Abomzenengopreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. SG UTTToLoTTUTUU Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. zuiertionsbeets für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag der Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Nieleseld. Nr. 283. Bielefeld, Sonnabend, 4. Dezember 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Das Ende des schönen Traumes. Das Zentrum ist in vielen industriellen Wahlkreisen auf die Wählerstimmen der Arbeiter angewiesen. So ist gezwungen, ##bisweiten auch in Arbeiterfreundlichkeit zu machen, wenn es #ihm auch nicht immer ernst ist mit seinen Bemühungen um die Förderung der sozialpolitischen Gesetzgebung. Weit aufrichtiger ##betreibt das Zentrum die gesetzgeberische Fürsorge um das Wohl der Agrarier. Der Zolltarif des Jahres 1902 wäre nicht zustande gekommen, wenn nicht das Zentrum mit zu den eifrigsten Einpeitichern dieses Wuchergesetzes gehört hätte. Das hatte die Arbeiterschaft in zahlreichen katholischen Kreisen arg verstimmt und verbittert. Um die Erregung zu beschwichtigen, versprachen die Redner des Zentrums, bei der Beratung des Zolltarifs dafur Sorge tragen zu wollen, daß die Erträge der Agrarzölle bestimmt Awerden sollten zu der Fundierung einer Witwen= und WaisenAversicherung. In den§ 15 des Zolltarifgesetzes wurde denn auch auf den Antrag des Avg. Trimborn die Bestimmung ausgenommen, daß der auf den Kopf der Bevölterung entfallende Nettozollertrag aus der Einfuhr von Roggen, Weizen und Spelz, Rindvieh, Schafen usw. zur Durchführung eines Gesetzes für die Witwen= und Waisenversicherung zu verwenden sei. Am 1. Januar 1910 sollte dieses Gesetz in Kraft treien. Die freigebigen Zentrumsabgeordneten hatten versichert, daß die Ersträge aus den Zöllen so hoch werden würden, daß ohne Beiträge #der Versicherten die Witwen= und Waisenfürsorge durchgeführt ##werden könne. Obgleich die sozialdemokratischen Abgeordneten Aauf das Bedenkliche der Maßnahmen aufmerksam gemacht hatten, seine Versicherung aufzubauen auf die schwankenden Grundlagen von Zelleinnahmen, wurden die Zentrumsleute im Lande nicht üde, die Beschlüsse als eine sozialpolitische Tat zu preisen, um die Arbeiterwähler in den Glauben zu verzetzen, als ob für sie wirklich ein Ausgleich für die Verteuerung der Lebensmittel geschaften worden sei. Nun haben Lügen aber kurze Beine. Allerdings, über die Wahlen des Jahres 1903 hat die Phrase von der hohen sozialsolitischen Tat des Zentrums in bezug auf die Hinterbliebenenaus uch wrgehgelegz, Ader schon in Johre 106 selle sich heraus, daß es mit den Versprechungen des Zentrums nichts war. Die erhofften oder richtiger die versprochenen 70 Milsionen aus den Zollerträgen blieven aus, es kam nichts. Das bleiche negative Ergebnis zeitigte das Jahr 1908, und nur im ahre 1907 gingen etwa 42,4 Millionen Mark ein. Diese Tatsachen gaben schon im vergangenen Jahre dem damaligen Staatslekretär Gelegenheit, festzustellen, daß es mit dem„schönen Traum“ vorbei sei, die Versicherung ohne Beiträge der ArbeitGeber und der Arbeiter zu fundieren. Herr v. Bethmann Hollweg ist ein höflicher Mann, sonst pürde er für die Bemerkung über das Ende des schönen Traumes inen anderen Ausdruck gefunden haben.—— Aber die Regierung ist ja mitschuldig, mitschuldig an den geingen Erträgen, weil auf ihr Betreiben eine Position nach der inderen aus den Nummern des Zolltarifs, die die Agrarzölle bestimmten, gestrichen wurde, mitschuldig aber auch an der Verschleppung des Zustandekommens der Hinterbliebenenversicherung. Immer phrasenhafter erscheinen die Beteuerungen es Fürsten Bülow aus den Flitterwochen des Blockreichstags, anunerst recht“ für den deutschen Arbeiter sorgen zu wollen. ne der„positiven Leistungen" des verflossenen Reichskanzlers ##nd seiner Regierung! Die heutige Reichstagssitzung gestaltete sich zu einer wuchtiden Anklage gegen die„papierne Sozialpolitik“ der bürgerlichen sarteien. Das Zentrum freilich, gegen das sich heute die hhärfsten Angriffe richteten, glaubt entlastet zu sein, wenn es luf die unfruchtbare sozialpolitische Tätigkeit der Liberalen verheist, die in der Blockära es nicht vermocht haben, den sozialsolitischen Karren vorwärts zu treiben. Herr Mugdan liederum meinte, daß das Zentrum keine praktische, sondern ben die„papierne“ Sozialpolitik treibe, die die Trimborn und senossen den Liberalen vorhalten. Wer da recht hat, weiß ich nicht. Doch es will mich schier bedünken, Daß der Rabbi und der Mönch, Daß sie alle beide— riechen! Immerhin: Was Herr Mugdan heute ausführte, waren spfere Worte gegen das Doppelspiel des Zentrums und die uninnige und volksausplündernde Zollpolitik des Reiches. Seine bematigen Blockbrüder von der Rechten begleiteten seine Ausihrungen mit einem wüsten Halloh, ein Beweis, daß sie heute is Schwarze trafen. Hoffentlich hält diese Stimmung an und erfliegt nicht wieder in dem Augenblick, wo der neue Inhaber Es Kanzlerstuhles die Freisinnigen zur„positiven Mitarbeit" nladet. Der Vertreter der Nationalliberalen, Dr. Junck glaubte ks der Tatsache, daß die Erträge aus den Agrarzöllen nicht lichen, um die Versicherung zu fundieren, die Lehre ziehen zu lllen, daß wirtschaftspolitische Gejetze nicht mit sozialpolitischen Kaßnohmen in der hier beliebten Weise verquickt werden dürfen. Im zu dieser Erkenntnis zu gelangen, brauchte man wirklich Rs Fiasko der Trimbornzölle nicht erst abzuwarten. Aber auch Inst waren die kritischen Bemerkungen des nationalliberalen sedners sehr matt. Er wußte der bitteren Notwendigkeit, die sersicherung zu vertagen, sogar noch gute Seiten abzugewinnen: #r folgert aus der Tatsache, daß der Fonds aus den Agrarzöllen sne so geringe Höhe erreicht hat, daß es der Landwirtschaft sehr Et gehen müsse. Hätte er Großgrundbesitzer gesagt, käre es richtig gewesen. Daß darüber aber ein Nationalliberaler dieser Zeit und angesichts der letzten politischen Vorgänge liner besonderen Genugtuung Ausdruck gibt, ist ein Beweis für, daß die Neigungen der Nationaltiberalen, mit den sgrariern anzubiedern, noch um nichts gemindert sind. Dafür annte Herr Dr. Junck aber auch das Lob der Konservativen Richthofen und Linz einstreichen, die sich ganz mit seinen susführungen einverstanden erklärten. Schonungslos deckte Molkenbuhr das Agitationsmanö#r des Zentrums, Witwen= und Waisenversicherung genannt, f. An Hand seiner sorgjältigen Berechnungen, deren RichtigEit vom Staatssekretär Delbrück später ausdrücklich zugeben wurde, bewies der sozialdemokratische Redner, in welcher Höhe die Witwen und Waisen durch den Zolltarif in ihrer Lebenshaltung durch die Verteuerung des Brotes und des Fleisches geschädigt sind und welchen Ersatz dafür das Zentrum den Arbeitern zu bieten wagt. Die Zentrumsleute wurden immer verlegener, und auch Herr Trimborn, dem sonst ein derbes kölnisches Witzchen manchmal über üble Situationen hinweghilft, blieb in seiner Entgegnung sehr verlegen. Eine schlechte Sache läßt sich, eben nicht verteidigen. Trimborn mußte zugeben, daß das, was der Abg. Herold in der ersten Lesung zum Zolltarif versprochen hatte, schon durch die Verschlechterungsanträge des Zentrums im Jahre 1902 schmählich gebrochen worden war Herr Trimborn hat aber eine Entschuldigung. Er habe als Fährmann ein schwankendes Schiff durch die Klippen der Scylla und Charibdys bringen und darum unterwegs Ballast (die gestrichenen Tarifpositionen) auswerfen müssen, um sicher im Hafen landen zu können. Ein schönes Bild! Nur schade, daß Columbus=Trimborn es nicht fertig gezeichnet hat: das schwankende Schiff ist zum Wrack geworden und — ich glaube, die Wellen verschlingen am Ende Schiffer und Kahn! Denn Herr Trimborn ist es, der am meisten durch den bisherigen Verlauf der Debatten über die Witwen= und Waisenversicherung bloßgestellt ist. Er sprach heute pathetisch von falschen Propheten. Auf ihn trifft dieser Ausdruck zu, wenn man nicht eine andere Bezeichnung für sein und seiner Partei Verhalten gebrauchen will. Politische Aus dem Reichstag. Das Zentrum hat im Reichstag einen Antrag eingebracht, der den Reichskanzler auffordert 1. der Vermehrung des Reichsbeamtenkörpers entgegenzutreten; 2. dafür Sorge zu tragen, daß zu untergeordneten Arbeiten nicht Beamte herangezogen werden, die durch ihre Vorbildung für wichtigere Aufgaben bestimmt sind; 3. die Reisekosten und Tagegelder im Sinne einer Ermäßigung neu zu regeln und die Dienstreisen einzuschränken; 4. in allen Reichsbetrieben eine nach den erprobten kaufmännischen Grundsätzen geregelte Geschäftsbehandlung durchzuführen und die hiernach von den einzelnen Betrieben aufzustellende Bilanz im Reichshaushalt mitzuteilen. *„* Die Freisinnige Fraktionsgemeinschaft hat eine Reihe von Initiarivanträgen im Reichstage eingebracht. Ein Antrag ersucht den Reichskanzler, dahin zu wirken, daß die Unverletzlichkeit des Privateigentums zur See in Kriegszeiten zu einem anerkannten Grundsatze des Völkerrechts erhohen werde. Ein anderer Antrag fordert die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, der Elsaß=Lothringen als Bundesstaat anerkennt, die autonome Behandlung elsaß=lothringischer Angelegenheiten ermöglicht und dazu die Mitwirkung einer nach den Grundsätzen des Reichstagswahlrechts gewählten Volksvertretung beruft. Weitere Anträge betreffen die Verbesserung des Wahlrechtes(kostenlose Lieferung von Wahlurnen, Wahlen am Sonntag, Neueinteilung der Reichstagswahlkreise), ferner gesetzliche Regelung der Tarifverträge und Regelung der Rechtsverhältnisse der in Haus= und Landwirtschaft beschäftigten Arbeiter. Schließlich wird ein Gesetzentwurf, betr. das Beamtenrecht, gefordert, durch den bestimmt wird, daß durch die verfassungsmäßige Ausübung der staatsbürgerlichen Pflichten den Beamten kein Nachteil entsteht. Ferner interpellieren die Freisinnigen die Regierung über die Handhabung des Vereinsgesetzes. *„* Die Arbeitskammer=Vorlage soll dem Reichstag noch zugehen, obwohl sie in der Thronrede nicht mit aufgezählt wurde. Der Bundesrat— so wird behauptet— habe sich nur bisher noch nicht über die Veränderungen schlüssig machen können, die die Vorlage gemäß den Beschlüssen der Reichstagskommission erfahren hat. Gemaßregelte Lehrer. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Kattowitz haben mehrere Lehrer ihre Stimme den polnischen Kandidaten gegeben. Diese Lehrer sind jetzt nach zum Teil ganz entlegenen Dörfern versetzt worden. Dort werden sie auch bleiben müssen, denn sie sind ja keine Landräte, die mit der wegen der Kanalvorlage erfolgten Maßregelung ein glänzendes Geschäft gemacht haben. Folgen agrarischer Gesetzgebung. Um zu verhüten, daß ein Teil der aus dem Ausland eingeführten Futtergerste zu Brauzwecken verwendet wird, wodurch der Preis der Braugerste vielleicht etwas gedrückt werden könnte, hat der Reichstag in seiner letzten Session ein Gesetz angenommen, das bestimmt, daß die aus dem Ausland kommende Futtergerste gefärbt werden kann. Als geeigneten Farbstoff hat man das Eosin bezeichnet. Wie nun dem„Berliner Tageblatt“ aus Hamburg gemeldet wird, weigern sich die Schiffer der Elbkähne, die Ladung zu übernehmen, weil sich herausgestellt hat, daß die Farbe den Laderäumen so stark anhaftet, daß die Räume für andere Massengüter erst nach langwieriger und kostspieliger Reinigung zu brauchen sind. Aber auch für Futterzwecke ist die gefärbte Gerste kaum zu verwenden, weil beispielsweise die Schweine die nach der Vermengung mit Wasser ganz rot erscheinende und bitter schmeckende Masse nicht fressen wollen. Die Initiative zu diesem Gesetz hatte das Zentrum ergriffen. — Das direkte Wahlrecht im hessischen Landtage. In der Spezialberatung des hessischen Wahlgesetzes genehmigte die Zweite Kammer die Aenderung der Artikel 67 und 75 der Verfassung, zugunsten der Ersten Kammer, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen. Der Gesetzesartikel über die direkte Wahl wurde einstimmig angenommen. Gegen die Kautelen stimmten nur die Sozialdemokraten und die Freisinnigen. Im Meininger Landtag ist Genosse Wehder zum Vizepräsidenten gewählt worden. Dabei ist ihm nur die Bedingung gestellt worden, daß er zum Herzog zu gehen hätte, wenn es sich um die Besprechung von Landesangelegenheiten handelt, höfische Besuche aber sollen ihm nicht zugemutet werden. Die Landtagswahlen in Sachsen=Weimar. Die Landtagswahlen brachten der Sozialdemokratie erhebliche Erfolge. Es wurden glatt wiedergewähl:: Genosse Baudert in Apolda und Genosse Leber in Ruyla. Der Ilmenauer Kreis wurde von uns zurückerobert und Jena, die alte liberale Hofburg, neu gewonnen. Es wurden im ganzen gewählt: 5 Konservative, 4 Sozialdemokraten, 2 Liberale, 1 Nationalliberaler und 1 Zentrümler, und es finden außerdem 10 Stichwahlen statt, an denen die Konservatiden viermal, die Liberalen achtmal, die Sozialdemokraten siebenmal und die Nationalliberalen einmal beteiligt sind. Frankreich. Der Kampf gegen die katholische Kirche. Paris, 2. Dez. Der Generalrat des Seine=Departements nahm mit 49 gegen 42 Stimmen einen Antrag an, wonach die Regierung und das Parlament ersucht werden sollen, Maßregela zu treffen, um die weltlichen Schulen gegen die Angriffe der Bischöfe zu schützen. Der Konflikt mit dem Hause der Lords. London, 3. Dez. Heute nachmittag 2 Uhr wurde die Tagung des Parlaments mit einer Thronrede geschlossen, worauf am 28. Dezember die Auflösung erfolgt, so daß am 3. Januar die Neuwahlen auf Grund neuer Wählerlisten anfangen können. Gemeindewahlsiege. Die Gemeinderatswahlen in Reuß jüngere Linie haben uns noch in 2 Orten Siege gebracht: in Rübitz und in Schrubengerbsdorf siegten unsere zwei Kandidaten mit großer Mehrheit. In Mutterstadt errangen unsere Parteigenossen bei der Wahl 8 Mandate, in Lambsheim brachten wir es auf neun Sitze. Der Erfolg ist um so glänzender, als bisher die Sozialdemokratie in beiden Orten keine Vertretung im Rathause hatte. Frankenthal wurde Genosse Weiland zum zweiten Adjunkten gewählt. der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 4. Dezember. Bücher für den Weihnachtstisch. Die Arbeiterbewegung hat schon seit Jahren einen eifrigen und erfolgreichen Kampf gegen die Schundliteratur geführt. Besser als alle schönen Reden sind eben praktische Maßnahmen, die die Brunnenvergiftung— herbeigeführt durch Schund und Schmok im Bücherwesen— im Volkskörper verhindern. Weihnachten rückt näher! Da ist nun Gelegenheit gegeben, erneut gegen die Schundliteratur erfolgreich vorzugehen. Neben all dem Spielzeug und sonstigen Geschenken, welche der Jugend auf den Weihnachtstisch gelegt werden, befinden siet auch fast überall irgendwelche Bücher. Hier gilt es einzusetzen. Ein gutes Buch zur rechten Zeit! Nun ist es ja keineswegs leicht, entsprechend der Veranlagung der Jugend das rechte Werk zu finden. Die lieben Kleinen werden strahlen vor Glück, und ihr Mäulchen wird kaum aufhören zu fragen und zu plappern, wenn sie Bilderbücher bekommen, die ihnen Kinderspiele oder das Tierleben lebendig vor Augen führen. Schwieriger wird die Auswahl der Bücher für die herangewachsene Jugend und diejenigen, die aus der Schule entlassen und schon dem Erwerb nachgehen müssen. Je nach Alter, Auffassungsvermögen, Empfindung, Neigung und Temperament muß das Buch gewählt werden, wenn es erfreuen soll. Der Proletarier muß doppelt und dreifach vorsichtig mit der Verausgabung von Geld sein, damit er auch immer etwas wirklich gutes einkauft. Das Prüfen und Sichten der Erscheinungen des Büchermarktes ist nun keineswegs leicht und nur einer kleinen Anzahl Personen möglich. Daher hat der Bildungsausschuß der Bielefelder Arbeiterschaft auch für dieses Jahr eine BücherAusstellung arrangiert. Morgen, Sonntag, wird die Bücher=Ausstellung im Restaurant„Stadt Bielefeld“ eröffnet. Es ist geplant, die Ausstellung an den Sonntagen von 11½ Uhr vormittags bis 7 Uhr abends offen zu halten. In Verbindung mit der WandschmuckAusstellung soll aber in der nächsten Woche die Ausstellung jeden Mittag von 12 bis 1½ Uhr geöffnet sein. Die Ausstellung wird neben tadellosen Werken der Jugenbliteratur auch gewählte Bücher für Erwachsene umfassen, so daß allen Anforderungen Rechnung getragen wird. Es ist einem jeden zu empfehlen, schon am 1. Sonntag einmal die Bücher zu betrachten und möglichst seinen Bedarf zu decken. Nur dann werden alle Ansprüche befriedigt werden können. Die Bücher sind durch die Buchhandlung„Volkswacht" beschafft und der Verkauf wird durch diese geregelt. Jeder, der ernsthaft gegen die Schund= und Schmutzliteratur zu Felde ziehen will, möge unsere Bestrebungen unterstützen. Nur so kann praktisch ein Feind des Fortschritts überwunden werden. Hat sich die Jugend an gute Bücher gewöhnt, Geist und Gemüt daran gelabt, dann wird ihre Geschmacksbildung so entwickelt, daß sie jedwede Schundliteratur zurückweist. Die Kommission für Bücher=Ausstellung. I. A.: C. Schreck. — Ein erneuter Unfall bei Osthushenrich ist am Donnerstag nachmittag passiert! Diesesmal riß eine Bandsäge und verletzte den Arbeiter Linnenbrügger an der Außenseite der linken Hand. Trotzdem wir erst vor 8 Tagen meldeten, daß damals bei einem Unfall kein Verbandzeug aufzufinden war, müssen wir wieder konstatieren, daß auch Donnerstag keinerlei Verbandstoffe vorhanden waren! Der Kistenfabrikant scheint also selbst gesetzlich angeordnete Strafen nicht zu fürchten. Nun, wir werden sehen, ob nicht doch eine Besserung durch Benutzung gesetzlicher Institutionen zu erzielen ist.-0 — Gewerkschaftlicher Belehrungsabend. Um den Mitgliedern und Funktionaren der Gewerkschaften Gelegenheit zu geben, den Vertrag des Herrn Osthaus aus Hagen über„Die Kunst im Handel und Gewerbe“ am Freitag, 10. Dezember, abends 8½ Uhr, im Stadttheater, anzuhören, findet der für diesen Abend festgesetzte Belehrungsabend am Mittwoch, 15. Dezember, statt. Der Erntritt zu dem Vortrag im Stadttheater ist frei, jedoch nur gegen Karte gestattet. Bestellungen hierauf werden beim Kollegen Köllner, Marktstr. 8, bis Mittwoch mittag entgegengenommen. Die Gewerkschaftsmitglieder werden ersucht, regen Gebrauch hiervon zu machen. Der Ausschuß des Gewerkschafts=Kartells für Bielefeld und Umgegend. — Wandschmuck=Ausstellung. Die Ausstellung ist geöffnet: Sonntag von 11—1½ Uhr vormittags und von 4—8 Uhr nachmittags, an sämtlichen Tagen der nächsten Woche von 12—1 Uhr mittags.,. Bestellungen auf Vuder werden im ausstellungslokal entgegengenommen. — Das Brausebad in der Siechenmarschstraße soll nach dem Beschluß in der gestrigen Bauausschußsitzung umgebaut werden. Es soll 4 Wannenväder und 12 Brausebäder für Männer und 8 für Frauen erhalten. Die Kosten hierfür sollen in den Etat 1910/11 eingestellt werden. — Automatischer Fernsprechapparat am Bahnhofsgebäude. Die Handelskammer zu Bielefeld hatte beim hiesigen Kaiserl. Telegraphenamt die Aufstellung eines automatischen Fernsprechapparats in dem neuen Bahnhofsgebäude beantragt. Hierauf ist der Kammer mitgeteilt worden, daß die Aufstellung eines automatischen Fernsprechapparates in dem neuen Bahnhofsgebäude schon in Aussicht genommen sei. Der Apparat könne aber nicht vor Vollendung des Gebäudes dem Betrieb übergeben werden. Auf eine worden:„ 6 „Postwertzeichen zu 5 und 10 Pfg. in Rollenform können von dem Gichronum in Berlin C bezogen werden. Auf„Wunsch dem Briefnostamt in Berlin C bezogen werden. Au werden fur Besitzer von Portokontroutassen auch Rollen mit Marken zu 3 und 20 Pfg. hergestellt, für die aber neben dem — Das städtische Orchester veranstaltet am Sonntag, nachmittags 4 Uhr, das 35. Abonnements=Konzert der Schützengesellschaft auf dem„Johannisberg“. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Der außerordentliche Erfolg der„FörsterChristl“ bewährt sich auch morgen Sonntag wieder, und zeigt sich schon jetzt in einer ungewöhnlich starken Nachfrage nach Eintrittstarten. So waren 2. Rang und Amphiplätze bereits am Freitag kurz nach Eröffnung der Kasse vergriffen. Jetzt sind noch Billetts vom 2 Parkett ab aufwärts erhältlich. Am Montag folgt„Die lustige Witwe“ wieder, die in der Neueinstudierung in großstadtischer Kostümausstattung wieder sehr gefallen hat. Die Lustspiel=Novität„Im Klubsessel“ wird am Dienstag wiederholt. — Polizeibericht. Alsvermutlich gestohlen wurden bei einem in Bochum Inhaftierten 1 braune Brieftasche, 10X15 Zentimeter groß, mit den Buchstaben D. K. in Tinte, 1 braunes Zigarren-Eiui aus Krokodilleder und 1 rotes Zigarren-Etui Ineinanderstecken) beschlagnahmt Pargenannte GegenZigarren=Eim aus Krokodilleder zum Ineikanderstecen, beschlagnahmt. Vorgenannte stände liegen bei der Kriminnalabteilung hierselbst zur Ansicht und dart könnon auch Mittoilungen über eptl. Diebit stände liegen bei der Kriminnalabteilung hierselbst zur Ansicht aus und vork konnen auch Mitleilungen über cotl. Diebstahl der Sachen gemacht werden. Gesperrt ist die Sparrenstr. für Fußgänger und Fuhrwerk vom 7. bis 21. d. M. wegen Kanalisationsarbeiten. Waffenscheine. Die Giltigkeitsdauer der für das Jahr 1909 ausgestellten Waffenscheine läuft mit dem 31. Dezember ab. Die Erteilung eines neuen Waffenscheines ist bei der zuständigen Polizeibehörde zu beantragen. Pcest Gefunden: 1 altes Portem. mit geringem Inhall#l vergoldete Brosche mit Opalsteinen; 1 schwarzer steifer Herrenhut; 1 schwarzer Kinderpelz. tem gi, uu; e m Verloren: 1 rotbraunes Herrenportem. air erwa 6 Mr. Inhalt; 1 goldener Kneifer mit Etui; 1 goldener Manschettentnopf mit Kinderphotogr.; 1 goldener Kneiser mit Kette; 1 schw. Damenportem. mit 4,90 Mk. Inhalt; 1 silb. Damenuhr mit Goldrand; 1 neues rotbr. Damenportem. mit geringem Inhalt. Festgenommen wurden 1 Person wegen Haftbefehls, 1 Person wegen Bettelns und 1 Person wegen Trunkenheit und groben Unfugs.— 17 Obdachlose wurden im Polizeigefängnis Aufwand von Umwehrungen und blank geputzten Steinen bieten sie für offene Augen und Herzen nur selten den Trost stiller Schönheit, sondern häufiger den quälenden Eindruck aufdringEs mehren sich in Deutschland die Kräfte, die diesen Zustand im ganzen und im einzelnen zu bessern suchen. In Hamburg ist der größte Zentralfriedhof schon zu einem weihevollen Park herangewachsen, der die Gräberfelder wechselreich umfaßt und den verschiedensten Anlagen Raum bietet. In München sind seit 1894 die vier städtischen Friedhöfe mit ihrer feierlichen Architektur entstanden und neuerdings der verheißungsvolle Waldfriedhof, auf dem auch die Gestalt und der Schmuck der Gräber nach untergebracht. Taschendievstay: Gestern nachmittag gegen 4½ Uhr wurde einem Arbeiter in der Wirtschaft von Steinmeyer, Am *" 9 temonnaie mit einem größeren Betrage den er diesen Beispielen. Auch wächst die Zahl der Künstler, die nicht nur für vereinzelte, prunkvolle Denkmäler, sondern auch für die bescheideneren Grabsteine echte Künst erschaft einzusetzen bereit sind. Der erste Führer ist Adolf von Hildebrand gewesen. Jetzt gilt es, nicht einen neuen, kostspieligen Luxus hervorzurufen; vielmehr läßt sich im Rahmen der bisher üblichen Mittel gute, ernste und eigenartige Kunst erzielen. Dafür bietet diese Ausstellung mannigfache Belege.„ Diese Grabsteine treten nicht mit dem Anspruch au, etwas unbedingt Neues, nie Dageweienes zu zeigen. Ire Formen und Motive nähern sich vielfach den alten Vorbildern, von der Antike und der altchristlichen Kunst bis zum deutschen Barockstil und Klassizismus. Bald von Architekten, bald von Bildhauern, ja auch von Malern entworfen, verwenden sie ebenso gern wohlverstandene Bauformen wie plastische Ornamente oder maßvollen figürlichen Schmuck; viele bescheiden sich auch mit schöner dekorativer Schrift, dem einfachsten und dankbarsten Mittel künstlerischer Wirkung. Gemeinsam aber ist ihnen allen, daß sie die Grundform jedes Steines mit allen seinen Zieraten, Architektonisches und Bildliches, Ornament und Schrift, jeweils zu einem harmonischen Ganzen zu stimmen suchen. Nur dadurch entstehen Arbeiten, die den Namen eines Kunstwerkes ob einfach oder reich, ob billig oder kostspielig. Gedankenloses Schnörkelsviel mit Baugliedern oder. Ornamenten ist der künstleriichen Wirkung ebenso schädlich wie akademische Trockenheit und platter Naturalismus. Man spare mit Sinnbildern, wenn nicht der Besteller aus innerer Ueberzeugung danach verlangt; denn hier ist die Gefahr so nahe, daß selbst das Heiligste zur gedankenlosen Phrase mißbraucht werde. Wird ein kirchliches Symbol. z. B. das Krenz, gewünscht, so lassen sie sich meistens ohne Schwierigkeit den Steinen, die es noch nicht Wie Art und die Größe des Grabsteines, besonders seine Höhe, sollten sich nach der Anloge des ganzen Grabes richten und durch die Rücksicht auf die Nachbargräber und die weitere Umgebung bestimmt werden.„Schon Ordnung ist Schönheit", sagt der Schöpfer der Münchener Friedhöfe, Baurat Hans Graessel, in den Vorschriften für den neuen Waldfriedhof. Tort werden nur gleichartige Gräber nebeneinander erlaubt, und der Einzelne sucht seinem Toten die Stätte aus nach der Art des Grabmals, das er ihm zu setzen wünscht, sei es eine flach liegende Platte, sei es ein höherer oder niedrigerer Stein, sei es ein Kreuz oder eine Tafel aus Schmiedeeisen oder bemaltem Holz. Solcher Gemeinsinn ist es, der den schönsten Kirchhöfen der alten Zeit ihre ergreifende Wirkung verleiht.„Dem Einzelnen wird die Versuchung erspart, sich über die Nachbarn eite hinauszurecken. In München sind auch die eintönigen geböschten Hügel und alle Umwehrungen der Einzelgräber verboten, damit jedes Grab mit der gemeinsamen Mutter Erde in Eins verwachse. Größere Grabstätten begrenzt man wohl, wie in alten Zeiten, mit lebenden Hecken aus immergrünem Gesträuch. Wer Blumen auf dem Grabe pflegt, ziehe dem bunten Vielerei eine gemeinjame, beherrschende Farbe vor.8 Gern wird der Künstler für sein Werk auch vesonoere Formen suchen, etwa wenn sich zwanglos in Verbindung mit dem Tenkstein ein Sockel oder eine Vase für Blumenschmuck anbringen läßt oder ein besonderer Platz zum Aufhängen eines Kranzes. Nur seien dabei spielerische Künsteleien vermieden. Unsere Friedhöfe würden gewinnen, wenn sie hie und da Raum und Gelegenheit böten, auch an Wänden einfache Wandgrabtafeln anzubringen, wie unsere Vorfahren sie so mannigfach und ansprechend zu gestalten wußten. Das prunkvolle Ervbegräbnis gibt nicht immer den rechten Hintergrund für echte Friedhotsstimmung. Tagegen sind auch unter die Bilder mehrere einfache und wohlteile Kreuze aus Schmiedeeisen und Holz aufgenommen worden, von denen unsere alten Dorffriedböfe noch so reizvolle Beispiele enthalten. Eine neuzeitige Aufgabe, die besondere Pflege verdient, sind die Kriegergrabmäler, deren sich die Wiesbadener Gesellschaft neuerdings angenommen hat. Daß die vorgeführten Kunstwerke, für sich allein und mit ihrer Umgebung, von dem heute üblichen Gräberschmuck wurde einem Arbeiter in der Wirtschaft von Steinmeyer, Am ein Portemonnate mit einem grogeren Verrage, den er von der Sparkasse erhoben haben wiu, aus der Hosentasche entwendet. Als Täter kommt ein zirka 18jähriger Arbeiter in Frage, mit dunklem Haar, schlanier Statur, dunktem Jackettanzug. Um sachdienliche Mitteilungen ersucht die Kriminalabteilung. p 10„ Sch Entwendet wurden in der Nacht zum 3. 12. von einem Schaufenster der Wirtschaft Gr. Kurfürstenstr. 65 die Bezeichnung „Fernsprecher 172“. Sollten diese Buchstaben zum Kauf angeboten werden, wird um Benachrichtigung der Kriminalabteilung gebeten ag.— Bewahrk eure Kinder vor plötzlichem Erschrecken. Schwere Seelenstörungen können bei kleinen Kindern durch das auch noch heute von unvernünftigen Eltern ausgeübte Bangemachen und plötzliche Erschrecken herbeigeführt werden. In dem Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten wird ein derartiger Fall erzählt, der sehr zur Vorsicht mahnt. Ein lebhaftes Kind von 1½ Jahren, einer Tagelöhnerfamilie angehörig, wurde z: Weihnachten von dem leider an manchen Orten noch üblichen „Knecht Ruprecht" erschreckt. Das Kind fuhr zusammen, wurde blaß, sah mit offenen Augen die Umgebung an, hatte offenbar noch Verständnis für das, was ringsumher vorging, reagierte aber nur wenig darauf. Drückte man ihm etwas in die Hand, so hielt es den Gegenstand eine Zeitlang fest, ließ ihn aber dann allmählich fallen. Gab man ihm Nahrung in den Mund, so behielt es dieselbe darin; manchmal schluckte es, wenn sie flüssig war, etwas daron herunter. Wie man es hinlegte, blieb es## liegen, auch wenn die Stellung unbequem war; nur langsamg Das Hotfelit entzog es sich derselben. Urin ließ es meist unter sich. Teh Haut war welk, der Puls schwach, der Kopf nicht heiß, die mung unmerklich. Das Kind wurde von Tag zu Tag schwächer, die Erscheinungen blieben dieselben. Nach acht Tagen trat der Tod ohne Krämpfe ein.— Und das hat der böse Knecht Ruprecht getan! Darum weg mit ihm und überhaupt mit allen den Dingen, die die kindlichen Gemüter ängstigen und erschrecken können. Grabsteinkunst in Bildern. zu der im alten Rathaus untergebrachten Auslbbildungen von Grabsteinen entnehmen wir Dem stellung von folgenses:„„„„„„ 4 Seit mehreren Jayren hat die Wiesbadener Geseuschaft fur Grabmalskunst unter ihrem Vorsitzenden Dr. von Grolman sich um die Kunst auf unseren Friedhöfen mit Erfolg bemüht. Sie hat Flugschriften verbreitet, Ausstellungen ins Leben gerufen, und in einer Reihe deutscher Städte den Steinmetzen und den Bestellern die Entwürfe berufener Künstler vermittelt. Auf ihre Anregung hin hat das Königl. Kunstgewerbe=Museum in Berlin im Sommer 1908 eine größere Ausstellung heutiger Grabsteine veranstaltet. Dabei ergab sich der Wunsch, eine Auswahl des Besten in Bildern zu einer Wanderausstellung zusommenzustellen. Im Einvernehmen mit der Wiesbadener Gesellschaft, den beteiligten Künstlern und dem Verleger Otto Baumgärtel in Berlin, in dessen Verlagswerken eine Anzahl dieser Grabmäler schon veröffentlicht ist, hat das KunstgewerbeMuseum für seine Bibliothek hundert Photographien in vergrößertem Maßstabe herstellen lassen, um sie zunächst in preußischen und anderen deutschen Städten zu zeigen. Es bedarf nur weniger Worte, um die Absicht dieser Bilder Unsere Friedhöfe und ihre Grabstätten sind unserem Auge und unserem Gemüt nicht das, was sie sein sollten und sein könnten. Ueber den Gottesäckern unserer Großeltern mit ihren schlichten, in den Rasen gebetteten Steinen, den bescheidenen Denkmälern, den zierlichen Eisenkreuzen und derben Holztafeln liegt ein Hauch milder Wehmut und Andacht; was uns dabei anmutet, ist weniger der Zauber des Verfallenen als die künstlerische Gesinnung, die damals auch die Stätten des„Todes verklärte. Von solcher Stimmung weiß die große Masse der heutigen Friedhöte wenig. Nach reizlosem Schema geplant, mit den einförmig zugeschnittenen Grabstätten und dem übertriebenen ihrer Umgebung, von dem heute üblichen Gräberschmuck sit wesentlich unterscheiden, wird der aufmerteame Beovachter ohne veiteres gewahr werden. Die Obelisken, Säulenstümpfe, Kreuze ind Baumstämme. die„steinernen Adreßkarten“, die von den Fabriken und Musterlagern her unsere Friedböfe in Stadt und Dorf überschwemmen, wird man hier vergehens suchen. Wer sich einmal entschließt, auf künstlerische Dinge zu achten, wird sald sehen, wie gedankenlos sie erfunden, wie trocken sie gezeichaet, wie maschinenmäßig sie ausgeführt zu sein pflegen. Schon das übliche Material, der Granit oder Syenit, steht der künsterischen Stimmung im Wege. Die gleißenden Flächen und scharfen Kanten und das triste Grauschwarz werden niemals mit dem Laub und der Landschaft eins werden. Auf dem Münchener Walofriedhof sind volierte Grabsteine überhaupt verboten. Statt des kostspieligen, meist aus Schweden importierten Granits und seiner noch kostspieligeren Politur stehen uns eine janze Reihe dauerhafter heimischer Steine von verschiedener, anmutender Farbe und Oberfläche zu Gebote, Kalksteine, deutsche Marmorarten, Muschelkalk, am rechten Platz auch Sandsteine u. a. Ihr mäßiger Preis ermöglicht es durchaus, innerhalb der üblichen Kosten statt der prunkenden Dutzendware ein zeitgemäßes Stück guter Handwerkskunst zu beschaffen, das für die Seele des Verewigten ein persönlicher Ausdruck werden könnte. Die Hinterbliebenen müssen nur Gelegenheit finden, im Verein mit gediegenen Künstlern und verständnisvollen Handwerkern das Gute zu bestellen oder zu wählen. Wenn der Einzelne will und alle Beteiligten helfen, könnten unsere Friedhöfe wieder werden, was sie einst gewesen sind, Stätten echter Gesinnung und echter Kunst. Nr. 283. Ki. Zum Sturm I ler auf. Sie will im dafür wahrgenommen unserer Handelsbezieh Bei seite zu einem Gene * Gütersloh, 3. Dez. Rechtsauskunftstunde. Sonntag, 5. Tezember, vormittags von 9 bis 11½ Uhr, im Lokale des Herrn Klau. * Rheda, 3. Dez. Rechtsauskunftstunde. Sonntag, 5. Dezember, nachmittags von 3 bis 6 Uhr, im Lokale des Herrn Kipp. * Oetinghausen, 3. Dez. Zu der Erwiderung des Meisters Kortemeier in Nummer 279 der„Volkswacht“ haben wir folgendes zu entgeanen: Du Punkt 1 hemerken wir. haben wir fbigendes zu enigegnen: Iu Hunkl 1 bemerten wit, daß auf Beschluß einer Besprechung der Kollegen bei Kortemeier an die Firma Jorgens& Leimbach das Ersuchen gerichtet wurde, den Meister Kortemeier dahin zu instruieren, daß derselbe von seinen Arbeitern nicht mehr die Kalfaktorarbeiten verlangen dürfe. Wir hatten die Firma gebeten, die Antwort auf unser Schreiben an Wilhelm Erdbrügger, Oetinghausen, zu adressieren. Das hat die Firma nicht getan, sondern sie hat die briefliche Nachricht an den Auch=Kollegen Hermann Heidbrink, S einbeck & Leimbach wie den Meister Kortemeier:„Warum ist, der. der Firma nicht an den Kollegen Erdbrügger gerichter worden? Weiter: Auf welche Weise hat die Firma die Adresse des pp. Heidbrink in Erfahrung gebracht?“ Nun hat die Firma# einen Brief als Antwort auf den unsrigen am 13. November geschrieben und an Heidbrink adressiert. Dieser Heidbrink hat aber den Brief von der Firma seinen Kollegen bis zum 27. November verheimlicht resp. unterschlagen. Wir fragen hierdurch an, auf wessen Anordnung ist diese Verheimlichung erfolgt? Oder hat der Auch=Kollege Heidbrink aus sich selbst heraus diesen Brief seinen Mitkollegen solange vorenthalten? Uebrigens, Herr Meister Kortemeier, woher wissen Sie überhauptz, was in dem Brief gestanden hat? Hat Ihnen Heidbrink Versammlungen. Sonnabend, 4. Dezember. Südlengern. Rad fahrerverein„Stahlrad“ Gastwirt Busse. Barständ, der Vrheit Oetinghausen. Besprechung der Vorstande der urveitervereine und des Bildungsausschusses. Abends 9 Uhr. Sonntag, 5. Dezember. Bielefeld. Oeffentliche Schuhmacherversammlung. Nachmittags 3 Uhr bei Hannemann, Webereistraße. Nachher. Besprechung der Schoßarbeiter. — Bauhilfsarbeiterverband. Vormittags 10 Uhr bei Hannemann. Barmittags 94 Brackwede. Textilarbeiterverdund. Vormittags 372 Uhr bei Schröder.„ormitagg 10 ger So: Verein. Vormi#ags 10 lihr im„Tivoli“. Oetinghausen. Soz. Verein. Nachmittags 3 Uhr an be— Tabakarbeiterverband. Nachmittags 5 Uhr Montag, 6. Dezember. Enger. Tabakarbeiterverband. Abends 8½ Uhr bei Niermann. Vortrag des Gauleiters Schluter=Bielefeld. Bünd= A-beiter=Abstinentenbund. Abends 9 Uhr bei Rütbel. Dienstag, 7. Dezemver Löhne. Soz. Verein. Abends 9 Uhr. Vortrag des Genossen Hoffmann=Bielefeld über„Kulturentwicklung Schildesche. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Abends 8½2 Uhr bei Böle. haupt, was in dem Brief gestanden hat? Hat Ihnen 7## den Brief gezeigt, oder hat Ihnen die Firma gesagl, was bieselbe an Heidbrink geschrieben hat, oder sind Sie selbst der Macher deses ganzen Kniffes gewesen? Heraus mit der#e an Heidbrink geschrieben hat, oder sinr,#ie selbst bieses ganzen Kuisses gewesen? Peraus mit der Sprache. Zu Punkt 2 wollen wir hervorheven, daß M. Kortemeier am 15. November vielleicht keinen Arbeiter angenommen hat, das wollten wir auch nicht behaupten, aber was wir behaupten, ist, daß Kortemeier, im Laufe des November von der Familie Kartelmeier einen oder mehrere angenommen hat; wie viel, wissen wir nicht, aber wir glaubten, da M. Kortemeier mit der Familie des Herrn Kartelmeier verschwägert ist, um der Verwandtschaft halber die ganze Familie hätte bei Kortemeier anfangen können Wenn dem wirklich nicht so ist, nehmen wir für uns gegenüber Kortemeier den bona sickes in Anspruch. Auch über das Interesse der Arbeiter über die wechselnde Arbeit sind wir anderer Meinung wie Herr Kortemeier, doch das nur nebenbei. Wir glauben ganz bestimmt, und darüber täuscht uns Kortemeier mit seinen glatten Redewendungen nicht hinweg, daß wir allerdings direkt wegen Arbeitsmangel aus der Arbeit entlassen sind; aber wir glauben, indirekt wegen des Eintritts in die Organisation und wegen der Verweigerung der Kalfaktor=Arbeiten...„ uach faststslen# Mister GartZu Punkt 3 wollen wir nur noch feststeuen, daß Meister Korremeier zu seinen Arbeiterinnen mal gesagt haben soll(!): Es hätte keinen Wert, daß jemand im Verbande wäre, oder so ähnlich. Diese Worte, zusammen mit den Taten des Herrn Kortemeier, kennzeichnen denselben für uns zur Genüge. Im übrigen versichern wir Meister Kortemeier, daß wir uns nicht beirren assen, nach wie vor für die Interessen des Tabakarbeiter=Verbandes in der wirksamsten Weise einzutreten. * Vlotho, 4. Dez.„Die Hetze der Sozialdemokraten gegen die christliche Gewerkschaftsbewegung.“ Mit dieser Tagesordnung beschäftigt sich eine zu heute, Sonnabend. abends 9 Uhr, in das Lokal des Herrn Delkeskamp einberufene große Versammlung. Als Referent ist Sekretär Böhmeke, Hannover, angekündigt. Zu dieser Versammlung sind sämtliche christlich-national gesinnten Arbeiter und Arbeiterinnen aller Berufe, sowie auch die Bürger freundlichst eingeladen. als 2. Punkt der Tagesordnung Diskussion steht, werden hoffentlich recht viele Bürger der Einladung Folge seisten. An dieser Versammlung wird auch Bürger Hoffmann=Bielefeld teilnehmen. * Minden, 3. Dez. Die Stadtverordnetensitzung vom 2. Dezember beschäftigte sich u. a. mit der Eingabe des hiesigen Gewerkschaftskartells an den Magistrat und das Stadtverordnetenkollegium. In der Eingabe suchte das Kartell um finanzielle Unterstützung des Arbeitersekretariats nach, da kürzlich die„Gemeinnützige Rechtsauskunftsstelle“ auch einen Zuschuß bewilligt erhalten hat. aber: Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Nach kurzer Debatte wurde das Gesuch gegen 2 Stimmen abgelehnt. Stadtv. v. Borries erklärte: Die vorige Sitzung habe ihre Zustimmung zu einem jährlichen Zuschuß von 300 Mark an die gemeinnützige Rechtsauskunftstelle gegeben unter der Voraussetzung, daß auch der Kreis das gleiche tue. Das Arbeitersekretariat sei vom Kartell gegründet. Das Kartell repräsentiere aber die Sozialdemokratie; auch unterstehe das Sekretariat einer Aussichtskommission, welche vom Kartell gewählt sei. Also treffe für das Sekretariat nicht das zu, was für die gemeinnützige Auskunftsstelle zutreffe. Der Magistrat habe den Antrag abgelehnt, daher bitte er, daß auch das Kollegium diesen Antrag ablehne. Stadtv. D'Arragon: Was dem einen recht sei, sei dem andern billig. Nicht alle Arbeiter, welche in den Gewerkschaften organisiert seien, sind Sozialdemokraten. Es sei ein großer Teil der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter in den Kriegervereinen Mitglieder, also keine Sozialdemokraten. Ebenso sei es mit dem Kartell. Das sei keine politische Vereinigung, sondern eine rein gewerkschaftliche, und daß das Sekretariat der Allgemeinheit diene und nicht einseitig handle, sei dadurch bewieren, daß im vorigen Jahre allein an 710 Personen, welche weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert seien, Auskunft erteilt worden sei. Er bitte dem Antrage zuzustimmen. 1. Bürgermeister Johannsen: Unsere Aufgabe darf es nicht sein, uns vor varteipolitischen Grundsätzen hier leiten zu von Gurtgranich, iuar MM keiten de lassen. zur ihn, den Burgermeister, stehe es fest, daß das produktion benutzt wer Ansturm der bürge Fleischwucher und die merken, obwohl gerade seriwährende Steigeru müßten. Ganz abgese über die Handelsbezieh völligen Verbots der aus allgemeinen natior denn nicht einer der G ist stichhaltig, es dient nucher das deutsche teidigung der deutse Organ nicht, was gilt der erwerbstätigen# zichten und noch größ schwinglichen Preise i noch weiter einschränk garde die Fortdauer Vieh- und Fleischeinft ihr liegt nur an der kanischen Fleischtrusts, der Erhaltung von T Kriegsfall das deutsche werden könnte, wenn deutsche Grenze geöffn der Erzählung der„2 surchtbarsten„nationa unterrichtete Leute ver Kreise der deutschen ungewöhnliches Intere eifrige wie angeblich eines weiten Entge Wünsche entfalten, we lohnende Transporte nehmungen wieder auf Bestrebungen der einf in der Phantasie der haben diese Herren in verband der Scharfm Schaffung des Juliust und jede Sozialreforn deutschen Exportverein verbandes der Indust fand, hat ein Rechtsar gung als Handelssach Verhältnisse genau k. ziehungen Deutschlan seinem Vortrage auch produktion hervorgeho durch Zulassung arge erlangen könnte. Ar Mark gefrorenes Flei zum Teil auch nach erklärte der Vortrager falls in beschränktem Menge gefrorenen Fle zugleich unsere Indu nährung finden, wie das gefrorene argent sein.“ Beifall zollten aber zu einem ernstlie werden sie sich doch ni der Sozialdemokratie Die Unter (Unber. Nachdr. verb. Sekretariat politischen Zwecken diene, das beweisen zunächst die Protokolle aus den seinerzeitigen Versammlungen bei der Gründung des Sekretariats. Wir wollen die Leute betrachten, wie sie sind, und nicht, wie sie scheinen. Der Selretär Litzinger sein der berufene Führer der Sozialdemokratie, demzufolge habe er auch politischen Zwecken zu dienen. Er sei gegen die Bewilligung aber nicht aus parteipolitischen Gründen. Die organisierten Arbeiter Mindens können an der Ablehnung des Gesuches durch Magistrat und Stadtverordnete wieder einmal erkennen, daß sie auf sich selbst angewiesen sind. wenn sie der arbeitenden Bevölkerung dienen wollen. Das mus ein erneuter Ansporn sein, den Organisationen neue Mitgliedet Gleich nach Erö Sitzung ergriff Ver Wort für den Angel der Angeklagten nach Sie sie verurteilen. sein, sie genügen nie der angeklagten Kai Schicksal der angekl Geschworenen, was müssen auch die an Die Anklage ist nit struch zu rechtfertige Sein oder Nichtsein, haben, mögen sie et Verhandlung deswet die Anklage wegen? heben worden. Nu haben, was sie in ihr werden. Wir dürfe müssen uns an die Selbst wenn Sie zu bank Leute sitzen, di Sie sich der Tat be gehen Sie nicht w traurig sein, daß m nicht fassen kann, ab sprechen, weil ihnen nicht bewiesen ist. wo und wann sie direchtswidrig angeeig müssen sie freigespre sagen, was sie will. ist ein Raum, der Zuge hindurchfahren Sie sich das überl sparen, Sie brauche mehr heranzugehen. ist damit schon ruini eignung erwiesen? Kaiserlichen Werft der Werft, als es di zu denken. Wenn d jedermann die Schl liche Werft seit 10 wurde. Wir Vertei auf dem Standpunkt liegenden schweren Preußen=Deutschlau r plötzlichem Erschrecken. kleinen Kindern durch das Eltern ausgeübte Bangeigeführt werden. In dem rankheiten wird ein dersicht mahnt. Ein lebhaftes erfamilie angehörig, wurde inchen Orten noch üblichen ind fuhr zusammen, wurde gebung an, hatte offenbar sumher vorging, reagierte t ihm etwas in die Hand, na fest, ließ ihn aber dann rung in den Mund, so beluckte es, wenn sie flüssig nan es hinlegte, blieb es equem war; nur langsam es meist unter sich. Tel r Kopf nicht heiß, die Atvon Tag zu Tag schwächer, Nach acht Tagen trat der it der böse Knecht Ruprecht rhaupt mit allen den Dingen und erschrecken können. skunftstunde. Sonnis 11½ Uhr, im Lokale des unftstunde. Sonntag, Uhr, im Lokale des Herrn der Erwiderung des mer 279 der„Volkswacht“ zu Punkt 1 bemerken wir, er Kollegen bei Kortemeier s Ersuchen gerichtet wurde, struieren, daß derselbe von ilfaktorarbeiten verlangen en, die Antwort auf unser letinghausen, zu adressieren. dern sie hat die briefliche ermann Heidbrink, S einerdurch die Firma Jörgens ier:„Warum ist der Brief dbrügger gerichtet worden? ie Firma die Adresse des t?“ Nun hat die Firma insrigen am 13. November ert. Dieser Heidbrink hat seinen Kollegen bis zum nterschlagen. Wir fragen ist diese Verheimlichung erHeidbrink aus sich selbst en solange vorenthalten? t, woher wissen Sie überat? Hat Ihnen Heidbrink Firma gesagt, was dieselbe ind Sie selbst der Macher raus mit der Sprache. en, daß M. Kortemeier am iter angenommen hat, das er was wir behaupten, ist, vember von der Familie genommen hat; wie viel, da M. Kortemeier mit der chwägert ist, um der Verhätte bei Kortemeier annicht so ist, nehmen wir für sides in Anspruch. 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Zum Sturm ruft die„Deutsche Tageszeitung“ die Bündler auf. Sie will immer deutlicher und zahlreicher Anzeichen dafür wahrgenommen haben, daß die bevorstehende Neuregelung unserer Handelsbeziehungen zu Amerika von freihändlerischer Seite zu einem Generalsturm gegen die einheimische Fleischproduktion benutzt werden soll. Leider ist von dem behaupteten Ansturm der bürgerlichen Parteien gegen den frevelhaften Fleischwucher und die Sperre gegen die Fleischeinfuhr nichts zu merken, obwohl gerade die gegenwärtigen Fleischpreise und ihre soriwährende Steigerung zu einem solchen Vorgehen antreiben müßten. Ganz abgesehen von den schwebenden Verhandlungen über die Handelsbeziehungen mit Amerika, ist die Aufhebung des völligen Verbots der amerikanischen Vieh= und Fleischeinfuhr aus allgemeinen nationalen wirtschaftlichen Gründen zu fordern, denn nicht einer der Grunde, die zu diesem Verbot geführt haben, ist stichhaltig, es dient einzig und allein dem Zweck, dem Fleischnucher das deutsche Volk wehrlos preiszugeben. Eine Verteidigung der deutschen Fleischpreise versucht das agrarische Organ nicht, was gilt ihm die Tatsache, daß zahllose Familien der erwerbstätigen Schichten auf den Genuß von Fleisch verzichten und noch größere Kreise des Volkes infolge der unerschwinglichen Preise ihren an sich schon geringen Fleischkonsum noch weiter einschränken müssen. Natürlich fordert die Oertelgarde die Fortdauer des völligen Verbots der amerikanischen Vieh= und Fleischeinfuhr nicht im Geldinteresse der Agrarier, ihr liegt nur an der Abwehr der Kapitalsmacht des amerikanischen Fleischtrusts, an dem Schutz„nationaler“ Interessen, der Erhaltung von Thron und Altar und der Sorge, daß im Kriegsfall das deutsche Heer nicht genügend mit Fleisch versehen werden könnte, wenn jetzt der amerikanischen Fleischeinfuhr die deutsche Grenze geöffnet wird. Einflußreiche Mächte sollen nach der Erzählung der„Tageszeitung“ an der Arbeit sein, um die furchtbarsten„nationalen“ Gefahren heraufzubeschwören. Gut unterrichtete Leute versichern nach dem Oertelblatt, daß gewisse Kreise der deutschen Reederei, die seit einiger Zeit ein ganz ungewöhnliches Interesse am Hansabunde betätigen, eine ebenso eifrige wie angeblich auch geschickte Agitation in der Richtung eines weiten Entgegenkommens gegen die amerikanischen Wünsche entfalten, weil sie auf diese Weise am leichtesten durch lohnende Transporte den sinkenden Dividenden ihrer Unternehmungen wieder aufzuhelfen hoffen. Wir befürchten, daß diese Bestrebungen der einflußreichen Männer des Hansabundes nur in der Phantasie der„Deutschen Tageszeitung" bestehen, bisher haben diese Herren in trautester Vereinigung mit dem Zeniralverband der Scharfmacher ihre Kraft nur daran gesetzt, durch Schaffung des Juliusturmes den Kampf gegen die Arbeiterschaft und jede Sozialreform zu führen. In einer Versammlung der deutschen Exportvereinigung, die unter Beteiligung des Zentralverbandes der Industriellen im Sommer dieses Jahres stattfand, hat ein Rechtsanwalt Ramelow, der durch seine Beschäftigung als Handelssachverständiger in Argentinien die dortigen Verhältnisse genau kennen gelernt hat, über die Handelsbeziehungen Deutschlands mit Argentinien gesprochen, und in seinem Vortrage auch die Bedeutung der argentinischen Fleischproduktion hervorgehoben. Er wies darauf hin, daß Deutschland durch Zulassung argentinischen Fleisches beträchtliche Vorteile erlangen könnte. Argentinien exportiert für 100 Millionen Mark gefrorenes Fleisch, das zum größten Teil nach England, zum Teil auch nach Südafrika ausgeführt wird. Es würde. so erklärte der Vortragende,„unsere Landwirtschaft kaum schädigen, falls in beschränktem Maße nach Deutschland eine bestimmte Menge gefrorenen Fleisches importiert würde. Dadurch würden zugleich unsere Industriearbeiter eine ebenso vollwertige Ernährung finden, wie sie der englische Arbeiter heute hat. Daß das gefrorene argentinische Fleisch gut ist, dürfte unbestritten sein.“ Beifall zollten ihm die Industrie= und Handelsberren, aber zu einem ernstlichen Vorstoß gegen den agrarischen Terror werden sie sich doch nicht entschließen. Auch diese Aufgabe bleibt der Sozialdemokratie vorbehalten. Die Unterschleife auf der Kieler Reichswerft vor dem Schwurgericht. (Unber. Nachdr. verb.) Hg. Kiel, 3. Dezember. 26. Verhandlungstag. Gleich nach Eröffnung der heutigen, voraussichtlich letzten Sitzung ergriff Verteidiger Justizrat Wallach=Essen das Wort für den Angeklagten Frankenthal. Nur wenn die Schuld der Angeklagten nach allen Richtungen hin erwiesen ist, dürfen Sie sie verurteilen. Mögen die Verdachtsgründe noch so stark sein, sie genügen nicht zu einem Schuldigspruch. Das Schicksal der angeklagten Kaufleute ist untrennbar verbunden mit dem Schicksal der angeklagten Beamten. Wenn Sie, meine Herren Geschworenen, was ich erwarte, die Beamten freisprechen, müssen auch die angeklagten Kaufleute freigesprochen werden. Die Anklage ist nicht genügend sundiert, um einen Schuldigseruch zu rechtfertigen. Es handelt sich für die Angeklagten um Sein oder Nichtsein, um Leben oder Tod. Mögen sie gestohlen werden. Wir dürfen keine Sittenrichter sein, sondern wir müssen uns an die feststehenden Tatbestandsmerkmale halten. Selbst wenn Sie zu dem Ergebnis kämen, daß auf der Anklage1 bank Leute sitzen, die etwas Unrechtes getan haben, von denen Sie sich der Tat versehen können, machen Sie dann Halt und gehen Sie nicht weiter! Es mag vielleicht bedauerlich und traurig sein, daß man dann die Angeklagten nach dem Gesetz nicht fassen kann, aber Sie müssen sie auch in diesem Falle freisprechen, weil ihnen die Tat, wegen deren sie angeklagt sind, nicht bewiesen ist. Es muß ihnen genau bewiesen werden, wie, wo und wann sie die Sachen, die sie in Gewahrsam hatten, sich rechtswidrig angeeignet haben.— Wenn das nicht der Fall ist, müssen sie freigesprochen werden, mag die öffentliche Meinung lagen, was sie will. Der Eisenhof auf der Kaiserlichen Werft ist ein Raum, der den ganzen Tag offen steht, durch den auch Züge hindurchfahren müssen. Ist das ein Gewahrsam? Wenn Sie sich das überlegen, können Sie sich alle weitere Arbeit sparen, Sie brauchen an die einzelnen Schuldfragen gar nicht mehr heranzugehen. Der Tatbestand der Amtsunterschlagung ist damit schon ruiniert. Und dann, wo ist die rechtswidrige Zueignung erwiesen? Die Anklage hat sich zur Verteidigerin der Kaiserlichen Werft aufgeworfen. Eine schwerere Verurteilung der Werft, als es durch die Anklage geschieht, ist aber gar nicht zu denken. Wenn die Ziffern der Anklage zutreffen, dann muß jedermann die Schlußfolgerung daraus ziehen, daß die Kaiserliche Werft seit 10 Jahren in einer unerhörten Weise verwaltet wurde. Wir Verteidiger der Angeklagten stehen dem gegenüber auf dem Standpunkt, daß in dieser Beziehung die in der Anklage liegenden schweren Verdächtigungen nicht zutreffen, daß es in Preußen=Deutschland nicht möglich ist, derartige Unterschleife zu begehen, daß unser Beamtenmaterial nicht so korrumpiert sein kann. Die Pflicht, die Angeklagten zu verteidigen, involviert zugleich die Verteidigung der Kaiserlichen Werft selbst. Als es sich für die Anklage darum handelte, im einzelnen den Beweis zu führen, daß etwas unterschlagen worden ist, als wir an die Submissionen kamen, da konnte sie die mit großem Fleißz gesammelten Ermittlungen des Untersuchungsrichters nicht aufrecht erhalten. Da versagte die Anklage, weil sie sich stützte auf ein Material, das von Polizeibeamten zusammengetragen war, selige Arbeit eine Bezahlung erhalt. Aber er hat doch gearbeitet im Interesse des Reichsfiskus. Er war im Interesse der privaten Entschädigungsansprüche der Kaiserlichen Werft tätig und er ermittelte nur, was ziffernmäßig die Angeklagten Heinrich, Chrunst und Riecken unterschlagen haben sollen. Wir sind davon überzeugt, daß er und sein Gehilfe, sein„Meschores“(Heiterkeit), den Lohn bekommen werden; aber wir sind auch davon überzeugt, daß sie die denkbar ungeeignetsten Stützen der Justiz sind. Sie haben eine ähnliche Position dem Reichsmarineamt gegenüber, wie der Anwalt, der gegen Honorar für eine Partei im Zivilprozeß tätig ist. Als der Teil der Anklage, der die Submissionen betraf, zerschmettert und zertrümmert am Boden lag, da handelte die Staatsanwaltschaft nach dem Grundsatz: Laudabiliter se subjecit(Sie unterwarf sich löblich)! Es ist mir noch nicht vorgekommen, daß bei einer Anklage wie dieser, bei der ein fortgesetzetes Delikt über 10 Jahre angenommen wird, bei der also das Delikt beinahe ein gewohnheitsmaßiges geworden ist, nicht eine einzige Handlung nachgewiesen ist. Frankenthal hat weiter nichts gemacht, als die Verhältnisse der Kaiserlichen Werft für sich auszunutzen versucht. Wenn die Beamten wirklich so viel Geld von den Händlern bekommen hätten, wie die Anklage annimmt, dann müßten sie ja immens reiche Leute geworden sein. Aber Kriminalkommissar Wannowski, der alles durchsucht hat, würde sicher das gesunden haben. Dabei hat Chrunst nicht einmal die Kosten der Selbstbeköstigung bezahlen können. Meine Ueberzeugung ist die, daß auf der Kaiserlichen Werft viel Bureaukratismus geherrscht hat, und daß auch nach mancherlei Richtung hin nicht besonders kaufmännisch verfahren worden ist. Aber meine Ueberzeugung ist auch die, daß es bei der Integrität des Beamtenpersonals der Kaiserlichen Werft nicht möglich war, solche Unterschleife vorzunehmen. Ich spreche da gar nicht von den Applikanten, die, 20 an der Zahl, zum Wiegen herangezogen wurden, und die erklärt haben, vom Wiegen selbst nichts zu verstehen. Ich spreche von allen anderen Beamten, ich spreche auch von Herrn Assessor Frerichs, dessen Objektivität wir von der Verteidgung durchaus anerkennen, wenn es auch zu Anfang der Verhandlung schien, als ob auch er durch die von Kriminalkommissar Wannowski geschaffene Hypnose beeinflußt wäre. Was das Mischen anlangt, so muß ich da eine Klarstellung vor der Oeffentlichkeit vornehmen. Herr Frankenthal hat gemischt und mußte mischen. Wer das nicht will, der legt Herrn Frankenthal eine kaufmännische Verpflichtung auf, die er nicht erfüllen kann. Beim Werftmaterial aber ging er nicht anders, es wurde unsortiert verkauft und es mußte daher gemischt werden. Mag Herr Frankenthal manchmal des Guten zu viel getan haben, mag er vielleicht auch manchmal etwas getan haben, das von einem wahrhaft vornehmen kaufmännischen Standpunkt aus nicht richtig ist, so war aber deshalb noch lange nicht die Entrüstung angebracht, die Herr Sauer uns hier bewiesen hat.— Vors. Landgerichtspräsident Andrae(einfallend): Da der Name des Herrn Sauer erwähnt wird, kann ich mitteilen, daß er in einem Schreiben dagegen protestiert, daß er hier als Berliner Althändler bezeichnet wird. Er wünscht. als Berliner Kaufmann bezeichnet zu werden.(Heiterkeit.)— Erster Staatsanwalt Gräfrath: Herr Sauer hat auch dagegen protestiert, daß er in einer Lieferung an den Sachverständigen Boldt eine Mischung vorgenommen hat. Vert. J.-R. Wallach(fortfahrend): Von der ganzen Anklage bleibt weiter nichts übrig als das Geständnis des Angeklagten Chrunst. Dieses Geständnis ist ausgenommen durch den Kriminalschutzmann Brumme. Brumme war aber nicht bloß Polizeibeamter, sondern auch Beauftragter des Kriminalkommissars Wannowski. Er mußte ermitteln, in welchem Umfange die nach seiner Annahme damals vorgekommenen Unterschleife pasniert waren. Chrunst gehörte nach seiner Verhaftung dem Richter, nicht den Polizeibeamten. Soweit sind wir noch nicht gekommen, daß wir das Berliner Polizeipräsidium zur Vorbereitung eines Untersuchungszweckes brauchen. Naturlich, auch Kriminalschutzmann Brumme wollte die Wahrheit ermitteln, aber nur die Wahrheit, die er wünschte. Kriminalkommissar Wannowski und Brumme hatten den Wunsch, den Werftskanda. aufzudecken, und dieser Wunsch war der Vater aller ihrer Gedanken. Hoffentlich hat dieser Prozeß die Folge, daß dafür gesorgt wird, daß Bestimmungen in die Strafprozeßordnung aufgenommen werden, wonach es für unzulässig erklärt wird, daß im richterlichen Verfahren ein Polizeibeamter überhaupt mit Inhaftierten verkehrt. Nun sind die Briefe verschwunden. Aber Herr Frankenthal hat sofort alle Abschriften anerkannt. Hier wird ihm irgend ein guter Freund einen bösen Streich gespielt haben. Dann die neuangefertigten Briefe! Wir sind durch diese neuangefertigten Briefe überrascht worden. Aber auch das hat sich zugunsten Frankenthals aufgeklärt; denn die Untersuchungen durch Professor Jeserich haben keinen Anhalt dafür ergeben, daß Herr Frankenthal in seiner Zelle diese Briefe angefertigt hat. Wenn das überhaupt möglich wäre, dann wäre das eine Bankrotterklärung für die betreffende Gefängnisverwaltung und die Gefängnisbeaussichtigung.— Justizrat Wallach schloß sein Plaidoyer mit dem Hinweis darauf, daß die Staatsanwaltschaft es sich zu bequem mache. Alle Briefe, die ihr nicht in den Kram passen, bezeichnet sie als gefälscht. Gewiß, es können manchmal mit den Ausdrücken„Rabbi“ und„Meschores“ Heinrich und Chrunst gemeint sein, aber es können auch dritte Personen damit gemeint sein. Frankenthal und Jacobsohn hatten ein Interesse daran, daß niemand hinter ihre Geschäftsgeheimnisse komme auch so lassen sich diese hebräischen Ausdrücke erklären. Da auch dieses Moment zum Schuldigspruch nicht ausreicht, müssen die Angeklagten freigesprochen werden. Als zweiter Verteidiger für den Angeklagten Frankenthal sprach Rechtsanwalt Spiegel=Kiel. Er behandelte vor allem das Thema der Submissionen, die die Staatsanwaltschaft hat fallen lassen müssen. Mit diesen Submissionen ist die ganze Anklage gefallen. Auch aus den Differenzen zwischen dem Werftgewicht und dem Bahngewicht hat die Anklage nichts herleiten können, was gegen die Angeklagten spricht. Als letzter Verteidiger sprach Justizrat Schirren für die beiden Angeklagten Hermann Jacobsohn und Siegfried Jacobsohn. Er beschaftigte sich eingehend mit dem Verhältnis zwischen dem Angeklagten Hermann Jacobsohn und dem„Althändler“ Frankenthal. Ich sage„Althändler“ und habe wohl nicht zu befürchten, daß mich Herr Frankenthal wie Herr Sauer deswegen rektifizieren wird.(Heiterkeit.) Ich kann nicht glauben, daß im Kieler Gefängnis so unerhörte Dinge passiert sind, wie die Anklage auf Grund der angeblich gefälschten Briefe annimmt. Man hat die beiden Jacobsohn 14 Monate in Untersuchung gehalten, nur weil die Ausdrücke„Rabbi“ und„Meschores“ fur sie beverständige gehört. Viele Irrtümer hat die fünfwöchentliche Verhandlung aufgeklärt. Wir haben bewiesen, daß die Bahnwage eigentlich ein unnützes Ding ist, auf deren Angaben kein Wert zu legen ist. Wir haben ferner gehört von jener alten hundertjährigen Werftwage, von der die Kaiserliche Werft selbst nichts wußte, denn sie wies alle Reklamationen zurück. Wie haben schließlich die Geheimnisse des Althandels ergründet, davon mußten wir alle nichts. Wir sind dann acht Submissionen durchgegangen und bei diesen Submissionen hat sich gezeigt, wie wenig die Anklage zu halten ist. Wären wir alle vierzig Submissionen durchgegangen, dann hatte sich dasselbe Bild viel deutlicher gezeigt. Wir haben zu Anfang der Verhandlung es nicht für möglich gehalten, daß so viel Unklarheiten aufgeklärt würden. Ich warne die Geschworenen dringend davor, die Angeklagten nach dem allgemeinen Scheußlichkeitsparagraphen zu verurteilen und etwa anzunehmen, die Taten sind ihnen zuzutrauen und infolgedessen verurteilen wir sie. Ich hatte erwartet, daß der Herr Erster Staatsanwalt der angenehme Staatsanwalt gewesen wäre wie ich ihn nach seinen Schilderungen mir gedacht habe. Er ist es aber nicht gewesen, er hat nicht die Freisprechung der Angeklagten beantragt, ja nicht einmal den Angeklagten, für die er selbst die Freisprechung beantragte, das Zeugnis ausgestellt, daß sie unschuldig sind. Es sollen nur die Verdachtsmomente nicht ausgereicht haben. Gegen solche Argumente müssen wir uns wenden. Ich beantrage auch die Freisprechung der beiden Angeklagten Jacobsohn. Erster Staatsanwalt Gräfrath: Herr Rechtsanwalt Cohn hat mir vorgeworfen, daß ich nicht mit genug Wärme für die Freisprechung Brakels eingetreten sei. Mir will es heute noch nicht wahrscheinlich erscheinen, daß ein großer Hamburger Kaufmann sich so wenig um sein Geschäft gekümmert haben sollte, wie es bei Brakel der Fall sein soll. Im übrigen hat Brakel, der die Briefe und Bücher vernichtet hat, selbst schuld, wenn er so lange in Untersuchungshaft gehalten ist. Es ist erfreulich, daß sich jetzt seine Unschuld herausstellt. Das Geständnis des Angeklagten Chrunst ist die Grundlage der Anklage. Fällt diese Grundlage weg, dann kann vielleicht der Bau ins Wackeln kommen. Aber gegen dieses Geständnis hat nichts Stichhaltiges vorgebracht werden können. Wenn Sie den Kriminalschutzmann Brumme nicht für einen Menichen halten, der, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, etwas Unwahres hinschreibt, dann müssen Sie dem Geständnis glauben. Ich bin 23 Jahre Staatsanwalt, glaube aber immer noch an das Wort eines Menschen. Ich wüßte deshalb auch nicht, weshalb Kankowski hier die Unwahrheit hätte sagen sollen. Gewiß, es gibt schlechte Menschen, aber dann handeln sie meist aus Haß und Eigennutz. Beides kommt hier nicht in Frage. Ich will die Herren Geschworenen um Gottes willen nicht bitten, im Dunklen zu tappen und etwa einen Schuldigspruch zu fällen, der sich nicht auf ihre Ueberzeugung gründet. Tun Sie das um Gottes willen nicht! wenn Sie die volle Ueberzeugung der Schuld haben, dann müssen Sie auch verurteilen, und zwar ohne Mitleid! Wenn Begnadigungsgründe sich später herausstellen, dann wissen die beteiligten Stellen, was sie zu tun haben. Staatsanwalt Marschner warnte gleichfalls die Geschworenen vor der Verneinung der Schuldfrage, denn man würde sonst sagen: Die kleinen Diebe hängt man, die großen Diebe läßt man laufen! Vert. J.-R. Wallach: Der Gesichtspunkt einer Begnadigung scheidet aus. Wenn Sie die Angeklagten verurteilen und agen, daß seit 10 Jahren solche Dinge auf der Kaiserlichen Werft passiert sind, dann gibt es keine Gründe für eine Begnadigung. In den Worten des Staatsanwalts Marschner sehe ich eine bedenkiche Art der Stimmungsmacherei. Solche Aeußerungen sollte man hier im Saale lieber nicht tun. Sie mögen krätige Vermutungen und starken Verdacht gegen die Angeklagten haben; aber es wäre die größte Gefahr für die Rechtspflege, wenn Sie nur auf Grund dieser beiden Momente eine Verurteilung eintreten ließen. Das Geständnis des Chrunst ist noch die einzige Stütze der Anklage. Alles andere ist zusammengefallen. Die Sache ist viel zu ernst und verantwortungsvoll, als daß man auf ein solches Geständnis vor einem Polizeibeamten, nicht vor einem Richter, die Verurteilung so vieler Angeklagten gründen dürfte. Die Staatsanwaltschaft konnte keinerlei Beweise vorbringen. Ich kann die Herren Geschworenen nur wiederholt bitten, ihr Urteil zu fällen ohne Rücksicht auf eine etwa bestehende öffentliche Meinung. Die Angeklagten verzichteten sämtlich auf das letzte Wort, worauf der Vorsitzende Landgerichtspräsident Andrae den Geschworenen eine ausführliche Rechtsbelehrung erteilte. Um 6 Uhr zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück Nach 1½ stündiger Beratung verkündete der Obmann der Geschworenen, Gutsbesitzer Blohm aus Muggesfelde, daß die Geschworenen sämtliche Schuldfragen verneint haben. Das überfüllte Auditorium nahm den Spruch der Geschworenen mit sich immer wiederholenden Bravorufen auf, was der Vorsitzende Landgerichtspräsident Andrae ernstlich rügte.— Die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft verzichteten auf alle weiteren Anträge; nur Rechtsanwalt Cohn=Hamburg stellte für den Angeklagten Brakel den Antrag auf Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft. Das Gericht sprach sämtliche Angeklagte frei, legte die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auf und hob die noch für die Angeklagten Heinrich, Chrunst, Farsbutter, Hermann Jacobsohn und Frankenthal bestehenden Haftbefehle auf. Der Vorsitzende Landgerichtspräsident Andrae richtete am Schluß der funfwöchentlichen Verhandlung noch folgende Ansprache an die Prozeßbeteiligten: Ganz allgemein habe ich allen Beteiligten bei diesem Riesenprozeß, den Protokollführern, Beisitzern, Staatsanwälten und den Verteidigern dafür zu danken, daß sie die Beendigung dieses großen Prozesses nach Möglichkeit erleichtert haben. Den Geschworenen habe ich besonderen Dank zu sagen. Sie hatten eine Aufgabe, die nach meiner Ueberzeugung die schwerste Aufgabe war, die überhaupt jemals einem deutschen Schwurgericht gestellt worden ist. Sie war schwierig nicht nur dem Umfange nach, denn es wurden 200 Zeugen vernommen, 200 Schriftstücke verlesen, ganze Aktenberge durchgearbeitet, sondern es war auch eine Arbeit, schwierig in bezug auf die Entscheidung. Die Geschworenen sind an diese Arbeit herangegangen mit dem ganzen Ernst, der Treue und der Gewissenhaftigkeit, die guten deutschen Männern eigen ist. Dafür kann ich Ihnen auch an dieser Stelle nur den Dank des Gerichts aussprechen. Leider ist zurzeit der gesetzliche Zustand der, daß den Geschworenen eine materielle Entschädigung für ihre Mühe nicht gewährt wird. In kurzer Zeit wird auch das gesetzlich geregelt sein. Die Geschworenen mussen sich begnügen mit dem Gefühl der Befriedigung für die erfüllte Pflicht. Hierauf schloß Vorsitzender Landgerichtspräsident Andras die Verhandlung, die fast volle fünf Wochen in Anspruch genommen hatte. lastend waren. Man hat in dieser Beziehung nicht einmal SachDie Angeklagten wurden sofort aus der§ von ihren Familienmitgliedern unter herzlich in Empfang genommen. Haft entlassen und hen Gluckwünschen Kleines Feuilleton. esc. Die Funkentelegraphie hat während der sehr kurzen Zeit ihres Bestehens bereits eine ganz erhebliche Verbreitung gefunden. Nach einer kürzlich vom deutschen Reichspostamt angefertigten Zusammensteuung bestehen gegenwärtig in den fünf Erdteilen zusammen 194 ständige Funkentelegraphenstationen. Am hervorragendsten ist vertreten Amerika mit 103, sodann Europa mit 66, Asien mit 20, Australien mit 7. Unter den europäischen Staaten hat Italien 19, Großbritannien 17, Deutschland 15, Oesterreich 8 usw. Am verbreitetsten ist das System Marconi mit 70 Stationen, das System„Telefunken mit 63,„de Forest“ mit 22. Die Erfindung, an deren Vervoll kommnung ständig weitergearbeitet wird, hat selbstverständlig noch eine große Zukunft. Freitag, den 10. Dezember d. 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Wo einigungen angehör was aber die Stati jede Berufsabteilun durch die Statistik Unternehmern, die? beitgeberverbände“ bände“ angehören, betrug aber nur 24 überhaupt. Daraus größeren Betriebe u noch ein erheblicher Beim„Verein deut Mitglied 45,2 und be verbande“, 160,8 Arl Verband die Großin den Zentraten nicht die größten. der M Fleischerverband, de gewerbe und der§ im Malergewerbe. liche Verband mit 25 deutscher Tapisserien Verband deutschere beitern. Von den ar ist der Gesamtverbat 2800 Mitgliedern, di Von besonderer T nehmerverbände zu „Verein deutscher 9 glieder nicht selberg den nebenher eine gegebenenfalls Unter deutscher Arbeitgebe stützung straffer ger Arbeitgeververbände sein sollen. Die gez die geleisteren Unter schaft des Vereins erhebt an Beiträgen der Jahreslohnsumn des durchschnittlicher Arbeitstag. Bei A. je nach der Zahl der Prozent des durchsch rung hat, wie man stützungskasse ebenso für die Kasse der zweischneidig; sie lee dern auch die der U Der Schutzverban Arbeitgeberverbände, Mark— Eintrittsge gezahlten Jahreslok Streiks 10 Prozent Lohnsumme. Die deutschen Arbeitgeb München“ erhebt für 10 Pfg. Eintrittsgeld und k#rveiter bezw. für jeden streikenden 50 Pfg. pro Arbeits Deutscher Metallind 3%0 Beiträge; an 1 Betriebes 25—50 Pr für jeden ausgefalle auch hier die Unterst Zechenverband, Essen zu Fall fest und erhe jahre durchschnittlich beträgt für jeden aus Mark. Erheblich h deutschen Schutzverbe Beitrag stellt sich dor und steigt bei jedem Jahr, während die 1 Zechenverband. Der der Streikversicherur größeren Streiks od kassen mit den niedi wären, bedarf keiner Zechenverband ein, Hauptversammlung: beschließen kann. Die Unterstützung Eerrungen wird nur merzu eingesetzten I stützung erfolgt auch zwischen 3 und 12 gesellschaften und Un Tage an nach Ausbri andere erst nach meh rerrung Zahlungen kändiger Glaser wi Frischädigung,„und ##en“ bewinigt di yinaus. Einige Ver! daß sie für den Fal Entschädigung gewäl geberverband für de digung erst dann, we Arbeiter ausständig lungen ein, sobald zu beschaftigt gewesenen haben. Von besonderem schem Amt“ vor Wenus 8/2 En 678 agen i. W. über: GUwerst rderobe 20 Pfg. ggeben. Dr Arrrteth schaffung empfohlen: RIas Porto 20 Pfg. Kulrenchmrrorgantsationen und ch Ttrementschadigungsnaßsen. Die Organisationen der Unternehmer sind in den letzten Jahren erheblich ausgebaut worden. Nicht nur die Tatsache, daß sie an Mitgliedern gewonnen haben, gibt ihnen gegen früher eine größere Bedeutung, sondern daß sie ihre Einnahmen erhöht und damit ihre Leistungen gesteigert haben, hat ihren wirtschaftlichen Einfluß gestärkt und befestigt. Eine genaue Uebersicht über die Stärke der Unternehmerverbände ist allerdings nicht zu gewinnen. Das„Reichsstatistische Amt“ hat an alle offiziell bekannte Unternehmerverbände am 1. Januar 1909 Fragebogen verschickt und um deren Ausfüllung gebeten. Nicht alle haben geantwortet; ein Teil hat eine Beantwortung der Fragen ausdrücklich abgelehnt, weil sie angeblich nur den einzigen Zweck verfolgen, die Verkaufspreise ihrer Erzeugnisse zu regeln. Trotzdem sind 2592 Unternehmervereinigungen mit 159 405 Mitgliedern, die 3647147 Arbeiter beschäftigen, von der Umfrage erfaßt worden. Doppelzählungen dürften in diesen Ziffern nicht enthalten sein, weil nur die Mitglieder und Arbeiter der selbständigen Verbände unter Ausschluß der Zentralen ausgenommen worden sind. Wo ein Unternehmer verschiedenen Berufsvereinigungen angehört, wird er allerdings doppelt gezählt sein, was aber die Statistik nicht beeinflußt, denn er erscheint für jede Berufsabteilung als selbständiger Arbeitgeber. Von den durch die Statistik erfaßten Arbeitern waren 66,9 Prozent bei Unternehmern, die den beiden Zentralen„Verein deutscher Arbeitgeberverbände" und Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände“ angehören, beschäftigt. Die Zahl dieser Unternehmer betrug aber nur 24,2 Prozent der organisierten Unternehmer überhaupt. Daraus geht hervor, daß die Zentralverbände die größeren Betriebe umfassen. Aber auch zwischen diesen besteht noch ein erheblicher Unterschied in der Größe der Betriebe. Beim„Verein deutscher Arbeitgeberverbände" kommen auf ein Mitglied 45,2 und bei der„Hauptstelle der deutschen Arbeitgeberverbande“, 160,8 Arbeiter, woraus sich ergibt, daß in letzterem Verband die Großindustrie am stärksten vertreten ist. Von den den Zentralen nicht angeschlossenen Arbeitgeberverbänden sind die größten. der Mitgliederzahl nach gerechnet: der deutsche Fleischerverband, der deutsche Arbeitgeverbund für das Baugewerbe und der Hauptverband deutscher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe. Nach der Arbeiterzahl steht der baugewerbliche Verband mit 250000 an erster Stelle, ihm folgt der Verein deutscher Tapisseriewarenfabrikanten in Berlin mit 50.000, der Verband deutscher Steinmetzgeschäfte in Berlin mit 40000 Arbeitern. Von den an andere Verbände angeschlossenen Vereinen ist der Gesamtverband deutscher Metallindustrieller, Berlin, mit 2800 Mitgliedern, die 510000 Arbeiter beschäftigen, der größte. Von besonderer Wichtigkeit ist die Stellung der Unternehmernehmerverbände zu den Streiks und den Aussverrungen. Der „Verein deutscher Arbeitgeberverbände" versichert seine Mitglieder nicht selber gegen Streiks, sondern seine Mitglieder bilden nebenher eine selbständige Entschädigungsgesellschaft, die gegebenenfalls Unterstützungen zu leisten hat. Die„Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände“ hat dagegen die Streikunterstützung straffer geregelt und verfolgt den Grundsatz, daß die Arbeitgeververbände selber die Träger der Streikversicherung sein sollen. Die gezahlten Beiträge und Eintrittsgelder, sowie die geleisteren Unterstützungen sind sehr verschieden. Die Gesellschaft des Vereins zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen erhebt an Beiträgen ½%0— das sind 50 Pfg. von 1000 Mk.— der Jahreslohnsumme und vergütet bei Streiks 12½ Prozent des durchschnittlichen Tagesverdienstes für jeden ausfallenden Arbeitstag. Bei Aussperrungen sinkt die Unterstützungsziffer je nach der Zahl der ausgesperrten Arbeiter von 12½ auf 2½ Prozent des durchschnittlichen Tagesverdienstes. Die Aussperrung hat, wie man sieht, für die Unternehmer und ihre Unterstützungskasse ebensogut eine schwere Belastung zur Folge, wie für die Kasse der Arbeiter. Die Waffe der Aussperrung ist zweischneidig; sie leert nicht nur die Kassen der Arbeiter, sondern auch die der Unternehmer. Der Schutzverband gegen Streikschäden, Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände, Berlin, erhebt ¼%0— 25 Pfg. pro 1000 Mark— Eintrittsgeld und desgleichen ¼%0 Beitrage von der gezahlten.„Jahreslohnsumme; die Unterstützung beträgt bei Sitelts 10 Prozent der auf die fejernden Arbeiter entfallenden Lohnsumme. Die„Streikentschädigungskasse des allgemeinen deutschen Arbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe, München“ erhebt für jeden Arbeiter 20 und für jede Arbeiterin 10 Pfg. Eintrittsgeld und an Beiträgen 5 und 3 Pfg. pro Woche Oststraße 12? und Arbeiter bezw. Arbeiterin. An Unterstützung zahlt die Kasse für jeden streikenden Arbeiter 1,20 Mk. und für jede Arbeiterin 50 Pfg. pro Arbeitstag. Die„Gesellschaft des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller" erhebt ¼%0 Eintrittsgeld und 3%0 Beiträge; an Unterstützung zahlt sie je nach der Größe des Betriebes 25—50 Prozent des durchschnittlichen Tagesverdienstes für jeden ausgefallenen Arbeitstag. Bei Aussperrungen sinkt auch hier die Unterstützung bis auf 5 Prozent herunter.— Der Zechenverband, Essen, setzt die Höhe des Eintrittsgeldes von Fall zu Fall fest und erhebt an Beiträgen 1 Mk. für jeden im Vorjahre durchschnittlich beschäftigten Arbeiter. Die Unterstützung betragt für jeden ausständigen Arbeiter und pro Tag gleichfalls Mark. Erheblich höher sind die Beiträge bei dem„Allgemeinen deutschen Schutzverband für das Bäckergewerbe. Berlin". Der Beitrag stellt sich dort bei einem oder zwei Gesellen auf 5,40 Mk. und steigt bei jedem weiteren Gesellen um weitere 1.20 Mk. pro Jahr, während die Unterstützung auch nicht höher ist, als beim Zechenverband. Der Großbetrieb stellt sich anscheinend auch bei der Streikversicherung billiger als der Kleinbetrieb. Daß bei größeren Streiks oder Aussperrungen die Streikversicherungskassen mit den niedrigen Beiträgen in kurzer Zeit gesprengt waren, bedarf keiner näheren Darlegung. Das sieht auch der Zechenverband ein, denn er bestimmt durch Statut, daß die Aalriversammlung nötigenfalls die Verdoppelung der Beiträge beschließen kann. Die Unterstützung bei Streiks und zumeist auch bei Ausverrungen wird nur gewährt, nachdem die Berechtigung von der an eingesetzten Instanz anerkannt worden ist. Die Unternupung erfolgt auch erst nach einer bestimmten Wartezeit, die swischen 3 und 12 Monaten beträgt. Einige Versicherungsgesellschaften und Unternehmerverbände geben gleich vom ersten Tage an nach Ausbruch des Streiks eine Entschädigung, während andere erst nach mehrtägiger Dauer des Streiks oder der AusKärsuuns Zahlungen leisten. So zahlt der„Schutzverband selbstSEmna#### taser während der ersten 14 Tage überhaupt keine Lnlschädigung, und der„Leipziger Verband der Metallindustriellen“ bewilligt die Streikunterstützung nicht über 100 Tage hinaus. Einige Verbände sprechen in ihren Statuten offen aus, daß sie für den Fall eines Generalausstandes überhaupt keine Entschädigung gewähren. Der„allgemeine Deutsche Arbeitgeberverband für das Schneidergewerbe“ zahlt eine Entschädigung erst dann, wenn ein Fünftel oder mehr der beschäftigten Arbeiter ausständig sind. Einige Vereine stellen auch die Zahlungen ein, sobald zwei Drittel der vor Ausbruch des Streiks beschäftigt gewesenen Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen haben. Von besonderem Interesse sind noch die dem„Reichsstatistischem Amt“ von den Unternehmer=Verbänden auf Grund der ausgegebenen Fragebogen mitgeteilten Zahlen über die fur Streiks geleisteten Entschädigungen. Bei der„Gesellschaft des Vereins deutscher Arbeitgeberverbände zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen" sind im vergangenen Jahre von 8 Gesellschaften Entschädigungsansprüche in Hohe von 525 318 Manntagen gestellt worden, für die eine Entschädigung von 153 457 Mark geleistet wurde. Das macht auf den Streiktag und Arbeiter 29,2 Pfg. Die Gesellschaft hatte bei den geringen, an sie gestellten Forderungen in diesem Jahre einen Ueberschuß von 80000 Mark erzielt, eine lächerlich geringe Summe, die ein einziger Streik mehr nicht nur aufgezehrt, sondern den Gewinn in ein Defizit verwandelt haben würde. Bei der Gesellschaft des„Gesamtverbandes deutscher Metollindustrieller zur Entschädigung bei Arbeitseinstellungen“ betrugen die durch Streiks und Aussperrungen ausgefallenen Arbeitstage 321 754, von denen 52362 auf Streiks und 269•392 auf Aussperrungen entfielen. Es erhielten: 43 Firmen eine Entschädigung......... bis 1000 A 12„„„ von 1000 M„ 5000„ 5„„„„ 5000„„ 10000„ 5„„„„ 10000„„ 25000„ 1„„„„ 25000„„ 50000„ 2„„ über 100000 Die Gesellschaft schließt mit einem Ueberschuß von 321 514 Mk. ab. Dieser verhältnismäßig günstige Abschluß ist auf die geringe Zahl von Streiktagen zuruckzuführen, was durch die schlechte Konjunktur erklärlich ist. Bei der Gesellschaft des„Arbeitgeberverbandes Unterelbe“ zeigt sich das noch drastischer. Im Jahre 1907 wurden für 75 541 Manntage Entschädigung in Höhe von 61 586 Mark und im Jahre 1908 nur für 41 454 Manntage in Höhe von nur 27838 Mark beantragt. Sobald aber, wie das jetzt festzustehen scheint, der Höhepunkt der Krise überschritten ist, werden die Gewerkschaften mit ihren zurückgehaltenen Lohnforderungen ir anderer Weise als bisher an die Unternehmer herantreten. In diesen Kämpfen wird sich auch zeigen, daß die Organisationen der Unternehmer weniger zu furchten sind, als verschiedentlich angenommen wird. In den Zeiten wirtschaftlicher Depression können sie den Bestrebungen der Arbeiter auf Verbesserung ihrer Lebenshaltung vielfach ernstlichen Widerstand entgegensetzen. Inzwischen sind die Arbeiter nicht müßig gewesen, sie haben durch Festigung ihrer Organisationen dafür gesorgt, daß die Bäume der Unternehmer nicht in den Himmel wachsen. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 4. Dezember. Von der„Nahrhaftigkeit" des Bieres. Die meisten Menschen, die Bier oder Wein oder Schnaps trinken, die tun das, ohne sich mit irgendwelchen Gründen zu quälen. Es ist manchem Arbeiter so selbstverständlich, daß er bei der Arbeit die Flasche neben sich stehen hat, wie es dem Studenten selbstverständlich ist, daß er zum Frühschoppen geht. In Süddeutschland ist es gar selbstverständlich, daß auch das junge Dienstmädchen sein tägliches Biergeld erhält, daß die Büglerin und die Wäscherin ein reichliches Quantum Bier verzehren. Allen diesen Menschen ist es etwas ganz Unerhebliches, Unbedenkliches, Altgewohntes und Natürliches, daß man alkoholische Getranke als Tagesgetränk trinkt. Aber es mehren sich doch nun auch in Deutschland die Leute, die bewußt und energisch damit aufhören, Alkohol zu genießen, und die nun gegen diejenigen, die gedankenlos weitertrinken, mit starken Bedenken vorgehen. Und seitdem haben die Freunde des Alkohols sich bequemen müssen, auch ihrerseits Grunde zu nennen, warum sie auch jetzt noch, in einer Zeit wachsender Feindschaft gegen den Alkoholismus, ganz geruhig weitertrinken. Und sie lassen es sich wirklich gute Mühe kosten, blendende und überzeugende Gründe auszutifteln. Ich meine, manche Arbeiterfrau müßte erzählen können, wie viele„durchschlagende“ Gründe ihr trinkender Mann anzuführen weiß, wenn sie einmal gegen ihn losfährt in bitterem Zorn. Sie weiß dann meist nichts dar. auf zu sagen, wenn sie auch im innersten Herzen nicht glauben lann, daß das Saufen sich wirklich mit guten Gründen rechtfertigen ließe. Darum wollen wir uns solche männlichen Verteidigungsreden einmal genau ansehen. Die Arbeiterfrau darf die Antwort nicht schuldig bleiben, wenn der Mann sie mit ihren instinktiven Bedenken verspottet. Die verblüffendste Einrede der Trinker scheint mir diese: „Was wollt ihr, Bier ist doch direlt nahrhaft, denn es wird doch aus Getreide gemacht so gut wie Brot. Also Bier ist geradezu Brot, bloß in tlüssigem Zustande. Hat der Mann nicht wirtlich recht? Aber wir wollen uns doch nicht gleich verblüffen lassen, wir wollen uns mal besinnen. Wir wissen aus der vorigen Betrachtung her genau, woraus das Bier eigentlich besteht. Das mit der Gerste stimmt zweifellos; sogar dem Schnaps ist nicht abzuleugnen, daß er aus Korn oder mindestens aus Kartoffeln gemacht wird, die unbestritten als Nahrungsmittel gelten. Die Gerste ist sogar ein recht gutes Nahrungsmittel, denn sie enthält beide Arten von Nährstoffen, die der Körper braucht. Der Körper braucht nämlich Stoffe zum Aufbau oder zum Ersatz (wie z. B. das Eiweiß), und er braucht Stoffe zum Verbrennen, wie z. B. Fett und Zucker. Beide Arten sind in der Gerste drin. Indessen: wir erinnern uns, daß die Gerste gar nicht Gerste bleibt. Sie wird ja durch Keimen zu Malz, d. h. aus dem Stärkemehl der Gerste wird zumeist Zucker. Aber der Mann behält vorläufig noch immer recht: denn auch der Zucker ist ja wertvoll für den Körper. Ja— wenn nur der Zucker eben Zucker bliebe! Aber wir erinnern uns weiter, daß ja der Zucker fast ganz verschwindet. Ein Teil wird von den kleinen Pilzen verzehrt, ein anderer Teil wird bei dem Gären zerlegt in Kohlensäure und Alkohol. Von dem nahrhaften Zucker bleiv## so gut wie nichts, und Kohlensäure und Alkohol sind eben nicht nahrhaft. Die Kohlensäure ist dem Menschen direkt schädlich, wenn er sie einatmet; bloß wenn er sie mittrinkt, schadet sie ihm nicht, sondern macht einen angenehm frischen Geschmack. Und was der Alkohol im menschlichen Körper anrichtet, davon wissen die Aerzte traurige Dinge zu berichten. Jedenfalls ist er himmelweit davon entfernt, ein Nährstoff zu sein. Also der Nährgehalt, der in dem Stärkemehl der Gerste und dann auch noch im Zucker steckt, geht fast vollständig im Prozesse des Bierbrauens verloren. Es geht ja freilich auch Eiweiß aus dem Malz in die Malzzuckerwasserlösung über, und das ist ein außerordentlich wertvoller Stoff. Aber es ist viel zu wenig davon im Biere, als daß man es eiweißhaltig nennen dürfte. Es ist wirklich nichts mit der bestechenden Einrede, Bier sei „flüssiges Brot“. Denn alle die guten Nährstoffe, die ursprünglich tatsächlich vorhanden sind, werden so verandert oder vermindert, daß sie als Nährstoffe nicht mehr in Betracht kommen. Jede gut zubereitete Gerstensuppe ist zweifellos nahrhaft; der vielbesungene edle Gerstentrank ist es nicht mehr. Die Erzählung von der Nahrhaftigkeit des Bieres ist ein Märchen; ein Märchen eben in dem Sinne, daß die heutige Naturwissenschaft seine Unglaubwürdigkeit nachzuweisen vermag. Und mit dem Schnaps steht es noch schlimmer; da fehlen auch die Restchen von einstigen Nährwerten, wie sie das Bier noch verrät, überhaupt vollstandig. Also fortan braucht die Arbeiterfrau sich nicht mehr einschüchtern zu lassen, wenn ihr Mann ihr weismachen will, Bier sei überhaupt ganz nahrhaft. Sie mag und soll guten Mutes daran gehen, ihm das Gegenteil zu beweisen. H. M. — Bielefelder Karneval=Verein„Helau“, Morgen findet ein großer Eröffnungsball statt. Näheres siehe Inserat. — Hausbesitzer und Telephonanlagen. Die Frage, ob der Grundstückseigentümer seinem Mieter auf Verlangen gestatten muß, einen Fernsprecher anzulegen, ist durch das Reichsgericht dahin entschieden worden, daß ersterer zum Dulden eines Anschlusses verpflichtet ist, wenn nach der gebotenen Sachlage die Fernsprecheinrichtung als dringendes Bedürfnis für den Gebrauch der Wohnung erachtet werden muß. Dagegen hat das Reichsgericht die Klage des Mieters gegen den Grundstücksbesitzer auf Unterzeichnung eines Reverses, welchen die Ausführungsbestimmungen zur Fernsprechgebühren Ordnung verlangen und in dem die Genehmigung des Hausbesitzers auf Anbringung aller Vorrichtungen, die zur Herstellung, Instandhaltung und Erweiterung des Telegraphen= und Fernsprechnetzes erforderlich sind, ausgesprochen sein muß, abgewiesen. Das Reichsgericht nimmt dabei an, daß ohne besondere Gründe der Grundstückseigentümer nicht verpflichtet werden kann, eine so weitgehende Erklärung der Telegraphenverwaltung abzugeben, da durch die Benutzung seines Grundstücks für die Zwecke des allgemeinen Fernsprechnetzes sein Eigentum gestört werde. Die juristische Zeitung„Gesetz und Recht" erblickt indessen in dieser Abweisung eine Ueberspannung des Eigentumsbegriffs, denn die Beeinträchtigung ist so gering und wird so allgemein geduldet, ja die Möglichkeit, Anspruch an das Fernsprechnetz zu gewinnen, ist nach den heutigen Verkehrsverhältnissen eine so selbstverständliche Voraussetzung beim Mieten jedes Grundstücks, daß dem Vermieter höchstens der Gegenbeweis offen stehen sollte, daß gerade in dem gegebenen Falle der Mieter das Dulden der Fernsprechanlage nicht von ihm verlangen könne. Denn die Ausübung eines Rechts ist nach§ 226 des Bürgerlichen Gesetzbuchs unzulassig, wenn sie nur den Zweck haben kann, einem anderen Schaden zuzufügen. * Stift Quernheim, 2. Dez. Am Montag abend fanden hie zwei Tabakarbeiterversammlungen statt. Bei Wirt Budde hatten die„Christen“ eine Versammlung und auf der Deele von Scheiding die„Freien". Bei Budde referierte Redakteur Rödlach, bei Scheiding Deichmann. Noch vor einigen Wochen hat der„Ravensberger“ verkündet:„Hier finden die Roten keinen Boden. Deshalb hatten die„Christen" wohl eine Extraversammlung arrangiert, weil sie glaubten, die Freien wären dann auf der kalten Deele mit einem Bäckerdutzend zusammen gewesen. Doch sie hatten sich mal wieder verrechnet. 150 Personen. darunter einige weibliche, waren in der Versammlung der Freien und Herr Rödlach redete vor ganzen 17 Mann, von denen noch einige keine Tabakarbeiter waren. Das war mal die Probe aufs Exempel. Zu der Versammlung bei Scheiding waren keine Auswärtigen erschienen. Daß es den Christlichen in Stift Quernheim nun an wohlverdientem Spott nicht fehlt, läßt. sich denken. * Börninghausen, 2. Dez. Die Versammlung, in welcher Deichmann=Bremen über die Kämpfe der Tabakarbeiter um ihre Existenz referierte, war trotz Sturm und Regen gut besucht. Auch in diesem Winkel des Kreises Lübbecke schreitet unsere Sache vorwarts. * Mennighüffen, 2. Dez. Die Tabakarbeiterversammlung im Tümpelkrug am Sonntag war von zirka 200 Personen besucht. Nach dem Referat des Kollegen Deichmann -ließen sich einige Kollegen in den Deutschen Tabakarbeiterverband aufnehmen. * Ostkilver, 2. Dez. Die Tabakarbeiter=Versammlung bei Frormann, in welcher Genosse Deichmann referierte, war überfüllt. Von weit und breit waren die Kollegen erschienen, um den Vorsitzenden des Deutschen Tabakarbeiter=Verbandes reden zu hören. Die Versammlung hat die Organisation wieder ein gutes Stück vorwärts gebracht. -0- Oeynhausen, 2. Dez. Im„Oeynhauser Anzeiger“ veröffentlichten angeblich die Arbeiter der Möbelfabril Droste& Ottensmeyer eine Erklärung, wonach sie sich bei der Firma wohl fühlen und das bestehende System loben. Die Zeilen sprechen für sich und charakterisieren den Schreiber zur Genüge. Interessant wäre nun zu wissen, wo denn die Arbeiter den Schriftsatz vor der Veröffentlichung unterbreitet bekommen haben und ob diesen etwa das Recht zugestanden war, Aenderungen vorzunehmen!— Was die Behauptung des Schreibers anbetrifft bezüglich der Löhne, der Wohlfahrtseinrichtungen usw., so bitten wir diesen Herrn, doch nächstens in die öffentlichen Holzarbeiterversammlungen zu kommen und da seine Lobeshymnen anzustimmen. An dem einfallenden Chor würde es nicht fehlen. Daß unser Flugblatt dem Schreiber in die Knochen gefahren ist, ist nur erklärlich. Aber warum kam dieser denn nicht zur rechten Stelle, um seinen Brotgeber zu retten? Bezüglich der Ursachen des Streiks im vorigen Jahre sei darauf verwiesen, daß die Firma Abzüge vornahm und die beschäftigten Arbeiter darauf in den Streik traten, da sie der Meinung waren, bei den herabgesetzten Akkordpreisen dann nicht mehr existieren zu können. Am Streik waren 42 christlich und nur 6 freigewerkschaftlich organisierte Holzarbeiter beteiligt. Wenn also da von Hetzern gesprochen wird, dann müßte sich der Schreiber an die christlichen Glaubensgenossen der Firma wenden!— Dem edlen Kämpen der Firma Droste& Ottensmeyer werden wir Gelegenheit geben, sich nächstens öffentlich in Gegenwart aller Beteiligten auszusprechen. Aber bitte, nicht kneifen! Gewerkschaftsbewegung. Innungen gegen Gewerbegerichte. Gegen die Spruchpraxis der Gewerbegerichte laufen die Innungsmeister fortgesetzt Sturm. weil durch sie die gute, alte, patriarchalische Zeit der schrankenlosen Arbeiterausbeutung doch verschiedentlich durch eine Zeit der Anerkennung des Arbeiterrechtes abgelöst wird. Auch der Vorstand des Bundes deutscher Barbier= und Friseurinnungen beteiligt sich in hervorragendem Maße an diesem Kampf gegen die Gewerbegerichte. Der Bund hatte die Parole ausgegeven, Gewerbegerichtsurteile zu sammeln. In der Ausgabe seines Organs vom 15. Oktober wurde ein Urteil des Geneil diese sich weigerten, um 6½ Uhr aufzustehen, resp. vor 7 Uhr ins Geschäft zu kommen. Die Gehilfen klagten, und die Meister wurden auf Grund des§ 1390 Abs. 1 der G.=O. verurteilt, weil den Gehilfen nach Beendigung der Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens 10 Stunden nicht gewährt worden sei. Im Anschluß an die Kritik dieses Urteils erklärte der Bundesvorstand,„sich sofort an die maßgebenden Justizinstanzen im Reiche zu wenden mit der Bitte, die Gewerbegerichte aufzuklären, damit weitere Fehlurteile in dieser Beziehung in Zukunft unterbleiben". Das Reichsamt des Innern hat nun dem Bundesvorstand auf seine Eingabe erwidert eine Einwirkung aus die Rechtsprechung der Gewerbeordnung stehe dem Amte nicht zu. Degen die neuen Bestimmungen der Gewerbeordnung, die für die Arbeiterinnen den zehnstündigen Maximalarbeitstag und an den Vorabenden der Sonn= und Festtage den achtstündigen Arbeitstag normieren, wendet sich nun auch der Schutzverband deutscher Steindruckerei=Besitzer. Er will zwar nicht— wie wir das neulich von den Konrobuchfabrikanten mitteilen konnten— das Steindruckgewerbe für ein Saisongewerbe erklärt wissen, sondern er verlangt von seinen Mitgliedern in einem streng vertraulichen Schreiben Vorschlöge„zur Liyderung des drohen#en Schadens". Da der Steindrucker ebenfalls die Arbeit einstellen müßte, wenn die Anlegerin die Maschine nach geraner Sstündiger Arbeitszeit am Sonnabend nicht mehr bedient, so wird in dem zwei Wochentagen je ½, Stunde mehr gearbeitet werden, um die eine Stunde einzuholen. Weiter wird darauf verwiesen, daß die Reduzierung der Arbeitszeit an Sonnabenden auf 8 Stunden eine Erledigung der Tagesauflagen nicht zulasse und deshalb die liegengebliebene Arbeit die Arbeitseinteilung der daraufeine —— folgenden Woche störe. Die Unternehmer stellen sich doch wirklich ein geistige Armutszeugnis aus, wenn sie wegen solcher geringen, technischen Schwierigkeiten einen solchen Auskunftsapparat in Bewegung das Steindruckgewerbe sicher auch nicht bankerott gehen, wenn die 53stündige Arbeitszeit, die schon in vielen Gewerben Usus ist, eingeführt würde. Turifkündigung in der Schuhindustrie in München. Nunmehr haben auch die Münchener und Augsburger Schuhfabrikanten den Gehilfen den Tarif gekündigt mit der Angabe, daß sich die bisherigen Arbeitsbedingungen in einigen Punkten als unhaltbar erwiesen hätten. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, daß die Herren Fabrikanten eine Lohnregulierung nach unten vorzunehmen gedenken, so dürften sie die Arbeiter und Arbeiterinnen nicht unvorbereitet antreffen. Der Verband der Friseurgehilfen hält seinen 10. Verbandshis 10 Mg; 4010“im Historischen He tag vom 16. bis 19. Mai 1910 im„Historischen Hof“ zu Nürnberg ab mit folgender Tagesordnung: 1. Konstituierung, 2. Berichterstatung, 3. Gesetzliche Regelung der Arbeitszeit im Friseurgewerbe, 4. Die Reichsversicherungsordnung. 5. Beratung des neuen Verbandsstatuts, 6. Die Lehrlingsfrage, 7. Tarifverträge, 8. Anträge, 9. Wahlen. zweite den Orten, wo die Löhne noch besonders gering sind, zu hoch en, wo die Löhne noch besonders gering sind, zu erschien. Ueber die obligatorische Einführung der zweiten Beitragsklasse soll der Verbandstag entscheiden. Die Organisation— ein Mittel gegen den Streik. Nach den Behauptungen der Feinde der Arbeiterbewegung wären die gewerkschaftlichen Organisationen die Ursachen der Streiks. Taß pich, vrdkelt egsriert Vn Meoder Zar Vericht dr sser. gegex im Jahre 1907— gelangt. Die Zahl der Lohnkämpfe ging also wesentlich zurück und sämtliche Berichterstater verzeichnen einen besonders ruhigen Verlauf der Arbeiterbewegung. Die Ursache dieser Erscheinung wird zwar einerseits in dem Rückgange der Geschäftskonjunktur gesucht, andererseits aber, sagt der Zentralinspektor Viktor Würth, scheint auch erfreulicherweise der Weg der Verhandlung öfter und bereitwilliger von beiden Parteien. bezw. ihren immer mehr Einsicht gewinnenden Organisationen beireten zu werden, was zu der Anrahme berechtige, daß in solchen Verhandlungen das richtige Mittel gefunden wurde, schroff auftretende Gegensätze zu mildern und so die äußersten Kompfmittel— den Streik und die Aussperrungen— tunlichst zu vermeiden. Die„immer mehr Einfluß gewinnenden Organisationen“ werden also auch von den Beamten der Regierung als das„richtige Mittel“ angesehen, Streiks nach Möglichkeit zu verhindern! Genossenschaftsbewegung. Sesensch elice e cecei eisch se esce waren in Detailgeschäften, wozu natürlich auch Koniumvereine garachnat werder eir abgesondertes Verkaufslokal einzurichten waren in Detailgeschäften, wozu natürlich guch Konsumpereine gerechner werden, ein abgesonbetteP Or. ggeiggg gglgen beh. und auch die Bedienung in getrennter Weise zu erfolgen habe. Zu diesen Bestrebungen hat die Oldenburger Handelskammer auf Ersuchen des Ministeriums sick geäußert. Sie erklärt: „Es ist der Münschen des Deutschen Fleischerverhandes Es ist den Wunschen,, des Teutschen Fleischerverbandes gegenüber darauf hinzuweisen, daß nur wenige Detailgeschäfte in der Lage sein würden, derartige Einrichtungen zu treffen, und man daher mit derartig erschwerten Vorschriften die Lebensfähigkeit der mittleren und kleineren Detailgeschafte, die sich mit dem Verkauf von Fleisch und Fleischwaren beschäftigen, vollständig unterbinden wurde. Auch für die Fleischwarenindustrie würde sick das höchst unangenehm fühlbar machen, denn die kleineren Detailgeschäfte sind, vor allem als Abnehmer für die billigeren Nebenprodukte der Fleischwarenfahrikation, gar nicht zu entbehren, da die Arbeiterbevölkerung diese Nebenbrodukte, wie gepökeltes Kleinfleisch, Talg, billige Wurstwaren Gnlschseberikelfsir die Köschung der Horderiatg den Verdanlel ausgesprochen, zumal nicht die geringste Notwendigkeit für den Erlaß der gewünschten Vorschriften bestehe. Der Meinung sind wir auch. Das Verlangen des Fleischerverbandes wirft übrigens 1 F schnendes Licht auf die Mittelstandsfreundlicht ein bezegonnenere Licht auf die Mittelstandsfreundlichleit, der Herren Schlächtermeister, die vor einer Schädigung ihrer Mittelstandsiollegen durchaus nicht zurückschrecken, wenn sie dabei ihr Geschäft machen zu können glauben. Der Bischof von London als Anwalt des Konsumvereins. Die mit dem Fortschreiten der Konsumgenossenschaftsbewegung angenfälliger„in die Erscheinugg tretenden wirtschaftimmer augenfälliger in die Erscheinugg tretenden lichen, sozialen und sittlichen Erfolge dieser Bewegung lenken naturgemäß auch die Aufmerksamkeit der wissenschaftlichen Welt in steigendem Maße auf die in der Bewegung herrschenden, ge: Vorurteile in steigendem Maße auf die in der Bewegung he nossenschoftlichen Grundsätze. Die eingewurzelten fallen allerdings nur langsam, noch langsamer jedoch die Scheu, dem Vorurteil gegenüber die als gerecht erkannte Sache unbeirrt offen zu vertreten. Die Zahl der Männer in Amt und Würden, die das wagen, der Gefahr zum Trot, von der, Fähträogg lern und ihren demagogischen Freunden gesellschaftuich boykottiert zu werden, ist sehr gering. Zu diesen Männern zählt der Bischoj von London, Dr. Winnington Ingram, der nich basber esies oe echsche Sis eeie be chnen, vereins für London=West, das wie alljährlich im bischöflichen Park des Fulhamschlosses stattfand, hatte der Bischof in seiner Festrede die Konsumgenossenschaft als gleichbedeutend mit Brüderlichkeit und Unabhängigkeit und a.s die wahre, gewissenhafte Pflichterfüllung bezeichnet und seine Rede mit einem„Gott schütze den Konsumverein" beschlossen. Dieses Eintreten des Bischofs für die Genossenschaftsbewegung hat begreiflicherweise bei den Krämern arg verschnupft. Der Verband der Eisenwarenkändler wandte sich sogar in einem Schreiben direkt an den Bischof um ihn darauf aufmerksam zu machen,„daß er durch sein Eintreten für den Koniumverein den privaten Kleinhändlern Unrecht zufüge“. Auf dieses Schreiben hat nun der Bischof u. a. folgendes geantwortet: „Die Genossenschaftsbewegung repräsentiert heute etwa ein Viertel der Bevöllerung von Großbritannien, und der Konsumverein für London=West umfaßt etwa zwanzigtausend Personen der Diözese; sie bildet also in unserm Gesellschaftsleben einen sehr bedeutsamen Faktor. Die Genossenschafter wollen niemand benachteiligen. Ihre Geschäftsmetboden, oewährleisten eine gerechte Verteilung des Ueberich Ueberschusses unter diejenigen, die ihn haben schaffen helfen, gleichgiltig, ob sie Mitglieder sind oder nicht. Die Genossenschaften sind mustergiltig in bezug auf die Güte der von ihnen geführten Waren, sie sind bestrebt, die Arbeitszeit zu verkürzen, anständige Löhne zu zahlen und einen Teil ihrer Ueberschüsse für Erziehungszwecke aufzuwenden. Die Grundsätze der Genossenschaftsbewegung haben die Beachtung und Unterstützung der größten Lehrer und Denker gefunden Bemerken möchte ich noch, daß die Genossenschafter keine Handelsrechte oder Privilegien vor anderen fordern.“ Der=Bischof von London hat also die Belehrung der Krämer über die Konsumvereine entschieden abgelehnt und damit manchem in Amt und Würden ein Beispiel gegeben, wie man eine so gerechte Sache, wie die Konsumvereine, gegen Angriffe verteidigen muß, wenn man über der Parteien Gunst und Ungunst zu stehen hat. Industrie, Handel und Verkehr. Tantiemen. Die Dresdener Bank gehört zu den modernen Riesenbankinstituten. Ihr jüngster Jahresumsatz betrug 58 857 Millionen Mark! Sie ist bei einer Reige anderer Bankinstitute dauernd beteiligt. In der nachfolgenden Tabelle, die eine stellung über die gezahlten Tantiemen bringt, wird auch die Beteiligung der Dresdener Bank bei anderen Instituten veranschaulicht: Rheinische Bank Märkische Bank.... Württembergische Landesbank Oberschlesische Bank Vorstand und Beamte.. Eisenbahnbank Vorstand..... Eisenbahnrentenbank Verwaltungsrat Mecklenburgische Bank.. Oldenburgische Landesbank Oldenburgische Regierung Deutsch=Westafrikanische Bank Deutsche Orientbank.... Deutsch=Südamerikanische Bank Die bei der Dresdener Bank ausgewiesene Summe von 2 376 765 Mark sind als Vorstandstantiemen, die 58 857 Mark Jussicht sratstantiemen gebucht. als Aufsichtsratstangier## gebucht. Bei der Rheinischen Bank ist Vorstands= und Aufsichtsratstantieme zusammen angegeben. Bei der Märkischen Bank und der Württembergischen Landesbank sind Aufsichtsratstantiemen und Gratifikationen an Beamte zusammen mitgeteilt. Die DeutschSüdamerikanische Bank ist erst 1906 gegründet worden und hat noch keine Dividende gezahlt. Der Konzern der Dresdener Bank zahlte alio im letzten Geschäftsjahre, soweit als sichtbar ist. 2.9 Millionen an Tantiemen. Für die Aussichtsratsmitglieder sind dies aber aicht die gesamten Einnahmen. Haben doch die 36 Aufsichtsräte der Dresdener Bank außerdem noch bei 288 Gesellschaften tantiemeberechtigte Posten inne. Einzelne der Herren Aufsichtsräte der Dresdener Bank haben 19, 26, 30 und sogar 40 solcher Tantiemeposten. Ki. Akkumulatoren. Die Akkumulatoren=Gesellschaft vorm. Boese zu Berlin ist in arge finanzielle Schwierigkeiten geraten, ihre Lage,#######even#g## guß 55e Azmars Vlegugwenn neue Mittel herangeschafft werden können. soll so bedenklich sein, daß der Konkurs droht, wenn nicht schleunigst neue Mittel, herangeschafft werden können. Schon seit geraumer Zeit schwebt das Unternehmen in Hangen und Bangen, eine vor mehreren Jahren vorgenommene tiefeinschneidende Sanierung hat seine Situation nicht zu verbessern vermocht. gegen sie seit langem geführt hat. Der Akkun wird von den im Elektro=Karteu vereinigten herrsch., die Formen, in denen er seinen Wettbe gezoge quellen, die sich ihr aber bisher noch nicht erschloss der jüngsten Zeit sind verschiedene Vorgänge bekannt geworden, die auf die Geschäftsführung der Gesellschaft ein mißliches Licht werfen, doch ihre Begrängnis dürfte auch auf den vernichtenden Preiskampf zurückzuführen sein, den der Akkumulatoren=Trust Der Akkumulatoren=Trust aten Konzernen beFormen, in denen er, seinen Wettbewexb gegen die Beesegesellschaft führte, ergaben sich aus einigen Dokumenten, die vor mehreren Monaten bekannt wurden. So hieß es in einem Schreiben der Akkumulatorenwerke Witten, die zum Trust gehören, an ihre Vertreter:„Wie Ihnen bekannt, sind wir seitens der mit uns kartellierten Firmen autorisiert, bei Geschäften, bei denen die Firma Boese ernstlich in Frage kommt, über die Ihnen bekannten Kartellbestimmungen hinauszugehen.... Außerdem ist nach den Kartellbestimmungen festgelegt, daß uns alle diejenigen Geschäfte von den mit uns kartellierten Firmen aufgegeben werden, bei denen Boese etwa unsererseits.“ Ein dem gleichen Zwecke dienenhes Hlormar ucchtete die Akkumulatorenfabrik A.=G. in Berlin an ihre verschiedenen Abteilungen. Es heißt darin:„Wir haben in letzter Zeit aus abiolut zuverlässigen Quellen mehrfach Mitteilungen erhalten müssen von Aufträgen, die an Boese gefallen sind, ohne Mittel. Boese die Geschäfte nicht machen zu lassen, nicht wenden. Wir sehen uns deshalb veranlaßt, Sie auf Ihre Infermationen und Instruktionen hinzuweisen und Sie dringend zu bitten, viel mehr als seither alle schwebenden Geschäfte doraufhin zu kontrollieren, ob die Konkurrenz Boese in Frage kommen kann oder nicht, und auch Ihre Organe fortwährend dazu anhalten. Von allen Geschäftskällen, in denen die Konkurrenz Boese auftritt oder vermutlich auftreten könnte, ist uns unverzüglich Nachricht zu geben, damit wir das weitere veranlassen Diesem Verfolgungssystem war Erfolg beschieden. Doch welchen Lärm würden dieselben Unternehmer wohl erheben, wenn Gewerkschaften ihren Funktionären derartige Anweisungen zugehen ließen, um etwa„Arveitswilligen“ und ähnlichen ehrenwerten Elementen die Erlangung von Arbeit unmöglich zu machen. Wohnungeg auß dem Lande. hnungen auf dem Lande. Welch traurige,„Wohnungszustände auf dem Lande herrschen und wie gefühllos dem die Bourgeoisie gegenübersteht, zeigt folgender, dem„Saalfelder Kreisbiatt“ entnommener Gerichtsbericht: „Großjena. Eine kuriose Zeugenvernehmung wurde vor kurzem in der Großjenaer Flur abgehalten. Dort haust in einer halbverfallenen Weinbergshütte eine 82jährige Greisin, die auf einer Seite gelähmt ist. In einer Prozeßsache mußte sie als Zeugin vernommen werden; da sie krankheitshalber nicht transvortabel war, so begaben sich ein Landgerichtsrat und ein Gerichtsdiener zu ihr. Man hatte jedoch kaum begonnen, die Personalien der ältlichen Dame festzustellen, als ein schweres Unwetter einsetzte. Es begann unter Blitz und Donnerschlägen ein wolkenbruchartiger Regen, dem die Decke der Hütte in keiner Weise standhielt. Die Beamten mußten die Regenschirme aufspannen. An ein Verlassen der Hütte war nicht zu denken, de das nächste Haus in zemlicher Entfernung stand und draußen haje nußgroße Hagelkörner zur Erde fielen. Immer komischer und unheimlicher zugleich wurde die Situation, denn das Wasser stieg in der Stube höher und höher, und endlich stieg das„hohe Gericht" auf die Stühle. Trotzdem wurde selbstverständlich die Vernehmung von den braven Jüngern der Gerechtigkeit ordnungsgemäß zu Ende geführt.“—Bemerkenswert erscheint dem Kreisblatt, daß die Gerichtspersonen einige Unbequemlichkeiten hatten. Ja, es erscheint ihm kurios. Aber selbstverständlich dünkt ihm, daß eine 82jährige Greisin, die von ihrer Hände Arbeit gelebt hat, in einer Hütte zubringen muß, die dem Wetter nicht standhält. sgc. Die Gefährlichkeit des Seemannsberufs. 51 205 Seeleute sind von 1888 bis inklusive 1908 auf deutschen Handelsschiffen und Fischerfahrzeugen verunglückt, wie der Statistik der Seeberufsgenossenschaft zu entnehmen ist, darunter 8884 Todesfälle. Die jährlichen Todesfälle schwanken zwischen 200 und 670. Interessant ist eine Aufstellung von Grotewald im November= heft der„Marinerundschau", die zeigt, daß der Betrieb auf Segelschiffen mit hoher Takelage und auch auf Fischerfahrzeugen wesentlich gefährlicher ist, als auf Dampfern der Handelsflotte. Von den 66754 Mann, die am 31. Dezember 1908 versichert waren, gehörten 60591 der Kauffahrteiflotte, 6163 der Hochseefischerei an. Von den gemeldeten 3058 Verletzungen entfielen Zay auf die Laxisch pai giez und 139 auf Liz, Hegierischer, Ganz,anders, stellt sich das Bild aver bei den Tooesfauen.„Von 3818 Todesfällen in den Jahren 1900 bis 1908 entsielen 1877 auf Kauffahrteidampfer, 1381 auf Fischdampfer und 131 auf Heringslogger und verwandte Betriebe. Da die Durchschnittszahl der versicherten Seeleite für jedes der 9 Jahre 57440 betrug, auf die Kauffahrteidampfer 43973 Mann, auf die Kauffahrteisegler 9302, auf die Fischdampfer 1916 und die Mann kamen. so kamen durch Unfall auf Jahresdurchschnitt von den Besatzungen: der Kauffahrteidampfer 4,75 vom Tausend, „ Kauffahrteisegler 16.50„„ „ Fischdampfer... 24.90„„ „ Heringslogger.. 5.70„„ Setzt man die Todeswahrscheinlichkeit durch Seeunfälle eines Lampfermatrasen gleich 1, so ist, sie, naech ziefer Verechnung tir Heringslogger 2250 5ee ums Leben im Lampfermatrosem germatrosen gleich 3·9 Für einen Sages9. einen Heringsdampfermatrosen gleich. 12, fur einen Segenchigge= pfermatrosen gleich 1.2, für einen Segelschiffs matrosen gleich 3.5 und für einen Fischdampfermann gleich 5,25. Innerhalb 20 Jahren ist etwa ein Sechstel der durchschnittlichen Jahresbesatzung ums Leben gekommen und eine Zahl so groß wie eine durchschnittliche Jahresbesatzung hat überhaupt einen Unfall erlitten. Wenn man die durchschnittliche Berufstätigkeit eines Seemanns auf 20 Jahre annimmt kommt jeder sechste Seemann durch Seeunfall ums Leben und erleidet ein jeder mindestens eikfmal einen Unfall. Standesamts-Nachrichten. Amt Enger. Nachrichten vom 19. bis 25. November. Geburten: Söhne: Bäckergeselle Gust. Depvermann, Heinrich Niewöhner Enger; Besenkamp; Maurer Heinrig. Niewooner, Engex;„Missionar August Kuhlmann, Enger; Zigarrenarbeiter Heinrich Nieder= tubbesing, Wastefenggr. un G.inf, Carrinakarfen: gm. Töchter: Müller Hermann Reinke, Herringhausen; Maurer Heinrich Vogt, Westerenger; Zimmermann Hermann Beimfohr, Belke=Steinbeck; Handarbeiter Hermann Bohrenkämper, Dreyen; Zigarrenarbeiter Hermann Püße, Herringhausen; Zugführer August Schlattmeyer, Westerenger; Postbote Wilhelm August Edler, Windelsbleiche: Handarbeiter Wilhelm Riepe, Enger: Tischler August Thenhausen, Enger; Brunnenarbeiter Wilhelm Wöhrmann, Westerenger; Maurer Heinrich Lange, Oldingbauzen Ebeschließungen: Zigarrenarheitgr, Hermann ,Pilse, mann Wilhelm Clausen, Enger, und Marie Mathilde Biermann, Enger. Sterbefälle: Handarbeiter Kaspar Heinrich Ellerbrock, Belke=Steinbeck. 79 J.; Anna Marie Friederike Feldmann geb. Kortelmeyer, Westerenger, 30 Jahre. Arbeiter, agniett für kute Zrltung! : L1 nige Higendes beschten der Ozonit, TS Versleiuigerladef au das moderne Waschmittel * gese den Fabriken von Dr. Thompson's Seifenpulver aus den Fabriken von Ur. Phompsene Seitenparter 6731 I. Dem Ozonlt ist weder Chlor noch sonst irgend eine angreifende Substanz belgegeben, es ist vielmehr vollkommen frei vun alden der Rlate aliclesten Lainsetungen, wosle die Fahrlanten sedte Gorate lbenelinen. Z. Ozonit verdankt seine auffallenden Eigenschaften(schnellwirkende Reinigungskraft, gleichzeitiges Bleichen der Wäsche und peinlichste Schonung derselben) lediglich seiner eigenartigen und äusserst wirksamen Zusammensetzung erstklassiger Rohstoffe. O. R.-P. 8 BGEEFeT Nr. 283. ** Bielefeld, 1. D Wilh. Koch gnt. Büsing Arbeiter Rudolf Bre „Kommode“, hierselbst leichter Weise gereizt, ins Gesicht versetzt, de suchung des Verletzter ihm das rechte Auge Klinge, welche abgebr Strafkammer erkann 2 Jahre und 6 Mon der erlittenen Unter Der Arbeiter Gust des Vorigen, war Schöffengericht zu 2 friedensbruchs mit 1 rufung eingelegt. T Staatsanwaltschaft g Angeklagten kostenlos Der Maurer Wil Der Mauker Wil im Dezember 1908 au Berge gemeinsam mit dem Arbeiter Vogt e# zu haben. Köller und gericht wegen Diebst und Köller hatte Be der heutigen Beweis Der Arbeiter Hei geboren zu Halle i.? von der Anklage der worden. Dagegen hatt Wie die heutige Bew Januar d. J. seine wurde von der Stra der Angeklagte wege Geldstrafe von 40 M Der Monteur Hu lichkeitsverbrechens a versuchten Verbrechen verurteilt. Dem An gebilligt, Während ausgeschlossen. Der Zigarrenarb hausen war vom Se des Widerstandes ge hausen und der Sach gegen war von seiten worden, die aber als Die Anklage gegeMennighüffen umfaß Vergehen gegen die mädchen täglich über schäftigt haben, die im Arbeitsraum nic des§ 10 der Landra nicht befolgt, nicht ge Wascheinrichtung keit fengericht zu Oeynhat verurteilt. Die Stre erste Urteil auf und strafe von 3 Mark er Die Witwe Marie gegen die Gewerbeo# 1909 in ihrer Verkaf polizeitich gebotene, Scholengericht zu h verhangt, wogegen d Die Hosen Vaterländischer Ror 37 „Genug dich zu. v bestochen bist vom Fe sagen? Die Arglist geständiger Verbrech auf der andern Seit Der Fürst ging, räusch der Komment seine ernsten Gedan war eine schwere So und traute keinem. seinen Schultern ger Ziatz ihn an! Da schreckte, und alle, zw nun gerechtfertigt!— Der Elende vor ihm würden der Widerh sein.— Und warn# wollen? „Der ist ein schlei Füßen niedertritt w er es mit der Wur Nesseln auch brennen Er winkte dem# niederzuknien. „Es bleibt bei der hinter dem Teppich; ihn wohl ins Auge, blick.— Wirst du ordnen will, als bos Der Weg zum Galge Menschen können die klage eines Unschuld abwäscht. Deshalb Augen hell sehen last heiligsten Gottessohn heit seien.“ Der Krämer schn kleine Tür führte in Mauer bis in den F des Thronhimmels Augenblicken kam glänzenden Augen:„ „Wen?“ „Ich weiß seinen Er steht im violetter Ein Zornblick de deinen Patz! Ichr gen, ich will deine f# vor meinem ganzen nichts mehr.“ Im Fürstensaale Ritter, Geistliche, an Vielen der Herren Der Lederkoller, der das geschlitzte Wam * dienendes Slormar nuchn Berlin an ihre vern:„Wir haben in letzter 1, mehrfach Mitteilungen Boese gefallen sind, ohne tlaßt, Sie auf Ihre Inveilen und Sie dringend ehenden Geschäfte daraufBoese in Frage kommen u fortwährend dazu ann denen die Konkurrenz n könnte, ist uns unverdas weitere veranlassen Erfolg beschieden. Doch hmer wohl erheben, wenn rartige Anweisungen zun“ und ähnlichen ehrenin Arbeit unmöglich zu h traurige„Wohnungsd wie gefühltos dem die sender, dem„Saalfelder cht: nvernehmung wurde vor lten. Dort baust in einer 2jährige Greisin, die auf rozeßsache mußte sie als nkheitshalber nicht transdgerichtsrat und ein Gekaum begonnen, die Peren, als ein schweres Unz und Donnerschlägen ein ecke der Hütte in keiner en die Regenschirme aufwar nicht zu denken, de nnung stand und draußen fielen. Immer komischer tuation, denn das Wasser nd endlich stieg das„hohe urde selbstverständlich die n der Gerechtigkeit ordsblatt, daß die Gerichtsten. Ja, es erscheint ihm kt ihm, daß eine 82jährige gelebt hat, in einer Hütte tandhält. nnsberufs. 51 205 See8 auf deutschen Handelsickt, wie der Statistik der ist, darunter 8884 Todesken zwischen 200 und 670. Brotewald im November= zt, daß der Betrieb auf nuch auf Fischerfahrzeugen mpfern der Handelsflotte. Dezember 1908 versichert eiflotte, 6163 der Hochsee58 Verletzungen entfielen 39 auf die Hochseefischer. sei den Todesfällen. Von is 1908 entsielen 1877 auf pfer und 131 auf Heringsdie Durchschnittszahl der ahre 57440 betrug, auf die uf die Kauffahrteisegler die Heringslogger 2250 auf See ums Leben im en: 5 vom Tausend, 0** 00„ 00** eit durch Seeunfälle eines ach dieser Berechnung für 1.2, für einen Segelschiffshdampfermann gleich 5.25. Sechstel der durchschnittkommen und eine Zahl so sbesatzung hat überhaupt e durchschnittliche Berufsre annimmt, kommt jeder s Leben und erleidet ein achrichten. bis 25. November. eselle Gust. Deppermann, öhner, Enger; Missionar arbeiter Heinrich Nieder, Herringhausen; Maurer ermann Hermann BeimHermann Bohrenkämper, süße, Herringhausen: Zugsenger; Postbote Wilhelm darbeiter Wilhelm Riepe, Enger; Brunnenarbeiter Maurer Heinrich Lange, arbeiter Hermann Wilke, guste Wsshemeyer, Hückerstratb. Vodinghausea, und ock, Velke=Steinheck; KaufNarie Mathilde Biermann, kasvar Heinrich Ellerbrock, Friederike Feldmann geb. kure Irilung! R.-P. Peer.. Nr. 283. Bielefeld, Sonnabend, 4. Dezember 1909. 20. Gerichtliches. ** Bielefeld, 1. Dez Strafkammer. Der Bauarbeiter Wilh. Koch gnt. Büsing von hier ist am 10. Oktober er mit dem Arbeiter Rudolf Branding während eines Zechgelages in der „Kommode“ hierselbst in Streit geraten.„Von Branding in leichter Weise gereizt, hat er ihm mit einem Messer einen Schlag ins Gesicht verretzt, daß er zu Boden gestürzt ist. Bei der Untersuchung des Verletzten durch einen Arzt stellte sich heraus, daß ihm das rechte Auge ausgestochen worden war. Die Spitze der Klinge, welche abgebrochen war, sitzt heute noch im Kopfe. Die Strafkammer erkannte gegen den gefährlichen Messerhelden auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis, worauf ihm 2 Monate von der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet wurden. Der Arbeiter Gustao Koch gent. Busing von hier, der Bruder des Vorigen, war mit mehreren anderen Angeklagten vom Schöffengericht zu Bielefeld wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs mit 1 Woche Gefängnis bestraft und hatte Berufung eingelegt. Die Strafkammer hob dem Antrage der Staatsanwaltschaft gemäß das erste Urteil auf und sprach den Angeklagten kostenlos frei. Der Maurer Wilhelm Köller von Brackwede war angeklagt, im Dezember 1908 auf einem Schnapsbummel durch die hiesigen Berge gemeinsam mit dem Arbeiter Gustav Kranzmann von hier dem Arbeiter Vogt ein Portemonnaie mit 21—22 Mk. gestohlen zu haben. Köller und Kranzmann waren vom hiesigen Schoffengericht wegen Diebstahls mit je 3 Wochen Gefängnis bestraft und Köller hatte Berufung eingelegt. Sie wurde auf Grund der heutigen Beweisaufnahme verworfen. Der Arbeiter Heinrich Waldeier gent. Vogt von Gütersloh, geboren zu Halle i. W., war vom Schöffengericht zu Gütersloh von der Anklage der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen worden. Dagegen hatte die Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt. Wie die heutige Beweisaufnahme ergab, hat der Angeklagte im Januar d. J. seine Ehefrau in roher Weise mißhandelt. Es wurde von der Strafkammer das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 40 Mark eventl. 8 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Monteur Hugo Pieper von Herford wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens aus§ 176 Abs. 3 in Tateinheit mit einem versuchten Verbrechen aus§ 176 Abs. 3 zu 1 Monat Gefängnis verurteilt. Dem Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt. Während der Verhandlung war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Zigarrenarbeiter Jobst Hch. Tiemann von Herringhausen war vom Schöffengericht zu Herford von der Antlage des Widerstandes gegen die freiwillige Feuerwehr zu Herringhausen und der Sachbeschädigung freigesprochen worden. Hiergegen war von seiten der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden, die aber als unbegründet verworfen wurde. Die Anklage gegen den Werkmeister Heinrich Rahmeyer von Mennighüffen umfaßte eine ganze Anzahl Uebertretungen bezw. Vergehen gegen die Gewerbeordnung. So soll er ein Schulmädchen täglich über 6 Stunden hinaus im Tabakbetriebe beschäftigt haben, die für den Betrieb erlassene Arbeitsordnung im Arbeitsraum nicht sichtbar ausgehängt, die Bestimmungen des§ 10 der Landratsbekanntmachungen vom 17. Februar 1907 nicht befolgt, nicht genügend Spucknäpfe aufgestellt und bei der Wascheinrichtung keine Waschseife gelegt zu haben. Das Schöffengericht zu Oeynhausen hatte ihn zu einer Geldstrafe von 9 Mk. verurteilt. Die Strafkammer sah die Sache milder an, hob das erste Urteil auf und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3 Mark eventl. 1 Tag Gefängnis. Die Witwe Marie Schöning geb. Weidmann zu Herford hatte gegen die Gewerbeordnung verstoßen, indem sie am 13. Juni 1909 in ihrer Verkaufsbude in der Bahnhofstraße über die ihr polizeilich gebotene Zeit hinaus Waren feilgeboten hat. Das Schöffengericht zu Herford hatte über sie eine Strafe von 1 Mt. verhängt, wogegen die Beschuldigte wegen ihrer Verurteilung 0 und die Staatsanwaltschaft wegen zu niedriger Strafe Berufung eingelegt hatte. Die Strafkammer hob heute das erste Urteil auf und erkannte gegen die Angeklagte auf eine Geldstrafe von 3 Mark eventl. 1 Tag Gefängnis. Literarisches. Almanach des Deutschen Holzarbeiter=Verbandes für das Jahr 1910. Taichenkalender für die Verwaltungen und Mitglieder des Verbandes. Im Auftrage des Verbandsvorstandes herausgegeben von Theodor Leipart. 11. Jahrgang. Berlin, Verlagsanstalt des Deutschen Holzarbeiter=Verbandes. Preis für Verbandsmitglieder 50 Pfg., durch den Buchhandel 1 Mk. pro Exemplar. Arbeiter=Jugend. Nr. 23. Lehrjahre.— Was ist Sozialismus? Von Gustav Eckstein.— Der junge Schiller. II. Kindheit und Jugendjahre.— Die Aufgaben unserer Jugend. Von Therese Schlesinger.— Die politischen Parteien. Von Julian Borchardt.— Neue Jugendheime.(Illustriert.]— Polizeispitzel und Jugendorganisation.— Alarmierende Justiz usw.— Beilage: Vier Tage. Von W. Garschin.— Zuerst Mama und dann Papa. Erzählung von W. Scharrelmann.— Fritz Katzfuß. Gedicht von Fontane. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 10. Heft des 28. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Eine Vogelscheuche.— Zur Methode der politischen Oekonomie. Von Gustav Eckstein.— Ein neues Werk über die Australneger. Von Heinrich Cunow.— Versicherung oder sozialpolitische Fürsorge? Von Friedr. Kleeis (Wurzen).— Die Entwicklung des Betonbaues und sein Eiafluß auf die Arbeiterschaft. Von Joseph Kliche.— Literarische Rundschau: Philipp Buonarotti, Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit. Von Hermann Wendel. Martin Hartmann, Der Islam. Dr. Paul Rohrbach, Um Bagdad und Babylon. Von Karl Radek.— Notizen: Erfinderproletariat. Von Alwin Nitzschke.— Zeitschriftenschau. richt in den„Blättern für Medizinalwesen usw.“ zufolge wurden im Jahre 1908 in Preußen 295 Personen von tollwütigen Hunden gebissen, gegen 405 in 1907, 367 in 1906 und 374 in 1905. Es hat also gegen die Vorjahre eine erhebliche Abnahme stattgefunden. Von den letztjährigen Verletzungen entfielen auf das Sommerhalbjahr 183, auf das Winterhalbjahr 112. Die meisten zur Anzeige gebrachten Verletzungen(92 Prozent aller) kamen in den vier Provinzen Schlesien, Posen, Ostpreußen und Westpreußen vor. Von den Verletzten ließen sich 279 impfen, davon 66,3 Prozent in Breslau und 32,6 Prozent in Berlin. Das Resultat der Impfungen war ein recht günstiges, indem nur 2 von den Geimpften starben. Im Jahre vorher starben unter 382 Geimpften ebenfalls 2, im Jahre 1906 unter 342 Geimpften 4. „Spottet ihrer selbst und weiß nicht. wie"... Aus der Pfalz wird der„Frankf. Ztg.“ folgende gelungene Einladung aus dem„gut katholischen“ Zentrumsorgan„Rheinpfälzer“ übermittelt: Zentrumspartei Germersheim. Am Sonntag den 21. November, abends 8 Uhr, findet im Sälchen bei Witwe Christnacht eine allgemeine Wählerversammlung statt. Tagesordnung: Proporzwahl. Hierzu ergeht freundliche Einladung. Das Komitee. Die„Sozialistischen Monatshefte“, redigiert von Dr. J. Bloch (Administration, Berlin W., Potsdamer Str. 121h), die bekanntlich alle 14 Tagt erscheinen, haben soeben das 24. Heft ihres 15. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir hervor: Robert Schmidt: Aussichten und Forderungen der Sozialpolitik. Zur Eröffnung des Reichstags.— Olav Kringen: Die norwegischen Wahlen und ihre Lehre für die Sozialdemokratie.— Eduard Bernstein: Die Theorie in der Partei.— Dr. Max Maurenbrecher: Ueber die Methode der Bildung.— Dr. Leo Arons: Erbschaftssteuer— Johann Leimperers: Der Kampf in Mansfeld.— Paul Müller: Die nationalen Organisationen der Schiffahrtsunternehmer.— Adolf Thiele: Kann Homosexualität strafbar sein?— Elisabeth Siewert: Aus einer armen Werkstatt.— Gewerkschaftsbewegung von H. Stühmer. — Staatssozialismus von W. Schröder.— Rechtswissenschaft von O. Lang.— Musik von Dr. H. Leichtentritt.— Technik von Dr. H Lux.— Neuerscheinungen.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pfg., pro Quartal(6—7 Hefte) 3 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auf jeder Postanstalt, bei allen Kolporteuren, in den Kiosken, sowie direkt vom Verlag der„Sozialistischen Monatshefte“, Potsdamer Str. 121h, Berlin W. 35. (Zusendung unter Krenzband oder in geschlossenem Kuvert.) Probehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Vermischtes. ssc. Tollwutimpfung. Seit 1898 besteht im Königlich Preuß. Eine Gruppe verwegener Banditen hatte sich zusammengetan, Institut für Infektionskrankheiten eine Abteilung zur Er= um den Petroleumkönig gefangen zu neymen undge##e###ei forschung und Heilung der Tollwut. Von kranken oder ver= lassung nur gegen ein hohes Lösegeld zuzulassen. Infolgevessen dächtigen Tieren gebissene Personen werden dort nach dem sind außerordentliche Maßnahmen getroffen, um Rockefeller zu Pasteurichen Immunisierungsverfahren behandett. Einen Be= schützen. Es sollte natürlich heißen:„Bier— extra— Dunkel.“ Denn eine spezielle Anzeige, daß eine Zentrumsversammlung extra dunkel ist, wäre ja überslüssig, weil selbstverständlich! Verbrechen in der Lebewelt. Petersburg, 2. Dez. Der hiesigen Geheimpolizei ist es gelungen, zehlreichen entsetzlichen Verbrechen auf die Spur zu kommen, die von der hiesigen Lebewelt ausgeführt wurden. In der letzten Zeit waren der Polizei häufig Klagen zugegangen, daß Backfische und kleine Mädchen in eine elegante Wohnung gelockt und geschändet wurden. An der Spitze des Unternehmens stand die Französin de la Croix. Die Mädchen wurden aus den in der Nähe gelegenen Schulen herangelockt. Da durch diese Affäre eine Reihe hochstehender Personen kompromittiert wurden, die in diese Angelegenheit verwickelt sind, so ist die Affäre dem Stadthauptmann übergeben worden. Hinrichtung. Paris, 1. Dez. In Montbrison wurde heute früh der Raubmörder Riboulet von Deibler hingerichtet. Riboulet hatte einen Bauern und seine Frau, die ihm barmherzig über Nacht Unterschlupf gewährten, mit einem Gewehr totgeschossen und beraubt. Erschossener Verschwörer. Cetinje, 1. Dez. Gestern wurden der montenegrinische Leutnant Ginowitich und vier seiner Genossen standrechtlich erschossen. Drei Todesurteile wurden in Kolaschin, zwei Todesurteile in Niksitsch vollstreckt. Leutnant Ginowitsch war beschuldigt, im Auftrage Belgrads eine bewaffnete Erhebung des Wassojewitsch=Stammes zur Absetzung des Fürsten Nikita angezettelt zu haben. Dez. Die Entführung Rockefellers geplant. Newyork, über Ozonit, Vaschmittel hompson's Seifenpulver men frei PATTT Die Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). *— „Genug dich zu verdächtigen. Wer bürgt mir, daß du nicht bestochen bist vom Feinde eines meiner Hofleute, auf ihn auszusagen? Die Arglist unter den Menschen ist groß. Hier ein geständiger Verbrecher, der meiner Gnade sich unterwirft, und auf der andern Seite— Der Fürst ging, in sich versunken, auf und ab. Das Geräusch der Kommenden in dem Fürstensaale daneben begleitete seine ernsten Gedanken, wie das Rauschen eines Flusses. Es war eine schwere Sorge gewesen. Er glaubte sie alle zu kennen, und traute keinem. Nun war es gelöst, die Last zu strafen von seinen Schultern genommen. Was ging der Ritter von HohenZiatz ihn an! Da war auch tein böser Ausgang, der ihn erschreckte, und alle, zwischen denen sein Argwohn geschwankt, waren nun gerechtfertigt!— Waren sie es? Er brauchte nur zu wollen. Der Elende vor ihm lauerte schlau auf seine Blicke, seine Worte würden der Widerhall der Wünsche seines Fürsten geworden sein.— Und warum konnte er sich noch nicht entschließen zu wollen? 1 Pnlant e ur. 6 8 „Der ist ein schlechter Gärtner, der oas Untrauf nur mit den Füßen niedertritt, weil es ihm unbequem ist, sich zu bücken, daß er es mit der Wurzel ausreiße. Ich bin jung, und wenn die Nesseln auch brennen, meine Gärten sollen rein werden!" Er winkte dem Krämer, vor dem Kruzifix auf dem Betpulte niederzuknien. „Es bleibt bei der Anweisung, die ich dir gab. Du hältst dich hinter dem Teppich; jene kleine Wandtür führt dich dahine Fasse ihn wohl ins Auge, aber prüfe ihn und dich, bis zu dem Augenblick.— Wirst du in der strengsten Untersuchung, die ich anordnen will, als boshafter, falscher Ankläger erfunden, wehe dir. Der Weg zum Galgen geht über Martern. Doch auch den guten Menschen können die eigenen Sinne täuschen, und schon die Anklage eines Unschuldigen ist ein Makel, die keine Buße wieder abwäscht. Deshalb bete zu deinem Schutzpatron, daß er deine Augen hell sehen lasse, und hier schwöre bei dem Bilde des hochheiligsten Gottessohnes, daß deine Blicke und deine Reden Wahrbeit seien.“.„ Der Krämer schwor. Der Fürst winkte ihm zu gehen. Die kleine Tür führte in einem engen, dunklen Gange durch die dicke Mauer bis in den Fürstensal, wo die schweren Teppiche zu seiten des Thronhimmels ausgespannt waren. Schon nach wenigen Augenblicken kam Hedderich wieder mit offenem Munde, mit tedes,Augen:„Er ist da, Herr, ich sah ihn!“ „Ich weiß seinen Namen nicht. Aber ich könnte ihn malen. Er steht im violetten.—.2 4.— Mxaarnsenen fart Ein Zornblick des Fürsten wies den Ungerufenen fort:„Auf deinen Patz! Ich will nicht deine vertraulichen Hinterbringungen, ich will deine feierliche Anklage, die du den Mut haben sollst, vor meinem ganzen Hofe auszusprechen. Zwischen uns beiden ist Im Fürstensaale war der Hof schon lange versammelt; Räte, Ritter, Geistliche, auch die Bürgermeister von Berlin und Kölln. Vielen der Herren sah man es an. daß sie hier ungern waren. Der Lederkoller, der Pelz und der Harnisch war ihnen lieber als das geschlitzte Wams von Tuch. Solche von Sonne oder Trunk gerötete Gesichter mit buschigtem Bart, mit wild schielenden Blicken! Einige hatten sich schon gewöhnt; sie standen manierlich da in den schön gepufften Hosen mit tnapp anschließendem gestickten Wams, mit Halskrausen und einem wohlgekämmten Vart, gewärtig das Barett, das etwas schräg auf dem Lockenkopf schwebte, beim Eintritt des Kurfürsten mit leichem Griff zu lüften. Diese traten unwillkürlich mehr in den Vordergrund, während die anderen ganz zufrieden schienen, hier in den Hintergrund gedrängt zu sein, wo für sie keine Ehre war. Der Edelmann, der noch trotzig, seine Knechte vorauf, durch das Oderberger Tor gesprengt, und dem Wirt zur Herberge, dessen Blicke ihn vielleicht gefragt:„Ei, in dem langen Waffenrock zu Hof?“ geantwortet hatte:„Hauskleid ist Ehrenkleid, so trugen's meine Väter, ebe die Hoyenzollern wie Pilze im Sande wuchsen!“ Dieser Edelmann ward doch anderen Sinnes, als er die Treppen heraufkam, und alle um ihn hatten den gesteppten Faltenrock zu Haus gelassen, und das geschlitzte Wams, das nur bis an die Hüfte reichte, angesogen. Er fluchte für sich über die Affen, aber er ließ sich gern hinter die Affen drängen, daß sie vor ihm ein Schirm würden...,.18. ham; inen Hoftled Niemand sah aber stattlicher aus in dem feinen Vechelde, als der Ritter von Lindenberg, niemand bewegte sich leichter darin, niemand schien wohlgemuter und war die Freundlichkeit selbst gegen jedermann, der sich an ihn drängte, und deren waren viele. Doch hätte man bemerken können, daß er alles dies im Verlauf erst geworden, denn als er unter den ersten, die sich eingefunden, allein war, war er einsilbig, er schien von Unruhe geplagt und gab solche Antworten, daß die, welche mit ihm sprachen, zu bemerken glaubten, als habe er, was sie fragten, gar nicht gehört. Erst seit der Dechant von Altbrandenburg sich unter den geistlichen Herren eingefunden und ihm aus der Ferne zugenickt hatte, war sein Gesicht verändert. Da wurde er die Liebe und Sanftmut selbst, und obwohl der, mit dem er gerade redete, ihm bemerkt, daß der geistliche Herr am anderen Ende ihn sichtlich zu sprechen wünsche, hatte er gesagt, das habe wohl keine Eile, er stehe mit den Pfaffen nicht in so guter Freundschaft, um andere liebe Freunde, die ihm Teilnahme schenkten, darum zu verlassen. Auch redetc er noch mit dem und jenem auf dem Wege, und wechielte dann mit dem Dechanten nur kurze Worte; doch von dem ab war der Herr von Lindenberg so freudig geworden, wie wir sagten, und selten hatte man ihn so bei Hofe Seschen... Arsg Ley hisl. Gerren um ben alten G. Da trat er in den sreis, den viele Herren um den alten Geheimrat von Schlieben bildeten, welcher ein Minister des Kurfürsten war, und für einen sehr vorsichtigen Staatsmann galt, welcher sein Gesicht und noch mehr seine Worte bewachte. Die Herren wünschten zu horchen, wie denn wohl der Landtagsabschied lauten würde, und ob der Kurfürst wohl heute schon, beim großen Hoftage, etwas davon werde verlauten lassen, wenn er rede, wie er pflegte. Der von Schlieben sagte mit einer sehr wichtigen Miene, er wisse zwar nichts, glaube indessen doch, daß getreue Stände sehr dankbar mit dem gnädigen Bescheide sein Kurt Schfahrendorf sah den Herrn von Lindenberg an:„Ist's so? Das wärs erste Mal. g.. san wein iler 8 „Es ist eine Freude, den Abschied zu iesen, mein teurer Herr von Schlabrendorf. Man kann sagen, man konnte ihn ordentlich sch so denken.“„ Estiggen Gur: a Miisn „Die sieben Proponitionen wegen der Bierziese?" fragte Ewald Schenk. „Die sind abgelehnt.“.. „Das konnte man sich freilich denken. Aber unsere letzten Anträge,“ sagte Kurt Schlabrendorf,„die der Marschall nach dem heftigen Tage verglich?“ „Sind auch abgelehnt."„ „Aber die Punkte wegen des Rezeßgeldes unserer altmärkischen Städte,“ fragte Wigand Alvensleben,„und die Auseinandersetzung mit der Hanse?“ „Abgelehnt.“ K 8 „Na. die werden spucken und fluchen in Stenoal und Salzwedel!“ Ach, aber in so väterlichem Tonz!“.... 4laert dart „In Summa also alles abgelehnt,“ rief der Schlabrendorf. „Wozu waren wir denn beisammen?" „Na, was denn noch!“ sprach ein Bardeleben, als der von Lindenberg dazu abwehrend ein erschrocken Gesicht gemacht. „Die Hundebrücke erklärt Kurfürstliche Gnaden sich bereit, wohl, ihr Herren, diesmal, ohne Präzedenz für künftige Fälle, will Kurfürstliche Gnaden die neue Bohlenlage und den Strauchzaun auf eigene Kusten fertigen lassen; aber aus freien Stücken, nicht in Erwägung Eurer Gründe. Die Ritterschaft im Teltow kann dies als ein besonder Zeichen fürstlicher Huld und Gnade betrachten.„ 46 g34r unt Anic sich „Auch guti sprach Fritz srocher uno strich sich den roten Bart.„Werden kurfürnliche Hunde nicht mehr Gefahr laufen, zu ersaufen.“ Ein ehrwürdiger Greis, der auf einen Stock sich stützte, schien waren der Meinung, die Bredow hätten sich gar nicht zeigen sollen. Der Herr von Lindenberg aber trat auf den alten Bodo zu und machte eine Bewegung, als wolle er die Hand zum Druck ergreifen; doch als verstände er es nicht, hielt der Greis seine Hande fest auf dem Stockkopf.„„ P2.an en. „Die Sache wird sich ohne merklichen Schaden für uns alle ausgleichen,“ sprach Lindenberg.„Wie ich eben höre, hat Euer guter Vetter von Ziatz ichon eingeräumt, und was ist denn nun eigentlich so Gefährliches in der Sache? Er hat sich sein Recht verschafft, nur ein wenig zu rasch.“ „Und ward in Ketten eingebracht,“ knirschte der Senior. „Seine Durchlaucht,“ sagte der Geheimrat leise,„wird zuerst auffahren. Dann können wir uns gefaßt machen auf sehr schöne Reden. Er wird aus dem Justinian auseinandersetzen die Grenzen der erlaubten und der unerlaubten Selbsthilfe. Er wird die Sache drehen und wenden, die Juristen des Altertums zitieren, uns deutlich machen, was davon auf ein christlich Reich paßt und was nicht, und wenn er sich gesonnt hat in unserer Verwunderung über seine Gelehrsamkeit, übergibt er die Sache dem Geheimen Rate zur Begutachtung. Dann wird unser Herr von Schlieben das Ganze erwägen und überdenken und mit höherer Weisheit ins rechte Schick bringen, das heißt, er wird mit andern und vielen Worten das für Recht erklären, was der Kurfürst will.“ WFortletzung folgt.) Deutscher Reichstag. Uhr. 3. Sitzung vom Freitag, 3. Dezember, nachmittags 1 Am Bundesratstisch: Wermuth, Dr. Delbrück. Zunächst wird nommen. Von 32 den verbreibenden 224 Stimmen erhalten Abg. Prinz Hohe Langenburg(Rp.) 178, Abg. Singer(Soz.) 42, je 1 die Abgg. Dr. Müller=Meiningen(Fr. Vp.), Gothein(Fr. Vg.), Dr. Höffel Mp.), Erzberger(Ztr.).(Große Heiterkeit links.) Abg. Prinz zu Hohenlohe=Langenburg nimmt die Wahl dankend an.(Lebh. Beifall rechts, lautes Lachen links) Sodann werden in einem Wahlgange die 8 Schriftführer gewählt. Das Ergebnis wird im Laufe der Sitzung mitgeteilt werden. Präsident Graf Stolberg: Der Reichstag ist damit konstituiert. Ich werde dem Kaiser die pflichtgemäße Mitteilung machen. Bussermann Zu Quästoren ernennt der Präsident die Abgg. (natl.) und Schmidt=Warburg(Ztr.). Der Entwurf betr. Verlangerung des Handelsprovisoriums mit England um zwei Jahre wird in erster und zweiter Lesung debattelos angenommen. Es folgt die erste Lesung des Entwurfs über Hinausschiebung des Inkrafttretens der lex Trimborn(§. 15 des Zolltarifgesetzes betr. Witwen= und Waisenversicherung). Staatssekretär des Innern Delbrück: Der§ 15 des Zolltarifgesetzes von 1902 will bekanntlich Ueberschüsse der NettoZollertrage aus der Einfuhr von Roggen, Weizen, Rindvich, Schafen usw. über die Durchschnittszollerträge der Perivde von 1898 bis 1903 zur Erleichterung der Durchführung einer Witwenund Waisenversicherung verwenden. Bis zum Inkrafttreten des Gesetzes sind die Mehrerträge anzusammeln und verzinslich ann. Tritt das Gesetz bis zum 1. Januar 1910 nicht zulegen. P% so sind von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge, sowie die eingehenden Mehrerträge selbst den Landesversicherungsanstatten zum Zwecke der Wetwen=. Wassenverncherung sowie die eingehenden Mehrerträge rungsanstalten zum Zwege der Witwen" zu uverweisen. Meine umtsvorgänger sind rastlos bemüht gewesen, die beim Zolltarifgesetz von 1902 übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen. Aber leider ist die Voraussetzung stetiger und umfangreicher Eingänge nicht eingetroffen. Mit der Summe oon 2½ Millionen, die man den Versicherungsanstalten überweisen könnte, könnten diese doch keine Witwenund Waisenversicherung durchführen. Aber auch der Beschreitung des in erster Linie in Aussicht genommenen Weges der Reichsgesetzgebung türmen sich finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Eine Witwen= und Waisenversicherung befarf einer festeren finanziellen Grundlage, als sie der§ 15 des Zolltarifgesetzes bewirkt. Die Witwen= und Waisenversicherung muß auf derselben Grundlage wie die Alters= und Invalidenversicherung aufgebaut werden. Die verbündeten Regierungen halten es für gewien, die Materie nicht einzeln, sondern im Zusammenhang mit der Reichsversicherungsordnung zu regeln. Da es nun bei der Fülle der zu erwartenden Anträge nicht möglich ist, die Reichsversicherungsordnung bis zum 1. Januar 1910 zu erledigen, so schlagen wir vor, als Termin für das Inkrafttreten der ler vorn den 1. Avril 1911 zu wählen. Da die Reichsversicherungsordnung im Februar nachsten Jahres an den Reichstag kommt, so wird der genannte Termin sich innehalten lassen. Abg. Dr. Junck(natl.): Die Vorlage ist durchaus korrekt. Die lex Trimborn zeigt, daß man keine Wechsel auf die Zukunft ausstellen soll. Der geringe Betrag der Zollerträge ist aber insofern erfreulich, als er zeigt, daß der Hauptzweck der Agrarzölle, der hinreichende Schutz der heimischen Landwirtschaft, erreicht worden ist. Wir können das nur begrüßen.— In der Witwen= und Waisenversicherung betrachten wir die Krönung des ganzen Versicherungsgebäudes; wir möchten aber möglichste Ausdehnung der Wohltaten auf den Mittelstand. Ob es möglich sein wird, die Versicherungsordnung am 1. April 1911 in Kraft treten zu lassen, scheint mir denn doch ziemlich zweifelhaft. Speziell gegen die bureaukratischen Versicherungsämter erheben sich sehr berechtigte Einwände. Wir unsererseits werden alles tun, um das rechtzeitige Zustandelommen der Reichsversicherungsordnung zu ermöglichen.(Beifall b d. Natl.) Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.] billigt den vorliegenden Entwurf und will sich zurzeit in keine Erorterungen über die Reichsversicherungsordnung einlassen. Abg. Dr. Mugdan(Fr. Vv.]: Der heutige Tag ist kein Ruhmestag für das sozialpolitische Zeatrum.(Sehr richtg! links.) Ohne die Reichsversicherungsordnung, die der Staatssekretär uns jetzt schon hätte vorlegen sollen, können wir die Tragweite dieses Entwurfes nicht übersehen.(Sehr wahr! links.) Da noch eine ganze Reihe hier in Betracht kommender Fragen der Lösung badarf sa heantragen wir Uoherweisung an eine 91. der Lofung bevatf, so beuntragen wir Ueberweisung un eine 21= gliedrige Kommission. Was son z. B mit den Millionen gek0 chehen, die bis zum 1. Januar 1910 durch die lex Trimborn aufjespeichert worden sind? Und was soll mit den etwa später einkommenden Millionen geschehen? Wenn die Versprechungen des Zentrums irgend einen Wert haben sollen, so müssen die Erträgnisse des Zolltarifs, so lange er dauert, der Witwen= und Waisenversicherung zugute kommen. Im übrigen haben die Tatsachen längst bewiesen, wie optimistisch die Berechnungen des Herrn Trimborn waren.— Den Ausführungen des Dr. Junck über die angeblich segensreichen Wirkungen des Zolltarifs kann ich nicht zustimmen. Mit dem früheren Reichskanzler Hohenlohe bin ich der Ansicht, daß die Agrarzölle nur den Großgrundbesitzern zugute kommen,(Lebh. Beifall bei den Freis. und Soz., Larm im Schnapsblock), denselben Kreisen, die jede ernsthafte Besitzsteuer abgelehnt haven.(Lärmende Zwischenrufe u. Widerspruch rechts, lebh. Zustimmung links.] Man will jetzt wieder dem Volke ein Versprechen geben, von dem man jetzt schon sehen muß, daß es nicht gehalten werden kann.(Sehr richtig! b. den Freisinnigen.) 1902 versprach man dem Volke, daß es zwar höhere Getreidezölle zahlen, dafür aber ohne einen Pfennig Beiträge eine Witwen= und Waisenversicherung beschert erhalten solle. Jetzt aber liegt die Sache so, daß, wenn die Witwen= und Waisenversicherung überhaupt zustande kommt, die Arbeitnehmer 20 Millionen jährlich selbst dazu bezahlen müssen. Dazu gewährt die geplante Versicherung nur so geringe Renten, daß die Armenunterstützung vorzuziehen ist. Im Höchstfall bekommt eine Witwe 40 Pfg. pro Tag. Witwen mit Kindern werden von der Versicherung ausgenommen. Ich denke, daß für solche Bestimmungen viele Mitglieder des Reichstags nicht zu haben sein werden. Jedenfalls bitten wir um Ueberweisung des Entwurfs an eine Kommission.(Bravo! b. d. Freis.) Staatssekre: 0 Ssekretar Dr. Telbruck: Mit der Kritik der Reichsversicherungsordnung soll man doch warten, bis der Entwurf vorliegt., Dafür, daß die Zölle nicht die in der Lex=Trimborn vorliegt. Dafür, daß die Zölle nicht die in der veranschlagte Hohe erlangt haben, sind doch nicht die verbündeten Regierungen verantwortlich. Mit Herrn Mugdans wertvoller Mitarbeit(Heiterleit rechts) wird es doch möglich sein, die Reichsversicherungsordnung am 1. April 1911 in Kraft treten zu lassen. Abg. Molkenbuhr(Soz.): Auch ich bin der Meinung, daß es Zeit ist auf die Reichsversicherungsordnung einzugehen, wenn sie vorliegt. Zur scharfen Kritik an der Regierung bietet bereits der vorliegende Entwurf reichlichen Stoff. Die Regierung war verpflichtet, bis zum 1. Januar 1910 eine Witwen= und Waisenversicherung in Kraft treten zu lassen. Im andern Falle hatte sie die angesammelten Fonds an die Versicherungsanstatten zu verabfolgen. Dazu waren bestimmte Vorbereitungen nötig. Hat die Regierung irgend etwas nach dieser Richtung hin getan? gegenwärtige o# Was wird sie nun machen, wenn die gegenwärtige Vorlage abgelehnt werden sollte, wie wir es beantragen: Langst hatten mindestens Grundsätze für die Unterstützung aufgestellt und eine Enquete über die Zahl der zu Unterstützenden ausgenommen werden müssen. Aber nichts ist geschehen. Fürst Bülow, der fortgesetzt der Sozialdemokratie Mangel an positiven Leistungen vorwarf, hat selbst auf sozialpolitischem Gebiete nichts Positives geleistet. Wenn übrigens der Kanzler, Fürst Bülow, laut seinem Silvesterbriefe gerade das Zentrum treffen wollte, so konnte er nichts besseres tun, als die Lex=Trimborn nach ihrem Buchstaben ausführen. Da würde manche Witwe dem geflucht haben, der ihr vormachen wollte, das ihr zugewiesene Geld bedeute eine Witwen= und Waisenrente. Zunächst versprach 1902 das Zentrum Verwendung der Mehrerträge aus sämtlichen Agrarzollen Antrag Tri Waisenversicherung. Aber schon der uruimborn strich Obst, Hülsenfrüchte usw. seraus. Immerhin sollten noch 100 Mk. für jede Witwe und für jede Waise herguskommen Letzteres ist ungefähr 33 ½ Mk. für jede Walse heroustommen. Tehleres ist ungefahr der sechste Teil dessen, was z. B die Stadt Schöneberg für ihre Waisen zahlt. Der zweite Antrag Trimborn beseitigte nun auch noch die Verwendung der Zollerträge von Gerste, Eiern, Käse, Butter und Federvieh für die Versicherung, d. h. er setzte die voraussichtlichen Erträge um die Hälfte herab. Und damit nicht genug. Die Durchschnittsberechnung sollte nunmehr nach dem Kopf der Bevölkerung vorgenommen werden, so daß der Ueberschuß bei dem voraussichtlichen Wachstum der Bevölkerung naturgemäß immer kleiner werden mußte. Trotzdem fuhren die „Germania“ und die Zentrumsagitatoren von 72 Millionen zu lügen fort, die dabei heraussehen sollten. Hört, hört! bei den Soz.) Wir unsererseits haben, den Mißerfolg vorausgesehen und vorausgesagt.(Sehr richtig: bei den Soz.) In den Jahren 1906 und 1908 ist nichts eingekommen. Nun sagt Herr Trimborn gewiß, daran sei er doch nicht schuld. Doch ist er schuld daran, denn er hat mitgestimmt für die Einfuhrscheine im§ 11, welche bewirken, daß von den teuren Brot= und Fleischpreisen die Reichskasse keinen Vorteil hat, sondern noch drauf bezahlen muß. Sie haben den Witwen und Waisen teures Brot geliefert, aber keine Versicherung gegeben.(Sehr wahr! bei den Soz.]— Wieviel Witwen und Waisen kommen in Frage? Herr Trimborn hat mit Recht gesagt, ein Sechstel der Witwen Deutschlands sei auf Unterstützung angewiesen, und weitere zwei Sechstel bringen sich so kümmerlich durch, daß auch sie die Rente haben sollen. Also die Hälfte der in Deutschland lebenden Witwen würden als Rentenempfänger zu betrachten sein. Reichlich 3 Millionen Personen wären zu unterstützen. 16 Millionen mogen als vorhanden gerechnet werden, pro Kopf käme also eine Jahresrente von fünf Mark heraus.(Hört, hört! bei den Soz.) Den Gedanken der Beiträge der Arbeitgeber gebe man nur auf. Fürs Zahlen sind die Herren von den Agrarzöllen nicht zu haben.(Lebhafte Zustimmung links.) Die Beitragszahlungen werden dieselben Agrarier ablehnen, die die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Arbeiter in die Krankenversicherung verhindert und die Erbschaftssteuer abgelehnt haben.(Sehr wahr! links.) Gewiß haben wir dem§ 15 zugestimmt. Dr. Barth meinte damals, wir sollten dem Zentrum keine Gelegenheit geben, mit sozialer Gesinnung zu protzen. Und doch war es gut, daß wir für das Gesetz stimmten. Wir haben dadurch dem Zentrum die übliche Ausrede unmöglich gemacht, wir verhinderten es an sozialen Taten. Mag das Geetz in seiner ganzen Schönheit in Kraft treten! Man zahle den Witwen die 5 Mk. Jahresrente aus, etwas über 40 Pfg. pro reise man die soziale Großtat!(Lebh. BeiMonat, und dann preise mun die sozimle Grehial:(Tech. Velfall bei den Soz.) Abg. Trimborn(Ztr.): aich kann doch nichts dafür, daß wir so reiche Ernten gehabt haben, und daß darum so geringe Zollerträge eingekommen sind. Die Ausschiebung des Inkrafttretens des Gesetzes ist leider notwendig. Eine Kommissionsberatung halten wir für überflüssig und für eine Zeitvergendung. (Bravo! im Zentrum und rechts.) Wir haben eifersüchtig darüber gewacht, daß die Fonds für die Witwen- und Waisenversicherung nicht für andere Zwecke verwandt werden. Sind doch sogar Eingaben an uns gelangt, dos Geld für die Flotte festzulegen.(Hört, hört! bei den Soz.) Dagegen hat sich Erzberger mit aller Entschiedenheit gewandt. Ueber Einzelheiten der Versicherung konnten wir doch 1902 keine Bestimmungen treffen. Gewiß habe ich einige Zölle damals aus dem Gesetz gelassen. Um das Schiff flott zu machen, das zwischen der Scylla rechts und der Charybdis links hindurchstenern mußle, mußte ich Gerstensäcke und manches andere in die Flut wersen.(Große Heiterkeit.) Endlich ist gelungen, das Schiff glücklich in den Hafen zu bringen, und nun wird der siegreiche Kolumbus von den Schiffsknechten geschmäht. Die Sozialdemokraten haben für die Lex=Trimborn gestimmt. obwohl einer von ihnen. Herr Stadthagen lönnte es gewesen sein, von politischer Hochstapelei gesprochen hat.(Gr. Heiterkeit.) Ueber die Reichsversicherungsordnung läßt sich später sprechen; jetzt sind solche Ausführungen zeitverschwendend. —. Die niedrigen Erträge aus den Getreidezöllen stammen von der höchsterfreulichen Steigerung der Inlandspreduktion. Alles einzelne will ich preisgeben, aber der Ruhm des großen Hauptgedankens bleibt. Am 21. November 1902 hat Herr Ledebour erklärt: Wie die Verhältnisse bei uns liegen, ist die gegenwärtige Gelegenheit wohl die einzige, die sich vielleicht auf Jahre hinaus bieten wird, um überhaupt die Witwen= und Waisenversicherung zu regeln.(Hört, hört, im Zentrum.) Es ist unser Verdienst, diese einzige Gelegenheit beim Schopfe (Bravol im Zentrum.) genommen zu haben. Staatssekretät Dr. Delbrück: Wenn der Vorschlag der verbündeten Regierungen abgelehnt wird, so mag den Witwen und Waisen ein Anspruch von noch keineswegs zweifelsfreier Rechtskraft auf 5 Mk. Jahresrente erwachsen; wird der Vorschlag der Regierung angenommen, so besteyt begründete Aussicht auf gesetzliche Einführung einer immerhin ansehnlichen Rente. Die Frage der rückwirkenden Kraft wird spater zu regeln sein. Ich will sie gern in den Kreis der Beratungen hineinzieyen. (Sehr gut' beim Zentrum.] Abg. Linz(Rp.) erklärt sich namens seiner Freunde mit der Vorlage einverstanden. Agrarzi sen. so hi versorgung zu verwenden, hatten Rechte und Zentrum nachgegeven. Herr. Trimborn sagt: Ohne den§ 15 hatten wir die Versicherung nicht belommen; mit dem§ 15 haben wir sie jetzt ich nicht. Das einzige, was wir haven, ist die Verteuerung von Brot und Fleisch.(Sehr richti! links.) Herr Trimborn hat drei= bis viermal seine Anschaurngen über den Aufbau der lände Witwen= und Waisenversicherung gea####ert, und es heute, vorgezogen, uns seine jetzigen Ansichten nicht mitzuteilen. Mit dem Preisen der W“en und Waisenversicherung ist dach nichts ae, Preisen der Witwen= und Walsenversicherung ist doch nierts genützt. Herr von Stumm pries immer die Witwen= und Waisenversicherung, wenn es galt, eine sozialpolitische Vorlage, wie die Unfallrersicherung, abzulehnen. Selbst aber hat er nie den Antrag auf Einführung der Witwen= und Waisenversicherung gestellt. Sollten ihm die Unterschriften gefehlt haben, so hätten wir sie ihm gern zur Verfügung gestellt.(Heiterkeit links.) Aber Herr von Stumm ist eben nie über eine platonische Liebe zur das Witwen= und Waisenversicherung hinausgekommen, und Zentrum auch nicht.(Lebh. Beitall bei den Soz.) Abg. Dr. Mugdan(Fr. Vp.]: Die Mahnung des Herrn Trimborn, nicht die Zeit zu vertrödeln, hätten die Mehrheitsrarteien bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten befolgen llen(Sahr wahrl bei den Freis] Die Rede des Herrn Trimfruen.(Sehr wahr! bei den Freis.) Die biede der Herrn Tulm bern war der reine Vatermord!(Zu zuruf: Kindesmord!) Der § 15 wurde nur vorgeschlagen. weil das Zentrum unter der Arbeitekbevölterung Rheinland=Westfalens so viele Wähler hat. (Abg. Erzberger: Ganz falsch! Schallende Heiterkeit links.) Der § 15 wird nicht ein Ruhmestitel der Zentrumspartei sein, sondern ein Beweis für die Minderwertigkeit der ultramontanen Sozialpolitiker. Abg. Becker=Arnsberg(Ztr.): Die Zölle nutzen nicht bloß den Großgrundbesitzern, sondern auch den Bauern, wie Kautsky hat anerkennen müssen. Wenn es auf die Freisinnigen ankäme, so hätten wir noch heute keine Sozialgesetzgebung. Auch die Sozia demokraten haben gegen die meisten Gesetze gestimmt. Für andere soizalpolitische Gesetze haben sie nur gestimmt, weil nach Bebels Zeugnis in der entscheidenden Fraktionssitzung zufällig eine schwache revisionistische Mehrheit vorhanden war. Bei uns wird nicht majorisiert, sondern wir stimmen nach dem gesunden Menschenverstand.(Große Heiterkeit links, Rufe: Erbschaftssteuer!) Nun, bei der Abstimmung über die Erbschaftssteuer war Stadtbagen nicht anwesend, und auf dem Parteitag erklärte er, er hätte dagegen gestimmt. Abg. Ledebour(Soz.): Auf die vielen mit der Sache nicht zusammenhängenden Ausführungen des letzten Redners will ich nicht eingehen. Nur ein paar Worte auf den amüsanten Herrn Trimborn: Die Worte die Herr Trimborn in bezug auf mich angeführt hat, sind an sich ganz richtig, sie sind aber enthalten in einer Rede. die ich gegen einen Verschlechterungsantrag gehalten habe. Es hande te sich um den Antrag, durch den Herr Trimborn aus seinem ursprünglichen Antrage weitere 20 Millionen herausstreichen wollte. Im Anschluß an meine Kritik der Verschlimmbesserungen des Herrn Trimborn an seinem eigenen Werke erklärte ich, daß wir trotz der Verschlechterungsbestimmungen für den Antrag stimmen würden, weil dies die einzige Gelegenheit sei, die Witwen= und Waisenversicherung gesetz ich zu regeln.(Zurufe im Zentrum: Na also!) Wir haben niemals ein Hehl daraus gemacht, wie scharf wir das Bestreben des Zentrums verurteilten, mit Hilfe der Witwen= und Waisenversicherung den Zolltarif zu beschönigen. Wir haben doch auch gegen den ganzen Zolltarif gestimmt, trotz des§ 15 mit der Witwen= und Waisenversicherung. Andererseits haben wir aber stets erklärt, daß wir jede Gelegenheit benutzen würden, um eine Witwen= und Waisenversicherung zu erzielen.— Herr Trimborn hat sich in seiner Bescheidenheit als sozialpolitischer Odysseus und Kosumbus gepriesen. Mich erinnert er mehr an Sindbad, den Seefahrer.(Gr. Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Abg. Trimborn: Herr Ledebour kann nicht bestreiten, daß er und seine Freunde schließlich doch für unseren Antrag gestimmt haben. Herr Ledebour hat 1902 u. a. gesagt:„Auch der fehlerhafte Gaul ist uns noch gut genug, um den Wagen der Witwen= und Waisenversicherung auf das rechte Geleise zu bringen.“ Das Zentrum hat nach seiner wohlbewährten Taktik das Erreichbare genommen und das Unerreichbare zurückgestellt. (Bravol im Zentrum.) Hierauf vertagt sich das Haus. Nach einigen persönlichen Bemerkungen teilt Präsident Graf Stolberg das Resultat der Schriftführerwahl mit. Es sind danach gewählt: die Abgeordneten Rimvau(natl.) mit 277 Stimmen. Frhr. v. Thünefeld(Ztr.) mit 272, Engelen(Ztr.) mit 249 Rogalla v. Bieberstein(kons.) mit 243, Dr. Heckscher(Fr. Vg.) mit 197, Pauly=Oberbarnim(Rv.] mit 183, v. Damm(W. Vg.) mit 183 und Dr. Hermes(Fr. Vp.) mit 176 Stimmen. Außerdem haben erhalten v. Napieralski(Pole) 160, Dr. Hagemann (natl.) 116 Stimmen, Fischer(Soz.) 86 Stimmen, zersplittert sind 94 Stimmen. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Sämtliche Interpellationen und Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß nach 6 Uhr. Kroeiirr: Genrssen! Es ist Parteipflicht für jeden Genossen, energisch und unablässig für die„Volkswacht" Abonnenten zu werben. Jetzt ist eine besonders günstige und erfolgverheißende Zeit für diese Tätigkeit. Tue jeder seine Pflicht, den Gegnern zum Trutz, dem kämpfenden Proletariat zu Nutz. Auf zur Agitation für die Arbeiterpresse! Bs gierneurei Wunder 633 nämlich Backwunder, das unter allen Umständen zuverlässige Patent-Backpulver. Versuchen Sie selbst nachstehendes Rezept: Weihnachtskonfekt:(vorzüglich zu Tee, Kaffee und Wein) 200 Oramm Butter, (billig und dabei doch sehr fein) 180 gr Zucker, 2 Eier und 1 Paket Reeses Vanillinzucker P werden schaumig gerührt. 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Wenn der Vorschlag der vird, so mag den Witwen keineswegs zweifelsfreier## erwachsen; wird der Voro besteht begründete Auser immerhin ansehnlichen kraft wird später zu regeln r Beratungen hineinziehen. ens seiner Freunde mit der Kätte das Zentrun mit Svtschlag festgehalzen, die r die Witwen= und Waisen= Rechte und Zentrum nache den§ 15, hätten wir die m.§ 13 haben wir sie jetzt haben, ist die Verteuerung ! links.) Herr. Trimborn## ugen über den Aufbau der ndert, und es heute vorgeicht mitzuteilen. Mit dem sicherung ist doch nichts get die Witwen= und Waisenlpolitische Vorlage, wie die st aber hat er nie den Anind Waisenversicherung gein gefehlt haben, so hätten It.(Heiterkeit links.) Aber eine platonische Liebe zur nausgekommen, und das bei den Soz.) Die Mahnung des Herrn eln, hätten die MehrheitsVizepräsidenten befolgen Die Rede des Herrn TrimZuruf: Kindesmord!] Der l das Zentrum unter der alens so viele Wähler hat. lende Heiterkeit links.) 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Der diesjährige Kalender ent2 hält u. a.: Die Reichstagswahlen 1907 und die Nachwahlen. — Stimmenzahl der einzelnen Parteien bei der letzten Wahl und karte der Fraktionen.— Biogr. Notizen unserer Reichstagsabgeordneten.— Die bürgerlichen Parteien Deutschlands.— Aus den sozialdemokratischen Organisationen.— Preissteigerung und Arbeitslohn.— Was die Berufszählung lehrt.— Sozialdemokratische und Gewerkschaftspresse.— Die Gewerkschaften Deutschlands— Internationale Streik= und Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1906. — Adressen der Arbeiter=Sekretariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Adressen der deutschen sozialdemokratischen Vereine im Auslande.— Die deutschen Gewerbeinspektoren.— Kalendartum und Geschichtskalender.— Portotaxe.— Vielseitiges Adressenmaterial. Außerdem enthält der Kalender ein künstlerisch ausgeführtes Bebelporträt sowie die Dorträts der in Nachwahlen gewählten Genossen Binder, Huber u. Schöpflin. Zu beziehen durch jede Parteibuchhandlung und bei den Kolporteuren. Zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“ IC 80 Brackwede(Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) feiert am Sonnlag, den 5. Dezember 1909, sein Le. Seiftcngerest im Etablissement des Herrn Karl Schröder, Gäusestraße Nr. 4, bestehend in turnerischen Aufführungen, Reigenfahren, Gesangvorträgen u. grossem Festball. Zu diesem genußreichen Feste ladet freundlichst ein 6751 Das Fostkomitee. Zentral-Theater Inh.: Jul. Kaiser. Zielefelder Carneval-Verein„Helau“. Sonntag, den 5. Dezember 1909: 6735 Grosser Eröffnungs-Bal. in den Lokalitäten des Herrn C. Richter, Gadderbaum, bestehend in karnevalistischen Auf- und Umzügen und grossem Fest-Ball unter Mitwirkung d. gesamten Hauskapelle u. ganzen Gefolge Ansang 3 Uhr 59½ Minuten. Es ladet ergebenst ein Der Xl-Rat. NB. Mitgliedskarten à 3 Mk. sind an der Kasse, sowie bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern :: 3: 3 n: 2: zu haben.:::::: 2: 3: Am Sonntag, den 5. Dezember, feiert der Arbeiter-Turnverein„Eintracht“, Brake, seine diesjährige = Herbst-Feier— im Lokale des Herrn Lohmann. Hierzu ladet alle freundlichst ein 6742* Der Vorstand. Gasthof„Grüne Tanne“. Herm. Dresing, Kreuzstrasse 45. 6784 Sonntag, von nachmittags 4 Uhr ab: im bestrenovierten Saale. Prei-Hönzerr Jeden Abend im Jägerhof, Goldstr. 12, Seie Konzert 5 Elntree frei. Bier 10 Pfs. Sonntags Matinee von 11½2 bis 2 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Restaurant Jägerhof. 5029 I. A.: Herm. Borgstädt. Schluss der Anmeldungen am 31. Dezember 1909. Sonntag, den 5. Dezember: Grosser BALL. Güce verbunden mit Preis-Kegeln von Geflügel. Hierzu ladet freundlichst ein 0 Vogt, Hallerweg. Gambrinushalle. Sonntag, den 5. Dezember 1909. sowie jeden Sonntag: Grosser BallS#. Täglich Gastspiel des hier im Sturm beliebt gewordenen Schauspiel= u. Burlesken=Eusembles Frank Lamers mit ihrem unverwüstlichen Mutterwitz. Rovität! dw Rovitht! Tilly Bertrandy, das weibliche Unikum. Alles brüllt vor Lachen. Sonnabend u. Sonntag Stadttheater. Heute Sonnabend, 7 bis 10 Uhr Kleine Preise! Wilhelm Tell. Sonntag, 7—9½ Uhr: Zum 10. Moie! Das Zugstück der Soison. Die Förster-Christl. Größter Operetten=Erfolg! II. Rang und Amphitheater bereits dudnertauft. Montag, 8 bis 10½ Uhr: Die lustige Witwe. Elite-Programm. Atemlos packend und spaunend! Große Seusations=Detektiv=Komödie. Ferner Nur frühes Kommen sichert Platz! Anfang der Vorstellung Wochentags 7 Uhr, Sonn= und Feiertags 4 und 8 Uhr, sowie von 11½2—1½2 Uhr: Grosse Matinee. 975. Die Direktion. 6e veranstaltet vom Bildungsam Sonntag, den 5., Sonntag, den 12., und Sonntag, den 19. Dezember 1909, von vormittags 11½ bis 7 Uhr abends, im Restaurant„Stadt Bielefeld“., Marktstraße 8. Ausgestellt sind: Bilderbücher, Jugendschriften(für jedes Alter passend), Romane, Erzählungen, Novellen, Werke sämtlicher Klassiker, Naturwissenschaftliche Werke. Wir ersuchen die Kollegen und Genossen, schon am ersten Sonntage ihre Bestellungen zu machen, damit die Bücher, wenn wir nachbestellen müssen, zur rechten Zeit hier sind. eapagrengprergpernsorsgangugge ageeeeee Orchester: Klavier, Geige, Cello und Flöte. Hierzu ladet freundlichst ein 6749 Aug. Indiestel, Bürgerweg 14. H. Bracksiek, Hallerweg. Sonntag, den 5. Dezember: TAN2. 6743* W. Tuxhorn, Bleichstrasse.— Sonntag, den 5. Dezember: 16728“ 1 TANZ. Es ladet freundlichst ein W. Tuxhorn. F. Stockbrügger, Jeden Sonntag: 67475 Etablissement Ww. Kleinert, Detmolderstr. Sonntag, den 5. Dezember 1909:(6782“ Tanz frei! Grosser Ball. Nur rechts tanzen Reisetaschen Reisekoffer " R u c k s ä c k e Damentaschen Portemonnaies Brieftaschen Schultornister 1 Markttaschen Hosenträger alle Lederwaren und Reiseartike! H. Elvers, Sattlermeister Obernstr. 29. 5385 C. H. Apenbrink, Herforderstr. 242. Sonntag, den 5. Dezember: 67 M TANZ.A 15 Carl Senker, Herforderstraße. Sonutag, den 5. Dezember: 5519 ERXRT TANZ Heinr. Bewekenhorn, Bürgerweg 50.(6034 28. November: Cauz. Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste empfehle ich als passende Geschenke Nähmaschinen und Fahrräder, Wasch-, Uöring- u. Mangelmaschinen, Kochmaschinen, Oefen, Haus- u. Rüchengeräte. Führe nur erstklassige Ware. Teilzahlung gestattet. W. Siekmann, Hielefelderstr. 65. 6837 K Tuxpen ur Spielwaren empfiehlt zu billigsten Preisen 67 Rehme. Ernst Korf. 6769 Zuralten Post Spielplan v. 4. bis 8. Dezember. Im Golf v. Salerno. Herrliche Naturaufnahme. Farbenphotographie v. Pathé Frers Herkules als Soldat. Humoristisch. Kunstfilm. Cärmen Kunstfilm. Schauspiel in 17 Bildern. Der Ort der Handlung ist die Gegend. in der es sich in Wirlichkeit abgespielt hat. Der kleine Detektiv. Spannend. Ein Todessturz. Drama. Dies ist eins der beliebt. Edison=Films. Kuriose Herzensgeschichten. Interessanter Trickfilm. Des Meeres Hochzeitsgeschenk. Dramatisch. Aenderung. im Programm vorö. Sonntag, den 5. 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Man auf See befindlich von Blankenberge schmettert und i schlungen Ein a gescheitert. Vier Rotterdam, hier ein orkanartig erwartet mit bang unweit Pernis, üb bare russische Dar Kanonenboot„Bu einem anderen Ka Wilhelmshe durch den Sturm zwei schwer verwu Brüssel, 4. Swei Salonge Sofas Klubses Chaisel( Schreib Schreib Büffets Vertiko Spiegel Tische Servier Anricht Büstens Paneelb Nipptist Rauchti Palmen! zuzuführen und die Erkenntnis, daß wir in einem Klassenstäate lehen, in immer weitere Kreise zu bringen. Vermischtes. Der Kopf abgerissen. lück ereigne Oranienburg, 2. Dez. Ein entsetzliches„Ung.—.#######e sich heute mittag in Oranienburg, Ein Schiffer eines Dampfers, der auf dem Oranienburger Kanal fuhr, schaute bei der Durchfahrt durch die Veltener Brücke aus der seitlichen Luke des Dampfers und beobachtete nicht, daß der Dampfer bereits an die Brückenpfeiler herangekommen war, wodurch ihm der Kopf abgerissen wurde. Feuersbrunst. Dürkheim, 2. Dez. In Hardenburg brannte heute früh das Elektrizitatswerk vollständig nieder. Sturm. Emden, 3. Dezember. Ein orkanartiger Südweststurm vertrieb aus den Außenhafen trotz der Kettenverankerung die auf Schienen ruhende riesige elektrische Erzverladebrücke. Sie brach vollständig zusammen. Der Kranenführer wurde gerettet. Ein Dampfer aus Lübeck hatte gerade die Ladestelle verlassen. Die Brücke stürzte gerade in sein Fahrwasser. Eine zweite Brücke wurde aus dem Geleise gehoben, es besteht auch bei ihr die Gefahr des Einsturzes. Der Orkan nimmt an Stärke zu. Bremerhaven, 3 Dezember. Hier herrscht ein schwerer Orkansturm, der die Schiffe auf allen Strecken in Gefahr bringt. Köln, 3. Dezember. Sowohl an der deutschen wie an der belgischen Nordseeküste wurden Ueberreste mehrerer Fischerboote an Land getrieben. Man hegt große Besorgnisse um das Schicksal der noch auf See befindlichen Boote. Ein Fischerboot, das die Hafeneinfahrt von Blankenberge gewinnen wollte, wurde am Hafendamm zerschmettert und mit vier Mann der Besatzung von den Wellen verschlungen Ein anderes Fischerboot ist in der Nähe von Duinberge gescheitert. Vier Mann der Besatzung ertranken. Rotterdam, 3. Dezember. In der vergangenen Nacht wütete hier ein orkanartiger Sturm, der vielfach Schaden anrichtete. Man erwartet mit banger Sorge Meldungen von der See. Auf der Maas, unweit Pernis, überrannte der infolge starker Strömung nicht steuerbare russische Dampfer„Estonia“ das holländische kriegsnntaugliche Kanonenboot„Bulgia“, das unterging. Die Besatzung wurde von einem anderen Kanonenboot gerettet. Wilhelmshaven, 4. Dezember. Bei der Signalstation wurde durch den Sturm eine Bude umgeweht. Ein Matrose wurde getötet, zwei schwer verwundet. Brüssel, 4. Dezhr. Der seit vorgestern abend an der Nordseeküste wütende Orkan hat gestern noch an Gewalt zugenommen. Auf der Schelde wurden die Lotsen verhindert, zu den Schiffen zu gelangen, die infolgedessen gefährdet vor Anker liegen müssen. Drei englische Dampfer scheiterten an der Küste. Es ist noch unbekannt, wie viele von der Mannschaft sich retten konnten. Drei Leichen wurden angespült.— In Brüssel stürzte ein zweistöckiges Gebäude wie ein Kartenhaus zusammen. Familiendrama. Berlin, 8. Dezember. In der Weinstraße zu Berlin erschoß aus Nahrungssorgen heute der Friseur Poboß seine Frau und suchte dann durch Revolverschüsse sich selbst und seine drei Kinder zu töten; eins der Kinder ist bereits an den erlittenen Verletzungen gestorben. Berlin, 3. Dezember. Zu dem Familiendrama in der Weinstraße ist weiter zu berichten, daß im Laufe des Nachmittags auch der Friseur Poboß in der Charitee seinen Berletzungen erlegen ist. Die Hamburger Vergifiungsasiäre. Hamburg, 3. Dezbr. Die gestern veröffentlichten Dementis werden jetzt als irreführend bezeichnet, auch über das Ergebnis der Obduktion der Leichen sollen unrichtige Angaben gemacht sein. Es sollen sich Merkmale herausgestellt haben, die eine Vergiftung als feststehend erscheinen lassen. Weiter erscheint feststehend zu sein, daß Vergiftung in böswilliger Absicht vorliegt, denn von 123 Kesseln, in denen das Essen gekocht worden ist, haben nach der chemischen Untersuchung sechs sich als nicht einwandfrei herausgestellt. Es ist in den Bestandteilen eine Veränderung konstatiert worden, die nur durch Beimischung giftiger Substanzen herbeigeführt worden sein kann. Man hat auch bestimmten Verdacht gegen eine Person des Aufsichtspersonals. Hamburg, 3. Dezbr. Zu der Vergiftungsaffäre in der Irrenanstalt wird noch mitgeteilt, daß die Vermutung besteht, daß die Wiener Giftmordaffäre und die Giftattentate von Verdun hier eine Nachahmung gefunden haben. Mit dieser Annahme ist man vielleicht auf der rechten Fährte. Bestätigt sich der Verdacht, den man noch nicht auszusprechen wagt, dann hat man es hier mit einem zweiten Fall Hofrichter zu tun, mit einem bis zum Verbrechen getriebenen Ehrgeiz. Durch das Attentat vom Mittwoch sollten indirekt eigentlich nicht die armen Patienten der Anstalt getroffen werden. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft wird auch nach dieser Richtung geführt. Hamburg, 4. Dezember. Zu den Massenerkrankungen in der Irrenanstalt Friedrichsberg wird weiter gemeldet: Entgegen anders lautenden Meldungen kann versichert werden, daß nicht 293 Personen, sondern 762 Personen erkrankt sind. Lie Cholera. Libau, 3. Dezember. Nach zweitägigem Stillstand sind wieder mehrere Choleraerkrankungen zu verzeichnen. Die Wiener Vergiftungsassäre. Wien, den 4. Dezember. Die Kette der Indizien gegen Hofrichter soll nunmehr geschlossen sein. Sämtliche Auditeuren Oesterreichs hatten den Auftrag, an ihren Standorten Untersuchungen anzustellen und bei ihren Regimentern nachzuforschen, ob in einer anderen Stadt ähnliche Umstände inbetreff des Tatsachenmaterials, wie Pulver, Schachteln usw. zusammentreffen wie in Wien. Dieser Auftrag wurde gestern als unnötig telegraphisch widerrufen. Wie verlautet, steht dieser Widerruf im Zusammenhang mit der Auffindung eines Pulvers im Hofe des Hofrichterschen Hauses. Man maß diesem Funde ursprünglich keine Vedeutung bei, da nicht angenommen werden konnte, daß der Täter so achtlos Zyankalt fortgeworfen haben könnte. Kaiser Franz Joseph hat infolge der Berichte der bei der Untersuchung beteiligten Ministerien auch einen Bericht des Statthalters von Oberösterreich eingefordert. Der Kommandeur des Regiments, dem Hofrichter angehörte, ist in Audienz empfangen worden, um über seine Untersuchung zu berichten. Feuersbrunst. New=York, 5. Dezember. Das ganze Geschäftsviertel Baltimores steht in Flammen. Die unglückliche Stadt, die bereits am 7. und 8. Februar 1904 von einer furchtbaren Brandkatastrophe heimgesucht war, erleidet jetzt noch einmal dasselbe Schicksal. Der größte Teil der Banken, Zeitungen und Geschäftsgebäude steht in Flammen, trotzdem diese ungeheuren Wolkenkratzer ganz aus Stahl und Zement konstruiert sind. Die gesamte Feuerwehr Baltimores und der umliegenden Ortschaften bemüht sich im Verein mit den Feuerlöschbooten, die das Feuer von der Kanalseite her bekämpfen, des Feuers Herr. zu werden. Bisher sind jedoch alle Anstrengungen vergeblich gewesen. Der Schaden beträgt bereits über zwei Millionen, und noch ist gar nicht abzusehen, wann dem Wüten der Elemente Einhalt getan werden kann. Briefkasten der Redaktion. Sch., Minden. Brief kostete 20 Pfg. Strafporto. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher. beide in Bieleseld. Hamm Münster Sehr Grosse Kein Kaufztrang! 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Am Donnerstag, 2. Dezember, starb nach langem, schweren Leiden unser treues Mitglied, der Dreher Heinrich Mehler im Alter von 20 Jahren. 6768 Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beeidigung findet Sonntag, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause Herforderstr. 164, aus statt, und ersuchen wir um Geschäfts-Karten liefert in feinster Ausführung billigst Buchdruckerei„Volkswacht“. in gröfster Austvahl zu billigsten Freisen zahlreiche Beteiligung. Die Ortsverwaltung. Vereuie Wellniauhschinauf. Naufmanns gresser bringt für jeden grosse Vorteile. 1 Posten Herren- und Damen Regenschirme * 0 *• solide Qualitäten zum Aussuchen 3.50, 2.50, 1 Posten solide Qualität Stück 2.10 und 165 1 grosser Posten seidene HerrenHalstücher in grau und weiss zum Aussuchen 1.95, 1.35, 50 1 Posten Schlafdechen extra gross Stück 1 Posten SammetGummigürtel prima Qualität sonstiger Wert bis 3.00 jedes Stück 1 Posten weisse DamenStrickhandschuhe reine Wolle Paar 1 Posten Kinderstrumpte in versch. 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Der T das ganze Reich mi Arbeitsnachweisen u Arbeitgeber= und A den Gegensätze ause mäßigen Arbeitsvei würde die Aufgabe schiedenen Bezirke Dabei soll besond Land und Stadt ge der Betrag des Rei vorigen Jahre gebli notwendig wäre. . Die Behörden fordern 38 500 Mar Ausgaben„für das 2194115 Mark gest B, anderen Frage ia dbegsomt ist nuhr ein Mehr von slichen nur um E versicherungsamt e Millionen Mark. T stellt sich auf 57·365 liche Beamte eingeste den Streitfälle gew. Richter mehr nissen bekannt zu m auffallend vielen sol Amtes, die nach un nissen der Arbeiter dden.— Auffallend is erhebungen in Spru# Ddas heißt 25 000 M den sind. In den C hierfür hätten sich, Wie ist aber diese V hier um die Gebühr schließlich der Gebül letzten Jahren wurk der Arbeiter, die der Einholung eines früher beim Reichs en Arbeitern iste M zu finden, der Vertrauensarztes. d parteiisches Guracht von der höchsten W. ein weiteres ärztlick kriebene Sparsamkei aufs schwerste schädi „In dem Etat des rohnerhöhungen der werden, daß die C farten zum Besuche sum Angeln im Kais wecke verwendet wei beschehen, daß die wiesen werden. Die versichert, seine Tä für die Angehörigen kufen, die amtliche pflege zu unterstützer deshalb eng an die