Adonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. (GechOrgan der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Wieleseld. 226. Bielefeld, Dienstag, 28. September 1909. 20. Organisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. auf dem Parteitag in Leipzig. Parteiangehörigkeit. § 1. Zur Partei gehört jede Person, die sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt und Mitglied der Parteiorganisation ist. Gliederung. § 2. Die Grundlage der Organisation bildet für jeden Reichstagswahlkreis der Sozialdemokratische Verein, dem jeder im Wahlkreis wohnende Parteigenosse als Mitglied anzugehören hat. Umfaßt ein Ort mehrere Reichstagswahlkreise, so kann die Zugehörigleit zu den einzelnen Wahlkreisorganisationen mit deren Zustimmung örtlich geregelt werden. Erstreckt sich der Reichstagswahlkreis über mehrere Orte, so kann an jedem Ort ein Ortsverein des Sozialdemokratischen Vereins gebildet werden. § 3. Die Sozialdemokratischen Vereine schließen sich zu Bezirksverbänden, sowie zu Landesorganisationen zusammen, denen die selbständige Führung der Parteigeschäfte nach eigenen Statuten obliegt, diese Statuten dürfen nicht mit dem Organisationsstatut der Gesamtpartei im Widerspruch stehen und sind innerhalb einer Woche dem Parteivorstand einzureichen. In gleicher Frist haben die Vorstände ihre Wahl dem Parteivorstande mitzuteilen. § 4. Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, müssen diese eine Vertretung im Vorstand gewähren. Die weiblichen Vorstandsmitglieder haben im Einvernehmen mit dem Gesamtvorstand vornehmlich die Frauenagitation zu betreiben. § 5. Die Festsetzung der Mitgliederbeiträge ist den Bezirksverbänden und Landesorganisationen überlassen. Der monatliche Mindestbeitrag muß jedoch für männliche Mitglieder 30 Pfg. und für weibliche Mitglieder 15 Pfg. betragen. Mindestens 20 Prozent der erhobenen regelmäßigen Mitgliederbeiträge sind an die Zentralkasse abzuführen. Der Parteivorstand kann den Wahlkreisen mit Zustimmung des Vorstandes der Bezirks= oder Landesorganisation einen über 80 Prozent dieser Einnahmen hinausgehenden Betrag zur Eigenverwendung überlassen. Berichterstattung. § 6. Das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen läuft vom 1. Juli bis 30. Juni. Die Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Vereine haben alljährlich bis zum 15. Juli dem Parteivorstande Bericht zu erstatten. Der Bericht ist nach einem Fragebogen des Parteivorstandes zu geben und muß mindestens enthalten Angaben über Art und Umfang der entfalteten Agitation, die Zahl der im Wahlkreise organisierten Parteigenossen, die Höhe des von den Mitgliedern erhobenen Parteibeitrages, die Summe der gesamten Einnahmen, die Art der Verwendung der dem Wahlkreise verbliebenen Gelder. Den gleichen alljährlichen Bericht über ihre Tätigkeit und die Verwendung der ihnen vom Parteivorstande überwiesenen Gelder haben die Vorstände der Bezirksverbände und Landesorganisationen zu erstatten. Parteitag. § 7. Der Parteitag bildet die oberste Vertretung der Partei. Zur Teilnahme an ihm sind berechtigt: 1. Die Delegierten der Partei aus den einzelnen Reichstagswahlkreisen. Die Wahl der Delegierten erfolgt nach Maßgabe der Mitgliederzahl. Es können gewählt werden: In Wahlkreisen bis 1500 Mitglieder ein Delegierter, bis 3000 zwei, bis 6000 drei. bis 12000 vier. bis 18000 fünf und über 18000 sechs Delegierte. Die Vertretung richtet sich nach der vom Parteivorstand auf Grund der nach§ 5 abgeführten Beiträge festgestellten Mitgliederzahl. Wo mehrere Delegierte zu wählen sind, soll unter den Delegierten möglichst eine Genossin sein. 2. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion. 3. Die Mitglieder des Parteivorstandes und der Kontrollkommissiog, 4. Die vom Parteivorstand berufenen Referenten. Die Mitglieder der Reichstagsfraktion haben in allen die parlamentarische und die Mitglieder des Parteivorstandes in allen die geschäftliche Leitung der Partei betreffenden Fragen nur beratende Stimme. Nur beratende Stimme haben auch die vom Parteivorstand hinzugezogenen Vertreter von Parteiinstitutionen. § 8. Der Parteitag prüft die Legitimation seiner Teilnehmer, wählt seine Leitung und bestimmt seine Geschäftsordnung. Zur Giltigkeit der Beschlüsse des Parteitags ist die absolute Mehrheit der stimmberechtigten Anwesenden erforderlich. § 9. Alljährlich findet ein Parteitag statt, der von dem Parteivorstande einzuberufen ist. Hat der vorhergehende Parteitag über den Ort, an welchem der nächste Parteitag stattfinden soll, keine Bestimmung getroffen, öder kann in dem vom Parteitag bestimmten Ort der Parteitag nicht tagen, so hat der Parteivorstand gemeinsam mit der Kontrollkommission den Ort zu bestimmen. § 10. Die Einberufung des Parteitages muß spätestens vier Wochen vorher mit der vorläufigen Tagesordnung im Zentralorgan der Partei veröffentlicht werden. Diese Veröffentlichung ist mindestens dreimal in angemessenen Zwischenräumen zu wiederholen. Anträge der Parteigenossen für die Tagesordnung des Parkeitages sind dem Parteivorstande einzureichen, der sie spätestens drei Wochen vor dem Parteitag im Zentralorgan der Partei zu veröffentlichen hat. § 11. Zu den Aufgaben des Parteitages gehören: A. Entgegennahme der Berichte über die Geschäftstätigkeit des Parteivorstandes und der Kontrollkommission, sowie über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstagsabgeordneten. 2. Die Bestimmung des Ortes an dem der Parteivorstand seinen Sitz zu nehmen hat. 3. Die Wahl des Parteivorstandes und der Kontrollkommission. 4. Die Beschlußfassung über die Parteiorganisation und alle das Parteileben berührenden Fragen. 5. Die Beschlußfassung über die eingegangenen Anträge. §§ 12. Ein außerordentlicher Parteitag ist einzuberufen: 1. auf einstimmigen Beschluß des Parteivorstandes; 2. auf einstimmig gestellten Antrag der Kontrollkommission; 3. auf Antrag von mindestens 10 Vorständen der Bezirksoder Landesorganisationen. Falls der Parteivorstand sich weigert, einem nach Ziffer 2 oder 3 gestellten Antrage stattzugeben, ist der Parteitag von den Antragstellern zu berufen. Als Versammlungsort eines außerordentliches Parteitages ist ein geographisch möglichst günstig gelegener Ort zu bestimmen. § 13. Die Einberufung des außerordentlichen Parteitages muß spätestens 14 Tage vorher im Zentralorgan der Partei in wenigstens drei aufeinanderfolgenden Nummern mit Angabe der Tagesordnung veröffentlicht werden. Anträge der Parteigenossen sind spätestens 5 Tage vor der Abhaltung des Parteitages im Zentralorgan zu veröffentlichen. „Im übrigen gelten für die außerordentlichen Parteitage dieselben Bestimmungen wie für die ordentlichen Parteitage(§§ 7 und 8.) Parteivorstand. § 14. Die Zahl der Mitglieder des Parteivorstandes wird vom Parteitag bestimmt. Der Parteivorstand besteht aus zwei Vorsitzenden, einem Kassierer, den Schriftführern und drei Beisitzern, unter denen eine Vertreterin der Genossinnen sein muß. Die Mitglieder des Parteivorstandes sind berechtigt, sich gegenseitig zu vertreten. Die Wahl der Vorsitzenden, des Kassierers, der Schriftführer und der Vertreterin der Genossinnen erfolgt durch den Parteitag mittels Stimmzettel in einem Wahlgange und nach absoluter Mehrheit.„Hat ein Kandidat die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen nicht erhalten, so findet Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten statt, auf die die meisten Stimmen gefallen sind. Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. Die Wahl der übrigen zwei Beisitzer erfolgt durch die Kontrollkommission. Nach erfolgter Wahl hat der Parteivorstand seine Konstituierung vorzunehmen und sie im Zentralorgan der Partei zu veröffentlichen. § 15. Scheidet ein Mitglied des Parteivorstandes vorzeitig aus, so hat die Kontrollkommission eine Ersatzwahl vorzunehmen. „§ 16. Die Mitglieder des Parteivorstandes können für ihre Tätigkeit eine Besoldung beziehen, deren Höhe durch den Parteitag festgesetzt wird. § 17. Der Parteivorstand verfügt nach eigenem Ermessen über die vorhandenen Gelder. Der Parteivorstand oder die Kontrollkommission können durch keinerlei Rechtsgeschäfte die einzelnen Parteigenossen oder die Partei verbindlich machen. Auch erwirbt kein Parteigenosse oder ein anderer durch Verträge mit dem Parteivorstande oder der Kontrollkommission ein klagbares Recht gegen diese oder ihre Mitglieder. § 18. Kein Parteigenosse hat ohne ausdrücklichen Beschluß des Parteitages ein klagbares Recht, die Geschäftsbücher oder Papiere des Parteivorstandes, der Kontrollkommission oder der Partei einzusehen oder sich aus ihnen Abschriften oder Auszüge anzufertigen oder eine Auskunft oder Uebersicht über den Stand des Parteivermögens zu verlangen. Hierdurch wird das Recht der Delegierten, während der Tagung des Parteitages Einsicht in die Bücher zu nehmen, nicht berührt. § 19. Der Parteivorstand besorgt die Parteigeschäfte und kontrolliert die prinzipielle Haltung der Parteiorgane. Der Parteivorstand entscheidet über Differenzen, die sich bei der Aufstellung von Reichstagskandidaturen zwischen der Organisation eines Wahlkreises und dem Bezirksverband oder der Landesorganisation ergeben. Bei wichtigen, die Gesamtpartei berührenden Fragen hat der Parteivorstand die Vorstände der Bezirks= oder Landesorganisationen gutachtlich zu hören, oder eine Konferenz ihrer Vertreter zu veranstalten. Kontrollkommission. § 20. Zur Kontrollierung des Parteivorstandes sowie als Berufungsinstanz für Beschwerden über den Parteivorstand wählt der Parteitag eine Kontrollkommission von neun Mitgliedern. Die Wahl erfolgt nach einfacher Mehrheit. Bei gleicher Stimmenzahl entscheidet das Los. Zur Leitung ihrer Geschäfte wählt die Kontrollkommission einen Vorsitzenden. der Ort und Zeit der Sitzungen bestimmt, someit die Kontrollkommission nicht darüber beschließt. Die Kontrolle muß mindestens vierteljäprlich einmal stattfinden. Alle Einsendungen für die Kontrollkommission sind an den Vorsitzenden derselben zu richten, der seine Adresse im Zentralergan der Partei mitzuteilen hat. Auf Antrag der Kontrollkommission oder des Parteivorstandes finden gemeinsame Sitzungen statt. Zentralorgan der Partei. § 21. Zentralorgan der Partei ist der„Vorwärts“, Berliner Volksblatt. Die offiziellen Bekanntmachungen sind an hervorragender Stelle des redaktionellen Teiles zu veröffentlichen. § 22. Zur Kontrolle der prinzipiellen und taktischen Haltung des Zentralorgans sowie der Verwaltung desselben wählen die Parteigenossen Berlins und der Vororte eine Preßkommission, die aus höchstens zwei Mitgliedern für jeden beteiligten Reichstagswahlkreis bestehen darf. Die Preßkommission entscheidet in Gemeinschaft mit dem Parteivorstande über alle Angelegenheiten des Zentralorgans, insbesondere über Anstellung und Entlassungen im Personal der Redaktion und Expedition. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parteivorstand und der Preßkommission entscheiden die Kontrollkommission, der Parteivorstand und die Preßkommission in der Art mit gleichen Rechten, daß jedes dieser drei Organe eine Stimme hat. Ausschluß § 23. Zur Partei kann nicht gehören, wer sich eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms oder einer ehrlosen Handlung schuldig macht. Auch kann der Ausschluß eines Mitgliedes erfolgen, wenn es durch beharrliches Zuwiderhandeln gegen Beschlüsse seiner Parteiorganisation oder der Parteitage das Parteiinteresse schädigt. Ueber die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet der Vorstand der zuständigen Bezirks= oder Landesorganisation. Der Ausschluß darf nur von einer Parteiorganisation(Ortsoder Wahlkreisorganisation)— mit Zustimmung des Angeschuldigten auch vom Vorstand der Parteiorganisation— beantragt werden. Die Zustellung des Beschlusses und dessen eventuelle Bekanntgabe erfolgt durch den Bezirks- oder Landesvorstand. § 24. Gegen die Entscheidung des Vorstandes der Bezirksoder Landesorganisation können die Beteiligten innerhalb vier Wochen nach Zustellung des Beschlusses beim Parteivorstand die Einsetzung eines Schiedsgerichts beantragen. Das Schiedsgericht besteht aus sieben Personen. Je drei Beisitzer wählt der Angeschuldigte und die antragstellende Organisation, wobei die Auswahl auf die Parteigenossen des Bezirksverbandes zu beschränken ist, dem der Angeschuldigte angehört. Den Vorsitzenden bezeichnet der Parteivorstand. Unterläßt es der Angeschuldigte, innerhalb einer vom Parteivorstand zu bestimmenden Frist, die mindestens vier Wochen betragen muß, Schiedsrichter zu ernennen, so gilt er ohne weiteres als ausgeschlossen. Die Zustellung des schriftlichen Urteils sowie dessen eventuelle Bekanntgabe erfolgt durch den Parteivorstand. §.25. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Beteiligten die Berusung an den nächsten Parteitag zu. Die Berusung muß spätestens vier Wochen nach Zustellung des Urteils dem Parteivorstand eingereicht sein. § 26. Der Ausschluß aus der Partei in Fällen des§ 23 Absatz 1 darf nur im Wege des vorstehend festgesetzten Verfahrens erfolgen. Alle Instanzen sind berechtigt, sofern sie nicht dauernden Ausschluß aus der Partei aussprechen, auf zeitweise Ausschließung von Vertrauensämtern zu erkennen und Rügen zu erteilen. Auch gegen diese Entscheidungen steht den Beteiligten das Recht der Berusung zu. Das Recht der Organisationen, auch ohne Ausschlußantrag eine Untersuchungskommission gegen ein Mitglied einzusetzen, wird durch vorstehende Bestimmungen nicht berührt. § 27. Mit dem Tode, dem Austritt oder der Ausschließung aus der Partei verliert der frühere Parteigenosse jedes Recht, das er etwa gegen die Partei, gegen den Parteivorstand, gegen die Kontrollkommission oder gegen einzelne Parteigenossen aus seiner Parteimitgliedschaft erworben hat. Wiederaufnahme. § 28. Der Antrag auf Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen ist an den Vorstand der Bezirks= oder Landesorganisation des Wohnortes des Ausgeschlossenen zu richten. Vor der Entscheidung ist die Organisation, die den Ausschluß beantragt hatte, zu hören. Gegen diese Entscheidung steht dem Antragsteller sowohl wie der Organisation. die den Ausschluß beantragt hatte, Berufung an den nächsten Parteitag zu. Die Berufung ist so zeitig beim Parteivorstand anzumelden, daß sie mit den übrigen an den Parteitag gestellten Anträgen veröffentlicht werden kann. Abänderung der Organisation. § 29. Aenderungen an der Organisation der Partei konnen nur durch einen Parteitag vorgenommen werden. Anträge auf Abänderung der Organisation können nur beraten werden, wenn sie innerhalb der Fristen, die die§§ 10 und 13 vorschreiben, veröffentlicht worden sind. Eine Abweichung von der letzten Bestimmung ist nur dann zulässig, wenn mindestens drei Viertel der anwesenden Vertreter auf einem Parteitag sich für die Abweichung entscheiden. § 30. Die neuen Bestimmungen im§ 5 treten am 1. April 1910 und die übrigen Bestimmungen dieses Statuts am Tage der Veröffentlichung in Kraft. Politische Die preußischen Finanzen und die Reichsfinanzreform. Im Januar nächsten Jahres werden die Finanzergebnisse des Jahres 1908 für Preußen feststehen und bekannt gemacht werden können. Der Finanzminister, Frhr. v. Rheinbaben, schätzte den Fehlbetrag am Anfang des laufenden Jahres auf nahezu 200 Millionen Mark. Davon gehen nun aber die ca. 48 Mill. Mark ab, die Preußen an gestundeten Matrikularbeiträgen zu zahlen gehabt hätte, und die infolge der Reichsfinanzreform aus Mitteln der neuen Steuern vom Reiche selbst getragen werden. Der Fehlbetrag wird sich also um rund ein Fünftel vermindern. Die Talonsteuer=Drückeberger. Zwischen dem Reichsschatzamt und den Vertretern jener Aktiengesellschaften, die vor Inkrafttreten des Talonsteuergesetzes rasch noch Zinsbogen hinausgegeben haben, ist eine Einigung erzielt worden. Die Talons werden nicht zurückgezogen und die Steuerquoten werden an den Terminen bezahlt, an denen sie sonst fällig gewesen wären. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß einzelne Aktiengesellschaften Talonbogen auf eine Zeit bis zu 50 Jahren hinaus gegeben hatten. Eine Anzahl anderer Aktiengesellschaften haben an der Konferenz nicht teilgenommen; ihnen soll es freigestellt werden, dem mit den anderen Aktiengesellschaften getroffenen Abkommen beizutreten. Weigern sie sich, das zu tun, dann soll dem Reichstage eine Gesetznovelle zugehen, durch die sie zur nachträglichen Steuerleistung gezwungen werden können. Zur Einigung der Linksliberalen, die auf dem Parteitag in Heidelberg beschlossen werden soll. hat als Grundloge der handlungen der volksparkeiliche Führer Konrad Haußmann „Thesen verfaßt, die allerdings inhaltlich sehr wenig besa Haußmann weist einleitend darauf hin, daß das volitische Le gen. leben Wentschlard wehr part:..4. Vin,aß, das politiche Leven in Deutschlund mehr parkeipolitische Klarheit und kompaktere Parteieinheiten fordere. Angesichts der straffen Organisation der müsse auch der demokratische Liberalismus eine geschlessene gartei bilden. Ein gemeinsames Programm sei schon beshals möglich, weil alle politischen Forderungen von den drei Parteien inhaltlich fast völlig gleichmäßig vertreten werden, und weil sachlich ein derartiges Programm bereits vorhanden sei. Sodann stellt Haußmann folgende Grundsätze auf: Alle etwaigen persönlichen Verstimmungen aus früheren Kämpfen, alle Führerschaftswünsche müssen zurückgestellt werden, man solle vor allem daran denken, daß Selbsterhaltung stärke. Wo bisher mehrere Organisationen an einem Orte bestanden haben, gliedert sich die kleinere zweckmäßig in die größere ein. Eine bloße Verständigung für die nächsten Wahlen genuge nicht. Zum Schlusse heißt es:„Alle Dinge haben ihre zwei Seiten, und auch in der einen Volkspartei werden uns weder Reibungen noch Mühen erspart sein. Aber die Vorteile überwiegen alle etwaigen Nachteile und darum: mit Zuversicht vorwärts. Die Luxemburger schlucken auch die Zündholzsteuer. Es wird berichtet, daß die luxemourgische Deputiertenkammer eine dem veulschen Gesetz über Zündwaren= und Beleuchtungskörpersteuer entsprechende Regierungsvorlage mit 20 gegen 13 Stimmen angenommen hat. Keine Differenzen im Reichskolonialamt. Die„RheinischWestfälische Zeitung" hatte mitgeteilt, daß Herr Dernburg an Stelle des Herrn Ballin Generaldirektor der Hapag werden solle, um einen angeblichen Lieblingswunsch des Kaisers, die Hapag mit dem Norddeutschen Lloyd zu vereinigen, in Erfüllung zu bringen. Unterstaatssekretär Stemrich aus dem Auswärtigen Amt sollte an die Stelle Dernburgs treten, Herr v. Lindequist aus dem Kolonialamt in die Diplomatie hinübergenommen werden und seine Stelle sollte mit dem Gouverneur v. Rechenberg besetzt werden.— Diese Meldung klang von vornherein völlig unwahrscheinlich und sie wird nun auch in aller Form von der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ dementiert. Das Organ der Regierung erklart, zu der Erklärung ermächtigt zu sein, daß diese ganzen Angaben in das Reich der Fabel zu verweisen sind. Nachwahl in Halle=Saalkreis. Bei der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl in Halle a. S. werden die bürgerlichen Parteien der Sozialdemokratie in voller Geschlossenheit gegenüberstehen. Nachdem die Konservativen sich bereits fur die freisinnige Kandidatur erklärt haben, hat nunmehr auch der Bund der Landwirte und die Mittelstandsvereinigung beschlossen, mit aller Energie für den Freisinnigen einzutreten, um einen Sieg der Sozialdemokraten zu verhindern. Uns kann diese Wahltaktik unserer Gegner nur willkommen sein, sie werden das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung damit erreichen. Was in der Wählerschaft noch wirklich liberal denkt, wird durch die konservative Bundesgenossenschaft von den Freisinnigen abgeschreckt werden. Hinter den Kulissen der konservativen Partei. Der aus der konservativen Partei ausgeschiedene Parteisekretär Brehm wendet sich in der„Frankfurter Zeitung scharf gegen einen Artikel der„Kreuzzeitung“, in dem ihm allerlei Vorwurfe gemacht worden sind. Er erklärt, daß er dieser Tage noch ein sympathisches Schreiben von einem der geschäftsführenden Ausschußmitglieder erhalten habe, worin er gebeten wird, weitere Auseinandersetzungen zu unterlassen. Herr Brehm erklärt demgegenüber, daß er ein solches Versprechen nicht geben könne, und wenn noch einmal ein so niederträchtiger und dummer Artikel gegen ihn veröffentlicht werde, als wie jetzt in der„Kreuzztg.“, so werde er ganze Arbeit machen und den Verlauf des Kampfes zwischen Anhängern und Gegnern der Erbanfallsteuer innerhalb der konservativen Partei in allen Einzelheiten dokumentarisch darstellen. Vom Bierkriege. In 7 Volksversammlungen wurde Freitag abend in Frankfurt a. M. zum Bierkriege Stellung genommen. Die Versammlungen waren sämtlich überfüllt. Zum Teil standen die Leute bis auf die Straße hinaus. In fast allen Versammlungen wurde mit großer Mehrheit eine Verschärfung des Bierboykotts beschlossen, also gegen den Vorschlag der Kommission. Es wurde beschlossen, den Biergenuß vollstandig einzustellen und weder Bier zum alten Preise, noch solches, das von auswärts eingeführt wird, zu trinken. Nur in einer Versammlung in Sachsenhausen, in der die Mehrheit der Versammlungsteilnehmer aus Brauern bestand, wurde die Aufhebung des Bierboykotts beschlossen.— Die Frankfurter Brauereien wollen nächsten Montag eine größere Anzahl von Brauereiarbeitern— man spricht von 220— aussperren. Weitere Aussperrungen werden angedroht. Im ganzen sind in Frankfurt etwa 1600 Brauereiarbeiter beschäftigt. Der Bierkrieg ist in Dortmund in eine neue Phase getreten. Die Brauereien haben mehreren an den großen industriellen Werken gelegenen Wirten die Lieferung des Bieres entzogen, weil die Wirte zu den alten Preisen verkauften. Der Genuß alkoholfreier Getranke ist in den Wirtschaften hierdurch erheblich gestiegen. Die Wirte haben die Schilder der Brauereien entfernt und dafür Schilder alkoholfreier Getränke angebracht. Blockgedanken. Der Abg. Bassermann hat mehrmals in der Oeffentlichkeit den Gedanken erortert, daß nach Erledigung der Reichsfinanzreform der alte Block wieder aufleben müsse, damit das Zentrum abermals ausgeschaltet werden kann. Bei den Konservativen findet Herr Bassermann allerdings wenig Gegenliebe. Die „Kreuzzeitung“ legt dar, daß der alte Block auf keinen Fall wieder aufleben könne. Die Konservativen haben die Blockpolitik von nationalen Gesichtspunkten aus betrachtet und recht erhebliche parteipolitische Opfer gebracht. Die Liberalen aber haben ausdrücklich erklart, daß sie am Block nur so lange festhalten wollen, als ihnen Vorteile in Aussicht stehen. Die ganze Blockpolitik ist also fortgesetzt auf Kosten der Konservativen und zum Vorteil der Liberalen vetrieben worden.— Höhnend bemerkt die „Kreuzzeitung":„Hat man denn auf der Linken ernsthaft gemeint, ein solcher Block, dessen rechte Hälfte immer nur geben und immer wieder geben sollte, ohne die Linke auch nur annähernd zu befriedigen, oder sie gar zu Gegenleistungen zu veranlassen, könnte von Dauer sein?“ Wenn sich ein ferneres Zusammengehen ermöglichen lassen sollte, so muß dabei der Grundsatz der Gleichberechtigung und Gegenseitigkeit die Grundlage bilden.— An Deutlichkeit läßt diese Absage nichts zu wünschen übrig; die Konservativen geben damit zu erkennen, daß sie durchaus nicht Lust haben, sich wiederum vom Zentrum zu trennen. Schließlich unterbreitet die „Kreuzzeitung" dem Reichskanzler v. Bethmann Hollweg einen dringenden Wunsch: Das konservative Blatt verlangt, daß der Kanzler in sein politisches Arbeitsprogramm den Punkt mitaufnehme: Aufklärung und Beruhigung des Volkes über die Wirkungen der neuen Reichssteuern. Es sei ein absolut unhaltbarer Standpunkt, wenn angenommen werde man müßte sich bei der Rechtfertigung, der neuen Steuern Zurückhaltung auferlegen, weil man damit die von der Regierung bekämpfte Haltung der Konservativen rechtfertige. Das Land bedürfe der Beruhigung, und die politische Gesamtlage der Klärung. Nur auf diese Weise sei es möglich, der sozialdemokratischen Verhetzung entgegenzutreten. ak. Ausgleich und Wahlreform in Böhmen? Die Regierung it dem böhmischen Landtag 5 Gesetzentwürfe, die dem Frieden r kämpfenden Nationen dienen sollen, vorgelegt. Darunter ist n Landtagswahlgesetzentwurf, der zum ersten Male der riesig wachsenen Sozialdemokratie, der stärksten Partei in beiden ationen, eine, wenn auch kümmerliche Vertretung sichern würde. er Landtag, der jetzt 242 Abgeordnete zählt, soll auf 334 gejetzt privilegierten Wählern. Danach würde der Landtag zählen 8 Einzelstimmberechtigte(4 Bischöfe und 4 Rektoren der Hochschulen beider Nationen), 70 Vertketer des Großgrundbesitzes, 92 der Städte, 19 der Handels- und Gewerbekammern, 84 der Land acht werden. Davon sollen aber nur 43 der neu zu schaffenden gemeinen Wahlerkurie, in der alle nicht privilegierten männzemeinen Wählerkurie, in der alle nicht sen Staatsburger von 24 Jahren, die seit einem Fahre am Orte wohnen, wählen sollen, zufallen, 49 aber den bereits Forderung eines Kurienvetos, oas die Deutschen verlangten, blieb unberücksichtigt. Doch sollen Aenderungen der Landesordnung, des Wahlgesetzes und der Geschäftsordnung nur in Anwesenheit von 264 Abgeordneter mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden können. Die Waylkreise sollen national abgegrenzt werden. Der Landesausschuß, die ständige Vertretung des Landtags, soll 5 Tschechen, 3 Deutschen, 2 Großgrundbesitzern; die Ausschüsse aus je 6, 4, 3 Angehorigen der drei Gruppen. Alle Vertreter werden von ihren Kurien gewählt. Für die Verteilung der Referate im Landtag soll, ebenso wie für die Besetzung der Lehrer= und Beamtenstellen bei den einer bestimmten Nation gewidmeten Anstalten die Entscheidung ihrer Vertretung maß gebend sein, im übrigen das Zahlenverhältnis der beiden Nationen nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Zur möglichsten Durchführung. der nationalen Gliederung sollen Kreise als Zwischenstufen zwischen den Bezirken und der Landesverwaltung gebildet werden. Wähler zu den Kreisvertretungen(Kreistag und Kreisausschuß) sollen nur die bisher Privilegierten, im übrigen die Verwaltung möglichst bureaukratisch sein. Die Verwaltungsaufgaben werden zwischen Landesausschuß und Bezirksausschüssen geteilt. Die Festsetzung der Amtssprache wird jeder autonomen Körperschaft(Gemeinde, Bezirk, Kreis) für ihr Gebiet überlassen. Bezirke mit nicht mehr als einem Viertel Anderssprachiger gelten als einsprachige, die anderen als gemischte, ebenso die Landeshauptstadt Prag mit ihrer gewaltigen tschechischen Mehrheit. Eingaben müssen überall in jeder der beiden Sprachen angenommen werden. In zweisprachigen Gebieten sind sie auch so zu erledigen, in einsprachigen in der Amtssprache. Die Aenderung des Wahlgesetzes ist kläglich und wird, ebenso wie der Ausschluß der breiten Massen aus der Vertretung in Bezirk und Kreis, sicher eine gewaltige Volksbewegung hervorrufen. Bereits war eine Deputation der Sozialdemokratie beider Nationen und der Frauenorganisation bei dem Statthalter und dem Landtagsmarschall, um das allgemeine und gleiche Wahlrecht zu verlangen. Im übrigen bedeutet die Vorlage einen ganz beachtenswerten Schritt in der Richtung zum nationalen Ausgleich. So lange Regierung und Parteien sich nicht zu der von unserem Genossen Renner vorgeschlagenen großzugigen Lösung der Frage auf dem Boden der allgemeinen nationalen Kulturautonomie entschließen, wird ein wesentlich anderer als der von der Regierung vorgeschlagene Weg nicht aus den blöden und zerstörenden nationalen Zänkereien herausführen. Freilich dürfte gerade darum die Lösung den nationalen Heißspornen nicht passen. Bereits erklären die fanatischen TschechischNationalen, sie unbedingt abzulehnen. Doch ist die Hoffnung auf einen Ausweg, der allein die bisher von den Deutschen verhinderte Arbeitsfahigkeit des Landrags gewährleisten und damit auch Hoffnung auf ein normales Arveiten des Reichsrats geben würde, nicht ganz von der Hand zu weisen. Wie weit übrigens auch die Deutschnationalen von der Anerkennung der nationalen Ebenbürtigkeit der Völker entfernt sind, beweist, daß ihre steirischen Landtagsabgeordneten die Verlesung einer slowenischen Interpellation mit Lärm aufnahmen — zur gleichen Zeit, wo sie sich im mährischen Landtag mit Recht gegen eine Zurucksetzung ihrer Sprache durch den Landtagsmarschall zur Wehr setzten. Auch hier ist es nur die Sozialdemokratie, die in den Interessen der Ausgebeuteten zugleich die Gerechtigkeit und die Vernunft vertritt. Aufdeckung von Riesenunterschlagungen. Petersburg, 27. Sept. Große Mißbräuche bei den Festungsbauten auf der Kwantunghalbinsel sind aufgedeckt worden. Durch sie sollen die endlosen Mißerfolge des letzten Krieges hervorgerufen worden sein. Das ganze Heer von russischen Armeeingenieuren soll zur Verantwortung gezogen werden, an ihrer Spitze der Chef des Ingenieurkorps General Basilewski. Die Untersuchungskommission unter General Graf Brbrinski hat lange gearbeitet, das umfangreiche Belastungsmaterial zusammenzustellen. Alle bisher vorgekommenen Mißstande in Rußland sollen gegen die Ungeheuerlichkei; dieses Falles verblassen. R. B. Betrogene Betrüger. Je mehr der Wahllampf in Petersburg fortschreitet, desto deutlicher tritt es hervor, daß die russische Verfassungsfrage in den Mittelpunkt der Wahlkampagne getreten ist. Dadurch gewinnt dieser Kampf ein hervorragendes pelitisches Interesse für die gesamte Oeffentlichkeit. Und gerade der Umstand, daß dieser Kampf zwischen den Kadetten und den Sozialdemokraten, zwischen den diplomatisierenden Jesuiten des Liberalismus und den Vertretern des rücksichtslosen Kampfes gegen den Absolutismus ausgefochten wird, verleiht ihm die prinzipielle Klarheit und Tiefe, die allein imstande sind, die unter dem bleiernen Drucke der Reaktion stöhnenden Wählermassen aufzurütteln. Der Führer der Kadettenpartei, Prof. Miljukoff, versuchte vor einigen Tagen auf einer großen Wählerversammlung, die durch seine regierungsfreundlichen Erklärungen in London hervorgerufene allgemeine Entrüstung mit dem Hinweis zu bechwichtigen, daß die offiziellen Vertreter Rußlands bei dieser Gelegenheit zum ersten Male die russische Konstitution anerkannten.„Was bedeutet das?“ rief er pathetisch aus.„Das bedeutet, daß ich in diesem Augenblick berechtigt bin, von dieser Tribüne zu erklären, daß die Selbstherrschaft in Rußland nicht mehr existiert, daß die Macht des russischen Zaren beschränkt ist.“„Herr Vorsitzender, ich vitte, dem Redner das Wort zu entziehen!“ unterbrach ihn hier der anwesende Polizeibeamte und löste, als der Versammlungsleiter gegen sein Verfahren protestierte, kurzerhand die Versammlung auf.„Das ist die Antwort auf Ihre Worte!" ertönten Stimmen aus der Zuhörerchaft.„Das ist der Kampf um die Konstitution!“ entgegnete Herr Miljukoff mit der Unverfrorenheit des Falschspielers, der hinter tönenden Phrasen seine Niederlage verbirgt. Verzweifelt versucht das Leiborgan des Muljikoffs, die Zeitung„Rietsch“, sich aus der Situation herauszulugen.„Die Gegner der Londoner Deklaration P. Miljukoffs, schreibt es,„werden vielleicht einen neuen Anlaß hierin sehen, zu triumphieren Wir entgegnen ihnen vorläufig gemach: Vielleicht haben die Polizeibeamten in Petersburg noch keine offizielle Kenntnis von der russischen Konstitution. Aber die russischen Diplomaten in Paris und London besitzen sie schon allem Anscheine nach.“ Das ist es ja eben!„Eine Konstitution zu dekorativen Zwecken, eine Konstitution zur Düpierung der öffentlichen Meinung Europas besitzt Rußland allerdings, und Herr Miljukoff hat selbst alles Menschenmögliche geleistet, um im Bunde mit den Oktobristen und unter gütiger Assistenz der Vorgesetzten Hartings, Asews und Comp. die europaischen Kreditoren des Zaren irre zu führen und die Geschicke der papiernen Konstitution Rußlands in Lombard=Street zu verankern. Aber im Innern Rußlands herrscht— wie die„Rossija“ sich beeilt hat, offiziös zu erklären — die Selbstherrschaft des Zaren nach wie vor unbeschränkt fort. Die Verfassung, die das Volk vermittels der revolutionaren Generalstreiks im Oktober 1905 dem alten Regime entriß, ist dank dem Verrat der Bourgeoisie zu einer leeren Form ohne konkreten Inhalt geworden. Nur die Kadetten klammern sich noch an diese Form, denn sie haben weder die Kraft noch den Willen, eine Basis für ihre Existenz in den Volksmassen zu suchen. Eine Vermittlerpartei par excellence, scheuen sie sich nicht, die Position der Selbstherrschaft de facto zu stärken und ihr neue Waffen in die Hand zu geben, wenn nur das Wort erhalten bleibt, mit dem sie die Wählermassen an ihre Fahne fesseln. Diese Taktik des zwiefachen Betruges, dieses Lavieren zwischen der Szylla der Reaktion und der Charybdis der Revolution, hat tödlichen Stoß erhalten. Selbst in Kreisen der Wähler, die bisher treu zu der Kadettenpartei standen, macht sich in immer stärkerem Maße das Bedürfnis geltend, an die Stelle itischen Heuchelei und Zweideutigkeit eine offene konsequente olitik zu setzen. Nicht ein Verkleistern der Gegensätze, nicht ein diplomatisches Herumgehen um die brennendsten Fragen der Zeit, sondern eine offene Konstatierung dessen, was ist— das ist die Wahlparole. Die Sozialdemokraten konnen diesen Umschwung nur begrüßen. Wie sie bisher für die Revolutionierung der Köpfe tätig gewesen sind, werden sie auch Spanien. Der Krieg in Marokko. Melilla, 27. Sept. Wie nachträglich berichtet wird, bildet Nador nur noch einen Trümmerhausen; die ganze Stadt ist niedergebrannt. Die Einnahme erfolgte ohne große Verluste, dank einer Kriegslist des Generals Crozko, welcher die Marokkaner vermuten ließ, daß er sich nach Seluan begeve, dann aber plötzlich eine Schwenkung nach Nador machte und alsbald die dortigen Stellungen einnehmen konnte. Die Mehrzahl der Marokkaner hat sich nach Seluan zurückgezogen. Die Zahl der bei Nador stehenden spanischen Truppen belauft sich auf 20000 Mann. Der Vormarsch gegen Seluan steht bevor. Dort is augenblicklich der Kern der marokkanischen Streitkräfte konzentriert. Madrid, 27. Sept. Alle Meldungen stimmen darin überein, daß die Kabylen infolge der letzten erlittenen Schläge gänzlich entmutigt sind und es nicht auf die Erstürmung des Gurugu ankommen lassen wollen, sondern massenweise um Frieden bitten. Eine Drahtung spricht von 4000 Beni Sicar, die kapitulierten. Der ganze Gurugu ist mit weißen Fahnen bedeckt. Aus der Stadt und * Biele eld, 28. September. Zum Branntweinboykott. Trotzdem der Parteitag den Branntweinboykott beschlossen hat und trotzdem wir unsere Leser wiederholt aufgefordert haben, jeden Schnapsgenuß zu meiden, werden sie doch im Inseratenteil unserer Zeitung Annoncen gefunden haben, in denen Branntwein angeboten wird. Wer mit dem Zeitungswesen nicht Bescheid weiß, wird geneigt sein, hier einen Widerspruch zu finden. Er wird vielleicht meinen, wir sollten derartige Inserate nicht mehr aufnehmen. Wir haben aber gar keine Veranlassung, die Aufnahme derartiger Inserate abzulehnen, wenn wir darum ersucht werden. Fur den Textteil der Zeitung allerdings trägt die Redaktion nicht bloß Gerichten und Behörden, sondern auch den Lesern gegenuber die Verantwortung. Sie hat jede Zeile daraufhin zu prüfen, ob sie es verantworten kann, sie den Leiern der Zeitung vorzusetzen Anders beim Inserlatenteil. Ein Inserat wird vor der Aufnahme in die Zeitung nur daraufhin geprüft, ob es einen strafbaren oder unmoralischen Inhalt hat. Im übrigen trägt nicht die Redaktion oder der Verlag, sondern allein der Inserent für den Inhalt einer Anzeige die Verantwortung. Während der redaktionelle Teil der Zeitung, abgesehen von der Mitteilung allgemein interessierender Nachrichten, dazu da ist, die Anschauungen der Sozialdemokratie zu verbreiten, soll der Inseratenteil ein unparteiischer Sprechsaal sein, in dem jeder zum Wort kommt, der die vorgeschriebene Inseratengebühr bezahlt. Die Redaktion der Zeitung hat also mit den Inseraten nichts zu tun. Wenn die Produzenten oder Verkäufer von Branntwein unsere Zeitung trotz des Schnapsboykotts zum Inserieren benützen, so ist das ihre Sache. Aber niemand ist deshalb berechtigt zu glauben, daß er trotz des Parteitagsbeschlusses weiter seinen Schnaps trinken dürfe. Der gleiche Schluß darf auch nicht etwa daraus gezogen werden, daß Unternehmungen der Arbeiterschaft, wie der Bielefelder Konsumverein oder das Restaurant„Stadt Bielefeld“, das dem Metallarbeiterverband gehört, den Schnapsverkauf nicht einstellen. Das sind eben geschäftliche Unternehmungen, die bemüht sein müssen, jede Nachfrage, die innerhalb ihres Geschäftskreises an sie herantritt, auch zu befriedigen. Würden sie anders handeln, so würden sie damit nur erreichen, daß der Bedarf irgendwo anders gedeckt wird. Und damit wäre nichts gewonnen. Sache eines jeden modern denkenden Arbeiters ist es, für die strengste Durchführung der Leipziger Resolution zu sorgen. Kein Tropfen Branntwein, mag er nun Korn, Kognak, Likör oder sonstwie heißen, darf mehr über seine Lippen kommen. Wenn die Arbeiter ihre Pflicht tun, dann wird der Schnapsverkauf nicht nur in den Unternehmungen der Arbeiterschaft, sondern in allen Geschäften, die auf Arveiterkundschaft angewiesen sind, sehr bald aufhören Ein Nachwort zur Gewerbegerichtswahl. Im„Ravensberger“ und den anderen Ablagerungsstätten der sogenannten christlichen Gewerkschaften ist es still geworden. Der Ausfall der Gewerbegerichtswahlen ist schuld daran. Mit tausend Wimpeln eines christlichen Sieges schifften sie aus, die braven christlichen Jünglinge, und auf dem Boote einer einzigen Beisitzerstelle kehren sie um, in den Hafen der christlichen Bescheidenheit. Wir haben das vorausgesehen und auch im gewissen Sinne vorausgesagt. Als nämlich der„Ausschuß fur oziale Angelegenheiten“ zur Förderung sozialpolitischer Wahlen unter dem Vorsitz Wilhelm Wallbaums zusammentrat, da wußten wir, daß Wilhelm Wallbaum die christliche Sache auseinanderorganisieren würde. Und was hatten die Herrschaften unter einer Leitung nicht alles auf die Beine gebracht. Weil's mit den christlichen Gewerkschaften allein nicht mehr langte, mußten alle konfessionellen Vereinigungen Bielefelds aufgeboten werden. Der„Ausschuß für soziale Angelegenheiten“ rief und alle, alle kamen. Was irgend gegen die freien Gewerkschaften aufgeboten werden konnte, wurde an den Wahltisch geschleppt und mußte christlich=national wählen. Und der Erfolg! Die Stimmen der „Christlichen“ und der Konfessionellen, die nach Wallbaum und Genossen seit dem Streik bei Göricke einen so vedeutenden Aufschwung genommen haben sollen, gingen um 189 zurück. Das seugt nicht gerade von der Werbekraft des„christlich"= ionfessionellen Gedankens, wohl aber davon, daß die„Christlichen mit den Behauptungen von der Vermehrung ihrer Anhänger fürchterlich aufgeschnitten haben. Die freien Gewerkschaften dagegen können mit dem Gewinn von 524 Stimmen sehr zufrieden sein. Dieser Gewinn ist um so höher anzuschlagen, als er in einer Zeit des wirtschaftlichen Niederganges erzielt wurde. In den meisten Fabriken ist noch immer nicht die Anzahl der Beschäftigten erreicht, die im Jahre 1906 gezählt wurden. Von anderen Vereinigungen haben die reien Gewerkschaften keine Hilfe zu erhoffen, und wenn sie trotzdem ihre Stimmen um mehrere Hundert steigern konnten, so ist das eben ein erfreulicher Beweis für die Lebensfähigkeit und Festigkeit der Gewerkschaften auch in den Zeiten des wirtschaftlichen Niederganges. Die vom Gewerkschaftskartell unterstützte Liste der Arbeitgeber weist einen Rückgang von 9 Stimmen gegenüber dem Ergebnis von 1906 auf. Diese Tatsache ist zum Teil dadurch zu erklären, daß die im Jahre 1906 wahlberechtigten Arbeitgeber des Schuhmacherberufes inzwischen infolge der Errichtung einer Innung die Wahlberechtigung zu den Gewerbegerichtswahlen verloren haben. Aber dieser Umstand erklärt das Resultat, wie gesagt, nur zum Teil. Es soll nicht verschwiegen werden, daß der Rückgang nicht hätte einzutreten brauchen, wenn alle an einem fortschrittlichen Ausfall der Wahlen interessierten selbstständigen Handwerker und Gewerbetreibenden von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hätten. Der Gewinn eines weiteren Mandats für die Liste I wäre der Erfolg gewesen. chlen. Die Liste I bezeichnet sie als eine Liste der sozialdemokratischen Partei und ihre Kandidaten werden mit Vor- und Zunamen und Wohnung(Straße und Hausnummer) aufgeführt. Die Liste II, die als die der bürgerlichen zartei aufgefuhrt wird, enthält nur die Namen der Kandidaten. Diese unterschiedliche Behandlung in der Veröffentlichung der Listen ist eben nichts anderes, als ein Versuch, die auf der Liste 5 gisseführken Persone Zeitung anzu—röten. Wahrheir bliebe, ließe es ist eine grobe Unwa tische zu bezeichnen. D ewerbegerichtswahlen weiter verraten, daß be seinem politischen Glau aues durfie be fälischen Zeitung" bekar etwas oon einer soziald nur ein neuer Beweis Gradmesser für die 8 gleich. Wir haben nat Weise auch den klein Proben ihrer Leistunger nicht im Unklaren. — Stadttheater. schrieben: Heute geht Kl schlacht“ in Szene. 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Die sozialdemokratische Partei hatte mit den schlacht“ in Szene. Morgen Mittwoch Straußsche Operette„Der Zigeunerbaron“ Gewerbegerichtswahlen absolut nichts zu tun, und wir können weiter verraten, daß bei der Kandidatenaufstellung niemand nach seinem politischen Glaubensbekenntnis gefragt worden ist. durfie bei einigem guten Willen auch der„Westfälischen Zeitung" bekannt sein. Wenn sie trotzdem ihren Lesern etwas von einer sozialdemokratischen Liste vorfabelt, dann ist das nur ein neuer Beweis für ihre schofle Kampfesweise und ein Gradmesser für die Zuverlässigkeit ihrer Berichterstattung zualeich. Wir haben natürlich nichts dagegen, wenn sie auf diese Weise auch den kleinen Gewerbetreibenden und Handwerkern Proben ihrer Leistungen vorsetzt. Ueber den Erfolg sind wir uns nicht im Unklaren. ..— Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns gegeht Kleists gewaltiges Drama„Die Hermannsin Szene. Morgen Mittwoch wird die Johann gegeben. An diesem Franz Schuler vom kay zum ersten Male sor das hiesige Publikum. Die Partie der Saffi singt Fräulein Verrya Massary. Die nächste Aufführung von„Ein Walzertraum“ findet am Freitag statt. .= Polizeibericht. Ballonwettfliegen. Vom 1. bis 3. Oktober d. J. werden in Zürich drei internationale Ballonwettfliegen stattfinden, darunter das Gordon=Bennettrennen der Lüfte, zu welchem Anmeldungen von 9 Stationen mit 20 Ballons vorliegen. Noch stärkere Teilnahme steht für die übrigen Wettfliegen in Aussicht. Es ist anzunehmen, daß fast alle Ballons außerhalb der Schweiz landen werden. Behördlicherseits wird ersucht, den etwa in Preußen landenden Luftschiffern freundliche Aufnahme zu gewähren. Festgenommen wurden 5 Personen wegen Trunkenheit, Verüben groben Unfugs und Obdachlosigkeit; 8 obdachlose Wanderer erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Fahrraddiebstahl. Am 26. d. Mts., abends zwischen 9 und 11 Uhr wurde dem Schlosser V., hier, vor einer Wirtschaft in der Herforderstraße ein Fahrrad, Marke„Concordia", entwendet. In den Felgen des Rades befindet sich ein hellblauer Streifen. Vor Ankauf wird gewarnt. Gefunden: 1 Portemonnaie aus Seehundleder mit Inhalt, Zugelaufen: 1 Dobermanpinscher; 1 Terrier. Entlaufen: 1 Jagdhund. Verloren: 1 Fahrrad(Saalrad). K.-K.— Die Gesellschaft der Naturfreunde„Kosmos“(Sitz: Stuttgart), über deren Wirken im Dienste der Volksbildung wir schon öfters berichteten, ist auf nunmehr 68000 Mitglieder angewachsen, und sie hat sich das Ziel ihrer Bestrebungen mit ihrer Ausdehnung immer weiter gesteckt. Zuerst beschränkte sich der„Kosmo?“ auf die Herausgabe einer Monatsschrift, und von fünf naturwissenschaftlichen Bänden jährlich, die den Mitgliedern für den Jahresbeitrag von 4,80 Mk. unentgeltlich zugehen. Später wurden auch größere Werke als außerordentliche Veröffentlichungen geboten, es ward der Vermittlung des Bezuges naturkundlicher Literatur usw. ein Augenmerk gewidmet, Volksbibliotheken unterstützt, die Prüfung und Herausgabe in gediegenen Jugendschriften zur Bekämpfung der Schundliteratur in die Wege geleitet, ein Musterkatalog und billige Volksbücher herausgegeben, ein wissenschaftliches Kosmos-Institut errichtet, die Schaffung eines Naturschutzparkes erstrebt usw. Außer Labakanbeitern gesündigt wird. Fast gewinnt es den Anschein, als ob man glaubt, von seiten jener Behörden noch etwas zu der Arbeitslosigleit hinzutun zu müssen, indem sie wochenlang auf die Auszahlung warten läßt.„Die Ar74P da# vier wohl, die Frage auf so langweilig verfahren wurde, wenn es sich für Fabrikanten, Beamte oder pensionierte Laufereien gefallen lassen und schließlich, durch die Not getrieben, Vorschüsse aus der Gemeindekasse erbitten, die dann schließlich nach vielem Hin und Her endlich bewilligt werden oder auch nicht. Es darf hier woyl die Frage aufgeum Entschädigung Offiziere handelt? Sept. Gemeinderatswahl. Genosse legte sein Mandat als Gemeindevertreter nieder. Es hat also eine Ersatzwahl bis 1911 stattzufinden. .* Brackwede, 28. Sept. Kommunalwahl. Mit Ablauf dieses Jahres scheiden aus: die Benossen Heinr. Heitmann und h. Kreft(3. Abteilung); für die Genossen Oskar Grube und weg 13. Abteilung) sind Ersatzwahlen erforderlich. Aus der 2. Aoteilung scheiden aus Gustav Sievert und Wilhelm Bodersich.: Aus Dduard und„IS. Johanning ist Ersatzwahl erHerm. Kastruy. Gößling und Für die 3. Abteilung findet die Wahl am 2. November, nachmittags von 1 bis 6 Uhr, im Lokale des Herrn Pallatzky statt; für die 1. und 2. Abteilung ebendaselbst am 3. November, vorm. Die Wählerliste liegt vom 1. Oktober ab 14 Tage lang im Amtshause, Zimmer 1, zur Einsichtnahme offen. Parteigenossen! Wahret euer Waylrecht, indem ihr euch davon überzeugt, daß euer Name in der Liste verzeichnet steht! ..“ Quelle, 28. Sept. Kommunalwahl. In der 3. Abteilung scheidet mit Absauf dieses Jahres Genosse Heinr. Stroth= mann aus; in der 2. Aoteilung Arnold Hinney. Die Wahl ist mann anbergumg.“ 4cmittags 4 Uhr, bei Wirt Bau. Die Wahlerliste liegt vom 1. Oktober ab 14 Tage lang beim Gemeindevorsteher zur Einsichtnahme offen. Waßlrecht hiervon ab z nehmen, es hängt ener 136. Ummeln, 28. Sept. Kommunalwahl. Die diesGemeindewahl ist auf den 8. November, nachmittags r. beim Wirt Böker in Ummeln festgesetzt. Es scheiden mit Ablauf dieses Jahres aus in der 1. Abteilung Wilh. Riegggr gai in der 3. Ahtelung Abert Henke. lage lang heim.!isest vom 1. Oktober ab 14 Gemeindevorsteher, zur Einsichtnahme offen. Wer sein Wahlrecht wahren will, muß sich vergewissern, daß sein ncame in der Liste verzeichnet steht. Also aufgepaßt! * Herford, 27. Sept. Die von der Generalversamm lung der allgemeinen Ortskrankenkasse beschlossene Statutenänderung ist unter einigen Abänderungen vom Bezirksausschuß in Minden genehmigt worden; hiernach die, Kassenmitglieder in 10 Klassen eingeteilt(statt früher 4); auch der ortsübliche Tagelohn, der früher 1, 2, 3 und Erkeilung der Erlaubnis doch keinen Sinn habe, wenn die schriftliche Form vorgeschrieben sei; Bergrat Werne war also genötigtsich gegen drei Fronten zu verteidigen. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde ihm vorgehalten, daß er noch mehrere Anzeigen gegen die Zechenverwalseiner vorgesetzten Behorde beschwert habe und er Bedenken getragen have, die hier in Rede stehenden Anzeigen zu machen, weil aus dem zeitlichen Zusammenhange vielleicht falsche Schlußfolgerungen gezogen werden könnten. Der Vertreter der Zeche und des Angeklagten griff den Bergrat äußerst scharf an. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, es sei in der Geschichte des preußischen Beamtentums noch nicht dagewesen, daß ein akademisch gebildeter Beamter eine mündliche Erlaubnis erteile und ihn später mangels schriftlicher Erlaubnis dem Staatsanwalt denunziere. Und das erlaubte sich der Verteidiger zu sagen, obwohl die wirkliche Sachlage so klar war, daß selbst das Gericht nicht umhin konnte, die diesbezügliche schöffengerichtliche Strafe bestehen zu lassen. * Dortmund, 26. Sept. Die Herrschaft der Grubenmagnaten in. Kommunalwesen im Ruhrrevier wurde durch einen Prozeß vor dem Landgericht II Dortmund wieder einmal recht beleuchtet. Zur Gemeinderatswahl in Marten bei Dortmund wurde im Herbst 1907 von der sozialdemokratischen Partei ein Flugblatt herausgegeben, in welchem der zu zwei Dritteln Beamten der Gelsenkirchener Bergwerks=Aktiengesellschaft bestehenden Gemeindevertretung der Vorwurf der Klüngelwirtschaft gemacht wurde.— Der Prozeß wurde wegen Unzuständigkeit des Gerichts und mangelnder Legitimation der Kläger siebenmal vertagt.— In der umfangreichen Beweisaufnahme vor der Dortmunder Strafkammer wurde festgestellt, daß die Mehrheit der Gemeindevertretung, die von der Gelsenkirchener Berg=Aktiengesellschaft abhängig ist, die Kopfsteuer, die diese Gesellschaft zu zahlen hat, von 27 auf 17 Mark herabsetzten wollte, so daß die Gemeinde einen Steuerausfall von 30000 Mark gehabt haben würde. Selbst in der Urteilsbegründung wurde anerkannt, daß diese Absicht wohl nur infolge der unternommenen Gegenschritte nicht zur Ausführung gelangt ist. Ferner wurde durch die Beweisaufnahme festgestellt, daß die Wasserversorgung usw. in den Straßen, in denen die Arbeiter wohnen, sehr zu wünschen übrig lasse.— Der Gemeindevorsteher erklärt, daß gegen die Zeche, die die Mehrheit in der Gemeindevertretung habe, nicht viel zu machen sei; wenn die Zeche erkläre, nichts bezahlen zu wollen, dann könne die Gemeinde nichts tun.— Trotzdem erfolgte die Verurteilung des für das Flugblatt verantwortlichen Genossen zu 30 Mark Strafe. Gegen das Urteil wird Revision eingelegt werden. Letzte Nachrichten. Hannover, 28. Sept. In dem Dorfe Neuenhaus verbärg sich eine von ihrem Ehemann getrennt lebende Frau bei ihren SchwieMart veirug, ist geänderf. Tspes9“ hasr krüher 1. 2,3 und gereltgern. Als die Schwiegerguter den Manne den Zutrist evenjo vas Eintrittsgelo, die verwehrte, erstach er sie auf der Stelle. Der hinzueilende SchwieKrankenbezüge, das Sterbegeld und die Beitrage. Es belragen gervater wurde ebenfalls niedergestochen. Bauern knebelten den jetzt: Wüterich und machten Anstalten, ihn zu lynchen, wurden aber von der Polizei daran verhindert. Klasse S* 8 Gesellschaft bei dem geringen Beitrag nur empfohlen werden kann. Das im soeben erschienenen Septemberhefte des KosmosHandweisers entwickelte Programm für 1910 bietet eine Fülle des Neuen und Interessanten. Satzungen und weitere Ausinste durch die Geschäftstelle des„Kosmos“ in Stuttgart, Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. . Die von den Mitgliedern der Ortsgruppen als Bevollmächtigte in Vorschlag gebrachten Genossen sind vom Vorstande bestatigt worden. Der Vorstand. Der„Christliche“ Griese erzählt in den Versammlungen:„Der„Vorwärts“ habe selbst den sozialdemokratischen Antrag betreffend Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter„ein#e#lendes, blödsinniges Machwerk“ genannt und diesen Antrag selbst aufs schwerste verurteilt.“ Man braucht gerade nicht über viel Witz zu verfügen, um einzusehen, daß diese Behauptung jeder Logik entbehrt. Wir haben nun den„Vorwärts“ daraufhin durchgesehen und eine Besprechung über den sozialdemokratischen und den christlichen Antrag in Nr. 153 gefunden. Aber gerade das Gegenteil steht im „Vorwärts", und nur sehr mangelhaftes Denkvermögen oder Raffiniertheit kann aus den Ausführungen des„Vorwärts“ den Sinn herauslesen, den Griese in die Notiz legt. Nach Gegenüberstellung der beiden Anträge schreibt der „Vorwarts“:„Welch erhevliche Verschlechterung des sozialdemokratischen Antrags dieser Zentrumsantrag bedeutet, das bedarf keiner weiteren Nachweisung. Esisteinelendes Surrogat des sozialdemokratischen Gedankens. Nicht einmal dazu haben sich die Herren christlichen„Arbeitervertreter“ aufraffen können, den blutarmen Tabakarbeitern, die ihre Existenz verlieren, die Unterstützung in der Höhe ihres bisherigen wirklichen Verdienstes zuzubilligen. Nur drei Viertel wollen sie ihnen gewähren— eine geradezu aufreizende Sparsamkeit, wenn man bedenkt, daß viele dieser unglücklichen Tabakarbeiter kaum 600 Mk. im Jahre verdienen. Mit jämmerlichen Bettelgroschen glaubt das Zentrum sein Verbrechen an den Tabakarbeitern zudecken zu können! Aber das wird ihnen nie gelingen; schon um deswillen nicht, weil diese Unterstützung an der Schädigung, die die weiterarbeitenden Tabakarbeiter erleiden, nichts, gar nichts ändert! Die Abstimmung über das Tabatverbrauchssteuergesetz wird bestehen bleiben als einer der schlagendsten Beweise für die Arbeiterfeindlichkeit des Zentrums.“ Diese Ausführungen des„Vorwärts“ sind nun gerade das Gegenteil dessen, was Griese unterschiebt. Der von uns hervorgehobene Satz scheint den Griese irregeführt zu haben. Für ein schriftliches“, Gehirn allerdings eine Leistung, den richtigen Sinn varaus zu finden. Da Griese aber so große Stücke auf den „Vorwärts“ hält, hoffen wir, daß er nun auch im Sinne der „Vorwärts“=Ausführungen handeln wird. Tabaksteuer und Tabakarbeiter. Wie der„Süddeutschen Tabakzeitung“, dem Organ der Großindustriellen in der Tabakindustrie, amtlich mitgeteilt wurde beabsichtigt die Regierung, den Fonds von 4 Millionen Mark jür arbeitslos gewordene Taoakarbeiter wesentlich zu erhöhen. Die notwendig werdende Summe läßt sich zurzeit noch nicht übersehen. Die Arbeiterentlassungen nehmen Tag für Tag noch weiter zu, so daß schon jetzt feststeht, daß die 4 Millionen Mark. die auf Antrag des Zentrums bewilligt worden sind, durchaus nicht ausreichen. Die durch die Tabaksteuer arbeitslos gewordenen Arbeiter müssen ihre Ansprüche schriftlich oder mündlich einreichen. Einer Anregung, besondere Formulare für diese Meldungen herstellen zu lassen, wurde nicht stattgegeben, wahrscheinlich hält es die Regierung für ihre Pflicht, den brotlos gewordenen Arbeitern die Erhebung ihrer Ansprüche nicht auch noch zu erleichtern. An dieser Stelle wird noch einmal darauf hingewiesen, wie seitens der mit der Feststellung und Auszahlung der Unterstützungen aus dem Viermillionenfonds betrauten Behörden an 1 a 11 Ila 11 Illa 10 IVa V Va A 0,50 0,90 1,30 1,70 2,10 2,60 3,10 3,60 4,20 5,00 R 0.50 0.50 0,50 0,50 0.50 1,00 1,00 1,00 1,00 1,00 9 * 70 A 9 M 0,25 20,00 0,36 0,14 0,45 25,00 0,60 0,14 0,65 30,00 0,93 0,20 0,85 35,00 1,23 0,20 1,05 45,00 1,50 0,24 1,30 52,00 1,86 0,24 1,55 62,00 2,25 0,30 1,80 72,00 2,58 0,30 2,10 84,00 3,03 0,36 2,50 100,00 3,60 0,36 dieser Aenderung ist ein lang gehegter Wunsch der MitVerzsenstpniceee]i. In keiner anderen Klasse sind nämlich die Krankenkasse: Von 55 Ffes als wie bei der allgemeinen Ortspro Taa bei den Lehrlingen, geht der„Verdienst bis hinauf zu 5 Mark und darüber bei den qualifizierten Arbeitern. Bei den früheren 4 Klassen konnte keine den Verdiensten entsprechende Einteilung erfolgen. Zudem ist durch die Möglichkeit, die Mitglieder nach dem Verdienst wieder ein Grund gegen den Zusammenschluß der Herforder Krankenkassen gefallen. * Rehme, 27. Sept. Arbeiter=Gesangverein. Am Donnerstag, 30. September, findet die Gesangstunde bestimmt .* Detmold, 27. Sept. Auf frischer Tat wurde vor einigen Tagen ein Wilderer von einem fürstlichen Forstbeamten ertappt. Der Beamte, welcher auf einem Reviergange begriffen war, hörte plötzlich einen Schuß fallen. Als er dem Schalle nachging, stieß er auf einen älteren Mann, der mit Hewbemähen beschäftigt war. Die Bewohner der Sennedörfer gebrauchen die Heide als Streumittel. Der Mann hatte der große Haufen abgemähter Heide in seiner Nähe. Als nun der Forstbeamte frug, ob er nicht einen Schuß fallen gehört habe, verneinte er die Frage und muhr, ruhig weiter. Als aber der Forstbeamte den sorgfältig aufgeschichteten Heidehausen näher in Augenschein nahm, entdeckte er zu seinem nicht geringen Staunen, daß ein Rehbein aus diesem herporragte. Die nähere Untersuchung führte ein frischgeschoffenes Reh und die Flinte zutage. Angesichts dieser Beweismittel gab der Wildschütz sein Leugnen auf. * Bochum, 27. Sept. Wenn ein Bergrevier beamter seines Amtes waltet, kann er unter Umständen in eine sehr übte Tage kommen. Das mußte am Sonnabend der Bergder Bochumer Berufungsstrafkammer erfahren. Der Betriebsführer K. von der Zeche„Hibernia" war wegen Uebertretung bergpolizeilicher Vorschriften in zwei Fällen vom zu geringen Geldstrafen verurteilt worden. Er bom Kpl. Vergrevierbeamten hatte.— In der Vaun ein Ermtiches Kesseltgeiben gegen den als Zeugen geladenen Truppen haben hereits gester Mdlich von Nai Vergrar Werne, der als Vergrevierbeamter die Anzeige gegen men mit der#r#etr“ die Offensive wieder Duisburg, 28. Sept. Eine schwere Explosion ereignete sich gestern in der Niederrheinischen Hütte in Hochfeld. 10 Arbeiter wurden schwer verletzt; 5 andere mußten auch ins Spital gebracht, werden. Dusseldorf, 28. Sept. Dem Hansabunde gedenkt nunmehr auch der Stahlwerksverband beizutreten. Der Verband hat sich verpflichtet, für jede 1000 Tonnen Beteiligung seiner Werke in Rohstahl einen Jahresbeitrag von 1,50 Mark, also insgesamt unggfähr 1800 Mark zu zahlen.. 18680 Berlin, 28. Sept. Eine empfindliche Lichtstörung, deren Ursache unbekannt ist, trat gestern abend in der Friedrichstadt ein. Wenige Minuten vor 7 Uhr erlosch plötzlich die elektrische Beleuchtung in dem zwischen der Leipziger und der Behrenstraße gelegenen Teil der Friedrichstraße. Auch in den anliegenden Straßenzügen wurde es dunkel, so daß dieser Stadtteil vollständig in Finsternis gehüllt war. Von der Lichtstörung wurde auch das Telegraphen= und Fernsprechamt I in Mitleidenschaft gezogen. Erst gegen 11 Uhr war die Störung vollständig beMai dieses Jahres seine Ehefrau erwar dennd et wurde, in Ende geführt. Rauhrock murde zu lehenslänglichem Dtchthaus verurteilt““ve zu tevenblänglichem Zachlhans Breslau, 28. Setzt. In dem Wahlkreise des Herrn v. Heydebrand sollte am 22. August eine sozialdemokratische Versammlung stattfinden, die aber von dem zuständigen Amtsvorsteyer wegen einer dorr yerrschenden Scharlachepidemie verboten wurde. Auf eine an den Minister des Innern gerichtete Beschwerde hat der Landrat des Kreises Militsch jetzt geantwortet, die angestellten Ermittslungen hätten ergeben, daß allerdings in Rojislawitz einvon Scharlach aufgetreten wären, die nach dem Gutachten des Kreisarztes jedoch nicht den Umfang einer Epidemie angenommen hätten. Das vom Amtsvorsteher erlassene Verbot sei daher nicht gerechtfertigt. " Königsberg i. Pr., 28. Sept.„Neue choleraverdächtige Ertrantungen werden, wie die„Königsverger Hartungsche Zeitung“ meldet, aus Steinbeckellen bei Königsberg gemeldet. Die amtliche untersuchung ist bereits eingeleitet. a. Wien, 38. Sept.„In Triest brach gestern aus politischen Grunden der Genevalstreik aus, an dem sich die gesamte Arbeiterschaft mit Zustimmung der Arbeitgeber beteiligte. Infolgedessen ruhen alle Betriebe. Der Generalstreik soll den Protest der Trientiner Bevölkerung gegen die Verhaftung uazszruck bringen. Veprhigune ist sedt vollandig angeklirt. Die Untersachun seine Nachszit 6. das Materigl nicht fehlerhaft war und daß e: Hrechtusggkeit vorliegt. Der abgebrochene Propeller zeigt hr##bruchsteigen von, denen eine durch einen aus unbekannter Arlache erfolgren Bruch im Material, die zweite durch die hieraus rezultierende Bewegung hervorgerufen wurde. Die gestern vom #emps eröffnete Substribtion ergab am gestrigen Tage 22.557 „Maorid, 28. Sept. Nachdem die Division Tovar gestern ihre Vereinigung mit der Division Orocze bei Nador vollzogen hatte, kampierten beide Truppenkörper südlich von Nador. Die 0•5••= Zeirat der den Angeflagten erstattet hatte. Der juristische„Beirat der „Hibernia“, Dr. Berkemeyer, trat als Antwalt des angeklagten Betriebsführers auf und rückte die Behauptung in den Vordergrund, daß zwischen dem Angeklagten und dem Bergrat seit längerer Zeit ein gespanntes Verhältnis bestände, auf das das Vorgehen des Bergrats zurückzuführen sei. Das Gericht unterstellte die Behauptung als zutreffend. Der Eir Einwand des Ssisen Veritehascnsgsähes elbei u. Keier aos äsh er le wiederholten Untersuchungen— allerdings ohne vorherige Anmeldung„— den vorschriftswidrigen Zustand der Abwässer festgefreut habe, half nichts. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft machte dem Zeugen Vorhaltungen darüber, daß er nicht sofort men mir dem Erfolge, waß Seluan besetzt wurde. Die Verluste angeblich gering. Die Regierung beschloß die verfassungsmäßigen Garantien. „Newyork, 28. Sept. In den Geschäftsräumen der Columbian Film Exchange zu Pittsvurg entstand gestern eine überaus heftige Expiosion. Ueber 50 Personen wurden schwer verletzt. Man elagbt, haß negrege Menschen den Tod gefunden, haben. stalienischen Die Erplosion einer Vombe anläßlich der PfarrGedränge, wobei s Mäschen.5s=setzegsg, eusland ein lcht wurden. Knaven zroenngejährlich veresih 46 Seilfahrt purde festgestellt, daß es üblich sei, daß bei Abnahme der Schachteinrichtung der Bergrevierbeamte die Erlaubnis zur Seilfahrt einstweilen mündlich erteile und daß je nach dem Resultat der Probefahrt die schriftliche Genehmigung nachgeholt werde. Werne betonte, daß er die Erlaubnis noch von der ordnungsmäßigen Abnahme der elektrischen Kraftanlage abhängig gemacht habe. Trotzdem sei die Seilfahrt in Betrieb genommen worden. Der Vorsitzende erklärte, daß die mündliche Griefkasten der Redaktion. ei. R., Lage. In Lippe gibt es keinen Austritt aus der Kirche, das betr. Gesetz gilt nur für Preußen. Die fenige Raner anheht S Silten. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld Grösste Auswahl neuer Gds wadtahg Curemen und Nouledux GersLecssse zugassergewöhnliK zu ganz aussergewöhnlich billigen Preisen. SOEUSERSLL Bielefeld, Niedernstr. 29/31. 5274 Stauttheater! Heute, abends 7½ Uhr: Zur Neunzehnhundertjahr=Feier der Schlacht im Teutoburgerwalde. Die Hermannsschlacht. Ein Drama in 5 Aufzügen von H. von Kleist. Mittwoch, den 29. Septbr., abends 7½ Uhr: Der Zigennerbaron. Operette in 3 Akten v. Joh. Strauß. Montag, den 4. Oktober: Revolutionshochzeit. *„ * 1603 por der Zener.„ Sir eteltkolzer 30 Schachtein 35 Hennig. Die Vorräte für den Hausbedarf werden nicht nachversteuert. Das Glühkörper Stück 18, 25, 35, 40 J in Dutzend 2.00, 2.75, 4.00, 4.50 M spielt ab 1. Oktober in Kinematographen-Theater zur alten Post. Absolvierte Engegements: 18 Monate Café Monovol, Stettin; 6 Monate Café Empire, Charlottenburg; 3 Monate Café Stern, Berlin; 6 Monate Café Union, Berlin; 3 Monate Hotel Europäischer Hof; Düsseldorf; 2 Monate Hotel Wiener Hof, Bonn; 4 Mon. Hotel Lloyd, Bremen; 3 Monate Café Friedrichslau, Freiburg i. Br.; 2 Monate Café Imperial, Heidelberg; 2 Monate Schumanntheater, Frankfurt a. M. 5272 Niedernstrasse 34. teoshan Auf Einmachegläser und Einmachelopfe vorgerückter Saison wegen * Kabait! 39950 haben eich dien Beliebtheit der geirsongeltauntronen: de beiden angrwein ein# Geführten J.# k. 2. S 72 ½ van den Bergh’schen. Aertrfensbarten Vitene us Ceber-stot „errungen und zwar wegen ihres dusgesprochenen Butter. geschmacks, des Köstlichen Aromas und nicht zum wenigsten wegen der bei ihrer Verwendung ermögüchten grossen Ereporzüs. Erhältlich in allen besseren Kolonialwaren-Geschäften, u Wir verlegten unser Geschäft von Am Bach 20 nach unserem Hause = Schillerplatz Nr. 14.— [5266* Hermann Sieg Handlung mit Sohlieder, Schäften, und Schuhmacher-Bedarfs-Artikeln. * * Feuer-Versicherungen werden unt. kulanten Bedingungen reell aufgenommen. 4387 August Ostmann, — Zastrowstr. 24.= Hauptagent der„Albingia“, Versich.=Akt.=Gesellschaft Hamburg. Herm. Ostmann, Lutterstraße 50. Vertreter und Kassieder. Reise-Handbuch für wandernde Arbeiter. Preis Mk. 1.50. Porto 10 Pig. Vorrätig in der Buchhandlung„Volkswacht“, Schulstr. 20. Trauer-Briefe mit Couverts liefert Buchdruckerei„Volkswacht“. Todes=Anzeige. Am Sonntag nachmittag 1 Uhr starb plötzlich und unerwartet unser lieber Sohn und Bruder Curt im Alter von 3 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an. 5268 Die trauernden Eltern Wilh. Schlüter und Frau, geb. Voß nebst Kinder. Simplicisimus Nr. 26 = Preis 30 Pfg. in der Buchhandlung„Volkswacht“ zu haben. bei Dreischlingen sofort zu vergeben. Näheres s5276 Bureau Arbeiterheim Anstalt Bethel. Reseeseeee Steue Geatatte Georg Berwegk. Preis Ml. 1.00. Porto nach auswärts 10 Pfg. Zu beziehen durch die Buchhandlung der Volkswacht, Bielefeld. legonenenennennenenn — 226. 81. Versamn sorscher und Am heutigen Donn haupt nicht statt, sonde einer gemeinsamen Sitz Aula academica zusamn sitzung der Gesellschafts Tagung bestimmt wurd Versammlungsort fürd der gemeinschaftlichen S zahlreich auch von den „Der gegenwärt schung". 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F Wedtatte von sorg Herwegh. 3 reis Mk. 1.00. tach auswärts 10 Pfg. 33 n durch die Buchhandlung olkswacht, Bielefeld. GRRORRRRRARGG O O* Nr. 220. Bielefeld, Dienstag, 28. September 1909. 20. Jahrg. 81. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Salzburg. Am heutigen Donnerstag fanden Abteilungssitzungen überhaupt nicht statt, sondern die einzelnen Gruppen fanden sich zu einer gemeinsamen Sitzung vormittags um 10 Uhr wieder in der Aula academica zusammen. Vorher jedoch fand eine Geschäftssitzung der Gesellschaft statt, in welcher der Ort der nächstjährigen Tagung bestimmt wurde, und zwar wurde Königsberg als Versammlungsort für das Jahr 1910 gewählt. Das erste Thema der gemeinschaftlichen Sitzung aller Gruppen, die außerordentlich zahlreich auch von den teilnehmen Damen besucht war, lautete: „Der gegenwärtige Stand der Radiumforschung". Der Physiker Prof. Elster aus Wolfenbüttel, einer der hervorragendsten Forscher auf diesem Gebiete, sollte zunächst Zebr=ehuste Lind phpsikalischer Forschung, das in einem kurzen ka#rzehnt, bereits zu großer Bedeutung herangewachsen istz, dem serstandnis eines weiteren Publikums nahe führen. Leider vergriff er sich im Ton geanz gewaltig; er setzte eine solche Fülle spezieller Fachkenntnis voraus, daß der nicht physikalisch durchgebildete Teil des Publikums seinen Ausführungen kaum mit Verständnis folgen konnte. Dazu kam, daß er in den Fehler so vieler Vortragenden bei den allgemeinen Veranstaltungen der Naturforscherversammlung verfiel, nämlich eine wohldurchdachte Arbeit langsam vorzulesen, anstatt einen freien Vortrag zu Natürlich geht hierbei der Konnex(Zusammenhang) des Vortragenden mit dem Publikum vollständig verloren, der Vortragende beraubt sich selber jeder Möglichkeit, irgend einen Gedanken, der vielleicht nicht auf allgemeines Verstännis stößt, in einer dem Moment angepaßten Form zu wiederholen und zu erläutern und so den Vortrag lebendig und anschaulich zu gestalten. Die Vorlesung gab einen geschichtlichen Ueberblick über die Entdeckung und den Fortschritt der Radiumforschung, welche an schon längst bekannte unsichtbare Strahlung und ihre Erweiterung vor allem durch die Röntgenstrahlen anknüpfte. Man unterscheidet heute drei Arten von radioaktiver Strahlung, die sich durch ihre photographische Wirkung, durch die fluoreszierende Wirkung auf einen Leuchtschirm und vor allem durch ihre elektrische Wirkung bemerkbar macht; speziell die letzte Methode ist von einer Empfindlichkeit, welche noch die der Spektralanalyse übertrifft, noch der millionste Teil eines Milligramms Radium ist durch die Prüfung der elektrischen Wirkung nachweisbar. Die drei radioaktiven Strahlungen werden als Alpha-, Beta= und Gamma=Strahlung unterschieden; die Gamma=Strahlen sind von starker, durchdringender Kraft und vom Magneten nicht beeinflußbar, sie sind dadurch nahe verwandt mit den Röntgenstrahlen und ebenso wie diese experimentell schwer faßbar und in ihrem Wesen noch völlig unaufgeklärt; weit besser erforscht sind die Alpha- und Beta=Strahlen, die aus Schwärmen kleinster elektrisch geladener Projektile, die aus dem Verband der Atome herausgeschleudert werden, bestehen, wobei die Alpha-Strahlen positive, die Beta=Strahlen negative elektrische Ladungen mit sich führen. Der Vortragende erläuterte, wie das Studium dieser Strahlungen durch die merkwürdige Umwandlung, welche die Strahlungsprodukte erleiden, zu ganz neuen chemischen Anschauungen, zu einer Umbildung unseres Begriffes des chemischen Elements führen müssen. Damit war bereits die chemische Seite des Gegenstandes berührt, die von dem Wiener Chemiker Brill in einem zweiten Vortrage näher ausgeführt wurde. Zu den 82 bisher bekannten Elementen hat die Erforschung der radioaktiven Stoffe bisher weitere 29 gefügt, deren Studium allerdings dadurch besonders schwierig ist, daß von diesen Stoffen nur ganz geringe Spuren darzustellen sind, aus zwei Tonnen Pechblende z. B. werden nur einige Tausendstel Milligramm Radium gewonnen, und diese geringen Mengen wandeln sich unter der Hand des Forschers rasch wieder in andere Substanzen um. Vorläufig muß abgewartet werden, was aus den im Gange befindlichen Untersuchungen über die Umwandlung auch anderer Elemente, die namentlich von dem englischen Forscher Ramsay ausgeführt werden, herauskommen wird. So viel ist sicher, daß die weitere Erforschung des Radiums und der radioaktiven Stoffe unsere Erkenntnis vom Zusammenhang der Natur außerordentlich bereichern und wesentlich umgestalten wird. Nach einer kurzen Pause wurde zum zweiten Gegenstand der Tagesordnung dieser Sitzung geschritten, indem der junge Wiener Geologe Franz Sueß das Wort zu einem Vortrag über Gold. 75 Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. Wer sich auch außerordentlich wenig um Amerikaner und Mexikaner bekümmerte, war Herr Hufner, denn weit wichtigere Dinge gingen ihm heute im Kopfe herum. Heute konnte die Schwiegermutter vielleicht schon den Brief bekommen, und was, um Gottes willen, was würde sie sagen? Schon den Postmann, der allmonatlich einmal nach San Francisco ging, um Briefe dort abzuliefern und mit dem Postdampfer gekommene wieder heraufzubringen, hatte er heimlich, aber himmelhoch gebeten, wenn ihn eine Dame fragen würde, wie es ihm hier oben ginge, nur zu sagen ganz entsetzlich schlecht, und jetzt saß er, überdies heute unbeschäftigt, vor seinem Zelt und wußte gar nicht, was er beginnen, wie er sich der trüben Gedanken erwehren solle. Und was die Amerikaner heute für einen entsetzlichen Spektakel machten, was sie nur trieben? Binderhos und Lamberg waren hinuntergegangen, um sich die Sache mit anzusehen; er hatte andere Dinge im Kopfe. Endlich sprang er auf, er hielt es nicht länger aus, und beschloß, einmal hinüber zum Justizrat zu gehen, um diesen und den Assessor um ihre Meinung zu fragen, was er in der Sache tun könne, falls die Schwiegermutter etwa gar hierherauf käme. In ihr konnte er sie doch nicht nehmen. Binderhof ließ ihm überdies schon den ganzen Tag keine Ruhe, und was sollte dann geschehen, wie war sie zu beschwichtigen?“ Der Justizrat schlief noch, und der Assessor getraute sich auch nicht, ihn zu wecken; im Begriff aber, recht leise an ihm vorüberzugehen, blieb er mit dem Fuß in einem dort liegenden Stück Holz hängen und stolperte dermaßen, daß der Justizrat erschrocken in die Höhe fuhr. „Bitte tausendmal um Entschuldigung,“ sagte der Assessor. Der Justizrat murmelte etwas zwischen den Zähnen durch, was sein rücksichtsvoller Kompagnon glücklicherweise nicht verstand, und zog dann an der Pfeise. Diese war aber schon vor anderhalb Stunden ausgegangen und kalt, und mußte deshalb erst wieder frisch angezündet werden. Jetzt machte sich auch Herr Hufner bemerkbar, und kam nach kurzer Einleitung auf den zwea seines Besuches und den Grund seiner Befürchtungen; die Schwiegermutter, die wie ein rächendes Phanton vor seiner Seele stand, und doch war er sich keiner Schuld bewußt. „Unsinn,“ sagte aber der Justizrat—„Schwiegermutter— Pappendeckel— selber herkommen und graben versuchen— Kunst, Gold zu finden.— Schwiegermutter ist willkommen— hat vielleicht mehr Glück.“ „Ja, aber denken Sie sich, Herr Justizrat, wenn sie nun wirklich käme!“ Ja. Herr Justizrat,“ stimmte ihm der Assessor bei, der in „Gläser kosmischen Ursprungs“ erhielt. Meteorite, Körper, die außerirdischen Ursprungs aus dem Weltraum auf die Erde herabfallen, kannte man bisher nur als teils aus Eisen, teils aus Gesteinen bestehend, die zwar Silikate einschlossen, jedoch im wesentlichen kristallinische Struktur haben, eigentliche Gläser fehlten unter den Meteoriten. Eigentümliche Gläser fand man nun an drei Fundstellen, an der Moldau, daher Molda vite genannt, ferner auf einer javanischen Insel und auf dem Festland von Australien. Diese unter dem Namen Tektite zusammengefaßten Gläser machten den Mineralogen sehr viel zu schaffen, teils gab man sie für Eruptivgesteine vulkanischen Ursprunges aus, teils hielt man sie für künstliche Erzeugnisse aus früheren Perioden. Aber ihr Auftreten in tertiären Schichten, ihre anscheinend willkürliche Verleilung über die Erde und ihr Vorkommen in Gebieten, die erst in jüngster Zeit kultiviert sind, schließen jede Möglichkeit aus, daß es sich um künstlich hergestellte Gläser handeln kann. Daß diese Gläser auch nicht vulkanischen Ursprungs sind, beweist ihr Vorkommen in großer Entfernung von Vulkanen, und da, wo sie in der Nähe von Vulkanen gefunden werden, liegen sie auf vulkanischen Stoffen oon wesentlich anderer Struktur. Der Vortragende ist schon vor 10 Jahren zu der Ansicht gekommen, daß diese Tektiten, trotzdem sie Gläser sind, kosmischen Ursprungs, also aus dem Weltenraum auf die Erde herabgefallen sind. Vor 13 Jahren noch wurde vom Stockholmer Museum, dem ein in Schonen gefundener Tektit eingesandt wurde, erklärt, dieser Körper könne kein Meteorit sein, weil er Glas sei; heute werden wohl auch andere Forscher zugeben, daß diese Tektiten, die wir schon im Diluvium finden, uns Kunde von besonderen meteorischen Ereignissen zur Diluvialzeit geben. So muß in Australien ein Hagel glühender Glastropfen niedergegangen sein, der sich über den ganzen Süden des Kontinents erstreckte, also eine weit größere Ausdehnung hatte als die weitreichendsten Meteorfälle, von denen wir in historischer Zeit wissen. Am Nachmittag fanden nur je eine Gesamtsitzung sämtlicher naturwissenschaftlicher, sowie sämtlicher medizinischer Abteilungen statt. In der medizinischen Sitzung wurde die exsudative Diathese, die über die Ausscheidung wassersüchtiger Flüssigkeit aus dem Blute bei Allgemeinerkrankungen, sowie Skrofulose und Tuberkulose besprochen, während in der naturwissenschaftlichen Abteilung geologische Themata auf der Tagesordnung standen, und zwar sprach zuerst Prof. Becke=Wien über die Entstehung des Kristallinen=Gebirges. Er wollte zeigen, was chemische und mikroskopische Gesteinsuntersuchung zur Aufstellung der jetzt geltenden Ansichten über die Entstehung des Kristallinen=Gebirges oder der kristallenen Schiefer beigetragen haben. Daß die kristallinen Schiefer nicht einer bestimmten alten Formation angehoren, wie man früher annahm, ist sichergestellt; es gibt auch junge kristallinische Schiefer. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung lassen sich unter den kristallinischen Schiefern zwei Gruppen unterscheiden, eine, deren chemischer Bestand denselben Gesetzen gehorcht wie der Chemismus der Erstarrungsgesteine, und eine zweite Gruppe, die diesem Gesetze nicht gehorcht und sich in ihrer Zusammensetzung den mannigfaltigen Sedimentgesteinen(geschichtete Ablagerungen) vergleichen läßt. Aber auch die den Erstarrungsgesteinen entsprechenden kristallinischen Schiefer weichen in ihrem Mineralbestand ebenso wie die anderen von der bei den Erstarrungsgesteinen üblichen Norm ab, und in vielen Fällen zeigt sich eine Tendenz zur Ausbildung von Gemengteilen mit hohem spezifischem Gewicht. Die Struktur der kristallinischen Schiefer deutet auf gleichzeitiges Wachsen sämtlicher Gemengteile unter dem Einfluß starker Pressung; doch vermag diese allein kristallinische Schiefer nicht zu erzeugen, es muß höhere Temperatur hinzutreten. Dann sprach Prof. Uhlig=Wien über die Tektonik(den Aufbau) der Ostalpen. Die Anschauungen über den Aufbau der Alpen haben in den letzten Jahren eine durchgreifende Umwälzung erfahren. Namentlich für die Westalpen hat sich die Erkenntnis durchgerungen, daß dieses Gebirge aus riesigen liegenden Falten aufgebaur ist. Das tiefste sogen. helvetische Deckensystem nimmt den nördlichen Teil der Alpen ein: über die helvetischen Decken ist ein zweites Deckensystem geschoben, das man als das lepontinische bezeichnet. Die lepontinischen Gesteine kommen aus dem südlichen Teile der Alpen und müssen einen 80 bis 100 Kilometer langen Weg zurückgelegt haben. Begreiflicherweise schreckte man anfangs davor zurück, so gewaltige, aller Vorstellungen spottende seitliche Bewegungen der Erdkruste anzunehmen, aber die eingehendste und strengste Diskussion und Ueberprüfung der neuen Auffassung führten zu einer diesem Augenblicke unwillkürlich an die Frau Siebert dachte, „das wäre wirklich erschrecklich!“ „Alte Weiber,“ brummte jedoch der Mann des Gerichts zwischen einzelnen Dampfwollen durch,„will nichts wissen davon — Klöße fertig?“ „Jawohl, Herr Justizrat, im Augenblick,“ sagte der Assessor, der die größte Mühe mit seiner Brille hatte, die jedesmal anlief, sowie er sich über den dampfenden Kessel bog, um den darin befindlichen Inhalt zu prüfen. Endlich fischte er einen der betreffenden Klöße mit einem selbstgefertigten hölzernen Löffel heraus, prüfte ihn, indem er ein Stückchen mit einem Messer abschnitt, und fand ihn vortrefflich. „Mitessen?“ sagte der Justizrat zu Herrn Hufner, indem er die eben ausgerauchte Pfeife beiseite stellte. „Ich danke Ihnen herzlich, Herr Justizrat,“ erwiderte mit einer halben Verbeugung der Mann.„Mir ist der Appetit vergangen, und ich habe seit jener Nachricht kaum einen Bissen über die Lippen gebracht.“ „Narrenpossen,“ erwiderte jener lakonisch,„anfangen, Asfessor," nahm den blechernen Teller, den ihm sein Kompagnon gab, mit der Gabel auf die Knie und sah erwartungsvoll nach dem dampfenden Topf hinüber. Der Assessor wollte diesen jetzt mit der bloßen Hand vom Feuer nehmen, aber der dünne Drahthenkel war entsetzlich heiß geworden, und er mußte erst ins Zelt, um einen Lappen dazu zu holen— der Justizrat würde sein Taschentuch genommen haben. „Das da unten ist der neue Alcalde,“ sagte in diesem Augenblick Herr Hufner zu dem Justizrat.:„Es scheint, als ob er hier vorbei wollte, dann werden Sie ihn deutlich sehen können. Es ist ein Amerikaner, und soll ein außerordentlich tüchtiger Mann sein.“ „Hm, meinetwegen,“ lautete die Antwort des Hungrigen, „Assessor, Donnerwetter, wo bleiben Sie denn?“ „Den Augenblick, Herr Justizrat,“ rief der Assessor, der geschäftig mit einem, unter seinen Sachen erst vorgesuchten und sorgfältig von San Francisco mitgebrachten Wischlappen herbeigesprungen kam.„Jetzt werden wir gleich sehen, wie sie sich machen, wenn sie nur gar genug sind.“ Er bog sich eben über den Topf hinüber, ihn gut und sicher anfassen zu können, als dicht über ihnen an dem Berghang ein wunderbares polterndes Geräusch laut wurde. Alle drei sahen unwillkürlich hinauf, Herr Hufner sowohl wie der Assessor behielten aber kaum Zeit, aus dem Wege zu springen, als das von der Höhe niedersetzende Rad, von einem kleinen Stein ab in die Höhe prallend, einen kurzen Bogen beschrieb und ordentlich pfeifend in Kraft und Schnelle mitten auf den seinem Geschick verfallenen Kessel schlug. Einen Augenblick war alles Verwirrung, der Assessor schrie laut auf, der Justizrat sprang in die Höhe und ließ Gabel und Teller fallen, und im Feuer zischte die heiße Brühe und warf Funken, Rauch und Asche hoch in die Luft hinein; das Rod aber, schrittweisen Bestätigung derselben. Am Oberrhein, in Graubünden, senken sich die helvetischen und die darüber liegenden lepontinischen Gesteine nach Osten, und auf ihnen ruht ein weiteres System von Schubdecken, das ostalpine. Der gewaltige und so verwickelte Aufbau der Alpen läßt sich somit auf drei Deckensysteme zurückführen, das heloetische, lepontinische und ostalpine. Jahrzehntelang blieb es gänzlich rätselhaft, wieso zu beiden Seiten des Rheines so grundverschiedene Gebirgszüge, wie die Ostund Westalpen sind, ineinander übergehen können; heute wissen wir, daß die Ost= und Westalpen nicht nebeneinander liegen, sondie Westalpen liegen unter den Ostalpen und die Rheingrenze bezeichnet jene Region, in der die Westalpen sich am stärksten nach Osten senken. In den höheren Westalven kennt man das ostalpine Deckensystem fast gar nicht, da es hier abgewaschen ist; in den niedrigen Ostalpen sind die westalpinen Gesteine wenig verbreitet, weil sie größtenteils unter der ostalpinen Decke verborgen liegen. Der Deckenbau der Ostalpen wird schon durch die Verhältnisse der Westalpen und des Rheingebietes in zwingender Weise dargetan; der Vortragende zeigte durch zahlreiche Profile und Kartenbilder, wie aber auch die Ostalpen viele Beweise hierfür liefern. Man erkennt bereits neue, früher übersehene GesetzHänden befindet. Es wäre natürlich verfehlt, die endlich gewonnene Auffassung vom Aufbau der Alpen als letztes und definitives geologisches Bild dieses herrlichen Gebirges zu betrachten; gegenwärtig aber hat die Deckenlehre unseren Einblick wie nie zuvor gesteigert, und im Wandel der Anschauungen wird sicherlich die Erkenntnis bleiben, daß weit ausholende flache Ueberschiebungen eine große Rolle im Aufbau unserer Erdkruste spielen. So wird die Geologie mit Hilfe der tektonischen Forschung ihrer letzten und vornehmsten Aufgabe, an dem Beispiele unserer Erde die Entwicklung eines Gestirnes mit fester Kruste aufzuzeigen, allmählich näher zu kommen suchen, und auf diesem langen Wege wird die Deckenlehre keine unrühmliche Episode bilden. Eine Gewaltmaßregel der Postund Infolge einer Telegraphenarbeiter=Versammlung vom 19. er., über die der„Vorwärts“ ausführlich berichtet hatte, ist der in worden. Vallenthin, der seit Begründung des Bundes im Jahre 1906 an seiner Spitze steht und die Interessen seiner Kollegen jederzeit in zwar entschiedener, aber durchaus loyaler Weise vertreten hat, ist trotz seiner Bemühungen, jeden Konflikt mit der vorgesetzten Behörde zu vermeiden, verschiedentlich mit verantwortlichen Vernehmungen und dergleichen behelligt worden. Gleichwohl hat er sich, im Vertrauen auf das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht, das man doch auch den Reichs= und Staatsarbeitern zugestehen muß, nicht beirren lassen, sondern weiter an der überaus notwendigen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Telegraphenarbeiterschaft aller Grade gearbeitet: Als nun nach dem Abschluß der Reichsfinanz=und der damit verbundenen Besoldungsreform sich zeigte, daß die Reichs=Postverwaltung augenscheinlich für die Telegraphenarbeiter und Handwerker absolut nichts übrig habe, und daß ferner die den Telegraphenvorarbeitern zugestandene sogen. Aufbesserung einfach eine Farce war, wurden natürlich vom Bunde und den übrigen dazu berufenen Instanzen, wie den Arbeiterausschüssen, die Bemühungen auf Erlangung einer angemessenen Zulage verstärkt. Dem stand die Verwaltung so unfreundlich wie möglich gegenüber. Die Oberpostdirektion Berlin ließ den Arbeiterausschüssen auf ihre bezüglichen Vorstellungen eine glatte Absage zuteil werden. Darauf nahmen die Ausschüsse Veranlassung, in der Versammlung vom 19. September 1909 einen scharfen Protest gegen die ihnen zuteil gewordene Zurücksetzung zu erheben. Das ging der Oberpostdirektion wider den Strich. Sie ließ am Sonnabend, den 18 September, Vallenthin vorladen und forderte, er solle die Versammlung absagen.„Zunächst,“ so wurde ihm gesagt,„habe das jetzt eine andere Richtung bekommen hatte, schnellte noch einmal nach vorn, drehte sich, überschlug sich seitwärts ein paar Mal, und rollte dann langsamer, noch durch seine frühere Kraft getrieben, an dem Alcalden dicht vorüber, bis es von einem kleinen struppigen Busch aufgehalten wurde und liegen blieb. Heison, vor dessen Augen dies alles vorging, befand sich allerdings gerade nicht in der Stimmung, über irgend etwas zu lachen. Trotzdem war die ganze Szene, mit dem wie aus den Wolken gefallenen Rad, so äußerst komisch, daß er ein Lächeln kaum unterdrücken konnte, und jetzt die paar Schritte noch bergan stieg, um zu sehen, ob irgend jemand von den Leuten zu Schaden gekommen wäre. Hatte er doch auch den Justizrat wie Herrn Hufner, beides Kajütspassagiere der Leontine, erkannt, von denen der letztere wenigstens, wie er wußte, etwas Englisch sprach. Hier aber fand er, während Hufner wie der Assessor sprachlos vor Schreck und Bestürzung neben den Trümmern ihres Mittagessens und Kessels standen, den Justizrat in dem höchstmöglichsten Grade der Entrüstung, indem er eine Menge von abgebrochenen, selbst seinen Landsleuten unverständlichen Verwünschungen und Zornausdrücken hervorsprudelte. Hetson übrigens, dessen scharfes Auge nirgends am ganzen Hang einen Menschen erkennen konnte, schloß ziemlich richtig, daß der ganze Schaden mehr durch einen mutwilligen Zufall, als wirklich durch die bösartige Absicht eines einzelnen entstanden sei, und suchte jetzt dies dem Justizrat begreiflich zu machen, aber lieber Gott, er hätte ebenso gut zum Rad selber reden können. Der Mann hörte und sah nicht, er stampfte mit den Füßen, warf mit den Händen um sich, und nur einzelne Worte, wie:„Kriminalprozeß"—„Klöße"— „Halunien“—„Kalifornien“ und„aufhängen“ ließen sich daraus unterscheiden. Heison wollte es auch eben aufgeben, sich verständlich zu machen, und ihn vor allen Dingen austoben zu lassen, als er zwei Männer den schrägen Hang niederkommen sah, die ihre Lasttiere am Zaune führten. In diesen mußte er jedenfalls den Täter vermuten, und da er eine heftige Szene zwischen den verschiedenen Parteien zu verhindern wünschte, blieb er stehen, um sie zu erwarten. Kaum aber waren sie etwas näher gekommen, als er in dem einen seinen alten Freund, den Doktor Rascher, erkannte und mit einem ordentlichen Jubelruf ihm entgegeneilte. „Doktor!“ rief er dabei, die Hand nach ihm ausstreckend. „Sie sendet mir in diesem Augenblick der Himmel, und ich weiß nicht, wessen Gesicht ich auf der weiten Gotteswelt gerade jetzt lieber sehen möchte, als das Ihre.“ „Mein lieber Mr. Hetson,“ rief der alte Mann ebenso freudig aus;„es tut meinen alten Augen wohl, Sie so gesund und lebensfrisch mir entgegenkommen zu sehen. Nur sehr blaß sind Sie noch. entsetzlich blaß; die Bergluft hat noch nicht lange genug auf Sie einwirken können, aber bald werde ich ja wohl die Freude haben. Sie vollkommen wieder hergestellt zu sehen.“ „Doktor, ich habe Ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen.“ ### gnebertdrsammlungen einberufen. Dann sei er zu Geverolversammlungen übergegangen. Und jetzt arrangiere er gar Protestversammlungen, und das, obwohl die Telegraphenarbeiter an den letzten Jahren wiederholt Aufbesserungen erhalten hätten. Wie es sich mit der Richtigkeit dieser letzteren Behauptung verhält, das hat V. in der fraglichen Versammlung bereits dargelegt, nachdem er auch dem vernehmenden Beamten gegenüber kein Hehl daraus gemacht hatte, daß die Verwaltung auf diese Aufbesserungen nicht stolz sein dürfe. Im übrigen lehnte er die Ruckgängigmachung der Versammlung, die ja auch aus praktischen Gründen unmöglich gewesen wäre, aus Erwägungen prinzipieller Natur ab. Die Versammlung fand statt, Vallenthin erstattete den Bericht, hielt sich aber auch dabei durchaus im Rahmen des Erlaubten. Trotzdem wurde er am Dienstag, 21. September, zum Telegraphenbauamt zitiert, dort wurde ihm aufgegeben, seine Ausführungen vom Sonntag von A bis Z zu widerrufen und in der Tagespresse zu erklären, die Zustände bei der Verwaltung seien derart günstige, daß zu der Kundgebung ganz und gar keine Veranlassung vorgelegen habe! Vallenthin lehnte es ab, eine solche Erklärung, die den Tatsachen zuwiderlaufen würde, abzugeben. Darauf erhielt er seine Kündigung zum 5. Oktober 1909! Man hat ich nicht einmal die Müye genommen, irgend einen dienstlichen Grund herauszusuchen, sondern entblödete sich nicht, ausdrücklich die Tätigkeit Vallenthins als Bundesvorsitzender und Ausschußmitglied, burch die er sich mißliebig gemacht habe, als Kündigungsgrund zu bezeichnen.— Die Reichs= Postverwaltung hat alle Veranlassung, sich zu dieser Angelegenheit zu äußern, zumal diese Darstellung vielleicht nach der einen oder anderen Richtung hin einer Vervollständigung oder Richtigstellung bedarf, da sie naturgemäß nur auf Umwegen an den„Vorwarts“ gelangte. Meiden doch die Staatsarbeiter aus, wie es scheint, nicht unberechtigter Furcht vor der Rache der Verwaltung jede Berührung mit der Sozialdemokratie und ihrer Presse. Aber wenn auch nur so viel richtig sein sollte, daß Vallenthin entlassen ist, die anderen allerdings höchst bestimmten Bekundungen jedoch Kombination sind, läge es im Interesse der Reichs=Postbehörde, sich zu der Beschuldigung zu äußern, daß sie ihren Angestellten das gesetzlich gewährleistete Koalitionsrecht raubt! Der Zeitpunkt der Entlassung Vallenthins legt eine solche Schlußfolgerung mindestens sehr nahe! Eine Totenfeier. Für den im September 1907 von dem Gendarmeriewachtmeister Jude in der Nähe von Stolpe bei Berlin erschossenen Genossen Adolf Herrmann wurde am Sonntag auf dem Friedhofe in Hohen=Neuendorf ein Gedenkstein enthüllt. Es hatten sich etwa 6000 Personen eingefunden. Der Feier voran ging eine Gedenkversammlung in Stolpe, in der Reichstagsabgeordneter Genosse Stadthagen die ganze Angelegenheit ausführlich behandelte. Er teilte u. a. mit, daß alle Versuche, den Gendarmeriewachtmeister Jude für die Tat verantwortlich zu machen, gescheitert seien, denn weder die Disziplinaruntersuchung noch das Strafverfahren habe einen Erfolg gezeitigt, Auch eine Schadenersatzklage der Hinterbliebenen sei abgewiesen worden. In geschlossenem Zuge erfolgte dann der Marsch nach dem nahegelegenen Kirchhof in Hohen=Neuendorf, wo die Massen am Grave des Erschossenen vorbeidefilierten. Ein starkes Aufgebot von Gendarmen und Sicherheitsbeamten war selbstverständlich ebenfalls zur Stelle. Auf dem Grabe wurde eine große Zahl von Kränzen mit roten Schleifen und Widmungen der sozialdemokratischen Wahlvereine, der Gewerkschaften und des Arbeiter=Radfahrerbundes niedergelegt. Die belgische Parteischule. Der„Leipziger Volkszeitung“ wird aus Brüssel berichtet: Der Generalrat der belgischen Arbeiterpartei hat einen kurzen Bericht veröffentlicht über die Tätigkeit der Brüsseler Parteischule im Winter 1908/09, dem ersten Semester ihres Bestehens. Die Schule wurde nach jahrelangem Zögern und nach mehreren mißlungenen Versuchen im vorigen Jayre ins Leben gerufen, um dem in Belgien besonders stark empfundenen Mangel an geschulten Kräften, besonders für die mündliche Agitation, abzuhelfen. Da die aus dem geringen Jahresbeitrag von 10 Centimes pro Mitglied gewonnenen Einnahmen der Parteizentrale bei weitem nicht ausreichen würden, eine Anstalt nach dem Muster der Berliner Parteischule zu gründen, mußte man sich auf die Einrichtung von kleinen Vortragszyklen an den Sonntagvormittagen im Brüsseler Volkshause beschränken. Die Lehrkräfte gewann man durch einen Aufruf an die für geeignet gehaltenen opferfreudigen Genossen. Die Beteiligung an den Kursen wurde jedem Genossen freigestellt. Auch einige Genossen aus der Provinz— der Bericht sagt leider nicht, wieviel— haben sich als Schüler gemeldet, sie mußten dann aber auf eigene Kosten nach Brüssel hin= und zurückfahren. Im vergangenen Semester wurden Vorlesungen gehalten über: 1. Der Kollektivismus und die industrielle Entwicklung „Den Augenblick, mein lieber Herr, stehe ich Ihnen zu Diensten; Ihre Frau ist doch wohl und munter?“ „Vollkommen“ „Gott sei Dank! So erlauben Sie mir denn, Ihnen hier vor allen Dingen einen lieben Freund von mir, den Baron von — ja so— den Mr. Lanzot vorzustellen, der sich allerdings nicht gleich auf die beste Weise bei Ihnen einführt, denn ich sehe, das von ihm in tollem Mutwillen bergabgerollte Rad hat da unten einige Verwirrung angerichtet. Hoffentlich nicht in Ihrem Zelt?“ „Nein, lächelte Mr. Hetson,„aber es sind Schiffsgefährten von uns, denen Sie das Mittagessen verdorben haben. Unter anderen jener komische Kauz mit der ewigen langen Pfeife, den Sie den Jus—, wie war der Name gleich, justice?“ „O, der Justizrat?“ lachte der Doktor;„nun, wir werden suchen müssen, ihn zu besänftigen, was ja doch wohl nicht schwer halten wird. Lieber Lanzot, ich habe das Vergnügen, Ihnen hier den wackeren Mr. Hetson vorzustellen. Sie erinnern sich wohl, daß wir über ihn und seine liebenswürdige Gattin sprachen, als ich ihr damals die junge Spanierin als Begleiterin empfahl Hetson,“ sagte der junge Mann, sich leicht vor dem Amerikaner verbeugend, während ein tiefes Rot seine Wangen färbte,„ich bin erfreut, Sie kennen zu lexnen, und bedaure nur, daß es mit solcher Einführung geschieht. „Sie werden sich mit Ihren Landsleuten wohl darüber verständigen können, sagte freundlich der Amerikaner,„darf ich Sie jetzt bitten, lieber Doktor?“ „Sie scheinen in Eile, Freund, aber erst müssen wir doch hier die Sache regulieren, denn mir, als altem Schiffskameraden und sonst ruhigem, gesetztem Mann, werden sie wohl leichter glauben, daß dem angerichteten Unglück kein bösartiger Mutwille zu Grunde gelegen, noch dazu, da wir gern bereit sind, jeden etwa erlittenen Schaden zu ersetzen. Hetson mußte sich dem schon fügen, und die Männer stiegen jetzt gemeinschaftlich zu dem empörten Justizrat hinunter, der im Anfang aber nicht einmal den ruhigen Vorstellungen des alten Doktors und Schiffskameraden Gehor geben, sondern die Sache absolut zu einem„Kriminalprozeß" treiben wollte. Das Anerbieten, ihm den erlittenen Schaden zu ersetzen, machte ihn dabei noch böser, und erst als er sich in allem Grimm eine frische Pfeife gestopft hatte, schien sich sein Aerger in etwas zu legen. Das Mittagessen war freilich total in die Asche gefallen, und keine Möglichkeit, auch nur einen Teil desselben zu retten. Der Assessor aber versprach in seiner unverwüstlichen Gutmütigkeit, augenblicklich für anderes zu sorgen; Herr Hufner lief fort, um indessen einen Kabel herbeizuholen, und der Justizrat wurde endlich dahin gebracht, dem jungen Lanzot die Hand zu „Schön— Dummheiten— Rad bergunter rollen,“ sprach er dabei,„beinahe Pfeife zerbrochen— verdammte Kalifornien und als die Drei sie verlassen hatten, setzte er hinzu— Maulaffe— Kessel zerbrochen— Hand schutteln— Tür hinauswerfen“— und qualmte ärger als je. (Fortsetzung folgt.) (Lehrer: Vandervelde, später Bourquin), 2. Die Geschichte des Sozialismus in Belgien(Bertrand), 3. Die Krankenversicherung (Wauters), 4. Die Gewerkschaftsbewegung(Devinne, de Brouckäre und Huysmans), 5. Die Genossenschaftsbewegung (Serwy), 6. Die Sozialpolitik(Vinck und Deswarte), 7. Der Militarismus(Delporte), 8. Das öffentliche Unterrichtswesen (Furnémont), 9. Die Kolonialpolitik(de Brouckère), 10. Die Kommunalpolitik(Vinck und Grimard), 11. Die Organisation der Partei(Huysmans, Bergmans und Maes). Diese Auswahl der Unterrichtsgegenstände verrät eher eine auf die Lieferung von Agitationsmaterial gerichtete zufällige Häufung von Vortragsthemen, als ein auf nie prinzipielle chulung der Genossen gerichtetes wirkliches Unterrichtssystem. Immerhin ist es in Anbetracht der belgischen Parteiverhaltnisse erfreulich, daß man in dieser Parteischule ein Zentrum geistigen Lebens geschaffen hat, von dem wenigstens die Anregung zu vollkommeneren Bildungserscheinungen erwartet werden kann. Für den vlämischen Landesteil, für den die Brüsseler Schule, wo nur französisch vorgetragen wird, kaum in Betracht kommt, ist die Einrichtung einer ebenfalls vorläufig nur am Sonntagvormittag funktionierenden Parteischule geplant, die jedoch nach ihrem prinzipiellen Bildungszweck und der Disposition der Unterrichtsgegenstände dem Berliner Muster bedeutend näher kommen soll, als die Brüsseler Einrichtung. Es ist jedoch nicht zu erwarten, daß dieser Plan sich vor dem Ablauf der nächsten zwei Jahre verwirklichen lassen wird. Gewerkschaftsbewegung. Arbeiterentlassungen in der Flaschenindustrie. Die Entlassungen in den deutschen Flaschenfabriken, die schon seit einiger Zeit sehr zahlreich zu beobachten waren, nehmen ihren Fortgang. Im letzten Jahre wurden in allen Flaschenfabriken ganz bedeutende Entlassungen vorgenommen. Der Verband der Glasarbeiter mußte ungeheure Summen für die Unterstützung dieser Arbeitslosen aufwenden. Am 18. September erhielten in der Stralauer Glasfabrik 60 Arbeiter die Kündigung, deren Arbeitsverhältnis am 2. Oktober gelöst ist. Offensichtlich gegen organisierte„Arbeiter aber aeht die Firma E. C. Gädtke in Ottensen bei Hamburg mit den Entlassungen vor. Am letzten Sonnabend erhielten 8 Flaschenmacher in diesem Betriebe die Kündigung; von diesen gehoren 4 Arbeiter der Agitationskommission des Verbandes an und 2 Arbeiter der Ortsverwaltung. Ein bereits früher von der Firma entlassener Flaschenmacher hatte bei der Firma Mohr in Bahrenfeld Arbeit gefunden; er wurde dort jedoch auf Veranlassung des ersten Direktors entlassen, trotzdem Arbeit genügend vorhanden war. Der betreffende Arbeiter hatte sich aber ebenfalls in rech. lebhafter Weise an der Agitation für den Glasarbeiterverband unter den Arbeitern der Gädtkeschen Glashütten beteiligt, und jedenfalls auf Veranlassung der Firma E. C. Gädtke ist er entlassen worden. Es werden deshalb hiermit alle Flaschenmacher auf das Vorgehen der Firma E. C. Gädtke in Ottensen bei Hamburg aufmerksam gemacht! Der„Bergknappe“ wegen Beleidigung vor Gericht. Wegen eines Schmähartikels gegen den Vorstand des Bergarbeiterverbandes sollte sich am Freitag der Redakteur Imbusch vom christlichen„Bergknappen“ vor dem Schöffengericht in Essen verantworten. Es handelt sich um eine seitens der Christlichen mit vielem Aplomp verbreitete Schauermär anläßlich der Knappschaftswahlen. In einem Artikel des christlichen„Bergknappen“ war behauptet worden, daß der Verbandsvorstand, speziell der Vorsitzende Sachse, veranlaßt bezw. zugelassen hätte, daß bei der Knappschaftswahl von 1904 von einem Verbandsfunktionär anonyme Flugblätter verbreitet wurden, laut denen der christliche Führer Brust von den Zechenbesitzern mit 30000 Mk. bestochen sein sollte. Da der Beklagte zum Termin nicht erschienen war, beschloß das Gericht, einen neuen Termin anzuberaumen und den Angeklagten, wenn er auch zum nächsten Termine nicht erscheint, polizeilich vorführen zu lassen. Mit der Beweiserbringung für seine vagen Verdachtigungen scheint es der Redakteur des„Bergknappen“ nicht so eilig und wichtig zu haben, wie mit der Verbreitung der Verleumdung. Aus der Dunkelkammer des Metallindustriellen=Arbeitsnachweises in Leipzig. Die Metallindustriellen Leipzigs haben seit Jahren einen Arbeitsnachweis, der sich den beruchtigtsten seiner Art an die Seite stellen kann. Als sie ihn errichteten, wußten sie, welche Waffe sie sich damit gegen die Arbeiterschaft schmiedeten, und sie haben diese auch unbarmherzig gebraucht. Seit Jahren hat sich nun bei den Arbeitern ein bitterer Groll gegen dieses Institut angehäuft, das sich zu einem Maßregelungsbureau schlimmster Art entwickelt hat. Und nicht nur das. Die Behandlung, die den Metallarbeitern dort zuteil wurde, ist derart, daß man die Langmut der Arbeiter nicht genug bewundern kann. Ein früherer Schreiber vom Amtsgericht in Wurzen, namens Birnbaum, schaltet und waltet dort so nahezu als absoluter Herrscher; ihm sind die Arbeitsuchenden auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. Als im Jahre 1905 ein Prozeß eines Eisendrehers gegen ein Mitglied des Industriellenverbandes nur durch das zweifelhafte Auftreten des Arbeitsnachweisführers abgeschlagen werden konnte, gingen die Industriellen zu einer neuen Organisation ihres Maßregelungsbureaus über. Sie legten nach Berliner und Hamburger System Personalkarten an, so daß für jeden Arbeiter, der einmal durch den Arbeits nachweis Arbeit erhalten hatte— und anders kann ein Metallarbeiter in Leipzig kaum Arbeit bekommen—, Karten mit Namen, Geburtsort,=jahr und-tag. sowie mit einem„Führungszeugnis" des Unternehmers(Grund der Entlassung oder Kündigung), das Material zum Steckbrief alias schwarze Liste immer da ist. Und dieses Personalkartensystem funktionierte„ausgezeichnet“, kann doch jede Firma in diesen Geheimnislisten angeben, was ihr beliebt. Um sich aber vor unangenehmen Klagen und Prozessen zu sichern, haben die Industriellen dem Arbeitsnachweisführer das Recht gegeben, bei Einstellungen von Arbeitern das letzte Wort zu reden. Der Schein, den die Fabrikanten dem arbeitsuchenden Metallarbeiter für den Arbeitsnachweis ausstellen, enthält nämlich den Passus: „Unterzeichnete Firma beabsichtigt den.......... einzustellen, falls demselben dertseits ein Arbeitsnachweisschein ausgefertigt wird.“ Mit dieser Klausel decken sich die Industriellen und die Arbeiter sind dem Arbeitsnachweisführer mit Haut und Haaren ausgeliefert. Und diese Machtstellung nutzt der Arbeitsnachweisführer in skrupelloser Weise aus, so daß sich schließlich die Metallarbeiter veranlaßt sahen, am Freitag abend in einer nach dem Leipziger Krystallpalast einberufenen, von über 3000 Personen besuchten Versmmlung Stellung zu nehmen. Von stürmischen Pfui= und Entrüstungsrufen unterbrochen, schilderte der Bevollmächtigte Probst die Zustände ir dem Arbeitsnachweis. Ein Former. Vater von neuen Kindern, hatte am 10. Juli 1908 wegen Lohndifferenzen die Arbeit aufgekündigt und erhielt, trotzdem er wiederholt Arbeit zugesagt bekam, vom Arbeitsnachweis keinen Schein und mußte endlich abreisen. Ein anderer Former, Vater von fünf Kindern, hat bis heute noch keinen Schein begar nichts zu melden; ich bin vom Gesamtverband angestellt!— Probst konnte eine ganze Reihe derartiger Fälle aufzählen, die aber nur einen Bruchteil all der Drangsalierungen bilden, deren sich der Herr brüstet. So tituliert er die Arbeitslosen mit den ordinärsten Schimpfworten. Auch sagte er:„Geht doch zu eurem bankrotten Metallarbeiterverband und laßt euch was zu fressen geben!“ Dann rühmt er sich,„einen Schmied mit der Schnauze in den Ausguß der Wasserleitung gestoßen zu haben, daß er von der Sanitätswache wieder herausgelangt werden mußte!"— Wenn ein Arbeiter nach Aufgabe seiner bisherigen Stellung sich nicht sofort meldet, erklärt ihm Birnbaum: So lange sind Sie schon arbeitslos und jetzt erst finden Sie mich. Nun können Sie auch so lange warten, wie Sie gebraucht haben, zu uns zu kommen, ehe ich Sie einschreibe!— Die Gewerkschaftsführer sind ihm Lumpen, Halunken, Gauner, Spitzbuben und vollgefressene Menschen. Der Herr aber bezieht 300 Mk. Monatsgehalt, was in Leipzig kein Gewerkschaftsangestellter ausweisen kann. In einer Resolution drückte die Versammlung ihre Entrüstung über dieses Maßregelungsbureau und die Behandlung der Arbeitsuchenden durch den Arbeitsnachweisführer aus. Einmal an das Licht gezogen, werden die Zustände in dieser Dunkelkammer der Metallindustriellen wohl weitere Kreise ziehen. Weitere Vereinbarungen zur Vermeidung von Arbeiterentlassungen in der Brauindustrie. Der„Verband der Brauereien von Hannover und Umgegend“ hat in Unterhandlungen mit dem Brauereiarbeiterverband sich verpflichtet, Arbeiter bis zum 1. Mai 1910 nicht zu entlassen, wenn der Konsumrückgang, an den Umsatzziffern des gleichen Monats des Vorjahres gemessen, die Höhe von 15 Prozent nicht übersteigt. Die Vereinbarung hat Giltigkeit, wenn im Laufe des Monats die Bierstreitigkeiten erledigt werden und tritt außer Kraft in Fällen des Boykotts. Bevor jedoch Ausstellungen vorgenommen werden, treten die beiden Organisationen zur nochmaligen Verhandlung zusammen. Zum Kampf in Schweden. Nachdem im Laufe der letzten Wochen die Verhandlungen zwischen den beiden kämpfenden Parteien zu Ende geführt waren, hatten die Vergleichsbeamten den Auftrag, einen detaillierten Vermittlungsvorschlag auszuarbeiten. Dieser ist nun auch am Sonnabend abend den beiden Parteien unterbreitet worden, enthält aber für die Arbeiterschaft unannehmbare Bedingungen. Eine Vorstände=Konferenz der Gewerkschaften, die am Sonntag und Montag in Stockbolm tagte, hat bezüglich der ursprünglichen Konflikte drei Punkte in den Vorschlagen der Vergleichsbeamten abgelehnt. Außerdem hatten die Vergleichsbeamten einen Auftrag von der Regierung, ein Verhandlungsreglement für künftige Konflikte zwischen den beiden Hauptorganisationen der Arbeiter und der Unternehmer auszuarbeiten und wenn möglich, zur Annahme zu bringen. Den Entwurf zu einem solchen Verhandlungsreglement haben die Vergleichsbeamten nun zu gleicher Zeit den beiden Parteien unterbreitet. Der Entwurf entspricht jedoch lediglich den Intentionen der Unternehmer und konnte die Vorstandekonferenz der Gewerkschaften auch diesem Entwurfe nicht zustimmen. Die Gewerkschaften halten als absolute Bedingung des Friedens an der Forderung fest, daß durch jene Verhandlungsordnung die Selbständigkeit der Arbeiterorganisation in keiner Weise angetastet wird. Auf diese Forderung der Arbeiter nimmt der Entwurf in keiner Weise Rucksicht, so daß er in der vorliegenden Fassung unbedingt abgelehnt werden mußte. Wie wir schon früher gemeldet haben, ist also kaum anzunehmen, daß die jetzigen Verhandlungen den Schluß des Kampfes herbeiführen werden; es ist vielmehr damit zu rechnen, daß der Kampf noch auf Wochen hinaus fortdauern wird. Ein jugendlicher Mörder. Prag, 27. Sept. Das Schwurgericht in Böhmisch=Leipa verurteilte den 15 jährigen Glasmacherlehrling Wänke wegen meuchlerischen Raubzuges zu 12 Jahren schweren Kerkers. Wänke hatte am 18. Juli d. J. die Witwe Werner in deren Geschäft mit einem Beil erschlagen, die Ladenkasse beraubt und ein hinzukommendes 12jähriges Mädchen ebenfalls niedergeschlagen und schwer verletzt. Milttärisches. Schwere Rekrutenmißhandlungen haben sich einige alte Leute der 10. Kompagnie des 92. Infanterie-Regiments in der Mannschaftsstube des Truppenubungsplatzes in Munster zuschulden kommen lassen. In Braunschweig stellte ein„alter Mann beim Exerzieren dem Rekruten Betel ein Bein, so daß dieser hinsturzte. Er ließ sich das nicht gefallen und meldete als Tater den Musketier Ritterbusch. Dafür sollte er von den alten Leuten, wie ihm von vornherein gedroht worden war, im Munsterlager büßen. Die alten Leute wurden ihrer Angabe nach in ihrem Vorhaben noch durch den Unteroffizier Dietrich bestärkt, der sich geäußert haben soll:„Betel muß mal eine Naht haben; haut ihn man, ich sehe nichts. Ein anderer Rekrut, Fischer, dem von allen Seiten das Zeugnis eines stillen, friedliebenden, anständigen Menschen ausgestellt wird, wurde beschuldigt, eine Drillichjacke weggenommen zu haben. Dafür sollte er Schläge haben. Die Musketiere Ritterbusch, Timme und Flügge uberfielen die beiden Rekruten am Abend des ersten Pfingstfeiertages und schlugen mit Fäusten, Schemeln, Klopfpeitschen und Klopfpeitschenstielen so unbarmherzig auf die jungen Kameraden ein, daß beide blutüberströmt bewußtlos zusammenbrachen. Die Mißhandlung wurde sogar noch ein zweites Mal fortgesetzt. Das Zeug der alten Leute war vollständig mit Blut besudelt. Die Mißhandelten mußten ins Lazarett getragen werden. Betel war 8 Tage dienstunfahig und Fischer wurde so mit Schlägen gegen den Kopf traktiert, daß er am 10. August der Irrenanstalt in Hildesheim überwiesen werden mußte. Nach den verschiedenen ärztlichen Gutachten hat Fischer seine Selbständigkeit verloren und wird zeitlebens ein geistig minderwertiger Mensch bleiben. Das Kriegsgericht der 20. Division in Braunschweig verhandelte jetzt über den Fall und verurteilte Flügge zu 2 Jahren und 1 Monat, Ritterbusch zu 2 Jahren und Timme zu 1 Jahr und 11 Monaten Gefängnis. Der Gefreite Biethan, der die Prügelei als Stubenältester geduldet hat, wurde mit 4 Wochen Mittelarrest bestraft.— Ein ähnlicher Fall wird aus Glogau gemeldet. Die Kanoniere Schleesack, Kabitza und Czrizczac vom 6. Fußartillerie=Regiment waren angeklagt. Eines Abends im Juli d. J. waren die sogenannten alten Leute darüber ergrimmt, daß die Rekruten Reservelieder sangen. Die alten Leute griffen zu Säbeln und Schemeln und schlugen auf die Rekruten ein. Die Schemel dienten auch als Wurfgeschosse. Ein Rekrut trug eine blutende Kopfwunde davon, ein anderer wurde am Rücken schwer verletzt. Das Gericht verurteilte Schleesack zu 2 Wochen Gefängnis, die beiden anderen Angeklagten wurden freigesprochen.— Ein weiterer Fall von Mißhandlung, an dem alle drei beteiligt sind, wurde vertagt.— Vermischtes. Die Unterschlagung der südwestafrikanischen Diamanten. Berlin 26. Sept. Zu den Unterschlagungen von Diamanten in Deutsch=Südwestafrika wird noch gemeldet: Der Verhaftete ist der Berliner Chemiker Georg Heim, der zuletzt in einer Villa in Groß=Lichterfelde wohnte. Heim war als Sachverständiger nach Lüderitzbucht geschickt worden, hat aber zum guten Teil in seine eigene Tasche gearbeitet. Mit großem Raffinement schmuggelte er die Diamanten aus Lüderitzbucht heraus. Um die Beamten zu täuschen, stellte Heim einen Zementbrei her und mengte die Diamanten in diesen Brei. Dann gab er dem Brei die Form von Würfeln und ließ ihn verhärten, so sandte er die Diamanten von Lüderitzbucht nach Deutschland. Er hat sie hauptsächlich in Dresden, Leipzig, Hamburg und Breslau abgesetzt, wahrend er den Berliner Markt mied. Der Handel ging so glatt von statten, daß Heim sich nicht damit begnügte, seinen Vorrat loszuwerden, sondern sich auch Abnehmer für die Zukunft sicherte. Seine Verhaftung erfolgte in einem Café auf dem Potsdamer Platz. Am Freitag sollte er aus dem Polizeigefängnis nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht werden. Er bat, nach seiner Wohnung gebracht zu werden, und man willfahrte dem Wunsch. Unter dem Vorgeben, Messungen vornehmen zu wollen, näherte sich Heim daselbst dem Fenster und sprang plötzlich hinaus. Er fiel acht Meter tief in den Garten hinunter, verletzte sich am Kopfe und an den Armen und verstauchte sich die Beine, so daß er nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. Nachdem die Aerzte festgestellt hatten, daß keine Knochen gebrochen sind, wurde er in die Krankenabteilung des Untersuchungsgefängnisses Moabit gebracht. Ein ungetreuer Stadtsekretär. Suhl i. Th., 28. Sept. Schon seit einiger Zeit wurde in der Stadt das Gerücht verbreitet, der verstorbene Stal fizit in der Stadtkass vom Urlaub zurückge organ„Tribune“ in in der das wiederge gegelrecht revidierten In der Stadtvert gegeven werden, daß hofslasse seit 1899 ni Belege mehr vorhand gefunden, aber sonst stellte sich nun ein n aus. Die unterschla sein, da seit 1903 jed Der Herr Stadise stütze! Botsunfall. Ess aus Essen vergnügten In der Nähe der Wechseln der Plätze Es gelang, den einen Tod in den Wellen. Selbstmord. Ha der vergangenen Nat Goldvogel aus Span Liebesdrama. Fr heim har sich heute v drama abgespielt. T Aporta aus Dietenbe siebzehnjährige Döng wurden lebensgefähr! gebracht. § 175? Es steht Elditt, der auch Mite Der freiwillige Tod amtlichen oder städti soll von Unterschlagu Dem„Berl. Lok.= gramm aus Frankfur das Dunkel zu bringe „An den Oberbur namentlich von Fran auch sind größere G worden. Die Erpresse Rohe Autler. W Arzt Dr. Sprung aus gekauft, die er mit ei wollte. Vier Kilome Fahrzeug von einem Automobil angefahrer daß es völlig zertrüm geschleudert und erl Chauffeur mit leichte Fahrzeug fuhr in so Nummer genau festge Keine Unterschlagn raldirektion des Drei dungen über die Vork Königlichen Ballettko dener Rundschaa" unn der Platen= Stiftun Wegen Lagerat 6 und 8 am Frei die Verkaufsstellen 2, nachmittags, Sämtliche W Giltigkeit zu ve den 30. Septem eingetauscht sein Bestellungen auf sind umgehend in den Dann machen wir aufmerksam. Einzahl genommen und diesel Die den 1. Oktober, mn Vel Abendkursus Am 1. Oktober begin wieder ein dreimonatliche wöchentlich zweimal von 1. Handarbeit, wie Flich 2. Maschinennähen, An 3. Schneidern, Anfertige sieren alter Garderob 4. Putzmachen, Nähen Garnieren und ModDie städtischen Behör zu unterstützen, als zu de lichen Kursus 15 Mk. betra Mitteln als Zuschuß bezah für den Kursus nur 9 Mi zur Benutzung dringend er Herford, den 25. eoouizetts Eil en und vollgefressene Monatsgehalt, was usweisen kann. sammlung ihre Entund die Behandlung eisführer aus. Einnde in dieser Dunkelre Kreise ziehen. dung von Arbeiterband der Brauereien ehandlungen mit dem Arbeiter bis zum isumrückgang, an den rjahres gemessen, die ie Vereinbarung hat Bierstreitigkeiten erfällen des Boykotts. werden, treten die handlung zusammen. m Laufe der letzten den kämpfenden Parergleichsbeamten den orschlag auszuarbeiend den beiden Parie Arbeiterschaft un-Konferenz der Geig. in Stockbolm iuflikte drei Punkte abgelehnt. einen Auftrag von für künftige Konionen der Arbeiter wenn möglich, zur ungsreglement haben it den beiden Parjedoch lediglich den die Vorstandekonirfe nicht zustimmen. ngung des Friedens erhandlungsordnung in keiner Weise anIrbeiter nimmt der in der vorliegenden ist also kaum anzu4* schluß des Kampfes zu rechnen, daß der wird. sept. Das Schwur15 jährigen GlasRaubzuges zu 12 18. Juli d. 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Nachdem der Bürgermeister vom Urlaub zurückgekehrt war, verlangte er von unserem Parteiorgan„Tribüne“ in Erfurt die Aufnahme einer Berichtigung, in der das wiedergegebene Stadtgerucht entkräftet wurde, in der hofskasse seit 1899 nicht revidiert worden sei und seit 1901 keine Belege mehr vorhanden seien. Nur einige Bleistiftnotizen wurden gefunden, aber sonst fehlt jeder Anhalt. Bei dieser Prüfung stellte sich nun ein nachweisbarer Fehlbetrag von 4684 Mk. herslagene Summe dürfte aver bedeutend höher sein, da seit 1903 jeder Nachweis fehlt. „Der Herr Stadtsekretär war jederzeit eine kräftige OrdnungsBotsunfall. Essen a. R., 27. Sept.,„ Mehrerezjunge Leute aus Essen vergnügten sich gestern auf der Ruhr mit Ovoisfahren. Mendener Muhle kippte der Kahn beim Wechseln der Plätze um und die Insassen stürzten ins Wasser. Es gelang, den einen zu retten, die beiden anderen fanden den in den Wellen. Einer der Ertrunkenen heißt Wuhmann. Selbstmord. Hannover, 27. Sept. Erschossen hat sich in der vergangenen Nacht ein Mann, der sich als Sattlermeister woldvogel aus Spanien ins Fremdenbuch eintrug. Liebesdrama. Frankfurt a. M., 27. Sept. In Schwanheim har sich heute vormittag am Ufer des Mains ein Liebesdrama abgespielt. Der in den 20er Jahren stehende Maurer Aporta aus Dietenbergen versuchte sich und seine Geliebte, die siebzehnjährige Dönges, aus Schwanheim zu erschießen. Beide mirden, lebensgefährlich verletzt in das Höchster Krankenhaus ? Es steht jetzt fest, daß sich der Oberbürgermeister Elditt, der auch Mitglied des Herrenhauses war, erschossen hat. Der freiwillige Tod soll aber in keinem Zusammenhange mit amtlichen oder städtischen Angelegenheiten stehen, insbesondere soll von Unterschlagungen von Stiftsgeldern keine Rede sein. Dem„Berl. Lok.=Anz. geht in der Angelegenheit ein Telegramm aus Frankfurt a. M. zu, das geeignet erscheint, Licht in das Dunkel zu bringen Es lautet: „An den Oberburgermeister Elditt waren in letzter Zeit, namentlich von Frankfurt a. M., Erpresserbriefe abgegangen, auch sind größere Geldsummen von Elditt nach hier geschickt worden. Die Erpresser sind bis jetzt nicht bekannt.“ Rohe Autler. Wittenberg, 27. Sept. Der praktische rzt Dr. Sprung aus Querfurth hatte in Berlin eine Zyklonette getauft, die er mit einem Chauffeur nach Querfurt überführen woute. Vier Kilometer von Wittenberg entfernt wurde sein Fahrzeug von einem von hinten kommenden rotangestrichenen Automobil angefahren und gegen einen Baum geschleudert, so daß es völlig zertrümmert wurde. Dr. Sprung wurde herausgeschleudert und erlitt schwere Verletzungen, während der Chauffeur mit leichteren Verletzungen davonkam. Das fremde Fahrzeug fuhr in schnellstem Tempo weiter, ohne daß seine Nummer genau festgestellt werden konnte. Keine Unterschlagungen? Dresden, 27. Sept. Die Generaldirektion des Dresdener Hoftheaters erklärte zu den Meldungen über die Vorkommnisse bei der Platen=Stiftung und im Königlichen Ballettkorps, daß die Behauptungen der„Dresundschaa" unwahr seien, zibt aber gleichzeitig zu, daß in der Platen- Stiftung, welche allerdings nicht der Generaldirektion untersteht, große Unregelmäßigkeiten vorgekommen sind, deren Höhe noch nicht festgestellt werden konnte. Wegen der Beschuldigungen gegen den Ballettmeister Berger sei diesem aufgegeben worden, Klage gegen die„Dresdener Rundschau" zu erheben. Auf das Ergebnis dürfte man gespannt sein. Vom Zuge übergefahren. Bozen, 27. Sept. Im Tunnel im Eisacktal wurde eine Dräsine mit vier Arbeitern von einem Zuge übergefahren. Alle vier sind schwer verletzt, der Verkehr ist nicht behindert. Ein Ort in Flammen. Lemberg, 27. Sept. In der Stadt ein großer Brand. 200 Wohnhäuser sind eingeäschert, 120 Familien obdachlos. Ausschreitungen auf der Radrennbahn. Antwerpen, 27. September. Wahrend der gestrigen Radrennen, welche kurz nach Eröffnung wegen eingetretenen Regens eingestellt werden mußten, kam es zu skandalösen Auftritten. Zirka 2000 Anwesende erhahen Einspruck zegen: H# Wrlende erhoben Einspruch gegen die Direktoren, welche das Eintrittsgeld nicht zurückzahlen wollten. Die Demonstranten zerstötten die Einrichtung der Bahn, die Polizei mußte einEine Kindesleiche im Paket. Arlon, 27. Sept. In einem aus Brüssel kommenden Eilzug wurde ein Paket gefunden, in dem sich die Leiche eines erdrosselten Kindes befand. Der Enkel als Mörder. Budapest, 27. Sept. In der Gemeinde Perep hat der Arbeiter Anton Argales seinen 80jährigen Großvater, den Wirtschaftsbesitzer Juhacs sowie dessen 73jährige Frau, ermordet und beraubt. Der Mörder wurde verhaftet. Betrügerische Offiziere. Bukarest, 27. Sept. Blättermeldungen zufolge sind beim 22. Inf.=Reg. große Unterschleife entdeckt worden. Eine Anzahl Offiziere, darunter auch der Oberst, sollen schwer kompromittiert sein. Von der Luftschiffahrt. Berlin 27. Sept.(Internationale Flugwoche.) Auch heute, am zweiten Tage der internationalen Wettfluge auf dem Terrain der Deutschen Fluaplatzgesellschaft zu Johannistal kam der Deutschen Flugplatzgesellschaft z Jehannimlar tum das zahlreich herbeigestromte Puolikum nicht recht auf seine Kosten. Wie gestern, begannen die Flüge, deren Anfang um 1 Uhr stattfinden sollte, wegen des starken Windes erst stundenlang später. war bereits ½4 Uhr, als die Zuschauer durch das Hissen des roten Wimpels benachrichtigt wurden, daß heute geflogen werden würde. Gegen ¾4 Uhr erschien Latham über dem Fluggelände, der 10 Minuten vorher auf dem Tempelhofer Felde aufgestiegen einmal den Platz und landete unter dem Jubel des Publikums. Da der Wind abflaute, stiegen um ½6 Uhr kurz nacheinander die Aviatiker Farman, Leblanc, Besa und Latham auf. Farman umkreiste das Gelände achtmal und gewann damit den schon gestern bestrittenen Entfernungspreis der Stadt Berlin. Latham und Molon gelang es nicht, vom Boden loszukommen, und ebenso erging es dem Belgier Baron de Caiers. Leblanc landete glatt, nachdem er das Flugfeld sechsmal umkreist hatte. In später Stunde machten sich noch einmal die Meschinen Leblancs, Farmans und Baron de Caters flugfertig. Dem letzteren gelang es auch diesmal nicht, aufzusteigen. Die eingetretene Dunkelheit setzte den Flügen ein „Bexlin, 27. Sept. Gegen 3 Uhr 50 Min. kam der franzunische kviatiker Latham, der zum ersten Male in Berlin einen Ueberlandflug ausgeführt hatte und um 3 Uhr 26 Min. vom Tempelhofer Felde aufgestiegen war, auf dem Terrain der Flugplatzgesellschaft an umtreiste das Feld in 2 Minuten 10 1/8 Sek. und landete glatt. Latham benötigte für die 18 Kilometer betragende Strecke von Tempelhof nach Adlershof 24 Minuten. Frankfurt a. M., 27. Sept. Der Parseval III hat heute morgen unter Führung des Oberleutnants Stelling und Hauptmann Dinlinger eine Fahrt nach Mannheim angetreten, wo das Luftschiff gegen 1 Uhr eintrat und auf der Priesenheimer Insel landete. Die Heimreise ging über die Bergstraße. Auf der Rückfahrt sollen Worms und Frankenthal überflogen werden. " Spa, 27. Sept. Während der gestrigen Flüge erlitten die Tuftschiffer Sommer und Delagrange leichte Unfälle. Ihre Apparate wurden beschädigt, die Luftschiffer blieben unverletzt. Die Unfälle werden auf die schlechte Witterung sowie auf den aufgeweichten Boden zurückgeführt. Angesichts dieser Umstände sind die für heute geplanten Flüge auf morgen verschoben worden. Die Zuschauerzahl belief sich auf über 100000. Quittung. „„Bielefeld, 26. Sept. Für die ausgesperrten, im Generalstreik besindlichen schwedischen Arbeiter gingen beim Unterzeichneten folgende Gelder ein: Liste 47 Dürkopp, Tischlerei) 3. Rate 36,55, Liste 23(Hengstenberg, Elastikbau) 10,—, G. in Sudbrack 2.—, Liste 134(Hengstenberg, Lackiererei) 2. Rate 16,30, Liste 3(2. Rate der Bäckereiarbeiter des Bielefelder Consumvereins) 39,—, Liste 46(von der städtischen Betriebe) 2. Rate 5,90, Liste 103(Koch, Tischlerei) 2. Rate 38,50, Liste 39(Koch) 2. Rate 76,50(davon Fahrradrohbau 13.—, Fahrradmontage 3.—, Fahrraddreherei Hürtchleiferei 20.—, Lackiererei 16.—, Schmiede 4.50), Liste 195 Wagenbau) 17,60, Liste 27(Wittkopp u. Co.) 2. Rate 23,35, Liste 9 und 10(Lithographen und Steindrucker) 12,50 resp. —. Liste 2(Hengstenberg, Tischlerei und Packerei) 2. Rate 64,45, Ergebnis eines Schwedentanzes beim Stiftungsfest des von Maurern auf Bauten gesammelt Verhan Sattlerverbandes 10.—, von 66,—, Liste 128(Stutrateure) 12, vom Verrund der Stukkateure 25.—, Liste 41(Koch, Adlerbau) 2. Rate 57,50, Liste 22 Hengstenberg, Fräserei) 15.70, Liste 36(Dürkopp, Stanzerei) # 16.10, Liste 35(Dürkopp, Fahrradbau) 2. Rate 20.90, Tiste 34(Durkopp, Schleiferei) 3. Rate 24,05, Liste 33(Dürkopp, Schleiferei 26.50, Liste 33(Dürkopp, Saal V und SingerSrobsfe 2. Rat, 2750, Listen 135, 136 und 137 Jate 98.15, Liste 60(Koch, Fräserei) 27.—, Liste 100 Wittler) o. mate 21,—, von den Arbeitern der Firma Fiedler, Bauschlosserei 4,25, Liste 81(Dickertmann) 3. Rate 49,25 Liste 43 Autobau) 3. Rate 11,45, Liste 198(Dürkopp, Dreherei) Kassenbau) 2. Rate 24,50, Liste 7 Feilenbagsrl, 21.— Liste 20(Hengstenberg, NähmaschinenmonFF gist. 18 57.30, Liste, 44(Dürkopp, Werkzeugbau, Holzer) 10,95, Liste 42(Durkopp, Dreherei, Fraserei, Schraubendreherei) 2. Rate 75,50, Liste 30(Baer u. Rempel) 2. Rate 57,50(davon Lackiererei 13.—, Schleiferei 14,—, Teutonia=Justiererei 6,—, Phönixbau I 24,50), Liste 31(Baer u. Rempel) 2. Rate 58,25 (dav. Phönixbau II 18,—, Phönix=Justiererei 15,25, Teileschlosse199(Hengstenberg, Magazin) 6,90, Summa 1199,70 Mk., bereits quittiert 5046,89 Mk., insgesamt 6246,59 Mk. Gewerkschaftskartell Bielefeld. Ludwig Beckmann, Kassierer, Oststraße 28 II. Verordnung G. m. b. H. Wegen Lageraufnahme sind die Verkaufsstellen 1, 4, 6 und 8 am Freitag, den 1. Oktober, vormittags, die Verkaufsstellen 2, 3, 5 und 7 Freitag, den 1. Oktober, nachmittags, geschlossen. Sämtliche Warenbons müssen, um nicht die Giltigkeit zu verlieren, bis zum Donnerstag, den 30. September, gegen Dividenden=Marken eingetauscht sein.(§ 32, Absatz 6 des Statuts.) Bestellungen auf Kartoffeln und sind umgehend in den Verkaufsstellen anzugeben.[5273 Dann machen wir die Mitglieder noch auf unsere Sparkasse aufmerksam. Einzahlungen werden vom 2. Oktober ab angenommen und dieselben mit 4 Prozent verzinst. Die Verkaufsstelle Nr. 9 wird am Freitag, den 1. Oktober, morgens, eröffnet. Der Vorstand. betreffend die Abänderung der Polizeiverordnung vom 12. April 1890 über das Töten der Schlachttiere. Auf Grund der§§ 6, 12 und 15 des Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850(Ges. S. S. 265) und der§§ 137 und des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Ges. S. S. 195) verordne ich nach erfolgter Zustimmung des BezirksAusschuß folgendes: Einziger Paragraph. Der§ 1 der Polizei=Verordnung vom 12. April 1890, betreffend das Töten der Schlachttiere(Amtsblatt S. 93), erhält folgenden Wortlaut: Das Töten der Schlachttiere(Groß= und Kleinvieh) ohne Anwendung einer Schlachtmaske oder ohne vorherige Betäubung ist verboten. Dieses Verbot findet keine Anwendung: a) bei den nach jüdischem Ritus zu schächtenden Tieren, b) bei solchen Tieren, welche durch vollständige Trennung des Kopfes vom Rumpfe getötet zu werden pflegen(Geflügel usw.), c) bei Notschlachtungen. ... Der Fall der Notschlachtung liegt dann vor, wenn zu befürchten steht, dup das Tier bis zur Ankunft des zuständigen Beschauers verenden oder das Fleisch durch Verschlimmerung des krankhaften Zustandes wesentlich an Wert verlieren werde, oder wenn das Tier infolge eines Unglücksfalles sofort getötet werden muß. „„Diese Verordnung tritt drei Monate nach dem Tage ihrer Verkündung Minden, den 25. August 1909. Der Regierungs=Präsident, gez. Kruse. Vorstehende Polizei=Verordnung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Die Polizei=Verwaltung. Dr. Heß. Kinder. nahrung Krankenkost. Hervorragend bewährte Nahrung. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an Verdauungsstörung. Phonographen! Ausstellung erstkl. moderner Phonographen und Grammophone. Größte Auswahl der neuesten Walzen und Schallplatten verschiedener Fabriken. Gute und reelle Bedienung bei billigsten Preisen, daher kauft am Platze! Ein Besuch der Ausstellung ist zu empfehlen. 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Die städtischen Behörden haben beschlossen, diese Einrichtung insofern zu unterstützen, als zu dem pro Monat 5 Mk., also für den dreimonatlichen Kursus 15 Mk. betragenden Schulgelde 2 bezw. 6 Mk. aus städtischen Mitteln als Zuschuß bezahlt werden, sodaß die Frauen und Mädchen selbst für den Kursus nur 9 Mk. aufzubringen haben. Diese Einrichtung wird zur Benutzung dringend empfohlen. Herford, den 25. September 1909. Der Magistrat. Busse. Verlobte finden die allergrößte Auswahl in Küchen, Schlafzimmern und Wohnzimmern allerneuster Modelle im Möbelhause von F. Mertens, Jahnsplatz. Eigene Tischler=, Maler= und Polsterwerkstätten. Besichtigung ohne Kaufzwang. Lieferung frei. Preise konkurrenzlos billig. Reisekörbe, 3146“ Waschkörbe, Marktkörbe, sämtliche Korb= und Bürstenwaren billig bei Alfred Beukert, Gehrenberg 33. eine große Partie, weiß emailliert, sollen räumungshalber zu nie gekannt billigen Preisen verkauft werden. 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