Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" A. Gerisch& Co., Wielesekd. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. 206. Bielefeld, Sonnabend, 4. September 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Der Kampf gegen die Bierverteuerung. Eine allgemeine Konsumentenversammlung, die sich mit der Bierpreiserhöhung befaßte, fand gestern abend in der„Centralhalle" statt. Sie war von etwa 1000 Personen besucht. Das Referat hatte Genosse Schreck übernommen. Er führte etwa folgendes aus: Wir wollen heute die Angelegenheit vom Standpunkt des Konsumenten, aber auch vom Standpunkt des Staatsbürgers behandeln. Wir wollen uns nicht nur gegen die Verschleißer und Produzenten wenden, sondern auch gegen die, die an der Bierverteuerung schuld sind, die Regierung, die Abgeordnelen, und die Wähler, die solche Abgeordnete gewählt haben. Es muß darauf hingewiesen werden, daß die Weltpolitik, die fortwährenden Rüstungen schuld daran sind, wenn immer und immer wieder neue Steuern eingeführt werden müssen, und das Reichsdefizit so groß ist. Die Frage, die heute zur Beratung steht, hängt mit der letzten Reichsfinanzreform zusammen. Bei den Wahlen von 1907 führte die Sozialdemokratie den Kampf gegen die nationale Phrase. Aber die nationale Phrase siegte. Die Bürger und teilweise auch die Arbeiter haben trotz der Warnung der Sozialdemokratie den Reichstag, der dann schließlich die letzte Finanzresorm machte, zusammengebracht. Damals erklärte die Reichsregierung in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", daß an die Einbringung neuer Steuervorlagen nicht gedacht werde. Nun bewilligte der Blockreichstag der Regierung aber immer und immer wieder neue Ausgaben. Und so mußte auch schließlich die Steuervorlage kommen, die im wesentlichen aus indirekten Steuern bestand. Das Bier ist im Deutschen Reich seit dessen Bestand besteuert. Im Brausteuergebiet„Deutschland, mit Ausnahme von Bayern, Württemberg, Baden und Elsatz=Lothringen, die besondere Biersteuern haben, bestand eine Materialsteuer. Im Bransteuergebiet war bis 1906 die Steuer für alle Brauereien gleich, dagegen wandten sich die kleinen Brauereien, die aus dem Rohmaterial nicht so viel Bier herstellen konnten, wie die großen. Sie verlangten aber nicht Steuerfreiheit für sich, oder Steuerermäßigung, sondern eine Staffelung der Steuer nach der Menge des verbrauchten Materials. 1906 wurde auch eine gestaffelte Abgabe auf das Material eingeführt. Die Steuer wurde so eine Strafe für den Fortschritt. Der Preis richtete sich natürlich nach dem höheren Steuersatz. Die Steuer wurde in unserem Bezirk abgewälzt auf die Wirte, und im Reich wurden den Wirten Vergünstigungen, die sie bisher gehabt hatten, entzogen. Die Staffelung ist nun durch die neueste Reichsfinanzreform bedeutend vergrößert worden. Die Brauereien sind aber auch dadurch entschädigt worden, daß das neue Gesetz eine Kontingentierung der Bierproduktion bringt. Die Brauereien, die erst nach dem 1. August 1909 in Betrieb gesetzt werden sollen, müssen höhere Steuern zahlen. Die Eröffnung neuer Brauereien wird dadurch verhindert, und das erleichtert es den Brauereien, die Steuer abzuwälzen. Als das Gesetz perfekt wurde, und als die Brauereien zusammentraten, um nicht nur die Steuer abzuwälzen, sondern auch einen Extraprofit zu machen, da wandte sich die Entrüstung, die bisher gegen die Regierung gerichtet war, gegen die Brauer. Es ist sehr bedauerlich, daß eine solche Verschiebung eingetreten ist. Denn die Biersteuer wäre sonst geeignet gewesen, so manchen Staatsbürger aus der Lethargie aufzurütteln. Schon deshalb, weil sie das Kampffeld verschoben haben, ist das Vorgehen der Brauereien sehr zu verurteilen. Am 5. und 6. August wurde in Detmold für unseren Bezirk eine Erhöhung von 4 Mk. pro Hektoliter beschlossen, und zugleich schufen sich die Brauereien eine besondere Kampfesorganisation. Die Herrschaften verstanden die durch die Kontingentierung für sie geschaffene günstige Lage auszunützen. Sie diktierten den Wirten die höheren Preise. Und die Wirte hatten sich schon auf der Oeynhauser Tagung im Februar d. J. bereit erklärt, einer Bierpreiserhöhung zuzustimmen. Die Bielefelder Wirtevereinigung machte jetzt leider keinen Versuch, Widerstand zu leisten, sondern die Wirte versuchten, den Fischzug mitzumachen und auch eine Mehreinnahme herauszuschlagen. Die Brauer verbreiteten allerhand unrichtige Zahlen über die Erhöhung ihrer Produk. tionskosten. Und die Wirte sind nicht einmal zusammengetreten, um die Zahlen zu prüfen. Außenseiter, Nichiverbandsbrauereien sollten durch Preisunterbietung niederkonkurriett oder zum Anschluß gezwungen werden, und das sind dieselben Leute, die sich über Boykotts durch die Arbeiterschaft entrüsten, die einen Boykottschutzverband gründeten und nach Staatsanwalt und Richter riefen. Die Aktienbrauerei, in Osnabrück, die anfänglich nicht mitmachen wollte, gab klein bei, als sie hörte, was die anderen Brauereien im Schilde führten.„Und den Besitzer der Brauerei Wiegand soll man mit der Droschke in ein Hotel geholt haben, und dort wurde er gezwungen, einen Anschlußvertrag zu unterschreiben, durch den er u. a. verpflichtet wurde, nicht an den Konsum=Verein zu liefern. Ist das kein Terrorismus! Aber die Brauer haben nicht mit den Konsumenten gerechnet. Das Bier ist nichts absolut Notwendiges, so können die Konsumenten jetzt darauf verzichten und damit nicht nur den Brauern, sondern auch der Regierung eine Antwort geben. Das haben auch die Konsumenten getan, sie haben das Bier zurückgewiesen, zunächst ohne jede Organisation. Der Bierkonsum ging zurück. Nun haben die Brauer allerhand Rechenkunststücke der Oeffentlichteit vorgemacht. Im Höchstfalle belastet die Sieuer den Hektoliter um 1.70 Mk., und da soll eine Erhöhung der Bierpreise durch die Brauer um 4 Mk. pro Hektotiter und eine Höherbelastung der Konsumenten um 7 bis 10 Mk. eintreten! Die Brauer berufen sich zur Begründung ihres Aufschlages auf die Steuer von 1906, auf die Lohnerhöhung, auf die Verteuerung der Kohle und des Malzes. Aber bei genauer Prüfung stellen sich ihre Angaben als sehr übertrieben heraus. Die Löhne sollen, wie hier behauptet wurde, um 80 Pfg. pro Hekioliter gestiegen sein, schließlich ging man auf 74 Pfg. zurück. Wenn es richtig ist, daß bei einer Brauerei die Löhne um 9,50 Mk. gestiegen sind, so ist das höchstens ein Beweis dafüt, daß die betreffende Brauerei früher einen übermäßig großen Profit gemacht hat, der wert war, beschnitten zu werden. Nach der Behauptung des Brauereiarbeiters in der„Volkswacht“ könnte man annehmen, daß auch im Reichsdurchschnitt der Lohn um 9,50 Mark pro Woche gestiegen sei! Das würde die Summe von 54.020000 Mark bedeuten! Nach den Angaben, die sich aber im Protokoll über den Verbandstag des Brauereiarbeiterverbandes in München befinden, sind für 31 740 Arbeiter in den Jahren 1906 und 1907 zirka 81083 Mark pro Woche an Lohnerhöhungen erzielt worden. Es kommt also auf den Kopf 2,55 Mark. Selbst zugegeben, daß nicht nur für die in der Statistik aufgeführte Arbeiterzahl, sondern für alle Arbeiter eine Lohnerhöhung in dieser Höhe erzielt worden ist, so ergibt das insgesamt eine Erhöhung von 14¼ Millionen, das sind pro Hektoliter etwa 20 Pfg. Lohnsteigerung. Aber es muß doch auch untersucht werden, ob nicht die Leistungsfähigkeit der Arbeiter gestiegen ist. Uebrigens ist es doch sehr töricht, wenn ein Brauereiarbeiter in der Oeffentlichkeit mit derartig großen Zahlen herumwirft. Er braucht sich dann nicht darüber zu wundern, wenn ihm diese Zahlen auch bei Lohnerhöhungen von den Brauereien unter die Nase gerieben werden. Es ist nun gesagt worden, daß Arbeiter brotlos werden könnten. Die Sozialdemokraten haben im Reichstag die Gewährung von Entschädigungen für arbeitslos gewordene Brauereiarbeiter beantragt. Dieser Antrag ist aber von der Mehrheit abgelehnt worden. Wenn man aber derartige Rücksichten nehmen wollte, so könnten die Arbeiter überhaupt keinen Kampf führen. Sollten Brauereien wirklich versuchen, organisierte Arbeiter aus diesem Anlaß zu maßregeln, dann werden die Konsumenten niemals mehr das Bier der betreffenden Brauereien trinken. Die Brauereiarbeiter sollten sich vor allem die Sympathien des Publikums nicht verscherzen. Um die Rentabilität der Brauereien brauchen wir uns eigentlich nicht zu kümmern, denn wer hat sich denn darum gekümmert, daß der Mittelstand und die Arbeiter während der Krise viel weniger verdient haben? Und nach den Zahlen, die im Wolfsschen Jahrbuch für deutsche Aktienbrauereien und Malzfabriken enthalten sind, ist die Rentabilität der Brauereien noch immer eine sehr gute. Und nun die Wirte! Wir wissen wohl, daß die Wirte heute schwer belastet sind. Aber gerode deshalb sollten sie sich gegen die Brauer wenden, die das Bier so übermäßig verteuern wollen. Die verschiedenen Steuererhöhungen würden doch nicht nur durch das Bier, sondern auch auf andere Weise abgewälzt werden. Die Wirte sammeln jetzt Unterschriften. Sie wollen auch eine Konventionalstrafe einführen, und den Wirten, die zu alten Preisen verschänken, das Material sperren. Sie sollten lieber Unterschriften sammeln, um den Kampf gegen die Brauer mit den Konsumenten zu führen. Warum nehmen die Wirte den Kampf nicht auf? Weil sie ihr Interesse nicht verstehen. Würden sie sich dem Kampf der Konsumenten anschließen, so würde ihnen das Publikum entgegenkommen. Die Wirte und die Brauer haben durch ihr Verhalten eine Erschütterung für ihr Gewerbe herbeigeführt, an der sie noch jahrelang zu tragen haben werden. Und sie werden ihr Ziel doch nicht erreichen. Denn die Konsumenten lassen sich die Preiserhöhung nicht gefallen. Der Kampf wird auch neue Konkurrenz hervorbringen, einerseits werden alkoholfreie Getränke mehr getrunken werden, andererseits wird auch der Weinkonsum zunehmen. In Italien herrscht jetzt Weinüberfluß. Vielleicht ist es möglich, durch Organisation der Konsumenten Wein billig herbeizuschaffen! Liegt darin nicht eine große Gefahr für die Brauer? Das Bier hat heute noch eine große soziale Bedeutung. Ich muß hier noch auf den Trick der Junker aufmerksam machen, daß sie die Biersteuer am 15. August und die Schnapssteuer am 1. Oktober in Kraft treten lassen. Es kann keine größere Gefahr geben, als daß sich das Volk wieder mehr an den Schnaps gewöhnt, und der Schnapsteufel wieder weitere Kreise ergreift. Was soll nun geschehen? Der Redner schlägt folgende Resolution vor: „Die Versammlung legt gegen die von den Brauereien aus Anlaß der Brausteuererhöhung beschlossene Erhöhung der Bierpreise den entschiedensten Protest ein. In einer Zeit, in der ohnehin alle Lebens= und Genußmittel der Volksmassen durch die Wirtschaftspolitik des Reiches eine enorme Preissteigerung erfahren haben, erscheint die Maßnahme der Brauereivereinigung als eine durch nichts gerechtfertigte Belastung der Konsumenten. Die Versammlung bedauert, daß die Wirte den von den Brauereien diktierten Preisaufschlag ohne Widerspruch angenommen haben und sich durch eine weitere Erhöhung der Preise beim Publikum schadlos halten wollen. Um der ungerechtfertigten Erhöhung der Preise wirksam begegnen zu können, empfiehlt die Versammlung den Konsumenten, sich vorerst des Biergenusses gänzlich zu enthalten oder höchstens nur in solchen Wirtschoften zu verkehren, in denen das alte Maß und der alte Preis beibehalten ist, sich aber auch auf jeden Fall des Schnapsgenusses zu enthalten. Zur weiteren Regelung der Angelegenheit wird eine Kommission eingesetzt, die mit den Vertretern der Wirte und der Brauereien in Verhandlung treten soll, um eine für Konsamenten und Produzenten befriedigende Erledigung herbeizuführen.“ Redner begründet noch kurz die Resolution und sagt unter underem: Die Wirte, die noch zu altem Preise ausschenken, sind häufig solche, die sich sonst nicht um die politischen und wirtschaftlichen Kämpfe der Bürger kümmern. Deshalb ist es am besten, jeden Biergenuß zu vermeiden. Hier brauchen sie sich einmal nicht damit zu begnügen, durch Handaufheben zu protestieren und die Abrechnung zu vertagen. Hier können sie durch die Tat beweisen, welche Macht sie als Konsumenten haben: Wenn sie hierbei dann sehen, wie wirkungsvoll organisierte Kräfte angewandt werden können, dann werden sie ihre Macht auch später anwenden für Volksfortschritt und Volkswohlfahrt. Eine Diskussion erfolgte nicht. In die Kommission zur Verhandlung mit Brauereien und Wirten wurden 9 Personen gewählt. Aus der Stadt und * Bielefeld, 4. September. — Was bezwecken die Ferienspiele? Die Natur des Kindes verlangt vor allem Bewegung. Der schwellende Muskel kann nur durch Arbeit gestählt und geübt werden und der wachsende Knochen erhält durch Belastung Druck und Zug, Festigkeit und Geschwindigkeit. Lunge und Herz werden gekräftigt durch Lauf und Sprung und jede körperliche Arbeit, die die Lebensvorgänge in diesen Organen steigern. Es ist klar, daß einem Kinde nichts widernatürlicher ist als stilles Sitzen, und so sehen wir denn das gesunde Kind stets laufen und springen, während das kränkelnde gern in der Stube hockt. Widernatürlich ist dem kindlichen Körper auch das anhaltende stille Sitzen in der Schulbank. Mit einer wahren Lust gebrauchen denn auch die Kleinen ihre Glieder, wenn sie dem Schulzimmer entfliehen können. So notwendig die Schule dem Kinde ist, um seinen Geist zu bilden und es mit den Kulturerrungenschaften der Vergangenheit bekannt zu machen, so notwendig sind auch vor allem für seine körperliche Ausbildung die Ferien mit ihrer freien körperlichen Betätigung. Leider sind unsere sozialen Verhältnisse nicht dergestalt, daß alle Kinder diese Ferienzeit in der richtigen Weise ausnutzen können. Es ist darum dankenswert, daß unsere Stadtverwaltung sich die Ausbildung der Ferienspiele sehr angelegen sein läßt. Jeden Morgen 8 Uhr ziehen die Kinder vom Kriegerdenkmal unter Führung zweier Lehrer hinaus zum städtischen Waldspielplatz auf dem früheren Meierhof Olderdissen. Auf den grünen Rasenflächen entfaltet sich gar bald ein lustiges Treiben, die größeren Knaben üben den Schlagball, um für den Bannerkampf zu„trainieren“. Andere sieht man den Fußball schlagen, den Schleuderball werfen; recht beliebt ist das Tambourinspiel. Zahlreich drängen sich die Kleinen heran, wenn eine neue Abteilung gebildet wird; die kleineren Knaben treiben verschiedene Hasch= und einfachere Ballspiele. Bei den Mädchen sind Reigen sehr beliebt. Schier unerschöpflich scheint die Zahl dieser Naturtänze zu sein, und immer neue Abänderungen werden ersonnen. In der Frühstückspause wird ein Becher guter, warmer Milch abgegeben. Zum Schluß führt eine Wanderung durch die schönen Berge, die, wenn die Zeit es erlaubt, noch durch spannende Waldspiele unterbrochen wird, heim zu Mutters Kochtopf, die gewiß um diese Zeit etwas reichlicher auftischen muß, um die hungrigen Mägen zu füllen. Nur noch acht Tage sind es, wo den Kleinen die goldene Freiheit blüht. Ihr Eltern, nutzt die Zeit noch kräftig aus, daß, wenn die Schularbeit wieder beginnt, eure Kinder körperlich gestärkt und seelisch frisch sich mit Lust und Erfolg auch der Geistesarbeit widmen können. — Für die bevorstehende Umzugszeit wird darauf aufmerksam gemacht, daß neue Gebäude und Gebäudeteile, welche zum dauernden Aufenthalt von Menschen bestimmt sind, nach§ 11 der Bau=Polizei=Ordnung hier erst dann bezogen werden dürfen, wenn seit der Rohbauabnahme 5 Monate resp. salls dieselbe im April oder Mai stattgefunden hat, 4 Monate verstrichen sind und die Schlußabnahme stattgefunden hat. Zuwiderhandlungen werden polizeilich bestraft; auch wird die sofortige Räumung der bereits bezogenen unvorschriftsmäßigen Wohnungen veranlaßt werden. Ausnahmen können von der Polizei=Verwaltung zugelassen werden, wenn erhebliche Gründe die Zulassung rechtfertigen und evtl. durch ein kreisärztliches Zeugnis nachgewiesen wird, daß die Räume genügend trocken sind. — Störung der Telegraphen= und Fernsprechleitungen durch Papierdrachen. Vom Kaiserlichen Telegraphenamt wird uns geschrieben: Der Betrieb der oberirdisch geführten ReichsTelegraphen und=Fernsprechleitungen ist in letzter Zeit wiederholt dadurch gestört worden, daß Papierdrachen oder deren Ueberreste Drahtverschlingungen verursacht haben. Derartige Störungen machen sich natürlich für das Publikum sehr unangenehm fühlbar, das dadurch in der Benutzung der Anschlußleitungen gehindert wird. Zum Schutze der Telegraphen= und Fernsprechleitungen sind im Strafgesetzbuch die§§ 317 und 318 erlassen, die die Urheber derartiger Störungen mit erheblichen Geldstrafen oder mit Gefängnis bedrohen. Die Eltern und erwachsenen Angehörigen werden daher im Interesse der Kinder handeln, wenn sie darauf halten, daß diese beim Steigenlassen der Drachen den Telegraphen= und Fernsprechleitungen fern bleiben und nur solche Wege und Felder wählen, wo eine Berührung der Drachen mit den Leitungsdrähten ausgeschlassen ist. — Die Freie Turnerschaft,„Abteilung„Frisch Auf“, feiert morgen, 5. Sept., im Lokale des Herrn Imkamp, Engerschestraße, ihre Rekruten=Abschiedsfeier. Näheres siehe im Inserat. — Promenaden=Musik. Das städtische Orchester veranstaltet am Sonntag, 5. September, um 11½ Uhr, ein PromenadenKonzert auf dem Schillerplatz mit nachstehendem Programm: 1. Marsch„Hohenzollernruhm“ von Unrath; 2. Ouvertüre „Athalia“ von Mendelssohn; 3.„Des Kaisers Leibhusaren“ von Friedemann; 4. Walzer„Hosballtänze"; 5. Patriotisches Potpourri„Bilder aus dem Soldatenleben“ von Hellmann. Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Wegen plötzlicher Erkrankung von Frau Emmy Berend muß die für heute Sonnabend angesetzte Aufführung von„Der Salontiroler“ ausfallen. Das Theater bleibt für Sonnabend geschlossen. Am Sonntag, 5. September, ist eine Doppel=Vorstellung. Zur Aufführung gelangt das reizende Lustspiel„Die Kinder der Exzellenz“ von E. von Wolzogen u. W. Schumann. Hierzu das Singspiel„Das Versprechen hinterm Herd“ von A. Baumann. Die Stücke sind gut vorbereitet und der Sonntag bietet daher einen äußerst amüsanten, unterhaltenden Theaterabend. Montag bleibt das Theater geschlossen. Dienstag:„Der Meineidbauer“ — Polizeibericht. Wochenbettpflegerinnenkurse. Der Herr Landeshauptmann hat angeordnet, daß Kurse zur Ausbildung von Wochenbettpflegerinnen von je zweimonatiger Dauer abgehalten werden: bei der Provinzialhebammenlehranstalt in Bochum vom 1. Februar 1910 ab für 20 Teilnehmerinnen und bei der Provinzialhebammenlehranstalt in Paderborn vom 1. August 1910 ab für 7 Teilnehmerinnen. Das Honorar für einen Kursus beträgt 120 Mark. Anträge auf Zulassung zu dem Kursus in Bochum müssen bis zum 1. November 1909 und für den Kursus in Paderborn bis zum 1. Mai 1910 bei der Polizeiverwaltung hier eingereicht werden. Auskunft wird im Rathaus, Zimmer Nr. 31, erteilt. Verloren: 1 Sparbuch der Kreissparkasse; 1 runde Brosche mit buntem Ritter auf dem Wochenmarkte; 1 Paket mit rosaseidenem Babyjäckchen. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Trunkenheit und Verüben groben Unfugs, sowie 4 Personen wegen Einbruchsdiebstahls; 13 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Einbruchsdiebstahl. Gestern abend gegen 11½ Uhr versuchten die mehrfach wegen Diebstahls vorbestraften Arbeiter Friedrich P. und Robert W. in Gemeinschaft mit den Arbeitern Dietrich H. und Karl M. durch Einsteigen in eine Futterklappe am Stall der Besitzung des Rentners W. am Hallerweg in die Wohnung des Besitzers zu gelangen, um dort zu stehlen. Zwei Kriminalbeamte überraschten die saubere Gesellschaft jedoch dabei und lieferte sie vollzählig in das Polizeigefängnis in der Turnerstraße ein. Gefunden: 1 goldene Damenuhr mit goldener Kette. Infolge einer ungesunden Finanzpolitik ist das Verbandsvermögen(in der Hauptkasse) von 4 033 471,49 Mk. am Jahresschluß 1907, auf 3373 297,49 Mk. vermindert. Zieht man nun das Immobilienkonto von. 1 436 179,75 Mk. davon ab, so verbleibt ein verfügbares Kampfkapital von 1 937 117,79 Mk., für zirka 360000 Mitglieder übrig, oder gar pro Kopf des Mitgliedes ganze 5½ Mk. Der christliche Metallarbeiter=Verband hat dagegen heute ein Vermögen pro Kopf des Mitgliedes von über 27,00 Mk. Würde er in derselben Art und Weise Schmutzkonkurrenz getrieben haben, so würde er heute für seine Mitglieder nicht so eintreten können, wie es in der heutigen Zeit unbedingt notwendig ist. Nicht durch Auszahlung von allerhand übermäßigen Unterstützungen können dem Arbeiterstande günstige Lohn= und Arbeitsbedingungen verschafft werden, sondern nur durch Stärkung der Kampfkasse und Erziehung der Mitglieder zu disziplinierten Gewerkschaftlern. Deshalb, nationale und christliche Arbeiter, die ihr heute noch nicht den christlichen Gewerkschaften angehört, lernet aus dem angeführten Zahlenmaterial, und macht ganz entschieden „4 goron derorti Fronl gehen verartige Finanzpraktiken des sozialdemokratisch Metallarbeiter=Verbandes und tretet geschlossen dem christlie, chen Versammlungen. Sonntag, 5. September. Brackwede. Holzarb.=Verband. Vorm. 9½ Uhr bei Kramme. Vortrag über den Generalstreik in Schweden. Bielefeld. Holzarb.=Verband. Die gestern angekündigte Versammlung war irrtümlich unter Bielefeld gemeldet worden. Oerlinghausen. Wäschearbeiterinnen Abends 8½ Uhr im Lokale des Herrn Löhr. Lage. Gewerkschaftler und Parteigenossen. Ausflug nach Müssen. Abmarsch 1½ Uhr von der Werrebrücke in der Bruchstraße. Montag, 6. September. Bünde. Arb.=Abst.=Bund. Abends 9 Uhr bei Nübel. Blotho. Arb.=Abst.=Bund. Abends 9 Uhr bei Kasselmann. Deutscher Arbeiter=Sängerbund. Bezirk 5.(Herford.) Sonntag, 5. Sept., vorm. 9 Uhr, Bezirksversammlung bei Liedtke. Ueber die Wirkung der neuen Tabaksteuer auf die Nebeuberufe wird der Vorstand des Holzarbeiterverbandes Material sammeln, soweit die bei der Fabrikation von Zigarrenkisten und=Formen beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in Frage kommen. Er richtet sich mit einer Bekanntmachung an die Zahlstellen des Verbandes, in der es heißt: Nachdem aus deren Reihen(der im Zigarrenkistengewerbe usw. Beschäftigten) beantragt worden ist, auch ihnen bei Erfüllung der erwähnten Voraussetzungen die Unterstützung des Reiches zu verschaffen, richten wir an die in Frage kommenden Zahlstellenverwaltungen die Aufforderung, alle Fälle von Betriebseinschränkungen und Entlassungen in der Zigarrenkistenund Zigarrenformenbranche, die auf das neue Tabaksteuergesetz zurückzuführen stud, mit Namen und Datum genau zu registrieren, damit zur Begründung etwaiger Anträge auch tatsächliches Material beigebracht werden kann. Metallarbeiter=Verbande bei. Denn er hat es vewiesen, daß er voll und ganz für die Verbesserungen der Lohn= und Arbeitsbedingungen eintreten kann und wird. Derselbe vertröstet euch nicht auf den Zukunftsstaat, sondern will im Gegenwartsstaat dasjenige für euch herausholen, was herauszuholen ist.“ Wir lassen hierauf zunächst den Bericht über die GeneralVersammlung der Zahlstelle Berlin, in der die Abrechnung gegeben wurde, aus dem„Vorwärts“ folgen: „Der Kassenbericht vom 2. Quartal 1909 wurde vorgelegt. In der Hauptsache bilanzieren Einnahme und Ausgabe mit 633 036,20 Mark. Unter den Ausgaben stehen an Unterstützungen verzeichnet in Krankheitsfällen 130 253 Mark, bei Arbeitslosigkeit 251 838 Mark, bei Streiks 120 058 Mark, bei Maßregelungen 28 880 Mark. In der Lokalkasse bilanzieren Einnahmen und Ausgaben mit 958 568,58 Mark. Die Lokalkasse zahlte an Unterstützungen bei Streiks 40 463 Mark, bei Maßregelungen 8150 Mark und in besonderen Notfällen 9029 Mark. Der Kassenbestand belief sich am 30. Juni 1909 auf 832 776,61 Mark. Der Kassierer Henning machte darauf aufmerksam, daß im zweiten Quartal an Krankenunterstützung 6415,30 Mark weniger und an Arbeitslosenunterstützung 72 825,60 Mark weniger als im ersten Quartal zur Auszahlung kamen, dagegen an Streikunterstützung 91371,25 Mark mehr und an Maßregelungsunterstützung 5000 Mark mehr gebraucht wurden.— Auf Antrag der Revisoren wurde dem Kassierer Decharge erteilt.“ Hieraus ist zu ersehen, wie glänzend es mit den Finanzen des Verbandes steht. Selbstverständlich war man darauf gefaßt, daß in den Krisenjahren mehr ausgegeben als eingenommen werden würde, aber die Tatsache steht heute schon fest, daß diese Mehrausgabe mit Ruhe ertragen werden kann und keine Erschütterung der finanziellen Lage des Verbandes mit sich bringt. Ist doch die schlimmste Zeit jetzt schon überstanden, und setzt erst die gute Konjunktur wieder ein, so wird der Verlust spielend wieder eingeholt. Der„Ravensberger aber muß seine Leser für vollendete Trottel halten, daß er ihnen den Vergleich zwischen dem christlichen und dem deutschen Metallarbeiterverband vorzusetzen wagt. Das ist so, als wolle man die Weser mit der Lutter vergleichen. Heraus mit der Sprache, wie viel Mitglieder hat wirklich der christliche Verband, wir meinen, wenn nichts hinzugelogen wird, hat er 15000 oder nur 10000 Mitglieder. Ist denn nun die Aufforderung, diesem Verbande beizutreten, nicht geradezu töricht? Würde sie im großen Maßstabe befolgt, wie schnell würde die Summe, die auf den Kopf an Vermögen entfällt, sinken? Im Gegenteil, austreten müssen die Mitglieder. auf den Kopf des letzten Ueberlebenden würde dann ein kolossaler Betrag entfallen, womit er sich genügend unterstützen könnte. Christliche Unzurechnungsfähigkeit. In der Nummer 203 des„Ravensberger“ finden wir folgenden Artikel: „Der sozialdemorratische Weraltarbeiter. Verband und seine Geldkrisis. Nach dem letzten Geschäftsbericht genannten Verbandes mußte derselbe eingestehen, daß er mit einer Unterbilanz von über 660000 Mk. abgeschnitten hat. Man sollte nun annehmen, daß von da ab eine vernünftigere Finanzpolitik getrieben worden sei. Doch nein, das„Reich" bringt in seiner Nr. 199 folgenden Kritel.„ Eine Unterbilanz von 260 000 Mart hal die Hauptkasse der Berliner Ortsverwaltung des sozialdemokratischen Metallarbeiter=Verbandes im zweiten Vierteljahr 1909 nach dem„Deutschen Metallarbeiter“ aufzuweisen. Da der sozialdemokratische Verband in Berlin unter Ausschluß der Oeffentlichkeit seine Mitgliederversammlungen abhält, ist es natürlich sehr schwer, etwas genaues über den Stand der Dinge wahrzunehmen. Die Einführung der Unterstützung für kranke und arbeitslose Mitglieder, die neben dem christlich=nationalen auch der rote Metallarbeiter=Verband eingeführt hat, verschlingt gewiß große Summen, aber ein solches Defizit? Diese Unterbilanz redet eine deutliche Sprache. Viele Mitglieder und einen leeren„Juliusturm“!!! Wahrheit ist, daß der sozialdemokratische MetallarbeiterVerband auf längere Zzeit für die Arbeiterschaft nicht eintreten kann, und wegen Geldmangel überall zurückbremsen muß. So z. B. Stettin, Mannheim, Hagen, Magdeburg und Herford bei Niebaum u. Gutenberg nicht zu vergessen, wo man die Bewegungen wegen Geldmangel abmurksen mußte. Posse Schin Bielefelber Lommertheater. en. Donnerstag, 2. September: Der Mann im Monde, sse mit Gesang in 5 Akten von Eduard Jakobson. Der ite marren ist zum Benefiz von Willy, Schneider hervorgesucht icht einmal eine Roule, in welcher worden. Aber er enthalt nicht kinmar eine nialle, in welcher der Benefiziant glänzen konnte. Man sollte doch wirklich diese ödeste Zeit der deutschen Literatur, unmittelbar nach der glorreichen Wiederauferstehung des deutschen Reiches, in Frieden Bei dieser Gelegenheit bemerken wir noch, daß der neulich mit dem„Herrn Senator“ zur Aufführung, gelangte Einakter „Kurmärker und Picarde“ eine grenzenlose Geschmacklosig. * Herford, 3. Sept. Promenadenkonzert Sonnsag, 5. September, ab ½12 Uhr, auf dem Wilhelmplatze. Programm: 1. Ouvertüre Tempelweihe von Kéler=Béla; 2. Am Lied von Schubert; 3 Final des 3. Aktes a. d. Op. Meer“, Tier von Schucrr., v. Finale des 3. Aktes a. d. Op „Rienzi“ von Richard Wagner; 4. Voglein im Baum(Picolosolo, Herr Wiggert) von Rodominsky; 5. Fantasie a. d. Op. „Das Nachtlager von Granada“ von Kreutzer * Herford, 3. Sept. Feuer. In voriger Nacht brannte das von der Stadt Herford gekaufte Kolonat des Maurers Ellerbrok in der Neustädter Feldmark vollständig nieder. Es wurde von den Möbeln wenig gerettet. Einer der Mieter hat nichts versichert— Ein zweites Feuer brach heute abend gegen 8 Uhr in der Lübberstraße, im Laden des Huthändlers Pracht aus. Hilfe war sofort bei der Hand, so daß der Schaden nicht erheblich ist. Ueber die Ursache des Brandes ist noch nichts bekannt. * Heidenoldendorf, 3. Sept. Am Mittwoch, 1. Sept., abends, tagte eine Sitzung des Gemeindeausschusses im Gasthof„Zur Linde". Schon des öfteren haben wir Gelegenheit gehabt, uns über die Tätigkeit des Gemeindeausschusses in der„Volkswacht" zu äußern. Heute wollen wir uns mit dem neuen Friedhofsstatut, welches vom Ausschuß resp. Vorstand ausgearbeitet, ans Verwaltungsamt und von diesem wieder zurückgegangen war, und zur nochmaligen Prüfung vorlag, beschäftigen, und zwar mit dem für die Arbeiterschaft wich tigsten Punkte, welcher die Steuerverteilung betrifft. Der Passus lautet:„Die Gebühren(für das Grab) sind vorher an den Rechnungsführer zu entrichten.“ In diesem Passus hat selbst die Verwaltungsbehörde eine Härte empfunden. Aber unsere Ortsvertreter sicht das nicht an, auch nicht ein Vertreter der dritten Klasse protestierte dagegen. Nachdem nun die Verwaltungsbehörde die Härte bemängelt hat, soll der Passus jetzt lauten:„Die Gebühren sind innerhalb 8 Tagen nach der Beerdigung an den Rechnungsführer zu entrichten, nach einmaliger Aufforderung ist eine Strafe von 50 Pfg. und die Kosten des Verfahrens zu entrichten. Sollte der Betreffende dann noch nicht zahlen, ist auf dem Wege der Zwangsvollstreckung vorzugehen. Der so geanderte Passus wurde einstimmig angenommen. Wer will aber behaupten, daß dieser letzte Groschen für Arzt und Apotheke draufgegangen ist, muß dann erwarten, daß er um das Fleckchen Erde, wo sein Liebstes ruht, gepfändet wird, und das auf Beschluß unserer Liberalen! — Eine Ersatzwahl für das Ausschußmitglied Aug. Breinker, welches sein Mandat niedergelegt hat, findet am Sonnabend, 4. Sept., von 6 bis 8 Uhr abends im Obernkruge (Hille) start. Als Kandidat ist Genosse Wilh. Lübbeke aufgestellt. Tue jeder seine Pflicht, damit der Sieg unser wird keit ist. * Rheda, 31. August.„Christentum, Zentrum und Sozialdemokratie eine Probe der sozialdemokratischen Lügenmoral, diesen Bandwurm von Ueberschrift tragt ein Flugblatt aus der bekannten Flugschriftenmühle des„Volksvereins für das katholische Deutschland in M.=Gladbach das hier zur Verbreitung gelangte. Mit diesem Flugblatt soll jedenfalls der Anfang damit gemacht werden, die Sozialdemokratie in Rheda mit Stumpf und Stiel auszurotten. Wir gratülieren schon im voraus zu diesem kühnen Unterfangen, meinen aber doch, daß die frommen Führer der Zentrumspartei klüger handelten, wenn sie es mit der Wahrheit versuchten, die angebliche Unrichtigkeit der sozialdemokratischen Lehren nachzuweisen, anstatt nach dem Grundsatze:„Verleumde nur kühn drauflos, etwas bleibt doch hängen" zu handeln. Die Herren sollten doch bedenken, daß auch die ausgefeimtesten Lügen auf die Dauer sich nicht dem Lichte der Wahrheit entiehen können, und daß dann ihre Verbreiter bei jedem ehrlichen Christen als sehr zweifelhafte Menschen, denen man denn doch nicht weiter als wie über den Weg trauen darf, dastehen. Wir hatten ja erst kürzlich in Wiedenbrück Gelegenheit, vom Reichstagsabgeordneten Severing nachgewiesen zu bekommen, mit wie wenig Wahrhaftigkeit die Zentrumsflugblätter aus M.=Gladbach geschrieben sind. Damals handelte es sich um das Zentrums-Flugblatt:„Die Reichssteuern von 1909. Dieselbe Unwahrhaftigkeit zeichnet auch das eingangs erwähnte Flugblatt aus. In diesem wird eine Flugschrift des sozialdemokratischen die obere Rheit Agitationskomitees für eu öbere Rheinprovinz:„Christentum, Zentrum und Sozialdemokratie" besprochen. In welcher Weise dies geschieht, davon im nachstehenden nur ein paar Proben: Gleich der erste Satz ist eine Verleumdung. In dem Zentrums=Flugblatt heißt es: „Die Lügenmoral, welche der Obergenosse Kautsky den „Genossen“ gestattet, lautet kurz dahin, daß diese dem Gegner gegenüber nicht an die Pflicht der Wahrhaftigkeit gebunden seien, es also in der Bekämpfung der Gegner mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen brauchen. Schon dutzendemal ist nachgewiesen worden, daß diese Behauptung, Kautsky habe den Parteigenossen derartiges empfohlen, eine elende Verleumdung ist. Aber trotzdem tischen die M.=Gladbacher Lügenfabrikanten den Schwindel immer wieder von neuem auf, womit sie den Beweis erbringen, daß sie selbst nach diesem Grundsatze handeln, der Sozialdemokratie gegenüber nicht an die Pflicht der Wahrhaftigkeit gebunden zu sein. Was hat Kautsky in Wirklichkeit geschrieben? In einer Besprechung des Dresdener Parteitages(„Neue Zeit“ 1903/04, Band 1, Seite 1) heißt es am Schlusse seiner Ausführungen: „Und wie es ökonomische Gesetze gibt, die für jede Gesellschaftsform gelten, so gibt es auch sittliche Grundsätze, deren keiner entraten kann. Einer der wichtigsten darüber ist die Pflicht der Wahrhaftigkeit dem Genossen gegenüber. Dem Feinde gegenüber hat man diese Pflicht nie anerkannt, dagegen gibt es ohne sie kein dauerndes Zusammenwirken gleichgestellter Genossen. Steht hier ein Wort davon, daß Kautsky den Parteigenossen gestattet, dem Gegner gegenüber nicht wahrhaftig zu sein? Er stellt nur fest, daß die bürgerliche Moral die Pflicht der Wahrhaftigkeit dem Feinde gegenüber nie anerkannt hat. Und wie recht er damit hat, beweisen ja gerade die frommen Verfasser des Zentrums=Flugblattes mit ihrer Unwahrhaftigkeit der Sozialdemokratie gegenüber. Eine direkte Fälschung ist die folgende Behauptung in dem Flugblatt: „Der Broschürenschreiber macht seinen Lesern weis, aus kapitalistischer Liebedienerei wären die kirchlichen Behorden nicht vor einer Fälschung der deutschen Uebersetzung der Arbeiter=Enzyklika Leos XIII. zurückgeschreckt! Wörtlich zu lesen Seite 12!!“ Es wird hier so dargestellt, als ob die Behauptung der Färschung von sozialdemokratischer Seite erhoben würde. Was steht nun in Wirklichkeit in der Broschüre? Dieses: „Der katholische Geistliche Hohoff hat jüngst in der Bonifaziusdruckerei in Paderborn ein Buch herausgegeben, das die völlige Vereinbarkeit der wichtigsten sozialdemokratischen Lehren mit dem Christentum nachweist. Es heißt in diesem Buche: „Der Sozialismus ist nicht das„Böse"; er ist nicht die „Zerstörung“, er ist nicht an sich und absolut durch den Syllabus verdammt. Der Sozialismus, insofern er berechtigt ist und Wahrheit enthält, wurzelt gleichfalls im Christentum, ist aus ihm hervorgegangen. Die wahren Ideale beider können seben gerade nur durch das Christentum ihre Realisierung finden, dem sie in letzter Instanz entstammen.“ „Die Marxsche Sozialökonomie(die Wissenschaft, auf der die Sozialdemokratie fußt) rechtfertigt und bestätigt die Soziallehre der Kirche, rechtfertigt und bestätigt die scholastische Erkenntnistheorie, leistet wissenschaftlich Großartiges, während seine Gegner, außer in geschichtlicher, beschreibender und statistischer Hinsicht, absolut nichts leisten, sondern mit Blindheit und Unfruchtbarkeit geschlagen sind. „Wenn man hüben und druben wüßte, was Kapital in Wahrheit ist, was in Wahrheit Marx und die Kirche lehrt, so wäre eine Verständigung leicht möglich, ja selbstverständlich und geboten. So aber führt man vielleicht demnächst einen Kampf auf Leben und Tod gegeneinander— aus Unwissenheit und Mißverständnis.“ An einem eklatanten Fall zeigt dieser katholische und seiner Kirche treu ergebene Geistliche, daß die kapitalistische Liebedienerei kirchlicher Behörden selbst vor Fälschungen nicht zurückschreckt. Hohoff weist unwiderleglich nach, daß bei der deutschen Uebersetzung der Arbeiter=Enzyklika Leos XIII. entscheidende Stellen gefälscht worden sind im Interesse des ausbeutenden Rapitalismus E I.1532 Papst Leo XII1. nennt in dieser Enzyilika, die in taleinischer Sprache erschien, die Arbeit die alleinige Quelle des gesellschaftlichen Reichtums. Was soviel heißt: die Arbeiter aller Grade sind es allein, die den Reichtum dieser Welt hervorbringen. Und darin liegt die Anerkennung eingeschlossen, daß die Arbeiter auch das Recht auf den vollen Ertrag ihres Fleißes hätten und jede Ausbeutung fremder Arbeitskraft durch Unternehmer den christlichen Grundsätzen widerspreche. Und diese überaus wichtigen Worte haben die kirchenamtlichen deutschen Uebersetzer gefälscht und in die vieldeutige Form gebracht: es sei eigentlich die Arbeit auf dem Felde, in der Werkstatt, der Fabrik, die im Staate Wohlhabenheit herbeiführe.— Es hat nichts genutzt, daß schon 1893 auf dem Katholikentag in Würzburg Graf Sylva=Tarouca auf die Fälschung hinwies, man hat sie ruhig fortbestehen lassen— im Interesse der Freiheit der kapitalistischen Ausbeutung, aus blindem Haß gegen die Sozialdemokratie! In heiligem Zorn über diese„christlichen“ Schildträger des Kapitalismus ruft Hohoff aus:„Was aber soll man von denen sagen, die den lateinischen Originalwortlaut der Stelle fälschen, die den wahren Wortlaut totschwiegen, und die keinerlei Notiz nahmen von der vorgekommenen Fälschung, die diese Fälschung vielmehr ignorieren und mit absolutem Stillschweigen übergehen, auch nachdem von drei Seiten die Fälschung aufgedeckt und öffentlich konstatiert worden ist? Ehrlich und wahrheitsliebend sind sie zweifellos alle. Aber wie riesengroß muß gerade dann ihre Befangenheit, ihr Vorurteil, ihre blinde Angst vor Marx und allem, was irgendwie nach Sozialismus schmeckt, sein!" Wohlgemerkt: das sind Worte aus dem Munde eines treugläubigen katholischen Geistlichen. Aber es sind Worte eines Mannes, den wahres Christentum, strenge Ehrlichkeit und wissenschaftliches Streben hoch erhoben haben über die Masse der politisierenden Pastöre und Kapläne, in deren Kopf der Zentrumsagitator und Sozialistenfresser den Priester verdrängt. Nr. 206. Vom General Der Vorsitzende der La schaften, Genosse Lindquis bureau die Grundlage mi der ausständigen Arbeiter ist. Freilich hat die 9 Frontänderung erschwert, mittelndes Eingreifen ihrer der Ausständigen zu ein liefert werden sollten. D gar keine Rede sein, so wi herigen 5 Wochen einmütig zur endgiltigen Beilegung Dagegen wäre es mögl aufnahme der Arbeit auf beitgebervereins stehenden Gruppen proklamiert. D endgiltigen Entscheidung f. großen Unternehmerverbai Aussperrung von 80000 der Aussperrung von we demnach insgesamt 163 während die anderen meh lassung der Streikkomitee könnten. Voraussetzung ei leitung aber wäre: Garar die gesetzmäßigen Instanze für das gesamte Bereichd bringen. Wird diese Bedir vorläufig in der bisherig Der staatliche Vergl bereits vom Landessekret fassung mitgeteilt erhalten auf dieser Grundlage eine ein Teil des Ausstandes Diese von den schwedi nommene Frontveränderut jetzigen Ausstandes in ei# gegenüber dem aussperi verein. Die beiden ander nehmer würden, wenn die zur Tatsache würde, aus d also noch die 163 000 Arb reich des schwedischen Arl Ger ** Bielefeld, 1. Se In der Nacht zum 16. Mo unter einer hellbrennender straße stehend, zwei Mäni lang gingen, von denen ei# Schulter trug. Da sie ihn und wollte sie, da sie übe ausweisen wollten, mit zur warf der Pakettrager das Der Schutzmann hinter ih Verfolgung zurückkehrte, Ueberzieher zurücklassend, nunmehr das Paket unter einem Rucksacke steckender wanderte ins Polizeigewa steigert worden. Am 10. glaubte der Schutzmann K zu sehen, der dem damals lich sehe. Derselbe wurd Es war der Fabrikarbeit Schutzmann glaubte nunn fraglichen Wilderer erkani Widersprüche, in die sich daß er schon wegen Wilddi hiesige Schöffengericht kam Wilderer des Rehbocks vo Knoche wegen Wilddiebere dieses Urteil hatte der An heutige Beweisaufnahme e Indizienbeweise sein könne als sich schon die Richteru erklärte der deuge Wilh. 6 bocks sei und sein Begleiter gewesen sei. Dieser Kolo und der Angeklagte habe Grund dieser beschworenen gehoben und der Angekla klagten erwachsenen Auslag teidigung, wurden nunmeh Mit Beleidigungen und Schmiedegeselle Otto Tün genossen, den Zeugen Küch gangen, und zwar nur de schaftlich zu erleuchtenden die Aufforderung, die Woh haupt nicht gekehrt und g Wegen Hausfriedenbruchs stellt, war er vom hiesigen von 20 Mark ev. 4 Tagen wurde die von dem Ange begründet verworfen. Die angeklagte Dienstm Eheleuten Heinzelberg in Herrschaft Heinzelberg in 60 Mark gestohlen und da den Fleisch= und Wurstvor Sie hat in den beiden n arbeiters Friedrich Reuter ebenfalls in Lübbecke wohr von diesen Vorräten gefund Frauen zu den Fleischdieb richtshof erkannte gegen die stähle auf 2 Monate Gesär wegen Hehlerei je 3 Mone Der Händler Johann Schöffengericht zu Lübbecke fängnis bestraft worden un der bisher unbestrafte Ang Unbekannten abzuwälzen# en Unterfangen, r der Zennit der Wahrsozialdemokraundsatze:„Versen" zu handeln. ausgefeimtesten Wahrheit entsei jedem ehrhen, denen man rauen darf, da*. Reulage) Nr. 206. Bielefeld, Sonnabend, 4. September 1909. 20. belegenheit, vom zu bekommen, flugblätter aus es sich um das 909.“ Dieselbe jähnte Flugblatt aldemokratischen :„ C h r i s t e n t u m, n welcher Weise paar Proben: In dem Zense Kautsky den iese dem Gegner tigkeit gebunden mit der Wahr, d a ß d i e s e B e jartiges empfohdem tischen die l immer wieder n, daß sie selbst mokratie gegenebunden zu sein. In einer BeZeit“ 1903/04, lusführungen: für jede Geselldrundsätze, deren darüber ist die nossen gegendiese Pflicht nie uerndes ZusamParteigenossen ig zu sein? Er flicht der Wahrhat. Und wie mmen Verfasser irhaftigkeit der nde Behauptung lesern weis, aus lichen Behörden rsetzung der ArWörtlich uptung der Färürde. 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Freilich hat die Regierung durch ihre Forderung diese Frontänderung erschwert, indem sie als Bedingung für ein vermittelndes Eingreifen ihrerseits verlangt, daß bestimmte Gruppen der Ausständigen zu einer systematischen Bestrafung ausgeliefert werden sollten. Davon— erklärt Lindquist— könne gar keine Rede sein, so wie die Arbeiterschaft während der bisherigen 5 Wochen einmütig gestanden habe, so wird sie auch bis zur endgiltigen Beilegung des Kampfes zusammenhalten. Dagegen wäre es möglich, daß die Streikleitung die Wiederaufnahme der Arbeit auf allen außerhalb des schwedischen Arbeitgebervereins stehenden Unternehmungen und industriellen Gruppen proklamiert. Der Kampf würde also nicht bis zur endgiltigen Entscheidung fortgesetzt werden, nur gegenüber dem großen Unternehmerverband, der ihn begonnen hat durch die Aussperrung von 80000 Arbeitern und durch die Androhung der Aussperrung von weiteren 80000 Mann. Es würden demnach insgesamt 163000 Mann im Kampfe verbleiben, während die anderen mehr als 100000 Arbeiter auf Veranlassung der Streikkomitees wieder zur Arbeit zurückkehren könnten. Voraussetzung einer solchen Proklamation der Streikleitung aber wäre: Garantie dafür, daß die Regierung bezw. die gesetzmäßigen Instanzen eingreifen, um eine Vereinbarung für das gesamte Bereich des bisherigen Kampfes zu stande zu bringen. Wird diese Bedingung nicht erfüllt, so wird der Kampf vorlaufig in der bisherigen Weise fortgeführt. Der staatliche Vergleichsbeamte, Herr Cederborg, hat bereits vom Landessekretarit der Gewerkschaften diese Auffassung mitgeteilt erhalten und ist zurzeit tätig, um eventuell auf dieser Grundlage eine Verständigung herbeizuführen, damit ein Teil des Ausstandes erledigt werden könnte. Diese von den schwedischen Gewerkschaften in Aussicht genommene Frontveränderung bedeutet die Umgestaltung des jetzigen Ausstandes in einen reinen Verteidigungskampf nur gegenüber dem aussperrungstollen schwedischen Arbeitgeberverein. Die beiden anderen Zentralorganisationen der Unternehmer würden, wenn die obige Veränderung der Kampfesfront zur Tatsache würde, aus dem Kampfe ausscheiden. Es würden also noch die 163 000 Arbeiter im Kampfe bleiben, die im Bereich des schwedischen Arbeitgebervereins beschäftigt waren. Gerichtliches. ** Bielefeld, 1. Sept. Ferien=Strafkammer. In der Nacht zum 16. Mai 1908 gewahrte der Schutzmann K., unter einer hellbrennenden Straßenlaterne an der Detmolderstraße stehend, zwei Männer, welche die Detmolderstraße entlang gingen, von denen einer ein umfangreiches Paket auf der Schulter trug. Da sie ihm verdächtig vorkamen, hielt er sie an und wollte sie, da sie über den Inhalt des Pakets sich nicht ausweisen wollten, mit zur Polizeiwache nehmen. Plötzlich aber warf der Pakettrager das Paket von sich und nahm Reißaus. Der Schutzmann hinter ihm her. Als er von der erfolgldsen Verfolgung zurückkehrte, war auch der zweite Mann, einen Ueberzieher zurücklassend, verschwunden. Als der Schutzmann nunmehr das Paket untersuchte, präsentierte sich ihm ein in einem Rucksacke steckender frischgeschossener Rehbock. Der Bock wanderte ins Polizeigewahrsam und ist hier öffentlich versteigert worden. Am 10. März d. J., also nach Jahresfrist, glaubte der Schutzmann K. in der Webereistraße einen Mann zu sehen, der dem damals ihm entwichenen Wilddiebe sehr ähnlich sehe. Derselbe wurde auch angehalten und vernommen. Es war der Fabrikarbeiter Fritz Knoche von Sieker. Der Schutzmann glaubte nunmehr bestimmt, in dem Knoche den fraglichen Wilderer erkannt zu haben. Dazu kamen noch die Widersprüche, in die sich Knoche verwickelte und der Umstand, daß er schon wegen Wilddieberei vorbestraft worden war. Das hiesige Schöffengericht kam dann auch zu der Ueberzeugung, den Wilderer des Rehbocks vor sich zu haben und verurteilte den Knoche wegen Wilddieberei zu 2 Wochen Gefängnis. Gegen dieses Urteil hatte der Angeklagte Berufung eingelegt, und die heutige Beweisaufnahme ergab, wie unzulänglich manchmal die Indizienbeweise sein können. Zum Schlusse der Verhandlung, als sich schon die Richteru zur Beratung zurückziehen wollten, erklärte der deuge Wilh. Schäfer, daß er der Träger des Rehbocks sei und sein Begleiter ein jagdberechtigter Kolon aus Lippe gewesen sei. Dieser Kolon habe auch den Rehbock geschossen und der Angeklagte habe mit der Sache nichts zu tun. Auf Grund dieser beschworenen Aussage wurde das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte freigesprochen. Die dem Angeklagten erwachsenen Auslagen, einschließlich die Kosten der Verteidigung, wurden nunmehr der Staatskasse auferlegt. Mit Beleidigungen und der Androhung des Todes war der Schmiedegeselle Otto Tümmel von hier gegen seinen Hausgenossen, den Zeugen Küchenthal, am 18. März d. J. vorgegangen, und zwar nur deshalb, weil Küchenthal den gemeinschaftlich zu erleuchtenden Flur nicht erleuchtet haben sollte. An die Aufforderung, die Wohnung zu verlassen, hatte sich T. überhaupt nicht gekehrt und getan, als ob er Herr im Hause sei. Wegen Hausfriedenbruchs und Bedrohung unter Anklage gestellt, war er vom hiesigen Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 20 Mark ev. 4 Tagen Gefängnis verurteilt worden. Heute wurde die von dem Angeklagten eingelegte Berufung als unbegründet verworfen. Die angeklagte Dienstmagd Minna Wierach, welche bei den Eheleuten Heinzelberg in Lübbecke in Stellung war, hat ihrer Herrschaft Heinzelberg in drei Partien Geldbeträge von 10 bis 60 Mark gestohlen und das ganze Jahr 1909 hindurch sich an den Fleisch- und Wurstvorräten ihrer Herrschaft vergriffen. Sie hat in den beiden mitangeklagten Ehefrauen des Goldarbeiters Friedrich Reuter und des Gärtners Wilhelm Meier, ebenfalls in Lübbecke wohnhaft, nicht allein willige Abnehmer von diesen Vorräten gefunden, sondern sie ist gerade von diesen Frauen zu den Fleischdiebstählen angestiftet worden. Der Berichtshof erkannte gegen die Wierach wegen vier einfacher Diebstähle auf 2 Monate Gefängnis. Die beiden Frauen erhielten wegen Hehlerei je 3 Monate Gefängnis. Der Händler Johann Wimmer aus Gröne war vom Schöffengericht zu Lübbecke wegen Diebstahls mit 10 Tagen Gefängnis bestraft worden und hatte Berufung eingelegt,in der er, der bisher unbestrafte Angeklagte, alle Schuld auf den großen Unbekannten abzuwälzen versuchte. Es handelte sich um zwei große kupferne Kessel, die in der Umgegend von Lübbecke gestohlen waren. Der Angeklagte will die Kessel von einem großen unbekannten Manne auf den Polizei und Staatsanwaltschaft schon lange vergebens fahndet, gekauft haben. Der Gerichtshof schenkte dem Angeklagten, in dessen Besitz beide kupferne Kessel gewesen sind, keinen Glauben und erkannte auf Verwerfung der Berufung. 9.„„ * Preußische Richter als Schützer des Dreiklassenwahlrechts. Am 1. September standen 8 Besucher einer Demonstrationsversammlung, die, wie in anderen preußischen Städten, auch in Stade gegen das Klassenwahlrecht veranstaltet wurde, vor dem Landgericht Stade. Sie sollten sich wegen gemeinsamen Widerstandes gegen die Staatsgewalt verantworten. Der ganzen Staatsaktion liegen sehr harmlose Vorgänge zugrunde und von „gemeinsamem Widerstande“ war keine Spur vorhanden. Es hatten nur einige der Angeklagten, die zufällig unter die heimkehrenden Versammlungsbesucher geraten waren, der polizeilichen Aufforderung, sofort weiterzugehen, nicht Folge geleistet. Trotz dieser Harmlosigkeiten, die schlimmstenfalls mit einer kleinen Polizeistrafe genügend gesühnt gewesen wären, verurteilte das Landgericht einen Angeklagten zu zwei Monaten Gefängnis, weitere zwei Angeklagte erhielten je 1 Monat, zwei weitere Angeklagte 2 bezw. 1 Woche Gefängnis. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. Der Brand des Pionierschuppens. Köln, 3. Sept. Zu dem Brand des Pionier=Pontonschuppens in Deutz wird noch gemeldet: Der Feuerwehr gelang es um 11 Uhr abends, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken und von den Nachbarhäusern die größte Gefahr abzuwenden. Das Feuer soll durch Kinder verursacht worden sein, die in den Schießscharten ein Feuer anzündeten, das auf den Schuppen übergesprungen sein soll. Der Schaden wird schätzungsweise auf eine halbe Million Mark angegeben. Ein ungetreuer Rendant. Köln, 3. Sept. Nach den bisherigen Feststellungen betragen die Unterschlagungen des flüchtigen, steckbrieflich verfolgten Rendanten der Spar= und Darlehnskasse im westfälischen Orte Fretter annähernd 100 000 Mark, um die hauptsächlich kleinere Leute betrogen sind. Unter den geschädigten kleinen Handwerkern herrscht ungeheure Erregung. Der Vorsitzende der Kasse, Gutsbesitzer Remberg, erlitt durch die Erregung einen Schlaganfall und starb. Der Defraudant betrieb das Gewerbe eines Bäckermeisters und Gastwirtes und genoß großes Ansehen. Doppelselbstmord. Berlin, 3. Sept. In einem in der Koppenstraße belegenen Privathotel ist in der vergangenen Nacht ein Doppelselbstmord verübt worden. Ein Mann und eine Frau, die gestern abend dort ein Zimmer verlangten, kamen heute bis 10 Uhr morgens nicht zum Vorschein. Als auf wiederholtes Klopfen nicht geöffnet wurde, sprengte man die Tür und fand das Paar leblos auf dem Bett liegen. Ein Arzt wurde sofort zur Stelle gerufen, der Vergiftung konstatierte. Da bei beiden noch schwache Lebenszeichen konstatiert werden konnten, wurden sie nach dem Krankenhause übergeführt. Die Persönlichkeiten der Selbstmörder sind noch nicht festgestellt. Kindesmord und Selbstmordversuch. Groß-Steinheim 3. Sept. In Klein=Auheim erwürgte heute morgen der Arbeiter Otto Mann sein zweijähriges Kind und versuchte dann, sich zu erhängen, wurde aber von seiner Frau, die dies rechtzeitig entdeckte, abgeschnitten und darauf in Gewahrsam genommen. Das Motiv der Tat ist nicht bekannt. Eine Skandalgeschichte macht, wie der„Frankfurter Zeitung“ gemeldet wird, in München und in Kreisen der bayerischen Verkehrsbeamten viel von sich reden. Ein mit zahlreichen Ordensauszeichnungen dekorierter Oberinspektor der bayerischen Staatsbahnen, der Vorstand einer der größten Stationen in Bayern, ein Günstling des Prinzregenten und aller Prinzen, ein vielfach zu Hofe geladener und bisher überall gern gesehener Beamter, hat seine Stellung dazu benutzt, um einem seiner Söhne auf dessen Reisen Freifahrt=Vorweise auszustellen, die auch benutzt wurden. Kürzlich wurde die Sache entdeckt und Disziplinaruntersuchung eingeleitet. Dem Prinzregenten wurde bereits Vortrag erstattet. Der in die Untersuchung verwickelte Beamte hat sich krank gemeldet. Starker Temperatursturz. Wien, 3. Sept. Aus Steiermark, Kärnthen, Tirol usw. wird starker Temperatursturz gemeldet. Die Berge sind überall bis tief hinab mit Schnee bedeckt. Die Sommerfrischler treten fluchtartig die Rückreise an. Selbstmord. Wien, 3. Sept. Gestern nacht vergiftete sich die Schriftstellerin und Redakteurin des„Fremdenblattes“, Frau Patsky. Die Motive des Selbstmordes sind unbekannt. Entgleisung eines Waggons. Reims, 3. Sept. Ein mit acht Tonnen Steinen beladener Wagen eines Eisenbahnzuges riß sich bei einer Steigung von den übrigen Wagen los und fuhr mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometer in der Stunde zurück. Er durchfuhr die Station Pargny, entgleiste dort und rannte alsdann gegen das Haus des Bürgermeisters, welches vollstände zerstört wurde, wobei die Bewohner schwer verletzt wurden. Ein 12jähriges Mädchen wurde getötet. Betrügerische Offiziere. Petersburg, 3. Sept. Der Kapitän ersten Ranges Stalski, sowie der Ingenieur Woronsow sind zeitweise vom Dienst ausgeschlossen worden. Sie verlangten bekanntlich von der Danziger Schiffswert Schichau 40 Prozent für ihre Vermittlung für die Abnahme von vier Schiffen der Russischen Freiwilligen Flotte. Der Präsident der genannte Flotte, General Radlow, suchte die Angelegenheit zu vertuschen. Dagegen trat das Handelsministerium auf und verlangte eine neue Untersuchung. Von der Cholera. Rotterdam, 3. Sept. Zwei an Cholera Erkrankte sind heute gestorben. Seit dem 20. August sind insgesamt 12 Personen gestorben, vier konnten geheilt die Baracken verlassen, 16 befinden sich noch in Behandlung. Das Befinden von drei der Erkrankten ist ziemlich befriedigend und von zweien befriedigend. Der Zustand der übrigen Erkrankten ist normal. Rotterdam, 3. Sept. Wie aus Ymuiden gemeldet wird, ist ein Mann der Besatzung des Dampfers„Fiducia“ unter verdächtigen Erscheinungen erkrankt. Der Dampfer, der aus Archangel gekommen ist, wurde unter Quarantäne gestellt Von der Luftschiffahrt. Frankfurt a. M., 3. Sept. Aus Wiesbaden wird der „Frankfurter Zeitung“ gemeldet: Der Parsevalballon kam um 3 Uhr 30 Min. mit insgesamt 9 Gondelinsassen von Frankfurt in ruhiger Fahrt in Sicht. Er überflog die Wiesbadener Ausstellung, manöverierte dann in geringer Höhe eine halbe Stunde über der Stadt, um schließlich auf dem Exerzierplatz an der Schiersteinerstraße zu landen. Die Landung erfolgte um 4 Uhr 10 Min. und ging glatt vonstatten. Stadt= und Militärbehörden waren zum Empfange erschienen. Die Königinwitwe Marquerita von Italien kam im Automobil zur Landungsstelle, empfing den Führer des Luftschiffes, Oberleutnant v. Stelling, und unterhielt sich längere Zeit mit ihm. Eine Einladung zur Mitfahrt schlug sie lachend aus. Um 4 Uhr 50 Min. stieg das Luftschiff wieder auf. Für nächsten Sonntag ist ein Abstecher nach Mainz geplant. Paris, 3. Sept. Der heute früh um 7 Uhr 50 Min. aufgestiegene lenkbare Militärballon„Republique" passierte um 9 Uhr Fonteineblau und wird wahrscheinlich in Nevers landen, um seine Fahrt morgen früh fortzusetzen. Das Luftschiff fuhr bei zirka 100 Meter Höhe 40 Kilometer in der Stunde. Um 1 Uhr 30 Min. passierte es Cosnes in der Nähe von Nevers. An Bord war alles gut. Paris, 4. Sept. Das lenkbare Luftschiff„Republique", das um 7 Uhr 50 Min. gestern früh hier aufgestiegen war, wurde in La Charitee infolge eines Schraubenbruchs vom Wege abgetrieben. Das Luftschiff landete 3 Uhr 25 Min. acht Kilometer weiter in Marseille de Aubigny, wo die Reparatur vorgenommen werden soll. Frankfurt a. M., 4. Sept. Auf der Ila machte gestern der Baron de Caters mit seinem Apparat 10 Flüge um den 10000 Mark=Preis. Die Flüge machten einen auffallend eleganten Eindruck. Die nach Tausenden zählende Menschenmenge brachte dem Baron Ovationen dar. Die Entdeckung des Nordpols. Skagen, 3. Sept. Gegen ½2 Uhr nachmittags kam der Dampfer„Hans Egede“ mit Dr. Cook an Bord in Sicht des Lotsendampfers. Dr. Cook erklärte einem Korrespondenten des Ritzau=Bureaus, daß er von Grönland zunächst nach Westen, dann nach Norden vorwärts gegangen sei. Bei der Abreise von Grönland hätten ihn 10 Eskimos begleitet, und diese habe er paarweise umkehren lassen, so daß zuletzt nur noch zwei bei ihm gewesen seien. Am 21. April 1908, 7 Uhr morgens, habe er den Nordpol erreicht, was er mittags 12 Uhr durch Messungen festgestellt habe. Schon in den letzten 14 Tagen vor der Erreichung des Nordpols und acht Tage nachher habe er Messungen vorgenommen. Er habe am Nordpol kein Land gefunden. Die Meerestiefe habe er nicht gemessen, da ihm die nötigen Instrumente gefehlt hätten. Die niedrigste Temperatur während der ganzen Reise habe 83 Grad betragen. Am Nordpol habe er die amerikanische Flagge aufgepflanzt. Den Erfolg seiner Reise schreibe er dem Umstande zu, daß er die alten bekannten Hilfsmittel, nämlich Eskimos und ihre Hunde, angewandt und völlig als Eskimo gelebt habe. Die Expedition habe ungeheure Leiden und Entbehrungen durchgemacht. Die Reise nach dem Nordpol habe drei Monate, die Rückreise neun Monate in Anspruch genommen. Washington, 3. Sept. Der amerikanische Generalstaatsanwalt Wickersham erklärte, die Vereinigten Staaten würden auf das von Dr. Cook entdeckte Land am Nordpol Anspruch erheben, wenn sich dieses als wertvoll erweise. Kopenhagen 4. Sept. Dr. Cook wird heute mit dem Dampfer„Hans Egede“ in Kopenhagen eintreffen. Unmittelbar nach der Landung findet im Hotel Phönix ein Frühstück statt, das von der Geographischen Gesellschaft gegeben wird. Um 11 Uhr wird der Forscher vom König in Audienz empfangen, von der Königin wird er eine Einladung zum Tee erhalten. Nachmittags findet im Rathause ein großes Fest statt, das die Stadtverwaltung zu Ehren Dr. Cooks veranstaltet. Einladung Dr. Cooks nach Berlin. Bexlin, 3. Sept. Die Berliner Gesellschaft für Erdkunde hat ein Glückwunschtelegramm an den Polarforscher Dr. Cook nach Kopenhagen gesandt. Gleichzeitig hat die Gesellschaft den Forscher eingeladen, nach Berlin zu kommen und hier über seine Reise einen Vortrag zu halten. Leizte Nachrichten. Kiel, 4 Sept. Die Diebstähle beim Kieler Landgericht an Dokumenten aus den Akten der Werftunterschleifaffäre sind, wie sich jetzt herausgestellt hat, weit größer, als ursprünglich angenommen wurde. Die Untersuchung hat ergeben, daß nicht nur eine Anzahl Briefe, die den Magazindirektor Heinrich belasten, entwendet worden sind, sondern auch die umfangreichen eigenhändigen Abrechnungen der mitangeklagten Kaufleute Frankental, Brakel und Jakobsohn. Diese Dokumente sind Beweismaterial für die jahrelangen Durchstechereien. Diese Schriftstücke sind gewaltsam aus den Akten gerissen worden. Die Kieler Staatsanwaltschaft hat auf die Wiederbeschaffung der Akten eine Belohnung von 500 Mark ausgesetzt. Stolp i. P., 4. Sept. Die Schneidemühle von Gerson u. Sohn in Stolp steht in Flammen und ist bereits bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Der Schaden ist bedeutend. Petersburg, 4. Sept. Der amerikanische Konsul Smith in Libau hat gestern mit seiner Familie auf einer Spazierfahrt einen schweren Unfall erlitten. Die Pferde scheuten und gingen durch. Der Wagen schlug an einer Straßenecke um. Eine Tochter des Konsuls wurde sofort getötet, eine zweite schwer verletzt durch Arm- und Beinbrüche. Der Konsul und seine Frau wurden schwer verwundet. London, 4. Sept. Der Ausflüglerdampfer„Herzogin von Kent" stieß gestern nachmittag im Hasen von Portsmouth mit dem Regierungsdampfer„Transporte" zusammen. Ersteres Schiff wurde schwer beschädigt. Man hofft, daß alle Passagiere desselben gerettet sind. Mexiko, 4. Sept. In Tula sind 200 Häuser durch neue verheerende Ueberschwemmungen weggeschwemmt worden. Zahlreiche Menschen sind dabei umgekommen. Newyork, 4. Sept. Die Stadt Bonita in Colorado steht in Flammen und ist bereits fast vollkommen verbrannt. Briefkasten der Redaktion. Dehme 100. Die Kündigungsfrist beträgt bei ländlichem Gesinde 3 Monate, bei städtischem 6 Wochen. In dem von Ihnen geschilderten Falle kann das Dienstverhältnis zum 1. Oktober aufgehoben werden, doch muß das Mädchen einen anderen Dienstboten stellen und sich mit demselben wegen Lohn und Kost ohne Schaden der Herrschaft abfinden. Erscheint Smal wöchentlich. Abschlungeneschitte) Nireksen! Arndtstralle?“. Dir Ckcen, E., Ecke Bahnhof. Möbel aller Art, Herde, Uhror##. Kinder wagen, Herren- u. KnabenAnr“ re, Kompl. Betten. Harry Dreyer Cobenstr. 5. Alkoholfreie Getränke sssssssssssssessrsse Bilz, Vertr. WV. Festing“ Sinalco Bielefeld. 2 Brauerei Lütersioher Brauerel A.-u. „Niederlage Bielefeld“ Kaiser Wilhelmplatz 9a. Tel. 784. F. Dreesbeimdieke, Kornbranntweine u. Steinhäger. E. F. Elmendort Isselhorst. Helsper, R., Niederwall u. Niederst. 41 K Su M G, Vermang, Rerterd Kerabranstweis- u. Steinhägerbrennerei. Poggenpohl, A. a# Söhre, Piggen-Rt.7. Riegel bester Bitterilkör, gesetzl. geschütst. Schroeders Boonekamp anerkannt bester Kräuterbitter! Steinhäger-Urquell ist der beste Steinhäger. Alleiniger Fabrikant N. C. Könlg, Steinhasen i. Westf. 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Karten im Vorverkauf sind zu haben bei Freudenau, Beckmann und sämtlichen Mitgliedern. Es ladet ein Das Fest-Komitee. Frisch auf! Frisch auf! 4# Am Sonntag, 5. September, feiert die Freie Radfahrer-Vereinigung Bielefeld — btellung Corons— ihre diesjährige Rekruten- Abschieds-Feier in den Lokalitäten der Frau Ww. Kleinert, Detmolderstraße, bestehend in Reigenfahren, Kunstfahren und Ball. Aufang 4 Uhr. Zu diesem genußreichen Feste ladet freundl. ein 4694* Das Festkomitee. Sonntas, den 8. September, feiert der Bauhilfsarbeiter-Verband (Sektion Schildesche) in den Lokalitäten des Wirts Lücking, Bielefelderstraße, sein diesjähriges Semmer-Post bestehend in Theater, hum. Vorträgen, Verlosung Es ladet freundlichst ein Das Fest=Komitee. 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Lreihung der Saisen durch Gäthchens Hamburger Possen- Ensemble am Donnerstag, den 9. Sepiember. Iunl. Kalass. Sonntag nachmittag von 4 Uhr an: Grosses Freikonzert. D. O. Auf zur Gambrinushalle! Am Sonntag, den 5. September, feiert der Arb.-Radfahrerverein„Transvaal“, Sudbrack, seine diesjährige 4684 Kekruten Abschleus-Poiel im Lokale des Herrn Aug. Indiestol, Bürgerweg 14. Anfang 4 Uhr. Hierzu ladet freundlichst ein Der Festleiter. Restaurant Heinr. Eikötter, Jöllenbeckerstr. Sonntag, 5. September: 4696* Wo gehen wir hin?? Im Jägerhof, Goldstr. 12, ist jeden Sonnabend und Sonntag * Grosses Künstler-Konzert. Elntree frei. Bier 10 Pfg. Sonntags Matinee von 11½2 bis 2 Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ergebenst ein Restaurant Jägerhof 3764 I. A.: Herm. Borgstädt. 1 Karl Niebling Herforderstr. 90. Sonntag, 5. September, Anfang 7 Uhr: 4695 Gr. Frei-Konzert verbunden mit komischen Vorträgen. Heinr. Bewekenhorn, Bürgerweg 50.(4608 Sonntag, d. 5. Septbr.: Sountag, den 5. September 1909: 4703* Grosses Tanzkränzchen Es ladet freundlichst ein J. H. Gröppol, Ziegelstraße 67. Sonntag, den 5. September: TANZ. 4710Hierzu ladet freundlichst ein IV. Vost, Hallerweg. H. Bracksiek, Kallerweg. Sonntag, den 5. September: T’ANZ.— 4711* Carl Senker, Herforderstraße. Sonntag, den H. September:[3627 TANZ. C. H. Apenbrink, Herforderstr. 242. Sonntag, den 5. September: TANZ. 4707* F. Stockbrügger, Iurnerstrasse 19. Jeden Sonntag:(4690 Tanz. NB. Empfehle meine Lokalitäten zur Abhaltung von VereinsFestlichkeiten und Hochzeiten. bleibt bis Sonntag in Brackwede auf dem Marktplatz und ist geöffnet Sonnabend, den 4., und Sonntag, den 5. September. Um zahlreichen Besuch bittet 4666•] Hochachtungsvoll Chr. Begemann. P Herterder Tonnna-Nhieuter Gehrenberg. 4886 Sonnabend 5½ Uhr: Sonntag 3 Uhr: Grosse Vorstellung mit reichhaltigem Programm: NB. Durch bedeutende Preiserhöhung des Programms ist es uns gelungen, auch für dieses Mal wieder ein lehrreiches u. interessantes Programm zur Aufführung zu bringen. Das Lokal ist gut ventilliert und die Musik wird ausgeführt durch Poppers Weltpiano. # 4628 Neinrich Klemmes : S c h n e l l- S o h i e r e i neben den Mackthallen Herford Hünsterkirchplatz Nr.1 empfichlt sich dem geehrten Publikum von Herford und Umgegend für sämtliche Reparaturen — an Schuhen und Stiefeln.— Bestes Material zu bekannt billigsten Preisen Achtungsvoll Friedrich Heinrich Klemme. Hochzeits=Einlädungen Zuchbruckerei„Velkswaht“. Khliemalesraphen-Phedter„Zur alen Pest“, Heute Sonnabend, den 4. September, 4705 GansAc Em Pan des vollständig umgebauten, aufs eleganteste eingerichteten grossen Theatersaales in der Bahnhofstrasse. Der neue Zuschauerraum enthält ca. 600 Sitzplätze und bietet den verehrlichen Besuchern jede Bequemlichkeit, sowie durch die Heute sowie täglich von 5 Uhr nachmittags ab: Unterhaltungs- und Regleit-Musik des verstärkten Orchesters Schulze-Wendot, genannt„Jung-Deutschland“. Eine Dame und fünf Herren. Die Kapelle hat sich durch vortreffl. Salonmusik und durch die stimmungsvollen Pistonvorträge ihres Dirigenten allgemeine Anerkennung erworben. Grossartiges Eröffnungs-Prachtprogramm 1######ngerallgten Aufnehman enthaltand die neuesten und wirkungsvollsten Aufnahmen enthaltend. Des Königs Zeitvertreib. 20 interessante Szenen aus dem gleichnamigen Drama von Victor Hugo. Liebe deinen Nächsten. Charaktergemälde, die Erziehung eines Kindes zur Nächstenliebe schildernd. Alter schützt vor Torheit nicht. Tragikomödie. Unglück muss es bringen, wenn Vater und Sohn zugleich die dienstbare Maid des Hauses lieben. Die verkrüppelten Rivalen. Bilder aus dem Leben. 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Gesamtumsatz August 1909: 286020.— Mk. „„ 1908: 243920.—„ Mithin Mehrumsatz,. 42100.— Mk. Brotumsatz August 1909: „„ 1908: Mithin Mehrumsatz.. 89948.— Mk. 75 970.— 13978.— Ml. 159 Personen meldeten sich im gleichen Monat als Mitglieder an. Wir machen auf unsere Spareinrichtung aufmerksam. Sparkassenzinsfuß 4 Prozent. Beitrittserklärungen werden jederzeit in unseren nachstehend verzeichneten Verkaufsstellen entgegengenommen: 4702 schädlichen Geranten Gheinte Geai ven 1an, Seuunstelen das beste Waschmittel. 1/ a Paket 15 Pfg. Hinzel-Möbel herde, Betten, Schränke. Konfektion für Herren, Damen, Kinder. Sport-, ollz- u. Lie Bahnhofstr. 2u I. Etage. 4691 Eingang neben Harms Kinematograph. 1. Bielsteinstraße 22. 2. Herforderstraße 107a. 8. Zastrowstraße 18. 4. Weststraße 52b. 5. Oststraße 1 b. 6. Bleichstraße 137. 7. Schildesche, Körnerstraße 13. 8. Mellerstraße 23a. 9. Waldemarstraße 6. 10. Brackwede, Kaiserstraße 98. 11 Gut Sudbrack, Jöllenbeckerstraße 138. 12. 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Figo Die uoe Ein humoristischer Alger Arirs=Ainlagen! Die Schl Arn. Festerling Lieferung für 1 alle Lederwa H. Elve □ zur Hebung der Emnahme in andere Verwaltung zu geben. Der Zar gab seine Zustimmung, und der vom Fürsten Obolenski ausgearbeitete Plan wurde verwirklicht. Die Einnahmen des Kabinetts stiegen, doch ging dem Zaren vor einigen Tagen ein ausführlicher Bericht eines früheren Beamten zu, in welchem nachgewiesen wurde, daß nach Einführung der Verwaltung nach dem System des Fürsten Obolenski die Einnahmen des Kabinetts wohl gestiegen, das Kabinett jedoch im Laufe eines Jahres um vierzig Millionen Rubel Gold bestohlen worden sei. Die Folge dieses Berichtes war, daß der Zar zur größten Verwunderung nahestehender Personen den Fürsten Obolenski binnen 24 Stunden seines Amtes enthob. schäftigten Schachthauern in die Tiefe gerissen. Die Verunglückten sind über 100 Meter abgestürzt, und man rechnet mit Sicherheit auf ihren Tod. Mit den Bergungsarbeiten soll gleich nach Sicherung der Schachtstöße begonnen werden. Vermischtes. Der Jugendfreund des Zaren ein Millionendieb. Petersburg§. Sept. In den hiesigen Hofkreisen wird die plötzliche Entlassung des Fürsten Konstantin Obolenski, des Chefs des Kabinetts des Zaren, viel besprochen. Fürst Obolenski, der ein Jugendgespiele und Dutzfreund des Zaren ist, bekleidete seit drei Jahren das Amt als Chef des Kaiserlichen Kabinetts, wofür er ein Gehalt von 5000 Mk. bezog. Als Chef des Kabinetts * Wie gewissenlos das Flugblatt zusammengeschmiert ist, geht auch daraus hervor, daß aus dem„Vorwärts“ vom 10. Dezember 4908 ein Zitat angeführt wird, das in der betreffenden Nummer garnicht enthalten ist. Diese Proben mögen genügen, sie ließen sich noch vervielfältigen. Es muß sich doch um eine recht schlechte Sache handeln, die sich nur mit derart schmutzigen Mitteln verteidigen läßt! * Essen, 3. Sept. Gestern abend gegen 8 Uhr ereignete sich ein schweres Grubenunglück in dem im Umbau begriffenen Schacht„Friedrich Joachim I“ der Zeche„Königin Elisabeth“ in Schönnebeck. Am nördlichen Schachtstoß ist ein seipereg, Oebirgsstotz, Hereingebrochen. Das herabsallende Gestein hat einige Schachtzimmerungen mitgerissen; die Arveitsund Sicherheitsbühne durchschlagen und sechs von den dort beVerantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. riet Fürst Obolenski dem Zaren, seine sibirischen Goldbergwerke Der beste Metall: PETZ Als wir vor knapp 2 Jahren unser Theater dem Verkehr übergaben, stellten wir ale oberste Betriebs-Grundeätze auf: Hochvornehme dezente Programms.— Sachgemässe, künstlerische Leitung.— Stete Verfeinerung und Neuerung im Betriebe.— Aktualitäten von Interesse mit äusserster Schnelligkeit zu bringen.— Sämtliche gute Neuheiten zuerst vorzuführen. Dass wir uns mit der Innehaltung dieser Grundsätze das Vertrauen der weitesten Kreise erworben haben, das zeigen heute unsere anerkannten Erfolge, das zeigt der gewaltige Besucherkreis nicht nur Bielefelde, sondern der fernsten Umgebung, der unser geworden ist. Wir halten auch ferner an unseren Grundsätzen fest und bleiben nach wie vor in unseren Darbietungen In Dosen AMDEZDT estteche Sozialdemokratischer Verein Mitglieder=Versammlungen: Sonnabend, 4. September, Ortsgruppe Verentrup. 6 abends 9 Uhr, im Vereinslokal. Ortsgruppe Schildesche. abends 9 Uhr, im Lokale des Wirts Lücking. des Genossen Buse über: Forderungen der Ortsgruppe Quelle. 8½ Uhr.* Sach Sonnabend, 4. Septbr., Vortrag der Strafvollzug und die sozialdemokratie. Sonnabend, 4. Septbr., abends Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen über:„Alkoholfrage und Arbeiterklasse". 2. Besprechung über die bevorstehende Gemeinderats=Wahl. Ortsgruppe Sieker. Sonnabend, 4. September, abends 8½ Uhr. Tagesordnung: 1. Zweiter Vortrag des Genossen Hoffmann über„Kulturentwicklung". 2. Kommunales. Sämtliche aus der Bibliothek entliehenen Bücher müssen in der Versammlung abgegeben werden. Ortsgruppe Ummeln. Sonntag, den 5. September, morgens 10 Uhr, bei C. Schröder, Brackwede. Tagesordnung: 1. Vorschläge für die Bevollmächtigten. 2. Abrechnung. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der S. C. A. G. L. XXXVI. Kunstfilm.. S. C. A. G. L., Des Königs Zeitvertreib. Kinematographische Szene in 20 Bildern nach der bekannten Oper„Rigoletto“. Gespielt von Herrn Silvain von der Komischen Oper, Herrn Capellani vom RenaissanceTheater, Frl. Géniat von der Komischen Oper, Frl. Trouhanowa von der Oper. Der neueste Schlager dieser Woche. Hervorragende Darstellung. Nr. Flumpuddings Austug nach Westerland. Mr. Plumpuddings Ausflug nach Westerland ist ein in Westerland am herrlichen Nordseestrand aufgenommenes vortrefflich gelungenes Bild, das gleichzeitig das Meer in seiner ganzen Schönheit zeigt, wie auch das fashionable Badeleben und humoristische Szenen. Wir sehen die sogenannte„Trampelbahn“ mit Strandkonzert. Ferner die Dünen, das Familienbad, die herannahende Frut, komische Szenen im Strandkorb 2c., und durch all diese Phasen schlängelt sich Mr. Plumpudding, ein steifer Engländer, in höchst drastischer Weise.— Wer Sinn für Humor hat und gleichzeitig die Natur liebt, wird an diesem Bilde seine Freude haben. Degenlied aus der Operette: Die Herzogin von Gerolstein. Von Jagues Offenbach.(Wunderschöne Ausstattung.) nus Braekwede. Meinen neuen Landauer halte zu Hochzeitsfahrten und sonstigen Vergnügungstouren bestens empfohlen. C. Engeling ir. 4231 Telephon 1564. Die Kollbri-Zwerge. Wir sehen in diesem Bilde die kleinen Akrobaten bei ihren Uebungen. 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Sechste interna der der gewerkschaftl In der Vormittagssitzung Resolution angenommen, die gierung gegen die Gewerksch Es kamen dann die Antri internationalen Sekretariats Antrag Belgiens angenomme angeschlossenen Gewerkschaft kutiert werden, daß aber die das Recht haben, der Konfer Nachstehender Antrag kurzen Begründung durch Li für die jährlichen statistischen an das internationale Sekr auszuarbeiten und solche Bez Angaben möglichst einhei werden. Legien begründet folge Die Konferenz beschließt, die zu ersuchen, die Streikstatist diese Statistik durch staatliche die Aufnahme nach einheitli wurde angenommen. Eine längere Debatte Deutschlands, der an nalen Konferenz in Christian daß Mitglieder solcher Ver Landeszentralen ihres Land einem anderen Lande zureise tion ausgenommen werden m im einzelnen noch die Ueber begründet diesen Antrag un Länder schon so handeln. C den zureisenden Gewerkscha keiten gemacht werden. Das ferenz in Christiania zu ein sprechenden Beschluß geführ hätten sich für eine Erleich erklärt. Man habe nichts behandelt wurde, weshalb Frage zu richten sei, ob sie Beschluß durchzuführen.— der englischen Föderation o Bericht von Christiania im tion veröffentlicht wurde. Zu Kongreß sei die Resolution als solche nicht das Recht hal land beständen große Sch Konferenz zur Durchführung stark entwickelt sei, daß die selbst durch die Konföderati Vorschriften machen lassen. lischen Gewerkschaften die F aber Zeit. Dann verhin nalische stützungswesen der englische usgensen die Gerz M. ru g###sen die vollen blech an der sich Vertreter versch als unangenehm bezeichnet, die Demokratie berufe, diee zuführen. Wenn die leitende durchzuführen, dann würde die Mitglieder aufzuklären. Kongressen konnte festgestell Vertreter über internationa Die englischen Gewerkschaft nationalen Sekretariat ang Roman aus den von Frie Wie aber der Chinese rasenden Amerikaner warf, wachsen war. Trotzdem ste ersten Ansprung zu begegne eigentümlichen Schrei dabei her weder durch Stoßen n aus ihrem Eigentum hinau mit Blitzesschnelle das zus nach dem Amerikaner zur Katzen an ihrem Baum empo genug oben an, um zu seher Obern warf und ihn mit e streckte. Wohl wollte ihm ein zweiter Stoß sandte ihn und als jetzt auch Briars Hilfe zu kommen, und and hört und den Kampf gesehe stoben die armen Teufel vo Rebhühner, auseinander. über die erlittene Mißhan ersten Schlag betäubten C linke Hand schlingend, schri auftauchenden Briars zu,i „Einen Stock,“ lachte sah,„da könntet Ihr weit Ihr einen ordentlichen Hie wachsen. Gebt ihm ein pe das kann ihm nicht großs „Beim Teufel, Ihr ha dem er sein Messer aus der „Keinen Mord, Siftly, schreckt zuspringend. „Habt keine Angst," la will ich mir bequemer her trennte er diesen Stolz kahlen Kopfe, nahm ihn erbarmungslos damit auf Amerikaner, mit einigen dessen um die Gruppe v# Posten 4687 siche olche mit kleinen, hen Webefehlern. iste Salons mer passend -Reste zu Fenster pass. ster für 50 Zeppiche 2,50 2X3m 50 9.00 este, Läufer nd Gelegenheitskäufe allein: Ladenmieten, fast nur beste Qualiunerreicht billig. Laden öffnet von 8 bis 2 bis 2 Uhr. 160690988 Reise Oebbeke. Provision den Vertrieb mschilder und mt. Großartige zetung wird auch ung übertragen. nd spielend leicht aft und Muster e daher niemand e genügt. 4713 fabrik, Westerwald. Städt. Schulewährteste AusMeister, Werkhner, Techniker. und Auskunft lurch r B r e c h t, mold I. kaufen, daß Sachen haben gängig den ppelten, eifachen vierfachen Wert! 4709 15 O O Nr. 206. Bielefeld, Sonnabend, 4. September 1909. 20. Jahrg. Sechste internationale Konferenz der Vertreter der gewerkschaftlichen Landeszentralen. In der Vormittagssitzung vom 31. August wird zunächst eine Resolution angenommen, die das Vorgehen der türkischen Regierung gegen die Gewerkschaften scharf verurteilt. Es kamen dann die Anträge zur Beratung, die bezüglich des internationalen Sekretariats gestellt sind. Zunächst wird ein Antrag Belgiens angenommen, daß in Zukunft nur die von den angeschlossenen Gewerkschaftszentralen gestellten Anträge diskutiert werden, daß aber die nicht angeschlossenen Länder nicht das Recht haben, der Konferenz Vorschläge zu unterbreiten. Nachstehender Antrag Norwegens wird nach einer kurzen Begründung durch Lian angenommen: Als Grundlage für die jährlichen statistischen Berichte der Landesorganisationen an das internationale Sekretariat sind solche Bestimmungen auszuarbeiten und solche Bezeichnungen festzusetzen, daß für die Angaben möglichst einheitliche Voraussetzungen geschaffen werden. Legien begründet folgenden Antrag Deutschlands: Die Konferenz beschließt, die gewerkschaftlichen Landeszentralen zu ersuchen, die Streikstatistik einheitlich zu führen und, sofern diese Statistik durch staatliche Behörden ausgenommen wird, daß die Aufnahme nach einheitlichen Sätzen erfolge. Der Antrag wurde angenommen. Eine längere Debatte entsteht über einen Antrag Deutschlands, der an den Beschluß der letzten internationalen Konferenz in Christiania von 1907 erinnert und verlangt, daß Mitglieder solcher Verbände, die den gewertschaftlichen Landeszentralen ihres Landes angeschlossen sind, wenn sie in einem anderen Lande zureisen, in der dortigen Berufsorganisation ausgenommen werden müssen. Der Antrag normiert dann im einzelnen noch die Uebertrittsbedingungen. Sassenbach begründet diesen Antrag und verweist darauf, daß die meisten Länder schon so handeln. Eine Ausnahme mache England, wo den zureisenden Gewerkschaftsmitgliedern vielfache Schwierigkeiten gemacht werden. Das habe bereits auf der vorigen Konferenz in Christiania zu einer Aussprache und zu einem entsprechenden Beschluß geführt. Auch die englischen Delegierten hätten sich für eine Erleichterung der Uebertrittsbedingungen erklärt. Man habe nichts gehört, daß in England diese Frage behandelt wurde, weshalb an die englischen Delegierten die Frage zu richten sei, ob sie Schritte unternommen haben, den Beschluß durchzuführen.— Appleton, der Generalsekretär der englischen Föderation of Trade Unions erklärt, daß der Bericht von Christiania im Jahresbericht der englischen Föderation veröffentlicht wurde. Zur Beratung auf dem Trade UnionsKongreß sei die Resolution nicht gekommen, da die Föderation als solche nicht das Recht habe, den Antrag zu stellen. In England beständen große Schwierigkeiten, einen Beschluß einer Konferenz zur Durchführung zu bringen, da die Demokratie so stark entwickelt sei, daß die einzelnen Organisationen sich auch selbst durch die Konföderation(Gewerkschaftskommission) keine Vorschriften machen lassen. Man werde versuchen, den englischen Gewerkschaften die Frage näher zu bringen, dazu gehöre aber Zeit. Dann verhindere auch das ausgedehnte Unterstützungswesen der englischen Gewerkschaften, zureisenden Berufsgenossen die vollen Rechte zu gewähren.— In der Debatte, an der sich Vertreter verschiedener Länder beteiligen, wird es als unangenehm bezeichnet, daß man sich in England immer auf die Demokratie berufe, die es verhindere, gefaßte Beschlüsse auszuführen. Wenn die leitenden Personen die Absicht haben, etwas durchzuführen, dann würde ihnen die Möglichkeit gegeben sein, die Mitglieder aufzuklären. Auf verschiedenen internationalen Kongressen konnte festgestellt werden, daß gerade die englischen Vertreter über internationale Fragen schlecht unterrichtet waren. Die englischen Gewerkschaften seien bereits solange dem internationalen Sekretariat angeschlossen, daß man erwarten könne, daß sie über alles unterrichtet wären. Von einem Beschlusse wurde Abstand genommen in der Erwartung, daß die Aufforderung die englischen Gewerkschaften anregen werde, dem Beschlusse von Christiania zu entsprechen. Bei dieser Gelegenheit führen die Vertreter der französischen Gewerkschaften darüber Klage, daß die in Paris ansässigen deutschen Gewerkschaftler sich eine besondere deutsche Organisation geschaffen haben und sich vielfach weigern, den französischen Gewerkschaften beizutreten. Hierzu erklärt Legien, daß die deutschen Gewerkschaften ein solches Vorgehen auf keinen Fall für richtig halten. Man erwarte ganz bestimmt, daß die in Frankreich beschäftigten Deutschen sich ihrer französischen Berufsorganisation anschließen. Die Generalkommission habe angenommen, daß das deutsche Gewerkschaftskartell in Paris nichts anderes sei als eine Auskunftsstelle, die den der französischen Sprache nicht mächtigen zureisenden Deutschen helfen und sie ihrer französischen Berufsorganisation zuführen will. Falls das nicht der Fall sei, würde man jede Beziehung zu diesem Kartell abbrechen. Die Niederlande beantragen, einen besoldeten Beamten anzustellen, der den Verkehr zwischen den Landeszentralen zu vermitteln, auch Bureauarbeiten zu verrichten und die Herausgabe eines Korrespondenzblattes oder regelmäßiger Rundschreiben zu veranlassen hat. Oudegeest begründet den Antrag dahin, daß es auf die Dauer nicht genügen würde, die internationalen Arbeiten im Nebenamte durch Legien ausführen zu lassen. Es sei deshalb eine besondere Person anzustellen, die unter der Leitung von Legien arbeite. Auch ein internationales Organ müsse erscheinen. Bisher sei man auf das deutsche Correspondenzblatt und auf gelegentliche Zirkulare angewiesen gewesen. In der Diskussion kam allgemein zum Ausdruck, daß Legien die Leitung der internationalen Angelegenheiten behalten möge. Es wurde dann auch beschlossen, eine voll besoldete Hilfskraft anzunehmen. Von der Herausgabe eines besonderen internationalen Organs soll Abstand genommen werden, dagegen die Mitteilungen in Form von Zirkularen ausgebaut werden. Dänemark beantragt, daß Zirkulare und wichtige Mitteilungen betr. größere Konflikte in einem Lande sofort und direkt an die Zentralorganisationen der übrigen Länder gesandt werden sollen. Wenn in einem Lande Konflikte größeren Umfanges eintreten, so, daß dadurch das Interesse der übrigen Landeszentralen in Anspruch genommen wird, sollen diese auf Aufforderung des internationalen Gewerkschaftssekretariats einen Delegierten zu einer Konferenz entsenden, um über die betr. Veranstaltungen gemeinschaftlich beraten zu können. Die Konferenz erachtet den ersten Teil des Antrages als durch die Anstellung einer besonderen Hilfskraft erledigt. Bezüglich des zweiten Teiles ist Legien der Meinung, daß er verfrüht ist. Der Antrag setzte eine viel geschlossenere Organisation voraus, als sie vorhanden ist. Die Frage der Streikunterstützung müsse jetzt noch den einzelnen Landeszentralen überlassen bleiben. Wenn die internationalen Beziehungen mehr ausgebaut sind, könnte man der Frage näher treten. Es ließe sich darüber reden, ob bei großen Kämpfen in einzelnen Ländern der internationale Sekretär nicht veranlaßt werden sollte, sich an Ort und Stelle zu informieren. Ein Beschluß hierüber sei aber jetzt noch verfrühi. Der Antrag wird darauf zurückgezogen. In der Nachmittagssitzung wird folgender Antrag Amerikas begründet: Die Internationale Konferenz empfiehlt den Gewerkschaftszentralen aller Länder das Studium der Frage der Errichtung einer„Internationalen Arbeiter= Föderation“, wobei die Selbständigkeit der Arbeiterbewegung jeden Landes bestimmt und garantiert bleibt. Der Zweck der Föderation würde sein: der Schutz und die Förderung der Rechte und Interessen der Lohnarbeiter aller Länder und die Schaffung internationaler Brüderlichkeit und Solidarität.— Gompers führt aus, daß die jetzige Benennung als internationales Sekretariat den Arbeitern nicht genügend verständlich ist. Sie möchten dafür eine nähere Bezeichnung. Sie glauben, daß die von ihnen vorgeschlagene Bezeichnung dem internationalen Sekretariat mehr Inhalt geben wird. Nach dem gestrigen Beschlusse findet über den Gompersschen Vorschlag keine Diskussion statt, die Landeszentralen haben sich zunächst mit dieser Frage zu beschäftigen. Ein ähnlich lautender Antrag von Belgien wird zurückgezogen. Nun kommt der 3. Punkt der Tagesordnung zur Verhandlung: Veranstaltung internationale: Konferenzen. Es stellt sich hierbei heraus, daß die Delegierten aller vertretenen Länder dem französischen Vorschsage nicht sympathisch gegenüberstehen. Die franzosischen Delegierten Jouhaux und Yoetot führen hierzu ungefähr folgendes aus: Der französische Vorschlag sei nicht neu, da er bereits im Jahre 1900 auf dem internationalen Kongreß gestellt worden sei. Auf Konferenzen, auf denen nur wenige Personen anwesend sind, könnten die Arbeiterinteressen nicht genügend vertreten werden. Jedenfalls käme die Verschiedenheit der Auffassung nicht genügend zur Geltung. Auch fänden Konferenzen lange nicht den Widerhall unter den Arbeitern, wie ein Kongreß. Die französischen Gewerkschaften ständen auf einem föderalistischen Standpunkt, wobei alle Meinungen zur Geltung kommen könnten. Aehnliches möchten sie auch auf internationalem Gebiete haben. Dies sei vielleicht auch der Grund, weshalb sich die Länder mit streng zentralistischer Gewerkschaftsbewegung gegen den Kongreß wenden. Die Franzosen ständen auf dem Standpunkt, daß die Gewerkschaftsführer nicht anzuordnen, sondern nur auszuführen hätten. Man wird jedenfalls mit dem Einwurf kommen, daß die internationalen Arbeiter- und Sozialistenkongresse dem Bedürfnis genügen. Die französischen Gewerkschaften wollen indessen mit politischen Parteien nichts zu tun haben; sie verlangen einen Kongreß auf streng gewerkschaftlicher Grundlage.— Demgegenüber erklären die Vertreter verschiedener anderer Länder, daß ein Bedürfnis nach besonderen internationalen Gewerkschaftskongressen nicht vorhanden ist. Die internationalen Arbeiter= und Sozialistenkongresse genügten. Auch habe man durchaus nicht die Absicht, einer Trennung in der Arbeiterbewegung Vorschub zu leisten. Beide Richtungen müßten zusammengehen. Unmöglich sei es, praktische gewerkschaftliche Fragen auf einem großen Kongresse zu erledigen. Das könne nur im kleinen Kreise geschehen. Von einer Bevormundung der Arbeiter könne dabei keine Rede sein. Die Diskussion hierüber zieht sich den ganzen Nachmittag hin, wobei die französischen Vertreter erklären, daß, wenn jetzt der internationale Kongreß abgelehnt werde, die Frage auf jedem Kongreß wiederkehren werde. Hierzu erklärt Legien, daß er es für durchaus angebracht halte, wenn die französischen Gewerkschaften ihren Antrag wieder stellen. Unter veränderten Verhältnissen könnte später auch eine andere Abstimmung erfolgen. Hueber verlangt aber eine Abstimmung über den Antrag der Franzosen, womit dann die Sache für die Folge erledigt sei. Yvetot erklärt, daß man doch wohl darüber einig sei, daß die Franzosen das Recht haben, zu jeder Konferenz ihren Antrag zu wiederholen. Dem wird nicht widersprochen. Darauf ziehen die Franzosen ihren Antrag für diesmal zurück. Die Konferenz, die am Dienstag zu Ende gehen sollte, wird dann auf Mittwoch vertagt. Zum neuen Fall Bernstein liegen wieder einige Aeußerungen vor. Genosse Kautsky schreibt im„Vorwärts": „Die„Chemnitzer Volksstimme“ hatte behauptet, Bernstein sei aus der„Neuen Zeit“„hinausgebissen“ worden. Auf meine Aufforderung, offen herauszusagen, was damit gemeint sei, meldet sich jetzt Bernstein selbst, um zu erklären, daß mein Verhalten ihm gegenüber seinen Austritt unvermeidlich gemacht habe, was Auer und„ein Parteigenosse in hervorragender Stellung“ ihm bestätigten. Das bedeutet weder eine Zurücknahme der Beschuldigung, 55 Roman aus den Goldfeldern Kaltforniens von Friedrich Gerstäcker. im! Wie aber der Chinese nur einen Blick auf den förmlich rasenden Amerikaner warf, fühlte er auch, daß er ihm nicht gewachsen war. Trotzdem stemmte er sich fest in den Boden, dem ersten Ansprung zu begegnen, und stieß nur einen schrillen und eigentümlichen Schrei dabei aus. Hatte Briars übrigens vorher weder durch Stoßen noch Drängen vermocht, die Chinesen aus ihrem Eigentum hinauszujagen, so brachte dieser eine mit Blitzesschnelle das zustande. Ohne auch nur einen Blick nach dem Amerikaner zurückzuwerfen, kletterten sie wie die Katzen an ihrem Baum empor; aber nur der erste langte noch zeitig genug oben an, um zu sehen, wie sich der Amerikaner auf ihren Obern warf und ihn mit einem Schlag seiner Faust zu Boden streckte. Wohl wollte ihm sein Kamerad zu Hilfe kommen, aber ein zweiter Stoß sandte ihn ebenfalls seitab auf die Erde nieder, und als jetzt auch Briars nach oben sprang, dem Gefährten zu Hilfe zu kommen, und andere Amerikaner, die den Schrei gehört und den Kampf gesehen, von mehreren Seiten herbeieilten, stoben die armen Teufel von Chinesen, wie ein gescheuchtes Volk Rebhühner, auseinander. Siftly aber, noch schäumend vor Wut über die erlittene Mißhandlung, warf sich auf den durch den ersten Schlag betäubten Chinesen, und dessen Zopf um seine linke Hand schlingend, schrie er dem eben am Rand der Grube auftauchenden Briars zu, ihm einen Stock zu schaffen. „Einen Stock,“ lachte dieser, als er die komische Gruppe, sah,„da könntet Ihr weit in diesen Bergen herumsteigen, ehe Ihr einen ordentlichen Hickory fändet, wie sie bei uns daheim wachsen. Gebt ihm ein paar Hiebe mit seinem eigenen Zopfe, das kann ihm nicht groß schaden.“ „Beim Teufel, Ihr habt recht,“ schrie der Amerikaner, indem er sein Messer aus der Scheide riß. „Keinen Mord, Siftly, um Gotteswillen!“ rief Briars, er„Habt keine Angst, lachte aber der Spieler,„nur den Zopf will ich mir bequemer herrichten,“ und mit ein paar Schnitten trennte er diesen Stolz des armen Chinesen von dem sonst kahlen Kopfe, nahm ihn dann in die rechte Hand und schlug erbarmungslos damit auf den am Boden Liegenden ein. Andere Amerikaner, mit einigen Franzosen dazwischen, hatten sich ins..... ung warsammalt; aber es bedi bessen um die Gruppe versammelt, durfte einiger Zeit, bis sich Siftly so weit beruhigte, daß er den Chinesen losließ und, seinen Zopf auf ihn werfend, den Umstehenden erzählte, wie ihn der kahlköpfige Bursche unversehens gepackt und in das Schlammloch da nebenan geworfen habe. Mit den fürchterlichsten Flüchen schwor er dabei, daß er jedem Chinesen, der ihm wieder zu nahe käme, eine Kugel durch den Kopf schießen würde, und stieg dann ohne weiteres mit Briars in die eroberte. Grube hinab, um ihren Raub jetzt auszubeuten. Die übrigen Goldwäscher kümmerten sich natürlich nicht darum, das war eine Sache, die beide Parteien mireinander abmachen mußten; und wie sie sich nur überzeugt hatten, daß der Chinese nicht tot, sondern nur betaubt war, der zweite hatte sich schon lange wieder aufgerafft und davongemacht, ließen sie ihn liegen und gingen lachend oder gleichgiltig ihrer Wege. Nur ein paar Franzosen blieben bei dem armen mißhandelten Burschen zurück, holten Wasser und gossen ihm das ins Gesicht und brachten ihn wieder zu sich selber. Daß ihm übrigens weiter nichts geschehen war, sahen sie wohl. Ueber den abgeschnittenen langen Zopf lachten sie nur und ließen ihn dann, als er sich langsam wieder aufrichtete, ebenfalls allein. Verstehen konnten sie ihn doch nicht, und durften nicht zu viel Zeit mit ihm versäumen. Der von dem Schlag betäubte Chinese erholte sich nach und nach wieder. Wie er aber nur halbwegs zur Besinnung kam und sich auf der Erde liegend fand, war sein erster Griff in alter Gewohnheit nach dem ordentlich heilig gehaltenen Zopf, und mit einem wahren Angstschrei sprang er empor, als er den für ihn furchtbaren Verlust entdeckte, den er erlitten. Seine Zähne knirschten zusammen; der Schaum trat ihn vor den Mund, und mit fast aus den Höhlen drängenden Augen ging er zu der Grube, in der die Amerikaner jetzt rüstig arbeiteten. Was er da, außer sich vor Wut, hinunterrief, konnten die beiden nicht verstehen; an den wie rasenden Geberden des armen Teufels erkannten sie aber wohl, daß es kein Segen war, und Siftly, ruhig seinen Revolver aus der Tasche ziehend, spannte den Hahn, richtete die Waffe auf den Chinesen, und schwur, er würde im nächsten Augenblick Tageslicht durch ihn scheinen lassen, wenn er nicht mache, daß er von da oben fortkäme. Der Chinese blieb noch wohl eine volle Minute, selbst dem drohenden Lauf der Feuerwaffe trotzend, in seiner Stellung; bald aber mochte er sich doch eines Besseren besinnen. Er drehte sich langsam ab und griff den am. Boden liegenden Zopf auf, den er sich um die Hüften wie einen Gürtel band. Dann sah er sich nach den vertriebenen Gefährten um, und als er diese alle um die Stelle versammelt fand, wo sie ihre zweite Grube bearbeiteten, schritt er langsam auf sie zu, blieb eine Weile bei ihnen stehen, und verschwand dann, von ihnen gefolgt, in dem Ausgang des Tales, unter dem sie ihre Zelte stehen hatten. 19. Don Alonso. Die Chinesen hatten sich allerdings, ohne einen weiteren Angriff zu wagen, zurückgezogen und ihr rechtmäßiges Eigentum, wie es schien, aufgegeben. Nicht weit davon arbeiteten Mexikaner, und bald lief unter diesen das Gerücht von Mund zu Mund, daß die Amerikaner anfingen, die Fremden zu vertreiben, und geschworen hätten, alle aus der Flat zu jagen. Zufälligerweise war ebenfalls gerade in dieser Stunde der lange gedrohte amerikanische Koliektor im Paradiese eingetroffen, der die Taxen von allen Ausländern sammeln sollte. Einer der Mexikaner, der in der Stadt gewesen, um sich eine neue Brechstange zu holen, brachte die Nachricht mit heraus. Etwa eine halbe Stunde, später hörten sämtliche Mexikaner auf zu arbeiten, sammelten sich in ihrem Lager, das östlich von der Flat, zwischen dieser und den nächsten Hügeln, lag, und sandter. dann Berittene nach verschiedenen Seiten in die Berge hinauf, ohne jedoch eine weitere Demonstration vorzunehmen. Auch die Franzosen, wenngleich nicht durch den Angriff auf die Chinesen, doch durch das Eintreffen des Kollektors beunruhigt, zogen sich zusammen. Bis jetzt hatten sie geglaubt, die früher gedrohte Taxe sei nur eben eine Drohung und ein blinder Lärm gewesen, da sich die langen Wochen hindurch kein Kollektor hatte sehen lassen. In diesem langen Zwischenraume schienen sie außerdem zu dem festen Entschluß gekommen zu sein, diese rasend hohe Steuer unter keiner Bedingung zu zahlen. Jetzt dagegen, da der Kollektor wirklich eintraf, mochten es die meisten doch für geratener halten, sich die Sache erst noch einmal zu überlegen, ehe sie sich den amerikanischen Autoritäten widersetzten, wenn auch die Hitzköpfigsten von keinem Fügen etwas wissen wollten. Hetson indessen, der neue Alcalde, erfuhr von alle diesem nicht ein Wort, da ihn seine Geschäfte diesen Nachmittag vollständig an sein Zelt bannten. Der Kollektor hatte nämlich, ehe er seine Wirksamkeit in den Minen beginnen konnte, noch eine Menge Vorarbeiten zu machen, bei denen ihn Hetson unterstützen mußte. Das neue Gesetz, die neuen Listen waren durchgesehen, Certificate mußten ausgefüllt werden, und überdies bot die neue Steuer in der Ausführung so manche andere örtliche Schwierigkeiten, die die Gesetzgeber in San Francisco allerdings nicht gekannt und deshalb auch nicht berücksichtigt hatten, noch ihre Aufklärung, sondern öffnet erst recht allen möglichen Deutungen und Mißdeutungen Tür und Tor. Es war nicht mein„Verhalten“, was Bernsteins Zusammenwirken mit mir in der„Neuen Zeit" schließlich unmöglich machte, sondern sein Frontwechsel, der unsere ursprüngliche völlige Uebereinstimmung in allen entscheidenden Fragen der Theorie, der Taktik, der Redaktionsführung durch den schroffsten Gegensatz verdrängte..„Berke stann M z. Wohl aber darf ich es meinem„Verhalten zuschreiben, wenn trotz dieses Gegensatzes auf allen Gebieten, die für unser gemeinsames Arbeiten in Betracht kamen, trotz seiner steten polemischen Hervorkehrung und Zuspitzung noch fast drei Jahre lang ein Zusammenarbeiten Bernsteins mit mir möglich wurde. Ueber mein Verhalten Bernstein gegenüber ist mir bisher von niemand ein Tadel ausgesprochen worden, auch nicht von jenen beiden Genossen, aus die sich Bernstein beruft, ohne sie wörtlich zu zitieren. Ebensowenig von jenen Instanzen, deren Ueberwachung die Redaktionsführung der„Neuen Zeit" untersteht und die berufen waren, Bernstein zu schützen, wenn ich ihn ungebührlich behandelte.,„...,...: a stlai, Die einzige, erste und letzte, Beschwerde, die Bernstein über mein„Verhalten“ an den Parteivorstand richtete, im März 1900, wurde von diesem mit allen Stimmen, auch der Auers, als unberechtigt zurückgewiesen.“ Genosse Bernstein erwidert darauf im„Vorwärts“ blgendes......„e uuh lete d B. einig „Kautsky beyauptet, die erste und lehle, v. h. einzige Beschwerde, die ich gegen sein redaktionelles Verhalten mir gegenüber erhoben habe, sei vom Parteivorstand einschließlich Auers einstimmig als unberechtigt zurückgewiesen worden. Das stimmt nicht. Nicht als„unberechtigt“ wurde die Beschwerde zurückgewiesen, sondern auf Grund eines bestimmten, von Kautsky abgegebenen Versprechens. In dem Brief Auers vom 22. März 1900, der mir die Entscheidung mitteilte und, wie Auer im Begleitbrief schrieb, sorgfältig so gehalten war, daß ich kavon im Notfall Gebrauch machen könne, heißt es ausdrücklich: „Kautsky wurde beim Wort genummen, daß er die Grundsätze, die er Deinem Artikel gegenüber geltend mache, auch für selbst und andere Mitarbeiter in Zukunft zur Anwendung bringe. Kautsky versprachedies.“ Ich will es an dieser Stelle unerörtert lassen, ob Kautsky genes Versprechen gehalten hat; das ist hier Nebensache. Die Hauptsache ist, daß der Parteivorstand erst, nachdem Kautsky das Versprechen abgegeben, ihm das Recht zuerkannte, gemäß den darin für bindend erklärten Grundsätzen auch meinem Artikel gegenüber zu verfahren.(Es handelte sich um Zurückweisung des Aussatzes„Naturprinzipien und Wirtschaftsfragen“, den man in meiner Sammlung„Zur Geschichte und Theorie des Sozialismus“ findet.) Soweit über die„erste und letzte“ Beschwerde, die ich gegen Kautsky erhoben habe. Daß sie nicht die einzige war, die ich geltend machen konnte, zeige folgende Stelle aus Auers Brief vom 24. April 1900, dem Brief, in welchem er mir riet, aus der„Neuen Zeit“ auszuscheiden. Auer schrieb dort: „Daß es Kautsky ist, der nun sein Bedauern ausspricht, daß die Diskussion auf das Niveau des persönlichen Zankes herunter gesunken ist, ist der Humor von der Sache, beweist aber doch auch, daß er die Fähigkeit, ernst zu debattieren, verloren hat. Er, der, abgesehen von der Stuttgarter Rede, fast nur Personalien zum besten gab, bedauert jetzt, daß es dazu gekommen ist. Man könnte lachen, wenn es nicht so traurig Indes sind die Dinge einmal gekommen, wie sie gekommen sind, und ich würde an Deiner Stelle den Stolzen spielen. Du kannst versichert sein, daß in den unabhängigen Parteikreisen ein solcher Schritt verstanden wird.“ Damit genug. Auf die Redensart vom„Frontwechsel“ eingagehen hat keinen Zweck; wen zehn Jahre Entwicklung nicht eines Besseren belehrt haben, den wird keine Auseinandersetzung überzeugen.„. 95 Gugust 1990 Schöneberg=Berlin, 31. August 1909. Ed. Bernstein.“ Zum Schnapsboykott. Durch die Parteipresse geht ein Artikel des Genossen Aug. Neumann=Hamburg, Vorsitzenden des Arbeiter=Abstinentenbundes, der dem Parteitag empfiehlt, den Schnapsboykott zu beschließen. Er befürwortet den Boykott als eine Art Steuerverweigerung. Nachdem er ausgeführt, daß der Boykott des Bieres auf die Dauer noch nicht durchzusetzen ist, weil der Glaube an das Bier" noch zu groß sei, legt er dar, daß die Zahl der Verteidiger des Schnapses stetig abnimmt, ebenso wie die Zahl derer, die ihn gewohnheitsmäßig genießen. Der Schaden, den er anstiftet, sei unbestritten; auch ohne besonderen Anlaß wäre eine Kriegserklärung gegen den Schnaps des Beifalls und der durchschlagenden Wirkung in der organisierten Arbeiterschaft sicher. Dann fährt der Artikel fort. „Jetzt aber liegt solch ein besonderer Anlaß vor. Jetzt handelt es sich darum, durch einen Schnapsboykott das Steuererträgnis fühlbar zu vermindern, die Liebesgabe der Junker aber womöglich ganz zu vernichten. Um dieses Zieles willen wird mancher Widerspruch verstummen, werden auch viele, die noch glauben, damit ein Opfer zu bringen, dem Aufrufe folgen. Natürlich wird es nötig sein, in diesem Kampfe den Massen zu zeigen, daß es kein Opfer ist, was wir verlangen; daß der Verzicht auf den Schnaps eine Erhöhung der Lebenshaltung nach jeder Richtung bedeutet; daß die Preisgabe des Schnapses gesundheitlichen, materiellen, moralischen Gewinn in Fülle mit sich bringt. Selbstverständlich wird dabei die Darlegung der sozialen Ursachen, die zum Branntweingenuß treiben, die leicht wie eine Verteidigung seines Genusses wirken kann, zurücktreten hinter der Aufklärung über seine Gefahren und die Notwendigkeit, ihn zu meiden.“.... T.amot, Genosse Neumann glauvt, daß es der Sozialdemorratie möglich sein wird, einen Schnapskonsumrückgang zu erzielen, groß genug, um das Steuersoll von 200 Millionen wesentlich zu schmälern, und zu bewirken, daß die Kontingentshöhe nicht mehr erreicht wird und die Liebesgabe zum Teufel geht. Er schätzt, daß die Partei auf etwa ein Viertel der erwachsenen männlichen Bevölkerung Einfluß genug besitzt, sie für den Boykott zu gewinnen. Er sagt darüber: Wenn man birst Hahr gu 9sch fngei, bergegse man nicht, „... Wenn man diese Zahl zu hoch findet, vergesse man nich daß der Branntweinverbrauch in der Arbeiterschaft größer ist, ais in den anderer Kreisen, serner, baß wir weil über den „nisiorten Arb-storschaft binaus als in den anderen Kreisen; ferner, daß wir weit über Raymen der organisierten urbeiterschaft hinaus auf andere wirken. Man denke daran, daß der Trunk bei der Arbeit, auf Bauten und in Fabriken unter den Augen aller geschieht, daß jeder hier praktische Arbeit leisten kann. Man vergesse auch nicht, welch bedeutenden Einfluß hierbei die Frauen ausüben können und werden. Mit Freuden werden sie den Kampfruf aufnehmen. Einmal in die Masse geworfen aber wird der Boykott auch weitergreifen. Auch in den christlichen Gewerkschaften mehren sich die Stimmen gegen den Alkohol. Und der Groll gegen die neuen Steuern ist dort nicht geringer als bei uns. Ich glaube daher, nicht zu hoch zu schätzen, wenn ich den Ausfall, den wir erzielen können, auf etwa ein Viertel des heutigen Konsums bemesse. Das würde einen Steuerausfall von rund 50 Millionen ergeben, dazu den Wegfall der Liebesgabe! Und selbst, wenn es weniger wäre: es würde sicher ein fühlbarer Ausfall. Es wäre dann ein Schauspiel, wert, erlebt zu werden, wenn dann die Regierung, wenn die herrschenden Klassen sich anschicken würden, unseren Schlag abzuwehren; wenn sie gar dem Schnapsgenuß das Wort reden würden— natürlich dem mäßigen..,.... gm. Her Warteitag Hiesen Weg h. Der Artikel schließr:„Moge der Parteitag diesen Weg betreten! Möge er diese eminent praktische Arbeit leisten— und Leipzig wird in der Geschichte der Partei stehen als ein Ort, an dem eine Befrejungsschlacht des Proletariats seinen Anfang nahm.“ Aus den Organisationen. Der Wahlkreis Sangerhausen=Eckardtsberga hielt am Sonntag in Sangerhausen seinen Kreistag ab. Die Organisation hat wegen der wirtschaftlichen Krise zwar keinen Fortschritt gemacht, sich aber auf ihrer vorjährigen Höhe gehalten. Die Einnahmen betrugen 1360,31 Mk. und die Ausgaben 1053,91 Mark. Der Mitgliederbeträgt 309. Das„Hallesche Volksblatt“ ist in 548 Exemplaren verbreitet. Da der bisherige Kandidat des Kreises, Genosse Graf=Sangerhausen, die Kandidatur niedergelegt hat, wurde der Kreisvorstand beauftragt, sich nach einem geeigneten Votihdten wmetcher. Eine sozialdemokratische Versammlung in Magdeburg nahm eine Resolution an, deren Schluß lautet: „Die Arbeiterschaft wird... aufgefordert, durch Enthaltung des Branntweingenusses in jeder Form dazu beizutragen, diese Ausbeuterkreise(die Agrarier) dort zu treffen, wo sie am empfindlichsten sind, das ist am Geldbeutel. Die Enthaltung vom Branntweingenuß muß zugleich eine Durchkreuzung der Steuerpolitik der Regierung erwirken. Also Krieg dem Branntwein, den geschlossen und energisch zu führen, Ehrensache der Arbeiter sein muß.“ Gewerkschaftsbewegung. Schwarze Listen im Baugewerbe. Daß die Scharfmacher im Baugewerbe es in puncto Terrorismus mit ihren Kollegen in der Metallindustrie getrost aufnehmen könner, beweisen zwei die aber hier desto schwerer in die Wage fielen. Der Kollektor erklärte sich dabei bereit, das eigentliche Einkassieren der Taxen zu besorgen; während er aber, mit einem ziemlich weiten Distrikt zu begehen, die einzelnen Bergwasser absuchte und die Fremden dort notierte und besteuerte, sollte es hauptsächlich dem Alcalden und Sheriff des kleinen Minenstädtchens überlassen bleiben, die Fremden hier zu überwachen.. gsletg in 2c. Dabei schien es Hetson, als ob der souertor, ein echter Yankee aus Connecticut, nicht übel Lust habe, soviel als irgend möglich von seinen Schultern abzuwerfen, und mit einem sehr glücklichen Nonchalance, die er„Vertrauen zu Mr. Hetson“ nannte, diesem die größte Arbeit zu überlassen. Der Sheriff wurde dadurch der eigentliche Kollektor, und er kontrollierte nur die eingegangenen Summen. Darin hatte er sich aber in seinen Leuten hier geirrt, und Hetson, wie er merkte, daß sich der Kollektor auf mündlich in San Francisco erhaltene Befehle berief, ließ einfach den Sheriff bitten, zu ihm zu kommen. Hale war gerade von einer Runde durch die Flat zurückgekehrt, und sah erhitzt und aufgeregt aus, als er in das Zelt trat. „Mr Hale,“ redete ihn Hetson an,„hier Mr. Slocum, der neue Kollektor, hat Ihnen die Ehre zugedacht, die monatliche Zwanzig=Dollar=Taxe von den hiesigen Fremden zu erheben, bie— lich nichts dagegen einzuwenden haben. Wie aber die Sache jeßt steht, dank' ich dafür. Ja, Sheriff,“ sagte achselzugend der Kollektor,„das wird Euch nichts helfen. Das Gesetz ist einmal gegeben, und uns ziemt es—“ „Das Gesetz ist gegeben,“ rief der Sheriff,„daß die Kollektoren das Geld einkassieren sollen, wenn sie es kriegen können. Jetzt aber eßt vor allen Dingen auch erst einmal aus, was Ihr mit eingebrockt habt, und guckt einmal vor die Tür hinaus, wie es draußen aussieht. Drüben in San Francisco können sich die Herren recht gut breit an einen Tisch setzen und eine Menge der arschiedensten Geschichten zu Papier bringen, das Papier ist gebuldig, aber dann mögen sie auch selber heraufkommen und sehen, wie die neue Maschine arbeitet.“ „Ist etwas vorgefallen, Mr. Hale?“ rief Hetson, dem nicht entgangen war, daß sich der sonst so ruhige Mann in ungewöhnlicher Aufregung befand. „Vorgefallen," brummte Hale,„das ganze Nest ist in Aufruhr, und mehr als das, wir werden auch Zuzüge wahrscheinlich aus den Bergen erhalten.“ „Aber was ist geschehen?“ rief der Kollektor wie Hetson zu gleicher Zeit. Whariff Ergarlich Gh. „Unsinn, natürlich,“ sagte-der Sheriff argerlich.„Iyr Freund, Mr. Hetson, jener Mr. Siftly, mit dem großen Bart und dem kalifornischen Poncho, hat damit angefangen, ein paar arme Teufel von Chinesen, die keinem Menschen etwas in den Weg gelegt haben, aus ihrem Claim zu jagen und zu mißhandeln, und ein paar von unsern rauhen tollköpfigen Burschen, die schon lange auf einen solchen Anfang gewartet haben, machen sich jetzt über einige andere Plätze her, in denen bis dahin Mexikaner gearbeitet hatten. Sie werfen das darin liegende Handwerkszeug hinaus, graben die Löcher aus, und schwören, daß sie jedem Fremden, der sie daran hindern wolle, eine Kugel durch den Kopf schießen würden.“ Hetson biß sich auf die Lippen JForts. folgt.) Schriftstücke, die uns zügestellt wurden. Eins ist vom Arbeikgeberverband für das Baugewerbe zu Dresden, das andere aus Halberstadt. Es wird darin verlangt, daß Maurer aus Frankberg in Sachsen, aus Chemnitz, aus Meerane, Kamenz und aus Halberstadt nicht angenommen werden sollen. Dem Halberstädter Schreiben liegt eine schwarze Liste bei, die die Namen von 228 Maurern und 111 Bauhilfsarbeitern enthält. Der Streik der Steinsetzer und Rammer in Dresden und Umgegend dauert nun bereits 17 Wochen. Allem Anschein nach kommt er nun bald zur Entscheidung. Die Behörden, die den Unternehmer solange den gewünschten Aufschub der Arbeiten gewährt haben, werden ungeduldig, weil die Fertigstellung dringend notwendiger Arbeiten bei weiterem Aufschub ernstlich in Frage gestellt ist. Einige größere Arbeiten sind ihnen schon verloren gegangen. Der Rat zu Dresden wird wahrscheinlich einige der ursprünglich vergebenen Arbeiten von den eigenen Leuten ausführen lassen wollen, womit sich dann allerdings die Arbeiterschaft noch beschäftigen wird. Immerhin sind auch diese Arbeiten und der damit verknüpfte nicht zu knappe Profit des Unternehmers verloren. Um nicht alles zu verlieren, machen die Unternehmer jetzt noch einmal krampfhafte Anstrengungen, Arbeitswillige zu bekommen. Sie bieten ihnen 10 Mk. Tagelohn bei neunstündiger Arbeitszeit, während sie den Behörden am Orte gegenüber dreist und gottesfürchtig behaupten, die von den Arbeitern geforderten Lohnsätze nicht zahlen zu können. Es gilt also, nunmehr ein wachsames Auge zu haben, daß nicht im letzten Moment noch der Streik durch Arbeitswillige für die Arbeiter verloren geht. Es handelt sich, wie nochmals erwähnt sein mag, für die Arbeiter um die Abwehr einer Lohnherabsetzung, die sich auf zirka 600 Mk. im Jahre für den einzelnen Arbeiter beläuft. Die Unternehmer wollen nämlich nicht weniger als 30 Prozent der bisher gezahlten Löhne„sparen". Gesperrt sind folgende Orte: Dresden und Umgegend, Bautzen, Dippoldiswalde, Sebnitz, Meustedt bei Stolpen, Pirna, Elsterwerda und Großenhain. Differenzen der Maurer in Lüchow. Wegen Lohnreduzierung und Einführung von Klassenlöhnen wurde in einer stark besuchten Maurerversammlung beraten. Die Versammlung beschloß, von einem allgemeinen Streik der vorgerückten Jahreszeit wegen Abstand zu nehmen. Jedoch wurde einstimmig beschlossen daß alle Unverheirateten und nicht in der Stadt ansässigen Maurer die Arbeit einzustellen haben, um auf diese Weise die Unternehmer bei den notwendigen Arbeiten in Verlegenheit zu bringen. Solange in Lüchow die Unternehmer die Klassenlöhne weiterzahlen und nicht den alten Einheitslohn wieder einführen, darf kein Maurer in Lüchow Arbeit nehmen. Städtische Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit. In der Donnerstags=Sitzung der Kölner Stadtverordneten teilte die Verwaltung mit, daß für den kommenden Winter eine ungewöhnlich große Arbeitslosigkeit zu erwarten sei, gegen die besondere Maßnahmen erforderlich sein würden, mit deren Ausarbeitung die Verwaltung der Stadt Köln beschäftigt ist. Freitag wird eine Kommission der größeren Städte Westdeutschlands zusammentreten, um gemeinsame Maßnahmen gegen die drohende Arbeitslosigkeit zu treffen und insbesondere gemeinsam den Arbeitsnachweis zu regeln. Eine umfangreiche Agitation wird in nächster Zeit der Zentralverband der Maurer Deutschlands entfalten. Es sind von der Verbandsleitung in der Zeit vom 5. September bis zum 7. November 681 Versammlungen vorgesehen. 72 Personen haben die Referate übernommen. Die Tagesordnung wird in allen Versammlungen lauten: 1. Die baugewerblichen Arbeiterorganisationen im Kampfe um die Arbeitsbedingungen. 2. Die Verschmelzung des Zentralverbandes der Maurer Deutschlands mit dem Verbande der Bauhilfsarbeiter. Arbeiter=Ausschuß=Wahl bei der städtischen Gasanstalt in München. Infolge der am 30. Juni erfolgten und durch das scharfmacherische Gebaren der Gasdirektion veranlaßten Mandatsniederlegung des Arbeiter=Ausschusses war eine Neuwahl nötig geworden, die am 1. September stattfand. Zu wählen waren 10 Vertreter und 10 Ersatzleute, die sämtlich dem freien Verbande der Gemeinde= und Staatsarbeiter zufielen, während die Christlichen trotz eines besonders eingesetzten Wahlausschusses auch noch das bisher innegehabte Mandat verloren. Nur ganz vereinzelte Stimmen wurden auf die von den Christlichen gemachten Vorschläge abgegeben. Wir kondolieren! Achtung, Orgelbauer! Die Firma P. L. Ackermann u. Lunds, Orgelfabriks=Aktiebelag in Sundyberg in Schweden, macht Anstrengungen, um Streikbrecher in Deutschland anzuwerben. besondere werden Arbeiter für Pfeiforgeln und Harmoniums gesucht. Als Streikbrecheragent funktioniert ein deutscher, bei der Firma angestellter Orgelbauer. Die deutschen Orgelbauer werden gebeten, den Zuzug nach Sundyberg, wie überhaupt nach Schweden, fernzuhalten. Neuer Textilarbeiterstreik im Elsaß. 450 Weber und Weberinnen der Fabriken von Goderroy u. Elsässer in Bühl und Lautenbachzell sind in den Streik getreten, weil die Firma den Versuch gemacht hat, trotz des ungewöhnlich schlechten Rohmaterials das Arbeiten auf 4 Webstühlen(statt wie bisher 2 und 3) einzuführen. Die Streikenden sind nur zum geringen Teil organisiert, zum Teil christlich. Arbeiter! Genossen! Es ist Parteipflicht für jeden Genossen, energisch und unablässig für die„Volkswacht" Abonnenten zu werben. Jetzt ist eine besonders günstige und erfolgverheißende Zeit für diese Tätigkeit. Tue jeder seine Pflicht, den Gegnern zum Trutz, dem kämpfenden Proletariat zu Nutz. Auf zur Agitation für die Arbeiterpresse! Möberhaus u. Stuing verdankt sein Renommee der hervorragenden Qüte seiner Möbel. 3791 Nur Bürgerweg 50a. B. S• 0 wer stets nur das echte, bewährte kauft und sich nicht Nachahmungen ale „ebensogut“ aufreden lässt. Dies gilt vor allem auch für MAGGT's Würze, die seit 20 Jahren das Vertrauen der Hausfrauen genlesst, ale bestes und billigstes Küchenhilfsmittel das wirklich hält, was es verspricht. u d e u t s c h e S t a a t s p r e i s e, 5 7 G o l d e n e M e d a i l l e n u n d v i e l e a n d e r e h o h e A u s z e i c h n u n g e n. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, so wie bei sämtlichen Agenturen fre ins Haus gebracht 60 Pfg. monat lich. Durch die Post bezoger 1,80 Mk. vierteljährlich exklusiv Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= un Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353 207. Die heutige Nun Hombarbemri In der Marineliteratun druck gegeben, daß wir im starken Macht die Beschießu hätten, wenn es nicht einer feindlichen Streitkräfte vor Küste zu schlagen. Nun sind aber schon se Nationen einige Regeln in Belagerung von bewohnter sagen, daß nur solche Städ fung, Wegnahme und Zersti hindern oder die Niederwe aber keinesfalls unbefestigt schossen werden dürfen. U das englische Geschwaderi Fischerdörfer zerstorte, da: des Völkerrechts allgemein Valparaiso durch den spani zufolge hieß es auch in de Geschwader 1870 gegeben „Ich schlage Ihnen v unverteidigten Städte zu Fällen, die in der Instr des Geschwaders sich au Handelshäfen beschränke Und daß Frankreich ge unglücklich verlaufenen Kri zuerkennen, ging aus der gegebenen Instruktion her „Das Bombardemen dar, die in Kriegszeit Städte zur Uebergabe nicht freiwillig dazu ver nicht dem Bombardem wenn sie keinen Widerst Uebrigens ist diese Bedeutung, weil nämlich burg, Lübeck, Bremen, Ste fernt liegen, daß sie gar dem Bericht, den der Kor geschwaders seiner Regier Ausdruck: „Diese Städte(gem und Stettin) sind vond Meilen entfernt, das he die preußischen Fregatt nicht in diese Plätze ein können. Von dem C Städte zu fordern, wär langen, daß englische S dieren sollen.“ Also selbst wenn man gungszustand setzen und so schießung geben würde, kör Lage dieser Städte wegen Die Beschießung könnte punkte erstrecken, und we völkerrechtswidrige Kanon fenden Orte ein ziemlich Leistungsfähigkeit des La und der Gang des Krie Admiral v. Hollmann mi „Die Wirkung eine reichen; sie ist auf ein meter in das Land hir wo die Kanonade noch dort heranreichen. K wohner der Küste leide samtheit.“ Wir haben also gesehl die Gefahren, die den Krieges drohen, maßlos kurz betrachten, was z und wird. Gleich nach dem Ausb schiffe beseitigen, die Se Leuchttürme nicht mehr eigenen Schiffe wird mar zeichen ausstellen, da gan Lotsen nichts ausrichten! wird es daher sein, Lotun Flüddemann in bezug au „Wer gegen einen muß sich erst das Fah versehen, sonst riskiert rühmlicher Weise zu ve so ohne weiteres gestat und Schiffe der Vert Fahrzeuge und Boote: nur bei Tage einigern nennenswerte Fortschr # n. Johann v. Bl. K