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Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag der Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Bieleseld. 270. Bielefeld, Freitag, 19. November 1909. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Die ungarische Krise. P. Wien, 13. November. Ludwig Kossuths. des Rebellen, Sohn ist aus der Partei, die das Programm Ludwig Kossuths, die Unabhängigkeit Ungarns, hochhielt, und darum Franz Kossuth als Erben dieser Ideen aus dem italienischen Exil nach Ungarn zurückholte und ihn zu ihrem Führer erkor— ausgetreten, weil die Partei den Frieden, den er mit dem Kaiser schloß, nicht ratifizierte. Damit ist die ungarische Krise in ein ganz neues Stadium getreten. Die Unabhängigkeitspartei ist gesprengt und damit der Versuch Habsburgs, die Unabhängigkeitspartei dadurch, daß ihre Führer zur Macht gelangten, zu gewinnen, mißglückt. Nur 74 Mitglieder der Partei sind Kossuth gefolgt und 120 sind bei Justh geblieben, der den Kampf gegen Wien weiter führen will im Sinne des Programms des Jahres 1848. Habsburg hat damit den Krieg mit Ungarn endgiltig verloren, denn wenn Kossuth nun mit den Liberaten und Klerikalen zusammen auch die Majorität im Parlamente hat, so ist doch diese Majorität nicht start genug, um im Sinne der Wünsche des Kaisers und Königs herrschen zu können. Nur wenn es Kossuth gelungen wäre, die ganze Unabhängigkeitspartei mitzureißen, wäre der Frieden mit der Krone perfekt geworden. Sohald aber die Majorität der Unabhängigkeitspartei, die die Vertreterin der herrschenden magyarischen Klassen, des Bürgertums und der Gentry(des Kleinadels) ist, im Widerstande gegen Wien verharrt, nützen dem Kaiser die Andrassy und Apponyi und Kossuth nichts. Denn wenn auch die Wahlen in Ungarn nicht der Ausdruck der Volksmeinung, ja nicht einmal der Meinung der dünnen Schicht ist, der das Wahrrecht eingeräumt ist, so werden die Wahlen dort nicht von der Regierung gemacht, sondern von den Obergespänen in den Komitaten, die von der Zentralgewalt in Budapest unabhänig und nur die Repräsentanten der lokalen Cliquen, d. i. der Bourgeoisie und der Gentry, sind. Einmal, ein einziges Mal im Laufe der letzten Jahrzehnte, hatte es Habsburg in der Hand, die Macht der Gentry in Ungarn zu brechen und indem es seine eigenen Geschäfte besorgte, zugleich der ganzen politischen und sozialen Entwicklung in Ungarn einen starken Anstoß zu geben. Das war damals, als Graf Fejervary den herrschenden Klassen das allgemeine gleiche Wahlrecht aufzwingen wollte. Fejervary und sein Minister des Innern, Kristoffy, wollten den Kampf mit der korrupten Clique, die den Staat und die Komitats ausplünderte, aufnehmen, sie wollten der Autonomie der Komitate, die nur eine Autonomie einiger Tausend kleinadeliger Familien und der mit ihr Verbündeten im Bürgertum ist, ein Ende machen. Es wird sogar behauptet, daß Fejeroary und Kristoffy, um den Widerstand der Magnaten zu brechen, damit rechneten, zur geeigneten Zeit auch mit den Landarbeitern und ihren Organisa tionen gemeinsam zu overieren. Damals, im Jahre 1905, konnte Habsburg mit der Bevöllerung Ungarns seinen Frieden machen. Aber damals hat Habsburg lieber den Frieden mit den anderen gemacht— und sich selbst, wie die breiten Massen der ungarischen Bevölkerung, um den Sieg über die Gentry gebracht. Im letzten Augenblicke, da der Sieg nahe schien, ließ der Kaiser den Grafen Fejervary fallen und übergab den Führern der koalierten Parteien die Regierung. Andrassy, Apponyi und Kossuth übernahmen die Regierungsgeschäfte auf Grund eines Paktes, der den Frieden besiegeln sollte. Darin verpflichtete sich die Regierung, alle militäriichen Forderungen (das sind alle Forderungen, die auf die Schaffung einer eigenen ungarischen Armee gerichtet sind) zurückzustellen, bis das allgemeine Wahlrecht eingeführt sei. Dieses sollte binnen zwei Jahren geschaffen werden. Die zwei Jahre sind längst verstrichen. Das allgemeine Wahlrecht ist nicht geschaffen, die Regierung hat vielmehr eine Wahlreform vorgelegt, die mit ihren vierfachen Pluralstimmen und ihren Zehntelstimmen, wozu noch die öffentliche Abstimmung kommt, geradezu eine Verhöhnung des allgemeinen Wahlrechtes ist. Die Krone hat gegen diese Art der Erfüllung des Paktes bisher nichts getan. Eigentlich wäre jetzt alles in Ordnung, wenn nicht die Krone infolge des bosnischen Abenteuers selbst militärische Forderungen zu stellen hätte, die ihr die Koalition aber nur dann bewilligen kann, penn ihr ebenfalls militärische Konzessionen gemacht werden. Sie verlangt also als Entgelt für die Bewilligung der Kosten der Annexion und für die Bewilligung der gewunschten Millionen für neue Geschütze selbständige ungarische Fahnen für die ungarischen Truppen. Der Streit wurde dadurch kompliziert, daß das Privileg der gemeinsamen Oesterreichisch=Ungarischen Notenbank in zwei Jahren zu Ende geht und daß sich die Unzbhängigkeitspartei, ihren Wählern gegenüber verpflichtet hat, vas Privilegium nicht mehr zu erneuern, sondern als Symbol der staatlichen Selbständigkeit Ungarns nur eine eigene ungarische Notenbank zuzulassen. Daran hat sich der Zwist in der Unabhängigkeitspartei entzündet. Kossuth ist bereit, auf die Banktrennung zu verzichten, wenn er nur die geringsten militärischen Konzessionen bekommt und vor allem, wenn man ihm gestattet, die Wahlreform nach dem Andrassyschen Entwurf zu machen und sie überdies noch hinauszuschieben. Und auf diesem Boden scheint tatsächlich der Friede zwischen der Wiener Hofburg und der Koalition geschlossen worden zu sein. Wien tibt das allgemeine Wahlrecht preis, dafür sibt Kossuth die Prinzipien seiner Partei preis. Zur Drapierung seines Verrates erhält Kossuth auch einige Konzessionen in der Frage der militärischen Embleme, verpflichtet sich aber wieder, die Milliardenforderungen des Kriegsministeriums zu bewilligen. Aber die ganze Spekulation hatte ein Loch. Der bisherige Präsident des ungarischen Abgeordnetenhauses, Justh, ist nicht villens, mit Kossuth zu gehen. Will Kossuth die selbständige ungarische Bank preisgeben, wenn er die Wahlreform verfälschen darf, so ist Justh bereit, das allgemeine gleiche Wahlrecht zu akzeptieren, wenn er die Banktrennung dafür erhält; ja er stellt das allgemeine gleiche Wahlrecht mit der Banktrennung an die Spitze seines Programms. Wie die Dinge stehen, ist es ausgeschlossen, daß Kossuth und seine Koalition gegen die um Justh gescharte Unabhängigkeitspartei regieren kann. Sie werden also wohl oder übel den Versuch unternehmen müssen, an die Wähler zu appellieren. Im Januar, vielleicht schon im Dezember— denn nach der ungarischen Verfassung muß das neugewählte Haus noch das Budget erledigen— werden die Wahlen stattfinden. Ob es da Kossuth gelingt, den Sieg davonzutragen und seine korrupte Herrschaft zu befestigen, ist mehr als zweifelhaft. Es ist leicht möglich, daß man in der Wiener Hofburg noch eine bittere Enttäuschung erlebt. Zur Wahlrechtsänderung in Preußen veröffentlichen die„Hamburger Nachrichten“ einen sehr scharfen und zugespitzten Artikel. Sie gehen von einem Aussatze des „Vorwärts“ aus, in dem der unwiderstehliche Kampf um das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht in Preußen wiederum verkündet und dem Volke gesagt wird, es müsse auf dem Kampfplanc erscheinen, um seinen unbeugsamen Willen zu bekunden. Taran lnüpft das genannte Hamburger Scharfmacher=Blatt folgende Bemerkungen: „Deutlich ist hier der Weg gewiesen, auf den jede Reform des preußischen Wahlrechtes führen muß. Tas Ende, das Ziel dieses Weges begrüßt triumphierend die Sozialdemokratie. Soll nun, well der vorige Reichskanzler und Ministerpräsident in Preußen das nicht erkannt, sondern den Mangel an staatsmännischer Einsicht und Voraussicht auch noch in einer Thronrede festgelegt hat, sein Nachfolger, der eines Besseren belehrt ist, bei dem also begangenen Fehler verharren? Das hieße nichts anderes, a.s den Fehler noch vergrößern, statt seine verderblichen Folgen zu verhüten. Alle Voraussetzungen, unter denen die Thronrede die Wahlrechtsreform verheißen hat, sind, wie wir gezeigt haben, hinfällig. Die ganze Politik, in der das Reformversprechen ein wesentliches Moment bildete, gehört samt dem, der sie begründet und verkörpert hat, der Vergangenheit an. Somit folgt doch, daß das Versprechen keine bindende Kraft mehr haben kann, daß es erloschen ist, erloschen ist mit dem Block und dem Blockfreisinn, dem es unter einer Bedingung gegeben wurde, die nicht erfüllt worden ist und heute gar nicht mehr besteht. Das Versprechen, das preußische Wahlrecht zu reformieren, kann nur noch papiernen Wert haben. Ist tatsächlich die Einsicht in die verhängnisvolle Tragweite der Reform beim Träger der preußischen Krone vorhanden gewesen, hat sie aber vor den Forderungen der Politik des vorigen Reichskanzlers und Ministerpräsidenten zurückstehen müssen: so hat sie um so mehr heute, nach dem Zusammenbruch dieser Politik, volle Würdigung und Geltung zu beanspruchen. Dem, wie der„Vorwärts“ sagt,„unbeugjamen“ Willen der Sozialdemokratie, Preußen- durch Aenderung seines Wahlrechtes zu demokratisieren, und der Behauptung des Zentralorgans der Umsturzpartei, daß dieser reoolutionäre Wille„unwiderstehlich“ sei, müssen die preußische Regierung und alle die bürgerlichen Parteien, die noch über staatserhaltende Gesinnung und Tatkraft verfügen und sich ihrer Verandwortlichkeit bewußt sind, den festen, unabänderlichen Entschluß entgegensetzen, aus dem antirevolutionären Bollwerk des preußischen Landeswahlrechtes nicht ein einziges seiner Fundamente herausnehmen zu lassen. So lange die sozialdemotratischen Gefahren in fort und fort wachsendem Maße drohen, muß dieser Entschluß unabänderlich bleiben. Eine Wahlrechtsreform in Preußen durchführen, hieße, sich zu dem Glauben an die Unüberwindlichkeit des revolutionären Willens bekennen, hieße vor diesem Willen kapitulieren und die staatserhaltende Politik für bankerott erklären.“ Die„Hamburger Nachrichten“ scheinen ganz vergessen zu haben, daß nicht nur Bülow sich für eine Wahlreform eingesetzt hat, sondern daß das Versprechen der Wahlreform vom Kaiser in einer Thronrede gegeben worden ist. Wir Sozialdemokraten sind prinzipiell Republikaner. Wir wünschen, daß der Monarch, solange überhaupt noch einer da ist, wenigstens nichts zu sagen hat. Würde von unierer Seite die Ansicht vertreten werden, daß man sich auf ein Versprechen des Monarchen nicht berufen darf, weil der Minister, der zur Zeit, als das Versprechen gegeben wurde, im Amt war, durch einen anderen ersetzt worden ist, so wäre das sehr wohl zu rechtfertigen. Wir könnten das ja damit begründen, daß der Monarch gar nicht herrschen soll, sondern daß er nur eine dekorative Rolle zu spielen hat. Dann kann er persönlich überhaupt nichts versprechen, und ein Versprechen in der Thronrede, ganz gleich, ob sie vom Monarchen oder von einem Minister verlesen wird, kann stets nur als ein Versprechen des jeweiligen Ministeriums angesehen werden, an das natürlich die Nachfolger dieses Ministeriums nicht gebunden sind. Aber gerade die Kreise, deren Interessen und Anschauungen die„Hamburger Nachrichten" vertreten, können nicht häufig genug ihre gut monarchische Gesinnung versichern. Und hier auf einmal soll ein Kaiserwort nichts getten. Merken die Herrschaften nicht, daß sie dem Kaiser die Rolle eines Strohmannes zumuten, der so tanzt, wie der jeweilige Reichskanzier pfeift, und aus dessem Munde man nur hört, was ihm dieser vorgeblasen hat? Man sieht hier wieder einmal, daß ihre so viel gerühmte Königstreue eitel Heuchelei ist. Wenn der Monarch etwas sagt, was ihnen nicht in den Kram paßt, so pfeifen sie auf ihn. Und der König absolut, wenn er uns den Willen tut! So denken sie. Die schönen Phrasen aber, mit denen bei Kriegervereinsjesten und ähnlichen Saufereien die Festreden gespickt sind, und die sie stets bei der Hand haben, wenn sie die Schale ihres Zornes über die vaterlandslose Sozialdemokratie ausgießen, die sind nur für das dumme Volk da! Uebrigens sollen doch die Herrschaften nicht glauben, daß sie dann, wenn sie eine Reform des preußischen Wahlrechts zurzeit verhindern, damit den Fortschritt der Sozialdemokratie aufhalten und unseren endgiltigen Sieg verhüten können. Wir marschieren vorwärts mit und ohne preußische Wahlrechtsreform. Daß wir das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht in Preußen erst dann bekommen werden, wenn das Proletariat in Preußen=Deutschland zur Herrschaft gelangt, ist klar. Wenn wir die Macht haben, dieses Wahlrecht in Preußen durchführen zu können, dann sind wir auch imstande, überhaupt unsere Ideen zu verwirklichen. Der Kampf um das preußische Wahlrecht ist daher nur eine der Formen, in denen der allgemeine proletarische Befreiungskampf geführt wird. Aber gerade daher die Wichtigkeit, die wir diesem Kampfe beimessen, und der gegenüber die Frage, ob wir in Preußen eine„Wahlrechtsreform“ à la Sachsen bekommen oder nicht, von untergeordneter Bedeutung ist. Der Reichshaushalt für das Etatsjahr 1910 11. Der dem Bundesrat vorgelegte Etatsentwurf schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2660 305 450 Mark ab, das sind 6858991 Mark mehr als im laufenden Etat. Fortlausende Ausgaben: Reichstag 1 997755 Mark; Reichskanzler und Reichskanzlei 314 470 Mark(+ 50 Mark); Auswärtiges Amt 18502 788 Mark(+ 469 735 Mark); Reichsamt des Innern 82642 272 Mark(+ 3280940 Mark); Reichsheer 709237910 Mark(+ 13 805 401 Mark); Reichsmilitärgericht 609 585 Mark(— 13 761 Mark): Kaiserliche Marine 158071 297 Mark(+ 11 010 274 Mark); Reichsjustizverwaltung 2674 865 Mark(+ 27587 Mark); Reichsschatzamt 230157012 Mark (+ 25244700 Mark); Reichskolonialamt 2878 666 Mark(+ 132022 Mt.); Reichseisenbahnamt 485 645 Mark(— 2775 Mt.); Reichsschuld 215 683 457 Mark(+ 18893 408 Mark); Rechnungs hof 1 300512 Mark(+ 15290 Mart): Allgemeiner Pensionsfonds 118 361 736 Mark(+ 2596 235 Mork); Reichsinvalidenfonds 33671 237 Mark(— 1554930 Mark), Reichspost= und Telegraphenverwaltung 625 173310 Mark(+ 1685 932 Mark); Reichsdruckerei 8543 745 Mark(+ 434 620 Mt.) und die Reichseisenbahn 101 440 810 Mark(— 507440 Mark). Einmalige Ausgabe: Auswärtiges Amt 856000 Mark(— 321 498 Mark); Reichsamt des Innern 1758221 Mark(— 1324026 Mark); Reichspost= und Telegraphenverwaltung 15 854 667 Mark(— 31958003 Mark); Reichsdruckerei 277084 Mark(+ 126 670 Mk.); Reichsheer 75 721384 Mt.(— 41914 321 Mark); Reichsmilitärgericht 630790 Mark(— 256640 Mark); Kaiserliche Marine 171747874 Mark(+13796820 Mark); Reichsschatzamt 21397212 Mark(— 5261 497 Mark); Reichskolonialamt 22.628213 Mark(— 2556 966 Mark): Reichsschuld 5 775000 Mark(+ 5775000 Mark); Reichseisenbahnen 4 905 470 Mark(— 671900 Mark); Beamtenbeihilfen, einmalige für 1908 27006 463 Mark. Einnahmen: Zölle, Steuern, Gebühren und Abfindungen 1441620000 Mark; Reichspost= und Telegraphenverwaltung 693008 325 Mark; Reichsdruckerei 13376000 Mark; Reichseisenbahnen 122319000 Mark; Bankwesen 16 482000 Mark; Verwaltungseinnahmen 71 606482 Mark; Reichsinvalidenfonds 33998997 Mark; Ausgleichungsbeträge 39382606 Mark; Matrikularbeiträge 228512000 Mark. Außerordentliche Ausgaben: Reichsamt des Innern 23000000 Mark: Reichsheer 22499100 Mark; Marine 113321 469 Mark; Reichspost= und Telegraphenverwaltung 25000000 Mark; Reichseisenbahnen 7498700 Mark. Außerordentliche Einnahmen: Im einzelnen, nicht spezifiziert, 39063341 Mark. Anleihe: 152255928 Mark Ein fehlgeschlagener Angriff auf das ReichsVereinsgesetz. Das oberste Gericht in Bayern hat durch ein Endurteil den Bestrebungen gewisser Polizeibehörden, die Arbeiterbewegung durch schikanöse Auslegung des neuen Reichsvereinsgesetzes zu belästigen, einen Riegel vorgeschoben. Das Bezirksamt Fürth in seiner Eigenschaft als Distriktspolizeibehörde kann sich nicht von den Traditionen des alten bayerischen Vereinsgesetzes losmachen, in das Polizei= und Juristenseelen alles mögliche hineinuterpretiert hatten, sodaß man auf diesem Gebiete zu einem kleinen sozialistengesetzlichen Zustand kam. Die gleichen Manöver vurden von der genannten Behörde auch mit dem Reichsvereinsgesetz versucht. Das Bezirksamt hatte die Maifeierversammlung in Zirndorf für anmeldepflichtig erklärt und gegen die Einberufer Anzeige erstattet, so daß Strafen gegen sie verfügt wurden. Da die Versammlung in der„Fränkischen Tagespost“ ausgeschrieben war, hielten die Einberufer die Forderung des Beirksamts für unberechtigt, das letztere aber erklärte, es müsse ine Zeitung sein, die im Gebiet der Distriktspolizeibehörde selbst ihren Verlagssitz habe, während die„Fränkische Tagespost“ in Nürnberg erscheine. Die betreffenden Genossen machten in ihrer Berufung dagegen geltend, daß die„Fränkische Tagespost“ die weitverbreitetste Zeitung im ganzen Bezirk sei und zudem auch in Fürth eine eigene Geschäftsstelle unterhalte. In allen Instanzen wurde Freisprechung erzielt; das Landgericht Fürth, das sich vor einigen Wochen mit der Sache besaßte, erklärte es für genügend, wenn die Ausschreibung in einer im Bezirk stark vervreiteten Zeitung erfolge. Zweifelhafte Bestimmungen des Gesetzes müßten in einem dem Publikum günstigen Sinne ausgelegt werden. Hiergegen legte der Staatsanwalt Revision beim obersten Gericht in München ein, das ihn jedoch abwies und sich der Entscheidung der Vorinstanzen anschloß. Landsberg=Soldin und die Agrarier. Die„Deutsche Tageszeitung“ scheint gegenüber all den Wahlniederlagen, die die konservative Partei in der jüngsten Zeit erlitten hat, jegliche ruhige Ueberlegung verloren zu haben. Sie gebärdet sich, als ob die allergrößte Gefahr bestände, daß die Konservativen den Wahlkreis Landsberg=Soldin verlieren würden. So ihre Angst zu verraten, war doch sonst nicht Gepflogenheit konservativer Politiker. Da entrüstet sich nun das Bündlerblatt über den Beschluß der liberalen Versammlung in Landsberg, den Wählern es zu überlassen, wie sie bei der Stichwahl stimmen wollen. Ja, haben denn die Agrarier wirklich so gewaltige Angst, daß unter diesen Umständen die Wähler, welche noch liberal stimmten, sozialdemokratisch stimmen würden. Dann aber wäre doch gerade der Weg der Drohungen, den die„Tageszeitung“ einschlägt, der allerungeeignetste. Und wie plump sind diese Drohungen: Wir nehmen bis auf weiteres an, daß die Freisinnige Volkspartei mit der Stichwahlparole des liberalen Ausschusses des Kreises nicht einverstanden sei. Ist sie das aber nicht, so liegt es in ihrem eigenen Interesse, das öffentlich zu erklären; sonst macht sie sich für den Beschluß des liberalen Wahlausschusses mit verantwortlich. Aber das nicht allein! Sie würde sich auch politisch verächtlich machen, wenn sie die sozialdemokratische Kandidatur unmittelbar oder mittelbar fördern wollte. Die Sozialdemokratie hat gerade in letzter Zeit die Freisinnige Volkspartei aufs gehässigste und schärfste bekämpft. Wir verweisen nur auf die Liegnitzer Versammlung, in der die Genossen den freisinnigen Abgeordneten Fischbeck geradezu schmählich behandelt haben. Es wäre doch eine klägliche Entwürdigung, wenn jetzt der Freisinn der Sozialdemokratie den Steigbügel halten wollte. In Halle hat vor einigen Tagen der freisinnige Abgeordnete Mugdan wörtlich gesagt:„Ich halte die Sozialdemokraten für reaktionärer als die schwärzeste Reaktion. Ich halte sie für eine freiheitsfeindliche Partei.“ Will nun der Freisinn dieser reaktionären, dieser freiheitsseindlichen Partei zum Siege verhelfen? Wir möchten uns vorläufig immer noch gegen diese Annahme sträuben. Sollte aber der Freisinn wider Erwarten sich nicht zu einer unzweideutigen Erklarung ermannen können, so wurden die selbstverstandlichen Konsequenzen, die abzuwehren dann außer unserer Macht liegt, nicht nur in Halle, sondern auch anderwärts eintreten. Aus dieser so öffentlich zutage tretenden Angst könnte man ja den Schluß ziehen, daß die Lage der Konservativen noch viel fauler ist, als wir vermuteten. Eins steht fest, die Stichwahl am 22. November in Landsberg=Soldin wird von außerordentlich großem Interesse für die Beurteilung der Stimmung im Vorke sein. Unmöglich wäre es ja nicht, daß auch hier im Osten eine Art Volksgericht an den agrarischen Steuerdrückebergern vollzogen würde. sehen. Er brauchte nur hinter seiner Hülle zu bleiben, um Verehrung zu finden, nur den Mund zu halten, um als weise zu gelten. Und ein Instinkt der Selbsterhaltung oder eine Art schützender Naturanpassung, wie sie dem Insekt die zu seiner Umgebung passenden Farben verleihen, ließ den Peer dies einge Er bewegte sich nur unter waren. fache Gejetz seines Daseins befolgen. seines gleichen, die in derselben Lage u..„##— Der Kampf ums Budget aber hat das aues geandern. Er ließ edle Lords unter das gemeine Vok hin.., und sich ...,#. osphellen. Fr newnangelte pe aud einer# geschulter Plakatzeichner es einmal wagt, über die Schnur der beschulng ecmng. in emnme gg., Aber die Schnur der heiligen Tradition zu hauen, dann halt es der Besteller fur verrückt und nimmt es nicht und Zeichner macht ihm etwas Neues, d. h. wieder etwas Stumossinniges und Altbackenes wie bisher. Am Auftraggeber scheitert die Kunst, sein Geschmack ist ausschlaggebend, denn er muß die Arbeit bezahlen. Um so erfreulicher ist es wenn einmal ein i#### ließ edle Lords unter das gemeine Vok hinaosteigen und si. dort der Kriti# blopsieuen. Er verwanbene si aus einer abstratten Emrichtung, einer wunderbaren Schöpfung des GlauWeitbewerbe, zu freier Entjalung ihrer Perse gg.“#„die Künstter aufruft. Ta ihnen fr. 111 u6 4 i2 merDeutsches Reich. Einberufung des preußischen Landtages. Wie die Korrespondenz„Woth“ berichtet, ist die Einberufung des preußischen den 1 Januar ir Aussicht genommen. Am Landtages— n 11. Landtages für oin II. Junuut in aussicht genenugn um gleichen Tage wird durch den Finanzminister der neue Etat vorgelegt werden, dessen Aufstellung soweit vorgeschritten ist, daß in nächster Zeit im Staatsministerium die Beratung beginnen kann. Die„Trucklegung erfolgt in der zweiten Hälfte des Dekann. Die Drucklegung erfolgt in der zweiten zember. Ob der Etat bis zum verfassungsmaßigen Termin im Landtage verabschiedet werden kann, erscheint nicht sicher, da des frühen Osterfestes der Etat ir 9 Wochen von neiden Landtage verabschiedet werden kann, erscheing nicht sicher Begen des frühen Vstersester der Einl in9 Wöchengron deiden Hausern des Landtags zu erledigen sein würde. Wasser= und Fischereigesetz, sowie Feuerbestattungsgesetz sind ebenso wie das in Vorbereitung begriffene Wohnungsgesetz für spätere Zeiten zurückgestellt worven, um die Session nicht zu besasten. Neben * Entwurf über die Neuregelung der Reitetosten der Bezurückgestellt worden, um die Seision nicht zu berasten. Neb einem Entwur, üder die Reuligelung der anme##sten der Deamten, der fast fertiggestellt ist, einem Entwurf zum Schutze frühgeschichtlicher Denkmäler, einem Wegegesetz fur Ostpreußen sind dem Landtage noch zu untervreiten ein neues Eisenbahnanleihegesetz, dessen Grundzüge im Eisenbahnministerium fertiggestellt sind, und ein Gesetz zur Auffüllung der Fonds zum Bau von Arbeiterwohnungen im Betriebe der Staatsverwaltungen. Neben einer Reihe kleinerer Vorlagen wäre damit das Arbeitsprogramm des Landtages erschöpft. Reform der Fürsorgeerziehung. Die„Deutschen Nachrichten“ erfahren von gut unterrichteter Seite, daß die bekannten Vorgänge in den Fursorgeerziehungsanstalten in einflußreichen Regierungskreisen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Der schon seit Jahren von verschiedenen Sachverständigen ausgesprochene Wunsch, die oberste Leitung und Aufsicht über die Jugendfürsorge vom Ministerium des Innern auf das Kultusministerium zu übertragen, soll dadurch der Verwirklichung erheblich näher gebracht worden sein. Man rechnet damit, daß die Durchführung dieser einschneidenden Reform anläßlich der beabsichtigten Reorganisation des Kultusministeriums erfolgen wird. Dem sächsischen Landtage ist ein Gesetzentwurf über die Einführung von Sicherheitsmannern im Bergbau zugegangen. Desgleichen der Entwurf eines Gesetzes, der die neue einheitliche Fassung der gesamten Berggesetzgebung enthält. Bezüglich der Sicherheitsmanner beim Bergbau wird bestimmt, daß bei Bergwerken, bei denen in der Regel mehr als 30 Arbeiter unter Tage beschäftigt werden, die Grubenarbeiter zur Ueberwachung der Sicherheit des Betriebes planmäßig zuzuziehen sind. Zu diesem Zwecke sind von ihnen aus ihrer Mitte soviel Sicherheitsmänner in indirekter und direkter Wahl zu wählen, daß auf höchstens 3000 Mann der untertägigen Belegschaft mindestens ein Sicherheitsmann und ein Stellvertreter kommt. Die neue einheitliche Fassung der gesamten Berggesetzgebung soll am 1. Januar 1911 in Kraft treten. strakten Einrichtung, einer wunderbaren Schöpjung„ bens in Menschen von Fleisch und Blut wie andere. Die Wirkung war so unheilvoll, daß selbst die Lakaien der Peers sie baten, wieder in ihr Dunkel zurückzutreten, den zauberhaften Schein der Unsichtbarkeit wieder anzunehmen und vor allen Dingen nicht mehr zu reden. Der Humor der Situation ist, daß das im selben Moment geschieht, in dem diese Herren ihren Landsleuten erzählen, daß die Peers die natürlichen Wahrer der englischen Freiheiten und die gottgesetzten Ausleger des Willens der Nation seien: daß, mit anderen Worten, die Dummheit und Unwissenheit der Einzelnen in ihrer Masse zu vollendeter Sachkenntnis und Weisheit werde Aber der Zauber, der einmal gebrochen ist, kann nun nicht wieder erzeugt werden. Die Peers konnen den Nimbus nicht wieder um sich hüllen, den sie sorglos in den Rinnstein geworfen haben. Wir hielten Aristokratie für ein würdig Ding, das in klassischer Sprache redet und oas Gesetz befolgt. Noblesse oblige!(„Adel verpflichtet zu Leistungen und Selbstverleugnung.“] Nun aber ist es klar, daß es nichts ist mit dem hohen romantischen Schimmer um das Haupt des Peers. Er zeigt seine Wunden dem Publikum für Geld wie irgend ein Bettler. Seine Rede spricht den Tialekt des Pferdestalls. Sein Feine vieer„ I. e Begierden sind roh, sein Naturell zeigt sich in Lumpen, seine Sprache ist schrill, sein Gift widerlich. Nichts von der Hoheit des edlen Griechen ist um ihn, und ebenso fern ist er dem christlichen wie dem heidnischen Ideal, Wohltatigkeit hört auf, die Armen sollen hungern, weil er besteuert wird(eine Anzahl Lords hat Beiträge zu gemeinnützigen Werken eingestellt unter auf die Lasten, die das Budget ihnen drohe). Die Bezugnahme—, die Lasten, die das Budget ihnen drohe).„Die Armen sollen gezwungen werden, die Steuern an seiner Statt zu zahlen(Zolltarifreform!). Der Staat soll in Chavs und Bürgerzwist gestürzt werden, damit er befreit bleibe von den Anforderungen, die der Staat an eine Burscher stellt. So oder ähnlich hat sich der edle Lord in den letzten paar Monaten vor seinen Landsleuten gekennzeichnet: ein trauriges Bild von Selbstsucht, Hochmut und wurdeloser Roheit. Wir können nicht sagen, daß wir diese Bloßstellung bedauern. Wir haben immer die Wirklichkeit hinter dem Schmt rermann Schleier so vermutet. Je eher der achverhalt wurdigen lernt, um so Wie gespart wird. In Düsseldorf ist für den Oberlandesgerichtspräsidenten eine neue Dienstwohnung errichtet worden, die für das Gebäude neost Grund und Boden, sowie großem Garten allein 900000 Mark erfordert. Während der Oberlandesgerichtspräsident ein Jahreseinkommen von 18000 Mark bezieht, müssen für die Verzinsung seiner Dienstwohnung jährlich fast 40000 Mark aufgebracht werden. Bei Benutzung einer Privatwohnung dagegen würden nur 4500 Mark Mietsentschädigung gewährt werden. Wahlsitten in Elsaß=Lothringen. In der vergangenen Woche fanden in den Gemeinderäten von Elsaß=Lothringen die Wahlen der Wahlmänner zur Landesausschußwahl statt, die am 20. Nov. dann den Abgeordneten wählen. Das Volk hat auf die Wahlen keinen direkten Einfluß. Kein Wunder, daß sich bei diesen Wahlmännerwahlen, besonders in den kleinen Landgemeinden, die eigentümlichsten Vorgänge ereignen. Aus der Reihe der Zwischenfälle nur einen: In der Gemeinde Lemberg im Kreise Saargemünd eröffnet der Bürgermeister die Wahlhandlung mit folgender Ansprache:„Es ist Sitte im ganzen Lande, daß bei diesen Wahlen der Bürgermeister oder der Adjunkt gewählt merd Ech stelle mich auf als 9andidat und hitte enen alle mich diesen Wahlen der Bürgermeister,„oder der Adjuni. wählt wird. Ich steur mich auf als Kundwbar und ville euch aule, mich zu wählen.“ Nun haben den Bürgermeister zwar nicht alle gewählen. Nun haben den Bürgermeister zwar nicht waylt, aber immerhin 9 von 16 Gemeinderatsmitgliedern, so daß er die Mehrheit hatte. Ein herrliches Wahlsystem. Nochmals der Disziplinarprozeß Zollitsch. Die„Tägliche Rundschau" berichtet, daß dem Vernehmen nach sowohl die Postbehörde, als auch der verurteilte Oberpostassistent Zollitsch gegen das Urteil der Disziplinarkammer in Potsdam Berufung an den Disziplinarhof in Leipzig einlegen werde. Die Postbeyörde legt Berufung ein, weil sie glaubt, daß die Disziplinarkammer in Potsdam gegen Zollitsch zu milde geurteilt hat. Zollitsch dagegen hält seine Verurteilung überhaupt nicht für gerechtfertigt. Fischbeck vor seinen Wählern. Eine entschiedene Abfuhr holte sich am Montag der Abg. Fischbeck in der Hauptstadt seines Wahlkreises Liegnitz. Er war seit der Finanzreform zum ersten Maie im Wahlkreise erschienen, und die Versammlung mußte wegen Ueberfüllung abgesperrt werden. Die reichlich 1000 Personen, die versammelt waren, hörten die abgelejene Rede des Fleischermeisters Kobelt aus Magdeburg ruhig an, als aber Fischbeck das Wort ergriff, empfingen ihn stürmische Abzugs= und Pfui=Rufe. Nach Fischheck, sprachen mehrere Genossen, die Fischbecks Verhalten beim Mand##sraus und sein Paktieren mit den Konseroativen kennzeichneten. Trotz Fischbecks Erwiderung konnte er nicht verhindern, daß eine Resolution angenommen wurde, in der ihm die Wähler von Liegnitz das Vertrauen entziehen. Als Fischbeck um 12½ Uhr zum dritten Male das Wort ergreisen wollte löste sich die Versammlung auf, da alle Teilnehmer den Saal verließen. Durchschnittsenglander den All das ist der edle Lord, weil sein Ideal ist, ein TammanyBeß(Helfershelfer der Korruptionsgesellschaft, die bisher in Newyork regiert hat) geringerer Art zu sein. Ein solcher erweist seinen Freunden kleine Gefälligkeiten, hilft ihnen zu Geschäftchen, gibt gelegentlich einma einen Dollar— alles natürlich von ihkem eigenen Geld. Als Gegenleistung verlangt er politische Macht und die Rechte— seinen Vorteil daraus zu ziehen. Des edlen Lords soziales Ideal ist etwa dasselbe. Er verteilt Suppen und wollene Decken, verschenkt Hühner, gibt seinen Pächtern ein Essen. Als Gegenleistung verlangt er weiter nichts, als das Recht, frei über Eug and zu schalten, Wohnhöhlen ohne Einmischung der Behörde zu vermieten, gutbezahlte Posten ohne Arbeit für seine Familienangehörigen und Besteuerung aller derer, die nicht zu seinem Kreise gehören. Es ist schwer zu denken, daß irgend ein freier. Mann mit Ueberlegung für den edlen Lord, wie er sich in dieren geschich lich denkwurdigen Monaten offenbart hat, seine Stimme abgeben könnte........ g znickung fenDas vornehme Eroschmarotzertum, diese Verquiaung Jeudaler Vorrechtsansprüche mit kapitalistischen Begierden unserer Zeit, ist in seiner internationalen Eigenart seiten treffender gezeichnet worden. Amerika Kunstter aufruft. Ta ihnen freie Hand ge assen ist. essant zu beobachten, wieviel eigenarnige, ganz und gar von einander verschiedene Lösungen ein und vieselbe Aufgase gefunden hat. Es ist erstaunlich, welch eine Fülle origineller Ideen, wieviel Eigenart in der Auffassung, wieviel stiller und lauter Humor, gröberer und feinerer Witz in diesen Entwürfen zum Ausdruck kommt. Amüsant sind die Einfälle. auf die die Zeichner gekommen sind. So sieht man auf einem Bilde ein nacktes Bürschchen, das sich durch einen Topfkuchen durchgefressen hat, auf einem anderen ein originelles Liebespaar, das auf einen großen Kuchen gestiegen ist und sich auf diesem sicheren Fundament in liebender Umarmung dem Beschauer darbietet. Viel Merkwürdiges und Absonderliches, das uns einen Einblick tun läßt in die schaffende Künstlerperiönlichleit, die ganz nach Anlage und Begabung ihre eigenen Wege geht. Die streng ornamentale Auffassung ist so gut vertreten wie die freie natürliche Darstellung, die peinlich durchgeführte Behand ung wie die auf große Fern- und Flächenwirkung berechnete Zeichnung. Von besonders geschlossenem und prägnantem Ausdruck ist trotz der vielen Einzelheiten das Plakat mit der großen Menschenmenge, die auf einen im Mittelpunkt sichtbaren großen Kuchen losmarschiert(hängt ganz hinten rechts). Es ist mit einer, ehrenvollen Erwähnung bedacht worden. Für die ehrenvone Erwähnung kann sich der Künstler nicht einmal eine Biegteg gma., Ein anderes Pakat ist mit dem ersten Preise, von 1000 Murk bedacht worden(vorn rechts). Solche Kontraste zeigen einmal wieder die Unhaltbarkeit der Wettbewerbe in ihrer jetzigen Form. Gerade als ob sich die künstlerischen Leistungen messen ließen, wie beim Pferderennen derjenige Reiter den ersten Preis bekommt, der als erster durchs Ziel geht; da steht die Leistung für eden undw. zuber äsigen Matzitabe des rionischen haft fest. Künstlerische Leistungen, Agegen dem ganz und gar unzurrt ui#hen(ahnxe des hersenlichen ils einiger Preisrichter unvarmyerzig uberantwortet. Wer rechter, statt der weniger hohen Preise 10 bis 15 Beteiligten viel größer und manche fleißige und tüchtige Arbeit für den Künstler materiell nicht umsonst gewesen. Bitterkeit und Enttäuschung würden geringer und die Freude an der BeVerweilen wir bei dem mit dem 1. Preise bedachten Plakate etwas änger. Es bringt, abgesehen von der Schrift, die Idee durchaus nicht schlagend zum Ausdruck, der blasse Kuchen chwindet fast neben dem grellfarbigen Blumenstrauß Ein Blumengeschäft könnte das Plakat auch benutzen. Die schahlonenhaft flächige Darstellung wirkt freilich, namentlich aus der Ferne, äußerst vornehm und eigenartig, was zweifel os die Preisrichter, die ja oft über die sie interessierende äußere Machart die Idee vergessen, zur Verleihung des ersten Preises bewogen hat. Unter den übrigen Arbeiten sind sehr viele auf gleicher Höhe, sp daß eine objektive Entscheidung unmöglich ist und nur das persönliche Empfinden— welch ein unsicherer und schwankender Maßstab— zur Beurteilung übrig bleibt. Solche Gedanken drängen sich notwendig beim Betrachten der Entwürfe au auf die im einze nen nicht eingegan#.######een uin Die Arbeiter Bielefelds aber mogen diese Gelegenheil nicht vorübergehen lassen, an dieser bunten Ausstellung, an diesem farbenfrohen Künstlerwettspiel sich zu erfreuen.-we. gen werden tann. a. k. Gegen die Auslieferung de Laras an Mexiko haben in allen Städten der Union Protestversammlungen der Sozialisten und von Arbeiterorganisationen statigefunden. In Los Angeles (Kalifornia), wo de Lara gefangen gehalten wird, vereinigte die von den Sozialisten einberufene Versammlung Tausende, und weitere Tausende mußten umlehren. John Konneth Turner, Verfasser des Buchs„Mexikanische Barbarei“, zu dessen Herausgabe de Lara behi flich gewesen ist, erklärte, die Auslieferung nach Mexiko sei nichts anderes als ein Mord. Er warf der Polizei ihren Uebereiser vor und erklärte, die Regierung der Neue Tatsachen zur Parteipolitik der christlichen Gewerkschaften. Unserem Artikel in der Dienstags=Nummer über die christlichen Gewerkschaften und die Parteipolitik, die jie treiben, können heute schon wieder eine Anzahl der durch lagendsten Beweise angefügt werden. Die„Frankfurter Zeitun, die als liberales Organ von Stegerwald ebenfalls ungegriffen wurde, schreibt, daß sie sehr gut verstehe, wie sich der Generalekretär bemühe, der Mitwelt gegenüber das eigentümliche Verhalten der christliche. werkschaften zur Reichsfing. freform zu rechtfertigen. Sie meint aber sich damit nicht auzu tun g. ause Polizei ihren Uebereifer vor„„Regierung d Vereinigten Staaten have sich unter die Anweisungen des biuigen mexikanischen#mit Rücksicht auf die tigen mexi., scen Diktators Diatz gestell, an nor..Geschäftsleute in. erteilten Konsionen. Der Grafschaftsrichter Worke, ertlarte, daß er du an nordameritanische Geschaftsleute in M#l## zessionen. Der Grasschaftbrichter Wort eiilleih,h er die Verhaftung de Laras in volltommener Unparteilichkeit geprüft und gesetzwidrig befunden habe. Er sagte:„Diese Leute müssen von Zeit zu Zeit einen„Anarchisten unter die Erde bringen, um ihre Stellung zu behaupten. Sie bringen dem Präsidenten den blödsinnigen G.auben bei, daß er sich in beständiger Lebensgefahr befinde. Nach den Reden einiger Sozia isten wurden Resolutionen angenommen, die de Laras Unschuld feststellen und gegen die Auslieferung protestieren. a.k. Ueber die Preisentwicklung in den Vereinigten Staaten heißt es in einem Briefe von dort, den„Daily News“ veröffentlichen, u. a.: Die Kosten der Lebenshaltung gehen hier sprunghaft in die Höhe. Nahrungsmittel kosten 20 Prozent mehr als vor 6 Monaten, Kleidungsstücke ebenso. Man erhält keinen Anzug unter 100 Mark, und dann ist es noch ein geringer Stoff. Kohlen kosten 35 Mark die Tonne. Wie jedermann erwartete, ist die jüngste Tarifrevision nichts als eine Posse. Die einzigen, die davon Nutzen haben, sind die Trusts. Es ist ganz klar, daß es nicht so weitergehen kann mit der Preistreiberei, bei der aller Reichtum des Landes sich in den Händen von ein paar Riesenmillionären ansammelt. Entweder ändern sich diese Dinge(und ich sehe nicht, wie das geschehen sollte), oder wir werden binnen kurzem einen Volksaufruhr erleben, wie er noch nicht dagewesen ist. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 19. November. England. a. k. Der Charakter eines edlen Lords. Eine scharfe Kennzeichnung des politisierenden Aristokraten, die nicht minder für andere Länder zutrifft, gibt aus Anlaß des Kampfes um das revolutionäre Budget“.„Daily News“, das führende Organ „ l u n g e n der englischen Radikalen.„Neben allen sonstigen Wirk des Budgets, heißt es da,„wird es darum bemertenswert bleiben, daß es die Herzöge und die geringeren Leuchten des Herrenhauses zum Reden gebracht hat. Der heutige Eng änder ist ein Stadtkind und kennt für gewöhnlich den wirklichen edlen Lord icht. Für ihn ist das eine Abstraktion: der Herr eines groß*— nicht. Für ihn ist das eine Abstraktion: artigen Paris und Schlosses; der Vertreter einer Familie, die sich seit langem auf Staatskosten wohlgetan hat; ein Haus des Parlaments. Er ist ihm keine Einzelperson mit Taufnamen, vielleicht gar einem Spitznamen, die einen Dialekt spricht oder andere gewöhnliche Dinge tut. Der gewählte Abgeordnete komm zu seinen Wählern. Er redet in Versammlungen. Die Wähler wissen, wie er dazu gekommen ist, gewählt zu werden. Da gibt es kein Wunder und keine Dunkelyeit. Er ist immer ein Mensch, keine Institution. Der edle Lord dagegen war immer eine Institution. Kein Menschenauge hat seine Entstehung gePlakatausstellung. Den Bewohnern Bielefelds ist zurzeit Gelegenheit gegeben, sich unentgeltlich einen hohen Kunstgenuß zu verschaffen. Es sind nicht die Erzeugnisse der„hohen und reinen. Kunst, die gegenwärtig die Wände des Kunstzalons Fiecher schmücken, es ist die Kunst des Alltags, die Kunst der Straße, dazu bestimmt, an den Anschlagsäulen, in den Geschäftsläden und Schaufenstern den Vorübergehenden zuzurufen, wie gut Dr. Oetkers BackKünstler haben sich hier in den Dienst der Reklame gestellt. Die Reklame ist im heutigen kapitalistischen Wirtschafts##ven nicht zu umgehen. Man hat sich nachgerade daran gewöhnt, selbst in den entlegensten, stillsten Winkeln der Natur den grell=gelb und=blauen Schildern zu begegnen, die die Vorzüge dieser oder jener Seife oder Schuhwichse in die Ohren oder vielmehr in die Augen schreien. Wohin wir gehen, werden wir vom Alltag mit seinem Konkurrenzkampf verfolgt und müssen uns mit seiner üblen Erscheinung wie mit einer unabänderlichen Tatsache abUnd doch könnte die Reklame aus einem notwendigen Uebel zu einer geschmack= und geistbildenden Einrichtung, zu einer wirklichen Kunst der Straße werden, wenn sie Künstlern überlassen würde. Heute gänt uns noch vielfach ödes Dilettantentum entgegen. Die geleckte, unwahr und ver ogen dargestellte menschliche Gestalt gilt noch immer als vornehm und sein. Je kleinlicher und geistloser eine Zeichnung durchgefummelt ist, um so lichen Gewerkschaften zur Reichsfing n „" Sie meint aber sich damit nicht auzu kal g. aufe halten zu brauchen: „Es ist ja festgestellt, daß die christlichen Gewerksssaften sich sehr wohl auch mit der Reichsfinanzreform beschä zen, allerdings nur wenn es das Interesse der Lintrunsparteierfordert.„„„ Zu dieser schönen„unpolitischen, also„neutraten“ Tätig keit bringt das Blatt dann neue Beispiee. Jetzt reisen allchristlichen Gewerkschaftssekretäre durch die Lande und reden zum Lobe der beendeten Reform, und zwar nicht bloß in Parteiversammlungen oder in Arbeiterwählerversammlungen der Zentrumspartei. So wurden in Berlin zu einer am 12. November trumspartei. So wurden in Berlin zu e.,„K 12=g.11, stattfindenden offentlichen Versammtung Einladungszen#e# angeklebt, in denen der Reichstags=Abgeordnete. Becker(Ztr.) als Referent über Arbeiter und Reichsfinanzreform angekündig Referent über Arbeiter und Reichstinanzreform angekün wurde. Die Versammlung wurde einverufen vom christlichen Gewertschaftskartell für Berlin! Herr Stegerwald selbst redete vor einigen Wochen in einer che##elichen Gewerkschafts=Versammlung in Aachen über dasselbe Thema und ließ seine Rede wörtlich von der Zentrumspresse abdrucken. Was die Herren mündlich tun, erganzen sie durch schriftliche Arbeiten. In vielen christlichen Gewerkschaftsblättern wird jetzt eine Artike serie des„Zentralblatts der christlichen Gewerkschaften" über die Reichsfinanzreform abgebruckt. Die„Frankfurter Zeitung“ meint, daß es sich bei der ganzez, Frage„osienbar um eingeßenteigktion der christiichen G#werkschaften handett, und da hat die Frankfurterin recht. Zentrumspolitik ist's; dies zeigten wir ja Dienstag schon an dem gewerkschafts=christlichen Verhalten während der letzten Reichstagswahl. — Freie Volksbühne. Die Bezirkskassierer können ihre Beitragslisten nebst Marken beim Genossen Böttcher, Marktstr. 8, in Empfang nehmen. Wegen der Operetten=Vorstellung ist der Beitrag auf 0,75 Mark für Dezember festgesetzt. Gesamtg Bühnenkünstler uns geschrieben eignis steht ur 24. November, burgschau pieler gen Ensemble maliges Gastst waltiges Drau Vorverkauf für reits eröffnet. Neues geschrieben: E in der Niedern noch an der 9 schaffen. Die waltige Fortsch Darbietungen wird das Ne ersten Ranges echtem Marme Innern erwar aufzutun. De und Geschmack nehmste Deuts hiesigen Archit einem Kostena richtet. Sämt Handwerker ve — Polizeib Westfalen. Meisterkursus Kunstschmiede, rationsmaler, gebäude in D Schneider= un schmiede= und Gesellen, die sie sellenprüfungen noch nicht abg nehmen beabsi sich sofort zur dungen zu den eines selbstgesch Ausweise über verhältnisse an reichen. Das der Regel Lebensuntery# Schwanenwal# weiterer Aus Kurse in den aussichtlich an Gefund ringem Inha 1 Handtasche Verlor Portemonnai# mit Krankenb. Zugela Entlau Festgen verdachts und und Obdachlo zeigefängnis Fahrra Wilhelmstraß „Wittekind", Wohnun immer in hie Tages wurde brochen und m Bürgerschaft Personen, wel achten und de Bielefeld. So Uhr bei Brackwede. 1 mittags Schildesche. H Vortrag vor dem Bünde, Holsen Bund. Bezirksv Spenge. Soz Kirchlengern. Südlengern. meier, Schweicheln un nossen K Holsen. Nachn Arbeiter Hüfsen, Soz Vierter Kulturer We Die Folgen kleinen und mi ganz arbeiten bemerkbar. E die bedeutendst ling, Sitz B feiern. Leider Zu den Musik Karl Maria von Webers das romantische Schauspiel Preziosa“, welches auch morgen(Sonnabend) wieder auf dem Spielplan des Stadttheaters erscheint. Für die Wiederholung der Schillerfeier am Sonntag bekundet sich wieder lebhaftes Interesse, namentlich auch von auswärts. Es sei sonders erwähnt, daß weitere Wiederholungen nicht mehr stattfinden können und daß zur Nachmittagsvorstellung kleine Preise gelten. Auf vie fachen Wunsch wird„Tantris, der Narr“ auch im Dienstags=Abonnement gegeben. Die Operette bereitet die Fledermaus vor. : Wochen=Spielplan des Stadttheaters. Sonntag, 21. November. Anfang 3 Uhn, Ende 6 Uhr:„Waltensteins Lager",„Die Piccolomini“.— Anfang 7 Uhr, Ende gegen 10 Uhr:„Wallensteins Tod“. Montag, 22. November. Anfang 8 Uhr, Ende gegen 10½ Uhr: „Die Fledermaus.“ Operette in 3 Akten von Joh. Strauß.= Dienstag, 23. November. Anfang 7½ Uhr, „Tantris, der Narr.“ Drama in 5 Akten von Ernst Hardt. Mittwoch, 24. November. Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr: „Medea. Trauerspiel in 4 Akten von Franz Grillparzer. g, 25. November. Anfang 7½ Uhr, Ende 10¼ Uhr: „Der Bettelstudent. Große Operette in 3 Akten und einem Vor viel von F. Zell und R. Genée. Musik von C. Millöcker.= Sonnabend, 27. November. Zum 9. Male:„Die Förster-Christl. Operette in 3 Akten von Bernhard Buchbinder. Musik von Georg Jarno. Die A Die„Südd ten, schreibt so „Die Arl sich seit Ein Ferger machst und Wei Im Jünger Genefelders oder ein wagt, über die Schnur der hält es der Besteller für verr Zeichner macht ihm etwas mpfsinniges und Altbackenes tert die Kunst, sein Geschmack die Arbeit bezahlen. einmal eine Firma zu freiem ung ihrer Persönichleit die Hand ge assen ist, ist es interirtige, ganz und gar von einnd vieselbe Aufgabe gefunden Fülle origineller Ideen, wievieviel stiller und lauter Hu1 diesen Entwürfen zum AusEinfälle. auf die die Zeichner auf einem Bilde ein nacktes Topfkuchen durchgefressen hat, 3 Liebespaar, das auf einen ch auf diesem sicheren Fundam Beschauer darbietet. Viel das uns einen Einblick tun iönlichleit, die ganz nach AnWege geht. Die streng ornatreten wie die freie natürliche ihrie Behand ung wie die auf berechnete Zeichnung. Von nantem Ausdruck ist trotz der it der großen Menschenmenge, chtbaren großen Kuchen loshts). Es ist mit einer ehrenen. Für die ehrenvolle Ercht einmal eine Zigarre kaufen. ersten Preise von 1500 Mark solche Kontraste zeigen einmal bewerbe in ihrer jetzigen Form. chen Leistungen messen ließen, Reiter den ersten Preis begeht; da steht die Leistung für rische Leistungen dagegen sind en Maßstabe des persönlichen cmherzig überantwortet. Wer Wäre es nicht besser und gekreise 10 bis 15 kleinere Preise ussichten des Gewinns für die he fleißige und tüchtige Arbeit umsonst gewesen. Bitterkeit er und die Freude an der Beem 1. Preise bedachten Plakate hen von der Schrift, die Idee Ausdruck, der blasse Kuchen llfarbigen Blumenstrauß Ein t auch benutzen. Die schablonenilich, namentlich aus der Ferne, , w a s z w e i f e l l o s d i e V r e i s interessierende äußere Machart ng des ersten Preises, bewogen en sind sehr viele auf gleicher heidung unmöglich ist und nur eich ein unsicherer und schwanung übrig bleibt. Solche Gebeim Betrachten der Entwürfe eingegangen werden kann. mögen diese Gelegenheit nicht bunten Ausstellung, an diesem ich zu erfreuen.-we. teipolitik der christlichen istags=Nummer über die christParteipolitik, die sie treiben, Anzahl der durch lagendsten „Frankfurter Zeitun“, die als wald ebenfalls ungegriffen verstehe, wie sich der Generalgenüber das eigentümliche Verchaften zur Reichsfina. reform sich damit nicht allzu la. ge aufdie christlichen Gewerk'saften Reichsfinanzreform beschä gen, das Interesse der Zent.“. schen", also„neutralen“ Tätig ue Beispiee. Jetzt reisen allre durch die Lande und reden und zwar nicht bloß in Parteirwählerversammlungen der Zenerlin zu einer am 12. November sammlung Einladungszeitel anigs-Abgeordnete Becker[Ztr.) Reichsfinanzreform angekündigt vurde einberufen vom christartell für Berlin! Herr r einigen Wochen in einer christung in Aachen über dasselbe zörtlich von der Zentrumspreise gündlich tun, er gänzen sie durch elen christlichen Gewerkschaftsike serie des„Zentralblatts der r die Reichsfinanzreform Zeitung“ meint, daß es sich bei n eine Parteiaktion der ften handelt, und da hat die imspolitik ist's; dies zeigten m gewerkschafts=christlichen VerGesamtgastspiel Adele Sandrock mit Ensemble Berliner Bühnenkünstler im Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Ein ganz außerordentliches theatralisches Ereignis steht unseren zahlreichen Kunstfreunden für Mittwoch, 24. November, bevor. Adele Sandrock, die gefeierte K. K. Hofburgschauspielerin, wird an diesem Abend mit einem vollständigen Ensemble namhafter Berliner Bühnenkünstler ein einmaliges Gastspiel absolvieren, bei welchem Grillparzers gewaltiges Dramg„Medea“ zur Darstellung gelangt.— Der Vorverkauf für dies einmalige hochinteressante Gastspiel ist bereits eröffnet. — Neues Toubild=Theater. Von der Direktion wird uns geschrieben: Eine grandiose neue Lichtbildbühne wird in Kürze in der Niedernstraße 12 eröffnet. Hundert fleißige Hände sind noch an der Arbeit, um aus einem Nichts einen Palast zu schaffen. Die Kinematographie, welche in kurzer Zeit so gewaltige Fortschritte gezeitigt, verlangt würdige Räume, um ihre Darbietungen dem Publikum vorzuführen. In dieser Hinsicht wird das Neue Tonbild=Theater ein Schlager allerersten Ranges sein. Schon der Eingang, das Portal, welche in echtem Marmor gearbeitet, deuten an, welche Pracht uns im Innern erwartet. Eine Fata Morgana scheint sich vor uns aufzutun. Das Ganze ein Muster von Eleganz, Luxus und Geschmack. Das Theater, welches das schönste und vornehmste Deutschlands sein wird, wurde nach Entwürfen des hiesigen Architekten Herrn Chr. Strube ausgeführt und mit einem Kostenaufwand von ca. 50000 Mk. umgebaut und eingerichtet. Sämtliche Arbeiten wurden an hiesige Firmen und Handwerker vergeben. — Polizeibericht. Meisterkurse für die Provinz Westfalen. Am 10. 1. 10. beginnt je ein neuer achtwöchiger Meisterkursus für Schneider, Schuhmacher, Bauschlosser und Kunstschmiede, Bau= und Möbelschreiner, ferner für Dekorationsmaler, Holz= und Marmormaler im Handwerkskammer= gebäude in Dortmund, Kaiserstr. 78. Aufgenommen werden Schneider= und Schuhmachermeister, Schlosser= bezw. Kunstschmiede= und Schreinermeister, ferner Malermeister und solche Gesellen, die sich in Kürze selbständig machen wollen und die Gesellenprüfungen abgelegt haben. Gesellen, welche diese Prüfung noch nicht abgelegt haben, aber an einem Meisterkursus teilzunehmen beabsichtigen bezw. sich hierzu melden, tun daher gut, sich sofort zur Ablegung dieser Prüfung zu melden.— Anmeldungen zu den Meisterkursen sind bis 10. 12. 09 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, Führungszeugnis und der Ausweise über die Lehrl.=, Ges.=, Militär= und eventuell Meisterverhältnisse an den Leiter der Kurse, Direktor Regling, einzureichen. Das Unterrichtsgeld beträgt 20 Mk. für den Kursus. In der Regel erhalten die Teilnehmer reichl. Veihilfen zum Lebensunterhalte. Gesch.= Zimmer des Leiters: Dortmund, Schwanenwall 41. Die westf. Handwerkskammern sind zu weiterer Auskunftserteilung gern bereit. Die nächstfolgenden Kurse in den vier erstgenannten Handwerkszweigen werden voraussichtlich am 6. 6. 10 beginnen. Gefunden: 2 Bund Schlüssel, 1 Portemonnaie mit geringem Inhalt, 1 Paket mit Kordel, 1 goldener Herrentrauring, 1 Handtasche mit Inhalt. Verloren: 1 Hundertmarkschein, 1 lila Handtasche mit Portemonnaie und 1 Geldstück(engl. Lstrl.), 1 Briefumschlag mit Krankenbuch und für 150 Mk. Marken vom Haushaltsverein. Zugclaufen: 1 getigerte Dogge. urtaufen: 1 deutscher Schäferhund. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Diebstahlsverdachts und 3 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs und Obdachlosigkeit; 16 obdachlose Wanderer erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Fahrraddiebstahl. Aus einem Schuppen an der Wilhelmstraße wurde in der Nacht zum 15. d. M. ein Fahrrad „Wittekind“, schwarz lackiert, entwendet. Wohnungs= und Mansardendiebe treiben noch immer in hiesiger Stadt ihr Unwesen. Im Laufe des gestrigen Tages wurde wieder an zwei Stellen in Bodenkammern eingebrochen und mehrere Goldsachen und Bargeld entwendet. An die Bürgerschaft wird die dringende Bitte gerichtet, auf verdächtige Personen, welche in Häusern nachfragen oder sich aufhalten, zu achten und der Kriminalabteilung Mitteilung zu machen. Versammlungen. Sonnabend, 20. November. Bielefeld. Soz Verein. 17. und 18. Bezirk. Abends 8½ Uhr bei Husemann, Göbenstraße. Sonntag, 21. November. Brackwede. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Vormittags 10½ Uhr bei Kramme. Schildesche. Holzarbeiter. Vormittags 9½ Uhr bei Böke. Vortrag des Kollegen Schreck=Bielefeld über:„Das Leben vor dem Tode.“ Bünde, Holsen, Hunnebrock. Arbeiter=AbstinentenBund. Nachmittags 5½ Uhr bei Nübel in Ennigloh: Bezirksversammlung. Spenge. Soz. Verein. Nachmittags 4 Uhr. Kirchlengern. Soz. Verein. Nachmittags 2 Uhr. Südlengern. Soz. Verein. Nachmittags 2 Uhr bei Tiemeier,„Elsemühle". Schweicheln und Sundern. Soz. Verein. Vortrag des Genossen Klingenhagen=Bielefeld. Holsen. Nachmittags 3½ Uhr bei Eickmeyer. Gründung eines Arbeiter=Gesangvereins. Hüffen. Soz. Verein. Nachmittags 4 Uhr bei Günther. Vierter Vortrag des Genossen Hoffmann=Bielefeld über Kulturentwicklung. ezirkskassierer können ihre BeiGenossen Böttcher, Marktstr. 8. r Operetten=Vorstellung ist der ember festgesetzt. aterbureau wird uns geschrieben: ken zählt dank der ewig schönen rs das romantische Schauspiel orgen(Sonnabend) wieder auf rs erscheint. Für die Wiederinntag bekundet sich wieder lebsch von auswärts. Es sei beziederholungen nicht mehr stattmittagsvorstellung kleine Preise wird„Tantris, der Narr“ auch ben. Die Operette bereitet die des Stadttheaters. g 3 Uhn. Ende 6 Uhr:„Wallenmini“.— Anfang 7 Uhr, Ende n8 Tod“„ 499 85 8 Uhr, Ende gegen 10½ Uhr: te in 3 Akten von Joh. Strauß. ang 7½ Uhr, Ende 10½ Uhr: ma in 5 Akten von Ernst Har)t, jang 7½ Uhr. Ende 10 Uhr: Akten von Franz Grillparzer. nfang 7½ Uhr, Ende 10¼ Uhr: Operette in 3 Akten und einem Genée. Musik von C. Millöcker, 9. Male:„Die Förster=Christl.“ ernhard Buchbinder. Musik von Weitere Folgen der Tabaksteuer. Die Folgen der Tabaksteuer machen sich nicht allein bei kleinen und mittleren Firmen, die bereits wieder zum Teil oder ganz arbeiten lassen, sondern auch bei den größeren Firmer vemerkbar. So läßt in Rödinghausen, Kreis Herford, die bedeutendste Firma Deutschlands, Biermann& Schörling, Sitz Bremen, zirka 130 Arbeiter abwechselnd 8 Wochen seiern. Leider trifft es alle unorganisierten Arbeiter. Die Arbeitslosigkeit in der Tabakinstrie. Die„Süddeutsche Tabakzeitung“, das Organ der Fabrikanten, schreibt folgendes: „Die Arbeitslosigkeit der Arbeiter im Tabakgewerbe hat sich seit Eintritt der Tabaksteuer erheblich verschärft. Wenn schsheise eice elice elce ice schnittlich 457 Arbeitsuchende, und zwar der Mehrzahl nach wohl Arbeitsloze, der Andrang im September betrug noch immer 400. Dieses ungewöhnliche Ueberangehot am Arbeitsmarkte in der Tabakindustrie erfolgt jetzt zu einer Zeit, wo in allen Gewerben die Arbei.sgelegenheit kräftig zunimmt. Besonders empfindlich leiden unter dem Arbeitsmangel die Hamburger, Bremer, die rheinisch=westfälischen und badischen Tabakarbeiter; aber auch in Berlin und im Königreich Sachsen besteht ein äußerst starkes Ueberangebot.“ Dadurch werden unsere Meldungen über die Folgen der Tabaksteuer von dem Fabrikantenorgan also bestätigt Die Tabakarbeiter=Entschädigungsfrage wurde u. a. auf der außerordentlichen Hauptversammlung des Deutschen Tabakvereins(Fabrikantenorganisation) am Freitag, 12. November, in Berlin verhandelt. Referent Herr Fritz Biermann=Bremen berichtete über die Verhandlungen mit dem Herrn Staatssekretär des Reichsschatzamtes, daß in dieser Konferenz nicht Ausführung des Abs. 2a des Tabaksteuergesetzes den Gegenstand der Besprechung gebildet habe, sondern daß man sich im Reichsschatzamte mit der Vertretung der Tabakindustriellen darüber unterhalten wolle, ob und wie die Arbeiterentlassungen vermeidlich seien, und namentlich, ob nicht die Verschiedenartigkeit des Beschäftigungsgrades beseitigt werden könne. Die zu der Besprechung geladenen Vertreter der Tabakindustrien mußten hierauf antworten, daß sie leider keinen Weg sähen, wie sich dies ermöglichen ließe Die vom Reichsschatzamte angeregten Abhilfsmittel wurden von den Vertretern dieser Behörde selbst als unbrauchbar anerkannt, nachdem ihnen die Verhältnisse der Zigarrenfabrikation fachmännisch erläutert wurden. Der Referent empfahl, die Produktionseinschränkung so weit als eben möglich zu vermeiden. An dieses Referat schloß sich eine längere Debatte. In dieser wurde auf die Schwierigkeit und das außerordentliche Risiko hingewiesen, das mit einer Ueberfüllung der Lager von fertiger Ware für die Fabrikanten namentlich jetzt und solange verbunden sei, bis sich der Konsum an die neuen Verhältnisse gewöhnt habe. Der Referent erklärte, daß die Vertreter der Tabakindustrie im Reichsschatzamte darauf hingewiesen hätten, daß die der Reichsregierung so unwillkommenen, aber vom Tabakgewerbe vorausgesagten Wirkungen des Gesetzes wesentlich verschärft worden seien durch die mit haltlosen Rechenexempeln unterstützten Hetzereien, die ein großer Teil der Presse gegen die Tabakgewerbetreibenden dadurch veranstalteten, daß sie die geforderten Pressaufschläge als unberechtigt bezeichneten. Mit Genugtuung nahm die Versammlung davon Kenntnis, daß die Vertreter des Reichsschatzamtes versprachen, diesen Angaben allerorten entgegenzutreten. * Gabderbaum 19. Nov. Zur Gemeinderatswahl. Die Genossen müssen sich Sonntag morgen 9 Uhr bei Fettkötter, Eggetal, zur Flugblattverbreitung einfinden. * Schildesche, 19. Nov. Gemeinderatswahl. Bei der gestrigen Gemeinderatswahl wurden gewählt in der 3. Abteilung die Genossen H. Vogelsang und H. Starr mit 355 Stimmen. Gegenkandidaten waren nicht aufgestellt. In der 2. Abteilung war eine Einigung unter den Bürgerlichen nicht zustande gekommen. Im letzten Augenblick hat die eine Richtung sich mit uns vereinigt, worauf unser Genosse H. Schäffer und der Bürgerliche, Fuhrunternehmer W. Tödheide, gewählt wurden. In der 1. Abteilung wurden Fabrikdirektor H. Heider und Auktionator F. Vogelsang gewählt. Die Gemeindevertretung setzt sich nun aus 5 sozialdemokratischen und 7 bürgerlichen Vertretern zusammen. k. Herford, 18. Nov. Volksvorstellung. Die Direktion des zurzeit hier weilenden Ensembles des Neuen Berliner Theaters hatte dem Gewerkschaftskartell für nächsten Sonntag nachmittag eine Theatervorstellung angeboten. Leider konnte das Angebot wegen der kurzen Frist nicht angenommen werden und der Direktion wurde geraten, eine Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen(50 Pfg und 30 Pfg.) an diesem Tage zu geben. Dieser Vorschlag fand Annahme. Zur Aufführung gelangt das Anzengrubersche Schauspiel„Der Pfarrer von Kirchfeld". Die Arbeiterschaft sollte recht regen Gebrauch von dieser Vergünstigung machen. * Oldinghausen b. Enger, 16. Nov. Bei der heutigen Gemeinderatswahl wurden Stimmen abgegeben für Landwirt Aug. Brünger(kons.) 24, für Wilh. Biermann(Soz.) 10 und für Herm. Wefelmeyer(Misch=Masch) 5. Brünger ist somit gewählt. Es ist das erste Mal, daß sich unsere Genossen hier an einer öffentlichen Wahl beteiligt haben und es ist bezeichnend, welchen Einfluß wir auf die Wahlbeteiligung ausgeübt haben. Während bei der vorigen Gemeinderatswahl der konservative Kandidat Brünger mit einem Dutzend Stimmen fast einstimmig gewählt wurde, stieg die Wahlbeteiligung jetzt auf 50 Prozent. Welch große Angst man auch hier davor hatte, daß ein Sozialdemokrat ins Kollegium kam, geht schon daraus hervor, daß der Gemeindevorsteher Kiehl fast bei jedem einzelnen Wähler in eigener Person für Brünger agitiert hat. Hoffentlich wird den Arbeitern von Oldinghausen hierdurch klar werden, wo ihr Platz ist, und sie werden sich in Zukunft nicht mehr als Stimmvieh der Reaktion gebrauchen lassen und einsehen lernen, daß auch sie ein Recht haben zu erfahren, wozu ihre Steuergroschen verwandt werden. Bis jetzt hat man von den Beschlüssen im Gemeinderat nichts erfahren. Leider muß auch hier noch die traurige Tatsache festgestellt werden, daß es immer noch Zigarrenarbeiter gibt, welche lieber zur Schnapsflasche greifen, als von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Wir können mit dem Wahlresultat zufrieden sein. Wir sind doch einen Schritt vorwärts gekommen, wenn wir bedenken, daß bei der geheimen Reichstagswahl 1907 ganze 6 Stimmen für die Sozialdemokratie abgegeben worden sind! Darum, Arbeiter von Oldinghausen, schließt euch alle der gewerkschaftlichen und politischen Organisation an! Werbet Abonnenten für die„Volkswacht"! Dann werdet ihr bei späteren Wahlen größere Erfolge erzielen. Vorwärts! Durch Kampf zum Sieg! * Vlotho, 18. Nov. Zum Tabakaxbeiterstreik bei der Filiale der Firma Walter Jürgensen& Co., Sitz Hamburg. Diese Nachricht ist für manchen Tebakarbeiter etwas befremdlich. Mancher wird vielleicht sagen, dag die Zeiten im Tabakgewerbe nicht besonders geeignet für Streiks oder sonstige Lohnkämpfe seien. Diese Erkenntnis hatten auch die in den Streik getretenen Arbeiter. Sie sind sich aber auch bewußt, alles getan zu haben,„um dieses äußerste Mittel zu vermeiden, aber die Firma wollte es nicht anders. Es handelt sich bei diesem Streik um nichts weniger als um die Abwehr des Versuches. seitens der Firma, die Mehrbelastung durch die erhöhte Steuer ganz auf die Schultern ihrer Arbeiter abzuwälzen und noch obendrein einen Profit extra herauszuschlagen. Daß diesem Versuche energisch entgegengetreten werden mußte, darin sind wohl die Streikenden nicht allein der unbedingten Zustimmung ihrer Kollegen, sondern sämtlicher organisierter Arbeiter und nicht zuletzt auch aller rechtlich denkenden Menschen sicher. Vor zirka 6—7 Wochen führte die Firma verschiedene neue Formarbeiten ein, welche teilweise große Aehnlichkeit mit den bisher angefertigten Pennalarbeiten haben, wobei aber der Lohn für die neueingeführten Arbeiten bis zu 5 Mark pro Mille niedriger war wie für die Pennalarbeiten, zu deren Ersatz sie bestimmt waren. Die Arbeiter beauftragten angesichts dieser Sachlage die Fabrikkommission, mit der Firma zu verhandeln. Dieses ist dann mehrfach geschehen, auch wurden Kommissionsmitglieder in Hamburg bei dem Chef der Firma persönlich vorstellig. Bei dieser Verhandlung erweckte es allerdings den Anschein, als ob ein Entgegenkommen der Firma auf die Wünsche der Arbeiter zu erwarten sei. Der Chef versprach, seinen Geschäftsführer Wiese nach Vlotho zu entsenden, um dort mit den Arbeitern friedliche Vereinbarungen über die Beschwerden zu treffen. Herr Wiese ist dann auch gekommen, aber von Entgegenkommen und friedlichen Vereinbarungen war keine Rede. Vielmehr erklärte Herr Wiese kategorisch, wer die neuen Sorten für den Preis nicht machen wolle, müsse eben aufhören. Zunächst nahmen nun diejenigen Kollegen, denen die alten Arbeiten genommen wurden, die neuen Sorten an, aber es stellte sich bald heraus, daß sie einen einigermaßen auskömmlichen Lohn dabei nicht erzielen konnten. Darum wurden die Arbeiter nochmals vorstellig, sie reichten der Firma ihr Anliegen um Lohnaufbesserung schriftlich ein. Die Firma beantwortete diese Eingabe mit einer glatten Absage, auch nicht die kleinste Lohnerhöhung von 50 Pfg. wurde bewilligt, worauf die Arbeiter einmütig beschlossen, die Arbeit niederzulegen, nicht aber ohne der Firma von diesem Beschlusse so zeitig Kenntnis zu geben, daß sie durch Zugeständnisse noch in letzter Stunde das Aeußerste hätte abwenden können. Die Streikenden sind in den Streik hineingedrängt worden. Dem Streike nicht angeschlossen haben sich bis jetzt nur drei Arbeiter; diese sind Fritz Schwarze und Friedrich Dalpke in Vlotho und Schaumann in Oldendorf. Vielleicht besinnen sich auch diese drei noch eines Besseren und schließen sich ihren Kollegen an. Die Firma ist gesperrt, Zuzug ist fernzuhalten. Das Streikbureau befindet sich bei Hermann Kreye, Winterbergstraße. Streikunterstützung wird ausgezahlt: Vormittags von 9 bis 12 Uhr, nachmittags von 2 bis 4 Uhr. Mitgliedsbücher resp. Karten sind mitzubringen. * Herringhausen, 18. Nov. Gemeinderatswahlsteg. Bei der Wahl zur 3. Abteilung wurden 36 sozialdemokratische, 24 christliche und 5 konservative Stimmen abgegeben. Genosse Schuhmachermeister Fritz Beckmann ist somit gewählt. Unsere Genossen haben sich zum ersten Male offiziell an der Wahl beteiligt. r. Detmold, 18. Nov. Der Alterspräsident des lippischen Landtages, Gutsbesitzer SchemmelWüsten, ist heute nachmittag 2 Uhr an den Folgen eines Schlaganfalles, welcher die linke Seite des Körpers lähmte, gestorben. Schemmel gehörte über 30 Jahre der gesetzgebenden Körperschaft des Landes an und war der Führer der konservativen Partei. Sein Tod bedeutet einen schweren Schlag für die Konservativen und den Bund der Landwirte in Lippe. Schemmel ist der zweite Abgeordnete, der in den letzten 14 Tagen der Partei entrissen wird. Vor einigen Tagen erlag bereits Abgeordneter Oberbrecht einem Schlagflusse. Der Präsident des lippischen Landtages, Abg. Riekehof=Böhmer, ist ebenfalls schwer erkrankt. * Bückeburg, 16. Nov. Städtische Kollegien. Gestern fand die in Kreisen der hiesigen Bürgerschaft mit großer Spannung erwartete gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Kollegien statt, in welcher zunächst der Prüfungsbericht der Rathausbaurechnung zur Beratung stand. Der Baumeister Schrötter in Bottrop hat sämtliche Rechnungen einer eingehenden Prüfung unterzogen, aber keinen Anlaß zu Ausstellungen gehabt. Die tatsächlichen Kosten des Rathauses betragen für die Stadt 584 518,31 Mark. Eine erhebliche Summe, die zu bezahlen eine Erhöhung der Steuern zur Folge hatte, was vom Stadtoberhaupte allerdings bestritten wurde. Es ist die Meinung vorherrschend. daß unser Rathaus kein Monumentalbau zu sein brauchte. Dem Antrage des Magistrats die Rathausbaurechnung zu dechargieren und sämtlichen Stellen Entlastung zu erteilen, wurde entsprochen.— Die schon oft besprochene Angelegenheit der Kanalladestelle bei Rusbend stand wieder zur Beratung. Durch die Aenderung des§ 7 des Vertrages war dieser für das Ministerium unannehmbar geworden; der Magistrat hatte deshalb den Antrag gestellt, dem Paragraphen in seiner ursprünglichen Fassung zuzustimmen. Leider konnte die Mehrheit des Bürgervorsteherkollegs sich nicht zu der Ansicht durchringen, daß durch Anlage eines großen Kulturwerkes ein industrieller Fortschritt erzielt wird, und lehnte den Vertrag endgistig ab. Nun ist es erreicht, und die„Beamtenstadt“ Bückeburg glänzt im Lichte der Rückständigkeit.— Durch den mit dem Fürstlichen Domanium vorgenommenen Grundstücks= und Bezirksaustausch hat Bückeburg ganz gut abgeschnitten und wurde die betr. Vorlage ohne Einspruch angenommen.— Genehmigt wurde auch der Antrag des Magistrats, einen Beitrag der Stadt zur Altersversicherung der Hebammen zu leisten, doch deutete ein Bürgervorsteher darauf hin, daß die Hebammen hiesiger Stadt„glänzende Geschäfte“ machten!— Zum Armenpfleger wurde der Hofschlosser Schmidt gewählt.— Auf eine Interpellation üler die„Mißstände im Auskunftswesen“ erwiderte Oberbürgermeister Dr. Külz, daß er ausnahmsweise sich zu der Angelegenheit äußern wolle. Er betonte, daß bis jetzt noch nicht mit Sicherheit feststehe, daß hiesige Auskunftsagenten unrichtige oder bewußt falsche Auskünfte gegeben hätten. Es sei besser gewesen, die ganze Angelegenheit in der Stille zu behandeln, denn durch die öffentliche Besprechung sei den hiesigen Geschäftsleuten kein Dienst erwiesen. Die ganze Sache werde aber mit außerordentlicher Gründlichkeit untersucht. (Schluß von„Aus der Nachbarschaft“ in der 2. Beilage.) Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. II. Sonder-Vorstellung im Biotophon-Theater! Keute zum 150jährigen Geburtstage Schillers: SeimerPeier!. —* 8 von Schiller. Eine herrliche Illustration des wunderbaren Gedichtes unseres deutschen Dichterfürsten mit Rezitation. Ein Meisterwerk der Lichtbildbühne! 6347 Ferner unser neues glänzendes Elite-Programm! a Preisermässigung: 'm jedermann den Besuch dieser Vorführungen zu ermöglichen, diese bedeutend ermässigten Preise! 4 und Werg, III. Platz 20 Pig. I. Platz 50 Pig. II. Plats 30 Pig. *• Die Direktion. Infolge des stetig wachsenden Kundenkreises und der jetzigen Anforderungen, die an ein auf der Höhe stehendes Spezial-Geschaft gerichtet werden, sehe ich mich gezwungen, meine seit 12 Jahren bewohnten Geschäftsräume der Neuzeit entsprechend umzubauen. Da ich während des Umbaues mein jetziges Lokal räumen muss, stelle ich meine gesamten grossen Läger in fertiger Herren- und KnabenGarderobe, die auf das Reichhaltigste mit allen Saison-Neuheiten sortiert sind, zum Derselbe beginnt mit dem heutigen Tage. Ich habe die Preise für die fertigen Garderoben derartig tief herabgesetzt, dass sich so leicht eine gleich vorteilhafte und seltene Einkaufsgelegenheit zum Winter- und Weihnachtsbedarf nicht wieder bietet. Die herabgesetzten Preise stehen auf der Rückseite der Etiketten Mit Bläustilt deuthen in Zällien vermerkt. Zum Ausverkauf gelangen: 6320 cu. se0 herten Anzage anfangend von Mk. O an Ca. 400 Jünglingsund Burschen-Anzuge anfangend von Mk. an. cu. ieee-Khlaben unzuge anfangend von Mk. an. cu. sos Berten Paleiois anfangend von Mk. 5 00 an. Cr. 300 Berren-Pelerinen anfangend von Mk. an. Ca. 200 Jünglingsund Knaben-Paletots 600 anfangend von Mk. an. Cn. 350 200 anfangend von Mk. an. Ca. 200 Jünglingsund Burschen-Pelerinen anfangend von Mk. an. cu. ios Nerren-Leuen Coppen anfangend von Mk. an. Ca. 100 Jünglings- und Burschen-Winter-oppen anfangend von Mk. S an. ch. ie0 Khlaben Pelerhien 0 anfangend von Mk. an. Ca. 200 warm gefütterte Knaben-Schul-Joppen * anfangend von Mk. an. ch. Des Berten nosen 150 anfangend von Mk. an. koch und Cehröch Anzage 2U“! anfangend von Mk. an. Tu. Ses Juniginigs- und Barschen Resen anfaagend„ von Mk. 1 an. cu. ioee- Rilaben hesen anfangend von 4 an Einzeine- Herren Soppen anfangend von Mk. an. Talllaste Westen in Piqué, Wolle, Seide u. Sammet ganz selten billig. aumm und Aule-Kalter S anfangend von Mk. an. Schaftöche u. Haus Soppen bedeutend unter Preis! Köllter Sopben 99. anfangend von J an. Herren-Unterzeuge Herren- und Knaben-Sweaters Gestrickte Herren-Westen ausnahmsweise billig. Aibels und BeruisKleidung dcssa. 10% Rabatt. Heiten Kafe und Karzen Knaben-Hützen auffallend billig! 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Sammet n billig. verren 3 an. And-Nalzen Einkauf zu besorgen. iden- Einrichtung. „* rnstr. 8 „ Nr. 270. Bielefeld, Freitag, 19. November 1909. 20. Ein Juliusturm der Scharfmacher. I. Seit Jahren schon sind die rheinisch=westfälischen Großindustriellen höchst unzufrieden mit den parlamentarischen Leistungen der nationalliberalen Reichstagsfraktion. Wiederholt haben sie gedroht, der nationalliberalen Partei. deren Finanzen sie so oft saniert haben, die bisher gezahlten Subsidien und Wohlkostenbeiträge zu entziehen, falls diese Partei nicht andere politische Bahnen einschlage und ihren sozialpolitischen Allüren entsage. Wenn aber wichtige Wahlen. herannahten, ließ die im Zentralverband deutscher Industrieller organisierte Unternehmerschaft sich doch immer wieder bereit finden, reichliche Wahlunterstützungen zu zahlen. Noch bei den letzten Hottentottenwahlen im Januar 1907 legte der Vorstand des genannten Zeniralverbandes allen Verbandsmitgliedern die Verpflichtung auf, für jeden in ihren Werken beschäftigten Arbeiter je eine Mark zum industriellen Wahlfonds beizutragen. Zum größten Teil sind diese Gelder zur Unterstützung nationalliberaler und freikonservativer(reichsparteilicher) Reichstagskandidaten verbraucht worden. Aber die Haltung. die wiederum im neuen Reichstag die nationalliberale Fraktion zu den sozialpolitischen Vorlagen und Entwürfen einnahm, verstimmte die im Zentralverband organisierten Großindustriellen, vornehmlich die Kohlen= und Eisenbarone, immer mehr und energisch erklärten sie im Frühjahr vorigen Jahres durch ihre Blätter, daß sie es satt hätten, noch länger eine Partei zu unterstützen, die so wenig die Lebensinteressen der Großindustrie zu wahren wisse und so wenig die Notwendigkeit begriffe, daß die industriellen Unternehmer Herren im eigenen Hause bleiben müßten. Jede Sozialpolitik ist den im Zentralverband deutscher Industriellen herrschenden Elementen zuwider, selbst die schwachlichen sozialpolitischen Rücksichtnahmen der Nationalliberalen. Sie verlangen von ihren Alimentierten unbedingten Kampf gegen jeden weiteren Ausbau der Sozialpolitik. Schon damals wurde von der Leitung des Zentralverbandes die Forderung aufgestellt, daß nach dem Muster des Bundes der Landwirte ein industrieller Interessenverband geschaffen werden müsse, der eine Anzahl bezahlter Agitatoren unterhalte und diesen Apparat nebst den erforderlichen Geldmitteln bei den verschiedenen Wahlen jenen Kandidaten ohne Rücksicht auf ihre politische Parteistellung zur Verfügung stelle, die sich auf die Forderungen der Großindustriellen verpflichten. Seitdem haben verschiedene Aeußerungen der„Deutschen Industriezeitung“ und der Geschäftsmacher des Zentralverbau##es bewiesen, daß die Gründung eines derartigen industriellen Interessenbundes hinter den Kulissen eifrigst betrieben wirk doch drangen nur sehr spärliche Nachrichten über die Vorber#####ngen in die Oeffentlichkeit. Jetzt scheint man im Zentralver#ad die Hauptschwierigkeiten überwunden zu haben. Am 15.g ober d. J. hat im Hotel Adlon in Berlin eine gehest„ Sitzung des Ausschusses des Zentralverbandes deutscher Industrieller stattgefunden, über die dem„Vorwärts“ nachtraglig, folgendes berichtet wird: Als Referent fungierte Generalsekretär Bueck. Er führte aus: „Meine Herren, Sie sind heute berufen worden, um Stellung zu nehmen zu dem Antrage des Direktoriums, innerhalb der dem Zentralverbande angeschlossenen Industrie einen Wahlfonds zu bilden bezw. über die Ausführung dieser Maßregel zu beschließen. Mir ist der Auftrag erteilt, diesen Antrag zu begründen. Seit ei er längeren Reihe von Jahren verfolgt die Gesetzgebung in Reich, namentlich auf dem Gebiet der Wirtschaftsund Sozi ilpolitik, eine den Interessen der Industrie ungünstige Richtung. In wirtschaftlicher Beziehung ist diese Richtung ganz besonder; hervorgetreten in dem Streben, der deutschen Industrie den Schutz, der ihr nach Maßgabe ihrer Produktionskosten und im Verhältnis zu der Zollpolitik der anderen in Konkurrenz zu uns stehenden industriellen Staaten zuteil werden müßte, entweder gar nicht oder nur in ungenügendem Maße zu gewähren.... Meine Herren, in sozialpolitischer Beziehung ist diese Richtung hervorgegangen aus dem von unserm Herrn Vorsitzenden bereits erwähnten Kathedersozialismus. Diese in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts von den namhaftesten Professoren der Nationalökonomie eingeleitete Bewegung hatte an sich einen sehr gesunden Kern, denn sie war gerichtet gegen das in Deutschland im vollsten Maße zur Herrschaft gelangte Manchestertum.... Diese Bewegung artete Kse der professionsmäßigen Nationalökonomen sich den Lehren der damals mächtig aufstrebenden Sozialdemokratie zuwandte. Dies geschah besonders bei allen das Verhältnis zwischen Arbeitern und Arbeitgebern betreffenden Vorgängen. In diesen Fragen stellten sich die jüngeren Herren unter den Professoren der Nationalökonomie ganz auf die Seite der Sozialdemokratie, diese in Gehässigkeit und Feindseligkeiten gegen die Arbeitgeber fast noch übertreffend.... Meine Herren, so kam es, daß von allen deutschen Lehrstühlen der Nationalökonomie insbesondere die Sozialpolitik im Sinne äußerst sozialistischer Anschauungen und weitgehender Voreingenommenheit und Feindseligleit gegen das Unternehmer= und Arbeitgebertum gelehrt wurde. Dazu kam als weiteres treibendes Element das Buhlen um die Gunst der stimmvergebenden Massen. Diese Massen werden in der Hauptsache von den Arbeitern gebildet, die ja, wie Ihnen bekannt, die Feindseligkeit und den Kampf gegen die Arbeitgeber auf die Fahne geschrieben haben. So ist es gekommen, daß Feindseligkeit gegen die Arbeitgeber im gewissen Grade auch die Parole der politischen Parteien geworden ist. Meine Herren, ich muß hervorheben, daß sich diesem Treiben die altkonservative Partei nicht in jedem Falle angeschlossen hat. Wo zu befürchten war, daß die beireffenden Gesetze, Vorschläge oder Anträge auch auf die landwirtschaftlichen Arbeiter zurückgreifen könnten, da waren die Herren natürlich nicht zu haben.(Sehr wahr!] Im übrigen haben sie— jeder, der die parlamentarischen Vorgange verfolgt hat, wird mir das bestätigen— frisch, froh und fröhlich immer mitgestimmt, wenn es sich um Gesetze gegen die Arbeitgeber handelte.(Sehr wahr! Eine ganz entschiedene Ausnahme hat die Reichspartei, die freikonservative Partei gebildet, die sich immer dem Arbeitgeber, dem Unternehmertum, viel freundlicher erwiesen bat. Der Referent schildert nun ausführlich die seit 1908 datierenden Bestrebungen, eine wahlpolitische Organisation des Unternehmertums zustande zu bringen. Der Kommerzienrat MenckAltona habe de Gründung eines„Bundes der gewerblichen Arbeitgeber“ vergeschlagen, dessen Tätigleit sich auf sozialpolitische Fragen beschränken sollte. Für einen großen politischen Arbeitgeberbund. der auch die Kleinsten umfassen sollte, sei Dr. Tille eingetreren, der die sogenannten Saarbrücker Bestrebungen repräsentiere, denen sich der Hanneversche Arbeitgeberverband anschloß. Besondere Verdienste um die parlamentarische Vertretung der Industriellen erwarb sich auch Dr. Siresemann, dem es zu danken war, daß im alten sächsischen Landtag 30 Industrielle, davon 25 Mitglieder des Verbandes zächsischer Industrieller saßen. Dann hat Regierungsrat Prof. Dr. Leidig den Vorschlag gemacht, einen„Industrie= verband der nationalliberalen Partei“ zu gründen. Dieser Vorschlag stieß aus nicht näher anzufuhrenden Gründen auf so entschiedenen Widerspruch, daß ihm keine Bedeutung beizulegen ist. Sodann beichäftigte sich der Redner ausführlich mit einem Vorschlag des Geschäftsführers der bayerischen Metallindustriellen, Dr. König, zunächst die Organisation der Arbeitgeberverbände vollständig durchzuführen. Darüber sagte er wortlich: Meine Herren, vor ungefähr anderhalb Jahren— ich glaube, so lange ist es her— war der Zentralverband in außerordentlicher Selbstverleugnung mit Vorschlägen an den Verein Deutscher Arbeitgeberverbände herangetreten, um eine Verschmelzung dieses Vereins mit der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände herbeizuführen. Meine Herren, diese Bestrebungen sind an dem Widerstande des Vereins Deutscher Arbeitgeberverbände gescheitert. Sie sind in der Hauptsache gescheitert wegen der Beitragsfrage. Meine Herren, bei der Begründung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände ist es, wie Sie sich erinnern werden, abgelehnt worden, bei dieser größere Mittel anzusammeln, um für die Kämpfe ausgerüstet zu sein. Man hielt es für besser, das Geld zurückzubehalten. Ich habe dies damals als einen großen Fehler betrachtet und diese Ansicht hat sich bei mir nicht geändert. Immerhin haben sich doch die Mitglieder der Hauptstelle bereit erklärt, derart hohe Beiträge zu zahlen, daß es gelungen ist, allmählich ein kleines Stammvermogen anzusammeln, das außerordentlich günstig gewirkt hat.(Sehr richtig!) Meine Herren, es sind in einer ganzen Anzahl von Fällen dadurch Erfolge erzielt worden, daß wir mit verhältnismäßig kleinen Mitteln— die höchste Summe, die einmal ausgezahlt wurde, ist, glaube ich, 70= oder 80000 Ml. gewesen; aber das ist ein Unikum— dahin gewirkt haben, daß die Arbeitgeber, die in einen Streit mit ihren Arbeitern geraten waren, ausgehalten und gesiegt haben. Die Aussicht, daß sich die Hauptstelle mit ihren Mitteln hinter die Arbeitgeber stellen könnte, hat in nicht wenigen Fällen schon die Wirkung gehabt, daß die Arbeiter den Kampf aufgegeben haben.(Sehr richtig!) Nun, meine Herren, der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände erhebt nur außerordentlich kleine Beiträge zur Deckung seiner Verwaltungskosten, die, nach den ihm eigentümlichen Einrichtungen ungemein gering sind. Der Verein Deutscher Arbeitgeberverbände behauptet auch, daß er mit Rücksicht auf das Handwerk, das ihm in verhältnismäßig großem Umfang angehört, nicht in der Lage sei, höhere Beitrage zu erheben. Das ist richtig, deshalb hatten wir in unserem Vorschlage gesagt, man möge vorläufig das Handwerk aus der allgemeinen Organisation ausschließen. Aber wir beabsichtigen durchaus nicht, das Handwerk ins Leere fallen zu lassen, denn, meine Herren, diese Ansicht habe ich stets vertreten, die größten Industrien sind außerordentlich daran interessiert, daß das Handwerk nicht unter die Herrschaft der Arbeiter kommt. (Sehr wahr!) Jede Niederlage des Handwerks wirkt zurück auf die Verhältnisse der Arbeiter und Arbeitgeber in den größten Betrieben, stärkt das Selbstbewußtsein und die aggressive Kraft der Arbeiter. Daher beabsichtigen wir, daß, wenn sich die große Industrie ganz zusammengeschlossen hat, eine besondere Organisation für das Handwerk, mit starker Unterstützung seitens der großen Arbeitgeber, gebildet werden solle. Rechtsanwalt König bezeichnet als einzig mögliche Grundlage für die auf die wirkungsvolle Vertretung der großindustriellen Interessen gerichteten Bestrebungen nur die Arbeitgeberverbände. Darin, meine Herren, trete ich ihm entschieden entgegen.(Handelskammersyndikus Professor Dr. LehmannAachen: Sehr richtig!] Ich behaupte daß die Arbeitgeberverbände zu diesem Zweck weder benutzt werden können noch benutzt werden dürfen(Sehr richtig!), und zwar aus folgenden Gründen: Meine Herren, die Gewerkschaften der Sozialdemokratie und die anderen erkennen heute unumwunden die Ueberlegenheit der Arbeitgeberverbände und der in ihnen vereinigten Krafte an. Das veranlaßt die Gewerkschaften jedoch nicht, eine friedliche Haltung den Arbeitgebern gegenüber einzunehmen. Während der Zeit des Niederganges haben sie sich wohlweislich ruhig verhalten, und die großen beachtenswerten Streiks, die in dieser Zeit stattgefunden haben, sind meistens gegen den Willen der Organisationen von unbotmäßigen Mitgliedern der Gewerkschaften angezettelt worden. Aber, meine Herren, sie haben die Zeir als Vorbereitungszeit für die Kämpfe betrachtet, die sicher einsetzen werden, wenn bessere Zeiten herankommen, Kämpfe, die sie als Entscheidungskämpfe betrachten. Und die Organisationen der Arbeiter haben sich in einer großartigen Weise gerüstet, denn ihnen stehen heute Mittel in Höhe von mehr als 40 Millionen zur Verfügung. Die Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände hat es glücklich auf ¾ Millionen gebracht. Meine Herren, unter diesen Umständen ist es erforderlich, daß die Organisationen der Arbeitgeber,— darin stimme ich dem Herrn Rechtsanwalt König bei— mit aller Kraft soweit als irgend tunlich ausgebildet, daß alle Hindernisse, die dieser Ausbildung entgegenstehen oder entgegenstehen könnten, beseitigt werden.... Solange politische Wahlen bestehen, ist es die vornehmlichste Aufgabe der Parteien immer gewesen, soviel Geld als möglich für die Wahlen zusammenzubringen. Dabei ist weiter nichts Schlimmes, und es ist verfehlt und geschmacklos, wenn, wie es in der Presse geschehen ist, in Verbindung mit dem Beschluß des Direktoriums von Waylbestechung und Stimmenlauf gesprochen wurde. Das Direktorium schlägt also vor, einen industriellen Wahlsonds wie ich ihn nennen möchte, zu bilden, aus dem ohne Ansehung der nationalen Partei, der die betreffenden Kandidaten angehoren, alle unterstützt werden sollen, von denen anzunehmen ist, daß sie die Interessen der Industrie in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Fragen im Sinne der Ansichten vertreten, die mit den Bestrebungen und den Beschlüssen des Zentralverbandes nicht im Widerspruch stehen. Wir wollen Konservative, Nationalliberale, Freisinnige unterstützen, wenn sie sich als Freunde der Industrie betätigen. Das Direktorium hat zunächst den Grundsatz aufgestellt, daß mit der Sammlung und der Verwendung dieses Fonds der Zentralverband absolut nichts zu tun haben soll. Nicht etwa, weil er sich zu solcher Tätigkeit nicht eigne oder weil er irgendwie Bedenken tragen müßte, mit einer solchen Tätigkeit frank und frei vor die Oeffentlichkeit zu treten. Das nicht, meine Herren, andere Gründe waren maßgebend. Unverkennbar herrscht in einzelnen Kreisen seiner Mitglieder ein vielleicht auf einer gewissen Mißgunst beruhendes Widerstreben, dem Zentralverband größere Mittel zur Verfügung zu stellen. Daran ist auch der einzig richtige Gedanke, bei Begrundung der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände einen sogenannten Der Wert des Steinobstes. Von Dr. med. Wilh. Kühn, Leipzig. „—(Nachdr. verb.) In diesem Jayre ist in manchen Gegenden Deutschlands die Pflaumen= oder Zwetschenernte so gut ausgefallen, daß man mit dem Uebermaß nichts anzufangen wußte. Und doch haben sie eine viel größere Bedeutung, als man für gewöhnlich annimmt. Darum ist es ganz falsch, wenn sie als Nahrungsmittel zu wenig geschätzt werden, denn sie enthalten auch in getrocknetem Zustande die Bestandteile noch, die in gesundheitlicher Beziehung für uns von Wichtigkeit sind. In erster Linie haben wir beim Steinobst, d. h. bei den Pflaumen, Zwetschen, Aprikosen, Pfirsichen und anderen, den Gehalt an Salzen zu berücksichtigen. Es stellt sich heraus, daß die genannten Sorten darin prozentualiter das Kernobst, insbesondere Aepfel und Birnen, übertreffen. Wenn wir mit den Pflaumen beginnen, so zeichnen sich diese vor den anderen durch ihren Gehalt an Eisen aus, der nur von den Erdbeeren unter den Früchten übertroffen wird. Es ist also von Wert, daß gerade Blutarme und Bleichsüchtige recht viel Pflaumen essen, denn sie sind im Verhältnis zu den Erdbeeren außerordentlich billig. Zum guten Glück werden sie durch die vervollkommnete Dörrtechnik auch in getrocknetem Zustande in ziemlich einwandfreier Form in den Handel gebracht, und außerdem ist Pflaumenmus außerordentlich beliebt, so daß Gelegenheit genug gegeben ist, dem Körper die Eisensalze der Pflaumen zuführen zu zonnen. Wenn daher bei einer guten Ernte ein Ueberfluß vorhanden ist, so tun die Landleute gut, möglichst sich für den Winter mit Dörrobst vorzusehen. Der Wassergehalt ist wesentlich geringer, die Frucht haltbarer, und dadurch erhält man eine bessere Nahrung. Der Vorzug der Pflaumen liegt auf der Hand, denn das Volk benutzt sie bereits seit längerer Zeit als Abführmittel, leider aber nicht immer mit Erfolg, und das liegt daran, weil die in Frage kommende Wirkung nur danyzeintreten wird, falls man sie im nüchternen Zustande ißt, w. send bei ihrem Genuß nach dem Mittagessen die abführenden Säfte mit dem Speisebrei vermischt und dadurch unwirksam werden. Das Rezept eines englischen Arztes lautet, man solle 7—8 gekochte Pflaume.: morgens nüchtern eine halbe Stunde vor der ersten Mahlzeit genießen und ein Glas Wasser dazu trinken. Wir sprachen von den Säften der Pflaumen. Diese enthalten zunächst Säuren, und zwar nebeneinander Zitronen=, Apfelund Weinsäure zu zirka 1 Prozent, während der Zuckergehalt mit 5—6 Prozent ein sehr hoher ist. Was die Salze anbetrifft, so stehen die Aprikosen mit an erster Stelle, und zwar in dem Gehalt an Kali und Natron. Weiter ist neben Eisenoxyd, das wir ebenfalls bereits erwähnten, der Gehalt an Magnesia und Phosphorsäure höchst beachtenswert. Letzterer ist bei den Pfirsichen ein sehr hoher. Die abführende Wirkung ist zum Teil aus der unverdaulichen Cellulose zu erklären, die in ziemlich hoher Menge in den Pflaumen enthalten ist. Außerdem unterscheiden wir hier die Fruchtgelees, von denen sich namentlich die Pfirsichgelees durch einen sehr milden Geschmack auszeichnen, weil hie nur wenig Zucker und Säure enthalten, weshalb sie in Krankheitsfällen als Erfrischungsmittel sehr geeignet sind.— Schließlich wollen wir daran erinnern, daß eine Pflaumenabkochung(Pflaumendekokt) eins der besten und angenehmsten Getränke bei fieberhaften Krankheiten ist, das ganz ungerechtfertigterweise der Vergessenheit anheim zu fallen droht. Bedingung dabei ist natürlich, daß die Aufbewahrung von getrockneten Früchten eine zweckmäßige sein muß, weil sich auf ihnen sonst Obststaub und Kleinwesen aller Art ansammeln und hier wegen der kleberigen Beschaffenheit fest haften bleiben. Das Obst muß ebenso sorgfältig oor schädlichen Keimen und Insekten geschützt aufbewahrt werden wie andere Nahrungsmittel. Der kühlende Einfluß bei Fiebern usw., von denen wir vorhin sprachen, wurde vor 200 Jahren mehr den Prinellen(Prünellen) zugeschrieben. Je gelber solche waren, um so schöner und wertvoller sollten sie sein. Man benutzte sie bei Fiebern und anderen hitzigen Zufällen, ein gut Essen zu kühlen und zu befeuchten", wie sie auch dem Kranken eine angenehme Erquickung waren. Besonders gut sollten sie denen bekommen, die von schwindsüchtigen Fiebern aufgezehrt und mager geworden waren. Man kochte zu diesem Zwecke die Prinellen genügend in Brunnenwasser, dem man den Saft einer frischen Zitrone hinzugefügt hatte. Vor 200 Jahren hatten sich die Apotheken mehr als jetzt mit dieser Frucht zu beschäftigen. In hohem Ansehen standen zum Zwecke der medikamentösen Verwendung die großen Damascener= pflaumen oder ungarischen Pflaumen. Schon zu Galens Zeiten waren die Sorten, die in der Gegend der Stadt Damaslus in Syrien oder in Spanien wuchsen, die berühmtesten, und zwar wurden sie künstlich in Form von Konserven exportiert. Man nannte sie in dieser Form Palathas, eine Bezeichnung, die uns z. B. Athenäus überliefert. Palathe aber ist eine Masse in Kugelform, die aus Pflaumen zubereitet wurde. Ebenso beschreibt auch Theophrast Pflaumen, die in Aegypten gedörrt wurden, nachdem man die Kerne entfernt hatte, woraus zu schließen ist, daß auch jene auf diese Art und Weise vergestellt wurden.— Natürlich kannten die Alten ebenfalls die abssin#en. Wirkung der Pflaumen, weshalb Thomas Erastus besonders erwähnt, daß die mährischen Pflaumen den ungarischen vor###chen seien, weil sie den Bauch mehr laxierten und erweichten als die Cassia und Manna. Im allgemeinen war man der Ansicht, daß die frischen und zeitigen Pflaumen kalt und feucht seien, daß sie jedoch un so süßer würden und auch um so besser abführten, je näher„sie der Wärme kamen". Daher verursachen sie sehr leicht einen Durchfall, wenn man zu riel davon ißt, wie sie auch eine Vermehrung der Würmer im Leihe herbeiführen sollen. Man hat nach den genannten keine andere Frucht, die so viel Würmersamen in ihrer Substanz enthalten sollte, als die Pflaume. Die alten Aerzte behaupten, daß die weißen oder gelben Pflaumen, die man Spillinge, und die großen gelben, die man Eierpflaumen nannte, wegen ihres rohen und wasserhaltigen Saftes ungesund sind, überflüssige Feuchtigkeit im Körper verursachen, den Magen verderben und ein böses ungesundes Blut machen. Von besonderen Heilwirkungen des Pflaumenbaumes wird uns aus Amerika berichtet. Dort sollte es einen Baum Hobo gegeben haben, dessen Früchte den Damascenerpflaumen glichen, aber mehr säuerlich und etwas unverdaulich waren. Nach der uns vorliegenden Quelle hatten die Einwohner die Ansicht, daß, wer im Schatten dieses Baumes schliefe, keine Kopfschmerzen fühle. Sprossen und Rinden sollten ein wohlriechend.s Wasser geben, das die Glieder stärkte, während die ausgeschnittene Wurzel einen Saft lieferte, der angenehm zu trinken war.— Im Aberglauben scheinen die Pflaumen keine große Rolle gespielt zu haben. Wir finden nur die Angabe, daß der, der von blauen Pflaumen träumt, viel weinen muß, oder daß si. eine Leiche anzeigen Fassen wir noch einmal zusammen, weshalb das Steinobst, dessen einzelne Sorten wir ja schon mehrfach erwähnt haben, für uns Menschen in gesundheitlicher Beziehung durchaus dienlich ist, so kommen in erster Linie die Salze in Frage, dann aber neben dem süßenden Zucker freie Pflanzensäuren, die erfrischend auf unseren Gaumen wirken und aromatisch ätherische Oele von großem Wohlgeruch und Wohlgeschmach enthalten. Natürlich in das Steinobst nicht genießen, ohne es vorder abgzu haben oder in eine schwach desinfizierende Flüssigteit n, da in bezug darauf, wie wir e5 heute, kaufen, keine allzu darf man tur waschen zu zu tauchen, da in bezug darauf, wie wir e# heute kaufen, keine allzu große Reinlichkeit stattfindet und Kranheitskeime mit gesenderer Vorliebe an ihm haften. Julinskurm zu errichten, gescheitert. Es soll daher eine Kommission gebildet werden, und zu dieser Kommission soll eine Reihe von Vereinen ermächtigt werden, je ein Mitglied zu ernennen. Diese Vereine sind: 1. Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen in Düsseldorf. 2. Der Verein für die Bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund in Essen a. Ruhr. 8. Der Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln in Köln. 4. Der Mittelrheinische Fabrikantenverein in Mainz. 5. Der Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie in Saarbrücken. 6. Das Eljaß=Lothringische Industrielle Syndikat in Mülhausen in Elsaß. 7. Der Verein Süddeutscher Baumwollindustrieller in AugsDer Renar“*.#.: 8. Der Baherische Industriellenverband in München. 9. Der Verband von Arbeitgebern der sächsischen Textilindustrie in Chemnitz. 10. Der Oberschlesische Berg= und Hüttenmännische Verein in Kattowitz. 11. Der Verband Schlesischer Textilindustrieller in Breslau. 12. Der Verband Ostdeutscher Industrieller in Danzig. 13. Der Verein Deutscher Papierfabrikanten in Berlin. 14. Der Ausschuß der Ton-, Zement= und Kalkvereine in Berlin. 15. Die Nordheutsche Gruppe des Vereins Eisen= und Stahlindustrieller in Berlin. Der Vorsitzende dieser Kommission wird seinen Sitz in Berlin haben müssen. Die Kommission soll verpflichtet sein, eine Geschäftsstelle zu unterhalten. Dem Geschäftsführer wird die Aufgabe zufallen, sich über die Verhältnisse in den Wahlkreisen zu informieren, Vertrauensmänner in den betreffenden v## anzustellen und seine Vorschläge für das Vorgehen bei den Wahlen dem Komitee zu unterbreiten. Dann schlagen wir Ihnen vor, als Maßstab für den Beitrag zum Wahlfonds die Lohnsumme zu betrachten. Dieser Maßstab ist jedenfalls viel gerechter als die Zahl der Arbeiter. Namentlich in bezug auf jene großen Industrien, die auch verhältnismäßig billige Arbeiter verwenden, wie beispielsweise die Textilindustrie, die soviel jugendliche und weibliche Personen beschäftigt. Ueber die Verwendung der Beiträge soll, soweit es zweckmäßig erscheint, Rechenschaft abgelegt werden. Dem Hansabund wollen wir keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Unser Beschluß stammt aus einer Zeit, in der er noch gar nicht existierte. Dazu kommt, meine Herren, daß wir im Zentralverbande zu der Ueberzeugung gelangt sind, der Hansabund sei, abgesehen von besonderen und daher auch besonders zu behandelnden Fällen, nicht die geeignete Stelle, um im allgemeinen auf die Wahlen durch Verwendung eines Wahlfonds einzuwirken. Meine Herren, wollte er das tun, so würde er zwei Wege beschreiten können. Ich will etwas anderes vorausschicken. Es ist eine offenkundige und in der Presse vielfach besprochene Tatsache, die auch heute von dem Herren Vorsitzenden erwähnt worden ist, daß in dem Hansabund Gruppen mit verschiedenen, sogar mit direkt entgegengesetzten Interessen vertreten sind. Meine Herren, das ist eine Tatsache, die nicht zu bestreiten ist, und wenn bezüglich dieser Tatsache der Hansabund vielleicht den einen Weg einschlogen könnte, die Kandidaten aller in sich vereinigten Gruppen bei der Wahl zu unterstützen, dann würde er dazu kommen, Gelder gegen die Interessen derer zu verwenden, die sie hergegeben haben. So der Industrie bei den letzten Wahlen ergangen. Ich habe schon angedeutet, daß die Industrie damals große Fonds für den Wahlzweck zur Verfügung gestellt hat. Sie wurden verwendet von einem Komitee in der Art, daß allebürgerlichen Parteien ihren Anteil erhielten, der schematisch bemessen wurde nach der Zahl ihrer Vertreter im Reichstage. Also, meine Herren, von dem Gelde, das die Industrie gesammelt hatte, sind bei der Wahl Kandidaten unterstützt worden, die die Industrie als ihre entschiedensten Gegner in wirtschaftlicher und sozialer Beziehung betrachten mußte.... Wollen Sie eine Aenderung in dieser Beziehung herbeiführen, so dürfen Sie Ihre Taschen nicht zuknöpfen und sich mißmutig abwenden. Meine Herren, die Zeiten sind schlecht, aber mögen die Zeiten gut oder schlecht sein, Ihre Zinsen, Ihre Steuern, Ihre sonstigen Abgaben müssen Sie auch bei den schlechtesten Zeiten zahlen, wenn Sie Ihre Tür nicht zuschließen wollen. Meine Herren, da kommt auch in schlechten Zeiten das heraus, was hier für den Fonds gebraucht wird, was für den einzelnen verhältnismäßig sehr gering sein wird, wenn alle Mitglieder des Zentralverbandes die Notwendigkeit erkennen und sich als opferwillig in diesem Falle erweisen. Den schlechten Zeiten aber werden bessere folgen, die Morgenröte der besseren Zeit scheint ja bereits aufzusteigen. Die Kongbfrage. Die Frage um Sein oder Nichtsein der schwarzen Rasse wird, so erörtert ein Aussatz aus den Kreisen der schweizerischen philanthropischen Kongoliga, immer schwieriger, immer verzweifelter. Man irrt allgemein, wenn man glaubt, die Klage der Menschenfreunde richte sich nur gegen die blutigen Grausamkeiten, welche in dieser Kolonie gegen die Eingeborenen begangen werden. Diese Ausschreitungen, so scheußlich sie sein mögen, sind unbedeutend und zufällig gegenüber dem ganzen infamen und unmenschlichen Regierungs= und Verwaltungsjystem, das auf diesem Lande lastet und es schneller, als mon in Europa weiß, der Entvölkerung entgegenführt, oder vielmehr: es bereits entvölkert und ruiniert hat. Ein fremder Spekulant— zuerst Leopold II. als Souverän des Kongostaates, und nun derselbe als König von Belgien— nimmt Land, Produkte des Landes und die Zwangsarbeit aller Bewohner, der Männer, Weiber und Kinder, auf Lebenszeit in Anspruch, um sich zu bereichern; von einer Aufwendung der so dem Land jährlich entzogenen Millionen und der gesamten Sklavendienste des Volkes im Interesse des Volkes selbst ist keine Rede. Seit den 25 Jahren dieses Regiments ist z. B. für die Erziehung nicht nur nichts geschehen— außer zwei elend unterhaltenen Waisenhäusern, wo Rekruten für die Armee gedrillt werden—, sondern man setzt die Verwaltungsmaschine und die Justiz usw. in Bewegung, um die Missionen, die bisher allein der Erziehung der„Bürger" sich widmeten, aus dem Lande fortzuekeln, weil man sie als Ankläger und Zeugen der Mißverwaltung unbequem findet. Also ein Stlavereibetrieb im größten Maßstab, den die Geschuote kennt: das Zerrbild eines Staates, der nichts ist als die vollkommenste Ausveutung von Zentralafrika zugunsten eines Händlers in Europa. Und alles dies in klarster Widerhandlung gegen einen Staatsvertrag: Die Berliner Akte von 1885, in welcher dieser Großhändler Handelsfreiheit, Ausschluß jedes Monopols und väterliche Behandlung der Schwarzen feierlich zugesagt hat. Daß am Ende ein Mann von der Art eines Leopold II. auf solche Gelüste verfiel, ist weit weniger verwunderlich, als daß die Vertragsmächte die Ausführung dieser Pläne duldeten, daß sie ruhig zusahen, wie das Zentrum der schwarzen Rasse, das von 25 Millionen bewohnte Kongobecken, verwüstet wird zugunsten eines vertragsbrüchigen Kontrahenten. Anfangs konnte man sich ja mit Nichtwissen einigermaßen entschuldigen, aber seit den Entbüllungen der Untersuchungskommission von 1905, deren Mitglied Regierungsrat v. Schumacher war, galt diese Entschuldigung nicht mehr. Es hat auch England durch unzählige Not einen Druck auf Leopold ausgeübt, damit er die Verwaltung des Kongo in die Hand Belgiens lege, und er mußte schließlich auch gehorchen; natürlich tat er dies in der ihm eigenen Weise, so daß er nach wie vor die Verwaltung in Händen behält und die belgische Kammer lediglich ein ihr vorgelegtes Budget zu verdauen resp. zu genehmigen hat. Es ist ein Jahr seither verflossen, und es ist alles beim alten. Zwar haben einige der älteren Gesellschaften, die Leopold als wirksame Saugpumpen und Blutegel an den Körper des unglücklichen Kongo ansetzte, es doch allzu bunt gemacht, und ihre Konzessionen liegen nun total verwüstet, menschenleer und öde, so das Airgebiet, die Mongalla usw. Aber wo noch Blut und Kautschuk vorhanden sind, jo in Kasai, da arbeitet mit atemloser Eile und Konsequenz eine andere Gesellschaft Halbpart mit dem König, und zwar so, daß Konjuln der fremden Mächte und Missionare gen Himmel schreien und daß die Kautschukpkoduktion im ganzen immer noch ungefähr dieselbe ist. Nach Zeitungsnotizen hat die Kasaigesellschaft allein im letzten Jahre sieben Millionen Franken„verdient.“ Und eben ist der gehorsame Kolonialminister Herr Renkin aus dem Kongo zurück und verkündet urbi et orbi, daß die große Ausbeutungsmaschine im Kongo nach Wunsch läuft, und fügt selbstverständlich, nach berühmten Mustern, bei, daß er 500 Häuptlinge daselbst abgehört, und daß ihm alle versichert haben, sie hatten über die Regierung auch nicht die geringste Klage. Freilich hat sich auch die altera pars, nämlich die tapferen und unbestechlichen Belgier, hören lassen, die immer für die zertretenen Schwarzen einstand und das System der Zwangsarbeit bekämpfte, Vandervelde hat seine Inspektionsreise beschrieben, und Lorand hat in einem hochst bemerkenswerten Artikel im Journal de Genéve die Stimmung der besseren Kreise Belgiens über den Kongo geschildert. Er führt aus, daß England, als es durch Erzwingung der Uebergabe der Kolonie an den Staat Belgien die Lage der Schwarzen zu bessern wähnte, nichts anderes tat, als deren Ketten auf immer fester zu schmieden, denn der Staat Belgien und die Belgier verabscheuen dieses Geschenk, das schon bisher nichts als Unheil gebracht und den König zum Verschwender gemacht habe. Belgien begehre nichts, als sich fern und frei zu halten vom Kongo, und werde weder Kräfte noch Geld darauf verwenden: timeo Danaos! Und so bleibe die Kolonie in den bisherigen Händen, also alles beim alten, und das Elend und die Sklaverei werden dauern, bis am Kongo nichts mehr zu holen sei. Ja, man wird den letzten Saft aus der Frucht ziehen und dann die leere Schale dem überlassen, der nachher kommt. Alsdann wird man mit Posaunenstößen im Namen der Humanitä: Handelsfreiheit und Arbeitsfreiheit verkündigen. Diese entsetzliche Situation hat nun aber endlich die Engländer, die Hauptbeförderer des weiland Kongostaates und des Berliner Vertrags, ins Gewissen gebrannt, und da ihre Regierung, angeblich weil Leopold sie durch glänzende Konzessionen für die Kap—Kairobahn und noch gänzendere Kupferminen in Katanga zu kirren wußte, seit Juni 1908 sich aus dem bisherigen Kampf matt zurückzog, so steht nun das Volk, besonders dessen philanthropische Kreie, auf und fordert durch imposante Kundgebungen, daß dem Weltskandal ein Ende gemacht werde. Soeben hat E. D. Morel, der unermüdete Vorkämpfer für das blutende Kongovolk seit zehn Jahren, der durch seinen„Red Rubber“ die Welt eigentlich aufgerüttelt hat zur Brandmarkung des neuen Sklavenstaates, wieder ein Buch seinen Landsleuten geboten. Das Buch ist ein aufs sorgfältigste dokumentierter kurzer Inbegriff der Geschichte und des heutigen Standes der ganzen Kongofrage. Dr. H. Christ=Socin, der Vizepräsident der schweizerischen Kongoliga, fällt über das Buch das Urteil: Vom Pamphletistenton des„Red Rubber“ ist hier wenig mehr. Morel hebt sich zu fast objektiver Höhe des reifen Urteils, aber die glühende Begeisterung und der tiefe Schmerz des echten Menschenfreundes ist überall durchzuspüren. Mit einem seltenen Freimut bekämpft Morel das englische, vom Minister des Aeußeren, Sir E. Grey, in versteckter und doch deutlicher Weise benutzte Vorurteil, als ob ein Krieg mit Deutschland ausbräche, wenn energisch gegen Belgien vorgegangen wurde, um im Kongo die Sklaverei avzuschaffen; überzeugend zeigt er, welche allgemeine Gejahr unserer ganzen Zivilisation von diesem großen, blutigen und dunklen Flecken des Kolonialregiments am Kongo droht, indem die Ansteckung sich bereits über den französischen Kongostaat erstreckt hat, der nach belgisch=leopoldinischem Muster an nicht weniger als 32 konzessionierte Ausbeutungsgesellschaften ausgeliefert ist, nicht zu reden vom portugiesischen Afrika, das als Pflanzschule von Sk avenmaterial für die Kakao=Inseln Sao Thomé und Principe dient. Mit der Wucht des unbestechlichen Historikers und der Liebe des Menschenfreundes wird gezeigt, daß der Schaden ein unabsehbarer und daß die Gefahr keine geist als die Nornichtung der schwarzen Rasse in ierringere 1. uls die Vernichlung der schwärzen Rasse in ihrem Kern durch die Gier der Weißen an Stelle einer Erziehung zur Mitarbeit an den großen Aufgaben, welche der Menschheit gesteckt sind. Gewerkschaftsbewegung. Die städtischen Arbeiter in Breslau petitionieren an den Magistrat um Erhöhung der Löhne. Sie fordern einen Mindestlohn von 3,50 Mt. und für alle diejenigen, die diesen Lohnsatz schon haben, eine Wochenzulage von 1,20 Mk. Die Breslauer Zimmerer, deren Tarif Ende März 1910 abläuft, beschlossen, von diesem Zeitpunkt ab die 9stündige Arbeitszeit und einen Mindeststundenlohn von 65 Pfg. zu fordern. Tarifabschluß in der Schuhindustrie. Zwischen dem Zentralverband der Schuhmacher und der Firma Th. Schwarzbauer (Inh. Reinwald) mech. Schuhfabrik in München wurde ein Tarifvertrag auf die Dauer von zwei Jahren abgeschlossen. Erreicht wurden Lohnzulagen in der Zwickerei, Ausputzerei und bei den Maschinenarbei#ern, die 8stündige Arbeitszeit, Freigabe des 1. Mai, für Stanzer ein Minimaltagelohn von 4 Mk., Anerkennung des Arbeit fnachweises der Organisation; an Vorabenden der hohen Festtage ist um 2 Uhr Arbeitsschluß unter voller Bezahlung der Zeitlohnarbeiter. Der Gewaltakt der Zechenbesitzer des westfälisch=rheinischen Kohlenrepiers. Die Errichtung des Zwangsarbeitsnachweises soll trotz aller Proteste der Bergarbeiter nun doch durchgeführt werden Das Unterdrückungsinstitut soll mit dem 1. Januar in Kraft treten. Die Zentrale soll in Essen a. Ruhr errichtet werden, Zweigstellen in Hamm i. W., Kamen, Dortmund, Lürgendortmund, Witten, Herne, Bochum, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen, Gladbeck, Buer, Moers und Sprockhövel.— Diese Gewaltmaßregel bedeutet eine schwere Provokation der Bergleute im Ruhrbecken, denen sich ob dieses Gewaltaktes eine ungeheure Aufregung bemächtigt hat. Straßenbahner=Ausstand. Bordeaux, 18. Nov. Die ausständigen Straßenbahnangestellten beschäftigten sich in verschiedenen Konferenzen mit ihrer Lage. Das sozialdemokratische Gemeinderatsmitglieg Connelle sandte in ihrem Namen= ein Telegramm an Millerand, worin u. a. gesagt wird:„Die Lage ist sehr ernst und die Arbeiter würden gern den Schiedsspruch des Ministers annehmen. Ich bitte Sie daher dringend, dieses Amt: anzunehmen. Millerand hat in einem Telegramm an Connelle das Amt eines Schiedsrichters angenommen, unter der Bedingung, daß die Arbeitgeber und Arbeiter sich damit einverstanden erklären. Der Straßenbahnbetrieb war auch heute nacht unterbrochen. Die Zahl der Truppen, Gendarmen und Polizeiagenten, welche nach Bordeaux entsandt worden sind, beläuft sich auf 2000. Streik der Schlachter in Newyork. Der Verband der jüdischen Schlachtergesellen in Newyork führt seit einiger Zeit einen verzweifelten Kampf gegen die unwürdigsten Lohn= und Arbeitsverhältnisse, zum Teil dadurch erschwert, daß der Zuzug ziemlich mittelloser Leute in den letzten Jahren ungeheuer stark war. Doch ist es gelungen, die Organisation so zu stärken, daß jetzt in eine Lohnbewegung eingetreten werden konnte. In einem Stadtteile legten in letzter Woche über 1000 Mitglieder des genannten Verbandes die Arbeit nieder. Es verlautet bestimmt, daß erwa 4000 Mitglieder anderer Organisationen, wie auch Nichtorganisierte sich ebenfalls anschließen werden. Reichliche, finanzielle Unterstützung ist von dem Verbande der jüdischen Gewerkschaften zugesagt worden. Die wichtigsten Forderungen sind: Beschränkung der Arbeiszeit zwischen 5 Uhr morgens und 6 Uhr abends, Frühstücks= und Mittagspause. Mindestlöhne von 8—12 Dollar wöchentlich unter Wegfall des Kost= und Logiszwanges, wöchentliche Lohnzahlung und Anerkennung der Gewerkschaft. Streik der Newyorker Ladengehilfen. Seit einigen Tagen tobt in Newyork ein großer Kampf der Ladengebilfen. Um auch die noch nicht organinerien Angestellten zum Anschluß zu bewegen, war es notwendig, eine große Anzahl von Streikposten ständig auf den Beinen zu haben. Wie überall, so tritt auch in Amerika die Polizei für die Unternehmer ein. Am 28. Oktober unternahm sie eine umfassende Razzia gegen die Streikposten, wobei es zu ernsten Zusammenstößen kam. Ein Vertrauensmann der Gewerkschaft wurde tödlich verletzt, und nicht weniger wie 75 Streikposten wurden verhaftet. Doch hat diese Staatsaktion weseatlich dazu beigetragen, den Kampfesmut der Gehilfen zu erhöhen und ihnen noch größere Sympathien des Publikums zu sichern. Anlärisches. Ein betrügerischer Kapellmeister. Halle(Saale), 18. Nov. Der Dirigent der Eislebener Bergkapelle namens Greiner, früherer Stabshoboist des Füsilier=Regiments Nr. 36, wurde wegen Betruges in 33 Fällen vom Kriegsgericht der 8. Division unter Zuerkennung mildernder Umstände zu vier Wochen Arrest sowie Tegradation verurteilt. Greiner hatte das Spielhonorar der Kapelle nach eigenem Ermessen normiert und hierbei einen Teil der Gelder für sich behalten. Vermischtes. Starker Schneefall. Berlin, 18. Nov. Ueber die Ursachen des starken Schneefalls und über die Gründe der vielen Telephonstörungen wurde im meteorologischen Institut folgendes mitgeteilt: Die äußere Veranlassung war eine Depression, die sich bereits vom Sonnabend ab langsam von Westen nach Osten bewegte. Daß soviel Telephonleitungen durch den Schnee beschädigt und zum Teil zerrissen wurden, liegt an der großen Schwere des gefallenen Schnees, die auf die herrschende niedrige Temperatur, die fast beständig Null Grad betrug, und auf den großen Feuchtigkeitsgehalt der Luft zurückzuführen ist. Berlin, 18. Nov. Die Storungen im Berliner Telephonverkehr wurden zumeist durch Reißen der Drähie infolge der Schneebelastung verurjacht. Vom Bauamt der Oberpostdirektion, der zuständigen Stelle für die Störungen im Telephonverkehr, sind alle verfügbaren Mannschaften unterwegs, um die Schäden auszubessern Bei dem großen Umfang der Verwüstungen ist jedoch mit Sicherheit noch nicht zu bestimmen, wann der reguläre Verkehr wieder ordnungsmäßig einsetzen kann. Wie das Haupttelegraphenamt mitteilt, sind die Verkehrsstörungen die bedeutendsten, die seit langen Jahren zu verzeichnen waren. Unfälle aller Art sind durch den ungewöhnlich starken Schneefall herbeigeführt worden. Vorkommnisse, die Menschenleben gefährdeten, sind erfreulicherweise nicht zu verzeichnen. Großer Schaden wurde durch die ungeheure Belastung der Dächer mit Schnee verursacht. Posen, 18. Nov. Bei Tischdorf blieb ein Personenzug der Posen=Stralkowoer Staatsbahn im Schnee stecken. Mit Hilfe einer aus Wreschen requirierten Vorspannlokomotive gelang es, Er gelangte mit 5stündiger den Zug wieder voranzubringen. Verspatung am Ziel an. Trautenau, 18. Nov. Ganz Ostböhmen wurde in der letzten Nacht von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Hagel, Regen. Schnee gingen in ungeheuren Massen nieder. Telegraphendrähte, die vereisten, zerrissen unter der Eislast. Auf weite Strecken sind die Telegraphenstangen niedergebrochen. Trautenau, Hohenelbe und Königinhof sind vom auswärtigen Sprechverkehr abgeschnitten. Große Verwüstungen sind in den Waldbeständen des Riesengebirges angerichtet worden. Die Stadt Trautenau ist ohne elektrische Beleuchtung, da in der Nacht mehrere Leitungsdrähte zerrissen. Tetschen, 18. Nov. In ganz Nord=Böhmen herrschte beute nacht ein fürchterlicher Schneesturm. Der Zug= und Telegraphen=Verkehr ist vielfach gestört. Der Berliner Nachtschnellzug traf hier mit einstündiger Verspätung ein. Brüssel, 18. Nov. Aus verschiedenen Teilen Belgiens werden starke Schneefälle gemeldet. Zugzusammenstoß. Klagenfurt, 18. Nov. In der Nähe von Brückl fand ein Zusammenstoß zweier Personenzüge statt. Vier Personen wurden leichter verletzt. Beide Lolomotiven sowie mehrere Waggons wurden zertrümmert. Wilderer und Jäger. Brüssel, 18. Nov. In der Nähe von Haocht kam es zwischen Wilderern und Jagdaufsehern zu einem regelrechten Kampf. Auf beiden Seiten wurden scharfe Schüsse aogegeben Ein Wilderer wurde getötet, drei andere schwer verletzt. Der Vorfall hat in der hiesigen Gegend große Aufregung hervorgerufen. Falschmünzer verhaftet. Petersburg, 18. Nov. Hier wurde eine Falschmünzerbande verhaftet, an deren Spitze ein gewisser Franz Paster stand. Die Bande fabrizierte falsches Goldgeld. Es sollen über 100000 Mk. von diesen Falsifikaten im Umlauf sein. Zugentgleisung. Lissabon, 18. Nov. Der Südexpreß ist der Nähe von Ponhel entgleist. Zwei Bahnbeamte wurden verletzt. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Haudelsspionage. Paris, 18. Nov.„Journal“ meldet aus Villo: Großes Aufsehen erregt in den umliegenden Gebieten von Villo Tourcoing und Roubaix die Entdeckung einer Handelsspionageaffäre. Ein Angestellter der Tabakfabrik Doffrennes aus Lyst=les=Lannoy ist verschwunden unter Mitnahme von wichtigen Fabrikationsgeheimnissen und wertvollen Mitteilungen, welche er angeblich an einen Deutschen verkauft haben soll, der in Paris Handelsspionage treibt. Letzte Nachrichten. Hannover, 19. Nov. Wegen Nahrungssorgen vergiftete der in Linden wohnende Arbeiter Andree sich selbst und seine Frau und Töchter im Alter von 8 und 10 Jahren. Düsseldorf, 19. Nov. Gestern nachmittag wurde in der Nähe der festen Rheinbrücke ein unbekannter Mann mit gespaltenem Schädel tot aufgefunden. Der Leiche fehlen sämtliche Wertsachen. Anscheinend liegt ein Verbrechen vor. Bremerhaven, 19. Nov. Der Rendant der Allgemeinen Ortskronkenkasse, Hübner, ist nach Unterschlagung größerer Summen geflüchtet. Kassel, 19. Nov. Die Wirkungen der neuen Tabaksteuer äußern sich hier bereits. Verichiedene Zigarrenfabriken in Eschwege haben gestern ihren Betrieb bis zum 2. Januar eingestellt. Ueber 300 Arbeiter sind entlassen worden. Berlin, 19. Nov. Der Verkehr in den Straßen Berlins hatte noch bis zum Eintritt des Abends unter dem Schnee zu leiden. Hunderte von Gefährten blieben längere Zeit festsitzen. Eine große Anzahl von Pferden stürzte und mußte nach der Abdeckerei gebracht werden. Die Verkehrsstörungen im Straßenbahnbetriebe machten sich ebenfalls noch spät abends bemerkbar, auch im Fernsprechverkehr war es noch nicht möglich, die unterbrochenen Leitungen auch nur teilweise wieder herzustellen. Eine große Gefahr bildeten gestern auch die Schneelawinen, die nachmittags und abends von den Dächern auf die Bürgersteige fielen, und wodurch u. a. zwei Personen erhebliche Verietzungen erlitten. Auch aus dem Reiche kommen ununterbrochen Berichte über die durch den Schneesturm angerichteten Schäden. Lautenaue(Odenwald), 19. Nov. Hier erschoß der verheiratete Landwirt Arras seine Schwägerin, die kurz vor der Niederkunft stand. Arras ist Vater des zu erwartenden Kindes. Brüssel, 100 gegen 5 treffend die Riga, 18. Oreler Bahr 60 Angeklag Jahren Fest wurden freiPetersbu Gardekürassi Gret Preis 4 Jedes Wort ko der setten Ueb Anzeigen unter größte Kleide 2 M 5 M schräu 2 Mk. Flurg 10 M 40 Mi Ausw sichtig Jahn unter Wegfall des Kost= und nzahlung und Anerkennung der ingehilfen. Seit einigen Tagen Kampf der Ladengehilfen. Um n Angestellten zum Anschluß zu e große Anzahl von Streikposten n. Wie überall, so tritt auch in ternehmer ein. Am 28. Oktober Razzia gegen die Streikposten, nstößen kam. Ein Vertrauensödlich verletzt, und nicht weniger rhaftet. Doch hat diese Staatsgen, den Kampfesmut der Gegrößere Sympathien des Publirisches. ster. Halle(Saale), 18. Nov. Bergkapelle namens Greiner, ilier-Regiments Nr. 36, wurde om Kriegsgericht der 8. Division Umstände zu vier Wochen Arrest Greiner hatte das Spielhonorar ssen normiert und hierbei einen n. schtes. Schneefall. die Ursachen des starken Schneevielen Telephonstörungen wurde #lgendes mitgeteilt: Die äußere on, die sich bereits vom Sonnnach Osten bewegte. Daß soviel nee beschädigt und zum Teil zergroßen Schwere des gefallenen e niedrige Temperatur, die fast d auf den großen Feuchtigkeitsist. örungen im Berliner TelephonReißen der Drähte infolge der om Bauamt der Oberpostdirekr die Störungen im TelephonRannschaften unterwegs, um die großen Umfang der Verwüstunh nicht zu bestimmen, wann der nasmäßig einsetzen kann. Wie ilt, sind die Verkehrsstörungen Jahren zu verzeichnen waren. ungewöhnlich starken Schneefall mnisse, die Menschenleben genicht zu verzeichnen. Großer eure Belastung der Dächer mit hdorf blieb ein Versonenzug der im Schnee stecken. Mit Hilfe Vorspannlokomotive gelang es, i. Er gelangte mit 5stündiger Hanz Ostböhmen wurde in der en Unwetter heimgesucht. Hagel, heuren Massen nieder. Telerissen unter der Eislast. Auf raphenstangen niedergebrochen. tiginhof sind vom auswärtigen roße Verwüstungen sind in den ges angerichtet worden. Die che Beleuchtung, da in der Nacht nz Nord-Böhmen herrschte heute sturm. Der Zug= und Telert. Der Berliner Nachtschnellerspätung ein. verschiedenen Teilen Belgiens t. furt, 18. Nov. In der Nähe stoß zweier Personenzüge statt. erletzt. Beide Lolomotiven sowie mmert. ssel, 18. Nov. In der Nähe ilderern und Jagdaufsehern zu beiden Seiten wurden scharfe ter wurde getötet, drei andere in der hiesigen Gegend große tersburg, 18. Nov. Hier rhaftet, an deren Spitze ein geBande fabrizierte falsches Goldvon diesen Falsifikaten im Um„18. Nov. Der Südexpreß ist st. Zwei Bahnbeamte wurden terbrochen. 8. Nov.„Journal“ meldet aus den umliegenden Gebieten von die Entdeckung einer Handelse der Tabakfabrik Doffrennes vunden unter Mitnahme von n und wertvollen Mitteilungen, utschen verkauft haben soll, der hrichten. Nahrungssorgen vergiftete der idree sich selbst und seine Frau 10 Jahren. nachmittag wurde in der Nähe annter Mann mit gespaltenem iche fehlen sämtliche Wertsachen. vor. Rendant der Allgemeinen Ortsterschlagung größerer Summen ungen der neuen Tabaksteuer dene Zigarrenfabriken in Eschbis zum 2. Januar eingestellt. n worden. in den Straßen Berlins hatte s unter dem Schnee zu leiden. längere Zeit festsitzen. Eine und mußte nach der Abdeckerei sstörungen im Straßenbahnch spät abends bemerkbar, auch och nicht möglich, die unterweise wieder herzustellen. Eine h die Schneelawinen, die nachern auf die Bürgersteige fielen, erhebliche Verjetzungen erlitten. unterbrochen Berichte über die eten Schäden. v. Hier erschoß der verheiratete n, die kurz vor der Niederkunft ewartenden Kindes. Brüssel, 19. Nov. Die Deputierkenkammer hak gestern mit 100 gegen 5 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen die Vorlage betreffend die persönliche Wehrpflicht angenommen Riga, 18. Noo. Im Prozeß wegen des Streiks auf der RigaOreler Bahn in der Revolutionszeit vom Winter 1905 wurden 60 Angeklagte, darunter ein Ingenieur, zu 40 Tagen bis drei Jahren Festungshaft verurteilt. Die übrigen 89 Angeklagten wurden freigesprochen. Petersburg, 19. Nov. Heute geht nach Finnland die erste Gardekürassier=Division ab, die aus zwei Kürassierregimentern sowie einem Regiment Garde zu Pferde und einem Regiment infolge der Ablehnung der Kredite für die den finnischen Landtag veranlaßt worden. : P e t e r s b u r g, 1 9. N o v. D e r A v i a t i k e r B a r o n d e C a t e r s, d e r gestern einen Aufstieg unternahm, stürzte aus einer Wendung plötzlich aus beträchtlicher Höhe zu Boden. De Caters blieb unverletzt, seine Maschine wurde zertrümmert. Der Schaden beträgt 12000 Ml. Washington, 19. Nov. Es wird berichtet, daß aus Munagua beim Staatsdepartement Nachrichten vom nordamerik Konsul eingelaufen sind, nach denen in Niearagua auf Befehl des Präsidenten Zelaya zwei Angehörige der Vereinigten Staaten kriegsrechtlich erschossen worden sind. Das Staatsdepartement hat infolge dieses Zwischenfalles den Empfang des neuen nicaragug nischen Gesandten auf unbestimmte Zeit verschoben. Das Marinedepartement läßt zwei Kreuzer nach Zentralamerika abaehen. Die amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften, die den Verkehr mit Nicaragua vermitteln, machen bekannt, daß der Hafen von Nicaragua blockiert ist und daß jedes Schiff, das einzufahren sucht, gekapert wird. Ferner wird gemeldet: In Nicaragua wurden auf Befehl des Präsidenten Zelaya 500 Aufständige erschossen, davunter die beiden Amerikaner. NouoU PONDRG F nn Lanaunt JLEE Einie Sehlenswurdigkent Bieleleids! für das Jahr 1910. Gratis=Beilagen: Ein farbiges Bild und ein Wandkalender. Preis 40 Pfg.(Porto 10 Pfg.). Zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“. Am Dienszag abend 6½2 Uhr starb nach kurzem, schweren Leiden mein iunigstgeliebter Mann, unser guter Sohn, Bruder und Onkel Richter im Alter von 28 Jahren.— Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme im Namen der trauernden Hinterbliebenen tiefbetrübt an die trauernde Gattin Anna Richter geb. Sundermann. Die Beerdigung findet am Sonnabend nachmittag 3½ Uhr vom Trauerhause, Schmiedestr. 2, aus statt. 6325“ Nachruf. Am Dienstag, 16. November, starb nach kurzem, schweren Leiden unser Genosse(6338 Richter im Alter von 28 Jahren.— Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Sozialdem. Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedeubrück Ortsgruppe Zielefeld. Die Beerdigung ffindet Sonnabend nachm 3½2 Uhr vom Trauerhause, Schmiedestraße 2, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Nückerei n c•5, Schulstr. 20 S — □! Familiendrucksachen: „ 1 Verlobungskarten Nochzeitseinladungen n! Trauerbriefe etc. # Vereinsdrucksachen: „ Mitgliedskarten n: Eintrittskarten B! Plakate, Statuten etc. S. Sand. Auslihrung. Lirie Preise. SEa * in vorliegender Nummer wollen die Leserinnen und Leser der„Volkswacht" beachten! Ke**... Deutscher Metallarbeiter=Verband, Verwaltung Bielefeld. Am Dienstag starb nach längerem, schweren Leiden unser treues Mitglied, der Metallarbeiter Eduard Richter 6337 im Alter von 28 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet Sonnabend nachmittag 3½2 Uhr vom Trauerhause, Schmiedestraße 2, aus statt und ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung. Die Ortsverwaltung. Nachruf! Am Dienstag, den 16. d. Mts., entschlief nach schwerem Leiden unser langjähriger Mitarbeiter, der Hobler im Alter von 28 Jahren.— Sein treuer, aufrichtiger Charakter sichert ihm ein ehrendes Andenken. Seine Mitarbeiter der Firma Gebr. Dickertmann. Die Beerdigung findet am Sonnabend, nachm. 3½ Uhr, vom Trauerhause, Schmiedestraße 2, aus statt. 6336 Statt besonderer Am Mittwoch nachmittag 5 Uhr entschlief sanft nach kurzem, aber schweren Leiden unsere innigstgeliebte Mutter, Großmutter und Urgroßmutter(6234* Frau Wwe. Heibrock geb. Westhoff im Alter von 73 Jahren, welches tiefbetrübt anzeigen Die trauernden Hinterbliebenen. Bielefeld, den 19. November 1909. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 3½2 Uhr vom Trauerhause, Webereistraße 12, aus statt. Trauerbriefe mit Kuverte liefert Buchdruckerei Volkswacht. Kleine Anzeigen. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in## Worte mit mehr als 15 Buchstaben setten Ueberschrift 10 Psg. werden doppelt gerechnet. Auzeigen unter dieser Rubrik verden nur bei Vorausbezablung angenommen. 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Die Unterschleife auf der Kieler Keichswerstvdr drm Zütdurgericht. (Unber. Nachdr. verb.) Hg. Kiel, 16. November. (12. Verhandlungstag.) Nach der Pause kam der Angekl. Frankenthal erneut auf das vor etwa 10 Jahren an den Schwiegersohn des Angekl. Heinrich, Kanzleirat Spiecker, gewährte Darlehen zurück Er betonte dabei, daß er mit diesem Darlehen keinerlei Geschäft machen wollte. Er habe nur 5 Prozent Zinsen genommen und trotzdem drei Jahre lang auf das Geld warten mussen.— Erster Staatsanwalt Gräfrath: Es wird seitens der Staatsanwaltschaft nicht erklärt werden, daß der Angekl. Frankenthal irgendwie wucherische Geschäfte getrieben habe.— Angekl. Frankenthal: Die Anklageschrift behauptet aber, daß ich auch bei dieser Sache auf meinen Vorteil bedacht gewesen sei.— Erster Staatsanw.: Es kommt nicht darauf an, was die Anklageschrift behauptet, sondern darauf, was wir heute hier erklären.— Angekl. Frankenihal: Ich danke sehr. Zeuge Produktenhändler Struwe=Eckernförde bekundet, daß Frankenthal ihm einmal eine Partie Bürsten und Pinsel zum Verkauf überwiesen habe.— Vors.: Weshalb hat Frankenthal nicht versucht, diese Sachen in Kiel selbst loszuschlagen?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Vors.: Haben Sie auf den Bürsten einen Stempel gefunden?— Zeuge: Jawohl, es war ein Stempel darauf. Ich kann aber nicht mehr sagen, was es für ein Stempel war.— Vors.: Früher sagten Sie, es seien Stempel darauf gewesen, die nach Ihrer Meinung Stempel der Kaiserlichen Werft waren.— Zeuge: Ich habe das nicht so bestimmt gesagt.— Angekl. Frankenthal: Die Bürsten stammten von einem Händler Streit aus Gaarden.— Zeuge Struwe bekundete weiter, daß er einmal im Kontor Frankenthals gehört habe, wie ein Angestellter telephonisch zwanzig schwere Gänse bestellte. Der Zeuge fragte dann den Angestellten, wofür diese Gänse wären. Der Angestellte antworiete, die Gänse seien für einen Angestellten der Kaiserlichen Werft bestimmt. Es handelte sich um einen jungen Mann namens Niemeier. Der junge Mann sagte, er werde überhaupt oft von Frankenthai zur Werft geschickt und unter ein paar hundert Mark ginge er nicht hinüber.— Staatsanwaltschaftsrat Neils: Sagie er auch, was er mit den paar hundert Mark machen müßte?— Zeuge: Er sagte, das Geld würde an die Leute verteilt.— Angekl. Frankenthal: Wann soll denn das gewesen sein? — Zeuge: Vor ungefähr 8 Jahren.— Angetl. Frankenthal: Dieser Niemeier ist aber schon 1899 in Hamburg wegen Trunkenheit entlassen worden Außerdem konstatiere ich, daß ich niemals einen Lehrling mit solchen Aufträgen zur Werft hinüber schickte. Es ist ganz ausgeschlossen, daß ich durch einen solchen Lehrling an Beam; Geld verteilen ließ. Ich möchte übrigens den Zeugen fragen, wie er zu dieser ansmosen Aussage gegen mich gekommen ist.— Zeuge: Ich bin vom Untersuchungsrichter geladen worden.— Angekl. Frankenthal: Ich have dem Zeugen wiederholt mit Geld ausgeholfen und Vorschüsse gewährt, er kann sich über mich nicht beklagen.— Zeuge: Ich habe Frankenthal mindestens ebenso oft ausgeholfen. Er hatte sich gefallen lassen, daß ich seine Wechsel unterschrieb. Angekl. Frankenthal: Haben Sie die Wechsel bezahlen müssen?— Zeuge: Nein, aber unterschrieben.— Angekl. „Frankenthal: In meinen Büchern befindet sich ein Posten von 56,80 Mk. Wenn es also wirklich sich um 20 Stück Vieh gehandelt haben soll, dann käme auf ein Stück nur 2,80 Mk. Dafür bekommt man keine schweren Gänse, das können höchstens Enten gewesen sein.— Zeuge: Nein, es waren Gänse.— Erster Staatsanwalt: Der Zeuge Niemeier ist tot, sonst würde er natürlich hier vernommen werden.— Angekl. Frankenthal: Er hat sich totgetrunken.— Ein früherer Angestellter Frankenthals, Maschinenmeister Prange, bekundete, daß er einmal bei einer Kesselabnahme auf der Werft zugegen war. Frankenthal kaufte etwa sieben kleine Schiffskessel, die der Zeuge nach ihrem Gewicht taxieren mußte. Der Zeuge fragte später Frankenthal, ob die Taxe sich beim Abwiegen als richtig herausstellte. Frankenthal antwortete: Sie haben gute taxiert, ich habe außerdem noch einen größeren Kessel zubekommen. Er fügte bei diesen Worten hinzu: Sie wissen ja, wenn Frankenthal etwas kauft, da ist das eine ganz andere Sache. Ein anderes Mal sagte Zeuge zu Frankenthal, er gebrauche für das Maschinenhaus Die Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). 24— Elftes Kapitel. Kloster Lehnin. „Hier, gebt mir Eure Hand, Junker, oder faßt lieber meine Stange an, ein Schritt links oder rechts ab, und Ihr seid verloren, sprach der Knecht Ruprecht. Sie waren aus dem Dickicht des Waldes in die sumpfige Niederung hinabgestiegen, welche sich noch heut' in weitem Halbkreis um Ort und Kloster fortzieht. Hier war kein Sieg, kein Pfad zu sehen, ob doch die Dämmerung schon in den weiten Lug schien: nur Elsenbüsche, verräterisches Schilf und offene Lachen. An dieser Stelle ging der Führer selbst unschlüssig und prüfte vorher das trügerische, zitternde Erdreich, hier wand er sich in weitem Umkreis um mannshohe Rohrbüschel und gelangte nur durch einen Sprung mit der Stange hinüber, die er dann seinem Gefährten zu gleichem Dienste zurückreichte. Jetzt standen sie ungefähr in der Mitte des Moors. Weithin zur Linken blickten einige Lichter aus den Klostergebäuden, während ringsum nur die dunklen Föhrenwälder im Nachtkleide ihre ungastlichen Schatten warfen. Ruprecht blieb stehen, und schaute nicht unruhig, aber bedächtig, nach Luft und Erde und den vier Winden. „Wir hätten doch besser getan, den großen Weg über den Damm und durch den Ort einzuschlagen. Ruprecht schüttelte den Kopf:„Daß wir die Hunde geweckt und dem Dieb die Spur gezeigt.“ Ruprecht, bleiben wir langer stehen? schon.“ Der Knecht winkte ihm, die Stellung selbst tat:„Hort Ihr die Glocken?“ Es läutele vom Kloster zur Frühmette. Ruprecht faltete still die Hände; Hans Jürgen folgte unwillkürlich seinem Beispiel. Nach einer Weile horte man über das Wasser den Chorgesang der Mönche. Als sie ausgesungen, wandte sich der Knecht zum Junker:„Will's Euch nur gestehen, wußte'nen Augenblick auch nicht aus und ein. So, nun sehe ich wieder klar; ich finde schon. Denke mir nun so, wie muß denen dazumal gewesen sein in der alten Zeit, die hier verirrten, und in der Wildnis war kein Licht, keine Glocken und kein Gesang. „Sie sagen, das sei das erste Kloster, was sie in den Marken gebaut.“ „Ruprecht nickte: Muß doch grauslich gewesen sein in solchem Land, wo der Teufel sein Wesen trieb, ungestört und überall umher nichts als Wald und Sumpf. voll Bären und Heidenmenschen. Wo kein Heiliger war und keiner einen Schutzpatron hatte, wie man da nur durchkam durch die Finsternis und das Kobolds- und Nirenzeug, das jetzt noch so fest sitzt, und die Geistlichen können's nicht ausrotten.“ Unter mir bricht es zu wechseln, wie er neues Kupferrohr. Am anderen Morgen war sogleich ein neues Rohr da, von dem der Heizer behauptere, ein solches Rohr würde nur auf der Werft gebraucht. Schließlich hat Zeuge auch einmal von Frankenthal drei Läufer zur Verfügung gestellt belommen, deren Wert er auf mindestens je 100 Mt. schatzt. Auch hier sagte einer, der von der Sache etwas verstand, daß solche Läufer nur bei der Marine gebraucht würden.— Angekl. Frankenthal: Die Läuferstoffe stammten ja auch von der Werft.— Vors.: Sie waren doch aber neu.— Angekl. Frankenthal: Sie waren etwas hart geworden und werden deshalb für die Marine unbrauchbar geworden sein.— Zeuge: Die Läufer waren in der Tat so hart, daß man sie brechen konnte.— Vors.: Ich kann mir nicht denken, daß die Werft so teuer eingekaufte Sachen, haben.— Zeuge: Davon weiß ich nichts. Ich habe nur bekommen, was ich zu bekommen hatte.— Angekl. Frantenthal: Ich möchte von dem Zeugen wissen, ob ich jemals von ihm in der langen Zeit, in der er bei mir tätig wax, etwas Unrechtes st habe Deuge: Niemals— Ei die noch ganz neu waren. sie billig verkauft verlangt habe.— Zeuge„unmals.— Ein Beisitzer: Win der Zeuge das bestimmt in Abrede stellen oder will er nur sagen, er erinnere sich nicht?— Zeuge:„Ich erinnere mich nicht. — Vert. R.=A. Spiegel: Wenn Blei unter einen Waggon gebracht wurde, um das Gewicht des leeren Wagens zu er dann mußte unter alle Wagen Blei getan werden, denn son schieden-(Bemicht der Ioeren Maa# r bei mir tatig war, etwas Unrechtes Niemais.— Ein Beisitzer. Winl hohen, dann mußte unter alle Wagen Blei getau werden, denn sonst ware das verschiegene wewicht der leeren Wagen aufgefallen.— Zeuge unhaben soll, trotzdem sie sie mit ein bißchen Wasser wieder brauchbar machen konnte.— Angekl. Frankenthal: Darüber muß ja die Werft Auskunft geben können, das gehi mich nichts an.— Vors.: Ein viertes Mal hat Zeuge Struwe bei Frankenthal Lichte gesehen mit rotem Docht. Solche Lichte werden nur auf der Kaiserlichen Werft verwendet.— Angekl. Frankenthal: Ich weiß natürlich jetzt nach 10 Jahren nicht mehr, wo ich damals die Lichte mit rotem Docht herbekommen habe. Ich glaube, ich habe die ganze Geschichte von Streit bekommen.— Vors.: Streit ist inzwischen gestorben.— Zeuge Gastwirt Prangel=Hamburg wurde vom Vorsitzenden gefragt, ob der inzwischen verhaftete Privatdetektiv Einzel im Austrage der Frau Frankenthal in seinem Lokale Recherchen angestellt hat. Der Zeuge erwidert, daß in seiner Wirtschaft viele Leute einund ausgehen und das er sich auf eine solche Einzelheit nicht besinnen konne.— Zeuge Kaufmann Giesecke=Kiel wird als Leumundszeuge für den Angeklagten Repening vernommen. Er bekundet, daß Repening ein kranker Mensch sei, der sich der Tragweite seiner Handlungen oft nicht bewußt ist.— Vert. R.=A. Reese: Die Verwandten Repenings haben ein Entmündigungs= verfahren eingeleitet, weil Repening mit dem Geld geradezu wahnsinnig gewirtschaftet hat.— Ein als Zeuge vernommener Kaufmann aus Kiel bestätigt die Velundungen des Zeugen Giesecke.— Nächster Zeuge war der frühere Kuticher Jochen, der 20 Jahre lang bei Frankenthal tätig war. Er wurde vom Vorsitzenden besonders eindringlich zur Wahrheit ermahnt und verneinte die Frage, ob von irgend einer Seite Beeinflussungsverluche an ihm verübt worden sind.— Vors.: Haben Sie mit Bleigewichten das Gewicht leerer Wagen schwerer zu machen versucht?— Zeuge: Nein. Ich kann mich wenigstens nicht erinnern. Ich weiß es nicht.— Vors.: Haben Sie es bei anderen Kutschern gesehen?— Zeuge: Nein.— Vors.: Früher haben Sie gesagt, Sie hätten so etwas gesehen. Sie haben das Recht. Ihre Aussage zu verweigern, wenn Sie sich durch die Beantwortung einer strafbaren Handlung bezichtigen. Sie können nachher vereidigt werden, also sagen Sie die Wahrheit.— Zeuge: Wir waren bei Frankenthal 4—5 Kutscher, und wir müßten dies ja zusammen gemacht haben.— Vors.: Die anderen Kutscher haben auch behauptet, daß sie es auf Ihre Veranlassung getan hätten.— Zeuge: Ich will es nicht in Abrede stellen, daß es so gewesen ist, aber ich kann mich nicht erinnern. — Vors.: Sie wollen einmal eine Reihe Bürsten von dem Kaufmann Streit für den Angeklagten Frankenthal abgeholt haben?— Zeuge: Jawohl.— Vors.: Was hatte denn der Streit für ein Geschäft?— Zeuge: Es war ein Produktengeschäft.— Ein Beisitzer: Und von diesem Produktengeschaft holen Sie Bürsten?— Zeuge: Jawahl.-Streit handelte mit allem Möglichen.— Vors.: Hat Sie Frankenthal beauftragt, Lebensmittel zu Werftbeamten zu tragen?— Zeuge: Ich habe einmal zwei Gänse zu Rat Heinrich getragen, dann einmal auch Gänse zu Aufseher Chrunst. Ich graube, ich habe auch einmal eine kleine Kiste Wein zu Rat Heinrich gebracht.— Vors.: Sie sollen auch ein paar Mal Briefe dem Rat Heinrich gebracht haben, die Sie nur dem Rat Heinrich persönlich aushändigen durften. Sie sollten diese Briete zurückbringen für den Fall, daß Rat Heinrich nicht da war?— Zeuge: Das ist richtig. — Vors.: Ob Geld in den Briefen war, wissen Sie nicht? — Zeuge: Nein.— Vors.: Haben Sie jemals im Auftrage Frankenthals einen schweren eisernen Kasten oder eine Kassette zum Spediteur Klünder getragen?— Zeuge: Den Mann kenne ich ja gar nicht.— Vors.: Ist es vorgelommen, daß die Waggons nur mit 3 Rädern auf die Wage gefahren wurden? — Zeuge: Das weiß ich nicht.— Vors.: Sie sollen einmal von Frankenthal für besondere Leistungen 100 Mk. bekommen Hans Jürgen hatte gehört, das komme davon, weil die Mönche jetzt nicht wären wie sonst. „Sie sind Schlemmer und Tunichtgute, das ist schon recht, aber die Glocken haben sie noch. Ohne die hätten die Geister schon längst wieder Oberwasser. Das war wohl ein gut Werk, daß sie grad' hier das Stift gründeten, was es auch kosten tat an saurer Arbeit und auch Menschenblut. Da drüben bei Namitz erschlugen die Wendischen den Abt Seebald. Man sieht noch den Stock vom Baum, wo sie ihn runter schütteln wollten, aber da er sich festhielt, sägten sie den Baum ab und schlugen ihn dann tot, was auch die Mönche den Heiden Lösegeld boten. Friede seiner S##ele! Ob sie den Frieden hat, das weiß ich nun nicht. Denn die Leute hierum sprechen anders, als in den Kirchenbüchern zu lesen steht. Mehr als einer sah ihn im Dämmerlicht auf dem Sumpf sitzen, und wenn man ihn aurief, huschte es in den Wald.“ Hans Jürgen hatte immer nur gehört von dem frommen Abt Seevald, der ein Märtyrer geworden, weil er zu den Bauern umherging, in die schlechteste Hütte, um sie zu bekehren. Ruprecht machte ein eigen Gesicht:„Davon sollte man eigentlich hier nicht sprechen, aber die Bauern meinen, zum Bekehren ist er wohl ausgegangen, aber ihm war's mehr um die Frauen zu tun, als die Männer. Einst kam er in Namitz in eines Fischers Haus, und die junge Frau, die grade buk, kriegte einen Schreck und wußte sich nicht anders zu verstecken, als sie kroch unter den Backtrog. Da, als der Abt sie nicht sah, setzte er sich auf den Trog und wollte warten, bis sie käme. Doch ihre kleine Tochter lief erschrocken aufs Feld und schrie: Vater! Vater! der Abbat sitzt auf der Mutter. Da liefen sie alle vom Felde und schworen ihm den Tod. Als der Abt sie nun herankommen hörte, mit Mistgabeln und Sensen, lief er, was er laufen konnte, aus dem Hof in den Wald. Sie hinter ihm drein, und da er nicht weiter konnte, denn er war dick, kletterte er auf eine alte Rüster und drauf lam denn die Geschichte. Alle die Mönche waren erschrocken über den wilden Grimm der Heiden, daß sie das Kloster wieder verlassen wollten und auswandern, und es wäre geschehen, wenn ihnen nicht da am Ausgang der heilige Johannes erschien, grad' wie er dem Wußo erschienen. Derweil hatten sie das Ende der Niederung erreicht, zwar oft bis unter die Knochel im Wasser schreitend, doch ohne weitere Fährlichkeiten, und die Hallen des alten Lehniner Waldes, schlanke, himmelhohe Kiefern mit uralten Cichen untersprenkelt, nahmen die Wanderer unter ihrem Schattendach auf. Wohl hatte Hans Jürgen von seinem Ahnherrn Wußo gehört, aber das war dunkles Gerede gewesen, auf das er wenig geachtet, hier in den feierlichen Waldhallen, durchschauert vom Morgenhauch, klang es anders. Wußo war ein wilder Heide gewesen, der nur gedürstet nach dem Blute der Fremden, welche eine fremde Sitte und einen fremden Gott in das Land seiner Väter einführen wollten. Oft hatte er sich unterworfen der wilden Gewalt, weil er ihr nicht prakt. Arzt Dr. Streit=Kiel bekundet als Hausarzt des geklagten Repening, daß diesei ein ervlich psychoparyisch schwer belasteter Mensch sei. Eine ganze Reihe Verwandter von ihm seien im Irrenhaus.— Fuhrherr Kliesch hat für den Angetl. Frankenthal wiederholt von der Werft abgefahren.— Angetl. ranlenthal: Habe ich dem Zeugen jemals gesagt, er solle falsches Gewicht geben, oder habe ich ihm nicht im Gegente### sole auf die Arheite= genar gufpassen sch 4½— Ptte ch: inr gesagt, er sone auf die Arbeiter genau, aufpassen, ich mache ihn fur alles verantwortlich?— Zeuge Fuhrberr Kliesch: Das letztere ist richtig.— Zeuge Kutscher Steffen hat ebensalls nichts davon bemerkt, daß unrichtig gewogen wurde.— Angekl. Frankenthal: Haben Sie jemals mit oder ohne mein Wissen ungewogen abgefahren? — Zeuge: Nein.— Zeuge Alteisenhändler Frenski=Kiel hat mit Frankenthal zusammen Geschäfte gemacht. Er hat sich ein oder zweimal an der„Chabruse" beteiligt. Den verstorbenen Spediteur Klünder hat Zeuge wiederholt auf der Werft gesehen.— Vert. J.-R. Schirren: Wissen Sie etwas darüber, daß auch Klünder an der„Chabruse" teilgenommen hat?— Zeuge: Jawohl.— ungen, Frankenthal: Wie wurde unt2 Sbtentening, -F.. Julregt.— Angekl. Frankenthal Krunder von uns genann# Sprachen wir nicht von ihm als von„Valbos"?— Zeuge: Jawohl. Solche Bezeichnungen wurden von Ihnen gebraucht.— Ein Beisitzer: Kennen Sie den Privatdetektiv Einzel und hat er mit Ihnen über die Sache gesprochen?— Zeuge: Nein.— Ein Beisitzer: Das nehIhren Eid?— Zeuge: Jawohl.— Beimen Sie auf##en Eid?— Zeuge: Jawohl. gn sitzer: Haben Verwandte von Frankenthal oder Angeyorige von Jacobsohn mit Ihnen gesprochen und Ihnen gesagt, Sie sollten hier zugeben, den Ausdruck„Balbos zu kennen?— Zeuge: Es wird ja so viel über diesen Prozeß gesprochen, aber zu mir ist aus dieser Familie niemand gekommen.— Ein Beisitzer: Es hat Ihnen auch niemand Geld angeboten?— Zeuge: Das ist völlig ausgeschlossen.— Vert. R.=A. Spiegel: Liegen denn für solche Fragen irgendwelche Unterlagen vor? Man darf doch den Angeklagten nicht so etwas supponieren!— Vert. J.=R. Wallach: Hat irgend jemand Sie zu dieser Aeußerung zu bestimmen versucht?— Zeuge: Kein Mensch. Ich habe mich sogar gewundert, daß Frankenthal, mit dem ich über meine Ladung sprach, sich weigerte, mit mir über meine Vernehmung zu sprechen.— Angekl. Frankenthal: Wie wurden wir Händler vom Rai Heinrich behandelt?— Zeuge: Sehr schlecht. Wir wurden bisweilen vom Hof herausgeworfen.— Zeuge Kutscher Rätke hatte für Frankenthal von der Werft Alteisen abgefahren und bekundet, daß immer genau gewogen wurde. Es ist ihm nichts aufgefallen, was irgendwie darauf schließen läßt, daß nicht richtig gewogen wurde.— Angeklagter Frankenthal: Hat der Zeuge irgendwie, vielleicht von seinen Kollegen, etwas davon gehört, daß ich ihnen etwas Unrechtes zugemutet habe?— Zeuge: Niemals. Zum Schluß der heutigen Sitzung sollte der Zeuge-Jochen vereidigt werden. Vor seiner Vereidigung macht Kriminalkommissar Wannowski davon Mitteilung, daß der Zeuge in Gegenwart seines jetzigen Arbeitgebers einem Gläubiger gesagt hat, er könne jetzt nicht bezahlen, aber nach dem Werftprozesse bekomme er Geld. Zeuge Jochen bestritt die Richtigkeit dieser Angabe. Er habe keinerlei Geldversprechungen für seine Aussage bekommen. Die Vereidigung des Zeugen wird ausgesetzt. Hierauf wurde die Weiterverhandlung auf Donnerstag vertagt.— Die Tarifverhandlungen der Maler. Die Kommissionsberatungen währten bis zum Schluß der vorigen Woche. Die Ergebnisse dieser Beratungen wurden einer am Montagnachmittag abgehaltenen Plenarsitzung der Parteien unter dem Vorsitz der drei Unparteiischen vorgelegt. länger widerstehen konnte, aber ebenso oft, wenn die Gelegenheit sich bot, hatte er in das Horn des Urs gestoßen, die alten Freunde und Genossen gerufen, die Kruzifixe niedergerissen, die Kapellen zerstört und verbrannt und das Joch abgeworfen, das ihm eine Schmach dünkte. Und auch jetzt, als die Herrschaft der Sachsen in der Nordmark gefestet schien, diente er nur mit innerem Groll den Söhnen des Bären Albrecht. Da war er einst zur Jagd ausgeritten mit dem Markgrafen Otto, und sie waren in eine Wildnis gekommen, die der Markgraf noch nicht kannte. Und darauf rechnete Wußo. Der Böse gab es ihm ein, daß er den Markgraf verlocken sollte, fern ab von den Seinen, und da ihn töten, wo keiner es sah und keiner die Spur finde. Dann werde alles bleiben und werden, wie es gewesen; denn was tue das Neue, das die Christen gebracht, dem Lande und Volke gut, als daß es die Leute unzufrieden mache mit dem, was sie hätten und ihre Väter. Die an Eicheln und Buchnüssen sich genügen lassen, wollten nun Brot essen, und die auf fauler Streu lagen, wollten i Betten schlafen und aus Höhlen und Hütten in Häuser und Türme überziehen. So überredete sich Wußo und machte seine schwarzen Gedanken weiß, weil doch auch diesen Heiden, denn das war er trotz des Taufwassers, das Gewissen anging, daß Markgraf Otto ihm so viel Liebes erzeigt, und sein Vertrauen auf ihn gesetzt. Dazumal war die Gegend ganz anders, als sie jetzt ist. Wo jetzt die Fichten lustig und schlank ins Blaue schießen, war ein Dickicht von Eichen und Rüstern und Buchen, die ineinanderwuchsen und Krieg führten um das bißchen Boden und Luft. Da lagen umgeworfene Stämme faulend einer über dem andern, und Gewurm, Kröten und Schlangen wimmelten am Boden, auf den nie ein Lichtstrahl fiel. Und wo der Wald aufhörte, war die Heide mit stachlichten Ginster= und Wacholdersträuchern besetzt, und wo die Heide aufhorte, war das Bruchland: verwachsene Elsen und wilde Schlingpflanzen, daß kein Lüftchen durchdrang, und in dem warmen, feuchten Dunst nisteten Schwärme giftiger Stechfliegen. Wer sich verirrte und nicht untersank, blieb stecken in den Dornen und kam jämmerlich um vor Hunger und Qual unter den Stichen des Geschmeißes. Und auch das Wasser, wo es zutage lag, spiegelte nicht die Sonne und die Sterne und den blauen Himmel. Da trieben umgefallene Bäume umher, mit dickem Moos und Pflanzen überzogen, Inseln schwammen und ein buntes, schillerndes Netz von faulenden Stoffen schien barüber ausgebreitet. Die wilden Katzen kletterten in den verwachsenen Baumkronen, Krieg führend mit den Habichten, den Raben und Krähen. Der Bär schlich noch brummend in den Schatten um, ein Schrecken der anberen Tiere, und die Waldameise baute ihre hohen Kegelhäuser, das einzige geordnete Gemeinwesen. Nur den Auerochsen hatte schon der Mensch vertrieben, und auf die stolzen und wilden Elentiere richtete er eine verderbliche Jagd, daß sie weiter gen Osten flohen, und die wenigen, die noch waren, scheu im tiefsten Dickicht sich verbargen der Kommission ist eine Einigung erzielt worden über eine Reihe streitiger Punkte. Die wesentlichsten Ergebnisse der in der Kommission erzielten Vereinbarungen sind folgende: Die Zeit nach Schluß der sommerlichen Arbeitszeit bis 9 Uhr ends gilt als Ueberstunden-, die Zeit von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens als Nachtarveit. Die Lohne richten sich im allgemeinen nach der Leistungsfähigkeit der Gehilfen und werden nur für die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden bezahlt. Der Gehilfe ist zu einer angemessenen Gegenleistung verpflichtet, die von den durch das Orisiarifamt festgesetzten Normen bestimmt wird. Wird einem Gehilfen eine Arbeit übertragen, zu deren Ausführung ihm die Fähigkeiten fehlen, so hat er dies dem Meister mitzuteilen Tut er das nicht und muß die mangelhaft hergestellte Arbeit ganz oder teilweise erneuert werden, so hat der Gehilfe für den von ihm verschuldeten Schaden zu haften.— Bei Arbeiten außerhalb des Tarifortes sind den Gehufen, die vom Betriebssitze dorthin entsändt oder am Arbeitsort eingestellt werden die Löhne desjenigen Tarifortes zu zahlen, in welchem sich der Hauptsitz des Geschäfts befindet. Sind jedoch am Arbeitsort höhere Lohnsätze als am Ort des Hauptbetriebes tariflich festgelegt, so werden diese höheren Lohnsätze bezahlt.— Bei Landarbeiten wird Fahrgeld und Fahrzeit vergütet.— Werden Arbeiten in Akkord ausgeführt, so finden die im Leistungstarif festgesetzten Preise Anwendung. Bei Akkordarbeit wird der Stundenlohn garantiert, wenn der Gehilfe die gleichen Leistungen wie im Stundenlohn erfüllt.— Eine Kündigungsfrist ist gegenseitig ausgeschlossen, doch kann für Zeichner und Geschäftsführer eine Kündigung vereinbart werden. Außerdem bleibt es den zuständigen örtlichen Organisationen überlassen, für ihr Lohngebiet eine Kündigung einzuführen mit der Maßgabe, daß jedes Arbeitsverhältnis ohne Kündigung mit dem Ablauf des Reichstarifs beendet ist.— Die Bestimmungen des § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches sind ausgeschlossen. Gehilfen dürfen für eigene Rechnung keine Arbeiten ausführen, so lange sie bei einem Meister in Arbeit stehen.— Jegliche Agitation während der Arbeitszeit ist verboten. Pausen gelten nicht als Arbeitszeit. Anders oder nicht organisierte Arbeiter dürfen vor und nach der Arbeitszeit auf der Arbeitsstelle nicht belästigt werden.— Nichterfüllung der Bundesratsvorschriften zum Schutze der Gesundheit gegen Bleivergiftung sind als Tarifverletzung zu betrachten. Einigung ist auch zustande gekommen hinsichtlich der ausführlichen Bestimmungen über die Einrichtung, Zuständigkeit und Zusammensetzung der Tarisämter. Ebenso uber die gemeinsame Bekämpfung der Schmutzkonkurrenz, die darin erblickt wird, daß ein Arbeitgeber Arbeiten unter dem Selbstkostenpreise übernimmt oder übernommene Arbeiten nicht den kontraktlichen Bestimmungen gemäß ausführen läßt. Die Schmutzkonkurrenz soll durch Sperren über die betreffenden Arbeitgeber bekämpft werden. Die dadurch arbeitslos werbenden Gehilfen sollen nach Möglichkeit von anderen Meistern eingestellt werden. Die Kosten der Sperre, besonders auch die Unterstützung der dadurch arbeitslos gewordenen Gehilfen tragen beide Vertragsteile je zur Hälfte.— Wo es die örtlichen Verhältnisse gestatten, sollen paritatische Arbeitsnachweise eingerichtet werden, deren Benutzung für beide Parteien obligatorisch ist. Die Forderung: das Fernbleiben von der Arbeit am 1. Mai haben die Meister in der Kommission zurückgezogen. In bezug auf diejenigen Punkte, über welche eine Einigung in der Kommission nicht erzielt werden konnte, fällten die Unparteiischen einen Schiedsspruch. Die wesentlichsten Bestimmungen desselben sind folgende: Nach den Forderungen der Arbeitgever sollte der volle Tariflohn nur an Vollarbeiter über 21 Jahre gezahlt werden und der Lohn für jüngere Arbeiter der freien Vereinbarung unterliegen. Die Unparteitichen halten diese Forderung nicht für begründet, weil sich die Verhältnisse im Malergewerbe seit der im vorigen Jahre getroffenen Vereinbarung des Normallarifs nicht geändert haben. Deshalb hält sich der Schiedsspruch an die Fassung des Normaltarifs, daß einem Gehilfen, der keine angemessene Gegenleistung bietet, der Lohn bis zu 10 Prozent gekurzt werden darf.— Die Zuschläge für Ueberstunden=, Nacht= und Sonntagsarbeit setzt der Schiedsspruch ebenfalls entsprechend den Bestimmungen des Normaltarifs fest. Danach sind Ueberstunden mir 25 Prozent, Nachtarbeit bei Wechselschichten mit 10 Prozent, Nachtarbeit, die mit der Tagesarbeit zusammenhängt mi 50 Prozent, Sonntagsarbeit ebenfalls mit 50 Prozent Zuschlag zu vergüten. Auch hinsichtlich der Vergütung von Fahrgeld folgt der Schiedsspruch im wesentlichen dem Normaltarif. wonach der Mehraufwand, den der Arbeiter tatsächlich zu leisten hat, ihm erstattet werden muß. Einig sind die Parteien darüber, daß die Einstellung von Arbeitern nicht abhängig gemacht werden darf von ihrer Zusehörigkeit zu einer Organisation. Außerdem forderten die Arseiter unter Hinweis auf den bekannten Hamburger Fall, daß die Einstellung auch nicht von der Zugehorigkeit zu einer bestimmten Krankenkasse gefordert werden darf.— Der Schiedsspruch sagt, daß diese Forderung der Arbeiter nicht im Tarif aufzunehmen ist, weil der Arbeitgeberbund nicht die Möglichkeit hat, auf die Innungsmitglieder einzuwirken, welche, wie im Hamburger Fall, gehalten sind, nur Mitglieder der Innungskrankenkasse in Arveit zu nehmen. Ferner sagt der Schiedsspruch, daß in einem Orte, wo den organisierten Meistern nach Maßgabe der gesamten Verhältnisse „Wird Euch in der Wüstenei nicht bang, Herr Markgraf?“ fragte Wußo, da sie nun auf der Spur eines großen Elenhirsches ganz ab waren von ihrem Gefolge, und die Stöße ins Hifthorn riefen keinen, und die Luft war schwül und Gewitterwolken zogen am Himmel auf. Und Wußo war doch selbst bang geworden, denn vorhin, als der Fürst über einen Baumstamm jetzte und sein Tier zu kurz sprang, daß er herabglitt, hatte der grimme Mann schon die Axt geschwungen, die ihm am Sattel hing, um dem Herrn den Garaus zu machen Aber sein Arm blieb in der Luft hangen, ein ferner Donner rollte über die Wälder. „Was soll mir bange werden?" antwortete Otto.„Da Sankt Johannis bei mir ist in den Wüsteneien, der mein Schutzpatron ist und auch deiner, Wußo.“ Nun dachte Wußo heimlich: Ob' dir der Sankt Johannes jetzt den Weg zeigen wird! und blieb tückisch zurück, da der Fürst, den Speer über sich schwingend, der Fährte des Elens folgie, ohne viel vor sich auf den Boden zu sehen. Ihre Rosse, die nicht weiter konnten durch das Moor, hatten sie nämlich verlassen und anbinden müssen, und Otto ging mit kühnen Schritten den Tapfen des Hirsches nach. Nur Wußo kannte den einzigen, schmalen Weg durch das Bruchland, und bei jedem Schritt meinte er, der Fürst werde sinken. Dann überhob ihn der Morast der Mordarveit, und wie viele Deutsche waren in den Kriegen von den tückischen Wenden in die Moräste gelockt, da versunken. Aber der Fürst fand den Weg, ohne daß er ihn kannte, sein Fuß traf immer das Feste und sank nie ein. Da er fast drüben war, rief er dem Wenden zu:„Was scheust du, Wußo! Kommst du mir nicht nach?“— Wußo machte sich nun auf den Weg, den er so oft zurückgelegt, aber seine Augen waren wie geblendet, oder war es die Unruhe in ihm. Er sank mit dem Fuß ein, zweimal, und plötzlich, als der ganze Boden unter ihm zu zittern anfing, ward er inne, daß er falsch gegangen, und es war zu spät, die Lichtung zu ändern. Da in seinen höchsten Nöten rief er: Ach, Sankt Johannes, wie du den darüber gebracht, hilf auch mir, wenn du den Weg kennst. Und ihm war's, als liege um ihn eine Wolke, und ein Mann halb nackend, mit zottigem Haar und einem Fell um die Schulter, aber einen lichten Schein um die Stirn, reichte dem Versinkenden die Hand und hob ihn und führte ihn sicher hinüber. Da verschwand er und der Fürst lächelte:„Ei, Wußo, kennst du so wenig dein Land, daß du selbst eines Führers bedarfst?“ Der Tag war heiß und die beiden wurden müde von der Jagd, denn der Hirsch, wie oft sie ihn auch sahen, immer verschwand er wieder. Da rief Markgraf Otto:„Den Hirsch muß ich zum Stehen bringen; ist mir doch, als hinge mein Heil und Leben von seinem Leben ab. Ich hab's gelobt dem heiligen Hubertus; aber jetzt kann ich nicht mehr.“ Und er sank um, den Sveer in der Hand, todmüde unter einer alten Eiche(Forts. folgt.) (wenn viele unorganisierte Arbeitgeber den Tarif nicht halten usw.) die Einhaltung des Tarifs billigerweise nicht zugemutet werden kann, derselbe durch das Tarisamt zeitweise außer Kraft gesetzt werden kann.— Dem veitergehenden Verlangen der Meister, daß der Tarif auch dann außer Kraft gesetzt werden kann, wenn staatliche und städtische Betriebe, Brauereien, Hotels, Fabriken Maler und Anstreicher unter dem Tarif beschäftigen, hat der Schiedsspruch keine Folge gegeben. Ein weiterer Differenzpunkt war der Ablauftermin des Vertrages. Die Meister wollten den 31. März 1912, die Arbeiter den 31. März 1913 als Ablaufstermin festgesetzt wissen. Der Schiedsspruch bestimmt den 15. Februar 1913. Durch die vorstehenden Vereinbarungen und Schiedsentscheide sind die Grundbedingungen eines für das ganze Reichsgebiet eltenden Tarifvertrages geschaffen. Ueber die Lohnsätze und ic Arbeitszeit, welche in den verschiedenen Orten Geltung haben sollen, ist noch nicht verhandelt. Die Meister wollten sogleich auch über diese Angelegenheiten in Verhandlung treten. Sie bemerkten in der Kommission, daß eine Aufbesserung der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit wünschenswert, die Lage des Gewerbes zurzeit aber nicht derart sei, daß diese Forderungen der Gehilfen erfüllt werden könnten. Die Vertreter der Arbeitnehmer erklärten, sie hätten keine Vollmacht, sogleich über Lohnhöhe und Arbeitszeit zu verhandeln, sie müßten erst ihre Mitglieder befragen. Vor Ende Dezember werde die Meinung der Mitgliedschaften nicht vorliegen. Die Parteien einigten sich dahin, daß die bestehenden Verträge bis 15. Januai verlangert und die Beratungen über Löhne und Arbeitszeit bis dahin vertagt werden. Inm Abbruch des Hrrgktortierstreiks in Mansseld. Der Landrat von Mansfeld, Herr v. Hassel, der in dem 6wöchigen Kampfe so manche Probe seiner Unparteilichkeit gegeben hat, und der täglich gezeigt hat, wie objektiv die Beborden handeln und über den Parteien stehen, hat beim Abbruch des Streiks seinen bisherigen Handlungen noch die Krone aufgesetzt. Im Bureau des Betriebsführers Schimp vom„Zirkelschacht“ hat er den Bergleuten durch Handschlag das Versprechen abgenommen, daß sie aus dem Bochumer Verbande austreten und nie wieder Mitglieder werden wollen!! Als die Streikenden am 13. November morgens nach dem „Zirkelschacht“ kamen um anzufragen, ob sie wieder anfahren durften, fanden sie den Eingang durch einen Leutnant, zwei Unteroffiziere und 12 Soldaten bewacht, dazu kamen 6 Gendarmen auf der Steigerstube, die die Ordnung aufrecht erhielten, während auf dem Bureau des Betriebsführers der Landrat v. Hassel, Amtmann Spielberg und in einer Ecke ein grimmig dreinschauender Gendarm anwesend waren!! Der Landrat nahm sich die Leute zuerst vor und fragte jeden:„Kennen Sie mich!“, und sagte denjenigen, die ihn nicht kannten:„Ich bin der Landrat von Mansfeld, damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben.“ Dann fragte er, weshalb die Leute sich am Streik beteiligt hätten, ob sie dem Bochumer Verbande beigetreten, ob sie Soldat gewesen und Mitglieder des Kriegervereins seien. An diejenigen, die Soldat waren, richtete der Landrat dann folgende feierliche Worte: „Mann! Erst haben Sie den Fahneneid geleistet, haben unserem Kaiser die Treue geschworen und jetzt wollen Sie helfen, unseren Kaiser absetzen. Versprechen Sie mir, aus dem Verbande auszutreten, sich nicht wieder an sozialdemokratischen Bestrebungen zu beteiligen, sondern eingedenk Ihres Fahneneides treu zu Kaiser und Reich zu halten, dann werden wir zusammenarbeiten, wie es vorher geschehen ist.“ Bei diesen Worten reichte der Landrat den Leuten die Hand und sagte dann dem Betriebsführer:„Nehmen Sie den Mann vieder an!“ Dieser Vorgang steht in der Geschichte der Arbeiterkämpfe in Deutschland wohl einzig da, aber er zeigt, wie die Staatsbehörde mit dem Ausbeuterium liiert ist, und wie die einzelnen Beamten die Geschäfte der Unternehmer besorgen. Die Handlungsweise des Landrats ist ungesetzlich und eine grobe Ueberschreitung seiner Amtsbefuggisse, weshalb die Belegschaft des Lirkelschachtes eine telegraphische Beschwerde an den Oberpräsidenten v. Heyel abgesandt hat, in der sie ersucht das Disziplinarverfahren gegen den Landrat einzuleiten. Als Herr v. Hassel gleich bei Beginn des Streiks den Zeitungsverlegern und Druckern seines Kreises verbot, Durcksachen für die Streikleitung herzustellen, antwortete der Regierungspräsident auf diese Beschwerde, daß der Landrat dieses Verbot nicht amtlich erlassen hatte, folglich kein Grund vorläge, gegen ihn einzuschreiten. In diesem Falle wird der Oberpräsident hoffennich nicht entdecken der Landrat habe nicht amtlich, nicht als Landrat von Mansfeld, sondern als Oberbetriebsführer der Mansfelder Gewerkschaft gehandelt, und die Beschwerdeführer an Vogelsang als den zuständigen Vorgesetzten verwelsen. Vor dem Schachthause standen etwa 400 Bergleute, als der Landrat das Bureau des Betriebsführers verließ, die er militärisch grüßte, ohne daß einer diesen Gruß erwiderte: worauf er dann mit lauter Stimme:„Glück auf, Kameraden!" rief. Aber nicht ein Mund öffnete sich zum Gegengruß! Unwillig bestieg er dann mit einem Gendarmen seinen Wagen und fuhr davon. Die Mitgliedskarten des Verbandes wurden auf allen Schächten abverlangt, und es wurde den Leuten gesagt, sie müßten aus dem Bochumer Bergarbeiterverbande austreten. Einige haben sich dessen geweigert und wurden dann zurückgewiesen. Auf dem „Zirkelichacht“ ichlug ein Vergmann, als ihm die Mitgliedskarte aoverlangt wurde, mit der Faust auf den Tisch und sagte:„Das gibt's nicht! Aus dem Verbande gehe ich nicht mehr!“ Worauf der Gendarm an seine Seite sprang, ebenfalls auf den Tisch schlug und donnerte:„Verhalten Sie sich nur ja ruhig, sonst sollen Sie sehen, was wir mit Ihnen machen. Sie haben hier gar nicht aufzumucken, verstanden! Auf dem„Hohenthalschaft“ jaß auf dem Bureau des Betriebsführers Lauderwald der Oberwachtmeister Nagel aus Eisleben, derjenige Beamte, gegen den die meisten Klagen eingelaufen sind, und half die Leute aussuchen. Kam einer, der Streikposten gestanden hatte, dem sagte Herr Nagel:„Der ist uns auch bekannt.“ Und die„Bekannten sollten nicht wieder angelegt werden. Nicht nur die Mitgliedskarten werden abverlangt, sondern auch die angekündigte Auslese gehalten, um ein warnendes Exempel zu statuieren, und diesen Bergsklaven das Streiken für alle Zeiten zu verleiden. Die Wiederanlegung geht sehr langsam vonstatten, da über jeden einzelnen die Akten erst geprüft werden Jedoch betrug schon am 15. die Zahl der Abgelegten erwa 600. Der weiße Schrecken soll proklamiert werden. Noch ist die Stimmung unter den Leuten eine vorzügliche und der Mut ungeschwächt, was in den Versammlungen am Sonntag, die sämtlich überfüllt waren, zum Austrag kam. Ueberall wurde durch Annahme einer Resolution energisch gegen die Nichtanlegung so vieler braver Kameraden protestiert. Die Empörung und Erbitterung sollte nicht unnötig gesteigert werden. Die Versammlungen protestierten weiter gegen die erzwungene und ungesetzliche Abnahme der Verbandsmitgliedskarten, und es versprachen alle Versammelten feierlich, daß sie einmütig und allem zum Trotz dennoch treue Mitglieder des Bochumer Verbandes vleiben, die es noch nicht sind, werden wollen, und für denselben nach Kräften zu agitieren, bis der letzte Mann organisiert ist. Vogelsang ausgepfiffen! Welcher Liebe und Hochachtung Herr Vogelsang sich unter seinen Bergleuten erfreut, mußte er am Sonntag in Eisleben recht deutlich erfahren. Kurz vor 6 Uhr, nach Schluß einer Riesen=Versammlung im Bürgergarten, fuhr er mit seinem Auto in Begleitung zweier Offiziere durch die Hauptstraße, wo die Bergleute in großen Trupps gingen. Er wurde ausgepfiffen. Gleich am Direktionspalais. sobald er eingestiegen war, ging das Pfeisen los, und da keine Küraisiere mehr umherritten, mußte er sich diese Ovation gefallen lassen. Schießen! Schießen! rief der Leutnant Urach vom 36. Infanterie=Regiment am 12. November in Helbra zwei Sokdaten zu, und es wäre beim Abbruch des Streiks noch beinahe zum Blutvergießen gekommen. Ein Junge von 15 Jaoren verteilte in Heldra das Flugblatt, in dem der Streik als beendet erklärt und zur Wiederanfahrt aufgefordert wurde, und zwar von Haus zu Haus, nicht auf der Straße; er mußte ober, um in die Häuter zu gelangen, über die Straßen gehen. Leutnant Urach sah den Jungen und rief ihm zu:„Stehenbleiben. Dieser wollte aber davonlaufen, worauf zwei Soldaten die Verfolgung aufnahmen, den Jungen aber nicht einholen konnten, worauf der Leutnant den Soldaten zurief:„Schießen!“ Und in der Tat, die Soldaten luden die Flinien, worauf dann der Junge stehen blieb und sich abführen ließ. Die Söhne Manszelder Bergarbeiter im Waffenrock, vielleicht gar aus Helbra, luden die Gewehre, um ein Mausfelder Kind niederzuschießen, wer weiß, ob es nicht ihr eigenes Brüderchen war!!! Bei der Kontrollversammlung in Gonna bei Sangerhausen fragte der Hauptmann Wanneberg einige Bergleute, ob sie auch mitstreikten und ob sie dem Bochumer Bergarveiterverbande angehörten. Als die Fragen bezaht wurden, spuckte der Hauptmann vor den Leuten aus und sagte:„Pfui Teufel! Sie junger Mensch sind auch schon Sozigldemokrat! Sie müssen beim Militär ein schönes Pflänzchen gewesen sein.“ Sonnabend abend ist die Botenfrau des Halleschen„Volksblattes“, Genossin Nitzschke, niedergeschlagen worden. Ein bessergekleideter Mensch schlug die Frau mit Fäusten ins Gesicht und auf den Kopf, stieß sie dann in den Straßengraben und lief davon. Da unsere Genossin den Lümmel nicht gekannt hat, wird es sehr fraglich sein, ob die Behörde ihn finden wird; es handelte sich ja nur um eine Sozialistin, die mißhandelt wurde, nicht um einen Streilbrecher. Kommnnale s. Unter der Erde. Der Berliner Magistrat beschloß, zur Entlastung des Potsdamer Platzes und der Leipziger Straße einen fahrbaren Tunnel unter dem Potsdamer Güterbahnhof von der Kurfürstenstraße nach der Schönebergerstraße herzustellen. Das vier Millionen Mark kostende Projekt kürzt unter Mitbenutzung der bereits früher beschlossenen Verlängerung der Lindenstraße den Weg nach dem Spittelmarkt un etwa 200 Meter ab. Eine unterirdische Führung von Straßenbahnlinien in zwei verschiedenen Tunnels wurde ferner am Brandenburger Tor beschlossen. Die von Schöneberg kommenden Linien sollen schon von der Siegesallee an unterirdisch geführt werden. Gemeindewahlerfolge. In der Gemeinde Rotthausen (Kreis Essen) erhielt die Sozialdemokratie vor 3 Jahren 459 Stimmen in der dritten Abteilung, diesmal 635, die Gegner 679 Stimmen. Auf diese Stimmenzahl kamen die Gegner nar infolge gröblicher Ungesetzlichkeiten, die zur Kassierung der Wahl führen müssen.— Bei einer Ersatzwahl der oritten Abteilung, die Montag und Dienstag stattfand, erhielt unser Genosse 653, die Gegner 622 Stimmen. Es zieht damit der erste sozialdemokratische Gemeindevertreter in den Rotthausener Gemeinderat ein. Bei der Gemeindewahl in Zwötzen[Reuß j. L.) wurden die vom sozialdemokratischen Wahlkomitee ausgestellten 9 Kandidaten gewählt. Jetzt hat die Sozialdemokratie die große Mehrheit im Gemeinderat. Die Gegner haben schon seit Jahren keine Kandidaten mehr bei Wahlen aufgestellt.— In Triebes (Reuß j. L.) wurden 4 Sozialdemokraten und 4 bürgerliche Gemeindevertreter gewählt. Einen schönen Sieg errangen unsere Genossen in Jena. Die Sozialdemokratie brachte 7, die Bürgerlichen 8 Kandidaten durch. Die Stimmenzahl der Sozialdemokraten weist eine bedeutende Zunahme auf. Im Stadtverordnetenkollegium sitzen nunmehr 9, statt bisher 2 Sozialdemokraten. Das Kollegium zählt 30 Mitglieder. In Homburg v. d. Höhe stiegen die sozialdemokratischen Stimmen in der dritten Wählerklasse außerordentlich. Die vereinigten Gegner brachten es auf 317 bis 325 Stimmen, die Sozialdemokraten auf 234 bis 266. Ist auch kein Mandat errungen, so ist doch diese hohe Stimmenzahl in der ganz von den reichen Geldprotzen abhängigen Kur= und Bäderstadt sehr bemerkenswert. Der Wahlakt ist obendrein öffentlich. In Haßloch gewann unsere Partei bei der Gemeindewahl unter dem Proporz=System 5 Sitze. In Altenglan errangen wir 3 Sitze, vorher hatten wir in beiden Orten keine Vertretung. In Schifferstadt wurde bei der Bürgermeisterwahl Genosse Klein zum ersten Adjunkten gewählt. Bis jetzt sind in der Pfalz zur Bestätigung 5 Sozialdemokraten als Adjunkten und 2 als Bürgermeister präsentiert worden. In Stadt Tölitz kamen wir bei den Stadtverordnetenwahlen der dritten Abteilung zum ersten Male mit einem Kandidaten in eine aussichtsreiche Stichwahl. Der Kampf hat sich ganz speziell gegen uns gerichtet. Bei den Stadtverordnetenwahlen in Oyrau(Schiesien) kamen 4 Sozialdemokraten in die Stichwahl. Die Stimmenzunahme beträgt über hundert Prozent. Gerichtliches. ** Bielefeld, 16. Nov. Strafkammer. Der Zigarrenarbeiter Matthias Nienhäuser aus Uphausen, wiederholt, darunter mehreremal wegen Diebstahls vorbestraft, war beschuldigt, zu Hunnebrock am 27. Oktober d. J. dem Arbeiter Windau ein Jackett im Werte von. 30 Mark gestohlen zu haben, und zwar unter den Voraussetzungen des strafbaren Rückfalles. Sein Einwand, das Jackett auf der Herberge von einem ihm unbekannten Manne gekauft zu haben, war aus der Luft gegriffen, es wurde vielmehr festgestellt, daß er den Diebstahl auf seinem Bettelgange ausgeführt hat. Die Strafkammer verurteilte ihn der Anklage gemäß zu 5 Monaten Gefängnis und brachte ihm hierauf 1 Monat Untersuchungshaft in Anrechnung. Wegen Vergehens gegen das Fürsorgegesetz hatte sich die Ehefrau Henriette Sewing von Sieker, die mit ihren sechs Kindern von ihrem Manne verlassen worden ist, zu verantworten. Ihr Sohn Karl, der im Januar 1907 in der Zwangserziehungsanstalt zu Moorburg untergebracht worden ist, ist am 13. Mai 1909 mit einem andern Zöguinge aus der Anstalt entwichen und bei seiner Mutter eingekehrt. Da seine Kleider naß waren, hat ihm seine Mutter trockene Kleider, auch Essen und Trinken gegeben. Als die Polizei kam, war der Junge schon auf und davon, und nun wurde der Mutter zur Last gelegt, daß sie ihrem Sohne zur Flucht verholfen hat. Das Gericht aber kann in dem Tun der Angeklagten kein Vergehen gegen das Fürsorgegesetz erblicken und sprach sie frei. Wir möchten bei dieser Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörden auf die in der jüngsten Zeit auffällig oft vorgekommenen Fruchtversuche aus Moorburg hinlenken. Der Agent Hermann Niekamp von hier hat sich als Kriminalbeamter ausgegeben und sich von einem Orgelspieler die Papiere vorzeigen lassen und unter derselben Angabe bei einem Kontrollmädchen eine Revision abgehalten. Der Gerichtshof erkannte gegen ihn wegen Vergehens aus§ 132 des Strafgesetzbuches auf eine Geldstrafe von 30 Mark ev. 6 Tage Gefängnis. Die Näherin Emisie Brandt von Schildesche war vom Schöffengericht zu Bielefeld wegen Diebstahls mit 8 Tagen Gefängnis bestraft und hatte Berufung eingelegt. Sie war angeklagt, einer Zimmernachbarin ein Korsett und eine Taille entwendet zu haben. Die Strafkammer erkannte auf Verwerfung der Berufung und beschloß, die Angeklagte der bedingten Begnadigung zu empfehlen. Der Tischlermeister Bernhard Schäffer aus Vlotho war angeklagt, des Nachts zum 25. Juli d. J. in Gemeinschaft mit dem inzwischen abgeurteilten Frizeur Oskar Keller zu Vlotho aus dem abgebrannten Hause des Bierbrauers Vollbrecht ein angehranntes Stück entwendet zu haben. Er wurde zu 1 Tage Gefängnis verurteilt. Der Arb20. Februar Kotten des! Der Angekle Backsmeier #. Brandbol ungeklagte.i diesem Gesich Der Fuh Ilserheide a dieses Jahre davongelaufe tat 5 Mona kannte der C solche von 8 Der Her Lehrerzeitun Broschure sd Ueberwachun zusammenges schienen war inspektor als Memorieren Fibeln sind spielend lesen in den Lese dann brauch schichte, Na königliche Lo deshalb will strecken. Er „Nie st auf dem 2 aussieht. von seinen Abort der Wie wäre Das war darunter der daß die in de Broschüre e Arbeit sei. Zeuge zu flr richtigung de gen, nach der in der gleic Attenkofersch klerikale„S diesem steht in enger. Vei verhältnisse schon viel He Zusammenha trumsverlag muß als aut der Notwend ist wirklich 8 Wester vertrete nosse Husem Gegenkandid. mann ist sor Gemeinderat Abteilung in * Barkhe auf die„ tour. Genof wünschten, so lassen vor d dauer führt * Güters letzter Zeit Agitation fü der Genossen vereinen, so Arbeiter=Abs bürgerlichen auf dem Ste sogenannten sationen, die stehen. Letz Fall. Anme Bollweg, Ho straße 23. * Stadthe gen. Entge ten Mitteilu zeitung" enti krankten ber daß dieses er liegen 13 T da Neuerkra wohl die Ho griffen ist. Georgschacht Wassers auf auf der Sohl trunken wir moderigem 1 konnten in doch enthält des Wassers dem Schachte Pflicht der schaffen, selb zielen. Zwei Arb Kar'sruhe h Stickgarnarb garnarbeiteri gemeinsamen ten. Die eit ging nach de war erst vor Mensch geschi einzuleiten o Sein Vorgeh sation nicht Die Nicht unternahme gersuch, der Man meldet Justizrat Sd er aufgeford yullungen sei senden. Der Erpresser in haftete, die stehenden Ve Ein zweit ember in Helbra zwei Solruch des Streiks noch beinahe in Junge von 15 Jaoren vern dem der Streik als beendet aufgefordert wurde, und zwar r Straße; er mußte ober, um die Straßen gehen. Leutnant hm zu:„Stehenbleiben! Dieser zwei Soldaten die Verfolgung t einholen konnten, worauf der „Schießen!“ Und in der Tat, worauf dann der Junge stehen die Söhne Mansjelder Bergt gar aus Helbra, luden die nd niederzuschießen, wer weiß, en war!!! g in Gonna bei Sangeranneberg einige Bergleute, e dem Bochumer BergarbeiterFragen bejaht wurden, spuckte aus und sagte:„Pfui Teufel! Sozigldemokrat! Sie müssen schen gewesen sein.“ enfrau des Halleschen„Volksgeschlagen worden. Ein besseru mit Fäusten ins Gesicht und Straßengraben und lief davon. nicht gekannt hat, wird es sehr finden wird; es handelte sich mißhandelt wurde, nicht um nales. r Magistrat beschloß, zur Entnd der Leipziger Straße einen tsdamer Güterbahnhof von der bergerstraße herzustellen. Das ojekt kürzt unter Mitbenutzung Verlängerung der Lindenstraße un. etwa 200 Meter ab. Eine ißenbahnlinien in zwei ver; am Brandenburger Tor bekommenden Linien sollen schon isch geführt werden. er Gemeinde Rotthausen demokratie vor 3 Jahren 459 g, diesmal 635, die Gegner 679 ihl kamen die Gegner nar indie zur Kassierung der Wahl satzwahl der britten Abteilung, ind, erhielt unser Genosse 653, eht damit der erste sozialdemoden Rotthausener Gemeindeötzen[Reuß j. L.) wurden die nitee ausgestellten 9 Kandidalen tokratie die große Mehrheit im i schon seit Jahren keine Kanfgestellt.— In Triebes iokraten und 4 bürgerliche Gen unsere Genossen in Jena. die Bürgerlichen 8 Kandidaten ozialdemokraten weist eine bestadtverordnetenkollegium sitzen aldemokraten. Das Kollegium stiegen die sozialdemokratischen erklasse außerordentlich. Die auf 317 bis 325 Stimmen, die 36. Ist auch kein Mandat erStimmenzahl in der ganz von gen Kur= und Bäderstadt sehr t obendrein öffentlich. Partei bei der Gemeindewahl te. vir 3 Sitze, vorher hatten wir bei der Bürgermeisterwahl Geen gewählt. Bis jetzt sind in ozialdemokraten als Adzunkten iert worden. zir bei den Stadtverordnetenn ersten Male mit einem Kantichwahl. Der Kampf hat sich ihlen in Ohlau(Schlesien) ie Stichwahl. Die Stimmenrozent. liches. afkammer. Der Zigarrenaus Uphausen, wiederholt, bstahls vorbestraft, war beschulOktober d. J. dem Arbeiter u. 30 Mark gestohlen zu haben, ngen des strafbaren Rückfalles. der Herberge von einem ihm haben, war aus der Luft gestellt, daß er den Diebstahl auf hat. Die Strafkammer verzu 5 Monaten Gefängnis und tersuchungshaft in Anrechnung. 3 Fürsorgegesetz hatte sich die Sieker, die mit ihren sechs issen worden ist, zu verantworJanuar 1907 in der Zwangsintergebracht worden ist, ist am Zöglinge aus der Anstalt entgekehrt. Da seine Kleider naß sockene Kleider, auch Essen und zei kam, war der Junge schon der Mutter zur Last gelegt, daß holfen hat. Das Gericht aber gten kein Vergehen gegen das h sie frei. genheit die Aufmerksamkeit der jüngsten Zeit auffällig oft vorMoorburg hinlenken. p von hier hat sich als Krimivon einem Orgelspieler die Paer derselben Angabe bei einem abgehalten. Der Gerichtshof hens aus§ 132 des Strafgesetz10 Mark ev. 6 Tage Gefängnis. t von Schildesche war vom en Diebstahls mit 8 Tagen Gefung eingelegt. Sie war angen Korsett und eine Taille entnmer erkannte auf Verwerfung Angeklagte der bedingten BeSchäffer aus Vlotho war and. J. in Gemeinschaft mit dem Oskar Keller zu Vlotho aus ierbrauers Vollbrecht ein angeben. Er wurde zu 1 Tage GeDer Arbeiter Heinrich Vornheder aus Rödinghausen war am 20. Februar d. J. dabei angetroffen worden, als er in dem Kotten des Postagenten Hase eine Egge zu Brandholz zerschlug. Dei Angeklagte behauptete, daß der im Hause wohnende Kötter Backsmeier iom gesagt habe, er solle die Egge, die ihm geyöre, zu Brandholz zerkleinern. Der Gerichtshog nahm an daß der Angeklagte im guten Glauben gehandelt habe und sprach ihn aus diesem Gesichtspunkte von der Anklage des Diebstahls frei. Der Fuhrknecht Martin Langrehr von Ilserheide, welcher in Ilserheide als Erdarbei##r beschäftigt wurde, ist am 18. Juni dieses Jahres seinem Kosigeber mit einer Kost= und Logisschuld davongelaufen. Da er augenblicklich wegen einer anderen Straftat 5 Monate im Gefängnis zu Werl zu verbüßen hat, so erkannte der Gerichtshof auf eine Gesamtstrafe und zwar auf eine solche von 8 Monaten Gefängnis. Kirche und Schule. Der Herr Geistliche auf dem Schulklosett. Die„Bayerische Lehrerzeitung“ hatte in einer ihrer jüngsten Nummern an einer Broschure scharfe Kritik geübt, die unter dem Titel„Winke für Ueberwachung des Schulbetriebs, auch für den Schulbetrieb selbst zusammengestellt von einem königlichen Lokalschulinspektor erschienen war. In dieser Broschürc bezeichnet der Lokalschulinspektor als Hauptaufgabe des Lehrers in der Religion das Memorieren des aufgegebenen Pensums zu überwachen. Die Fibeln sind nach ihm jetzt derart eingerichtet, daß die Kinder spielend lesen und schreiben lernen. Wurde die richtige Auswahl in den Lesestücken getroffen werden und dieselben gut erklärt, dann brauchte der Lehrer außer der Lesezeit wenig mehr auf Geschichte, Naturgeschichte und Naturlehre verwenden. Der königliche Lokalschulinspektor faßt sein Amt ganz ideal auf, und deshalb will sich seine Beaufsichtigung bis auf den Abort erstrecken. Er führt aus: „Nie soll der Lokalschulinspektor die Schule besuchen, ohne auf dem Abort nachzusehen, wie es in bezug auf Reinlichkeit aussieht. Auch dürfte es gut sein, wenn er immer einen Pack von seinen alten Zeitungen mitnimmt und beim Lehrer für den Abort der Kinder abgibt: Habt doch Erbarmen mit den Armen! Wie wäre sonst eine Reinlichkeit möglich!“ Das war selbst einem Teil der bayerischen Zentrumspresse, darunter der„Augsb. Postztg. zu viel, und flugs dekretierte sie, daß die in der liberalen Attenkoferschen Buchhandlung erschienene Broschüre eine plumpe und einfältige Fälschung, eine bestellte Arbeit sei zu dem Zweck, den geistlichen Schulinspektoren am Zeuge zu flicken. Nun muß aber die Zentrumspresse eine Berichtigung der Attenkoferschen Buchhandlung in Straubing bringen, nach der das„jämmerliche Machwerk“ nicht bei ihr, sondern in dei gleichnamigen Buchdruckerei erschienen ist. Und die Attenkofersche Buchdruckerei ist ein Zentrumsverlag, der das klerikale„Straubinger Tagblatt“ erscheinen läßt. Und mit diesem steht wieder ein geistricher Abgeordneter aus Straubing in enger Verbindung, dessen Spezialität, im Landtag die Abortverhältnisse in den Gefängnissen und Schulen zu besprechen, schon viel Heiterkeit erregt yat. Sollte da vielleicht ein gewisser Zusammenhang bestehen? Ausgeschlossen ist, daß sich der Zentrumsverlag zu einer Fälschung hergegeben hat. Die Broschüre muß als authentisch angesehen werden. Wer jetzt noch nicht von der Notwendigkeit der geistlichen Schulaufsicht überzeugt ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aus der Nachbarschaft. * Westerenger, 18. Nod. Bei der heutigen Gemeindevertreterwahl in der dritten Abteilung erhielt unser Genosse Husemann 49 Stimmen während die beiden bürgerlichen Gegenkandidaten 20 und 24 Stimmen erhielten. Genosse Husemann ist somit gewählt. Da bereits ein Genosse Mitglied des Gemeinderats ist, befinden sich jetzt beide Mandate der dritten Abteilung in unseren Händen. * Barkhausen, 18. Nov. Zehn neue Abonnenten auf die„Volkswacht“ brachte uns die erste Agitationstour. Genossen! Ist auch der Erfolg noch nicht so groß, wie wir wünschten, so dürfen wir uns doch dadurch nicht zurückschrecken lassen vor der weiteren Werbung von Abonnenten. Nur Ausdauer führt zum Ziele. Also mutig vorwärts, Genossen! * Gütersloh, 18. Nov. Abstinenzbewegung. In letzter Zeit wird von bürgerlicher Seite wieder eine lebhafte Agitation für die Enthaltsamkeitsbewegung betrieben. Pflicht der Genossen aber ist es, sich nicht den bürgerlichen Abstinenzvereinen, sondern der hiesigen Mitgliedschaft des„Deutschen Arbeiter=Abstinentenbundes“ anzuschließen. Wir sind den bürgerlichen Vereinen ob ihrer Erfolge nicht neidisch, stehen aber auf dem Standpunkt, daß denkende Arbeiter nicht in diese sogenannten neutralen Vereine gehören, sondern in Organisationen, die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehen. Letzteres ist bei dem„Arbeiter=Abstinentenbund“ der Fall. Anmeldungen nehmen entgegen die Genossen: Heinrich Bollweg, Hohenzollernstraße 76, und Wilh. Sewerin, Prinzenstraße 23. * Stadthagen, 16. Nov. Zu den Typhuserkrankungen. Entgegen der in letzter Nummer aus Obernkirchen datierten Mitteilung— die wir der„Schaumburg=Lippischen Landeszeitung“ entnommen hatten—, daß von den an Typhus Erkrankten bereits einer gestorben sei, sei berichtigend bemerkt, daß dieses erfreulicherweise nicht der Fall gewesen ist. Zurzeit liegen 13 Typhuskranke im hiesigen Landeskrankenhause, und da Neuerkrankungen nicht mehr eingetreten sind, kann man wohl die Hoffnung hegen, daß die Krankheit im Abnehmen begriffen ist. Daß die Ursache der Krankheit vornehmlich auf dem Georgschacht zu suchen ist, steht fest. Die Untersuchungen des Wassers auf dem Georgschacht haben ergeben, daß das Wasser auf der Sohle des Georgschachtes, das häufig von Bergleuten getrunken wird, klar und ohne besonderen Geruch, aber von moderigem und bittersalzigem Geschmack ist. Typhusbazillen konnten in dem Wasser allerdings nicht nachgewiesen werden, doch enthält es viele schädliche Beimischungen, die den Genuß des Wassers verbieten. Aehnlich dürfte es mit dem Wasser auf dem Schachte F 0 sein. Jedenfalls ist es jetzt die vornehmste Pflicht der Bergbehörde, gesunde Wassexverhältnisse zu schaffen, selbst auf die Gefahr hin, weniger Ueberschüsse zu erzielen. Vermischtes. Zwei Arbeiterinnen erstochen. Im Orte Grötzingen bei Kar sruhe hat am Montug abend der 23jährige organisierte Stickgarnarbeiter Leo Peter aus Mülhausen i. Els, zwei Stickgarnarbeiterinnen erstochen, weil sie angeblich sich nicht an einem gemeinsamen Vorgehen zur Erringung besserer Löhne beteiligten. Die eine der Frauen ist Mutter von 7 Kindern. Peter ging nach der Tat in seine Wohnung und erhängte sich. Er war erst vor vier Tagen zugereist und wird als ein rabiater Mensch geschildert. Er hatte keinen Auftrag. eine Lohnbewegung einzuleiten oder Forderungen an den Unternehmer zu stellen. Sein Vorgehen ist die Tat eines Fanatikers, für die die Organisation nicht verantwortlich gemacht werden kann. Die Nichte als Erpresserin. In einem Vorort Breslaus Unternahm eine junge Dame einen leichtsinnigen Erpressungsversuch, der ihr voraussichtlich teuer zu stehen kommen wird. Man meldet: Der in einem Nachbarort Breslaus wohnende Justizrat Sch. erhielt aus Breslau einen Erpresserbrief, in dem er aufgefordert wurde, bei Vermeidung unangenehmer Enthüllungen sechstausend Mark postlagernd nach Breslau einzusenden. Der Justizrat benachrichtigte sofort die Polizei, die den Erpresser in der Person der eigenen Nichte des Justizrats verhaftete, die sich auf diese Weise eine Mitgift zu ihrer bevorstehenden Verheiratung verschaffen wollte. Ein zweiter, scheinbar weniger harmloser Erpresser arbeitete in Beuthen. Dort erhielt der Stadtrat Hakuba, der erst kürzlich der Stadt 50000 Mark zur Errichtung eines Denkmals Friedrichs des Großen geschenkt hat, einen Erpresserbrief, in vem er mit Erdolchung bedroht wurde. Die Polizei konnte bisher den Erpresser noch nicht ermitteln. Dreifacher Selbstmordversuch eines Advokaten. Ein hartnäckiger Selbstmordkandidat ist der 48 Jahre alte Advokat Josef Groski aus Krakau, der am Montag in Berlin eintraf, sich in einem Hotel am Bahnhof Friedrichstraße ein Zimmer geben ließ unt dann zwei Versuche unternahm, sich mit Sublimat zu vergiften. Als ihm dies mißlang, brachte er sich mit einem stumpfen Rasiermesser 50 Stiche und Schnitte am bloßen Körper bei. Da sich trotz des großen Blutverlustes auch jetzt der Tod noch nicht einstellen wollte, warf sich Groski in eine Droschke und ließ sich zu der nächsten Badeanstalt fahren. Eine Stunde lang erschöpfte er sich hier mit dem vergeblichen Bemühen, in der Badewanne zu ertrinken. Er wurde jedoch nur ohnmächtig und mußte schließlich von den Badedienern mit Gewalt aus dem Wasser gezogen werden. In vollständig erschöpftem Zustande fand der Advokat im Krankenhaus Westend Aufnahme. Als Ursache feiner vergeblichen Versuche, aus dem Leben zu scheiden, gab er Lebensüberdruß an. Fromme unter sich. Wir lesen im„Vorwärts“: Anläßlich der stattfindenden Kirchenwahlen liegen sich Anhänger der positiven Richtung mit Liberalen in den Haaren. In einer dieser Tage von positiver Seite einberufenen Kirchenwählerversammlung im„Böhmischen Brauhaus“ meldete sich nach Ansprache eines der positiven Richtung angehörigen Geistlichen, der von dem geistlichen Redner angegriffene Verfasser eines liberalen Flusblattes. Dr. Falkenverg, Vorsitzender des liberalen Purochtalvereins der Auferstehungsgemeinde, zum Wort. Der Versammlungsleiter, Herr Pastor Baethke, erteilte ihm das Wort aber nicht, ließ vielmehr in aller Eile noch einen Kirchenliedvers singen und schloß unmittelbar darauf die Versammlung. Dr. Falkenberg versuchte nun, indem er einen dicht an der Vorstandstribüne stehenden Stuhl bestieg, sich für seine und die von den geistlichen Rednern des Abends angegriffenen Liberalen Verteidigung Gehör zu verschaffen, was ihm aber durch anhaltendes Zwischenrufen und Händeklatschen, an dem sich kräftigst auch die Pfarrer beteiligten, seitens der Positiven unmoglich gemacht wurde. Plötzlich stürzte Dr. Falkenberg mit voller Wucht zur Erde— man hatte den Stuhl, auf dem er stand, unter ihm fortgezogen, bezw. fortgestoßen. Als er sich, unterstützt von den Umstehenden, mühsam erhoben, erklärte er, daß ihm bei dem Sturz der rechte Arm gebrochen sei. Dr. Falkenberg wurde, nachdem er einen Schwächeanfall überwunden, von seinen Freunden nach dem nahen Krankenhaus Am Friedrichshain gebracht. Die hier sofort vorgenommene Durchleuchtung des Armes mittels Röntgenstrahlen bestätigte leider nur zu sehr die Richtigkeit seiner sofort nach dem tückischen Ueberfall gestellten Eigendiagnose: beide Knochen des rechten Vorderarmes erwiesen sich als gebrochen. Nach sachgemäßer Schienung des Armes wurde Dr. Falkenberg mittels Droschke in seine Wohnung übergeführt. Christliche Luldsamkeit! Der„Liebespastor“ auf Helgoland. Aus Helgoland wird geschrieben: Aehnlich wie der Schmied von Gretna-Green in Schottland hat der protestantische Pastor Schmidt in Helgoland unter englischer Herrschaft bis zum Jahre 1890 Brautleute getraut, die Hymens Band ohne Einwilligung ihrer Eltern oder Vormünder suchten. Es ist eine ungezahlte Anzahl von Verliebten aus Deutschland nach Helgoland geflüchtet, um sich hier heimlich trauen zu lassen und als Eheleute wieder mit dem Trauschein in der Tasche zu erscheinen. Durch die Traugebühren hat der Pastor Schmidt ein bedeutendes Einkommen bezogen; denn die meisten Paare gaben Geldgeschenke weit über den Betrag der Kirchengebühren hinaus. Nachdem die Insel Helgoland 1890 in den Besitz Preußens übergegangen war und auch dort die Zivilehe eingeführt wurde, hörten die Trauungen nach dem bisherigen Muster und damit auch die Gebühren für den Pastor Schmidt auf. Aber der Pastor machte geltend, daß er dadurch eine erhebliche Einbuße erleide, da er ein Einkommen von über 5000 Mark jährlich durch die Trauungen der Fremden seit langen Jahren bezogen habe. Aus diesem Grunde hat der Fiskus dem Pastor Schmidt außer seinem Gehalt noch eine Entschädigung von jährlich 5000 Mark gewährt. Pastor Schmidt, dessen Alter sich dem sechzigsten Lebensjahre nähert, beabsichtigt jetzt aus seinem geistlichen Amte auszuscheiden. Jäger und Wilderer. Rotterdam, 17. Nov. Im Dorfe Huls, hart an der holländischen Grenze, wurden drei Jagdaufseher von drei Wilderern, die sie auf frischer Tat ertappten, angegriffen. Der Jagdaufseher Ellemann wurde gekbtet, ein anderer ödlich verletzt. Die Täter wurden sofort verhaftet, es sind drei Bergleute. Jugendliche Bankräuber. Amerika ist gegenwärtig der Schauplatz einer Reihe von Ban räubereien, deren Helden kaum dem Knabenalter enkwachsen sind. Erst kürzlich zwang ein sechzehnjähriger Bursche einen schwarzen Automobilchauffeur mit vorgehattenem Revolver, ihn von Louisville nach New=Albany zu jahren, wo er beim Versuche, die Kasse einer Bank zu plündern, den Bankdirektor verwundete, den Kassierer tötete und schließlich den Neger anschoß, weil er sich weigerte, ihm das Automobil zur Flucht zur Verfügung zu stellen. Der Bankräuber von Louisville findet ein Seitenstück in der Tat eines siebzehnjährigen jungen Mannes aus einer angesehenen Familie in Laurence im Staate Kansas, der soeben einen Anschlag auf eine Bank in Eudora in Kansas verübte. Er hatte bereits vor vier Wochen derselben Bank einen Besuch abgestattet, unter den Augen des durch den Revolver des Burschen eingeschüchterten Kassierers 3200 Mark gestohlen und auf der Flucht den ihn verfolgenden Polizisten niedergeschossen. Mit unglaublicher Frecheit begab er sich jetzt wieder zu der Bank und erpreßte von demselben Kassierer durch das bewährte Mittel des vorgehaltenen Revoloers weitere 4000 Mark. Nachdem er dann noch einen Angestellten einer anderen Bank, der zum Zweck einer Geldzahlung zufällig den Kassenraum betrat, verwundet hatte, wandte er sich zur Flucht und schoß sich, als er der verfolgenden Menge nicht mehr entrinnen konnte, mit den Worten„Ihr kriegt mich doch nicht“ eine Kugel in den Kopf. Der Beweggrund der Tat war hier der Wunsch des Jünglings, sich die Mittel zur Heirat und zur Begründung eines Hausstandes in Kansas City zu beschaffen. Man fand im Medaillon des Armbandes, das der bewußtlos ins Krankenhaus transportierte Bankräuber trug, einen der Braut zugedachten Brillantring. Nach dem gelungenen ersten Raubzug hatte sich der vielversprechende junge Mann nach Jacksonville in Florida begeben. Er war hier unter angenommenem Namen im ersten Hotel abgestiegen, hatte sich ein Konto bei der Bank eröffnen lassen und einen fünfzehnjährigen Jungen als Spießgesellen geworben. Sieker. In der Zeit vom 1. bis 15. November 1909 sind beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten. Söhne: Bauarbeiter Hermann Schlingmann, Sieker 210; Fabrikarbeiter Heinrich Kleinebekel, Sieker 223; Schmied Adolf Huck, Sieker 37; Schleifer Heinrich Möller, Sieker 525; Fabrikarbeiter Heinrich Klöpper, Sieker 186. Töchter: Maschinist Wilhelm Dünker, Sieker 120; Schuhmacher Karl Baum, Sieker 43; Maschinist Gustav Bramsemann, Sieker 338; Fabrikarbeiter Gustav Quakernack, Sieker 125; Fabrikarbeiter Friedrich Sielemann, Sieker 246; Dreher Wilhelm Höcker, Sieker 244. Aufgebote. Fabrikarbeiter August Thomas, Sieker 122, und Luise Pottkamp, Stieghorst 45; Schleifer Friedrich Elges, Sieker 305, und Plätterin Anna Küster, Bielefeld, Heinrich= straße 38a; Fabrikarbeiter Gustav Rottmann, Sieker 188, und Näherin Amanda Hünerhoff, Sieker 233. Eheschließungen. Maurer Hermann Fliß, Sieker 322, und Anna Pieper, daselbst; Gerichtsdiener Robert Möller, Wattenscheid, Freiheitstr. 22, und Klara Sielemann, Sieker 172; Schlosser Heinrich Siebrasse, Sieker 139, und Johanne Weber, Bielefeld, Mühlenstr. 60. Sterbefälle. Herta Lebrink, 4 Mon., Sieker 329; Frida Faust, 29 Tage, Sieker 108; Johanne Karoline Else Puls, 2 Monate, Sieter 255; Hermann Franz Gustav Bietendübel. 3 J., Sieker 348; Ehefrau Henriette Mathilde Dorothee Wittenbroder geb. Kleo, 35 J., Sieker 266. Amt Heepen. In der Zeit vom 1. bis einschließlich 15. Nov. wurden beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten: Söhne: Ziegler Adolf Becker, Brönninghausen 34; Fabrikarbeiter Wilhelm Brockmann, Heepen 163; Maschinist August Brand, Heepen 81; Ziegler Hermann Repohl, Heepen 248; Knecht Heinrich Pott, Heepen 142(Zwillingsgeburt). Töchter: Fabrikarbeiter Hermann Möller, Heepen 250; Fabrikarbeiter Wilhelm Oekermann, Altenhagen 96; Knecht Heinrich Pott, Heepen 142(Zwillingsgeburt); Fabrikarbeiter Heinrich Aschoff, Oldentrup 11. Aufgebote: Fabrikarbeiter Heinrich Niemann, Heepen 265, und Näherin Friederike Vinke, Sieker 1; Knecht Karl Eser, Quelle 74, und Dienstmagd Wilhelmine Konradi, Heepen 3; Schlachter Heinrich Wehmeyer, Milse 52, und Auguste Höner, Heepen 39; Handarbeiter Reinhard Vinke und Witwe Auguste Welslau geb. Pape, beide Oldentrup 13. Eheschließungen. Fabrikarbeiter Friedrich Bödeker, Altenhagen 16. und Fabrikarbeiterin Marie Obenhaus, Sieter 54; Fabrikarbeiter Gustav Ehlentrup, Oldentrup 50, und Fabrikarbeiterin Johanne Wilhelmy, Altenhagen 66; Fabrikarbeiter Heinrich Puls, Hillegossen 2, und Lageristin Pauline Krüger, Heepen 117; Former Heinrich Becker, Heepen 61, und Arbeiterin Emma Westerheide, Heepen 105. Sterbefall: Knabe Pott, ohne Vornamen, 2 Tage, Heepen 142. * Stadt Bünde. Vom 6. bis 12. November. Geburten: Sohn: Gärtner Heinrich Wilhelm Reuter, Heitkampstraße Nr. 15. Töchter: Kaufmann Heinrich Wilhelm Schäffer, Bahnhofstraße Nr. 50; Kistenarbeiter Otto Karl August Hartmann, Südring Nr. 70. Aufgebote: Arbeiter Ernst August Twiehaus, Feldstraße Nr. 26, und Zigarrensortiererin Johanne Marie Elise Plaß, Feldstraße Nr. 26; Kistenbekleber Karl Julius Heinr. Menning= haus, Feldstraße Nr. 28, und Zigarrenarbeiterin Katharine Karoline Marie Rabe, Börninghausen Nr. 10; Gerichtsaktuar Anton Brockschnetder, Recklinghausen, Reitzensteinstraße Nr. 39, und Elisabeth Josephina Merten, Bolldamm Nr. 3; Buchhalter Karl Friedrich Reimann, Wasserbreite Nr. 37 und Charlotte Amanda Elise Auguste Wendlandt, Cassel, Kaiserstraße Nr. 47; Schlosser Otto Heinrich Arnold Krüger, Oeynhausen, Heinrich= straße Nr. 6. und Christine Luise Buhmeier, Veltheim Nr. 119; Schneidergeselle Theodor Hermann Schaberg, Brake Nr. 178, und Anna Marie Luise Hartmann, Ennigloh, Wilhelmstr. 130. Vereins-Kalender. Freitag. Arb.=Gesangverein„Waldeslust 8 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Männer=Gesangverein„Freie Stunde“ 9 Uhr bei Sewing, Bürgerweg 93. Gesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei Kleinert. „Teutonia I“ 9 Uhr bei Kahl, Herforderstraße 137. Männergesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei Wirt Sewing, Bürgerweg 93. Zitherklub„Alpenrose". Rickes, Nebelswall. Guttemplerorden. Loge Bielefeld. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstr. 51. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Fritz Beckmann, Kl. Howe. Kegelklub zu den drei Linden 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Bielefelder Kraftsportvereinigung 9 Uhr im„Berliner Hof.“ Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5, 9 Uhr bei Apenbrink. Radfahrerverein„Tourist“ Sitzung bei Helms, Jöllenbeckerstr. Radfahrerverein„Transvaal“ 9 Uhr bei Wirt Höner zu Eißen. Radfayrerklub„Flora“ 9 Uhr bei Wöhler, Heeperstraße. Fauna und Flora, Verein der Naturfreunde, 9 Uhr bei Wöhler, " Heeverstraße. Suvvrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“, Zöglingsriege. 8½ Uhr bei Fohrmann. Brackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schröder. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft"=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Brocker Männerchor 8 Uhr bei Karl Schröder. Theesen. Arbeiter=Gesangverein„Horstheide“ 8½ Uhr bei Wilhelm Meier=Ditrich. Schildesche. Radfahrerklub„Einigkeit“ 8½ Uhr im Hellingskrug. Schildesche. Arb.=Turnverein„Deutsche Eiche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Arbeitergesangverein„Schildesche“ 8½ Uhr bei . Höner, Bieleselderstraße. Schildesche. Kegelklub„Fortuna" 8½ bei Siekmann, Herforderstraße 8. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Brake. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr. Enger: Turnverein„Eintracht“ 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Radfahrerverein„Freie Radler“ 9 Uhr im Restaurant„Zur Traube“, A. Seeger. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Schweichel n. Arbeitergesangverein„Frohsinn“ 8½ Uhr bei Wirt Generotzky. Hiddenhausen. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit“ 9¼ Uhr bei Bitter. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Oetinghausen. Arbeiter=Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr beim Wirt Düsdicker. Spenge. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmann. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“ 8½ Uhr bei Röbke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Werther. Arbe ter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. Rheda. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr bei August Kipp. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. Detmold. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr in der„Central= halle“. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lippischer Hof. inden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaum. burger Hof. Stadt dagen. Arbeiteraesanaderein„Edelweiß“ 2—9 Uhr. K für Herreil, Suniginige und Kilabenn. 6329 Bieleleia Münster i. K. Polizeiverordnung betr. Durchführung des Desinfektionswesens im Stadtkreis Bielefeld. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850 und der§§ 143, 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird für den Stadtkreis Bielefeld nach Zustimmung des Magistrats folgende Polizeiverordnung erlassen: S 1. Die nach Beendigung von ansteckenden Krankheiten(§ 2) erforderliche Desinfektion von Wohnungen und Gebrauchsgegenständen ist sortan ausschließlich auf Anordnung der Polizeiverwaltung von den städtischen Desinfektoren auszuführen. Ausnahmen können für öffentliche Krankenhäuser und, soweit die Wohnungsdesinfektion in Frage tommt, für die unter Leitung eines approbierten Arztes steyenden Privatkrankenhäuser und ähnlichen Anstalten von der Polizeiverwaltung zugelassen werden. Die Desinfektion muß erfolgen: a) in jedem Falle nach Beendigung der im§ 1 des Reichsgesetzes vom 30. Juni 1900 aufgeführten gemeingefährlichen Krankheiten(Aussatz[Lepra). asiatische Cholera, Flecktyphus, Gelbfieber, Pest, Pocken oder Verdacht einer dieser Krankheiten), sowie auch nach Beendigung von Unterleibstyphus, Ffallfieber Dirbtherie. Rückfaufiever, Tipyihexie, übertragbarer Genickbei nicht beseitigtem Verdacht von Unterleibstr fallfieber, Rotz und übertragbarer Genickstarre. b) bei allen Sterbefällen an Lungen- und Kehlkopftuberkulose. c) auf besondere polizeiliche Anordnung nach Masern, Keuchhusten und Kindbettfieber, sowie bei nicht beseitigtem Verdacht von Kindbettfieber. S 3. Die Haushaltungsvorstände und deren Stellvertreter, in Anstalten und Aufenthaltseinrichtungen die Leiter, Verwalter, Hausväter, Gastwirte ufw. sind verpflichtet, von dem Ende einer der die Desinfektion erfordernden Krankheiten(§ 2) unverzüglich, spätestens innerhalb 24 Stunden der Polizeiverwaltung schriftliche oder mündliche Anzeige unter Vorlegung einer ärztlichen Bescheinigung darüber, daß die Krankheit beendet ist, zu ereten... unh Ltsichnsen Granihaiten mt. Hat eine der vorstehend bezeichneten Krankheiten mit dem Tode geendigt, oder ist der Kranke anderweit untergebracht worden,(Krankenhaus), dann ist die Anzeige spätestens innerhalb 24 Stunden nach Eintritt dieses Zeitpunktes zu erstatten. Nach Beendigung der Krankheit an Masern und Keuchhusten ist die Anzeige nur nötig, wenn die Polizeiverwaltung dies vorher allgemein oder im besonderen Falle angeordnet hat. S 4 Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der vorstehenden Verordnung, insbesondere die Unterlassung der vorgeschriebenen Anzeigen, werden, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine höhere SStrase verwirkt ist, mit Geldstrafe bis zu 30 Mk. geahndet, an deren Stelle, wenn sie nicht beigetrieben werden kann, entsprechende Haft tritt. Daneben kann die Ausführung der erforderlichen Desinfektion auf Kosten der nach§ 4 zur Anzeige verpflichteten Personen durch die Polizeiverwaltung veranlaßt werden. § 5. Die vorstehende Polizeiverordnung tritt am Tage der Verkündigung in Kraft. Bielefeld, 6. November 1909. Die Polizeiverwaltung. gez. Stapenhorst. Auf vielseitigen Wunsch Spezial-Geschäft für Husihalien und Husik-Instrumente. Hlelefeider Augemeine Ortskranke. kasst. Sonnabend, 27. November, abends 8½ Uhr: Empfehle mein großes Lager von echten, alten, eingespielten, sowie guten neuen Violinen, Viola u. Celli kobemt General-Versammlung im Preise von 12 bis 300 Mk., sowie sämtliche Zubehörteile, als Bögen, Saiten 2c. Zithern, Mandounen, Guitarren mit sämtl. Ersatzteilen stets am Platze. Musikalien aller Art. Gleichzeitig mache ich auf meinen nächstbeginnenden Unterrichts=Kursus in im Saale des Wirts Hagemann, Reichshalle, Ulmenstraße, sämtliche volljährige Mitglieder eingeladen werden. Tagesordnung: 1. Wahl der Vertreter zu den Generalversammlungen. 2. Bericht über die letzte Krankenkassentagung. 3. Verschiedenes.„ 6323 Der Vorstand. Violine, Viola, Klavier, Gesang usw. aufmerksam und nehme zu jeder Zeit Neuanmeldungen gern entgegen. 5878 Prospekte stehen stets zur Verfügung. Georg Schmidt, Musiklehrer, Bielefeld— Obernstrasse 49. Pflanzen-Butter-Margarine ausgezeichner zum Kochen, Backen, Braten Hervorragend als Brotaufstrich Bräunt u. schäumt wiefeinste Naturbutter. Ohne tierische Fette! Frei von Konservierungs-Mitteln! Alleinige Fabrikanten: Narikela-Pflanzenbutter-Werke Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Fabrik und Kontor: Sudbrackstrasse 10, Fernaprecher 1494. 5736 verlege ich meine Praxis vom 21. d. M. ab von Brackwede nach BIELEFELD, Kaiserstr. 159 + W Venwenpu homöopath. Prakt.# W. Hermann, und Hygieniker.# Sprechst.: 8—11 Uhr vorm., 2—7 Uhr nachm., Sonntags von 9—2 Uhr. Minderbemittelte können ganz nach Belieben zahlen!! Gistrere, Blotophon-Theater dbstrst, Vornehmstes Theater lebender Photographien. Jeden Sonnabend und Sonntag grosse Galavorstellungen. Nüheres durch Tageszettel. 5615 Es ladet ergebenst ein Die Direktion. E. G. m. b. H. Die diesjährige ordentliche General-Versammlung findet am Sonntag, 28. November, nachmittags 2½ Uhr, im Lokale der Wwe. Tiemeler(Erholung), Stift=Berg statt. 1. Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Geschäftsjahr. 2. Bericht des Aufsichtsrats. M6er 3. Genehmigung der Bilanz und Entiastung des Vorstandes und des Aufsichtsrats. 4. Wahl der nach dem Turnus ausscheidenden Vorstands= und Aufsichtsratsmitglieder.....g I Kterstamst 5. Ergänzungswahl für ein ausgeschiedenes Aufsichtsratsmit glied. 6. Neuwahl von 4 Aufsichtsratsmitgliedern. 7. Festjetzung der Entschädigung für die Aufsichtsratsmitglieder für ihre Tätigkeit im Dienste der Genossenschaft. 8. Genossenschaftliches. Herford, den 18. November 1909. Aussichtsrat. Wilhelm Landre, Vorsitzender. Der Zutritt zur Generalversammlung ist nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches gestattet. Wegen der Reichhaltigkeit, der Tagesordnung wird die Versammlung pünktlich eröffnet. Tagebordnung wird die Versammlung Abonneme für Bielefeld und wie bei sämtlichen ins Haus gebracht lich. Durch die 1,80 Mk. viertelje Bestellg Einzelnumme Erscheinn mit Ausnahme d Feiertage täglich Fernsprech=Ansch Nr. 2 Die heuti einschließlich Die Steuet Steuerverwei geschichte des öft oft worden. Parlament blei kaum etwas and wenn es sonst ke hat. Aber noch hat ein klägliches Denn das Volk fassungskämpfe Macht sind. W zu erheben. Da des Beschlusses Wasser sallen. Ganz anders mit der das orge zig den Steuerr gründung dieser dem Parteitag z innern jetzt, wo des Proletariats Wir gehen und die Junk direkten Aktion die uns hier kommt. 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