elüste, die mit Menschenbei den„Mantigers“ oder# Jaunde und Duala antraf. schenfresserei der Maka sich erklärt, in dessen Sümpfen Läusen begegnet; dafür sind hreich, und in die Sümpfe n zwanzig Jahren von den e, Jebekolle und den Jeen sie ungestört zu beiden uufwärts. es von der Expedition ben Teil seiner stagnierenden ein anderer zum Djab, so r in der Tat, jedenfalls in ehen, ebenso wie im nördnagazuflüsse durch Sumpfng des„hochverräterischen“ ersburg wird uns vom für Tag die unbedeutendunter dem Kriegsrecht mit ingfügiger oder fingierter ser Grausamkeit Katorga= Stadt des Tyrannen Toles Novum passiert. Eine d des berüchtigten ParaLaten beschuldigt wurden, allgemeinen Staunen und Man erinnert sich noch wenigen Monaten unter in gegen den ehemaligen schewski und gegen seinen stattfand und mit ihrer 1 endete, bloß weil nachchen September= und OkHochschulleitern anderer nlungen in den Mauern e während des Pogroms sung gestellt hatten. Der Irteil der gesamten gebiligen, trotzdem selbst oktosungen der verständigen na ein uneingeschränktes eser bereits rechtskräftig in Professoren sollte nun des Studentenrats vom hen Attentäter, darbieten. licher: acht Vertreter der evolutionären, der sozialchen Partei, wurden beUmsturz der bestehenden Militär dafür agitiert, id die von ihrem Bunde lvern versehen zu haben. ersieht man schon daraus, n Monaten oder gar seit machtet hatten. r Spannung dem Prozeß ffnung bestand, daß das i untreu werden könnte. chwarze Hundert in aufse bereits vor dem ProBestrafung der„HochAtmosphäre um das Gedenen zahlreiche bekannte manowitsch, Alexandrow, rnommen hatten, trugen Sepräge einer wichtigen Militärkordon den Gegen zu unterdrücken oder Das Los der Beschuldigschieden, gerade weil ihre die durch ihre bloße ten in unbändigen Zorn daß diese Jünglinge, ob zu jenen Tausenden sich sangsarbeit oder in unberühmten Freiheitstage Staunen der nicht gerade d der gesamten russischen sämtliche„Hochverräter“ Niemand will es aber n den Oktoberereignissen varen, da jedermann in e, mit solcher Milde bech in der russischen Gemach, gegen eine solche e Bureaukratie die zahlden jüngsten Tagen, wie führer des Stschigrower igen Dumaabgeordneten ere Genossen zum Tode, rinpoler Vogromprozeß. 1. August: chwarzen Meer gelegene en Pogrome. Zweiunddete zählte neben einem unmittelbar nach dem jedes Kind wußte es in tis der vorangegangenen und des Hafenältesten n hatten sich dort abgertigen Vorkommnisse in n in die Oeffentlichkeit in dann die scheußlichen lich in diesen Tagen die Begebenheiten. Durch auch von diesem Proirtet und geglaubt, daß e wiederholten Schema tshof würde den Juden schieben, sodann jegliche und des Militärs verangeklagten Exzedenten rteilen, im Bewußtsein, sühne bald im Gnadeneventuellen Bestrafung rom hinderlich gewesen, mmen werden, da die obertagen den Kosakenmgemäß vermochte der iche Erregung hervorzefrain, mit dem der beihmbedeckten Vorgänger wochenlangen Verhandemmungen aufgerollten den Schilberungen der einmal die PogromGerichtshof, daß es in habe, und verurteilte tigen Vorgehens zu Gem Monat. Diese Verin der Pogromrecht= schen Offenheit erklärte ür vogelfrei. Abonnementspreis für Bieleseld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. S TUrce Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rahatt. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Nielesekd, Nr. 183. Bielefeld, Montag, 9. August 1909. 20. Jahrg. Nummer umfaßt 8 Seiten. der Aussperrung und des allgemeinen Streiks der Gewerkschaften Schwedens. Den Gewerkschaften Schwedens ist durch das organisierte Unternehmertum das letzte Mittel aufgezwungen worden, der allgemeine Streik, der im 4. August begonnen hat. Auf den Widerstand der Arbeiter in der Koufektion und in der Zelluloseindustrie antworteten die Unternehmer mit Aussperrungen der gesamten Arbeiter dieser Berufe. Daraufhin stellte der Schwedische Arbeitgeberverein, die Zentrale der größten Unternehmerverbände, den Gewerkschaften das Ultimatum, daß am 26. Juli die Arbeiter der Holzschleifereien, Sägewerke und der Textilindustrie ausgesperrt würden, denen am 2. August die Arbeiter der Eisenwerke folgen würden, falls nicht bis dahin die Konflikte zu den Unternehmerbedingungen beendet seien. Diesen Aussperrungen sollten weitere Lockouts folgen. Die Gewerkschaften Schwedens beschlossen auf einer Vorständekonferenz, die Friedensverhandlungen weiterzuführen, auf Verwirklichung der Generalaussperrung am 26. Juli und * August aber mit der allgemeinen Arbeitseinstellung aller Gewerkschaften am 4. August zu antworten. Von der Arbeitsniederlegung sollen unberührt bleiben die Arbeiter, die bei der Wartung kranker Menschen, bei Pflege der Tiere und bei der öffentlichen Beleuchtung, Wasserversorgung und Reinigung beschäftigt sind. Jede statutarische Unterstützung während dieses Kampfes wird eingestellt; die vorhandenen Mittel bleiben reserviert, um der dringendsten Not zu steuern. Den in Arbeit verbleibenden Mitgliedern wird ein hoher Extraveitrag auferlegt. Die Aussperrungen am 26. Juli und am 2. August sind dem Programme des Arbeitgebervereins gemäß erfolgt, worauf der allgemeine Abwehrstreik der Gewerkschaften am 4. August seinen Anfang nahm. 83000 Arbeiter sind ausgesperrt; 250000 dürften insgesamt am Kampfe beteiligt werden. Die Landeszentrale der Gewerkschaften Schwedens ist sich vollständig klar darüber, daß ein Kampf von solcher Ausdehnung in kürzester Frist entschjeden sein muß und daß selbst die größten verfügbaren Mittel nicht ausreichen würden, alle Kämpfer genügend unterstützen zu können. Gleichwohl appelliert sie an die Solidarität der organisierten Arbeiter aller Länder, ihre Brüder in Schweden in diesem ihnen aufgedrungenen Kampfe nach besten Kräften zu unterstützen. Denn ein Riesenkampf wie dieser hinterläßt selbst bei kürzester Dauer tiefe Wunden. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands hat unverzüglich alle Schritte eingeleitet, um diese Hilfe ins Werk zu setzen und die Vorstände der Zentralverbände haben dem Antrage der Generalkommission auf sofortige Einleitung einer Sammlung für die kämpfende schwedische Arbeiterschaft zugestimmt. Wir richten nunmehr an die organisierte deutsche Arbeiterschaft die dringende Bitte, rasch und willig zur Unterstützung ihrer Kampfgenossen in Schweden beizutragen. Keiner entziehe sich dieser Pflicht der Arbeitersolidarität. Die Gewerkschaftskartelle werden ersucht, die Sammlung an ihrem Ort zu zentralisieren. Alle Geldsendungen sind zu richten an H. Kube, Berlin SO. 16, Engelufer 14. Auf den Postabschnitten ist anzugeben, daß der Betrag für Schweden bestimmt ist. Mit Gruß Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlanss. C. Legien. Politische Uebersicht. Das neue Reichstagspräsidium. Eine Berliner Korrespondenz will von parlamentarischer Seiteeerfahren haben, daß jetzt vollständig feststehe, daß der nächste Präsident des Reichstages ein Zentrumsmann sein werde. Die Konservativen würden den Posten eines ersten Vizepräsidenten besetzen. Der bisherige Präsident Graf Stolberg käme für diesen Posten nicht in Frage, sident Graf Stolbexg käme. für diesen Posten nicht in. Fre da er als bisheriger Prasident nicht geneigr sein oürfte, als Vizepräsident zu kandidieren. Man nennt die Abgg. Heydebrand von der Lasa oder v. Normann. Der Linken soll es anheimgestellt werden, den Posten des zweiten Vizepräsidenten zu besetzen. Weist die Linke dieses Angebor zurück, so wird zum 2. Vizepräsidenten ein Mitglied der Reichspartei oder der Wirtschaftlichen Vereinigung gewählt werden. Die Wahl eines Polen ins Präsidium des Deutschen Reichstages kommt nicht in Frage. Die„Deutsche Tageszeitung" bezeichnet die Meldung als gglsch; denn über die Besetzung des Präsidiums im neuen Reichstage hätten noch keinerlei Verabredungen stattgefunden. Auszahlung der Gehaltszulagen für Beamte der Reichspost. Die den Beamten und Unterbeamten der Post bewilligten Gehaltszulagen sollen sicherem Vernehmen nach noch in der Zeit Loin 16. bis 20. d. M. ausgezahlt werden. Die Zulagen haben Lelanntlich rückwirkende Kraft bis 1. April 1908. Auch die Postboten, sowie die bei der Post beschäftigten Aushilfsarbeiter erhalten eine Aufbesserung ihrer Tagegelder. Diese Beamtenategorjen werden fernerhin für den Anfang 3 Mk. statt wie bisper 2,70 Mt. täglich erhalten. Zentrumsarbeiter gegen den Abgeordneten Giesberts. Der Abgeordnete Giesberts hat bekanntlich hinter verschlossenen Türen den Zentrumsvertrauensleuten Bericht über seine Tätigkeit bei der Reichsfinanzreform erstattet. Die Essener Zentrumsblätter berichteten über diese Rede 1½ Zeitungsseiten, die Diskussion unterschlugen sie vollständig. Jetzt erfährt ein nationalliberales Essener Blatt aus dieser Sitzung folgendes: „Fast alle Redner, gingen mit Herrn Giesberts hart ins Gericht; besonders scharf wurde er von den Gewerkschaftsekretären Strunk und Bissel angegriffen. Man machte dem Essener Abgeordneten den Vorwurf, daß die Arbeiterinteressen in der Zentrumsfraktion nicht gewahrt worden seien. Ueberhaupt neige die Partei zu sehr nach rechts. Heute gäbe es nicht zur edangelische Konservative, sondern auch zahlreiche katholische Abgeordnete konservativer Couleur. Statt mehr Arbeiterabgeordnete zu wählen, stelle man einen Adligen nach dem uf. Wie Stellungnahme Giesherts habe?“ 9. anderen auf. Die Steuungnuhme Giesberks habe der Zentrumspartei im hiesigen Wahlkreise sehr geschadet, was die nächsten Wahlen beweisen werden. Herr Giesberts erklärte auf diese Vorwürfe u. a., daß ihr die heutige Politik schon lange keine Freude mehr mache. Wen im senn man meine, daß er gefehlt und der Partei geschadet habe, so solle man bei der nächsten Wahl ruhig einen anderen Kandidaten stellen. Ihm selbst und seiner Familie würde es nur erwünscht sein, wenn er die Last des Mandates nicht länger zu tragen brauche.“ Der neue sozialpolitische Kurs. Die„Berliner Börsenzeitung" stellt es als ganz sicher hin, daß dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritt wieder eine Gewerbeordnungsnovelle zugeht. Die weiteren Ausführungen des Blattes lassen aber erkennen, daß nicht die Gewerbeordnungsnovelle wieder eingebracht werden soll, die in einer Kommission des Reichstags eine gründliche Vorberatung erfahren hat, sondern eine andere Gewerheordnungsnovelle. Es solle geregelt werden: Die Schankkonzessionsfrage, in Verbindung mit der Zulassung veiblicher Bedienung, eine Regelung der Marktverkehrsbestimmungen und der Konzessionen für Singspielhallen und ähnliche Unternehmungen. Beschlüsse der Kommission zur Gewerbeordnungsnovelle sind von dem damaligen Staatssekretär des Innern, Herrn v. Bethmann=Hollweg, dem jetzigen Reichskanzler, als unannehmbar bezeichnet worden, und der Druck der Unternehmer auf die Regierung ist offenbar so groß, daß endgiltig darauf Verzicht geleistet wird, diese für die Arbeiterschaft so überaus wichtige Gewerbeordnungsnovelle wieder einzubringen. Man beachte dabei das Spiel mit Worten: Zuerst wurde behauptet, die Gewerbeordnungsnovelle werde nicht wieder eingebracht, dann wurde halbamtlich erklärt, diese Meldung beruhe auf Erfindung, denn es werde dem Reichstage wieder eine Gewerbeordnungsnovelle zugehen. Jetzt stellt sich heraus, daß letzteres zwar richtig ist, daß die nun dem Reichstage zugehende Gewerbeordnungsnovelle aber ganz andere Materien behandelt, als die im Reichstage bereits durchberatene und durch den Schluß der Session nun unter den Tisch gefallene Gewerbeordnungsnovelle behandelt hat. Ein neuer Hilferuf an die Regierung. Die„Konservative Korrespondenz“ bringt unter der Ueberschrift„Aufklärung tut not“, einen Artikel, in dem sie die Regierung auffordert, endlich die notwendige, unumstößliche und gründliche Aufklärung im ganzen Volke darüber zu verbreiten, wie die Wirkung der neuen Steuern in Wirklichkeit ist. „Wenn Lügner, Verleumder und Demagogen die Ernte verderben wollen, dann müssen diejenigen, die diese Ernte nun in der Scheuer haben, endlich auftreten und endlich dem verderblichen Treiben Einhalt gebieten! Das ist kein Standpunkt, daß den verbündeten Regierungen nun, nachdem sie Geld haven, alles übrige gleichgiltig sein könne. Im Kampfe um die Nachlaß= oder Erbschaftssteuer ist von mancher Regierungsstelle eingegriffen worden, haben einzelne Organe der Regierung gezeigt, daß sie einen großen offiziösen Apparat sehr wohl in Betrieb setzen und für ihre Zwecke ausnutzen können, wenn es ihnen notwendig erscheint. Jetzt, da man den Nutzen von der Arbeit hat, soll man auch ein Verantwortlichkeitsgefühl für die Zukunft nicht vergessen. Soll der Haushalt geordnet bleiben, so müssen die, die dafür verantwortlich sind, auch für Ordnung sorgen. Denn vom jetzigen Zustande haben nur die einen Vorteil, die Gegner von Frieden und Ordnung sind, und die darum von allen bürgerlichen Parteien nach wie vor gemeinsam bekämpft werden mussen: die Sozialdemokraten! Ihre Stärkung aber darf kein Reichskanzler, darf keine der verbündeten Regierungen tatenlos mit ansehen.“ Die„Konservative Korrespondenz“ hätte wirklich nicht nötig gehabt, sich über die Wirkungen der von dem schwarz=blauen Block geschaffenen neuen Steuern bei der Regierung zu erkundigen. Die Herren der Regierung sind Fleisch von ihrem Fleisch, die genau so wenig die Steuerschraube zu fühlen bekommen, wie die Konservativen. Die einzigen, die ein unbefangenes Urteil abgeben können, sind die Arbeiter, und die werden schon dafür sorgen, daß bei geeigneter Gelegenheit Aufklärung geschaffen wird. soll daraus werden? Der Pahlausfall in Neustadt=Landau hat nicht nur die direkt an der Wahl beteiligten Parteien in kolossale Aufregung versetzt, er hat auch allen übrigen bürgerlichen Parteien einen gehörigen Schreck eingejagt. Man erklärt sich den Sieg der Sozialdemokraten nicht aus dem schäbigen Verhalten der bürgerlichen Parteien bei der Reichsfinanzreform, sondern glaubt, daß lediglich die Uneinigkeit die Hauptschuld trage. Von der Ansicht ausgehend, fragt nun der„Reichsbote“: Was soll daraus noch werden? Das Blatt fürchtet nämlich, daß der Sozialdemokratie noch weitere Sitze im Reichstage zufallen werden, wenn nicht umgehend eine Einigung erzielt werde. Es meint, es sei allerhöchste Zeit, daß die bürgerlichen Parteien untereinander die Streitaxt begraben und sich nicht weiterhin wie ein Rudel bissiger Hunde behandeln. Die Finanzreform ist fertig; was nutzt es da, jetzt noch immer wieder in den Streit um dieselbe zu wühlen. Vor allen Dingen müßten die Liberalen und speziell die Nationalliberalen in ihrer Hetze gegen die Konservativen innehalten, da ja schließlich aus beiden Seiten gesündigt worden sei. Im übrigen empfiehlt das Blatt den Nationalliberalen den Anschluß an die Konservativen, denn mit den Freisinnigen könne keine ernsthafte nationale Politik betrieben werden. „Dann aber,“ heißt es in dem Artikel weiter,„wenn die Nationalliberalen sich nach rechts wenden, werden auch die einsichtigeren Kreise der Linken weiter nach rechts gehen müssen. Sie alle haben bei ihrem kläglichen Fiasko in der Reform einsehen müssen, daß sie allein nichts Positives leisten können. Darum sollten die Einsichtigen aller Parteien jetzt erkennen, daß es nötig ist, die Streitaxt über die Finanzreform zu begraben, die Versöhnung und den Frieden unter den bürgerlichen Parteien zu bauen, um stark zu werden für die nationalen Aufgaben gegenüber dem Auslande, wie für die Macht und Größe des Reiches und für den Kampf gegen die sozialrevolutionären Treibereien.“ Durch diesen Zusammenschluß, der ja schon einmal perfekt war und durch den die Sozialdemokratie vernichtet werden sollte, wird man weiter nichts erreichen, als daß die Arbeiterschaft ihrer Stellung gegenüber den bürgerlichen Parteien sich immer mehr bewußt wird. Bier= und Zündholz=Liebesgaben. Ki Agrarische Selbstbezichtigungen. Die„Deutsche Tagesztg.“ unterzieht sich der sehr dankenswerten Aufgabe, die Oeffentlichkeit daran zu erinnern, daß die bösartigen Bestimmungen des Brausteuer= und des Zündwarensteuer=Gesetzes dem Volke nicht mit der genügenden Schärfe zum Bewußtsein gebracht werden. In einer seltsamen Gemütsanwandlung beschwert sich das agrarische Organ namentlich über liberale Blätter, die seit zwei Jahrzehnten gegen die Branntwein=Liebesgabe zu Felde ziehen, aber bei ihrer Kritik der neuen Steuern geflissentlich die den Brauereien und Zündwarenfabriken zugeschanzten Liebesgaben übersehen.„Im neuen Brausteuergesetz ist,“ so verzeichnet die „Deutsche Tageszeitung“ sehr zutreffend,„neben einer je nach dem Ansteigen der Produktion von 14 bis 20 Mk. steigenden Steuerstaffel die Bestimmung getroffen, daß neu entstehende Brauereien prinzipiell eine um 50 Prozent(in späteren Jahren eine um 25 Prozent) höhere Steuer zu bezahlen haben. Und ebenso ist im Zündwarensteuer=Gesetz angeordnet, daß die über den bisherigen Produktionsumfang der alten Fabriken hinausgehende sowie die Produktion neu entstehender Fabriken einen um 20 Prozent erhöhten Steuersatz zu tragen hat Also, wiederbolt Knuten=Oertel, zum besseren Verständnis,„bei Bier wie bei Zundwaren eine Steuerkontingentierung, die vollkommen dem Wesen der Branntwein=Kontingente entspricht. Noch nicht ein freidenkender Zeitungsschreiber ist aber auf den Gedanken gekommen, nunmehr von einer Bier=Liebesgabe oder einer zundhölzer=Liebesgabe zu reden und damit den Brauern und Zundwarenfabrikanten das Publikum auf den Hals zu hetzen.“ Wir hoffen, daß die liberale Presse diese agrarische Ermahnung beherzigen wird, sie kann es um so freudiger tun, da der Liberalismus nur durch die Entschiedenheit der Agrarier daran verhindert wurde, den von der„Deutschen Tageszeitung“ denunzierten Bier= und Zündholz=Liebesgabenskandal mitzumachen. Zwischen der Branntwein=Liebesgabe und den Brau= und Zündholz=Liebesgaben besteht, was die durch die Empörung der Volksmassen über die neuen Steuerverbrechen bös erschreckten Oertel=Leute übersehen, allerdings der Unterschied, daß die Branntwein=Liebesgabe nach dem Gesetz von unbegrenzter Dauer ist, wayreno die Bier=Liebesgabe vorläufig bis zum Jahre 1918; die Zündhölzer=Liebesgabe bis zum Oktober 1914 Geltung hat. Wie grenzenlos muß die Wut der Agrarier über die Bewegung, die die Politik des Schnapsblocks im Lande hervorgerufen hat, sein, daß ihr führendes Blatt übersah, welche wirksame Unterstützung es der Agitation gegen den konservativklerikalen Steuerwucher mit seinem Hinweise auf die Bier= und Zündholz=Liebesgaben leistet. Um die Schuld des schwarz=blauen Kartells an den preisverteuernden Wirkungen der neuen Steuern möglichst abzuleugnen oder abzuschwächen, hat die agrahöher sind, als sie durch die Steuererhöhung bedingt werden. Auch damit haben die Agrarier Anklagematerial gegen sich selbst geliefert, denn nur durch die Kontingentierung der Brauereien und Zündholzfabriken, die die„Deutsche Tageszeitung" sehr richtig als Gewährung von Liebesgaben gekennzeichnet hat, ist dieser Raubzug auf die Taschen der Konsumenten ermöglicht worden. Ganz geheim haben die Agrarier diese Millionen Zuwendungen an die Brauereien und Zündholzfabriken vorbereitet, erst in der dritten Lesung traten sie mit diesen Anschlägen hervor. Die Steuerräuber wollen ihre Spuren verwischen, aber bei diesem Versuch enthüllen sie wider Willen die Wahrheit. Volksschulkinder und Pensionskinder. Neues zum Kapitel A und B. Die königliche Regierung zu Breslau hat folgende Verfügung erlassen: „Die königliche Eisenbahndirektion hat im vergangenen Sommerhalbjahr die Wahrnehmung gemacht, daß bei Schulausflügen mit der Eisenbahn die Zahl der begleitenden Lehrer im Vergleich zu den an dem Ausflug teilnehmenden Schülern in vielen Fällen unverhältnismäßig hoch ist. Die geltenden Bestimmungen lassen keinen Zweifel darüber, daß die Ermäßigung nur für die zur Beaufsichtigung der Schüler erforderlichen Lehrkräfte zu gewähren ist und sich in keinem Falle auf die an den betreffenden Schulen wirkenden Lehrpersonen in unbeschränkter Anzahl erstrecken darf. Hiernach muß es als ausreichend bezeichnet werden, wenn außer dem Leiter der Anstalt noch der Klassenlehrer(Lehrerin) und, falls die Zahl der Schüler einer Klasse 40 überschreitet, noch ein zweiter Lehrer(Lehrerin) zur Beaufsichtigung mitfährt. Nur bei Ausflügen von Pensionaten, deren Zöglinge einer besonders sorgfältigen Beaufsichtigung bedürfen, würde außer dem Leiter und der Klassenlehrerin noch einer zweiten Lehrerin die Mitfahrt zum halben Preise gestattet werden, wenn die Zahl der Schülerinnen einer Klasse die Zahl 20 übersteigt.“ Die„Berliner Volkszeitung" bemerkt dazu: diesen Worten spricht natürlich die Eisenbahnbehörde, die nirgends so bureaukratisch ist wie in Preußen. Es ist zu bedauern, daß die Schulaufsichtsbehörde sich die Auffassung der Eisenbahnbehörde vollig zu eigen gemacht und nicht wenigstens die Meinung zurückgewiesen hat, die Lehrer betrachteten die Schulausflüge als persönliche Vergnügungsfahrten. Denn selbst der Laie wird begreifen, daß ein solcher Ausflug dem Lehrer weit größere Anstrengungen verursacht als der gewöhnliche Schulunterricht. Welches Maß der Verantwortung legt er ihm auf! In unserem Großstadtverkehr kann eine Schulklasse bei solcher Gelegenheit gar nicht sorgsam genug überwacht werden, und wenn ländliche Schulklassen bei ihren Ausflügen die Eisenbahn benutzen, so wird bei der Unerfahrenheit dieser Kinder auch hier die Zahl der Aufsichtspersonen niemals groß genug-sein können. Wenn die Verfügung verursacht worden ist durch eine sehr zahlreiche Begleitung einzelner Klassen, so har diese Erscheinung ihren Grund höchstwahrscheinlich in den verschärften Bestimmungen des Haftpflichtgesetzes. Und man sollte die Lehrer loben ob ihrer Vorsicht, statt ssie zu kränken durch die Sfientlich ausgesprochene Vermutung, als benutzten sie diese ausflüge zur Erlangung eines winzigen persönlichen Vorteils! Unsere Schulausflüge sind durch das Haftpflichtgesetz schon mehr eingeschränkt worden, als es im Interesse des Unterrichts und der Erziehung gut ist. Müssen doch die Schulaufsichtsbehörden in Rundverfügungen die Schulen immer wieder ermuntern, diese Ausflüge doch ja nicht zu vergessen. Und mit Recht! Denn für Tausende unserer Großstadtkinder sind sie die einzige Gelegenheit, die Natur kennen und aufmerksam beobachten zu lernen, und für sehr viele ländliche Volksschüler au bahnverwaltung durch kleinliche und engherzige denn welchen Echaden hat sie wohl davon, daß statt zwei etwa drei oder vier Lehrer den halben Fahrpreis für einige Kilometer entrichten?— und sogar mit Hilfe der Schulaussichtsbehörde die Lehrer daran hindert, sich gegen die Folgen jenes Gesetzes zu schützen, so werden diese Ausflüge bald ganz aufhören. Und schließlich: Warum hat man vor Erlaß jener Verfügung nicht auch an das Elternhaus gedacht, das seine Kinder zwar nicht in Pensionate, sondern nur in die Volksschulen schicken kann? Hat es nicht ein Recht, ein moralisches und gesetzliches, den größtmöglichsten Schutz seiner Kinder zu fordern? Bei den Kindern der wohlhabenden Eltern, die ihre Sprößlinge in teure Pensionen schicken können, soll schon für 20 Zöglinge eine Aufsichtsperson mehr zulässig sein, weil solche Zöglinge„einer besonders sorgfältigen Aufsicht bedürfen". Mit Verlaub: Warum? Sind die Pensionatszöglinge verwahrloster als die Volksschüler? Oder sind sie als Kinder wohlhabender Eltern für die Bahn kostbareres„Frachtgut“?“ Dänemark. Ein Sozialdemokrat bei dem König. In Dänemark ist kein Ministerium zusammenzubringen, nachdem das letzte über die Frage der Befestigung Kopenhagens gestürzt worden ist. Der dänische König hat schon die verschiedensten Besprechungen mit Politikern gepflogen, aber zu einem Ministerium ist er dadurch noch nicht gekommen. Nun hat er am Dienstag die Vorsitzenden der Fraktionen des Folkethings zu sich gebeten, darunter den Genossen Knudsen als Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion. Ueber die Besprechung der Eingeladenen mit dem danischen König wird nun aus Parteikreisen berichtet: „Die Vertreter der konservativen und moderateen(gemäßigten) Gruppen wünschten einen neuen Versuch, die Landesverteidigungsfrage zu lösen. Der Radikahle Zehle empfahl ein provisorisches Ministerium, gestützt auf„die 27“, die Radikalen und der Sozialdemokratie, mit Deuntzer oder Trier an der Spitze, sowie mit der Aufgabe, ein neues Wahlkreisgesetz und Stichwahlen durchzuführen, ehe man wieder an die Militärfrage herantrete. Der Vertreter der Sozialdemokratie, Genosse Knudsen, empfahl dem König die Einsetzung eines Geschaftsministeriums als den natürlichsten Ausgang der Krise, da ja keine Partei eine Mehrzahl habe, eines Geschäftsministeriums, das nur die einzige Aufgabe habe, ein neues Wahlkreisgesetz durchzuführen. Knudsen versicherte weiter, daß das eine unabweisbare Aufgabe der dänischen Politik und ihre Lösung die Bedingung für eine gesunde parlamentarische Entwicklung sei. Da der König dann die Militärfrage anschnitt, entwickelte Knudsen die Ansichten der Sozialdemokratie darüber, daß die Befestigung Kopenhagens eine Gefahr für das Land ist und daß sie mit ihrem Abrüstungsprogramm am besten der Neutralität Dänemarks zu dienen glaube. Die Sozialdemokratie befinde sich mit diesem ihrem Programm in Uebereinstimmung mit der ständig wachsenden internationalen Friedens= und Kulturbewegung, deren Grundstein der Zusammenschluß der Arbeiter ist. Bei Erörterung der europäischen Verhältnisse berührte der König die große Aussperrung und den Generalstreik in Schweden. Knudsen machte ihn aufmerksam darauf, daß diese Art Kämpfe gerade die Konsequenz der kapitalistischen Klassenteilung seien, welche zu beseitigen Aufgabe der Sozialdemokratie ist. Nach der Besprechung gab Knudsen der sozialdemokratischen Fraktion Kenntnis von dem Inhalt der Unterredung. Die Fraktion faßte alsdann folgenden Beschluß:2 „Da das parlamentarische System durch die jetzige Wahlkreiseinteilung verfälscht und auf die Dauer unmoglich gemacht wird, erklärt die Fraktion die Reform der Wahlkreisordnung für die wichtigste Frage des Augenblicks. Sie verlangt daher, daß sie vor der nächsten Folkethingswahl in Angriff gen und gelöst wird.“ Frankreich. „kommen ac. Geschworene gegen die religiöse Eidesformel. Die Geschworenen des franzosischen Departements Yonne haben folgenden Beschluß gefaßt: „Da das Wort„Gott“ in der den Geschworenen durch Artikel 312 der Strafprozeßordnung auferlegten Schwurformel das Gewissen vieler Bürger verletzt, die sich von jedem Gottesglauben freigemacht haben; da diese Bürger zwar, um dem Gesetze zu genügen, den Eid leisten, aber sich doch dabei in ihrem Gewissen bedrückt fühlen; da endlich die Beseitigung des Wortes„Gott“ aus der EidesGrun* der(durch forme in.###de genommen nur eine Konsequenz der(durch das Trennungsgesetz herbeigefuhrten) Beseitigung der Kruzifixe aus den Gerichtssalen ist, so fordern wir die Tilgung des Wortes„Gott“ aus der getzlich segrichen Eidesformel für Geschworene und bitten den Herrn Ministerprasidenten, die einleitenden Schritte zu tun, damit die von uns angeregte Reform verwirklicht werde.“ Da kann ja Briand gleich mal zeigen, was für ein„radikaler" und tüchtiger Kerl er ist.... Rußland. R. B. Potemkinsche Dörfer. Der russische Minister des Auswärtigen, Iswolski, der gegenwärtig den Zaren auf seiner Europareise begleitet, hat den Vertretern der Pariser Bourgeoispresse in Cherbourg seine Offenbarungen über die internationale Lage Rußlands verkündet. Der Commis voyageur der russischen auswärtigen Politik ist nicht nur vom Charakter dieser Politik vollkommen befriedigt, er macht auch aus der Not eine Tugend und preist selbst die eklatantesten Mißerfolge Rußlands als einen Erfolg der außerordentlichen„Friedensliebe“ der zarischen Regierung. Namentlich legt die bosnische Frage, rst de die zuerst dank der Haltung Rußlands zu einer ernsten Gefahr ab,„bis wohin die Friedensliebe Rußlands gehen konnte". Die feige Furcht, in einen ruhmlosen Krieg hineingezogen zu werden und die Verantwortung für die Kriegshetzereien am Balkan tragen zu müssen, verwandelt sich hier in ein glorreiches Verdienst um die Erhaltung des europäischen Friedens... Weit mehr Beachtung verdienen die Aeußerungen Iswolskis über die persische Frage. Es entspricht vollkommen dem Charakter der auswärtigen Politik der russischen Kontrerevolution, wenn sie sich für die diplomatischen Niederlagen, die sie sich nach dem Zusammenbruch im japanischen Kriege und im Innern in Europa geholt hat, gegenüber einem schwacheren Gegner zu entschädigen sucht. Gezwungen, eine„friedliebende“ Politik am Valtan zu fahren, wendet sie sich mit verdoppelter Energie gegen Persien, das dank des englisch=russischen Vertrages ihren rauberischen Gelüsten ausgeliefert ist. Sie tut das um so eher, als sie hierbei die Unterstützung der kapitalistischen Bourgeoisie findet, die von der Eroberung auswärtiger Märkte und der Wiederherstellung des ramponierten Prestiges Rußlands träumt. Aber auch hier sieht sich die zarische Regierung gezwungen, ihre Gelüste zu zügeln und nur schrittweise vorzue e Ver bech en üeeer Gerherenr chren#en würde, vor der ganzen„Welt eines flagranten Gewaltreiches uverfuhrt sein wurde. allerdings hatte sie das bei der ggten Krise in Persien keineswegs abgebalten, Nordpersien zu kkupieren, wenn sie gewagt hätte unverzüglich den Kampf otlupieren, wenn K. geur„allt, unt.„zag““, den Kampf gegen das persische B.o###### der bei### aue inneren Streitigleiten Volk aufzunehmen, das, aue inneren Streitigteiten vergessend, die Tschehab, den heitigen Krieg, gegen den fremdländischen Eroberer proklamiert hatte. Diesem Umstande ist es — lage klingt es wie blutiger Hohn, wenn Herr Iswolski nun erklart, die persische Krise sei dank dem Einschreiten der russischen Truppen so rasch gelöst worden. Rußland habe Täbris gerettet, aber darauf verzichtet(!), in Teheran einzuziehen. Wegen der künftigen Politik Rußlands in Persien äußerte sich Herr Iswolski, daß es der„innigste Wunsch“ der russischen Regierung sei,„sich nicht in die inneren Angelegenheiten Persiens einmischen zu müssen". Diese Eventualität scheint aber in dem Bereiche der direkten Berechnungen der russischen Diplomatie zu liegen. Wenigstens berichtet die offiziose„N in den —„Nowoje. maßgebenden dipiomatischen ge Wremja, daß man sie Kreisen gegenüber der Lage in Persien sehr pessimistisch verhalte und schon jetzt„entsprechende“ Maßregelen ergreife. Die russischen Truppen würden aus Persien nicht abberufen werden, solange dort nicht völlige Ruhe herrsche und die Interessen Rußlands nicht vollkommen geschützt seien. Aber auch dann würde die russische Regierung eine Abteilung von 1600 Mann zum Schutz der Enseli=Teheraner Straße zurücklassen. Ferner sei es sehr möglich, daß sie jetzt eine Strafexpedition nach Ardabil entsenden werde, wo die Interessen des russischen Handels durch Räuber bedroht seien. Es kann nach alledem kein Zweifel herrschen, daß die auswärtige Politik Rußlands nach den frommen„friedliebenden“ Versicherungen Iswolskis ihren bisherigen Charakter beibehalten wird. Die Freundschaftsbande mit den europäischen Regierungen, die der Zar gegenwärtig fester knüpft, werden ihm nur noch die Bahn ebnen, eine rauverische Politik nicht bloß seine rauberische Politik nit im Inneren sortzusetzen. Die Quittung für das Fraternisieren der europäischen Regierungen mit dem Hänge=Zaren wird bald präsentiert werden— trotz der Schönredereien seiner Handlanger. R. B. Die Englandreise des Zaren. Im Lager der russischen Liberalen herrscht eitel Freude und Hoffnungsseligkeit. Die kurze Erwähnung des Besuches der Dumamitglieder in der Antwortrede des Zaren dient für die russische liberale Presse als offizielle Bestatigung des russischen Konstitutionalismus. Die„Petersburger Börsenzeitung schreibt, daß der Zar dadurch bestätigt habe, daß Rußland ein konstitutioneller Staat sei. Und das Kadettenblatt Retsch sieht die wichtigste Eigenschaft des Zarenbesuches darin, daß er zum ersten Male als konstitutioneller Monarch in Europa erschienen sei. Nichts charakterisiert so sehr den Tiefstand und die Verkommenheit des russischen Liberalismus, als diese knechtselige Freude über den „Erfolg“ der Europareise des Hange=Zaren. Es entspricht zwar vollkommen dem ganzen Charakter der auswärtigen Politik des russischen Liberalismus, daß sie durch einen engeren Anschluß an Frankreich und England den reaktionären Einfluß Preußen=Deutschlands auf die russische innere Politik abzuschwächen sucht. Aber es bedarf der ganzen Kurzsichtigkeit und Verranntheit der Führer der russischen Liberalen, um die auswärtige Politik des Zarismus von einem solchen Standpunkt zu behandeln. Die russische auswärtige Politik trägt alle Anzeichen einer opportunistischen Raubpolitik. Sie unterhält unentwegt die traditionellen freundschaftlichen Beziehungen mit Preußen=Deutschland, und exploitiert den deutsch=englischen Gegensatz, um durch ein Zusammengehen mit England eine aggressive Politik in Mittelasten zu führen. Sie fühlt sich eins mit der Junkerkaste, die Preußen=Deutschland regiert, und inszeniert eine pseudo=konstitutionelle Komödie, um den englischen und französischen Kapitalisten um so eher das Geld aus vor allem zuzuschreiben, daß die russische megierung ihren Schützling, den persischen Schah, opferte, den Vormarsch gegen Teheran einstellte und der Neuordnung der Dinge in Persien vorläufig keinen offenen Widerstand entgegensetzte. Angesichts dieser SachUnter diesen Bedingungen ist es der Regierung nur willkommen, wenn sich die russischen Liberalen vor ihren Wagen spannen. Das Leibblatt Stolypins,„Rossija“, das stets einen wütenden Kampf gegen die Kadetten führt, pries den Kadettenführer Miljukow als nationalen Heros, weil er bei seinem letzten Aufenthalt in England als Mitglied der Delegation der russischen Dumaabgeordneten eine patriotische Rede hielt und die russische Regierungspolitik vor der öffentlichen Meinung Englands verteidigte. Was schert sich Stolypin um die konstitutionellen Floskeln, mit denen die Kadetten ihre Reden verbrämen. Ihm ist es nur darum zu tun, daß er im Innern freie Hand behält, und darum ist es ihm doppelt willkommen, wenn die russischen Liberalen ihm ihre Unterstützung leihen, um die russische Regierung im Auslande zu rehabilitieren und die Abschließung neuer Anleihen zu erleichtern. Diese Politik der russischen Regierung wird grell illustriert durch die Haltung der Regierungsparteien. Die äußerste Rechte plaudert zwar zu viel aus der Schule und bereitet durch ihre heftigen Ausfälle gegen England und Frankreich der Regierung zuweilen unangenehme Minuten. Aber dem Wesen nach fühlt sich die Regierung mit der äußersten Rechten, die den Junkerstaat Preußen mit den glühendsten Farben preist, vollkommen solidarisch. Etwas vorsichtiger ist die Haltung der„maßgebenden“ Oktobristenpartei. Diese Partei mochte un keinen Preis in Deutschland anstoßen, aber sie betrachtet es im Interesse des russischen Kapitalismus, im Interesse einer aggressiven auswärtigen Politik als notwendig, die Tripelentente aufrecht zu erhalten. Aus Anlaß der Englandsreise des Zaren schreibt das Zentralorgan der Oktobristen„Golos Prawdy“, daß sich die Annäherung an England gegen niemand in Europa richte, und läßt durchblicken, daß diese durch die Not hervorgerufene Annäherung nicht von Dauer sein werde. Und das Organ der Moskauer Kapitalmagnaten, der oktobristische„Golos Moskwy", weist unzweideutig darauf hin, daß Rußland die Annäherung an England suche, um den Ueberschuß der Kapitalien, den England besitzt, nach Rußland zu ziehen, wo das englische Kapital, das, dank der Kontrolle der russischen Volksvertretung, vollkommen gesichert sei, die Produktivkräfte des Landes heben und zugleich den Engländern einen guten Profit sichern könnte. Hier liegt der Hund begraben. Die„Realpolitiker“ in den Reihen der russischen Großindustriellen und Großkaufleute scheren sich * teufelswenig darum, ob der Zar und Konig * Ed A#. Sduard die Duma erwähnen. Ihnen ist es darum zu tun, daß die englische Regierung die russische Raubpolitik in Persien unterstützt, und daß die englische Bourgeoisie ihre letzten Bedenken aufgibt, ihre Kapitalien in Rußland anzulegen. In dieser Beziehung hat Zar Nikolaus gezeigt, daß er trotz seines absoluten„Gottesgnadentums“ gelernt hat, die materiellen Interessen der vaterländischen Bourgeoisie zu verteidigen. Als ihm die Deputationen der Handelskammern von London und Liverpool Willkommenadressen überreichten, sprach er die Ueberzeugung aus, daß die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und England eine Förderung erfahren würden durch die jüngst erfolgte Bildung einer russisch=britischen Handelskammer in Petersburg und einer russischen Sektion der Londoner Handelskammer. Im Anschluß an die Englandsreise des Zaren verdient noch folgendes Moment Beachtung. Wie dem„Berliner Tageblatt aus London gemeldet wurde, soll der Zar, um das Mißtrauen der englischen Bevölkerung zu zerstreuen, auf seiner Jacht einen Erlaß unterzeichnet haben, nach dem mehrere Hundert politische„Verbrecher" begnadigt worden sind. Offiziell ist diese Mitteilung noch nicht bestätigt worden. Aber auch wenn sie sich bestätigen sollte, bedeutet die Begnadigung einiger Hundert Personen nicht viel, denn in den Kerkern des Zaren schmachten gegenwärtig nach den offiziellen Angaben der Hauptgefängnisverwaltung ca. 200000 Gefangene. Immerhin würde dieser Akt einer gewissen Pikanterie nicht entbehren und auf den Charakter der russischen auswärtigen Politik grelle Schlaglichter werfen. Nikolaus II., der die Amnestieforderung der ersten Duma, die vom ganzen Volke, von der ganzen zivilisierten Welt unterstützt wurde, damit beantwortete, daß er die Zahl seiner Kriegsgefangenen seitdem verdoppelte, sucht nun die heftige Agitation der freiheitlich gesinnten Kreise des englischen Volkes dadurch zu entkräften, daß er einen geringen Bruchteil seiner Gefangenen aus dem Gefängnis befreit. Man sieht, der Zar hat von der heuchlerischen europäischen Bourgeoisie schon genügend gelernt und versteht es ausgezeichnet, nicht bloß auf die Profitwut der kapitalistischen Klassen, sondern auch auf die Leichtgläubigkeit der breiten Massen des Volkes zu spekulieren. R. B. Die Schutzlosigkeit beutscher Reichsangehöriger in Rußland. Am 16. Mai v. J. wurde der deutsche Reichsangehörige Thrun nebst seinem Schwager Ogniwenko nach einer Haussuchung, die von total betrunkenen Polizisten und Gendarmen offizier entfernten sich sofort, während die Polizisten die Leichen der Ermordeten nach dem nächsten Friedhof brachten. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß sie ohne jeden Anlaß errdet worder morder worden waren. Obgleich seitdem mehr als ein Jahr verstrichen, hörte man von dieser Angelegenheit nichts. Die örtliche offizielle Zeitung begnügte sich damit, den Mord mit dem in Rußland ublichen Hinweis zu entschuldigen, daß die Verhafteten bei einem Fluchtversuch erschossen wurden. Das war die einzige Konzession, die die Administration der öffentlichen Meinung in Deutschland schuldig zu sein glaubte. Nun wird aus Jekaterinodar mitgeteilt, daß der Polizeikommissar Golowko, der inzwischen zum Gehilfen des Polizeimeisters avanciert ist, nebst zwei Schutzleuten auf Verfügung der Gerichtsbehörden verhaftet worden sind. Die Verhaftung steht in Verbindung mit der Ermordung Thruns und Ogniwenkos. Es hat also langer als ein Jahr gedauert, ehe die Schuldigen zur Verantwortung gezogen wurden. Es ware interessant zu erfahren, welche Schritte die deutsche Regierung in dieser Angelegenheit getan hat und ob es ihr nicht möglich gewesen ist, die Untersuchung in diesem Falle zu beschleunigen. Spanien. Die Wahrheit über Barcelona. Wir lesen in einem Madrider Telegramm der„Kölnischen Zeitung": republikanische Abgeordnete Sol y Ortega, dessen Glaubwürdigkeit nicht zweifelhaft ist, ist von Barcelona hier eingetroffen und berichtet, daf die Sensationsnachrichten englischer und französischer Blätter über die Greuel erlogen seien. Es sind keine standrechtlichen Erschießungen vorgekommen, das Volkshaus sei auch nicht zusammengeschossen worden. Die Bewegung habe keinen separatistischen Charakter getragen, auch habe sich keine vorläufige Regierung gebildet.„Ich bin“, sagte er,„mit Ausnahme eines Tages alle Tage ausgegangen, und also Augenzeuge der Ereignisse und kann versichern, daß weder bei dem Aufruhr noch bei dessen Unterdrückung die„Greuel“ stattgefunden haben, die gewissenlose Leute erfunden haven. Es war ein revolutionarer Aufstand, wegen seiner Dauer und der Verluste an Menschenleben schwerer als die früheren, aber weiter nichts. Zwei Tage lang waren die Aus- oder Aufständischen die Herren der Stadt. Es ist kein Raub und kein Mord, keine Gewalttat begangen worden, ausgenommen die Angriffe gegen die Klöster, Kirchen und kirchliche Anstalten. Aber auch keine Klosterleute sind getötet, geschlagen oder vergewaltigt worden. Die Angaben über die Verbrennung von Nonnen sind völlig erlogen, im Gegenteil: das Volk glaubte sie zu befreien, indem es sie zwang, ihre Klöster zu verlassen. Erst als die Klöster geräumt 1, legten die Angreifer Feuer an. waren, Da das Volk hierzulande glaubt, daß die Nonnen in den Klöstern vielfach eines gewaltsamen Todes sterben, lebendig vermauert werden usw., setzte die Entdeckung von Kirchhöfen innerhalb der Klostermauern die Einbildungskraft und die Neugier in Bewegung, so daß einige Gräber geoffnet wurden. Man fand dann Leichen mit zusammengebundenen Beinen, wie es angeblich Klosterbrauch sein soll, und glaubte, darin einen Beweis für seine schlimmen Vermutungen zu finden. Der Anblick der Stadt flößte natürlich Schrecken ein. Die Häuser waren geschlossen, es herrschte ein tragzsches Schweigen, das nur durch Schüsse unterbrochen wurde. Wber außer achtunddreißig Kirchen und Klostern ist tatsächlich nur eine Likorfabrik, aus der die Eigentümer, Mönche, auf die Menge feuerten, zerstört. Sonst zeigte nur ein Gebäude Spuren von Artilleriegeschossen. Die Zahl der Gefangenen auf der Feste Moutjuich beträgt 412, in der Stadt sind 101. Die Zahl der Toten erreicht sicherlich nicht hundertfünfzig, und die der Verwundeten nicht funfhundert. Die Frauen zeigten di größte Widerstandslust und führten die Manner in den Kampf. Dem Heere wurde stets Beifall zugerufen. In einigen Orten bildeten sich Revolutions=Ausschüsse, in dem Glauben, daß in Barcelona die Republik erklärt sei.“ Der Krieg mit Marokko. Melilla, 8. August. Der Kreuzer„Estremadura“ bombardiert andauernd die Uruguschlucht, auch seitens der Forts werden die marokkanischen Stellungen fast andauernd beschossen. Man erwartet, daß die Spanier in den allernächsten Tagen zur Offensive übergehen und de mach dem Feldzuge mit einem Schlage ein Ende machen werden. Türkei. Die Kretafrage. Konstantinopel, 8. August. Die Botschafter der Schutzmächte werden heute der Pforte die Mitteilung machen, daß sie die Demarche in Athen mißbilligen und daß sie entschlossen sind, jede kriegerische Verwicklung mit allen Mitteln zu verhindern. Um diesem Schritt der Schutzmächte mehr Nachdruck zu verleihen, wird, wie verlautet, in den nächsten Tagen eine englische Flotte in der Sudabai erscheinen. Wie es heißt, wird auch Oesterreich=Ungarn, welches sich vollständig mit dem Vorgehen der Schutzmächte einverstanden erklärt haben soll, ein Eskadre in den Piraus entsenden. Konstantinopel, 8. August. Die ottomanische Regierung hat angesichts der Erregung der Bevölkerung über die Kretafrage das jungtürkische Komitee ersucht, auf eine Beruhigung der Gemuter hinzuwirken. Gestern abend fand in Salonikt eine große Protestversammlung gegen die Haltung der Regierung in der Kretafrage statt, an der sich etwa 15000 Personen beteiligten. Aus allen Teilen Mazedoniens waren Delegierte eingetroffen. Es gelangten zahlreiche Telegramme aus Provinzstadten zur Verlesung, worin sich die Bevolkerung mit den Versammelten solidarisch erklärt in dem Bestreben, eine Annexion Kretas durch Griechenland zu verhindern. Nach in acht verschiedenen Sprachen gehaltenen Reden gelangte eine Tagesordnung fur Annahme, in der dringend die Lösung der kretischen Frage entsprechend den nationalen türkischen Rechten verlangt und jeder Staatsmann der bürgerlichen Rechte verlustig erklärt wird, der den berechtigten Wünschen der Nation keine Rechnung tragt. Dieser Beschluß wurde den vier Schutzmächten, dem Großwesirat, der türkischen Kammer und dem Senate, sowie der hiesigen griechischen Gesandschaft zur Kenntnis Saloniki, 9. August. In Prissiwitza wurden von Albanesen 3 Griechen getötet und ein griechischer Priester lebendig verbrannt. In vielen anderen Ortschaften Albaniens ereigneten sich infolge der Erregung wegen Kreta Mordtaten von Albanesen gegen Griechen. Japan. ac. Tolstoi verboten! Schon öfter konnte man in der letzten 4#n, Daxungder Gesteger vinpignes, suli, einen Zeit, konstatieren, daß Japan, der Besieger Rußlands, statt einen frischen, freien Zug durchs Land weyen zu lassen, von Regierungs wegen vermuckert und verdüstert wird, ja daß es Anschauungen und Verwaltungs=Methoden direkt aus Rußland importiert! „Das Neueste auf diesem Gebiete ist ein Zensurstücklein, das die japunische Regierung vom heiligen russischen Synod übernommen zu haben scheint. Tolstois Werke sind in Japan verboten worven! Sie dürfen weder im Lande selber herausgegeben, noch aus dem Auslande eingeführt und in Japan verkauft werden. Sämtliche Exemplare Tolstoischer Werke, die ir Japan vorhanden sind, sollen vernichtet werden! Dieses russisch=japanische Zensurstücklein wird damit„begründet“, daß Tolstois Werke dazu angetan seien, die—“ anwandten, als sie sich des anheanemen mraisen aten Aiwene“ entledigen wünschteruu geren Sokrates## Eigenärtige M Polizeiverwaltung für eine Vereinfa waltung zu erhalt arbeiter ist in ein aus ihrer Kenntni zur Geschäftsvere forderung gesagt Lage sei, innerhal Damit möglichst und damit sich au sprechen, wird be nennung in eine umschlage einzurei werden Vergutung werden. Aus der — Die proleta 11. August, nachm Kreissparkasse. E— Das gesamt tag, 10. August, al Garten des Hotel Walzer- und Oper liebtesten Kompon Lincke, Fall, Lehär — Bielefelder wird uns geschriel Schauspiel mit Gals Volksvorstellun tag geht„Der Pf. von L. 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Privatpersonen Schutz dieses Geset kannt gemacht wor Militärverwaltung Festgenomr 2 Frauenspersoner wurden in Schutzha linge. 3 obdachlo Unterkunft. Erhebliche 5,30 Uhr die Ehef sie beim Feueranzü gossen hatte, zu na städtischen Kranken Bielefeld. Verb " arbeiter. 1„Zentralhall — Metallarb abends 6½ Kollegen Pe Gütersloh. Gew abends 8½ Ahlen. Mittwoch, zur Gründu Eine Konfer Lüdinghausenfeld und die gestern, Sonn stimmigen Beschlu Westlichen Westfal Kreise vom Bezir die Erfahrung be Warendorf aktuell Die wirtschaftli den immer mehr nissen zu, wie herrschen, weshalb praktisch erwies. falen wird mit d Regelung dieser 2 Der Sozialden hielt gestern in§ Beschickung von d im Kreise Zeugni die Bielefelder Re und die Steuerver falls an. 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An alle städtischen Beamten und Hilfsarbeiter ist in einem Rundschreiben die Aufforderung gerichtet, aus ihrer Kenntnis der Verhältnisse heraus geeignete Vorschläge zur Geschäftsvereinfachung zu machen, da, wie in der Aufforderung gesagt wird, jeder einzelne der Angestellten in der Lage sei, innerhalb seiner Tätigkeit Erfahrungen zu sammeln. Damit möglichst viele Beamte und Angestellte sich beteiligen, und damit sich auch niemand scheut, seine Ansicht offen auszusprechen, wird bestimmt, daß die Vorschläge ohne Namensnennung in einem mit einem Kennworte versehenen Briefumschlage einzureichen sind. Für die zweckmäßigsten Vorschläge werden Vergutungen in Höhe von 20 bis 100 Mark gewährt werden. Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 9. August. — Die proletarische Jugend versammelt sich am Mittwoch, 11. August, nachmittags 3 Uhr, zu Ausflug und Spiel an der Kreissparkasse. Es wird um pünktliches Erscheinen gebeten. — Das gesamte Städtische Orchester veranstaltet am Dienstag, 10. August, abends 8½ Uhr, ein großes Streichkonzert im Garten des Hotels„Kaiserhof“. Auf vielseitigen Wunsch ein Walzer= und Operetten=Abend. Es kommen nur Stücke der beliebtesten Komponisten, wie Strauß, Suppé, Millöcker, Zeller, Lincke, Fall, Lehär usw. zur Vorführung. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Auf vielfachen Wunsch wird heute das Schauspiel mit Gesang„Muttersegen“ noch einmal und zwar als Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen aufgeführt. Dienstag geht„Der Pfarrer von Kirchfeld“, Volksstück mit Gesang von L. Anzengruber, am vorigen Donnerstag mit kolossalem Erfolge aufgeführt, zum zweiten Male in Szene.— Wir weisen jetzt schon auf das am nachsten Donnerstag stattfindende Benesiz des außerordentlich beliebten jugendlichen Komikers Max Caro, der sich den urkomischen Schwank„Charleys Tante" und den Einakter„Ich heirate meine Tochter auswahlte, hin. — Standesamt der Stadt Bielefeld. Im vergangenen Monat wurden 165(180) Geburten und 68(59) Sterbefälle einschl. 9(2) Totgeburten angezeigt. Ehen wurden 34(49) geschlossen und Aufgebotsanträge 44(40) gestellt. Von den Lebendgeborenen waren 84(91) männlichen und 81(89) weiblichen und von den Verstorbenen 35(34) männlichen und 33(25) weiblichen Geschlechts. Von den Verstorbenen standen 15(15) Personen im ersten Lebensjahre, 4(10) zwischen ein und fünf, 4(5) zwischen fünf und zwanzig, 5(7) zwischen zwanzig und vierzig, 14(9) zwischen vierzig und sechzig Jahren. Ein Alter hierüber hinaus wurde von 7(11) Personen erreicht.— Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf Juli 1908. — Polizeibericht. Wildschonzeit. Im Regierungsbezirk Minden endigt in diesem Jahre die Schonzeit für Rebhühner, Wachteln und schottische Moorhühner mit Ablauf des 31. 8. Für das Birk=, Hasel= und Fasanenwild(Hähne und Hennen) bleibt in diesem Jahre als Endpunkt der Schonzeit der gesetzliche Termin(15. 9.) bestehen. Anschließend hieran wird gleichzeitig auf die Bestimmungen des Gesetzes betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege vom 28. 5. 94 aufmerksam gemacht. Diese lauten: § 1. Die Vorschriften der Landesgesetze, nach welchen das Recht, Tauben zu halten, beschränkt ist, und nach welchen im Freien betroffene Tauben der freien Zueignung oder der Tötung unterliegen, finden auf Militärbrieftauben keine Anwendung. " Dasselbe gilt von landesgesetzlichen Vorschriften, nach welchen Tauben, die in ein fremdes Taubenhaus übergehen, dem Eigentümer des letzteren gehören. § 2. Insoweit auf Grund landesgesetzlicher Bestimmungen Sperrzeiten für den Taubenflug bestehen, finden dieselben auf die Reiseflüge der Militärbrieftauben keine Anwendung. Die Sperrzeiten dürfen für Militärbrieftauben nur einen zusammenhängenden Zeitraum von höchstens je zehn Tagen im Frühjahr und Herbst umfassen. Sind langere als zehntagige Sperrzeiten eingeführt, so gelten für Militärbrieftauben immer nur die ersten zehn Tage. § 3. Als Militärbrieftauben im Sinne dieses Gesetzes gelten Brieftauben, welche der Militär=(Marine=)Verwaltung gehören oder derselben gemäß den von ihr erlassenen Vorschriften zur Verfügung gestellt und welche mit dem vorgeschriebenen Stempel versehen sind. Privatpersonen gehörige Militärbrieftauben genießen den Schutz dieses Gesetzes erst dann, wenn in ortsüblicher Weise bekannt gemacht worden ist, daß der Züchter seine Tauben der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt hat. Festgenommen wurden 4 Personen wegen Trunkenheit; 2 Frauenspersonen, die sich der Fürsorgeerziehung entzogen, wurden in Schutzhaft genommen, desgl. 2 mannliche Fürsorgezöglinge. 3 obdachlose Wanderer erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Erhebliche Brandwunden erlitt heute morgen gegen 5,30 Uhr die Ehefrau N., Hermann=Deliusstraße, dadurch, daß sie beim Feueranzünden dem Feuer, in welches sie Petroleum gegossen hatte, zu nahe kam! Sie wurde von der Feuerwache dem städtischen Krankenhause zugeführt. Bielefeld. Verband der Schneider und Wäsche" arbeiter. Montag, 9. August, abends 8½ Uhr, in der „Zentralhalle": Versammlung der Maßschneider. — Metallarbeiter=Verband. Dienstag, 10. August, abends 6½ Uhr, in der„Zentralhalle": Vortrag des Kollegen Pawlowitsch=Solingen über Ludwig Börne. Gütersloh. Gewerkschaftskartell. Dienstag, 10. Aug., abends 8½ Uhr, bei Klau. Ahlen. Mittwoch, 11. August, abends 8½ Uhr: Versammlung zur Gründung eines Arbeiter=Turnvereins Eine Konferenz der drei Lüdinghausen=Beckum=Warendorf, Münster=Coesfeld und Teckleuburg=Steinfurt=Ahaus, die gestern, Sonntag, in Münster stattfand, faßte den einstimmigen Beschluß, die drei Kreise dem Agitationsbezirk des Westlichen Westfalens anzugliedern. Die Abtrennung der drei Kreise vom Bezirk Oestliches Westfalen war namentlich durch die Erfahrung bei der Nachwahl in Lüdinghausen=BeckumWarendorf aktuell geworden.„„ Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Kreise neigt sich durch den immer mehr vordringenden Bergbau mehr den Verhältnissen zu, wie sie im Bezirk des Westlichen Westfalen vorherrschen, weshalb sich eine Abtrennung aller drei Kreise als praktisch erwies. Der offizielle Anschluß an das Westliche Westfalen wird mit dem 1. Januar 1910 vollzogen. Möge diese Regelung dieser Bewegung recht viele Vorteile bringen. Sozialdemokratische Verein für Herford=Halle hielt gestern in Herford seine Generalversammlung ab, deren Beschickung von dem erfreulichen Fortschritt der Organisation im Kreise Zeugnis ablegte. Die Generalversammlung nahm die Bielefelder Resolutionen betreff. die Arbeitsruhe am 1. Mai und die Steuerverweigerung durch Boykott des Schnapses ebenfalls an. Auch in bezug auf die Beitragserhöhung stellte sie sich auf den Boden des Bielefelder Antrags. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt, hinzugewählt wurden die Genosten Püster, Hildebrand und Schmidt. Arbeiterentlassungen im Tabakgewerbe. Die Firma Bruns in Eisenach entläßt zum 15. August ihre sämtlichen in der Filialfabrik Langenselbold beschäftigten 31 Arbeiter. Die Firma Strauß(Sitz Mannheim) hat ihren sämtlichen 50 Arbeitern der Filialfabrik in Michelbach(Bayern) zam 15. August gekündigt. Der Zigarrengroßindustrielle Schick in Frankenberg in Sachsen hat seinen sämtlichen 150 Heimarbektern ebenfalls zum-15. August gekündigt. Wie von den Sozialdemokraten ganz richtig vorausgesagt wurde, sind es in erster Linie die Heimarbeiter und die in den ländlichen Filialbetrieben beschäftigten Arbeiter, die mit dem Inkrafttreten der Steuer sofort brotlos werden. Diese eine sozialdemokratische Prophezeiung hat sich erfüllt, und auch die andere wird in Erfüllung gehen, daß nämlich die von Giesberts großmütig zur Bewilligung gebrachte Summe von 4 Millionen Mark zur Entschädigung der brotlos werdenden Tabakarbeiter einen Tropfen auf einen heißen Stein darstellen. " d. Jöllenbeck, 9. August. Unnötigerweise in Sch weiß gelaufen hat sich gestern morgen der seit einiger Zeit hier stationierte Gendarm. Parteigenossen von Gellershagen waren am Flugblattverteilen und diese Tätigkeit machte dem eifrigen Beamten anscheinend schwere Sorge. Endlich hatte er die Uebeltäter gestellt— aber diese Kerle kannten ihre„Instruktion“ so gut, daß sie sich jede Störung ihrer Arbeit einfach verbaten.„Wenn Sie über die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften nicht orientiert sind, dann fragen Sie einmal den Polizeidiener Kindermann in Jöllenbeck, dem stehen in dieser Sache Erfahrungen aus früheren Jahren zur Seite“ rieten unsere Genossen dem Gendarmen. Dieser ließ sich schließlich belehren und zog ab, aber nicht ohne die Versicherung zu geben, daß er sich an zuständiger Stelle genau erkundigen werde.— Ist es nicht geradezu unerhört, daß Polizeibeamte stationiert werden, die nicht einmal über die allereinfachsten Dinge instruiert sind? In diesem einen Falle wird ja der Beamte zweifellos die nötige Instruktioa bekommen, in einem Dutzend anderer Fälle aber wird er wieder genau so hilflos dastehen, wie diesesmal. Wie wäre es, wenn sich die Beamten durch unsere Vermittlung die notwendigen Kenntnisse aneigneten? Wir wären bereit, unsere freie Zeit für diesen Zweck zu opfern. st. Altenhagen, 9. August. Eine gutbesuchteöffentliche politische Versammlung fand hier gestern nachmittag statt. Reichstagsabgeordneter Severing referierte über die politische Lage und die neuen Steuern. Lebhafter Beifall lohnte seine Ausführungen. Gegner meldeten sich trotz wiederholter Aufforderung nicht zum Wort. Dafür ist in wenig mutvoller Weise von geistlicher Seite versucht worden, uns das Lokal abzutreiben. Den Ausführungen unserer Redner vermögen diese Herren nichts entgegenzuhalten, trotzdem ist ihnen die Aufklärung der arbeitenden Bevölkerung über die politischen und wirtschaftlichen Zustände und über die Handlungsweise der soegenannten christlichen Parteien ein Greuel. Das Volk soll eben nach ihrer Ansicht— und die besteht darin, daß sie als Diener der herrschenden Klassen deren Geschäfte zu besorgen haben—, in Dummheit erhalten bleiben, damit es für alle Zeiten sich geduldig zu Nutz und Frommen der besitzenden Klassen ausbeuten läßt. Aber der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht, und so wird auch die Lammesgeduld des deutschen Michels einmal ein Ende nehmen, trotz aller feigen Versuche, uns die Versammlungslokale abzutreiben. * Steinhagen, 7. August. Cyristliches. Hier sollte heute abend eine öffentliche christlich=soziale Versammlung abgehalten werden. Als Referent war Herr Wilh. Wallbaum aus Bethel genannt. Wegen zu schwachen Besuchs konnte die Versammlung nicht abgehalten werden, so erklärte der Einberufer, und Herr Wallbaum hatte keine Zeit, er mußte pünktlich wieder zurück sein, so ließ dieser erklären. Wir sind der Meinung, daß die Christlichen schon schlechter besuchte Versammlungen abgehalten haben. Wir glauben, daß diese Versammlung nicht abgehalten wurde, hatte wohl auch seinen Grund darin, daß einige Genossen aus Bielefeld anwesend waren, welche die Ausführungen des Referenten Wallbaum anhören wollten. Denn eine Diskussion hätte es nicht gegeben, so erklärte der Einberufer in persönlicher Unterhaltung. In der persönlichen Aussprache konnten wir dann auch so recht die Wahrnehmung machen, daß die christlich=sozialen Mitglieder es gern sehen, wenn auch von andrer Seite mal in ihren Versammlungen gesprochen wird. Uns haben mehrere ihren Unwillen ausgesprochen, daß sie so ängstlich devor behütet werden, mal eine andre Meinung zu hören. Soviel haben wir in Erfahrung bringen können, daß die christlich=sozialen Mitglieder auch im Kreise Halle nicht mehr willenlos den Machern in der Partei Gefolgschaft leisten werden. Herr Wallbaum aber, das lehrt der Vorgang, befindet sich immer noch auf der Flucht vor uns. -o- Salzuflen, 8. August. Eine Volksversammlung tagte Sonnabend im Lokale des Herrn Kaiser. Schreck=Bielefeld referierte über die Wirkung der neuen Steuern und die Aufgaben des Proletariats. Redner forderte die anwesenden 250 Personen auf, als wirksamsten Protest die Organisationen des Proletariats zu stärken. Lebhafte Zustimmung fand die Aufforderung, von jetzt ab jeglichen Schnapsgenuß zu vermeide n. * Bünde. Arbeiter=Sänger=Bund, Bezirk 4. Mittwoch, 11. August, abends 9 Uhr, Bezirksprobe bei Weller. Da dies die letzte Chorprobe vor dem Gaufeste ist, muß alles, auch der Gesangverein Hunnebrock, vollzählig vertreten sein. * Soest, 8. August. Möhnetalsperre. Vom Vorstande des Ruhrtalsparren=Vereins, der seinen Sitz in Essen hat, waren die Arbeiten zur Herstellung der Sperrmauer der im Kreise Soest auszuführenden Möhnetalsperre öffentlich ausgeschrieben worden. Bei dieser Talsperre handelt es sich um rund 290000 Kubikmeter Mauerwerk bei einem Stauinhalt von 130 Millionen Kubikmetern. Auf diese Arbeiten sind, wie wir der„Ry.=W. Zeitung" entnehmen, zehn Angebote eingegangen. Wie aus nachstehender Zusammenstellung hervorgeht, ist der Preisunterschied ein sehr bedeutender: Hermann Kötz=Hattingen 1432411 Mark, A. Diehl=Essen 2 236 628,50 Mark, Liesenhoff=Dortmund 2 406 262 Mark. E. Jüngst=Hagen 2242 488 Mark, LeppinIserlohn 2907460 Mark, Kuster=Hannover 2927429 Mark, Siebold u. Co.=Holzminden 2935139 Mark, Aktiengesellschaft Hoch- und Tiefbau Frankfurt a. M. 3239 469 Mark, Ph. Holzmann u. Co.=Frankfurt a. M. 4053991 Mark, A. MüllerMannheim 4 107030 Mark. Für die im Gebiete der Möhnetalsperre liegenden Ortschaften Delecke und Kettlersteich wird der 11. August d. J. ein Tag von großer Wichtigkeit. Er legt gewissermaßen den Schlußstein für zwei blühende Gemeindewesen, die bald in der zetzigen Gegend aufhören zu existieren. Auf den Vormittag 9½ Uhr ist in der Wirtschaft Fritz Grothe zu Delecke ein Termin behufs Abschätzung der zur Anlage der Möhnetalsperre zu enteignenden Grundflächen beider Gemeinden anberaumt. 138 Parzellen in verschiedenen Größen, von 0,04 bis 325 Ar sollen enteignet werden, nachdem bereits in früheren Enteignungsterminen als auch durch freiwilligen Verkauf die anderen Grundstücke an den: Ruhrtalsperren=Verein abgetreten sind. Eine ganze Anzahl seit uralten Zeiten hier ansässiger Familien muß ihre liebgewonnene Scholle verlassen und wo einst der Landmann im Schweiße seines Angesichts seinen Acker bestellte, werden bald die Wasser rauschen. * Hamm, 8. August. Stoßseufzer eines Scharfmachers. In der„Rh.=W. Ztg. macht ein„in angesehener Position stehender Freund“ dieses Blattes seinem Herz durch folgende Zeilen Luft: „Hamm, 5. Aug. Am letzten Sonntag fand in Hamm i. W. eine sozialdemokratische Volksversammlung statt. Tagesordnung:„Die Reichsfinanzreform und das Zentrum".„Zum Protest gegen das volksfeindliche Verhalten der maßgebenden Parteien, besonders des Zeutrums, werden die Bürger(!) ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Der Einberufer. So heißt es in der Einladung, die also gar keinen Zweifel ließ, daß es sich um eine sozialdemokratische Veranstaltung handelte, wenn auch nicht das werktätige Volk, sondern die Bürger eingeladen wurden. Trotzdem brachte, entgegen seinen bisherigen Gepflogenheiten, der nationalliberale„Westfälische Anzeiger", Amtliches Kreisblatt für den Kreis Hamm, diese Einladung in seinem Anzeigenteil und machte sogar im redaktionellen Teil unter„Lokales" noch besonders darauf aufmerksam. Ob aus Versehen, oder weil die eigene politische Kurzsichtigkeit vielleicht die Parteibrille getrübt(die die„Parteibrille trübende eigene politische Kurzsichtigkeit“ ist gut. Red. d.„V.“), oder aus Haß gegen das Zentrum, oder aus welchen Gründen sonst, mag dahingestellt bleiben. Bisher hat die Sozialdemokratie in der Stadt Hamm nie so recht festen Fuß fassen können, trotz der zahlreichen Arbeiter, die auf den großen Walzwerken beschaftigt werden. Die sozialdemokratischen Versammlungen fanden beinahe unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt, wenigstens hörte und las man nichts davon. Was ist nun der Erfolg des Verhaltens des„Westfälischen Anzeigers“? Die Versammlung am Sonntag ist, wohl hauptsächlich infolge des Inserats im„Westfälischen Anzeiger“, von etwa 600 bis 700 Personen besucht gewesen.„Wie die Blätter übereinstimmend berichten. Der„Westfalische Anzeiger" selbst gibt sogar die Ausführungen des„Referenten", die im wesentlichen die bekannten sozialdemokratischen Hetzereien gegen die neuen Steuern und wüste Schimpfereien auf das Zentrum enthalten, wieder. Die„Dortmünder Arbeiterzeitung" stellt triumphierend fest, daß von den Besuchern der überwiegende Teil Nicht=Sozialdemokraten gewesen seien und daß ein Gegner sich mit zwei Dritteln der Ausführungen des Referenten einverstanden erklärt habe. Die vorgeschlagene Resolution, welche die neuen Steuern in Grund und Boden verdammt, wurde natürlich einstimmig angenommen. Wem hat nun der„Westfälische Anzeiger“ genützt und wem hat er geschadet? Geschadet hat er ganz sicher nicht der Zentrumspartei, und ebensowenig genützt der eigenen, der nationalliberalen Partei, denn wenn von den vielleicht erschienenen katholischen Wählern sich wirklich einige vom Zentrum abwenden sollten, nach dem Besuche der Versammlung am Sonntag werden sie nicht zu den Nationalliberalen, sondern zu den Sozialdemokraten übergehen, und ob nicht zahlreiche Arbeiter und„Bürger", die bisher nationalliberal gewählt haben, dasselbe tun werden, ist noch nicht ausgemacht. Den Nutzen, und zwar diesmal einen vollen Erfolg, hat also auf alle Fälle die Sozialdemokratie. Das vorstehende Beispiel aber— und deshalb haben wir es gebracht— ist eins von den vielen, wie es gemacht wird, daß durch Ungeschicklichkeit oder Kurzsichtigkeit der Leitung nationalliberale Wähler gegnerischen Parteien in die Arme getrieben werden.“ * Essen, 8. August. Reichstagsabgeordneter Genosse Hué ist an Lungenentzündung und Herzleiden schwer erkrankt. Nach der letzten Meldung ist das Befinden Hués wesentlich besser. Das Bewußtsein ist zurückgekehrt. Die Aerzte glauben, ihn am Leben erhalten zu konnen. Vermischtes. Automobilunfall. Polch(Rheinprovinz), 8. August. Hier ereignete sich ein schwerer Automobilunfall. Ein Kraftwagen, in dem sich zwei Offiziere und ein Bursche befanden, fuhr so rasch durch eine Kurve, daß der Wagen umstürzte. Die Inzassen wurden herausgeschleudert und alle drei schwer verletzt. Am Aufkommen des Burschen wird gezweifelt. Letzte Nachrichten. Berlin, 9: August. In der neuen Krugallee in Treptow ist gestern nachmittag ein Wagen der städtischen Straßenbahn in einen mit Kindern besetzten Erntewagen hineingefahren. Die Kinder wurden auf die Straße geschleudert; 5 von ihnen erlitten schwere Verletzungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Berlin, 9. August. Von den bei der Radrennbahnkatastrophe Verletzten konnten gestern nachmittag 3 als geheilt entlassen werden. Das Befinden der übrigen noch im Krankenhaus befindlichen Verletzten ist zufriedenstellend. Frankfurt a. M., 9. August. Der Lenkballon„Parseval 3“ unternahm gestern eine zweistündige Fahrt, die einen befriedigenden Verlauf nahm. An Bord befand sich u. a. das Erbprinzenpaar von Sachsen=Meiningen. Die Landung erfolgte glatt. Kattowitz, 9. August. In der benachbarten russischen Gouvernementsstadt Radom wurde der Untersuchungsrichter Nicolajow verhaftet, weil er verdächtig ist, einer fremden Macht Spionagedienste geleistet zu haben. Die Verhaftung erregte großes Aufsehen. Saargemünd, 9. August. Im Argweiler Tunnel wurde der Zugführer Schmidt aus Straßburg zermalmt aufgefunden. Er ist vermutlich während der Fahrt von der Lokomotive abgestürzt und übergefahren worden. Rom, 9. August. 15 Meilen von der Insel Ustica begegnete gestern früh der Passagierdampfer„Marco Polo“ dem Schoner „Antonina Coppola“, der mit 8 Mann Besatzung und 170 Zentnern Gips nach Palermo fuhr. Trotz der Warnung des Dampfers behielt der Schöner seinen Kurs bei. Die Schiffe kamen einander so nahe, daß die an Deck versammelte Mannschaft den Schoner anrufen konnte. Dort erschien alles im tiefsten Schlaf; als sie erwachten, war es zu spät. Der Dampfer traf das Schiff in die Seite und schnitt das Boot in zwei Teile, die sofort im Meere versanken. Während der Dampfer seine Rettungsboote herabließ, brach unter den Passagieren eine große Panik aus. 6 Mann der Besatzung des Schoners konnten gerettet werden, 2 ertranken. Verbronung betreffend den Anschluß der Grundstücke an die städtische Wasserleitung. Auf Grund der§§ 5 und 6 des Gesetzes über die PolizeiVerwaltung vom 11. März 1850 und der§§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach Zustimmung des Magistrats mit Genehmigung des Regierungs=Prasidenten für den Bezirk der Stadt Herfotzd folgende Polizei=Verordnung erlassen: § 1. Jedes bebaute Grundstück muß, sobald die Straße, an welcher es liegt, mit einem Wasserleitungsrohr versehen wird, an die Wasserleitung angeschlossen werden. Die Verpflichtung hierzu liegt dem Eigentümer und dem Nutznießer des Grundstücks ob. Ausnahmen von der Anschlußpflicht können von der PolizeiVerwaltung einzelnen Grundstückseigentümern und Nutznießern auf Widerruf bewilligt werden. § 2. Die Wasserleitungsanlagen sind nach Maßgabe der bestehenden und ergehenden Vorschriften auszuführen. § 3. Den Beamten der städtischen Betriebswerke muß zu jeder Tageszeit der Zutritt zu den Wasserleitungsanlagen zwecks Revision gewährt werden. § 4. Uebertretungen vorstehender Vorschriften werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mk., im Unvermögensfalle mit entsprechender Haftstrafe geahndet. § 5. Die Polizeiverordnung tritt mit ihrer Veröffentlichung in Kraft. Herford, den 23. April 1909. Die Polizei=Verwaltung. gez. Dr. Heß. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. 44 S Die Präise P9. " der weissen Woche* haben noch während unserer weissen Tapisserie- und 0 Kurzwarentage Giltigkeit. 300 uir. Kongressstoffe zum Besticken, 150 cm breit, weiß creme sonst 1.45 beige Meter ZU0 gezeichnete Decken mit Hohlsaum auf russisch. Leinen mit erstklassigen Künstlerzeichnungen Stück Bosten Decken- Quadrate mit Hohlsaum auf russisch. Leinen, besonders geeignet für Kaffeedecken Stück ße Hull. Slckerdien und Durchsätze, schmal und breit, sonst b. 2.50 Ser.! Mtr. 20, Ser. l1 40, Ser. II 604 Kleiner Posten Mull-Durchsätze mod. Sternmuster sonst 2.00 Stück= 4½ Mtr. 98 Ce. 800 weisse Waschgürtel darunter die eleg. Stickereigürtel sonst bis 2.00 Stück 48 und 984 Gr. Post. Torchon- u. Cluny-Durchsätze für Blusen u. Kleider sonst bis 0.65 Mtr. 5 und 10 4 Posten Spachtel-Durchsätze sonst bis 2.50 Mtr. 25 und 504 Ghnreo 1000 Mtr. reinseid, weisse Taffetbänder Mtr. 10, 20, 35 Co. 500 Nir. Hals-Rüschen in Tüll und Spitze jeder Rest für 2 Rüschen 20 4 Ca. 500 Damen-Kragen Steh= und Stehumlegfassons, glatt, mit Fältchen und bestickt sonst bis Ser. 44 Ser. 9/5 Ser. 51), 2.00 PTO, 1 23, i 901 4276 Grosser Posten reinleineng echte Aodloppeldecten u. Mdier darunter die kostbarsten französischen, a böhmischen u. deutschen Klöppeleien. * Während der Weissen Woche“ mit einer Ermässigung bis zu 40 Prozent. Se e e Unsere weissen § Uugera berrliche 8 * Innen-Dekoration* " bleibt während* * unserer Tapisserie- u. Kurzdie alljährlich im Anschluss an unsere Weisse Woche stattfinden, MAAS* K“7 besinnen heute vermittag * n Segiilien Route vormttag * 5 warentage noch§ bestehen. Cirka 8000 felle Fiandarbeitenn Posten gezeichnete Läufer mit Hohlsaum auf russisch. Leinen 135 Stick poster Ueberhandtücher für Schlafzimmer 125 gezeichnet auf russisch. Leinen Posten Wandschoner für Waschtisch, extra groß, auf Adastoff gezeichnet, mit rotem Besatz 65 150 Bettdeckenhalter mit Nickelring, auf Aidastoff gezeichnet sonst 1.25 jetzt 200 Nadelkissen auf Kongreßstoff handgestickt sonst bis 254 jetzt 100 Wäschebeutel auf Aidastoff, handgestickt, mit Stäben sonst 2.35 jetzt 100 Bettwandschoner auf Aidastoff gezeichnet, mit rotem Besatz 65 11 Für ca. 10 000 M. Kerzwarei Ca. 4000 Mtr. Nicht nachmücken! dapol.-Festons und Durchsätze in nur la. Ausführung sonst bis 550 Stück 4½ Mir., SerieI 984 Serie lI 128 Serie III 195 8000 Mir. Madapdlams-Ooppelstof-Festons Serie! Serie 11 ohne Loch 4½ Mtr. 384 mit Loch 4½2 Mtr. 554 Für ca. 5000 M. Tierreiwasche Ehren 400 Halsrüschen m. Goldtressen sonst 0.35 Stück 184 Ca. 1000 Herren-Stehkragen, le. 4fach während dieser Tage 8 Stück 754 Ca. 200 Paar Herren-Manschetten, la. 4fach während dieser Tage 8 Paar 1.00.4 Ca. 200 Stück Herren-Serviteurs nur la. Qualitäten, glatt, mit Falten und gestickt, sonst bis— 90 1.75 Stuc 30) Grosser Posten Herren-Oberhemden mit Pigus= u. Leineneinsätzen sonst bis 7.80, Serie 2.50 Serien 3.50 Or Moreig d Te. Prunkstücke. wührent der„„Reiosen Woche ultS % Während der„Weissen Moche“ mit. % einer Ermäseigung bis zu 40 Prozent. ** Nr. 183. Reichsverbe auf d Bei der großen M von unserm Genof nachgewiesen, daß der einem Artikel Kautsk. streik einen Absatzn zitierte, daß der Sin Anläßlich dieser Rei „Volksstimme“ in ihr artikel„Militär und hieß: „Als Meister die falsche Beschuldigunge minister, Seine Exzell gen. Rotmaler. Her Reichsverbandes, mag nickt haben, als er de seine Lügensaat so he tüchtiger Nachwuchs u er selbst in Frieden Mätzchen aus dem V Sozialdemotratie den und auf die messersc hatte Herr v. Einem pektorationen aufgebar Der Artikelschreibe führungen nur mit H die Finger klopfte. D lich nur so nebenbei g Herr v. Einemf anders aber der Vor leutnant v. Liebert. dungen und Beleidigu kargt, fühlte sich bele So mußte sich a Quarck vor dem Se weg zu sagen: die als Herr v. Liebert! dakteur der„Volksstir v. Liebert saß auf Anklagen, die Quarck ihn erhoben. Da half und keine Abschwachu# gebrachten Beweise für generals über sozialde demokratie konnten nie Gleich eingangs de Dr. Fran. Beweisant demokratie beschimpft widerlegte Lüge Führer erhob. Broschüre Lieberts:„C Einfluß auf das deut bestimmter Stellen, di und inhaltlich offenkur Dem Vertreter Lie Anträge höchst unange mit der heutigen Sach aber, es sei von erhebl ein politischer Gegner leumderischen Ausdrück gliedern der sozialdem behaupte, es sei verbi organisierten Sozialde geklagte nicht nur Pflicht, auch ein sch Das Gericht bringt Stellen zur Verlesung. wird in der Broschüre in Amsterdam den Der zosen bei Sedan erlitte ieumdung, Liebknecht! schen Soldaten in bele bezeichnet, wird erhober 38 Romon 614s von Der Wirt, der das seinem Zelte keine Ge falls dazwischen und b Unannehmlichkeiten aus gar nicht willens, und er sein Gold unter den Hiermit war aber „Messieurs“, schrie Hut auf seinem Kopfen daß die Brosche mit der „wir sind hier in einen was ihn steut und wozi „Jawohl, Johnny, Leute. „Messieurs,“ fuhr den Herrn hinausgejag Sie kein Recht. Dieses Miteigentümer, solange meine Rechte greift, gre ich mir nicht gefallen zu „Bravo, Johnny. bi Seiten. „Messieurs,“ schrie noch erboster,„ich schüt und werde nie an eine worden bin.“ Damit fuhr der drei von der Bank herunter lassen. Der Wirt und aber der kleine Bursche los und stürmte hinaus Durch diesen Zwisch meine Verwirrung gere Platz aufgestanden. Ni ihn wogenden Sturm, daß er sich aus seines dann wieder, wie gewöl :„Ach, lieber Herr I den würdigen Mann vei wohl um etwas ersuche „Jawohl, recht gerr langten Resultat, wie guter Laune,„erst, bitt Nr. 183. U 0 * Bielefeld, Montag 9. August 1909. 20. Jahrg. nhalter toff gezeichnet# jetzt 20 tissen ndgestickt jetzt 10 beutel mit Stäben 08 30 jetzt 8—4 Ischoner jetzt ne-Ooppelstoft-Festons Serie 1! mit Loch 4½ Mtr. 55 Stickereistoffe 1. Einsätze 85 4 Ser. 11 Mtr. 1.50 sen-u. Valenciennestofte 1. Einsätze Meter 753 pachtelstoffe 4.00 Serie 11 Mtr. 1.50 Reichsverbandsgeneral v. Liebert auf der Anklagebank. Bei der großen Militärdebatte im März im Reichstag wurde von unserm Genossen Reichstagsabgeordneten Dr. Frank nachgewiesen, daß der Kriegsminister v. Einem aus einem Artikel Kautskys in der„Neuen Zeit" über den Militärstreik einen Absatz mit Auslassung der wesentlichen Sätze so zitierte, daß der Sinn des Artikels genau umgekehrt wurde. Anläßlich dieser Reichstagsdebatte brachte die Frankfurter „Volksstimme“ in ihrer Nummer vom 22. März einen Leitartikel„Militär und Sozialdemokratie“, in dem es eingangs hieß: „Als Meister dieser Methoden(Heuchelei und wissentlich falsche Beschuldigungen) erwies sich der preußische Kriegsminister, Seine Exzellenz der General der Kavallerie v. Einem, gen. Rotmaler. Herr v. Liebert, der Generalissimus des Reichsverbandes, mag befriedigt mit seinem Raubvogelkopf genickt haben, als er den Kriegsminister so operieren hörte: wo seine Lügensaat so herrlich in die Halme schießt, wo ein solch tüchtiger Nachwuchs unter den Generalen vorhanden ist, da kann er selbst in Frieden zur Grube fahren! Es ist ja ein altes Mätzchen aus dem Vademecum des Reichsverbandes, daß die Sozialdemokratie den Eid nicht höher werte als eine Federflocke, und auf die messerschneidenschmale Basis dieser Behauptung hatte Herr v. Einem die schwindelnde Pyramide seiner Expektorationen aufgebaut. Der Artikelschreiber beschäftigte sich in seinen weiteren Ausführungen nur mit Herrn v. Einem, dem er ganz gehörig auf die Finger klopfte. Die Bemerkungen über Liebert sind eigentlich nur so nebenbei gefallen. Herr v. Einem fühlte sich durch den Artikel nicht beleidigt, anders aber der Vorsitzende des Reichsverbandes, Generalleutnant v. Liebert. Er— ausgerechnet er, der mit Verleumdungen und Beleidigungen gegen unsre Genossen wahrlich nicht kargt, fühlte sich beleidigt und erhob Privatklage. So mußte sich am Mittwoch der Redakteur Genosse Dr. Quarck vor dem Schöffengericht verantworten. Um es vorweg zu sagen: die Verhandlung nahm einen andern Verlauf, als Herr v. Liebert wohl geahnt haben mag. Nicht der Redakteur der„Volksstimme“ war der Angeklagte. nein, Herr v. Liebert saß auf der Anklagebank, und wuchtig waren die Anklagen, die Quarck und sein Verteidiger Dr. Frank gegen ihn erhoben. Da half kein hilfloses Stammeln, keine Ausflüchte und keine Abschwachungsversuche des Vorsitzenden— die vorgebrachten Beweise für die Verleumdungen des Reichsverbandsgenerals über sozialdemokratische Führer und über die Sozialdemokratie konnten nicht entkräftigt werden. Gleich eingangs der Verhandlungen stellte der Verteidiger Dr. Fran. Beweisanträge dafür, daß der Kläger die Sozialdemokratie beschimpfte, und offenkundige, längst widerlegte Lügen aufs neue gegen sie und ihre Führer erhob. Als Beweismittel überreichte Frank die Broschüre Lieberts:„Entwicklung der Sozialdemokratie und ihr Einfluß auf das deutsche Heer" und beantragte die Verlesung bestimmter Stellen, die in der Form schwer beleidigend sind und inhaltlich offenkundige Unwahrheiten enthalten. Dem Vertreter Lieberts. Dr. v. Brentano, waren diese Anträge höchst unangenehm, und er meinte, die Beweise hätten mit der heutigen Sache nichts zu tun. Dr. Frank erwiderte aber, es sei von erheblicher Bedeutung, festzustellen, daß Liebert ein politischer Gegner ist, der seine Gegner in groben und verleumderischen Ausdrücken verunglimpft; Liebert werfe den Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei Ehrlosigkeit vor und behaupte, es sei verbrecherisch und gemein, der international organisierten Sozialdemokratie beizutreten. Da habe der Angeklagte nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, auch ein scharfes Wort gegen Liebert zu gebrauchen. Das Gericht bringt die vom Verteidiger näher bezeichneten Stellen zur Verlesung. Neben oben erwähnten Behauptungen wird in der Broschüre u. a. die alte Lüge aufgetischt, Bebel habe in Amsterdam den Deutschen eine Niederlage, wie sie die Franzosen bei Sedan erlitten hatten, gewünscht. Auch die alte Verteumdung, Liebknecht hätte vor ungefähr 36 Jahren die deutschen Soldaten in beleidigender Weise als„zweibeinige Tiere" bezeichnet, wird erhoben, und neben andern schönen Dingen der Sozialdemokratie vorgeworfen, daß sie das Laster der Trunksucht beschütze und fördere. Bei der Verlesung des Passus, die Attentäter Hödel und Nobiling seien Anhänger der Sozialdemokratie gewesen, warf der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Rückert, ein, auch er sei der Meinung, diese von Bismarck zur Einleitung des Sozialistengesetzes benutzten Attentate seien von Sozialdemokraten verübt worden. Es war dem Verteidiger natürlich ein leichtes, diese mangelhaften historischen Kenntnisse des Vorsitzenden durch die Feststellung zu erweitern. daß schon bei der Beratung des Sozialistengesetzes im Reichstag nachgewiesen wurde, daß die Attentäter Gegner der Sozialdemokratie waren. Nach diesem für den Vorsitzenden nicht gerade rühmlichen Zwischenspiel begannen die Plaidoyers. Der klägerische Vertreter Dr. v. Brentano erblickte in dem„Satz über Liebert eine schwere Beleidigung. Der Beklagte habe Liebert der öffentlichen Verachtung preisgegeben. Das sei keine Beleidigung, die mit ein paar Mark gesühnt werden könne. versuchte Brentano die Anklagen Franks gegen man auch nicht gut verteidigen, und was will es heißen, wenn Brentano die Behauptung Lieberts, die Sozialdemokratie fördere die Trunksucht, mit der lächerlichen Bemerkung beweisen will, in Berlin seien 1200 Wirte Mitglieder der sozialdemokratischen Partei. Der Vertreter Lieberts beantragte schließlich 500 Mark Geldstrafe und Publikation in der„Volksstimme“ und in der„Frankfurter Zeitung". Der Verteidiger Quarcks, Genosse Dr. Frank, führte u. a. aus: Wenn ein Mann, der in der Oeffentlichkeit steht, eine Partei, wie die sozialdemokratische, beschimpft und angreift, dann darf er sich nicht wundern, wenn ihm in entsprechender Weise entgegengerreten wird. Frank ging dann ausführlich auf die verleumderischen Stellen in der Broschüre Lieberts ein, wies die Unwahrheit der Behauptungen— die seinerzeit in der Parteipresse festgenagelt wurden— nach, und sagte weiter: Dies alles beweist, daß der Kläger mit allen verwerflichen Mitteln gegen die Sozialdemokratie kämpfte. Der Angeklagte war als Redakteur einer sozialdemokratischen Zeitung und als Mitglied der Sozialdemokratie berechtigt und verpflichtet, gegen den Vorsitzenden des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie aufzutreten; er handelte gegen diesen Mann, der sagte, das Gemeine, Verbrecherische und Entehrende beginne erst dann, wenn man der sozialdemokratischen Partei angehöre, in Notwehr. Und ein solcher Mann muß sich auch gefallen lassen, scharf angegriffen zu werden. Das Urteil lautete, wie schon mitgeteilt, auf eine Geldstrafe von 100 Mark. Die Broschüre habe keinen Beweis dafür ergeben, daß der Kläger in heuchlerischer oder verleumderischer Weise etwas vorgebracht hat.(!?) Die Ausführungen der Broschüre könnten vielleicht irrtümlich sein, sie seien aber in der deutschen Presse immer wieder ausgesprochen worden. Bei der Strafbemessung kam in Betracht, daß es sich um politische Gegner handelt. 16. Jahresversammlung des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reiche. Bremen, 8. August. (Vorversammlung.) Unter äußerst lebhafter Beteiligung wurde heute abend im „Kasino“ die 16. Jahresversammlung durch den Verbandsvorsitzenden Fräßdorf=Dresden eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache weist der Verbandsvorsitzende auf die starke Zunahme des Verbandes hin seit der Zeit, daß die Regierung sich mit der Gesetzesänderung befaßt. Durch die beabsichtigte Maßnahme sei vielen Kassen erst der Weg zur Organisation gezeigt worden. Die Mitgliederzahl beläuft sich jetzt auf rund 4 Millionen. Der Verbandstag konstituiert sich dann in folgender Weise: Zu Vorsitzenden werden gewählt die Herren Fräßdorf=Dresden, Rhein=Bremen und WüstnerLeipzig; zu Schriftführern die Herren Starke=Dresden, Lohrberg=Hannover und Meier=Braunschweig. Der Verbandstag tritt alsdann in die Beratung über die Festsetzung der Taggkachnung din, die in dolgender Geshaltung Nanchge findet: 1. Bericht der geschäftsführenden Kasse. 2. Besprechung der Reichsversicherungsordnung a) Umfang und Träger der Reichsversicherungsordnung, Versicherungsbehörden, Gemeinsame Vorschriften(Referent Herr Poll ender=Leipzig), b) Umfang und Gegenstand sowie äußere Verfassung der Krankenversicherung(Referent Herr Gräf=Frankfurt a. M.), c) Innere Verfassung der Krankenversicherung, Aufbringung der Mittel, Verhältnis der Kassen zu den Aerzten(Referent Herr Professor Dr. Stier=Somlo=Bonn), d) Versicherung der lin der Landwirtschaft beschäftigten Personen, der Dienstboten, der unständigen Arbeiter, der im Wandergewerbe beschäftigten Personen und der Hausgewerbetreibenden, Ersatzkassen, Schluß= und Strafbestimmungen(Referent Herr Cohn=Berlin), e) Unfallversicherung(Reserent Herr Bauer=Berlin), k) Invaliden= und Hinterbliebenenversicherung(Referent Herr StarkeDresden), g) Beziehungen der Versicherungstrager zu einander und zu anderen Verpflichteten und Spruchverfahren(Referent Herr Bauer=Berlin). 3. Antrag der Ortskrankenkasse zu Magdeburg:„Die geschäftsführende Kasse mit einer Zusammenstellung samtlicher Beschlüsse des Zentralverbandes zur Abanderung der Versicherungsgesetze behufs Eingabe an Reichstag und Bundesrat, sowie der Verhandlungen der Unterverbandstage zur Reichsversicherungsordnung zu beauftragen.“ 4. Antrag der Allg. Ortskrankenkasse Frankfurt a. M.:„Die Krankenkassen haben beim Abschluß von Verträgen mit den Aerzten die Forderung aufzustellen, daß alle Kassenärzte verpflichtet sind, auch den von ihnen behandelten Unfallverletzten auf Wunsch ein ärztliches Gutachten auszustellen, damit diese auch in der Lage tral=Tarifamt. 7. Wahl der geschäftsführenden Kasse für die Jahre 1909 bis 1912. 8. Wahl des Ortes der nächsten Jahresversammlung.— Nach Festlegung vorstehender Tagesordnung wird zur Prüfung der Rechnung des Verbandsdirektors die Allg. Ortskrankenkasse Frankfurt a. M. bestimmt. Nachdem dann noch einige Angelegenheiten geschäftlicher Natur ihre Erledigung gefunden haben, wird die Vorversammlung geschlossen. Stellungnahme zum Parteitag. Der sozialdemokratische Verein in Flensburg beschäftigte sich in seiner letzten Mitgliederversammlung mit dem neuen Entwurf des Organisationsstatutes. Beschlossen wurde, folgende Abänderungsanträge zu stellen: Zu§5: Der monatliche Mindestbeitrag für die weiblichen Mitglieder muß 10 Pfg. betragen. Der Satz: Den weiblichen Mitgliedern ist die„Gleichheit“ gratis zu liefern, ist zu streichen. Söllten beide Anträge abgelehnt und die Fassung des Entwurfes angenommen werden, so soll der nachstfolgende Satz lauten: Mindestens 20 Prozent der Monatsbeiträge der männlichen Mitglieder sind an die Zentralkasse abzufuhren. Zu§ 6: Die Vorsitzenden der sozialdemokratischen Vereine haben alljährlich bis zum 30. Juli dem Parteivorstand Bericht zu erstatten. Zu§ 7: Hinter die Worte:„sechs Delegierte“ zu setzen„gewählt werden können“, statt„zu wählen sind". Zu§ 26: Die Worte„Auf Suspendierung von Mitgliedsrechten zu erkennen“ sind zu streichen. Eine umfassende Flugblatt=Agitation der sozialdemokratischen Partei klärt die Massen zurzeit über die Wirkung der Finanzreform und die Haltung der bürgerlichen Parteien bei der Beratung der neuen 500=Millionen=Steuergesetze auf. Die Flugblätter sind, wie z. B. in unserem Bezirk, zum Teil in den Agitationsbezirken geschrieben und den besonderen lokalen Verhältnissen angepaßt, zum Teil sind sie vom Parteivorstand herausgegeben. Sofort nach Erledigung der Reichsfinanzreform wurde von letzterem das Flugblatt„Michel, wach' auf!“ herausgegeben, dem dann die Flugschriften:„An das werktätige Volk in Stadt und Land" und„Worte und Taten des Zentrums“, sowie das Flugblatt:„Reichsfinanzreform, Soldatenlöhnung und 17 Fetbänder, weiss, Nir. 584 hweissblätter hatist, la. Qual. Paar 284 m. Goldtressen Stück 184 Stück erviteurs ialitäten, 1 und gestickt, 38 osten echter en, Laufer apartesten lücke. ssen Woche“ mit gung bie zu 0 1d. S Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. 38— Der Wirt, der das größte Interesse daran hatte, daß in seinem Zelte keine Gewalttatigkeiten vorfielen, sprang gleichfalls dazwischen und bai den Amerikaner, sich keinen weiteren Unannehmlichkeiten auszusetzen. Mr. Smith war das übrigens gar nicht willens, und wie er nur den Eingang frei sah, schob sein Gold unter den Arm und verließ damit rasch das Zelt. Hiermit war aber Johnny nicht zufriedengestellt. „Messieurs“, schrie er, sprang auf die Bank und drehte den Hut auf seinem Kopfe mit einem grimmigen Ruck so weit herum, daß die Brosche mit dem blauen Stein hintenhin zu sitzen kam: „wir sind hier in einem fremden Lande, wo jeder treiben kann, was ihn freut und wozu er Lust hat!“ „Jawohl, Johnny, jawohl, Napoleon!" lachte ein Teil der Leute. „Messieurs,“ fuhr aber Johnny erbittert fort,„Sie haben den Herrn hinausgejagt, mit dem ich spielen wollte; dazu haben Sie kein Recht. Dieses Zelt ist ein Wirtshaus, daran bin ich Miteigentümer, solange ich meine Zeche bezahle, und wer mir in meine Rechte greift, greift mir an mein Leben, und das brauche ich mir nicht gefallen zu lassen. „Bravo, Johnny bravo!“ rief und lachte es von mehreren Seiten. „Messieurs,“ schrie aber der kleine Bursche, darüber nur noch erboster,„ich schüttele den Staub hier von meinen Füßen und werde nie an einen Ort zurückkehren, wo ich gemißhandelt worden bin.“ Damit fuhr der dreieckige Hut wieder herum, Johnny sprang von der Bank herunter und wollte ohne Abschied das Zelt verlassen. Der Wirt und Fischer suchten ihn jetzt zurückzuhalten, aber der kleine Bursche war ganz außer sich, riß sich von ihnen los und stürmte hinaus ins Freie. Durch diesen Zwischenfall war die Gesellschaft in eine allgemeine Verwirrung geraten und selbst der Justizrat von seinem Platz aufgestanden. Nur Erbe blieb, unbekummert um den um ihn wogenden Sturm, ruhig sitzen, und war sogar so zerstreut, daß er sich aus seines Nachbars Flasche sein Glas füllte und dann wieder, wie gewöhnlich, auf einen Zug leerte. „Ach, lieber Herr Justizrat,“ flüsterte da Korbel und faßte den würdigen Mann vertraulich unter den Arm,„ich möchte Sie wohl um etwas ersuchen. „Jawohl, recht gern, erwiderte dieser, mit dem eben erlangten Resultat, wie es schien, außerordentlich zufrieden und guter Laune,„erst, bitte, antworten Sie mir aber mal Frage. „Mit dem größten Vergnügen. „Wer ist der— der Herr da im Frack?— komische Idee das — hier in den Minen Frack.“ „Oh, das ist ein Tenorist aus Deutschland,“ lachte der Aktuar.„Er scheint seinen Urlaub verlängert zu haben, um einmal in der Geschwindigkeit hier in den Minen ein paar tausend Dollar auszugraben. „Tenorist? Alle Wetter,“ sagte der Justizrat erstaunt,„hätte sollen zu Hause bleiben. Tenoristen verdienen schmähliches Geld bei uns, kriegen so viel wie Minister. „Ih nun,“ sagte der Aktuar.„es wird wohl keiner von den allerersten sein, wissen Sie, so einer, der die Alphönser in den Obern singt, aber um was ich Sie bitten wollte. Ich bekomme heftige Zahnschmerzen und will lieber nach Hause gehen, habe aber ganz in Gedanken meinen Geldbeutel im Zelte liegen lassen. Wären Sie wohl so freundlich, mir bis morgen früh eine halbe Unze zu borgen, um meine Zeche damit zu bezahlen?“ „Halbe Unze?“ sagte der Justizrat, dem das etwas viel vorkommen mochte,„sind acht Dollar. „Ja, bloß acht Dollar,“ sagte der Aktuar,„ich möchte aber nicht gern, ohne zu bezahlen, fortgehen, nur bis morgen früh, wenn ich bitten darf.“ „Hm— ja— jawohl— mit— mit Vergnügen,“ erwiderte der Justizrat, zu gutmütig, die Bitte abzuschlagen, überdies war es ja auch nur bis morgen früh. Er griff deshalb in die Westentasche und gab dem Aktuar einen, zur Vorsicht in Papier gewickelten halben Adler(ein Fünf=Dollarstück) und drei einzelne Silber=Dollar, die dieser ohne weiteres in die Tasche steckte. „Danke schon, Herr Justizrat,“ sagte er dabei,„morgen habe ich jedenfalls wieder das Vergnügen, Sie zu sehen, und dann mache ich es mit Dank ab.“ "„Bitte, gar keine Eile,“ brummte der Justizrat, während sich der Aktuar bis zu dem Wirte durchdrängte, diesem ein paar Worte zuflüsterte und dann rasch das Zelt verließ. Fast unwillkürlich war ihm der Justizrat dabei mit den Augen gefolgt, eigentlich nicht aus Mißtrauen, sondern mehr aus Neugierde, zu sehen, wie der. junge Mann nun die Zeche mit seinem Gelde bezahlen würde. Er sah aber nichts derartiges, hatte er ihm das Geld vielleicht heimlich in die Hand gedrückt? Andere drängten sich übrigens jetzt zwischen ihn und den Wirt, kommend und gehend, und nur die Deutschen nahmen größtenteils ihre Sitze wieder ein. „Kommen Sie her, Herr Justizrat,“ rief diesen da Fischer an,„setzen Sie sich noch ein wenig her zu uns.“ „Danke für heut' abend,“ erwiderte dieser,„müssen mich entschuldigen— verdammt Kopfweh— früh zu Bette geh'n. „Bett?— glücklicher Mensch, hat der ein Bett?“ rief Fischer, „aber bleiben Sie nur da, wir singen jetzt noch ein paar Lieder. Können Sie mit einhelfen, Herr Binderhof?" „Wenn ein zweiter Tenor fehlt—“ „Ah, ganz vorirefflich, der fehlt immer, einen ersten haben wir schon, und für zweiten Baß— Donnerwetter, wo ist denn der Komet hin? Ist der durchgebrannt?“ „Der Komet?“ frug Lamberg lachend,„wen nennen Sie so?“ unsere Gerichtsperson, unsern Aktuar. In allen Minenstädten geht er nach einer Weile durch und hinterläßt einen ganzen Schwanz von Schulden, deshalb hat er den Namen Komet bekommen. Was dem heut' durch den Sinn gefahren sein muß, ob seine Zeit hier vielleicht auch um sein mag?“ ist am Ende mit Johnny zum Spielen gegangen,“ sagte Graf Beckdorf. „O bewahre, dazu hat er kein Geld,“ lachte Fischer,„ja, wenn ihm noch jemand borgte; Johnny selber hütet sich aber vor ihm. „Wohnt weit von hier?“ sagte der Justizrat, dem die eben gehörten Neuigkeiten gerade nicht besonders angenehm waren. „Gar nicht, etwa fünfzig Schritt von hier steht das Zelt, unter dem er mit dem Apotheker Kulitz schläft. Alle Wetter, Kulitz, bei der wie vielsten Tafel Schokolade sind Sie jetzt eigentmüssen sich ja eine ganze Kiste voll mitgebracht haben. Also Sie wollen wirklich nicht länger bleiben, Herr Justizrat?“ „Danke— Hause gehen," saßte dieser, trat zu dem Wirt, dem er seine Zeche zahlte, grüßte noch einmal im Vorbeigehen. die Landsleute durch ein einfaches Nicken, nahm die Mütze gegen die Franzosen zu ib und verließ dann das Zelt, um sein eigenes Lager aufzusuchen. fehlte aber dem Justizrat der Sinn, den man im gewöhnlichen Leben Ortssinn nennt, vollkommen. So hatte er auch jetzt gar keine bestimmte Idee, in welcher Richtung sein eigentlich liege. Er wußte nur, daß sie es, einige bundert Schritt von der„Stadt“ entfernt, auf einem kleinen Hügel errichtet hatten, und schlenderte deshalb vollständig unbekümmert die Straße aufwärts, statt abwärts, zwischen den noch meist erleuchteten Zelten hin. Komet! Der Name gefiel ihm nicht, und er fühlte einige Besorgnis für seine etwas leichtsinnig geopferte halbe Unze. Der arme Teufel hatte übrigens fest versprochen, morgen früh zu zahlen, und lag jetzt jedenfalls mit heftigen Zahnschmerzen in seinem Zelt. Unterwegs passierte er eine amerikanische Trink= und Spielbude, die sich in nichts von den übrigen Wohnungen, als vielleicht durch ihre Geräumigkeit auszeichnete. Außerdem hing aber noch an dem vordersten Mittelpfosten, der das Zeltdach trug, von einer Lampe hell beschienen ein kleines, gemein obscönes Bild, das seinen Zweck vollkommen erfüllte. Anständige Leute wollte man dort gar nicht im Innern haben; nur solche, die spielten und tranken, und die erfreuten sich auch an solcher Sudelei. Der Justizrat hatte nur einen flüchtigen Blick eben im Vorübergehen hineingeworfen, als er des Deutschen und sogenannten Beamkenbesoldung“ folgken.— Die Flugblätter finden allenthalben gute Aufnahme. Die Gründung eines eigenen, täglich erscheinenden Parteiblattes und die dadurch angeblich notwendig gewordene Lostrennung des Regensburger Reichstagswahlkreises vom Gau Nordbayern und Angliederung an den südbayerischen Gau beschloß am vorigen Sonntag eine Wahlkreiskonferenz für Regensburg. Das neue Organ, die„Donaupost", wird bereits am 15. September erscheinen, und zwar für den Regensburger Reichstagswahlkreis und einen großeren Teil des niederbayerischen Gebietes. Diese rasche Gründung ist nur durch tatkräftige Beihilfe des Verlags der„Münchener Post“ möglich gewesen. Hoffen wir, daß es dem neuen Parteiblatt gelingt, sich zahlreiche Abonnenten und Leser zu verschaffen. Zur Unterstützung der Opfer, die die spanische Blut- und Gewaltpolitik der letzten Wochen aus den sozialistischen Reihen forderte, hat der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie 5000 Franken bewilligt. Gleichzeitig wurden der spanischen Bruderpartei weitere 5000 Franken übermittelt als Beisteuer zu den Kosten der Umwandlung des spanischen Zentralorgans„El Sozialisto“ in ein Tageblatt. Der Parteivorstand wir betracht der Krise von Sammellisten absehen. in AnGewerkschaftsbewegung. Aus dem Geschäftsbericht des Zentralverbandes Deutscher Brauereiarbeiter und verwandter Berufsgenossen für das erste Halbjahr 1909. Der zeringe Mitgliederrückgang; den der Brauereiarbeiterverband im ersten Quartal 1909 als Folge von Arbeiterentlassungen in großer Zahl, verursacht durch den schlechten Geschäftsgang, zu verzeichnen hatte, wurde im zweiten Quartal mehr als ausgeglichen. Auch die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse war eine äußerst erfolgreiche. Von den Angriffsbewegungen wurden erfolgreich erledigt: mit Streik 12 in 26 Betrieben, ohne Streik 77 in 141 Betrieben, teilweise erfolgreich, ohne Streik 14 in 14 Betrieben. Von den Abwehrbewegungen hatten Erfolg: mit Streik 8 in 8 Betrieben, ohne Streik 178; teilweise erfolgreich: mit Streik 1, ohne Streik 37, erfolglos: mit Streik 1, ohne Streik 34. Außerdem wurden ohne Streik erledigt: 91 Bewegungen in 151 Betrieven mit 7866 beschäftigten Personen. Im ersten Halbjahr 1909 wurden 101 Tarifverträge abgeschlossen. Der Erfolg der Lohnbewegungen war folgender: Es wurden erreicht: an Arbeitszeitverkürzungen insgesamt 17398 Stunden oder pro Person 2,8 Stunden pro Woche; an Lohnerhöhungen insgesamt 15022 Mk. oder pro Person 2,23 Mk. pro Woche. Der unpolitische gelbe Lebius. Die Dreistigkeit, mit der Herr Lebius die Oeffentlichkeit über das Wesen der„Gelben“ immer wieder zu täuschen versucht, ist nicht zu übertreffen. Am 19.„Juli d. J. brachte die„Welt am Montag“ eine Notiz über Bulow=Ehrungen. Darin war davon die Rede, daß Bülow auch von den, von den besseren Arbeitern verachteten„Gelben" und reichstreuen evangelischen Arbeitervereinen zum Cyrenmitglied ernannt sei. Diese Notiz hat den Zorn des Herrn Lebius entfacht. Im„Bund“ seiner Frau Martha vom 24. Juli er. schreibt er folgendes: „Berlin. Die vaterländischen Arbeitervereine haben den bisherigen Reichskanzler Fürsten Bülow zum Ehrenmitglied ernannt, und dieser hat die Ernennung in einem Schreiben dankend angenommen. Die„Welt am Montag“, die bekanntlich unter bürgerlich= demokratischem Deckmantel sozialdemokratische Politik treibt, nimmt das Schreiben des Exreichskanzlers an die vaterländischen Arbeitervereine zum Anlaß, in gewohnter Weise ein Geschimpfe gegen die„Gelben" loszulassen. Der sozialpolitische Sachverstandige der„Welt am Montag“ scheint also den Unterschied zwischen den politischen„vaterländischen“ und den unpolitischen„gelben“ Arbeitervereinen noch immer nicht begriffen zu haben. Mancher lernt's eben nie, wenn er sich auch selbst für einen hervorragenden sachverständigen Sozialpolitiker hält.“ Zur Kennzeichnung der Unwahrhaftigkeit des„Bund“ werden dem„Vorwärts“ folgende Briefe zur Verfügung gestellt: Herrn Lagdeburg=Bu Werter Bürger! Werke, Gestern wurde ich vom Förderungsausschuß angeklingelt und zu einer Audienz zu General v. Loebell kommandiert. uch weil man Ihnen in die Schuhe schiebt, den Magdeburger reichstreuen Arbeiterverein zu uns herübergezogen zu haben. Ich erwiderte Herrn Scheda, ich verstände ihn gar nicht, weswegen er sich so errege. Die Gelben müßten ihm doch ebenso lieb sein wie die Reichstreuen und deswegen müßte es ihm doch ganz egal sein, ob ein Verein zu den Gelben geht oder bei den Reichstreuen bleibe. Ich habe hieraus entnommen, daß der Förderungsausschuß wohl mehr auf seiten der Reichskreuen steht. Nehmen Sie nur gar keine Rücksicht. Wenn ein Verein zu uns kommen will, so müssen wir ihm die Wege ebnen. Wann soll ich nach dort kommen? Schreiben Sie mir bitte recht genau und bald. Mit freundlichem Gruß Rudolf Lebius. Auch der nachfolgende Brief ist recht bezeichnend. Herrn Prokurist Pfeiffer, Augsburg. Sehr geehrter Herr Pfeiffer! Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß es nicht im Interesse der gelben Arbeiterbewegung liegt, in der Oeffentlichkeit so sehr hervorzuheben, daß unsere gelben Arbeiter für end unsele giem, fArbener#x die nationalliberale Partei eintreten. Vielleicht haben Sie im „Vorwärts“ gelesen, daß unsere Vertrauensleute in den Siemenswerken nationalliberale Flugblätter verteilt haben. Außerdem ist in Ihren Jahresberichten das Eintreten der Gelben für die nationalliberale Partei mitgeteilt worden. Wahrscheinlich in bezug hierauf ist der gelbe Verein der A. E.=G. aus dem gelben Arbeitsbund ausgetreten. Sie wissen.wohl, daß die meisten Berliner Industriellen freisinnig sind und daß sie keinesfalls ein Aufgehen der gelben Arbeiterbewegung in der nationalliberalen Partei gern sehen werden. Wir haben außerdem auch einen großen Teil freikonservativer Arbeitgeber, die ebenfalls nicht ohne weiteres damit einverstanden sind, daß unsere Gelben sich mit der nationalliberalen Partei gleichbedeutend betrachten. Ich bitte, mich nicht mißzuverstehen. Es ist selbstverstandlich, daß die Nationalliberalen eintr Augsburger Gelben für die eintreten, das müßte aber nichs von Vereinswegen geschehen, sondern müßte Privatsache sein der einzelnen Mitglieder. Auch Prkutachersein dir engrinen Mitglieder. Auch ist es besser, so etwas nicht an die Oeffentlichkeit zu vringen. Ich denke, Sie werden sich meinen Ausführungen anschließen müssen. Ich habe mich etwas darüber gewundert, daß Herr Chatelet, nachdem wir in Kiel Freundschaft geschlossen haben, meinen Brief, in welchem ich ihn um sein Bild bat, nicht beantwortet. Meine Frau läßt sich für den Gruß bestens bedanken und erwidert diesen Gruß herzlichst. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius. Nach diesen Briefen ist die Behauptung des„Bund“ nichts als Spiegelfechterei und ein erneuter Versuch, über die Natur der Gelben zu täuschen. Herr Lebius charakterisiert die Gelben verschieden: Einmal sind sie neutral und unpolitisch, dann sind sie wieder das Gegenteil, je nachdem, wie es gerade dem Geldbeutel der„Bund"=Redaktion zuträglich ist. Einmal werden die Unternehmer getäuscht, die mit den Bestrebungen des General v. Loebell nichts zu tun haben wollen, dann wieder wird der sogenannte Förderungsausschuß getäuscht, der nur politische und zwar„sogenannte reichstreue"(das sind nationalliberale oder freikonservative) Arbeitervereine bemuttert. In allen Fällen aber sind die Arbeiter getäuscht, die mißbraucht werden zur Unterstützung arbeiterfeindlicher Bestrebungen. Differenzen in der Holzindustrie. In Bochum sind Sonnabend 90 Tischler in den Ausstand getreten, 250 stehen in dlungen mit dem Verband der BauInnungsmeister lehnen jede Vergewerbe sind eingeleitet, die handlung ab. " Die Tabakarbeiter des Plauenschen Grundes bei Dresden sind in eine Tarifbewegung eingetreten. Ein Teil der Unternehmer haben bewilligt, die anderen aber lehnten die Verhandlungen mit den Vertretern des Verbandes ab. Der Streik in den Si=Si=Werken in Dresden dauert fort. Die eingeleiteten Verhandlungen haben zu keinem Resultat geführt. Lohnbewegung der Binnenschiffer auf der Elbe und Havel. Um den Frieden im Binnenschiffahrtsgewerbe nicht zu stören, bedienen sich die Reedereien eigenartiger Mittel. Nachdem von den Organisationen die Forderungen der Schiffsmannschaften den Unternehmern am 31. Juli unterbreitet worden waren, erfolgte am 2. August in Dresden, wo sich der Hauptsitz der vereinigten Elbschiffahrten befindet, die Kündigung von 41 Schiffern. Der Umstand, daß die Kundigung der Ueberreichung der Lohnforderung auf dem Fuße folgte, läßt nur den einen Schluß zu, daß die Unternehmer versuchen, die Reihen der Schiffsmannschaften zu sprengen. Es wurde nämlich den Leuten gesagt, falls sie bleiben wollten, möchten sie sich bei dem Oberinspektor melden. Dies haben die Mannschaften natürlich abgelehnt. Der Wunsch der Unternehmer, sich aus den Reihen der jetzt fahrenden Mannschaften eine Hilfstruppe im Falle eines Streiks zu sichern, ist bis jetzt gescheitert. Die Binnenschiffer hielten eine Versammlung ab, in der der Bezirksleiter Schüning das Vorgehen der Unternehmer damit erklärte, daß diese versuchen, den Kampf zu einer für sie günstigen Zeit zu provozieren, denn jetzt sei es ihnen möglich, vermöge des guten Wasserstandes und des zu dieser Zeit eintretenden ruhigen Geschäftsganges eine Anzahl Fahrzeuge außer zu stellen. Diese Zeit sei jed Und vor dieser Zeit bange den Unternehmern. Johnny Stimme zu erkennen glaubte. Jedenfalls war der jenem, in dem deutsch=franzosischen Zelt hinausgewiesenen Spieler gefolgt und verlor hier sein Geld, oder gewann auch vielleicht? Der Justizrat war neugierig geworden und wollte sich wenigsten? durch den Augenschein überzeugen. „Sauvolk!“ brummte er aber vor sich hin, als er an dem Bild vorüberging, und mußte sich dann mit einiger Mühe durch eine Anzahl müßig umherstehender Menschen drangen, um einen Blick über das Innere zu bekommen. Tische standen hier, an denen gespielt wurde, und an aß sogar ein Frauenzimmer, eine jener verworfenen Vier dem einen saß sog mexikanischen Tirnen, die sich hier und da schon in den Minen herumtrieben und von irgend einem der Spieler als Lockvogel unterhalten wurden. Des Justizrats Blick fesselte aber bald die linke Tafel, an der er augenblicklich den langen Amerikaner und Johnny wiedererkannte, und hinter Johnny stand— der Komet! „Donnerwetter,“ murmelte der Justizrat leise vor sich hin, „dachte, hätte Zahnschmerzen!“ Johnny hatte ein rotes, erhitztes Gesicht und sah starr auf die Karten vor sich nieder. Korbel jedoch, der für den Augenblick nicht zu spielen schien, überlog ein paarmal die Umstehenden mit dem umherschweifenden Blick und war auf einmal spurlos, wie in den Boden hinein, verschwunden. Hatte er den Justizrat vielleicht erkannt? Dieser wußte es nicht; obgleich er aber wohl eine Viertelstunde auf seiner Stelle stehen blieb und dann durch das ganze Zelt ging, konnte er den Kometen nicht wieder entdecken.— Er war fort und ließ sich nicht wieder blicken. Dieses kleine Intermezzo diente natürlich nicht dazu, des Justizrats Laune zu verbessern, denn ein unbestimmtes Gefühl sagte ihm, daß er jetzt mit zu dem Schweif des Kometen gehöre und vielleicht als Stern dritter oder vierter Größe darin prange. Für den Augenblick ließ sich aber doch nichts weiter daran tun, und er beschloß nur, jetzt so rasch als möglich nach Hause zurückzukehren und morgen bestimmt auf die Rückgabe seines Geldes zu dringen, oder— mit den Gerichten zu drohen. Rasch setzte er seinen Weg, die Zeltstraße hin, fort, die hier an ihrem Ende viel stiller und öder wurde. Die Spiel- und lagen fast all. in der 9Ni4to#erselben und Trinkzelte lagen saft aue in der Mille verselben, uund die Handelsleute und Goldwäscher hatten, was zu Haus geblieben war, schon ihr Lager gesucht und ihre Lichter ausgelöscht. Hier nun mußte nach rechts der Hügel liegen, und der Justizrat bog dahin ein. Der Boden wollte aber nicht höher werden, sondern lief eben fort, und hier und da stolperte er sogar über einige aufgeworfene Erdhaufen und wäre, ohne das matte Sternenlicht, geworfene Erdhaufen und wäre, ohne das matte Sternenlicht, beinahe in eine der ziemlich tiefen Gruben hinabgestürzt. Hier draußen war es dabei so still und öde; dem etwas ängstlichen Justizrat wurde ganz unheimlich zumute. Immer aber noch in der festen Meinung, daß ihr Zelt hier in der Gegend liege, wollte er nicht in die Stadt zurückkehren, und entdeckte jetzt, etwa hundert Schritt weiter voraus, ein Lagerfeuer, an dem er nun beschloß, Erkundigung einzuziehen.(Forts. folgt.) Feuilleton. Die Erforschung des Atlantischen Ozeans. Man sollte es kaum glauben, daß die Geographen und andere Naturforscher, die es am besten wissen können, die Behauptung aufstellen, der nördliche Atlantische Ozean, der täglich von so vielen Schiffen durchquert wird, sei einer der am wenigsten bekannten Meeresräume. Man weiß zwar ziemlich genau mit seinen Tiefenverhältnissen Bescheid und demzufolge auch mit der Gestaltung seines Bodens, wenigstens soweit die Verlegung von Kabeln diese Kenntnis notwendig gemacht hat. Die natürlichen Eigenschaften dieses Meeresgebietes aber sind noch fast völlig unaufgeklärt geblieben. Sogar die Verhältnisse des Golfstromes, dem das nordwestliche Europa und namentlich Norwegen mit Rücksicht auf das Klima unendlich viel verdanken, sind noch längst nicht genugend erforscht. Seit der berühmten Reise des„Challenger“ und einer spateren amerikanischen Expedition ist kein einziges mit modernen Erforschungsmitteln ausgerüstetes Schiff im nordatlantischen Ozean tätig gewesen, sondern alle Expeditionen haben sich in dem südlich von den europäischen Breiten gelegenen Teil dieses Weltmeeres vollzogen. Diese Vernachlässigung hat auf dem letzten internationalen Geographen=Kongreß endlich zu einer lebhaften Erörterung geführt, die wahrscheinlich nützliche Folgen tragen wird. Es ist allgemein zugegeben worden, daß man über die Gesetze und die Verteilung der Temperatur und über die Geschwindigkeit der Meeresströmungen im NordAtlantic, sogar einschließlich des Golfstromes, noch fast garnichts weiß, und auch die meteorologischen Bedingungen, die den Verlauf der Witterung in Westeuropa bedingen, sind noch viel zu wenig bekannt. Ebenso warten viele biologische Fragen der Lösung, und namentlich könnte eine planmäßige und wissenschaftliche Befischung dieses Meeres überraschende und wertvolle Ertnisse des angrenzenden Weltmeeres hinreichend bekannt sind. Es wird gefordert, daß wenigstens viermal in jedem Jahre Forschungsreisen nach verschiedenen Teilen des Atlantischen Ozeans ausgeführt werden sollten, am besten auf Grund einer internationalen Vereinbarung. UC. Der Atmungsprozeß, der bei den Tieren sichtbar ist und dessen Bedeutung daher niemand verkennen wird, spielt natürlich auch bei den Pflanzen, wo man ihn nicht so bemerken kann, eine wichtige Rolle. Das erhellt besonders aus den Versuchen, die neuerdings Hans Molisch angestellt hat. Er fand, daß lebende, frische, unbenetzte Blätter, die in größeren Maßen beisammenDie entlassenen Mannschaften lehnten jede Unterstützung ab, würden vielmehr bestrebt sein, sich anderweitig durchzuschlagen. Die Organisationsleitung wurde dann beauftragt, der Oeffentlichkeit von den Entlassungen Kenntnis zu geben und die Arbeiterschaft aufzufordern, Arbeitsangebote nach dem ElbeHavelgebiet nicht anzunehmen, da es nicht ausgeschlossen sei, daß die Unternehmer die jetzt außer Betrieb gesetzten Fahrzeuge mit unorganisierten Arbeitern zu besetzen versuchten. Die Aussperrung im Hamburger Baugewerbe. Es ist begründete Aussicht vorhanden, daß die Einigungsverhandlungen im Baugewerbe diesmal von Erfolg begleitet sein werden. Die achtwöchige Aussperrung der 8000 Arbeiter aller Branchen im Baugewerbe hat auf beiden Seiten schon tiefe Wunden geschlagen, so daß der Friede allseitig gewunscht wird. Vor dem Einigungsamt haben sich die Vertreter der Unternehmer und Arbeiter vorbehaltlich der Zustimmung der beiden Mitgliederversammlungen dahin verstandigt, daß sämtliche an der Aussperrung beteiligten Arbeiterkategorien vom 1. Januar 1910 ab eine Lohnerhöhung von 5 Pfg. pro Stunde erhalten und daß die Unternehmer sofort in Verhandlungen wegen Abschlusses eines Tarifvertrages eintreten. Es wurde ferner ein Waffenstillstand bis zum 11. August— dem nächsten Verhandlungstermine vor dem Einigungsamt— vereinbart. Während dieser Zeit sollen von keiner Seite Maßregeln zur Verscharfung des Kampfes ergriffen werden. Die Silberschlägereien in Fürth und Schwabach stellen wegen flauen Geschäftsganges 14 Tage die Arbeit ein Soziales. Die völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ist in Offenbach(Main) vom größten Teil der Geschaftsinhaber freiwillig eingeführt. Jetzt hat endlich die Handelskammer beschlossen, bei der hessischen Regierung die Genehmigung eines bereits von der Stadt Offenbach beschlossenen Ortsstatutes über die Einführung der völligen Sonntagsruhe zu empfehlen. Wenn die Regierung keine weiteren Schwierigkeiten macht, dürfte die großte Industriestadt Hessens bald völlige Sonntagsruhe im Handelsgewerbe haben. Industrie, Handel und Ki. Der den Mitgliebern Bruderzwist in der Warenhaus=Dynastie. Zwischen dern der Warenhaus=Dynastie Wertheim ist eine grimme Fehde entbrannt. Drei Brüder haben gemeinsam die Berliner Warenhausherrschaft begründet und bis vor wenigen Monaten in Eintracht zusammen beherrscht. Nun hat die Dynastie sich gespalten, zwei Brüder sind Herren der Warenhausburgen geblieben, der dritte Bruder ist auf dem nicht ganz feudal anmutenden Wege der Liquidation ausgekauft und abgefunden worden. Mit einem Riesenvermögen und dem Schwur der Rache verließ er die heiß umstrittenen Basare. Der aus dem Dynastengeschlecht derer von Wertheim ausgestoßene Wolf Wertheim rüstete alsbald zum Kampf, mit denselben Mitteln, mit denen die Macht des Hauses Wertheim errichtet wurde, will er sie jetzt schlagen und womöglich vernichten. Neue Konkurrenz dem alten Wertheim war die Losung des streitbaren Entthronten. In der Nähe des großen Wertheimbaues in der Leipzigerstraße erwarb er ein bisher Restaurationszwecken dienendes Gebäude, das r in ein Parenhaus umwandeln läßt. Dies war nur der Anfang, er suchte nach jeder Möglichkeit, um weitere. Warenhauskonkurrenzunternehmungen zu errichten. Die Gelegenheit war günstig, kurzlich ist das Passagekaufhaus im Norden Berlins verkracht, das im vorigen Jahr mit vielem Geschrei als Warenhaus vereinigter Detaillisten eröffnet worden war. Die Fortführung dieses Unternehmens als„reines" Warenhaus war von wenig Erfolg begleitet, jetzt ist es in den Besitz des Herrn Wolf Wertheim übergegangen, der die Gebäude mietet und das gesamte Warenlager übernimmt. Nicht Rivalität unter den Warenhaus=Dynasten hat zum Kampfe geführt, ebensowenig waren es geschäftliche Meinungsverschiedenheiten, lediglich Gründe privatester Natur haben ihn hervorgerufen. In einer Sitzung des Berliner Kaufmannsgerichts offenbarte sich der Grimm, mit dem die Warenhausbrüder sich bekämpfen. Die alten Wertheims, die ihre kaufmännischen Angestellten übel mit der berüchtigten Konkurrenzklausel plagen, haben die Konkurrenzklauselbestimmung dahin erweitert, daß Angestellte, die ihre Stellung bei ihnen aufgeben, auch nicht in die neuen Unternehmungen ihres feindlichen Bruders eintreten dürfen. Eine Angestellte hatte diese Bestimmung durchbrochen, die Wertheims forderten nicht nur die Zahlung einer Konventionalstrafe, sondern die Verhängung von Haftstrafen. Das Gericht wies diese unerhörte Zumutung selbstverständlich zurück. Zur Begründung dieses skandalösen Verlangens besonderen Wertheim habe wiederholt erklärt, daß er die neuen Warenhäuser einzig und allein deshalb gründe, um seine Brüder zu schädigen. Das Kaufmannsgericht hatte kein Verständnis dafür, daß die durch die alten Konkurrenzklauselbestimmungen schon liegen, sich ohne Mitwirkung von Mikroorganismen Pilzen, Bakterien nur infolge der Atmung hochgradig erwärmen können. Das war bisher noch nicht bekannt, während man wußte, daß samon und Rlüten sich stark selbst erwörm: D keimende Samen und Bluten sich stüalk selrnt eewarmen. Die Versuche wurden so angestellt, daß in Weidenkörb Blätte. raum benkörben liegende er in verschließbare Kisten gesetzt wurden und der Zwi zwischen Korb und Kiste mit Holzwolle ausgefüllt wi 50 sche Warde. In die Blattmasse wurde ein Thermometer eingesenkt, dessen Skala über den Deckel der Kiste herausragte. Während die Temperatur der Umgebung nur wenig schwankte, zeigte das Thermometer eine ganz erhebliche Erwarmung innerhalb der Blattmasse an. Die höchste Temperatur wurde erreicht bei den Blättern des Birnbaumes; sie erhitzen sich innerhalb 27 Stunden auf 59 Grad. Bei Weißbuche, Robinie und Linde wurde die hochste Temperatur von 51 Grad innerhalb 15 bezw. 13 oder 27½ Stunden erreicht. Wallnußblätter brauchten 43½ Stunde, um sich bis zu 50 Grad zu erhitzen, Blätter der Salzweide 22 Stunden, um auf 47 Grad zu kommen. Goldregenblätter erwärmten sich in 18½ Stunden auf 46 Grad, und solche des Weinstocks in 28 Stunden auf 43 Grad. Andere Blätter wieder erwärmen sich garnicht oder nur sehr wenig, und zwar sind das namentlich die von immergrünen Pflanzen, die wahrscheinlich sehr wenig atmen. Die nähere Untersuchung der Blatter zeigte, daß die Erwärmung durch den Atmungsprozeß hervorgerufen ist, durch welche die Blätter bekanntlich Koylensäure aus der Luft aufnehmen und Sauerstoff abgeben. Die Erwärmung wird manchmal so sehr gesteigert, daß sie die Temperatur übersteigt, bei welcher die Blatter noch leben können; sie steigt später noch einmal hoch an. Dieses zweite Ansteigen beruht auf der Wirkung kleiner Lebewesen, die auf den getöteten Blättern günstige Levensbedingungen finden und nun ihre Tätigkeit dort entfalten. Beim Abpflücken werden ja die Blätter verwundet, und diese Verwundung trägt wahrscheinlich ebenfalls zur Temperaturerhöhung bei. Die Hauptsache jedoch macht dabei der Atmungsprozeß aus, denn auch zusammengebundene Zweige, die noch ihren Blattschmuck tragen, zeigen diese Erwarmung. Unter Wasser sterben die Blätter schneller ab als in der Luft, weil ihnen das Atmen erschwert wird. Sehr schön kann man nach Molisch die demonstrieren, indem man ein unten geschlossenes, oben ballonitzung artig aufgeblasenes Rohr, das etwa zu einem Drittel mit färbtem Aether gefüllt ist, in die Blattmasse steckt. Deren Erwärmung genügt dann, um den Aether zum Sieden zu bringen. Paprikaschellfisch. Mehrere feingehackte Zwiebeln werden in Butter gar gedünstet, mit Sahne und etwas Paprika(nach Geschmack) durchgekocht und darin kleine, in Stücke geschnittene und gesalzene Schellfische mit gar gemacht. In die Brühe gibt man Butter und rührt sie mit Eigelb ab. unerträglich gefesselt herhalten sollen, der schwerung ihres wir Kampf der alten un teien mit genügend versehen sind, recht *r Bielefeld, 7. Vergehens gegen da mann Sichelschmidt gericht zu Bielefeld, verhandelte, hatte de freigesprochen. Geg anwaltschaft Berufu treter der Queller M schen Kochapparats der Patentierung de Fleischerzeitung ein erschienen, welches d erweckte den Ansche Reichspatentamt gese angemeldet war. D sehen seiner Angeste vorliegen müsse. Di welches bedeute, daß amte angemeldet se Vorderrichter, den gegen die Patentgese verurteilte den Ange 2 Tagen Gefängnis das Publikum in der rat gesetzlich geschützt „a“, der hier in dem „angemeldet“ schreib Der 17 Jahre Eininghausen hatte Freund besuchen wol sehen. Vom Jagdfi seines Freundes von Lauf geschoben und gegeben. Als der P Haslein ganz gesund suchen. Das Schöff des jungen Bursche kammer war aber ar verurteilte den Uebe 2 Tagen Gefängnis. vor einer härteren Künstliche Kopfm änderungen, die die haben, ist die durch des Kopfes, die uns krates und Plinius Schädelfunde belegt stromes, an der O Mexiko und Nordam einigen Völkerstämm Ozeans, auch in Ei Schädelfunde am sonders beliebt ware: reich, wo noch heute Zur Kopfumforn Brettchen, Kompresse tümlicher Weise ang fahrung wußten, daß sehr elastisch ist und weichen Knochen me und mehrere Jahre dagierungen unterw imstande waren, sie Vier verschiedene bevorzugt. Erstens hinten und so in die des Kopfes von der längert und dadurch kleinert wurde. Die „Turmkopf“, dessen Bänder sturk vergrö Knochen in die Brei Bei der dritten Stirn und des Sche man den Kindern e legte und so die Aus stutzte. In diesen S vor dem Kopfe hatte drückt. Dasselbe B dem Kopf, die einen auf dem Scheitel un gen vor und hinter Häuptlinge als Ran Die Kopfmißbildi Vornehmen vorgeno als Zeichen ihrer be kamen. Das ist nich den Peruanern und Verkümmerungen waren erst in zweite In der Normank der Mädchen durche kopf oder unter den Einschnürung. Die die Entwicklung des Irrenärzte dahin zu gung der Gehirnsen Individuums abgesch hirns wird erschwert erzeugt. So waren Dr. Lunier von 38 3 Idiotismus, 5 an Ge 1 an Melancholie, 1 Zahlen zeigen aufs: natürlichen Kopfforn Wie lernt die Ka schäftigt sich lange n ihrem instinktiven N ahmung bestehe. Un Katzen vorgenommen Lieblingstatigkeit, de interessanten Ergebr erlauben. Im„Cen der Harvard=Univer satz über diese Verst genommen hat. 6 Stunden täglich beol eine Katze von der I wurden in Kasten ge beobachten konnten,1 der alten Katze, wer schaut hatten, allerle stoßen des Schiebers lasche oder das Roll Tür aufzuschieben le Minuten, die zweite es an fünf verschied nicht zustande bringe sam vonstatten, aber en jede Unterstützung ab, derweitig durchzuschlagen. dann beauftragt, der enntnis zu geben und die ingebote nach dem Elbecht ausgeschlossen sei, daß b gesetzten Fahrzeuge mit versuchten. Baugewerbe. Es ist beEinigungsverhandlungen gleitet sein werden. Die heiter aller Branchen im schon tiefe Wunden gewunscht wird. Vor dem r der Unternehmer und der beiden Mitgliedersämtliche an der Ausvom 1. 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Deren Erzum Sieden zu bringen. ckte Zwiebeln werden in twas Paprika(nach GeStücke geschnittene und In die Brühe gibt man unerträglich gefesselten und gehetzten Angestellten nun auch dazu herhalten sollen, den Bruderzwist mit einer noch weiteren Erschwerung ihres wirtschaftlichen Fortkommens zu bezahlen. Der Kampf der alten und der neuen Wertheims kann, da beide Parteien mit genügendem kapitalistischen Rüstzeug und Proviant versehen sind, recht interessante Erscheinungen zeitigen. *r Bielefeld, 7. August. Ferienstrefkammer. Wegen Vergehens gegen das Patentgesetz hatte sich der Kaufmann Hermann Sichelschmidt von Quelle zu verantworten. Das Schöffengericht zu Bielefeld, welches in erster Instanz in dieser Sache verhandelte, hatte den Angeklagten in der Sitzung vom 9. Juni freigesprochen. Gegen dieses Urteil war von seiten der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Der Angeklagte hatte als Vertreter der Queller Metallwarenfabrik die Erfindung des Wöhlerschen Kochapparats erworben. Dieser Apparat war zum Zwecke der Patentierung dem Patentamte eingereicht. Nun war in der Fleischerzeitung ein Inserat über den Wöhlerschen Kochapparat erschienen, welches die Worte D. R.=P. aufwies. Dieses Inserat erweckte den Anschein, als sei der Apparat durch das deutsche Reichspatentamt geschützt, während es doch erst zur Patentierung angemeldet war. Der Angeklagte behauptet, daß hier ein Versehen seiner Angestellten oder der Redaktion der Fleischerzeitung vorliegen müsse. Dem D. R.-P. habe er stets ein a angehängt, welches bedeute, daß der Apparat dem deutschen Reichspapentamte angemeldet sei. Die Strafkammer hielt, entgegen dem Vorderrichter, den Angeklagten eines fahrlässigen Vergehens gegen die Patentgesetze für schuldig, hob das erste Urteil auf und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 Mk. ev. 2 Tagen Gefängnis. Es sei durch die Bezeichnung D. R.=P. das Publikum in den Irrtum versetzt worden, als sei der Apparat gesetzlich geschützt, der Angeklagte hätte statt des Buchstabens „a“, der hier in dem Inserat auch gefehlt habe, einfach das Wort „angemeldet“ schreiben sollen Der 17 Jahre alte Fabrikarbeiter Heinrich Bentrup von Eininghausen hatte am Abend des 6. März d. J., als er seinen Freund besuchen wollte, einen Hasen in dessen Kohlgarten laufen sehen. Vom Jagdfieber erfaßt, hat der Bursche das Gewehr seines Freundes von der Wand genommen, eine Patrone in den Lauf geschoben und einen Schuß auf den armen Lampe abSöslein 2s der Pulverdampf sich verzoggse, Pgt## lech man das hä##llin ganz gesund und munter in schneuer Fiucht das Weite suchen. Das Schoffengericht zu Lübbecke hatte in dem Treiben des jungen Burschen kein Jagdvergehen erblickt. Die Strafkammer war aber anderer Ansicht, hob das erste Urteil auf und verurteilte den Uebeltäter zu einer Geldstrafe von 10 Mk. ev. 2 Tagen Gefängnis. Nur die Jugend konnte den Angeklagten vor einer härteren Strafe bewahren.(!) Kleines Lenineton. Künstliche Kopfmißbildungen. Eine der barbarischsten Veränderungen, die die Menschen mit ihrem Körper vorgenommen haben, ist die durch mechanische Hilfsmittel erzeugte Umformung des Kopfes, die uns schon von den alten Schriftstellern Hippokrates und Plinius berichtet wird, noch augenfälliger aber durch Schädelfunde belegt worden ist. An den Ufern des Amazonenstromes, an der Ost= und Westküste Südamerikas, in Peru, Mexiko und Nordamerika war und ist diese Sitte noch heute bei einigen Völkerstämmen beheimatet. Aber nicht nur jenseits des Ozeans, auch in Europa hat sie ihre Anhänger gehabt, wie Schädelfunde am Südabhange des Kaukasus beweisen. Besonders beliebt waren Schädelumformungen im südlichen Frankreich, wo noch heute derartige Fälle nachgewiesen worden sind. Zur Kopfumformung wurden dem neugeborenen Kinde Brettchen, Kompressen, Binden, Häubchen und Tücher in eigentümlicher Weise angelegt, da auch die rohesten Völker aus Erfahrung wußten, daß der menschliche Kopf in frühester Kindheit sehr elastisch ist und die noch nicht miteinander festverwachsenen weichen Knochen mechanischen Einwirkungen nachgeben. Zwei und mehrere Jahre hindurch wurden die Kinder solchen Bandagierungen unterworfen, ohne daß ihre Schmerzäußerungen imstande waren, sie von dieser Qual zu befreien. Vier verschiedene Arten von Umformungen wurden besonders bevorzugt. Erstens der zylinderförmige Kopf, der schief nach hinten und so in die Länge gezogen wurde, daß der Durchmesser des Kopfes von der Stirn zum Hinterhaupt ungewöhnlich verlängert und dadurch der Schädelraum des Gehirns etwas verkleinert wurde. Die zweite Art ist der zuckerhutförmige oder der „Turmkopf“, dessen Höhendurchmesser durch rund herumgelegte Bänder stark vergrößert wurde, während die Ausdehnung der Knochen in die Breite dadurch beschränkt war. Bei der dritten Art suchte man eine starke Abplattung der Stirn und des Scheitels hervorzurufen und zwar dadurch, daß man den Kindern ein größeres Brett vor Stirn und Scheitel legte und so die Ausdehnung des Schädels in die Breite unterstutzte. In diesen Schädeln, die demnach buchstäblich ein Brett vor dem Kopfe hatten, wurde das Gehirn vollständig platt gedrückt. Dasselbe Brett hatten auch die Flachkopfindianer vor dem Kopf, die einen eigentümlichen Schädel mit breiter Rinne auf dem Scheitel und am Hinterhaupt, mit kantigen Vorsprüngen vor und hinter der Kranznaht bei den Sproßlingen ihrer Hauptlinge als Rangauszeichnung hervorriefen. Die Kopfmißbildung wurde nämlich nur an den Kindern der Vornehmen vorgenommen, die solche Gehirnverkümmerungen als Zeichen ihrer besseren Geburt mit auf den Lebensweg bekamen. Das ist nicht nur bei den Indianern, sondern auch bei den Peruanern und in Mexiko die hauptsächlichste Ursache der Verkümmerungen gewesen. Abweichende Schönheitsbegriffe waren erst in zweiter Linie die Veranlassung dazu. In der Normandie und in Toulouse gibt man den Köpfen der Mädchen durch eine Binde, die entweder unter dem Hinterkopf oder unter dem Kinn verknüpft wird, eine sattelförmige Einschnürung. Die nachteiligen Folgen dieser Umbildung auf die Entwicklung des Gehirns haben viele bedeutende franzosische Irrenärzte dayin zusammengefaßt, daß durch die Beeintrachtigung der Gehirnsentfaltung die intellektuellen Fähigkeiten des Individuums abgeschwächt werden. Die Ernährung des Gehirns wird erschwert und die Veranlagung zu Geisteskrankheiten erzeugt. So waren nach den Angaben des französischen Arztes Dr. Lunier von 38 Frauen mit solcher Mißbildung krank: 13 an Idiotismus, 5 an Geistesschwäche, 7 an Fallsucht, 2 an Lähmung, 1 an Melancholie, 1 an Hysterie und 3 an Nymphomanie. Diese Zahlen zeigen aufs deutlichste, welche Folgen die Umbildung der natürlichen Kopfform hat. Wie lernt die Katze Mäuse fangen? Die Tierpsychologie beschäftigt sich lange mit dem Problem, ob bei den Tieren außer ihrem instinktiven Nachahmungstrieb auch eine absichtliche Nachahmung bestehe. Untersuchungen, die man in der letzten Zeit bei Katzen vorgenommen hat und die sich un er anderem mit deren Lieblingstatigkeit, dem Mäusefangen, beschäftigen, haben nun zu interessanten Ergebnissen geführt, die eine bejahende Antwort erlauben. Im„Century Magazine“ berichtet der Professor an der Harvard=Universität Robert Yerkes in einem längeren Aufsatz über diese Versuche, die er zusammen mit Dr. Berry vorgenommen hat. 6 Monate hindurch wurden neun Katzen drei Stunden täglich beobachtet. Als heste Versuchstiere erwiesen sich eine Katze von der Insel Man und ihre drei Jungen. Die Tiere wurden in Kasten gesetzt, von denen aus sie einander ganz genau beobachten konnten, und es ergab sich, daß die Jungen allmahlich der alten Katze, wenn sie ihr sechs= oder mehrmal genau zugeschaut hatten, allerlei Kniffe ablernten, zum Beispiel das Aufstoßen des Schiebers an der Tür, das Trinken aus einer Milchlasche oder das Rollen eines Balles in ein bestimmtes Loch. Die Tür aufzuschieben lernte die eine der kleinen Katzen in zwanzig Minuten, die zweite etwa ebenso schnell, die dritte aber konnte es an fünf verschiedenen Tagen, obgleich sie sich sehr bemühte, nicht zustande bringen. Das Begreifen der Tiere ging nur langsam vonstatten, aber die Fähigkeit bewußter Nachahmung zeigte sich doch bei ihnen entwickelt. Das interessanteste Experiment bestand in einer Untersuchung,„wie die Katze Mäuse fangen lernt". Die jungen Katzen wurden im Alter von 5 Monaten, wo sie bereits genügende Größe und Stärke besaßen, um sogar eine große Maus zu töten, in einen großen Käfig zusammen mit einer Maus eingesperrt. Natürlich war darauf gehalten, daß sie niemals vorher das Fangen oder Töten einer Maus gesehen hatten. Die Kätzchen hatten zunächst vor der großen schwarzen Maus ein wenig Furcht und näherten sich ihr sehr vorsichtig. Als die Maus voller Schrecken weglief, rannten sie ihr nach und fingen mit ihr zu spielen an, ohne sie irgendwie zu kratzen oder zu schlagen. Nach einer Stunde konnte die Maus, ohne daß sie einen Schaden erlitten hatte, aus dem Käfig entfernt werden. In diesen mehrmals wiederholten Versuchen gaben die Katzen nicht die geringste instinktive Absicht kund, eine Maus zu fangen, zu töten und zu fressen. Allmählich gewöhnten sich die Katzen an das neue lebende Spielwerk, schlugen auch einmal mit den Krallen stärker zu, aber niemals verletzten sie die Maus ernstlich, auch nicht als man sie hatte 24 Stunden hungern lassen. Nach sechswochiger Gewöhnung an die Maus wurde nun den jungen Katzen Gelegenheit gegeben, die alte Katze beim Töten und Fressen einer Maus zu veobachten. Man wollte konstatieren, ob sie nun wenigstens den Mausefang erlernen könnten, den man doch bisher für einen den Katzen angeborenen Instinkt gehalten hatte. Während also die eine junge Katze mit der Maus spielte, wurde plötzlich die alte Katze in den Käfig gelassen, die die Maus sofort tötete und verzehrte, während die junge Katze zusah. Sobald die alte Katze ihren Raub gefressen hatte, wurde sie wieder aus dem Käfig entfernt und der jungen Katze eine neue Maus gegeben. Sie spielte mit ihr, ebenso wie sie es mit der anderen getan hatte, ohne den geringsten Anschein, daß sie sich das gemerkt hätte, was sie eben gesehen. Erst als die alte Katze mehrmals Mäuse vor den Jungen getötet und ihnen von dem Fleisch zu essen gegeben hatte, lernten sie allmählich den Mäusefang. Durch dieses Experiment wurde also bewiesen, daß junge Katzen im Alter von 5 bis 7 Monaten keine instinktive Neigung haben, Mäuse zu fangen und zu töten, sondern daß sie es erst durch häufigere Beobachtungen der alten Katze erlernen, es also in einer bewußten, mit Willen verfolgten Nachahmung tun. Die Frau bei den Jungtürken. Interessante Aufschlüsse über den Entwicklungsgang der türkischen Frau unter dem neuen Regime hat Frau Marcelle Tinayre, die bekannte französische Publizistin, einer Mitarbeiterin des„Gil Blas“ gemacht, die über ihre Unterredung mit der von ihrer Konstantinopeler Studienreise zurückgekehrten Schriftstellerin ausführlichen Bericht gibt. Diese Studienreise hat Frau Tinayre ausgiebige Gelegenheit verschafft, in das Leben der jungtürkischen Frauen tiefere Einblicke zu tun als es den Besuchern Konstantinopels gemeinhin vergönnt ist. Mit uneingeschränktem Lob spricht sich die Pariserin über das politische Interesse, den Bildungstrieb, das hochentwickelte Vaterlandsgefühl und den aller Klatsch= und Plaudersucht abgeneigten Ernst ihrer jungtürkischen Schwestern aus.„Wenn eine Französin mit ihren Toiletten, ihren Riesenhüten und ihren freien Umgangsformen in Konstantinopel erscheint und das Haus einer Mohammedanerin betritt, wird sie absolut keine Verwunderung bei der türkischen Dame erregen, mit um so größerem Erstaunen wird sie selbst aber die Eleganz, die Kultur und das untadelige distinguierte Wesen der Orientalin konstatieren.„Sie fragen mich, ob die Frauen an der Revolution tätigen Anteil genommen haben? Ja freilich, und die Rolle, die sie dabei gespielt, war wahrlich nicht unwichtig. Unter ihrem Tscharschaf sicher geborgen, durcheilten sie unerkannt die Straßen, um Befehle zu übermitteln, den Mut der Schwankenden zu beleben und ihren Vätern, Brüdern und Gatten mit Rat beizustehen. Ob sie viel für sich von der Neuordnung der Dinge erhoffen? Vielleicht, indessen empfiehlt sich bei Besprechung dieses Punktes vorsichtige Zurückhaltung, um alles zu vermeiden, was dem Mißtrauen der fanatischen Heißsporne Nahrung geben könnte. Ich hatte da unten mir eine Frau von Geist und Herz als Busenfreundin gewonnen: Selma Hanaun, die Schwester Achmed=Rizas. Sie war die erste, die vor einer unvorsichtigen Erörterung der Frage der Frauenrechte eindringlich warnte. Die türkische Frau ist zu fest in den Schraubstock des überlieferten Sittengesetzes gepreßt, als daß sie sich ohne schweren Schaden daraus befreien könnte. Hier ist nur mit geduldigem Zuwarten etwas zu erreichen, und nur ein schrittweises Vorgehen kann der Frau die Freiheiten und die Rechte erwerben, die ihr bis hierher vorbehalten geblieben. Die Frage der Interviewerin, ob wirklich Frauen auf offener Straße gesteinigt worden sind, weil sie sich in Hüten gezeigt hatten, gab Frau Tinayre Anlaß, sich über die Stellung des Mannes zur Frau wie folgt zu außern:„Die modernsten der Jungtürken sind unbeschadet ihrer fortgeschrittenen Ideen ungleich fanatischer als die anderen, wenn es sich um ihre Frauen handelt. Ein Gatte hat nicht das Recht, seine Frau zu begleiten oder sie auf der Straße anzusprechen, so wenig wie ein Bruder mit seiner Schwester sprechen darf. Die Passanten wären in diesem Falle befugt, zu intervenieren und für schnelle Justiz zu sorgen. So ist es auch vorgekommen, daß man ein junges Mädchen in Stücke gerissen hat, das es gewagt hatte, sich in europäischer Kleidung an der Seite ihres Bruders in Stambul zu zeigen. Aber ich kann Sie versichern, daß die Frauen gar nicht so neuerungssüchtig sind, als man glaubt und vor allem als man schreibt. Die Lebensbedingungen der türkischen Frau sind derart, daß sie uns fast mit Neid erfüllen könnten. Es gibt keine alte Jungfern. Sie sind alle verheiratet und versorgt, ohne daß sie es notig hätten, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten. Wird die Ehe geschieden, dann kehrt die Frau ins Elternhaus zurück und der Gatte ist gehalten, ihr die Mitgift zurückzuzahlen oder, wenn eine solche nicht in die Ehe gebracht worden, ihr eine Rente auszusetzen. Die Türken sind ausnahmslos Monogamen, gut und rücksichtsvoll gegen ihre Frauen, die ihrerseits janft und gutmütig sind und vor uns den Vorzug haben, daß sie über den lieben Nächsten nicht klatschen.“ Schellfisch gespickt. Ein mittelgroßer Schellfisch wird in üblicher Weise rein gemacht, in der Mitte vorsichtig die Haut abgezogen und der Fisch dort gespickt. Dann wird er mit Salz eingerieben, in eine Pfanne auf Speckscheiben gelegt, mit feingeschnittenen Zwiebeln bestreut und unter Beigabe von etwas Butter und saurer Sahne im Ofen bei nicht zu starkem Feuer goldgelb gebraten. Der Fisch schmeckt auf diese Weise zubereitet besonders kräftig. Die Brühe verdickt man mit etwas Mondamin oder Mehl zu Sauce. Luftschiffahrt und Hygiene. Ueber dieses Thema veröffentlicht Prof. Dr. Max Neißer, Direktor des städtischen hygien. Instituts in Frankfurt, in der Wochen=Rundschau Ila, Organ der Internationalen Luftschiffahrt=Ausstellung in Franksurt, folgende Ausführungen: Ob das lenkbare Luftschiff als Luftkreuzer eine machtige Waffe werden wird, ob es als Passagier= schiff ein wirkliches Verkehrsmittel sein wird,— diese Fragen kann nur die Zukunft beantworten; daß es aber sehr bald ein souveränes Beobachtungsmittel sein wird, das läßt sich auch schon jetzt mit Sicherheit behaupten. In keiner Weise läßt sich die Atmosphäre und die Erdoberfläche so ausgiebig erforschen wie mit Hilfe des Luftschiffes. Beides aber, Atmosphäre wie Erdoberfläche, sind auch Gegenstände des Studiums für den Hygieniker: die Atmesphäre nicht im Sinne des Meteorologen und die Erdoberfläche nicht im Sinne des Geographen, sondern nur insoweit, als sie Beziehungen zu hygienischen Einrichtungen oder zur Gesundheit der Bevolkerung haben. Wer weiß, wie umständlich es bisher war, ein gebirgiges Terrain, das fur die Anlage eines Stauweihers in Betracht kam, wirklich gründlich zu durchstreisen, welcher ausgedehnten und nicht immer leichten Erforschung es bedurfte, um zu erkennen, welches bewaldete wasserreiche Gebirgstal in Aussicht zu nehmen ist, wie weit es mit menschlichen Ansiedlungen besetzt ist, ob auf den Höhenzügen bestellte Felder sind,— kurz alle die Punkte zu übersehen, welche der Hygieniker bei der Auswahl eines Stauweihers für Trinkwasserversorgug zu berücksichtigen hat, wird an die nahe Zeit mit Befriedigung denken, in der es ihm möglich sein wird, alle diese Fragen in vollster Anschaulichkeit und Uebersichtlichkeit vom Luftschiff aus mit einem Blick zu beantworten. Auch für die Besichtigung großer Gebiete, die für die Grundwasser- oder Quellwasser=Versorgung ausersehen sind, bei denen Einzelheiten eine so wichtige Rolle spielen, wie Ziegelbrennereien, welche den Boden tief aufwühlen und Strecken der schützenden Lehmdecke aufreißen, oder tiefe Sandgruben, Schmutzwässergräben, kleine spaltenreiche Felspartien usw., wird die Erkundung mittels des Luftschiffes von Wichtigleit sein und schnell und leicht zeigen, was sonst in schwer passierbaren Gebieten von Quadratkilo= metern nicht immer leicht zu finden ist. Natürlich zeigt die Karte viele solche Einzelheiten und sie wird auch den Führer für die Luftschifferkundung bilden, aber die Anschaulichkeit ist unersetzbar, wie es ja selbst für den Geübten viel leichter ist, ein Musikstück zu erfassen, wenn er es hört, als wenn er nur auf die Partitur angewiesen ist. Wichtige Punkte werden photographiert werden, um als Anhalt für die endgiltige Besichtigung zu dienen. Besonders lehrreiche Uebersichtsbilder gibt die Ballonfahrt auch für die Flußverunreinigung; so kann man den Einlauf der Abwässer der großen chemischen Fabriken in den Main vom Korb aus mainabwärts lange verfolgen. Von der Atmosphäre ist es hauptsächlich die Verunreinigung der Stadtluft, welche den Hygieniker interessiert und die von der Korbperspektive aus bequem zu überblicken ist. Die Dunstwolke über den großen Städten, dieses häßliche Abfallprodukt der Industrie und der Heizung, zeichnet sich klar ab, die schwarzen Wolken der Industrie und des Bahnhofs sieht man in die Lüfte kriechen und sie vom Westwind und Südwestwind, unseren häufigsten Winden, den lufthungrigen Bewohnern der Stadt zugetrieben werden. Auch der Fesselballon. an verschiedenen Stellen aufgelassen, dürfte für die Luftuntersuchungen in Betracht kommen; die Entnahme der Proben wäre heute keine besonders schwierige Aufgabe, seitdem Prof. Martin Hahn in München die viel schwierigere Aufgabe gelöst hat, Luftproben in verschiedenen Höhen vom Ballon aus anzusaugen, um den Keimgehalt der Luft in den höheren Schichten zu bestimmen. Hahn hat mit seinem interessanten Instrumentarium die Luft bis in diejenigen Höhen untersucht, in denen die Luft als völlig keimfrei anzusehen ist. Es besteht begründete Hoffnung, daß Hahn auch von hier aus in nächster Zeit Aufstiege mit seinem Instrumentarium im Freiballon machen wird, die dann vielleicht auch zu Photographien der Dunstschicht unserer Stadt benutzt werden können. Aber für rationelle hygienische Besichtigungen wird nur das lenkbare' Luftschiff Wert haben. Bastarde von Löwen und Tigern. In der Hagenbeckschen Raubtiersammlung in Stellingen bei Hamburg, die die bedeutendste der Welt ist, sind seit Jahren Versuche angestellt worden, unsere beiden größten Katzenarten zu kreuzen. Diese Versuche sind nach einem Bericht von Dr. A. Sokolowsty in Natur und Haus recht erfolgreich gewesen, und es hat sich gezeigt, daß die Produkte dieser Kreuzungen erstens dem Löwen in Gestalt und der helleren Färbung des Fells, das allerdings auch das sattere Kolorit des Tigers aufweist, gleichen; die Mähne fehlt, dafür ist aber der Backenbart des Tigers vorhanden. Im allgemeinen herrscht überhaupt der Löwencharakter vor. An den Tigern erinnern bei dem im Jahre 1902 geborenen Männchen außer den genannten Kennzeichen noch die ganze Gestalt, die längeren Beine und die Bauchwamme, die beim Löwen in solcher Ausbildung niemals auftritt. Die Bastarde sind aber friedfertiger und gutmütiger als die heimtückischen Tiger und gleichen nicht nur hierin, sondern auch in ihrer Stimme auffallend dem Löwen. Ein ferneres Ergebnis ist die bedeutendere Größe der Bastarde, eine Erscheinung, die auch sonst bei Kreuzungsversuchen festgestellt wurde. Beobachtungen in der freien Wildbahn und in den Tierparks haben endlich gezeigt, daß eine Bastardierung in der Natur wohl eine sehr untergeordnete Rolle bei der Entstehung neuer Arten spielt; im allgemeinen halten sich die Tiere, die zu einer Art gehören, streng zueinander und dulden keinen anders gearteten Eindringling. Nur beim Auer= und Birkwild kommt solche zur Entstehung von Rackelhühnern führende Vermischung auch in der freien Natur vor. Dr. Sokolowsky bezweifelt deshalb mit Recht, daß Kreuzungen zwischen unseren beiden größten Wildkatzen in freier Wildbahn überhaupt vorkommen, trotzdem Löwe und Tiger in manchen Gebieten Asiens gemeinsam leben. kig. Die Ursache der chronischen Gelenkentzündung. Zu den Formen der chronischen Gelenkentzündung oder des chronischen Gelenkrheumatismus gehört eine, die für die davon Betroffenen höchst unliebsame Folgen nach sich zieht. Der wissenschaftliche Name Artbritis deformans zeigt uns schon, was gemeint ist, denn die„entstellende Gelenkentzündung“ hat ähnliche Nachwirkungen, wie wir sie auch zuweilen bei der Gicht finden. Die Gelenke verdicken sich allmählich unter fortwährenden Schmerzen, versteifen und können schließlich aus dem Menschen ein hilfloses Geschöpf machen, das die verkrüppelten Hände und Füße nicht mehr benutzen kann. Ueber die Entstehungsursache waren wir bis jetzt im Unklaren, weshalb es ein großes Verdienst von Dr. Heckmann, einem Chirurgen in NewYork ist, daß er sich in der Münch. Medizin. Wochenschrift mit dieser Frage beschäftigt. Er unterscheidet zwei Formen der Arthritis deformans, nämlich eine solche, die nur ein Gelenk ergreift, und eine solche, die viele Gelenke befällt. Die erstere führt er mittelbar auf eine Verletzung zurück, sieht jedoch als deren tiefere Grundursache die Syphilis an. Diese ist dafür verantwortlich zu machen, daß die Gelenkverletzung und die darauf folgende Gelenkhautentzündung nicht wie gewöhnlich ausheilen, sondern schließlich zu der entstellenden Erkrankung führen. Etwas anders liegt die Sache, wenn es sich um mehrere Gelenke handelt. Hier beschuldigt Heckmann in erster Linie eine rheumatische Veranlagung, dann aber wieder die konstitutionelle Syphilis. Der Verlauf ist, wie wir wissen, ein chronischer, oder es kommt ein aus dem akuten in die chronische Form übergegangener Gelenkrheumatismus beim Syphilitiker in Frage. Auch hier ist die Syphilis dafür verantwortlich zu machen, daß das rheumatische Leiden nicht ausheilt und sich nicht, wie gewöhnlich, zurückbildet. Ob und in welchem Grade eine vorher bestehende Blutarmut und Bleichsucht eine Rolle spielen, läßt er unentschieden. Scheunenbrand. Halle, 8. August. Bei einem Scheunenbrand auf der Domäne Posa, den ein Stallschweizer durch leichtsinniges Wegwerfen eines brennenden Streichholzes verursachte, wurden 5 Handwerksburschen, die dort heimlich nächtigten, schwer verletzt. Der eine von ihnen starb alsbald nach der Einlieferung ins Krankenhaus, ein zweiter wurde bei den Aufräumungsarbeiten verkohlt aufgefunden. Drei Kinder aus dem Fenster gestürzt. Gleiwitz, 8. Aug. In Abwesenheit der Mutter stürzten drei Kinder aus dem Fenster des vierten Stockwerks auf das Straßenpflaster. Ein sechsjähriger Knabe ist tot, die übrigen sind schwer verletzt. Gasexplosion. Hamburg, 8. August. Als der Theaterdekorctionsmaler Gruber gestern vormittag mit seiner Familie am Frühstückstisch saß, machte sich ein starker Gasgeruch bemerkbar. Als man die Gasleitung ableuchtete, erfolgte eine starke Detonation und das ganze Zimmer wurde demoliert. Die beiden Söhne, zwei Schwestern und eine auch im Zimmer anwesende 20jährige Angestellte wurden schwer verletzt und mußten nach dem Krankenhause gebracht werden. Eine Person erlitt leichtere Verletzungen. Ein Dampfer aufgelaufen. Lissabon, 8. August. Der auf der Barre festgelaufene deutsche Sloman=Dampfer„Neapel“ ist von drei Schleppdampfern nicht frei zu bekommen. Der Dampfer ist unbeschädigt und muß einen Teil seiner Ladung löschen. " Die schwarze Hand. Newyork 8. August. Polizeiinspektoren deckten eine große Verschwörung der„Scharzen Hand“ auf, die ihren Hauptsitz in Trabia auf Sizilien und in den Staaten Ohio, Pennsylvania und Indiania hat. Die Polizei nahm gleichzeitig Massenverhaftungen italienischer Erpresser in diesen Staaten vor. Unter den Verhafteten befinden sich angeblich auch Komplicen an der Ermordung des Detektivs Petresino. An die italienischen Mitglieder der Verbrecherbanden wurden täglich 1000 Dollar nach Italien gesandt. Ein Flugapparat zerstört. London, 8. August. Ein von dem Marineleutnant Porte konstruierter Zweidecker=Aeroplan sollte gestern in Portsdownill einen Flugversuch unternehmen. In dem Augenblick, als der Apparat die Schienen verließ, wurde er jedoch zerschmettert. Standesamts-Nachrichten. Bielefeld. In der Zeit vom 2. bis 7. August d. J. sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Eisendreher Heinrich Brünger, Herforderstr. 214a; Prakt. Arzt, Doktor der Medizin Felex Dreyer, Kaiserstr. 115; Bäcker Friedrich Hagemeier, Alleestr. 4a; Bäcker Robert Altena, Osnabrückerstr. 65: Arbeiter Heinrich Klemme, Mühlenstr. 64: Bierbrauex Hermann Gerhart, Oststr. 22; Böttcher Anton Schindler, Heinrichstr. 13; Kaufmenn Gustav Holst, Bürgerweg 41; Arbeiter Karl Bamme, Spinnereistr. 3: Konditor Heinrich Pielsticker, Renteistr. 20; Arbeiter August Lösing, Oehlmühlenstr. 42; Vernickler Gustav Bokermann, Siegfriedstr. 28; Overtelegraphenassistent, August Mennecke. Siegfriedstr. 16a; Buchhändler Ernst Vaeth, Kaiserstr. 100; Maurer Christian Heyer, Mellerstr. 64. Töchter: Kämmereikassenbuchhalter Otto Uthoff, Oelmühlenstraße 66; Dekorationsmaler August Hammacher, Teichstr. 13; Eisendreher Rudolf Hellmann, Bleichstr. 159; Werkmeister Wilhelm Görke Kaiserstr. 22: Kesselschmied Otto Lienke, Langenhagen 29; Tischler Julius Hagemeyer, Siegfriedstr. 60; Maler Karl Kirchhoff. Oststr. 24; Arbeiter Gustav Gudszus, Spinnereistr. 3: Kaufmann Wilhelm Schils, Heeperstr. 54a; Polizeiassistent Paul Temming Gr. Kurfürstenstr. 6; Metallstanzer Dietrich Ruschenpöhler, Schloßhofstr. 27; Arbeiter Gustav Hülsmann, Blumenstr 17; Arbeiter Heinrich Wehmeyer, Ehlentrupperweg 1; Fuhrunternehmer Wilhelm Buddeaberg(gen. Specht), Osnabrückerstr. 42; Kapellmeister Friedrich Wienold, Steinmetzstr. 7; Arbeiter Hermann Holtkamp, Bleichstr. 197; Arbeiter Wilhelm Becker, Wittekindstr. 42; Arbeiter Friedrich Diembeck, Finkenstr. 32 Sterbefälle: Oberpostschaffner a. D. Friedrich Wiedey, 57 J.; Hans Imkamp, 3 Mon.: Artur Becker, 1 J.: Ehefrau Altersrentenempfänger Plaumann, Wilhelmine geb. Hecht, 68 Jahre; Mathilde Obermeier, 9 Mon.; Weber Ernst Stodieck, 59 J.: Restaurateur Julius Weitz, 38 J.; Ehefrau Metallschleifer Walkenhorst, Emma geb. Dieckmann, 22 J.; verw. Steinhauer Brandt, Marie geb. Gehne, 71 J.; Ehefrau Korzorbote Nettelstroth, Elise geb. Brickenkamp, 36 J.; Hans Pribyl, 3 Mon.; Sattlermeister Hermann Steinmeyer, 54 J.; Invalidenrentenempfänger Heinrich Ischer, 41 Jahre. Aufgebote; Bäcker Albert Heinoldt, Spindelstr. 40, und verw. Arbeiter Dulige, Anna geb. Buse, Bürgerweg 56; Kaufmann Friedrich Neumüller, Herford, und Frida Israel, KaiserWilhelmplatz 8; Wirt Gustav Bracksiek, Hallerweg 105, und Marie Hanhörster, daselbst. Eheschließungen: Lehrer Friedrich Wilhelm Recksiek und Emma Oberwetter, Kaufmann Heinrich Brünger und Helene Lange, Arbeiter Wilhelm Schulz und Marie Wangerin, Möbelpolierer Eugen Tepel und Auguste Brocke, Maschinen= chlasser, Gustav Klaß und Auguste Jeromin Buchbinder August no Emilie Teubner, Schlosser Adolf Lamm und Mathilde Pahde, Seemaschinist Friedrich Dücker und Alma Vogelsang, Kaufmann Hans Wagner und Anna Schäser, Weber Karl Dreeskornfeld und Paula Strunk, Eisenbahnschaffner Heinrich Steinkrüger und Mathilde Stückemann(gen. Stücke), Kaufmann Isaak Magnescheff und Hedwig Schönenberg. * Minden. Vom 25. bis 31. Juli. Geburten: Söhne: Arbeiter Büsching, Arbeiter Lück, Kaufmann Niehus, Hilfsbremser Kruse, Kupferschmied und Installateur Ohnesorg, Schlosser Hartmann, Postsekretär Bock. Töchter: Buchdruckmaschinenmeister Tiemeyer, Regierungssekretär Rühmekorb, Wirt Adolf Meyer, Soxtierer Bolke, Schmied Ferdinand Meyer, Zimmermann Wiese, Oberpostinspektor Dau. Aufgebote: Musketier Niemann in Mindenshit Christine Friederike Franke in Kutenhausen; Ziegler Stücker in Lage mit Johanne Luise Amalie Quisbrock in Lage; Arbeiter Gieseking mit Johanne Ermshaus in Minden; Bauhilfsarbeiter Scheibe in Häverstädt mit Wilhelmine Pohlmann in Häverstädt; Vizefeldwebel Molthahn in Minden mit Karoline Wilhelmine Sophie Möller in Jetenburg; Rangierer Dallmeier in Minden mit Karoline Selle in Uphausen; Bezirksfeldwebel Klusmeier in Minden mit Marie Elise Klausing in Lintorf; Bäcker von Behren mit Luise Finke in Minden. Eheschließungen: Kaufmann David mit Martha Kohlhase in Minden: Buchhändler Volkening mit Karoline Sültemeyer in Minden. Sterbefälle: Steindrucker Lück, 73 J. 6 M.; Sohn des Kaufmanns Riensch, 5 M.; Tochter des Bäckers Stadler, 1 M.; Malergehilfe Meike, 46 J. 1 M.: Tochter des Malers Paulmann, 2 M.; Ehefrau des Kolons Horstmeyer, geb. Waltke, 67 J.: Tochter des Arbeiters Werner, 1 J. 2 M.; Gendarmerie=Wachtmeister Schenke aus Gifhorn, 36 J.; Kolon und Vorsteher Röhmeier aus Dehme, 64 J. 4 M. Berichtigung: Dem Kutscher Meyer, Marienstr. 39, ist nicht eine Tochter, sondern ein Sohn geboren. Weciel“ Diskutierklub 8 Uhr im Restaurant„Stadt Bielefeld". Männer=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Viertmann, Bürgerweg. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Gütersloh: Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. A BfüT und Bienstag 4277 werden sämtliche ∆—* Schaufenstern— aus den sowie die übrigen Restbestände der 95 Pfg.-Woche veterausserkauf. Gobrader-Kauhhalnf Gegenüber dem Leineweber-Brunnen. Gegenüber dem Leineweber-Brunnen. Sohimertheater! (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute 8½2 Uhr: Volks-Vorstellung zu ermäßigten Preisen! Muttersegen oder 4273 Marie, die Perle von Savoyen. Schauspiel mit Gesang v. W. Friedrich. Dienstag, 10. August. Anf. 8½ Uhr. Zum 2. Male: Der Pfarrer von Kirchfeld. Volksstück m. Gesang v. L. Anzengruber. Vornotiz: Donnerstag, Benefiz? Caro,„Charleys Tante.“ Dienstag, den 10. August, abends 8½ Uhr: 4274 Großes Konzert im Garten„Hotel Kaiserhof“. (Walzer= u. Operetten=Abend.) Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. Freie Rabtahrer-Vereinigung = Bielefeld.= Mittwoch, 11. August, abends 9 Uhr: Mitgldr=Versanulang im Vereinskokal.[4278 Wahl der Delegierten zu der am Sonntag, den 22. August, in Bielefeld stattfindenden Bezirksversammlung. Keiner darf fehlen! Technikum Lemgo i. k. Bau-, Landbau-, höhere u. mittlers Naschinenbau-, Ziegler-, Heizer-, Elektroschule. Satzung. kostenfr. Beginn Anf. Nov. Vorunterr. Anf. Okt. Dochzeits=Eintadlungen Gefert schnell, sauber und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. „V Verwaltung Bielefeld und Umgegend. Am Dienstag, den 10. August 1909, abends 6½ Uhr, in der Centralhalle: .g. Kollege Paul Pawlowitsch-Solingen spricht über: Ludwig Börne.(Ein Charakterbild.) Die Ortsverwaltung will, vielfachen Wünschen der Mitglieder entsprechend, im Laufe des Herbstes und Winters eine Reihe von belehrenden Vorträgen halten lassen, erwartet aber auch, daß jeder Kollege für einen guten Besuch der Versammlungen agitiert. In der Septemberversammlung rezitiert Fräulein Paula Stahl Dichtungen von Ludwig Thoma.(4207 Die Ortsverwaltung. O ich bin klug und weise 3157 denkt manche Hausfrau, indene sie sich ein Paket Seifenpulver„Goldperle“ kauft, in welchem sie ein prächtiges Geschenk findet, das ihr große Freude mcht. Schutamnerts. Fabrikant: Gentner, Göppingen. !! Obacht wegen den vielen minderwertigen Nachahmungen!! o. R. F. 178 502 und 191 590 garantieren dauernde Gasersparnis von mindesteus 331/8 Prozent gegen Auer-Normal und stets gutes Unter vielen Städten ist auch Stuttgart am 1. August a. c. zu Olso=Licht übergegangen und hat 4275 — für Straßzenbeleuchtung 4500 Olso-Brenner aufgenommen.— Mit den bekannten Nachahmungen des Olso=Brenners hat die Stadt Stuttgart nach ca. einjährigen Versuchen keine guten Erfahrungen gemacht(laut Bericht des Amts= und Anzeigenblattes der Stadt Stuttgart vom 8. Juli a. c. über die öffentliche Gemeinderatssitzung). Wieder ein Beweis für die unerreichten Vorzüge der Olso-Brenner D. R. P. 178 502 und 191590. Verlangen Sie nur echte Olso-Brenner und weisen Sie Nachahmungen jeder Art entschieden zurück. Nonprze, Ceneral=Vertreter der Deutschen Tarr Henner, Olso=Licht=Centrale. Kontor u. Lager: Friedrichstr. 25. Telephon 1293. Wilhelm Kuper, S. Dreyer sen., Bielefeld, — Amtlicher Spediteur der Königl. Preuss. Staatsbahn— empfichlt sich zur billigen und zuverlässigen Besorgung von Speditionen, Möbel-Transporten, Rollfuhren und zur 5735 Einlagerung von Möbeln u. Gütern aller Art. 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Es suchen Arbeit: Bauarbeiter, Bohrer, Kernmacher, Schleifer, Hobler, Klempner, Dreher, Maschinenschlosser, Mechaniker, Buchbinder, Sattler und Polsterer, Tapezierer und Dekorateur, Müller, Bäcker, Schlachter, Maler, Maurer, Heizer, Fabrikarbeiter, Kaufleute, Hausknechte, Handlanger, Erdarbeiter, Kutscher, Knechte, Boten, Portier. 1 Neger sucht per sofort Stellung als Kellner (gute Zeugnisse.) Weibliche Abteilung. Es werden gesucht: Mehrere Dienstmädchen, Küchenmädchen, Köchinnen, 2. Mädchen und (Landmädchen. Es suchen Arbeit: 1 Haushälterin, 1 Kinderfrau, zwei Kindermädchen, mehrere Stunden=, Arbeits= und Waschfrauen. Bielefeld, den 6. August 1909. Die Verwaltung. Abonnementspt für Bielefeld und Umge wie bei sämtlichen Agen ins Haus gebracht 60 Pf lich. Durch die Post 1,80 Mk. vierteljährlich Bestellgeld. Einzelnummer 10 Erscheinungst mit Ausnahme der So Feiertage täglich nacht Fernsprech=Anschluß 9 ∆ 3 Nr. 184. Die heutige Schwede Dem„Vorwärts“ schrieben: „Wer in diesen T danken kommen, daß man überall vor den von neuem sieht mi patrouillen auf Viadukten stehen kriegerisch ausgerüstet auszuschauen— der man sucht ja diesen in der Arbeiterschaft, bewaffneten Machte Sie will nur vorläuf es, was der Regieru einflößt. Hier in Automobilwagen um ungewöhnliche Schau gepflanztem Bajonet städtischen Gas= und die Militärbewachun geben, Das Lande kanntlich in der Ma tungswesen aufgefort genehm war das de schlossen, sich den Wü ten sie es nicht duld Streikbrecher. Hätte Oberstatthalter dami Betriebe von außen die Arbeiter sich dam Soldaten im Betr an hundert Mann. dann unter allen Um zurückgezogen werde. wo es war, und au wortete die Direktior falls zum Schutz der wendig wären. Das dächtigung der Arbe anderen Leute, von werden ja nicht hine abgesehen, die Arbei sam zum Streik zu ja in diesen Tagen, ruht, nicht gebraucht In der ganzen S# wohnte Ruhe. Es vielmehr wie die Straßenbahn fährt ist eine seltene Ausn Leute fahren sieht. jeder, der irgendwo Am ersten Generalst unmöglich, einen we tagsüber nur wenige nach hat man sich ar gehen muß, wenn mi in der Hoffnung, de Ob, die Hoffnung be läufig ist jedenfalls den Parteien bekann die paar Berufe, die schließen, so daß die der Kampf mit sich damit zu rechnen, da tung mehr erse Gestern wurde i von einer Arbeits Man entrüstete sich daß nicht einmal mel sollten, es sei denn, d die Arbeit ausführt keineswegs in der sofort dafür gesorgt, sundheit unvermeidli Die Leichen habens gefahren zu werden; Die Versorgu wird natürlich imer auf Lager gelegt, abe auf die Zufuhr frisc zichten. Einige Res gäste, die auf Umw hineingelassen werde sind. Die Krankenh Rötigen gersorgt. von der Organisatio Streikenden gegenüb nicht etwa als Stre Im Volkshause he die Massen der St nicht auf. Der grö nach auswärts. Tai lich die einzige Bese den guten Fischen i wenn man genügend trggreicher als son diesen Gewässern so größeren Schiffe, di Die Seeschiffahrt Schiffen, die in der lungen, zu löschen ur allgemeinen Arbeits haupt, nur mit eige hat überhaupt kein können. Die Haltung der Nach den Polizeiber ger Vergehen vor