Schildesche, Bielefeld. St. 32 E. Amtsst. eroschle“ Mühlenst. 18. Siegfriedstr. 22. Jöllenbeckerstr. 31. rford, Radewigerstr. Heinr., Thielenst.1. forderstr. 105. gerweg 70. jildesche, Bielef. St. 35. Detmolderstr. 60. kr., Wertherstr. 53. Hallerweg 105. Sieker. Brackwede. childesche, Bielef. St. 189 t., Spindelstr. 56. Schildesche, I. Geschäft am Platze. hildesche, Goethest.10. herese, Bünde, Bahnh. Viktoriastr. 47. I., Detmolderstr. 75. Herf., Radewigerst. u., Petristr. 1. " Sudbrack, I. Gesch. a. Platze in Schuhwaren. Detmold, Krummest.28. IIh., Bleichstr. 55. „ Jöllenbeckerstr. 120. „Sudbr., Jöllenb. St. Heeperstr. 107. gmann„Obern- und edernat.-Tcke .„ Detmold, Paulinenst. 65 ., Vord-u. Bünderst.19 Ecke. . Jöllenbeckerstr. 33. Kurfürstenstr. 67. „ Arndtstr. 54. G., Kalserstr. 99. V., Bürgerweg 74. childesche, Bielef. St. 44. arl Lepper, Gehrenb. 23. run, Detm., Lemgoerst.4 Brackwede, Bielef. St. 100. Gellershagen, bill. Bez.-Qu. f. Schuhw. C., Herforderstr. 76. ha J Herford, 16, O., Läbberst. 26. erweg 42a. + BahnhofIT., Str. 7. H., Kurfürstenstr. 85. ackwede, Kaiserstr.61. Oststr. 15. ef., Kaiserstr. 970. ekw., Güterslohst. 221. gste Bezugsquelle, Bahnhofstr. 45 Gütersloherstr. 39a. n u. Goldwaren Herf., Radewigerst. 18. Gütersloherstr. 14. h., Ppefer zte nstr. 64, U Ecke Arndtstr. Goldschmied, Bahnhofstr. 29. I., Bünde, Bahnhofstr. ppermann, r.39, Heeperstr. 42. zinr Schildesche, zIlll., Kirchplatz 2. voler Schrenberst. Heuer, istr., Niederwall 12. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. SA UUTolsou UsUTTE Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" X. Gerisch& Co., Rieleseld. „ 2 256. Bielefeld, Dienstag, 2. November 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. 134 I Hertord, eldt,II.Rennstr. Bürgerweg 65a. ndtstr. lerford, Lübberstr. 21. rm., Rohrteichstr. 50fl. E Enger, Kataloge 2 gratis u. franko. G6, Steinstr. 2. d u. Graveur. Hdl. Spez. Trauringe. Ir. Nagner, n- und Goldwaren-Haus, Niedernstr. 35. Reschlsce 1d Etablissements dtersch u. Besuchempicht.) Restaurant z. Gemütlichkeit. Spindelstr. 68. ek, G., Hallerweg 105. anns Berggarten, Herford. un Tpitz Herford, Rennstr. III, PrICH, Aufmerks. Bedienung. In z. Löwen, Herford, II., Steinst., Branntw., Likör. I„ Herford, Bünderstr. ck, A., Breitestr. 15. „, H., Herford, Ahmserstr. J Hansabrücke, anlnl, II., Herford, Göbenstr. z. Traube, Seeger, Herford. ann V Webereistr. 5, Mällb, N., Vereinsz. u. Säle. WIlh., Herford, Brüderstr. 2. tel, Aug., Bürgerweg 14. g, Heinr., Gehrenberg 27. Heinr., Mühlenstr. 36. 0(Treffpunkt), Herford, u. Alter Markt. lann, Ad., Wertherstr. 58. W., Herford, Bahnhofshotel. ermeler, F., Webereistr. 26. Chr., Detmolderstr. 63. ph-Automat, ISFiedernstr. 16. WIlh., Hallerweg 50. krug Sieker, Ad. Wedding. terheides bürgl. Speisch. iedern- u. Renteistr.-Ecke. alia-Automat, Rokekatrowatr. Aimshöhe Angen. Autenchelt. Erholung“(Thiemeyer), Herford. Krone“ züchser Hert, örüdernt. Politische Uebersicht. Eine Kontingentierung der Mehlproduktion. Es wird noch immer nicht genug kontingeatiert im deutschen Vaterlande. Neben die Branntweinliebesgabe und die neuerdings beschlossene Bierkontingentierung soll nun auch noch eine Kontingentierung der Mehlproduktion treten, wenn es nach dem Willen des Vorstandes des Verbandes deutscher Müller ginge. Dieser veröffentlicht den Entwurf eines Gesetzes, dessen erste Paragraphen klipp und klar lauten: „§ 1. a) Die über den Bedarf des Volkes hinausgehende Herstellung von zur menschlichen Nahrung geeigneten Müllereierzeugnissen(Gesamtkontingentierung,§ 2) wird besteuert. b) Bei der Feststellung des Gesamtkontingents bleibt die Einfuhr ausländischer Müllereierzeugnisse unberücksichtigt. § 2. a) Gesamtkontingent ist diejenige Menge von Müllereierzeugnissen, die das deutsche Volk alljährlich zu seiner Ernährung gebraucht. b) Zur Berechnung der Gesamtkontingents wird nach den reichsstatistischen Feststellungen angenommen, daß auf den Kopf der Bevölkerung ein durchschnittlicher Jahresbedarf von 160 Kilogramm Müllereierzeugnissen entfällt.“ Das Gesamtkontingent wird dann für 65 Millionen Köpfe aus 10,4 Millionen Tonnen berechnet; in Zwischenräumen von je drei Jahren soll für jede seit mindestens drei Jahren bestehende Mühle festgesetzt werden, welcher Anteil vom Gesamtkontingent auf sie entfällt und von ihr steuerfrei hergestellt werden darf (Einzelkontingent). Die Steuer als Strafe dafür, daß einer mehr als sein Einzelkontingent verarbeitet, geht mit 5 Mark für 500 Tonnen Getreide an und steigert sich bis zu dem kolossalen Satz von 25 Mk. für einen Verbrauch von mehr als 10 000 To. über das Kontingent hinaus. Ist es schon Wahnsinn, so hat es doch Methode. Man schließt hier einen festen Ring um die bestehenden Mühlen und straft jeden, der diesen Ring zu durchbrechen wagt. Das Mehl und Brot brauchende Publikum aber ist dem Monopol der kontingentierten Mühlen rettungslos ausgeliefert. Ein feiner Plan, der etwa auf derselben Höhe steht wie die berüchtigte Mühlenumsatzsteuer. Ende einer Terrorismusgeschichte. „Im, Dezember vorigen Jahres erzählte die bürgerliche Presse einen Fau von sozialdemokratischem Terrorismus aus Oesterwieck a. H. Dort hatte sich der 56jährige Handschuhmacher Stöter erschossen, und nun wurde behauptet, seine Arbeitskollegen hätten ihn in den Tod gehetzt. Stöter, ein solider, strebsamer Mann, der sich von allen„parteipolitischen Hetzereien“ ferngehalten habe, sei von seinen Mitarbeitern wegen seiner Zugehörigkeit zum Kriegerverein und wegen seiner Eigenschaft als kirchlicher Gemeindeverordneter fortwährend in systematischer Weise gehänselt worden. Das habe er sich schließlich so zu Herzen genommen, daß er seinem Leben ein Ende gemacht habe. „ Von der Parteipresse wurde damals sofort die Geschichte als Schwindel bezeichnet. Die Mitarbeiter des Lebensüberdrüssigen wollten den unberechtigten Vorwurf jedoch nicht auf sich sitzen lassen und 6 von ihnen strengten Privatklage gegen den Redakteur Zickfeldt von der„Ilse=Zeitung“ in Osterwieck und den Redakteur Kamecke vom„Quedlinburger Kreisblatt“ an. Am Donnerstag hatte sich das Schöffengericht in Osterwieck mit der Klage zu beschäftigen. Von den Beklagten war eine große Anzahl von Zeugen geladen worden, darunter ein Pastor und ein Polizeikommissar, die die Wahrheit der Terrorismusgeschichte bekunden Vsollten. Aber nicht einer vermochte belastendes vorzubringen. Der Redakteur Zickfeldt, im Nebenamt Stadtverordneter, Mitglied des Vorstandes des Kreiskriegerbundes und Mitglied eines reichstreuen Vereins, hatte aus Grund polizeilicher Informationen den Terrorismusartikel in die Welt gesetzt, den die Witwe des Stöter und der Pastor Möller begutachteten und für sehr gut befanden. Nichts aber konnte vor Gericht für die Wahrnheit des Artikels vorgebracht werden. Festgestellt wurde nur, daß der„Terrorisierte" vor Jahren aus dem Kriegerverein— hinausgeworfen worden war, weil er sozialdemokratisch gewählt hatte! Weder der Werkführer, der 12 Jahre mit Stöter zusammen in einer Werkstatt arbeitete, noch der Unternehmer, noch sonst Lirgent iemand wußte eine Tatsache dafür anzuführen, daß Stöter vverhoynt oder gehänselt worden sei. Welcher Art aber seine heistesverfassung kurz vor seinem Tode war, mag die Tatsache Fmuustrieren, daß er sich in einer Nacht dreimal kalt abgewaschen hette, um den Teufel aus sich herauszutreiben! Er hatte in der sletzten Zeit seines Lebens mit seinen sehr frommen Angehörigen häufig abends die Zusammenkünfte des Evangelischen Jünglings#vereins besucht. Unwidersprochen blieb in der Verhandlung, daß man auf dem Polizeiamt einem der klagenden Handschuhnacher höhnisch gesagt hatte:„Jetzt haben wir mal was, womit „vil den Sozialdemokraten tüchtig eins auswischen können!“ 1#., Und der Ausgang? Die beiden Redakteure wurden wegen beleidigung zu je 40 Mk. Geldstrafe verurteilt. Der Beweis, die Kläger hätten den Verstorbenen systematisch in den Tod gehetzt, shätte nicht erbracht werden können. Der Handschuhmacher Seeger, einer der Kläger, der seiner Entrüstung über den Fall in Hallzu deutlicher Weise Ausdruck gegeben hatte, wurde auf Grund #einer Widerklage zu 10 Mk. Geldstrafe verurteilt. Arbeiter, seid auf der Hut! 1. Aehnlich wie die„Post“ verlangt jetzt auch die„Deutsche #ageszeitung“, daß das neue Strafgesetzbuch Vorsorge treffen 4½ um die Arbeitswilligen zu schützen und dem organisierten verbeiter das winzige Koalitionsrecht, das er zurzeit besitzt, zu gnehmen. . Das Agrarierblatt verlangt nicht nur eine Beseitigung der #auswüchse“, sondern will, daß Streikpostenstehen unter Strafe g#estellt werden soll. Das Organ Knuten=Oertels schreibt: „Das Streikpostenstehen namentlich ist für die Ausübung des Koalitionsrechts gar nicht notwendig und als Mittel= und Kernpuntt für die Vergewaltigung der Arbeitswilligen aufs nachdrücklichste zu bekämpfen. Nach der heutigen Rechtsprechung ist dieses leider erlaubt, und es bleibt dayer die Urquelle aller der beklagenswerten Uebelstände und Ausschreitungen gegen friedliche Arbeiter unangetastet. Es ist die höchste Zeit, daß mit ihm aufgeräumt wird und die Werbetätigkeit der Ausständigen auf die Gebiete und Mittel verwiesen werde, die zur Gewinnung von Anhängern oder Gesinnungsgenossen im öffentlichen Leben sonst üblich sind.“ Die Herren Agrarier haben aber noch mehr Wünsche. So genügt ihnen die in dem Vorentwurfe vorgesehene Knebelung der Presse, speziell der sozialdemokratischen, noch lange nicht. Sie halten einen stärkeren Schutz der Arbeitswilligen für notwendig gegen die Beschimpfungen durch die sozialdemokratische Presse, die heute die sogenannten Streikbrecher in der unflätigsten Weise beschimpft und gegen sie hetzt.„Hier sollten und müßten,“ so meint die„Deutsche Tageszeitung“,„bestimmte und ausreichende gesetzliche Vorschriften bestehen, sowohl hinsichtlich der Erregung von Haß und Verachtung gegen bestimmte Personen oder gegen Gruppen von Staatsbürgern, als als auch für die Staatsanwälte zur Verfolgung solcher Ausschreitungen.“ Steuermahnzettel bei der Im 3. Leipziger Landtagswahlkreis hat bekanntlich der sozialdemokratische Kandidat Genosse Illge mit 200 Stimmen Mehrheit über seinen nationalliberalen Gegner gesiegt. Das LimannBlatt, die„Leipziger Neuesten Nachrichten“, sind ganz außer sich darüber, daß in der Stichwahl noch ein Leipziger Kreis der Soziaidemokratie zugefallen ist und so neben vier nationalliberalen drei sozialdemokratische Vertreter der Stadt Leipzig im Landtage sind. Die„Leipziger Neuesten Nachrichten“ suchen nach den Gründen dieses sozialdemokratischen Wahlsieges, und beißen sich dabei besonders in einem fest, der außerordentlich charakteristisch sowohl für den Patriotismus wie für die Dummheit und Indolenz der nationalliberalen Wähler ist. Das Limann=Blatt schreibt: „Lässigkeit, Verstimmung und Stimmenfang von seiten des Gegners mögen in einzelnen Fällen das ihre getan haben, daneben ist aber auch eines Umstandes zu gedenken, der sicherlich in vielen Fällen den Wahlausfall mit bestimmt haben mag, als er manchen Wähler zu Hause gehalten hat. Massenweis haben wir Zuschriften erhalten, in denen lodernde Entrüstung nach Worten darüber ringt, daß die Steuerbehörde gerade die Tage vor der Stichwahl dazu benutzt hat, um die Mahnzettel für die fälligen Steuern zu verteilen. Genau dasselbe war der Fall zwischen Wahl und Stichwahl zum Reichstage 1903 bei den Wahlen, die das„rote Königreich“ schufen. Man sollte denken, daß, nachdem der heilige Bureaukratismus mit seinem teuren Haupte einmal gegen eine Wand gerannt war, er das nächste Mal etwas vernünftiger vorgehen werde. In welcher Vorstellungswelt lebt denn diese Bureaukratie eigentlich? Sicherlich will sich niemand seiner Steuerpflicht entziehen, sicherlich müht sich jeder, so gut er kann, die schweren Lasten die der Staat von ihm heischt, zu tragen. Aber der Steuerzahler will in den Tagen, da er sein hochstes Burgerrecht ausüben will, da das Staatswohl von ihm die Wahlpflicht fordert, nicht mahnend und drängelnd an seine Steuerpflicht erinnert werden. Aber derartige Imponderabilien gehen einem weltfremden Bureaukratismus niemals ein, um so mehr haben diejenigen Instanzen, die am Steuer der Staatsmaschinen. sitzen, die Pflicht, solche Bruskierungen des Volksempfindens zu verhindern. Nun stehen wir vor dem beschämenden Resultat, daß das nationale Bürgertum des 3. Leipziger Wahlkreises mit der Differenz von ganzen 200 Stimmen der Sozialdemokratie unterlegen ist.“ Die„lodernde Entrüstung“ über die Steuermahazettel macht sich besonders gut für diejenigen, die für sich in Ansprach nehmen, die alleinigen Stützen von Thron und Altar zu sein. Wären die Mahnzettel nach den Stichwahlen gekommen, würde sich zwar auch„lodernde Entrüstung“ gezeigt haben. aber bis zu einer anderen Wahl wäre sie wieder verraucht, die„patriotische Ueberzeugung“ stände makellos da. Es ist doch ganz gut, daß die Bureaukratie, sicherlich ungewollt, durch den gleichmäßigen Gang ihrer bureaukratischen Geschäfte die Legende von der patriotischen Ueberzeugungstreue dieser Staatsstützen so prächtig zerstört. Einnahmen des Deutschen Reiches an Zöllen, Steuern und Gebühren in der Zeit vom 1. April bis Ende September dieses Jahres ergaben einen Ueberschuß über den Etatsansatz von 54,6 Millionen Mark. Es brachten mehr: Die Zölle 28,4, die Börsensteuer 17,7 Millionen Mark, die Branntweinverbrauchsabgabe 15,8 Millionen Mark, die Zuckersteuer 3,2 Millionen Mark, die Erbschaftssteuer 2 Millionen Mark, die Zigaretten=, die Schaumwein= und die Losesteuer je etwas über 1 Million Mark. Mindererträge ergaben: die Brausteuer(2,5 Millionen Mark) und die Tabaksteuer(1,1 Millionen Mark). Beeinflußt sind diese Erträge natürlich durch die neue Reichsfinanzreform. Die dadurch neu eingeführten Abgaben sind die Stempelsteuern von Gewinnanteilschein= und Zinsbogen, von Schecks und von Grundstücksübertragungen. Die Einnahme von den Schecks datiert erst vom 1. September; sie hat 269 764 Mk. in diesem Monat betragen. Von den Talons sind 247013 Mk. und von Grundstücksübertragungen 2031 796 Mk. vereinnahmt. Die Einnahme an Stempel für Frachturkunden belief sich auf 7,5 Millionen oder 0,3 Millionen weniger gegen den Etatsansatz, für Personenfahrkarten auf 9,6 Millionen oder 0.2 Millionen Mark weniger, für Kraftfahrzeugkarten auf 1,6 Millionen oder 0.8 Millionen Mark mehr, für Tantiemen auf 2,4 oder 0,7 Millionen Mark mehr. Die Einnahmen der Post ergaben ein Minus von 24,1 Millionen gegen den Etat. Schon diese Zahlen zeigen, daß das Mehrergebnis der Reichskasse nicht annähernd den Mehrbetrag der ungedeckten Matrikularbeiträge für 1909 erreichen wird. Die verbrannten Reichsverbandsschriften. Zu den„schneidigsten“ Waffen des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie gehört die dreiste Behauptung, daß unsere Partei alle ihr erreichbaren Institute— Krankenkassen usw.—#reien zu Parteizwecken mißbrauche. Auf die Unwahrhaftigkeit dieser reichsverbändlerischen Behauptung braucht nicht näher eingegangen werden. An einem sehr niedlichen Beispiel soll indessen wieder einmal gezeigt werden, wie gerade der Reichsverband das tut, was er anderen andichtet. In der Stadtverordneten=Versammlung zu Kassel— der Reichsverband hat in dieser Stadt eine Filiale mit angeblich mehr als 5000 Mitgliedern— brachte nun Genosse Scheidemann folgende Interpellation ein: „1. Ist dem Magistrat bekannt, daß in hiesigen städtischen Lesehallen Agitationsschriften— Kalender und Flugblätter— des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verausgabt worden sind an Männer, Frauen und Kinder, die zum Zwecke des Büchhaben? 2. Hat der Magistrat Vorsorge getroffen, daß ein solcher Mißbrauch gemeinnütziger Institute der Stadt zu politischen Zwecken sich nicht wiederholen kann?“ Unser Genosse begründete in ebenso kurzer wie drastischer „Weise die Interpellation. Für den Magistrat antwortete der Syndikus Brumer. Er gab zu, daß die Ausführungen des Interpellanten den Tatsachen entsprechen. Durch einen in Uniform erschienenen Mann, den die Verwalter der Lesehallen für einen Beamten der Stadt gehalten haben, sind in allen Lesehallen die Reichsverbandsschriften abgeliefert und dann verteilt worden. Der Magistrat bedauere das Vorkommnis und habe Vorsorge getroffen, daß die Lesehallen in solcher Weise nicht wieder mißbraucht werden können. Die Geschichte entbehrt auch nicht des heiteren Beigeschmacks. Als es unseren Genossen bekannt wurde, daß die Lesehallen vom Reichsverbande mißbraucht worden waren, interpellierten sie sofort ein hervorragendes Mitglied der Lesehallen=Kommission, den Kommerzienrat Rosenzweig. Dieser forschte nach, stellte fest, daß alle ihm gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen und benachrichtigte dann unsere Genossen so: Ich bin selbst Mitglied des Reichsverbandes, habe aber die noch vorgefundenen Schriften des Reichsverbandes sofort verbrennen lassen! Das ist bedauerlich, denn der Reichsverbandskalender und das Flugblatt über den Volksbetrug der Sozialdemokratie sind agitatorisch für unsere Partei geradezu unübertrefflich. Nicht gegen die Schriften wandten sich ja auch unsere Genossen an den Magistrat, sondern gegen den Mißbrauch eines gemeinnützigen Instituts der Stadt durch den Reichsverband. Wahlreform und Steuergesetz. Wie verlautet, soll im preußischen Finanzministerium die organische Abänderung des geltenden Einkommen= und Ergänzungssteuergesetzes den Gegenstand umfangreicher Erwägungen und Erhebungen bilden. Es handelt sich bekanntlich darum, die preußischen Steuergesetze neu zu regeln, nachdem im Frühjahr 1909 infolge der neuen Beamtengehaltsvorlage die Einkommensteuer durch eine Novelle erhöht worden ist. Die neue Novelle soll längerer Vorarbeiten bedürfen, da sie höchstwahrscheinlich mit der zukünftigen preußischen Wahlreform in engem Zusammenhange stehen wird. Sie soll, wie berichtet wird, gewissermaßen einen Grundpfeiler der Wahlreform darstellen. Die badischen Landtagswahlen. Das jetzt vorliegende definitive Resultat lautet folgendermaßen: Die Einberufung des Reichstags. Wie eine Berliner Korrespondenz meldet, hat der Reichskanzler heute, Montag, 1. Nov., dem Zivilkabinett die Mitteilung gemacht, daß der Reichstag am 30. November eröffnet werden wird. Versprechen und Halten wurden Kommunales. Im Herbst vorigen Jahres Organisation ausgesperrt. Nach 15 Wochen aussichtslos abgebrochen werden. Nun versprach der Oberbürgermeister Dr. Cassellmann den Ausgesperrten: sobald die Arbeiten an dem städtischen Elektrizitätswerk so weit vorgeschritten seien, daß Maschinenpersonal gebraucht würde, daß dann in allererster Linie die Ausgesperrten von der Stadt berücksichtigt würden. Die Ausgesperrten sollten eine schriftliche Eingabe an den Oberbürgermeister machen. Nun warteten die Ausgesperrten der Dinge, die da kommen sollten. Jetzt sind sämtliche Stellen auf dem Elektrizitätswerk besetzt, ohne daß auch nur ein einziger der Ausgesperrten eingestellt wurde. Dem Vorsitzenden der Zahlstelle wurde vor einigen Wochen von einem städtischen Beamten gesagt: Er hätte die beste Aussicht auf Einstellung, wenn er nur nicht Vorsitzender wäre. Die„liberale“ Stadtverwaltung scheint die Ansicht zu haben, daß das Koalitionsrecht frei sei, nur dürfen in ihrem Betriebe keine organisierten Arbeiter beschäftigt werden. Soziales. Bücherumtausches die Lesehallen aufgesucht Der Arbeitsmarkt im Monat September. Die bereits im Vormonate gemeldeten Anzeichen einer Belebung der wirtschaftlichen Tätigkeit haben sich im Berichtsmonate vielfach verstärkt und in einzelnen Gewerben zu reger Beschäftigung geführt. Auf dem Ruhrkohlenmarkte macht sich der erhöhte Abruf seitens der Industrie bemerkbar und trug, wie auch das lebhafte Geschäft in Hausbrandkohle, zu einer Milderung der ungünstigen Geschäftslage bei. Auf der anderen Seite haben hier sowohl, als auch in Oberschlesien die ungünstigen Wasserstandsverhältnisse auf den Absatz ungünstig eingewirkt. In den Braunkohlenrevieren wurde mit wenigen Ausnahmen befriedigend gearbeitet. In der Roheisenerzeugung, den Walzwerken und den Gießeeien machte sich die Besserung ehenfalls mehr oder weniger stark fühlbar. Der Stahlwerksvervand erhöhte seinen Versand abermals. Im Maschinenbau liegen Verhältnisse sehr verschiedenartig. Verbesserungen sind hier anscheinend in bemerkenswertem Umfange noch nicht eingetreten. Die elektrische Industrie war, wie im Vormonat, überwiegend ausreichend beschäftigt. Die verschiedenen Zweige der Textilindustrie waren zum Teil auch im Berichtsmonat ungenügend beschäftigt, so vor allem die Baumwollspinnereien mit Ausnahme der bayerischen.„Dagegen hatten die Webereien, die Leinenindustrie, die schlesische Tuchindustrie und die Strumpf= und Wirkwarenindustrie einen etwas lebhafteren Geschäftsgang zu verzeichnen. Im Baugewerbe machten sich in einer Reihe von Städten Abschwächungen bemerkbar. Sehr gut war die Bekleidungsindustrie beschäftigt. Die chemische Industrie hat gegen den Vormonat eine Verbesserung zu verzeichnen. Ebenso hat sich im Buchdruckgewerde der Beschäftigungsgrad vielfach gehoben. Ungünstig war im allgemeinen die Lage der Tabakindustrie und der Brauereien. Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Krankenkassen ergab sich am 1. Oktober 1909 gegen den 1. Sepnber eine Zunahme der Beschäftigungsziffer um insgesamt 41 396 Personen(+ 15833 männliche.+ 25 563 weibliche). Die Zunahme war beträchtlich höher als am 1. September 1909 und stand, soweit es sich um mannliche Arbeiter handelt, sehr erheblich über der am 1. Oktober des Vorjahrs(+ 28141, darunter + 1482 männliche,+ 26 659 weibliche Versicherte). Die Arbeitslosenziffern der Fachverbände im 3. Vierteljahr 1909 zeigen im ganzen eine Verbesserung sowohl gegen das Vorvierteljahr wie gegen das gleiche Vierteljahr des Vorjahrs. Sie betrugen für Ende Juli 2,5 Prozent, Ende August 2,3 Prozent und Ende September 2,1 Prozent gegen 2,7 Prozent bezw. 2,7 Prozent bezw. 2,7 Prozent im Vorjahre. Die Berichte der Arbeitsnachweise lassen zum Teil ebenfalls eine Verbesserung gegenüber dem Vormonat erkennen. Daaach herrschte in Berlin in allen Berufen mit Ausnahme des Gastwirtgewerbes, des Braugewerbes und der Tabakindustrie eine lebhafte Nachfrage nach Arbeitskräften. Weibliche Personen ie Ga undelektrische Industrie, die Glüblichtwöhnlich GlühlichtGalvanik ungewohnlich iel verlangt. Der en sprichts., im augemeinen nicht gunstig eine Belebung nur für das Baugewerde und rksberufe. Gunstig lautet der Bericht über wurden für die Metall= und elektri fabrikation und uin Galbanik ungewoh Bericht aus Westfalen wpricht sich i aus und verzeichnet eine Geiev die meisten Handwerksberufe. Gunstig lautet der Bericht über den Regierungsbezirt Dusseldorf, sowie ein Teil der juddeutschen Berichte. Die Verkehrseinnahmen aus dem Güterverkehr deutscher Eisenbahnen waren im September 1909 um 5 870 733 Mk. höher als im gleichen Monate des Vorjahrs; das bedeutet eine Mehreinnahme von 70 Mkoder 2,58 Prozent auf 1 Kilometer. S tan.nt i. Ansraf„(Reichsarbeitsblatt.) Arbeitslosigreid in Austratten. auch in Australien ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Jahren bedeutend gestiegen. Die Einwanderung ist nämlich viel größer, als daß Handel und Industrie für alle genügend Arbeitsgelegenheit bieten könnten. Um der Not unter den Arbeitslosen zu steuern, und geeignete Maßnahmen zur Beschaffung von Arbeit zu nehmen, haben sich in allen Großstädten besondere Komitees gebildet, die zum Teil jetzt besondere, unregelmäßig erscheinende Arbeitslosenzeitungen“ herausgeben, die den Arbeitslosen gratis zum Verkauf à 1 Penny(8 Pfg.) überlassen werden. Man hofft, den Arbeitslosen dadurch eine materielle Hilfe angedeihen zu lassen und zugleich das Publikum über die wahren Verhältnisse des Arbeitsmarktes aufklären zu können. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 2. November. — Sozialdemokratischer Verein, Ortsgruppe Bielefeld. Die Bezirksvertrauensleute können am Mittwoch abend die Wählerlisten für ihren Bezirk im Bureau, Marktstr. 8, in Empfang nehmen. Die Flugblätter sind am Freitag aus der „Volkswacht“ abzuholen. — Freie Volksbühne. Die Bezirkskassierer müssen bis spätestens Montag abend mit den Beitragsmarken im Parteibureau Marktstr. 8 abrechnen. Das Bureau ist geöffnet von 6—7½ Uhr abends. — Monatsbericht des Arbeitersekretariats. Im Oktober 1909 wurde das Arbeitersekretariat von 654 Personen in Anspruch genommen, davon waren männlich 566 und weiblich 88 Personen. Auskünfte wurden 681 erteilt, davon mündlich 673 und schriftlich 8. Von den Auskunftsuchenden wohnten in Ahlen 3, Asemissen 1, Babenhausen 1, Bechterdissen 2, Bielefeld 398, Billerbeck 1, Brackwede 30, Brake i. W. 6, Brake i. L. 1, Brönninghausen 2, Detmold 3, Dornberg 1, Eickum 1. Freckenhorst 1, Friedvoorf 1, Gadderbaum 16, Gellershagen. 7,„Gütersloh.3, Heepen 11, Herford 2, Hillegossen 1, Holsen 1, Istekhorst 2, Jouenbea 1, ee, 93k u. VeZehafene u. dengo u. Overn,ilseprabt 1, Tohne, 1,„Luhragen, 1, Lütgendoxtmund 1, Mulse., 5, Fentrup 1, Quelle 8, Rothenhagen 1, Salzuften I, Schildesche 34, Schotmar 1, Senne 4, Sieker 52, Spenge 2, Spradow 1, Stieghorst 9, Sudbrak 9, Südlengern 1, Theesen 6, Uerentrup 4, Ummeln 7, Vilsendorf 1, Werther 2. Gewerkschaftlich organisiert waren 249 Personen, gewerkschaftlich und politisch organisiert waren 251 Personen, nur politisch organisiert waren 8 Personen und 146 Personen gehörten keiner Organisation an. Auf die einzelnen Gewerkschaften verteilen sich die organisierten Besucher wie folgt: äcker 6 Bauhilfsarbeiter 16 Buchbind ad.. 9, Bauhzl Sarpeiter, 16, Buchhinder 18, Buchdrucker 7, Dachdecker 1, Fabritarbeiter 10, Glasarbeiter 3, Glaser 2, Hielesetorr Ftaditheater. Montag, 1. November: Des Pfarrers Tochter von Streladorf. Schauspiel in 3 Aufzügen von Max Dreyer. Um es gleich vorweg zu sagen: Unsere Erwartungen, die wir in diesen neuen Dreyer gesetzt haben, sind nicht enttauscht, es ist ein prächtiges Stück, voll Lebenswahrheit und poetischer Schönheit. Dreyer liebt es, gerade, aufrechte Menschen, die den Kampf mit dem Leben und dem Streber= und Duckmäusertum nicht des letzten Aktes zu bekehren und die Tugend siegen zu lassen. Darin unterscheidet er sich vorteilhaft von einem anderen Modernen, der in mehreren seiner Bühnenwerke einen solch süßlichen, innerlich unwahren Schluß aufweist. Im„ProbeUnd doch vermag sich niemand des Eindrucks zu entziehen, daß alles, was man Leben und Lebenswert, Glücksgefühl und innere Befriedigung heißt, bei den Unterlegenen zu finden ist. So wirkt Dreyer als Erzieher zur freien, starken Persönlichkeit. Des Pfarrers Tochter von Streladorf, ein lebensprühendes, frisches Mädchen, ist mit dem Dr. Erwin Dahse, Privatdozenten an der Universität, verlobt. In der Johannisnacht, als Käthes elterliches Haus von allen verlassen ist, finden sich die jungen Leute zur ersten Umarmung zusammen. Am nächsten Tage erfährt das junge Mädchen— zu spät!—, welchem Streber und Feigling es sich hingegeben. Um eine Professur an der Universität zu erhalten, verleugnet der Dr. phil., ihr Verlobter, die vorlegt. Mit einem solchen Manne will das aufrechte Mädchen nichts mehr gemein haben, und es kommt zum Bruch zwischen den beiden. Nach einigen Wochen, als sich Käthe Mutter fühlt, kommt es noch einmal zu einer Unterredung, die aber zu keiner Wiederannäherung führt, sondern die erbärmliche Strebernatur des angehenden Prinzenerziehers vollends enthüllt. Der Pfarrer, der erst seine Tochter zwingen wollte, den Flecken durch eine Heirat mit dem Professor wieder abzuwaschen, wird selbst überzeugt, daß sein Mädchen für einen solchen Charakter zu gut ist. In den Gestalten aus der Familie des Pfarrers hat der Dichter prächtige Menschen,„mit einem ganz anderen Schädel, einer ganz anderen Kultur“ geschaffen. Der Pfarrer läßt sich von auten überkommenen Ehrbegriffen nicht unterkriegen, an denen in Sudermanns„Heimat der Oberstleutnant Schwarz zugrunde geht......„ 906 65. Die Aufführung war eine gang Vorzügliche, auf die unser Theater stolz sein kann. Wir wüßten wirklich nicht, wen wir zuerst nennen sollten, wenn wir mit der Aufzählung der Einzelkeistungen beginnen wollten: Hildegard Bohm(Käthe) oder Hermann Merz(Pfarrer) oder Hubert Hopkirk Eirzin Dahse)., Denn auch die kleineren Rollen lagen in guten sanden, und wir müßten, wollten wir im einzelnen loven, den #. abschreiben,„um nicht am andern Unrecht zu beHandlungsgehilfen 1, Holzarbeiter 64, Lithographen und Steindrucker 2, Maler 5, Maurer 43, Metallarbeiter 251, Sattler 10, Schmiede 8, Schneider 4, Schuhmacher 3, Steinarbeiter 1, Steinsetzer 2, Stukkateure 1, Tabakarbeiter 10, Tapezierer 2, Textilarbeiter 13, Transportarbeiter 5, Zimmerer 12. Politisch organisiert waren: Bäcker 5, Bauhilfsarbeiter 3, schoinder 10 BuchdruckBuchbinder 1„„„Tuchbrucker 2, Fabrikarbeiter 8, Glasarbeiter 1, Handlungsgehilsen 1, Holzarbeiter 31, Maler 1, Maurer 32, Metallarbeiter 126, Sattler 5, Schuhmacher 3, Steinarbeiter 1, Stukkateure 1, Tabakarbeiter 6, Textilarbeiter 4, Transportarbeiter 2, Zimmerer 9. Die erteilten Auskünfte betrafen: Unfallversicherung 64, Krankenversicherung 14, Invalidenversicherung 26, Kündigung und Lohnsorderung 53. Lehrlingswesen 7, Gesindeverhältnisse 6. Arbeiterschutz, 3, Jeugnisse n— aus dem arbeits- und Dienstvei milienrecht 42, Erbschaftssachen 2—, 4* neeverhältnisse 6, 5 nstiges alrlerecht 65, Schadenersatz und Legitimationspapiere 2, son : in 24 Mieterecht 65 Schadenund Haftpflicht 13, Pfändung 19, Zivilprozeßwesen 68, sonstiges aus dem burgerlichen Recht 24, Steuersachen 25, Staatssachen 70, Vereins= und Versammlungsrecht 2, Arbeiterbewegung 6, Privatversicherung 6, Handels= und Gewerbesachen 13, Diverses 16. Schriftsätze wurden 134 in folgenden Sachen Arbeiterversicherung 27, Arbeits= und Dienstvertrag 4, bürgerliches Recht 56, Strafrecht 11, Gemeinde= und Staatsangelegenheiten 20, sonstige Sachen 16. Der Sekretär: Albert Schulz. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Die bisherigen Aufführungen der„Förster=Christl“ hatten einen Erfolg ohnegleichen. Die nächste Aufführung dieser allseitig bejubelten Operette mit ihren einschmeichelnden Melodien findet morgen abend statt. Donnerstag wird Max Dreyers Schauspiel„Des Pfarrers Tochter von Streladorf zum zweiten Male gegeben. Als Klassiker=Vorstellung zu kleinen Preiten geht Shakespeares Lustspiel„Der Kaufmann von Venedig“ in Szene; eine Wiederholung dieses Werkes kann nicht stattfinden. — Unglücksfall. Bei der Firma Droop& Rein verunglückte am Sonnabend morgen der Former Weigert dadurch, daß ihm ein Kern in das Genick fiel, wodurch er mit der Brust auf einen anderen Kern aufschlug. W. erlitt schwere innere Verletzungen. — Polizeibericht. Festgenommen wurden 3 Personen wegen Bettelns und Landstreichens; 10 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkommen. Beschlagnahmt wurde hier ein Fahrrad von mittlerer Höhe, schwarz lackiert, mit vernickelten Felgen ohne Marke, mit der Fabriknummer 1884. Das Rad ist mit Torpedo-Freilaufnabe versehen und hat hochgebogene Lenkstange. Die Handbremse fehlt. Da der Verdacht besteht, daß das Fahrrad gestohlen ist, so ersucht die hiesige Kriminalabteilung um Mitteilungen, die zur Ermittlung des rechtmäßigen Eigentümers führen können. Ueberfallen wurde in der Nacht zum 31. 10. 09 ein junger Mann in der Nähe der Wirtschaft Kahl an der Herforderstraße von mehreren Burschen und ihm ein Geldbetrag entrissen. Grober Unfug. Ein Firmenschild aus Glas wurde in der Nacht zum 1. d. M. an dem Hause Cavalleriestraße 19 vorätzlich zerstört. Die Täter, 4—5 junge Burschen, sollen gegen 11 Uhr singend durch die Paulusstraße gezogen sein. Fahrraddiebstähle. In Münster i. W. sind in letzter Zeit folgende Fahrräder gestohlen worden: 1 Marke„Schwalbe“, Nr. 20, Fabriknummer unbekannt; 2. Rennrad„Deutsche Lyra“; 3. Marke„Gritzner“, Nr. 145 339; 4. Marke„Roland“, Nr. 211 616; 5. Marke„Mars“, Nr. 120 580. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Kriminalabteilung hier, Turnerstr. 4. Versammlungen. Donnerstag, 4. November. Bielefeld. Soz. Verein. 5. Bezirk. Abends 6½ Uhr bei besse. Tabakarbeiter=Versammlungen finden statt: Horsthöhe. Mittwoch, 3. November, abends 8½ Uhr. Referent: Schlüter, Bielefeld. Bustedt. Sonntag, 7. November, 4 Uhr nachmittags, bei Wirt Gößling. Lübbecke. Sonnabend, 6. November, abends 8½ Uhr. Mitgliederversammlung. Tagesordnung: 1. Christsliche und freie Gewerkschaften. Referent Gauleiter Schlüter. 2. Verbandsangelegenheiten. Weitere Folgen der Tabaksteuer. In Gehlenbeck waren die Arbeiter der Firma Belmer& Bockhorn in Verden 14 Tage lang gezwungen zu feiern. In Betracht kommen 130 Arbeiter. Die Firma C. V. G. Schmidt, Altona, welche ebenfalls im selben Orte eine Filiale hat, läßt auch ihre gesamten Arbeiter, zirka 60, 3 Wochen lang aussetzen. Bei Richers& Co., Osterholz=Scharmbeck, sind nun schon vom 15. August an 10 Arbeiter entlassen, ohne daß Aussicht vorhanden wäre, daß sie wieder eingestellt werden. In Isenstedt feierten aus dem gleichen Grunde 40 Arbeiter der Firma Belmer& Verden. Menke& Holle in Lübbecke sahen sich verN* ihre Zigarrenarbeiter 1 Woche feiern ckzahl, zwei Drittel der bisherigen Produktion, hergestellt. Dieses Quantum wurde nun für Oktober auch noch um ein Viertel reduziert. Die Sortierer, Abripper und sonstige Hilfsarbeiter feierten ebenfalls 1 Woche und arbeiten von jetzt an nur noch drei Viertel Tage. Leider versucht es auch obige Firma, Lohnabzüge zu machen. Während es ihr im christlichen Nettelstedt gelungen sein soll, 50 Pfg. pro Mille abzuziehen, ist dieser Versuch in Eilshausen an dem einmütigen Widerstand der Arbeiter gescheitert. Einige Arbeiterinnen oviger Firma waren so zaghaft, daß sie nicht einmal ihr Unterstützungsgesuch einreichten, denn sie bildeten sich ein, die Firma sähe dies nicht gerne. Die Firma beschäftigt im Kreise Lubbecke zirka 220 Arveiter. In Blasheim läßt die Firma Steinmeister& Rentsch seit 14 Tagen neue Sorten arbeiten, ohne daß den Arbeitern bis jetzt mitgeteilt worden wäre, wieviel Lohn es hierfür gibt. Allzuhoch wird derselbe wohl nicht sein. Da hier fast sämtliche Arbeiter unorganisiert sind, hat sie auch leichtes Spiel, wenn sie einen Teil der Steuer auf diese abwälzen will. Steinmeister& Wellensiek, Bünde, ließen ebenfalls ihre Filialen in Holzh 4 Wochen lang Klemens Buff, Osnabruck, zieht seine Filiale in Pr.=Oldendorf ein. Hierdurch werden 80 Arbeiter brotlos. Ebenso soll Hermann Wellmann, Lübbecke, willens sein, seine Fabrik in #tten ganz zu schließen. Er beschäftigt 39 Arbeiter. In Nettelstedt feierten bis jetzt 45 Arbeiter 1 Woche, 117 4 Wochen und 7 Arbeiter 7 Wochen. Leider hält es schwer, eine genaue Uebersicht über alle die Schäden, welche die Tabaksteuer mit sich bringt, zu erhalten. Wenn nun auch im vorstehenden ein großer Teil des Schadens geschildert ist, er würde noch größer erscheinen, wenn uns alles Material zur Verfügung gestellt wurde. Auch dürfte sich das Bild nach Weihnachten noch um ein Bedeutendes verschlechtern. * Sieker, 1. Nov. Standesamtsstatistik. Im Monat Oktober wurden beim hiesigen Standesamt angemeldet: 18 Geburten(8 Knaben und 10 Mädchen) und 3 Sterbefälle; 7 Aufgebotsanträge wurden gestellt und 14 Ehen wurden ge98 * wrake, 1. Nov. Gemeinderatswahl. In der Bürgervereins=Versammlung, die am Mittwoch, 27. Ottover, stattgefunden hat, wurde zur Gemeinderatswahl Stellung genommen, Bockhorn, es wurde der Rottenarbeiter Herm. Flachmann als Kandidat für die 3. Abteilung aufgestellt. Es mutet komisch an, daß der Berichterstatter des Burgervereins gerade hiervon der„Westfälischen“ nichts mitgereilt hat. Es wurde wohl berichtet, daß der Verein ein neues Mitglied aufgenommen und sich ein neues zur Aufnahme gemeldet habe, aber daß man einen Kandidaten ausgestellt hatte, davon las man nichts. Warum wurden die Anwesenden wohl seitens des Vorstandes verpf ichtet, Stillschweigen gerade über diesen Punkt zu beobachten? Es scheint fast so, als ob man sich gegenüber der Oeffentlichkeit seines Kandidaten schämte. Sollte dies der Fall sein, so wäre das für den Betreffenden alles eher als schmeichelhaft. Oder glaubte man, die organisierten Arbeiter hinters Licht führen zu können? Da hätte man die Rechnung allerdings ohne diese gemacht. Die Arbeiter sind auf dem Posten und werden es hoffentlich auch wohl bleiben. Die Sache ist aber dann doch auch zu durchsichtig. Die Bahnarbeiter waren von jeher die Garde, von welchen sich die jeweiligen Kandidaten die Kastanien aus dem Feuer holen ließen. Auf die Dauer schien das Interesse aber auch bei diesen zu erlahmen. Um das Interesse aber wieder aufzufrischen, verfiel man auf die Idee, einen Jasager aus der Mitte der Bahnarbeiter zu nehmen, denn um etwas anderes als einen Jasager kann es sich doch sicher nicht handeln. Die Drahtzieher des Bürgervereins haben da wirklich eine pyramidale Leistung zuwege gebracht, als sie auf diese Idee versielen. Früher, als die Arbeiter noch keine Ansprüche auf Sitze in der Gemeindevertretung stellten, als die Scharfmacher noch anstandslos gewählt wurden, da bekam kein Bahnarbeiter Kandidatenposten angetragen, da war man selbst noch da; jetzt, wo das nicht mehr der Fall ist, ist auch ein Bahnarbeiter würdig genug; jetzt verzichtet man großmütig auf die 3. Abteilung und sucht sich durch die Wahl eines Mannes schadlos zu halten, bei dem doch von einer wirklichen Vertretung von Arbeiterinteressen keine Rede sein kann, da er von Gemeindepolitik höchstens soviel Ahnung haben kann wie der Esel vom Klavierspielen, und der auch da, wo es notwendig ist, an wirkliche Opposition gar nicht denkt. Denn ein Rottenaroeiter, der oppositionell veranlagt wäre, muß auch heute noch mit der Laterne gesucht werden. Die Macher der ganzen Sache suchen sich auf diese Weise ihren Einfluß gewissermaßen auf Umwegen zu sichern. Das Betrübende bei diesem ganzen Schachzug ist nur, daß es noch eine ganze Anzahl Arveiter gibt, die dieses nicht begreifen wollen. An den organisierten Arbeitern von Brake liegt es nun, ob sie diesen plumpen Schwindel begreifen, oder sich von den Machern des Bürgervereins irreführen lassen. Es muß sich nun zeigen, ob sie imstande sind, selbständig zu denken und zu handeln. Ist am Sonnabend jeder auf seinem Posten, dann wird die 3. Abteilung den organisierten Arbeitern gehoren. Darum, aus zur Wahl! * Herford, 30. Okt. Bei dem am 20. Oktober cr. auf dem Schützenberge seitens des Vereins„Waisenfreund“ veranstalteten Konzert zugunsten der hiesigen Armen wurde ein Rein=Ertrag von 238,30 Mk. erzielt. * Kirchlengern, 1. Nov. Kommunales. In den letzten Tagen sind der Redaktion aus einigen Orten des ostlichen Westfalens Klagen darüber zugegangen, daß in die Wählerlisten für die in diesem Monat stattfindenden Gemeindeverordnetenwahlen alle die Gemeindemitglieder nicht ausgenommen worden sind, die infoige Vorhandenseins von Kindern unter 14 Jahren von der Einkommensteuer freigestellt und nunmehr zu einem niedrigeren als dem fingierten Steuersatze von 4,00 Mark veranlagt worden sind. Dieselben Klagen gehen uns jetzt auch aus Kirchlengern zu. Der dortige Amtmann soll die Eintragung dieser Perionen abgelehnt haben. Ganz abgesehen davor., daß diese Sache nicht der Entscheidung des Amtmanns unterliegt,— wenn rechtzeitig, d. h. während der Auslegungsfrist der Wählerliste Einspruch erhoben ist, beschließt darüber die Gemeindeversammlung— halten wir es für unmöglich, daß die betreffenden Amtmänner unter Nichtachtung der gesetzlichen Bestimmungen einen solchen Standpunkt einnehmen. Selbst der Umstand, daß die neuen Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes bei den diesmaligen Wahlen zum erstenmal in Anwendung kommen. kann da nicht as Entschuldigung dienen. Es seien aber die gesetzlichen Bestimmungen hier noch einmal kurz zusammengefaßt: Nach§ 15 der westfalischen Landgemeindeordnung besitzt das Wahlrecht derjenige, der unter Erfüllung der übrigen Bedingungen— Staatsangeyorigkeit, 1jähriger Wohnsitz usw.— ein Wohnhaus sein eigen nennt, welches zu mindestens 6 Mark an Grund= und Gebäudesteuer vom Staate veranlagt ist, sowie derjenige, welcher zu dem fingierten Normalsteuersatze von 4 Mark veranlagt ist oder ein Einkommen von mindestens 660 Mark bezieht. Gemäß§ 19 des Einkommensteuergesetzes in der Fassung vom 26. Mai 1909 nun hat ein Steuerpflichtiger, dessen Einkommen den Betrag von 6500 Mark nicht übersteigt, Anspruch auf Steuerermäßigung, die je nach der Zahl der unterhaltungspflichtigen Angehorigen 1, 2, 3 oder mehr Stufen beträgt. Eine ähnliche Bestimmung ist im § 20 vorgesehen. Auf Antrag der sozialdemokratischen Abgeordneten beschloß der preußische Landtag folgenden neuen§ 20a: Die in den§§ 19 und 20 gewährten Ermäßigungen bleiben außer Betracht bei der Berechnung der zu entrichtenden Steuerbeträge für Wahlzwecke. Diese neue Bestimmung besagt also, daß der Wähler mit dem Steuersatze in die Wählerliste einzustellen ist, der seinem Einkommen entspricht und nicht mit dem, der nach Gewährung der Ermäßigungen verbleibt. Es muß deshalb jedes Gemeindemitglied, welches ein Einkommen von 660 Mark bezieht, in die Wählerliste ausgenommen werden, auch wenn es wegen des Vorhandenseins von unterhaltungspflichtigen Angehörigen zu weniger als dem fingierten Steuersatze von 4 Mark veranlagt ist.— Wir raten unseren Genossen, überall da, wo die vorstehend besprochenen Bestimmungen bei Aufstellung der Liste nicht beachtet worden sind, gegen dieselbe bei dem Gemeindevorsteher Einspruch zu erheben und eventl. den Klageweg zu beschreiten. Ueber die Berechtigung des Einspruchs beschließt die Gemeindeversammlung. Der Beschluß ist dem Beschwerdeführer schriftlich zuzustellen. Gegen den Beschluß gibt es keine Beschwerde, sondern nur den Klageweg. Die Klage ist innerhalb zwei Wochen nach Zustellung des Beschlusses der Gemeindeversammlung beim Kreisausschuß mündlich zu Protokoll oder schriftlich anzubringen. Wir sind überzeugt, daß der Kreisausschuß bei Erhebung der Klage eine Abänderung der Wählerliste verfügen und eventl. auch die auf Grund der unrichtigen Liste vollzogenen Wahlen für ungiltig erklären wird. * Vlotho, 2. Nov. Reichstagsabgeordneter Dr. Contze wird hier am Donnerstag abend über die Reichsfinanzreform sprechen. Wir machen hierauf unsere Genossen aufmertsam mit dem Bemerken, daß auch Redakteur Hoffmann in der Versammlung anwesend sein wird. * Lette(Kr. Coesfeld), 28. Okt. Ein Diebstahls=, Erpressungs= und Brandstiftungsversuch wurde bei dem Kolon Heinrich Wiskus verübt. Vor kurzem wurde des Nachts der Sohn des Wiskus durch ein Geräusch im Schlafe gestört und bemerkte, wie ein fremder Mensch ins Haus einbrechen wollte. Kurz entschlossen sprang er aus dem obenliegenden Fenster und versetzte dem Eindringling einen Schlag mit einer Hacke. Es gelang ihm aber nicht, den Menschen zu stellen. Danach erhielt die Familie Wiskus einen Brief, worin sie aufgefordert wurde, 100 Mk. an eine bestimmte Stelle zu legen mit der Androhung, wenn es nicht geschehe, werde ein Familienmitglied erschossen, oder der rote Hahn das Haus in Brand setzen. Mehrere Nächte wurde die bezeichnete Stelle aus einem Versteck von bewaffneten Männern beobachtet, aber umsonst. Ein Zettel war jedoch unter die Haustür geschoben worden, worauf stand: „Ihr beobachtet gut, deshalb wollen wir noch warten.“ In letzter Nacht nun schlichen drei maskierte Räuber sich heran, die vorsichtshalber das Gehöft erst von einem mitgebrachten Hund abspüren ließen Als die Kerle an der bezeichneten Stelle das Geld nicht fanden, versuchte einer, das Haus in Brand zu setzen. Doch bevor das gelang, schoß der wachhaltende Sohn des Wiskus ihn in die Füße. Von seinen zwei Kumpanen wurde der Getroffene wegtransportiert. Wen das Haus einsam liegt, wagte der Sohn nicht, die Verfolgung aufzunehmen. Die Erpressungs hmann als Kandidat für komisch an, daß der Behiervon der„Westfäliwohl berichtet, daß der n und sich ein neues zur einen Kandidaten gufWarum wurden die Anerpfichtet. Stillschweigen ? E s s c h e i n t j a s t s o, a l s hkeit seines Kandidaten wäre das für den BeOder glaubte man, die ühren zu können? Da diese gemacht. Die Ares hoffentlich auch wohl auch zu durchsichtig. 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In den letzten Orten des östlichen Westdaß in die Wählerlisten in Gemeindeverordnetencht aufgenommen worden indern unter 14 Jahren und nunmehr zu einem satze von 4,00 Mark vergehen uns jetzt auch aus Amtmann soll die Einen. Ganz abgesehen dacheidung des Amtmanns jährend der Auslegungsin ist, beschließt darüber ir es für unmöglich, daß chtachtung der gesetzlichen inkt einnehmen. Selbst jungen des Einkommen= len zum erstenmal in s Entschuldigung vienen. tungen hier noch einmal estfälischen Landgemeindeder unter Erfüllung der irigkeit, 1jähriger Wohnnennt, welches zu mindeesteuer vom Staate verdem fingierten Normal= er ein Einkommen ieht. Gemäß§ 19 des vom 26. Mai 1909 nun hat on den Betrag von 6500 Steuexermäßigung, die je igen Angehörigen 1, 2, 3 liche Bestimmung ist im ildemokratischen Abgeordfolgenden neuen§ 20a: en Ermäßigungen bleiben g der zu entrichtenden o, daß der Wähler mit nzustellen ist, der seinem mit dem, der nach GeEs muß deshalb jedes imen von 660 Mark bewerden, auch wenn es haltungspflichtigen AngeSteuersatze von 4 Mark nossen, überall da, wo die bei Aufstellung der Liste de bei dem Gemeindeeventl. den Klageweg zu des. Einspruchs beschließt luß ist dem Beschwerdeen den Beschluß, gibt es Klageweg., Die Klage ist des Beschlusses der Geß mündlich zu Protokoll überzeugt, daß der KreisAbänderung der Wählerf Grund der unrichtigen erklären wird. sabgeordneter Dr. nd über die Reichsfinanzunsere Genossen aufmerkdakteur Hoffmann in der n Diebstahls=, Erngsversuch wurde bei Vor kurzem wurde des Geräusch im Schlafe gennich ins Haus einbrechen aus dem obenliegenden einen Schlag mit einer Menschen zu stellen. Dan Brief, worin sie aufmmte Stelle zu legen mit werde ein Familienmit's Haus in Brand setzen. Stelle aus einem Versteck iber umsonst. Ein Zettel n worden, worauf stand: noch warten.“ In letzter uber sich heran, die vormitgebrachten Hund abbezeichneten Stelle das Haus in Brand zu setzen, altende Sohn des Wiskus umpanen wurde der GeHaus einsam liegt, wagte idmen. Die Erpressungsbriefe waren, wie der M. A.“ meldet, unterzeichnet:„Die Gesellschaft der schwarzen Hand.“ * Münster, 1. Nov. Einbruch. Zwei Strolche. die die Zeit benutzten, während der sich der Landwirt Terhan aus Everswinkel im Gottesdienst befand, um bei diesem einzubrechen, verletzten die sich entgegenstellende Frau und Magd des Landwirts tödlich. und M Vermischtes. Automobilunfälle. Kassel, 1. Nov. Ein Automobil wurde am Sonnabend durch über den Weg gelegte Quadersteine Bie, hu, scen a: Drei von den vier Insassen erlitten schwere Darmstadt, 1. Nov. Ein zweiter Automobilunfall, der aber weniger ernsthaft als der gestern früh erfolgte ablief, ereignete sich gestern abend 10 Uhr auf der Heidelbergerstraße. Dort werden zurzeit Kabel gelegt und deshalb sind die Fußsteige unvassierbar; das Publikum muß den Fahrdamm benutzen. Der 24jährige Kaufmann Meyer und ein Fräulein Böhm überhörten das Signal einer Autodroschke und wurden angefahren. Der junge Mann kam mit einer Kopfverletzung davon, während die Dame erheblich verletzt nach dem Krankenhause gebracht wurde. Mutter und Kind verbrannt. Essen(Ruhr), 1. Nov. In der Nachhargemeinde Byfang brannte das Haus des Eigentümers Elwenholt nieder. Die im Schlafzimmer mit ihrem einjährigen Kinde befindliche Ehefrau wurde von den einstürzenden Trümmern begraben und konnte nur als verkohlte Leiche geborgen werden. Uebergefahren. Barmen, 1. Nov. Ein schweres Unglück ereignete sich gestern abend in der sehr belebten Werterstraße. Der 12 Jahre alte Schüler Walter Graf, Sohn des Wirts Graf in der Schafbrückenstraße, rannte in der Eile einem ihm entgegenkommenden alten Herrn, den Rektor a. D. St., an, so daß dieser beinahe zur Erde gestürzt wäre. Hierüber wurde der alte Herr aufgebracht und er holte zum Schlage nach dem Jungen aus. Dieser wich aus, kam zu Fall, und zwar stürzte er gerade zwischen die Schienen der elektrischen Talbahn. In demselben Augenblick sauste ein Motorwagen heran, erfaßte den Jungen und verletzte ihn so schwer, daß er sofort nach seiner Einlieferung ins städtische Krankenhaus starb. „, Feuersbrunst. Berlin, 1. Nov. Heute nachmittag gegen 3¼ Uhr brach im Arbeitsraum einer Putzfederfabrik im Industriegebäude in der Beuthstraße auf bisher unermittelte Weise ein erhebliches Feuer aus, das erst nach zweistündiger angestrengter Tätigkeit der Feuerwehr gelöscht verden konnte. Beim Spielen mit einem Revolver erschossen. Frankfurt am Main, 1. Nov. Beim Hantieren mit einem Revolver erschoß Sonnabend abend in einer Wirtschaft in Hedderheim der Student Genz den 19jährigen Arbeiter Rübsamen. Der Erschossene war der einzige Ernährer seiner Mutter. Die Cholera. Allenstein, 1. Nov. In Kurkau bei Neidenburg verstarb an der Cholera ein aus Fordon an der Weichsel zugezogener Arbeiter.— Ein zweiter Fall wird aus Königsberg gemeldet: In der Cholerabaracke in Lappienen ist gestern eine weibliche Person aus Skoepen ebenfalls an Cholera gestorben. Selbstmord eines Hochstaplers. Dresden, 1. Nov. Der Hamburger Hochstapler Ludike, der als Rechtsanwalt Dr. Wrba aus Halle in Deutschland und Oesterreich Hochstapeleien verübt und in der besten Gesellschaft verkehrt hat, wurde am Sonnabend in Aussig verhaftet und erhängte sich nachts im dortigen Gefängnis. Jäger und Wilderer. München, 1. Nov. Im Oberstdorfer Jagdrevier des Prinzregenten Luitpold stießen Hofjäger mit Wilderern zusammen. Ein Wilderer wurde erschossen. Der deutsch=amerikanische„Ritter Blaubart“. Es stellt sich heraus, daß der in Astoria verhaftete deutsch-amerikanische Ingenieur Otto Müller alias Gerhardt ein moderner Ritter Blaubart von reinstem Wasser ist. Er kann als das männliche Gegenstück jener Mrs. Guinneß betrachtet werden, die Männer Heiratsanzeigen auf ihre Farm lockte und dort ermordete. Auch Müller fand seine Opfer durch Heiratsannoncen, die er unter den Namen Schäferlein, Link, Kaiser, Gerhardt und Freundlich erließ. Er hat bereits gestanden, im Jahre 1896 in Worcester. Massachusetts. eine ganze Familie, bestehend aus dem Farmer Newion, seiner Frau und einer 16 Jahre alten hübschen Tochter, ermordet zu haben. 14 Tage bevor er mit Hilfe eines Scheinwerfers im Walde bei Astoria verhaftet wurde, drohte er auch seine letzte Frau, Anna Gerhardt, zu ermorden, indem er ihr zurief:„Ich habe sieben Frauen geheiratet und sie alle getötet. Dir wird es auch so gehen, wenn du nicht stille bist.“ Die Frau, die der Mörder unter dem Namen Gerhardt vor zwei Jahren durch Vermittlung eines Heiratsbureaus kennen lernte, bekundete bei der Polizei, daß ihr Mann sie ganz in der Nähe der Stelle, wo der Leichnam Anna Müllers geborene Luther gefunden wurde, zu erwürgen versucht habe, weil sie sich weigerte, ihm ihre Ersparnisse auszuliefern. Die Polizei ermittelte serner, daß Müller vor einem Monat wiederholt in Gesellschaft zweier Frauen gesehen wurde, die jetzt beide verschwunden sind. Im Jahre 1906„heiratete“ er eine Frau nomens Katz unter falschem Namen. Drei Tage nach der Hochzeit starb die Frau, wie ihre Verwandten jetzt annehmen, durch Gift. Sie haben den verhaftelen Frauenmörder bereits identifiziert. Müller erklärte: „Ich bin all dessen müde und werde alle meine Verbrechen aufklären, wenn die Polizei mich nicht auf den elektrischen Stuhl schickt.“ Schon im Jahre 1896 wurde Müller zu neun Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einer anderen Deutschen, Lena Weßner, die er zu heiraten versprach, die gesamten Neapel 1. Nov. Das Militärluftschiff, welches gestern von Neapel abgefahren, ist in Rom gestern abend um 10 Uhr angekommen. Als um 11½ Uhr das Luftschiff im Begriffe war, von dem Petersplatz wieder abzufahren und die Motore schon in Tätigkeit gesetzt waren, kam Leuinant Rubetti der Schraube zunahe Es wurde ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt. Das Luftschiff landete kurz nachher auf dem Waffenplatz. Der Unglücksfall hat hier eine große Erregung hervorgerufen. Sseck, an halile er der Wie fi Vie. Fesel Hichestansen, als der„Ritter Blaubart“ sich auf die Jagd nach neuen Frauenopfern begab. Ein überfallener Klosterbruder. Bern, 1. Nov. Bei Oberwill im Kanton Zug wurde ein Klosterbruder auf einem nächtlichen Krankenbesuche überfallen, schwer mißhandelt, geknebelt und seiner Barschaft von 300 Frank beraubt. Zwei verdächtige Landstreicher sind verhaftet worden. Ein neues Bergwerksunglück. Cardiff, 1. Nov. Die Tareni Kohlengrube bei Ystalyfera wurde heute nachmittag durch einen plötzlichen Wassereinbruch überschwemmt. Von der Belegschaft konnten sich 150 Mann retken. Drei Leichen sind bisher geborgen worden. 74 Arbeiter werden vermißt. Von der Luftschiffahrt. .. Köln, 1. Nov. Heute nachmittag von 1½ bis 2 Uhr stiegen die Luftschiffe„P. 1“ und„M. 2“ zu einer Fahrt, die eine Art Geschwindigkeitsprüfung sein sollte, auf. Die Windstärke betrug 6,5 Sekundenmeter aus Südost.„P. 1“ wurde von dem„M. 2“ verfolgt. Der Abstand zwischen den beiden betrug 7 Minuten, welcher auch während der ganzen Fahrt eingehalten wurde. Die Fahrt war eine außerordentlich glatte.„P. 1“ überholte an der Eisenbahnstrecke bei Grevenbroich einen Personenzug.„P. 1" machte bei Grevenbroich,„M. 2“ bei Allrath, wo die Zielfahrt war, kehrt, um nach Köln zurückzukehren. Die Landung erfolgte um 3 Uhr dicht hintereinander. Im Laufe des morgigen Tages sollen keine Aufstiege unternommen werden. Von der gestrigen Nachtfahrt ist als interessante Episode nachzutragen, daß die drei Luftschiffe„Z. 3“,„P. 1“ und„M. 2“ in der Gegend von Wesel sich gegenseitig begegneten und dicht an einander vorüberfuhren. Hamburg, 1. Nov. Sanchez Beza unternahm einen erfolgreichen Flug. Im Laufe der Fahrt fing der hintere Teil des Aeroplans Feuer, so daß der Aviatiker niedergehen mußte. Der Apparat ist ziemlich schwer beschädigt. Der Magdeburger Ingenieur Grade hat heute nachmittag mehrfache erfolgreiche Flüge unternommen. Dresden, 2. Nov. In Sachsen fanden gestern drei weitere Stichwahlen statt. Es siegten überall die bürgerlichen Kandidaten. Rom, 2. Nov. Zu der Fernfahrt des italienischen Militärballons wird noch gemeldet: Die Blätter stellen mit Genugtuung die Tatsache fest, daß der italienische Lenkballon mit seiner Fahrt von Brazziano nach Neapel und zurück den zweiten Platz, was die Länge des Fluges betrifft, und den ersten Platz wegen seiner Schnelligkeit unter allen bestehenden Luftschiff=Systemen einnimmt. Er legte die 580 Kilometer in 13 Stunden 30 Min. mit einer mittleren Geschwindigkeit von 43 Kilometer in der Stunde zurück. Prag, 2. Nov. In der Nacht zum Sonntag kam es hier zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Offizieren und dem Techniker Schwarzkopf, der sich in Begleitung einer Dame befand. Einer der Offiziere zog blank und verletzte den Techniker am Arm. Es entstand ein großer Menschenauflauf. Die Leute nahmen gegen die Offiziere eine so drohende Haltung ein, daß sich diese schleunigst in ein Hotel zurückziehen mußten. Die Leute folgten ihnen und umzingeiten, mehrere Hundert Köpfe stark, das Hotel. Eine Militärpatrouille mußte requiriert werden, um die Offiziere nach der Kaserne zu begleiten. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Saloniki, 2. Nov. Unbekannte Täter erbrachen im jungtürkischen Klub den eisernen Kassenschrank und entwendeten alle wichtigen Geheimdokumente. Unter den Mitgliedern des Komitees herrscht infolgedessen große Aufregung. London, 2. Nov. Aus Newyork wird gemeldet: Große Sensation erregt die Blutrat des Jockeys Karl Schilling, der den Millionär und Rennstallbesitzer Thomas durch einen Stich so schwer verletzte, daß dieser im Sterben liegt. Der Vorfall wurde durch einen Streit zwischen dem Jockey und Thomas über einen zwischen ihnen abgeschlossenen Kontrakt veranlaßt. Schilling flüchtete und konnte bisher noch nicht festgenommen werden. Quittung. Bielefeld, 2. Nov. Für die Kommunalwahlen gingen „Liste J; 1855: Liste 20(Dürkopp, Härterei), 23.70; Liste 23 (Dürkopp, Abt. Schnellnäher) 34.50; Liste 24„Dürkopp, Nähmaschinendreherei) 10,30; Liste 25(C. Lohmann, Laternenbau) 24.50; Liste 27(Koch& Co., Werkzeug und Gestellbau) 17,95; Siste 28: 23.50; Liste 29: 45,10; Liste 30(Kammerichsche Werke) 34400;„Liste 31(Froböse) 100.—; Liste 34(Baer& Rempel, Phönixbau) 26.—; Liste 35(Hengstenberg, Fraiserei und Bohiste 36(Dürkopp, Ringschiffchenbau, D=Saal. ra Nähmaschinen n rerei) 14.50; Liste 36(Türkopp, Nickelei) 37,05: Liste 37(Hengstenberg, Nähmaschinen und Montage) 58,25; Liste 38(Dürkopp, Kettenbau) 21,55; Liste 40: 12,50; Liste 41: 9.70; Liste 42(Dürkopp, Fahrrad=Rohbau) 18,65; Liste 46(Koch, Nähmaschinen=Dreherei) 20,50; Liste 58“ 15,25; Liste 61: 12.30; Liste 62: 9,80; Liste 63(Dürkopp, Automobilbau) 19,70; Liste 73(Dürkopp. Hammerwerk) 12.30: Liste 74(Koch& Co., Tischlerei) 37,75; Liste 82(Dürkopp, Tischlerei) 18,75; Liste 83: 7,50 Mark. Wilh. Böttcher, Marktstr. 8. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher. beide in Bielefeld. 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(Telegraphischer Bericht.) .„Die Unterschleife auf der Kaiserlichen Werft in Kiel beschäftigen heute und die kommenden Tage eine außerordentliche Schwurgerichtstagung, die eigens für diesen Prozeß einberufen und deren Dauer auf mehrere Wochen veranschlagt ist. Es handelt sich um Massenveruntreuungen zuungunsten des Fiskus, die bereits Gegenstand lebhafter parlamentarischer Erörterungen und gerichtlicher Verhandlungen waren. Unter der Anklage der Verbrechen der Unterschlagung im Amte, Urkundenfälschung, Anstiftung bezw. Beihilfe dazu und der Bestechung in einer ganzen Reihe von Fällen haben sich zu verantworten: 1. Der Magazindirektor und Marinerechnungsrat Gustav Heinrich= Kiel, 2. der„Magazinaufseher Otto Chrunst-Kiel, 3. der Obermeister Rieckens=Kiel, 4. der Magazinaufseher a. D. Johann Gottlieb Farstbutter=Kiel, 5. der Kaufmann Julius Frankenthal=Kiel, 6. der Kaufmann Hermann Jacobsohn=Hamburg, 7. der Kaufmann Siegfried acobsohn- Hamburg, 8. der Kaufmann Hermann Brakel=Hamburg. Der Vorsitz dieses Riesenprozesses liegt in den Händen des Kieler Landgerichtspräsidenten Dr. Andree, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat Reils, während die Justizräte Sello=Berlin, Wallach=Essen, sowie die Rechtsanwälte Dr. Cohn=Hamburg, Spiegel=Kiel u. a. die Verteidigung führen. Die Kieler Unterschleife, ausgehend von einem Konsortium Alt= und Großhändler, in Verbindung mit den zahlreichen Bestechungen von teilweise schon recht alten Beamten erregen schon seit längerer Zeit die Oeffentlichkeit. Die Erregung fand ihren Niederschlag in den Verhandlungen der Budgetkommission des Reichstags, in der ein Admiral als Vertreter der Reichsmarineverwaltung die Erklärung abgab, daß die Kieler Werftaffäre in zwei Gruppen zerfalle: In der ersten Gruppe wurden von Werftangestellten Lack, Oel, Quecksilber und Tauwerk mit Hilfe falscher Papiere aus der Werft hinausgeschafft und verkauft, während es im anderen, heute zur Anklage stehenden Fällen sich um Betrügereien zum Schaden des Fiskus beim Verkauf von Altmaterial handelte.— Der Magazindirektor Heinrich, der das volle Vertrauen seiner Vorgesetzten besessen, habe z. B. Bleigewichte unter die Wagschalen gebunden und Wiegezettel in großem Maßstabe gefälscht. Die Höhe der bisher festgestellten Unterschleife beläuft sich auf eine Million Mark, doch sind die ohne jede Rücksichtnahme geführten Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Die Veruntreuungen der ersten Gruppe waren dadurch ans Tageslicht gekommen, daß es in Berlin auffiel, wie ein Spediteur fortgesetzt neues Tauwerk sowie große Mengen Schmieröl zum Verkauf anbieten konnte. Die Kriminalpolizei stellte fest, daß die Sachen von einem Kieler Kaufmann gekommen waren, und weitere NachSaöcicugshesi.. zu der Feststellung, daß der„Kaufmann“ ein Fzistter; der Kaiserlichen Werft war, der auf rechtliche Weise nicht zu den Waren gekommen sein konnte. Es zeigte sich schließlich, daß dieser„Kaufmann“, der wegen Diebstabls vorbestraft war, die Seele eines schwunghaften Handels war, der mit den Beständen der Werft unter Beihilfe zweier Magazinaufseher betrieben wurde. Der Angestellte eines Werftspediteurs übernahm die Versendung der Waren. Welchen Umfang die Veruntreuungen bereits angenommen hatten, läßt sich daraus entnehmen, daß in einem Jahre für mindestens 40000 Waren nach Berlin abgeschoben worden waren. Diese betrügerischen Manipulationen wurden bereits im Februar dieses Jahres abgeurteilt und zwar wurden die schuldigen Beamten zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Weit größer und in ihren Veruntreuungen viel höher gegangen ist die zweite Gruppe, deren Mitglieder heute sich auf der Anklagebank befinden. Ihr Haupt ist der Rechnungsrat Heinrich, der seit 54 Jahren im Dienste der Werft steht und bei seinem 50jährigen Dienstjubiläum den Roten Adlerorden 3. Klasse erhielt. Er soll seit 1899 in etwa 30 Fällen teils allein, teils mit den anderen angeklagten Beamten zusammen Altmaterial(Stahlabfälle, Eisenspäne, Altmetall, Feuerrohre, Kupfer, Zinkasche usw.] in großen Mengen unterschlagen und der Kontrolle durch falsche Wiegezettel und Bucheintragungen entzogen haben. Die Abnehmer dieses veruntreuten Materials waren die Angeklagten Frankenthal, beide Jacobsohn und Brakel. Unter ihnen nimmt Frankenthal eine dominierende Stellung ein. Als schwer reicher Mann— sein Vermögen wird auf 5 bis 6 Millionen Mark geschätzt— genoß er in Kiel hohes Ansehen und verkehrte mit vielen bekannten Persönlichkeiten. Das Altmaterial wurde zwar im Submissions= wege vergeben, aber immer erhielten die angeklagten Kaufleute den Zuschlag. Das konnte Jahre hindurch nur dadurch geschehen, daß Heinrich, der an der Spitze der Magazinverwaltung stand, Hand in Hand mit den Magazinaufsehern arbeitete, den Angeklagten Chrunst, Rieckens und Farstbutter. Bei der Abfuhr der so auf dem Submissionswege erworbenen Materialien wurden nun die verichiedensten Manipulationen vorgenommen. Entweder wurden vor dem Wiegen eines leeren Wagens unter dem Wagen Bleistücke angebracht, um das Taragewicht zu erhöhen, oder die Wagen wurden nicht vollständig auf die Wage gefahren, so daß sie nicht voll gewogen werden konnten, oder die automatischen Wiegezettel wurden gefälscht. Endlich sollen Wagen das Gelände der Kaiserlichen Werft verlassen haben, ohne daß sie die Wage passiert hatten. So wurde erreicht, daß Waggons, die die Werft verließen, mit 500 Zentner beladen waren, aber nur mit 250 Zentner berechnet wurden. Die Waggons waren mitunter so überladen, daß sie auf dem Wege nach dem Güterbahnhof zusammenbrachen. Die Korrespondenz zwischen Heinrich und seinen Abnehmern wurde sehr vorsichtig geführt. So wurden alle Namen weggelassen und Bezeichnungen wie Rabbi 1, Rabbi II, Balboist und Meschores verwendet. Welche Gesamihöhe die Betrügereien erreicht haben, wird sich wohl nie genau Frätstesggsssen, da eine Anzahl bereits verjährt sind. Auf uerbehörde über seine Millionenverdienste an diesem Geschäft zu täuschen, seine Geschäftsbücher gefälscht und dadurch gewaltige Steuerhinterziehungen begangen, für die sich nun die Steuerbehörde schadlos halten will. Die Untersuchung, die sich 1½ Jahr hinzog und bei der neben Berliner Kriminalbeamten auch Berliner Bücherevisoren tätig waren, um die Höhe der Unterschlagungen festzustellen, hätte im letzten Augenblick beinahe noch eine Unterbrechung erlitten. Vor einigen Wochen stellte sich heraus, daß aus den umfangreichen Akten mehrere belastende Briefe verschwunden waren. Da von einer Seite schon früher der Versuch gemacht worden war, durch Bestechung von Gerichtsbeamten gravierende Schriftstücke zu beseitigen, wurde auch diesmal diese Spur verfolgt. Es stellte sich dabei heraus, daß mehrere Gerichtsbeamte zu Unrecht verdächtigt worden waren, und daß ein Angeklagter, der sich die Akten in seine Zelle hatte bringen lassen, die ihn belastenden Briefe entfernt und vernichtet hatte. Da von den Schriftstücken Abschriften existieren, so hat die Untersuchung dadurch keinen Aufschuh erlitten. Es ist ein Riesenaufgebot von Zeugen und Sachverständigen geladen. An zwei Tagen will sich der Gerichtshof mit den Geschworenen nach der Kaiserlichen Werft begeben, um dort an Ort und Stelle zu untersuchen, in welcher Weise die Angeklagten ihre Manipulationen ausgeführt haben. Die Anklageschrift ist ein dickes Buch von 275 Seiten. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaale statt. Die Placierung aller Prozeßbeteiligten bot nicht geringe Schwierigkeiten, da außer für die Ersatzrichter und Ersatzgeschworene für neun Rechtsanwälte, für amtliche Berichterstatter der Kaiserlichen Werft und für die später zu vernehmenden Zeugen Platz geschafft werden mußte. Am meisten unter dem Platzmangel haben die Pressevertreter zu leiden, denen aus Raummangel keine Tische zur Verfügung gestellt wurden, so daß sie auf den Knien schreiben müssen. Eine Kreidezeichnung auf einer großen Tafel veranschaulicht den Geschworenen die Werftgntage in zereizgarden. Jedem Angeklagten ist in die Annagepank ein neiner Tich vineingestellt worden, so daß der Ha Nachtraglich ist der heutigen üverwiesen die Strafsache des Kaufmanns Repening=Kiel, der ein geringeres Quantum, als in Rechnung gestellt wurde, abgeliefert haben soll. Es soll auch hier eine Urkundenfälschung der betreffenden Beamten in Frage kommen. Verteidiger ist der Rechtsanwalt Reese=Kiel. Zu den bereits genannten Verteidigern kommen noch hinzu die Rechtsanwälte Stobbe und Hansohm und Justizrat Schirren=Kiel. Es sind fünf Sachverständige geladen, darunter ein MarineIntendantur=Asfessor, ein Schlossermeister und ein Eichmeister. Landgerichtspräsident Andree eröffnete die Verhandlung mit inlage in Kiel=Gaarden Jedem Angeklagten ist in die Anklagebank ein kleiner Tisch hineingestegt worhen, so baß er an der Hand seiner Privatichriften der Verhandlung folgen kann. Nachträglich ist der heutigen Verhandlung mit zur Verhandlung einem Hinweis auf die Rechte und Pflichten der Geschworenen. Er fuhr dann fort: Der Prozeß, den wir jetzt verhandeln werden, ist vielleicht der Zeitdauer und dem Aufsehen nach, das er hervorgerufen hat, der größte, der bisher in Kiel verhandelt worden ist. Wir haben allein mit einem Zeugenmaterial von 118 Zeugen zu rechnen, und wir werden wohl verschiedene Wochen zusammenbleiben müssen. Als wir in Deutschland die Schwurgerichte übernommen haben, haben wir nicht alle Einrichtungen aus den Ländern übernommen, aus denen die Schwurgerichte stammen. Wir haben vor allem eines nicht übernommen, nämlich, daß die Geschworenen von dem Augenblick an, wo sie den Gerichtssaal betreten, bis zum Zeitpunkt des Spruchs von der Außenwelt abgesperrt bleiben müssen. Die deutschen Geschworenen sind nicht in dieser Lage. Sie werden des Abends wieder in das flutende Leben zurücktreten. Ich habe am Sonnabend in den hiesigen Zeitungen einen Artikel gelesen, der den Prozeß vorbereiten sollte, und den ich tief bedauere. Dieser Artikel enthält alle Tatsachen, die den Angeklagten zur Last gelegt. werden, die aber erst erwiesen werden sollen in diesem Verfahren. Ich bin der Ueberzeugung, daß bei diesem Artikel keinerlei böse Absicht vorgelegen hat, auch nicht die Absicht, gegen die Angeklagten einzunehmen. Aber solche Artikel können einen derartigen Erfolg haben. So werden Sie, meine Herren Geschworenen, an jedem Abend in den Zeitungen Berichte lesen, und Sie werden in Ihrem Familienkreis über den Prozeß hören. Von solchen Eindrücken, die auf den Menschen einwirken, müssen Sie sich frei halten. Wir wollen gemeinsam nur hier im Saale das Recht finden. Gewerkschaftsbewegung. Lohnbewegungen im Holzgewerbe haben während dieses Jahres in ziemlicher Anzahl stattgefunden. Gegenwärtig schweben noch eine große Anzahl Streits, trotzdem in den letzten Tagen eine Reihe mit gutem Erfolg beendet wurden. So wurden mit Erfolg beigelegt die Streits der Stuhlarbeiter in Celle nach 15wöchiger Dauer, in der Stuhlfabrik Banneitz in Springe und in Brand i. Erzgeb., wo eine Lohnerhöhung von 6 Prozent zugestanden wurde. Der Kampf der Möbeltischler in Eilenburg wurde nach hwöchiger Dauer erfolgreich beendet; die 55stündige wöchentliche Arbeitszeit und 8proz. Lohnerhöhung wurden erreicht. In Magdeburg, wo die Tischler 18 Wochen im Kampfe stehen. ha: der Stadtrat Lutter seine Vermittelung angeboten, die von den Arbeitern akzeptiert ist. Die Stellungnahme der Arbeitgeber ist noch nicht bekannt geworden. In Zeitz gelang es, für die Arbeiter in den Klavierbestandteilfabriken— einige 100 an der Zahl— eine Lohnbewegung mit Erfolg durchzufuhren. In dem abgeschlossenen Vertrag heißt es: „Die Arbeitszeit beträgt ab 1. April 1910 wöchentlich 54 Stunden; wo bisher noch länger als 55 Stunden gearbeitet wurde. hat eine sofortige Verkürzung der Arbeitszeit stattgefunden und zwar bei 60 Stunden auf 57, bei 58 auf 56 Stunden und bei 56 auf 55 Stunden pro Woche.“ Auf polierte Tischler= und Drechslerarbeit erfolgt ein Aufschlag von 10 Prozent auf den Grundpreis. Bei Aktorden von 1—2 Stück soll ebenfalls ein Aufschlag von 10 Prozent erfolgen und die bestehenden Akkordtarife sollen weiter um 5 Prozent erhöht werden. Außer diesem Erfolg der Lohnausgleich bei Verkürzung der Arbeitszeit. Daneben sind die üblichen Aufschläge für Ueberstunden usw. festgesetzt. Der Vertrag gilt bis zum 1. April 1911. Die Kämpfe der Tischler in Rathenow(19 Wochen in Sommerfeld, 8 Wochen in Luckenwalde, 7 Wochen in Schwenningen, 13 Wochen in Liegnitz) und in Südwest=Deutschland dauern fort. Unter dem Vorsitz des Herrn Stadtsyndikus Dr. Hiller Frankfurt a. M. ist jetzt auch in Mannheim=Ludwigshafen und Heidelberg verhandelt worden. Beide Parteien sind durch die lange Dauer des Kampfes sehr verbittert, es war daher für die Vermittelungspersonen doppelt schwierig, den Frieden vorzubereiten. Herrn Dr. Hiller ist es aber nach langen Bemühungen jetzt gelungen, die Parteien einander näher zu bringen. Insbesondere scheint es, als ob der Friede in Frankfurt in naher Aussicht steht, wenn nicht die anderen Orte einen Strich durch die Rechnung machen. Der letzte Vorschlag des Gewerberichters ging dahin, daß 4 Pfg. Lohnerhöhung und 52stündige Arbeitszeit während der Vertragsdauer eintreten sollen und der Vertrag für alle Orte am 17. Februar 1912, wie zwischen den Verbandsvorstanden schon früher vereinbart war, aber von den UnterDie Hosen des Herrn von Bredow. Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). Der Mann im Monde hätte sich wundern müssen, sagte ich, wenn er auf die Burg niedersah. Es gab vieles, worüber er sich wundern konnte. Ist's doch überall ein eigen Ding mit dem sich wundern Einige verwundern sich, wenn es in der Welt eine Weile still herging, daß die Dinge so lange halten in ihrer Ordnung, und andere hinwiederum wenn ein Sturm kommt und alles umwirft, warum die alte Ordnung nicht ewig dauerte. Der Mann im Monde, wenn er sprechen könnte, würde es uns am besten sagen, worüber wir uns noch wundern dürfen. Durch so viele tausend Jahre schaut er auf die Erde und sieht alles, was uns bewegt, und ihn kümmert's nicht; er lacht nicht und er weint nicht mit seinem kalten, gleichgiltigen Gesichte; ob er aber bei sich denkt, was wir doch für Toren sind, das weiß kein Mensch. Ueber den Sturm konnte er sich wundern, denn er war ein Orkan geworden, wie dessen die ältesten Leute sich nicht entsannen. Wie er den Wald gepeitscht, als wären die Baumwipfel Meereswellen, hatte er auch der Burg gerüttelt, daß die Balken knackten. Das Storchnest war von der Firste geworfen, im Schieferdache hette er gewühlt und gewirtschaftet, und der Giebel, der schor überhing, sich noch um einen halben Schuh nach vorn geworsen. War das nicht zum Verwundern, daß der Giebel noch hielt so war es doch, daß der Hausvater in der Erkerkammer aud davon nicht aufgewacht war! Und nach solchem Sturm eine solche Ruhe! Winde im Spätherbst bringen Kälte und Frost oder Schlacken; aber als wäre nur das wilde Heer vorübergerast, so nar es still geworden darauf, und die Nachtlust schwül. Und dis war doch auch zum Verwundern, daß man nirgend mehr etwas sah von der großen Wäsche. Sie war eingebracht und alles ar seinen Fleck; zwei Stunden schon, nachdem der letzte Wagen übr die Zugbrücke rollte, und nichts war verloren gegangen auf sem langen Wege.„Das ist eine Frau, die nimmt's auch mit Better und Wind auf,“ sprachen die Dienstleute. Nun dampften die Kessel über dem prasselnden Feuer und die Schinken brodelten uid schwitzten am Spieß. Auch in den Keller war sie gestiegen un hatte an den Fässern gezapft, und die Knechte trugen schweie, volle Kannen in den Flur. Denn nach der Arbeit ziemt den Leuten Ruhe und auch etwas mehr, dachte die Hausfrau, nur sih selbst gönnte sie's nicht, denn während die anderen um den goßen Tisch saßen, stieg sie noch treppauf, treppab, und ihr Schlisselbund klirrte durch den Becherklang., Hoch war die Halle gerade nicht, und auch nicht gewölbt. Die Balken angerußt vim Rauch, wenn er aus dem Kamin zurückschlug, drückten wie briune Rippen über den Köpfen, und was von Schnitzwerk ehmals daran gewesen, davon war nicht mehr viel zu sehen; und wo die Schnörkel und Spitzen noch hielten, hatte man sie benutzt, wie man mit Wandnägeln tut. Da hing ein Schild, ein Harnisch, ein Helm, auch wohl ein Kessel, oder gar ein Schinken daran. Der Boden war festgestampfter Lehm und die Tische und Bänke von solchem Kerneichenholze, daß es dem Zimmermann schade gedünkt, viel mit Hobel und Meißel daran schaitzen und glätten. Eine Schwelle nur und eine Tür schied die Halle vom Hofe. Wenn die Tür aufging, drang Regen und Wind ein; darum tat man sie lieber nicht zu, wenn es nicht zu arg stürmte und stiebte. Und das kam dem Feuer im Kamine zugute; denn wenn der Rauch, der seine Launen in alten Häusern hat, nicht hinaus wollte, zwang ihn die Zugluft, daß er prasselnd durch den Schlot fuhr. Und für den Schornstein war es auch gut, daß die Flammen nicht zu lange darin spielten und weilten, denn er war von Holz; zwar waren's junge Eichenstämme, mit Weidenruten durchflochten und mit Lehm gefüttert; aber wenn das Feuer nicht durchwollte, fingen die Wände doch auch an zu sängen, und wenn die Frau es merkte, mußte ein Knecht aufs Dach und einen Eimer Wasser hinuntergießen. Schadete gar nichts; der Rauchfang stand schon über hundert Jahre, und hundert Jahre und noch mehr konnte er stehen, wenn nur immer einer da war mit einem Eimer Wasser. Zwar das Feuer ging dann aus, aber Holz war immer da. Holz und Luft war der Reichtum unserer Väter, und an beiden war auch im Saal der Bredows auf Hohen=Ziatz ein Ueberfluß. Die Luft kam, wie gesagt, durch die Tür und durch den Schlot, aber außerdem auch durch die Treppenmündung aus dem oberen Geschoß. Denn nicht weniger als zwei Treppen führten zu beiden Seiten des Herdes, den wir eigentlich mit Unrecht Kamin nannten, hinauf, schwer, eckig und fest, und mit rohem Schnitzwerk verziert. Und so wenig es an der Treppe, war das Holz an den Wänden gespart, die mit glatten, buntgestrichenen Bohlen von oben bis unten ausgelegt waren. Wäre der Rauch und das Alter nicht gewesen, hätte man noch die sieben Todsünden daran erkennen und manchen frommen Spruch lesen mögen. Aber das Alter drückte überall auf das Haus und seine Balken, und was ehedem in der Richte war und sich schickte, das war heute nicht mehr in der Richte und schickte sich auch vielleicht nicht mehr. Ehedem, wenn hier der Herr saß und tafelte mit seiner Familie und seinen Knechten, die Herren und die nächsten ihm oben am Feuer, die Knechte unten an der Tür, ward wohl noch an dem Herde selbst gebraten und gekocht; jetzt war schon seit zwei Menschenaltern die Küche in ein Seitenhaus gebracht. Nur ein warmes Morgenbier oder eine Ingwersuppe kochte bisweilen die Burgfrau ihrem Eheherrn hier, wenn er über Land ritt und es zu garstig blies. Getafelt ward noch, aber es waren nicht mehr die alten lustigen Zeiten. Herr Gottfried war grämlich, und wenn er lustig ward, dann schickte Frau Brigitte die Knechte hinaus. Die Knechte waren eigentlich froh, wenn sie ihre Schüssel Brei im Stall oder auf dem Hofe verzehren konnten, und die Hausfrau war auch froh, wenn sie früher den Tisch aufbrechen konnte. Sie meinte, was das lange Plaudern täte. Gescheites käme nicht raus. Herr Gottfried Bredow aber meinte, sie hätte unrecht, denn der Wein sei da, daß er des Menschenherz erfreue; mit anderen zusammentrinken, sei eine gute Gewohnheit aus alter Zeit, aber da die gute alte vorüber sei, müsse er sich in die Zeit schicken, wie sie ist, und allenfalls auch allein trinken. Schien es doch, als habe der Wein die Geister diesmal nicht aufgeregt; sie saßen alle da, nicht schläfrig, aber auch nicht lustig um den schon etwas dunklen Tisch. Denn das Feuer auf dem Herd verglimmte, und die Kienfackeln an den Pfeilern hingen mit langen Aschenzöpfen zur Erde gesenkt. Der Zeiger der Turmuhr hatte Neun geschlagen. „Müßte man sich doch grauen, zu Bett zu gehen,“ sprach einer. Der Dechant, der eine Weile vor sich sinnend gesessen, räusperte sich:„Mit nichten, werte Herren! Bei den furchtbaren Meteoren sah wohl keiner recht genau, was ihm und anderen passierte. In solchen Augenblicken des Schreckens und der Verwirrung glaubt der schwache sündige Mensch allerlei außer ihm zu erblicken, was doch nur in ihm ist.“ Ihr Gespräch hatte sich um die kurz erlebten Begebenheiten gedreht: ob der Junker Hans Jochem wirklich verhext gewesen, ob man Hexen im Sturm daher fahren gesehen, und ob der Krämer, wie einige behaupteten, den bösen Blick habe? Ein halb dunkles Zimmer, in einer einsamen Burg, bei einbrechender Nacht ist nicht geeignet, die Gespensterfurcht zu vertreiben. Und doch wollten die, welche vorhin sichtlich dieser Angst erlegen waren, es jetzt am wenigsten Wort haben. Hans Jochem war wieder oben auf und meinte, die Finger wären ihm verklammt gewesen, sonst hätte er das Zeug gleich vom Leibe gerissen. Nur Peter Melchior schwor Stein und Bein, daß es nicht mit rechten Dingen zugegangen, wobei er doch auch der Lust nicht widerstand, den Dechanten zu becheln. Der gab es redlich wieder, was Peter Melchior ihm versetzte, nur daß er nicht wie dieser die Gelegenheit vom Zaun brach, sondern sie im Augenblick faßte, wo sie ihm handrecht entgegenkam. Das Schrauben ist eine uralte Lust bei den Menschen, wenn mehrere bei einander sind, und einer dünkt sich klüger als der andere Nun kömmt's aber, daß einer in dem einen Ding und der andere im anderen Ding sich klüger dünkt; und wenn sie dann sich einer den anderen schrauben, gibt das viel Lustigkeit, zuweilen aber auch ein traurig End'. Die beiden jungen Bettern hörten vergnügt zu, wie der geistliche Herr und der Junker sich aufzogen, und Hans Jochem gab auch wohl mit sein Wort zu, wo es sich schickte, und wo sich's nicht schickte; nur Hans Jürgen hörte, ohne ein Wort zu sagen, im Winkel zu. Nun war es allen bekannt, daß der Junker Peter Melchior ein Verschwender war, der das Seine vertan hatte und auch wohl noch vertat, wenn er wieder was fand. Und wenn er nichts hatte, zechte er bei seinen Bettern und Freunden umher. So ward es dem geistlichen Herrn leicht, ihm auf die Finger zu nehmern abgelehnt wurde, zum Ablauf kommen soll. Die Tischler= innung hat die Vorschläge zunächst abgelehnt, soll sich nun aber noch einmal mit der Angelegenheit beschaftigen. Die Vertrauensleute der Frankfurter Schreiner hatten die endgiltige Entscheidung einer Versammlung der Streikenden und Ausgesperrten so dürfte ihnen, wie meist bei derartigen Sanierungen, noch ein recht ansehnlicher Gewinn erwachsen, die Zeche zahlen andere Kreise. Gerichtliches. heim und Ludwigshafen schlägt Herr Hiller vor eine Lohnerhöhung von 2 Pfg. sofort und 1 Pfg. für das Jahr 1910 sowie Verkürzung der Arbeitszeit auf 53 Stunden im Jahre 1911. In Heidelberg soll die Arbeitszeit sofort auf 56 Stunden heruntergesetzt werden und außerdem eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. Platz greifen. Da die Arbeitgeber noch immer fleißig auf der Arbeitswilligensuche sind, wird dringend ersucht, fur Fernhaltung des Zuzuges auch ferner zu sorgen, da auch jetzt noch nicht gesagt werden kann, ob es zum Frieden kommt. Dasselbe gilt auch für alle anderen Orte, die sich im Kampfe befinden. Das Schicksal eines christlichen Lügenpeters. Der bei dem Streik der Aluminiumaroeiter in Badisch=Rheinfelden zu so trauriger Berühmtheit gelangte christliche Gewerkschaftssekretär Engel ist nun doch von seiner Gewerkschaft seiner Tätigkeit enthoben worden. So endete einmal christliche Lügenherrlichkeit. Engel war aber auch zu ungeschickt. Streitet mit dreister Stirn gegen den von Staatsbeamten festgestellten wahren Sachverhalt ab und läßt sich wiederholt in der Oeffentlichkeit von diesen Beamten auf seine Lügenpfoten klopfen. Das mußte selbst der christlichen Gewerkschaftsleitung zu starker Tabak werden. Hätte Engel sein trauriges Handwerk nur gegen die freien Gewerkschaften ausgeübt, so wurde er als tüchtiger Beamter gelten und im Rate der christlichen Weisen obenan sitzen. Wir sind sehr neugierig, wo der Herr nun wieder auftauchen wrd. Industrie, Handel und Verkehr. Ki Der zusammengebrochene Holzturm. Der Krach im Berliner Holzhandel hat Dimensionen angenommen, die die weitgehendsten Schätzungen und Vermutungen übertreffen. Die Gesamtverbindlichkeiten der durch den Zusammenbruch der Holzfirma Julius Brühl in Mitleidenschaft gezogenen Firmen werden auf 40 Millionen Mark und mehr berechnet. Allein 16 Holzfirmen, die mit Brühl in Verbindung standen, gelten als insoloent. Eine Prüfung der Verhältnisse ergab, daß die Firma Brühl im Mittelpunkt eines ausgedehnten Konzerns großerer Holzhandlungen stand, ihre Inhaber wurden als sehr reich angesehen und konnten seit vielen Jahren über einen Riesenkredit verfügen. In welcher Weise sie Kredit in Anspruch nahmen, ist daran zu etmessen, daß ihre Wechselverbindlichkeiten sich auf etwa 10 Millionen Mark belaufen, während ihr Vermögen etwa 700000 Mark betragen hat. Mit großem Erfolg war die Firma als Holzkommissionsgeschäft betrieben worden, später wurde es zu einem Finanzierungsunternehmen, das aber allein auf maßloser Kreditwirtschaft aufgebaut war. Der Konzern Brühl entwickelte sich daraus, daß die Firma mehreren ihrer Angestellten und Verwandten, die über keine oder nur geringe Mittel verfügten, Holzgeschäfte einrichtete. Sie besorgte für sie den Einkauf und empfing von ihnen Akzepte, die sie bei den meisten Großbanken, vielen Provinzbanken und Privatbankfirmen unterbringen konnte. Die gleiche Verbindung bestand aber auch noch mit einer Reihe von ihr nicht direkt gegründeter Firmen. Von dem Umsatz der zu dem Konzern gehorenden Geschäfte bezog sie eine bestimmte Provision. Der große Nutzholzhandel verlangt sehr erhebliche Betriebsmittel, das Holz wird im Fruhjahr in Rußland gekauft, viele Monate vergehen, bevor der Holzhändler die eingekaufte Ware wieder absetzen und Zahlung empfangen kann. Fehlen zu einem Riesengeschäft, wie es die Firma Brühl betrieb, die entsprechenden eigenen Mittel, so liegt beständig die Gefahr vor, daß irgend eine Stockung bei einem zum Konzern gehörenden Unternehmen auch das ganze auf Kreditwirtschaft deruhende Geschäftsgebilde zum Stillstand bringt. Voraussetzung für einen so gestalteten Betrieb waren laufende enorme nsatze, daher jahen ssich auch die Konzernfirmen in den wirtschaftlich ungünstigen Zeiten vielfach zu Geschaften gedrängt, die von vornherein keinen Nutzen versprachen oder gar nur mit großem Schaden abgeschlossen werden konnten. In dem Augenblick, in dem die Banken die Brühlschen Wechsel nicht mehr in dem alten Umfange annahmen, stellte sich dann auch der Zusammenbruch ein. Jetzt schweben die Verhandlungen mit den Großbanken über eine Hilfsaktion, um einen Konkurs zu vermeiden, durch den nicht nur viele Holzfirmen, sondern auch zahlreiche andere mit dem Holzhandel in Verbindung stehende Geschäfte mitgerissen werden konnten. Entschließen sich die Banken zu einer„ruhigen“ Liquidation der insolventen Firmen, klopfen, mit denen er eben seinen Gegner gekitzelt hatte. Und wie der Junker unverdrossen im Angreifen war, so war er dafür gar leicht verdrossen und geschlagen, wenn einer ihn bei seiner Schwache stachelte. Da stritten sie, was der Teufel liever fasse, einen Pfaffen oder einen Junker. Peter Melchior versicherte, Satan wäre nichts lieber, als viel Pfaffen unten in der Hölle. Der Dechant sagte, das glaube er wohl, dann hätten die Junker oben frei Spiel und kämen ihm von selber zugelaufen. Peter Melchior versicherte, dem Gottseibeiuns mache nichts mehr Vergnugen, als wenn er einen dicken Chorherrn bei den Haaren durch die Luft schüttele.„Was hätte er zu schütteln bei manchem Junker, entgegnete der Dechant,„wenn er sie kriegt, ist gemeinhin ihr Bestes schon fort. Darauf stritten sie, wer den Teufel am besten zu betrügen verstände, und der Dechant schien gar nicht abgeneigt, dem Junker zuzugeben, daß die geistlichen Herren darin noch geschickter wären, als die Weiber, denn den Teufel betrügen sei eigentlich keine Sünde Vielmehr sei es die Aufgabe eines guten Christen, den Teufel um seinen Anteil zu täuschen so gut er könne. Peter Melchior erzählte die Geschichte von dem Abt, der mit dem Teufel um seine SSeele gewürfelt. Der Teufel verlor.„Als er nun abzog, lachte er. Und wißt ihr warum? In der Tasche hatte er die Seele nicht, aber er hatte sie doch gewonnen. Der Abt hatte mit falschen Würfeln gespielt. Man soll auch nicht den Teufel betrügen.„ g. „Wie war doch die Geschichte mit dem Nippel Bredow: sagte der Dechant nach einigem Schweigen, als wisse er auf den Trumpf des Junkers keinen Gegentrumpf. Hans Jochems muntere Augen glänzten schalkhaft, er verstand den Blick, den der Dechant ihm zuwarf.„ „Die weiß ich haarklein und kann sie Euch erzählen. Ihr meint doch den Nivpel, der in Saus und Braus lebte, und immer alles ausgegeben hatte, eh’ er's eingenommen. So was kann auch nur in der Heidenzeit geschehen sein, was man davon Aber alles, was der Schalk erzählte, von den sechs Trompetern, die zu Tische blasen müssen, wie er die Brosamen den Hunden vorwerfen ließ, statt sie den Armen zu geben, wie er dann ein Gut ums andere versetzt, bis er durch die Hintertür auch aus dem letzten bei Nacht und Nebel ausgeritten, war vielleicht die Geschichte Nippel Bredows, aber gewiß auch die Peter Melchiors, nur etwa ins Boshafte übersetzt, weshalb man den Junker wohl spottweis den andern Nippel nannte. Der Junker verstand es vollkommen, weshalb er Hans Jochem einen bösen Blick zuwarf. Sie konnten sich beide nie gut „Und darauf verschrieb sich der arme Nippel dem Teufel, sagte der Dechant!„Das pflegt wohl so zu gehen in der Welt, wenn man nicht mehr aus und ein weiß. gochem haun „Und niemand mehr borgen will,“ sagte Haus Jochem,„Nuna „Erzählt doch weiter, lieber Herr von Bredow; ich will euch nachher auch eine Geschichte erzählen,“ sagte Peter Melchior anscheinender Ruhe.(gbrejetzung folgt.) ** Bielefeld, 30. Okt. Strafkammer. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den 16 Jahre alten Knecht Heinrich Steinberg von Wiedenbrück verhandelt. Derselbe wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens aus§ 176 Ziffer 3 in Tozeinheit mit Vergehens aus§ 175 des Str.=G.=B. zu 4 Wochen nis verurteilt. Er wird wegen bedingter Begnadigung in VorDer Handarbeiter Wilhelm Sandmann von Mellbergen bei Oeynhausen räumte ein, in der Nacht zum 28. Juli d. J. aus dem Lagerraum des Kaufmanns Christ. König zu einen Sack Bollmehl, 2 Stück Graubrote und 60 Pfd. Oelrettigsamen entwendet zu haben, bestritt aber, mehr genommen und den Diebstahl mittels Einbruchs ausgeführt zu haben. Der Angeklagte wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte sich der Heilkundige Wilhelm Kuper von hier zu verantworten. Er war vom hiesigen Schöffengericht wegen fahrlässiger Korperverletzung in 2 Fallen zu einer Gesamtgeldstrafe von 500 Mark evenzuel 50 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Er sollte durch gemäße Behandlung den Zustand des angeblich an Scharlach erkrankten Kindes des Reisenden Biermann von hier und der Ehefrau des Arbeiters Lange von Asemissen verschlimmert und dadurch sich der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gemacht haben. Gegen dieses Urteil war von seiten des Angeklagten Berufung eingelegt worden. Die Strafkammer hatte in dem Falle Biermann den Angeklagten freigesprochen. Bezüglich der Ehefrau Lange war der Angeklagte wiederum schuldig befunden und die Berufung mit der Maßgabe verworfen, Geldstrafe von 150 Mark eventl. zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Der Angeklagte hatte seine Verurteilung durch Revision beim Oberlandesgericht zu Hamm angegriffen und dieses hatte die Sache an die Strafkammer zur nochmaligen Verhandlung zurückverwiesen. Der Fall Biermann schied heute vollständig aus und die beiden Zeugen und ein Gutachter wurden entlassen. Zu der Verhandlung waren zwei Zeugen gestellt, die bekunden, daß der Angeklagte auf Grund der Augendiagnose ihre Krankheit sofort erkannt habe und daß sie von dem geheilt worden seien. Als Gutachter waren der Anstaltsarzt der Felkeschen Anstalt in Repelen und der Dr. med. Koch, der Leiter des Teutoburger Waldsanatoriums, Sanitatsrat Dr. med. Mathäus von Oerlinghausen und Medizinalrat Dr. Nünninghoff geladen und erschienen. Belastungszeugen waren Ehefrau Lange und die Hebamme Deppe von Ubbedissen. seinen Bildungsgang erklärte der Angeklagte, daß er von Haus aus Kaufmann sei. Ein früheres Leiden, wo ihm äxztlicherleit eine Operation impfohlen worden sei, habe ihn nach Paster#rlle er ein Anhänger Pastor=Felieschen Heilmethode In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus: Angeklagte ist in erster Linie des Betruges angeklagt. Der Betrug soll dadurch begangen sein, daß er vorgespiegelt hat. Nach der Ueberzeugung des Gerichtshofes hat es sich aber niemals um Kundgebungen von Geistern gehandelt. muß besonders öffentlich festgestellt werden, daß es von vornherein ausgeschlossen ist, daß Geister erschienen sind. Von etwas Ueberirdischem kann nicht die Rede sein. Die Frage, ob er da in bewußtem oder unbewußtem Zustande getan hat,### nach dem Gutachten der Sachverständigen nicht voulig aufgel Gerichtshof hat angenommen, daß es leicht möglich ist, daß der Angeklagte den Trancezustand nur vorgetäuscht hat. Der Gerichtshof hat außerdem auch Bedenken, ob dig zrhpeiz, igagte daß der Angeklagte eine pathologisch veranlagte Person ist, die einer Beschädigung des Vermögens nicht bewußt war. Aus allen diesen Gründen konnte eine Verurteilung nicht eintreten. von 300 Grundbesizern des vormaligen Amtes Ahrensboel gegen erregt großes Aufsehen, da es sich um Millionen handelte. Die Reviston ist angemeldet..„9 8.(te Schustnah Preußische Justiz. Die beiden 15 Jahre allen Schullnaben Jasinski und Dziemski aus Strelnow, die im Sommer dieses Jahres unweit der Eisenbahnstation große Steine auf, die Eisenbahnschinen gelegt hatten, um einen Zug zur Entgleisung zu bringen, wurden von der Strafkammer in Hohensalza zu je einem Jahre Gefängnis verurteilt. Innttark., p#: der Pastor::, geworden. Er habe zunachst wissenschaftliche Bucher studiert, dann habe er bei dem inzwischen verstorbenen Dr. Buck in Dortmund Unterricht in Anatomie genommen. Später sei in ihm der Entschluß gereift, sich der leidenden Menschheit zu widmen. Zuerst habe er sich in Hannover und dann in Bielefeld, wo er Verbindungen gehabt, niedergelassen. Außerdem habe er sich mit Homöopathie beschäftigt und verschreibe auch solche Mittel. Am 28. Juni 1908 sei die Ehefrau Lange zu ihm gekommen. Diese habe über Leibschmerzen geklagt, und daß sie uber 7 bis 8 Wochen Blutungen gehabt habe. Er habe aber festgestellt, vup sie an der Leber leide und daß ein Querdarm entzündet sei. Er habe der Frau homöopathische Mittel verschrieben und Sitzbäder von 18 Grad angeordnet. Er habe der Frau aber auch gesagt, sie solle wiederkommen, namentlich aber, wenn Verschlimmerung eintrete. Sie sei aber nicht wiedergekommen. Wenn sie wiedergekommen wäre, hätte er gie für den Fall, daß starke Blutungen eingetreten wären, zum Arzt geschickt. Auch stehe auf seinen Rezepten der Vermert, daß bei ernsthaften Erkrankungen der Patient sofort wiederkommen solle.— Wenn auch Lin,Fgenj ghoie sich später herausgestellt habe, an krankhafter Soin, umgre gelitten habe, so seien die Sitzbäder und auch setttr g### Mittel geeignet gewesen, bei normaler Schwangerschaft die ungen zu beseitigen. Die als Zeugin vernommene Frau Lange bekundet: Sie habe nur ein Sitzbad genommen. Ihr Allgemeinbefinden habe sich nach dem Nehmen der inneren Mittel g bessert, aber die Blutungen seien immer stärker geworden. Zunächst habe sie dann die Hebamme rufen lassen und darauf den Sanitätsrat Dr. Mathäus von Oerlinghausen. Nach dem Ausstoßen einer Frühgeburt hätten Blutungen bestanden, erst gegen Weihnachten sei alles bei ihr normal gewesen.— Dr. Mathaus hält die Mittel, soweit er sie kennt, für ungeeignet. In der Anordnung der Sitzbäder erblickt er einen Kunstfehler. Angeklagter hätte ruhige Rückenlage anordnen müssen. Die Frau hätte dann weniger Blut verloren. Turch den starken Blutverlust sei die Frau an der Gesundheit geschädigt worden. Als gewissenhafter Heilkundiger hätte der Angeklagte zu einem Arzt schicken müssen, darin erblicke er einen Kunstfey'er. Dr. Koch und Dr. Obermeier halten die Sitzbäder von kurzer Dauer für sehr gut. Dieselben stillen oft Blutungen sehr rasch. Bei der krankhaften Schwangerschaft dränge alles auf Ausstaßung der Mole. Daß die Frau bis zum 9. Juli(bis zux Aus, geblutet, sei nicht Schuld des Angeklagten. Medizinatral Dr. Nünninghoff: Der Angeklagte hätte wohl eine Schwangerschaft erkennen können, was Dr. Obermeier und Dr. Koch verneinen. Der Angeklagte habe sofort Rückenlage anordnen und einen Arzt zu Rate ziehen müssen, der die Schwangerschaft sofort hätte erkennen können. Durch die weiteren läpgeren, Fuzungen sei die Frau an der Gesundheit geschädigt. Sau##### iger hält die Augendiagnose für Unsinn und Schwindel. Der Gerichtshof erkannte auf Verwerfung der Berufung und zwar mit der Maßgabe, als auf eine Geldstrafe von 150 Mark erkannt wurde. Der Angeklagte hätte sich bei genügender Prüfung sagen müssen: Sache ist ernst; es kann der Frau Gesundheit und Leben kosten Derselbe habe sie als sorgfaitiger Heillundiger zum Arzte schicken müssen. Mögen die Mittel oder Sitzbäder auch noch so gut sein, was man dahingestellt sein lasse, er hätte verordnen müssen, daß sich die Frau sofort niederlegen und einen Arzt zu Rate ziehen solle. Die wochenlangen Blutungen wären verhindert worden und der Verlauf hätte sich weit günstiger gestaltet. Hier mußte er die Grenze seines Könnens sehen, und weil er sie nicht befolgt, habe er fahrlässig gehandelt. Bei der Strafzumessung sei zu erwägen der enorme Schaden, den der Angeklagte habe anrichten konnen, namentlich da der Angeklagte keine grundliche Ausbildung genossen habe.— Gegen das Urteil wird, wie uns von Herrn Kuper mitgeteilt wird, Revision eingelegt. Der Schrecken sämtlicher Villenbesitzer in Remscheid waren 5 Burchen, welche sämtlich erheblich vorbestraft sind, und von denen der jüngste kaum den Kinderschuhen entwachsen ist. Die Gesellschaft brach in den Nächten vom 28. August bis Anfang September hintereinander viermal in die zu dieser Zeit unbewohnte Schmitzsche Villa ein, stellten hier alles auf den Kopf und ließen alle nur auffindbaren Kleidungsstücke sowie Wäschegegenstände mitgehen, die einen großen Wert hatten. Schließlich jelang es der Polizei, die gefährliche Gesellschaft, während sie in einer neuen Villa„tatig“ war, festzunehmen. Das Gericht verurteilte zwei der Diebe zu je 18 Monaten, weiter zwei zu je einem Jahre, den Anführer und Jüngsten der Gesellschaft zu 3 Jahren Gefängnis. Ein Geisterspuk=Prozeß. Wegen Betruges angeklagt war der Kunstmaler und Kaufmann Ernst Bergmann, der fruhere Mitinhaber der kosmetischen Fabrik der Bombastus=Werke in V### schappel. Nach mehrtägiger Verhandlung wurde am Sonnabend von der Strafkammer in Dresden folgendes Urteil gefällt: Der Angeklagte Bergmann wird wegen einfachen Bankrotts zu zwei Monaten Gefangnis verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden. Von der Anklage des Betruges wird der Angeklagte freigesprochen.— Eine rapide Erhöhung erfahren die Kosten, die für die modernen Schiffskolosse aufgewendet werden. Wie der Pariser „Matin“ meldet, sollen nach dem Ergebnis der gegen das frühere französische Panzerschiff„Jéna" veranstalteten Schießversuche Fachleute zu der Ueberzeugung gelangt, sein, daß, die künftigen franzosischen Dreadnoughts eine uberau gleichmaßigen Widerstand leistende Bepanzerung, einen Panzerschutz für alle großkalibrigen Geschütze, große Munitionsvorräte und einen Gehalt von 22- bis 23000 Tonnen besitzen müssen. Der Preis für ein solches Panzerschiff würde mindestens 35 Millionen Franken betragen, wahrend für die gegenwärtig ihrer Vollendung entgegengehenden Panzer nur 48 Millionen Franken vorgesehen Geisteskrank infolge von Soldatenmißhandlung. Aus Hanver wird dem„B. T. geschrieben: Durch die schweren Soldatenmißhandlungen, die sich am 1. Pfingsttage im Munster Lager ereigneten, verfiel einer der Gemißhandelten, der Musketier Fischer von der 10. Kompagnie des Inf.=Reg. Nr. 92, in Mißhandlungen beschäftigten am Donnerstag das Oberkriegsgericht des 10. Armeekorps als Berufungsinstanz. Es handelte sich bei dem Vorfall um Mißhandlungen von Rekruten durch„alte Leute“, wie sie leider vielfach an der Tagesordnung sind. Die Relruten Bethel und Fischer sollten sich gegen„alte Leute" vergangen haben und verprugelt werden. Am Abend des ersten Pfingsttages, als die Leute aus der Wirtschaft angetrunken nach Hause kamen, wurde das Strafgericht vollzogen. uis Täter wurden die Musketiere Ritterbusch, Timme und Flügge ermittelt. Alle drei wurden vom Kriegsgericht der schweren ververletzung für überführt erachtet und zu hohen Gerafen bei urteilt. Ritterbusch erhielt zwei Jahre, Timme ein Jahr elf Monate und Flügge zwei Jahre einen Monat Gefängnis. Der Stubengefreite Biethaus wurde zu vier Wochen Mittelarrest verurteilt, weil er die Tat nicht verhindert hatte. Gegen das Urteil legten die Angeklagten Berufung ein, bleichzeitig wurde aber auch vom Gerichtsherrn wegen zu geringen Strafmaßes Berufung erhoben. Zur Entschuldigung machten die Angeklagten auch geltend, daß sie von dem Unteroffizier Dietrichs zu der Mißhandlung angestiftet seien. Oberarzt Dr. Mönkemüller teilte mit, daß sich der Zustand des Fischer soweit gebessert hat, daß eine Heilung nicht ausgeschlossen erscheint. Immerhin wird Fischer wahrscheinlich dauernd minderwertig bleiben. Das Oberkriegsgericht hielt die Angeklagten Timme und Flügge nicht der schweren Mißhandlung des Fischer für überführt und kam auch im allgemeinen zu einer milderen Beurteilung der Straftaten. Das Urteil lautete gegen Ritterbusch auf ein Jahr drei Monate, gegen Timme auf sieben Monate 28 Tage und gegen Flügge auf zehn Monate 14 Tage Gefängnis. Der Gefreite Biethaus erhielt drei Wochen Mittelarrest. Abermals große Unterschlagungen Kreditbank. Frankfurt a. M., 1. Nov. Vei der Mat#eldeutschen Kreditbank in Frankfurt sind heute große Unterschlagungen entdeckt worden. Man stellte zuerst fest, daß der Fehlbetrag sich auf 300000 Mk. belaufe, doch stieg die Summe bei der Kontrolle schnell höher. Gegen 7 Uhr abends hatte sie bereits die Höhe von 700000 Mk. erreicht. Der Defraudant ist der Bankbeamte Harry Willhardt, erster Kassierer am offenen Depot. Er hat seine Unterschlagungen dadurch zu verbergen gewußt, Haß er die Unterschriften von Privatkunden fälschte. Vor### Wochen wurde er auf einen anderen Posten gesteut und dadurch kamen seine Manipulationen an den Tag. Willhardt wurde heure mittag verhaftet. Ein Teil der veruntreuten Summe ist durch Versicherung gedeckt. Die Mitteldeutsche Kreditbank wurde erst vor einem Jahre das Opfer des Depotverwalters Goldermann, der annähernd eine Million Mark unterschlagen hatte. Die Verwaltung verzichtete damals auf ihre Tantiemen und zahl die Tantiemen vom vorhergehenden Jahre im Gesamtbetrage von 600000 Mk. an die Bank zurua, um den Ausfall zu decken. Trotzdem die Kontrolleinrichtungen seit dieser Zeit außerordentlich verschärft wurden, ist es Willhardt doch gelungen, diese Riesensumme zu unterschlagen. Der Defraudant ist 34 Jahre alt und in Frankfurter Lebemännerkreisen urter dem Namen der„süße Harry eine wohlbekannte Erscheitung. Er haltseinen Namen durch seine unsinnig vohen Witten am Totalisator, und warf in den fashionablen Restaurams und Bars, in denen er Stammgast war, mit 1000=Marncheinen um sich. Auch seine Beziehungen zu Damen der Halbwelt, dit ein kleines. Beze mögen verschlangen, waren allgemein bekannt. Unbeglen##ch es, daß die Bankverwaltung von diesen Vorgängen keine Kenntnis hatte. Die Erregung ist natürlich in Fiankfurt sehr stark. Die Untersuchung über die Höhe der verumrenten Summe ist noch nicht abgeschlossen. Ein schlagfertiger Diener Gottes. Eine„schlagenden" Beweis christlicher Duldsamkeit und Nächsteniebe gab am Mittwoch(27. Oktober) abends auf dem Würburger Bahnhof der Pfarrer Schmitt aus Escherndorf, einem Orte in der Nage Aus eigener Unachtsamkeit stolperte er über einige auf dem Bahnsteig liegende Gepäckstücke. Darauhin versetzte er dem neben dem Gepäcke stehenden Hoteldiener unige schallende Ohrfeigen. Die anwesenden Zeugen des Voralles waren über die Unverfrorenheit dieses„geistlichen Moralwedigers“ und Gottesdieners sehr frappiert. Die Feststellung der Personalien des Pfarrers war ungemein schwierig, da er stets ausriß und nicht zu bewegen war, seinen Namen anzugebei. Erst durch polizeiliche Hilfe und Androhung der Verhafting konnte die Person des rabiaten Herrn festgestellt werden. hierzu mußte er förmlich aus dem Abteil herausgeholt werden. Folgen des Alkohols. Tann(Els.), 1 Niv. Der dem Trunke ergebene Gutspächter Söhnlein in Bitschweilfr hat gestern abend im Streite seinen 24jährigen Sohn erschosse. Vorsitzende aus: Der ruges angeklagt. Der r. Geisterkundgebungen des Gerichtshofes bat von Geistern gehandelt. rden, daß es von vornienen sind. Von etwas Die Frage, ob er das getan hat, ist nach dem oöllig aufgeklärt. Der cht möglich ist, daß der etäuscht hat. Der Geob die anderen Tatsind. Es ist zweifelhaft, Die Beteiligten wissen sie Gelder hergaben, ob umt ferner in Beträcht, canlagte Person ist, die nicht bewußt war. Aus rteilung nicht eintreten. essen worden, weil die Betracht gezogen wurde. ck, 1. Nov. Die Klage Amtes Ahrensboek gegen ing von alten dänischen in worden. Die Klage Rillionen handelte. Die fahre alten Schulknaben die im Sommer dieses ße Steine auf die Eisenzug zux Entgleisung zu r in Hohensalza zu je Kosten, die für die erden. Wie der Pariser sis der gegen das frühere nstalteten Schießversuche sein, daß die künftigen II gleichmäßigen Widernzerschutz für alle großorräte und einen Gehalt sen. Der Preis für ein 65 Millionen Franken ihrer Vollendung entnen Franken vorgesehen ißhandlung. Aus HanDurch die schweren SolPfingsttage im Munster nißhandelten, der Muskees Inf.=Reg. Nr. 92, in Donnerstag das OberBerufungsinstang. Es handlungen von Rekruten ich an der Tagesordnung r sollten sich gegen„alte werden. Am Abend des er Wirtschaft angetrunken icht vollzogen. Als Täter Timme und Flügge ergericht der schweren Körid zu hohen Strafen verre. Timme ein Jahr elf Monat Gefängnis. Der ier Wochen Mittelarrest dert hatte. gten Berufung ein, gleichherrn wegen zu geringen Entschuldigung machten von dem Unteroffizier stet seien. Oherarzt Dr. Zustand des Fischer soweit ausgeschlossen erscheint. ch dauernd minderwertig die Angeklagten Timme en zui einer lautete gegen Ritterbusch imme auf sieben Monate onate 14 Tage Gefängnis. sochen Mittelarrest. ech. bei der Mitteldeutschen Nov. Bei der Mittelsind heute große Unterse zuerst fest, daß der Fehlh stieg die Summe bei der r abends hatte sie bereits Defraudant ist der Bankrer am offenen Depot. Er verbergen gewußt, daß er sälschte. Vor drei Wochen zestellt und dadurch kamen Willhardt wurde heure ntreuten Summe ist durch sche Kreditbank wurde erst otverwalters Goldermann, unterschlagen hatte. Die hre Tantiemen und zahlte Jahre im Gesamtbetrage um den Ausfall zu decken. it dieser Zeit außerordentsardt doch gelungen, diese Defraudant ist 34 Jahre kreisen urter dem Namen e Erscheitung. Er hatte bohen Witten am TotaliRestaurans und Bars, in Karlscheinen um sich. Auch bwelt, die ein kleines Verbekannt. Unbegreiflich ist en Vorgängen keine Kenntch in Fiankfurt sehr stark. r verunrenten Summe ist Einm„schlagenden" Beächsteniebe gab am MittWürpurger Bahnhof der einem Orte in der Nähe rte er über einige auf dem Darauhin versetzteer dem ener inige schallende OhrVoralles waren über die loralwedigers" und Gottesllung der Personalien des aer stets ausriß und nicht ugebei. Erst durch polizeihafting konnte die Person n. hierzu mußte er förmerden. s.), 1 Niv. Der dem Trunke itschpeillr hat gestern abeno Briefkasten der Redaktion. F. B., Spenge. Es ist richtig, was S. gesagt hat. Lassen Sie sich aber deshalb keine grauen Haare wachsen, so etwas gehört ja zum täglichen Brot einer sozialdemokratischen Zeitung. Oeynhausen. Kartell Das Geld ist wohl für die streikenden Schweden gesammelt? Aus Ihrer Quittung ist das nicht zu ersehen. Kl., Salzuflen. Nicht in unseren Besitz gelangt. Wir wissen nichts davon. Briefkasten der Expedition. Salzuflen. Uns ist nichts bekannt, daß die Zeitungen in letzter Zeit öfter zu spät eingetroffen sind. Sie müssen uns bei Beschwerden immer die betreffenden Tage angeben. Meit„oft“. und„in letzter Zeit“ können wir nichts anfangen, die Post verlangt genaue Angabe. 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