Abonnementsbeesh für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. O SUvJosoJrorse Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht". Gerisch& Co., Rieleseld. Nr. 282. Bielefeld, Freitag, 3. Dezember 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten Der Giftmörder. P. Wien, 30. November. Am 1. November wurden von den Besuchern der Kriegsschule zehn zu Hauptleuten ernannt und dem Generalstabe zugeteilt, die übrigen achtzig wurden, obwohl sie ebenfalls die Prüfungen mit Erfolg bestanden hatten, wieder zur Truppe zurückversetzt. Am 16. und 17. November bekamen die zehn Herastantgen däich. u diche ahschnatge dalte— in Vaetae....8 Aräßlichsta au### mr lhheit ist, daß e Aber was das Gräßlichste an der Möglichkeit ist, daß ein Unschuldiger unter Mordverdacht steht, ist das, daß Hofrichter nun dem Militärgerichte überliefert wurde, das ihn nun nach den formalen Prinzipien des geheimen, schriftlichen Detiche Felch. Die Wirkungen der Zündwarensteuer. In der am Montag in Kassel abgehaltenen Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Zündwarenfabrikation Stahl& Noelke fragte ein Aktionär an, ob die Zündwarenindustrie durch die Steuer tatsächlich stark getroffen werde, so daß mit einem bedeutenden Konsumrückgang gerechnet werden müßte. Die Verwaltung antwortete, daß die bereits im Geschäftsbericht erwähnten nachteiligen Einwirkungen der Steuer noch weit stärker fühlbar seien, als ursprünglich angenommen wurde. Infolgedessen mußten sowohl in der Kasseler als auch in der Kostheimer Fabrik ganz bedeutende ArbeiterHauptleute in kleinen braunen Schächteln mit der Post zugestellt sweder den Angeklagten noch die Zeugen; es werden entlassungen vorgenommen werden. Eine Besserung der VerOblatenkapseln, die, wie der heigelegte Prospekt besagte, Pillen ihm bloß die Protokolle aus der Untersuchung vorgelesen, unter hältnisse ist vor der Hand nicht abzusehen. Die„Reform“ der Fernsprechgebührenordnung ist dem Reichstage wieder zugegangen. Sie verlangt, wie bekannt, für jeden Anschluß neben der Grundgebühr eine Gesprächsgebühr. Die Grundgebühr beträgt 50—60 Mark, je nach der Größe des Fernsprechnetzes, die Gesprächsgebühr 4 Pfg. für jede Verbindung. Militärstrafprozesses richten wird. Nach dem österreichischen Militärstrafprozeß, der aus dem Jahre 1768 stammt, leitet den Prozeß von Anfang bis zum Ende der Auditor, der Untersuchungsrichter, Referent im Gerichtshof, Verteidiger und Staatsanwalt in einer Person ist. Der Gerichtshof, der über den Angeklagten zu urteilen hat, vernimmt Oolagenrapseln, die,„wie der beigelegte. Prospekt,. besggte, Pillen ihm bloß die Protokolle, aus, der Untersuchung vorgelesen, unte zur Hebung der Manneskraft enthalten sollten. Alle legten###benen, um dem Gerichtshofe gewissermaßen auch einen persöndie Sendung beiseite, nur einer, der Hauptmann Mader, naym lichen Eindruck vom Angeklagten zu geben, auch ein sogenanntes die Oblaten ein und war nach wenigen Minuten eine Leiche.„Gebärdenprotokol!“ sich befindet, das Auskunft darüber Alle Oblaten enthielten, wie die Untersuchung ergab. Cyankali. gibt, ob der Angeklagte errötete oder erblaßte, ob er verstockt Der Verdacht, den Anschlag auf die zehn zum Generalstab oder reuig sich benahm und dergleichen. Auf Grund dieser toten versetzten Offiziere begangen zu haben, fiel sofort auf die achtzig Akten erfolgt dann das Urteil über Leben und Tod des Ansenen“ Offiziere von denen einer offenbar aus geklagten. Das ist es, was das öffentliche Gewissen so aufregt zurückgewiesenen; Ofsiziere,„von denen einer osse wahnsinnigem Hasse gegen die ihm vorgezogenen Kameraden diese vergiften wollte. Achtzig Offiziere, die Elite des Offizierskorps, lauter junge Offiziere, die zum Besuche der Kriegsschule kommandiert waren, standen unter dem fürchterlichen Verdachte des Mordes. Es entstand im Offizierskorps eine Panik, wie sie in Frankreich entstanden war, als man seinerzeit die schrealiche Entdeckung gemacht hatte, daß ein Offizier des Generalstabes einer fremden Macht militärische Geheimnisse, verrate. Und wie in Frankreich der Bann vom ganzen Offizierskorps erst wich, als man in Dreyfus den angeblichen Verräter faßte, so war auch hier alles Sinnen und Streben des Offizierskorps nur darauf gerichtet, daß endlich der Giftmörder verhaftet und damit der Verdacht von den anderen 79 Offizieren genommen werde. Aber lange war alles Suchen vergebens. Eine aus Offizieren und aus Beamten der Wiener Kriminalpolizei bestehende Untersuchungskommission, an deren Spitze der Chef der Kriminalpolizei, Regierungsrat Stukart, vermochte nicht einmal sestzustellen, wo das Cyankali gekauft worden war. Da meldete ein Oberleutnant in Linz seiner vorgesetzten Behörde, ein Kamerad, der Oberleutnant und gewejene Kriegsschüler Hofrichter, habe ihm am 9. November, also wenige Tage bevor der Mordanschlag verübt worden war, als scherzhaftes Namenstagsgeschenk einige Stahlfedern gesandt, die in ein eben solches braunes Schächtelchen verpackt waren, wie jene Schächtelchen mit den Giftpillen waren. Es wurde nun noch festgestellt, daß Hofrichter am 13. November, nachts, von Linz nach Wien gefahren und um 6 Uhr morgens dort auf dem Westbahnhofe angekommen war, etwa um dieselbe Zeit, da in der Nähe des Bahnhofes die Giftschachteln in den Postkasten geworfen worden sein mußten. Regierungsrat Stukart konnte nun triumphierend der Presse mitteilen, daß es seinem Scharssinn gelungen sei, Licht in die mysteriöse Affäre zu bringen. Erleichtert atmete das ganze Offizierskorps auf, da der Verdacht sich auf einen einzigen Offizier konzentrierte, die übrigen alle entlastet waren. Aber bald stellten sich Zweifel ein, ob denn auch die Verdachtsmomente vollkommen einer Untersuchung standhalten und ob nicht Stukart, um sich den Tank des Offizierskorps zu erwerben, allzu leichtfertig zugegriffen hatte. Freilich, die bürgerliche Wiener Presse trug Tag um Tag neue Scheiter herbei, um den Brand anzufachen, und Herr Stukart, der durch seine verwandtschaftlichen Beziehungen zur Wiener Hochfinanz und durch seine gesellschaftlichen Beziehungen zur großen Bourgeoisie trotz seiner bekannten Unfähigkeit von Stu zu Stufe geklommen war und durch die Entlarvung des Gi, nordes zum Hofrat zu werden hoffte, versorgte die Presse mit immer neuen Details. Auch die Oblaten, aus denen die Giftpillen fabriziert worden seien, hätten sich bei Hofrichter gefunden und dieser sei als Amateurphotograph auch in der Lage gewesen, sich Cyankali zu beschaffen. Da er übrigens auch ein Streber gewesen sei, sei der Ring der Indizien geschlossen. Aber bald ergab sich— und es ist das Verdienst der„Arbeiter=Zeitung", als erste auf die unglaubliche Leichtfertigkeit des Untersuchungsverfahrens hingewiesen zu haben—, daß diese Indizien zum Teil überhaupt nicht bestanden, zum Teil sich auf andere Weise erklären lassen. Wohl war Hofrichter am 13. November um 6 Uhr früh in Wien angekommen, aber er hatte seine Reise nicht heimlich unternommen, war nach Wien gefahren, um seine hochschwangere Frau, Mutter in Wien besucht hatte, abzuholen und er hatte zwei bekannte Offiziere besucht. Die Schächtelchen, die das gravierendste Beweismittel waren, sind solcher Art, daß sie zu Hunderttausenden, vielleicht Millionen erzeugt werden, so de vermutlich in allen größeren Papierwarengeschäften zu sind. Ueberdies gibt Hofrichters Frau an, ihr Mann, dessen größte Freude es gewesen sei, bei der Versetzung nach Linz allerlei Kleinigkeiten im Haushalte und bei der Instandsetzung der Wohnung zu arbeiten, habe zwölf solche Schächtelchen gekauft, um daraus für sie ein Nezessaire für Nadeln, Knöpfe und dergleichen zu machen. Zuerst habe er— da er ein derartiges Nezessaire in einem Geschäftsfenster in Linz sah, es aus Zündholzschachteln erzeugen wollen, da diese aber untauglich hierzu waren, habe er andere Schachteln gekauft; da er die Arbeit auch damit nicht zustande brachte, habe er die meisten Schachteln in geklagten. Das ist es, was das, öffentliche Gewissen so aufregt und was dem Fall Hofrichter solche Bedeutung verleiht, daß die Oeffentlichkeit nun mit Schrecken einen Einblick in dieses veraltete Verfahren erhält. Wie immer der Prozeß ausgehen wird, so wird von ihm eine Bewegung ausgehen, die endlich den mittelalterlichen Militärstrafprozeß beseitigen wird. Politische Uebersicht. Die Vertagung der Witwen= und WaisenVersicherung. Dem gestern(Dienstag) dem Reichstag zugegangenen Gesetzentwurf, der eine Abänderung des§ 15 des Zolltarifgesetzes vom 25. Dezember 1902 und des§ 2 des Gesetzes, betreffend den Hinterbliebenen=Versicherungsfonds und den Reichsinvalidenfonds vom 8. April 1907 bezweckt, ist folgende Begründung beigegeben: Nach§ 15 des Zolltarifgesetzes ist der auf den Kopf der Bevölkerung des Deutschen Reiches entfallende Nettozollertrag aus der Einfuhr von Roggen, Weizen und Spelz, Rindvieh, Schafen usw., insoweit er den nach dem Durchschnitt der Rechnungsjahre 1898 bis 1903 auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Nettozollertrag derselben Waren übersteigt, zur Erleichterung der Durchführung einer Witwen= und Waisenversicherung zu verwenden. Ueber diese Versicherung ist durch ein besonderes Gesetz Bestimmung zu treffen. Bis zum Inkrafttreten dieses Gesetzes sind die Mehrerträge für Rechnung des Reichs anzusammeln und verzinslich anzulegen. Tritt das Gesetz bis zum 1. Januar 1910 nicht in Kraft, so sind von da ab die Zinsen der angesammelten Mehrerträge, sowie die eingehenden Mehrerträge selbst den einzelnen Invalidenversicherungsanstalten zum Zwecke der Witwen= und Waisenversorgung zu überweisen. Eine Reichsversicherungsordnung, die Vorschläge für die gesetzliche Regelung der Witwen= und Waisenversicherung enthält, ist dem Bundesrat unter dem 31. März, d. J. im Entwurf zugegangen. Der Entwurf ist veröffentlicht. Jene Vorschläge bilden einen organischen Bestandteil der Reichsversicherungsordnung und könner, soll die Einheitlichkeit in der Reform der Versicherungs; etzgebung nicht leiden, nur im Rahmen des Gesamtgesetzes verabschiedet werden. Es ist nicht möglich gewesen, die vor der Vorlage an den Reichstag noch erforderlichen Arbeiten zu einer Zeit zu Ende zu führen, in der noch mit der Verabschiedung des Entwurfs bis zum 1. Januar 1910 gerechnet werden konnte. Es empfiehlt sich daher, um eine eingehende sachliche Durchberatung zu ermöglichen, auf eine Hinausschiebung des Termins für das Inkrafttreten der Witwen= und Waisenversicherung bedacht zu sein. Denn die im Zolltarifgesetz für den Fall des Nichtzustandekommens der Witwen= und Waisenversicherung bis zum 1. Januar 1910 vorgesehene Ueberweisung und Verwendung der angesammelten Bestände nach Maßgabe von Statuten, welche die Versicherungsanstalten zu erlassen hätten, wird jetzt als eine annehmbare Lösung der Aufgabe nicht anerkannt werden können. Die Zinsen des bis jetzt angesammelten Bei Ferngesprächen werden für je 3 Minuten erhoben bis 25 Kilometer 20 Pfg., bis 50 Kilometer 25 Pfg., bis 100 Kilometer 50 Pfg., bis 250 Kilometer 75 Pfg., bis 500 Kilometer 1 Mark, bis 750 Kilometer 1.50 Mark, bis 1000 Kilometer 2 Mark, über 1000 Kilometer für jede angefangenen weiteren 250 Kilometer 50 Pfg. mehr. Gegen diese Neuordnung der Fernsprechgebühren ist bekanntlich von allen Interessenten schärfster Protest erhoben worden. Linksliberale Einigung. Der Viererausschuß der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft hat am Donnerstag vormittag die erste Beratung des Entwurfs eines Einigungsprogramms zu Ende geführt. Es wurde ein Einverständnis über alle in Betracht kommenden Fragen herbeigeführt. Die zweite Lesung wird in einigen Tagen vorgenommen werden. Handelsvertrag mit Bolivien. Berlin, 2. Dez. In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Freundschafts= und Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und dem Freistaat Bolivien die Zustimmung erteilt. Italien. Kabinettskrise. Rom, 2. Dez. Die Kammerbureaus wählten 7 oppositionelle und 2 ministerielle Deputierte in die Kommission zur Beratung der Steuerreform. Hierauf fand um 1 Uhr ein Ministerrat statt, der die Demission des Kabinetts beschloß. Nachmittags 3½ Uhr erschien das ganze Kabinett in der Kammer und Giolitti erklärte den Rücktritt des Ministeriums. Die Minister werden die Geschäfte fortführen. Die Kammer wurde vertagt. Dem Zwischenfall in Kamtschatka, wo ein japanisches Kanonenboot Mannschaften gelandet hatte und die Auslieferung der vom russischen Kanonenboot verhafteten Besatzung einiger räuberischer Schiffsschoner verlangte, wird im Petersburger Ministerium des Auswärtigen keine Bedeutung beigemessen. Das Kanonenboot hat außerdem an der Küste gekreuzt und Vermessungen vorgenommen. Der Kampf gegen die Lords. Nachdem das Haus der Lords am Dienstag die Resolution Lansdowne angenommen hatte, in welcher es heißt,„daß dieses Haus sich nicht berechtigt glaubt, das Budget ohne vorherige Befragung des Volkes zu genehmigen“, hat die liberale Regierung den Fehdehandschuh aufgenommen:„ g. 6 1951. i 9 London, 2. Dez. Asquith teilte im Unterhause mit, die Regierung habe dem König den Rat erteilt, das Parlament möglichst schnell aufzulösen. Der König hat diesen Rat anscnommen.„#.##, E.Auu. 8.s B.wierministe London, 3. Dez. Die Erklarung des Premiermangters Asquith, in der die Ablehnung des englischen Budgets durch die Lords als ein Verfassungsbruch bezeichnet wird, wurde von dem englischen Unterhause mit 349 gegen 134 Stimmen angenommen. Kommunales. Medertsigerneseceie Serichneshasie die echeckenlder Gemeindewahlsiege. neten=Stichwahl in dasß sernand, der an 18. Nodender in diesen Schachieln Gisspillen versenden, also einen tückischen Mord begehen will, am 9. November einem Freunde eine solche Schachtel schickt und sich so selbst ans Messer liefert. Aber noch skandalöser war, was Herr Stukart über die anderen Indizien verlautbarte. Die Oblaten, die bei Hofrichter gefunden wurden, hatte er gekauft, um seinem Hunde ein Wurmpulver einzugeben— und es waren überdies ganz andere Oblaten, hatten andere Zeichen, als dieen, die die Offiziere erhalten hatten. Und die Mär von nkali das er als Photograph sich leicht beschaffen konnte. jenigen, dem Helersgesiches Die un u. Worik ll. Binauszuschelen. Ge. schieht dies, so muß auch in dem Gesetz, betreffend den Hinterbliebenen=Versicherungsfonds, der Termin, bis zu dem die aufkommenden Zinsen des Fonds, wie die Kapitalaufkommen, zinsbar anzulegen sind und dem Kapitalbestande hinzuzutreten haben, gleichmäßig hinausgeschoben werden. Warum so spät? Die„Trierische Landeszeitung" stellt die Frage, warum die Suspendierung der Bonner erst jetzt erfolgt sei, wo doch die Exzesse schon viele Monate zurücklägen. Einen großen Teil der direkt Schuldigen werde die jetzige Maßnahme gar nicht mehr treffen, weil sie die Universität bereits verlassen hätten. Das Blatt sagt sodann:„Soll dieser verspätete Termin der Bestrafung vielleicht damit zusammenhängen, daß im Sommersemester ein Sohn des Kaisers. Prinz Oskar, aktives Mitglied der Borussen war und mit Vorliebe den Borussen=Stürmer trug? Das wäre ja gewiß eine sehr zarte Rücksichtnahme gewissen. Allein wenn ein Korps sich nicht einmal durch die aktive Mitgliedschaft, des Königssohnes von salchen widrigen, Ausschreitungen abhalten nahme doppelt unangebracht. Wenn die Maßregelung den Die am Dienstag erfolgte Stadtverordsack brachte der Sozigldemokratie 5 Sozialdemokraten nur 83 bis 87 hat die Sozialjetzt 8 im Besitz; bisher nur 3.— Bei der Bürgermeisterwahl in Speyer, dem Sitze der pfälzischen Kreisregiewahl um 90 Prozent. Kommunalwahlerfolge in Sachsen=Meiningen. Die zurzeit im Herzogtum stattfindenden Gemeinderatswahlen brachten unserer Partei eine Reihe schöner Erfolge. In Lichtenhain bei Jena wurden 5 Genossen gewählt und zwar mit großer Majorität. Wir haben nun die Mehrheit im Gemeinderat. In Judenbach bei Sonneberg gingen unsere 4 vorgeschlogenen Kandidaten ebenfalls glatt durch, so daß der ganze Gemeinderat jetzt aus Parteigenossen sich zusammensetzt. In Themar zieht zum ersten Male ein Genosse in die Stadtvertretung ein, während Salzungen Landtagsabgeordneter Genosse Eckardt in den Gemeinderat gewählt wurde. In einer Anzahl Gemeinden, wo wir infolge des 10-Stimmengeldsackswahlrechts einflußlos geschaft des Königssohnes von solchen wüsten und gesetz= macht wurden, gelang es, den ersten Wahlgang durch StimmentAusschreitungen abhalten läßt, dann ist eine Rücksicht= haltung zu vereiteln. Chanrgu, das er als Pögtograph, sch leicht,. beschafenikernte, Prinzen Oskar mit getroffen, häte, würde er das Berb wurde durch die Tatsache, v) eriach Methoden, bei denen kein seiner Korpsgenossen noch besser einzuschäßzen wissen.“ lten Ehankali erforderlich ist. Schließlich gerät nun auch die Angabe] Die Frage des Blattes wird jedenfalls beantwortet werden der Postbehörden, daß die Gift=Briefe, die den Poststempel müssen, und wenn nicht anders, dann wohl spätestens bei der 8 Uhr“ trugen, auch vor ½7 Uhr aufgegeben worden sein parlamentarischen Erörterung des Borussenskandals., Zweiselkönnten, einigermaßen ins Wanken, ebenso wie die Behauptung, los wird die Sozialdemokratie die Regierung um klare Ausdaß Hafrichter— der den einfachsten Weg zur Karriere, eine kunft über diese höchst auffällige Verzögerung der akademischen vornehle, reiche Heirat nicht eingeschlagen hatte, sondern ein Bestrafung ersuchen. ab Vom Bierkrieg. mäßig wohlhabendes Mädchen, das nicht einmal die nötige Auch in Braunschweig versuchten die Brauereien nicht nur die Biersteuer auf die Konsumenten abzuwälzen, sondern noch einen Extraverdienst dabei für sich herauszuschlagen. Statt um den Betrag der wirklichen Steuer erhöhten die sämtlich im Brauereiringe vereinigten Brauereien den Bierpreis um 4 Mi. pro Hektoliter, und die Wirte schlugen gar 10 bis 16,66 Mk. auf den alten Preis pro Hektoliter auf. Dabei gingen Wirte und Brauerien durchaus Hand in Hand, und letztere versprachen den Wirten, daß sie, die Brauerien, alles daran setzen würden, den Gastwirten die Abwälzung der Steuer auf die Konsumenten zu erleichtern.— Die Herren hatten nicht mit der Standfestigkeit der Arbeiter als Konsumenten gerechnet. Diese nahmen den Kampf auf und verschärften ihn nach einigen Wochen so, daß der Brauereiring den Frieden suchte. Nach vielen Sitzungen mit dem Syudikus der Brauereien ist am Montag der Friedensschluß durch einen Vertrag erfo gt, durch den sich die Brauereien verpflichten, das Bier zu 21 Mk. pro Hektoliter, bei Kassa innerhalb 14 Tagen mit 5 Proz. Skonto zu liefern. Der frühere Preis war 18 Mt. Weiter verpflichten sich die Brauerien, soweir ihr Einfluß reicht, dahin zu wirken, daß unserer Partei und den Gewerkschaften alle Säle zur Verfügung gestellt werden. Sie werden weiter bei den Militärbehörden vorstellig werden, daß der Militärboykott über die Säle und Wirtschaften aufgehoben wird, die uns zur Verfügung stehen. Die entlassenen Prauereiarbeiter müssen vertragsmäßig zuerst wieder eingestellt werden. Da mit Beginn des Bierboykotts aus anderen Gründen der Partei und den Gewerkschaften der große Versammlungssaal entzogen worden ist, stellen die vereinigten Brauerien einer am Montag gegründeten„Volkshaus=Gesellschaft", G. m. b. H., 80000 Mk. zur Verfügung zur Beschaffung eines geeigneten großen Versammlungssaales. Die Arbeiterschaft zahlt 10000 Mark ein. Die eventuellen Ueberschüsse fließen der sozialdemokratischen Partei und dem Gewerkschaftskartell zu. Da die Biervreise in allen für die Arbeiter in Betracht kommenden Loka en wieder auf das frühere, vor dem Boykott übliche Maß herabgesetzt worden sind, so hat die Arbeiterschaft nunmehr— nach zehnwöchiger Dauer— den Bierboykott aufgehoben. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 3. Dezember. Zum Bierkrieg. Es wird hier und da die Ansicht geäußert, der Bierkrieg sei beigelegt. Das ist jedoch nicht zutreffend. Man darf allerdings den Bierkrieg nicht vergleichen mit einem gewerkschaftlichen Kampf, der äußerlich schärfer warnehmbar ist. Beim Bierkrieg handelt es sich darum, ob die Konsumenten durch ihr eigenes Verhalten die Produzenten bezw. Verschleißer veranlassen, ihnen größere Maße vorzusetzen oder aber, daß jene sich mit niedInteressen edeutenden Rückgang des Bierkonsums hervor. Selbstverständlich könnte Verhalten die Produzenten bezw. Verschleißer veranlassen. ihr 9.966r Mupt gglgaseheigoper, abst,.batz kene„sich gmit ni rigen Preisen abfinden. Daß die Konsumenten ihre Interes erkannt haben und vertreten, geht aus dem ganz be#####tend die Wirkung eine noch größere sein; aber doch, daß die Brauereigewaltigen, getxaffen werder Herrschaften benutzen nun gern willige Makler, um das Gerucht auszustreuen, der Bierkrieg habe gar keine Wirkung! Auf der anderen Seite aber drohen sie mit Arbeiterentlassungen, wenn der Bierkrieg nicht bald beendet werde. Teilweise müssen sogar schon Arbeiter feiern! Das sind doch alles Wider sprüche. Darauf kommt es den betreffenden Interessenten nun garnicht an; die Hauptsache ist, im Lager der Konsumenten Wirrwarr hervorkammer abweichenden Wünsche und Antrage zur Kenntnis der Behörden kommen, sei es durch Weitergabe seitens der Handelskammer, sei es durch Aufnahme in den Jahresbericht. 3. Hinsichtlich der Zusammensetzung der Kleinhandelsausschüsse treten bei den bisherigen Einrichtungen 3 Arten hervor: a) solche Kleinhandelsausschüsse, die ohne einen besonderen Wahlmodus aus Mitgliedern der Handelskammer gebildet oder b) durch Kooptation oder durch Wahlen seitens der Handelskammer oder ihrer Organe ergänzt werden, e) solche Kleinhandelsausschüsse, bei denen die Ergänzung im Wege der Präsentation oder Wahl durch Organizationen erfolgt, die außerhalb der Handelskammer stehen(gewerbliche Vereine). Auch hinsichtlich der passiven Wählbarkeit der Mitglieder solcher Ausschüsse lassen sich drei Kategorien dieser Organisationen unterscheiden, je nachdem a) nur Handelskammermitglieder, oder b) nur Personen, die das Wahlrecht zur Handelskammer besitzen, oder c) alle Handel= und Gewerbetreibenden, d. h. also auch Kaufleute mindern Rechts und Vollkaufleute, die durch einen etwaigen Zensus der Handelskammer vom Handelskammerwahlrecht ausgeschlossen sind, gewählt werden können. Der Handelsminister ersucht dieHandelskammern, zu erörtern, welchem System sie den Vorzug geben, und er stellt dabei den Gesichtspunkt zur Erwägung, daß das Interesse und die Arbeitsfreudigkeit der nicht zur Handelskammer wahlberechtigten Kreise um so größer sein wird, je weitergehendere Bejugnisse ihnen bei der Zusammenjetzung der Ausschüsse zugebilligt werden. Ausdrücklich betont der Minister, daß er die Einrichtung von Ausschüssen, die sich ausschließlich aus Minderkaufleuten zusammensetzen, für unzweckmäßig erachte. Der Minister betont, daß ihm nach der geltenden Geietzgebung ein Zwangsrecht gegen die Handelskammern nicht zu Gebote stehe, durch das er auf die Errichtung von Kleinhandelsausschüssen oder die Art ihrer Einrichtungen entscheidend hinwirken könnte. Er werde aber auch keine Veranlassung haben, einen gesetzlichen Zwang auszuüben, denn er habe das Vertrauen, daß die Handelskammern es als ihre Pflicht erachten würden, alle berechtigten Wünsche zu erfüllen, die die Kleinhandeltreibenden hinsichtlich ihrer Vertretung hätten. Die Kammer beschließt, versuchsweise einen Kleinhandelsausschuß zu bilden. Dem Ausichusse sollen diejenigen Mitglieder der Kammer angehören, die Detaillisten sind. Dieselben werden ermächtigt, nach Bedürfnis weitere Mitglieder zu kooptieren, die dort, wo Detaillistenverbände bestehen, von diesen Verbänden in Vorschlag zu bringen sind. Die von den Detaillistenverbänden in Vorschlag zu bringenden Mitglieder müssen handelstammerwahlberechtigt sein, Der Deutsche Reichstag hat die revidierte Berner Uebereinkunft über Werke der Literatur und Tonkunst der letzten Reichstagssession im allgemeinen angenommen. In der Nevision ist bewegung 5, Privatversicherung 6, Handelssachen 6, Diverses 9. Schriftsätze wurden 111 in folgenden Sachen angefertigt: Arbeiterversicherung 33. Arbeits- und Dienstvertrag 14. bürgerliches Recht 34, Strafrecht 6, Gemeinde= und Staatsangelegenheiten 18, sonstige Sachen 6. Der Sekretär: Albert Schulz. — Osthusheurich auf der Flucht vor der Feststellung von Tatsachen. Dieser Ki##nfabrikant, in dessen Betrieb wieder einmal Differenzen entstanden waren, hatte gegenüber der verhandelnden Kommission erklärt, daß der geschäftliche Stand es unmöglich mache, den bescheidenen Wünichen der Arbeiter Rechnung zu tragen. Osthushenrich Vater und Sohn hatten mehrfach erkärt, die Arbeiter sollten nur den Gewerkschaftssekretär veranlassen, herzukommen, sie wollten diesem dann die Bücher vorlegen, dann werde dieser sicher der Firma recht geben. Der Bevollmächtigte des Holzarbeiterverbandes ließ sich daraufhin vorher anmelden und der Firmenvertreter war mit dem Besuch einverstanden. Als jedoch der Gewerkschaftsvertreter im Kontor der Firma erschien da ließ Osthushenrich mitteilen daß er für den Ve chern weisen, unter welch mangelhaften Akkordsätzen die Arbeiter Kisten schneiden müssen. Jedenfalls ist die Firma vor ihren eigenen Behauptungen auf der Flucht. Es wird ihr aber noch Gelegenheit gegeben werden, diese zu beweisen und den Forderungen der Arbeiter Rechnung zu tragen. — Von der Handelskammer nird uns geschrieben: Einem Antrage der Handelskammer zu Bielefeld entsprechend wird vom 1. Dezember d J. ab werktäglich mit dem Zuge 1 VersmoldGütersloh, ab Versmold um 7 Uhr morgens, ein Briefbeutel nach Gütersloh mit gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefen befördert werden.— Ferner wird in Versmold künftighin werktäglich in der Zeit von 2.30 bis 3 Uhr Telegraphen- und Fernsprechdienstbereitschaft abgehalten werden. Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die morgige Aufführung von„Wilhelm Tell“ um 7 Uhr beginnt und um 10 Uhr beendet ist. — Symphonieabend. Nochmals sei auf das heute im Stadttheater stattfindende Symphoniekonzert des städtischen Orchesters unter Mitwirkung des Klaviermeisters Wilhelm Backhaus dringend hingewiesen. In allen Städten, in welchen er sich hören läßt, feiert dieser Auserwählte unglaubliche Triumphe und auch uns ist noch der tiefe und nachhaltige Eindruck seines Spiels, von seinem vorjährigen Konzert her, in bester Erinnerung. Wie wir hören, hat der Vorverkauf zu diesem besonders * m urt sehr lohl.". 14 und wir waller die Hauptsache ist(#für die der Berner Konvention angehörenden Länder die Gleich= interessanten Konzerr seyr levhaft eingesetzt, werden. Diese l stellung der Schutzfrist für Werke der Literatur und Tonkunst hoffen, daß diesmal ein vollbesetztes Haus *„ c lauf 50 Jahre vorgesehen. Dach hleiht es don Ländern in denen#m Wiedererscheiner hegraßt Programm und wir wollen nur auf 50 Juhre vorgesehen. Doch bleibt es den Ländern, in denen bisher eine kürzere Schutzfrist bestand, überlassen, auch fernerhin diese kürzere Schutzfrist beizubehalten. Darüber nun, ob die Schutzfrist auch in Deutschland auf 50 den Künstler bei seiJahre festgesetzt werden, oder oh es bei dr bisherigen 30jährigen Schutzfrist bleiben' soll, wird sich der Reichstag wohl in der nädh zurufen. Ueberall ist man, aber mit dem Versuch, den Biertächsten Session zu entscheiden haben. Fur die Ausdehnung der Schutzfrist. dem Versuch, den B konsum zu steigern, abgeblitzt. Das heiße Bemühen, in den Fabrikkantinen mehr Bier zu verschleißen, ist erfolglos geblieben. Die Wirte klagen, daß ihr Umsatz gar nicht ihren materiellen1 Verlagsbuchhandlungen der Verpflichtungen entspricht., Alles in allem liegt die Sache so, Druckereien und Buchbindereie daß die Brauereivesitzer usw. infolge des Bierkrieges empfindlich an ihrem Geldbeutel getroffen werden. Das schmerzt, und darum appellieren sie an das Mitleid.— Die Konsumenten können den Kriegszustand sehr gut aushalten. Wer Bier in Likörgläsern zu Weinpreisen trinken will, mag es tun, die konsequenten Vertreter ihrer Koniumenteninteressen werden anders handeln. Um so mehr, als sie fürs Haus vom Consumverein ihren Bedarf beziehen können. Je länger der Krieg anai je mehr werden Vierbrauer, Wirte und Händler geschadigt. Es liegt an diesen, ob sie eine Verständigung herveifuhren wollen.,„.. I., Graner uuch 6i. Mirtg####. Bis heute haven weder die Brauer, noch die Wirte es der Mühe für Wert gehalten, sich mit der Konsumentenkommission Verbindung zu setzen und Verhandlung zu treten. ie„Ausdehnung der Schutzfrist, hat sich der Verein Deutscher Musikwarenhandler und die Genossenschaft Deutscher Tonsetzer ausgesprochen, während über 1046 Sortiments= und Musikalienbranche,, sowie 25 findereien für die Beivehaltung der 30jährigen Schutzfrist(§ 29 des Gesetzes betreffend Urheberrecht an Werken der Literatur und Tonkunst vom 19. Juni 1901) sind. Die Kammer spricht sich für die Erhaltung des bestehenden Zustandes aus.„„ Herr Rittergutsvesitzer Dr. F. Blomeyer, Haus Beck bei Mennighüffen, teilt mit, daß in der dortigen Gegend eine große Anzahl ansässiger Zigarrenarbeiter beschaftigungs os geworden wäre, und daß keine Aussicht auf Wiederbeschäftigung dieser Arbeiter in der Zigarrenindustrie vorliege, da die Verlegung vieler Zigarrenherstellungsbetriebe nach Süddeutschland unter den bestehenden Verhältnissen unvermeldlich sei. Um die Arbeiter der dortigen Gegend zu erhalten, empfiehlt Herr Dr. Bloin Wollen in Vervingung zu setzen und in Verhaublung zu kreien. die Herrschaften die Beendigung des für sie sehr unangenehmen Krieges, so wissen sie sehr genau, welche Schritte ihrerseits zu gescheben habey....„ gerneiger weiten m Um Unklarheiten zu vermeiden, weisen wir darauf hin, daß alle Vereine, Korporationen, Gewerkschaften, Parteigruppen usw. gemäß den Beschlüssen gehalten, sind, ,keinerlei Fest= 4. Wochen soll mit den Ausstellunge, gewechselt werz,, gung lichkeiten zn axrangieren, Es negt an den Konsu=, diese Weise wird es möglich sein, in Bielesel Gusre##tige tugst i die ihre Sache durchführer gewerbliche Erzeugnisse oder Abbildungen dayon in venkrat menten, ob ne ihre Sache durchführen. — Aus der Handelskammer. Aus dem Bericht über die Tätigkeit der Handelskammer seit dem 24. September entrehmen wir:„ Bezüglich der Taritierung von engrischem Gießereiroheisen hat die Kammer im Bezirk eine Umfrage veranstaltet und als Ergebnis dieser Umfrage der Eisenbahndirektion Hannooer folgendes mitgeteilt: „In einzelnen Fällen ist in unserm Bezirk englisches Gießereiroheisen billiger gekauft worden als von deutschen Werken. Der Grund hierfur wird vorwiegend zu finden sein in der Preispolitik des Roheisensyndikats. Da zum Beispiel Bielefeld von den Nordseehäfen nur durch längere Bahnverbindungen zu erreichen ist, werden die Preise so bestimmt, daß Preis pius Bahnfracht ab deutschem Werke gleich ist dem englischen: Preis plus Sefracht blus Bahnfracht... B.ei für Fisen billign ale In Hannover dagegen ist der Preis für Eisen viniger als in Bielefeld, weil Hannover von den Nordseehäfen billigere Frachten hat als Bielefeld, gleichzeitig innerhalb des Einslusser der Kraftschen Eisenwerke 13t. B.„, u/12 Maknfracht 18 eltDer Eisenpreis ab rheinisch Wert plus Bahnfracht ist also in Hannover niedriger als Eisenpreis ab Werk plus Bahnfracht in Bielefeld. Würde die Fracht vom Werk bis Bielefeld nach dem Ausnahmetarif 2 berechnet, dann würde sich die Fracht um zirka 5 Psg. für 100 Kilo billiger stellen. Es bliebe dann die Frage, ob das Roheisensyndikat respektive die Werke den Eisenpreis um den Unterschied erhöhen wollen. Nach einer Mitteilung der Eisenbahndirektion Hannover auf eine Eingabe der Kammer kann zur Ausgabe der in Bielefeld H. aufliegenden Sonntagsfahrkarten nach Bückeburg, Detmold, Horn=Bad Meinverg. Oerlinghausen, Porta und Salzuflen in Verbindung mit Anschlußfahrkarten auf Bahnhof Brackwede ein Bedürfnis nicht anerkannt werden. Die Direktion bedauert daher, dem Antrage der Kammer nicht entsprechen zu können. *** Dem Protokoll über die Sitzung der Handelskammer vom 24. November entnehmen wir folgendes: In einem Erlasse des Handelsministers vom dieses Jahres wird die Frage erörtert, in weicher Form dem Kleinhandel eine angemessene amtliche Vertretung gegeben werden könne. Der Minister steht dabei auf dem Standpunkte, daß es sich nicht empfiehlt, den Wünschen nach Errichtung besonderer, von den bestehenden Handelskammern unabhängiger Detaillisten=Kammern zu entsprechen. Es erschiene vielmehr zweckmäßiger, daß innerhalb der Handelskammer selbst für eine angemessene Vertretung des Kleinhandels und zwar durch Bildung von Kleinhandelsausschüssen gesorgt werde. Der Minister ersucht daher die Handelskammer, die Frage der Bildung von Kleinhandelsausschussen zu prüfen und dabei die folgenden Gesichtsnzichiegzen vericksichtigen: . 1. D i e B i l d u n g v o n K l e i n h a n d e l s a u s s c h a n e n u n t e r l i e g t d e r freien Beschlußrassung der Handelskammer. Ein besonderes Statut hat die Befugnisse des Ausschusses, BHäggeln 2. Die Kleinhandelsau Handelskammern und können nicht unmittelbar in Verkehr treten. dafür zu treffen sein, daß ihre von der Auffassung nimmt Kenntnis hiervon. Kunstgewerbliche Ausstellungen wird von jetzt ab die Handwerkskammer gemeinsam mit der Handwerterschule im alten Rathaus veranstalten. Die Ausstellungsobjekte kommen aus großen Museen und ähnlichen Anstatten, und alle 3 bis 4 Wochen soll mit den Ausstellungen gegechselt, werden. Au diese Weise wird es mög bester Form zu zeigen. Bielefeld ist die erste sercht-Großstadt, in der eine derartige Einrichtung geschaffen wird. Von heute ab ist im alten Rathaus eine Wanderausstellung„Die Grabsteinkunst in Bildern“, veranstaltet vom Kgl. Kunstgewerbemuseum in Berlin und von der Wiesbadener Gesellschaft für Grabmalskunst, zu sehen. Die Ausstellung ist an Wochentagen von 10 bis 1 und von 3 bis 5 Uhr und Sonntags von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Auf die Ausstellung soll eine andere folgen, in der gezeigt wird, wie Inserate geschmacklich ausgestattet werden können; ferner ist eine Ausstellung interessanter alter Textilien, sowie eine Ausstellung von Crzeugnissen der süddeutschen Goldund Silberschmiedekunst in Aussicht genommen. Am 10. Dezember wird im Stadttheater um 8½ Uhr auf Veronsassung von Handwerkerschule und Handelskammer Herr Osthaus aus Hagen über„Die Kunst in Handel und Gewerbe“ sprechen. Der Eintritt ist vollkommen frei. — Monatsbericht des Arbeitersekretariats. Im November 1909 wurde das Arbeitersekretariat von 562 Personen in Anspruch genommen, davon waren männlich 495 und weiblich 67 Personen. Auskunfte wurden 591 erteilt, davon mündlich 579 und schriftlich 12. Von den Auskunftsuchenden wohnten in Barntrup 1, Berlebeck 1, Bielefeld 350, Billerbeck, 1, Borgholzhausen 1, Brackwede 30, Brake i. W. 3, Brake i. L. 2, Brönninghausen 1, Bünde 2, Camen 1, Dornberg 2, Enger 1, Freckenhorst 1, Gadderbaum 15, Gellershagen 3, Gera 1, Gütersloh 3, Heepen 4. Hillegossen 3, Holsen 1, Isselhorst 1, Jöllenbeck 1. Kirchlengern 1, Lage 2, Lippstadt 1, Lütgendortmund 2, Metz 1, Milse 2, Oldentrup 1, Herlinghausen 4, Quelle 3, Rehme 2, Rheine 1, Schildesche 40, Sende 1, Senne 4, Sieker 38, Spenge 1, Steinhagen 2, Stieghorst 13, Sudbrack 4, Theesen 2, UbbeEisseß.1, Uerentrut, 1, Ummel Gewerkschaftlich organisiert waren 223 Personen, gewerkschaftlich und politisch organisiert waren 204 Personen, nur nem Wiedererscheinen begrüßt. Programm siehe Inseratenteil. Polizeibericht. Gestohlen wurde in Minden am 28. Mon. ein schwarzlackiertes Fahrrad, Marke„Adler", Nr. 370523; auf der Glocke befindet sich der Name„Mosel". Gesperrt ist die Arndtstraße von Schulstraße bis Bahnhofstraße vom 3. bis 5. d. M. wegen Pflasterung. Vermutlich gestohlen sind nachstehende, in dem Besitz einer auswärts festgenommenen Person vorgefundenen Gegenstände: 1 schwarzer steifer Hut mit der Firma Leo Drouven, Steele=Marxloh; 1 hellgrauer Paletot mit Mufftaschen, grauem Futter; 1 grauer schwerer Winterpaletot mit doppelten Nähten und graukariertem Futter; 1 dunkler Cheviot=Paletot m. schwarz. Satinfutter; 1 brauner Paletot, grün und rot kariert, mit braunem Futter; 1 Paar braune Schnürschuhe; 1 rotledernes Zigarren=Etui; 1 Taschenspiegel; 1 gelbledernes Herrenportemonnaie;; 1 Nickeluhr mit Nickelkekte; mehrere Taschentücher mit den Buchstaben W. D., H. G., F. L. H. Personen, welche über den rechtmäßigen Besitzer obiger Sachen Auskunft geben können, werden ersucht, sich bei der hiesigen Kriminal=Polizei zu melden.„# 6T hier und Gewarnt wird vor einer Schwindlerin, die sich hier unter dem Vorgeben einmietete, sie trete am 1. 12. 09 eine Stelle als Lageristin bei einer großen Firma an und nach mehreren Tagen verschwand. Die Person ist zirka 22—24 Jahre alt, hat hellblondes volles Haar, blaue Augen, trägt dunklen Pelzhut in Glockenform, langes helles gestreiftes Jackett, grünlich gestreifte Bluse, blauen Kleiderrock und schwarze Halbschuhe. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalabteilung Festgenommen wurden 1 Person wegen Unterschlagung, 1 Person wegen Diebstahls, 1 Person wegen Bettelns, 1 Person wegen strafbarer Obdachlosigkeit und 2 Personen wegen Trunkenheit und Hausfriedensbruchs. 14 Obdachlose erhietten im Polizeigefängnis Unterkunft. Eingebrochen wurde in der Nacht zum 2. 12. 09 in das Stallgebäude Ehlentrupperweg 75 und daraus 3 belgische Kaninchen entwendet. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Sonntag, 5. Dezember, vormittags 9 Uhr, Außerordentliche Generalversammlung im Lokale des Herrn Indiestel in Bielefeld. Tagesordnung: Stellungnahme zum preußischen Parteitag am 3. Januar 1910 in Berlin und Vorschläge für die Wahl der Delegierten. Ueber die Zusammensetzung der Generalverammlung bestimmt§ 23 des Statuts: Die Generalversammlung wird gebildet aus den Delegierten der Ortsgruppen, dem Vorstande und den Revisoren des Vereins, dem Sekretär, den Reichstags- und Landtagsabgeordneten bezw.=Kandidaten, den Mitgliedern der Handelsgesellschaft und der Preßkommission, dem Geschäftsführer und den Redakteuren der„Volkswacht". Wahlreglement: Die Ortsvereine wählen auf 1 bis 25 Mitglieder je einen Delegierten. D., Bgrstand Achtung, Tabakarbeiter! Die Differenzen in der Filiale von Aug. Blase in hausen sind erledigt; die Maßregelung von 5 Arbeitern wurde zurückgenommen. Die Sperre ist deshalb wieder aufgehoben. 0 sche politisch organisiert waren 4 Personen und 131 Personen gehörten keiner Organisation an. Auf die einzelnen Gewerkschaften verteilen sich die organisierten Besucher wie folgt: Bäcker 8, Bauhilfsarbeiter 7, Brauereiarbeiter 3, Buchbinder 6, Buchdrucker 10, Bureauangestellte 5, Fabrikarbeiter 8, Gärt* Heepen,„1. Dez. Standesamts=Statistik. Im verflossenen Monate kamen beim hiesigen Standesamte 19 Geburten— 10 Knaben und 9 Mädchen—, 8 Eheschließungen und 5 Sterbefälle zur Anmeldung. Außerdem wurden 6 Aufgebotsanträge gestellt. * Detmold. 2 Dez. Lippischer Landtag. In der heutigen Sitzung wurde die zweite Leiung der Wertzuwachssteuervorlage beendet. Es handelte sich noch um die Be.giger Baragraphen die der Kommission von neuem S der a. Satz, Bargrahsen u. der u. Sieuersteiselt des fürtlichen Haus. gehilfen 1. Holzarbeiter 64, Lithographen Metallaxbeiter 212, Sattler 3., Schmiede macher 6, Stukkateure 2, Tabakarbeiter 13, Tapezierer 3, Textilarbeiter 14, Transportarbeiter 3, Zigarrensortierer 1, Zur 115denken Anlaß gegeben hatte. In erster Linie traf Paragraphen 10,„per die Sieuerftichen„des fürstlichen Hausbesitzes regeln soute. Der Landtag woute Steuerfreiheit nur Die erteilten Auskünfte betrafen: Unfallversicherung 82, Kkankenversicherung 19, Invalidenversicherung 29, Kündigung und Lohniorderung 37, Lehrlingswesen 3, Gesindeverhältnist. 6 erschutz 3, Zeugnisse und Legitimationspapiere o, sbunliges willigen, so wurde die Entscheidung verschoben. Heute gab der jedoch die Erklärung ab, daß die„höchste Stelle“ mit 1g8 Arbeiterschug, 3, Zeugnisse und Legitimationspapiere, o, sonst aus dem Arbeits- und Dienstoertrage. o, Sachenrecht 41, 11, Steuersachen 28. Sie Frage hesprochen worden Rommissono zuk den asgegpeigten Minzster zevocy, vze Stziutuug, un, vug, die„höchste, Stelle“ der Forderung des Landtags einverstanden sei und sich nur ausgebeten habe, daß aus diesem Zugeständnis nicht auf spätere Zeiten Folgerungen gezogen würden. Ausnahmsweise soll das saumburg gekommenen Teil des lippischen Domaniums— in Lippe gibes nämlich auch Domanialgrunovesin, der zu Schaumburg gehört— eine vollan die„landesväterliche“ n namr mantalgrun! der Reichsgrundstücke slaat dazu nicht befug ebenfalls in der Kor schlagt geschlagen und genehr „Das Gesetz tr pflicht zugunsten de 1909 in Kraft. tritt mit dem Zei dem Beschlusse nich Gemeinden sind be samkeit von einem genannten Zeitpun Monaten nach der schließen. Die G Steuer zu ihren früheren Zeitpunk innerhalb einer Fi des Gesetzes zu I nehmigung der Re halb dieses Zeitz betreffenden Geme ihm zur Last fall fünf von Hundert Vorgeschlagen u Doppelbesteue pische Ziegler) zu Erledigung dieser n letzten Augenblicke entstanden wären, bildung vorhanden: treiben der Konserv# gestrichen worden. Recht erhalten sollt spruch der Ziegler a voppelt gezahlten Ki Anspruche an die A linken Seite des L Streichung dieses der Dorfgemeinden werden müsse. Ab Gewerkvereinsmanr tragen, daß im er Stadt= und den Ar führt würden als! entschädigt werden daß dies nicht nur keit“ kann ja überh auch nach der Vera ler in höchst unger sonst, doppelt besteu auch deshalb wertv Beseitigung der ko zutragen und dure Grundlage geschaff zwar nicht anerkar bekanntlich sehr vin des Volks vorgebra nahme des Antrag gaben haben würde stimmte Zahlen ül tungsamte Detmo Widerstande gegen wurde daher beschl einer der nächsten Schließlich wur angenommen. Der Abschluß eines A #wregen der Liefe Die Typhusepiden Kinde Mäde Dal Dali Dam Kirft Niedern dels= und Gewerbe„Sachen angefertigt: nstvertrag 14. bürgerund StaatsangelegenUlbert Schulz. Feststellung von TatBetrieh wieder einmal rüber der verhandeln*e Stand es unmöglich Arbeiter Rechnung zu atten mehrfach erkärt, tssekretär veranlassen, Bücher vorlegen, dann Der Bevollmächtigte shin vorher anmelden Besuch einverstanden. Kontor der Firma erer für den Vertreter Mag sein, daß die hren Büchern nur berdsätzen die Arbeiter die Firma vor ihren is wird ihr aber noch sen und den Forderuns geschrieben: Einem entsprechend wird vom im Zuge, 1 Versmoldrgens, ein Briefbeutel ngeschriebenen Briefen mold künftighin werkelegraphen- und Fernbureau wird uns geaufmerksam, daß die um 7 Uhr beginnt und f das heute im Stadts städtischen Orchesters Wilhelm Backhaus en, in welchen er sich unglaubliche Triumphe haltige Eindruck seines her, in bester Erinneuf zu diesem besonders zt, und wir wollen nur s den Künstler bei seium siehe Inseratenteil. de in Minden am 28. rad, Markg,„Adler“, der Name„Mosel;; Schulstraße bis Bahnisterung. stehende, in dem Besitz vorgefundenen GegenFirma Leo Drouven, it Mufftaschen, grauem mit doppelten Nähten viot=Paletot m. schwarz. und rot kariert, mit ürschuhe; 1 rotledernes bledernes Herrenportemehrere Taschentücher ?. H. Personen, welche Sachen, Auskunft, gehen sigen Kriminal=Polizei erin, die sich hier unter 12. 09 eine Stelle als d nach mehreren Tagen 24 Jahre alt, hat hellgt dunklen Pelzhut in ickett, grünlich gestreifte Halbschuhe. Sachdienabteilung. wegen Unterschlagung, ht zum 2. 12. 09 in das traus 3 belgische Kaninür den Wahlkreis brück. mittags 9 Uhr. lversammlung el in Bielefeld. 9: tag am 3. Januar 1910 dahl der Delegierten. der Generalverluts: det aus den Delegierten den Revisoren des Verid Landtagsabgeordneten Handelsgesellschaft und er und den Redakteuren reine wählen auf 1 bis Der Vorstand. beiter! lng. Blase in Einingvon 5 Arbeitern wurde lb wieder aufgehoben. nts=Statistik. Im gen Standesamte 19 Ge—. 8 Eheschließungen und em wurden 6 Aufgebotsr Landtag. In der na der Wertzuwachslie sich noch um die BeKommission von neuem och zu Zweifeln und Ber Linie traf das bei dem eit des fürstlichen Hausvollte Steuerfreiheit nur ige der Wertzuwachssteuer inden(75 Prozent) aber nas sträubte, dies zu beerschoben. Heute gab der die„höchste Stelle“ mit iden sei und sich nur ausändnis nicht auf spätere Ausnahmsweise soll das onsverhandlung war auch sicht für den abgezweigten, imburg gekommenen Teil ippe gibt's nämlich auch zurg gehört— eine vollständige Steuerpflicht erreichen lasse. aber überzeugt haben, daß das nicht durch Die Kommission will sich überzengt haben, daß das wistz,derchogführez, a,#peil vertragliche Avmagungen im Wege standen. Auch Reichsgrundstücke mußte aufgegeben werden, weil ein Einzelslaat dazu nicht befugt ist. Ueber die Schlußbestimmungen war ebenfells in der Kommission wieder verhandelt worden. Vorgeschlagen und genehmigt wurde jetzt folgende Fassung:„ „Das Gesetz tritt bezüglich der Begründung der Steuerpflicht zugunsten des Staates mit Wirksamkeit vom 1. Januar 1909 in Kraft. Die Steuerpflicht zugunsten der tritt mit dem Zeitpunkt der Beschlußfatzung ein, sofern in dem Beschlusse nicht ein späterer Zeitpunkt bestimmt ist.„Die Gemeinden sind befugt, die Einführung der Sieuer mit Wirksamkeit von einem früheren, jedoch nicht vor dem in Absatz 1 genannten Zeitpunkt an, innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten nach der Verkündung des Gesetzes selbständig zu beschließen. Die Gemeinden sind befugt, die Einführung der Steuer zu ihren Gunsten mit Wirksamkeit auch von einem früheren Zeitpunkte an, jedoch nicht vor dem 1. innerhalb einer Frist von drei Monaten nach der Verkündung des Gesetzes zu beschließen. Der Beschluß bedarf der Genebmigung der Regierung. Die aus der Veranlagung halb dieses Zeitraumes erwachsenden Barauslagen fallen den betreffenden Gemeinden zur Last. Der Staat erhält für die ihm zur Last fallenden sachlichen Unkosten der Einschätzung fünf von Hundert der Steuerbeträge.“ Vorgeschlagen wurde danach, den Gesetzentwurf über die Doppelbesteuerung der Wanderarbeiter(lippische Ziegler) zu verabschieden. Beinahe wäre es auch zur Erledigung dieser wichtigen Vorlage gekommen, wenn nicht im letzten Augenblicke für die Konservativen gewisse Hindernisse entstanden wären, die als solche allerdings nur in ihrer Einbildung vorhanden waren. Bei der zweiten Lesung war auf Betreiben der Konservativen der Paragraph der Regierungsvorlage gestrichen worden. durch den die lippischen Dorfgemeinden das Recht erhalten sollten, durch Ortsstatut auch für sich einen Anspruch der Ziegler auf Vergütung eines Teils der in der Fremde doppelt gezahlteg Kommunalsieuer grzuerkennen, also neben dem Anspruche an die Amtsgemeinde. Schon hierbei wurde von der linken Seite des Landtags darauf hingewiesen, daß nach der Streichung dieses Paragraphen die grundsätzliche Verpflichtung der Dorfgemeinden zur Anerkennung des Anspruchs gefordert werden müsse. Abg. Zeiß(der christlich=soziale Pastor und Gewerkvereinsmann) sah sich denn auch tragen, daß im ersten Paragraphen der Vorlage neben den Stadt= und den Amtsgemeinden auch die Dorfgemeinden aufgeführt würden als die Stellen, von wo aus die Wanderarbeiter entschädigt werden sollen. Es wurde auch darauf hingewiesen, daß dies nicht nur der Gerechtigkeit entspreche(von„Gerechtigkeit“ kann ja überhaupt noch nicht die Rede sein, denn es bleibt auch nach der Verabschiedung dieser Vorlage dabei, daß die Ziegler in höchst ungerechter Weise, wenn auch etwas wenzger als sonst, doppelt besteuert werdens, sondern daß ein solcher Beschluß auch deshalb wertvoll sei, weil ja Preußen die Absicht habe, zur Beseitigung der kommunalen Doppelbesteuerung sein Teil beizutragen und durch Lippe nun dazu eine um so viel bessere Grundlage geschaffen würde. Von der Regierung wurde das zwar nicht anerkannt, aber von der lippischen Regierung wird bekanntlich sehr vieles nicht anerkannt, das von den Vertretern des Volks vorgebracht wird. Trotz der Mitteilung, daß bei Annahme des Antrags die Gemeinden kaum nennenswerte Ausgaben haben würden— und diese Mitteilung stützte sich auf bestimmte Zahlen über die Steuern der Gemeinden im Verwalungsamte Detmold—, hielten die Konservativen an ihrem Widerstande gegen eine solche Aenderung der Vorlage fest. Es wurde daher beschlossen, die dritte Lesung des Entwurfs erst in Schließlich wurden noch zwei Anträge des Finanzausschusses bringung von Kranken in größerer Zahl Schwierigkeiten macht. Deshalb soll rechtzeitig Vorsorge gefroffen werden. allerdings schon früher geschehen müssen. Der zweite Beschluß des Ausschusses— beiden stimmte der Landtag zu— genehmigte den Vorschlag der Regierung, der Stadt Salzuflen die alten Sprißenhausplätze für 5000 Ml. abzutreten. Diese Plätze sind, früher von der Stadt der lippischen Brandkasse umsenst zur Verfügung gestellt, und die Stadt glaubte jetzt, wo ein neues Spritzenhaus an anderer Stelle gebaut ist, Anspruch auf kostenlose Zurückgabe zu haben. Durch Aufwendungen des Landes sind die Plätze aber erheblich im Werte gestiegen, so daß der Landtag sich nur dazu verstand, einen verhältnismäßig geringen Kaufpreis zu fordern.— Heute nachmittag soll wieder eine vertrauliche Besprechung über den Domanialausgleich stattfinden. * Minden, 2. Dez. Was aus einer Zwangs=Innung werden kann. Im Jahre 1907 wurde hier eine ZwangsInnung für Schuhmacher errichtet. Die Gründung fiel mit dem allgemeinen liberalen Enthusiasmus zusammen. Aber so wie man später einen eben so allgemeinen liberalen Katzenjammer bekam, ebenso mußten die armen Schuhmachermeister erfahren, daß von all den gemachten Versprechungen sich nicht eine einzige erfüllen konnte. Leider gibt es unter den Handwerkern noch zu viele Leute, welche absolut nicht glauben wollen, daß dem Handwerk mit solchen Mitteln nicht geholfen werden kann. Aber das war es nicht, was mit einem Male den Widerwillen gegen die Zwangs=Innung hervorbrachte, vielmehr schien es die Leitung derselben den Leuten angetan zu haben, denn der Herr Obermeister handhabte die Strafbestimmungen des Statuts und leitete zi#Ber; sammlungen in einer Weise, daß g####em Meister miteinigermaßen gesunden Menschenverstand anekeln mußte die Versammlungen zu besuchen. Einzelne Mitglieder wurden den Exetutor aus dem Hause gar nicht los. Als Beweis diene, daß allein in einem Jahre 11 Unpfändbarkeits=Protokolle eingingen. Ja, ja. Der Herr Obermeister ist ein gestrenger Herr, und nicht umsonst ist er Inhaber so pieler Ehrenämter. Man höre: Außer Obermeister der Zwangs-Innung ist er Stadt=Verordneter, Vorsitzender des Gewerbe=Vereins, Schriftführer inder Ortskrankenkasse VI, Vorstandsmitglied im Vorschuß=Verein, Vorstandsmitglied im Männerturnverein, Feldwebel bei der ersten Bürger=Kompagnie, Vorstandsmitglied; im Haus= und Grundbesitzerverein, Vorstandsmitglieg der, Oxtsgruppe,des Hansavun be vielleicht hat auch der vielbeschäftigte Herr diese gar nicht gekannt. Kurz und gut, die Aufsichtsbehörde bet den Selfit- seälieschäl ie seche Pann werden die Handwertsmeister wohl mal einsehen, wo der Hebel anzusetzen ist, um ihre Lage zu verbessern? lich werden sie, aber in noch glänzenderer Weise, am 29. Dezbr. ihre Schuldigkeit tun und alle, Mann für Mann, in der Versammlung pünktlich erscheinen, damit die alte Tante Innung Abends und mitglied der Ortsgruppe des Hansabundes zehntens Mitglied der Handwerkskammer! „Nachdem die Leute, leider zu spät, eingesehen hatten, daß sie auf den Leim gekrochen waren, brach aber die Entrüstung durch. Im April d. J. traf der Antrag ein auf Zurücknahme der Anordnung zur Errichtung einer Zwangs=Zynung.,„In der Sitzung, in welcher über diesen Antrag Beschluß gegaßt werden sollte, war leider die nach dem Statut erforderliche Anzahl Mitglieder nicht anwesend, so daß eine zweite Versammlung stattfinden mußte. Laut§ 96 der Gewerbeordnung hat an dieser Versammlung die Aufsichtsbehörde teilzunehmen. Da aber die Aufsichtsbehörde angeblich verhindert gewesen sein soll(9), hatte der Herr Obermeister den Herrn Handwerkskammer=Sekretar Sackmann=Bielefeld geladen. Es machte jedoch gar nicht den Eindruck, alssollte der Hexrals kommissarischer Vertreter der Aufsichtsbehörde fungieren, sondern es schien vielmehr, daß der Herr den alten, wackligen Innungskarren aus dem Sumpfe ziehen helfen sollte, wenigstens beteiligte sich Herr Sackmann sehr lebhaft an der Debatte. Aber vergebens war der Liebe Müh', denn von 43 anwesenden Mitgliedern stimmten 35 gegen das Fortbestehen der Innung,„„7 Mit Lu 6.. Aber der Herr Obermeister mit den vielen Ehrenämtern hatte die gesetzlichen Bestimmungen(§§ 96 und 100t der Gewerbeordnung) nicht in allen Teilen genau beachtet Versammlungen. Freitag, 3. Dezember. Mgunighüffen. Soz. Verein. Abends 9 Uhr an bekannter Stelle. Vortrag des Genossen Hoffmann=Bielefeld über: „Kulturentwicklung“. Sonnabend, 4. Dezember. M 6s Bielefeld. Freie Turnerschaft, Abteilung„Westfalia“. Gütersloh. Soz. Verein. Vortrag des Genossen Buse=Bielefeld über:„Die Aufgaben des Reichstags in der jetzigen Rheda. Soz. Verein. Abends 8½ Uhr bei Kipp. Werther. Tabakarbeiterperband. Abends 8½ Uhr. Vortrag des Gauleiters Schlüter=Bielefeld über:„Christliche und freie Gewerkschaften". Ahlen. Parteibesprechung. Abends 8½ Uhr. Oerlinghausen. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Ab 7½ Uhr bei Lücking. Sonntag, 5. Dezember. Bielefeld. Soz. Verein. 15. Bezirk. Nachmittags 4½ Uhr bei Blome, Spindelstraße. Vortrag des Genossen Herzwurm über„Die Entstehung des Christentums“ 11. Bezirk. Nachmittags 5 Uhr bei Strackerjahn. Vortrag des Genossen Buse. — Brauereiarbeiterverband. Nachmittags 1 Uhr bei Hannemann, Webereistr. 5. Herford. Oeffentliche Brauerversammlung. Nach: mittags 2 Uhr bei Fuhrmanng, Eritags, uer Ee Herringhausen. Soz. Verein. Nachmittags 4 Uhr beim Nachmittags 5½ Uhr bei H. — Tabakarbeiterverband. Nachmittags 3 Uhr bei Gastwirt Fischer g.4 Spradow. Soz. Verein. Nachmittags 2 Uhr. Spenge=Westerenger. Arbeitergesangverein„Solidarität“. Vormittags 10 Uhr bei G. Lütkemeier. Spenge. Tabakarbeiterverband. Nachmittags 2 Uhr Ahlen. Vortragsabend. Abends 8 Uhr im Lokale des Herrn Sandgathe. Genosse Schreck=Bielefeld wird Dichtungen unserer Klassiker vortragen. Lippstadt. Parteibesprechung. Vormittags 10 Uhr bei Breneke. Mittess 1n vLemgo. Gewerkschaftskartell. Vormittags 10 Uhr. Brake(Lippes. Soz. Verein. Nachmittags 2 Uhr bei Heimbecher. Arbeiter=Abstinenten-Bund Brackwede. Vorm. 10½ Uhr bei Kramme. Vlotho. Vorm. 10½ Uhr bei Kasselmann... Hunnebrock. Nachm. 4 Uhr bei Günther in Hüffen.,„. Herford. Abends 6½ Uhr bei Seeger. Familienabend. Rezitation platrdeutscher Dichtungen. Referent: Karl LöweBieleseh. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Insaratenteit= Wiltzelm Böttcher, beide in Bielefeld. oes. Rohyeh und 7.weil o#f Farorarorarug Hervorragend billig! 6707 Kinderjacketts Gröueo jeis bsetet 2.50 Jede weitere Grösse 504 mehr. 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Cretonne Meter 564 Weiss Groiss solide Qualität Meter 394 Weiss Croiss kark gerauht, eigene Ausrühurgu 59 Groise Finette für bessere Wäsche Meiter 684 Weiss Piqus dicke Ware Meier 634 Weiss Piqus neue hübsche Muster Meter 95)4 Handtuch-Gebild Gerstenkorn Meter 384 Handtuch-Gebild grau Dreu Meter 684 Bettuch-Halbleinen 150 cm breit, felbe Pgietet 98 Bettuch-Halbleinen 160 cm breit, ls. B.getzt: 1.45 Daulas 152 cm breit, für Bettücher Meter 784 Gretonne 165 cm breit, eigene Ausrüstung Meter 1.15 Bett-Damast 130 cm breit, moderne Muster Bett-Damast Meter 1.35 und 99; 160 cm breit, mit Seidenglagz, 1.65 Meter 1.95 und ca. 300 abgwpaste Kleider uni und gemustert, in Halbwolle u. reiner Wolle jedes Kleid 8 Meter 375 490 675 875 1175 Wasch-Kleider aus peima Waschstoffen, für Servierkleider jedes Kleid 6 Meter 9 Abgerchte Woll-Blusen schöne, moderne Streifen, in Wolle u. Halbwolle Jede Bluse 2½ Meter 575 225 375 575 Passendes Weihnachts- Geschenk. 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Ri Entschädigung unht ohne jeden Makel schuldig Verzgrteter, in Anspruch, vgzecker, geht änZigen haben aus dieser Verhandlung hervor. Die Sachverstanoigen haben erklärt, daß in Rieckens Ressort alles in bester Ordnung war. Es wäre viel besser gewesen, wenn die Staatsanwaltschaft die Werftbeamten, die hier auf der Anklagebank sitzen, etwas sanfter angefaßt hätte. Weshalb soll gleich immer alles Untreue und Schwindel sein? Es kann doch auch anders gewesen sein. Die Ermittlungen auf der Kaiserlichen Werft waren sehr unvollständig. Hätten wir eine Voruntersuchung, in der der Richter neben der Verteidigung arbeiten kann, dann wäre die ganze Angelegenheit längst aufgeklärt, dann hätte ich, das erst jetzt in der Hauptverhandlung produziert worden ist, schon früher vorbringen, können. Aber ich dränge mich dem Untersuchungsrichter nicht auf. Dann ist ausführtich von der Staatsanwaltschaft die Frage der verschwundenen Bkiefe erörtert worden. Etwas Dümmeres als diese Briefe wegzunehmen, konnte nicht geschehen. Die Angeklagten taten auch alles, um der Verlegenheit der Staatsanwaltschaft, in die sie gekommen war, abzuhelfen, sie haben alle Abschriften anerkannt. Wenn die Angeklagten wirklich etwas verschwinden lassen wollten, dann hätten sie das im ersten Stadium der Untersuchung tun müssen, aber nicht dann, als längst in der Anklageschrift sämtliche Briefe abgeschrieben waren. Die Ausdrücke„Balbos" und„Meschores“ sind gar nicht so belastend. Wer sich einmal an solche hebräischen Ausdrücke gewöhnt, gebraucht sie alle Tage. Hören Sie jetzt einmal in Kiel herum, überall spricht man von„Balbos“ und „Meschores". Und lesen Sie die letzte Nummer des„Kladderadatsch“, da finden Sie den Ausdruck„Meschores angewandt auf den Reichskanzler und König Leopold. Auf wen der Ausdruck „Balbos“ angewendet wird, davon will ich gar nicht sprechen. (Heiterkeit.) Es ist sehr zu bedauern, daß der jetzige Strasprozeß verwickelt worden ist mit dem Zivilprozeß. Ich habe verartiges noch nicht erlebt. Das Vermögen der Angeklagten ist mit Beschlag belegt worden, das Vermögen Frankenthals bis zu einer Höhe von 600000 Mark, Brakel hat fur 350000 Mark Burgschaft leisten müssen. Und wer ist Zeuge in diesem Zivilprozeß? Der Untersuchungsrichter! Wer schickt die Sachverständigen? Das Reichsmarineamt!— Erster Staatsanwalt Gräfrath (unterbrechend): Ueber den Zivilprozeß ist in der Hauptverhandlung nichts vorgetragen worden, das war nicht Gegenstand der Beweisaufnahme.— Vors. Landgerichtspräsident Andrae: Davon ist doch gesprochen worden. Ich passe wirklich auf und lasse nicht Dinge zu, die nicht hierher gehören.— Erster Staatsanwalt Gräfrath: Ich habe schon nicht widersprochen, als vom„Kladderadatsch“ gesprochen wurde.— Vors: Das wäre auch nicht möglich gewesen.— Erster Staatsanwalt Gräf rath: Ich habe den„Kladderadatsch“ nicht gelesen.— Vors.: Ich habe ihn auch nicht gekauft, aber der Herr Verteidiger kann ihn doch erwähnen.— Vert. I.-R. Schirren(fortfahrend): Der Herr Erster Staatsanwalt hat gesagt, man hält in Berlin tüchtige Kriminalkommissare nur durch hohe Belohnungen. Es ist, aber sehr bedenklich, wenn die Interessen dieser Leute verquickt werden mit Untersuchungen. Ich habe keinen Anhalt daKriminalkommissar Wa Beamten, vor allem dem Untersuchungsrichter, gute Zeugnisse ausgestellt. Ich halte mich frei von Lob und Tadel, ich halte mich nur an die Tatsachen. Kriminalkommissar Wannowski is nach Hamburg gekommen und hat mit einer Geschwindigkeit vor 0,05 Herrn Brakel von Frau und Kind gerissen und ihm gesagt, Schuld sei erwiesen. So redet Kriminalkommissar Wannovsti als Mensch zum Menschen,Zohn Hratel beschulbigen sich gegenseitig. Kurze Zeit,„doxauf missar Wannowski: Brakel sei schon halb geständig, er komme mit ihm nach Kiel, Kriminalschutzmann Brumme werde bei ihm die Nacht wachen. Kriminalkommissar Wannowski hoffte jedenfalls auf die andere Hälfte des Geständnisses. Wenn Kriminalschutzmann Brumme die Nacht bei Herrn Brakel zubrachte, dann hoffte Kriminalkommissar Wannowski, daß Herr Brakel nunmehr ein volles Geständnis ablegen würde. Wegen dieser Telegramme hat man Herrn Brakel 13 Monate lang seelischen und körperlichen Qualen im Untersuchungsgefängnis ausgesetzt. Gegen Herrn Brakel ist in der Verhandlung kaum etwas vorgebracht worden. Nach der Vernehmung des Zeugen Menzel erhob sich sofort der Erste Staatsanwait und beantragte die Haftentlassung Brakels. Hätte man den Zeugen Menzel in der Voruntersuchung vernommen, dann hätte die Anklage gar nicht erhoben werden können. Nicht scharf genug kritisiert werden lann die Tatsache, daß kaufmännische Sachverständige bei der Voruntersuchung nicht zugegen waren, pz Gezzudung gewigge. Der Untersuchungsrichter brauchte für die Aufgnnung gewisser Sachen Stunden, wozu ein kaufmännischer Minuten gebraucht hätte. Brakels Sache stand so gut, daß ich an die Zeugen keinerlei Fragen zu richten brauchte. Ich habe nicht einmal so viel Fragen gestellt, als wir Tage hier gesessen haben.(Heiterkeit.) Ich habe das Verfahren nicht um eine Viertelstunde aufgehalten.„Trotzdem wird jetzt, von der Anklage behauptet, das Herr Brakel die Submissionsgeschäfte, finanziert habe. Davon haven wir in der Verhandlung kein Woll geyort. Wenn Staatsanw.=Rat Neils diese Behauptung nicht zurücknimmt, müßte ich beantragen, erneut in die Beweisaufnahme einzutreten. Nach dem Eröffnungsbeschluß soll Brakel dem Angeklagten Heinrich und Chrunst Beihilfe geleistet haben. Was in aller Welt ist in der Verhandlung dafür vorgebracht worden? Nicht der Schatten eines Beweises! Herr Brakel hat schwer gelitten, hoffentlich wird ihm die Quittung nicht vorenthalten, die darin besteht, daß er das Zeugnis bekommt, makellos aus diesem Hierauf wurde die Verhandlung abgebrochen und auf Freitag vertagt. Infolge einer plötzlichen leichten Erkrankung konnte verbandes für Ostpreußen angerufen. Organisiert sind preußischen Wäldern herkommen, sind natürlich noch viel seßhaft infolge dieser Zustände. Sie ziehen wie in einem TaubenDiese geschilderten Zustände herrschen auf der Försterei Kühnbruch bei Kl.=Schönau, Kreis Wehlau. Weitere Geschäftspraktiken der Unternehmernachweise. Bei der einfachen Aechtung des Arbeiters durch den bleiben unsere Unternehmer nicht stehen. Gekg sun, zeöhere vommen und vorerst dor Zitna=porgemerkt ist. Triäft das zu, Dieser harmlos erscheinengg, rl gchalste, Hegnte hegem Arbeiter für die Firma Lanz als„gesperrk“ gilt, und ein der Vermerk in der Nachweisliste forot Desher, Hißzfenen Fabrik. nicht noch einmal die für ihn auf Weist die schwarze Liste der Lanz den Namen des Arbeiters nicht auf, so wird der Schein mit einem langen Stempel versehen. So trägt der Arbeiter, nichts ahnend, sein eigenes Urteil davon! Die Gewerbegerichtswahl in Essen a. Ruhr, bei der zum ersten Male die vom Kruppschen Gelde unterstützten Gelben auf dem Plane traten, beihr, Seiminenzaßl vonrt ,930 auf Horz, sie De Glrich Bonderige, agz. ge. Verteidiger Jutirgt Polerctz fig, Früh und fol erserderlichen= der ungehenerlichen Wahlnache für die Gelben durch Krupp ist für, daß Kriminall##mmissar Wannowski etwas getan hat, was er vor dem Richterstuhl nicht verantworten könnte, aber seine ganzen Interessen waren doch auf dieses eine Ziel zugeschnitten. Er hörte nur die eine Seite. Als er Hermann Jacobsohn in Amsterdam verhaftete, will er mit ihm wie ein Freund zum Freund, wie ein Mensch zum Menschen gesprochen haben. Die Menschlichkeit in allen Ehren, aber die freundschaftlichen Gefühle des Herrn, der Hermann Jacobsohn in Amsterdam endlich festnimmt, waren nicht weit her. Geständnisse dürfen aber nicht von Polizeibeamten abgenommen werden, sondern der Untersuchungsrichter ist der unparteiische Mann. Die Arbeiter, die dem Untersuchungsrichter helfen sollen, müssen Leute sein, die kein Interesse daran haben, daß ein Verbrechen aufgedeckt wird, sondern die nur die Wahrheit ersorschen wollen. Seine Helfer dürfen nicht Aufträge erhalten von anderen, sie dürfen auch nicht von der Staatsanwaltschaft abhängen. Der Herr Erster Staatsanwalt hat gesagt, die Kriminalbeamten hätten das Recht gehabt, auf dem Wege zum Untersuchungsrichter die Angekigren, gz hefe nehmen, denn sie seien ja Hilfsarbeiter der Staatsrteize i Der Untersuchungsrichter aber braucht solche Hilfsar,zgu Ich bin der Meinung, daß der Untersuchungsrichter#berhaupt keine Helfer haben soll, er soll nur Leute haben, die iym unterstehen, die seinen Befehlen gehorchen und nicht fremden Befehlen. Mein alter Berliner Rechtslehrer sagte einmal:„Die Polizei ist etwas, wogegen man nichts machen kann!" Das ist ein zutreffendes Wort, und deshalb gibt es gegen die Polizei den Schutz des Gesetzes. Im Gesetz steht, daß Sachen nur beschlagnahmt werden können in Gegenwart freier Gemeindemitglieder. Kriminalschutzmann Brumme hat aber keine Leute zu den Haussuchungen zugezogen. Diese Bestimmungen beweisen das Wißtrauen des Gesetzgebers gegen die Potizei. Dieses, Mißtrauen beruht nicht darauf, daß Polizeibeamte schlechte Beamte sind, sondern es rührt daher, weil es Polizeiheamte sind, Wenn selbst hervorragende Kräfte, die aus dem Zenirum Berlin hierher kommen, so wenig die Bestimmungen des Gesetzes kennen, was soll man dam sagen! Ich beantrage die Verneinung aller SchuldSitzung beginnt morgen um 8 uh.(.uh u.— I,: eshmarenen falls bis in die Nacht ausgedehnt werden, da die Geschwotenen unter allen Umständen die Verhandlung zu Ende führen wollen. Parteinachrichten. Vom Fortschritt der Presse. Unser Hallesches organ, das„Volksblatt“, hat während der Zeit Bergarbeiterstreits und der Wahlkämpfe in Halle selbisg 800 neue Abonnenten gewonnen. Davon entfallen auf das Revier annähernd 7000! Hier waren vorher keine hundert Abonnenten. Ueber 1800 Leser sind in Halle und Saalkreis gevonnen worden und noch täglich werden aus den kleineren Orten gute Erfolge der Hausagitation gemeldet. Im Mansfelder Revier werden gegenwärtig von der Partei auch Agitationsversammlungen abgehalten, in denen die Genossinnen Fahrenwald=Berlin, Pollender=Leipzig und Sperlingsolchen Zeugen hin kann man das M Familie nicht igs, Gefänguis schicken. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Cohn=Hamburg:„Der Herr Staatsanwalt hat gestern gesagt, daß es ihm Freude bereitet habe, die Freisprechung des Angeklagten Brakel zu beantragen. Es mag dem Herrn Ersten Staatsanwalt eine gewisse Genugtuung sein, Herrn Brakel für die lange erlittene Unbill nunmehr eine gewisse Rechtfertigung zuteil werden zu lassen. Aber wie sich da über jemand freuen kann, daß man den noch nicht für ganz unschuldig hält, die Freisprechung beantragt, ist mir unverständlich. Wenn der Herr Erste Staatsanwalt nach dem gestrigen Antrag bezüglich des Herrn Bygref, beiger ge frühstückt hat, so kann ich sagen, mir unz, Fezes P, spontane Frühstüick nicht besser geschmeckt.(Heiterkeit), per spontane Antrag auf Haftenttassung Brakels wird reichtig. gungewogeg zurch die gestrigen Reden der Staatsanwälte Gräfrath und Neils. Jetzt geht durch den ganzen Blätterwald, durch die böse Presse, die an allem schuld sein soll, wieder die Meldung, Brakel werde zwar freigesprochen werden, aber nur mangels ausreichender Beweise. Ich bin der Meinung, daß Brakel vollkommen unschuldig ist. Es hat hier geregnet von Loheserhebungen für Kriminalkommissar„Wannowski, der alle Kieter Kriminalisten in den Schatten steuen soll. Man hat auch allen anderen werden, 500 neue Mitglieder für Eine Sonntagsagitation hat dem„Neckar=Echo", unserem Heilbronner Parteiorgan, 800 Abonnenten eingetragen. Vom Strafkonto der Presse. Zu 100 Mark Geldstrafe wurde der verantwortliche Redakteur der„Volkszeitung" in Dussel dorf, Genosse Berten, verurteilt. Der Polizei sergeant Wiemer entwendete einem Arbeiter vor der Haustür einer Wirtschaft eine mit Branntwein gefüllte Flasche aus der inneren Rocktasche. In zwei Norizen der wurde das Vorgehen des Beamten kritisiert. Wiemer fühlte sich durch die Notiz beleidigt und die Staatsanwaltschaft erhob Klage. Trotzdem von drei Arbeitern bestätigt wurde, raß der Beamte das ihm zur Last gelegte Vergehen sich hat kommen lassen, beantragte der„Staatsanwait für, jede Notiz 75 Mark Geldstrafe; das Gericht erkannte auf die oben angegebene Strafe. Gewerkschaftsbewegung. Eine Warnung für Waldarbeiter. Am 16. vorigen Monats sind zirka 200 bayerische Waldarbeiter von der Sammelstelle München mit Sonderzug nach, Ostpreußen, gekommen, um in den vom Nonnenfraß heimgesuchten Forserepzieren arbeiten. Der ihnen versprochene hohe Verdienst lockte sie. Aber schon nach kaum einer Woche sahen sie sich in ihren Hoffnungen betrogen und möchten am neosten zurück nach ihrer Heimat. Das Holzfällen und Kleinschlagen geschieht im Akkord. Weil es aber durchweg dünne Stämme sind, kommen beim Aufmessen wenig Festmeter heraus. Auch lassen die kurzen Tage eine kaum achtstündige Arbeitzeit zu. Die durchweg sehr tüchtigen, erfahrenen Waldarbeiter bringen es kaum auf einen Tagesverdienfgvon 3,50 bis 4,— Mark; davon gehen für Beköstigung erwa 2.— Mark pro Tag drauf, weil die ohnehin hohen Levensmittelpreise noch durch den Zwischenhandel gesteigert werden. Und nun aber erst die Schlafstellen dieser Leute. Es kaum glaublich, wie die königlichen Forstverwaltungen den Arbeitern so etwas bieten können. Es sind heizbare Holzbaracken aufgebaut. Aber wie? In einem Raum von 12 Meter Länge, 4 Meter Breite und 2 Meter Höhe liegen 40 Mann nebeneinander auf Stroh gebettet und mit einer Wolldecke bedeckt. Von der Decke tropft den Schlafenden das Schneewasser auf die Lagerstätten. Die Ausdünstungen des frischen, nassen Holzes, von dem die Baracken aufgebaut, verbunden mit den Ausdünstungen der=Atmosphäre. Zwei kleine Fensterchen, die atembeklei Verstähdgung übder einen seien Tarf lonnse nicht erziel verdrohung der Aussperrung einen neuen Tarifabschluß; sie weigerfester zusammenschmieden. Ein Weichenstellerstreik in den Vereinigten Staaten verursacht im Industriegebiet Montana großen Kohlenmangel. Viele Ortschaften haben bereits Mangel an Lebensmitteln. Es laufen gegenwärtig nur noch Personenzüge, und auch diese unregelmäßig. Genossenschaftsbewegung. Die Konsrmvereinsfeinde gaben sich vor kurzem in Berlin ein Stelldichein. Zentralvereinigung deutscher Vereine für Handel und Gewerbe nennt sich ihre Organisation. Wes Geist Kind sie ist, geht aus folgendem Passus des Vorstandsberichtes Die Konsumvereine haben dem Vorstande Jahr für Jahr Veranlassung gegeben, den Behörden vor Augen zu führen, wie groß die Gefahr ist, die durch das Konsumvereinsunwesen den kleinen und mittleren Gewerbetreibenden immer mehr entsteht. Die Generalversammlung verlangte erneut, daß die Staatsregierung auf diese Gefahr hingewiesen wird. Der Vorstand hat deshalb in einer umfangreichen Eingabe auf die Entwicklung der sozialdemokratischen, sowie auf die Vermehrung der Beamtenionsumvereine hingewiesen. Den verschiedenen Ministerien, sowie dem Reichstage und dem Sazetagrzen zu er betzehenung Eingabe nachgewiesen, wie staatsgerg,. Eozialsemotratie die des Konsumvereinsweiens ist, wie, die gepährtes Mittel zur Gründung von Konsumvereinen als vewahrtes Mittel zur Vernichtung der staatserhaltenden Elemente erkannt und benutzt hat und wie kurzsichtig es von der Staatsregiszung ihren Beamten nicht nur freie Hand zu lassen, sondern die Gründung von Beamtenkonsumvereinen noch zu begünstigen. Die Zentralvereinigung wird troß der geringgp, Fegchtzng der Klagen des kaufmännischen und gewerblichen 2. Treg,### auch, weiter energisch dahin streben, daß in der Frage der Konsumvereine bei der Staatsregierung endlich eine ver ständlichere Auffassung Platz greift. Das ist der alte Trick: Weil die Konsumvereine den Händlern unangenehm werden, bezeichnen sie diese einfach als„staatsgedünstungen der feuchten Kleider der Arbeiter verbreiten eine atembeklemmende Atmospyare.„Huregtimn Fenstrigeg, die etwas Licht spenden, aber nicht geoffnet werden können, sind vorhanden; sonst aber keine Ventilation. Und hier sollen nun 40 Menschen des Nachts über atmen. Das ist der Raum dem Dache. Schlimmer ist es aber unten zur ebenen Erde. Hier schlafen wieder 40 Mann. Weil aber ein Teil des Raumes zur Küche, Kantine und für die Speisetische abgeht, sind diese Schlafstätten in zwei Etagen geteilt. Unten liegt eine Reihe von 20 Mann und dann, mit nur 65 Zentimeter Abstand darüber, wieder eine Reihe 20 Schlafender. Die Leute müssen eine wunderbar eiserne Natur haben, wenn sie nicht binnen kurzer Zeit von Krankheiten und Ungeziefer heimgesucht werden. Aber mindestens sechs lange ostpreußische Wintermonate sollen die Arbeiter unter solchen Zuständen arbeiten, wenn sie nicht auch noch neben den Kosten für die Herreise die Rückreise aus ihrer Tasche bezahlen wollen, ohne kaum mehr als das Essen verdient zu haben. Etwa 15 bayerische Waldarbeiter, die das Elend dieser Leidenszeit nicht abwarten wollten, sind dieser Tage von erzielt, wie der Geschäftsbericht selbst zug scheini die Herren nicht zu entmutigen. bolgende Reiolution.. a.6 4u2 u56 u 6. „Die Zentralvereinigung halt das Besteyen und den Betrieb der Konsumvereine und aller ähnlichen Unternehmungen für eine große Gefahr für den Staat und hält daber die Unterstützung solcher Unternehmungen, insbesondere der Beamtenkonsumvereine durch die Regierung für einen schweren Fehler. Die Hauptversammlung hält es weitor für dringend notwendig, den Konsumvereinen den Verkauf von Waren eigener Produktion an Nichtmitglieder zu verbieten. Der Vorstand wird beauftragt, bei den Behörden die geeigneten Schritte Die Eingaben an die Behörden werden also fortgesetzt. Sehr viel scheint man sich in der Zentralvereinigung deutscher Vereine für Handel und Gewerbe von dem Verbot an die Konsumvereine, ihre in eigener Produktion hergestellten Waren auch an Nicht; mitglieder zu verkaufen, Ichernossenschefigz snge Verreigroße Pa#, daran exinnern, daß die Genossenschatsfeinde auch grupe Hoffnungen setzten auf die 1889 geschaffene Bestimmung des Genossenschaftsgesetzes, die die Konsumvereine auf den Verkehr mit Mitgliedern beschränkte, soweit Waren in Betracht kamen die nicht selbst produziert sind. Die Folge davon war ein gewaltiges wachsen der Mitgliederzahl der Konsumvereine. Aehnlich würde natürlich auch die jetzt geforderte Ausdehnung des Verbotes auf Waren eigener Produktion wirken. 05 Bestimmungen über den Arbeitsnachweis für deu rheinisch=westfälischen Steinkohlenbergbau. § 1. Der Zechenverband errichtet für seine Mitglieder einen Arbeitsnachweis unter dem Namen:„Arbeitsnachweis für den rheinisch=westfälischen Steinkohlenbergbau. Die Hauptstelle wird in Essen errichtet. Sie unterhält in einer größeren Anzahl von Orten Nachweisstellen. Die Orte, an denen Nachweisstellen errichtet werden sollen, werden durch einen besonderen Beschluß des Vorstandes bestimmt, desgleichen die Zuweisung der Zechen zu den Bezirken der einzelnen Nachweisstellen. Ueber Wünsche einzelner Zechen hinsichtlich der Ueberweisung an eine andere Nachweisstelle entscheidet die Geschäftsführung der Hauptstelle. § 2. Der Arbeitsnachweis soll für die ihm angeschlossenen Werksverwaltungen und die zugehörigen Nebenbetriebe Arbeitskräfte vermitteln. Welche Nebenbetriebe als zugehörig anzusehen sind, entscheidet im einzelnen Falle der Vorstand. des Zechenverbandes. Es bleibt weiteren Beschlüssen des Zechenverbandes vorbehalten, die vermittelnde Tätigkeit des Arbeitsnachweises auch auf andere, dem Zechenverband nicht angeschlossenen Betriebe auszudehnen. § 3. Die Mitglieder sind verpflichtet, für die Einstellung von Arbeitern stets den Arbeitsnachweis in Anspruch zu nehmen. Sie haben ihren Bedarf an Arbeitern dem Arbeitsnachweis anzuzeigen und dürfen die Arbeiter nur zur Arbeit annehmen, wenn dieselben im Besitze eines von der Nachweisstelle ausgestellten giltigen„Arbeitsnachweisscheines“(§ 5) sich befinden. Arbeitsuchende, die sick unmittelbar an ein Werk wenden, sind an die zuständige Nachweisstelle zu verweisen. § 4. Die Nachweisstellen haben von den Personen, welche auf einem dem Arbeitsnachweis angeschlossenen Werke in Arbeit zu treten wünschen, auf persönliche oder schriftliche Meldungen zu verlangen a) sofern sie von einem Verbandswerk kommen, einen Nachweis über die ordnungsmäßig erfolgte Kündigung (Kündigungsschein) oder die Lösung des Arbeitsverhältnisses, b sofern sie nicht von einem Verbandswerk kommen, ihren letzten Entlassungsschein oder ihre Legitimation. Als Legitimation ist ein amtlich beglaubigtes Papier(Militärpaß, Meldeschein, Abzugsattest, Geburtsschein) sowie ein Ausweis über ihre bisherigen Krankenverhältnisse vorzulegen. Arbeiter unter 21 Jahren müssen außerdem ein Arbeitsbuch besitzen. § 5. Nach Vorlage ordnungsmäßiger Papiere(§ 4) wird der Arbeitsuchende, falls eine für ihn passende Arbeitsgelegenheit vorhanden ist, unter Aushändigung eines ausgefüllten„Arbeitsnachweisscheines“ an eine Arbeitsstelle verwiesen. Der Schein hat nur für das darauf bezeichnete Werk und innerhalb einer Frist von zwei Werktagen Giltigleit. § 6. Die Nachweisttellen(haben den Wünschen der Arbeitsuchenden bezüglich der Auswahl der Arbeitsstellen Rechnung zu tragen. Wunscht ein von einem Verbandswerk kommender Arbeiter auf einem in einem anderen Bezirk belegenen Werke in Arbeit zu treten, so hat er diesen Wunsch bei der für seine bisherige Arbeitsstelle zuständigen Nachweisstelle anzubringen. Die Verweisung erfolgt sodann durch Vermittlung der Nachweisstelle, die für das gewünschte Werk zuständig ist. § 7. Bei Einstellung des Arbeiters ist ihm der Arbeitsnachweisschein abzunehmen. Der zuständigen Nachweisstelle ist von der erfolgten Annahme umgehend Kenntnis zu geben. Wird der von der Nachweisstelle zugesandte Arbeiter nicht angenommen, so ist der Arbeitsnachweisschein mit dahingehendem Vermerk zu versehen und dem Arbeiter wieder auszuhändigen. § 8. Die Nachweisstellen sind verpflichtet, über die erfolgten Meldungen und Zuweisungen, sowie über die für den Arbeitsnachweis erforderlichen Mitteilungen ihrer Zechen genau Buch zu führen. Nähere Anordnungen erläßt der Vorstand des Zechenverhandes. § 9. Hat ein Arbeitsuchender eine Arbeit angenommen, findet sich aber innerhalb zweier Werktage nach Ablauf des für den Arbeitsantritt festgesetzten Termines ohne hinreichende Entschuldigung auf der Zeche nicht ein, so erhält er in den nächstfelgenden zwei Wochen vom Arbeitsnachweis keine Arbeit nachgewiesen. Das gleiche tritt ein, wenn ein Arbeiter unter Kontraktbruch die Zeche verläßt oder infolge eines Kontraktbruches von der Zeche entlassen wird. § 10. Jedes Verbandswerk hat gegenüber den Anordnungen der Geschäftsführung der Hauptstelle und der Nachweisstellen insbesondere auch über die Entscheidung nach§ 1, letzter Satz, das Recht der Beschwerde an den Vorstand. Der Vorstand hat jede Beschwerde nach Anhörung der Beteiligten zu untersuchen und zu entscheiden. Der Vorstand kann zu diesem Zweck besondere Kommissionen ernennen. Gegen die Entscheidung des Vorstandes stehr dem Werke nach seiner Wahl die Berufung an die Hauptversammlung oder an ein Schiedsgericht offen. Das Schiedsgericht besteht aus drei Mitgliedern, von denen je eins durch das beschwerdeführende Werk und durch den Vorstand innerhalb einer Woche zu ernennen ist. Das dritte Mitglied, der Obmann, wird durch den Vorsitzenden der Handelskammer Essen ernannt. § 11. Beschwerden der Arbeitsuchenden über die Geschäftsführung der Nachweisstellen nehmen die Nachweisstellen entgegen. Die Beschwerde kann auch schriftlich bei der Hauptstelle angebracht werden. Gegen die Entscheidung steht dem Beschwerdeführer die Berufung an den Vorstand offen. § 12. Die Kosten des Arbeitsnachweises trägt der ZechenVerband. Essen, 3. Dez. Die„Arbeiterzeitung“ hält die Meldung aufrecht, daß der Zentralarbeitsnachweis bereits vor dem 15. Dezember in Kraft trete. Die Behauptungen des Bergbaulichen Vereins, daß der Arbeitsnachweis erst am 1. Januar in Kraft trete, sei aus der Luft gegriffen. Das Blatt fordert die Bergarbeiter auf, ruhig Blut zu bewahren und sich streng an die Anordnungen der Organisation zu halten. Srentischies. Die Weser steigt. Hameln, 2. Dez. Die Weser ist im Steigen begriffen. Der Wasserstand betrug heute früh 4 Uhr 4 Meter über Null. Ein weiteres Steigen ist zu erwarten. Auch im Hau; sind infolge der niedergegangenen Regenmengen von der Schneeschmelze die Gebirgsgewässer stark angeschwollen. Ein weiteres Anschwellen ist zu befurchten. * Dortmund, 2. Dez. Folgen ungeeigneter Lektür e. Wie zuweilen ungeeignete Lektüre jungen Burschen die Köpfe verdreht, darüber ist von hier ein krasser Fall zu berichten. Zwei Burschen, 15 und 17 Jahre alt, kamvierten nach Räuberart in den Ruinen einer alten Ziegelei. Hier hatten sie sich wohnlich eingerichtet, d. h. einen Herd aus Steinen gebaut, von alten Brettern Tische zusammengeschlagen und Sitzgelegenheit geschaffen. Abends in der Dämmerung zogen die Burschen nach Art der Wegelagerer aus und verübten Ueberfälle, namentlich auf Kinder, die spät des Weges kamen. In voriger Woche überfielen die Burschen den 8 Jahre alten Sohn eines Bohrers und schleppten ihn in den sog. Brunnenkamp. Hier wurde der Junge geknevelt und an einen Baum festgebunden, dann entblößte man ihn und versah den Leib mit Nadelstichen, um den gequälten Jungen schließlich seinem Schicksal zu überlassen. Arbeiter, deren Weg in der Nähe des Tatortes vorbeiführte, hörten das Jammern des Knaben und lösten die Fesseln. Als die Polizei den Schlupfwinkel der Burschen durchstöberte, fand sie eine Menge der gewöhnlichsten Räubergeschichten. Obschon die Polizei schnell bei der Hand war, konnte sie bisher nur einen der Täter verhaften; der andere hält sich noch versteckt. Der mißhandelte Junge liegt schwerkrank danieder. * Essen, 3. Dez. In verschiedenen Kolonialwaren=Groß= handlungen wurden große Unterschlagungen aufgedeckt die Beamte und Fuhrleute schon seit langer Zeit ausgeführt hatten. 15 Personen wurden verhaftet und weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Der Mörder von Boguslaw. Duisburg, 1. Dez. Zu der Verhaftung des Russen Adolf Ledermann, der verdächtig ist, an der Ermordung der achtköpfigen Familie in Boguslaw beteiligt gewesen zu sein, wird gemeldet, daß der Verhaftete bei dem ersten Verhör über seinen Aufenthalt in der Mordnacht sich in gewisse Widersprüche verwickelt hat. Er will als russischer Deserteur von Sibirien entflohen sein und sich in Lodz und Ostrowo aufgehalten haben. Dieser letzte Ort ist von der Mordstätte nicht weit entfernt. Schlägerei. Frankfurt a. M., 1. Dezember. Im benachbarten Dorfe Kappel kam es zwischen Studenten und Dorfbewohnern zu einer wilden Schlägerei, bei der auch das Messer eine Rolle spielte. Sechs Personen erlitten Verletzungen, eine Perion ist bereits gestorben. Lawinensturz im Harz. Göttingen, 2. Dez. Das Tauwetter verursachte in Wildemann zwei Lawinenstürze; mehrere Häuser wurden verschüttet. Kohlenoxydvergiktung. Wilhelmshaven, 2. Dez. In Nordenham sind 21 Perjonen durch Kohlenoxydgas vergiftet worden. Ein Postwagen beraubt. Ratibor 2. Dez. In Rybnik wurde gestern abend ein Postwagen auf dem Wege vom Postamt nach dem Bahnhof mit einem Nachschlüssel geöffnet und einer Kiste, die 22000 Mark in barem Gelde enthielt, beraubt. A.s Tater wurde nach wenigen Stunden ein früherer Postillon ermittelt und verhaftet. Das Geld hatte er in der Nähe der Kirche begraben, wo es noch vollzählig vorgefunden worden ist. Die Vergiftungsaffäre beim Husarenregiment. Paris, 2. Dezember. Der Unteroffizier des 8. Husarenregiments, welcher versucht hatte, seine Schwadron mittels in die Supve geschütteten Zyankalis zu vergiften, wodurch 80 Soldaten in Lebensgefahr schwebten, wurde für geisteskrank erklärt und kann infolgedessen nicht strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Aus einer Familie. Brüssel, I. Dez. Den hiesigen Blättern zufolge hat König Leopold in letzter Zeit seine samtlichen Immobilien veräußert, indem er Aktiengesellschaften gegründet hat, in welchen er seine sämtlichen Liegenschaften in Belgien, Frankreich und Deutschland als Einlagen einbrachte. Die belgische Aktien=Gesellschaft ist am vergangenen Sonnabend gegründet worden. Eine ähnliche Gesellschaft wird in Frank; reich gegründet unter dem Namen„Société de la Cote d azur und in Deutschland eine unter dem Namen„Nieder=Fulbacher A.=G.“. Das Kapital der belgischen Gesellschaft beträgt 12 400000 Franken. Die Aktien sind nominal und können daher in andere Hände übergehen. Dies ist ein weiterer Schritt des Königs zur Enterbung seiner Kinder. Schiffsunfälle. Brüssel, 2. Dez. Der gestrige Sturm hat verschiedene Schiffsunfälle verursacht. Wie aus Heysl gemeldet wird, strandete in der vergangenen Nacht eine Fischerbarke aus Coxde mit drei Mann Besatzung, welche umgekommen sind. Ein weiteres Fischerboot ist mit vier Mann Besatzung gesunken. Man befürchtet noch weitere Schifssunfälle, da noch eine Anzahl anderer Boote überfällig ist. Auch auf der Schelde sind Unfälle vorgekommen. Der englische Dampfer„Monarch“ wurde auf eine Sandbank geschleudert, der englische Dampfer„Sienna", mit 50 Passagieren an Bord, mußte von einem Schleppdampfer nach Anwers zurückgebracht werden, wo die Passagiere landen konnten. Eine Vergiftungsaffäre in einer Irrenanstalt. Hamburg, 2 Dez. In der Irrenanstalt Friedrichsberg erkrankten unter Vergiftungserscheinungen nach dem Genuß von dickem Reis mit Bananen 547 Kranke, meistens Frauen. Zwei sind bereits gestorben. Der Staatsanwalt hat die Leichen beschlagnahmt und die Sektion auf heute nachmittag anberaumt, um die Todesursache festzustellen. Wie man annimmt. handelt es sich um ein Verbrechen; es soll sogar schon ein Verdacht bestehen, daß ein Angestellter der Anztalt Gift in die Speise getan hat. Von anderer Seite wird dagegen behauptet, es handle sich nur um eine Vergiftung durch den Reis, ohne daß eine verbrecherische Absicht dabei zugrunde liege. Es liegen noch jetzt 68 Kranke schwer danjeder, und es besteht bei ihnen zum Teil Lebensgefahr. Die Anstals#elbst, die 1002 Geistesgestörte beherbergt, ist durch einen Polizeikordon abgesperrt. Hamburg, 2. Dez. Die Polizeibehörde macht zu der gemeldeten Vergiftungsaffäre folgende Mitteilung: Die heute durch Extrablätter verbreitete Nachricht von einer Massenvergiftung in Friedrichsberg gibt zu Beunruhigungen keinen Anlaß. Um eine Vergiftung scheint es sich überhaupt nicht zu handeln. Die Ursache der Durchfälle, die Montag nachmittag bei den Erkrankten einsetzten, ist bisher allerdings nicht ermittelt worden. Zwei schwächliche Frauen sind unter Erscheinungen von Herzschwäche gestorben. Alle übrigen Erkrankten aber sind bereits heute wieder vollkommen genesen. Letzte Nachrichten. Hamburg, 3. Dez. Zu den Massenerkrankungen in der Hamburger Irrenanstalt Friedrichsberg wird noch gemeldet: Gestern nachmittag hat die von der Stac Kanwaltschaft angeordnete Legalsektion der beiden verstorbenen Frauen stattgefunden. Diese zueite Sektion soll nach der Darstellung der Staatsanwaltschaft ergeben haben, daß beide Frauen infolge ihrer schwachen Konstitution nur wenig widerstandsfähig waren und daß die eine der Frauen bereits beim Mittagsmahl vor der Auflösung stand. Es verlautet, daß man in der Affäre eine bestimmte Spur verfolgt. Hamburg, 3. Dez. Der 70 Jahre alte Rechtsanwalt Dr. Theodor Bohn, der mit den ersten Hamburger Patrizierfamilien verschwägert war und der in sehr gutem Rufe stand, wurde vor einigen Tagen unter dem Verdacht, Erbschaftsgelder unterschlagen zu haben, in Haft genommen und dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Bei der Verhaftung machte Bohn einen Selbstmordversuch. Gestern nacht hat sich Bohn in seiner Zelle erhängt. Die Höhe der Unterschlagungen soll sehr bedeutend sein. Meiningen, 3. Dez. Im Meininger Landtag wurde gestern der Sozialdemokrat Wehder zum Vizepräsidenten gewählt. London, 3. Dez. Aus St. Ives wird gemeldet, daß der Dampfer„Kongreß" nach einer Kollision untergegangen ist. Man befürchtet, daß 14 Mann der Besatzung ertrunken sind, einschließlich des Kapitäns. Neubeckum. Der Gläubiger ist zur Annahme von Ratenzahlungen nicht verpflichtet. Wenn er darauf eingeht, ist es sein freier Wille. Brackwede, Schlachter. In der von Ihnen angegebenen Nummer ist etwas derartiges nicht enthalten. Sie scheinen sich mit der ganzen Sache in einem Irrtum zu befinden. Krankenkasse „Vereinigte Gewerke“. Sonntag, 5. Dezember, nachmittags 3 Uhr: General=Versammlung Vorstandswahl. 6721* Der Vorstand „n Untt das neueste Sauerstoff-Seifenpulver, bleicht wie die Sonne und erspart den Hausfrauen Mühe und Arbeit. Preis: ½2 Pfd=Paket 25 Pfg. B. Steiten, Velichabfin, Herford. Insekten-Jammier. Am Sonntag, den 5. 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Nachdr. ver Schluß Nach der Pause anwalt Marschne Briefe zu behandeln. den Ausdrücken„Bal dem Ausdruck„Mess meint ist. Beides sir deutsch„Herr", währ zeichnungen passen fi sagen die Angeklagte mit diesen Ausdrücke kann nicht mehr rede sehr leicht. In den kommen auch niemals Briesen, in denen vo Briefen geht auch h Chrunst von Franken Die Angeklagten habe Briefe verschwinden erstehen lassen. Die Meine brau Am 6. März mach Ziele hin! Im 2 Hochebenen recht schw Tage nicht marschiere goc, nicht weit über Flugsand und Staub ich im Sattel schwank die Tromben sind an Windstöße reißen wisieht auf dem Boden von Wirbelwinden he sich ein See; seine O teils braungestreift v nes Wasser; es ist di ten Sees. Zwei aufgemauer am Ufer, wo gutes A seite des Sees erhebt ich malen wollte, un nebel zu verewigen. auf die anderen. M können, als der Stu anschwoll. Außer d See, Bergkamm und Das Feuer wurde, Lehmklumpen eingehe melnd gegen meinen? die Haut schmerzte,n Wind nur einen Ai die anderen uns. A Zeltes helfen. Endl krochen und brülltem und mit gespannten treiben und war froh ehe ich umgerissen w auf. Die Hinterwa straffte sich nach inn lick mit einem Knal schmetternde Kiessan *) Wir entnehme lages Brockhaus der berühmten Tibetfors Abenteuer in Tibet. gesamt 830 Seiten Aquarellen, Skizzel 10 Karten.“(Geb. e Or„„ Nr. 282. Bielefeld, Freitag, 3. Dezember 1909. 20. Jahrg. Parteigenossen! Der geschäftsführende Ausschuß der preußischen Landeskommission beruft den 3. Parteitag der preußischen Sozialdemokratie auf Montag, den 3. Januar 1910, vormittags 9 Uhr, en Die vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Berichterstatter: Eugen Ernst. 2. Bericht der sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Berichterstatter: Hugo Heimann. 3. Die Wahlrechtsfrage in Preußen. Berichterstatter: Heinrich Ströbel. 4. Die Verwaltung Preußens. Berichterstatter: Karl Liebknecht. 5. Das Kommuna grogramm für Preußen. Berichterstatter: Paul Hirsch. 6. Sonstige Anträge. Die Verhandlungen dauern voraussichtlich drei Tage und finden statt im Berliner Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Parteigenossen Preußens! Nehmt möglichst bald Stellung zum preußischen Parteitag durch Wahl von Delegierten und Aussprache über die bevorstehenden Verhandlungen. Die Anträge müssen bis spätestens 6. Dezember 1909 an die Adresse: Eugen Ernst, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, gelangt sein, wenn sie entsprechend§ 7 des preußischen Organisationsstatuts rechtzeitig veröffentlicht werden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im„Vorwärts“ noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Anmeldung der Delegierten, Verlangen um Logis ist an die Adresse: Leopold Liepmann, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69. zu richten. Mit Parteigruß Der Parteivorstand. Der geschäftsführende Ausschuß. Die Unterschleife auf der Kieler Reichswerft vor dem Schiöurgericht. (Unber. Nachdr. verb.) lg. Kiel, 1. Dezember. Schluß des 24. Verhandlungstages. Nach der Pause nahm der letzte Anklagevertreter Staatsanwalt Marschner das Wört, um das Thema der gefälschten Briefe zu behandeln. Er folgerte aus diesen Briefen, daß mit den Ausdrücken„Balbos" und„Rabbi“ Rat Heinrich und mit dem Ausdruck„Mesckores“ der Magazznaufseher Chrunst gemeint ist. Beides sind hebräische Ausdrücke,„Rabbi“ heißt auf deutsch„Herr“, während„Meschores“ Diener ist. Also die Bezeichnungen passen für den vorliegenden Fall sehr gut. Nun sagen die Angeklagten, der verstorbene Spediteur Klünder sei mit diesen Ausdrücken gemeint gewesen. Klünder ist tot und kann nicht mehr reden. Die Ausrede der Angeklagten ist daher sehr leicht. In den Briefen mit den anderen Geschäftsleuten kommen auch niemals die hebräischen Ausdrücke vor, nur in den Briesen, in denen von Werftgeschäften die Rede ist. Aus den Briefen geht auch hervor, daß die Angeklagten Heinrich und Chrunst von Frankenthal und Jacobsohn Geld bekommen haben. Die Angeklagten haben es nicht damit genug sein lassen, plötzlich Briefe verschwinden zu lassen, sondern sie haben neue Briefe erstehen lassen. Diese Briefe sind so entlastend für die Angeklagten, andererseits aber so ungeheuer wichtig für den Gang der Untersuchung, daß sie vom Untersuchungsrichter nicht hätten übersehen werden können, wenn sie vorhanden gewesen wären. Aber die Briefe waren eben nicht dg. Daß die Entwendung der Schriftstücke und die Neuanfertigung von Briefen und Abrechnungen im Gefängnis möglich war, hat die Verhandlung leider ergeben. Ich bitte Sie deshalb, die Schuldfrage gegen die Angeklagten, soweit sie vom Ersten Staatsanwalt beantragt worden ist, zu bejahen. Nunmehr ergriff die Verteidigung das Wort. Als erster Verteidiger sprach Rechtsanwalt Stobbe für den Angeklagten Rat Heinrich. Der Erste Staatsanwalt hat gesagt, es sei ihm schwer geworden, die Anklage gegen den Rat Heinrich zu erheben. Ich kann ihm das nachsühlen. Ich fühle dem Ersten Staatsanwalt auch nach, daß er am liebsten die Freisprechung gegen Rat Heinrich beantragt hätte. Mir ist die Verteidigung dieses alten Beamten eine große Freude. Im vollen Bewußtsein dessen, daß alle Vorwürfe gegen Rat Heinrich nicht zutreffend sind, verteidige ich ihn. Das Fundament der ganzen Anklage ist die Tatsache, daß von der Kaiserlichen Werft mehr abgefahren worden sei, als verkauft wurde. Mit gutem Grunde geht die Anklage über diese wichtige Tatsache mit Stillschweigen hinweg, denn dieser Beweis ist der Anklage nicht gelungen. Rat Heinrich kann unmöglich für den ganzen Werftbetrieb verantwortlich gemacht werden, er ist nur für das verantwortlich, was ihm unterstand, und nur, was er im Besitz oder Gewahrsam hatte, konnte durch sein Verschulden verschwinden. Die Submissionen, das einzige Rückgrat der Anklage, hat die Staatsanwaltschaft unter den Tisch fallen lassen müssen. Sie tat das nicht aus Wohlwollen gegen die Angeklagten, sondern gezwungenermaßen, weil ihr nachgewiesen war, daß mit den Submissionen nichts anzufangen war. Nun muß erst im einzelnen nachgewiesen werden, was verschwunden ist, ehe man fortgesetzte Veruntreuungen als erwiesen annehmen kann. Die Entrüstung des Berliner Althändlers Sauer kann nicht interessieren. Wir haben es nicht damit zu tun, ob Frankenthal seine Abnehmer bemogelt hat oder nicht, sondern nur damit, ob er die Kaiserliche Werft bemogelt hat. Wenn er Bleiblöcke unter die Wagen binden ließ, so beweist das gerade, daß mit den Beamten nichts zu machen war, sondern daß er auch die Beamten der Kaiserlichen Werft täuschen mußte. Warum sonst das ganze Manöver mit den Bleiblöcken? Die Staatsanwaltschaft muß uns ganz genau den Nachweis führen, ob und wieviel Kilo veruntreut worden sind. Bis jetzt hat sie in dieser Beziehung noch kein Atom nachweisen können. Sie hat vielmehr die Beweisführung aufgegeben, hat sie aufgeben müssen, weil ihr jede Unterlage fehlte. Rat Heinrich war für seinen Posten allein zu wenig, jetzt sind zwei Personen für ihn tätig. Das Chrunstsche Geständnis bezieht sich nur auf die den Althändlern gewährten Prozente in erlaubtem Umfange, nicht auf Veruntreuungen. Die Beeinflussungen von Gefängnisbeamten durch die Söhne des Rats Heinrich sind gleichfalls für den Vater nicht belastend, denn einmal war er gegen die Beeinflussungen und dann handelte es sich hier um die fürsorgliche Tätigkeit der Söhne für ihren alten Vater Erpressungen können vorgekommen sein, aber sie brauchen sich nicht auf Amtsvergehen zu beziehen. Es kann sich um andere Dinge handeln, von denen wir ja im letzten Jahre so viel gehört haben. Wenn Rat Heinrich wirklich Gänse von Frankenthal angenommen hat, so ist damit noch lange nicht bewiesen, daß er die Werft betrogen hat. Es kommt überall vor, daß Lieferanten den Beamten für Lieferungen etwas zuwenden. Der Zeuge Streit hat hier allgemein einen unglaubwürdigen Eindruck gemacht. Auch die Vermögensverhältnisse des Rats Heinrich lassen keinen Schluß zu dafür, daß er die Werft betrogen habe. Er konnte sich fölche Summen sehr wohl von seinem Gehalt ersparen. Wenn Rat Heinrich mit seinen Beamten unter einer Decke gesteckt hätte, wäre das herausgekommen. Wie oft hat er seine Untergebenen angeschnauzt. Würden diese Untergebenen nicht stets damit gekommen sein und gesagt haben: Wir zeigen dich an, denn du läßt dich bestechen! Nun soll Heinrich belastet sein durch das Geständnis Kankowskis! Kankowski saß in Untersuchungshaft und Kriminalkommissar Wannowski hat die Sprecherlaubnis bekommen. Diesem Kriminalbeamten gegenüber hat Kankowski ein Geständnis abgelegt. Dieses Ceständnis ist aber nicht so viel wert, als wenn es vor Gericht abgelegt wäre. Der Untersuchungsgefangene soll nur mit dem Richter verkehren. Ich finde es mindestens merkwürdig, daß man dem Kriminalkommissar den Verkehr mit diesem Untersuchungsgefangenen erlaubt hat. Wäre Rat Heinrich im Prozeß gegen Kankowski als Zeuge vernommen worden, dann hätte er sicher beschworen, daß er mit dieser Sache nichts zu tun hätte, und dann wären die Rollen vertauscht gewesen, dann wäre das ganze Geständnis Kankowskis in Wasser gefallen. Das Geständnis genügt nicht, um einen Mann von den Verdiensten, dem Ruf und den Ehren des Rats Heinrich zu Fall zu bringen. Rat Heinrich genoß überall das höchste Ansehen, er ist sogar mit Orden dekoriert worden. Mit den Ausdrücken„Rabbi“ und „Balbos“ kann Rat Heinrich gemeint sein, aber es kann ebensogut ein anderer damit gemeint sein, und in dubio pro reo! Chrunst und Heinrich sollen nun zusammen gearbeitet haben! Wer kann glauben, daß dieser„Schafskopf“, der Chrunst, auf den „Bullerjan“ Rat Heinrich Einfluß hat ausüben können?(Htkt.) Die gefälschten Briefe können unmöglich im Gefängnis angefertigt worden sein. Ganz abgesehen von den Tintenproben, die auch ganz ins Wasser gefallen sind, wären selbst bei der miserabelsten Gefängnisverwaltung derartige Durchstechereien, die für solche Manipulationen unbedingt notwendig waren, unmöglich. Zuerst sprach man davon, daß Materialien der Werft unterschlagen wurden, dann sind diese, Materialien arg zusammengeschrumpft. Wir müssen immer anknüpfen an konkrete Fälle. Wenn Sie selbst der Meinung sein sollten, daß auf der Werft nicht alles in Ordnung ist, dürfen Sie noch lange nicht die Angeklagten verurteilen, sondern Sie müssen es der Staatsanwaltschaft überlassen, im einzelnen den wirklich Schuldigen ihre Schuld nachzuweisen. Ich bitte, alle Schuldfragen gegen Rat Heinrich zu verneinen. Erster Staatsanwalt Gräfrath: Die Submissionen haben wir fallen lassen, um einer Vertagung vorzubeugen, wir hätten noch wochenlang hier sitzen müssen. Ich gebe zu, daß die Unterschlagungen etwas geringer sind, als wir ursprünglich annahmen. Daß Rat Heinrich Orden bekommen hat, beweist gar nichts, denn damals hatte man von den Verfehlungen noch keine Ahnung. Vert. R.=A. Stobbe: Nun will ich auch sagen, weshalb ich die Orden überhaupt erwähnt habe. Es ist nämlich im Laufe der Verhandlungen vom Ersten Staatsanwalt an Kriminalkommissar Wannowski die Frage gerichtet worden, ob er nicht den Kronenorden vierter Klasse bekommen habe und ob er nicht Reserveoffizier sei. Das sollte dazu benutzt werden, um die Glaubwürdigkeit des Kriminalkommissars Wannowski zu erhöhen. Wenn der Herr Staatsanwalt aus einem Kronenorden vierter Klasse derartige Schlüsse zu ziehen glaubte, muß ich für meinen Klienten, der sogar den Roten Adlerorden dritter Klasse hat, gleichfalls derartige Schlüsse ziehen dürfen.(Heiterkeit.) Vert. I.-R. Schirren sprach hierauf für die Angeklagten Riecken und Chrunst. Ich brauche in meinem Plaidoyer keine Beamten anzugreifen, wenn ich auch niemanden schonen würde für den Fall, daß ich für notwendig hielte, gegen ihn vorzugehen. Die Staatsanwaltschaft hat hier geglaubt, einem Beamten besondere Glaubwürdigkeit zusprechen zu müssen. Dagegen habe ich mich gewendet. Einem muß ich jedoch das Todesurteil sprechen, das ist unsere Strafprozeßordnung. Es hätte alles viel früher aufgeklärt werden können, als aufgeklärt worden ist. Ein Untersuchungsrichter, der ohne den Verteidiger arbeitet, kann niemals das Recht finden. Er schafft nur das Material, baut Stein auf Stein, und der Staatsanwalt erhebt dann die Anklage. Es muß auch in der Voruntersuchung jedem Angeklagten ein Verteidiger zur Seite gestellt werden, der in jeder Beziehung gleichberechtigt ist. Der Althandel verhält sich zur Werft wie 100 zu 1. Auf den Gesamtumsatz von 60 Millionen seitens der Werft kommen nur für 400000 Mark Altmaterial. Es ist ein unglückliches Geschick von Mißverständnissen, das dahin geführt hat, daß ehrenwerte Leute hier auf die Anklagebank gekommen sind. Daß es ehrenwerte Leute sind, hat zum Teil selbst die Staatsanwaltschaft in ihren Anträgen zum Ausdruck gebracht. Ich hätte gewünscht, daß die Staatsanwaltschaft auch offen erklärr hätte: Riecken ist unschuldig. Wir Verteidiger haben lange im Dustern getappt bei der Erörterung der Frage, wievic Mankos auf der Werft eigentlich entstanden sind. Wir wisser es heute noch nicht. Gewiß, es ist schwierig, das festzustellen aber wenn man Leute auf die Anklagebank bringt, hat man die Pflicht, ihnen bis ins einzelne ihre Schuld nachzuweisen. Was bei dem einen Ressort gelungen ist, konnte auch bei den anderer Ressorts gelingen. Nicht darauf kommt es an, daß die Mankoauf das Kilo genau festgestellt werden. aber ungefähr mußt uns das bewiesen werden. In dieser Beziehung hat man noch nicht einmal einen Versuch gemacht. Ein richtiger Beweis dafür, was weggekommen ist, liegt also nicht vor. Was brauche ich da noch von Werftwagen und Bahnwagen zu sprechen! Nich: ei aufgemauerte Feuerstätten kamen unserem Lagerplatze #### gutes Weideland war, sehr zu statten. Auf der OstMeine braune Puppy in Nordtibet.“ Am 6. März machten wir einen neuen Hahnenschritt nach dem Ziele hin! Im Winter reist es sich auf den tibetischen Hochebenen recht schwer— mehr als vier Stunden kann man am Tage nicht marschieren. Der Morgen war klar, aber wir waren nock nicht weit über einen kleinen See hinaus, dessen Eisspiegel Flugsand und Staub bedeckte, als der Sturm so stark wurde, daß ich im Sattel schwankte. Die Staubwolken werden immer dichter, die Tromben sind an der Basis dunkel rotbraun, die heftigsten Pindstöße reißen wie ein Pflug Furchen in die Erde, und man sieht auf dem Boden spiralförmig gewundene Figuren, die nur von Wirbelwinden herrühren können. Auf der linken Seite zeigt sich ein See; seine Oberfläche ist teils weiß von Gips und Salz, teils braungestreift vom Flugsand; nur an zwei Stellen ist offenes Wasser; es ist die Leiche eines zum Verschwinden verurteilten Sees. Zwei am Ufer, wo gu seite des Sees erhebt sich ein mittelhober, ziegelroter Kamm, den ich malen wollte, um seine wirkungsvolle Tönung im Staubnebel zu verewigen. Ich wartete also mit Kutus und Gulam auf die anderen. Wir hatren aber kaum ein Feuer anzünden können, als der Sturm— um die Mittagszeit— zum Orkan anschwoll. Außer den nächsten Grashügeln verschwand alles, See, Bergkamm und Gegend, in einem undurchdringlichen Chaos. Das Feuer wurde, damit es nicht fortflöge, mit Steinen und Lehmklumpen eingehegt, Sand und kleine Steine sausten trommelnd gegen meinen Pelz, das ganze Gesicht bedurfte des Schutzes, die Haut schmerzte wie von Peitschenhieben, wenn man sie dem Wind nur einen Augenblick aussetzte. Glücklicherweise fanden die anderen uns. Alle Mann mußten beim Aufrichten meines Zeltes helfen. Endlich kam Gulam rückwärts zu mir herangekrochen und brüllte mir ins Ohr, das Zelt sei fertig. Breitbeinig und mit gespannten Muskeln ließ ich mich im Zickzack dorthin treiben und war froh, noch eins der Zelttaue ergreifen zu können, ede ich umgerissen wurde. Nun war ich unter Dach und atmete auf. Die Hinterwand, auf die der Wind drückte, dehnte und straffte sich nach innen wie ein Ballon und drohte jesen Augenblick mit einem Knall zu platzen. Betäubend sauste der dagegen schmetternde Kiessand. Es war so dunkel wie in der Dämmerung, *) Wir entnehmen diesen Abschnitt mit Erlaubnis des Verlages Brockhaus dem soeben erschienenen neuen Reisewerk des berühmten Tibetforschers:„Transhimalaja. Entdeckungen und Abenteuer in Tibet. Von Sven Hedin. Zwei Bände von insgesamt 830 Seiten mit 397 Abbildungen nach Photographien, Aquarellen, Skizzen und Zeichnungen des Verfassers und mit 10 Karten.“(Geb. 20 Mk.) es pfiff und heulte im Grase. Die Leute versuchten eines ihrer Zelte aufzurichten, aber nachdem es ihnen zweimal wieder umgeweht war, ließen sie es liegen, und bedeckten es nur mit Gepäckstücken, um es vor dem Fortfliegen zu bewahren. Fünf Ladakis hockten wie zusammengerollte Igel im Schutz meines Zeltes; ich ließ sie aber zu mir hereinkommen, wo sie ein paar Stunden stumm und regungslos saßen. Die anderen waren unter die Ruinen ihres verunglückten Zeltes gekrochen. Auch Puppy und Klein=Puppy lagen, sich aneinander wärmend, in einer Ecke. Und dabei zeigte das Thermometer+ 2 Grad: so warm hatten wir es seit drei Monaten nicht gehabt! Ein langer, düsterer Abend! Mit Mühe und Not erhielt ich ein Stück Brot, einen Becher Tee und ein Stück Rostbraten. Ich war wirr im Kopf und schwerhörig, als ich endlich in meiner Pelzhöhle Ruhe suchte, während der Sturm da draußen weiter heulte. Ich erwachte bei der gleichen Musik. Sich zu Pferd in solch ein Wetter hinausbegeben, ist ungefähr so, wie in eiskaltes Wasser springen. Weder Himmel, noch Horizont sind sichtbar, und die Berge treten nur dann und wann aus dem Nebel hervor. Ich breche mit Kutus und Gulam zuerst auf und folge einem begangenen Weg. Dunkel und kalt ist es hier im Lande der ewigen Dämmerung und der bösen Luftdämonen. Nachdem wir 13 Kilometer weit gewandert sind, machen wir Halt am Rand eines nach Südwesten gerichteten breiten Eisbandes, eines in mehreren Armen zugefrorenen Flusses. Ueber die glashelle Eisdecke fegt der Wind, und roter Staub gleitet wie eine feuerfarbene Schattierung schnell darüber hinweg. Auf Kutus gestützt, rutsche ich nach der anderen Seite hinüber; in einer kleinen Talmündung suchen wir Schutz und zünden das übliche Leuchtfeuer an. Die Karawane langt am Eisrand an. Es ist unmöglich, einen Sandweg zu streuen, denn der Wind fegt ihn sogleich wieder fort. Die Tiere müssen also eines nach dem anderen von mehreren Männern hinübergebracht werden. Nichtsdestoweniger fiel ein Maulesel und zog sich dabei eine verhängnisvolle Verrenkung des einen Hinterbeines zu. Nur mit großer Anstrengung konnie er noch nach dem Lager hinaufgebracht werden. Alle sahen grau und entstellt aus, unsere Augen waren voller Sand und Staub und tränten unaufhörlich. Meine Lippen sprangen auf und bluteten, meine Zähne waren schwarz. Der März ist zwar hier stets der schlimmste Monat des Jahres, aber so toll wie diesmal hat er es noch nie getrieben. Was nützt es, sich nach dem Frühling und der Sonne zu sehnen? Die Tage werden ja immer dunkler, je weiter das Jahr fortschreitet! „Der kranke Maulesel hatte sich das Bein verstaucht. Er wurde auf den Rücken gelegt und ein Strick um seine Hufe geschlungen, ar dessen anderem Ende alle Mann ziehen mußten. Als es ganz straff gespannt war, schlug Lobsang mit einer Zeltstange gegen den Strick, um dadurch die Verstauchung zu heben! Ich merkte keine Besserung nach dieser Pferdekur. Nein, er war für uns verloren, jetzt, wo wir nicht in der Lage waren, eines unserer besten Tiere entbehren zu können! Und verloren war er denn auch, am Morgen des 8. konnte er keinen Schritt mehr gehen. Es war mir schwer ums Herz, als ich ihn zum Tode verurteilen mußte; er hatte nichts Böses getan und es war traurig, das frische, gesunde Blut in einem kräftiger Strahl aufspringen und den wüsten, unfruchtbaren Boden befeuchten zu sehen. Er lag still und geduldig, nach einigen Zuckungen war das Leben entflohen. Er blieb in der Einsamkeit zurück, während wir weiterzogen, unbekannten Schicksalen entgegen. Vorher aber war ich noch auf einen Hügel gestiegen und hatte Ausschau gehalten. Was war klüger: nach Nordosten oder nach immer dabei Gesellschaft, um ihren Anteil zu erhalten. KleinPuppy war jetzt schon so gewachsen, daß er seine Mama ungestraft behandeln konnte, wie es ihm beliebte. Wenn ich ihr ein Stück Fleisch gab, schoß er wie ein Pfeil darauf los und riß es ihr fort. Ich mußte den kleinen Puyyp festhalten, damit die Mutter in Frieden fressen konnte. Als wir aber aufbrachen, entschädigten sich die Puppy und der gelbe Hund für alle Entbehrungen der letzten Zeit, indem sie bei dem getöteten Maulesel zurückblieben, in dessen weichen Halsmuskeln sie eine offene Wunde als Ausgangspunkt hatten, Dort standen sie noch, eifrig schnappend, als wir aufbrachen und dem Eisband des Flusses nach Südnesten folgten. Mit meinen gewöhnlichen Begleitern ritt ich voraus. Der erstickende, blendende, betäubende Sturm kam uns gerade entgegen. Gulam geht an der Spitze, bleibt plötzlich stehen, blickt durch das Fernglas und gibt mir dann das verabredete Zeichen zum Absteigen. Vor uns haben wir einen vorspringenden Felsen. den der jetzt zugefrorene Fluß bespült. „Was gibt's?“ frage ich Gulam, als wir bei ihm anlangen. „Ein großes Steinhaus mit einer Mauer und zwei kleinere Hütten! Sie sind augenblicklich im Nebel nicht zu sehen, aber sie liegen ganz nahe am Fuß des Berges.“ Ja. freilich, nun sieht man sie wieder; merkwürdig, daß uns keine Hunde entgegenstürmen!" „Was nun? Wollen wir nicht lieber umkehren? Hier wohnt gewiß ein Häuptling, der uns bis auf die Haut untersuchen Eird„ bahen u#9 Tchan geishen „Nein, dazu ist es zu spät, sie haben uns schon gesehen.“ Wie reute es mich, daß wir nicht lieber nach Nordosten gegangen waren! Doch jetzt hieß es, gute Miene zum bösen Spiel machen. Wir zogen an dem festen Dorf in einer Entfernung von nur 100 Metern vorüber und hielten im Schutz des dunklen. Porphyrfelsens, auf dem zwei Tschorten und ein Mani errichtet waren. Wie herrlich, wenigstens eine Weile vor dem Sturm geschützt zu sein! Es war das Gefühl, mit dem man bei einem Platzregen in einem Torweg steht. Tot und öde lag die Gegend, Menschen zeigten sich nicht, nur zwei Dohlen krächzten auf einer nur der Angeklagte Frankenthal galt als der eigentliche Oberwerftdirektor, sondern auch der frühere Lohnschreiber Peters war allmächtig. Wer Durchstechereien machen wollte, brauchte sich nur von Peters Formulare zu beschaffen. Die Freisprechung Riedens hat der Staatsanwalt beantragt, aber Riecken ist nicht bloß Riecken. Wenn Sie Riecken freisprechen, müssen Sie auch die anderen freisprechen. Die Wagen waren auf der Werft so geistreich gebaut, daß niemand das Wiegen kontrollieren konnte. Knechte und Kutscher wurden einfach mitgewogen, niemand achtete darauf. Wie kann man da auf die Wagen überhaupt noch etwas geben? Riecken soll Material unterschlagen haben. Ihm ist der Nachweis gelungen, daß das Material überhaupt nicht auf der Werft vorhanden war. Mehr kann man von dem armen Riecken doch nicht verlangen. Riecken ist zwar nicht Reserveoffzier, aber er hat Offiziersrang und er konnte hier erscheinen in großer Uniform. Er ist aber als einfacher Beamter erschienen und hat seine Unschuld bewiesen. Die Staatsanwaltschaft muß den Angeklagten die Straftaten beweisen, nicht die Angeklagten ihre Schu dlosigkeit. Der Staatsanwalt unterscheidet sich vom Verteidiger dadurch, daß er keine Phantasie aben darf. Phantasie haben darf nur der Verteidiger. Der Verteidiger kann sagen, der Angeklagte kann der Tater sein, aber er kann es auch nicht sein. Der Staatsanwalt muß beweisen, daß es nicht anders geschehen sein kann. Ehe er diesen Beweis nicht führen kann, darf die Anklage nicht erhoben werden. Ich habe von Anfang an die Zuziehung kaufmännischer Sachverständiger beantragt. Die Sachverständigen hätten alle Differenzen aufklären können. Man hat meinem Antrag nicht stattgegeben. Sprechen Sie Riecken frei, dann brauchen Sie sich mit den anderen Schuldfragen gar nicht zu beschäftigen. Die Angeklagten hängen aufs Engste miteinander zusammen. Insofern hat Siegfried Jacobsohn recht, als er seinen alten Vater mit verteidigte. Er hätte ebensogut Riecken mitverteidigen können. Nun soll der Angeklagte Chrunst das falsche Wiegen vorbereitet haben. Wo ist der Beweis dafür? Da kommen wir auf etwas sehr Bedenkliches, etwas sehr Trauriges! Ich erwähne nur den Fall mit den 6 Schraubenflügeln. Chrunst bekam den Befehl von Rat Heinrich, er gab ihn weiter, und der Befehl wurde so ausgeführt, daß ein Flügel gewogen und das ermittelte Gewicht mit 6 multipliziert wurde. Ob gerade der richtige Flügel gewogen wurde, wußte kein Mensch. Rat Heinrich hatte Millionen zu verwalten, er mußte für die Schlagfertigkeit unserer blühenden Kriegsflotte sorgen, da konnte er sich nicht um ein paar Schraubenflügel bekümmern. Chrunst hatte auch ein großes Ressort zu verwalten. Hunderte von Beamten haben unter diesen Verdachtsgründen gestanden; nun hat man einen herausgegriffen und dieser eine heißt Riecken, und diesem einen ist es gelungen, seine Unschuld zu beweisen. Was bleibt da noch übrig? Frankenthal hatte gute Gründe, seine Geschäftsgeheimnisse erst hier in der Hauptverhandlung und erst sehr spät pheiszugeben. Er wollte sie für sich behalten, niemand gibt seine Geheimnisse gern preis. Nun liegt noch das Geständnis des Chrunst vor.. Aber auch dieses genügt nicht, um einen solchen Beamten zu verurteilen. Weiter liegt gegen die von mir vertretenen Beamten nichts vor. Das Schuldmaterial für sie reicht nicht aus. Wenn die Beamten sich nichts haben zuschulden kommen lassen, dann haben auch die Kaufleute nichts begangen. Um 7 Uhr abends muß Verteidiger Justizrat Schirren sein Plaidoyer abbrechen. Er wird es Donnerstag vormittag forthebung des gegen Siegfried Jacobsohn erlassenen Haftbefehls. Das Gericht gab nach kurzer Beratung dem Antrage statt und der Angeklaate Siegfried Jacobsohn wurde sofort aus der Haft entlassen. Gewerkschaftsbewegung. Arbeitsbedingungen im Lithographie- und Steindruckgewerbe. Der Verband der Lithographen und Steindrucker hat im Jahre 1908 statistische Erhebungen über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Gewerbe veranstaltet, die jetzt vom Vorstand des Verbandes im Druck veröffentlicht werden. Die Statistik umfaßt 85 Prozent aller im Gewerbe beschäftigten Gehilfen, sie hat schon dadurch größeren Anspruch auf Zuverlässigkeit und Darstellung des Tatsächlichen, als die vorangegangene Erhebung vom Jahre 1903. Die Angaben über die im Gewerbe herrschenden Arbeitsbedingungen sind nach Landesteilen gruppiert und in weiterer Umfassung sodann für Nord-, Mittel= und Süddeutschland zusammengestellt, um so gegenübergestellt zeigen zu können, wo die Arbeitsverhältnisse am ehesten der Abanderung und Besserung bedürfen. Doch sind die Unterschiede sehr unwesentlich; Norddeutschland zeigt allgemein ein klein wenig bessere Arbeitsbedingungen gegenüber Mittel- und Süddeutschland. Im Gesamtergebnisse wird die durchschnittliche effektive wöchentliche Arbeitszeit für Lithographen auf 49 Stunden 6 Minuten, für Steindrucker auf 54 Stunden 6 Minuten angegeben. In Braunschweig und in Bremen haben die Lithographen die günstigste Arbeitszeit mit 8 Stunden täglich, dann folgen die Landesteile Brandenburg, Hamburg, Lübeck und Bayern mit 8 Stunden 3 Minuten; die ungünstigste Arbeitszeit ist in Reuß ä.L. und Schwarzburg=Sondershausen mit 9½ Stunden anzutreffen. Seit dem Jahre 1903 haben in den einzelnen Landesteilen ganz bedeutende Arbeitszeitverkürzungen stattgefunden: die Rheinprovinz figuriert mit 1 Stunde und 5 Minuten wöchentlicher Arbeitszeitverkürzung für Lithoschroffen Felswand, und ein Hase eilte so dicht neben uns aus seinem Versteck, daß wir ihn, wenn wir aufgepaßt hätten, mit den Händen hätten greifen können. Kutus und Gulam gehen, um Brennmaterial zu suchen. Ich selbst untersuche mit dem Fernglas diese rätselhafte Umgebung, wo hinter jedem Felsenvorsprung ein Hinterhalt zu lauern scheint. Im Sudosten wird es ein wenig heller, hinreichend, um mich 200 Meter von uns ein außergewöhnlich großes schwarzes Zelt entdecken zu lassen. Von einer hohen Stange gehen kreuzweise vier Stricke mit weißen Geberwimpeln aus. Ich hatte gehofft, daß wir unbeobachter durch das erste Dorf kommen würden, weil sich keine Hunde sehen ließen, aber unbewohnte Zelte gab es doch wohl nicht! Und die äußere Ausstattung des Zeltes verriet außerdem einen vornehmen Häuptling. Infolge des Staubnebels waren wir ihm gerade in den Rachen gelaufen. Er ließ sich gewiß von lumpigen Ladakilandstreichern keinen blauen Tunst vormachen! Gulam war nach dem großen Haus gegangen, dessen Hoftor offen stand, und hatte dort in einem Schuppen auf dem Hof eine ganze Menge Brennholz gefunden, eine Strauchart, die die Tibeter Ombo nennen. Nun warteten und warteten wir, die Karawane aus dem Dunst auftauchen zu sehen; als sie aber gar nichts von sich hören ließ, mußte Kutus auf die Suche gehen. Sie hatte sich total verirrt und einen weiten Bogen um die Häuser und das Zelt herumgemacht. Die Führer waren überzeugt gewesen, daß ich unbemerkt an dem Ort vorbeiziehen wolle. Ein Pferd war zusammengebrochen; jetzt hatten wir nur noch zwei und außer ihnen noch fünf Maulesel von vierzig Tieren übrig! Sobald die drei Zelte in einer Linie dicht nebeneinander aufgeschlagen waren, mußte sich Abdul Kerim mit Kuntschuk nach dem großen Zelt begeben. Wir sahen durch den Nebel einen Mann herauskommen und ihnen entgegengehen, worauf alle drei im Hause verschwanden, und nun warteten wir anderen in atemloser Spannung. Erst in der Dämmerung kehrten sie mit guten Nachrichten zurück. Im Zelt wohnte ein einsamer, alter AmtschiLama. d. h. ein Arzt=Mönch, der zugleich der Seelsorger der Nagrongnomaden ist und nach den astrologischen Büchern die glücklichen und unglücklichen Tage für Kindraufen und andere Geschäfte bestimmt, die dabei nötigen geistlichen Verrichtungen übernimmt und den Menschen beisteht, wenn sie krank sind, sterben und schließlich bestattet werden sollen. Er war aus Sera im Gebiete von Lhassa und lebte seit drei Jahren in Nagrong. Das Zelt war ein wandernder Tempel, dessen Inneres mit Götteraltären, brennenden Butterdochten und Opferschalen ausgestattet war, vor denen der Einsiedler den Gottesdienst hält— wir hörten ihn um Mitternacht in aller Einsamkeit eine Tempeltrommel graphen an niedrigster Stelle, Schlesien mit 3 Stunden und 56 Minuten an höchster Stelle, während für Steindrucker Westpreußen mit 4 Stunden 5 Minuten die höchste Ziffer aufweist. Die günstigste Arbeitszeit ist für Steindrucker in LippeDetmold und in Hamburg mit 8 Stunden 48 Minuten, die längste mit 10 und 9½ Stunden in Reuß ä. L. und Schwarz= burg=Sondershausen.— Auch die Löhne haben seit der letzten statistischen Erhebung eine nicht unwesentliche Steigerung erjahren. Die Durchschnittslöhne betragen wöchentlich bei den Lithographen, Chromo 30.62 Mk.(1903: 27,80 Mk.) „ Merkantil 29,70„(1903: 27,23„ Steindruckern, Maschine 30,10„(1903: 27,11„) „ Handpresse 27.27„(1903: 25,74„) Im einzelnen Falle betragen die Lohnsteigerungen bis zu 8.36 Mk. pro Woche. Eine prozentuale Zusammenstellung ergibt, daß rund 41 Prozent der Lithographen einen Wochenlohn von 27—33 Mk. haben. und 23½ Prozent darüber. Von den Steindruckern haben 43 Prozent Wochenlöhne von 27—33 Mk. und 15½ Prozent darüber. Eine wochentliche Arbeitszeit bis zu 48 Stunden hatten 78,72 Prozent der Lithographen gegenuber 33,09 Prozent im Jahre 1903; und bis zu 54 Stunden mußten 88.25 Prozent der Steindrucker arbeiten, gegenüber 59,52 Prozent im Jahre 1903. Diese sehr beachtenswerten Erfolge errang der Verband in der Zeit einer niedergehenden Geschäftskonzunktur; die im Jahre 1903 gemachten Angaben fielen in die Zeit der Hochkonjunktur, die für 1908 gemachten in die Zeit der schweren wirtschaftlichen Krise. Durfte es da noch Arbeiter geben, die ob solcher Erfolge ihrer Gewerkschaften ihrer Organisation fernbleiben? Der Terrorismus der Maschinenfabrik Augsburg abermals verurteilt! Im September vorigen Jahres wurde der Diplomingenieur G Scheib seitens der Direktion der Maschinenfabrik Augsburg„beurlaubt“, weil er als Mitglied des Bundes technisch=industrieller Beamten die Interessen seiner Organisation vertrat. Zugleich war der Portier der Fabrik angewiesen worden. Scheib unter keinen Umständen mehr das Betreten der Fabrikräume zu gestatten. Der Gemaßregelte klagte nun gegen die Firma auf Zusendung seines Gehalts, seiner noch in der Fabrik befindlichen Sachen, sowie auf Ausstellung eines Zeugnisses. Die beklagte Firma hatte hierauf dem Kläger eröffnet, daß er seinen Gehalt beim Portier in Empfang neymen konne, was dieser jedoch ablehnte, nachdem ihm das Betreten der Fabrikräume verboten worden war.— Nach Verhandlung der Sache vor dem Landgericht Augsburg wurde folgendes Urteil erlassen: Die Beklagte wird verurteilt, an den Kläger Scheib zu schicken: 1. 1000 Mk. Geba.: nebst 4 Prozent Zinsen; 2. ein Zeugnis über die Daner seiner Beschäftigung in der Maschinenfabrik Augsburg und Ausdehnung desselben auf Leistung und Führung; 3. Herausgabe der in dem Pult in der Fabrik befindlichen, dem Kläger gehörenden Gegenstände. ** Bielefeld, 30. Nov. Strafkammer. Der Techniker Theodor Friedrichs und der Ingenieur Adolf Fislake hatten sich als Leiter der Maschinenfaorik Fricke hierselbst wegen Vergehens gegen das Patentgesetz und§ 38 des Gesetzes betreffend das Urheberrecht zu verantworten. Nach der Anklage sollen sie in ihrer Gebrauchsanweisung zu der von ihnen angefertigten Düngerüberstreumaschine Patentausdrücke gebraucht haben, trotzdem sie das Patent hierzu nicht erworben haben. Der Gerichtshof nahm an, daß sie solche Ausdrücke wie„Patent Langfarth“ gebraucht haben, ohne im Besitze des Patentes gewesen zu sein. Aber der Gerichtshof vermißte den reklamenartigen Charakter bei der Benutzung dieser Ausdrücke und sprach die Angeklagten von dem Vergehen gegen§ 40 des Patentgesetzes frei. Anders aber sei es mit der Benutzung der Düngerüberstreutabelle, welche das geistige Eigentum der Firma Kuxmann hierselbst sei. Diese Tabelle sei eine individuelle geistige Tätigkeit, die geschützt sei. Die Angeklagten, die diese Tabelle abgeschrieben bezw. versandt hätten, hätten gegen§ 38 des Gesetzes vom 19. Juni 1901 verstoßen und seien wegen Vergehens gegen das Urheberrecht zu bestrafen gewesen. Der Gerichtshof erkannte gegen jeden auf eine Geldstrafe von 50 Mark ev. auf je 10 Tage Gefängnis. Am 30. Juli d. J. wurde am hellen Tage bei dem Kaufmann Wortmann in der Niedernstraße ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb ist oben ins Haus gegangen, hatte mit einem Dietrich zunächst ein Mansardenzimmer geörfnet, einen Damenv#e#l#man#### und andere Kleidungsstücke im Gesamtwerte von etwa 100 Mark gestohlen und damit das Weite gezuch:. Der Tieostahl wurke aber noch rechtzeitig entdeckt und so konnte der Einbrecher noch auf dem hiesigen Bahnhofe von der Kriminalpolizei festgenommen werden. Die Polizei stellte fest, daß der Einbrecher, ein wegen Diebstahls schon zweimal vorbestrafter Schlachter Hermann Voß von Hamburg, erst einige Tage vor der Tat mit zwei anderen bekannten Einbrechern von Hamburg nach Bielefeld abgedampft war, wahrscheinlich um in der Provinz sein sauberes Handwerk zu treiben. Der Gerichtshof erkannte beute gegen ihn wegen schweren Diebstahls im wiederholten Rückfalle in Tateinheit mit versuchten schweren Diebst. ols auf 2 Jahre Gefängnis, worauf ihm 2 Monate von der Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wurden. Der Kleinhändler Wilhelm Biermann von Senne II war vom Schöffengericht zu Bielefeld wegen Betrugs in 2 Fällen zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt und hatte gegen dieses Urteil schlagen. Das Zel; gehörte nebst dem großen Hause dem Gertse Pun Bobo, dem Hauptling des Distrilts Gertse, der vor einigen Tegen mit Kind und Kegel und seinen Herden eine Tagereise weit nach Osten gezogen war, aber bald zurückerwartet wurde, weil zwischen einigen seiner Untertanen Streitigkeiten ausgebrochen waren. Vielleicht war es also doch gut, daß wir nach Südwesten gezogen waren, anstatt nach Nordosten, wo wir dem Gertse Pun gerade hätten begegnen können? Im Spätherbst kommt dieser Potentat nach Nagrong, wo er das Steinhaus bezieht, während ringsumher Hunderte von Nomadenzelten aus der Erde wachsen und hier ein Jahrmarkt abgehalten wird. Der alte Lama hatte keine Diener, aber alle drei Tage brachte ihm ein Mann Brennholz. Wie muß ihm an den langen Winterabenden zumute sein, wenn er draußen den Sturm heulen hört und drinnen Schweigen herrscht bei den Göttern, die seine Gebete und seine Trommelwirbel nur mit mildem Lächeln beantworten! Vermutlich aber war er Philosoph und fürchtete die Gefahren der Nacht nicht. In dem Zelt lagen mehrere Säcke Tsamba, Gerste Reis und Butter, aber er war nicht berechtigt, ohne die Erlaubnis des Gertse Pun etwas davon zu verkaufen. Statt dessen beichrieb er die Lage des Zeltes, in dem der Schwager des Gerise Pun wohnte und wo aller Art gute Sachen erstanden werden könnten. Ich beschloß infolgedessen, den 9. März noch hier zu bleiben. Während dieses Ruhetages suchte Abdul Kerim mit drei Begleitern den Schwager auf, wurde freundlich empfangen und kaufte fünf Schafe, zwei Schafslasten Reis, eben oviel Gerste und einen Beutel Tavak, nach dem die Leute sich schon lange gesehnt hatten. Den ganzen Tag über war ich Gefangener in meinem eigenen Zelte, meine Freiheitszeit war zu Ende! Und als der Abend kam und seine Scharten sich auf dies seltsame, unheimliche Nagrongtal herabsenkte, konnte ich an nichts anderes denken, als an meinen alten treuen Reisekameraden, den ältesten aller derer, die mit mir in Tibet gewesen waren, die braune Puppy! Mit dem geden Hund war sie gestern bei dem Maulesel zurückgeblieben, der seines verstauchten Fußes wegen hatte getötet werden müssen, und seitdem hatte leiner die beiden wiedergesehen. Wir hatten gehofft, daß sie uns wie schon unzählige Male, wiederfinden wurden. Aber jetzt sah ich ein, daß sie unsere Spur verloren hatten und uns nun, verzweifelt und wahnsinnig vor Angst, über Berge und Täler suchten, aber nur um sich immer weiter von uns zu entfernen. Wenn sie ein einziges Mal über das Eis gegangen waren, würden sie unsere Spur nie mehr finden können. Mich quälte der Gedanke an meine Zeltgefährtin Bernfung eingelegt. Der Angeklagte hatte durch Inserat mehrere Kassierer für sein angebliches Automatengeschäft gesucht. Es hatten sich unter anderen auch der Müller Hermann Blume und der Klempner Landwehr um diesen Posten beworben. Sie waren angenommen und hatten Kautionen von 60 und 100 Mark stellen müssen. Doch haben sie weder die Kautionen zurückerhalten, noch sind sie von dem Angeklagten angestellt worden. Der Gerichtshof verwarf die Berufung des Angeklagten. Vereins-Kalender. Freitag. Arb.=Gesangverein„Waldeslust 8 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Männer=Gesangverein„Freie Stunde“ 9 Uhr bei Sewing, Burgerweg 93. Gesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei Kleinert. „Teutonia I“ 9 Uhr bei Kahl, Herforderstraße 137. Männergesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei Wirt Sewing, Bürgerweg 93. Zitherklub„Alpenrose". Rickes, Nebelswall. Guttemplerorden. Loge Bielefeld. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstr. 51. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Fritz Beckmann, Kl. Howe. Kegelklub zu den drei Linden 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Bielefelder Kraftsportvereinigung 9 Uhr im„Berliner Hof“. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5, 9 Uhr bei Apenbrink. Radfahrerverein„Tourist“ Sitzung bei Helms, Jöllenbeckerstr. Radfahrerverein„Transvaal“ 9 Uhr bei Wirt Höner zu Eißen. Radfahrerklub„Flora“ 9 Uhr bei Wöhler, Heeperstraße. Fauna und Flora, Verein der Naturfreunde, 9 Uhr bei Wöhler, Heeperstraße. Sudbrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“, Zöglingsriege, 8½ Uhr bei Fohrmann. Brackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schröder. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft"=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Brocker Männerchor 8 Uhr bei Karl Schröder. Theesen. Arbeiter=Gesangverein„Horstheide“ 8½ Uhr bei Wilhelm Meier=Ditrich. Schildesche. Radfahrerklub„Einigkeit“ 8½ Uhr im Hellingskrug. Schildesche. Arb.=Turnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Arbeitergesangverein„Schildesche“ 8½ Uhr bei Höner, Bielefelderstraße. Schildesche. Kegelklub„Fortuna“ 8½ bei Siekmann, Herforderstraße 8. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Brake. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr. Enger: Turnverein„Eintracht“ 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Radfahrerverein„Freie Radler“ 9 Uhr im Restaurant„Zur Traube“, A. Seeger. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Schweichel n. Arbeitergesangverein„Frohsinn“ 8½ Uhr bei Wirt Generotzky. Hiddenhausen. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit" 9¼ Uhr bei Bitter. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Oetinghausen. Arbeiter=Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr beim Wirt Düsdicker. Spenge. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmann. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“ 8½ Uhr bei Röbke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Werther. Arbe ter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. Rheda. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr bei August Kipp. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. Detmold. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr in der„Central= halle“. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lippischer Hof. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaum" burger Hof. Stadthagen. Arbeitergesangverein„Edelweiß“ 7—9 Uhr. mehr als sonst etwas. Noch gestern morgen hatte sie auf ihrer Jilzmatte in ihrer gewöhnlichen Ecke gelegen, und wir hatten zusammen gefrühstückt. Wo war sie jetzt, wie ging es ihr in diesem Augenblick? Tag und Nacht würde sie bellend und winselnd über das öde Tschangtang laufen, mit der Nase am Boden, und unsere verlorene Spur suchen, bis ihre Pfoten wund und zerfetzt waren. Was würde sie tun, wenn die Nacht mit ihrer unheimlichen Dunkelheit und den umherstreifenden Wölfen kam? Würde sie auf dem Gipfel eines Hügels bleiben und uns im Winde zu wittern suchen, oder würde sie auf einer der grenzenlosen Ebenen sitzen und den Mond anheulen? Blieben die beiden wenigstens zusammen oder suchten sie uns auf verschiedenen Wegen und verloren sich gegenseitig? Würde Puppy je bei freundlichen Nomaden landen und es wieder gut haben? Oder würde sie Not leiden und angebunden vor einem armseligen Zelte liegen und, in hoffnungslosem Kummer winselnd, ihres verflossenen Lebens gedenken, das sie von ihren ersten Lebenstagen an, als sie in meinem Zimmer in Srinagar Milch schlürfte, in meiner Karawane verlebt hatte? Auf diese Fragen sollte ich nie Antwort erhalten, denn Puppy und der gelbe Hund hatten ihre Rollen in unserem Roman auf immer ausgespielt. In Zukunft wird ihr Leben sich anders gestalten, und ich werde die folgenden Kapitel ihrer Geschichte nie kennen lernen. Sie war und vlieb fort, und ich vermißte sie unbeschreiblich. Ich lag nachts wach im Bett und dachte an ihren Kummer, ich sah jeden Morgen nach, ob sie zurückgekehrt sei und sich in ihre gewöhnliche Ecke gelegt habe, ich glaubte, in der Dämmerung ihre leisen Schritte vor dem Zelt zu hören, und ich meinte oft, durch den Nebel hindurch auf einem Hügel oder einem Felsenvorsprung die Silhouette eines einsamen, ausgehungerten Hundes unterscheiden zu können, der mit erhobener Schnauze in den Sturm hineinheulte. Ich litt eine ganze Zeit hindurch förmlich an einer fixen Idee: der Schatten, die ruhelose Seele, die unsichtbare Gespenstergestalt eines Hundes verfolgte mich auf Schritt und Tritt. Ich fuhlte die Nähe eines unsichtbaren Hundes, der mit mir ins Zelt ging, während der ewig gleichen Ritte neben mir herlief, bei mir blieb, wenn ich unter den Tibetern war und stets klagte und um Hilfe flehte; und es peinigte mich, meinem umherirrenden, suchenden Freunde nicht helfen, ja nicht einmal trösten zu können.— Balv aber hatte ich anderes zu denken; andere Hunde wurden meine Freunde, und mit jedem Tage verwickelte ich mich mehr in einem unentwirrbaren verfitzten Garn von Gefahren, die zu einer Krisis führen mußten und in denen die Sorgen der Vergangenheit vor dem Ernst des Augenblicks verblaßten. je durch Inserat mehrere atengeschäft gesucht. Es ler Hermann Blume und en beworben. Sie waren 60 und 100 Mark stellen kautionen zurückerhalten, estellt worden. Der GeAngeklagten. nder. bei Tuxhorn, Bleichstr. 9 Uhr bei Sewing, Bürkleinert. verstraße 137. bei Wirt Sewing, BürAlswall. hr. Gr. Kurfürstenstr. 51. eitz Beckmann, Kl. Howe. Kickert, Ehlentrupperweg. Ihr im„Berliner Hof“. 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Ihr bei August Kipp. bei Karl Voß, Langestr. ½ Uhr in der„Central= bei Gastwirt Mohrmann, s 8½ Uhr. —9½ Uhr im Schaum. „Edelweiß“ 7—9 Uhr. orgen hatte sie auf ihrer legen, und wir hatten zuwie ging es ihr in diesem bellend und winselnd über sie am Boden, und unsere wund und zerfetzt waren. ihrer unheimlichen Dunin kam? Würde sie auf ns im Winde zu wittern renzenlosen Ebenen sitzen ie beiden wenigstens zusiedenen Wegen und verje bei freundlichen No1? Oder würde sie Not seligen Zelte liegen und, ihres verflossenen Lebens venstagen an, als sie in hlürfte, in meiner Karasollte ich nie Antwort erid hatten ihre Rollen in . In Zukunft wird ihr rde die folgenden Kapitel war und blieb fort, und nachts wach im Bett und Morgen nach, ob sie zuliche Ecke gelegt habe, ich Schritte vor dem Zelt Nebel hindurch auf einem silhouette eines einsamen, zu können, der mit ereinheulte. 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Notizen unserer Reichstagsabgeordneten.— Die bürgerlichen Parteien Deutschlands.— Aus den sozialdemokratischen Organisationen.— Preissteigerung und Arbeitslohn.— Was die Berufszählung lehrt. 2— Sozialdemokratische und Gewerkschaftspresse.— Die Gewerkschaften Deutschlands— Internationale Streik= und Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1908. — Adressen der Arbeiter=Sekritariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Adressen der deutschen sozialdemokratischen Vereine im Auslande.— Die deutschen Gewerbeinspektoren.— Kalendarium und Geschichtskalender.— Dortotaxe.— Vielseitiges Adressenmaterial. Außerdem enthält der Kalender ein künstlerisch ausgeführtes Bebelporträt sowie die Porträts der in Nachwahlen gewählten Genossen Binder, Huber u. Schöpflin. Zu beziehen durch jede Parteibuchhandlung und bei den Kokporteuren. Zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schulstr. 20. Diese Woche wieder gutes Rindsleisch Pfund 60 Pfg. Kalb= u. Schweinesteisch zu billigen Preisen. 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Der Vorsitzende der Bauarbeiterschutzkommission für Hannover, Fritz Meißner, eröffnete die Beratungen am Vormittag 10 Uhr mit folgender Begrüßungsansprache: Werte Berufsgenossen! Die örtliche Bauarbeiterschutzkommission hat sich seit einigen Monaten mit der Einberufung einer Bauarbeiterschutzkonferenz zwecks Beratung über den Schutz der Arbeiter auf den Bauten beschäftigt. In derselben Zeit erhielten wir auch Nachricht von der Bauarbeiterschutzkommission in Braunschweig, die sich ebenfalls mit dem Gedanken einer solchen Konferenz für das Herzogtum Braunschweig beschäftigt hatte. Unser Wunsch ging nun dahin, daß Hannover und Braunschweig gemeinsam eine solche Konferenz veranstalten möchten. Aber die Vorarbeiten in Braunschweig waren schon zu weit vorgeschritten. Braunschweig hat seine Konferenz abgehalten, und da freuen wir uns um so mehr, weil eine stattliche Anzahl von braunschweigischen Delegierten auf der hannoverschen Konferenz erschienen ist. Es ist das ein Beweis dafür, wie lebhaft das Interesse der Kollegen im Bauberufe für eine Erweiterung des Schutzes von Leben und Gesundheit, wie notwendig überhaupt die Konferenz ist. Die Frage des Bauarbeiterschutzes ist durch die Regierungen und insbesondere durch den preußischen Landtag in letzter Zeit in durchaus ungenügender Weise behandelt worden. Und das trotz der jährlichen Konferenzen der baugewerblichen Arbeiter in Deutschland, trotzdem unsre Vertreter im Reichstage, preußischen Landtag und in den Kammern, wo sie jetzt zahlreicher als früher Sitz haben, die bestehenden Mißstände im Baugewerbe zur Sprache bringen. Die baugewervliche Arbeiterschaft hat eingesehen, daß sie von den Behorden wenig zu erwarten hat. Deshalb ist es um so mehr unsre Aufgabe, dieser Lebensfrage des Bauarbeiterschutzes ein noch weit hoheres Interesse als bisher entgegenzubringen. Die heutige Konferenz ist die erste im Bereich der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft. Wir wollen hoffen, daß alle Anwesenden den Ernst der Situation begreifen, dann wird die Konferenz auch nicht fruchtlos verlaufen, sondern nutzbringend für unsre Arbeitsgenossen sein, ein hoher Markstein auf dem Wege der Selbsthilfe durch die starke Organisation.(Lebhafter Beifall.) „Der Vorsitzende begrüßte und hieß alle Anwesenden herzlich willkommen, besonders den Reichstagsabgeordneten Brey, den Landtagsabgeordneten Leinert, die Arbeitersekretäre Paul und Richard Schmidt, sowie den Sekretär der Zentralkommission für Bauarbeiterschutz, Heinke=Hamburg. Die zur Teilnahme eingeladenen bezw. um Entsendung von Vertretern ersuchten Landratsämter von Hannover und Linden, die Gewerbeinspektion Hannover=Linden, der Regierungspräsident, die Stadtbauämter Hannover=Linden und die Hannoversche Baugewerks=Berufsgenossenschaft hatten keine Vertreter geschickt. Die Gewerbeinspektion bedauerte schriftlich, daß sie keine Vertreter übrig have, und die drei anwesenden Kontrolleure der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft waren nicht offiziell, sondern als Privatpersonen gekommen. Vertreten waren das Gewerkschaftskartell Hannover durch die Genossen Fieseler und Hahn, das Gewerkschaftskartell Minden durch Genossen Litzinger. Es hatten ferner Vertreter entsandt aus den Sektionen II, III und IV der Berufsgenossenschaft die Bauarbeiterschutzkommissionen Braunschweig, Bremen, Bielefeld und Wilhelmshaven, ferner die Gauleitungen der Maurer, Zimmerer, Bauarbeiter und Dachdecker. Bei der Bureauwahl wurden gewählt: Meißner als Vorsitzender, Zimmermann als Schriftführer, Schätz=Minden und Eyl als Beisitzer. Dem Bericht der Mandatsprüfungskommission sei entnommen, daß 103 Delegierte anwesend waren, welche 19667 baugewerbliche Arbeiter der verschiedenen Spezialberufe vertraten. Die reichsgesetzliche Regelung der Bauarbeiterschutzfrage und die Hannoversche Baugewerks=Berufsgenossenschaft bildete den ersten Punkt der eigentlichen Tagesordnung, zu dem als Referent der Sekretär der Zentralkommission, HeinkeHamburg, das Wort nahm. Wir entnehmen seinen sehr eingehenden Darlegungen folgendes: Die Bauarbeiterschutzfrage ist mit der Entwicklung der gewerkschaftlichen Organisation, überhaupt mit der großen Arbeiterbewegung eng verbunden. Es ist nun auffallend, daß die alten Bauordnungen so wenig an Arbeiterschutzvorschriften enthalten. Der Minister von Breitenbach hat am 17. März d. in einer dem Unternehmertum Freude machenden Rede gesagt, die Arbeiter seien ja an Gefahren gewöhnt, und die in dieser Ansicht versteckte arbeitergegnerische Tendenz zieht sich wie ein roter Faden durch die Maßnahmen der Behörden. Der Bauarbeiter wäre und bliebe ein Paria ohne seine Organisation. Man kann auf eine 15jährige Bewegung zurückblicken. Die Bauarbeiterführer haben von Anfang an eine reichsgesetzliche Regelung des Schutzes gefordert. Im Reichstage konnten die Arbeitervertreter Bauarbeiterschutzgesetze kritisieren oder ausbauen helfen. Im preußischen Landtage hatten die Arbeiter bis vor kurzem keine Vertreter. Wenn das Reich ein Bauarbeiterschutzgesetz gegeben, so hätte es von den Einzelstaaten ausgeführt werden mussen. Aber Preußen ist der größte Gegner der gesetzlichen Schutzregelung, insbesondere in der Frage der Arbeiterkontrolleure auf den Bauten. Im Reiche haben die Bauarbeiter trotz reaktionärer kapitalistischer Widerstände einiges erreicht. (Redner zeigt das an den einschlägigen Paragraphen der Reichsewerbeordnung und des Reichsstrafgesetzbuchs.) Zur Bewachung er Bauten dient u. a. die Baupolizei. Redner bezeichnet es als einen inneren Widerspruch, wenn Baupolizeibeamte, die selbst sich grober Nachlässigkeit bei der Baukontrolle schuldig gemacht haben, dem Staatsanwalt das Material zutragen müssen zur Anklage gegen Bauleiter oder Arbeiter, wenn mal ein Bauunglück eingetreten. Notwendig ist also eine Reorganisation der baupolizeilichen Tärigkeit. Die Arbeitervertreter im Parlament sollten eine solche fordern. Von großer Tragweite ist ferner eine reichsgesetzliche Regelung der berufsgenossenschaftlichen Unfallverhütung. Die Arbeiter sind jetzt der Willkür der Unternehmerorganisationen ausgeliefert. Um zu zeigen, was Preußen, das die Materie landesgesetzlich regeln will, für Arbeiterschutz auf Bauten tun will, erinnert Redner an einen ministeriellen Erlaß vom 17. Juli 1907, wonach den Regierungsvräsidenten nahe gelegt wird, das platte Land vorläufig mit neuen Arbeiterschutzvorschriften zu verschonen. Also soll die Bauordnung auf dem Lande nicht zu scharf gemacht werden.: So etwas hätte nicht ein Minister, sondern der Direktor des Bundes der Landwirte schreiben können. Und doch seien die Klagen auch der Berufsgenossenschaften über miserables Bauen auf dem plarten Lande und die dadurch verursachten vielen Unfälle allgemein.— Redner übt dann scharfe Kritik an den Unfallverhütungsvorschriften der Hannoverschen Berufsgenossenschaft, die er als nicht ausreichend bezeichnet, namentlich bezüglich der Schutzdächer und starken Unterlagen bei Arbeitsgerusten. Die Gerüste müssen auch möglichst dicht auf die Mauern gerückt werden können, um Fallen zu vermeiden, was bei verstellbaren Konsolgerüsten möglich ist. Der Aufstieg muß erleichtert werden. Bei Aborten muß der gefährliche Lattensitz direkt verboten werden. Nach dieser und andrer Richtung hin muß die Hannoversche Berufsgenossenschaft ihre Unfallverhutzungsvorschriften vervollkommnen und erganzen und den polizeilichen Vorschriften genügen. Redner tadelt diese Genossenschaft noch wegen der reaktionären Gesinnung ihrer Leitung, welche sich nicht geniert hat, Arbeiter, die für Arbeiterschutz eintraten und Material für eine Enquete sammelten, bei den Arbeitgebern zu denunzieren. Die Hannoverschen Unfallverhütungsvorschriften haben öffentlich=rechtlichen Charakter, und doch steht auf den gedruckten Ausgaben„Nachdruck verboten!“ Die Zahl der Unfälle im Bezirk der Hannoverschen Genossenschaft betrug im Jahre 1907 3082, wovon 701 schwere und 91 tödliche waren, in 10 Jahren 27 840, darunter 6376 schwere und 727 tödliche. Die Summe der Entschädigung stieg bis zum Jahre 1908 auf 1089 928 Mark. Wenn die Berufsgenossenschaft mehr für den Bauarbeiterschutz getan und zusammen mit den Arbeiterorganisationen auf die Behörden energisch eingewirkt hätte, dann ware die Zahl der Unfälle und die Entschädigungssumme nicht so rapide und hoch gestiegen. Gleiches gilt von dem Tiefbau, der sich immer mehr zu kapitalistischen Großbetrieben entwickelt. — Es ist auch charakteristisch, daß in einem Berichte der Hannoverschen Berufsgenossenschaft 2972 Verstöße der Unternehmer gegen die Schutzvorschriften verzeichnet werden, dabei aber gesagt wird, daß die Anzeigen oft Racheakte der Arbeiter seien. Für die Ueberwachung der Bauten durch technische Beamte hatte diese Genossenschaft bis zum Jahre 1896 noch nichts ausgegeben. 1900 begann erst die eigentliche Ueberwachung, da für einen technischen Aufsichtsbeamten 5597 Mark ausgeworfen sind, im Jahre 1908 für 6 Beamte rund 30000 Mark. Angestellt müßten aber eigentlich 16 Beamte sein. Was hat eine einmalige Baukontrolle im Jahre für Wert? Die Hannoversche Genossenschaft hat auch Strafen über Unternehmer verhängt, im Jahre 1908 in 1886 Fällen 1 Mark bis 125 Mark pro Fall. Das bezahlen die Unternehmer gern und mit ihrer Christenpflicht gegenüber den gefährdeten Arbeitern sind sie fertig. Die vielen Berufskrankheiten im Bauarbeiterberuf disponieren zu Unfällen, führn solche leichter herbei. Bei Steinmetzen und Bauschlossern grassiert die Tuverkulose unheimlich. Als Ursachen der Erkrankungen und Unfälle bezeichnet Redner: 1. mangelhafte Schutzvorrichtungen, 2. zu schnelle Bauweise und Ueberhastung bei der Arbeit, 3. größere Anwendung von Maschinen, 4. Ausdehnung der Arbeitszeit, 5. niedrige Löhne bei zu langer Arbeitszeit, 6. schlechte Ernährung der Arbeiter, 7. geistige Rückständigkeit der Arbeiter, 8. Tisposition zu Unfällen durch den Einfluß der Berufs= und andrer Krankheiten auf den Körper und die Fähigkeit der Arbeiter, und 9. ungenügende behördliche Ueberwachung der Betriebe. Es sind dann tüchtige, gewissenhafte Kontrolleure aus den Kreisen der Bauarbeiter selber heranzuziehen. Wenn die Millionen Bauarbeiter ernstlich wollten, dann wurde die Regierung wie bei den Bergarbeitern das Prinzip der Mitüberwachung wenigstens in gewissem Sinne anerkennen. Die Arbeiterkontrolleure wollten aber meyr sein, als die Sicherheitsmänner der Bergarbeiter, unabhängige Kontrolleure, die wirksam für den Arbeiterschutz wirken könnten. Es müsse der Schutz von der Landesbehörde garantiert werden. Wenn die preußische Regierung sich gegen die Demokratisierung der Verwaltung straube, so müsse die Organisation mit ihrer ganzen Macht einsetzen und sich in mutig aufgenommenen Kämpfen stärken.(Lebhafter Beifall.) Der Bauarbeiterschutz der Gegenwart und Beratung weiterer Maßnahmen war das Thema des folgenden Vortrags, den der Vorsitzende eißner hielt. Er führte aus, daß sein Referat sich mehr auf die engere Heimat beziehe, auch untersuchte er, was die Hannoversche Berufsgenossenschaft, die Provinzialregierungen und die Kommunen getan haben, um Leben und Gesundheit der Arbeiter zu schützen. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Zweigvereins Hannover des Deutschen Maurerverbandes, so führte er u. a. aus, habe er täglich Gelegenheit gehabt, arge Mißstände auf den Bauplätzen zu beobachten, wenn er zur Abstellung der Uebelstände gerufen sei. Die Kontrolleure kamen und gingen, sprächen mit dem Unternehmer, wüßten aber nicht, wie es oben auf den Gerüsten aussehe. Ihre Kontrollbezirke seien zu groß. Außerdem haben diese Beamten noch die Kontrolle der Lohnbücher der Unternehmer über die Beitragsleistung zu kontrollieren. Um aber eine gründliche Kontrolle vorzunehmen, ganz besonders bei großen Bauten, welche ringsherum eingerüstet sind, müßte ein Beamter mindestens 1 bis zwei Stunden Zeit haben, um den Gerüstbau, Abdeckungen, Aufzüge, Gruben und dergleichen mehr zu prüfen. Häufig habe er Gelegenheit, auf dem Lande in Versammlungen zu horen, daß seine Berufskollegen zur Sprache brächten, die Unternehmer wüßten vorher, wann der Kontrolleur komme. Dann hieße es vom Unternehmer:„Leute, macht alles in Schuß, morgen wird hier kontrolliert. Skandalös seien auf dem Lande die Gerüste aufgebaut, mit Heubäumen statt starker Stangen und Wagenflachten statt tragfähiger Gerüstbretter. Da müßten in allen Orten, auch in den kleinsten, Schutzkommissionen der Arbeiter selbst gebildet werden. Die Folge der großen Mißstände, der Gefahren für Leib und Leben, seien oft Arbeitseinstellungen gewesen. Das lasse die Hannoversche Baugewerks=Berufsgenossenschaft doch in keinem günstigen Lichte erscheinen. Unglaublicher Schmutz und Unrat herrsche in vielen großen Bauten der Hauptund Residenzstadt Hannover, trotzdem die Stadt über 15 Baupolizeibeamte verfüge. Diese Leute hätten aber meistens dem Baufach nie angehört. Sie dienten 12 Jahre beim Militär, machten einen kurzen Kursus durch, und dann glaube man, daß sie für die Ausübung des verantwortlichen neuen Berufs die In Tofen des Heren von Brevow. Vaterländischer Roman von Wiltbald Alexis(W. Häring). 36— Aber nach einer halben Stunde saß nicht der Hofkaplan, sondern der Dechant von Altbrandenburg neben dem Gefangenen, und hatte eine Schrift gefertigt, welche vor ihm auf dem Tische lag. Herr Gottfried saß, wie die Ergebung selbst, auf dem Schemel. „'s ist doch hart! Und daß ich das selbst unterschreiben muß.“ „Bedenkt, mein würdiger Freund, was die Märtyrer getan und gelitten. Sich selbst vergaßen sie, ich meine ihr irdisches Wohl, um die Wege des Satans auf Erden zu kreuzen, und ihren christlichen Mitmenschen die zur Gottseligkeit zu babnen.“ „Nun ja, die Märtyrer wollten Heilige werden. Die Zeiten sind doch vorbei.“ „Hier ist die Feder.“ „Hat sie wirklich sie gewaschen?“ „Trei Tage sah ich sie auf dem Trockenplatz hängen mit meinen eigenen Augen. „Und der Kaspar! Warte! Kann sich doch kein Mensch auf keine Seele nicht verlassen.,„ „Am wenigsten auf sich selbst, mein werter Freund. Wie ging es mir dazumal in Neubrandenburg, wenn Ihr Euch der ärgerlichen Geschichte entsinnt. Leute wollten doch einen Mann aus dem Fenster des Syndikus steigen gesehen haben, der die niedliche kleine Frau hatte. Beschrieben sie den Mann nicht grad', als wär' ich es! Und dann waren sie ihm sacht gefolgt, und er war vor meiner Tür stehen geblieben, nämlich in ihren Augen schien es so. Er hatte einen Schlüssel ausgezogen, aufgeschlossen. Die Treppen hatten sie ihn hinaufgeben hören, und dann Licht gesehen in meiner Stube, die bis dahin finster war, und—“ „Entsinne mich wohl.“ sagte der Gefangene,„es war eine recht kitzliche Geschichte. „Sie ward durch die Güte des damaligen Bischofs ausgezlichen, der der Meinung war, daß in zweifelhaften Sachen man der milderen Ansicht den Vorzug geben müsse. Glaubt Ihr, daß die Zeugen, welche vor den Turen gelauscht, falsch geschworen haben?“ „Es hieß so nachher. Das geistliche Gericht hat doch—“ „Ich glaube, sie waren ganz im guten Glauben. „Aber wer zum Teufel war denn eingestiegen?“ „Vielleicht mein Schatten, vielleicht ich selbst. Wohl entsinne ich mich, daß ich in jener Nacht lebhaft an die arme Frau dachte. Sie hatte mir in der Beichte ihre unglückliche Lage vertraut. Mir war's, als hörte ich sie in der Nacht weinen und klagen, wer ihr Hilfe brächte gegen den rauhen, trunkenen Mann. Da wünschte ich recht lebhaft, bei ihr zu sein, sie zu trösten. Versteht mich, alles nur im Traum. Aber über unseren Träumen schwebt der Menschenfeind, er fängt den Atem ein unserer Wünsche, unserer Gedanken. Ehe wir's uns versehen, da wir im Schlaf der Freiheit des Willens entbehren, sind wir ganz ihm anheimgegeben. „Kann er uns auch fortschleppen, derweil wir noch in den Federn liegen tun.“ Der Dechant nickte bedeutungsvoll, indem er mit den Augen zwinkerte:„Gehen nicht die Geister der Abgeschiedenen um, derweil ihre Körper noch fast blutwarm auf dem Totenbette liegen!“ Der Burgherr von Ziatz schauerte:„Und daß unsereins nichts gegen tun kann!" „Doch, Ritter! Wir könnten, ja wir sollten uns auch im Schlaf bewachen. Mögt Ihr Euch denn Rechenschaft geben über alles, was Ihr geträumt habt?“ „Die sieben Nächte durch?“ „Unstreitig waren die Gedanken auch im Schlafe bei dem, was Euch so wert ist. Ich meine, das, was Ihr nie von Euch lußt. Ihr seid nun von der ganzen Geschichte unterrichtet, wie es Euch heimlich entwandt, wie es gewaschen wurde, wie es zwischen den Fichten hing, vom Winde geschaukelt, wie es in dem Aufruhr vergessen ward, wie der Schelm es stahl und sich mit seiner Beute auf und davon machte. O, die Gefühlssinne sind im Schlaf außerordentlich fein. Satan, der Euch keinen Augenblick verließ, lauschte Euch den Moment ab, wo Ihr im Traume auffuhrt, nach den Hosen grifft, auf den Schelm fluchtet, ihm nachsetztet, ihn bandet. Ihr habt's getan, ob nun im Schlaf oder im Wachen, und ich meine, Ihr habt an und für sich nichts Böses damit getan, aber vertreten müßt Ihr es als ein Ehrenmann.“ „Wer schlief denn nun in meinem Bette?“ „Weiß ich denn, wer in meinem schnarchte? Das sind so zarte Dinge, über die man nicht zuviel nachdenken muß. Hier ist der Platz zur Unterschrift.“ Der Gefangene schrieb. Daß die Buchstaben ungleich und schief waren, durfte niemand verwundern. „Dechant!“ rief er.„Mir geht's im Kopfe rum, ich weiß nicht, wie mir ist. Aber— wenn sie nur ihre Seife nicht daran gehabt hätte, dann wär' auch die ganze Geschichte nicht gekommen. Ich weiß auch gar nicht, was die Frauensleute immer mit ihrem Waschen haben. Ich glaube, da steckt auch was vom Satan drin, wenn man immer alles rein haben will. Ueberhaupt, wenn alles immer beim alten bliebe, dann wäre nicht so viele schwere Not in der Welt. „Da sprecht Ihr eine tiefe Wahrheit,“ sagte der Dechant, indem er rasch das Papier gefalzt und in die Brust gesteckt hatte. Er schloß den Freund in seine Arme und die Tür schlug hinter ihm zu. „Warum geht's denn nicht?“ fragte Herr von Bredow in die Luft.„Da steckt auch gewiß der Gottseibeiuns hinter.“ Herr Gottfried schien sich selbst zu wundern über das Selbstgespräch. Es war nicht seine Art. So reißen feste Ereignisse auch große Charaktere mit sich wie der Sturm die Eiche, deren Wurzeln er unterspült hat. Herr Gottfried dehnte sich, hielt die Hand an den Mund, und warf sich auf das Gefangenenlager, wo der langentbehrte Schlaf ihn bald tröstend für alle Störungen und Plackereien umfing. Drittes Kapitel. Kläger und Günstling. In dem Kabinett des Kurfürsten waren nur der Krämer Hedderich und der Fürst. Dieser stand mit unterschlogenen Armen; jener lag ausgestreckt auf dem Boden vor ihm. „Schnell, sagte Joachim.„Wenn jemand einträte, könnte er denken, daß ich einen Sultan spielen wolle.“ „Durchlauchtigster Herr! so lag ich.“ „Das übrige magst du stehend beschreiben.“ „So lag ich, als er mir den Stoß gegeben, von hinten; und eh' ich mich umdrehen konnte, war er vom Pferd und mir auf dem Rücken, daß ich glaubte, mir sollte das Rückgrat brechen von seinen Knien. Die Ringe von dem Eisenhemd sind auch noch auf meiner Haut zu sehen. „Das Eisenhemd ward eingebracht. Was weiter?" „Die Hände hat er mir auf dem Rücken gebunden, als ich noch lag und nicht wußte, wie mir war; mochte auch glauben, da ich gar nichts vorher gesehen, es seien ihrer mehr. Nun aber, da er mich knebeln wollte, und die Knie ein weniges losließ kam ich freier zu liegen, so wie jetzt, und da ich sah, daß er allein war, und mich ungebardig hatte, fluchte er; denn, wenn er den Riemen eintun wollte, schloß ich die Kiefern zu. und wenn er die Hand fort hatte, schrie ich. Also, da er's mit den schweren Handschuhen nicht zwingen konnte, warf er sie ab, und nun er mir nahe kam, biß ich ihm in den Daumen bis aufs Blut. Das kann noch nicht vernarbt sein.“ „Ein neues Indizium, sprach der Kurfürst, etwas in seiner Schreibtafel notierend. „Und da er mich nun geknebelt und hitzig war, von wegen was es ihm gekostet und von wegen dem Biß, der ihm weh tat, gab er mir Katzenköpfe mit dem Eisenhandschuh, daß mir das helle vure Blut floß, und schüttelte mich an der Gurgel, und da sprang ihm das Kinnband und die Büffelhaube rutschte in den Hinterkopf.“ „Auch diese fand man im Schilf.“ „Es war da schon ziemlich hell, und wir sahen uns Gesicht gegen Gesicht.“ „Und du getraust dich, ihn wieder zu erkennen?“ „Und hätte ich ihn da zum erstenmal gesehen. Wer sich so sah, vergißt sich nicht. Aber, wie ich schon sagie, allerdurchlauchtigster Herr und Kurfürst, ich habe ihn schon oft gesehen in Eurer Gnaden Gefolge. Der junge Fürst sah mit verschränkten Armen düster vor sich nieder und schüttelte unwillig den Kopf:„Verflucht der Gedanke, der edle Namen beflecken will, verflucht die Phantasie, die nach Opfern sucht, ohne andere Leitung, als die krankhafte Lust, Befähigung erlangt hätten. Auch hätten diese Beamten noch Gewervesachen zu regeln, infolgedessen auch diese viel zu sehr überlastet seien.— Um die Gemeingefährlichkeit des Bauens in Hannover zu illustrieren, habe die Schutzkommission eine Anzahl Bauten photographieren lassen und die Bilder im Sitzungszaal der Konferenz ausgehängt. Sie zeigten das Fehlen der notwendigsten Schutzvorrichtungen, was, wie aus der Presse bekannt sei, den Tod mancher Arbeiter durch Gerüst= und Balkonbrüche herbeigeführt have. Die senitären Zustände spotteten ebenfalls aller Beschreibung. Eine Schande sei z. B. ein Abort für die Bauarbeiter bei einem Naubau in der Kriegerstraße gewesen. Wie die Photographie zeige, ragten Kot und Papier hach aus zwei Kübeln hervor und als Sitz sei ein Kantholz durchUnterschieben von Backsteinen höher gebracht. In der Bodeckerstraße in Hannover ahnten viele Besitzer nicht, welch fußhoher Unrat unter dem Belag ihrer Gemürekeller sitze. In vielen Baubuden fehlten Fußböden, Bänke, Fenster, Oefen, Verbandkästen usw. Sähen das die Baupolizeibeamten nicht? Wenn der Arbeiter, der einen Unfall erntien oder sonst krank gewesen sei, aus der Heilanstalt entlassen werde, beginne erst das eigentliche Elend. Naturgemäß wunsche er von der Berufsgenossenschaft eine Rente. Man halte solche Arbeiter aber für Simulanten, und wenn ihr Zustand sich bessere, sei man flugs mit einer Rentenkürzung bei der Hand. Die Praxis der Berufsgenossenschaft bei der Rentenfestsetzung habe manchen Proletarier zur Verzweiflung getrieben. Bei dem Arbeitsandrang im Baugewerbe bevorzuge der Unternehmer den Arbeiter mit gesunden Gliedern und weise den vielleicht im eigenen Betriebe abgestürzten Krüppel schroff ab. In allen Teilen des Reiches riefen die baugewerblichen Arbeiter nach besserem Schutz, aber wie wenig geschieht von den berufenen behördlichen Organen! In den industriellen Betrieben gebe es wenigstens Gewerbeinspektoren, unabhängige Leute, zuweilen mit sozialpolitischem Verständnis, welche über die Ausfuhrung der Schutzvorschriften wachen. Es könne nicht immer gezagt werden, daß die Unternehmer ein Interesse am Bauarbeiterschutz hätten, weil gewissenlose Menschen den Profit berechneten, der ihnen aus der Herstellung schlechter aber billiger Gerüste, Schutzdächer, Aborte, Baubuden usw. erwachse. Ein großer Uebelstand sei es, daß die behördlichen Organe noch keine Bestimmung darüber erlassen haben, daß vor Beginn des Baues Unterkunftsräume hergestellt werden, in denen alle am Bau tätigen Arbeiter Platz hätten. Die Buden reichten heute kaum für die Maurer und Arbeiter aus. Redner richtete zum Schluß unter lauter Zustimmung der Konferenzteilnehmer an die zuständigen Behörden den exnsten Appell, sich ihrer Pflichten hinsichtlich des Bauarbeiterschutzes bewußt zu sein und faßte seine Forderungen zusammen in der folgenden Resolution: „Die heutige, am 28. November 1909 stattfindende Konferenz für Bauarbeiterschutz für den Bereich der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft, welche von insgesamt 103 Delegierten besucht, die 19 667 baugewerbliche Arbeiter vertreten, erklärt die gegenwärtigen Unfallverhütungs=Vorschriften nicht für geeignet, Leben und Gesundheit der baugewerblichen Arbeiter in hinreichendem Maße zu schützen. Ganz besonders ist zu bemangeln, daß bei Aufführung von Bauten, welche über die Hand gemauert werden, gegen die Gefahr des Herabfallens nicht genügend Sicherheit bietende Vorschriften über die Schutzgerüste vorhanden sind. Gerade dadurch sind in letzter Zeit verschiedene Unglücksfälle entstanden, welche tödliche zum Teil t.rlichen Ausgang gehabt haben, Die Kontrolle der Bauten durch die Beamten der Berufsgenossenschaft ist eine völlig ungenügende, da diese wenigen Beamten auch noch die Kontrolle über die Lohnbücher zur Beitragsleistung der Genossenschaft auszuführen haben. Selbst der fruhere Staatssekretär Graf Posadowsky hat im Deutschen Reichstag bei Beratung der Bauarbeiterschutzfrage am 12. Febr. 1904 erklart, daß, wenn jeder Baubetrieb einmal im Jahre kontrolliert würde, auf je 1000 Betriebe ein technischer Aufsichtsbeamter angestellt werden müßte; dazu wären zurzeit 178 Beamte nötig, bis jetzt aber nur 104, also etwas über die Hälfte, tätig. Die Polizei=Verordnungen in den einzelnen Regierungsbezirken entsprechen im entferntesten nicht den zu stellenden Ansprüchen. Die Dichtung der Winterbauten gegen Witterungseinflüsse ist für einen zu beschränkten Zeitraum bemessen; abgesehen davon, daß in vielen Fällen eine Dichtung überhaupt nicht stattfindet,„„ mee Ttetizten Die in diesem Sommer ausgenommenen Stanstiten geven den eklatantesten Beweis, daß die Durchführung der Schutzbestimmungen eine äußerst laxe, von den Behörden nicht genügend überwachte ist. Der Schutz gegen Unfälle und sonstige Gesundheitsgefahren bei den Baubetriebsstätten ist landesgesetzlich durch Normalvorschriften einheitlich zu bestimmen, wobei die Vorschläge der Arbeiter zur Geltung kommen müssen..... Für den Umfang des Staatsgebiets ist veim Ministerium der öffentlichen Arbeiten eine Zentralbehörde für Beaufsichtigung von Bauausführungen zu errichten, welche alljährlich über ihre Tätigkeit einen Bericht zu veröffentlichen hat. Die Baukontrolleure müssen von den Arbeitern gewählt und dem Arbeiterstande entnommen werden.„ Um auch den Anordnungen dieser Beamten mehr Nachurua zu verleihen, muß denselben Exekutivgewalt eingeräumt werden. Des weiteren fordert die Konferenz, in den Lehrplan der Fortbildungsschulen die Fächer Gewerbehygiene und ArbeiterDie Maler und verwandten Berufe beantragten hierauf die Annahme der folgenden Resolution: „Die vom Bundesstaat auf Grund der Gewerbeordnung § 120e erlassenen Vorschriften zum Schutze der Gesundheit gegen Bleivergiftung vom 27. Juni 1905 für die Betriebe im Maler=, Lackierer-, Anstreicher=, Tüncher= und Weißbindergewerbe sind nicht geeignet, die Gefahren der Bleivergiftung zu verhindern. Die durch den Verband der Maler und Lackiecer usw. im Jahre 1907 stattgefundene Erhebung im allgemeinen und die in der Provinz Hannooer und den angrenzenden Orten gemachten Feststellungen haben ergeben, daß weder von der Durchführung, noch von einer Einhaltung der Vorschriften die Rede sein kann. da ein erheblicher Teil der Unternehmer sich nicht um die Vorschriften oder Einhaltung derselben kümmert. Die vorgenommenen Revisionen durch die Gewerveinspektionen und Polizeibehörden sind vollständig ungenügend und können infolge der Unständigkeit der Arbeitsplätze und der vielen kleinen Betriebe nicht durchgeführt werden, daher auch alle Schutzvorschriften wirkungslos sind. 90. Um die Gefahren, die sich aus der gewervlichen Verwendung der Bleifarben ergeben, zu bekämpfen, fordert die am 28. Novbr. in Hannover tagende Bauarbeiterschutzkonferenz ein reichsgesetzliches Verbot aller bleihaltigen Farben, und verlangt mindestens, daß die Berufskrankheiten, vor allem die gewerbliche Bleivergiftung, den Betriebsunfällen gleichzustellen sind. Ferner verlangt die Konferenz von den staatlichen und kommunalen Behörden, daß in ihren Betrieben bleihaltige Farben nicht verwendet werden. Bei Vergebung von Maler-, Lackiererund Anstreicherarbeiten ist den Privatunternehmern diese Forderung zur Bedingung zu machen. Zur unablässigen Kontrolle für die Durchführung der Vorschriften sind von Arbeitern zu wählende Vertrauensmänner zur Mitwirkung hinzuzuziehen. Außerdem lag von den Malern noch eine Resolution vor, die lautete:„.... 6 „In Erwagung, daß die Malergerüste im Bereich der Hannoverschen Bauberufsgenossenschaft für Außen= und Innenarbeiten, Brucken usw. in vielen Fällen in sehr primitiver Art(abgenutztes und zu schwaches Gerüstmaterial, Verwendung von alten Nägeln usw.) hergestellt werden, bei Innenarbeiten recht häufig keine Unterkunftsräume vorhanden sind, so daß Leben und Gesundheit in beständiger Gefahr setweben, fordert die am 28. November in Hannover tagende Bauarbeiterschutzkonferenz: 1. Für die Berufsangehörigen des Malergewerbes sind für Gerüste zum Fassaden=Anstrich, Brücken und Hallen, sowie für Arbeiten im Innern der Gebäude Vorschriften über fachmännische Herstellung und Beschaffenheit des Gerüst" materials zu erlassen. 2. Die Bauherren und Unternehmer sind gemeinsam zu verpflichten, bei allen Neu= und größeren Umbauten bis zur Fertigstellung für alle Arbeiter genügende Unterkunftsräume zum Umkleiden, Einnehmen der Mahlzeiten und Waschge egenheit zur Verfügung zu stellen. 3. Die Polizeivorschriften sind dahingehend zu erweitern, daß bei allen Hochbauten schon vom 1. Oktober bis 30. April die Arbeitsräume gegen Zugluft für alle Innenarbeiter zu schützen sind. Der Vorsitzende Meißner hatte nach Beendigung seines Referats eine Anzahl von Ergänzungen und Verbesserungen zu den Unfallverhütungsvorschriften der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft vorgetragen. Die entsprechenden Anträge sollen bei der bevorstehenden Revision jener Unfallverhütungs=Vorschriften vorgelegt und zur Nachachtung empfohlen werden. Der Vorsitzende stellte im Auftrage der ortlichen Bauarbeiterschutz=Kommission noch den Antrag: „Es sollen in Zukunft, und zwar nach Bedarf, für den gesamten Bereich der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft gemeinsame Bauarbeiter chutzkonferenzen abgehalten werden, damit die Frage betr. Unfallverhütungsvorschriften einheitlich beraten und entsprechende einheitliche Vorschläge der Berufsgenossenschaft oder den Behörden gemacht werden können. Es soll zedoch den einzelnen Landesteilen überlassen bleiben, wenn Ger sich die Abhaltung einer Konferenz für ihren Bezirk als notwendig erweist, solche aozuhalten. Die Delegierten verpflichten sich, dafür zu sorgen, daß in allen Orten Bauarbeiterschutzkommissionen eingesetzt werden, welche den Schutz der Arbeiter auf Bauten zu fordern und zu überwachen und Material zusammenzubringen haben, welches einer Zentrale für den Bereich der Hannoverschen Baugewerks=Berufsgenossenschaft, die neu zu wählen ist, übermittelt wird. Diese Zentrale soll jedoch in ständiger Verbindung mit der Zentral=Kommission für Bauarbeiterschutz in Hamburg stehen. Zuletzt beantragte noch Lange=Wilhelmshaven, das Reichsversicherungsamt aufzufordern, dahin zu wirken, daß die bestehenden Baupolizeiverordnungen auch auf Staatsbauten ausgedehnt werden. 69 In der Diskussion uver die Referate, Resorutionen und Anträge erklärte sich als erster Redner Borgmann=Bremen mit der Einführung der von Meißner beantragten Abhaltung gemeinin einverstanden. Er bemerkte bezuglich des amer Konferenzen einverstanden. Er bemerkte bezuglich des Bauarbeiterschutzes in Bremen, daß seit Februar d. J. zwar eine Verordnung„Zum Schutze der Bauarbeiter" vorhanden sei, deren Entwurf aber von den Scharfmachern so versch echtert sei, daß man eher von einer Verordnung zum Schutze der Unternehmer reden könne. Die Behörde meine ihre eigenen„technisch=geschulten“ Beamten genügten, um die Bauten kontrollieren zu können. Nun habe die Arbeiterschaft nebenbei auch kontrolliert und solche Anzeigen erstattet, daß die Behörde ihre Ansicht wohl ändern würde. Arbeiter als Kontrolleure würden ielleicht eine stille Abneigung, die ein Fürst bekämpfen sollte, att gierig nach Nahrung dafür zu suchen. tt gierig nach Nahrung dafür zu suchen. Indem er unruhig einige Schritte auf und an ging, fuhr er Selbstgespräch so laut fort, daß der Krämer es hörte:„Und n Ende doch nur ein Stallmeister, ein Büchsenspanner, dessen illernder Rock diesem für ein Zeichen von Würde galt. *tolte den Hapf: Wir Geringe durchland Hedderich schulkelle den Kopf.„Wir Geringe, burchläuchtigster fürst, haben gelernt, die geputzten Diener von den großen Herren u unlerschtlten,. unterscheiden." „Und dessen bist du gewitz, daß, der gich warf, nicht der Ritter ottfried Bredow war?“,...7— M gewiß, Herr, die geveneveite Jungfrau Muria in unve„Empfängnis unseren Herrn und Heiland geboren hat. nur weil sie vergessen waren, und weil ich fror, knöpft' ich mich drein. Sie waren nicht wert des Mitnehmens: man hatte mir am Fließ zu arg mitgespielt. Das war doch nichts.“ (Fortsetzung folgt.) Die Natur in den leckter Empfangnis unseren Herrn und das mogen seine Handschuy. seine Haube, sein Kettenyemd gedesen sein, er selbst war's nicht. Ich kenn' ihn gar gut, da ich lljährlich wenigstens einmal nach Hohen=Ziatz komme.“ „Und doch lautet deine Aussage anders im Protokoll des Schreibers von Werder."„ eißt „Gnädigster Herr Kurfürst, was so ein Schreiber schreibt, nag ganz gut sein, aber das ist's nimmer, was unsereins ausagt. Sie schreiben, was sie hören wollen, das weiß bei uns Es trat ein Kammerherr ein und überreichte dem Fürsten scht drückte er66 Erstaunen 8 Ahmes in versiegeltes Schreiben. Joachim öffnete und las.es. besicht drualt ein unvertenndalts Erstaäunen aus, abwechsernt ickte er den Krämer und die Schrift an:„Lugst du oder dies beständnis? Unmöglich! Wer könnte etwas eingestehen, was nicht beging! Und alle Bewegarunde mit lagischer Ordnung „„„„„ nicht beging. Ung aue Beweggrunde mil lögischer Eirnung ufgeführt. Horst du, Gottfried Bredow bekennt, daß er es war, r dir nachjagte, dich hinter Ferch einholte und warf. Er bittet m gnädige Strafe und will dir alles zurückgeben. Was sagst „Herr, mein Kurfürst,“ sprach der Krämer, der sich aufgerichtet atte und gebeugten Leibes auf das Papier schielte, wie auf eine auberrolle.„Da steckt der Teufel drin, wenn das drin steht.“ „Seine Namensunterschrift! Vom Vogt vom Mühlenhof be„Gnädigster Herr, werft das Papier fort. Sein Wort gegen deines Er ein Ed „Sem Wort gigen Kemnes. E., ein Edelmann, klagt sich lbst an, du willst ihn freisprechen. Die Präiumption ist, daß iemand wider sich selbst zeugt.— Immer ingen Kurfürsten Bine unf den Mann.—„Seine Aussage klagt uch dich an, du hast also Grund, die Sache zu verdrehen—“ „Herr,'s ist wahr, ich naym die Hosen von der Leine, abe. jedenfalls im Interesse des Unternehmertums abgelehnk.# dem 1. November have man ein paar altere Poniere zur Kontrolle zugelassen. Die Arbeiter wollten nach den wenigen Wochen noch kein bestimmtes Urteil über diese Polier-Kontrolleure fällen, doch scheine es, als ob letztere in alten Anschauungen befangen seien und nicht energisch genug vorgingen. Was von Kontrolleuren der Berufsgenossenschaft in Hannover zu halten sei, beweise der folgende Fall. Am Tage vor der Schutzkonferenz sei ein Kontrolleur auf einen Bau in Bremen gekommen und habe vor zu großer Belastung des Gerüstes gewarnt. Alsbald nachdem er den Bauplatz verlassen, seien zwei Maurer durchgebrochen habe überse Kontrolleure weilten zu kurze Zeit auf den Bauten und käm da ihrer zu wenig seien, noch nicht jährlich einmal auf jeden Per. Dachdecker Muthig=Hannover schilberte die mangelhaften Baukonstruktionen, denen die Dachdecker oft zum Opfer fielen. Auch das passierende Publikum müsse gegen das Absallen von Material von den Dachern geschützt werden. Die Dachdecker forderten u. a. eine Reform der Renneneisenkonstruktion, damit sie eine Stütze, einen Gegenhalt beim Ausrutschen hätten. Die Kontrolleure müßten ihre Prüfung auf die Anlage der Rennen ausdehnen. Selbst am Dach der stadtischen Schule in der Scholvinstraße sei eine Renne so wenig fest angebracht gewesen, daß sie heruntergerasselt sei, als ein Dachdecker beim Ausgleiten den Fuß gegen den Rennenrand stützte. Redner empfahl u. a. auch Schneefangkonstruktionen auf steilen Dächern und bat um Unterstützung der Wünsche der im Berufe am meisten gefährdeten, aber recht verlassen dastehenden Tachdecker, wenn die gemeinsamen Konferenzen neue Unfallvethütungsvorschriften forderten.g L Mesalutianen Maler Schuvert begrundete vie beiden Resolulionen der Maler, Lackierer, Anstreicher usw., insbesondere die Resolution, in welcher das reichsgesetzliche Verbot aller bleiweißhaltigen Farben gefordert wird. Von einer Bleiweißproduktion, die 120 000 Tonnen im Jahre betragen habe, seien 80000 Tonnen als Zusatz für Farben verbraucht worden. Die Behauptung vom Rückgang der Bleiweißverwendung sei unwahr. In Preußen have die zuständige Behörde nur zwei Bleiweißerkrankungen in einem Jahre festgestellt, aber im Jahre 1906 seien allein unter den Mitgliedern der Berliner Ortskrankenkasse 312 Fälle festgestellt worden. Man habe ermittelt, daß 10 Prozent aller Malerkollegen an Bleiweißvergiftungen erkrankten. In dem Bezirk der Berliner Ortskrankenkasse seien in den Jahren 1900 bis 1908 3481 Bleiweißvergiftungen und aus der Vergiftung entstanden 1574 Nervenerkrankungen konstatiert worden, wofür 226000 Mark Entschädigungen, Unterstützungen usw. gezahlt In Hannover seien in diesem Jahre in 10 Monaten 14 en an Bleiweißvergiftung erkrankt, an Magen=, Darmseien. und Lungenleiden zirka, 70 Anfange von Bleiweißvergiftung disponierten namentlich zur Tuberkulose. Mit dem Farbenverbot allein sei es zwar auch nicht getan, der Kampf müsse neuerdings auch gegen Ersatzsurrogate geführt werden, die noch schädlicher wirkten als Bleiweiß. 6 zu. 5:, Mmstallarheitr Klempner Striefler spruch ful die Merauarbener und erk'ärte, daß die Bauklempner Gegner des„Ueber=die=HandArbeitens“ seien. Absolut notwendig seien bei dieser Art des Mauerns sicherheitbietende Gerüste Die Klempner könnten nur unter großen Gefahren Rennen anbringen. Die Gesimse seien zu schmal. Die Installateure sollten bei Ausschachtungsarbeiten starke Absteifungen fordern, die Bauschlosser Abdeckungen beim Aufstellen eiserner Treppen. Auch die Arbeit der Elektromonteure müsse durch Ueberwachung durch Kontrolleure geschützt werden. Redner forderte zum Schluß die Ausdehnung der sanitären Vorschriften auf alle Bauarbeiter. Der Bauherr oder die an einem Bau interessierten Unternehmen müßten solidarisch die notwendigen sanitären Anordnungen treffen. Schulze=Braunschweig meinte, auch die ministerielle Anweisung betr. den Bauarbeiterichutz in Braunschweig, die vom Jahre 1906 datiere, sei verbesserungsbedürftig. Sie stehe auf dem Papier, es werde von den Unternehmern nicht nach ihr gehandelt. Wenn die Behörden nicht energisch helfend eingriffen und die Unternehmer nicht wollten, dann sei es nicht zu verwundern, wenn die Arbeiter auf die Straße gingen. Sie seien elbsthilfe in ihren Organisationen angewiesen. okretär der Zentralkommission, Heink auf, Der Seitett der Genttanrn.,. FerntezSggg. zeigte an Beschlüssen der Berufsgenossenschaften, daß sie en Absicht hatten, die Unfallverhütungsvorschriften ruckwarts zu revidieren, und plädierte für gründliche Samariterkurse, damit auf den Bauten eine sachkundige erste Hilfe geleistet werde. Castien=Bielefeld war erstaunt über die geschilderten Miß. stände in der Stadt Hannover. Wenn den Arbeitern der not wendige Schutz auf den Bauten versagt werde, sollten sie die Arbeit verweigern. Die Verweigerung einer lebensgefährlichen. Arbeit sei keine Verletzung des Tarifvertrags. Es sollten dann. die Gewerkschaften mehr für die Forderungen der Bauarbeiter Steinsetzer Ahlerten=Hannover schilderte eindringlich die Uebelstände, unter denen seine Berufsgenossen in Wind und Wetter zu leiden haben, da sie keine genügende Waschgelegenheit, Aborte und Baubuden haben. Er bat, bei den gemeinsamen Konferenzen auch der Steinsetzer zu gedenken. Zimmerer Jahr forderte, daß der Bauherr verpflichtet werde, dafür zu sorgen, daß auf seinem Bauterrain Baubuden für alle Arbeiter vorhanden sind und nicht nur für eine Gruppe. Arbeitersekretär Albert Paul tadelte unter lebhafter Zustimmung der Konferenzteilnehmer das Verhalten der Behörden Im Verlag von Theodor Thomas in Leipzig erschien ein kleines Bändchen von R. H. Francé„Die Natur in den Alpen“. In vier Abschnitten, denen viele reizvolle, schön wiedergegebene Abbildungen beigefügt sind, plaudert Francé über sein Thema: Als ausgesprochenen Zweck seiner Arbeit gibt er an,„in die Mode der Alpenreisen mehr wissenschaftliches Verständnis zu bringen". Doch treibt der Dichter in ihm gegen Schluß zu einer merkwürdigen Ueberschwenglichkeit. Es ist erfreulich, daß der Dichter nur die beiden letzten Seiten hat, die anderen 80 Seiten aber der Alpinist. Und Francé entpuppt sich als ein Bergsteiger, wie er leibt und lebt. Froh seiner männlichen Kraft, stolz auf seinen Wagemut und auf seine Geschicklichkeit. Es ist hübsch, wie er einmal auftrumpft:„Das kennen nur wir, die Eingeweihten, die wir Sommer und Winter jederzeit mit den Bergen leben. Aber Francé ist doch kein bloßer Turner, er hat ein starkes Gefühl für die Schönheit seiner Bergeswelt und dort, wo sich dieses Gefühl an den schönsten Stellen des Buches ausspricht, vermag er es, eine tiefe unmittelbare Sehnsucht nach diesen Schönheiten zu erwecken. Die aber, welche die Alpen schon kennen— und an sie wendet sich Francé zumeist—, werden ihm danken, daß er es verstand, in seinen Worten diese Schönheit aufleben zu lassen. Der eigentliche Inhalt des Buches ist aber wissenschaftlicher Art. Wir erfahren etwas von der Entstehung der Alpen und von ihrem kommenden Ende, sehen die Gewalten, die dieses herbeiführen werden, schon am Werke: Verwitterung, Erosion(Ausnagung durch das Wasser), Baiterien, Steinschlag, Sturzbach, Sonne usw. Dann leitet ein Bild, das Francé von einem ihm besonders lieben Jochjoche entwirft, zu dem über, was ihm zumeist am Herzen liegt, zu der Pflanzenwelt der Alpen. Aber auch sie ist nicht sein eigentliches Ziel. Er findet, daß die Alpenflora besonders geeigner sei, um allgemeine Einblicke in das Leben der Pflanzen zu gewähren. Denn die Schwierigkeiten ihres Lebens, die harten Mühsale, die sie umgeben, die schweren Wechselfälle, denen Boden und Klima sie ausjetzen, machen ihr Leben zu einem fast immerwährenden Experiment. Sie nehmen dem Forscher die Mühe ab, selbst auf Mittel und Wege zu sinnen, wie er sie auf die Probe stellen könnte. Und was lehren diese Experimente, die die Natur ständig mit der Alpenflora anstellt? sie lehren uns, daß diese Pflanzen niemals versagen, wo es gilt, einer Gefahr zu begegnen, daß sie nie verlegen sind, einen Ausweg aus dem Untergang zu finden, daß sie unerschöpflich sind in Aktionen der Rettung, daß sie Mittel zu entdecken wissen, die ihnen die Natur fast versagt zu haben scheint. Mit einem Wort: sie lehren uns eine ganz erstaunliche überwältigende Art der Anpassung kennen. Eine reiche Fülle von Beispielen führt uns Francé vor: das Gipskraut, das seine Blätter mit einer dünnen Wachsschicht überzieht, damit es nicht vor allzu großer Nässe umkommt, das Edelweiß, das sich seinen silbernen Flaum nur anschafft, um sein bißchen Feuchtigkeit vor allzu schuellem Verdunsten zu bewahren, und ohne Zögern diesen Flaum ablegt, setzt man es in einen Boden, der ihm Feuchtigkei: genug verbürgt. Hier bei den Fragen der Anpassung, die ein unübersehbares Problem aufrollen, findet Francés Buch sein Ziel. Diezes Problem zu lösen, ist noch Arbeit für unsere Kinder und Kindeskinder. Muß uns also hier die Erklärung noch versagt sein, so findet sich doch vieles andere im Buche, wo auf die Frage die Antwort nicht ausbleibt. Die lebhaften Farben der Alpenflora, der Polsterwuchs, die Zwerghaftigkeit der eigentlichen Alpengewächse werden in ihren Gründen klar. Auch über das Klima, die Stärke der Sonnenstrahlung und vieles andere enthält das Buch Tatsächliches, dem das allgemeine Interesse sicher ist. Nur die Tierwelt, die ja sozusagen auch zur Natur gehört, kommt zu kurz. Für den, der tiefer eindringen will, hat Francé in lobenswerter Weise eine kleine Literatur der klassischen Alpenschriftsteller zusammengestellt.(Francé verwendet nebenbei bemerkt das Epitheton klassisch etwas allzu reichlich.) Diese macht den Beschluß, den Anfang ein berechtigter Dank an seine zeichnerischen Mitarbeiter Dunzinger und Dopfer. Das Buch ist der erste Band einer Reihe, und es hat wohl die„Auslassung Francés über„populäre Naturwissenschaft" (S. 59) programmatische Bedeutung. Er möchte für Popularisator setzen:„Wissenschaftskünstler. Vielleicht ist dieser Auffassung der Beifall des Publikums sicher. Aber ob auch auf dem Gebiete der Wissenschaft„Anvassungen“ wünschenswert sind? Mir scheint, daß Francé sein Bestes dort gibt, wo er den Künstler beiseite läßt. Schon Maeterlinck hatte uns die Pflanzen als Vorbilder hingestellt. Maeterlinck ist ein Künstler. Aber wenn Francé die Alpenflora uns Moral predigen läßt— er sagt doch selbst(S. 82), er sei nicht mehr so jung!. A. B. Konferenz# fragen der Arbei ohne Entschuldig tionen über hätten die Behöl richt eines Arbei sofort mit einer mal ein Radfahr dann könne mar wohl auch ein G wesenheit verher Konferenz ersch genossenschaft sei leicht am Nachmi bedeute eine Mi dann daran, das habe, die Photog nicht bloß um Parlamenten d. mangels genüge stümmelten Arbgenossenschaft ha herausgegeben, d stümmelungen n Genossenschaften charakteristisch, lichkeit. Die S für erste Hilfelei Vaterland in Ge ihre Knochen zur vom Staat verla beiterschutz zug Stürmischer De Nachdem soda Anträge einstim mission zwecks V der östlichen Ba wählt aus Sekti aus Sektion II Schulz, Koch ur deck Traurings injed. Br. u. allen Preislag ( Buchhandl Wir empfehl Kra in sauberer 2 1. Adelbert Rückerts 2. Gocthes 3 3. Heinrich 4 4. Shakespea 5. Schillers 6. Uhlands 3 7. Eichendor 8. Kleists W 9. Henrih Wilh. Lange.) 10. Friedrich 11. Fritz Rent 12. 13. Hackländel Preis: Nru. 1 (Durch Boten ins He patung 1. Zone 35 GOOS ertums abgelehnk. Seit ältere Poliere zur Konnach den wenigen Wochen iese Polier=Kontrolleure alten Anschauungen beg. vorgingen. Was von in Hannover zu halten e vor der Schutzkonferenz Bremen gekommen und rüstes gewarnt. Alsbald en zwei Maurer durchg, aber der Kontrolleur isicher gewesen seien. Die den Bauten und kämen, ihrlich einmal auf jeden ilderte die mangelhaften er oft zum Opfer fielen. gegen das Absallen von werden. Die Dachdecker neisenkonstruktion, damit Ausrutschen hätten. Die die Anlage der Rennen idtischen Schule in der jest angebracht gewesen, achdecker beim Ausgleiten Redner empfahl u. a. en Dächern und bat um rufe am meisten gefährTachdecker, wenn die geallvethütungsvorschriften beiden Resolutionen der besondere die Resolution, aller bleiweißhaltigen Bleiweißproduktion, die abe, seien 80000 Tonnen u. Die Behauptung vom unwahr. In Preußen Bleiweißerkrankungen in e 1906 seien allein unter ankenkasse 312 Fälle festdaß 10 Prozent aller n erkrankten. In dem seien in den Jahren 1900 aus der Vergiftung entstatiert worden, wofür rstützungen usw. gezahlt Jahre in 10 Monaten 14 nkt, an Magen=, DarmBleiweißvergiftung disMit dem Farbenverbot Kampf müsse neuerdings rden, die noch schädlicher die Metallarbeiter und er des„Ueber=die=Handseien bei dieser Art des ie Klempner könnten nur ngen. Die Gesimse seien ei Ausschachtungsarbeiten hlosser. Abdeckungen beim die Arbeit der Elektroirch Kontrolleure geschützt uß die Ausdehnung der eiter. Der Bauherr oder iehmen müßten solidarisch zen treffen. such die ministerielle Ani Braunschweig, die vom bedürftig. Sie stehe auf ehmern nicht nach ihr getergisch helfend eingriffen ann sei es nicht zu verStraße gingen. Sie seien angewiesen. ion, Heinke=Hamburg. nschaften, daß sie die Abriften rückwärts zu reviamariterkurse, damit auf e geleistet werde. ber die geschilderten Miß. i den Arbeitern der notigt werde, sollten sie die g einer lebensgefährlichen. ertrags. Es sollten dani. erungen der Bauarbeiter schilderte eindringlich die ifsgenossen in Wind und nügende Waschgelegenheit, at, bei den gemeinsamen gedenken. der Bauherr verpflichtet m Bauterrain Baubuden sicht nur für eine Gruppe. delte unter lebhafter ZuVerhalten der Behörden ttel und Wege zu sinnen. te. Und was lehren diese it der Alpenflora anstellt? mals versagen, wo es gilt, verlegen sind, einen Ausß sie unerschöpflich sind in I zu entdecken wissen, die scheint. Mit einem Wort: überwältigende Art der von Beispielen führt uns Blätter mit einer dünnen t vor allzu großer Nässe nen silbernen Flaum nur vor allzu schnellem Veri diesen Flaum ablegt, setzt suchtigkei: genug verbürgt. e ein unübersehbares Proein Ziel. Dietes Problem Kinder und Kindeskinder. och versagt sein, so findet auf die Frage die Antwort ben der Alpenflora, der eigentlichen Alpengewächse über das Klima, die Stärke re enthält das Buch Tate sicher ist. Nur die Tiergehört, kommt zu kurz. ill, hat Francé in lobenser klassischen Alpenschriftrwendet nebenbei bemerkt eichlich.) Diege macht den Dank an seine zeichneriopfer. r Reihe, und es hat wohl spuläre Naturwissenschaft“ Er möchte für PopulariVielleicht ist dieser Aufser. Aber ob auch auf dem zen“ wünschenswert sind? sort gibt, wo er den Künsthatte uns die Pflanzen als ein Künstler. Aber wenn edigen läßt— er sagt doch 9 A. B. der Konferenz gegenüber. Wie sie über die wichtigsten Lebensfragen der Arbeiter dächten, beweise ihre glänzende Abwesenheit ohne Entschuldigung. Wenn die Beamten der Arbeiterorganisationen über offenkundige Mißstände Vorstellungen machten, hätten die Behörden nicht geantwortet, wenn aber in dem Bericht eines Arbeitersekretariats ein Versehen vorkomme, sei man sofort mit einer Abfertigung bei der Hand gewesen. Wenn aber mal ein Radfahrerklub oder ein sonstiger Verein Feste feierten, dann könne man erleben, daß Stadtoberhäupter, Senatoren, wohl auch ein Geheimer Regierungsrat die Feier durch ihre Anwesenheit verherrlichten. Und die drei am Vormittag auf der Konferenz erschienenen Kontrolleure der Baugewerksberufsgenossenschaft seien bloß als Privatpersonen gekommen, um vielleicht am Nachmittag die Reden in ihrer Art zu glossieren. Das bedeute eine Mißachtung der Arbeiterschaft! Redner erinnerte dann daran, daß auch er schon vor Jahren einmal empfohlen habe, die Photographie in den Dienst der Agitation zu stellen, nicht bloß um schlechte Bauten, sondern um den Behorden und Parlamenten das furchtbare Elend und die Tragödie der mangels genügender Schutzvorrichtungen verunglückten, verstümmelten Arbeiter vor Augen zu führen. Eine Berufsgenossenschaft habe allerdings mal eine Broschüre mit Bildern herausgegeben, die zeigen sollten, daß auch Arbeiter trotz Verstümmelungen noch was leisten könnten. Das sei für gewisse Genossenschaften und deren Freunde, die Unternehmer, ja sehr charakteristisch, aber in Wirklichkeit ein Hohn auf die Menschlichkeit. Die Samariterkurse, Verbandkästen mit Anweisungen für erste Hilfeleistung usw. seien sehr zu empfehlen. Wenn das Vaterland in Gefahr, verlange der Staat, daß die Arbeiterschaft ihre Knochen zur Verfügung stelle. Dann könne man aber auch vom Staat verlangen, daß er die Unternehmer zwinge, den Arbeiterschutz zu gewähren, wenn die Gesundheit in Gefahr ist. Stürmischer Beifall.) Nachdem sodann alle vorgelegten Resolutionen und gestellten Anträge einstimmig angenommen waren, wurden in die Kommission zwecks Veranstaltung gemeinsamer Konferenzen(Antrag der östlichen Bauarbeiterschutzkommission) als Mitglieder gewählt aus Sektion I Meißner, Schubert, Striefler und Mahn, aus Sektion II Litzinger und Schätz=Minden, aus Sektion III Schulz, Koch und Pinno=Braunschweig und aus Sektion IV Borgmann=Bremen und Lang=Wilhelmshaven. Die Gauleiter sollen hinzugezogen werden. Der Vorsitzende Meißner gab in seinem Schlußwort einen Rückblick auf die reiche und hingebende Arbeit, die auf der Konferenz geleistet, und wünschte, daß sie Erfolge zeitigen werde. Er empfahl eindringlich, in den Heimatorten Schutzkommissionen einzusetzen und eifrige Propaganda für den Bauarbeiterschutz zu treiben zur Bekämpfung der Profitgier der Unternehmer, der überhasteten Tätigkeit und des leichtsinnigen Bauens. Nie dürfe vergessen werden, daß die Arbeiterschaft am letzten Ende Erfolge nur ihrer Organisation zu verdanken haben würde. Mit einem begeisterten Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung, diesem alten Schlachtruf, schloß der Vorsitzende abends 7 Uhr die erste Bauarbeiterschutzkonferenz in Hannover. Standesamts-Nachrichten. Amt Heepen. In der Zeit vom 16. bis einschließlich 30. Nov. wurden beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten: Söhne: Knecht August Grube, Heepen 225; Hofarbeiter August Mensendiek, Heepen 195; Landwirt Gustav Ehlentrup, Heepen 194; Ziegeleibesitzer Adolf Meier, Altenhagen 92; Kolon und Zimmermann Adolf Bansmann, Heepen 37. Töchter: Hofarbeiter Heinrich Fuhrmann, Brönninghausen 18; Fabrikarbeiter Heinrich Diekwisch, Heepen 87; Neubauer und Ziegler August Schröder, Altenhagen 69;„Fabrikarbeiter Frieorich Frodermann, Heepen 187; Neubauer und Schlachter Adolf Westerwelle, Altenhagen 88. Aufgebote: Landwirt Hermann Elbracht, Brönninghausen 3, und Frieda Detmar genannt Wöstenfeld, Gräfinghagen 8; Arbeiter August Wolff, Heepen 132, und Arbeiterin Auguste Dreyer, Bielefeld, Herforderstraße 117. Eheschließungen: Dreher Robert Tönsmann, Bielefeld, Bleichstraße 89, und Arbeiterin Emilie Westerheide, Lübrassen 13; Müller August Nagel, Altenhagen 103, und Auguste Diestelhorst, Dünne 19, Kreis Herford; Knecht Karl Eser, Quelle 74, und Dienstmagd Wilhelmine Konrädi, Heepen 3; Handarbeiter Reinhard Vinke und Witwe uugufte Werrau ged. Pape, beide Oldentrup 13. Sterbefälle: Knabe Mensendiel, 15 Stunden, Heepen 195: Landwirt Dietrich Wilhelm Wittenborn, 36 Jahre, Heepen 56; Grete Westerwelle, 2 Stunden, Altenhagen 88: außerdem eine Totgeburt von der Ehefrau Fabrikarbeiter Theodor Huwendiek, Heepen 198. ** Amt Herford. Nachrichten vom 22. bis 27. November. Geburten: Töchter: Landwirt August Oberhokamp= Elverdissen; Landwirt Gustav Meyer zu Hartum=Diebrock; Bahnarbeiter Wilhelm Franke=Sundern; ferner 1 Totgeburt. Eheschließung: Bahnarbeiter Ernst Wilhelm Lahmann=Diebrock und Zigarrenarbeiterin Johanne Marie Friederike Gläsker=Herringhausen. ** ** Minden. In der Zeit vom 21. bis 27. November wurden beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten: Söhne: Kutscher Schaup, Kaufmann Meyer, Landwirt Tüting, Metallarbeiter Wehking, Rendant Domeier. — Tochter: Maurer Bartsch. Aufgebote: Kaufmann Hachenberg in Osnabrück mit Dorothea Agnes Mathilde Klöpping in Bremen, Metallschleifer Kruse in Bielefeld mit Luise Döblin in Minden, Architekt Anwendter in Berlin mit Maria Theresia Katinka Meyer in Hannover, Naturheilkundiger Thiemann in Minden mit Anna Katharina Weißenfeld in Düsseldorf, Schuhmacher Heinrichs mit Olga Tiemeyer in Minden, Musketier Wehmeier in Minden mt Wilhelmine Elfriede Schmitz in Brakel, Buchdrucker Bösch mit Friedrike Luhmann in Minden. Eheschließungen: Arbeiter Leise mit Magdalene Casselmann geb. Schmieding, Tischler Wiese in Hartum mit Friederike Brockmeier in Minden, Monteur Rasky mit Berta Strecker in Minden. Sterbefälle: Sohn des Arbeiters Stiegmann, 8 Jahre 1 Mon.: Ehefrau des Stellmachers Nolting geb. Meyer, 30 Jahre; Sohn des Handelsmanns Störmer, 3 Jahre 2 Mon.; Renter Belte, 86 Jahre. Sie Ihren Oefen, Kochmaschinen, WeldenteSeuur! 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Die heutige 9 einschließlich der Un Ende Das Zentrum ist ir Wählerstimmen der A bisweilen auch in Ar ihm auch nicht immer Förderung der sozialpo betreibt das Zentrum der Agrarier. Der 3 stande gekommen, wenn Einpeitschern dieses W Arbeiterschaft in zahlre und verbittert. Um di Adie Redner des Zentrur Sorge tragen zu wollen werden sollten zu der versicherung. In den§ auf den Antrag des Ar men, daß der auf den zollertrag aus der Ei. Rindvieh, Schafen usn die Witwen= und Wai 1. Januar 1910 sollte Agebigen Zentrumsabger Bträge aus den Zöllen so der Versicherten die W #werden könne. Obglei auf das Bedenkliche der seine Versicherung aufzu von Zelleinnahmen, wu #nüde, die Beschlüsse als die Arbeiterwähler in #irklich ein Ausgleichf chaffen worden sei. Nun haben Lügen Wahlen des Jahres 19 Politischen Tat des Zen versicherung noch vorgel ich heraus, daß es mit war. Die erhofften o# ionen aus den Zollerti bleiche negative Ergebn ahre 1907 gingen etwe lahen gaben schon im ve bekretär Gelegenheit, f Traum“ vorbei sei, die eber und der Arbeiter Herr v. Bethmann bürde er für die Bemer inen anderen Ausdruck Aber die Regierung ingen Erträgen, weile nderen aus den Num stimmten, gestrichen w hleppung des Zu herung. Immer phr es Fürsten Bülow aus #nunerstrecht“ für Petzt, nach drei Jahren, bestellt, die zum 1. Jal scherung bis zum 1. Ap ne der„positiven Lei und seiner Regierung! Die heutige Reichsto en Anklage gegen die Parteien. Das Zentri härfsten Angriffe richt Auf die unfruchtbaxe so E#st, die in der Blockö selitischen Karren vor Liederum meinte, daß ben die„papierne“ So benossen den Liberalen Wer da Doch es Zaß der Daß sie Immerhin: Was Epfere Worte gegen das Unnige und volksausplü bematigen Blockbrüder sihrungen mit einem w is Schwarze trafen. ##rfliegt nicht wieder in s Kanzlerstuhles die Inladet. Der Vertreter der! us der Tatsache, daß kichen, um die Versiche Allen, daß wirtschaftspo Naßnohmen in der hier Im zu dieser Erkenntn Fiasko der Trimbo nst waren die kritisch bedners sehr matt. Ei Versicherung zu vertager ür folgert aus der Tats so geringe Höhe er lit gehen müsse. Hät äre es richtig gewesen. dieser Zeit und ang iner besonderen Genu für, daß die Neigur grariern anzubiedern, Innte Herr Dr. Junck Richthofen und L usführungen einversta Schonungslos deckte r des Zentrums, Wi Ef. An Hand seiner st Eit vom Staatssekretät Wben wurde, bewies de