in Mindenshit ChriZiegler Stücker in Lage Lage; Arbeiter Gieseden: Bauhilfsarbeiter hlmann in Häverstädt; Karoline Wilhelmine Dallmeier in Minden ksfeldwebel Klusmeier n Lintorf; Bäcker von avid mit Martha Kohlmit Karoline Sülie73 J. 6 M.; Sohn des häckers Stadler, 1 M.: er des Malers Paulyer, geb. Waltke, 67 J.: Gendarmerie=Wachtin und Vorsteher RöhNeyer, Marienstr. 39, sehoren. der. dt Bielefeld". Uhr bei Viertmann, sch Auf“ 9 Uhr bei „Einigkeit“ 8½ Uhr. Karl Voß, Langestr. 4277 verkauft. Zrunnen. IT enstraße 4 ng Hermannstraße. ralemann rheilvertreter. enleiden. Behandlung durch den n Arzt Dr. Thureausgebildet.(4123“ irbeitsnachweis Bielefeld. 19. Fernsprecher 202. rktags geöffnet: gs von 8—1 Uhr, ags von 4—7 Uhr. liche Abteilung. erden gesucht: chte, 10 landw. Arbeiter, 2 Schmiede, 4 Klempner, 2 Schneider, 2 Hausrechsler, 2 Schuhmacher, 7 Zimmerer, 4 Tischler Möbel), 1 Tischlerlehr= lerlehrling. uchen Arbeit: r. Bohrer, Kernmacher, bler, Klempner, Dreher, osser, Mechaniker, Bucher und Polsterer, Tapekorateur, Müller, Bäcker, Raler, Maurer, Heizer, „Kaufleute, Hausknechte, Erdarbeiter, Kutscher, n. Portier. 1 Neger irt Stellung als Kellner sse.) iche Abteilung. erden gesucht: Dienstmädchen, Küchensinnen, 2. Mädchen und ichen Arbeit: erin, 1 Kinderfrau, zwei n, mehrere Stunden=, Waschfrauen. d. den 6. August 1909. Verwaltung. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Steumggern für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Schweden im Generalstreik. Dem„Vorwärts“ wird aus Stockholm, den 6. August, geschrieben: „Wer in diesen Tagen durch Schweden reist, kann auf den Gedanken kommen, daß ein blutiger Krieg ausgebrochen sei und man überall vor dem Feind auf der Hut sein müsse. Immer von neuem sieht man an den Eisenbahngleisen Militärpatrouillen auftauchen, und auch an den Brücken und Viadukten stehen sie, die Söhne des Volkes im Waffenrock, kriegerisch ausgerüstet, mit umgehängtem Gewehr, nach dem Feind auszuschauen— der nicht da ist und nicht kommt. Denn man sucht ja diesen Feind in den Massen des eigenen Volkes, in der Arbeiterschaft, und die ist nicht so dumm und töricht, der bewaffneten Macht eine Handhabe zum Einschreiten zu bieten. Sie will nur vorläufig einmal nicht mehr arbeiten, und das ist es, was der Regierung und ihren Auftraggebern solche Furcht einflößt. Hier in Stockholm fahren Militärpatrouillen auf Automobilwagen umher, und gestern sah man das hierorts ganz ungewöhnliche Schaustück, daß eine Abteilung Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett durch die Straßen marschierte. Beim städtischen Gas- und Elektrizitätswerke hat, wie schon mitgeteilt, die Militärbewachung den Grund zur Arbeitsniederlegung gegeben. Das Landessekretariat der Gewerkschaften hatte bekanntlich in der Massenproklamation die Arbeiter im Beleuchtungswesen aufgefordert, die Arbeit nicht niederzulegen. Angenehm war das den Arbeitern nicht gerade. Aber sie beschlossen, sich den Wünschen der Leitung zu fügen. Jedoch wollten sie es nicht dulden, sich bewachen zu lassen, als wären sie Streikbrecher. Hätten sich die Direktion des Werkes und der Oberstatthalter damit begnügt, das Werk wie andere derartige Betriebe von außen mit Militärposten zu umstellen, so hätten die Arbeiter sich damit abgefunden. Nun aber brachte man die Soldaten im Betriebe selbst auf dem Hof unter, und zwar an hundert Mann. Die Arbeiter ersuchten erst und forderten dann unter allen Umständen, daß das Militär von diesem Posten zurückgezogen werde. Aber es nützte nichts. Das Militär blieb, wo es war, und auf ein Schreiben des Landessekretärs antwortete die Direktion des Werkes, daß ihre Maßnahmen jedenfalls zum Schutz des kostbaren Werkes vor Gewalttaten notwendig wären. Das ist natürlich nichts anderes als eine Verdächtigung der Arbeiter des Werkes selbst, denn irgendwelche anderen Leute, von denen man Schandtaten erwarten könnte, werden ja nicht hineingelassen. Es war auch offenbar darauf abgesehen, die Arbeiter mit Hilfe des Militäraufgebots gleichsam zum Streik zu zwingen. Viel Gas und Elektrizität wird ja in diesen Tagen, wo alle Arbeit in Handwerk und Industrie ruht, nicht gebraucht.— In der ganzen Stadt herrscht seit dem 4. August ganz ungewohnte Ruhe. Es ist nicht nur wie Sonntagsruhe, sondern vielmehr wie die Ruhe eines Friedhofes. Keine Straßenbahn fährt mehr, keine Droschke, kein Automobil. Es ist eine seltene Ausnahme, wenn man einmal auf den Straßen Leute fahren sieht. Es sind wenige Privatfuhrwerke. Sonst ist jeder, der irgendwo hin will, auf seine Beine allein angewiesen. Am ersten Generalstreiktage hielten es viele Leute offenbar für unmöglich, einen weiten Weg zu Fuß zurückzulegen; man sah tagsüber nur wenige Menschen auf den Straßen. Aber nach und nach hat man sich an den Gedanken gewöhnt, daß man zu Fuß gehen muß, wenn man vorwärts will, und findet sich damit ab, in der Hoffnung, der Zustand werde nicht allzu lange dauern. Ob die Hoffnung berechtigt ist, scheint sehr zweifelhaft. Vorläufig ist jedenfalls noch nichts von einer Vermittlung zwischen den Parteien bekannt. Vielmehr muß man damit rechnen, daß die paar Berufe, die noch arbeiten, sich dem Generalstreik anschließen, so daß die Unannehmlichkeiten und die Verluste, die der Kampf mit sich bringt, immer größer werden. Es ist auch damit zu rechnen, daß von nächster Woche ab keine Zeitung mehr erscheint. Gestern wurde in den bürgerlichen Blättern viel Geschrei von einer Arbeitsniederlegung der Totengräber gemacht. Man entrüstete sich furchtbar über die Schmach und Schande, daß nicht einmal mehr die Toten unter die Erde gebracht werden sollten, es sei denn, daß das vielgenannte bürgerliche Schutzkorps die Arbeit ausführte. Aber der Streik der Totengräber lag keineswegs in der Absicht der Generalstreikleitung, die auch sofort dafür gesorgt hat, daß die ja schon im Interesse der Gesundheit unvermeidliche Arbeit nach wie vor ausgeführt wird. Die Leichen haben selbstverständlich auch das seltenste Vorrecht, gefahren zu werden; das Gefolge muß allerdings zu Fuß gehen. Die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln wird natürlich imer schwieriger. Wohl hat man sich große Massen auf Lager gelegt, aber die werden ja mit der Zeit aufgezehrt, und auf die Zufuhr frischer Waren muß man mehr und mehr verzichten. Einige Restaurants bedienen nur noch ihre Stammgäste, die auf Umwegen durch die Küchen und Vorratsräume hineingelassen werden, während die Vordereingänge geschlossen sind. Die Krankenhäuser werden jedoch nach wie vor mit dem Nötigen versorgt. Die Arbeiter, die dabei tätig sind, haben von der Organisation Erlaubniskarten erhalten, damit sie den Streikenden gegenüber jederzeit nachweisen können, daß man sie nicht etwa als Streikbrecher ansehen kann. Im Volkshause herrscht selbstverständlich reger Verkehr. Aber die Massen der Streikenden halten sich selbstverständlich dort nicht auf. Der größte Teil bleibt zu Hause oder begibt sich nach auswärts. Tausende gehen mit der Angel fischen, so ziemlich die einzige Beschäftigung, die noch etwas einbringt. Von den guten Fischen im Mälar und Skärgaard läßt sich leben, wenn man genügend davon erwischt. Das Fischen ist jetzt ertragreicher als sonst, denn der Dampferverkehr, der sonst in diesen Gewässern so lebhaft ist, ruht fast gänzlich. Nur die größeren Schiffe, die weitere Touren machen, fahren noch. Die Seeschiffahrt leidet stark unter dem Generalstreik. Den Schiffen, die in der vorigen Woche ankamen, ist es noch gelungen, zu löschen und zu laden. Auf den Schiffen, die nach der allgemeinen Arbeitsniederlegung ankamen, wird, wenn überhaupt, nur mit eigener Mannschaft gearbeitet. Seit Mittwoch hat überhaupt kein größeres Schiff den hiesigen Hafen verlassen können. Die Haltung der Streikenden ist im ganzen Lande musterhaft. Nach den Polizeiberichten kommen hier in der Hauptstadt weniger Vergehen vor als sonst. Von Straßenunruhen ist keine spur zu entdecken, und wenn die Unternehmerpresse irgend eine derartige Nachricht verbreitet, so erweist sie sich bald als Schwindel. Nacht einmal einen Betrunkenen findet man auf den Straßen. Uebrigens ist der Alkoholausschank im ganzen Lande für die Zeit des Generalstreiks, wo nicht gänzlich verboten, so aufs äußerste beschränkt. Hier in der Hauptstadt erhält man nur ein Glas Bier, wenn man warmes Essen dazu bestellt hat. Die Arbeiterschaft Schwedens hat sich auf den großen Kampf vorbereitet in dem Bewußtsein, daß eine Unterstützung der ungeheuren Massen der Streikenden nicht möglich ist. Anders steht es beim Unternehmertum. Wohl hat auch die Leitung der Arbeitgebervereinigung von den Mitgliedern verlangt, daß sie auf die ibliche Unterstützung verzichten sollten. Aber es nützte nichts. Wie der hier weilende Mitarbeiter von Kristianias „Sozialdemokraten“ von durchaus zuverlässiger Seite aus dem eigenen Lager der Unternehmer erfahren hat, ist die Arbeitgebervereinigung gezwungen, allen Mitgliedern für jeden streikenden oder ausgesperrten Arbeiter eine Krone pro Tag zu zahlen. Das macht für jeden Generalstreiktag mehr als eine Viertelmillion Kronen aus. Um diese Ausgaben bestreiten zu können, hat die Arbeitgebervereinigung bei der Schwedischen Bank ein Darlehen von acht Millionen ausgenommen. Als Sicherheit mußte jedes Mitglied der Vereinigung eine Bürgschaft von 100 Kronen auf jeden bei ihm beschäftigten oder vielmehr jetzt streikenden Arbeiter leisten. In Wirklichkeit lebt also die Unternehmerorganisation nur noch auf Kredit. Die Unterstützung, die der einzelne Unternehmer erhält, wird für ihn zu einer wachsenden Schuldenlast. Es hängt von den Banken ab, wie lange die Massenaussperrungen aufrechterhalten werden und damit auch der Massenstreik fortdauert..: gmitterl. Aus derselben zuverlässigen Quelle kommt die Mittellung, daß das„freiwillige bürgerliche Schutzkorps“, das Polizeiautorität erhalten soll, tatsächlich im Solde der Arbeitgebervereinigung steht. Diese hat nämlich den„Freiwilligen“ nicht allein freie Verpflegung und Unterkunft, sondern auch denen, die sich damit nicht begnügen, einen bestimmten Tagelohn garantiert. Die„freiwillige“ Schutzgarde, deren Opferfreudigkeit im Interesse der Kapitalistenklasse in den bürgerlichen Blättern so sehr gerühmt wird, ist also in Wirklichkeit ein Söldnerheer.—“ *„* Bereits vier Tage dauert nunmehr der Ausstand und seine Wirkungen beginnen sich jetzt erst zu zeigen. Abgesehen davon, daß in den Großstädten, besonders in Stockholm, die Lebensmittel knapp werden, zeigt sich auch die Effektivität des Streiks in einer völligen Stillegung des sonstigen Güterverkehrs. Obgleich die Eisenbahner dem Wünsche der Gewerkschaften entsprechend die Arbeit nicht eingestellt haben, sind dennoch schon am dritten Streiktage nicht weniger als fünfundzwanzig Güterzüge in Stockholm ausgeblieben. Der Großschiffahrtsverkehr ist genau so stillgelegt, wie der Lokalverkehr. Ein glänzendes Zeichen der organisatorischen Disziplin ist die Ruhe der Streikenden. Die Parole der Leitung, weder selbst Ruhestörungen zu dulden, noch sich provozieren zu lassen, hat überall in der Arbeiterschaft volles Verständnis gefunden. Es handelt sich eben um eine Arbeiterschaft, die in wirtschaftlichen Kämpfen geschult, man könnte fast sagen, aufgewachsen ist, und die mit großter Ruhe ihre Arme kreuzt.„Wir arbeiten einfach nicht, seht zu, wohin ihr ohne uns kommt“— das ist die Mahnung, die das schwedische Bürgertum jeden Tag während des Streiks aufs neue erfährt. Nicht minder herzerfrischend ist die Solidarität, die von allen Kreisen der Lohnarbeiterschaft und des Bürgertums geubt wird. Die arbeitenden Eisenbahner zahlen sämtlich per Woche und Mann 5 Kronen an die Gewerkschaftszentrale, wie wir bereits gestern berichten konnten. Nun haben die Forstbeamten sich dem angeschlossen. Sie bekunden ihre volle Sympathie mit der Arbeiterschaft und wollen mindestens pro Woche einen Tagelohn opfern. In Stockholm werden für die Ausständigen von dem Arbeiterinstitut einer bürgerlichen Einrichtung mit Staats= und Kommunalzuschüssen Vorlesungen veranstaltet. Im übrigen machen die Ausständigen Ausflüge und vertreiben sich die Zeit mit allerhand für sie nützlichen Dingen. Spätsommerferien. Hätten die Unternehmer nach eigenem Ermessen darüber entscheiden dürfen, so würden diese Ferien für die meisten erst vier Wochen später gekommen sein. So haben die Arbeiter selbst entschieden, wann sie aus den Betrieben gehen wollten. Und können nun den lachenden Sonnenschein genießen... * Ueber die Situation am Sonnabend geht dem„Vorwärts“ folgende Privatdepesche zu: Stockholm, 7. August. Die Ruhe ist wie an den vorhergehenden Tagen nirgends gestört. Gegenteilige Meldungen bürgerlicher Blätter sind Schwindel. Die gleichen Blätter versuchten noch den Bluff, die Arbeit würde in den nächsten Tagen aufgenommen werden. Auf die Ausständigen machte auch dieser Schwindel nicht den geringsten Eindruck, da sie entschlossen sind, nur ihrer eigenen Leitung zu folgen, die keinerlei Ursache hat, mit dem bisherigen Resultat ihrer Generalstreikparole unzufrieden zu sein.„„, W6m, e kmum. Die Arbeiter der Stockholmer Gaswerke beharren im Ausstande. Sie werden unter militärischer Aufsicht die Arbeit nicht aufnehmen. Die Fortführung des Betriebes leidet einstweilen keinen Schaden, da die Ingenieure im Betrieb sind. Die bürgerliche„Schutzwehr“ ist im Betrieb nicht zugelassen. Die Versuche der Buchdrucker, das Streikverbot aus dem Tarifvertrage zu entfernen, sind gescheitert. Die Buchdruckereibesitzer verweigern die Zustimmung. Der Vorstand des Buchdruckerverbandes hat sich jetzt entichlossen die Mitglieder im ganzen Lande zur Teilnahme am Ausstande aufzufordern. Er hofft dadurch eine größere Pression auszuüben und damit zu einer schnelleren Verständigung zwischen den beiden Parteien beizutragen.„„„. g T me Besonders bemerkenswert ist die Haltung eines Teiles des Militärs. Aus mehreren Regimentern kommen von den Soldaten Sympathiekundgebungen für die Streikenden. Die Soldaten singen die„Internationale“ und bekunden auch sonst, daß sie im Militärrock Söhne des Volkes sind. Die Haltung des Militärs ist von sehr großer Bedeutung. Bei entsprechender Stärke der Arbeiterorganisation verliert in einem Lande mit allgemeiner Wehrpflicht das Militär seine Bedeutung als Schutzwehr gegen den„inneren Feind". Das zeigt sich auch jetzt in Schweden. Sind es zunächst auch erst einige Truppenkörper, die mit der Arbeitersache sympathisieren, mit der Zeit werden es mehrere sein. In Landskrona hatte man den Versuch gemacht, die Husaren als Streikbrecher bei der Pulverfabrik zu verwenden. Sie sollten Pulver für Export ins Ausland laden. Als aber der Regimentskommandeur von der Sache Kenntnis erhielt, untersagte er entschieden die Verwendung seiner Untergebenen als Streikbrecher. Unter den Eisenbahnern gärt es, weil das Militär nicht von den Bahnhöfen zurückgezogen wird. Die Eisenbahner haben versprochen, den Betrieb aufrecht zu erhalten, aber die Regierung haute auch versprochen, sie nicht durch das Militär zu belästigen. Bricht die Regierung ihr Versprechen, so sind die Eisenbahner vor ihrem Versprechen befreit. Der Kampf könnte unter solchen Umständen eine Ausdehnung erfahren, die nicht beabsichtigt war und für die lediglich die Regierung die Verantwortung trägt. Ueber die weiteren Wirkungen des Ausstandes berichtet die schwedische Presse u. a., daß auch die Güterzüge in Südschweden, besonders in Schonen, eingestellt werden müssen, weil keine Güter zum Transport vorhanden sind. In Nordschweden häufen sich an den Flußmündungen die Flöße— die Arbeiter fehlen eben, die sie aufnehmen und weiter transportieren. Zur Unterstützung der Kämpfenden machen die Arbeiter in Dänemark und Norwegen alle Anstrengungen. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands veröffentlicht, wie unsere Leser in gestriger Nummer gesehen haben, einen Aufruf an die deutsche Arbeiterschaft, den Kampf in Schweden durch sofortige allgemeine Sammlungen zu unterstützen. Wir sind überzeugt, daß dieser Aufruf bei der deutschen Arbeiterschaft die größte Sympathie finden wird. Die altbewährte Opferwilligkeit der deutschen Arbeiter wird in diesem Falle zweifellos nicht versagen, das gebietet schon ihre Stellung in der Arbeiterinternationale. Aber hier gilt, bei der Natur des schwedischen Kampfes, daß schnelle Hilfe doppelte Hilfe ist! Eir solcher Kampf kann sich nicht hinziehen, er muß in Wochen entschieden sein. Aber es kann der Arbeiterinternationale nicht allzu schwer fallen, 300000 Arbeiter über Wasser zu halten. Wir erwarten für Deutschland jedenfalls, daß trotz der Krise der Aufruf unserer Gewerkschaftszentrale einen neuen Beweis ihrer Opferfreudigkeit liefern wird. *„* — Das schwedische Bürgertum sucht sich mit Brot aus dem Auslande zu verproviantieren und hat bereits den Versuch gemacht, in den norddeutschen Städten Verbindungen in dieser Beziehung anzuknüpfen. So wird aus Lübeck gemeldet, daß nicht nur an alle größeren Bäckereien, sondern auch an die dortige Geschäftsleitung der Genossenschaftsbäckerei(Vereinsbäckerei) die Anfrage gerichtet wurde, wieviel Brot eventuell auf einige Wochen nach Schweden geliefert werden könne! Die Arbeiterschaft in den Bäckereibetrieben achte also sofort darauf, daß sie nicht für Streikarbeit mißbraucht wird! *** Stockholm, 9. August. Mit jedem Tage schließen sich immer weitere Kreise der Arbeiterschaft dem Ausstande an. Bis auf die Eisenbahner streiken nunmehr fast sämtliche Verkehrsarbeiterbranchen im ganzen Lande. Der Dampferverkehr ist zwar nicht gänzlich lahmgelegt, da aber die Hafenarbeiter allgemein streiken, wird es nur noch wenige Tage dauern, bis die Dampfer in den Häfen liegen bleiben werden, ohne gelöscht oder geladen werden zu können. Die Gasarbeiter in Stockholm verharren im Ausstande. Ihnen haben sich die Gasarbeiter in Landskrona angeschlossen. Die Wasserwerksarbeiter in Stockholm werden aber, der Aufforderung des Streikkomitees entsprechend, die Arbeit fortsetzen, nachdem das Militär von den Arbeitsplätzen zurückgezogen worden ist. Von größter Bedeutung dürfte die heute(Montag) erfolgende Arbeitseinstellung der Buchdrucker werden. Der Verbandsvorstand der Buchdrucker hat seine Mitglieder aufgefordert, am Montag die Arbeit einzustellen, um damit eine größere Pression auszuüben und zu einem schnelleren Ende des ganzen Kampfes beizutragen. Ebenso hat der Vorstand des Landarbeiterverbandes den Beschluß gefaßt, die Landarbeiter zur Teilnahme an dem Ausstande aufzufordern. Der Tag, an dem der Landarbeiterausstand beginnen soll, ist indessen noch nicht bekanntgemacht worden. Inwieweit die Landarbeiterschaft der Parole Folge geben wird, kann man heute nicht voraussehen, da die Organisation noch sehr jung ist; es ist aber mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß in dem südlichen Teile des Landes, wo die Organisationsbestrebungen der Landarbeiter bereits mehrere Jahre alt sind, die Arbeitseinstellung einmütig erfolgen wird. Die bürgerliche Presse versucht durch ganz ungeschickte Bluffs, die Oeffentlichkeit irrezuführen. Schon seit dem ersten Tage des Kampfes hat sie fortwährend Berichte gebracht, wonach die Arbeiter in dieser oder in jener Industrie oder in diesem oder jenem Orte den Beschluß gefaßt haben sollten, sich nicht am Ausstande zu beteiligen oder aber die schon erfolgte Beteiligung aufzugeben, die Arbeit also aufzunehmen. In allen diesen Fällen hat sich das genaue Gegenteil als der Wahrheit entsprechend herausgestellt.— Eine ähnliche Schwindelnachricht wird auch durch das Wolffsche Bureau verbreitet, wonach die Arbeiter der größten Textilfabrik in Norrköping beschlossen haben sollten, die Arbeit wieder aufzunehmen. Diese Nachricht ist um so unsinniger, als die Textilarbeiter weder in Norrköping noch in irgend einem anderen Orte Schwedens streiken; sie sind vielmehr seit dem 26. Juli ohne jeglichen Grund vom Unternehmertum ausgesperrt worden. Gerade die Textilarbeiter gehören zu den Branchen, die von der Symvathieaussperrung des schwedischen Arbeitgebervereins zu allererst betroffen wurden, ohne daß sie irgendwie an dem Gegenstande des Kampfes beteiligt, sind. Alle diese Nachrichten müssen also mit größter Vorsicht aufgenommen werden. Die Regierung hat eine Proklamation erlassen in der sie vor weiterer Ausdehnung des Ausstandes warnt. Die Proklamation macht bei der Arbeiterschaft keinen Eindruck und niemand denkt daran, seine Verhaltungsmaßregeln von der Seite entgegenzunehmen. Die Stockholmer Straßenbahngesellschaft hat zwar mit Hilfe ihres Kontorpersonals usw. am Montag sechs Straßenbahnwagen in der inneren Stadt Stockholms in Betrieb gesetzt. Diese sechs Wagen bedeuten eine gefährliche Provokation der Streikenden; bisher ist indes die Ruhe nirgends gestört worden. Auch am heutigen Montag haben sich die Arbeiter nirgends zur Aufnahme der Arbeit, gemeldet, die Ausständigen sind im Gegenteil von dem endlichen Siege überzeugt. Die Zahl der Ausständigen wird jetzt auf mehr denn 800000 geschätzt. Außer dem Aufruf unserer deutschen Generalkommission hat nunmehr auch die Gewerkschaftskommission Oesterreichs be.. durch allgemeine Sammlungen, den schwedischen Ausstand zu unterstützen. Auch die Gewerkschaften Ungarns haben uierstützungen zugesagt. Der Dänische Schmiede= und Maschinenarbeiterverband hat beschlossen, von jedem Mitgliede wöchentlich einen Extrabeitrag von 2 Kronen für den schwedischen Ausstand zu erheben, was einem Betrage von 20000 Kronen wöchentlich gleichkommt. Stockholm, 9. August. Dem„Berliner Tageblatt“ wird gemeldet: Gestern hielten die hiesigen Typographen eine Versammlung ab, die den Streikbeschluß der Verbandsleitung fast einstimmig billigte. Der Typographenstreik soll solange dauern, bis die Arbeitgeber versprochen haben, keine Entlassungen Streikender vorzunehmen. Es ist ein Gerücht im Umlauf, wonach die Eisenbahner von Mittwoch an streiken werden. Da gegen haben die Telegraphen= und Telephonarbeiter beschlossen, von Mittwoch an die Arbeit niederzulegen. In Stockholm herrscht noch Ruhe, doch sieht man den nachsten Tagen mit Besorgnis entgegen, da es schon an Brot zu fehlen beginnt. Holklische Arversicht. Bülow traute sich auch nicht! Zu der übrigens dementierten Meldung, daß Wilhelm II. die Anfrage, weshalb er den Reichs„ tag nicht aufgelost habe, mit einem„ich traute mich nicht" beantwortet hat, wird der„Frankfurter Zeitung“ geschrieben: „Die Wahrheit ist, daß Fürst Bülow selbst im Einverständnis mit ihm nahestehenden politischen Beratern und— man kann es ja jetzt auch sagen— mit politischen Persönlichkeiten der Linken damals und unter den damaligen augenblicklichen Verhältnissen, und ganz besonders auch der ihm genügend bekannten Stellung mancher Bundesregierungen es nicht für opportun gehalten hat, den Reichstag aufzulösen, und daß er es auch dem Kaiser nicht vorgeschlagen hat; es gab dafür eine ganze Anzahl sachlicher Gründe, über die man vielleicht streiten kann, die aber Bülow für ausschlaggebend hielt. Nationalliberale Agitationsarbeit. Die Nationalliberalen haben auch für diesen Herbst wieder einen sogenannten politischen Fortbildungskursus eingerichtet, der in Köln abgehalten wird. Unter den Vortragenden befinden sich Prof. Moldenhauer, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Hamm, Prof. Dr. StierSomlo und der unvermeidliche Abgeordnete Stresemann. Dieser Agent des Unternehmertums wird über„Wege und Ziele der deutschen Arbeiterversicherung“ vortragen. Eine Interpellation über die Wahlreform in Preußen kündigt der nationalliberale Landtagsabgeordnete Metger an, wenn nicht der neue Ministerpräsident es vorziehen sollte, sich möglichst bald über seine Stellung zur preußischen Wahlreform auszusprechen. Die„Magdeburger Zeitung bestätigt die Ankundigung, indem sie ausführt, in der nationalliberalen Parteileitung sei man darüber klar, daß die Wahlrechtsfrage sofort bei dem Zusammentritt des Landtages in Fluß gebracht werden müsse. Man werde allerdings auf liberaler Seite die Forderungen so formulieren müssen, daß der Regierung kein Vorwand geboten werde die Zusage der Thronrede für unerfüllbar zu erklaren. Deshalb sei das Hauptgewicht auf die direkte Wahl und das Mehrstimmensystem zu legen; dann werde im gegenwärtigen Landtage eine Reform sicherlich erreichbar sein. Zur Entlastung des Kultusministeriums wird dem Berliner schrieben, daß schon im letzten Wi Tageblatt“ gesche,#### schontim Aplen Winter eingeyende Beratungen über eine Dezentralisation auf nachgeordnete Behörden stattgefunden haben, die bei den Entschließungen der Kommission für die Verwaltungsreform Berücksichtigung finden dürften. Niemais aber sei die Frage der Abtrennung der geistlichen Abteilung zum Gegenstand der Erwägungen gemacht. Denn alle Minister seien der Ansicht gewesen, daß der Zusammenhang der geistlichen Verwaltung und der Schulverwaltung, insbesondere bei der Volksschule, den historischen Verhältnissen entspreche, und daß es der Entwicklung nicht zuträglich wäre, eine Trennung vorzunehmen. Die früher zwischen dem Kultusministerium und dem Ministerium des Innern gepflogenen Verhandlungen über eine Abtrennung der Medizinal= abteilung, die bekanntlich durch die lange Krankheit Dr. Holles zum Stillstand gekommen waren, werden nunmehr von neuem in Angriff genommen werden. Die Gehaltszulagen der Lehrer. Die Lehrer sollen die im Jahre 1908 erhaltene einmalige Zulage wieder zurückzahlen! Das Göttinger Amtsblatt veröffentlicht folgende Bekanntmachung: Die Kreiskassen werden demnächst die im Jahre 1908 an die Volksschullehrer und=Lehrerinnen aus der Staatskasse für Rechnung der Schulverbände gezahlten einmaligen Zulagen von den Schulverbänden wieder einziehen. Die Einziehung erfolgt durch Anrechnung auf die am 1. Oktober d. J. fälligen Staatsbeiträge und Ergänzungszuschüsse. Die Schulverbände sind berechtigt, von den Lehrpersonen die Erstattung dieser Beiträge zu fordern. Die Rückzahlung erfolgt zweckmäßig in der Weise, daß die Schulverbände den Lehrpersonen die fraglichen Beträge bei der Gehaltszahlung am 1. Oktober d. J. in Abzug bringen. Daß sich der Lehrer wegen derartiger Maßnahmen eine berechtigte Empörung bemächtigt, ist nur allzu begreiflich. Sie versuchen denn auch, diesem ihren Unwillen gehörigen Ausdruck zu verleihen. So schreibt man dem„Göttinger Tageblatt“ aus Lehrerkreisen: „Also am 1. Oktober soll das Gehalt anstatt höher, um 150 Mark kleiner werden; denn 150 Mark betrug die einmalige Zulage. Verdammt, bald ist man mit seiner Familie am Rande der Verzweiflung angekommen. Siedend heiß wird einem das Blut über solche Ausführung des neuen Besoldungsgesetzes. Dabei soll der Stand, der so hart auf die Probe gestellt worden ist und noch wird, Vaterlandsliebe in die Herzen der Kinder einprägen! Liebe zu einem Lande des heiligen Bureaukratius, der im Schneckentempo arbeitet! Dem Ochsen, der da drischt, soll man das Maul nicht verbinden und dem Lehrer, der seine Kraft mit Lust und Liebe der Jugenderziehung und damit dem Staate opfert, sein Gehalt rechtzeitig geben; denn schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe.“ Der Herr Ehrenbürger. Die Stadt Muskau ernannte den Besitzer der freien Standesherrschaft Muskau, früheren Reichstagsabgeordneten Grafen Arnim zum Ehrenbürger. Dieser Herr Ehrenbürger brachte es seinerzeit im Reichstage fertig, als unser Genosse Bebel die furchtbare Notlage eines Kindes schilderte, den rohen, brutalen Zwischenruf zu machen: „Der Vater wird alles versoffen haben. Man wird der Stadt Muskau diesen Ehrenbürger von Herzen gönnen. Eine Kündigung des deutsch=amerikanischen Handelsabkommens steht beoor; sie ist die unmittelbare Folge des neuen amerikanischen Zolltarifs. Es soll die längste Kündigungsfrist angewendet werden; das bedeutet für Deutschland ein Ziel von 6 Monaten. Ob während dieser Zeit ein einigermaßen befriedigendes Resultat zu erzielen sein wird, ist von verschiedenen Seiten stark angezweifelt worden. Gegen die Bierverteuerung. Wie aus Breslau berichtet wird, hat die dortige Eisenbahndirektion ihre Stationen angewiesen, bei ihren Bahnhofswirtschaften keinerlei Erhöhung der bisherigen Preise für das Bier und auch keinerlei Verkleinerung der Schankgefäße zu dulden, wie solche aus Anlaß der neuen Biersteuern anderwärts bevorsteht. Antisoziales aus Württemberg. Stuttgart, 9. August. Die Abgeordnetenkammer beschloß heute mit 53 gegen 13 Stimmen der Sozialdemokratie und des Abg. Betz(Vp.), sich mit der in Aussicht genommenen Erhöhung des Tarifs der 4. Wagenklasse von zwei auf 2,8 Pfennige für den Kilometer einverstanden zu erklären. § 1.3. Düsseldorf, 9. August. Ein Hauptmann von der 13. Division wurde unter der Beschuldigung des Vergehens gegen § 175 Str.=G.=B. verhaftet. Er soll die Versehlungen mit einem Ulanen vom hiesigen Ulanenregiment begangen haben. Ein Bauernbündler vor seinen Wählern. Der Abg. Hilpert, seines Zeichens privatisierender Metzgermeister— die„Munch. Post“ nennt ihn„Ochsenwürger a. D.“—, erstattete am Sonntag in Neustadt a. d. Aisch von seinen Wählern, Kleinbürgern und kleinen Bauern, Bericht über seine Tätigkeit im Reichstage. Es kam zu stürmischen Szenen, als Hilpert die neuen indirekten Steuern als im Interesse des Vaterlandes gelegen zu verteidigen suchte. Die aufs höchste erregten Bauern und Bürger ließen ihren Abgeordneten schließlich überhaupt nicht mehr reden und verlangter ununterbrochen: Niederlegung des Mandates. In größter Erregung löste sich die Versammlung auf. Als der Volksvertreter dann unter der Obhut der Gendarmerie den Saal verließ, wurde er auf dem Wege zum Bahnhof von der gesamten Bürgerschaft ausgelacht, verwünscht, verspottet und ausgepfiffen. Die Gebühr für den„Beerenzettel“ ist wieder herabgesetzt worden. Wir berichteten vor einiger Zeit, daß die Kgl. Regierung zu Stettin verfügt hat, daß von den sogenannten Beerensammlern für die Erteilung des Erlaubnisscheines eine Gebühr von 3,05 Mk. zu zahlen sei, anstatt wie bisher der Betrag von 10 Pfg. Jetzt kommt aus Stettin die Nachricht, daß jene Verfügung aufgehoben und die Rückzahlung der Differenz von 2,95 Mark an die armen Leute angeordnet worden sei. Diese Maßnahme ist offenbar dem einmütigen Vorgehen der Presse zu verdanken. Die Kgl. Regierung gibt dies natürlich nicht zu, sondern begründet die Zurückziehung der Verfügung damit, die Betroffenen hätten die erfreuliche Wendung lediglich der Befürwortung der Forstbehörden zu danken. Ein mißlungener Reinwaschungsversuch. Die dem Abg. Behrens nahestehende„Staatsbürgerzeitung“ gibt sich alle Mühe, ihren Schützling vom Vorwurfe der Arbeiterfeindseligkeit nach Möglichkeit reinzuwaschen, und scheut sich auch nicht davor, der Wahrheit Gewalt anzutun. Es wird behauptet, die Sozialdemokratie hätte ihren Entschädigungsantrag für die Tabakarbeiter so leichtfertig formuliert, daß jeder Arbeiter, sobald er seine Arbeitslosigkeit durch einige Tage Beschäftigung unterbrochen habe, immer wieder eine neue Entschädigung bis zu 2500 Mk hätte verlangen können. Selbstverständlich ist das hanebüchener Blödsinn, denn der Antrag der Sozialdemokratie konnte nicht anders verstanden werden, als daß diese Entschädigung nur einmal zu bezahlen gewesen wäre. Weiter wird dann behauptet, die Sozialdemokratie hätte ihren Antrag vom Zentrum abgeschrieben. In Wirklichkeit liegt die Sache genau umgekehrt. Der Antrag der Sozialdemokraten auf Unterstützung der arbeitslos werdenden Tabakarbeiter ist unter Nr. 1527 der Drucksachen am 30. Juni gestellt worden. Der Zentrumsantrag, der eine ganz erhebliche Verschlechterung des sozialdemokratischen Antrages darstellte, ist am 2. Juli unter Nr. 1540 der Drucksachen gestellt worden, und ist ohne Zweifel nur gestellt worden, weil ein sozialdemokratischer Antrag nach dieser Richtung hin vorlag. Hätte die Sozialdemokratie keinen Antrag gestellt, dem Zentrum wäre es nicht eingefallen, etwas für die in ihrer Existenz bedrohten Tabakarbeiter zu tun. In der dritten Lesung hat dann das Zentrum seinen eigenen Antrag noch derart verschlechtert, daß die Sozialdemokraten unmöglich dafür stimmen konnten. Alle Wendungen und alle Drehungen helfen gegenüber dieser offenkundigen Tatsache gar nichts. Richtig ist allerdings, daß der Antrag betr. die Unterstützung der arbeitslos werdenden Brauereiarbeiter genau dem Antrag nachgebildet war, den das Zentrum in der zweiten Lesung zur Unterstützung der Tabakarbeiter gestellt hatte. Das ist aber aus rein taktischen Gründen geschehen, denn es sollte dem Zentrum jeder Ausweg verlegt werden. Das Zentrum hat allerdings doch einen Ausweg gefunden, indem es die Unterstützung der Brauereiarbeiter überhaupt ablehnte.— Es muß schlecht bestellt sein um die Sache des Herrn Behrens und seiner Parteifreunde, wenn sie sich mit derartigem Humbug an die Oeffentlichkeit wenden müssen. Kretafrage. Berlin, 9. August. Der Schritt, den Deutschland in Konstantinopel getan hat, bestand, wie der„L. A.“ von zuständiger Stelle hört, in einem freundlichen Hinweise darauf, daß es gut sein werde, kriegerische Verwicklungen zu vermeiden. Den Anlaß dazu gab der Umstand, daß der türkische Gesandte in Athen von Griechenland einen schriftlichen Verzicht auf Kreta gefordert und für den Fall, daß dieser Verzicht nicht alsbald erklärt werde, seine Abreise in Aussicht gestellt hatte. Hieraus mußte die Gefahr einer kriegerischen Zuspitzung der Frage zwischen Konstantinopel und Athen gefolgert werden, und deshalb wurde in freundschaftlichem Sinne die Stimme Deutschlands bei der Pforte zur Wahrung des Friedens erhoben. Die gleiche Haltung wie das Deutsche Reich nimmt auch Oesterreich=Ungarn ein. Berlin, 9. August. Sonnabend abend hat der türkische, Botschafter in Berlin dem Auswärtigen Amt Mitteilung gemacht von dem Wortlaut der an Griechenland gerichteten Note. Der Staatssekretär machte seine Vorbehalte und drückte den Wunsch aus, daß die Pforte einlenken möge. Er telegraphierte an den Kaiserlichen Botschafter in Konstantinopel, er möge Hilmi Pascha Mäßigung anempfehlen und ihm erklaren, daß die europäische Meinung einen Angriff gegen Griechenland nicht begreifen würde. Man hat guten Grund zu glauben, daß Oesterreich=Ungarn das Beispiel Deutschlands nachahmen wird. Athen, 9. August. Die hiesigen Gesandten der kretischen Schutzmächte besuchten gestern nacheinander den Premierminister Rallis. Die Antwort Griechenlands auf das türkische Ultimatum, deren Wiedergabe gestern beabsichtigt war, ist wegen der Intervention der Machte auf 2 bis 3 Tage erschoben worden. Aus Kreta wird lebhafte Erregung gemeldet. Ein großer Teil des Volkes will der Einziehung der chriechischen Fahnen bewaffneten Widerstand entgegensetzen. Der Zusammentritt der von der kretischen Regierung einberufenen Notabelnversammlung steht in den nächsten Tagen bevor. Die Oppositionellen versuchen eine eigene Notabelnversammlung einzuberufen. Konstantinopel, 9. August. Die Kriegsgefahr ist infolge der türkischen Note, in der Griechenland zu dauerndem Verzicht auf Kreta aufgefordert wird, akut geworden. Die Türkei setzt fieberhaft ihre Rüstungen fort. Weitere sieben Torpedoboote und Transportschiffe mit Truppen und Munition gingen nach Smyrna ab, wo die türkische Flotte den Befehl zur Abfahrt nach Kreta erwartet. London, 9. August. Heute gehen vier Transportschiffe mit Kohlen in die kretischen Gewässer ab, wohin der größte Teil der Mittelmeerflotte demnächst folgt. Zu dieser werden noch zwei Torpedobootzerstörer, drei Torpedokanonenboote, sieben Torpedoboote und vier Kanonenboote stoßen. Türkei. Ein politischer Mord. Konstantinopel, 9. August. Der Chefredakteur des jungtürkischen Blattes„Seperi i Saika“, Kiasim Bei, wird seit 5 Tagen vermißt. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist er aus politischen Gründen ermordet worden. Der Verdacht richtet sich gegen die klerikale Partei. Persten. Die siegreiche Revolution. Teheran 9. August. Frühmorgens hat eine weitere Hinrichtung stattgefunden. Sejed Mirkaschim, einer der größten Volksaufwiegler gegen die Verfassung, aus Täbris stammend, wurde auf der Flucht von Teheran in Manzanderan ergriffen und auf dem Platze vor dem Kriegsministerium gehenkt. Die Ortszulagen der Lehrer. Dortmund, 7. August. Die großen Kommunen des rheinisch=westfälischen Industriebezirks haben ein Uebereinkommen getroffen, nach dem die Regelung der Ortszulagen für die Lehrer unter den von der Regierung festgesetzten Betragen sich bewegen sollen.— Gegen diese Regelung der Ortszulagen protestierte am Freitag abend eine außerordentlich stark besuchte Lehrerversammlung. Die Diskussion wurde sehr lebhaft geführt. Es wurde eine scharfe Resolution einstimmig angenommen, in der namentlich den liberalen Stadtverordnetenkollegien vorgeworfen wird, daß sie sich in Widerspruch zu ihren früheren Versprechungen gesetzt hatten. Die Erregung unter den Lehrern ist in allen Orten des Industriebezirks außerordentlich groß. Aus der Stadt und * Bielefeld, 10. August. Die Unterstützung der Aussperrung und des allgemeinen Streiks der Gewerkschaften Schwedens. Bezugnehmend auf den in der gestrigen Nummer veröffentlichten Aufruf der Generalkommission, empfiehlt der unterzeichnete Ausschuß des Gewerkschafts=Kartells Bielefeld den Gewerkschafts=Vorständen, aus Mitteln der Lokalkassen unverzuglich namhafte Summen für die schwedischen Arbeiter zu bewilligen. Wir ersuchen die Gewerkschaften Bielefelds, dieser Bitte so schnell wie möglich nachzukommen und die bewilligten Gelder, sofern nicht andere Grunde dem entgegenstehen, an den Kassierer Ludwig Beckmann, Oststraße 28, II, abzuliefern. Ueber die Aufbringung weiterer Mittel wird erforderlichenfalls eine spätere Kartellsitzung beschließen. Von einer allgemeinen Sammlung auf Listen soll zunächst abgesehen werden. Für Freunde der Arbeitersache außerhalb der Gewerkschaften aber hält der Ausschuß Sammellisten vorrätig, um deren fleißige Benützung er ersucht. Sammellisten ohne den Stemvel des Gewerkschafts-Kartells bitten wir zurückzuweisen. Hoch die Solidarität der Arbeiter aller Länder! Der Ausschuß des Gewerkschafts=Kartellt für Bielefeld und Umgegend. — Preßkommission. Die von der Generalversammlung am 1. August wiedergewählte Preßkommission wählte zu ihrem Vorsitzenden den Genossen Gottlieb Wehmhöner, Bleichstraße 144, wieder. Die Adressen der übrigen Mitglieder der Kommission sind: H. Kraudi, Mellerstraße 64: E. Pannhorst, Bülowstraße 37; O. Dannenhaus, Osnabrückerstraße 33: Franz Hermann, Siekerstraße 10; Hermann Schäffer, Schildesche, Goethestraße 38; R. Pauler, Brackwede, Niederstraße 33; G. Bökenkamp, Sieker 13; Fr. Hanemann, Gellershagen 128. Die Adressen der Handelsgesellschafter sind: Carl Eilers, Vorsitzender, Osnabrückerstraße 33; Georg Rentschka, Waldemarstraße 4, und Joh. Switalski, Gutenbergstraße 4. — Unglücksfall. Das fünfjährige Söhnchen des Metallarbeiters Rodekamp, Detmolderstr., in der Nähe des„Schwan". hier, geriet am Montag, 9. dieses Monats, vor das Automobil der Firma Banck und erlitt schwere Verletzungen am Kopfe. Sanitätsrat Dr. Müller=Warneck leistete dem bedauernswerten Kleinen die erste Hilfe und ordnete seine sofortige Ueberführung in das städtische Krankenhaus an. Die Blutspuren zogen sich von Mitte der Straße bis vor die Wohnung des R. hin. Oo der Kleine wieder hergestellt werden kann, ist eine große Frage. Das Automobil der Firma Banck war in Neparatur bei der Firma Dürkopp und wurde eingefahren. "— Konzerte des städtischen Orchesters. Das gesamte städtische Orchester konzertiert am Mittwoch, den 11. August, abends 8½ Uhr, in Löllmanns Garten. Ein ganz vorzügliches Programm kommt zum Vortrag. Vorverkaufskarten haben Giltigkeit. Das vollbesetzte städtische Orchester veranstaltet am Donnerstag, abends 8½ Uhr, ein großes Gartenkonzert im Hotel Kaiserhof. Das Programm ist gut zusammengestellt, mithin wird jeder Besucher auf seine Kosten kommen. Das gesamte städtische Orchester veranstaltet am Freitag, den 13. August, abends 8½ Uhr, das 20. Abonnementskonzert der Schützen=Gesellschaft auf dem Johannisberg. Hierzu haben nur Mitglieder Vorzug für Vorverkaufskarten. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Das am vergangenen Donnerstag mit oielem Beifall ausgenommene Volksstück„Der Pfarrer von Kirchfeld“ wird heute zum ersten Male wiederholt. Am Mittwoch findet eine letzte Aufführung des überaus lustigen Schwankes„Der Stammbaum“ statt. Wie schon bekannt sein dürfte, hat der allbeliebte jugendliche Komiker Max Caro am Donnerstag sein Benefiz. Seine vielen Freunde und Verehrer werden es gewiß nicht verfehlen, ihn in einer seiner besten Rollen als„Charleys Tante“ zu sehen. Gleichzeitig gastiert Fräulein Fanny Roma von Braunschweig als Kitty und Alice (Ich heirate meine Tochter). — Polizeibericht. Freies Umherlaufenlassen von Hunden. Die Polizeibeamten und Flurhüter sind angewiesen, auf die Befolgung der zum Schutze der Anlagen sowie der Vögel und des Wildes erlassenen Bestimmungen über das Halten und die Beaussichtigung von Hunden ihr besonderes Augenmerk zu richten und Zuwiderhandlungen zur Bestrafung anzuzeigen. Nach der Polizeiverordung des Herrn Regierungsprasidenten zu Minden vom 8. Oktober 1895 ist es verboten, Hunde in Feldern, Wiesen und Holzungen aussichtslos umherlaufen zu lassen. Diese Bestimmung verlangt nicht, daß die Hunde in der. Leine oder Kette geführt werden Wäldern und Feldern an müssen, die Hunde dürfen sich aber nicht soweit von den Wegen entfernen, daß die Aufsicht und die Gewalt über sie verloren geht. Weiter geht die ortspolizeiliche Bestimmung zum Schutzt der städtischen Anlagen, in denen sich Rasenplätze, Blumenbeetoder Gebüschanpflanzungen befinden, das sind also die gärte nerischen Anlagen auf den Wällen, an Straßen, öffentlicher Plätzen, bei stadtischen Gebäuden, unterhalb des Sparenbergt usw. Hier müssen die Besitzer von Hunden oder deren Ange hörigen dafür sorgen, daß die Hunde die Wege in und an diesen Anlagen nicht verlassen. Wenn ein Hund auf dem Rasen, in Blumenbeeten oder im Gebüsch betroffen wird, so ist der Besitzer strafbar. Außerdem sollen die Hunde eingefangen und wenn nicht binnen acht Tagen gegen Erlegung des Fanggeldes von 3 Mk. und der Futterkosten die Einlösung erfolgt, getöte werden. " Festgenommen wurden 2 Personen wegen Trunkenheit 7 Obdachtose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. " Ein Pferd wurde am 8. 8. 1909 in Salzuflen gestohlen Das Pferd hat schwarze Farbe mit weißem Fleck am Kopf. Die linke Brustseite ist etwas aufgescheuert. Das Pferd i## sieben Jahre alt. „ Backsteinblattern sind auf dem Gehöfte des Arbeiter“ Rovert Uka, Herforderstr. 214 a, ausgebrochen. Deutscher Arbeiter=Sängerbund. Gau Oestliches Westfalen und lippische Fürstentümer. Am kommenden Sonntag, 15. August, feiert der Gau, seitden er selbständig geworden ist, sein erstes Sängerfest und zwar in den Raumen des„Schutzenhofes“ zu Herford. Es gilt also, unsere Kräfte zu messen und der freien Sängersache neue Freunde und Anhänger zu gewinnen. Mögen deshalb die angeschlossenen Vereine durch zahlreichen Besuch beweisen, daß es, Auch ar die gragnissert: rheiterschaft re Sangerbewegung. aach un die brganisierk urbenerschaf., speziell an die von ###grichten wir die Bitte, unser Sängerfest zahlreich zu besuchen. Der Festausschuß hat sein möglichstes gelan, um ein gutes Gelingen des Festes zu sichern und der geräumige„Schützenhofe mit seinen schönen Gartenanlagen dietet genügend Platz für Tausende von Besuchern. Auch ist wohl selten Gelegenheit geboten, für solch billiges Eintrittsgeld sich einen musikalischen Publikum wird du Drum sei am Son Der Gauvor 8½ Uhr in Detmold. Gew.= halle.“ Bielefeld. Baud in der„Cen! — Holzarbeit der Ortsvert Oeffentliche Fr „Die neuen Refei Dienstag, 10. 2 Mittwoch, 11. A Freitag, 13. Au Herforderstr. Brackwede, 9. A mittag ertrank der wede beim Baden Brackwede, 9. A liothek bleibt bis nen Bücher müssen * Oeynhausen, trauensleute! schen Brotfab wagten, gegen die C schaftigt Herr Koch der des„Aechte Oet noch kann Herr Ke Arbeitszeit einzuh 8. August, die geset Strafe gesichert zu läßt sie einen Reve suigen, daß sie n „uergehilfen sind schreiben. Zum 2 ein Sonntagsblättch Wir machen noc hauser Brots“ von renzen mit dieser F für den Verbreitu Hamm, Gütersloh, bitten wir, dafür zu sehr gern die Arbeit nicht das Kvalitior Kochsche Brot zurüc * Rehme, 9. 2 7. August. Tageso Neuwahl einer Vo vertreter, 3. Kirchho Carl Saaher aus Stellvertreter. Zu Babbenhausen, Kolr Wilh. Lohkamp=Reh Geschäftsführer Ad bechsen, Zigarrena## Zu Punkt 3 hatte1 Kirchhof anzulegen. LI einfach, mit Mark elegant, m Mark schwer, mi Mark hochelegant, m Mark Liefe es. #rtmund, 7. August. =westfälischen Industrieoffen, nach dem die Regeinter den von der Regien sollen.— Gegen diese am Freitag abend eine ersammlung., Die Diswurde eine scharfe Resonamentlich den liberalen wird, daß sie sich in rechungen gesetzt, hätten. in allen Orten des Ineinen musikalischen Genuß zu verschaffen. Auch das tanzlustige Publikum wird durch den Festball auf seine Rechnung kommen. Drum sei am Sonntag unsere Losung: Auf nach Herford! Der Gauvorstand. Dar##taug schoß. Nachbarschaft. lefeld, 10. August. ung und des allgemeinen Bezugnehmend auf den ten Aufruf der Generalterzeichnete Ausartells Bzelefeld sen, aus Mitteln ch. namhafte SumArbeiter zu beielefelds, dieser Bitte so ien und die bewilligten u entgegenstehen, an den 28. II, abzuliefern. ittel wird erforderlichenßen. 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August, abends 8½ Uhr, bei Blome. Freitag, 13. August, abends 8½ Uhr, bei Apenbrink, Herforderstr. 242. Brackwede, 9. August. Extrunken. Am Sonntag nachmittag ertrank der 18jährige Kaufmann Frankenstein aus Brackwede beim Baden im Wächterschen Teiche. Brackwede, 9. August. Die Zentralarbeiter=Bibliothek bleibt bis auf weiteres geschlossen. Die entliehenen Bücher müssen bis zum 20. August zurückgegeben werden. * Oeynhausen, 9. August. Bekanntlich sind die Vertrauensleute des Bäcker=Verbandes in der Kochschen Brotfabrik gemaßregelt worden, weil sie wagten, gegen die Gesetzesübertretungen anzukämpfen. Jetzt beschäftigt Herr Koch auch seinen Nachtwächter als Bäckergehilfen, der des„Aechte Oeynhauser Brot“ herstellen muß. Aber immer noch kann Herr Koch sich nicht daran gewöhnen, die gesetzliche Arbeitszeit einzuhalten, so wurde erst wieder am Sonntag, 8 August, die gesetzliche Arbeitszeit übertreten. Um aber vor Strafe gesichert zu sein, geht Herr Koch zu seinen Leuten und läßt sie einen Revers unterzeichnen, nach dem die Arbeiter bestätigen, daß sie nicht über die Zeit gearbeitet haben. Die Bäckergehilfen sind also gezwungen, die Unwahrheit zu unterschreiben. Zum Danke dafür bringt Herr Koch seinen Leuten. ein Sonntagsblättchen mit aus der Kirche. Wir machen nochmals die Konsumenten des„Aechten Oeynhauser Brots“ von Karl Koch darauf aufmerksam, daß die Differenzen mit dieser Firma nicht beigelegt sind. Die Absatzgebiete für den Verbreitungsbezirk der„Volkswacht“ sind Münster, Hamm, Gütersloh, Warendorf. Die Leser der„Volkswacht“ bitten wir, dafür zu sorgen, daß es bekannt wird, daß Herr Koch sehr gern die Arbeitergroschen nimmt, daß er seinen Leuten aber nicht das Kvalitionsrecht gewähren will. Darum weist das Kochsche Brot zurück. * Rehme, 9. August. Gemeinderatssitzung vom 7 August. Tagesordnung: 1. Wahl eines Schiedsmannes, 2. Neuwahl einer Voreinschätzungskommission und deren Stellvertreter, 3. Kirchhofsanlage. Zu Punkt 1 wurde der Kaufmann Carl Saaher aus Rehme gewählt und Wilhelm Neuhaus als Stellvertreter. Zu Punkt 2 wurden Ziegeleibesitzer HunekeBabbenhausen, Kolon Wehmeyer=Oberbechsen, Zigarrenarbeiter Wilh. Lohkamp=Rehme bis 1912 gewählt, als Stellvertreter Geschäftsführer Adolf Brokmann=Rehme, Frodermann=Ober= bechsen, Zigarrenarbeiter Herm. Rahlmeyer=Rehme gewählt. Zu Punkt 3 hatte die Kirchengemeinde beschlossen, einen neuen Lirchhof anzulegen. Die Gemeindevertretung lehnte dieses ab, Preises fnsen Ppirdene ze“ die an den Virhrgehteinzelgein. wohnern ein Unwille hervorgerufen, da Rehme dann 3 Kirchhöfe, jeder mit einer Dornenhecke umgrenzt, bekäme; dieses würde ein unschönes Bild geben. Auch würde es aussehen, als ob für Arme und Reiche gesonderte Kirchhöfe geschaffen würden. Hierauf beschließt die Gemeindevertretung einstimmig, die Kirchengemeinde zu ersuchen, sie möge den alten Kirchhof in derselben Größe wie des angekauften erweitern, indem die Straße an der östlichen Seite des alten Kirchhofs wegfällt und um den neuangekauften Teil in derselben Breite angelegt wird. Die Gemeinde Rehme übernimmt die Unterhaltungskosten des neuangelegten Weges, wenn die zwischen den Hecken in Wegsoll kommen, damit ein einheitlicher Kirchhof geschaffen wird „ Von der Luftschiffahrt. Berlin, 9. August. Heute um 3 Uhr 10 Minuten nachmittags ist ein Signalballon des Luftschifferbataillons in einer Höhe von etwa 500 Meter geplatzt und heruntergestürzt. Es handelt sich um einen kleinen, alten Ballon, der zur Prüfung der Konsistenz des Gases aufgelassen zu werden pflegt. Der Materialschaden ist nur unbedeutend. Verletzungen von Personen sind bei dem Unfall nicht vorgekommen. " Frankfurt a. M., 9. August. Bei dem ersten Flugversuche mit dem Euler=Flieger auf dem Fluggelände der„Ila“ geriet der Apparat in den Erdanker eines Zeppelinschiffes. Der Apparat wurde zertrümmert, der Lenker August Euler blieb unverletzt. Frankfurt a. M., 9. August. In Mainz werden auf dem Exerzierplatze Versuche mit einem Flugapparate gemacht. der einen Opelmotor erhält und bis zur Kaiserparade am 9. Sept. fertig sein soll.— In Wiesbaden hat der Chauffeur Eichelmann einen Flugapparat konstruiert, der erst im September erprobt werden soll. Frankfurt a. M., 9. August. Der Ballon„Parseval III“ ging heute vormittag wieder mit Passagieren auf. Nach viertelstündiger Fahrt erhob sich ein heftiger Sturmwind mit Platzregen. Der Führer, Oberleutnant Stelling, hielt es für ratsam, eine Zwischenlandung vorzunehmen und ließ das Luftschiff auf der Ginnsheimer Höhe nieder. Die Landung vollzog sich glatt. Nachdem das Unwetter nachgelassen, erhob sich das Luftschiff wieder und landete glücklich auf dem Flugplatze. nach einem voraufgegangenen Streit von dem Arbeiter Johann Zintel erstochen. Der Täter wurde verhaftet. Vom Blitz erschlagen. Neustadt a. Haardk, 9. August. Nach dem„Pfälzischen Courier“ ist heute vormittag in Eiselthurm bei Kirchheimbollanden der Arbeiter Weller vom Blitz erschlagen worden. Seine Frau wurde auf einer Seite gelähmt. Gefaßte Diebe. Frankfurt a. M., 9. August. Einem hiesigen Kriminalbeamten gelang es wieder, zwei internationale D=Zug=Diebe festzunehmen. Beide sind etwa 50 Jahre alt. Der eine ist ein Belgier, der andere ein Spanier, Waldbrand. Wiesbaden, 9. August. Am Sonntag nachmittag entstand in der Nähe des Jagdschlosses Platte ein großer Waldbrand. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte nach dreistündiger Anstrengung der Flammen Herr werden.: Die Entstehungsursache ist noch nicht ermittelt. Erfurt, 9. August. Von einem Güterzuge, der von Gotha aus kam, wurden in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag zwei Personen übergefahren. Die eine wurde auf der Strecke Hochheim=Erfurt auf der Steigerbrücke in zwei Hälften geteilt gefunden. Aus den Papieren geht hervor, daß es sich um den etwa 40jährigen Kaufmann Paul Reinhardt aus Plauen i. V. handelt. Der andere Lebensmüde lag gräßlich verstümmelt auf der Strecke Wieselbach und Hopfgarten. Im zweiten Falle konnte die Person nicht festgestellt werden. „Selbstmord eines Eisenbahnbeamten. Plauen, 9. August. Wie die„Neue Vogtländische Zeitung“ meldet, hat sich der 27jährige Eisenbahnassistent Jakob in Pausa erhängt, weil er, wie er in einem hinterlassenen Briefe angab, vom Publikum für den dort am Sonnabend passierten Eisenbahnunfall, an dem er keine Schuld trug, verantwortlich gemacht werden würde. I. ist an dem betreffenden Tage Diensthabender gewesen. Erstochen. Frankfurt a. M., 9. August. In Hifheim im Ried wurde gestern nachmittag der Arbeiter Heinrich Görz Letzte Kiel, 10. August. Von der Spitze des auf der Germaniawerft befindlichen Riesenschwimmkrans stürzte gestern nachmittag das in einer Höhe von 75 Metern befindliche Montageund Baugerüst ein und durchschlug die Schwimmpontons. Die an dem Neubau beschäftigten Arbeiter wurden gerettet. Der Unfall ist durch das Reißen eines Seiles hervorgerufen worden, durch das ein schweres Montagestück herabstürzte. Landsberg, 10. August. In einer benachbarten Ortschaft wurde ein Arbeiter von vier andern mit einem Holzscheit erschlagen. Leipzig, 10. August. Das Projekt eines Saale=Elster=Kanals dürfte in naher Zeit zur Verwirklichung gelangen. Dadurch würde Leipzig mit seiner Industrie direkten Verkehr mit der Elbe erhalten. Die Feststellung der mächtigen Braunkohlenschätze im Laufe des Elstertales und der dortigen weitausgedehnten, leicht abbaufähigen Tonfelder hat in der Haltung der dem Kanalprojekt bisher ablehnend gegenüberstehenden Regierung einen Umschwung herbeigeführt und auch Preußen dürfte nunmehr den ursprünglichen Widerstand gegen das Projekt aufgeber; Stuttgart, 10. August. Gestern abend stürzte ein großer Teil des im Bau begriffenen Eisenbahntunnels zwischen Stuttgart und Feuerbach ein. Mehrere Arbeiter konnten sich retten Das Unglück erfolgte durch den Einsturz eines Gerüstes, auf dem Mineure arbeiteten. Einem Aufseher, der das Gerüst zusammenstürzen sah, war es möglich, die Arbeiter durch Rufe zu warnen. Eine Anzahl Personen wurden verletzt, darunter ein Tcgelöhner, zwei Maurer und einige Mineure. Es ist noch nicht festgestellt, welche und wieviel Arbeiter in dem Tunnek waren, was die Rettungsarbeiten erheblich erschwert. Die Bergungsarbeiten wurden wegen weiterer Einsturzgefahr bis auf heute früh eingestellt. Hirschberg, 10. August. Im Walde bei Liebau erschoß der Bergschüler Winkler aus Rotenbach seine Braut, eine Näherin aus Landeshut, und dann sich selbst. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Breslau, 10. August. Die„Neisser Zeitung" nennt den nationalliberalen Abg. Dr. Semler als denjenigen, der dem Zentrum mitteilte, er werde bei der Abstimmung über die Beamtenvorlage in der Sitzung der Budgetkommission das Beratungszimmer verlassen, um die klerikal=konservative Mehrheit sicherzustellen. Stockholm, 10 August. Der gestern zum Teil wieder aufgenommene Straßenbahnverkehr hat bisher keinerlei Ruhestörungen veranlaßt. Die Polizei ließ 28 Straßenbahnwagen in den Verkehr einstellen. Heute wird Stockholm wie das übrige Schweden ohne schwedische Zeitungen sein. Verschiedene Pläne werden erwogen, um dem Publikum Ersatz zu schaffen. Die von anderer Seite wiedergegebenen Gerüchte, König Gustav habe ernstlich seine Unzufriedenheit darüber kundgegeben, daß die Regierung keine Einigungsversuche vorgenommen hat, ist unrichtig. Dagegen soll der König sehr unzufrieden sein, weil er nicht genügend von der Entwicklung der Ereignisse auf dem Laufenden gehalten worden sei. Er soll die Situation für ernster befunden haben, als man erwartet hatte. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Abtellung: Bertstenen. Aporme Asieszrahl: Von einfachster Drahtbettstelle bis zur elegantesten Messingbettstelle! Eilorine Auswanl! Von einfachster Holzbettstelle bis zur elegantesten echten Eichenbettstelle! 4282 einfach, mit rotem Sprungrahmen 350 Mark engl., schwer, mit Stahlfedermatratze und 4teil. Polster Mark 5800 engl., mit Stahlfedermatratze und 4teil. Kapokpolster Mark OT eichen, mit Stahlfedermatratze und Ateil. Krollhaarpolster Mark 1000 Lieferung trei. 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Deffentliches Verkehrs=Bureau Telephon 292 Zimmerstraße 19 Telephon 292 (Gegründet 1906 vom Verschönerungs=Verein) Benutzung von Reiseführern, Verkehrskarten, Kursbüchern, Hotelund Städte=Adreßbüchern, Prospekten über Einzel= und Gesellschafts=Reisen, Besergung von Reise=Passepartouts für In= und Ausland, Abgabe der Prospekte von Bade=, Brunnen= und Luftkurorten, sowie der Bielefelder Verkehrs=Postkarten kostenlos. Sanlatsrat Dr. med. Gilnnger schreibt: Raichlon-Laffee Pempfehlenswert!“ verlange Arbeiter Gesandheil, Liblidthet. Bisher sind folgende Hefte erschienen: 1. Dr. Christeller: Die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Mit 9 Text=Illustrationen. 2. Dr. Silberstein: Das erste Lebensjahr. 3. Dr. Hirschoff: Zur Gesundheitspflege des Nerven4. Dr. J. Zadek: Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung. 5. Dr. R. Fröhlich: Alkoholfrage und Arbeiterklasse. 6. Dr. R. Silberstein: Das Schulkind. 7. Dr. Ernst Gebert: Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten. 8. Dr. R. Chajes=Schöneberg: Nahrung und Ernährung. Mit einer farbigen Tafel. 9. Dr. Panl Bernstein: Wie sollen wir uns kleiden? 10. Dr. M. Epstein=München: Der Arbeiterschutz mit besonderer Berücksichtigung der Werkstatthygiene. 11. Dr. Zadek: Frauenleiden und deren Verhütung nebst einem Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. 12. Dr. Ernst Thesing=Magdeburg: Vom medizinischen Aberglauben. 13. Dr. S. Munter: Das Wasserheilverfahren in Gesundheitspflege des Arbeiters. 14. Lonis Jordan=Leipzig: Verhütung und Heilung des Stotterns. 15. Dr. Julian Markuse: Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. 16. Gertrud Rewald=Berlin: Zähne und Zahnpflege. 17. Dr. Christeller: Bau und Lebenstätigkeit des menschlichen Körpers. 18. Ed. Bernstein: Der Geschlechtstrieb. 19. Joh. Ranker: Die Krankenpflege im Hause. 20. Dr. Zadek: Die Proletarierkrankheit, ihre Entstehung und Verbreitung, Verhütung und Heilung. Preis pro Heft 20 Pfg. Porto 3 Pfg. Vorrätig in der Buchhandlung Die Geschäftsleute, die in der„Volkswacht" inserieren, wolle man bei Einkäufen berücksichtigen. Nr. 184. Der Sozi V Die ersten Klänge Widerhall der revoli des Sozialismus im des vorigen Jahrhun Propaganda und fanc schaftlichen Umwälzun wegung, Swetosar M Tschernischewskys her sischen Jugend der## tionären Ideen durch die als Frucht des ku relativ sehr umfangre den sozialen Bewegung seiner Zeit gut bekan Aber der Einfluß Einfluß von Marx, de nicht unbekannt gebliel sozialen Gründen. Verhältnissen, in dene hatte, entsprach weit n Schule von Marx. handen war, konnte sie kampfes und des Sozi nur eine theoretische in den Zadruga(Hal Meister ihn im Mir Zadruga siehe auch: Z. Statistik, 16. Jahrgan Hinsicht waren die dar für Utopien dieser Ar waren noch sehr stark tums on Grund und dern, und im Volke leb seitigen Unterstützung, len Selbstverwaltung, türkischen Herrschafte Diese„demokratisch buch unserer Vorläufer Umwälzung sein. Swetosar,„bleiben bei wicklung des kapitalist Kapitalisten und Arbewird die soziale Umg bestimmten Grundlage es werden die Kleinbe tum abtreten und eine Gemeineigentums orge zweiten Weg für mögli Agitation und Orgar Erziehung und Aufklär könnten sie von unten! sieren. Unsere Aufgab schen Wirtschaftsweise, dern die Umgestaltung in gemeinschaftliches, ganze historische Epoche Epoche der kapitalistise weder etliche Millionä oder kräftige Produkti Diese Anschauung i auch auf Zweifel, soga wie gesagt, mit den we war. 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Tutzowitsch I. „„Die ersten Klänge der sozialistischen Ideen in Serbien, als Wiveryall der revolutionären Strömungen in Rußland und des Sozialismus im Westen, erschollen in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das war die Zeit der kräftigen Proxaganda, und fanatischen Hingebung„zur Sache der gesellschaftlichen umwälzung". Das Herz und der Kopf dieser Bewegung, Swetosar Markowitsch, war aus der russischen Schule Tschernischewskys hervorgegangen, in der Gesellschaft der russischen Jugend der sechziger Jahre erzogen und mit revolutionären Ideen durchtränkt. Aus seinen sämtlichen Werken, die als Frucht des kurzen Lebens von neunundzwanzig Jahren relativ sehr umfangreich sind, kann man ersehen, daß er mit den sozialen Bewegungen und mit der wissenschaftlichen Literatur seiner Zeit gut bekannt war. Aber der Einfluß von Tschernischewsky war stärker als der Einfluß von Marx, dessen„Kapital“ unserem großen Idealisten nicht unbekannt zeblieben war— nicht aus persönlichen, sondern Gründen. Den wirtschaftlichen, sozialen und politischen Verhältnissen, in denen Swetosar Markowitsch sich zu betätigen hatte, entsprach weit mehr die Schule Tschernischewskys als die Schule von Marx. Da eine Arbeiterklasse in Serbien nicht vorhanden war, konnte sie als Trägerin des proletarischen Klassenkampfes und des Sozialismus für Swetosar und seine Genossen nur eine theoretische Bedeutung haben; sie suchten einen Ersatz in den Zadruga(Hausgenossenschaften), wie ihre russischen Meister ihn im Mir gefunden zu haben glaubten.(Ueber die Zadruga siehe auch: Z. Balugdgitsch, Aus der neuesten serbischen Statistik, 16. Jahrgang, 2. Band, 1898, S. 492.) In gewisser Hinsicht waren die damaligen serbischen Zustände noch günstiger für Utopien dieser Art als die russischen. Neben der Zadruga waren noch sehr stark die Reste des gemeinschaftlichen Eigentums on Grund und Boden, überhaupt an Wiesen und Wäldern, und im Volke lebten noch sehr lebendige Gefühle der gegenseitigen Unterstützung, des Zusammenhaltes und der kommunalen Selbstverwaltung, die sich als Stutze des Volkes unter der türkischen Herrschaft erhalten hatten. Diese„demokratischen Einrichtungen“, wie sie im Wörterbuch unserer Vorläufer hießen, sollten die Elemente der sozialen Umwälzung sein.„Für die soziale Umgestaltung", schrieb Swetosar,„bleiben bei uns zwei Wege: entweder wird die Entwicklung des kapitalistischen Großbetriebs zur Trennung der Kapitalisten und Arbeiter in der Produktion führen, und dann wird die soziale Umgestaltung auf dieser durch die Geschichte bestimmten Grundlage(durch soziale Revolution) vollzogen; oder es werden die Kleinbesitzer allein freiwillig vom Privateigentum abtreten und eine Großproduktion auf der Grundlage des Gemeineigentums organisieren. Ich halte bei uns auch diesen zweiten Weg für möglich. Deshalb legen wir viel Wert auf die Agitation und Organisierung von Produktivgenossenschaften, Erziehung und Aufklärung. Wenn es genügend Agitation gäbe, könnten sie von unten herauf die sozialistische Gesellschaft organisieren. Unsere Aufgabe ist nicht die Vernichtung der kapitalistischen Wirtschaftsweise, die bei uns tatsächlich nicht besteht, sondern die Umgestaltung des kleinen patriarchalischen Eigentums in gemeinschaftliches, und auf diese Weise werden wir eine ganze historische Epoche der wirtschaftlichen Entwicklung— die Epoche der kapitalistischen Wirtschaft überspringen.“ Also entweder etliche Millionäre und etliche Millionen von Arbeitern oder kräftige Produktivgenossenschaften. Diese Anschauung über die soziale Entwicklung stieß freilich auch auf Zweifel, sogar bei Swetosar Markowitsch selbst, der, wie gesagt, mit den westeuropäischen Zuständen sehr gut bekannt war. Aber sie blieb der Grundton seiner Theorie, weil die sozialistischen Bestrebungen im Lande der Kleinbauern und Kleinbürger nicht anders begründet sein konnten. Ebenso wie seine Meister entwarf Swetosar Markowitsch den ganzen Plan des neuen Gesellschaftsbaus, der auf der Grundlage des Gemeineigentums aufgebaut sein sollte, und als Weg, der dahin führt, zeichnete er die Vernichtung des den„demolxatischen richtungen“ des Volkes feindlichen vureaukratischen Systems, die Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des Volkes mit dem Vorschlags= und Verwerfungsrecht, die Unentgeltlichkeit des Unterrichtes, die Verbreitung von Wissen im Volke. Alles hängt also von den Menschen, von den Agitatoren ab, die imerief.„Seine Antwort war:„Wer nicht ist, sich für jeder arom seiner Ueberzeugung zu opfern, darf sich nicht Vertreter des Volksgedankens nennen.“ „Was. war gas Resultat? Auf die Bauernmasse konnte man Biz:##e#t wirken, weil sie weder lesen noch schreiben konnte. ### Sazern, die weder„lesen noch schreiben konnten, zählten 1866 1,0 Prozent, 1874 3½ Prozent.) Die Handwerker griffen begeistert die Gründung der Produktiogenossenschaft auf, als Rettung von fremden Kapitalismus, unter dessen Konkurrenz sie zugrunde gingen. Aber diese Organisationen gingen unter oder verloren den wirtschaftlichen Charakter noch während des kurzen Lebens von Swetosar Markowitsch.(Er wurde 1846 geApril 1871 erschien die erste Nummer seines Blattes„Arbeiter“, er starb am 26. Februar 1875.) noch die Intelligenz, die massenhaft unter seinem großen Einfluß stand. Viele Vertreter dieser Intelligenz leben öcines sind die heutigen Staatsräte, ehemalige und aktive ###ter der alten radikalen Partei, die Exzellenzen Paschitsch, Parschu, Protitsch. Die Metamorphose der ganzen Bewegung ist damit angezeigt. Swetosar Markowitsch stand über der Gesellschaft, so daß keine Gefahr war, daß ihn die realen Lebensbedingungen verwirren würden, und seine Schüler, Nachfolger, die jugendliche Intelligenz, Priester, Lehrer, Handwerker und Kleinhändler, das heißt praktische Arbeiter und Agitatoren. mußten sich im Volke betätigen. Und je stärker ihr Einfluß war, je größere Massen sie ins Lager der Opposition überführten, desso schneller streifte die ganze Bewegung die sozialistische Färbung ab, indem sie in der Praxis jene Forderungen, die den Interessen und Vorurteilen der Masse, an die sie sich wandten, entsprachen, hervorhob und beibehielt. Die materiellen Lebensbedingungen waren stärker als die schönsten Wünsche und geschriebenen Programme. Die Hausgenossenschaften(Zadruga), gemeinschaftliches Eigentum der Dorfgemeinden und andere Reste des urwüchsigen Kommunismus, die nur in der Naturalwirtschaft erhalten werden konnten, gingen unter dem Einfluß der Geldwirtschaft unter. Die Geldwirtschaft beginnt ihre tiefe Wirkung auf die alten Verhältnisse noch vor der Befreiung von der Türkenherrschaft, und nach der Revolution(1804 bis 1815) war ihre auflösende und zersetzende Wirkung desto schneller, je mehr der neue unabhängige Staat in enge Handelsbeziehungen zu den Weststaaten trat“) und die eigenen Staatslasten erhöhte.(Die Ssatstenerg, wuchen ebenials rosch. K“ artopte, belief sich 1863 auf 78.6, 1909 auf 103,3 Millionen Franken.). Unter neuen dingungen entwickelten sich die Agrarverhältnisse nach zwei entgegengesetzten Richtungen: auf Kosten der Zadruga wuchs die Zahl der Kleinbetriebe, auf Kosten des gemeinschaftlichen Eigentums und des für die Erhaltung unfähigen Kleinbesitzes der Großbesitz. In der Masse des Volkes entbrannte der Kampf für die Erhaltung oder Erweiterung des Privateigentums. Für die kommunistischen Utopien blieb keine Aussicht mehr. Dennoch erlosch die Glut der kräftigen Propaganda der kommunistischen Ideen niemals vollständig. Aber ihre Vertreter waren die kleinen abgeschlossenen Kreise der Intelligenz und der wenigen Handwerker, ohne irgend einen politischen Einfluß; sie sammelten sich 1881 um den„Arbeiter“, 1883 um den „Kampf“, 1887 um die„Jugend“, 1895 um den Sozialdemokrat“ um die„Arbeiterzeitung". Die Masse des geplagten Volkes trug sich nicht mit kommunistischen, sondern mit kleinbürgerlich=demokratischen Gedanken. Die radikale Partei, die ed die eigenen Staatslasten erhöhte.(Die suchsen„Evensauls, kasch, Der Staatshaushalt if 4,8, 1879/80 auf 18,5, 1893 auf 59,5, 1902 auf 03,3 Millionen Franken.). Unter neuen Bear 2), Die Bewegung des Handelsverkehrs Serbiens mit dem Ausland lann man aus diesen Zahlenreihen sehen: Geen Einfuhr Ausfuhr Jahr in Millionen Franken 1843 9.0 5,6 1862 1870 1879 1889 1899 1904 879 bis 1883(durchschnittlich) 1893(durchschnittlich 1903(durchschnittlich) 10.7 27.9 45,8 38,7 49.5 60,9 18/8 30,6 39.0 46,5 66/0 62.0 wegung herauswuchs, hatte ansangs ein äußerst demokratisches Programm mit allgemeinem Wahlrecht, Selbstund Miliz, in hartnäckigem Kampfe gegen den bureaukratisch=monarchistischen Absolutismus eroberte sie die expältigende Majorität des Volkes und fast die ganze Bauernder radikalen Partei erfüllte die politische Geschichte des Landes in den letzten drei Jahrzehnten. Von der alten demokratischen radikalen Parteil blieb allein der Name übrig, seitdem an ihre Spitze die„angesehenen“ reichen Bauern, Korn= und Viehhändler, die große Bureaukratie und die Vertreter der jungen Bourgeoisie getreten sind. Als sie 1888, im Resnem Pentschlu Blutseindes König Milan und hundt##r cluß eine neue Verfassung zu geben, auf dem HöheHunki der Nacht war, ließ sie, das allgemeine Wahlrecht, die Selbstverwaltung und das Miliziystem im Stiche, und nachher als Regierungspartei sogte sie sich endgiltig und vollständig davon los. Sie ist jetzt der ausgesprochenste Vertreter des Bürgertums. Als Protest des enttäuschten und durch die kapitalistische Konkurrenz und Staatslasten unterdrückten Kleinbürgertums haben sich vom linken Flügel die jungen„unabhängigen“ Radikalen abgetrennt, die von Anfang an keinen sympathischen Zug aus der Jugendzeit der alten radikalen Partei und alle Eigenschaften der reaktidnären untergehenden Masse besaßen, die von politischen Strebern schlimmster Sorte und Jägern nach Staatsposten und=konzessionen geführt und genarrt wird. Die früheren Koalitionen der Jungradikalen mit Altradikalen wie auch der Eintritt der ersteren in die allgemeine Koalition aller bürgerlichen Parteien, die jetzt in Serbien herrscht, zeigen, daß zwischen ihnen keine grundsätzlichen Unterschiede mehr bestehen. in Frankreich gefagt hat. Marx von der Julimonarchie 16. Jahresversammlung des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche. (Erster Verhandlungstag.) —, th. Bremen, 9. August. beginnt mit einer Begrüßungsansprache des Arbeitersekretärs Rhein=Bremen, der als Vorsitzender der Dremer Ortsrassen auf die ernste Situation hinweist, in welcher sich die gesamte Sozialgesetzgebung zurzeit befindet. Das falsche Lied vom Terrorismus in den Ortskrankenkassen habe den Vätern der Regierungsvorlage vorgeschwebt, obwohl in genügender Deutlichkeit die Haltlosigkeit der Behauptungen erwiesen sei. die Peie#isizielle Eröffnung, des„Vaexhandstages und gleichzeitig Die Elnleitung in die Veryandlungen wird vom Vorsitzenden Frätzdoxf mit einer Ansprache vollzogen. Eine Anzahl behördlicher Vertreter sind anwesend, sowie auch Angestellte aus iersicherungswesen. aus Oesterreich ist der Landtags= und Reichslagsabgeordnete Eloers erschienen. Herr Fräßdorf laßt dann in kurzen Worten den Inhalt der Regierungsvorlage Revue passieren, wobei er hervorhebt, daß die Krankenkassen im besten Einvernehmen mit den Vertretern aus Arbeitgeberkreisen verwaltet werden. Zwar sei Scharfmachertum und verknöcherter Bureaukratismus am Werke, den Versicherten die Selbstverwaltung zu nehmen, doch werde das hoffentlich durch das einmüzige Vorgehen aller Beteiligten verhindert werden. Die assen befänden sich auch nicht nur in der Verteidigungssteuung, es müsse auch zum Angriff übergegangen werden. Redner streift dann kurz den Kampf mit den Aerzten, sowie das Bestreben einer kleinen Gruppe innerhalb des Aerzteverbandes, das darauf gerichtet sei, das Interesse von 20 Millionen Vergcherter den 2000 Aerzten auszgliefern. Redner hofft, daß Reichstag und Bundesrai ohne nücksicht auf das Geschrei der Gegner der Selbstverwaltung einen scharfen Schnitt durch die Regierungsvorlage tun werden. Das höchste Ziel in der Versicherung habe das Wohl der Versicherten zu sein. Von diesem undsatze aus wünscht Redner, daß auch die Verhandlungen gepflogen werden möchten. Nachdem dann der Verbandstag seitens des Herrn Senators Dr. Furmann in„Namen der Stadt Bremen begrußt worden ist, erhall Herr Professor Dr. Stier=Somlo aus Bonn Sote. Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. 34— „Dörthin zu gelangen, war immer noch mit einigen Schwierigkeiten verbunden, denn überall hatten die Goldwäscher wenigstens versucht, Gold zu finden, einzelne tiefe Löcher zu dem Zwecke gegraben und dann den Platz wieder aufgegeben. Vorsichtig jedoch mit dem Fuße vorher jeden Schritt untersuchend, gelangte er näher und näher zu dem Feuer, bis er eine, wie es schien, davor auf= und abgehende Gestalt erkennen konnte. Es sah beinahe aus, als ob da jemand Schildwache stände. Nichtsdestoweniger kam der Justizrat, wie es schien, vollkommen unbemerkt, an den Mann heran und sagte, als dieser vielleicht noch zwei Schritt von ihm entfernt war: „Guten Abend, können Sie—“ „Halt! werda!“ schrie da plötzlich der Posten, denn ein solcher schien es in der Tat zu sein, mit lauter, fast kreischender Stimme, indem er ein paar Schritte zurückprallte, und der Justizrat hörte ein doppeltes Knacken, als ob Gewehrhähne gespannt würden. „Na, beunruhigen Sie sich nicht,“ sagte er abwehrend,„setzen Sie verdammt Gewehr ab, Gut Freund! wollt' ich sagen.“ „Na ja, das is nicht übel,“ sagte da die Schildwache mit echt dreußischem Dialekt,„kommt der da bei Nacht und Nebel heranjeschlichen wie eine Schlange, und dann sagt er Jut Freund!" „Was gibt's, Schildwach'?“ frug da von dem Feuer her eine seine Stimme, als ob sie einem Knaben von vierzehn Jahren angehöre. "„Ein Deutscher," erwiderte die Schildwache, das Gewehr dabei immer im Anschlag,„der an mich anjekrochen ist un jut Freund sogt.“ „Arretiert ihn und bringt ihn ins Hauptquartier,“ lautete die Antwort. „Stehn bleiben, oder ich schieße" drohte im nächsten Augenblick, dem Befehl gehorsam, die Schildwache und setzte dann hinzu:„Arrestant vortreten, Achtung! vorwärts, marsch, linke Schulter vor! halt!" „Aber Donnerwetter!“ fluchte der Justizrat, der sich aus Furcht vor dem auf ihn gerichteten Gewehr dem Befehl ohne Widerrede unterzog,„will ja nur—“ „Maul halten!“ herrschte ihn aber der Posten, ein kleiner untersetzter Bursch mit dunklem Rock und einem weißen Gürtel oder einer Binde um den Leib, an,„hier ist ein Graben, nüber springen, eins, zwei, drei!—“ „Aber ich will ja nur „Eins!“ zählte aber die Schildwache noch einmal barsch und dob das Gewehr an die Backen,„zwei—“ Der Justizrat machte einen Satz über den Graben hinüber und hielt sich drüben mit Händen und Füßen an. Auf das Feuer war aber indessen trockenes Holz geworfen worden, daß es hoch aufloderte und den Platz hell erleuchtete, und der Gefangene sah, daß er sich an einer, wie es schien frisch aufgeworfenen und mit einem etwa drei Fuß breiten Graben umgebenen Schanze befand. Die Erde aus dem Graben hatte man dann gleich zu dem Wall benutzt, in dessen innerem, vielleicht zehn Schritt im Durchmesser haltenden Raum ein einzelnes weißes Zelt stand. Vor dem Zelte war das Feuer, vor dem der Justizrat noch vier Bewaffnete erkennen konnte. „—„Hinauf klettern!“ lautete jetzt der Befehl der unerbittlichen Schildwache, die immer noch mit dem Gewehr im Anschlag hinter ihm stand.„Eins!“ „Drei Teufels Namen,“ schrie der Justizrat, jetzt ärgerlich gemacht—„komme ja schon— so— jetzt hab' ich meinen Pfeifenkupf verloren.“ „Zwei!“ „Verfluchter Kerl!“ brummte er zwischen den Zähnen durch. Das angelegte Gewehr macht ihn aber behende. Mit einem wahrhaft verzweifelten Satz schwang er sich auf den Rand des Dammes und sah sich hier plötzlich einem wahren Riesen von einem Manne gegenüber, der ihn ebenfalls mit gefälltem Gewehr erwartete. „Juten Abend!“ sagte der Riese aber, und der Justizrat fand jetzt zu seinem Erstaunen, daß ihm die feine Stimme gehörte—„was wollen Sie eigentlich hier bei Nacht und Nebel?“ „Ich?“ rief aber der Gefangene ärgerlich, denn ein unbestimmtes Gesühl sagte ihm, daß er hier für seine eigene Person wohl kaum etwas zu fürchten habe,„kuriose Erkundigung— fragen Ihre Schildwache— eins, zwei, drei! Auch Manier, auf Leute mit Bewehr zu zielen?" „Die Schildwache hat nur ihre Schuldigkeit jetan," versetzte aber trocken der Riese, ebenfalls in rein preußischem Dialekt. „Zu wem wollen Sie?“ „In mein Zelt,“ antwortete der Justizrat,„Dunkelheit verlaufen, weiß der Teufel wo bin!“ „Wo steht Ihr Zelt?“ „Wenn ich's wüßte, wär' ich nicht hier,“ brummte der Gefangene—„heute erst gekommen.“ „Heute? So?— Schultze!“ sagte der Riese. „Hier!“ rief einer der Kleinen in seiner Begleitung. Schrite e Schultze kam, Gewehr an, mit zwei langen Schritten vorgetreten und machte Front. „Schultze, du bist heute auf Kundschaft ausjesandt jewesen. Weißt du, ob heute Landsleute hier einjetroffen sind?“ *„Ja,“ sagte Schultze—„vier Stück, ein Stück und drei Stück!“ das Wort zu Ss einem Referat über:„Innere „Wir sind unserer Vier,“ rief der Justizrat rasch steyt deren Zelt?" —„Auf der andern Seite von's Paradies, etwa zweihundert Schritt entfernt auf einem kleinen Hügel. „„Auf der andern Seite der Stadt?“ rief der Justizrat erstaunt,„das ist ja gar nicht möglich.“ „Schultze abtreten!“ sagte der Riese lakonisch. Schultze machte demzufolge rechtsum kehrt, zwei Schritte wieder ab und Front, und der Anfüiher sage. 4 Sront „Sein Sie jetzt nun gefällig und jehn Sie man den Weg wieder zurück, den Sie jekommen sind, dann werden Sie wohl Ihr Zelt finden.“ „Hm, hm, hm, hm,“ brummte der Justizrat vor sich hin und schüttelte mit dem Kopf, denn er konnte sich noch gar nicht denken, daß er am ganz verkehrten Ende herausgekommen wäre—„und auch noch Pfeifenkopf verloren.“ „Wo?“ frug der Anführer. „Hier im Graben.“ „Schultze vortreten!— Nimm einmal einen Lichtstummel und suche dem Herrn seinen Pfeifenkopf.“ „Danke schön— guten Abend!“ „Juten Abend! Jewehr bei Fuß! aus— einander!" Oben die Garnison löste sich auf, während der Justizrak wieder in den Graben hinunterkletterte. Den weißen Pfeifenkopf fand er aber augenblicklich wieder und steckte ihn ein Haben Sie ihn.“ „Ja.— danke— gute Nacht—“ „Schon Dank, mein Herr!" „Gute Nacht, Schildwache!“ „Jute Nacht— Halt— Parole!“ "„Ach, geht zum Teufel!“ sagte der Justizrat ärgerlich, warf einen grimmigen Blick auf das Lager und tappte jetzt wieder ducch Nacht und Nebel den einzelnen noch hellen Zelten der Stadt zu. Diesmal fand er auch seinen Weg und erreichte endlich, todmüde von der ungewohnten Anstrengung und Aufregung sein Zelt. Es war aber auch indessen spät geworden und die übrige Gesellschaft hatte schon lange ihr Lager gesucht. Selbst Hufner schlief. Als der Verirrte in das Zelt hineintappte, dessen innere Einrichtung er noch nicht kannte, rief ihn Binderhof an: „Sind Sie das, Justizrat?“ „Ja, wo ist mein Bett.“ „Ei, ei, ei, ei, Justizrätchen,“ sagte aber der Lange, sich auf seinem Lager umdrehend, ohne die Frage zu beantworten. „Sie heimlicher Nachtschwärmer, Sie, drückt sich da fort, sagt, er will schlafen gehen, und schleicht in der Dunkelheit in der Stadt umher. Justizrätchen, Justizrätchen, bei Ihrer Jugend den Verführungen eines solchen Ortes preisgegeben—“ „Ach. Dummheiten! Wo ist mein Bett?“ der Krankenversicherung, Aufbringung Mittel und Verhältnis der Kassen P Ser der Aerzten“. Redner betont einleitend, daß der unparteiische Sozialpolitiker bei Prüfung der Reichsversicherungsordnung die Dinge nicht einseitig zu beurteilen habe, sondern unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten. Und da müsse er sagen, das alles Licht auf Seiten der Gegner der Selbstverwaltung, und aller Schatten den Versicherten zugeteilt sei. Namentlich seien den Aerzten durch die Vorlage Geschenke entgegengebracht worden, die mit dem Interesse der Versicherten nicht zu vereinbaren seien. Redner kritisiert scharf die Monopolstellung der Aerzte, sowie die Vorschriften in bezug auf die Krankenhauspflege, er hebt die Abgesondertheit der Aerzte und die hieraus sich ergebende Verständnislosigkeit für die sozialen Aufgaben der Zeit hervor und verurteilt scharf eine Sozialreform, die aus dem Boden des Kampfes wachse oder aus der Machtstellung maßgebender Faktoren entspringe. Redner geht in ausführlicher Weise auf einzelne Bestimmungen des Entwurfes ein, und kennzeichnet in großzügigen Strichen die Regierungsvorlage dahin, daß sie zwar geringe Vorteile bringe, daß diese aber durch die weit größeren Nachteile für die Versicherten weit in den Schatten gestellt würden. Besonders einringlich wendet sich Redner gegen die Halbierung der Beiträge mit all ihren Folgen, sowie gegen den Aufbau der Versicherung und gegen die geplanten Landkrankenkassen. Der 1½stündige Vortrag wird mit lebhaftem Beifall aufgenommen, und da sich niemand zu den Ausführungen zu Worte meldet, kann der Vorsitzende die Einmütigkeit des gesamten Verbandstages mit dem Vortrage konstatieren. Das zweite Referat über„Umfang und Träger der Reichsversicherungsordnung, Versicherungsbehörden und gemeinsame Vorschriften“ hat Herr Pollender=Leipzig übernommen. Redner setzt auseinander, daß die Reichsversicherungsordnung den berechtigten Wünschen der Arbeiterschaft nicht nachkommt. Einiges Entgegenkommen zeige der Entwurf nur bezüglich der Ausdehnung der Versicherungspflicht. Redner erortert dann die einzelnen Funktionen der Reichsversicherungsämter, Oberversicherungs=, Reichsund Landesversicherungsämter, sowie deren Zusammensetzung und folgert aus alledem, daß eine sachgemäße Beyandlung all der durch diese Aemter zu erledigenden Maßnahmen nur garantiert sei, wenn die Selbstverwaltung erhalten bleibe. Redner fordert deshalb zu lebhaftem Protest gegen die Regierungsvorlage auf. Auch dieses Referat wird ohne Debatte einstimmig gutgeheißen. Ueber:„Umfang und Gegenstand sowie äußere Verfassung der Krankenversicherung" referiert Herr Gräf=Frankfurt a. M. Redner betont, daß die Regierung mit der Ausdehnung der Versicherungspflicht auf Dienstboten, Landarbeiter und sog. unständige Arbeiter lediglich einen längst fälligen Wechsel eingelöst habe. Wegen der Entlastung der Gemeinden durch die Aufnahme der sog. unständigen Arbeiter in die Versicherung müsse gefordert werden, den Gemeinden auch ein Teil der Kosten mit aufzuerlegen. Redner bemängelt, daß die Grenze der Versicherung nicht von 2000 auf 3000 Mark erhöht worden ist, sowie die Gründung von Landkrankenkassen für Arbeiter in den Städten, was eine direkte Verbedeute, und eine ganze Anzahl „" der Schlapft.g weiterer Einzelheiten, und kommt zu der Schlußfolgerung, daß die Ortskrankenkassen in Zukunft erst recht das Aschenbrödel der Versicherung sein würden, auf dessen Kosten die Betriebs= und Innungskrankenkassen ein Parasitendasein fristen können. Deshalb musse die Vorlage energisch bekämpft werden.— Die Versammlung gibt auch diesem Referate ihre einstimmige Zustimmung. Der Vorsitzende weist dann kurz auf den gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht hin. Dem Verbande gehören zurzeit 267 Ortskrankenkassen mit rund 4 Millionen Mitgliedern an.— Hierauf tritt die Mittagspause ein. In der Nachmittagssitzung referiert Cohn-Berlin über die§§ 500 bis 631 der Vorlage, worin die Versicherung der neu auf zunehmenden Personen geregelt ist. Auch dieser Redner kommt zu dem Schlusse, daß Vorteile außer der Ausdehnung der Versicherung selbst in der Vorlage nicht enthalten sind, wohl aber Verschlechterungen.— Ein weiterer Vortrag wird noch von Sydow=Berlin über:„Die Beziehungen der Versicherungsträger zu einander und das Spruchverfahren“ gehalten. Beide Referate finden die einmütige Zustimmung des Verbandstages. Harteinachrichten. Die 40jährige Gedenkfeier der Gründung der sozialdemokratischen Partei fand unter sehr starker Beteiligung, auch vieler auswärtiger Parteigenossen, am Sonntag in Eisenach statt. In überfülltem Saale sprach am Sonnabend Genosse Baudert=Weimar; am Sonntag sprachen die Genossen BöckGotha und Reißhaus=Erfurt. Zum ersten Male verbot die Polizei den Festzug der Genossen nicht. Die Beteiligung an demselben sowie an der überaus gelungenen Gedenkfeier war eine so großartige, wie in der Wartburgstadt bisher noch nie. Zum Kampf im Baugewerbe in Hamburg. Die beteiligten Gewerkschaften beschäftigten sich in den letzten Tagen mit den ndlungen Verhandlungen vor dem Einigungsamte. Das Einigungsamt hat den Parteien den folgenden Vorschlag gemacht: „Ja, Dummheiten, fuhr der unverwüstliche Binderhof fort, wer weiß, welches verliebte Abenteuer Sie indessen bestanden „Geh'n Sie zum Teufel, wo ist mein Bett?“ „Warten Sie, Herr Justizrat,“ sagte jetzt, während Binderhof lachte, der indessen munter gewordene und stets gefällige Hufner, „ich werde Ihnen gleich Licht machen, und dabei tappte er im Dunkeln nach den Schwefelhölzchen umher, die er endlich fand und eins entzündete. „Morgen müssen Sic uns aber die Geschichte erzählen, Justizrat,“ sagte Binderhof. Der Justizrat murmelte einen Fluch zwischen den Zähnen durch, zog seine Stiefeln und seinen Rock aus und kroch dann auf sein Lager, das ihm Hufner ordentlich hergerichtet hatte. „Soll ich das Licht wieder ausblasen, Herr Justizrat?“ „Wenn Sie nicht noch im Bett lesen wollen, Herr Hufner," antwortete statt dessen Binderhof. „Unausstehlicher Mensch, murmelte der Justizrat. Das Licht verlöschte, und wenige Minuten später lagen die sämtlichen Bewohner des Zeltes in süßem Schlummer. XII. Der Alcalde. Der nächste Morgen brach an und zeigte nur die gewöhnliche Tätigkeit, die in diesen kleinen Minenplatzen durch ganz Kalifornten zu solcher Tageszeit herrscht. Die Goldwäscher stehen mit, oft schon vor der Morgendämmerung auf, um bis zum vollen Tag ihr Frühstück verzehrt Arbeit gerüstet zu sein. Ueb zu haben und zu ihrer Arbeit gerüstet zu sein. Ueberall stieg deshalb der helle wirvelnde Rauch in die nare Morgenluft empor, und rüstige abgehärtete Gestalten waren eine Weile darum beschäftigt, bis sie, mit ihrem Handwerkszeug auf den empor, Schultern, die großen Blechpfannen unter dem Arm, nach allen Seiten hin ihren verschiedenen„Claims zueilten. Die einen suchten dabei das Gold im Flußbett, die andern an der Uferbank, noch andere in der Flat, um dort vielleicht die rechte — „Ader" zu treffen und reich zu werden. Niemand aber teilte dem Nachbar mit, ob er irgend etwas, oder was er gefunden habe. Kein alter Miner frug auch einen andern, denn er wußte 2#0, es war vergeblich. Die Wahrheit erfuhr er nie. Nur unsere erst eingetroffenen Landsleute waren noch vollkommen unschlüssig, wohin sie sich wenden sollten hatten übrigens den Justizrat ausgenommen, beschlossen, ihr Glück erst einmal gemeinschaftlich zu versuchen und an irgend einer Stelle zusammen zu beginnen. „Seitens der Arbeitnehmer der sämtlichen in Betracht kommenden Nebengewerbe wird die Arbeit zu den alten Lohn= und Arbeitsbedingungen sofort wieder ausgenommen, nachdem den Arbeiterorganisationen von dem Arbeitgeberverband offizielle Anzeige gemacht ist, daß die Stillegung des betr. Nebengewerbes laut Bekanntmachung in den„Hamburger Nachrichten" vom 24. Juli 1909 seitens des Baugewerbeverbandes aufgehoben worden ist. Die Vertreter des Baugewerbeverbandes nehmen den Antrag des Herrn Paeplow:„Den an der heutigen Verhandlung beteiligten Arbeitnehmerorganisationen, mit Ausnahme derjenigen der Gipser und Plattenansetzer, vom 1. Januar 1910 ab eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. pro Stunde auf die bisherigen Löhne zu gewähren, wenn und insoweit den Angehörigen der gründung ausführlich vortragen. Die Parteien erklären sich zur Fortsetzung der Verhandlungen vor dem Einigungsamt in dem auf den 11. August d. J. anzuberaumenden Termine bereit. Im übrigen herrscht bis zur Beendigung der Verhandlungen vom 11. August im Baugewerbe Waffenstillstand. Es werden weder 11. August im Baugewerbe Waffenstillstand. Es werden neue Sperren verhangt, noch fremde Arveitskrafte angeworben und herangezogen, mit der Maßgabe jedoch, daß die bis heute angeworbenen Arbeitswilligen empfangen werden dürfen. Der Baugewerbeverband gibt noch heute Ordre, daß die Anwerbung Arbeitswilliger unterbleiben soll.“ Die Plattenansetzer, die neben den Gipsern bei einer Lohnerhöhung ausscheiden sollen, beschlossen, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufzunehmen. Die Betonarbeiter faßten den gleichen Beschluß. Vom Lohnschutzverband der Betonbauunternehmer lag ein Schreiben vor, worin sich die Unternehmer mit den Einigungsverhandlungen einverstanden erklären und mitteilen, daß die Betonarbeiter die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen können. Die Wiedereinstellung soll nach Bedarf erfolgen.— Wenn nach dem Tarif von 1907 gearbeitet wird, bedeutet dies im Vergleich zu den zuletzt gezahlten Löhnen teilweise eine Lohnerhöhung von 19 Pfg. pro Stunde. Auch die Klempner stimmten dem Vbrschlage, die Arbeit wieder aufzunehmen, zu; sie wollen aber mit der Aufnahme der Arbeit warten, bis sie vor den Meistern oder durch die Vermittlung der Organisation aufgefordert werden, die Arbeitsplätze wieder einzunehmen. Die Bauschlosser sind mit wenigen Ausnahmen wieder in Arbeit getreten. Von den Maurern und Bauhilfsarbeitern, die in zwei stark besuchten Versammlungen zu dem Resultat der Einigungsverhandlungen Stellung nahmen, wurde scharf kritisiert, daß die Verhandlungskommission vor den Unternehmern aufs neue zurückgewichen sei. Es hätte unbedingt daran festgehalten werden müssen, daß die Lohnerhöhung spätestens am 15. Oktooer d. J. eintreten würde, und nicht erst am 1. Januar 1910. Es wurde jedoch der Kommission die Vollmacht erteilt, die Verhandlungen weiterzuführen und dafür zu sorgen, daß von dem jetzigen Standpunkt nicht mehr abgewichen werde. Weiter beschlossen die Gipser, Kunststeinarbeiter, Glaser und Dachdecker, die Arbeit aufzunehmen. Sämtliche Berufe, die beschlossen haben, die Arbeit wieder aufzunehmen, taten es unter der Bedingung, daß die weiteren Einigungsverhandlungen für die Hauptbeteiligten und die durch die Aussperrung in Mitleidenschaft gezogenen Nebenberufe annehmbare Resultate zeitigen. In den Kreisen der Arbeiter hört man kein Wort von Kampfesmüdigkeit, wohingegen die Unternehmer vielfach über große Verluste Klagen führen und bedauern, daß sie sich dem Arbeitgeberverband mit Haut und Haaren verschrieben haben. In der Hamburger Arbeiterschaft ist man der Ansicht, daß ein großer Einfluß von der Hamburgischen Regierung auf die Unternehmer ausgeübt werde. Der Hamburger Senat befürchtet anscheinend, daß ein Sieg der Arbeiter im Baugewerbe auch die in den Staatsbetrieben beschäftigten Arbeiter begehrlich machen könnte. Deutscher Malervereinstag in Dresden. Auf dem Malervereinstage in Dresden, auf dem zirka 400 Malermeister aus ganz Deutschland vertreten waren, bezeichnete der erste Referent, Malermeister Stolz=München, die Schaffung von Tarifverträgen s Arbei für eine der Hauptaufgaben des Arbeitgeberverbandes. Es werde hoffentlich möglich sein, nach dem Muster der Buchdrucker einen Reichstarif zu schaffen. Auch die Errichtung von Tarifämtern sei in Vorbereitung. Es sei zu begrüßen, daß die Gehilfenorganisation den Arbeitgeberverband als gleichberechtigten Faktor anerkennt. Der zweite Referent, Kruse=Berlin, Vorsitzender des Hauptverbandes Deutscher Arbeiigeberverbände im Malergewerbe, stellte sich auf einen anderen Standpunkt. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß man in Mannheim beschlossen habe, das Ansinnen des sozialdemokratischen Malerverbandes, nur mit ihm, unter Ausschluß der Christlichen und Hirsch-Dunckerschen, zu verhandeln, abzulehnen Die Unternehmer würden sich durch den neuen Tarifvertrag kein Jota von dem Erreichten nehmen lassen. Der Tarif stehe und falle mit der Leistungsklausel.— Die Debatte bewegte sich in ähnlichen Gedankengängen für und wider.— Am zweiten Verhandlungstage hielt der freisinnige Reichstagsabgeordnete Dr. Mugdan eine Rede über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die dahin ging, den Bundesrat zu ersuchen, die Rechtsfähigkeit an die Berufsvereine zu verleihen. Es kann darin die Haftbarkeit der Vereine ausgesprochen werden für Schäden, die sie selbst oder ihre Mitglieder, insbesondere durch Tarifvertragsverletzungen, verursachen. Der Justizrat selber mochte schon Binderhofs wegen nicht mit jenen arbeiten. Außerdem schien es, als ob er auch nicht sehr auf den augenblicklichen Verdienst angewiesen wäre wie die übrigen, denn er hatte nicht allein eine ganz hübsche Summe baren Geldes bei sich, das Leben in den Minen auch ohne reichen Fund eine Weile mit anzusehen, sondern besaß auch zu Hause ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Die übrigen zerbrachen sich auch deshalb den Kopf, weshalb er eigentlich nach Kalifornien gegangen wäre, aber auf alle dahinzielenden Fragen gab er keine, oder doch nur ganz unbestimmte Antworten, und man mußte ihn schon seinen eigenen Weg gehen lassen. Solcher Art, und mit noch keinem bestimmten Ziel vor sich, waren die vier Deutschen nach Sonnenaufgang an die Bereitung ihres Frühstücks gegangen, und es mochte neun Uhr morgens sein, ehe sie daran dachten, irgend eine Arbeit zu begingen. Die eigentliche goldhaltige Flat lag nun rechts von dem Städtchen, und zwar an beiden Ufern des dort durch den flachen Talgrund fließenden Bergwassers. Links vom„Paradies“ war der Grund auch noch flach, aus roter harter Lehmerde bestehend, zog sich aber hier schon wieder etwas nach den ungefähr fünfhundert Schritt weiter beginnenden Hügeln hinauf. Dieser letztere Teil schien aber kein Gold zu enthalten, wenigstens arbeitete kein Mensch darauf, und nur hier und da lagen ein paar nicht besonders tief eingegrabene Löcher, als Zeichen, daß einzelne ihr Glück schon hier versucht, die Arbeit aber ohne ein Resultat wieder aufgegeben hatten. Nur seit ein paar Tagen waren wieder ein paar Amerikaner daran gegangen, eine neue Grube auszuwerfen und fanden, daß dies eine entsetzlich schwere Arbeit war. Der Boden war nämlich so hart und trocken, daß sie mit den schwersten Spitzhacken nur immer kleine Stücken heraushauen konnten, und sie rückten entsetzlich langsam tiefer, ließen sich aber deshalb ihre Mühe nicht verdrießen und hatten endlich wohl ein sieben Fuß tiefes, ziemlich geräumiges Loch ausgehauen. Andere Arbeiter, die dort vorbei mußten, blieben dann wohl manchmal bei ihnen stehen und sahen ihnen eine Weile zu, gingen aber auch immer kopfschüttelnd wieder fort und ließen sich nicht verlocken, ebenfalls den Versuch zu machen. Daß er übrigens gemacht wurde, war ihnen lieb, denn fanden die Leute dort wirklich etwas, so schlugen sie auch daneben wieder ein, und nachher war es noch immer Zeit, ihr Beispiel nachzuahmen und von ihrer Erfahrung, mit sicherer Aussicht auf Erfolg, Nutzen zu ziehen. (Fortsetzung folgt.“ Die Arbeiter der Bremen=Besigheimer Oelfabrik sind Sonnabend, 7. August, in den Ausstand getreten. Sie befinden sich seit langerer Zeit in einer Lohnbewegung. Sonnabend wurden dann plötzlich sechs Arbeiter entlassen, die teils der Lohnkommission, teils dem Arbeiterausschuß angehörten. Die Arbeiter erblickten in dieser Maßnahme eine Maßregelung und erklärten sich mit den Entlassenen solidarisch. Die beschlossen einstimmig, die Arbeit nur dann wieder aufzunehmen, wenn die sechs Entlassenen wieder eingestellt werden. Arbeiterentlassungen im Bergbau. Die von der Arbeiterpresse in den letzten Monaten fortgesetzt gemeldeten Arbeiterentlassungen auf den Zechen des Ruhrreviers wurden bisher von der Unternehmerpresse stets bestritten. Die Behauptungen der sozialdemokratischen Blätter haben nun inzwischen eine amtliche Bestätigung gefund unden. Nach den neuesten Nachweisen des Allg. Knappschaftsvereins zu Bochum über den Belegschaftswechsel ist allein im März die Belegschaftsziffer um 8000 zurückgegangen. Für die Monate April bis Juni wird das Resultat kaum besser sein. Diese Tatsache gewinnt noch ihre besondere Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß noch im Jahre 1908 vom Unternehmertum mehr als 100000 fremdländische Arbeiter ergänzend für den Ruhrkohlenbergbau angeworben wurden. Der erst jetzt in die Erscheinung tretende Ruckgang der Belegschaftsziffer läßt im übrigen erkennen, daß die Wirkungen der Krise sich im Bergbau erst verhältnismäßig spät gezeigt haben. Vereinbarung zur möglichsten Vermeidung von Arbeiterentlassungen in der Brauindustrie. Der Reichstagsschnapsblock hat bekanntlich den Antrag der sozialdemokratischen Fraktion auf Entschädigung bezw. Unterstützung der Arbeiter der Brauindustrie, die durch die Folgen der Brausteuererhöhung arbeitslos werden, niedergestimmt. Wie groß der Konsumrückgang an Bier sein wird, läßt sich nicht voraussagen; Interessenten schätzen ihn auf 20 bis 25 Prozent. Wie groß die Zahl der Arbeiter ist, die bei einem solchen Konsumrückgang in der Brauindustrie überflüssig würden, läßt sich demnach leicht berechnen. „Das Brausteuergesetz geht über Leichen", das erkannte auch der konservative Abg. Gamp=Massaunen an; nichtsdestoweniger stimmte der Schnapsblock für die Brausteuer und gegen die Entschädigung der arbeitslos werdenden Arbeiter, unbekummert darum, was mit diesen geschieht. Der Zentralvorstand Deutscher Brauereiarbeiter und verBerufsgenossen hat deshalb für seine Pflich wandter Err#ssgenossen hat es deshalv für seine Pslicht erachtet, Schritte einzuleiten, um die Schadigungen, die einem großen Teil der Arbeiter der Brauindustrie drohen, von diesem abzuwenden oder wenigstens zu mildern. Er ist zu diesem Zwecke an die in der Brauindustrie bestehenden Unternehmerorganisationen herangetreten mit dem Ersuchen, ihre Mitglieder zu veranlassen, Entlassungen von Arbeitern infolge eines Konsumrückganges, wenigstens auf eine bestimmte Zeit, wenn nicht ganz zu unterlassen, so doch wenigstens nach Moglichkeit einzuschränken. Hierbei leitete den Brauereiverband auch ferner die Absicht, den Arbeitsmarkt nicht noch mehr zu belasten, das Arbeitslosenheer nicht noch mehr zu vergrößern. Die Verhandlungen fanden am 3. August statt. Die Vertreter der Unternehmerorganisationen:„Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteuergemeinschaft und verwandter Gewerbe“ und„Deutscher Boykottschutzverband für Brauereien, Versicherungsverein A.=G. zu Berlin“ erkannten das Berechtigte des Verlangens der Vertreter des Brauereiarbeiterverbandes an, zumal der Reichstag nicht, wie bei dem Tabaksteuergesetz für eine Unterstützung der arbeitslos werdenden Kräfte aus Reichsmitteln gesorgt habe. Das Ergebnis der Verhandlung war die Vereinbarung: „Daß der Boykottschutzverband deutscher Brauereien und der Schutzverband der Brauereien der norddeutschen Brausteuergemeinschaft sich bereit erklärten, an ihre Unterverbände bezw. Mitglieder die dringende Empfehlung zu richten, die Entlassung von Arbeitskräften in ihrem Betriebe bis zum 1. Mai 1910 möglichst einzuschränken. Das Maß dieser Einschränkung soll einerseits nach dem in den einzelnen Bezirken bezw. Betrieben eintretenden Konsumrückgange und andererseits unter Berücksichtigung der für die verschiedenen Betriebe maßgebenden besonderen Verhältnisse erfolgen, die Einzelheiten aber sollest durch Verhandlungen zwischen der Bezirks= bezw. Lokalorganisation der Arbeitgeber bezw. Arbeitnehmer in die Wege geleitet werden. Diese Vereinbarung findet keine Anwendung auf Konsuminge, welche infolge von Boykotts entstehen" Inzwischen" entstegen, Inzwischen haben schon Verh Inzwischen haben schol. L##handlungen zwischen„Bezirksbezw. Lokalorganisationen der Brauereien und dem Brauereiarbeiterverbande stattgefunden, die in Kürze schon zum Abschluß kommen und hoffentlich zu einem befriedigenden Resultat führen werden. ge. Die Organisation im Gastwirtsgewerbe. Die Organisation der Angestellten im Gastwirtsgewerbe steckt bekanntlich noch in den Kinderschuhen, soweit es sich um die moderne Arbeiterbewegung handelt, wenngleich gerade in diesem Berufe die gewerkschaftliche Aktion notwendiger wäre, wie irgendwo. Der„Verband deutscher Gastwirtsgewilfen“ hat es immerhin schon auf rund 10000 Mitgliedern gebracht, wozu allerdings auch der kürzlich erfolgte Anschluß des Hoteldiener=Verbandes beitrug. Immerhin ist das ein verschwindend kleiner Prozentsatz der etwa 300000, die im Gastwirtsgewerbe beschäftigt sind. Unter dem Einfluß der Unternehmer, wie auch der vielgehaßten Stellenvermittler haben sich eine Reihe von Vereinigungen in diesem Gewerbe breit machen können, deren Einfluß ein nicht zu unterschätzender, und deren Tätigkeit für die Angestellten, denen sie eigentlich dienen sollten, recht verderblich ist. Da ist z. B. der„Genfer Verband“, der eine Art EliteVereinigung sein will, und der so ziemlich den ganzen Dünkel dieses Standes repräsentiert. Er tut sich ganz besonders etwas auf die vielen Hoteliers und sonstigen Unternehmer, die er als Ehrenmitglieder in seinen Reihen zählt, zugute. Mit deren Hilfe vermag er natürlich auch den Arbeitsnachweis an manchen Orten zu beherrschen. Das letztere trifft nicht minder auf den „Deutschen Kellner=Bund" zu, der in Deutschland etwa 5000 Mitglieder zählt und der tatsächlich fast nur durch die Stellenvermittlung erhalten wird. Seine Führer sind zwei aus dem deutsch- nationalen Handlungsgehilfen= Verbande übernommene Redakteure, die mit Macht im Schackschen Sinne auch unter den Kellnern arbeiten, d. h. vor allen Dingen und mit allen Mitteln gegen die moderne Arbeiterschaft. Ein neueres Pflänzchen, der„Reichsverband deutscher Kellschaften angeschlossen. Er hofft, mit deren Hilfe den gegen die organisierten Gastwirtsgehilfen besser aufnehmen zu können. Der Anschluß an die Zentrumsgewerkschaften ist nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten gegangen, denn einer von den wenigen angeschlossenen Lokalvereinen, nämlich der Kasseler, hat sich infolgedessen schon wieder von diesem famosen Reichsverbande getrennt, mit der Begründung,„man wolle sich nicht organisieren, um zu beten, sondern um die Verhältnisse zu bessern, und dazu braucht man keine Verbindung mit dem Papste“. Die Arbeiterschaft hat vielfach Gelegenheit, die gastwirtschaftlichen Angestellten auf die Organisation aufmerksam zu machen. Der Kampf des„Verbandes deutscher Gastwirtsgehilfen, der allein für die organisierte Arbeiterschaft in Frage kommt, gegen die nationalen Vereinigungen, ist um so schwieriger, als diese sich in einem sogenannten„Nationalen Kartell“ vereinigt haben, welches von vornherein nur zu dem Zweck gegründet wurde, den Zentralverband zu bekämpfen. Soziales. Frauenarbeit in der Zuckerindustrie. Frauen. Zum Kapitel der und Kinderarbeit würde die Geschichte der deutschen Zuckerindustrie eine reiche Quelle schätzbaren Materials liefern, wäre das Verständnis dafür in den Kreisen der zeitgenössischen Autoren bis zur staatlichen Regelung derselben nicht ein durchaus mangelhaftes gewesen. Diese Ausführungen werden von Dr. Schuchart in seine Bedeutung der tech strie" noch des näh der Zuckerindustrie seiner Begründung betrieben, Kindern strie wurde die wei männlichen bevor notorischen Billigk industrie, woran fi nichts änderte. Zu technisch weit hinte arbeitete die Frau den) Stationen, vo bis zum konsumfäh keine Schwemm=R neues Saftentziehn nur erst wenig eir Rohstoffe sowohl n der Rüben bedurfte zuckerarbeit einschli den übermäßig geh Die Technik bracht Herrschaft der Mas fern, als der Frau lichkeit erforderte, schinen und der Ap nachtarbeit vom 24. tinuierlichen Betri grenzen. Das Ver nicht gänzlich unter Rübenschwämme, de den Zentrifugen), lichen Arbeitskraft1 achtenswerte Verbe Einblick in die Zu wie folgt:„Die Ze gruppe auf den Fal nischen Verhältnisse ununterbrochenen 1 erhaltenen Betrieb Instandsetzen wichti den stillgelegt wurk Arbeitskräfte im T Rock bekleidet war Altersstufe in dense men beschäftigt, in Zentrifugen, unerhö Arbeit mußte da of werden. War dani alles bald nach den Herkommen gemäß! kesseln, der, schon v wegen der Feuersge Auf gemeinsamer Junge und Alte, meint, das Bild der Zeit staatlichen Ein zählen, welche die zweiten Hälfte des 1 in manchen Zügen schilderte Lage des ßiger Jahre des vor anfing, die Aufmer trieben streng indus Deutschland die Ri wirtschaftliches Gew weil agrarische In sich bestenfalls dam dauerten. Ja, die* Arbeiterinnenschutz immer noch Sturm wendung weiblicher sagen. Auch die e empfängern ein Do Verkauf von Bel Konsumanstalt eines viele Bedarfsartikel usw. den Arbeitern tiert und Lebensmit abfolgt. Diese Gep Gewerbeordnung ve toren des Werkes, von der Strafkamm legten die Verurteil aber jetzt die Revisir dung aus, daß der treibenden verpflicht zu berechnen und bar verbietet das Kredit folgung von Lebens kosten, sowie von A zu ortsüblichen und Eine Handelskan ist es schon gewöhnt „sozial“ schillernde Aber nicht gerade h gesetzgebung mit sole gen Bericht der He Die Kammer gibt ih „Für den Absatz Preis und die Güte nach den Herstellung hehlich durch die hoh setzgebung geschaffen es wirkt dies um so den Staaten eine 4 unterliegt es keinem geschaffenen Arbeite bevölkerung ganz er züglich der Lebensha sellschaftlichen Stellt auch hier wesentlich Zweigen der Indust welches sich darin z Arbeit.“ Beunruhig durch die immer we biete, und es herrsch gegen die Haltung e verhängnisvollen Wi druck als ob der Eides Reichstages eine übt. Dies kam auch des Entwurfs des Eine gewisse B Reichsversicherung vorgerufen, da es wichtige soziale E fahrung und nach bewährt hat, zum bisberige Selbstve soviel bekannt, zu geben, auf unbe man sich überhaup bemüht, unsere be und Einrichtunge Fabrikanten mit lich bewährt hat, den. Weit gefehlt Weise jene Elemei werden die Folge er Oelfabrik sind Sonnreten. Sie befinden sich ng. Sonnabend wurden die teils der Lohnkomgehörten. Die Arbeiter ißregelung und erklärten ie beschlossen einstimmig, en, wenn die sechs EntDie von der Arbeitertzt gemeldeten Arbeiterviers wurden bisher von Die Behauptungen der inzwischen eine amtliche en Nachweisen des Allg. en Belegschaftswechsel ist um 8000 zurückgegangen. das Resultat kaum besser re besondere Bedeutung, Jahre 1908 vom Unterische Arbeiter ergänzend wurden. 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Die Frau galt von jeher in der Zuckerindustrie als willkommenes Ausbeutungsobjekt. Seit seiner Begründung wurde der Rübenbau meist mit Frauen und Kindern betrieben, und in den Anfängen der Rübenzuckerindustrie wurde die weibliche Arbeitskraft, wo irgend angangig, der männlichen bevorzugt. Die Frauenarbeit war wegen ihrer notorischen Billigkeit ein Stützpunkt der ganzen Rübenzuckerindustrie, woran fürs erste auch das Vordringen der Maschine nichts änderte. Zu Anfang der 70er Jahre, als der Betrieb noch technisch weit hinter der späteren Vervollkommnung zurückstand, arbeitete die Frau auf allen(damals noch Handarbeit erfordernden) Stationen, von der Rübe, wie sie auf den Fabrikhof kam bis zum konsumfähigen Produkt. Es gab zu dieser Zeit noch keine Schwemm=Rinnen, ebenso wie auch die Diffusion(ein neues Saftentziehungsverfahren) statt des alten Preßverfahrens nur erst wenig eingeführt war. Bei dem Heranschleppen der Rohstoffe sowohl wie bei der sehr umständlichen Vorbereitung der Rüben bedurfte man der Frauenarbeit. Fast die ganze Rohsuckerarbeit einschließlich der Zentrifugen= und Bodenarbeit in en übermäßig geheizten Räumen fiel der Frau als Arbeit zu. Die Technik brachte hier einen gewissen Fortschritt. Mit der Herrschaft der Maschine verschob sich die Arbeitsverteilung insofern, als der Frau die Arbeit verblieb, die vor allem Geschicklichkeit erforderte, während der Mann die Bedienung der Maschinen und der Apparate übernahm. Das Verbot der Frauennachtarbeit vom 24. März 1892 zwang die Unternehmer in kontinuierlichen Betrieben, die Verwendung von Frauen zu begrenzen. Das Verbot, das die Beschäftigung von Frauen zwar nicht gänzlich untersagte(es bezog sich auf, die Arbeit an der Rübenschwämme, der Rübenwäsche, auf den Zuckerboden und an den Zentrifugen), kam jedoch einer„Ausschließung der weiblichen Arbeitskraft nahezu gleich“. Eine der Folgen war eine beachtenswerte Verbesserung des technischen Betriebes. Einen Einblick in die Zuckerbodenarbeit gewährt uns Dr. Schuchart wie folgt:„Die Zeiten sind gar nicht so fern, daß die Saisongruppe auf den Fabriken unter den tiefsten sittlichen und hygienischen Verhältnissen zu leben gewohnt war. Man stelle sich den ununterbrochenen und mit einmaligem Schichtwechsel aufrecht erhaltenen Betrieb vor, der am Sonntag früh meist nur zum Instandsetzen wichtiger Betriebsorgane kaum für einige Stunden stillgelegt wurde, dazu die starke Heranziehung weiblicher Arbeitskräfte im Tag= und Nachtdienst. Kaum mit Hose und Rock bekleidet waren Arbeiter beiderlei Geschlechts und jeder Altersstufe in denselben schlecht gelüfteten und belichteten Räumen beschäftigt, in denen, wie auf dem Zuckerboden und bei den Zentrifugen, unerhört hohe Hitzegrade herrschten. Während der Arbeit mußte da oft die kärgliche Nahrung hinuntergeschlungen werden. War dann endlich die Arbeitszeit beendet, so drängte alles bald nach dem Schlafraum. Zu dem Zweck diente altem Herkommen gemäß der kaum gedielte Dachraum über den Dampfkesseln, der, schon vom Tageslicht mangelhaft beleuchtet, nachts wegen der Feuersgefahr nicht mit Licht betreten werden durfte. Auf gemeinsamer Streu hausten hier Männer und Weiber, Junge und Alte, bunt durcheinander, usw. Der Verfasser meint, das Bild der Saisonarbeit in der Zuckerindustrie vor der Zeit staatlichen Eingreisens„sei zu den düstersten Kapiteln zu zählen, welche die Geschichte der deutschen Lohnarbeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufzuweisen hat, und welches in manchen Zügen an die in den englischen Blaubüchern geschilderte Lage des Industriearbeiters der zwanziger und dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts erinnert.“ Während man anfing, die Aufmerksamkeit auf die gewerbliche Arbeit in Betrieben streng industriellen Charakters zu lenken, hielt man in Deutschland die Rübenzuckerindustrie noch als ein rein landwirtschaftliches Gewerbe und somit für etwas Unantastbares— weil agrarische Interessen in Frage kamen. Man tröstete sich bestenfalls damit, daß diese Zustände nur einige Monate dauerten. Ja, die Zuckerindustriellen haben sich mit dem bißchen Arbeiterinnenschutz auch heute noch nicht abgefunden, sie laufen immer noch Sturm um Aufhebung von Verboten, die eine Verwendung weiblicher Arbeitskraft bei bestimmten Arbeiten untersagen. Auch die Sonntagsruhe ist den frommen Liebesgabenempfängern ein Dorn im Auge. Verkauf von Bedarfsartikeln in einem Hüttenwerk. In der Konsumanstalt eines Lothringer Hüttenwerks werden seit Jahren viele Bedarfsartikel: wie Schuhe, Griffel, Schulranzen, Wolle usw. den Arbeitern unter Benutzung von Kontobüchern kreditiert und Lebensmittel zu höheren als Anschaffungspreisen verabfolgt. Diese Gepflogenheiten sind aber durch den§ 115 der Gewerbeordnung verboten. Die drei verantwortlichen Direktoren des Werkes, sowie der Konsumverwalter wurden deshalb von der Strafkammer Metz in Geldstrafen genommen. Dagegen legten die Verurteilten Revision an das Reichsgericht ein, das aber jetzt die Revision verworfen hat. Es führt in der Begründung aus, daß der§ 115 der Gewerbeordnung die Gewerbetreibenden verpflichtet, die Löhne der Arbeiter in Reichswährung zu berechnen und bar auszuzahlen, und daß der Paragraph ferner verbietet das Kreditieren von Waren mit Ausnahme der Verabfolgung von Lebensmitteln usw. zum Betrag der Anschaffungskosten, sowie von Werkzeugen und Stoffen für Akkordarbeiter zu ortsüblichen und vereinbarten Preisen. Eine Handelskammer gegen die soziale Gesetzgebung. Man ist es schon gewöhnt, daß dem Unternehmertum jede ein wenig „sozial“ schillernde Gesetzgebungsmaßnahme viel zu weit geht. Aber nicht gerade häufig wird ein Vorstoß gegen die Arbeitergesetzgebung mit solcher Heftigkeit geführt, wie es im diesjährigen Bericht der Handelskammer Mühlhausen i. Th. geschieht. Die Kammer gibt ihrem Unmut in dieser Weise Ausdruck: „Für den Absatz unserer Erzeugnisse im Auslande ist der Preis und die Güte derselben maßgebend, der erstere regelt sich nach den Herstellungskosten, und diese werden bei uns ganz erhehlich durch die hohe Beisteuer zu den durch unsere soziale Gesetzgebung geschaffenen Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen belastet; es wirkt dies um so fühlbarer, als in den mit uns konkurrierenden Staaten eine ähnlich hohe Belastung nicht besteht. Nun unterliegt es keinem Zweifel, daß die in den letzten 30 Jahren geschaffenen Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen unserer Arbeiterbevölkerung ganz erhebliche Vorteile gebracht haben, sowohl bezüglich der Lebenshaltung, der Gesundheit als auch in ihrer gesellschaftlichen Stellung. Der Verdienst der Arbeiter hat sich auch hier wesentlich gehoben, leider tritt nun aber in einigen Zweigen der Industrie ein gewisses Verlangen derselben hervor, welches sich darin zusammenfassen läßt:„Mehr Lohn, weniger Arbeit.“ Beunruhigt werden die Arbeitgeber aber besonders durch die immer weitergehenden Forderungen auf sozialem Gebiete, und es herrscht allgemein eine berechtigte Mißstimmung gegen die Haltung eines großen Teiles des Reichstages solchen verhängnisvollen Wünschen gegenüber. Macht es doch den Eindruck, als ob der Einfluß der breiten Massen auf die Beschlüsse des Reichstages einen mehr als wünschenswerten Einfluß ausübt. Dies kam auch so recht zum Ausdruck bei der Beratung des Entwurfs des Arbeitslammergesetzes. Eine gewisse Beunruhigung hat auch ein neuer Entwurf der Reichsversicherungsordnung in den Reihen der Arbeitgeber hervorgerufen, da es ihnen nicht erklärlich ist, weshalb man eine so wichtige soziale Einrichtung, welche sich nach jahrelanger Erfahrung und nach dem Zeugnisse der Regierung selbst vorzüglich bewährt hat, zum Nachteil der Arbeitgeber ändern will. Die bisberige Selbstverwaltung der Berufsgenossenschaften hat doch, soviel bekannt, zu berechtigten Klagen keine Veranlassung gegeben, auf unbegründete Nörgeleien gewisser Elemente sollte man sich überhaupt nicht einlassen. Diese sind grundsätzlich stets bemüht, unsere besten sozialen Einrichtungen zu diskreditieren und Einrichtungen wie die Unfallversicherung, die seitens der Fabrikanten mit schweren Opfern geschaffen ist, und sich vorzüglich bewährt hat, sollten unter keinen Umständen beeinflußt werden. Weit gefehlt ist die Annahme, daß die Regierung auf diese Weise jene Elemente befriedigen könnte; nur neue Forderungen werden die Folge sein. esc. Statistisches über die Unfallverhütung. Der Berufsgenossenschaften sind bekanntlich„befugt", Vorschriften zu erlassen über die von den Unternehmern zur Verhütung von Unfällen in ihren Betrieben zu treffenden Einrichtungen und Anordnungen, sowie Anordnungen unter Androhung der Bestrafung der Zuwiderhandelnden zu geben. Weiter sind die Genossenschaften„befugt", durch technische Aufsichtsbeamte die Befolgung der Unfallverhütungsvorschriften überwachen zu lassen und von den Einrichtungen der Betriebe Kenntnis zu nehmen. Es hat vielfacher Anregungen des Reichsversicherungsamtes bedurft, daß die Berufsgenossenschaften, die doch nur die Organisationen der Unternehmer sind, auch wirklich derartige Vorschriften einführen. Erst im Jahre 1908 konnte konstatiert werden, daß dies bei sämtlichen 140 Genossenschaften geschehen ist. Die Anstellung von Aufsichtsbeamten läßt dagegen noch viel zu wünschen übrig. Von den 66 gewerblichen Berufsgenossenschaften besaßen im Jahre 1908 nur 61 derartige Beamte. Bei den landwirtschaftlichen Genossenschaften fehlt überhaupt jeder Nachweis darüber. Das Reichsversicherungsamt hat damit begonnen, die Berichte der technischen Beamten zusammenzustellen und zu veröffentlichen, ähnlich wie es hinsichtlich der Berichte der Gewerbeinspektoren geschieht. Kürzlich ist der erste Band dieser Veröffentlichungen erschienen. Er enthält die in Frage stehenden Berichte für das Jahr 1907. Aus den Berichten ist ersichtlich, daß von 656939 Betrieben, welche nach den vom Reichsversicherungsamt zusammengestellten Rechnungsergebnissen bei den beteiligten 61 gewerblichen Berufsgenossenschaften vorhanden waren, 189933, das sind 28,9 Prozent, revidiert worden sind. Die 301 technischen Aufsichtsbeamten, deren Tätigkeit die Jahresberichte behandeln, haben zusammen 45491 Revisionstage nachgewiesen. Hiervon entfällt aber nur ein Teil, nämlich 30181 Tage auf die Ueberwachung der Betriebe. Der Rest entfiel zu 7289 Tagen auf Lohnbuchrevisionen und zu 8021 Tagen auf Kontrollen der Rentenempfanger und anderer Dienstgeschäfte. Im Jahre 1906 wurden nur 26 Prozent der Betriebe revidiert; es ist also ein kleiner Fortschritt zu verzeichnen. Leider enthält der umfangreiche Bericht von 125 Druckbogen keine systematische Zusammenstellung über die vorgefundenen Mängel, verhängten Strafen usw. Hoffentlich wird das Werk noch nach dieser Richtung ergänzt. ssc. Ein genossenschaftliches Sanatorium für Nervöse und Epileptische ist in Purleigh=Essex in England eröffnet worden. Es handelt sich dabei nicht um eines jener Institute, die die vereinigten Genossenschaften für ihre Mitglieder und Angestellten geschaffen haben, sondern um eine von einer eigens dafür gegründeten Genossenschaft ins Leben gerufene Schöpfung. Die Genossenschaft hat ein altes Privatsanatorium für ihre Zwecke hergerichtet. Mitglieder der Genossenschaft sind teils Personen, die ein gutes Werk unterstützen wollen, zum größten Teil aber solche, die sich dadurch für sich oder eine ihnen nahestehende Person eine Behandlung in dem Sanatorium sichern wollen. Der Geschäftsanteil beträgt 20 Mk. Nach seiner Verzinsung zu 5 Prozent wird der Ueberschuß den Mitgliedern resp. den fremden Pensionären wie in einer Konsumgenossenschaft auf ihren„Umsatz“, d. h. auf ihre Unterhaltungs= und Kurkosten rückvergütet. Die Pension beträgt von 16—30 Mk. pro Woche. Die Besitzer von 5 und mehr Anteilen wählen das Komitee, das die Fonds verwaltet und die Führung des Hauses leitet.— Das ganze System hat sich sehr gut bewährt und das Heim trägt sich bereits vollständig selbst. Zwischenhandel und Steuererhöhungen. Die bekannten Beschlüsse der Konferenz von Brauereiinteressenten und Wirten in Berlin, nach denen eine Steuererhöhung von 100 Millionen zu einem Aufschlag von 265 Millionen für die Brauereien und 164 bis 365 Millionen für die Wirte ausgenutzt werden soll, lenkt wieder die Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Steuererhöhungen, Steuerabwälzungen und Extraprofiten der Produzenten und Zwischenhändler. Nicht bei jeder indirekten Steuer läßt sich genau feststellen, wer sie bezahlt: der Produzent, der Zwischenhandler oder die Konsumenten! Es sind da mancherlei Einflüsse wirksam, die die Abwälzung erschweren oder erleichtern können. Im allgemeinen wird man aber wohl das Richtige treffen, wenn man sagt: die schwächsten Schultern tragen immer die indirekten Steuern, und diese schwächsten Schultern haben heute in der Regel die letzten Verbraucher, die unmittelbaren Konsumenten. Die Produzenten sind gut organisiert. Wirtschaftliche Unternehmervervände, Kartelle und Ringe gestatten ihnen, die Steuern restlos abzuwälzen. Auch die Zwischenhändler sind in zahlreichen Vereinen zusammengeschlossen, obgleich deren Macht natürlich nicht im entferntesten heranreicht an die Macht der Produzentenorganisationen. Der gesamte Zwischenhandel lebt aber von den Aufschlägen, die er auf die Waren macht, und diese Gewohnheit erleichtert ihm die Abwälzung auf die Konsumenten. Diese sind schlecht organisiert. Die Konsumvereine, deren Aufgave die Wahrnehmung allgemeiner Konsumenteninteressen ist, stehen noch in gar keinem Verhältnis zur Zahl der Käufer, und die Folge davon ist, daß ein geschlossenes Vorgehen der Konsumenten gegen unberechtigte Preiserhöhungen sehr erschwert wird. Ganz besonders dann, wenn, wie bei der Brausteuererhöhung, Produzenten und Zwischenhändler sich zu gemeinsamem Vorgehen verbünden. Es ist dann ein leichtes, die Konsumenten mit Extraaufschlägen zu bedenken, und ihnen nicht nur die gesamte Steuerlast aufzubürden, sondern noch obendrein ein Geschäft zu machen. Die Konsumenten sollten daher aus den Vorgängen bei der Bierpreiserhöhung die Lehre ziehen, daß auch sie sich in den Konsumvereinen zusammenschließen müssen, wenn sie verhüten wollen, daß zu allem Steuersegen ihnen auch noch besondere Lasten zur Fullung des Säckels der Produzenten und Zwischenhändler auferlegt werden. Allem Anschein nach haben die Zwischenhändler es besser wie viele Konsumenten begriffen, welchen Einfluß leistungsfähige Konsumvereine in Perloden wie der jetzigen auszuüben imstande sind. Die Wirte haben daher in Berlin von den Brauereien das Zugeständnis erlangt, daß diese nur an solche Kunden Bier liefern wollen, die ihren Bierpreis verart heraussetzen, daß er für 1 Liter mindestens 40 Pfg. beträgt, oder daß dadurch gegenüber dem jetzigen Zustande der Ausschankpreis um mindestens 7 Pfg. für 1 Liter erhöht wird. Diese Bestimmung richtet sich vor allem gegen die Konsumvereine, die heute schon vielfach große Quantitaten von Flaschenbier absetzen. In Hamburg haben die Wirte einer Bierpreiserhöhung von 4 Mark pro Hektoliter zugestimmt, verlangen dafür aber, daß die Konsumvereine verpflichtet werden, ihr Bier nicht unter 35 Mark pro Hektoliter zu verkaufen. Ein Konsumverein, der heute sein Bier zu dem üblichen Preise von 12 Pfg. pro halben Liter verkauft, würde in Zukunft 17½ Pfg. nehmen müssen. Für die Konsumvereine würde die Preissteigerung 11 Pfg. betragen, für die Wirte aber nur 4 Pfg. pro Liter! Solche Forderungen werden natürlich nur erhoben, um die Konkurrenzfähigkeit der Konsumgenossenschaften gegenüber den Wirten zu unterbinden. Die Leute sollen gezwungen werden, anstatt sich Flaschenbier im Konsumverein zu holen, die Kneipen aufzusuchen. Aehnliche Forderungen werden sicher auch an anderen Orten erhoben. Sie sollten für die Konsumenten erst recht einen Anlaß bieten, die Konsumgenossenschaften zu stärken. Kleines Feuilleton. Was man beim Fliegen empfindet. Der Höhepunkt, auf dem sich die Fliegekunst augenblicklich befindet, laßt die Frage besonders interessant erscheinen, was für Empfindungen der Mensch beim Fliegen hat. Ein Franzose, der als„Fahrgast“ in einem „Zweidecker" mitgeflogen ist, beschreibt seine Empfindungen wahrend der Fahrt folgendermaßen im„Motor“:„Wir waren los— und mit solchem Schwung, als ob wir aus einer Kanone geschossen wären. Obwohl ich auf einen so schnellen Start vorbereitet war, setzte mich der rasche Antrieb doch in Staunen; wenn es möglich gewesen wäre, hätte ich laut geschrien, denn es mußte irgend etwas bei diesem schnellen Abflug in Unordaung sein. Aber ehe meine Gedanken Zeit hatten, bestimmte Formen anzunehmen, war es vorbei; hinter uns gab es ein Geräusch— das war der hölzerne Schlitten, der auf den Boden fiel, nachdem er das Ende der Startschiene erreicht hatte. Wir brauchten uns nicht darum zu kümmern, denn wir schwebten in ruhiger Luft. Wir stiegen, und zwar mit mäßiger Geschwindigkeit, wenn ich nach der Art urteile, in der der Boden unter uns entlang glitt. Aber eine Minute später hatte auch dieses aufgehört und wir bewegten uns langsam mit einer sanft schaukelnden Bewegung vorwärts. Man fühlte fast gar keine Erschütterungen und brauchte sich nicht festzuhalten. Wenn nur diese Maschine, die an meiner Rechten schnurrte und gelegentlich einen Funken sprühte, sich betragen hätte, wie sich eine achtungswerte Maschine betragen muß, so wäre die Empfindung des Fliegens der verkörperte Friede gewesen: Ruhe ohne Stillstand, ein sanftes Wiegen von unsichtbaren Händen, die Bewegung eines Bootes ohne das Rauschen des Wassers oder des Schlagen der Ruder. Aber was war es für eine Täuschung! Die Empfindung täuscht vor, daß man sanft in der Luft geschaukelt wird. Man wird so sanft bewegt, daß man glaubt, man könne sich nicht verletzen, wenn man zu Boden fiele; es herrscht kein Wind, nur ein santtes Wehen, es gibt überhaupt nichts, was beunruhigen könnte. Der Verstand aber sagt: man fliegt mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stunde, man hat nichts, was einen trägt; dort unten, 50 Fuß tief, ist der harte Boden, der darauf wartet, die Maschine und ihre Insassen zu zertrümmern. Wenn die Maschine still steht, wird die Luft, die einen jetzt umschmeichelt, zum Verräter und wird einen grausam hinfallen lassen; vergiß sich der Führer auch nur einen Augenblick, so stürzt man mit## Geschwindigkeit eines Schnellzuges zu Boden. Die Emp dung sagt aber zu all diesen Erwägungen:„Unsinn!“ und Empfindung überwiegt den Verstand!" 3. Standesamts-Nachrichtentugen Herford Stadt. Nachrichten vom 2. bis 7. August mmer Geburten: Söhne: Arbeiter Friedrich Hoffmesetarigt arbeiter Dietrich Wehmeier, Fabrikarbeiter Wilhelmast##### Arbeiter Wilhelm Hilker, Bahnarbeiter Friedrich““* Töchter: Hotelbesitzer August Steinmeyer, Tischähnlich, Heidhölter, Kaufmann Wilhelm Pallatzky, Konditze Brackmeyer, ferner eine uneheliche. ür se Aufgebote: Musiker Artur Hund und Ann ProZimmermann Oswald Richter und Frida Berndt, seit auf Karl Neumüller und Frida Math. Israel, Lehrergerung Böcker und Elisabeth Birkemeier. dieser Eheschließungen: Fabrikarbeiter Heinrich kapistein und verwitwete Luise Dunkelau geb. Reinke. äffend Sterbefälle: Gust. Feller, 16 T., Forstaufsehe den Wilh. Wilke, 69 J., Willy Meier, 1 J., ferner 1 Totgehnen; — ttel en Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vergehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen a Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“, Arbeiter=Sängerbun Arbeiter=Turnerbund. Dienstag. Gemischter Chor 9 Uhr im„Schützenhof“, Arndtstraße. Kamphofer Liedertafel 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeitergesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr bei Beckmann, Gr. Howe. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restauration zum Siegfried. Zitherklub„Edelweiß" 9 Uhr bei Keimeyer, Herforderstraße. Kegelklub„Hansa“ 8½ Uhr bei G. Kickert. Kegelklub„Bahn frei“, 8½ Uhr bei C. Blome, Spindelstr. 68. Bielefelder Kraftsport=Vereinigung 9 Uhr im Berliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld Abt. IV bei Tuxhorn. Radfahrerklub„Westfalia 8½ Uhr bei Helsinger, Schmiedestr. 9. Guttemplerorden Loge Teutoburg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“, 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Kraftsportverein„Atlas“ 9 Uhr im Restaurant„Harmonie". C. Schmidt, Oberntorwall. Sudbrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“, Männerriege, 8½ Uhr bei Fohrmann. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schröder. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft"=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Sieker. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr im Vereinslokal Sieker 228. Sudbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf" b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Brake, Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr. Enger. Turnverein„Eintracht“, 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arb.=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Radfahrerverein„Frisch voran“ abends 7 Uhr bei Witwe Tiemeier. Herford. Arbeiter=Gesangverein„Arion“ 9 Uhr bei Tiemeier, Stiftberg. Herford. Arbeiter=Gesangverein„Immergrün“ 9 Uhr beim Wirt Büchner. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Spenge. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit" 8¾ Uhr bei Heitmann. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Lage. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, 8½ Uhr bei Karl Voß, Langesttaße. Detmold. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 8½ Uhr im Vereinslokal„Centralhalle“. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann. Lippischer Hof. Vlotho. Arbeiter=Gesangverein abends 8½ Uhr bei Gastwirt Casselmann. Minden. Arbeiter=Sängerbund 7½ Uhr: Männerchor. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaum. burger Hof. Krriner, agitiert für enre Zeitung! unseres bieten unserer Kundschaft günstige Gelegenheit zum SoiS Rattun Musselin Waschstoffe SoiS Kleiderleinen Kleidersatins Blusenflanelle SoiS Kleidersiamosen Schürzensiamosen Schürzennesse! SoIS Kemdentuch Ralbleinen Nandtuchgebild SSiS Zett-Kattun ungebl. Hemdenbib. gebl. Croise und sste u. Abschnitte und folg sei, wenr von nur Gicb bisen Qualitäten. Ueber äußer referiert" Regierur Dienstbt, einen lal lastung Arbeit Niedernstr. 29/31 Bielefeld Niedernstr. 29/31. Beachten Sie unser Reste-Fenster. meindK 4281 Ameriheater. bemä, 30001 schfsrinkhoffs Tonhalle.) he Heute 8½ Uhr: e= Zum 2. Male:= er Pfarrer von Kirchfeld. Volksstück m. Gesang v. L. Anzengruber. Mittwoch, 11. August. Anf. 8½ Uhr. Zum letzten Mase! Der Stammbaum. Schwank in 3 Alten von P. Lenz und G. May=Hartung. Donnerst., 12. Aug.: Benesiz Caro. Rechnungs-Formulare, liefert in sauberer Ausführung prompt und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. Mittwoch, den 11. August, abends 8 ½2 Uhr: 4279 Großes Streich=Konzert in Löllmanns Garten. Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. In der Buchhandlung„Volkswacht“, ist zu haben: Jugendgeschichte einer Arbeiterin. Von ihr selbst erzählt, mit einem :::::: Geleitworte von:::::: Aug. Bebel. Preis 1 Mk. Porto n. ausw. 10 Pfg. Gebühren=Ordnung für die Bezirks=Schornsteinfegermeister des Landkreises Bielefeld. zu bean0,35 Mark, 0,10„ 0.05 0,10 0,15 0.20 Auf Grund des§ 77 der Reichsgewerbeordnung wird für den Umfang des Landkreises Bielefeld nachfolgende GebührenOrdnung festgesetzt. § 1. Die Bezirksschornsteinfegermeister haben spruchen: 1. Für das Reinigen eines fahrbarer Schornsteines a) in einem einstöckigen Hause b) für jedes weitere Stockwerk 2. Für das Reinigen eines nicht fahrbaren Schornsteines a) in einem einstöckigen Hause..... 0,35 b) für jedes weitere Stockwerk 8. Für das Reinigen einer Ofenröhre a) bis zur Länge von 2,5 m b) bis zur Länge von 5 m c) bei einer Länge von mehr als 5 m 4. Für das Reinigen eines Fabrikschornsteines a) bis zu 15 m Höhe.. 2,50„ b) über 15 m Höhe 3.00„ 5. Für das Reinigen einer Rauchkammer für das Quadratmeter Bodenfläche...... 0,20„ 6. Für das Ausbrennen eines Schornsteines.. 2,50„ § 2. Für die baupolizeiliche Abnahme von Schornsteinen, falls solche auf Anordnung der Ortspolizeibehörde auszuführen ist, erhält der Bezirksschornsteinfegermeister a) für einen Schornstein.... 1,00 Mark. b) für jeden weiteren Schornstein 0,50„ § 3. Keller=, Boden und Giebelräume gelten als Stockwerke, wenn sich in ihnen Feuerstellen(Kochherde, Oefen und dergl.) befinden. § 4. Sind mehrere Schornsteinrohre in einem Kasten vereinigt, so ist für jedes Rohr die Vergütung zu entrichten. § 5. Zum Reinigen der Schornsteine und der Ofenröhren gehört das Fortschaffen des ausgefegten Russes aus dem Hause an eine geeignete Stelle. § 6. Fur Nachtarbeiten, d. h. solche Arbeiten, welche während der Wintermonate(1. 10.— 31. 3.) in der Zeit von 7 Uhr abends bis 6 Uhr morgens, während der Sommermonate(1. 4.— 30. 9.) in der Zeit von 8 Uhr abends bis 5 Uhr morgens auf Verlangen der Besitzer ausgeführt werden müssen, erhöht sich die Taxe auf das Doppelte. § 7. Zur Zahlung des Kehrlohnes an den. Schornsteinsegermeister sind nur die Hauseigentümer und Hausverwalter verpflichtet. Die privatrechtliche Giltigkeit abweichender Vereinbarungen zwischen dem Hauseigentümer und den Mietern bleibt hierdurch unberührt. § 8. Für die Teilnahme an der Feuerschau erhält der Bea) im Wohnorte 4#50 Mark täglich, b) außerhalb des Woynortes 6 Mark täglich Reisekosten werden nicht gewährt. * 1909 in § 9. Diese Gebührenordnung tritt am 1. August Kraft. Gleichzeitig wird die Gebührentaxe vom 1. Oktober 1874 für den Umfang des Landkreises Bielefeld aufgehoben. Bielefeld, den 19. Juli 1909. Der Landrat. J. V. Beckhaus, Regierungs=Assessor. Dr. 5555855888888885 *„Kosmos“-Schriften. Dr. W. Ament: Die Seele des Kindes. Wilh. Bölsche: Die Abstammung des Menschen. Im Steinkohlenwald, Der Sieg des Lebens. Der Stammbaum der Tiere. Dr. Dekker: Naturgeschichte des Kindes. Dr. Kurt Floeriche: Die Vögel des deutschen Waldes. Die Säugetiere des deutschen Waldes. R. Francé: Das Liebesleben der Pflanzen. Das Sinnesleben der Pflanzen. Streifzüge im Wassertropfen. M. Wilh. Meyer: Die Rätsel der Erdpose. Weltschöpfung. Dr. Sonne und Sterne. Kometen und Meteore. Erdbeben und Bulkane. Regyptische Finsternis. 2 Bände. Weltuntergang. Professor K. Sajé: Krieg und Frieden im Ameisenstaat. Dr. E. Teichmann: Vom Leben und vom Tode. Die Vererbung als erhaltende Fortpflanzung und Zeugung. Th. Zell: Streifzüge durch die Tierwelt. Straußenpolitik. Neue Tierfabeln. Vierfabeln und andere Irrtümer in der Tierkunde. Dr. Preis pro Band Mr. 1.—(Porto nach auswärts 10 Pfg.) Vorstehende sehr empfehlenswerte Schriften sind zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht", Bielefeld. I Hochzeits=Einladungen Zuchruckerei„Voltswahzt“ Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltung Zieleseld. Am Sonntag nachmittag 3½2 Uhr starb nach langem schweren Leiden unser treues Mitglied, der Schleifer im Alter von 50 Jahren. 4285 — Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren!— Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag 4 Uhr vom Trauerhause, Wittekindstraße 43, aus statt und ersuchen wir um zahlreiche Beteiligung: Die Ortsverwaltung. An Hautkrankheiten, Pickel, Kopfausschlag, Flechten, offene Beine Leidende erhalten Rat, wie sie schnell u. gründlich von ihren Leiden befreit werden. Möller, Herforderstr., neben Stadtheiderschule. 3565 Todesanzeige. Montag früh 3½ Uhr entschlief sauft nach kurzer, schwerer Krankheit meine liebe, unvergeßliche Frau, die treusorgende Mutter meiner Kinder Luise Gawel geb. Wrune im Alter von 31 Jahren. Dies zeigt im Namen der trauernden Hinterbliebenen tiefbetrübt an St. Gawel nebst Kinder. Bielefeld, 10. August 1909. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag 2 Uhr vom Trauerhause, Osnabrücker= straße 50, aus statt.[4284 Teppiche mit kleinen Webefehlern, Gardinen, Tischdecken, Portieren, Vorlagen, Chaiselongue-Decken, Rouleanx-Stoffe, div. Linoleum-Reste[4278 zu ganz enorm billigen Preisen. Lützowstr. 7, 1. Etage. *KXNNNNN Treue Geatutte Georg Berwegh. Preis Mk. 1.00. Porto nach auswärts 10 Pfg. Zu beziehen durch die Buchhandlung der Volkswacht, Bielefeld. KARNNNT K KKR R77 Trauerbriefe mit Konverts liefert schnell, sauber und billig Buchdruckerei„Volkswacht". Am Sonntag nachmittag 3½2 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenen Leiden mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwager und Onkel, der Schleifer(4286° im Alter von 50 Jahren.— Dieses zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, vom Trauerhause, Wittekindstraße 43, aus statt. Kreine Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in d#c Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Wegen Aufgabe des Möbelgeschäfts gebe alle Arten Möbel= und Polsterwaren spottbillig ab. Günstige Gelegenheit für Brautleute. Noch großes Lager in Schränken, Bettstellen, Tischen, Stühlen, Diwans. Auch gebrauchte Möbel am Lager, ferner großes Doppelpult für 4 Personen, Tresen und Regale. Möbelhaus Brunnenstraße 122. 4232 Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumungshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werden. Teilzahlung gestattet. Adolf Heine, Ritterstraße 57. 3569 4174# großen Posten, hiesige trockene Ware, empfiehlt billig Detert, Jöllenbeckerstraße 37. Frinieter Pfund 60 Pfg. Kronsbein, Bleichstraße 66.(42672 Schuhmacher sucht Arbeit in und außer dem Hause, auch Aushilfe. Offerten unter O. 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Di der Gewerkschaften hat Buchdrucker vorbehalte Blatt zur Orientierun Blatt,„Die Antwort“ Auflage von 150000 E Der gestrigen Reg streiks ist heute eine ne zur Genüge zeigt, zu w teien stehende" Lindme ordnung suspendiert d mobile. Dadurch, daf bezw. besonders bezeich bruch Vorschub geleiste Streikenden unmöglich holmer Polizei ist in a Fuhrwerksbesitzer verp den Fuhrwerksbetrieb Konzession entzogen we ist damit endgiltig auf Für den, der die Verh herein kein Zweifel best proklamation immer n Kampfe unparteiisch proklamation wird ja gewarnt; das kann zw Adresse der Eisenbahne kann es auch so verste der Vorwurf gemacht träge die Aussperrung ausgedehnt haben. De Eisenhütten, der Holzsch mit den Differenzen z beitern des Schneiderge Trotzdem wurden sie al nach der heutigen Vero darüber mehr vorhande nehmertums ziemlich g Verteidigungsaktion der lehnung" erblickt. Die Ruhe ist auch worden. Einige Straf auch heute mit Hilfe d freiwilliger Bürger. D provozieren lassen. 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