Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Vieleseld. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Nr. 187. Bielefeld, Freitag, 13. August 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Agrarischer Sozialismus. In einem Artikel mit der Ueberschrift„Bauernlegende Kohlenherren“ wird in der„Deutschen Tageszeitung“ geschildert, daß im rheinischen Industrierevier Bauern auf Grund des preußischen Berggesetzes zugunsten der Bergwerkseigentümer Land enteignet worden wäre, ohne daß die Bauern dafür eine hinreichende Entschädigung erhalten hätten. Der Artikel beschäftigt sich dann mit dem im Bergbau herrschenden Rechtszustande. In den ältesten Zeiten sind die Bergschätze allgemein als ein Teil des Grundeigentums betrachtet worden. Später hat der Kaiser sich das„Bergregal“ angeeignet und es dann an die Kurfürsten weitergegeben. Schon 1356 wurde durch die goldene Bulle Gold, Kupfer, Blei, Zinn und Eisen der Verfügung des Grundbesitzers entzogen, und durch das preußische Berggesetz von 1868 ist dasselbe bezüglich einer großen Reihe anderer Mineralien, darunter auch Stein= und Braunkohle, geschehen. Der Staat hat aber dann das Bergregal uneingeschränkt an die Bergwerksbesitzer verschenkt. Es wird nun gezeigt, wie rücksichtslos die Bergherren von ihren Rechten Gebrauch machen. Für das Kohlensyndikat existiere das Interesse des armen Mannes ibensowenig, wie das der heimischen Industrie, die die Kohlen teurer bezahlen muß, wie die ausländische Konkurrenz. Diese Uebelstände müßten durch eine Reform des Bergrechts beseitigt werden. Den Landwirten— so wird in dem Artikel gefordert—, denen ein Grundstück weggenommen wird, müßte ausreichendes Ersatzland zur Verfügung gestellt werden Es heißt dann weiter: Auch die Rechte der Gemeinden müssen den Zechen gegenüber sichergestellt werden. Die erwähnte Zwangsgenossenschaft der Zechen müßte für den Teil der Gemeindelasten aufkommen, der durch die Zechen entstanden ist und für den, nachdem die Zechen stillgelegt sind, in der Gemeinde ein Träger nicht mehr vorhanden ist. Die Rechte der Gemeinden werden aber auch schon besser geschützt sein, wenn die Rechte der Allgemeinheit gegenüber dem Bergbau besser gewahrt werden. Die Dividenden dürfen nicht allein darüber entscheiden, ob eine Zeche ersaufen soll; es sind da auch die Interessen der Arbeiter, der Gemeinden und des Staates in Rechnung zu stellen. Des weiteren muß der Verschleuderung der Kohlen nach dem Auslande ein Ende gemacht werden. Es wird berechnet, daß unsere Kohlenvorräte nur noch für höchstens 100 Jahre ausreichen. Wer bürgt dafür, daß bis dahin andere, gleich billige Wärme= und Lichtquellen erschlossen werden? Es wäre darum ein unverantwortlicher Leichtsinn, wenn in der bisherigen Weise mit unseren Kohlenschätzen weiter geschleudert würde. Die Kohlenausfuhr muß gesetzlich verboten werden. Die deutschen Arbeiter leiden unter einer solchen Maßregel nicht. Werden die russischen, galizischen und italienischen Arbeiter, die jetzt im Bergbau beschäftigt sind, nach ihrer Heimat abgeschoben, so bleibt auch bei einer Beschränkung des Kohlenbaues auf den heimischen Bedarf für die deutschen Arbeiter Arbeit genug übrig. Daß die Festsetzung der Kohlenpreise nicht dem Kohlensyndikate überlassen werden darf, daß vielmehr der Staat und die gesetzgebenden Körperschaften dabei im Interesse der Kohlenkonsumenten ein Wort mitreden müssen, ist längst allgemein als Bedürfnis anerkannt worden. Endlich soll der Staat sich wieder an das Wort Bergregal erinnern und gleich den früheren Landesherren die Bergschätze im Interesse des Staates ausnützen, sei es, daß er die Bergwerke selber betreibt, oder sich für das Recht der Ausbeutung einen„Bergzehnten“ zahlen läßt. Das sind ja ziemlich radikale Forderungen, die sicher auch den Beifall eines jeden Sozialdemokraten finden werden, wenn wir auch noch weiter gehen und verlangen, daß die Bergwerke samt und sonders in das Eigentum der Allgemeinheit übergeführt werden sollen. Bemertenswert aber ist, daß derartige Forderungen in einem agrarischen Blatt aufgestellt werden können, ohne daß die Redaktion widerspricht! Der Artikel steht auf dem ganz richtigen Standpunkt, die Allgemeinheit sei berechtigt zu verhindern, daß ein Monopol, wie es die Bergwerkseigentümer haben, zu ihrem Schaden ausgenützt wird. Der Verschleuderung der Kohlen nach dem Ausland soll ein Ende gemacht werden! Es gehe nicht, daß dem Volke die Kohle übermäßig verteuert wird! Es ist sicher alles gut und recht, was der Artikelschreiber ausführt. Aber die Herren von der„Deutschen Tageszeitung“ haben wohl, als sie den Artikel aufnahmen, ganz vergessen, daß nicht nur die Grubenmagnaten ein Monopol haben, und daß es auch noch andere Leute gibt, die in derselben glücklichen Lage sind. Wie steht es denn mit unseren Agrariern, deren Organ die Deutsche Tageszeitung" ist? Machen die es denn besser wie die Kohlenbarone? O nein. Sie wuchern das deutsche Volk genau so aus wie diese. Genieren sie sich etwa, für ihre Produkte im Inland so viel zu nehmen, wie sie nur irgend kriegen können, und verkaufen sie nicht ihr Getreide auch billiger ans Ausland? Nehmen sie dabei nicht sogar noch die Hilfe des Staats in Anspruch, der ihnen durch hohe Zölle die ausländische Konkurrenz fernhalten und die Ausfuhr durch Prämien erleichtern muß? Vor einigen Wochen verlangte die Sozialdemokratie in Anbetracht der hohen Lebensmittelpreise, die Zölle sollten herabgesetzt, die Ausfuhrprämien, die in Gestalt von Ausfuhrscheinen vom Deutschen Reich gewährt werden, sollten zeitweise aufgehoben werden. Wie haben da die Agrarier nicht Zeter und Mordio geschrien! Und dabei waren die Forderungen, die damals die Sozialdemokratie aufstellte, nicht entfernt so radikal, wie die, welche wir hier in den Spalten der„Deutschen Tageszeitung“ finden. Wurde doch von den Sozialdemokraten keine Festlegung des Preises gefordert! Diese hatte sich vielmehr damit begnügt zu verlangen, die staatliche Unterstützung der agrarischen Volksplünderung sollte aufhören So sind nun einmal unsere Agrarier. Wenn es in ihrem Interesse liegt, so haben sie nichts gegen eine weitgehende Beschränkung des Eigentumsrechtes. Aber, wehe, wehe, wenn ihnen von ihren Rechten auch nur ein Titelchen weggenommen werden soll. Die hohen Preise der Kohle, die auch sie bezahlen müssen, sollen vom Staat niedrig gehalten werden. Aber dagegen, daß der Staat die Erzeugnisse, die sie verkaufen, verteuert, haben sie nichts. Sie betrachten es als ihr Privileg, das Volk auszurauben. Der bürgerliche Kohlenwucher soll verhindert, der junkerliche Brotwucher staatlich geschützt werden! Sie können sich nun nicht etwa darauf berufen, daß den Bergwerksherren ihr Eigentum vom Staat geschenkt worden ist. Wie Eigentum entstanden ist, darauf kommt es doch nicht an, sondern darauf, daß es vorhanden ist. Würde man untersuchen, woher das Eigentum unserer Junker stammt, so wird man finden, daß ihre Vorfahren es vielfach noch auf viel anfechtbarere Weise erworben haben, wie die Grubeneigentümer das ihrige. Wie manche Last, die später durch Hingabe von Land abgelöst werden mußte, ist nicht mit brutaler Gewalt den Bauern von den Junkern auferlegt worden?! Und haben sie sich etwas daraus gemacht, mit dem Schwert in der Hand so einen Pfeffersack um seinen schnöden Mammon zu erleichlern? Aber wie kann man auch von unseren Junkern verlangen, daß sie sich ihren Kopf über so gleichgiltige Dinge wie Recht und Gerechtigkeit zerbrechen? Was ihnen nicht in den Kram paßt, das verdonnern sie einfach im Namen von Gott, König und Vaterland in Grund und Boden, genieren sich aber nicht, genau dasselbe, was sie soeben verurteilt haben, zu fordern, sowie für sie etwas dabei herausspringt. Schweden im Generalstreik. Die offizielle Zahl der Streikenden, die aber meistens auf Angaben der Unternehmer beruht, beträgt 285 577. Es kann daher mit Sicherheit angenommen werden, daß die Zahl 300000 bereits überschritten ist. Sydow fordert die Unternehmer auf, diese Angaben zu machen, weil sie angeblich für die Sache der Unternehmer nützlich sein sollen. Er beabsichtigt damit natürlicherweise nur, die Ziffer möglichst gering erscheinen zu lassen, um den Gerüchten Nahrung zu geben, daß die Ausständigen immer mehr zur Arbeit zurückkehren. Daraus resultiert auch der große Fluß von Anzeigen der bürgerlichen Presse, die nur darauf gerichtet sind, die Arbeiter in ihren Entschließungen wankend zu machen. Bisher ist dieses Bestreben jedoch resultatlos gewesen; denn kein einziger organisierter Arbeiter und nur äußerst wenig unorganisierte haben die Arbeit aufgenommen. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft ist allgemein fest und ruhig; der Streik der Buchdrucker könnte zwar etwas effektiver wirken, denn die in den Betrieben verbliebenen Faktoren usw. reichen aus, um kleine Flugblätter usw. herausgeben zu können. Kein einziger organisierter Buchdrucker hat sich indes zum Streikbrecher hingegeben. Wann tritt der preußische Landtag zusammen? Wie eine Korrespondenz erfahren haben will, ist es sehr unwahrscheinlich, daß der preußische Landtag noch in diesem Jahre seine Arbeiten aufnehmen wird. Er dürfte kaum vor Anfang Januar 1910 zusammentreten, da neben dem Etat an größeren Entwürfen zunächst nur das Wasser= und das Fischereigesetz in Betracht kommen und zu ihrer Erledigung die Zeit von Januar bis Mai nächsten Jahres vollständig ausreiche. Die Berliner Landtagswahlen. In liberalen Kreisen ist man mit dem Termin, an dem die Ersatzwahlen zum Landtage vorgenommen werden sollen, nicht einverstanden. Man kann nicht einsehen, aus welchem Grunde die Wahlen einen Zeitraum von sechs Wochen in Anspruch nehmen müssen. Da bereits mindestens 6 Wochen vor der Wahl der Wahlmänner die Agitation einsetzt, so sei mit einem Wahlkampf von mindestens 12 Wochen zu rechnen, und das sei eine außergewöhnlich lange Zeit. Es wird daher für wünschenswert gehalten, daß die Termine auf kürzere Zeit hintereinander anberaumt werden. Den Herren Freisinnigen scheint schon angst und bange zu werden vor der sozialdemokratischen Agitation. Sie fürchten offenbar, daß ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird, denn sie rechneten stark damit, den Sozialdemokraten einige Mandate zu entreißen. Freie Eisenbahnfahrt der preußischen Landtagsabgeordneten. Wie eine Korrespondenz berichtet, ist die Frage der freien Eisenbahnfahrt im Ministerium des Innern bei der Vorbereitung für den nächstjährigen Etat erörtert worden. Bekanntlich wurde im preußischen Landtage mit großer Mehrheit ein Antrag auf freie Eisenbahnfahrt angenommen. Ob man aber dem Wunsche nachgeben wird, soll noch sehr zweifelhaft sein. Man beabsichtigt vielmehr, diese Frage mit einer Diätenreform zu behandeln und Freikarten für den Fall zu gewähren, daß Anwesenheitsgelder an die Stelle der bisherigen Diäten treten. Die heutige Diätenzahlung zwingt keinen Abgeordneten, offiziell den Präsidenten um Urlaub zu bitten und so bei Nichtanwesenheit auf die Diäten zu verzichten. Präsenzgelder würden den Landboten, die an Sitzungstagen nicht in Berlin sind, diese Vergünstigung entziehen.### Eine endgiltige Entscheidung steht aber noch aus.###### Der Rücktritt des Kriegsministers ist der gesamten Presse außerordentlich überraschend gekommen. Weder„Reichsanzeiger“ noch„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ hatten am Mittwoch abend auch nur mit einer Silbe davon Notiz genommen. Der Grund des Rücktrittes kann in den Gesundheitsverhältnissen des Herrn v. Einem nicht zu suchen sein. Das geht schon daraus hervor, daß er an die Spitze eines Armeekorps gestellt wird. Allerlei Andeutungen lassen vermuten, daß das Zerwürfnis mit dem Grafen Zeppelin, das seinerzeit allerdings entschieden abgeleugnet wurde, mit dazu beigetragen hat, in Herrn v. Einem den Entschluß reifen zu lassen, aus seinem Amte zu scheiden. Die„Nationalzeitung“ glaubt, daß Herr v. Einem zu diesem Schritte durch die politische Lage bestimmt worden sei, während die„Germania“ die Auffassung vertritt, daß Herr v. Einem nicht mehr länger lediglich die ausführende Person des Militärkabinetts sein wollte. Möglich, daß alle drei Gründe zutreffend sind; jedenfalls kam aber das Entlassungsgesuch und seine Genehmigung derart überraschend, daß man schwer daran glauben kann, daß lediglich der Wunsch, an die Spitze eines Armeekorps gestellt zu werden, maßgebend war. Der neue Kriegsminister. Zum Nachfolger des Herrn v. Einem gent. Rothmaler wurde der kommandierende General des 2. Armeekorps, v. Heeringen, als Kriegsminister ernannt. Der neue Kriegsminister ist in der hohen Politik bisher wenig hervorgetreten. Er war wiederholt Vertreter der Regierung in der Budgetkommission. v. Heeringen ist 59 Jahre alt. 1898 trat er in das Kriegsministerium ein und wurde mit den Geschäften des Direktors des Armeeverwaltungsdepartements betraut. Später erfolgte seine Ernennung zum Direktor des Departements. Im Generalstabe war er jahrelang die rechte Hand des Grafen Schlieffen. Die Beförderung des Herrn v. Heeringen zum Kriegsminister ist wohl darauf zurückzuführen, daß er sich beim Kaiser schon seit Jahren allgemeiner Beliebtheit erfreute und persong grata bei ihm ist. Kein deutsch=russischer Zwischenfall. Kattowitz 12. August. Entgegen der Meldung der„Schlesischen Zeitung" in Breslau, wonach bei Przelaika ein deutscher Ballon von russischen Grenzsoldaten beschossen und von den vier Insassen drei Offiziere getötet und einer schwer verletzt sei, wird mitgeteilt: Es handelt sich um einen deutschen Militärballon, der mit 3 Offizieren bemannt war. Gegen 6 Uhr kam der Ballon in einer Höhe von 30 Metern angeflogen. Arbeiter und Maschinenwärter des Kreiswasserwerkes Rosaliengrube eilten herbei, um Hilfe zu leisten. Auf die Frage der Insassen, wo sie sich befänden, wurde ihnen die Antwort zuteil, daß sie sich in Przelaika befinden, die russische Grenze sehr nahe und Vorsicht geboten sei. Die Offiziere versuchten zu landen, aber es gelang ihnen erst hinter der Grenze. Sofort kamen die Kosaken herbei und gaben Schüsse auf den Ballon ab. Da aber niemand von den Insassen verletzt wurde, scheint es sich nur um Signalschüsse gehandelt zu haben.— Das Grenzkommissariat in Beuthen stellt den Vorgang noch einfacher dar. Seinem Bericht zufolge wurden die Balloninsassen, als ihr Fahrzeug bei Milowice gegenüber der Laurahütte, dicht hinter der russischen Grenze landete, von der russischen Grenzwache angehalten und untersucht. Nachdem aber die Pässe der Insassen in Ordnung befunden, wurden sie wieder freigelassen. Das erste Gerücht, daß Offiziere erschossen worden seien, ist auf die ungenauen Beobachtungen eines Maschinenwärters der Rosaliengrube zurückzuführen. Volksschullehrer als Schulleiter. Nach einer Bestimmung der obersten hessischen Schulbehörde sollen künftig in den größeren Städten des Großherzogtums nur solche Volksschullehrer als Schulleiter Verwendung finden, die, praktische Tätigkeit vorausgesetzt, das in dem hessischen Schulgesetz vorgesehene, erweiterte Examen bestanden haben. Falls in der betreffenden Stadt sich keine geeigneten Kandidaten vorfinden, soll die Stelle zur freien Konkurrenz für auswärtige Bewerber ausgeschrieben werden. Diese Entscheidung, die auch nicht mehr in erster Linie konfessionelle Rücksichten gelten läßt, bricht mit dem bisherigen System, wonach am meisten das Alter und die Konfession Berücksichtigung fanden. Kinderauktionen. Die Fürsorgegesetzgebung hat bekanntlich sehr schwere Mängel, die den Behörden eine wirklich ausreichende, gute Fürsorge für Kinder unmöglich machen. Dem Gesetz fehlt der Grundzug richtigen, sozialen Empfindens. Wenn nun noch hinzukommt, daß mit der Ausführung des Gesetzes betraute Behörden auch so ganz und gar nichts von diesem Empfinden haben, so ist es um die Fürsorge erst recht schlecht bestellt. Als Beweis für die Tatsache, daß einzelne Behörden, denen das Gesetz die Fürsorge für Kinder zuweist, dazu völlig ungeeignet sind, wird in dem von der Zentrale für private Fürsorge herausgegebenen dritten Jahrgang des Johrbuchs der Fürsorge u. a.— leider ohne Nennung der Orte— folgender Beschluß eines Bürgermeisteramtes mitgeteilt, der die Versteigerung eines Säuglings an den Mindestfordernden anordnet: „Der Armenpflegschaftsrat hat in seiner heutigen Sitzung die Uebernahme des Kindes N. beschlossen. Dasselbe soll in M. abgeholt und sodann in C. öffentlich an den Wenigstbietenden vergeben werden. C., den 7. Juni 1907. Das Bürgermeisteramt.“ Ein ähnliches Inserat veröffentlichte dieser Tage eine Schweriner Zeitung. Es lautete: „Am Montag, den 9. d. M., mittags 1 Uhr, sollen im Schulzenhause zu Sukow vier Kinder(Waisen), drei Mädchen von 2 bis 5 Jahren und ein Knabe von ½ Jahr, gegen Entschädigung vergeben werden. Der Gemeindevorstand.“ Hier fehlt allerdings der ausdrückliche Hinweis auf das Mindestgebot; aber natürlich wird auch hier mit einem solchen Gebote gerechnet. Solch ein öffentliches Ausbieten von der Fürsorge bedürftigen Kindern ist eine höchst verwerfliche Praxis, die dem Begriff„Fürsorge“ Hohn spricht und gesetzlich verboten werden müßte. Auch ein Dementi. Die„Essener Volkszeitung“ behauptet, daß die Angriffe von Zentrumsarbeitern auf den Abgeordneten Giesberts nicht in der Versammlung der stimmberechtigten Vertrauensmänner gefallen seien. Dort sei die Diskussion ruhig und sachlich gewesen, es sei nur ausgeführt worden, daß besonders der Kaffeezoll und die Zündholzsteuer starke Mißstimmung in Arbeiterkreisen ausgelöst haben. Ob die Angriffe auf Giesberts,„die sehr merkwürdigerweise von einem nationalliberalen Blatte veröffentlicht werden konnten", in dem Wortlaute gefallen sind, weiß die„Essener Volkszeitung" nicht. Die Angriffe sind also erfolgt in der Sitzung, in der Giesberts vor christlichen Gewerkschaftlern, die vom katholischen Arbeiter=Sekretariat eingeladen waren, seine erste Verteidigungsrede hielt und die Claqueure dressierte für die Vertrauensmänner=Versammlung. Von den genannten christlichen Gewerkschaftsführern, die gegen Giesberts opponierten, liegt eine Berichtigung irgend welcher Art nicht vor. Nationalliberale Beamtenfreundlichkeit. Der Reichstagsabgeordnete Dr. Semmler, der— nach Berichten der Zentrumspresse— die Abkommandierung eines nationalliberalen Abgeordneten angeboten hatte, um ie im Interesse der Beamten von der eigenen Fraktion in der Budgetkommission gestellten Anträge zu Fall zu bringen, hat auch bei einer anderen Gelegenheit seine zur Schau getragene Beamtenfreundlichkeit mit seiner inneren Ueberzeugung nicht in Einklang zu bringen vermocht. Es war in einer der letzten Sitzungen, der Kampf tobte um die Einreihung der verschiedenen Beamtenkategorien in die ihrem Range entsprechende Gehaltsklasse. Bei einem von den sozialdemokratischen Mitgliedern der Kommission gestellten Antrage, eine Kategorie von Unterbeamten in eine höhere Gehaltsstufe zu bringen, als in der Regierungsvorlage vorgesehen war, erhob bei der Abstimmung auch der Abgeordnete Dr. Semmler als Letzter zaghaft die Hand und seinem Munde entrangen sich die Worte:„Nun, hoffentlich wird der Antrag abgelehnt.— Der Wunsch dieses Gemütsmenschen, der für einen Antrag stimmte, dessen Ablehnung er wünschte, ist in Erfüllung gegangen, der Antrag wurde richtig abgelehnt. Vielleicht hatte Herr Semmler schon damals einen nationalliberalen Abgeordneten abkommandiert, um selber um so sicherer dafür stimmen und sich in die Toga unzweifelhafter Beamtenfreundlichkeit hüllen zu können. Der dekorierte Neger. Wilhelm II. hat dem Häuptling einer Negertruppe, die sich momentan in Hamburg für Geld sehen läßt, das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Der Häuptling soll sich besondere Verdienste um den Ankauf von Kamelen erworben haben, die von der deutschen Schutztruppe gebraucht werden. Der Akt der Ueberreichung war, wie sich das bei uns von selbst versteht, ein außerordentlich feierlicher. Der Landrat des Kreises Pinneberg reiste eigens nach Stellingen, wo sich der Hagenbecksche Tierpark befindet, und erschien in Begleitung einer Anzahl Mitglieder der Gemeindevertretung, um dem Neger die Auszeichnung zu überreichen. Das allgemeine Ehrenzeichen erhalten sonst hauptsächlich Schutzleute, Gendarmen, Lehrer usw. für langjährige, ausgezeichnete Dienste. Sie werden natürlich nicht wenig erfreut sein, nunmehr auch einen Neger zu den Leuten zählen zu dürfen, mit denen sie den Besitz dieser Auszeichnung teilen. Vielleicht ist es auch nicht uninteressant zu wissen, daß die Beschaffung von Kamelen auf gleicher Stufe rangiert als etwa jahrzehntelange Tätigkeit eines Schullehrers. Die Kosten für diese Feierlichkeit— denn der Landrat hat natürlich Reisespesen und sonstige Auslagen zu verlangen— tragen selbstverständlich die Steuerzahler, damit sie auch eine Freude an der Sache haben. Wenn der Neger, ausgerüstet mit seinem allgemeinen Ehrenzeichen, wieder heimkehrt, dann wird vielleicht ein allgemeiner Wettbewerb unter den Negern entstehen, die alle das Bestreben haben, Kamele für unsere Schutztruppe zu vermitteln, um auch in den Besitz einer solchen Medaille zu gelangen. Kommunales. Der Wahlrechtsraub in Rixdorf. Die Wahlentrechtung durch die reaktionäre Stadtverordnetenmehrheit in Rixdorf wird am deutlichsten durch die Feststellung der Wählerzahl in den einzelnen Abteilungen gekennzeichnet. Nach der Wählerliste sollen von der Gesamtzahl der Wahlberechtigten(38 429) nicht weniger als 35 810 oder 93,2 Prozent in der 3. Abteilung ihre Stimme abgeben; 2317 oder 6,03 Prozent wählen in der 2. und 302 oder 0,77 Prozent in der 1. Abteilung. D. h.: Der Wähler der 2. Klasse besitzt ein Wahlrecht, das um nahezu das 16fache größer ist als das des Wählers 3. Klasse. Das Wahlrecht eines Wählers 1. Klasse übersteigt das eines Wählers 2. Klasse um etwa das Achtfache, und das eines Wählers 3. Klasse sogar um das Einhunderteinundzwanzigfache! Ersatz für das Oktroi. Der Landesausschuß für ElsaßLothringen nahm in dritter Lesung ein neues Kommunalabgabengesetz an, in dem u. a. die Gemeinden ermächtigt werden, eine Steuer nach dem gemeinen Wert der unbebauten Grundstücke bis zur Höhe von 0,5 v. H. einzuführen. Die vorgesehene Wertzuwachssteuer ist wegen der Verhandlungen im Reichstage bis zur nächsten Session vertagt worder Zum Tabaksteuergesetz hat der Finanzminister folgende Bekanntmachung erlassen: „Nach den von dem Bundesrat am 24. Juli d. J. beschlossenen Ausführungsbestimmungen zu Artikel Za des Gesetzes vom 15. Juli 1909 wegen Abänderung des Tabaksteuergesetzes haben Zigaretten- und Zigarettenpapierfabrikanten und=Händler alle am 81. August d. J. am Schlusse der Geschäftsstunden in ihrem Besitze befindlichen Steuerzeichen für Zigaretten und ZigaretBielefelder Sommertheater. en. Donnerstag, 12. August: Ich heirate meine Tochter, Lustspiel in einem Akt von Groß von Trockau, und Charleys Tante, Schwank in drei Akten von Brandon Thomas. Ein Benefiz und ein Gastspiel, das Benefiz des Komikers Max Carc und das Gastspiel der ersten Naiven Fanny Roma aus Braunschweig. Der Gast kam besonders in dem Einakter als Alice von Sassen zur Geltung, wo ihm in Hans Freihen als Ottmar von Sassen ein ebenbürtiger Partner zur Seite stand. Auch der tolle Schwank„Charleys Tanie“ wurde gut gegeben, hier gab der Benefiziant als Lord Babberley sein Bestes. Von den übrigen Mitspielenden seien noch erwähnt Walter Neumann als Jack Chesney, Josef Kießlich als Charley Wykham und Fritz Graumann als Colonel Chesney tenhüllen spätestens am 3. September d. J. an die Hebestellen zurückzuliefern. Für das dabei einzuhaltende Verfahren, sowie hinsichtlich des für die zurückgelieferten Steuerzeichen, die unbeschädigt sein müssen, zu gewährenden Ersatzes ist bestimmt, daß der Hebestelle eine Aufstellung der umzutauschenden Steuerzeichen unter Benutzung des mit der Aufschrift„Rücklieferungszettel" zu versehenden Bestellzettelmusters neben einem Bestellzettel für die an ihrer Stelle gewünschten Steuerzeichen vorzulegen ist. Statt des Umtausches kann mit Genehmigung der Direktivbehörde eine Rückzahlung des für die Steuerzeichen entrichteten Betrages erfolgen, wenn ein Fabrikant die Herstellung oder ein Händler die Einfuhr von der Zigarettensteuer unterliegenden Waren aufgibt. Auch angebrochene Bogen oder einzelne Steuerzeichen können unter Absetzung etwa überschießender Bruchteile eines Pfennigs umgetauscht oder erstattet werden. Für später zurückgelieferte Steuerzeichen findet ein Ersatz nicht statt.— Vom°1. September ab dürfen Zigaretten und Zigarettenhüllen aus der Erzeugungsstätte oder dem Zollgewahrsam nur dann entfernt werden, wenn sie mit Steuerzeichen versehen sind, die durch einen in roter Farbe hergestellten Aufdruck:„Gesetz von 1909“ gekennzeichnet sind. Zigaretten und Zigarettenhüllen, die vor dem 1. September d. J. aus ihren Erzeugungsstätten oder aus dem Zollgewahrsam entfernt worden sind, bedürfen einer Aenderung der an ihnen angebrachten Steuerzeichen nicht. Fabrikanten, die am 1. September d. J. noch mit alten Steuerzeichen versehene Zigaretten in den Erzeugungsstätten haben, kann von dem Hauptamt ausnahmsweise gestattet werden, diese Zigaretten ohne Aenderung der Steuerzeichen gegen Zahlung des Unterschieds zwischen den früheren und den neuen Steuersätzen aus der Erzeugungsstätte zu entfernen. Konservative Politik. In der„Ostpreußischen Zeitung" behandelt der Fürst zu Dohna=Schlobitten die Frage, welche Politik die Konservativen im Reichstage einzuschlager haben, um sich„unter allen Umständen einen ausschlaggebenden Einfluß zu sichern". Seine Partei will mit abwechselnden Mehrheiten die Geschäfte führen, heute mit dem Zentrum, morgen mit den Liberalen; denn, so so schreibt der durchlauchtigte Herr: „Nur durch die Möglichkeit verschiedener Mehrheitsbildungen zu positiver Arbeit können die Konservativen ihr Ziel erreichen, einerseits eine Vorherrschaft des Zentrums unmöglich zu machen, andererseits die Aufrechterhaltung der christlichen Grundlagen im Staatsleben zu sichern und dabei gleichzeitig den gleichermaßen gegen das Christentum, gegen die Monarchie und gegen die bestehende Gesellschaftsordnung gerichteten Bestrebungen der Sozialdemokratie wirksam entgegenzutreten.“ Dr Fürst zu Dohna huldigt, wie das Junkertum überhaupt, der Anschauung, daß den Anmaßungen der Konservativen jede bürgerliche Partei sich fügen muß,„heute die Johanne und morgen die Susanne: Heute mit den Liberalen gegen das Zentrum und morgen mit dem Zentrum gegen die Liberalen, wie es den Herren Junkern gerade in den Kram paßt. Mit dem Zentrum wollen sie die sogenannten„christlichen Grundlagen im Staatsleben“ gegen die Liberalen und Sozialdemokraten verteidigen— und mit den Liberalen wollen sie der Vorherrschaft des Zentrums begegnen. Zentrum und Liberale zusammen sollen mit ihnen die Sozialdemokratie bekämpfen. Das ist eine sehr„einfache“ Kalkulation. Die darin liegende Spekulation aber ist Aufrechterhaltung und Stärkung der Junkerherrschaft, des parlamentarischen Regiments einer Clique von einigen Dutzend Leuten über die Nation. Die„Freisinnige Zeitung“ meint, in den Worten des Fürsten zu Dohna offenvare sich eine„außerordentlich kindliche Auffassung", sie bezweifelt, daß die Liberalen,„falls einmal die Rechte ihre Forderungen gegen das Zentrum durchsetzen will, geneigt sein werden, den Konservativen die Kastanien aus dem Feuer zu holen, um dann wieder, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan haben, zu gehen". Je nun, im Grunde folgt der Fürst zu Dohna doch lediglich dem Blockgedanken, in welchem sich die Konservativen und Liberalen gegen Sozialdemokratie und Zentrum zusammengefunden hatten. Dieser unglückliche Gedanke hätte gar nicht aufkommen können, und es würde keinem Konservativen einfallen, die Idee der„wechselnden Mehrheiten“ unter Einbeziehung der Liberalen zu propagieren, wenn die Liberalen, statt gemeinsam mit der Junkerpartei und dem Zentrum die Sozialdemokratie zu bekämpfen, unter ehrlicher und konsequenter Befolgung der Grundsätze des Liberalismus, die Sozialdemokratie im Kampfe gegen die Reaktion unterstützt hätten. Nationalliberale und Freisinnige sind schon so oft zu Vertretern von diesen Grundsätzen geworden, besonders in der Blockära, daß man sich nicht darüber wundern kann, wenn die Junkerpartei ihnen zumutet, mit ihr im Reichstage die Politik der„wechselnden Mehrheiten" zu betreiben. Sturm im Zentrum. Aus den Kreisen der Zentrumssraktion des Deutschen Reichstages geht der„Köln. Volksztg. folgendes zu:„Der erste Leitsatz der Osterdienstags=Konferenz, daß das Zentrum die Aufgabe habe, die gesamten Interessen des Volkes auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens im Einklange mit den Grundsätzen der katholischen Weltanschauung zu vertreten, erhält erst seine rechte Würdigung in dem zweiten Leitsatze: Der Volksverein für das katholische Deutschland bedarf wegen seiner großen Bedeutung für das katholische Leben eines engeren Anschlusses an den Episkopat. Alle Gründe, welche für den engeren Anschluß an den Episkopat geltend gemacht werden, müssen die Herren dann auch für das Zentrum gelten lassen, denn zunächst hat die interepiskopale Zentrumsorganisation doch wohl noch größere Bedeutung für das katholische Leben, als der Volksverein. Weiterhin sind doch auch für das Zentrum Garantien nötig, daß es sich im Einklange mit den katholischen Grundsätzen verhält. Die Garantien, die in den Persönlichkeiten, den Tragern der Organisation gegeben sind, halten die Herren doch nicht für ausreichend. Selbst die Aufsicht und alle noch so energischen Erklärungen des Kardinals von Köln bezüglich des Volksvereins genügen den Herren noch nicht. Der ganze Vorstoß ist eine neue Auflage des alten Streites, ob katholische Fachabteilungen oder christliche Gewerkschaften. Es sind dieselben Leitgedanken, es sind auch zum größten Teile dieselben Personen, die der Berliner Bewegung Vorschub oder doch Sympathie gewähren. Soll doch sogar die Gründung einer neuen katholischen großen Tageszeitung in Berlin geplant werden, die den Kampf für diese Ideen aufnehmen soll.“ In der Tat richtet der Kampf seine Spitze gegen die christlichen Gewerkschaften, deren Vertreter im Reichstage öfter eine Tonart anschlagen müssen, die dem größten Teil des Zentrums in der Seele zuwider ist. Und um zu verhüten, daß die christlichen Gewerkschaften eine Bahn betreten, mit der die katholischen Kapitalisten nicht einverstanden sein können, sollen sich einer strengen Aufsicht der Kirche unterstellt werden. Vielleicht hat Herr Giesberts daran gedacht, als er in Essen erklärte, ihm gefalle die ganze gegenwärtige Politik nicht mehr. Das Streikrecht der Landarbeiter. Die Konservativen bekämpfen bekanntlich das Streben der Sozialdemokratie, den Landarbeitern das Koalitionsrecht zu verschaffen, sie überhaupt mit den gewerblichen Arbeitern rechtlich gleichzustellen, auf das entschiedenste. Jetzt nimmt dazu im Organ des Bundes der Landwirte Herr v. Knebel=Döberitz Stellung. Ein im Reichstag von der sozialdemokratischen Fraktion gestellter Antrag hat es ihm ganz besonders schwer angetan. Danach sollen aufgehoben werden die landesgesetzlichen Strafbestimmungen gegen ländliche Arbeiter wegen Nichtantritts oder Verlassens des Arbeitsverhältnisses, wegen Vertragsverletzungen, Ungehorsams oder Widerspenstigkeit, wegen Verbindung und Vereinigung behufs Erlangung günstiger Lohn= und Arbeitsbedingungen, insbesondere mittels Einstellung der Arbeit, oder wegen Aufforderung zu solchen Verabredungen. Auch soll ihnen das Recht gewährleistet werden,„zur Wahrung und Förderung von Berufs= und Standesinteressen, namentlich zur Erlangung günstiger Lohn= und Arbeitsbedingungen insbesondere mittels Einstellung der Arbeit, Vereinigungen zu bilden und Verabredungen zu treffen und diesen Vereinigungen das Recht einzuräumen, öffentliche und Vereinsversammlungen zur Erörterung und Beschlußfassung über alle den Beruf und den Stand der Mitglieder betreffenden Angelegenheiten mit Einschluß einer Einwirkung auf die Gestzgebung und die Verwaltung zu veranstalten. Herr v. Knebel wiederholt das alte Gejammer der Agrarier: Die Landarbeiter sollen zu Sozialdemokraten„dressiert" und „zu Generalstreiks aufgehetzt" werden; der landwirtschaftliche Betrieb macht die Gewährung des Streikrechtes an die Landarbeiter„unmöglich“, ein Streik der Landarbeiter zur Erntezeit würde das Gemeinwohl schwer schädigen" und auch den Landarbeitern selbst Nachteile bringen. Schließlich heißt es: „Die deutsche Landwirtschaft ist die eigentliche Nährmutter des ganzen Landes. Ein Ersatz der landwirtschaftlichen Produkte aus dem Auslande könnte nur unter schweren Kosten und großem Zeitverlust, zum Teil gar nicht beschafft werden. Und welche ungezählten Millionen der wichtigsten wirtschaftlichen Werte würden verloren gehen zum dauernden Schaden für die gesamte Nation?! Ein Streikrecht der Landarbeiter wäre kein Naturrecht, sondern ein nationales Unglück größter Also die„Natur“ hat die Landarbeiter dazu verurteilt, Sklaven der Agrarier zu sein! Bequemer läßt sich allerdings das Streikrecht nicht zurückweisen. Daß die deutsche Landwirtschaft die„Nährmutter des ganzen Landes ist,“ ist eine etwas gewagte Behauptung. Sie ist bekanntlich bei weitem nicht imstande, unsere Bevölkerung zu ernähren, wir sind auf stetig steigende Einfuhr von Getreide usw. angewiesen. Gegen diese Einfuhr haben die Agrarier sich einen Zollschutz geschaffen. Sie betreiben Brot= und Fleischwucher. Aber die Lage ihrer Arbeiter haben sie nicht verbessert; die sind schlimmer Ausbeutung und Unterdrückung unterworfen. Nicht die Nation hat ein Interesse daran, daß ihnen das Koalitionsrecht vorenthalten wird, sondern nur das Agrariertum. Dieses ist das wahre nationale Unglück. Ein Erntestreik der Landarbeiter würde die Aufhebung der Getreidezölle usw. nötig machen. Und das wollen die Agrarier natürlich verhindern. Der Schaden, den das Volk von einem solchen Streik vorübergehend haben könnte, reicht auch nicht entfernt heran an die ungeheure Schädigung, die es dauernd erfährt durch die agrarische Schutzzollpolitik. die Grenzsperren gegen Vieh usw. usw Die Kretafrage Athen, 12. August. Die kretische Regierung beschloß gestern in neuer mündlicher Verhandlung mit den Konsuln, der Forderung der Schutzmächte auf Einziehung der griechischen Flagge nicht nur im Hafen von Canea, sondern auch von Candia nachzukommen. Damit ist, vorbehaltlich der Zustimmung der heute zusammengetretenen Notabelnversammlung, die Fahnenfrage offiziell geregelt. Der in der gestrigen Versammlung von der Opposition beschlossene Widerstand gegen die Fahneneinziehung wird sich wahrscheinlich nicht verwirklichen. Oesterreich-Angarn. a. K. Schreckensherrschaft im Namen des Königs.— Arbeitslose Landarbeiter. 30 Jahre und 58 Tage Kerker, dazu 11 960 Kronen Geldstrafe hat die ungarische„Rechtspflege“ in einem halben Jahre über Genossen verhängt. Dazu eine unerhörte Anwendung der Untersuchungshaft. So befinden sich noch 12 Angeklagte wegen der Demonstration vom 8. Oktober vorigen Jahres in Haft, ohne zur Verhandlung zu kommen. Viele sitzen lange in Untersuchungshaft, die selbst ungarische Richter hintennach nicht verurteilen können. Die Statistik dieser Verurteilungen spiegelt den Wind, der gegenüber der Arbeiterbewegung weht, stets getreu wider. In den 10 Jahren vom 15. März 1899 bis dahin 1909 gab es insgesamt 178 Jahre, 171 Tage Kerker und 128 432 Kr. Geldstrafe; ohne Untersuchungshaft und Kosten. Davon kamen auf 1900/01 A nur 26 Tage und 840 Kr., 1904/05 aber 41 Jahre, 75 Tage und 25827 Kr. Das erste Halbjahr 1909 aber weist schon eine solche Strafsumme auf, daß dieses Jahr sicher den„Rekord schlagen“ wird. Junkerwirtschaft und Korruption im Bunde mit halbasiatischer Knute und wildem Chauvinismus: das sind die Feinde, mit dehen unsere braven ungarischen Genossen zu ringen haben. Nach außen aber sonnt sich dieses Schinderregiment im Glanze seiner„Kulturpolitik".— Arbeitslos während der Erntearbeit— dieses Schicksal haben die ungarischen Grundherren vielen tausend Landarbeitern bereitet. Um den Erntearbeiterstreiks, dem einzigen Mittel, durch das die Arbeiter in den letzten Jahren ihr Elend ein wenig lindern konnten, vorzubeugen, haben die Besitzer die auf höherer Stufe stehenden magyarischen und deutschen Arbeiter möglichst ferngehalten und die kulturell tiefer stehenden rumänischen und slowakischen Organisationslosen herangezogen. Dazu haben die außergewöhnlich hohen Getreidepreise die Anschaffung arbeitersparender Maschinen behufs Beseitigung des Naturallohnes in Getreide rentabel gemacht. So ist angesichts eines reichen Erntesegens die ansässige Arbeiterschaft zum Zuschauen und damit zum Hungern im Winter verurteilt. Wahrscheinlich wird die Auswanderung nach Amerika, die schon riesengroß ist(1906 zogen 239000 aus, mehr als 1 Prozent!) eine gewaltige Zunahme erfahren. Unsere Parteiorgane warnen die Regierung, nach beliebter Manier die Auswanderung zu erschweren und so Hungerrevolten hervorzurufen. Inzwischen begeistert die regierende Klasse sich für die„nationale Armeesprache" und ähnliche Güter. Rußland. R. B. Aus dem Intendanturpanama. Man schreibt uns aus Petersburg vom 8. August: „Wie ein Gespenst wandert Garins Revision durch die russischen Lande, alles aufscheuchend, überrumpelnd, aufwühlend. Was die Hauptstädte ihm im großen enthüllt haben, das zeigt sich ihm oder seinen Agenten in der Provinz in vielfältiger Wiederholung und verbrecherisch=pikanter Nuancierung. So lieferte die Revision der Intendantur von Kiew. Krementschug. Divinsk in gelbissen Material, als es Mos nämlich die Lieferante men, die zum Teil ar wischens der Spuren liegen die Dinge in den die Intendanten einfa ringer, die Lieferante mittler und Kommissic In Kiew verlief de komischen Beigeschmack kommen würde, wußte nete damit, daß die Ar Zeit hinziehen müßten und auch sonst die kon überhaupt„Ordnung“ Säuberungsarbeit wur nis des Revisionschefs. beiten zu unterbrech „Hier nahmen sie alle man nur nehmen konn Ergebnis der Revision. vorteilhaftesten Lieferu ab, die außer Geld n den Intendanten zur mancher Lieferanten w „für Vergnügungen des genannt). Verträge p geschlossen zu werdet Stimmung der Obrig diesen Verhältnissen he mittlerklasse, die den G forschte und darauf st Diebstähle und Mißbrä die Preise gegenüber d Pud(etwa 16 Kilograi ten und Intendanten te dabei verschiedene and ziehungen und dergl. Anklagebank kommen. 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Die Lokalbe führen, und sie sind be In Gegenden, wo die statteten die Lokalbehör einen halben Tag in de der Fabrik zubringen so In Ackerbaugegende Alter von über 11 Ja vom Schulbesuch befre Obsternte mithelfen zu Didinsk in gelbissem Sinne noch interessanteres belastendes Material, als es Moskau zu tun vermochte. In Moskau sind nämlich die Lieferanten meist große und altrenommierte Firmen, die zum Teil auch in der Kunst des Gebens und Verwischens der Spuren einige Erfahrungen besitzen. Anders liegen die Dinge in den genannten Orten, wo die Bezirke kleiner, die Intendanten einfacher und zugänglicher, die Aufträge geringer, die Lieferanten und Geldgeber gewöhnlich nur Vermittler und Kommissionäre sind. In Kiew verlief der Revisionsvorgang nicht ohne einen komischen Beigeschmack. Daß nach Moskau auch Kiew herankommen würde, wußte man hier sehr wohl.“ Allein man rechnete damit, daß die Arbeiten in Moskau sich noch eine geraume Zeit hinziehen müßten, und begann allgemein in den Büchern und auch sonst die kompromittierenden Tatsachen auszumerzen, überhaupt„Ordnung" zu schaffen. Die fieberhaft überstürzte Säuberungsarbeit wurde auffällig und gelangte auch zur Kenntnis des Revisionschefs. Dies bewog Garin, die Moskauer Arbeiten zu unterbrechen und plötzlich in Kiew zu erscheinen. „Hier nahmen sie alle für alles, nahmen überall und alles, was man nur nehmen konnte, so lautet, kurz zusammengefaßt, das Ergebnis der Revision. Man nahm Geld, Waren, Wechsel. Die vorteilhaftesten Lieferungen gab man an diejenigen Bewerber ab, die außer Geld noch„lebendige Genußmittel in natura“ den Intendanten zur Verfügung stellten. Die Handelsbücher mancher Lieferanten weisen auch solche Ausgabeposten auf, wie „für Vergnügungen des Obersten so und so“(mit vollem Namen genannt). Verträge pflegten mitunter in Animierkneipen abgeschlossen zu werden, wobei die Interessenten die heitere Stimmung der Obrigkeit auszunutzen verstanden. Und aus diesen Verhältnissen heraus bildete sich eine eigenartige Vermittlerklasse, die den Geschmack der einzelnen Intendanten ausforschte und darauf spekulierte. Besonders groß waren die Diebstähle und Mißbrauche bei den Mehllieferungen, bei denen die Preise gegenüber den üblichen um 14 bis 17 Kopeken pro Pud(etwa 16 Kilogramm) heraufgeschraubt wurden: Lieferanten und Intendanten teilten sich im Gewinn und begingen noch dabei verschiedene andere Betrügereien, wie Stempelhinterziehungen und dergl. Dafür sollen sie auch gemeinsam auf die Anklagebank kommen. Unterdes schreitet die Revision der Moskauer Intendanturverhältnisse fort und zeitigt neue Ergebnisse zutage. Neben der allmächtigen Firma Alafusow ist das Handelshaus Till und Ko. nicht weniger kompromittiert. So bezahlte sie allein an den Beamten Kislinsky 43000 Rubel an Bestechungsgeldern und etwa ebensoviel an seine Kollegen, um einen Auftrag in Höhe von 800000 Rubeln zu erhalten; dies ist auch sonst der durchschnittliche Prozentsatz der Nebenunkosten, ein Prozentsatz, der zwischen 8 und 13 zu schwanken pflegte. Bestechungen wurden aber noch für andere Leistungen der Intendantur gewährt; so bekam sie von der obengenannten Firma für die Schließung ihrer eigenen Wäschenäherei und den statt dessen an Till und Ko. für fünf Jahre zu gewährenden Auftrag 125000 Rubel. Also geschah es im Jahre 1886 zum ersten Male, und die gleiche Prozedur wiederholte sich alle fünf Jahre. Dabei wurde diese horrende Summe, zu der die üblichen Kommissionsgelder bei der Warenabnahme noch hinzukamen, für einen Lieferungsauftrag gewährt, der in den ersten Jahren sich im ganzen auf eine halbe Million Rubel belief. Mit dem Ausbruch des Krieges wuchsen die Umsätze der Wäschenäherei rapide und erreichten in einem Jahre die Höhe von zwanzig Mill. Rubeln, wofür aber auch an Bestechungen etwa drei Mill. Rubel entrichtet wurden. Die an die Intendanten zu entrichtenden Summen schnellten besonders dann in die Höhe, wenn Alafusow und Till miteinander scharf zu konkurrieren anfingen. Und dies sind nur einige prägnante Beispiele aus dem großen Sumpf der Intendanturbestechungen Spanien. Der Krieg mit Marokko. Melilla, 12. August. Die Spanier haben die Vertiefungsarbeiten des Kanals zwischen Marchica und Cerbère begonnen. Sie hoffen, dadurch die Kanonenboote näher an die feindlichen Stellen gelangen zu lassen, und auch die Verproviantierung der verschiedenen Posten zu erleichtern. In Alhucemas begannen verflossene Nacht die Mauren von neuem die Beschießung der Stadt. Bei Tagesanbruch fielen zwei Granaten in Alhucemas nieder. Die eine fiel im Fort nieder, während die zweite die Spitalmauer streifte, welche leichte Beschädigungen erlitten hat. Die Beschießung der Mauren durch Gewehrsalven dauert ebenfalls fort. a. k. Wo war das Dynamit?— Blutarbeit. Wie der Korrespondent der Pariser„Humanité“ aus Barcelona meldet, hörte man während des Brandes des Klosters los Escalapios zahlreiche charakteristische Explosionen, die dort ein Dynamitlager vermuten ließen. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß in den schweren Straßenkämpfen von den Dynamitbomben, die dort in ruhigen Zeiten eine stehende Erscheinung waren, gar nichts zu merken war. Das läßt die Vermutung unseres Genossen, daß, wie so viele andere, so auch jene„anarchistischen“. Attentate in Wirklichkeit von Männern der Ordnung und des Glaubens angestellt worden seien, nicht so unglaubhaft erscheinen. Man weiß ja, daß die heilige Sache alle Mittel rechtfertigt. Und ein innerer Unterschied zwischen der nun aktenmäßig bloßgelegten zaristischen und der spanischmönchischen Blut= und Schmutzwirtschaft ist nicht vorhanden. Uebrigens müssen jetzt selbst die klerikalen Blätter zugeben, daß nur Kirchen und Klöster, nicht Menschen dem Zorne des empörten Volkes geopfert worden sind. Alle Mönche und Nonnen, die in Privathäuser flüchteten, blieben unbehelligt. Da sind die Wächter der Ordnung schneidigere Kerle. Alter Ueberlieferung folgend, beginnen sie zahlreiche, selbst völlig sinnlose Greueltaten, wie das Wegschießen neugieriger Zuschauer von den Balkons u. ä. Selbst das Rote Kreuz wurde angegriffen, dabei 4 Menschen getötet und 20 verwundet. Solche Taten wurden dann den Aufständischen angelogen. Wie ein Arzt des Hospitals mitteilte, gab es dort 300 Tote und etwa 1200 Verwundete. Davon gehorte ein Drittel der Armee, Polizei oder Bürgerwehr an. Wie viele aber mögen auf der berüchtigten Feste Monjuich, nicht in ehrlichem Kampfe, sondern unter langsamen Martern zu Tode gequält, unter den Fäusten der Ordnungshenkerknechte ein qualvolles Leben aushauchen? Das Halbzeit=Schulsystem. London, 7. August. Seit Jahren wird von Sozialisten, Arbeiterführern und Reformern agitiert, das in Textilgegenden bestehende Halbzeitsystem abzuschaffen. Unter diesem System versteht man folgendes: Die Kinder Englands sind vom 5. bis zum 14. Lebensjahre schulpflichtig. Die Lokalbehörden haben die Schulpflicht durchzuführen, und sie sind berechtigt, gewisse Ausnahmen zuzulassen. In Gegenden, wo die Textilindustrie stark verbreitet ist, gestatteten die Lokalbehörden, daß Kinder, die 12 Jahre alt sind, einen halben Tag in der Schule und den andern halben Tag in der Fabrik zubringen sollen. In Ackerbaugegenden besteht der Gebrauch, daß Kinder im Alter von über 11 Jahren während der Sommermonate ganz vom Schulbesuch befreit werden, um bei der Getreide= und Obsternte mithelfen zu können. Infolge der oben erwähnten Agitation setzte das Unterrichtsministerium eine Kommission ein, um das Wesen und die Wirkungen dieses Halbzeitsystems zu untersuchen. Der Bericht der Kommission wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht. Darin wird gesagt: „Wir haben gefunden, daß die Lehrer fast einstimmig gegen dieses System sind. Sie erklären, daß die Halbzeitler ihre Aufmerksamkeit zwischen Schule und Fabrik teilen und deshalb nicht mehr imstande sind, ihren Schularbeiten das nötige Interesse entgegenzubringen. Ihr Fortschritt wird gehemmt oder ganz unmöglich gemacht. Die Kinder kommen mude und schläfrig in die Schule. Ebenso leidet die ganze Schulorganisation darunter. Aber nicht nur der Geist der Kinder leidet, sondern auch ihr Charakter. Der Einfluß der Fabrik ist nicht so gut wie der der Schule. Es wurde beobachtet, daß die Halbzeitler oft an sittlicher Disziplin verlieren. Ihre Muster sind nicht mehr die Lehrer, sondern die ledigen Fabrikarbeiter. Ihr Ton wird vulgär, und sie teilen ihn dann der ganzen Schule mit. Eine Abschaffung dieses Systems ist nicht leicht. Von 300 Kindern, die von den Kommissionsmitgliedern darüber befragt wurden, erklärten nur sieben, daß sie lieber den ganzen Tag die Schule besuchen möchten. Die übrigen meinten, die Fabrikarbeit verschaffte ihnen Geld und Freiheit und eine Gleichstellung mit den Erwachsenei. Andererseits hat die Kommission gefunden, daß viele der jungen Leute, die früher Halbzeitler waren, es bedauern, den Unterricht frühzeitig abgebrochen zu haben. Ebenso hat die Kommission gefunden, daß die meisten Familien, die ihre Kinder zu Halbzeitlern machen, die Löhne der Kinder nicht brauchen. Nur in wenigen Familien waren diese Löhne zum Auskommen unentbehrlich. Die Kommission kam zu folgenden Schlüssen: Das Halbzeitsystem ist am 1. Januar 1911 abzuschaffen, d. h. in Textildistrikten müssen die Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres die Schule besuchen. In Ackerbaugegenden dürfen Befreiungen vom Schulbesuch nur bei Kindern eintreten, die das 13. Lebensjahr zurückgelegt haben, und nur dort, wo ihre Beschäftigung absolut notwendig ist. * Bielefeld, 13. August. — Für die Schweden. Die Ortsverwaltung des Holzarbeiterverbandes hat gestern abend beschlossen, vorbehaltlich der Zustimmung einer späteren Mitgliederversammlung, den kämpfenden Klassengenossen in Schweden vorlaufig 200 Mark zu überweisen. Die Firma M. Mosberg übergab dem Bevollmächtigten der Holzarbeiter heute 30 Mark zu demselben Zwecke. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Das interessante Drama„Haus Rosenhagen", aus der Feder des beliebten Schriftstellers Max Halbe, wird heute zum ersten Male aufgeführt. In den Hauptrollen sind beschäftigt die Damen: Emmy Berend, Käte Mallincourt, Renée Imrey und die Herren: Direktor Hans Freihen, Walter Neumann und Fritz Graumann.— Am Sonnabend kommt das soziale Drama„Ausgewiesen“ von C. Böttcher als Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen nochmals zur Aufführung. — Das gesamte städtische Orchester konzertiert am Sonnabend, 14. August, abends 8½ Uhr, im Garten Hotel Kaiserhof. — Polizeibericht. Festgenommen wurde 1 Person wegen Diebstahls und 3 Personen wegen Trunkenheit, Obdachlosigkeit und Hausfriedensbruchs; 1 weiblicher Fürsorgezögling wurde in Schutzhaft genommen, 4 Obdachlose wurden im Polizei=Gefängnis untergebracht. Die Schweineseuche ist auf dem Gehöft des Landwirts Wilhelm Kornfeld, Detmolderstraße 153, ausgebrochen. Diebstahl. In der Nacht vom 7. zum 8. dieses Monats wurden auf dem Truppen=Uebungsplatze„Sennelager“ gestohlen: 1. ein schwarzledernes Portemonnaie mit 40 Mark Inhalt, ferner 1 Jagdschein, lautend auf den Namen des Hauptmanns K., 1 Mitgliedskarte des Offiziervereins und 1 Mitgliedskarte des Kunstvereins Münster. 2. 1 silberne Deckel=Remontoir-Uhr mit goldener Kette, bestehend aus vier eckigen flachen Gliedern. Genossen, zur Agitation für die „Volkswacht“! Der Sonnabend und der Sonntag soll wieder der Werbung von Abonnenten für unsere„Volkswacht“ gewidmet sein. Trotzdem wir mit Stolz auf die Entwicklung unserer Presse, namentlich in den letzten Jahren, blicken können, ist doch noch so mancher Arbeiter, obgleich er sich innerlich zu uns zählt, noch nicht Abonnent des Blattes seiner Partei, der Sozialdemokratie. Warum, wollen wir heute und an dieser Stelle nicht untersuchen; die Tatsache besteht. Da ist es nun Pflicht, wenn die Vertrauensmänner der Partei rufen, daß jeder Genosse dem Rufe Folge leistet und sich zur Parteiarbeit einfindet. Wir müssen dahin arbeiten, die Zahl der Abonnenten unseres Parteiorgans stetig zu vermehren. Mit dem Wachsen der Abonnentenzahl steigt auch unser Ansehen in der öffentlichen Meinung, unsere Macht in politischer und wirtschaftlicher Beziehung. Genossen! Die Zeit zur Werbung neuer Leser unseres Blattes ist günstig. Die neuen indirekten Steuern treffen die arbeitende Bevölkerung wieder in solchem Maße, daß es not tut, auch den letzten uns noch fernstehenden Arbeiter als Abonnenten der„Volkswacht" zu gewinnen, damit er über die gegenwärtigen erbärmlichen politischen und wirtschaftlichen Zustände aufgeklärt wird, damit er gewahr wird, wer die Schuldigen sind und erkennen lernt den Weg zur Schaffung besserer Zustände. Parteigenossen! An die Arbeit für euer Parteiorgan! Die Genossen, soweit ihnen noch keine Nachricht zugegangen ist, treten am Sonntag, 15. August, in folgender Weise an: Bielefeld. Vorm. 9 Uhr bei Strothotte. Vorm. 8½ Uhr bei Weitkamp. Vorm. 8½ Uhr bei Tuxhorn. Vorm. 9½ Uhr bei Heinrich Kaiser. Vorm. 8½ Uhr bei Kickert. Schildesche. Vorm. 8 Uhr bei Böke, Bielefelderstraße. Vorm. 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße Stieghorst. Vorm. 8 Uhr bei Niestrath. Quelle. Vorm. 7 Uhr am Bahnhof Quelle.(Da außerdem die Flugblattver“ für St werden beteiligen.) Rheda. Die Parteigenosfen treffen sich am Sonnabend, 14. August, abends 9 Uhr, bei Kipp zur Einteilung der Agitationsbezirke. 3. Bezirk. 11. Bezirk. 12. Bezirk. 15. Bezirk. 16. Bezirk. Vorm. 7 Uhr am Bahnhof Quelle.(Da außerd Fingenitverbreitung für Steinhagen vorgenommen rden muß, ist es Pflicht jedes Mitgliedes, sich zu Versammlungen. Sonnabend, 14. August. Bielefeld. Soz. Verein, 17. und 18. Bezirk. Abends 8½ Uhr bei Husemann. Vortrag über Heinrich Heine mit Rezitationen. Bünde. Arb.=Radf.=Verein„Elsethal". Abends 9 Uhr bei Wirt Günther in Hüffen. Niederbecksen. Soz. Verein. Abends 9 Uhr bei Gen. W. Brandt. Salzuflen. So= Verein. Bei Kaiser. Lemgo. Soz. Verein. Abends 8½ Uhr bei Mohrmann. Sonntag, 15. August. Bielefeld. Maurerverband, Vormittags 10 Uhr bei Indiestel.„„ 4 — Textilarbeiterverband. Vorm. 9 uyr bei Hannemann. — Schneiderverband. Vorm. 9 Uhr bei Holz. Antreten zur Hausagitation. Brackwede. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Vorm. 10 Uhr bei Kramme. Kirchlengern. Soz. Verein. Nachm. 2 Uhr. — Tabakarbeiterverband. Nachm. 4 Uhr. Holsen. Soz. Verein. Nachm. 2 Uhr. Enger. Soz. Verein. Nachm. 5 Uhr. Hiltrup b. Münster. Oeff. Versammlung Nachm. 5 Uhr bei Stähler. Vortrag über:„Der Alkoholismus, eine soziale Frage. Nachdem Besprechung zur Gründung einer Ortsgruppe des Arb.=Abst.=Bundes. Sozialdemokratischer Verein für den Bielefeld=Wiedenbrück. Zur Wahl der Delegierten zum Parteitag in Leipzig Beschluß der Generalversammlung: Die Wahl der Delegierten zum deutschen und zum preußischen Parteitage erfolgt durch ürabstimmung der Mitglieder des Vereins bei einfacher Mehrheit. Die Anzahl der zu wählenden Delegierten, sowie eine Kandidatenliste wird von der Generalversammlung festgesetzt. Diese Kandidatenliste ist für die Mitglieder nicht bindend. Wahlreglement: Versammlungen zwecks Vornahme der Abstimmung dürfen nicht abgehalten werden. Die Abstimmung findet an einem Sonntage von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags statt. Als Legitimation gilt das Mitgliedsbuch Die erfolgte Abstimmung ist im Mitgliedsbuch zu bestätigen. Stimmzettel, die mehr Namen als zu wahlende Delegierte enthalten, sind ungiltig. Die Vorschlagsliste der Generalversammlung ist im Wahllokale auszuhängen und in der„Volkswacht“ bekannt zu geben. Als Wahlvorstand fungieren die Mitglieder des Vorstandes und die Revisoren des Vereins. Für die Wahllokale wählen die Mitglieder der Ortsgruppen bezw. Bezirke aus ihrer Mitte ein Wahlkomitee von drei Personen. Die Adresse des Vorsitzenden ist dem Parteisekretär zu übermitteln. Das Komitee für das Wahllokal hat über die vollzogene Wahl ein Protokoll auszufertigen, aus dem die Zahl der Mitglieder, die ihr Wahlrecht ausgeübt haben und das Resultat der Abstimmung hervorgeht. Protokoll nebst Stimmzetteln sind in verschlossenem Kuvert schnellstens dem Vorstande zu übermitteln, der spätestens am Tage nach der Urabstimmung das Gesamtresultat festzustellen und in der„Volkswacht" zu veroffentlichen hat. Das Kuvert ist mit dem Vermerk:„Wahlresultat“ zu versehen. Die Wahllokale sind in der„Volkswacht" bekannt zu geben. An das Wahllokal ihrer Ortsgruppe bezw. Bezirks sind die Mitglieder nicht gebunden. Wahllokale und Wahlreglement für die Wahl der Delegierten zum Parteitage in Leipzig 1909. Lokal Bewekenhorn Holz Strothotte Hellsinger Hesse Rothschild Imkamp Heidsiek Apenbrink Gröppel Weitkamp Tuxhorn Freese Beckmann Heinr. Kaiser Kickert Husemann Hannemann Stadtbez: Lokal: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17, 18 19 Ortsgruppe: Verkehrslokal Babenhausen Schröder Brackwede Vereinslokal Bracksiek Pappelkrug Klau Fohrmann Twelker Flaßbeck, Breitestr. 15, 20 Brake Gadderbaum Großdornberg Gütersloh Gellershagen Heepen Zurmühlen Kirchdornberg Vereinslokal Quelle Kipp Rheda Lücking Schildesche Fischer Schildesche, Herforderstr. Meier Sieker Vereinslokal Ober=Sieker Klemme Stieghorst Rollkrug Ubbedissen Vereinslokal Uerentrup Heinr. Goeke Ummeln, Gütersloher. Msc„„„„ straße 274 Laut Geschluß der Generalversammlung sind zwei Delegierte zu wählen. Die Wayl findet am Sonntag, 22. August, von 10 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags statt. Als Kandidaten werden von der Generalversammlung vorgeschlagen:„— Borgardt, Hoffmann, Mademann, Pannhorst, Schreck. Die Abstempelung im Mitgliedsbuche über die Betätigung der Wahl erfolgt in der Weise, daß in den alten Mitgliedsbüchern auf der Beitrags=Seite für 1909 die Ecke oben rechts und in den neuen Mitgliedschern das freie Feld hinter der Monatsrubrik tember“ desselben Jahres abgestempelt wird. Die Bevollmächtigten der Ortsgruppen und die Bezirksvertrauensleute werden ersucht, die Ernennung der Wahlkomitees baldigst vorzunehmen, damit die Adresse des Vorsitzenden desselben sich bis spätestens den 18. August in den Händen des Parteisekretärs befindet. An denselben sind auch die Wahlresultate zu senden. Der Vorstand. Sozialdemokrat. Verein für Schaumburg=Lippe. Sonntag, 15. August, nachmittags 2 Uhr, bei Lorenz, „Schamburger Hof": General=Versammlung Tagesordnung: 1. Geschäfts= und Kassenbericht des Vorstandes. 2. Agitation und Presse. 3. Stellungnahme zum Parteitag in Leipzig. 4. Stellungnahme zum Bezirksparteitag. 5. Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren. 6. Verschiedenes. Der Vorstand Entlassungen von Tabakarbeitern. Die bekannte Zigarrenfabrik Schieck in Frankenberg (Sachsen) hat infolge des neuen Tabaksteuergesetzes 100 Heimarbeitern gekündigt. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilbelm Büttcher heide in Bielsfeld. Preitag, Sehnabend, Seilnlas Schluss des Verkaufs Kurdehsssshier-Schuns An diesen 3 Tagen verkaufen wir die noch vorrätigen Reste und Einzelpaare zu solch niedrigen Preisen, dass es von Vorteil für jeden ist, diesen Verkauf wahrzunehmen. Wir verkaufen, soweit die Nummern noch vorrätig: Einen Rest Damen-Stoff-Stiefel 25 Paar — 75 Orösse 33/34 Paar 25 90 Einen Rest rote Ziegenleder-Stiefel für Mädchen Einen Rest braune Kinderstiefe!#7525 Grösse 27/30 30135 Einen Rest Schw. Boxled.-Kinderstiefel 275 Grösse 27/30 G 3.35 Einen Rest schwarze Damenstiefel breite Form, mit amerikan. Absätzen Paar 5 Einen Rest elegante braune Damenstiefel H75 mit und ohne Lackkappe Paar Einen Rest allerfeinste braune Herrenstiefel 950 darunter beste Rahmenarbeit Paar Einen Rest diverse allerfeinste Damenstiefel 250 schwarz, braun, Einzelpaare Paar Einen kest zurückgesetzte hohe Tennisstiefel#050 Paar— Einen Rest aparte schwarze Herrenstiefel#75 mit und ohne Lackkappe Paar Einen Posten kräftige Schulstiefel 975320 4333 Grösse 27/30 31/35 Man beachte unsere Auslagen! RSS0eJUe! Seife, Soda, Scheuersand Haben arg verschrammt die Hand. Jetzt geht alles wie der Blitz Wirklich herrlich mit Wir Fix! Wix Fix sungt Schmutz und Feit auf! Es ist das ideale Reinigungsmittel für Emaille, Kupfer, Zink, Zinn, Kochherde, Badewannen, Messer und Gabeln. Fabrikant: Maximilian Koch, Bielefeld. In Paketen zu 10 und 25 Pfg. in den meisten Geschäften für Kolonialwaren, Drogen und Hausgerät. für alle Gelegenheiten, nur feinste Gratulations=Rarten Genres, stets vorrätig in der = Zuchhandlung„Volkswacht“. Wochenmarkts=Preise in Bielefeld am 12. August 1909. Bulier Rindfleisch Schweinefleisch Speck Kalbfleisch Hammelfleisch Eier Gänsesleisch Husen Zwiebeln Spargel Kirschen Pflaumen Tafelbirnen Aepfel Erbsen Vietsbohnen Gr. Bohnen Wurzein, neue, Rüben„„ Kartoffeln, neue, pr. 1 Pfd. per Pfd. 110—120 70— 80 „„„ pr. Stück 1/2 Kilo „„ n 00 „* ** „* „* „* Blumenkoht Kopfsalat Rotkohl Wirsing Kappus Kohlrabi Steckrüben Gurken alte, 80— 95 85—100 70— 80 75— 90 65—.70 10— 15 15— 20 20—.30 20— 30 10— 12 12—13 5— 6 8—10 6— 7 4— 5 pr. Stück 20— 40 3— 4 15—.20 10— 15 10— 15 2— 3 10— 20 Kartosseln 130 Pfund 525—600 A # in allen Größen — gutes Papier— zu haben in der Buchhaudlung„Volkswachl“. Diese Woche wieder gutes Rindsteisch Pfund 60 Pfg. u. Schweinesteisch zu billigen Preisen. Verschiedene Wurstwaren und Aufschnitt empfiehlt(3595 Pritz Ellenbeck, Metzgermeister, Lübberstr. 24. Telephon 417. Deutscher Textilarbeiter-Verband Sommertheater. Filiale Bielefeld. Sonntag, den 15. August, vormittags 9 Uhr: Mitglieder=Versammlung im Lokale des Herrn W. Hannemann, Webereistraße. Tagesordnung: 1. Mitteilungen der Ortsverwaltung. 2. Vortrag des Genossen Sachs über:„Die Schäden des Alkohols“. 3. Wahl eines Geschäftsführers. 4. Verschiedenes. 4330 Zu zahlreichem Besuch ladet ein Die Ortsverwaltung. (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute 8½2 Uhr: Zum 1. Male: Haus Rosenhagen. Drama in 3 Akten von Max Halbe. Sonnabend, 14. August. Anf. 8½ Uhr Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen. Ausgewiesen. Soziales Drams in 4 Akten von C. Böttcher. Zentral=Verband der Maurer Deutschlands = Zweigverein Bielefeld. Am Sonnntag, den 15. August 1909, morgens 10 im Lokale des Herrn August Indiestel: Mitglieder=Versammlung Tages=Ordnung: 4335 1. Abrechnung vom Stiftungsfest. 2. Bericht des Hauptvorstandes in der Arbeitsnachweisfrage. 3. Der Generalstreik in Schweden. 4. Mitteilungen der Ortsverwaltung. 5. Verschiedenes. Der Sonnabend, den 14. Jugust, abends 8 ½2 Uhr: 4337 Großes Streich=Konzert im Garten„Hotel Kaiserhof“. Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. ** Bei Harms& Co. erhält von heute an jeder bei einem Einkauf von 3 Mark an ein Paket mit 10 Kästchen Streichhölzern gratis. 8 „Gasthof zür Post“, Heepen. Bringe hiermit meine neurenovierte 43256 VVTirtschaft = sowie schönen schattigen Garten in empfehlende Erinnerung. Th. Thalenhorst. atbeiter Gesundheils Tiblidthet. Bisher sind folgende Hefte erschienen: 1. Dr. Christeller: Die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Mit 9 Text=Illustrationen. 2. Dr. Silberstein: Das erste Lebensjahr. 3. Dr. Hirschoff: Zur Gesundheitspflege des Nervensystems. 4. Dr. 3. Zadek: Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung. 5. Dr. K. Fröhlich: Alkoholfrage und Arbeiterklasse. 6. Dr. K. Silberstein: Das Schulkind. 7. Dr. Ernst Gebert: Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten. 8. Dr. R. Chajes=Schöneberg: Nahrung und Ernährung. Mit einer farbigen Tasel. 9. Dr. Paul Vernstein: Wie sollen wir uns kleiden? 10. Dr. M. Epstein=München: Der Arbeiterschutz mit besonderer Berücksichtigung der Werkstatthygiene. 11. Dr. Zadek: Frauenleiden und deren Verhütung nebst einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. 12. Dr. Ernst Chesing=Magdeburg: Vom medizinischen Aberglauben. 13. Dr. S. Munter: Das Wasserheilverfahren in der Gesundheitspflege des Arbeiters. 14. Louis Jordan=Leipzig: Verhütung und Heilung des Stotterns. 15. Dr. Julian Markuse: Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. 16. Gertrud Rewald=Berlin: Zähne und Zahnpflege. 17. Dr. Christeller: Bau und Lebenstätigkeit des menschlichen Körpers. 18. Ed. Bernstein: Der Geschlechtstrieb. 19. Joh. Rauker: Die Krankenpflege im Hause. 20. Dr. Zadek: Die Proletarierkrankheit, ihre Entstehung und Verbreitung, Verhütung und Heilung. Preis pro Heft 20 Pfg. Porto 3 Pfg. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die überaus zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten, treusorgenden Vaters, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Herrn Pastor Köhne für die trostreichen Worte am Grabe unsern innigsten Dank.[4329° Familie Apenbrink. Nr. 187. „Asew. Hinter den Kulissen und * Unter diesem Titel ist lagshaus, Berlin=Charlott Uebersetzung eines von Silber verfaßtes Buch hüllungen Burzews und d repolutionär=sozialistischen das Treiben der russischen Landesen schildert. Das 2 Jaurés ein Vorwort u# führung geschrieben haben, streng an die festgestellter macherei vermeiden, fast n Kriminalroman. Wir geben aus dem B Vorbereitungen des At Plehwe wieder: Nach der Verhaftung sofort nach Genf gegangen. Erneuerung der revolutio# auf die Anwendung mäch bisher.... 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Jahrg. „Asew, Harting& Co., Hinter den Kulissen der russischen Geheimpolizei und Revolution“. * Unter diesem Titel ist im Verlag„Vita“, Deutsches Verlagshaus, Berlin=Charlottenburg, zum Preise von 3 Mk., die Uebersetzung eines von Jean Longuet und Georges Silber verfaßtes Buch erschienen, das auf Grund der Enthüllungen Burzews und der vom Zentralkomitee der russischen revolutionär=sozialistischen Partei veranstalteten Untersuchungen das Treiben der russischen Lockspitzel Ewno Asew und HartingLandesen schildert. Das 236 Seiten starke Buch, zu dem Jean Jaurés ein Vorwort und W. Burzew eine längere Einführung geschrieben haben, liest sich, obgleich sich die Verfasser streng an die festgestellten Tatsachen halten und Sensationsmacherei vermeiden, fast wie ein gutgeschriebener Detektiv= und Kriminalroman. Wir geben aus dem Buche folgende Ausführungen über die Vorbereitungen des Attentats auf den Minister Plehwe wieder: Nach der Verhaftung Gerschunis im Mai 1903 war Asew sofort nach Genf gegangen. Er arbeitete dort an der technischen Erneuerung der revolutionären Taktik und bestand hartnäckig auf die Anwendung mächtigerer und wirksamerer Mittel als bisher.... Asew widmete sich einem gründlichen Studium der Explosivstoffe, deren regelmäßige Anwendung das Charakteristische der neuen Phase der terroristischen Bewegung ist. Er formulierte eine Reihe von Grundsätzen, die von der Partei ohne Diskussion angenommen wurden, nämlich die absolute Trennung zwischen der terroristischen Unternehmung und dem revolutionären Milieu im allgemeinen. Die von ihm gepredigten Vorsichtsmaßregeln gingen so weit, daß er alle Beziehungen zwischen den in ein terroristisches Komplott verwickelten Genossen und der allgemeinen Organisation der Partei untersagte. Es war den Kameraden, die an solchen Unternehmungen teilnahmen, nicht erlaubt, sich durch die allgemeine Organisation etwa Wohnungen oder Pässe besorgen zu lassen. Sie mußten die Sorge hierfür sowie für alles andere der Organisation des Kampfes überlassen. Mit seiner gewohnten Kühnheit versicherte Asew, daß, wegen der zahlreichen in den Parteigruppen vorhandenen Lockspitzel es unheilvoll sein würde, die terroristischen Genossen mit diesen Gruppen in Verbindung zu bringen. Diese Isolierung beraubte augenscheinlich die Kampfgruppen der Möglichkeit, Auskünfte über das Leben und die Gewohnheiten der aufs Korn genommenen hochgestellten Persönlichkeiten einzuholen. Asew erklärte, daß solche Auskünfte oft problematisch und bisweilen selbst gefährlich seien. Er verwarf sie also, indem er an ihre Stelle ein ganzes System äußerer Ueberwachung der für ein Attentat in Aussicht genommenen Personen setzte, das durch die Kräfte der Kampfesorganisation selbst ausgeübt werden sollte. Nichts ward in dieser Hinsicht vernachlässigt. Revolutionäre, als Kommissionäre, Kutscher, Briefträger und Kamelots verkleidet, stellten sich, als ob sie simple Gaffer oder friedliche Bürger auf der Suche nach Wohnungen seien. Sie wurden an strategisch wichtigen Punkten placiert, um alle notwendigen Informationen zu sammeln. Ja noch mehr: diejenigen, die mit der Beobachtung beauftragt waren, die auf Grund ihrer wichtigen Kenntnisse die Bomben fabrizierten, die endlich die Beschlüsse der Organisation auszuführen hatten, bildeten ebenso viele isolierte Gruppen, die miteinander nur durch die Vermittlung von besonders zu diesem Zweck ausgewählten Kameraden verkehrten. Solange das Attentat noch nicht vollständig vorbereitet war, lebten die zukünftigen Exekutoren wie friedliche Bürger. Aber wenn ihre Stunde kam, dann verschwanden alle diejenigen, deren Hilfe nicht mehr nötig war; es blieben nur noch die Kämpfer, die nach dem im voraus entworfenen Plane die Bomben zu werfen hatten, und mit ihnen die Techniker, die sie verfertigt hatten und die im Falle des Mißlingens sie wieder an sich nehmen und entladen mußten. Endlich mußte ihnen der„Oberoffizier" als Vermittler dienen; er überwachte persönlich die Ausführung des Planes.... Auf diesen neuen Grundlagen rekonstruierte Asew in Genf im Juli 1903 die Organisation des Kampses; nach ihnen arbeitete er bis in die geringsten Einzelheiten den Attentatsplan gegen Plehwe aus.... Zu Beginn des Jahres 1903, als Gerschuni noch mit Asew an der Spitze der Kampfesorganisation stand, war ein erstes Attentat gegen Plehwe mit sehr unzureichenden Mitteln vorbereitet worden. Die im gegebenen Moment von Plehwe benachrichtigte Polizei— so versichert die Anklageschrift im Prozeß Lopuchin— konnte ihre Vorsichtsmaßregeln treffen. Man hat Grund zu der Annahme, daß die Namen der in diese Untersuchung verwickelten Terroristen nicht von Asew angegeben worden sind; denn kein einziger wurde verhaftet. Es genügte der Polizei, den Reiseweg des Diktators zu ändern, um das Attentat zum Scheitern zu bringen. Entmutigt rief Gerschuni aus:„Das ist eine Unternehmung, die über meine Kräfte geht!“ Dieses so schwierige Werk wollte Asew zum Staunen und zur Bewunderung seiner Kameraden zu Ende führen. Mit peinlicher Sorgfalt wählte er unter Wahrung des tiefsten Geheimnisses, nur mit Unterstützung von Michel Gotz, aus den Genossen ein Elite=Bataillon: Ssasonow, Schweitzer, Kalajew, Dora Brillant, Ssawinkow, Pokotilow und noch einige andere. Er überführte seinen Generalstab nach Paris, wo die Vorbereitungen fortgesetzt wurden. Asew kehrte dann nach Rußland zurück, wohin die Mitglieder der Kampforganisation nach einigen Monaten nachkamen, nachdem sie Asew mit Pässen versehen hatte.... Während Asew so seiner Polizeitätigkeit entfaltete, die Stolypin die Erklärung gestattete, daß Asew der erste war, der die Komplotte gegen Plehwe zur Anzeige brachte, verfölgte er mit der Kampforganisation die Vorbereitungen zu dem großen, gegen den Diktator gerichteten Attentat. Ein erster Versuch sand am 18. März nahe dem Hause des Ministers statt. Nachdem er Hand an die letzten Vorbereitungen gelegt, verließ Asew Petersburg unter dem Vorwande, daß ihn eine wichtige Angelegenheit zum Zentralkomitee rufe. Die Ausführung des Planes wurde den schon genannten Terroristen Ssasonow, Kalajew, Ssawinkow, Schweitzer und Pokotilow anvertraut. Ssasonow hatte sich als Kutscher verkleidet, und vier mit Bomben bewaffnete Terroristen besetzten den Weg, den der Minister passieren mußte. Aber trotz der sehr sorgfältig geübten Ueberwachung mußte das terroristische Detachement, nachdem es zwei Stunden vergeblich gewartet hatte, sich zurückziehen, ohne auf Plehwe gestoßen zu sein. Asew hatte Ssawinkow in Dwinsk in Litanen ein Rendezvous gegeben. Aber Ssawinkow fand ihn dort nicht, und seine Gefährten von der Kampforganisation blieben drei Wochen ohne Nachricht von ihm. Sie wurden sehr unruhig und fürchteten, er sei verhaftet worden. Inzwischen verfolgten sie die Verwirklichung des Planes, den sie entworfen hatten, und setzten die Ausführung auf den 10. April fest. Als einige Tage vorher Pokotilow nach Petersburg ging, traf er Asew im Zuge. Er sprach ihm von der Angst und den Qualen, die die Mitglieder der Kampforganisation seinetwegen ausgestanden hätten, wie ihr erster Versuch gescheitert sei, und unter welchen Verhältnissen sie ihn wiederholen wollten. Asew billigte die Dispositionen, die sie getroffen hatten, doch nahm er Abstand davon, nach Petersburg zurückzukehren. Pokotilow war bereits wieder seit einigen Tagen in Petersburg, als eine furchtbare Katastrophe die Pläne der Terroristen von neuem störte. Die Bomben, die Pokotilow mitgebracht hatte, explodierten zufällig am 1. April im Hotel du Nord, wo er unter einem falschen Namen abgestiegen war. Pokotilow wurde durch die Explosion getötet. Mehrere Monate vergingen, ohne daß die Behörde seine wahre Persönlichkeit hätte entdecken können; sie wurde erst durch eine Erklärung Asews am 4. Juli „enthüllt". Durch diesen neuen Mißerfolg entmutigt, beschloß die Kampforganisation, die durch die Abwesenheit ihres großen Chefs übrigens in Verwirrung gebracht war, ihre Kräfte bei einer leichteren Unternehmung zu versuchen. Es handelte sich darum, den Gouverneur von Kiew, General Kleighels, zu töten, dessen Name als eine Verkörperung erbarmungsloser Unterdrückung galt. Ssawinkow und die übrigen Kameraden gingen nach Kiew. Hier traf Ssawinkow unerwartet auf Asew, dem er eiligst die neuen Projekte, die sie geschmiedet hatten, mitteilte. Der große Chef verhehlte seine Unzufriedenheit nicht, weil man seine Instruktionen nicht besolgt hatte:„Wir haben die Affäre Plehwe begonnen“, sagte er,„wir müssen sie bis zum Ziele durchführen. Als euer Chef widersetze ich mich formell der Unternehmung gegen Kleighels, und ich wünsche, daß ihr nach Petersburg zurückkehrt. Es wurde so beschlossen, und die Terroristen kehrten in die Hauptstadt zurück. Zwei Monate hindurch bereitete man das große Werk vor. Neue Mitglieder wurden durch Asew in das Detachement eingeführt, und man setzte das Attentat auf den 8. Juli fest. Vorher hatte sich Asew entfernt, wiederum unter dem Vorwande von Geschäften, die ihn zum Zentralkomitee riefen. Aber ein fataler Zufall schien sich gegen die Terroristen verschworen zu haben, und das Leben Plehwes zu schützen. Einer der Hauptteilnehmer des Komplotts verfehlte den Zug, der ihn nach Petersburg bringen sollte; die Mitglieder der Kampforganisation kamen nicht dazu, sich zu treffen, und wiederum mußte man die Ausführung des Attentats verschieben, die man endlich auf den 15. Juli festsetzte. Vorher fand in Wilna eine letzte Besprechung zwischen Ssawinkow und Asew statt. Dieser letztere erteilte seine Instruktionen und bestimmte Warschau als Rendezvous mit Ssawinkow nach dem Attentate. Ssawinkow, der aus dieser Stadt stammte, machte einige Einwendungen gegen den Ort der Zusammenkunft, wo er leicht erkannt werden könnte.„Was", erwiderte Asew in spöttischem Tone,„du hast also Angst?“ Der furchtlose Ssawinkow, der die Gefahr nicht kannte, antwortete ruhig:„Nun wohl, es sei, wie du willst— ich werde in Warschau sein. Am 15. Juli, morgens 9,45, fuhr der Wagen Plehwes in lebhaftem Tempo nach dem Warschauer Bahnhofe. Der Minister wollte den 10-Uhr=Expreßzug zur Fahrt nach Petersburg erreichen, wo er dem Zaren den üblichen Bericht zu erstatten hatte. In einem besonderen Wagen, der dem Ministerwagen vorausfuhr, befand sich der Polizeipräfekt von Petersburg, und neben der Kutsche Plehwes radelten einige Agenten, und außerdem waren alle 40 Schritte auf dem Trottoir Spitzel verteilt, die über die Person des furchtbaren Diktators besonders zu wachen hatten. Drei Terroristen, jeder mit einer Bombe versehen, hielten sich in dieser Straße verborgen. Es waren Ssasonow, der als Eisenbahnbeamter verkleidet war, Kalajew als Portier und Ssikowski, der den weiten Mantel eines Marineoffiziers trug. Zufällig fuhr in diesem Augenblick der Wagen des Ministers an einer in gleicher Richtung fahrenden Droschke vorüber, in der sich ein Gardeoffizier befand. Um ihn zu überholen, wendete Plehwes Karosse sich schräg nach dem Trottoir zu. In diesem Augenblick näherte sich Ssasonow schnell und warf eine Bombe durch das Fenster des Plehweschen Wagens. Eine furchtbare Detonation wurde hörbar. Die Gewalt der Explosivstoffe war so groß, daß der Minister und sein Kutscher im Augenblick in die Luft flogen. Alle Fenster der benachbarten Häuser zersprangen, und als der Rauch sich verzogen hatte, konnte man nahe bei der Obwodny-Brücke den völlig zerstückelten Leichnam Plehwes sehen, ein wenig weiter seinen Kutscher, der gleichfalls tot war. Ssawinkow, der das terroristische Detachement kommandierte und die Ausführung des Komplotts überwachte, kam als erster an dem Platze an. Sote. Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. 88.— „Blut? Unsinn,“ sagte der Alcalde,„wir sollen wohl einen Bürger der Vereinigten Staaten einer Rothaut wegen hängen? Und dann ist noch gar nicht einmal bewiesen, daß er der Täter gewesen ist. Bringe mir Zeugen, aber weiße Männer, keine Rotfelle, die die Sache gesehen haben, und wir wollen alles genau untersuchen; eher lasse ich mich auf nichts ein.“ „Weiße Männer?“ rief der Häuptling rasch und heftig. „Muß ich dir noch einmal sagen, daß jener Schurke der einzige weiße Mann im Lager war? Du weißt es ohnedies, hier ist die Wunde, in die er seinen Stahl gestoßen, miß die Breite seines Messers, ruf' die Zwanzig von unserem Stamme zu Zeugen auf, die bei der Tat gegenwärtig waren, und jedes Gericht von Männern muß ihn verdammen.“ „Dein ganzer Stamm geht mich nichts an, sagte der Alcalde ärgerlich,„schaff' mir die Leiche wieder aus dem Zelt. Ich begreife nicht, Sheriff, daß Ihr nur so etwas dulden könnt.“ „Das Gesetz sagt in Sektion XII,“ erwiderte der Sheriff: „In allen Fällen zwischen Weißen und Indianern können beide Parteien eine Jury beanspruchen.“ *„Das Gesetz sagt aber auch,“ rief jetzt der Richter aufs äußerste erbost,„daß es bei einer Klage eines Indianers gegen einen Weißen der Diskretion des Richters überlassen bleibt. Lehrt Ihr mich die Gesetze kennen?“ „Oder der Jury!“ unterbrach ihn der Sheriff finster, „aber der Schluß sagt: nach dem sie die Klage eines Indianers angehört haben.“ „Und ich habe die Klage des Indianers gehört,“ schrie aber jetzt der Major, mit einem vor Wut förmlich angeschwollenen Gesicht.„Meiner Diskretion bleibt es also überlassen, und meine Diskretion sagt mir, daß ich keine Jury in dem Falle brauche und gar nicht daran denke, heute einen der tollköpfigen Burschen zu verhaften, die mir morgen vielleicht selber eine Kugel vor den Kopf schießen. So, Sheriff, wenn Ihr einmal Alcalde seid, dann könnt Ihr tun, was Euch Eure Diskretion sagt, jetzt aber beordre ich Euch im Namen des Gesetzes, den Indianer und seinen Kadaver aus diesem Zelte zu schaffen, in dem ich amtlich beschäftigt bin. Habt Ihr mich verstanden?“ „Jawohl, Major,“ sagte der Sheriff ruhig,„nur was die amtliche Beschäftigung betrifft, habe ich meine Zweifel, und ich denke, die Burschen werden die teilen, wenn sie erst einmal fünfzehn Fuß in den harten Boden hineingehackt haben.“ „Was wollt Ihr damit sagen?" fuhr der Richter, der sich schon wieder zu seinem Buche gesetzt hatte, rasch nach ihm herum. „Daß mich die Sache weiter nichts angeht,“ meinte der Sheriff trocken.„Komm, Kesos, ich will dir sagen, wie du dich mit deiner Klage an die County Court wenden kannst. Die wird dann untersuchen, ob unser Alcalde hier nach seiner Diskretion richtig oder falsch geurteilt hat.“ Der Alcalde wollte sich heftig nach seinem meuterischen Sheriff umdrehen, dieser verließ aber, ohne selbst auf den Ruf seines Vorgesetzten zu achten, rasch das Zelt und drehte nicht einmal den Kopf nach ihm herum. „Es ist gut,“ murmelte da der junge Häuptling zwischen den Zähnen durch, indem er sich zu der Leiche des alten Indianers niederbog und sie leicht in seinen Armen emporhob. „Sie wollen dem Blute des roten Mannes nicht glauben; ich werde dafür sorgen, daß sie einen eben solchen Zeugen in ihrer Farbe bekommen.“ „Ich glaube, der Bursche will noch drohen,“ sagte der Richter, von seinem Buch nach ihm hinübersehend. Der Indianer achtete aber nicht weiter auf ihn, sondern verließ ebenfalls mit seiner traurigen Last das Zelt. „Ihr hättet dem Indianer doch eine Jury verstatten sollen, Major,“ sagte da einer der Leute, wie die Leinwand hinter ihm niedergefallen war,„und wenn es nur der Ordnung wegen gewesen wäre.“ „Ich weiß selber am besten, was ich zu tun habe,“ knurrte aber die gereizte Gerichtsperson,„und nun laßt mich mit der langweiligen Geschichte zufrieden. Auf welchen Namen wollt Ihr Euern Claim geschrieben haben?“ Diese Frage weckte zu direkt alle die lebendiesten Interessen der Anwesenden, um jetzt noch an etwas anderes zu denken. Der Indianer hatte ebenfalls mit der Leiche das Zelt verlassen, und bald wurde von nichts mehr gesprochen als gefundenem und zu hoffendem Gold und einzuregistrierenden Claims. Draußen vor dem Zelte hatte indessen der Sheriff den Indianer erwartet und riet ihm hier, von Fischer, der gerade dort vorbeikam, lebhaft dabei unterstützt, an die County Court zu appellieren. Der Richter habe in diesem Falle ohne Zweifel dem Geist des Gesetzes widersprechend gehandelt und würde dafür bestraft werden. „Ja, mit Gold!“ antwortete der junge Häuptling düster,„der andere Gerichtshof von weißen Männern wird ihn vielleicht strafen; aber werde ich mein Recht dadurch bekommen? Schweigt,“ fuhr er ernst fort, als Fischer diese Hoffnung aussprechen wollte,„ich kenne die Amerikaner jetzt, und weiß, was wir von ihnen zu hoffen haben. Auf solche Art ist nichts von ihnen zu erlangen: ich werde ein anderes Mittel versuchen. „Aber der Sheriff ist auch ein Amerikaner und will, daß dir Recht werden soll, sagte Fischer. Der Indianer ergriff des Sheriffs Hand, drückte sie und sagte leise:„Ich danke dir für den guten Willen, den du mir gezeigt; ich werde es nicht vergessen, wenn der Tag kommt.“ „Fischer,“ rief der Sheriff fast ängstlich,„ich glaube, der Bursche hat dumme Streiche vor; tut mir oder vielmehr ihm den Gefallen und redet ihm das aus. Mit Gewalt können die armen Teufel nichts durchsetzen, denn wir erdrücken sie ja, so wie sie nur den ersten Bogen spannen, und die einzige Folge wäre, daß sie in die letzten Schneeberge hineingejagt würden, um dort unterzugehen. Der Indianer ließ sich aber auf kein weiteres Gespräch ein. Er hatte den Leichnam wieder auf sein Pferd gehoben, und ohne weder rechts noch links zu schauen, ritt er durch das Städtchen den Weg, den er gekommen war, zurück XIII. Die rote Erde. Der Indianer war bald vergessen; hatten sich doch überhaupt die wenigsten um ihn bekümmert. Nur der Sheriff, ein braver, ehrlicher und wo es galt, fest entschlossener Mann, der seinen Alcalden mehr durchschaute, als diesem lieb sein mochte, beruhigte sich noch nicht darüber und hatte mit einigen der angeseheneren und ordentlichen Amerikaner im Paradiese eine längere Unterredung über die Angelegenheit. Zu ändern war aber freilich für den Augenblick nichts mehr darin, denn wenn der Indianer selbst nicht appellieren wollte, mochte natürlich keiner der anderen eine so an und für sich kitzliche Sache aufnehmen. Ja, wenn ein Fremder den Mord verübt hätte; so aber war es ein Bürger der Vereinigten Staaten, wenngleich vielleicht eins ihrer nichtsnutzigsten Subjekte, und die wilde Rasse der eigentlichen„Western men“ hing da wie Kletten zusammen, und haßte und verachtete besonders noch von den Staaten her die Indianer als ihre Todfeinde. Das wußte auch der „Die Straße war noch leer“ so erzählt er uns.„Ich bemerkte Ssasonow auf dem Pflaster, durch die Bombe verwundet und mit Blut bedeckt. Ich näherte mich ihm schnell, nur daran denkend, ihm zur Flucht zu verhelfen, und ich neigte michängstlich über sein Gesicht. Er war unbeweglich wie ein Leichnam. In diesem Augenblick näherte sich mir ein Polizeioffizier, leichenblaß und an allen Gliedern zitternd. Mit bebender Stimme sagte er zu mir:„Mein Herr, gehen Sie weiter. Das war alles. Ssawinkow konnte sich ruhig entfernen und ohne Schwierigkeit den Zug nach Warschau benutzen. Außer Ssasonow und Ssikowski, die verhaftet wurden, konnten alle Mitglieder der Kampforganisation über die Grenze gelangen. Schweitzer, der erst am nächsten Tage mit einem Kosfer voll Dynamit abreiste, konnte gleich keinen Kameraden die Hauptstadt verlossen. Aever die spänische Aroeuerorwigung gehen der Dresdener Volkszeitung“ folgende Angaben zu: Die panische Arbeiterbewegung gehört, wenigstens soweit sie auf dem Boden des wissenschaftlichen Sozialismus steht, zu den ohnmächtigsten von Europa. Vielerlei Gründe gibt es dafür. In erster Linie steht die geringe Bedeutung der Industrie, die eine Entwicklung des modernen Lohnproletariats, wie wir es in Mitteleuropa haben, verhinderte. In zweiter Linie die Tatsache, daß nach dem großen Strich, der zwischen dem Anarchisten Bakunin und dem Sozialisten Karl Marx im Haag gezogen wurde, die Propagandisten Bakunins sich in Spanien sofort an die Arbeit machten und die dortigen Arbeiter für ihre Ideen zu gewinnen versuchten. Es gelang ihnen damals, fast alle alten Anhänger der Internationale in Spanien für sich zu gewinnen. Zu Hilfe kam ihnen die grenzenlose Unwissenheit, in der die Regierung im Auftrage der katholischen Kirche das Volk läßt, die Tatsache, daß die meisten Arbeiter weder lesen noch schreiben können, und die taktische Schlauheit, von Anfang an mit den revolutionären Elementen der republikanischen Partei Fühlung zu nehmen, als im Februar 1873 die Republik erklärt wurde. Als im Januar 1874 der General Pavia seinen Staatsstreich und Canovas die Ministerpräsidentschaft übernahm, schmolz ihre Organisation unter — sammen. Als 1881 Sagasta ans heftigen Verfolgungen sehr zuRuder kam, grundeten die Anarchisten Gewerkvereine, die sich außerordentlich rasch entwickelten. Im Jahre 1892 zählten sie schon etwa 50000 Mitglieder und verfügten über eine Zeitung, die eine Auflage von über 20 000 Exemplaren hatte. Kein Arbeiterblatt hat je wieder eine olche Auflageziffer in Spanien erreicht. Die Anarchisten hüteten sich, die spanischen Arbeiter mit ihren Theorien zu unterhalten; sie zogen es vor, in ihnen den Glauben zu erwecken, daß eine soziale Revolution nahe bevorstände, und da das Elend, das auf den Leuten lastet, ganz ungeheuerlich ist, mußte eine Propaganda dieser Art große Frfol riestt un große Eefeige erzielen. Auf diesem von anarchistischen Ideen durch und durch getränkten Boden setzte Ende der siebziger und Anfang der achtziger listische, Propaganda ein. Zuerst bildeten sich Jahre die sozialistische, Propaganda ein. Zuerst bildeten sich kleine Gruppen, und erst im Jahre 1886, als der„Sozialist ansing zu erscheinen, entstand so etwas, wie eine Partei, die sich langsam, aber stetig forientwickelte. Die größten Erfolge erzielte die sozialistische Propaganda in Biskaya, einem der größten Industriegebiete Spaniens— aber in dem industriell entwickeltsten Teil in Catalonien, wo der Kampf jetzt begonnen hat, standen die Resultate in keinem Verhältnis zu der angewandten Mühe. Catalonien und besonders Barcelona, die kosmopolitische Arbeiterstadt, ist eben das Hauptquartier der Anarchisten. Während die Parteiorganisation in scharfem Kampfe mit den anarchistischen Gewerkvereinen lebte, ging sie Hand in Hand mit dem„Allgemeinen Arbeiterverband“, der von dem sozialistischen Buchdrucker Garcia Quejido(der die spanische Partei auf den internationalen Kongressen von Zürich und London vertreten hatte), gegründet worden war. Im Jahre seiner Gründung 1889 zählte er 3355 Mitglieder, im Februar 1896 erst 6154, im März 1904 aber 56 900. Das war der Höhepunkt, der leider nicht festgehalten werden konnte. Vom Jahre 1904 an ist ein merkwürdiges Abflauen der P#listischen Arheiterhewegung ir Syanion eingetreten. soztaltfrischen Arbeiterbewegung in Spanien=Eingerreien. politische Partei erhielt bei den Wahlen von 1905 23.000 Stimmen weniger als bei den Wahlen von 1904. Die Zahl der sozialistischen Blätter, die 15 betragen hatte, sank auf 7, die alle wochentlich erschienen. Die Zahl der Mitglieder des Allgemeinen Arbeiterverbandes sank von 56900 im Oktober 1905 auf 46 485, und im Oktober 1906 auf 34 537 Mitglieder. In dem zum Internationalen Kongreß zu Stuttgart von dem Sekretariat gegebenen Bericht wird daruber gesagt:„Man darf dennoch nicht folgern, daß die Arbeiter Spaniens den Arbeitervereinigungen feindlich gegenüberstehen. Die Abnahme der syndikalen Macht rührt einfach von der ökonomischen Lage des Landes her. Gegen Mitte des Jahres 1905 begann im Lande eine furchtbare Arveitskrise, deren Folgen eine übermäßige Auswanderung nach den amerikanischen Republiken war. Ganze Syndikate verschwanden, weil die Genossen, die sie begründet hatten, auf Arbeitssuche gegangen waren. Wenn wir zu diesem Uebel noch die Teuerung in Lebensmitteln und die kleinen Löhne hinzufügen, finden wir den augenscheinlichen Beweis für die Ursachen in Spanien, die eine Abnahme statt eine Zunahme der Klassenorganisation herbeigeführt haben. Da das Jahr 1902 eine Periode der industriellen Entwicklung war, während welcher viele Leute regelmäßig Arbeit fanden, kann man sich die gegenwärtige Lage denken, charakterisiert durch eine stillstehende industrielle Lage und durch einen Stillstand, der erschreckende Dimenmensionen angenommen hat. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Generalversammlung des 96 18. hannoverschen Reichstagswahlkreises tagte am Sonntag in Scharmbeck. Vertreten waren 6 Ortsvereine durch 18 Delegierte. Die Mitgliederzahl stieg von 1243 auf 1253, davon sind 1112 männliche, 141 weibliche Mitglieder. Die Abonnentenzahl unserer Parteipresse ist infolge der im Unterwesergebiet mit außerordentlicher Schärfe auftretenden Wirtschaftskrise von 1988 auf 1659 zurückgegangen. Die im Berichtsjahre vollzogenen Gemeindevertreterwahlen haben der Partei neue gute Erfolge gebracht. In 13 Orten sind jetzt 49 sozialdemokratische Gemeindevertreter tätig, während im Vorjahre in 12 Gemeinden nur 33 Gemeindevertreter vorhanden waren. Es wurden 29000 Flugblätter, 11 200 Kalender, 60000„Landboten" und 10 800„Sozialdemokraten" verbreitet. Die Kreiskonferenz des Wahlkresses Darmstadt=Groß=GGerau nominierte am Sonntag als Reichstagskandidaten den Redakteur am„Darmstädter Volksfreund“, Genossen Louis Quessel. Bisheriger Kandidat war der Buchhändler und Landtagsabgeordnete Genosse Heinrich Berthold, der nach der Mandatsniederlegung Cramers den Wahlkreis auch für unsere Partei behauptete, aber bei dem Hottentottenrummel 1907 gegen Dr. Osann(Natl.) unterlag. Ein drakonisches Urteil, wie es wohl bisher in Deutschland noch nicht gefällt sein dürfte, fällte das Schöffengericht zu Stralsund gegen den Genossen Freyer, der im April d. J. an einem Abend Flugblätter für den Jugendausschuß an die Fortbildungsschüler verteilt hatte. Wegen dieses gefährlichen Staatsverbrechens wurde er zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Gegen das Urteil wird natürlich Berufung eingelegt werden. Gewerkschaftsbewegung. Der Kampf im Hamburg=Altonaer Baugewerbe geht weiter. Die Einigungsverhandlungen sind gescheitert. Ausgesperrt sind die Maurer, Zimmerer, Bauhilfsarbeiter, Plattenansetzer, Klempner, Schlosser, Steinarbeiter, Steinbildhauer, Glaser, Dachdecker und Gipser. In Mitleidenschaft gezogen sind die Stukkateure und die Bildhauer aller Branchen. Im Malergewerbe herrscht große Arbeitslosigkeit. Der Zuzug nach Hamburg=Altona und den umliegenden Ortschaften ist fernzuhalten. Beendeter Streik. Der Streik der Textilarbeiter bei der Firma M. Steinberg in M.=Gladbach ist nach vierwöchiger Dauer beendet worden. Man einigte sich auf den Abschluß eines Tarifvertrages, der bis Ende 1910 in Geltung bleibt und eine Erhöhung der bisherigen Löhne um durchschnittlich etwa 7 Prozent bedeutet. Am Streik waren 20 freie und ebensoviel christliche Gewerkschaftsmitglieder beteiligt. Streikbrecher aus den Reihen der Arbeiter waren nicht zu verzeichnen. Zum Streik im Bochumer Holzgewerbe wird berichtigend mitgeteilt: Die nicht glatt erfolgte Wiedereinstellung der Streikenden ist nicht auf einen Beschluß der Unternehmer, sondern auf mangelhafte Vorbereitungen für die Wiederaufnahme der Arbeit, teils auch auf Mangel an Arbeit durch anderweitige Vergebung zurückzuführen. Nachdem die Hindernisse beseitigt und über die entstandenen Mißverständnisse Aufklärung geschaffen wurde, ist am Mittwoch die Arbeit wieder ausgenommen worden. Der Schiedsspruch, die Zulage für Montagearbeiten betreffend, ist dahin ergangen, daß die seit 6 Jahren bestehende Zulage vom 1. April 1910 in Wegfoll kommt. Jetzt steht noch schlaue Alcalde recht gut, und hütete sich deshalb wohl, mit ihnen anzubinden.„„ Auf der neu in ungriff genommenen„roten Erve wühlte und hackte es indessen ununterbrochen fort, und um die glücklichen Finder des ersten Klumpens kümmerte sich bald niemand mehr, hatte doch jeder jetzt seine eigenen Interessen zu verfolgen. Diese schienen es auch müde geworden zu sein, das Gold vorzuzeigen, denn einigen, die sie später noch darum baten, verweigerten sie es unter dem Vorwand, es„schon weggepackt zu haben". Der Alcalde registrierte indessen in seinem Zelte noch immer fort; das Gold floß ihm in Strömen zu, und er hatte den unangenehmen Auftritt von„diesem Morgen schon längst vergessen. Der Sheriff aber war hinaus auf die neue Flat gangen, dort ein paar Minuten an dem Rande der Grube stehen geblieben, die jene erste Anregung zu der Bearbeitung derselben gegeben hatte, und stieg endlich zu den Leuten hinab, mit denen er eine lange und, wie es schien, sehr interessante Unterredung hatte. Die drei Amerikaner ließen wenigstens, so lange er unten bei ihnen war, ihre Spitzhacken vollständig ruhen, und sangen, als er wieder nach oben stieg, das echt kalifornische„Oh Susannah, do’nt you cri for me“ mit so lauter und fröhlicher Kehle, daß benachbarte Arbeiter herbeigelaufen kamen, um zu sehen, ob die glücklichen Gräber einen neuen Fund gemacht hätten. Der Sheriff aber schritt in sein Feld zurück und rieb sich den ganzen Weg vergnügt und außerordentlich selbstzufrieden die harten Hände. Unsere drei deutschen Freunde: Lamberg, Binderhof und Hufner hatten indessen ebenfalls ihren sogenannten Olaim wacker in Angriff genommen. Das war aber ein hartes Stück Arbeit, mit dem sie ihre Minenarbeit beginnen sollten, und die Behandlu an solche Behältlung nicht gewöhnten und auf der langen Seereise nur noch weicher gewordenen Hände zogen bald Blasen und waren kaum mehr imstande, die schweren Werkzeuge zu heben. Lamberg versuchte auch sein Bestes, sich so viel wie möglich zu schonen. Wenn er damit aber auch bei Herrn Hufner durchgekommen wäre, duldete das Binderhof nicht, denn Leute, die nur sehr wenig und das Wenige ungern angreisen, können die sehen, daß andere müßig stehen, wenn sie selber wirklich einnal mit anfassen. Selbst der Justizrat war von der allgemeinen Aufregung in pfern angesteckt, daß er auch zu arbeiten beschloß, aber allein, ind er begann deshalb, sich um keinen Claim kümmernd, ganz uhig in einem der ersten besten der schon abgesteckten und nummerierten Plätze ein Loch zu graben. Etwa eine Stunde später kam der Eigentümer des Platzes dazu und wies ihn fort; der Justizrat war aber eben im Begriff gewesen auch schon ohne das zu gehen, denn die Erde schien ihm da zu hart und er keineswegs gesonnen, sich so anzustrengen. Er nahm also seine sehr kleine uns leichte Spitzhacke, Schaufel und Blechpfanne und stieg aufs Geratewohl den nächsten Hügel hinauf, fast ebenso viel in der Absicht, sich die Gegend ein wenig zu betrachten, wie Gold zu finden, als ihm ein alter Bekannter, der Komet, gerade in den Weg lief Im ersten Augenblick, als er seinen Gläubiger von gestern abend erkannte, schien der Aktuar noch zu hoffen, nicht gesehen zu sein, denn der Justizrat hatte seine Eigenheit, sich beim Gehen immer die Wipfel der Bäume zu betrachten. Unwillkürlich machte er deshalb erst eine Bewegung, wenn irgend möglich hinter einen benachbarten Busch zu gelangen und den Landmann ungehindert vorüber zu lassen. Dessen„Morgen, Herr Aktuar“ belehrte ihn aber rasch eines besseren, er sah sich jetzt nur wie erstaunt nach ihm um und rief:„Ach, wahrhaftig, Herr Justizrat. Mit dem Handwerkszeug auf der Schulter habe ich Sie im ersten Augenblick gar nicht erkannt. Wollen Sie heute einmal Ihr Glück versuchen?“ „Hm, ja, verdammt harter Boden. Gestern gut nach Haus gekommen?“ „Wer?— ich— ja; ich danke Ihnen. Aber lieber Justizrat, ich habe gestern noch rechtes Unglück gehabt.“ „Sie?— wieso?— gespielt?— Warum spielen Sie?“ „Ich gespielt? Nein, wahrhaftig nicht,“ sagte der Aktuar, „ich kenne gar keine Karten. Aber Sie erinnern sich doch, daß ich Ihnen sagte, ich hätte meinen Geldbeutel im Zelte vergessen?“ „Ja— und—“ „Nun denken Sie sich, wie ich nach Hause komme und ihn zu mir nehmen will, ist er fort.“ „Wer? Der Geldbeutel?" „Rein verschwunden, jedenfalls von einem nichtsnutzigen stohlen, und ich h diebischen Halunken gestohlen, und ich hatte nahe an zweihundert Dollar Wert Gold darin; mein ganzer Verdienst des letzten Monats, und mit wie saurem Schweiß verdient.“ „Habe ich mir gedacht,“ sagte der Justizrat. „Gedacht? Das konnte kein Mensch denken, denn mir ist noch gar kein Fall bekannt geworden, daß hier in Kalifornien aus einem Zelt etwas gestohlen worden wäre." „Und meine acht Dollar?“ sagte der Justizrat, der unter der Kampf mit den Mitgliedern des Schutzverbandes für das rheinisch=westfälische Holzgewerbe bevor. Zur Aussperrung der Maurer Emdens. Ueber den Grund der Aussperrung der Maurer wird jetzt weiteres bekannt. Der Verein der Emdener Baugewerksmeister hat den Arbeitern gegenüber immer den Herrenstandpunkt hervorgekehrt, und alles, was zur Knebelung der Arbeiter beitragen kann und ausgeführt war von anderen, ahmten die„Herren“ getreulich nach. Bei den Tarifverhandlungen, die im vorigen Jahre im Baugewerbe stattfanden, sträubten sich die Emdener Scharfmacher aufs äußerste, den geringen Zuschlag von 2 Pfg. zu bezahlen, und erst durch den Berliner Schiedsspruch mußten sie dazu gezwungen werden. Ihr Haß gegen die Organisation war daher groß, und so nahmen sie denn die Gelegenheit wahr, als sie einen neuen Arbeitsnachweis errichtet hatten, sieben bis zehn verheiratete Maurer auszuhungern, sie immer wieder fortzuschicken, obgleich Arbeit genug vorhanden war. Der Sekretär des Nachweises war fortgesetzt bemüht, von auswärts Maurer herbeizuholen. Ein von der Organisation unternommener Versuch, durch Anrufung einer Schlichtungskommission eine Aussprache herbeizuführen, wurde von den„Herren im Hause“ brüsk abgelehnt. Weil also den Bauarbeitern der Arbeitsnachweis aufgezwungen werden sollte und sie sich das nicht gefallen ließen, wurden sie ausgesperrt, trotz des Tarifvertrages, der abgeschlossen wurde, damit während seiner Dauer Kämpfe vermieden würden. Zuzug nach Emden ist fernzuhalten, damit den Emdener Unternehmern die Aussperrungslust ausgetrieben werden kann. Die Bauarbeiter Delmenhorsts sind in den Streik eingetreten, wodurch 127 Bauarbeiter in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Forderungen der Maurer und Bauarbeiter wurden gemeinsam eingereicht; die letzteren wollten aber erst noch eine Sitzung, die die Unternehmer zugesagt hatten, abwarten. Die Sitzung fand am 7. August statt. Da die Unternehmer nur mit den Maurern unterhandeln wollten, mußten die Verhandlungen abgebrochen werden. Von der Generalaussperrung der Berliner Schlosser sind bis Mittwoch mittag etwa 400 betroffen worden. Die Geldschrankschlosser und die Bauschlosser hielten am Dienstag Versammlungen ab, in denen sie energisch dagegen protestierten, daß Vorfälle, mit denen sie nichts zu tun haben, wie die Schlägerei am Gesundbrunnen, gegen ihre Sache ausgebeutet werden. Interessant ist folgende Notiz, die am Sonntag in der „Mariendorfer Zeitung“ veröffentlicht wurde. „Wie wir erfahren, werden die in der Kunstschlosserei von Bechler u. Paasche zu Mariendorf beschäftigten Gesellen sich dem allgemeinen Streik anschließen. Der Mindestlohn soll auf 49½ Pfg. erhöht werden. Nun, zu sehr wird die Firma nicht unter dem Streik leiden, da nicht weniger als 28 Lehrlinge dort in Arbeit stehen, eine Zahl, die mit der Anzahl der Gehilfen in keinen Zusammenhang zu bringen ist. Die Firma Bechler u. Paasche wird recht erschrocken sein über die freundschaftliche Notiz der„Mariendorfer Zeitung", die, ungewollt, einen Blick in die Lehrlingszüchterei tun läßt. An eine Einigung ist noch nicht zu denken, daher ist der Zuzug von Schlossern fernzuhalten. Die Einigungsverhandlungen im Kampfe der Kieler städtischen Arbeiter sind gescheitert. Der Grund hierfür liegt lediglich darin, daß der Magistrat daran festhält, die Anerkennung der durch das Dienstalter erworbenen Rechte vorläufig zu versagen und diese Rechte erst am 1. April 1910, und zwar nur bei einwandfreier Führung der Wiedereinzustellenden von neuem zuzugestehen. Das bedeutet für die alten städtischen Arbeiter die Zurückversetzung in die niedrigste Lohnklasse und somit eine Lohnkürzung von 20 bis 70 Pfg. pro Tag, sowie die Preisgabe ihrer Anrechte auf Zahlung des Lohnausfalles bei Krankheiten, bei militärischen Uebungen, bei Gewährung von Sommerurlaub, Ruhegeld, Hinterbliebenenversicherung usw. Stecken mit in dem Beutel, versicherte der Aktuar.„Aber das schadet nichts; seien Sie da ganz außer Sorgen. Kalifornien ist glücklicherweise ein Land, wo man zweihundert Dollar fast ebenso schnell wiedergewinnen wie verlieren kann, und von dem nächsten Golde, das ich finde, zahle ich Sie ehrlich bei Heller und Pfennig aus. Ich habe einen ganz vortrefflichen Platz in Angriff genommen, einen der besten Olaims in der neuentdeckten Flat, wo ich in einem Stück meinen ganzen Verlust ersetzt bekommen kann.“ „Schön, will ich mir wünschen, Morgen!“ sagte der Justizrat und verfolgte langsam seinen Weg. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. dem„gedacht“ etwas ganz anderes verstanden hatte Wie man kernloses Obst züchtet. Wir lesen in der„Frankfurter Zeitung": Unter den jetzt auf den Markt kommenden ersten Aepfeln und Birnen findet man bisweilen Früchte, welche keine Samen haben. Aeußerlich sind diese Früchte kaum von samenhaltigen verschieden. Gewöhnlich achtet man auf die Erscheinung nicht besonders, sondern man freut sich höchstens, daß der Genuß der Früchte nicht durch die Kerne beeinträchtigt wird. Die kernlosen Früchte haben nun ein hohes wissenschaftliches Interesse, weil sie eine Fruchtbildung ohne Befruchtung darstellen. Als zum erstenmal auf diese Erscheinung hingewiesen und zugleich ein Mittel angegeben wurde, solches kernloses Obst zu erzielen, begegnete man der Mitteilung mit einig gen Zweifeln, um so mehr, als die Zusammensetzung des Mittels, das zur Erzielung der Früchte dienen sollte, geheim gehalten und das Mittel mit ziemlich starker Reklame in den Handel gebracht wurde. Rätselhaft blieb immer noch die Bildung kernloser Früchte ohne Zutun des Menschen. Eine soeben in dem Bulletin des Petersburger Bureaus für angewandte Botanik veröffentlichte Arbeit von Doktorowicz=Hrebnitzky bringt nun eine beachtenswerte Aufklärung. Glücklicherweise ist der in russischer Sprache abgefaßten Arbeit ein ausführliches deutsches Referat beigegeben, dem wir nach der„Vossischen Zeitung“ folgendes entnehmen: Bekanntlich ist ein arger Feind des Obstbaues der Apfelblütenstecher, Anthonomus pomorum, der in junge Blütenknospen im ersten Frühjahr seine Eier legt. Die bald ausschlüpfende Larve zerstört noch vor dem Oeffnen der Blume die Staubblätter und Griffel und verpuppt sich dann in der Knospe, die geschlossen bleibt. Gute Obstzüchter sind darauf bedacht, diese Knospen, die an den gebräunten Blumenblättern leicht kenntlich sind, zu entfernen, um den Schädling Die Differenzen in der Waisenhausdruckerei in Halle sind in einer Gewerbeschiedsgerichtssitzung beigelegt. Die Hauptforderung: Wiedereinstellung des Vorsitzenden, wurde fallen gelassen. Einschränkung der Ueberstunden ist zugesichert; für Ueberstunden wird künftig ein Zuschlag nach Tarif bezahlt. Der zurückbehaltene Lohn wird ausbezahlt und die Schadenersatzklage von 1000 Mk. ist zurückgezogen. Die pekunjären Forderungen sind bewilligt. Damit endete die viertägige Aussperrung der 25 Hilfsarbeiter und=Arbeiterinnen. Die Arbeit ist geschlossen aufgenommen. Streikbrecher haben sich nicht gefunden. vollständig in das Ermes Schnausr „nausbesserungen Loh Zumutungen sind aber und unannehmbar. Di der eventuellen späteren Ofenheizer des Gaswerk heben diese Bestrafung beiter bei weitem nicht a Lohnzahlungen für die A rung, Streikarbeit zu v der gute Wille, den Kon herzustellen. Die Stre daher im Kampfe und ho alles tun wird, um die strats zu brechen. 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Nebraska tätig war, „Christian Science" beka sehener Rechtsanwalt in Es war im Juli 1892, w Nebraska, als Herr Clar ihn erst im November au auf, wo er unter dem Na funden hatte und als Kn seine Identität hatte er aber an alles wieder, als Suchen endlich hier gefu nach Wisconsin, wo er al fand. Nachdem er hier si er am 14. vergangenen A daß Clarkson in einem störung den bereits frühe hatte, sand sich vollauf stehende feingebildete Me John Paul auf die Wand sein Weg wieder in diese seinerzeit aufgesucht hatte. men mit der Bitte vorges und als Entgelt seine Arb Tagen hatte er dann in Arbeiter gefunden. Durc macht, erkannte ihn hier nachrichtigung nach Kenof Ort und Stelle eintrafe wohnen in Kenosha" begi gefundenen.„Ja. Ich ich mich, ich bin Richter Antwort, dessen finster v seines Freundes sofort Diese sonst ohne weiteres gewährten Vergünstigungen sollen vollständig in das Ermessen des Magistrats gestellt werden. Das Hauptgewicht wird von den Arbeitern darauf gelegt, daß anstatt ohnaufbesserungen Lohnreduktionen erfolgen sollen; derartige Zumutungen sind aber für die Arbeiter aufs höchste verletzend und unannehmbar. Die gemachten Zugeständnisse hinsichtlich der eventuellen späteren Einführung des Achtstundentages für Ofenheizer des Gaswerkes und der wöchentlichen Lohnzahlung heben diese Bestrafung der vom Magistrat ausgesperrten Arbeiter bei weitem nicht auf. In die Praxis umgesetzt, sind diese Lohnzahlungen für die Ausgesperrten eine Buße, für die Weigerung, Streikarbeit zu verrichten. Beim Magistrat fehlt eben der gute Wille, den Konflikt beizulegen und den Frieden wieder herzustellen. Die Streikenden und Ausgesperrten verharren daher im Kampfe und hoffen, daß auch die übrige Arbeiterschaft alles tun wird, um diesen Machtprotzenstandpunkt des Magistrats zu brechen. Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe und Havel. Die Unternehmer versuchen mit aller Mitteln, die Einigkeit der Schiffsmannschaften zu sprengen. Nachdem sie durch brutale Entlassungen nichts erreicht haben, versuchen sie die Mannschaften durch Vorspiegelung falscher Tatsachen zu Unterschriften zu verleiten, durch welche dieselben erklären, unter Ausschluß der Organisation die Lohn= und Arbeitsverhältnisse zu regeln. Da dies Manöver aber auch mißlang und die Mannschaften sich weigerten, wurde ihnen erklärt, dies geschehe im Einverständnis mit den Organisationen. Die beiden in Betracht kommenden Verbände, der Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie der Hafenarbeiterverband haben sofort nach Bekanntwerden dieses Manövers in beiden Stromgebieten Vorkehrungen getroffen, durch die dieses unlautere Gebaren der Unternehmer erfolglos bleiben wird. Die Newosität der Unternehmer wird immer größer, durch Dampfer und Barkassen lassen sie die Fahrzeuge in den Umschlagsplätzen bewachen, um den Funktionären der Organisationen die Arbeit zu erschweren. Die Mannschaften sehen dem Verlauf der Bewegung mit Ruhe entgegen. Die Unterschriften, durch die die Bezirksleiter bevollmächtigt werden, das Arbeitsverhältnis, wenn erforderlich, zu lösen, sind bereits zu Tausenden eingelaufen.— Die Einigkeit der Unternehmer ist erst mit großen Konventionalstrafen zusammengekittet worden. Der Streik in der Norddeutschen Bürstenindustrie, Stettin, ist nach achttägiger Dauer zugunsten der Arbeiter beendet. Der Inhaber, der vorher jedes Zugeständnis ablehnte und sogar die Absicht hatte, Lohnkürzungen vorzunehmen, ist nun durch die Einigkeit der Arbeiter gezwungen worden, ganz bedeutende Verbesserungen zu gewähren. Zum letzten Postbeamtenstreik. Paris 12. August. Bautenminister Millerand hat einen Teil der entlassenen Postbeamten wieder eingestellt. Diese Maßregel, welche, wie es heißt, nur einen Anfang bedeutet, betrifft 48 Beamte, 11 Damen, 9 Unterbeamte und 12 Arbeiter. Die Wiedereinstellung zählt vom 16. August ab. Weitere Einstellungen erfolgen am 1. und 15. September. Millerand erklärte in einem Interview über die Wiedereinstellung der gemaßregelten Postbeamten, daß die Wiedereinstellung der betreffenden Beamten nur erfolge auf Grund eines Gutachtens ihres früheren Vorgesetzten, und zwar entsprechend den vorhandenen Krediten und den noch offenen Stellen. Es würden vor allem diejenigen früheren Beamten berücksichtigt werden, welche an der Streikbewegung keinen direkten Anteil hatten, ferner solche, die eine größere Familie besitzen oder Eltern zu unterstützen hätten. Aus der (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) * Herford, 12. August. Holzarbeiter! Wie der Vorsitzende des Arbeitgeber=Schutzverbandes Verträge hält, zeigt sich besonders bei der Firma Kopka, deren Inhaber eben beagter Vorsitzender ist. Als voriges Jahr laut Vertrag die Verkurzung der Arbeitszeit eintreten mußte, da bedurfte es erst eines sanften Druckes, um dies zur Durchführung zu bringen. Besonders aber kommt es jetzt zum Ausdruck, daß es die Herren mit dem Vertrage nicht ernst nehmen. Zum 1. Juli sollte laut Vertrag eine Aufbesserung der schlechten Akkordsätze stattfinden. Zuerst wurden die hierzu nötigen Verhandlungen ziemlich lange zu vernichten. Doktorowicz hat nun Aepfelbäumen im Frühjahre alle normalen Fruchtanlagen genommen und nur die vom Aepelblütenstecher befallenen Knospen stehen lassen, welche eine Anschwellung des Fruchtknotens zeigten. Das Ergebnis war, daß er von drei Achteln der stehengebliebenen Knospen samenlose, aber im übrigen normal entwickelte Früchte erhielt, die um 15 Prozent leichter waren als normale Früchte eines Kontrollbaumes. Da sich die Staubbeutel erst öffnen, nachdem sich die Knospe geöffnet hat, und die Narben auch erst dann befruchtbar sind, so müssen sich die„Früchte“ ohne Befruchtung gebildet haben. Das verlorene Gedächtnis. Ein merkwürdiger Fall von temporärer Störung des Erinnerungsvermögens, das in seinen Einzelheiten eine Haufung von psychologischen Rätseln darstellt, wird neuerdings aus Amerika berichtet. Es handelt sich um einen gewissen Josef R. Clarkson, der früher als Richter in Nebraska tätig war, später als eifriger Wortführer der „Christian Science" bekannt geworden ist und jetzt als angesehener Rechtsanwalt in Kenosha im Staate Wisconsin lebt. Es war im Juli 1892, während seiner richterlichen Tätigkeit in Nebraska, als Herr Clarkson plötzlich verschwand. Man fand ihn erst im November auf einer Farm im Staate Jowa wieder auf, wo er unter dem Namen Doolittle als Arbeiter Dienst gefunhen hatte und als Knecht tätig war. Seinen Namen und seine Identität hatte er vollständig vergessen, er erinnerte sich aber an alles wieder, als seine Bekannten, die ihn nach langem Suchen endlich hier gefunden, mit ihm sprachen. Er ging dann nach Wisconsin, wo er als Rechtsanwalt eine lohnende Praxis fand. Nachdem er hier siebzehn Jahre ruhig gelebt, verschwand er am 14. vergangenen Monats aufs neue, und die Annahme, daß Clarkson in einem wiederholten Anfall von Gedächtnisstörung den bereits früher verfolgten Weg wieder eingeschlagen hatte, sand sich vollauf bestätigt. Der in mittleren Jahren stehende feingebildete Mann war diesmal unter dem Namen John Paul auf die Wanderschaft gegangen, und zwar hatte ihn sein Weg wieder in dieselbe Gegend von Jowa geführt, die er seinerzeit aufgesucht hatte. Er hatte hier bei verschiedenen Farmen mit der Bitte vorgesprochen, ihm etwas zu essen zu geben und als Entgelt seine Arbeitskraft zu verwenden. Nach einigen Tagen hatte er dann in einer Knopffabrik Beschäftigung als Arbeiter gefunden. Durch die Zeitungsnotizen aufmerksam gemacht, erkannte ihn hier ein Mann, auf dessen briefliche Benachrichtigung nach Kenosha Clarksons Freunde unverzüglich an Ort und Stelle eintrafen.„Sie sind Richter Clarkson und wohnen in Kenosha" begrüßte einer der Freunde den Wiedergefundenen.„Ja. Ich bin Richter Clarkson. Jetzt erinnere ich mich, ich bin Richter Clarkson,“ gab der Angeredete zur Antwort, dessen finster vergrämte Miene sich bei der Anrede seines Freundes sofort aufhellte und der aus einem bangen hinausgeschoben. Als dann der Vorstand des Deutschen Holzarbeiter=Verbandes darauf drang, daß der Vertrag innegehalten wurde, erklärte besonders der Vorsitzende, Herr Kopka, daß in seiner Fabrik keine schlechten Akkordsätze vorhanden seien. Dabei wurde aber von unseren Kollegen ausdrücklich festgestellt, daß Akkordsätze vorhanden sind, wobei die Kollegen, die sonst einen Durchschnittsverdienst von 46 Pfg. die Stunde erzielten, nur 28 Pfg. verdienen konnten. Ebenfalls bei Einführung von neuen Mustern wird den Arbeitern zugemutet, weit billiger zu arbeiten, wielsonst. Besonders hervorragend betätigt sich darin der Obermeister Stahl. Wenn dann ein Kollege mit dem ihm zugemuteten Lohn nicht zufrieden ist, dann heißt es gleich, mehr gibt's nicht, wemn's nicht paßt, der fliegt hinaus. Wenn es schon der Vorsitzende ist, der den Vertrag so auslegt, daß keine Verbesserungen nötig seien, was soll man dann von den Mitgliedern erwarten. Auch versteht es die Firma vorzüglich, die bestehenden Akkordsätze zu reduzieren. So wurde den Maschinenarbeitern vor längerer Zeit bei der Lohnzahlung der Lohn um 5 Prozent gekürzt, ohne die betreffenden Arbeiter davon in Kenntnis zu setzen. Es ist daher höchste Zeit, daß unsere Kollegen ernsthaft daran gehen, derartigen Uebergriffen zu begegnen. * Niederbecksen, 12. August.„Erklärung! Der erste Bevollmächtigte der hiesigen Zahlstelle des sozialdemokratischen Tabakarbeiterverbandes, Herr Carl Kleinschmidt, verbreitet hier das Gerücht, ich hätte in der letzten Generalversammlung der Ortskrankenkasse für Zigarrenarbeiter gegen die Bewilligung des Falles Kordes gestimmt; und wäre bei der Abstimmung derartig in die Höhe gesprungen, daß es den Anschein, gehabt hätte, als wenn ich hätte über den Tisch springen wollen. Hierauf erkläre ich, in der erwähnten Abstimmung war nur eine ganz kleine Anzahl für die Bewilligung und zu dieser gehörte auch ich. Herr Karl Kleinschmidt stimmte mit der Majorität gegen die Bewilligung. Diese gab durch Erheben von ihren Sitzen die Erklärung ab, während die Minorität sitzen blieb. Ich kam infolgedessen also gar nicht in die Versuchung, während der Sitzung über den Tisch zu springen. Hiermit fordere ich nun Herrn Karl Kleinschmidt auf, seine unwahre Behauptung zurückzunehmen. Geschieht das nicht, dann kann ich ihm den Vorwurf der böswilligen Verleumdung nicht ersparen. Niederbecksen, 2. Juli 1909. Wilhelm Wehmeyer.“ Auf diese Erklärung, welche der christliche Verbändler W. Wehmeyer in 154 des„Ravensberger" losgelassen hat, erkläre ich, daß dieser selbst das Gerücht verbreitet hat, die Sozialdemokraten hätten den Antrag Cordes abgelehnt. W. Wehmeyer hat mich auch persönlich angegriffen. Es ist aber gerade das Gegenteil behauptet; denn die Christen haben mit aller Macht dagegen gestimmt. Ein Christlicher sagte sogar: Die Leute wüßten ganz gut, daß das Geld aus einem großen Sack käme, sonst ware bei jeder Entbindung kein Arzt nötig. Ich mag nun wohl geäußert haben, Wehmeyer hätte auch gegen den Antrag gestimmt; aber W. wollte ja auch den Antragsteller mit unterstützen, daß er das Geld bekäme. Auch davon ist mir nichts bewußt, daß Wehmeyer davon gesprochen hat. Ich kann auch nicht behaupten, ob Wehmeyer dafür oder dagegen gestimmt hat. Was den sozialdemokratischen Tabakarbeiterverband anbelangt, ist es ja alter Brauch, daß jedes dritte Wort Sozialdemokrat ist, was die Brüder in Christo sagen. Uebrigens freue ich mich, in dem Deutschen Tabakarbeiter=Verband tätig sein zu können, niemals würde W. Wehmeyer es fertigbringen, mich zu einem Lügenverbande zu bekehren. Carl Kleinschmidt. * Bünde=Feldmark, 12. August. ArbeitergesangVerein„Eintracht". Den passiven Mitgliedern und denen, die in der letzten Gesangstunde gefehlt haben, diene zur Nachricht, daß der Weg nach Herford zum Gaufest am Sonntag, 15. August, zu Fuß gemacht wird. Abmarsch morgens punkt ½9 Uhr vom Vereinslokal. Bei ungünstigem Wetter ¼ Stunde früher, um den Zug 9.04 Uhr nach Herford benutzen zu können. * Hamm, 13. August. Das auf der Höhe von Hövel belegene Massengrab der Zeche Radbod nimmt immer größere Ausdehnung an. bis jetzt umfaßt es 68 Grabhügel. Traum zu erwachen schien. Er ließ sich dann die ihm zustehenden 2 Dollar Lohn auszahlen, und bestand darauf, das in der Fabrik benutzte Handwerkszeug bei seinem Fortgange mitzunehmen. Daß die beiden in Ausdrucksform und Begleiterscheinung analogen Fälle der Gedächtnisstörung durch einen so weiten zeitlichen Zwischenraum getrennt sind, gibt im Verein mit dem auffälligen Umstand, daß beide im Monat Juli auftraten, dem vorliegenden psychologischen Problem noch ein besonders merkwürdiges Gepräge. Der fürstliche Schmuggler. In Petersburg wird folgende unangenehme Geschichte aus der„vornehmen Gesellschaft“ viel besprochen: Der Beamte des Ministeriums des Auswartigen, Fürst Golinischtschew=Kutusow, brachte auf Bitten der Fürstin Beloselski=Beloserski, einer bekannten Modedame, ihr von einer Reise, die er in diplomatischen Geschäften nach Paris machte, zehn seidene Kleider, zehn Tailormadekostüme und vier Hüte von riesigen Dimensionen in einem Koffer mit, der mit fünf großen staatlichen Siegeln versehen war, zum Zeichen, daß sich staatliche Papiere in dem Gepäckstück befinden und dies keiner Zolldurchsuchung unterworfen werden darf. In Wirrballen erweckte der große Koffer, der angeblich geheime Staats“ papiere enthalten sollte, den Verdacht des Chefs des Zollamts. weil er trotz seines Umfanges ziemlich leichten Gewichts war. Daraufhin wurde von dem Fürsten Golinischtschew die Beischaffung einer Inhaltsbescheinigung seitens der Pariser russischen Botschaft gefordert. Der Fürst weigerte sich dessen unter dem Vorwand, daß ein solches Ansinnen kränkend für ihn sei. Da das Gepäckstück mit den angeblichen Geheimpapieren dem Fürsten trotzdem nicht ausgeliefert wurde, blieb ihm nichts weiter übrig, als es nach Petersburg schaffen zu lassen, wo er dem Ministerium des Auswärtigen eine sogenannte Kurierliste der russischen Botschaft in Paris sowie ein Gesuch unterbreitete, das Gepäckstück ohne Besichtigung herauszugeben. Da auch dieses nicht half, weil sich in der Liste verschiedene Radierungen vorfanden, erschien ein Diener der Fürstin Beloselskt im Zollamt, um nach berühmten Mustern die Herausgabe des Koffers durch Bestechung zu erwirken. Leider hatte sich der getreue Mann geirrt, denn er fand kein Gehör, wie man es doch sonst bei russischen Intendantur= und Zollbeamten zu finden gewohnt ist. Der Chef des Zollamts ließ den Fürsten Golinischtschew herbeirufen und fragte ihn noch einmal auf Ehrenwort, ob sich Staatspapiere in dem Koffer befänden. Darauf ließ er ihn in seiner Gegenwart öffnen. Dem hochgestellten galanten Schmuggler soll beim Anblick der seltsamen Geheimpapiere doch etwas unbehaglich zumute geworden sein, namentlich als er aufgefordert wurde, 400 Rubel Zoll und 2000 Rubel Strafe zu zahlen. Selbst beim Schmuggeln hat die russische Diplomatie wieder einmal öffentlich ihre Unfähigkeit bewiesen! Vorige Woche wurden wieder vier unkenntliche Leichen beigesetzt. Nach Meldungen bürgerlicher Zeitungen dürften binnen 4 Wochen die Aufräumungsarbeiten auf der zweiten Sohle der Zeche Radbod beendet sein. Dann sollen die Verbindungen zwischen der zweiten und der dritten Sohle wiederhergestellt und mit der Sümpfung der dritten Sohle, die noch über 250 Leichen in sich birgt, begonnen werden. Die Belegschaft ist bereits wieder auf rund 500 gestiegen. * Porta, 11. August. Ueber die Bevormundung der Arbeiter durch die Direktion der Glasfabrik gehen uns wieder Klagen zu. Um bei den ungenügenden Löhnen und den teuren Lebensmittelpreisen das Haushaltbudget im Gleichgewicht zu halten, hatten sich mehrere Glasarbeiter von einer auswärtigen Firma Margarine schicken lassen. Die Direktion nimmt nun nicht daran Anstoß, daß die Arbeiter überhaupt Margarine konsumieren, sondern daß die Arbeiter die Margarine nicht von der Konsumanstalt der Glasfabrik bezogen haben. Was würde der Herr Direktor Borchard aber wohl sagen, wenn ihm der Vorwurf gemacht würde, daß er seinen ganzen Bedarf nicht aus der Konsumanstalt bezieht, obgleich doch von ihm nicht finanzielle Gründe ins Feld geführt werden können?— Wie lange noch wollen sich die Glasarbeiter von Porta diese Bevormundung durch die Direktion gefallen lassen? Jnoustrie, Handel und Ki Das preußische Mittelstandsherz. Die Mittelstandsfreundlichkeit der preußischen Regierung erstrahlt in hellster Beleuchtung. Der„Reichsanzeiger“ vom 10. August bringt in dem für Preußen reservierten Teil folgende„Auslassung“: „Es ist neuerdings vielfach darüber geklagt worden, daß bei dem Wettbewerb um die Ausführung von elektrischen Lichtund Kraftanlagen und von Hausanschlüssen sowie um die Lieferung von Motoren und sonstigen Stromverbrauchsgegenständen seitens der Gemeinden oder sonstiger öffentlicher Verbände die mittleren und kleineren Betriebe häufig ausgeschaltet und die Arbeiten und Lieferungen ausschließlich einigen wenigen Großfirmen übertragen würden. Da eine einseitige Begünstigung der großen Betriebe im Interesse der Erhaltung eines leistungsfähigen Stammes von mittleren und kleinen Unternehmern sehr zu bedauern wäre, kann es nur als erwünscht bezeichnet werden, wenn seitens der Gemeinden und anderer öffentlichen Verbände bei Vergebung elektrischer Anlagen auch die kleineren Firmen soweit als möglich berücksichtigt werden.“ Harmlose Gemüter erblicken in dem guten Ratschlag an Gemeinden und andere öffentlichen Verbände, bei dem Wettbewerb um die Ausführung von elektrischen Licht= und Kraftanlagen und von Hausanschlüssen auch mittlere und kleinere Betriebe zu berücksichtigen, eine Kundgebung der preußischen Verwaltung gegen das Elektro-Kartell, die lange geheim gehaltene Verbindung der Allgemeinen Elektrizitäts=Gesellschaft, der Siemens& Halske=Gesellschaften und der Felten und Guilleaume Lahmeyer Werke. Eindruck wird diese vermeintliche Kundgebung am allerwenigsten bei den Elektro=Kartellfirmen hervorrufen, denn diese wissen zu gut, welche aufrichtigen Sympathien der preußische Fiskus ihnen entgegenbringt. Ruhig hat der Fiskus als Besteller die mit den brutalsten Mitteln unternommene Vergewaltigung der kleineren und mittleren Elektrizitätsbetriebe durch die Elektrizitäts=Konzerne mit angesehen, nachdem eine durch Geheimverträge organisierte Unterbietung der Konkurrenz und Vorspiegelung freien Wettbewerbs der Kartellfirmen jede ernste außersyndikatliche Konkurrenz fast gänzlich ausgeschaltet hat, erscheint er mit salbungsvollen Phrasen„gegen eine einseitige Begünstigung der großen Betriebe“ auf dem Plan. Die Heuchelei, die in einem solchen Tun zum Ausdruck kommt, ist für die preußische Mittelstandsretterei durchaus typisch. Dieselbe Verwaltung, die sich im Namen der Mittelstandsrettung zu Warenhausgesetzen, Innungstand, konsumvereinsfeindlichen Bestimmungen aller Art eifrig und willig hergibt, weil sie weiß, daß dadurch dem Großkapital kein Abbruch geschieht, aber die beschränktesten Innungskrauter an die Fahne der Regierung gefesselt werden, hat in allen Fällen, wo es wirklich galt, den Ausschreitungen des kartellierten Großkapitals entgegenzutreten, und wo sie auch wirklich die Möglichkeit dazu besaß, völlig versagt. Die Geschichte des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats und des Stahlwerksverbandes, die Verbindungen des Fiskus mit vielen anderen großen Syndikaten und sonstigen großkapitalistischen Organisationen liefern den erdrückenden Beweis, daß Preußen im Gegenteil planmäßig bemüht war und ist, die Monopolherrschaft des Großkapitals zu unterstützen und zu befestigen. Preußen hatte es durch seine umfangreichen Staatsbetriebe sowohl als Produzent wie als Konsument in der Hand, das Wuchertreiben mancher monopolbesitzender Kartelle wirksam zu unterbinden, die Tatsachen aber haben gelehrt, daß es seinen Einfluß dazu benutzt hat, verschiedenen Kartellen erst eine Monopolstellung zu verschaffen. Die neueste„elektrische“ Kundgebung ist darauf berechnet, den über die zügellose Wirtschaft des Kartellkapitals erschreckten Mittelstandskreisen Sand in die Augen zu streuen. Rothschild in Petersburg. Petersburg, 12. August. Der Chef des Londoner Bankhauses Rothschild weilte incognito zwei Tage in Petersburg. Das Haus Rothschild interessiert sich lebhaft für die industrielle und bergbauliche Entwicklung der russischen Besitzungen in Mittelasien. Der Zweck des Besuches in Petersburg war, nähere Erkundigungen über die von der Regierung zu vergebenden Konzessionen in diesen Teilen des asiatischen Rußlands einzuziehen. Von der Luftschiffahr: Köln, 12. August. Nach Mitteilung unterrichteter Kreise wird tatsächlich im Laufe der nächsten zwei Monate ein Austausch des Luftschiffes„Z. 2“ mit„Z. 1“ in Metz erfolgen. „Z.1“ wird spätestens bis Anfang Oktober von Metz nach Köln übergeführt und seinen Flug über die Aachener Gegend und die Eifel nehmen. Bis dahin hofft man auch, daß die Ballons „Parseval“ und„Groß“ in Köln untergebracht sein werden. Frankfurt a. M., 12. August. Der Parseval=Ballon erlitt heute abend gegen 7 Uhr bei einem Fluge über die Stadt einen schweren Unfall. Der Ballon, der anscheinend einen Defek“ erlitten hatte, versuchte in der Nähe der Feuerwache in der Frankenallee niederzugehen. Er warf das Ankerseil, dieses riß jedoch. Dadurch geriet der Ballon zwischen die Häuser und erlitt schwere Beschädigungen. Die in der Gondel befindlichen Personen, darunter auch mehrere Damen, schrien um Hilfe. Es gelang zum Glück den herbeigeeilten Feuerwehrleuten und Passanten, die Passagiere des Ballons in Sicherheit zu bringen. Der Ballon wurde bereits geborgen. Frankfurt a. M., 12. August. Zu dem Unfall des Parseval=Ballons ist noch zu melden: Der Ballon, der eine Fahrt nach Homburg unternehmen wollte, ging anscheinend infolge starken Gasverlustes sehr niedrig und war nicht mehr hoch zu bringen. Der Ballon riß auf der Feuerwehrstation der Blitzableiter und die Fahnenstange herab. Die Gondel lande## auf dem Trottoir, während der hintere Teil mit der Schraus. an dem Dache der Station hängen blieb und dadurch sehr schwei beschädigt wurde. Die 12 Passagiere, darunter 3 Damen, konnten ungehindert die Gondel verlassen. Paris 12. Augst. Der Lustschiffer Poulhan legte die 17 Kilometer betragende Strecke zwischen Malo und Braygestern abend in 18 Minuten 33 Sekunden zurück. Feuersbrünste München, 12. August. In dem Orte Wackerstein brach in der Neckermannschen Wirtschaft ein Brand aus. Als diese gelöscht war, begaben sich sechs Feuerwehrleute trotz der Warnung des Kommandanten in das Haus, um Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Plötzlich stürzte die Giebelmauer ein und begrub alle sechs Feuerwehrleute. Zwei wurden sofort getöter, die anderen vier erlitten so schwere Verletzungen, daß auch si. kaum mit dem Leben davonkommen dürften. Rottweiler(Bez. Trier), 12. August. Gestern nach. mittag entstand auf dem eine halbe Stunde von hier entfernten Wetschhauser Hofe ein großes Schadenfeuer. Das Wohnhaus, die Stallungen und die neuerbaute Scheune des Peter Aron sind abgebrannt. Das Vieh konnte gerettet werden. Es liegt anscheinend Brandstiftung vor. Eine Magd wurde verhaftet. Frankfurt a. M., 12. August. Aus Kirn an der Nahe wird gemeldet: In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch braa, in der Uebergasse plötzlich Feuer aus; das Vorder- und Hinterhaus des Pferdehändlers Gerson stand in Flammen. Der Feuerwehr gelang es, den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der Schaden ist sehr bedeutend. Zwei Geschäfte sind vollständig ausgebrannt. Bei den Rettungsarbeiten ereignete sich ein schweres Unglück. Beim Einsturz eines Kamins wurden drei Personen von den Schuttmassen getroffen; einer war sofort tot, während ein anderer schwer, einer leichter verletzt wurde. Marseille, 12. August. Eine Feuersbrunst zerstörte drei Hotels und das Geschäftsviertel in Monticello. Personen wurden nicht verletzt. Der Reichstag bei Zeppelin. Der Graf Zeppelin hat erneut den Reichstag zur Besichtigung seiner Werft und seines Luftschiffes eingeladen. Am 4. September soll die Besichtigung bei folgendem Programm vor sich gehen: Sonnabend, 4. September, vormittags 11 Uhr: Treffpunkt: Dampfboothafen Friedrichshafen. Die in Konstanz wohnenden Abgeordneten werden Fahrgelegenheit von Konstanz nach Friedrichshafen haben.— Dampfbootfahrt zum Luftschiffaufstieg nach Manzell. Aufnahme von Fahrgästen. Einige Luftfahrgäste werden bestimmt, 60 andere werden ausgelost und kommen gruppenweise zur Auffahrt. Jede Gruppe der Fahrgäste wird gebeten, sich jeweils bei einem Herrn zu sammeln, welcher einen Stab mit der auf dem Los angegebenen Gruppennummer hält.— Begleitung des Luftschiffes gegen Lindau—Bregenz; Imbiß an Bord. Wechsel der Fahrgäste auf dem See bei Lindau. Rückfahrt nach Friedrichshafen, Gang zum Werftplatz. Zweiter Wechsel der Fahrgäste. Besichtigung der Werftanlagen, Biertrunk. Dritter Wechsel der Fahrgäste. Fahrt des Dampfbootes nach Manzell; Einrücken des Luftschiffes in die Halle. Fahrt aach Konstanz. Schiffsunglück. Berlin, 12. August. Auf der Fahrt von Potsdam nach Nedlitz wurde gestern nachmittag 3 Uhr 5 Minuten an der Glienicker Brücke der von 50 Fahrgästen besetzte Sterndampfer„Treptow“ in der Wasserlinie auf der Steuerbordseite von dem Hamburger Schleppdampfer„Neptun“ angerannt. Der großen Besonnenheit von Mannschaften und Publikum konnte der Dampfer nach dem nahen Landungsplatze befördert werden, wo er, nachdem auch der letzte Passagier sich in Sicherheit befand, unterging. Die amtliche Untersuchung hat ergeben, daß der„Neptun" entgegen der strengen Vorschrift rückwärts durch die Brücke gefahren ist und dadurch dort das Unglück veranlaßt hat. Russische Brutalität. Breslau, 12. August. Ein Opfer unerhörter russischer Bestialität und Willkür ist ein Warschauer Deutsch= Russe geworden, der vorgestern hier eintraf. Er erzählte, daß seine Tochter, eine junge Gymnasiastin, von dem General Uthof, einem Gehilfen des Generalgouverneurs von Warschau, verschleppt und geschändet worden ist. Als er eine Geldentschädigung des Offiziers ablehnte, habe dieser ihn fälschlicherweise beschuldigt und erreicht, daß seine Verschickung nach Sibirien angeordnet wurde. Nur einem Zufall will der Deutsch=Russe sein Entkommen zu verdanken haben. Verschiebung des Manövers in Sachsen. Dresden, 12. August. Der König erließ gestern eine aufsehenerregende Verfügung, indem er wegen der durch das schlechte Wetter verspäteten Ernte die Uebungen der auf dem Uebungsplatz Zeithain zusammengezogenen Kavalleriedivision abbrechen ließ, um die Feldfrüchte zu schonen. Sämtliche Kavallerieregimenter sind in ihre Kasernen zurückgekehrt. Typhuserkrankungen. Dresden, 12. Aug. Die Typhuserkrankungen von Kriegerfahrtteilnehmern, über die wir berichteten, haben bereits acht Opfer gefordert. Von 200 sächsischen Kriegern, die an der Fahrt nach den Schlachtfeldern bei Metz teilgenommen hatten, sind vierzig erkrankt. Vom Blitz erschlagen. Fulda, 12. August. Bei einem schweren Gewitter wurde die 13 jährige Tochter des Landwirts und Kaufmanns n 1 Christian Wehner in Oberbinbach, die mit noch mehreren Personen je l auf dem Felde beschäftigt war, vom Blitz erschlagen. Während sich se die übrigen Personen rasch in einen Kornhaufen flüchteten, blieb das „ Mädchen auf freiem Felde stehen und hatte die Sichel in der Hand behalten. Mädchenhandel. Frankfurt a. M., 12. August. Wie die Blätter aus Offenbach melden, wurde auf Veranlassung der Stutt, garter Polizeibehörde in Offenbach die 72 jährige Frau Trianowski, S 1 aus Rußland stammend, verhaftet. Sie hatte ihr 6 jähriges Enkelkind bei sich, das sie an einen Mädchenhändler in London verkaufen wollte. Der Mädchenhändler, der vor einiger Zeit seine eigene Frau nach Buenos=Aires verkaufte, wurde in London ebenfalls verhaftet. h Vom eigenen Sohn getötet. Trier, 12. August. Der Steinr1 hauer Lohder wurde von seinem Sohn im Verlauf eines Streites = durch einen Tritt auf den Unterleib getötet. Der Sohn wurde „ verhaftet. d I Zugzusammenstoß. Stuttgart, 12. August. Der von Par.3 kommende Schnellzug ist heute früh 3 Uhr im Stuttgarter Haupt** bahnhof auf einem im Geleise stehenden Postzug aufgefahren. Der *] Postzug wurde völlig zertrümmert und aus dem Geleise geschleudert. Die im Wagen befindlichen Beamten konnten sich im letzten Augen*I blicke noch durch Abspringen retten. Die Schnellzugsmaschine wurde n stark beschädigt. Die Geleise mußten gesperrt werden. Der Schnell, zug ist dann mit großer Verspätung auf Umwegen nach München n1 weitergeleitet worden. st“. Von einem Bienenschwarm überfallen. Landsberg a. W., 12. August. In Muschten bei Schwiebus wurde der e] Bauerngutsbesitzer Klemke mit seinem Gespann von einem h 1 Bienenschwarm überfallen und totgestochen. Mehrere andere =] Personen wurden bedenklich verletzt. r] Versuchter Mord und Selbstmord. Bamberg, 12. August * Heute vormittag versuchte der 42jährige Fabrikarbeiter Jäger aus *] Gaustadt seine 15 jährige Stieftochter Margarete Mathes zu töten. "! Er warf das Mädchen von der etwa 6 Meter hohen Markusbrücke aus in die Regnitz und sprang dann selbst nach. Fischersleuten gelang es, beide mit dem Tode Ringenden zu retten, doch ist ihr Zustand sehr bedenklich. Jäger gab zu, daß er seine Stieftochter habe umbringen wollen, weil sie ihn verlassen habe, dann habe er sich selbst umbringen wollen. Explosion einer Petroleumkanne. Rathenow 12. August. Durch die Explosion einer Petroleumkanne sind gestern in dem Dorfe Wernau bei Havelberg die Ehefrau des Fleischermeisters. August Botzin und deren 12jährige Tochter verbrannt. Das Kind ist an den erlittenen Verletzungen gestorben, während die Frau in hoffnungslosem Zustande daniederliegt. Ein ungetreuer Justizrat. Bartenstein 12. August. Großes Aufsehen erregt hier die Verhaftung des stellvertretenden Stadtverordnetenvorstehers und Hauptmanns der Reserve, Justizrats v. Schimmelpfennig wegen Verdachts, bedeutende Summen unterschlagen zu haben. Seine Verhaftung erfolgte auf dem Postamte, als er seine Postsachen abholen wollte. Nachdem man ihm einen Revolver, eine größere Summe Geldes und einen Auslandspaß abgenommen hatte, wurde er in das Untersuchungsgefängnis gebracht. Bartenstein(Ostpr.), 12. August. Zur Verhaftung des Justizrats v. Schimmelpfennig werden noch folgende Einzelheiten milgeteilt: Im Laufe des Vormittags wurden die Bureaus des Justizrats, die vorläufig geschlossen sind, durch den Untersuchungsrichter einer eingehenden Durchsuchung unterzogen. Man vermutet, daß es sich um Unterschlagungen von mehreren hunderttausend Mark handelt, die in Verbindung mit der Jansonschen Güterverwaltung auf Schloß Gerdauen gebracht werden. Mädchenhändlerin verhaftet. Myslowitz, 12. Aug. Die hiesige Kriminalpolizei verhaftete eine russische Mädchenhändlerin, die einen umfangreichen Handel nach Barcelona und Buenos Aires betrieb und befreite eine russische Pfarrerstochter, die sie eben verschleppen wollte, aus ihren Händen. Vor vier Wochen hatte sie eine 16 jährige Warschauer Kausmannstochter entführt. Ein großer Diebstahl. Bern, 12. August. Im Sawoy=Hotel in St. Moritz im Engadin wurden einer russischen Fürstin Schmucksachen im Werte von 200000 Franks gestohlen. Der Täter ist spurlos entkommen. Politischer Mord. London, 12. August. Wie aus Indien berichtet wird, wurde in Queta ein Mann ermordet, welcher bei den Militärbehörden beschäftigt war. Es scheint sich um einen politischen Mord zu handeln. Meteorsteine niedergegangen. Lorient, 12. August. Gelegentlich des vorgestrigen Gewitters sind an verschiedenen Punkten Meteorsteine niedergegangen. Frankfurt a. M., 13. August. Zu dem gestrigen schweren Unfall des„Parseval 2“ wird noch gemeldet: Die Gondel mußte wegen der Schwere auf der Unfallstelle bleiben und wurde später wegtransportiert, während die Ballonhülle nach dem Landungsplatz gebracht wurde. Major Parjeval wurde sofort von dem Unfall benachrichtigt und eilte sofort auf den Landungsplatz. Er war sichtlich ergriffen. Eine ungeheure Menschenmenge bewegte sich an der Landungsstelle vor der Hülle des„Parseval“ auf und nieder. Wie es heißt, soll, als der Ballon über der Frankenallee schwebte, die Höhensteuer versagt haben. Es wird mehrere Wochen dauern, ehe der Ballon wieder flugbereit ist. London, 13. August. Bei dem gestrigen Unfall in Tilshead, bei dem ein Motorwagen in eine Kolonne des Feldartillerieregiments lief, wurden 10 Personen, darunter 2 tödlich, 2 schwer und die übrigen mehr oder minder schwer verletzt. Der Motorwagen soll einer großen Zeitung gehören. Wien, 13. August. Der persische Gesandte in Wien hält die Gerüchte von der wahrscheinlichen Abdankung des jungen Schahs für begründet. Schah Achmed Mirza spielt den ganzen Tag mit Bleisoldaten. Er ist sich der politischen Tragweite der augenblicklichen Vorgänge nicht bewußt. Die Vertreter auswärtiger Firmen erhielten jetzt Barzahlungen, was jahrelang schon nicht mehr der Fall gewesen war. Das ist ein Zeichen, daß es mit den Finanzen Persiens jetzt besser steht als früher. Auch werden Persien von allen Seiten Anleihen unter günstigen Bedingungen angeboten. Tanger, 13. August. Nach Briefen, die gestern aus dem Riffgebiet hier über Land eingetroffen sind, haben die Riffleute bei Melilla etwa 300 Spanier gefangen. Die Gefangenen werden trotz der augenblicklichen großen Erbitterung gegen die Spanier sehr gut behandelt. Teheran, 13. August. Das nationalistische Komitee ernannte ein Direktorium, das die sämtlichen Regierungsgeschäfte übernehmen soll. Aus Ispahan treffen beunruhigende Nachrichten ein. Briefkasten der Redaktion. Nach Schötmar. Zur Aufnahme nicht geeignet. Freitag. Arb.=Gesangverein„Waldeslust 8 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Männer=Gesangverein„Freie Stunde“ 9 Uhr bei Sewing, Burgerweg 93. Gesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei Kleinert. „Teutonia I“ 9 Uhr bei Kahl, Herforderstraße 137. Zitherklub„Alpenrose". Rickes, Nebelswall. Guttemplerorden. Loge Bielefeld. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstr. 51. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Fritz Beckmann, Kl. Howe. Kegelklub zu den drei Linden 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Bielefelder Kraftsportvereinigung 9 Uhr im„Berliner Hof". Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5, 9 Uhr bei Apenbrink. Radfahrerverein„Tourist“ Sitzung bei Helms, Jöllenbeckerstr. Radfahrerverein„Transvaal“ 9 Uhr bei Wirt Höner zu Eißen. Radfahrerklub„Flora“ 9 Uhr bei Wöhler, Heeperstraße. Sudbrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“, Zöglingsriege, 8½ Uhr bei Fohrmann. Orackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schri er. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft“=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Brocker Männerchor 8 Uhr bei Karl Schröder. Theesen. Arbeiter=Gesangverein„Horstheide“ 8½ Uhr bei Wilhelm Meier=Ditrich. Schildesche. Radfahrerklub„Einigkeit“ 8½ Uhr im Hellingskrug. Schildesche. Arb.=Turnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Arbeitergesangverein„Schildesche“ 8½ Uhr bei Höner, Bielefelderstraße. Schildesche. Kegelklub„Fortuna“ 8½ bei Siekmann, Herforderstraße 8. Dornberg.„Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Brake Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr. Enger: Turnverein„Eintracht“ 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Radfahrerverein„Freie Radler“ 9 Uhr im Restaurant„Zur Traube“, A. Seeger. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wir. Mester. Schweicheln. Arbeitergesangverein„Frohsinn“ 8½ Uhr bei Wirt Generotzky. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Oetinghausen. Arbeiter=Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr beim Wirt Düsdicker. Spenge. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmann. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“. 8½ Uhr bei Röbke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. Rheda. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr bei August Kipp. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. Detmold. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr in der„Central= halle“. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lippischer Hof. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaumburger Hof. Stadthagen. Arbeitergesangverein„Edelweiß“ 7—9 Uhr. 1 Paket Nachdruck verboten. 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Lohnknechtschaft Während auf wirtschaftlich beiterschaft hier erkannt ha schluß in den fr Besserung ihrer Lohn= ur ist, bleiben leider noch vi Kampfe um gesetzliche R eer n solange nicht die Arbeite auf politischem Geb wird sie auch schmachten mi der gegenwärtigen Gesellse zahl, die nichtarbeite der Adel, de Gerstil ten, die Gesetzgebungsma und arbeiten läßt. Undd doch nur zu wollen un werden. Woran liegt das, wer t so ist? Viel Schuld habe noch nicht alle wollen. Machthaber des Staates,! und Unfreiheit halten. Un daß dem Arbeiter die die Macht und der Gen Schule gelehrt wird, das a Volk als das Richtige. Nikeit, der Adel und die„Ol was ihnen frommt, und 1 Weil die Schule ihre Einr was die Machthaber für gi ben? Soll das dem Kin tastbares Evangelium betre Ssh er uee mal nein! Die moderne Arbeiter! Ringen erkannt, daß es nich „ sollte es deshalb so bleiben Die Menschen sind welchen sie leben. Jedes T Fort mit Eine Aufforderung Steuerfragen sind Mac jenigen, welche dazu gezwun mit dem Gerede von der E wisser Steuern vom Leibe,e nach der Berechtigung von S mit nein, die Arbeiter stets eben vom Unternehmerstand darf und die Arbeiter jeder müssen. Denn so wie das ist es auch in jedem besonder erst der Ausgang muß entse recht. Genau so ist's mit jenigen, die sie zahlen müsser die Berechtigung der Steue dagegen ihre Nichtberechtig nutzt gar nichts, und ebenson der Nachweis der Ungerecht Zweck der Aufklärung der n Wert. Räsonniert wird ja nun lichen Steuerraubzug auf d neuen Steuern. Das hört schenden Klassen gern, denn seele Luft, sie gibt's der Reg trum tüchtig. Dann aber, neuen Steuern. So war's b so werden? ." Wenn es nach dem libere In seinen Kreisen glaubt zu haben, womit man recht und die Pfaffen aufreißt u weiß man, daß man damit ke auch die Absicht des deutsche nicht mehr. Es hat die Jur dem Bewußtsein, daß es un der andrängenden Arbeiterse die Junker mit ihren etwas etwas unbequem kostspielig Ausgabeposten in sein Budg die zu große Unverschämtheil