Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Nielefeld. 7 Nr. 198. Bielefeld, Donnerstag, 26. August 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Sauierung des Parlaments. P. Wien, 22. August. Von allen Seiten werden nun Versuche unternommen, das Parlament wieder arbeitsfähig zu machen, und sogar die hohe Regierung hat sich endlich entschlossen, sich auch zu bemühen. Freilich liegt der Regierung weniger daran, daß das Parlament wieder gesund werde, als daran, daß sie die neuen Steuern erhalte, die sie schon seit mehr als einem Jahre vergeblich vom Parlamente anspricht. Das bosnische Abenteuer hat Geld, viel Geld gekostet und im nächsten Jahre möchte man neue Kanonen kaufen und auch einige hundert Millionen für Dreadnoughts hinauswerfen. Ueberdies hat das heurige Budget mit einem Defizit von 126 Millionen Kronen abgeschlossen, so daß die Regierung schon wirklich dringend das Parlament braucht. Allerdings wer Herrn v. Bienerth, den derzeitigen Lenker unseres Staates, kennt, weiß, daß er selbst nicht imstande ist, den Vermittler zwischen den Parteien abzugeben. Das wissen auch seine Regierungsparteien, und so hat schon im Juli, als durch die Unfähigkeit Bienerths die Session plötzlich geschlossen wurde, der Obmann des Polenklubs, Abgeordneter Glombinski, sich bei beiden Streitteilen erboten, während der Parlamentsferien eine Aussprache der Klubobmänner zu ermöglichen. Diese Konferenz hat vor einigen Tagen im Parlamente stattgefunden und sie hat gezeigt, daß die Stimmung bei den Obstruktionisten durchaus nicht unversöhnlich ist. Wenn auch die Obsiruktionsparteien erklärten, über ihre Taktik erst nach der Eröffnung des Parlamentes Beschlüsse fassen zu wollen, so hat die Konferenz doch einstimmig den Abg. Glombinski damit betraut, die Verhandlungen mit den einzelnen Parteien und mit der Regierung fortzusetzen, um eine Frühherbstsession des Parlamentes zu ermöglichen. Nun ist die Frage der Arbeitsfähigkeit des Parlamentes eng verknüpft mit der der Arbeitsfähigkeit des böhmischen Landtages, wo seit mehr als einem Jahre die Deutschen obstruieren und nicht einmal die Wahl der Ausschüsse zulassen. Um w.s die Obstruktion im böhmischen Landtage geht, ist womöglich noch schwerer festzustellen als bei der Obstruktion im Reichsrat. Angefangen hat die Obstruktion dort aus einem lächerlichen Anlasse: der Landesausschuß hatte für den Posten eines„Aktuars“ einen Tschechen ernannt, während die Deutschen diesen gleichgiltigen, einflußlosen und nicht einmal gut bezahlten Hilfsbeamtenposten für sich verlangten. Allmählich veränderte sich das Ziel das Kampfes und die Deutschen stellten nun eine Reihe von Forderungen auf, die im Wesen darauf hinauslaufen, die Macht der tschechischen Majorität einzuschränken und dem deutschen Gebiet in Böhmen eine Selbstverwaltung zu gewähren. Wenn nun auch die slawische Obstruktion im Parlamente außer allem Zusammenhang mit der deutschen Obstruktion im böhmischen Landtage entstanden ist— hatte sie doch ursprünglich bloß das Ziel, die Handelsverträge mit den Balkanstaaten und damit die Einfuhr von serbischem Fleisch zu verhindern—, so schöpft sie ihre moralische Kraft doch aus der Tatsache der anderen Obstruktion und es würde ihr sofort der Boden entzogen sein, wenn die Deutschen ihre Obstruktion einstellen würden. Deshalb muß das Bestreben der Regierung dahin gehen, die Gegensätze im böhmischen Landtage zu mildern, und Herr v. Bienerth, der unzähligemal im Parlamente erklärte und durch seine offiziose Presse erklären ließ, daß es nicht seine Sache, sondern die des Parlamentes selbst sei, die Arbeitsfähigkeit herzustellen, hat sich nun sogar dazu bequemen müssen, im Ministerrat ein engeres Ministerkomitee wählen zu lassen, das die Verhandlungen zur Sanierung des böhmischen Landtages führen soll. Allerdings scheint der Ministerpräsident keine Ahnung zu haben, wie schwer eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen gerade im böhmischen Landtage herzustellen ist, auf dem klassischen Boden der nationalen Querelen, wo durch jahrzehntelange Aufzucht die nationale Demagogie so in die Höhe geschossen ist. Nun haben aber alle Vertreter der Lander— und sowohl bei den Deutschen als insbesondere auch bei den Obstruktionsparteien stehen an der Spitze Abgeordnete, die in den autonomen Landesverwaltungen tätig sind— ein Interesse an der Arbeitsfähigkeit des Reichsrates, wie der Landtage. Die Landesfinanzen sind nämlich überall vollständig derout. Die Landesbudgets sind— mit Ausnahme vielleicht von Niederösterreich— durchwegs passiv, die Schulden der Länder wachsen ins ungeheure. Ganz besonders arg ist das in Böhmen, wo infolge verschiedener Umstände eine Erhöhung der Landessteuern nicht möglich ist. Dazu kommt, daß Ende dieses Jahres eine Reihe von Ueberweisungen, die die Länder aus Staatsmitteln erhalten, zu Ende geht. Alle Länder sind darauf angewiesen, daß durch ein Reichsgesetz die Dauer dieser Ueberweisungen nicht nur verlängert und daß ihnen neuerliche Staatslubventionen bewilligt werden. In der Finanzvorlage, die die Regierung schon im vorigen Jahre eingebracht hat, war diesem Wunsche der Landesverwaltungen in weitgehendem Maße Rechnung getragen. Diese Vorlagen wollten den Ländern vor allem die Landesbiersteuern ablösen; fortan sollte Biersteuern bloß das Reich einheben, das aber den Ländern die bisherigen Einnahmen aus ihren Biersteuern rückvergüten sollte. Die staatliche Biersteuer sollte von 34 Heller für den Hektolitergrad auf 70 Heller erhöht werden, was einer Steuererhöhung— die Auflassung der Landessteuer schon eingerechnet— um 2 bis 3 Kronen beim Hektoliter Bier entspricht. Die Erhöhung der Biersteuer sollte dem Staate einen Mehreingang von 61 Millionen Kronen bringen, wovon aber 32 Millionen Kronen den Ländern zurückzuvergüten wären, so daß die faktische Mehreinnahme für den Staat 29 Millionen Kronen betragen würde. Die Erhöhung der Branntweinsteuer soll dem Staate 34 Millionen Kronen einbringen, so daß also die beiden Steuern ein Gesamterträgnis von 63 Millionen Kronen liefern sollten. Aus diesem Betrag aber wollte die Regierung den Ländern zur Sanierung ihrer Finanzen nicht weniger als 41 Millionen überweisen, so daß für den Staat bloß 22 Millionen geblieben wären, wozu allerdings weitere 20 Millionen aus einigen Aenderungen der Erbschafts= und Einkommensteuer kämen. Aber gegen die Erhöhung der indirekten Steuern hat sich sofort ein derart heftiger Widerstand erhoben, daß selbst die Regierungsparteien sich nicht entschließen konnten, die unpopulären Abgaben zu bewilligen. Nun hat sich endlich die Regierung entschlossen, die Erhöhung der Biersteuer fallen zu lassen. Daß dies vor allem eine Folge der von den Sozialdemokraten eingeleiteten Agitation ist, geht aus einem Bekenntnis des Hauptorgans der nordböhmischen Bourgeoisie, der„Reichenberger Zeitung“, klar hervor. Dieses Blatt schrieb einige Tage bevor die Regierung die Biersteuer fallen ließ, folgendes:„Jene Parteien, die bei den Wahlen mit den Sozialisten in Konkurrenz stehen, haben Bedenken, sich für die Erhöhung der Biersteuer auszusprechen, weil sie dann den Angriffen der sozialdemokratischen Partei ausgesetzt wären.“ Aber wenn die Regierung auf die Biersteuer verzichtet, so will sie darum nicht auf die 30 Millionen verzichten, und wie die offiziösen Zeitungen vermelden, ist die Einführung einer Zündhölzchen steuer geplant, die 12 bis 20 Millionen tragen soll. Der Rest soll durch eine Reform des Gebührengesetzes, der Einkommensteuer und vielleicht auch der Börsensteuer hereingebracht werden. So hofft die Regierung, indem sie den Länderfiskalisten ein Geschäft anbietet, die Obstruktion im böhmischen Landtag wie im Reichsrat zu beseitigen. Es wird also notwendig sein, den Herren Obstruktionisten, wie den Herren von den Regierungsparteien auf die Finger zu schauen, damit sie nicht den Frieden auf Kosten der breiten Massen des Volkes schließen. Wenn die bürgerlichen Parteien fürchteten, die Biersteuer zu bewilligen,„weil sie dann den Angriffen der sozialdemokratischen Partei ausgesetzt wären“, so wird man ihnen schon klar machen, oaß sie nichts Besseres eintauschen, wenn sie statt der Biersteuer die Zündhölzchensteuer bewilligen. Der wahre Charakter des Zentrums. Seit Wochen besteht im Zentrumslager ein Streit darüber, wie man den wahren Charakter der Zentrumspartei bezeichnen soll. Es wurden unter den Führern heftige Fehden ausgefochten, die aber bisher alle zu keinem Resultat führten. Eine endgiltige Entscheidung sollte in einer Konferenz gefällt werden, die stattfinden sollte, nachdem der Reichstag wieder zusammengetreten ist. Noch bevor es dazu kommen konnte, wird vollständige Klarheit über den strittigen Punkt geschaffen. Die Aufklärung ergeht aus dem Vatikan, also von einer Instanz aus, die es genau wissen muß und der auch nicht widersprochen werden darf. Die„Unita Cattolica“ schreibt: „Eine ständige gemeinsame Arbeit zwischen Katholiken und Protestanten würde nur schädigend auf den Katholizismus wirken. Vorübergehend wäre allerdings ein solches Zusammengehen möglich, ein festes Bündnis jedoch verlange Zugeständnisse und damit eine öffentliche Anerkennung des Protestantismus, zugleich aber auch einen Verzicht darauf, das öffentliche Leben nach rein katholischen Prinzipien umzugestalten und sich von den geistlichen Behörden leiten zu lassen. Das jedoch sei die Pflicht jedes guten Katholiken.“ Hieraus geht also unzweideutig hervor, was schon ein jeder vorher wußte: daß das Zentrum einzig und allein eine katholischkirchlich-konfessionelle Partei ist und sein darf. „Christliche" Konsumvereine und Mittelstand. Am Sonntag und Montag hielten die christlichen Konsumgenossenschaften von Rheinland und Westfalen in Köln einen Verbandstag ab. Man beklagte, daß trotz Einiadung Vertreter der bürgerlichen Parteien— namentlich des Zentrums— nicht erschienen seien. In einer Resolution, die einstimmig angenommen wurde, sprach sich der Verbandstag„entschieden gegen das in gewissen Kreisen— Mittelstandsvereinigung, katholischer, kaufmännischer Verband usw.— immer wieder hervortretende Streben aus, die maßgebenden Körperschaften, Landtag, Reichstag und Regierung gegen die Konsumvereine mobil zu machen;“ es sei verwerflich, daß jene Kreise durch maßlose Besteuerung, Verbot der Beamten=Konsumvereine usw., den Arbeitern und Angestellten das Recht des genossenschaftlichen Zusammenschlusses nehmen wollen. Dieses Treiben wird dann im weiteren als„maßlose Hetze" bezeichnet. Es sind Zentrumsarbeiter, die so über Zentrumsmittelständler reden. Trotzdem gibt es angeblich keine Klassengegensätze. In, welcher Weise die christlichen Gewerkschaftsführer die Geschäfte des Zentrums besorgen, mag man aus dem Vortrage des Genossenschaftsbeamten Bissels=Essen erkennen, der darüber klagte, daß man an seinem Wohnorte einen Ansturm der christlichen Gewerkschaftssekretäre habe erleben müssen, als man durch einen Aufruf in der Zeitung die Angriffe des Mittelstandes abgewehrt und auf die unglückliche Finanzreform hingewiesen habe. Landrätliche Vielseitigkeit. Der Landrat des Landkreises Hannover, Graf Wedel, teilt in einem amtlichen Erlaß den ihm unterstellten Gemeindevorstehern mit, daß er verschiedene Regimenter ersucht habe, den im Herbste zur Entlassung gelangenden Mannschaften zu eröffnen, daß er bereit sei, Stellungsgesuche für landwirtschaftliche Betriebe entgegenzunehmen. Die Gemeindevorsteher werden aufgefordert, dem Herrn Landrat innerhalb acht Tagen mitzuteilen, welche Stellen in ihren Gemeinden in landwirtschaftlichen Betrieben unbesetzt sind. Die Vielseitigkeit des preußischen Landrates ist in der Tat nicht mehr zu übertreffen: Der eine arrangiert Wahlen im Sinne der Regierung, der andere handelt mit Büchern und Kalendern und wieder ein anderer vermittelt ländliche Dienstboten. So ist der Landrat in Preußen wirklich ein Stück— allerdings sehr unerwünschter— Vorsehung. Sehnsucht nach einem neuen Ausnahmegesetz? Die„Berliner Neuesten Nachrichten“, ein im Dienste etlicher Großkapitalisten stehendes Scharfmacherblatt, fällt in einem langen Artikel wütend über die Sozialdemokratie her und macht dem Staat den Vorwurf, daß er nicht genug tue, um die sozialdemokratische Gefahr einzudämmen. Die sozialdemokratische Parteileitung darf einen Parteitag einberufen, auf dem über neue Mittel und Wege beraten werden soll, den Staat und die Gesellschaft zu zertrümmern. Das Strafrecht bedrohe Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates mit drakonischen Strafen; aber der Staat sehe ruhig zu, wenn eine Partei die Massen organisiert zu dem Zwecke, die Form und den Inhalt des Staates zu brechen. Er rührt sich auch nicht, wenn demonstrativ in aller Oeffentlichkeit Untersuchungen betrieben werden, wie die Mittel zur Zertrümmerung des Staates zu verhärten sind. Dringend wichtig sei es, das Gewissen zu erforschen, ob man die Organisation dieses Feindes im Staate weiter dulden dürfe. Für die bürgerlichen Parteien sei eine solche Gewissensschärfung nicht weniger notwendig als für den Staat selbst. Die revolutionäre Propaganda sei bedenklicher und gefährlicher als der einfache Landesverrat. Wir meinen, diese Proben aus dem Ergüß genügen, um zu zeigen, in welcher Richtung sich die Wünsche der Scharfmacher bewegen. Wenn sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen, dann appellieren sie an die brutale Gewalt, ohne sich dadurch beirren zu lassen, daß dieser Appell auf einen Bruch der bestehenden Gesetze hinausläuft. Die Ministerstürzer streiten sich nun schon seit geraumer Zeit; es ist auch vorläufig noch kein Ende abzusehen. Die Konservativen behaupten, die Liberalen hätten zum Sturze Bülows den Anlaß gegeben und die Liberalen schieben wieder den Konservativen die Schuld zu. Die„Kreuzzeitung will jetzt den Beweis dafür antreten, daß die Junker schuldlos sind, tut dies aber nicht aus eigenem Antriebe, sondern läßt sich hierzu erst herausfordern. Die linksliberale„Saale=Zeitung“ will der„Kreuzzeitung" bei der Beweisführung etwas behilflich sein; sie schreibt: „Wir wollen der„Kreuzzeitung“ etwas die Beweisführung erleichtern und sie fragen, ob sie nicht weiß, daß ein der hohen Aristokratie angehöriger konservativer Reichstagsabgeordneter, der sehr gute Verbindungen und verwandtschaftliche Beziehungen zum Hofe hat, einem früheren nationalliberalen Parlamentarier im Foyer des Reichstags beim Promenieren (nach einer nichts weniger als schmeichelhaften Charakteristik des Staatsmannes Bülow) erklärte, daß Fürst Bülow eine Gefahr bedeute und unter allen Umständen gestürzt werden müsse!— Das war nach den Novembervorgängen.“ Die„Kreuzzeitung“ will aber von einem derartigen Gespräch nichts wissen. Sie hilft sich über die Behauptung der„SaaleZeitung“ mit der nichtssagenden Bemerkung hinweg, daß sie genau wisse, daß ein Konservativer niemals sagen werde, ein Minister des Königs müsse gestürzt werden. Sodann bringt das Blatt einige Aeußerüngen liberaler Blätter und des Abg. Bassermann, in denen ebenfalls die Rede davon ist, daß Bülow gehen müsse. Eine vertrauliche Verfassungseinführung. Schwerin, 25. August. Die kommissarisch= deputatischen Verhandlungen über die Reform der Verfassung haben heute begonnen. Die Verhandlungen sind streng vertraulich. Zum Strafverfahren gegen Jugendliche hat der Minister des Innern einen Erlaß an die Oberpräsidenten gerichtet, in dem darauf hingewiesen wird, daß sich als besonders wirksam die Maßnahmen erwiesen haben, die auf eine möglichst frühzeitige und erschöpfende Erforschung der Lebensverhältnisse des jugendlichen Beschuldigten, sowie aller derjenigen Umstände abzielen, die sonst zur Beurteilung seiner Person, der Straftat und der zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderlichen Einsicht dienlich sein können. Für die beteiligten Justizbehörden sei es daher von großer Bedeutung, geeignete Kräfte zu gewinnen, die die erforderlichen Ermittlungen umsichtig, zuverlässig und pünktlich bewirken. Die Justizbehörden sollen sich hierzu neben der Beihilfe der Polizeiorgane in ausgedehntem Maße der Mitwirkung der Fürsorgevereine bedienen, da mit diesen Vereinen bereits gute Erfolge gezeitigt wurden. In Fällen, in denen gegen polizeiliche Strafverfügung auf gerichtliche Entscheidung angetragen worden war, sei die erforderliche rechtzeitige Erforschung der Verhältnisse des Angeklagten durch die Justizbehörden nicht selten aus dem Grunde unterblieben, weil aus den Akten das Lebensalter des Angeklagten nicht ersichtlich gewesen sei und sich erst in der Hauptverhandlung ergeben habe, daß der durch die polizeiliche Strafverfügung Betroffene ein Jugendlicher war. Um solche Vorkommnisse für die Folge zu vermeiden, sollen die Polizeibehörden ferner veranlaßt werden, vor Abgabe der Akten an den Amtsanwalt das Alter des Angeklagten jedenfalls dann zu vermerken, wenn es sich um einen Jugendlichen handelt. Neue Enthüllungen. Der vielgenannte russische Revolutionär Burzew, dessen Enthüllungen über die Machenschaften der Lockspitzel Azew und Harting in der ganzen zivilisierten Welt so ungeheures Aufsehen erregt haben, weilt seit einigen Tagen in Berlin. Burzew bereitet hier eine Reihe neuer, sensationeller Enthüllungen über die Politik des Zaren vor, die schon in den nächsten Tagen in mehreren ausländischen Zeitungen zugleich erscheinen dürften. Das Vereinsgesetz in der Praxis. Als die Memeler Gewersschaften aus Anlaß ihres Sommerfestes einen Umzug durch die Stadt planten und die Polizeibehörde ersuchten, hierzu die Genehmigung zu erteilen, wurde diese ohne Angabe von Gründen vertbeigert. Auf die beim Regierungspräsidenken eingelegte Beschwerde hat dieser geantwortet,„daß zu befürchten war, daß durch den Umzug Menschenansammlungen auf den öffentlichen Straßen verursacht würden, die Verkehrsstörungen und damit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit herbeifuyren könnten. Daher war die Polizeibehörde berechtigt, die Genehmigung zu Die Angabe in der Beschwerde, daß die anderen Arbeitervereinigungen bei Gelegenheit ihrer Festlichkeiten„Umzüge ausführen, wurde vom Regierungspräsidenten als„unrichtig“ erklärt, da der katholische wie der evangelische Arbeiterverein nur auf dem nächsten Wege zum Festlokol ziehen. Daß die freien Gewerkschaften nicht den„kürzesten Ein gehen wollten, weiß der Herr Regierungspräsident nicht. Er nimmt es aber an und begründet damit sein Verbot und die „Gleichheit aller vor dem Gesetze". Die polnische Sprache auf dem Index. Dem Vorsitzenden des Katholikentages, Justizrat Porsch, ist jetzt der offizielle scheid des Regierungspräsidenten zugegangen, wonach das Halten polnischer Reden auch in den Gesellenvereinen unterBrüsevitz=Begeisterung. Ein Teil der deutschen bürgerlichen Presse berichtet, daß ein deutscher Rechtsanwalt in der Schweiz einen Offizier vor aller Oeffentlichkeit geohrfeigt habe, und o### der verletzte Offizier den Rechtsanwalt, der außerder, deutscher Reserveoffizier ist, wegen Beleidigung verklagt„.. Deutsche Tageszeitung findet, daß dieser Ausgang kein idealer Zustand sei. Wenigstens wäre es nicht zu wünschen, daß ein deutscher Offizier sich ohrfeigen lasse und nachyer damit zufrieden sei wenn sein Gegner eine Geldstrafe bekommt. Mzzeug Das agrarische Blatt hält es da mit dem biederen Brusewitz, der seinen Gegner einfach niedergestochen hat. Zwar findet die „Deutsche Tagesztg.“, daß der Zustand auch nicht ideal sei, aber immerhin noch besser als die in der Schweiz herrschende Gepflogenheit, daß auch Offiziere sich sagen, daß sie die Gesetze achten müssen. Kolonialamk erklären Verhandlünger über die Kharas=Gesellschaft zwischen dem Kolonialamt und den Interessenten hätten nicht stattgefunden, der Gründer der neuen Gesellschaft sei dem Staatssekretär persönlich unbekannt, ein Antrag auf Genehmigung der Ueberführung der Rechte der Territories=Gesellschaft auf das neue Unternehmen sei bisher bei dem Kolonialamt nicht gestellt worden. Diese sehr verspätete Erklärung gab aber weiterhin zu, daß der Staatssekretär einem Vertreter des Gründers Schlutius bei Gelegenheit der Entgegennahme einer Mitteilung über die erfolgte Gründung der Kharas=Gesellschaft seiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben hat, daß deutsches Privatkapital ohne Appell an das Publikum bereit sei, wesentliche Summen zur Erschließung des südwestafrikanischen Schupgebietes aufzubringen. Dabei wurden nach der offiziosen Darstellung gesprächsweise die technischen Mittel und Wege berührt, wie diesem Ziele am ehesten näher zu kommen wäre. Wenn die in diesen Gesprächen gefauenen deußerungen Dernburgs nach seinem Wunsch nicht dazu dienen sollten, die Interessen der Kharas=Gesellschaft zu fördern, so hätte Herr Staatssekretär Dernburg längst die Zeit finden müssen, der Ausnutzung seiner Worte zu spekulativen Zwecken entgegen zu treten. Herr Dernburg war doch sonst nicht so schwerfällig und hilflos. Hätte das Kolonialamt die Schlutiusschen Ausstreuungen sofort widerlegt, so wäre dieser neueste Kolonialskandal unmöglich gewesen. Inzwischen hat Herr Schlutius sich mit der Verwaltung der Territories=Gesellschaft auch noch olidarisch erklärt, obwohl ihre Stellungnahme zu den Falschmeldungen über die Diamantenfunde eine mehr als bedenrl#che war. Hätten sich diese Vorgänge in Frankreich oder in England abgespielt, dann hätte die„staatserhaltende deutsche Presse erbauliche Betrachtungen über unerträgliche Mißwirtschaft angestellt. bei der Wahl die Einführüng des Proporzes. Die große Mehrheit der Abgeordneten von Paris und des Seine=Departements hat beantragt, mit ihrem Gebiet einen Versuch zu machen.#### handelt sich um 50 Mandate. Ist es der Regierung mt, der Säuberung ernst, dann muß sie gerade hier energisch michlisen. — Im Gegensatz zu der provozierenden Brutalität Clemenceaus versucht die neue Regierung es mit Maßregeln der Milde. Eine Anzahl politischer Verurteilter, darunter auch der wegen eines nicht von ihm verfaßten Artikels zu 5 Jahren Gefängnis verurteilte Redakteur der„Guerre Sociale“(Der soziale Krieg) sind auf freien Fuß gesetzt worden, teils mittels vorlaufiger Entlassung, teils durch Begnadigung. Die ausgesperrten Poftbeamten werden größtenteils wieder eingestellt, wenngleich ohne Rechtsanspruch und teilweise auf andere Plätze. gibt keinen blauschwarzen Block!“ so behauptet die „Schlesische Volkszeitung". Das Hauptorgan des schlesischen „Zentrum und Konservative haben keinen Block gebildet, wollen keinen Block bilden und können auch keinen Wenn sie es versuchten, so würden sie in denselben Fehleg per fallen, den Fürst Bülow bei seinem liberal-konservativen Blockexperiment begangen und gebüßt hat. Eine Blockbildung würde bedeuten, daß die verblockten Parteien die Geschäfte des Reiche tags allein erledigen wollen unter Ausschaltung der anderen Parteien. So eine anmaßliche und verwegene dem Zentrum und den Konservativen auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sie eine noch größere Berührungsfläch und eine noch stärkere Mehrheit besäßen. Aber wenn kein blauschwarzer Block besteht, liegt denn nicht wenigstens ein Bündnis vor, das sich auf einen Teil der Geschäfte des Reichstages bezieht? Nein, es ist überhaupt keine Abmachung für irgend welche bevorstehenden Aufgaben getroffen worden. Das ist autentisch erklärt worden, und alle Beobachter den Vorgänge im Reichstage haben ja sehen können, daß die betreffenden Parteien sich auf dem Wege zu einer erträglichen Finanzreform getroffen und dieses Ziel gemeinsam angestrebt haben, ohne daß sich Zeit oder Anlaß fand, die schwierige Aufgabe des Tages mit irgend welchen anderen Angelegenheiten zu verquicken. Der Ankunftsstempel auf Briefen. Die Breslauer Handels, kammer unternimmt erneut Versuche, um das Reichspostame von der Schädlichkeit der Verfügung zu überzeugen, wonach Briefe keine Ankunftsstempel mehr erhalten sollen. In einer Protestkundgebung führt sie eine Anzahl Fälle an, in denen sich Unzuträglichkeiten herausgestellt haben und wo der Fortfall des Ankunftsstempels als lästig empfunden wurde. Es wird verlangt, daß die ergangene Verfügung baldigst wieder aufgehoben Ob die Handelskammer den Staatssekretär dazu bewegen wird, daß er den Erlaß widerruft, ist wohl kaum anzunehmen. So leicht ist keine Behörde bereit, einen Fehler einzugestehen. Als Sturmbock gegen die Sozialdemokratie soll sich nach den Wünschen des Abg. Dr. Arendt der„Hansa=Bund" bewähren. Der durch seine Vielschreiberei und Vielrednerei hinlänglich bekannte freikonservative Abgeordnete veröffentlicht in der„Täglichen Rundschau“ einen langen Artikel, in dem er dieses Thema nach allen Seiten hin erörtert. Er hat berechnet, daß 250 Mandate sicherer Besitz der einzelnen Parteien sind, so daß nur etwa 150 Mandate für den Wettbewerb der Parteien untereinander in Frage kommen. In diese Wahlkämpfe soll der„HansaBund“ eingreifen, er darf aber seine Front nicht gegen die Agrarier, sondern nur gegen die Sozialdemokratie richten. Zentrum und Sozialdemokratie verträten die industriellen städte, und gerade hier müßte der„Hansa=Bund dafür sorgen, daß Vertreter der von ihm wahrzunehmenden Interessen gewählt werden. Herr Arendt empfiehlt dann dem„HansaBund“, er möge in treue Waffenbrüderschaft mit dem Reichsverbande gegen die Sozialdemokratie treten, damit würde sich auch die Brücke zur Landwirtschaft finden. Daß Herr Dr. Arendt dem„Hansa-Bund“ die Stellung einer Filiale des Reichsverbandes zumutet, erscheint uns recht bezeichnend für die Wertschätzung, die der„Hansa=Bund“ in den Kreisen der freikonservativen Industriellen findet. Eine Scharlach=„Epidemie" im Reiche des „ungekrönten Königs“. In Altenau bei Militsch, wo die Füchse sich„Gute sagen und die Latifundien des Fürsten Haßfeld, der Grafen Hochberg und Wilamowitz, des Freiherrn v. Maltzan und des ungekrönten Königs v. Heydebrand in buntem Gemenge aneinanderstoßen, wo galizische Arbeiter zu Ehren der deutschen Ostmark die Garben vor die Dreschmaschine schleppen, sollte am Sonntag Genosse Löbe aus Breslau etwas Licht über die Tätigkeit des Abgeordneten v. Heydebrand ins Volk tragen. Die Genossen von Militsch und Freyhan hatten dazu, so berichtet die sozialdemokratische Breslauer„Volkswacht“, gute Vorarbeit geleistet und in einigen 80 Dörfern der Umgebung ein Flugblatt:„Die Abstimmungen des Herrn Heydebrand im Bilde" verbreitet, dessen Illustrationen unter dem Landvolk viel Interesse, bei den„gnädigen Herren" aber helle Entrüstung erregten. Genosse Scholich meldete die Versammlung von Breslau aus ordnungsmäßig an, damit kein formeller Verstoß Plan durchkreuzte. Statt der erwarteten Bescheinigung traf zunächst vom zuständigen Amtsvorsteher, Herrn Leutnant Lehmann, der folgende von Gesetzeskenntnis triefende Be9eioe en:„Bogislawitz, 17. August 1909. Herrn Gustav Scholich. ich mit dem Bemerken zurückgereicht, daß ich u.###her die Genehmigung(!) zu dieser Versammlung erteile, vevor mir nicht die Tagesordnung mitgeteilt worden ist. Lehmann. Genosse Scholich antwortete dem Herrn Leutnant hoflich und bescheiden:„Breslau, den 18. August. Ich teile Ihnen mit, daß ich keine Veranlassung habe, Ihnen die Tagesordnung mitzuteilen. Ferner habe ich nicht um eine Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung nachgesucht, da ich eine gesetzlich vorgeschriebene Bescheinigung über die erfolgte Anmeldung gefordert.(§ 5 des Vereinsgesetzes vom 14. April 1908.)“ Die sehnlichst erwartete Bescheinigung ließ sich aber erst am Sonnabend abend erblicken und zwar in Gestalt des folgenden Telegrammes von der nächsten Station Freyhan: Parteisekretär Gustav Scholich, Breslau, Gartenstraße. Wegen Scharlach=Epidemie darf Versammlung in Altenau nicht abgehalten werden. Der Amtsvorsteher. Türkei. Der Aufstand der Albanesen nimmt immer größere Dimensionen an, besonders in Mitroviza ist die Lage gefährlich. Die Albanesen drohen die Eisenbahn zu zerstören, um Tr#ppentransporte zu verhindern. Zwei Engländer in Lebensgefahr. London, 25. Die„Times“ meldet aus Teheran: Ein Beamter der Persischen Reichsbank namens Wright und ein Beamter der indo-europäischen Telegraphengesellschaft namens Ames befinden sich in größter Lebensgefahr in einem 50 Meilen westlich von Ferman belegenen Dorfe, wo 800 Räuber einen Turm belagern, in dem die Bevölkerung Schutz suchte. Die Ortsbeamten seien machtlos. Der britische Minister benachrichtigte den persischen Minister des Innern von der gefährlichen Lage der beiden Engländer, doch konnte vorerst nicht Abhilfe geschaffen werden. Amerika. ak. Vom Fortschritt der sozialistischen Bewegung. In Mikwaukee, Wisconsin, der deutschesten Stadt der Vereinigten Staaten, wird unsere Partei demnächst ein eigenes Heim haben. Sobald 15 000 Dollar, von denen nur noch ein kleiner Teil fehlt, zusammen sind, beginnt der Bau, der auf 50 000 Dollar veranschlagt ist. Er ist für Versammlungs-, Bureau, Druckereiräume und dergleichen bestimmt und wird zunächst dreistöckig. Doch wird das Fundament für 8 Stockwerke eingerichtet, damit fur den Zuwachs und die spätere Umwandlung des„Socialdemo= cratic Herald“ in eine Tageszeitung Raum vorhanden ist.— In den Gemeindeausschüssen wurde auf Antrag unserer nossen im Prinzip die Einführung der Schulspeisung beschrossen und ein Antrag, die Schaffung einer Zweiganstalt der Landesuniversität Madison in Milwaukee zu betreiben, einem Ausschuß zugewiesen. a. k. Furchtbare Schilderungen der an den besiegten Aufständischen begangenen Scheußlichkeiten gibt der„Eclair“. In dem Palast des Sultans, der zu diesem Zweck dem Publikum geöffnet ist, werden die Gefangenen in Ketten eingeliefert, von der Menge mißhandelt und angespien. Muley-Hafid diktiert ihr Urteil selbst, und es wird sofort vollstreckt. Dem einen werden die Kinnbacken mit dem Hammer zerschmettert, dem anderen die Augen ausgerissen, dem dritten die Hand aufgeschlitzt, mit Salz bestreut und in einen Lederhandschuh eingenäht. Die Schmerzensschreie mischen sich mit dem Beifallsjauchzen der Menge. Das Schauspiel übersteigt alles, was man an Grausamkeit ausdenken kann.— Solche Schandtaten begeht unter allerhöchstem Schutz der christlichen und zivilisierten europaischen Mächte der legitime Sultan. Hier wäre ein Anlaß zum gemeinsamen Einschreiten vorhanden, wie noch keiner wa war. Aber es handelt sich ja weniger um schmierigen Prosit noch um die Sorte„Ehre", für die unsere kapitalistischen Mächte jederzeit zu den unsinnigsten Opfern bereit sind. Es handelt sich nur um Menschenleben und Menschlichkeit. Und die zählen bei unseren Staatsmännern nicht. Oder sollten wir uns getäuscht haben? Sollte ein Funke der Menschlichkeit gegenüber infamsten Schurkereien dort gezündet haben? Warten wir es ab! Der Roghi gefangen. Tanger, 25. August. Bagdadi sandte El Gebbas die Nachricht, daß der Roghi bei dem Stamme der Beni el Maar im Zauiagebiet in Gefangenschaft geraten ist. Wegen dieses Erfolges werden große Feste veranstaltet. Schlutius und Deruburg. Ki Als Herr Johannes Schlutius, Schloßherr auf Karow in Mecklenburg, der Oeffentlichkeit mitteilte, daß er der bisher unbekannte große Käufer der Anteile der South African Territories Co. gewesen sei, hieß es, daß der TerritoriesSkandal nunmehr zu Ende sei. Im nationalen Interesse, so ließ Schlutius verkünden, habe er diese Käufe vorgenommen, um die unter englischer Verwaltung stehende Territoriesgesellschaft für das deutsche Kapital zurückzuerobern. Doch der Skandal begann nunmehr erst seinen Höchstgrad zu erreichen. Unter der Führung dieses Herrn Schlutius war eine Tochtergesellschaft der Territories Co. gegründet worden, die die Firma Kharas=Gesellschaft erhielt, und der die Minenrechte der Territories Co. übertragen wurden. In marktschceierischen Ankündigungen erzählten die Gründer die merkwürdigsten Dinge über die junge Gesellschaft, von der sie u. a. versicherten, daß ihre Verwaltung in deutschen Händen sei, daß der Staatssekretär Dernburg ihre Errichtung mit großer Genugtuung begrüßt und dem neuen Unternehmen alle möglichen Unterstützungen zugesagt habe. Als die ersten Erklärungen dieser Art erschienen, waren nur wenige Tage vergangen, daß das Kolonialamt sich zu der Feststellung genötigt sah, die auch von ihm verbreiteten Meldungen über Diamantenfunde auf dem Gebiet der Territories Co. seien völlig haltlos, die amtlichen Untersuchungen hätten ergeben, daß keine Spur von Diamanten vord. Um so merkwürdiger mußte es berühren, daß Karower Schloßherrn unwidersprochen, dann erst ließ das Italien. ak. Spitzelinternationale.— Die Stadtverwaltung von Catania. Der liberale russische Schriftsteller Amphiteatroff, der zusammen mit unserem alten, durch die Amnestie der ersten Duma aus 22jähriger Kerkerhaft befreiten Genossen Lopatin ein Landhaus in der Nähe von Genua bewohnt, hat sich bei dem Ministerpräsidenten beschwert wegen des unverschämten Eindringens der Polizei in seine Wohnung. In seiner Abwesenheit waren Polizisten da, forschten das Hauspersonal aus und verrieten dabei, daß sie von Telegrammen, die an A. gerichtet waren, Kenntnis hatten. A., der, mit allen Papieren ausiestattet, ruhig seinen Arbeiten lebt, fordert Abstellung solcher Ungesetzlichkeiten und Unverschämtheiten. Und„Tempo“ warnt die in Italien lebenden Russen, sich auf das italienische Postgeheimnis zu verlassen.„Wenn der Zar nicht kommen sollte— der Zarismus ist schon da,“ sagt er richtig. Bisher hat das italienische Volk in diesen Dingen ein feines Ehrgefühl bewiesen. Wird es sich gefallen lassen, sein Land auf die Stufe Preußens herabgedrückt zu sehen?— Am 16: August traf eine Regierungsgeschäfte der Stadt, die bekanntlich von Sozialisten geführt werden, einer unvermuteten Revision zu unterziehen. Die Kommission mußte bestätigen, daß alles in bester Ordnung wur, un die Leistungen der Verwaltung anerkennen. Sicher zu ihrer großen Freude. Und schade nur, daß von den meisten sizilianischen Gemeinden, die, in den Händen der Pegigrungstreuen liegen, ganz anders gesagt werden muß. Diese Revision ist, seitdem die Opposition gegen die Wahlmogeleien der Regierung und die Untätigkeit der Regierung in der Erdbebenzeit eingesetzt hat, bereits die fünfte. So soll jedenfalls, wie dem„Tempo geschrieben wird, die Oeffentlichkeit auf irgend gegen die Stadtverwaltung vorbereitet werden. Ob die Regierung damit Glück haben wird? Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 26. August. — Holzarbeiterverband. In der Vertrauensmännersitzung morgen abend gelangen die Legitimationsscheine für die Gewerbegerichtswahlen zur Ausgabe. Die Kollegen in den einzelnen Werkstätten und Betrieben mögen daher für geeignete Vertretung sorgen. Sammellisten für die Schweden sind gleichfalls in Empfang zu nehmen. — Die Macht der Konsumenten. Allenthalben tobt zurzeit der„Steuerkampf". Besonders ist es das Bier, bei dem der Streitruf: Hie Konsument— hie Brauer und Wirt: hitzig schallt. Die Brauer suchen über die Erhöhung der Steuer hinaus einen Extraprofit zu erhaschen, und die Wirte— möchten es gern den Brauern nachmachen. Die Konsumenten lassen sich aber dieses liebliche Beginnen nicht so ohne weiteres gefallen. Trotz des Mangels einer wirksamen Organisation können die Bierkonsumenten dabei doch oft ihre Macht zeigen. So hatt nach Zeitungsmitteilungen die erfolgte Bierverteuerung in Bechum ungrngrteite Fosgen. Witgliederne tempfogsen,) v rnach Frankreich. ak. Reform im Anstellungswesen.— Das Proportionalwahlund des Postals Minister der öffentlichen Arbeiten und der— wesens erklärt, daß die seyr venievten Empfehlungen von Kandidaten und sonstigen Reflektanten durch Abgeordnete von ihm nicht mehr angenommen werden würden. Wird es ihm gelingen, auszumisten? Heute sind die Abgeordneten größtenteils nur Stellen= und Geschäftsvermittler für einflußreiche Wahlmacher ihres Wahlkreises. Gut, sagt der Demokratie könne kein größeres Unglück widerfahren, als wenn das Land sich selbst in der Person seiner Verl#eter verachten müsse. Eine Notwendigkeit ist darum schon von Gesichtspunkt der Ausscheidung schäbigster Kirchturmsinteressen hatte der Virtverein semeg, Litgliedern. egeeimer außenhin möglichst wenig aufhevens von dem in Sitzung erfolgten Beschluß, höhere Preise und kleinere Gläser einzuführen, zu machen, und die Konsumenten somit gewissermaßen zu überrumpeln und sie vor eine fertige Tatsache zu stellen. Aber nicht nur die Wirte„arbeiteten im stillen, sondern auch die Konsumenten. Keine Protestversammlungen erfolgten, wo aber die Wirte die kleinen Fingerhütchen einführten, da blieben die Gäste weg und suchten irgendwo innerhalb oder außerhalb des Bezirks Ersatz in alten Maßen und zu alten Preisen. Als viele Lokale mit den höheren Preisen und kleineren Gläsern leer blieben, wurden vielfach die alten„Pötte“ wieder hervorgeholt. Jetzt sollen aber einige Wirte im Konkurrenzkampfe dazu übergegangen sein, die Bierpreise gegen früher noch zu ermäßigen. Fruher kostete das über die Straße verkaufte Bier 30 Pfg. der Liter, jetzt erhält man es in zahlreichen Wirtschaften in gleicher Güte zu 25 Pfg. Auf diese Preisermäßigung wird von einigen Wirten ausdrücklich durch Aushänge an den Fenstern aufmerksam gemacht. Die Konsumenten ersehen an diesem Beispiel wieder, daß es bei einigem Zusammenhalt und zweckdienlicher Arbeit wohl möglich ist, manche der vielen Schröpfversuche abzuwehren. Wenn es ohne jede Organisation schon möglich ist, um wieviel mehr kommt die Riesenkraft der Konsumenten in festgeschlossenen, dauernd wirksamen Organisationen, den Konsumgenossenschaften, erst zum Ausdruck. In diesen Tagen der Steuerabwälzungen wird jeder Konsument mit der Nase darauf gestoßen, um wieviel größer der Vorteil der organisierten Konsumenken ist, die ihre bewußter Tätigkeit z. einzeln und verloren — Ueber den„K vereine" sprach geste gut besuchten Versam interessanten Ausführ abend einen ausführ! — Einen Konzer menden Sonnabend, vereinigten Arbeiterg erste Veranstaltung einen besonderen Gau bilden. Zum Vortrag der gemischten Chöre eine, während durch das Programm gebra es, wie bei allen der Saale zu unterlassen. — Das städtische abends 8½ Uhr, das gesellschaft auf dem nur für Mitglieder — Bielefelder S wird uns geschrieben: Führ, zu gewöhnlicher statt. Zur Aufführu Lustspiel mit Gesang nochmals hin und wü suchtes Haus.— Mo sangsposse„Der Stal — Polizeibericht. Schweinebestande des ausgebrochen. Sperrung. 2 die Schildescherstraße Sudbrackstraße in der für den Fuhrwerksve Viehmarkt. markt war mit 45 P betrieben. Es wurde Rinder 150—400 Mk 24 Mk., für Stangen Der Handel war ziem Diebstähle. folgende Sachen gesto Uhr mit doppeltem D bem Leder, Inhalt z (grün). Ferner wurd Kurtheaters in Oeyn etwa 30 Mk. deutscher (20=Dollar- und 2-Do Mitteilungen, welche nimmt die hiesige Kri Ein Schwind einem Arbeiter als M goldenen Uhr 28 Ma Waggon mit Teilen dem erhaltenen Gelde wies sich bei näherer Der Täter wird wief blaß, mit dunkelblon Schlapphut und Schi mittlung des Täters teilung, Turnerstr. 4. Fesigenomme heit, groben Unfugs u im Polizeigefängnis 1 Man sollte denker habe außerordentlich hätten leicht aufgeklä mehrere Monate de Differenzen entstehen, renz in der Menge de Verlangen Homanns und dem Kläger aufzt einzelnen Lieferungen Kisten nicht mit eine sich in den Büchern Lieferungen vorfinden nis zusammenstellen l der Rechnungs=Auszu Bücher, das hätte da dem Prozeß dem Kläg Nach den Angaben diese Absicht gehabt. 2 Justizrat Seibertz, m den Buchhalter Schul erfolgte Lieferung zu offenbar dem Richter wenigstens und finder ein Richter und kauft Gegensatz kann man also zwecks Prüfungd gen wenden müssen, u Stelle eines solchen 2 *** zu veranstalten, was d hineinfiel. Es wurde Schulte und den Arb beschäftigt, zu vernehn Wie die Aussage sind wir durch das v dort in den Entscheid Der Zeuge Ther als beschworen ang von den Arbeitern? 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Doch serichtet, damit für des„Socialdemo= vorhanden ist.— ntrag unserer Gespeisung beschlossen anstalt der Landesen, einem Ausschuß den besiegten Aufder„Eclair“. In k dem Publikum geen eingeliefert, von ey-Hafid diktiert ihr Dem einen werden irt, dem anderen die tfgeschlitzt, mit Salz eingenäht. Die Beifallsjauchzen der vas man an Graudtaten begeht unter lisierten europaischen Anlaß zum gemeinner wa war. Aber Prosit noch um die sen Mächte jederzeit Es handelt sich nur ind die zählen bei in wir uns getäuscht hkeit gegenüber inWarten wir es ab! 5. August. Bagdadi ghi bei dem Stamme igenschaft geraten ist. veranstaltet. chbarschaft. eld, 26. August. trauensmännersitzung sscheine für die Geollegen in den einzeler für geeignete Verweden sind gleichfalls inthalben tobt zurzeit s Bier, bei dem der und Wirt! hitzig errhöhung der Steuer die Wirte— möchten onsumenten lassen sich hne weiteres gefallen. zanisation können die cht zeigen. 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Ueber die interessanten Ausführungen des Redners bringen wir am Sonnabend einen ausführlichen Bericht. — Einen Konzert= und Liederabend veranstalten am kommenden Sonnabend, abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle“ die vereinigten Arbeitergesangvereine Bielefelds. Es ist dies die erste Veranstaltung dieser Art, seitdem das östliche Westfalen einen besonderen Gau, und die Vereine Bielefelds den 1. Bezirk bilden. Zum Vortrag kommen Gesamtchöre, sowie Darbietungen der gemischten Chöre und in Gruppen zusammensingender Vereine, während durch gewählte Musikvorträge Abwechslung in das Programm gebracht wird. Im Interesse der Besucher liegt es, wie bei allen derartigen Veranstaltungen, das Rauchen im Saale zu unterlassen. — Das städtische Orchester veranstaltet am Freitag, 27. Aug., abends 8½ Uhr, das 23. Abonnements=Konzert der Schützengesellschaft auf dem Johannisberg. Vorverkaufskarten haben nur für Mitglieder Giltigkeit. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet das Benefiz für Frl. Käthe Führ, zu gewöhnlichen Preisen, bei aufgehobenen Dutzendkarten, statt. Zur Aufführung gelangt das äußerst lustige Mosersche Lustspiel mit Gesang„Der Salontiroler“. Wir weisen hierauf nochmals hin und wünschen der Benefiziantin ein recht gut besuchtes Haus.— Morgen wird zu ermäßigten Preisen die Gesangsposse„Der Stabstrompeter“ zum 2. Male wiederholt. — Polizeibericht. Die Rotlaufseuche ist unter dem Schweinebestande des Ackermanns Hermann Geese, Waldstr. 4, ausgebrochen. Sperrung. Wegen Vornahme von Pflasterarbeiten ist die Schildescherstraße zwischen dem Elektrizitätswerk und der Sudbrackstraße in der Zeit vom 26. 8. bis einschließlich 23. 9. 09 für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Viehmarkt. Der am 24. d. M. stattgefundene Viehmarkt war mit 45 Pferden, 51 Rindern und 1768 Schweinen betrieben. Es wurden gezahlt: für Pferde 200—600 Mk., für Rinder 150—400 Mk., für Schweine(6—8 Wochen alte) 15 bis 24 Mk., für Stangen 28—48 Mk., für Zuchttiere 55—100 Mk. Der Handel war ziemlich flott. Diebstähle. Im Sennelager wurden in letzter Zeit folgende Sachen gestohlen: 1 Uhr mit goldener Kette(NomosUhr mit doppeltem Deckel aus Tula); 1 Portemonnaie aus gelbem Leder, Inhalt zirka 10 Mk.; 1 elektrische Taschenlampe (grün). Ferner wurde am 21. d. M. aus einer Garderobe des Kurtheaters in Oeynhausen ein schwarzes Portemonnaie mit etwa 30 Mk. deutschen und zirka 90 Mk. amerikanischen Geldes (20=Dollar- und 2-Dollarstücke) Inhalt entwendet. Sachdienliche Mitteilungen, welche zur Ermittlung der Täter führen können, nimmt die hiesige Kriminalabteilung entgegen. Ein Schwindler logierte sich am 24. d. M. hier bei einem Arbeiter als Monteur ein und bat, ihm gegen Pfand einer goldenen Uhr 28 Mark zu leihen, da er mit dem Gelde einen Waggon mit Teilen eines Dampfkessels auslösen wollte. Mit dem erhaltenen Gelde verschwand er. Die„goldene“ Uhr erwies sich bei näherer Untersuchung als amerikanische Imitation. Der Täter wird wie folgt beschrieben: Ca. 35 Jahre alt, schlank, blaß, mit dunkelblondem Schnurrbart, braunem Anzug und Schlapphut und Schnürstiefeln. Mitteilungen, die zur Ermittlung des Täters dienen können, erbittet die Kriminal=Abteilung, Turnerstr. 4. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs und Obdachlosigkeit. 7 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. S Der Fau II. Man sollte denken, der Prozeß um die gelieferten Kisten habe außerordentlich einfach gelegen und die Differenzpunkte hätten leicht aufgeklärt werden können. Wenn infolge einer mehrere Monate dauernden Geschäftsverbindung derartige Differenzen entstehen, so lag wenigstens in bezug auf die Differenz in der Menge der gelieferten Ware nichts näher, als dem Verlangen Homanns auf spezifizierte Rechnung stattzugeben und dem Kläger aufzugeben, seinen Anspruch durch Angabe der einzelnen Lieferungen näher zu begründen. Denn da die 542 Kisten nicht mit einem Mal geliefert worden sind, so müssen sich in den Büchern Osthushenrichs die Vermerke der einzelnen Lieferungen vorfinden und daraus sich dann das Gesamtergebnis zusammenstellen lassen. So und nicht anders kann ja auch der Rechnungs=Auszug entstanden sein. Also Vorlegung der Bücher, das hätte das erste sein müssen, was der Richter in dem Prozeß dem Kläger aufgab. Nach den Angaben Homanns hat der Richter zunächst auch diese Absicht gehabt. Aber da kam der Vertreter Osthushenrichs, Justizrat Seibertz, mit dem Vorschlage dazwischen, lieber doch den Buchhalter Schulte und den Arbeiter Schoregge über die erfolgte Lieferung zu vernehmen, und dieser Vorschlag war offenbar dem Richter sehr willkommen. Wir vermuten dies wenigstens und finden es auch außerordentlich natürlich, denn ein Richter und kaufmännisch geführte Bücher, einen größeren Gegensatz kann man sich doch nicht denken. Der Richter hätte also zwecks Prüfung dieser Bücher sich an einen Sachverständigen wenden müssen, und es war immerhin viel angenehmer, an Stelle eines solchen Apparates einfach eine Zeugenvernehmung zu veranstalten, was doch ganz und gar ins juristische Handwerk hineinfiel. Es wurde also zunächst beschlossen, den Buchhalter Schulte und den Arbeiter Schoregge, beide bei Osthushenrich beschäftigt, zu vernehmen. Wie die Aussage des Zeugen Schulte gelautet hat, darüber sind wir durch das vorliegende Urteil unterrichtet. Es heißt dort in den Entscheidungsgründen:. Der Zeuge Theodor Schulte, dessen Aussage die Parteien als beschworen angenommen haben, hat ausgesagt, daß ihm von den Arbeitern des Klägers mitgeteilt worden sei, daß dem Beklagten Bretter zu 542 Käsekisten à 17 Pfennige und Bretter zu 5 Kisten à 20 Pfennig geliefert seien. Aus eigener Anschauung weiß der Zeage allerdings nicht, ob der Beklagte“ die genannten Quantitäten erhalten hat. Ueber die Aussage des Arbeiters Schoregge, der die Säge bediente, mittels welcher die Kistenbretter geschnitten wurden, stehen uns leider keine schriftlichen Angaben zur Verfügung. Das schriftliche Protokoll darüber ist natürlich vorhanden. Schoregge stellt„die Arbeiter“ dar, von welchen in dem Zeugnis des Schulte die Rede ist. Denn nur er allein kam dabei in Betracht. Es kann sich allerdings da um einen Schreibfehler des Abschreibers handeln. Nach Homanns Erinnerung hat Schoregge ausgesagt: Ich habe das Kistenholz für den Beklagten geschnitten und an ihn abgegeben. Es waren 542 Kisten im Preise von 17 Pfg. Jedenfalls hat dem Richter die Aussage Schoregges nicht genügt, um Homann zur Zahlung der verlangten Summe zu verurteilen, und die Aussage Schultes reichte selbstverständlich nicht hin. Es heißt in bezug hierauf in den Entscheidungsgründen: Bei dieser Sachlage hält das Gericht es für angebracht, dem Kläger über die Lieferung der streitigen Bretter den Erfüllungseid und zwar, wie es in der Natur der Sache liegt, in der Ueberzeugungsnorm anzuvertrauen. Das ist total unverständlich. Osthushenrich sollte in diesem Erfüllungseid schwören,„nach sorgfältiger Prüfung und Erkundigung" die Ueberzeugung erlangt zu haben. Wie aber, so mußte sich der Richter fragen, konnte er diese„sorgfältige Prüfung und Erkundigung“ vornehmen? Erkundigen konnte er sich nur bei seinen Angestellten, die aber waren schon als Zeugen vom Gericht vernommen und ihr Zeugnis war vom Gericht als unzureichend befunden worden. Es konnte nicht die Absicht des Richters sein, es in das Ermessen Osthushenrichs zu stellen, ob er seinerseits die Aussagen Schultes und Schoregges als hinlänglich betrachten und daraufhin den Eid=leisten wolle. Das wäre ja der reine Hohn auf alle Rechtsprechung gewesen. Wir halten es für ganz ausgeschlossen, daß der Richter die Erkundigung bei Schulte und Schoregge bei der Eidesnormierung auch nur im Auge gehabt haben kann. Dann aber blieb nichts weiter übrig als Einsicht in die Bücher und deren sorgfältige Prüfung. Aber warum jemandem darüber einen Ueberzeugungseid auferlegen? Warum nicht lieber dafür selbst Einsicht in die Bücher nehmen? Wie gesagt, dieser Beschluß ist uns total unverständlich. Uebrigens stehen wir mit unserer Ansicht darüber durchaus nicht allein. Aber noch unverständlicher wird der Beschluß, wenn man die ihm voraufgegangenen Verhandlungen in Betracht zieht. Osthushenrich war nach der fruchtlosen Zeugenvernehmung Schultes und Schoregges geladen worden, und als ihm da Homann vorhielt, daß er sich geweigert habe, das zu den gelieferten Seitenteilen fehlende Deckel= und Bodenholz zu liefern, weil Homann die 17 Pfg. nicht bezahlen wollte, erklärte er:„Das lügt er, ich bin zu viel Geschäftsmann, um eine Lieferung zu weigern. Es mußte doch aber außerordentlich auffällig sein, daß Homann gerade damals, wo er in größter Bedrängnis um Kisten war, die Annahme des Holzes zu 17 Pfg. weigerte, wenn bis dahin eine Vereinbarung auf 17 Pfg. durch die Monate Juli und August hindurch schon bestanden hätte. Hier kam der Punkt zum Vorschein, wo eingehakt werden konnte, um die Wahrheit herauszuholen. Auch ließ Homann gar keine Zweifel über seine Ansicht, daß Osthushenrich den Eid nicht schwören konnte. Und bei dieser Sachlage kam der Richter nicht dazu, dieVorlegung der Bücher zu beschließen, sondern legte Osthushenrich jenen Eid der sorgfältigen Prüfung und Erkundigung auf!! Versammlungen. Bünde. Arbeiter=Radfahrerverein„Elsethal". Freitag, 27. August, abends 9 Uhr, im„Waldschlößchen“. Sonnabend, 28. August. Herford. Soz. Verein. 6. und 7. Bezirk. Abends 9 Uhr „ bei Lücking. Lemgo. Oeffentliche Versammlung abends 8½ Uhr bei Mohrmann. Vortrag des Genossen Max Sachs über Alkoholismus und Arbeiterbewegung". Anschließend hieran Besprechung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Deutschen Arbeiter=Abstinenten=Bundes. Rehme. Soz. Verein. Sonnabend, 28. August, abends 9 Uhr bei Röbke. Da die letzten Versammlungen schlecht besucht waren, werden die Mitglieder ersucht, endlich besser an den Versammlungen teilzunehmen. Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“ (Gau 12. 1. Bezirk.) Die Vereine werden ersucht, zu dem am 29. August in Minden stattfindenden Bezirksfest pünktlich von den Lokalen abzufahren. Die Vereine Bielefeld, Brackwede, Sieker, Übbedissen, Dornberg, Schildesche, Sudbrack, Werther, Stieghorst, Milse und Brake fahren pünktlich um 11 Uhr von der Wirtschaft Ww. Kahl, Bielefeld, Herforderstraße, ab. Sie werden gegen 12 Uhr mittags in Herford eintreffen. Um diese Zeit muß auch der Verein Schötmar in Herford eintreffen und der Herforder Vezein zur Stelle sein. Die Abfahrt erfolgt 12½ Uhr von der Wirtschaft Seeger, Neuermarkt. Die Vereine Bünde, Ennigloh, Südlengern, Spradow, Hiddenhausen und Kirchlengern vereinigen sich 12 Uhr beim Wirt Busse in Südlengern und fahren nach Löhne, wo sie mit den von Herford kommenden Vereinen in der Nähe der Löhner Kirche zusammentreffen. In Rehme wird sich der dortige Verein und der Verein Bonneberg anschließen, in Porta der Lerbecker Verein. Die Vereine Rinteln, Steinbergen, Lübbecke und Buchholz richten ihre Fahrt so ein, daß sie pünktlich 3 Uhr in Minden eintreffen. Pflicht der Vereine ist es, sich vollzählig an dem Bezirksfeste zu beteiligen. Folgen der Tabaksteuer. Ein von allen Teilen des Reiches besuchter außerordentlicher Verbandstag der deutschen Zigaretten-Industriellen in Dresden beschloß, infolge der Steuererhöhung die Kleinverkaufspreise heraufzusetzen. Es wurden hierfür Normalpreise aufgestellt, die als Grundlage dienen sollen. Eine Verschlechterung der Qualität der Fabrikate wird nicht stattfinden. „Christliche" Agitation. Röös in den Versammlunngen: Kollegen! Die 4 Millionen Staatsunterstützung verdankt ihr nur dem„Christlichen" Tabakarbeiterverband. Der Christliche Tabakarbeiterverband hat eine Petition an den Reichstag gerichtet und sogar der sozialdemokratische Abgeordnete Frank hat auf diese Petition Bezug nehmen müssen. Der christliche Verband war der erste auf dem Plane und alle anderen Verbände haben nichts dazu getan.(Bravo!) Wallbaum auf der Löhner Konferenz der christlichen Tabakarbeiter: Kollegen! Wenn die Mehrheit der Wirtschaftlichen Vereinigung für die Tabaksteuer gestimmt hat, so sind dieselben erst stutzig geworden, als die Fabrikanten dem Reichstag 40 Mill. Mark Tabaksteuer anboten. Wallbaum in Obernbeck: Kollegen! Wenn die Mehrheit der Wirtschaftlichen Vereinigung für die Tabaksteuer gestimmt hat, so sind die Sozialdemokraten Schuld daran, weil dieselben den Antrag auf Unterstützung arbeitsloser Tabakarbeiter gestellt haben. Rödlach in Mellbergen: Alles was gutes in der Tabakindustrie gemacht worden ist, das hat der christliche Verband getan. Wenn wir jetzt eine Staatsunterstützung haben, so hat diese nur der Verband„christlicher" Tabakarbeiter erwirkt.(Tränen in den Augen verschiedener„Christen".) So versetzen sich diese Agitatoren gegenseitig schallende Ohrfeigen. Sie suchen den Prügeljungen, um die eigene Schande zu verdecken. Warum sagen diese Leute nicht offen und ehrlich: Die Tabaksteuer haben wir vom Zentrum, den Konservativen. der Wirtschaftlichen Vereinigung und den Polen bekommen! Diese Parteien hatten sich zum Schnapsblock vereinigt aus rein politischen Gründen. Denn solche politischen Kinder, denen er solch alberne Bären aufbinden kann, kann Wallbaum doch höchstens in Bethel kinden. Oder irren wir uns“ 1 „Das haft dü gut gemacht. Dein redseliger Mund hat zuwege gebracht, daß sie es glaubten“, sagte vor kurzem ein „christlicher“ Agitator zum andern.„Ja, du verstehst zu reden. Wo du das alles nur herbekommst?“ Der andere hat geschmunzelt und geantwortet:„Schon als Kind hatte ich Neigung zum Fabulieren. Die christlichen Arbeiter aber sehen langsam ein, daß sie vom Fabulieren ihrer Führer nichts haben. Ueberall rumort es. Die christlichen Arbeiter wissen, daß sie genasführt werden von den München-Gladbacher Fabulisten. Auch der frühere Redakteur Behle vom„Ravensberger", der am Schöffengericht zu Herford in einem Prozeß plötzlich Einblick in den Lügenbau der „Christlichen" bekam, ist aus Ekel als ehrlicher Mann gegangen. * Nienstädt(Schaumburg=Lippe), 25. August. Ein gräßliches Ende hat allem Anschein nach der Kesselwärter C. Michel auf dem Georgschachte hier gefunden. Die Kessel, deren Bedienung Michel übertragen war, werden durch die Hitze von 60 Koksöfen, die in einem Kanal unter die Kessel geleitet wird, geheizt. Der Hilfswärter vermißte nun am Montag abend 10½ Uhr Michel. Da ein Deckelverschluß, der die Zufuhr der Hitze in einen stillgelegten und in Reparatur befindlichen Kessel versperrte, aufgerissen war, wird angenommen, daß M. darin verschwunden ist. Ein Pantoffel des M. stand noch auf dem Rande der Oeffnung. Ob ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, wird vielleicht die Untersuchung aufklären. M. hinterläßt Frau und 3 Kinder. * Bochum, 25. August. Die Wurmkrankheit der Bergleute. Die vor einigen Jahren durch ausländische Arbeiter im Ruhrbezirk eingeschleppte Wurmkrankheit, deren rasche Verbreitung unter der Grubenarbeiterschaft große Sorge erweckte, ist dank den energischen Maßregeln zur Bekämpfung der Seuche zurückgegangen. Im Jahre 1904 war die Krankheit bei 13 861 Personen festgestellt worden; auf tausend im Ruhrbergbau Beschäftigte entfielen 49 Erkrankungsfälle. Im Jahre 1905 verminderte sich die Zahl der Erkrankten auf 5024(18 aus 1000), im Jahre 1906 auf 3123(11 auf 1000), im Jahre 1907 auf 1851(6 auf 1000) und im Jahre 1908, dessen Zählungsergebnis jetzt vorliegt, ist die Zahl der Erkrankten auf 1171(3 auf 1000) gesunken: Bei der Gefährlichkeit dieser Erkrankung ist die Erkrankungsziffer immer noch hoch genug. Bekanntlich müssen die von der Wurmkrankheit Befallenen sehr schwere und lange Kuren durchmachen, die oft nur geringen Erfolg haben. In einigen Fällen ist wegen der schweren Kur schon Blindheit der Patienten eingetreten. Letzte Trier, 26. August. Ein mit drei Herren aus Köln besetztes Automobil fuhr bei Daun gegen einen Baum und zerschellte. Alle drei Insassen wurden schwer verletzt. Kuxhaven, 26. August. Auf der Nordsee herrschte gestern ein schwerer Weststurm. Das deutsche Segelschiff„Käthe" wurde vom Sturme auf die Helgoländer Klippen geworfen, wo es strandete. Rettungsmannschaften gingen sofort ab. Rom, 26. August. Zu dem Erdbeben in Mittelitalien wird noch gemeldet, daß es nur in Buonconvento, San Lorenzo und Monticiano Schaden angerichtet hat. In Buonconvento kam ein alter Mann um. Im ganzen sind nur 10 Personen leicht verwundet worden. Stockholm, 26. August. Wie vermutet, hat der Typographenverband, gleich nachdem der Klageantrag der Zeitungen auf Schadenersatz in Höhe von 58 000 Kronen ihm mitgeteilt wurde, sämtliche Aktiven, sowohl die Bankdepositen als andere Wertpapiere, auf den dänischen Typographenverband übertragen. Rotterdam, 26. August. Hier ist die Cholera aufgetreten, vier Kinder sind bereits gestorben. Anfangs wurde angenommen, daß es sich um Vergiftung handle. Eine Konferenz von ärztlichen Autoritäten stellte jedoch unzweifelhaft Cholera fest. Es sind bereits 31 Personen, meist Bekannte und Verwandte der bereits verstorbenen Kinder, unter ärztliche Beobachtung gestellt worden. Zwei weitere Kinder sollen ebenfalls an Cholera erkrankt sein. Brüssel, 26. August. In der Grube Flouges bei Mons wurden durch schlagende Wetter drei Bergarbeiter getötet. Saloniki, 26. August. Bei Berana im Sandschak Ipek wurden türkische Truppen mit den aufständischen Albaniern in einen Kampf verwickelt. Die Türken hatten vier Tote und eine Anzahl Verwundete. Die Verluste der Albanier sind bedeutend. Der Kampf dauert noch fort. In Ferissowitsch ist die Ruhe wieder hergestellt. Dschavid Pascha setzt seine Expedition nach Ipek und Djakowa fort. An der montenegrinischen Grenze bei Tschakor Virnitz sind Einfälle bewaffneter Montenegriner auf türkisches Gebiet vorgekommen. Die Montenegriner sind unter Verlusten von den türkischen Truppen zurückgeschlagen worden. Konstantinopel, 26. August. Das Kriegsgericht in Adana verurteikte 40 Mohammedaner und 5 Armenier, die die letzten Massakres angestiftet hatten, zum Tode durch den Strang. Konstantinopel, 26. August. Ueber einen neuen Grenzzwischenfall an der montenegrinischen Grenze liegt bei der Pforte folgende telegraphische Meldung vor: Am Freitag vormittag haben unweit der Station Ainbarina montenegrinische Wachen auf türkische Truppen geschossen. Die Türken erwiderten das Feuer. Auf türkischer Seite gab es einen Toten und zwei Verwundete.“ Die montenegrinischen Verluste sind unbekannt. In Sabia hat der Chef der arabischen irregulären Reiter namens Mehmed die dortige Kaserne der regulären türkischen Truppen unterminiert und in die Luft gesprengt. Dabei wurden 237 Soldaten getötet oder verwundet und zwei Geschütze zerstört.— Die Truppen des 4. Armeekorps, die nach Yemen beordert worden sind, weigern sich abzugehen, bevor ihnen ihr Sold ausgezahlt sei. Der Finanzminister überwies nach Beratung mit dem Großwesir telegraphisch die notwendige Summe.— In bezug auf den Besuch des Königs Ferdinand in Konstantinopel werde auf der Gesandtschaft erklärt, es sei allerdings richtig, daß dieser Besuch in Aussicht genommen ist, doch stehe es noch nicht fest, ob dieser Besuch zur selben Zeit wie der des Kaisers Nikolaus erfolgen werde. London, 26. August. Der britische Postdampfer„Eden“ ist bei der Insel Cabil in Süd=Martinique gestrandet und voll Wasser gelaufen. London, 26. August. Aus Montevideo wird berichtet: Sechs Taucher arbeiten an der Bergung der Ertrunkenen. Alle Postsachen mit vielen Wertpapieren sind verloren. Die Leichen der Ertrunkenen sind im Zollamt aufgebahrt worden. Trotz des Regens defilieren Tausende durch die Leichenhalle. Viele Tote konnten noch nicht rekognosziert werden. Der Präsident und die Minister sind von der Katastrophe tief erschüttert und tun alles, was in ihren Kräften steht, um die Leiden der Ueberlebenden zu lindern Briefkasten der Knetterheide. Bis zu 20 Exemplaren liefern wir nur ein Agitations=Exemplar täglich. Rinteln. Kochbuch kostet 2.— Mark. K Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Pött-hes boin in Diverse LinoleumReste prima Qualitäten. Ein Posten 4539 Möbelstoff-Pluschreste — spottbillig= nur allein Lützowstr. 7. Etg. Sommertheater. (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute 8½2 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Dutzendkarten ungiltig.— Venesiz für die erste Soubrette Frl. Käthe Führ. Der Salontiroler. Lustspiel mit Gesang von G. v. Moser. Freitag, den 27. August 1909: Der Stabstrompeter. Posse mit Gesang von W. Mann tädt. Freitag, den 27. August, abends 8½2 Uhr: 4538 2o. Rochnenients-Konzert der Schützengesellschaft auf dem Johannisberg. Vorverkaufs=Karten haben nur für Mitglieder Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. Tarttt.. Herren=Stehkragen von 35 Pfg. an. Herren=Stehumlegekragen von 60 Pfg. an. Bunte Serviteurs m. Kragen 80 Pfg. Bunte Garnituren — von 1.20 Mk. an.— Manschetten in weiß u. farbig. Herren=Socken v. 30 Pfg. an. Selbstbinder von 35 Pfg. an. Diplomates und Regattes nur neueste Dessins zu billigsten Preisen! O Konzert Weicderabend der vereinigten hrbelter-besangvereine Bieletelos am Sonnabend, abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle“. Rassen, Rallner a. geilischte Thore. Eintritt 30 Pfg.— Programm gratis.(4545 Soeben eingetroffen: 1 Daggon Steingut 12600 Pfund der zu Seiten dilliger. in den Verkauf kommt. Er enthält in Wasengarniur!, Schusseln, Kumpen, Cellern, Jafelservicen, Rüchengarnituren etc. Schildesche! Schildesche! Am Sonnabend, den 28. August, abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Wilhelm Lücking, Bielefelderstr.: Um zahlreichen Besuch bittet Der Bezirksvorstand. Gewernschafts-Versumimang Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Hoffmann über: Gibt es ein Fortleben nach dem Tode? 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen sämtlicher Kollegen erwartet Die Gewerkschaftskommission. Die Zeutralarbeiter=Bibliothek Schildesche wird am Sonntag, den 29. August, vormittags 11 Uhr wieder eröffnet werden und es ist erforderlich, daß sämtliche Bibliothekare pünktlich 10 Uhr morgens anwesend sind. D. O. 4548 Ida Nolte Obernstr. 51. Geschafts=Erössaung. Mit dem heutigen Tage eröffne ich Heimweg 2, Ecke Oelmühlenstr., ein Rasieren 10 Pfg. Haarschneiden 25 Pfg. 4552* Hochachtungsvoll Ernst Ballin. An Hautkrankheiten, Pickel, Kopfausschlag, Flechten, offene Beine Leidende erhalten Rat, wie sie schnell u. gründlich von ihren Leiden befreit werden. Möller, Herforderstr., neben Stadtheiderschule. 3565 15512 Achtung! Zur Brackweder Kirmes ein 14 Monate altes Fohlen geschlachtet, Terste Qualität empfiehlt L. Grünewald, Gütersloherstraße 72. Visiten-Karten 2 liefert Buchdruckerei„Volkswacht“. — gelernter Tischler, findet dauernde Stellung bei P. Mertens. Niedernstrasse 34. Bekanntmachung. Abendkursus für Koch- und Haushaltskunde. Zweck des Kursus ist die praktische Erlernung einer ganz beschränkten Anzahl Koch=Rezepte für die Zubereitung guter, billiger und kräftiger Kost im kleinen Haushalt, sowie die Erwerbung der notwendigsten Kenntnisse über den Nährwert, den Eiukanf und die Behandlung der marktgängigsten Nahrungsmittel. Die Erlernung geschieht am Herde selbst. Der Besuch ist allen Mädchen und Frauen gestattet, in erster Linie aber bestimmt für Mädchen, welche die Eingehung der Ehe beabsichtigen, aber infolge ihrer Beschäftigung auf der Fabrik oder in anderer gewerblicher Arbeit in keiner Weise Gelegenheit haben, die für die vernünftige und wirtschaftlich richtige Haushaltsführung unbedingt notwendigen praktischen, sowie auch einige theoretischen Kenntnisse zu erwerben. Anfang 23. August, Ende 17. September, 4 Wochen hindurch sollen jede Woche an 3 Abenden von ½8 bis ½10 Uhr die Kurse abgehalten werden, also wöchentlich 6 Stunden, im ganzen 24 Stunden Die mit 6 Herden und allen sonstigen Erfordernissen ausgestattete Kochschule der Bürgerschule II, Unter den Linden, wird benutzt. Die Leitung übernimmt die hierfür besonders praktisch vorgebildete, bewährte Lehrerin für Koch= und Haushaltungskunde an der städtischen Beansprucht wird die Zahlung einer Gebühr von 3 Mark für den ganzen Kursus. Jedoch wird dieselbe Frauen und Mädchen, welche zur Zahlung nicht glauben imstande zu sein, auch gern erlassen. Meldungen bis 18. August auf dem Rathause I, Zimmer Nr. 5, in den gewöhnlichen Dienststunden. Herford, den 10. August 1909. Der 1. Bürgermeister. Busse. Herford! Sonntag, 29. August, feiert der Arbeiter=Curnverein„Einigkeit“ in den Restaurationsräumen des Wirts Herm. Freitag, Ahmserstr. und den dazu erbauten großen Zelten sein 4550 Eioß! Vorbereitungs- Kursus zur Meisterprüfung. Das Kuratorium der gewerbl. Fortbildungsschule hat beschlossen, im Winterhalbjahr Oktober bis Ende März versuchsweise Kurse zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung einzurichten, falls sich eine genügende Beteiligung herausstellen wird. Es sollen in diesem Kursus die in der Meisterprüfung geforderten Kenntnisse, besonders im Rechnen und in der Raumlehre, in der Buchführung, in der Gesetzeskunde usw., vermittelt werden. Die Berufsarbeit der Teilnehmer soll durch die Lage der Unterrichtsstunden nicht gestöct werden. Das Schulgeld wird möglichst niedrig gestellt sein. Anfragen und Anmeldungen richte man an den Leiter der gewerbl. Fortbildungsschule, Rektor Decius, hierselbst. Herford, den 10. August 1909. Kuratorium der gewerbl. Fortbildungsschule. Der Vorsitzende: Busse, I. Bürgermeister. E Siillungs Pest bestehend in Schauturnen und Ball. Es ladet ein Dor Vorstand. Bekanntmachung. Vereinsbibsotheken empfehlen wir unser Lager sozialistischer und gewerkschäftricher Kataloge gralis und franko. Buchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schulstraße 20. Seleseel188slless 4553 Cabltau im Anschnitt Pfund 22 Pfg. im Anschnitt Pfund 20 im Anschnitt Pfund 30 Pfg. Pfund 15 Pfg. Brat-Schollen Pfund 25 Pfg., 4 Pfund 95 Fischkochbücher gratis! Neue russische Kron-Sardinen 4 Pfund=Faß 95 Pfg., 8 Pfund=Faß 1,35 Mk. 22.„Horasee 12. Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft. Neu erschienen: Der aumie Tcuren Die Katastrophe der Zentrumspolitik. Preis 20 Pfg.(Porto 3 Pfg.) Zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“. Kleine Anzeigen * ∆ M• Marte eit zobr a19 15 Nuchhaben Jedes Wort toster nur 2 Pfg., in 8. Wolle mit mehr als 15 Blchstaden. der fetten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Was ist Gasserin? Gasserin ist ein Mittel, um das Petroleum zu verbessern, welches jede Hausfrauprobieren muß! 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Der Unter arbeiter aus Tirschenreu Kapitulant ist, beauftrag eigenen Kaffee holen und Beinschmerzen konnte der Unteroffizier ließ den S — natürlich in der bei zierenden Weise— aufs Befehl noch nicht befolgt am Arm, bei der Litewk wo der Kaffee abzuholen den überflüssigen Befehl, vorschriftswidrige tätliche seinem Arm auf das hi Unteroffizier das Kaffee wieder einmal ein Sold eines von seinem Macht allzu sehr durchdrungene fährliche Situation gebra die mit dem militärischen Es ist charakteristisch, da und Menageausstellens dergleichen Dinge entstel unwesentliche Unvollstän oder dergleichen, die di lassen, solche Leute mits bestrafen, was dann meis menden Soldaten zu Un in der Regel eine schwere Soldat Schwarz wurk Feldwebel vernommen un Gericht angibt,„ganz n Viertelstunde nach der V man Schwarz schlafe Schemel neben dem Bett Militärzeit epileptische A und diente im ersten Jah in Untersuchungshaft gen eines oberärztlichen Guta beurlaubt! Er soll wurde, am 18. 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Sie verdient und behauptete, mich aus hineinarbeiten zu wollen, mich zu heiraten.“ Der Justizrat hatte il keit zugehört.„Und dan „Wie ich fand, daß a denn zu einer Heirat kon lich mehr entschließen, un recht gute, brave Frau, „Nun?— und wie „Hm, da packte ich ab „Die Frau Siebert n „Sie war drüben bei „Und brannten durch purde vor innerlicher F entralhalle“. se Chofe. (4545 vorstand. idesche! 8½ Uhr, Bielefelderstr.: Milnung Gibt es ein 4547 Kollegen erwartet kommission. wird am Sonntag, werden und es ist Uhr morgens anD. O. sch 11 Pfa 1s: irdinen 1,35 Mk. Niedernstr. 12. sellschaft. Nr. 198. O O Bielefeld, Donnerstag, 26. August 1909. 20. Jahrg. imspolitik. ) allssuacht“ cocheho! in Mittel, um das verbessern, welches obieren muß! Päckchen en bei Heinr. Sewing, 4542* Zhunhaus arten und kleinen abZohnungen(Nähe Ostt1500—2000 Mk. Anu verkaufen. Off. unter pacht erbeten.[4540“ hnungen, rmieten. Zu erfahren Mellerstr. 23.(4510 berwagen, billig zu verkaufen. 14.(4541* ergehisten sucht. H. 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Der Unteroffizier Mehler, ein ehemaliger Bahnarbeiter aus Tirschenreuth, der im zweiten Jahre dient und Kapitulant ist, beauftragte nun den Soldaten, er solle seinen eigenen Kaffee holen und zwar im Laufschritt. Angeblich wegen A Beinschmerzen konnte der Soldat nicht Laufschritt machen. Der Unteroffizier ließ den Soldaten zurückkommen und befahl ihm — natürlich in der bei solchen Angelegenheiten üblichen provozierenden Weise— aufs neue Laufschritt. Als der Soldat den Befehl noch nicht befolgte, faßte der Unteroffizier den Mann am Arm, bei der Litewka, und wollte ihn nach der Richtung, wo der Kaffee abzuholen war, zerren. Der Soldat, der über den überflüssigen Befehl, Laufschritt zu machen und über das vorschriftswidrige tätliche Angreifen resp. über das Zerren an seinem Arm auf das höchste gereizt war, schlug dem jungen Unteroffizier das Kaffeegeschirr aus den Kopf. Es war also wieder einmal ein Soldat durch eine unangebrachte Schikane eines von seinem Machtbewußtsein als Stellvertreter Gottes allzu sehr durchdrungenen jungen Unteroffiziers in eine gefährliche Situation gebracht. Und zwar bei einer Gelegenheit, die mit dem militärischen Dienst nur in loser Verbindung steht. Es ist charakteristisch, daß gerade bei Gelegenheit des Kaffeeund Menageausstellens so häufig„Achtungsverletzungen“ und dergleichen Dinge entstehen. Meistens sind es Kleinigkeiten, unwesentliche Unvollständigkeiten am Anzug, Zuspätkommen oder dergleichen, die die eingebildeten Unteroffiziere veranlassen, solche Leute mit Zurückschicken oder sonstigen Dingen zu bestrafen, was dann meistens die in begreifliche Erregung kommenden Soldaten zu Ungehörigkeiten provoziert, worauf später in der Regel eine schwere Strafe folgt. Soldat Schwarz wurde also nach diesem Vorfall sofort vom Feldwebel vernommen und soll sich dort, wie der Feldwebel vor Gericht angibt,„ganz wirr“ benommen haben. Etwa eine Viertelstunde nach der Vernehmung durch den Feldwebel fand man Schwarz schlasend in seinem Zimmer auf seinem Schemel neben dem Bett kauernd vor. Schwarz hatte vor seiner Militärzeit epileptische Anfälle; er war zur Probe eingezogen und diente im ersten Jahre. Am 3. Februar wurde der Soldat in Untersuchungshaft genommen, am 28. Juli aber, auf Grund eines oberärztlichen Gutachtens, aus der Haft entlassen und— beurlaubt! Er sollte, weil er als Epileptiker befunden wurde, am 18. August, am Tage nach der Verhandlung, ganz aus der Truppe entlassen werden. Nun wurde also Schwarz wegen der Sache mit dem Unteroffizier am Kriegsgericht Nürnberg verhandelt und zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt.— Anstatt in die Heimat entlassen zu werden, wurde sofortige Verhaftung angeordnet. Die Verhandlung war in vieler Hinsicht interessant und zeigte so recht die— sagen wir, eigenartigen Besondernheiten unserer Militärgerichte. Der Leiter einer Irrenanstalt in Bayreuth, der den Soldaten längere Zeit beobachtete, Oberarzt Dr. Wagner, bezeichnete den Angeklagten als Epileptiker und äußerte die Ansicht, daß dem Angeklagten der Schutz des§ 51 des R.=Str.=G. zuzubilligen sei. Der Angeklagte habe die Tat in einem Zustand geistiger Störung begangen und sei dafür nicht verantwortlich zu machen. Der Regimentsarzt des Angeklagten bekundete, daß er sichere Anzeichen, daß Schwarz Epileptiker sei, nicht gefunden habe, er könne aber auch nicht sagen oder behaupten, Schwarz sei kein Epileptiker. Auf eine präzise Frage des Leutnants, der den Schwarz verteidigte und der strikte wissen wollte, welchen Standpunkt der Arzt einnehme, erklärte der Regimentsarzt, er halte Schwarz für einen Epileptiker. Inzwischen wurde vom Gericht ein weiterer Sachverständiger, Oberstabsarzt Niessen, herbeigeholt. Dieser hielt den Beweis, daß Schwarz Epileptiker sei, nicht als erbracht und bezeichnete den Angeklagten als für seine Tat verantwortlich. Besonders charakteristisch an dem Gutachten dieses Herrn war folgendes: Es hatten eine Anzahl eidlich vernommener Zeugen bei dem Angeklagten Vorgänge beobachtet, die auf Epilepsie hindeuten. So erwähnte ein Zeuge, daß Schwarz einmal beim Kartenspiel im Wirtshaus, ohne viel getrunken zu haben, austrat, sehr blaß wurde und sich wie geistesabwesend mit dem flachen Gesicht an einen Baum lehnte, während ihm der Schaum aus dem Munde quoll. Der Oberstabsarzt meinte hierzu jedoch, das könne auch ein leichter Ohnmachtsanfall gewesen sein mit leichtem Erbrechen. Mehr Wert als auf die Aussagen vereideter Zeugen legte der Herr auf die Aussagen der Großeltern(!) des Angeklagten, die irgendwo gehört wurden und die sich an abnormes Verhalten des Schwarz nicht erinnern können. Dieser Sachverständige trug sein Gutachten in einem recht sonderbaren Deutsch vor; hier nur einige Proben. Er sagte: „Wenn man den Akt durchliest, so stoßen einem fast gar keine Erinnerungslücken auf.“ Er wollte damit sagen, daß man beim Durchlesen des Aktes bei den Aussagen des Angeklagten auf keine Erinnerungslücken stößt. Ferner:„Der Angeklagte hat die Intelligenz, die seinem Stand entspricht, die vielleicht etwas unter seinem Stand ist.“ Allein dem Gericht und dem Anklagevertreter schienen diese Ausführungen doch zu imponieren. Der Sachverständige übertraf sich aber noch, als er später erklärte, das auffallende Schlafen kurz nach dem Vorfall sei bei dem Angeklagten die natürliche Reaktion auf den Vorfall gewesen. Einige Herren des Gerichts nickten Beifall. Als Laie und als Zivilist kann man aber kaum annehmen, daß ein normaler Mensch, der eben ein „Verbrechen“, gegenüber einem Vorgesetzten beging, das ihn fünf und noch mehr Jahre ins Gefängnis bringen kann, kurz danach und am hellen Tage ruhig einschlafen kann. Eine ganz unrichtige und falsche Behauptung, die dieser Sachverständige aufstellte, wurde sonderbarerweise gar nicht richtig gestellt. Im Anklageakt stand, der Angeklagte habe nach dem Renkontre mit dem Unteroffizier in seinem Zimmer erzählt, er habe einmal im Zivilleben jemand einen Maßkrug an der Kopf geschlagen, er sei aber vom Gericht freigesprochen worden, weil er geistig nicht normal sei. Ein vereidigter Zeuge hatte aber bekundet, dieses habe der Angeklagte schon lange vor jenem Renkontre mit dem Unteroffizier erzählt. Der Oberstabsarzt Niessen verwendete dieses aber, ohne vom Gericht aufgeklärt zu werden, gegen den Angeklagten! Der Gerichtspräsident, ein Major des 14. Inf.=Reg., glaubte es mit der richterlichen Objektivität vereinbaren zu können, wenn er bei der Vernehmung des Zimmerältesten des Schwarz, eines Gefreiten, der über Schwarz einige harmlose Bemerkungen machte, den Angeklagten ohne jeden Grund laut einen „frechen Kerl“ nannte. Als der Verteidiger, ein Infanterieleutnant, beantragte, die Akten zu verlesen, warum der Angeklagte aus der Truppe entlassen wird, weigerte sich der Anklagevertreter energisch mit der Motivierung, daß dadurch„Stimmung für den Angeklagten" gemacht würde. Als ob das nicht die Aufgabe des Verteidigers wäre! Eine eigenartige Logik und eine besondere juristische Anschauung entwickelte der Anklagevertreter. Er war sehr hitzig und eifrig bemüht, des Angeklagten Schuld nachzuweisen, daß er diesem den Hut des Unteroffiziers, anstatt dem Helm, vom Kopfe schlagen ließ. In drastischer Weise demonstrierte dieser Kriegsgerichtsrat, daß ihm das wissenschaftliche und eidliche Gutachten gelehrter Sachverständiger Luft sei. Der Richter, so führte der Anklagevertreter aus, brauche sich von den Sachverständigen=Gutachten in keiner Weise beeinflussen lassen; er, der Kriegsgerichtsrat, tue jetzt 10 Jahre mit, er sehe einem Angeklagten nur in die Augen und bilde sich alsdann sein Urteil; er wisse dann, ob er einen Schuldigen oder einen Unschuldigen vor sich habe.(!!) Die armen Vorgesetzten hätten keinen anderen Schutz als den der Gerichte; wohin sollte das führen, wenn ein Angeklagter wie Schwarz freigesprochen wurde? Ein Zivilgericht hätte gar kein Gutachten gebraucht.(?) Der Angeklagte wäre einfach eingesperrt worden und damit fertig. Wenn der Angeklagte freigesprochen würde, so würde es„ein Geschrei“ geben, daß der Mann, obwohl er krankhaft veranlagt sei, Soldat werden mußte, besonders von einer„gewissen Seite“ würde das ausgenützt werden.(Diese „gewisse Seite“, läßt sich durch derartige Anrempelungen in ihrem Bestreben, eine fragwürdige Rechtsprechung zu kritisieren, nicht beirren!) Der Kriegsgerichtsrat, der gleiche Herr, der im Falle des Hauptmann Lampel, dem in 18 Fällen Mißhandlungen, zum Teil sehr roher und gemeiner Art, nachgewiesen wurden, so sanfte Töne fand und nur 42 Tage Stubenarrest beantragte, verlangte für den offenbar krankhaften Soldaten, der dem ihn ungesetzlich behandelnden übermütigen Unteroffizier den Kaffeetopf ein wenig an den Kopf schlug, 2 Jahre und 8 Tage Gefängnis. Der verteidigende Leutnant verwies darauf, daß einem der gesunde Menschenverstand sage, daß einem Gutachten, das ein Irrenarzt, der wie Dr. Wagner, 12 Jahre lang eine Irrenanstalt leite und der täglich mit Geisteskranken zu tun habe und der den Angeklagten beobachtete, mehr Gewicht beizulegen sei, als der Ansicht eines Militärarztes, der, wie Oberstabsarzt Dr. Niessen, den Angeklagten weder behandelt, noch beobachtet, sondern gar nicht gesehen hat. Außerdem spreche schon der Umstand, daß der Angeklagte laut oberärztlichen Gutachtens aus der Truppe entlassen wird, für Freisprechung, zumal gerade der Vorfall, wegen dessen Schwarz angeklagt ist, dieses oberärztliche Gutachten herbeigeführt hat! Der Leutnant beantragte Freisprechung; sollte diese vom Gericht nicht verfügt werden, dann beantrage er Aussetzung der Hauptverhandlung, da der Sachverständige Oberstabsarzt Niessen ohne Wissen der Verteidigung in letzter Stunde herbeigerufen wurde und es der Verteidigung nicht möglich war, ihrerseits entsprechende Maßnahmen zu treffen. Die logischen Ausführungen imponierten dem Gerichte aber ebensowenig als das Gutachten des Psychiaters Dr. Wagner. Das Gericht diktierte dem epileptischen Soldaten 1 Jahr und 3 Monate Gefängnis und verfügte die sofortige Verhaftung. Fürsorgezöglinge auf der Flucht. Wir lesen in der„Berliner Volks=Zeitung": In Anstalten zur Erziehung von Fürsorgezöglingen werden Fluchtversuche in der Regel mit schwerer Strafe bedroht. Zöglinge, die bei einem Fluchtversuch erwischt oder nach geglückter Flucht wieder ergriffen werden, dürfen gewöhnlich auf eine nicht zu knappe Tracht Prügel rechnen. Das ist alter Brauch, auf den die meisten Anstaltsvorsteher nicht verzichten wollen, obwohl die Häufigkeit der sich immer wiederholenden Fluchtversuche lehrt, daß der Erfolg dieses Mittels sehr fragwürdig ist. Mit besonderem Eifer wurde es durch den Vorsteher des von der Stadt Berlin benutzten Prügelstiftes Mielczyn angewendet, den Pastor Breithaupt, dessen Erziehungsmethode durch den„Vorwärts“ an die Oeffentlichkeit gebracht worden ist. Eine geglückte Flucht, ein Versuch zu fliehen, ja, der bloße Verdacht, daß Flucht beabsichtigt sei, konnten diesen mit der Peitsche erziehenden Mann Gottes in heiligen Zorn versetzen. Wir erinnern hier an das Schicksal jenes Mielczyner Zöglings, der im 47 Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. ordentBis dahin hatte nun noch niemand den Justizrat je liche lachen sehen. Der finstere, gravitätische Ernst, der auf seinen Zügen thronte, wich nur höchst selten den milderen Regungen der Heiterkeit, und wenn ihm ja etwas einmal außergewöhnlich komisch vorkam, verzog er nur sein Gesicht etwa in derselben Art, als ob er aus Versehen in eine Zitrone gebissen hätte, und hustete dazu. Jetzt aber blieb er stehen und lachte, ein wirklich ordentliches menschliches Lachen, lachte, daß ihm der Rauch seiner Pfeife in die Kehle kam und er, von mehreren höchst ungehaltenen Donnerwettern unterbrochen, drei=, viermal heftig husten mußte. Plötzlich aber wieder so ernsthaft wie nur je aussehend, sagte er:„Also Sie sollten die Frau Siebert heiraten, Assessor?“ „Bitte um Verzeihung, Herr Justizrat,“ bemerkte der etwas ängstliche Mann,„sie— sie wollte mich heiraten. Sie erklärte mir eines Morgens, die Kinder hätten sich so an mich gewöhnt, und— und sie sich auch, wir wären aber jetzt schon in das Gerede der Leute gekommen, und das ist wahr, denn der Herr Lhlers hörte nie auf, seine Witze darüber zu machen, und da sei es besser, man verleide den Leuten das Reden durch— eine Heirat.“ „Und da rissen Sie aus?“ „Ich versuchte erst, ihr mein Alter und meine ungenügenden weldmittel zu einer solchen Verbindung vorzustellen; aber es half nichts. Sie verdiente sich recht hübsches Geld, es ist wahr, und behauptete, mich auch schon in irgend eine Beschäftigung eineinarbeiten zu wollen, mit einem Worte, sie war entschlossen, mich zu heiraten.“ Der Justizrat hatte ihm mit der gespanntesten Aufmerksamkeit zugehört.„Und dann?“ sagte er endlich. „Wie ich fand, daß alle meine Vorstellungen nichts halfen, denn zu einer Heirat konnte ich mich in meinen Jahren unmöglich mehr entschließen, und die Frau Siebert— ja, es ist eine recht gute, brave Frau, aber—“ „Nun?— und wie Vorstellungen nichts halfen?—“ „Hm, da packte ich abends meine Sachen zusammen—“ „Die Frau Siebert war ausgegangen?“ „Sie war drüben bei der Frau Hetson.“ „Und brannten durch?“ rief der Justizrat, und sein Gesicht * burde vor innerlicher Freude feuerrot „Ich— ich bitte Sie, nur um Gotteswillen keinen Gebrauch davon zu machen,“ sagte der Assessor ängstlich. „Und selber die Witwe zu heiraten?“ rief der Justizrat in einem eigenen Anfall von Humor.„Donnerwetter, die Pfeife ausgegangen, schlagen Sie Feuer, Assessor, habe mein Feuerzeug verloren.“ Der Assessor rauchte nun allerdings selber nie, trug aber trotzdem stets Stahl und Schwamm bei sich, um anderen gefällig sein zu können. Die Pfeife wurde also wieder in Brand gebracht, und die beiden Männer setzten von da an, ohne daß ein Wort weiter über die Angelegenheit gesprochen ward, ihren Weg fort. Bis zu des Justizrats Arbeitsplatz, an einem der kleinen Bergwasser oberhalb des Städtchens, hatten sie etwa eine Viertelstunde zu gehen, und als sie denselben erreichten, zeigte dieser seinem neuen Kompagnon die Stelle, wo er sein letztes, er hätte auch sagen können: sein erstes, Gold gefunden. Dort bezeichnete er ihm auch den Platz, wo sie jetzt aufs neue graben wollten. Diese etwas langweilige und ermüdende Beschäftigung überließ der würdige Mann aber vor der Hand seinem Kompagnon, um vorher noch einmal den Berg hinaufzusteigen, wo er sein letztes, hohes Loch gegraben hatte. Er glaubte nämlich, dort sein ihm ganz unentbehrliches Feuerzeug vergessen zu haben, und da der Platz abseits von jedem Weg lag, ließ sich hoffen, daß es kein Vorübergehender gefunden hatte. Zugleich entging er damit für ein paar Stunden dem langweiligen Graben. So, während sich der Assessor mit aller Leidenschaft eines jungen Goldwäschers über die harte und ungewohnte Erdarbeit hermachte, schlenderte unser Freund, seine lange Pfeife neugestopft, und immer beim fünften Schritt den blauen Qualm von sich blasend, gemächlich den eben nicht steilen Hang hinauf, der ihn zu der ziemlich gut gemerkten Stelle führte. Da er sich vollkommen Zeit nahm, war er reichlich drei Viertelstunden gegangen, ehe er das kleine Cederndickicht erreichte, das ihm den Ort besonders kenntlich gemacht hatte, und er brauchte dort nicht lange zu suchen, um die Spuren seiner, leider vergebens gewesenen Tätigkeit aufzufinden. Erstaunt blieb er aber doch an der Stelle stehen, als er eine merkwürdige Veränderung entdeckte, die der Platz, seit er ihn selber verlassen, erfahren hatte, Das kleine, kaum vier Fuß lange und vielleicht ebenso tiefe Loch, das er dort, in dem vertrauungsvollen Glauben, einen Hut voll Gold darin zu finden, ausgeworfen und mit völlig getäuschter Erwartung wieder verlassen hatte, war— von irgend jemandem zugeschüttet worden. Hatte ein anderer nach ihm dort vielleicht noch einmal gegraben und den Platz jetzt wieder zugeworfen, um ihn später desto sicherer bearbeiten zu können? War vielleicht also doch Gold darin?“ „Hm, verfluchte Geschichte,“ murmelte der Justizrat vor sich hin, indem er neben der Stelle stehen blieb,„soll doch nie Platz verlassen, ohne durchgegraben zu haben, hm,“ und er blies die Dampfwolken in dichten, rasch aufeinander folgenden Puffen von sich,„nur meine Schaufel mitgenommen hätte.“ Trotz allem Betrachten kam er aber zu keinem bestimmten Entschluß, bis ihm endlich die Ursache einfiel, weshalb er den Berg noch einmal erstiegen hatte: sein Feuerzeug. Sich umsehend, fand er bald den Platz wieder, wo er an jenem Morgen sein mitgebrachtes Frühstück verzehrt und sich nachher die Pfeife angezündet hatte. Ein kleiner runder Moosfleck war dort gewesen, prächtig geeignet zu einer kurzen Siesta im Schatten eines dichtzweigigen wilden Kaffeebusches, und den hatte er auch redlich benutzt, seine müden Glieder vollständig auszuruhen. Der Platz war auch noch da, der Kaffeebusch wenigstens, aber der Moosfleck war zerstampft, als ob Kühe darauf herumgelaufen wären, er mochte sich nicht mehr darauf niedersetzen. Wer aber auch hier gewesen war, sein Feuerzeug hatte er nicht gefunden, denn oas lag richtig noch dicht neben der Wurzel des Busches, wohin er es gelegt, um es immer zur Hand zu haben. „Das ist gescheit,“ nickte jetzt vollkommen zufriedengestellt der Justizrat vor sich hin, während er das wiedergefundene kleine Argentan=Büchschen in die Tasche schob,„fatal gewesen, ohne Feuerzeug hier im Walde. Nicht aushalten ohne Rauchen.“ Sein Pfeifenkopf war etwas locker geworden und er drückte ihn wieder fest in den Suddersack, an den Fingern fühlte er dabei etwas Klebriges, und den weißen Kopf ansehend, bemerkte er einen Blutfleck daran. „Auch nicht übel,“ brummte er da vor sich hin, indem er seine Finger betrachtete und den daran klebenden Blutfleck an der rauhen Rinde des nächsten Baumes abrieb.„Finger gerissen, verwünschte Dornen, Malefiz=Land doch eigentlich, und viel gescheiter, zu Hause geblieben!" Der Justizrat hatte jetzt, was er wollte, und war im Begriff. den Hügel wieder hinabzusteigen; aber er mußte noch einmal an seiner mit so großer Mühe ausgeworfenen und jetzt wieder vollständig gefüllten Grube vorüber, und das ärgerte ihn besonders dabei, daß er jetzt gar nicht erfahren sollte, ob der, der nach ihm hier gewesen, etwas gefunden habe oder nicht. „Verfluchte Amerikaner,“ murmelte er, während er an dem zugeworfenen Platz stehen blieb und mit dem Fuße ein paar Erdknollen beiseite warf,„stochern überall herum, wo gar nichts Kreise seiner Leidensgefährten renommierk hakte, in etlchen Zochen hoffe er schon auf See zu schwimmen. Als de Wochen, Logse er sepot uu), oer. 9— Je)u zrde mußte. Zögling ußerung hinterbracht w Lastor diese e ie der Sg eine der üblichen Prügelexerutionen über sich ergehen kassen, obwohl noch nicht mal eine vorbereitende Handlung zur Ausführung eines Fluchtversuches nachzuweisen war. Auch dem Pastor Breithaupt hat in seinem Kampf gegen die Ausreißer die Peitsche wenig Erfolg gebracht. So emsig dieses sein Erziehungsinstrument auch arbeitete, die Fluchtversuche hörten in Mielczyn nicht auf. Ein Zögling, der sich den Segnungen der Breithauptschen Anstalt durch Flucht entzogen hatte, erzählte später seinen Angehörigen, er habe sogleich am Tage seiner ersten Einlieferung in Mielczyn gerade deshalb den Entschluß zur Flucht gefaßt, weil er genötigt wurde, der Auspeitschung mehrerer Zöglinge zuzusehen. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Wahlvereine des Kreises Potsdam=Osthavelland haben zurzeit 2036 Mitglieder, darunter 119 weibliche. An Einnahmen waren zu verzeichnen 6356,69 Mark, an Ausgaben 4720,53 Mark und ein Bestand von 1636,16 Mark. Ein Antrag des Genossen LiebWie oft mag im Bereich der Fürsorgeerziehung Berlins das vorkommen, daß Zöglinge entfliehen? Wir sind leider nicht Lage diese Frage zu beantworten Eine Statistik hierin der Lage, viese Fruge zu veantworten. Eine Statistik hierüber wird ja wohl in den Schreibstuben der Berliner Waisenverwaltung geführt werden, aber man wird sich hüten, sie der Oeffentlichkeit vorzulegen. Nur das wird allmonatlich durch das Berliner Statistische Amt bekanntgegeben, wieviele Zöglinge am Monatsende sich noch auf der Flucht befanden. Wieviele die Flucht ergriffen hatten und inzwischen schon wieder erwischt worden waren, das erfahren wir nicht. Doch auch die Zahl nur der entflohenen Zöglinge, die noch nicht ergriffen worden sind, ist noch überraschend groß. Nach den Monatsberichten des Statistischen Amts, die jetzt bis Mitte dieses Jahres vorliegen, waren Ende Juni 1909 in der Fürsorgeerziehung der Stadt 3821 Zöglinge, 2581 männliche und 1240 weibliche. Von den männlichen Zöglingen harrten einerseits 31 noch der Unterbringung, waren andererseits 89 widerruflich ihrer Familie überlassen und 218 widerruflich entlassen, im übrigen aber befanden sich 4 im Waisenhaus der Stadt, 142 im Berim Gau 809 Mitglieder in die Jugendorganisationen eingeschrieben, welche Zahl sich ständig vermehrt. Außerdem bestehen Jugendausschüsse an 29, Kinderschutzkommissionen an vier und Bildungsausschüsse an zwölf Orten. Als dringend notwendig wird eine zweckmäßige Einteilung der einzelnen Kreise in genau begrenzte Agitationsbezirke bezeichnet, ein Werk, das bereits begonnen ist und in allernächster Zeit vervollständigt für die Jugendorgansation zu bestellen, wurde von der Kreis= außerderm wirden Flugbsätter über die verschiebensten aktuellen Fragen in vielen Hunderttausenden von Exemplaren zur Verteilung gebracht. In die Berichtsperiode fielen auch die Gemeindewahlen, die der Partei schöne Erfolge brachten; es sind im Gau zurzeit insgesamt 171 sozialdemokratische Gemeindevertreter vorhanden. Auch beim Kapitel Parteipresse ist ein erfreuliches Fortschreiten der Bewegung zu konstatieren. Die vier im Gau erscheinenden Parteiblätter haben folgende Abonnentenzahlen:„Fränk. Tagespost“(Nürnberg=Fürth) 30 500,„Fränk. Volksfreund"(Würzburg) 4200,„Fränk. Volkstribüne“(Bayreuth) 4100,„Oberfränk. Volkszeitung“(Hof) 3300, insgesamt 42 100 Abonnenten. Anfangs 1908 betrug die Zahl der Abonnenten 38 300, so daß sie sich also um 3800 vermehrt hat. liner Erziehungshaus Lichtenberg, 43 auf dem Rieselgut Birkholz, 612 in Privatanstalten 98 in fremden Familien, 565 in Lehre 44? in Dienst= oder Arheitsstelle 49 im Lehre, 422 in Tienst= voer urbeissieue, 49 im Gefängnis, 38 im Krankenhaus. Der Rest war entlaufen, 250 Zöglinge! 250 von überhaupt 2581, das bedeutet, daß fast jeder 10. männliche Zögling sich auf der Flucht befand. Scheidet man die aus, die im Gefängnis steckten oder im Krankenhaus lagen, auch diejenigen, die noch nicht untergebracht waren oder andererseits bereits auf Widerruf entlassen oder ihrer Familie überlassen worden waren, so ergeben sich 250 Flüchtlinge von nur 2156 Zöglingen. Das heißt: jeder 8. bis 9. war auf der Flucht. Von den weiblichen Zöglingen waren 13 noch nicht untergebracht, 32 widerruflich der Familie überlassen, 103 widerruflich entlassen, und es befanden sich 1 im Waisenhaus der Stadt, 34 im Berliner Erziehungshaus Kleinbeeren, 509 in Privatanstalten, 65 in fremden Familien, 3 in Lehre, 327 in Dienst= oder Arbeitsstelle, 5 im Gefängnis, 53 im Krankenhaus. Auf der Flucht waren hier 95, jedes 13. Mädchen. Werden die noch nicht untergebrachten, die widerruflich entlassenen usw.(wie oben) ausgeschieden, so bleiben 1034, von denen 95— jedes 11. Mädchen— sich auf der Flucht befanden. Diese Ziffern sind wahrlich hoch genug, und sie steigen noch immer mehr. In den letzten drei Jahren, von Ende Juni 1906 bis Ende Juni 1909, erhöhte sich(in abgerundeten Angaben) die Gesamtzahl der männlichen Zöglinge um ein Drittel, die Zahl der auf der Flucht befindlichen aber um zwei Drittel, die Gesamtzahl der weiblichen Zöglinge um ein Viertel, die Zahl der auf der Flucht befindlichen aber um ein Drittel. Es wäre gewiß sehr lehrreich, zu erfahren, wie stark die einzelnen Gruppen, die in Familien, in Anstalten, in Lehre, in Dienst usw. untergebrachten Zöglinge, beteiligt sind. Und welche der nur zu vielen Privatanstalten mögen da die meisten Ausreißer haben? Ein Anstaltsvorsteher, der seine Schutzbefohlenen durch drakonische Strenge zur Flucht treibt, sollte schon deshalb schleunigst seines Postens enthoben werden. Die Flucht wird den Fürsorgezöglingen leider oft zum Anlaß, neue Straftaten zu begehen, weil sie selbstverständlich ihren Hunger stillen wollen, sich bessere Kleidung beschaffen wollen usw. Aufnahme darf ihnen nirgends gewährt werden, selbst den Eltern ist es bei Strafe verboten, den Sohn vor den Häschern zu bergen, die nach ihm suchen. Arbeit zu finden ist ihm schwer möglich, da er keine Papiere hat. Schon manchem Fürsorgezögling, den die Eltern abweisen zu sollen glaubten, hat dann nur zu bald die Tür des Gefängnisses sich geöffnet. Aber auch durch bloße Fluchtversuche, die mißlingen, wird die Lage des Zöglings meist nur noch verschlimmert. Sie führen in der Regel dazu, daß der Zeitpunkt der Entlassung immer weiter hinausgeschoben wird, weil der Zögling ja durch seinen Versuch, sich selber frei zu machen, bewiesen habe, daß er noch nicht gebessert sei. Gerade der Pastor Breithaupt ist groß auch darin, aus Fluchtversuchen seiner Zöglinge die Notwendigkeit einer Verlängerung ihrer Leidenszeit herzuleiten. Einer Mutter schrieb er über ihren Sohn in der formlosen Manier, die ihm eigen ist: (Name des Sohnes) hat einen Fluchtversuch gemacht. Deshalb ist an eine Freilassung vor dem 21. Lebensjahre nicht zu denken. Breithaupt.“ Kein Wort mehr und keins weniger! Der Zögling, der wegen eines Fluchtversuches dem Herrn Pastor wert erscheint, bis zum 21. Jahr unter seiner Fuchtel zu bleiben, ist jetzt— 17 Jahre alt. Man sieht: dieser Pastor, den der Berliner Kommunalfreisinn durch schamlos verlogene Beschönigungen zu retten versucht, ist nach mehr als einer Richtung hin ein eigenartiger Erzieher. konferenz angenommen. 7 8 Die Generalversammlung für den Wahlkreis Sorau Forst stellte als Reichstagskandidaten den Genossen Schumann=Berlin auf. Der Verein hat ein Vermögen von 3450,72 Wer E 4 Gete ien antfe Der Kreis Landsberg=Solvin hatte im verflossenen Geschäftsjahre eine Einnahme von 1629,97 Mark, eine Ausgabe von 1426,27 Mark und einen Kassenbestand von 203,70 Mark. Die Organisation zählt 391 männliche und 56 weibliche MitDer Ruppin=Templiner Kreis vereinnahmte in den einzelnen 16 Wahlvereinen mit 561 Mitgliedern 2798.68 Mark, die Ausgaben betrugen 2311,20 Mark, so daß ein Bestand von 487,20 Mark verbleibt. Die Zentralkasse hatte inkl. einer Beihilfe von 600 Mark von der Agitationskommission eine Einnahme von 2083,06 Mark zu verzeichnen, die Ausgabe betrug 2060,47 Mark, bleibt ein Bestand von 22,59 Mark. Unter den Ausgaben befinden sich als an den Parteivorstand abgeführt 176 Mark, die Ortsvereine erforderten einen Zuschuß von 275 Sozialdemokratischer Verein Kassel=Melsungen. Die Zahl der Mitglieder ist von 2661 im Vorjahre auf 2950(darunter 25 Frauen) in diesem Jahre gestiegen. Die Kassenverhältnisse des Kreises sind sehr günstige. Mit 75 gegen 16 Stimmen wurde beschlossen, den Beitrag, der jetzt 30 Pfg. pro Monat beträgt, ab 1. Juli 1910 auf 10 Pfg. pro Woche zu erhöhen. Auf der Kreiskonferenz fur den Waylkreis Duisburg=Mülheim=Oberhausen waren sämtliche 18 Orte des Wahlkreises durch 62 Delegierte vertreten, unter denen sich 11 Frauen befanden. Der Kassenbericht weist eine Einnahme von 9406,56 Mark und eine Ausgabe von 7940,50 Mark auf, so daß ein Bestand von 1466,06 Mark verbleibt, gegen 340,77 Mark im Vorjahre. Die Mitgliederzahl des Wahlvereins beträgt 3795, 3015 männliche und 780 weibliche Mitglieder. Wie arg der Wahlkreis unter der geschäftlichen Depression und der damit verbundenen Fluktuation der Mitglieder zu leiden hat, ist daraus zu entnehmen, daß 2514 neuaufgenommenen Mitgliedern rund 2100 im Laufe des Jahres erfolgte Abmeldungen gegenüberstanden. An Flugblättern sind im Berichtsjahre 4 in einer Auflage von insgesamt 105 000, sowie 25000 Agitationskalender verbreitet. In einer ganzen Anzahl von Orten hat die Partei unter behördlicher Saalabtreiberei zu leiden. Der Kreisvorstand unterbreitete der Konferenz ein neues Kreisstatut, das die straffe Zentralisation vorschreibt. Das Statut wurde unter Proteste der Mülheimer Delegierten angenommen. Die Konferenz stimmte dem Antrage des Vorstandes zu, der besagt, daß der Vorstand zwecks Beschaffung von Mitteln zur Gründung einer eigenen Druckerei, die Gründung einer Genossenschaft in die Wege zu leiten hat. Eine Beitragserhöhung von 10 Pfg. pro Woche auf 50 Pfg. pro Monat wurde abgelehnt.— Generalversammlung des sozialdemokra tischen Volksvereins für den Reichstagswahlkreis Solingen. Die Krise, die nun schon seit fast zwei Jahren im dortigen Industriebezirk herrscht, hat auch der Parteibewegung großen Schaden zugesügt. Während der Mitgliederbestand am Schlusse des ersten Halbjahres des Geschäftsjahres 2927 betrug, war am Schlusse des zweiren Halbjahres nur noch ein Mitgliederbestand von 2683 zu verzeichnen. Der Verlust ist hauptsächlich auf das Konto der abgereisten Mitglieder zu setzen, die im dortigen Industriebezirk keine Arbeit mehr finden konnten. Die Zahl der weiblichen Mitglieder beträgt gegenwärtig 329 ist also gegen den letzten Bericht etwas gestiegen. Der Kassenbericht balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 9661,44 Mark, bei einem Kassenbestand von 3763,63 Mark. Versammlungen fanden im letzten Halbjahr 98 mit 44 Vorträgen statt. Flugblätter und Broschüren sind im laufenden Geschäftsjahr 20 000 verbreitet worden; außerdem eine Agitationsnummer der„Bergischen Arbeiterstimme“ in einer Auflage von 12000 Exemplaren, die dem Parteiorgan eine Reihe neuer Abonnenten brachte.— Der Gauvorstand der Sozialdemokratie Nordbayerns erstattet seinen Bericht über die letzte Geschäftsperiode, die infolge der Verlegung des Schlusses des Geschäftsjahres auf 30. Juni, die Zeit vom 1. Januar 1908 bis 30. Juni 1909, also 18 Monate umfaßt. Die wirtschaftliche Krise hat auch auf die politischen Organisationen ihren Einfluß ausgeübt, aber immerhin ist ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Der Gau, der 22 Reichstags= und 59 Landtagswahlkreise mit 2 763000 Seelen einschließt, zählte anfangs 1908 155 Sektionen der politischen Organisation mit 26 566 Mitgliedern, am 1. Juli d. J. waren 189 Sektionen mit 30 394 Mitgliedern, darunter 1170 Frauen, vorhanden. Die Zahl der Mitglieder ist also um 3828 gestiegen. Die Beschlüsse des Parteitages betreffs der Jugendorganisation haben im Gau starken Widerhall gefunden, besonders im Kreise Oberfranken greift die Bewegung rasch um sich. Am Schlusse des Berichtsjahres waren Gewerkschaftsbewegung. Tarifabschluß der Maschinisten und Heizer. Der Zenkralverband der Maschinisten und Heizer hat bei der Lohnbewegung in der Pfalz-Brauerei in Neustadt a. Hardt einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Für die Maschinisten und Heizer bestand bisher kein Vertragsverhältnis, und da sie auch bei der letzten Lohnbewegung der Brauereiarbeiter leer ausgingen, hatten sie jetzt durch ihre Organisation einen Tarifvertrag eingereicht.— Die Löhe haben eine erhebliche Aufbesserung erfahren. Die durchschnittliche Erhöhung der Löhne beträgt 4 Mk. pro Woche; hierzu kommt noch, daß die Ueberstunden, die früher nur mit 30 Pfg. entlohnt wurden, eine Aufbesserung um 10 resp. 20 Pfg. erfahren haben. Weiter wurde den Arbeitern ein Urlaub von sechs Tagen zugestanden. Der Tarif hat Giltigkeit bis zum 1. August 1911. Die Lohnbewegung in der Nordhäuser Zigarrenindustrie ist zugunsten der Arbeiter und Arbeiterinnen beendet; eine Einigung ist in allen Betrieben erzielt worden. Die Löhne wurden durchschnittlich um 50 Pfg. pro Mille, bei einigen Sorten sogar um 75 Pfg. pro Mille erhöht. In einem Betriebe erhielten die Sortierer eine Zulage von 10 Pfg. pro Mille für alle Sorten, die in Papier eingeschlagen werden müssen; auch wurden die von den Wickelmacherinnen geleisteten Nebenarbeiten beseitigt. Die Arbeiter erklärten sich mit den gemachten Lohnzugeständnissen einverstanden und nahmen die Arbeit wieder auf. Die Heizungsmonteure und Helfer in Straßburg i. Els. sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie haben am Montag Forderungen eingereicht und erwarten bis nächsten Montag die Antworten der Unternehmer. Sie verlangen im wesentlichen eine regelmäßige Arbeitszeit von täglich 9 Stunden: Ueberstunden sollen möglichst vermieden werden, sind sie notwendig, so wird ein Zuschlag von 25 Prozent verlangt, für Nacht= und Sonntagsarbeit 50 Prozent und für Arbeiten an hohen Feiertagen 100 Prozent Zuschlag. Die Mindeststundenlöhne sollen für Monteure 60 Pfg., für Helfer 40 Pfg., und wenn diese ein Jahr im Betriebe sind, 45 Pfg. betragen. Der Tarif regelt weiter die Vergütungen bei auswärtigen Arbeiten, die Lohnfrage bei Akkordarbeiten, bei denen der Tagelohn garantiert sein muß. Weiter verlangt er besondere Maßregeln zum Schutze der Arbeiter auf den Bauten usw.— Die Straßburger Heizungsmonteure und Helfer sind gut organisiert. Zuzug ist fernzuhalten! Vom Generalausstand in Schweden. Stockholm, 25. August. Das Streikblatt„Svaret" bringt eine Ankündizu tun haben, Lumpenpack, große Lust, Spaten zu holen, verdammt hoher Berg, zweimal in einem Tag, hm.“ Während er so, immer noch mit dem halben Verdacht, daß wirklich Gold in dieser Erde sein könne, mit dem Fuße daran herumstörte, denn er war zu bequem, die Hände dafür zu verwenden, kam es ihm plötzlich so vor, als ob er etwas in dem lehmigen Boden blitzen sähe. Rasch bückte er sich danach und faßte im nächsten Augenblick die untere Spitze einer dort mit Erde bedeckten eisernen Schaufel. „Da haben wir's!“ rief er aber, über die Entdeckung aufs äußerste erstaunt,„richtig Gold drin, Amerikaner hat sein Werkzeug drin gelassen, wiederkommen. Esel ich, Grube aufzugeben, hm, Teufel holen!“ Die Voraussetzung hatte auch nicht das geringste Unwahrscheinliche für sich, wenn man überhaupt hätte glauben wollen, daß hier oben auf der Spitze eines Hügels Gold zu finden gewesen. Das Zurücklassen eines Stückes Werkzeug in einer angefangenen oder auch nur bezeichneten Grube, sicherte dem Eigentümer desselben das Recht zu, dieselbe für sich zu heanspruchen. M:Frde war sie oher vielleicht deshalb nur leicht bedockt worden. tümer desselben das Recht zu, dieselhe für sich zu heanspruche WeirErde war sie aber vielleicht deshalb nur leicht bedeckt worden, daß nicht ein Vorüberwandernder in die Versuchung kommen sollte, sie mitzunehmen. Wer hier dagegen graben wollte, mußte sie augenblicklich Der Justizrat, jetzt in der festen Ueberzeugung, daß ein nach ihm Gekommener hier wirklich Gold gefunden habe, fand sich in einer höchst unangenehmen nicht, ob er jetzt noch das Recht habe, seine verlassene, Arbeit, besonders gar, mit dem Handwerkszeug des nach iom Gekommenen, aufzunehmen, und ob er nicht in dem Falle die gung des Vorstandes des Typographenverbandes, daß der Absicht der Buchdrucker, jetzt Personalkontrakte einzuführen, der allerschärfste Widerstand entgegengesetzt werden wird. Dasselbe Blatt meldet, daß die Straßenbahngesellschaft t hon nonon Angestellten ein Vorhat der selbe Blatt meldet, daß die Straßenvayngesellschaft in den Kontrakten mit den neuen ungesteuten ein Vervot der Organisation und eine hohe Regreßpflicht aufnimmt. Die Lage bei den Preßstahlwerken in Pittsburg wurde so ernst, oaß das Kriegsrecht erklärt wurde. Polizei und Truppen gehen in den letzten 24 Stunden rücksichtslos gegen die Menge vor. Man fürchtet, daß die Verluste an Menschenleben sehr groß sein werden. Die Behörden belegten Revolver mit Beschlag, die die Streikenden versteckt hatten. Genossenschaftsbewegung. Minengesetze übertreten würde. Zugleich war es für ihn aber auch wieder gewissermaßen eine Art von Triumph, seine„Bergarbeiten“, wie sie Binderhof immer nannte und ihn deshalb verhöhnte, zu Ehren gebracht zu sehen. Einmal hatte er auch wirklich große Lust, es darauf ankommen zu lassen und den Platz von neuem, trotz der darin gelassenen Schaufel, in Angriff zu nehen; seine ihm— ich möchte fast sagen: angeborene— Scheu vor jedem Gesetz aber gewann doch die Oberhand. Er hatte den Platz aufgegeben; ein anderer hatte nach ihm da wieder gegraben und ein Werkzeug als Zeichen der Besitznahme darin zurückgelassen, er selber durfte deshalb keine Hand daran legen, und eben nicht in bester Laune verließ er den Ort und stieg zurück, hinunter in das Tal, um dem Assessor unten beizustehen. Den Spaten legte er aber vorher wieder auf die Grube, wie * efunden hatte und deckte ihn auch ebenso mit Erde zu. er ihn gefunten halte, und beule ign auch ebenso mit Erde zu. Der Assessor, der zum ersten Maie in seinem Leben eine solche schwere Arbeit verrichtete, hatte sich indessen schon Blasen in die Hände gearbeitet und war, wie es schien, äußerst zufrieden, als seine Uhr endlich die Mittagsstunde zeigte. beiden wanderten auch jetzt, rascher als sie an dem Morgen gekommen, nach ihrem Zelte zurück, und dem Justizrat gingen dabei schon wieder neue Pläne im Kopfe herum, seine„Bergarbeiten“ nächstens wieder aufzunehmen. Seinem Begleiter erzählte er auch unterwegs die Geschichte mit dem begonnenen und jetzt wieder von jemand anderem in Besitz genommenen Hintersies, auf eine Weise, daß er bei dieser auf eine Weise,#ug er bei vie#em den Eindruck als ob er durch diese Vernachlässigung einer behinterließ, als ob er durch diese gonnenen Arbeit wenigttens ein paar tausend Dollar eingebüßt habe.(Fortsetzung folgt. Rabattsparvereine sind warenverteuernde Händlertruste, das ist die Quintessenz zweier Urteile, die von der„Rabattsparvereinszeitung“ in ihrer Augustnummer mitgeteilt werden. Es handelt sich um folgenden Fall: Im Juni 1907 beschloß die Gruppe der Kolonialwarenhändler des Rabattsparvereins Rendsburg,„Zucker, Seife und andere Artikel zu festen Preisen zu verkaufen". Ein Mitglied, dem diese Preise zu hoch erschienen, verkaufte die Artikel aber billiger, worauf der Vorstand das Mitglied mit 10 Mk Strafe belegte. Als das Mitglied sich weigerte, die Strafe zu bezahlen, klagte der Verein beim Amtsgerichts Rendsburg, und dieses erkannte, die Straffestsetzung von 10 Mk. sei nicht rechtsgiltig. Der Rabattsparverein könne durch Geldstrafen nur die Durchführung des Vereinszweckes zu erreichen versuchen, das sei die Rabattgewährung an die Käufer. Die Festsetzung von Verkaufspreisen widerspreche der nach den Satzungen des Vereins erstrebten reellen Preisbildung, da die Verkaufspreise sich nach den Einkaufspreisen zu richten hätten. Gegen dieses Urteil legte der ein und erreichte tatsäc erstinstanzliche Urteil aufhob und das Rabattsparvere glied verurteilte, die 10 Mk. Strafe an den Verein zu bezahlen. Das Landgericht meint in seiner Entscheidung, der Rabattsparverein hindere niemanden, teurer zu verkaufen, nur Mindestpreise schreibe er vor. Der Kläger wende zwar ein, ihm werde durch diese Mindstepreise ein Gewinn aufgedrängt, den er wirtschaftlich nicht für berechtigt halte, aber er könne ja bessere Waren liefern und dadurch Kunden anlocken. Der Schwerpunkt des Vereinszweckes liege beim Rabattsparverein nicht in der reellen Preisbildung, sondern in der Bekämpfung der„Auswüchse des Konkurrenzkampfes". Es wird hier also gerichtlich bestätigt, was wir schon oft betont haben: die Rabattsparvereine benutzen den Rabatt als Mittel zur Organisierung der Händler und bilden sich dann um in Händlerringe, die höhere Preise festsetzen, als sie wirtschaftlich gerechtfertigt sind, wie einer der ihren bestätigt. Und wie ernst es ihnen mit diesem wirklichen Vereinszweck ist, beweist die Tatsache, daß sie selbst Ordnungsstrafen verhängen gegen Mitglieder, die die Auswucherung der Konsumenten nicht mitmachen wollen. Die Käufer, die in den Rabattsparvereinsladen laufen, helfen mit, die Rute zu binden, mit der sie später gezüchtigl werden. Sie kun be mittel zu entnehmen höhung der Warenp unmöglich machen od Das Kohlensynd Das Kohlensyndikat Plage für die deut zehntet es jeden Hau im großen und klein nismäßig geringen Betracht kommen, m sich der Diktatur de sparnisse bei Trans schaften ihren Mitgl spricht das Syndikat die Kohlenkasse Vilb sind dort wie andern gegeben; dazu kam, steigende Umsätze er an sich gezogen hat. nichts unternehmen; gegen die Kohlenkass zehn bis zwanzig Pfe die Händler erhoben schäftsstelle des Syt schriebenen Verkaufs die Geschäftsstelle di einstellung, den Pre Händlern vorgeschrie verständlich kann un Mitgliedern rückverg aus, als bestünden gl lern oder der Kohlen liche Kohlenbezug gar ist klug genug, um 1 bei der Kohlenkasse ihre Rückvergütung. irten ähnlich vollzoc der Kapitalismus sch weiter schalten, solar zahl begriffen haben, notwendigerweise stat überstehen müssen. Ki Eine Preiske silber=Konvention be der photographischen Reihe Preishestimm Aufgabe hatte.“ Durc Gesellschaft in Stegl heftiger Preiskampf, Neue Photographisch Preisschleuderei in nehmen in vermein Unterbietungen ande gingen, nach sich. In Photographische Gese scheinlich eine finanz Nach diesem Verlauf schaft Friedensliebe abgeschlossen worden. gehören etwa ein Du an. Durch den Ver Mindestpreise fixiert der von den Konven! gestellten Bromsilber stellung in den Fabr Rechnung. Der Ver industrie schließt konvention an, er be preise festzusetzen, fei nur bei den der Br zu kaufen. Die in ein daß die durch den Ausfuhr von Broms zu der Erneuerung trifft nicht zu, denn mungen der Konvent zsc. Die Ueberne genossenschaften. Di bekanntlich erst mit triebsunfall in Wirk schaften freigestellt, d vor Ablauf dieser Seiten, namentlich darauf hingewiesen nahme des Heilverse Durch rechtzeitige A Heilmittel können sel den. 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Sie kun besser daran, dem Konsumverein ihre Lebensmittel zu entnehmen, weil sie dadurch auch gleichzeitig die Erhöhung der Warenpreise über ein unzulässiges Maß hinaus unmöglich machen oder doch sehr erschweren. Das Kohlensyndikat und die Konsumentengenossenschaften. Das Kohlensyndikat ist durch seine Preispolitik eine schlimme Plage für die deutsche Industrie geworden; darüber hinaus zehntet es jeden Haushalt. Der Kohlenhandel ist vom Syndikat im großen und kleinen reglementiert; soweit nicht die verhältnismäßig geringen Kohlenquanten syndikatsfreier Zechen in Betracht kommen, muß auch der genossenschaftliche Kohlenbezug sich der Diktatur des Syndikats anpassen; lediglich durch Erparnisse bei Transport und Verschleiß können die Genossenschaften ihren Mitgliedern Vorteile verschaffen. Aber auch da spricht das Syndikat gelegentlich ein Machtwort, wie es jetzt die Kohlenkasse Vilbel zu verspüren bekam. Die Detailhändler sind dort wie anderwräts gänzlich in die Hände des Syndikats gegeben; dazu kam, daß die Kohlenkasse, die von Jahr zu Jahr steigende Umsätze erzielt, einen wesentlichen Teil des Absatzes an sich gezogen hat. Gegen das Syndikat können die Händler nichts unternehmen; nun versuchten sie es mit einer Aktion gegen die Kohlenkasse. Die Kohlenkasse verkauft regulär um zehn bis zwanzig Pfennig pro Zentner billiger wie die Händler; die Händler erhoben nun Beschwerde bei der Frankfurter Geschäftsstelle des Syndikats, weil die Kohlenkasse den vorgeschriebenen Verkaufspreis nicht einhalte. Und wirklich zwang die Geschäftsstelle die Kohlenkasse bei Strafe der Lieferungseinstellung, den Preis auf 1,30 Mk.— das ist der auch den Händlern vorgeschriebene Einheitspreis— zu erhöhen. Selbstverständlich kann und wird die Kohlenkasse den Mehrerlös den Mitgliedern rückvergüten, aber nach außenhin sieht es doch so aus, als bestünden gleiche Einheitspreise, ob man nun bei Händlern oder der Kohlenkasse kaufe, und als habe der genossenschaftliche Kohlenbezug gar keinen Zweck. Die Vilbeler Arbeiterschaft ist klug genug, um rechnen zu können; sie wird nun erst recht bei der Kohlenkasse kaufen; erhält sie doch am Jahresschlusse ihre Rückvergütung. Aber der Vorgang, der sich auch in anderen Orten ähnlich vollzogen hat, zeigt doch wieder, wie selbstherrlich der Kapitalismus schaltet. Und er wird solange selbstherrlich weiter schalten, solange die Konsumenten erst in der Minderzahl begriffen haben, daß den Organisationen der Produzenten notwendigerweise starke Organisationen der Konsumenten gegenüberstehen müssen. gandel und Preiskonvention für Ansichtskarten. Als Bromsilber=Konvention bestand bis zum 1. April 1908 ein Kartell der photographischen Reproduktionsanstalten, das in erster Reihe Preishestimmungen für Bromsilber=Ansichtskarten zur Aufgabe hatte. Durch den Austritt der Neuen Photographischen Gesellschaft in Steglitz zerfiel die Konvention, es begann ein heftiger Preiskampf, dessen Kosten in der Hauptsache wohl die Neue Photographische Gesellschaft zu tragen hat. Die arge Preisschleuderei in Bromsilber=Ansichtskarten, die das Unternehmen in vermeintlicher Ueberlegenheit unternahm, führte Unterbietungen anderer Betriebe, die vielfach gemeinsam vorgingen, nach sich. In der konventionslosen Zeit geriet die Neue Photographische Gesellschaft in schlimme Bedrängnis, die wahrscheinlich eine finanzielle Sanierung notwendig machen wird. Nach diesem Verlaufe des Kampfes stellte sich bei der Gesellschaft Friedensliebe ein, ein neuer Konventionsvertrag ist nun abgeschlossen worden. Der erneuerten Bromsilber=Konvention gehören etwa ein Dutzend deutscher und österreichischer Fabriken an. Durch den Vertrag sind nach dem„Berliner Tageblatt“ Mindestpreise fixiert worden, und zwar sowohl für den Verkauf der von den Konventionsmitgliedern für eigene Rechnung hergestellten Bromsilber=Ansichtspostkarten, als auch für die Herstellung in den Fabriken der Konventionsmitglieder für fremde Rechnung. Der Verband der Grossisten der Bromsilberkartenindustrie schließt sich den Vereinbarungen der Fabrikantenkonvention an, er beabsichtigt für den Detailverkauf Mindestpreise festzusetzen, ferner will er seine Mitglieder verpflichten, nur bei den der Bromsilberkonvention angehörenden Fabriken zu kaufen. Die in einzelnen Blättern ausgesprochene Vermutung, daß die durch den neuen amerikanischen Zolltarif erschwerte Ausfuhr von Bromsilberkarten nach den Vereinigten Staaten zu der Erneuerung der Konvention Veranlassung gegeben hat, trifft nicht zu, denn das Exportgeschäft unterliegt den Bestimmungen der Konvention nicht. sse. Die Uebernahme von Heilverfahren durch die Berufsgenossenschaften. Die Leistungen der Unfallversicherung treten bekanntlich erst mit dem Beginn der 14. Woche nach dem Betriebsunfall in Wirksamkeit. Es ist jedoch den Berufsgenossenschaften freigestellt, das Heilverfahren für einen Verletzten schon vor Ablauf dieser Wartezeit zu übernehmen. Von vielen Seiten, namentlich auch vom Reichsversicherungsamt, ist schon darauf hingewiesen worden, daß diese frühzeitige Uebernahme des Heilverfahrens außerordentlich empfehlenswert ist. Durch rechtzeitige Anwendung geeigneter Heilbehandlung und Heilmittel können sehr oft Unfallsfolgen gänzlich beseitigt werden. Das ist jedenfalls den Verletzten weit lieber als ein ständiger Kampf um eine geringe Rente. Zurzeit scheuen überdies viele Krankenkassen für die Unfallverletzten höhere Aufwendungen während der ersten 13 Wochen, weil später eben die Unfallversicherung eintreten muß. Die Statistik zeigt aber, daß die Berufsgenossenschaften für diese Frage absolut kein Verständnis haben. Die Zahl der gewerblichen Berufsgenossenschaften, welche eine frühzeitige Uebernahme des Heilverfahrens überhaupt üben, ist zurückgegangen. Die Zahl der übernommenen Fälle verminderte sich von 9220 im Jahre 1900 auf 8773 im Jahre 1907, oder von 2,97 auf 1,89 Prozent der gemeldeten Unfälle. Das zeigt noch mehr als alles andere den unsozialen Geist der Berufsgenossenschaften. Sie wollen eben sparen: es ist ihnen gleichgiltig, ob der Verletzte wieder hergestellt wird oder nicht; er erhält letzterenfalls ja auch nichts. Die Statistik beweist, daß von den im Jahre 1907 übernommenen 8773 Fällen bei 8048 Fällen das Ergebnis der Behandlung ein sehr günstiges war. Das dürfte doch vollkommen genügen. Von den 678879 Mk. Unkosten, welche die frühere Uebernahme des Heilverfahrens den gewerblichen Berufsgenossenschaften verursachte, erhielten sie noch. 14 957 Mk. von den beteiligten Krankenkassen zurückBesonders im argen liegt die rechtzeitige Uebernahme eines Verletzten bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften. Von den 48 Genossenschaften dieser Art machten im Jahre 1907 nur 35 davon Gebrauch; die Zahl der Fälle betrug 2598. Zu einem großen Teil handelt es sich bei den übernommenen Fällen um Knochenbrüche und Augenverletzungen. Das Reichsversicherungsamt hat erst jetzt wieder die Becufsgenossenschaften zu reger Ausgestaltung dieser Fürsorge angeregt. Ob es helfen wird? Das beste wäre eine günstigere Gestaltung der Gesetze für die Versicherten in dieser Frage. Der Entwurf der Reichsversicherungsordnung enthält nichts davon. ssc. Eine Statistik der Unglücksfälle. Ueber die Vernichtung von Menschenleben durch Unfälle aller Art hat Doktor Gottstein eine interessante Statistik ausgenommen. Nach derselben verunglückten in dem Zeitraum von 5 Jahren von je 1 Million Einwohner tödlich in Schottland 720 Schweiz 623, England 568, Frankreich 388, Deutschland 384, Italien 362, Belgien 344, Oesterreich 335 usw. Danach befindet sich Deutschland etwa auf der mittleren Linie. Gottstein will aber auch gefunden haben, daß die Zahl der tödlichen Unfälle geringer wird. Infolge von Unfällen überhaupt seien von je 10000 Männern verstorben in 1869 1907 Ost= und Westpreußen..... 9,1 7,3 Schlesien. 8,4 7,9 Pommern 7,7 5,9 Westfalen.... 6,6 8,0 Königreich Sachsen...... 6,5 5,8 Rheinland 6,3 7,2 Brandenburg 6,1 6,3 Eine Abnahme der Zahl der tödlich verlaufenden Unglücksfälle ist daraus erklärlich, daß immerhin in den Maßnahmen zum Schutze vor Verletzungen Fortschritte Platz greifen und auch die Heilbehandlung der Verunglückten eine wesentliche Verbesserung erfahren hat. Bemerkenswert ist weiter, daß auch die Zahl der Betriebsunfälle im Abnehmen begriffen zu sein scheint. Nach den vorläufigen Ermittelungen des Reichsversicherungsamtes betrug im Jahre 1908 die Zahl sämtlicher bei den Trägern der Unfallversicherung angemeldeten Unfälle 655 859, die Zahl der Unfälle, welche Erwerbsbeeinträchtigung von länger als dreizehnwöchiger Dauer mit sich brachten, 141 848. Im Jahre 1907 kamen zur Anmeldung 662 901 Unfälle und 144 703 Entschädigungsberechtigte. Das wäre also eine kleine Abnahme der Zahl der Verletzten. Von den im Jahre 1907 durch Betriebsunfall verletzten Personen verstarben 9815 an den Unfallsfolgen, 61 449 waren völlig oder teilweise dauernd erwerbsunfähig. Auf 1000 Personen kamen 30,05 Verletzte und 6,83(!) dafür entschädigte Personen. Unter der Gesamtzahl der Entschädigten befanden sich 21 786(also zirka 15 Prozent) erwachsene Frauen und 4363 männliche und 928 weibliche Jugendliche. Gerichtliches. Flora Gaß zu Zuchthaus verurteilt. Die ehemalige Geliebte des früheren Chefredakteurs der„Kreuzzeitung", Freiherrn v. Hammerstein, der wegen der von ihm verübten Wechselfälschungen zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden war, ist jetzt in Basel wegen Erpressung zu 1½ Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Flora Gaß, die seit der Hammerstein=Affäre schon wiederholt wegen verschiedener Betrügereien in schweizerischen Gefängnissen gesessen hat, hat die Erpressung oder vielmehr eine ganze lange Reihe von Erpressungen an einem angesehenen Baseler Kaufmann verübt. Sie schrieb ihm, daß sie von der Mutter eines minderjährigen Mädchens, mit der er intimen Umgang hatte, den Auftrag bekommen habe, gegen ihn eine Strafanzeige zu machen; sie habe aber die Mutter beruhigt und bedürfe nun Geld, um diese und andere mitwissende Frauen zum Schweigen zu bringen. Der Kaufmann ließ sich einschüchtern und gab einen ansehnlichen Betrag. Damit hatte er sich der Angeklagten Gaß ausgeliefert, und diese ließ ihm während fünf Jahren keine Ruhe mehr. Wie der Kaufmann erklärt, hat sie ihm während der fünf Jahre rund 10 800 Franken erpreßt. Nahezu 300 Droh- und Bettelbriefe hat die Angeklagte in diesem Zeitraume geschrieben Militärisches. Von der Militärjustiz. Breslau, 24. August. Das Kriegsgericht der 9. Division hatte den Musketier Walter Kohllöffel vom 191. Infanterieregiment wegen Meuterei zu drei Jahren 6 Monaten Festung verurteilt. Auf die Berufung des Verurteilten ermäßigte das Oberkriegsgericht des 5. Armeekorps die Strafe auf 1 Jahr 3 Monate Festung. Das Reichsmilitärgericht hob diese Urteile auf und verwies die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Oberkriegsgericht des 6. Armeekorps, das jetzt gegen Kohllöffel nur auf 4 Wochen strengen Arrest erkannte. Aus der Nachricht, die uns zugegangen ist, sind leider die näheren Umstände des Falles nicht zu ersehen. Aber daß es möglich war, daß ein Mann wegen derselben Straftat einmal zu 3 Jahren 6 Monaten, ein andermal zu 1 Jahr 3 Monaten und schließlich zu 4 Wochen verurteilt werden kann, ist ungeheuerlich. Das zeigt wieder einmal, wie schlecht es um unsere Militärzustiz bestellt ist. Süddeutscher Postillon Nr. 18 bietet einen reichen Schatz von Bildern. Das märchenduftige Titelbild: Das Irrlicht mit seinen Sumpfgebilden, Nachteulen und anderem Zauber kündet gerade keine Führung an„goldenen Tagen entgegen“; die Innenbilder: ein Marterl aus Tirol, Der Herr Staatsanwalt in den Ferien und im Amt, Zur Ausbildung, ein Schnack aus dem Kolportageleben, Alfonsens Eir?! Zwei! Drei! in zwei Bildern beleben teils in Farben, teils in Schwarz die Nummer. Generalstreik, zum schwedischen Klassenkampf(Gedicht).— Briefe aus Sachsen.— Der Bindestrich.(Ged.)— Josef Glasers Opfertod (Gedicht).— Fürstenliebe(Ged.).— Auch der Abderid schlupft durch die Spalten.— Rache für Köpenick(Ged.), viele kleine unterhaltende und anrengende Apostrophen. Der Süddeutsche Postillon, jederzeit fest auf dem Damme, sei unseren Lesern empfohlen. Die Nummer kostet 10 Pfg. Vermischtes. Drei Personen vom Auto übergefahren. Köln, 25. Aug. In der Nähe von Goch in der Rheinprovinz fuhr ein Automobil hinter einem Bauernwagen her, auf dem ein Landmann, dessen Sohn und ein Knecht Platz genommen hatten. Plötzlich scheute das Pferd infolge des Gerausches des sauchenden Autos und ging durch. Die drei Personen fielen rücklings vom Wagen und gerieten unter das hinter ihnen herfahrende Auto, das nicht im Augenblick anhalten konnte. Alle drei wurden von dem Kraftwagen übergefahren und sofort getötet. Bierkrieg. Frankfurt a. M., 25. August. In einer Massenversammlung wurde beschlossen, gegen eine Erhöhung des Bierpreises über die Steuererhöhung hinaus durch Enthaltsamkeit vom Biergenuß zu protestieren. Damit ist der Bierkriea beschlossene Sache. Nur die Kuh des Majors hat Zutritt. Aus einer kleinen Garnison wird folgende angeblich wahre Geschichte berichtet: Der Garnisonälteste, bei dem die Fahne seines Truppenteils steht und dessen Haus deshalb von einem Posten bewacht wird, hält sich für seine zahlreiche Kinderschar eine Kuh. Das Tier weidet auf einem Rasenplatz vor dem Hause. Eines Tages beklagt sich die Frau Majorin, daß ihre Kuh dauernd erheblich weniger Milch als fruher gäbe, und erklärt das damit, daß das Gras auf der Kuhweide von den Passanten zertreten würde. Die Schildwache erhält darauf von dem Kommandeur den strengen Befehl, daß außer der Kuh niemand die Weidefläche betreten dürfe. Bald darauf will die Kommandeuse eilig über den Grasplatz gehen, wird aber von dem Posten angehalten:„Nun, Mann, wissen Sie nicht, wer ich bin?“„Alles, was ich weiß, entgegnet der aufgeregten Dame der stramme Krieger,„ist, daß Sie nicht die Kuh des Herrn Majors sind. Herunter vom Gras!" „Schönheitsabende.“ Berlin 24. August. Mit einer skandaldsen Affäre beschäftigt sich, dem„B. T.“ zufolge, gegenwärtig die Potsdamer Kriminalpolizei. Gegen den Besitzer eines Restaurants in der Havelresidenz, in dessen Räumlichkeiten die Einjährigen mehrerer in der Ugebung Potsdams garnisonierender Regimenter„Schönheitsabende mit fünf jungen Mädchen veranstaltet hatten, ist ein Verfahren wegen Kuppelei eingeleitet worden. Die Untersuchung gegen die Einjährigen wird vom Kriegsgericht geführt. Hingerichtet. Berlin, 25. August. Der Kaufmann Richard Henkel aus Gera, zuletzt in Berlin, der vom hiesigen Schwurgericht am 24. März d. J. wegen des am 8. Dezember 1908 begangenen Mordes an dem Juwelier Frankfurter zu Wien zum Tode verurteilt wurde, ist heute früh im Strafgefängnis von Plötzensee hingerichtet worden. Dem Tode verfallen. Trier, 25. August. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat der König das Todesurteil gegen den Techniker Maagh unterzeichnet. Maagh wurde am 20. März d. J. zum Tode verurteilt, weil er den Agenten Regel im Eisenbahnzug erschossen hat. Eine Prostituierte erstochen. Mainz, 25. August. Der 27jährige Fischer Friedrich Feth aus Weisenau erstach heute nachmittag auf offener Straße die Prostituierte Müller. Der Messerstich ging mitten ins Herz des Mädchens, so daß sofort der Tod eintrat. Der Täter wurde festgenommen. Verhaftete Zeitungsgründer. Leipzig, 25. August. Heute mittag wurden die geschäftsführenden Direktoren Dr. phil. Hermann Liez und Richard Barterau und die Prokuristen Max Roßberg und Fritz Meißner von der Firma Dr. H. Liez u. Co., G. m. b. H., von der Staatsanwaltschaft in Haft genommen. Die Firma war erst vor einigen Monaten mit 150000 Mk. Stammkapital gegründet worden, von denen aber 145000 Mk. auf die Ideen“ entfallen. Die Firma wollte eine Zeitschrift mit dem Titel„Zu Hause“ herausgeben, deren Inveratenteil für jede Großstadt ausgewechselt werden sollte. Die Firma engagierte in zahlreichen Städten Filialleiter mit je 3000 Mk. Einlage. Gestern fand eine Generalversammlung dieser Teilhaber statt, in der gegen die Gründer heftige Vorwürfe erhoben wurden. Die Manipulationen bei Anstellung der Teilhaber sollen nicht einwandfrei gewesen sein. Familiendrama. Kiel, 25. August. Die Frau des Malermeisters Teuber, in der Sternstraße wohnhaft, wurde seit gestern mit ihrem zweijährigen Kinde vermißt. Die Leiche der Mutter fand man heute im kleinen Kiel, über den Verbleib des Kindes herrscht noch Dunkel, doch dürfte es auch in den Fluten sein Grab gefunden haben. Eheliche Zwistigkeiten sind die Ursache der Tat. Ertrunken. Waren(Mecklenburg), 25. August. Nachdem erst vor etwa 10 Tagen drei Personen den Tod in den Wellen der Müritz gefunden hatten, es waren dies Röbeler Einwohner, die auf einer Segelfahrt verunglückten, sind in der letzten Nacht wiederum drei Menschen in der Müritz ertrunken. Dieselben hatten an einer Festlichkeit im nahen Müritzhöhe teilgenommen und wollten zwischen 3 und 4 Uhr morgens mit einem Ruderboot nach Waren zurückfahren. Unterwegs kenterte das Boot. Drei der Insassen, der Ingenieur Kenzel, 40 Jahre alt und Vater zweier Kinder, sowie dessen Verwandter, ein 28jähriger Mann, und der Ratsdiätar Nielzen ertranken. Der vierte Insasse, ein Oberkellner aus Müritzhöhe, konnte durch Schwimmen sein Leben retten. Die Leichen sind noch nicht geborgen. Selbstmord eines ungetreuen Beamten. Königsberg (Neumark), 25. August. Der nach Unterschlagung amtlicher Gelder geflüchtete Stationsassistent Lange wurde in einem Haferfeld tot aufgefunden. Er hat sich erschossen. Raubmord. Thorn, 25. August. Wie aus Clum gemeldet wird, ist heute nacht in Klammer der Käthner Hoffmann ermordet und beraubt worden. Die Mörder sind vermutlich zwei Bauarbeiter im Alter von 18 bis 20 Jahren, welche heute auf der Arbeitsstelle nicht erschienen sind und sich in der Nähe des Tatortes herumgetrieben haben. Sie erschlugen den Hoffmann mit einer Axt und durchsuchten seine Wohnung, wobei ihnen 93 Mk. in die Hände fielen. Ein rabiater Messerheld. Alzey, 25. August. In einer hiesigen Wirtschaft hat gestern vormittag der Arbeiter Lang den Tagelöhner Forch erstochen. Als zwei seiner Freunde ihn festhalten wollten, stach er auch auf sie ein. Einem Arbeiter schnitt er mit einem Messer zwei Finger ab, einem anderen versetzte er einen Stich in den Kopf. Dann ging er nach Hause und sah, mit Messern bewaffnet, dem Eintreffen der Polizei entgegen. Erst nach einiger Zeit konnte der Messerheld unter einem Aufgebot von 5 Schutzleuten überwältigt werden. Der Mörder seiner Geliebten. Wien, 25. August. In einem Hotel des neunten Stadtbezirks hat heute nacht der Schlosser Gröger seiner Geliebten, einem jungen Mädchen aus Gmünd, den Hals durchschnitten. Der Mörder ist flüchtig. Zugzusammenstoß. Budapest, 24. August. Zwischen den Orten Mikola und Halni stießen heute nacht auf offener Strecke zwei Güterzüge zusammen. Beide Lokomotiven und zehn Waggons wurden zertrümmert. Ein Bremser ist tot, außerdem wurden vom Zugpersonal zwei tödlich und vier Angestellte schwer verletzt. Ein Hilfszug brachte die Verwundeten nach Szatmarneneti. Als Ursache des Unglücks wird die irrige Abfertigung beider Züge angegeben. Massen= Alkoholvergiftung. Budapest, 25. August. Blättermeldungen zufolge sind in Pilis=Vocosvar Massen=Alkoholvergiftungen vorgekommen. Die Konsumgenossenschaft des dortigen Kohlenbergwerks hatte Rum bezogen und an die Arbeiter verkauft. Sieben Personen sind nach dem Genuß dieses Rums gestorben, viele andere sind so schwer erkrankt, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Abgestürzt. Innsbruck, 24. August. Advokat Di Heinrich Piazza aus Trevise, der sich auf der Hochzeitsreise befand, ist gestern in der Nähe von Gries von einer Felswand abgestürzt und war sofort tot. Seine Frau weilt in Bozen, eines Kindes. Ein kleines sechsjähriges Mädchen macht der Pariser Polizei gegenwärtig zu schaffen. Die Kleine rief auf der Straße einen Polizisten an, dem sie mit erstaunlicher Geschwätzigkeit eine lange Geschichte in einer Sprache erzählte, von der weder der Schutzmann noch jemand auf der Polizeistation, wohin das Kind gebracht wurde, ein Sterbenswort verstand. Man fand schließlich heraus, daß es ein armenischer Dialekt war, und so erfuhr man denn mit Hilfe eines hinzugezogenen Dolmetschers, daß das Kind vom Hause seines Großvaters in Syrien von einer fremden Frau entführt worden war, die es nach Amerika bringen wollte, in Wahrheit aber nach Paris schleppte. Hier hatte es die erste Gelegenheit benutzt, um der Frau zu entfliehen. Man war gerade dabei, dem Kind, das mit erstaunlicher Gewandtheit über sein Abenteuer berichtete, vorläufig Unterkunft zu schaffen, als die Frau, von der es gesprochen, auf der Polizeiwache erschien und den kleinen Findling als ihre Tochter reklamierte.„Ich bin nicht Ihre Tochter!“ rief das Kind.„Ich kenne meine Mutter, sie ist ganz anders als diese Person hier. Die Polizei, die nicht ein noch aus wußte, vertagte die weitere Verhandlung, um auch für die angebliche Mutter, die ein sonderbares, aus Englisch und Französisch gemischtes Kauderwelsch sprach, einen Dolmetscher zu bestellen. Das zweite Verhör lieferte indessen kein besseres Reultat. Das Kind blieb dabei, daß die Frau nicht seine Mutter sei. Die Frau erzählte dann ihrerseits folgende Geschichte: Sie ei in Marseille geboren, aber in früher Jugend schon nach Newyork ausgewandert. Sie hätte dort mit 14 Jahren einen Italiener geheiratet, der an dem Tage, als das Kind geboren wurde, gestorben sei. Als es ein Jahr alt war, habe sie es zu seinem Großvater nach Syrien geschickt. Später erfuhr sie dann, daß der Großvater gestorben sei, was sie bestimmte, selbst nach Syrien zu reisen, um das Kind wieder abzuholen. Sie hätte das Kind als ein arg verlogenes, boshaftes Geschöpf wiedergefunden, das nur auf böse Streiche bedacht war. Als sie auf der Durchreise durch Paris im Wartesaal des Lyoner Bahnhofs eingeschlafen war, hätte das Mädchen ihre Koffer, in dem sich alle ihre Barschaft befunden, weggetragen und einer fremden Frau, die seither verschwunden war, übergeben. Sie habe im Zorn über die tückische Hinterlist der Kleinen einen Klaps gegeben, die darauf heulend auf die Straße hinausgelaufen und nicht mehr zurückgekehrt sei. Erst aus der Beschreibung in den Zeitungen habe sie ersehen, daß das Kind sich auf der Polizeiwache befände. Nachdem dem kleinen Mädchen die Geschichte verdolmetscht war, erklärte es alles für eitel Lug und Trug. Die Kleine beharrte dabei, daß die Frau, die es vor drei Wochen überhaupt zum ersten Male zu Gesicht bekommen, nicht ihre Mutter sei. Es sei nicht wahr, daß ihr Großvater tot sei. Sie kenne ihre wirkliche Mutter ganz genau, denn diese hätte Syrien erst vor einem Jahre verlassen, um sich in einer Stadt in der Nähe von Jerusalem zu verheiraten.„Die Frau hier,“ fuhr das Kind fort,„kam zu meinem Großvater, als ich allein zu Hause war. Sie sagte mir, daß mich Großvater im Eisenbahnzuge erwarte. Ich ging darauf mit ihr, fand ihn aber im Zuge nicht vor. Ich verlangte schreiend, nach Hause zurückgebracht zu werden, ich erhielt dann eine tüchtige Tracht Prügel, während der Zug abfuhr. In Beirut schaffte sie mich an Bord eines großen Dampfers, der uns nach Port Said, Alexandrien und Marseille brachte. Als wir in Paris ankamen, benutzte ich die erste Gelegenheit fortzulaufen. Ich will nicht mehr bei der Frau bleiben. Sie hat mich geschlagen und gequält. Ich will wieder zu Großpapa. Sie sagt, daß ich Annete heiße. Das ist nicht wahr. Ich heiße Marianne.“ Die Behörde ist bisher außerstande gewesen, Licht in das Dunkel zu bringen. Matrosen als Falschmünzer. Paris, 24. August. Vor einiger Zeit waren in Ciotat(Dep. Rhonemündung) schon acht Matrosen der Kriegsmarine wegen Anfertigung und Ausgabe falscher Geldstücke verhaftet worden. Im Laufe der Untersuchung ist jetzt festgestellt worden, daß eine bedeutende Falschmünzerbande an Bord der Kriegsschiffe besteht. Ein Kohlenkarren in einen Laden geschleudert. Paris, 25. August. Infolge eines Zusammenstoßes mit einem elektrischen Straßenbahnwagen wurde ein Kohlenkarren in einen Laden geschleudert und verletzte dort fünf Personen. Mord. Paris, 25. August. In dem Vorort Asnières wurde gestern früh der Apotheker Bourillier im Keller seines Hauses tot aufgefunden. Aeußere Verletzungen waren nicht zu konstatieren. Der Gehilfe Bourilliers lag gleichfalls bewußtlos im Keller. In seinem Hals war ein Knebel gestoßen, der ihn fast erstickte. Zum Bewußtsein gebracht, erzählte der Gehilfe, sein Herr habe vom Keller aus nach ihm gerufen. Er sei ohne Licht hinabgestiegen und habe von einem Unbekannten einen Faustschlag erhalten, der ihn bewußtlos niederstreckte. Dann sei er geknebelt worden. Das Verbrechen hat in der Bevölkerung von Asnières große Aufregung hervorgerufen. Explosion schlagender Wetter. Mons(Belgien), 25. August. Eine Explosion schlagender Wetter fand gestern in dem Schachte „Bellevue" in Eleuges bei 575 Meter Tiefe statt. Von drei Bergleuten wurden zwei auf der Stelle getötet, der dritte tödlich verletzt. Bau=Unfall. Warschau, 25. August. Aus Lodz wird gemeldet: Heute früh stürzten in der Franziskanergasse in einem neuerbauten Hause die Holzbinden im dritten Stockwerk zusammen. Fünf Arbeiter fielen bis ins Parterre hinunter. Alie haben schwere Rippen= und Schädelbrüche davongetragen, und wurden in hoffnungslosem Zustande ins Spital gebracht. Maskierte Juwelendiebe. London, 23. August. In das sonst gut bewachte, in der City gelegene Juweliergeschäft der in der internationalen Reisewelt bekannten Firma Mappin u. Webbs schlich sich gestern früh, als die City in der Sonntagsruhe dalag, eine Einbrecherbande ein. Die Diebe trugen Masken, schrittdämpfende Ueberschuhe und Handschuhe, die vor ihrer Entdeckung durch etwaige verräterische Fingerabdrücke bewahren sollten. Der Wächter hatte nichts bemerkt. Er bereitete sich sein Mittagsmahl und setzte sich zum Essen in der Nähe des eisernen Geldschrankraumes nieder. Er wurde von hinten überfallen und niedergeschlagen, so daß er bewußtlos niederfiel. Die Einbrecher banden ihn an seinen Stuhl fest und knebelten ihn mit der Geschicklichkeit von Sachverständigen. Dann gingen sie daran, sich die Taschen mit den kostbarsten Juwelen des Geschäftes zu füllen. Inzwischen hatte ein Droschkenkutscher bemerkt, daß bei Mappin u. Webb etwas nicht in Ordnung sei. Er teilte dies einem Schutzmann mit, der sofort eine große Polizeimacht mobilisierte. Die umfangreichen Geschäftsräume der Firma wurden umstellt, und unter Anführung von Detektiv= inspektoren drangen mehrere Policemen in den Laden, wo ihnen fünf maskierte Männer entgegentraten, deren sie sich sofort bemächtigten. Dann fand man den bewußtlosen Wächter, der erst abends 10 Uhr im Hospital wieder zu sich kam. Er behauptet, daß nicht fünf, sondern zehn Mann in sehr eleganter Kleidung den Diebstahl vollführt hätten. Der den Einbrechern abgenommene Raub beziffert sich auf einen Wert von 160 000 Mark. Er bestand fast nur aus Diamanten. Die Juwelendiebstähle haben sich in den letzten Wochen in London derartig vermehrt, daß der Fang der Polizei schon deswegen als sehr glücklich bezeichnet werden kann. Vermutlich wird er einen Anhalt zur Entdeckung früherer Diebstähle bieten. Ein deutscher Dämpfer verloren. London, 25. August. Der deutsche Kreuzer„Condor“ ist von seiner Kreuztour auf der Suche nach dem vermißten deutschen Regierungsdampfer„Seestern" zurückgekehrt, ohne eine Spur gefunden zu haben. Lebendig verbrannt. Newyork, 25. August. In Monree im Staate Louisiana spielte sich zwischen einem Neger, der verhaftet werden sollte, und den Polizisten der Stadt ein regelrechter Straßenkampf ab. Der Neger verbarrikadierte sich in einem Hause, vor dem sich eine tausendköpfige Volksmenge ansammelte. Er erschoß und verwundete eine Anzahl Personen. Das Haus wurde nach stundenlanger Belagerung von der Menge in Brand gesteckt und der Neger bei lebendigem Leibe verbrannt. Von der Luftschiffahrt. Berlin, 24. August. Der Magdeburger Aviatiker Grade ist heute mit seinen Flugapparaten auf dem Flugfelde„Mars“ in Bork bei Belitz eingetroffen und hat seinen neuen Eindecker sofort montieren lassen. Er wird vielleicht schon morgen die ersten Flugversuche unternehmen. Frankfurt a. M., 24. August. Der Lenkballon„Parseval 3“ hat mit seiner Fahrt nach Mainz den Preis der Stadt Mainz in Höhe von 2000 Mk. gewonnen, der für das erste Luftschiff ausgesetzt war, das von der Frankfurter„Ila" nach Mainz kam. London, 24. August. Ein Aeroplanmatch zwischen Blériot und Latham soll Anfang September im Wembley=Park stattfinden. Es ist möglich, daß die Zahl der Bewerber vergrößert werden wird. Der Sieger wird 80000 Mk. erhalten und der Verlierende 20,000 Mk. Berlin, 24. August. Das Luftschifferbataillon wird noch im September mit einem neuen Luftschiff, das den Namen Groß 3“ führen soll, an die Oeffentlichkeit treten. Der Luftkreuzer wird nicht nur an Größe, sondern auch an Widerstandsfähigkeit alle seine Vorgänger übertreffen. Friedrichshafen 24. August. Wie aus Manzell berichtet wird, wird es infolge der außerordentlichen Anstrengungen wahrscheinlich doch gelingen, das Luftschiff„Z. 3“ zu morgen, Mittwoch, abend flugbereit zu machen. Ob die große Berliner Fahrt dann sofort angetreten wird, steht zur Stunde noch nicht fest. Graf Zeppelin besichtigte mit Geheimrat Hergesell gestern das Fahrzeug und kehrte abends nach Konstanz zurück. Paris 25. August. Gestern unternahm Bleriot auf dem Flugfelde bei Reims in Gegenwart des Präsidenten der Republik und einer ungeheuren Zuschauermenge einen weiteren Flug mit seinem Eindecker. Dabei stellte er einen neuen Schnelligkeitsrekord auf. Er legte 10 Kilometer in 8 Minuten 4 Sekunden zurück, was einem Stundenrekord von 74,278 Kilometern entspricht. Die Leistung ist umso höher zu bewerten, als die Geschwindigkeit des Windes 9 bis 10 Meter in der Sekunde erreichte. Die Schiffskatastrophe von Montevideo. London, 25. August. Es scheint, als ob die ersten Meldungen über die Schiffskatastrophe im Hafen von Montevideo, die von 300 Opfern sprachen, übertrieben waren, doch ist das Unglück immer noch schwer genug. Hat doch der Tod von 102 Passagieren und 48 Mann Besatzung der„Columbia“ 38 Opfer gefordert. Sämtliche Opfer stammen aus Argentinien und aus Uruguay. In Montevideo spielten sich beim Bekanntwerden der Schreckensbotschaft herzzerreißende Szenen ab. Die Mehrzahl der Passagiere wurde von der Katastrophe im Schlaf überrascht. Es entstand eine furchtbare Panik. Kleine Dampfer eilten sofort zur Unglücksstelle, um sich an dem Rettungswerk zu beteiligen, aber die stürmische See erschwerte die Arbeit ungemein. Viele Passagiere ertranken in ihren Kabinen, weil sie diese nicht verlassen konnten, ehe das Wasser eindrang. Newyork, 25. August. Die Regierung von Uruguay hat den Dampfer„Schlesien“ mit Beschlag belegt. Sie verlangt eine Zahlung von 500000 Mark als Sicherstellung für eventuelle Regreßansprüche. London 25. August. Aus Montevideo wird telegraphiert: Die Zahl der beim Untergang der„Columbia“ Umgekommenen wird jetzt auf achtzig geschätzt. Die Geretteten waren fast unbekleidet. Die Ueberlebenden berichten herzzerreißende Szenen. Die Ueberlebenden sind fast alles Männer und zwar Spanier und Italiener. Der Kapitän der„Schlesien“ schreibt die Katastrophe dem furchtbaren Wind und der hohen See zu. Erdbeben. Rom, 25. August. Das Erdbeben der heutigen Nacht wurde in den Provinzen Florenz, Arezzo, Lucca, Pisa und Livorno bemerkt. Sein Epizentrum ist Siena. In Buonconvento wurden mehrere Leute durch herabfallende Ziegel verletzt. Von Siena aus wurden Soldaten zur Hilfeleistung entsandt. Das Erdbeben verursachte große Aufregung in dem Kurort Chianciano. Rom, 25. August. In der Provinz Siena(Mittelitalien) wurde heute nacht durch heftige Erdstöße großer Schaden angerichtet. Rom, 25. August. Der Minister des Innern entsandte einen Generalinspekteur zur Besichtigung des Erdbebengebietes. Für die Obdachlosen wurden Zelte bereit gestellt. Leuilleron. Nach dem nördlichen Eismeer werden, wie aus Pekersbürg berichtet wird, drei wissenschaftliche Expeditionen vom russischen Marineministerium im Jahre 1910 ausgerüstet werden. Zwei dieser Expeditionen werden Petersburg resp. Wladiwostok zur See verlassen, während die dritte und kleinste, 14 Teilnehmer zählend, sich von Petersburg über Awam nach der Taimyrhalbinsel begeben wird, um dieses in geographischer, klimatischer und physikalischer Hinsicht noch gar nicht bekannte Gebiet zu erforschen. Alle drei Expeditionen sind zugleich der Erforschung der nördlichen Durchfahrt durch das Eismeer längst der Küsten Sibiriens gewidmet, da diese Frage das Marineministerium seit der Entsendung des Geschwaders unter Admiral Roschdjestwenski unentwegt beschäftigt. Engländern und Amerikanern ist es bereits vor Jahren gelungen, Handelsschiffe an die Lena= und Jenissei=Mündung zu bringen, doch ist Rußland selbst nicht im Besitz von Seekarten, die eine einigermaßen gefahrlose Durchfahrt durch das nördliche Eismeer von Archangelsk bis Wladiwostok garantieren. Deshalb wird die Aufgabe der ersten, 75 Mann starken Expedition darin bestehen, in 2 bereits erbauten Eisbrechern„Waigatsch“ und„Taimyr die Möglichkeit einer ständigen Durchfahrt an der Taimyrhalbinsel zu untersuchen. Diese auf zwei Jahre berechnete Expedition soll die Frage entscheiden, ob es sich lohnt, daß die russische Regierung die Erforschung der nördlichen Durchfahrt ganz systematisch aufnimmt, die eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Entwicklung von Nordsibirien und eine noch weit größere strategische Bedeutung besitzt. Die Expedition, die Petersburg im Mai 1910 verlassen wird, soll auf dem östlichen Teil der Taimyrhalbinsel überwintern und durch die Beringstraße nach Europa zurückkehren. Ihre Kosten sind auf etwa eine Million Mark berechnet. Abonnementspreis für Vielefeld und Umgegent Die zweite See=Expedition wird Wladiwostok im nächsten Frühjahr verlassen, die Erforschung der Küsten des nördlichen Eismeeres von der Beringstraße bis zur Lenamündung vornehmen und ihre Arbeiten drei bis vier Jahre fortsetzen. Neben diesem Hauptzweck soll die Expedition noch die Nebenaufgabe verfolgen, eine Dampferverbindung zwischen Wladiwostok und Jakutsk ins Leben zu rufen, um den Pelzhandel dieses abgelegenen Gebietes zu beleben und die in diesen Gewässern auftauchenden amerikanischen Dampfer zu verdrängen. Die dritte Expedition wird die Taimyrhalbinsel von der Landseite erforschen und deren genaues Küstenbild aufnehmen, sowie eine meteorologische Station dort anlegen. Die Kosten dieser beiden Expeditionen werden gleichfalls auf eine Million Mark veranschlagt. kfg. Brandstiftungstrieb. Wenn wir von den Fällen absehen, in denen ein Mensch Brandstiftungen aus Nache oder aus Unvorsichtigkeit begeht, so bleiben noch solche übrig, die für den Irrenarzt von hohem Interesse sind. Ueber sie sprach Priv.=Doz. Dr. Reiß im Medizinisch-naturwissenschaftlichen Verein Tübingen. Man muß an den berüchtigten Herostratos denken, der im Jahre 356 vor Christo den Tempel der Artemis bei Ephesus in Brand steckte, um seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen, wenn Reiß bei der ersten Gruppe den Grund zu der Handlung einmal in der Genugtuung sucht, die der Betreffende bei der Möglichkeit, eine Rolle zu spielen und im Mittelpunkte des allgemeinen Interesses zu stehen, empfindet. Dazu kann eine instinktmäßige Freude an der Tat selbst und vielleicht auch ein gewisses, dem sexuellen nahestehendes Lustgefühl zu den Straftaten treiben. Es handelt sich also um einen Menschen, bei dem das Verbrechen mit dem tiefen Triebleben eng verknüpft zu sein scheint. Man kann ihn daher mit Recht einen impulsiven Brandstifter nennen. Bei einer zweiten Gruppe von Brandstiftern kommt die Handlung auf eine ganz andere Weise zustande. Junge Menschen von ausgesprochen kindlichem Wesen, die sich in eine ungewohnte Umgebung in keiner Weise zu schicken vermögen, kommen zum ersten Male unter fremde Leute in Dienst und leiden dort derart unter Heimweh, daß sie um jeden Preis sich zu befreien versuchen. So treibt sie der verzweifelte Drang, aus einer unerträglichen Situation herauszukommen, der Gedanke, daß man nach Abbrennen des Hofes ihrer nicht mehr bedürfe, zum Verbrechen. Aehnliches ist auch bei Erwachsenen möglich, wenn das Gefühlsleben auf einer gleichen Entwicklungsstufe stehen geblieben ist, bei hysterischen oder ihnen nahestehenden Charakteren. Es ist natürlich nicht leicht, ein Verständnis dieses Vorganges zu erlangen, wenn man nicht eine genaue Analyse der Persönlichkeit des Täters vornimmt. Von Wichtigkeit ist die ganze Frage deshalb, weil bei gerichtlichen Verhandlungen die Notwendigkeit vorliegt, durch Gutachten auf die geistige Beschaffenheit des Täters eingehen zu müssen. Der Kampf gegen die Tuberkulose in Amerika. Eine Zusammenstellung aller Einrichtungen, Anstalten und Vereine, die in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in Kanada zur Bekämpfung der Tuberkulose vorhanden sind, sowie aller Maßnahmen, die von seiten der Staaten und Gemeinden zu dem gleichen Zwecke getroffen sind und werden, bringt ein vor einiger Zeit von der Russell Sage Doundation herausgegebenes Werk, über das im Heft 7 der Zeitschrift für das Armenwesen berichtet wird. Danach gibt es zurzeit in den genannten Staaten Amerikas 250 Sanatorien für Lungenkranke mit 14 014 Betten, einschließlich der sogenannten Camps und der Einrichtungen in Kranken= und Armenanstalten. Nur vierzehn davon sind staatliche Anstalten. Der Einrichtung der Fürsorgestellen(Dispensaries) hat man erst in den letzten zwei Jahren Aufmerksamkeit zugewendet. Es gab im vorigen Jahre 158 Dispensaries, von denen 123 in dem Zetraum vom 1. Januar 1907 bis August 1908, also in 19 Monaten entstanden sind. Eine eigenartige Einrichtung sind die Tuberkulose=Klassen, welche, ähnlich wie die Fürsorgestellen, die Kranken erzieherisch zu beeinflussen suchen, um dadurch zu einer Herabminderung der Ansteckungsgefahr zu gelangen. Und zwar geschieht dies sowohl in regelmäßig, meist einmal wöchentlich abgehaltenen Versammlungen, in denen die Kranken und ihre Angehörigen von dem leitenden Arzt über alle Fragen der Behandlung und Vorbeugung beraten werden, als auch durch Besuche in den Wohnungen der Kranken. Im ganzen werden 23 solcher Klassen nachgewiesen. Ueber allen diesen hier genannten Anstalten und Einrichtungen stehen dann die eigentlichen Träger der Tuberkulosebewegung, die Vereine zur Bekämpfung der Tuberkulose, deren es 195 gibt, von denen 33 State Associations sind, die ihre Tätigkeit auf einen ganzen Staat erstrecken. Eine Reihe von Verordnungen und Gesetzen der einzelnen Staaten schreiben Anzeigepflicht, Desinfektion, die Errichtung von Lungenheilstätten usw. vor. kfg. Die Auffassung vom Tode des Menschen. In der letzten Zeit ist wiederholt auf den Tod in der Medizin Bezug genommen worden, wobei es sich herausgestellt hat, daß in Wirklichkeit die Ansichten darüber, weshalb wir Menschen sterben, auch unter den Gelehrten noch auseinandergehen. Dr. Münzer in Hamburg vergleicht in der„Berl. Klin. Wochenschrift" die Veröffentlichungen von Weismann, Metschnikoff, Verworn und Chrlich darüber. Metschnikoff tritt für die Abnutzung der Zellen als bedingende Ursache für Altern und Tod ein. Die Körperzellen sind mit dem Vermögen begabt, Stoffe der Außenwelt in sich aufzunehmen und zu verarbeiten, so daß sie Bestandteile des eigenen Lebens werden(Assimilation), während die Stoffe, die für sie unbrauchbar geworden sind, ausgeschieden werden(Dissimilation). Assimiliert eine Zelle die ihr zugeführten Stoffe, verarbeitet sie sie als Nährmittel im Zelleninnern so leistet sie das ihr zugestellte Arbeitsmaß und ersetzt zugleich die Verluste, die sie durch den Stoffumsatz erleidet. Läßt das Assimilationsvermögen nach, so ist das Stoffwechselgleichgewicht der Zelle gestört, die chemische Energie des Plasmas nimmt mehr und mehr ab, und die endgiltigen Folgen sind Abnutzung und Schwäche des Körpers, woraus dann eine Störung des Stoffwechsels entsteht. Ehrlich nimmt an, daß das, was in der Zelle geschieht, im wesentlichen chemischer Art. ist, und führt die Assimilation auf eine chemische Bindung von Stoffwechselproduktion an bestimmte Eigenheiten des Zellprotoplasmas zurück, die er mit dem Namen Nutrizeptoren belegt. Die Schwächung des Körpers ist dann die Folge einer Schädigung der Ausscheidung der letzteren.— Wenn auch die verschiedenen Erklärungen nicht befriedigen, so geht doch daraus hervor, daß sich das Problem des Todes, wie alle Probleme der Biologie, auf das Problem der Zelle zurückführen läßt. Die Zelle ist die Grundlage aller physiologischen Erscheinungen, in ihr ist das Geheimnis des Lebens wie des Todes, das ewige Werden und Vergehen verborgen. Je tiefer wir in ihr Inneres eindringen, um so mehr wird unsere Erkenntnis steigen, die schrille Dissonanz zwischen Leben und Tod des Individuums wird verklingen, und der große harmonische Gedanke von dem Zusammenhang des Lebens mit vollendeterer Schärfe und Klarheit zutage treten. wie bei sämtlichen Agenture: ins Haus gebracht 60 Pfg. m lich. Durch die Post be 1.80 Mk. vierteljährlich exk Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. * Erscheinungstage mit Ausnahme der SonnFeiertage täglich nachmitte Fernsprech=Anschluß Nr. 3 Nr. 199. Die heutige N Die Lierpre Am 5. und 6. Augus Generalversammlung de um über die Erhöhung d Wunsch des Vorsitzenden, Verhandlungen„reiche gehen möge, sand ja inso Bierpreises um 4 Mark men angenommen wurde war von einigen Redne munder Verband am T um 4 Mark beschlossen h zirken ähnliche Beschlüss Aber trotz der zuversichtli Herren Brauereibesitzer ganz zweifelsohne, daß di für das Gewerbe umschle Vorsicht die Mutter der ren Beschluß, sich gegen bekommen könnten, durc noch„reicheren Segen“ fi Das war nun im Rahn eines eingetragenen Ver formen eines eingetragen mit Erfolg zur Inneha Mitglieder gesetzlich viele empfohlen, eine Gesellsch den. Die Versammlung st genäht hält besser— ei einigung,— neben der e. V. die Norddeutsche B vertrag wurde in der vo kussion gutgeheißen. Auc Streitigkeiten unter den ordentlichen Rechtsweges Herren keine weiteren ihnen dagegen ein sogen das eigentliche Bollwerk Außenseiter darstellen sol waren es wieder die§§ Herren erregten. Wir fi. die§§ 8—10 des Vertra in Form einer Hektol einigung zu zahlen sind den getroffenen Preisfest vieren pürschen wollen. Aber auch für andere ist die Hektoliterabgabe einigung interessant, und lichkeit von diesen Maßne Zunächst ist in seinen ben, daß eine Brauerei al überhaupt nicht liefern d festen schriftlichen Bierlie ausschließlichen Bezug ihr ein Lieferungsverbot von Weiter werden die Bedir Brauerei an fremde Kund geschrieben, daß vor Aufn Kunden bei seiner früher daß mindestens der Prei lieferte, eingehalten werde Preise nicht umgangen wei Rückvergütungen. Will Brauerei ihren Kundenkr für jeden Hektoli Kunden geliefert w an die Brauereive gemeinschaftliche Kundeng darauf halten soll, nach de gleichen Verhältnis wie weiter zu liefern. Wird liefert eiine Braue: Zeandere, soistau Mehr=Hektoliter d von 5 Mk. zu zahlen. Wie man sieht, hat der tages bei den Brauereien macht. Interessanter noch als gründung, die ihnen gegebe sein, Ruhe in die Ki scheint diese Redewendung einzusehen, welcher Zusam Bestimmungen der§§ 8— Ruhe der Kundschaft, das händler, besteht. Uns will in der heutigen, für sie k ruhiger sein könnten, wen Brauereien beziehen könnte Mark für ungerechtfertigt he Feräinigung nicht mitmach „, von der Ruhe der Kund die Ohnmacht der Kundsch einigung vorzugehen? B# hiesige Wirtevere Tages so aufgefaßt Grauer die Bierpr