Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive * B e s t e l l g e l d. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Se UUbblsos SoUosa Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreie für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht". A. Gerisch& Co., Nieleseld. Nr. 220. Bielefeld, Dienstag, 21. September 1909. 20. Heute abend 6½ Uhr, in der„Centralhalle“: Oonenthene Wamer-Verstma W = Tages=Ordnung: 1. Die bevorstehenden Gewerbegerichts-Wahlen. 2. Das Frauenwahlrecht und die Kozialgesetzgebung. Referent: Karl Severing. Einen Massenbesuch der Bielefelder Arbeiter und Arbeiterinnen erwartet Der Ausschuß des Gewerkschafts=Kartells für Bielefeld und Umgegend. Die dentig Noumer wndicht d Salten. Der Parteitag in Leipzig. Die Parteitage der deutschen Sozialdemokratie folgen aufeinander, aber sie gleichen sich nicht. Zwar ist es Sitte, und vielleicht ist auch die Sitte löblich, daß am Schluß eines jeden Parteitages der Vorsitzende ein Loblied auf den nunmehr am Ende seiner Tagung angelangten Parteitag und die Arbeit, die er geleistet hat, anstimmt, allein längst schon ist die Mehrzah! der Delegierten daran gewöhnt und hört wohl die Botschaft, während zugleich der Glaube zuweilen fehlt. In der Tat, unmittelbar nach Schluß läßt sich nicht feststellen, ob die geleistete Arbeit auch eine ersprießliche war, und ob die Bedeutung des Parteitags für die Entwicklung unserer Partei eine hervorragende sein werde. Unsere Geschichtsauffassung ist ja eigentlich mit der Auffassung, daß ein mehr oder weniger zufälliges Ereignis, wie ein Parteitag nach seinem Zustandekommen immerhin ist, von einschneidender Bedeutung für die Entwicklung unserer Partei sein könne, nicht recht verträglich, wir müssen die Ansicht vertreten, daß nicht durch Parteitagsbeschlüsse die Entwicklung der Partei, sondern vielmehr durch die Entwicklung der Partei die Parteitagsbeschlüsse bestimmt werden. Ein Parteitag wird demnach gute Arbeit gemacht haben, wenn er seine Beschlüsse in richtiger Einsicht dieser Entwicklung gefaßt hat. Ob dies geschehen ist, muß erst durch die folgende Entwicklung bestätigt werden. Allerdings gibt es auch von dieser Regel Ausnahmen. Es gibt in der fortlaufenden Entwicklung Knotenpunkte, wo der Wille der Menschen einen größeren Einfluß ausübt als die materiellen Verhältnisse. Es sind dies die welthistorischen Augenblicke, wo von den Beschlüssen der in dem Menschheitsdrama handelnden Personen außerordentlich schwerwiegende Entscheidungen abhängen können, wo die Gestaltung der kommenden Entwicklung in hervorragender Weise von den gefaßten Beschlüssen abhängig ist. Hat ein Parteitag das Glück, in solchen Augenblicken zu tagen, und zeigt er sich der Situation gewachsen, so wird sein Name unverlöschlich in der Geschichte der Sozialdemokratie und damit der Menschheit eingegraben sein. Wenn wir nach diesen Gesichtspunkten die Arbeit, die der Leipziger Parteitag lesteistet hat, prüfen, so können wir ihm wohl das Zeugnis ausstellen, daß er seine Beschlüsse gemäß dem Stande der Entwicklung unserer Partei gefaßt hat. Auch der Abschluß der Diskussion über die Erbschaftssteuer, die ja nicht einmal mit einem Beschluß geendet hat, war im Geiste dieser Entwicklung. Sie schloß auch nur scheinbar mit einem Widerspruch, in Wahrheit waren beide Parteien einig, was so recht in der Erklärung Singers zum Ausdruck kam, er würde in dritter Lesung gegen die Erbschaftssteuer gestimmt haben. Damit hätte er sich ja nun im Gegensatz zu Bebel befunden, der in Uebereinstimmung mit der Mehrheit der Fraktion das Ablehnen der Erbschaftssteuer, auch in dritter Lesung, für einen schweren Fehler erklärte. Allein Singer hatte zu gleicher Zeit eine Festlegung unserer Taktik für eine wenn auch noch so nahe Zukunft, für die sich die politische Situation nicht überblicken ließ, entschieden abgelehnt, das heißt doch so viel, als daß er selbst sich noch freie Hand vorbehalten wollte. Wir sind überzeugt, auch er hätte schließlich in dritter Lesung für die Erbschaftssteuer gestimmt. Es ging überhaupt aus der Diskussion hervor, daß, wenn die Bewilligung direkter Steuern die Bewilligung von Kriegsschiffen oder Kanonen oder sonstigen kulturfeindlichen Requisiten unseres militaristischen Kapitalismus nach sich gezogen hätte, kein Mann unserer Fraktion dafür gestimmt hätte, da dies aber nicht der Fall war, vielmehr nur Deckung für schon gemachte Ausgaben zu beschaffen war, kein Mann unserer Fraktion gegen die Erbschaftssteuer zu haben gewesen wäre, durch deren Ablehnung dem Volke größere Belastung durch indirekte Steuern entstanden wäre. Die mitunter recht leidenschaftliche Debatte drehte sich um ganz andere Wenn und Aber, die allerdings oft ungelegten Eiern verzweifelt ähnlich sahen. Schaden wenigstens hat die Diskussion nicht angerichtet.. G.526 Die Maifeierfrage gehört zu denjenigen, auf welche Heschlusse des Parteitages keinen Einfluß hinsichtlich ihrer Entwicklung auszuüben imstande sind. Der Parteitag hat hier nicht auszusprechen gewagt„das, was ist“. Sein Beschluß, die Unterstützung der Ausgesperrten betreffend, wird zur Folge haben, daß die Unmöglichkeit der Unterstützung sich praktisch herausstellen wird. Das organisierte deutsche klassenbewußte Proletariat ist Mann geworden, es wird immer noch Achtung tragen vor dem Traume seiner Jugend, aber es wird sich nicht von der Schwärmerei für ihn ablenken lassen von seinem eigentlichen Ziel, von der Eroberung der Macht. Und damit kommen wir zu dem wichtigsten Ereignis, der bedeutungsvollsten Tat des Parteitages, der Steuerverweigerung der Spiritussteuer. In allgemeiner Begeisterung ist sie beschlossen worden, aber kühle Berechnung lag dem Beschluß zugrunde. Das organisierte Proletariat fühlt sich stark genug, um den direkten Angriff auf die wirtschaftlich: Position seiner Todfeinde, der preußischen Junker, zu eröffnen. Hier trat der weltgeschichtliche Augenblick ein, wo das Eintreten einer neuen, großen Epoche beschleunigt wurde durch den Willen der handelnden Menschen. Wohl müssen auch dafür die materiellen Bedingungen gegeben sein, und diese sind so günstig wie nur möglich. Allein auch das Bürgertum hat so günstige Bedingungen vorgefunden und hat dennoch sich nicht zum Entschluß aufraffen können, hat dennoch den Kampf um die politische Macht nicht gewagt. Anders die Arbeiter. Sie haben die freche Herausforderung durch die adligen Herren des blau=schwarzen Schnapsblocks prompt mit einem Gegenschlag beantwortet, indem sie erklärten: Wir wollen nicht länger Knechte sein, auch nicht Knechte des Alkohols. Und wir sind eingedenk des Wortes, welches Lassalle der Arbeiterschaft am Anfang ihres mühevollen Weges zur Freiheit zugerufen hat:„Euch ziemen nicht mehr die Laster der Unterdrückten, ihr seid der Fels, auf dem die Kirche der Gegenwart gebaut wird.“ Auch für diesen Beschluß muß erst die Zukunft zeigen, von welcher Bedeutung er in Wirklichkeit gewesen. Wir aber wollen hoffen und erwarten, daß er den Anfang bedeutet der direkten Aktion des Proletariats um den Besitz der Macht. Die Kosten des Großnachtwahnsinns. P. Wien, 19. September. Nun sollen die Völker Oesterreichs die erste Rate für ihre so hoch gepriesene neue Großmachtspolitik bezahlen, und merkwürdig, selbst den schwarz=gelbsten Patrioten, selbst den begeistertsten Bewunderern des seit kurzem zum Grafen avancierten ehemaligen Barons Aehrenthal geht das Grausen an. So lange die Diskussion bloß theoretisch darum ging, wie Oesterreich sein Heer und seine Flotte ausbauen solle, da war eitel Jubel bei den guten Oesterreichern, und fast schien es, als ob die Zeiten, da jeder Oesterreicher mehr oder weniger ein Hochverräter war, mit einemmale verschwunden wären. Außer den Sozialdemokraten fand sich nur je und je ein Eigenbrödler, der öffentlich gegen den Großmachtswahnsinn aufzutreten wagte. Aber jetzt, da es ans Zahlen kommt, da schreit selbst der zahmste Staatsbürger auf, und sogar die Finanzminister der beiden Staaten haben es im gemeinsamen Ministerrat nicht auf sich genommen, den Vorschlägen der Heeresverwaltung zuzustimmen. Es ist aber auch keine Kleinigkeit, die man sich anschickt, den Völkern Oesterreichs aufzuerlegen. Zwar so weit, wie eine nun schon in zweiter Auflage erschienene Broschüre eines verrückten Flottenschwärmers, versteigt sich auch die Heeresverwaltung nicht. Der will nämlich nicht weniger als 32 Schlachtschiffe zu je 22= bis 26 000 Tonnen, 12 Panzerkreuzer, 26 Kreuzer„Type Spaun“, 26 Torpedobootzerstörer, 70 Torpedoboote bauen lassen— alles zusammen um nicht mehr als 2½ Milliarden Kronen. So weit geht begreiflicherweise Herr Schönaich nicht, wenn das vielleicht auch sein Ideal sein mag. Was er den Völkern ansinnt, ist vielleicht weniger komisch, dafür aber um so gefährlicher. So gescheit ist der Kriegsminister ja schon, daß er nicht alles, was er haben will, auf einmal verrät. Stückweise muß dem Hund der Schwanz abgeschnitten werden. Darum will Herr Schönaich sein ganzes Programm nur in Raten vorlegen— damit es dem Vieh weniger wehe tut. Und für dieses Jahr will er sich mit bloßen 500 oder 600 Millionen begnügen. Das Merkwürdige daran ist, daß ein Teil dieser Summe bereits ausgegeben wurde, ohne daß die Volksvertretung auch nur gefragt worden wäre. Da ist zunächst der Annexionskredit, 167 Millionen Kronen(nach anderen Angaben gar 200 Millionen), die während des serbischen Konflikts ausgegeben wurden, um die Kosten der Mobilisierung zu decken. Eigentlich gehört auch ein Teil der übrigen Forderungen für die Reform der Armeebewaffnung hierher. Als die Kriegsgefahr immer drohender wurde, hat nämlich die Heeresverwaltung allerlei kostspielige Anschaffungen gemacht, die sie früher von den Delegationen nicht zu verlangen gewagt hatte. Sie benutzte die Kriegsgefahr, um über die Schwierigkeiten, die sich im Parlament ergeben hätten, hinwegzukommen. Zu den 167 Millionen kommen noch die 54 Millionen Kronen, die Oesterreich der Türkei als Entschädigung zahlen muß— unter dem Titel einer Ablösung der türkischen Staatsgüter in Bosnien. Für die Umbewaffnung des Heeres werden 95 Millionen Kronen verlangt. Von den Maschinengewehren, Rohrrücklaufgeschützen, Steilfeuergeschützen, Radfahrerkompagnien, Feldküchen, Kochkisten, Automobilen, drahtlosen Fernsprechern, Luftschiffen, die davon angeschafft werden sollen, wurde ein großer Teil bereits bei den heurigen Kaisermanövern dem deutschen Kaiser vorgeführt. Diese 95 Millionen, die in das nächste Budget eingestellt werden sollen, scheinen aber nur eine erste Rate zu sein, ohne daß man erfahren könnte, wie hoch eigentlich das ganze Erfordernis sein soll. Am ungeheuerlichsten sind aber die Forderungen für den Ausbau der Marine. Zu dem normalen Budget von 44 Millionen Kronen kommen noch 100 Millionen als Raten für frühere Schiffsbauten. Dann aber das neue Bauprogramm: 4 Dreadnoughts à 58,7 Millionen Kronen, also 235 Millionen, dann 3 Rapidkreuzer Type„Spaun“ 25 Millionen und 12 Torpedoboote 6 Millionen— zusammen also 266 Millionen Kronen für neue Schiffe. Nun will die Heeresverwaltung, infolge der Entrüstung der ganzen Oeffentlichkeit, das Zugeständnis machen, daß sie vorläufig nur einen Teil dieses Bauprogramms durchführt und auch von diesem Teil nur einen Teil der Kosten anspricht. Es sollen zunächst nur zwei Dreadnoughts, ein Rapidkreuzer und 4 Torpedoboote angeschafft werden, wofür die Kosten 128 Millionen betragen würden. Die Heeresverwaltung will aber bloß 38 Millionen als erste Rate verlangen. Das ist selbstverständlich nur eine Täuschung der Bevölkerung, bestimmt, die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen. In Wirklichkeit soll der Bau der Dreadnoughts jetzt rascher in Angriff genommen werden, das Kriegsministerium will sich aber über die Schwierigkeiten der parlamentarischen Erledigung damit hinwegsetzen, daß sie das Geld vorläufig schuldig bleibt. Wenn man also die Forderungen der Heeresverwaltung zusammenrechnet, so ergibt das nicht weniger als 582 Millionen Kronen um die der Moloch heuer dem Volke mehr abpressen will als früher— wenn er auch bereit ist, um den Skandal etwas zu bemänteln, einen Teil davon auf die Rechnung der nächsten Jahre umzuschreiben. Aber für die nächsten Jahre rüstet er sich auch noch zu anderen Raubzügen auf die Taschen der Bevölkerung. Das Rekrutenkontingent soll erhöht, eine Honvedartillerie eingeführt werden— was wieder an hundert Millionen jährlich kosten wird.„..—„ Lam 16 das ist der u. Was aber das Empörendste an all dem ist, das ist der Umstand, daß die Bevölkerung kaum in der Lage ist, sich gegen den Ueberfall zu wehren. Ueber die Ausgaben der Heeresverwaltung entscheidet nämlich nicht das Parlament, das nur die Bedeckung für diese Ausgaben zu beschaffen hat, sondern die berüchtigten Delegationen, das sind die aus Mitgliedern des Herrenhauses und des Abgeordnetenhauses bestehenden Ausschüsse beider Reichshälften, jene Korporationen, in denen die Regierung bisher noch für jede Volksbelastung die Majorität gefunden hat, wenn nicht eine große Volksbewegung die Regierung oder die Delegation einschüchterte. Nun hat zwar der Konflikt mit Serbien die imperialistischen Gelüste weiter Kreise des Bürgertums gestärkt und das Bündnis mit Italien ist unseren Schwarzgelben wie unseren Schwarzen seit jeher ein Greuel, aber darum werden die wahnsinnigen Pläne unserer Kriegsverwaltung doch den einmütigen Widerstand der ganzen Bevölkerung finden. So lange der österreichische Imperialismus ein Schlagwort war, konnte er noch beim Bürgertum Zustimmung finden. Sobald er aber aus dem Gebiet der Ideen hinaus in das materielle Gebiet der Ziffern tritt ist sein Zauber verflogen. Für den Großmachtswahnsinn Hunderte von Millionen zu zahlen, die ganze Entwicklung der Gesellschaft in den Dienst der dynastischen Prestigepolitik zu stellen— dazu wird man die österreichische Bevölkerung heute kaum mehr bereit finden. Politische Uebersicht. Für ein Heine=Denkmal ist kein Platz. Der Hamburger Verleger Julius Campe, der das Korfuer Heinrich=Heine=Denkmal erworben hat, bemüht sich vergebens, einen Standort dafür zu erhalten. Der Hamburger Senat hat auf ein Schreiben Campes folgende Antwort erteilt: „Hamburg, 1. September 1909. Der Senat erteilt auf das Gesuch von Jul. Campe den Bescheid: daß dem Gesuche um Ueberlassung eines geeigneten Platzes in den öffentlichen Anlagen behufs Aufstellung des vom Gesuchstellex angebotenen Heine=Denkmals nicht stattgegeben werden könne. Siemsen, Dr.“ Schack wartet auf seine Rehabilitierung. Wie uns aus Hamburg gemeldet wird, soll Herr Schack in Kreisen, die ihm besonders nahestehen, in bestimmter Form abgelehnt haben, sein Reichstagsmandat niederzulegen. Er begründet die Ablehnung damit, daß er von dem Ausgange des gegen ihn angestrenten Beleidigungsprozesses seine vollständige Rehabilitierung in der Die Nachricht ist bo senderbdar, doet mezi, botzer. Seg bes heimessen kann. Nach alle dem aver, was die Antisemite speziell die engeren Freunde Schacks in den letzter,„o# leistet haben, um die„mit Füßen getretene Ehre“ ihres Günstlings wieder zu reparieren, und die unangenehme Sache zu verwischen, braucht man sich auch über das weitere Verhalten und seiner Freunde nicht zu wundern. Zentrums=Lehrkurse in Berlin. Das Hauptorgan des Zenkrums, die„Germania“, teilt ihren Lesern mit, daß mit Beginn des Oktober in Berlin ein neues Bildungsunternehmen ins Leben treten wird: Die Berliner Vortragskurse. Zweck der Kurse soll sein: 8 1. Zahlreichen, dem Streben nach Weiterbildung gleichgiltig oder mißtrauisch gegenüberstehenden Katholiken Anregung zu wissenschaftlicher Vertiefung zu geben; 2. innerhalb der katholischen Familien selbst die Sicherheit des Urteils auf wichtigen Gebieten des Denkens und Lebens zu fördern; 3. das in den bereits bestehenden Kursen vorhandene Bildungsmaterial so zu ergänzen, daß auch Nichtkatholiken Gelegenheit finden, katholische Beurteilung wissenschaftlicher Fragen kennen zu lernen, dem Verständnis katholischen Fuhlens und Denkens näherzukommen und dessen innere Berechtigung zu erfassen. Bis jetzt sind folgende Fächer mit Dozenten besetzt: Apologie, Philosophie, Pädagogik, Christliche Kunst, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft, Kirchengeschichte, Vorderasiatische Altertumskunde, Deutsche Literaturwissenschaft. Baukunst. Nachwirkungen der Zündwarensteuer für die beteiligte Industrie. Zwischen den deutschen Fabriken und den Großhände benasisteride Ganch de Geasäader Verige euu Auf diese Weise waren sehr erhebliche Lieferungen noch rückständig, als das Zündwarensteuergesetz zur Annahme gelangre. Um nun die bis zum Inkrafttreten des Gesetzes gegebene Frist für den Verkauf steuerfreier Streichhölzer auszunützen, verlangten die Grossisten die sofortige Lieferung aller noch rückständigen Aufträge. Hierzu waren die deutschen Fabriken naturgemäß nicht imstande, trotzdem sie ihre Betriebe, soweit nur irgend möglich, ausnützten. Die Genehmigung zu Ueberstunden in den Fabriken wurde von verschiedenen Regierungen nicht erteilt, weil man die bevorstehende Einführung der Steuer nicht als einen ausreichenden Anlaß anerkannte. Da nun die Grossisten infolge des Sturmes auf die Streichholzvorräte in den Detailgeschäften zur Ausführung ihrer vereinbarten Lieferungen gezwungen wurden, bezogen sie den sehr erheblichen Teil ihres Bedarfs, der von den deutschen Fabriken nicht geliefert werden konnte, aus dem Auslande zu durch den Zoll erhöhten Preisen. Diese Preisdifferenz ist nun von den Großhändlern gegen die deutschen Fabriken eingeklagt, wobei es sich um sehr bedeutende Summen handelt. Von den Fabriken wird in dem Rechtsstreit force majeur eingewendet; mit welchem Erfolge, bleibt abzuwarten. Die „Nationalzeitung" brachte vor Gefängnisarbeit. mehreren Tagen einen Artikel über Einschränkung der Gefängnisarbeit. Es wurde darin auch mitgeteilt, daß die Strafanstalten und Gefängnisse das Recht hätten, sich an Submissionen zu beteiligen, ja, daß sie sogar bei Vergebung öffentlicher Arbeiten bevorzugt seien. Dadurch seien sie in der Lage, die Waren billiger liefern zu können als Gewerbetreibende, was wieder einen Druck auf die Arbeitslöhne zur Folge hätte. Diese Angaben erfahren von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ eine Richtigstellung. Danach ist nach den vom Bundesrat aufgestellten Grundsätzen über den Vollzug gerichtlich erkannter Freiheitsstrafen die Verdingung der Arbeitskraft der Gefangenen an Arbeitgeber tunlichst einzuschränken, der Arbeitsbetrieb auf zahlreiche Geschäftszweige zu verteilen, und auf Lieferungen für die Staatsverwaltung zu erstrecken, unter allen Umständen aber eine Unterbietung der freien Arbeit zu verjeider meiden. In der Gefängnisverwaltung des Ministeriums des Innern wird nach folgenden Grundsätzen verfahren: Die Beteiligung an Submissionen ist verboten; Arbeiten für Staatsund Reichsbehörden werden ausgeführt, ohne daß dabei der Preis berücksichtigt wird, lediglich um die Arbeitskraft der Gefangenen für öffentliche Zwecke zu verwerten; besonders aber werden Gefangene zu Landeskulturarbeiten verwendet. Zur Massenflucht aus dem Bunde der Landwirte. Die „Deutsche Tageszeitung“ bestreitet, daß der Bund der Landwirte seit Erledigung der Reichsfinanzreform über 32000 Mitglieder verloren habe. Sie stellt vielmehr folgendes fest: Die Zahl der M.undes Mitglieder des Bundes der Landwirte hat ir der Zeit vom 1. Seyt“ 100 k·s 1 S, mber 1000 um 8 1. September 1908 bis 1. Sepiember 1909 um 18•218 zugenommen. Vom 1. Februar 1909 bis zum 1. September betrug die Zunahme 10032. Austrittserklärungen, bei denen die Stellungnahme des Bundes zur Reichsfinanzreform als Grund angegeben worden ist, sind bis heute im ganzen 137 eingegangen. Noch eine Quittung für die neuen Steuern. Im bayerischen Landtagswahlkreise Sulzbach Auerbach fand am Sonntag(20. September) eine Nachwahl statt, in der ebenfalls die Mißstimmung über den Steuerraub zum Ausdruck kam. Es entfielen bei dieser Wahl auf das Zentrum: 2125, auf die Vertreter der Bauernbündler und der Liberalen: 1549 und auf die Sozialdemokraten: 671 Stimmen. Das Zentrum verlier: gegen die Wahl von 1907 418, die Bauernbündler 190 Stimmen, während die Sozialdemokraten 511 Stimmen gewinnen. Die Wahl fand unter starkem Zentrumsterrorismus statt. Die Beamten und die Berliner Landtagswahlen. Der Beamten=Wahlverein zu Groß=Berlin hat Stellung genommen zu den vier Ersatzwahlen, die in der nächsten Zeit zum preußischen Landtage vorzunehmen sind, und Einmütigkeit bestand darin, daß nur die Kandidaten der freisinnigen Volkspartei unterstützt werden sollen. Für diese Unterstützung haben die Freisinnigen das Versprechen gegeben, daß sie bei den nächsten allgemeinen Landtagswahlen auch einen Kandidaten aus den Reihen der Beamten aufstellen werden. Mit diesem Versprechen gaben sich e die Beamten zufrieden. Die Reichsversicherungsordnung. Vor einigen Wochen war in Organen des Scharfmachertums der Meinung Ausdruck verliehen worden, daß die Regierung gut daran tate, die Reichsversicherungsordnung im Reichstage überhaupt nicht einzubringen, sondern vielmehr die Mangel, die bei den einzelnen Versicherungsgesetzen sich gezeigt haben, durch Novellen zu diesen Gesetzen zu beheben. Diesem Wunsche hat die Regierung nicht Rechnung getragen, denn es steht jetzt fest, daß der Entwurf dem Reichstage unterbreitet wird. Der Reichskanzler hat bereits Vertreter der Aerzte empfangen, die ihm ihre Wünsche vorgetragen haben. In der Hauptsache legen die Aerzte Wert darauf, daß die freie Arztwahl als die Regel zu gelten habe. Der Reichskanzler hat den Vertretern der Aerzte versprochen, daß er ihre Wünsche so weit als irgend möglich berücksichtigen werde. Ein Vertrauensvotum für die nationalliberale Reichstagsfraktion. Mainz, 20. September. Die nationalliberale Vertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Mainz=Oppenheim beschloß, zum Fall Heyl=Oriola der Reichstagsfraktion ihr Vertrauen auszusprechen, und brachte ferner zum Ausdruck, daß der Austritt der beiden Herren aus der Fraktion auch den Austritt der beiden aus der nationalliberalen Partei zur selbstverständlichen Folge habe. Schockpreis für Eier(um 20 Pfg.).— Den gesunkenen Getreidepreisen entsprechend ist im allgemeinen auch das Mehl, sowie das Brot etwas billiger oder wenigstens nicht teurer geworden. —. Verhältnismäßio recht stark in die Höhe gegangen sir ganzen um 6 Pfg, auf das K ländisches Schweineschmalz. Die Vereinigung der Linksliberalen. Berlin, 20. Sept. Ueber die Einigung Ver ,Lintoniberuten, witd gemngchigeine Bier. Bezüglich des Kaffees und des Tees scheint der frühere Staatssekretar ganz vergessen naßig recht stärt in die Hohe gegungen(im gungen das Kilogramm) ist hingegen der Preis für inweineschmalz. Ueher die Einigung der Linksliberalen wird demnächst eine weitere Besprechung im Viererausschuß der linksliberalen Frartionsgemeinschaft erfolgen. Am Sonntag hatte der Erweiterte geschättsführende Ausschuß der freisinnigen Volkspartei unter midt=Elberfeld Vorsitz des Abg. Schmidt=Elperfeld eine eingehende. Ausche über diese Angelegenheit gehabt, bei der sich volle Ueberüber die in Betracht kommenden Fragen ergeben chuß hält nach wie vor eine Verschmelzung der en Parteien für wünschenswert unter der Vorvorher ein gemeinsames Programm geschaffen ptsächlic dem sprache einstimmung hat. Der Aus drei linksliberaler aussetzung, daß vorher ein gemeinsames Programm geschaffe und eine Verständigung über die hauptsächlichsten tartischen Fragen, sowie über die Eingliederung der bestehenden Parteiorganisationen herbeigeführt wird. Falls eine Verschmelzung, die nur durch Beschluß der maßgebenden Parteiorganisationen herbeigeführt werden kann, alsbald noch nicht möglich sein sollte, ist zunächst dahin zu wirken, daß die Fraktionsgemeinschaft ausgebaut und unverzüglich ein gemeinsames Vorgehen für die nächsten Wahlen gesichert wird. Von der Tenerung. Die Getreidepreise sind im Berichtsmonate im allgemeinen, und zwar zum ersten Male seit dem Monat Januar d. J., gesunken, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß zum großen Teile bereits diesjähriges Getreide gehandelt wurde. Im Durchschnitt ging der Preis für Weizen mittlerer Qualität gegen den Vormonat um 31 Mk. — von 267 auf 236 Mk.— für die Tonne herunter, stand damit aber noch um 34 Mk. höher als im Januar d. J. Es fielen ferner im Preise: Roggen um 19 Mk., von 192 auf 173 Mk.; Braugerste um 14 Mk, von 202 auf 188 Mk.: Futtergerste um 4 Mk., von 164 auf 160 Mk.; Hafer um 10 Mk., von 202 auf 192 Mk. Gleichwohl waren diese Getreidesorten noch um 8— E und 90 Mt(eu Zentrum und der Reichskanzler Bethmann Hollweg. In Tuntenhäusen findet alljährlich die Generalversammlung des bayerischen Bauernbundes statt, der einen hervorragenden Bestandteil des bayerischen Zentrums bildet. Am vergangenen Sonntag wurde die diesjährige Zentrumsbauernparade in Tuntenhausen abgehalten, und der streitbare Domkapitular Schädler benutzte die Gelegenheit, sich über die Stellung des Zentrums zum jetzigen Reichskanzler auszusprechen. Er meinte, Bethmann Hollweg sei der eigentliche Blockstaatssekretär wesen. ge„Treu ergeben,“ fährt Herr Schädler wörtlich fort,„ist er in inniger, herzlicher Verehrung dem Kaiser, nicht bloß aus politischer Berechnung. Ob er imstande sein wird, bei dieser treuen Hingebung jenes Erbe zu bewahren, von dem man gesagt hat, daß es Bülow nach den Novembertagen aus Potsdam zurückgebracht, besonders dann, wenn Reden und Ansprachen des Kaisers in verschiedenen Aussprachen erscheinen? Ich gehe dann noch einen Schritt weiter und frage, ob der neue Reichskanzler wohl imstande sein wird, auch den katholischen Volksteil in Deutschland in seinem Denken und in seinem heiligsten Fühlen zu verstehen, nachdem er doch den größten Teil seiner Amtszeit in Brandenburg zugebracht hat. Das Verbot einer Rede in polnischer Sprache an die katholischen Arbeiter auf der Katholikenversammlung in Breslau, gewisse Telegramme an die Hakatistenbünde im Osten, die Versuche des beharrlichen Bleibens auf der betretenen Bahn, diese Dinge zeigen genügsam, daß man wenigstens den Polen gegenüber fortfahren will in der erfahrung wird ngsgemäß verkehrtesten Politik. Der neue Herr Reichskanzler rd es begreifen, wenn wir auf seine Taten warten, um ihn zu werten, ihm gegenüberstehen ohne Liebe, ohne Haß, kühl, stets Hut Mir pignton und wallen Feiut. Wir erwarten und wollen keine Gunstbezeigung, wir bettein auch nicht um Gunst, wir haben anderen Kanzlern schon gegenübergestanden!“ auf der Hut. ttein a1 zu haben, daß auch ihr Genuß von Standpunkt aus bedenklich sein soll. Das gilt mohrhaftig nicht in Betracht Staatssekretär gegen die soehen von den verbündeten Regierungen angenommene und gebilligte Reichsfinanzreform Stimmung machen zu sollen glaubt, ist trotz der verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit der Sache doch immerhin eine etwas peinliche Erscheinung" Hiernach hat es tatsächlich den Anschein, als ob das konservativ=bündlerische Geschwisterpaar lediglich zum Wohle der Menschheit für Besteuerung des Bieres und für höhere Belastung von Kaffee und Tee gestimmt hat. Der Bierkrieg. Zwischen Vertretern der Frankfarter Brauereien, den Wirtevereinigungen und den Vertretern der Partei und Gewerkschaften ist nach langen Verhandlungen folgende Vereinbarung getroffen worden:.,.,. Weigansschlag und Die Brauereien verpflichten sich, den Preisaufschte######d zwar rückwirkend vom 1. September— von 3 Mk. auf 2.50 wet. zu vermindern und anzuerkennen, daß die Wirte den Ausschank um 1 Pfg. für drei Zehntel- und vier Zehntel-Glas um 2 Pfg. Pfg. für die ganze bezw halbe Flasche erhöher Deutschramerikanischer Zollkrieg? Der Maximaltarif, den Amerika als Grundlage für künftige Handelsverträge festgesetzt hat, belegt Waren, die in Amerika eingeführt werden, mit einem Zuschlag von ¼ des Wertes gegenüber dem Minimaltarif. Zu den Staaten, die von diesem Zuschlag betroffen würden, gehört auch das Deutsche Reich. Die Ausfuhr Deutschlands nach Amerika ist ganz enorm und ganze Industrien stehen und fallen mit der Möglichkeit des Exportes nach den Vereinigten Staaten. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat nun eine Tarifkommission eingesetzt, die die Zolltarifsysteme der fremden Länder eingehend prüfen und feststellen soll, in welchen Ländern die Vereinigten Staaten ungünstiger behandelt werden als andere Staaten. Die Untersuchung soll sich ganz besonders auf Deutschland erstrecken, und man scheint es in der Tat in den Vereinigten Slaaten für nahezu ausgeschlossen zu halten, zu einer befriedigenden Lösung mit Teutschland zu gelangen. Wenn bis zum 31. März 1910 eine Verständigung nicht erzielt ist, dann würde der Zollkrieg eintreten. Die Amerikaner verlangen in der Hauptsache: die Herabetzung der Zölle auf Baumwoll=Samenöl, Petroleum, OleoMargarine, Kurzwaren und Aufhebung des Verbotes der Einfuhr amerikanischer Schinken und anderer Fleischwaren. Die Fleischeinfuhr aus Amerika ist auf Verlangen der Agrarier unterbunden worden, die nicht genug die Gefährlichkeit des amerikanischen Fleisches schildern konnten. Eine Aenderung darin wird insofern etwas schwierig, als das neue Viehseuchengesetz eine Anzahl Bestimmungen enthält, die direkt darauf hinauslaufen, die Einfuhr von Fleisch und Fleischwaren nicht nur, cika als Lieferant von Tierhäuten ganz wesentlich in Frage, und das neue Viehseuchengesetz macht es u. a. möglich, daß die Einfuhr von Tierhäuten schon dann verboten werden kann, wenn der Verdacht besteht, daß in irgend einem Teile des Ursprungslandes Tierseuchen bestehen. Damit wird der Willkür Tür und Tor geöffnet und bei dem großen Einfluß, den die Agrarier auf die deutsche Verwaltung haben, muß unbedingt damit gerechnet werden, daß zollpolitische Schikanen zu den Alltäglichkeiten gehören werden. In den Kreisen der deutschen Industrie ist man von diesem Stand der Dinge lebhaft beunruhigt, und es mehren sich die Anzeichen, die erkennen lassen, daß endlich ein Druck auf die Regierung ausgeübt werden soll, um die in Aussicht stehende enorme Schädigung der deutschen Industrie zu verhüten. Im Interesse der großen Mehrheit des deutschen Volkes wäre es nur mit Freuden zu begrüßen, wenn die Einfuhr von Fleisch und Fleischwaren aus Amerika wieder ermöglicht würde. Zwar wird die agrarische Presse wieder Hinweise bringen auf die angeblichen Vorkommnisse in den Schlachthäusern zu Chicago, um dadurch einen Appell an den Magen zu versuchen. Es muß aber demgegenüber festgestellt werden, daß Schweinereien bei der Herstellung von Fleischwaren auch in den deutschen Großstädten außerordentlich häufig entdeckt worden sind, ohne daß davon gerade von der agrarischen Presse irgendwie ein Aufhebens gemagt worden wäre. 44 g# ki. G.: abe kakJedenfalls wird der deutsche Reichstag die aufgave haben, die Interessen der deutschen Industrie in weitgehendstem Maße wahrzunehmen, wenn nicht verschiedene deutsche Exportindustriezweige völlig dem Ruine entgegengeführt werden sollen. 8.—, 5.—. 5.— und 27 Mr. teurer als im Jgnuar d. J. Von den Hülsenfrüchten sind im Gesamtdurchschnitte die Erbsen beim Großhandel etwas(um 4 Mk. auf die Tonne) teurer, desunken ist der Grokug vinget Begoiven, Wgzggr gerungen ist ver Großgramm) billiger geworden. Wesentlicher g####en ist der„Groß= sogenannten alkoholfreien, Getränre,. gunne sie gut und gern#ehandelspreis für Linsen(um 8 Mr.] und noch weit mehr der tragen, gaps„avgesehen, oavon, haß nasggewießugematzen piele für Kartoffeln(um 35 Mk.), nennenswert gestiegen dagegen der dieser altoholfreien Getranke alkoholhaltiger sind als leichtes und vier Zehntel-Glas 13 Pfg. zu erheben. Partei= und werkschaftsfunktionäre verpflichten sich, die Annahme dieser Vereinbarungen in Volksversammlungen zu empfehlen.— Werden diese Vereinbarungen angenommen, so ist der Bierkrieg wahrscheinlich zu Ende. Hamufe Die Leipziger Gastwirte haben in ihrem Kampfe mit den Brauereien einige Vorteile errungen. Mehrere ringfreie Bravereien haben sich erboten, das Bier trotz der Brausteuererhöhung zu den früher ortsüblichen Preisen zu liefern. Mit der Genossenschaftsbrauerei in Burghausen ist bereits ein Abkommen getroffen, nach dem das Lagerbier 17,80 Mk., Bier nach Pilsener Art 20 Mk., nach Kulmbacher Art 21 Mk. kosten soll. sschlüsse mit anderen Brauereien stehen bevor. In Berlin ist der Bierkrieg in ein neues Stadium eingetreten. Die von den Weißbierbrauereien gemeinsam mit den Berliner Gastwirtsvereinen vereinbarte Erhöhung des Preises für die kleine Weiße von 10 auf 13 Pfg. und für die große Weiße von 20 auf 25 Pfg. hat sich in der Praxis als undurchführbar erwiesen. Namentlich in den Arbeitervierteln gelang es den Gastwirten nicht, die Gäste zur Zahlung eines höheren Preises zu veranlassen, und sie verkauften weiter zu den alten Preisen. Auch die für solche Fälle vorgesehene Entziehung der Bierlieferung ließ sich nicht durchführen, weil dadurch die Berliner Weißbierproduktion noch mehr als bisher zurückgegangen wäre, und weil einzelne Brauereien die Vereinbarungen nicht innehielten. — Um den vollständigen Niedergang der Berliner Weißbierbrauerei zu verhindern, haben nun neue Verhandlungen zwischen den Vertretern der Weißbierbrauereien mit den Vorständen der Gastwirtsvereine stattgefunden, die zu dem Resultat: führten, daß neben dem Weißbier mit dem garantierten Würzgehalt von 10 Prozent eine zweite Sorte Weißbier von geringerer Qualität in den Handel gebracht werden soll, das zu den bisherigen Preisen von 10 und 20 Pfg. verkauft werden Dem Vorstand des Gewerkschaftskartells in Kiel ist vom Vorstand des dortigen Unternehmerverbandes ein Schreiben zugegangen, in dem die Entlassung von 60 Prozent der in der Provinz beschäftigten Brauereiarbeiter angedroht wird, falls der on den Kartellen der Provinz beschlossene Bierboykott nicht Pr innerhalb drei Tagen aufgehoben wird. 17 Arbeiter wurden bereits entlassen. Die Vertreter der Wirte und der Brauereien lehnen es nach wie vor ab, von der Erhöhung der Bierpreise auch nur ein Jota abzulassen. Depi Der Reichsschatz sekretäe Wermuth empfing eine putation des Bundes der mittleren und kleineren Brauereien Abpäihung der Grastelter auif den Konlum iberal ernachen, serner in bezug auf die Verzollung ausländischen Bieres und auf die Stundung der Steuern. Die Handlungsgehilfen und die Reichsfinanzreform. Zu denjenigen Abgeordneten, die im Reichstage zugunsten der Agrarier für die neuen, Handel und Gewerbe belastenden Steuern stimmten, gehört der Antisemit W. Schack, Vorsteher des Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes. Ist diese Stellungnahme für den Leiter einer Handlungsgehilfenorganisation schon befremdlich genug, so war es noch verwunderlicher, daß derselbe Abgeordnete zugleich gegen jene Anträge stimmte, die eine Unterstützung der durch die neuen Steuern geschadigren Angestellten und Arbeiter bezweckten. Für alle diese Unterstützungsanträge stimmten neben den Sozialdemokraten die Freisinnigen und Nationalliberalen. Der Abgeordnete Schack aber stimmte gegen die Unterstützung der durch die neue Branntweinund Brausteuer geschädigten Angestellten und Arbeiter. Bei der Beratung des Tabaksteuergesetzes stimmte Schack zwar für den schwächlichen Unterstützungsantrag des Zentrums zugunsten der Arbeiter, aber gegen einen weitergehenden Antrag, der auch die Unterstützung der geschädigten Angestellten aussprach. Es ist begreiflich, daß die Haltung Schacks in den Kreisen der kaufmännischen Angestellten das größte Aufsehen erregt und viel besprochen wird. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands(Sitz Hamburg) hat ein Massenflugblatt herausgegeben, in dem die Haltung Schacks charakterisiert und aus seiner antisemitischen Parteirichtung erklärt wird. Es ist zu erwarten, daß diese neueste Leistung des antisemitischen Handlungsgehilfenführers seinen Anhängern zu denken geben wird und daß sie ihrerseits aus dem Verhalten Schacks die richtigen Konsequenzen ziehen werden, nämlich dessen Verbande den Rücken kehren und der gewerkschaftlichen Organisation, dem Zentralverbande der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands(Sitz Hamburg) sich anschließen werden. Katholikentage oder Adelstage. Im„Bayrischen Vaterland“ urteilt ein Besucher des Breslauer Katholikentages über die Tagung wie folgt: „Bei der großen Aufmachung und Zuschneidung der ganzen Sache bei den Katholikentagen handelt es sich nicht mehr um allgemeine deutsche Katholikentage, sondern um eine Aufmachung Graf Posadowsky und die Agrarier. Graf Posadowsky hatte auf der Hauptversammlung des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke eine Rede gehalten, in der er bedauert, daß jemats der Gedanke auftauchen konnte, auch alkoholfreie Gerränke der Besteuerung zu unterwerfen. Er beklagte auch, daß man auf Kaffee und Tee einen erhöhten Zoll gelegt habe. Die„Deutsche Tageszeitung“ hat die Rede des Grafen arg verschnupft. Sie fühlr sich schuldig und versucht nun, durch Redensarten das Unangenehme von sich abzuwenden. Sie schreibt: „Was die alkoholfreien Getränke anlangt, so war die Steuer I8 Lurussteue darauf nur als Luxussteuer gedacht und vorgeschlagen.„Wer tit den Limonaden und ähnlichen Mantschereien den Alkoholaus. Der einzig richtige Ersatz für die alkoholischen Getränke ist Wasser und Milch. Die wohlfeilen Mineralwässer wären durch die Steuer fast gar nicht getxoffen worden, die anderen mit am Draht ziehen. Das sind aber solche Bürgerliche, die die ganze Aufmachung und Politik billigen, und zum Teil solche, die es als ihres Lebens höchstes Glück betrachten, wenn sie neben dem Herrn Baron oder Grafen amtieren dürfen. Ja, man braucht nur die Preßberichte zu lesen. Das Erste, was aufmarschiert unter den„berühmten Persönlichkeiten“ im Bericht der Berliner „C. P. C.“(Zentrumsparlamentskorresp.), das sind die adeligen Herren, die erschienen sind, vom Fürsten angefangen bis herunter zum jungen Baron. Selbstverständlich sitzt ein Graf oder Baron niemals unten in der Halle unter der misera plebs contribuens catholica. Er ist oben. Und wenn der junge Herr Graf, der das Monokle kneift, das erstemal auf dem Katholikentag erscheint— sein Platz ist sofort oben unter den Auserwählten. Und da gibt es Leute mit so ordinärer bürgerlicher Denkungsart, doß sie an derartigem Mißfallen haben. Da gibt es Leute, die so verroht niedriger Gesinnung sind, daß sie nicht einsehen wollen, daß es angeborene Rechte gibt. Auch das Alter spielt keine Rolle. Andere müssen sich die Sporen verdienen, andere bringen sie mit auf die„Welt. Adelige Grünspechte, die als *“##ßt cunst das Monoklekneifen gelernt haben und noch kaum bringen sie mit auf die Welt. Adelige Grünspechte, die als hochte„aust das Aynbtlemneisen gelrnt haben und noch kaum trocken hinter den Ohren sind, Herren, von deren Verdiensten nlemand ekwas weiß, die spiel größte Rolle. Der Höhepunkt Schlußessen, das üblicherweis schließt. Man verspürte einen hat auf den anderen, ein Graf auf den anderen Lobreden geha nämlich so ziemlich unter sich, d da. Beim Schlußessen sind der und die Herren vom Adel. Di und der brave kleine Mann sin schon glücklich, in einer großen sehen zu dürfen. Und so wird Zukunft nicht mehr von Kath Veranstaltungen zur Verherrl Körsnziebung der katholischen Weistag in Augsburg stattfind Die Auslassungen erscheinen zer der bekar Mitbesitzer ekannte Zentri Aus der Stadt u — Die Gewerbegerichtswah Uhr. Es ist Pflicht jeden Ark teiligen und die Kandidaten de zu wählen. Es sind dies nachst Friedrich Apenb Hermann Schee Bruno Wagner, Hermann Hornk Ernst Rothe, Bi Gustav Grube, 1 Gottlieb Bökenk : R i c h a r d F e i c h t e r Otto Dannenhal Moritz Reibig, Die Wahl ist geheim und nommen. Stimmzettel haben. Achte aber jeder Arbei Zur Kontrolle, daß sich aus der Wahl beteiligt hat, werd Kontrollmarken ausgegeben, di werden sollen. Es empfiehlt bezw.-karte mitzunehmen. Auf zur Wahl! Der Aussch für* — Freie Volksbühne. Die Sonntag stattfindenden Vorstel mittags von 5—7½ Uhr, im Marktstraße 8, statt. Anmeld entgegen W. Böttcher, Volksw— Polizeibericht. Gesind sindeordnung fällt die Antritt den zweiten Tag des Kalender nicht ausdrücklich vereinbart ist abend, 2. Oktober 1909, zu er hat an diesem Tage solange leisten, als es diese unter Beri leisten kann. Festgenommen wurde keit, 10 Obdachlose erhielten ir Gestohlen wurde am 18. aus einem unverschlossenen We H., hier, Oberntorwall, ein Büschel Straußenfedern und ei von 50 Mk, sowie eine Nippess dächtig ist ein 17—18jähriges Figur, mit schwarzem, glattge und braunem Kleiderrock.— die Person des Täters nimmt gegen. —kig. Der Nutzen des St Aerzte im großen und ganzen ihre Kinder selbst stillen sollen, das Interesse der Säuglinge 1 Auge. Indes liegen aber no# Selbststillen der Mütter einzu mal die Brustdrüsen vor Veri was Dr. Groth in der„Münc weisen sich bemüht, andere gesu Wir dürften nämlich, wenn sei ten, daß die Ernährung der S Mutter selbst einen weitgehen Krebs der Brustdrüsen und der Tatsache erfährt neben dem rei beansprucht, noch dadurch ein bietet für die ko 1 Restbestand Gardinen Serie. 2.45 herabgesetzter Preis 1 Posten Erbi 1 Posten Waffel-B 1 Posten Rouleaux1 Posten = Rouleaus GODT nlemand etwas weiß, die spielen bei den Katholikentagen die größte Rolle. Der Höhepunkt wurde aber erreicht bei dem Schlußessen, das üblicherweise immer die Katholikentage beschließt. Man verspürte einen Kitzel im Halse. Ein Adeliger hat auf den anderen, ein Graf auf den anderen und ein Baron auf den anderen Lobreden gehalten. Beim Schlußessen ist man nämlich so ziemlich unter sich, da ist nur noch creme de la creme da. Beim Schlußessen sind der höhere Klerus die Kon Siclich, n dib i, 8i5. Lelit eien ei beieni Ker in. Zukunft nicht mehr von Katholikentagen spricht, sondern von seranstaltungen zur Verherrlichung des Adels mit gnädiger nziehung der katholischen Masse. Und so soll der nächste stag in Augsburg stattfinden.“ Heranzi Adelstag Die Mitbesitzer luslassungen erscheinen in einem Zentrumsblatt, dessen er der bekannte Zentrumsabgeordnete Dr. Heim ist. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 21. September. — Die Gewerbegerichtswahlen beginnen morgen mittag 12 Uhr. Es ist Pflicht jeden Arbeiters, sich an der Wahl zu beteiligen und die Kandidaten des Gewerkschaftskartells Bielefeld zu wählen. Es sind dies nachstehende Personen: Friedrich Apenbrink, Schlosser, Hermann Scheel, Tischler, Bruno Wagner, Schlosser, Hermann Hornberg, Schlosser, Ernst Rothe, Buchdrucker, Gustav Grube, Dreher, Gottlieb Bökenkamp, Weber, : R i c h a r d F e i c h t e r, S c h r i f t s e t z e r, Otto Dannenhaus, Lagerarbeiter, Moritz Reibig, Dreher. Die Wahl ist geheim und wird mittels Stimmzettel vorgenommen. Stimmzettel sind am Wahllokal zu haben. Achte aber jeder Arbeiter auf die aufgedruckten Namen. Zur Kontrolle, daß sich auch jeder organisierte Arbeiter an der Wahl beteiligt hat, werden am Eingang des Wahllokals Kontrollmarken ausgegeben, die in die Mitgliedsbücher geklebt werden sollen. Es empfiehlt sich deshalb, das Mitgliedsbuch bezw.-karte mitzunehmen. Auf zur Wahl! Der Ausschuß des Gewerkschafts=Kartells für Bielefeld und Umgegend. mittags Marktstraße 8, statt. Anmeldungen entgegen W. Böttcher, Volkswacht. neuer Mitgliedre nimmt — Polizeibericht. Gesindewechsel. Nach§ 42 der Gesindeordnung fällt die Antrittszeit für städtisches Gesinde auf den zweiten Tag des Kalendervierteljahrs, falls etwas änderes nicht ausdrücklich vereinbart ist. Der Anzug hat also am Sonnabend, 2. Oktober 1909, zu erfolgen. Das abziehende Gesinde hat an diesem Tage solange der alten Herrschaft Dienste zu leisten, als es diese unter Berücksichtigung seiner Antrittspflicht leisten kann. keit, Gestohlen wurde am 18. d. M. aus einem unverschlossenen Wohnzimmer des Schlachtermeisters H., hier, Oberntorwall, ein schwarzer Damenhut mit einem Büschel Straußenfedern und einer silbernen Hutnadel im Werte von 50 Mk, sowie eine Nippesfigur im Werte von 3 Mk. Verdächtig ist ein 17—18jähriges Mädchen, von mittlerer, schlanker Figur, mit schwarzem, glattgekämmtem Haar, schwarzer Bluse und braunem Kleiderrock.— Sachdienliche Mitteilungen über die Person des Täters nimmt die Kriminalabteilung hier hier entgegen. —kig. Der Nutzen des Stillens für Mütter. Wenn die Aerzte im großen und ganzen dafür eintreten, daß die Mütter ihre Kinder selbst stillen sollen, so haben sie dabei in erster Linie das Interesse der Säuglinge und ihre kräftige Entwicklung im Auge. Indes liegen aber noch andere Gründe vor, für das Selbststillen der Mütter einzutreten, denn dadurch werden einmal die Brustdrüsen vor Verödung geschützt, aber weiter auch, was Dr. Groth in der„Münch. Medizin. Wochenschrift“ zu begesundheitliche Vorteile damit erzielt. der Mutter selbst einen weitgehenden Schutz vor Erkrankungen an Krebs der Brustdrüsen und der sexuellen Organe gewährt. Diese Tatsache erfährt neben dem rein medizinischen Interesse, das es beansprucht, noch dadurch eine gewisse Steigerung ihrer BeJeeignet ist, als AgitationsStillens bei der Bevölkerung deutung, daß sie in hohem Maße mittel für eine Vermehrung des zu dienen. — Eine für Wirte wichtige Polizeiverordnung über den gewerbsmäßigen Ausschank von Getränken tritt für den Umfang des Regierungsbezirks Minden am 1. Oktober in Kraft. Wir drucken dieselbe nachstehend im Wortlaut nochmals ab: 81. Die beim gewerbsmäßigen Ausschank von Getränken benutzten Trinkgefäße müssen sich in einem durchaus sauberen Zustande befinden und zu diesem Zwecke nach Bedarf gründlich durch Abscheuern, Ausbürsten usw. gereinigt und hiernach unter fließendem, völlig reinem und vorher zu anderen Zwecken, auch zum Spülea, nicht benutzten Wasser so nachgespült werden, daß sie sowohl innen als außen in allen Teilen mit diesem Wasser ausreichend benetzt werden. Werden sie dann nicht sofort benutzt, so müssen sie unmittelbar vor ihrer Verwendung nochmals in der vorher angegebenen Weise nachgespült werden; dasselbe hat vor jeder neuen Füllung zu geschehen, falls sich nicht der betreffende Gast eine neue Spülung des von ihm benutzten Trinkgefäßes ausdrücklich verbittet. § 2. Die zum Reinigen der Trinkgefäße benutzten Behälter, Gerätschaften, Bürsten usw. müssen sauber gehalten sein. § 3. Trinkgefäße, die am Rande beschädigt und zersplittert sind, dürfen zum Ausschank nicht benutzt werden. § 4. Personen, die an ansteckenden Krankheiten oder Hautausschlägen leiden, dürfen weder beim Ausschank von Getränken, noch beim Reinigen der dabei benutzten Trinkgefäße beschäftigt werden. § 5. Der beim Füllen der Trinkgefäße etwa entstehende Schaum darf nicht mit dem Munde abgeblasen, sondern nur mit einem für diesen Zweck geeigneten sauberen Gerät abgestrichen werden. § 6. Für die Beachtung der vorstehenden Vorschriften sind die Inhaber der betreffenden Betriebe verantwortlich. § 7. In jedem zum gewerbsmäßigen Ausschank von Getränken dienenden Betriebe ist ein dauerhafter und deutlicher Abdruck dieser Verordnung an einer für die Gäste sichtbaren Stelle auszuhängen. § 8. Uebertretungen dieser Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mk., im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft, sofern nicht die Strafgesetze eine höhere Strafe androhen. § 9. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem 1. Oktober d. J. in Kraft; von diesem Zeitpunkt ab ist die Polizeiverordnung vom 2. Juni 1893 aufgehoben. Versammlungen. Bünde. Arbeiter=Sängerbund Bezirk 4. Mittwoch, 22. September, abends 9 Uhr, bei Weller, Brunnen. — Arbeiter=Radfahrerein„Elsethal". Donnerstag, 23. September, abends 8½ Uhr, bei H. Bahe. Deutscher Arbeiter=Sängerbund. Gau östl. Westfalen und lipp. Fürstentümer, Bez. 5(Herford). Sonntag, 26. Sept., vorm. 9 Uhr: Chorprobe bei Tiemeier. Pünktliches Erscheinen aller Sänger ist erforderlich. Der Bezirksvorstand. An die Vorstände der Arbeiter=Turn=, Radfahrerund Gesangvereine. Am Sonnabend hatten sich die Bezirksvorstände der genannten Korporationen zu einer gemeinsamen Besprechung im Restaurant„Stadt Bielefeld" zusammengefunden. Neben einigen anderen Sachen, galt dieselbe hauptsächlich der durch den Bierboykott geschaffenen Situation. Es wurde eine gemeinsame Sitzung sämtlicher Vorstände, resp. Bezirks= und Gauvorstände beschlossen. Wir bitten nun die betreffenden Genossen, hiervon Notiz zu nehmen und am Sonnabend, 25. September, abends 9 Uhr, im Restaurant„Stadt Bielefeld" zu erscheinen. Der Bezirksvorstand des 1. Bezirks des Deutschen Arbeiter= Sängerbundes hat beschlossen, bis zur Regelung der Bierfrage von allen Festlichkeiten Abstand zu nehmen. * Herford, 20. Sept. Bauunfall. Heute morgen kurz nach ½7 Uhr stürzte auf dem Bau der Firma Agenete& Scholle, Unter den Linden, der Maurer H. Heidemann, wohnhaft Alte Senne, ab. Er fiel mit einer im Abbau befindlichen Treppe zirka 4—5 Meter in die Tiefe und erlitt bedeutende Verletzungen. Dr. Budde legte dem Verletzten den ersten Verband an und ordnete die Ueberführung in die Wohnung in. Mangelnde Abstützung der Treppe soll den Unfall verschuldet haben; auch wird von den Arbeitern über ungenügende Beschaffenheit der Baubude geklagt. * Barntrup, 20. Sept. Die Volksversammlung gestern erfreute sich eines guten Besuches. Genosse Klingenhagen=Bielefeld hatte das Referat übernommen. In der Diskussion meldete sich niemand zum Wort, trotzdem Gegner von den Liberalen anwesend waren, sogar ein Agitator von der freisinnigen Volkspartei. Nachdem der Vorsitzende Genosse Besch besonders die Tabakarbeiter aufgefordert hatte, sich der politischen wie der gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen und die Arbeiterpresse zu lesen, erfolgte Schluß der Versammlung.„Nach der Versammlung meldeten sich einige Genossen zur Aufnahme in den sozialdemokratischen Verein. Auch einige„Volkswacht"Abonnenten wurden gewonnen. Es geht auch hier vorwärts. * Detmold, 20. Sept. Arbeiter=Gesangverein. Anläßlich der Beerdigung des verstorbenen Sangesbruders Max Berndt bitten wir die Sangesbrüder zur Probe am Mittwoch, 22. d. M., um 2½ Uhr, in der„Centralhalle“ zahlreich zu erscheinen. Gg. Minden, 20. Sept. Am Sonntag, 19. d. M. abends 7 Uhr, veranstaltete der Bildungsausschuß des Gewerkschaftskartells, um der Arbeiterschaft von Minden und Umgegend einen vergnügten Abend zu bereiten, im„Kolosseum“ einen„Ludwig Thoma=Abend“. Hierzu war Fräulein Paula Stahl vom Hoftheater in Neustrelitz gewonnen worden. Die Auswahl der Simplicissimus=Gedichte von Ludwig Thoma aus „Grobheiten",„Neue Grobheiten" und„Peter Schlemihl“, unterstützt durch die klare und deutliche Aussprache, brachten der Vortragenden reichen Beifall ein. Es ist nur zu bedauern, daß der Besuch nicht ein weit größerer war. Der Mißgriff bei der Frühjahrs=Theateraufführung wurde glänzend wieder wett gemacht. Hoffentlich unterstützen die Gewerkschaftskollegen durch zahlreichen Besuch den Bildungsausschuß bei den ferneren geplanten Veranstaltungen im kommenden Winter, so daß sich die Veranstaltungen auch lohnen und nicht fortwährend Defizit bringen. * Lübbecke, 19. Sept. Ueber die Stadtverordnetenwahl am Mittwoch berichtet das hiesige„Kreisblatt“ in einer Weise, die großen Unwillen gegen das Blatt in den Arbeiterkreisen erregt hat. Das Blatt schreibt: „In der gestern nachmittag in der 3. Abteilung vorgenommenen Ersatzwahl für den verstorbenen Rentmeister Ludwig Bomnüter wurde das Wahlrecht nur wenig, von der Bürgerschaft fast gar nicht ausgeübt.“ Nun stehen auch wir gar nicht an, zu erklären, daß der erste Teil der Notiz seine volle Berechtigung hat, aber wenn das Blatt schreibt, daß das Wahlrecht von der Bürgerschaft fast gar nicht ausgeübt wurde so degradiert es damit die 112 Personen, welche den Arbeiterkandidaten W. Große=Nobis gewählt haben, zu Bürgern zweiter Klasse. Das beweist wieder einmal, wie niedrig das Blatt den Teil seiner Leser einschätzt, welche nicht mit irdischen Gütern gesegnet sind und bei Wahlen nicht nach dem Geschmack des„Kreisblatts" stimmen. Konsequent wäre es nun von den Arbeitern, wenn sie es nicht bei dem Unwillen gegen das Blatt bewenden ließen, sondern denselben in die Tat umsetzten, indem sie alle ohne Ausnahme das Blatt abbestellten. Letzte Nachrichten. London, 21. Sept. Nach einer hier bei Lloyds eingetroffenen, jedoch noch unbestätigten Meldung ihres Agenten, ist der am 27. Juli mit 300 Personen, darunter 92 Passagieren an Bord, von Durbau nach London abgegangene Dampfer„Waratha“, über dessen Verbleib vom Tage nach der Abfahrt keine Nachricht vorliegt, nach zwei Tagen auf hoher See verbrannt. Von dem Schicksal der Besatzung und der Passagiere fehlt bisher jede Kunde. Die hiesigen Agenturen glauben jedoch, daß der Dampfer lediglich vom Kurse abgetrieben worden sei. Der Dampfer„Sabine“ ist auf die Suche nach dem vermißten Schiff ausgesandt worden. Kiew, 21. Sept. Hier sind wiederum große Ausschreitungen gegen Juden vorgekommen. Bewaffnete vom Verbande der echtrussischen Leute durchzogen die Straßen im Judenviertel und demolierten die jüdischen Geschäftshäuser und Wohnungen. Viele Juden, die sich zur Wehr setzten, wurden erschossen oder blutig geschlagen, selbst Frauen und Kinder wurden nicht verschont. Die Polizei sah den Ausschreitungen untätig zu. Erst auf Bitten einer jüdischen Deputation wurde Militär requiriert, das in wenigen Stunden die Banden auseinandertrieb. Verhaftungen wurden nicht vorgenommen. Es gab viele Verwundete und Tote. Madrid, 21. Sept. Nachdem vorgestern die Generalität einen Kriegsrat abgehalten hatte, haben gestern früh die Operationen größeren Stils begonnen, angeblich mit dem Abmarsch der Jägerabteilungen in der Richtung nach dem Kap Tresforcas. In Madrid befindet man sich wegen des Ausganges der neuen Unternehmungen in großer Spannung. Der Beginn der jetzigen ausgedehnten Operationen gegen die Kabylen soll beschleunigt worden sein, weil die Regierung eine baldige Beendigung des Krieges dringend wünscht. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. 11I 8 mit kleinen Glasurfehlern. Die Preise sind fast bis zur Nälfte herabgesetzt. Kaffeekannen in verschiedenen Grössen 75, 63, 38, 48, 12, 32. Fleischtöpfe mit Dekel, in versehiedenen Orösen 83, 68, 50,###4 Spitze Kochtöpfe m.Deckel, i. versch. Orössen Wasserkessel 150, 125, 85, 70, 30 12s, 100, 78. Wassereimer inhalt en. 10 Lier 854 Kleinere Simer 63, 58 Zoilette-Eimer mi Einaut. 193, 175 Petroleumkannen 2 Lier Inhat 68 Löffelbleche vein. 98, 85, Sogfetstsche dekoren 954 Wasserkannen 98, 68, Streichhölzer 35. Gianstrungfe 18, 29, 35, 40 im Dutzend 200, 275, 400, 450; Bielefeld, Niedernstrasse 3½. 9161 zum Abonnement auf 0 Sknronle=Avender-Tapetonkaut des Städtischen Orchesters. Leitung: Städt. Musikdirektor Prof. W. Lamping Städt. Kapellmeister M. Cahnbley. # 5 G. m. b. H. Sämtl. Konzerte finden im Stadttheater statt. Die Abonnementspreise betragen: :) 10 ML. :) 7 M. Orchester-Loge Fremden-Loge I. Rang-Loge 1. Rang-Balkon 12 Mk. Parkett-Fauteuil 1. Parkett 2. Parkett 2. Rang-Balkon Eine Abonnementsliste wird vorgelegt werden und nimmt auch die Musikalienhandlung H. Selle Einzeichnungen entgegen. 5009 Die geehrten Abonnenten des Vorjahres werden gebeten, falls sie auf die bisher innegehabten Plätze reflektieren, dies baldmöglichst der unterzeichneten Direktion oder der Musikalienhandlung Selle bekannt zu geben. Die Direktion des Städt. Orchesters. isen gungt g. 9“ P Crarc. ur. Buchdruckerei„Volkswacht sauberer Ausführ. Schürzendruck-Reste aus einer ersten Fabrik 120 cm breit.... Meter 454 140 cm breit:... Meter 684 S. Risberg 8 Co. 4939 Rathausstrasse Der Verkauf billiger Tapeten wird fortgesetzt. 5105 bester Flüssiger Prch-ebige Fahrteanten: eben S d. 5 3, 5fke Oberalt erhaltlich. Konzerthaus. Heute Dienstag, 8¼ Uhr: Dritter u. letzter humor. Abend der OriginalLeipziger Sänger. Direktion: Paul Belzer. U. a.: Nach der Parade. Der alte GrenadierFeldwebel. Humor. Duette. .— Näheres Plakate und Programme.[5097 Feuer-Versicherungen werden unt. kulanten Bedingungen reell aufgenommen. 4387 August Ostmann, Zastrowstr. 24. Hauptagent der„Albingia“, Versich.=Akt.=Gesellschaft Hamburg. Herm. Ostmann, Lutterstraße 50. Vertreter und Kassierer. LOccoeeeeee Dottiederk und Daunen 5038 nur staubfreie Qualitäten, empfichlt in grosser Auswahl zu den billigsten Preisen Herz Wisbrun, Brackwede. Unserem Kollegen Gustav genannt de Schwachte, zu seinem 20. Wiegenfeste ein dreifaches Lebehoch! wünschen ihm die durstigen Kehlen vom Klub Bodensehn, Schildesche. Gift he dat Fettken nich(5099“ Krigt he sine Machta nich. Bekanntmachung. Mit Rücksicht auf den Umbau der Schlachthallen kann vom 20. September 1909 ab mit dem Schlachten an jedem Tage 2 Stunden früher begonnen werden. Letzte Lebendbeschau findet dann für Großvieh um 3 Uhr, für Kleinvieh um 4 Uhr statt. Herford, den 17. September 1909. Die Polizeiverwaltung. Dr. Heß. Die Geschäftsleute, die in der„Volkswacht" inserieren, wolle man bei Einkäufen berücksichtigen. Starke Scheuer-Tücher mit doppelt verstärkter Stück Mitte in richtiger Grösse. S. Risberg 8 Co. in nur bester Qualität bei zu billigsten Vobriackschah Preisen Blelefeld, Niedernstr. 29/31. 4915 Für unst Der Zug Kr. Manche Philanthropen lichen Gesellschaft wundern sie arbeit verheirateter Frauen freundlichkeit können sie nich Mutter nicht Arbeit genug in in die Fabrik geht. Mehr w tung gehört: Die Fabrikarbei Fabrik und wenn sie heiratet hinein. An der eigenen Haus der Gang geht in die Fabrik. damit zu motivieren, daß die wohnten Umgebung und Gesel keine andere Arbeit mehr tau Wahr ist es, daß die Zah rapide steigt. Aus der Gewe hervor, daß heute mindestens beruflich tätig sind. Ohne Zu schäftigung im eigenen Hausha wenn sie ihre Kinder beaussi Teim, gestg einem gemütlichen Heim Mühen behagliche Stunden F nen. Aber es ist ein trauri Frau und Mutter kaum noch natürliche Aufgabe erfüllen zu ihrer Kinder zu sein. Die hol Arbeiterfrau leider sehr ofts der Erwerbsarbeit. „In unserer kapitalistischen Lohnarbeiterin geworden, weil glaubt, ein verbrieftes Recht tarier, ohne Unterschied des C die den männlichen Arbeitern gar keinem Vergleich zu den um einen Ausgleich zu schaffe Mitarbeit gezwungen. Die 3 hausindustriellen Beschäftigun Beschäftigung im fremden He wohl das Mutterherz in bange morgens aus den Betten reiße zu bringen oder wenn sie sie läßt, um bei fremden Leuten Und recht oft liest man in die Unglücks= oder Todesfälle melden. Die bürgerlichen 3 wie folgt:.. „Die Aufwärterin Sch. he zur Arbeit ihr 3¼jähriges Kin in der Wohnung zurückgelasse das Kind erstickt. Betten und Auch die Fabrikarbeiterin i gen Arbeitszeit außer stande, tragen. Sausend und brausend Traume von Mutterglück und stuhl, an der Stanzmaschine u gesunder Gliedmaßen nach sich. und Mutter geht wahrlich nich sondern aus Not in die Fabri Erscheinung und sie wird in den Notwendigkeit werden.— kosten enorm durch die neuen Lebensmittel und Gebrauchsge das zu einer Zeit, wo die Fol den mit Arbeitslosigkeit, als rückten kapitalistischen Gesells ganz verschmerzt sind. Die Januar d. I. stetig gestiegen. preis im Durchschnitt 30 Pfg. dies kommt einer Preissteigert all die Verteuerungen der üb liche Ausgabe für Lebensmitte sich seit Januar um reichlich Seit Januar d. J. bewegt mittelaufwand für eine vierkö. schnittspreisen des Weltmarkte 69 Roman aus den G von Friedr Eben jetzt, wie sie behaglich Lebensmitteln zwischen sich, a plötzlich dicht unter ihnen in emporfuhren In demselben: zelner Indianer, den Köcher, d balg bestand, und den Bogen in vor, und sprang nicht zwei Se Stelle, wo sie lagen, vorbei. selber die Nähe der hier nicht als er sie bemerkte, erschreckt ei Mit einem Blick hatte er abe beiden Leuten nichts zu fürchte tiges„Walle, walle!" zurufer steilen Hang in vollem Laufen ziges Mal inne zu halten und Dent nuten später in dem dichten H „Was diese Burschen für lachend Graf Beckdorf, indem aufgegriffene Brechstange wiel glaubte übrigens Wunder, wer „Hol's der Henker, ich dach uns einen Besuch abstatten wo ganz eiskalt über den Rücken ist gerade nicht zu spaßen.“ „Was die Rothaut nur so so viel vor uns erschrecken, wi noch einen Schritt weiter rech geworfene Loch hinuntergepolt „Ich weiß überhaupt nicht, Burschen heute morgen im Wi los, und ich wollte doch, wir h stens Ihre Pistolen mitgenom vom Leibe zu halten.“ „Bah,“ lachte Beckdorf, fürchten, und ich bin oft und o ihren Lagern gewesen.“ „Nun, mit den Amerikane tun haben?“ „Nein, aber sie wissen auch schen Amerikanern und Fremd manes“ gehen sie am liebsten seltensten ein Unrecht geschieht gutmütigeren wilden Volkssta Burschen." 5 8— DO* Nr. 220. Bielefeld, Dienstag, 21. September 1909. 20. Für unsere Frauen. Der Zug in die Fabrik. Kr. Manche Philanthropen, Herren und Damen, der bürgerlichen Gesellschaft wundern sich über die Zunahme der Fabrikarbeit verheirateter Frauen und Mütter; in ihrer Menschenfreundlichkeit können sie nicht begreifen, daß die Freau und Mutter nicht Arbeit genug in ihrem Haushalt hat, sondern noch in die Fabrik geht. Mehr wie einmal haben wir die Behauptung gehört: Die Fabrikarbeiterin fühlt sich nur wohl in der Fabrik und wenn sie heiratet, dann treibt es sie bald wieder hinein. An der eigenen Hauswirtschaft findet sie selten Freude, der Gang geht in die Fabrik. Man versucht diese Behauptung damit zu motivieren, daß die Fabrikarbeiterin nicht aus der gewohnten Umgebung und Gesellschaft heraus wolle und daher für keine andere Arbeit mehr tauge. Wahr ist es, daß die Zahl der verheirateten Arbeiterinnen rapide steigt. Aus der Gewerbezählung des Jahres 1907 geht hervor, daß heute mindestens 1½ Million verheirateter Frauen beruflich tätig sind. Ohne Zweifel hätten alle diese Frauen Beschäftigung im eigenen Haushalt. Arbeit hätten sie überreichlich, wenn sie ihre Kinder beaussichtigten und ihre Wohnungen zu einem gemütlichen Heim gestalteten, wo nach der Tageslast und Mühen behagliche Stunden Familienglücks verlebt werden können. Aber es ist ein trauriges Zeichen, daß die proletarische Frau und Mutter kaum noch Zeit findet, ihre vornehmste und natürliche Aufgabe erfüllen zu konnen, Erzieherin und Bildnerin ihrer Kinder zu sein. Die hohen Pflichten der Mutter muß die Arbeiterfrau leider sehr oft so nebenbei erledigen nach Schluß der Erwerbsarbeit. In unserer kapitalistischen Weltordnung ist die Frau zur Lohnarbeiterin geworden, weil ein allmächtiges Unternehmertum glaubt, ein verbrieftes Recht auf die Arbeitskraft aller Proletarier, ohne Unterschied des Geschlechtes, zu haben. Die Löhne, die den männlichen Arbeitern vielfach gezahlt werden, stehen in gar keinem Vergleich zu den herrschenden Lebensmittelpreisen; um einen Ausgleich zu schaffen, ist die Frau und Mutter zur Mitarbeit gezwungen. Die Frau greift also zur Fabrikarbeit, hausindustriellen Beschäftigung oder sie sucht als Stundenfrau Beschäftigung im fremden Haushalt.— Wie oft krampft sich wohl das Mutterherz in bangem Weh, wenn sie die Kinder früh morgens aus den Betten reißen muß, um sie in die Pflegestelle zu bringen oder wenn sie sie einschließt und stundenlang allein läßt, um bei fremden Leuten zu arbeiten. Und recht oft liest man in den Zeitungen kurze, kalte Notizen, die Unglücks= oder Todesfälle derart allein gelassener Kinder melden. Die bürgerlichen Zeitungen registrieren solche Fälle wie folgtg... „Die Aufwarterin Sch. hatte gestern bei ihrem Weggange zur Arbeit ihr 3¼jähriges Kind im Kinderwagen liegend allein in der Wohnung zurückgelassen Bei ihrer Heimkehr fand das Kind erstickt. Betten und Wagen waren angekohlt.“ Auch die Fabrikarbeiterin ist während ihrer 10 oder 11stündigen Arbeitszeit außer stande, ihrem Muttergefühl Rechnung zu tragen. Sausend und brausend gehen die Maschinen ihren Gang, Traume von Mutterglück und Mutterstolz, geträumt am Webstuhl, an der Stanzmaschine usw., ziehen gar leicht den Verlust gesunder Gliedmaßen nach sich.— Die um Lohn arbeitende“ und Mutter geht wahrlich Die um Vohn,arbeitende Frau ####t wahrlich nicht aus Freude an dem Fabriklehen, sondern aus Not in die Fabrik; dies war bisher eine alltägliche Erscheinung und sie wird in Zukunft noch mehr zur zwingenden Notwendigkeit werden.— Zurzeit steigen die Haushaltungskosten enorm durch die neuen Steuern, womit die notwendigsten Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände belegt worden sind, und das zu einer Zeit, wo die Folgen der Wirtschaftskrisis, verbunden mit Arbeitslosigkeit, als Begleiterscheinung unserer verrückten kapitalistischen Gesellschaftsordnung, noch nicht einmal ganz verschmerzt sind. Die Mehl- und Brotpreise sind seit Januar d. J. stetig gestiegen. Im Januar betrug der Brotpreis im Durchschnitt 30 Pfg. pro Kilo, heute beträgt er 33 Pfg., dies kommt einer Preissteigerung von 10 Prozent gleich. Dazu all die Verteuerungen der übrigen Lebensmittel. Die monatliche Ausgabe für Lebensmittel für eine vierköpfige Familie hat sich seit Januar um reichlich 3 Mark gesteigert. Seit Januar d. J. bewegte sich der wöchentliche Nahrungsmittelaufwand für eine vierköpfige Familie, nach den Durchschnittspreisen des Weltmarktes, wie folgt: Januar Februar März April Mai Juni 22.46 22.37 22,47 22,59 22,87 23,21 Dazu kommen nun vor allem noch die Belastungen auf Kaffee, Tee, Zündhölzer usw. Nach dieser Aufmachung wird der Verdienst des Mannes ferner noch weniger ausreichen, um die Lebensbedingungen seiner Familie zu beschaffen und die Folge ist, daß die verheiratete Frau und Mutter in noch stärkerem Grade zur Mitarbeit gezwungen ist. Also, ihr menschenfreundlichen Herren und Damen des Bürgertums, hört, weshalb die Frau und Mutter in die Fabrik geht: nicht aus Liebhaberei, sondern deshalb, um genügend Brot für ihre Kinder zu beschaffen. Wollt ihr diesem kulturwidrigen Zustand abhelfen, so wirkt auf eure Klassengenossen ein, die als Arbeitgeber dastehen, daß sie mit ein paar Prozent Profit weniger zufrieden sind und dafür ihren männlichen Arbeitern soviel Lohn zahlen, daß sie ihre Familien ernähren können. Wirkt ferner der indirekten Besteuerung auf Lebensmittel entgegen und das Zaubermittel, welches die Arbeit der verheirateten Frau eindämmt, ist gefunden. Aber ebenso gut könnte man von einem Dornenstrauch Feigen verlangen. Deshalb bleibt für die Arbeiterinnen nichts übrig, als aus eigener Kraft für gleiche Arbeit gleichen Lohn zu fordern. Arbeiterinnen, herbei zur Organisation! Durch Teilnahme an der modernen Arbeiterbewegung, der gewerkschaftlichen und politischen, wird es euch nur möglich sein, euer Recht zu erkämpfen und der Gesellschaft, die mit Hilfe der bürgerlichen Parteien euch die Lebensteuerung beschert hat, die erhöhten Subsistenzmittel durch Lohnforderungen abzuzwingen. die Kirche aus " Im zweiten Teile des Faust befindet sich eine wunderschöne Szene, die den guten Magen der Kirche aufs anschaulichste schildert. Der junge Kaiser hat sich, um seinen Feind und Gegner, den Gegenkaiser, niederzuwerfen, mit Faust und Mephisto eingelassen, und er hat so die Schuld der Zauberei auf sich geladen. Natürlich großes Entsetzen bei den kirchlichen Herren. Der Kaiser muß seine Schuld büßen, unweigerlich. Und der Bischof legt ihm die Buße auf. Er bittet zunächst den Kaiser um ein Stück Land zu einem Kloster. Der Kaiser gewährt, und der Bischof bittet weiter um Bausteine, um Holz und Schiefer zu dem Bau, um die Zehnten aus dem großen Kreise seines Landes zum Unterhalt des Klosters. Was soll der arme Kaiser machen? Er gewährt wieder, und der Bischof geht. Der zurückgebliebene Kaiser versenkt sich in frommes Gebet. Das sieht der Bischof, der schnell wieder in das Zelt zurückkommt, und weil er weiß, daß zerknirschte Sünder alles geben, was sie sollen, bittet er weiter: Auch das Land, das Faurt dem Meere entreißen will, soll dem neuen Kloster tributpflichtig werden. Der Kaiser wehrt ab: Das Land liege ja noch im Meere. Der Bischof lächelt: Wer nur Geduld hat, rückt schließlich in sein Recht. Der Kaiser, der darauf nichts zu erwidern weiß, nickt Gewährung und stolz zieht der hochwürdige Herr der Kirche mit dem neuen Besitz und dem neuen Rechte ab. Es ist, als sei diese Geschichte mit Hinblick auf Spaniens Verhältnisse gemacht, denn wenn man einmal eine Reise durch die ehemals so blühende Pyrenäen=Halbinsel gemacht hat, lernt man sich bald fragen, was denn in diesem Lande eigentlich der Kirche nicht gehört, ob es irgend eine menschliche Tätigkeit, einen menschlichen Erwerb gibt, aus dem die Mutter Kirche nicht ihren Nutzen zu ziehen weiß. Von dem großen Reiche Karls V., der stolz von sich sagen durfte, daß die Sonne in seinem Reiche niemals unterging, ist wenig genug geblieben. Der ehemals riesengroße Kolonialbesitz Spaniens ist bis auf ein Minimum zusammengeschrumpft, und wenn nicht jetzt durch die neuen politischen Beziehungen Spaniens zu England den zerrütteten Staatsfinanzen neue Hilfsquellen erschlossen werden, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, wann auch dieser Rest der Kolonien in den Besitz der lachenden Erben übergeht. Geht man den Ursachen des rapiden Niederganges der spanischen Monarchie nach, so muß man sich bald sagen, daß es nur die Kirche und immer wieder die Kirche gewesen ist, die sich seit Philipps II. Zeiten wie ein lastender Alp auf das unglückliche Land gelegt hat, dem sie die besten Lebenskräfte und Lebenssäfte entzogen hat. Das Land der Klöster und der Mönche hat man das Land Philipps II genannt. Man kann mit demselben Recht das heutige Spanien auch noch so nennen, denn überall in spanischen Straßen begegnen einem Mönche, und es ist wohl keine Stadt im Lande, sei sie auch noch so klein, die nicht mindestens ein Kloster hat; schon in mittleren Provinzstädten ist die Zahl der Klöster eine erstaunlich hohe, und auch dem oberflächlichen Beobachter des spanischen Lebens geht es sehr bald auf, daß die Klöster und die Geistlichkeit immer noch die eigentlichen Herren im Lande sind, und daß aus den Klöstern und Kirchen der Eishauch ausgeht, der dem ganzen spanischen Leben seine Prägung aufgedrückt hat. Wir lesen in alten Geschichtsbüchern, die noch aus arabischer Zeit stammen, von der hohen Kultur, von der hohen geistigen Blüte und von der wirtschaftlichen Tüchtigkeit und Vollkommenheit des südlichen Spaniens. Das war einmal. Die Mauren und Araber, die diese innere und äußere Kultur geschaffen haben, deren Reste uns noch in staunende Bewunderung setzen — die Moschee in Cordoba und die Alhambra in Granada—, waren ja Mohammedaner gewesen, Ketzer, und somit den christlichen Pfaffen ein Dorn im Auge. Es würde zu weit führen, auf die Unsumme von religiöser Hetzarbeit einzugehen, die notwendig war, um Fürsten und Volk zum Kampfe gegen die Mauren aufzuwiegeln, und es wäre ein trauriges Beginnen, von diesen Kriegen zu erzählen, die endlich damit endigten, daß die maurischen Könige aus Granada vertrieben wurden und die Mohammedaner bis auf geringe Reste vernichtet und aus dem Lande getrieben wurden. Nun traten die christlichen Spanier, die katholischen Priester, das Erbe der Mauren an: Und Bibliotheken, in denen unersetzliche Schätze durch Jahrhunderte hindurch aufgehäuft waren, gingen in Flammen auf, kunstvolle Wasserwerke, die große Strecken öden Landes bewässerten und urbar machten, wurden zerstört und vernachlässigt, und wo unter Maurenherrschaft blühende Felder gewesen waren, finden wir in christlichen Tagen öde Wüsteneien. Dörfer und Flecken verschwanden, aber Kirchen und Klöster erhoben sich an allen Orten. Und mit den Klöstern breitete sich die Verdummung in erschreckendem Maße aus, jene Verdummung, die den Menschenfreund heute noch im südlichen Spanien nicht aus dem Erstaunen und der Empörung herauskommen läßt. Spaniens große Zeit brach an: Die Entdeckung der neuen Welt, die einen wahren Goldstrom nach Europa leitete. Der Reichtum, der Besitz stieg zu vorher nie geahnten Höhen. Die Kirche verstand sich darauf, aus den neuen Verhältnissen klug ihre Vorteile zu ziehen. Es ist bekannt, mit welch unerhörter Grausamkeit die spanischen Eroberer in der neuen Welt gewütet und gewirtschaftet haben. Die Kunde von solchen Dingen drang natürlich auch nach Spanien. Eine willkommene Gelegenheit für die Geistlichkeit, den Feldherren, die sich solcher Greueltaten schuldig gemacht hatten, hohe Kirchenbußen aufzuerlegen. Eine ganze Reihe von großen Kirchenlegaten stammt aus dieser Zeit, und wenn das Geld im Kasten klang, waren die„edlen“ Svender von Schuld befreit, mit der sie sich durch vergossenes Amerikanerblut beladen hatten. Dann kam Philipp II., und mit ihm erlebte die Kirche in Spanien ihre große Zeit. Der Escurial mit seiner düsteren Pracht, mit der Unbarmherzigkeit seiner endlosen Korridore, mit der Kahlheit seiner Zimmer und Zellen, ist der schlagendste und beste Ausdruck für den Geist, der nun in Spanien seinen Einzug gehalten hatte. Wie ein ungeheures Rost ist dieses Kloster angelegt zur Erinnerung an den Heiligen, dem zu Ehren es erbaut ist, und der nach der Legende seinen Märtyrertod auf einem Roste gefunden haben soll. Es ist, als habe die Form dieses Klosters symbolische Bedeutung für jene Zeit; denn damals fing es an, daß die Ketzer zu Hunderten und zu Tausenden verbrannt wurden, daß die Inquisition ihre Schreckensherrschaft weiter und immer weiter ausdehnte Die schönen Tage der Ketzerverbrennung haben ja nun zwar auch in Spanien für die würdigen Herren Mönche und Priester ihr Ende gefunden, aber in allen Fragen des Wissens und des Denkens üben die Geistlichen heute noch einen fast unumschränkten Einfluß auf die Bevölkerung aus Gewiß wachsen die republikanischen Kreise, die sich gegen die Herrschaft der Kirche Roman aus den Goldfeldern Kallforniens von Friedrich Gerstäcker. 49— Eben jetzt, wie sie behaglich in dem weichen Gras, mit ihren Lebensmitteln zwischen sich, ausgestreckt lagen, prasselte es da plötzlich dicht unter ihnen in den Büschen, daß beide erschreckt emporfuhren In demselben Moment brach aber auch ein einzelner Indjaner, den Köcher, der aus einem abgestreiften Fuchsvalg bestand, und den Bogen in einer Hand haltend, daraus hervor, und sprang nicht zwei Schritte von ihnen entfernt, an der Stelle, wo sie lagen, vorbei. So überraschend mochte ihm dabei selber die Nähe der hier nicht vermuteten Weißen sein, daß er, als er sie bemerkte, erschreckt einen weiten Satz zur Seite machte. Mit einem Blick hatte er aber auch erkannt, daß er von den beiden Leuten nichts zu fürchten habe. So, ihnen nur ein flüchtiges„Walle, walle!“ zurufend, sprang er den dort ziemlich steilen Hang in vollem Laufen empor, wo er, ohne nur ein einziges Mal inne zu halten und Atem zu schöpfen, kaum drei Minuten später in dem dichten Holz der Waldung verschwand. „Was diese Burschen für eine Lunge haben müssen!“ sagte lachend Graf Beckdorf, indem er die in der ersten Ueberraschung aufgegriffene Brechstange wieder neben sich niederwarf.„Ich glaubte übrigens Wunder, wer da angebrochen kam.“ „Hol's der Henker, ich dachte, es wäre ein Grizzly=Bär, der uns einen Besuch abstatten wollte,“ lachte Fischer.„Es ist mir ganz eiskalt über den Rücken gelaufen. Mit derartigen Bestien ist gerade nicht zu spaßen.“ „Was die Rothaut nur so zu laufen hatte? Er ist übrigens so viel vor uns erschrecken, wie wir vor ihm, hahaha, wenn er noch einen Schritt weiter rechts sprang, wäre er in das ausgeworfene Loch hinuntergepoltert.“ „Ich weiß überhaupt nicht,“ sagte Fischer,„was die braunen Burschen heute morgen im Wind haben. Irgend etwas ist aber los, und ich wollte doch, wir hätten unsere Gewehre oder wenigstens Ihre Pistolen mitgenommen, um sie uns im Fall der Not vom Leibe zu halten.“ „Bah,“ lachte Beckdorf,„wir haben von ihnen nichts zu fürchten, und ich bin oft und oft, ganz allein und unbewaffnet in ihren Lagern gewesen.“ „Nun, mit den Amerikanern wollen sie doch nicht viel zu tun haben?“ „Nein, aber sie wissen auch recht gut einen Unterschied zwischen Amerikanern und Fremden zu machen, und mit den„Alemanes“ gehen sie am liebsten um, weil ihnen von denen am seltensten ein Unrecht geschieht. Ich glaube nicht, daß es einen gutmütigeren wilden Volksstamm in der Welt gibt, wie diese Burschen" „Und doch sollen sic alle Augenblicke Amerikaner überfallen haben. „Und wenn sie's täten, wer in der Welt könnte es ihnen verdenken. Plötzlicher und mit weniger Grund ist noch nie eine indianische Nation vertrieben, mißhandelt und vernichtet worden, seit Cortez' und Zizarros Zeiten wenigstens. In allen anderen Ländern der Welt wurde doch wenigstens eine Form beachtet und das Land ihnen, wenn auch um Spielereien, abgekauft, hier aber treibt man sie gerade so rücksichtslos von allem, was bisher ihr rechtliches Eigentum war, fort, wie man bei uns die Sperlinge aus einem Felde scheuchen würde.“ „Ja, und wir helfen mit,“ lachte Fischer;„denn auf dieser Stelle hätte eben jener Amerikaner, wenn wir hier nicht seit zwei Tagen gehackt und spektakelt hätten, vielleicht einen Hirsch schießen und einen Sonntagsbraten für seine ganze Familie haben können.“ „Wenn er so fort rennt, fängt er sich vielleicht einen im Laufen,“ lachte Beckdorf.„Was konnen wir aber tun? Wären wir nicht hergekommen, säßen heute oder morgen jedenfalls andere hier, und das Resultat blieb doch immer dasselbe. Diese Goldgruben fressen sich tiefer und tiefer in das Land hinein, und die Indianer werden mit jedem Tage, mit jeder Stunde höher in die Schneeberge hinaufgetrieben. Ob sie sich dort oben am Leben erhalten können oder nicht, ist den Amerikanern gleichgiltig, sie sollen sterben, wenn sie nichts Besseres zu tun wissen.“ „Wenn sie das Land bebauen wollten, könnten sie aber in Frieden leben,“ meinte Fischer,„und niemand würde sie belästigen; ja, ich bin überzeugt, daß die Vereinigten Staaten ihnen darin jede nur mögliche Unterstützung angedeihen ließen.“ „Der alte Unsinn,“ sagte Beckdorf,„den sich die Professoren in den Städten ausbrüten. Es ist gerade so, als wenn ich dem Fuchs Vorwürfe machte, daß er ein Fuchs ist, und von ihm verlangte, er solle sich bei einem Schäfer als Schäferhund vermieten. Gott hat die Leute so erschaffen, wie sie sind, und ihnen das Land zum Aufenthalt gegeben, und wir können unser Verfahren, sie daraus zu vertreiben, nicht einmal mit der Entschuldigung beschönigen, daß wir ihnen das Land nur nehmen, um sie zu zivilisieren; denn es hat kein Mensch Zeit oder Lust dazu, sich damit abzugeben. Aber das ist eine alte, schon hundertmal besprochene und sehr nutzlose, für die Indianer freilich auch sehr traurige Geschichte. Den einzigen Trost haben sie in Kalifornien, daß ihnen das Blut nicht, wie in anderen Ländern, tropfenweise abgezapft wird, sondern daß ihnen hier kaum so viel Jahre, wie ihren Leidensgefährten Jahrzehnte gegeben werden, sich einander zu begraben.“ Fischer hatte eine Weile nachdenkend vor sich niedergesehen, seine nächste Frage aber bewies, wie wenig er sich das Schicksal der eben besprochenen Indianer zu Herzen nahm. „Ich bin merkwürdig neugierig,“ sagte er,„ob wir was Gescheites finden werden, der Boden sieht gut aus, und daß schon in dem oberen Ton ein paar Körner staken, ist ein vortreffliches Zeichen. Beckdorf lächelte still vor sich hin.„Es ist doch ein wunderliches Leben, was wir hier führen,“ rief er endlich,„und ich gäbe was darum, wenn sie uns daheim einmal könnten so zusammen sitzen sehen, oder zuschauen, wie wir im Schweiße unseres Angesichts den Boden aufwühlen, um ein paar Körner des gelben Metalls herauszuwaschen. Manchmal kommt es mir bei Gott so vor. als ob ich nur im Traum so arbeitete.“ „Ich danke schön,“ sagte Fischer.„Wenn ich auch noch im Traum so hacken und graben sollte und Erde schleppen und alte wacklige Maschinen schütteln, da könnte der Böse dies Leben holen, sobald er Lust hätte. Daß es uns übrigens ziemlich sonderbar vorkommt, ist eben kein Wunder, denn wir sind es wohl beide früher anders gewohnt gewesen.“ „Aber hübsch ist's doch,“ rief Beckdorf aus,„hol's der Böse, nicht um alles in der Welt möchte ich die Zeit ungeschehen machen, die ich hier schon, wenn auch oft nutzlos, in dem harten Boden herumgehackt und gewühlt, wie ein wahnsinniger Maulwurf. Der wunderschöne Wald, die freie herrliche Luft, die Arbeit selber mit ihrer tüchtigen Bewegung.“ „Arm ausrenken,“ sagte Fischer. „Was tut's, wo sich der Körper so kräftigt, bleibt auch der Geist srisch, und für mich selber hätte ich keine bessere Lehrzeit wünschen können.“ „Na, wenn Sie dies als Lehrzeit betrachten,“ lachte Fischer, „dann wünsch' ich, daß Sie diesen Morgen da in dem Loche drin Ihr Gesellenstück machen und einen tüchtigen faustdicken Klumpen herausbuddeln, gebrauchen könnten wir ihn jedenfalls, denn wenn wir nicht bald etwas Ordentliches finden, sieht es mit unserem Kassenbestand erbärmlich aus.“ „Bah, was tut's,“ lachte Beckdorf,„unseren Lebensunterhalt gewinnen wir immer.“ „So? Danke Ihnen! Damit bin ich aber wenigstens nicht zufrieden,“ rief sein Compagnon;„denn meine Absicht ist, mir hier ein kleines Kapital zusammenzuschlagen, um etwas damit beginnen zu können.“ „Dann rate ich Ihnen, lieber gleich etwas zu beginnen„ohne Kapital“, und die schöne Zeit nicht durch senkrechte Lochgrabereien zu vergeuden. Glauben Sie ernstlich, daß wir je etwas Gescheites an Goldwert finden, um unsere Mühe zu bezahlen?" „Und glauben Sie das nicht?“ „Nein.“ lachte der junge Mann. „Ja, weshalb um Gottes willen graben Sie denn da?“ frug ihn Fischer erstaunt,„weshalb sind Sie überhaupt nach Kalifornien gekommen?" „Allerdings in der Hoffnung,“ sagte der junge Graf,„ja, eigentlich mit der festen Ueberzeugung, mir hier in kurzer Zeit ein bedeutendes Vermögen zusammenzuschlagen, und Tausende sind in derselben Absicht herübergekommen. Ich wollte unabhängig von meiner Familie in Deutschland werden. Diese auflehnen, von Jahr zu Jahr aber dies Wachsen ist doch nicht so bedeutend, daß man schon für die nächste Zeit eine Aenderung in der Stellung der Kirche in Spanien erwarten könnte. g eine ganze Reihe von Jahren wird es dauern, daß die Kirche sich anmaßen kann, das Leben des Einzelnen zu regeln und zu gestalten. Alljährlich pflegt z. B. die spanische Frau einige Wochen zur Buße ihrer Sunden und zur Vornahme allerlei religiöser Uebungen in ein Kloster zu gehen. Ob unter einem solchen Fernbleiben der Frau die Kinder, die Tätigkeit des wunnes usw. leiden, kümmert niemand: Die Kirche will es so, und was die Kirche will, geschieht. Aber, so reich die Kirche auch heute schon ist, sie kann immer noch Gew brauchen, und sie nimmt viel von den Reichen, wenig von den Armen; aber geben müssen sie alle, das ist die Hauptsache. So hatte vor zwei Jahren die Geistlichkeit in Madrid herausgefunden, daß irgend eine der berühmten Muttergottesstatuen einen neuen Mantel nötig hätte, und schnell wurde dem Volke beigebracht, daß es Gott im allerhöchsten Grade wohlgefällig wäre, wenn hoch und niedrig, arm und reich möglichst schnell und möglichst viel zur Beschaffung eines neuen Kleidungsstuckes der Madonna stiften würde. Die Sammlungen hatten einen ungeahnten Erfolg. In wenigen Wochen kamen mehrere hunderttausend Mark zusammen und einige Monate später hatte die Madonna einen neuen goldenen Mantel, der mit kostbaren Edelsteinen über und über geschmückt ist. Man stelle sich nur einmal vor, was mit dieser Summe dem armen Lande hätte genützt werden können. Welch ein Segen würde das Geld bedeutet haben, wenn es z. B. zur Errichtung von Schulen verwandt worden ware, denn nichts liegt natürlich in Spanien nehr im argen als das Unterrichtswesen. Das ist ja nur natürlich; denn wer die Schule hat, hat die Zukunft, und da der Kirche daran liegen muß, daß auch die Zukunft ihr gehört, hat sie selbstverständlich dafür gesorgt, daß die Schule ganz und gar in ihren Händen ist. Die absolute Trennung von Kirche und Staat und Schule und Kirche, die man in Frankreich durchgesetzt hat, nach der sich alle freiheitlich gesinnten Menschen auch in Deutschland sehnen, wird wohl für Spanien, wenn nicht irgend welche überraschenden Vorgänge die politische Lage der Halbinsel verändern, noch sehr gute Weile haben. Völlig in den Händen der Geistlichkeit befindet sich auch das Königshaus. Es ist nicht daran zu denken, daß es König Alfons gelingen wird, sich von den Einflüssen der Jesuiten, die ihn umgeben, freizumachen. Maria Christine, die Mutter des Königs, ist so düster katholisch, wie man es nur in der Wiener Kaiserburg, aus der sie stammt, und im Königsschlosse zu Madrid sein kann. Die Königin Ena, die, um Königin zu werden, prompt ihren protestantischen Glauben ablegte, ist, wie alle Neulinge in in einem Glauben, natürlich eine uberaus fromme Tochter der Kirche geworden, und König Alfons scheint zu klug zu sein, um nicht zu wissen, daß jedes Abschwenken vom Kurs, den man in Rom wünscht, ihm Thron und Leben kosten könnte. Als man vor zwei Jahren darauf aufmerksam machte, daß ein paar der herrlichen Säle in der Alhambra dem Einsturze nahe seien, antwortete er, als man ihn um Geld zum Schutze des großen Kunstwerkes bat, es sei vor allen Dingen zuerst seine Pflicht, dafür zu sorgen, daß die christlichen Kirchen im Lande in würdigem Zustande erhalten würden, und daß da, wo Bedarf wäre, neue Kirchen erbaut würden. Wenn dann noch Geld übrig sei, könne man eventuell daran denken, die Bauten aus der Heidenzeit zu erhalten. Ob diese einfältige Aeußerung der wirklichen Meinung des Spaniolenkönigs entspricht oder nicht, sie zeigt deutlich, daß selbst der König nicht Herr im Lande ist, und daß er gegen die Kirche nichts unternehmen kann und mag. Daß auch in Spanien einmal die Tage der Kirche gezählt sind, ist selbstverständlich; denn immerhin ist noch im Volke genug Kraft. Es fehlt nur noch an der nötigen Aufklärung, die dem Volke auch den Mut geben könnte, das arme, ausgesogene, in Verdummung erhaltene Land von den Segnungen Roms zu befreien. Aber kommen wird die Zeit, wo das spanische Volk die Herrschaft der Kirche abschüttelt. Vielleicht wird der weltliche Thron dann gleich mit fallen.(Hamb. Echo.) Vom Ftrein drr schwebischen Arertirr. Die Verhandlungen werden zurzeit fortgesetzt; ein Resultat ist indes nicht zu erwarten, weil die Haltung der Regierung der Tätigkeit der Vermittlungsbeamten hindernd im Wege steht. Sie sind nicht in der Lage, auf die Arbeitgeber einen Druck auszuüben, weil die Regierung faktisch hinter den Unternehmern steht und deren Position zu stärken sucht. Die Straßenbahngesellschaft in Stockholm trägt durch die Art der Aufrechterhaltung des Verkehrs zu einer starken Erbitterung der Oeffentlichkeit bei. Eine große Anzahl von Unglücksfällen sind infolge der nicht ausgevildeten Kräfte der Straßenbahn zu verzeichnen gewesen, und auch im übrigen ist die Haltung der Gesellschaft sehr rigoros. Die Liberalen protestieren gegen die von der Regierung beabsichtigten Ausnahmegesetze bekr. Kollektiv=Arbeitsverträge. Eine große Versammlung liberaler Wähler hat in Stockholm stattgefunden, die erklärte, daß derartige übereilte Gesetze niemals zur Förderung des sozialen Friedens dienen könnten. Die Arbeiter der Gruben= und Eisenhütten in Grängesberg und Kiruna haben beschlossen, den Kampf bis zur endgiltigen Erledigung der Konflikte fortzusetzen. Eine halbe Million für die Schweden. Der über eine Million Mitglieder zählende Internationale Metallarbeiterbund beschloß Montag vormittag(20. September) in einer außerordentlichen Vertretersitzung in Berlin, dem im Kampfe befindlichen Eisen- und Metallarbeiter=Verbande in Schweden sofort 500000 Mk. zur Verfügung zu stellen, und die Aufbringung weiterer Mittel durch Aufrufe an die angeschlossenen Landesverbände zu veranlassen. Hartrinachrichten. Bekämpfung der Jugendorganisationen. Die Schlosserinnung in Kiel hat sich zur Aufgabe gemacht, die„sozialdemokratischen" Jugendorganisationen zu bekämpfen. Sie glaubt, ihr Ziel damit zu erreichen, daß sie künftig die Bestimmung in die Lehrverträge aufnimmt, daß der Lehrling ohne besondere Erlaubnis seines Lehrmeisters keinem Vereine beitreten darf. Geschieht es dennoch, so kann das Lehrverhältnis sofort gelöst werden. Gewerkschaftsbewegung. Ein Scharfmacher— auch gegen Hirsch=Dunckersche. Bei der weltbekannten Gärtnereifirma Gebrüder Dippe in Quedlinburg werden zirka 500 Gärtner und Gärtnereiarbeiter beschäftigt, an die im Laufe der Jahre viel Mühe aufgewendet wurde, um sie zu organisieren. Der„Allgemeine Deutsche Gärtnerverein" vermochte darin nur vorübergehend Erfolge zu erringen. Erst im verflossenen Jahre gelang es den HirschDunckerschen, einen Ortsverein der Gärtner zu gründen, der es bis auf 150 Mitglieder gebracht haben soll. Die Hirsche glaubten, daß der Millionär v. Dippe gegen die Organisierung „seiner“ Arbeiter in dem Gewerkverein nichts einwenden werde. Aber der Glaube war irrig. Als das Gewerbegericht sich für die Gärtner als zuständig erklärte, und außerdem der Fortbildungsschulzwang für Gärtnerlehrlinge eingeführt wurde, begann Herr v. Dippe zu murren. Und als erst der Vorsitzende des Gewerkvereines von den Mitgliedern beauftragt wurde, bei der Firma um eine geringe Verkürzung der Sonntagsarbeit vorstellig zu werden, war es mit Herrn v. Dippes„Langmut“ vorbei. Eine Antwort auf das Gesuch blieb aus; dafür wurde aber den Mitgliedern des Gewerkvereins bei der nächsten Lohnzahlung bekannt gegeben, daß sie bis zum 1. Oktober ihren Austritt aus der Organisation zu vollziehen hätten, anderenfalls würden sie entlassen. Damit war das Schicksal des Gewerkvereins besiegelt; die Hirsche traten aus. Vergeblich hatte der Vorsitzende des Zentralverbandes der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine, der frühere Landtagsabgeordnete Goldschmidt, versucht, vermittelnd einzugreifen. Wie er selbst in einer dieser Tage in Quedlinburg abgehaltenen Versammlung erklärte, hat ihm Herr v. Dippe einfach zur Antwort gegeben, daß er Herr in seinem Hause sei, und nur er zu befehlen habe. Die Gärtner seien fruher, als sie noch keiner Organisction angehörten, viel artiger gewesen. Er habe nichts gegen die Organisation, seine Leute konnten sich gern organisieren, aber bei ihm durften sie dann nicht mehr arbeiten! Goldschmidt machte dann den so koaliti Teieschmidt machlt dann ein# doalitionsrechtsfreundlichen Millionar darauf aufmerksam, daß am Quedlinburger Rathause, daß er, v. Dippe, doch gestiftet habe, schöne Sinnsprüche angebracht seien, u. a. auch der:„Anderer Ueberzeugung ehren, heißt deiner Meinung Wert vermehren!" Die Antwort war: „Ich habe wohl das Geld gegeben, aber die Sprüche hat der Oberbürgermeister gemacht. In der erwähnten Versammlung schilderte der Bezirksleiter Hauke die Bemühungen des„Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins“, die Dippeschen Gärtner zu organisieren. Schon 1890 hätten 300 Gärtner dem Verbande der Gärtner angehört. Es sei zwar gelungen, den Monatslohn von 38 auf 45 Mart zu erhöhen. aber die Organisation hätte die Firma schließlich doch wieder zu vernichten gewußt. Ob die Hirsch-Dunckerschen Arbeiter nun wohl einsehen werden, daß dem Unternehmertum jede Organisation verhaßt ist, ganz gleich welcher Richtung, daß also mit Harmonieduselei nichts zu erreichen ist? sse. Die Streikerfolge bei guter und bei schlechter Konjunktur. Es ist allgemein bekannt, in welchem hohen Maße der Erfolg der Lohnbewegungen der Arbeiter von der Lage des Arbeitsmarktes abhängig ist. Die Zeiten der wirtschaftlichen Krise setzen im Falle eines Streikes nicht nur die Unternehmer in eine günstigere Position, sie vermehren andererseits auch die Zahl der„Arbeitswilligen. Aus der amtlichen Streikstatistik, die allerdings eine Reihe von Mängeln hat und deshalb mit Vorsicht zu venutzen ist, läßt sich folgendes feststellen. Von der Gesamtzahl der Streiks in Deutschland hatten in Prozenten der Jahren 1904 bis 1906 erreichten die für die Arbeiter günstigen Ausgänge von Lohnbewegungen ihren Höhepunkt. Mit der wirtschaftlichen Krise im Jahre 1907 setzte auch wieder größere Erfolglosigkeit ein. Selbstverständlich hat sich auch die Arbeiterschaft ständig den gegebenen Situationen angepaßt, wie die Zahl der Streikenden beweist. In den übrigen Kulturländern ist die Entwicklung dieselbe. In den Jahren 1902, 1905 und 1907 betrug in Frankreich die Zahl der Streikenden 212 704, 438 740 und 198136, der Prozentsatz der erfolglosen Streiks 42.4, 34,3 und 41,0. In Belgien war die Zahl der Streikenden 110 474, 75647 und 61 224, der Prozentsatz der erfolglosen Streiks 74,0, 57,2, 66,3. In Oesterreich waren die entsprechenden Zahlen 38521, 110 788, 191 328 und 41,3, 26,9, 28.3 usw. Die Gewerkschaften haben also jetzt ihre Kräfte zu sammeln für die Zeit des zu erwartenden geschäftlichen Aufstiegs. Der Verband der Tapezierer veranstaltet in der Zeit vom 9. bis 16. Oktober d. J. eine allgemeine umfassende Agitation. In sämtlichen Zahlstellen werden in dieser Zeit Agitationsversammlungen abgehalten. Die Gauleitung des mitteldeutschen Gaues(Sachsen, Thüringen und Provinz Sachsen) hat als Vorarbeit ein Flugblatt herausgegeben, mit dessen Verbreitung eine intensive Haus=Agitation verknüpft wird, um die noch indifferenten Berufsgenossen dem Verbande zuzuführen. Boykott einer Zigarettenfabrik. Zu dem am 20. d. M. ausgebrochenen Streike in der Zigarettenfabrik„Manoli“ erfahren wir, daß die in Betracht kommenden Organisationen bei der Berliner=Gewerkschaftskommission, sowie bei der sozialdemokratischen Organisation Groß=Berlins(Aktions=Ausschuß) den Boykott über die Waren der betreffenden Firma beantragt haben. Wie wir weiter hören, sollen sich bereits heute. Dienstag, die besagten Instanzen mit diesem Antrag beschäftigen. Die angedrohte Generalausfperrung der Holzarbeiter für Süd- und Südwest= Deutschland, mit der am Sonnabend in Frankfurt a. M. der Anfang gemacht werden sollte, ist nicht vollzogen worden. Die Unternehmer erklärten sich vielmehr bereit, in Unterhandlungen mit den Verbänden einzutreten. Am Montag sollen Verhandlungen eingeleitet werden, um einen Tarif fur ganz Deutschland zustande zu bringen. 511 Schreiner, Maschinenarbeiter und Glaser, die in Mann= heim= Ludwigshafen in den Ausstand getreten sind, werden alphabetisch geordnet und mit genauer Angabe ihrer Personalien durch eine schwarze Liste des Gesamtverbandes deutscher Metallindustrieller vom 11. September in Verruf gebracht. Ein langwieriger Kampf. Nach 15wöchiger Dauer ist der Streik der Flutzschiffer in Lübeck aufgehoben worden. Die Streikenden beschlossen, die Arbeit zu den Löhnen wieder aufzunehmen, die während des Streiks mit denjenigen Firmen abgemacht worden sind, die die Forderungen der Arbeiter in der Hauptsache bewilligt haben. ssc. Rentenquetscherei. Der„Kampf um die Rente“ war bis vor einigen Jahren nur eine sprichwörtliche Eigentümlichkeit der Unfallversicherung. Die Reichsregierung hat aber entdeckt, daß lidenversicherung die„Lasten"„ins guch in der„Invali Ungemessene steigen. Um die Arbeitgeber, besonders aber die Agrarier, vor höheren Beiträgen zu schützen, wurde eine Kommission ausgerüstet, der Vertreter des Reichsversicherungsamts, des Staatssekretärs des Innern, des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe usw. angehören, und welche an Ort und Stelle die Ursachen der Rentenvermehrung ergründen sollte. Die Kommission hat die Bezirke einer Anzahl Versicherungsanstalten bereist mit dem Ergebnis, daß vielen Rentenempfangern die Renten entzogen wurden.„In vielen Fällen“— heißt es in dem amtlichen Bericht—„mußten die Rentenbewilligungen entzogen werden, weil die tatsächlichen, namentlich die wirtschaftlichen Verhältnisse nicht genügend geklärt oder die der Rentenbewilligung zugrunde liegenden ärztlichen Gutachten nicht erschöpfend oder offenbar unzutreffend waren(durch Ueberschatzung der Altersfolgen, Verwechslung der Begriffe reichsgesetzlicher Berufsinvalidität usw.). Die Beobachtungen der Komund schönen Phantasien haben sich aber schon nach den ersten vier Wochen gründlich verloren, und ich bin jetzt so gebessert worden, daß ich gar nichts mehr erwarte. Finde ich dann wirklich etwas, denn daß wir unseren Tagelohn herausschlagen, ist eben kein Kunststück, und deshalb möchte ich keine Spitzhacke auch nur aufheben, desto besser, dann betrachte ich es als wirklich gefunden und kann mich darüber freuen. „Mit diesen Grundsätzen müssen Sie ein äußerst glückliches Leben in Kalifornien fuhren, lachte Fischer,„aber genau genommen, befinde ich mich auch so wohl genug. Wir mussen zwar unseren Zwieback und Käse vom Boden essen, Kleider haben wir ebenfalls nur notdürftig, und nachts schlasen wir auf einer höchst mittelmäßigen Matratze, von einer Legion Flöhe gequält. Aber weiß in diesen Bergen auch wohl ein Mensch, was Sorgen sind? Kümmert man sich auch nur so viel um den nächsten Tag, ausgenommen, daß man hofft, einen Schatz zu finden? Nein, so lange ein Goldwäscher gesund bleibt, so lange befindet er sich auch glücklich, und wenn ich wohl glaube, daß ich dies Leben einmal satt bekommen könnte, so wird mir die Erinnerung daran doch immer eine ganz liebe bleiben. Jetzt aber wieder an die Arbeit. Donnerwetter, wir liegen hier, als ob wir vornehme Herren wären und uns nur eben überlegten, womit wir die Zeit am besten totschlagen könnten.“ „Und sind wir das nicht?“ lachte Beckdorf.„Wer hat uns etwas zu befehlen? Wer uns vorzuschreiben? Wir sind freie Menschen, und bei Gott, lieber Fischer, die sogenannten„vornehmen Herren“ können das gewöhnlich gerade am wenigsten von sich sagen. Je weniger der Mensch abhängig von seinen Mitmenschen ist, desto freier, desto vornehmer ist er, und das als Norm aufgestellt, sind wir beide souveräne Fürsten. Aber jetzt wieder an die Arbeit, Sie haben recht, mich drängt es selber, zu sehen, was wir in der Grube finden werden.“ Die beiden Leute stiegen wieder an ihren Arbeitsplatz hinunter, und Fischer setzte sich an die Maschine, während Beckdorf von der schon auf den Rand der Grube geworfenen Erde ein paar Eimer füllte und sie hinüber zum Bache trug. „Was lachen Sie, Fischer?“ frug er hier, als er seinen Kameraden, scheinbar in außerst guter Laune, bei der Maschine sitzen fand. „Hm,“ sagte dieser,„ich dachte eben an die beiden komischen Käuze drin im Paradies, den Justizrat und den Assessor, diese zwei Auswüchse unserer deutschen Jurisprudenz, die das launige Schicksal zusammen an die Küste geworfen hat.“ „Sie haben recht, lächelte Beckdorf,„es sind ein paar wunderliche Exemplare, und der Tenorist paßt vortrefflich dazu, das Kleeblatt vollzumachen. „Schade, daß ihnen der Komet durchgebrannt ist,“ sagte Fischer,„der Komet hatte aber immer noch weit mehr Lebensfähigkeit, denn er verstand zu borgen. Wie diese drei Biedermänner aber hier in den Minen existieren wollen, vorausgesetzt, sie sich das Essen nicht abgewöhnen, ist mir ein Rätsel.“ „Der Justizrat soll Geld haben, meinte Beckdorf,„und damit hält er sich und seinen Compagnon wohl noch eine Weile über—“. Er sah rasch in die Höhe und aufmerksan nach dem Hang hinüber. „War etwas da?“ „Ich hörte ein Geräusch, und wie ich aufsah, war es mir auch, als ob ich einen Schatten an jenem umgefallenen Baum da drüben dicht an dem Pfad gesehen hätte. „Vielleicht der Schatten eines Raubvogels, der über das Holz, gestrichen. „Vielleicht,“ sagte Beckdorf, ohne den Blick von jener Stelle zu wenden,„und doch sah es auch wieder anders aus. Wenn uns die Indianer am Ende gar einen Besuch zugedacht hätten—“ „Bah— so viel für die Indianer— schütten Sie nur die Erde herein— so, der eine Eimer ist genügend; jetzt fahren wir mit dem Wechselwagen. Während Sie einen anderen holen, bin ich mit diesem fertig und die Maschine bleibt im Gang., (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. Eine Krankheit des Adriatischen Meeres.„Mar sporco" „schmutziges Meer“, so bezeichnet der Volksmund eine eigentümliche Erscheinung, die von Zeit zu Zeit in der nördlichen Adria auftritt. Hierüber macht die neue Monatsschrift„Adria“ interessante Mitteilungen. Bei dieser„Krankheit“ handelt es sich um ein unvermitteltes, massenhaftes Auftreten eines zähen, durchsichtigen Schleims an der Oberfläche und am Grunde des Meeres. Diese„Meeresverschleimung“ hat nicht nur biologisches Interesse, sondern ist auch für das Leben der Fischer, die ihren Unterhalt dem Adriatischen Meere verdanken, oon höchster Wichtigkeit, denn der Schleim verklebt alle Netze und beeinträchtigt so den Fischfang in hohem Grade. Nach den Beobachtungen des Professors Cori tritt das„Mar sporco“ in drei verschiedenen Formen auf. An der Flachküste zeigt sich der Schleim ganz an der Oberfläche des Meeres in Form von dünnen, durchsichtigen Häutchen, vermengt mit zahlreichen Geißeltierchen, meist im eingelapselten Zustande, und mit Glasbläschen sowie zuweilen auch aigen. Zweitens findet sich der Meeresschleim in Form von langen, weißlichen Strängen, die in fünf bis sechs Meter Tiefe senkrecht schweben. Diese Schleimstränge sind von großen Mengen von Kieselalgen und Glasblasen erfüllt. Endlich findet sich der Schleim in einer dicken Schicht aus dem Meeresgrunde lagernd. Unter dem Mikroskop erscheint der Schleim als durchaus gleichförmige, durchsichtige Substanz, in die die Kieselalgen, Geißeltierchen und andere Planktonorganismen eingeschlossen sind; der Schleim, der vom Meeresgrunde stammt, enthält außerdem noch zahlreiche Sandkörnchen, Kieselnadeln von Schwämmen und mikroskopische Bewohner des Schlammes. Zuweilen haben Fischer beobachtet, daß der Schleim ein Brennen an der Haut hervorruft, was durch das gelegentliche Vorhanden. sein von Nesselzellen abgestorbener Pflanzentiere erklärt werden kann. So viele Forscher bisher nach der Ursache dieser Meeresverschleimung gesucht haben, ist es ihnen doch nicht gelungen, diese verwickelte Erscheinung völlig klarzustellen. Nach den Untersuchungen Dr. Adolf Steuers stammt der Schleim hauptsächlich von Geißeltierchen her: die Schleimbildung ist eine Begleiterscheinung der Fortpflanzung bei den Geißeltierchen. Zurzeit der Sporenbildung, die eine Schutzeinrichtung des pflanzlichen Organismus zum Ueberdauern ungünstiger Vegetationsperioden ist, treten zwischen dem aus mehreren Platten zusammengesetzten Panzer der Geißeltierchen aus dem geschrumpften Plasma neue stark quellbare Hautschichten auf. Diese sprengen durch Quellung und Wasseraufnahme den Panzer, und die eingeschlossene Spore wird frei. Während Pouchet annimmt, daß die Gallertbildung einen krankhaften Zustand der Kieselalge bedeute, ist Schütt der Anschauung, daß die Gallerthülle als ein Bakterienfilter wirke und den Bakterien das Vordringen zu dem sonst unbeschützten Plasmaleib unmöglich mache. Die Schleimerzeugung steht also mit der abnorm starken Vermehrung der Geißeltierchen insofern im Zusammenhang, als nach Erreichung eines unverhaltnismäßig hohen Produktionsmaximums die normalerweise freischwimmenden Organismen in ein Dauerstadium übergehen, für das die Ausscheidung der Gallerte charatteristisch ist. Cori schließt sich der Meinung Steuers an und bezeichnet die Geißeltierchen als die eigentlichen Urheber des„Mar sporco". Daß die Kieselalgen sich in dem Schleim so ungeheuer vermehren, hat seiner Ansicht nach seinen Grund darin, daß der Schleim für sie einen außerordentlich günstigen Nährboden bildet. ktg. Die Zunahme des Krebses bei Menschen und Tieren. Da die Angst vor dem Krebs eine sehr große ist, so sind die Ausführungen des Direktors des englischen Krebsinstitutes, Dr. Bashford, von großem Werte, dessen Vortrag von der „Berl. Klin. Wochenschrift“ wiedergegeben wird. Nach ihm ist die Krebssterblichkeitsziffer allerdings von Jahr zu Jahr in allen Ländern gewachsen, aber sie steht parallel mit den immer genaueren Bevolkerungs= und medizinischen Statistiken der verschiedenen Länder. Ferner läßt sich ein Teil dieser Zunahme auf die größere Anzahl der das Krebsalter erreichenden Menschen beziehen, während ein anderer bedeutender Teil mit gleicher Sicherheit der größeren Sorgfalt im Aufsuchen der Krankheit zu verdanken ist. Eine wirkliche Zunahme des Krebses läßt sich nach Bashford nicht beweisen, und es ist daher von großer Wichtigkeit, daß nach ihm alles das, was zu einer Beängstigung des Publikums diente, in der Tat sehr wenig oder gar nicht begründet zu sein scheint. Seine Ausführungen sind deshalb von besonderem Werte, weil das Material, über das das englische Krebsinstitut verfügt, ein höchst ansehnliches ist, so daß daraus sehr wohl beweisende Rückschlusse gezogen werden können. misston wurden zu einer Ri der Herausgabe neuer Vor Abhaltung einiger Konferenz neuen Verordnung betr. da waltungsbehörden in Preuß Der„Erfolg" dieser Maf zu ersehen. In den Bezirke bereist wurden, ist die Zahl d bedeutend zurückgegangen. gibt einen Aufschluß darübVersicherungsanstalten gegen gegangenen Jahre die bewil Ostyrenden non Con 6 6 44 Sstpreußen Westpreußen Posen Sachsen=Anhalt Brandenl „Fnrenburg Rheinprovinz Hannover Pommern„ Ganz besonders in die Posen und Schlesien, wo d Hälfte ihrer früheren Zahl sonen die Renten außerdem Statistik leider nicht zu ersel Die„Bereisungen“ werde durch diese Zahlen kann der reform“ nicht gekennzeichnet 46. 85 196 80 136 78 3 7 Geri ** Bielefeld, 18. Septemb Untersuchungshaft wurde 1 Weber Heinrich Lohmann wegen hollendeten und ver § 176 Abs. 3 des Strafgesetzbi der Verhandlung war die Oe Der Fabrikarbeiter Hülsn gericht zu Bielefeld wegen öf naten Gefängnis bestraft un Angeklagte hat in öffentlicher der Polizeisergeant Menke ha der Angeklagte den Beweis d# nicht zu führen vermochte, wr Der Stromarbeiter Mölle Steuermann Friedrich Hartn wegen Hehlerei bezw. Diebstah klage behauptet, soll Hartmani fahrtsgesellschaft in Hameln seines Schiffes etwa 18 Sack von Möller angekauft worde nicht, von einem anderen Schi aber er will denselben zu de Das Schöffengericht zu Mindder Hehlerei freigesprochen, suchten Diebstahls verurteilt. seiten der Staatsanwaltschaft legt worden. Die Strafkami überhaupt das fragliche Getrei deshalb die Berufung der St die Berufung von Hartmann hoben und Hartmann von der freigesprochen. Der Zigarrenarbeiter Ern Ende April d. J. in den An ein Mädchen von 12 Jahren macht, dasselbe in die Anlage tätlicher Beleidigung 4 Woche fand unter Ausschluß der Oef Zwei Bergleute verschüttet Heute kamen hier auf der Zec Meine be heute nach Zum Verke 5a. J03 = in 150 verschi Borach per In. nur Rath Achten Sie genau AI Todes. Sonntag morgen 4 Uhr er der treusorgende Vater meiner Schwager, der Friseur Max im 29. Lebensjahre.— Dies Hinterbliebenen an Detmold, den 20. Septe Die Beerdigung findet an u Krummestraße 28 aus stat misston wurden zu einer Reihe von Maßnahmen benutzt, z. B. Sr55ctung Vordrucke für die ärztlichen Zeugnisse, neuen Verordnungedr Versicherungsanstalten, einer betr. das Verfahren vor den unteren Verwaltungsbehörden in Preußen usw. ersehen. In den Bezirken Versicherungsanstalten, die bereist wurden, ist die Zahl der bewilligten Invalidenrenten ganz Ostpreußen Westpreußen Posen Sachsen=Anhalt Brand undenburg Rheinprovinz Hannover Pommern Ganz besonders in die bewilligten Invalidenrenten in: von 6666 i. J. 1900 auf 4459 i. J. 1908 4447 4612 8 557 19 603 8 005 13693 7876 3778 die Augen 2812 2171„ 6226„ 8258„ 6995„ 9166„ „„ 4304„ 1907„ 3316„„„ allend ist die Abnahme in 1902 1903 1904 #. Lanz besonders in di.—ggn„fallend ist die Abnahme in Losen und Schlesien, wo die Bewilligungen um mehr als die Halfte ihrer früheren Zahl herabgegangen sind. Wieviel Personen die Renten außerdem direkt entzogen wurden, ist aus der Statistik leider nicht zu ersehen. Die„Bereisungen werden noch weiter fortgesetzt. Besser als durch diese Zahlen kann der Krebsgang der neudeutschen„Sozialreform“ nicht gekennzeichnet werden! Gerichtliches. ** Bielefeld, 18. September. Strafkammer. Aus der Untersuchungshaft wurde vorgeführt der bisher unbestrafte Weber Heinrich Lohmann von Gütersloh. Derselbe erhielt wegen vollendeten und versuchten Sittlichkeitsvergehens aus § 176 Abs. 3 des Strafgesetzbuchs 1 Jahr Gefängnis. Während der Verhandlung war die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Fabrikarbeiter Hülsmann von hier war vom Schöffengericht zu Bielefeld wegen öffentlicher Beleidigung mit 2 Monaten Gefängnis bestraft und hatte Berufung eingelegt. Der Angeklagte hat in öffentlicher Wirtschaft den Vorwurf erhoben, der Polizeisergeant Menke habe einen Meineid geschworen. Da der Angeklagte den Beweis der Wahrheit für seine Behauptung nicht zu führen vermochte, wurde seine Berufung verworfen. Der Stromarbeiter Möller zu Frille bei Minden und der Steuermann Friedrich Hartmann von Petershagen hatten sich wegen Hehlerei bezw. Diebstahls zu verantworten. Wie die Anklage behauptet, soll Hartmann, der Steuermann bei der Schiffit in Hameln war, Ende 1908 von der Ladung s etwa 18 Sack Futterreis gestohlen haben, welche von Möller angekauft worden sein sollen. Möller bestreitet nicht, von einem anderen Schiffer Futterreis angekauft zu haben, aber er will denselben zu den Tagespreisen angekauft haben. Das Schöffengericht zu Minden hatte ihn auch von der Anklage der Hehlerei freigesprochen, aber den Hartmann wegen veruchten Diebstahls verurteilt. Gegen dieses Urteil war von eiten der Staatsanwaltschaft und Hartmanns Berufung eingeegt worden. Die Strafkammer vermißte den Nachweis, daß überhaupt das fragliche Getreide gestohlen worden ist. Es wurde deshalb die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen. Auf die Berufung von Hartmann hin wurde das erste Urteil aufgehoben und Hartmann von der Anklage des versuchten Diebstahls freigesprochen. Der Zigarrenarbeiter Ernst Oesker von Niederbecksen hat Ende April d. J. in den Anlagen des Parkes zu Oeynhausen ein Mädchen von 12 Jahren angegriffen und den Versuch gemacht, dasselbe in die Anlagen zu schleppen. Er erhielt wegen tätlicher Beleidigung 4 Wochen Gefängnis. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Vermischtes. Zwei Bergleute verschüttet. i hie Heide samenhüttet, Langendreer, 20. Sept. Heute kumrn hier auf der Zeche„Vollmond“ 2 Bergleute unter hereinbrechende Gesteinsmassen. Der eine konnte nur als Leiche geborgen werden, der zweite wurde schwer verletzt. Man brachte ihn in das Krankenhaus Bergmannsheil. Eine blutige Rekrutenabschiedsfeier. Essen(Ruhr), 20. Sept. Bei einer Rekrutenabschiedsfeier im hiesigen Turnverein kam es unter den Festteilnehmern zu einer Revolverschießerei. Zwei Personen wurden tödlich, zwei andere minder schwer verletzt. Ein betrügerischer Sohn. Köln, 20. Sept. Der Sohn eines angesehenen Kaufmanns wurde unter der Anklage verseinem Vater seit längerer Zeit nach und nach 150000 Mark unterschlagen, Wechsel gefälscht und andere Straftaten begangen zu haben. Ein spat eingestandener Mord. Berlin, 20. Sept. Im Sommer 1897 erregie der Mord an der Prostituierten Luise Günther aus der Hasenheide großes Aufsehen. Auf die Angabe einer Freundin der Ermordeten wurde ein Schlachter Emil, der aber nicht gefunden werden konnte, verdächtigt. Jetzt nach zwölf Jahren hat ein Schlachter, der mit Vornamen Emil heißt und zu. Zuchthaus von Siegburg eine längere Strafe verbüßt, von Gewissensbissen getrieben, gestanden, den Mord an der Günther in der Hasenheide verübt zu haben. Die Berliner Polizei hat jetzt die Akten der Staatsanwaltschaft übergeben, die eine Untersuchung einleiten wird. Lustmord. Hamburg, 20. Sept. Ein Lustmord ist heute üh in der Nähe des alten Berliner Bahnhofs entdeckt worden. Im Garten vor den provisorisch für die Marktpolizei errichteten Asbesthauschen fand man die Leiche einer 45 Jahre alten Frau, der der Unterleib aufgeschlitzt war, so daß die Eingeweide heraushingen. Der Kopf war durch zahlreiche Messerstiche verstümmelt. Der porver hat offenbar beabsichtigt, die Leiche in einen unter dem Tragmast der Straßenbayn befindlichen Schacht zu werfen, wurde aber vermutlich dabei gestort. Die Identität der Leiche konnte noch nicht festgestellt werden. Schiffszusammenstoß. Geestemünde, 20. Sept. Der hiesige Fischdampfer„Mond“ kollidierte bei Helgoland mit dem Segelschiff„Margarethe". Letzteres sank. Die Mannschaft wurde von dem Fischdampfer gerettet und hier gelandet. Sturm. Cuxhaven, 20. Sept. In der Nordsee=Elbmündung herrscht ein schwerer Nordweststurm mit dichten Regenböen. Auf dem Scharhörnriff ist der deutsche Dampfer „Senator Stahmer“ in gefährlicher Lage gestrandet, desgleichen auf dem Osteriff ein dem Namen nach unbekannter Dampfer. Attentat auf einen Feldwebel. Montabaur, 20. Sept. Ein Mann der 10. Kompagnie des 116. Inf.=Reg., Garnison Tiessen, die in hiesiger Gegend in Quartier liegt, hat heute nacht den Feldwebel Debos von der 9. Kompagnie desselben Regiments einen lebensgefährlichen Messerstich in der Herzgegend beigebracht. Der Täter soll den Racheakt einem anderen Vorgesetzten zugedacht und sich nur in der Person geirrt haben. Zugzusammenstoß. Budapest, 20. Sept. In Rakocs erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Schnell- und einem Personenzuge. Wie verlautet, wurden vier Bahnbeamte und vier Reisende verletzt. Eine Bombe. Madrid, 20. Sept. Vorgestern explodierte vor der St. Paul=Kirche eine Bombe, wodurch vier Personen verletzt worden sind, darunter eine schwer. Pulverexplosion. Peris, 20. Sept. Im Keller eines Tabakbureaus zu Voiren(Dep. Isere) explodierte ein dort aufbewahrter Sack Pulver und setzte das ganze Gebäude in Brand. Der Bureauinhaber Billaudaz wurde als ganz verstümmelte Leiche aufgefunden. Zwei Frauen wurden schwerverletzt nach dem Spital gebracht. Der Sohn des Billaudaz erlitt leichtere Verletzungen. Erdbeben. Paris, 20. Sept. Gestern wurden in der Provence leichte Erdstöße verspürt, besonders in Rognes und Lambesc. Die Aufregung unter der Bevölkerung ist groß. In Salou sind einige Häuser eingestürzt. Ein Kriminalkommissar ermordet. Antwerpen, 20. Sept. In Cheel wurde ein Kriminalkommissar ermordet. Er hatte aus einer Wirtschaft drei Trunkenbolde ausgewiesen, die sich geweigert hatten, das Lokal zu verlassen. Als der Kommissar die Straße betrat, warfen sich zwei der Trunkenbolde auf ihn und bearbeiteren ihn mit ihren Messern. Der Kommissar wurde in seinem Blute schwimmend tot aufgefunden. Beide Mörder wurden verhaftet. Der eine ist ein Arbeiter, der andere ein junger Soldat, der sich auf Urlaub befindet. Meuterei im Gefängnis. Petersburg, 20. Sept. Im Gefängnisse in Tschernigoff brach unter den Gefangenen eine Revolte aus. Einige Wächter wurden erschlagen. Dann nahmen ionen die Gefangenen die Revolver ab und beschossen die übrigen Aufseher. Schließlich aber wurden die Gefangenen überwältigt. Ein Kriegsschiff überfällig. London, 20. Sept. Das engwegs ist überfau: Ciin von Hontonz, nach Schanghai unterwegs, ist übersauig. Man befürchtet, daß es im Taisun untergegangen ist. Von der Luftschiffahrt. u8 ½edorf, 20. Sept. Der„B.,3“, ist heute nachmittag 18 Min. aufgestiegen und hat die Richtung nach Duisburg eingeschlagen. Die Weiterfahrt erfolgt über Hamborn nach Essen, die Rückfahrt über Barmen=Elberfeld. „Essen„[Ruhr), 20. Sept. Das Luftschiff„Z. 3“ kam um 3 Uhr 5 Min. in Sicht, manöverierte eine halbe Stunde über der Stadt und nahm dann seine Richtung nach dem Landungsplatze, wo es um 3 Uhr 45 Min. niederging. Die Rückfayrt je um 5. Uhr 25 Min. über Werden(Ruhr) und Kettwig direkt nach Tusseldorf. Die Städte Bochum, Dortmund, Gelsenusw, werden gicht berührt. Die in den genannten Orten der Ankungt ves„Z. 3“ harrende Volksmenge ist über diese Reiseproramms bitter enttäuscht. Es steht noch t fest, ob das Luftschiff morgen von Düsseldorf aus direkt nach Frankfurt a. M. zurückkehrt, oder noch einen Abstecher in vas Industriegebiet unternimmt. Düsseldorf, 21. Sept.„Z. 3“, der gestern 6 Uhr 27 Min. hier landete, wird, wie die„Berliner Morgenpost“ meldet, von hier aus seinen Weg wegen des Regens wie auch wegen der Ueberanstrengung der Mannschaft, heute vormittag direkt die Heimfahrt nach Friedrichshafen antreten. Berlin, 20. Sept. Der französische Aviatiker Hubert Latham, der noch in dieser Woche seine Flüge auf dem Tempelhofer Felde beginnen wird, ist heute früh in Berlin eingetroffen. Briefkasten der Redaktion. Nr. 20. 1. Nein. Die Mutter bleibt Vormund, nach ihrer Wiederverheiratung wird dem Kinde ev. ein Pfleger eingesetzt. 2. Die Mutter muß durch einen vereidigten Taxator die Sachen abschätzen lassen und diese Taxe dem Gericht einreichen. Nach Erüdigung der notwendigen Formalitäten und Sicherstellung des kindlichen Erbteils erhalt die Mutter eine Bescheinigung, daß die Schichtung erfolgt ist. Diese Bescheinigung ist dem Standesbeamten zu ubergeben. A. F. Solche Geschäfte sind uns nicht bekannt, wenden Sie sich an eine Fachzeitschrift. A. V. Wenn in dieser Beziehung nichts vereinbart ist, muß das Dienstmädchen die zerbrochenen Gegenstände ersetzen. G. 203. Wenden Sie sich an die Redaktion des„Radmarkt", Verlag,„E. Gundlach A.=G. in Bielefeld, die Ihnen vielleicht diche Adressen angeven kann. Herford. Den Hinterbliebenen verbleibt der Anspruch auf die Hälfte der für den Versicherten eingezahlten Beitrage, wenn dieser keine Rente bezogen hat. Durch Gewährung eines Heilverfahrens ist der Anspruch nicht hinfällig geworden. Lage 100. Kinder über 13 Jahren dürfen bis zu 6 Stunden taglich in Fabriken— auch solchen der Tabakindustrie— beschaftigt werden, wenn sie nicht mehr zum Besuche der Volksschule verpflichtet sind. Coesfeld. So lange der Betreffende nicht in einem außerdeutschen Staate die Staatsangehörigkeit erworben hat, kann er bei der Rückkehr bestraft werden und wird, wenn er noch nicht über das erforderliche Alter hinaus ist, auch wohl noch eingezogen. Ist in einem außerdeutschen Staate die Staatsangehörigkeit erworben, so wird der Betreffende bei seiner Rückkehr in den allermeisten Fällen ausgewiesen. Nr. 159. Das Recht auf die Einziehung der Kosten verjährt in 2 Jahren. St. 100. Herford 1. Die Tochter hat einen gesetzlichen Anspruch auf die Aussteuer. Diese kann nur bei einer Minderjährigen, die sich ohne die erforderliche Einwilligung der Eltern verheiratet, verweigert werden. Frage 2 mochten wir verneinen, da im Zweifel anzunehmen ist, daß die Absicht fehlte. Ersatz zu verlangen. 0 sehite, Meine 5105 Sozialdemokratischer Verein, Ortsgruppe Detmold. Am Sonntag morgen verschied nach kurzer Krankheit unser Genosse, der Friseur Mas Berndt im Alter von 29 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. September, nachmittags 4½ Uhr. vom Trauerhause, Krummestr. 28, aus statt und ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung. 5103 Der Vorstand. 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Mit einer gewissen schen Unternehmerpresse Stim selbstverständlich durch die„st werkschaften“ verschuldete Arbe den Untergang der deutschen I Klagexuf, dem die großkapi „Magoeourger Zeitung" am 8. so grotesk und klang so schrill gegen die„große“ Gefahr aus, und unser wirtschaftliches Lel selbst die Redaktion des Kapit einen gelinden Dämpfer ausse vorsichtig gehandelt. Denn tat deutsche Industrie stehen, wer Verhetzung“ gabe, und tatsächl scheiden genug, einzugestehen, da zeug für ihre Agitationsarbeit; statt bürgerlicher Erkenntnis ist schon ziemlich lange h volkswirtschaftlichen Segnungen bürgerlichen Nationalökonomie verlohnt sich wohl, darauf hin früher Zeit auf die Gefahren dem Volkswohlstande im allgem im besonderen durch eine rücksie kraft erwachsen. Kein Geringerer als der h es, der 1776 in seinem Werke ül „Es ist die Stimme der Natur, d Ruhe, oft aber auch durch Zerstre Verlangen nicht entsprochen wir selbst verderblich, und führen die dem Gewerbe eigentümliche Arbeitgeber stets den Vorschrifte lichkeit gehorchen, so kämen sie Arbeiter eher zu mäßigen als a Beschäftigung, glaube ich, finder genug arbeitet, um sein Werk st nur seine Gesundheit am längste Jahre auch die größte Menge Um dieselbe Zeit setzte Justus Nationalökomomen des 18. Ja daß die Verwandlung der Feie im deutschen Baugewerbe üblich schneiderei für Meister und B längeren Arbeitszeit werde doc Obrigkeit solle deshalb die Uebe Dann war es um die Mi Macoulay, der im Kampf gegen dem arbeiterfeindlichen Teil der versucht uns zu schrecken, indem schen Fabriken arbeiteten die jur 24, sie arbeiteten so stark, daß einer finde, der die nötige Gri aufgenommen zu werden. und wir diese Bill annehmen, gege halten vermögen. Ich lache übe bewerbung. Wenn wir jemals ger den Handelsvölkern abzutreten, Geschlecht entarteter Zwerge, so und Geist hervorragend kraftig Diese beachtenswerte Propl für Deutschland in gewissem Denn England konnte in der spotten, solange das deutsche Ur nicht in seinem Gelüste nach hindert war. Die Bedeutung d Weltmarkt setzte erst ein, als volitisch und gewerkschaftlich zu Bedeutung wuchs in dem Maße, und der Gewerkschaften immer Bann zog, als flammende Worte auf die Pflichten der Selbsterh Gerde im letzten Jahrzehnt ganisationsarbeit bekanntlich vor gewerkschaftlichen Zentralverbänd bis 1907 die Zahl ihrer Mitgli und erreichten Lohnerhöhungen die zwar hinter den billig zu bea zurückblieben, aber dennoch von nehmertums oft genug als Ver bejammert wurden. In diesen 10 Jahren hob sich dem deutschen Zollgebiet ausgefül znen auf 7447 Millionen Mark Erganzungssteuer berechnet stieg Steuer herangezogenen Vermogen den 10 Jahren von 1895 bis 190 Milliarden Mark; es hatte siche vermehrt. Im dritten Teile de XII der Drucksachen des Reich lommen der physischen Personen Millionen, fur 1907 hingegen ar rechnet. Nach einer Berechnung Volkseinkommen im Deutschen R Mark, für 1900 auf 31 561 Mi schätzt Steinmann=Bucher ins finanzreform das Volkseinkomme Alle diese Zahlen lassen ein des deutschen Nationalreichtums weiter die Rede davon sein, daß gesunde Gedeihen der Nation viel erarbeiteten Gut zuteil wird, wo vor allem die Hinfälligkeit der ka die ruinierenden Wirkungen der kennzeichnen. Wir wollen auch: bekannte Tatsache hinweisen, daß d kürzung der Arbeitszeit im Hin Pflicht einer erhöhten Anteilnahn gütern bedarf. Für den Durch wenig ausmachen, wenn Prof.