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Nachelle Nr. 52.(4265“ Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Iulestichchtere für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westsalen und die lippischen Kurstenlumer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Inseraten=Annahm bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" K. Gerisch& Co., Nieleselkd. 5 Nr. 185. Bielefeld, Mittwoch, 11. August 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Schweden im Generalstreik. Stockholm, 10. August. „ Von heute(Dienstag) an ist Schweden ohne Zeitungen. Die haben bis auf wenige Ausnahmen im ganzen Lande die Arbeit eingestellt. Die Streikleitung resp. die Landeszentrale der Gewerkschaften hatten sich jedoch vor dem Streikbeschluß der Buchdrucker vorbehalten, für die Dauer des Streiks ein eigenes Blatt zur Orientierung der Streikenden herauszugeben. Dieses Blatt,„Die Antwort“ betitelt, ist am heutigen Dienstag in einer Auflage von 150000 Exemplaren erschienen. Der gestrigen Regierungsproklamation bezl. des Generalstreiks ist heute eine neue Verordnung der Regierung gefolgt, die zur Genüge zeigt, zu welcher Seite die angeblich„über den Pe teien stehende“ Lindmannsche Regierung neigt. Die neue Verordnung suspendiert die alte betr. die Auszeichnung der Automobile. Dadurch, daß die Automobile nicht mehr numeriert bezw. besonders bezeichnet zu werden brauchen, soll dem Streikbruch Vorschub geleistet werden, indem eine Kontrolle durch die Streikenden unmöglich gemacht werden soll.— Auch die Stockholmer Polizei ist in ähnlicher Weise vorgegangen, indem sie die Fuhrwerksbesitzer verpflichtet, in größtmöglichster Ausdehnung den Fuhrwerksbetrieb aufzunehmen, widrigenfalls ihnen die Konzession entzogen werden soll. Die Lindmannsche Regierung ist damit endgiltig auf die Seite der Unternehmer abgeschwenkt. Für den, der die Verhältnisse kannte, konnte darüber von vornherein kein Zweifel bestehen, obgleich sich die gestrige Regierungsproklamation immer noch den Anschein zu geben versuchte, dem Kampfe unparteiisch gegenüberzustehen. In der Regierungsproklamation wird ja vor dem Bruch abgeschlossener Vertrage gewarnt; das kann zwar so gedeutet werden, als ob sie an die Adresse der Eisenbahner und Buchdrucker gerichtet sei, aber man kann es auch so verstehen, als sollte damit den Unternehmern der Vorwurf gemacht werden, daß sie trotz geliender Tarifverträge die Aussperrung auf die verschiedensten Industriegruppen ausgedehnt haben. Denn die Arbeiter der Textilindustrie, der Eisenhütten, der Holzschleifereien usw. hatten nicht das mindeste mit den Differenzen zwischen den Zellulosearbeitern, den Arbeitern des Schneidergewerbes und deren Unternehmern zu tun. Trotzdem wurden sie am 26. Juli auf die Straße gesetzt. Aber nach der heutigen Verordnung der Regierung ist ja kein Zweifel darüber mehr vorhanden, daß sie die Machenschaften des Unternehmertums ziemlich gleichmütig aufnimmt, während sie in der Verteidigungsaktion der Arbeiterschaft gewissermaßen eine„Auflehnung erblickt. Die Ruhe ist auch am heutigen Dienstag nirgends gestört worden. Einige Straßenbahnwagen der inneren Stadt fahren auch heute mit Hilfe der Straßenbahnkontrolleure und einiger freiwilliger Bürger. Die Arbeiter haben sich aber dadurch nicht provozieren lassen. Das Datum, an dem auch die Landarbeiter sich dem Ausstande anzuschließen gedenken, ist nunmehr publiziert. Am kommenden Montag werden die Landarbeiter, soweit die Macht der jungen Organisation reicht, die Arbeit einstellen. Da augenblicklich Erntezeit ist, wird diese Aktion der Landarbeiter von schwerwiegenden Folgen sein. Die Gerüchte, wonach die Eisenbahner die Absicht haben, schon Mittwoch den Kampf aufzunehmen, verdienen keinen Glauben. Die Eisenbahner beabsichtigen im Gegenteil nicht, ohne von der Streikleitung dazu aufgefordert zu sein, die Arbeit einzustellen. Dagegen haben die Post= und Telegraphenarbeiter in Stockholm den Beschluß gefaßt, den Verbandsvorstand aufzufordern, eine Streikproklamation zu erlassen. der Beleuchtungsarbeiter in Stockholm dürfte dazu führen, daß die Hauptstadt des Landes in wenigen Tagen ohne Straßenbeleuchtung ist. „Bezüglich des Buchdruckerstreiks ist zu berichten, daß die Unterneymerorganisationen der Buchdruckereibesitzer gegen die Streikproklamation Protest eingelegt haben; sie erklären, daß auf Grund des Tarifvertrages Arveitseinstellungen nicht zulässig sind, solange der Vertrag gilt, und schieben den Arbeitern die Verantwortung für den Vertragsbruch zu. Indes hat dieser Protest ja nichts zu bedeuten, da außerordentliche Verhältnisse auch außerordentliche Maßnahmen erfordern. Kein vernünftiges Unternehmertum wird eine Taktik einschlagen, wie es das schwedische Unternehmertum zurzeit beliebt, ohne jeglichen Grund die Arbeiter in allen Industrien auf die Straße zu setzen, nur deswegen, weil sich das Unternehmertum in einigen Orten mit den Arbeitern nicht einigen kann. Wo aber die Aussperrung in diesem Umfange erfolgt, wo also die Gesamtheit der gleichgiltig, ob sie irgend einen Einfluß g#t die Entschlüsse der ursprünglich am Kampfe Bereiligten aus#den konnten oder nicht, auf die Straße gesetzt werden sollen bezw. gesetzt sind, da bleibt denn doch schließlich der Arbeiterschaft zichts anderes übrig, als allgemein ihre Solidarität mit den sampfenden zu bekunden. Ob da in dem einen oder anderen Berufe ein Tarifvertrag dabei in die Brüche geht, kann keine Rolle spielen gegenüber der Tatsache, daß das Unternehmertum, #ngeachtet geltender Tarifverträge, 163000 Arbeiter hinauszuschwedische Unternehmertum trägt also Klst die Verantwortung dafür, wenn auch die Arbeiter im Nachbruckgewerbe ihren Tarifvertrag suspendierten. **** Stacholm, 10. August. Gestern abend erschienen hier hrllungen zum letztenmal vor dem Setzerstreik. Es wurden szewaltige Extranummern der führenden Blätter verbreitet, in Esten die Lage eingehend erörtert wird. Von den meisten maschenag während des Setzerstreiks mit Schreibherbeinen und Vervielfältigungsapparaten hergestellte Nummern eroreitet. Die Verteilung aber ist schwer, da die Austrägeebenfalls streiken. Die Setzer der großen Gothenburgen n#z#delstidning" haben noch nicht gestreikt, so daß dieses Blatt erscheint. Die Ringlinie der hiesigen elektrischen aßenbahn kann wieder alle 10 Minuten unter PolizeiNwachung verkehren; sonst ruht aber der ganze StraßenbahnErkehr. 50 englische Streikbrecher sind, wie aus Hull gemeldet viro, mit dem Dampfer„Montebello" nach Gothenburg abgegkängen. Auch in der Provinz hat der Streik der Setzer und Zuchdrucker begonnen, mit Ausnahme von einigen kleineren kemisen In Stockholm hatten sich gestern abend bei den Wagenmm der Straßenbahn große Menschenmengen angesammel“. Muruhen oder Kundgebungen fanden jedoch nicht statt. 66.24 12.65 8.77 12,34 Der Sozialismus in Serbien. Von D. Tutzowitsch. II. Alle diese ehrwürdigen Versuche und Anstrengungen eine unabhängige sozialistische Bewegung ins Leben zu rufen, scheiterten aus einem und demselben Grunde, weil der Sozialismus keinen Rückhalt an der in verschiedene Schichten getrennten Arbeitermasse hatte. Teils bestand keine Lohnarbeiterschaft, teils war sie im Schlepptau der radikalen Partei. Mit der Entwicklung der Parteiverhältnisse kam die Losreißung der Arbeiter aus der Gefangenschaft der bürgerlichen Demokratie, die für unsere Vorläufer eine Sisyphusarbeit gewesen war, ganz von selbst. Die Arbeiter wurden sozusagen abgestoßen und für die Konstituierung als selbständige Klassenpartei politisch ganz frei. Aber die Hauptfrage ist: Wieviel und was für Arbeiter gab es? Nach den statistischen Erhebungen aus dem Jahre 1900 kann man über unsere wirtschaftlichen Verhältnisse ein ziemlich zuverlässiges Bild bekommen. Die Statistik unterscheidet vier Hauptberufsabteilungen: I. Landwirtschaft, II. Gewerbe(Handwerk und Industrie), III. Handel, IV. Oeffentliche Professionen. In der ersten Gruppe gab es 325.675 Unternehmer und 15.814 Arbeiter und Knechte, also 0,05 Arbeiter auf einen Unternehmer. In der zweiten Gruppe waren 39412 Unternehmer und 21779 Arbeiter mit 4015 Knechten(unqualifizierte Arbeiter), also 0,55 Arbeiter auf einen Unternehmer. In der dritten Gruppe waren 34 234 Unternehmer und 7527 Angestellte mit 3447 Knechten, also 0,22 Arbeiter auf einen Unternehmer. In der vierten Gruppe waren 37776 Unternehmer (Selbständige, Beamte, Offiziere, Advokaten usw.) und 22210 Gehilfen(Soldaten eingerechnet) mit 3652 Knechten. Es waren also von je 100 Erwerbstätigen: Auf dem Lande In den Städten Im allgemeinen In Gruppe I 89.05 10,52 „„ II 6,15 28.52 „„ III 2.30 24,57 „„ IV 250„ 36,39 Von diesen Beschäftigungen lebten: Auf dem Lande In den Städten Im allgemeinen In Gruppe I 94,53 21,34 84,23 „„ II 3,22 27,85 6,68 „„ III 1,05 24,94 4,41 „„ IV 1.20. 25.87 4/68 Seit der Vereinigung des Sozialismus mit der Arbeiterklasse datiert die moderne Arbeiterbewegung in Serbien. Im Jahre 1901 wurde die erste reine Arbeitervereinigung, der Belgrader Allgemeine Arbeiterverein, gegründet, und die erste Nummer unseres Organs, die„Arbeiterzeitung“, erschien. Im Jahre 1903, nach dem blutigen Sturze der Reaktion, in der sich unsere junge Kraft bewährte und stärkte, wurden auf dem ersten Arbeiterkongreß in Belgrad am 20. Juli 1903 die Sozialdemokratische Partei und die Generalkommission der Gewerkschaften gegründet. Auf den ersten Blick könnte es erscheinen, daß die moderne Arbeiterbewegung an die vorhergegangene sozialistische Propaganda anknüpft. In Wirklichkeit aber hat die serbische Sozialdemokratie in ihrer Tätigkeit keine ideelle Gemeinschaft mit der Tätigkeit von Swetosar Markowitsch und seiner Nachfolger. Diese „alten“ Sozialisten, die der neuen Bewegung verständnislos gegenüberstanden, blieben abseits oder traten ihr bei, wie alle anderen Anfänger. Sie hatten kein Verständnis für die neuen Formen des Kampfes, für die früher keine Möglichkeit gewesen war, wie zum Beispiel die gewerkschaftliche Tatigkeit und die alltäglichen Bemühungen um Schutz der Arbeiterinteressen bei den alltäglichen Lohnkonflikten. Bei solchen Konflikten mit Arbeitern, die von’„alten“ Sozialisten, welche Kleinmeister waren, beschäftigt wurden, fragten diese naiv:„Warum sind wir dann Genossen?" Mit einem Worte, vom Utopismus Swetosar Markowitsch' und dem Zunftgeist seiner Nachfolger blieb keine Spur in der jungen Bewegung. Für den Schutz der Lohninteressen organisierte die Arbeiterschaft die Gewerkschaftsverbände nach dem Muster der deutschen, die heute 4000 bis 5000 Mitglieder haben. Für die politische Aktion bestehen in den Städten 44 Lokalorganisationen der Partei mit 2000 Mitgliedern, hauptsächlich Arbeitern. Das Parteiorgan erscheint dreimal wöchentlich in 4500 bis 5000 Exemplaren; die Partei hat einen Vertreter in der Skupschtina und 18 Gemeindeabgeordnete; bei den letzten Wahlen eroberte sie 2984 Stimmen, obwohl sie sich nur in den größeren Städten beteiligte. Das ist unsere heutige Stärke. Wir kennen keine Hindernisse, wie es Klerikalismus, Revisionismus, Syndikalismus und Neutralismus und andere solche Ismen sind, mit denen manche Bruderparteien im Ausland so viel zu tun haben. Die Bewegung ist in der Organisation und Idee einheitlich, die Religion hat gar keinen Einfluß auf die Masse und der Bankrott der bürgerlichen Demokratie hat uns auf der Linken ganz allein bleiben lassen. Was uns not tut, das ist mehr Industrie. Die statistischen Erhebungen aus dem Jahre 1906 zeigen, daß die Zahl der beschäftigten Arbeiter in den Bergwerken 3495, in den Mühlen 836, in der Bierbrauerei 330, in anderen Fabriken 2494 beträgt. Weil keine Arbeiterschutzgesetzgebung besteht, sind die Zustände in diesen Fabriken unvergleichlich schlechter als im Ausland, und da von diesen Fabrikbetrieben nur je einer in einem Orte oder je einer im ganzen Lande besteht, so ist der gewerkschaftlichen Organisation sehr schwierig, Eroberungen zu machen. Diese Fabriken sind wirkliche Monopole. Die Bewegung stützt sich hauptsächlich auf die Arbeiter in Handwerksbetrieben, in denen die Zustände noch schlechter sind als in den Fabriken. Weil das Handwerk durch die kapitalistiiche Konkurrenz an der Wurzel angegriffen wird müssen die Meister ihren Daseinskampf führen durch Hungerlöhne, Verlängerung der Arbeitszeit, Kinderausbeutung und das festere Anziehen des Hungerriemens. Das sind jene„kleinen geldbedürftigen Leute, die jeden Groschen aufschnappen müssen, wenn sie nicht der Konkurrenz erliegen sollen,“ wie sie Engels im Vorwort zur Lage der arbeitenden Klasse in England schildert. Wenn es Beschäftigung in den Fabriken gäbe, so würde mancher von diesen „Selbständigen“ seine„Selbständigkeit" zum Teufel jagen. Weil es aber in den Fabriken nicht genug Beschäftigung gibt, so müssen viele Proletarier„auf eigene Hand“ Flickarbeit machen. So verlieren unsere Organisationen manchen ihrer besten Agitatoren. Für uns gilt also buchstäblich, was Marx gesagt hat: „Wir leiden nicht nur von den Lebenden, sondern auch von den Toten.“(„Kapital“, I, VII.] Aber wenn man nicht auch die fremde kapitalistische Konkurrenz betrachtet, kann man unsere wirtschaftliche Misere nicht verstehen. Jene revolutionierende Rolle, die in anderen Ländern dem einheimischen Kapitalismus zugefallen ist, übernahm in Serbien hauptsächlich die ausländische kapitalistische Konkurrenz. Daher geht der Prozeß der Auflösung der alten wirtschaftlichen Formen vorher vor dem Aufsteigen der Industrie. Die Anhäufung von Arbeitskraft durch Expropriation der Kleinbesitzer geht schneller vor sich, als die kapitalistischen Unternehmungen fähig sind, sie zu verwenden. Und weil der Arbeitsmarkt immer überfüllt ist, zieht dies schlimme Folgen für das Leben der Masse und die Möglichkeit eines Kampfes nach sich. Das Proletariat wie die Masse des Volkes leiden weit mehr unter der Last des fremden als des einheimischen Kapitalismus. In dieser Hinsicht ist unser Land einer Kolonie sehr ähnlich. Ueberwiegend ist Serbien bis jetzt eine Domäne für die Konsumtion der ausländischen Fabrikprodukte im Austausch für seine Agrarprodukte. Auf dem Weltmarkt tritt es also mit den Produkten weniger intensiver und weniger produktiver Arbeit auf und bleibt daher immer im Defizit. Anstatt durch Steigerung der Produktivkräfte der nationalen Arbeit das Land aus dieser Lage zu befreien, haben unsere Regierungen das Land der kapitalistischen Exploitation ausgeliefert. Ihre Politik ist verblüffend einfach gewesen: Erstens, Staatsschulden zu machen, um den Militarismus großzuziehen und Budgetdefizite decken zu können: zweitens, das Land auszurauben und nationale Nahrungsmittel auszuführen, um die Zinsen, die jetzt an 27 Millionen Franken jährlich betragen, zahlen zu können. Wenn Serbien sich jetzt müht und quält, um einen Ausweg aus dieser unerträglichen Lage zu finden, stößt es auf allen Seiten auf den planmäßigen Widerstand von Oesterreich=Unund wann wir mehr Luft zum Leben und mehr Möglichkeit, für unsere Sache zu arbeiten, bekommen werden, hängt ab nicht nur von Machtfaktoren, die bei uns liegen, sondern auch von der imperialistischen Politik der kapitalistischen Großmächte, in erster Reihe von Oesterreich=Ungarn. Ueber Serbien wie auch über dem ganzen Balkan liegt ein dunkler, schwarzbewölkter Himmel. Die Zukunft ist äußerst unsicher. Eins ist für uns Sozialdemokraten aber klar wie die Sonne, das ist die Pflicht, alles, was nur möglich ist, zu tun im Sinne des Sozialismus. Uebersicht. Deutsches Steigende Ausgaben für den Militarismus. Im Kriegsministerium beschäftigt man sich zurzeit mit der Frage der Aufbesserung der Offiziere des Beurlaubtenstandes, die nach den geltenden Bestimmungen noch die alten Sätze beziehen. Es besteht die Absicht, die Reserveoffiziere, wenn sie zum Dienst eingezogen sind. im Gehalt mit den aktiven Offizieren gleichzustellen. Die Schwierigkeit liegt nur darin, daß man nicht weiß, woher die Mittel genommen werden sollen, um Deckung für diese Ausgaben zu haben. Viel vernünftiger wäre es unteres Erachtens, wenn das Kriegsministerium sich mit der Frage beschäftigen würde, wie die Mittel beschafft werden können, um endlich den Soldaten die so dringend notwendige Aufbesserung zuteil werden zu lassen. Sozialdemokratie und Erbschaftssteuer. Durch die bürgerliche Presse geht die Nachricht, daß die sozialdemokratische Fraktion in der Frage der Erbschaftssteuer gespalten gewesen sei, und daß die Zustimmung zur Erbschaftssteuer in 2. Lesung nur nach harten Kämpfen ermöglicht wurde. Wir können dazu feststellen, daß diese Meldung nicht wahr ist. Die sozialdemokratischen Vertreter in der Steuerkommission haben dort für die Erbschaftssteuer gestimmt; ihre Haltung wurde von der Fraktion ohne weiteres gebilligt. Daraus ergab sich von selbst, daß die Fraktion in 2. Lesung im Plenum ebenfalls für die Erbschaftssteuer stimmen werde. Ueber die Haltung der Fraktion bei der Abstimmung in 3. Lesung haben höchstens private Unterhaltungen zwischen einzelnen Abgeordneten stattgefunden; ein Beschluß der Fraktion erübrigte sich, weil es bekanntlich zu einer 3. Lesung im Plenum überhaupt nicht gekommen ist. Wo bleiben die pensionierten Offiziere? Die Regierung läßt es sich sehr angelegen sein, für das Fortkommen der mit Pension entlassenen Offiziere zu sorgen. So hat der Minister des Innern einen Runderlaß an die Regierungspräsidenten hinausgegeben, in dem es u. a. heißt: würde zur Förderung des Unterkommens verabschiedeter Offiziere im Zivildienst erwünscht sein, wenn sich die Kommunen, und zwar in erster Linie die größeren Stadtgemeinden, zur Bezeichnung einzelner Stellen verständen, die sie für geeignet zur Besetzung mit verabschiedeten Offizieren halten, und die sie mit solchen zu besetzen im allgemeinen bereit wären. Es würde sich hierbei in keinem Falle um eine Bindung der betreffenden Gemeinden handeln, vielmehr soll auf diese Weise nur der Erfolg angestrebt werden, daß Offiziere mehr als bisher zu Bewerbungen um derartige Stellen ermutigt werden. Ueber die Berücksichtigung der Bewerbungen würden die Gemeindebehörden die freie Entschließung behalten. " Ew. ersuche ich, an die größeren Stadtgemeinden Ihres Bezirks mit einer entsprechenden Anregung heranzutreten und mir über das Ergebnis der Anregung, gegebenenfalls unter Beifügung der von den betreffenden Städten gelieferten Stellenverzeichnisse demnächst Bericht zu erstatten.“ Apotheker und Reichsversicherungsordnung. Der Deutsche Apothekerverein tagt vom 7. bis 9. September in Berlin. Zum Entwurf der Reichsversicherungsordnung wird vom Vorstand ein Antrag eingebracht werden, worin zum Ausdruck gebracht wird, daß der Verein sich mit der Einbeziehung der Angestellten im Apothekenberufe in die Kranken- und Invalidenversicherung sowie mit der Ausdehnung der Unfalloersicherungspilicht auf den Apothekenverrieo einverstanden erklärt. In bezug auf den Schutz der Apothelen gegen Vergewaltigungen durch die Krankenkassen fordert der Verein, daß alle für Krankenkassenmitglieder verordneten Arzneimittel ausschließlich aus Apotheken bezogen werden müssen und daß die Verabfolgung von Arzneien durch Kassenvorstände oder=Angestellte zu untersagen ist. Zur Volksschulreform in Württemberg. Die kürzlich von der 2. Württembergischen Kammer zum Volksschulgesetz gefaßten Beschlüsse haben nunmehr auch die Zustimmung der Volksschulkom mission der 1. Kammer gefunden. Da mit S sicherheit zu erwarten die Beschluse seiner en Kämpfe um dieses Gesetz, das die württembe Stände seit Juni v. J. beschäftigt, nunmehr als abgeschlossen ansehen. Die Entwicklung der württembergischen Volksschule ist damit in eine neue und für sie hoffentlich recht erfolgreiche Phase eingetreten. Die dreihundertjährige Zugehörigkeit der Grafschaften Mark und Ravensberg zu Brandenburg ist nun auch gestern auf der Hohensyburg gefeiert worden. Wilhelm II. war dort. Er hat eine Rede gehalten und Oberbürgermeister Schmieding hat den Stern zum Kronenorden zweiter Klasse erhalten, das ist alles, was Bemerkenswertes dort passiert ist. Wieder ein Abtrünniger. Der sächsische Landtagsabgeordnete Mitglied der konservativen Fraktion, ist Hübner, ein bekanntes Milglier der konserdanten Fratirn, ist aus der konservativen Partei ausgetreten. In einer konservativen Volksversammlung im Erzgebirge erstattete er über seine Tätigkeit im Landtage Bericht und äußerte sich bei der Gelegenheit auch über die Tätigkeit seiner Partei im Reichstage, über die Sprengung des Blocks und die dadurch geschaffenen Parteiverhältnisse. Er bedauerte sehr die Haltung der Konservativen. bei der Erbschaftssteuer. Diese sei die berechtigte Vermögenssteuer; sie werde auch bald wiederkommen und dann angenommen werden. Redner erklärte, daß seine politischen Anschauungen im Gegensatz stünden zu denen der Konservativen und daß es ihm widerstrebe, noch langer unter falscher Flagge zu segeln, weshalb er die Konsequenzen ziehe und aus der konservativen Partei austrete. Steuererhöhungen im Württembergischen Landtage. Der Landtag genehmigte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die Antrage der Regierung auf Erhöhung der Biersteuer, durch die der erhöhte Ausgleichungsbetrag, der an das Reich zu zahlen ist, gedeckt wird. Um diese Wirkung zu erreichen, wurde der Hochstsatz der Steuer über den Betrag der Reichssteuern hinaus auf 22 Mark pro Doppelzentner Malz festgesetzt. Im Anschluß daran wurde die Einkommensteuer für alle Steuerstufen gleichmäßig um 5 Prozent des bisher erhobenen Einheitssatzes erhöht.— Die Forderung der Sozialdemokratie, die Einkommen von 500 bis 3050 Mark von der Erhöhung gänzlich frei zu lassen, bei Einkommen von 3050 bis 10000 Mark eine Erhöhung von 5 Prozent, bei Einkommen von 10000 bis 20000 Mark 7½ Prozent und darüber hinaus 10 Prozent Erhöhung zu beschließen, fand bei keiner anderen Partei Unterstützung, weshalb die Sozialdemokraten gegen die Erhöhung stimmten, die mit allen gegen ihre Stimmen beschlossen wurde. Ferner wurde die Grund=, Gebäude=, Gewerbe- und Kapitalsteuer um 5 Prozent des Einheitssatzes erhöht. Diese Erhöhung wurde einstimmig genehmigt. in Preußen. Kiel, 8. August.(Telegramm.) Die Schiffe des russischen Kaisergeschwaders sind gestern fruh um 6¾ Uhr von Kiel in See gegangen. Eine deutsche Torpedodivision begleitete das Geschwader. Die Bevölkerung von Schleswig=Holstein wird„die Abreise mit einem hörbaren„Uff“ der Erleichterung begleitet und ein Stoßgebet zum Himmel geschickt haben, daß sie vor neuen Zarenbesuchen in Zukunft bewahrt bleibe. Denn die Scherereien, denen sie während der„Zarentage“ ausgesetzt war, mußten auch dem ruhigsten Bürger die Galle ins Blut treiben. Ueber die Vorgänge anläßlich des Zarenbesuchs in Hemmelmark, dem Gute des Prinzen Heinrich, sowie über die Bewachung und Absperrung des Kaiser-Wilhelm=Kanals haben wir schon gelegentlich der Fahrt nach Frankreich und England berichtet. Auf der Rückreise am Sonnabend war es genau so. So berichten die Kieler„Neuesten Nachrichten“ über die Hinfahrtz „Aus privaten kaufmännischen Bureaus am Kanal mußte (mußte es?) das Personal sich entfernen, um seine Schemel und Schreibtische Geheimpolizisten einzuräumen. Ganze Bataillone von Militar waren in der Kakiuniform hinter den Büschen postiert, um ungesehen vom Zaren schutzend über ihn zu wachen. Schritt für Schritt wurde der„Standart“ von patrouillierenden Trupps auf der Kanalfahrt weiter signalisiert, und kein Schiff durfte sich von Brunsbüttel bis Holtenau blicken lassen, während sich das Ereignis der Zarenfahrt vollzog. # An anderer Stelle: „Die Sicherheitsmaßregeln waren übrigens staunenerregend. Alle Organe, die dafür zu sorgen hatten, daß der Zar mit heiler Haut von dannen kam, müssen erleichtert aufatmen. Der Welt ht fischen. Da wundern". Auf dem Felde zwischen Borby und Hemmelmark herrschte unfreiwillige Sonntagsruhe. Jeder friedliche Bürger — und es gibt sicherlich keine Bombenwerfer unter unseren biederen Holsten an der Waterkant— mußte sich legitimieren, wenn er über den Straßendamm ging. Der„Vorwärts" berichtet noch folgende Einzelheiten: „Während des Zarenbesuches wurde die Jacht„Standart“ bewacht von dem russischen Kreuzer„Admiral Makarow“ und zwei russischen Torpedobooten sowie von dem deutschen Kreuzer „Undine und vier Torpedobooten, die sich im Kreise um die Zarenjacht verankert hatten. Abwechselnd patrouillierten Torpedoboote und Pinassen um den„Standart“ herum. Alle Prioat= und Fischerboote wurden zurückgewiesen, und als die Fischer auf dem deutschen Kreuzer um die Erlaubnis baten, ihre Netze einziehen zu durfen, wurde ihnen eröffnet, daß die Netze schon gezogen waren; sie befanden sich an Bord des deutschen Schiffes und zwar gänzlich durcheinander gewühlt, so daß sie einstweilen unbrauchvar waren. Wo immer ein Netz sich zeigte, war es fortgenommen. Jedenfalls hat man angenommen, es könnten im Wasser statt Netze verankerte Minen vorhanden sein. Lächerlich so etwas! Wer aber bezahlt nun den Fischern den Verlust an Netzen, Fang und Zeit?.. „In Borby, das als Badeort auf Fremdenverkehr angewiesen ist, wurde den Vermietern aufgegeben, drei Tage lang keine Fremden zu beherbergen. Natürlich verließen die Badegäste den Ort. Aber mit der einfachen Versicherung, es seien keine einem einem Bauern den Backofen nachgesehen und die Viehst ihrem Besuch nicht verschont. Fischer, die ihre Netze zum Trocknen aufhängen wollten, wurden vom Strande fortgejagt. Ueberhaupt waren die Fischer die Hauptleidtragenden; sie durften die Förde nicht befahren; ihre Netze waren ruiniert; an den Strand konnten sie nicht kommen, und sobald sie Badegäste im Logis hatten, mußten sie diesen kündigen. Wer kommt für diesen Schaden auf? Die Stimmung für den Selbstherrscher ist selbst unter den harmlosesten Spießbürgern eine derartige, daß man das bekannte platte deutsche Wort anwenden könnte: „Wie sent leewer sin Hacken als sin Teen.“ Eine derartige Behandlung von deutschen Bürgern um der Attentatsangst eines fremden Potentaten willen ist empörend. Mit welchem Recht nimmt man deutschen Steuerzahlern tagelang die Gelegenheit zur Arbeit und zum Verdienst? Die einSchutzmaßregeln tragen. Aus der Arbeit gerissen. Wie die Arbeiterlegitimationskarten, deren Einführung selbst in Berlin wohnhaft, stand seit 2½ Jahren bei Borsig in Tegel in Arbeit. Im Juni verlangte die Berliner Polizei von ihm, er solle sich eine Legitimationskarte heschaffen, senst, müsse er ausgewiesen werden. Er stellte darauf bei dem Tigen# umts. vorsteher den Antrag auf Ausstellung solcher Karte. Näch ekwa einem Monat teilte ihm die Tegeler Behörde mit, er könne keine Legitimationskarte erhalten, da er Pole sei. Er legte dar, daß er Oesterreicher, und zwar Ruthene ist, und reichte seine Geburtsurkunde ein. Die Tegeler Behörde lehnte trotzdem die Erteilung einer Legitimationskarte ab und verlangte von der Firma Borsig, den Arbeiter zu entlassen. Die Firma glaubte, diesem Verlangen nachkommen zu müssen. Dem Arbeiter wurde vom Konsul, an den er sich hilfesuchend wendete, geraten, sich an die Feldarbeiterzentrale zu wenden. Die Feldarbeiterzentrale stellte ihm auch am 6. August gegen Zahlung von 5,15 Mark eine gelbe Legitimationskarte aus. Die Tegeler Behörde blieb dabei, er durfe bei Borsig nicht in Arbeit treten, in der Provinz Brandenburg dürften Polen und Ruthenen in industriellen Betrieben nicht beschäftigt werden, Feldarbeit aber können sie machen. Die Firma vedauerte, den tüchtigen Arbeiter infolge des polizeilichen Verbots nicht wieder aufnehmen zu können. Selbstverständlich hat der österreichische Arbeiter der ein geprüfter Maschinist ist, keine Veranlassung, Feldarbeit anzunehmen. Das polizeiliche Verbot, daß Polen oder Ruthenen in industriellen Betrieben beschäftigt werden, verstößt klar gegen den mit Oesterreich geschlossenen Staatspertrag, Indessen, was das Idoal der t Oesterreich geschlossenen Staatspertrag. Indessen,## tut's? Kontrattbruch. Arbeitern gegenuber ist ja das Juial der Agrarier.„Unerhört ist es, daß der Arbeiter gar noch dafür, daß er behördlich aus der Arbeit gebracht ist, dem privaten Vermittelungsinstitut 5,15 Mark zu zahlen hatte. Werden endlich die österreichisch=ungarische und italienische Regierung mit dem Verlangen ernst machen, daß das Haager Schiedsgericht eine Entscheidung dahin trifft, daß der in deutschen Partikularstaaten, insbesondere in Preußen, eingeführte Legitimationskartenzwang aufs krafseste das Völkerrecht und die Staatsverträge verletzt? Das Zeutrum und die Arbeiter. Am Österdienstag hat, wie unseren Lesern bekannt ist, in Köln eine geheime Konferenz hervorragender Zentrumsführer stattgefunden, deren Protokoll aber zum Teil doch bekannt wurde und jetzt ganz veröffentlicht wird. Der„Vorwärts“ gibt eine Zusammenstellung interessanter Sätze aus den auf dem Kongreß gehaltenen Reden. So sagte beispielsweise der Landtagsabgeordnete Dr. Bitter in bezug auf die christlichen Gewerkschaften: Die gewaltsame prinzipielle Ausschließung aller die tiefere Lebensauffassungen berührenden Gedanken von der Arbeiterbewegung und ihren gewerkschaftlichen Organisationen ist ein bedenklicher Schaden Die Früchte zeigen sich bereits jetzt an den Arbeitersekretären, die zu anmaßenden und selbstsüchtigen Vertretern einer einseitigen Interessenpolitik heranwachsend, eine Gefahr zu werden drohen für den Zusammenhalt der Partei. Professor Dr. Müller=Köln meinte: Der Modernismus hat in Deutschland seine Quelle. Die Protestantisierung der katholischen Kirche ist seine innerste Idee. Das ist auch die vielleicht unbewußte Tendenz der Bachemschen Bewegung.(Dr. Julius Bachem ist der Hauptbesitzer der„Köln. Volksztg.“) Ferner: Wir müssen den Episkopat im Rücken haben, sonst sind wir verloren. Der Jesuitenpater Frick erklärte: Der Begriff„interkonfessionell“ ist ein logischer Unsinn. Professor Dr. Kaufmann außerte: Wenn wir die Kapläne haben, ist es gut. Die Kapläne bekommen wir aber erst, wenn wir die Bischöfe haben... Wie stellt sich der Episkopat? Wenn nur eine Handvoll mutiger Leute eintritt, dann ist die Aktion ohne Aussicht. Nicht die Tausende kirchlich Gesinnter, die aber unentschlassen sind, genügen, sondern vor allem ist wichtig der Episkopat. Landtagsabgeordneter Dr. Bitter: Das katholische Volk steht hinter uns. Die Parlamentarier d uns in großer Zahl nicht abgeneigt, sondern nur zu viele isetreter. Wir haven unter unseren Abgeordneten zu viel mandatssüchtige Streber und zu wenig Charaktere, aber mancher gute Kerl ist darunter. Wenn die Zügel straff angezogen werden, folgen sie gern, haben aber nicht den Mut, aus sich herauszugehen. Kaplan Schopen sagte in bezug auf den katholischen Volksverein: Der innerste Gedanke dieser Richtung geht darauf hin, das öffentliche Leben des katholischen Deutschlands zu befreien vom Einfluß des Episkopats und der Orthodoxie und das katholische Volk mit den Protestanten zu einem großen christlichsozialen Block auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der geistigen Betätigung zusammenzuschweißen. Es wird, wie man sieht, im Zentrum energisch darauf hingearbeitet, den ohnehin in den letzten Jahren enorm gestiegenen Einfluß des hohen Klerus auf die Zentrumsleitung noch mehr zu stärken und die mehr oder weniger demokratischen Elemente, die in den christlichen Gewerkschaften und im Volksverein für das katholische Deutschland einen Unterschlupf gefunden haben, zugunsten der reaktionären Elemente völlig matt zu setzen. sin. Leise Häuslicher Skandal im Im„Bayerischen Vaterland“ veröffentlicht der katholische Pfarrer Münsterer von Pondorf in Niederbayern einen sehr bemerkenswerten Artikel, in dem er das Zentrum u. a. wegen seiner Steuerpolitik heftig angreift. Er schreibt:.„ „Das in wirtschaftlicher Beziehung ohnehin schwache, katholische Volk sagt sich eben immer und immer wieder:„400 Mill. der neuen Steuern muß das werktätige Volk zahlen und nur 100 Millionen trägt der Besitz. Und dabei hat das Zentrum in entscheidender Weise mitgeholfen. Darüber kommt der einfache, cholische Mann im Volke nicht hinweg, offen gestanden: ich auch nicht. Auch die Bauern machen arg harte Köpfe. sehr richtig:„Den Vorsteher unseres kernchristlicher Bauer Auch sagen Der enter, Imker folgendes drollige Bild: Hört's ma auf mit all' dö Zuschuß und was sonst da Staat für'n Bauern tut. Der macht's akurat wie i' mit meine Imb'm: Vorn hängt er ihnen nei, damit er's hinten wieder rausnehma kann. Dös sieht ma wieder bei dö neuen Steuern.“ Und an anderer Stelle sagt Pfarrer Münsterer: „Die Erbitterung unter den organisierten katholischen Arbeitern gegen das Zentrum ist zurzeit ganz verteufelt intensiv. Nicht bloß in der Pfalz, sondern auch bei uns in Alt=Bayern. So hatten wir hier bald nach Annahme der Finanzreform eine Arbeitervereinsversammlung. Mir gegenüber nehmen sich meine Leute kein Blatt vor den Mund, das beruht nämlich auf freundschaftlicher Gegenseitigkeit. Donnerwetter, was ich da über„dö Zentrums—— im Reichstage“ schimpfen hörte, war nicht schlecht. Ich konnte, offen gestanden, weiter nichts darauf sagen, als:„Leut'l, wenn es sich nur net um andere Geschicht'n handeln tät, als bloß um dö Konsumsteuern, nachher saget i' ja selber: „Hau'n wirs alle mitananda zum Teufel!"„Ja,'s sell' scho',“ brummten sie dann erbittert und gaben mir auch wieder recht.“ Der Zentrumspresse sind diese Auslassungen begreiflicherweise sehr peinlich. Sie wird vielleicht, wie sie das in solchen Fällen gern tut, erklären, das„Bayerische Vaterland“ sei eben kein wirkliches Zentrumsorgan. Demgegenüber ist aber festzustellen, daß der Zentrumsabgeordnete Dr. Heim Miteigentümer des Blattes ist. Auch Pfarrer Münsterer bekennt sich offen als Zentrumsmann. Unter solchen Umständen werden also alle Abschüttelungsversuche vergeblich sein. Abgeordnete Behrens und die Entschädigung der arbeitslosen Tabakarbeiter. Dem christlich=sozialen Abg. Behrens der in seinem Blättchen„Die Arbeit“ der Sozialdemokratie den Vorwurf macht, sie hätte im Reichstage verhindern wollen, daß die arbeitslos werdenden Tabakarbeiter 4 Millionen mitteln erhalten, ist die Abfertigung, die ihm die soziälbemoließ offer kratische Presse zuten werden liep, osfenbar schwer auf die Nerven gefallen. In der neuesten Nummer seines„weltbedeutenden Organs“ wendet er sich gegen die Auslassungen der sozialdemokratischen Presse und erklart, daß aus den Artikeln eigentlich kein Mensch klug werde. Das mag auf den Herrn Behrens zutreffen; denn ihn klug zu machen, wäre auch dann nicht möglich, wenn die sozialdemokratische Presse mit Engelszungen redete. Die Artikel waren auch gar nicht auf die undankbare Arbeit zugeschnitten, etwa den Herrn Behrens klug zu machen, das ware ein Versuch an einem völlig untauglichen Objelt gewesen, wohl aber hat es sich darum gehandelt, einmal vor aller Oeffentlichkeit die niederträchtige schofle Handlungsweise der ChristlichSozialen zu zeigen. Daß die Hiebe gesessen haben, das zeigt der Umstand, daß der Abg. Behrens ein wahres Jammergeheul ausstößt. Trotzalledem bringt er es aber fertig, den Sachverhalt noch einmal zu verdrehen, indem er behauptet, die Sozialdemokraten wollten verhindern, daß den Tabakarbeitern 4 Millionen Mark zufließen sollen. Angesichts dieser Eisenstirnigkeit, die jedenfalls die hervorstechendste Eigenschaft des Abg. Behrens ist, ist es notwendig, einmal aktenmäßig den Hergang der Sache festzustellen. Unter Nr. 1527 der Drucksachen des Reichstags stellten die Sozialdemokraten am 30 Juni 1909 den Antrag: „Personen, die als Arbeiter oder Arbeiterinnen in der Tabakindustrie gearbeitet haben und innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten des Tabaksteuergesetzes durch Einschränkung der Produktion oder durch Verlegung der Fabriken, oder durch Uebergang vom Handbetrieb zur Fabrikation vermittels Maschinen arbeitslos werden, erhalten Entschädigung und zwar, wenn sie zur Zeit des Eintritts der Arbeitslosigkeit mindestens ein Jahr, aber nicht länger als zwei Jahre, sich als Tabakarbeiter oder Arbeiterinnen ernährt haben, den Betrag eines Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber fünshundert Mark; wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich langer als zwei Jahre, aber weniger als 10 Jahre als Tabakarbeiter oder Tabakarbeiterin ernährt hat, den dreifachen Betrag des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber eintausendfünfhundert Mark; wenn der Arbeiter oder die Arbeiterin sich länger als 10 Jahre als Tabakarbeiter oder=arbeiterin ernährt hat, den fünffachen Betrag des Jahresarbeitsverdienstes, mindestens aber zweitausend und fünfhundert Mark.“ Drei Tage später, unterm 2. Juli 1909, fiel es auch dem Zentrum ein, etwas für die Tabakarbeiter zu tun. Es kam unter Nr. 1540 der folgende Antrag Giesberts: „Aus den Einnahmen auf Grund dieses Gesetzes sind den Landesregierungen je nach dem festgesetzten Bedürfnis entsprechende Betrage zu überweisen; aus welchen denjenigen Hausgewerbetreibenden und Arbeitern, welche innerhalb des ersten Jahres nach Inkrafttreten dieses Gesetzes vorübergehend oder für längere Zeit arbeitslos werden, ohne anderweit eine entsprechende Beschäftigung zu finden, oder welche wegen notwendig gewordenen Berufswechsels geschädigt werden, Unterstützungen gewährt werden. Die näheren Vorschriften über Umfang und Bedingungen der Zuwendungen erläßt der Bundesrat, jedoch Maßgabe, daß die Unterstützung im Falle eingetretener als drei Viertel des entgangenen mit der Arbeitslosigkeit nicht weniger als bteArbeitsverdienstes betragen darf.“ Der Unterschied zwischen den beiden Anträgen springt in die Augen. Während die Sozialdemokraten eine ausgiebige Entschadigung der arbeitslos werdenden Tabakarbeiter verlangten, beschrankt sich der Zentrumsantrag darauf, daß die Unterstützung nur drei Viertel des entgangenen Arbeitsverdienstes betragen soll. Bei der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag abgelehnt, das Zentrum stimmte dagegen. Daraufhin kam der Antrag des Zentrums zur Abstimmung, für den die Sozialdemokraten nunmehr stimmten. In der dritten Lesung unter Nr. 1599 der Drucksachen brachte das Zentrum plötzlich einen Antrag ein, der folgenden Wortlaut hatte: „Die mehr als ein Jahr im Tabakgewerbe beschäftigt gewesenen Hausgewerbetreibenden und Arbeiter, welche nachgewiesenermaßen infolge dieses Gesetzes innerhalb des ersten Jahres nach dessen Inkrafttreten entweder vorübergehend oder für längere Zeit arbeitslos werden, ohne anderweit entsprechende Beschäftigung zu finden, oder wegen notwendig gewordenen Berufswechsels oder wegen Einschrankung des Betriebes geschädigt werden, erhalten Unterstützungen bis zu einem Zeitraum von zwei Jahren. Zu diesem Zwecke werden den Einzelstaaten die erforderlichen Mittel bis zum Gesamtbetrage von 4 Millionen Mark, dem festgestellten Bedürfnis entsprechend, überwiesen. Die näheren Vorschriften über Umfang und Bedingungen der Zuwendungen erläßt der Bundesrat, jedoch mit der Maßgabe, daß die Unterstützung im Falle eingetretener Arbeitslosigkeit nicht weniger betragen darf als drei Viertel des entgangenen Arbeitsverdienstes.“ Dieser Antrag war für jeden, der es ehrlich mit den Tabakarbeitern meinte, absolut unannehmbar, denn es war für jeden ganz klar, daß 4 Millionen Mark gar nichts bedeuten werden angesichts der massenhaften Arbeiterentlassungen, die zweifellos eintreten müssen. Schon jetzt ist bekannt, daß eine ganze Anzahl en Heimarbeitern zum 15. August gekündigt Industrieller ihre Meimuireneg haben, und es steht fest, daß diese Kundigungen einen sehr großen Teil der Tabakarbeiter treffen werden. Der Antrag entsprach außerdem einer Vereinbarung, die die Regierung mit dem Zentrum getroffen hatte, und wenn behauptet wird, es sei im gegebenen Augenblick nicht mehr zu eren gewesen, so ist das purer Schwindel. In diesem Stadium der Verhandlungen hatte die megierung das Gesetz auf keinen Fall daran scheitern lassen, daß höhere Aufwendungen für die Arbeitslosen hätten zugestanden werden müssen. Es war nur die Eilfertigkeit der Giesberts, Behrens und Genossen, der Regierung, wie fast stets, gefällig zu sein, die dazu führte, daß sie einen derart verhunzten Antrag einbrachten. Für jeden Menschen, der im Besitz seiner gesunden fünf Sinne ist, muß aus diesem Hergang der Sache ohne weiteres klar sein, daß es eine ganz elende Spiegelfechterei gewesen wäre, ein direkter Verrat an den Interessen der Arbeiterschaft, wenn die Sozialdemokraten für einen Antrag gestimmt hätten, der mit der Regierung vereinbart war, und der die Tabakarbeiter in Wirklichkeit um die Entschädigung prellen sollte. Interessant ist aber noch dabei, daß der„Ravensberger" zuerst den sozialdemokratischen Antrag als ganz unannehmbar bezeichnete, später aber, nachdem er offenbar von seinen eigenen Parteigenossen einen Rippenstoß erhalten hatte, eifrig behauptete, daß Behrens und Burckhardt dafür gestimmt hatten. Wie Arbeiter es noch über sich gewinnen können, ihre politische Kost durch solch eine Wetterfahne zu beziehen!! Ernteurlaub. Unter Hinweis darauf, daß infolge der eigentümlichen und überaus ungünstigen Witterung„sich in diesem Jahre die Erntearbeiten zweifellos fast überall sehr zusammendrängen“ werden, erklärt die„Deutsche Tageszeitung“, daß die Frage der Gewinnung und Erhaltung genügender Arbeitskräfte brennender werden dürfte, als sie. Das Bündlerorgan folgert daraus, die werden dürfte als sie. Das Bündlerorgan folgert daraus, die Behörden wurden„sich der Verpflichtung nicht entziehen können, ven Landwir,„ mogesch— zu verschaften“. Des dürte wohl in erster Linie den Landwirten, soweit es möglich ist, beizuspringen und Erleichterungen zu,Lerschaffen“: Das barse wohl in erster Linse vom Kriegsministerium erwartet werden, das ja in früheren Johren„erfreuliches Verständnis für die Bedürfnisse der Landwirtschaft" bekundet habe. Es müsse als„selbstverständlich“ angenommen werden, daß auch in diesem Jahre„Mannschaften nach Möglichkeit zu Erntearbeiten beurlaubt werden"; das „Kriegsministerium möge die Kommandobehörden anweisen, nur dann die erbetene Erntebeurlaubung zu versager wenn wirklich zwingende Gründe vorliegen.“ Vor einigen Tagen hat die württembergische Kammer einen Antrag angenommen, die Regierung möge veranlassen, daß die „Kaisermanöve"„verschoben wurden. In dem kleinbauerlichen Lanhe würde, so ist argumentiert worde der Reservisten nachd' Ernte ein schwerer r“ verschoden wurden. In dem kleinbauerburde, so ist argumentiert worden, die Einziehung. i nach diesem nassen Sommer und bei verspäteter Nachteil für die Bauernschaft sein. Zur Nr. 185. Das Koulttion " Seit Ende vorigen Je außerst rege gewerkscha Anschluß des Verbandes Deutschen Transportarbe besoldeter Beamter für welche am 1. Oktober 19 intensive agitatorische T beiden genannten Organ Agitationsfähigkeit rief vereine auf den Plan. zu diesen Organisationen und den dadurch bedingter zahlen glauben deren Le Eisenbahndienst stehenden halten zu können. Zeitl Agitation der genannte Verband der Eisenbahnk zusammen, der die Grü organisation, des Zentr und=arbeiter(Sitz Elbe Verband, um seinen M mehr gleichfalls eine fiel Verband konnte gleich erfolgten Anschluß an de werkschaften seine bezahl der Windrose entsenden. unschwer zu erraten. Mit dieser sich nach: tationstätigkeit ist die A nicht erschopft. 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Mit dem Anschluß des Verbandes der Eisenbahner Deutschlands an den Deutschen Transportarbeiterverband und der Anstellung zweier besoldeter Beamter für die„Reichssektion der Eisenbahner", welche am 1. Oktober 1908 erfolgte, setzte von dieser Seite eine intensive agitatorische Tätigkeit ein. Der Zusammenschluß der beiden genannten Organisationen und die dadurch vergrößerte Agitationsfähigkeit rief auch die Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine auf den Plan. Das Vertrauen der Industriearbeiter zu diesen Organisationen ist aber immer mehr im Schwinden, und den dadurch bedingten andauernden Rückgang der Mitgliederglauben deren Leiter durch einen Ansturm auf die im Eisenbahndienst stehenden Handwerker und Arbeiter wieder aufhalten zu können. Zeitlich fällt mit dem Einsetzen intensiver Agitation der genannten Organisationsarten der Streit im Verband der Eisenbahnhandwerker und=arbeiter(Sitz Trier) zusammen, der die Gründung einer neuen Eisenbahnarbeiterorganisation, des Zentralverbandes der Eisenbahnhandwerker und=arbeiter(Sitz Elberfeld), zur Folge hatte. Der Trierer Verband, um seinen Mitgliederbestand besorgt, entfaltet nunmehr gleichfalls eine fieberhafte Tätigkeit, und der Elberfelder Verband konnte gleich nach seiner Gründung und dem sofort erfolgten Anschluß an den Gesamtverband der christlichen Gewerkichaften seine bezahlten Agitatoren nach allen Richtungen der Windrose entsenden. Woher die Mittel dazu kommen, ist unschwer zu erraten. dieser sich nach vielen Richtungen hin bewegenden Agitationstätigkeit ist die Agitation unter den Eisenbahnern aber nicht erschöpft. Eine emsige Werbetätigkeit entfalten auch die Hunderte von Kategorienvereinen, die mehr oder weniger wirtschaftliche Interessen verfolgen, ganz besonders aber den Zusammenschluß aller Kategorien zu einer einheitlichen gewerkschaftlichen Organisation verhindern. Das Tätigkeitsgebiet aller dieser Organisationen erstreckt sich hauptsächlich auf die preußischhessischen, sächsischen, mecklenburgischen und oldenburgischen Eisenbahnen sowie auf die Reichseisenbahnen, während für das Personalder bayerischen, badischen und württembergischen Bahnen wieder besondere Organisationen bestehen. Was nun die Stellung der Eisenbahnverwaltungen zu den Organisationen ihrer Bediensteten betrifft, so darf man wohl behaupten, daß die preußische Eisenbahnverwaltung für alle anderen, mit Ausnahme der drei süddeutschen Verwaltungen, tonangebend ist; welche Stellung aber die preußische Eisenbahnverwaltung den verschiedenen Organisationen gegenüber einnimmt, das haben wir aus dem Munde des Ministers v. Breitenbach wiederholt vernommen. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 20. März d. J. sagte Herr v. Breitenbach: „.„Meine Herren, ich habe in den letzten Jahren wiederholt hier bekanntgegeben, welche Stellung ich gegenüber den Eisenbahnvereinen, den Fachvereinen, den Berufsvereinigungen aller Art einnehme. Ich darf diese meine Stellungnahme dahin kennzeichnen daß ich diesen Vereinigungen wahlwollend ja antzeichnen, daß ich biesen, Gereinigungen, wohlwyneno, ja. entzegenkommend gegenüberstehe. Ich habe nur immer einen Vorbehalt machen mussen: unsere angestellten Beamten und phoiter müssan sich von Anhaginn darühar klar f, daß sie Arveiter mussen sich von Anveginn daruver tar sein, oaß sie nur Vereinigungen angehören dürfen, die sich nicht als ordnungsfeindliche charakterisieren und die nicht den Streil der Verkehrsangestellten zur Durchführung ihrer wirtschaftlichen Forderungen proklamieren wollen.“ Von diesem Standpunkt ausgehend, verlangen die Eisenbahnverwaltungen von allen Vereinen ihrer Untergebenen die Vorlegung der Statuten. Diesem Verlangen sind auch alle bestehenden Vereine und Verbände, ausschließlich der Reichssektion des Deutschen Tranportarbeiter=Verbandes, nachgekommen; sie haben ihre Satzungen den Wünschen der Eisenbahnverwaltungen entsprechend abgefaßt und sich auch die ausdrückliche Anerkennung des Ministers eingeholt. Wie die Statuten dieser„anerkannten“ Organisationen beschaffen sind, sei nur an zwei Beispielen nachgewiesen.— Das Statut des Verbandes der Eisenbahnhandwerker und=arbeiter(Sitz Trier) enthält folgenden§ 2: „Das Bestreben des Verbandes ist insbesondere darauf gerichtet: 1. Pflegung und Förderung treuer vaterländischer Gesinnung sowie das Einvernehmen mit allen obrigkeitlichen Behörden zu unterhalten durch die Verpflichtung der Mitglieder, alle staatsfeindlichen Bestrebungen zu vermeiden und abzuwehren.“ Und der dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften angeschlossene Zentralverband der Eisenbahnhandwerker und =Arbeiter(Sitz Elberfeld) wählte für§ 2 seines Statuts folgenden Wortlaut: „Der Verband bezweckt: a) Hebung des Standesbewußtseins. Pflege vaterländischer Gesinnung, geistige Weiterbildung und Förderung des geselligen Verkehrs der Mitglieder.“ Daß Organisationen mit solchen Statutenbestimmungen nicht nur von den Eisenbahnverwaltungen geduldet, sondern in ihren Bestrebungen auch gefördert werden, ist klar. Laufen doch die Bestrebungen dieser Verbände parallel mit denen der Verwaltungen, die in den sogenannten„Gemeinsamen Bestimmungen“(Arbeitsordnung für die Eisenbahnarbeiter) in§ 2 Abs. 3 zum Ausdruck kommen, wo es heißt: „Auch außerhalb des Dienstes hat der Arbeiter sich achtbar und ehrenhaft zu führen und sich von der Teilnahme an ordnungsfeindlichen Bestrebungen und Bereinen fernzuhalten.“ Der Verband der Eisenbahnarbeiter Deutschlands(jetzt Reichssektion der Eisenbahnarbeiter), auf freier gewerkschaftlicher Grundlage stehend, hat bei seiner Gründung 1897 die ministerielle Genehmigung seiner Satzungen nicht nachgesucht, und er hat seit seinem Bestehen unter den Verfolgungen und Drangsalierungen der Eisenbahnverwaltungen und ihrer Organe zu leiden. Allerdings haben sich die reaktionären Maßnahmen stets als unwirksam erwiesen, sie haben nicht vermocht, den Verband zu erdrücken oder ihn nur zu schwächen. Wie unter dem Sozialistengesetz unsere Partei erstarkte, so wächst der Verband unter dem Druck der reaktionären Maßnahmen einer verblendeten Bureaukratie. Jeder Fortschritt der Organisation entfacht aufs neue die Flamme der Vernichtungswut. Mit einem Eifer einer besseren Sache würdig, zermartern die Herren von der Eisenbahnverwaltung sich das Hirn darüber, wie der verhaßten„ordnungsfeindlichen Organisation“ der Garaus gemacht werden könne. In neuerer Zeit wird aus verschiedenen Direktionsbezirken übereinstimmend berichtet, daß die im Weckruf" und in Flugblättern bekannt gegebenen Zahl- und Aufnahmestellen des Verbandes von Vorgesetzten überwacht würden, um die ihrer dienstlichen Aufsicht Unterstellten, welche die bezeichneten Stellen besuchen, wegen der Teilnahme an„ordnungsfeindlichen Bestrebungen“ aus dem Dienst zu befördern. Es wird weiter berichtet, daß an Reichspostanstalten das Ansinnen gestellt werde, die Empfänger des„Weckruf“ den Verwaltungen namhaft zu machen, damit diese, soweit es sich um Eisenbahnbedienstete handele, sie zur Rechenschaft ziehen und eventuell mit Entlassung bestrafen könne! Und schließlich seien, so heißt es, Belohnungen ausgesetzt für diejenigen, die Mitglieder des Verbandes an die vorgesetzte Dienstbehörde verraten! Gegen derlei Maßnahmen muß mit aller Entschiedenheit protestiert werden. Zwar können wir nicht annehmen, daß die Reichspost einem Ansinnen der genannten Art entsprechen würde. Aber selbst wenn dies geschähe, würde die Eisenbahnverwaltung sehr bald die Erfahrung machen, daß sie auf diesem Wege doch ebenso wenig ihren Zweck erreicht wie auf manchem anderen, den sie schon eingeschlagen hat; als nicht minder erfolglos dürfte sich die Bewachung der bekannten Aufnahmestellen erweisen; denn etwas schlauer, als die Eisenbahnverwaltung zu vermuten scheint, sind die organisierten Eisenbahner doch. Aber immerhin wäre jenes Spioniersystem einer staatlichen Behörde unwürdig und ichon deshalb ganz entschieden zu bekämpfen. Im allerhöchsten Grade verwerflich aber wäre die Belohnung des Denunziantentums. Aus den oben zitierten„gemeinsamen Bestimmungen“ geht hervor, daß die Eisenbahnverwaltung von ihren Arbeitern verlangt, daß sie sich in und außer dem Dienst achtbar und ehrenhaft betragen. Schön! Dann soll sie aber auch mit gutem Beispiel vorangehen und nicht die größte Lumperei. die sich denken läßt, besonders belohnen. Die Eisenbahnverwaltungen, sowohl die preußische wie die sächsische, scheinen die Verräterei als eine besonders verdienstliche Handlung anzusehen, die nach§ 10 der gemeinsamen Bestimmungen außerordentlich belohnt werden muß. Ob sie damit den sittlichen Pflichten, die nach einem kürzlich vom Kammergericht ergangenen Erkenntnis der Unternehmer dem Arbeiter gegenüber haben soll, gerecht wird, wollen wir dem Urteil der Oeffentlichkeit überlassen. Um sich einen Judaslohn zu verdienen, scheuen sich gewisse „staatserhaltende“ Elemente nicht, ihre Kollegen, mit denen sie aus irgend einem Grunde nicht auf gutem Fuße stehen, einfach als Verbandsmitglieder zu denunzieren, ohne Beweise dafür erbringen zu können! Die so Beschuldigten werden dann auf Schritt und Tritt beobachtet, und auf die geringsten Verdachtsmomente hin erfolgt die Entlassung aus dem Dienste. Neben wirklichen Mitgliedern des Verbandes ist auf diese Weise schon eine ganze Anzahl entlassen worden, die mit dem Verbande in ihrem Leben nie etwas zu tun hatten. Wollten wir aus der Schule plaudern, so könnten wir einige drastische Beispiele dafür erbringen. Jedenfalls ist das ganze System ebenso zwecklos wie verwerflich. Dieses System zu beseitigen wird erst möglich sein, wenn die Eisenbahner sich das Koalitionsrecht errungen haben, deshalb muß das Bestreben der Organisation auch in erster Linie auf die Erringung des Koalitionsrechts, auf die Unterstellung der Eisenbahnarbeiter unter die Gewerbeordnung gerichtet sein. 16. Jahresversammlung des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche. (Zweiter Verhandlungstag.) th. Bremen, 10. August. Die heutige Sitzung beginnt mit einem Referate des Kassenrendanten Kohn=Berlin über:„Die prophylaktischen Aufgaben der Krankenkassen“. Einleitend weist der Referent darauf hin, daß schon auf dem letzten internationalen Kongresse in Rom der Direktor der Hanseatischen Versicherungsanstalt eine mehr vorbeugende Tätigkeit in den Krankenkassen empfohlen habe, obwohl diese Tätigkeit dem Buchstaben nach nicht zu den Aufgaben der Krankenkassen gehört. Dieser Forderung müsse jeder unparteiische Sozialpolitiker beitreten. Namentlich die Funktionäre in der Arbeiterversicherung sollten es nicht nur als ihr Recht. sondern als ihre Pflicht betrachten, sich mit der vorbeugenden Hygiene zu befassen. Eine Reihe von Krankenkassen, welche die Bedeutung der sozialen Fürsorge erkannt gehe deshalb zur Beschaffung von Erholungsheimen, Waldstätten und sonstigen Einrichtungen über, doch geschehe auf diesem Gebiete lange nicht genug. Dringend notwendig sei die obligatorische Familienversicherung, dadurch eventuell bedingte höhere Beiträge würden die Versicherten gern zahlen. Das Bestreben müsse vor allen Dingen darauf hinausgehen, die gesetzgebenden Faktoren von der Notwendigkeit der vorbeugenden Fürsorge zu überzeugen. Zur Durchführung solcher Probleme sei die Zentralisation der Kassen zu empfehlen. Ferner empfehle sich die Unterstützung der Gewerbeinspektion. Redner fordert einen durchgreifenden Mutterschutz und gründlichen Kinderschutz, damit ein gesundes Geschlecht heranwachsen könne. Insbesondere habe auch die Schule die Pflicht, die hygienischen Aufgaben zu fordern, zumal die heutige Jugend der Großstädte unter weit ungünstigeren Verhältnissen heranwachse, wie in früheren Zeiten. Einer eingreifenden Reform bedürfe die Wohnungsfrage, wozu auch die Errichtung von Ledigenheimen nach englischem Muster gehöre. Da die Abstellung von Mißständen erfahrungsgemäß immer erst dann erfolge, wenn die Mißstände in der Oeffentlichkeit aufgedeckt seien, so sei es auch Pflicht der Krankenkassen, sich durch geeignete statistische Aufnahmen an der Aufdeckung von Mißständen zu beteiligen. Die soziale Verschlechterung in der Lebenshaltung der arbeitenden Klassen durch Verteuerung der Lebensmittel finde ihren ziffernmäßigen Nachweis in den Jahresberichten der Krankenkassen. Sonnen=, Luft=, Licht=, Volks= und medizinische Bäder sollten nicht zum Gegenstand kapitalistischer Ausbeutung gemacht, sondern als zur Förderung der Volksgesundheit notwendige Einrichtungen betrachtet werden. Die Erfüllung der kleinsten sozialen Aufgabe sei für den Kulturfortschritt wichtiger als der Bau des größten Dreadnaughts. Mit den Aerzten und der kommunalen Hygiene müßten die Krankenkassen Hand in Hand arbeiten. Das alles sei indes nur zu erreichen, wenn den Krankenkassen die volle Selbstverwaltung erhalten bleibe. Der mit großeme Beifall entgegengenommene Vortrag wird ohne Debatte von der Versammlung einstimmig akzevtiert. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung:„Unfallversicherung", wird von Herrn G. Bauer=Berlin behandelt. Der Referent bemerkt einleitend, daß die Unfallversicherung Gold. Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. Lamberg hatte sich gestern den Platz selber angesehen; da aber nur die eine Partie dort, und in so schwerem Boden, arbeitete, bekam er keine Lust da zu beginnen und stand jetzt eben unschlüssig vor seinem Zelt, überlegend, wo wohl der beste und leichteste Anfang zu machen sei. Da sah er plötzlich, daß sich auf dieser Flat erst einzelne und dann immer mehr Leute zusammendrängten, eine Weile die Grube umstanden, in der die Amerikaner arbeiteten, und dann auf einmal überall dort in der Nachbarschaft anfingen, Plätze anzugraben. „Hallo, Jungens,“ rief er da seine Leute zusammen, da unten geht's los. Ich wette, die in dem Loche drinnen haben den Nagel auf den Kopf getroffen, und nun will jeder der erste in der Nachbarschaft sein. Das ist ein gutes Zeichen! wollen wir ebenfalls dort einschlagen?“ „Meinetwegen,“ sagte Binderhof gleichgiltig,„mir ist's sehr einerlei, wo wir zu kratzen anfangen. Jedenfalls liegt der Platz bequem zu unserm Zelt, das wir von da aus immer im Auge behalten können.“ „Los also!“ rief Lamberg,„denn Zeit dürfen wir nicht versäumen, wenn wir noch einen guten Platz bekommen wollen. Nun, Justizrat, gehen. Sie mit?“ „Habe noch Zeit,“ brummte aber dieser,„können immer anfangen, werde wo anders versuchen.“ „Auch gut,“ sagte Lamberg, die Blechpfanne als den leichtesten Gegenstand aufgreifend.„Binderhof, seien Sie so gut und nehmen Sie einmal die beiden Schaufeln, und Sie, Hufner, die beiden Spitzhacken und nun vorwärts marsch!“ Und ohne weiter eine Zustimmung seiner Kollegen abzuwarten, schritt er rasch den Hügel hinunter, der nicht so fernen Stelle zu. Dort waren die Leute allerdings schon emsig beschäftigt, vorerst noch mit ihren Spitzhacken viereckige Claims, etwa fünf Schritt lang und vier Schritt breit, abzumarken. Dann schlugen sie ihre Spitzhacken oder irgend ein anderes Werkzeug in die Mitte hinein, und das galt nun als ein Zeichen, daß diese Stelle von irgend jemand beansprucht war und von niemand anderem bearbeitet werden durfte. Lamberg, der sich, ohne weiter viel zu fragen, die Leitung ihrer Kompagnie vorbehielt, hatte denn auch bald einen ihm passend scheinenden Platz gefunden, ließ dort ihr Handwerkszeug niederwerfen, schritt den Raum ab und ersuchte Herrn Hufner, den also angegebenen und mit Beschlag belegten Platz gerade so mit der Spitzhacke ringsumber einzureißen, wie er das von seinen Nachbarn sah. Er selber ging dann mit Binderhof der Grube zu, in der die Amerikaner arbeiteten und um welche noch einige dreißig Neugierige herumstanden. Jedenfalls war dort etwas Näheres zu erfahren, oder gar etwas Besonderes zu sehen und davon wollten sie sich erst einmal überzeugen. Lamberg wie Binderhof sprachen nun allerdings beide kein Englisch, fanden aber hier glücklicherweise einen alten Bekannten, den Aktuar Korbel, der sie kaum erblickte, als er Lamberg auch schon beim Arme packte und rief: „Schnell, holen Sie sich Ihr Handwerkszeug und fangen Sie hier an, Sie sind zum günstigen Moment ins Paradies gekommen. Ich habe mir auch schon einen Platz angezeichnet.“ „Ja, wir auch,“ lachte Lamberg,„aber was ist denn vorgefallen? weshalb sind denn die Leute hier so erpicht auf den harten Lehm? und gestern wollte noch kein Mensch anbeißen.“ „Ich denke, sie haben auch Ursache,“ lachte aber Korbel, „wissen Sie, daß die Amerikaner da drinnen in dem Loche ein Stück Gold von über zwei Pfund Gewicht gefunden haben?— ein solides massives Stück Gold sage ich Ihnen, ohne die Idee von Quarz darin. Ich habe es selber gesehen.“ „Zwei Pfund Gold?“ sagte Lamberg erstaunt,„in einem Stück. Das sind vierhundert Dollar.“ „Und wo das liegt, liegt auch mehr,“ rief aber Korbel, ganz Feuer und Flamme für die neue Entdeckung.„Kommen Sie, Sie sollen es auch betrachten. Was die Augen sehen, glaubt das Herz. Ich kenne die Leute, es sind arme Teufel, die schon lange hier gearbeitet und bis jetzt noch wenig oder gar nichts gefunden haben. Heut abend sind sie vielleicht steinreich.“ Er drängte sich dabei zwischen den der Grube Zunächststehenden durch und bald standen sie an dem etwa sieben oder acht Fuß tiefen Loche, das in den harten Boden wie aus Felsen gehauen schien. Nach dem Goldklumpen brauchten sie sich aber nicht lange umzusehen, denn ein mit ihnen oben Stehender hielt ihn gerade in der Hand und andere drängten sich um ihn her, um das prächtige Stück ebenfalls zu betrachten. Korbel, der ziemlich gut Englisch sprach, bat ihn sich bald darauf aus, und die Deutschen wurden hier dem ersten Exemplar frisch dem Boden entnommenen Metalls vorgestellt, auf das ihr Blick mit einer Art von Ehrfurcht fiel.„„ M Es war ein länglich=rundes Stuck, mit Erhöhungen, wie eine Niere fast, außerordentlich schwer und vollkommen rein und glänzend. Nur hier und da in den Vertiefungen staken noch kleine Krumen der roten Erde, der es erst diesen Morgen entnommen worden war— und wieviel tausend Jahre hatte es vielleicht hier in dem Boden gelegen. In der Grube arbeiteten drei junge Leute. Einer davon war auch noch emsig mit seiner Spitzhacke beschäftigt, der Zweite stocherte mit seinem Messer an der Seitenwand herum, ob er nicht noch ein anderes glänzendes Stück entdecken könne, und der Dritte stand aufrecht darin, um sein Eigentum, das da oben von Hand zu Hand ging, im Auge zu behalten. „Gebt es wieder herunter!“ rief er jetzt hinauf.„Ihr habt es lange genug betrachtet und greift mir sonst die Hälfte daoon ab. Einen halben Dollar wird's jetzt schon leichter geworden sein „Nur nicht so geizig, Bill,“ rief ihm ein anderer lachend zu,„bei solch' einem„lump“ kommt's auch auf einen halben Dollar nicht an.“ „Holt lieber eure Spitzhacken und grabt,“ sagte aber der in der Grube wieder,„wer weiß, ob das das größte Stück ist, was hier noch herausgehauen sein will!“ Die Aufforderung wirkte; Korbel reichte ihm das Gold wieder in die Grube hinab, und die meisten der Leute zerstreuten sich jetzt, teils um gleich an die Arbeit zu gehen, teils auch nur, wenn sie auch noch andere Plätze auszubeuten hatten, ihren angemarkten Claim von dem Alcalden registrieren zu lassen und sich denselben dadurch gegen alle ferneren Ansprüche zu sichern. Es war dies nämlich das Haupteinkommen des Alcalden aller solcher Minenplätze, der diese Claims in ein besonderes Buch nach der Nummer registrierte und von jedem zwei Dollar ausgezahlt erhielt. Der Platz braucht dann nur mit einem Holz, das die Nummer trug, versehen zu werden, und man konnte ihn Monate lang ungefährdet liegen lassen. In der letzten Zeit waren nun diese Einkünfte sehr dürftig. ausgefallen, da die eigentliche Flat schon ihre Herren hatte und an den verschiedenen Bergwassern ein solches Registrieren nicht stattsand. Die Leute versuchten da heute hier, morgen da, und es fiel niemandem ein, einem andern ins Gehege zu kommen. Gab es doch Raum überall genug. Hier dagegen war es etwas anderes, denn wo sich alles auf einen Punkt zusammendrängte, gleichen Gewinn von einer solchen Stelle erhoffend, wurde eine Regelung und Sicherstellung der Plätze nötig. Niemandem hätte deshalb auch dieser neue Fund erwünschter sein können, als gerade dem Alcalden, der mit dem Niederschreiben von ein paar hundert Namen und Nummern in wenigen Stunden doppelt so viel Dollar verdiente. Wie ein Lauffeuer breitete sich indessen das Gerücht über die ganze Flat, bis in die entfertesten Stellen aus: im„roten Boden“, wie jene Stelle dort genannt wurde, sei ein großer Klumpen Gold gefunden worden. Die Händler, denen hauptsächlich daran lag, daß recht viele Goldwäscher hier zuströmten, feuerten dabei ein paar Kanonenschüsse ab, um damit anzudeuten, daß etwas Wichtiges vorgefallen wäre, und Fama setzte natürlich schon hinter die 2 Pfund eine 0. Solche Gerüchte waren ihnen stets von großem Nutzen, denn sie brachten neue Einwanderer in die Plätze und ihre Provisionen, fanden dadurch rascheren Abgang. Daß ein paar fumminante Artikel über den neuen Fund in die San Francisco-Blätter kamen, dafür wurde ebenfalls augenblicklich gesorgt. Kaum eine Stunde war vergangen, und der bis dahin so vernachlässigte„rote Boden“ sah plötzlich, mit seinen nach allen, eng mit der Krankenversicherung zusammenhänge, und daß das dritte Buch der Reichsversicherungsordnung die Gemeinsamkeit der Interessen recht deutlich widerspiegele. Bei der Unfallversicherung sei insofern in der Regierungsvorlage auch ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen, als der Kreis der Versicherten etwas größer werden solle, im übrigen aber bringe die Vorlage Verschlechterungen so ungeheurer Art, wie man es nicht für möglich hatte halten sollen. Zunächst sei zu bemängeln, daß der Regierungsentwurf die Forderung, die gesamte Arbeiterschaft unter Versicherungszwang zu stellen, nicht berücksichtigt habe. Ferner sei eine erhebliche Verschlechterung des Rechtsweges zu verzeichnen, indem das Schwergewicht in der Rechtsprechung in die Versicherungs- und Oberversicherungsämter verlegt werde, während das Reichsversicherungsamt bis auf wenige Ausnahmen nur noch als Revisionsinstanz in Betracht komme. Der angebliche Einfluß der Versicherten durch die in geringem Maße gestattete Teilnahme bei der Erstattung von Gutachten sei praktisch ohne jeden Wert und eine Irreführung der öffentlichen Meinung, zumal es in das Belieben des Vorsitzenden gestellt sei, diese Mitwirkung der Versicherten zu ermoglichen. So sei es auch mit der Lohnberechnung beim Eintritt eines Unfalles, indem in Zukunft immer der Lohn, den der Arbeiter zur Zeit eines Unfalles beziehe, maßgebend für die Höhe der Rente sein sollte, und nicht der eines gleichartigen Abeiters. Das trete besonders in die Erscheinung bei Saisonarbeitern, denen bei Berechnung zunächst der wirkliche Lohn im Augenblicke des Unfalles berechnet, für die übrige Zeit aber der ortsübliche Tagelohn als Jahresverdienst in Ansatz gebracht werde. Die Festsetzung der Renten bis zu 20 Prozent auf Zeit komme in der Praxis auf eine Bekämpfung der kleinen Renten überhaupt heraus, zumal die Festsetzung der Zeitdauer einer Rente keiner Anfechtung unterliegen solle. Eine vollständige Umwälzung des ganzen bisherigen Verfahrens auf Kosten der Versicherung lassen die Bestimmungen erkennen. Auch der Begriff der Erwerbsunfähigkeit sei völlig geändert. Durch die Bestimmung, daß ein unfallverletzter Arbeiter die ihm von der Berufsgenossenschaft zugewiesene Arbeit annehmen müsse, anderenfalls die Zahlung der Rente eingestellt werden könne, werde der Verunglückte gleichgestellt mit dem zu Arbeitshaus Verurteilten. Das müsse zu ganz ungeheuerlichen Konsequenzen führen. Man treibe den Verunglückten geradezu dem Selbstmord in die Arme. Die weitere Bestimmung, daß die kleinen Renten bis 20 Prozent auch gegen den Willen der Verletzten abgefunden werden können, lasse in der Praxis die Beseitigung dieser Renten erkennen, so daß dem Arbeiter nur noch ein Scheinrecht verbleibe. Noch schlimmer wie die gewerblichen würden die landwirtschaftlichen Arbeiter belastet infolge der niedrigen Löhne. Deshalb müsse die volle Gleichberechtigung der landwirtschaftlichen Arbeiter mit den gewerblichen gefordert werden, und in Anbetracht der heute viel niedrigeren Bewertung des Geldes eine Erhöhung der Grundlage der Renten von 66½3 auf 75 Prozent, sowie eine Erhöhung der Witwen= und Waisenrenten von 20 auf 25 Prozent im Einzelfalle und im ganzen auf 75 Prozent. Der Entwurf der Regierung, im ganzen betrachtet, erwecke den Anschein, als ob er dem Reichsamt des Innern direkt vom Bureau des Zentralverbandes der Industriellen geliefert sei. Mit der Aufforderung zum Protest gegen die Vorlage schließt Redner seine mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Darlegungen, die gleich den übrigen Referaten ohne Diskussion von der Versammlung übernommen werden. Den letzten Vortrag über:„Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung hält Herr Starke=Dresden. Redner nimmt Bezug auf die Zoll- und Steuervorlage aus dem Jahre 1902, wo man zur Beschwichtigung der Massen in der lex Trimborn die Witwen= und Waisenversorgung vom 1. Jan. 1910 an versprochen habe. Die Zeit sei bald erreicht, nur sei kein Geld da. Und da habe man denn abermals, um Geld zu bekommen, sog.„Reformen“ auf sozialem Gebiete versprochen, doch biete die Reichsversicherungsordnung Steine anstatt Brot. In bezug auf die Invalidenversicherung biete die Vorlage direkte Verschlechterungen zwar nicht, um so mehr aber indirekt. Das Festhalten an der Einkommensgrenze von 2000 Mark und die Beibehaltung der Lohnklassen unter den jetzigen Erwerbsverhältnissen sei eine solche Verschlechterung. Ebenso das Festhalten an der ½-Grenze für die Erwervsunfähigkeit und die Beibehaltung der sonstigen harten Vorbedingungen, sowie auch der Umstand, daß die Renten an sich nicht erhöht seien, und die Beibehaltung der 70jährigen Altersgrenze. Auch werde nicht der leiseste Versuch unternommen, den Versicherten Einfluß auf die Festsetzung der Renten zu gewähren. Da die 30 Versicherungsanstalten ein Vermögen von zirka 1500 Millionen haben, so könne eine Herabsetzung der Altersgrenze auf 65 Jahre sehr wohl erfolgen, was einen Kostenpunkt von 29 Millionen ausmacht. Redner geht dann in Einzelheiten über und kommt zu der Schlußfolgerung, daß der Grundzug der Vorlage eine Verbureaukratisierung des ganzen sozialen Versicherungswesens und eine Plusmacherei auf Kosten der Arheiter bedeute, sowie daß der Entwurf die Absicht erkennen lasse, die Versicherten als Menschen niederen Grades zu behandeln, wogegen er die weiteste Aufklärung empfiehlt.— Auch dieser Vortrag wird vom Verbandstage einstimmig akzeptiert. für die Bremer Gastfreundschaft schließt Frasovef sooann den Veribanistog. Seitens der Arbeitgeber erklärt Herr Wolf=Metz, daß er Wert darauf lege, festgestellt zu sehen, daß sämtliche Referate das Einverständnis des gesamten Verbandstages gefunden hätten. Auf dem Gebiete der Sozialpolitik könne es keine Sonderinteressen geben. Selten könne ein so harmonischschönes Zusammenarbeiten konstatiert werden, wie gerade in den Krankenkassen. Es folgt noch die Erledigung einiger formaler Angelegenheiten. Als Sitz wird Dresden wiedergewählt. Der nächstjährige Verbandstag findet in Regensburg statt. Mit einem Rückblick auf die Verhandlungen und mit Danlesworten Harkeinachrichten. Aus den Organisationen. Der sozialdemokratische Verein Stuttgart beschloß in seiner Generalversammlung, den Mitgliederbeitrag, der bisher monatlich 30=Pfg. betrug, auf 10 Pfg. pro Woche festzusetzen, um dadurch die Einnahmen des Vereins zu erhöhen. Ein Antrag des Vorstandes, einen Sekretär für die Erledigung der Verwaltungsgeschäfte anzustellen, wurde mit 187 gegen 174 Stimmen abgelehnt. Der 4. sächsische Reichstagswahlkreis Dresden=Neustadt konnte in seiner letzten Generalversammlung einen Mitgliederzuwachs von 565 Genossen konstatieren. Die Mitgliederzahl betrug einschließlich 733 weiblichen 8059 gegen 7494 im Vorjahre. Die Abonnentenzahl ist leider von 10 622 auf 10331 zuruckgegangen. Die Kreisbibliothek umfaßt 5140 Bande. An Einnahmen waren zu verzeichnen einschließlich eines größeren Kassenbestandes 51 563 Mark, an Ausgaben 33.615 Mark einschließlich 4000 Mark, die an den Parteivorstand abgeliefert wurden. In der Generalversammlung wurde beschlossen, daß die Parteigenossen, die sich geweigert haben, den Tagesverdienst vom 1. Mai abzuführen, bis auf weiteres Ehrenämter in der Partei nicht mehr bekleiden dürfen. Denen, die den örtlichen Beschlüssen, den Betrag an eine gemeinsame Kasse zu zahlen, nicht nachgekommen sind, wird die schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Die Jahresversammlung des ersten Braunschweiger Wahlkreises beschloß zum Organisationsstatut, in§ 5 den Beitrag für männliche Mitglieder auf 20, für weibliche auf 10 Pfg. festzusetzen. Die Gratislieferung der „Gleichheit“ für die weiblichen Mitglieder ist abgelehnt. Weiter wurde beantragt, in das Parteistatut aufzunehmen: Die Wahl der Delegierten zum Parteitage erfolgt durch Urabstimmung, und„Auf Beschluß des Parteitages oder auf Beschluß des Parteivorstandes ist jede Frage des Parteilebens durch Urabstimmung zu entscheiden.„Auf Antrag von 10 v. H. der organisierten Genossen oder von 15 Kreisorganisationen hat der Parteivorstand die Urabstimmung in jeder Parteifrage anzuordnen.“ Zu§ 23 wurde beschlossen, die Worte„in bewußter Weise“ zu streichen. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für Reuß j. L., die am 8. August in Gera tagte, gab ein erfreuliches Bild von der Entwicklung der Partei. Die Mitgliederzahl ist— trotz einer eingetretenen Beitragserhöhung— von 3500 auf 4000 gestiegen. Einnahmen und Ausgaben beziffern sich auf 16506 Mark. Seit dem 1. Juli d. J. ist ein Geschäftsführer für den Verein angestellt worden. Die Zahl der Abonnenten des Parteiblattes hat sich trotz der Krise etwas erhöht. Zum Organisationsstatut wurde eine Resolution angenommen, die sich gegen die Festsetzung eines 20=Pfg-Beitrages für Frauen ausspricht, letztere aber verpflichtet, die„Gleichyeit“ zu abonnieren. Die Generalversammlung des ArnswaldeFriedeberger Kreises fand am Sonntag in Driesen statt. Vertreten waren 7 Ortschaften mit 12 Delegierten, darunter die Ortsgruvpe Berlin mit zwei Delegierten. Ferner waren anwesend außer dem Kandidaten Genossen Eugen Brückner=Berlin Genosse Leo Zucht von der Agitationskommission Genosse Bötcher als Vertreter des 5. Berliner Wahlkreises. tagsdelegierten zu beauftragen, für den Fall, daß die Gratislieferung der„Gleichheit“ fallt, für einen niedrigeren Beitrag der weiblichen Mitglieder zu stimmen, wurde abgelehnt. Als Delegierter für den Parteitag wurde Eugen Brückner=Berlin, als Ersatzmann Neumann=Driesen gewahlt. Zum Punkt Presse erklarte Genosse Zucht, daß die Vertreter der vier in Betracht kommenden Kreise der Neumark in einer Versammlung, die am 25. Juli in Küstrin stattfand, beschlossen haben, unverzüglich die Sammlung von Unterschriften für die neuzugründende„Neumarkische Volksstimme“ vorzunehmen, damit eine sichere Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung des Blattes gewährleistet wird.„. 6 4.— 20 In der General=Versammlung des Waylvereins für den 20. sächsischen Reichstags Wahlkreis(Zschopau=Marienberg) wurde mitgeteilt, daß die Beitragserhöhung keinen Mitgliederverlust gezeitigt hat. Der Kreis hat eine Gesamteinnahme von 2681,33 Mk. und eine Ausgabe von 2259,97 Mk. Außerdem ist noch ein Wahlfonds vorhanden. Die Parteibewegung im Reichstagswahlkreise Hanau=Gelnhausen-Orb hat nach dem Jahresbericht für die Zeit vom 1. Juli 1908 bis zum 30. Juni 1909 außerordentlich gute Fortschritte gemacht. Während der Organisation am 1. Juli 1908 3820 Genossen angehörten, waren am 30. Juni 1909 in 64 Filialen 5928 Mitglieder organisiert(darunter 784 weibliche). Die Einnahmen und Ausgaben des Kreiswahlvereins schließen mit 20 784,11 Mk. ab. Die Gemeindevertreter nahmen im April dieses Jahres in Hanau an einem Lehrkursus über Kommunalpolitik teil, in dem als Lehrkräfte die Herren Hoch und Dr. Wagner fungierten. Der 15. sächsische Reichstagswahlkreis(Mittweida=Limbach) hatte, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht, am Ende des Berichtsjahres 27 Lokalorganisationen(3 mehr als im Vorjahre), 3335 Mitglieder(293 mehr als im Vorjahre), 141 Gemeindevertreter(8 mehr als im Vorjahre). An den Parteivorstand wurden 1750 Mk. abgeliefert. In der Generalversammlung kam es bei dem Punkt„Presse“ zu einer Aussprache über die„Themnitzer Volksstimme. Die Genossen von Mittweida brachten eine Resolution ein, in der sie sich mit der Haltung des Blattes einverstanden erklärten. Genosse Heim=Limbach dagegen erklärte sich mit der prinzipiellen Haltung der Zeitung nicht einverstanden: Ein Machwerk wie das Buch des Dr. Arthur Schulz hätte nicht so freundlich besprochen werden dürfen. Auch die persönlichen Spitzen gegen die„Leipziger Volkszeitung“ wären besser unterblieben. Der Bericht über die letzte Kreisversammlung sei nicht objektiv gewesen. Die Genossen Alban Landgraf=Limbach, Ehrlich=Limbach=Oberfrohna und Winkler=Limvach schlossen sich diesen Beschwerden an. Die Genossen Engelmann=Frankenberg, Rakurow=Frankenberg, Lehmann=Mittweida und Redakteur Heilmann-Chemnitz traten den Vorwürfen entgegen. Genosse Mehner=Hartmannsdorf ist mit der Haltung der Redaktion einverstanden, bittet aber, keine persönlichen Polemiken mit anderen Parteiblättern zu führen. Auf Antrag des Genossen Heilmann wurde einstimmig beschlossen, über die Resolution von Mittweida nicht abzustimmen. Vom Strafkonto der Presse. Die Berufungsinstanz beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Urteil des Schneeberger Amtsgerichts gegen die Genossen Redakteur Bartels von der „Chemnitzer Volksstimme" und Geschäftsgehilfe Rülke in Schneeberg. Wegen angeblicher Beleidigung des Bürgermeisters Dr. v. Woydt in Schneeberg war Rülke zu der ungeheuerlichen Strafe von 3 Monaten Gefängnis, Bartels zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Beide hatten Berufung gegen das Urteil eingelegt, desgleichen die Staatsanwaltschaft, der die Strafen noch zu gering erschienen. Das Urteil der Berufungskammer lautet auf Aufhebung des vorinstanzlichen Urteils vezüglich Rülke, der zu 300 Mt. Geldstrafe verurteilt wurde; bei Bartels soll es beim Urteil der ersten Instanz sein Bewenden haben. und Genosse Bötche# als Vertreter des 5. Berliner Wahlkreises, Im ganzen Kreise steyt den Genossen kein einziges Lorai zur Verfügung, es fanden deshalb gut besuchte Versammlungen unter freiem Himmel statt in Arnswalde und Minken. Vier kleinere Versammlungen wurden in Wohnungen von Genossen abgehalten. Flugblätter wurden im Kreise 15000 Stück, Kalender 12000 Stück und„Fackeln“ 13000 Stück verbreitet. Der„Vorwärts“ wird in 6, die„Märkische Volksstimme“ in 87 und der „Wahre Jacob“ in 100 Exemplaren gelesen. Die gegen zirka 20 Genossen wegen eines Maiaufzuges verhängte Strafe von 15 resp. 10 Mk. wurde von der Berufungsinstanz aufgehrben, ebenso die Strafe gegen zwei Genossen wegen Flugblattverbreitung; die Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Ein von der Ortsgruppe Berlin gestellter Antrag: Zur Forderung der Agitation im Kreise einen agitatorisch befähigten Genossen in unabhängige Stellung zu bringen, wurde nach lebhafter Diskussion angenommen. Nach dem Bericht des Kassierers bilanzierte Einnahme und Ausgabe mit 789,51 Mk. An die Parteikasse in Berlin wurden 58 Mk. abgeführt. Die Zahl der organisierten Genossen beträgt zurzeit 205. Ein Antrag, den ParteiAuch eine Beamtenbeleidigung. Gelegentlich einer Zeitungsagitation in Lünen bei Tortmund versuchte ein Polizeibeamter, verschiedene Einwohner vor dem Abonnement der Arbeiterzeitung zu warnen. Ein Genosse, der in einer öffentlichen Versammlung das Gebaren des Polizeibeamten kritisierte, wurde vom Schöftengericht wegen Beleidigung zu 50 Mark Strafe verurteilt, weil die Form der Rede die Absicht der Beleidigung erkennen lasse und im übrigen die Absicht auch aus dem Treiben des Angeklagten und aus seiner Gesinnung hervorgehe. Die Dortmunder Ferienstrafkammer als Berufungsinstanz sprach jedoch den angeklagten Genossen frei, weil nach Ansicht des Gerichts der Angeklagte der ganzen Sachlage nach durchaus in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Die gesamten Kosten wurden der Staatskasse auferlegt. Gewerkschaftsbewegung. Deutsche Buchdrucker. Ueber die Lage der deutschen Buchdrucker erfahren wir aus dem soeben erschienenen Bericht der Deutschen Buchdrucker=Berufsgenossenschaft sehr interessante Zahlen.„„„ Nach einer üversichtlichen aufsteuung sind in Preußen 4036 Betriebe mit 81979 Arbeitern versichert, davon 3929 BuchRichtungen hin abgemarkten Vierecken, wie ein Schachbrett aus. Ja, einige der Eifrigsten hieben schon wacker mit den schweren Spitzhacken ein und arbeiteten im Schweiße ihres Angesicht-, um so rasch als möglich auf die goldhaltige Erde zu kommen, wo sie solche Stücken erwarten durften.., ansen ührigen Im vollsten Widerspruch indessen mit der gungen rastlos beschäftigten und nur das praktische Leben erfassenden Welt um ihn her, stand der Justizrat, der sich so wenig um den Goldklumpen oder weitere Aussichten auf ähnlichen Erfolg bekümmerte, als ob er ruhig daheim in Europa in seiner Stube säße und die Geschichte nur eben in der Zeitung gelesen hätte. Ueberhaupt nie daran gewöhnt, sich zu irgend einer Sache rasch zu entschließen, glaubte er auch hier noch ebenfalls Zeit genug zu haben; Gold mußte ja außerdem überall liegen, wozu also sich abhetzen und ohne weiteres damit anfangen. Das wichtigste für jetzt schien ihm im Gegenteil, die Waschfrau aufzufinden, von der ihm Fischer gesagt hatte: er packte deshalb, da nicht einmal Herr Hufner im Zelte geblieben war, um ihn dabei zu unterstützen, seine schmutzige Wäsche eigenhändig zusammen und in ein Bündel, zündete sich eine frische Pfeise an und schlenderte dann langsam in die Stadt hinab, das Bündel dabei so viel wie möglich mit seinem Rocke bedeckend. „Tomlins“, den Namen hatte er sich übrigens gemerkt, und nach„Frau Tomlins“ frug er jetzt unten ein paar ihm begegnende Amerikaner, die ihn jedoch im Anfang nicht verstanden. Erst als er ihnen die Wäsche zeigte und den Namen Tomlins wiederholte, begriffen sie, was er wollte, die Waschfrau schien ausgebreitete Kundschaft zu haben, und wiesen ihn in ein kleines Zelt, das in der Reihe der übrigen stand. Dort trat denn auch der Justizrat ohne weiteres ein, denn ein Anklopfen war nicht gut möglich, blieb aber im Eingange stehen, als er die erwartete Frau da nicht bemerkte. Nur ein alter Neger saß an einem mitten im Zelt angeschürten Feuer, über dem ein großer Topf an zwei eingerammten Pfosten hing, und briet sich Kartoffeln in der heißen Asche. So wenig nahm er übrigens von dem Justizrat Notiz, daß er bei dessen Eintritt und Gruß nicht einmal den Kopf hob, sondern nur einfach ein paar unverständliche Worte vor sich hinmurmelte und dann eine von den Kartoffeln herausnahm, an seinem Knie abwischte, voneinander brach, blies und verzehrte. Frau Tomlins nicht zu Hause?“ sagte der Justizrat. ohm?“ frug der Neger, ohne aufzusehen. „Frau Tomlins nicht zu Hause?" wiederpotte mit lauter, fast schreiender Stimme jetzt der Deutsche, denn er fing an zu glauben, daß der Neger vielleicht schwerhörig sein könne. Me Tomlins!“ sagte da der Alte, indem er sich mit der halben dampfenden und gar nicht übel riechenden Kartoffel auf die eigene Brust deutete.„Me Tomlins, what vou want.“ „Aber wo ist die Frau?“ fragte der Justizrat, dem es noch nicht einfiel, daß der Alte hier die bezeichnete Waschfrau selber sein könne.„Frau, Woman?“ „Woman?“ wiederholte aber der Alte erstaunt, indem er zum erstenmal zu dem Fremden aufsah, und es war fast, als ob ihm eine Art von Lächeln durch die dunkeln, in tausend Falten gelegten Züge blitze—„me no woman— me Tom lins— want washing?“ Das Wort washing kam dem Deutschen zu nahe, einen Zweifel an der Bedeutung des Wortes zu lassen, wenn es auch dem Justizrat noch nicht recht in den Kopf wollte, daß das die einzige„Waschfrau“ sei, die er hier finden würde. Der Alte löste aber darüber bald auch seine letzten Zweifel, und ließ sich sogar herab, dem Fremden durch eine waschähnliche Bewegung seiner beiden Hände anzudeuten, was er meine. „Hm, brummte da endlich der Justizrat vor sich hin,„verwünscht verkehrtes Land, denke, finde weiße Waschfrau, ist's ein schwarzer Neger. Hm— einerlei, wenn er nur gut wäscht.“ Und dabei packt er seine mitgebrachten Hemden, sieben an der Zahl und alle von guter feiner Leinwand, aus und zeigte sie dem Schwarzen. „Put them dare,“ sagte aber dieser, ohne die Wäsche auch nur eines Blickes zu würdigen, indem er mit der rechten Hand in die nächste Zeltecke deutete, wo schon ein ganzer Haufen anderer schwarzer Wäsche lag.„Werft sie dahin, kommen alle die Woche dran. „Aber möchte sie sorgfältig behandelt haben,“ sagte der Justizrat, dem dieses summarische Verfahren nicht recht gefiel. (Fortsetzung folgt.) Dus pollische Frnnen in China und seine gegenwärtigen Kichlungrn. Ein ausgezeichneter Kenner chinesischen Lebens schreibt der„Leipziger Volkszeitung": Das Zusammentreffen zweier völlig durchgebildeter Kultursysteme, des europäischen und des ostasiatischen, ist eine der bedeutsamsten und folgenreichsten Erscheinungen der neuesten Geschichte. Die Reformbewegungen des modernen China sind daraus hervorgegangen. Zunächst erzeugte dieses Zusammentreffen eine geistige Erregung und Erschutterung, und zwar gerade bei den intelligentesten Chinesen, die richtig sahen, daß China in einer Welt neuer Beziehungen seinen Platz nur durch Anschluß an die Kräfte der neuen Zeit behaupten konnte. Seit Mitte der neunziger Jahre hat dieser Prozeß auch die großen Massen erfaßt und sie in Erregung versetzt. In weiteste Kreise dringt die Kunde von den Machtmitteln des Westens. Die Frage, was der eindringenden fremden Kultur gegenüber China sein wird, beherrscht das geistige Leben Chinas; die verschiedene Stellung zu diesem Problem bestimmt die neuen Strömungen im Denken. Tiefgehend aber ist die Erregung des chinesischen Geisteslebens deshalb, weil sich hier eine große Kultur in dem lange gefestigten und sicheren Besitz aller ihrer Güter und Werte bedroht sieht. Wenn China sich gegen den Fortschritt vielfach abweisend verhält, so dürfen wir nicht vergessen, daß damit etwas seinem Wesen Fremdes an dasselbe herantrat und daß die Europäer die Errungenschaften ihrer Kultur den Chinesen nicht brachten, um China zu fordern, sondern um selbst in China zu gewinnen. Dabei ist oft in einer Weise verfahren worden, die dem hohen Rechtsgefühl der Chinesen unsere Kultur nicht empfehlen konnte. Der Opiumkrieg(1841/42) ist und bleibt ein Schandfleck; mit Recht schrieb damals der bedeutende leitende Staatsmann Chinas Lin=tse-tsin an die Königin Viktoria von England die beschämenden Worte:„Wie kannst du, ohne Gewissensbisse zu fühlen, Gewinn suchen in einem Artikel wie Opium, der so schädlich für die Menschen ist! Muß es dir nicht widerstreben, anderen das zuzufügen, was du nicht willst, das man dir tue?“ Auf diese peinliche Frage des Konfuzianers an die christliche Königin ist keine Antwort erfolgt. Im Jahre 1869 erwiderte der Prinz Kung dem englischen Gesandten Sir R. Alcock, als er sich mit der Phrase verabschiedete, es möchten stets gute Beziehungen zwischen England und China bestehen:„Wir wollen gute Beziehungen zu euch unterhalten. Nimm dein Opium und deine Missionare mit, und ihr werdet von uns nie Schwierigkeiten haben... 9 2 ahmen ahgeseben.“ Man kann— von wenigen ausnühmen abgesehen— offen sagen, daß die in China wirkenden Europäer fur das innere Wesen der chinesischen Kultur weder Verständnis noch Achtung gehabt haben, daß sie die Chinesen als Barbaren betrachtet und dem Ansehen der Europäer sehr geschadet haben. Dunkt sich doch jeder junge Referendar, der an der Botschaft Dienste leistet, auf Grund seines oft mühsam bestandenen Examens für vier mehr als ein alter erprobter chinesischer Staatsmann, der eine gewaltige Arbeit zu leisten hat und oft Länder von der Größe eines europäischen Königreiches regiert. Trotz aller begangenen Fehler verkannten die besten Köpfe Chinas keineswegs, daß die neuen Beziehungen eine Reform forderten, daß der Bestand Chinas schwer bedroht war. Es spricht für die Einsicht dieser Reformer, daß sie nicht mit den sittlichen Normen brechen wollten, die seit Jahrtausenden das chinesische Leben bestimmten. Vielmehr versuchte man, die erstarrten Formen des Staatslebens als eine Abweichung von der konfuzianischen Staatslehre darzutun, man sollte den Irrweg wieder verlassen und in die richtigen Bahnen zurücklenken, zu der echten. reinen Lehre des Konfuzius. Seine Lehren seien verwirrt und entstellt, würde man sie konsequent verwirklichen, so müßté China ein Kulturstaat werden, der den Mächten des Westens weit mehr gliche als dem heutigen China. Diese Gedanken sind ungemein wirksam geworden; sie fanden in den Kreisen der führenden Staatsmänner, anfangs auch bei der verstorbenen Kaiserin, Zustimmung. * — bruckereken mit 65647 Arbeitern. Im Königreiche Bayern zählte man 674 Betriebe mit 11 876 Versicherten, in Sachsen 738 Betriebe mit 20 433 Versicherten, in Württemberg 291 Betriebe mit 5879 Versicherten, in Baden 262 Betriebe und 4212 Versicherten usw. Der Durchschnittslohn betrug 1139,04 Mk. gegen 1124,95 Mk. im Jahre 1907. Den höchsten Durchschnittslohn verdiente man im Bezirk der Sektion VIII(Berlin) mit 1463 Mk., den niedrigsten in Sektion XII(Posen) mit 854 Mk. pro Jahr. Wie die nachstehende Tabelle zeigt, sind in einzelnen Bezirken die Löhne im letzten Jahre gegenüber 1907 sogar gesunken: Sektionen Durchschnitt der Löhne und Gehälter auf eine versicherte Person i. Jahre 1908 A i. Jahre 1907 A 1099,20 1071,48 1148/43 1129,04 1068,59 990,80 1161,56 1403,05 886,29 1265,92 903/42 854,43 1038,56 1056,13 1131,44 1117,61 1061,92 977,97 1146,63 1394,50 911,53 1287/81 894,29 796,50 !(Hannover) II(Köln=Rhein) III(Frankfurt=M.) IV(Stuttgart) V(München) VI(Halle=Saale) VII(Leipzig) VIlI(Berlin) IX(Breslau) X(Hamburg) XI(Stettin) zu(Bosen)... Zusammen für 1908( 1139,04 1124,95 Ueber die Größe der versicherten Betriebe wird berichtet, daß auf jeden Betrieb durchschnittlich 20,7 Arbeiter entfallen. In. 45. Betrieben waren je über 300 Personen beschäftigt. In den ahren 1902 und 1903 zählte man noch keine Setzmaschinen, die im Jahre 1904 mit 1197 erschienen und sich seit dieser Zeit verdoppelt haben. Angemeldet wurden im Berichtsjahre: 2741 Unfälle gegen 2818 im Vorjahre. Auf 1000 Versicherte entfallen somit durchschnittlich 18,4 Unfälle. Entschädigt wurden jedoch nur 418 Falle, davon 248 männliche und 115 weibliche Erwachsene, sowie 42 männliche und 13 weibliche jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren. Die Zahl der männlichen Verletzten unter 19 Jahren betrug 93, die der weiblichen dagegen 53. Durch Unfall wurden 14 Versicherte getötet.... Marussgengfteanschaft 257 Berufungen wurden zugunsten der Berufsgenossenschaft und nur 73 zugunsten der Verletzten von den Schiedsgerichten erledigt. Von den Rekursen der Berufsgenossenschaft hatten 10 Erfolg und 9 wurden abgewiesen, während die Verletzten nur in 5 Fällen siegten und in 27 Fällen abgewiesen wurden. Wie es in den Buchdruckereien Deutschlands mit dem vielgerühmten Unfallschutz aussieht, davon ein Bild aus dem Berichte selbst. Die technischen Aufsichtsbeamten, drei an der Zahl, revidierten im Berichtsjahre nur 996 Betriebe und fanden darin insgesamt 6040 Mängel vor. Eine genaue Aufstellung der Mangel nach Art und Zahl lehrt, wie sehr die gefährlichen Maschinen noch jeden Schutzes entbehre Es heißt darüber auch u. a.: „Die Tiegeldruckpresse lieferte im letzten Jahre der Genossenschaft 19 Prozent aller entschädigungspflichtigen Unfälle. Es dürfte diese große Zahl Unfälle an Tiegeldruckpressen wesentlich dem Umstande zuzuschreiben sein, daß vorzugsweise jugendliche, schlecht ausgebildete Personen an diesen Maschinen beschäftigt werden. Dies geht auch aus der Unfallstatistik hervor. Nach der Aufstellung für das Jahr 1908 waren 70 Prozent der an Tiegeldruckpressen Verletzten bis zu 19 Jahre alt, während für Schnellpressen dies Verhältnis 45 Prozent, bei Rotationsmaschinen 13 Prozent betrug. Ueber gesundheitsschädliche Einflüsse wird berichtet, daß„in Maschinensetzereien vielfach Heizgase und etwaige Abgase der Oxydation des Metalls in gemeinsamer Royrleitung zum Schornstein oder auch nur durch die Mauer nach außen geleitet werden. Diese Rohrleitung ist häufig unsachgemäß ausgeführt, so daß eine gesundheitsschädliche Luft in den Räumen voryerrscht.“ Man sieht hieraus, daß die Buchdrucker alle Ursache haben, mehr Schutz für Leben und Gesundheit zu verlangen und vei den nachgewiesenen Lohnsätzen unter der Teuerung sicher sehr zu leiden haben. Deutscher Malermeistertag. Im weiteren Verlaufe des Malervereinstages sprach der Malermeister Irl über die neue Reichsversicherungsordnung. Er beklagte die schweren Lasten, die dem deutschen Handwerke dadurch wieder auferlegt würden; die Versicherung müßte vereinfacht werden. Nach langer Debatte, in der wieder die alten Beschuldigungen erhoben wurden, daß die Ortskrankenkassen Versorgungsstellen für sozialdemokratische Agitatoren seien, wurde beschlossen, eine Denkschrift an die gesetzgevenden Fakloren auszuarbeiten. Der Streik der Oelfabrikarbeiter in Bremen ist beendet. Es waren 170 Personen daran beteiligt. Die Betriebsleitung hat die 6 Mann wieder eingestellt und die Regelung der Lohnorderung bis Mittwoch, 11. August, bestimmt in Aussicht gestellt. Daraufhin haben die Arbeiter Montag abend die Arbeit wieder ausgenommen. Unternehmerwillkür. In der sogenannten Waisenhausdruckerei in Halle haben 25 Hilfsarbeiter und=Arbeiterinnen hätten... Buchdruckerstreik. Innsbruck, 10. August. Wegen Differenzen beim„Tiroler Anzeiger“ ist hier ein allgemeiner Streik der Setzer und Buchdrucker ausgebrochen. Seit heute morgen erscheinen hier keine Zeitungen. Genossenschaftsbewegung. Rabattmarken— unlauterer Wettbewerb. In einer Polemik der Freien Vereinigung selbständiger Kaufleute in München gegen die dortigen Rabattsparvereine in den„Münch. Neuesten Nachr. vom 24. Juli heißt es: „Da es nun unbestreitbar feststeht, daß kein Geschäft 5 pCt. weggeben kann, ohne sich dafür durch Aufschlag oder mindere Qualität schadlos zu halten, so geht daraus hervor, daß die Rabattmarken nicht„gespart“ sind, sondern mitbezahlt werDie Behauptung des Rabattsparvereins, das Publikum spare, wenn es da kaufe, wo es Vereinsmarken erhält, ist also nur ein Reklametrick, der unserer Ueberzeugung nach unter dem Begriff:„Unlaukerer Wettbewerb“ fällt, weil der Verein dadurch für seine Mitglieder den Anschein eines ganz besonders günstigen Angebots zu erwecken sucht. Und das müssen sich die Rabattsparvereinler von ihren eigenen Kollegen sagen lassen! Die Besteuerung der Konsumvereine in England wird gegenwärtig recht lebhaft von den englischen Händlern verlangt, die dabei den Spuren ihrer festländischen Kollegen folgen. Diese Agitation der Händler auf Unterstellung der Konsumvereine unter das Einkommensteuergesetz veranlaßte kürzlich die Südsektion des englischen Genossenschaftsbundes, eine Versammlung nach Brighton einzuberufen, in der Mr. Gray, der Generalsekretär des englischen Genossenschaftsverbandes, über die Besteuerung der Konsumvereine sprach. Herr Gray wandte sich entschieden gegen die Unterstellung der Konsumvereine unter das Einkommensteuergesetz. Nach dem jetzt geltenden englischen Einkommensteuergesetz haben Individuen, die ein Einkommen von 3200 Mk. und mehr beziehen, Einkommensteuer zu bezahlen. Soweit Konsumvereinsmitglieder dieses Einkommen erreichen, müssen sie natürlich zu ihrem Einkommen auch die Erträgnisse rechnen, die ihnen aus ihrer Mitgliedschaft beim Konsumverein erwachsen. In dieser Hinsicht verlangen die Konsumvereine, wie Herr Gray betonte, keine Ausnahme. Die Zahl der Genossenschafter, die ein solches Einkommen, das sie einkommensteuerpflichtig macht, erreichen, ist jedoch sehr gering. Von 941 Genossenschaften waren nur 1,8 Prozent der Mitglieder dem Einkommensteuergesetz unterstellt. Die Genossenschaften selbst brauchen in England ihr sogenanntes Einkommen nicht zu versteuern. Die Gesetzgebung erkennt vielmehr an, daß der sogen. Geschäftsgewinn der Genossenschaften nur aus Beiträgen besteht, die die Genossenschafter vorher zu viel bezahlt haben. In einer Entscheidung der höchsten Instanz für Steuerangelegenheiten vom Juni 1901 heißt es: In dem Fall einer Konsumgenossenschaft im eigentlichen Sinne des Wortes, welche Waren nur an ihre eigenen Mitglieder verkauft und einen etwaigen Ueberschuß an die Mitglieder im Verhältnis zu ihren Einkäufen verteilt, erachtet es der Gerichtshof für unberechtigt, diese zur Rückvergütung benutzten Beträge als Profit zu betrachten, der der Einkommensteuer unterliegt. Nur solche Summen tragen das Merkmal des Einkommens, welche als Verzinsung des Anteilkapitals zu hetrachten sind, und außerdem müssen Konsumvereine, die auch an Nichtmitglieder verkaufen, den Teil ihres Ueberschusses, der durch den Verkauf an die Nichtmitglieder entsteht, der Einkommensteuer unterstellen. Da nach dieser Entscheidung die Anwendung des Einkommensteuergesetzes auf die Konsumvereine nicht zu erwarten ist, verlangen nun die englischen Händler, ganz wie bei uns eine Besteuerung der Konsumvereine nach dem Umsatz, nicht nach den Ueberschüssen. In England ist dieses Verlangen jedoch aussichtslos, und Herr Gray wird wohl recht behalten mit seiner Voraussage, daß die englische Gesetzgebung die Konsumgenossenschaften der arbeitenden Klassen vor einer solchen Ungerechtigkeit, wie sie die Besteuerung nach dem Umsatz darstellen würde, bewahren wird. Industrie, Handel und Verkehr. Ki Hilgers Klageschrei. Der Arbeiterschaft ist der Bergrat Hilger kein Unbekannter. Der Herr Bergrat schwang lange despotischen Regiments in dem Trierer Prozeß gegen den trauensmann des Bergarbeiterverbandes Kraemer machte seiner saarabisch=fiskalischen Herrschaft ein Ende. Doch hell begann ihm die Gnadensonne des Privatkapitals zu scheinen, er wurde Generaldirektor der Laurahütte in Oberschlesien. Die saarabischen Gepflogenheiten in der Behandlung der Arbeiterschaft setzte er in Oberschlesien getreulich fort, seine sonstigen Leistunie Han schaft zu bezeichnen pflegten, für das Jahr 1908/09 voraussichtlich ihren Aktionären keine Dividende zahlen. Es liegt vielleicht nahe, diesen Mißerfolg als Wirkung der Wirtschaftskrise anzusprechen, aber davon kann keine Rede sein. Gewiß ist auch die Laurahütte durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen worden, jedoch die Ergebnisse, mit denen Herr Hilger auswarten kann, sind die Folge seiner völlig verkehrten Geschäftspolitik. Vor einigen Tagen hat Herr Hilger gelegentlich des Veteranenfestes der Laurahütte eine Rede über die Lage der oberschlesischen Eisenindustrie gehalten.„Ich muß gestehen", erklärte er,„daß wir mit der eigenen Kraft so ziemlich am Ende sind. Zur Begründung dieses Klageschreies führte er aus, daß die oberschlesische Eisenindustrie zwischen Rußland und Oesterreich eingeklemmt sei, die beide hohe Zollschranken gegen sie errichtet hätten, um eine lohnende Ausfuhr nach diesen Ländern fast unmöglich zu machen. Außerdem bereite die weite Entfernung der ausländischen Erzlager, von denen die oberschlesische Industrie beinahe zu neun Zehntel ihres Bedarfs abhängig sei, durch die hohen Transportkosten eine solche Verteuerung der unentbehrlichen Rohprodukte, daß die oberschlesische Industrie sich auf die Dauer nicht mehr konkurrenzfähig halten könne, wenn der Staat nicht bald helfe. Diese Hilfe verlangt er in Gestalt billiger Eisenbahntarife für die oberschlesische Eisenindustrie. Die Mitteilungen, die Hilger über die Lage der oberschlesischen Eisenindustrie machte, haben keineswegs Ueberraschung hervorgerufen, es ist zur Genüge und lange bekannt, daß die Eisenindustrie Oberschlesiens durch die Eisenindustrie im Westen Deutschlands mehr und mehr in ihrer Konkurrenzfähigkeit beeintrachtigt wird. Seltsam ist nur, daß Hilger diese Entwicklung erst so spat erkannt hat. Hätte er diese sich seit Jahren vollziehende Veränderung der Situation erkannt, dann wäre das System, das er bei der im Eiltempo vorgenommenen Ausdehnung der Laurahüttenbetriebe befolgte, wohl unmöglich gewesen. Bis zum Jahre 1908 hat die Laurahütte einen erheblichen Teil ihrer außerordentlichen Gewinne zu Betriebserweiterungen benutzt, bei einem nominellen Kapital von 27 Millionen Mark wurden von der Verwaltung zu Beginn 1908 die Anlagen der Lauranätte bei der allerniedrigsten Bewerrung auf 80 Millionen Mer# veranschlagt. 1908 erfolgte nach langen Jahren die erste### alerhöhung, um die Betriebsausdehnung noch mehr zu beschlunigen. Unter Hilgers Leitung ist die Eisenproduktion auf diese Weise mit denkbarster Schnelligkeit getrieben worden, wodurch die Kohlenproduktion mehr und mehr in den Hintergrund trat. Diese Politik steht in dem kraffesten Gegensatz zu der Entwicklung und Lage der oberschlesischen Industrie, wie sie nun Hilger selbst geschildert hat. Die Situation der Laurahütte erforderte, wie Fachkreise nicht erst seit gestern aussprachen, Erhöhung der Produktion von Kohle für den Verkauf, aber keineswegs Vermehrung der Eisenproduktion. Gerüchte wollten kürzlich wissen, daß Hilgers Ausscheiden aus der Verwaltung der Laurahütte bevorstehe, aber selbst wenn er noch nicht den Laufpaß erhält, seine Herrlichkeit ist geborsten. Vielleicht dämmert den Großaktionären von Laurahütte die Erkenntnis, daß Haß und Rücksichtslosigkeit gegen die Arbeiterschaft nicht die Eigenschaften sind, die die Fähigreit zur maßgebenden Leitung eines Riesenunternehmens erweisen. Arbeiterentlassungen. Hanau, 10. August. In den Tonwerken der Firma Holzmann in der Nachbargemeinde Hainstadt wurden 100 Arbeiter wegen Geschäftsstockung im Baugewerbe entlassen, hauptsächlich jugendliche und unverheiratete. Militärisches. Militärjustiz. Das Kriegsgericht in Hanau verurteilte den Schriftsetzer Oskar Nuschke aus Creußen i. Th. wegen Achtungsverletzung, Drohung vor versammelter Mannschaft und Preisgabe von Dienstkleidern zu 2½ Jahren Gefängnis. Der Mann war lange Zeit außer Arbeit und 3 Tage, nachdem er endlich wieder Arbeit gefunden hatte, wurde er zu einer 14tägigen Reserveübung eingezogen, Vor Wut darüber trank er etwa 30 Glas Bier und eine Quantität Schnaps und hat dann in seiner Trunkenheit den Unteroffizier, der ihn einkleiden sollte, beleidigt. Er erklärte, diese militärischen Uebungen seien sein Ruin. Einige Tage später flüchtete er, stellte sich aber an der französischen Grenze der Behörde und wurde in Haft genommen. Der Anklagevertreter, Gerichtsassessor Laubersbach=Frankfurt, ließ zunächst die Anklage wegen Widerstandes fallen, wetterte dann aber in seiner Rede gegen die revolutionäre Sozialdemokratie, die allein für die Taten des Nuschke verantwortlich zu machen sei. Der Angeklagte sei das Opfer der systematischen Verhetzung durch die Internationale, er beantrage 2½ Jahre Die Bewegung aber nahm teilweise eine Richtung an, die Gegensätze in ihr hervorrief. Es erhob sich eine radikale Strömung, die alle Voraussetzungen der chinesischen Kultur aufheben wollte; ihr widerstanden natürlich die Kreise, die an der uralten Ueberlieferung festhalten wollten. Gemeinsam aber blieb beiden Gruppen die Gegnerschaft gegen das Eindringen des Europäertums, in dem man eine bedrohliche Macht sah. Beide Richtungen wollten China in seiner Selbständigkeit behaupten, nur über die Art, wie man die Europäer abwehren sollte, war man verschiedener Meinung. Seit 1898 sind die geistigen und politischen Hergänge in Ostasien durch die Auseinandersetzung mit Europa bestimmt; 1899 kam der„Ostasiatische Kulturbund“ unter japanischer Führung zustande, der den Einfluß Europas abwehren will. Der Haß gegen das Europäertum, der nicht ganz grundlos war, wuchs in der Stille und wurde von Fanatikern geschürt und geleitet. Die Erhebung von 1900 war der unmittelbare Ausdruck dieser Stimmung. Die europäische Expedition hat durch sinnlose Greuel und barbarische Zerstörungen in Peking die Abneigung gegen Europa nicht vermindert.— Nur geistig und moralisch hervorragende Persönlichkeiten, die vor allem den ehrlichen Willen haben, statt die Chinesen hochmütig zu verachten, sie in ihrer Kultur zu verstehen, können hier nützen. Ehrlich ist das Bestreben der chinesischen Regierung gewesen, nach den Unruhen einen erträglichen Zustand und normale Beziehungen zu den Mächten herzustellen. Sie griff auf das Programm der Reformer von 1898 zurück und versuchte bei der Ueberzeugung von der Unhaltbarkeit der politischen Zustände eine Erneuerung des Staates zu schaffen, die eben so sehr der altchinesischen Anschauung wie den Forverungen der Neuzeit entsprechen. Daß die politische Reform zunächst das Unterrichtswesen umzugestalten begann, entsprach durchaus der Bedeutung, die geistige Bildung im chinesischen Staatswesen inne hat. Das chinesische Wesen hat einen ausgeprägt demokratischen Charakter; es kennt keine sozial geschiedenen kasten. Der Unterschied der Stände ist hier, wie Fr. v. Richthofen(Tagebuch aus China II, 32) bemerkt, mehr ausgeglichen als fast in allen Ländern der Welt. Der Chinese Nyok=Ching Tsur hat in einer wertvollen Arbeit„Die gewerblichen Betriebsformen der Stadt Ningpo in China“(1909) mit Recht betont, daß die sozialen Unterschiede dadurch ausgeglichen werden, daß nur die in Prüfungen erwiesenen Kenntnisse den Rang bestimmen und daß es jedem Chinesen möglich ist, das zu den höchsten Aemtern führende Staatsexamen zu machen.„Die Wissenschaft ist die Stärke, die Macht eines Landes nach innen und außen. Mit ihrem Jubiläum. Es wurzelt somit tief im chinesischen wenn die moderne Reformbewegung das Unterrichtswesen an Heute gibt es in den führenden Kreisen Chinas kaum noch die janatisch- konservativen Verfechter des unverletzten Altertums, die jede Neuerung ablehnen. Die Erkenntnis, daß Neuerungen unumgänglich sind, wird allgemein zugestanden; nur Maß und Umfang der Umgestaltungen werden heftig umstritten. In Europa besteht vielfach die Meinung, es gebe eine „fremdenfeindliche" oder reaktionäre und eine„fremdenfreundliche" oder fortschrittliche Partei. Dieser Unterschied besteht in Wahrheit nicht. Alle Parteien sind gerade darin einig, daß sie Chinas Selbständigkeit für die Zukunft gegen den europäischen Einfluß retten wollen. Nur über die Mittel, wie man die Europaer abwehrt, bestehen Unterschiede der politischen Anschauungen.„ In der chinesischen Zeitschriften= und politischen Literatur lassen sich die Richtungen verfolgen.„„ Die gemäßigten Reformer woulen den Staat langsam modernisieren, wollen die europäische Wissenschaft den leitenden Kreisen zugänglich machen; aber sie halten streng an der Staats- und Sittenlehre des Konfuzius fest. Sie wollen vor allem Chinesen bleiben. Die Gründung der Universität Peking ist das Werk dieser Kreise, die sich in der Hauptsache aus den hoheren Beamten, den Großgrundbesitzern und den großen Kaufleuten zusammensetzen. Ihnen stehen die radikalen Reformer gegenüber. Sie halten den modernen Staat für eine Wirkung zahlreicher unkonfuzianischer Mißbräuche. Sein System soll völlig und schnell beseitigt werden. Moderne Bildung soll der ganzen Bevölkerung zugänglich gemacht, kein Beamter ohne moderne Bildung soll angestellt werden. Die starke Europäisierung soll die Mittel liefern, um Europa mit den eigenen Waffen zu bekämpfen. Der geistige Schöpfer dieser Richtung war Kangyeu=wei, ein Politiker von ebenso großer Begabung wie nationaler Leidenschaft. Dieser Bewegung hat sich die Jugend zum großen Teil angeschlossen. Sie ist stark von Japan und England beeinflußt und zugleich russenfeindlich; die amerikanischen Missionare stehen als politische Agenten, was sie im wesentlichen sind, mit ihr in Zusammenhang. Die merkwürdigste Gruppe sind die Revolutionäre. In ihnen verbindet sich die nationale Feindschaft der Chinesen gegen die Fremdherrschaft der Mandschus mit sozialistischen Ideen, die aus Europa und Amerika über Japan vermittelt sind. Ihr gehören namentlich die chinesischen Studierenden in Japan an, auch in Hongkong, Schanghai und Singapore hat diese Bewegung ihre Stützpunkte. Vor allem wollen die Revolutionäre die Mandschu=Dynastie stürzen und damit den alten Staat überhaupt zertrümmern. In der jüngeren Generation spielt die revolutionäre Propaganda eine große Rolle, die höheren Schulen und die Universität Peking sind von ihr erfüllt. Aber sie hat auch schon in die politischen Verhältnisse einzugreifen gesucht. Wahrend des sogenannten Boxeraufstandes wurde eine Verschörung entdeckt(August 1900), deren Ziel war, die Kaiserin und die Regierung zu beseitigen und sich mit den Fremden zu vereinen. Eine ahnliche Bewegung trat 1903 in Schanghai hervor. In allen diesen Fällen ließen sich die Wurzeln der Erscheinungen nach Japan zurückverfolgen. Einer der Revolutionäre erklärte 1903, er wolle den Sozialismus in China einführen und für China werden, was Rosseau für Frankreich war. Gemeinsam ist allen Richtungen, daß sie China gegen Europa schützen wollen; dabei mag das von Japan angeregte Rassenbewußtsein mitwirken. Vor allem wollen die gemaßigten Reformer von den Normen des Konfuzianismus nichts aufgeben. Wohl haben die angewandten Wissenschaften, die Technik Europas, auch manche Einrichtungen der europäischen Kultur die Anerkennung Chinas gefunden. Aber dem inneren Wesen des europäischen Geistes ist der Chinese durchaus fremd geblieben. Vor allem wirkt hier der Gedanke, daß China dazu berufen sei, die Vereinigung der gesamten Menschheit und den Weltfrieden zu schaffen. Im dogmenlosen Konfuzianismus sei die höchste Stufe einer reinen Vernunfterkenntnis erreicht, vor der alle Religionen einst weichen würden. Hier sei der einheitliche göttliche Wille als Norm alles Lebens erkannt; ihm entspricht die volle Einigung der Menschheit. Selbstverstandlich hält der Chinese diese Grundgedanken für höher stehend als das europäische, von so vielen Gegensätzen und Widersprüchen erfüllte Leben, wenn er auch die überlegene Macht der Technik anerkennt. In einer umfangreichen Denkschrift, die Kang=yeu=wei 1897 an den Thron richtete, sind die hier angedeuteten Gedanken und in ihnen das Reformprogramm ausgesprochen. Heute strebt China, das seine Vergangenheit und sein geschichtliches Wesen natürlich nicht aufgeben kann, danach, den Ansprüchen der Neuzeit zu entsprechen, indem es sich zu behaupten sucht durch Uebernahme der modernen Technik, ohne seine eigene Ueberlieferung preiszugeben. Es ist verständlich, daß sich hieraus eine innere Auflösung und tiefgreifende Beunruhigung ergibt. China ist in einem Uebergange begriffen, in dem noch völlig unausgeglichene Gegensätze zusammentreffen. Vor allem ist zu bedenken, daß der innere Abstand zwischen Osten und Westen nicht in kurzer Zeit überbrückt werden kann. eng verwachsen sind. Unkenntnis und uns in China bisher vielfach geschadet. China ist heute bereit, vom Westen zu lernen, um in die Kulturgemeinschaft einzutreten. An eine Zerstörung des chinesischen Wesens, gar an eine Aufteilung Chires ist nicht zu dersen Wahl aher wird eine detnnge An eine Zerstörung des chinesischen, keilung Erinas ist nicht zu venten. Wohl über wilt eine geistige Ueberwindung der Gegensätze in den chinesisch=europäischen Beziehungen politisch und wirtschaftlich die weitreichendsten Folgen haben. Hier liegt der Punkt, von dem die Kulturstellung Europas zu China abhängt. Doch kann es nicht unsere Aufgabe sein, in die politischen Probleme der Gegenwart und Zukunft einzugreifen. Nur als ein Beitrag zur Kenntnis des politischen Denkens in China und seiner historischen Bedingungen können diese Ausführungen gelten. Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse de . Das Gericht erkannte auf diese Strafe, nachdem ein Antrag des Verteidigers, den Angeklagten auf seinen Geisteszu untersuchen, abgelehnt worden war. Kleines Feuilleton. Dem Andenken eines Freiheitskämpfers. Von Dr. Heinrich Blaser im„Blaubuch“. Zur Warnung! Johann Ludwig Maximilian Dortu aus Potsdam, ehemals königl. preußischer Auskultator und Unteroffizier im 24. Landwehr=Regiment, hatte sich aus Anlaß der im Mai dieses Jahres stattgefundenen Staatsumwälzung in dieses Land begeben und war nach dem Einrücken der königlich preußischen Armee den Truppen seines eigenen rechtmäßigen Landund Kriegsherrn, seinen eigenen Waffenbrüdern und Landleuten mit den Waffen in der Hand feindselig gegenübergetreten. Derselbe wurde daher am 11. Juli d. J. wegen Kriegsverrats hierselbst vor ein Kriegsgericht gestellt. Das von diesem wider ihn erlassene Erkenntnis ist am gestrigen Tage von mir dahin bestätigt worden, daß der Angeschuldigte wegen Kriegsverrats unter Degradation zum Gemeinen, Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes und dem Verluste der Nationalkokarde mit dem Tode durch Erschießen zu bestrafen ist. Dies rechtskräftige Urteil ist heute morgen um 4 Uhr an dem Angeschuldigten in der Nähe des Kirchhofs von Wiehre vollzogen worden, was hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht wird. Hauptquartier Freiburg, 21. Juli 1849. Der kommandierende General des 1. Armeekorps der königl. preuß. Operationsarmee am Rhein:, v. Hirschfeld. Sechzig Jahre sind verflossen, daß einer der edelsten und überzeugungstreuesten Freiheitskämpfer aus den Jahren 1848 und 1849 den Märtyrertod starb. Max Dortu war am 29. Juni 1826 in Potsdam als der Sohn des Justizkommissarius Dortu geboren und beteiligte sich schon in frühester Jugend an allen Bestrebungen für Deutschlands Einheit und Freiheit. In den Märztagen des Jahres 1848 führte er eine starke Potsdamer Abteilung nach Berlin und kämpfte an der Spitze auf der Barrikade in der Taubenstraße, die er gegen einen viermaligen Sturmangriff hielt. Der alte Dortu hatte inzwischen zu verhindern gesucht, daß Truppen der Potsdamer Garnison nach Berlin gelangten. Als die Reaktion wieder zur Macht kam, ging Max Dortu nach Baden, wo er als Befehlshaber der Freiburger Volkswehr unter Struve und Hecker wacker focht, bis die Kapitulation von Rastatt ihn den Preußen in die Hände lieferte. Seine Mutter, die Hofdame bei der Königin Elisabeth gewesen war, versuchte durch ein von dieser befürwortetes Gnadengesuch den Sohn zu retten. Man sagte die Begnadigung zu, wenn dieser selbst um Gnade bitten würde. Es hätte des Schreibens des alten Dortu:„Wenn du Gnade von den Hohenzollern erbittest, hörst du auf mein Sohn zu sein“ nicht bedurft. Max Dortu selbst hatte schon, als man ihm nahelegte,„seinen König um Gnade zu bitten“ erklärt: „Ich habe keinen König, und ich will keine Gnade.“ So fiel er denn in der frühen Morgenstunde des 31. Juli. Die Begleitung eines Geistlichen hatte er abgelehnt. Auf dem Friedhofe zu Wiehre wollte er noch zu den Soldaten reden; er wurde daran gehindert und konnte nur noch rufen:„Zielt gut, Brüder!" Dann traf ihn das tödliche Blei. Sein treuer Hund wich nicht von seiner Seite und beleckte heulend den Leichnam seines Herrn. Die Eltern Dortus wollten das Gedächtnis ihres Sohnes in einer Stiftung fortleben lassen und übergaben der Stadt Potsdam eine bedeutende Summe für diesen Zweck. Die Stiftung erhielt aber die landesherrliche Genehmigung nicht; ebenio wenig gestattete man die Ueberbringung der Leiche in das Erbbegrabnis der Familie; diese durfte erst erfolgen, nachdem auch der alte Dortu, der Zeit seines Lebens seinen demokratischen Idealen treu geblieben, gestorben war. Zur Kennzeichnung von Dortus Charakter seien einige Zeilen aus dem Briese mitgeteilt, den er eine Viertelstunde vor seinem Tode an seine Eltern geschrieben, sie lauten: „Ich bin auf den Tod gefaßt. Wer den Mut hat, eine Ueberzeugung zu bekennen und für dieselbe zu kämpfen, muß auch den Mut haben, für dieselbe zu sterben. Ich gehe meinem Ende mutig entgegen, weil ich das Bewußtsein habe, daß ich der Sache, die ich als die richtige und vernünftige erkannte, treu und redlich gedient, daß ich meine Pflichten dem Vaterlande gegenüber erfüllt habe. Ich sterbe voller Freude und Mut, weil ich für die Befreiung des Volkes gekämpft habe.“ Irrfahrten auf Island. Ein großer Teil der Geestemünder und Bremerhavener Fischdampferflotte sucht bekanntlich die Küste von Island auf, um dort dem Schellfisch und Kabeljau nachzujagen. ImWinter ist diese Islandfahrt gefährlicher als andere Zweige der Seefahrt, einerseits wegen der langen Nächte, andererseits wegen der unzureichenden Befeuerung der Küste, an die die Fischdampfer ganz nahe herangehen müssen, um den Fisch zu erreichen. Diesen Umständen war die Strandung des Geestemünder Fischdampfers„Friedrich Albert" zuzuschreiben, die der Kapitän in einem Buch mit dem Titel„Vom Tode erstanden" beschrieben hat. Der„Friedrich Albert“ war in einer Januarnacht an der isländischen Küste, 10 Seemeilen westlich von Ingolshofd, auf eine blinde Klippe gestoßen, und die Mannschaft war vor den Sturzseen, die das Deck überschwemmten, in die Masten geflüchtet. Bei Tagesanbruch und Ebbe gelang es ihr, durch die eisige tosende Brandung an Land zu waten, und nachdem sie eine Nacht in notdürftigem Schutz am Strande kampiert hatte, machte sie sich mit etwas gerettetem Proviant auf den Marsch. Schon nach kurzem Wandern standen sie vor einem der Gletscherflüsse, an denen Island so reich ist. Es gelang, den Fluß teils zu durchwaten, teils zu durchschwimmen, und trotz des sumpfigen Bodens, der jeden Schritt einsinken ließ, noch einige Stunden weit vorzudringen; aber dann kamen sie an ein breites und tieferes Wasser, und als alles Suchen nach einer flachen Stelle sich als vergeblich erwiesen hatte, kehrte die Schar schweigend und entmutigt im nächtlichen Dunkel nach der Strandungsstelle zurück. Dort suchten sie bei Ebbe noch einmal unter Lebensgefähr ihr Schiff auf, um etwas Proviant und Zeug zu erbeuten, und nach einer zweiten Nacht aam Strande traten sie den Marsch von neuem an, einige Stangen und leere Fässer mit sich führend, die sie zum Uebersetzen über die Flüsse gebrauchen wollten. In der Tat gelang es ihnen jetzt, sich weiter als vorher durch den halbgefrorenen Sumpf durchzuarbeiten, als Nahrung Hartbrot mit Schneewasser herunterwürgend. Einige verloren aber schon den Willen zum Leben und mußten von ihren kräftigeren Leidensgefährten mit Gewalt mitgerissen werden. Der erste Maschinist starb sogar in einem Schneesturm vor Entkräftung. Die Mutlosigkeit stieg nun und der Steuermann mit drei Matrosen trennte sich jetzt von den andern, um gegen den Rat des Kapitäns in anderer Richtung ihr Heil zu versuchen. Der Steuermann und einer seiner Begleiter kehrte nie wieder— das Moor verschlang sie, und mit Mühe retteten sich die beiden andern zu dem Häuflein des Kapitäns zurück. Als man noch einen Tag in der. Sumpfebene vorgedrungen war, hemmte ein Wasser von besonderer Breite und reißender Strömung den Marsch, und in der eisigen Polarnacht reifte in den erschopften Menschen— es waren jetzt noch zehn— der Entschluß, sich zur Strandungsstelle zuruckzuschleppen und aus den Trümmern ihres Schiffes ein Fahrzeug zurechtzuzimmern, mit dem sie alle Wasserhindernisse überwinden konnten. Sie fanden in der Tat die Strandungsstelle wieder, flickten das auf den Strand getriebene Rettungsboor des Dampfers aus, schlugen zwei Kufen herunter und machten sich, dieses Fahrzeug vor sich herschiebend, zum dritten Male auf den Marsch. Diesmal fanden sie Rettung; mit ihrem Fahrzeug überwanden sie alle Gewässer, die ihnen den Weg verlegten, und am 30. Januar hatten sie endlich die Sümpfe hinter sich und trafen in den Bergen menschliche Ansiedelungen. Die Bauern nahmen sich ihrer herzlich an und brachten die ganze Mannschaft nach Breidabölstad, wo der Kreisarzt einigen der Armen die erfrorenen Füße und Beine abnehmen mußte. Die übrigen kamen, zwar arg geschwächt, aber doch mit heilen Gliedern, in Reikjavik an, von wo ie nach Geestemunde zurückbefördert wurden. Die Irrfahrten der Besatzung des„Friedrich Albert“ haben den deutschen Konsul in Island. Großhandler Thomsen, veranlaßt, auf Skeidararsandr eine Schutzhütte zu errichten, in der Schiffbrüchige Proviant, Kleider und Karten finden, und diese menschenfreundliche Stiftung ist bereits den Besatzungen zweier anderer auf Island gestrandeten Fischdampfer zugute gekommen, so daß bei der zahlreichen Fischerbevölkerung in Geestemünde und Bremerhaven der Name Thomsen einen guten Klang hat. Beim Kartenspiel erstochen. Würzburg, 9. August. Beim Kartenspiel erstach in Hammelburg der Braugehilfe Hofbauer den Arbeiter Stoehr nach voraufgegangenem Wortwechsel. Eisenbahnzusammenstoß. Frankfurt a. M., 9. August. In Niederurzel fuhr ein beladener Guterzug auf vier Wagen, welche rangiert werden sollten. Die Wagen wurden vollständig zertrümmert, die Maschine des Güterzuges sehr stark beschädigt. Das Zugpersonal konnte sich durch rechtzeitiges Abspringen retten. Der Rangierer Kroll kam unter die Trümmen der Wagen und erlitt schwere Verletzungen. Von einem Eisenbahnzuge übergefahren. Saarbrücken, 9. August. Auf der Station Reden geriet gestern abend der Ulan Schorr vom 7. Ulanen=Regiment, der auf der Bank des Bahnsteiges eingeschlafen war, als er beim Einlaufen des Zuges geweckt wurde, in der Schlaftrunkenheit direkt vor die Maschine und wurde buchstäblich zerstückelt. Ein Lustmörder. Posen, 9. August. Der gestern in Stenschewo verhaftete Tischlergeselle Valentin Kosziol, der verdächtig ist, die Lustmorde in der Provinz Posen verubt zu haben, wurde von sämtlichen Zeugen in Lissa mit aller Bestimmtheit wiedererkannt. Ungetreue Postbeamte. Budapest, 9. August. Im Postamt zu Szaszseber wurden Unterschlagungen aufgedeckt, die viele Jahre zurückreichen. Der dortige Postmeister, der Postoffizial und eine Postbeamtin, sowie der Briefträger wurden in Untersuchung gezogen. Dem Letzteren wurde allein nachgewiesen, daß er in der letzten Zeit über 1000 meist aus Amerika kommender Briefe unterschlagen und den Geldinhalt der Briefe für seine Zwecke verwandt hat. Abgestürzt. St. Gallen, 9. August. Am Piz=Bandile an der Schweizer Grenze sind der Notar Kautolli und der Photograph Patti aus Norditalien totgestürzt. Gewitter. Lorient, 9. August. Ein furchtbares Gewitter ist gestern hier und in der Umgebung niedergegangen. Der Regen floß in Strömen und verursachte in tiefer gelegenen Stadtteilen bedeutende Ueberschwemmungen. Das Gewitter brach aus, als eine große Volksmenge sich auf dem Rennplatze befand. Mehrere Pachthöfe sind völlig zerstört worden. Zugüberfall. Brüssel, 9. August. Ein Pilgerzug, der von Antwerpen nach Turnhout unterwegs war, ist gestern von zwei Eisenbahnräubern überfallen worden. Die beiden Räuber sprangen auf die Lokomotive des Zuges, der sich in voller Fahrt befand. Es entspann sich ein erbitterter Kampf zwischen den Räubern, dem Lokomotivführer und dem Heizer, bei dem die Beamten schließlich Sieger blieben. Der Zug wurde zum Halten gebracht, und die beiden Räuber in dem Zuge nach Antwerpen transportiert. Schwerer Unfall. Brüssel, 9. August. Bei dem Radrennen„Rund um Belgien“ ereignete sich gestern ein schwerer Unfall. Der Rennfahrer Renaix rannte gegen einen Baum und wurde tödlich verletzt aufgehoben. Zwei andere Fahrer wurden von der Hitze überwältigt und liegen schwer erkrankt danieder. Ein Dampfer überfällig. London, 9. August. Man ist immer noch ohne Nachrichten über den Verbleib des überfälligen transatlantischen Dampfers„Waratha“, welcher 300 Passagiere an Bord hat. Der Dampfer wurde zuletzt im Juli östlich von East=London gesichtet. Er hatte acht Stunden Verspätung und versuchte mit anderen Dampsern in Verbindung zu treten. Zwei Mädchen ertrunken. Paris, 9. August. Eine Fähre, worin sich sieben Personen befanden, sank infolge eines Lecks, wobei zwei junge Mädchen ertranken, während die übrigen Personen gerettet werden konnten. Ein wahnsinniger Lokomotivführer. Paris, 9. August. Der Lokomotivführer eines Lokalzuges fuhr gestern durch verschiedene Stationen zwischen Argenteuil und Paris durch, und hielt erst etwa 100 Meter vom Batignollesbahnhof. Eine sofort angestellte Untersuchung ergab, daß der Lokomotivführer plötzlich wahnsinnig geworden war. Eisenbahnunglück. Paris, 9. August. Auf der aus Longjumeau nach Paris führenden Straßenbahnstrecke wurde heute nacht ein Straßenbahnzug an der Weiterfahrt verhindert, weil auf den Schienen ein Droschkenpferd gefallen war. Die Signale des Straßenbahnführers konnten leider einen nachfolgenden Güterzug nicht aufhalten, so daß ein Zusammenstoß erfolgte. Der Anprall erfolgte mit furchtbarer Heftigkeit. Der Passagierzug war mit einer heimkehrenden Kirmesgesellschaft voll besetzt. Die meisten der auf dem Dach sitzenden Fahrgäste wurden auf die Straße geschleudert und erlitten Schädelbrüche oder innere Verletzungen. Elf Personen sind tot zweiundzwanzig schwer verletzt. Unter den letzteren befinden sich mehrere Frauen und Kinder. Mehrere Pariser Automobile brachten Aerzte mit Verbandzeug nach dem Platz der Katastrophe. Am schwersten betroffen sind die Familien eines früheren Ministers und eines Senators. Ein 124jähriger Greis zum Tode verurteilt. Petersburg, 9. August. In Wladiwostok wurde ein 124jähriger Greis wegen Mordes zum Tode verurteilt. Man hofft, seine Begnadigung zu erlangen. Unser Programm ist unerreicht! Meater! 11 Neuheiten! Wohnhaus an der Stadtgrenze belegen, neu, gut verzinsl. m. kl. abgeschl. Wohnung. Zier=, Obst= und Gemüse=Gart. fortzugsh. sofort unt. Preis zu verkaufen. Anzahl. nach Uebereinkunft. Off. u. M. W. a. d. Ztg. erbeten.[4298“ Kleine Anzeigen=Gitt! Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in d#g Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. 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In der Zeit zwischen den beiden Paraden wohnt der Kaiser den österreichischen Manövern bei.“ Es bleibt also beim bestimmten Termin. Die Dispositionen Wilhelms II. dürfen unter keinen Umständen gestört werden. Wenn die schwäbischen Klein= und Mittelbauern die bloße Verschiebung eines Manövers nicht erreichen konnten, werden die ostelbischen Junker wie zum Hohn die Lieferung billiger Arbeiter durch die militärischen Behörden(denn das bedeutet der Massen=Ernteurlaub) erlangen? Wir zweifeln gar nicht daran! Den Junkern gegenüber wird sogar der Militarismus geschmeidig. Kretafrage. Konstantinopel, 10. August. Den Blättern zufolge erklärten die Botschafter der Schutzmächte der Pforte, sie solle sich wegen der Kretafrage nicht an Griechenland wenden, denn Kreta sei ein Depot in den Händen der Schutzmachte, die demnächst diesbezügliche Verhandlungen mit der Pforte einleiten Paris, 10. August. Den Regierungen Englands, Rußlands und Italiens schlug Frankreich vor, die Kabinette von Berlin und Wien, deren bisherige Haltung in der Kretafrage unbedingte Anerkennung verdiene, zur Teilnahme an der Lösung des kretischen Problems einzuladen.. k.un; Santtar 5.s Athen, 10. August. Die Presse erkennt dankbar das energische Eingreifen der deutschen Regierung an, das auf die Initiative des deutschen Kaisers zurückgeführt wird. In Regierungskreisen ist die Besorgnis vor dem Ausbruch eines Krieges und dem Einfall Aufstandischer in Thessalien geschwunden, doch wird bei Fortdauer des unsicheren Zustandes der Ein=, tritt einer allgemeinen ökonomischen Krise befürchtet. Berlin, 10. August. Zur Krise im nahen Osten erfährt die „N. Z.“, daß die letzten Nachrichten etwas weniger gefahrdrohend lauten als bisher. Im Berliner Auswärtigen Amt glaubt man, daß die Pforte sich befriedigt erklären könne durch den entgegenkommenden, herzlichen und die türkische Empfindlichkeit in weitestem Maße berücksichtigenden Ton der griechischen Note, zumal in ihm mit dem Hinweis, die griechische Regierung sei in die annexionistischen Bestrebungen vezüglich Kretas nicht verwickelt, ein gewisser Verzicht auf Kreta ausgesprochen wird, wie die Pforte ihn wünschte. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, daß die Pforte sich sachlich nicht befriedigt fühlt und zunächst ihren Gesandten aus Athen beurlaubt. Tann würde der Augenblick zur Intervention der Schutzmächte gekommen sein. Petersburg, 10. August. Die Regierung hat eine türkische Note erhalten, worin versichert, wird, daß die Türkei keinerlei kriegerische Absichten gegen Griechenland hegt und nicht daran denkt, einen Krieg zu erklären. London, 10. August. Das Einvernehmen der Schutzmächte über die in Canean zu machenden Schritte bezüglich der Niederholung der griechischen Flagge ist hiesigen Blättern zufolge ein vollständiges. drigsten sei, wären alle Tabakarbeiter verpflichtet, eine bessere Entlohnung zu verlangen. Um dieses zu erzielen, müßte jedes einzelne Mitglied tatkräftig für die Organisation wirken. Wer sich vor den kommenden Gefahren schützen wolle, müsse eintreten in den Deutschen Tabakarbeiterverband, denn nur durch die Organisation seien bessere Lohn= und bessere Arbeitsbedingungen zu erzielen.„„.„„„ 4 In der Diskussion meldete sich ein alter Kollege. Er teilte den Anwesenden mit, daß auch er die Steuerjahre 1879 mitgemacht hätte. Er führte einige Beispiele an, wie trübselig es ihm selbst gegangen sei, ein zweitesmal würde er solche Jahre nicht wieder mitmachen. Der Bevollmächtigte forderte die Versammelten auf, die Worte des Referenten zu beherzigen und eifrig für den Verband zu agitieren. Auch sollte sich keiner, da die Mehrzahl noch junge Mitglieder seien, durch seinen Fabrikanten einschüchtern lassen, um aus dem Verband auszutreten. Hinter den Entlassenen stände der Verband, und alle erhielten, wenn sie auch noch nicht vollberechtigt seien, in solchem Falle Arbeitslosenunterstützung.. * Bochum, 10. August. Was Zeppelin=Begei sterung kosten kann. Die„Rhein.=Westf. Ztg.“ berichtet von hier: Ein hiesiger Wirt war am Montag mit seiner Frau nach Köln gereist, um der Ankunft des Luftkreuzers beizuwohnen. Um recht gut und recht viel sehen zu können, faßte er mit seiner besseren Hälfte Posto auf dem Plattdach eines Hotels. Mit dem Besitzer des letzteren war vereinbart worden, daß pro Stuhl und Stunde ein Platzgeld von sage und schreibe drei Mark entrichtet werden solle. Der Preis erschien zwar ein bißchen salzig, aber solches Schauspiel kommt ja nicht alle Tage vor. Der Bochumer und seine Gattin bezogen ihren Ausguck in luftiger Höhe um 11 Uhr vormittags; sie hielten in Sturm und Regenwetter über den Mittag und Nachmittag bis zum Abend mutig und unverdrossen aus. Um sieben Uhr endlich riß ihnen aber der Geduldsfaden. Fröstelnd stiegen sie wieder zu Tal, ohne den„Zeppel“ gesehen zu haben. Sie hatten acht Stunden oben gesessen; machte, auf zwei Personen gerechnet, 16 Platzstunden= 48 Mk. Unser Bochumer lud das Sümmchen mit recht betrübter Miene ab; seine Gattin aber meinte sehr richtig:„Das hätten wir zu Hause billiger haben können!. g. Gachum ist 683 * Bochum, 10. August. Der Stadt mochum ist das Vorschlagsrecht zum Herrenhaus verliehen worden. Kleines Feuilleton. Der Caprivi=Zipfel. Wir lesen in der„Frankf. Zeitung": Das südwestafrikanische Schutzgebiet hat noch einige Landesteile, die politisch wie wirtschaftlich mehr formell als wirklich angegliedert sind. Dazu gehört vor allem der im Nordosten liegende Caprivi=Zipfel, ein Gebiet von rund 24000 Quadratkilometern, das erst in den letzten Jahren von Franz Seiner durch eine Bereisung in den Jahren 1905 und 1906 genauer bekannt geworden ist. Ueber die Ergebnisse dieser Reisen hat er in den Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten einen ausführlichen Bericht erstattet, der in mancher Hinsicht noch durch einen Aufsatz in der„Deutschen Koionialzeitung“ ergänzt worden ist. Der Caprivi=Zipfel ist das Gebiet zwischen Okawango und der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 11. August. — Für die streikenden Schweden. In der gestern abend abgehaltenen Mitgliederversammlung der hiesigen Verwaltungsstelle des Metallarbeiterverbandes wurde auf Vorschlag der Ortsverwaltung einstimmig beichlossen, für die streitenden Schweden 1000 Mark zu bewilligen. Vivat sequentes! — Tarifbewegung der Tabakarbeiter:„Die Firma Gebr. Ellermann, Bielefeld, hat den Bielefelder Tarif unterschrieben und gehört damit zu den tariftreuen Firmen. — Verband der Steinsetzer(Filiale Bielefeld). Am kommenden Sonntag, 15. August, feiert der Verband der Steinsetzer und Berufsgenossen sein 16. Stiftungsfest in den Lokalitäten des Herrn Aug. Indiestel, Bürgerweg 14. Der evtl. Ueberschuß soll an diejenigen Kollegen verteilt werden, die von der Aussperrung arbeitslos geblieben sind. d.— Innungsschiedsgericht. Sitzung vom 10. August. Der Arbeiter S. und zwei Genossen verlangen von dem Bauunternehmer Schardt rückständigen Lohn im Betrage von je 9,90 Mk. Die Kläger führten eine Arbeit in Akkord aus, sie behaupten, der übliche Stundenlohn von 45 Pfg. sei ihnen garantiert worden. Der Beklagte bestreitet das letztere, die Kläger hätten jeder etwa 6,50 Mk. im Akkord verdient. Sie bätten jedoch die Arbeit nicht fertiggestellt und der Beklagte sei gezwungen gewesen, andere ungeübte Arbeiter anzunehmen, wodurch ein Schaden für ihn entstanden sei. Der Beklagte berechnet diesen Schaden so, daß er jedem Kläger von den verdienten 6,50 Mk. noch 1,37 Mk. herausgeben will. Das Urteil ergeht dahin, daß der Beklagte seinem Anerkenntnis gemäß jedem der Kläger 1,37 Mark zu zahlen hat, mit der Mehrforderung werden die Kläger abgewiesen. In der mündlichen Begründung des Urteils hieß es: Die Arbeiter könnten an Lohn nicht mehr beanspruchen, als ihnen der Beklagte zubillige. Sie hätten die Arbeit nicht vor Fertigstellung aufgeben dürfen, denn für den Beklagten habe nicht die angefangene, sondern nur die fertige Arbeit wert. Uns scheint dieses Urteil auf sehr schwachen Fußen zu stehen. Das Gericht hat in keiner Weise nachgeprüft— wozu es nach unserer Auffassung verpflichtet gewesen wäre— ob die Schadensforderung überhaupt und in der angegebenen Höhe berechtigt war, der Beklagte hätte ja gerade so gut den 10fachen Betrag als Schaden fordern können. Und dann wäre immer noch die Frage aufzuwerfen, ob ein solcher Schaden gegen den Lohn aufgerechnet werden kann. Das Gewerbegericht hätte bestimmt alle diese Fragen geprüft und wäre dann, namentlich auch wegen der letzten Frage, zu einem anderen Urteil gekommen. — Der Schneider G. klagt gegen den Schgeisgrgpfte gagen den auf Zahlung des Restlohnes in Höhe von 34,30 Mt. Gegen den Beklagten wird Versäumnisurteil erlassen. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Der erfolgreiche lustige Schwank„Der Stammbaum'' geht heute bereits zum dritten Male in Szene.Donnerstag ist das Benefiz für den jugendl. Komiker Max Caro, mit gleichzeitigem Gastspiel von Fanny Roma, erste Naive aus Braunschweig. Zur Aufführung kommt„Charleys Tante“ und„Ich heirate meine Tochter“. Fanny Roma, beiden Stücken, während der Benefiziant„Charleys Tante“ spielen wird.„Charleys Tante“ ist wohl der ausgelassenste Schwank, der jemals geschrieben und erhält die Lachmuskeln des Publikums in fortwährender Erregung. Dieser Benefizabend dürfte somit ein außerordentlich geaußreicher und heiterer wröden. Versammlungen. Lühbecke. Die Mitgliederversammlung des Deutschen Tabakarbeiterverbandes findet nicht Donnerstag, sondern Freitag, 18. August, abends 9 Uhr, statt. * Gehlenbeck(Kreis Lübbecke), 10. August. Hier fand am 9. August eine überaus starke Mitglieder versangg.un des Tabakarbeiterverbandes statt.„Gauleiter Schlüter=Bielefeld referierte über zu ergreifende Maßnaymen gegen die Schädigung durch die Tabaksteuer. In seinem eineinhalbstündigen Vortrage gab er ein Bild von der gegenwärtigen Lage der Tabakindustrie, und wies auf die unausbleiblichen verderblichen Folgen der Tabakwertsteuer hin. Daß die Steuer zur Annahme gekommen sei, daran hätte die Mehrzahl der Kollegen keine Schuld, da sie alles, was in ihren Kräften stand, getan hätten, um die Steuer abzuwenden. Deshalb könne auch niemand verlangen, daß die Tabakarbeiter die Leidtragenden sein sollten. Im Gegenteil, da durch Annahme der neuen Steuern die Belastung der Arbeiter eine noch größere geworden und der Lohn der Tabakarbeiter von allen Berufen immer noch am nie24000 Köpfe zählt die Bewohnerschaft, wovon die Hauptmasse, 22000 Personen in 250 Dörfern aus die Bantu, 1800 Personen in 10 Dörfern auf die Buschmänner und 220 Personen in drei Dörfern auf die Betschuanen entfallen. Die politischen Verhältnisse sind ziemlich kompliziert, da die Stämme wirtschaftlich und damit auch politisch noch sehr von Rhodesien abhängig sind, und ein heblicher Teil der Eingeborenen des deutschen Gebiets einheimischen Herrschern im englischen Gebietsteil unterstehen. Da die dortigen schwierigen Verhältnisse, die stets den Ausbruch von Unruhen unter den Eingeborenen besorgen lassen, auch auf den deutschen Gebietsteil ihre Rückwirkung üben können, rät Seiner zur größten Vorsicht bei dem Versuch einer praktischen Ausnutzung des Caprivi=Zipfels. Allzugroße Hoffnungen darf man auf die Ausnutzung überhaupt noch nicht setzen, schon weil die Entfernungen zu groß und die Wegeverbindungen zu ungünstig sind. Die Möglichkeit eines Bergbaues, der eine größere Entwicklung zulassen würde, erachtet Seiner nach den geologischen Verhältnissen als nicht wahrscheinlich. In Frage kommt demnach im wesentlichen nur Ackerbau und Viehzucht. Hierfür sind zum Teil gute Vorbedingungen vorhanden, nämlich in dem fruchtbaren Ueberschwemmungsland, das ein Viertel des Gesamtgebiets bedeckt, also in den Flußlandschaften mit ihren Ueberschwemmungsgebieten, die noch der eigentlichen Ausnutzung harren, da die Eingeborenen hauptsächlich die Niederungswaldsteppen bearbeiten, die aber in der Trockenzeit Menschen und Vieh keine Nahrung bieten. Eine Entwicklung der Eingeborenenproduktion kann Ackerbau und Viehzucht sehr steigern, und nur diese Eingeborenenproduktion wird wegen der klimatischen Verhältnisse im wesentlichen in Frage kommen, da in der Regenzeit die Malaria in schwerer Form auftritt. Nun ist aber für eine Ausfuhr nach dem Damaradie Entfernung noch 900 Kilometer. Erst eine intensive Baumwollkultur könnte vielleicht günstigere Aussichten schaffen; dafür worauf schon die Einrichtung von Sommer- und W. hinweist. Das erklärt sich zu einem Teil aus den Bodenverhältnissen, die in den wenigen fruchtbaren, aber gesünderen Gebieten nur eine zeitweilige Bebauung, Beweidung und Jagd zulassen, zum Teil auch darin, daß die kleineren Stämme sich dem Drucke der stärkeren zu entziehen, suchen. Infolge des häufigen Verlegens der Dörfer sind natürlich auch die Wohnungen weniger solide gebaut. Die Ansiedelungen bestehen in der Regel aus einer Anzahl Hütten, die ringförmig nebeneinander liegen und durch Stroh= oder Mattenzäune oder durch Palisaden abgeschlossen sind. Die Hütten haben gewöhnlich Mattenwände, die bei zeitweiliger Uebersiedelung aufgerollt und mitgenommen werden, während das Holzgerüst mit dem Kegeldach stehen bleibt. Eine häufige Besiedelungsform ist die des Zentraldorfes mit Einzelgehöften, wobei, wie schon gesagt, zwischen Sommer= und Winterdörfern zu unterscheiden ist. Erstere###entsenden in der Regenzeit in die oft in weitem Umkreise zerstreuten Ackergebiete einen Teil der Bewohner, die dann dort bis zur Einbringung der Ernte in Einzelgehöften leben und hierauf in das Zentraldorf zurückkehren; letztere sind im Sommer verlassen, da die ganze Bevölkerung bei der Feldarbeit auswärts verweilt. Neben Ackerbau und Viehzucht wird auch Fischfang getrieben. Ein Teil der Eingeborenen ist auch geschickt in Handarbeiten, so in Herstellung von Hausgeräten, Waffen, Matten, Körben, Musikinstrumenten und Schmuckgegenständen. Die Seinerschen Forschungsreisen, die eine Wegelänge von 2400 Kilometern umfassen und nur mit gerineer Beihilfe des Kolonialamts unter schwierigen politischen Verhältnissen durchgeführt wurden, sind von großer Bedeutung für die weitere Erschließung des Schutzgebiets und verdienen deshalb besondere Beachtung. Briefkasten der Redaktion. 4711. Es ist nicht strafbar. W. P., Bünde=Feldmark. Das Gesetz macht zwischen In1d Ausländern keinen Unterschied(s kann ig ghor jader AusVermischtes. Von der Luftschiffahrt. Chamonix, 10. August. Nach einer heute, früh hier eingelaufenen telegraphischen Meldung ist der„Sirius" abends in der Nähe von Loearno niedergegangen. Die Landung vollzog sich ohne Unfall, aber mit Schwierigkeiten. Lokarno, 10. August. Zu dem Ballonaufstieg des Laftschiffers Spelterini wird noch mitgeteilt: Spelterini, welcher an Bord des„Sirius" die Fahrt über die Alpen unternommen, ist, nachdem er den Mont Blanc überflogen, hier glücklich gelandet. Der Ballon erreichte zeitweise eine Höhe von 5600 Metern. Spelterini und seine drei Gefährten ssind unter größten Schwierigkeiten nach 7stündigem Marsche und 4stündiger reispen; 10. Angust. Das sächsische Kriegsministerium stellt einen Landungsplatz für Luftschiffe auf dem Exerzierplatz Heller, ½ Stunde von Dresden, zur Verfügung. Der Stadtrat übernimmt die Kosten der Ankervorrichtungen. Zeppelin trifft nach einer Mitteilung an den Oberbürgermeister wahrscheinlich Mitte September in Dresden mit dem Ballon„Z. III“ von Kartsruhe, 10. August. Die hiesige Stadtverwoltugg steht gegenwärtig mit der Militärverwaltung in Unterhandlungen wegen der Anlage einer Luftschiffsstation auf dem Exerzierplatz in der Nähe der Kaserne des hier stationierten TeleStuttgart, 10. August. Die Regierung ließ heute den Ständen einen Nachtragsetat zum Etat der technischen Hochschulen wegen Einführung des Unterrichts für Luftschiffahrt, Flugtechnik und Motorfahrzeuge zugehen. Vom Blitz getötet. Osnabrück, 10. August. Im benachbarten Hilder wurde gestern nachmittag bei der Heimfahrt vom Felde zwei Bauern und eine Frau durch Blitzschlag getötet, ebenso die beiden Pferde ihres Wagens. Ueberfall auf ein Pfarrhaus. Kattowitz, 10. August. In dem russischen Grenzdorf Schimon erbrachen Strolche das Pfarrhaus und forderten alles Geld. Der Pfarrer verweigerte die Herausgabe. Hierauf wurde er und der zu Hilfe eilende Kaplan erschossen. Das Pfarrhaus wurde ausgeplündert. Von den Raubmördern fehlt jede Spur. Ein Schloß niedergebrannt. Bergzabern, 10. August. Vergangene Nacht ist hier das ehemalige Herzogliche Weinbrücker Schloßgebäude, ein historischer Bau aus dem 16. Jahrhundert, bis auf die Grundmauern niedergebrannt. In dem Gehäude befand sich die Lateinschule, die Volksschule und verschiedene Privatwohnungen. Während das Schloß in Flammen stand, brach 100 Meter entfernt in dem hinteren Bau des Königlichen Anwesens ebenfalls Feuer aus. Der Feuerwehr gelang es, hier den Brand unter großer Mühe zu lokalisieren und besonders das nebenstehende historische Gebäude„Zum Engel“ zu retten. Gegen 4 Uhr war hier die große Gefahr beseitigt. Unglücksfall und Selbstmord. Dresden, 10. August. Gestern abend ertrank der 18jährige Kaufmann Löhr in der Elbe. Als hiervon sein Vater, ein hiesiger Fabrikant und Geschäftsinhaber in der Hauptstraße, Nachricht erhielt, erhängte er sich in seiner Wohnung...., 10 9. uust. Den wit Go. Ein Dampfer gesunken. Kiel, 10. August. Der mit Holz von Riga kommende belgische Dampfer„Panomares“ ist heute morgen im Kaiser=Wilhelm=Kanal bei der Hochbrücke Levensam gesunken. Der Dampfer liegt quer im Kanal, so daß damit gerechnet werden muß, der gesamte Verkehr im Kanal werde 8 bis 10 Tage unterbrochen sein. Eine Kriegsschiffkasse gestohlen. London, 10. August. Zum dritten Male innerhalb weniger Monate ist die Kasse eines britischen Kriegsichiffes gestohlen worden. In diesem letzten Falle handelt es sich um ein in Davonport stationiertes Schiff, dessen Name nicht genannt wird. Die Untersuchung der Bücher hat systematische Unterschlagungen, die sich über zwei Jahre erstrecken, ergeben. Verschiedene Personen sind infolge der Entdeckung verhaftet worden. Letzte Nachrichten. und Auslandern keinen Unterichiev. Es kann ja aber jeder Ausländer, der Unterstützung verlangt, als lästig ausgewiesen werden. Was die Behörden nun tun werden, wissen wir nicht. W. Z. Bitte, sprechen Sie einmal in Redaktion oder Parteisekretariat vor.# S Gergtignen 95. A.“K., Halle i. W. Die Korporationen können ihre Bauten gri Isterpraß wven sie wollen, auch an Leute ohne Gesellen= und... üben. Ne 50 F. Bis zum 15. August im Inland hergestellte Zi. Verantwortlich für, den„rehaktignellen. Teil: Max Sachs, garren werden nicht nachversteuert. den Inseratenteil. ollnelm Bottcer, beide in Bielefeld. Essen, 11. August. In Wattenscheid fand gestern ein schwerer Zusammenstoß zwischen 2 Polizeibeamten und 6 jungen Burschen statt, wobei 2 der Letzteren durch Revolverschüsse tödlich verletzt wurden, während die 4 anderen durch Säbelhiebe schwere Verwundungen erlitten. Die Beamten wurden ebenfalls schwer verwundet. Berlin, 11. August. Das Luftschiff„Groß 2“ unternahm gestern abend 6 Uhr wiederum einen Aufstieg und kreuzte über dem Tegeler Schießplatz und dem Tegeler See, mußte aber des starken Sturmes wegen nach#stündiger Fahrt niedergehen. Die Landung erfolgte glatt.„.., Pgerfri, Dresden, 11. August. Das hiesige Oveririegsgericht verurteilte den Feldwebel Schwarz vom Infanterieregiment in Freiberg wegen Verbrechen im Sinne des Paragraphen 176 zu 5 Jahren und 2 Monaten Zuchthaus. Das Kriegsgericht in Halle hatte in der ersten Verhandlung nur auf 3½ Jahre erkannt.„„„„ Saargemünd, 11. August. In den Saargruben wurden gestern vier Bergleute unter Gesteinsmassen begraben. Die Leichen wurden geborgen. München, 11. August.. Ein Schlachthausskandal wird aus der oberbayerischen Stadt Weilheim gemeldet. Der Schlachthausaufseher Danner und sein Sohn wurden plötzlich vom Dienst suspendiert. Sie sollen seit Jahren Fleisch von verendetem Vieh, das dem Abdecker verfallen war, an die Metzger und Gastwirte der Umgegend verkauft haben. Bozen, 11. August. In den Grenztälern zwischen Tirol und der Provinz Verona, besonders am Borcolobach, wurde gestern in sieben Gemeinden ein wellenförmiger Erdstoß von Osten nach Westen verspürt. Kopenbagen, 11. August. Nachdem die Verhandlungen des Ministerpräsidenten Keergard mit dem Führer der linken Reformpartei, Christensen, völlig gescheitert sind, konferierte der König mit dem Führer der Freikonservativen, Grafen Frija, der schließlich versprach, er wolle nach Rücksprache mit den beiden Parteigruppen die Kabinettsbildung versuchen. Die Entscheidung über die endgiltige Uebernahme des Auftrags behalte er sich bis heute vor. London, von zur Schlichtung gemeldet wird, auch den Gedanken enthalten, wenn nötig, gemeinsame Truppenlandungen vom Bord der Stationsschiffe auf Kreta vorzunehmen, um gegebenenfalls die Ruhe auf der Insel zu verbürgen. Die Schutzmächte haben, wie verlautet, den ganzen Plan und damit auch diese bemerkenswerten Einzelheiten bestimmt. Rom, 11. August. Nach einer Depesche aus Kobe(Japan) hat ein furchtbarer Sturm in der Höhe der Tosa=Inseln die Flotte der Korallenfischer vernichtet. 450 Fischer sind umgekommen. Hunderte von mit Korallen beladene Schiffe sind verloren. Kriegsschiffe sind nach der Unglücksstätte abgesandt. Rom, 11. August. Wie bestimmt verlautet, hat sich der Stand der Kretafrage nach dem jüngsten Schritt der Schutzmächte derart geklärt, daß die Kriegsgefahr als überwunden gelten darf. Die Pforte hat ihre friedlichen Absichten beteuert und den Mächten die Versicherung gegeben, daß der status quo nicht getrübt oder richtiger wieder hergestellt werden wird. Die Kreier werden die griechische Flagge streichen müssen und man erwartet, daß dies stündlich geschehe oder bereits geschehen ist. Für alle Fälle sind die Mannschaften der vier in der Sudabey stationierten Kriegsschiffe bereit, den Willen der Großmächte mit Nachdruck zu unterstützen. London, 11. August. Der von Frankreich den Regierungen Großbritannien, Rußland und Italien unterbreitete Plan Schlichtung des Kretakonflikts soll, wie aus Paris hierher Vereins-Kalender. Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“, Arbeiter=Sängerbund, Arbeiter=Turnerbund. Mittwoch. Arbeiter=Sängervereinigung Bielefeld 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeiter=Gesangverein„Liederblüte“ 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. „Sängerhain“ 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße.(Damen=Abteilung.) Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried: Männer=Riege. Radfahrerklub„Vorwärts“ 9 Uhr bei Imkamp, Engerschestr. 1. Radfahrerverein„Dornberg“ 8 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Radfahrerver.„Ruhig voran" bei Apenbrink, Herforderstr. 242. Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5, 9 Uhr bei Apenbrink. Guttemplerorden. Loge Ravensberg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51. Guttemplerloge„Frei und beständig“ 8½ Uhr bei Viertmann, Bürgerweg 16. Skatklub„Gut Glück“ 9 Uhr bei Schneider, Kamphofstraße. Sieker. Radfahrer=Verein„Corona“ 9 Uhr bei Wöhler. Sudbrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“, Zöglingsriege, 8½ Uhr bei Fohrmann. Brackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Krämer. „Eggetaler“, 8½ Uhr bei G. Hartmann, Schillerstr. 75. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Männergesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei W. Böke, Bielefelderstraße. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. Oerlinghausen. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei C. Lücking. Herford. Arbeitergesangverein„Eintracht“ 9 Uhr bei Winkelmann. Oetinghausen. Arbeitergesangverein„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Wirt Düsdicker. Bünde. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei Nübel. Bünde. Arbeitergesangverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt Timmert. Schötmar. Radfahrerverein„Wanderer“ ½9 Uhr im„TI. voli“. Lage. Radfahrerverein„Schwalbe“ 8½ Uhr bei Steinsiek. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“ 8½ Uhr bei Röbke. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Lübbecke. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Bauweiter. Arbeiler, agiliert für eure Zeitung! möberkaus u. Sewing verdankt sein Renommee der hervorragenden Güte seiner Möbel. 3791 Nur Bürgerweg 50a. Phompsene Scichralter Marke enthält laut Gutachten hervorragender Chemiker keinerlei schädliche Bestandteile und fördert die Haltbarkeit der Wäsche. ½ Pfd.-Paket DE THIOMOSONS SEIEENPUIDER Schwan 15 Pfennig. Seit 30 Jahren überall erhältlich. 4294 Sommertheater. Ges. (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute 8½2 Uhr, zum 3. Male: Ersokgreiche Novität! Der Stammbaum. Schwank in 3 Alten von P. Lenz und G. May=Hartung. Donnerstag, 12. Aug. Anf. 8½ Uhr: Gastspiel von Fanny Roma, 1. Naive aus Braunschweig, zum Benefiz des Jugendi. Komikers Max Caro. Großartiger Lacherfolg! Schwank in 3 Akten von B. Thomas. Vorher: Ich heirate meine Tochter. Lustspiel in 1 Akt von Groß v. Trockau. Donnerstag, den 12. August, abends 8 ½ Uhr: 4293 Großes Garten=Konzert im Hotel„Kaiserhof“. Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. Ca. Inhalt: 3 Verinsolopfe 11 Liter 32 45 Ca. Inhalt: 13 16 20 1.10 1.35 1.50 1.85 2.45 Heute eintreffend: eintretfend:„ Senbung MRuskatytiihen ½ Pereterrogide 3 1½ 2½ 3 Liter 6 8 10 15 20 25 30 Streichholzer soweit Vorrat, in Verbindung mit anderen Waren 3 Pakete 35. Niedernstrasse 34. 4303 Die nach§§ 19 und 20 der Städteordnung für die Provinz Westfalen vom 19. März 1856, dem Ortsstatut vom 8. Juu! 1898, dem Ge13. Juli setze vom 13. Juni 1900 betreffend die Bildung der Wählerabteilungen bei den Gemeindewahlen und dem hierzu erlassenen Ortsstatut vom 10., 19. Juni * 1900 aufgestellle Liste der stimmfähigen Bürger für den 10 Juli Stadtbezirk Bielefeld liegt vom 15. bis 30. August im Rathause, Zimmer 46, während der Dienststunden zur Einsicht offen. Etwaige Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste sind während dieser Zeit bei uns anzubringen. Bielefeld, den 2. August 1909. 4178 Der Magistrat. Den in die Liste eingetragenen Bürgern wird vom Oberstadtsekretär durch Postkarte mitgeteilt, in welcher Abteilungsliste(I. II. III.) und bei der III. Abteilung, in welcher Abstimmungsbezirksliste(I—IX.) sie eingetragen sind. Cars) Deutscher Arbeiter-Sängerbund Gau östl. Westfalen und lipp. Fürstentümer. Sonntag, den 15. August: rosses Sänger-Fest des Gaues in den Räumen des Schützenhofes zu Herford. —10 Uhr: Empfang der fremden Vereine. 11„ Chorprobe für Männer-Chöre Im Schützenhof, gemischte Chöre bei Tiemeier, Stift Berg. 3" Grosser Festmarsch durch die Stadt nach dem Schützenhof. Von 4 Uhr ab: Grosses Vokal- u. Instrumental-Konzert. Männer- und gemischte Chöre. Musik: Städt. Orchester Herford, Dirigent Herr Düngel. 8 Uhr: Fest-Ball. Bei eintretender Dunkelheit: Grosses Brillant-Feuerwerk, Herren inkl. Dame 50 Pfg. Einzelne Damen 30 4254 Um zahlreichen Besuch bittet Anzeigen iu voerlegender Nunmer wolen de Leserinnen und Leser der„Volkswacht“ F oten Das Festkomitee. beachten! P Ziochemisch.+ homöopathische Krankenbehandlung * W. Hermann eprakt. Vertreter f. naturgem. Heilweise, Brackwede, am Bahnhof. Sprechstunden v. 8—10 u. 2—3 Uhr, Sonntags 9—12 Uhr. 4135 Ausw. brieflich gegen Rückporto. Neu erschienen: Der aumme Tcafel. Vertrauensvolle Bezugsquelle von Die Katastrophe der Zentrumspolitik. 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Vom Dienstmädchen geließt. Humoreske. In eine schreckliche Situation kommt der Verlobte eines jungen Mädchens durch die von Eifersucht eingegebene Handlung seiner Haushälterin. Die überführten Missetäter. Ein von französischen Künstlern dargestelltes Drama, in dem sich zwei Mordbuben erst dann selbst verraten, als ein unschuldig Verdächtigter durch sein seltsames Gebaren in die höchste Not geraten ist. Vorzügliche Jaturaufnahme! Unsere kleinen Künstler. Kleine Pudel, darunter ein reizender Clown, zeigen ihre mannigfaltigen und überraschenden Künste. Ein Zukunftebild von überw. Lomik! Der Streik der Schutzleute. Wenn die Wächter der Ordnung streiken, müssen andere ihre Dienste versehen. Hier läßt man die Gefangenen an ihre Stelle treten und dadurch wird ein netter Krawall erregt. Auch bei warmem Wetter bietet unser hoher, sehr gut ventilierter Thesterraum einen angenehmen Aufenthalt. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, wie bei sämtlichen Agenturen ins Haus gebracht 60 Pfg. mor lich. Durch die Post bezo 1.80 Mk. vierteljährlich exklu Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn: Feiertage täglich nachmittag Fernsprech=Anschluß Nr. 355 Nr. 186. Die heutige Nut Schweden i Dem„Vorwärts“ wirk meldet: Gestern, am ersten C holm noch mehr als bish dem außerordentlich lebha abends beginnt, war kaum Land und Wasser an all solchen Tagen, zumal wen gestern, von Menschen übe nicht über ein Fahrrad ver dem bergigen Terrain sind an Verkehrsmitteln wird Inselstadt von breiten Wa sonst die kleinen flinken De und herfahren. Stundenw um nach Orten zu kommen. erreicht. So kostet es grof erreichen, und nicht minder Gewerbeausstellung zu ge dieses Sommers sein sollte die Fremden. Die Fremd schon lange abgereist, und unerträglich für wohlhaben oder vom Schiff kommen Straßenbahn, wenn sie zu päck selbst schleppen müssen Hilfe zu leisten. Dazu ko staurants immer unbequen anderen Alkoholika als Biei ausgeschänkt werden dürfen Neige und die Wirte spare Stammgäste bedienen. Vie geschlossen, weil sie den G Die Nahrungsmittel gehen immer seltener, weil es fas selbst schlachten, und die al stellung einer großen Anze Transportarbeiter die Herl Man ist meist auf gepökelt Die noch vorhandenen We meisten Restaurants, die ge waren, höchstens noch bis: holfreien Getränke, die bei bewegung sonst in der sumiert werden, sind nurn vorhanden. Die eigentlich Vorrat schon lange aufgebr knapper. Schließlich gibt Scheiben gebackene harte S Kinnbacken erfordert. Aber Neige gehen. Der Bäcker hat die allgemeine Arbeitsn die kooperativen Bäckerei Jedenfalls wird aber in d reien wieder gearbeitet wer verschiedenen Orten durch werden. In vielen Fami fangen, selbst zu backen, was einigermaßen rentabel ist, nur in großen besonderen üblich ist, wird aus feinem nicht gut auf Vorrat herste Milch ist natürlich auch Streikleitung hat aber auch Kranke keine Not leiden. sondere Freikarten notwend sönlich mit einer solchen gegeben wird, versehen sein können. Es kommen nicht die sich Unberufene das dürfen, verschaffen wollen. Prinzen Karl, des Bruders um für seinen Herrn eine fragte der Vertreter der Si wort.„Hat er denn einen „Na, dann kann er auch ke Die bürgerliche Presse Flugblätter herauszugeben a wird die Behauptung aufges Angaben sind natürlich er ändert fort und sogar neue gesetzt dem Ausstande an. großes Massenmeeting abgel ting und Söberberg Situation besprachen. Meh dem Meeting teil; die Stir nete. ausgezeichnere, Die Eisenbahner nehmen Frage vor, ob sie sich dem A Verbandsvorstand wird die bald das Resultat der Ural Daß in der inneren Sta bahnwagen in Betrieb gesetz behörde erzwungenen Drosc werden, hat bisher nicht ve Die Angaben der deutsc größter Vorsicht aufgenomn der mehr oder weniger offi,