeerwein. Wegen des verdächtigen Geschmackes spie die Mutter den Gifttrank aus und erstattete sofort Anzeige, worauf die Tochter verhaftet wurde. ch namentlich auf die Verfolgung einer Spur darauf hinweist, daß Hofrichter einen militärischen Komp gehabt hat, mit dessen Hilfe er Zpankali in Wien stahl und Briefe zur Post beförderte. 7„ Neapel, 13. Dez. Bei den Brückenarbeiten im Hafen von Neapel bei Graneli riß die Kette einer 1500 Zentner schweren Taucherglocke, in der sich 16 Arbeiter befanden, gerade, als diese ins Wasser gelassen wurde. Die mit Preßluft gefüllte Glocke schlug um und 9 Arbeiter ertranken, oder wurden erschlagen, 7 wurden schwer verletzt an die Wasseroberfläche emporgeschleudert und konnten gerettet werden. Konstantinopel, 13. Dez. Der berühmte französische Flieger Blériot ist gestern bei seinen Flügen über dem Taxim=Felde, als er landen wollte, verunglückt. Anscheinend infolge Versagens der Steuerung stieß der Apparatgegen das Dach eines niedrigen Hauses und Kürzte zur Erde. Blériot fiel heraus und wurde leicht verletzt. Der Monovlan ist vollständig zertrümmert. London, 13. Dez. Großes Aufsehen erregt hier das Verschwinden der 24jährigen, wegen ihrer Schönheit bekannten Lady Churchill, der Gattin des Viscount Churchill und Schwester Lord Lonsdales, einer der ersten Damen der englischen Gesellschaft. Dem Vernehmen nach soll Lady Churchill gänzlich unter spiritistischem Finfluß gestanden haben. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. Au bestern bereils im Bielophen Phleuter uis Einlage der untdelle Schläger! tarchisufe Lapissien der Rung 0 In 3 Farben wunderbar viragiert! 5 Abteilungen! Hochinteressante Vorführung! 1. Hafenbilder aus der Umgebung der Gasanstalt. 2. Die Anlagen der Gasanstalt vor der Explosion. 3. Die furchtbare Katastrophe. 4. Das Trümmerfeld, 5. Die Aufräumungsarbeiten nach der Katastrophe. Ferner: Heute von 2.—4 Uhr Kindervorstellung. 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Es klingt sehr verheißungsvoll, wenn der neue Reichskanzler erklärt, in Deutschland könne niemals eine Regierung Parteiregierung sein, daß er auch nicht ängstlich sorgt um die Schaffung einer momentanen parlamentarischen Majorität, und daß er dem Zwange zum Schaffen vertraut, der über die gegenwärtigen Irrungen und Wirrungen hinaushelfen wird. Aus der ganzen Rede ersieht man den festen Entschluß des Kanzlers, seine Stellung wirklich und tatsächlich über den Parteien zu nehmen. Dazu kann das Reich sich selber und den Kanzler nur beglückwünschen. In der ganzen Rede war nichts, was einer einzelnen Partei zuliebe oder zuleide gesagt war. Es klang durch alles die Aufforderung an alle Parteien zu ernster, sachlicher Arbeit bindurch.,. g., K. 4s4#.# Nicht ganz befriedigt ist die„Deutsche Tageszeitung". Sie bezeichnet die Worte, mit denen der Reichskanzler die Etatsdebatte einleitete, als die allgemeinen„Motive“ zum innerpolitischen Teile der Thronrede, mit deren Diktion sie auch in ihrer wohlabgewogenen Knappheit und nüchternen Sachlichkeit eine unverkennhere Aehnlichkeit aufweise.“ er gan Lur 6. „Inhaltlich zeigte die Kanzlerrede, wie man nach der besonderen Sachlage nicht anders erwarten konnte, ein doppeltes Gesicht, das eine in die Vergangenheit, das andere in die Zukunft gerichtet. Wir können nicht verhehlen, daß uns das erstere mit seinen unentschlossenen, resignierten Zügen nicht besonders gefallen hat........ g4hmenn Salle Die Gründe, mit denen Herr v. Bethmann Hollweg die fast vollständige Zurückhaltung der Regierung in dem Streit der letzten fünf Monate zu verteidigen gesucht hat, können uns nicht überzeugen. Niemand hat von der neuen Regierung verlangt, daß sie an der Parteipolemik sich beteiligen solle. Aber sie hätte, umbekümmert um die Fehde der Parteien, den Kampf aufnehmen sollen und müssen, soweit es sich um ihre eigene Sache handelte....... Je ausführlicher und nachdrücklicher wir unsere Ueberzeugung ausführen mußten, daß die Regierung eine zu weit gehende Politik der„Neutralität“ bei dem Kampf um die Reichsfinanzreform getrieben hat, um so vorbehaltloser können wir im allgemeinen unsere Genugtuung über den positiven, in die Zukunft gerichteten Teil der Kanzlerrede aussprechen. Auch wir wünschen keine Fortsetzung des Kampfes, in dem wir die zu Unrecht Angegriffenen waren; und wir sind um so eher zum Frieden geneigt, als man weiß, daß wir den Kampf nicht scheuen! Uneingeschränkt aber begrüßen wir das Bekenntnis des Herrn Reichskanzlers zu einem Programm nüchterner und nützlicher sachlicher Arbeit.“ Die„Staatsbürger=Zeitung" schreibt; „Die Bedeutung der Kanzlerrede lag nicht darin, daß er zum erstenmal sein Programm entwickelte; man kannte ihn ja längst. Aber heute war es das erste Mal, daß er nach den schweren Kämpfen der Reichsfinanzreform, nach Abgang des Fürsten Bülow, als Kanzler den neuen Kurs der Reichsregierung festlegen mußte. So waren seine Worte klar und deutlich. Er sprach nicht mit der Gebundenheit des Diplomaten. kam dem Reichskanzler darauf an, die Gedanken, die er aussprach, im Kernpunkte zu erfassen....... So kam Bethmann Hollweg dazu in seiner heutigen ersten Kanzterrede, die Schaffung der Reichsfinanzreform, auch mit den großen Mängeln, die ihr anhaften, als die Grundlage einer beginnenden Gesundung unserer Reichsfinanzen anzuerkennen und gutzuheißen. Damit stellte sich die Reichsregierung auf die Seite der Finanzreformmehrheit und billigte im letzten Ende ihr Die Germania“, die erwartet hatte, der neue Kanzler werde sein bisheriges Schweigen brechen und ein sorgfältig ausgearbeitetes Programm vorlegen, sieht sich schwer getäusu. „Der Reichskanlzer v. Bethmann Hollweg ergriff allerdings zu Beginn der Sitzung das Wort; aber was er sprach, war kein eigentliches Regierungsprogramm. Die auswärtige Politik ließ er sogar vollständig außer Betracht, und für die innere Politik beschränkte er sich auf eine anscheinend wohlabgewogene Rede, die nach keiner Seite anstoßen, sondern der positiven gemeinschaftlichen Arbeit aller bürgerlichen Parteien das Wort reden sollte, im übrigen aber keine Direktiven und kein Programm für die Zukunft entwickelte. Der Reichskanzler erwähnte nicht den Block und die Blockpolitik, aber er meinte, daß die Parteien, die bei der Steuerreform auseinander gegangen seien, jetzt wieder zusammen gehen könnten. Der Reichfinanzreform widmete er eine kurze und knappe Anerkennung; aber sein Versuch, die Regierung von dem Vorwurfe reinzuwaschen, daß sie die von der Mehrheit des Reichstages beschlossene Reichsfinanzreform in der Oeffentlichkeit nicht genügend verteidigt habe, mißlang.“ Das Organ der Scharfmacher, die„Berliner Neuesten Nachrichten“, finden es sehr sonderbar, daß Herr v. Bethmann gar kein Wort gegenüber dem Aufmarsche der Sozialdemokratie gefunden hat, und daß er sich über unsere Stellung zu dem Verhältnis von England und Frankreich vollständig ausschwieg. Das Blatt faßt sein Urteil dahin zusammen: „Die matten Worte des Kanzlers waren auf gefrorenes Erdreich gefallen. Und sie mußten es; ihnen fehlte die Klangfarbe der Ueberzeugung, der Weitblick, der über die nächsten Bodenfurchen hinwegsieht; alles ging ihr ab, was das deutsche Volk von einem leitenden Staatsmann in einer Zeit erwartet, die nach des Kanzlers eigenem Geständnis nach innen und außen keine Zeit der Rosen ist.“„„„ 6 g Die„Tägliche Rundschau bemerkt zu der Rede: „Es war ein Evangelium der Nüchternheit, das Bethmann Hollweg vortrug, bemerkenswert mehr durch das, was es nicht sagte, als durch das, was es brachte.“ Die freikonservative„Post“ hält den Vorwurf der Programmlosigkeit für durchaus unberechtigt: „Man wird auch vom Standpunkt ruhiger staatserhaltender Politik sich mit den einzelnen Richtlinien der Bethmannschen Regierungspolitik einverstanden erklären müssen. Fraglich ist aber, ob die Hilfsmittel, welche in diesem Regierungsprogramm zur Gesundung unserer politischen Verhältnisse gegeben werden, zur Erreichung dieses Zieles kräftig genug sind. Der von Herrn von Bethmann vorgezeichnete Weg ist sehr lang, und es ist demzufolge die Befürchtung nicht abzuweisen, daß in der Zwischenzeit der Parteihader und die Verhetzung der bürgerlichen Parteien untereinander so viel Unheil angerichtet haben, daß schließlich doch der Radikalismus das Ziel vollständiger Spaltung unseres Volkes und seiner Vertretung in zwei feindliche Lager erreicht.“ Die„Nationalzeitung“ sagt: 4.3 g.i4 m „Der Gedankengang der Ausführungen des Reichskanzlers entsprach allem, was man bisher von ihm gehört hat und was man von ihm erwarten konnte. Es war eine Vorlesung über allgemeine Politik und Staatslehre mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Lage....g Sachlich und ruhig war der Ton seiner Rede. Er lehnte es ab, ein Programm zu entwickeln und seine Stellung zu den Parteien darzulegen. Das ist des Landes nicht der Brauch. Er setzte dem hohen Hause nur seine Ansichten über die neue Lage auseinander und kündigte eine Politik der Stetigkeit und Festigkeit im Innern und nach Außen an. Der Reichskanzler proklamierte für seine Person und im Namen der Regierung eine Politik der Sammlung, er stellte das philosophische Wort vom Zwang zum Schaffen als Leitmotiv auf und hofft, auf diesem Boden die Parteien zu gemeinsamer Arbeit vereinigen Wie die Nationalliberalen über diese Frage denken, hat ihr Führer Bassermann, der die Rede des Tages gehalten hat, dem Reichskanzler eröffnet. Das Wenige, was Herr von Bethmann geboten hat, befriedigte sie nicht, aber trotzdem stimmen sie mit ihm in dem Wunsche überein, in gemeinsamer Arbeit für eine bessere Zukunft mitzuwirken.“ Das„Berliner Tageblatt“ bezeichnet die Rede als „dürftig und unerquicklich": „In seiner Rede war nichts, was über die Mittelmäßigkeit auch nur um einen Zoll hinauswuchs......... Herr von Bethmann Hollweg hat bisher alle Befürchtungen gerechtfertigt und keine Hoffnung erfüllt. Wenn Fürnt Bülow ihn zu seinem Nachfolger vorschlug, so geschah es vermutlich, weil er, mit anderen, der Meinung war, daß sein eigenes Licht durch diesen Kanzler nicht verdunkelt werden würde. Durch das gestrige mißglückte Debut des Herrn von Bethmann Hollweg erhält diese Meinung leider eine gewisse Bestätigung. Herr von Bethmann Hollweg sollte, falls er das kann, schleunigst den ungünstigen Eindruck auslöschen, den— nicht nur beim„Radikalismus“— seine Antrittsrede gemacht hat.“ Die Berliner Volkszeitung“ hält die Erregung, die sich bei dem Ausspruch Bethmann Hollwegs:„In Deutschland werde niemals eine Regierung Parteiregierung sein können“ bemerkbar machte, für durchaus berechtigt und führt dann weiter —„Wir haben in Deutschland eine reaktionäre Regierung, und weil wir diese haben, ist es die Pflicht jedes nichtreaktionärgesinnten Bürgers, und diese bilden die Mehrheit der deutschen Wähler, an seinem Teile sie zu bekämpfen und zu ihrer Beseitigung beizutragen. Das kann aber nur geschehen, indem er dafür sorgen hilft, daß die durch eine Reihe von Ungerechtigkeiten zustande gekommene reaktionäre Reichstagsmehrheit verschwindet. Herr von Bethmann Hollweg zog gestern mit Pauken und Trompeten gegen den Radikalismus zu Felde; wir wissen jetzt, daß er die bisher betriebene reaktionäre Politik fortsetzen wird, daß er, vie seine Vorgänger, der konservativ=klerikalen Union gehorsamen wird, und darum gibt es für jeden Freund wirtschaftlichen, geistigen und politischen Fortschritts, für jeden, der unser im Banne des Agrariertums und des Klerikalismus seufzendes Volk befreien will, nur eine Parole: Kampf, ernsten Kampf gegen den neuen Reichskanzler!“ Die„Berliner Morgenpost“ schreibt: „Herr von Bethmann Hollweg sprach kurz, aber nicht bündig, denn als er nach einer halben Stunde, nachdem er sich erhoben, sich wieder niedersetzte, stand man unter einem Gefühl, daß er eigentlich gar nichts gesagt habe. Es war eine ganz brave, wackere Rede eines tüchtigen Oberpräsidenten zur Eröffnung eines brandenburgischen Provinziallandtages, aber für einen deutschen Reichstag erschien sie doch zu unbedeutend.“ Parteinachrichten. Sozialdemokraten als Schöffen. Nach der soeben für das Amtsgericht Stuttgart=Stadt erschienenen Schöffenliste sind 22 Stuttgarter Parteigenossen als Hauptschöffen für das Jahr 1910 berufen. Darunter befinden sich 2 Landtagsabgeordnete, 4 Bürgerausschußmitglieder und 8 Gewerkschaftsbeamte. Warnung. Vor einigen Tagen ging eine Notiz durch die Parteipresse, nach welcher in Frankfurt a. M. ein Pole namens Weinberger mit gefälschtem Empfehlungsschreiben der Genossin Luxemburg von Parteigenossen Gelder herausgelockt hat. Bereits am 25. Oktober ist in der Nürnberger Parteiorganisation das gleiche Manöver gemacht worden, nur wurde es hier durch eine Frauensperson namens Therese, Weinberger ausgeführt. Mit einem Schreiben einer schlesischen Parteiorganisation versehen, gab sie an, ihr Mann sei wegen politischer Betätigung aus Polen ausgewiesen; da er sich in der Schweiz aufhalte, wolle sie mit ihren zwei Kindern nachfahren. Da diese Angaben durch die vorgelegten Schriftstücke Bestätigung erhielten, wurde Reisegeld bis München bezahlt. Nunmehr, am 5. Dezember, wurde diese Weinberger in Nürnberg wieder gesehen, und die Recherchen haben ergeben, daß man es mit einer Schwindlerin zu tun hat, die einer größeren Gesellschaft von Schwindlern angehören soll. Die Kriminalpolizei hat sich der Angelegenheit angenommen. Da zu befürchten ist, daß die Weinberger weitere derartige Manöver machen wird, geben wir folgendes Signalement: Die Therese Weinberger sie reist auch unter dem Namen Koch— steht Mitte der dreißiger Jahre, hat mittlere Statur, schwarzes Haar, das auf beiden Seiten in die Stirn hineingekämmt ist, spricht gut deutsch und macht sonst einen sehr vornehmen Eindruck. Die Weinberger, reist gegenwärtig in Gesellschaft einer anderen Frauensperson, die sich Emma Ulrich nennt. Diese reist aber auch auf den Namen Weiß. Diese Person steht anfangs der dreißiger Jahre, mittlere Statur, blondes Haar und spricht ebenfalls ein reines, Deutsch. Gebürtig sollen beide Personen aus Ungarn sein. Sollten sie sich irgendwo blicken lassen, so ist deren Festnahme Die Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). kommen; und der kluge Knecht Ruprecht, ja selbst die Frau von Bredow hätte den tollen Jungen nicht zur Ruhe gebracht, un da fehlte nur ein Funke, daß es überall iner unterstanden, Eva Bredow„ein, sticguck Shgögre nennen oder gar, Aergezes, ich weiß es mupr. Hans Jü mußte es doch gehört haben; konnte ers errragen! Und als er mit der Faust auf den Tisch geschlagen, flog's ihn an, und ihm „Die Schandmäuler!“ riefen die Diener.„Wär's noch unsereins, aber unser Frölen!“—„Und unser Junker blutet,“ „Selbst verwundetz. Heishpichigte ber=uge. der Hans Jürgen unterfassen wollte,„schlug mit der Hand in „In ihre Hirnschädel will ich schlagen, und er hatte nach Hans Fürgen, Weiterfungel“ rief die Burgfrau, und. nach der Stange, die er wie eine Lanze in der Luft schwang. „Das sind des Kurfürsten Leute."„. „Schlimmers; flüsterte Kaspar ihm ins Ohr.„Sind unadlig und unehrlich. Büttelsknechte, nicht viel besser,#r#### Hans Jürgen gingen die Worte doch immer sehr verdrossen ab, wie einem Brunnen, wo man lange pumpen muß, dann erst kommt etwas Wasser. Die Landreiter mußten gut gepumpt haben, denn als er die Stange über sich mit beiden Händen virbelte, fuhr es, wie ein Fluß aus den Bergegihneugrper: fürst hin, Kurfürst her! So soll doch das Kreuz=Himmel=Donnerwetter drein schlagen.“ Aber da er der Base den Rücken wandte, schlug er nicht los. weil Eva vor ihm stand, die beiden kleinen Arme in ihren Hüften:„Hans Jürgen, willst du mich schlagen schien ihr schelmischer Blick zu sprechen, und was sonst wohl ihre Augen sprachen. Die Stange blieb zuerst ein weniges in der Luft schweben, dann senkte sie sich langsam, bis Eva mit einem leichten Sprung die Spitze ergriff, und mit einem Male lag sie auf der Erde.„Hans Jürgeg, sie spaßten ja; das Ding aber ist zu schwer zum Spaß.“ Hans Jürgen stand wie einer, der mit Wasser begossen ist, es muß aber nicht sehr kaltes Wasser gewesen sein. Er fror nicht, da ihn Eva bei beiden Ohrläppchen faßte und etwas links und etwas rechts zauste. Was sie dabei keiner; muß aber auch nichts Böses gewesen sein, denn sein GeDer Hausherr fortgeschleppt, Gott weiß wohin, Gott weiß voll Landreiter, die das Unterst zu oberst kehrten; Streit, Zank, Blut sogar; die Seeraben; der Meister Wundarzt, ein Neffe und künftiger Schwiegersohn halbtot oder geistlich; ach, und noch mancherlei Gedanken, die auch die frommste Frau um ihre Ruhe bringen. Was konnte da noch Leides hinzukommen! Und doch kam es. Ein Schrei aus der Torstube. Hans Jochem war der Verband aufgegangen, und das war auch noch nicht das Schlimmste; der Wachtmeister, der so was zu flicken verstand, wie er sagte, verband ihn wieder. Aber die Tochter Agnes, die stand da, wie ein Bild aus Stein, das sie an die Wand gelehnt. Sie hatte es gesehn, wie das Blut spritzte, und sah noch drauf wie mit gläsernen Augen, und konnte nicht den Arm rühren, noch den Kopf bewegen.„Das ist am End' noch schlimmer,“ dachte Frau von Bredow. Ein Starrkrampf geht schon vorüber, aber das kleine Herz schlug so stark nachher; dafür, dachte Frau von Bredow, muß ein Mittel sein, und schnell. Sie hatte sich den ganzen Abend mit der Tochter eingeschlossen, und Agnes lag auf ihren Knien wie ein Beichtkind vor der Mutter Schoß, und nun ihre Hand küssend, sagte Agnes:„Ja, so wird's am besten sein, Mutter.— „Und morgen in der Frühe, daß du ihn nicht wieder siehst.“— „Nein Mutter,“ sagte Agnes,„einmal noch, einmal noch, das hab' ich ihm versprochen, das muß ich. Wir sehn uns ja dann nimmer wieder.“ Die Mutter hatte den Kopf geschüttelt, aber doch nicht Nein gesagt. Wie hätte sie's auch mögen! Mit dem Knecht Ruprecht sprach sie am Abend noch vielerlei:„'s ist besser so, Ruprecht, du bleibst hier. Das versteht der Kaspar besser. Erst bringt er, verstehst du. mein Kind nach Spandow und dann die Würste nach Berlin." und der Junier““„.un uiuh gir A.n auch 1os. „Reitet mit nach Spandow. Dann sind wir den auch inn, hier finge der Ungeschick doch wieder neue Stänkerei an,“ wobei Frau von Bredow tiefer als sonst aufseufzte. Der kluge Knecht Ruprecht sagte im Hinausgehen:„Wie Gott es fügt. Der Mensch will manches zusammentun, und dann geht's doch auseinander, und was er zerschneiden will, das zut sich von selbst zusammen.“ „Das wäre ja schreck—“ fing Frau von Bredow an, aber sie verschluckte das Wort wieder und faltete ihre Hände zu einem Auch Agnes schien ein langes Gebet beendet zu haben und fühlte dann mit der einen kleinen Hand auf die Stirn des Kranken, der jetzt wieder sein Auge aufschlug. Er hatte zu viel vorhin gesprochen, daß er wieder ohnmächtig aufs Kissen zurückDer Morgen graute unheimlich durch das verhangene Fenster in das Krankenstüblein; ein Hahn fing schon an zu krähen und die der Welt ihr Valet gesagt, und das blasse Gesicht war doch nur das eines freundlichen Kindes.6 8 8 Nun sahen sie sich an wie zwei liebe, gute Freunde, die sich trennen müssen; er reichte ihr die Hand. „Das ist lieb von dir, daß du noch da bist.“ „Du wolltest mir ja noch sagen, wie alles so gekommen ist.“ „Ach Agnes. noch iklimmert mir's vor den Augen wie einem, denk' ich mir, sein muß, der lange, lange blind war, und plötzlich gehn ihm die Augen auf und grade geht auch die Sonne auf; das sticht, glänzt, tanzt um ihn. Es ist einem so wohl und auch so „Daß die Wölfe nur nicht ran Lamen wie du da lagst, das Er atmete tief auf, dann hub er an:„Der Schmerz war wohl. schrecklich, aber es ward gleich Nacht um mich. Das Blut, das aus der Wunde floß, kam mir wie ein Balsam vor, der sanft um die Glieder leckte. Da hörte ich auch nicht mehr die Wölfe heulen, auch die Raubvögel in den Aesten, die ihre Flügel schlugen. und mit den feurigen Augen und den grimmigen Schnäbeln, gierig auf mich schauten, ließen die Flügel sinken und zogen die ins Gefieder und nickten auf den Zweigen, bis alles nickte, alles zu schlafen schien, die Blätter, die Sträucher. Die Würmer nagten nicht im Holz, die Frösche schrien nicht mehr. O da wär's mir auch lieb gewesen, so einzuschlafen, und da kam es—“ „Du wachtest auf.“...... g6i6 1urM „So denk' ich, muß einem sein, der vom Blitz getroffen ward. Ich wachte nicht, ich schlief nicht; ich konnte mich nicht regen, ich war aber auch nicht gebunden. Als wie ein Quell, der durchbricht, war es, so sickerte, pulste und strömte es durch die Adern mir; o nun fühlte ich, nun sah ich, was ich nicht aussprechen kann.“ Agnes senkte errötend die Augen. „Es war etwas gesprengt wie ein Eisenband, das um dir Brust mir gelegen; wie auf einen hohen Turm war ich gehoben und sah weit umher die Wege, Felder, Städte, die Pfade, wo ich gegangen, die Mauern fielen, die Berge sanken vor meinem, Blicke. Da war mir unaussprechlich wohl und weh. Es war eine andere Luft, ein anderes Wehen, so rein durchströmte es mich. Wie gern hätte ich mich da oben gehalten in der Herrlichkeit; selbst die Torheit, die ich hinter mir sah, war nur wie ein leiser Schattenstreif, der in Nichts verschwindet, wenn die Sonne zur Mittagshöhe steigt. Ich hätte fliegen mögen; aber dann war, ich plötzlich von der schönen luftigen Höhe versunken, tief, ties unten. Lag wieder angeschmiedet, angelötet an den Felsblock; wie schwer waren die Glieder, ringsum Nacht, Wüste, GrauenDie Raubvögel reckten wieder ihre Hälse. Was jagte, was tobte, was tanzte um mich! Ein Zug, der kein Ende nehmen wollte. Alle meine Torheiten. aller Schabernack, den ich im Mutwillen, verübt, ach, den ich längst vergessen hatte, jeder eitle Wunsch, jeder dumme Spaß schoß vor mir auf, ein seelenloser Kobold, der seine Künste zeigen wollte. Da gingen ein paar Stelzen mit durch die Polizei zu bewerkstelligen und die Kriminalpolizei sofort zu verständigen. Das Parteisekretariat Nürnberg. Ein Experiment der schwedischen Parteipresse. Stockholms „Socialdemokraten“ wird vom 1. Januar 1910 ab in einer besonders billigen Landauflage erscheinen, die für dieProletarier in den von der Hauptstadt mehr entfernt enigen„Frgr##en von der Haupistadt mehr entserst liegenden Landorten bestimmt ist, denen der Abonnementspreis der Hauptauflage— 10 Kronen fürs ganze Jahr, 90 Oere für eno nicht erschwinglich erscheint. In der Landauflage „#t Wezat nicht erschwinglich erscheint. In der Landauflage wiro das Blatt in etwas geringerem umfange herauskommen und nur 6 Kronen das Jahr, 60 Oere den Monat kosten.— In Schweden sind durch den gewaltigen wirtschaftlichen Kampf dieses Sommers die Klassengegensätze schärfer als je geworden. Die Massen des arbeitenden Volkes sahen, wie sie von den bürgerlichen Blättern, guch solchen, die sich sonst recht freisinnig und zelassen wurden. Sie boy polisfreundlich gebäpdeen die sich sonst recht freisinnig und vonsfreundisch gebarbeten, im Stich gelassen hurben. Sie boh; tottierten diese Blätter.„Socialdemokratens“ Abonnentenzahl ist seitdem auf fast das Doppelte gestiegen. Aber namentlich in der weiteren Umgegend Stockholms waren noch manche Proletarier, die bei ihrem elenden Einkommen auf die billigen, mit ungeheuren Massen von Annoncen überladenen Kapitalistenblätter abonniert hatten, um überhaupt eine Zeitung zu haben. Ihnen wird nun Gelegenheit geboten, das Zentralorgan ihrer eigenen Partei in der billigen Landauflage zu hatten. Gewerkschaftsbewegung. Die Absicht der Zechengewaltigen im rheinisch= westfälischen Kohlengebiet, einen Zwangsarbeitsnachweis einzuführen, hat zur Aufrüttelung der den Organisationen der Bergarbeiter noch fernstehenden Arbeiter ein gut Teil beigetragen. Ueber 2500 Neuaufnahmen sind durch Hausagitation allein vom Bergarbeiterverband gemacht worden. Wie die neueste Nummer der„Bergarbeiter=Zeitung“ mitteilt, ist nicht nur die Scharte ausgewetzt, die die wirtschaftliche Krise im Frühjahr und Sommer geschlagen, sondern die Mitgliederzahl hat sich weit über den alten Stand hinaus gehoben. So hat z. B. die Zahlstelle Brambauer(in runden Ziffern) durch die letzte Hausagitation 110 Mitglieder gewonnen, die Zahlstellen Schmidthorst 100, Erle I und II 170, Recklinghausen=Süd 110, Westenfeld 80, Wattenscheid 220, Rotthausen 100, Herne 125, Dortmund 150, Suderwich 80, Fahrn 30, Gladbeck 60, Rentfort 75, Bottrop 50, Osterfeld 50, Hamme 140, Bochum(Stadt) 70, Altenbochum 65, Bismarck 100, Ober=Marxloh 110, Hamborn 100, Herten 100, Hövel 50, Horstermark und Horst a. E zusammen 280, Hüls 50, Mörs 65 Mitglieder. In gleicher Weise machten andere Zahlstellen Fortschritte. Von dieser Agitation profitiert auch nicht zuletzt die Parteipresse. Das„Bochumer Volksblatt“ hat z. B. durch Hausagitation seit dem 1. Oktober d. J. über 3000 neue Abonnenten gewonnen und seine Auflage über 16000 Exemplare gesteigert. Aehnliche Fortschritte hat die Parteipresse in den übrigen Revieren des Industriebezirks zu verzeichnen. Von den Gelben. Die Gelben scheinen zu fürchten, daß sie am Ende ihrer Ausdehnungsmöglichkeit angelangt sind, soweit die Arbeiterschaft in Frage kommt. Der Werkverein des KruppGrusonwerkes in Magdeburg geht jetzt mit dem Plan um, seine Satzungen dahin zu andern, daß alle Angestellten und Beamten des Werkes, sowie alle Lehrlinge als außerordentliche Mitglieder ausgenommen werden können, d. h. sich aufnehmen lassen müssen. Die Beamten sollen ihren Jahresbeitrag selbst bestimmen. Eine sehr gescheite Idee, denn alle„gutgesinnten“ Beamten werden wetteifern darin, möglichst viel zu zahlen, und alle anderen werden mitmachen müssen, wenn sie sich die Gunst der Firma nicht verscherzen wollen. Die Lehrlinge sollen nur 50 Pfg, jährlich an Beitrag zahlen. Alle außerordentlichen Mitglieder sollen in den Versammlungen aber nur beratende und nicht beschließende Stimmen haben. Recht sonderbar klingt die weitere Bestimmung, die man treffen will, nämlich, daß zu den vorberatenden Vorstands= und Vertrauensmännersitzungen nicht nur den Mitgliedern, sondern „allen Werkskollegen, gleichgiltig, welcher politischen Partei sie angehören, die Teilnahme mit beratender Stimme gestattet“ sein soll. Will man damit Leute in die Falle locken und ihnen gegebenenfalls einen Strick daraus drehen, wenn sie einmal in einer solchen Sitzung ein Wörtchen gegen die Firma zu jagen wagen? weißen Bettüchern und verfolgten ein armes Weib, das vor ihnen floh. Sie stürzte auf mich zu, sie rief um Hilfe. Ach, ich war es ja selbst, der sie jagte. Da summte eine Bremse um mich, immer weiter und immer größer, jetzt ward's ein Kalb, das ich geneckt und gequält, jetzt ein Pferd, das atemlos um mich galoppierte. Das arme Tier, es keuchte, gern hätte ich's gehalten; aber ein Paar Sporen schlugen blutig tief in seine Weichen. Es waren meine Sporen; ich hatte es zu Tode geritten aus flogen bunte Mützen durch die Luft, Fangebälle der Kobolde; ich konnte sie nicht bunt genug haben, nicht oft genug wechseln. Hupp, hupp, da tanzten ein paar Locken! Der Adelheid Marwitz ihre, die konnt ich nun gar nicht erst aus den Augen kriegen. Und dann Wirbel und Wirbel. Ach die Weisen, an denen ich mich sonst nicht satt hören konnte, summten und summten ohne Aufhören, daß ich wünschte, die Wölfe möchten nur wieder heulen, damit das wüste, dumpfe Einerlei fort wäre. Da galoppierte ich hinter dem Ritter Lindenberg, und der helle Angstschweiß stand mir auf der Stirn; nun sah, nun wußte ich ja, wie schlecht das war, und doch mußte ich ihnen nach und immer nach, und sie lachten mich aus, und nun konnte ich mich wieder nicht rühren, und oben glänzte die Morgensonne auf die lichte Turmhöhe, wo ich gewesen, und ich reckte meine Arme verlangend hin; aber eine Stimme rief:„Was willst du hier? Dein höchster Wunsch ist da!“ Und vor mir fältete sich's aus, Bas erst aussah, wie eine Binsenmatte, dann ward es bunt, weit, Länder und Puffen, die Pluderhosen des Krämers. Als führe ein Wino hinein, blähten sie sich, sie wurden wie ein Baum, wie ein Turm, bis zu den Wolken, ein scheußliches Gespenst, und heraus rutschte es, eins, zwei, drei wieder andere Hosen, kleine, große, o zehn, hundert, tausend und sie faßten sich an, und tanzten um mich im Reigen. Immer enger, immer enger. Ich meinte, vorm Staub zu ersticken, bis ich aus der gepreßten Kehle um Hilfe schrie. Da rief die Stimme:„Was willst du Hilfe vor dem, was deine Wonne ist! Ging doch dein Sinnen und Trachten nach dem Eitlen. Wer schalem Witz und hohlem Spaß sein Leben lang nachtäuft, der kann in unserer Luft nicht atmen. Der Staub, den die Sohlen der Tänzer aufwirbeln, ist dein Aether. Zum Lender würde ja deinem Ohre der Chorgesang der Engel!“ Der Kranke atmele schwer auf, und die Lippen bewegten sich, ohne Töne vorzubringen. Agnes faltete ihre Hände über ihm zu einem stummen Gebet. Als lauschte er mit Wohlgefallen den Tönen, die doch nicht über ihre Lippen kamen, winkte er ihr zu. Er hatte die Sprache wieder gewonnen:„So sah ich dich da in deinem Kämmerlein so hast du für mich gebetet. Du warst aus dem Bett gehuscht, über der Schwester Bett beugtest du dich, ob sie schliefe, dann warfst du dich vor das Betpult; durch die zerprochene Fensterscheibe wehte der Wind, und lüftete das Tüchlein an deiner Schutter—“ Sie wollte ihm die Hand vor den Mund halten:„Heilige Mutter Gottes—“ Ein Vergarbeiterstreik besteht auf der Gruben= und Bei Wtgtein Sprschweiter in Pothringen.“ Ena 10 organinerte Arbeiter streiken wegen der überaus hohen gelder und weil sie auf Leitern die Schächte besteigen m wertsgesellschaft in Foriche ggs Eiwe 701 Iu Gies und aubenstehenden Werren gzot zustande Iäme, Wertegeseuschchiin Forschweiler in Lothringen: Enwu 7o, ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, der die Vorteile der außersundikatlichen Verkäufe sowohl für die Schmidtmanngruppe wie für die umerikanischen Kontrahenten illusorisch machen würde. Gleichviel, wie man sich zu dem Verhalten der Schmidtmanngruppe stellen mag, hier liegt die Tatsache vor, daß der preußische Handelsminister in Uebereinstimmueg mit der Reichsregierung den Leitern von zwei Kaligesellschaften schwere Schädigungen der ihnen anvertrauten Unternehmungen durch besondere für den Fall angedroht hat, daß sie, Strafein gefährlicher und zeitraubender Weg, um zum Abeitsort zu gelangen. Sie verlangen, daß sie mit Förderkörben in die Schächte transportiert werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Streik an Umfang zunimmt. Zum Reichstarifvertrag im Malergewerbe nahmen Versammlungen in Wiesbaden und Umgegend Stellung. Nahezu einstmmig wurde dem Reichstarif zugestimmt, ebenso den weiteren zentralen Verhandlungen über Lohnverhältnisse und Arbeitszeit. Der Reichstarif ist nunmehr im 2. Bezirk mit übergroßer Mehrheit angenommen, auch den weiteren zentralen Verhandlungen über Lohn= und Arbeitsverhältnisse wurde überall im Bezirk nahezu einstimmig zugestimmt. Die im Bezirk Rheinland und Westfalen organisierten Maler und Anstreicher nahmen bisher in 16 Städten zu dem Reichstarifmuster Stellung; wovon in 18 Orten— darunter Düsseldorf. Dortmund, Barmen. Bielefeld— die zahlreich Erschienenen dem Reichstarifmuster und der Weiterverhandlung durch die zentrale Verhandlungskommission mit großer Majorität zustimmten. In den Versammlungen kam der Diskussion zum Ausdruck, daß dem endgiltigen Abschluß des Tarifs nur dann zugestimmt werden könne, wenn er wesentliche Verbesserungen in der Frage des Lohnes und der Arbeitszeit bringt. Dagegen wurde in den ebenfalls zahlreich besuchten Versammlungen in Hagen und Essen das Reichstarifmuster mit kleiner, und in Köln mit großer Majorität abgelehnt. In Posen hat eine Malerversammlung nach lebhafter Debatte in geheimer Abstimmung den Reichstarif abgelehnt. Flaue in der Glasindustrie. Auf der Flensburger Glashütte(Besitzer E. Feldmann) wurde am Donnerstag etwa 80 Flaschenmachern und Arbeitern die Arbeit gekündigt. Bei bestehender 14tägiger Kündigung werden die Arbeiter asso gerade zu Weihnachten arbeitslos. Die Kündigung soll sich wegen Reparaturbedürftigkeit eines Ofens notwendig machen. Dabei steht ein anderer Ofen fix und fertig da und wird nicht in Betrieb gesetzt. Der Besitzer der Glashütte ist Millionär. Bemerkt sei noch, daß zu Anfang des Jahres die dortigen Glasmacher in 3 Schichten arbeiten mußten und erst kurze Zeit wieder voll beschäftigt waren, so daß die Folgen der ersten Arbeitseinschränkung jetzt noch nicht überwunden waren. Unternehmungen, anschließen. Mit den allerschärfsten Mitteln ist das Direktorium von zwei Gesellschaften zum Anschluß an eine Unternehmervereinigung gezwungen worden. Am Freitag hat der Aufsichtsrat des Kalisyndikats mit den Vertretern von Aschersleben und Sollstedt den notariellen Vertrag oollzogen, der vorsieht, daß die Schmidtmanngruppe mit ihren Unternehmungen gebunden ist, während dem Syndikat das Recht zusteht, bis zum 2. Januar 1910 vom Vertrage zurückzutreten. Mit den amerikanischen Trusts werden neue Verhandlungen eingeleitet. Es verlautet, daß trotz der Einigung im Kalisyndikat die Regierung ein Kaligesetz einbringen wird, doch dieser Entwurf wird die gegen die Schmidtmanngruppe besonders gerichteten Bestimmungen, wie sie geplant und angedroht waren, nicht mehr enthalten. So ist durch den Terrorismus der preußischen Regierung die Einigkeit in der Kaliindustrie hergestellt worden, im Interesse des Großkapitals hat dieselbe Regierung die Unternehmer zum. Husamm hlng gxzigungen, die Maschinengewehte nehmer zum Zusammenschluß gezwungen, die Maschinengewehre auffahren läßt, wenn Arveiter das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht gegen freche Unternehmerwillkür verteidigen. Militärisches. Indu strie, Handel und Verkehr. Ki Der preußische Kalisieg. Die préußische Regierung hat einen Sieg erfochten: die Tifferenzen im Kalisyndikat sind beigelegt. die Gesellschaften Aschersleben und Sollstedt haben sich dem Syndikat angeschlossen. Diese Einigung ist nicht das Ergebnis friedlicher Verhandlung und Ueberredung, sondern der Erfolg einer terroristischen Politik, wie sie offener und schroffer nicht gedacht werden kann. Unter Führung des Herrn Schmidtmann hatten die beiden genannten Kaligesellschaften kurz vor der Erneuerung des Syndikats außersyndikatsiche Lieferungsverträge mit amerikanischen Düngertrusts abgeschlossen und waren, da über die Uebernahme dieser Verträge durch das Syndikat keine Verständigung erzielt wurde, diesem selbst ferngeblieben. Die Abschlüsse mit den amerikanischen Trusts waren zu billigeren Preisen getätigt worden, als sie die Amerikaner bisher an das Syndikat gezahlt hatten, doch die Schmidtmannwerke hätten trotzdem einen noch erhöhten Nutzen dabei erzielt, weil sie ihre Produktion beliebig steigern konnten, während sie früher an die ihnen im Syndikat zugestandene geringere Beteiligungsmenge gebunden waren. Für das als Rumpforganiation bestehende Kalisyndikat ergab sich daraus die Notwendigkeit eines Preiskampfes mit der Schmidtmanngruppe in Amerika. Nun griff die Regierung ein, die bereits im Sommer während der Verhandlung über den von den Konservativen verlangten Kohlenausfuhrzoll erklärt hatte, daß sie für den Fall eines Nichtzustandekommens des Kalisyndikats die Einführung eines Kaliausfuhrzolles verlangen werde. Später hat der preußische Handelsminister aber noch viel direktere und unverhülltere Drohungen gegen die Schmidtmanngruppe gerichtet, um sie zum Syndikatsanschluß zu zwingen. Seit Wochen heben immer wieder diejenigen Blätter, die für die vollständige Erneuerung des Kalisyndikats sich ins Zeug legen, hervor, daß der preußische Handelsminister in bestimmtester Form versicherte, im Reichstage würde, wenn eine Einigung zwischen dem Sechs Jahre Gesängnis für eine in der Trunkenheit verübte Dummheit.„Vor dem Magdeburger Kriegsgericht stand der Arbeitssoldat Hermann Rose, der früher schon einmal wegen Gehorsamsverweigerung und Entfernung von der Truppe mit 3¼ Jahr Gefängnis bestraft worden war und sodann zum Arbeitssoldaten degradiert wurde. An einem freien Tage hatte er sich total betrunken— er hat für 8 Mark Bier und Schnaps konsumiert— und in der Trunkenheit sich wie ein Rasender gebärdet, allerhand Schimpfworte ausgestoßen, Fenster demoliert usw. usw. Der Vertreter der Anklage bezeichnete das Gebaren des Angeklagten als die schwersten Vergehen, die das Militärstrafgesetzbuch kennt. Er beantragte im einzelnen: fünfmal fünf Jahre und einmal drei Jahre Gefängnis, sowie verschiedene Arreststrafen. Der Verteidiger plädierte auf Freisprechung wegen sinnloser Betrunkenheit. Das Kriegsgericht verurteilte aber den bedauernswerten Menschen zu sechs Jahren Gefängnis und 14 Tagen Arrest. Kürzlich wurde ein Einjähriger bekanntlich von der Anklage des Mordes freigesprochen, weil er die Tat nach einer durchzechten Nacht im Dämmerzustande begangen hatte. Standesamts-Nachrichten. Bielefeld. In der Zeit vom 6. bis 11. Dezember d. J. sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Bäcker Gustav Husemann, Detmolderstraße 51; Arbeiter Hermann Schwarz, Petristr. 10; Fahrradhändler Gustav Voß, Kaiserstr. 149; Zuschneider Wilhelm Harland, Oststr. 12; Eisendreher Robert Rubberg, Hakenort 42; Eisendreher August Landwehrsamp, Feldstr. 60; Steinhauer Giovanni Gallo, Mellerstr. 32; Sandformer Wilhelm Senfleben, Mellerstr. 57: Eisendreher Heinrich Rodermund, Engerschestr. 36; Straßenbahnschaffner Wilhelm Kombrink, Kurzestr. 37; Werkmeister Paul Kuhn, Buddestr. 7. Töchter: Arbeiter Ferdinand Gehring, Bleichstr. 108; Schlosser Hermann Wehmeyer, Osnabrückerstr. 46; Kaufmann Karl Beyer. Hagenbruchstr. 10; Oberpostschaffner Wilhelm SteinThietenstr. 7; Hondgesiehreg, Gustav Warnecke Ellerst Er hörte wieder nicht, wie sie in ihrer Herzensangst sprach, daß er nicht lästern solle, daß die Heiligen allein den Hans Jürgen und den Ruprecht durch die Wildnis zu ihm geleitet, daß er gesund werden würde, wenn— Seine Pulse schlugen so seine Stirn brannte. „.„Der Wagen steht angespannt.“ Ich hör' die Rosse stampfen,“ flusterte sie.„Hans Jürgen wartet auch.“ „Worauf?“ fuhr der Fieberkranke auf.„Daß der Blitz niederschlag' in die trockene Wüste? O Agnes, ich allein kann's nicht, du mußt mir helfen.“ „Ich nicht, lieber Hans Jochem, bete zur Jungfrau Maria. Die wird dir helfen.“ Mir ist geholfen. Ich trank aus dem vollen Becher der Gnade. Aber die anderen, die noch dürtten, für die laß uns beten, für die Armen im Sande, und sie wissen nicht, was ihnen fehlt; denke doch, sie denken alle nichts! Hans Jürgen nicht— der Vater nicht— die Mutter nicht! In das Leben hinein, wie der Maulwurf.— Und sie fühlen nicht den Durst, das ist das Entsetzlichste.“ „Der Herr wird ihnen schon zu trinken geben.“ „Wo ist, der an den Fels sch ägt!— Ich stand auf dem Felu, Agnes,“ sprach er leise, sie mit krampfhaftem Druck an sich kamp. Thie).4e. Wheim„Steintump, Mhielenstr. 11 Hanreislehrer Gusage, Aghng getstr. 18; Möbelpolierer Eugen Tepel, Wittekindstr. 22a; Kesselheizer Friedrich Seppmann, Siegfriedstr. 1; Arbeiter Hermann Imkamp, Wertherstr. 89; Metallarbeiter Christian Böke, Wittekindstr. 14; Schlosser Heinrich Landwehr, Ehlentrupperweg 19; Uhrmacher August Ulrich, Brandenburgerstr. 12; Kanzleigehilfe Heinrich Schreck, Siekerwall ba; Arbeiter Martin Mamulla, Herforderstr. 220; Schlosser Albert Kespohl, Bürgerweg 89; Arbeiter Gottlieb Kobusch, Osnabrückerstr. 44; Kaufmann Friedrich Kriesten, Weststr. 88. SSterbefälle: Invalidenrentenempfänger Wilhelm Hentschel, 52 J.; Gerhard Blum, 1 Mon.; verw. Arbeiter Bitter, Hanne geb. Mänkowüllen 65### 20.; verw. ergeiteg Piter, F##00,„Montembuer, 65 J.; Spinnereiarbeiter Friedrich Neumann, 42 J.“ Ehefrau Arbeiter Zurmühlen, Anna geb. Otto, 22 J.; Maria Puls, 2 Mon.; Arbeitsinvalide Friedrich Schlewing, 80 S. Arbeiter Grsah Gersg 75.Pe Pricer B. 5h 2 J.; Maria Puls, 2 Mon.; Arbeitsinpalide Friedrich Se * F.: Marie Alsthoff utteibe, 10 J3., Laarie guthoff, 10 J.:, Unfallrentenempfänger Friedrick Stthoff, 10 J.:, Ugastentenempfunger Friebrich Hobein, 86 J.; Meta Hunger, 14 Jahre. Aufgebote: Arbeiter August Olderdissen, Feldstr. 57, Krämer, Pleichstr. 61; Paschigenschiasler„Eduard und Piepenbrock, Weststr. 7, und Anna Terius, Spinnereistr. 26; Lehrer Gustav Steineck, Neuenrade, und Dorothee Thöne, Göbenstr. 14; Arbeiter Adolf Husemann und Friedrike Sewing geb. Rabe, beide Stodtheiderstr. 74; Wäschereibesitzer Hermann Hempel und Wilhelmine Lütgert, beide Gr. Kurfürstenstr. 62; Buchdruckereifaktor Otto Reppich, Luisenstr. 12a, und Grete Wolff,„Detmolderstr. 118; Schneider Hermann Lindenhaum, sen. Tö „Die sah es auch und lächelte. Sie war es, die dich geweckt. Ich allein, Agnes, o wer hätte mein Gebet gehört! Die heiligen schutzpatrone, die den anderen sündigen Menschen helfen, wandten mir den Rücken Da hätte ich gelegen, bis mein Blut erstarrt war, bis die Wölfe— ich wäre ja ohne Heiligung, ohne Erkenntnis aus der Nacht hinübergegangen in die Ewigkeit. Die Liebe nur tat es, die nicht rechnet, die nicht fragt. Du schwebtest, ein Engel mit dem Palmenzweig, durch den Spuk. Du winktest, da betete ich zuerst, da wichen die häßlichen Bilder, du reichtest mir die Hand, da löste es sich, da atmete ich wieder, de hob ich mich auf, da—“ ziehend.„Du mußt mich nicht verraten. Ich say hinter mich in die Wüstenei. Ach, das sah gräßlich aus. Die schaukelten sich wie die Halme im Winde; die krochen hin und her, wie die Ameisen; die wirbelten und tanzten wie die Wassermücken im Sonnenstrahl. Alle wie die Tiere, die nach der Atzung wittern, den Kopf zur Erde, und keiner, keiner die Augen nach der Sonne.“ Das arme Mädchen und der Fieberkranke allein! Sie drückte ihm sanft seinen aufgerichteten Leib in die Kissen. Seine Hände glühten nicht so als sein Auge. für sie beten, Hans Jochem, gleich zum lieben Gott. Die Heiligen werden's uns wohl verzeihen—“ „Wir sind die Erwählten!. Wenn wir miteinander beten, öffnet sich das Himmelstor.“ „Mutter Gottes, verzeih' ihm die Sünde!“ „Die lächelt herab auf uns, daß wir—“. Die Ruhe schien einen Augenblick auf sein Gesicht zurückzukehren.—„Du und ich, wir gehörten zueinander und haben uns nicht gefunden. Das geht wohl so in der Wüste. Der Staub verwirrt auch die Erwählten. Nun erst, da wir hinaus sind, da ist's zu spät, meinst du. Nein. Agnes! Wenn du im Chor zu Spandow auf den Knien liegst, lieg' ich auch auf den Knien— wo— wo doch?— O du wirst von mir hören!— Was von mir hören! Du wirst deutlich hören mich beten, siehst mich knien, die Mauern zwischen uns sinken. Wir seh'n uns beide an wie die seligen Märtyrer auf den Bildern mit süßen Liebesblicken—“ „Ach, Himmelskönigin! Hans Jochem, das ist arge Sünde—“ „Sünde!“ rief er mit dem zufriedenen Lächeln eines Irren. „Uns kann sie nicht mehr berühren. Wir sind Erwählte, berufen, die anderen zu retten.— Sie schwimmen im Meer— das ist das Leere— sieh', sieh' die wenigen Wasserbläschen, die sich herausringen, o Gott, das sind die Gedanken; fischen wir— Netze hinein— eine Angel mit süßem Köder— Agnes, sieh' wie schwer ich ziehe— hilf mir— nun— nun—“ Was ihr nicht gelungen, wirkte die Erschöpfung. Er sank ohnmächtig zurück. # Agnes, rief der Mutter Stimme.„Agnes!“ wiederholte Hans Jürgen. Sie Wolf'#, Detmolzerstr, 1½8; Schneider Hermann Lindenbaun Bach 26, und Auguste Blome, Karlstr. 2; Zuschneider August Hummelsheim, Herford, und Henriette Schröder, Friedrich= straße 60. eschließungen: Pastor Johannes Wilken und Karoline Trosle; Bäckermeister und Restaurateur August Vahle und Magdalena Büscher; Eisendreher Heinrich Jakob und Johanne Makareinis; Schlachter Ludwig Unverzagt und Amalie Wiemke; Geschäftsreisender Walter Schillermann und Anna Altemeier; Klempner Ernst Herdzin und Helene Burghardt; Glasfortierer Wilhelm Wellmann und Frida Winkelmann geb. Warnecke; Zeichner Wilhelm Unger und Anna Lenze. Vereins-Kalender. Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“. Arbeiter=Sängerbund, Arbeiter=Turnerbund. Montag. Diskutierklub 8 Uhr im Restaurant„Stadt Bielefeld". Kegelklub„Neuntöter 8½ Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Güterslok. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. ###ersien., Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. Rheda. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Wirt August Kipp. Vidiumstraße. fahrerverein„Wanderer“ ½9 Uhr im„TiSchötmar. voli“. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langesto Fürgen. riß sich los; aber wandte sich wieder um, und zitternd sie, einen Kuß auf die Stirn des Chnmächtigen.„Mutter sieh, es nicht!— Mutter Gottes, verzeihe ihm und mir Sündel"(Forzsetzung folgt.) hauchte Gottes, Briefkasten der Redaktion. Rehme. Die betreffende Zuschrift heißt:„Das Gewerbe= und Kaufmannsgericht“ und kann bei jeder Postanstalt abonnier u. S. Lr, Sieker. Wenden Sie sich mit Ihrer Anfrage an das urbeiterserretariat Bielefeld, Turnerstraße. 45. 2. Feist. 88 u. Lise Zrage möchten vir mit ja beantworten. mischen, en mich richis shrig bleiben, sich nicht dazwischen Richen, des wird nichts ubtig blesben, als zum nächsten zugen Termin die Kündigung auszusprechen. IISIllSIlSIl! Extra-Eil 4 Ausserd II3IISIISII Stautiheal Montag, 7½ bis 10 L Gastspielpreise! Einmaliges Gastspiel der Kammerspiel=Ensembles unte von Marcell Golz. Laboremt (Lasst uns arbeiten. Drama in 3 Akten von Biö Björnson. Lydia... Wilhelmine Dienstag, 7½ bis 11 1 Zum 2. Male! Zum 2 Schauspiel=Novität: Der Graf von Chal Mittwoch, 7½ bis 10 1 — Gewöhnliche Operettenpr Unter persönlicher Leitung des nisten Herrn Georg Jarno a. — Zum 12. Male! Körster=Ch Omson Grammophonplati gibt es nicht, aber bis Wei verkaufe meine 3 Mark=Pl. den nie wiederkehrenden Pr 1.40 Mk. pro doppelseitige, große Platte, verblüffende stat art; Starkton-Radeln 20 20 Pfg.; Platten-Sprecha; von 6 Mk. an. Kleinste B wird ausgeführt. 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Dezember 1909 zu Mitgliedern der Handelskammer gewählt beziehungsweise wiedergewählt worden sind: a) für den Stadt= und Landkreis Bielefeld: Herr Walter Nagel, „ Konrad Bertelsmann(i. Fa. Bertelsmann u. Niemann), „ J. C. F. Buddeberg; b) für den Kreis Halle i. W.: Herr Gottlieb Buskühl; c) für den Kreis Herford: Herr Eduard Linnepeh; für den Kreis Höxter: Herr Wilhelm Oppermann; e) für den Kreis Lippstadt: Herr Joseph Schulte; t) für den Kreis Wiedenbrück: Herr Karl Stahl, „ Max Dittmann. Etwaige Einwendungen gegen die Wahlen sind bis zum 27. Dezember 1909 bei der Handelskammer einzubringen. Bielefeld, den 11. Dezember 1909. 6979 Der Vorsitzende: Der Geschäftsführer: Rempel, Kommerzienrat. Dr. Frhr. v. Ascheraden. d) Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, sowie für die zahlreichen Blumenspenden sagen wir allen Beteiligten unseren innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen 7002: W. Castrup. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Blumenspenden sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pastor Knolle sagen wir allen unsern tiefgefühlten Dank. 7013: Familie Fleer. Kleine Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in d#g Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. größte Auswahl, sehr billig, als: Kleiderschränke 25 Mk., Holzbettstellen 12 Mr., Waschtische 12 Mk. Divans 35 Mk., Küchenschränke 24 Mk., Topfschränke 15 Mk., Tische 8 Mk., Stühle 2 Mk., Trum aux mit Stufe 25 Mk., Flurgarderoben 14 Mk., Mairatzen 10 Mr, Kommoden 21 Mk., Vertikows 40 Mk, Schreibtische 45 Mk. Enorme Auswahl. Gute Verarbeitung. Besichtigung ohne Kauszwang. F.Mertens, Jahnsplaz. 15808 Weihrachtsaustelung in Haus= und Küchen=Geräten Th. 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Lieberme beklagt sich über die den Evangelischen Bu nicht zu unterstützen, die christlich=konfessior daß die Antisemiten los gegen die Soziald darauf ansehen würd Gleiche Brüder, gleich Mehrheit, gewinnt, andere Lösung. Wer Spitze ist, der ist für Kanzler zu ernennen wir wir den Fürsten links) Herr Wiemer der Reichstagseröffnu schwarz=biau.(Rufe arten muß man mit Präsident Graf E Witzen sprechen, so m (Große Heiterkeit.) Abg. Lieberma das Reich Schaden da uniform trug, und d Bülow, immer bei erschien?— Redner Meschoresgeist in Ki Mannesmann in Mai (Beifall rechts.) Staatssekretär v. redners über die Affä Weise um einen deut sehr komplizierte Rec internationales Schie Abg. Gröber(3 Parlamentarismus, zu Reichstagsbeschlüss im Ztr. und links.) keit im Etat bemüht, getragen, in der Kon seitigen.(Zuruf link Jagd gegen das Zen nicht so schlimm.(I träge wendet sich gege die Oeffentlichkeit au (Sehr richtig! im Zt sich gegen die salldeut in Ordnung. 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Vg.) beklagt sich über die„Hetze“ gegen die Steuerparteien, fordert den Evangelischen Bund auf, die ungläubigen Nationalliberalen nicht zu unterstützen, mahnt unter dem Beifall des Zentrums die christlich=konfessionellen Parteien zum Frieden, und erklärt, daß die Antisemiten zwar bei kommenden Wahlen bedingungslos gegen die Sozialdemokraten stimmen, aber sich die Liberalen darauf ansehen würden, ob es nicht von ihnen heißen müsse: Gleiche Brüder, gleiche Kappen. Wenn die Sozialdemokratie die Mehrheit gewinnt, dann erfordert das Staatsinteresse eine andere Lösung. Wer in Deutschland nicht für die monarchische Spitze ist, der ist für den Umsturz. Nur der Kaiser hat den Kanzler zu ernennen und zu entlassen. Es ist nicht wahr, daß wir wir den Fürsten Bülow gestürzt haben.(Lautes Gelächter links.) Herr Wiemer entrüstete sich, daß der Reichskanzler bei der Reichstagseröffnung eine Uniform getragen; sie war sogar schwarz=biau.(Rufe links: Fauler Witz!) Auf faule Redensarten muß man mit faulen Witzen antworten. Präsident Graf Stolberg: Wenn Sie hier von faulen Witzen sprechen, so meinen Sie hoffentlich keinen Abgeordneten. (Große Heiterkeit.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(fortfahrend): Hat das Reich Schaden davon gehabt, daß Bismarck immer Kürassieruniform trug, und daß der Schutzengel der Liberalen, Fürst Bülow, immer bei Reichstagseröffnungen in Husarenuniform erschien?— Redner verbreitet sich sodann ausführlich über den Meschoresgeist in Kiel, die nicht genügend geschützten Brüder Mannesmann in Marokko und über die Deutschen in Oesterreich. (Beifall rechts.) Staatssekretär v. Schön berichtigt die Darstellung des Vorredners über die Affäre Mannesmann. Es handelt sich in keiner Weise um einen deutsch=französischen Konflikt, sondern um eine sehr komplizierte Rechtsfrage, die durchaus geeignet ist für ein internationales Schiedsgerichtsverfahren. Abg. Gröber(Ztr.): Cs zeugt von wenig Achtung vor dem Parlamentarismus, daß der Bundesrat seine Entschließungen zu Reichstagsbeschlüssen so lange herausschiebt.(Sehr richtig! im Ztr. und links.) Das Zentrum hat sich immer um Sparsamkeit im Etat bemüht, aber die Liberalen haben vielfach dazu beigetragen, in der Kommission gemachte Abstriche wieder zu beseitigen.(Zuruf links: Feldjägerkorps!) Wenn Sie auf Ihrer Jagd gegen das Zentrum nur die Feldjäger finden, so ist das nicht so schlimm.(Heiterkeit im Ztr.)— Einer unserer Anträge wendet sich gegen die üble Praxis, bei Prozessen, in denen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen ist, Pressevertreter zuzulassen. Sehr richtig! im Ztr.), Daß unser Gesandter in Washington sich gegen die aubeutsche Publizistik gewandt hat, ist durchaus in Ordnung. Hat doch ein alldeutscher Journalist es fertig gebracht, allen Ernstes vorzuschlagen, Deutschland solle mit Hilfe einer Luftslotte Marokko, Vorderasien und Persien annektieren. (Stürmische Heiterkeit.) Herr Bassermann entschuldigte das Zusammengehen der Liberalen mit den Sozialdemokraten, in Baden zum Beispiel, mit dem bösen Beispiel des Zentrums. Aber die Liberalen haben diese Angewohnheit schon gehabt, ebe von einem Zentrumsbeispiel die Rede sein konnte.— Herr Bassermann hat seit Beginn der Bülospblockperiode als ihr Ziel bezeichnet: Kampf gegen Rom.(Lebhaftes Sehr richtig! im Ztr.) Der Haß gegen Rom ist so weit verbreitet, daß ein 13jähriges Schulmadchen(Lautes Lachen links) in einem Aufsatz zur Niederreißung der katholischen Kirchen und zur Verjagung der Katholiken auffordert.(Schallende Heiterkeit.) Und dann: Will man wissen, wie lebhaft der Haß gegen die katholische Kirche geschürt pird, so blicke man nur auf den Ferrerrummel. Der Anarchist Ferrer ist wegen seiner Taten gestraft, nicht wegen seiner Gesinnung. In seiner Schule war ein Plakat angeheftet, das die Existenz Gottes, des zukünftigen Lebens leugnet, alle Könige als Ungeheuer bezeichnet, zur Austreibung der Mönche und zur Liedermetzelung der Minister auffordert.(Hört, hört! im Ztr.) In Preußen würde man eine solche Schule auch nicht einen Tag duiden.(Zuruf rechts: Gott sei Dank!) Ferrer hat zur Proklamierung der Republik und zur Verbrennung der Klöster und Kirchen aufgefordert. In Deutschland würde man mit der Hinrichtung eines solchen Mannes nicht so lange gewartet haven. Sehr richtig! im Ztr. und rechts.] Von Herrn Harden(Lachen bei den Soz.] ist dieser Ferrerrummel gebührend gekennzeichnet worden.(Bravo! im Ztr.) Die Ferrerbewegung wandte sich nicht bloß gegen die katholische Kirche in Spanien, sondern gegen alle Kirchen und Christlichkeit. Besonders interessant war die Rede des Herrn Scheidemann. Also Ferrer ist der Kulturheros der Sozialdemokratie. Herr Scheidemann hat kein Wort des Tadels gefunden gegen die Greuel in Barcelona, so wenig wie Herr Bebel gegen die Greuel der Kommune.(Lebhafte Zustimmung rechts und im Ztr.) Angesichts einer solchen Rede, wie der des Herrn Scheidemann, müssen es sich alle bürgerlichen Parteien besonders überlegen, wie sie sich in Zukunft zur Soziald#mokratie stellen.(Aha! bei den Soz.) Der Kampf gegen die Sozialdemokratie wird aber erschwert durch die Selbstzerfleischung der bürgerlichen Parteien. Ich mache der Regierung, besonders auch der württembergischen, den Vorwurf, daß sie nicht mit der nötigen Promptheit für Aufklärung gesorgt hat.(Zustimmung im Ztr. und rechts.)— Das Zentrum ist durchaus keine konfessionelle Partei.(Lautes Lachen links.)— Redner verliest unter großer Heiterkeit der Linken die bekannte Erklärung der Zentrumsnotabeln.— Daß infolge der Erhöhung der Tabaksteuer zahlreiche Arbeiter brotlos geworden sind oder nach Weihnachten brotlos sein werden, stimmt.(Hört, hört! bei den Soz.] Wir haben aber nur für das Gesetz gestimmt, weil der Reichstag 4 Millionen für die brotlos werdenden Tabakarbeiter zur Verfügung gestellt hat. Bei der Ausführung dieses Beschlusses sind arge Mußgriffe vorgekommen und man hat die Gewährung der Unterstützung sogar zu Eingriffen in die Koalitionsfreiheit benutzt.(Hort, hört!) Eventuell muß der Reichstag einstimmig eine Enhöhung der Unterstützungssumme bewilligen. Auch die direkten Steuern treffen die Minderbemittelten härter als die Bemittelken.(Lachen links.) Läßt man aber ein ziemlich hohes Existenzminimum steuerfrei und schafft gleichzeitig die indirekten Steuern ab, so tragen nur die Besitzenden die Lasten des Staates, und das allgemeine Wahlrecht verliert seine Berechtigung. Die indirekten Steuern sind vie notwendige Ergänzung des allgemeinen Wahlrechts.(Sehr richtig! rechts, Lachen bei den Soz.) In der nationaltiveralen Partei herrscht Aussichtsratspolitik, und die Sozialdemokraten hoben sich nach Behauptungen aus ihren eigenen Reihen durch Börsenberichterst lonsteuer auchten nicht erst die Konserviitiven gegen die Erbschaftssteuer aufwiegeln, denn die Konservativen waren von Anfang an dabegen. Aber auch die Nationalliberalen waren anfangs dagegen, und die Sozialdemtokraten waren je nicht einig daruber, ob sie For.d das Zentrum, wrerden war, saram mitgearbeitet. Liberalismus kam unter die Räder. Der Blockreichstag sollte ihm wieder aufhelfen. Jetzt ist der Blockreichstag zu Ende, und die Liberalen rüsten sich zu den Neuwahlen. Wir werden kämpfen gegen die ganze liberale Wirtschaft und wir werden nicht alleinstehen. Bilden Sie, meine Herren Liberalen, nur ruhig den Großblock — und nun Adieu!(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Abg. Zimmermann(Antis.) klagt über die Herabsetzung der Alldeutschen durch den Botschafter in Washington und über die Disziplinierung des Oberpostassistenten Zollitsch, schilt auf die Ferrerbewegung und verteidigt die Haltung seines Fraktiönchens zur Finanzreform. Abg. Dr. Heinze(natl.): Unsere Stellung zur Finanz= reform war von Anfang bis zu Ende klar und widerspruchslos. Wir wollten 400 Millionen neue Steuern bewilligen, wenn daneben ausreichende Besitzsteuern geschaffen würden. Die Erbitterung über die Finanzreform ware noch größer gewesen, wenn auch wir dafür gestimmt hätten. Herr Scheidemann wies auf das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen hin. Speziell in Sachsen war das Resultat zu erwarten. Gegen eine Ueberflutung durch die Sozialdemokratie ist der Landtag geschützt, weil neben dem Prinzip der reinen Zahl beim Wahlrecht auch andere Faktoren zur Geltung kommen. Gewachsen ist die Sozialdemokratie freilich seit 1884 andauernd. Aber sie ist nicht dieselbe geblieben, sie hat viel Wasser in ihren Wein tun müssen. Ist doch in der letzten Nummer der„Sozialistischen Monatshefte“ darauf hingewiesen, daß sie sich auch mit dem Monurchismus abfinden kann. Gewachsen ist sie, weil Deutschland sich vom Agrarstaat zum Industriestaat entwickelt hat. Außerhalb der Kreise der Industriearbeiter hat sie keine Anhänger gewonnen. Herr Scheidemann spöttelte über die Neigung der Nationalliberalen zu Kompromissen. Die Sozialdemokraten haben das nicht nötig, weil sie nur eine homogene Bevölkerungsschicht vertreten. In der Notwendigkeit des Kompromißschließens liegt unsere Schwäche in den großen Industriegebieten, und in gewissen Landwirtschaftsgebieten mit einheitlicher Bevölkerung aber auch unsere Stärke und unsere Bedeutung für das Vaterland. Unsere Partei rekrutiert sich nicht aus einem einzigen Stande und vertritt keine einseitigen Interessen. Sie muß vielmehr zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen vermitteln, nur so ist in Deutschland eine nationale Politik möglich.(Lebhafte Zustimmung bei den Nationalliberalen,) Mit dem Evangelischen Bund verbindet uns der Gegensatz zum Zentrum aber eine konfessionelle Partei sind wir so wenig wie eine antikirchliche. Scharfe Aeußerungen fallen im Kampfe auf beiden Seiten, aber Aufsätze 13jähriger Schulmädchen, wie sie Herr Gröber heranzieht, sind kaum beweiskräftig.(Sehr gut! links.)— Protestieren muß ich gegen die Art und Weise, wie Herr Scheidemann von Bestechung, Korruption, moralischer Pest, Krawattenmacherei sprach und dabei auf meine Partei anspielte. Solche beweislosen Verdächtigungen fallen auf die Urheber zurück.(Lebhafte Zustimmung bei den Liberalen.) Wir treten für die Großindustrie ein, soweit sie einen Teil unseres gesamten Wirtschaftslebens bildet; aber ebenso sehr für Sozialpolitik, Mittelstand, Privat- und Staatsbeamten. Alle Sozialpolitik bleibt unfruchtbar, wenn anderweitige Gründe zur Mißstimmung vorhanden bleiben. Darum treten wir ein für ernsthafte Lösung der preußischen Wahlrechtsfrage. (Aha! rechts.) Der Standpunkt des Reichskanzlers, daß diese Dinge nicht in den Reichstag gehören, läßt sich nicht aufrecht erhalten. Haben doch jetzt selbst sogar die mecklenburgischen Regierungen ihren Standpunkt aufgegeben.(Lebhaftes wiederholtes Hört, hört! links.) Das Versprechen der preußischen Thronrede muß nicht nur formell, sondern auch materiell eingelöst werden. Namentlich muß in der Reform das geheime Wahlrecht enthalten sein.(Zurufe bei den Soz.: Weiter nichts?) In der Ostmarkenpolitik stehen wir nach wie vor auf unserm alten Standpunkt.(Leider! bei den Freis.) Höchst verwerflich ist es, daß das Zentrum sich auf die Seite der Polen stellt. Auch die konseroative Partei läßt neuerdings in ihrer Ostmarken= haltung zu wünschen übrig. Maßnahmen wie in Kattowitz lassen sich in dem Nationalitätenkampfe nicht vermeiden.(Unruhe bei Ztr., Polen, Soz. und Freis., Zurufe beim Ztr.: Echt liberal.) Abg. Dr. Höffel(Rp.) tritt den Entstellungen der alldeutschen Presse über die Vorgange bei der Enthüllung des französischen Kriegerdenluals bei Weißenburg entgegen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Montag 1 Uhr.(Außerdem die Freisinnsinterpellation über das Kalisyndikat.) Schluß ¾5 Uhr. 38. Delegiertenversammlung der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. (Unber. Nachdr. verb.) Ig. Berlin, 10. Dezember. (Dritter Tag.) Am heutigen dritten Verhandlungstage wurde zunächst die Generalversammlung der Witwen= und Waisen=Pensionsanstalt abgehalten, auf der ihr Obmann Heltzig=Weimar die beifällig ausgenommene Mitteilung machte, daß die Pensionen um 15 Prozent erhöht werden konnten. Auch die Bilanz der Sterbekasse zeigte ein günstiges Bild. In der Fortsetzung der Delegiertenversammlung selbst verwahrte sich Dr. Kase vom Stuttgarter Hoftheater gegen die gestrigen abfälligen Aeußerungen Gustav Rickelts über fürstliche Protektoren. Rickelt hat das wohl nicht so böse gemeint, aber diese Redewendung kann doch zu Mißverständnissen nach oben Anlaß geben. Deshalb wollen wir heute hier ausdrücklich konstatieren, was wir den Fürsten schuldig sind, die die Hoftheater erhalten und durch Gewährung von Benefizen uns Genossenschaftlern schon Hunderttusende geschenkt haben.— Präsident Nissen: Ich habe schon gestern konstatiert, daß wir gegen die deutschen Fürsten absolut nichts haben und daß es sich hier lediglich um die Zweckmäßigkeitsfrage handelt, ob wir Fürsten als Protektoren brauchen. Hierauf wurde die Beratung der Anträge fortgesetzt und zunächst ausführlich ein Antrag Maximilien Sladek=Berlin besprochen, der die Schaffung eines Solidaritätsfonds betrifft. Der Antrag lautet:„Die Delegiertenversammlung wolle behlichein einen Solidaritärzseper, ti, gründen, zur Abwehr untigter wirtschaftlicher Uebergriffe der Theaterunterneymer und Geltendmachung der Interessengemeinschaft der Genossenschaftler.— Rickelt=Berlin unterstützte den Antrag und will ihn noch dahin erweitert sehen, daß die Mittel des Fonds verwendet werden für die Erfüllung aller Theater mit genossenschaftlichem Geist. Wir wollen die Kunst nicht„veraschingern“, sondern jedes Theater soll seine persönliche Note behalten, wie jede Universität noch ihre persönliche Note hat. Aber wir wollen dafür sorgen, daß alle Theater sich auf genossenschaftlicher Grundlage aufbagen. Rickelt erinnerte dann noch an die Opferfreudigkeit der Arbeiter. Wenn die Schauspieler nur einen Teil dieser Opferfreudigkeit bewiesen, würden andere Verhältnisse beim Theater herrschen. Schließlich wandte sich Rickelt gegen die Wohltätigkeitsfeste, die immer noch veranstaltet werden müßten, um die notwendigen Mittel zu haben. Diese Feste seien doch im großen und ganzen nur eine Schnorrerei. Es sei freier Künstler eigentlich unwürdig, von der Wohltätigkeit zu leben. Der Emanzipationskampf müßte mit eigenen Mitteln geführt werden.(Stürm. Beifall.) Auch von anderer Seite wurde betont, daß man die Mittel zu dem Solidaritätsfonds nicht durch wohltätige Veranstaltungen und auch nicht durch freiwillige Beiträge aufbringen dürfte, sondern durch einen obligatorischen, für alle Mitglieder geltenden Beitrag. Zum Kriegführen gehört Geld, und das Geld zu unserem Kampf dürfen wir nicht von den Klassen nehmen, gegen die der Krieg geführt wird.— Von anderer Seite wurde diesen Ausführungen jedoch widersprochen. Die Genossenschaftsfeste könnten nicht mit Schnorrerei verglichen werden. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde beschlossen, dem Solidaritäts- u. Aktionsfonds 50000 Mk. aus dem Genossenzuzuwenden.— Hierauf hielt Rickelt=Berlin eine länger Anklagerede gegen den Direktor Dalberg=Riga. Er hebt hervor, daß trotz der Stellungnahme der Genossenschaft gegen Talberg Mitglieder dem Direktor eine Vertrauenskundgebung bereitet haben, natürlich auf Betreiben und gezwungen von Dalberg. Redner beantragt, die Namen der Mitglieder, die gegen den genossenschaftlichen Geist verstoßen haben, in der„Genossenschaftszeitung“ offentlich zu nennen.— Hierauf gab Präsident Nissen den Vorsitz an Mylius=Hamburg ab, weil jetzt sein Streitfall mit dem Regisseur vom Deutschen Theater, Dr. Blümler, erledigt werden soll, der in Verfolg der Affäre des entlassenen Redakteurs Herbert Walden entstanden ist. Dr. Blümler hat in einer Zeitschrift zugunsten seines Freundes Walden schwer verletzende Artikel gegen den Präsidenten und die Leitung der Genossenschaft veröffentlicht.— Nissen teilt mit, daß ihm bereits durch Gerichtsurteil in zwei Instanzen gegenüber Walden Recht gegeben worden sei. Das Urteil des Landgerichts habe ausgesprochen, daß die Geschäftsführung Waldens eine leichtfertige war und er sich seinen kontraktlichen Verpflichtungen entzogen habe, die Entlassung also berechtigt war.— Dr. Blümler nimmt das Wort zur Verteidigung, wird aber fortwährend durch Präsident Nissen und Delegierte unterbrochen. Es entstehen große Lärmszenen und ein Tumult ähnlich dem im Vorjahre, als das alte Präsidium abtrat. Es gab Augenblicke, wo der Tumult in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Dr. Blümler gibt eine Darstellung der Entlassung Waldens, wie sie ihm von Walden mitgeteilt wurde. Er erwähnt dabei auch, daß Rickelt bei einem Inserat, das er für die„Genossenschaftszeitung“ aquiriert hatte, eine Provision erhalten sollte, was bei einem großen Teil der Delegierten Verwunderung erregt.— Die Versammlung beschließt, die Verhandlungen so lange auszusetzen, bis der wegen einer Theaterprobe abwesende Rickelt wieder im Saale erschienen ist. Nach Wiedereröffnung der Sitzung gibt der Vorsitzende Mylius ein Schreiben des Dr. Blümler bekannt, in dem dieser erklärt, daß er bei der Zusammensetzung des Auditoriums und bei der unfreundlichen Stimmung, der seine ersten Ausführungen begegnet seien, darauf verzichte, seine Verteidigung weiter zu führen. Er erklärt, daß er nur in Verteidigung eines Freundes gehandelt habe, von dessen Bedeutung und Fehlerlosigkeit er aufs tiefste überzeugt sei, und daß er alle Folgen seines Schrittes vor Gericht auf sich nehmen werde.— Rickelt erklärt unter Zustimmung des Präsidiums, daß auf Aufforderung des neuengagierten Redakteurs Walden sämtliche Mitglieder der Genossenschaftsleitung aufgefordert worden seien, für die neue Zeitung Inserate zu aquirieren und daß ihnen dafür eine Provision gutgeschrieben werden sollte. Er habe durch einen Freund einen großen, auf drei Jahre lautenden Inseratenauftrag erhalten und Walden habe ihm die Provision angewiesen. Zur Auszahlung sei es indessen nicht gekommen, da inzwischen die Entlassung Waldens erfolgt sei, und inzwischen von maßgebender Stelle erklärt war, daß dieser Inseratenauftrag von Walden zu billig abgegeben worden sei. Daraufhin verzichtete er, Rickelt, freiwillig auf jede Provision.— Die Versammlung erklärt einstimmig, daß sie von der Ehrenhaftigkeit Rickelts vollständig überzeugt sei. Es kommen dann eine Anzahl Anträge zur Verhandlung. die eine Verringerung des Zulaufs zum Theater, die Verhältnisse der sogenannten Theater= und Musikschulen, sowie der privaten dramatischen Lehrer behandeln.— Dr. Thumser-Dusseldorf tritt für eine Verstaatlichung der Theaterschulen ein. Er polemisiert gegen die Anschauungen, die der Wiener Hofburgschauspieler Ferdinand Gregory zugunsten staatlicher Theaterschulen in Zeitungen und Zeitschriften niedergelegt hat. Er wunscht, daß die Genossenschaft sich mit den Ministerien der Einzelstaaten in Verbindung setze, um Unterstützung für die einzelnen Akademien zu erhalten, unter der Voraussetzung, daß die Lehrkräfte nach dem Gutachten der Genossenschaft geeignet zur Ausbildung von Schauspielern sind. Zugleich sollte man in der Presse vor dem Zulauf zum Theater warnen und Aufklärung über die elenden Zustände im Schauspielerstande verbreiten.— Theodor Brandt vom Wiener Hofburg=Theater wendet sich dagegen, daß jede staatliche Theaterschule perhorresziert werde. In Wien habe man mit den staatlichen Schaupielkonservatorien sehr gute Erfahrungen gemacht. Vor allen Tingen werden auf staatlichen Schulen nicht talentlose Schüler nur wegen des Lehrgeldes, das sie zahlen, behalten, was doch der Krebsschaden der Privatinstitute sei. In Wien habe sich jetzt nach der Gründung des staatlichen Konservatoriums eine Privatakademie aufgetan, die mit Namen von ersten Schauspielern als Lehrkräften figuriere, die aber zum Teil gar nicht mehr in Wien engagiert seien und von denen auch nur der kleinste Teil überhaupt dort Unterricht erteile.— Sämtliche Anträge werden einer Kommission zur Vorprüfung überwiesen. Die Versammlung wendet sich darauf einem Antrag StarkBerlin und ähnlichen Anträgen zu, die eine Kartellierung bezwecken. Der Antrag Stark lautet: Das Präsidium zu beauftragen, mit dem Verband der Deutschen Bühnenschriftsteller, dem Allgemeinen Deutschen Musikerverband, dem Allgemeinen Chorsängerverband und der Vereinigung der technischen Bühnenvorstände zwecks Abschluß von Kartellverträgen zur Verfolgung der gemeinsamen Interessen aller Beteiligten in Verhandlungen zu treten und ihm Vollmacht zu erteilen, die nötigen Verträge abzuschließen.— Stark=Berlin teilt mit, daß er sich mit den maßgebenden Personen dieser einzelnen Verbände in Verbindung gesetzt und dort große Geneigtheit zur Kartellierung gefunden habe.— Nach längerer Devatte wird der Antrag einstimmig angenommen und einer Kommission zur weiteren Ausarbeitung überwiesen. Diese Kommission besteht aus folgenden 12 Herren, falls dieselben die Wahl annehmen: Max Pategg, Emanuel Reciher, Patry, Köhler, Krausneck, Stark, KleinRhoden, Fuchs, Rickelt, Nissen, sämtlich aus Berlin, WindsLeipzig und Jeßner=Hamburg. Schließlich wurde der von mehreren Lokalverbänden gestellte Antrag, auf eine Minimalgage von 100 Mk. hinzuwirken, angenommen. Das Mitglied des Zentralausschusses, Paschen, kommt auf die Affäre Zickel und den Brief an Schauspielerin Fräulein Fels zuruck. In der Affäre sei auch Frau Dr. Zickel schwer kompromittiert. Frau Dr. Zickel habe den Brief an Fräulein Fels unter dem Druck ganz außerordentlich widriger Verhältnisse geschrieben. Die Delegierten sollten keine allzu ungünstigen Schlußfolgerungen für Frau Dr. Zickel aus diesem Briefe ziehen. Die übrigen Anträge werden bis zu einer eventuell für die Osterfeiertage einzuberufenden Delegiertenversammlung verschoben. Mit einem Schlußwort des Präsidenten Nissen wurde hierau! die Delegiertenversammlung geschlossen. Erscheint 8. wöchentlich. en." Bezagsadchen-Verheichme. — Abzahlungsgeschäfte 2 Dircksen, I Arndistraße 2#, Ei. Uncen, z., EckeBahnhofst. Möbel aller Art, Herde, Uhren u. Kinderwagen, Herren- u. KnabenAnzüge, Kompl. Betten. arry Dreyer oobenst. k. itohenreie detränhe) BIIZ, Vertr. W. Festing Sinalco Blelefeld.## Wassler, Tch., Lühloener. 1. Pastor Feikos Corrt Vertr. J. Rosen, Blelefeld. Aug. Sewing, Bielekeld uI. Spez Apfelperls u. Bipr a. Brauselin Trinkt Kochs Anteiperte. Pecher& Co., Herlord, gegenib U., d. Hauptbahnhof. Nur bewährte, preiswerte Qualitäten. Unübertroffene Reinigung von Federn und Daunen. Lagerbesuch erwünscht. Friedrich Wehmeyer. Betten kaufen Sie aus erster Hand im Bielefelder Bettenhaus: Viktoriastraße 63. asiensoernion ianee) Actien-Bierbrauerei ralkenkrug. Barkey, C., Weisbierbrauerei. Bielefelder Bierbrauerei Bahnhefstr. 9. Heiprichst. 7. edernstr. 39. 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Trotzdem ist Herr Klasing die St Schlevventräger der Schleppentrager der dem Volke, dann wür in Westfalen“ mit de in Weltsalen, mit de ist. Was nicht schon verloren ging, wird b Halle haben die Kon die Stimmung auf hoffen, daß auch die falen stürzen wird. bekannt sind, dann en versammlungen auf d daß der Eindruck, d ihn nicht zu Ausfü Junkern im„Rheing -Oder sollten die gegenseitig Mut zuzu ten Worte des Herr trübenden Wirklichke dieser Auffassung ko rücken zusamme Das Zusammenrücker gerissen werden. Wi und gut, wie immer fallen und daß das„ wird. Herr Klasing hat sagt, die wir nichti 500 Millionen neuer tun zu können: Was bedeutet tiven gegenüber Finanzreforn Herr Klasing, der Weltanschauung für anders. Bald so, ba in der Bielefelder zuwachssteuer berat „Kleinigkeit“ der Re Dr. Klasing das gas anschauung, um geger mögenskonfiskation“, Felde zu ziehen. 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