Abonnementshreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusine Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. SOsrzlotsec Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabott. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Rieleseld. Zuchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Nr. 202. Bielefeld, Dienstag, 31. August 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Bierpreiserhöhung und die Brauereien. Eine Erwiderung auf den Artikel in Nummer 199 der „Volkswacht". Auf den ersten Abschnitt des Artikels einzugehen, ist nicht notwendig. Das mögen die Herren Brauereibesitzer unter sich selbst ausmachen, welcher von ihnen so liebenswürdig war, dem Artikelschreiber das Protokoll zur Abschrift zu überlassen. Es soll ja nach Aussage von Interessenten die wörtliche Abschrift des fraglichen Protokolls sein. Was aber den zweiten Teil des Artikels betrifft, so ist es notwendig, des näheren darauf einzugehen, nicht im Intcresse der Brauereibesitzer, sondern im Interesse der Brauereiarbeiter. Der Artikelschreiber gibt ja zu, daß die Verteuerung des Bieres durch die Steuer 2,06 Mk. beträgt, also doch etwas mehr wie 1,37 Mk., letztere Zahl wurde ja auch nach der Statistik nachgewiesen. Aber auch die 2,06 Mk. stimmen noch nicht. Der Artikelschreiber hat nach den Angaben der Statistik fürs Deutsche Reich seine Aufrechnung gemacht, diese Statistik ist nun von 1907; es darf aber doch nicht übersehen werden, daß 1908 ein ganz enormer Konsumrückgang eintrat, hauptsächlich infolge der Krise, so daß die Zahlen von 1907 nicht mehr als feststehend anzusehen sind. Es wird also noch eine Gesamtproduktion, nach oben abgerundet, von 72 Millionen Hektoliter zu berechnen sein, für das ganze deutsche Zollgebiet. Die süddeutschen Staaten, welche nicht zum Brausteuergebiet gehören, also von den 100 Millionen Steuern nicht betroffen werden, produzieren von den oben angegebenen 72 Millionen Hektoliter 28 Millionen Hektoliter, so daß für das Brausteuergebiet die restlichen 44 Millionen Hektoliter zu berechnen sind. Das macht aber, um mit dem Artikelschreiber zu reden, nach Adam Riese 2,27 Mk., nicht 2,06 Mk. Die Steuer von 1906 wollen wir nicht in Betracht ziehen. Der Artikelschreiber behauptet, daß diese in Bielefeld über den Steuerbetrag hinaus auf die Wirte abgewälzt worden sei. Wir kommen aber nun zu dem Kapitel Löhne. Dies ist dem Artikelschreiber so sehr auf die Nerven gefallen. Wir wollen hier an Stelle der Brauerei mit 28 000 Hektoliter eine solche mit 40000 Hektoliter setzen. Diese Brauerei beschäftigt 60 Arbeiter. Im Jahre 1907 wurden dort noch Löhne von 2,50, 2,75 bis 3,00 Mk. bezahlt, nach dem Dienstalter berechnet. Diese Arbeiter schlossen sich dann ihrer Organisation an, wodurch sie in die Lage kamen, Forderungen zu stellen und einen Tarifabschluß herbeizuführen. Dadurch stiegen die Löhne auf durchschnittlich 22 Mk. Der vorstehend gemeinte Tarifvertrag ist abgelaufen und an dessen Stelle wurde ein neuer Tarifvertrag vereinbart. In dem neuen Tarifvertrag beträgt der Durchschnittslohn 26 Mk., so daß gegenüber dem Jahre 1907, wo der Durchschnittslohn 16,50 Mk. betrug, ein Mehr pro Woche von 9,50 Mk. festzustellen ist. Nun kann aber auch noch in Betracht gezogen werden, daß vor den Tarifverträgen jeder Feiertag, ob gesetzlich oder bürgerlich, abgezogen, ferner, daß die Arbeitszeit beschränkt wurde. Dadurch wurden die Betriebe gezwungen, mehr Leute zu beschäftigen oder Ueberstunden machen zu lassen. Letztere mußten aber, wie durch den Tarifvertrag festgelegt war, mit erhöhten Sätzen gegenüber dem Lohn bezahlt werden. Auch soll noch erwähnt werden, daß bei Krankheiten die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld bezahlt werden muß, ebenso bei militärischen Uebungen der volle Lohn. Wir wollen Vorstehendes nicht in Berechnung ziehen, sondern nur die Lohnsteigerung, welche seit 1907 in dem oben genannten Betrieb von 40 000 Hektoliter vor sich ging, um nicht in Verdacht zu kommen, wir wollen die Berechnung zugunsten der Brauereien ausstellen. Diese Lohnsteigerung beträgt also heute pro Arbeiter und Woche 9,50 Mk. Das macht im Jahre für den einzelnen Arbeiter 494 Mk., mithin bei 60 Arbeitern eine Gesamtsumme von 29640 Mk. Hieraus ergibt sich, 40 000 Hektoliter eine Mehrbelastung pro Hektoliter um 74,1 Pfg. Würde man die oben angeführten Punkte: höhere Bezahlung der Ueberstunden, Bezahlung des Krankengeldes usw., in Berechnung ziehen, so würde sich die Summe von 80 Pfg. vervollständigen, worüber sich der Artikelschreiber so verwundert. Die Mehrbelastung durch die Kohle pro Hektoliter beträgt nach der Statistik 12 Pfg., das dürfte auch dem Artikelschreiber bekannt sein, warum setzt er denn in seinem Artikel nicht einfach die Zahlen hin und schreibt darum herum? Was nun das Malz betrifft, so ist ihm trotz seiner einwandfreien Quelle ein Irrtum unterlaufen. Erstens einmal wird zu obergärigem Bier gewöhnlich nicht das teuerste Malz verbraucht, sondern das billigste ist auch noch gut hierzu, da diese Biere nicht lange lagern und stets nach Bedarf gebraut werden kann. Deshalb kann es auch nicht verwundern, wenn der von dem Artikelschreiber genannte Verband die Notierung der Preise auf 33 Mark pro Doppelzentner feststellt. In Wirklichkeit betragen die Preise für Malz 34 bis 35 Mark heute. Aber alle Anzeichen sind vorhanden, daß die Preise für diesjährige Gerste abermals in die Höhe gehen. Die Folge davon wird eine erneute Preiserhöhung des Malzes sein. Hat also das Malz im Jahre 1906 28 Mark gekostet und heute 34 Mark pro Doppelzentner, wir wollen den niedersten Satz annehmen, so macht das ein Mehr pro Doppelzentner von 6 Mark. Nehmen wir nun eine gute Ausbeute des Malzes an, so daß pro Doppelzentner 6 Hektoliter Versandbier erzeugt würden, so macht das immerhin eine Mehrbelastung pro Hektoliter um 1 Mark. Bei Hafer soll laut der Statistik eine Mehrbelastung pro Hektoliter um 10 Pfg. stattgefunden haben. Es wird also nach vorstehender Zusammenstellung eine Mehrbelastung herauskommen von: Steuer 1909„„..„ 2,27 Mark, Malz 1,00 Löhne... 0,74„ Kohle 0,12„ Hafer 0,10„ 4,23 Mark. Es ist also hier die Steuer von 1906 vollständig ausgeschieden, auch die anderen Zahlen sind laut Statistik rektifiziert worden, trotzdem ist eine Mehrbelastung von 4,23 Mark vorhanden, so daß also nicht gut von einem Raubzug gesprochen werden kann. Die in Bezug der Löhne angeführten Zahlen mögen bei einzelnen Betrieben Schwankungen erfahren. Diese sind aber unwesentlich. Das dürfte aber auch dem Artikelschreiber bekannt sein, daß durch die Tarifbewegungen der Brauereiarbeiter diese ihre Lohnverhältnisse im Laufe der letzten Jahre sehr gut gestaltet haben. Der Schlußsatz des Artikelschreibers besagt auch, was er will, nämlich die Wirte als Kämpfer auf die Schanzen rufen, und da taucht in uns die Vermutung auf, daß er selbst interessiert ist. Wir haben eingangs betont, daß wir im Interesse der Brauereiarbeiter die Erwiderung schreiben. Wir wollen hier hinzusetzen, daß in Deutschland über 106 000 Brauereiarbeiter beschäftigt werden. Diese Brauereiarbeiter hat man im Reichstag übersehen, man hat dort nichts für die arbeitslos werdenden Brauereiarbeiter übrig gehabt, nun soll diese Arbeitslosmachung durch die Vorgänge der letzten Zeit noch beschleunigt werden. Es ist illerdings eine Vereinbarung getroffen, die Entlassungen vorbeugt, speziell für das östliche Westfalen, was auch als ein Erfolg der Organisation bezeichnet werden muß. Aber diese Vereinbarungen treten bei Boykotts außer Kraft, und die Brauunternehmer würden aus lauter Böswilligkeit nicht nur ein paar Dutzend, sondern Hunderte von Brauereiarbeitern auf die Straße werfen. Wir sind also die doppelt Leidtragenden, als Produzenten und auch als Konsumenten, als letztere werden wir eben so schwer belastet wie alle unsere Arbeitsbrüder anderer Berufe, deshalb können auch wir nicht Halt machen mit unseren Forderungen. Wir werden auch in Zukunft bestrebt sein müssen, die Mehrbelastung durch 400 Millionen indirekter Steuern durch erneute Erhöhung der Löhne wieder auszugleichen. Eine naive Frage wollen wir hier noch aufwerfen: Warum wird immer am meisten bei einem Preisaufschlag auf Bier die Entrüstung entfacht? Es geht offenbar hier nach dem Vorbild der Abstinenten, die auch als Hauptkampfobjekt das Bier wählen, was von allen alkoholischen Getränken das unschuldigste ist. Warum hört man von den anderen verteuerten Konsumartikeln nichts? Eins wollen wir am Schlusse noch in die Wagschale werfen: Werden durch einen Bierstreik so und so viele Arbeiter arbeitslos, so sollen doch auch die Veranstalter für Mittel sorgen, damit diese Opfer unterstützt werden. Den Brauereiarbeitern aber geben wir den guten Rat, soweit sie noch nicht organisiert sind, sollen sie das sofort tun, dadurch haben sie wenigstens einen Rückhalt für die ersten Gefahren. Ein Brauereiarbeiter. Vom Generalstreik in Schweden. Seitens der Führer der liberalen Partei, Reichstagsabgeordneten Staaff und Beckman, wurde am Sonnabend eine neue Eingabe an die Regierung gerichtet, jetzt mit der Vermittelung einzugreifen und dem wochenlange Kampfe ein Ende zu machen. Am Sonntag haben eine ganze Reihe von bürgerlichen Versammlungen stattgefunden, die die Forderungen dieser Eingabe kräftig unterstützten. Man erklärt darin, daß der angebliche Ueberfall der Arbeiter gegenüber dem Staat und der Gesellschaft zurückgeschlagen sei, und daß die Vertragsbrüche einiger Arbeiterorganisationen von der öffentlichen Meinung verurteilt worden sind. Damit sei der Weg für ein vermittelndes Eingreifen der Regierung gebahnt. Der Regierung wird anheim gegeben, den kämpfenden Parteien entweder die Erledigung der Differenzen durch ein Schiedsgericht oder durch gemeinsame Verhandlungen vorzuschlagen; eventuell könnten auch nach der in der Eingabe vertretenen Auffassung beide Wege eingeschlagen werden. Trotz des Unverständnisses gegenüber dem Zweck der Einstellung der Arbeit durch die Arbeiter sowie gegenüber der in diesem Ausstand bekundeten proletarischen Solidaritätsmoral zeugt doch das Eingreifen der liberalen Parteien dafür, daß ein bedeutender Teil der bürgerlichen Klasse das vollständige Herabsinken der Regierung zu einem bloßen Handlanger der Unternehmerorganisationen nicht gut heißt. Einen schweren Schlag erleidet die Regierung in ihrer Eigenschaft als Büttel des aussperrungswütigen Unternehmertums dadurch, daß der staatliche Vergleichsbeamte Cederborg, wie jetzt bekannt wird, der Regierung schon zu Anfang des Streiks ein vermittelndes Eingreifen nahegelegt hat. Die Regierung habe sich aber damals geweigert, die Ratschläge ihres auf diesem Gebiete sachkundigen Beamten zu befolgen. Wahrscheinlich werden diese Begebnisse die Regierung zwingen, eine Erklärung über ihre Passivität abzugeben, wodurch die Lage auch für die Arbeiterschaft einigermaßen geklärt würde. Das Landessekretariat der Gewerkschaften als oberste Streikleitung hatte bereits am Sonnabend, bevor dies bekannt geworden war, eine Proklamation an die Ausständigen erlassen, wonach der Kampf in unveränderter Weise fortzusetzen ist. Diese Proklamation wurde von der am Sonnabend bezw. Sonntag in Stockholm zusammengetretenen Konferenz der Gewerkschaftsvorstände beschlossen. Am Montag sind die Hoffnungen der Unternehmer auf eine größere Wiederkehr der Arbeiter in die Betriebe ebenso illusorisch geworden, als am vergangenen Montag. Ein paar größere Fabriken haben zwar den Betrieb aufgenommen, aber im allgemeinen ist die Wiederaufnahme der Arbeit nur in geringem Maße erfolgt, die große Masse der Arbeiter steht nach wie vor entschlossen im Ausstande. Ein in Berlin ansässiger Schmock, der das große Unternehmerblatt,„Stockholm Dagblad“, mit Nachrichten versorgt, telegraphierte am Sonnabend bereits seinem Blatte, daß die deutsche Arbeiterschaft den Kampf der schwedischen hoffnungslos findet und daher keine weitere Unterstützung zu gewähren gedenke. Wir brauchen an dieser Stelle wohl auf diese faustdicke Lüge nicht einzugehen. Politische Uebersicht. Katholische Priester als Wahlagitatoren. Wie die ehrsame „Germania“ ist auch die angeblich interkonfessionelle„Kölnische Volkszeitung“ der Ansicht, daß der Klerus die Pflicht hat, für das Zentrum Wahlagitation zu treiben, wenn auch das Kölner Blatt seine Meinung flauer begründet, wie die der klerikalen Boonekamp=Richtung näherstehende„Germania". „Die Beteiligung des Klerus an den Wahlarbeiten,“ so erklärt die„Kölnische Volkszeitung",„ist in den verschiedenen Wahlkreisen sehr verschieden. In manchen meist ländlichen Wahlkreisen mit einfachen Verhältnissen, wo es an politisch geschulten Laien fehlt, beteiligt sich der Klerus eifrig an den Wahlarbeiten; in zahlreichen anderen Wahlkreisen tritt die Beteiligung des Klerus verhältnismäßig zurück. Ueberall hat, wohlverstanden, der katholische Klerus das Recht und die Pflicht, an den Wahlarbeiten sich ebenso gut zu beteiligen, wie die Mitglieder anderer Stände, wie jeder andere Reichs= und Staatsbürger. Das Maß der Beteiligung wird, wie gesagt, nach Zeit und Verhältnissen wechseln. Was hätte man vom katholischen Klerus sagen sollen, wenn er etwa im Kulturkampfe, wo es sich um die Existenz der katholischen Kirche auf deutschem Boden gegenüber dem Ansturm des Staatskirchentums handelte,„neutral" beiseite gestanden hätte! Und auch heute hat der Klerus alle Veranlassung, sich zu beteiligen aus einer ganzen Menge von Gründen." Soziale Rückständigkeit in der badischen Staatsbahn. In einem Erlaß der Generaldirektion der badischen Eisenbahnen heißt es u. a.:„Die Vereinfachung im Eisenbahnbetriebe wird eine erhebliche Anzahl von Arbeitern entbehrlich machen.— Da Entlassungen nicht vorgenommen werden sollen, haben die überflüssigen Arbeiter eine ihnen zugewiesene Arbeitsgelegenheit anzunehmen, auch dann, wenn sich dieselbe außerhalb ihres Wohnortes befindet. Lehnt der Arbeiter das ab, so ist er als gekündigt zu betrachten. Invalide Arbeiter, die infolge hohen Alters oder sonstiger Gebrechen keine richtige Verwendung finden können, müssen ausgeschieden werden. Sie erhalten mit ihrer Invalidenrente eine ständige Beihilfe. Auch bei den Beamten ist zu prüfen, ob sie— nachdem sie älter als 55 Jahre sind— noch auf ihrem Posten belassen werden können.“— Ferner soll in den Eisenbahnwerkstätten ein Akkordsystem eingeführt werden, das den Arbeitern schwere finanzielle Nachteile bringt. Der Erlaß ruft in den beteiligten Kreisen große Entrüstung hervor. Die Konservativen und das Selbstverwaltungsrecht der Krankenkassen. Die„Kreuzzeitung" speit Gift und Galle gegen die Unternehmer, die sich genug Objektivität bewahrt haben, um auf Krankenkassenkongressen die alberne Behauptung von der Pcotektionswirtschaft der Sozialdemokraten in Krankenkassen zurückzuweisen, und gegen die Erdrosselungsversuche der Selbstverwaltung protestieren zu helfen. Das Blatt schreibt in Nr. 401 vom 28. August: „Vor kurzem hat wieder einmal der Zentralverband der Ortskrankenkassen getagt und hat zu Bremen eine Jahresversammlung abgehalten. Und wieder, wie schon bei früheren ; derartigen Veranstaltungen haben sich Arbeitgebervertreter bereit gefunden, die sozialdemokratischen Bestrebungen, die Parteiherrschaft in den Krankenkassen aufrecht zu erhalten, zu unterstützen. Das ist eine ganz unbegreifliche Erscheinung, die nicht scharf genug verurteilt werden kann. Man spricht so viel von der Solidarität der Arbeitgeber, von deren geschlossener Abwehr sozialdemokratischer Uebergriffe. Das Eintreten der Arbeitgebervertreter auf den Krankenkassenkongressen für die sozialdemokratischen Proteste und für die unglaublichen sozialdemokratischen Forderungen an die Leistungsfähigkeit der Arbeiterversicherung läßt von einer solchen Solidarität wenig erkennen.... Es liegt wahlich im Interesse der gesamten Arbeitgeberschaft, aber auch in dem der einzelnen Arbeitgeber und nicht zuletzt im allgemeinen nationalen Interesse, daß dieser unerhörten Unterstützung sozialdemokratischer Bestrebungen ein Ende gemacht werde.“ Dem konservativen Organ gilt natürlich Recht und Wahrheit nichts, die Hauptsache ist der Kampf gegen die Sozialdemokratie, wobei alle Mittel, auch die der Lüge, Verleumdung und gewaltsamen Unterdrückung recht sind. Zentrum und Konservative in Sachsen. In der„Kölnischen Volkszeitung“ wird zu den sächsischen Landtagswahlen geschrieben: „Für die katholische Minderheit Sachsens wäre es natürlich sehr wünschenswert, wenn die Konservativen solche Erfolge hätten, daß sie wieder eine Mehrheit bilden könnten. Sie werden wenigstens für die konfessionelle Schule eintreten, die ja den Katholiken Sachsens als ein sehr wertvolles Kleinod besonders am Herzen liegt. Und über diese so wichtige Frage und auch über die geistliche Schulaufsicht wird der neugewählte Landtag zu entscheiden haben für ein ganzes Menschenalter und noch länger. Unsere Sympathien müssen daher den KonZervativen gelten.“ * Diese Haltung der sächsischen Zentrumsleute überrascht natürlich weiter nicht, denn wo es sich um reaktionäre Vorstöße handelt, ist das Zentrum immer bei der Hand. Ein Glück, daß die handvoll Katholiken in Sachsen nicht viel auszurichten vermögen. Zur mecklenburgischen Verfassungsfrage. Vor einigen Tagen wurde gemeldet, daß die Verhandlungen über eine mecklenburgische Verfassung völlig eingeschlafen seien. Demgegenüber wird jetzt versichert, daß die Ritterschaft ihre Verhandlungen nächste soche fortsetzt und daß man hoffe, zu einer Einigung zu kommen. Die Verhandlungen in der Ritterschaft, an der 18 Standesherren teilnehmen, sind vertraulich. Die Bitter=Roeren=Männer agitieren in Zentrumskreisen lustig weiter. Die klerikale„Saarpost“ veröffentlicht folgendes Schreiben eines„hochangesehenen Trierer Lehrers": „Nicht die Absagen der Spitzen des Wahlkomitees, nicht die gründliche Absage der verschiedenen Zentrumsblätter und nun auch des Augustinusvereins kann die nach der„Definition des Zentrums“ in ihrem Sinne lechzenden Kreise(meist Führer der sogen. Berlin=Trierer Bewegung), von der nun schon seit längerer Zeit hindurch entfalteten fieberhaften Tätigkeit abbringen. Jedem Pastor und Kaplan in der Diözese Trier und auch in Nachbargebieten ist in den letzten Tagen unter Briefumschlag des Abg. Bitter von Trier ein Auszug aus dessen Koblenzer Rede ins Haus gesandt worden. Es sollen dem Vernehmen nach auch Unterschriften zum Vorgehen gegen den Vorstand des Trierer Wahlausschusses gesammelt werden, der den Mut hatte, die widerwärtige Wühlerei abzulehnen. Zustimmungsdepeschen an die Lenker der hinlänglich gekennzeichneten Bewegung gehen ab. Allem Anschein nach werden weitere Aktionen vorbereitet.“ Die Zentrumsabgeordneten Hertling und Porsch hatten vor einigen Tagen mitgeteilt, daß der häusliche Konflikt in der Zentrumspartei vorläufig beendet sei, da man die Entscheidung des Fraktionsausschusses abwarten will. Die Herren Bitter, Roeren und Genossen scheinen sich aber hieran nicht zu kehren, wie das obige Schreiben mit aller Deutlichkeit beweist. Der amerikanische Zolltarif und die deutsche Industrie. Der Zentralverband Deutscher Industrieller bespricht in einem an seine Mitglieder gerichteten Zirkular den neuen amerikanischen Zolltarif und sagt dazu: „Abgesehen von einigen Ermäßigungen, die für die deutsche Industrie nur wenig Bedeutung haben, im wesentlichsten aber zum Nutzen der dortigen Industrie auf einige Rohstoffe und Halbfabrikate sich erstrecken, bringt der Tarif zunachst allgemeine, die Einfuhr erschwerende Bestimmungen und wesentliche Tariferhöhungen, die in Deutschland ganz besonders die Kleineisenindustrie und sehr bedeutende Zweige der Textilindustrie treffen. Sicher ist, daß die Beratung des Handelsvertrags, der auf Grund dieses Zolltarifs zwischen Deutschland und Amerika abgeschlossen werden soll, im Reichstage zu heftigen Kämpfen führen wird, denn die Agrarier werden natürlich alle Hebel in Bewegung setzen, um zu hintertreiben, daß den Amerikanern Konzessionen bezüglich der Fleischeinfuhr gemacht werden. Ohne solche Konzessionen ist aber an einen brauchbaren deutsch-amerikanischen Handelsvertrag nicht zu denken. Bethmann=Hollweg und das Sprachenverbot. Der Breslauer„General=Anzeiger" stellt fest, daß das Verbot der polnischen Sprache, die teilweise beim Katholikentage Anwendung finden sollte, mit Wissen und unter vollständiger Billigung des preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzlers BethmannHollweg erfolgt ist. Die Belastung durch Steuern. Wie das deutsche Volk durch direkte und indirekte Steuern belastet wird, zeigt nachstehende Aufstellung: Auf den Kopf der Bevölkerung entfielen an Staatssteuern 1908: 12,72, 1907: 11,84, 1906: 11,17, 1903: 10,83 Mk. Darunter waren direkte Steuern: 1908: 9,65, 1907: 8,81 Mk. und indirekte Steuern 1908: 3,07, 1907: 2,99 Mark. An Reichssteuern kamen auf den Kopf 1908: 23,46, 1907: 22,28, 1906: 19,88, 1903: 18,53 Mark. Rechnet man Reichs- und Staatssteuern einschließlich der Zölle zusammen, so kommt auf den Kopf eine Steuerlast von: 1908: 36,18, 1907: 34,12, 1906: 31,05, 1905: 30,72 und 1903: 29,36 Mark. Es ist dies in fünf Jahren eine Zunahme um 6,82 Mk. oder 23,2 Prozent. Die Reichssteuern allein haben um 26,6 Prozent zugenommen. Durch die sogenannte Reichsfinanzreform ist eine weitere Steigerung der Kopfsteuer um rund 8 Mk. erfolgt, so daß für das Jahr 1909 eine Steuerlast von etwa 45 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung herauskommen wird. Demokratische Demonstration gegen den Katholikentag. Die Demokraten hielten in Breslau eine Versammlung ab, in der der ehemalige Oberst Gaedke über den Block der Heiligen und Ritter sprach. Er schloß sein Referat mit den Worten:„Lieber mit Bebel als mit Heydebrand. In der sehr lebhaften Diskussion sprach auch Eduard Bernstein im Sinne des Referenten, und es wurde eine Resolution angenommen, in der es heißt: „Die einzige Möglichkeit, die Herrschaft der Reaktion abzuschütteln, sei in dem Zusammengehen des Bürgertums mit der Sozialdemokratie zu erblicken.“ Reichsgesetzliche Regelung des Irrenwesens. Seit einer Reihe von Jahren beschäftigt sich die Reichsregierung mit der Frage, wie das Irrenwesen für ganz Deutschland einheitlich geregelt werden könne. Den Anlaß dazu, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, boten die vielen Fälle, in denen Leute, ohne irrsinnig zu sein, in Irrenhäuser gesteckt worden sind. Sonderbarerweise haben sich verschiedene Einzelstaaten der reichsgesetzlichen Regelung dieser Angelegenheit widersetzt, mit der Begründung, daß ein Bedürfnis nicht anerkannt werden könne. Außerdem glaubte man in der reichsgesetzlichen Regelung einen Eingriff in die landesrechtlichen Befugnisse der Einzelstaaten erblicken zu sollen.— Wie jetzt offiziös verlautbart wird, sind die Verhandlungen neuerdings wieder aufgenommen worden, und zwar will man sich jetzt darauf beschränken, gewisse Grundzüge aufzustellen, die dann der Landesgesetzgebung als Richtschnur dienen sollen. Katholikentag in Breslau. Am Sonntag wurde der diesjährige Katholikentag in Breslau eröffnet. Gegen Mittag füllten sich die Straßen der inneren Stadt mit Menschen. Am Palaisplatze erfolgte die Aufstellung zum Festzuge nach der Dom-Insel. Da passierte auch ein langer Zug von Arbeitern, die aus der sozialdemokratischen Demonstrationsversammlung kamen, die Schweidnitzerstraße. Die Polizei griff ein und orängte die sozialdemokratischen Demonstranten in die Nebengassen, aus denen nun der Gesang der Marseillaise erscholl. Der Festzug des Katholikentages dauerte 1½ Stunden. Nach den Angaben der Katholiken haben sich 23.000 Mann daran beteiligt, darunter annähernd zwei Drittel Landarbeiter von den Gütern der Zentrumsmagnaten. Der Zug machte einen äußerst deprimierenden Eindruck und erweckte das Mitleid mit den armen Menschen, die durch die Stadt getrieben wurden. Abgehärmt und abgearbeitet, Rücken und Glieder gekrümmt#n schwerer Arbeit, so liefen sie dahin. Etwa 200 Schritte vom fürstbischöflichen Palais entfernt, stand ein Kaplan und kommandierke:„Dreimal die Fahnen senken bor Seiner Eminenz und dreimal Hoch rufen. Die Mahnung wurde aber von den Müden meist garnicht gehört; uninteressiert zogen sie weiter. Einen bedeutenden Umfang hatten diesmal die Jugendvereine im Festzuge, schwach vertreten waren indes die industriellen Arbeiter. Nach dem Festzuge fanden 7 Arbeiterversammlungen statt, in denen Bischöfe den Segen erteilten und dann wurden die Landarbeiter nach Hause gejagt in ihr Elend, während„bessere“ Katholiken zum eigentlichen Katholikentage zusammentraten. Sehr elegisch klang am Abend die Begrüßungsrede des Justizrats Porsch:„Eine Zeit lang habe es geschienen, als sollte der Katholikentag durch einen Weltkrieg oder durch parlamentarische Streitigkeiten oder schließlich im Hinblick auf das gefährdete Leben des Breslauer Fürstbischofs Kopp vereitelt werden. Daß der Zustrom so groß sein würde, wie in früheren Jahren, konnte man im Hinblick auf die nahe Grenze nicht erwarten. Dazu kämen noch die nahe Sprachgrenze und die Religionsunterschiede in der Provinz. Keine festlich geschmückte Stadt trete dem diesjährigen Katholikentage grüßend entgegen. Demonstrationsversammlungen hatten die Gegner bereits angekündigt, bevor sie wußten, was auf dem Katholikentage verhandelt werden würde. Die Sozialdemokraten hätten Kränze am Grabe Lassalles niedergelegt; das ginge die Katholiken nichts an, aber ebensowenig gehe es die Sozialdemokratie etwas an, wenn von katholischen Dingen geredet würde. Der Katholikentag sei kein Zentrumsparteitag, und die bloße Tatsache des Zusammenkommens von Katholiken gebe der Sozialdemokratie nicht das Recht zu Demonstrationsversammlungen. Ein Anhieb auf Bülow, um das Unpolitische“ des Katholikentages zu zeigen — es sei den Katholiken gleich, ob ein Kanzler gehe oder bleibe — wurde mit großem Beifall entgegengenommen. Es geht auch anders. Die Arbeiter haben mit den Behörden schon oft sehr trübe Erfahrungen gemacht. Vor allem sind es die Beamten, die ein gut Teil Standes= und Großmachtsdünkel in sich tragen und glauben, mit Leuten ohne amtlichem Titel so umspringen zu können, wie es ihnen paßt. Nicht umsonst werden gerade die Polizeibeamten als„Stellvertreter Gottes auf Erden" bezeichnet. Eine rühmliche Ausnahme macht der Bürgermeister Dr. Laue in Fraustadt, einem kleinen Städtchen in Vosen. Er hat eine Verfügung erlassen, in der er die ihm unterstellten Beamten anweist, im amtlichen Verkehr mit dem Publikum keine Ueberhebung an den Tag zu legen und arme Leute nicht anders zu behandeln als reiche. Die Verfügung lautet: „Ich bringe in Erinnerung, daß jeder, der auf der Behörde zu tun hat, der Sachlage entsprechend in Ruhe abzufertigen ist. Arme Leute sind absolut nicht anders zu behandeln als andere. Man muß im Gegenteil stets berücksichtigen, daß der Wohlhabende infolge seiner Mittel leichter seine Ansprüche verfolgen kann, da er sich in der Lage sieht, sich einen Rechtsbeistand zu nehmen. Es ist mir angenehm, wenn die Bevölkerung ohne Ausnahme das Vertrauen hat, bei der Behörde Schutz und Hilfe zu finden. Stets muß der Beamte korrekt und höflich verfahren, absichtlich unangemessenes Betragen muß er von harmloser Unbeholfenheit, die durch Aengstlichkeit oft gesteigert wird, wohl zu unterscheiden wissen. Wahre Geistes= und Herzensbildung zeigt sich nicht in Ueberhebung. Ich gebe der festen Ueberzeugung Ausdruck, solange ich das Vergnügen habe, an der Spitze der städtischen Verwaltung zu stehen, niemals derartige Klagen zu hören. Wir empfehlen die Verfügung den Kollegen des Herrn Dr. Laue und anderen Regierungsorganen zur Nachahmung! Griechenland. Die Militärbewegung ist beendet. Die Forderungen der Offiziere wurden bewilligt. Aus der Stadt und * Bielefeld, 31. August. — Elektrizitätswerk der Stadt Bielefeld. Dem Geschäftsbericht über die Zeit vom 1. April 1908 bis 31. März 1909 entnehmen wir folgendes: Das Werk hat sich im vergangenen Betriebsjahre gut weiter entwickelt. Es wurden 135 neue Anschlüsse ausgeführt gegen 120 im vorhergehenden Jahre. Die Gesamtzahl betrug am Ende des Jahres 836. Die Zahl der angeschlossenen Lampen stieg von 32232 auf 37 543. Die erhebliche Zunahme der Glühlampen läßt die fortschreitende Einführung der energiesparenden Metallfadenlampen erkennen, die häufig an Stelle der Bogenlampen Verwendung gefunden haben. Die Zahl der neu angeschlossenen Bogenlampen ist infolgedessen gegen das Vorjahr geringer geworden. Der Anschlußwert für Kraft ist beträchtlich gestiegen. Es wurden 95 Motoren mit einer Leistung von zusammen 253 Pferdestärken neu angeschlossen. Die Gesamtleistung aller angeschlossenen Motoren ist von 1102 auf 1355 Pferdestärken gestiegen. Das Hinzukommen verschiedener größerer Anlagen mit Gesamtleistungen der Motoren bis zu 35 Pferdestärken für die Anlage zeigt, daß sich in den Kreisen der Abnehmer immer mehr die Ueberzeugung Bahn bricht, daß der Anschluß an das Werk auch für größere Anlagen bezüglich der Wirtschaftlichkeit Vorteile mit sich bringt gegenüber der Betriebsweise mit eigenen Krafterzeugungsanlagen. Im April des vergangenen Betriebsjahres wurde die Aufstellung der neu beschafften, von der Firma Melms& Pfenninger in München gelieferten Dampfturbine von 1200 Pferdestärken, der zugehörigen Dynamo der Siemens=Schuckertwerke und der Kondensationsanlage, die von Moll& Co. in Neubeckum bezogen wurde, beendet und in Berrieb genommen. Die Anlage war im vergangenen Winter täglich mehrere Stunden vollbelastet in Betrieb. Sie arbeitete von Anfang an in allen Teilen ohne irgend welchen Anstand und hat sich in jeder Beziehung gut bewährt. Im Laufe des Sommers kam die im Vorjahre beschlossene Verlegung neuer Speisekabel zur Ausführung. Mit diesen Kabeln wurde gleichzeitig ein 20adriges Schwachstromkabel, das für Feuermelde-, Telephon= und Uhrenanlagen benutzt wird, verlegt. Das wirtschaftliche Ergebnis des abgelaufenen Betriebsjahres hat sich aus verschiedenen nachstehend angegebenen Gründen nicht so günstig gestaltet wie das des Vorjahres. Der allgemeine Tiefstand in fast allen Zweigen der Industrie hat auf die Zunahme der Energieabgabe hemmend eingewirkt, so daß auch die Einnahmen nicht in demselben Maße wie im Vorjahre gestiegen sind. Die Betriebskosten für die Kilowattstunde sind im abgelaufenen Betriebsjahre infolge weiteren Steigens der Kohlenpreise von 7,41 auf 7,79 Pfg. gestiegen. Der auf die Kilowattstunde entfallende Betrag für Verzinsung und Abschreibung ist durch die bedeutende Exweiterung des Werkes im Werte von 520 863 Mk. ebenfalls von 6,97 Pfg. auf 7,42 Pfg. gewachsen, so daß die durchschnittlichen Gesamtgestehungskosten im verflossenen Jahre 15,21 Pfg. gegen 14,38 Pfg. im Vorjahre betragen haben. Die Werte für die Gesamtgestehungskosten und die Bruttoverzinsung werden sich jedoch in den folgenden Jahren, wenn die Neuanlagen, deken Leistung auch den in den nächsten Jahren an das Werk gestellten Anforderungen genügt, mit einem größeren Anteile ihrer gesamten Leistungsfähigkeit in Ansprüch genommen werden, wieder günstiger gestalten. Der Betriebsüberschuß berrägt 258 802,89 Mk., entsprechend 12,01 Prozent des Anlagekapitals. Nach Verwendung von 62 879,46 Mark zur Verzinsung und von 80 923,43 Mk. zu Abschreibungen verbleibt ein Reingewinn von 115000 Mark. Hierzu kommt noch der Wert der öffentlichen Beleuchtung, deren Selbstkesten dem Werk nicht erstattet werden, mit 2355 Mark. Der Gesamtgewinn des Werkes beträgt demnach 117 355 Mark. Mit einer aus Einwohnern der Gemeinde Sieker gebildeten Gesellschaft mit beschränkter Haftung wurde im letzten Betriebsjahre ein Vertrag für die Lieferung von Energie für Licht- und Kraftzwecke abgeschlossen, nach welchem die Energie an der Stadtgrenze abgegeben und gemessen wird. Die Herstellung und Instandhaltung des Leitungsnetzes auf dem Gebiete der Gemeinde Sieker ist Sache der Gesellschaft. Der Anschluß des Leitungsnetzes an das Werk erfolgte im Dezember des vergangenen Jahres. Die öffentliche Beleuchtung wurde um 26 Glühlampen, die zur Beleuchtung der Stadtheiderstraße dienen, erweitert. — Streikbrecher für Schweden werden in der„Westfälischen Zeitung“ gesucht. Wir finden dort folgendes Inserat: Papierschneider, im Etikettenschneiden geübt, erhält Anstellung. Antwort nebst Lohnansprüchen unter Adresse Kolmar Tändsticksfabrik, Kolmar(Schweden). Hoffentlich wird sich kein Arbeiter in Bielefeld finden, der sich dazu verleiten läßt, unseren kämpfenden Brüdern in Schweden in den Rücken zu fallen. Die Arbeiter können aber daraus wieder einmal sehen, daß die„Westfälische Zeitung" ein Blatt ist, das nicht in das Haus eines Arbeiters gehört. — Gemeinsamer Liederabend der Arbeitergesangvereine. Der von den vereinigten Arbeitergesangvereinen am Sonnabend in der Centralhalle" veranstaltete Liederabend hat einen nach jeder Richtung hin günstigen Verlauf genommen. Der geräumige Saal war dicht besetzt, und in musterhafter Ruhe lauschten die Erschienenen den Darbietungen der Sänger und des Orchesters. Wer die Verhältnisse kennt, wird ermessen, welch gutes Stück Arbeit verrichtet werden mußte, um die einzelnen Vereine zu gemeinsamem Wirken zu gewinnen und der Eigenbrödelei Einhalt zu tun; zumal auch bei uns, genau so wie bei den bürgerlichen Vereinen, jeder Verein glaubte, die besten Kräfte zu besitzen und das beste zu leisten. Der erste Schritt ist gewagt und hat einen guten Erfolg gezeitigt. Nun können und wollen wir weiter arbeiten und streben und uns auch an größere Aufgaben heranmachen, wenn wir auch keine Aussicht haben, durch Eichen= oder Lorbeerkränze, durch Diplome und Medaillen belohnt zu werden. Das unterscheidet ja auch so gewaltig den Arbeitersänger vom deutschen oder unparteiischen Sänger, daß er nicht nach Auszeichnungen jagt, sondern sich müht, den Gesang zu künstlerischer Höhe zu bringen und ihn zum Gemeingut der arbeitenden Klassen zu machen, respektive das Verständnis der Massen hierfür zu wecken. Noch immer haben die Arbeitergesangvereine dem Rufe der Gewerkschaften und Partei Folge geleistet und deren Feste verschönern helfen, vielleicht nicht immer mit bestem Erfolge, weil die Anforderungen für die kleinen Chöre meistens zu groß waren. Schon oft hörten wir dann abfällige Kritiken von seiten einzelner Auchsänger, ohne daß diese daran dachten, durch Anschluß und Eintritt in die Arbeitergesangvereine diese leistungsfähiger zu machen. Weil es nicht möglich ist, die einzelnen Vereine von heut auf morgen zu einem großen Chor zu verschmelzen, haben wir den Weg des Zusammensingens gewählt, und nach und nach wird das Bedürfnis nach einem Zusammenschluß immer größer werden, namentlich da wir einen solch schönen Erfolg erzielt haben. Das Publikum, das so dankbar jede Nummer applaudierte, möge sich nach Kräften den Arbeitergesangvereinen respektive gemischten Chören anschließen und mit den Sängern für weitere Ausbreitung der Arbeitersängersache wirken. Das ist unser Wunsch und Streben, daß auch dieser Sproß der Arbeiterbewegung sich zu einem kräftigen Baum entwickle und uns gemeinsam all umschließe, der Bruderliebe Einheitsband. Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbüreau wird uns geschrieben: Heute wird als Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen Sudermanns interessante Komödie„Die Schmetterlingsschlacht", morgen, gleichfalls zu ermäßigten Preisen,„Charleys Tante“ aufgeführt. Donnerstag, 2. September, Benefiz für den Regisseur und beliebten 1. Charakter= komiker Willy Schneider. Das vielbeschäftigte Mitglied hat durch seinen prächtigen Humor in der verflossenen Spielzeit mancher lustigen Posse und manchem Lustspiel zu durchschlagendem Erfolge verholfen. Auch hat Willy Schneider als Regisseur ein tüchtiges Arbeitspensum in dieser Saison erfolgreich erledigt. Sein Benefizabend bietet daher allen Verehrern einer frohen und heiteren Muse hinreichend Gelegenheit, durch zahlreichen Besuch dem Benefizianten Anerkennung und Freude zu bereiten. Die lustige Gesangsposse„Der Mann im Monde“ von E. Jacobsen, in welcher Herr Schneider die urkomische Rolle des Kanzleirats Liebetreu spielt und in der das gesamte Personal beschäftigt ist, dürfte dazu beitragen, die Besuchsfreudigkeit an diesem Abende zu erhöhen. — Polizeibericht. Erloschen ist die Rotlaufseuche unter em Schweinebestande des Bäckermeisters Heinrich Baumann, Nellerstraße 45. Rotlaufseuche ist unter dem Schweinebestande des Naurers Heinrich Heidemann, Feldstr. 66, und des Wilhelm deidbreder, Schildescherstr. 82, ausgebrochen. Gefunden: 1 Kinderrucksack mit Wäsche; 1 altes shrrad. Zugelaufen: 1 junger duntelbrauner Hofyund. Verloren; 1 gelber lederner Geldbeutel mit 18 Mk. Inalt; 1 blaue Tuchjacke mit grauem Einsatz; 1 Paket mit weißem Naschinengarn; 1 silb. Damenuhr mit Goldrand; 1 gelbes Lortemonnaie mit 1,90 Mk. Inhalt. Festgenommen wurde 1 Person wegen Trunkenheit ind Verüben groben Unfugs; 1 Person wegen Bettelns; 1 Peron wegen Obdachlosigkeit und 2 Personen wegen Diebstähls. Fahrraddiebstahl. Am 30. 8. 09, 7½ Uhr vornittags, wurde ein vor der Reichspost hierselbst aufgestelltes jahrrad, Marke„Westfalen", mit hoher Uebersetzung(Lenklange verbeult) gestohlen. Vor Ankauf wird gewarnt. Tabakarbeiter=Versammlungen finden statt: Isenstädt. Dienstag, 31. August. Löwensen. Mittwoch, 1. September. Osnabrück. Freitag, 3. September. Oerlinghausen. Sonnabend, 4. September. Lübbecke. Sonntag, 5. September.(Nachher: Sitzung der Kontrollkommission.) Sonneborn. Montag, 6. September. Lage. Dienstag, 7. September. Der„Ravensberger“ offenbart mal wieder seine richtigen Gedanken. In seiner Nr. 200 vom 27. August schreibt er: „Nach langen s# Finanzreform im so ungemischter Freude beurteilt, dazu hat sieist doch bess liberaler und begrüßt worde die Geschichte denje Zustandekommen de arbeitet haben, m stellung ihrer und nicht denje Wersen= und e#r nichtn Grund und Bos Urteil der Geschicht schaft erfüllte Tages Das ist so richtigch so recht die Freude dar hört selbstverständlich ist. Tabakarbeiter, me Der christlichen A Die blockfreundliche führer, die in ihrer E Finanzreform halfen u. dadurch mitschuldig an sind, wären jedenfalls worden, wenn nicht un für gesorgt hätte, daß bekannt gemacht wurde Gewerkschaften angelege insbesondere ihren chri zu zeigen, wes Geistes sind. Die Herren Fü gemacht, um ihren Mit mentarier nicht immer Pflicht ihnen gebietet. leichtgläubigen Mitgliel heure Verteuerung der Lohnaufbesserungen für wollen, ist für den recht schaftsführer ein Undin fache und logische Folge werkschaftsmitglieder al richtigen Konsequenz fi schaften loszusagen, den lung das Recht verwirkt Vereinzelt geschieht das Einzelmitgliedern aus d Verbände, ohne daß die Einen korperativen eine Zahlstelle des chri Taten ihrers Führers Der Verein„Flora“ in folgender Erklärung: „Wir Unterzeichn aus den christlichen jetzigen wirtschaftliche Interessen der christlida wir sehen müssen, unser Vertreter, Her im Zusammenschlußn ren Lasten verhilft. das Wohl der gesamter den und noch vielen a lassen(persönliches St schlechte Kassenverhältt Aufnahme in die frei meinen Deutschen Ga Wir Unterzeichnet und speziell meine Pe werden alles daran se des Allgemeinen Deu bringen.(Folgen 15 Langsam reift die E Volksvertreter im Diens * Schildesche, 30. A berg. Zu dieser Notiz uns folgende Erklärunge „Der Bericht in Nr. so arge und feindselige( klärung meinerseits erfo dem Franz Merdon ein wollte dies in der kürz Vorbeigehen, tun. Als begegnete, wo ich stets! stehen zu bleiben. Da er suchen, ihn milder zu stir wie ich ihm und seiner rung und Gefälligkeiten, erwiesen. Bei der ganzer nach Branntwein riechen — es handelte sich um ei mein Zureden zur Mild gegen die Szene lauter w brach ich die Unterredung Ich hatte bemerkt, wie d seiner Haustür trat. So gehört hätte; nur in de werde, sprach ich Herrn Herrn Merdon die mild Völlig unwahr ist es: 1. offenbar, um Merdon zu mit lauter Stimme Vorh im Wirtshaus gewesen, ihm vorgehalten, er ließ Gebauer und Voß mit i diese, jeder für sich in bes gestellt. Schildesche, am 30. A Der Korrespondenz in esche, den 27. 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Schon heute darf man sagen, daß die Geschichte denjenigen recht geben wird, die redlich am Zustandekommen der Besserung unserer Reichsfinanzen gearbeitet haben, manchmal sogar unter Zurückstellung ihrer berechtigten Sonderwünsche, und nicht den jenigen, die schmollend beiseite handen, und nun in abfälliger Weise das eer nicht nur kritisieren, sondern in Grund und Boden verdammen. Fur uns hat das Urteil der Geschichte mehr Wert, als die von Parteileidenschaft erfüllte Tagesmeinung. Das ist so richtig christlich=sozial. Durch diese Zeilen leuchtet so recht die Freude darüber, daß die Finanzreform— dazu gehört selbstverständlich die Tabaksteuer— angenommen worden ist. Tabakarbeiter, merkt euch diese Auslassung! Der christlichen Arbeiterführer Saat und Ernte. Die blockfreundlichen Taten der christlichen Gewerkschaftsführer, die in ihrer Eigenschaft als Reichstagsabgeordnete die Finanzreform halfen unter Dach und Fach zu bringen, und die dadurch mitschuldig an der hohen Steuerbelastung des Volkes sind, wären jedenfalls mit dem Mantel der Christlichen bedeckt worden, wenn nicht unsere Partei= und Gewerkschaftspresse dafür gesorgt hätte, daß diese Ruhmestaten weiten Volkskreisen bekannt gemacht wurden. Im einzelnen haben es sich unsere Gewerkschaften angelegen sein lassen, ihre Berufsgenossen und insbesondere ihren christlich organisierten Kollegen ad oculos zu zeigen, wes Geistes Kind die christlichen Gewerkschaftsführer sind. Die Herren Führer haben zwar verzweifelte Versuche gemacht, um ihren Mitgliedern einzureden, daß sie als Parlamentarier nicht immer so handeln könnten, wie gewerkschaftliche Pflicht ihnen gebietet. Eine vage Ausrede, die nur bei den leichtgläubigen Mitgliedern versangen kann. Für eine ungeheure Verteuerung der Lebensmittelpreise stimmen und zugleich Lohnaufbesserungen für die Gewerkschaftsmitglieder vertreten wollen, ist für den rechtlich denkenden und handelnden Gewerkschaftsführer ein Unding. Zu erwarten wäre, daß solche einfache und logische Folgerung in den Kreisen der christlichen Gewerkschaftsmitglieder allgemein eindringen und zu der einzig richtigen Konsequenz führen müßte, sich von diesen Gewerkschaften loszusagen, denn solche Führer haben mit ihrer Handlung das Recht verwirkt, Arbeiterinteressen vertreten zu können. Vereinzelt geschieht das wohl auch durch den Uebertritt von Einzelmitgliedern aus den christlichen Gewerkschaften in unsere Verbände, ohne daß die Oeffentlichkeit davon erfährt. Einen korperativen Uebertritt vollzog aus diesem Anlaß eine Zahlstelle des christlichen Gärtnerverbandes, weil sie die Taten ihrers Führers Franz Behrens richtig bewertete. Der Verein„Flora“ in Britz=Berlin vollzog den Uebertritt mit folgender Erklärung: „Wir Unterzeichnete haben den festen Entschluß gefaßt, aus den christlichen Gewerkschaften auszuscheiden. In der jetzigen wirtschaftlichen Krisis ist es uns nicht möglich, die Interessen der christlichen Gewerkschaften weiter zu vertreten da wir sehen müssen, daß und wie in einer derartigen Zeit unser Vertreter, Herr Reichstagsabgeordneter Behrens, im Zusammenschluß mit bürgerlichen Parteien uns zu weiteren Lasten verhilft. Er tritt nicht für, sondern gegen das Wohl der gesamten Arbeiterschaft auf. Aus diesen Gründen und noch vielen anderen, die sich mündlich besser erklären lassen(persönliches Strebertum in der Leitung des D. G.=V. schlechte Kassenverhältnisse usw. D. Red.), ersuchen wir um Aufnahme in die freien Gewerkschaften, resp. in den Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein...... Wir Unterzeichnete, ehemalige Mitglieder des D. G.=V., Gegenüber dem Artikel in der„Volkswacht" Nr. 200 * Schildesche, den 27. August, erkläre ich: 1. es ist unwahr, daß Pfarrer Ringenberg in die Wirtschaft von Westerhoff u. Voß gegangen ist; 2. es ist unwahr, daß von Gebauer überhaupt die Rede war; 3. es ist durchaus unwahr, daß ich dem Merdon erzählt hätte, Ringenberg habe gesagt:„Ja, denken Sie nur, dieser Merdon läßt seine Familie verkommen.“ Pfarrer Ringenberg, welcher, wie er sagt, glaubte, ich könnte vor meiner Haustüre stehend einige Worte von der Unterredung verstanden haben— obgleich ich kein Wort verstand—, suchte mich in etwa aufzuklären, und Merdon eigentlich zu entschuldigen, indem er sagte, daß dieser von anderen vorgeschoben würde und er, wie seine Familie ihm leid täten. Von Trinken und Lohnverschwenden ist nicht gesprochen. Hch. Voß. * Hörkamp, 30. August. Unternehmer und Patriotismus. Zu dem Kaiserbesuche in Fischbeck, wo eine FriedensLinde gepflanzt wurde, wurden auch 35 ausgesucht starke Bergleute vom Schaumburger Steinkohlenwerk in Parade=Anzügen gesteckt, hinbeordert. Das geschah auf Wunsch des Landrats v. Dittfurth. Außer einigen Mark Spesen, welche die Arbeiter erhielten, bekamen sie aber nichts. Die Schicht, die sie versäumten, mußten sie vorher oder nachher herausholen. Da hieß es nicht: länger wie 8 Stunden zu arbeiten ist gesetzlich verboten. Will aber mal ein Arbeiter für sich etwas besorgen und eine Schicht herausarbeiten, da geht das nicht. Zur Generalversammlung des Bergarbeiterverbandes in Eisenach voriges Jahr konnte auch kein Kamerad entbehrt werden bei der Kohlenförderung, aber zu Kaiserfeiern! Ja, Kumpel, das ist etwas anderes. Da gilt's in Patriotismus machen. Aber kosten darf's dem Unternehmer nichts. Sind doch mal humane Leute, unsere Stützen von Thron und Altar. * Heepen, 30. August. Unhaltbare Zustände auf dem Friedhof in Heepen. Wie oft hat die„Volkswacht“ über dieses Thema schon geschrieben, um geordnete Verhältnisse zu schaffen. Als gestern, am 29. August, mehrere Leidtragende die Gräber ihrer Verstorbenen aufsuchten, sahen sie, daß das letzte Grab vor zirka acht Tagen gegraben— nicht so zugeworfen war, wie es hätte sein müssen, und daß ein, wenn auch nicht allzu großes Stück des Sarges freilag. In der Nähe des Grabes machte sich, was ja bei der Hitze leicht erklärlich ist, ein starker Leichengeruch bemerkbar. Ebenso zeigte sich eine Anzahl großer Fliegen, der Gattung der Madenfliegen angehörend, auf dem Sarge. Es soll zugegeben werden, daß gerade in dieser Zeit viel Gärtnerarbeit auf dem Friedhof verrichtet werden muß, aber soviel Zeit mußte sein, um ein paar Spaten voll Erde mehr darauf zu werfen. Die Särge werden anscheinend ohne irgend welche Zwischenwand aneinandergestellt, deshalb ist wohl an der einen Wand ein Brett eingeklemmt, um beim Graben eines neuen Grabes den Einsturz zu verhindern. Hier scheint allzugroße Sparsamkeit zu herrschen. Hoffentlich werden diese Zeilen genügen, um endlich geordnete Verhältnisse auf dem Friedhof zu schaffen. * Hunnebrock, 30. August. Die durch die neue Tabaksteuer geschädigten Kolleginnen und Kollegen wollen sich zwecks Erlangung der Staatsunterdas mehr als 15 Pfg. und jede ½ Liter=Flasche#, Ferr weiche mehr wie 12 Pfg. verlangt werden, zurückzuweisen“, wurde einstimmig angenommen. Mit der Aufforderung, für die Ausführung dieses Beschlusses mit allen Kräften einzutreten und mit einem Hoch auf die freien Arbeiterorganisationen wurde die Versammlung geschlossen. Vermischtes. und speziell meine werden alles daran Per setze rson, als 1. Vorsitzender des Vereins, ." anffeem.#####, um den Verein unter dem Banner des Augsemeinen Deutschen Gärtnervereins in die Höhe zu bringen.“(Folgen 15 Unterschriften.) Langsam reift die Ernte von der Saat, die die christlichen Volksvertreter im Dienste des Schnapsblocks mit säen halfen! * Schildesche, 30. August. Vom Pfarrer Ringen= berg. Zu dieser Notiz in unserer Sonnabend-Nummer gehen uns folgende Erklärungen zu: „Der Bericht in Nr. 200 der„Volkswacht" über mich enthält“ so arge und feindselige Entstellungen, daß notwendig eine Aufklärung meinerseits erfolgen muß. Ich hielt mich verpflichtet, dem Franz Merdon eine Warnung zukommen zu lassen, und wollte dies in der kürzesten und schonendsten Weise, wie im Vorbeigehen, tun. Als ich ihm deshalb allein auf der Straße begegnete, wo ich stets Leute anzusprechen pflege, bat ich ihn, stehen zu bleiben. Da er gleich erregt erwiderte, wollte ich versuchen, ihn milder zu stimmen, in dem ich ihn daran erinnerte, wie ich ihm und seiner Familie nur Gutes, mancherlei Förderung und Gefälligkeiten, besonderes Wohlwollen und Vertrauen erwiesen. Bei der ganzen Unterredung ist von Trinken und von nach Branntwein riechen nur sehr nebenbei die Rede gewesen, — es handelte sich um eine gänzlich andere Angelegenheit. Weil mein Zureden zur Milde auf ihn keinen Eindruck machte, dagegen die Szene lauter wurde und so Aufsehen zu machen drohte, brach ich die Unterredung schleunigst ab und ließ Merdon stehen. Ich hatte bemerkt, wie der Wirt Voß im letzten Momente aus seiner Haustür trat. So hielt ich es für möglich, daß er einiges gehört hätte; nur in der Sorge, daß Merdon etwa blamiert werde, sprach ich, Herrn Boß an, indem der Angelegenheit des mit lauter Stimme Vorhaltungen gemacht, daß er schon wieder im Wirtshaus gewesen, davon war gar keine Rede; 3. daß ich ihm vorgehalten, er ließe seine Familie verkommen. Soweit Gebauer und Voß mit in die Sache hineingezogen sind, haben diese, jeder für sich in besonderer Erklärung, den Verhalt richtig gestellt. Schildesche, am 30. August 1909. Ringenberg, Pfarrer. Der Korrespondenz in der„Volkswacht" Nr. 200:“ Schildesche, den 27. August, gegenüber erkläre ich: 1.Ich bin nicht in der Begleitung des Franz Merdon gekommen, sondern ich kam zinter ihm; 2. ich ging auf Pfarrer Ringenberg zu, um ihn als meinen Seelsorger, von dem ich stets nur Freundlichkeiten erfahren habe, zu begrüßen; derselbe reichte mir die Hand und bedeutete mir in der gemütlichsten Weise, daß ich weitergehen öge, weil er mit Merdon allein zu sprechen habe. Pfarrer Kingenberg hat mich nicht im geringsten zur Seite gestoßen. Der Vorgang, soweit er mich betrifft, ist ganzlich unwahr dargestellt. Schildesche, am 29. August 1909. Carl Gebauer. stützung oder eventuellen Darlehenszahlung aus Verbandsmitteln an den 1. Bevollmächtigten, Kollegen G. Brinkmann, Werfen Nr. 68, in der Zeit von 12—1½ Uhr mittags und abends nach 7 Uhr wenden. Die Bescheinigung des Arbeitgebers über den Gesamtbetrag des im Vorjahre 1. Juli 1908 bis 30. Juni 1909 verdienten Lohnes ist mitzubringen, wenn nicht erhältlich, ist das zu melden. Gesuchsformulare weren hier auf Wunsch ausgefüllt und kostenlos abgegeben. Im übrigen verweisen wir auf das Beschwerde= und Auskunftsbureau bei Nübel. Geöffnet von 10—1 Uhr und 6—8 Uhr abends. * Minden, 30. August. Wie auch die Handwerksmeister das Koalitionsrecht der Arbeiter mit Füßen treten, das geht aus folgendem Notschrei hervor, den wir in der„Mindener Zeitung" unter Eingesandt“ finden: „Zu der Schuhmacherlohnbewegung sehen wir uns veranlaßt, der Oeffentlichkeit einige Vorkommnisse sowie deren derzeitigen Stand zu unterbreiten. Zunächst sei mitgeteilt, daß über die Lohn= und Arbeitsbedingungen an drei Abenden zusammen 15 Stunden verhandelt wurde. Es ist zuguterletzt eine Einigung erzielt worden, und die Meister so gut als wir waren mit dem Vereinbarten zufrieven. Ein Kampf schien also ausgeschlossen. Da aber leistete es sich der Meister unseres Vorsitzenden Bornemann und unseres Vertrauensmannes Hildebrandt, daß er ihnen am 21. d. M. kündigte. Dieser Herr S. brachte es fertig, diejenigen Leute, die sich ihrer Verbandssache annahmen, ihres gesetzlichen Koalitionsrechtes zu berauben. Er maßregelte sie, um den Verband vernichten zu helfen! Alle Erzählungen, die Leute seien infolge Arbeitsmangel gekündigt, sind Phrasen, denn wenn Lehrlinge und ein Unorganisierter 10—13 Stunden arbeiten, wenn weiter für die Entlassenen schon wieder Ersatz angenommen ist(wir können mit Namen dienen), so müssen wir erklären, daß wir die Kündigung nur als Maßregelung aufzufassen vermögen. Demgemäß erklärten wir am 23. der Innung, daß wir, wenn bis 29. die Sache nicht zu unseren Gunsten erledigt sei, mit allgemeinem Streik für ganz Minden antworten. Uns scheint überhaupt, daß man auf Meistersseite sehr für Streik eingenommen ist. Die obige Maßregel läßt darauf schließen. Sie ist angetan, uns über alles hinweg zu einem Koalitionsrechtskampf zu treiben, der verbittert und verzweifelt geführt wird bis zum Entweder.— Oder! Wir sind überzeugt, wären der Oeffentlichkeit die elende Lage der Schuhmachergesellen, ferner die oft schlechte Behandlung der beim Meister logierenden Kollegen, die sonstigen„Unschönheiten“ usw. bekannt, sie würde uns recht geben. Soll es nun ein Verzweiflungskampf sein, wir kämpfen ihn, sobald er uns aufgedrungen ist. Unsere Parole ist: Für unser Recht, für die Solidarität, für die Verbesserung unserer tieftraurigen Lage— durchs Feuer! Dieserhalb bitten wir die Oeffentlichkeit um ihre moralische Unterstützung in unserer gerechten Sache. Zentralverband christlicher Lederarbeiter. Roppelt, Bezirksleiter. Daß diese Zeitung sogar die Klagen der christlichen Organisation unter„Eingesandt“ bringt, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Mut, mit dem das frei sinnige Blatt Arbeiterinteressen in der Oeffentlichkeit zu vertreten wagt. Die Arbeiter erkennen daran wieder einmal, wie nötig sie eine einheitliche, einige Arbeiterbewegung haben müssen. * Stadthagen, 30. August. Die Volksversammlung am Sonntag im„Schaumburger Hof" beschäftigte sich mit der Stellungnahme zu den am 15. August eingeführten Bierpreiserhöhungen. Referent H. Klingenhagen=Bielefeld legte den Anwesenden die Situation klar. In der Diskussion fand eine gründliche Aussprache statt, in welcher von fast allen Rednern besonders auf die gewerkschaftliche Organisation hingewiesen und das Vorgehen der vereinigten Brauereien und auch das Gebaren des Wirtevereins scharf kritisiert wurde. Der Antrag des Gewerkschaftskartells, der verlangt:„Jedes 1/ Liter=Glas Bier, für das mehr als 10 Pfg., jedes ½ Liter=Glas Bier, für Nach dem Genuß von Pferdefleisch erkrankt. Kiel, 30. Aug. Nach dem Genuß von Pferdefleisch erkrankte die Familie des Schlossers Schultz schwer. Der neunjährige Sohn ist bereits gestorben. Die Polizei beschlagnahmte die Fleischvorräte des Schlächters, bei dem das Pferdefleisch gekauft worden war. Liebesdrama. Leipzig, 30. August. In Harth bei Leipzig hat sich ein blutiges Liebesdrama ereignet. Der Lithograph Steiner aus Leipzig erschoß seine Braut Wanda Schulze und versuchte sich danr durch Schüsse in den Kopf zu töten, verletzte sich aber nur schwer. Das Mädchen wollte das Verhältnis lösen, und aus diesem Grunde beging er die Tat. An dem Aufkommen Steiners wird gezweifelt. Automobilunglück. Amberg, 30. August. Das Automobil des Herrn von Radowitz, der sich in Begleitung seiner Gattin, der einstigen Rita Leon des Berliner Residenztheaters, auf der Heimreise von Marienbad nach Paris befand, ist in der Nähe von Amberg(Franken) verunglückt. Baronin von Radowitz wurde getötet, der Chauffeur schwer verletzt. Vergiftete Gemüseköpfe. Beuthen, 30. August. Eine frevelhafte Vergiftungsselbsthilfe hat bei Fannygrube den Tod eines 15jährigen Mädchens verursacht. Ein Landwirt hatte, um Diebe abzuhalten, mehrere Gemüseköpse auf dem Felde vergiftet und dies auf einer Tafel angezeigt. Am anderen Ende des weiten Feldes hat nun das Mädchen, ohne die Warnung gelesen zu haben, von den frischen Krautköpfen ein Blatt abgepflückt und gegessen. Kurz nachher starb das Mädchen unter fürchterlichen Schmerzen und Vergiftungserscheinungen. Die Cholera. Emmerich, 30. August. Auf dem hier von Rotterdam angekommenen Schleppschiff„Aventre II“ erkrankte ein Matrose unter choleraverdächtigen Erscheinungen. Er wurde in die Isolierbaracke eingeliefert und das Schiff bis auf weiteres angehalten. Letzte Nachrichten. Zahna, 31. August. Das gestrige Gewitter ist ohne Schaden vorübergezogen. Die Montage des dritten Propellers ist von gestern auf heute verschoben worden. Man hofft, daß sie abends beendet sein wird. Bei der Beratung über die zu treffenden Maßnahmen wurde beschlossen, nur einen neuen Propeller zu montieren und die Rückfahrt mit drei Schrauben anzutreten. Die Monteure aus Friedrichshafen sind gestern abend hier eingetroffen. Bülzig, 31. August. An dem Stumpf des abgeschlagener. Propellers erkennt man noch deutlich die Ursache des ersten Unfalls. Das Propellerlager ist vollständig aus Aluminium gearbeitet, auch das Kugellager und der Lagerdeckel sind aus gleichem Metall. Die beiden Verschraubungen sitzen jetzt noch fest daran. Dagegen ist der mittlere Teil des Lagerdeckels glatt herausgeschlagen, und dies ist der Beweis dafür, daß das Aluminium bei derartigen Propellern den Anforderungen nicht genügt. Der Unfall von gestern dürfte auf die gleichen Gründe zurückzuführen sein. Beim Fortfliegen des herausgerissenen Propellers, das diesmal nach Innen erfolgte, erlitt das Luftschiff sowohl an den Seitenträgern als auch an den Querverbänden Beschädigungen, doch sind diese durchaus kein Grund dafür, um von einem vollständigen Niederbrechen des„Z. 3“ zu reden. Der Mangel, der klargestellt ist, ist lediglich der, daß an den Stellen, wo der größte Widerstand erforderlich war, das Metall in seiner Stärke nicht genügte. Wien, 31. August. Der polnische Gutsbesitzer v. Kotowski benahm sich gestern im Krakau=Wiener Schnellzuge so auffällig, daß zwei Eisenbahnbeamte beauftragt wurden, ihn zu beobachten. Plötzlich zog der Gutsbesitzer einen Revolver hervor und feuerte einen Schuß auf einen Beamten ab, der ihm gegenüber Platz genommen hatte. Der Beamte wurde ins Herz getroffen und war auf der Stelle tot. Dann wandte sich der offenbar Wahnsinnige gegen den andern Beamten. Diesmal versagte jedoch die Waffe, worauf der Beamte den Wahnsinnigen zu überwältigen versuchte, dem es gelang, aus dem fahrenden Zuge zu springen. Rasch sprang der Beamte nach und es gelang, nachdem der Zug inzwischen zum Halten gebracht worden war, mit Hilfe einiger im Zuge anwesender Soldaten den Wahnsinnigen zu bändigen. Stockholm, 31. August. Als der Londoner Dampfer„Ceta“ gestern den Hafen von Löjinen anlaufen wollte und das Lotsenboot von Stangholm erwartete, brachte eine Sturzsee das Lotsenboot zum Kentern. Zwei Matrosen und ein Lotsenjunge sind ertrunken. Der Dampfer suchte noch mehrere Stunden die Unfallstelle ab, aber vergebens. Petersburg, 31. August. Das hiesige Auswärtige Amt erhielt aus Täbris die Nachricht, Anhänger Sattar Khans hätten gestern russische Konsulatsbeamte tätlich angegriffen und sie darauf in die Wohnung Sattar Khans geschleppt. Erst nach längeren Unterhandlungen mit den Konsuls wurden sie freigelassen. Der neue Generalgouverneur von Täbris ist in Täbris eingetroffen. Quittung. Für die ausgesperrten, im Generalstreik befindlichen Schweden gingen beim Unterzeichneten weitere Gelder ein: Zentralverband der Schmiede, Zahlstelle Bielefeld 30,—, Zahlstelle Brackwede 30,—; Schneiderverband(3. Rate) 15,—; Verband der Zivilmusiker 10,—; Tapeziererverband 7,—; Liste 88(Personal der„Volkswacht) 13,90; Liste 58(Wäscheverband) 7,20; Liste 99(Druckerei Siedhoff) 3,65; Liste 120(Eisengießerei eer) 19,—; Liste 2(Hengstenberg, Tischlerei und Packerei) 87,30; Liste 4(Tischlerei Gehring) 18,50; Liste 106(Tischlerei Tickötter) 10,50; Liste 107(Tischlerei Essen) 4,—; Liste 108 (Tischlerei Meinert) 9,30,(Tischlerei Echterbecker) 9,50; Listen 37 und 38 147,95(Dürkopp, davon Schnellnäher 39,75, Autodreherei I und Schlosserei Neubau 27,35, Autodreherei II 19,25, Kugeldreherei 12,50, Elastikbau 19,60, Nähmaschinendreherei 15.—, Spezialnähmaschinen 14,50); Liste 44(Dürkopp, Werkzeugbau) 11.50; Liste 36(Dürkopp, Ringschiff D=Saal und Nickelei, 2. Rate) 52,65); Liste 42(Dürkopp, Fraiserei, Dreherei und Schraubendreherei, 2. Rate) 76,25; Liste 33(Dürkopp, Saal V und Singersaal, 2. Rate) 29,55; Liste 101(Redecker& 15.—; Liste 102(Dürkopp, Werkzeugbau, Härterei, Stanzerei, Pedaldreherei) 73,40; Liste 19(Hengstenberg, Kassenbau) Liste 20(Hengstenberg, Nähmaschinenmontage) 64,—; Liste 39(Koch, Lackiererei) 25,50; Liste 83(Korkschneider) 13,10 Mark. Summa 811,— Mark. Bereits quittiert 1602,20 Mark. Insgesamt 2 413,20 Mark. Gewerkschaftskartell Bielefeld. Ludwig Beckmann, Kassierer, Oststr. 28II. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Kadmanns LadkkafsVerkauf beginnt heute nachmittag 3 Uhr. 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Herford, den 25. August 1909. Das Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule. Der Vorsitzende. J. V. Dr. Heß. UI. Bürgermeister. an Hautkrankheiten, Piokel, Kopfausschlag, Flechten, offene Beine Leidende erhalten Rat, wie sie schnell u. gründlich von ihren Leiden befreit werden. Möller, Herforderstr., neben Stadtheiderschule. 3565 Recimungs-Farmnizs, liefert in sauberer Ausführung prompt und billig Buchdruckerei„Volkswacht! Nr. 202. Die Gewerk im Deutschen Die Einnahmen und im letzten Jahre nicht gegangen. Dagegen stieg Mark im Jahre 1907 auf Einnahmen verringerten 1907 auf 48544.396 Ma 43 122 519 Mark auf 42 glieder berechnet fiel die Mark die Ausgabe von der Vermögensbestand vo Nach besonderen Erkläru nahmen braucht man nich beitslosigkeit machte es ihre Beiträge zu bezahlen die Mitglieder währendd Beiträgen befreit. Dann wie enorm die Beitragsle worden ist. Es hatten di Einr 1891 1895 1900 1905 1906 1907 1908 Es ist erklärlich, daß schaftskonjunktur, wie Gesuche um Stundung od gestellt und von den Ore den mußten. Es wäre Einnahmen im Jahre 19 wäre die Opferwilligkeit? rückgegangen. Daß dies nennenswerten Aufwärts Aber es ist auch anerken bei den meisten die bitt gegenüber ihrer Organis sind, wie geschehen. Die Verringerung der verzeichnen. Hierfür wur im Jahre 1908 aber ni gegen die Ausgabe für A Mark auf 8 134.388 Mar stützung von 5 635 387 M knappen Zahlen sagen me der günstigen Wirtschafts wenn alle anderen Mittel Lohnbedingungen zu verb licher Depression gewähr um der dringendsten Not sagen der Bemühungen de Gewerkschaften fernzuhalt Von den Gesamte entfallen auf die einzelnen Metallarbeiter 12.028 Mark, Buchdrucker 4.042 Fabrikarbeiter 2649 688 Textilarbeiter 1 800 325 Mark, Zimmerer 14997 Mark, Lithographen 98 Brauereiarbeiter 877254 Schneider 687·020 Mark, 51 Roman aus di von Fr „Ei sieh da, mein spe das in ihren Zügen ausge schien.„von San Franci. das Paradies zu bringen und ich freue mich wahr geht es dir?“ Er streckt gegen, und so willenlos macht, daß sie mechanisch faßte. Siftly aber hattej Platze hier mit dem Mäl deshalb die kaum gefaßte gebrochenen Spanisch:„I „Ja,“ nickte Manuela, über die Lippen zu bringe „Bueno, mein Herz,“ sag' ihm einmal, daß ihn „Siftly?“ rief in diese schon lange gehört und er gang des Zeltes getreten „Das ist ein Platz, m hin wir später oder früh früher wir also da eintre dir gute Nachricht zu bri: „Dumir?“ rief He Strömen nach den Schläf hinzu,„komm zu dem bo dir dort öffnen, und wir habe, einen Spaziergang „Es ist kein Geheimn herum, und dort können Er nickte Mannela zu gekommen, hinter dem Ze Art von Aufregung sein§ dort zu begrüßen. Hatte rakter desselben keine Ah selber kaum weshalb, ein Menschen hier anzutreffen diesen wilden, von jeder er oft gehofft, still und O O Nr. 202. Bielefeld, Dienstag, 31. August 1909. 20. Jahrg. Die Gewerkschaftsorganisationen im Deutschen Beich im Jahre 1908. II. Die Einnahmen und Ausgaben der Verbände haben sich im letzten Jahre nicht erhöht, sondern sind etwas zurückgegangen. Dagegen stieg der Vermögensbestand von 33242 545 Mark im Jahre 1907 auf 40 839 791 Mark im Jahre 1908. Die Einnahmen verringerten sich von 51 396 784 Mark im Jahre 1907 auf 48 544 396 Mark im Jahre 1908, die Ausgaben von 43 122 519 Mark auf 42 057 516 Mark. Pro Kopf der Mitglieder berechnet fiel die Einnahme von 27,55 Mark auf 26,50 Mark, die Ausgabe von 23,12 Mark auf 22,96 Mark, während der Vermögensbestand von 17,82 Mark auf 22,30 Mark stieg. Nach besonderen Erklärungen für die Verringerung der Einnahmen braucht man nicht zu suchen. Die überaus große Arbeitslosigkeit machte es den Verbandsmitgliedern unmöglich, ihre Beiträge zu bezahlen und in vielen Organisationen werden die Mitglieder während der Dauer der Arbeitslosigkeit von den Beiträgen befreit. Dann darf man aber auch nicht übersehen, wie enorm die Beitragsleistung in den letzten Jahren gesteigert worden ist. Es hatten die Verbände: Einnahmen Ausgaben Kassenvermögen pro Kopf der Mitglieder berechnet Es ist erklärlich, daß in einer Periode so ungünstiger Wirtschaftskonjunktur, wie sie im Jahre 1908 vorhanden war, die Gesuche um Stundung oder Erlaß der Beiträge in großer Zahl gestellt und von den Organisationsleitungen berücksichtigt werden mußten. Es wäre verfehlt, aus der Verminderung der Einnahmen im Jahre 1908 den Schluß ziehen zu wollen, als wäre die Opferwilligkeit der Arbeiter für ihre Organisation zurückgegangen. Daß dies nicht der Fall, wird sich bei der ersten nennenswerten Aufwärtsbewegung der Konjunktur zeigen. Aber es ist auch anerkennenswert, daß die Arbeiter, trotzdem bei den meisten die bitterste Not vorhanden, ihren Pflichten gegenüber ihrer Organisation in dem Maße nachgekommen sind, wie geschehen. Die Verringerung der Ausgaben ist nur bei den Streiks zu verzeichnen. Hierfür wurden im Jahre 1907 12 994 821 Mark, im Jahre 1908 aber nur 4750347 Mark aufgewandt, wogegen die Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung von 4 375012 Mark auf 8134 388 Mark und die für Arbeitsunfähigenunterstützung von 5 635 387 Mark auf 8 473 853 Mark stieg. Diese knappen Zahlen sagen mehr, als lange Abhandlungen. Während der günstigen Wirtschaftskonjunktur suchen die Gewerkschaften, wenn alle anderen Mittel versagen, durch Arbeitseinstellung die Lohnbedingungen zu verbessern und in den Jahren wirtschaftlicher Depression gewähren sie den Arbeitern Unterstützung, um der dringendsten Not zu wehren. Deswegen auch das Versagen der Bemühungen der Unternehmer, die Arbeiter von den Gewerkschaften fernzuhalten. Von den Gesamteinnahmen von 48544396 Mark entfallen auf die einzelnen Verbände: Metallarbeiter 12028 961 Mark, Holzarbeiter 4982993 Mark, Buchdrucker 4042 005 Mark, Maurer 3670 449 Mark, Fabrikarbeiter 2649 688 Mark, Bergarbeiter 1875 433 Mark, Textilarbeiter 1800 325 Mark, Transportarbeiter 1722941 Mark, Zimmerer 1 499740 Mark, Bauhilfsarbeiter 1482 677 Mark, Lithographen 987795 Mark, Maler 908 857 Mark, Brauereiarbeiter 877254 Mark, Schuhmacher 802 720 Mark, Schneider 687020 Mark, Tabakarbeiter 646 838 Mark, BuchGold. Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. 51"— „Ei sieh da, mein spanisches Täubchen,“ lachte Siftly, der das in ihren Zügen ausgeprägte Entsetzen gar nicht zu bemerken schien,„von San Francisco ausgeflogen, he, den Oelzweig in das Paradies zu bringen? Hahaha, aber das ist vortrefflich, und ich freue mich wahrhaftig, dich wieder anzutreffen. Wie geht es dir?“ Er streckte dabei dem Mädchen die Hand entgegen, und so willenlos hatte diese der plötzliche Schreck gemacht, daß sie mechanisch ihre Hand erhob, die der Amerikaner faßte. Siftly aber hatte jetzt andere Pläne, als sich auf offenem Platze hier mit dem Mädchen weiter zu unterhalten. Er ließ deshalb die kaum gefaßte Hand wieder los und sagte in seinem gebrochenen Spanisch:„Ist Senor Hetson zu Hause?“ „Ja,“ nickte Manuela, noch nicht imstande, ein klares Wort über die Lippen zu bringen. „Bueno, mein Herz,“ lachte der Mann,„dann sei so gut und sag' ihm einmal, daß ihn ein alter Freund—“ „Siftly?“ rief in diesem Augenblick Hetson, der die Stimme schon lange gehört und erkannt hatte, und in den hinteren Eingang des Zeltes getreten war.„Du hier im Paradiese?" „Das ist ein Platz, mein alter Bursch,“ lachte Siftly,„wohin wir später oder früher alle einmal zu kommen hoffen; je früher wir also da eintrefsen, desto besser. Uebrigens habe ich dir gute Nachricht zu bringen.“ „Dumir?“ rief Hetson rasch, und das Blut schoß ihm in Strömen nach den Schläfen.„Doch nicht hier," setzte er schnell hinzu,„komm zu dem vorderen Eingang des Zeltes; ich will dir dort öffnen, und wir machen dann, so wie ich mich angezogen habe, einen Spaziergang.“ „Es ist kein Geheimnis,“ lachte Siftly;„doch ich gehe vorn herum, und dort können wir dann das Weitere besprechen.“ Er nickte Manuela zu, und verschwand, ebenso rasch wie er gekommen, hinter dem Zelte, während Hetson mit einer eigenen Art von Aufregung sein Hauptzimmer betrat, den Jugendfreund dort zu begrüßen. Hatte er aber auch über den wahren Charakter desselben keine Ahnung, so war es ihm doch, er wußte selber kaum weshalb, ein unangenehmes Gefühl, irgend einen Menschen hier anzutreffen, der ihn oder die Seinen kannte. In diesen wilden, von jeder Zivilisation entfernten Bergen hatte er oft gehofft, still und unbemerkt eine Zeitlang hausen zu binder 572 420 Mark, Gemeindearbeiter 550 796 Mark, Hafenarbeiter 521017 Mark, Schmiede 459 846 Mark, Steinarbeiter 438 676 Mark, Bäcker und Konditoren 371 256 Mark, Porzellanarbeiter 345819 Mark, Glasarbeiter 343081 Mark, Maschinisten 295 668 Mark, Steinsetzer 294 163 Mark, Töpfer 262 465 Mark, Tapezierer 241 387 Mark, Stukkateure 204 258 Mark, Lederarbeiter 200 053 Mark. Ferner hatten eine Jahreseinnahme von 150= bis 200000 Mark 7 Verbände, von 100- bis 150000 Mark 5 Verbände, von 50- bis 100 000 Mark 7 Verbände, von 30- bis 50000 Mark 4 Verbände, von 20- bis 30000 Mark 2 Verbände, von 10- bis 20 000 Mark 3 Verbände und unter 10000 Mark 4 Verbände. Da der absolute Einnahmebetrag bei den großen Verbänden den der kleineren weit überwiegen muß, so kommt die Leistung der Mitglieder in den einzelnen Organisationen erst zur Geltung, wenn die Einnahme pro Kopf der Mitglieder berechnet wird. Es entfallen von der Einnahme pro Kopf der Mitglieder in den. Verbänden der Buchdrucker 72,85, Notenstecher 63,07, Lithographen 59,33, Bildhauer 45,42, Formstecher 41,48, Kupferschmiede 34,31, Holzarbeiter 34,05, Metallarbeiter 33,40, Glaser 31,92, Zigarrensortierer 30,33, Schmiede 30.27, Zimmerer 29,33, Tapezierer 29,17, Sattler 29,03, Steinsetzer 28,40, Stukkateure 27,74, Hutmacher 26,77, Lederarbeiter 26,71, Bauhilfsarbeiter 26,70, Porzellanarbeiter 26,65, Brauereiarbeiter 26,25, Buchbinder 26,04, Böttcher 25,21, Gastwirtsgehilfen 24,82, Steinarbeiter 24,62, Portefeuiller 24,55, Mühlenarbeiter 24,49, Töpfer 24,21, Schiffszimmerer 23,23, Maler 23,02, Handschuhmacher 22,70, Tabakarbeiter 22,64, Isolierer und Steinholzleger 22,35, Friseure 21,72, Hafenarbeiter 21,72 Seeleute 21,71, Schuhmacher 21,64, Photographen 21,22, Kürschner 21,00, Maurer 20,97, Dachdecker 20,83, Gärtner 20,45, Glasarbeiter 20,35, Bäcker und Konditoren 20,30, Xylographen 20,18, Transportarbeiter 19,56, Gemeindearbeiter 19,55, Fabrikarbeiter 19,45, Schneider 17,48, Bergarbeiter 16,71, Asphalteure 16,37, Bureauangestellte 16,17, Maschinisten 16,10, Lagerhalter 16,00, Hoteldiener 15,64, Textilarbeiter 15,47, Fleischer 14,95, Zivilmusiker 14,79, Buchdruckereihilfsarbeiter 14,16, Blumenorbeiter 13,02, Schirmmacher 11,95, Handlungsgehilfen 11,44 Mark. Da in diesen Leistungen zum Teil auch Extrabeiträge enthalten sind, so ist es zweckmäßig, festzustellen, wie hoch die statutarischen Verbandsbeiträge in den Gewerkschaften in Deutschland sind. Da in einzelnen Organisationen Staffelbeiträge, bemessen nach der Höhe des Arbeitsverdienstes, bestehen, in einigen Bauarbeiterorganisationen nicht für alle Wochen im Jahre Beiträge erhoben werden, sondern in den Winterwochen die Beiträge fortfallen, so kann bei einer solchen Uebersicht nicht der Wochenbeitrag als Grundlage für die Berechnung genommen werden. An Wochenbeiträgen wurden 1908 von männlichen Mitgliedern bezahlt in: Mit dieser Darstellung wird die tatsächliche Beitragsleistung jedoch nicht nachgewiesen, sondern es ist aus den angeführten Gründen notwendig, die nach dem Statut bestimmte Jahresbeitragsleistung festzustellen. Es zahlten an Jahresbeitrag 1908: können und dann durch Ruhe und die reine Luft gekräftigt sich nach den Sandwichs-Inseln einzuschiffen, vielleicht konnte er dann vergessen, was ihm die Seele in den letzten Monden wund gedrückt. Jetzt trat ihm, mit dem Mann, den er in San Francisco sein Herz ausgeschüttet, auch die Möglichkeit wieder entgegen, daß ein anderer, Gefürchteter, ihn ebenso leicht hier würde auffinden können, und seine ganze Hoffnung von Sicherheit und Frieden, die er sich glücklich träumend aufgebaut, schien drohend über ihm zusammenzubrechen. „Guten Morgen, Hetson,“ sagte übrigens Siftly, als er ihm den Eingang geöffnet hatte, so unbefangen und ruhig, als ob sie einander erst gestern Abend getroffen, und nicht zufällig hier nach langen Wochen wieder zusammengekommen wären.„Wie geht dir's hier oben? Du siehst immer noch bleich und angegriffen aus. Nun, die Bergluft wird dir bald wieder auf die Beine helfen. Famose Luft hier und ein prachtvolles Klima in dem Kalifornien, das muß man ihm lassen, und wir haben da, das Gold noch in den Kauf, mit Mexiko gar keinen so schlechten Handel gemacht. Hahaha, die Senors werden jetzt nicht bös fluchen, daß wir ihnen das Gold so vor der Nase weggefischt, und sie hier die langen Jahre in dem Nest gesessen haben, ohne auch nur die Spur davon zu merken. „Und was hattest du mir zu sagen, Siftly?“ „Ja, Wetter noch einmal, die Hauptsache hätte ich beinahe vergessen. „Betrifft es ihn?" flüsterte Heison leise, indem er den Arm des Mannes fast krampfhaft faßte und hielt. „Ihn?“ sagte dieser erstaunt.„Ja so, du meinst deinen—“ „Bst— nicht so laut— man hört hier jedes Wort.“ „Nein, sei außer Sorgen, Mann,“ lachte der Spieler,„und gib endlich einmal die tolle Furcht vor jenem Laffen auf. Und wenn er hierherkäme—“ „So weißt du, wo er ist?“ frug hastig, aber mit unterdrückter Stimme der junge Mann. „Wo er dir für den Augenblick nichts schaden kann,“ sagte Siftly, der von Charles Golway so wenig wußte, wie Hetson selber, in dessen Plan es aber lag, das Bild des Gefürchteten in der Seele des Unglücklichen festzuhalten.„Ich bin jedoch imstande, dir jetzt etwas anzubieten, das dir die Macht gibt, ihn unschädlich zu machen, selbst wenn er in diesem Augenblick dein Zelt beträte, und zu keiner glücklicheren Stunde hätte ich nach diesen Minen kommen können, wie gerade jetzt.“ „Was meinst du?“ „Du hast von dem Mord gehört, der vor einigen Tagen an einem von unseren Landsleuten verübt ist?“ Die niedrigen Jahresbeiträge werden von weiblichen und jugendlichen Mitgliedern bezahlt. Die Mehrzahl der männlichen Mitglieder entrichtet einen Jahresbeitrag von 20,80 Mark bis zu 31,20 Mark. Die Jahresausgaben für 1908 im Gesamtbetrage von 42 057 516 Mark sind nur um rund 1 Million Mark niedriger als im Jahre 1907, obgleich die Aufwendungen für Streiks und Aussperrungen um 8244 474 Mark geringer waren als im Vorjahre, wogegen die Ausgaben für sonstige Unterstützungen enorm gestiegen sind. Auf die einzelnen gewerkschaftlichen Zwecke entfielen 1908 an Ausgaben: In wie enormer Weise sich die Aufwendungen für Unterstützungen im letzten Jahre gesteigert haben, mag eine Gegenüberstellung der hauptsächlichsten Ausgabeposten zeigen. Es verausgabten die Gewerkschaften 1908(in Paranthese die Ausgabe für 1907) für: Reiseunterstützung 1184 353(869 148) Mark, Umzugsunterstützung 290 157(275 716) Mark, Arbeitslosenunterstützung 8 134 388(4 375 012) Mark, Arbeitsunfähigenunterstützung 8 473 853(5 635 387) Mark, Beihilfe in Sterbefällen 666 494(642 385) Mark Beihilfe in Notfällen 508 976(467 707) Mark, Gemaßregeltenunterstützung 1 440 263(1 010 045) Mark. Noch deutlicher kommt die Belastung der einzelnen Gewerkschaften mit Ausgaben für Unterstützungen zum Ausdruck, wenn diese pro Kopf der Mitglieder berechnet werden. Es zahlten an Arbeitslosenunterstützung pro Kopf der Mitglieder: Hech Alestanat die geichgte Schechet der Alnen Hhernl. sich nicht zu bestätigen?“ „Bay,“ lachte der Spieler, in den zivilisiertesten Städten der Welt kommen solche Dinge vor, warum nicht hier in den wilden Bergen, wo es von Indianern, Mexikanern und losgelassenen deportierten englischen Verbrechern wimmelt. Es ist ein Wunder, daß noch so selten etwas Derartiges geschieht, und wir in unseren dünnen Leinwandzelten doch eben hier so sicher wohnen, wie daheim in festverschlossenen und verwahrten Backsteinhäusern. Nichtsdestoweniger haben die guten Bürger dieser „Stadt“ beschlossen, derertigen Uebeln für die Zukunft vorzubeugen. Gestern abend hatten wir eine Volksversammlung, der du eigentlich hättest beiwohnen sollen, und dort ist vorderhand als erster Schritt ein entschlossener Mann, ein Amerikaner natürlich, zum Alcalden gewählt worden" „Aber was kümmert das mich?" „Was dich das kümntert?“ lachte Siftly.„Mehr als du vielleicht glaubst. Die Bürger des Paradieses sind nämlich vernünftig genug gewesen, nicht etwa einen ihrer tollköpfigen Burschen zu wählen, von denen das Lager schwärmt, sondern dich.“ „Mich?“ rief Hetson, erstaunt von dem Stuhle aufspringend, auf den er sich bei den letzten Worten neben Sifily niedergelassen.„Du träumst, wer kennt mich hier?“ „Ich kenne dich mein alter Freund,“ lachte Siftly,„und das war genug. Wer mit derartigen Leuten nur ein wenig umzugehen weiß, kann sie zu allem bringen, wohin er sie haben will, zum Guten wie zum Bösen. Ich habe dich deshalb vorgeschlagen, und du bist einstimmig gewählt worden. Jetzt sind sie draußen, um den Kadaver zu begraben, den sie sich aus den Bergen heruntergeholt, und wenn sie wieder zurückkommen, wirst du deine feierliche Bestätigung erhalten.“ Hetson war mit untergeschlagenen Armen ein paarmal in seinem Zelte auf= und abgegangen. Jetzt blieb er plötzlich vor Siftly stehen, streckte diesem die Hand entgegen und sagte:„Ich danke dir, Bill, für deine Freundschaft, denn ich weiß, du hast geglaubt, daß du mir damit einen Dienst erweisest, aber ich kann und werde die mir zugedachte Ehre nicht annehmen.“ „So?— und weshalb?“ „Weil ich— weil ich nicht weiß, wie lange ich hier bleiben werde, ja, weil ich wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen wieder weiter ziehe. Ob ich zum Alcalden eines solchen Minenplatzes tauge, ist eine andere Frage, die aber zu erörtern jetzt nicht nötig sein wird. Du kennst mich nur noch von der Heimat her, ich bin seitdem rastloser, ungeduldiger, unstäter geworden, Handschuhmächer 82,62, Bildhauer 24,38, Glaser 14,08, Buchdrucker 12,74, Notenstecher 12,22, Tapezierer 10,45, Hutmacher 10,02, Lithographen 9,98, Holzarbeiter 9,63, Lederarbeiter 9,54, Porzellanarbeiter 9,26, Metallarbeiter 9,05, Zimmerer 9,02, Kupferschmiede 7,36, Buchbinder 6,98, Zigarrensortierer 6,74, Sattler 6,56, Formstecher 6,53, Glasarbeiter 6,00, Photographen 5,82, Xylographen 5,82, Maschinisten 5,53, Schmiede 4,70, Böttcher 4,54, Portefeuiller 3,81, Bäcker und Konditoren 3,76, Schiffszimmerer 3,65, Schuhmacher 3,18, Buchdruckereihilfsarbeiter 3,01, Transportarbeiter 2,44, Fabrikarbeiter 2,39, Friseure 2,20, Mühlenarbeiter 2,18, Gärtner 1,98, Brauereiarbeiter 1,39, Tabakarbeiter 1,21, Handlungsgehilfen 0,92, Bureauangestellten 0,74, Gemeindearbeiter 0,46, Fleischer 0,23, Schirmmacher 0,21, Bergarbeiter 0,16, Steinsetzer 0,07 Mark. An Krankenunterstützung verausgabten pro Kopf der Mitglieder: Notenstecher 19,46, Lithographen 17,79, Buchdrucker 15,87, Formstecher 11,76, Zigarensortierer 9,55, Metallarbeiter 8,47, Böttcher 7,93, Schmiede 7,03, Tabakarbeiter 6,45, Hafenarbeiter 6,31, Holzarbeiter 5,91, Sattler 5,82, Kupferschmiede 5,08, Hutmacher 4,82, Schuhmacher 4,80, Porzellanarbeiter 4,50, Töpfer 4,48, Mühlenarbeiter 4,07, Schiffszimmerer 3,81, Fabrikarbeiter 3,80, Gastwirtsgehilfen 3,68, Bildhauer 3,49, Portefeuiller 3,45, Brauereiarbeiter 3,35, Steinarbeiter 3,12, Kürschner 2,65, Bauhilfsarbeiter 2,58, Gemeindearbeiter 2,56, Maler 2,53, Textilarbeiter 2,43, Transportarbeiter 2,34, Asphalteure 2,33, Maurer 2,29, Bergarbeiter 2,27 Schneider 2,01, Burequangestellte 1,98, Buchdruckereihilfsarbeiter 1,89, Bäcker und Konditoren 1,72, Steinsetzer 1,66, Hoteldiener 1,49, Buchbinder 1,41, Tapezierer 1,16, Blumenarbeiter 1,07 Handschuhmacher 0,62, Fleischer 0,56, Glaser 0,52, Seeleute 0,52, Friseure 0,21, Photographen 0,19, Gärtner 0,09, Handlungsgehilfen 0,06 Mark. Das Jahr 1908 hat bezüglich dieser Unterstützungen ganz ungemein hohe Anforderungen an einzelne Organisationen gestellt. Aber diese haben die Probe auf ihre Leistungsfähigkeit bestanden. So erfreulich dies auf der einen Seite ist, so tief muß man bedauern, daß der Staat sich der Verpflichtung entzieht, die Arbeitslosen, die durch das heutige, mittels staatlicher Macht gestützte Wirtschaftssystem existenzlos wurden, zu unterstützen. Im Gegenteil vermehrte er noch die Notlage der Arbeiter durch künstliche Verteuerung der Nahrungsmittel und notwendigsten Gebrauchsgegenstände. Dann glauben schließlich die Stützen von Staat und Gesellschaft den Arbeiter tadeln zu müssen, wenn er durch politische Betätigung und durch Unterstützung der Partei, die allein für die Interessen der Arbeiterschaft eingetreten ist, gegen dieses Staats- und Wirtschaftssystem auflehnte. Nicht Anerkenung für die Arbeiter, die durch gewerkschaftliche Organisationen die Härten dieses Systems zu mildern suchen, sondern Verfolgung und Bekämpfung dieser Organisationen gilt auch heute noch als dem Staatswohl dienend. Dabei haben diese Gewerkschaften mehr für die Wohlfahrt der Arbeiterklasse geleistet, als irgendeine andere Vereinigung je zuvor oder zurzeit. In den letzten 18 Jahren verausgabten die Zentralverbände für Streikunterstützung....... 64884 217 Mk. Arbeitsunfähigen=(Kranken=)unterstützung. 27 108 347„ Arbeitslosenunterstützung... 25 518 957„ Reiseunterstützung 9 267612„ Umzugskosten und Beihilfen in Notund Sterbefällen. 6886 514„ Gemaßregeltenunterstützung.... 5563428„ Invalidenunterstützung 2550 539„ Rechtsschutz 2144784„ Insgesamt eine Ausgabe von 143924398 Mark, welche die Arbeiter von ihrem kärglichen Verdienst sich abgedarbt haben, um durch die Organisationen dem Wohle der Arbeiter und damit dem Wohle des Volkes zu dienen. In den Unterstützungseinrichtungen selbst, sowie bezüglich der Verwaltung, der Herausgabe der Verbandsorgane und den internationalen Verbindungen sind im letzten Jahre wesentliche Aenderungen nicht eingetreten. Reiseunterstützung wird von 46, Umzugsunterstützung von 35, Arbeitslosenunterstützung von 40, Arbeitsunfähigenunterstützung von 49, Invalidenunterstützung von 6, Unterstützung in Sterbefällen von 49 und in Notfällen von 33 Organisationen gezahlt. Die Auflage der gesamten Gewerkschaftsblätter betrug 1 951 285 Exemplare. Parteinachrichten. Zum neuen„Fall Bernstein“. Genosse Karl Kautsky schreibt dem„Vorwärts": „Heraus mit der Sprache! Aus dem heutigen„Vorwärts“ ersehe ich, daß die„Chemnitzer Volksstimme“ behauptet, Bernstein sei aus der„Neuen Zeit“„hinausgebissen“ worden. Soll dieser Ausdruck einen nin haben, dann kann es nur der sein, daß Bernstein mit unsauberen Mitteln aus seiner Stellung bei der„Neuen Zeit“ hinausgedrängt worden sei, und natürlich kommt der Redakteur der„Neuen Zeit" dabei in erster Linie in Betracht. Diese Beschuldigung wird nicht besser dadurch, daß sie in eine vage, schwer greifbare Form gekleidet ist. Ich fordere die„Chemnitzer Volksstimme“ hiermit auf, deutlicher zu werden und ohne Umschweife zu erklären, was sie gemeint hat. Das Parteiinteresse selbst erfordert es jetzt, daß die Aushungerungslegende einmal gründlich klargelegt wird.“ In der„Frankischen Tagespost“ nimmt dazu Genosse Eisner das Wort. Er schreibt: „Leider nötigt nun auch mich eine Bemerkung Bernsteins und des„Vorwärts" zu einer Klarstellung im Interesse der Wahrheit über eine Periode meiner Wirksamkeit, die ich längst für endgiltig verjährt und gründlich verschollen halten wollte... Ob die heutige oder die damalige Redaktion die Bezeichnung „radikal“ beanspruchen darf, das zu entscheiden, würde eine langwierige Voruntersuchung über den Begriff des geheimnisund verhängnisvollen Fremdwortes„radikal“ erfordern. Lassen wirs also aus dem Spiel. Fest steht, daß die damalige Redaktion wiederholt mit den Auffassungen Bernsteins in Konflikt geriet; ich selbst habe gelegentlich eine höchst entschiedene Kritik an Bernsteinschen Arbeiten geübt. Aber wir hielten es natürlich trotzdem für unsere Pflicht, Bernstein als Mitarbeiter uns zu erhalten, ihn immer wieder zur Mitarbeit heranzuziehen und ihm freien Raum für seine(von uns nur selten geteilten) Meinungen zu gewähren. Wir betrachteten es als den vornehmsten Grundsatz unserer Redaktionsführung, um der Einheit der Partei willen, alle namhaften Parteischriftsteller, ohne Unterschied der Richtung und Färbung, im Zentralorgan mitarbeiten zu lassen. So waren denn auch in der Tat, ohne jede Ausnahme, alle führenden Parteischriftsteller Mitarbeiter des„Vorwärts“, von der äußersten„Rechten" bis zur äußersten„Linken“, wenn man einmal diese Unterschiede machen will. Diese Auffassung vom Redakteurberuf im Zentralorgan hatten wir von Wilhelm Liebknecht übernommen. So war die volle Sicherheit gegeben, daß nicht etwa ein Cliquen= und Absonderungswesen entstehen, ein stiller, ungreifbarer(aber darum um so wirksamerer) Boykott bestimmter Personen und Gruppen geübt werden konnte. Die Bernsteinsche Beschwerde ist also in dieser Hinsicht unbegründet. Richtig ist zwar, daß— wenn ich nicht irre— auf eine durchaus zu rechtfertigende Anregung der Kontrollkommission hin, eine Anzahl, nicht nur Bernsteins, Mitarbeiterpauschalien gestrichen wurden; es handelte sich um Fälle, wo das Pauschale dem Umfang der Mitarbeit nicht entsprach. Bernstein sollte auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ständig, wie zuvor, über englische Politik schreiben. Auf dieser Voraussetzung beruhte sein Pauschale. Diese Mitarbeit über englische Politik von Berlin aus ließ sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten. Und seitdem Genosse Beer von Newyork nach London übersiedelte, gewann der„Vorwärts“ in ihm einen vorzüglichen englischen Korrespondenten; dadurch wurde naturgemäß— ohne Verschulden Bernsteins— seine Mitarbeit am„Vorwärts“ weniger umfassend, die wir aber immer aufs neue anzuregen bemüht waren. Daß ihm ein bindendes Versprechen wegen des Pauschale gegeben worden ist, erfahre ich erst jetzt; wenigstens ist eine solche Kenntnis nicht in meiner Erinnerung. Es wäre die schlimmste Niedertracht, Meinungsverschiedenheiten durch Schädigung oder Begünstigung materieller Verhältnisse zu entscheiden. Ein solches Verfahren wäre geeignet, alles Parteiwesen zu vergiften. Ich war daher genötigt, auch den Schein eines Vorwurfes zu zerstreuen, als ob ich direkt oder indirekt einer derartigen Methode Vorschub geleistet hätte. Sonst hätte ich gewünscht, daß niemalsauch nur eine Zeileüber diesen„Fall Bernstein“ geschrieben worden wäre, dessen Artikel im„Berliner Tageblatt“ den Interessen der Partei sehr förderlich war, geschweige, daß er gegen irgend einen Grundsatz oder Parteitagsbeschluß verstoßen hätte.“ Vom Genossen Ebüard Bernstein geht darauf dem „Vorwärts“ folgende Erklärung zu: „Nachdem nun auch Genosse Eisner sich über die Kündigung meiner Mitarbeit am„Vorwärts“ geäußert hat, obliegt es mir, zu seiner Erklärung und den vorhergegangenen Behauptunden der Redaktion des„Vorwärts" das Wort zu nehmen. Die Redaktion des„Vorwärts" unterstellt, es sei mir das „Pauschale" deshalb gekündigt worden, weil meine Arbeiten für den„Vorwärts“ im ganzen Jahr noch nicht ausgereicht hätten, auch nur das Honorar eines Monats zu decken. Ich weiß nicht, auf welchen Honorarsatz die Redaktion meine Arbeiten einschätzt, da aber der Außenstehende aus ihrer Bemerkung nur den Schluß ziehen kann, es liege hier eine ganz besondere Abneigung gegen irgendwelches Arbeiten oder hochgradige Minderwertigkeit vor, so mag mir erlaubt sein, zu bemerken, daß mein gegenwärtiges Einkommen aus literarischer Tatigkeit mehr als das Vierfache jener Pauschale beträgt. Indes geht aus Eisners Erklärung deutlich hervor, daß, wenn damals ein Mißverhältnis zwischen dem Quantum meiner im„Vorwärts" zur Veröffentlichung gelangten Arbeiten und ihrer Bezahlung bestand, es in einem anderen Mißverhältnis wurzelte, namlich in der Natur der mir eingeräumten Mitarbeiterschaft. Sie entsprach weder meiner Vergangenheit in der Partei, noch meinem tatsächlichen Können, und machte mir die Arbeit oft sehr peinlich. Ich glaubte indes, die Stellung als ein Interimistikum betrachten zu können, das ein befriedigendes Ende nehmen werde, sobald erst das Vorurteil in Wegfall gekommen sei, das ein Teil der Berliner Genossen mir zunächst entgegenbrachte. Daß es anders kam, erklärt sich durch die dem Dresdener Parteitag vorliegenden Ereignisse. Jedenfalls war es ein eigentümliches Verfahren, das Verhältnis kurzerhand auf solche Kalkulationen hin, wie sie der„Vorwärts“ anführt, zu kündigen, ohne den Beteiligten auch nur vorher anzufragen. Ich habe damals den leitenden Parteigenossen gegenüber kein Hehl daraus gemacht, daß ich mich als gemaßregelt fühlte, und sehe die Sache auch heute noch so an. Auf die weiteren Bemerkungen zu meiner Einsendung vom 21. August, und insbesondere zu den Anwürfen, mit denen die „Leipziger Volkszeitung“ mich bedenkt, nehme ich nicht mehr das Wort. Wer der„Leipziger Volkszeitung“ auf diesem Gebiete noch glaubt, dem kann ich nicht helfen. Im übrigen konstatiere ich nur, daß der Artikel, den ich dem „Berliner Tageblatt“ übersandt hatte, von der gesamten Parteipresse, die mir feindlichsten Blätter eingeschlossen, als unanfechtbar bezeichnet worden ist, und daß eine ganze Reihe von Parteiblättern ihn direkt als verdienstvoll bezeichnet haben. Die Verantwortung für die betreffenden Angriffe der Gegner gegen unsere Partei fällt auf das Blatt zurück, daß jenen Artikel zum Anlaß nahm, in Sperrdruck zu erneuter Maßregelung meiner Person aufzufordern: die„Leipziger Volkszeitung“. Zur Anfrage Kautskys an die„Chemnitzer Volksstimme“ wegen meines Austritts aus der„Neuen Zeit“ habe ich nur zu bemerken, daß Kautskys Verhalten mir gegenüber diesen Schritt unvermeidlich machte. Das war nicht nur mein Gefühl, sondern das schrieb mir damals sehr bestimmt Ignaz Auer, sowie ein Parteigenosse in hervorragender Stellung, der Kautsky ebenso nahe steht als mir. Schöneberg, 28. August 1909. Ed. Bernstein.“ Dazu schreibt der Vorwärts": „Diese Erklärung Bernsteins hat ein Gutes— sie zerstört die Lüge von der„Aushungerung" bis auf den letzten Rest. Bernstein hat jetzt, wie er selbst feststellt, ein Einkommen aus seiner literarischen Tätigkeit allein, das mehr als das Vierfache des Pauschales beträgt, das er einst vom Vorwärts" bezog. Er hat demnach ein Einkommen, das die Mehrzahl der sozialdemokratischen Schriftsteller lange nicht erreichen... Genosse Bernstein empfindet den Entzug des Pauschales als Maßregelung, kann aber den Nachweis, daß diese Entziehung sachlich durchaus gerechtfertigt war, nicht bestreiten. Damit dürfte die Sache für die Partei erledigt sein. Der Versuch Bernsteins, die Schuld an den niederträchtigen und schmutzigen Angriffen, die aus Anlaß dieser Bernsteinaffäre von den Gegnern wider die Partei gerichtet wurden, auf die„Leipziger Volkszeitung“ abzuwälzen, ist eine sehr bequeme Manier, die Aufmerksamkeit vom eigenen Kerbholz abzulenken. Wir haben bisher selbst bei den schlimmsten Provokationen Bernsteins unsere Gelassenheit bewahrt— hier muß aber doch gesagt werden, daß den bürgerlichen Blättern die Unterlage für und zum Alcalden, wie ich mir den Posten denke, müssen die Leute jemanden haben, der mit ihnen gleiche Interessen hat, der mit ihnen aushält und Freude an der Sache findet. Deshalb glaube ich nicht, daß den Minern mit einem Manne wie ich bin, zu ihren Friedensrichter gedient sein würde.“ „Du willst wieder fort? Wohin?“ „Ich weiß es selber nicht,“ seufzte Hetson.„Ich habe mir das Leben in den Bergen anders, ruhiger gedacht, als ich es jetzt hier finde. Das ist das Drängen und Treiben einer großen Stadt in diesem kleinen Neste von Zelten, nur in etwas anderer Art, und auf den einen Punkt nur konzentriert, und macht' ich mich da selber zu dem Zentrum, um das sich alles dreht und treibt und drängt, wie sollt“ ich da das finden, was ich hier gesucht?“ „Komm, nimm deinen Hut,“ sagte Siftly, der ihm geduldig zugehört,„was ich dir noch zu sagen habe, spricht sich besser im Freien. Ich sehe auch, euer Tisch ist schon gedeckt, und ich möchte deine Frau nicht gern in ihrem Frühstück stören. Ueberdies," setzte er flüsternd hinzu,„sind hier die Wände zu dünn, und was ich dir noch zu sagen habe, braucht kein anderer zu hören. Hetson sah ihn ängstlich an, tat aber wie ihm geheißen, nahm rasch seinen Hut und folgte dem Spieler hinaus vor das Zelt. Dort nahm Siftly ohne weiteres seinen Arm, und ihn die Straße hinabführend, in der sie jetzt nur einzelne Menschen trafen, fuhr er fort:„Du wolltest also noch weiter in die Berge hineinziehen?“ „Ja,“ sagte Hetson nach einigem Zögern,„wenn ich auch noch nicht weiß, nach welcher Richtung. „Und glaubst du nicht, daß du da dem, dem da ausweichen willst, gerade so leicht begegnen kannst?“ „So weißt du, wo er ist?“ rief Hetson rasch und heftig. „Bah," erwiderte ruhig der Spieler,„wer kann hier in den Minen von einem Menschen sagen:„er ist hier oder da,“ wo die ganze Bevölkerung fortwährend auf den Beinen ist, um sich einen reicheren Arbeitsplatz zu suchen, besonders wenn einer vielleicht noch außerdem was anderes im Auge hat. Heute triffst du ihn dort, und morgen begegnest du ihm schon wieder, die Decke auf dem Rücken, mitten im Walde, sich einen neuen Aufenthalt für vielleicht ebenso kurze Zeit zu suchen. „Und wenn er mich, wenn er Jenny hier findet?“ So wärst du in die unangenehme Lage versetzt,“ sagte Siftly ruhig,„ihm eine Kugel durch den Kopf zu schießen, und das könnte immer, wenn es auch gerade keine ernstlichen Folgen hätte, zu unangenehmen Weitläufigkeiten führen, sobald du nämlich hier eben nur als Privatmann lebst. „Und was könnte ich tun, wenn ich Alcalde wäre?“ sagte Hetson kopfschüttelnd. „Was?“ rief aber jetzt Siftly,„den Teufel auch, alles! Mit dem übrigen ähnlichen Gelichter hälst du dir den Burschen ebensogut vom Leibe, und daß wir dir darin beistehen werden, ich dächte doch, brauchte ich dir weiter nicht zu versichern. „Du sprichst in Rätseln. „Weil du gestern unserer Versammlung nicht beigewohnt und die Beschlüsse nicht gehört hast, die dort gefaßt wurden. Wir sind nämlich fest entschlossen, die Fremden, die unsere Berge unsicher machen, besonders aber die Mexikaner, Engländer und Iren, meist lauter nach Australien deportierte und von dort herübergeschickte und entflohene Verbrecher, nicht länger hier zu dulden. Jener Charles— wie hieß der Bursche gleich?“ „Charles Golway—“ „Gut, jener Golway ist ebenfalls ein Engländer, und wär' es ein Ehrenmann, so verfolgte er nicht die Frau eines andern. Wie er sich also hier nur blicken läßt, und ausfindig werden wir ihn bald genug machen, bekommt er seine Weisung, den Platz zu verlassen, und gnad' ihm Gott, gehorcht er nicht bald. Wird ein anderer zum Alcalden gewählt, in dem Falle, daß du die Stelle hartnäckig verweigern solltest, so steh' ich dir aber für nichts. Mit Gold ist hier in den Minen fast alles auszurichten, und bekämen wir einen Burschen wieder her, wie der frühere gewesen sein soll, so brauchte es nur, von seiten jenes Golway, ein paar Unzen, ihm seinen Aufenthalt hier ohne weiteres zu sichern. Die Leute sind zufrieden, wenn sie sich die Masse vom Leibe halten, und werden einen einzelnen, für den der Alcalde selber gut sagt, nicht behelligen. (Fortsetzung folgt.) Bei den schwedischen Helden. Stockholm, 26. August. Ja, von Helden will ich sprechen, von stillen, mutigen, opferfreudigen Helden. Kein starkes Wort soll gebraucht werden, kein Pathos, kein lyrischer Schwung. Grau und nüchtern, wie es ist, soll ihr Leben hier ausgebreitet werden, und was darüber liegt, das muß gefühlt werden von jedem einzelnen. Das ist ja dieses Gewaltige, das einen hinreißt und überwältigt, wenn man jetzt unter den schwedischen Helden weilt. Man spürt fast nichts von Leidenschaft, sieht kein Aufflammen, kein Aufbrausen. Was sich hier kundgibt, ist: ein fester Wille, die einer Notwendigkeit entspringende Ueberzeugung, alles wagen zu müssen, um zu siegen. Und das ist gut so: die Leidenschaft kann verfliegen, die Ueberzeugung hält stand. Sie schafft Kämpfer, die vielleicht niedergeschmettert, aber nicht zum Weichen gebracht werden können. Von diesen Helden aus Ueberzeugung will ich sprechen. Zwei Wochen weile ich jetzt unter ihnen, die drei Wochen lang diesen gewaltigen Protest der gekreuzten Arme ihren Gegnern entgegenstellen. Ohne zu wanken, ohne zu klagen, ohne den Glauben an den Sieg zu verlieren. Man sieht ihre ernsten Gesichter überall in den Straßen. Junge Mädchen und abgearbeitete Frauen, Jünglinge und alternde Männer. Alle gleich ernst, aber unverzagt. In allen Straßen sieht man sie, zu allen Stunden. Aber ihr Leben spiegelt sich doch nur zu Hause ab. Ich habe sie dort aufgesucht mit Redakteur Magnusson von„Sozialdemokraten" als Begleiter und Führer. Eine Runde durch die Wohnungen der Streikenden. Was wir da gesehen und gehört haben, sei hier geschildert, ohne Retouche, ohne Abänderung. Manches klingt romantisch— das Leben ist romantisch! Manches klingt tragisch— das Leben ist tragisch! Und dies alles ist graue, graue Wirklichkeit, über die sich dennoch etwas legt wie Heldengeist und Freiheitssang. In der Vorstadt Kungsholmen steht auf einem Hügel eine Kolonie von Arbeiterwohnungen, lauter kleine Parterrehäuser mit einer Vorderfront und einer Rückfront. Ein kleines Gärtchen liegt vor den Häuschen, das schafft einen freundlichen Eindruck. Aber dieser freundliche Eindruck verschwindet, wenn man in das Innere tritt. Jede dieser Wohnungen besteht aus einem einzigen einfenstrigen Zimmer, das 4 Meter lang und 3,3 Meter breit ist. Neun Kronen(zehn Mark) ist die Miete dafür, die an die Stadt— die Eigentümerin dieser Häuser ist—, gezahlt wird. In dem ersten Hause gab es keine Streikenden; wir konnten aber feststellen, daß eine Witwe mit 5 Kindern, also insgesamt 6 Personen, in dieser Einzimmerwohnung hausen. Vor dem zweiten Hause stehen zwei alte Frauen und reinigen die Treppen. Beide sind vom Streik betroffen. Die eine von ihnen hat sich den guten Humor erhalten. Lächelnd erzählt sie, daß sie sich jetzt„eben so einrichten müssen, daß man noch weniger hat als sonst, wo man auch nichts hat". Lächelnd erzählt sie, daß die kleinen Kinder immer vergessen, daß Streik ist und nach dem Schrank laufen, um sich Brot zu holen. Aber das ist gut verwahrt und wird nur zu den Hauptmahlzeiten hergegeben. Hier sind außer den Eltern im ganzen sechs Kinder zu ernähren. Am letzten Sonnabend erhielten sie die erste Unterstützung: vier Kronen. Ihre regelmäßige Mittagsmahlzeit ist: Hering und Kartoffeln. Da reichen die vier Kronen für acht Personen auf eine Woche... Die andere Frau erhält sich durch aller Haushilfsarbeiten, hat aber eine Tochter, die in einer Hutfabrik beschäftigt ist. Wir sprechen mit ihr. Sie ist klein, verwachsen, kümmerlich. Sie ist nicht organisiert— und streikt. Als Nichtorganisierte erhält sie keine Streikunterstützung— denkt aber nicht daran, die Ar# wrice han ür Bielt,„die a vom„Aushün auf Bernst ie Kuhalten, daß Bern inasterhält, es gebe eini „ eilich vergeblich— tichernstein den hundsger L,äuf die Partei nur ei# verbindlichsten Formg während er gegen den zeitung" unbedenklich schwersten Beschuldigu Volkszeitung", dem„ Tritt zu geben, drückte ist nicht zu streiten—a der Partei gegen jeder: Bernsteins an die Kar Hernstein vir werde stein noch heuted erklärt, das die Sozial greift, nachdem besagt Anwurf Bernsteins „Nimm mich mit“ sorg demonstriert hat, wie aber verlogenerweise d gleichzeitigmit erhielt, seinen„ schlagen hat.“ Wir haben vorgest geäußert. Wenn wir des„Vorwärts" brach Leser auf dem Laufend nicht genug tun können Partei. Der aufmerk Erklärungen sich selbst des Streites. Es hab zum Fall Bernstein S die Wiedergabe dieser Aus den Organisa demokratischen Vereins 3503(darunter 163 n 556 weibliche Mitglied Mark, die Ausgaben 1 Mark. In den Kasse Mark. Der Stand de ein befriedigender. Di 85 567,17 Mk. gestiege sich eine Mehreinnahm der Druckerei ist ein Mark Ueberschuß. Im Kreise Zauc Ortsgruppen, die zusan sich 147 weibliche befi verteilen: Luckenwalde, der Havel. Die Zahl ist wie die Zahl der gen. Außer der„Bra „Vorwärts“ gelesen; 6 niert; die„Arbeiter=9 Zur Agitation im Kre 18000 Exemplaren zu meindevertreter sind 6 nahmen betrugen 5621 daß ein Kassenbestand Der Provinzialpar am Sonntag, 29. Auge gierten beschickt. Aus in der Provinz Bran Mitgliedern bestehen. gang zu verzeichnen. „Die Verwaltung in herausgegeben werden. das Thema:„Die poli der letzten Monate: verteidigt die Fraktior struktion gegen die Fi kussion sprachen einige insbesondere gegen beit aufzunehmen. Si die böse Zeit hinweg. das schon, aber da sin denen muß man schon! diesen„armen Teufelr sagt sie,„das muß ma Wir gehen die Häl nach der Rückfront der In der Straße steht ei tanzen nach der Musi Leute und spielen Geiund spielende Kinderst fragen einen etwas ab „Streikt dein Vater?“ habe keinen Vater.“ 1 wir gehen schweigend stören. Vor dem Nachbar grauter Mann in Hem treten zu ihm und fra rung es mit den Unt venieren will, ist füri stützung verlangt, daeEr als Organisierter stützung erhalten, aber Privatkredit ausnutzer zahlen. Und auch er se Kinder, bei mir geht sind— da ist das schli Er weist uns— al einer kinderreichen Fa in die Einzimmerwohn arbeitet in einer mec Kinder haben sie; das Geburtstag geseiert— Kind ist sechs Monate vor der Türe steht, ge wöchentlich. Die erste ginn der dritten Stre nichts. Die Mahlzeit Morgens Kaffee und hinzu), mittags Brei Die Kinder entbehren zeiten von Butterbrot nicht und sie müssen si. zwei der Kinder in d. der tanzenden Kinder zwei jungen Streikend vom„Aushüngern“ von Parteiblättern geliefert worauf Bernsteinsche Aeußerungen fußten. Ferner ist uhalten, daß Bernstein noch jetzt seine Unterstellung aufdie hterhält, es gebe einzelne Elemente in der Partei, die ihn— ins Lilich vergeblich— aushungern möchten, sowie endlich, daß lichzernstein den hundsgemeinen Anwürfen der bürgerlichen Presse L,auf die Partei nur eine für die schmutzigen Angreifer in der verbindlichsten Form gehaltene Erklärung entgegenzusetzen hatte, während er gegen den„Vorwärts“ und die„Leipziger Volkszeitung" unbedenklich mit den stärksten Ausdrücken und den schwersten Beschuldigungen losging. Anstatt der„Berliner Volkszeitung", dem„Plutus"=Bernhard usw. den verdienten Tritt zu geben, drückt er ihnen die Hand! Ueber den Geschmack ist nicht zu streiten— aber hätte die Pflicht, die Ehre und Würde der Partei gegen jedermann zu wahren, hier nicht den Geschmack Bernsteins an die Kandare nehmen müssen? Es ist nicht gescheben, und wir werden uns nach alledem nicht wundern, wenn stein noch heute das„Berliner Tageblatt“ für ein Organ erklärt, das die Sozialdemokratie nicht gehassig oder hämisch angreift, nachdem besagtes ehrenwertes Organ dieser Tage den Anwurf Bernsteins gegen den„Vorwärts“ in Sachen des „Nimm mich mit“ sorgfältig registriert und daran seinen Lesern demonstriert hat, wie unehrlich der„Vorwärts“ sei, bis heute aber verlogenerweise die Erwiderung des„Vorwärts“, die er gleichzeitig mit Bernsteins Anwurf zu Gesicht erhielt, seinen„gutunterrichteten" Lesern total unterschlagen hat.“ Wir haben vorgestern kurz unsere Meinung zu dem Fall geäußert. Wenn wir weiter die Aeußerungen Bernsteins und des„Vorwärts" brachten und bringen, so deshalb, um unsere Leser auf dem Laufenden zu erhalten und weil die Gegner sich nicht genug tun können in Entrüstung über Terrorismus in der Partei. Der aufmerksame Leser wird durch die Wiedergabe der Erklärungen sich selbst ein Urteil bilden können über den Wert des Streites. Es haben zwar auch einige andere Parteiblätter zum Fall Bernstein Stellung genommen, wir glauben aber, auf die Wiedergabe dieser Aeußerungen verzichten zu können. Aus den Organisationen. Die Mitgliederzahl des Sozialdemokratischen Vereins für Reuß j. L.(Gera) ist gestiegen von 3503(darunter 163 weibliche Mitglieder) auf 4000(darunter 556 weibliche Mitglieder). Die Einnahmen betrugen 16 406,17 Mark, die Ausgaben 12 805,76 Mk., der Kassenbestand 3600,41 Mark. In den Kassen der Ortsverwaltungen blieben 4599,46 Mark. Der Stand des Parteiorgans„Reußische Tribüne“ ist ein befriedigender. Die Einnahmen sind von 81 870,95 Mk. auf 85 567,17 Mk. gestiegen. Allein aus Abonnementsgeldern ergab sich eine Mehreinnahme von über 1300 Mark. Auch der Stand der Druckerei ist ein guter. Die Volksbuchhandlung hatte 550 Mark Ueberschuß. Im Kreise Zauch-Belzig=Luckenwalde sind 16 Ortsgruppen, die zusammen 2348 Mitglieder zählen, unter denen sich 147 weibliche befinden, die sich unter nur 4 Ortsgruppen verteilen: Luckenwalde, Treuenbrietzen, Caputh und Werder an der Havel. Die Zahl der Leser der„Brandenburger Zeitung" ist wie die Zahl der politisch Organisierten etwas zurückgegangen. Außer der„Brandenburger Zeitung“ wird im Kreise der „Vorwärts“ gelesen; 65 Frauen sind auf die„Gleichheit" abonniert; die„Arbeiter=Jugend“ wird in 52 Exemplaren gelesen. Zur Agitation im Kreise gelangte der„Märkische Landbote“ in 18000 Exemplaren zur Verbreitung. Sozialdemokratische Gemeindevertreter sind 60 in 21 Ortschaften vorhanden. Die Einnahmen betrugen 5621,54 Mk., die Ausgaben 4061,42 Mk., so daß ein Kassenbestand von 1566,12 Mk. verblieb. Der Provinzialparteitag für die Provinz Brandenburg fand am Sonntag, 29. August, in Berlin statt. Er war von 75 Delegierten beschickt. Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, daß in der Provinz Brandenburg 18 Kreiswahlvereine mit 18 600 Mitgliedern bestehen. Seit dem Vorjahre ist ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Landtagsabg. Hirsch referierte über „Die Verwaltung in Preußen“. Seine Rede soll als Broschüre herausgegeben werden.— Reichstagsabg. Schmidt behandelte das Thema:„Die politische Lage". Redner bespricht die Politik der letzten Monate: Reichsfinanzreform, Erbschaftssteuer, und verteidigt die Fraktion gegen den Vorwurf, daß sie keine Obstruktion gegen die Finanzreform gemacht habe. In der kussion sprachen einige Redner gegen Schmidts Ausführungen, insbesondere gegen seine Darlegungen über das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Freisinn. Andere Redner darunter der Vertreter des Parteivorstandes, stellten sich auf Schmidts Standpunkt. Von der schweizerischen Sozialdemokratie. Das Parteikomitee der schweizerischen sozialdemokratischen Partei hielt am vorigen Sonntag in Biel eine Sitzung ab, in der konstatiert wurde, daß die Parteikasse immer noch für nur 20 000 organisierte Mitglieder Beiträge erhalte, weil die Organisationen aus finanzellen Gründen nicht ihre volle Mitgliederzahl versteuern. Es beträgt denn auch der Vermögensbestand der Partei nur 375 Franken. Zur Vermehrung der Einnahmen der Parteikasse sollen der Verkauf der Maifestzeichen zentralisiert und Ansichtspostkarten wie auch Parteimitgliederkarten herausgegeben werden. Auf die Tagesordnung des am 23. und 24. Oktober in Baden stattfindenden Parteitages wurden unter anderem gesetzt: Berichte der Geschäftsleitung der Partei und der sozialdemokratischen Nationalratsfraktion, die Vereinheitlichung des Strafrechts(Referent Br. Studer=Winterthur), die schweizerische Eisenbahnpolitik(Advokat Albisser=Luzern), schließlich Anträge. Zur Präzisierung der Stellungnahme der Partei gegenüber der Strafrechtsreform soll die Geschäftsleitung eine besondere 15gliedrige Kommission bestellen. Gewerkschaftsbewegung. Lohntarif im Dachdeckergewerbe. In Hamborn und Marxloh ist es gelungen, einen Tarif für das Dachdeckergewerbe mit den Unternehmern abzuschließen. Die Lohn= und Arbeitsverhältnisse waren bis heute ungeregelt. Die Löhne schwanken schon seit Jahren immer nach der jeweiligen Konjunktur zwischen 50 und 55 Pfg. pro Stunde. Allgemein wurden 55 Pfg. als guter Lohn gezahlt. Die Arbeitszeit betrug teils 11, teils 10 Stunden. Auf Grund des von den Gehilfen eingereichten Vertragsentwurfes fanden in den letzten Wochen mehrere Verhandlungen statt, die zu einer Verständigung führten. Der Tarif wurde bis zum 1. April 1910 mit folgenden Bedingungen abgeschlossen: Der Mindestlohn für den Dachdeckergesellen über 20 Jahren beträgt vom 17. August ab 57 Pfg. Für Junggesellen von 19 bis 20 Jahren beträgt er nicht unter 50 Pfg., für Hilfsarbeiter nicht unter 45 Pfg. pro Stunde. Ueberstunden sind mit 10 Pfg., Nacht= und Sonntagsarbeit mit 50 bis 100 Prozent Aufschlag, Turm= und Kaminarbeiten mit 80 Pfg. pro Stunde zu vergüten. Bei Arbeiten über 3 Kilometer von der Werkstatt entfernt sind 60 Pfg. für Mittagessen zu bezahlen, ebenso ist Zeit und Fahrt zu vergüten. Die Gehilfen verdanken diesen Erfolg dem Umstand, daß sämtliche 45 Berufsangehörige dem Zentralverband der Dachdecker Deutschlands angeschlossen sind. Erfolgreich beendete Lohnbewegung der Binnenschiffer. Zwischen dem Arbeitgeberverband und dem Hafenarbeiterverband, sowie dem Verband der Maschinisten und Heizer wurde am Sonnabend ein neuer Tarif vereinbart. Die Löhne sollen vom 1. Oktober 1909 ab um 5 Mk. pro Monat und vom 1. Januar 1911 ab wiederum um 5 Mk. erhöht werden. Ueberstunden werden von 6 Uhr abends ab mit 50, nach 9 Uhr mit 60 Pfg. bezahlt. Beide Parteien verpflichteten sich, diese Vereinbarungen streng innezuhalten und weder höhere Löhne zu verlangen noch niedrigere Löhne zahlen zu wollen. Maßregelungen finden nicht statt; Entlassungen und Kündigungen sind zurückgezogen. Der Tarif gilt bis 31. Dezember 1912. Damit ist der drohende große Kampf der Binnenschiffer, der Maschinisten und Heizer auf der Elbe, Moldau, der Saale und den märkischen Wasserstraßen, der in letzter Zeit sehr großen Umfang anzunehmen drohte, mit für die Arbeiter annehmbaren Zugeständnissen beendet. Der Abwehrstreik der Töpfer in Königsberg i. Pr. dauert nunmehr bereits volle 8 Monate. Daß dieser Kampf immer noch nicht sein Ende erreicht hat, liegt vor allem an dem Verrat der Hirsch=Dunckerschen, die früher zumeist bei der gesperrten Firma Bonn beschäftigt waren, und vor dem Beginn des Abwehrkampfes, der am 1. Januar d. J. seinen Anfang nahm, den reduzierten Tarif der Unternehmer anerkannt hatten. Vor einiger Zeit glaubten die Hirsche für die in der Klemme befindlichen Königsberger Töpfermeister noch ein übriges tun zu müssen. Ihr Generalsekretär Lange erließ einen Aufruf, worin er die Mitglieder aufforderte, nach Königsberg zu gehen und ihren gegen die Verschlechterung ihrer Lebenslage kämpfenden Kollegen in den Rücken zu fallen. Hier zeigten aber die Arbeiter mehr Klassenbewußtsein, als ihr„Führer". Sie folgten der menschenfreundlichen Einladung ihres Sekretärs nicht. Auch sonst leidet die Führung des Kampfes der Töpfer in Königsberg darunter, daß sich die im Abwehrkampf Befindlichen wiederum noch in zwei Gruppen teilen, in Lokalisten und Zentralisten. Man befolgt die Taktik, bei den Unternehmern, die am meisten im Druck sind und folglich den alten Tarif bewilligen, die Arbeit aufzunehmen. Dadurch zieht sich der Kampf sehr in die Länge. Auf die Vorschläge der Zentralisten zur schnelleren Erledigung des Kampfes bei günstiger Gelegenheit den Generalstreik zu proklamieren, gehen wieder die in Königsberg sich in der Mehrheit befindenden Lokalisten nicht ein. So wogt nun der Kampf, der durch die Uneinigkeit der Arbeiter bereits volle acht Monate andauert, immer noch unentschieden hin und her. Ein klassisches Beispiel dafür, wie schädigend gerade auf wirtschaftlichem Gebiete die Uneinigkeit der Arbeiter wirkt, und wie notwendig eine einheitliche Gewerkschaftsorganisation ist. Der Kampf erfordert ja allerdings zurzeit nur wenig Opfer, weil die Ausständigen fast durchweg in den umliegenden Orten Beschäftigung gefunden haben und auch für die nächste Zeit wieder Arbeitsangebote nach auswärts vorliegen. Aber immerhin wäre jedenfalls ein energischer Vorstoß auf der ganzen Linie schon von Nutzen gewesen und der Kampf beendet. So aber ist er heute noch unentschieden und der kommende Winter mit naturgemäß schwächerer Arbeitsgelegenheit legt dann den Organisationen wieder größere Opfer auf. Mit schwarzen Listen arbeitet der Verband deutscher Metallindustrieller nach wie vor, selbst bei den kleinsten Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern. Bei der Firma Joh. C. Tecklenburg(A.=G.) in Geestemünde bestanden Lohndifferenzen mit den Tischlern, da die Forderungen nach einem Rundschreiben des Verbandes der Metallindustriellen„nicht bewilligt werden konnten“. Am 11. August legten 11 Tischler die Arbeit nieder. Bereits am 13. August wurde vom bureau des genannten Verbandes in Berlin eine schwarze Liste mit genauen Personalangaben der Streikenden herausgegeben, mit der Aufforderung, die Streikenden nicht einzustellen. Unter dem gleichen Datum verschickte der Verband eine Ergänzungsliste mit 69 Namen von Arbeitern einer anderen Firma, der allerdings schon zwei andere voraufgegangen waren mit dem Ersuchen, die bezeichneten Arbeiter von der Einstellung auszuschließen. Bauarbeiter=Ausstand in Paris. Gestern morgen streikten 5000 von 9000 Bauarbeitern, was eine Zunahme der Ausständigen gegen den Sonnabend bedeutet. Auch zwei Drittel der Ziegeleiarbeiter befinden sich im Ausstande. Vom„Wahren Jacob“ ist soeben die 18. Nummer seines 26. Jahrganges erschienen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Das Gelage des Königs Belsazar", „Falstaff und seine Steifleinenen“, sowie die weiteren Illustrationen Geeignete Vorsichtsmaßregeln",„Der neue Kurs", „Das Blutmeer von Barcelona,„Der Ehrenhandel",„Zum Ausgleich",„Schwierige Frage" und„Nikolaus auf Reisen". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte, Die Breslauer Zentrumsparade",„Alfons' Klagegesang",„Der Pastor Breithaupt",„Deutsche Elegie",„Das Autodafé von Jena“, „Am Strom“ von Paul Enderling und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„v. Arnim=Schnodderheim an v. Below-Pleitenburg",„Kaiser und Kanzler" und„Ferien“, zwei Szenen von Ernst Preczang. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pfg. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 24 des 19. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der Generalstreik in Schweden.— Preußische Rückständigkeit in der Gewerbeaufsicht. Von gh.— Der Tiroler Aufstand im Jahre 1809. III. Von Dr. Wilhelm Haufenstein.— Die Hinterbliebenenversicherung. Vortrag von Ed. Gräf auf dem Krankenkassenkongreß in Berlin. (Fortsetzung.)— Ausbeutung und Gefahren in der chemischen Industrie. Von h. sch.— Warum fragen die Mütter nicht? Von G.— Der schweizerische Heimarbeiterschutzkongreß. Von D. Z.— Aus der Bewegung: Die politische Frauenorganisation im Jahre 1908.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Genossenschaftliche Rundschau. beit aufzunehmen. Sie hilft sich schon mit ihrer Mutter über die böse Zeit hinweg. Und die Mutter sagt:„Ach, bei uns geht das schon, aber da sind so arme Teufel mit vielen Kindern— denen muß man schon helfen, soweit man es kann.“ Ob sie denn diesen„armen Teufeln“ helfen kann, fragen wir.„Ach was, sagt sie,„das muß man eben Wir gehen die Häuserfront entlang und biegen um die Ecke nach der Rückfront der Häuser. Geigenklang tönt uns entgegen. In der Straße steht eine Kinderschar, meistens barfüßig; einige tanzen nach der Musik. In dem Gärtchen sitzen zwei junge Leute und spielen Geige. Wir wollen wissen, ob diese tanzende und spielende Kinderschar Kinder von Streikenden sind. Wir fragen einen etwas abseits stehenden, etwa achtjährigen Knaben: „Streikt dein Vater?“. Und der Knabc antwortet leise:„Ich habe keinen Vater.“ Und schleicht schweigend davon. Und auch wir gehen schweigend weiter und wollen diese Kinder nicht stören.„„„„„ Vor dem Nachvarhause steyt ein etwa funfzigjahriger ergrauter Mann in Hemdärmeln. Er sieht so ernst darein. Wir treten zu ihm und fragen allerlei. Er streikt. Daß die Regierung es mit den Unternehmern hält und deshalb nicht intervenieren will, ist für ihn sicher. Er selbst hat noch keine Unterverlangt, da er sich noch durch Privatkredit helfen kann. Er als Organisierter und Familienvater würde Streikunterstützung erhalten, aber er verzichtet darauf! Er will lieber den Privatkredit ausnutzen und später aus eigenem die Schuld zahlen. Und auch er sagt:„Ich— ich habe wenig minderjährige Kinder, bei mir geht das noch. Aber wo viel Minderjährige sind— da ist das schlimm!“ Er weist uns— auf unser Verlangen— nach der Wohnung einer kinderreichen Familie. In der Nebenstraße. Wir treten in die Einzimmerwohnung. Eine ältere Frau sitzt da; ihr Mann arbeitet in einer mechanischen Werkstätte und streikt. Sechs Kinder haben sie; das älteste hat gerade gestern den fünfzehnten Geburtstag geseiert— ohne Festschmaus natürlich— das jüngste Kind ist sechs Monate alt und wird in einem Kinderwagen, der vor der Türe steht, gesonnt. Der Mann verdiente 20 Kronen wöchentlich. Die erste Streikunterstützung hat er eben am Beginn der dritten Streikwoche erhalten: zehn Kronen. Früher nichts. Die Mahlzeiten dieser achtköpfigen Familie sind: des Morgens Kaffee und Hartbrot(hie und da kommt Weißbrot u), mittags Brei und Kartoffeln und abends wieder Brei. Die Kinder entbehren schwer die sonst üblichen Zwischenmahlzeiten von Butterbrot und Milch. Aber dazu reicht das Geld nicht und sie müssen sich darein fügen. Wie wir gehen, kommen zwei der Kinder in das Zimmer; wir erkennen in ihnen zwei der tanzenden Kinder von vorhin. Wie gut es ist, daß diese zwei jungen Streikenden ihnen lustige Weisen aufspielen! Wie gut ist es, daß die Kinder dabei die Zwischenmahlzeit vergessen, die fehlende Milch und das fehlende Butterbrot! Ein Haus weiter. Ein Kohlenverlader wohnt hier mit seiner Frau und vier minderjährigen Kindern. Drei von ihnen besuchen noch die Schule. Sein Wochenverdienst war 15—17 Kr. Seit Montag erhält er eine Streikunterstützung von sechs Kronen wöchentlich. Bis dahin erhielt er nichts, und Kredit hatte er auch nirgends! Doch— für eine Sache hat er Kredit! Er holte seine Schnupftabakdose hervor, nimmt eine Prise und sagt, daß er sich für die ganze Streikzeit beim Händler Kredit für Schnupftabak ausbedungen habe. Der sei ihm unentbehrlich. Und mit einem merkwürdigen Lächeln sagt er:„Der hat mir manche Mahlzeit ersetzt. An Streikburch denkt er nicht aber er empfindet Langeweile, trotzdem er alle Fachvereinsversammlungen besucht. Er sagt:„So im Sommer vierzehn Tage nicht arbeiten zu müssen, das ist ja ganz gesund— aber länger hält man das nicht aus Das schönste ist halt doch die Arbeit!“ Ein arbeitsfreudiger Streikender! Im Nachbarhause. Wir treten in das Zimmer. Auf dem Sofa liegt ein einjähriges blondlockiges Kind auf dem Bauche und schläft. Ein Idyll. Eine Witwe wohnt hier. Ihre zwei Töchter arbeiten sonst in einer Canditenfahrik— jetzt streiken sie. Sie sind unorganisiert, erhalten keine Unterstützung, die Mutter verdient nichts. Und streiken! Wir fragen, wovon sie leben. Die Mutter antwortete, indem sie auf den schlafenden Blondkopf zeigt:„Das ist ein Junge von meiner älteren Tochter — nun und der Vater schickt ihr monatlich etwas Alimente. Viel ist es nicht— aber in der Zwischenzeit muß man davon eben leben.“ Ist das romantisch? Es ist wahr! Und diese jungen unorganisierten Mädchen verharren im Streik... Haus um Haus suchen wir in dieser Arbeiterkolonie auf. Ueberall der gleiche Zustand und nirgends ein Streikbrecher, nirgends eine Streilbrecherin! Hier mitten unter diesen Leuten wohnt ein armes Mädchen, eine Verkäuferin in einem Milchgeschäft, die von Zeit zu Zeit Gedichte im„Socialdemokrat" veröffentlicht. Marie Sardel heißt sie. Vor längerer Zeit hat sie ein Buch veröffentlicht, das sie„Vid Svältgransen nennt— „An der Grenze des Hungerns“— und das die Leute dieser Häuser schildert.—„An der Grenze des Hungerns“ stehen sie, wenn es Arbeit gibt. Wir verlassen diese Parterrehäuserkolonie, gehen in die Gassen mit den Mietskasernen und erkundigen uns nach einem von Arbeitern bewohnten Haus. Man weist uns eins, wir treten ein und gehen gleich die Treppe zum Hinterhaus hinauf. Im ersten Stockwerk sehen wir eine Tür offen. Wir treten ein. Ein etwa dreijähriges Kind tänzelt im Zimmer, ein neunjähriges Mädchen sitzt beim Tisch, die Hand stützt den Kopf. Wie furchtbar sieht doch dieses Kind aus! Dem sieht man den Hunger an. Zum ersten Male sehen wir heute klar, deutlich, kraß den Hunger! Ein hungerndes Kind! Wir wollen schon fragen, ob kein Erwachsener zu Hause ist, da sehen wir in einem Bette eine alte, kranke Frau liegen. Wir fragen und erfahren: die Kranke ist die Mutter der Wohnungsinhaberin, deren Mann in Amerika ist, aber kein Geld schickt. Die Frau erhält die Familie. Sie ist Zeitungsausträgerin.(Daß die Zeitungsausträger und Austrägerinnen geschlossen streiken, ist zu wenig bekannt.) Jetzt versucht sie etwas zu verdienen, indem sie Haushalsarbeiten aushilfsweise verrichtet. Wir gehen in die zweite Etage desselben Hauses, in dem insgesamt 60 Arbeiterfamilien wohnen. Wahllos klopfen wir an eine Tür, man ruft„Bitte“ und wir treten ein. Auch eine Einzimmerwohnung, die zugleich Küche ist! Aber wie rein ist da alles! Eine Frau in mittleren Jahren wiegt ein Kind. Wir fragen, wie es hier steht. Die Frau hat 2 Kinder. Bis jetzt ist es der Familie leidlich gegangen, aber jetzt fängt es an, knapp zu werden. Sie haben bis jetzt nur 4 Anweisungen von je einer Krone an den Konsumverein beheben können. Der Mann ist nämlich Buchbinder und deren Verbandskasse ist durch einen im vorigen Jahre ausgebrochenen fünf Monate währenden Streik noch erschöpft. Dieser Mann hat also im Vorjahre fünf Monate hindurch nichts verdient. Aber, als wir die Frau fragten, ob ihr Mann streike, da hat sie lächelnd geantwortet:„Ja freilich streikt er!“ Lächelnd sagt das die Mutter zweier Kinder, die in drei Streikwochen vier Kronen Unterstützung erhielt! *„* So leben sig so sind sie, so fühlen sie. Ohne Retouche ist hier gezeichnet, was der wahllose Zufall uns sehen und hören ließ. Mut ist hier und Kraft, Ueberzeugung und das Bewußtsein, für das ganze Proletariat der Welt eine Schlacht zu schlagen. Nichts kann sie zum Wanken bringen, als— der Hunger? Nein das Verhungern, das Kraftlosigkeit bringt! Furchtbar wäre es, diese Heldenschar verhungernd erliegen zu sehen. Sie selbst würden das nicht abwenden können. Hier liegt es bei den Brüdern jenseits der Grenze, sich in die Bresche zu stellen. Sie müssen verhüten, daß auch nur die Möglichkeit auftaucht, als könnte das Elend hier einen Triumph über Heldenmut erringen. Der Wille zu siegen, die Kraft, die Ueberzeugung, siegen zu müssen, sie sind hier bei den schwedischen Helden. Die Möglichkeit, siegen zu können, indem die ärgste Nöe abgewehrt wird— diese Möglichkeit ist da, wenn ihnen geholfen wird! Wenn ihnen von jedem einzelnen draußen in der Welt geholfen wird! Dann werden sie nicht nur Helden— dann werden sie auch Sieger sein!... Darum: helft iynen zum Siege!.(Vorwärts.) Handschuhmacher 32,62, Bildhauer 24,38, Glaser 14,08, Buchdrucker 12,74, Notenstecher 12,22, Tapezierer 10,45, Hutmacher 10,02, Lithographen 9,98, Holzarbeiter 9,63, Lederarbeiter 9,54, Porzellanarbeiter 9,26, Metallarbeiter 9,05, Zimmerer 9,02, Kupferschmiede 7,36, Buchbinder 6,98, Zigarrensortierer 6,74, Sattler 6,56, Formstecher 6,53, Glasarbeiter 6,00, Photographen 5,82, Xylographen 5,82, Maschinisten 5,53, Schmiede 4.70, Böttcher 4,54, Portefeuiller 3,81, Bäcker und Konditoren 3,76, Schiffszimmerer 3,65, Schuhmacher 3,18, Buchdruckereihilfsarbeiter 3,01, Transportarbeiter 2,44, Fabrikarbeiter 2,39, Friseure 2,20, Mühlenarbeiter 2,18, Gärtner 1,98, Brauereiarbeiter 1,39, Tabakarbeiter 1,21, Handlungsgehilfen 0,92, Bureauangestellten 0,74, Gemeindearbeiter 0,.46, Fleischer 0,23, Schirmmacher 0,21, Bergarbeiter 0,16, Steinsetzer 0,07 Mark. An Krankenunterstützung verausgabten pro Kopf der Mitglieder: Notenstecher 19,46, Lithographen 17,79, Buchdrucker 15,87, Formstecher 11,76, Zigarensortierer 9,55, Metallarbeiter 8,47, Böttcher 7,93, Schmiede 7,03, Tabakarbeiter 6,45, Hafenarbeiter 6,31, Holzarbeiter 5,91, Sattler 5,82, Kupferschmiede 5,08, Hutmacher 4,82, Schuhmacher 4,80, Porzellanarbeiter 4,50, Töpfer 4,48, Mühlenarbeiter 4,07, Schiffszimmerer 3,81, Fabrikarbeiter 3,80, Gastwirtsgehilfen 3,68, Bildhauer 3,49, Portefeuiller 3,45, Brauereiarbeiter 3,35, Steinarbeiter 3,12, Kürschner 2,65, Bauhilfsarbeiter 2,58, Gemeindearbeiter 2,56, Maler 2,53, Textilarbeiter 2,43, Transportarbeiter 2,34, Asphalteure 2,33, Maurer 2,29, Bergarbeiter 2.27, Schneider 2,01, Burequangestellte 1,98, Buchdruckereihilfsarbeiter 1,89, Bäcker und Konditoren 1,72, Steinsetzer 1,66, Hoteldiener 1,49, Buchbinder 1,41, Tapezierer 1,16, Blumenarbeiter 1,07, Handschuhmacher 0,62, Fleischer 0,56, Glaser 0,52, Seeleute 0,52, Friseure 0,21, Photographen 0,19, Gärtner 0,09, Handlungsgehilfen 0,06 Mark. Das Jahr 1908 hat bezüglich dieser Unterstützungen ganz ungemein hohe Anforderungen an einzelne Organisationen gestellt. Aber diese haben die Probe auf ihre Leistungsfähigkeit bestanden. So erfreulich dies auf der einen Seite ist, so tief muß man bedauern, daß der Staat sich der Verpflichtung entzieht, die Arbeitslosen, die durch das heutige, mittels staatlicher Macht gestützte Wirtschaftssystem existenzlos wurden, zu unterstützen. Im Gegenteil vermehrte er noch die Notlage der Arbeiter durch künstliche Verteuerung der Nahrungsmittel und notwendigsten Gebrauchsgegenstände. Dann glauben schließlich die Stützen von Staat und Gesellschaft den Arbeiter tadeln zu müssen, wenn er durch politische Betätigung und durch Unterstützung der Partei, die allein für die Interessen der Arbeiterschaft eingetreten ist, gegen dieses Staats- und Wirtschaftssystem auflehnte. Nicht Anerkenung für die Arbeiter, die durch gewerkschaftliche Organisationen die Härten dieses Systems zu mildern suchen, sondern Verfolgung und Bekämpfung dieser Organisationen gilt auch heute noch als dem Staatswohl dienend. Dabei haben diese Gewerkschaften mehr für die Wohlfahrt der Arbeiterklasse geleistet, als irgendeine andere Vereinigung je zuvor oder zurzeit. In den letzten 18 Jahren verausgabten die Zentralverbände für Streikunterstützung. Arbeitsunfähigen=(Kranken=)unterstützung Arbeitslosenunterstützung. Reiseunterstützung 9267612 Umzugskosten und Beihilfen in Notund Sterbefällen. 6886 514 Gemaßregeltenunterstützung.... 5563428 Invalidenunterstützung 2550 539 64884 217 Mk. 27108 347 25 518 957 Rechtsschutz 2 144 784 Insgesamt eine Ausgabe von 143924398 Mark, welche die Arbeiter von ihrem kärglichen Verdienst sich abgedarbt haben, um durch die Organisationen dem Wohle der Arbeiter und damit dem Wohle des Volkes zu dienen. In den Unterstützungseinrichtungen selbst, sowie bezüglich der Verwaltung, der Herausgabe der Verbandsorgane und den internationalen Verbindungen sind im letzten Jahre wesentliche Aenderungen nicht eingetreten. Reiseunterstützung wird von 46, Umzugsunterstützung von 35, Arbeitslosenunterstützung von 40, Arbeitsunfähigenunterstützung von 49, Invalidenunterstützung von 6, Unterstützung in Sterbefällen von 49 und in Notfällen von 33 Organisationen gezahlt. Die Auflage der gesamten Gewerkschaftsblätter betrug 1 951 285 Exemplare. Zum neuen„Fall Bernstein". Genosse Karl Kautsky schreibt dem„Vorwärts": „Heraus mit der Sprache! Aus dem heutigen„Vorwärts“ ersehe ich, daß die„Chemnitzer Volksstimme behauptet, Bernstein sei aus der„Neuen Zeit“„hinausgebissen“ worden. Soll dieser Ausdruck einen lnn haben, dann kann es nur der sein, daß Bernstein mit unsauberen Mitteln aus seiner Stellung bei der„Neuen Zeit“ hinausgedrängt worden sei, und natürlich kommt der Redakteur der„Neuen Zeit" dabei in erster Linie in Betracht. Diese Beschuldigung wird nicht besser dadurch, daß sie in eine vage, schwer greifbare Form gekleidet ist. Ich fordere die„Chemnitzer Volksstimme“ hiermit auf, deutlicher zu werden und ohne Umschweife zu erklären, was sie gemeint hat. Das Parteiinteresse selbst erfordert es jetzt, daß die Aushungerungslegende einmal gründlich klargelegt wird.“ In der„Frankischen Tagespost“ nimmt dazu Genosse Eisner das Wort. Er schreibt: „Leider nötigt nun auch mich eine Bemerkung Bernsteins und des„Vorwärts" zu einer Klarstellung im Interesse der Wahrheit über eine Periode meiner Wirksamkeit, die ich längst für endgiltig verjährt und gründlich verschollen halten wollte... Ob die heutige oder die damalige Redaktion die Bezeichnung „radikal“ beanspruchen darf, das zu entscheiden, würde eine langwierige Voruntersuchung über den Begriff des geheimnisund verhängnisvollen Fremdwortes„radikal“ erfordern. Lassen wirs also aus dem Spiel. Fest steht, daß die damalige Redaktion wiederholt mit den Auffassungen Bernsteins in Konflikt geriet; ich selbst habe gelegentlich eine höchst entschiedene Kritik an Bernsteinschen Arbeiten geübt. Aber wir hielten es natürlich trotzdem für unsere Pflicht, Bernstein als Mitarbeiter uns zu erhalten, ihn immer wieder zur Mitarbeit heranzuziehen und ihm freien Raum für seine(von uns nur selten geteilten) Meinungen zu gewähren. Wir betrachteten es als den vornehmsten Grundsatz unserer Redaktionsführung, um der Einheit der Partei willen, alle namhaften Parteischriftsteller, ohne Unterschied der Richtung und Färbung, im Zentralorgan mitarbeiten zu lassen. So waren denn auch in der Tat, ohne jede Ausnahme, alle führenden Parteischriftsteller Mitarbeiter des„Vorwärts“, von der äußersten„Rechten" bis zur äußersten„Linken“, wenn man einmal diese Unterschiede machen will. Diese Auffassung vom Redakteurberuf im Zentralorgan hatten wir von Wilhelm Liebknecht übernommen. So war die volle Sicherheit gegeben, daß nicht etwa ein Cliquen= und Absonderungswesen entstehen, ein stiller, ungreifbarer(aber darum um so wirksamerer) Boykott bestimmter Personen und Gruppen geübt werden konnte. Die Bernsteinsche Beschwerde ist also in dieser Hinsicht unbegründet. Richtig ist zwar, daß— wenn ich nicht irre— auf eine durchaus zu rechtfertigende Anregung der Kontrollkommission hin, eine Anzahl, nicht nur Bernsteins, Mitarbeiterpauschalien gestrichen wurden; es handelte sich um Fälle, wo das Pauschale dem Umfang der Mitarbeit nicht entsprach. Bernstein sollte auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland ständig, wie zuvor, über englische Politik schreiben. Auf dieser Voraussetzung beruhte sein Pauschale. Diese Mitarbeit über englische Politik von Berlin aus ließ sich auf die Dauer nicht aufrechterhalten. Und seitdem Genosse Beer von Newyork nach London übersiedelte, gewann der„Vorwärts“ in ihm einen vorzüglichen englischen Korrespondenten; dadurch wurde naturgemäß— ohne Verschulden Bernsteins— seine Mitarbeit am„Vorwärts“ weniger umfassend, die wir aber immer aufs neue anzuregen bemüht waren. Daß ihm ein bindendes Versprechen wegen des Pauschale gegeben worden ist, erfahre ich erst jetzt; wenigstens ist eine solche Kenntnis nicht in meiner Erinnerung. Es wäre die schlimmste Niedertracht, Meinungsverschiedenheiten durch Schädigung oder Begünstigung materieller Verhältnisse zu entscheiden. Ein solches Verfahren wäre geeignet, alles Parteiwesen zu vergiften. Ich war daher genötigt, auch den Schein eines Vorwurfes zu zerstreuen, als ob ich direkt oder indirekt einer derartigen Methode Vorschub geleistet hätte. Sonst hätte ich gewünscht, daß niemals auch nur eine Zeileüber diesen„Fall Bernstein“ geschrieben worden wäre, dessen Artikel im„Berliner Tageblatt“ den Interessen der Partei sehr förderlich war, geschweige, daß er gegen irgend einen Grundsatz oder Parteitagsbeschluß verstoßen hätte.“ Vom Genossen Ebüard Bernstein geht darauf dem folgende E „Vorwärts“ fr.#####de Erklärung zu: „Nachdem nun auch Genosse Eisner sich über die Kündigung meiner Mitarbeit am„Vorwärts“ geäußert hat, obliegt es mir, zu seiner Erklärung und den vorhergegangenen Behauptunden der Redaktion des„Vorwärts" das Wort zu nehmen. Die Redaktion des„Vorwärts" unterstellt, es sei mir das „Pauschale" deshalb gekündigt worden, weil meine Arbeiten für den„Vorwärts“ im ganzen Jahr noch nicht ausgereicht hätten, auch nur das Honorar eines Monats zu decken. Ich weiß nicht, auf welchen Honorarsatz die Redaktion meine Arbeiten einschätzt, da aber der Außenstehende aus ihrer Bemerkung nur den Schluß ziehen kann, es liege hier eine ganz besondere Abneigung gegen irgendwelches Arbeiten oder hochgradige Minderwertigkeit vor, so mag mir erlaubt sein, zu bemerken, daß mein gegenwärtiges Einkommen aus literarischer Tatigkeit mehr als das Vierfache jener Pauschale beträgt. Indes geht aus Eisners Erklärung deutlich hervor, daß, wenn damals ein Mißverhältnis zwischen dem Quantum meiner im„Vorwärts" zur Veröffentlichung gelangten Arbeiten und ihrer Bezahlung bestand, es in einem anderen Mißverhältnis wurzelte, namlich in der Natur der mir eingeräumten Mitarbeiterschaft. Sie entsprach weder meiner Vergangenheit in der Partei, noch meinem tatsächlichen Können, und machte mir die Arbeit oft sehr peinlich. Ich glaubte indes, die Stellung als ein Interimistikum betrachten zu können, das ein befriedigendes Ende nehmen werde, sobald erst das Vorurteil in Wegfall gekommen sei, das ein Teil der Berliner Genossen mir zunächst entgegenbrachte. Daß es anders kam, erklärt sich durch die dem Dresdener Parteitag vorliegenden Ereignisse. Jedenfalls war es ein eigentümliches Verfahren, das Verhältnis kurzerhand auf solche Kalkulationen hin, wie sie der„Vorwärts“ anführt, zu kündigen, ohne den Beteiligten auch nur vorher anzufragen. Ich habe damals den leitenden Parteigenossen gegenüber kein Hehl daraus gemacht, daß ich mich als gemaßregelt fühlte, und sehe die Sache auch heute noch so an. Auf die weiteren Bemerkungen zu meiner Einsendung vom 21. August, und insbesondere zu den Anwürfen, mit denen die „Leipziger Volkszeitung“ mich bedenkt, nehme ich nicht mehr das Wort. Wer der„Leipziger Volkszeitung“ auf diesem Gebiete noch glaubt, dem kann ich nicht helfen. Im übrigen konstatiere ich nur, daß der Artikel, den ich dem „Berliner Tageblatt“ übersandt hatte, von der gesamten Parteipresse, die mir feindlichsten Blätter eingeschlossen, als unanfechtbar bezeichnet worden ist, und daß eine ganze Reihe von Parteiblättern ihn direkt als verdienstvoll bezeichnet haben. Die Verantwortung für die betreffenden Angriffe der Gegner gegen unsere Partei fällt auf das Blatt zurück, daß jenen Artikel zum Anlaß nahm, in Sperrdruck zu erneuter Maßregelung meiner Person aufzufordern: die„Leipziger Volkszeitung“. Zur Anfrage Kautskys an die„Chemnitzer Volksstimme“ wegen meines Austritts aus der„Neuen Zeit“ habe ich nur zu bemerken, daß Kautskys Verhalten mir gegenüber diesen Schritt unvermeidlich machte. Das war nicht nur mein Gefühl, sondern das schrieb mir damals sehr bestimmt Ignaz Auer sowie ein Parteigenosse in hervorragender Stellung, der Kautsky ebenso nahe steht als mir. Schöneberg, 28. August 1909. Ed. Bernstein.“ Dazu schreibt der„Vorwärts": „Diese Erklärung Bernsteins hat ein Gutes— sie zerstört die Lüge von der„Aushungerung" bis auf den letzten Rest. Bernstein hat jetzt, wie er selbst feststellt, ein Einkommen aus seiner literarischen Tätigkeit allein, das mehr als das Vierfache des Pauschales beträgt, das er einst vom Vorwärts" bezog. Er hat demnach ein Einkommen, das die Mehrzahl der sozialdemokratischen Schriftsteller lange nicht erreichen... Genosse Bernstein empfindet den Entzug des Pauschales als Maßregelung, kann aber den Nachweis, daß diese Entziehung sachlich durchaus gerechtfertigt war, nicht bestreiten. Damit dürfte die Sache für die Partei erledigt sein. Der Versuch Bernsteins, die Schuld an den niederträchtigen und schmutzigen Angriffen, die aus Anlaß dieser Bernsteinaffäre von den Gegnern wider die Partei gerichtet wurden, auf die„Leipziger Volkszeitung" abzuwälzen, ist eine sehr bequeme Manier, die Aufmerksamkeit vom eigenen Kerbholz abzulenken. Wir haben bisher selbst bei den schlimmsten Provokationen Bernsteins unsere Gelassenheit bewahrt— hier muß aber doch gesagt werden, daß den bürgerlichen Blät Blättern die Unterlage für und zum Alcalden, wie ich mir den Posten denke, müssen die Leute jemanden haben, der mit ihnen gleiche Interessen hat, der mit ihnen aushält und Freude an der Sache findet. Deshalb glaube ich nicht, daß den Minern mit einem Manne wie ich bin, zu ihren Friedensrichter gedient sein würde.“ „Du willst wieder fort? Wohin?“ „Ich weiß es selber nicht,“ seufzte Heison.„Ich habe mir das Leben in den Bergen anders, ruhiger gedacht, als ich es jetzt hier finde. Das ist das Drängen und Treiben einer großen Stadt in diesem kleinen Neste von Zelten, nur in etwas anderer Art, und auf den einen Punkt nur konzentriert, und macht' ich mich da selber zu dem Zentrum, um das sich alles dreht und treibt und drängt, wie sollt' ich da das finden, was ich hier gesucht?“ „Komm, nimm deinen Hut,“ sagte Siftly, der ihm geduldig zugehört,„was ich dir noch zu sagen habe, spricht sich besser im Freien. Ich sehe auch, euer Tisch ist schon gedeckt, und ich möchte deine Frau nicht gern in ihrem Frühstück stören. Ueberdies, setzte er flüsternd hinzu,„sind hier die Wände zu dünn, und was ich dir noch zu sagen habe, braucht kein anderer zu horen. Hetson sah ihn ängstlich an, tat aber wie ihm geheißen, nahm rasch seinen Hut und folgte dem Spieler hinaus vor das Zelt. Dort nahm Siftly ohne weiteres seinen Arm, und ihn die Straße hinabführend, in der sie jetzt nur einzelne Menschen trafen, fuhr er fort:„Du wolltest also noch weiter in die Berge hineinziehen?“ „Ja,“ sagte Heison nach einigem Zögern,„wenn ich auch noch nicht weiß, nach welcher Richtung. „Und gloubst du nicht, daß du da dem, dem du ausweichen willst, gerade so leicht begegnen kannst?“ „So weißt du, wo er ist?“ rief Hetson rasch und heftig. „Bah," erwiderte ruhig der Spieler,„wer kann hier in den Minen von einem Menschen sagen:„er ist hier oder da,“ wo die ganze Bevölkerung fortwährend auf den Beinen ist, um sich einen reicheren Arbeitsplatz zu suchen, besonders wenn einer vielleicht noch außerdem was anderes im Auge hat. Heute triffst du ihn dort, und morgen begegnest du ihm schon wieder, die Decke auf dem Rücken, mitten im Walde, sich einen neuen Aufenthalt für vielleicht ebenso kurze Zeit zu suchen. „Und wenn er mich, wenn er Jenny hier findet?“ „So wärst du in die unangenehme Lage versetzt,“ sag. S.„ ich den Kopf zu schießen, und des 15# hätte, zu unangenehmen, Weitläufigke. nämlich hier eben nur als Privatmann teost. „Und was könnte ich tun, wenn ich Alcalde wäre?“ sagte Hetson kopfschüttelnd. So wärst du in die unangenehme Lage versetzt,“ sagte Siftly ruhig,„ihm eine Kugel du##, ven R##, hu. 15 das konnte immer, wenn es auch gerade keine ernstlichen Fuigen hätte, zu unangenehmen Weitläufigkeiten führen, sobald du „Was?“ rief aber jetzt Siftly,„den Teufel auch, alles! Mit dem übrigen ähnlichen Gelichter hälst du dir den Burschen ebensogut vom Leibe, und daß wir dir darin beistehen werden, ich dächte doch, brauchte ich dir weiter nicht zu versichern. „Du sprichst in Rätseln.“ „Weil du gestern unserer Versammlung nicht beigewohnt und die Beschlüsse nicht gehört hast, die dort gefaßt wurden. Wir sind nämlich fest entschlossen, die Fremden, die unsere Berge unsicher machen, besonders aber die Mexikaner, Engländer und Iren, meist lauter nach Australien deportierte und von dort herübergeschickte und entflohene Verbrecher, nicht länger hier zu dulden. Jener Charles— wie hieß der Bursche gleich?“ „Charles Golway—“ „Gut, jener Golway ist ebenfalls ein Engländer, und wär' es ein Ehrenmann, so verfolgte er nicht die Frau eines andern. Wie er sich also hier nur blicken läßt, und ausfindig werden wir ihn bald genug machen, bekommt er seine Weisung, den Platz zu verlassen, und gnad' ihm Gott, gehorcht er nicht bald. Wird ein anderer zum Alcalden gewählt, in dem Falle, daß du die Stelle hartnäckig verweigern solltest, so steh' ich dir aber für nichts. Mit Gold ist hier in den Minen fast alles auszurichten, und bekämen wir einen Burschen wieder her, wie der frühere gewesen sein soll, so brauchte es nur, von seiten jenes Golway, ein paar Unzen, ihm seinen Aufenthalt hier ohne weiteres zu sichern. Die Leute sind zufrieden, wenn sie sich die Masse vom Leibe halten, und werden einen einzelnen, für den der Alcalde selber gut sagt, nicht behelligen. (Fortsetzung folgt.) Bei den schwedischen Helden. Stockholm, 26. August. Ja, von Helden will ich sprechen, von stillen, mutigen, opferfreudigen Helden. Kein starkes Wort soll gebraucht werden, kein Pathos, kein lyrischer Schwung. Grau und nüchtern, wie es ist, soll ihr Leben hier ausgebreitet werden, und was darüber liegt, das muß gefühlt werden von jedem einzelnen. Das ist ja dieses Gewaltige, das einen hinreißt und überwältigt, wenn man jetzt unter den schwedischen Helden weilt. Man spürt fast nichts von Leidenschaft, sieht kein Aufflammen, kein Aufbrausen. Was sich hier kundgibt, ist: ein fester Wille, die einer Notwendigkeit entspringende Ueberzeugung, alles wagen zu müssen, um zu siegen. Und das ist gut so: die Leidenschaft kann verfliegen, die Ueberzeugung hält stand. Sie schafft Kämpfer, die vielleicht niedergeschmettert, aber nicht zum Weichen gebracht werden können. Von diesen Helden aus Ueberzeugung will ich sprechen. Zwei Wochen weile ich jetzt unter ihnen, die drei Wochen lang diesen gewaltigen Protest der gekreuzten Arme ihren Gegnern entgegenstellen. Ohne zu wanken, ohne zu klagen, ohne den Glauben an den Sieg zu verlieren. Man sieht ihre ernsten Gesichter überall in den Straßen. Junge Mädchen und abgearbeitete Frauen, Jünglinge und alternde Männer. Alle gleich ernst, aber unverzagt. In allen Straßen sieht man sie, zu allen Stunden. Aber ihr Leben spiegelt sich doch nur zu Hause ab. Ich habe sie dort aufgesucht mit Redakteur Magnusson von„Sozialdemokraten" als Begleiter und Führer. Eine Runde durch die Wohnungen der Streikenden. Was wir da gesehen und gehört haben, sei hier geschildert, ohne Retouche, ohne Abänderung. Manches klingt romantisch— das Leben ist romantisch! Manches klingt tragisch— das Leben ist tragisch! Und dies alles ist graue, graue Wirklichkeit, über die sich dennoch etwas legt wie Heldengeist und Freiheitssang. In der Vorstadt Kungsholmen steht auf einem Hügel eine Kolonie von Arbeiterwohnungen, lauter kleine Parterrehäuser mit einer Vorderfront und einer Rückfront. Ein kleines Gärtchen liegt vor den Häuschen, das schafft einen freundlichen Eindruck. Aber dieser freundliche Eindruck verschwindet, wenn man in das Innere tritt. Jede dieser Wohnungen besteht aus einem einzigen einfenstrigen Zimmer, das 4 Meter lang und 3,3 Meter breit ist. Neun Kronen(zehn Mark) ist die Miete dafür, die an die Stadt— die Eigentümerin dieser Häuser ist—, gezahlt wird. In dem ersten Hause gab es keine Streikenden; wir konnten aber feststellen, daß eine Witwe mit 5 Kindern, also insgesamt 6 Personen, in dieser Einzimmerwohnung hausen. Vor dem zweiten Hause stehen zwei alte Frauen und reinigen die Treppen. Beide sind vom Streik betroffen. Die eine von ihnen hat sich den guten Humor erhalten. Lächelnd erzählt sie, daß sie sich jetzt„eben so einrichten müssen, daß man noch weniger hat als sonst, wo man auch nichts hat". Lächelnd erzählt sie, daß die kleinen Kinder immer vergessen, daß Streik ist und nach dem Schrank laufen, um sich Brot zu holen. Aber das ist gut verwahrt und wird nur zu den Hauptmahlzeiten hergegeben. Hier sind außer den Eltern im ganzen sechs Kinder zu ernähren. Am letzten Sonnabend erhielten sie die erste Unterstützung: vier Kronen. Ihre regelmäßige Mittagsmahlzeit ist: Hering und Kartoffeln. Da reichen die vier Kronen für acht Personen auf eine Woche... Die andere Frau erhält sich durch aller Haushilfsarbeiten, hat aber eine Tochter, die in einer Hutfabrik beschäftigt ist. Wir sprechen mit ihr. Sie ist klein, verwachsen, kümmerlich. Sie ist nicht organisiert— und streikt. Als Nichtorganisierte erhält sie keine Streikunterstützung— denkt aber nicht daran, die Ardie Lüge vom„Aushüngern“ den ist, die auf Bernsteinsche festzuhalten, daß Bernstein: rechterhält, es gebe einzelne C Vernstein ge 416hur #ein den hundsgemeinen auf die Partei nur eine für verbindlichsten Form gehalten während er gegen den„Vor zeitung" unbedenklich mit: schwersten Beschuldigungen Volkszeitung", dem„Plutus Tritt zu geben, drückt er ihne —. ist nicht zu streiten— aber hä der Partei gegen jedermannz Bernsteins an die Kandare1 schehen, und wir werden uns Bernstein noch heute das„B erklärt, das die Sozialdemokr Frintere adem belagtes ehr arf Bernsteins gegen „Nimm mich mit“ sorgfältig demonstriert hat, wie unehrl aber verlogenerweise die Ern gleichzeitigmit Bern erhielt, seinen„gutuntel schlagen hat.“ Wir haben vorgestern ku geäußert. Wenn wir weiter des„Vorwärts" brachten un Leser auf dem Laufenden zu nicht genug tun können in En Partei. Der aufmerksame Le Erklärungen sich selbst ein U. des Streites. Es haben zwa zum Fall Bernstein Stellung die Wiedergabe dieser Aeußer Aus den Organisationen. demokratischen Vereins für R 3503(darunter 163 weiblich 556 weibliche Mitglieder). T Mark, die Ausgaben 12 805,7 Mark. In den Kassen der Mark. Der Stand des Part ein befriedigender. Die Einn 85 567,17 Mk. gestiegen. Alle sich eine Mehreinnahme von i der Druckerei ist ein guter. Mark Ueberschuß. Im Kreise Zauch=Be Ortsgruppen, die zusammen 2: sich 147 weibliche befinden, verteilen: Luckenwalde, Treue der Havel. Die Zahl der Le ist wie die Zahl der politisch gen. Außer der„Brandenbu „Vorwärts“ gelesen; 65 Frau niert: die„Arbeiter=Jugend“ Zur Agitation im Kreise gela 18000 Exemplaren zur Verb meindevertreter sind 60 in 21 nahmen betrugen 5621,54 M daß ein Kassenbestand von 15 Der Provinzialparteitag fi am Sonntag, 29. August, in beschigke gierten beschlct. Aus dem Ic in der Provinz Brandenburg Mitgliedern bestehen. Seit d gang zu verzeichnen. Landt „Die Verwaltung in Preußen herausgegeben werden.— Rei das Thema:„Die politische La der letzten Monate: Reichsfil verteidigt die Fraktion gegen struktion gegen die Finanzreft kussion sprachen einige Redne insbesondere gegen seine T beit aufzunehmen. Sie hilft die böse Zeit hinweg. Und die das schon, aber da sind so art denen muß man schon helfen, si diesen„armen Teufeln" helfer sagt sie,„das muß man eben! Wir gehen die Häuserfron nach der Rückfront der Häuser In der Straße steht eine Kind tanzen nach der Musik. In Leute und spielen Geige. Wir und spielende Kinderschar Kir fragen einen etwas abseits steh „Streikt dein Vater?“ Und habe keinen Vater.“ Und schle wir gehen schweigend weiter stören. Vor dem Nachbarhause st grauter Mann in Hemdärmeln treten zu ihm und fragen aller rung es mit den Unternehme venieren will, ist für ihn sicher stützung verlangt, da er sich no Er als Organisierter und F stützung erhalten, aber er verzi Privatkredit ausnutzen und zahlen. Und auch er sagt:„Ick Kinder, bei mir geht das noc sind— da ist das schlimm!“ Er weist uns— auf unser einer kinderreichen Familie. in die Einzimmerwohnung. Ein arbeitet in einer mechanischen Kinder haben sie; das älteste h Geburtstag geseiert— ohne Fe Kind ist sechs Monate alt und vor der Türe steht, gesonnt. wöchentlich. Die erste Streiku ginn der dritten Streikwoche nichts. Die Mahlzeiten diese Morgens Kaffee und Hartbre hinzu), mittags Brei und Kar Die Kinder entbehren schwer zeiten von Butterbrot und M nicht und sie müssen sich darein zwei der Kinder in das Zimn der tanzenden Kinder von vor zwei jungen Streikenden ihnen cht darauf dem iber die Kündit hat, obliegt es nen Behauptunnehmen. es sei mir das ne Arbeiten für gereicht hätten,1 Ich weiß nicht, beiten einschätzt, nur den Schluße bneigung gegen rwertigkeit vor, gegenwärtiges das Vierfache h hervor, daß, uantum meiner Arbeiten und Mißverhältnis seräumten Mitergangenheit in und machte mir ie Stellung als befriedigendes in Wegfall gein mir zunächst durch die dem Jedenfalls war kurzerhand auf ts“ anführt, zu anzufragen. Ich über kein Hehl fühlte, und sehe einsendung vom mit denen die ich nicht mehr auf diesem Gekel, den ich dem r gesamten lätter eingevorden ist, und direkt als verfür die betrefei fällt auf das i, in Sperrn aufzufordern: r Volksstimme“ habe ich nur zu r diesen Schritt in Gefühl, sonAuer, sowie der Kautsky rnstein.“ — sie zerstört en letzten Rest. Einkommen aus s das Vierfache ärts" bezog. Er der sozialdemoPauschales als iese Entziehung treiten. Damit niederträchtigen eser Bernsteinstet wurden, auf ie sehr bequeme holz abzulenken. Provokationen muß aber doch e Unterlage für chen lang diesen i Gegnern entne den Glauben nden Straßen. Jünglinge und rzagt. In allen ihr Leben spiert aufgesucht mit " a l s B e g l e i t e r reikenden. Was ildert, ohne Renantisch— das — das Leben ist lichkeit, über die eiheitssang. nem Hügel eine Parterrehäuser in kleines Gärtreundlichen Einindet, wenn man esteht aus einem g und 3,3 Meter ete dafür, die an ist—, gezahlt inden; wir konndern, also insgehausen. ten und reinigen . Die eine von zelnd erzählt sie, ß man noch weLächelnd erzählt ß Streik ist und n. Aber das ist eiten hergegeben. der zu ernähren. terstützung: vier ist: Hering und ht Personen auf aushilfsarbeiten, schäftigt ist. Wir immerlich. Sie ganisierte erhält daran, die Ardie Lüge vom„Aushüngern“ von Parteiblättern geliefert worden ist, die auf Bernsteinsche Aeußerungen fußten. Ferner ist festzuhalten, daß Bernstein noch jetzt seine Unterstellung aufrechterhält, es gebe einzelne Elemente in der Partei, die ihn— freilich vergeblich— aushungern möchten, sowie endlich, daß Bernstein den hundsgemeinen Anwürfen der bürgerlichen Presse auf die Partei nur eine für die schmutzigen Angreifer in der verbindlichsten Form gehaltene Erklärung entgegenzusetzen hatte, während er gegen den„Vorwärts“ und die„Leipziger Volkszeitung" unbedenklich mit den stärksten Ausdrücken und den schwersten Beschuldigungen losging. Anstatt der„Berliner Volkszeitung", dem„Plutus"=Bernhard usw. den verdienten Tritt zu geben, drückt er ihnen die Hand! Ueber den Geschmack ist nicht zu streiten— aber hätte die Pflicht, die Ehre und Würde der Partei gegen jedermann zu wahren, hier nicht den Geschmack Bernsteins an die Kandare nehmen müssen? Es ist nicht geschehen, und wir werden uns nach alledem nicht wundern, wenn Bernstein noch heute das„Berliner Tageblatt“ für ein Organ erklärt, das die Sozialdemokratie nicht gehässig oder hämisch angreift, nachdem besagtes ehrenwertes Organ dieser Tage den urf Bernsteins gegen den„Vorwarts“ in Sachen des „Nimm mich mit“ sorgfältig registriert und daran seinen Lesern demonstriert hat, wie unehrlich der„Vorwärts“ sei, bis heute aber verlogenerweise die Erwiderung des„Vorwärts“, die er gleichzeitig mit Bernsteins Anwurf zu Gesicht erhielt, seinen„gutunterrichteten" Lesern total unterschlagen hat.“ ** * Wir haben vorgestern kurz unsere Meinung zu dem Fall geäußert. Wenn wir weiter die Aeußerungen Bernsteins und des„Vorwärts" brachten und bringen, so deshalb, um unsere Leser auf dem Laufenden zu erhalten und weil die Gegner sich nicht genug tun können in Entrüstung über Terrorismus in der Partei. Der aufmerksame Leser wird durch die Wiedergabe der Erklärungen sich selbst ein Urteil bilden können über den Wert des Streites. Es haben zwar auch einige andere Parteiblätter zum Fall Bernstein Stellung genommen, wir glauben aber, auf die Wiedergabe dieser Aeußerungen verzichten zu können. Aus den Organisationen. Die Mitgliederzahl des Sozialbemokratischen Vereins für Reuß j. L.(Gera) ist gestiegen von 3503(darunter 163 weibliche Mitglieder) auf 4000(darunter 556 weibliche Mitglieder). Die Einnahmen betrugen 16 406,17 Mark, die Ausgaben 12 805,76 Mk., der Kassenbestand 3600,41 Mark. In den Kassen der Ortsverwaltungen blieben 4599,46 Mark. Der Stand des Parteiorgans„Reußische Tribüne“ ist ein befriedigender. Die Einnahmen sind von 81 870,95 Mk. auf 85 567,17 Mk. gestiegen. Allein aus Abonnementsgeldern ergab sich eine Mehreinnahme von über 1300 Mark. Auch der Stand der Druckerei ist ein guter. Die Volksbuchhandlung hatte 550 Mark Ueberschuß. Im Kreise Zauch=Belzig=Luckenwalde sind 16 Ortsgruppen, die zusammen 2348 Mitglieder zählen, unter denen sich 147 weibliche befinden, die sich unter nur 4 Ortsgruppen verteilen: Luckenwalde, Treuenbrietzen, Caputh und Werder an der Havel. Die Zahl der Leser der„Brandenburger Zeitung" ist wie die Zahl der politisch Organisierten etwas zurückgegangen. Außer der„Brandenburger Zeitung“ wird im Kreise der „Vorwärts“ gelesen; 65 Frauen sind auf die„Gleichheit" abonniert; die„Arbeiter=Jugend“ wird in 52 Exemplaren gelesen. Zur Agitation im Kreise gelangte der„Märkische Landbote“ in 18000 Exemplaren zur Verbreitung. Sozialdemokratische Gemeindevertreter sind 60 in 21 Ortschaften vorhanden. Die Einnahmen betrugen 5621,54 Mk., die Ausgaben 4061,42 Mk., so daß ein Kassenbestand von 1566,12 Mk. verblieb. Der Provinzialparteitag für die Provinz Brandenburg fand am Sonntag, 29. August, in Berlin statt. Er war von 75 Delegierten beschickt. Aus dem Jahresbericht ist hervorzuheben, daß in der Provinz Brandenburg 18 Kreiswahlvereine mit 18 600 Mitgliedern bestehen. Seit dem Vorjahre ist ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Landtagsabg. Hirsch referierte über „Die Verwaltung in Preußen“. Seine Rede soll als Broschüre herausgegeben werden.— Reichstagsabg. Schmidt behandelte das Thema:„Die politische Lage". Redner bespricht die Politik der letzten Monate: Reichsfinanzreform, Erbschaftssteuer, und verteidigt die Fraktion gegen den Vorwurf, daß sie keine Obstruktion gegen die Finanzreform gemacht habe. In der Diskussion sprachen einige Redner gegen Schmidts Ausführungen, insbesondere gegen seine Darlegungen über das Verhältnis beit aufzunehmen. Sie hilft sich schon mit ihrer Mutter über die böse Zeit hinweg. Und die Mutter sagt:„Ach, bei uns geht das schon, aber da sind so arme Teufel mit vielen Kindern— denen muß man schon helfen, soweit man es kann. Ob sie denn diesen„armen Teufeln" helfen kann, fragen wir.„Ach was, sagt sie,„das muß man eben!“... Wir gehen die Häuserfront entlang und biegen um die Ecke nach der Rückfront der Häuser. Geigenklang tönt uns entgegen. In der Straße steht eine Kinderschar, meistens barfüßig; einige tanzen nach der Musik. In dem Gärtchen sitzen zwei junge Leute und spielen Geige. Wir wollen wissen, ob diese tanzende und spielende Kinderschar Kinder von Streikenden sind. Wir fragen einen etwas abseits stehenden, etwa achtjährigen Knaben: „Streikt dein Vater?“. Und der Knabe antwortet leise:„Ich habe keinen Vater.“ Und schleicht schweigend davon. Und auch wir gehen schweigend weiter und wollen diese Kinder nicht stören. Vor dem Nachbarhause steht ein etwa fünfzigjähriger ergrauter Mann in Hemdärmeln. Er sieht so ernst darein. Wir treten zu ihm und fragen allerlei. Er streikt. Daß die Regierung es mit den Unternehmern hält und deshalb nicht intervenieren will, ist für ihn sicher. Er selbst hat noch keine Unterstützung verlangt, da er sich noch durch Privatkredit helfen kann. Er als Organisierter und Familienvater würde Streikunterstützung erhalten, aber er verzichtet darauf! Er will lieber den Privatkredit ausnutzen und später aus eigenem die Schuld zahlen. Und auch er sagt:„Ich— ich habe wenig minderjährige Kinder, bei mir geht das noch. Aber wo viel Minderjährige sind— da ist das schlimm!“ Er weist uns— auf unser Verlangen— nach der Wohnung einer kinderreichen Familie. In der Nebenstraße. Wir treten in die Einzimmerwohnung. Eine ältere Frau sitzt da; ihr Mann arbeitet in einer mechanischen Werkstätte und streikt. Sechs Kinder haben sie; das älteste hat gerade gestern den fünfzehnten Geburtstag geseiert— ohne Festschmaus natürlich— das jüngste Kind ist sechs Monate alt und wird in einem Kinderwagen, der vor der Türe steht, gesonnt. Der Mann verdiente 20 Kronen wöchentlich. Die erste Streikunterstützung hat er eben am Beginn der dritten Streikwoche erhalten: zehn Kronen. Früher nichts. Die Mahlzeiten dieser achtköpfigen Familie sind: des Morgens Kaffee und Hartbrot(hie und da kommt Weißbrot hinzu), mittags Brei und Kartoffeln und abends wieder Brei. Die Kinder entbehren schwer die sonst üblichen Zwischenmahlzeiten von Butterbrot und Milch. Aber dazu reicht das Geld nicht und sie müssen sich darein fügen. Wie wir gehen, kommen zwei der Kinder in das Zimmer; wir erkennen in ihnen zwei der tanzenden Kinder von vorhin. Wie gut es ist, daß diese zwei jungen Streikenden ihnen lustige Weisen aufspielen! Wie zwischen Sozialdemokratie und Freisinn. Andere Redner darunter der Vertreter des Parteivorstandes, stellten sich auf Schmidts Standpunkt. Von der schweizerischen Sozialdemokratie. Das Parteikomitee der schweizerischen sozialdemokratischen Partei hielt am vorigen Sonntag in Biel eine Sitzung ab, in der konstatiert wurde, daß die Parteikasse immer noch für nur 20 000 organisierte Mitglieder Beiträge erhalte, weil die Organisationen aus finanzellen Gründen nicht ihre volle Mitgliederzahl versteuern. Es beträgt denn auch der Vermögensbestand der Partei nur 375 Franken. Zur Vermehrung der Einnahmen der Parteikasse sollen der Verkauf der Maifestzeichen zentralisiert und Ansichtspostkarten wie auch Parteimitgliederkarten herausgegeben werden. Auf die Tagesordnung des am 23. und 24. Oktober in Baden stattfindenden Parteitages wurden unter anderem gesetzt: Berichte der Geschäftsleitung der Partei und der sozialdemokratischen Nationalratsfraktion, die Vereinheitlichung des Strafrechts(Referent Br. Studer= Winterthur), die schweizerische Eisenbahnpolitik(Advokat Albisser=Luzern), schließlich Anträge. Zur Präzisierung der Stellungnahme der Partei gegenüber der Strafrechtsreform soll die Geschäftsleitung eine besondere 15gliedrige Kommission bestellen. Gewerkschaftsbewegung. Lohntarif im Dachdeckergewerbe. In Hamborn und Marxloh ist es gelungen, einen Tarif für das Dachdeckergewerbe mit den Unternehmern abzuschließen. Die Lohn= und Arbeitsverhältnisse waren bis heute ungeregelt. Die Löhne schwanken schon seit Jahren immer nach der jeweiligen Konjunktur zwischen 50 und 55 Pfg. pro Stunde. Allgemein wurden 55 Pfg. als guter Lohn gezahlt. Die Arbeitszeit betrug teils 11, teils 10 Stunden. Auf Grund des von den Gehilfen eingereichten Vertragsentwurfes fanden in den letzten Wochen mehrere Verhandlungen statt, die zu einer Verständigung führten. Der Tarif wurde bis zum 1. April 1910 mit folgenden Bedingungen abgeschlossen: Der Mindestlohn für den Dachdeckergesellen über 20 Jahren beträgt vom 17. August ab 57 Pfg. Für Junggesellen von 19 bis 20 Jahren beträgt er nicht unter 50 Pfg., für Hilfsarbeiter nicht unter 45 Pfg. pro Stunde. Ueberstunden sind mit 10 Pfg., Nacht= und Sonntagsarbeit mit 50 bis 100 Prozent Aufschlag, Turm= und Kaminarbeiten mit 80 Pfg. pro Stunde zu vergüten. Bei Arbeiten über 3 Kilometer von der Werkstatt entfernt sind 60 Pfg. für Mittagessen zu bezahlen, ebenso ist Zeit und Fahrt zu vergüten. Die Gehilfen verdanken diesen Erfolg dem Umstand, daß sämtliche 45 Berufsangehörige dem Zentralverband der Dachdecker Deutschlands angeschlossen sind. Erfolgreich beendete Lohnbewegung der Binnenschiffer. Zwischen dem Arbeitgeberverband und dem Hafenarbeiterverband, sowie dem Verband der Maschinisten und Heizer wurde am Sonnabend ein neuer Tarif vereinbart. Die Löhne sollen vom 1. Oktober 1909 ab um 5 Mk. pro Monat und vom 1. Januar 1911 ab wiederum um 5 Mk. erhöht werden. Ueberstunden werden von 6 Uhr abends ab mit 50, nach 9 Uhr mit 60 Pfg. bezahlt. Beide Parteien verpflichteten sich, diese Vereinbarungen streng innezuhalten und weder höhere Löhne zu verlangen noch niedrigere Löhne zahlen zu wollen. Maßregelungen finden nicht statt; Entlassungen und Kündigungen sind zurückgezogen. Der Tarif gilt bis 31. Dezember 1912. Damit ist der drohende große Kampf der Binnenschiffer, der Maschinisten und Heizer auf der Elbe, Moldau, der Saale und den märkischen Wasserstraßen, der in letzter Zeit sehr großen Umfang anzunehmen drohte, mit für die Arbeiter annehmbaren Zugeständnissen beendet. Der Abwehrstreik der Töpfer in Königsberg i. Pr. dauert nunmehr bereits volle 8 Monate. Daß dieser Kampf immer noch nicht sein Ende erreicht hat, liegt vor allem an dem Verrat der Hirsch=Dunckerschen, die früher zumeist bei der gesperrten Firma Bonn beschäftigt waren, und vor dem Beginn des Abwehrkampfes, der am 1. Januar d. J. seinen Anfang nahm, den reduzierten Tarif der Unternehmer anerkannt hatten. Vor einiger Zeit glaubten die Hirsche für die in der Klemme befindlichen Königsberger Töpfermeister noch ein übriges tun zu müssen. Ihr Generalsekretär Lange erließ einen Aufruf, worin er die Mitglieder aufforderte, nach Königsberg zu gehen und ihren gegen die Verschlechterung iyrer Lebenslage kämpfenden Kollegen in den Rücken zu fallen. Hier zeigten aber die Argut ist es, daß die Kinder dabei die Zwischenmahlzeit vergessen, die fehlende Milch und das fehlende Butterbrot! Ein Haus weiter. Ein Kohlenverlader wohnt hier mit seiner Frau und vier minderjährigen Kindern. Drei von ihnen besuchen noch die Schule. Sein Wochenverdienst war 15—17 Kr. Seit Montag erhält er eine Streikunterstützung von sechs Kronen wöchentlich. Bis dahin erhielt er nichts, und Kredit hatte er auch nirgends! Doch— für eine Sache hat er Kredit! Er holte seine Schnupftabakdose hervor, nimmt eine Prise und sagt, daß er sich für die ganze Streikzeit beim Händler Kredit für Schnupftabak ausbedungen habe. Der sei ihm unentbehrlich. Und mit einem merkwürdigen Lächeln sagt er:„Der hat mir manche Mahlzeit ersetzt. An Streikburch denkt er nicht, aber er empfindet Langeweile, trotzdem er alle Fachvereinsversammlungen besucht. Er sagt:„So im Sommer vierzehn Tage nicht arbeiten zu müssen, das ist ja ganz gesund— aber länger hält man das nicht aus Das schönste ist halt doch die Arbeit!“ Ein arbeitsfreudiger Streikender! Im Nachbarhause. Wir treten in das Zimmer. Auf dem Sofa liegt ein einjähriges blondlockiges Kind auf dem Bauche und schläft. Ein Idyll. Eine Witwe wohnt hier. Ihre zwei Töchter arbeiten sonst in einer Canditenfahrik— jetzt streiken sie. Sie sind unorganisiert, erhalten keine Unterstützung, die Mutter verdient nichts. Und streiken! Wir fragen, wovon sie leben. Die Mutter antwortete, indem sie auf den schlafenden Blondkopf zeigt:„Das ist ein Junge von meiner älteren Tochter — nun und der Vater schickt ihr monatlich etwas Alimente. Viel ist es nicht— aber in der Zwischenzeit muß man davon eben leben. Ist das romantisch? Es ist wahr! Und diese jungen unorganisierten Mädchen verharren im Streik... Haus um Haus suchen wir in dieser Arbeiterkolonie auf. Ueberall der gleiche Zustand und nirgends ein Streikbrecher, nirgends eine Streikbrecherin! Hier mitten unter diesen Leuten wohnt ein armes Mädchen, eine Verkäuferin in einem Milchgeschäft, die von Zeit zu Zeit Gedichte im„Socialdemokrat“ veröffentlicht. Marie Sardel heißt sie. Vor längerer Zeit hat sie ein Buch veröffentlicht, das sie„Vid Svältgränsen nennt— „An der Grenze des Hungerns“— und das die Leute dieser Häuser schildert.—„An der Grenze des Hungerns“ stehen sie, wenn es Arbeit gibt. Wir verlassen diese Parterrehäuserkolonie, gehen in die Gassen mit den Mietskasernen und erkundigen uns nach einem von Arbeitern bewohnten Haus. Man weist uns eins, wir treten ein und gehen gleich die Treppe zum Hinterhaus hinauf. Im ersten Stockwerk sehen wir eine Tür offen. Wir treten ein. Ein etwa dreijähriges Kind tänzelt im Zimmer, ein neunjähriges Mädchen sitzt beim Tisch, die Hand stützt den Kopf. beiter mehr Klassenbewußtsein, als ihr„Führer“. Sie folgten der menschenfreundlichen Einladung ihres Sekretärs nicht. Auch sonst leidet die Führung des Kampfes der Töpfer in Königsberg darunter, daß sich die im Abwehrkampf Befindlichen wiederum noch in zwei Gruppen teilen, in Lokalisten und Zentralisten. Man befolgt die Taktik, bei den Unternehmern, die am meisten im Druck sind und folglich den alten Tarif bewilligen, die Arbeit aufzunehmen. Dadurch zieht sich der Kampf sehr in die Länge. Auf die Vorschläge der Zentralisten zur schnelleren Erledigung des Kampfes bei günstiger Gelegenheit den Generalstreik zu proklamieren, gehen wieder die in Königsberg sich in der Mehrheit befindenden Lokalisten nicht ein. So wogt nun der Kampf, der durch die Uneinigkeit der Arbeiter bereits volle acht Monate andauert, immer noch unentschieden hin und her. Ein klassisches Beispiel dafür, wie schädigend gerade auf wirtschaftlichem Gebiete die Uneinigkeit der Arbeiter wirkt, und wie notwendig eine einheitliche Gewerkschaftsorganisation ist. Der Kampf erfordert ja allerdings zurzeit nur wenig Opfer, weil die Ausständigen fast durchweg in den umliegenden Orten Beschäftigung gefunden haben und auch für die nächste Zeit wieder Arbeitsangebote nach auswärts vorliegen. Aber immerhin wäre jedenfalls ein energischer Vorstoß auf der ganzen Linie schon von Nutzen gewesen und der Kampf beendet. So aber ist er heute noch unentschieden und der kommende Winter mit naturgemäß schwächerer Arbeitsgelegenheit legt dann den Organisationen wieder größere Opfer auf. Mit schwarzen Listen arbeitet der Verband deutscher Metallindustrieller nach wie vor, selbst bei den kleinsten Differenzen zwischen Unternehmern und Arbeitern. Bei der Firma Joh. C. Tecklenburg(A.=G.) in Geestemünde bestanden Lohndifferenzen mit den Tischlern, da die Forderungen nach einem Rundschreiben des Verbandes der Metallindustriellen„nicht bewilligt werden konnten“. Am 11. August legten 11 Tischler die Arbeit nieder. Bereits am 13. August wurde vom Zentralbureau des genannten Verbandes in Berlin eine schwarze Liste mit genauen Personalangaben der Streikenden herausgegeben, mit der Aufforderung, die Streikenden nicht einzustellen. Unter dem gleichen Datum verschickte der Verband eine Ergänzungsliste mit 69 Namen von Arbeitern einer anderen Firma, der allerdings schon zwei andere voraufgegangen waren mit dem Ersuchen, die bezeichneten Arbeiter von der Einstellung auszuschließen. Bauarbeiter=Ausstand in Paris. Gestern morgen streikten 5000 von 9000 Bauarbeitern, was eine Zunahme der Ausständigen gegen den Sonnabend bedeutet. Auch zwei Drittel der Ziegeleiarbeiter befinden sich im Ausstande. Literärisches. Vom„Wahren Jacob“ ist soeben die 18. Nummer seines „26. Jahrganges erschienen. Aus ihrem Inhalt erwähnen wir die beiden farbigen Bilder„Das Gelage des Königs Belsazar", „Falstaff und seine Steifleinenen“, sowie die weiteren Illustrationen Geeignete Vorsichtsmaßregeln",„Der neue Kurs", „Das Blutmeer von Barcelona,„Der Ehrenhandel",„Zum Ausgleich",„Schwierige Frage" und„Nikolaus auf Reisen". Der textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte, Die Breslauer Zentrumsparade",„Alfons' Klagegesang",„Der Pastor Breithaupt",„Deutsche Elegie",„Das Autodafé von Jena“, „Am Strom“ von Paul Enderling und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„v. Arnim=Schnodderheim an v. Below-Pleitenburg",„Kaiser und Kanzler" und„Ferien“, zwei Szenen von Ernst Preczang. Der Preis der 12 Seiten starken Nummer ist 10 Pfg. Von der„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 24 des 19. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der Generalstreik in Schweden.— Preußische Rückständigkeit in der Gewerbeaufsicht. Von gh.— Der Tiroler Aufstand im Jahre 1809. III. Von Dr. Wilhelm Haufenstein.— Die Hinterbliebenenversicherung. Vortrag von Ed. Gräf auf dem Krankenkassenkongreß in Berlin. (Fortsetzung.)— Ausbeutung und Gefahren in der chemischen Industrie. Von h. sch.— Warum fragen die Mütter nicht? Von G.— Der schweizerische Heimarbeiterschutzkongreß. Von D. Z.— Aus der Bewegung: Die politische Frauenorganisation im Jahre 1908.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Genossenschaftliche Rundschau. Wie furchtbar sieht doch dieses Kind aus! Dem sieht man den Hunger an. Zum ersten Male sehen wir heute klar, deutlich, kraß den Hunger! Ein hungerndes Kind! Wir wollen schon fragen, ob kein Erwachsener zu Hause ist, da sehen wir in einem Bette eine alte, kranke Frau liegen. Wir fragen und erfahren: die Kranke ist die Mutter der Wohnungsinhaberin, deren Mann in Amerika ist, aber kein Geld schickt. Die Frau erhält die Familie. Sie ist Zeitungsausträgerin.(Daß die Zeitungsausträger und Austrägerinnen geschlossen streiken, ist zu wenig bekannt.) Jetzt versucht sie etwas zu verdienen, indem sie Haushalsarbeiten aushilfsweise verrichtet. Wir gehen in die zweite Etage desselben Hauses, in dem insgesamt 60 Arbeiterfamilien wohnen. Wahllos klopfen wir an eine Tür, man ruft„Bitte“ und wir treten ein. Auch eine Einzimmerwohnung, die zugleich Küche ist! Aber wie rein ist da alles! Eine Frau in mittleren Jahren wiegt ein Kind. Wir fragen, wie es hier steht. Die Frau hat 2 Kinder. Bis jetzt ist es der Familie leidlich gegangen, aber jetzt fängt es an, knapp zu werden. Sie haben bis jetzt nur 4 Anweisungen von je einer Krone an den Konsumverein beheben können. Der Mann ist nämlich Buchbinder und deren Verbandskasse ist durch einen im vorigen Jahre ausgebrochenen fünf Monate währenden Streik noch erschöpft. Dieser Mann hat also im Vorjahre fünf Monate hinduich nichts verdient. Aber, als wir die Frau fragten, ob ihr Mann streike, da hat sie lächelnd geantwortet:„Ja freilich streikt er!“ Lächelnd sagt das die Mutter zweier Kinder, die in drei Streikwochen vier Kronen Unterstützung erhielt! So leben sig so sind sie, so fühlen sie. Ohne Retouche ist hier gezeichnet, was der wahllose Zufall uns sehen und hören ließ. Mut ist hier und Kraft, Ueberzeugung und das Bewußtsein, für das ganze Proletariat der Welt eine Schlacht zu schlagen. Nichts kann sie zum Wanken bringen, als— der Hunger? Nein das Verhungern, das Kraftlosigkeit bringt! Furchtbar wäre es, diese Heldenschar verhungernd erliegen zu sehen. Sie selbst würden das nicht abwenden können. Hier liegt es bei den Brüdern jenseits der Grenze, sich in die Bresche zu stellen. Sie müssen verhüten, daß auch nur die Möglichkeit auftaucht, als könnte das Elend hier einen Triumph über Heldenmut erringen. Der Wille zu siegen, die Kraft, die Ueberzeugung, siegen zu müssen, sie sind hier bei den schwedischen Helden. Die Möglichkeit, siegen zu können, indem die ärgste Nöe abgewehrt wird— diese Möglichkeit ist da, wenn ihnen geholfen wird! Wenn ihnen von jedem einzelnen draußen in der Welt geholfen wird! Dann werden sie nicht nur Helden— dann werden sie auch Sieger sein! Darum: helft ihnen zum Siege!(Vorwärts.) Von H. Fl.= Notizenkeil: Dienstbotenfrage.— Frallenarbeit auf dem Gebiet der Industrie, des Handels= und Verkehrswesens.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Die Frau in öffentlichen Aemtern. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Moderne Ode. Von Otto Erich Hartleben.— Die Stellung des Menschen in der Lebewelt. Von Hannah Lewin=Dorsch.— Gottfried Keller über den Atheismus.— Für die Hausfrau. — Feuilleton: Die Heimat. Von A. R. Für unsere Kinder: Morgen. Von E. Preczang. (Gedicht.)— Erntefest in der Laubenkolonie. Von W. Martin. — Der Teufel in der Not. Von Detlev von Liliencron.(Gedicht.)— Eine Floßfahrt auf dem Main: VI. Am Spessart vorüber. Von Heinrich Wandt.— Die Heide blüht! Von Brand. — Das Lumpengesindel. Märchen von den Brüdern Grimm. — Tanzliedchen. Von Friedrich Güll.(Gedicht.) Vermischtes. Automobilzusammenstoß. Regensbürg, 30. August. Gestern abend zwischen 5 und 6 Uhr stieß zwischen Geisling und Pfatter das Automobil des Justizrats Hauser aus Regensburg mit einem Postautomobil zusammen. Justizrat Hauser und ein Bauführer Kolb wurden schwer verletzt, ein weiterer Insasse und der Chauffeur erlitten leichtere Verletzungen. Justizrat Hauser ist seinen Verletzungen alsbald erlegen. Feuersbrunst. Pforzheim, 30. August. Im Stadtteil Brötzingen brach nachts Feuer aus, das fünf Häuser und ebenso viel Scheunen vernichtete. 13 Familien sind obdachlos. Der Schaden wird auf 1¼ Million Mark geschätzt. Von der Luftschiffahrt Zeppelins Havarie. Bülzig, 30. August. Das Luftschiff „Z. III“, welches gestern abend um 11,20 Uhr von Berlin aufgestiegen war, um seine Rückfahrt nach Friedrichshafen anzutreten, kam infolge des Bruches des vorderen linken Propellers nur langsam vorwärts. Etwa um 5 Uhr erschien es mit nach rechts geneigter Spitze über der Station Bülzig, die etwa sechs Kilometer von Wittenberg entfernt liegt. Die Antriebsscheibe des rechten Propellers war gebrochen, ein Propellerflügel löste sich los, durchschlug die Ballonhülle und kam auf der anderen Seite wieder heraus. Dadurch entstand ein Loch von etwa 3 Meter Durchmesser und das Gas eines Ballonetts strömte aus. An eine Weiterfahrt des„Z. III“ war natürlich nicht zu denken. Etwa 500 Meter von Bülzig entfernt auf einer Anhöhe, die zu den sogenannten Heidebergen gehört, ging der „Z. III“ glatt nieder. Graf Zeppelin jr. hatte trotz des schweren Unfalles seine Ruhe nicht verloren und ließ, da in der Frühe des Morgens Hilfeleistung nicht zur Stelle war, von einer benachbarten Ziegelei mittels Dampspfeife das Notsignal geben, worauf die Bevölkerung des nahen Dorfes herbeieilte. Durch Radfahrer war inzwischen auch eine Kompagnie des 20. Infanterie=Regiments von Wittenberg herbeigerufen worden, die alsbald im Laufschritt an der Unfallstätte eintraf. Trotzdem die Mannschaften völlig erschöpft waren, griffen sie sofort hilfreich ein und sperrten den Landungsplatz ab. Graf Zeppelin ir. ließ weitere Hilfsmannschaften requirieren und alsbald erschienen noch 400 Mann desselben Regiments, sowie sämtliche Büchsenmacher an der Landungsstelle. Oberst Vollbrecht erteilte die nötigen Befehle. Graf Zeppelin telegraphierte sofort nach Friedrichshafen und beorderte die nötigen Ersatzteile. Um 11 Uhr vormittags begann man mit dem Absägen des vorderen Gestänges der Propeller, an welchem die Propeller montiert sind. Während der Nacht sollen in den oberen Luftschichten starke Winde geherrscht haben, die den Bruch des zweiten Propellers herbeigeführt haben. Zahna, 30. August. Von der Landungsstelle des„Z. III“ ist zu melden: Der Wind wird etwas stärker, der Himmel ist bedeckt und es droht Regen. Alle Mann haben zu tun, um das Luftschiff, daß an der Spitze an einem eingegrabenen Wagen einer Ziegelei, der mit Eisenschienen belastet ist, zu verankern und in die Windrichtung zu stellen. Der Ballon ruht mit seinem geringen Uebergewicht auf der vorderen Gondel, so daß er fortwährend gelüftet und gesenkt werden muß. Die hintere Gondel schwebt in der Luft. Die Fetzen, die bei der Verletzung der Ballonhülle entstanden sind, werden von einem Matrosen notdürftig repariert, da die Gefahr besteht, daß die Risse bei dem starken Winde sich erweitern könnten. Mittlerweile sind Leute vom Luftschifferbataillon beschäftigt, den zerstörten Teilballon aus seiner Zelle zu ziehen, damit die Reparatur vorgenommen werden kann. Ein großer Topf mit Gummilösung steht zu diesem Zwecke bereit. Major Groß ist ebenfalls an der Unfallstelle anwesend. Die Post hat mit bemerkenswerter Fixigkeit bereits eine öffentliche Fernsprechstelle 100 Schritt vom Ballon errichtet. Auf ein Telegramm, das Oberingenieur Dürr nach Berlin sandte, sind etwa 50 Mann vom Luftschifferbataillon eingetroffen. Zahna, 31. August. Gestern nachmittag zwischen 7 und 8 Uhr änderte sich die Situation des Ballons vollständig. Im Osten zog von Wittenberg nach Treuenbrießen zu ein schleres Gewitter herauf. Der verankerte Ballon schob sich infolgezessen in die Zuschauermenge, die schnell das Feld räumen mußte. Die Offiziere beorderten die Mannschaft, dafür Sorge zu tragen, daß sofort alle Fahrradlaternen und sonstigen Lichter aus der Nähe des Ballons entfernt würden, da man eine Explosionsgefahr für den Ballon befürchtete. Gleichzeitig begannen die Monteure mit dem Ausbau des 3. Propellers. Die Reparaturen dürften so beschleunigt werden können, daß der Ballon heute früh seine Weiterfahrt antreten kann. Der Aufstieg scheint auch für diese Zeit vorgesehen. Zahna, 31. August. Ein Extrazug hat im Laufe des gestrigen Nachmittags 500 Gasflaschen aus Bitterfeld herangeschafft. Auch ein Ersatzpropeller aus Bitterfeld ist eingetroffen. Die verletzte Stelle ist bereits vollständig wieder ausgebessert; mit der Füllung ist bereits begonnen worden. Orville Wright in Berlin. Berlin, 30. August. Orville Wright unternahm heute früh über dem Tempelhofer Felde mit seinem Aeroplan einen wohlgelungenen Probeflug von 15 Min. Dauer. Ein losgerissener Fesselballon. Breslau 30 August. Der auf dem Etablissement Friebeberg täglich aufsteigende Fesselballon riß sich heute nachmittag gegen ½4 Uhr plötzlich los und flog mit drei Insassen in der Richtung nach Norden davon. Breslau, 30. August. Zu dem gemeldeten Ballonunfall erfahren wir noch, daß der Ballon in der Richtung nach Militsch geflogen ist. In der Gegend von Carlowitz streifte er in rasender Fahrt den Boden, wobei ein Insasse, ein katholischer Geistlicher, aus der Gondel sprang. Der andere Insasse, der Geschäftsführer des Etablissements Friebeberg, der den Ballon als Führer lenkte, soll sich noch in der Gondel befunden haben. Von dem Ballon fehlt noch jede Spur, er dürfte in der Nähe von Militsch niedergegangen sein. Briefkasten der Nach Detmold. Ohne Kenntnis der näheren Umstände läßt sich diese Frage nicht beantworten. Im Sommer bedarf die Ernährung der Säuglinge besonderer Sorgfalt, weil die Darmkatarrhe in dieser Zeit durch die Gärung der Nahrung im Darme leichter verursacht werden. Durch die Ernährung mit„Kufeke“ und Milch beugt man in wirksamster Weise den gefürchteten Darmerkrankungen vor.(4627 Aiemategraphiel-Phleuter zur aiten-Pöstr. Jetzt während des Umbaues in Remkes Theatersaal, Ulmenstrasse. Gr,„Poell! in gertiet ur wird stündlich vorgeführt. Feinster reiner Himbeersirup per Psd, per ½/ Litersl. per ½2 Literfl. per 1/1 Literfl. 45; 45 75 4 1.20 Feinstes neues Velikateß=Sauerkraut per pfd. 12 4 Neue große Vollheringe... per Dto. 55 fl. Cocos=Pflanzenfett.... per Pfd. 55 besser, billiger und reiner als Schmalz. Stets frisch und hochsein: Margarine... per pfd. 50 g bis 1.00 Süßrahm=Cafel=Margarine per pfd. 80 4 und 1.00 Sonnabend, den 4. September, I doppelte Kassa-Bons 11 Auf Mark 25.00 derselben vergüte ich 50; in bar oder Ware! HemmPm Niederwall 5. Arndtstr. 45. Reichspoststr. 12. R ecer Wcr e 4629 Hochzeits-Einladungen liefert Buchdruckerei„Telkswacht“.“ Münstliche Uühne! mit und ohne Gaumenplatte. 3691 Plombieren und Zahnoperationen schmerzlos. 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September, nachm. 3½ Uhr, vom Städtischen Krankenhause aus statt. Nachruf. Am Montag morgen 2 Uhr verschied nach kurzem, schweren Leiden unser langjähriger Genosse Friedrich Cordes im Alter von 40 Jahren. 4635 Wir werden sein Andenken in Ehren halten! Sozialdem. Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück Ortsgruppe Zielefeld. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3¼ Uhr, vom Städtischen Krankenhause aus statt. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet Nach kurzem schweren Leiden starb am Montag unser treuer Sportsgenosse im Alter von 40 Jahren.— Sein treuer, aufrichtiger Charakter sichert ihm ein bleibendes Andenken.(4636 Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 3½ Uhr, vom Städtischen Krankenhause aus statt.