Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" X. Gerisch& Co., Wieleseld. Zuchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Nr. 212. Bielefeld, Sonnavend, 11. September 1909. 20. Die heutige Rummer umfaßt 16 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Kirche, Religion und Sozialdemokratie. Ist die Neutralität der Sozialdemokratie der Religion gegenüber nicht nur Schein? Diese Behauptung kann man immer wieder lesen und in fast jeder politischen, gegen die Sozialdemokratie gerichteten Versammlung hören. Neuerdings ist sie wieder stärker aufgetaucht, wenn man von der neuesten Kirchenaustrittsbewegung in Preußen hörte, an der wohl in überwiegender Mehrheit sozialdemokratische Arbeiter beteiligt sind. Da habe, so heißt es wohl, die sozialdemokratische Partei endlich ihre religiöse Maske vom Gesicht genommen und ihr wahres religionsfeindliches Innere enthüllt. Paul Göhre sucht diesen Vorwurf in seiner neuesten Schrift über„Die Kirchenaustrittsbewegung“ durch folgende, durchaus zutreffende Ueberlegung zu widerlegen. Die Sozialdemokratie, so führt der ehemalige Pastor aus, könne zu ihren Zielen nur gelangen, wenn sie politische Macht habe. Macht schaffe heutzutage die Masse. Nur wenn sie Massen hinter sich habe, besitze also auch die Sozialdemokratie Macht; je mehr Massen hinter ihr stehen, über desto mehr Macht verfüge sie. Immer mehr Massen zu ihrer politischen Anschauung und zu ihrer unbedingten politischen Gefolgschaft zu bringen, müsse deshalb stets ihr oberstes Ziel sein. Und sie müsse diese Massen nehmen, wo immer sie ihr herkommen. Sie dürfe deshalb vor allem keine religiösen Schranken aufrichten: sie müsse stets schon damit zufrieden sein, wenn sie nur immer neue Leute politisch und wirtschaftlich schulen könne.„Selbstinteresse also, das lebhafteste Interesse der Welt, gebietet der Sozialdemokratie, ihrerseits mit dem Grundsatze religiöser Toleranz durchaus ernst zu machen.“ Nun aber die unleugbare Tatsache, daß weite Kreise unseres Volkes mit der Kirche und dem von ihr verkündeten Glauben innerlich vollständig fertig sind. Ein großer Abfall ist gekommen! Die Entkirchlichung unseres Volkes ist nicht hinwegzuleugnen. Die Frage, wie die der Kirche Entfremdeten wieder zurückzugewinnen sind, beschäftigt die Geistlichen aller Konfessionen und Richtungen seit Jahren auf Kränzchen und Konferenzen, und zahllose Mittel und Mittelchen werden anempfohlen und auch wohl, wenn auch nur zum allergeringsten Teile, in Anwendung gebracht. Denn auch hier ist man mit den Reden schneller fertig als mit den Taten! Es ist aber falsch zu meinen, gerade die Arbeiterschaft sei unkirchlicher als die bürgerlichen Kreise. Ich kann das nicht finden. Sie sind beide in gleicher Weise unkirchlich. Heutzutage fragt man nicht mehr am Sonntag morgen— weder in Bürgernoch in Arbeiterkreisen—: Gehen wir heute zur Kirche oder nicht? Nein, diese Frage wird überhaupt nicht mehr gestellt. Man bleibt einfach daheim. Man wundert sich höchstens darüber, daß noch zur Kirche gegangen wird. Während aber die bürgerlichen Kreise den Bruch mit der Kirche nicht vollziehen, ist dieser Schritt, wie schon eben erwähnt, neuerdings von der Arbeiterschaft in so großem Maßstabe vollzogen worden, wie ihn noch vor 3 Jahren niemand erwartete! Ich meinerseits muß gestehen, daß ich durch diese Bewegung, gerade in den Arbeiterkreisen, keineswegs überrascht worden bin. Ich wundere mich nur darüber, daß sie erst jetzt eingesetzt hat und daß sie trotz der angegebenen Zahlen relativ so schwach ist. Die sozialdemokratische Partei als solche hat freilich auch mit dieser Bewegung nichts zu tun. Wohl aber die einzelnen Sozialdemokraten, die ja ebenso gegen die Kirche agitieren dürfen, wie andererseits einzelne Sozialdemokraten für die Kirche.— Die Staatskirche, vor allem die preußische, ist nichts alsein Werkzeug des Staates. Sie steht vollständig in seinem Dienste. Ist der Staat reaktionär, dann ist es seine Kirche selbstverständlich auch. Auf der Seite der Arbeiterschaft hat die Kirche nie gestanden. Schließlich könnte man ja darüber hinwegsehen, da sie alle Klassen umfassen soll. Aber gerade deshalb hätte man von ihr Neutralität in politischen und wirtschaftlichen Dingen verlangen müssen, die Neutralität wenigstens, daß sie ihren Geistlichen freie Hand ließe, statt sie zu schikanieren und zu maßregeln, wenn sie mit den Arbeitern in politischen und wirtschaftlichen Fragen zusammengehen, statt sie zu zwingen, sich stets auf die Seite des Kapitals und des Besitzes zu schlagen. Seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist das Wort von den Junkern und Pfaffen“ leider keine Redensart. Die reaktionäre Kirche leistete dem reaktionären Staate mit Freuden Büttelsdienste. Im Jahre 1890 erließ der Oberkirchenrat in Berlin einen Erlaß, in welchem den Geistlichen das Studium der sozialen Frage empfohlen wurde. Sogar die Forderungen der Arbeiter wurden als berechtigt anerkannt! Doch nur ganz kurz währte diese„Zeit der jungen Liebe“, die von der Hoffnung genährt war, die Geistlichen könnten die Arbeiter auf diese Weise der Sozialdemokratie entfremden. Schon fünf Jahre später erließ derselbe Oberkirchenrat einen Erlaß, der das Gegenteil besagte: die Beschäftigung mit sozialen Fragen sei für die Pastoren vom Uebel, da sie nichts davon verständen. Bei den unteren Klassen gibt es nach diesem neuen Erlaß keine berechtigten Forderungen mehr. Sie sind zum„Neide nach des Nächsten Gut" geworden. Warum war diese Schwenkung erfolgt? Weil die Pastoren, als sie auf Grund des ersten Erlasses glaubten, frei handeln zu dürfen, nicht in den Schranken geblieben waren, die den herrschenden Kreisen angenehm waren! Besonders als— gerade unter der Führerschaft von Pfarrern— ein erbitterter Kampf entbrannte sowohl *) Wir entnehmen diese(gekürzten!) Ausführungen einem Vortrag des Bremer Pastors Emil Felden, der soeben im Münchener Parteiverlag von Birk& Co. als Broschüre erschienen ist.(Preis 30 Pfg.) gegen offenkundige Mißstände in Fabrikdistrikten und gegen patriarchalisch-absolutistisch=regierende Fabrikkönige, als auch gegen die himmelschreienden Zustände der ostelbischen Güterwirtschaft, da paßte den konservativen und kapitalistischen Kreisen die soziale Regung der Kirche nicht mehr. Diese hatte daraufhin nichts Besseres zu tun, als gehorsamst umzuschwenken und damit zu zeigen, daß der Vorwurf nicht unberechtigt ist, der ihr gemacht wird: sie sei nichts anderes als das Instrument fremder, in diesem Falle arbeiterfeindlicher Mächte; sie lasse sich von den herrschenden politischen Parteien nach Belieben benützen! Die Kirche läßt es zu— nein, sie sieht es sogar gern—, wenn ihre Geistlichen für konservative Wahlen agitieren. Maßregelung bedroht dagegen diejenigen, die sich der politischen Arbeit linksstehender Parteien widmen, von der Sozialdemokratie ganz zu schweigen! Was helfen demgegenüber die ehrlichen Anstrengungen einzelner Geistlichen, die Arbeiterbewegung in ihrer ganzen Größe zu würdigen und als Kulturfaktor ersten Ranges zu begrüßen, was hilft es, daß eine ganze Reihe die Absicht kund gibt, die Arbeiter und die Arbeiterbewegung verstehen zu wollen — sie sind nur eine kleine Schar und werden dazu von links und von rechts, von den Arbeitern wie von der Kirche, mit Mißtrauen betrachtet und danach behandelt. Wenn aber den Arbeitern der Kirche gegenüber die Galle überläuft, so kann man sich nicht darüber wundern. Und weil sie sagen: heraus aus dieser Kirche, die sich, statt sich wenigstens neutral zu halten, auf die Seite unserer Feinde stellt und Hand in Hand mit ihnen gegen uns arbeitet, so ist das nur selbstverständlich. Die Kirche selbst ist es, die die Arbeiterschaft entkirchlicht. Dazu kommt dann noch, daß man den zugunsten der Kirche und ihrer Institutionen ausgeübten staatlichen Druck, den man mit Recht sehr unangenehm empfindet, der Kirche ebenfalls aufs Konto schreibt! Die Betätigung des religiösen Lebens läßt sich nun einmal nicht erzwingen, höchstens als Heuchelei. Vor allem ist es die moderne Weltanschauung, die es dem Arbeiter schwierig macht, in einer Kirche zu bleiben, wo eine solche moderne Weltanschauung offiziell verpönt ist; wo die Wissenschaft als die ureigenste Erfindung und Domäne des Teufels gilt, der sich ihrer als eines ganz besonders beliebten Hilfsmittels bedient, die Menschen, die in gottwidrigem Hochmut auf ihren Verstand und ihre Vernunft vertrauen wollen, zu Unglauben und Aberglauben zu verführen; wo die gesicherten Resultate der Wissenschaft gemessen werden an den Dogmen, die die Weltanschauung längst vergangener Zeiten wiederspiegeln. Schon der Religionsunterricht verekelt im allgemeinen dem Kinde die Freude an Religion und Kirche, das haben mir schon viele Menschen bezeugt. In der Religidusstunde lernt das Kind, daß die Welt in sechs Tagen erschaffen sei, daß soundsovieviele Wunder geschehen; daß Gott väterlich für die Menschen sorge, die es ihrerseits nicht notwendig haben, zu sorgen, von Engeln und Teufeln usw. In den anderen Stunden hört es das Gegenteil— soweit die Schulen nicht ganz und gar in kirchlichen Fesseln schmachten. Jedenfalls erfährt es im Leben den Gegensatz, in dem der moderne, der denkende Mensch zur offiziellen Kirchenlehre steht. In der Kirche wird die Ungiltigkeit des Kausalitätsgesetzes, zum mindesten für seelische Vorgänge betont, im Leben erweist sich das Gesetz auf allen Gebieten als unumstößlich. Die Entwicklungslehre ist in der Wissenschaft anerkannt, in der Kirche nicht. Die Wissenschaft herrscht überall im praktischen Leben. Nur an den Toren der Kirche soll sie Halt machen und dem Glauben“ weichen. So kommt der Mensch, auch wenn er nicht tiefer in die Wissenschaft eindringt, auch wenn er sich ihre Resultate nur in spärlicher Weise aneignen kann— ja, dann gerade!— so kommt der Mensch dazu, die Unvereinbarkeit der Kirchenlehre mit seinem, wenn auch noch so beschränkten Wissen festzustellen, oder sich für einen Betrogenen, die Kirche für die Betrügerin zu halten. Die Sozialdemokraten müssen vor allen anderen dazu kommen. Denn die Sozialdemokratie ist die Partei, die sich auf der modernen Weltanschauung aufbaut und diese in allen Kreisen des Arbeiterstandes ausbreitet, so daß ihre Anhänger anders denken und fühlen als die anderen Arbeiter, wenn es auch bei diesen vielleicht dumpf und unklar geschieht. Wohl gibt es zahlreiche Geistliche, welche die moderne Weltanschauung tapfer vertreten. Aber der Umstand, daß sie damit tagtäglich ihre Stellung riskieren, beweist nur die Richtigkeit unserer Behauptungen. Uebersicht. Deutsches Reich. Die Auflösung des Reichsinvalidenfonds. Nach dem Reichsgesetz vom 1. Juli 1909 geht mit dem 1. Oktober d. J. die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds und des mit diesem verbundenen Hinterbliebenenversicherungsfonds auf das Reichsschatzamt über und hört mit dem gleichen Tage die bisher unter dem Namen„Verwaltung des Reichsinvalidenfonds" bestehende Behörde auf. Die zur Ueberleitung des Invalidenfonds in die allgemeine Reichsverwaltung erforderlichen Anordnungen sind bereits getroffen. Die Uebernahme wird im Laufe der nächsten Wochen stattfinden. Der Invalidenfonds selbst besteht formell noch aus etwa 125 Millionen Mark, von denen allerdings ein erheblicher Teil schon durch Vorschüsse belastet ist. In den Hinterbliebenenversicherungsfonds, welcher nach§ 15 des Zolltarifgesetzes zur Anbahnung der Witwen= und Waisenversicherung gegründet wurde, ist bekanntlich nur in einem einzigen Jahre die Summe von etwa 47 Millionen Mark gelangt. Auch für das laufende Jahr ist es zweifelhaft, ob irgendeine Ueberweisung an ihn erfolgen kann. Besteuerung der Fideikommisse— eine Steuer zum Schein. Als man sich mit dem Gedanken trug, eine Reichswertzuwachssteuer einzuführen, da wollten die Konservativen, die zu den Befürwortern der Steuer gehörten, auch Opfer bringen. Sie stellten den Antrag, die Fideikommisse, die nicht zum Verkaufe gelangen, sondern nur ererbt werden, auch durch eine Steuer zu erfassen. Das sieht nach außen hin so aus, als ob die Junker den Grundsatz der gleichberechtigten Besteuerung wahren wollten. In Wirklichkeit verfolgte man mit dem Antrag einen anderen Zweck, nämlich den, möglichst wenig zur Deckung der Kosten des Reiches beizutragen. Die„Berliner Volkszeitung“ stellt einen Vergleich an, wie hoch die Belastung auf Grund des Antrags gewesen wäre gegenüber der Besteuerung durch die Erbanfallsteuer, wenn diese in Kraft getreten wäre. Nach der Regierungsvorlage wäre bei der Erbanfallsteuer ein Besitz im Werte von einer Million mit 4 Prozent belastet worden, jedoch war die Regierung bereit, auch auf 5 Prozent zu gehen. Nimmt man nun an, daß ein Besitzwechsel durchschnittlich alle 30 Jahre eintritt, so wäre also ein Besitz im Reinwerte von einer Million alle 30 Jahre mit 50000 Mk. belastet worden, oder in Jahresraten währen zu zahlen gewesen 50 000:30 etwa 1666 Mk. Ein unverschuldetes Fideikommiß in derselben Größe hat bei der jetzt in Kraft stehenden Umsatzsteuer aber nur zu zahlen alle 30 Jahre ein Drittel Prozent, das sind also etwa 3333 Mk. oder in Jahresraten etwa 110 Mk. Die konservativen Herren haben jedenfalls— bevor sie den Antrag stellten— ein gleiches Exempel aufgemacht, denn sonst hätten sie sich sicher nicht so ohne weiteres bereit erklärt, Steuern zu zahlen. Ein Nachspiel zur Landtagswahl von 1908. Im Wahlkreise Klausthal=Zellerfeld griff am 2. Juni v. J. in einer Wählerversammlung der Senator Tegtmeyer aus Klausthal den nationalen Führer Oberbergrat Ehring heftig an und sprach zuletzt von Wahlbeeinflussungen der Nationalliberalen. Der Versammlung wohnten auch drei Bergreferendare bei, die ihrem Vorgesetzten Ehring sofort Bericht erstatteten. Es wurde ein Protokoll aufgesetzt, in dem u. a. behauptet wurde, Senator Tegtmeyer hätte folgende Worte gebraucht:„Ein Mensch, der so handelt, wie der Oberbergrat Ehring, der mit den Sozialdemokraten liebäugelt und gegen die Gesetze und die Ordnung des Staates verstößt, ist schlimmer wie ein Verbrecher und gehört ins Zuchthaus.“— Wegen dieser Aeußerung wurde gegen Tegtmeyer Anklage wegen öffentlicher Beleidigung erhoben. T. bestritt hier, derartige Worte gebraucht zu haben. Er habe nur ganz allgemein gesagt: Staatsbeamte, die deraleichen tun, seien Staatsverbrecher und gehören insZuchthaus.—Die als Zeugen geladenen Bergreferendare hielten ihre Behauptung, daß Ehrings Name dabei genannt worden sei, aufrecht. Alle übrigen Zeugen behaupteten das Gegenteil. Der Staatsanwalt hielt die Beleidigung für erwiesen und beantragte eine Strafe von 200 Mk. Das Gericht erkannte aber auf Freisprechung. Es nahm als erwiesen an, daß die in der Anklage behauptete Aeußerung getau sei, billigte aber dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zu. Der Mielczyner Prügelpastor vor dem Forum der Berliner Stadtverordneten. Die letzte Stadtverordnetensitzung in Berlin, die am Donnerstag stattfand, beschäftigte sich mit den Mißhandlungen der Zöglinge in der Erziehungsanstalt Mielczyn. Die Sozialdemokraten verlangten die sofortige Zurückziehung der von der Stadt Berlin dorthin gegebenen Zöglinge, weil sie vom Pastor Breithaupt in unmenschlicher Weise geprügelt und auch sonst mißhandelt werden. Der Bürgermeister Dr. Reicke gab die Mißhandlungen, die vom„Vorwärts“ zuerst aufgedeckt worden waren, unumwunden zu, bat aber, den sozialdemokratischen Antrag abzulehnen, da der Pastor Breithaupt entlassen und auch sonst Vorsorge getroffen werde, daß sich solche Dinge nicht wiederholen. Alle Parteien waren in der Verurteilung der Mielczyner Roheiten einig, und der sozialdemokratische Antrag wurde schließlich einstimmig einem Ausschuß überwiesen. Die Triole=Affäre. Schack legt sein Reichstagsmandat nieder Wie dem„Berliner Tageblatt" berichtet wird, hat Herr Wilhelm Schack am Freitag sein Reichstagsmandat niedergelegt. Er ist auch von der Leitung des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes zurückgetreten. Wegen Nervenzerrüttung will er sich demnächst in eine Heilanstalt begeben. Schack vertritt seit dem Jahre 1905 den Wahlkreis Eisenach. Er wurde in der Nachwahl an Stelle des verstorbenen nationalliberalen Oberförster Fries mit 10235 gegen 8625 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Im ersten Wahlgange erhielt Genosse Leber 6799 Stimmen, Schack 4049, der Nationalliberale Dr. Fleck 2782, der Kandidat der Freisinnigen Volkspartei Chefredakteur Kühner 2692 und ein Zentrumskandidat 1112 Stimmen. Auch nach der Reichstagsauflösung gelang es Schack, in der Stichwahl gegen Leber das Mandat für Eisenach zu behaupten. Er wurde im Januar 1907 mit 9834 gegen 9509 Stimmen, also mit recht geringer Mehrheit, wiedergewählt, nachdem im ersten Wahlgange 7875 sozialdemokratische, 6985 angzisemitische und 6089 nationalliberale und freisinnige, Stimmen abgegeben wurden. Die Freisinnigen, die auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet hatten, unterstützten die Nationalliberalen schon im ersten Wahlgange. Triole=Jünger auf dem Verteidigungszug für Schack. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen in Berlin hatte eine Versammlung nach den Arminhallen einberufen, in der Redakteur Ströbel einen Vortrag über die Reichsfinanzreform halten sollte. In der Annahme, daß in dieser Versammlung die Schack=Affäre Erwähnung finden könnte, hatte der Schacksche Deutschnationale Handlungsgehilfenverband Sprengkolonnen abkommandiert, die sich unter Führung der Leitung des Verbandes höchst flegelhaft benahmen und bei einer beiläufigen Erwähnung der Triole=Geschichte einen fürchterlichen Tumult verursachten. Als man die antisemitischen Radaubrüder des Saales verwies, kam es zu einer Schlägerei; zahlreiche Leute wurden verletzt, einem Transportarbeiter, der die Ruhestörer nach der Tür drängen wollte wurde ein Bierglas am Kopf zerschlagen. Zerbrochene Gläser und Stöcke bedeckten den Boden nach dem Tumult. Einem der Einberufer der Versammlung wurde ein ganz neuer Ueberzieher gestohlen. Die Polizei nahm verschiedene Verhaftungen vor. Nachdem wieder Ruhe eingetreten war, nahm die Versammlung eine Resolution an, die sich gegen das vom Deutschnationalen lungsgehilfenverband gebilligte Verhalten Schacks in der Finanzreform, sowie gegen seine Flegelgarde richtet, die sich nicht entblöden, die perversen Schweinereien ihres Führers zu beschönigen und zu verteidigen. Der polizeilichen Auflösung verfiel gestern abend eine Versammlung, die der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband nach den Bürgersälen in Rixdorf einberufen hatte. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Gauleikers Thomas über die Lügen der Sozialdemokratie. Offenbar sollte die Schack=Affäre besprochen werden. Der Einberufer forderte alle Nicht=Handlungsgehilfen auf, den Saal zu verlassen. Die Versammlungsmehrheit protestierte heftig gegen diese Aufforderung mit dem Hinweis darauf, daß die Versammlung doch öffentlich sei. Es entstand großer Lärm. Der Polizeiwachtmeister erklärte die Versammlung für aufgelöst. Der Saal wurde von einem starken Schutzmannsaufgebot geräumt. Auf der Straße dauerten die Massenansammlungen längere Zeit fort. Die Hamburger Ortsgruppe des Deutschnationalen HandlungsgehiifenVerbandes hat in der Angelegenheit Schack folgende Entschließung gefaßt: „Der Vorsteher des Verbandes, Herr Wilhelm Schack, ist auf sein Ansuchen von der Führung seiner Amtsgeschäfte bis auf weiteres entbunden worden. Tief erschüttert durch die Vorgänge, die unseren Verbandsvorsteher zu diesem Schritt geführt haben, können wir, nach allem Guten und Edlen, was wir bisher von ihm in jahrelanger gemeinsamer Arbeit kennen lernten, nur annehmen, daß er unter der gewaltigen Arbeitslast der letzten Jahre und den damit verbundenen geistigen und körperlichen Anstrengungen, die er sich im Dienste des Verbandes und des Standes der Handlungsgehilfen auferlegte, zusammengebrochen ist. Wir hoffen zuversichtlich, daß der weitere Verlauf der tiefbedauerlichen Angelegenheit unsere Auffassung bestätigen wird, und bitten unsere Mitglieder, die Ruhe zu bewahren. Das Vertrauen zu dem Verband und zu seiner Leitung, das wissen wir, kann nicht erschüttert werden.“ Kommunales. Eine Anerkennung des Nahrungsmittelwuchers bedeutet die Erhöhung des Almosentarifs der Stadt Leipzig, wie ihn der Rat den Stadtverordneten vorschlägt. Die Sätze sind seit 1881, als die öffentliche Armenpflege in die städtische Verwaltung überging, zweimal erhöht worden, in den Jahren 1883 und 1889. sind aber die notwendigsten der Agrarier so veriert worden, daß sich jetzt— nach langem Hangen und Bangen das Armendirektorium veranlaßt sah, beim Rat um Erhöhung der Sätze einzukommen. Der Rat will die Sache wie folgt erhöhen: Für das Familienoberhaupt 5 Mk.(bisher 4 Mt.), für die bei dem Manne lebende Ehefrau 3,50 Mk.(2,80 Mk.), für ein der Schulpflicht entwachsenes Kind 2,80 Mk.(2.— Mk.), für jedes Kind, das noch oder noch nicht die Volksschule besucht, 2.— Mk.(1,40 und 1,80 Mk.); doch darf die für eine Familie gezahlte Unterstützung 16 Mk. für die Woche nicht übersteigen. Ferner für eine alleinstehende Person 5,60 Mk.(4,20 Mt.), für zwei zusammenlebende, einen gemeinschaftlichen Haushalt führende erwachsene Personen 8,50 Mk.(7,50 Mk.) Daß auch mit den neuen Sätzen kaum die Existenz gefristet werden kann, braucht nicht gesagt zu werden. 1— Feuer. Gestern abend gegen 9 Uhr brach wiederum auf dem der Anstalt Bethel gehörigen früher Intrupschen Hofe, wo am Sonntag nachmittag eine Scheune mit Stallung abgebrannt ist, Feuer aus. Es brannte ein als Notstall eingerichteter Schuppen total nieder. Die Entstehungsursache ist noch unbeDie Anstaltsfeuerwehr war sehr schnell zur Stelle. kannt. Die Anstaltsfeuerwehr war sehr schneu zur Stelle — Polizeibericht. Festgenommen wurde 1 Person wegen Verdachts des Raubmordes; 20 obdachlose Wanderer erhielten Polizeigefängnis Unterkunft." Mu26# Betrug. An einem der letzten Tage wurde bei einem Zigarrenhändler hier ein falsches Fünfmarkstück eingezahlt. Bisher ist es nicht gelungen, den Einzahler des Falsifikats zu ermitteln. Sollten sich derartige Fälle wiederholen, so wird um sofortige Benachrichtigung der Kriminalabteilung ersucht. Fahrraddiebstähle. In letzter Zeit wurden in Münster i. W. folgende Fahrräder entwendet: 1 Fahrrad, Marke % 6 232656; 1 Jahrrad, Marke„Brennabor“, Einbruchsdiebstähle. Am 2. d. M., abends, gegen 8½ Uhr, sind in Osnabrück mittels Einbruchs folgende Sachen entwendet: 5 silberne Zylinder=Damen=Remontoir=Uhren Nrn. 175 884, 15 250, 18 239, 142 647, 144 190; 1 metall. ZylinderHerren=Remontoir-Uhr Nr. 24459; 4 silberne Herren=RemonWie soeben aus Hamburg berichtet wird, steht doch ein gerichtliches Einschreiten gegen Schack bevor, da der Staatsanwalt der Angelegenheit ein öffentliches Interesse beimißt und daher öffentliche Anklage erhoben hat. Die beleidigte junge Dame ist als Nebenklägerin zugelassen worden. Sächsischer Wahlrechtsraub im Verwaltungswege. Wir haben schon mitgeteilt, daß auf Grund einer Ministerial= Verordnung alle diejenigen Landtagswähler, die innerhalb der letzten 15 Jahre einmal mit einem Steuerbetrage im Ruckstande geblieben sind, aus den Wählerlisten gestrichen werden. Hier einige besonders krasse Fälle aus dieser Praxis: rin Dresdener Einwohner wurde als Steuerrestant angesehen und nicht in die Wählerliste aufgenommen, weil er zehn Pfennig Mahngebühren schuldig geblieven ist. Ein Arbeiter war im Jahre 1903 dreiviertel Jahr krank. Da er kein Einkommen hatte, fiel ihm natürlich das Steuerzahlen schwer. Die Behörde erkannte das an und erließ ihm einen Teil der Steuern. Auch dieser Wähler ist gestrichen worden.„. G4iate, halts im SahEin anderer Waylberechtigter hatte im Jahre 1900 keine Steuern bezahlt, weil er nicht steuerpflichtig war, denn er hatte keine Stellung und kein Einkommen. Er erhielt in jenem Jahre keinen Steuerzettel und ist nicht gemahnt worden. Jetzt hat man ihn aus der Wählerliste entfernt. Ferner ist festgestellt worden, daß Wählern, die über 1600 Mk. Einkommen haben und demzufolge zwei Stimmen haben müssen, eine Stimme abgezogen worden ist, weil sie schulpflichtige Kinder haben. Hierzu wird soeben aus Dresden berichtet, daß einer Deputation der Dresdener Wahlkomitees gegenüber, die im Ministerium des Innern wegen der Streichung der Steuerrestanten aus den Wahllisten vorstellig wurde, der Ministerialdirektor ganz entschieden bestritt, daß die Regierung eine derartige Verfügung erlassen habe. Es bleibt also nur übrig, daß entweder die Gemeindevorstände, Bürgermeister und Stadträte aus eigener Machtvollkommenheit die Streichung vorgenommen haben, oder daß die Amtshauptmannschaft nach dieser Richtung hin geheime Anweisungen erlassen hat. Aus der Stadt und * Bielefeld, 11. September. am toir-Uhren Nr. 174584, 41 611, 15 706, 408 964; 50 Stück Herren-Charnier-Uhrketten; 28 Stück Damen=Fächerketten(Charnier und Doublee); 30 Stück Broschen(Charnier und Doublee); 100 goldene Damen- und Herren=Ringe mit Ständer; 50 Charnier=Damen= und Herren=Ringe mit Ständer; 2 Dutzend Herren=Nickelketten; 2 Dutzend Ohrringe, Doublee. Ferner wurden in der Nacht zum 8..d. M. in Minden i. W. mittels Einbruchs folgende Sachen gestohlen: 15 Paar Damenschnürschuhe Nrn. 37, 38, 39. 40 und 41, darunter 2 Paar braune Boxcalfschuhe; 29 Pa= Herrenschuhe Nrn 41, 42, 43, 44 und 45: zirka 40 Mi. oortiere. Die Abänderung des Stempelsteuergesetzes. Durch das 1. Juli d. J. in Kraft getretene Gesetz vom 26. Juni 1909, betreffend die Aenderung des Stempelsteuergesetzes vom 31. Juli 1895, sind zum Teil neue Stempelabgaben eingeführt, zum Teil bereits bestehende Stempelsteuersätze erhöht worden. 1. Für Jagdscheine, die bisher einer Stempelsteuer nicht unterlagen, ist durch die Tarifstelle 31 ein staatlicher Jagdscheinstempel eingeführt worden, der für Jahresjagdscheine 7.50 Mark, für Tagesjagdscheine 1.50 Mark, für Ausländerjahresjagdscheine 50 Mark, für Ausländertagesjagdscheine 10 Mark beträgt;.— Central=Varieté. Von der Direktion wird uns geschrieben: 2. für Jagdpachtverträge ist der bisherige Steuersatz von Die gestrige erste Vorstellung von Gäthgens Hamburger Variets sind—6 2, 106g. 9 und 10 v, schristliche sondern 9—c erfreute sich schon gleich eines sehr guten Besuches. Herr Gäthud von 1., Juli 199 ad nicht Hloß, schristuig, sonhern auch rrgeig lch Her. alte ch.S ie, Leox Sete.P,=harbsa., er, eihe. h zum Fexiftliche„oder 22 Paux, Herreischuhe Nrn. 41, 42, 23, 44 und 45: bares Geld und die Hälfte einer roten Plüschpor Schuhe sind teils aus Chevreaux-, teils aus Boxcalfleder gefertigt. Die Schuhe haben einen Gesamtwert von etwa 500 Mk. Sachdienliche Mitteilungen, welche zur Ermittlung der Täter führen können, nimmt die Kriminalabteilung hier entgegen. mündliche Jagdvertrage stempelpflichtig. Schriftliche oder mündliche Vertrage über die Erlauonis zum abschuß jagdvarer Tiere stehen den Jagdpachtverträgen gleich; 9 für Genehmigung, zur Veranstaltung von Lustbarkeiten 5. für Grrehuigung. zur Helnnstallung, von Tutpgrgten sind in der Tarifstelle 39 die bisherigen Satze von 1,50 Mark und 50 Pfg. anderweit auf 10 Mark, 5 Mark, 3 Mark, 2 Mark, 1 Mark und 50 Pfennig bemessen wordenz,„„ 4i, E5z; 4. für Pässe und Paßkarten(Taxifsteue 49) sino die öfg. auf 3 Mcark und 1 Mark erhoht von 1,50 Mark und 50 worden; 5. für Genehmigung der Verlängerung de (Tarifstelle 51) ist an Stelle des jetzigen Satzes solcher von 25 Mark eingeführt und für Genehmigung auf die Dauer von weniger als einer, Woche ein Stempel. von 1,50#0 angeordnet worden. der Polizeistunde von 1 Mark ein Mark ersceute sich schon gleich eines sehr guten Besuche gens ist hier berannt und hat auch jetzt wieder bewiesen, daß er für jeden etwas zu bieten versteht. Das vom köstlichsten Humor durchsetzte Programm unterhält das Publikum aufs beste, auf der Bühne und auch im Publikum herrschte die ausgelesenste Heiterkeit. Neben den wirklich guten Darbietungen von Humoristen, Soubretten usw. gelangen kleine Possen zur Aufführung, die ihre Wirkung niemals verfehlen. Ein Besuch der Vorstellungen kann empfohlen werden. — Bielefelder Sommertheater. Von der Direktion wird uns geschrieben: Heute, Sonnavend, bleibt das Theater geschlossen. Morgen, Sonntag, wird ein launiger Ur rhaltungsabend geEine Festvorstellung bei Anwesenheit Sr. Durchlaucht s. Zur Aufführung gelangen die Lustspiele„Die Dum Einsiedler“ und das Sinaspiel boten: Serenissimus. Diese Geneymigungen dürfen nur schriftlich erteilt werden und sind von den ausfertigenden Behörden Hochzeitsreise“,„Zum Emstebler, und, dus Singspiel Se. Durchlaucht Serenissimus wird mit Gefolge bis zum Schluß sind Bierkrieg. Der Bierkrieg in Berlin wurde am Donnerstag beigelegt. Die Brauereien erheben einen Aufschlag von 2,50 Mk. für das Hektoliter. Man nimmt an, daß eine direkte Preiserhöhung im Ausschank nicht eintritt, daß die Wirte sich vielmehr mit einer Verkleinerung der Gläser helfen, indem sie statt 1/10 7/20 und statt ½ Liter 3/30 oder 1/10 geben. Zur Beilegung des von den Gewerkschaften beschlossenen Bierboykotts in Schleswig=Holstein fanden in Kiel gemeinsame Verhandlungen der Vertreter des Arbeitgeberverbandes, der Brauereivereinigungen und der Wirteinnungen, sowie der Vorstände des Gewerkschaftskartells in Kiel, Neumünster und Umgegend statt. Der Arbeitgeberverband ist der Ansicht, daß die offizielle Boykotterklärung der Gewerkschaftten zu bekämpfen sei. Die Entlassung von Brauereiarbeitern wurde als unausbleibliche Folge des Boykotts angekündigt. Brauereien und Wirte weigerten sich, von dem erhöhten Bierpreise abzuweichen. Eine Einigung konnte nicht zustande kommen, doch sollen die Verhandlungen fortgesetzt werden. Nassau. Der Bierstreit macht sich auch hier in den entlegensten Dörfern des Westerwaldes. der Lahn und des Taunus bemerkbar. Fast überall, wo der Bierpreis erhöht wurde, ist der Bierverbrauch fast vollständig zurückgegangen. Eine große Anzahl Dörfer des Westerwaldes hat sich zu völliger Bierenthaltung entschlossen. durch Entwertung von Stempelmarken zu versteuern; 6. wesentliche Erhöhungen der bisherigen Steuersätze ferner eingetreten:.(Taxgstg, 99 Suse.#. a) bei Erlaubniserteilungen(Tarifiteue 22]. Insbesondere ist zu beachten, daß für Erlaubniserteilungen zum Betriebe des Pfandleih=, Pfandoermitteler=, Gesindevermieter= oder Stellenvermittelergeschäfts Stempel von 25 bis 500 Mark eingeführt worden sind;„ b) bei Namensänderungen(Tarifstelle 42) von 30 auf 100 Mark und 200 Mark,,„ I.7.N, 49) van 50 Mars c) Bei Naturalisationsurkunden(Tarifsteue 43) von 30 Mark auf 150 Mark,„„„Trgs.N. um uur 1r0 mm. d) bei amtlichen Zeugnissen(Tarifsteule 77) von 1,00 Mart auf 3 Mark;„ 767 9) bei beglaubigten Abschriften(Tarifstelle 1), Ausfertigungen (Tarifstelle 10), Auszügen(Tarifstelle 11), Tuplikaten (Tarifstelle 16) von 1,50 Mark auf 3 Mark. — Arbeiter=Jugend. Sonntag, nachmittags präzise 2 Uhr, Zusammenkunft auf der Ochsenheide. Es ist notwendig, daß eine zahlreiche Beteiligung am Spiel der Vorstellung beiwohnen. Spielplan. Sonntag, 12. September: Festvorstellung in Anwesenheit Seiner Durchlaucht Serenissimus.„'s Lenei".„Die Hochzeitsreise" und„Zum Einsiedler“. Anfang 8 Uhr. Montag, 13. September: Keine Vorstellung. Dienstag, 14. September:„Der Kaisertoast“. Anfang 8½ Uhr. Mittwoch, 15. September:„Bartel Turaser“. Anfang 8½ Uhr. Donnerstag, 16. September:„Der Kaisertoast“. Ans. 8½ Uhr. Freitag, 17. September: Benefiz für das technische Personal. „Lumpazi=Vagabundus“. Anfang 8½ Uhr. Sonnabend, 18. September: Unbestimmt. Sonntag, 19. September: Unbestimmt. Schluß der Saison 1909. Versammlungen. Sonnabend, 11. September. Bielefeld. Freie Turnerschaft. Abteil.„Eichenkranz“. M an“##7 Uhr* H. Loh Abends 812 — Promenaden=Konzert. Das städtische Orchester veranstaltet am Sonntag 11½ Uhr eine Parademusik an der KreisSparkasse mit nachfolgendem Programm: 1. Marsch„Graf Waldersee“ von Schröder. 2. Ouverture„Zampe“ von Herold. 3. Réverie von Vieuxtemps. 4. Walzer„Weaner Mad'ln“ von Ziehrer. 5. Potpourri„Kunst für alle“ von Rechling. — Das gesamte städtische Orchester veranstaltet am. Sonntag nachmittag 4 Uhr das 26. Abonnementskonzect der Schützengesellschaft auf dem Johannisberg. Vorverlaufskarten haben nur für Mitglieder Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfg. Ein gutgewähltes Programm kommt zum Vortrag. Abends 8 konzertiert das Orchester im Lindenhof. S s Uhr Uh. vei H. Lohmann, Schildescherstraße. Sonntag, 12. September. Vlotho. Volksversammlung. Nachm. 4 Uhr im„Kaisersaal". T.=O.: Der neue Block, die Reichsfinanzreform und deren Bedeutung für die arbeitende Bevölkerung. Referent Genosse Severing=Bielefeld. Freie Diskussion. Blomberg. Soz. Verein. Vorm. 9½ Uhr in der„Tonhaue". Nachdem: Hausagitation. Alle Genossen müssen erscheinen.„ tar 18 Tatmt. Montag, 13. September. Bielefeld. Maßschneider. Abends 8½ Uhr in„Stadt Bielefeld". Herford. Soz. Verein. Abends 9 Uhr bei Liedtke. Vortrag des Genossen Buse=Bielefeld. Dienstag, 14. September. Bünde(Feldmark). Tabakarbeiterverband. Abends 8½ Uhr bei Timmert. Die Vorsitzenden der Fabrikkommissionen wollen sich eine Viertelstunde früher einfinden. Bierkrieg. Im schwarzen Wakfisch zu Askalon Bleibt's leer den ganzen Tag, Und auch in später Abendstund' Liegt noch die Kneipe brach. Im schwarzen„Wassisch zu., Askalon Im schwarzen Wasfisch,##, Da ruft der Wirt: Wey mir! Mir bleiben alle Gäste Und keiner trinkt mein fort Bier! Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da trinkt der Wirt sich voll, Und schimpft und fluch suchsteufelswild Den Steuern und dem Zoll. Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da orin hringt der Brauerbund Den Wirt noch an den Bettelstab, Die Kneipe auf den Hund. Im schwarzen Walfisch zu Askalon Da schlug die Uhr halb vier. Und immer späht der Wirt noch aus Nach Gästen vor der Tür.—— Bird setzt der Gast Ceu Aeialen Wird###her Gast geeyrt. Was man so lang entbehren muß, Das steigt gar bald im Wert. So ungefähr müßte man das schöne Scheffelsche Liedchen parodieren, wenn man es für den Bierkrieg singen wollte. Es ist wirklich wahr, daß die Gäste heuer hoch im Kurse stehen. Auch solche, die für Kreid' und Kerbholz schwärmen und dann am Lohntag das Bezahlen vergessen, würden eine andere Behandlung erfahren, als der selige Zecher aus dem Lamm von Ninive! Die Knechte aus dem Nubierland sind abgeschafft und Baktrer= Schnäpse stehen heute in endloser Reihe auf der„Theke“, ohne daß der Wirt sorgen müßte, daß sie zu früh geleert würden. Es kommt„ehen kein Gast!„Wie schön war das früher, als der gefüllten„Alten“ wieder aufsangen muß. Aber lustig ist's doch für die Streiker, die diese Arbeit für den Staat und die Notleidenden in Ostelbien nicht mehr verrichten wollen. Auch der Göttertrank des Gambrinus ist den Durstigen durch Wermutstropfen verbittert; rden Der wackere Bajuvar einige rseg Wehlliert worben. Del wackere Bafuhal Steindl, der die heiligsten Güter seiner Nation gegen die Steuerwüteriche verteidigte, hatte ganz recht, als er von einer Revolution„do unt'n bei uns dohoam“ als der unausbleiblichen Folge der Bierverteuerung sprach. Jetzt haben wir aber nicht nur Revolution da unten, sondern auch hier oben brodelt's wie im Hexenkessel. 444 Wi, K5 G. Und oas hat mir iyrem Aufschlag Die Brauerei getan! Es sind schlechte Psychologen, unsere Brauereigewaltigen. Sie rennen die Volksieele nicht, wenn sie glauben, beim Raubzug des Steuerblocks auch für sich einige Beute ungestraft erjagen zu können. Nein, ein Grenze hat Tyrannenmacht! Auch der kategorische Imperativ des§ 11 mit dem Fortsaufen zieht nicht mehr. Es ist Revolution! Gesetze und selbst Königsthrone (Wir ersuchen, die Hinweise uns so frühzeitig einzusenden, daß wir diese immer zwei Tage vor dem Stattfinden der Versammlungen usw. veröffentlichen können. Ferner bitten wir, nicht zu vergessen, den Tag und die Stunde anzugeben. Auch den Namen des Einsenders erfahren wir gern.) Ueber weitere Folgen der Tabaksteuer berichtet die„Chemnitzer Volksstimme“ aus Frankenberg: Wie schwer die hiesigen Tabakarbeiter unter der neuen Tabaksteuer zu leiden haben, und welche Not und welches Elend bei vielen Familien durch diese ungerechte Steuer herrscht, ersieht man daraus, daß 157 Tabakarbeiter vollständig entlassen worden sind, 1066 Arbeiter mußten nach Inkrafttreten des Gesetzes wegen Mangels an Aufträgen 8 bis 18 Tage aussetzen und 889 rbeiten mit einer Zeitverkürzung von 1 bis 3 Tagen wöchentarl lich. Dieser Lohnausfall macht, sich empfindlich sind bis jetzt noch keinerlei Unterstutzungen aus dem Viermillionenfonds ausgezahlt worden, trotzdem bei den Tabakarbeitern, die jetzt gar keine Arbeit haben oder nur zur Hälfte oße Not herrscht. Einstweilen stellt, die Behörde zu erörtern gibt, wenn die halb verhungert sind, ist wahrlich unerfindlich. Daß sich die Tabakarbeiter keine Schätze sammeln konnten, ist doch nur zu bekannt. fall macht sich empfindlich bemerkbar. Auch verbannt. Sie transit gloria mundi! Die Bierläden bleiben öde und verwaist. Wo früher lustiger Sang und Becherklang erschallte, ertönen jetzt die Klagelieder der vereinsamten Wirte: Verlassen, verlassen, verlassen bin i Wia der Stoan auf der Straßen Koan Gast kimmt zu mi. Ruhe herrscht auch in den Ställen der Brauereien. Die braden Braunen, die sonst den Durstigen auf weiten Wegen das edle Naß zutrugen, bleiben im Stalle und nähren sich redlich. Nur hin und wieder jagt eine Fuhre vom Hofe, um leere Fässer einzuholen. Man braucht sie doch, die leeren Fässer, wenn man „Alten, lange Kette um die Gette in die Kehren der wurstigen niederging. Das war noch ein sicheres Geschäft! Fünf Minuten vor 12 Uhr konnte man ein paar Dutzend der Finkennäpfchen, Größe Wolkenbruch, füllen, und man wußte, daß man Abnehmer für die Ware fand. Und heute kommt keiner, und wenn sich einmal einer perirrt, so schreitet er wie ein Hauptmann die Front seiner Kompagnie gravitätisch die Froni der gefüllten Gläslein ab und trinkt— Sodawasser. Das ist vielleicht betrübend für den, der sich verspekuliert hatte und die einverhüten will, daß die angestauten„Fluten sich über die bierentwöhnte Menschheit ergießen. Aber leere Fässer sind heute ebenso selten, wie trinkfeste Gäste. Traurig kehrt der Kutscher um und summt auf seinem Bocke die bekannte Melodie: Als ich Abschied nahm, als ich Abschied nahm Waren alle Fässer schwer, Als ich wiederkam, als ich wiederkam, War noch nichts leer! Ob die Brauer alle diese Weise kennen? Angenehm mag sie ihnen nicht klingen. Aber je öfters sie,iöngp, Bore die gezfe ich und je lauter sie ihnen ertönt, um so früher werden zu der Erkenntnis kommen, daß es an ihnen liegt, den Strei der Biertrinker zu beendigen. Sie hätten sich sollen begnligen! * Enger, 10. Sept. Außerordentliche Stadtverordnetensitzung. Tagesordnung: 1. Pflasterung der Bredenstraße. 2. Antrag des Zigarrenfabrikanten Aug. Kampmann, ihm zu gestatten, 1 Stufe von seiner Haustreppe im Trottoir zu belassen. 3. Planierung der Bahnhofstraße. Zu Punkt 1 wird beschlossen, soweit die alten Steine von der neuen Straße reichen, soll die Pflasterung ausgeführt werden. Dem Antrage zu 2 wurde auf Widerruf entsprochen. Punkt 3. Der Maurer= meister Kenter hat nach dem Nivellementsplan einen Kostenanschlag aufgestellt. Es wird beschlossen, die Erdarbeiten schon diesen Herbst ausführen zu lassen. An der Westseite der Straße soll ein Fußweg hergestellt werden, für den Fuhrverkehr bleibt die Straße gesperrt. * Herford, 10. Sepk. Promenadenkonzert Sonntag, 12. September, vormittags 11½ Uhr, auf dem Wilhelmsplatze. Programm: 1. Ouverture z. O.„Die Krondiamanten“ von Auber. 2. Die Blume, Walzer von Waldteufel. 3. Ständchen von Schubert. 4. Fantasie aus der Operette„Der Vogelhändler“ von Zeller. 5. Hohenzollern=Ruhm=Marsch von Un* Güterslok, 11., September.„Voy der Partes kn: Wahrh,si.t„Fresheit und Recht., Morgen wird vier im Vounähserschen So V#n der Partei und Recht. Morgen wird### Egale eine Versammlung der Jentrumspartei stattfinden, in ntauglichen 2 den untauglichen Verst Mitteln nachzuweisen, Verteuerung der Verbi Das wissen scheint's d deshalb veranstalten si jeder Zutritt hätte, strumspartei mit Wunder, wenn die Ver niemand entgegentritt. Gewissen der Herren, reform“ und die Haltu in öffentlichen Versam wenn die Herren unte denen man keine Gelegdes Zentrums zu sager * Bückeburg, 11. Se vorsteher finden na am 1., 2. und 4. Okt abteilung am Freitag, mittags 2 Uhr; für 2. Oktober, von vormit für die 1. Wahlabteil# mittags 11 Uhr bis n Rathauses statt. Jede Stimmberecht jenigen Bürger, wel kommen=, Grund=, Geb wie 176 Mark; in d welche an gleichen Stei 176 Mark zahlen. All abteilung. Wählbar und v alle stimmberechtigten nahme der Mitglieder lichen Aufsichtsbehörde lichen und der fürstlich Die Ausübun im öffentlichen Wahla Stimmzetteln. Auf d Ungiltigkeit der zu W Person kein Zweifel * Neubeckum, 9. Se wurden von den hiesig 80 Mk. 43 Pfg. Dar 18.48, Maurer 13.40 Schmiede 10,75 Mk. willigt. Die Arbeiter Wir verweisen auf de Von der Luftschiffa bare Luftschiff der Rhe der Firma Basse u. E ist nunmehr fertiggeste schiffes, das eine Läng Tagen begonnen werd ein der Firma Basse zur Ausgleichung de Kosten des Luftschiffes London, 10. S. Cody sechs Flüge auf etwa fünf Minuten. Meilen zurück. Er n bei den weiteren Pas Ein liebevoller Eh (Rheinprovinz) wurde Verdacht, seine Frau gestand, seine Frau d wußtlos wurde, wora gab, daß der Körper d war. Der Schädel w daß er die letzte Nac in einem Bett geschla Einjähriger Baum Der Einjährig-Freit Husaren=Regiment N 15. zum 16. Juli d. J sich zur Beobachtung anstalt Altscherbitz ve für unzurechnungsfäh Ein Dampfer gest Dampfer„Eduard* einer telegraphischen Swakopmund am 5. Konzeptions=Bai auf leistung abgeschickte D leistung abgeschialle Beim Ein rach wiederum auf strupschen Hofe, wo stallung abgebrannt tstall eingerichteter ache ist noch unbeell zur Stelle. ede 1 Person wegen Wanderer erhielten e, wurde bei einem sück eingezahlt. BisFalsifikats zu errholen, so wird um ilung ersucht. it wurden in Mün1 Fahrrad, Marke arke„Brennabor“, M., abends gegen chs folgende Sachen Remontoir= Uhren 1 metall. Zylinderine Herren=Remon964; 50 Stück HerFächerketten(Charenier und Doublee); Ständer; 50 Charer; 2. Dutzend Heree. Ferner wurden mittels Einbruchs enschnürschuhe, Nrn. aune Boxcalfschuhe; nd 45: zirka 40 Mt. lüschportiere. Die us Boxcalfleder get von etwa 500 Mk. mittlung der Täter 1g hier entgegen. ird uns geschrieben: Hamburger Varieté suches. Herr Gäthder bewiesen, daß er köstlichsten Humor kum aufs beste, auf ste die ausgelesenste etungen von Humosen zur Aufführung, n Besuch der VorDirektion wird uns Theater geschlossen. ehaltungsanend geeit Sr. Durchlaucht die Lustspiele.„Die Singspiel„'s Lenei“. olge bis zum Schluß Anwesenheit Seiner „Die Hochzeitsreise" “ Anfang 8½ Uhr. “ A n f a n g 8 ½ U h r. ast“. Ans. 8½ Uhr. technische Personal. Uhr. r. bteil.„Eichenkranz“. schildescherstraße. 4 Uhr im KKaiserichsfinanzreform und sevölkerung. Referent Diskussion. Uhr in der„TonIle Genossen müssen 8½ Uhr in„Stadt r bei Liedtke. Vorverband. Abends nden der Fabrikkomnde früher einfinden. ühzeitig einzusenden, Stattfinden der VerFerner bitten wir, de anzugeben. Auch gern.) Tabaksteuer 8 Frankenherg: er der neuen Tabakid welches Elend bei zeuer herrscht, ersieht ndig entlassen worden sttreten des Gesetzes ige aussetzen und 889 sis 3 Tagen wöchentdlich bemerkbar. Auch gen aus dem Vierdem bei den Tabakoder nur zur Hälfte n stellt die Behörde tern gibt, wenn die wahrlich unerfindlich. sammeln konnten, ist liche Stadtver1. Pflasterung der rikanten Aug, Kampdaustreppe im Trottoir straße. Zu Punkt 1 on der neuen Straße erden. Dem Antrage inkt 3. Der Maurertsplan einen Kostendie Erdarbeiten schon Westseite der Straße en Fuhrverkehr bleibt inkonzert Sonn„auf dem Wilhelms, „Die Kxondiamanten“ Laldteufel. 8. StändOperette„Der Vogelihm=Marsch von Under Partei f#: Morgen wird hier lung der Zentrumspartei stattfinden, in der der Landtagsabgeordnete Bartscher den untauglichen Versuch unternehmen wird, mit untauglichen Mitteln nachzuweisen, daß das Zentrum keine Schuld an der Verteuerung der Verbrauchsgegenstände der Volksmassen trägt. Das wissen scheint's die Herren vom Ortskomitee selber und deshalb veranstalten sie statt einer Volksversammlung, zu der jeder Zutritt hätte, eine Versammlung der Zentrumspartei mit 10 Pfg. Entree. Da ist es denn kein Wunder, wenn die Versammlung glatt verläuft und dem Redner niemand entgegentritt. Es ist ein Beweis von dem schlechten Gewissen der Herren, wenn sie die Erörterung der„Finanzreform“ und die Haltung des Zentrums zu den neuen Steuern in öffentlichen Versammlungen fürchten. Und Heuchelei ist es, wenn die Herren unter sich die abwesenden Parteien schmälen, denen man keine Gelegenheit gibt, ihre Meinung zu der Haltung des Zentrums zu sagen. * Bückeburg, 11. Sept. Die Neuwahlen der Bürgervorsteher finden nach einer Bekanntmachung des Magistrats am 1., 2. und 4. Oktober 1909, und zwar für die 3. Wahlabteilung am Freitag, 1. Oktober, vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr; für die 2. Wahlabteilung am Sonnabend, 2. Oktober, von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, und für die 1. Wahlabteilung am Montag, 4. Oktober, vor vormittags 11 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses statt. Jede Wahlabteilung wählt 2 Bürgeroorsteher. Stimmberechtigt in der 1. Wahlabteilung sind diejenigen Bürger, welche für die Gemeinde jährlich an Einkommen=, Grund=, Gehäude= und Gewerbesteuer zusammen mehr wie 176 Mark; in der 2. Wahlabteilung diejenigen Bürger, welche an gleichen Steuern mehr wie 59 Mark aber weniger wie 176 Mark zahlen. Alle übrigen Bürger gehören zur 3. Wahlabteilung. Wählbar und verpflichtet zur Annahme der Wahl sind alle stimmberechtigten Bürger aller Wahlabteilungen mit Ausnahme der Mitglieder und Beamten des Magistrats, der staatlichen Aufsichtsbehörde, der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen und der fürstlichen Behörden des privaten Dienstes. Die Ausübung des Wahlrechts erfolgt persönlich im öffentlichen Wahlakt durch Abgabe von zusammengefalteten Stimmzetteln. Auf dem Stimmzettel ist bei Vermeidung der Ungiltigkeit der zu Wählende so zu bezeichnen, daß über seine Person kein Zweifel herrscht. * Neubeckum, 9. Sept. Für die streikenden Schweden wurden von den hiesigen Gewerkschaften als 1. Rate abgesandt 80 Mk. 43 Pfg. Davon haben aufgebracht die Metallarbeiter 18.48, Maurer 13.40, Bildhauer 6., Fabrikarbeiter 26,.80, Schmiede 10,75 Mi. Aus der Kartellkasse wurden 5 Mk. bewilligt. Die Arbeiter werden um fernere Unterstützung gebeten. Wir verweisen auf den Aufruf in heutiger Zeitung ko Von der Luftschiffahrt. Hagen i. W., 10. Sept. Das lenkbare Luftschiff der Rheinischen Luftschiffahrt=Gesellschaft, das bei der Firma Basse u. Selve in Altena in Auftrag gegeben war, ist nunmehr fertiggestellt. Mit den Probeflügen des neuen Luftschiffes, das eine Länge von 56 Meter hat, soll in den nächsten Tagen begonnen werden. Eine Neuerung an dem Luftschiff ist ein der Firma Basse u. Selve patentamtlich geschützter Apparat zur Ausgleichung des Gasverlustes durch warme Luft. Die Kosten des Luftschiffes belaufen sich auf etwa 200000 Mk. London, 10. Sept. Gestern abend führte der Aviatiker Cody sechs Flüge auf dem Laffahsfelde aus; jeder Flug dauerte etwa fünf Minuten. Im ganzen legte Cody etwa drei bis vier Meilen zurück. Er machte den ersten Flug allein, während er bei den weiteren Passagiere mitnahm. Ein liebevoller Ehegatte. Köln, 10. Sept. In Ohligs (Rheinprovinz) wurde der Schuhmacher Haarhaus unter dem Verdacht, seine Frau ermordet zu haben, verhaftet. Haarhaus gestand, seine Frau derartig mißhandelt zu haben, daß sie bewußtlos wurde, worauf sie gestorben sei. Die Untersuchung ergab, daß der Körper der Frau über und über mit Wunden bedeckt war. Der Schädel weist mehrere Stiche auf; Haarhaus gab zu, daß er die letzte Nacht mit der unbekleideten Leiche zusammen in einem Bett geschlafen habe. Einjähriger Baumgarten geisteskrank. Stendal, 10. Sept. Der Einjährig-Freiwillige Baumgarten vom Magdeburger Husaren=Regiment Nr. 10 in Stendal, der in der Nacht vom 15. zum 16. Juli d. I, den Fahnenjunker v. Zeuner erschoß und sich zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der Landesheilanstalt Altscherbitz bei Schkeuditz befindet, ist von den Aerzten für unzurechnungsfähig erklärt worden. Ein Dampfer gestrandet. Hamburg, 10. Sept. Der Dampfer„Eduard Bohlen“ von der Wörmann=Linie ist nach einer telegraphischen Nachricht der„Frankfurter Zeitung" aus Swakopmund am 5. September während eines Nebels bei der Konzeptions=Bai auf den Strand gelaufen. Der zur Hilfeleistung abgeschickte Dampfer„Otavi“ ist am 10. September nach Swakopmund zurückgekehrt, nachdem sich die Abschleppungsarbeiten als erfolglos evwiesen haben. Er brachte die Post und die Passagiere nach Swakopmund mit. Die Lage des Dampfers „Eduard Bohlen“ ist schlecht und seine Abbringung ist nach Ansicht der Kapitäne der beiden Dampfer recht zweifelhaft. Kindermord. Würzburg, 10. Sept. In Seifriedsburg ermordeten zwei Schwestern, die Enkelkinder des dortigen Altbürgermeisters, ihre beiden unehelichen Kinder. Die beiden Täterinnen wurden verhaftet. Ein ungetreuer Buchhalter. Nürnberg 10. Sept., Der Buchhalter Schmidt der Königlichen Hauptbank ist nach Unterschlagung von Depots in Höhe von 100 000 Mark flüchtig geworden. Kinder verbrannt. Beuthen, 10. Sept. Bei lebendigem Leibe verbrannte heute in Poremla das vierjährige Kind des Handwerkers Neiser. Wie meistens, so hatte auch hier die Mutter das Kind allein im Zimmer gelassen. Das Kind spielte mit Streichhölzern und stand plötzlich in hellen Flammen. Als die Mutter zurückam, war ihr Kind bereits iht. Auf ähnliche Weise ist auch gestern abend in Zabrze ein Kind ums Leben gekommen. 1 Vom Schlachtfeld der Arbeit. Metz, 10. Sept. In den Werken der Firma B. Wendel in Hayingen wserden drei Arbeiter durch aus dem Hochofen strömende Gase schwer verletzt. Zwei derselben sind bereits ihren Verletzungen erlegen. Orkan. St. Flur, 10. Sept. Ein orkanartiger Sturm verursachte hier großen Schaden. Der Blitz schlug mehrfach ein und tötete einen Hirten, welcher in einer Hütte Zuflucht gesucht hatte. Zwei seiner Freunde erlitten schwere Brandwunden. Ein Pferd, welches sich in der Nähe befand, wurde ebenfalls getötet. Vom Automobil übergefahren. Venloo, 10. Sept. Das Automobil des Grafen Hoensbrooch=Aufdemrade fuhr an der holländischen Grenze einen Sergeanien der holländischen Infanterie aus Arnheim über und verletzte ihn so schwer, daß er bald darauf im Krankenhause starb. Deutsche als Spione? Nizza, 10. Sept. Zwei Deutsche wurden von der französischen Sicherheitspolizei unter dem Verdacht, Spionage betrieben zu haben, verhaftet. Ein französischer Offizier soll kompromittiert sein. Ein Aktendieb verhaftet. Paris, 10. Sept. Auf Ersuchen der Militärbehörden verhaftete die Polizei gestern einen gewissen Alphonse Dorer, schweizerischer Nationalität, unter der Anschuldigung, im Verein mit zwei Soldaten des 58. Linienregiments in Avignon einen Diebstahl von geheimen Dokumenten im Jahre 1905 ausgeführt zu haben. Die Erreichung des Nordpols. Paris, 10.=Sept. In einer Extraausgabe beginnt der„Matin“ gleichzeitig mit der„Newyork Times“ Pearys ausführliche Erzählung. Peary schildert zuerst die Abreise des Dampfers„Roosevelt“ und die Reise bis zur Passierung des Kap Sheridan, die am 6. September erfolgte, ungefähr zu gleicher Stunde wie drei Jahre vorher. Dann folgt der Bericht über die Ueberwinterung bis zum Abmarsch der Schlitten von Crane City, wie Peary das Lager beim Kap Columbia getauft hat. Sieben Mitglieder der Expedition, 17 Eskimos, 133 Hunde mit 19 Schlitten dringen gegen den Pol vor. Peary sendet Expeditionen voraus, um Wege zu erkunden, und legt etappenweise die gefährliche Bahn zurück. Peary hebi die Aufopferung seiner Gefährten, besonders des Engländers Bartlett, hervor, der Wunder getan habe. Die Berechnung nach Passierung des 87. Grades läßt er durch Bartlett machen, um ein unabhängiges Zeugnis zu haben. Die Berechnung wird kopiert, eine Abschrift erhält Peary, eine andere Bartlett, der als Führer der Rekognoszierungsabteilungen sich glänzend bewährt.„,„ g. un 0 Bei einer Feuersbrunst ums Leben gekommen. London, 10. September. Bei einer Feuersbrunst, welche vergangene Nacht in dem Stadtviertel Whitechapel entstand, sprangen 2 Mädchen im Alter von 18 und 22 Jahren aus den Fenstern auf die Straße und waren auf der Stelle tot. Ein drittes junges Mädchen stürzte sich in die Flammen und wurde ebenfalls als Leiche geborgen. Ein neuer Weltrekord. Newyork, 10. Sept. Der Dampfer „Mauretania“ ist gestern nachmittag um ½5 Uhr in Sandy Hook eingetroffen und hat den bisherigen Weltrekord um ½ Stunde geschlagen. Von der Cholera. Duisburg, 10. Sept. Im hiesigen Hafen ist ein aus Dortrecht kommender Dampfer unter Quarantäne gestellt worden, weil ein Mann der Besatzung unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt ist. Rotterdam, 10. Sept. Aus den Baracken sind wieder vier Personen, die an Cholera erkrankt waren als gesund entlassen worden. Es befinden sich noch fünf Personen in den Baracken, deren Zustand sehr gut ist. Seit gestern sind weder neue Krankheits-, noch Todesfälle vorgekommen. kig. Die Röntgenbestrahlung beim Militär. Da die Röntgenbestrahlung immer mehr und mehr Verwendung findet, so ist es wohl begreiflich, daß in bezug auf das Militär eine eigene hl begreiflich, daß in bezug auf das Militär eine eigene Feldröntgenwagenvorschrift berausgerommen itz., ggach Dr. Niehues in der„Deutschen Militärärztlichen Zeitschrift“ ist sie außerordentlich reichhaltig. Der erste Teil bringt allgemeine Bestimmungen, die Ausrüstungsnachweisung und den Beladungsplan für das Feldgerät, sowie die Nachweisung und die PackPeise ee ie eie wircd ante. Vescreibing 15d der brauchsanweisung der ganzen Einrichtung gegeben, nämlich Mitteilungen über die Dynamomaschinen, den Benzinmotor, Vorschriften für Aufstellen und Ausladen des Fahrzeuges. Angaben über das Auseinandernehmen und Reinigen der Stromquelle und Verhaltungsmaßregeln beim Eintritt von Störungen, ferner über die Auswahl des in einiger Entfernung von der im Wagen verbleibenden Stromquelle gelegenen Röntgenaufnahmezimmers owie die Beschreibung von Ausstattungsstücken. Dann falgen Ungaben über das Arbeiten im Röntgenzimmer, über Behelurrichtungen, Röntgenröhren, Durchleuchtungen und Auinihmen im allgemeinen, Anweisung über Aufnahme der einze#en Körperteile, die Lokalisation von Fremdkörpern usw. Im R#igenwagen wird die vollständige Ausrüstung einer Dunkel(ammer mitgeführt. Mitteilungen über Auswahl der Kammer und Ausstattung mit vorhandenen oder schnell hergerichteten Geräten, sowie Unterweisung im Entwickeln usw. gehören ebenfalls hierher. Auf die Feldverhältnisse ist natürlich bei allen dieten Arbeiten besonders Rücksicht genommen. Durch 69 Bilder wird die Benutzung der Feldröntgenwagenvorschrift wesentlich erleichtert Letzte Nachrichten. Berlin, 11. Sept. Wright führte gestern auf dem Tempelhofer Felde einen Flug von einer Stunde 32 Minuten und 6 Sekunden aus. Da der Wasserkühler versagte und somit die Gefahr bestand, daß sich die Zylinder heiß laufen werden, landete Wright. Es war noch ein zweiter Flug beabsichtigt, doch unterblieb derselbe wegen eintretender Dunkelheit. Dresden, 11. Sept. Die deutschen Aviatiker Schnädelbach und Berner unternahmen gestern auf dem hiesigen Exerzierplatz erstmalig einen Flug mit einer neuen von ihnen erfundenen Flugmaschine. Das Ergebnis war durchaus befriedigend. Der Apparat erreichte eine Höhe von 4 Meter und flog 500 Meter weit. Der Aeroplan, der an der Flugkonkurrenz in Frankfurt am Main teilnehmen wird, ist ein Doppelschwingungsflieger; er hat ein Gewicht von 375 Kilogramm. Bei der Landung wurde die Maschine geringfügig beschädigt. Wien, 11. Sept. Bei einer Wanderung in der Hohen Tatra sind gestern vier Wiener junge Leute verunglückt. Durch einen Fehltritt stürzte einer von ihnen ab und riß die anderen drei, die mit ihm angeseilt waren, in die Tiefe. Erst nach sechsstündigem Bemühen gelang es, den Verunglückten Hilfe zu bringen. Einer von ihnen war beim Sturz mit dem Kopf auf einen Felsen gefallen, so daß das Gehirn heraustrat und er sofort tot war, zwei andere wurden so schwer verletzt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird, der vierte erlitt nur leichtere Verletzungen. Wien, 11. Sept. Die hiesige Geographische Gesellschaft hat an Dr. Cook und auch an Peary Einladungen ergehen lassen, in Wien Vorträge zu halten. Otto Sverdrup sandte folgendes Telegramm an die„N. Fr. Presse": Dr. Cook hat meiner Ansicht nach gemäß seinen, mir gegenüber mitgeteilten Berichten zweifellos den Nordvol erreicht. Ich halte die Angriffe eines Teiles der Presse, wie auch diejenigen Pearys für ungerechtfertigt und grundlos. London, 11. Sept. In der Nähe von Kirbky Stephen(Westmit, stand des Erkrankten ist günstig. Im Kapitän und vier Matrosen. Das ganze Schiff wurde desinfiziert. dem Schrecken davon, während die beiden Chauffeure lebensgefährlich verletzt wurden. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. X HAGGI“ Bouillon-Würfel m S pr#. i eer und Gechendem ullensen Uhheruggnen giue Heiluetgeben augenblicklich, nur mit kochendem Wasser übergossen, eine delikate Fleischbrühe mit feinstem Gemüsegeschmack. Sie dienen der Hausfrau auch zu allen Gerichten, bei deren Zubereitung Fleischbrühe erforderlich ist. So werden z. B. alle Gemüse besonders schmackhaft, wenn man eie statt in Wasser in Bouillon aus MAGGls Bouillon-Würfel kocht. 4824 Beim Einkauf achte man genau auf den Namen MAGGl sowie die Schutzmarke(Kreuzstern) und lasse sich nichts anderes aufreden! 7 Mg Wicn Sarger, Arbenter, Kandwuerker liefert das grösste Kredithaus für alle Gelegenheiten, nur feinße Gratulations=Karten Genres, steis vorrätig in der Set tti Buchhandlung„Poltswacht“. Ar Neue Rammhucher, Breitesnrusse G, empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Filzhüten, Zylindern = u. Mechanikhüten= sowie Mützen für Herren und Knaben zu äusserst 4848 billigen Preisen. Reparaturen an Filz- u. Zylinderhüten werden schnell u. billigst ausgeführt. F rg. Soibtoig im neuen Rathause. Tägliche Verzinsung der Spareinlagen Zinsfuß 3 ¾% Unentgeltliche Ausleihung von Unentgeltl. Einziehung der Spareinlagen von auswärt. Kassen. Geschäftsstunden: 8½—1 Uhr vormittags 3—6 Uhr nachmittags. Annahmestellen: Bürgerweg 34. Firma Kleinjung& Westerheyde. 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Rllederlagen der Sehumdbin Wesllund, Kreger& Ce., deren Fabrikste preisgekrönt mit der goldenen Medaille! „Hansa-Haus“„Zum Nans Sachs“„Fortuna“„Vor der Schuhfabrik“ Niedernstrasse 26 Telephon 166. Gehrenberg 4 Telephon 807. Gütersloherstrasse 33 Herforderstrasse 101 Telephon 1130. Telephon 9. 4831 F FN 212. für das östliche am Sonntag, 10. Oktol des Herrn K Provi 1. Bericht der Bez 2. Kassenbericht. 8. Bericht des Sek 4. Die Presse, 5. Das neue Orga 6. Stellungnahme hagen und Wahl 7. Beratung und die bei den vor ihre Erledigung 8. Wahl des Komit Parteitages. Zusammensetz § 3. Der Bezirksgierten der Kreisorgat leitungen, den Mitgli sekretär, den Reichsund den Vertretern de Die Kreisorganisatir § 4. Das Parteige zirks-Parteitage in der Handelsgesellschaft, der pedition und der Geschö Die Kosten dieser De § 5. Die Wahl der diesem Reglement: Alle Ortsgruppen d tationsbezirk können D und zwar bis zu 50 M Mitglieder den zweiten Mitglieder und den übe Die Kreisleitungen senden. Anträge, welche in d sollen, müssen bis zum hagen, Bielefeld, Ma Bis zu demselber genaue Adresse zwecks Genossen Klingenhagen Die Bezirks NB. Diejenigen D 1.50 Mk.) wünschen, müs Klingenhagen melden; Nur diejenigen Delegier einer Karte sind. Arorikskummer ssc. Mit dem Sessions unter anderem erreicht, über die sozialpolitischer worden sind. Diesen AWerk gesetzten Aktion ke Schicksal der Arbeitskan doch seinerzeit gerade d kanzler und früheren eines der vielen Eisen utopistischen Streben, k spenstig zu machen, im Abrede stellen, daß die entwurf wiederkommen bleiben, ob es dem Wir! auch der künftigen Vorle schließlich dennoch alwerden kann. Unsere A daß amtliche Körpersche Klasseninteressen zu Geh S Von Als der Zug in der war und ich, unschlüssig, Straße heraufging,#i Kabyle auf mich zu, über Biskra serr schön, serr ein Hotel zeigen, und i treiben; er führte mich Ton auf der letzten Silb habe es in der Folge nich angenehmes Gasthaus. großen Umweg geführt, während das Hotel ganz Als ich am nächsten mich ein roter Fez mit Visitenkarte und empfal leins. Ich dankte und: kam ein feiner Burnus mich, diesen Brief zu le es war ein Schreibene Ali als Führer empfahl; Fest. Als ich heimkam, gellezideter Araber und Grafen, der Achmed de dankte und versprach ein Es war ein offenes, klug und sympathisch, vi Achmed näher kennen g Er übernahm die Mosch ritt und die Quled Nail bei mir, war Generalsek in Biskra. Leider räch den anderen Führern, de hatte. Täglich stand ei sah mich und Achmed m einigermaßen versöhner anderes versprach: dem Ben Ali den Kamelritt. etwas schwül, wenn mir gestern versprochen, od Schließlich ermannte ich die Sprache der andern k. Geer.y 0 S Nr. 212. Bielefeld, Sonnabend, 11. September 1909. 20. Jahrg. für das östliche Westfalen und die lippischen Furstentümer am Sonntag, 10. Oktober 1909, vormittags 9½ Uhr, im Lokale des Herrn Karl Schröder in Brackwede. Provisorische Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung. 2. Kassenbericht. 8. Bericht des Sekretärs. 4. Die Presse. 5. Das neue Organisationsstatut der Partei. 6. Stellungnahme zum Internationalen Kongreß in Kopenhagen und Wahl der Delegierten. 7. Beratung und Beschlußfassung über diejenigen Anträge, die bei den vorhergehenden Punkten der Tagesordnung " ihre„Erledigung nicht gefunden haben. 8. Wahl des Komitees und des Ortes des nächsten BezirksParteitages. * Zusammensetzung des Bezirks=Parteitages. „J.3. Der Bezirks-Parteitag wird gebildet aus den Delegierten der Kreisorganisationen, den Delegierten der Kreisleitungen, den Mitgliedern der Bezirksleitung, dem Parteisekretär, den Reichs= bezw. Landtagsabgeordneten des Bezirks und den Vertretern des Parteigeschäfts„Volkswach!“. Die Kreisorganisationen tragen ihre Telegationskosten selbst. (a. Karteite Parteigeschäft„Volkswacht“ muß auf dem BeHandelsgesellschagfin der Weise vertreten sein, daß Vertreter der Temm#r##nschaft, der Pretzkommission, der Redaktion, der Expedition und der Geschäftsführer anwesend sind. Die Kosten dieser Delegation hat das Parteigeschäft zu tragen. Wahlreglement. diesem Realemenat:de Delegierten zum Parteitage erfolgt nach Alle Ortsgruppen der sozialdemokratischen Vereine im Agitationsbezirk können Delegierte zum Bezirks=Parteitag wählen, und zwar bis zu 50 Mitglieder 1 Delegierten, von 51 bis 100 Mitglieder den zweiten Delegierten, für jedes weitere Hundert Mitglieder und den überschießenden Rest je 1 Delegierten mehr. Die Kreisleitungen sind berechtigt, einen Vertreter zu entsenden. Anträge, welche in der gedruckten Vorlage Aufnahme finden sollen, müssen bis zum 4. Oktober an Genossen Klingenhagen, Bielefeld, Marktstr. 8, eingesandt sein. Bis zu demselben Termin müssen die Delegierten ihre genaue Adresse zwecks Zusendung des Jahresberichts usw. an Genossen Klingenhagen einsenden. Die Bezirksleitung. I. A.: Adolf Zenker. „NB. Diejenigen Delegierten, welche Mittagessen(Preis 1,50 Mt.) wünschen, müssen sich bis zum 4. Oktober bei Genossen Klingenhagen melden; denselben wird eine Karte übermittelt. Nur diejenigen Delegierten erhalten Mittagessen, die im Besitz einer Karte sind. ssc. Mit dem Sessionsschluß des Reichstags hat die Regierung unter anderem erreicht, daß auch die eingehenden Beratungen über die sozialpolitischen Vorlagen vorab praktisch wertlos geworden sind. Diesen Ausgang einer mit viel Wichtigtuerei ins gesetzten Aktion kann man besonders im Hinblick auf das Schicksal der Arbeitskammervorlage symbolisch nennen. Wurde doch seinerzeit gerade diese Vorlage von dem jetzigen Reichskanzler und früheren Staatssekretär v. Bethmann Hollweg eines der vielen Eisen genannt, die die Regierung in ihrem utopistischen Streben, die Arbeiter der Sozialdemokratie abspenstig zu machen, im Feuer habe. Wir wollen keineswegs in Abrede stellen, daß die Regierung mit einem derartigen Gesetzentwurf wiederkommen wird; es mag fernerhin dahingestellt bleiben, ob es dem Wirken der Arbeitervertreter gelingen wird. der künftigen Vorlage soviel Giftzähne auszuziehen, daß sie schließlich dennoch als sozialpolitischer Fortschritt betrachtet werden kann. Unsere Aufgabe soll es für heute sein, zu zeigen, daß amtliche Körperschaften, in denen die Arbeiterschaft ihre Klasseninteressen zu Gehör bringen kann, auch bei einwandfreier Organisation nur dann von sozialpolitischem Wert sind, wenn die Arbeiterschaft selber zu einer gewissen organisatorischen Entwicklung gelangt ist. Begrifflich unterscheidet man, wie bekannt, Arbeiterkammern als gesetzlich organisierte Vertretungen der Arbeiter zur Wahrung ihrer Klasseninteressen, und Arbeitskammern als gesetzlich organisierte Vertretungen von Arbeitern und Unternehmern zur Wahrung ihrer mit dem Arbeitsvertrage zusammenhängenden Interessen. Während die Sozialdemokratie früher für paritätische Arbeitskammern eintrat, gewann später mit Recht die Ansicht in der Partei Boden, daß die Arbeiterschaft, wie heute schon das Unternehmertum, ihre Forderungen in reinen Interessenvertretungen, in reinen Arbeiterkammern zur Geltung bringen müsse. Wenn die Sozialdemokratie dennoch vorurteilslos auch an die Prüfung einer Arbeitskammer=Vorlage herangeht, so tut sie dies nicht zum wenigsten in der Ueberzeugung, daß die freie, selbstgeschaffene Organisation der Arbeiterschaft in Deutschland stark genug ist, als Rückhalt für die proletarischen Vertreter in amtlichen Körperschaften. Im Auslande haben bis jetzt Belgien, Holland und Frankreich Arbeitskammern, desgleichen hat der Kanton Genf in seinem Arbeitersekretariat eine amtlich subventionierte Arbeiterkammer, während in Italien gewissermaßen von den Gemeinden unterstützte Arbeiterkammern bestehen. Belgien schuf seine„Conseils de I'Industrie et du Travail“ durch Gesetz vom 16. August 1887. Jede Gemeinde hat das 5t einen, solchen Industrie= und Arbeitsrat zu errichten. Der Rat zerfallt in so viele Sektionen, als verwandte Gewerbegruppen vorhanden sind. Jeder Sektion gehört eine gleiche Anzahl(mindestens 6, höchstens 12) von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an. Aktives Wahlrecht für die Sektion haben männliche und weibliche Unternehmer und Arbeiter, die das 25. Lebensjahr erreicht haben, und in dem Sektionsgewerbe mindestens 5 Jahre tärig gewesen sind. Für das passive Wahlrecht ist ein Alter von 30 Jahren vorgesehen. Als Aufgabe ist den Sektionen gestellt die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen von Unternehmern und Arbeitern, die Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten und die Erstattung von Gutachten an die Behörden. In diesem letzteren Punkte haben die Conseils Anerkennenswertes geleistet; im Hinblick auf die Vermittelung von Arbeitsstreitigkeiten haben sie hingegen versagt. Die belgische Regierung glaubt, diesen Mißerfolg in organisatorischen Fehlern zu suchen. Daher soll ein bis jetzt noch nicht verabschiedeter Gesetzentwurf vom 24. Januar 1907 u. a. den Conseils die Schaffung von Tarifverträgen sowie statistische Erhebungen über Arbeitsverhältnisse zur Aufgabe machen. Desgleichen haben die Kammern nach dem Entwurfe die Befugnis, den ortsüblichen Tagelohn rechtsverbindlich zu normieren. Durch Trennung in Unterabteilungen der Arbeiter und Unternehmer sollen diese Institute Arbeiter= und Arbeitskammern gleichzeitig darstellen und damit ihr Wirken ersprießlicher gestalten als bisher. Die holländischen„Kamers van Arbeid“ wurden durch Gesetz m 10. Mai 1897 geschaffen. Auch sie sind je zur Hälfte aus Arbeitern und Unternehmern zusammengesetzt. Ihre Aufgaben bestehen im Sammeln von Informationen über Arbeiterangelegenheiten, Erstattung von amtlichen Gutachten, Entwerfen von Verträgen auf Wunsch von Interessenten und im Beilegen von Arbeitsstreitigkeiten. Derartige Arbeitskammern gibt es zurzeit etwa 85 in Holland. Auch ihnen wird nachgerühmt, daß sie in der Statistil und in der Gutachtenerstattung Vortreffliches geleistet haben. Dagegen haben sie gleichfalls in der Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten versagt. Der Kieler Universitätsprofessor Harms schreibt in seiner Arbeit über die holländischen Arbeitskammern diesen Mißerfolg offen dem Umstande zu, daß es den Kammern an dem Machtmittel des Verhandlungszwanges fehlt, und daß die holländischen Arbeiterorganisationen zu schwach sind, um gegenüber den Unternehmern aufzukommen. Millerand hat in seiner Eigenschaft als französischer Handelsminister durch eine Verordnung vom 17. November 1900 die Conseils du Travail ins Leben gerufen. Sie haben außer Befugnissen auf statistischem Gebiet noch die Aufgabe, Untersuchungen über Einschränkung der Arbeitslosigkeit zu veranstalten, die zuständigen Verwaltungsstellen über die Verwendung der den Arbeiter= und Unternehmereinrichtungen bewilligten Unterstützungen zu informieren und jährlich dem Minister über die Ausführung der Arbeiterschutzgesetzgebung Bericht zu erstatten. Die Mitglieder der Arbeitskammern werden in Frankreich im Gegensatz zu anderen Ländern von den Berufsvereinen und Gewerbegerichten gewählt. Ueber eine intensive Tätigkeit der amtlichen Organisation ist bisher noch nicht viel bekannt geworden. Der Arbeitskammer in Zürich ist jetzt die staatliche Subvom vention entzogen worden, die in Genf errichtete Chambre du Travail befaßt sich wesentlich mit der Arbeitsvermittelung. Die italienischen Camero del Ladoro werden von Sombart„selbstständige Organe der Landarbeiterschaft, des Proletariats“ genannt,„aus dessen Initiative hervorgegangen und auch seinem Einfluß allein unterworfen.“ Man kann sie wohl als von den Stadtgemeinden unterstützte Gewerkschaftskartelle bezeichnen. Ihnen wird nachgesagt, daß sie als völlig unabhängige Körperschaften weniger auf dem Gebiete der Sozialstatistit und der Vermittlung in Arbeitsstreitigkeiten als in der Organisation der Arbeiterschaft und damit für das Aufwärtsstreben des italienischen Proletariats Tüchtiges geleistet haben. Deutschland ist bekanntlich das Land des Mißtrauens gegen jede selbständige Betätigung der Arbeiterschaft. Das Ideal der maßgebenden preußischen Regierung ist ein unorganisiertes, willenlos dem organisierten Unternehmertum und der Staatsgewalt überantwortetes Proletariat, das man von oben herab mit etlichen reklamehaft angepriesenen sozialpolitischen„Wohltaten" begnadet. Die Arbeiterorganisationen sind der Staatsgewalt in dieser Hinsicht um so mehr Luft, als das Proletariat verständigerweise über die Sozialpolitik des Junkerregiments mit Verachtung quittiert hat. Dieser Zustand weckt selbst bei waschecht staatserhaltenden Sozialpolitikern Bedenken. Der er Aisch beg acse ehise Seiäserech eilchaensten als diejenigen Organe gewandt hat, die sie sich zur Beratung in wirtschaftlichen Dingen geschaffen hat. Harms übersieht in seiner naiven Auffassung hierbei, wie weit die maßgebenden Kreise in Preußen=Deutschland von der Anerkennung des Gleichberechtigungsprinzips entfernt sind. Für die Arbeiterschaft ergibt sich aber aus der Betrachtung der ausländischen wie der heimischen Zustände, daß es auch in der Arbeitskammerfrage einzig auf die wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnisse ankommt. Bei genügend starker gewerkschaftlicher und politischer Organisation des Proletariats können amtliche Institute, in denen Arbeitervertreter Sitz und Stimme haben, von Nutzen sein. Ohne derartige Organisationen sind sie wertlos. Billiger und teurer Verkehr. ssc. Die Entwicklung des Verkehrswesens kann man zum guten Teil ein Stück Kulturentwicklung nennen, spiegelt sie doch deutlich die Beziehungen der Menschen zueinander wieder. Dies in Betracht gezogen wird man in Deutschland von geradezu staunenswerten Fortschritten sprechen dürfen, soweit der Postverkehr in Betracht kommt. Vergleichen wir die Entwicklung in den Jahren von 1897 bis 1907, dem letzten Jahre, worüber amtliche Zahlen vorliegen, so ergibt sich das Folgende: Im Jahre 1897 kamen auf den Kopf der Bevölkerung des Deutschen Reiches 44,05 eingegangene Briefsendungen, im Jahre 1907 hingegen 86,00; es ist also auf diesem Gebiete des Postwesens fast genau eine Verdoppelung eingetreten. Nicht so beträchtlich, nämlich von 2,90 auf 3,67 pro Kopf hat sich in dieser Zeit die Zahl der eingegangenen Pakete ohne Wertangabe vermehrt. Verringert hat sich die Zahl der eingegangenen Wertbriefe, sowie der Kistchen und Pakete mit Wertangabe, nämlich von 0,24 auf 0,21 pro Kopf der Bevölkerung. Offenbar ist diese Erscheinung auf ein wachsendes Maß von Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Post zurückzuführen. Merkwürdige Schwankungen zeigt der Wert der eingangenen Wertbriefe usw. Während er auf den Kopf der Bevölkerung berechnet sich 1896 auf 297,7 Mk. stellte, stieg er 1897 auf 387,8 Mk., sank 1898 wieder auf 306,8 Mk., um dann bis 1907 wieder auf 335,9 Mk. zu steigen. Sehr stark gestiegen ist der Wert der eingegangenen Postanweisungen. Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen 1897 nur 124,4 Mk., 1907 dagegen 205,3 Mk. Die Zahl der eingegangenen Telegramme ist in der erwähnten Zeit von 0,63 auf 0,74 gestiegen, hat sich also nicht erheblich vermehrt. Hingegen ist die Zahl der Nachnahmesendungen ganz außerordentlich in die Höhe gegangen. Im Jahre 1897 kamen erst 6,1, im Jahre 1894 gar erst 3,2 Nachnahmesendungen auf den Kopf der Bevölkerung. Bis zum Jahre 1907 hatte sich diese Zahl verfünffacht, nämlich auf 16,3 pro Kopf. Wir haben hier eine Folge der Ausbildung unserer Versandgeschäfte vor uns. Die Einnahme der Post an Porto und Telegrammgebühren hob sich in den herangezogenen 10 Jahren von 6,3 auf 10,1 Mk. pro Kopf der Bevölkerung. Fügen wir nun noch hinzu, daß ebenso von 1903 bis 1907 die Zahl der von den Fernsprechanstatten vermittelten Gespräche von 15,8 Von Ludwig Finckh (Nachdr. verb.) „Als der Zug in der Abenddämmerung in Biskra eingelaufen war und ich, unschlüssig, wohin ich mich wenden sollte, die erste Straße heraufging, trat ein hungrig aussehender, magerer Kabyle auf mich zu, überreichte mir eine Visitenkarte und sagte: Biskra serr schön, serr schöne Fraileins Biskra. Er wollte mir ein Hotel zeigen, und ich ließ mich wie immer vom Schicksal treiben; er führte mich an das Hotel du Sahara(Ssacharä Ton auf der letzten Silbe; h wie rauhes ch gesprochen), und ich habe es in der Folge nicht bereut; es war ein schönes, gutes und angenehmes Gasthaus. Nur hatte mich der neue Freund einen großen Umweg geführt, im Viereck über drei andere Straßen, während das Hotel ganz nahe am Bahnhof lag. Als ich am nächsten Morgen auf die Straße trat, begrüßte mich ein roter Fez mit vorwiegendem Negerblut, übergab eine Visitenkarte und empfahl seine Dienste für serr schöne Fraileins.. Ich dankte und versprach ihm eine Moschee. Unterwegs kam ein seiner Burnus in taktvoller Weise in meine Nähe, bat mich, diesen Brief zu lesen, und entfernte sich höflich grüßend; es war ein Schreiben eines norddeutschen Professors, der Ben Ali als Führer empfahl; ich reservierte für Ben Ali ein arabisches Fest. Als ich heimkam, begegnete mir ein gut und geschmackvoll gekleideter Araber und übergab den Gruß eines süddeutschen Grafen, der Achmed den Abdallah angelegentlich pries; ich dankte und versprach einen Kamelritt. Es war ein offenes, männliches Gesicht, kräftig, energisch, klug und sympathisch, von einer tiefen Bronzefarbe. Ich habe Achmed näher kennen gelernt und bin ihm Freund geworden. Er übernahm die Moschee und das arabische Fest, den Kamelritt und die Quled Nails, er bekleidete einen Vertrauensposten bei mir, war Generalsekretär, Dolmetsch und meine rechte Hand in Biskra. Leider rächte sich meine Schamlosigkeit gegenüber den anderen Führern, denen ich die Hoffnung ins Herz gesentt hatte. Täglich stand einer von ihnen an der Ecke von Bikra, sah mich und Achmed mit Eifersucht an, und ich konnte sie nur einigermaßen versöhnen, indem ich jedem jeden Tag etwas anderes versprach: dem Moscheemann das arabische Fest und Ben Ali den Kamelritt. Ich muß sagen, es war mir manchmal etwas schwül, wenn mir nicht mehr einfiel, was ich dem einen gestern versprochen, oder ob der eine nicht der andere war. Schließlich ermannte ich mich, jagte die einen fort und verstand die Sprache der andern nicht mehr; da hatte ich endlich Ruhe. Ruhe durch die Erinnerung an meine Landung in Afrika. Als ich in Bona den Fuß auf afrikanische Erde setzte, vollkommen uneingeweiht in die Dinge, die kommen sollten, denn ich wollte selber sehen und erleben, da war ich von einer Meute von braunen Gestalten in Fez und Turban umringt, die mir meinen Koffer entreißen wollten. Freilich hatte ich mir vorgenommen. einen Gepäckträger zu nehmen, obwohl meine Lieblingsgedichte unten im Koffer lagen; aber unter dem Eindruck dieses Hexentanzes versteifte sich mein schwäbisches Rückgrat und dachte: So, ihr Lumpen, jetzt grad nicht. Benehmet euch anständig, oder ich mach euch bloß den Mund wässerig, und ihr kriegt überhaupt nix. Ich trug also meinen Koffer vom Hafen einen großen Weg bis zum Bahnhof, umringt und gefolgt von zwanzig braunen Gepäckträgern, die einen Kampf um den ersehnten Koffer unter sich und mit mir aufführten; denn ich kannte damals das Zauberwort: Djib rebbi(Gott wirds dir schenken) noch nicht, das vor Belästigung schützt. Allmählich wurde es den Gescheitesten zu dumm, und da ich anfing, mich zu amüsieren und neugierig war, wer so dauerhaft wäre, mir bis zum Bahnhof zu folgen, so ging ich unbeirrt weiter. Nur drei blieben mir treu, und schließlich wurde einer verzweifelt, hängte sich an mich und sog an mir mit Betteln wie eine Schmeißfliege. Da war meine Geduld zu Ende. Wütend hob ich meinen Koffer hoch, ging auf ihn los und brüllte: „Himmelherrgottsakrament, jetzt schlag ich dich aber ungespitzt in Erdboden'nein!“— Das verstand er. Er grinste mich an, lachte übers ganze Gesicht und war im nächsten Moment verschwunden. * Ich weiß nicht, wo Achmed wohnte, aber wenn ich ihn brauchte, war er da. Er stand wie aus dem Boden gewachsen vor mir, sobald ich es wünschte; und er drängte sich niemals heran. Es muß ein wohlorganisierter Marconidienst in Biskra eingerichtet sein, und ich hatte die Bettler im Verdacht, ein ausgebreitetes Netz von lebenden Telegraphenstangen zu bilden, das dazu diente, jeden meiner Schritte blitzartig ans andere Ende der Stadt zu verbreiten. Man weiß in Biskra immer, was an jeder Ecke der Oase vorgeht, wenigstens wenn man Eingeborener ist. Achmed begleitete mich wie ein treuer Hund. Er war mit bei den tanzenden Derwischen und bei den Quled Nails(den ###gshägen Fraileins), er zeigte mir die Silberschmiede und Eines Tages hatte er Kamele gemietet und wir ritten heraus. Es ist ein seltsames Reiten auf dem breiten, hohen Rücken, zwischen Spreusäcken, langsam, langsam, schwankend. Lautlos wie auf Samt tritt das Kamel auf, weich und gelenkig; es setzt beide Füße der einen Seite fast gleichzeitig auf, während die beiden andern einen Moment in der Luft schweben; so wird man nicht von vorn nach hinten geschüttelt oder in die Höhe, sondern von rechts nach links geworfen. Rücksichtslos schreitet das Tier seinen Weg, wer ihm nicht ausweicht, den tritt es nieder; es fällt nie, mit unbedingter Sicherheit tappt es dahin. Wir ritten die enge, lange Gasse durch Alt=Biskra durch, die Palmen grünten in der Sonne hinter den Lehmmauern, alle primitiven Köstlichkeiten dieses einzigen Stücks Erde erschlossen sich mir. Ein Blick in eine Beduinenhütte hinter den Mauern mit einem heiser bellenden Spitzerhund, ein Schauen durch dunkle Flure, wo schmutzige Kinder sich zu geschmückten braunen Frauen flüchten, ein Brunnen, an dem die Kamele saufen, ein Lehmbogen über der Straße zwischen zwei Häusern, darin das Gemurmel des großen Gebets ertönt von vielen Männerstimmen, der weiße, leuchtende Turm der Moschee in Palmen, die Hügel der Oase, und endlich draußen die Wüste, lautlos, stumm. In der Nähe graugelb, in der Ferne eine schwarzblaue Flut. Eine Karawane, die uns dattelbeladen entgegenschlurft. Stille und Schweigen * Die Kamele, diese merkwürdigen Tiere, von denen die Höfe in Biskra viele Hundert bergen, sind oft von ausnehmender Größe und schöner Färbung, grau, rehbraun, schwarz. Sie laufen gemächlich, aber unaufhörlich zwölf volle Stunden mit drei Zentnern Ladung. Ihr Wert ist verhältnismäßig hoch, man zahlt zweihundert bis vierhundert Franken für ein Tier. Ein schönes Pferd freilich kostet mehr, dreihundert bis tausend Franken, während eine Frau durchschnittlich um den Preis von dreihundert Franken gekauft wird. Nicht in Geld, sondern in Schmuck und Kleidern. Darum tragen die Frauen die schönsten Silberspangen an Armen und Beinen, die ärmste, schmutzigste Bettlerin geht in Silber umher; denn es sind Familienstücke.— Ich zeigte Achmed die kleinen Stiletts und Korallenketten, die ich von Korsika mitgebracht hatte; er hatte eine kindliche Freude daran. Und als ich erst die kleinen korsischen Kürbisse holte, die ich als Parfümflächschen mitnahm, leuchtete sein Gesicht wie ein Frühlingsmorgen, und ich höre noch oft im Traume sein glückliches, staunendes: Oulal, oulaal! Er half mir die Kürbisse mit Wüstensand füllen, ich lehrte ihn Grüßgott sagen, er brachte mir Datteln an die Bahn, als ich Abschied nahm, wir winkten uns zu mit unsern roten und blauen Tüchern, und ich werde ihm bald einen langen Brief schreiben müssen; oulala, oulala, Achmed! auf 28.6 gestiegen ist, so haben wir im ganzen eine überaus rapide Entwicklung des postalischen Verkehrswesens zu registrieren, „Daß diese Entwicklung wesentlich durch die relative Wobhlfeilhe Daß diese Entwicklung wesentlich durch die relative Wohlseilheit des Postverkehrswesens gefördert worden ist, leuchtet ein. Denn was eine Verteuerung des Verkehrs zu bedeuten hat, zeigen im zur Past einige Zahlen siher das deutsche EisenbahnGegensatz zur, Post einige Zahlen über das deutsche, Esenbahn: wesen. Die Bureaukratie ist in unseren Tagen nicht seyx versonentarife zu ertennen; und als vor drei Jahren der deutsche Reichstag in der Fahrkartensteuer gar ein Verkehrshindernis schuf, traten die Folgen nur zu deutsich, bervor,„ 4J..28 4.n 422 mustan Wagen“. Bis dahin waren die aus den drei ersten Wugentlasser erzielten Einnahmen von Jahr zu Jahr ebenso gestiegen wie die Einnahmen aus der vierten Klasse. Von 1906 auf 1907 hingegen trat in den obersten Klassen ein bedeutsamer Rückschlag ein. Es sanken die Einnahmen aus der ersten Wagenklasse in dem einen Jaore von 271 auf 245 Millionen Marf s.: isanken die Einnahmen aus der ersten Wagenklasse in dem Juhre von 2//1,auf 24,5 Millionen, Maxf, die Einnahmen aus der zweiten Klasse von 142,2 auf 132,6 Millionen Mark und die aus der dritten Klasse von 348,0 auf 305,6 Millionen Mark. Dagegen stiegen in dem einen Jahr die aus der vierten Klasse erzielten Einnahmen von 1788 auf 2425 Millionen Mark. Allerim Reich erzielten Einnahmen von 696,1 Millionen Millionen Mark. Jedoch wurde diese an sich herzlich unbedeutende Steigerung erzielt auf Kosten der mit höheren Unterhaltungskosten verknüpften oberen Wagenklassen; und, was besonders schlimm ist, durch eine sehr erhebliche Proletarisierung des gesamten Eisenbahnverkehrswesens. Leider ist vor allem im maßgebenden preußischen Eisenbahnministerium nicht darauf zu rechnen, daß man aus diesem Ergebnis die erforderlichen Lehren zieht. Politische Gründe, wie gebnis die erforderlichen Lehren zieht. Politische Gründe, wie die Furcht des Junkertums vor dem Zug nach dem Westen, vereinigen sich mit verkehrten fiskalischen Bedenken, um im Eisenbahnwesen den kulturfeindlichen Zustand von heute zu konservieren. So wird im Gegensatz zur Post das Eisenbahn= wesen in Deutschland zu einer Karrikatur auf das bekannte Wort vom Zeichen des Verkehrs. ogenannten Gether, in welchem sich die elektrischen Erscheinungen abspielen. Eye wir aber dahin kamen, war ein dornenvoller Weg. zurückzulegen. Die elementarsten Erscheinungen der Reibungsim grauen Altertum bekannt, und sie elektrizität ,waren schon im Huuen, untium erian, A blieben Jahrtausende, lang„unsere, erpsigen, Sreun trrig, ug.#6# Die Elektrizität. Es ist bemerkenswert, daß gerade die Elektrizität in breitesten Kreisen so populär geworden ist. Wenn ein Teil der Physik Ansehen gefunden hat, so ist es die Elektrizität. Man wird mir entgegnen, daß das garnicht so bemerkenswert sei, denn das Geheimnisvolle, das den elektrischen Erscheinungen zugrunde liegt, reize. Dem ist entgegenzuhalten, daß die Elektrizität nicht geheimnisvoller ist, als andere Gebiete der Physik, ja, daß es eigentlich gerade da, wo man anscheinend am besten Bescheid zu wissen glaubt, nämlich in der Mechanik, am allerdunkelsten und daher am geheimnisvollsten ist. Ganz recht: Ich fühle, wohin es mich zieht, ich fühle die Schwerkraft, ich sehe den Körper wanken, den ich stoße, ich glaube zu sehen, wie der Stoß übertragen wird, ich fühle die Kraft, mit der mich ein anderer zieht. Aber was ist eine Kraft? Wie wird sie eigentlich übertragen? Warum bewegt sich ein anderer Körper, wenn ich ihn stoße? Warum bewegt sich ein leichter Körper, ein schwerer aber nicht? Darauf wird man mir ebensowenig Auskunft geben können, wie über das Wesen der Elektrizität. Und so kann man weiter fragen über jedes Gebiet der Physik, über die Optik, die Akustik, die Wärmelehre, immer treffen wir auf Fragen, die man übersieht, an die man nicht gedacht hat, weil einem die Sache selbstverständlich vorlag..„65— Pas Gen-kut. Psychologisch ist das leicht zu erklaren. Das Gewohnte erscheint einem nicht leicht geheimnisvoll, wohl aber das Ungewohnte. Und die Elektrizität, die uns wohl im Blitz und jetzt so häufig in ihren Anwendungen entgegentritt, ist immerhin etwas ungewohntes. Ohne Schall und Laut sind wir keinen Augenblick; eine besonders große Ruhe fällt uns sofort besonders auf. Auch ohne jedes Licht sind wir selten, und die Wärme konnen Wig. Erst recht, nicht entbehreg, Hitze„und Kält blieben Zotzistausegpg, Long Auserr.s geigen aren Frihe kun, hat großen Gebiete. Erst seit Galvanis bedeutsamer Entdeckung hat sich die Sache gewandelt, und seitdem haben große und fleißige Geister unermüdlich an der Vervollkommnung des Lehrgebäudes Es ist heutzutage wohl jedermanns Wunsch, sich über die Haupterscheinungen der Elektrizität zu unterrichten und man muß sagen, daß es eigentlich zum Menschen gehört, das Wichtigste„von solchen Dingen zu wissen, die nunmehr so tief ins praktische Leben eingreifen, daß wir ihnen Tag für Tag be und uns ihrer nicht entziehen können. Wir nannten vorhin ein Buch, daß wohl das vorzüglichste für diejenigen ist, welche sich ohne Porkenntnisse mit dem Gegenstandg, beigerrz gechen. wo Grätz' Buch hat einen außerordentlichen L### aufzuweisen. Dazu mag die Natur des Stoffes beigetragen haben, aber auch zweifellos die ausgezeichnete Darstellung, die ihm Grätz zu verleihen gewußt hat. Es ist daher kein Wunder, daß das halbe Hunderttausend der Auflage dieses Buches schon überschritten ist. Das will von einem Buche im Preise von(geb.) 8.Mark immerhin etwas sagen. Der Preis ist hoch, aber verhältnismäßig ist er es nicht, denn das Buch hat zwei Drittel Tausend Seiten und fast ebensoviele sehr gute Abbildungen. Um jedoch auch den Stoff weniger Bemittelten zugänglich zu machen, hat Grätz auf Wunsch eine kurze aber zusammenhängende Uebersicht über das Gebiet bearbeitet, das unter dem Titel der Elektrizität“ erschienen und gebunden fur den, Przié, gag 3.50 Mark zu erstehen ist. Auch die Auflage dieses####e hat bereits ein viertel Hunderttausend erreicht.„erg„t# ist übrigens anders angelegt als das größere Werk, unterscheidet sich, von diesem nicht bloß durch den Umfang(200 Seiten); er ist in gewisser Beziehung sogar noch moderner, indem er von vornherein versucht, die elektrischen Erscheinungen auf Grund der Elektronenvorstellung zu erklären. Ferner trennt der„Abriß“ die wissenschaftlichen Lehren nicht von den Anwendungen, wie es in dem größeren Buche geschieht. Dadurch wird der Stoff eigentlich noch leichter verständlich. Findet der Leser an der Sache Gefallen oder wünscht er sich weiter zu orientieren, als ihm der„Abriß“ vermittelt, so findet er in dem größeren Buche eine willkommene Ergänzung, die aber den„Abriß“ nicht wertlos macht. Es sei nicht unterlassen, auf diese Bücher empfehlend hinzuweisen; sie stellen Beste dar, was der Laie in der Literatur über die Elektrizität In neuerer Zeit ist noch ein Buch von dem französischen Physiker L. Poincaré erschienen, das in einer deutschen Uebersetzung von Professor Kalähne dem deutschen unter dem Titel„Die Elektrizität“ vorliegt.(Preis 3,80,Mark.) Dieses Buch ist in einer sehr eleganten und glänzenden Sprache geschrieben, die auch in der Uebersetzung gut getroffen worden ist. Leider ist das Buch nicht sehr allgemeinverständlich; es setzt größere Vorkenntnisse voraus. Es mag vielleicht denjenigen empfohlen werden, die sich das notwendige Vorwissen aus Grätzens großem Buche geholt haben. Für den naturwissenschaftlich Gebildeten ist die Lektüre des Buches allerdings ein Genuß. Felix Linke. Ee Martern, ja manchmal selbst den Tod.“ Es war eine mehr als beschönigende Inschrift, wenn man auf der Vertugade der Königin Anna lesen konnte:„Ich ruhe auf dem Herzen meiner Herrin.“ Sie ruhte nicht, sondern sie lastete, mit Zentnerschwere auf dem Herzen, so daß die frische, freie Zeit der Fronde sie verbannte. Aber das Korsett kam unter Ludwig XIV. mit erneuter Macht wieder; statt der Eisenstäbe trug man nun wieder Fischbeinreifen, und zwor in so großen Massen, daß die holländische Regierung zur Ausbeutung dieser Wertobjekte, durch ihre Fischer ein Kapital vor 600000 Fl. aufnahm. Ueber hundert Stäbe trug man in einen Korsett und konnte sich nach Herzenslust damit blutig reißen und den Magen einschnüren, bis diese Selbstfolterung durch Rousseaus Predigt der Natur und die Freiheitsliebe der Reoolution ein Ende nahm. Die Kaiserin Marie Luise führte das Korsett am französischen Hofe wieder ein, um ihr beginnendes Embonpoint zu bergen. über diese neue Mode wütend.„Dieser schlechte, Geschmack“ ##te er zu seinem Leibarzt Cervisart, der die Frauen tötet sagte er zu seinem Leibarzt Cerpsart,„der die Frazen, tstet und die Nachkommenschaft„vernichtet,„ ein Anzeichen frivoler Sitten und eines nahenden Verfaus. Aber das Korjett überdauerte den Kaiser, und sein Siegeszug ging unaufhaltsam ganzen, den Leib einzwängenden Gefährlichkeit zeigte und einen neuen Kamp, gegerz, Feife, wohl unausrnz horg,. zu rartegastenment“ der Mooe entfesselte.— Selbstredend konnten nur Damen. die nie arbeiteten, solche Folterwerkzeuge tragen. Sexueller Aberglaube bei Man den Queenslandnegern. schreibt der„Frankfurter Zeitung": Der bekannte englische Folklorist und Mythologe I. G. Frazer hatte vor kurzem, Gelegenheit, mit Dr. Frodiham, dem Bischof von Nord-Queensland sich über Glauben Sitten und Gel legenheit, mit Dr, Frodsham, dem. Bischeh. Aug, Phond-Rusgens. land, sich über Glauben, Sirten und Gezz## von Australnegern zu unterhalten, und erfuhr bei dieser Gelegenheit von dem durch seine Reisen in Australien gut informierten Bischof sehr Interessantes über die Ideen der Australneger über Fortpflanzung. Frazer hält die Mitteilungen des australischen Bischofs für so wichtig, daß er sie bereits jetzt kurz im Athenacum kundgibt, ohne ausführliche Aufzeichnungen Dr. Frodshams abzuwarten, dem aber die kurze Notiz im Athenacum vor der Publikation vorgelegen hat. Frodsham hat längeren Aufenthalt unter den Aruntastämmen und anderen Völkerschaften NordQueenslands genommen und dort die Ueberzeugung gewonnen, daß die Eingeborenen nicht glauben, daß die Geburten, das Resultat des geschlechtlichen Verkehrs sind. Dr. Frodsham sagte, daß solcher Zweifel an den Folgen des„intercourse of the sexes“ von allen ihm bekannten Stämmen Nord=Queenslands geteilt wird, und daß dies ein Faktum ist, mit dem man bei dem Versuche, die Eingeborenen einer höheren geschlechtzichen„Moral zuzuführen, im Missionswerk, stark zu rechnen har. Denn selost nach längerem Aufenthalt in den Missionsstationen lassen sich dis Eingeborenen auf die wahre Erklärung von Konzeption und Kindgeburt nicht ein und weisen sie unbedingt zurück. Leider hat der austratirre, WBischo ratz, Higenegtpen der Australneger gg, der ehen Vorgängeg., fixiert, nicht Geburt porstellen, Die Missionäre werden ührigens, keinen leichten Stand haben, wenn sie zugleich den natürlichen Vorgang und„geboren von der Jungfrau" lehren wollen. Bei Volksstämmen auf der Westseite des Golfs von Carpentaria konnte der Bischof vor Nord=Queensland auch eine Art Gemeinde= oder Gruppenehe konstatieren, ohne daß Frazer Details darüber von ihm erfahren konnte. Der Cambridger Gelehrte schreibt den provisorischen Mitteilungen des Bischofs eine hohe wissenschaftliche Bedeutung zu, da sie ganz unabhängig von Spencers und Gillens Beobachtungen bei den Stämmen Zentralaustraliens gemacht sind, die dadurch bestätigt und erweitert werden. Frazer hofft, daß der Bischof von Nord=Queensland und seine. Geistlichkeit ihre Beobachtungen fortsetzen und in ausführlicher Weise publizieren werden. Wandernde Fledermäuse. Die Wanderungen der Tiere beruhen auf verschiedenen Ursachen:„Viele.. Fische, wie der Lachs, die Meerforelle, der Maifisch, die Maränen, Stint wandern aus dem Salzwasser in das„Sutzkeinen Kleines Feuilleton. In der Hauptsache handelt können wir erst recht nicht entbehren, Hitze ebenso auffällige Erscheinungen im Leben. Alle diese Phänomene aber haben das gemeinsam, daß wir sie empfinden. Wir bören die Töne und Laute und Geräusche, empfinden mechanische Reize mit unserer Haut, fühlen die Wärme und die Kälte, sehen Licht und Farben— aber wir sehen weder die Elektrizität, noch hören riechen schmecken oder fühlen sie. Für sie fehlt uns ein kig. Rhenmatisgus und Herz. In der Hauptsache handelt sich bei akutem Rheumatismus um eine Herzmuskelentzündung, die das Herz in seinen Zusammenziehungen hindern, einen nachteiligen Einfluß auf den Schluß der Herzklappen ausüben und damit eine ganze Reihe von Beschwerden, namentlich auch Herzerweiterung, im Gefolge haben kann. Ein plötzlicher Tod tritt sehr selten im Anfang des Rheumatismus ein, kann aber statfinden, wenn der Herzmuskel, shog Entzundungen gelitten hat oder die Herzklappen erkrankt sind und Verwachsungen zeigen. Man wird sich wohl auf den Standpunkt stellen müssen, daß der Gelenkrheumatismus durch außerordentlich kleine Lebewesen erzeugt wird, die aber so klein sind, daß wir sie mikroskopisch noch nicht nachweisen können, während sie durch die hervorgebrachten giftigen Stoffwechselprodukte nachteilig einwirken und sich in den Gelenken oder auf den Herzklappen festsetzen können und dann die bekannten Erscheinungen hervorrufen. Dr. Gossage behandelt diese ganze ixgage, im „Lancet" und zieht beim Gelenkrheumatismus einen Vergleich mit der Diphtherie, bei der ja auch bekanntlich in ungünstigen Fällen ein plötzlicher Tod durch Herzlähmung erfolgt. der Stint wandern aus dem Salzwasser in gas„Sutzwasser, um dort zu laichen, während der Aal zu demselben Zwecke die See aufsucht. Manche Großsäugetiere, wie der Wapiti, mehrere afrikanische Antilopen und früher auch der Bison. wandern regelmäßig, weil sie beim Verweilen in derselben Gegend an Futtermangel zugrunde gehen würden. Plötzlicher Nahrungsmangel oder sehr früher Schneefall veranlaßt in unregelmäßigen zeuräumen nordische Vögel, wie den Seidenschwanz und Zwischeurgumen, nordische Bögel, wie, den Seidenschwanz und Tannenhäher, südliche Gegenden aufzusuchen. Ganz regelmäßig „d# epeis sie im Rinter nicht gen so spät entdeckt worden sind. Wir müssen uns von dem Vorhandensein elektrischer Kraft immer durch passende Apparate unterrichten. Wir haben daher zwangsweise die Technik dieser Apparate sorgsam ausbauen müssen, und haben es dahin gebracht, daß die elektrischen Meßapparate zu den feinsten Instrumenten gehören, die wir überhaupt besitzen. Das Spiegelgalvanometer ist in seiner höchsten Ausbildung wohl jedem anderen Apparate an Feinheit und Leistungsfähigkeit überlegen; die Wage kommt ihm vielleicht Pohenun,... Der Reiz der ungewohnten Erscheinung, die sich immer bloß mittelbar in ihren Anwendungen sichtbar macht, und die Fülle und Vielseitigkeit der Anwendungen, die man gleich erfand und entdeckte, haben sicher befruchtend auf die Beärbeitung des Lehrgebietes der Elektrizität eingewirkt. Heutzutage wird es am meisten beackert, und es hat sich ergeben, daß es vielleicht das umfassendste Gebiet der ganzen Erscheinungswelt ist. Muß man doch annehmen, daß das Licht nur eine spezielle Form der elektromagnetischen Erscheinungen ist. Man ist sogar schon dazu übergegangen, die ganze Materie und die mechanischen Bewegungen elektrisch zu erklären und es ist durchaus nicht ausgemacht, daß diese Anschauungsweise nicht mehr ist als eine geistreiche Theorie. Daß man so lange vergeblich sich herumstritt und abmühte, das Wesen der Elektrizität zu ergründen, lag, wie Professor Grätz in seinem Buche„Die Elektrizität“ sehr einleuchtend bemerkt, daran,„daß viele elektrische Erscheinungen sich in dem Lichtäther abspielen, in welchem wir alle wie in einem großen Ozean leben, so daß man sie als Vorgänge in dem Aether betrachten mußte. Aber man sah auch, daß man es im Gebiete der Elektrizität nicht bloß mit den Bewegungen und Zuständen des Aethers zu tun hat. sondern daß auch die körperliche Materie, die Moleküle und Atome dabei mitwirkten. Und gerade diese Doppelbeziehungen machten es schwierig, ein vollkommenes Bild, eine Erklärung für die elektrischen Erscheinungen zu ersinnen. Manche Eigenschaften der Elektrizität sind z. B. sehr ähnlich denen eines Stromes, so daß man ganz zweckmäßig von einem Das Marterinstrument der Mode.„Schönheit bringt Leiden“, dies Sprichwort scheint direkt für das Korsett erfunden zu sein. Mit dem Tieferberabgehen der Taille steht in diesem Winter wieder eine Verlängerung des Korsetts bevor, das zwar genau für den Köxper geaxbeitet und„allen hygienischen unsprüchen genügend“ sein soll, aber doch mancher Dame das „Glück des freien Atemzugs“ verringern wird. Immerhin können die Damen, die heute unter diesem Vanzer stöhnen, sich mit dem Gedanken trösten, daß ihre Leiden nichts bedeuten im Vergleich mit den Folterungen, denen sich die Frauen der Vergangenheit ausgesetzt haben. Die ersten Korsetts erschienen chon im Mittelalter; es waren filr die Hlrnue, bi, dig Sgneen Schnüren scheint in Venedig aufgekommen zu, sein,#o Frauen nicht nur durch ihre Stöckelschuhge, lonpern.gug durch einen mit Fischbeinstäbchen hesetzten Barchentpanzer, der die Taille verlängerte, dem Bibelwort Hohn sprachen, demzufolge „kein Mensch seiner Länge eine Handbreit zusetzen kann". Der „Buste“ kam auch nach Frankreich und wurde hier zur„Vasguine“ ausgebildet, einem noch viel längern und viel festern Instrument aus Goldstoff, mit dem die Damen sich so schnürten, daß sie nicht mehr aufstehen konnten, wenn sie einmal saßen, und schließlich mit geschwollenen Beinen zu Bett getragen werden mußten. Daß ein vaar Damen in Ohnmacht fielen, war die Regel in jeder Gesellschaft, und ein zeitgenössischer Schriftsteller erzählt von diesen„unglücklichen eingeschnürten jungen Damen, gaß durch das enge Korsett die bruckenwirbel so zuDamen“, daß durch das enge Korsett oie nrugenwirbel so zusammengepruckt, gurden,„daß die Franen HeutzutagA haben und entseßlich gusgemergelt sind, wie aus Spanien eingeführte„Vertugade“, die sich bald die vornehme Welt eroberte, vergrößerte noch diese Marter. Der Körper war von den Achselhöhlen bis zu den Knien in einen Eisenkäfig eingeschlossen, der mit Scharnieren immer fester and fester um Hüften und Brust geschraubt werden konnte. Das Tragikomische dieser Methode entging der lachenden Kritik Montaignes nicht. „Was für eine Hölle nehmen doch die Frauen geduldig auf sich,“ schrieb er,„um eine echt spanische Figur zu machen! Zusammengeschraubt und blutig geschunden mit großen Einschnitten, die auf beiden Seiten bis ins lebendige Fleisch dringen, verursachen tischen Wirkungen in der Umgebung eines Stromes, wieder n Diese verhalten sich vielmehr wie Vorgänge im Aether.“ Dieses Doppelwesen, mit welchem die Elektrizität in die Erscheinung trat, hat es dahin gebracht, daß wir heute die Elektrizität als eine Art Stoff betrachten, der in engster Beziehung steht zu dem wandern, weil sie im Winter nicht genug Nahrung zu Hause finden, zahlreiche Vogelarten und kehren im Frühling wieder zurück. Weniger bekannt ist es, daß auch einige Fledermäuse regelmäßig wandern; so hat man mehrfach am hellen Tage im Frühherbste eine unserer größten Fledermäuse, die frühfliegende Fledermaus, ein verbreitetes deutsches Waldtier, in größeren Flügen südwärts ziehen sehen, und eine Zwergfledermaus, die sogenannte nordische. Dieses Tierchen, das in Skandinavien, Nordrußland und Sibirien lebt, rückt erst im August in die nördlichsten Teile seines Verbreitungsgebietes ein, wahrscheinlich, weil ihm die hellen Juni= und Julinächte in den höheren Breiten nicht zusagen. Im Herbste kehrt es wieder zurück und durchmißt dabei eine Strecke von zehn Breitengraden. dem Renntier ist kein landbewohnendes Säugetier bekannt, das so weite Wanderungen unternimmt. ktg. Ersatz von Fingern durch chirurgische Maßnahmen. Für die Erwerbsfähigkeit des Menschen ist es von großem Wert, daß er sich seiner Hände voll und ganz bedienen kann. In weitesten Verletzungen der Hand, bei gewissen Berufen oder aus technischen (Schreiber, Uhrmacher, Schneider usw.), sowie aus kosmetischen Gründen(Künstler, Kellner) müssen anerkannt werden. Die Erfolge von Noeske sind höchst beachtenswerte. So hat er z. B. einen durch Verletzung verloren gegangenen rechten Daumen aus Friesthaut gnd einem Periostknochenlappen des Schienbeins Brusthaut und einem Periosttnochenlappen des Schienveins wiederhergestellt. Der neue Daumen hat sich sehr gut bewäh. und ist in% Jahren ein recht guter Ersatz eines normalen Daumens geworder Jetzt will Noeste den Nagel eines Zehes mit den dazu gehörigen Teilen auf ihn übertragen.— Ferner bildete er die Haut fast des ganzen Handtellers, die bei einem 9jährigen Knaben durch Ueberfahrung abgewälzt war, wieder aus der Brusthaut. Der Hautlappen ist in gleichem Maße wie die normal entwickelte Hand mit gewachsen. Die Beweglichkeit der Finger ist eine durchaus gute. Ein Unterschied von der gewöhnPstzschszich durch die dußeren Einflüs, die anfänglich geh bestehende Flaumbehaarung ist durch den Gebrauch der Hano verloren gegangen. um einige Pfennige zu sparen, minderwertige gebrannte Gerste kauft, die oft auch unter dem Namen Malzkaffee verkauft wird, so ist das eine verkehrte Sparsamkeit.— Der in geschlossenen Paketen verkaufte echte Kathreiners Malzkaffee bietet die Sicherheit, daß man einen garantiert reinen, wohlschmeckenden und bekömmlichen Malzraffee erhätt. In ganzen, halben und viertel Pateten. Das ¼ Paket 10 Pfg. 4825 Nr. 212. Der Ba In seiner Schrift tendenzen in Deu Deutsch Schulz(München, G. tische Begründung für süddeutschen Staaten, bewilligung zu geben. Wenn man das Schi man sich unwillkürlich, braucht hat; er hätte na gewordenen Auffassung für Bayern der Sozial das fehlende Viertel au sich befindet, so mußten für den Etat stimmen.“ Wir haben damit ni Klein= resp. Familienbe so ist ja, da Bayern e# vorstellt, dort für die mus vorhanden. Klein fremden Arbeitskräfte Städten auch noch in vielen Gegenden des L sie dort jetzt durch Ekommen sollte, so wird sorgen, daß keine Pri Stufenleiter zur Entfe Also während die n theorisierten, argumenti haben die süddeutschen g staat errichtet; und so Polemisieren verbissen, Aber auch unsere südd rechtzeitig auf ihren E wollten wahrscheinlich ordentlich schütteln, dan ihnen in den Schoß sie Da endlich erscheint Schulz als ein neuer P Genossen Norddeutschla weiß, wenn eine Kuh re gibt sie mehr Milch. W recht zartfühlend und wird auch die letzte no# herabregnen. In dieser durch glatte Etatsbewill eingewirkt werden. In diesem vorgeschrit eigentliche Großindustr besitz dominiert. Wenr habenen Größe unserer betriebsform herangewa Gleichwertige mit euch ziehen, so etwa ruft C wissenschaftlichen Erken: Nun, wir wollen in landwirtschaftliche Fam höhere Betriebsform da betrieb. Uns will dünke Lande ist nicht viel ande an der Spitze. 1. Die 9 Wir wollen uns die aus der heutigen kapite suchen. Nehmen wir Morgen. Diese Fläche mit Pferdebetrieb in Gr werden, vorausgesetzt, de heißt, daß das Gutsge gleichmäßig entfernt lie Nehmen wir also an, meinetwegen von einer einer Staatsdomäne abe 61 Roman aus von „Ich dänke Ihnen, 9 s#m ihre Hand entgege ich es nicht anders von Geschick hat unsere Le werden die näheren Um wie sich alles vereinigt für dieses Leben schien. Geschehene unabänderlic dabei sein mögen. Der meine ganze Achtung, ha an, kein anderer dem neuem bewältigen. Seibinzu.„daß ich den Mo Liebe öffnete, nie verges die Liebe und Treue, die Gott bitten, daß er au und Sie glücklich werder Der junge Mann hat der seinen gehalten und Wort zu unterbrechen. Reise-ce. eseine letzte Kraft zusam: chogche Frau. „Leben Sie wohl, Hand, die er noch nicht voll an seine Lippen. Worte, die Sie zu mir mir manche lange trübe die Stadt hinunter, um ein anderes Pferd oder verlasss ich diesen Ort, ur Sie wohl.“ „Hallo, Fremder, Seite, der sich alle drei Lagendich en enblick gar nicht erte falls; vortrefflich, daß Ihr kein schwarzes Pfeweißem Stern an der Brand ist H. W.“ „„Nein, Sir,“ sagte d schem„ Rlick den Stör n schreckend, den gefürchtet „Hm, tut mir leid,“ Es war eine mehr der Vertugade der dem Herzen meiner stete mit Zentnereie Zeit der Fronde idwig XIV. mit erug man nun wieder n, daß die holländistobjekte durch ihre m. Ueber hundert esich nach Herzensnschnüren, bis diese er Natur und die hm. Die Kaiserin sischen Hofe wieder gen. Napoleon war schlechte. Geschmack.“ r die Frauen tötet mir eir Anzeichen " Aber das Korjett ging unaufhaltsam n wieder in seiner eit zeigte und einen are„Marterinstrukonnten nur Damen. ragen.— slandnegern. 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Jahrg. Der Bauer als Erzieher. Von K. Hofer. Einleitung. In seiner Schrift„Oekonomische und politische Entwicklungstendenzen in Deutschland" bemuht sich Genosse Dr. Artur Schulz(München, G. Birk u. Co. 91 ische Begründung für die seinerzeit vr jü bewilligung zu geben. Wenn man das Schulzsche Büchlein zu Ende gelesen hat, fragt man sich unwillkürlich, warum Genosse Schulz so viel Worte gebraucht hat; er hätte nach seiner durch dieses Schriftchen bekanntgewordenen Auffassung der Dinge einfach schreiben können:„Da für Bayern der Sozialismus zu drei Vierteln durchgeführt ist, das fehlende Viertel auf dem Wege seiner schnellen Entwicklung sich befindet, so mußten die bayerischen Parteigenossen natürlich für den Etat stimmen.“ Wir haben damit nicht zuviel gesagt; denn wenn der ländliche Klein= resp. Familienbesitz das Schulzsche sozialistische Ideal ist, so ist ja, da Bayern einen Agrarstaat mit fast nur Kleinbesitz vorstellt, dort für die Mehrheit der Bevölkerung der Sozialismus vorhanden. Kleinbürgertum, das wenig oder gar keine fremden Arbeitskräfte ausbeutet, gibt es in den bayerischen Städten auch noch in größerer Menge. Großindustrie ist in vielen Gegenden des Landes sehr wenig vorhanden, und wenn sie dort jetzt durch Erschließung der Wasserkräfte etwa aufkommen sollte, so wird die Regierung nach Schulz schon dafür sorgen, daß keine Privatkapitalisten den Betrieb aus höchster Stufenleiter zur Entfaltung bringen können. Also während die norddeutschen Parteigenossen spintisierten, theorisierten, argumentierten und sonstiges leere Stroh draschen, haben die süddeutschen gehandelt und den sozialistischen Zukunftsstaat errichtet; und so sehr waren die Norddeutschen in ihr Polemisieren verbissen, daß sie das nicht einmal gemerkt hatten. Aber auch unsere süddeutschen Genossen haben uns gar nicht rechtzeitig auf ihren Sozialismus aufmerksam gemacht. Sie wollten wahrichemnlich den Regierungsbaum erst noch einmal ordentlich schütteln, damit auch die letzten sozialistischen Früchte ihnen in den Schoß fielen. Da endlich erscheini aus dem grauen fernen Osten Kolumbus Schulz als ein neuer Pfadfinder und entdeckt für die staunenden Genossen Norddeutschlands das Neuland des Sozialismus. Er weiß, wenn eine Kuh recht sorgsam und liebevoll behandelt wird, gibt sie mehr Milch. Wenn die prächtige bayerische Regierung so recht zartfühlend und sanft von uns gestreichelt wird, dann wird auch die letzte noch fehlende sozialistische Manna auf uns herabregnen. In diesem vorgeschrittenen Lande kann nur nochdurch glatte Etatsbewilligung auf das sorgende Regierungshetz eingewirkt werden. In diesem vorgeschrittenen Lande, vorgeschritten, weil dort die eigentliche Großindustrie fehlt und landwirtschaftlicher Kleinbesitz dominiert. Wenn ihr Norddeutschen einmal zu der erhabenen Größe unserer bayerischen landwirtschaftlichen Kleinbetriebsform herangewachsen sein werdet, dann wollen wir als Gleichwertige mit euch sprechen, vorerst werden wir euch erziehen, so etwa ruft Genosse Schulz von dem Turme seiner wissenschaftlichen Erkenntnis. Nun,-wir wollen in folgendem einmal untersuchen, ob der landwirtschaftliche Familienvetrieb tatsächlich eine bessere und höhere Betriebsform darstellt wie der landwirtschaftliche Großbetrieb. Uns will dünken, Sozialismus mit Kleinbetrieb auf dem Lande ist nicht viel anders wie die Republik mit dem Großherzog an der Spitze. 1. Die Ausrüstung der Wirtschaft. Wir wollen uns die Sache an der Hand eines Beispiels aus der heutigen kapitalistischen Gesellschaft klarzumachen versuchen. Nehmen wir eine Fläche von 750 Hektar oder 3000 Morgen. Diese Fläche kann unter den heutigen Verhältnissen mit Pferdebetrieb in Großwirtschaft noch rationell bewirtschaftet werden, vorausgesetzt, daß die Besitzung gut arrondiert ist, das heißt, daß das Gutsgehoft von allen Grenzpunkten möglichst gleichmäßig entfernt liegt. Nehmen wir also an, diese 3000 Morgen wären kahles Land, meinetwegen von einer noch viel größeren Besitzung oder von einer Staatsdomäne abgetrennt, und standen zum Verkauf. Nun kauft ein einzelner Grundbesitzer diesen Landkomplex, um ihn im Großbetrieb zu bewirtschaften. Er wird zunächst möglichst in der Mitte dieser 750 Hektar die passendste Stelle für das zu errichtende Gehöft aussuchen. Natürlich hat er die Baugrundverhältnisse, Höhenlage und Wasserverhältnisse zu berücksichtigen. Ein gewisser Spielraum ist ihm in der Auswahl der Hofstelle gegeben. Nun beginnt das Bauen. Es werden gebaut drei Stalle à 20000 Mk., drei Scheutten à 15000 Mk., ferner 10 Wohnhäuser mit allem Zubehör, und zwar 9 Vierfamilienhäuser und ein Wohnhaus für den Besitzer. Die Baukosten dieser 10 Wohnhäuser berechnen wir durchschnittlich mit je 10000 Mk. Wir haben jetzt im ganzen für den Gehöftaufbau die Summe von 205000 Mk. verwendet. Nun fehlen noch Schmiede, Speichereinrichtung und vielleicht noch ein paar Schuppen für Geräteaufbewahrung usw. Dazu soll unser Großbesitzer noch weitere 45000 Mk. verwenden. Er hat jetzt 250000 Mk. hineingesteckt und sein Gehöft in modernster Weise allen Erfordernissen entsprechend aufgebaut. Nun wird an geeigneter Stelle der Brunnen angelegt und zugleich Wasserleitung eingerichtet nach sämtlichen Stallen, nach dem Herrenhaus und zu den Leutewohnungen. Diese Einrichtungen nebst den Kosten für den Brunnen dürften 5000 Mk. betragen. Ein guter Weg bis zur nächsten öffentlichen Straße wird ebenfalls an geeigneter Stelle angelgt. Für seine Hofstelle und zu dem Wege hat unser Besitzer etwa 15 Morgen seines Landes opfern müssen. Nehmen wir an, der Preis beträgt pro Morgen Land 200 Mk., so muß er sich 3000 Mk. für diesen Zweck zur Last schreiben. Jetzt mietet er sich 36 Arbeiterfamilien, mit diesen kann er unter moderner Anwendung von Maschinen seine 3000 Morgen bearbeiten. 60 Arbeitspferde dürften für diesen Landkomplex ebenfalls vollkommen genügen. Er wird die Pferde pro Stück mit 400 Mk. durchschnittlich bezahlen; also 24000 Mk. für diesen Zweck aufwenden. Für diese 60 Pferde braucht er eine Anzahl Geschirre. Das wird vro Pferd eine Ausgabe von 20 Mk. bedeuten. Nun muß er sich 20 Arbeitswagen à 100 Mk. besorgen und für den Winter dreißig Arbeitsschlitten, die etwa 25 Mk. pro Stück kosten. Für Wagen und Schlitten zum persönlichen Bedarf opfert unser Großbesitzer ebenfalls 3000 Mk. Nun kommen die Ackergerätschaften an die Reihe. Unser Großbesitzer braucht für 15 Gespanne Eggen und Pflüge, er braucht 3—4 Ackerwalzen, ein paar Häufelzöche, 2 Drillmaschinen, 1 Düngerstreumaschine, 2 Kleesämaschinen, 5 bis 6 Pferderechen, 1 Heuwender, 4 bis 5 Grasmähmaschinen, ebensoviel Getreidemäher, 1 Kartoffelaushebemaschine und noch manche andere. Für diese Gerätschaften und Maschinen werden etwa 15000 Mk. aufzuwenden sein. Nun fehlen noch die Maschinen, die auf dem Hofe Verwendung finden. Da ist zunächst der Dampfdreschsatz, Lokomobile mit Dreschmaschine, die zusammen etwa 10000 Mark kosten dürften, Häckselmaschinen, ebenfalls durch die Lokomobile zu treiben, 500 Mark und Einrichtung zur Mahlmühle etwa 1000 Mk. Für Maschinen und Geräte, die auf dem Speicher und zur eigenen Reinigung des Getreides, speziell Saatgetreides, Verwendung finden, lönnen wir ebenfalls noch 1000 Mk. ansetzen. Nun ist noch die Dunggrube an geeigneter Stelle auf dem Hofe anzulegen; die Herstellung derselben dürfte ebenfalls noch 500 Mk. erfordern dann ist das nötige Nutzinventarium anzuschaffen, und der Betrieb kann beginnen. Rechnen wir nun zusammen, welches Kapital gebraucht wird für Gebäude, lebendes und totes Arbeitsinventar,, bis der Besitzer dieser 3000 Morgen den Betrieb in der Großwirtschaft aufnehmen kann, so erhalten wir die Summe von 316900 Mark. Nehmen wir jetzt den anderen Fall. Die in Betracht kommenden 750 Hektar resp. 3000 Morgen Land würden nicht von einem einzelnen Kapitalbesitzer der im Großbetrieb wirtschaften will, sondern von kleinen Leuten gekauft. Diese Leute wollen nur so viel Land, wie sie, d. h. Mann und Frau, zusammen bearbeiten können ohne fremde Hilfskraft. 7½ Hektar resp. 30 Morgen dürften die Höchstgrenze darstellen. Ohne Mitarbeit ihrer Kinder können sie diese 30 Morgen schon gar nicht mehr beschicken. Um zu richtigen Vergleichsgrößen zu kommen, müßten wir die Größe der Flache für den Familienbetrieb eigentlich kleiner annehmen, denn die 36 Familien des Großbesitzers stellen nur Mann und Frau zur Arbeit. Der Einfachheit halber nehmen wir aber die Größe von 30 Morgen an. Es treten in unserm Falle also 100 Familien als Käufer an, denen die 750 Hektar aufgeteilt werden. 61 Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. „Ich danke Ihnen, Mr. Golway,“ sagte sie endlich, ihm langsam ihre Hand entgegenstreckend.„Sie haben gehandelt, wie ich es nicht anders von Ihnen erwarten konnte. Ein bitteres Geschick hat unsere Lebenspfade auseinander gerissen. Sie werden die näheren Umstände von meinen Eltern gehört haben, wie sich alles vereinigt hatte, das zu trennen, was unlösbar für dieses Leben schien. Wir beide wissen aber auch, daß das Geschehene unabänderlich ist, was auch immer unsere Gefühle dabei sein mögen. Der Mann, dem ich jetzt angetraut bin, hat meine ganze Achtung, hat meine Liebe gewonnen, ihm gehöre ich an, kein anderer dem fremder Gedanke darf mein Herz von neuem bewältigen. Seien Sie aber versichert, setzte sie weicher binzu.„daß ich den Mann, dem sich mein Herz zuerst in reiner Liebe öffnete, nie vergessen werde. Der Himmel segne Sie für die Liebe und Treue, die Sie mir die lange Zeit bewahrt; ich will Gott bitten, daß er auch in Ihrer Brust den Gram mildere und Sie glücklich werden lasse. Leben Sie wohl, Charles.“ Der junge Mann hatte, während sie sprach, ihre Hand fest in der seinen gehalten und nicht gewagt, sie auch nur mit einemWort zu unterbrechen. Erst als mit ihrem„Lebewohl“ sein „: Schicksal ausgesprochen, entschjeden vor ihm lag, raffte er seine letzte Kraft zusammen, nicht schwacher zu scheinen als die —wache Frau. „Leven Sie wohl, Jenny,“ flüsterte er leise und hob die Hand, die er noch nicht losgelassen, langsam und fast ehrfurchtsvoll an seine Lippen.„Segne Gott Sie für die freundlichen Worte, die Sie zu mir gesprochen, und dieser Augenblick mag mir manche lange trübe Lebensnacht erhellen. Ich gehe jetzt in die Stadt hinunter, um mir mein lahmgewordenes Tier gegen ein anderes Pferd oder Maultier einzutauschen, und heute noch verlass' ich diesen Ort, um nie mehr hierher zurückzukehren. Leben Sie wohl.“„ „Hallo, Fremder,“ sagte da eine rauhe Stimme an seiner Seite, der sich alle drei uberrascht, ja fast erschreckt zuwandten, shaht. Ihr kein— ab, Mrs. Heison, ich habe Sie im ersten uotia gar, nicht erkannt, und unsere kleine Sennorita ebenPfalls; vortrefflich, daß ich Sie hier veisammen finde— habt Ihr kein schwarzes Pferd mit weißem rechten Vorderfuß und weißem Stern an der Stirn hier irgendwo gesehen? Der Brand ist H. W.“ „Nein, Sir,“ sagte der junge Mann, mit eben nicht freundlichem Blick den Stor musternd, während Manuela, zusammenschreckend, den gefürchteten Siftly erkannte. „Hm, tut mir leid,“ sagte dieser wenig bekümmert wie es schien, ob er hier gelegen gekommen war oder nicht.„Weiß der Henker, wo sich das verwunschte Vieh herumtreibt, und mit den blutigen Rothäuten hier überall im Busch, stäk' es am Ende eben so sicher in den Schneebergen drüben. Aber, hm, ich dächte, wir beiden wären einander schon einmal begegnet, nicht? Ihr seid ein Engländer?“ „Das bin ich, antwortete trocken der Fremde und drehte sich von ihm ab. „Und heißt,“ fuhr Siftly fort,„wartet einmal, wie war doch der Name, John— nein, Charles Galway oder Golway, nicht?“ „Woher kennt Ihr mich?“ rief der Engländer, ihn verwundert ansehend, denn das Gesicht war ihm vollkommen unbekannt. „Woher? Lieber Gott, hier in Kalifornien kommt man wunderbar zusammen. Wir haben gleichzeitig in Carsons Flat gearbeitet.“ „Ich war nie an dem Ort!“ sagte der Fremde. „So?— nicht?— nun dann war es wo anders. Wenn man sich fortwährend in den Minen herumtreibt, verwechselt man mitunter die Plätze. Ich habe doch hier nicht etwa gestört," setzte er plötzlich mit einem fragenden Blick auf Mrs. Heison hinzu. Niemand antwortete ihm auf die Frage. Der junge Fremde war dem Rande des Abhanges zugeschnitten. Noch einmal wandte er sich um und grüßte zurück, noch einmal begegnete er ihrem Blick, und dann verschwand er in dem dichten Buschwerk, das den untern und tiefer liegenden Rand bedeckte. Siftly war ein stiller, aber aufmerksamer Zeuge der ganzen Szene gewesen, und ein eigenes spöttisches Lächeln zuckte dabei um seine Lippen. „Komm, Manuela,“ sagte jetzt Mrs. Hetson, indem sie den Arm des jungen Mädchens ergriff,„wir wollen gehen, daß sich Mr. Hetson nicht um unsere Sicherheit ängstigt, und mit einer leisen Verneigung gegen den Spieler wandten sich die beiden Frauen zum Gehen. Siftly jedoch, nicht geneigt, sich die Gelegenheit so entschlüpfen zu lassen, rief:„Und dazu hätte Mr. Hetson alle Ursache, denn er konnte nicht wissen, daß Sie hier oben männlichen Schutz gefunden, einen alten Bekannten vielleicht? Wenn der Herr aber nicht etwa wartet, um Sie hinunter zu führen, so würde ich Ihnen meine Begleitung anbieten, Mrs. Heison, denn der Wald schwärmt hier von Indianern, und den Burschen ist unter keinen Umständen viel zu trauen.“ „Der Herr wird allerdings nicht auf uns warten, Sir,“ entgegnete ihm Mrs. Hetson, von der Bemerkung verletzt,„aber ich fürchte trotzdem nichts für uns, denn wie wir allein heraufgekommen sind, werden wir auch wieder den. Heimweg finden. Ein ganzer Trupp von Indianern kam hier vorbei; aber statt irgend eine Feindseligkeit zu zeigen, haben sie uns sogar freundlich gegrüßt und uns weder durch Wort noch Miene belästigt.“ „Desto besser,“ lächelte Siftly;„ich glaubte Ihnen auch nur Selbstverständlich muß nun jeder dieser kleinen Leute möglichst mitten in seinen 30 Morgen Land das Gehöft erbauen; sonst geht den Leuten der einzige Vorteil des Kleinbetriebs, nämlich die nahe Entfernung des Landes, verloren. In der Auswahl des Bauplatzes ist ihm durch die Lage der Dinge wenig Spielraum gelassen. Jeder dieser Besitzer muß sich nun ein Wohnhaus, einen Stall, eine Scheune und einen Keller bauen. Unter 3000 Mk. ist das Wohnhaus selbst bei den bescheidensten Ansprüchen nicht herzustellen. Für die anderen Gebaude wollen wir nur zusammen 2000 Mk. auswerfen, so kostet die Einrichtung des Gehöfts immerhin 5000 Ml. Wir haben da sehr niedrige Zahlen angenommen. Unsere 100 Kleinbesitzer brauchen also 500000 Mk., um die Gehöfte aufzubauen. Jedes Gehöft muß seinen Brunnen haben. Es gibt Gegenden, in denen die Herstellung von Brunnen ungeheure Kosten verursacht. Wir nehmen hier nur an, daß die Fertigstellung jedes Brunnens 300 Mk. kostet. Das belastet die 100 Kleinbesitzer mit 30.000 Mark. Jeder dieser Besitzer braucht einen Weg bis zur nächsten öffentlichen Landstraße. Nehmen wir jetzt an, Hofstelle und Weg beanspruchen bei jedem der Kleinbesitzer nur drei Viertel Morgen Land, so gehen unsern 100 Kleinbesitzern immerhin 75 Morgen verloren. Wenn wir wie vorhin den Kaufpreis pro Morgen mit 200 Mk. annehmen, so kommt trotzdem ein Betrag von 15 000 Mark heraus. Auf den 30 Morgen braucht schon jeder der Besitzer zwei Pferde. Er wird leichtere Pferde kaufen wie unser Großbesitzer. Setzen wir hier einen Durchschnittspreis pro Pserd von 300 Mark, so erhalten wir bei 200 Pferden, die erforderlich sind, die Summe von 60000 Mk. Die Geschirre für die Pferde werden ebenfalls schwächer ausfallen können. Rechnen wir pro Pferd 15 Mk. für das Geschirr, so müssen wir 3000 Mk. in Anrechnung bringen. Ferner muß jeder unserer 100 Kleinwirte einen Arbeitswagen, sagen wir à 60 Mk., und einen Arbeitsschlitten, à 15 Mk., Wie auch je einen halbwegs anständigen Spazierwagen reiv. Schlitten haben, die zusammen 200 Mk. kosten mögen. Dafür müssen wir das Konto unserer Kleinbesitzer mit 27500 Mark belasten. dieser Gerätschaften kostet jeden einzelnen, ganz minimal gerechnet, 200 Mk., zusammen 20000 Mk. usw. Die Kosten für die Anschaffung dieser Maschinen und Geräte dürften auf 500 Mk. zu stehen kommen. Für sämtliche 100 Kleinbesitzer käme die Summe von 50000 Mk. heraus. Die Anlage einer richtigen Dunggrube würde auch etwa 40 Mk. in Anspruch nehmen, so daß wir nochmals 4000 Mk. dem Kleinbesitzerkonto zur Last schreiben müßten. Nehmen wir nun die Gesamtsumme zusammen, die unsere 100 Kleinbesitzer nötig hätten, um ihr Gehöft aufzubauen und die nötigen Anschaffungen von Arbeitsinventar zu machen, so ergibt sich als Resultat das nette Kapital von 706 500 Mk. Unser Großbesitzer hat, um ebenso weit zu kommen wie unsere 100 Kleinbesitzer, nur 316900 Mk. Kapital gebraucht. Das ergibt eine Differenz von 389 600 Mk. Diese Summe brauchen die 100 Kleinbesitzer von vornherein mehr, um zunächst ebenso weit dazustehen wie der Großwirtschafter. Für jeden unserer 100 Kleinbesitzer beträgt diese größere Kapitalslast 3896 Mk. Wenn wir den Zinsfuß zu 4 Prozent annehmen, dann hat jeder der Kleinbesitzer von seinen 30 Morgen jährlich 155.84 Mk. mehr herauszuwirtschaften wie von entsprechender Größe der Großgrundbesitzer, oder wenn wir für den Morgen umrechnen, dann hat der Kleinbesitzer 5,19 Mk. pro Morgen jährlich mehr aufzubringen. Wir werden nachher gleich untersuchen, ob wenigstens durch den Betrieb selbst der Kleinbesitzer in der Lage ist, diesen großen Vorsprung, den der Großwirtschafter errungen hat, wieder wettzumachen. „ Um überhaupt mit dem Betrieb beginnen zu können, ist es notig, die Hypotheken zu regeln. Zugegeben, daß Landschaft oder ähnliche gemeinnützige Institute einen gewissen Prozentsatz Geld dem Großbesitzer wie den kleinen Leuten zu gleichen Bedingungen gewähren. Es wird aber wahrscheinlich noch Geld gebraucht werden, das von Privatleuten geliehen werden muß und das diese eintragen lassen. Der Großbesitzer braucht eine Summe, die in die Hundertaucd fgeuatschast fiügr Heion dast Anecklicken nener Voeslslang machen zu müssen. Mrs. Hetson neigte sich dankend gegen ihn und wollte wieder an ihm vorbei. „Ach, Sennorita,“ rief der Spieler,„Ihr Papa wird Ihnen wahrscheinlich schon gesagt haben, daß wir gestern einen Kontralt miteinander gemacht haben.“ „Mein Vater hat mir nichts gesagt,“ antwortete abwehrend das Mädchen,„er hat mir über das, was er tut, keine Rechenschaft zu geben.“ „Wie eine brape, gehorsame Tochter gesprochen,“ lachte Siftly; „nun die paar Stunden werden Ihnen keine weitere Unbequemlichkeit machen.“ „Die paar Stunden?“ sagte Manuela und fühlte, wie ihr alles Blut zum Herzen zurückströmte. „Also wissen Sie noch gar nichts? Das ist aber unrecht von Sennor Ronez, denn Ihre Finger sind in der letzten Zeit des Spiels entwöhnt worden und werden wieder einiger Uebung bedürfen, um die alte Meisterschaft zu erlangen.“ „Mein Vater?“ rief Manuela und vermochte kein weiteres Wort über die Lippen zu bringen, denn die Angst vor dem, was jetzt kommen mußte, benahm ihr die Sprache. „O. Sie brauchen nicht zu erschrecken, Sennorita,“ lächelte aber Siftly, während ein Zug von boshafter Schadenfreude um seine Lippen die freundlich klingen sollenden Worte Lügen strafte, „es handelt sich bei der ganzen Sache nur um eine unbedeutende Kleinigkeit, eigentlich mehr um eine Unterhaltung für Sie als eine Arbeit.“ „Er drückt mir das Herz ab mit seinem kalten Hohn,“ flüsterte die Arme leise vor sich hin. „Ich bin mit ihm übereingekommen,“ fuhr Siftly fort,„daß Sie nur vorläufig in den nächsten vier Wochen, in meinem von heute an etablierten neuen Zelte jeden Abend bloß zwei Stunden spielen sollen. Da es nun—“ „Das kann mein Vater nicht bedungen haben,“ unterbrach ihn Manuela in Todesangst,„das kann, das darf er nicht. Er weiß, daß ich geschworen habe, keinen Fuß wieder in ein solches Spielzelt zu setzen.“ „Man verschwört manches in der Welt, schönste Sennorita,“ lächelte aber der Spieler in unzerstörbarer Ruhe,„ohne imstande zu sein, es durchzuführen. Wie oft habe ich selber schon das edle Spiel verschworen, aber es übt einen so unwiderstehlichen Reiz auf mich aus, daß ich es doch nicht lassen kann. Der Himmel ist außerordentlich nachsichtig mit derlei Schwüren.“ „Niemand, Sir“ sagte da Mrs. Hetson,„wird das junge Mädchen zwingen können, einen solchen Kontrakt, sollte er wirklich schon abgeschlossen sein, zu erfüllen. Er bedürfte jedenfalls erst ihrer Einwilligung...:„ 2Aim uns Wönt. „Man sieht, daß Sie die Gattin eines Advoraten sind, Madame,“ lächelte Siftly verbindlich.„Diese Einwilligung wird aber hier insofern leicht erläßlich, ja sogar ganz unnötig sein, ##usende gebt. Unter normolen Verhältnissen wird er leicht einen Geldgeber finden, der gern bereit ist, dafür, daß er eine so große Summe sicher an einer Stelle unterbringen kann, den Zinsfuß um 1 Prozent zu ermäßigen. Dem kleinen Besitzer geht dieser Vorteil verloren. Er muß das Geld von kleinen Leuten nehmen, denen selbst um jeden Pfennig Zins zu tun ist, oder aber er muß sich an Geldleute wenden, die dafür, daß sie ihr Geld in kleinen Posten anlegen, und ab und zu Verluste haben, auch entsprechend höhere Zinsen berechnen 2. Die Bodenbestellung. Wenden wir uns jetzt der Wirtschaftsführung zu, um zu sehen, wie Licht und Schatten da zwischen Groß und Klein verteilt ist. Es ist endlich Frühling geworden., Frost, Regen und Wind haben im langen Winter die Gebäude arg mitgenommen. Auf dem Felde ist es für die Bestellungsarbeiten noch zu naß und daher die passende Zeit, Zäune und Gebäude in Ordnung zu bringen. Der Großbesitzer mit seinen 3000 Morgen hat seine 17 bis 18 Gebäude auszubessern. Die 100 Kleinbesitzer aber aber haben es mit 300 Gebäuden und Zäunen zu tun. Wieviel Kalk, Ziegel, Dachpfannen, Zement, wieviel Zaundraht, Pfähle und Nägel werden wohl die, 100 Kleinbesitzer mehr brauchen wie der eine Großbesitzer! „Aendern wir jetzt aber der leichteren Darstellung wegen unser Beispiel ein wenig und nehmen an, neben dem Großgut von 3000 Morgen befänden sich die verstreut wohnenden 100 Kleinbesitzer, die je 90 Morgen Land ihr eigen nennen. Die Frühjahrssaatbestellung rückt heran. Es muß künstlicher Dünger auf den Acker gestreut werden. Der Großbesitzer hat sich je nach Bedarf ein paar Eisenbahnwaggons Kunstdünger kommen lassen, bespannt seine Arbeitswagen mit je 4 Pferden und ladet auf jede Fuhre 50—60 Zentner, so daß jedes Pferd 12—15 Zentner Gewicht nach Hause zieht. Die Kleinbesitzer haben, um den teuren Preisen des Hökerkaufmanns auf dem Lande zu entgehen, Kunstdünger kommen lassen. Zur Frühjahrsbestellung braucht jeder von ihnen vielleicht 5 Zentner. Der Dünger ist angekommen, und alle Reektanten werden zur Verteilung zum Bahnhof bestellt.„Nun flettanten werden zur Verteilung zum Bahnhof besteut. Nun holt der Besitzer mit seinem Fuhrwerk ganze 5 Zentner nach Hause. Der Gutskutscher schaffte 50—60 Zentner. Ist der Bahnhof vielleicht etwas abgelegen, dann fällt der Kleinbesitzer von vornberein dem näher wohnenden Kaufmann und seinen höheren Preisen in die Hände,6,., Luggstrent Geider dat Der Kunstdünger ist nun glücklich ausgestreut. Leider hat dabei der Wind einen gewissen Prozentsatz gerade Auf das Feld der bösen Nachbarn getrieben. Der Gutsbesitzer nebenan hat mit seiner Maschine den teuren Kunstdünger in tadellosester Weise gleichmäßig ausgestreut.„ g,1ng gmiz ge, Nun beginnt die Saatvesteuung. Mit seinen von vier kräftigen Pferden gezogenen schweren Kultivatoren, denen entsprechend vierspännige Eggen folgen, arbeitet der Großbesitzer seinen Acker in tadellosester Weise vor. Zwei= bis dreimaliges Ueberarbeiten mit den schweren Apparaten haben genügt, den Boden so durchzuarbeiten, daß die Einsaat mit der Drillmaschine vorgenommen werden kann. Bei den langen Streifen bringt die Drillmaschine ungemein viel Nutzen. Gegenüber der früher üblichen Handsäerei resp. dem Arbeiten mit der Breitsäemaschine wird durch die Drillmaschine, die jedes Korn in die Erde bringt, ein Drittel an Saatgut gespart. Außerdem kommt die Saat in die vorschriftsmäßige Tiefe, was ein sicheres und gleichmäßiges Aufgehen verbürgt. Der Kleinbesitzer nebenan hat auch mit der Saatbestellung begonnen. Statt des teuren Kultivators hat er zum Voreggen sogen. Schareggen, die Zinken mit sogen. Gänsefüßchen haben oder etwas ähnliches. Der Apparat muß seinen beiden schwachen Pferdchen angepaßt sein, ebenso die anderen Eggen. Nach dem mechauischen Prinzip.„was am Wege verloren geht, wird an Kraft gewonnen“, arbeitet er um so öfter über dieselbe Stelle und erzielt doch nicht die nötige tiefgründige Lockerung und Herausbringung von Quecke usw. Dafüx stampfen die Pferdehufe durch das öftmalige Herumdrehen auf derselben Stelle den Acker tüchtig fest, namentlich wenn der Boden noch nicht so richtig trocken ist,..1656.#e Dr Umaschine 36 en. Dann kommt das Säen selbst. Eine Drillmaschine ist für 30 Morgen zu teuer. Der Kleinbauer sät mit der Hand. Das ist natürlich immer mehr oder weniger unvollkommen. Damit überall wenigstens die Minimalanzahl von Körnern hinfällt, wird auf vier Fünftel des Ackers Saatgut verschwendet. Ein im Verhältnis zur Fläche sehr großer Prozentsatz an Saatgut fällt auf die Grenzraine und Grabenkränze. Ebenso ist es mit dem Aussäen der teuren Kleesaat. Der Großbesitzer hat auch für diesen Zweck eine tadellos funktionierehde Maschine. Der Kleinbesitzer kann sich nicht alleryand und Bodenverhältnissen würden diese Leute ihre speziellen Kenntnisse und Veranlagungen zum Segen für sich und andere entfalten können, wenn sie nur mehr Bewegungsfreiheit hätten. 30 Morgen ist eine kleine Fläche. Verschiedene Sorten derselben Getreideart lassen sich da nicht sehr gut anbauen und namentlich ist ein Weiterzüchten nicht möglich. Schon von den Grundstücken der vielen kleinen Nachbarn treibt bei den Windblütlern die Luft den Blütenstaub an den verkehrten Ort. Aber auch bei den Insektenblütlern, z. B. den Leguminosen, wird bei nahe beieinander liegenden Pflanzensorten derselben Art eine ewige Kreuzung stattfinden. Unsere Kleinbesitzer werden ihre Spezialität nicht entfalten können. Auch der Mangel an genügend getrennten Aufbewahrungsorten auf dem Gehöft verbietet es. Sie werden das dem großen Nachbarn nebenan überlassen müssen, der bei seinen Versuchen die zu beobachtenden Getreidesorten so weit voneinander entfernt anbauen kann, daß eine nicht gewollte Vermischung runlichst vermieden werden wird. Nur nebenbei sei erwähnt, wie diesen Kleinbesitzern immer die Gefahr droht, daß, wenn sie mit vieler Mühe und Arbeit ihren Acker von Unkraut möglichst befreit zu haben glauben, durch nachlässige Nachbarn diese Hoffnung illusorisch gemacht wird. Sie haben ihr Feld gut bestellt und für reines, unkrautfreies Saatgut gesorgt; da betrachten sie eines Tages ihr Feld und sehen, wie das Unkraut lustig in die Höhe schießt. Der böse Nachbar trägt die Schuld. Der Großbesitzer riskirt in dieser Hinsicht immer nur einen für seine Verhältnisse kurzen, schmalen Streifen an irgend einer Grenze Nun kommt das Kartoffelsetzen an die Reihe. Zu diesem Zwecke muß der für die Kartoffeln bestimmte Acker gründlich und recht tiefgründig durchgearbeitet werden. Bei dieser Arbeit ist unser Großbesitzer mit seinen schweren Gerätschaften und Pferden dem Kleinen natürlich wieder überlegen. Beim Setzen selbst dürfte Wind und Sonne zwischen Groß und Klein ebenfalls ungünstig verteilt sein. Das Setzen mit dem Spaten hat der Kleinbauer in der Hauptsache aufgegeben, weil die Reinhaltung der Lartoffein mittels Handhacke gai zu viel Arbeit verursacht und mittels Häufelpflug ebenso gut besorgt werden kann. Auch der Kleinbauer setzt heutzutage die Kartoffeln hinterm Pflug in langen Reihen. Der Unterschied ist auch da wieder der, daß die Arbeit bei den längeren Reihen des Großbesitzers besser schafft und bei dem selteneren Kehren nicht so viel Saatgut zerstört wird. Der Großbesitzer schafft sich oft auch ein Pfluggerät an, mitels dessen der Kartoffelacker gerillt oder gekämmt wird. In die Rillen werden die Kartoffeln gelegt und die Rillen einfach zugeschleppt. Derselbe mehrscharige Apparat wird nachher auch zur Lockerung und Reinhaltung benutzt. Der Kleinbesitzer kann sich nicht für jeden Zweck verschiedene Geräte anschaffen. Beim Behäufeln gereichen die kurzen Reihen dem Kleinbauern wiederum zum Nachteil. Zeit und Kraft gehen verloren und viele Stauden werden beim Kehren geschädigt. Bei der Kartoffelernte nun ist heute der Großbesitzer dem Kleinbauern weit überlegen. Ersterer bespannt seine Kartoffelaushebemaschine, die sehr viel Arbeit spart. Der Kleinbauer kann diese Maschine nicht anwenden. Einmal verhindern dieses die kurzen Reihen, und dann sind für diese Maschine vier recht kräftige Pferde nötig, die je zwei und zwei voreinander gespannt werden müssen. Der Kleinbauer wird verdammt sein, im Schweiße seines Angesichts ewig seine Kartoffeln mit der Handhacke aus der Erde zu buddeln. Bei günstigem Wetter beginnt nun auch bald das Rübensetzen. Der Kleinbauer besetzt gemeinbin einen weit größeren Prozentsatz seiner Fläche mit Futterrüben wie der Großbesitzer. Finden wir vielleicht hierbei eine Ueberlegenheit des Kleinbetriebs über den Großbetrieb? Das Setzen der Rüben bereitet viel Arbeit. Die Pflanzen werden in der Regel auf besonders kräftig gedungten und geschützt liegenden Beeten herangezogen. Schon hier müssen die Setzpflanzen reingehalten und womöglich öfter gegossen werden. poß er2 geworden dann werden sie abgezogen um hochgerechnet, einen Durchschnittsertrag von 300 Zentnern ben. Rechnet man pro Zentner Futterrübe 50 Pfennig, so würde das also einen Bruttoertrag von 150 Mk. pro Morgen geben.„ 9 6eBeim Kartoffelbau erzielt man pro Morgen einen Ertrag von 100 Zentnern, das ist nicht besonders hoch gegriffen, aber wenn man die Kartoffeln auf einem Acker bauen würde mit entsprechendem Di. ger, wie ihn die Rübe, um überhaupt zu gedeihen, notwendig braucht, dann müßten wir Ertzäge von 120 bis 130 Zentnern pro Morgen annehmen. Berechnen wir die Kartoffeln pro Zentner mit 1,50 Mk., was nicht sonderlich hoch gegriffen ist, dann beträgt der Ertrag pro Morgen 150—195 Mk pro Morgen. Dieser Ertrog ist aber erzielt mit verhältnismäßig geringem Arbeitsaufwand, während die Rüben, um 300 Zentner zu geben, ungeheure Arbeit erDer Großbesitzer wird also seinen Kleinnachbar ruhig seine teuren Rüben bauen lassen, während er selber mit Hilfe der Kartoffelaushebemaschine zum rentableren Kartoffelbau überGewiß hat der Bauer von den Rüben deren Blätter er täglich bricht, den ganzen Sommer hindurch Vorteil aber die Ruben quittieren diese Behandlung dann natürlich durch sprechend geringeren Ertrag bei der Ernte. . 3. Die Viehweide. Nun ist mittlerweile das Nutzvieh auf die Weide gejagt. Der Großbesitzer nebenan hat seine Kühe und sein Jungvieh in eingezäunte große Weidegärten getrieben, die an passenden Stellen angelegt sind, oder er hat vorhandene Wiesenflächen benutzt. Geeignete Tränkteiche, falls keine natürlichen Wasserläufe bei Anlage der Gärten berücksichtigt werden konnten, sind gegraben. Hier können die Tiere nach Belieben ihren Durst stillen. fache Schuppen können errichtet werden, in welchen die Tiere zur Nacht, bei ungünstiger Witterung oder gegen die sengenden Strahlen der Mittagsonne Schutz suchen können Jedes Tier, sei es Milchkuh oder Jungvieh, kann sich hier in diesen weiten Gärten das ihm am meisten zusagende Futter auswählen oder an der Stelle fressen, wo dasselbe Futtergras infolge anders zusammengesetzten Bodens einen anderen Geschmack angenommen hat. Jedes Tier kann ganz nach Belieben die ihm zum Fressen am meisten zusagende Zeit auswählen, ebenso entsprechend sein Trink- und Ruhebedürfnis befriedigen. Selbstredend wird die Milchkuh dafür durch erhöhte Milchproduktion dankbar sein, ebenso wie Jungvieh durch schnelleres Wachstum resp. vermehrten Fleisch= und Fettansatz diese Weidegärten lohnt. Auf dieser Erfahrung fußend, sind heutzutage die Gutsbesitzer allgemein bestrebt, sich entsprechende Weidegärten anzulegen. Die Ersparnis der Arbeitskaft zum Hüten wird nebenbei natürlich auch noch gerne mitgenommerg, zngßf iun Gafagung basfend Der Kleinbauer hat keine Auswahl zur enlegung passender Weidegärten. Er kann auch sowieso keine anlegen, denn sonst bleibt ihm ein zu geringer Teil des Ackers für den Fruchtwechsel. Feldfrüchte, die er in gewisser Menge notwendig anbauen muß, würden zu oft auf dieselbe Stelle kommen. Für wenige Stücke Vieh einen Garten mit Zaun zu machen und zu unterhalten. ist auch verhältnismäßig teuer. Zwischen Zaun und Acker geht außerdem wieder ein Streifen Land verloren; kurz, er muß seine Kühe und sein Jungvieh auf der Weide anbinden. Da bekommt nun jedes Stück, ob Milchkuh, Jungvieh oder Schaf, seinen besonderen Wirkungskreis angewiesen. Sparsam Lnuß umgegangen werden, mit der Weide. Soweit die Leine icht, ist innerhalb der Kreises alles kabl abgefressen, und die Tiere haben gewöhnlich einen sichtbaren Steg in Halbkreisform an der Grenze zwischen neuer Weide und der abgefressenen ausgetrampelt. Welche Tantalusqualen müssen die Tiere da oftmals ausstehen auf dürrer Heide, von bösen Verhältnissen im Kreise herumgeführt, und ringsherum ist schöne, grüne Weide! auf kommt was sehr viel Arbeit verursacht. Sehen wir einmal näher zu. Der Großbesitzer benutzt, wenn er großen Rübenbau treiben will, unter Umständen seine Drillmaschine und drillt die Rübenkerne, dann fällt die Aufzucht der jungen Pflanzen auf besonderen Beeten, ihr Versehen und eventuelles Gießen wez. Allerdings wird dabei viel mehr Saatgut gebraucht und die aufgehenden Pflanzen müssen verzogen werden, was ebenfalls große Arbeit verursacht. Indes kann hinterher der Großbesitzer mit geeigneten Rübenhackmaschinen die gröbste Arbeit des Bodenlockerns und im ganzen Jahre braucht. Auch eine genossenschaftliche An und, Hackens, pird bier Handarbeit bleiben. schaffung solcher Maschinen ist schwer„moglich, denn, wenn die] Beim Ruvenvat Zeit da ist und das Wetter günstig, muß von allen gesät werden. Oft werden die frühen Morgenstunden, so lange ein etwaiger Nachtfrost das Betreten der Winterfelder, ohne dort Schaden anzurichten, noch möglich macht, zur Aussaat von Klee und Samereien benutzt. Bei diesen teuren Sämereien wird der Bauer durch seinen rückständigen Handbetrieb empfindlich geschädigt. Jeder plötzliche Windstoß treibt diese bekanntlich nur mit drei Fingern gestreute teure Saat an die falsche Stelle. Doch noch etwas anderes. Unter den 190 Kleinbesitzern befinden sich sicher einige, die das Talent haben, Saatgetreide als Spezialität zu züchten. Durch Auslesen der Getreidestauden resp. der Aehren, durch Kreuzung verschiedener Getreidesorten miteinander, durch Auswahl passenden Bodens, durch vergleichende Beobachtung des Wachstums und der Erträge verschiedener Getreidesorten unter denselben Saat=, DüngungsBeim wruvenbau ist fraglos der Kleinbesitzer seinem großen Nachbarn überlegen. Wahrend der Kleinbesitzer von seinen 30 Morgen einen bis zwei Morgen Rüben, also den dreißigsten bis fünfzehnten Teil seines Areals setzen und bearbeiten kann, wird der Großbesitzer von 3000 Morgen reichlich zu tun haben, wenn er 50 Morgen, also den sechzigsten Teil seines Besitzes mit Rüben bepflanzen und diese von seinen Leuten bearbeiten lassen will. Also der Kleinbesitz wäre hier dem Großbesitz überlegen, wenn — ja wenn die Kartoffelaushebemaschine nicht gekommen wäre und wenn die Kartoffel nicht einen viel höheren Ertrag vom Boden geben würde. Das einzige Argument, das der Kleinbesitz zuungunsten des Großbesitzes in die Wagschale werfen konnte, nämlich den Anbau von Hackfrüchten, das hat die Kartoffelaushebemaschine über den Haufen geworfen. P45g eigem Miantef Eeitar et Von einem Morgen resp. einem Viertei Hettar erzieit, man, da Sennorita Manuela noch unmündig ist und unter dem Willen und Befehl ihres dafür verantwortlichen Vaters steht. Die Sache ist aber auch wirklich viel zu unbedeutend, ein großes Aufheben darum zu machen. Zwei Stunden an jedem Abend sind laum der Rede wert."„ 46 „Ich spiele nicht!“ rief da Manuela so entschlossen und gereizt, daß sie in diesem Augenblicke selbst die Scheu vor dem ihr sonst so furchtbaren Menschen überwand.„Und wenn mein Vater sein Kind aufs neue verkauft hätte, das Gesetz wird mich schützen, und die Hand soll verdorren, die je wieder einen Bogen zu Eurem falschen, tückischen Spiele führt.“ Siftly sah, still lächelnd bei den heftigen Worten, vor sich nieder und sagte dann freundlich:„Ereifern Sie sich nicht, Sennorita; das: Unabänderliche erscheint uns oft schwer, nicht Ihnen teilen möchte. Und nun komm, Manuela, komm, mein Herz; weniger Beleidigung haben wir von den roten Kindern dieser Wildnis zu fürchten, als von dem Weißen, der sich einen Freund meines Mannes und einen Amerikaner nennt!“ Und rasch des Mädchens Hand ergreifend, eilte sie mit ihr den Abhang hinunter, um sobald als möglich das Lager wieder zu erreichen. Siftly blieb mit verschränkten Armen, die Zähne fest aufeinander gebissen, stehen und sah den beiden mit seinem boshaften Lächeln nach; aber es war augenscheinlich, daß er von seiner wahr, Mrs. Hetson? Aber wir lernen uns doch zuletzt drein Drobung einen anderen Erfolg erwartet Hattez., 1.1. t, u fügen, wenn wir eben sehen, es geht nicht anders.“„Bah, zum Teufel auch, murmelte er endlich leise vor sich Mr. Hatson mieh nie engeben daß es goschfoht“ sagte die hin,„geh, du tollköpfig zing, und arbeite mir selber derweile „Wr. Heison wird nie zugeben, daß es geschieht,“ sagre die Frau selber erregt. „Er wird es nicht hindern können, beste Madame,“ erwiderte Siftly achselzuckend,„nach unsern in den Minen giltigen Gejetzen müssen vor allen Dingen Spielschulden in Ehren gehalten und eingelöst werden.“ „Also verspielt, auf eine Karte gesetzt das eigene Kind!" stöhnte Manuela und barg schaudernd das Antlitz in „Nein, das soll, das darf nicht sein!“ rief aber entrüstet.„Was auch Ihre Gesetze hier sagen und behaupten mögen, Sir, die Gesetze der Menschlichkeit sagen nein und abermals nein. Manuela steht unter unserem Schutz, und gegen ihren Willen soll sie nicht gezwungen werden, sich zu opfern. Heison wird mir die Bitte nicht abschlagen.“ „Wenn ich Sie nun bäte, Mrs. Hetson,“(agte da Sitzlg mit derselben lächelnden frechen Ruhe,„mein Fursprecher bei Ihrem Gatten zu werden, und dafür dieses angenehme Zusammentreffen mit einer alten Bekanntschaft, Mr. Charles Golway, vergessen wollte? Manuela wird der Freundin gern dieses Opfer bringen, wenn es wirklich mit einem solchen Namen Mrs, Heison fühlte, wie ihr däs verräterische Biz., Pargen ud Schlätz fürbte, Woiperzalhaisen pr.sie alhof der Mieza mehr von ihren Verhältnissen wuhle, uls sie bis sahin aigene„Kind!“ Hetson nicht zum Alcalden gemacht. Indessen werd ich—#e den Händen. was ist, vas; unlerhrucher su„„zeich elbst,„die M Mrs. Hetson; da drüben haben eine Flagge aufgegiß.: Soulen die feige ind behaupten Sennores doch am Ende Exnst, machen wollen, und, mit de vor ihr mer vor. Dein aner Galan hätte mir aber zu keiner gelegeneren Zeit hier in den Bergen auftauchen können, und daß ich seine Nähe benutzen werde, dafür laß mich sorgen. Was aber die trotzige Dirne betrifft, verdammt will ich sein, wenn ich mir die Beute wieder aus den Fingern schlüpfen lasse; umsonst habe ich Hetson nicht zum Alcalden gemacht. Indessen werd ich— ha, ist das? unterbrach er sich plötzlich he#ost,„die Mexikaner igen doch am Ende Ernst machen wouen, und mit der Bande Indianer hier herum? Wenn ich nur mein Pferd hätte, daß das nicht am Ende den verwünschten Rothäuten als Braten in die Hände fällt."..2 wue hin„ a4 F 2 zn, Er blieb noch unschlüssig, wohin er sich wenden solle, eine Weile stehen; die Sorge um seine eigene Sicherheit war jedoch stärker als die, sein Pferd wiederzubekommen, denn er wußte recht gut, daß er, sobald die Feindseligkeiten wirklich einmal ausgebrochen waren, hier am meisten der Gefahr ausgesetzt war, von den Indianern abgeichnitten zu werden. Jedenfalls bezeugte die Flagge im mexikanischen Lager, daß die Burschen dort drüben gemeinsames Handeln beraten hätten, und mit einem lästerlichen Fluche den Poncho um sich herumwerfend, schritt der Spieler denselben Pfad, den ihm die Frauen voran geeilt waren, in das Lager zurück.(Fortsetzung folgt. Der en Besitzekn der Tiere hinwieder erwächst eine stete Arbeit geahnt, und in gerechtem Zorn dem unwürdigen Verdachte gegenüber, rief sie:„Was auch Ihre versteckte Drohung bedeutet, Sir, sie sollen erfahren, daß sie machtlos an mir abprallt. Ich habe kein Geheimnis vor meinem Gatten, keins, das ich mit) brininfzer Hlseinbesiter kann die Mähmaschine nicht verwenden. Nuf seinen vielleicht je einer Hektar großen beider Futtermit ihnen. Beim Großbesitzer hat die Erfahrung gezeigt, daß die Tiere am besten gedeihen, wenn sie so wenig wie möglich gestört werden; wohl müssen die Tiere natürlich gemelkt werden, aber im übrigen ist es am zweckmäßigsten, so selten wie möglich in den Weidegarten hineinzugehen, man kann die Tiere sehr gut durch ein Glas beobachten. Dagegen muß unser Kleinbauer immerwährend hin und her laufen. Da muß der Pflock aus der Erde gezogen und an anderer Stelle wieder eingehämmert werden; da hat sich ein Tier in der Leine verwickelt oder die Kreise des anderen gestört; da muß Tränkwasser getragen werden; da müssen die Tiere zur Nacht in den Stall und a## Morgen auf die Welde geführsicheiosreigent sönnten. Ein ansersal hat sich wiesen als ihr so behagt, daß es sich, als der, unerlaubte Seitensbrung plötzlich bemerkt wurde, durchaus nicht greifen lassen will und durch sein Laufen mit dem nachschleppenden Ende der Leine die ärgsten Verwüstungen anrichtet und schließlich die anderen auch in Aufregung und Rebellion bringt. Auch die Tiere wollen sich nicht an die Scholle fesseln lassen. Besonders Schafe, die bekanntlich nicht sonderlich intelligent sind, pflegen die geringste ihnen unerwartete Erscheinung damit zu quittieren, daß sie mit einem mächtigen Anlauf den Erdpflock lösen oder die Leine zerreißen und sich auf dem Hofe in Sicherheit bringen. Wem wurde nicht schon ein verzweifelter oder wütender Blick von ehrsamen Bauersleuten nachgesandt, wenn sein unschuldiges Hündchen, das er spazieren führte, die angebundenen Bauernschafe in die wildeste Flucht trieb! 4. Die Ernte. Mittlerweile ist die Zeit der Futterernte herangerückt. Der Großbesitzer bespannt seine Mähmaschinen, und je nach der Anzahl der Mähmaschinen, die er arbeiten läßt, hat er es ganz in der Hand, die Futterernte zu beschleunigen. Heuwender, Pferderechen und neuerdings sogar eine verbesserte Harkmaschine, die das Futter gleich in reguläre kleine runde Haufen zusammenauf seinen vielleicht se Leinen Heltal, gtyßen„beiben Fugles. schlägen, die vielleicht noch durch ein Getreidefeld getrennt sind, lohnt es nicht, die Maschine anzuspannen, abgesehen von den für ihn unerschwinglichen Anschaffungskosten.„Er müßte, um mit der Maschine beginnen zu können, sowieso erst mit der Sense rings um die Fläche einen Strich vorhauen. In die Ecken kommt die Maschine ebenfalls nicht hinein, und überhaupt bei den scharfen Kurven, die die kleine Fläche der Maschine gleich bietet, arbeitet dieselbe nicht besonders, es muß immer mit der Hand nachgeholfen werden. Eine Harkmaschine kann auch unser Kleinbesitzer anwenden, er kann diese aber nicht kleiner oder billiger kaufen wie der Großbesitzer. Er müßte eine Harkmaschine für 30 Morgen haben, während 5—6 Pferderechen unserem, Grundbesitzer für 3000 Morgen reich! unserem, Grundbesitzer für 3000 Morgen geichlich genügen. Ene genossenschaftliche Anschaffung, all dieser Maschinen finder ihre Verhinderung darin, daß diete Maschinen, wenn sie überhaupt in Arbeit treten, von allen Besitzern zu gleicher Zeit gebraucht Nun beginnt das Einbringen des trockenen Futters. Der Großbesitzer richtet seine richtig besetzte Partie ein, wie hier der Ausdruck dafür lautet. Je nach der Entfernung des Futterschlags werden 3, 4 oder auch 5 und mehr möglichst lange Leiterwagen bespannt. Zwei. Staker neben dem„Wagen, zwei Lader auf demseiven, ein Weiterfayrer und ein Pferderechen hinter dem Wagen bilden die Arbeitskrafte draußen auf dem Futterschlag. Ist der erste Wagen vollgeladen. so steht schon der zweite bereit, um an seine Stelle zu rücken usf. Das erste Fuder ist mittlerweile auf den Gutshof gelangt und vor den Schuppen gefahren. Der Kutscher spannt sofort die Pferde ab und despannt einen bereitstehenden weiteren Wagen, den sogenannten Wechselwagen, und fährt wieder aufs Feld. Zwei Staker haben mittlerweile schon begonnen, das Fuder leerzumachen Das gereicht wird, weiterbBei diesem Betrie Müßigseins für Mense einmal in Betrieb ge allem sich selber imm Gangart weiterzulaufe Tätigkeit in der Haup nis sozusagen vor den Wagen, der schadhaft sammenbrechen ein an einen Ecke des Feldes muß der Inspektor das vorletzte Fuder br noch ein dritter Wager fahren werden muß 1 Und unser Kleinb Pferdchen an den ent Mit seiner Frau allei Seine Kinder müssen chaft auf den Futtersch zugelchen, die Frau! fährt weiter. Endlich Karawane begibt sich erklettern auf einer H seiner Kleinheit die Oteln, die sich schlecht viel größeren Prozen Schuppen des Großb Fuder und reicht das derweilen in der Son Frau Bäuerlein und? steige wieder nach un insentarium unseres und so fort. Das ist hier im „Ut mine Stromtid“ Wenn nun gar di Arbeit muß gemacht: geschehen. Das Fude steigen vom Wagen und dauerndes Siecht Nebenan beim:e eventuell entsprechend Erau, die ihrer Entb veir nicht machen, ur genug vorhanden. Die Futterernte i nicht begonnen. Der häufelt die Kartoffeln brache gelassen, welch war. Es ist jetzt Zei Der Großbesitzer. recht teuer ist, und h raten, dem Unkraut Unser Bäuerlein arb und bekommt doch d schichten. Nun wird starker Regen gekomn ist nach dem Pflüge beim Eggen gibt es s nicht bleiben, der Acke seine schwere Walze und zermürbt die Erl walzel zu Beutelmel Auch er bespannt se zwei Pferdchen bered keinen Eindruck, er m seines Angesichts noch besitzers nebenan na trällernd davonfährt. Mittlerweile ist di holt sich das Spiel, de haben. Getreidemäh beiten beim Großbesit noch mit der Sense stark gelagertem Get schiedenen Formen ar meines Wissens bis nicht viel besagen; in Diese verhältnism kann der Kleinbauer auf dem Wege der C Getreide mähen, bink Während bei schö dem Gutshof wieder verlust und unnötige die geräumigen Sche hofsbevölkerung wied Wenn Ziegel mö Baues befördert wer bracht, und keine be vorhanden sind, dani Kette, und es wander die Leiter auf und muß ebenfalls der Ei kette fliegen, und in Dem Großbesitzer Scheunenfächer und diversen Getreidesort und zum Verkauf! kann. Unser Kleinbesitze getrennte Gelasse in verschiedenen Getrei Weizen, Hafer, Ger Saatklee usw., so au arten sich nicht vermi Säen an den Gren schiedenen Sorten du Die Ernte ist n Scheunen geborgen. ständigen Wetters w Fuder zu dreschen. netem Platze aufgeste treidefuder an den T das Getreide den Eir zugereicht. Welche daraus dem Großbes reichlichen Ernte Se Stroh, das der von zu Haufen türmt, n Getreide dafür in di an Arbeit; denn um treide später zu dresc hinausbewegt werden Not eingebracht wor zur Bestellung der A 300 Zentnern Rüse 50 Pfennig, so Mk. pro Morgen rgen einen Ertrag och gegriffen, aber bauen würde mit n überhaupt zu geErträge von 120 mit 1,50 Mk., was jat der Ertrag pro r Ertrag ist aber saufwand, während geheure Arbeit errachbar, ruhig seine ber mit Hilfe der Kartoffelbau überderen Blätter er Vortell, aber die atürlich durch entWeide gejagt. Der n Jungbieh in eini vassenden Stellen asseriabenutpzt. Bee#läufe bei Anten, sind gegraben. Durst stillen. Einwelchen die Tiere jegen die sengenden nnen b, kann sich hier in sagende Futter ausFuttergras infolge ren Geschmack angeelieben die ihm zum ählen, ebenso entefriedigen. Selbstste Milchproduktion nelleres Wachstum Weidegärten lohnt. ge die Gutsbesitzer rten anzulegen. Die nebenbei natürlich Anlegung passender anlegen, denn sonst r den Fruchtwechsel. ndig anbauen muß. Für wenige Stücke ind zu unterhalten. Zaun und Acker verloren; kurz, er Weide anbinden. kuh, Jungvieh oder jewiesen. Sparsam Soweit die Leine abgefressen, und die g in Halotreisform abgefressenen ausdie Tiere da oftn Verhältnissen im höne grüne Weide! hst eine stete Arbeit rung gezeigt, daß die tig wie möglich gelich gemelkt werden, selken wie möglich die Tiexe sehr gut unser Kleinbauer ruß der Pflock aus ieder eingehämmert verwickelt oder die asser getragen werStall und a### Moracht dürfen sie nicht ten. Ein andermal dungers stärker erefaulten Leine; das eidefeld, woselost es aubte Seitensdrung fen lassen will und Ende der Leine die ch die anderen Tiere Auch die Tiere Besonders Schafe, sind, pflegen die amit„zu guittieren, Erdpflock lösen oder Sicherheit bringen. lter oder wütender ndt, wenn sein une, die angebundenen herangerückt. Der und je nach der Anißt, hat er es ganz nigen. Heuwender, esserte Harkmaschine, e Haufen zusammenne nicht verwenden. ßen beiden Futterdefeld getrennt sind, abgesehen von den en. Er müßte, um o erst mit der Sense nen. In die Ecken und überhaupt bei der Maschine gleich muß immer mit der zine kann auch unser r nicht kleiner oder müßte eine Hark5—6 Pferderechen ichlich genügen. Eine kaschinen findet ihre wenn sie überhaupt eicher Zeit gebraucht lenen Futters. Der artie ein, wie hier tfernung des Futteröglichst lange Leitersagen, zwei Lader auf derechen hinter dem uf dem Futterschlag. son der zweite bereit. ste Fuder ist mittlerden Schuppen gePferde ab und besen, den sogenannten Zwei Staker haben leerzumachen Das den Stall gereicht. s Schuppens 6, 8, 10 e es von den Stakern gereicht wird, weiterbefördern und sachverständig aufschichten. Bei diesem Betriebe gibt es kaum einen Augenblick des Müßigseins für Mensch und Pferd. Es ist wie ein Uhrwerk, das, einmal in Betrieb gesetzt, wie von selber weiterläuft und vor allem sich selber immer wieder den Antrieb gibt, in gleicher Gangart weiterzulaufen. Der Herr resp. der Inspektor hat seine Tätigkeit in der Hauptsache darauf zu beschränken, jedes Hindernis sozusagen vor dem Entstehen hinwegzurüumen. Für einen Wagen, der schadhaft zu werden beginnt, anuß vor seinem Zusammenbrechen ein anderer einrangiert werden. Wenn in der einen Ecke des Feldes die letzten Fuder geladen werden, dann muß der Inspektor taxieren können und achtgeben, daß schon das vorletzte Fuder breiter und voller geladen wird, damit nicht noch ein dritter Wagen vielleicht nur halbvoll nach dem Hofe gefahren werden muß usw. Und unser Kleiubäuerlein! Auch er spannt seine beiden Pferdchen an den entsprechend kleinen Wagen zum Futterholen. Mit seiner Frau allein kommt er dabei schon gar nicht zurecht. Seine Kinder müssen mithelfen. Nun fährt die ganze Gesellschaft auf den Futterschlag. Der Bauer reicht das Futter auf das Wägelchen, die Frau ladet, ein Kind harkt nach und ein anderes fährt weiter. Endlich ist das Fuder vollgeladen und die ganze Karawane begibt sich zurück nach dem Hof. Frau und Kinder erklettern auf einer Hühnersteige den Schuppen, bei dem infolge seiner Kleinheit die Ecken, der Dachfirst und die sogenannten Okeln, die sich schlecht und beschwerlich vollstopfen lassen, einen viel größeren Prozentsatz ausmachen wie auf dem geräumigen Schuppen des Großbesitzers. Unser Bäuerlein erklettert das Fuder und reicht das Futter nach oben, während die Pferdchen derweilen in der Sonne träumen. Endlich ist das Fuder leer. Frau Bäuerlein und die Kinder klimmen die gefährliche Hühnersteige wieder nach unten, und das gesamte lebendige Arbeitsindentarium unseres Kleinbetriebes pilgert wieder aufs Feld und so fort. Das ist hier im kleinen das, was Fritz Reuter in seinem „Ut mine Stromtid“ bei Fritz Triddefritz verspottet hat. Wenn nun gar die Bäurin Mutterfreuden erwartet? Die Arbeit muß gemacht werden. Aber wie leicht ist da ein Unglück geschehen. Das Fuder rutscht oder kippt, beim Auf= und Absteigen vom Wagen oder dom Schuppen ein kleiner Fehltritt, und dauerndes Siechtum kann die Folge sein. Nebenan beim einsichtigen Großbesitzer, dessen Einsicht eventuell entsprechende Gesetze noch erhöht haben, wird eine Frau, die ihrer Entbindung entgegensieht, solche gefährliche Arheit nicht machen, unter den 36 Arbeiterfrauen ist Auswahl genug vorhanden. Die Futterernte ist jetzt beendet, die Getreideernte hat noch nicht begonnen. Der Bauer hackt seine Rüben, der Großbesitzer häufelt die Kartoffeln, irgenwo haben beide ein Stück Schwarz= brache gelassen, welches besonders verunkrautet und verqueckt war Es ist jetzt Zeit, das in Ordnung zu bringen. Der Großbesitzer geht vielleicht mit einer Scheibenegge, die recht teuer ist, und hinterher wieder mit seinen schweren Apparaten, dem Unkraut zu leibe und hat es bald unterbekommen. Unser Bäuerlein arbeitet sich mit seinen leichten Geräten ab und bekommt doch die Quecke nicht aus den tieferen Ackerschichten. Nun wird die Brache tief gepflügt. Es ist vorher starker Regen gekommen. Eine tiefliegende naßgründige Stelle ist nach dem Pflügen vom Sonnenbrand zusammengetrocknet, beim Eggen gibt es Kluten wie Kinderköpfe groß. So darf das nicht bleiben, der Acker wird nicht gar. Der Großbesitzer spann. seine schwere Walze respektive Kroskel oder Schouenbrecher an und zermürbt die Erdschollen durch ein= bis zweimaliges Ueberwalzel zu Beutelmehl. Unser Bäuerlein will's nachmachen. Auch er bespannt seine Walze. Vergebliche Mühe. Die für zwei Pferdchen berechnete leichte Walze macht auf die Kluten keinen Eindruck, er muß zum Schlägel greifen und im Schweiße seines Angesichts noch arbeiten, während der Kutscher des Großbesitzers nebenan nach schnell vollbrachter Arbeit ein Liedchen trällernd davonfährt. Mittlerweile ist die Getreideernte herangerückt. Hier wiederholt sich das Spiel, das wir schon bei der Futterernte beschrieben haben. Getreidemähmaschinen der verschiedensten Sorten arbeiten beim Großbesitzer. Lagerstellen müssen allerdings auch da noch mit der Sense genommen werden. Mähmaschinen, die in stark gelagertem Getreide arbeiten, werden wohl schon in verschiedenen Formen auf den Markt gebracht, sie haben sich aber meines Wissens bis jetzt noch nicht bewährt. Das will aber nicht viel besagen; in der Hauptsache arbeiten die Mähmaschinen. Diese verhältnismäßig teuren und schwerfälligen Maschinen kann der Kleinbauer selbstredend niemals anwenden, auch nicht auf dem Wege der Genossenschaft. Mit der Hand muß er sein Getreide mähen, binden und harken. Während bei schönem Erntewetter die Einfahrtpartien auf dem Gutshof wieder in Gang gebracht werden und ohne Zeitverlust und unnötige Kraftverschwendung Fuder auf Fuder in die geräumigen Scheunen rattern, pendelt die gesamte Bauernhofsbevölkerung wieder hin und her zwischen Feld und Scheune. Wenn Ziegel möglichst schnell in eine höhere Etage eines Baues befördert werden sollen, oder Pfannen auf das Dach gebracht, und keine besonderen mechanischen Vorrichtungen dafür vorhanden sind, dann bilden die Arbeiter auf der Leiter eine Kette, und es wandert nicht jeder einzelne mit ein vaar Ziegeln die Leiter auf und ab. Wenn's wo brennt und Eile not tut, muß ebenfalls der Eimer von Hand zu Hand durch die Menschenkette fliegen, und in der Erntezeit brennt's. Dem Großbesitzer stehen nun 20 und mehr verschiedene Scheunenfächer und Tennen zur Verfügung, in die er seine diversen Getreidesorten fahren und namentlich das zur Saat und zum Verkauf bestimmte Getreide gesondert aufbewahren kann. Unser Kleinbesitzer hat im besten Falle 4 bis 5 voneinander getrennte Gelasse in seiner Scheune. Wie soll er da nun die verschiedenen Getreidesorten, wie Erbsen, Wicken, Roggen, Weizen, Hafer, Gerste, Bohnen, Timothysaat, Menggetreide, Saatklee usw., so aufbewahren, daß die verschiedenen Getreidearten sich nicht vermischen, ganz abgesehen davon, daß schon beim Säen an den Grenzflächen zweier Getreidefelderchen die verschiedenen Sorten durcheinandergelaufen sind. Die Ernte ist nun glücklich vorbei, das Getreide in den Scheunen geborgen. Der Großbesitzer hat eine Zeit des beständigen Wetters während der Ernte benützt, um gleich vom Fuder zu dreschen. Er hat seinen Dampfdreschapparat an geeignetem Platze aufgestellt, und statt in die Scheune sind die Getreidefuder an den Dreschkasten gefahren, und die Staker haben das Getreide den Einlegern, die auf dem Dreschkasten hantieren, zugereicht. Welche mannigfachen Vorteile erwachsen allein daraus dem Großbesitzer. Einmal spart er bei einer besonders reichlichen Ernte Scheunenraum. Er läßt das ausgedroschene Stroh, das der von der Lokomobile gleichfalls betriebene Elevator zu Haufen türmt, natürlich draußen stehen und kann anderes Getreide dafür in die Scheune bringen, dann erspart er tüchtig an Arbeit; denn um das jetzt schon vom Fuder gedroschene Getreide später zu dreschen, hätte es wieder aus dem Scheunenfach hinausbewegt werden müssen, nachdem es vorher mit Mühe und Not eingebracht war. Dann aber hat er gleich sein Saatgut zur Bestellung der Wintersaat fix und fertig. Aus dem Dreschit kasten läuft das Getreide, wenn der Zylinder etwas enger gestellt wird, zur Saat beinahe brauchtbar in die Säcke. Aber noch mehr! Kurz vor der neuen Ernte sind gewöhnlich die höchsten Getreidepreise. Bald nachdem frisches Getreide auf den Markt gebracht ist, pflegen die Preise zu sinken. Der Großbesitzer hat schon verschiedene Eisenbahnwagen mit Getreide befrachtet zur Stadt geschickt und hat schon auf seine Annoncen für den teuersten Preis Saatgetreide verkauft, dann erst kommt der Kleinbauer dazu, seine Dreschmaschine aufzustellen und zu dreschen. Natürlich kommt der Erdrusch dann noch nicht verkaufs= oder#ar saatfähig-aus der Maschine zum Vorschein, sondern muß erst noch durch die Putzmühle wandern. Nach der Getreideernte kommt die Kartoffel- und Rübenernte an die Reihe. Dieses Gebiet haben wir schon oben be handelt. Unser Bäuerlein gräbt im Schweiße seines Angesichtes, der Großbesitzer läßt seine Maschine arbeiten. Bei der Rübenernte, die im allgemeinen wohl dem Groß= wie dem Kleinbesitzer dieselbe Arbeit verursacht, kommt höchstens zugunsten des Großbesitzers in Betracht, daß vier Pferde den im selben Verhältnis beladenen Wagen leichter ziehen wie zwei, schon weil das Gewicht des Wagens mit all dem Schmutze, der im nassen Herbste von den ausgefahrenen Wegen den Rädern usw. mitgegeben wird, sich auf vier Pferde verteilt. Entsprechend kann mehr aufgeladen werden. Belastend für den Kleinbauern ist natürlich auch hier wieder, daß er mit seiner ganzen Karawane vom Hofe zu Felde und umgekehrt wandern muß. Dasselbe gilt auch für das Nachhauseschaffen der Kartoffeln.(Fortsetzung folgt.) Der Kommantsmus des Kinmmons. Ki Der ehemalige amerikanische Präsident Cleveland hat die Betriebs- und Kapitalskonzentration, deren Höchstentwicklung in Gestalt der Truste zuerst und am deutlichsten in Amerika in die Erscheinung trat, als Kommunismus des Mammons bezeichnet. In der Zeit, die vergangen ist, seitdem dieser recht treffende Ausdruck geprägt wurde, hat der mammonistische Kommunismus auch in der alten Welt eine damals ungeahnte Entwicklung genommen. Mit Hilfe des Aktienwesens, von dem einst von einigen Nationalökonomen seltsamerweise eine Demokratisierung des Kapitals erträumt wurde, hat im Gegenteil ein kleiner Kreis von Großkapitalisten durch Heranziehung zahlloser fremder Kapitalien unter Einschränkung des eigenen Risikos die fast unveschränkte Herrschaft auf den wichtigsten Wirtschaftsgebieten erlangt. Immer schneller setzt sich dieser Konzentrationsprozeß, der die gewaltigste wirtschaftliche Macht in die Hände weniger Kliquen gebracht hat und weiter bringt, fort, er vollzieht sich ununterbrochen in Zeiten wirtschaftlichen Niederganges und wirtschaftlichen Aufstieges. Nicht immer tritt der Charakter der Truste und trustähnlichen Organisationen offensichtlich zu Tage, Trustverbindungen werden ihre ausräubernde Politik häufig um so wirksamer betreiben, je weniger ihre Existenz ihren Abneymern bekannt wird. Doch auch ohne Truste kann die Beherrschung wichtiger Marktgebiete in wenige Hände gebracht werden, wie die Vorgänge in der Kohlen=, Eisen-, Elektrizitäts-Industrie und anderen Industrien genügend beweisen! Hier ist dies Resultat durch Konventionen, Kartelle und Syndikate erzielt worden, deren Zahl sich gleichfalls von Tag zu Tag mehrt. Die Auslösung verschiedener Kartelle hat zu dem Schlagwort von der Kartellmüdigkeit geführt, aber seine Urheber mußten bald einsehen, daß Kartellmüdigkeit nur dort herrschte, wo die stärksten Teilnehmer des früheren Kartells die Zeit gekommen jahen, um an die Stelle des Kartells den Trust zu setzen. Die kartellose Zeit ist in Wirklichkeit so nur der Uebergang zum Trust. Eine förmliche Ueberstürzung der Zusammenballung von Unternehmungen der verschiedensten Zweige ist ständig zu konstatieren, nur in den letzten zwei Tagen verzeichnet die Handelspresse den Zusammenschluß drei der größten Dresdener Aktiengesellschaften für Fabrikation photographischer Apparate, und zwar der Aktiengesellschaft für Kamera=Fabrikation vormals Heinrich Ernemann, der Fabrik photographischer Apparate R. Hüttig& Sohn und der Gesellschaft Emil Wünsche. Dieser Zusammenschluß dürfte bald noch eine erhebliche Erweiterung erfahren, es werden Verhandlungen geführt, um die führenden Kamerafabriken Deutschlands zu einer großen Gesellschaft zu vereinigen. In der Badischen Brauindustrie vollzog sich kürzlich ein Zusammenschluß der Aktienbrauerei Dinglingen in Freiburg und der Bercherbrauerei A.=G. in Breisach. Jetzt wird die Fusion der Brauereigesellschaft Karcher in Emmendingen mit der Mittelbadischen Brauereigesellschaft in Freiburg gemeldet. Ferner liegt die Nachricht vor, daß zwischen den rheinischen und den schlesischen Zinkblechs#alzwerken eine Einigung erfolgte, so daß das deutsche Zinkblechkartell nunmehr geschlossen ist. Eine Versammlung der deutschen Drahtgeflechtfabrikanten, in der etwa 60 Firmen vertreten waren, kam überein, eine Preiskonvention für viereckiges verzinktes Drahtgeflecht zu errichten, nachdem im Januar eine Konvention für verzinkte Drähte geschaffen worden ist. Der definitive Beschluß wird in den nächsten Tagen erfolgen. Diese beiden Berichtstage sind aber durchaus keine Ausnahmetage. kein Tag vergeht ohne neue Fusionen und Neubildungen von Kartellen und Konventionen. Je weniger das erwerbstätige Volk politischen Einfluß besitzt, um so größer ist die Gefahr des Kommunismus des Mammons. Die weiten bürgerlichen Schichten, die von dem Großkapital enteignet sind und dauernd weiter enteignet werden, würden sich von den politischen Agenten des Großkapitals nicht mit der„sozialdemokratischen Gefahr“ schrecken und für die großkapitalistische Ausraubungspolitik einfangen lassen, wenn ihnen das Wezen and die Bedeutung des mammonistischen Kommunismus zum Bewußtsein käme. Gewerkschaftsbewegung. Weitere Vereinbarungen zwecks Vermeidung von Arbeiterentlassungen in der Brauindustrie. In Verhandlungen der Leitung der Zahlstelle Leipzig des Brauereiarbeiterverbandes mit der Brauereivereinigung Leipzig wurden folgende Vereinbarungen getroffen:....9 W72herine 8 Mi. Die der Bezirksgruppe Leipzig des Brauereivereins Leipzig angehörigen,; in Leipzig und dessen Umgebung angesessenen Brauereien verpflichten sich, bis zum 30. Septemver 1909 keine Arbeiter auszustellen, die durch den Konsumrückgang infolge der Preiserhöhung entbehrlich werden. Ausgenommen hiervon sind jedoch die regelmäßig im Betriebe alljährlich gegen Ende der Sommersaison erfolgenden Ausstellungen. Nach dieser Zeit soll in Aussicht genommen werden, daß Ausstellungen infolge des Konsumrückganges nur erfolgen sollen bei größeren Brauereien, wenn der Konsumrückgang über 15 Prozent, bei kleineren, wenn er über 10 Prozent erreicht und zwar im Verhältnis des Konsumrückganges. Unter kleineren Brauereien sind solche zu verstehen, die bis 2000 Doppelzentner jährlichen Malzverbrauch haben. Sollte in der Zwischenzeit der Boykott von der sozialdemokratischen Partei als solcher oder den Gewerkschaften ausdrücklich beschlossen und erklärt werden, so ist die vorstehende Abmachung hinfällig. Bevor die Ausstellungen, die für die Zeit nach dem 1. Oktober 1909 vorgesehen sind, in Kraft treten, werden die Kein nachteiliges Reiben und Bürsten mehr! ohne Schäden und von blendender Reinheit erhält man Einzuckende Wusche Ohne Chlor und andere scharfe Mittel! beiden hier vertretenen Organisationen in nochmalige Verhandlung eintreten. Diese Vereinbarung hat, abgesehen von dem Fall der offiziellen Boykotterklärung durch Partei und Gewerkschaft, Giltigkeit bis zum 30. April 1910. Mit der Genossenschaftsbrauerei in Breslau schloß der Brauereiverband einen für die Arbeiter sehr vorteilhaften. Tarifvertrag ab. Die Löhne erböhen sich nach ihm pro Woche: um 1,50 Mark für Frauen, 8 Mark für Brauer, Böttcher und Maschinisten, 4 Mark für Handwerker, Mitfahrer und Hilfsarbeiter, 5 Mark für Bierfahrer, 4 bis 6 Mark für Heizer. Vereinbart wurde, da die Löhne in der Vertragszeit steigen, daß in Zukunft der im Vertragsjahre zu zahlende Höchstlohn der Einstellungslohn ist. Außerdem wurde erzielt: für die Bierfahrer wöchentlich durchschnittlich 3 Mark Verkaufsspesen, für Sonntagsdejour 3 Mark, für Nachtarbeit 5 Prozent und fur Sonntagsarbeit 10 Prozent Aufschlag, für Ueberstunden 10 Pfg. mehr, Urlaub ohne Lohnabzug von 3 bis 6 Tagen pro Jahr, Arbeitszeitverkürzung von 10 auf 9½ Stunden im Sommer und auf 9 Stunden im Winter, Nachtarveit 9 Stunden. Die Arbeitszeit der Bierfahrer muß abends 6 Uhr beendet sein.— Von den 82 in der Brauerei beschäftigten Personen gehören 80 dem Brauereiverbande an. Mit der Vereinsbrauerei Hofgeismar wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen mit Lohnaufbesserungen von 1,50 Mark Woche, Ueberstundenbezahlung an Werktagen 50 Pfg., an Kranseikt füir die Reiche Dader die und Krankengeld bezahlt.#4 4Heim vereinhart. Taris. Der mit der Hirschbrauerei Schnaitheim vereinbarte Tarifvertrag brachte eine Arbeitszeitverkürzung von 3 Stunden täglich, eine Lohnaufbesserung von 2 bis 3 Mark pro Woche und Urlaub ohne Lohnabzug von 2 bis 4 Tagen. Ueberstunden werden an Wochentagen mit 50 Pfg., an Sonntagen mit 60 Pfg., die Sonntagsdejour mit 3 Mark vezahlt. Auch wurden die Bestimmungen des§ 616 B. G.=B. gnerkannt. Bürgermeister und Beigeordnete als Streikvermittler. Zwei öffentliche Versammlungen von Streikenden der Baumwollweberei von Godefroy& Elsässer in Bühl und Lautenbachzell(Oberelsaß) beschlossen, den Bürgermeister von Lautenbachzell und die Beigeordneten zweier anderer anstoßenden Gemeinden um die Streikvermittlung anzugehen. Das Vermittlungsanerbieten ist vom Burgermeister und den Beigeordneten angenommen worden. Weichen Umfang der Unfug des Prämiensystems in der vom Streik betroffenen Fabrik allmählich angenommen hat, ergibt sich daraus, daß die Ausständigen, die die Abschaffung des Prämiensystems fordern, eine 65prozentige Lohnerhöhung fordern müssen, um keinen Lohnverlust zu erleiden. Zum Kampf im Baugewerbe in Eckernförde. Auf Veranlassung des Burgermeisters Heldmann haben im Rathaussaal Verhandlungen zwischen den Parteien unter Vorsitz des Bürgermeisters stattgefunden. Als Vertreter des Arbeitgeberverbandes war Herr Hauptmann a. D. Gurlitt aus Hamburg erschienen; die Arbeiterorganisationen waren durch ihre Gauvorsitzenden vertreten. Die Arbeitgeber stöhnten wie immer, daß sie die geforderten 5 Pfg. Stundenlöhne nicht zahlen können, trotzdem die Streikbrecher, die von der Streikbrecher=Agentur „Auguste Müller" nach Eckernförde geschleppt sind, zum Teil viel höhere Löhne bekommen als die Streikenden fordern. Nach mehrstündiger Verhandlung boten die Arbeitgeber schließlich 1 Pfg. Lohnzulage bei Wiederaufnahme der Arbeit und je 1 Pfg. sollte dann noch am 1. Januar und am 1. April 1910 zugelegt werden. Auf Vorschlag des Herrn Gurlitt sollten dann im Jahre 1913 oder 1914— unter dei Voraussetzung, daß im nächsten Jahre die Arbeiterorganisationen mit dem Arbeitgeberbund für das Baugewerbe einen Vertrag auf 5 Jahre abschließen— noch einmal 2 Pfg. Lohnzulage gewährt werden für die Dauer der Vertragszeit. Die Arbeitervertreter erklärten sich bereit, für das Angebot der Arbeitgeber einzutreten, wenn die letzte Lohnaufbesserung oon 2 Pfg. pro Stunde spätestens am 1. April 1911 erfolgen würde. Nachdem noch der Bürgermeister einen Vermittlungsvorschlag machte, wurden die Verhandlungen resultatlos abgebrochen. In einer Versammlung der streikenden Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter wurde das Angebot der Unternehmer als unannehmbar bezeichnet, dagegen der Vorschlag der Arbeitervertreter für annehmbar und als Basis für den Friedensschluß erklärt.— Die herangezogenen Streikbrecher haben Eckernförde teilweise verlassen, anderen ist von den Unternehmern gekündigt worden, weil sie von dem Agenten„Auguste Müller" als Maurer mit eingeschmuggelt wurden, ohne daß sie eine Ahnung von dem Gewerbe haben. Wie verlautet, sollen durch die Agenten am Schlusse der Woche neue Arbeitswillige nach Eckernförde geschleppt werden. Jugendliche Zuchthäusler. In Nürnberg besteht unter dem Namen„Hauptstelle für Jugendfürsorge“ ein Verein, der sich solcher jungen Leute annehmen will, die in Gefahr sind, dem Verbrechertum zu verfallen. Der Verein nahm eine Statistik auf, die ein grelles Schlaglicht auf unsere Gesellschaftsordnung wirft. Von 31000 Zuchthauslern waren 2000 zum ersten Male im Alter von 12—14 Jahren, 8800 im Alter von 14—18 Jahren und 13000 im Alter von 18—25 Jahren bestraft worden. Es waren also mehr als ein Drittel eigentliche Jugendliche im Sinne des Strafgesetzbuches. Milikärische s. Milde Strafe für Soldatenschinderei. Der Kanonier Weiler von der 6. Batterie des 66. Feldartillerie=Regiments in Lahr (Baden) hat uich vor wenigen Wochen erhängt. Er wurde vom Sergeanten Weber in glühender Sonnenhitze im tiefen Sande der Reitbahn herumgejagt. Auch im Remontestall ließ Weber den Weiler laufen und springen. Am nächsten Tage meldete sich Weiler krank; es wurde ihm von einem anderen Sergeanten namens Rüle gedroht, er werde schon in Bewegung gesetzt werden, wenn er nicht wirklich krank sei. Weiler ging darauf auf seine Stube und erhängte sich.— Weber erhielt drei Wochen Mittelarrest. Mobelhaus ür Seuing verdankt sein Renommee der hervorragenden Güte seiner Möbel...... 8791" Nur Bürgerweg 50a. 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September, abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Bracksiek, Hallerweg. Tagesordnung: 1. Dritter Vortrag des Genossen Schreck über das Erfurter Programm. 2. Wahl der Delegierten zum Bezirks=Parteitag. Ortsgruppe Gellershagen. Sonnabend, 11. September, abends 8½ Uhr, im Lokale des Wirts Fohrmann, Jöllenbeckerstraße 171. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Löwe über„Alkohol u. Arbeiterbewegung“. 2. Stellungnahme zum Bezirksparteitag und Wahl der Delegierten. 3. Bericht der Gemeindevertreter. Ortsgruppe Ober-Sieker. Sonnabend, 11. September, abends 8½ Uhr, im Vereinslokal. Tagesordnung im Lokal. Ortsgruppe Heepen. Sonnabend, 11. September, abends 9 Uhr, beim Genossen Twelker. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Gemeindeangelegenheiten. Ortsgruppe Brake. Sonnabend, 11. September, abends 9 Uhr. Tagesordnung im Lokal. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Sommerwirtschäft„Walokrug (Sieker Schweiz.) Inhaber: Adolf Wedding. 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Im Kampf um den Glauben. Zur Zeit Königs Karl IX. spielt dieses Drama und zeigt den schrecklichen Vernichtungskampf gegen die Hugenotten, der in der Bartholomäusnacht(24. August 1572) in Paris stattfand. Pick und Pock. Ein hochkomisches Paar. Der Regenschirm. Lustiges Genrebild 1 Ferner: Zwei überraschend schöne Einlagen! 73.3 Ser Freie Türherschaft Bielerein (Abt. Eichenkranz) feiert am Sonntag, den 12. September 1909, im Lokale des Herrn H. Lohmann, Schildescherstraße 47, ihre iokraten-Roschleustelel :: O r c h e s t e r g u t b e s e t z t:: Entree: Herren 50 Pfg., Damen 25 Pfg. 4847 Hierzu ladet freundlicht ein Der Festleiter. Auf! Auf! am Sonntag, den 12. September 1909, nach den Lokalitäten des Herrn Gustav Imkamp, Engerschestraße 1, zum 2. Stiftungs-Fest des Theater-Klubs„Olympia“, bestehend in 4835 humoristischen, theatralischen, turnerischen und sportlichen Aufführungen, Gesangsvorträgen u. grossem Ball. Zu diesem amüsanten Feste heißt alle Freunde und Gönner herzlich willommen Das Festkomitee. Cnfreg: Herren im Vorverkauf 50 Pfennig, an der Kasse 60 Pfennig. Lullik: Damen„„ 25„„„„ 30 Aur nach Freudenaut Am Sonntag, den II. September, feiert der Arb.-Radfahrerverein„Eilrad“ seine diesjährige Rekruten-Abschiedsteier im obigen Lokal. Alle Freunde und Gönner des freien Sports sind freundlichst eingeladen. Der Vorstand. NB. Umme niegen Ouher, dat essen Stunne no achte, maket olle Rekrouten dähe douher sind, ähern grauten Bäerndanz. 4846“ Am Sonntag, den 12. September 1909, 4838“ FI auf Helgoland am Ost-Bahnhof. Es ladet freundlichst ein Der Besitzer. Mallahrer Aorein darnbaers (Mitglied des Arb.=Radfahrerbundes„Solidarität“) feiert am Sonntag, den 12. September 1909. seine Rekruten-Abschieds-Feier = im Lokale des Herrn August Indiestel, Bürgerweg 14.= Von 4 Uhr an: Preisschiessen. 9 Uhr: Preisverteilung. Anfang des Festes 4 Uhr.— Orchester neu besetzt.[4833 Hierzu ladet freundlichst ein Der Festleiter. W. Tuxhorn, Bleichstrasse.— Sonntag, den 12. September:[4837° TANZ.# TANZ, Es ladet freundlichst ein V. Tuxhorn. Carl Senker, Herforderstraße. Sonntag, den 12. September:(3627 ERERF TANZ. Hollingskrug. Sonntag, 12. September: Grosse Rurussellbelustigung. 48597 ladet ein Ed. Schürmann und der Besitzer. Liebreiz verleiht ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen,! weiße, sammetweiche Haut und blendend schöner Teint.[882 Alles dies erzeugt die allein echte Steckenpferd=Lilienmilch=Seife v. Bergmann& Co., Radebeul, à St. 50 Pfg. bei I. Schäfer. Schriften von Ludwig e Achtung! HERFORD, Achtung! Am Sonntag, den 12. September 1909, von nachmittags 4 Uhr an, feiert der Deutsche Metallarbeiter-Verband Verwaltungastelle Herford sein diesjähriges.. Pachachngs Powe verbunden mit Rekruten-Abschied in den gesamten Lokalitäten des Bahnhofe-Hotels und des neu eingeweihten Kristallpalastes(Jnh. W. Läge), bestehend in Ball und grosser Kinderbeinstigung unter gütiger Mitwirkung des Arbeiter=Gesangvereins„Immergrün“ und des Arbeiter=Radfahrervereins„Merkur“. Bei eintretender Dunkelheit: Grosse humorist. Fackelpolonaise. Musik: Düngelsche Kapelle. Zu diesem Feste ist die organisierte Arbeiterschaft freundlichst eingeladen. 4829 Der Festleiter. Moral Lausbubengeschichten Tante Frieda dochzeit die Lokalbahn Die Medaille Peter Schlemihl Assessor Karlchen Grobheiten Neue Grobheiten Briefwechsel e. bayer. Landtagsabgeordn. 3.00 2.00 Zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schulstraße 20. Preis geb. brosch. 3.— 2.— 4.— 3.— 5.— 4.— 3.— 2.— 8.— 2.— 2.50 1.50 3.50 2.50 1.50 1.00 1.50 1.00 1.50 1.00 Enorm billig! 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September, abends präzise 8 Uhr: bestehend in Konzert, Rezitationen, Quartettvorträgen und humoristischen Darbietungen. Mitwirkende: Orchester Polyhymnia.— Hofschauspielerin Paula Stahl.— Humorist Willi Hermanns.— Gesangverein„Frisch Auf“. Eintrittspreis 30 Pfg. Eintrittspreis 30 Pfg. Sonntag, 19. September, nachm. 4 Uhr: Grosser Festball, Verlosung u. Preisschiessen. 4828 Eintrittspreis 20 Pfg. u ter. Sonntag, den 12. September, nachmittags 4 Uhr: 26. Rbonnements-Konzert der Schützengesellschaft auf dem Johannisberg. Vorverkaufs=Karten haben nur für Mitglieder Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. 4853 Auf Wunsch mehrerer Rekruten veranstalte ich 4854 Sonnabend, 18. September, Hekluten-Noschleus-Kranzchen Jeder Rekrut, welcher sich bis Dienstag, 14. Septbr., abends, unter Vorzeigung seines Urlaubsscheines in die bei mir aufliegende Liste einzeichnet, erhält eine Pfeise und ein Paket Tabak gratis. Anfang 8 Uhr. Vorzügliche Ballmusik. Um zahlreichen Besuch bittet Carl Pass. Sozialdemokratischer Verein Ortsgruppe Herford. Montag, 13. Septbr., abends 9 Uhr: Mitaldr.=Versammlung bei Liedtke. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Buse: „Der Strafvollzug in Deutschland und die Forderungen der Sozialdemokratie“. 2. Verschiedenes.(4862• Der Vorstand. Erfolgreiche Behandlung sämtlicher Krankheiten durch + W. Hermann-# * Brackwede (bei Ramforth a. Bahnhof, I. Etage). Sprechstunden: 4138 8—11 Uhr vorm., 2—4 Uhr nachm. Sonntags 8—12 Uhr. Ausw. brieflich gegen Rückporto. 212. Die gest „Die Herren der Bau sich wieder einmal auf i „große“ Arbeiterfreundec unoerfrorener tun, da ih gierungsvertreter ausdrüc die Berufsgenossenschaften Hiergegen müssen die die bevorstehende Reform lichst protestieren. Wie speziell die Baugewerksbe währen, wollen wir an de Berichten der Arbeitersek Bekanntlich soll die Er beiter„in beschleunigtem wörtlich im Gewerbe=Un Vorschrift ist deshalb so w Angehörigen in die schlimt Zeit vergeht, bis sie die ih Um so bezeichnender ist es die Feststellung der Entsch So weist das Arbeiterst baverische Baugewerks=B Beschwerden in der Presse unglückten Arbeiter sehr la warten läßt. Ein Tagelö Betriebsunfall, der den chädigte. Demnach stand schäoigung zu. Am 15 sekretariat in Nürnberg unglückten doch endlich den Rente zugehen zu lassen. genossenschaft herbei, zu al am 28. April als einges sörderung übergeben habe scheid in Wahrheit noch vielmehr erst am 4. Juni vom 23. April, der Umschl 3. Juni. Der Bescheid k fertigt war, und fast 10 A des Verunglückten. Dabe Rentenantrag abgelehnt. bei dem Schiedsgericht e zur Zahlung der Rente noch 3 Monate in Anspru bekam der Verunglückte se Nicht besser geht es in sekretariat in Stettin bei Arbeiter hatte sich durch zugezogen. Von seiner 13 Wochen nach dem Unf stimmungen des Kranken dieser Zeit übernahm d genossenschaft das Heilver Der Verletzte erhielt z die Aufforderung von der dem Vertrauensarzt und genossenschaft melden soll. hörte er aber garnichts m wartete bis zum 6. Dez Jezem genossenschaft an, wie es sic Gesetzen zustehenden Entsc wortete die Berufsgenosse letzten, daß sie es ablehne die Krankheit nicht die festzustellen, hatte die Be braucht. Der Zustand des Arb worden, daß der Kranke i trauensarzt der Berufsge müsse abgenommen wer oerfassung des Kranken u Unterstützung, ohne ärztli freundlichkeit der Kassena# hätte, und die Aussicht auf Bis zum 16. Dezembe Krankenkasse von der Abl unterrichtet, und es dadu 21. November bis zu die keine Unterstützung erhie Schiedsgericht zur Verhan hang der Krankheit mit de der Berufsgenossenschaft es sondern den Entschädigung tigt anerkannte. Ein Arbeiter ein Bant Am 23. März 1908 hatte und Zahlung des Kranken Fürsorge für den arbe versicherung anheimgefalle wiederholt an die Ham schaft mit seinem Unterstüt von sich hören. Erst nach Arbeitersekretariat beim 9 hoben hatte, erhielt er im Berufsgenossenschaft, sich i Inzibischen war der A zumal sogar die Armenvei Familie zu unterstützen, w pflichtet sei. Selbstverstär diesen Verhältnissen derar Reise nach der Heilstätte1 erst einen Vorschuß zur dungsstücke schicken lassen. anstalt. Von der Heilstätte wu veröffentlicht, in dem um Als der Arbeiter in dem Kranken dagegen protestie wissenschaftliche Bücher ba stätte entlassen, und die B der Rente ein, die seine nochmaliger Beschwerde ihm am 23. Dezember 11 Unfall, die Vollrente zuer Ein 56jähriger Maure schwere Verletzungen an de ält die Vollrente. Dar — leider teilt das mit, welche Baugewerksmedico=mechanischen Ansta bura urg. Hier mußte er Uebung Schmerzen geradezu zur V schließlich an den Vertrau bescheinigte, daß es sehr fr Verletzungen eine weitere eine wesentliche Besserung solche müsse eine Behandl B e O* Nr. 212. Bielefeld, Sonnabend, 11. September 1909. 20. Die gesicherte Eristenz. „Die Herren der Baugewerks=Berufsgenossenschaften haben sich wieder einmal auf ihrem Verbandstage in Schwerin als „große“ Arbeiterfreunde aufgespielt. Das konnten sie um so— unoerfrorener tun, da ihnen von einem der anwesenden Rezierungsvertreter ausdrücklichst bezeugt worden war,„daß sich sie Berufsgenossenschaften außerordentlich gut bewährt haben". Hiergegen müssen die Arbeiter gerade jetzt mit Rücksicht auf die bevorstehende Reform der Arbeiterversicherung nachdrücklichst protestieren. Wie sich die Berufsgenossenschaften und speziell die Baugewerksberufsgenossenschaften in Wahrheit bewähren, wollen wir an der Hand urkundlicher Beweise aus den Berichten der Arbeitersekretariate zeigen. Bekanntlich soll die Entschädigung für die verunglückten Arbeiter„in beschleunigtem Verfahren“ festgesetzt werden, wie es wörtlich im Gewerbe=Unfallversicherungsgesetz heißt. Diese Vorschrift ist deshalb so wichtig, weil der Verunglückte und seine Angehörigen in die schlimmste Not geraten müssen, wenn längere Zeit vergeht, bis sie die ihnen zustehende Unterstützung erhalten. Um so bezeichnender ist es, daß die Berufsgenossenschaften so oft die Feststellung der Entschädigung verschleppen. So weist das Arbeitersekretariat in Fürth darauf hin, daß die bayerische Baugewerks=Berufsgenossenschaft trotz wiederholter Beschwerden in der Presse und im bayerischen Landtage die verungluckten Arbeiter sehr lange auf den Rentenfeststellungsbescheid warten läßt. Ein Tagelöhner erlitt am 13. August 1907 einen Betriebsunfall, der den Arbeiter in seiner Erwerbsfähigkeit schädigte. Demnach stand dem Arbeiter ein Anspruch auf Entschädigung zu. Am 15. Mai 1908 ersuchte das Arbeitersekretariat in Nürnberg die Berufsgenossenschaft, dem Verunglückten doch endlich den Bescheid über die ihm auszuzahlende Rente zugehen zu lassen. Am 27. Mai ließ sich die Berufsgenossenschaft herbei, zu antworten, daß sie den Bescheid bereits am 28. April als eingeschriebenen Brief der Post zur Besörderung übergeben habe. Der Arbeiter hatte aber den Bescheid in Wahrheit noch immer nicht erhalten. Letzterer traf vielmehr erst am 4. Juni ein. Der Brief trug zwar das Datum vom 23. April, der Umschlag aber hatte den Aufgabestempel vom 3. Juni. Der Bescheid kam also 6 Wochen, nachdem er angefertigt war, und fast 10 Monate nach dem Unfall in die Hände des Verunglückten. Dabei hatte die Berufsgenossenschaft den Rentenantrag abgelehnt. Der Verletzte mußte noch Berufung bei dem Schiedsgericht einlegen, und die Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Rente verurteilen lassen. Das nahm auch noch 3 Monate in Anspruch. Erst 13 Monate nach dem Unfall bekam der Verunglückte seine Rente. Nicht besser geht es in Norddeutschland zu. Das Arbeitersekretariat in Stettin berichtet über den folgenden Fall: Ein Arbeiter hatte sich durch einen Betriebsunfall eine Verletzung zugezogen. Von seiner Krankenkasse erhielt er in den ersten 13 Wochen nach dem Unfall sein Krankengeld gemäß den Bestimmungen des Krankenversicherungs=Gesetzes. Nach Ablauf dieser Zeit übernahm die Nordöstliche Baugewerks=Berufsgenossenschaft das Heilverfahren. Der Verletzte erhielt zunächst— am 21. November 1907— die Aufforderung von der Berufsgenossenschaft, daß er sich bei dem Vertrauensarzt und dann im Amtszimmer der Berufsgenossenschaft melden soll. Dem kam er nach. Von jetzt ab hörte er aber garnichts mehr von der Berufsgenossenschaft. Er wartete bis zum 6. Dezember und fragte dann bei der Berufsgenossenschaft an, wie es sich mit der ihm nach den VersicherungsGesetzen zustehenden Entschädigung verhalte. Jetzt endlich antwortete die Berufsgenossenschaft am 10. Dezember dem Verletzten, daß sie es ablehne, eine Entschädigung zu zahlen, weil die Krankheit nicht die Folge eines Betriebsunfalles sei. Das jestzustellen, hatte die Berufsgenossenschaft so lange Zeit gebraucht. Der Zustand des Arbeiters war inzwischen so schlecht geworden, daß der Kranke im Bett bleiben mußte, und der Vertrauensarzt der Berufsgenossenschaften gesagt hatte, das Bein müsse, abgenommen werden. Man kann sich die Gemütsverfassung des Kranken und seiner Familie denken: ohne jede Unterstützung, ohne ärztliche Hilfe, wenn nicht aus Menschenfreundlichkeit der Kassenärzt sich des Unglücklichen erbarmt hätte, und die Aussicht auf den Verlust des Beines. Bis zum 16. Dezember hatte die Berufsgenossenschaft die Krankenkasse von der Ablehnung der Entschädigung noch nicht unterrichtet, und es dadurch verschuldet, daß der Kranke vom 21. November bis zu diesem Tage auch von der Krankenkasse keine Unterstützung erhielt. Als später die Sache vor dem Schiedsgericht zur Verhandlung kam, ergab sich der Zusammenhang der Krankheit mit dem Unfalle so klar, daß der Vertreter der Berufsgenossenschaft es zu keiner Entscheidung kommen ließ, sondern den Entschädigungsanspruch des Verletzten als berechtigt anerkannte. Ein Arbeiter ein Bant verunglückte am 23. Dezember 1907. Am 23. März 1908 hatte die Krankenkasse die Heilbehandlung und Zahlung des Krankengeldes eingestellt, weil von jetzt ab die Fürsorge fur den arbeitsunfähigen Arbeiter der Unfallversicherung anheimgefallen war. Der Arbeiter wandte sich wiederholt an die Hamburgische Baugewerks=Berufsgenossenschaft mit seinem Unterstützungsanspruch. Aber diese ließ nichts von sich hören. Erst nachdem der Arbeiter durch das dortige Arbeitersekretariat beim Reichsversicherungsamt Beschwerde erhoben hatte, erhielt er im September die Aufforderung von der Berufsgenossenschaft, sich in eine Heilstätte zu begeben. Inztbischen war der Arbeiter in das größte Elend geraten, zumal sogar die Armenverwaltung sich weigerte, ihn und seine Familie zu unterstützen, weil dazu die Berufsgenossenschaft verpflichtet sei. Selbstverständlich war auch seine Kleidung unter diesen Verhältnissen derart geworden, daß er in derselben die Reise nach der Heilstätte nicht antreten konnte. Er mußte sich erst einen Vorschuß zur Anschaffung der notwendigsten Kleidungsstücke schicken lassen. Dann begab er sich in die Heilanstalt. Von der Heilstätte wurde in einer Zeitung ein Bettelbrief beröffentlicht, in dem um abgelegte Gesangbücher gebeten wurde. Als der Arbeiter in dem Blatte im Namen der Mehrzahl der Kranken dagegen protestierte, und um allgemein verständliche wissenschaftliche Bucher bat, wurde er im Oktober aus der Heilstätte entlassen, und die Berufsgenossenschaft stellte die Zahlung der Rente ein, die seine Familie bekommen hatte. Erst nach nochmaliger Beschwerde beim Reichsversicherungsamt wurde ihm am 23. Dezember 1908, also genau ein Jahr nach dem unfall, die Vollrente zuerkannt. Ein 56jähriger Maurer hatte sich durch einen Unfall sehr schwere Verletzungen an der Brust usw. zugezogen; er erhielt zunächst die Vollrente. Dann überwies ihn die Berufsgenossenschaft— leider teilt das Arbeitersekretariat in Augsburg nicht mit, welche Baugewerks=Berufsgenossenschaft es ist— der medico=mechanischen Anstalt des Dr. Chr. Müller in Augs∆ 5 Hier mußte er Uebungen machen, die ihn durch sehr heftige Schmerzen geradezu zur Verzweiflung brachten. Er wandte sich schließlich an den Vertrauensarzt des Schiedsgerichtes, der ihm bescheinigte, daß es sehr fraglich erscheine, ob bei der Art seiner Verletzungen eine weitere medico=mechanische Behandlung noch eine wesentliche Besserung herbeiführen werde. Ohne Zweifel müsse eine solche Behandlung aber in milder Form, mindestens in Pausen von 3 bis 4 Tagen, durchgeführt werden, da sonst schlimme Folgen für den Kranken zu befürchten seien. Darauf ließ die Berufsgenossenschaft die medico=mechanische Behandlung des Kranken einstellen und setzte die Rente auf 20 Prozent herab. Das Schiedsgericht erhöhte sie auf 50 Prozent. Schon 3 Monate später bekam der Mann oon der Berufsgenossenschaft die Aufforderung, sich bei dem Dr. Müller wieder vorzustellen. Im September 1908 wurde er durch eine gleiche Aufforderung wieder aufgeschreckt. Das war ihm zu viel. Nach einigen Tagen wurde seine Leiche aus einem Nebenkanal der Wertach herausgezogen. In der Tasche hatte er die beiden letzten Ladungen zu Herrn Dr. Müller.— Wie es aber erst Arbeitern aus dem Auslande ergehen kann, dafür ein Beispiel aus dem Bericht des Arbeitersekretariats in Darmstadt. Ein Arbeiter aus Russisch=Polen verunglückte am 2. Mai 1909 so schwer, daß er in seiner Arbeitsfähigkeit schwer geschädigt war. Trotzdem lehnte die Tiefbau=Berufsgenossenschaft die Gewährung einer Unfallrente ab. Die Betriebskrankenkasse, die den Verunglückten bis dahin unterstützt hatte, stellte die Unterstützung ein. Jetzt stand die Familie des Verunglückten, dem Hunger preisgegeben, ohne jede Hilfe da, so daß sie in das Armenhaus ausgenommen werden mußte. Aber auch hier war ihres Bleibens nicht— sie wurde aus Deutschland ausgewiesen.— Inzwischen hatte sich das Arbeitersekretariat von dem Verunglückten Vollmacht geben lassen und Berufung an das Schiedsgericht eingelegt, das denn auch die Berufsgenossenschaft zur Zahlung einer Unfallrente von 66 2/8 Prozent der Vollrente verurteilte. Trotzdem erhielt der Verunglückte seine Rente nicht, weil er ausgewiesen ist und wegen seines Aufenthaltes im Auslande sein Recht ruht. Die Berufsgenossenschaft„kann“ ihm eine Abfindungssumme auszahlen. Auf ein solches Gesuch hat die Berufsgenossenschaft garnicht geantwortet. Diese Beispiele zeigen, mit welchem Rechte die Herren der Baugewerks=Berufsgenossenschaften sich als Wohltäter der Arbeiter aufspielen. 42. englischer Gewerkschafts=Kongreß. (Originalbericht.) Ipswich, 8. September. (Dritter Verhandlungstag.) Die Handelsangestellten begründen ihre Forderungen gegen das System der„oertraulichen Zeugnisse“ und gegen Verträge, die den Angestellten hindern, innerhalb eines bestimmten Zeitraumes und Distriktes in die Dienste einer Konkurrenzfirma zu treten. Die Arbeiterpartei soll auf gesetzlichem Wege den Angestellten das Recht auf ein Zeugnis, wie es in Deutschland besteht, beschaffen. Es ist nicht uninteressant, zu erwähnen, daß der Begründer des Antrages, der parlamentarische Aktion verlangt, John Turner, der Führer der englischen Anarchisten und Herausgeber ihres Organs ist. Entsprechend dem Antrage wird die Arbeiterpartei beauftragt, im Parlament die diesbezüglichen Gesetzesvorlagen zu unterstützen. Zu einer Resolution des Möbelarbeiter=Verbandes, die gegen wenige Stimmen angenommen wird, führen mehrere Redner an, daß die Unternehmer immer mehr versuchen, ihre Arbeiter und Angestellten zu veranlassen, die militärischen Uebungen der Territorialarmee mitzumachen und sich in diese einreihen zu lassen. Wer sich dem nicht freiwillig fügt, ist sicher, bald durch einen„mehr patriotisch Fühlenden" ersetzt zu werden. Es sei beabsichtigt, auf diesem Umwege dem Volke militärischen Geist einzuflößen, der dann die Einführung des Militärzwanges sehr erleichtern würde. Besonders im Handelsgewerbe bemühen sich viele Firmen schon jetzt, den Plänen des Kriegsministers in die Hände zu arbeiten. Die Arbeiterschaft aller Länder sehe jedoch immer mehr die Notwendigkeit der Bekämpfung aller militaristischen Jestrebungen ein und das müsse auf alle Fälle auch von der englischen Arbeiterschaft anerkannt werden. Es folgen nun die Ansprachen der eingeladenen Gäste des Kongresses. Zuerst spricht S. Gompers, der Präsident der amerikanischen Arbeiter=Federation, der besonders auf die Gemeinsamkeit des Zieles der Arbeiterbewegung aller Länder hinweist und damit auch auf die Notwendigkeit der gemeinsamen Arbeit. Er hoffe, daß bald volle Freizugigkeit für alle Mitzlieder der amerikanischen und englischen Gewerkschaften in beiden Ländern hergestellt sei. Trotz langjähriger Kämpfe sei jetzt noch nicht überall volle Ausübung des Koalitionsrechts gewährleistet. Doch gerade das Recht und die Macht der Arbeiter, auch zum Streik, zum letzten Kampfmittel zu schreiten, sei ihr höchstes Gut, ihre mächtigste Waffe, für deren Erhaltung alles gewagt werden muß. C. Frey, der nächste Redner der amerikanischen Delegation, der Redakteur des Organs der Former=Federation, erinnert daran, daß in England und auch in den Vereinigten Staaten die religiöse und dann die politische Freiheit erst nach vielen Kämpfen und Opfern erreicht wurden; doch ist es ebenso notwendig, auch die ökonomische Freiheit zu erkämpfen, und das ist das Ziel unserer gemeinsamen Bewegung, die auch für die Friedensbewegung mit allen Kräften eintritt. Aehnlich spricht der dritte amerikanische Delegierte, Larger(von der Federation der Bekleidungsindustrire). Der Vorsitzende Shakleton führt unter langandauerndem Beifall des Kongresses Keir Hardie, den Vorsitzenden der Arbeiterpartei, ein, der„den anderen Flügel unserei großen Arbeiterbewegung vertritt und dessen Anwesenheit und gemeinsames Wirken mit uns der beste Beweis der vollkommenen Einheitlichkeit der englischen Arbeiterbewegung ist".(Wiederholter Beifall.) Keir Hardie stellt sich als Vertreter„des jüngsten Sprosses der Arbeiterbewegung, der politischen Arbeiterpartei“, vor. Am besten sei die Wichtigkeit der politischen Tätigkeit der Arbeiterklasse aus den ungeheuren Anstrengungen der Gegner zu ersehen, der Arbeiterpartei Schwierigkeiten aller Art zu bereiten. So ist es gerichtlich als unzulässig erklärt worden, daß die Gewerkschaften besondere Beiträge für politische Zwecke verwenden, bezw. die Arbeiterpartei durch Beiträge unterstützen. Die endgiltige Entscheidung hierin, die dem Oberhause vorliegt, wird von den Beteiligten, so sagt K. Hardie, mit Interesse, nicht aber mit irgendwelcher Unruhe erwartet, weil die sichere Zuversicht besteht, daß nötigenfalls die gleichen Beiträge in Form freiwilliger Zuwendungen von allen Gewerkschaften geleistet werden, um auch in Zukunft eine wirkungsvolle Arbeit auf politischem Gebiete zu ermöglichen. Erfreulich sei die Entwicklung der englischen Arbeiterbewegung. Noch vor 23 Jahren war derselbe Gewerkschaftskongreß entschieden gegen das Prinziv des Achtstundentages, heute ist es dagegen schon in manchen Berufen angewandt; ja, der Kongreß hat sich seither sogar offen für die grundlegenden Prinzipien des Sozialismus, für die Vergesellschaftlichung der Produktions= und Distributionsmittel ausgesprochen. Die Arbeiterpartei, die politische Vertretung der englischen Arbeiterschaft ist sozialistisch, und ihrem Einflusse ist es auch zu verdanken, daß zurzeit eine soziale Gesetzgebung vorbereitet wird, die revolutionierender wirken wird, wie irgend eine bisherige gesetzliche Maßnahme. Um jedoch mit Erfolg weitergehen zu können, ist eine weitere Stärkung der Gewerkschaften und der politischen Organisation notwendig, damit bei den nächsten Wahlen die doppelte Anzahl Arbeiter=Abgeordneter ins Parlament gesandt werden kann. Doch wird unser Kampf nicht eher aufhören, bis das jetzige Gesellschaftssystem von Grund auf geändert ist, damit Freiheit und Glück die heutigen traurigen Zustände ablösen(Großer Beifall.)— Im Auftrage von 2½ Millionen vereinigter Genossenschaftler begrußt S. Foulger den Kongreß. W. A. Appleton spricht für die General=Federation of Trade-Unions(entsprechend der deutschen Generalkommission). Im letzten Jahre hatte die Federation schwere Proben ihrer Leistungsfähigkeit abzulegen. Es konnte ein voller Erfolg erreicht werden, und macht die Entwicklung der Federation seildem gute Fortschritte. Immer mehr auch bricht sich die Ansicht Bahn, daß die Federation nicht nur als gegenseitige Versicherungs= und Unterstützungseinrichtung benutzt werden dürfe, sondern größeren Zwecken dienstbar gemacht werden müßte. Leider seien erst 136 Organisationen mit 700000 Gewerkschaftlern der Federation angeschlossen. Wie das bei allen englischen Gewerkschaftskongressen der Fall ist, wurden auch diesmal im Namen des Kongresses den amerikanischen Delegierten wertvolle Geschenke überreicht, ebenfalls der Frau und Tochter Gompers. Gompers erhält außerdem von der Dockarbeiter=Organisation deren Abzeichen in Gold. Eine Resolution der Kesselmacher, die Erleichterungen im Geldverkehr mit den Postscheckkonten für die Gewerkschaften verlangt, eine weitere gegen das Trucksystem, eingebracht von den Handelsangestellten, wurde ohne Debatte angenommen.— Ein Antrag der Weber verlangt, daß das parlamentarische Komitee einen Bericht über die gewerkschaftlichen Unterrichtskurse der deutschen Generalkommission vorbereite, damit eine ähnliche Einrichtung auch hier ermöglicht würde, deren Notwendigkeit, so führt der Begründer an, durch die Diskussionen dieses Kongresses genügend erwiesen sei, denn tüchtige Gewerkschaftsführer brauchten neben dem notwendigen Enthusiasmus auch die erforderlichen Kenntnisse. Der Antrag findet einstimmige Annahme. Ben Tillet, der bekannte Führer der Dockarbeiter, begründet eine Resolution, die die Schaffung eines Arbeitsministeriums verlangt, dem alle Fragen, Gesetze usw., die Arbeiterschaft betr., unterbreitet werden müssen, und dem auch die Bearbeitung von regelmäßigen Berichten über alle Arbeiterfragen obliegt. Nach einiger Diskussion stimmt der Kongreß dem Antrage zu, ebenfalls zwei Resolutionen der Musiker, die sich gegen die Konkurrenz der Militär= und Polizeikapellen wenden. Interessant ist die von dem Begründer der letzteren angeführte Tatjache, daß die Nachfrage nach Militärkapellen so groß ist, daß diese vielfach Zivilmusiter in Uniform stecken, und als Militärkapellen auftreten lassen.— Eine größere Meinungsverschiedenheit entsteht über den Antrag der Schriftsetzer, daß sofort eine Gesellschaft zur Herausgabe einer täglichen Arbeiterzeitung begründet werden solle, die das nötige Kapital durch Aufruf an die Mitglieder der Gewerkschaften aufbringen soll. Das letztere soll ein Eingreifen der Regierung verhindern, das befürchtet wird, wenn die Gelder direkt von den Gewerkschaften gezeichnet würden. Im Prinzip ist der Kongreß anscheinend, wie auch der Vorsitzende wiederholt feststellt, für die Schaffung eines täglichen Blattes, doch wendet sich die Mehrzahl gegen den letzten Passus, der gegen die gewerkschaftlichen Prinzipien verstoße. Da der Antragsteller denselben nicht zurückziehen kann, wird die ganze Resolution mit 1261000 gegen 212 000 Stimmen abgelehnt. Bei der Verkündigung des Resultats machte der Vorsitzende nochmals die obige Erklärung. Am Nachmittag wird der Kongreß von den lokalen Honorationen empfangen werden, also keine Sitzung abgehalten. Streiksituation in Schweden. Stockholm, 10. Sept. Aus sicherer Quelle verlautet, daß die Regierung gestern von ihren Beamten im ganzen Lunde genaue telegraphische Nachrichten über die augenblickliche Lage des Streiks eingefordert hat. Wahrscheinlich wird heute das Ministerium zusammentreten, um seine Haltung in der Bewilligungsfrage zu beraten. Man glaubt allgemein nicht mehr an eine Vermittlung der Regierung. Die Lage hat sich übrigens nicht im geringsten geändert. Der Vor stand des Deutschen MetallarbeiterVerbandes erhielt ein Telegramm aus Schweden, wonach in Deutschland Straßenbahnwagenreparateure, Elektriker und andere Metallarbeiter für Schweden als Streikbrecher angeworben werden sollen. Es sind Agenten unterwegs. Es versteht sich von selbst, daß sich kein deutscher Metallarbeiter zu solchen Schurtenstreichen hergeben darf. Zuzug ist fernzuhalten! Ebenso ist größtes Mißtrauen gegen Agenten zu empfehlen, die Arbeiter nach deutschen Hafenplätzen suchen. Dort sind die Arbeitsverhältnisse gegenwärtig keineswegs so glänzend, daß es notwendig wäre, im Binnenlande Arbeiter zu suchen. Man darf in solchen Fällen annehmen, daß es den Agenten nur darum zu tun ist, die Arbeitsuchenden nach der Wasserkante zu locken, weil sie dann hoffen dürfen, mit ihnen leichteres Spiel zu haben. Also nochmals: Zuzug nach Schweden fernhalten und Vorsicht vor Streikbrecheragenten! Für den Parteitag der Sozialdemokratischen Partei DeutschLinds in Leipzig finden, wie das Parteitagskomitee in der„Leipziger Volkszeitung“ bekanntgibt, folgende Veranstaltungen statt: Sonntag, 12. September, abends 7 Uhr, Eröffnung des Parteitages im großen Saale des Volkshauses. Vor Eintritt in die Verhandlungen und nach Schluß derselben singen die Rühleschen Männerchöre die Lieder:„Krönt den Tag" und„Der Sturm“. Montag, früh 9 Uhr, und folgende Tage bis Sonnabend finder im gleichen Lokal die Fortsetzung der Verhandlungen des Parteitages statt. Dienstaa, 14. September, abends 8 Uhr, Begrüßungsfeier der Parteitagsmitglieder in der„Alberthalle“ (Krystallpalast), unter Mitwirkung der Michaelschen Männerchöre und der Musiker unter Direktion von Schütze. Donnerstag, 18. September, abends 8 Uhr. Festvorstellung im Alten Stadttheater. Zur Aufführung gelangen„Die Kreuzelschreiber“ von Anzengruber. Außerdem findet am Sonnabend, 11., und Sonntag, 12. September, die Generalversammlung des Vereins „Arbeiterpresse“ statt. Während der Dauer des Parteitages veranstalten die Jugendorganisationen eine Ausstellung von Schriften usw. im Volkshause. Für die Presse und die Delegierten ist ein amtliches Hilfspostamt im Volkshause mit Post=, Telephon= und Telegraphenverkehr errichtet. Zum Eröffnungstage und zu den Verhandlungen des Parteitages an den Wochentagen werden auch an der Tageskasse, soweit noch Karten vorhanden sind, Eintrittskarten, für den Tag geltend, ausgegeben. Der Preis der Karte beträgt für Parteimitglieder 50 Pfg., für Nichtparteimitglieder ist ein höherer Betrag zu entrichten. Genossen und Genossinnen, die Zutritt haben wollen, haben sich als Parteimitglieder auszuweisen. Grober Unfug? Unser Görlitzer Parteiblatt, die Görlitzer Volkszeitung", veröffentlichte im Mai d. J. einen Artikel, in dem an einigen Beispielen gezeigt wurde, wie der preußische Staat von reichen Leuten um die Steuern bemogelt wurde. Jetzt ist dem verantwortlichen Redakteur, Genossen Taubadel, mitgeteilt worden, daß ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet ist. Er soll durch die Veröffentlichung des Artikels„groben Unfug" begangen haben. Soll etwa mit solchen Prozessen verhindert werden, daß die Steuermogeleien der Reichen öffentlich bekannt werden? Krecheiuf Sma! wöchenflich. a TAIS Den Lesern bei Einkäufen verösschtungempfchlen. Abzahlungsgeschäfte) Pesian d. screche Möbel aller Art, Herde, Uhren u. Kinder wagen, Herren- u. KnabenAnzüge, Kompl. Retten. Harry Dreyer Gsbenst“ ( Alkoholfreie Getränke Bilz, Vers. W. Festing Sinalco Bielefeld. Regelen, Rch.,„ Aählenatr. 18. Pastor Felkes Corvi Vertr. J. Rosen, Blelefeld. Aug. Sewing, Bielefeld Spez. Apfelperle u. Cipri a. Brausellm. Trinkt Kochs Apfeperle. (Bettted.Bettstoffe, Hetten.) Feber&a Ga., A. Kauptbehahel. Nur bewährte, preiswerte Qualitäten. Unübertroffene Reinigung von Federn und Daunen. Lagerbesuch erwünscht. Friedrich Wohmever. 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Einzelnummer 10 Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn Feiertage täglich nachmitt Fernsprech=Anschluß Nr. 213. Die heutige N Nur ein Teil des 4 dient der unmittelbaren Angehörigen. Die Unbder Regel nahezu vollstä Unterhalt zu bestreite Klassen aber kapitalisier ihres Einkommens, das eigene Arbeit, sondern d wonnen haben, dazu, um daß sie ihn zur Vergrö brauchen, sei es, daß sie Bank einem anderen be irgend ein Zinsen bringe nun zwar gewiß häufig friedigung persönlicher zur Gesamtsumme der i spielen die für Konsumz ringe Rolle. Der weitar ausgeliehenen Summen zwecken. Er wird verwe zur Ausdehnung von Ho häusern. Ebenso ist es gebenen Wertpapieren: dabei nicht um verzinsli meinde handelt. Werde liche Schuldscheine) einer weiternden Fabrik oder Pfandbriefe(Schuldschein eine Vermehrung des der fügung stehenden Kapital häufig vor, daß eine zu Wertpapieres benutzt wir findet, aber das ändert n Kapitals der Volkswirtse treffende Summe kann när dabei zunächst immer wi Wertpapiere dienen, aber Werten angelegt werden. listischen Gesellschaft ein Funktion. Eine Zunahm wendig, weil die Bevölke menden Menschenmengen Vermehrung der Produk wachsen auch die Summer Warenumsätze gebraucht Die Nachfrage nach K hängig von dem Ausdehn und außerdem von de anderen offerktlichen Körpist nun natürlich nicht vo Zeiten der Hochkonjunktu Niedergangs oder Stillst Wirtschaftszeitung" besché es kommt, daß trotz der in den letzten Jahrzehnte mangels gewesen sei, tro solchem Maße Gläubiger reich und England. Der der Ursachen des Kapite Nationalkapital, die infol und der staatlichen Wirt Zu der Produktion vor werden je nach den Umst Kapital erforderlich sein. stellende Unternehmung Ist in einem Produktion so wird zur Produktion d viel Kapital gebraucht, w den von lauter kleinen## die ebensoviel Waren her ebensoviel Kapital wie d Regel bedeutend weniger. duktionsmittel besser ausn so viel herstellen, wie eine mal soviel, sondern viellei daß zur Errichtung des ein soviel Kapital aufgewendet einen, ist ohne weiteres tommen, daß in einem Pr wird als erforderlich ist, u für welche eine Absatzmog listischen Gesellschaft erfol tionsmittel nicht nach ein Produktionszweig tätigen jenigen, die einen neuen zusammen und beraten da eine Erweiterung der vor um den steigenden Bedarf Unternehmer vergrößern zu fragen, was die ander daß die Produktionsmittel hinaus vermehrt werden. etwa durch Vereinbarung heftiger Konkurrenzkampf gegenseitige Preisunterbie# schwächeren, unvorteilhaft Platz. So geht freilich niedergezwungenen Unter: aber ein anderer Teil kan zweig wieder herausgezoge leicht auch ein Teil der M duktionszweig Verwendung Ankauf von Rohstoffen, wendet wurde. In den ül die vorhandenen Einrichtu ausgenützt werden. Wie ist es aber, wenn, die Produktion der einze barungen beschränkt und di Dann bleiben auch die u bes Unternehmungen d steh