rwege, an die Erben Bitter r Pflegesätze des städtischen Ausgabe=Titel IV des tech: B e s c h a f f u n g v o n G e g e n nterricht im Gebäude der die Anfertigung einer Gefür die Einschätzung der ir 1909 beschlossene SchankZustimmung des Oberund Genehmigung einer rdnung. s Nahrungsmittelchemikers t. Betriebsverwaltungen. für das städtische Unterahr 1910. reue abgeschlossenen Verentars des Untersuchungsederlichen Mittel. effend die Anstellung und iten durch Aufnahme des für das Rechnungsjahr ungsschule. gsschule. des Zinssatzes bei der folgender Rechnungen für uste=Viktoriaschule. eminars. ann=Stiftung für VolksOberkontrolleurs Rehm eamtenstelle der Betriebsder Lehrer= und Lehrerintoriaschule. 909. erordnetenversammlung eyer. 6596 änge. affung empfohlen: AIUS Porto 20 Pfg. Baane Mlalchlor. Hut, garantiert wetterfest, 3.50, 4.—, 4.50, 5.—. 19665 klappzplinder, heitskauf 5.40, 6.25, WorrNiedernstraße 24. 6065 elzreparaturen, isieren, schnell und billig. inn, Niedernstraße 24.(6066 Ofen er Auswahl, Dauerbrenner 10 Mk. und höher. GeOefen nehme ich zurück. hröder, Jöllenbeckerstr. 29. Eier, rt gut, 10 Stück 70 Pfg., 1,35 Mk., bei mehr billiger. erkaufsstelle. 65082 es Verkaufsstelle, den, befindet sich Bahnhof, d i c h t a m N i e d e r n t o r, E i n ben Harms Kinematograph. 850668 Hille 100 Zentner echte Paradiess dem Kreise Lübbecke, Pfund 10 Pfund 1,10 Mk., Zentner Mk. verkaufen. 16510“ Kochherde, le, weiße und schwarze, sowie te Oefen in großer Auswahl rGarantie tadellosen Funktiozillig ab. Adolf Heine, RitterSchrne nen und Herren in allen u. Georg Meier, Herforder866 Korbweiden ufen. Schildesche, Schiller6561“ Adonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Inseraten=Annahme bis ½0 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Juchdruckerei und Buchhandsung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Rieleseld. Nr. 279. Bielefeld, Dienstag, 30. November 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Jur Wirorrrrößsnung des Reichblags. Reichstagsfession,=Hemaopui, beinnt in diesem Jahre die Keichstagssession. Burgerliche Blätter haben aus dem späten Termin und aus dem bisher bekannten Beratungsstoff schon gefolgert, daß die diesmalige Tagung ruhig und ohne aufregende Debatten verlaufen werde. Es war bei diesen Erörterungen allerdings mehr der Wunsch der Vater des Gedaufens. Zu lebhaften Auseinandersetzungen ist weder eine lange Tagungsdauer noch eine Menge neuer Gesetzesvorlagen vonnöten. Im Gegenteil: die Kundigen wissen, daß viele Debatten des letzten Sessionsabschnittes deswegen die Frische und Schärfe vermissen ließen, weil der Zorn der Volkstribunen durch die lange Dauer der Session und durch den schier unerschöpflichen Beratungsstoff allmählich verrauchen mußte. Es läßt sich deswegen noch keineswegs voraussagen, daß die kommenden Reichstagsdebatten ruhig verlaufen werden. Wahrscheinlich ist freilich, daß die schwarzblaue Mehrheit versuchen wird, den Etat und etwaige Vorlagen glatt und ohne längere Erörterungen zu erledigen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß auch die Liberalen sich diesem wovlichen Vorhaben anschließen werden. Indes wird die Sozialdemokratie dafür sorgen, daß das Schuldbuch der Steuermehrheit nicht sobald vernichtet wird. Die Etatsdebatten werden reichliche Gelegenheit bieten, das volkswirtschaftliche Treiben des schwarz=blauen Blocks noch einmal allem Volke aufzuzeigen. Und die Sozialdemokratie wird diese Gelegenheiten selbstverständlich nicht unbenutzt vorübergehen lassen. Ueberhaupt werden die Eratsdebatten in diesem Jahre eine lebhaftere Färbung erhalten, als im verflossenen ReichstagsFragen der inneren Politik drängen gebieterisch zu einer gründlichen Erörterung. Die Angelegenheit der preußischex. Pahlreform ist von viel zu großem Einfluß auch auf die Verhaunisse im Reiche, als daß der Reichstag darauf verzichten könnte, zu ihr in unzweideutiger Weise Stellung zu nehmen. Dann hat der Reichstag aber auch in eigener Sache vieles nachzuholen. Wieviel tapfere Worte sind im November des horigen Jahres gefallen, als die Veröffentlichung des Kaiseronterviews im„Daily Telegraph“ mit aller Deutlichkeit zeigte, welchen Kurs das Reichsschiff steuerte. Von Singer bis Liebermann von Sonnenberg war alles einig in der Verurteilung des persönlichen Regiments. Die Volksvertretung verlangte Garantien dafür, daß die Wiederkehr von Dingen, die die Veröffentlichung des Interviews enthüllt hatte, für die Zukunft unmöglich Ecnsche ipreä Kommision des Reichstages hat sich im Roitsrachte###s Angesichts bemüht,„Anträge auf Mehrung der vollprechte— den Reichstagsdrucksachen einzuverleiben. Das war nämlich der Effekt der monatelangen Beratungen! Die Berge kreisten und gebaren nicht einmal eine Maus! Wie ein blutiger Hohn aus die Novemberdebatten mußte es sich ausnehmen, daß im Juli ausgerechnet zwei Tage nach der Verabschiedung des Reichstages die einschneidendsten Veränderungen in der Verwaltung des Reiches und des führenden Bundesstaates vorgenommen wurden. Freilich werden die bürgerlichen Par teien das nicht sonderlich empfinden. Dann wird aber auch in diesem Falle die Sozialdemokratie dafür sorgen, daß die aus diesen Vorgängen sprechende Wertschätzung des Parlaments nicht in Vergessenheit gerät. Die Verfassungssragen müssen wieder in Fluß gebracht werden. Nicht so glatt, wie im Vorjahre, wird diesesmal der Etat des Herrn v. Tirpitz erledigt werden. Im vergangenen Winter dars er. 6 dem englischen Premierminister Asquith und dem ##er admiralität, Me. Renna zu verdanken, wenn er einen ewinligungslustigen Reichstag fand, der auf Erörterungen über ment ganrichtatslunhlungen der englischen Minister im Parlaneut verzichtete und auch über die„russischen Zustände“ auf den Schuften###., Kiel und Wilhelmshaven den Mantel des ochweigens huure. Das ist jetzt nach dem bisherigen Verlauf des Kieler Prozesses nicht mehr gut möglich, und die Blätter wußten ja auch bereits zu berichten, daß die beiden in Kiel soynenden Mitglieder der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft, eonhart und Struve, den Reichskanzler in dieser Sache iuterpeuieren„wollen. Der Reichstag hat die Pflicht, auf eine zuenliche Aosteuung der zutage getretenen Mängel zu dringen. der Anstellung von ein paar neuen Kontrolleuren oder Rees nicht getan. Beamte sind auf den Kaiserlichen antenversäparse nu 10 daß eine weitere Vermehrung des Bewürda“ e“s die notzendige Beaufsichtigung nur erschweren dem awiisper auf den Werften ernsthaft bessern will, der muß gebe Tilitaxismus und dem Bureankratismus energisch zuleibe Kirs:,,„ Solange Kasernendrill und Kadavergehorsam auf den lsiche Mirrichareet s berufliche Tüchtigkeit und eine ordentbetrieben tohft werden wir uns in diesen angeblichen Muster##en nicht allzu weit von russischen Zuständen entfernen. „Die Blocksession der laufenden Legislaturperiode stand ir gossen der„papiernen“ Sozialpolitik.„Jehzt erst esce ehaeslis die Schce lchsce Taizgenheit, ihr„Wohlwollen“ durch die Tat zu beweisen. „sugnde von Tabakarbeitern sind mit ihren Familien infolge Dank 8haksteuergesetzes der bittersten Not ausgesetzt. neien a#s famosen Antrages des„Zentrumsarbeiter“=Abgeordvier Mwzists berts guf. Beschränkung der Entschädigungssumme auf nionen Mart sind die Unterstützungen äußerst spärlich. thrium zageans führt in vielen Fällen durch ein langes MarGelegant# Langens und Bangens. Hier hätte der Reichstag lichtar 2e#, an einem praktischen Beispiel seine Arbeiterfreunddurch##u#c., Erhöhung des Unterstützungsfonds oder richtiger regungen beseitigung seiner. Bindung zu beweisen. An Annichts dazu wird es nicht fehlen. Die Sozialdemokratie wird tungen unterlassen, um die Steuermehrheit an ihre Verpflichmit G.9 Opfern des Raubzuges gegenüber zu erinnern. Ob muß die Zeit lehren. Einen Erfolg werden die nämlsch) 5###sfentlich auf jeden Fall verzeichnen können, den ihre warz"s die armen Tabakarbeiter immer mehr erkennen, wo iie wahren Freunde sitzen. Reicha#en kommenden neuen Vorlagen beansprucht die Gringt sie dach Gerungsordnung das größte Interesse. sicherungsgeigt, nicht nur eine„Reform“ der drei großen Verversicherungl enderan teuc ite und Invaliden= und Unfallreits 5r41 9), sonvern auch die im§.15 des Zolltarifgesetzes beratung ge#egte Witwen= und Waisenversicherung.. Ihre Beug wird ein neuer Prüfstein für die Arbeiterfreundlichkeit der bürgerlichen Parteien bilden. Wann sie an den Reichstag gelangen wird, steht noch nicht fest. Jedoch ist mit Sicherheit anzunehmen, daß sie in diesem Reichstagswinter nicht erledigt werden wird. Es ist beabsichtigt, die Vortage in der Kommission den Sommer hindurch beraten zu lassen, damit die Plenarverhandlungen zur zweiten Lesung gleich beim Wiederzusammentritt des Reichstages im Herbst des nächsten Jahres beginnen können. Ueber das Schicksal des in der vergangenen Session bereits beratenen Arbeitskammergesetzes wußten vor einigen Tagen bürgerliche Blätter zu berichten, daß es in der von der 34. Kommission beschlossenen Fassung wieder vorgelegt werden „Nur“, die von der Kommission gleichfalls beschlossene Wählbarkeit der Organisationsvertreter wolle die Regierung nicht akzeptieren. Ohne diese Kleinigkeit bleibt das Gesetz aber „weiße Salbe“ in des Wortes verwegenster Bedeutung, und die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften haben unter dieser Voraussetzung nicht das geringste Interesse an seinem Zustandekommen. So ist die kommende Reichstagssession für die Arbeiterschaft von nicht geringer Bedeutung. Ihr Verlauf wird— davon sind wir überzeugt— aufs neue den Beweis erbringen, daß bei der Wahrung der Interessen der Arbeiter und der kleinen Leute nur auf die Sozialdemokratie Verlaß ist. Mittelständler. " Wir haben in Deutschland in der Hauptsache zwei Organisationen, die angeblich den Mittelstand umfassen, die deutsche Mittelstandsvereinigung mit dem hansabund=freundlichen Obermeister Rahardt an der Spitze und den Handwerkerbund, den der frühere Schneidermeister Voigt=Friedenau für sich gegründet hat. Dem Mittelstand wird dadurch nicht geholfen, denn beide Organisationen stehen im Solde reaktionärer bürgerlicher Parteien. Voigt=Friedenau liebt es, bei Wahlen eigene Kandidaturen des Bundes der Handwerker aufzustellen, die dann nach Unterhandlungen mit den bürgerlichen Parteien wieder zurückgezogen werden. Ob die bürgerlichen Parteien dem Bund der Handwerker die durch die Mühewaltung des Herrn Voigt=Friedenau entstandenen Kosten ersetzen müssen, wissen wir nicht, nur das weiß man, daß der famose Bund der Handwerker finanziell auf die Freigebigkeit des Bundes der Landwirte angewiesen ist. Die Mittelstandsvereinigung scheint das Geld zu nehmen, wo sie es eben kriegen kann. Der Obermeister Rahardt hat ja zugestanden, daß er von einem Freisinnigen 500 Mark bekommen hat, in der Erwartung, daß die Mittelständler zum Freisinn überschwenken werden. Rahardt verspottet die Freisinnigen als dumme Gegner, weil er daoon überzeugt ist, daß die Verstimmung zwischen der Mittelstandsvereinigung einerseits und den Konservativen und dem Bunde der Landwirte andererseits nur vorübergehend ist,„denn wir brauchen uns ja gegenseitig“. Zweifellos richt g. Konservative und Landbündler brauchen die Mittelstandsvereinigung, damit sie bei Wahlen die Handwerker täuscht, diese hinwiederum braucht jene Parteien als Geldgeber. Die„Konservative Korrespondenz“ behauptet nun ganz wenig versteckt, daß die Mittelstandsvereinigung vom Hansabund Geld bekommen hat und fährt dann fort: „Die Deutsche Mittelstandsvereinigung verfügt bekanntlich über keine eigenen Mittel, ihre gesamten regulären Einnahmen in diesem Jahre betragen zum Beispiel 2800 Mark, eine Summe also, die noch nicht einmal für die allernotwendigsten Ausgaben für Gehälter, Miete, Drucksachen, Porto usw. reicht.“ Diese wackeren Mittelständler werden also von anderer Seite bezahlt. Wie sie sonst noch das Handwerk retten das ergab sich aus den Debatten, die in der Plenarsitzung der Berliner Handwerkskammer am Freitag gepflogen worden sind. Hier wurde festgestellt, daß sich der gesamte Vorstand zum Handwerkskammertag in Königsberg selbst delegiert hat. Die hohen Kosten hat die Kammer bezahlen müssen. Ferner wurde betont, daß beim Bau des Handwerkskammergebäudes Schiebungen vorgenommen wurden, um die Arbeiten bestimmten Leuten zuschlagen zu können. . Wenn der Mittelstand von diesen Organisationen und von diesen„Führern der Handwerker“ Förderung seiner Interessen erwartet, dann ist er um seine Gutgläubigkeit wahrlich nicht zu beneiden. Der preußische Handelsminister und der Zwangsarbeitsnachweis im Ruhrgebiet. Herr Sydow, dem nach seinem Ausscheiden aus dem Reichsschatzamt die Stelle eines preußischen Handelsministers übertragen wurde, hat den Bergarbeiterverbänden eine Antwort zugehen lassen auf ihre Eingabe, der Handelsminister möge vermittelnd eingreifen, damit an Stelle des von den Zechen geführten Arbeitsnachweises ein paritätischer Arbeitsnachweis für das Ruhrgebiet geschaffen wird. Diese Antwort ist in der Abendausgabe der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ vom Montag enthalten; sie geht dahin: Handelsminister Sydow lehnt die Vermittlung ab. Er bestreitet, daß durch den Zwangsarbeitsnachweis Nachteile für die Bergarbeiter entstehen. Weder die Freizügigkeit, noch die freie Verfügung über die Arbeitskraft, als auch das Koalitionsrecht seien gefährdet. Zum Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptungen stützt sich Herr Sydow auf die Mitteilungen, die ihm der Zechenverband gemacht hat. Herr Sydow findet sogar, daß die neue Einrichtung wesentliche Verbesserungen für die Bergarbeiter bringt. In dem Erlaß heißt es dann: Wenn erstrebt wird, die mit dem sogenannten Zechenlaufen verbundene gleichzeitige Annahme verschiedener Stellen seitens der Bergleute möglichst zu beseitigen, so kann ich dies im Sinne eines geordneten Betriebes nur für erwünscht halten. Dasselbe gilt von der Bekämpfung des Kontraktbruches. In beiden Beziehungen wird zur Erreichung des erstrebten Zieles die Androhung gewisser Nachteile nicht zu umgehen und wenn sich diese in angemessenen Grenzen halten, nicht zu beanstanden sein. Sollte im einzelnen Falle von den angedrohten Maßregeln Gebrauch gemacht werden, ohne daß die Voraussetzungen dafür gegeben wären, so würde der Arbeiter regelmäßig in der Lage sein, für den ihm erwachsenen Schaden im Rechtswege Ersatz zu fordern.“ Zu alledem bemerkt dann der Handelsminister noch: „Eine Vermittlung zum Zwecke der Einführung eines paritätischen Arbeitsnachweises vorzunehmen, erscheint mir nach Lage der Sache so lange untunlich, als nicht im Ruhrbezirke die Voraussetzungen für ein vertrauensvolles Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorliegen. Ohne dies wechselseitige Vertrauen vermag ich mir auch von einem Zwange zur Errichtung eines solchen Nachweises keinen Erfolg zu versprechen. Aehnlich liegt die Sache hinsichtlich der Tarifverträge, deren zweckmäßiger Ausgestaltung übrigens gerade bei den eigenartigen Verhältnissen des Ruhrkohlenbergbaues noch besondere Schwierigkeiten entgegenstehen." Die Scharfmacher können mit dem Herrn Sydow zufrieden fein. Zunächst aber wird ihm Gelegenheit geboten werden im Reichstag, sein arbeiterfeindliches Verhalten noch näher zu begründen. Deutsches Reich. Der Zusammentritt des preußischen Landtags ist jetzt endgiltig auf den 11. Januar festgesetzt worden. Die Reichseinnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober d. J. ergeben einen Mehrertrag von 130000000 Mark gegenüber den Einnahmen des gleichen Zeitraumes im Jahre 1908. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß im Rechnungsjahre 1908 die tatsächlichen Einnahmen um 136000000 Mark hinter dem Voranschlage zurückMark mit in Rechnung zu setzen. Ein neuer Fußtritt für die polnischen Blockbrüder. Bei den Kattowitzer Stadtverordneten=Stichwahlen greifen kommunale und staatliche Behörden in ungesetzlicher Weise in den Wahlkampf ein. Sie bezeichnen es als eine staatsbürgerliche Pflicht der Beamten und Angestellten, für den hakatistischen Kandidaten Treneid. Das ig natürlich Ehenbahnbeamtenverein in einer Versammlung die Absendung folgenden Telegrammes an den Eisenbahn=Minister beschlossen: „Ew. Exzellenz entbieten die heute aus Anlaß der Stadtverordneten=Stichwahlen im„Deutschen Hause" versammelten 600 Kattowitzer Eisenbahner ehrerbietigsten Gruß und erklären öffentlich, daß ihnen jede Unterstützung des Polentums fernliege, und daß sie sich ihrer Pflichten als Staatsbeamte bei der bevorstehenden Stichwahl bewußt sein werden.“ Die Nationalliberalen unter der Knute der industriellen Scharfmacher. München, 29. Nov. Die„Münchener Post“ hält heute, entgegen den Dementis norddeutscher Zeitungen, ihre Meldung aufrecht, wonach den Abgeordneten Bassermann und Stresemann von industrieller Seite direkt und persönlich mit der Entziehung der Wahlunterstützungsgelder gedroht worden sei und zwar sei diese Drohung schriftlich erfolgt. Noch eine Ersatzwahl. Der Reichstagsabgeordnete v. Chrzanowski hat sein Mandat niedergelegt. Der zurückgetretene Abgeordnete vertrat die Stadt Posen, wo er mit 21 231 Stimmen gegen 12065 nationalliberale und 1377 sozialdemokratische Stimmen gewählt wurde. Er übernimmt die Leitung einer polnischen Bank. Als sein Nachfolger ist der polnische Arbeitersekretär Nowicki in Aussicht genommen. Die Schiffahrtsabgaben. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht eine umfangreiche Dentschrift über die Einführung von Schifffahrtsabgaben auf dem Rhein, der Weser und der Elbe. Begründet werden diese Abgaben damit, daß an diesen Strömen neue große, zum Teil sehr kostspielige Hafenanlagen gebaut werden sollen. Die Einnahmen aus den Schiffahrtsabgaben sollen lediglich zum Zwecke der Verbesserung der Ströme dienen. Die badischen Finanzen. In der Sonnabend=Sitzung der badischen Zweiten Kammer legte der Finanzminister Honsell das Finanzgesetz für 1910/11 vor. Es schließt mit einem Fehlbetrage von 13,9 Millionen Mark. Der Betrag wird vermindert auf 6,9 Millionen durch eine Erhöhung der Biersteuer, die am 1. Januar 1910 erfelgen soll. der Beamten und Angestellten, für den hakatistischen Kandidaten zu stimmen und verweisen im übrigen auf den Treueid. Das ungehörige Vorgehen der Behörden hat seine Wirkung natürlich nicht verfehlt. So hat der Eisenbahnbeamtenverein in eine# " Wie der Minister ausführte, wurde der Staatshaushalt auch im letzten Jahre durch die wirtschaftliche Depression ungünstig beeinflußt, was hauptsächlich in einem Rückgange des Ertrages der direkten und indirekten Steuern seinen Ausdruck gefunden habe. Von größerer Einwirkung auf die Finanzen seien ferner die finanziellen Beziehungen zum Reiche. Er bedauere die Ablehnung der Erbschaftssteuervorlage im Reichstage; leider sei auch eine Bindung der Matrikularbeiträge nicht erfolgt. Als dunkelsten Punkt des Voranschlages bezeichnete Redner die Lage der Eisenbahnfinanzen; die Eisenbahnschuld dürfte Ende 1910 etwa 520 Millionen betragen. Die Anforderungen des außerordentlichen Etats seien mit 8400121 Mark vorgesehen." Der Minisier schloß, der Fehlbetrag sei zwar ernster zu nehmen als die Fehlbeträge früherer Jahre, die Finanzlage gebe aber dank den gesunden wirtschaftlichen Verhältnissen trotzdem zu Besorgnissen keinen Anlaß Reichsgesetzlicher Arbeitsnachweis. Die sozialdemokratische Fraktion der bayerischen Zweiten Kammer brachte am Sonnabend folgenden Antrag ein: „Die Kammer wolle beschließen, die Staatsregierung zu ersuchen, im Bundesrat auf die Ausarbeitung eines Reichsgesetzes zur Regelung der Arbeitsvermittelung hinzuwirken, wodurch sowohl die gewerbsmäßigen als auch die Interessentenarbeitsnachweise beseitigt und an deren Stelle öffentliche Arbeitsämter der Gemeinden und des Staates auf paritätischer Grundlage gesetzt werden.“ Finnland. a. k. Der Landtag in Finnland, der wegen seines Widerstandes gegen die verfassungsbrüchigen Raub- und Unterdrückungsgeluste der russischen Regierung wieder, zum drittenmal seit März 1908, aufgelöst worden ist, war, ganz entsprechend der Stärke der in ihm vertretenen Parteien, wie das Proportionalwahlsystem sie zum Ausdruck bringt, wie folgt zusammengesetzt: Partei Stimmen Abgeordnete Sozialdemokraten, 336 659 84 Vlthin, gifinnen Jungfinnen Schweden 9 Agrarier Christliche Arbeiter A 5e 198 635 121 006 104107 56 649 23 120 940 176 Das Land ist in 16 Wahlkreise eingeteilt.— 25 der Abgeordneten waren Frauen. Da alle Männer und Frauen über 24 Jahre wahlberechtigt sind, beträgt die Wählerzahl bei nicht ganz 3 Millionen Einwohnern etwa 1400000. Eine charakteristische Schilderung dieses Landtages gibt ein Berichterstatter der Londoner„Daily News“. Schlichtheit, ein allgemeiner Charakterzug des Nord.änders. erscheint besonders ausgeprägt in diesem Landtag, hinter dem der unheilvolle Schatten Stolypins steht. Eine Art finsterer Bestimmtheit war in Wort und Tat. Hier war ein Volk an der Arbeit unter dem drohenden Schatten des furchtbarsten Despotismus von Europa. „Wir arbeiten für unser Vaterland“, sagte ein Volksvertreter schlicht zu mir.„mit den einzigen uns gebliebenen Waffen: unseren Zungen und Federn, in der Hoffnung, daß Rußland und Europa lesen und hören. Unsere Redner wollen das Volk nicht zum Beifallklatschen animieren, sondern es zum Denken erziehen. Und Denker sind sie alle. Ein derber Bauer vom hohen Norden fragte mich nach einem schwierigen Punkt im englischen Budget! Nachher traf ich eine Anzahl weiblicher Mitglieder, die die Frage des Frauenstimmenrechts in England diskutierten. Die Kampfmittel der Stimmrechtskämpferinnen billigte keine. Es ist interessant, daß die ganze öffentliche Meinung in Finnland für die weihlichen Abgeordneten ist. Niemand hat ein Wort gegen sie. Alle sind einig in ihrem Lobe.„Sie gehört nicht zur schwatzenden Partei“, sagte ein Landtagsmitglied mir mit leisem Lächeln. Nein, sie sind ernste und bestimmte Arbeiter. Als ich zum erstenmal das Haus betrat, kam ein junges Mädchen herein, gekleidet wie ein einfaches Dienstmädchen bei uns. Klare Züge, das helle Haar und das blaue Auge des Nordländers, ein Kinn mit ausdrucksvoller Bestimmtheit: sie war ein Mitglied des Landtages. Hinter ihr kam eine flinke Frau, eine Bauernfrau, wie sie die Körbe auf den Marktplatz bringen. Aber in Kenntnissen, Bestimmtheit, Redegewandtheit und Vaterlandsliebe war sie die Verkörperung des kräftigen Landvolkes, ohne das ein Volk nicht leben kann, und wohl im stande, mitzuhelfen bei der Gesetzgebung und Leitung eines Volkes. Als ich hinausging, kam ein Bauer und fragte mich:„Was ist die Entschuldigung Englands, daß es sich mit Rußland, dem Unterdrücker Finnlands, verbündet?“— Grauenhafter Gedanke, ein solches en der ehrlichen Arbeit und ernsten Strebens den korrumpierten Trunkenvolden des Zarismus zur freien Verfügung überantwortet zu sehen! Europa aber, das rechtliebende, shweig!? Vom Bierkrieg. Steigende Arbeitslosigkeit in der Berliner Brauindustrie. Infolge des Rückganges des Bierverbrauchs in den Fabrikkantinen ist der Umsatz des Flaschenbiers seit längerer Zeit erheblich gefallen, wodurch namentlich auch die Flaschenkellereiarbeiter sehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Um Entlassungen in größerer Zahl solange als möglich zu verhindern, erklärten sich die Flaschenkellereiarbeiter solidarisch zum abwechselnden Aussetzen bereit. Gegenwärtig feiern zirka 300 Flaschenkellereiarbeiter tageweise, halbe und auch ganze Wochen. Diese Zahl wird sich in den allernächsten Tagen auf zirka 600 erhöhen und dann noch weiter steigen, da einzelne Betriebe mit dem Aussetzen bisher noch zuruckgehalten haben. Hartrinachrichten. Boch Im eigenen Heim. Das„Volksblatt“, unser Parteiorgan in chum wird seit Sonnabend, 27. November, in der neuen eigenen Parteidruckerei, Hermannshöhe 7, auf modernster 16seitiger Rotationsmaschine hergestellt. Bisher war das Parteigeschäft in Mietsräumen untergebracht. Aus der Stadt und Nachbarschaft. Bielefeld, 30. November. Die Bielefelder Handelskammer und die kaufmännischen Fortbildungsschulen. Wir besitzen in Bielefeld ein gut ausgebautes kaufmännisches Fortbildungsschulwesen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß es im bohen Maße im Interesse von Handel und Industrie liegt, daß die jungen Kaufleute eine möglichst gründaiche kaufmännische Bildung erhalten. Man sollte daher annehmen, daß die Bielefelder Kaufleute bereit sein würden, das aufmännische Schulwesen zu fördern und für seinen weiteren au zu wirken. Dem ist aber nicht so. Der Haushaltsplan für die kaufmännische Fortbildungs= und Fachschule weist im Jahre 1910 einen Fehlbetrag von 12 350 Mark auf. Der Magistrat, der von dieser Summe 4000 Mark aus städtischen Mitteln decken will und weitere 4000 Mark vom Staat zu erhalten hofft, hat sich an die hiesige Handelskammer mit dem Ersuchen gewandt, ebenfalls 4000 Mark zu den Unterhaltskosten der Schule beizusteuern. Die Handelskammer hat diesen Antrag, wie wir bereits gestern mitgeteilt haben, abgelehnt. Würde die Handelskammer dem Wunsche des Magistrats entsprechen, so müßte sie zu den 10 Prozent Zuschlag zur Gewerbesteuer, die sie jetzt erhebt, noch weitere 3½ Prozent erheben. Sie hat nun an 489 hiesige Firmen die Anfrage gerichtet, wie sie sich zur Erhöhung des Zuschlages zugunsten der kaufmännischen Schulen stellen. In dem an die Firmen gerichteten Rundschreiben hat sie bemerkt, daß Nichtbeantwortung der Anfrage als Ablehnung des Antrages angesehen werden würde. Es haben nun von den 489 befragten Firmen 42 der Erhebung eines Sonderzuschlages bedingungslos, 4 bedingungsweise zugestimmt, 36 Firmen haben den Zuschlag ausdrucklich abgelehnt, so daß im ganzen 443 Geschäfte als Gegner des Zuschlages anzusehen sind. Die Handelskammer führt, wie aus dem uns übersandten Schriftstuck, in dem sie ihren Beschluß begründet, zu ersehen ist, das Resultat dieser Umfrage nicht nur darauf zurück, daß Handel und Gewerbe heutzutage so mit Abgaben und Steuern elastet sind, daß jede weitere Besteuerung auf prinzipiellen Piderstand stößt, sondern auch darauf, daß„die Schule in den Lielefelder Ttaditheater. en. Sonntag, 28. November: Im Klubsessel, Lustspiel in 3 Aufzügen von Karl Roeßler und Ludwig Heller. Wir haben uus schon einmal mit diesem Lustspiel befassen müssen und können heute nur bestätigen, was wir damals schrieben. Die direkte Verherrlichung der Faulenzerei des ostelbisches Junkers im Klubsessel halten wir für eine so starke Zumutung an das liberale Burgertum, daß uns der Beifall unangenehm berührte. Die Grafen Lannatsch sind der Meinung, die ihnen von der Vorsehung zuerteilte Aufgabe in der göttlichen Weltordnung bestehe darin, im Klubsessel zu sitzen und das Leben zu genießen. Wir haben gar nichts dagegen, wenn solche Gestalten auf die Bühne gebracht werden, das Empörende ist nur, wenn sie diejenigen sind, die Recht behalten, und wenn alles andere, auch fleißige Arbeit, ihnen gegenüber Unrecht bekommt. Auch darin, daß der dritte Akt, der in der Naturheilanstalt spielt, ganz aus dem Rahmen des Lustspiels ins Possenhafte fällt, können wir unser damaliges Urteil nur bestätigen.. Pu., I. 4inem Punst bat„“ Gespielt wurde sehr gut., Kur in einem Hankt hal es vie Regie versehen. Wenn Stefanie von Göndör schließlich nicht weiß, wen sie von den beiden Grafen Lannatsch zum Mann haben„will, Vater oder Sohn, weil sie so ganz dieselben wären, Kreisen von Handel und Gewerbe durchaus nicht populär ist“, daß sie sogar, wie aus den eingegangenen Gutachten hervorgehe,„in nicht vereinzelten Fallen direkt als ein Hemmschuh empfunden werde“. Die Handelskammer benutzt die Gelegenheit, um dem Aerger der Kaufleute darüber Ausdruck zu geben, daß sie ihre Lehrlinge während der Geschäftszeit in die Schule schicken müssen. so muß das auch unden,„ie müssen ungefahr dieselbe, Gxöße und mögl. ahnliche Masken haben. Das war nicht der Faul und wirkte sei storend. Das Publilum quietschte bei den albernen Possen in der Anstalt vor Vergnügen und bewies damit einen bedauerlichen Tiefstand. r oder Sohn, weil sie so ganz dieselben, wären, h in der außeren Erscheinung seinen Ausdrua üssen ungefähr dieselbe Große und möglichst Auch in Bielefeld sei man davon überzeugt, daß Wissen Macht sei, die Störung, als die jeder Schulzwang, der den Lehrling während seiner praktischen Ausbildung dem Geschäft entzieht, empfunden werde, sei auch sachlich geboten. Es frage sich nur, ob die Anforderungen an die Opferwilligkeit und Opferfähigkeit unseren Geschäftsherren nicht zu groß seien. Es heißt dann weiter: ... Und in dieser Beziehung muß offen eingestanden werden, daß das der Fall ist. Die Schule macht sich tatsächlich in recht empfindlicher Weise bei der Ausbildung der Lehringe breit und stellt an die jungen Leute wie auch an die Geschäftsherren Anforderungen, die mit der praktischen Ausbildung der Lehrlinge unvereinbar sind. Die praktische Ausbildung scheint Nebensache und die theoretische Ausbildung scheint Hauptsache geworden zu sein. Unter solchen Verhältnissen ist eine regelrechte Lehre ausgeschlossen, und unsere Gewerbetreibenden üben nur ihr gutes Recht aus, wenn sie gegen eine derartige Majorisierung der Schule Einspruch erheben. Ob die Schulzeiten richtig gelegt sind oder ob hier Verbesserungen und Erleichterungen geschaffen werden könnten, läßt sich nicht so ohne weiteres entscheiden. Die Schulstunden sind seinerzeit unter Hinzuziehung von Gewerbetreibenden festgesetzt worden. Vielleicht wäre es richtig, die damals gewählten Stunden auf ihre Zweckmäßigkeit hin von neuem zu prüfen. Daß die praktische Ausbildung der Lehrlinge durch den Fortbildungsschulunterricht beeinträchtigt wird, ist natürlich Unsinn. Es ist wahrhaftig nicht einzusehen, warum der Lehrling im Geschäft weniger lernen können soll, wenn er alle Tage ein paar Stunden weniger im Geschäft, dafür aber in der Fortbildungsschule ist. Nicht die Ausbildung, nur die Ausbeutung der Lehrlinge wird beeinträchtigt, und das paßt den Herren Kaufleuten nicht. Die Herren sollten doch wahrhaftig nicht so tun, als ob bei der praktischen Lehre so sehr viel herauskomme. Tatsache ist, daß sich in vielen Geschäften niemand um die Ausbildung des Leyrlings kümmert, und manchem Lehrlinge würden, wenn die Fortbildungsschule nicht eingriffe, nach Beendigung seiner Lehrzeit die wichtigsten kaufmannischen Kenntnisse fehlen. Im modernen Großbetrieb mit weitgehendster Arbeitsteilung wird häufig auch beim besten Willen eine genügende Ausbildung des Lehrlings nicht möglich sein. Sehr oft werden aber auch sonen fehlen, die imstande sind, Lehrlinge anzuleiten. weil die kaufmännischen Kenntnisse manches Prinzipals ungenügend sind. Ob sich nicht unter den 443 Geschaftsleuten, die sich gegen die Erhebung des Zuschlages ausgesprochen haben, so mancher befindet, den man vergeblich danach fragen würde, was es mit der doppelten Buchführung auf sich hat? Es ist ja bekannt, daß die Lehrlinge häufig von den Herren Prinzipalen nicht gehalten werden, damit sie etwas lernen, sondern damit die Herren für untergeordnete Arbeiten billige Arbeitskräfte haben, und diese billigen Arbeitskräfte will man auch ein paar Stunden am Tage nicht gerne missen. Wenn es nach dem Wunsche so manchen Prinzipals ginge, so würde der Unterricht auf den Abend, auf die Stunden nach Geschäftsschluß verlegt werden. Daß dann aber der Unterricht kaum mehr einen Zweck hat, ist ja ohne weiteres klar. Wie kann man von jungen Leuten, die zeyn und mehr Stunden im Geschäft tätig gewesen sind, erwarten, daß sie noch aufmerksam dem Unterricht folgen können. Die Störung des Geschäftsbetriebes durch den Fortbildungsschulunterricht dürfte übrigens nur in solchen Geschäften sehr ins Gewicht fallen, wo eine im Verhältnis zum übrigen Personale übermäßig große Zahl von Lehrlingen beschäftigt ist. Und wenn durch die Fortbildungsschulen derartigen Lehringszüchtern das Handwerk gelegt wird, so kann man das nur beEs ist nun weiter in dem Schriftstück gesagt, ein gewisses Maß von Schulbildung müsse für den jungen Kaufmann gefordert werden, aber es sei bedenklich, ihm über dieses Maß hinaus Kenntnisse aufzudrängen und aufzuzwingen, nach denen weder er verlange, noch deren Aneignung der Prinzival für seinen Lehrling als wünschenswert erachte. Richtiger sei es jedenfalls, wenn der Lehrling während seiner praktischen Ausbildung selbst empfinden lerne, wo er Lücken hat, und wenn in ihm selbst das Streben geweckt werde, seine vorhandenen Lücken auszufüllen und seine Kenntnisse zu erweitern. Nach wie vor aber müsse als Grenze für den Schulzwang die Ablegung des einjährig=freiwilligen Examens bezeichnet werden. Der junge Mann, der dieses Reifezeugnis besitze, müsse selbst wissen, wo er an sich weiterzuarbeiten hat Weiß er es aber nicht, dann sei es für ihn und für seinen zukünftigen Geschäftsherrn gut, wenn er von Stellungen fernbleibt, denen er nicht gewachsen sei. Die jungen Kaufleute, die das Einjahrigen=Zeugnis besitzen, haben zwar eine etwas bessere Allgemeinbildung als diejenigen, die nur eine Volksschule absolviert haben. Aber an speziell kaufmännischen Kenntnissen bringen sie genau so wenig mit wie die Volksschüler, und es ist daher für sie ebenso wie für diese der Besuch einer Fortbildungsschule notwendig. Es ist ja leicht gesagt, daß ein solcher junger Mann selbst wissen müßte, wo er weiterzuarbeiten hat. Was nutzt ihm denn aber das und was nutzt aller guter Wille, wenn er nicht die nötige Zeit zur Fortbildung hat und an der wird es ihm eben in blor wenn nicht sein Prinzival gezwungen ist ihm der Feger sehlen, Wenn nicht sein Prinzipar gezwungen ist, ihm den Besuch der Fortbildungsschule auch während der Geschäftszeit zu gestatten. Ist der Fortbildungsschulunterricht nicht obligatorisch, so werden die meisten jungen Leute es garnicht wagen, ihren Prinzipal zu bitten, ihnen die nötige Zeit freizugeben. Wissen sie doch, daß eine derartige Bitte gewöhnlich höchst ungnädig ausgenommen wird. Außerdem wird doch den jungen Leuten außerhalb der Fortbildungsschule kaum die Gelegenheit zu einer ebenso gründlichen Ausbildung geboten wie in dieser Besuchen sie private Handelslehranstalten, so müssen sie schwer bezahlen, die Lehrkräfte aber, die an derartigen Anstalten tätig sind, können sich mit den an der städtischen Fortbildungsschule angestellten kaum messen. In dem Schriftstück ist dann von der kaufmännischen Fachuie die Rede. Der erfolgreiche einjährige#### Hanschule die Rede. Der erfolgreiche einjährige Besuch, dies detsfachschule, in der voller Tagesunterricht stallfinvet, vor der Lehrzeit befreit von der Verpflichtung zum Besuch der kaufmännischen Fortbildungsschule wahrend der Lehrzeit. Die Befreiung tritt aber nur ein, wenn ein am Schluß des Jahres abzulegendes Examen bestanden wird. Die Handelskammer ist nun der Meinung, daß die Anforderungen dieser Handelsfachschule zu hoch sind, die Anforderungen der Schule uber das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehen. Die Handelsschule sei auf dem vesten Wege, für den Kaufmannsstand den obligatorischen Befähigungsnachweis einzuführen, und das sei ein Unterfangen, das auf das energischste im Interesse der Gewerbetreibenden bekämpft werden musse. Es wird nun auf die vom Magistrat vorgeschlagenen Veränderungen in der Einrichtung der Schulen einzeln eingegangen, die einen Ausban des kaufmännischen Schulwesens herbeiführen sollen. Diese Aenderungen haben aber nicht den Beifall der Handelskammer finden konnen, es heißt vielmehr zum Schluß Schrif lle die vorgenannten Veränderungen und Erweiterungen dienen nun aver nicht dazu, die geäußerten Bedenken zu entkräften, im Gegenteil, sie werden noch den Gegensatz zwischen der Schule und den berechtigten Forderungen der Gewerbetreibenden verschärfen. Unter diesen Verhaltnissen muß daher um so nachdrücklicher betont werden, daß der Antrag auf Bewilligung eines Zuschusses erst dann von der Kammer wieder in Erwagung gezogen werden kann, wenn folgende Vorbedingungen erfüllt sind: 1. Die jetzigen Schulzeiten sind einer neuen Begutachtung durch Gewerbetreibende zu unterziehen und dem Ergebnie dieser Begutachtung entsprechend zu ändern. 2. Von dem Schulzwange der kaufmännischen Fortbildungs. schule sind diejenigen Lehrlinge, die das Einjährig-Freiwilligen=Examen bestanden haben, zu befreien. 3. Hat ein Lehrling die kaufmannische Fachschule mit vollem Tagesunterricht ein oder zwei Jahre besucht, so darf er nicht mehr dem Schulzwange unterworfen werden. 4. Nach Beendigung der Lehrzeit hört jede Verpflichtung zum Beuche der Fortbildungsschule auf.(Was soll mit den jungen Leuten werden, die uverhaupt nicht erst als Lehrlinge, sondern gleich als Gehilfen eingestellt werden, wie dies z. B. bei vielen jungen, als Verkäuferinnen oder Kontoristinnen beschäftigten jungen Mädchen geschieht?), Es hat sich hier wieder einmal die sozialpolitische Rückständigkeit unserer Handelskammer gezeigt. Man kann nicht gerade behaupten, daß das Ergebnis der Umfrage und der Beschluß der Handelskammer der Bielefelder Kaufmannschaft große Ehre macht. Im Gegenteil, uns erscheint das Verhalten der Bielefelder Kaufmannschaft geradezu beschämend. Es zeugt von großer Kurzsichtigkeit und Engherzigkeit, daß die Bielefelder Kaufleute sich einem im Interesse des ganzen Handels bedeutungsvollen Fortschrift hindernd in den Weg stellen, weil sie einige verhältnismäßig kleine Unbequemlichkeiten mit in Keuf nehmen sollen. Hofsentlich läßt sich der Magistrat durch die ablehnende Haltung der Handelsherren nicht davon abhalten, das kaufmännische Schulwesen so gut wie nur irgend möglich auszubauen. An der eifrigen Unterstützung durch unsere Genossen im Stadtparlament wird es ihm dabei nicht fehlen. — Wandschmuck=Ausstellung. An den Wochentagen ist die Ausstellung nicht geöffnet, doch können Korporationen, nach vorheriger Anmeldung auf dem Bureau des Metallarbeiterverbandes, auch am Abend die Ausstellung besichtigen. Am Freitag abend 6½ Uhr besichtigen die Vertrauensleute der Metallarbeiter und im Anschluß daran die Arbeiterjugend die Ausstellung. — Backhaus=Konzert. Die Allgemeine Musikzeitung=Berlin schreibt über diesen glänzenden Klavierspieler:„Wenn man die ersten zehn Techniker in der ganzen Pianistenwelt aufzählen würde, so käme Wilhelm Backhaus nicht zuletzt. Je mehr aber Technik im weitesten Sinne des Wortes zu verstehen wäre, desto weiter würde er hinaufrücken. Die Fertigkeit und Sicherheit ist unbegrenzt, der Anschlag prachtvoll, der Ton überall vollendet schön. Ob er nun in der Chaconne von Bach-Busoni die schweren Oktaven in der linken Hand hämmert, ob er in der Chopinschen F=moll=Fantasie oder G=moll=Ballade die klirrenden, leidenschaftlichen Passagen meißelt, die träumerischen Koloraturen eines Nocturno spielt oder den üppigen harmonischen Reichtum der Fis=dur=Barcarole ausbreitet, oder schließlich eine Beethovensche Cantilene singt, überall ist die Schönheit des Tones ideal gewahrt, die Klangfarbe nach dem Charakter der betreffenden Stelle reich gemischt. Am künftigen Freitag wird er Tschaikowskys B=moll=Konzert und So ostücke von Schubert spielen. Außerdem werden wir die erste Symphonie von Beethoven und die Ouverture„Die Vehmrichter“ von Berlioz hören. Der Besuch dieses Konzerts sei nochmals angelegentlichst empfohlen. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Morgen abend wird„Die lustige Witwe“ in Neueinstudierung erstmalig aufgefuhrt mit einer gänzlich neuen, großstädtischen Kostümausstattung, geliefert von der Nürnberger Theaterkostümfabrik Portscher. Die Damenkostüme(Grisetten) sind aus dem Atelier Eberhardt u. Seligmann, Berlin. Auch dekorativ wird manches Neue geboten durch unseren neuen Theatermeister Herrn Grüttner. Die Leitung liegt in den Händen des Herrn Gellert; fast das gesamte Personal ist beschäftigt. — Als diesjährige Weihnachts=Kindervorstellung gelangt das bekannte und beliebte Märchen„Dornröschen“ zur Aufführung, wozu die Vorbereitungen schon in vollem Gange sind. — Das Neue Tonbild=Theater, Niedernstr. 12, hatte zu Montag nachmittag Einladungen zu einer Separatvorstellung vor der hiesigen Behörde und Presse ergehen lassen. Den zahlreich Erschienenen wurde das neueste Programm vorgeführt; es befanden sich mehrere sehr schöne Nummern darunter. Die Bekämpfung der Schundliteratur. Uns wird geschrieben: Es wird allseitig mit großer Freude begrüßt, daß von zuständiger Stelle der Verbreitung der Schundliteratur entgegengetreten und durch Wahl eines Arbeitsausschusses ein prattischer Schritt vorwärts unternommen ist. Darüber, was die Schundliteratur im Volke bereits angerichtet hat, braucht kein Wort mehr gesagt zu werden; es gilt heute, die in Angriff genommene praktische Arbeit tatkräftig zu unterstützen. Es sei da zunächst auf die jahrelange Tätigkeit des Lesehallen=Vereins, der im stillen in wirksamster Weise der Schundliteratur entgegengewirkt hat, hingewiesen. Der Verein hat den dürftig besuchten Lesesaal zunachst eingehen lassen und seine ganze Kraft der Oeffentlichen Bibliothek zugewandt. Diese ist bemüht, gute Bücher in alle Kreise des Publikums zu bringen. Aus den kleinsten Anfängen ist die Ausleihe auf mehr als 50000 Bände jährlich gestiegen. Es würden noch viel bessere Erfolge erzielt, wenn mehr Bucher vorhanden oder mehr Mittel zur Beschaffung solcher Bücher dem Verein zur Verfügung ständen. Hier könnte und müßte die Privattätigkeit einsetzen. Dies darf aber nicht mit alten Schmokern, sondern mit den neuesten und besten Büchern oder noch besser mit Barmitteln geschehen. Hat die Oeffentliche Bibliothek gute Bücher, Jugendschriften usw, in genügender Anzahl, so daß sie ihre Leser befriedigen kann, wird sich bald der Leserkreis erweitern und es wird durch die bessere Einsicht der Leser der Handel mit Schundliteratur von selbst zurückgehen.„Der Worte sind genug gewechselt,— laßt mich auch endlich Taten sehen!“ — Ein Neubau soll erstehen auf der früher Tiemannschen Bleiche an der Ecke der Arndt= und Brüderstraße, wo seit Durchlegung der Brüderstraße der schon mehrere Jahre an der Arndtstraße sich befindende Zigarren=Pavillon des Herrn Stender Aufstellung gefunden hatte. Auf dem Grundstück werden schon seit mehreren Tagen Ausschachtungsarbeiten vorgenommen und gestern nachmittag mußte nun der Pavillon dort wegtransportiert werden. Den Abend und die Nacht über hat das Häuschen vorerst auf dem Fahrdamm vor der Eisenbahnbrücke Quartiet gefunden zum nicht geringen Staunen der Passanten, die von ferne nicht gleich die Sachlage erkannten. Heute soll es an seine neue Stelle in den Garten des Herrn Kreft, gegenüber seinen bisherigen Stande, geschafft nerden. Aller Voraussicht nach wird jetzt dieser Teil der Arndtstraße einen seinem Verkehr entsprechenden Häuserausbau finden, wie der Anfang mit dem ziemsich beendeten großartigen Neubau zeigt, der in seinet Architektur in Verbindung mit der Sandsteinimitation einen prächtigen Anblick gewährt. — Polizeibericht. Gesperrt ist die Schildescherstraße von Ecke Herforderstraße bis Elektrizitätswerk, desgleichen der Wes zum Güterbahnhof in der Nacht vom 30. 11. auf 1. 12. 09 wegen Geleisereparaturen. g„ Erloschen ist die auf dem Gehoft Bleichstr. 69 bei den Weber R. Pahde ausgebrochene Rotlaufseuche. Festgenommen wurden 1 Person wegen Unterschlaguns und 2 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs und Obdachlosigteit.... Mnnden steun m* Gestohlen wurden gestern nachmittag 3 Zentner Kartos feln vom Wagen des Landwirts Kr. aus Großdornberg auf der Teichstraße.— Im Polizeigefängnis erhielten 25 Obdachlost Unterkunft. Versammlungen. Dienstag, 30. November. Bünde. Soz. Verein. Abends 8½ Uhr bei Gastwirt Tir, mert. T.=O.:„Protest gegen die Stadtverordnetenwahl. Zur Die Ausfü Tabakarbeiter die„Tägliche nur den Tabe wandten Bern fallen natürlich stützungsberech 15. August 190 steuergesetzes setzung ist, da unterbrochen n schwerden über Vertrauensmä stützung wird beträgt bei Ve winn hinter: bleibt, bei Lohnes, im Fe Betrag des fr Vor etwa Mitleidenschaf ihre Unterstüt sechs, Wochen die entragstel Die Mühl lich sehr langs Und imme Der Herr der letzten N auf das Ther zurück. Unter tralität seiner der auch in an der Hand wenig neutra wald macht „Der„ schaften ihr tischen vur christlichen wahl in Lei schrittsman kapita s, in in Elberfel Die Chara trieben und hervor, daß parteipoliti Vielseitigke Meyr kan wie diese den die sie betreil tiger Passus schaften“ wiel zur Reichstag „Die ch gramm int sationen. Zeiten resp den Reichs den Die streichunger Versam ganda ge hindert jed nicht, auße Staatsbür wenn die Gebiet besc sich bietend klassen hilfe am d Maße die Mitglie den bürger betätigen Sorge tra gen der gewillt Einmal is aufzufordern, Staatsbürge „der im Sin ist“. Solle Sinne der 9 machen, oder Moment schn Aber ein and wald gibtr Politik der tagswahlen es sogar nock sationen her dieser Kandi der Kardorff in selbe Genera wahl geforde Volksklassen ein Reichsta Sinne der# wirken. 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Die Ausführungsbestimmungen für die Entschädigungen an Tabakarbeiter sind vom Bundesrat verabschiedet worden. Wie die„Tägliche Rundschau“ meldet, sollen die Unterstützungen nicht nur den Tabakarbeitern, sondern allen Arbeitern, die in verwandten Berufen beschaftigt sind, gewährt werden. Darunter fallen natürlich auch die Kistenmacher und Kistenbekleber. Unterstützungsberechtigt sind alle Arbeiter, die in der Zeit zwischen 15. August 1909 und 14. August 1910 infolge des neuen Tabalsteuergesetzes entlassen ober geschädigt worden sind. Voraussetzung ist, daß der Besuchsteller vor dem 15. August 190° ununterbrochen mehr als 300 Tage beschäftigt gewesen ist. B.d Beschwerden über die Ablehnung eines Gesuchs können ArbeiterVertrauensmänner gehört werden. Der Berechnung der Unterstützung wird der Tagelohn zugrunde gelegt. Die Unterstützung beträgt bei Verdienstschädigung die Differenz, hinter der der Gewinn hinter Dreiviertel des vorjährigen Arbeitslohnes zurückbleibt, bei Arbeitslosigkeit Dreiviertel des durchschnittlichen Lohnes, im Falle besonderer Dürftigkeit ausnahmsweise der volle Betrag des früheren Durchschnittslohnes.— Vor etwa zwölf Wochen sandten die durch die Tabaksteuer in Mitleidenschaft gezogenen Tabatarbeiter von Ohlau(Schles.) ihre Unterstützungsgesuche an die zuständige Behörde ein. Vor sechs Wochen wurden die Anträge wiederholt, und bis heute sind die Antragsteller noch ohne jeden Bescheid. Die Mühlen der preußtichen Bureaukratie mahlen bekanntlich sehr langsam, wenn es sich um notleidende Arbeiter handelt. Und immer wieder die Lüge von der christlichen Neutralität. Der Herr Generalsekretär Stegerwald kommt in einer der letzten Nummern der„Kölnischen Volkszeitung“ nochmals auf das Thema christliche Gewerkschaften und Parteipolitik zurück. Unter anderem bezieht er sich als Beweis für die Neutralität seiner Gewerkschaften auf einen Artikel des„Vorwärts“, der auch in der„Volkswacht", Nummer 268, erschien, und der an der Hand einer ganzen Reihe von Tatsachen nachwies, wie wenig neutral die christlichen Gewerkschaften sind. Stegerwald macht dies nun so, daß er sagt: „Der„Vorwärts“ bescheinigt den christlichen Gewerkschaften ihre parteipolitische Neutralität gegenüber den politischen bürgerlichen Parteien dadurch, daß er schreibt:„Die christlichen Gewerkschaften kämpften bei der letzten Reichstagswahl in Lennep-Mettmann und Hagen=Schwelm für den Fortschrittsmann, in Bochum für den Kandidaten des Grubenkapita s, in Bielefeld für eine scharfmacherische Exzellenz und in Elberfeld für einen Genossen der Kardorff und Zedlitz. Die Charakteristik der einzelnen Kandidaten ist zwar übertrieben und sozialistisch gefärbt, im übrigen geht aber daraus hervor, daß im christlichen Gewerkschaftslager gegenüber den parteipolitischen Stromungen die denkbar größte Freiheit und Vielseitigkeit besteht. Meyr kann man wirklich nicht verlangen. Zur Illustrierung, wie diese denkbar größte und vielseitige Freiheit den Arbeitern, die sie betreiben sollen, plausibel gemacht wird, sei hier ein wichtiger Passus aus dem„Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften“ wiedergegeben, der 1907 in dem Aufruf des Vorstandes zur Reichstagswahl erschien. „Die christlichen Gewerkschaften sind nach ihrem Programm interkonfessionelle und politisch unvarteiische Organisationen. Dieser Charakter unserer Bewegung muß zu allen Zeiten respektiert werden. Daher darf auch beim bevorstehenden Reichstagswahlkampf weder die Gewerkschaftspresse in den Dienst bestimmter Parteien(die Unterstreichungen sind von uns. D. Red) sich stellen, noch darf in Versammlungen, parteipolitische Propa ganda geduldet werden. Die Befolgung dieser Grundsätze hindert jedoch die Mitglieder der christlichen Gewerkschaften nicht, außerhalb ihrer Verbände energisch ihre Pflichten als Staatsbürger wahrzunehmen. Nichts wäre verkehrter, als wenn die Arbeiter ihre Tätigkeit bloß auf das wirtschaftliche Gebiet beschränkten. Die Gesetzgebung muß vielmehr bei allen sich bietenden Anlässen zugunsten der unteren Volksklassen beeinflußt werden, denn diese bedürfen der Staatshilfe am dringendsten. Und ein solcher Anlaß ist in hohem Maße die Reichstagswahl. Wir erwarten daher, daß unsere Mitglieder sich außerhalb der Gewerkschaften in den bürgerlichen Parteien, denen sie angehören, energisch betätigen und für die Zusammensetzung eines Reichstages Sorge tragen helfen, der im Sinne der Bestrebungen der christlichen Gewerkschaften zu wirken gewilltist.“ Einmal ist es schon eine Spitzfindigkeit, seine Mitglieder dazu aufzufordern, nicht als christliche Gewerkschaftler, sondern als Staatsbürger so zu wählen, daß ein Reichstag zusammenkommt, „der im Sinne der christlichen Gewerkschaften zu wirken gewillt ist". Soll ein solcher Reichstag dann für die Staatsbürger im Sinne ber Bestrebungen der christlichen Gewerkschaften Gesetze machen, oder soll er dies für die Leute tun, die in demselben Moment schnell wieder christliche Gewerkschaftler geworden sind? Aber ein anderes ist bei diesem Aufruf noch wichtiger. Stegerwald gibt ohne weiteres das zu, was der„Vorwärts“ von der Politik der christlichen Gewerkschaften bei den letzten Reichstagswahlen festnagelte: er gibt es nicht nur zu, sondern benutztes sogar noch, um die politische Freiheit der christlichen Organisationen hervorzuheben. Glaubt nun Stegerwald wirklich, daß dieser Kandidat des Grubenkapitals in Bochum, dieser Genosse der Kardorff und Zedlitz in Elberfeld und diese scharfmacherische ei Gastwirt Tin verordnetenwahl. wahl gefordert hat? Dort heißt es doch, daß die unteren Volksklassen der Hilfe am dringendsten bedürftig sind und daß ein Reichstag zusammengeholt werden soll, der gewillt ist, im Sinne der Bestrebungen der christlichen Gewerkschaften zu wirken. Herr Stegerwald, das hört sich nicht nur neutral, sondern sogar sophistisch an! Sicher sind die christlichen Gewerkschaften„neutral“ gewesen. Ihre Zeitungen und ihre Blätter haben nicht aufgefordert zur Wahl eines Zentrumsmannes oder eines Konservatioen, ihre Stellungnahme vollzog sich auf breiterer Grundlage: Für die burgerlichen Parteien gegen die Sozialdemokraten! So lautete die Wahlparole. Wählt wen ihr wollt, nur keinen Sozialdemokraten! Ueber der Freudigkeit, im„Vorwärts“ Beweise der christlichen Neutralität gefunden zu haben, vergißt der Herr Generalsekretär ganz und gar darauf zu antworten, ob es denn stimmt, daß in christlichen Gewerkschaften Vortrage über die Finanzreform durch Zentrumsleute gehalten werden, daß des Herrn Stegerwalds eigene Rede in christlicher Gewerkschaftsversammlung in der Zentrumspresse wörtlich erscheint und so weiter und so weiter. Dies vergißt man ganz. Das klügste wäre doch wirklich, nicht mehr von der christlichen„Neutrautät" zu reden. Es ist ja den Denkenden schon längst bekannt, daß in dieser ganzen christlichen Gewerkschaftsbewegung, eben ein innerer Zwiespalt zwischen religiöser Weltanschauung und proletarischer Klassenlage herrscht. Wegen der ersteren muß man gegen die Sozialdemokratie schimpfen, um der zweiten willen sucht man politische Betätigung. Als Arbeiterpartei kann man sie nicht finden, nun so geht man eben zu dem— weltanschauungsverwandten Zentrum. * Gellershagen, 28. Nov. In der„Westsälischen Zeitung" dom letzten Sonnabend stimmt jemand unter„Eingesandt“ folgendes Klagelied an: Die Gemeinderatswahlen in Gellershagen. Bei den am 22. d. M. in Gellershagen stattgefundenen Gemeinderatswahlen wurden insgesamt 3 Sozialdemokraten gewählt! Nur die erste Abteilung vermochte die bürgerlichen Kandidaten durchzubringen. Dieser Wahlausfall ist um so beachtenswerter, als die Sozialdemokraten dadurch die Mehrheit im Gemeinderat erlangt haben. Hoffentlich raffen sich die bürgerlichen Wähler bei der nächsten Wahl auf, denn die zweite Abteilung ist bei einigermaßen reger Beteiligung doch wohl den Bürgerlichen zu erhalten. Das kann freilich nur geschehen, wenn vor der Wahl mehr Wahlarbeit geleistet wird. Sollten nicht auch in Gellershagen sich Männer finden, die einen Bürgerverein gründen konnten, so daß eine engere Fühlung zwischen den Einzelnen herbeigeführt wird und ein jeder der Sache mehr Interesse entgegenbrächte. Nehmen wir uns doch Sicker, Brake und Theesen zum Vorbild. Was da möglich ist, das ist in Gellershagen doch wohl auch zu erreichen. Nur muß ein jeder mithelsen und vor allem dürfen die nicht zu Hause bleiben, die uns ein Vorbild sein sollen. Man unterstütze die heimischen Gewerbetreibenden, und nehme Fühlung mit den nichtsozialdemokratischen Arbeitern, dann wird das Wahlresultat auch ein anderes sein als diesmal. Einer, der seine Heimat liebt. Also ein Bürgerverein soll retten, was noch zu retten ist. Vergebene Muhe! Die zweite Abteilung gehört der Sozialdemokratie und der letzte Sitz in dieser Abteilung wird ihr in zwei Jahren noch viel sicherer zufallen, wie das bei der jetzigen Wahl der Fall war. Das wird jedem, der die Verhältnisse auch nur oberflächlich kennt, nichts Neues sein. Ter der Klasseneinteilung bei der letzten Wahl zugrunde liegende Steuersatz resultiert aus dem Einkommen des Krisenjahres 1908. Da nun mindestens 80 Prozent der Wähler zur industriellen Arbeiterschaft gehören, für die das Jahr 1908 eines der allerschlechtesten Jahre war, so hat die Sozialdemokratie diesmal unter den allerungünstigsten Verhältnissen den Wahlkampf geführt. Und trotzdem hat sie in der zweiten Abteilung 29 Stimmen gegen 16 der Gegner aufgebracht! Mit steigender Konjunktur wird sich das Verhältnis aber noch wesentlich zu ihren Gunsten ändern. Das braucht der heimatliebende Schreiber des„Eingesandts“ natürlich nicht zu wissen, er wird auch nicht einmal zu den Einwohnern der Gemeinde gehören, sondern sich auf Veranlassung eines durchgefallenen Bürgerlichen haben verleiten lassen, seine Weisheit an den Mann zu bringen. Der Passus des„Eingesandts“, weicher die Bürgerlichen zur Unterstützung der heimischen Gewerbetreibenden auffordert— bei der Arbeiterschaft ist diese Forderung unnötig—, verrät denn doch zu deutlich den Schreiber und auch die Absicht, bei dem Kampf gegen die bösen Roten noch ein Extra=Geschäftchen zu machen Welche Ahnung der Verfasser des„Eingesandt“ von der Zusammensetzung der Gemeindeverammlung im allgemeinen und den Verhältnissen in Gellershagen im besonderen hat, geht auch daraus hervor, daß er behauptet, die Sozialdemokratie habe die Mehrheit im Gemeinderat. Wohl sind unter den 9 Vertretern 5 Sozialdemokraten, aber der Gemeinde vorsteher hat doch ebenfalls Sitz und Stimme in der Gemeindeversammlung, so daß bei Entscheidung prinzipieller Fragen wohl 5 gegen 5 Stimmen stehen werden. Und da in solchen Fällen der Vorsteher, oder der Amtmann, wenn dieser den Vorsitz führt, den Ausschlag gibt, so ist leicht zu erraten, auf welcher Seite dann die Majoritat sein wird. Mehr Wehlarbeit soll von den Bürgerlichen vor der Wahl geleistet werden. Als wenn es daran gefehlt hätte! Ein Bürgerverein soll engere Fühlung zwischen den Einzelnen schaffen. Ach wie naiv! Die Gegner der Sozialdemokratie in der zweiten Abteilung sind zu vier Fünftel lonservative Landwirte. Dieselben haben untereinander eine so vorzügliche Fühlung, daß sie dazu einen Bürgerverein wahrlich nicht gebrauchen, sie werden aber auch kaum Lust verspüren, drei bis vier„bürgerlichen" Herren nach der Pfeife zu tanzen. Aber trotzdem: Her mit dem Bürgerverein! Wir halten es nicht für unmöglich, daß sich für ein nutzloses Beginnen doch soviel Personen finden werden, daß is vielleicht möglich sein wird, einen Vorstand zusammen zu bekommen.„„ Unseren Genossen aver rufen wir zu: agitiert jetzt erst recht für unsere Ideen, werbt Leser für die„Volkswacht" und Mitglieder für den Sozialdemokratischen Verein. Noch in diesem Jahre muß das vierte Hundert Mitglieder voll werden, das nächste Jahr soll uns dann das fünfte Hundert bringen. * Herford, 29. Nov. Der Consum=Verein Herford und Umgegend, e. G. m. b. H., hielt am Sonntag seine General=Versammlung ab, welche von über 500 Mitgliedern besucht war. Dem Geschäftsbericht, welcher den Mitgliedern gedruckt vorlag, sei folgendes entnommen: Der Uusatz betrug 394 185 Mark, ein Mehr gegen das Vorjahr von 161 913 Mark. Aufgenommen wurden 746, ausgetreten sind 33 Mitglieder, so daß der Verein jetzt 1763 Mitglieder zählt. Die vom Aufsichtsrate vorgelegte Bilanz wurde genehmigt. Danach beträgt der Reingewinn 46 616,27 Mark, welcher in folgender Weise zur Verteilung gelangt: 9 Prozent gleich 35100 Mark Rückvergütung an die Mitglieder: Ueberweisung an den Reservesonds 8000 Mark, an den Dispositionsfonds 180 Mark; an den wiedergewählt. Als neue Aussichtsratsmitglieder wurden hinzugewählt die Genossen Hufendiek. Lohmeyer, Helmke, Kieselhorst und für Schötmar Genosse Pankoke. * Herford, 30. Nov. Die Generalversammlung der AktienGesellschaft I. Elsbach& Co., Wäschefabrik, setzte die sofort zahlbare Dividende für 1909 auf 8 Prozent fest. * Herford, 29. Nov. Heute morgen verunglückte beim Abladen einer schweren Schrotmühle der Knecht Stegemann. Derselbe wurde ins hiesige Krankenhaus übergeführt. * Bünde, 29. Nov. Erschossen. Gestern morgen hat sich der Commis und Handlungsgehilfe Klostermann, der bei dem Gastwirt und Kleinhändler Herrn Hagemeier in Stellung war, erschossen. Klostermann soll eine beträchtliche Summe Geldes veruntreut haben. * Oetinghausen, 28. Nov. Erwiderung. In Nr. 274 Ihrer Zeitung vom 24. d. M. bringen Sie einen Artikel, beritelt Meister Kortemeyer auf dem Kriegspfade gegen seine organisierten Arbeiter. Dieser Artikel stellt die Tatsachen unrichtig dar, weshalb ich Sie ersuche, nachstehende Erwiderung aufzunehmen: 1. Ist das Schreiben, welches die Leute an die Firma Jörgens& Leimbach, Herford, richteten, von der Firma beantwortet worden. Die Antwort ging einem der Mitunterzeichneten zu, welcher den Brief auch erhalten hat. Die Antwort brachte zum Ausdruck, daß die Firma gern bereit sei, etwaige Wünsche der Arbeiter entgegenzunehmen und daß sie, falls dieses gewünscht werde, gern erbotig sei, zwischen den Arbeitern und mir zu vermitteln. 2.Habe ich bezw. meine Firma an Stelle der wegen Arbeitsmangels entlassenen 9 Arbeiter keine neue Leute angenommen, weder organisierte noch unorganisierte. Da es weder im Interesse der Arbeiter. noch im Interesse guter Arbeit liegen kann, wenn die Leute abwechselnd arbeiten und dann wieder feiern, sah ich mich veranlaßt, meinen Arbeiterstand zu verringern. Daß ich zu diesem Zwecke Leuten kündigte, die unverheiratet sind, dadurch also für keine Familie zu sorgen haben und leichter imstande sind, anderswo— eventuell auch in anderen Berufen— wieder Arbeit zu erlangen, ist doch wohl selbstverständlich, und nicht mehr wie recht und billig. 3. Weise ich den mir gemachten Vorwurf, den Beitritt der Arbeiter zum Deutschen Tabakar=, beiterverbande verhindern zu wollen, mit aller Entschiedenheit zurück. Ich habe niemals versucht, auf die bei mir beschäftigten Leute in dieser Beziehung einen Einfluß auszuüben. Wilhelm Kortemeyer, Werkführer. Oetinghausen. * Letinghausen, 30. Nov. Unseren Abonnenten zur Nachricht, daß von morgen, 1. Dezember, ab der Genosse Hermann Tiemann, Oetinghausen Nr. 137, die Filialexpedition der„Volkswacht“ übernimmt. Bestellungen auf die„Volkswacht“ usw. wolle man an diesen richten. Letzte Nachrichten. Wilhelmshaven, 30. Nov. Vom Torpedoboot Nr. 53 sind in der Ostsee drei Mann über Bord gestürzt. Zwei von ihnen konnten gerettet werden, der dritte ertrank. Gießen, 30. Nov. Wegen Ermordung des Fahnenträgers vom 3. Bataillon des 116. Infanterieregiments, Vizefeldwebels Debus, wurde gestern vom Darmstädter Kriegsgericht, das sich nach Gießen begeven hatte, der damalige Musketier, jetzige Reservist Kreutz zu 15 Jahren Zuchkhaus, to und Ausstoßung aus dem Heere verurteilt. Kreutz hatte am 19. September zwischen 11 und 12 Uhr nachts in einem Dorfe, wo das Bataillon wöhrend des Manövers in Quartier lag, den Vizeseldwebel Debus hinterrücks erstochen. München, 30. Nov. In Waldskirchen kam es zwischen Eisen bahnarbeitern und Bauern in einer Branntweinschenke zu einer förmlichen Schlacht. Viele Personen wurden verletzt. Ein Bauer, ein Eisenbahnarbeiter und ein Forstarbeiter wurden durch Messerstiche in den Rucken tödlich verwundet. Drei Bahnbauaufseher wurden als Täter verhaftet. Diedenhofen, 30. Nov. Gelegentlich einer Festlichkeit kam es zwischen der 2. und 3. Eskadron eines hiesigen Husarenregiments zu einem Streit, der in eine förmliche Schlacht aupar###e. Etwa 100 Mann beteiligten sich an dem Kampfe, gegen den die Patrouille und die Polizei machtlos war. Einem Wachtmeister gelang es schließlich, die Ruhe wieder herzustellen. Zwei schwerverletzte Husaren mußten nach dem Lazarett gebracht werden. Wien, 30. Nov. Gestern ist der erste in Oesterreich erbaute Aeroplan mit Erfolg aufgeflogen. Es ist der Aeroplan„Etrich“, der bei der Wiener=Neustadt 2½ Meter über dem Boden 4½ Kilometer weit flog.„. Me 5..1. Wien, 30. Nov. Einer Budapeste: Blauermewung zufvige hat Hofrichter bei der Ausübung seines verbrecherischen Anschlags Komplicen gehabt, die bei den Regimentern in Kronstadt, Raab und Mostar dienen, wo Hofrichter früher gestanden hat. Die Polizei unternimmt Nachforschungen nach dieser Richtung hin. Hier hält man diese Meldung für ganz unbegründet. Die„N. Fr. Presse" erfährt aus Linz: Ein Frauenarzt mußte noch in der Nacht zu Frau Hofrichter berufen werden. Wien, 30. Nov. In später Abendstunde wird von r Polizei nahestehender Seite erklärt, daß bereits eine A. age des Burschen Hofrichters vorliege. Dieser soll angegeben haben, daß er tatsächlich für seinen Herra nach Cyankali ausgeschickt worden sei und in der Drogerie von Lichtenberger vorgesprochen habe. Diese Aussage fällt für die Schuld Hofrichters schwer ins Gewicht. Allerdings hat der Bursche damals das Cyankali nicht erhalten. Es wird ferner betannt, daß aus dem militär=geographischen Institut, in dem ein naher Verwandter Hofrichters als Beamter fungiert, vor einigen Wochen eine größere Menge Cyankali abhanden gekommen ist. Der betreffende Beamte wurde einem Verhör unterzogen, gab jedoch an, daß er von dem verschwundenen Chankali nichts wisse. Paris, 30. Nov. Ein italienischer Unteroffizier namens Rossi erschien im französischen Kriegsministerium und gab vor dem Chef des Rachrichtenwesens, Oberst Ebener, folgende Erklärung zu Protokoll: Ich wünsche, dem Kriegsminister vorgeführt zu werden, um ihm die Namen von mehreren Offizieren des französischen Generalstabes zu nennen, die Dokumente veräußert haben, welche sich noch vor kurzer Zeit im französischen Kriegsministerium befanden. Diese Dokumente habe ich entwendet und bin bereit, sie der französischen Regierung zurückzuerstatten, sowie die Namen der französischen Generalstabsoffiziere anzugeben, die sie veräußert haben. Die Dokumente beziehen sich auf die Mobilisation des 15. Armeekorps, sowie auf die Außenbefestigungen. Außerdem befinden sich unter den von dem Italiener entwendeten Dokumenten Pläne des neuen Panzers„Demokratie". Rossi erklärte, daß er für den Fall der Ablehnung seines Anerbietens sich an Deutschland wenden werde. Das Kriegsministerium hielt den Deserteur eine Zeitlang hin, gab aber schließlich seinem Anerbieten keine Folge, sondern trat die Angelegenheit an die Zivilbehörde ab. die die Verhaftung Rossis veranlaßte. Dem Untersuchungsrichter wurde auch ein Brief eines Kameraden des Italieners übergeben, der die Angaben Rossis vollinhaltlich bestätigte. Newyork, 30. Nov. Der Dampfer„Bewster“, der Reedereifirma Schmidt in Hamburg gehörig, strandete auf einer Untiefe bei Kap Hatteras. Die Mannschaft sprang mit Rettungsgürteln ins Wasser. Es gilt als wahrscheinlich, daß die Leute alle ertrunken sind. Eingesandt. Für die unter dieser Rubrik gebrachten Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keine Verantwortung.) Konzessionssteuer. Vor nicht langer Zeit wurde im hiesigen Stadtverordnetenkollegium eine Konzessionssteuerordnung angenommen, die aber in ihrer damaligen Fassung nicht die Genehmigung des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen erhielt. Nun steht diese Steuerordnung morgen, Mittwoch, in ihrer neuen Fassung wieder zur Beratung. In den Händen unserer Stadtverordneten liegt es, die neue Fassung und damit die Steuer überhaupt abzulehnen oder aber ein einzelnes Gewerbe aufs neue schwer zu belasten. Bevor aber über uns Wirte der Stab gebrochen wird, treten wir noch einmal an die Oeffentlichkeit. Die Vorlage als solche wurde bei der ersten Beratung damit begründet, daß die Stadt einer neuen Einnahmequelle bedürfe und die Verleihung der Konzession für den einzelnen ein Geschenk sei, das zu besteuern gerechtfertigt erscheine. Bei nicht genauer Ueberlegung und im ersten Augenblick scheint diese Begründung stichhaltig zu sein, ist man jedoch selbst Konzessionsinhaber und hat damit erfahren, welche Sonderabgaben und Ausgaben dem Wirtegewerbe obliegen, z. B. 4 Prozent vom Gebäudesteuer=Nutzungswerte, während die anderen Hausbesitzer nur 2 Prozent zahlen, die besondere Betriebssteuer und die Lustbarkeitssteuer, die beide von keinem anderen Gewerbe bezahlt zu werden brauchten, und wenn man gefühlt hat, wie der Wirt in vielen strittigen Fragen bedeutend gefügiger sein muß als jeder andere Gewerbetreibende, wenn man gefühlt hat, welch furchtbare Wunden die erst jetzt in Kraft getretenen neuen Reichssteuern auf Bier, Tabak, Licht, Automaten, Schaumwein, Branntwein, Streichhölzer usw. geschlagen haben, dann ist die angeführte Begründung haltlos, unzureichend und die Konzessionssteuer ungerecht. Wenn die Stadt zur Bestreitung der notwendigen Ausgaben neue Einnahmen haben muß, dann darf sie nicht ein einzelnes Gewerbe belasten, am allerwenigsten ein Gewerbe. das eine weitere Belastung nicht mehr verträgt. Es trifft nicht zu, daß dem Wirt durch die Konzession ein Geschenk gemacht wird. Ein Geschenk wäre sie vielleicht dann, wenn sie veräußert werden könnte und einen außergewöhnlich hohen Gewinn abwürfe, wie ihn andere Gewerbe nicht erzielen können. Auch letzteres trifft nicht zu. Die Konzession ist an die Person gebunden und unverkäuflich. Ist der Inhaber aus irgend einem Grunde nicht mehr in der Lage, die Wirtschaft fortzuführen, dann ist seine Konzession eben erloschen. Jeder einsichtige und umsichtige Bürger weiß heute auch, daß kein Gewerbe so schwer um den Fortbestand ringt, wie das Gewerbe der Wirte. Die geradezu erdruckende Belastung mit Sonderabgaben und nicht zuletzt die durch allerlei Verordnungen ständig zunehmenden Beiriebsunkosten verringern den Gewinn derart, daß er in Prozenten nicht mehr die Höhe der Geschäftsgewinne anderer Gewerbe erreicht. Trotzdem aber ist der Wirt bislang ein geduldiger Zahler gewesen. Er will auch kein Politiker, kein Parteizänker sein, sondern treu seinem Berufe ein Wirt, dem Arm und Reich willkommen ist. Will man ihn aber von den Mitberatern der Menschen ausschließen, will man es ihm verleiden, dem ankommenden Fremdling eine behagliche Ruhestätte zu bieten, dann mache man ihn völlig leistungsunfähig und müde in seinem Berufe! Den Herren Stadtverordneten rufen wir zu: Wir sind an der Grenze der Leistungsfähigkeit dem Staate und der Gemeinde gegenüber bereits angelangt und es muß nun aufhören, weiter von uns zu nehmen. Versagen Sie dieser Konzessionssteuervorlage Ihre Zustimmung, lehnen Sie eine Konzessionssteuer überhaupt ab, denn sie ist ungerecht! Noch ist es Zeit! Ein Wirt im Namen vieler Berufskotkegen Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilbelm Böttcher, beide in Bielefeld. e Heute Tetzter Fax von 6615 Lendt Pestinls&G c. ese Mittwoch, 7½ bis 10 Uhr: Neueinstudierung mit gänzlich neuer Kostümausstattung! — Das Zugstück aller Bühnen!— Die lustige Witwe. Operette von Franz Lehär. Billetbestellungen von auswärts nimmt die Theaterdirektion entgegen. Trauringe in jed.Breite u. allen Preislagen. Des ece Tonbila-Theater Niedernstrasse 12. Heute Dienstag ermäss. Preise III. Platz 20% II. Platz 30. I. Platz 50. Kinder und Militär die Hälfte. " Programm: 614 Grama an der bretonischen Küste. Ergreifendes Drama aus dem Leben der bretonischen Küstenbewohner. Ein Abend im Zigeunerlager. Ungar. Tonbild mit Gesang u. Tanz. Mohrchen als Mädchen für alles. In diesem reizenden humorist. Bilde! kann man so recht die Gelehrigkeit und Schlauheit eines Pudels bewundern. Kunstfilm! Koloriert! Josef in Aegypten wird von seinen Brüdern verkauft. Biblische Szene v. Gerault u. Berr. Auf dieses Bild, welches das schönste der Gegenwart ist, möchten wir ganz besonders hinweisen. Der Glückaptig. — Vorzügliche Humoreske.— Die erste Liebe. Ein Liebesroman aus dem tägl. Leben. Pas de Deux. Ein Tanz von berückendem Reiz und delikatestem Geschmack vor kostbaren antiken Gobelins durch Frl. Baldina u. Herrn Koslow in Petersburg getanzt. Die Gefangene d. Roghis. Diese dramatisch=aktuelle Begebenheit spielt in Marokko. ich weiss ein liebes Schätzelein Tonbild aus der Oper: Die erkaufte Braut von Smetana. eseslschelen bchehe ist zu haben: Was muß der Arbeiter von der Krankenversicherung wissen? Ein praktischer Ratgeber von Ed. Gräf, Arbeitersekretär. Preis 10.4, Porto 3.3. Was muß der Arbeiter von der Unfall=Versicherung wissen? 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Ich kann: sache, daß der Zei ich mit den Gesch anwalt Gräfra mann Jacobsohn Mit Frankentbal sohn vor 8 Jahre Es wurde soda — Vorsitzender L# reits am Sonna Gerichtstinte gei Kopierpresse Kop Jeserich beauftrag uns mitzuteilen, haben.— Sachvei kenthal mit Geri noch genauer vorg kopiert. Es galt richtstinte geschri für mich festzuste oder ob man die irgend eines Gew Eimittlungen ein kopien von Briefe waren, erhalten, presse, sondern du Beschwerung eine Ich habe fernerh von jenen mit g stellen können. E dem Gericht und daß man Kopien Briefen herstellen zu, daß man solch sieht kein Streit, fältigungen herzu habe ich nicht gen würde ich wahrsa Versuch gemacht! für uns, erneut Staatsanwaltscha eine Reihe, Briefe des Prof. Jeserich sein können. Hieragf, wurd fahren. Aus ein folgert die Ankla tenthals und Her dem Briefe gesch Brakel: Sowe Auftrage Hermar thal gegenübere schrieb, da Herm angeschrieben wa kären, denn ich geweiht. Angekl. 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In dem Prozeß wegen der Unterschleife auf der Kaiserlichen Werft in Kiel begann heute die fünfte und voraussichtlich letzte Verhandlungswoche. Zu Beginn der Sitzung stellte Vert. R.=A. Spiegel eine Reihe Anträge auf Vernehmung von Leumundszeugen für den Angekl. Frankenthal.— Sodann wurde Kaufmann Joachimsohn=Berlin als Zeuge vernommen, der von dem Angekl. Siegfried Jacobsohn dafür benannt war, daß er, Siegfried Jacobsohn, von den Geschäften seines Vaters nichts wußte und daß er lediglich im Auftrage seines Vaters nur als ausführendes Organ gehandelt habe.— Zeuge Joachimsohn: Ich kenne Siegfried Jacobsohn überhaupt nicht.— Angell. Siegfried Jacobsohn: Das wollte ich gerade wissen.(Heiterkeit.) Ich kann meinen Beweis nur negativ führen. Die Tatsache, daß der Zeuge mich nicht kennt, ist ein Beweis dafür, daß ich mit den Geschaften keine Fühlung hatte.— Erster Staatsanwalt Gräfrath: Hat der Zeuge mit Frankenthal und Hermann Jacobsohn Geschäfte gemacht?— Zeuge Joachimsohn: Mit Frankentbal vor 10 oder 12 Jahren, mit Hermann Jacobsohn vor 8 Jahren. Es wurde sodann die Verlesung der Briefe fortgesetzt. — Vorsitzender Landgerichtspräsident Andrae: Wir haben bereits am Sonnabend darüber gesprochen, ob mit gewöhnlicher Gerichtstinte geschriebene Briefe ohne, Zuhilfenahme einer Kopierpresse Kopien geben. Wir haben den Sachverst. Prof. Jeserich beauftragt, diese Frage zu untersuchen und ich bitte ihn, uns mitzuteilen, welche Ergebnisse seine Ermittlungen gehabt haben.— Sachverst. Prof. Jeserich: Ich habe den von Frantenthal mit Gerichtstinte geschriebenen Brief und ferner, um noch genauer vorgehen zu können, einige selbst angefertigte Briefe kopiert. Es galt für mich festzustellen, ob mit gewöhnlicher Gerichtstinte geschriebene Briefe kopierfähig waren; dann galt es für mich festzustellen, ob man dazu eine Kopierpresse braucht, oder ob man die Kopien auch herstellen kann mit der Beschwerung irgend eines Gewichts. Ich kann sagen, daß das Resultat meiner Ermittlungen ein geradezu glänzendes war. Ich habe Doppelkopien von Briefen, die mit gewöhnlicher Gerichtstinte geschrieben waren, erhalten, und zwar nicht nur vermittels der Kopierpresse, sondern durch Beschwerung meiner Person und auch durch Beschwerung eines kleinen Jungen im Gewicht von 90 Pfund. Ich habe ferner heute früh vor Beginn der Sitzung noch Kopien von jenen mit gewöhnlicher Tinte geschriebenen Briefen herstellen können. Sachverst. Prof. Jeserich überreichte die Kopien dem Gericht und den Geschworenen, die sich davon überzeugen, daß man Kopien auch von nicht mit Kopiertinte geschriebenen Briefen herstellen kann.— Vert. R.=A. Spiegel: Ich gebe zu, daß man solche Kopien herstellen kann.— Vors.: Dann besteht kein Streil, daß es in der Tat möglich ist, solche Vervielfältigungen herzustellen.— Angekl. Frankenthal: Bisher habe ich nicht gewußt, daß das geht. Hätte ich es gewußt, dann würde ich wahrscheinlich nicht beantragt haben, daß ein solcher Versuch gemacht wird.— Vert. R.=A. Stobbe: Nunmehr gilt für uns, erneut darauf hinzuweisen, daß von den auch von der Staatsanwaltschaft als unzweifelhaft echt anerkannten Briefen eine Reihe Briefe mit der Tinte geschrieben sind, die nach Ansicht des Prof. Jeserich durch Verdünnung der Gerichtstinte hergestellt sein können. Hierauf wurde in der Verlesung der Briefe selbst fortgefahren. Aus einem Briefe des Angekl. Brakel an Frankenthal folgert die Anklage, daß auch Brakel von den Geschäften Frankenthals und Hermann Jacobsohns gewußt hat. Es werden in dem Briefe geschäftliche Details eingehend erörtert.— Angetl. Brakel: Soweit ich mich erinnere, habe ich diesen Brief im Auftrage Hermann Jacobsohns geschrieben. Es sollte Frankenthal gegenüber einen besseren Eindruck machen, wenn ich das schriev, da Hermann Jacobsohn bei Frankenthal nicht so gut angeschrieben war. Anders kann ich mir die Sache nicht erklären, denn ich selbst war in geschäftliche Details nicht eineweidt. 6 Gzeabfgh Angekl. Franientyal: Ich mochte Herrn Jacoosoyn fragen, ob er glaubt, daß ich ihm unrecht getan habe. Er macht mir nämlich in diesem Briefe auch heftige Vorwürfe.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Herr Frankenthal wollte ja mehr bekommen als wir, weil er mehr arbeitete, aber er sollte nicht so viel bekommen, als er haben wollte. In einem Briefe vom 21. Oktober 1901 von Hermann Jacobsohn an Frankenthal heißt es:„Sprechen Sie mit„Balbost“ über die Sache, aber nichts davon sagen und überall sich dumm stellen, bis ich bei Ihnen bin, sonst verderben Sie uns alles. Ich muß die Sache so drehen, daß nur Sie die Abnahme bewirken können. Sprechen Sie nur mit dem„Alten“ und schreiben Sie mir morgen.“— Angekl. Hermann Jacobsohn: Zunächst muß ich erwähnen, daß hier die Ausdrücke„Rat" und„Balbost“ getrennt sind. Es müssen also zwei verschiedene Personen sein. Mit dem„Rat“ ist natürlich Rat Heinrich gemeint, mit dem „Balbost“ Klünder.— Vors.: Sie haben in diesem Briefe für Rat Heinrich zwei Ausdrücke angewandt, nämlich„Rat“ und „der Alte“. Es wäre also ganz gut möglich, daß Sie drei verschiedene Bezeichnungen gebrauchen.— Angekl. Frankenthal: Es müssen hier zwei verschiedene Personen gemeint sein. Einmal heißt es:„Sprechen Sie mit dem Rat“, dann heißt es: „Sprechen Sie mit dem Balbost.“ Es ist doch klar, daß Rat Heinrich nicht der„Balbost“ sein kann.— Vors.: Es fällt überhaupt auf, daß Sie vom Rat Heinrich in Geschäftsbriefen sprechen als vom„Alten“ und als vom„Rat“.— Angekl. Frankenthal: Rat Heinrich ist genannt der„Rat“, der„Alte“, der „Direktor“ und ganz privatim auch der„Grobian“.(Heiterkeit.) — Vert. R.=A. Stobbe: Ist es nicht richtig, daß die Althändler bei Rat Heinrich im Bureau viel verkehrten?— Angekl. Heinrich: In meinem Bureau nur wenig, ich habe sie immer ziemlich schnell an die Luft gesetzt.(Heiterkeit.) Ich habe nur streng dienstlich mit ihnen verkehrt und höchstens sie auf dem Rundgang durch die Kaiserliche Werft getroffen.— Vors.: Konnte der verstorbene Klünder von der Sache etwas wissen?— Angetl. Heinrich: Wenn er sich darum kümmerte, natürlich. — Angekl. Frankenthal: Klünder war immer orientiert über alles, was auf der Kaiserlichen Werft vorging. Er hatte die Ergebnisse der Submissionen schon früher in Händen als wir.— Ein Geschworener: In dem Brief wird Frankenthal aufgefordert, sich mit dem„Balbost“ in Verbindung zu setzen. Ich denke, er war mit Klünder verfeindet?— Angekl. Frankenthal: Ja, seit dem Jahre 1900. Aber wenn ich auch mit Klünder versonlich verfeindet war, so standen wir doch immer geschäftlich miteinander in Verbindung.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Die Ausdrücke„Balbost" und„Meschores“ finden sich auch in der Korrespondenz, die wir wegen der Geschäfte mit der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven führten.— Vert. R.=A. Spiegel: Es wird immer gesagt, Klünder hätte mit Frankenthal seit den Differenzen nichts mehr zu tun gehabt. Aus der Korrespondenz ergibt sich aber, daß Klünder mit Frantenthal mindestens 12 a meta=Geschäfte gemacht hat. Ein weiterer Brief stammt von Frankenthal und ist gerichtet an die Firma Brakel und Sohn. In diesem Briefe kommt der Name Klünder vor. Vors.: Warum gebrauchen Sie hier nicht die Ausdrücke„Meschores" und„Balbost“, sondern den richtigen Namen Klünder?— Angekl. Frankenthal: Weil Klünder keine jüdischen Ausdrücke verstand.— Sachverst. Handelsrichter Lehment=Kiel: Es wird hier davon gesprochen, daß Frankenthal mit Klünder noch in Geschäftsverbindung stand, trotzdem er persönlich mit ihm verfeindet war. Ich kann nur erklären, daß es im kaufmännischen Leben alle Tage vorkommt, daß man mit Leuten noch weiter geschäftliche Verbindungen unterhält, mit denen man persönlich verfeindet ist. Ein Privatmann kann sich den Luxus erlauben, mit jedem den Verkehr abzubrechen, der ihm nicht paßt, ein Geschäftsmann kann das aber nicht. In einem Briefe vom 29. September 1902 von Hermann Jacobsohn an Frankenthal heißt es:„Der„Alte“ wird Ihnen noch den Kopf abreißen.“ Auf diesen Brief hin ist eine Antwort Frankenthals erfolgt, die sich in der roten Mappe befindet und deren Echtheit bestritten wird. Sie lautet:„Der Alte wird mir den Kopf noch lange nicht abreißen, denn ich gehe gar nicht hin, höchstens, wenn er nicht da ist. Ich habe keine Lust, mich in Gegenwart von Arbeitern und Aufsehern anschnauzen zu lassen. Wer schimpft, hat immer unrecht. Meine Beschwerde über ihn hätte ruhig abgehen sollen, denn dann hätte er gesehen, daß er mit seinem Auftreten mir gegenüber im Unrecht war.“— Angeklagter Frankenthal: Ich möchte mit aller Entschiedenheit dagegen Verwahrung einlegen, daß mir unterschoben wird, dieser Brief, der gar nichts enthält, sei nachträglich von mir in die Akten hineingeschmuggelt worden. Es steht in dem Briefe absolut nichts drin, was mit der vorliegenden Anklage etwas zu tun hat.— Vors.: Ich will Ihnen sagen, was drin steht. Sie behaupten immer, mit Rat Heinrich könnten Sie deshalb keine Durchstechereien vorgenommen haben, weil Sie schlecht mit ihm gestanden haben. Das geht nun aus diesem Briefe hervor und der Brief wird von der Anklagebehörde beanstandet.— Angekl. Frankenthal: Es war absolut kein Geheimnis, daß wir uns mit Rat Heinrich schlecht standen. Jeder Händler stand mit ihm schlecht. Rat Heinrich ist sogar mit dem Krückstock auf uns losgegangen, das war kein Geheimnis, sondern das liegt in der Natur des Rats Heinrich.— Sachverst. Handelsrichter Lehment=Kiel äußerte sich über die ungenauen Lochungen, aus denen die Anklagebehörde ebenfalls die Tatsache herleitet, daß die Briefe erst nachträglich eingefügt sind. Er bekundet, daß die Lochungen keinerlei Beweiskraft hatten, da sie meist von Lehrlingen angefertigt und auch ungenau sind. Wenn man aus ungenauen Lochungen etwas schließen könnte, müßte jeder anständige Kaufmann auf die Anklagebank kommen.— Staatsanwalt Marschner: Um keine Irrtümer aufkommen zu lassen, betone ich, daß der Angetlagte Frankenthal sich nicht deshalb auf der Anklagebank befindet, weil er ungenau gelocht hat. In einem Brief vom 27. Januar 1902 kommt die Redewendung vor, daß Frankenthal auf der Kaiserlichen Werft nach einem geheimen Schriftstück sehen möchte.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Es ist wiederholt vorgekommen, daß man uns bei Submissionen Einblick in die Offerten gewährt hat. Eine Reihe Berliner Althändler bekundete, daß Siegfried Jacobsohn von den Geschäften seines Vaters nichts zu wissen brauchte. Bestimmte Angaben in dieser Beziehung konnten sie aber nicht machen. Sodann wurde die unterbrochene Verlesung der Briefe fortgesetzt. In einem weiteren Briefe Hermann Jacobsohns an Frankenthal kommt der Satz vor:„Der„Balbost“ ist kindisch und ist an allem schuld.“— Vors.: Wer soll denn damit gemeint sein?— Angekl. Hermann Jacobsohn: Immer derselbe, nämlich Klünder.— Vors.: Klünder war doch aber damals noch kein alter Mann, er konnte doch also nicht kindisch sein.— In einem Briefe vom 2. April 1902 des Angeklagten Hermann Jacobsohn an Frankenthal heißt es:„Gehen Sie gelegentlich zum„Balbost“ und klären Sie die Sache auf“. In einem anderen Briefe von Frankenthal an Jacobsohn, der kurz darauf geschrieben wurde, heißt es:„Der„Balbost“ behauptet, er hätte nichts gesagt von Rotguß und Spänen. Aehnliche Ausdrücke finden sich in einer Reihe weiterer Briefe. In einem Briefe vom 27. April 1902 heißt es:„Veranlassen Sie bitte den „Balbost", daß Leinen bestellt wird.“— Vors.: Damit kann aber Klünder nicht gemeint sein, er war doch Spediteur und hatte auf die Bestellung von Leinen gar keinen Einfluß.— Angeklagter Hermann Jacobsohn: O doch, Klünder war täglich auf der Werft.— Angekl. Heinrich: Ich kann damit nicht gemeint sein, denn ich hatte mit der Bestellung des Leinens an sich nichts zu tun, ich reichte nur die Bedarfsscheine ein. Wer die Lieferung bekam, darauf hatte ich keinen Einfluß.— Ein Beisitzer: Aber wenn Sie als einflußreicher Beamter jagen, daß Sie keinen Einfluß auf die Bestellung hatten, dann hatte doch ein einfacher kleiner Spediteur wie Klünder erst recht keinen Einfluß.— Angekl. Heinrich: Das weiß ich nicht.— Angeklagter Siegfried Jacobsohn: Die Spediteure sind auf der Werft meist sehr einflußreiche Leute, deshalb erging vor zwei Jahren auf der Wilhelmshavener Werft ein Erlaß, in dem die Beamten gewarnt wurden, sich mit Spediteuren und untergeordneten Maklern einzulassen, da das gefährlich sei. Die Interessen der Werft ließen das auch nicht zu. In einem Briefe, der mit Bleistift geschrieben ist, kommen gleichfalls die Worte„Balbost" und„Rabbi vor. Zeuge Untersuchungsrichter Landrichter Grützmacher: Dieser Brief hat sich ursprünglich sicher nicht bei den Akten befunden, sonst hätte ich ihn gesehen und hätte ihn zu den Akten genommen. Ich habe alle Briefe zu den Akten genommen, in denen sich die Ausdrücke „Balbost",„Rabbi“ und„Meschores" vorfinden.— In einem Briefe Hermann Jacobsohns an Frankenthal kommt der Ausdruck„Minister“ vor. Vors.: Wer soll denn damit gemeint sein?— Angekl. Frankenthal: Ein Vorarbeiter aus dem Annahmeamt, den wir so nannten, weil er immer sehr würdevoll auftrat.(Heiterkeit.)— In einem anderen Briefe, der gleichfalls von Hermann Jacobsohn an Frankenthal gerichtet ist, befindet sich die Wendung:„Balbost muß 3000 und Meschores muß 2000 vom Eisen haben.— Angekl. Frankenthal: Ich kann diese Wendung heute nach 10 Jahren nicht mehr aufklären.— Vors.: Es kann doch aber unmöglich Klünder damit gemeint sein.— Die Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). „Hast du noch etwas zu sagen? Hast du noch zu tadeln? Sprich es aus.“„„„„ „Ich kann nur wiederholen, was mein Herr schon gesprochen. Eine hohe Schule ist wichtiger, als alles. Der Geist, der von da aus über die Mark sich verbreitet, wie aus einem reichen, vollen Flusse Wassergräben und Rinnen, wird den trocknen, dürren Boden durchsickern und die Früchte der Zucht, Gesittung, der Ordnung und des Fleißes herstellen. So bessern wir am besten, ## allein den Zank, Mord und Grausamkeit, von denen der erlauchte Johannes spricht. Aber nur, wenn der Fluß selbst klares Wasser ist. Daß die Worte, die mein Fürst sprach, in Granit über der Türe eingegraben würden: Cine Schule, auf weltliche Weisheit gegründet, ist nur ein halbes Werk. Herr mein Fürst, laßt Euch nie verleiten durch den glänzenden Ruf der Gelahrtheit, beruft immer nur rechtgläubige Gelehrte, die Säulen werden der Kirche, nicht der weltlichen Wissenschaft. So nur wird Frankfurt aufblühen, wenn die Kirche hier ihre Säulen findet, wenn die Gelehrten festhalten an ihren Satzungen, unerbittlich auch in dem, was den weltlich Gelehrten eine Torheit scheint. Wo ist denn die Grenze zwischen, was der Verstand begreift und der Glaube faßt, und der ketzerische Dünkel, daß ich es beFrnen muß, ist von alters in der Marl zu Hause; auch der Adel ist nicht davon frei, vielleicht daher die Verderbnis, die wir beklagen.“ : J o a c h i m h a t t e i h n n u r s c h w e r a u s r e d e n l a s s e n.„ T u e i c h e s denn nicht?“ „Euer Wille ist gut. Eure Weisheit über alle Frage, aber vennoch weiß die Schlange unter allerhand Wegen in das Heiliglum zu dringen. Wer hat die Einsicht, auf allen ihren KrümLungen ihr zu folgen? Sagt man doch selbst von diesem Abt Trittheim—“ „Was!" „Er ist gewiß ein großer Gelehrter. Sei es auch fern von mir, zu zweifeln, daß er ein gläubiger Christ sei. Aber man neint doch, daß er für einen Christen sich zu sehr in die NaturSienschaften vertieft. Da spricht man von wunderbaren Dingen—“ 5„Ich weiß es. Das dumme Volk hält jeden für einen Hauberer, der in ihre Geheimnisse zu dringen sucht.“ „Auch in die verbotenen, Herr?“ 9:„Die Naturwissenschaften sollen frei sein. Das will ich, S#denberg. Da sind noch Dinge verborgen, die wir aus tiefen Schachten fördern müssen, wie das Gold, das erst in der Sonne Hlanzt. Da muß man den Arbeitern freie Hand lassen, zur Ehre Gottes. Und schützen muß man sie gegen das Volk. Das ii der Fhaesten Wicht. dch uull dat lcht. Ras denit du de Augen?“ „Ich will es glauben, daß der Abt Trittheim kein Zauberer ist, da mein Herr es mich versichert—“ „So wenig als ich es bin.““ „Aber, ich will es nicht für gewiß behaupten, doch hörte ich es von sicheren Leuten, er deutele an der Geschichte von Josua und der Sonne. Das Scheinbild der Sonne habe nur stillgestanden, die Sonne aber sei weitergegangen.“ „Trittheim!— Nein, das darf er nicht. An den Grundfesten der Religion darf auch die Wissenschaft nicht rütteln. Beruhige dich, Lindenberg, ich werde mit ihm darüber sprechen. Er wird sich von seinem Irrtum überzeugen lassen.“ „Er wird es, davon bin ich überzeugt. Mein gnädigster Herr, vielleicht beleidige ich Eure bessere Einsicht, ich spreche ja nur als Laie aber verzeihi mir, oder verdammt mich, ich konnte nicht anders.“ Mit dem Ausdruck immer steigenden Wohlgefallens hatte der junge Fürst ihm zugehört. Er faßte seinen Arm:„Lindenberg, das ist gesprochen wie—“ Er unterbrach sich selbst, wie von einem plötzlichen Eatschluß durchzuckt, und eilte nach einem kostbar mit Elfenbein ausgelegten Nußbaumschrank, dessen schweres Schloß er aufdrehte. Aber ebenso schnell ließ er es wieder ruhen:„Nein, nicht hier, morgen vor dem ganzen Hofe will ich dir meinen— werde ich dir antworten.“ Mit einem gnädigen Kopfnicken entließ der Fürst den Geheimrat. Er ergriff noch einmal das Testament des Vaters und las die Stelle: „Straf' die Schmeichler, die alles dir zuliebe und nichts zu des Landes Wohlfahrt reden. Wirst du ihnen folgen, so wirst du deine klugen Räte verlieren.— Des Schmeichlers Rede gleichet dem Schlangengifte, welches im süßen Schlaf zum Herzen dringt und den Tod wirkt, ehe man es gewahr wird.“ Indem er das Pergament wieder in den Schrank verschloß, sprach Kurfürst Joachim:„Gelobt sei der Herr, ich habe einen Rat, der kein Schmeichler ist. Zweites Kapitel. Die Macht der Ueberzeugung. Es war großer Markttag in Berlin. Aber wo die Verkäufer und Käufer ihre Köpfe zusammensteckten, war's nun bei den Tuchen aus Brandenburg und Burg, oder bei den Stiefeln aus Kalau, oder dem süßen Gebäck aus Spandow, oder den Koch* Weil Trittheim seine Zeitgenossen an Kenntnissen übertraf, und auch in den sogenannten geheimen Kenntnissen der Sternkunde, in der Physik, Chemie und Arzneikunde bewandert war, wurde sowohl er, als sein Schüler, der Kurfürst, von vielen für einen Schwarzkünstler gehalten. löffeln und Quirlen und den Honigwaben, welche die Wenden aus Beeskow und Storkow feilboten, überall gab es nur eine Neuigkeit, die besprochen ward. Ein Raubritter war gefangen worden und in Ketten eingebracht und sollte gerichtet werden. Ein Bredow war es, und der Bredow von Hohen=Ziatz, das wußten alle; aber was er getan, wie er gefangen, ob er allein für sich stand, oder im Bunde mit vielen, darüber liefen so verschiedene Erzählungen um, als Berlin und Kölln zusammen Einwohner hat. Eine war immer schreckhafter als die andere und einer wußte besser als der andere, wie der Kurfürst gewütet und sich die Haare gerauft, und geschworen, er wolle an den höchsten Galgen ihn hängen lassen. Waren die Bürger und die von draußen uneins, ob sie darüber sich freuen oder klagen sollten— denn einige meinten, es sei doch schade, daß es gerade den Götze Bredow getroffen— so sah man dafür nur zornige Gesichter unter den Herren, die vom Lande gekommen. Sie steckten die Köpfe zusammen in den Schenken und Gaststuben, die Augen rollten und die Fäuste schlugen auf den Tisch. Was da geflüstert ward, die Flüche und Drohungen, die von den Lippen quollen, wie jener über die Tafel spie und mit dem Fuß auftrat, daß die Tischbeine knackten; es war gut für die Herren und für das Gemeinwohl auch, daß es dazumal noch keine Horcher gab, und gab es deren, daß die Angeber nicht bezahlt wurden, die nichts hinterbringen konnten als Worte. Davon würden heutzutage Berge geschrieben von Akten und Prozesse geworden, die hätten lange Jahre gedauert, ja es hätte nicht Tinte genug gegeben, noch Papier, um alles zu schreiben, noch hätte die Mark so viele Festungen gehabt, um alle, die verurteilt wären, einzusperren. Auch dazumal kamen die Worte bis zu den Geheimräten und Kanzlern und den Fürsten selbst; die aber dachten einer wie der andere: Worte sind Wind. Der kommt und geht, und der ist ein Tor, der den Wind fassen will. Und darum ward es nicht schlimmer. Den Kurfürsten aber nannten seine Zeitgenossen und Nachkommen: Joachim Nestor oder Joachim den Weisen.“ Durchs Spandower Tor kamen an die Hundert geritten, in Wehr und Waffen und sahen gar nicht freundlich aus. Es waren die Bredows von Friesack mit ihren Lehensvettern und Lehensleuten. Jeder wußte, um was sie kamen und verargte ihnen nicht ihre bösen Blicke, aber es ward darum keine Trommel gerührt, noch schickten die kurfürstlichen Offiziere ins Schloß, daß man sich vorsehe, ja die Wache vom Tor trat nicht einmal ins Gewehr. Die Bredows ritten nach ihrem Hause am hohen Steinweg, um da zu ratschlagen, was zu tun sei. und man fand das gut und ließ sie ratschlagen, so viel sie wollten; erst wenn sie etwas getan, das nicht gut war, dann war es Zeit, daß man nach ihnen fahndete und richtete. 6 * Friedrich der E#### sagt: II regut ie surnom de Nesior cemme 18 Tesse: Cuims— guste, C’est-à-dire sans que l’on péndtre in Graße Louis XIII. celui de raison. h jetzt nicht aufgiftskauf handeln, Angell. Frankenkhal: Auch das kanni klären, es muß sich hier um einen größeren Schl...„##beln, den ich aber, wie gesagt, heute im einzelnen nicht aufliaren kann. — Vert, I.,R. Schirren: Es heißt nicht„2000 Mark“ und „8000 Murk, sondern es heißt nur„2000“ und„3000“. Es können also auch Kilo gemeint sein.— Vert. R.=A. Stobbe: Ich halte es überhaupt nicht für angängig, den Angeklagten einzeine Zahlen aus Briefen vorzuhalten, die jahrelang zurückliegen. Wer kann denn das heute noch wissen?— In einem Briefe vom 9. Februar 1902 heißt es:„Klunder wartet auf die 2000 Mark.“ En den weiteren Briefen, die zur Verlesung gelangten, kommen immer wieder die Ausdrücke„Balbost“,„Meschores“ und „Rabbi vor. Immer wieder geben die Angeklagten die Erklärung,ab, daß sie sich jetzt auf die Einzelheiten nicht mehr benunen konnen oder daß Klünder mit diesen Ausdrücken gemeint Wier#t###s“ Hermann atcobsohn: Klünder war auf der Kn, fr bekannt und wußte mit allen Dingen Bescheid. Februar 1902 heißt es:„Klünder wartet auf die 2000 Mai — Zeuge untersuchungsrichter Grützmacher: Auch die Brief ist neu, denn er kann unmöglich von wir übersehen w Ungell. 8r ansnt#af. aze mit allen Dingen Bescheid.— " I.„Frankenryal. Klunders größte Force war es, daß 2 ven Linme Ens dus Malerialn. Wct haben dieser den sein Anges. 2r #gmangem Frantenthal: Ich kann mich über die Brieffalschungen hier unmöglich äußern, denn ich habe auf diesem Gebiete wirklich keine Erfahrungen.— Vors.: Der Brief geht Sie ja gar nichts an, er stammt von Hermann Jacobsohn.— Die Angeklagten Hermann und Siegfried Jacob= ohn behaupten erregt, dieser Brief müsse sich von Anfang an bei den Akten befunden haben und der Untersuchungsrichter Grützmacher müsse ihn übersehen haben.— Vors.: Sie dürfen nicht gleichzeitig in diesem Ton miteinander reden, sonst muß ich gegen Sie einschreiten. In einem Briefe aus dem Jahre 1903, der mit Tintenstift geschrieben ist, kommt die Wendung vor:„Mit„Rabbi“ will ich nichts weiter 3u.—.——otsanwaltschaftsrat Neils: er den Leuten, die das Material nach seiner Ansicht nicht h sollten, das Deaterial gab, das so schlecht als moglich war. Zum Schluß wurde eine von dem Angeklagten Frankenthal stammende Postkarte verlesen, die nach Ansicht der Anklage gefälscht ist und in der von der Lieferung von 5 Pfund Karpfen an Chrunst und Farsbutter die Rede ist.— Angekl. Frankenthal: Ich müßte ja den Verstand verloren haben, wenn ich wegen solch einer Lappalie eine Karte fälschen und in die Akten einschmuggeln würde. Ich erkläre, die Karte ist echt. sarauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Morgen (Dienstag) beginnen die Plaidoyers. Amerinunischer Grierenschaftskongreß. i## zu tun haben.— Staatsanwaltschaftsrat Neils: Will der Angerlagte Frankenthal bestreiten, daß er in seiner ###e einen#.— Angekl. Frankenthal: Tie. AngeklagZelle einen Tintenstift hatte:— Angekl. Jawohl, ich habe nie einen Tintenstift gehabt.— Die Ar ten Hermann und Siegfried Jacobsohn geben dieselbe Erklärung ab.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Ich kenne gar keinen Tintenstift. Als man mich danach fragte, habe ich gefragt, ob das ein Gift sei.(Heiterkeit.)— Vert. I.-R. Walach: Es muß doch auffallen, daß jemand, der eine ganze Reihe von Briefen mit Tinte gefälscht haben soll, nun auf einmal mit einem Tintenstift schreibt. Briefe, gleichfalls aus dem Jahre 1903, heißt es: „Rabbi“ ist jetzt auf Urlaub.— Vors.: Das muß doch nun ein Beamter sein, denn Klünder kann doch nicht auf Urlaub gehen.— Angekl. Frankenthal: Das weiß ich heute nicht mehr.— Vert. R.=A. Stobbe: Rat Heinrich kann es aber auch nicht gewesen sein, denn er war zu der Zeit, als dieser Brief geschrieben wurde, noch gar nicht auf Urlauv. Hierauf äußerte sich der Sachverständige Kaufmann Boldtamburg über das im Alteisenhandel übliche Mischen. An Samdurg über bas im allessenhaudel übliche Wischen.— An„„„ lagter Siegfried Jacobsohn: Herr Sauer hat sich sehr darüber entrüstet, daß er das Mischen nicht für anstandig halt. Ich möchte nun den Sachverständigen Boldt fragen, ob er nicht mit Sauer persönliche Erfahrungen dahingehend gemacht hat, daß Sauer selbst mischt.— Sachverst. Boldt: Ich habe in der Tat von Sauer aus Berlin Schiffsladungen Altmaterial bekommen, die ich ihm zur Verfügung stellen mußte, weil sie zu sehr gemischt waren.— Vert. I.-R. Schirren: Ich möchte iele behrsichtt oen fragen, ob Hermann Jacohsohn nicht sehr den Sachverständigen fragen, ob Herm virle hebraische ausdrucke gebrauchte.— Sachverst.: Jawohl. Hebraische Ausdrücke werden überhaup. an der Börse von Alteisenhandlern gebraucht.— ohl Hepraische Ausdrücke werden überhaupt an der Börse von den amtsechane ,ergtauchn.— Angekl. Frankenthal: 2 Herr Sauer mit dem Brustton der Uverzeugung geFran Ueberz " Herr Sauer mit dem Brustton der Ueberzeugung gehagr hal, er mache so etwas nicht, mochte ich mir von dem Sachverständigen bestätigen lassen, daß nirgends so viel gemischt und gemogelt wird, wie in Berlin.— Sachverst.: Von den Berliner Händlern können wir in der Tat noch sehr viel lernen. Eine Reihe weiterer Briefe aus dem Jahre 1905 beziehen sich auf Besuche Hermann Jacobsohns in Berlin„beim Sohne des „Balbost". Nach der Anklage ist damit der Sohn Heinrichs gemeint.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Ueber diesen Punkt verweigere ich, wie schon in der ersten Sitzung, jede Auskunft. Es handelt sich hier um eine diskrete Sache; ich habe mein Ehrenwort gegeben und sage darüber nichts.— Angekl. Frankenthal: Sie müssen doch aber sagen können, daß damit nicht der Sohn Heinrichs gemeint ist.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Ich sage gar nichts darüber.— Angeklagter Frankenthal: Sie mussen es sagen, damit wir nicht in einen falschen Verdacht kommen.— Angekl. Hermann Jacob= sohn: Das ist meine Sache. Ich habe das Ehrenwort gegeben und ich sage nichts. Ein Brief vom 18. August 1905 von Hermann Jacobsohn an Frankenthal ist nach Ansicht der Anklage einer der belastendsten Briefe. In diesem Brief kommt folgender Satz vor:„Balbost“ ist auf Urlaub, der„Meschores“ ist krank und hat Gicht. Farsbutter vertritt ihn.— Vors.: In der Tat ist Rat Heinrich in Als der Präsident Gompers gerade im Begriffe war, die sechste Sitzung des amerikanischen Gewerkschaftskongresses zu schließen, wurde ihm ein Telegramm überreicht, das eine ungewohnliche Aufregung hervorrief: Seine Rechtsbeistände teilten mit, daß das Gericht weiteren Aufschub des Antritts der Strafe fur ihn und seine Kollegen abgelehnt habe und sie sich daher noch am Sonnabend dieser Woche dem Gericht zu stellen hätten. Ueber die Wirkung schreibt das führende liberale Organ in Toronto,„The Globe“: „Für einen Augenblick war die Versammlung wie niedergeschlagen. Nur Gompers' spöttischer Gesichtsausdruck und sein herzliches Lachen, als er die ernste Miene seines Leidensgenossen Morrison sah, verhinderten den Ausbruch einer Demonstration. Doch die Gesichter und der Meinungsaustausch der Deledie sich rasch um ihre Führer sammelten, zeigten, welche Gefühle das Telegramm bei ihnen ausgelöst hatte.„Von heute ab stimme ich für die Sozialisten“ rief ein Delegierter, als er Mitchells(der dritte Verurteilte) Hand drückte. Diese Bemerkung ist kennzeichnend. Die Verurteilung dieser drei Männer hat das Feuer des Klassenkampfes und Klassenbewußtseins mehr geschürt als alle Reden sozialistischer Agitatoren. Schon in den Augen der Delegierten sind die verurteilten Führer Märtyrer. Es scheint, daß die 400 Delegierten des Torontoer Kongresses nach Hause zurückkehren werden, gefüllt mit Erbitterung, um den Klassenkampf zu predigen. Es wird zwar nochmals versucht werden, noch einige Tage Aufschub zu erhalten, da der Kongreß vor Sonnabend abend nicht beendet sein kann, doch ist es zweifelhaft, ob dem stattgegeben wird. Wahrscheinlich werden Gompers und Genossen also abreisen müssen, ehe die Wahl der Funktionäre vorgenommen wird. Die Prozeßgeschichte hat ungeheuer dazu beigetragen, die Popularität Gompers', dem fortwährend stürmische Ovationen dargebracht werden, zu erhöhen. Der Plan der Sozialisten und wassen Mar Hars einen g. certrster, in der Person des Gediesen Tagen auf Urlaub gewesen. Wen wollen Sie damit geiun wich— Angekl. Hermann Jacobsohn: Ich erinnere mich an diesen Brief gar nicht.— Vors.: Es konnte Ihnen doch an und für sich gleichgiltig sein, wer verwiegen läßt, Chrunst oder Farsbutter.— Angekl. Hermann Jacobsohn: Vielleicht war Farsbutter kulanter bei der Sortierung. Ich kann über diesen Brief keine Auskunft geben.— Vors.: In der Tat war Chrunst damals krank und der Ausdruck„Meschores“ auf ihn kann diesmal zutreffen.— Angekl. Frankenthal und dermann Jacobsohn: Wir können uns heute, nach vier ahren, auf Einzelheiten nicht besinnen. sonders der unzufriedenen Elektriker, in der Person des Genossen Mar Hahs einen Gegentandidaten zur Prasidentenwahl vorzuschlagen, verliert dadurch immer mehr an Aussicht. Ja, einer der Oppositionsführer erklärte, indem er nach dem Verlesen jenes Telegramms Gompers die Hand drückte, daß auch die Opposition für ihn eintreten werde. Es bleibt abzuwarten, welches der Eindruck im Lande und auf die fernere Stellungnahme des Arbeiterbundes zur Politik sein wird. Der wichtigste Beschluß des Tages war den Landarbeitern gewidmet, die in Zukunft organisiert werden sollen. Zwar wurde die Befürchtung ausgesprochen, dies müsse das Eindringen der Chinesen und Japaner in die Federation zur Folge haben, da deren Zahl auf den großen kalifornischen Farmen sehr groß kst, doch scheint die Majorität sich langsam mit dieser Tatsache abzufinden. Auch die Arbeiterinnen in den Wäschereien sollen der Gewerkschaft zugeführt und hierfür eventuell von der Federation eine besondere weibliche Kraft angestellt werden. Ein weiterer Beschluß, die beim Stah trust beschäftigten 200 000 Arbeiter, von denen bisher erst 20000 organisiert sind, den Verbänden zuzuführen, bedeutet eine direkte Kriegserklärung an diesen machtigen Trust, der sicherlich noch ernste Folgen haben wird. Der in den Cherry=Bergwerken verunglückten Arbeiter wurde in üblicher Weise gedacht. Der anwesende Präsident des Bergarbeiterverbandes ließ sofort 20000 Mark als erste Unterstützung für die Notleidenden und Hinterbliebenen absenden. Den Rest der Sitzung füllten Grenzstreitigkeiten unter den verschiedenen Steinarbeiterorganisationen cus, die schließlich der Entscheidung der„Baugewerbegruppe“ überwiesen wurden. An seinem Fenster aber sah sie der Herr von Lindenberg 1, und sein vlaßes Gesicht war darum nicht freuan ihm an dav er die Nacht wenie geschlafen, vorüber reiten, und sein blaßes Gesicht war darum nichr freubiger. Man sat ihm un, raß er die Nachl wenig geschlafen, sein Morgentrunk stand auf dem Tische fast unberührt; sein buntes, glänzendes Hofkleid schien wie ein Spott zu seiner Miene. An seiner Türe klopfte es, und herein trat der Dechant von AltenBrandenburg. In beider Blicken sprach sich etwas aus, was keiner Verständigung durch Worte bedurfte. Da bedarf ein Gespräch keiner langen Eingange. „Wir haben wohl beide Eil',“ sagte der Herr von Lindenberg. „Es freut mich, daß mein gnädiger Herr von Lindenberg zu muß, so kostet das, warum ich ihn bitte, keinen besonderen sang „Ihr kennt, wie ich, den unbiegsamen Charakter meines Herrn.“ „Auch wenn der Herr von Lindenberg es auf sich nimmt, diesen Sinn zu beugen? Wir haben alle Beweise gesammelt, die Zeugen sind unterwegs, daß Herr Gottfried in jener Nacht geschlafen hat.“ Sagt lieber, daß er er zu Bett gegangen und spät am Morgen aufgsstan.... Der Kanzler wird entgegnen, daß damit nicht gutesstanden ist..# Inzler wird entgegnen, daß damit nicht bus alivi erwiesen, duß es eine oft vorgekommene List derer ist, die nachts ausziehen, sich abends vor den Leuten zu Bett zu legen und morgens vor den Leuten aufzustehen, derweil man in der Nacht durch die Fenster schlüpft, an einem Seil über die Mauer gleitet und auf der Koppel ein gesattelt Pferd findet. Da kann man dena auch schwören, daß das Tor versah ossen blieb. Uebrigens wißt Ihr, was die Zeugnisse der Dienstleute und Freunde in solchen Dingen vor Gericht gelten. „Auch mein Zeugnis!“ sprach der Geistliche mit einem scharfen Blick auf den Ritter.„Ich komme eben von einem Krankenlager. Es war ein jammervoller Anblick, den edlen Lohnbewegungen in der Holzindustrie. In Wilkau wurde in der Stuhlfabrik Krebs die Arbeitzen von 62 auf 59 Stunden pro Woche verkürzt. Während bei dieser Firma früher langwierige Kämpfe um die Verkürzung der Arbeitszeit geführt werden mußten, gelang es diesmal, das zunächst gesteckte Ziel mit dem nötigen Lohnausgleich ohne Kampf zu erreichen.— Die Waggonfabrik in Bautzen gibt sich alle erdenkliche Mühe, Arbeitswillige zum Ersatz für die ausgesperrten Holzarbeiter heranzuziehen. Der Streikbrechernachweis der Firma Auguste Muller, Hamburg=Wandsbeck, hat vier Agenten unterwegs, die die nötigen Subjekte heranschaffen sollen. In Berlin und Hamburg hatte man denn auch 21 Mann zusammengebracht, die Hälfte davon hatte Bautzen bereits wieder verlassen. Den Rest hält die Firma unter strenger Bewachung. Nicht allein, daß die Meister hierzu benutzt werden, sondern die Polizeibehörde hat sogar 2 Polizisten im Betriebe stationiert. Außerdem sind die Arbeitswilligen mit Revolvern ausgerüstet. Die Erregung der— im Einverständnis mit den Holzarbeitern — weiterarbeitenden Metallarbeiter im Betriebe läßt sich denken. Keiner von diesen darf sich— bei Strafe sofortiger Entlassung— dem Raume nähern. in dem die Arbeitswilligen beschäftigt werden. Die ganze Bevölkerung Bautzens steht auf seite der Ausgesperrten. Das hindert aber die Direktion der Waggonfabrik — die im letzten Jahre 12 Prozent Dividende verteilen konnte— nicht, an den geplanten Lohnabzügen, die die Holzarbeiter nicht akzeptieren können, festzuhalten. Dringend ersuchen die Ausgesperrten um Fernhaltung des Zuzuges von Stellmachern und Holzarbeitern.— In Magdeburg konnte erst eine geringe Anzahl Tischler und Maschinenarbeiter seit der Beendigung des Kampfes wieder eingestellt werden, weshalb auch hier Zuzug halten ist. D' Aussperrung M“ larbes# Herrn von Krauchwitz zu sehen, wie er vom Fieber und unaussprechlicher Angit,ggrschziget, alle Heiligen anrief, sich seiner zu erbarmen.#####s sonst in seinen Gesinnungen, dar di. Gusse iitng# einen Gesinnungen, schien ooch die Gnabe plotzlich zum Durchbruch gekommen. Eine rechte Freude war es. einen solchen Sünder in zerknirchter Buße der Kirche wieder gewonnen zu sehen. Auf seinen Knien, die Hände krampfhaft faltend—“ „Herr Dechant,“ unterbrach ihn der Ritter ausspringend, „Ihr seid ein Diener der Kirche, Ihr kennt Eure heiligen Pflichten. Ein Priester, der das Geheimnis der Beichte bricht, und gält“ es des Kurfürsten Leben, Joachim vergibt es ihm weiter fernzugalten ist.— Die aussperrung der Mobelareliter in Höchst hat nur eine geringe weitere ausdehnung angenommen. Die Fabrikanten inserieren in einer ganzen Anzahl bürgerlicher Blätter nach Möbelschreinern und Maschinenarbeitern, so daß diesen Inseraten besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Die Polizei stellt sich auch bei diesem Kampf auf seite der Unternehmer.— In Kelkheim, wo die meisten Möbeltischlereien nach Höchst arbeiten, haben die Holzarbeiter beschlossen, nach Fertigstellung, igter allelde Krr mimte urben nach Wichst sn verweigern. Hierdurch dürfte der Kampf auch auf Kelkheim und Kin mmer. „Nicht in der Beichte, als Freund vertraute mir der Junker, was er wußte. Mich bindet nichts, als— meine Vernunft wenn ich alle Schritte tue, die Freundschaft und Religion mir gebieten, die Ehre und das Leben eines unschuldigen Freundes zu reiten(Forts. folgt.) rer Akforde jede weitere Arbeit nach Höchst zu Anlrgich bürsn der Numef gachlauf Rellheim und Umgerung ausgedennt werden.— Die Kampfe der Tischler in Luckenwalde, Schwenningen(Württemberg), Sommerfeld, Pfarrkirchen, Neustadt a. Orla und Arnswalde dauern fort.— Der Streik der Korbmacher in Stettin mit Altdamm und Finkenwalde wurde beendet; doch ist die Mehrzahl der Arbeiter noch nicht wieder eingestellt, so daß Zuzug auch weiter ferngehalten werden muß. Ferner werden die Korbmacher gebeten. Corbetha, Halle a. S. und Loitz zu meiden, wo die Kämpfe fortdauern. Die allgemeine Tarifbewegung im Holzgewerbe zeigt gegenwärtig wenig Veränderung. In einer großen Anzahl Orte wurde bereits verhandelt, doch ist dabei bisher nichts herausgekommen. In den meisten Fällen hat es sich zunächst nur darun gehandelt, eine Verständigung über die Zusammensetzung Verhandlungskommissionen und über den Behandlungsmodus herbeizuführen. Eine größere Anzahl Verwaltungen des Holz. arbeiterverbandes hat ihre Forderungen den Unternehmern bereits formuliert überreicht. In anderen beschäftigen sich noch die Mitglieder mit Aufstellung der Forderungen. Erwähnt sei noch, daß mit dem Gewerkverein(H.=D), sowie mit der christlichen Organisation eine Verständigung über ein gemeinsames Vorgehen erzielt ist. Die örtlichen Verhandlungen werden an allen Orten fortgesetzt; abgebrochen sind sie nirgends. Arbeitsnachweise der Unternehmerverbände. Reichlich spät erscheint jetzt in der neuesten Nummer der„Arbeitgeber=Zeitung“ ein Bericht über die im Oktober abgehaltene Arbeitsnachweiskonferenz der Unternehmerverbände. Die Frisur des Berichtes hat gewiß lange Zeit gebraucht. So enthält er denn auch wenig, was für die Oeffentlichkeit neu oder besonders interessant wäre; besondere scharfmacherische Pointen bleiben sicher Interaas der Teilnehmer, die durch Ausschluß dafür gesorgt hatten, daß profane Ohren keine genaue Kenntnis von den neuesten Plänen der Scharfmacher erhielten. Die Sache hat für uns nur noch des. wegen Interesse, weil die Unternehmerverbände gegenwärtig mit besonderem Nachdruck die Errichtung der Zwangsarbeitsnach. weise betreiben und weil die auf dieser Konferenz anwesenden 70 Herren, die 80 Unternehmerverbände vertreten, dieser Scharfmacheridee wohlgefällig zustimmten. Für den Uneingeweihten muß nach dem frisierten Bericht der Unternehmernachweis ziemlich harmlos erscheinen, denn die Ausführungen des Herrn Syndikus Roitzsch=Chemnitz klangen in das hohe Lied für die Unternehmernachweise aus, die, von sachkundiger Hand geleitet, sich des Vertrauens der Arbeiter erfreuen würden, dessen die paritätischen und gewerkschaftlichen Nachweise ermangeln; hielten sie sich von den Schwächen dieser paritätischen und gewerkschaftlichen Nachweise frei, so würden sie ihnen dauernd ein Uebergewicht bieten. Das sieht nach einer Proklamation einer Art freien Konkurrenz zwischen den genannten Arbeitsnachweisen aus. Wenn es weiter nichts wäre, so könnte die Arbeiterschaft diesem freien Spiel der Kräfte getrosten Mutes entgegensehen, denn auf wessen Seite da der Erfolg bliebe, kann keinen Augenblick zweifelhaft erscheinen. Herr Ingenieur ThielkowHamburg ging schon ein bißchen stärker ins Geschirr. Er betonte, daß der Arbeitsnachweis der Unternehmer nicht nach einer Schablone arbeite, sondern daß die Arbeitsuchenden bei ihrer Einstellung nach ihrer Brauchbarkeit und Tüchtigleit berücksichtigt werden, auch daß die Arbeitsnachweise dazu berufen seien, einen erzieherischen Einfluß auf die Arbeiter auszuüben und sie zu angemessener Leistungsfähigkeit bringen. Wie Figura zeigt! Der Arbeitsnachweis in MannheimLudwigshafen, dessen Geschäftspraktiken wir vor einigen Tagen zeigten, übt wirklich erzieherischen Einfluß auf die Arbeiter aus. Er versolgt eine Art Erziehungsmethode gegen den freien Arbeiter, wie sie etwa der Hausvater Colander gegen die ihm anvertrauten Zöglinge geübt hat. Wenn das das Muster sein soll, nach dem die Arbeiter in ganz Deutschland mit Unternehmer=Erziehung beglückt werden sollen, dann kann die Wirkung dieser Erziehung nicht ausbleiben. Den Herren Scharfmachern wird es ob dieser Wirkung wohl doch noch gehörig in zur Niederzwingung der Gewerkschaften beraten müssen, so wie sie es auch jetzt wieder taten, als sie berieten, ob die totale, die prozentuale oder die Aussperrung nur der organisierten Arbeiter am wirksamsten sei. Ehedem wurde die ABCAussperrung und die nach Altersklassen geordnete über den grünen Klee gelobt. Ja, auch, unsere, Herren Scharfmacher .. etugi. Ja, auch, unsere Herren Scharfmacher mussen sich dem Zwange der wirtschaftlichen Machtverhaltnisse beugen, die nun doch von den starken deutschen Gewertschaften n, die nun doch von den starken deutschen Gewerkschaften auch so mitgestaltet werden, daß die Ueppigkeit dieser Herren nicht gar zu sehr in die Halme sp heßen kann. Die Fahrradsättel= und=Taschenfabrikanten Deutschlands haben sich in ihrer Mehrheit zu einem Kartell zum Zwecke der Herstellungs- und Preisregulierung zusammengeschlossen. Aus der Erfahrung mit den Organisationen der Lederwarenfabrikanten, die sich unter gleichen Vorwänden gebildet haben, steht zu erwarten, daß auch die neue Gründung eine Arbeitgeberorgamsation werden wird. Tarifkündigung in der Schuhindustrie in München. Die Zahlstelle Munchen des Schuhmacherverbandes hat in ihrer letzten Mitgliederversammlung mit erdrückender Mehrheit beschlossen den mit den Unternehmern am 15 Johr ax 1000 schlossen, ven mit den Unternehmern um 19. Fedrucr 1308 bereinbarten Tarif am 1. Dezember 1909 zu kündigen. Der Tarif wird nicht gekündigt, um etwe Forderungen zu wird nicht gelandigl. um elwa Forderungen zu stellen, sondern der Beschluß ist eine Antwort auf die seit 2 Jahren seitens der Herren Schuhfabrikanten beliebte Nichtachtung des Tarifs. Zu wiederholten Malen mußte das Gewerbegericht als Einigungsamt in Tätigkeit treten und den Herren Fabrikanten bedeuten, daß, Taxifverträge— wenn sie einmal abgeschlossen— für beide eite pindend und Die Arhaiter zjahen dehor d“ ger Seie k#### einmal abgeschlossen— für beide „(dens sans. Die Arbener ziehen bäher viesen Plankleien liever eine tariflose Zeit vor: Der Terrorismus der Augsburger Maschinenfabrik verurteilt! Am 1. August fanden in Augsburg die Handelskamitt, bei denen zuch S H, merwahlen, statt,# benen auch der Ingenieur Hans Vayer der Maschinenfabrik Augsburg gegen die von der Direktion unterstützte gelbe Liste gewählt wurde. Bayer, der Mitglied des Deutschen Technikerverbandes ist, wurde am nächsten Tage ohne Einhaltung der Kündigungsfrist entlassen, angeblich, weil er während der Arbeitszeit für die Liste der organisierten Techniker agitiert habe. Die Maßregelung Bayers rief seinerzeit große Erregung hervor, auch beschaftigte das terroristische Treiben der Direktion der Maschinenfabrik Augsburg den bayerischen Landtag und fand dort einstimmige Verurteilung. „Der, gemaßregelte Ingenieur Bayer hatte nun die Maschinensabtik augsburg auf Zahlung des Gehalts für ein Vierteljahr wegen kündigungsloser Entlassung verklagt; außerdem verlangte er die Ausstellung eines Zeugnisses.— In der Verhandlung am Sonnabend,vor dem Landgericht Augsburg wurde nun die Moschinenfabrik Augsburg durch Versäumnisurteil zur Zahlung von 450 Mk. Gehalt nebst Zinsen und Ausstellung des vom Kläger verlangten Zeugnisses verurteilt. Die beklagte Firma hat nicht einmal den Versuch gemacht, die von der Direktion aufgestellten Behauptungen, Bayer habe während der Geschäftszeit für die Liste der organisierten Techniker agitiert, zu beweisen. . 8#5, Urzeil ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil eine .# von Kommunen die fernere Vergebung von Aufträgen an die Maschinenfabrik Augsburg von dem Ausgange des Prozesses abhängig gemacht hat. Gerichtliches. Bielefeld, 27. Nov. Strafkammer. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte, vielfach vorbestrafte Arbeiter August Hagedorn von hier war beschuldigt, zu Bielefeld am 12. Februar dieses Jahres den total betrunkenen Monteur Sch. von hier, mit dem er vorher herumgekneipt hatte, abseits hinter eine Hecke geführt, dort hingelegt und total ausgeplündert zu haben. Dem Betrunkenen hat es seine silberne Taschenuhr und ein Portemonnaie mit 28 Mark Inhalt gekoster. Der Angeklagte, der die gestohlene Uhr verkauft hat, will sie von dem großen Unbekannten gekauft haben. Er hatte mit dieser Ausrede kein Glück und wurde wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Um dem Drängen des Subdirektors, immer mehr Versicherungen herbeizuschaffen, nachzukommen, ist der bei der Versicherungsgesellschaft„Wilhelma" als Versicherungs-Inspektor angestellte Steinmetz Borchers von hier auf den unglückseligen. Gepanren gesommen einen fineierten Versicherungan e e Stamm vorchers von hier auf den unglückseligen Genlschaf Gersicherungsantrag bei der Gesellschaft einzureichen. Er bestreitet, bei der Fälschung und Einreichung des untrages die Absicht gehabt zu haben sich seuschaft einzureichen. Er bestreitet, bei der Fälschung um Einreichung des untrager die absichl gehart zu haren, sch einer rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, ihm sei es nur auf die Erhaltung seiner Stellung angekommen. Es blieb alse nur einfache 3 Tage Gefär Hinter ver Krüger von wurde wegen gesetzbuches, wegen eines à 9 Monaten v Der etwa Drohne im K Juli d. J. d mißhandelt zu hinterlistigen sich auf der C liche Veranla und 3 Zentim muskel vollstä weitklaffenden Angeklagte su seiner bisheri Der 14 Je lenbeck wollte eigen nennen. langen, bedur seiten des Va wagte, versuch heute wegen und wurde de S.& H. 27. Nov. Mi verbrechen, die Rupprecht Schwurgericht Angeklagte, au Bruder Essen chen an und Mädchen um werde es umb dem Schaupla daher einen hindern unds gefüllt war.( der Angeklagt mußte, sich zu Tage krank da der an dem be Mädchen an si Kind begleitet dem Bähnhofe ihm vornahm. mit dem Kopf den er hinter leise Wimmer: lichen Lage be blutunterlaufe ger erklärte degenerierten frage unter 2 richtshof den Jahren Zucht Die Dem„Be Der Rack nanige Wun langen, dürf nant im 14. dringend ver nachmittag v Geständnis a schaft leugne geschlossen er schlagfertig. Nachdem die Möglichk geschlossen. zehn Genera dann mußt gesetzten einb ein Offizier die Pillen. kommt, geht hebungen des Verdächtige gesucht hatte, war jedoch Monats wie Nachforschung vom 13. auf d Personenzug Wien einget mittelbar na in einen Pos worfen hatte. auch die Stur 30 Minuten grund gesellt Eine entse Augenblick, a langte, das i seine Giftsen anderer Offiund angegel seinem Nam men habe, 9. November das ominöse erste Besicht selben Firma Versendung zur Feststellu neten Art a von der best Jabrikat, sei. Schächteichen nach Linz gel übergab, trug und es war ausgekratzt, überraschend, in der die T schrieben wa ten, die in d Die Kuverts „Hochwohlgel versehen, wäl teristischerg diese Entdeck dende Wort. Die Firm Wiener Firn vor gefunden menade verk# der Myrthen mittelbarer zu tun hatte. bei der Firm Schächtelchen vurch seinen hat es sich zunächst nur darun über die Zusammensetzung der über den Behandlungsmodus Inzahl Verwaltungen des Holz. erungen den Unternehmern beanderen beschäftigen sich noch der Forderungen. Erwähnt sei (H.=D), sowie mit der christ. ndigung über ein gemeinsames hen Verhandlungen werden an den sind sie nirgends. ehmerverbände. Reichlich spät nmer der„Arbeitgeber=Zeitung“ r abgehaltene Arbeitsnachweis. nde. Die Frisur des Berichtes So enthält er denn auch wenig, der besonders interessant wäre; en bleiben sicher Internas der dafür gesorgt hatten, daß prois von den neuesten Plänen der iche hat für uns nur noch des. ehmerverbände gegenwärtig mit htung der Zwangsarbeitsnach. f dieser Konferenz anwesenden rbände vertreten, dieser Scharf. ten. Für den Uneingeweihten der Unternehmernachweis ziemAusführungen des Herrn Synzen in das hohe Lied für die von sachkundiger Hand geleitet, r erfreuen würden, dessen die n Nachweise ermangeln; hielten paritätischen und gewerkschaftsie ihnen dauernd ein Uebereiner Proklamation einer Art genannten Arbeitsnachweisen re, so könnte die Arbeiterschaft getrosten Mutes entgegensehen, folg bliebe, kann keinen Augenerr Ingenieur Thielkowstärker ins Geschirr. Er ber Unternehmer nicht nach einer die Arbeitsuchenden bei ihrer arkeit und Tüchtigleit berückitsnachweise dazu berufen seien, die Arbeiter auszuüben und sie it bringen. itsnachweis in Mannheimsäftspraktiken wir vor einigen herischen Einfluß auf die ArErziehungsmethode gegen den Hausvater Colander gegen die hat. Wenn das das Muster n ganz Deutschland mit Untern sollen, dann kann die Wirbleiben. Den Herren Scharfung wohl doch noch gehörig in in nachfolgenden Konventikeln, hres neuen Planes, über neue g der Gewerkschaften beraten eder taten, als sie berieten, ob Aussperrung nur der organisei. Ehedem wurde die ABC. ersklassen geordnete über den unsere Herren Scharfmacher rtschaftlichen Machtverhältnisse arken deutschen Gewerkschaften die Ueppigkeit dieser Herren eßen kann. schenfabrikanten Deutschlands einem Kartell zum Zwecke der ing zusammengeschlossen. Aus ionen der Lederwarenfabrikanänden gebildet haben, steht zu ndung eine Arbeitgeberorganihindustrie in München. Die macherverbandes hat in ihrer it erdrückender Mehrheit beern am 15. Februar 1908 ver1909 zu kündigen. Der Tarif orderungen zu stellen, sondern die seit 2 Jahren seitens der Nichtachtung des Tarifs. Zu Bewerbegericht als EinigungsHerren Fabrikanten bedeuten, imal abgeschlossen— für beide r ziehen daher diesen Plänkeurger Maschinenfabrik verurlugsburg die Handelskamr Ingenieur Hans Bayer der die von der Direktion unter. Bayer, der Mitglied des wurde am nächsten Tage ohne entlassen, angeblich, weil er Liste der organisierten Techgelung Bayers rief seinerzeit beschaftigte das terroristische nenfabrik Augsburg den bayestimmige Verurteilung. ayer hatte nun die MaschinenGehalts für ein Vierteljahr verklagt; außerdem verlangte 5.— In der Verhandlung am lugsburg wurde nun die Maersäumnisurteil zur Zahlung in und Ausstellung des vom teilt. Die beklagte Firma hat die von der Direktion aufgede während der Geschäftszeit echniker agitiert, zu beweisen. onderer Bedeutung, weil eine Vergebung von Aufträgen an dem Ausgange des Prozesses ufkammer. Der aus der ielfach vorbestrafte Arbeiter schuldigt, zu Bielefeld am 12. etrunkenen Monteur Sch. von eipt hatte, abseits hinter eine otal ausgeplündert zu haben. silberne Taschenuhr und ein ilt gekoster. Der Angeklagte, will sie von dem großen Unmit dieser Ausrede kein Glück ederholten Rückfalle zu einem ktors, immer mehr Versichenen, ist der bei der VersicheZersicherungs-Inspektor anger auf den unglückseligen GeVersicherungsantrag bei der eitet, bei der Fälschung und ht gehabt zu haben, sich einen 1 verschaffen, ihm sei es nur angekommen. Es blieb also nur einfache Urkundenfälschung übrig. Der Angeklagte erhielt 3 Tage Gefängnis. Hinter verschlossenen Türen wurde gegen den Invaliden Carl Krüger von Eidinghausen bei Oeynhausen verhandelt. Derselbe wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens aus§ 176 Abs. 3 des Strafgesetzbuches, und zwar mit Rücksicht auf seine Vorbestrafung wegen eines ähnlichen Verbrechens, zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt. Der etwa 20 Jahre alte Ackersmann Heinrich Alhorn von Drohne im Kreise Lübbecke wird beschuldigt, am Abend des 18. Juli d. J. den Bäcker Friedrich Schlüter vorsätzlich körperlich mißhandelt zu haben und zwar mittels eines Messers und eines hinzerlistigen Ueberfalles. Als Schlüter am fraglichen Abend sich auf der Chaussee unterhielt, hat ihm der Angeklagte ohne jegliche Veranlassung im Vorbeigehen einen 26 Zentimeter langen und 3 Zentimeter tiefen Messerstich, welcher den großen Gesaßmuskel vollständig zertrennte, beigebracht. Zur Schließung der weitklaffenden Wunde mußten 15 Nähte angebracht werden. Der Angeklagte suchte die Tat zu leugnen. Er erhielt in Anbetracht seiner bisherigen Straflosigkeit 6 Monate Gefängnis. Der 14 Jahre alte Arbeitsbursche Friedrich Bante von Gehlenbeck wollte gern, wie viele andere Knaben, ein Fahrrad sein eigen nennen. Um dieses von dem Händler auf Kredit zu erlangen, bedurfte es eines Bestell= oder Genehmigungsscheines von seiten des Vaters. Da er sich aber an den Vater nicht heranwagte, versuchte er es mit einem gefälschten Schein. Er erhielt heute wegen qualifizierter Urkundenfälschung 3 Tage Gefängnis und wurde der bedingten Begnadigung empfohlen. S.& I. Schwere Sittlichkeitsverbrechen. Nürnberg, 27. Nov. Mit zwei Fällen von überaus schweren Sittlichkeitsverbrechen, die beide dem 25 Jahre alten verheirateten Arbeiter Rupprecht zur Last gelegt werden, hatte sich das hiesige Schwurgericht zu beschäftigen. Im vorigen Sommer traf der Angeklagte auf dem Felde ein 15jähriges Mädchen, das seinem Bruder Essen bringen wollte. Der Angeklagte sprach das Mädchen an und warf es dann in den Straßengraben. Als das Mädchen um Hilfe schrie und sich wehrte, drohte er ihm, er werde es umbringen. Inzwischen hatten sich verschiedene Leute dem Schauplatz genähert. Der Angeklagte steckte dem Mädchen daher einen Knevel in den Mund, um es am Schreien zu verhindern und steckte es in eine Wegunterführung, die mit Wasser gefüllt war. Es gelang dem Mädchen aber schließlich doch, zumal der Angeklagte vor den näherkommenden Personen fluchten mußte, sich zu befreien und nach Hause zu kommen, wo es mehrere Tage krank daniederlag.— 14 Tage später lockte der Angeklagte, der an dem betreffenden Tage blau gemacht hatte, ein 5jähriges Mädchen an sich, dem er Süßigkeiten versprach. Das ahnungslose Kind begleitete den Angeklagten nach den Männeraborten auf dem Bähnhofe, no der Angeklagte unzüchtige Handlungen mit ihm vornahm. Als die Kleine zu weinen anfing, steckte er sie mit dem Kopf in das Abortrohr und verließ dann den Abort, den er hinter sich zuschloß. Nur durch einen Zufall wurde das leise Wimmern des Kindes gehört und dieses aus seiner schrecklichen Lage befreit. Kopf und Hals wiesen Quetschungen und blutunterlaufene Stellen auf. Ein medizinischer Sachverständiger erklärte den Angeklagten für einen durch Alkoholgenuß degenerierten Menschen. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage unter Versagung mildernder Umstände, worauf der Gerichtshof den Angeklagten, der keinerlei Reue zeigte, zu neun Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilte. Die Aufklärung der Wiener Gistmorbaffäre. Dem„Berliner Tageblatt“ wird aus Wien geschrieben: Der Rachedurst eines Gekränkten, Ehrgeiz und der wahnnanige Wunsch, doch in die ersehnte Generalstabskarriere zu gelangen, dürften die Motive zu der Tat sein, deren der Oberleutnant im 14. Infanterieregiment Adolf Hofrichter in Linz dringend verdächtig ist. Entgegen den heute(27. November nachmittag verbreiteten Gerüchten, daß Hofrichter ein volles Geständnis abgelegt habe, wird jetzt gemeldet, daß er seine Täterschaft leugnet, obwohl der Ring der Beweise gegen ihn lückenlos geschlossen erscheint. Er leugnet ruhig, standhaft, energisch und schlagfertig. Nachdem Hofrichter zur Truppe versetzt war, war für ihn die Möglichkeit, in den Generalstab zu kommen, vorläufig ausgeschlossen. Wenn nun von den letzten im Oktober einberufenen zehn Generalstabsoffizieren wenigstens vier die Giftpillen aßen, dann mußten die im Range zunächst Folgenden der Zurückgesetzten einberufen werden. Zu diesen gehörte Hofrichter. Nur ein Offizier war noch vor ihm, und diesem sandte er ebenfalls die Pillen. Daß Hofrichter beinahe allein als Täter in Betracht kommt, geht aus folgendem hervor: Zuerst wurde durch Erhebungen des Regimentskommandos in Linz festgestellt, daß der Verdächtige vom 9. dieses Monats ab Urlaub für Böhmen nachgesucht hatte, der ihm auch bewilligt worden war. Hofrichter war jedoch nicht in Böhmen gewesen, und erst am 16. dieses Monats wieder in seiner Garnison Linz eingetroffen. Die Nachforschungen stellten fest, daß der Oberleutnant in der Nacht vom 13. auf den 14. November mit dem 1 Uhr nachts passierenden Perjonenzug Linz verlassen, und um 6 Uhr 30 Minuten früh in Wien eingetroffen war. Die Annahme lag nahe, daß er unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem Westbahnhof die Briefe in einen Postkasten in der nahegelegenen Mariahilferstraße geworfen hatte. Diese Annahme erschien um so begründeter, als auch die Stunde des Poststempels auf die Aufgabe zwischen 7 Uhr 30 Minuten und 8 Uhr früh schließen ließ. Zu diesem Verdachtsgrund gesellten sich noch schwerwiegende andere. Eine entscheidende Wendung erhielten die Erhebungen in dem Augenblick, als die Polizei in den Besitz eines Schächtelchens gelangte, das identisch mit denen war, in denen Chartes Francis seine Giftsendungen verschickt hatte. Es hatte sich nämlich ein anderer Offizier, der ebenfalls in Linz stationiert ist, gemeldet und angegeben, daß er von dem Oberleutnant Hofrichter zu seinem Namenstage ein Schächtelchen mit Schreibfedern bekommen habe, auf dem die Worte standen:„Zum Namenstage, 9. November 1909". Der betreffende Offizier legte gleichzeitig das ominöse Schächtelchen der Polizeibehörde vor. Schon die erste Besichtigung ergab, daß die Schachtel zweifellos von derselben Firma fabriziert worden ist wie die, in denen das Gift zur Versendung gelangt war. Die weiteren Nachforschungen führten zur Feststellung der Fabrik, in denen Schächtelchen der bezeichneten Art angefertigt werden, der Firma Richter und Rudolf, von der bestatigt wurde, daß das Schächtelchen tatsächlich ihr Fabrikat sei. Die Firma hat einen großen Posten von diesen Schächtelchen an Detaillisten in der Provinz und darunter auch nach Linz geliefert. Die Schachtel, die der Offizier der Behörde übergab, trug auf ihrem Boden die eingestanzte Mark:„Vienna“, und es war auch die Fabrikbezeichnung Richter und Rudolf nicht ausgekratzt, wie dies bei den Giftsendungen geschah. Es war überraschend, daß auch Laien sofort die Aehnlichkeit der Schrift, in der die Worte:„Zum Namenstag, 9. November 1909“ geschrieben waren, mit den einzigen unverstellt geschriebenen Worten, die in den Giftsendungen zu finden waren, sofort auffiel. Die Kuverts waren bekanntlich mit den hektographierten Worten: „Hochwohlgeboren Herrn k. und k. Hauptmann im Generalstab“ versehen, während Name und Wohnort der Adressaten in charakteristischer großzügiger Militärschrift ausgeführt waren. Ueber diese Entdeckung sprachen dann die Graphologen das entscheidende Wort. Die Firma Ploj in Linz führt solche Federschächtelchen der Wiener Firma Richter u. Rudolf, wie sie in den Giftsendungen vorgefunden wurden, und die Firma Kirchmaier auf der Promenade verkauft solche Kuverts, wie sie in Wien bei Pollack in der Myrthengasse erzeugt werden. Beide Firmen liegen in unmittelbarer Nähe des Platzkommandos, wo der Oberleutnant zu tun hatte. Es ist festgestellt worden, daß der Oberleutnant bei der Firma Ploj zu Beginn dieses Monats zehn Stück dieser Schächtelchen perzonlich einkaufte und dann noch fünf Stück durch seinen Burschen besorgen ließ. Hofrichter gab an, er hätte die Schächtelchen für das Handarbeitszeug seiner Frau gebraucht, die verschiedene Nährequisiten und Materialien darin verwahrt habe. Im ganzen, erklärte der Oberleutnant, habe er neun Stück gekauft.(Diese Zahl ist zu beachten, da ja bekanntlich zehn solcher Schächtelchen, mit Gift gefullt, versendet worden sind.) Von dieren neun Stück will er sechs verbrannt haben. Weiter wurde festgestellt, daß Hofrichter bemüht war sich eingehend über die Fullung und den Verschluß der Oblatenkavseln zu informieren. Die Schreibsachverständigen fügten allen diesen Verdachtsmomenten noch Feststellungen von ausschlaggebender Bedeutung hinzu: In der Wohnung des Offiziers wurden ein Hektographenapparat und Koviertinte gefunden, auf denen, wie die Fachleute als ziemlich gewiß aussagten, jedenfalls die Briese Charles Francis' hergestellt worden sind. In Linz eruierte die Untersuchungskommission die Apotheken, in denen der Offizier die Oblatenkapseln gekauft hat. Zuerst wurde der Gehilfe einer Drogenhandlung vernommen, der angab, ein Offizier mit einem Hund habe bei dieser Firma Oblatenkapseln kaufen wollen. Der Gehilfe agnoszierte den Oberleutnant als jenen Offizier. Des weiteren stellte man in zwei Linzer Avotheken fest, daß der Offizier mit dem Hunde dort Oblatenkapseln gekauft hat, und zwar in der einen zehn Stück, in der anderen zwanzig. Dieser Offizier war, wie beinahe mit absoluter Sicherheit festgestellt werden konnte, der beschuldigte Oberleutnant. Bei einer Haussuchung in seiner Wohnung fand man dort eine Schachtel mit zehn Stück Oblaten vor; sie waren mit rotem Pulver gefüllt, das angeblich ein Bandwurmmittel sein soll. Auf Grund der vorhandenen Verdachtsgründe wurde nun Oberleutnant Hofrichter in Präventivhaft genommen. Während er ein Verhör zu bestehen hatte, wurde sein Schreibtisch in seinem Bureau im Platzkommando revidiert. Man fand in der Schublade zwei Schächtelchen und in beiden war die Firmenbezeichnung „Rudolf u. Richter“ weggekratzt, so daß nur das Wort„Vienna stehen geblieben war. Aber selbst dieser Vorhalt vermochte den Oberleutnant nicht zu bewegen, von seinem bisherigen Verhalten abzugehen. Der zweite Vorhalt, der ihm gemacht wurde, war der Fund der Oblatenkapseln. Zu diesem Punkte erklärte Hofrichter, er habe eine Anzahl von Oblatenkapseln gekauft, um ein„Mittel gegen den Bandwurm der Hunde“ darin aufzubewahren; die Frage jedoch, wozu er so viele dieser Kapseln— gekauft hat er 40 Stuck— gebraucht habe, ließ er unbeantwortet. Ueber die Frage der Beschaffung des Giftes können bestimmte Anhaltsvunkte nicht gewonnen werden. Oberleutnant Hofrichter ist jedoch, wie bereits mitgeteilt, seit vielen Jahren als ausgezeichneter Photograph bekannt, und die Vermutung liegt daher nahe, daß er sich das Gift unter der Angabe, daß er es zu photographischen Zwecken benötige, verschafft hat. Dies wurde dem Beschuldigten während des Verhörs vorgehalten; aber er versuchte diesen Beweis mit der Behauptung, daß er beim Photographieren nur Trockenplatten benutzte, und daher weder Zyankali, noch anderes Gift benötigte, zu entkräftigen. Ueber die Verwendung der in seiner Wohnung vorgefundenen Hektographentinte konnte er keine befriedigende Auskunft geben. Was seine Anwesenheit in Wien betrifft, so suchte sie Oberleutnant Hofrichter mit einem Besuch bei seiner Frau und deren Eltern zu erklären.(Die Gattin des Oberleutnants ist einen Tag vor ihrem Manne in Wien eingetroffen und wohnt während ihres Wiener Aufenthalts bei ihren Eltern im 9. Bezirk.) Auf den Vorhalt, daß sich verschiedene Geschäftsleute genau erinnern, ihn bei Einkäufen von Papier und ähnlichen Tingen, die er später zur Herstellung der Sendungen gebraucht habe, gesehen zu haben, erklärte er, er bestreite nicht, derartige Einkäufe gemacht zu haben; daraus gehe aber noch lange nicht hervor, daß er die Sendungen tatsächlich ab#eschickt habe. Nach Abschluß des Verhörs, das gestern(26. November) von 3 Uhr nachmittags bis 11 Uhr nachts dauerte, erklärte der Gerichtsherr den Oberleutnant Hofrichter, der während seiner nahezu achtstündigen Vernehmung immer wieder seine Unschuld beteuert und mit großer Redegewandheit und Schlagfertigkeit die einzelnen Verdachtsmomente zu entkräften versucht hatte, für verhaftet. Hofrichter ist seit 1907 mit der Tochter eines Wiener Möbelhändlers verheiratet. Die Ehe war bisher kinderlos, doch sieht Hofrichters Frau in der nächsten Zeit Mutterfreuden entgegen. Der Verhaftete war wegen seines barschens Wesens bei der Mannschaft nicht beliebt. Ein Bruder der Frau soll ein im Kriegsarchiv beschäftigt gewesener Hauptmann sein, der sich wegen eines schweren Leidens vor zwei Tagen erschossen hat. In Linz machte ein Apotheker die Aussage, daß vor einiger Zeit ein Offizier mit einem auf den Namen Hofrichter lautenden Rezept sich Chinin in Oblaten geben ließ, wobei er zehn Oblaten erhielt. Auffallenderweise ließ sich der Offizier nochmals nach dem gleichen Rezevt Pulver machen. Aus dem Rezept war der Datumstemvel herausgeschnitten worden. Es besteht die Vermutung, daß das Chinin aus den Oblaten entfernt und Zyankali hineingegeben wurde. Wien, 29. Nov. Oberleutnant Hofrichter wurde heute in Zelle 5 des Garnisonlazaretts gebracht, nachdem ihm bereits in Linz der Säbel abgenommen war. Das früher vollkommen ruhige und selbstbewußte Benehmen des Offiziers ist geschwunden, er brütet in der Zelle vor sich hin. Heute wurde der Polizei zur Kenntnis gebracht, daß der Linzer Aphotheker Czerny bei der Linzer Polizei ausgesagt hat, daß vor drei Wochen ein Offizier mit schwarzen Aufschlägen zu ihm kam, um Schachteln mit Schiebern zu kaufen, die er jedoch nicht vorrätig hatte. Die Personenbeschreibung, die Czerny von dem Offizier gibt, paßt genau auf Hofrichter. Gegenwärtig dauert das Verhör noch an. Vermischtes. Juwelendiebstahl. Berlin, 29. Nov. Juwelendiebe sprengten in der vergangenen Nacht bei dem Uhrmacher Ranusch in der Andreastraße 3 den Rahmen des Schausensters und erbeuteten für 10000 Mk. Schmucksachen. Eine Brücke eingestürzt. Dresden, 29. Nov. Infolge großer Schneemassen stürzte die Brücke über den Flöhafluß bei Wünschendorf ein. Sechs Fußgänger sind dabei in die Tiefe gestürzt, drei wurden schwer verletzt. Auf die Schienen gelegt. Halle(Saale), 29. Nov. Bei Wimmelburg bemerkte ein Bahnwärter in der vergangenen Nacht, wie zwei unbekannte Männer, anscheinend Wilddiebe, einen unbekannten etwa 25jährigen Mann vor dem Einlaufen eines Zuges auf den Bahnkörper der Strecke Halle=Kassel legten und hinter einer Hecke die Folgen ihrer Tat abwarteten. Der Zug verstümmelte den Körper des Unbekannten, die Wilderer flüchteten. Weder sie noch der Tote sind bekannt. Die Pocken. München, 29. Nov. Ein neuer Pockenfall, der vierte innerhalb 18 Tagen, ist hier festgestellt worden, und zwar bei dem 7jährigen Knaben eines Bezirksfeldwebels. Die gesamte Familie wurde in die Isolierstation gebracht. Die Katastrophe des Ballons„Colmar“, Wien, 28. Nov. Aus Fiume wird über die Katastrophe des Ballons„Colmar“ gemeldet: Die verunglückten Aeronauten haben die Gondel entweder abgeschnitten, als sie das Meer erblickten, oder sie wurde durch den Sturm abgerissen. Brinkman lebte noch, als er aufgefunden wurde. Er war den Felsen entlang auf dem Bauche einige Meter weitergerutscht. Der Hülle des im Tal gefundenen Ballons entstieg noch starker Gasgeruch. Der Absturz erfolgte am Mittwoch, nachts um 11 Uhr. Unglücksfall bei der Straßenbahn. Brest, 29. Nov. Ein Straßenbahnwagen, über welchen der Führer desselben die Bremsgewalt verloren hatte, sauste mit ungeheurer Geschwindigkeit einen Fahrdamm herunter, wo er gegen ein Steuerhaus geschleudert wurde und entgleiste. Von den 30 Insassen des Wagens sind 15 Personen erheblich verletzt worden. An dem Aufkommen von drei Personen wird gezweifelt. Ein Attentat. Paris, 28. Nov. Auf den General Verand wurde heute von einem Manne in der Rue Castiglione ein Revolveranschlag verübt. Der Angreifer wurde verhaftet. Er wollte offenbar den Kriegsminister treffen, dessen Bild er bei sich hatte und der dem General Verand ähnlich sieht. Der Angreifer ist ein algerischer Eingeborener. Er trug zwei geladene Revolver und einen langen Dolch bei sich. Seiner Ueberwältigung durch die Polizei setzte er hefrigen Wiverstund entgegen und wurde dabei verwundet. Bei dem Verhör erklärte er, er sei ein Opfer der Ungerechtigkeit der algerischen Offiziere. General Verand wurde an der Stirn und im Nacken schwer verletzt. Paris, 30. Nov. Das Befinden des bei dem vorgestrigen Revolverattentat verwundeten Generals Verand ist zufriedenstellend. Obwohl noch ziemlich heftige Schmerzen vorhanden sind, sind doch keine Komplikationen zu befürchten. Angeklagte Rechtsanwälte. Petersburg, 29. Nov. Die Rechtsanwälte Bazunoff, Präsesgehilfe des Anwälterats, und Aronsohn, Verteidiger der berüchtigten Olga Stein, der russischen Humbert, welche während der Dauer ihres Prozesses nach Amerika entfloh und später ausgeliefert wurde, sollen wegen Beihilfe zur Flucht Dritter vor Gericht gestellt werden. Der aus der Reichsduma bekannte Abg. Pergament beging aus gleichen Gründen im Frühjahr Selbstmord. Ein Schiff gesunken. Newyork, 28. Nov. Der Küstendampfer„Arge ist in der Bai Tallamook gesunken. Vierzehn Mann der Besatzung fanden ihren Tod in den Wellen. Unserer heutigen Gesamt-Auflage liegt ein Prospekt der Firma Georg Dernlarat, Leipzig, über Musikund Sprech-Apparate etc., illustrierte Romane, Lexikons usw. bei, welchen unsere Leser geh. beachten wollen. Krecheinf“: wöchenttich. * Den Lssern bei Elakäufen zur Beachtungempfehlen. 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