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Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Nieleseld. 166. heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Beamten-Besoldungsreform. Genarrt und betrogen. So toll es der Schnapsblock bei seiner Steuermacherei zum Schaden der breiten ärmeren Volksmassen getrieben, so arg ist auch die Art, wie er die Besoldungsfrage für Beamte und Offiziere zum Abschluß gebracht hat. Ein frivoleres Spiel kann nicht getrieben werden, als es sich in den letzten Wochen in der Budgetkommission und im Plenum des Reichstags abgespielt hat. Zum Narren gemacht wurden dabei die schlecht bezahlten Unterbeamten und betrogen werden die jungen Leute aus dem Volke, die man in den Soldatenrock steckt, ohne ihnen die Mittel zur Befriedigung der bescheidensten Ansprüche zu gewähren. Auf die Geschichte der Erhöhung der Beamtengehälter kurz einzugehen, verlohnt sich in dem Augenblick, wo die Budgetkommission dieses Werk zu einem Abschluß gebracht und der Schnapsblock des Reichstags seine Zustimmung gegeben hat. Betrachtet man die Vorgänge, die sich in bezug auf die Besoldungserhöhung seit der letzten Wahl abgespielt haben, im Zujammenhang, so sieht man erst recht, wie sehr die Beamten geprellt worden sind. Alle Hilfsmittel waren dem schon 1906 verkrachten Bülow recht, um sich durch die Hottentottenwahlen eine gefügige Reichstagsmehrheit zu verschaffen. Nicht nur der durch den Silvesterbrief vollends mobilisierte Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie wurde losgelassen, sondern auch der letzte Unterbeamte sollte für die bürgerlichen Parteien begeistert werden. Durch die Zollwucherpolitik des agrarischen Kanzlers sind auch die Beamten schwer betroffen worden. Ihr Gehalt blieb unverändert, während die Preise für Wohnung, Kohlen und Nahrungsmittel erschreckend in die Höhe getrieben wurden. Wachsende Unzufriedenheit machte sich in den Kreisen der Beamten bemerkbar. Bulow ließ ihnen während der Wahlbewegung eine Gehaltserhöhung in Aussicht stellen, falls die Wahlen für die Regierung befriedigend ausfielen. Dieses Lockmittel verfehlte seine Wirkung nicht. Es gab bei der Wahl keine eifrigeren Helfer für die bürgerlichen Parteien, als einen erheblichen Teil der Beamten, die durch weitgehende Versprechungen der bürgerlichen Kandidaten weiter angespornt worden waren. Mit der Bezeigung ihrer Erkenntlichkeit für geleistete Wahlhilfe an die Beamten hatte die Regierung es aber keineswegs eilig. Nur einen ganz winzigen Betrag wollte sie im Jahre 1907 für die Gewährung von Teurungszulagen zur Verfügung stellen. Es bedurfte des nachhaltigen Drängens aller Parteien des Reichstags, bis endlich einmalige Teuerungszulagen in Höhe von 100 Mk. für untere und 150 Mk. für die mittleren Beamten von der Regierung gewährt wurden. Leicht wurde der Regierung dieses Zugeständnis nicht, weil die Kasse leer war. Mit gepumptem Gelde wurden die Beamten vorläufig abgefunden. Für 1908 wurde die Erhöhung der Gehälter bestimmt in Aussicht gestellt. Aber die Beamten erlebten abermals eine herbe Enttäuschung. Die Parteien des Bülow=Blocks konnten sich über die Aufbringung der erforderlichen Steuern nicht einigen. Die Besoldungsreform unterblieb. Mit Teuerungszulagen, zu deren Auszahlung wieder 26½ Millionen Mark gepumpt wurden, mußte abermals der Unmut der darbenden Beamten etwas beschwichtigt werden. Erst Anfang November ging gleichzeitig mit den neuen Steuervorlagen dem Reichstage auch der Entwurf eines Besoldungsgesetzes mit den verschiedenen Besoldungsordnungen zu. Aber Begeisterung wurde durch die vorgeschlagenen neuen Gehaltssätze bei den unteren und mittleren Beamten keineswegs hervorgerufen. Große Enttäuschung mußte viel ach Platz greifen, weil die Forderungen der chlecht bezahlten Beamten nicht entfernt Be rücksichtigung gefunden hatten. Nicht nur aus Rücksicht auf die Reichsfinanzen war die Regierung bestrebt, die Gehaltsfätze besonders der unteren Beamten niedrig zu halten, sondern um der Interessen der Kommunen als Arbeitgeber und um des Profits der Kapitalisten willen. Wurde doch in der Begründung der Vorlage wörtlich gesagt: „Auch konnte die Rückwirkung nicht außer Betracht bleiben, welche sich aus den Besoldungsaufbesserungen der Reichsbeamten nicht nur auf die bundesstaatlichen und Gemeindebeamten, sondern auch auf die im Handel und in der Industrie Angestellten, sowie auf die ländlichen Arbeiter ergibt.“ Musterarbeitgeber soll danach das Reich insofern sein, daß es in bezug auf Niederhaltung der Löhne den kapitalistischen Ausbeutern mit gutem Beispiel vorangeht. Dem Drängen der Beamten auf leidlich auskömmliche Bezahlung glaubten sich auch die bürgerlichen Parteien nicht entziehen zu können. Kräftige Worte fanden im Plenum und später noch mehr in der Kommission die Herren von den bürgerlichen Parteien, die zu der Besoldungsfrage redeten. Mit seltener Einmütigkeit stellten sich alle Parteien ohne Ausnahme auf den Standpunkt, daß die für die Unterbeamten und die Assistenten vorgeschlagenen Gehaltssätze unzureichend seien. Die Gehälter wurden höher festgesetzt, trotz des Protestes des Herrn Sydow und unbekümmert um die Hinweise darauf, daß es nicht gut angehe, über die für die preußischen Beamten soeben festgesetzten Gehälter hinauszugehen. Die Beamten atmeten auf. wenn auch ihre Bezahlung selbst nach den Kommissionsbesch üssen, nichts weniger als üppig war. Bei dem Maß von Entschiedenheit, das alle bürgerlichen Abgeordneten an den Tag gelegd hatten, mußte es als ausgeschlossen erscheinen, uß die erweckten Hoffnungen so arg enttäuscht werden könnten, ##e es jetzt geschieht. Hatte die Kommission doch nicht nur die uneren Beamten aufgebessert, sondern sie war auch bei den Gehältern der höheren Beamten und der Offiziere erheblich über die Regierungssätze hinausgegangen. Allerdings hatte die Regierung den letzteren Beschlüssen kein hartes Unannehmbar entgegengesetzt. In der Zeit zwischen der ersten und der zweiten Lesung der besoldungsordnungen in der Kommission ging der Bülowblock für die Beamten Bielefeld, Dienstag, 20. Juli 1909. 20. Jahrg. eine total veränderte Situation. Als Oppositionspartei hatte das Zentrum der Regierung auf ihr Unannehmbar mit kühlem Gleichmut geantwortet, das Notwendige müsse geschehen. So unerbittlich der Schnapsblock sich gegenüber allen Vorstellungen von Regierungsseite in Sachen der Erbanfallsteuer bewies, so nachgiebig zeigte er sich bei der Festsetzung der Beamtengehälter in zweiter Lesung. Nur einen Augenblick schien es, als wenn der schwarze Block festbleiben würde, nämlich als er trotz des Protestes der Regierung in zweiter Lesung die Bezahlung der zahlreichen Klasse der Postschaffner bei 1200—1800 Mark beließ. Ein paar Zentrumsabgeordnete hatten nicht sofort einschwenken wollen. Mit dem Postbeamten Hamecher wurde kurzer Prozeß gemacht; seine Fraktion schiffte ihn aus der Kommission aus. Dann ging das Herabsetzen der Gehälter wie geschmiert. Statt 1100—1500 Mk. erhalten die Landbriefträger nur 1100—1400 Mk. Die Postunterbeamten in gehobener Dienststellung werden nicht 1600—2200 Mark, sondern nur 1400—2100 Mk. beziehen. Den Postassistenten wurden 300 Mk. abgeknöpft, statt 1800—3600 Mk. werden sie nur 1800—3300 Mk. bekommen. Dafür wurde allerdings das Höchstgehalt der Postsekretäre von 4000 auf 4200 Msk. heraufgesetzt. Auch die Postschaffner kamen schließlich nicht ungeschoren davon. Am Mittwoch abend wurde in einer Sitzung ihrem Gehalt die Ehre einer dritten Lesung zuteil mit dem Erfolge, daß eine Kürzung auf 1100—1700 Mt. eintrat. Immer wenn im Reiche gespart wird, geschieht es auf Kosten der Aermeren. Denen, die schon haben, wird immer mehr gegeben. In energischer Weise erhob das preußische Finanzministerium in der Budgetkommission zwar Einspruch dagegen, daß die vortragenden Räte in den Reichsämtern, ferner die Präsidenten der mittleren Reichsbehörden um Tausende von Mark besser bezahlt werden sollen, als die Regierung vorschlug, und als die ihnen gleichstehenden Beamten in Preußen. Das kümmerte den neuen Block nichts. Mit keinem Worte war auch davon die Rede, die Offiziersgehälter auf die Sätze der Regierungsvorlage herabzusetzen, trotzdem dadurch 2½ Millionen Mark erspart werden konnten. Das Gegenteil geschah! Das Wohnungsgeld für einige Kategorien von Offizieren wurde erhöht. Der sonst so sparsame Schatzsekretät Sydow meinte, er wolle gern noch 160 000—170000 Mk. drauflegen, wenn er dadurch mit den bürgerlichen Herren einig werden könne. Später zog der splendide Herr Schatzsekretär aber wieder andexe Saiten auf. Von der Deckungsfrage war die Rede. Bei der Forderung von 500 Millionen Mark neuer Steuern sind für das Jahr 1909 aus Anlaß der Besoldungsreform 991 Millionen Mark Mehrausgaben vorgesehen. Die Kommission hat für die Beamten und Offiziere 19 Millionen Mark mehr, als vorgesehen war, bewilligt. Herr Sydow erklärte, daß ihm für rund 16 Millionen Mark Deckung für die Beamten= und Offiziersgehälter fehlen. Daß diese Summe mehr an neuen Steuern einkommen wird, glaubt er nicht. Aber ausnahmsweise ist der Herr Schatzsekretär einmal findig. Es gibt zu seinem Glück noch arme Teufel von Proletariern, die zugunsten der höheren Beamten und Offiziere leiden können. Zweimal hat der Reichstag, 1907 und 1908, einer sozialdemokratischen Resolution zugestimmt, durch welche die Erhöhung der geringen Löhnung der Soldaten gefordert wurde. Die Regierung hat diese Solderhöhung im Vorjahre zugesagt. Von den 99½ Millionen Mark, die für die Besoldungsreform vorgesehen waren, sind 14 278956 Mk. bestimmt, die Löhnung der gemeinen Soldaten um 8 Pfg. pro Tag zu erhöhen. Auf Vorschlag des Schatzsekretärs erklärte sich die Mehrheit vom Schnapsblock damit einverstanden, daß die Soldaten nichts kommen! Eine der in solchen Fällen üblichen Resolutionen wurde angenommen, in der davon die Rede ist, daß die Soldaten im nächsten Jahre daran kommen können. Sydow hatte betont, für die Soldaten werde so ausgezeichnet gesorgt, daß die Löhnungserhöhung bis 1913 oder 1914 warten könne. Der Reichsverbandsgeneral Liebert hielt es für angebracht, davon zu reden, daß für die Generale seit 1813 nichts getan worden sei, worauf der sozialdemokratische Abg. Noske antwortete, daß ein kommandierender General dem Volke jährlich mindestens 60.000 Mark kostet, er griff den Schatzsekretär und die Mehrheit auf das schärfste an, hielt der Kommission ihren Wortbruch vor und forderte wiederholt die Erhöhung der Mannschaftslöhnung. Vergebens! Mit heftigen Auseinandersetzungen schloß die Beratung der Besoldungsordnung in der Kommission. In der Plenarsitzung wiederholten sich diese Vorgänge. In der zweiten Beratung stimmten selbst zahlreiche Abgeordnete vom Schnapsblock den Anträgen der Linken zu, die eine bessere Bezahlung der Unterbeamten anstrebten, die also die Beschlüsse der Kommission in zweiter Lesung wiederherstellen wollten. Auch eine andere Regelung der Ortsklasseneinteilung wurde von Abgeordneten der Linken versucht, da die Beschlüsse der Kommission in sehr vielen Fällen die besonderen Verhältnisse einzelner Orte unberücksichtigt ließen. Alle darauf abzielende Anträge, unter denen sich auch ein Antrag des Abg. Severing befand, Bielefeld aus der Ortsklasse O nach Bzu versetzen, wurden der Regierung zur Erwägung überwiesen. Die Anträge auf BesserPzeeggrsterzig ge esng, der Bllopblock vouständig in die Bruche. Dadurch entstand fi ein 9•* stellung der Unterbeamten aber fanden bei der Regierung entschiedenes„Unannehmbar“. Und die tapferen Abgeordneten, die sich in zweiter Lesung für die Forderungen der Beamten erklärt hatten, fielen in dritter Lesung wieder um, eingeschüchtert von dem„Nein" der verbündeten Regierungen. Gegenüber einem entschlossenen Reichstag hätte die Regierung auch in dieser Frage nachgeben müssen. Die Mehrheit des Reichstages zeigt sich aber nur dann entschlossen, wenn es gilt den Besitz zu entlasten und dem kleinen Manne neue Abgaben aufzuerlegen. Zufriedenheit kann dieses Werk weder bei den Beamten noch bei den Volksmassen auslösen. Die Beamten aber sollten einsehen lernen, daß sie weder vom Schnapsblock noch von dieser Regierung auch nur die ge#ingste Befriedigung ihrer Wünsche erfahren werden. Die Beratung den Beamten mit aller Deutlic sitzen. Ein Manifest des ungekrönten von Preußen. Die Herzenserleichterung des verflossenen Bernhard gegenüber dem Redakteur des„Hamburger Correspondent“ paßt den Siegern auf der Wahlstatt der Finanzreform nicht. Folgender Artikel der„Konservativen Korrespondenz“, welcher scheinbar vom Abgeordneten von Heydebrand und der Lasa selbst inspiriert ist, wendet sich energisch dagegen: „Fürst Bülow hat sich in längeren Ausführungen einem Vertreter der Presse gegenüber über die leitenden Grundsätze seiner Politik und insbesondere auch über die näheren Umstände, die zu seinem Rücktritt geführt haben, ausgelassen. Wir können, da sich diese Darlegungen fast ausschließlich gegen unsere Partei oder deren Führung richten, daran nicht vorübergehen, obwohl es uns widerstrebt, in eine Preßpolemik mit dem soeben ausgeschiedenen Staatsmann einzutreten. An der Richtigkeit der von dem Redner der konservativen Reichstagsfraktion, dem Abgeordneten Dr. v. Heydebrand und der Lasa angeführten Tatsachen läßt sich trotz anscheinender Bemängelung auch nicht im kleinsten Punkte rutteln. Sie sind jeder Probe gewachsen. Ueber die Schlußfolgerungen und die daran geknüpften politischen Deduktionen allerdings wird man natürlich, je nach dem Parteistandpunkte, oder der Stellung als neutraler Staatsmann, immer verschiedener Meinung sein können. Das berührt uns weiter nicht, ändert freilich auch weiter füchs8 Somit beschranken wir uns auf wenige Richtigstellungen: Gerade von konservativer Seite ist dem Fürsten Bülow von allem Anfang an die schwache und bedenkliche Seite seiner zugespitzten Blockpolitik nicht verhehlt worden. Dafür, daß sich diese allmählich gleichwohl immer schärfer und einseitiger entwickelte, tragen die Konservativen keine Schuld. Man müßte ihnen dafür eigentlich Dank wissen, daß sie im Vertrauen auf die allgemeine staatsmännische Begabung des Fürsten Bülow immer wieder ihre Bedenken unterdrückten.„„ Aber zu einer Zwangsjacke konnten sie das Verhältnis zwischen den Parteien schließlich nicht werden lassen. Auch so weit konnten sie es am Ende nicht kommen lassen, um einer allgemeinen politischen Theorie willen bei der nachgewiesenen Unmöglichkeit, mit den Liberalen vorwärts zu kommen, das große nationale Finanzreformwerk in Gefahr zu bringen. Daß eine solche„Taktik der Konservativen“ den Reichskanzler zu Falle bringen muß, ist direkt falsch; sie konnte vielmehr für ihn, wenn er sich um der großen Sache willen entschlossen hätte, sein Geschick von demjenigen der einen oder der anderen liberalen Fraktion zeitweilig zu trennen, geradezu rettend werden. Auch jetzt noch trotz des offenkundigen Versagens der Liberalen bei der indirekten Besteuerung ihnen zurückschauend eine befriedigende Mitwirkung zur Lösung der großen Reformaufgabe zuzutrauen, verrät mehr Optimismus, als uns verständlich und mit den Tatsachen vereinbar ist. Daß sich Fürst Bülow, wie er betont. große und, wie auch wir hoffen, bleibende Verdienste um unser Staatsleben erworben hat, ist mit aller Entschiedenheit und Offenheit von dem Vertreter unserer Partei im Reichstage anerkannt worden. Daß alle diese Erfolge aber nicht trotz der Konservativen, wie Fürst Bülow meint, sondern unter ihrer tätigsten Unterstützung errungen worden sind, liegt klar zutage und steht geschichtlich so fest, daß man zu einem jetzt beliebten Bestreiten dieser Tatsache nur den Kopf schütteln kann. Die hieran geknüpfte versteckte Anklage gegen unsere Partei richtet sich von selbst. Es mag der Fehler der Liberalen und auch des Reichskanzlers und seiner Berater gewesen sein, daß sie bis zuletzt an einen „Umfall“, der Konservativen geglaubt haben, deren Ueberzeugungstreue und Festigkeit anscheinend als nicht zum Programm der konservativen Partei gehörig betrachtet wurde. Dafür aber können die Konservativen nichts. Es ist recht gut möglich, daß die Haltung der konservativen Reichstagsfraktion im Lande auch jetzt noch nicht überall voll verstanden und nach Gebühr gewürdigt wird. Dafür sorgt leider auch eine übermächtige gegnerische Presse, die gewiß auch nicht verabsäumen wird, die Darlegungen des ihr näher als der unserigen stehenden Staatsmannes(!) in diesem Sinne auszubeuten. Sonube 15# Um so energischer mussen unsere Freunoe tatig sein, durch persönlichen Verkehr und in Versammlungen die alte Treue und Zusammengehörigkeit der konservativen Partei, das gegenseitige Vertrauen zu beleben und zu festigen. Mögen auch manche Elemente mehr gouvernementaler und schwankender Richtung von uns sich trennen. Die Stärke einer Partei beruht am letzten Ende nicht auf ihrer Zahl, und wir haben die gute Zuversicht, daß die Partei aus den letzten Kämpfen schließlich stärker und einiger hervorgehen wird als je.“ Man muß gestehen, daß der Artikel an Entschiedenheit nichts zu wünschen übrig läßt. Er sagt das,„was ist". Die sonveräne Ueberlegenheit, mit welcher er über die liberalen Blockphantastereien zur politischen Tagesordnung übergeht, ist köstlich. Nicht minder köstlich auch die Nichtachtung, mit welcher das Sturmlaufen der gouvernementalen Konservativen gegen die eigentliche kleine, aber starke Partei behandelt wird. Der Blockversuch Bülows, allmählich die Junker der fortschreitenden Industrialisierung anzupassen, ist von diesen definitiv zurückgewiesen worden. Sie wollen kein Tüpfelchen ihrer Machtherrlichkeit in Preußen= Deutschland abgeben, und sie werden bestimmt solange das Heft in Händen behalten, bis die Sozialdemokratie ihren Entscheidungskampf mit den feudalen Herren, der eigentlich dem Liberalismus zugekommen wäre, siegreich zu Ende geführt hat. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Ein Gegner der Erbschaftssteuer. In Würzburg ist vor einthatte allerdings Grund dazu. Denn jetzt mußten die Erben 35000 Mk. an das Rentenamt zahlen wegen Hinterziehung der Kapitalrentensteuer, die sich der Verstorbene aus Liebe zum Vaterland zuschulden kommen lief Für dermehrten Hausarbeiterschut. Im württembergischen Landtage gelangte nach eingehender Begrundung durch den sozialdemokratischen Abg. Mattuttat ein Antrag zur einmütigen Annahme, der die wurttembergische Regierung auffordert, im Bundesrat für Schaffung eines gesetzlichen Hausarbeiterschutzes und für Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf diesen einzutreten. Dieser Antrag entspricht fast wörtlich einem von der sozialdemokratischen Fraktion bereits 1907 gestellten Antrage, der inzwischen von einer Kommission beraten und jetzt vom Plenum einstimmig sanktioniert wurde. Mißbrauch mit dem Speisewagen. Der preußische Speisewagenerlaß ist recht scharf angegriffen worden; die Eisenbahnverwaltung kommt jetzt mit einer reichlich verspäteten Rechtfertigung heraus, der wir folgendes entnehmen: „Die eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß ein unglaublicher Mißbrauch mit dem Speisewagen getrieben wird. Unter den zahlreichen Fällen seien die krassesten hervorgehoben. Zunächst kam es vor, daß einzelne Leute, meist Frauen mit Kindern, 8—10 Stunden im Speisewagen saßen, ohne mehr als eine Tasse Kaffee verzehrt zu haben. Andererseits wendeten Leute, die sich vor ihren Bekannten oder Verwandten, von denen sie zur Bahn gebracht wurden, schämten, dritter Klasse zu fahren, folgenden Kniff an: Sie lösten sich ein Billett dritter Klasse und ließen sich durch den Träger ihr Gepäck in ein Coupé zweiter oder erster Klasse schaffen. Sogleich nach der Abfahrt des Zuges begaben sie sich in den Speisewagen, wo sie die ganze Fahrt hindurch blieben. An der Ankunftsstation ließen sie sich wieder ihr Gepäck aus der ersten oder zweiten Klasse holen. Bekannte Persönlichkeiten, die sonst stets zweiter Klasse gefahren waren, lösten sich Billette dritter Klasse, da sie sowjesy die ganze Fahrt im Speisewagen 9 a, sogar Ossiziere, die bekanntlich nicht dritter Klasse fahren dürfen, nahmen sich Billette dritter Klasse, um sich di ####trekt in den Speisewagen zu begeben Kein Vertrauensvotum für Herrn v. Heyl. Worms, 19. Juli. Wie jetzt bekannt wird, wurde Herrn v. Heyl von der hinter verschlossenen Türen abgehaltenen Vertrauensmännerversammlung sein zurückgegebenes Mandat nicht einstimmig, wie behauptet wurde, wieder anvertraut; vielmehr verließen von den zirka 500 Erschienenen ein Drittel vor der Abstimmung den Saal. Von den Verbleibenden stimmte ein Viertel durch Sitzenbleiben gegen das Vertrauensvotum. Sozialdemokraten als Bürgermeister. München, 19. Juli. Zum Lambrechter Bürgermeister=Konflikt hat die bayerische Regierung, wie die„Frankfurter Zeitung“ von unterrichteter Seite hört, die Entscheidung getroffen, daß prinzipiell kein Einwand gegen die Wahl von Sozialdemokraten zu Bürgermeistern oder Adjunkten erhoben werden könne, daß aver in diesem Falle aus Gründen, die in der Person des Gewählten liegen, die Genehmigung versagt werden müsse. Kirche und Militärbehörden. Auf ein inniges Zusammenarbeiten zwischen Kirche und Militärbehörden läßt eine Zuschrift schließen, die einem jungen Manne, der im Herbste beim Militär eintreten soll, in einem Vororte Magdeburgs zuging. In der Zuschrift heißt es: Lieber Herr Mitte Oktober werden Sie zur Garde nach Berlin einbecufen werden, und da möchte ich Sie jetzt schon auf das christliche Soldatenheim, Wilhelmstraße 34, aufmerksam machen, wo Sie Ihre freie Zeit zubringen können. Ich weiß, daß viele junge Kameraden nach Berlin gekommen sind und an ihrer Seele Schaden genommen haben, weil sie in schlechte Kameradschaft hineingekommen sind und haben dann ihren Eltern viel Kummer und Herzeleid bereitet. Da will unser Soldatenheim verhütend eingreifen und den Kameraden das Elternhaus ersetzen. Der gute Besuch unseres Hauses zeigt auch, daß Soldaten sich bei uns wohl fühlen. Wenn Sie gern noch mehr **: Sold üver das Soldatenheim und andere Dinge yören möchten, teilen Sie mir bitte dies mit. Ich bin gern vereit, Ihnen zu dienen. Aus Erfahrung weiß ich, daß man bei solch wichtigem Lebensabschnitt mancherlei Fragen auf dem Herzen hat. Mit freundlichen Grüßen Ihr M. Nerlich. Dem Schreiben, das hektographiert ist, also in zahlreichen Exemplaren verschickt wird, lag ein besonderes, für Soldaten hergestelltes Traktätchen bei. Das Kuvert trug die Bezeichnung „C. V. I. M., Berlin SW., Wilhelmstraße 34“, was wohl „Christlicher Verein junger Männer..... heißen soll. Wir nehmen es dem„C. V. J. M.“ nicht weiter übel, wenn er Anhärgergg„werben sught.„Woher hat er abg, He. Dar, die er Anhänger zu werben sucht.„Woher hal er aber die Adressen der zum Herbst beim Militar eintretenden Rekruten? Dar, die Militarvevorde einem privaten Verein diese Adressen ausliefern? Für Herabsetzung der militärischen Dienstzeit plädiert Oberst Gädke im Berliner Tageblatt“. Und zwar fordert er die Herabsetzung der jetzt dreijährigen Dienstzeit für die Kavallerie auf zwei Jayre. Daß diese Forderung eine äußerst bescheidene und sehr wohl durchführbare, beweist er an dem Beispiel der Schweizer Milizkavallerie. Er sagt darüber: „Gerade jetzt, wo wieder einmal unsere uniformierten Bureaukvaten die Fortdauer der dreijährigen Dienstzeit bei unserer Reiterei als ein Kräutlein Ruhrmichnichtan erklären und alte Offiziere der Waffe, die anderer Ansicht sind, wegen ihrer mangelnden Einsicht verhöhnen zu dürfen glauben, gerade jetzt ist es recht anziehend, einen Aufsatz eines preußischen Generals über die Schweizer Milizkavallerie im„MilitarWochenblatt“ zu lesen. Wir finden dort folgendes Urteil:„Nun etwas über die Ausbildungsart des schweizerischen Reiters. Den Grundstein hierzu hat der ehemalige Waffenchef der Kavallerie, Oberst Wille, gelegt; in seinem Sinne wirkt der gegenwärtige Abteilungschef(General-Inspektor) Oberst Wildholz, der die Waffe auf den Punkt erhoben hat, den sie heute einnimmt. Da die Schweiz nur ein Milizheer unterhält, muß die Ausbildung natürlich eine wesentlich andere sein als bei stehenden Heeren. Man kann der Schweiz trotzdem aber das Kompliment machen, daß sie unter den obwaltenden schwierigen Verhältnissen ihre Waffen ganz sachgemäß ausbildet und bis zu einer anerkennenswerten Höhe bringt. Dieses Urteil stimmt durchaus mit dem überein, das der französische General Langlois, ein Soldat von europäischem Rufe, vor einigen Jahren auf Grund eigenen Augenscheins gefälltz hat. Nun muß man sich hierbei vor Augen halten, daß die Dienstzeit des Schweizer Kavallerierekruten nur neunzig Tage, das heißt den zwölften Teil unserer Dienstzeit, beträgt, daß die Zahl der Berufsoffiziere(Instruktoren) eine sehr geringe, noch geringer die der Unteroffiziere(Hilfsinstruktoren) ist, und daß die eigentliche Ausbildung durchaus in den Händen der Milizoffiziere selbst liegt, die hierzu aus ihren bürgerlichen Berufen eingezogen werden. Für jede Schulschwadron von 70 bis 80 Mann ist nur ein einziger Berufsoffizier vorhanden.“ Oberst Gädte zeigt auch, daß diese ungemein rasche Ausbildung einer durchaus tüchtigen Kavallerie keine Hexerei, sondern ganz einfach den vernünftigen Einrichtungen der Schweiz zu danken ist. Treten doch die Rekruten nicht völlig unvorbereitet in die Armee ein, sondern erhalten sie doch bereits auf der Schule einen tüchtigen gymnastischen Unterricht mit militärischem Anstrich und sodann eine weitere Ausbildung in zahlreichen Schieß=, Reit=, Turn=, Pontonnier= und Fahrvereinen, wozu schließlich noch der durchschnittlich gute Stand der Volksschulbildung kommt. Bekanntlich wird von militärischer Seite die Notwendigkeit der dreijährigen Dienstzeit der Kavallerie gewöhnlich damit begründet, daß das Einreiten der Remonten bei einer Herabsetzung der Dienstzeit nicht möglich sei. Gädke, der ja als ehemaliger Kommandeur eines Feldartillerieregiments auch etwas von diesen Dingen versteht, weist nun darauf hin, daß man in der Schweiz dem Rekruten sofort eine junge— allerdings von geübtem Personal angerittene— Remonte zum Reiten übergibt. aach dem Urteil des preußischen Generals hat man damit Gurchaus guke Erfolge erzielt. Oberst Gaedke zieht aus dem Schweizer Beispiel folgenden Schluß folgenden Schlaß: „Wir durfen daraus schließen, daß man auch mit einer sehr kurzen Uebungszeit recht brauchbare Ergebnisse erzielen kann, wenn nur alle Einrichtungen folgerichtig und zweckmäßig diesem Ziele entsprechen. Dabei ist die eidgenössische Reiterei des Auszuges gar nicht so gering; ihre 24 Schwadronen würden im Verhältnis zur Bevolkerung 450 deutschen Schwadronen entsprechen. Wir werden in Wirklichkeit im nächsten Jahre deren 510 besitzen. Berücksichtgt man all das, so kann es gar keinem Zweifel unterliegen, daß man auch bei uns mit einer zweijährigen Dienstzeit sehr wohl eine festgefügte, gut ausgebildete, tüchtige Reiterei herstellen könnte. Es kommt nur auf die Einzelheiten der Durchführung an. Denn wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Aber am Willen fehlt es bis jetzt. Wir unsererseits gehen in unseren Folgerungen noch erheblich weiter als Oberst Gädke. Wenn man in der Schweiz in einem Vierteljahr brauchbare Kavalleristen ausbilden kann, so würde für Deutschland sicherlch ebenfalls eine noch viel geringere Zeit als zwei Jahre ausreichen, um die notwendige kavalleristische Ausbildung zu erzielen. Denn nichts hindert ja Deutschland, gleichfalls jene Vorbedingungen zu schaffen, die eine solche Herabsetzung der Dienstzeit ermöglichen. Aber wie Oberst Gädke sehr ichtig sagt, es fehlt bei uns am guten Willen Mi richtig fag., es sehlr, dei uns am gusen Willen. Man will bei uns den Soldaten nicht nur zur Kriegstuchtigkeit, sondern auch zum Kadavergehorsam erziehen. Konservative Der Vorwurf, daß die Konservativen das Zentrum wieder in den Sattel gehoben haben, drückt diese offenbar recht sehr, umsomehr, als im protestantischen Norden Deutschlands die traditionelle Antipathie gegen die Jesuiten sich gegen das Zentrum und ihre wirklichen oder vermeintlichen Verbündeten richtet, wie sich das bei den letzten Blockwahlen recht deutlich gezeigt hat. Nun * H“ noch besond bekam dieser Vorwurf durch Bulows Beichte lech e###nderen Nachdruck, und es ist nicht zu verwundern, daß sich die Konservativen bemühen, schon aus Rücksicht auf ihre protestantischen Wähler, ihn nach Möglichkeit zu entkräften. Die„Kreuzzeitung" stellt in ihrer Sonntagsnummer vom 18. Juli über die innere Politik Betrachtungen an, in der sie dem Blockgedanken im Sinne des verflossenen Reichskanzlers so auffällige Konzessionen macht, daß die daran geknüpften Zukunftserwartungen im schroffen Gegensatz zu der Haltung der konservativen Partei in den letzten Wochen steht. Die„Kreuzzeitung“ ist der Meinung, daß unter Bethmann= Hollweg der Regierungskurs der alte bleibt. Nur werde man jetzt etwas anders lawieren müssen; denn man habe gesehen, daß mit dem so ganz ungeschulten Liberalismus allein nichts gegen das Zentrum auszurichten bleibt. Das Blatt schreibt weiter: „In Sachen der Reichsfinanz, die noch lange der große Sorgenstein bleiben wird, ist eine Verständigung unter den bürgerlichen Parteien jetzt wohl möglich. Die erste Aufgabe wird namlich sein, die Finanzen der Einzelstaaten gründlich zu sanieren; denn ihre Schwäche ist die Ursache der Finanzmisere im Reich. Hier werden nun die Liberalen ihrer Begeisterung für direkte Steuern auf das Vermögen und auf das Erbe der Kinder und Ehegatten freien Lauf lassen können. In Bayern ist man dabei, eine Einkommenbesteuerung einzuführen, auch Württemberg braucht mehr Steuern. Nichts hindert diese und andere Bundesstaaten, die vom Reiche freigegebene Steuer auf das Erbe der Kinder und Ehegatten einzuführen. Die Liberalen sind jetzt wie ein Mann dafür, und das Zentrum kann und wird ebenfalls nicht nein sagen. Auch die Konservativen, die freilich in Süddeutschland schwach vertreten sind, haben nichts dagegen einzuwenden, denn gerade nach ihrer Ansicht ist die Heranziehung des Besitzes zu den Steuern Sache der Einzelstaaten. Je mehr die Einzelstaaten die Besitzsteuern„ausbauen, desto eher kommen wir dazu, nach dem Prinzip des Antrags Herold auch für das Reich(durch die Matrikularbeiträge) die Besitzsteuern heranzuziehen, und dazu wird sich die Notwendigkeit bald genug herausstellen, da es den Liberalen leider gelungen ist, Reichsmonopole und„Steuern auf„moderne Errungenschaften", wie die Elektrizität, unmöglich zu machen. Die Besitzenden, die der Steuer auf das Kindererbe nachweinen, werden also wahrscheinlich recht bald die Freude haben, ihr Ideal verwirklicht und wenigstens eine bestimmte Quote dieser Steuer an das Reich fallen zu sehen. Der Antrag Herold, dem die Liberalen nur deshalb die Zustimmung versagt haben, weil er vom Zenrrum ausging, wird sich mit der Zeit von selber durchsetzen, und man wird dann dem Zentrum nicht verweigern können, dafür zu stimmen. Bis dahin werden sich aber die Liberalen wohl bereits daran gewöhnt haben, mit dem Zentrum zu gehen. Wie weltfremd sind doch die guten Leute, die im Ernst und nicht aus Heuchelei von einem konservativ=klerikalen Block reden. In demselben Augenblick, da sich ein liberal=klerikales Bündnis gegen die Konservativen vorbereitet! Will die Regierung in Preußen eine radikale Aenderung des Wahlrechts durchsetzen, so bleibt ihr so gar keine andere Möglichkeit, als sich dieses liberal-klerikalen Blocks zu bedienen, ja, ihn zu schaffen, wenn er sich nicht von selber bildet. Die gleiche Konstellation werden wir im Reiche Zentrum und Liberalismus sich über die im Reichstag angeregten, auf ein parlamentarisches System hinzielenden Aenderungen der Verfassung und der Geschaftsordnung zu verständigen wissen. Wie sich Herr von Bethmann=Hollweg zu diesen Fragen stellen wird, ist ungewiß. Ein konservativ-liberaler Block wird ihm aber auch hier unter*#.. Wies ihn. über auch hier unter keinen Umstanden zur seite stehen; halt er es mit den Liberalen, so opponieren die Konservativen. Widersteht er einschneidenden Veränderungen, so hat er nur die Rechte auf seiner Seite; den Ausschlag wird unter allen Umständen wieder das Zentrum geben. So steht der neue Kanzler vor denselben Schwierigkeiten wie sein Vorgänger, und wir können nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß es ihm gelingen möge, seinen Weg zu gehen, ohne die Parteileidenschaften noch mehr zu erregen. Der Abg. Heydebrand hat geradeheraus erklärt, daß die konservative Partei nicht daran denkt, zeitgemäßer Reformen in Wahlrechtsfragen sich zu widersetzen. Die Aufgabe der Regierung wird es sein, in aller Ruhe und Stille die„mittlere Linie“ mit den Fraktionen zu suchen, mit den Fraktionen, die ehrlich gewillt sind, Reformen durchzusetzen, nicht aber neuen Stoff für die Parteiagitationen zu Die„Kreuzzeitung“ spricht nun ihren Zweifel aus, daß die Nationalliberalen heute schon so weit seien, solche sogenannte Reformarbeit in einem durch das Zentrum erweiterten Block mitzumachen. Und auch die Konservativen stünden den Nationalliberalen noch sehr mißtrauisch gegenüber, einmal, weil völlige Zerfahrenheit in der nationalliberalen Partei herrsche und weil diese auch der neuen Regierung mit übermäßigem Mißtrauen entgegentrete, und das Blatt fährt fort: „Danach werden wohl die Nationalliberalen einer Zeit *** strengster Nervenschonung bedürfen, ehe sie sich überzeugen, daß mit diesem doch recht liberal denkenden Kanzler auf abseyvare Zeit gerechnet werden muß und daß auf einen Kanzler von „entschieden liberaler“ Richtung vorläufig nicht gerechnet werden kann. Vielleicht werden sie dann umgänglicher und begnügen W. anglicher und begnügen h, wie andere Parteien, an dem Erreichoaren. An dem guten Killen der Konservativen, die Parteischwierigkeiten zu uberwinden, darf der Kanzlei dagegen nicht zweifeln. Solange der Rechten nicht zugemutet wird, sich dem Kommando der Linken unterzuordnen, ist sie fügsam und fleißig, und jedenfalls frei von allem Doktrinarismus. Aus der Kritik, die von BethmannHollwegs sozialpolitische Programmrede vom 5. Februar bei den Eservativen gefunden hat, wird erghaben ermessen können, wie weit diese Partei iym entgegenzukommen vereit ist. Sie wird zu erreichen stets hilfsbereit sein— nicht als gouvernementale Partei, sondern als konservative Partet. Das ist der Einbruck, den wir von der Stimmung unter unseren Parteifreunden gewonnen haben. Wer Mißständenicht kritisiert, handeltpflichtwidrig! Eine interessante Entscheidung fällte die 2. Strafkammer des Landgerichts Halberstadt. Am 9. März d. J. erschien im „Tageblatt“ zu Aschersleben ein„Eingesandt“, in dem verschiedene Vorwürfe gegen die Ascherslebener Schuldeputation erhoben wurden, insbesondere der, daß sie dem Verlangen der Lehrerschaft in Aschersleben, den Vorsitzenden des Lehrervereins in die Schuldeputation gewählt zu sehen, Widerstand entgegensetze. Auf Antrag des Magistrats erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur 90 wegen Beleidigung der Schuldeputation. Daraufhin meldete si der Lehrer Petzold als Verfasser des„Eingesandts“, was die Staatsanwaltschaft veranlaßte, auch auf ihn die Anklage auszudehnen. Das Landgericht Halberstadt hat nun die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt. Wenn auch der Artikel objektiv eine Beleidigung der Schuldeputation enthalte, so war doch dem Angeschuldigten Petzold der Schutz des§ 153 St.=G.=B. zuzubilligen. In der weiteren Begründung kommen dann folgende wichtigen Sätze vor: „Der Angeschuldigte Petzold ist Lehrer in Aschersleben und Mitglied des dortigen Lehrervereins, außerdem noch Vater schulpflichtiger Kinder. Als solcher hat er ein selbständiges Interesse daran, daß die Schulverhältnisse in Aschersleven sich günstig gestalten, und daß die Mißstände in der Schule sowohl wie in der Schulverwaltung beseitigt werden. Mangelndes Interesse an der Weiterentwicklung der Schule kann bei ihm, dem Lehrer, fast zur Pflichtwidrigkeit werden, jedenfalls zugleich einen Mangel an Berufseifer darstellen.— Als einen Mißstand in der Schulverwaltung durfte er auch, wie das allgemein in der Lehrerschaft geschah, den Widerstand der Schuldeputation gegen eine weitere Vertretung in ihr und die Art und Weise, wie die Deputation b der Anstellung neuer Lehrer angeblich verfahren sollte, ansehen. Im Interesse der Schule, für deren Weiterentwicklung zu sorgen er verpflichtet war, der Lehrerschaft, der er angehörte, und im eigenen Interesse als Familienvater war er deshalb berechtigt, Kritik an diesen Mißständen zu üben, und zwar Schutz des§ 193 St.=G.=B. zugebilligt werden, da er als Ascherslebener Bürger und wegen seines besonderen Verhältnisses zum Angeklagten Petzold, der ihn mit der Veröffentlichung des Artikels beauftragt hatte, als berechtigt angesehen werden muß, die deshalb auch ihn angehenden Verhältnisse zu besprechen und, da es auch zu den ersten Aufgaben der Presse gehört, auf die Abstellung offentlicher Mißstände hinzuwirken. Es kommt nicht alle Tage vor, daß deutsche Gerichte so entscheiden! eine scharfmacherische Handelskammer. Eine dringende Mahnung zu einem noch langsameren Tempo in der Sozialgesetzgebung erlaßt in ihrem letzten Bericht auch die Barmer Handelskammer. Nach diesem„Gutachten“ sollte man meinen, daß im Reichstage ein wahres Wettrennen zur Förderung der sozialpolitischen Gesetzgebung stattgefunden habe. Nachdem der Berichterstatter gesagt, daß die Tätigkeit der Reichstagskommission„zur Beratung der großen Gewerbeordnungsnovelle„eine von Tag zu Tag wachsende Beunruhigung aller industriellen und kaufmannischen Kreise“ hervorgerufen habe, schreibt er: „e•, schreibt er. „Was also im letzten Jahre in besorgniserregender Weise hinzukam, das war das sichtliche Bestreben der ReichstagsMeinung stehenden„Wünsche“ dieser oder jener Gruppe von Angestellten und Arbeitern zum Beschluß zu erheben, nur um den sozialpolitischen Ehrgeiz zu befriedigen und ohne danach zu fragen, ob das Bedürfnis nach solchen Gesetzen driugend genug sei, um die tiefen Eingriffe in das Erwerbsleben zu rechtfertigen. ... Auf der anderen Seite wird das Gefühl eigener Verantwortung und das natürliche Vorwärtsstreben in den breiten Schichten der Angestellten und Arbeiter durch die sich überstürzende sozialpolitische„Fürsorge“ systematisch ertötet. Wie dabei noch auf beiden Seiten bei Unternehmern, Angestellten und Arbeitern der gesunde Sinn erhalten bleiben soll, aus dem heraus allein ein arbeitsfreudiges und vertrauensvolles Zusammenarbeiten aller Beteiligten erwachsen kann, darum scheint man sich im Reichstage keine Sorge zu machen. Eine von besonnenen Grundsätzen ausgehende Sozialpolitik sollte es sich zur Aufgabe machen, durch gerechte Abwägung der Interessen gutes Einvernehmen und Schaffensfreudigkeit zu wecken und zu pflegen. Was aber heute„Sozialpolitik“ genannt wird, bewirkt das Gegenteil und wird leider auch dazu führen, gerade die Industriellen, welche bisher noch Freunde einer staatlichen Sozialreform waren, zu ihren Gegnern zu machen, denn die Selbsterhaltungspflicht wird ihnen am Ende keine andere Wahl lassen. Diesem Lamento über die„unbegreifliche Blindheit“ gegen ein System, das in so unerhörter Weise für die Arbeiter und Anbeiter einbegriffen) 888,75 Mark betrug gegen 890 Mark im Jahre 1907, wobei zu bemerken ist, daß in Barmen die Textilindustrie entschieden vorherrschend ist. Rußland in Persien. R. B. Der glänzend durchgeführte Zug der persischen Konstitutionalisten nach Teheran durfte für die russischen Expansionspolitiker ziemlich, unezwarter gekommen sein., Sie hatten sich daran gewohnt, die Aufständischen als Rauver und Geartet gekommen ewohnt, die Auf als sinder zu bezeichnen und yerrschten vereits in Gedanken uneingeschränkt über Nordpersien. Trotz der bei jeder Gelegenheit abgegebenen Versicherung, daß die russischen Truppen sich bloß zum Schutz des Lebens und des Eigentums der Europaer in Persien aufhielten und sich in die innern persischen Angelegenheiten in keinem Falle einmischen würden ist es für die ru harter Schlag, daß die Aufständischen Teheran Regierung ein harter Schlag, daß die Aufständischen Teheran genommen und die Kojakenorigade mit iyrem Ljachow aus der geiagt haben. Solange es sich bloß um einen diplomaStadt 9.—#.##—. Solange es sich bloß um einen diplomatischen Notenwechsel handelte, konnte die russische Regierung Vorbereitungen treffen, um Nordpersien unter irgend welchen Vorwänden zu okkupieren. Die diplomatische Zigeunersprache bot ja eine genügende Möglichkeit, die brutalste Einmischung in die inneren Angelegenheiten Persiens als Nichteinmischung auszugeben. Jetzt aber heißt es, die Karten offen aufdecken, das „aufstandische Gesindel“ hat sich als eine Macht entpuppt, mit der die russischen Generale rechnen müssen. Das persische Volk hat sein Schicksal in seine eigene Hand genommen und verteidigt seine Freiheit und Selbständigkeit mit den Waffen in Nutzänbischen uder sich die und mit der sich die Bevölkerung Teherans den Aufstandischen,angeschlossen uns es verstanden, hat, die Schahtruppen zu besiegen, ohne die Lage der Europaer zu gefahrdenn Ungeachtet dieses Umschwunges zugunsten der Konstitutionalisten ist die Situation keineswegs geklart. In Nordpersien werden fortgesetzt russische Truppen konzentriert, die auf die erste Gelegenheit warten, um gegen Teheran zu marschieren. Wie aus Petersburg gemeldet wird, soll der Befehl hierzu schon erteilt sein. Sehr verdächtig ist ferner die Mitteilung Sir Edward Greys im Unterhause, daß die Lage in Schiras in Südpersien besorgniserregend sei, und daß britische Truppen Abuschehr bereit gegalten wurden, um im Regaugi— sandt zu werden. Wenn England in Südvernen Hifstruppe in — um im Notfaule dortyin gemobil macht, so kann persien mit verdoppelt sicherungen der englisch Hre. angebliche Neutre Pfifferling wert, solang weisen, daß sie planm arbeiten. Die Entschlo stitutionalisten den Ke zur Evidenz zeigen, wel England in Persien vei Der Konflikt mit 2 Meldung aus Melilla zu neuen Angriff auf die Spanier verstärkten mi Okkupalionslinie und Gurugu=Höhen. Die 4 ein vierstundiges Artill Madrid, 19. Jul zufolge ist der gestrige genommen wurde. 2 gestern abend. Der Ke Verluste auf spanischer bereits einen Oberst,e mann als getötet. Ein Winston Churchill ge schottischen liberalen K Churchill:„Ich erkläre, weit weniger Veranlas früher mit Rußland u Deutschland gibt es kein Rede machte erhebliches offenen Gegensatz zu Ministerkollegen Grey: Die christlich im Die katholisch deutschlands sind München-Gladbacher Ze Köln eingeladen worde Winke" zu empfangen lischen Arbeiter über die trumspartei„aufklä Das Zirkular ist so gen lassen. Es lautet: „Westdeutsche Arbeitei Dr. O. Müller Sehr geehrt Wie Sie vielleicht regung einer Konfere Koln eine Konferenz deutschlands statt zw politische Lage. Es st sekretaren Anweisunge Agitation der Soziald Reichsfinanzreform voraussichtlich einsetzer Die Tagesordnung 1. Ueberblick über erledigte Reichsfinanz standekommens. Refe 2. Welche Beweggr Stellungnahme zur R Abgeordneter Giesber Ich bitte Sie, mit falls von der Tageso Rücksprache zu nehmer auf Kosten des Bezir empfiehlt sich die Rei auch der Gewerkschaft Mit freundlichem Es kann kaum noch beiterabgeordneten Gies ordnung findet. 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Alle Versicherungen der englischen wie der russischen Regierung über chre angebliche Neutralität und Friedfertigkeit sind keinen Pfifferling wert, solange ihre Handlungen deutlich darauf hinweisen, daß sie planmaßig auf die Okkupation Persiens hinarbeiten. Die Entschlossenheit, mit der die persischen Konstitutionalisten den Kampf aufgenommen haben, durfte bald zur Evidenz zeigen, welcher Art die Politik ist, die Rußland und England in Persien verfolgen. Spanien. Der Konflikt mit Marokko. Madrid, 19. Juli. Einer Meldung aus Melilla zufolge machten gestern die Riffleute einen neuen Angriff auf die Vorposten der spanischen Truppen. Die Spanier verstärkten mit neu eingetroffenen Mannschaften ihre Okkupationslinie und bombardierten die vom Feinde besetzten Gurugu=Höhen. Die Eingeborenen wichen zurück, nachdem sie ein vierstundiges Artilleriefeuer ausgehalten hatten Madrid, 19. Juli. Amtlichen Meldungen Aus Melilla zufolge ist der gestrige Kampf ernster gewesen, als zunächst angenommen wurde. Die Mauren erneuerten ihre Angriffe gestern abend. Der Kampf dauerte heute früh noch fort. Die Verluste auf spanischer Seite sind bedeutend. Man berichtet bereits einen Oberst, einen Kommandanten und einen Hauptmann als getötet. Eine weitere Verlustliste werde erwartet. Winston Churchill gegen die Deutschenhetze. In einer Rede im schottischen liberalen Klub sagte der Handelsminister Winston Churchill:„Ich erkläre, daß zwischen England und Deutschland weit weniger Veranlassung zu Reibungen vorhanden ist, als früher mit Rußland und Frankreich. Zwischen England und Deutschland gibt es keinen Antagonismus der Interessen.“ Die Rede machte erhebliches Aufsehen, weil Churchill sich.damit in offenen Gegensatz zu dem künstlichen Pessimismus seines Ministerkollegen Grey und anderer Minister stellt. Die christliche Arbeiterbewegung im Dienste des Zentrums. Die katholischen Arbeitersekretäre Westdeutschlands sind durch ein Geheimzirkular von der München-Gladbacher Zentrumszentrale zu einer Konferenz nach Köln eingeladen worden, um dort„Anweisungen und Winke" zu empfangen, wie sie die ihnen anvertrauten katholischen Arbeiter über die neuesten Steuerbewilligungen der Zentrumspartei„aufklären“ können. Das Zirkular ist so hochinteressant, daß wir es wärtlich folgen lassen. Es lautet: „Westdeutsche Arbeiterzeitung“ G. m. b. H. Dr. O. Müller, Direktor. Sehr geehrter Herr Arbeitersekretär! Wie Sie vielleicht erfahren haben werden, findet auf Anregung einer Konferenz der Arbeitersekretäre der Erzdiözese Köln eine Konferenz der katholischen Arbeitersekretäre Westdeutschlands statt zwecks Aussprache über die gegenwärtige politische Lage. Es sollen auf dieser Konferenz den Arbeitersekretaren Anweisungen und Winke gegeben werden, wie sie die Agitation der Sozialdemokratie, die jetzt nach Erledigung der Reichsfinanzreform in dritter Lesung gegen das Zentrum voraussichtlich einsetzen wird, erfolgreich abwehren. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Ueberblick über die gegenwärtige durch die dritte Lesung erledigte Reichsfinanzreform und die Geschichte ihres Zustandekommens. Referent: Redakteur Joos. 2. Welche Beweggründe haben das Zentrum in seiner Stellungnahme zur Reichsfinanzreform beeinflußt? Referent: Abgeordneter Giesberts. Ich bitte Sie, mit Ihrem Herrn Bezirkspräses, dem ebenfalls von der Tagesordnung Mitteilung gemacht worden ist, Rücksprache zu nehmen, ob er es Ihnen möglich machen kann, auf Kosten des Bezirksverbandes die Reise zu machen. Es empfiehlt sich die Reise um so mehr, als ja zu derselben Zeit auch der Gewerkschaftskongreß in Köln tagt. Mit freundlichem Gruße Dr. O. Müller, Diözesanpräses. Es kann kaum noch wundernehmen, daß man auch den Arbeiterabgeordneten Giesberts als Referenten auf der Tagesordnung findet. Der andere Referent ist der Redakteur der M.=Gladbacher„Westdeutschen Arbeiterzeitung", auch eine Zentrumsgröße sans phrase. Geradezu ungeheuerlich ist es, daß die katholischen Arbeitervereine auch noch die Kosten der Reise nach Köln tragen sollen. Wenn man diese Kosten wenigstens der Hauptkasse der Zentrumspartei entnähme, der doch diese Konferenz ganz allein nützt. In dem Geheimzirkular heißt es ausdrücklich, daß die Konferenz für die westdeutschen Sekretäre auf Anregung einer Konferenz der Arbeitersekretäre der Erzdiözese Köln stattfindet, das heißt der nämlichen Leute, die im Oktober 1908 in einer gemeinsamen Besprechung in Düsseldorf einstimmig folgende Resolution beschlossen und an die Zentrumsfraktion des Reichstages abgesandt haben: Die in Düsseldorf versammelten katholischen Arbeitersekretäre glauben der Meinung der katholischen Arbeiter, wie lie dieselben in Versammlungen, in persönlichem Verkehr in betreff der in Aussicht stehenden Finanzreform kennen gelernt haben, in folgender„Weise der Leitung der Zentrumspartei zur Kenntnis geben zu müssen: Es beruhrt die Arbeiterschaft sehr befremdend, daß fast der ganze Betrag der zur Erhaltung des Reiches notwendigen Steuern von der breiten Masse des Volkes getragen werden soll, wie das in der geplanten Erhöhung der Steuern auf Tabak, Bier und Branntwein zutage tritt. Gegenüber der Notlage des Deutschen Reiches verkennt die Arbeiterschaft durchaus nicht die nationale Pflicht, eine Gesundung der Reichsfinanzen herbeizuführen, indes muß dagegen Einspruch erhoben werden, daß der größere Teil der Steuern wiederum auf die breiten Massen des Volkes abgewälzt wird. während kein ernsthafter Versuch zu erkennen ist, die besitzenden Klassen, entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit, zur Bestreitung der Bedürfnisse des Reiches heranzuziehen. Das ist um so mehr geboten, weil die arbeitenden Stände durch den gegenwartigen Niedergang der Industrie in besonderer Weise betroffen werden und auch schon durch eine Reihe indirekter Steuern belastet werden. Um so mehr ist eine Erfahrung der leistungsfähigeren Kreise des Volkes durch direkte Steuern geboten, als dieselben durch indirekte Steuern in besonderer Weise nur wenig getroffen werden können, da sogenannte Luxussteuern geringe Einkünfte abwerfen. Die Zentrumsabgeordneten haben sich um diese Resolution, die nachher noch von dem Delegiertentag des Verbandes der katholischen Arbeitervereine Westdeutschlands nach einem Referate Giesberts(!!) einstimmig gutgeheißen und bekräftigt worden ist, nicht im geringsten gekümmert. Zum Danke dafür gehen diese nämlichen Arbeitersekretäre hin, um die Zentrumsfraktion den katholischen Arbeitern als arbeiterfreundlich hinzustellen. 2 Bielefeld, 20. Juli. Die Zeiten der Teuerung, die durch die Steuererhöhungen io wirkungsvoll vorbereitet wurden, müssen manchen besorgten Familienvater zum Nachdenken über die Frage veranlassen, was nun zu tun sei, um Einkommen und Kosten für den Lebensunterhalt in Einklang zu bringen. Die Sache wäre ziemlich einfach, wenn man die Ursachen der Teuerung: das protektionistische Wirtschaftssystem, die Kartelle und Syndikate, die Steuererhöhungen und dergleichen leicht aus der Welt schaffen könnte. Jedermann weiß aber, daß das nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Bliebe noch der andere Weg, das Einkommen so zu erhöhen, daß es ausreicht, die gestiegenen Kosten der Lebensfuhrung zu decken. Die Berufsorganisationen der Arbeiter, die Gewerkschaften, wirken in diesem Sinne. Aber, wie jedermann weiß, leicht ist es für die Gewerkschaften in der heutigen Zeit nicht, Lohnerhöhungen durchzudrucken. Unter diesen Umständen gewinnt die dritte Methode, Einkommen und Kosten für den Lebensunterhalt miteinander in Einklang zu bringen, an Bedeutung für den Arbeiterhaushalt. Diese dritte Methode besteht darin, dem vorhandenen Einkommen eine größere Kaufkraft zu verleihen. Ueberall ist der Handel mit Lebensmitteln und notwendigen Gebrauchsartikeln zersplittert. Zahlreiche Zwischenhändler verteuern die Waren ganz ungebuhrlich. Nach der Berufs= und Gewerbezählung kommt auf etwa 35 Einwohner Dutschlands eine Handelskraft. Diese Handler belasten natürlich die Konsumenten, denn sie leben von den Aufschlägen, die sie auf die Waren machen. Für das gleiche Geld könnten die Konsumenten mehr Waren beziehen wie heute, wenn es gelänge, eine Organisation der Warenverteilung herbeizuführen, die das Heer der Zwischenhändler verringert und die Konsumenten von den Tributen befreit, die sie heute an die Zwischenhand zu leisten haben. Eine solche Organisation ist durchaus möglich, die ersten Ansätze dazu sehen wir in den Konsumvereinen. Der Konsumverein schaltet überflüssige Zwischenglieder aus; er läßt den Gewinn, den die Zwischenhändler bisher erzielten, den Konsumenten zugute kommen und erhöht auf diese Weise die Kaufkraft des Einkommens. Familienväter und Familienmutter seien daher gerade jetzt nachdrücklichst auf die Konsumvereine hingewiesen, als auf ein Mittel, mit dem man den Folgen der Teuerung wenigstens teilweise entgegenwirken kann. — Aussperrung der Pflasterer. Unter Vorsitz des Herrn Amtsgerichtsrats Hauschild fand am 19. Juli eine nochmalige Einigungsverhandlung vor dem hiesigen Gewerbegericht statt. Dieselbe verlief resultatlos, da die Unternehmer zu Protokoll erklärten, daß sie im Auftrage des Hauptvorstandes des Verbandes der Pflastermeister von Rheinland=Westfalen jeden Schiedsspruch ablehnen müßten. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Auf vielseitiges Verlangen wird heute zum 3. Male das heitere Lustspiel„Lievesmanöver aufgeführt. Morgen kommt eines der interessantesten Stücke der Saison,„Der Teufel“, von Franz Molnär, zum dritten Male zur Aufführung. — Gestohlene Fahrräder. In der Nacht zum 6. Juli wurden aus dem Laden des Fahrradhändlers Louis Voß, Bielefeld, Kaiserstr. 3, mittels Einbruchs 5 neue Fahrräder gestohlen und zwar: 1 Dürkopps„Diana 9 B“, Herrenrad Nr. 348 458, 1 Dürkopps„Diana 9 B“, Herrenrad Nr. 386 254, 1 Dürkopps„Diana 14 B“, Damenrand Nr. 379947, 1„Phänomen 10“, Herrenrad Nr. 111 676, 1„Phänomen 10“, Herrenrad Nr. 107604 oder 107459. Für die Ermittlung setzt Voß eine Belohnung von einhundert Mark aus, auch ist derselbe gern bereit, die Beschreibung der Fahrräder, sowie die Nummern jedem bekannt zu geben. Auch für anonyme Anzeigen wird die Belohnung bezahlt. — Polizeiberichk. Vermißte Uniformstücke. Ein Deserteur vom Inf.= Reg. Nr. 15 in Minden hat bei seiner Wiederergreifung angegeben, seine Uniformstücke, bestehend aus Rock, Hose, Halsbinde, Koppel und Seitengewehr— letzteres mit 15 R. 12. 113 gezeichnet— in einem Kornfeld zwischen Herford und Bielefeld, etwa 30 Meter von der Straße entfernt, abgelegt zu haben. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminal=Abteilung entgegen. Diebstahl. Eine schwarz=weiß=rote Fahne mit schwarzem Adler, welche vor dem Hause Gehrenberg 4 ausgehängt war, ist in der Nacht zum 17. d. M. entwendet worden. Auskünfte über den Verbleib der Fahne nimmt die Kriminal=Polizei entgegen. Ein Schwindler und Dieb mietete sich am 15. d. M. bei dem Steueraufseher Rudolf W. in der Friedrichstraße unter dem Vorgeben ein, er sei in Stellung in der Pianofortefabrik von Mann u. Co. Am 17. d. M. ist der Fremde unter Hinterlassung seiner Kost= und Logisschuld und Mitnahme eines blauen Jacketts und einer graugestreiften Hofe verschwunden. Der Schwindler wird beschrieben als ein Mann im Alter von ca. 25 Jahren, mittlerer Figur mit dunkelblondem, hochstehendem Haar, hellblondem Schnurrbart und etwas schwerfälligem Gange. Er trägt braunkarierten Anzug und hellgrauen gestreiften Ueberzieher und spricht fränkischen Dialekt. Derselbe Schwindler hat am 19. d. M. vormittags gegen 11 Uhr im Hause Göbenstraße 43 ein Jackett im Werte von 35 Mk. entwendet. Auch dort hatte er ein Zimmer mieten wollen und führte bei dieser Gelegenheit den Diebstahl aus. Fahrraddiebstahl. Ein Fahrrad, Marke Wittler„Nr. 13 751“ wurde gestern vormittag gegen 10 Uh ge stange, gelbe Felgen mit roten halen. Eingeliefert wurden 3751 wurde ge—##gg,#grg 10 Uhr am Hauptpostamt gestohlen. Beschreibung des Rades: Nach unten gebogene LeniStreifen, ohne Freilauf mit Rennvier Personen wegen Trunken##osigkeit; 14 Obim Polizeigeheit und Verüben groben Unsugs bezw. Obdachlo dachlose erhielten Unterkunft und Verpflegung fängnis. Verkaufs= und Spielbuden auf Bethlehem. Die Erlaubnis zu den Lustbarkeiten und für die Verkaufsbuden sowie für die Schenkwirtschaften auf Bethlehem gelegentlich des Schützenfestes ist bis spätestens Freitag nachmittag im Rathaus Zimmer Nr. 20 einzuholen. Es ist um so notwendiger, die Erlaubnis frühzeitig einzuholen, da durch die nicht unwesentliche Stempelsteuexerhohung gegen früher Weitläufigkeiten entstehen werden. Sonnabend nachmittag ist das Bureau für die Erlaubniserteilungen nicht mehr geöffnet. Abänderungen des Stempelsteuergesetzes. Die Beteiligten(Gast= und Schankwirte, Schausteller, Jagdpächter pp.) werden darauf aufmerksam gemacht, daß aus Anlaß der Novelle vom 26. 6. 09 zum Stempelsteuergesetz vom 31. 7. 05. welche mit dem 1. d. M. in Kraft getreten ist, an Stempelabgabe u. g. zu zahlen sind: a) Für den Jahresjagdschein 7,50 Mk., für den Tagesjagdschein 1,50 Mk. b) Für Lustbarkeiten, Genehmigung der Ortspolizeibehörden: 1. Zum Betriebe eines Zirkus, Karussells und Kinematographen 10 Ml.(1,50 Mk.) 2. Zur Veranstaltung von Musikaufführungen, Singspielen, Gesangs= pp. Vorträgen, theatralischen Vorstellungen und sonstigen Lustbarkeiten aller Art(Tanz) 5 Mk.(1,50 Mk.) c) Für Pässe(Paßkarten) zu Reisen 3 Mk.(1,50 Mk.) d) Für Genehmigungen der Verlängerung der Polizeistunde für einzelne Wirtshäuser pp. 25 Mk.(1,00 Mk.) Für desgleichen auf die Dauer von weniger als eine Woche 150 Mi. Versammlungen. Bielefeld. Holzarbeiterversammlungen für die in den Nähmaschinenfabriken beschäftigten Holzarbeiter finden Mittwoch, abends 6 Uhr, wie folgt statt: für den Betrieb von Hengstenberg in„Stadt Bielefeld"; für den Betrieb von Dürkopp bei Stockbrügger; ür den Betrieb von Baer u. Rempel bei Imkamp; für den Betrieb von Koch u. Co. bei Lange. Tcgesordnung in allen Versammlungen:„Der schmachvolle Verrat der Arbeiterinteressen. Referenten sind: Hoffmann, Mademann, Schreck und Wacker. Mittwoch, 21. Juli. Bielefeld. Soz. Verein, 16. Bezirk. Abends 8½ Uhr bei Kickert. Brackwede. Soz. Verein. Gemeinsame Sitzung des Vorstands, der Bezirksführer und Bezirkskassierer abends 8½ Uhr bei Schröder. Deutscher Arbeiter=Sängerbund. Gau östliches Westfalen und lippische Fürstentümer. Unser erstes Gaufest findet am 15. August in Herford statt. Die Plakate und Drucksachen sind bereits versandt. Die Vereinsvorstände wollen vis 25. Juli an Kari wegse, wersoco, Johannisstr. 37, die Zahl der Sänger, welche Mittagessen wünschen, angeben, und dabei mitteilen, ob der Verein mit oder ohne Fahne erscheint.. Der Gauvorstand. Tabakarbeiter=Genossenschaften im Jahre 1908. Während der Durchschnittslohn der Tabakarbeiter 1908 614 Mk. pro Person betrug, ist es von Interesse, auch die bei den bestehenden Tabakarbeiter=Genossenschaften verdienten Löhne kennen zu lernen. Es wurden beschäftigt: Tabakarbeiter=Genossenschaft Hamburg 175 männl., 62 weibl., zusammen 239 Arbeiter; Filiale Frankenberg 81 männl., 97 weibl., zusammen 178 Arbeiter; Filiale Hockenheim 68 männl., 103 weibl., zusammen 171 Arbeiter. Zigarrenarbeiter=Genossenschaft Gießen 9 männl., 11 weibl., zusammen 20 Arbeiter. Tabakarbeiter=Genossenschaft Burgsteinfurt 11 männl., zusammen 11 Arbeiter. Kautabakarbeiter=Genossenschaft Nordhausen 25 männl., 26 weibl., zusammen 51 Arbeiter. Insgesamt beschäftigten diese Genossenschaften 670 Personen. Die Arbeitszeit betragt in Nordhausen 8 Stunden, sonst 9 und 9½ Stunden. Die im Jahre 1908 erzielten DurchTabakarb.=Gen. Hamburg Filiale Frankenberg Filiale Hockenheim Zigarrenarb.=Gen. Gießen Tabakarb.=Gen. Burgsteinfurt 912 Kautabakarb.=Gen. Nordhausen 1410 Nach den geleisteten Arbeitstagen betrug der Durchschnittsverdienst der männlichen Arbeiter pro Tag in diesen sechs Genossenschaften 4,03 Mk., der der weiblichen 2,30 Mk. Der jährliche Durchschnittsverdienst aller beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen in den sechs Betrieben ist 999 Mk., eine Steigerung gegen 1907 um 63 Mk. Die Tabakarbeiter=Genossenschaft Burgsteinfurt hat seit Februar 1909 bedeutende Lohnerhöhungen vorgenommen, ebenso zahlen die Nordhäuser und Burgsteinfurter Genossenschaftep die vollen Invaliden- und Krankenkassen=Beiträge. 4 Millionen Mark für durch die Steuererhöhung arbeitslos werdende Tabakarbeiter haben Giesberts und seine„christlichen“ Freunde für eine genügende Unterstützung auf die Dauer von 2 Jahren gehalten. Daß diese„christlichen“ Gewerkschaftler mit diesen vier Millionen Mark die Tabakarbeiter verspotten wollen, ersieht man daraus, daß die Lohnsumme im Jahre 1907 an 165 337 versicherte Perionen à 300 Arbeitstage 99 452509 Mk. beträgt, das sind im Jahresdurchschnitt und pro Person 602 Ml. oder pro Tag 2,01 Mk. 4 Millionen Mark auf 2 Jahre sind gleich einer Entschädigung von 2 Prozent, während selbst die Regierung mit einem Konsumrückgang von mindestens 12 Prozent, d. h. einer Entlassung von 20000 Tabakarbeitern, rechnet. Rechnet man die 30000 Heimarbeiter in der Tabakindustrie, welche bei dieser Berechnung nicht in Frage kommen, hinzu, so ersieht man so recht, was diese„christlichen“ Gewerkschaftler für nette Arbeiterfreunde sind. Die„christlichen“ Tabakarbeiter befinden sich in großer Ausregung. Als im vorigen Winter die„christliche" Deputation nach Berlin war, da hat man den christlichen Kollegen allerlei vorgegaukelt von den erzielten Erfolgen. Jetzt ergibt sich, daß nicht einmal die Gewerkschaftskollegen zuganglich gewesen sind. Jetzt weiß man auch, warum die christlichen Tabakarbeiter nicht an dem Kongreß teilnehmen durften. Das Zentrum hatte abgewunken. Auf dem zurzeit in Köln tagenden Christlichen Gewerkschaftskongreß— über den wir an anderer Stelle berichten— hielt es der Generalsekretär StegerwaldKöln in seinem Vortrage„10 Jahre christlicher Gewerkschaftsarbeit“ für notwendig, der zu erwartenden Kritik der anwesenden Delegierten über das Verhalten der christlichen Reichstagsabgeordneten bei der Abstimmung über die neuen Steuern vorzubeugen. Er meinte: „Ich verkenne nicht, daß die Durchsetzung der Arbeiterforderungen in der Gesellschaft eine recht beschwerliche Arbeit ist. Die Aufwärtsbewegung eines Standes wird sich stets langsam vollziehen. Die Arbeiter werden bei den bürgerlichen Parteien manches in den Kauf nehmen müssen, was ihrem Klassenempfinden widerstrebt. Die Arbeiter, die aus unseren Reihen in den Reichstag kamen, aber nicht als Gewerkschaftsmitglieder dort hinein gewählt worden sind, haben in den letzten Wochen manche schweren seelischen Kämpfe durchringen mussen. Ihr Verhalten läßt sich nicht mit der Phraje„Arbeiterverrat“ abtun. Es gibt eben im öffentlichen Leben Situationen, in denen ein Ausgleich zwischen Ideellem und Materiellem gesucht werden muß. Mit Schlagworten ist das nicht aus der Welt zu schaffen. Die harte Wirklichkeit ist oft stärker als die Ideale. Daß die Herren Christen Angst genug haben vor der Rechenschaft, die sie über ihr Verhalten im Reichstag abzulegen haben werden, beweist dieses blöde Entschuldigungsgestammel des Herrn Stegerwald. Man wird ja nun abwarten mussen, ob das Maß christlicher Geduld bei den christlichen Arbeitern zum Ueberlaufen kommt oder ob sie sich weiter von ihren Führern nasführen lassen werden. Die Haltung des christlichen Gewerkschaftskongresses wird hierfür nicht maßgebend sein. * Heepen, 19. Juli. Die Gemeideversammlung und der Schulvorstand von Heepen haben in ihrer Sitzung am 17. d. M. die Anstellung eines Rektors an der Schule zu Heepen beschlossen. Der Gemeinde ist bereits ein Zuschuß vom Herrn Minister von 1200 Mk. für die Anstellung bewilligt. * Ennigloh, 19. Juli. Gemeinderatssitzung vom 17. Juli. Punkt 1: Erweiterung des Schulsystems in Holsen, Beschulung der Kinder des Ahlerbruches ev. Umgemeindung des Ennigloher Ahlerbruches nach der Gemeinde Holsen. Landrat v. Borries der an der heutigen Sitzung teilnahm, erklärte, es sei zweckmäßiger, den Ennigloher Ahlerbruch der Gemeinde Holsen einzugemeinden, da Holsen außer lastenfreier Uebergabe als einmalige Abfindung 25000 Mark fordere. Hierauf wurde einstimmig beschlossen, der Gemeinde Holsen als einmalige Abfindung 17000 Mark zu zahlen, den Rest von 8000 Mark stellt der Herr Landrat zur Verfügung. Die Eingemeindung des Ennigloher Ahlerbruches in die Gemeinde Holsen erfolgt am 1. Oktober. * Lippstadt, 19. Juli. Maßregelung von Glasarbeitern. Die Firma Brauers=Glashütte hat sämtlichen Mitgliedern des Vorstandes der hiesigen Filiale des Glasarbeiterverbandes gekündigt. Da dies Vorgehen als Maßregelung angesehen wird, bitten wir, den Zuzug nach Lippstadt fernzuhalten. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten Vermischtes. Beim Schützenfest getötet. Osnabrück, 19. Juli. Im benachbarten Bohmte wurde der Sohn eines Hoteliers beim Schützenfest durch ein abprallendes Geschoß getötet. Ein russischer Spion. Ostende, 19. Juli. Die Polizei verhaftete den Russen Fleischmann, welcher vom Genfer Schwurgericht wegen Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Russische Revolutionäre behaupten, Fleischmann ein früherer Spion im Dienste Hartings gevier k. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Biekefeld. : Aur heute Dienstag: dauert solange Vorrat der Terkdarterumdee uosor der aureh Waren! beschädigten— Die Waren sind teils nur leicht beschädigt, teils etwas fleckig und(geben wir, un UnSErer gesalliten Kundschaft gerecht zu werden, an jeden Käufer nur ein Bestimmtes Quantum ab. Die Waren sind meistens mit 50 bis 75 Prozent unter Preis ausgelegt. Wegen Raummangel waren wir gestern nicht in der Lage, sämtliche beschädigten Waren in den Verkauf zu bringen und gelangen die noch nicht ausgelegten Waren heute zum Verkauf. 1 Posten ungebleichter Biber gute Qualität früher 45# Meter nur Heindentden anstatt 65 u. 48) Meter 1 Posten Gerstkorn-Handtücher anstatt 60 u. 480 Stück Oolreeedor Ortscch 3942 Niedernstrasse 13. BIELEFELD. Niedernstrasse 13. B. NI.C. Verwaltung Bielefeld. Zur Beachtung für alle Kollegen, = welche aussetzen müssen.= Nach den Bestimmungen des§ 10, Abs. 7, des Statuts wird Aussetzen nur dann als Arbeitslosigkeit angesehen, wenn das Aussetzen mindesteus 3 Tage in der Woche erfolgt, keine Geschäftsinventuren als Ursache hat und das betroffene Mitglied sich vom ersten Tage des Aussetzens an regelmäßig zur Kontrolle meldet. Da diese Bestimmung für unsere Kollegen in Bielefeld eine große Härte bedeutet, will die Verwaltung nach Möglichkeit dafür sorgen, daß die Kollegen bei längerem Aussetzen nicht so sehr geschädigt werden. 3932 Die Verwaltung richtet daher das Ersuchen an die Kollegen, welche aussetzen müssen, sich wie bisher zur Kontrolle zu melden, erwartet jedoch von denjenigen Kollegen, die ab und zu einen Tag aussetzen, daß diese hiervon keinen Gebrauch machen. Die Ortsverwaltung. Mitalstat Dr. med. Eil schreibt: „Kalobion-Kaffee schmeckt gut und ist ir engsehlenowert! 86 45 Pfg. 3391* Man verlange ni Marke Kalobion. Erhältlich in sämtlichen einschlägigen Geschäften. Reise-Handbuch für wandernde Arbeiter. Preis Mk. 1.50. Porto 10 Pig Vorrätig in der Buchhandlung„Volkswacht“ Schulstr. 20. Künstiiene-Zähne mit und ohne Gaumenplatte. 3691 Plombieren und Zahnoperationen schmerzlos. Behandlung von Krankenkassen-Mitgliedern. er, prakt. Zahnt. Mäsige Freise Herforderstr., neb. der Stadtheiderschule. 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Preis 20 J, Porto 5 4. Der Mensch und seine Götter. Von Jul. Lederer. Preis 20§ Porto 3 4. Kann ein Christ Sozialdemokrat sein? Von Wilh. Gewehr. Preis 10§, Porto 3 4. Darwins Leben und Lehre. Von Ludwig Ankenbrand. Preis 20.3, Porto 3.6. Marxsche Werttheorie. Von Paul Fischer. Preis 30 g, Porto 3 4. Der Kampf der Arbeiter. Von Anton Pannekoek. Preis 20 J, Porto 5 4. Der Klassenkampf des Proletariats. Von Parvus. Preis 15 J, Porto 3 4. und UnternehVon Dr. August Gewerkschaften merverbände. Müller. Preis 30 5 8. Lohn, Preis und Profit. Von Karl Marx, übersetzt von E. R. Bernstein. Preis 20 4, Porto 5 J. Hochkonjunktur und Wirtschaftskrisis. Von Max Schippel. Preis 50 4, Porto 5 J. Die Sozialdemokratie und der Parlamentarismus. Von Parvus. Preis 25§, Porto 5 Z. Das persönliche Regiment vor dem deutschen Reichstag. Preis 25, Porto 10.4. Die Wahlrechtsreform im Dreiklassenparlament. Preis 50 g, Porto 5. Die preußischen Landtagswahlen. Von Dr. Leo Arons. Preis 20 S, Porto, 3 4. Wahlrecht u. Wahlrechtsdemonstration vor dem Deutschen Reichstage. Preis 20 4, Porto 3°8. Gegen Volksverdummung, Volksknebelung, Volksausbeutung. Preis 20 J, Porto 5 J. Der preußische Volksschulgesetzentwurf. Preis 20 J, Porto 3 J. Die Volksschule, wie sie ist. Von O. Rühle. Pr. 30 J, Porto 3 A. Die Volksschule, wie sie sein soll. Von O. Rühle. Preis 30 J, Porto 3 A. Sozialdemokratie und Schule. Von Heinr. Schulz. Preis 30 J. Porto 3 3. Die Schulfrage. Von Zetkin. Preis 15 4, 3 3. Schule, Kirche, Arbeiter. P. Göhre. Preis Porto 3 4. Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen? Von Julian Borchardt. Preis 30 J, Porto 3•4. Die Mutter als Erzieherin. Von Heinr. Schukz. Preis 50 J, Porto 10 J. Clara Porto Von 15 4. Die Aufklärung der Kinder über geschlechtliche Dinge. Von Otto Rühle. Preis 20 J. Porto 38. Was hat der Vater seinem achtzehnjährigen Sohne zu sagen? Von Dr. C. Ravarini. Preis 50§, Porto 3 4. Die jugendlichen Arbeiter und ihre Organisation. Von L. Frank. Preis 20 J, Porto S3. Das Weib, sein unglückliches Schicksal in der gegenwärtigen Gesellschaft. Preis 40 J, „Porto 5 J. Welchen Wert hat die Bildung f. d. Arbeiterin? Von Wally Zepler. Preis 10 J, Porto 3 8. Zur Frage d. Frauenwahlrechts. Von Clara Zetkin. Preis 50 J, Porto 10 J. Was wollen die Frauen in der Politik? Von Therese Schlesinger. Preis 10.. Porto 38. Die Mutterschafts=Versicherung. Von Lily Braun. Preis 20 J, Porto 3 4. Das Elend des Strafvollzuges. Von G. Gradnauer. Preis 50§, Porto 5 Z. Alkoholfrage und Sozialdemokratie. Von Emanuel Wurm. Preis 30 J, Porto 5 J. Wie werde ich Abstinent? Preis 10 J, Porto 3.3. Schutz gegen Krankheitsgefahr. Preis 20 J, Porto 3 J. Volkswirtschaftl.,„ Grundbegriffe. Leitfaden für Unterrichtskurse von Dr. Hermann Dunker. Preis 403, Porto 5.8. Referenten=Führer. Von Ed. David. Preis 1,50 M, Porto 10 J. Zeitungs=Fremdwörter und politische Schlagwörter. Von Ad. Braun. Preis 30 J, Porto 8 4. Sommertheater. (Brinkhoffs Tonhalle.) 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Die heutigen Verhand der, wie der Vorsitzende E und hohen Gäste": des E Reichsamts des Innern. treter der Kölner Regier Vertreter der Stadt Kö Weber im Auftrage de Brauns im Auftrage des lichen Gewerkschaften in Holland haben Vertreter Evangelisch=sozialen Kong haben Begrüßungsschreibe der Gäste hielten sich in die Abgeordneten SchiffKongresses gewählt wi Stegerwald den Ber lichen Gewerkschaften, die glieder zählten, sind dadi zurückgeworfen worden; trägt rund 24000 Mitgl Stegerwald zu seinem B was er über das Verhältn zur christlichen Gewerksch eine Rolle gespielt, beim den jüngsten politischen V lichen Gewerkschaften bl unseres Parteiwesens, kei Organisation politisch zu teien im Sinne der Arbe Beeinflussungsmöglichkeit mal durch die Verhältnis Arbeiterinteressen ander durch die jeweiligen Me gesetzgeberischer Maßnahr für den christlichen Arbe sein Klasseninteresse oder geben solle und er komme Ich würde mich— so sag Diäten in den Reichstag daß ich durch die Vorg einen Abscheu vor der Po Arbeiter könnten nicht Klassenbewegung einlasse lamentarischen Vertreter Sie könnten nicht für ihr daß jeder bei Abstimmu darauf werde sich keine Fraktion gestatten, daß i solchen Fragen, wo das9 komme, abweichend vor Deshalb brauche dann, neter mal anders stimm scheine, immer noch nicht daß der Betreffende sein habe. Wenn die christ materieller Art mit der einverstanden seien, so st nug, daß sie den Zusam geben und sich zu den Der Redner weist zum Gewerkschaftsbewegung einandersetzungen grund gegenwärtige Kongreß m der Erörterung praktisa Der Wink Stegerwal Redner, die sich an der berührte das heille The ausgiebig behandelt hatt trafen Verhältnisse ihrer den. Die weiblichen# klagten über mangelnde? lichen Arbeiter, namen Roman aus 16 von Endlich war alles noch hier und da ein andern Teil der Stadt darum, was gingen sie die Schläfer jedoch bei setzlichste schnarchte. gohl hier und da dem Bursche hörte nicht auf. und eine Stimme„rief „So geht doch einme penstoß. Donnerwetter und rüber! Nicht ein ausruhen, denn seine Die Stimme des des Eldorado=Hotels. „Er liegt ja gar nich dem Parterrelokal des fornia=Hotel. „Der Justizrat ist's anderer,„hallo, Herr „Wenn Sie das erwiderte der Angered über alle Berge und sö unter der Erde in irge Blendlaterne. Aber Herrn Justizrat in die selbst wegen, denn er „Daß er uns einen näselte da Herr Bind „Ah, Herr Binder Bäxug,„freue mich un Wetter, da fängt das Justizrat auf dem Ge „Bitte, meine Herr Möhlers Stimme in Frau Siebert kann se falls wieder munter „Bitte, Herr Asses penig auf und ab. da eine andere Stimn fornta=Hotel zu komm „Ist das nicht der D# dienen, Herg Nr. 17, Parterre. Nr. 166. O O Bielefeld, Dienstag, 20. Juli 1909. 20. VII. Kongreß der christlichen Gewerkschaften. e. Köln, 19. Juli. Die heutigen Verhandlungen begannen mit der Begrüßung der, wie der Vorsitzende Schiffer sich ausdrückte,„lieben Freunde und hohen Gäste": des Geheimrats Wiedfeld als Vertreter des Reichsamts des Innern, des Geheimrats Trilling als Vertreter der Kölner Regierung, des Beigeordneten Dr. Fuchs als Vertreter der Stadt Köln; ferner waren anwesend Lizentiat Weber im Auftrage der evangelischen Arbeitervereine, Dr. Brauns im Auftrage des katholischen Volksvereins. Die christlichen Gewerkschaften in Oesterreich, der Schweiz, Belgien und Holland haben Vertreter gesandt, Prof. Garnack im Namen des Evangelisch=sozialen Kongresses, Prof. Mahling=Berlin u. a. haben Begrüßungsschreiben geschickt. Die Erwiderungsansprachen der Gäste hielten sich in den üblichen Geleisen. Nachdem sodann die Abgeordneten Schiffer und Behrens zu Vorsitzenden des Kongresses, gewählt worden waren, gab Generalsekretär Stegerwald den Bericht des Gesamtverbandes. Die christlichen Gewerkschaften, die Ende des vorigen Jahres 260 767 Mitglieder zählten, sind dadurch auf den Stand des Jahres 1906 zurückgeworfen worden; ihr Rückgang gegen das Vorjahr beträgt rund 24000 Mitglieder. Von den Ausführungen, die Stegerwald zu seinem Bericht machte, ist besonders interessant, was er über das Verhältnis der christlichen Arbeiterabgeordneten zur christlichen Gewerkschaftsbewegung sagte. Diese Frage habe eine Rolle gespielt beim Reichsvereinsgesetz und jetzt wieder bei den jüngsten politischen Vorgängen. Den Mitgliedern der christlichen Gewerkschaften bleibe, bei der verwickelten Gestaltung unseres Parteiwesens, keine andere Wahl, als sich außerhalb der Organisation politisch zu betätigen und die bürgerlichen Parteien im Sinne der Arbeiterforderungen zu beeinflussen. Diese Beeinflussungsmöglichkeit habe nun viele Schwierigkeiten, einmal durch die Verhältnisse in jeder einzelnen Fraktion, wo den Arbeiterinteressen andere Interessen entgegenständen; dann durch die jeweiligen Mehrheitsbildungen, die zur Durchsetzung . 8l Hristlichen Arbeiterahgeordueten Heisen. aa eutstehe für den christlichen Arbeiteravgeordneten vielfach die Frage, ob sein Kiasseninteresse oder ein höheres Interesse den Ausschlag geben solle und er komme dadurch oft in eine unangenehme Lage. Ich würde mich— so sagt der Redner— nicht für 50000 Mark Diäten in den Reichstag wählen lassen und ich bekenne offen, daß ich durch die Vorgänge in den letzten Wochen geradezu einen Abscheu vor der Politik bekommen habe.— Die christlichen Arbeiter könnten nicht wie die Sozialdemokraten sich in eine Klassenbewegung einlassen, und deshalb entstehe für ihre parlamentarischen Vertreter eine ganze Reihe kritischer Situationen. Sie könnten nicht für ihre Abgeordneten das Recht beanspruchen, daß jeder bei Abstimmungen seinen eigenen Weg gehe, denn darauf werde sich keine Partei einlassen, wohl aber muß eine Fraktion gestatten, daß ihre Mitglieder aus Arbeiterkreisen in sollhen Fragen, wo das Arbeiterinteresse hervorragend in Frage komme, abweichend von der Mehrheit der Fraktion stimmen. Deshalb brauche dann, wenn ein christlicher Arbeiterabgeordneter mal anders stimme, als das Arbeiterinteresse zu fordern scheine, immer noch nicht gleich der Vorwurf erhoben zu werden, daß der Betreffende sein proletarisches Bewußtsein aufgegeben habe. Wenn die christlichen Arbeiter in manchen Fragen materieller Art mit der Haltung der bürgerlichen Parteien nicht einverstanden seien, so seien ihre Ideale doch fest und tief genug, daß sie den Zusammenhang mit jenen nicht gleich aufzugeben und sich zu den Sozialdemokraten zu schlagen brauchen. Der Redner weist zum Schluß darauf hin, daß die christliche Gewerkschaftsbewegung sich bisher reichlich genug mit Auseinandersetzungen grundsätzlicher Art beschäftigt habe. Der gegenwärtige Kongreß möge es daran genug sein lassen und sich der Erörterung praktischer Fragen zuwenden. Der Wink Stegerwalds wurde getreulich befolgt; keiner der Redner, die sich an der nun folgenden Aussprache beteiligten, berührte das heille Thema, das der Generalsekretär selber so ausgiebig behandelt hatte. Die Ausführungen der Redner betrafen Verhältnisse ihrer besonderen Organisationen und Gegenden. Die weiblichen Redner, von denen mehrere auftraten, klagten über mangelnde Berücksichtigung der Interessen der weibi üt üt##### arbeiterinnen. Von verschiedener Seite wurde gewünscht, daß die Dienstbotenorganisation auf interkonfessioneller gewertschaftlicher Grundlage eingerichtet werden möge, die jetzige Art der konfessionellen Organisation in Verbindung mit bürgerlichen Frauenvereinen sei verfehlt. Eine etwas schärfere Tonart gegenüber den Regierungen und den bürgerlichen Parteien schlug der Führer der christlichen Metallarbeiter, Wieber, an. Er klagte jene an, daß sie es unterlassen hätten, die seit lange erhobenen Forderungen der christlichen Arbeiterbewegung namentlich in bezug auf die Sicherung des Koalitionsrechtes und den Schutz der Arbeiter in der Schwereisenindustrie zu erfüllen. Die christlichen Arbeiter hätten Regierung und Parteien gegenüber manche Belastungsprobe bestanden, er warne davor, diese Belastungsprobe zu sehr auszudehnen. Im übrigen unterließ es nicht ein Redner, seine Rede mit Angriffen auf die Sozialdemokratie zu spicken. Das gehört nun einmal zur christlichen Agitation im großen wie im kleinen, und jeder Redner weiß, daß er damit, mögen seine sonstigen Ausführungen auch noch so ledern sein, immer noch Erfolg und Beifall erzielt. Im besonderen Maße tat sich hierin der Redakteur Amhnsch nam Beraknaypen“ hervor Blödsinnig dumm“ Imonsch vom„Vergrnuppen nannte“ er die Beschlüsse des hervor.„Hlobsiunig dumm internationalen Bergarbeiterkongresses und er riet seinen Gesinnungsgenossen, alles was von sozialdemokratischer Seite geschrieben werde, von vornherein für erlogen zu halten. Funke=München beschuldigte die Genossen in Bayern, daß sie sich geflissentlich als die weniger gefährlichen anpriesen, um sich beim Unternehmertum, mit dem sie durch die gemeinsame„Weltanschauung" verbunden seien, lieb Kind zu machen. Krug-Stuttgart wirft den Sozialdemokraten parteipolitische Ausnutzung des Stuttgarter Arbeitsnachweises vor usw. Selbstverständlich fehlten auch nicht die beliebten und bekannten Mätzchen von der Religionsfeindlichkeit der freien Gewerkschaften. Konferenz der Vertretungen der Gewerkschaftshäuser. Diese Konferenz war von der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands nach Berlin zum 29. und 30. Juni einberufen worden, um eine Reihe wichtiger Fragen für die Begründung, Unterhaltung und Verwaltung der Gewerkschaftshäuser zur Erörterung zu bringen. Vertreten waren 40 Städte, in denen teils Gewerlschaftshäuser bereits bestehen, teils die Errichtung solcher geplant ist, nämlich die Orte Alfeld, Altenburg, Apenrade, Berlin, Bonn, Brandenburg, Bremen, Breslau, Charlottenburg Coburg, Coswig, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf. Flensburg, Frankfurt a. M., Gießen, Hagen, Halle, Hamburg, Hannover, Jena, Kiel, Köln, Leipzig, Liegnitz, Limbach. Lübeck, Magdeburg, Metz, Nürnberg, Offenbach, Oldenburg, Pirna, Plauen, Sagan, Stettin, Stuttgart und Wiesbaden. Anwesend waren 21 Vertreter von Gewerkschaftstartellen, 32 von Gewerkschaftshausverwaltungen, ferner zwei Vertreter des Gastwirtsgehilfen= und ein Vertreter des Transportarbeiterverbandes, 9 Vertreter der Generalkommission und 1 Vertreter des Parteivorstandes. An erster Stelle wurden die Erfahrungen über die Rechtsformen der Gewerkschaftshäuser ausgetauscht. Die Debatte ergab, daß für die Wahl von Rechtsformen(Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Offene Handelsgesellschaft, Genossenschaft usw.) in den einzelnen Orten in der Regel örtliche Verhältnisse maßgebend waren. Indes lehrten die mit diesen Rechtsformen gemachten Erfahrungen, daß im allgemeinen die Gesellschaft m. b. H. dort, wo nicht besondere örtliche Verhältnisse eine andere Rechtsform dringend notwendig machen, als die beste Rechtsform zu erachten ist. Die nächsten Beratungen befaßten sich mit der Verwaltung der Gewerkschaftshäuser. In einem der einleitenden Referate wurde empfohlen, für jede Verwaltung drei Instanzen vorzusehen, eine beschließende, eine ausführende und eine überwachende Instanz. In der Diskussion wurde aber wiederholt die Notwendigkeit betont, die ausführende Instanz, d. h. den eigentlichen Verwalter oder Oekonumen, zu den beschließenden Funktionen hinzuzuziehen, damit Beschlüsse vermieden würden, die in der Praxis undurchführbar seien oder zu geschäftlichen Schädigungen führen. Die eigene Regie sei für die Gewerkschaftshäuser das Selbstverständliche. Vor allem sei die wenig günstige Lage mancher Gewerkschaftshäuser auf ungenügende Vorbereitungen zurückzuführen. Den Genossen am Ort fehle es an den nötigen Mitteln zu solchen Unternehmungen oder sie lossen sich auf zu große Projekte ein. Es werden dann von den Mitgliedern der Gewerkschaften dauernd hohe Beiträge verlangt, wodurch Mißstimmung in deren Kreise getragen werde. Vor unüberlegten Gründungen sei daher auf das entschiedenste zu warnen. Bei der Unterhaltung müsse darauf Rücksicht genommen werden, daß der zurückgehende Konsum an geistigen Getränken seinen Charakter als Einnahmequelle mehr und mehr verliere. Es müsse dabei ein Ersatz erstrebt werden durch Erhebung von Saalmiete bei Versammlungen und Festlichkeiten. Lobend wurde in der Diskussion anerkannt, daß der Zentralverband deutscher Maurer bei Abhaltung seines Verbandstages in Köln(1907) 50 Mk. Miete für jeden Tag gezahlt habe. Leider handeln noch erst wenige Gewerkschaften in gleicher Weise. Gewerkschaftliche Zuschüsse seien besonders für die Schaffung mustergiltiger Herbergsverhältnisse nicht zu entbehren. Von mehreren Seiten wurde lebhaft das Verlangen geäußert, die Gewerkschaften möchten ihre Gelder, anstatt sie in preußischen Konsols, Stadtanleihen oder Industriepapieren anzulegen, den Arbeiterunternehmungen zuführen, von denen besonders die Gewertschaftshäuser und Zentralherbergen sehr wohl der Förderung wert seien. Hinsichtlich der Propaganda für die Benutzung der Gewerkschaftshäuser empfehle sich ein reges Eintreten der örtlichen Arbeiterpresse, sowie die regelmäßige Veroffentlichung der Adressen der Gewerkschaftshäuser in den Partei= und Gewerkschaftsblättern. Die sehr eingehenden Debatten führten zu folgenden Beschlüssen:..2u4 hringen) ar der unäherl, 1.„Die Konferenz warnr oringeno vor der unüberlegten Errichtung von Gewerkschaftshäusern. Die Erwerbung eines eigenen Hauses erscheint nur da berechtigt, wo es nicht möglich ist, auf andere Weise Versammlungslokale zu beschaffen und die Herbergsfrage zu lösen." gm...g. Nufgahe der äutlich. 2.„Die Beschaffung der Mittel ist uufgave der örtlichen Organisationen. Es soll jedoch die Errichtung einer Volksbank in ernste Erwägung gezogen werden. Die Konferenz erwartet, daß die Generaltommission mit dem Parteivorstand und den Vertretern der Gewerkschaften und Krankenkassen zu einer solchen Einrichtung gemeinsam Stellung nimmt und das Ergebnis der Beratungen den örtlichen Gewertschaft#kattellen zur Kenntnis gibt.. 0 3.„Es ist anzustreven, daß für die Benutzung der Säle eine bare Miete gezahlt wird und daß die indirekte Entschädigung durch den Verzehr von Getränken fortfällt. Wo die Erhebung von Mieten nicht möglich ist, da ist ein direkter Beitrag der Gewerkschaften und der Partei zur Erhaliung des Gewerkschaftshaules zu verlangen... L.1, Harhargsnerhältnisse i. 4.„Um die Möglichkeit zu haben, die Hervergsverhalmisse in mustergiltiger Weise zu lösen, bedürfen die Gewerkschaftshäuser barer Zuschüsse seitens der Gewerkschaften am Ort.“ 5.„Von der Partei= und Gewerkschaftspresse wird erwartet, daß sie in geeigneter Weise für die Unterstützung der bestehenden Gewerkschaftshäuser eintritt.“ Ferner ersuchte die Konferenz die Generalkommission, auf die Tagesordnung des nächsten Gewerkschaftskongresses den Punkt aufzustellen:„Schaffung eines Zentralfonds für die Errichtung von Gewerkschafts= und Versammlungshäusern.“ Im weiteren beschäftigte sich die Konferenz mit dem Arbeitsverhälinis der Angestellten. Wenn in diesen Erörterungen auch manche unliebsame Differenzen zwischen den Gewerkschaftshausverwaltungen und den Angestellten, bezw. deren gewerkschaftlichen Instanzen zur Sprache kamen, so wurde doch allseitig die Pflicht der Verwaltungen betont, für das Vorhandensein mustergiltiger Arbeitsverhältnisse zu sorgen. Als erstrebenswert und schon heute durchführbar wurde mehrfach der Abschluß von Reichstarifverträgen mit den Verbänden der Gastwirtsgehilfen und Transportarbeiter bezeichnet. Ihren Grundsätzen gab die Konferenz in folgender Resolution Ausdruck: „Bezüglich der Lohn= und Arbeitsverhältnisse der Angestellten der Gewerkschaftshäuser vertritt die Konferenz die Auffassung, daß es selbstverständlich ist. in dieser Beziehung den Grundsätzen der Gewerkschaftsbewegung allgemein Rechnung zu tragen. Bei Festietzung der Lohnverhältnisse hält die Konferenz es für notwendig, daß von den beteiligten Organisationen die Lohnverhältnisse in bürgerlichen Betrieben in Berücksichtigung gezogen 16 Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. Endlich war alles still. Draußen auf den Straßen wurde noch hier und da ein Schritt gehört, einmal fiel auch in einem andern Teil der Stadt ein Schuß, aber niemand kümmerte sich darum, was gingen sie andere Leute an. Mehr interessiert waren die Schläfer jedoch bei einem der Mitgäste, der auf das entsetzlichste schnarchte. Einzelne halbunterdrückte Fluche machten wohl hier und da dem Herzen eines Nachbars Luft, aber der Bursche hörte nicht auf, ja das Schnarchen wurde immer ärger. und eine Stimme rief endlich: „So geht doch einmal dem verwünschten Borkäfer einen Rippenstoß. Donnerwetter, hat der Kerl eine Lunge, und rüber und rüber! Nicht einmal beim Atemausstoßen kann man sich ausruhen, denn seine Säge ist auf beiden Seiten scharf.“ Die Stimme des Sprechenden kam aus der oberen Etage des Eldorado=Hotels. „Er liegt ja gar nicht bei uns,“ erwiderte da ein anderer aus dem Parterrelokal desselben Hauses,„das ist nebenan im Kalifornia-Hotel. „Der Justizrat ist's!“ sagte da vom Kalifornia=Hotel aus ein anderer,„hallo, Herr Ohlers, schlafen Sie da oben?“ „Wenn Sie das schlafen nennen Herr Hufner, allerdings!" erwiderte der Angeredete.„Ich glaubte jedoch, Sie wären schon über alle Berge und säßen bereits achtzehn bis zwanzig Fuß tief unter der Erde in irgend einem gemütlichen Goldschacht bei einer Blendlaterne. Aber dürfte ich Sie vielleicht einmal bitten, dem Herrn Justizrat in die Rippen zu stoßen, und zwar nur seiner selbst wegen, denn er könnte sich wirtlich Schaden tun.“ „Daß er uns einen Kriminalprozeß an den Hals wirft, he?" näselte da Herr Binderhof aus einer anderen Koje heraus. „Ah, Herr Binderhof aus Hamburg,“ rief Ohlers wieder zurück,„freue mich ungemein Ihrer werten Nachbarschaft. Alle Wetter, da fängt das Kind auch an zu schreien. Das hat der Justizrat auf dem Gewissen.“ „Bitte, meine Herren, seien Sie ruhig,“ bat da des Assessors Möhlers Stimme in seinen freundlichsten Tönen.„Die arme Frau Siebert kann keinenfalls ichlafen und der Kleine ist ebenfalls wieder munter geworden.“ „Bitte, Herr Assessor, gehen Sie doch mit dem Wurm ein wenig auf und ab. Er wird sich gleich wieder beruhigen,“ rief da eine andere Stimme, die aus dem Hause rechts vom Kalifornta-Hotel zu kommen schien. „Ist das nicht der Herr Lamberg?“ frug Ohlers. .„Zu dienen, Herr Ohlers,“ antwortete dieser,„Pacific Street Nr. 17, Parterre. Sie haben Nr. 19, wenn ich nicht irre.“ erwiderte „Habe mir die Hausnummer noch nicht angesehen,“ Ohlers.„Sie wohnen im Kalifornia=Hotel?“ „Bitte um Verzeihung; noch ein Haus weiter, aber gerad' daneben. Ich bin in einer Privatfamilie untergekommen, bei einem verwitweten Hutmacher. Uebrigens möchte auch ich den Antrag an das Kalifornia=Hotel unterstützen, den Justizrat zum Schweigen zu bringen. Es ist gegen alles Völkerrecht.“ „Wenn der Herr Assessor nur das Kind beruhigen wollte,“ näselte da Binderhof wieder aus dem Parterrelokal des Eldorado= Hotels„wozu ist er denn da?“ „Herr Binderhof, ich verbitte mir alle Anzüglichkeiten,“ sagte aber der Assessor. Ohlers unterbrach ihn jedoch und rief in seine Parterrewohnung hinunter: „Ach, wenn Sie das alles so genau wissen, mein bester Herr Binderhof, dann könnten Sie uns auch vielleich! Auskunft geben, wozu Sie eigentlich da sind. Ich habe mir darüber schon die ganze sechsmonatige Reise den Kopf zerbrochen.“ Aus allen drei Häusern erscholl zugleich ein laut schallendes Gelächter und erstickte die Antwort des Interpellierten. Andere Schläfer aber, die von dem Lärm rechts und links geweckt wurden, protestierten jetzt gegen einen solchen Skandal in der Nacht und verlangten Ruhe. Besonders eifrig war der ebenfalls erwachte Justizrat unter diesen, der mit seinem:„Donnerwetter, Skandal machen. Flegel, andere Leute schlafen lassen" dazwischen polterte. Die meisten wußten aber, daß er gerade der Schnarcher gewesen war, über den die eigentliche Ruhe entstanden, und alles fiel jetzt über ihn her und lachte und schrie und tobte, bis sogar von über die Straße herüber die Nachbarn Ruhe verlangten. Endlich legte sich der Lärm etwas, die Leute wurden selber müde. Nur das Kind schrie noch, das der Assessor wirklich in der Stube herumtragen mußte. Auch das schlief endlich ein; der Justizrat lag wahrscheinlich auf der Seite, denn er schnarchte ebenfalls nicht mehr, und so still wurde es bald in der Stadt, daß man drüben von den Küstenbergen herüber deutlich konnte die Cayotas und großen braunen Wölfe heulen hören. Es war Mitternacht, jetzt stieß einer der alten braunen Burschen einen langgezogenen, kläglich tönenden Schrei aus, und nun fielen die kleinen grauen Präriewölfe oder Cayotas in wildem Geheul mit ein, das bald von da, bald von dort beantwortet wurde und gar wild und wunderlich zu dem monotonen und dumpfen Rauschen und Brausen der fernen Meeresbrandung klang. Auch das Geheul der Wölfe, die sich nach den Missionsbergen hinüber gezogen hatten, verstummte endlich. Der Mond war schon lange untergegangen und tiefe, dunkle Nacht lag auf der stillen, schiummernden Stadt. VI. Der erste Brand. „Feuer! Feuer!“ Wie ein Schrei scholl der Schreckensruf durch die stillen und öden Straßen der Stadt, die schlaftrunkenen Bewohner von ihren harten Lagern wild und jäh emportreibend.„Feuer!" Noch vermochte freilich niemand das wirklich Entsetzliche des Rufs in solcher Stadt zu fassen; noch fehlte ihnen der Maßstab für die Gewalt, mit der sich das einmal losgelassene Element die Bahn im Mark und Leben der Bevölkerung fressen würde. Aber in unbestimmten Bildern von Gefahr standen allen die sonngedörrten Bretterbuden, die geteerten Zelte, die luftigen Kattunwände vor Augen, und mit ihnen die Ahnung des Unheils, das über sie hereinbrechen sollte. „Feuer!"— Wie schallte der Ruf durch die Zeltstraßen von San Francisco.„Feuer!“ der Schrei fand sein Echo in jedem Schuppen, in jedem Kattunverschlag des weiten Platzes, und blitzschnell stand fast die ganze Bevölkerung, die fast sämtlich angekleidet auf ihrem harten Lager gelegen, auf der offenen Straße und schaute sich verwundert, staunend um. Kein Feuerschein am Himmel zeigt noch die Richtung der Gefahr, keine rollende Spritze, kein Glockenschlag, und Todesstille herrscht unter den Tausenden, die verstört bald rechts, bald links schauen, Bestätigung des Gehörten zu erwarten. „Wo brennt es denn?" flüstert jetzt leise einer dem andern zu, und da— mit einem Schlag, als ob ein eingehemmter Krater plötzlich seine Flammensäule dem Himmel selber trotzig entgegenschleudere, so brach die rote Lohe prasselnd sich Luft und Sonn.." Auastichre: faft aus jeher Gehle## „Feuer!“ gellte der ungstschrei gast aus jeder Kehle, denn die ganze Stadt schien in dem einen Moment in Flammen zu stehen.„Feuer!“ Und fort stürmten sie, nur in dem einen unbestimmten Gefühl, zu retten— was?— wo? wußten sie selber „Nach der Plazal nach der Plaza!“ schallte hier und da ein einzelner Ruf, und nach der Plaza wogte die Menschenschar, dem Glutenmeer entgegen. Und jetzt schon fast kamen sie zu spät, den freien Platz noch zu erreichen, denn jetzt bereits, wo sie die Dauer des Feuers noch nach Sekunden zählen konnten, wälzte die üppig genährte Flamme schon über die dort hinein mündenden Straßen hinüber und tanzte lustig über zischende Teer= und Bretterflächen hin. Retten! Ja, wer konnte retten. wo eine Welt im Feuer stand? In dem Augenblicke, wo die Glut ein Zelt berührte, hatte sie es auch von oben bis unten in ihre lohenden Arme geschlagen, brennende Funken zischender Fetzen auf die darunter weg Flüchtenden niederschleudernd. Lustig blies dabei der Wind mit vollen Backen in die züngelnden Flammen hinein und wirhelte lodernde Lappen hoch empor und weit hinaus, in ihrer verderblichen Flucht andere, noch fern gelegene Stellen fassend. Unter den sprühenden, flackernden Feuergarben aber flohen entsetzte Menschenlindet, hier ihre in Haft aufgegriffene Habe bergend, dort nur mit dem nackten Leben Feuertod entgangen, und ihnen entgegen preßte die Schar der Neugierigen, die das furchtbare Schauspiel fassen, noch nicht begreifen konnten, um was es sich hier handie. Fät genommen, winh des eigenen Geschäfts Rück] In dem Liede:„Die Freiheit hoch in Ehren“, ist folgende Als zweckmäßigste Regelung grachtet die Konferenz den Ab Steue beanntander: tern ie“Hraaniserer eit erwartet die Konser ver“ Felichtertültung Sinne ##er####ichterfüllung und Erziehung des genossenschaftlichen S9 Geintes einwirten.“ Ferne Fexner fand der Antrag Annahme, den Lieferanten der Gewerrschaftshauser aufzugeben, die von ihnen benötigten Arbeitsenetigten Arbeid= der freien Gewerkwue kräfte den bestehenden Arbeitsnachweisen schaften zu entnehmen. An letzter Stelle wurde den Gewerkschaftshausverwaltungen die Einführung einer möglichst einfachen, aber übersichtlichen und leicht zu kontrollierenden Buchführung empfohlen. Eine zu schaffende Zentralfür Gewerkschaftshäuser könne ein geeignetes Muster dafür aufstellen und den Gewerkschaftshäusern zugängig machen. Auch die Schaffung einer gemeinsamen Revisionsinstanz sei in Erwägung zu ziehen. Als weitere Aufgaben einer solchen Zentralstelle wiro die Teilnahme an örtlichen Konferenzen in Sachen bestehender oder künftig zu errichtender Gewerkschaftshauser, die Vorarbeiten für künftig gemeinsame Konferenzen, die Erteilung von Auskünften und die Anbahnung von Tarifen für die Angestellten bezeichnet: Auch die Herausgabe eines geeigneten Handbuches für Gewerkschaftshaus=Verwaltungen wird als wünschenswert bezeichnet. Allgemein ist ferner der Gee##.daß die Generalkommission die Funktionen einer solchen. Zentralstelle übernehmen möge. Eine bindende Zusage der letzteren konnte noch nicht gegeben werden; doch soll dieser Wunsch in Erwägung gezogen werden. Nur müsse sich die Generalkommission im Zustimmungsfalle vorbehalten, selbst über die Grenzen der bezüglichen Aufgaben zu entscheiden. Uebrigens habe die Generalkommission durch Einberufung dieser Konferenz und durch den Auftrag, Erhebungen über die Rentabilität und die finanzielle Fundierung der Gewerkschaftshäuser zu pflegen, Eilweise die Aufgaben, eingr Zegtralstelle übernommen. Zum Schluß wurde den Gewerrschaftshausverwaltungen ein gegenseitiger Austausch ihrer Jahresabrechnungen nahegelegt. Lug und Trug sei verpönt wir wollen stehn! Frei im Geist, frei im Wort, laßt der wehn; daß der Schild der edlen Turnerei wieder Fleck und Makel sei::: stehet fest und frei vereint! Bet und arbeit ruft die „frei“ zusammenr Freiheit Banner frei von Georg Herweghs Welt anzgestrichen worden Rau Rohert S.=:hgs###it ist Wer recht in Freuden wandern will und Scheffels Wohlauf, worden. Von Roverr Seidels betanntem die Luft geht frisch und rein, sind mit einem blauen Zeichen Liede: Die Erde ist zum Licht erstanden, sind die beiden letzten Strophen gestrichen. Aus dem Liede: Es bricht sich jetzt ein Wörtchen Bahn, sind die folgenden und sämtliche anschließenden Strophen ge2. In Kirch' und Staat, allüberall wird jetzt„Warum“ gefragt, gar vieles Alte kommt zu Fall, hell wird's, wo's nie getagt. Was unerschüttert konnte stehn durch manches Säkulum, muß heutzutage untergehn, zernagt von dem„Warum“? " 3. Fiel einem Herrn der alten Zeit was zu befehlen ein, so konnte treuer Folgsamkeit er stets versichert sein; kein Widerspruch klang irgendwo und man gehorchte stumm; jetzt aber geht das nicht mehr so, heut' fragt man erst:„Warum?“ „„ Heorg, Herwegh;: Der letzte Krieg ist ganz zum Opfer gesauen. Ein recht orouliger Einfall war es ferner, der bekannten Turnlehrerin Martha Thurm, einer patriotisch verzückten Dame, die tagtäglich Freudentränen über die Größe und Herrlichkeit des Vaterlandes vergießt, folgende Stelle zu streichen: Aber über Frisch=fromm=fröhlich Strahlet noch ein a drer Stern: Frei nur wird der Turner selig, Knechtschaft bleibt ihm ewig fern. Schwingt auch Feigheit stets den Reigen, Durch die Enge jeder Zeit: Ihr sollt doch der Welt bezeugen, Daß ihr freie Turner seid. Das preußische Kultusministerium im Kampfe mit dem Turnerlied. (Aus der„Arbeiter=Turnzeitung“.) Ein stehendes Repertoir aller nord- und mitteldeutschen Landtage ist bekanntlich die Klage über das Liederbuch des Arbeiter=Turnerbundes:„Der Freie Turner“, von den Gegnern kurz das„Rote Turnerliederbuch“ genannt. Es hat uns oft eine ungetrübte Freude bereitet, wenn wir lasen, mit welchem aufwand patriorischer Entrüstung einige Lieder zitiert wurden, wir sahen dann im Geiste, wie den patentierten Prozentpatrioten beim Anhören der gruseligen Verse die Haare zu Berge stiegen und empfanden ob der Hasenfüßigkeit der Herrschaften eine boshafte Genugtuung. Wie schlecht muß es doch um die neudeutsche Herrlichkeit stehen, wenn sie durch ein harmloses Lied, das im kecken Uebermut den Philistern und Finsterlingen an den filzigen Perücken zerrt und ihre Glatzköpfigkeit dem Gelächter des Tages preisgebracht wird. Aber so sind diese Leute, ihr höchstpersönliches Interesse und das Interesse ihrer Kaste identifizieren sie immer mit dem Staatsinteresse, und den, der es wagt, ihre Erbärmlichkeit beim rechten Namen zu nennen, man als einen Staatsverbrecher. „ Die liebste Zufluchtsstätte aller dieser Dunkelmänner ist das preußische Kultusministerium, eine Behörde, die uns wie Ueberbleibsel aus dem dunkelsten Mittelalter anmutet. wandlungen liegen ihr völlig fern. Der Kasus mag ihr aber eine Lehre sein, daß man deutsche Turner nicht freie Turner nennen soll,„Kultusminister v. Schwartzkopff“, wie ihn die „Deutsche Turnzeitung“ vorahnend nannte, erlaubt so etwas nicht. Frei sind nur die„roten" Turner. 1. Aehnlich schlimm ist es dem braven Karl Rinne ergangen, iym sind folgende Stellen aus seinem Liede: Und hörst du das mächtige Klingen gestrichen worden: .:: die Freiheit in sonniger Weihe! Kein Deutschland, es sei denn das freie::: Hoch, hoch, das freie deutsche Vaterland!:.: 4. Nur ### cur vorwärts, nur vorwärts ihr Brüder, dem Kampf wird die Palme doch sein! In die Werkstatt des Geistes herentsenkt sich vom Himmel der Schein. Ha, wie sich der Lichtstrom verbreitet! Und die Glocke der Zukunft sie läutet, :; zum Frühlingsfest des ein'gen Vaterlands.:,: Das Lied stammt zwar aus dem tollen Jahre, ist aber von echt. patriotischem Geiste durchflammt. Heute wirkt das Lied aueroings deplaciert, ein freies deutsches Vaterland? Das ist de Phrase, die schon vor sechzig Jahren von der preußischen Reakrion totgeschlagen worden ist, so etwas sollte in sogenannten Liedern uverhaupt nicht der Nochwelt über! den dürfen. Zeiten! Festen Mut im harten Streiten! Vorwärts strebt durch Nacht zum Licht. Zahlreiche andere Lieder sind mit einem schwarzen Kreuz versehen worden. Da anscheinend das schwarze Kreuz das Wayyen des Dultusministeriums ist so hahen diese Liedbus wuppen des Kulkusministersums ist, so haben diese Lieder eine lobende Zensur erfahren. Zwei andere Lieder: Geibels versehen, was in der Aera des schwarz=blauen Blocks wohl auch als Zustimmung gedeutet werden kann. Aus den angeführten Stellen mögen unsere Leser erkennen, daß es uns nie gelingen wird, den Grad von Selbstentmannung und Unterwürfigkeit zu erreichen, um vor den Augen der Herren aus dem preußischen Kultusministerium Gnade zu finden. Diese schwindelnde Höhe werden wir nie erklimmen, wir sind daher ewig verdammt im Tale der Ungnade es wandeln und nst als ewig veroammt, im Tale der Ungnabe zu wandeln und einst als Sünder zu sterben. Sei es drum! Im Vergleich mitd preußischen Kultusministerium dürfte sasbe Musterstätte der Toleranz sein. So woller ourfte selost die mit Hölle dem eine wollen wir denn unsere Turnerlieder fröhlich weiter singen und uns den Teufel um die preußischen Dunkelmänner scheren; ihnen antworten wir mit dem verpönten Herwegh: „Muß ich,“ sprach mein Pegasus,„meiner Freiheit denn Zieh' ich lieder doch am Pflug, als selbacht am großen Wagen, lieber doch mein Heu aus der letzten Bauernraufe, Als ich aus der Marmorkrippe mit dem Vieh des Hofes saufe. Die Worte an den Zensor desselben Tichters könner die Herren selber nachlesen Zur Landflucht! Ein günstiger Wind weht uns folgenden Kontrakt zu, den unsere edlen Agrarier mit den ausländischen Arbeitern abschließen. Er ist in deutscher und polnischer Sprache abgefaßt und lautet: „§ 1., Dauer des Arbeitsverhältnisses. Bei.... bezw.... dessen Rechtsnachfolger treten die unterzeichneten Personen, die Ehefrauen mit Genehmigung ihrer Ehmänner, die unmündigen Personen mit Zustimmung ihrer Eltern bezw. ihres gesetzlichen Vertreters. vom Frühjahr 1909 ab so lange in Arbeit. bis alle Feld- und Rübenarbeiten, auf Verlangen des Arbeitgebers auch Druscharbeiten beendet sind und verpflichtet sich, jede vorkommende Arheit mit gewissenhafter Treu= und w“ Fleiß ein ### dunkelsten Mittelalter anmutet. In die en Räume dieser Zwingburg der Dunkelheit darf kein frischer Lufthauch moderner Weltanschauung dringen, damit der Stauv der Vergangenheit, der zwischen dreihundertjährigen Folianten aufgehäuft ist, nicht etwa herausgewirbelt werde. Ists ein Wunder, wenn dieses Ministerium unser Liederbuch in Acht getan hat? Keineswegs, das ist im Gegenteil völlig selbstverständlich, es kann uns höchstens interessieren, welchen rad. die Lichtscheu bei dieser Behörde erreicht hat. „ Unser Berliner Verein hat die Probe aufs Exempel gemacht, „aziakie dem Ministerium je ein Exemplar seines Männerund Jugendliederbuches ein und stellte eine Zensur anheim, die denn auch prompt erfolgte. Die beiden Bücher liegen uns nun t den Begnstandungen vor und wir halten es für unsere Pflicht, das Resultat der ministeriellen Bemühungen der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Bemerkt sei noch, daß der Verein „Ficht, auch. für die Männer ein egenes Liederbuch unterLan####e Buch also mit dem„roten Turnerliederbuch“ nicht beiden Büchern nichl swischen „Daß ausgesprochen sozialistische Lieder, von denen das Buch ##r manner die bekanntesten enthält, vor den Augen des gestrengen Zensors keine Gnade gefunden haben, braucht nicht besonders erwähnt zu werden, das ist selbstverständlich, diese sind zenn auch glatt verworfen worden. Aus den übrigen Liedern sind nur besondere Stellen beanstandet worden; wir wollen sie der Reihe nach einer Betrachtung unterziehen. überhaupt nicht der Nachwett uberliefert werAus dem alten Turnerliede:„Hinaus in weite Ferne“ ist die zweite Strophe gestrichen worden: 2. Man sucht sie allerorten und kommt ihr nimmer bei, so lang sich Völker morden, wird keins von ihnen frei. Doch durch die Schöpfung wehet der Freiheit Atemzug, wenn man ihn nur verstehet, des freien Geistes Flug. In dem Festliede:„Seid willkommen, Kameraden“ hat folgende stelle Anstoß erregt: was die Eintracht wirken kann! Daß sich der Verein dafür steh'n wir Mann für Mann:::. entfalte, dasur seyn wir Mann fur„Munn::,: Tod der Knechtschaft, der Verdummung! Deutsche Turner, drauf und ##.„ In, einem weiteren Liede fand die folgende Stelle keine 3. Der Turner buhlt niemals um Herrengunst! Frei lebt er dem Turnen, frei lebt er der Kunst! Der Turner zum Sklaven nie werden kann, er fühlt sich nur glücklich als freier Gänzlich verworfen wurde das nachstehende Weihnachtslied von Ad. Roehn: Nebel hatten sich der Knechtschaft düst're Schatten dicht gelegt auf jedes Land; doch im Osten wurd' es helle, und des Lichtes Strahlenqueue brach sich Bahn zum fernsten Strand. 2. Und wie aus dem Morgenlande durch des Geistes finst're Bande drang der Freiheit Sonnenblick, so wird stets in trüben Tagen die Befrei ungsstunde schlagen: immer kehrt das Licht 3. Laßt d’rum in des Winters Mitte, hoffnungsreich, nach guter Sitte uns des Weihnachtsfestes freu'n, denn die Sonne, die geschwunden, mehrt des Tages lichte Stunden, und der Lenz zieht wieder ein. 4. Ja, bald naht der Frühling wieder und der ∆ nieder und die Sonne lacht und # Nebel sinket spricht: Nur getrost in trüben mende Arbeit mit gewissenhufter Treue und mit Fleiß auszufüyren. Alle Unterzeichneten versichern, vollständig gesund und ohne jedes Gebrechen zu sein(weibliche auch nicht schwanger). § 2. Arbeitszeit. Die tägliche Arbeitszeit beträgt 12 Stunden ausschließlich der Pausen von je einer halten Stunde Frühstück und Vespr und eine Stunde Mittag. Die Arbeitszeit beginnt pünktlich um 5 Uhr morgens mit dem Weggange vom Gutshofe und endet um 7 Uhr abends an der jeweiligen Arbeitsstelle auf dem Felde. Die Stunden, in denen Pausen stattfinden, bestimmt der Arbeitgeber. In Notfällen ist auf Verlangen des Arbeitgebers Arbeit zu leisten; ob ein Notfall vorliegt, bestimmt der Arbeitgeber. Die Entschädigung für die Ueberstunde an den Werktagen beträgt bei Männern und Burschen 15 Pfg., bei Frauen und Mädchen 10 Pfg.§ 3. Lohnsätze. Vorarbeiter, die sich deutsch verständigen können, erhalten für jeden unterstellten Arbeiter 50 Pfg. die Woche; vom 1. April bis 1. Juni erhalten Männer und starke Burschen(Mäher) pro Arbeitstag 2.50 Mk. Nichtmäher 1,70 Mk.; Frauen und Mädchen, sowie schwache Burschen(Nichtmäher) 1 Mk.; vom 1. Juni bis zur Beendigung der Erntearbeiten ebensoviel. Für Melken und Füttern außer der Arbeitszeit werden täglich 20 Pfg. und an Sonntagen 50 Pfg. vergütet. Für Abmähen von Sommergetreide, 180 Quadrat Ruten binden und aufstellen gibt es im Akkord 1,25 Mk.§. 4. Freie Wohnung, Beksistigung usw.(Deputat). Außer diesen Lohnsätzen erhält jede Person für die Woche, der Mann 10 Pfd. Brot, der Bursche und das Weib 8 Pfd. Brot; außerdem jede Person 1 Pfd. Gerstengraupen oder 1 Pfund Reis, 1 Pfd. Hülsenfrüchte, 1 Pfd. Mehl, 1 Pid. Schweinefett, 1 Pfd. Fleisch, 25 Pfund Kartoffel, 7 Liter Magermilch oder Buttermilch oder 3½ Liter Vollmilch oder süßen Milchkaffee, ein halbes Pfund Salz. Gemeinschaftlich freie Wohnung im Arbeitshause nach Geschlechtern getrennt.§ 5. Arbeitsgeräte(die Männer wenigstens eine Sense) sollen sich die Arbeiter, wenn möglich, mitbringen. Andernfalls erhalten sie vom Arbeitgeber Geräte, sind aber verpflichtet, sie sauber und unbeschädigt zurückzugeben. Alle durch ordnungswidrige Benutzung entstandene Beschädigung diecät müssen sie bar bezahlen. „Hilfe! Hilfe!“ ### kreischte hier und da eine einzelne Stimme über den dumpf wogenden Lärm, durch die knisternde Flamme, die in ihren mächtigen Feuersäulen, vom Winde gepeitscht, ei: Geräusch verursachte, wie fast das Schlagen eines so Segels in Windstille.„Hilfe!“ beiter selbst zu tragen. Wird der Vertrag vom Arbeiter bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses erfüllt und nicht vorzeitig aus einem Grunde gelöst oder gebrochen. so werden ihm die Reisekosten ersetzt. Das Auslohnen hat wöchentlich zu geschehen. Je 3 Mk. des Lohnes der ersten 10 Wochen werden jedoch erst am Schlusse der Vertragszeit unter der Bedingung des ordnungsmäßigen Abganges der Arbeiter fällig und ausbezahlt.§ 7. Gehorsam. Es verspricht ein jeder der Arbeiter, den Anordnungen des Arbeitgebers, soweitesie sich auf das Verhalten in der Wohnung, auf der Arbeit oder in den Schlafräumen beziehen unbedingten Gehorsam. Berechtigt ist der Arbeitgeber, das Arbeitsverhältnis sofort zu lösen, wenn der Arbeiter den Anordnungen bringen? Wo war der# ein igen eines schweren ... Ja, wer konnte ihnen Hilfe Schwimmer, der sich in dieses Flammenmeer gewagt, wo der Salamander, der darin leben konnte? Der Schrei erstickte wieder, wie er entstanden, und durch die plötzlich eintretende Stille gellte da der jähe Schreckensruf: ..„Oben in Pacific Street brennt's, unten am Werft fangen die Häuser Flammen! Die ganze Stadt ist verloren!“ Hui! wie stoben die Menschen da wieder auseinander. Wie flüchtete alles, was dort oder da wohnte, die eigenen HabseligFeiter, so rasch es eben ging, in Sicherheit zu bringen. Wenn er davonstürmen, strömten andere Tausende von den entferntesten Teilen der Stadt ebenso rasch wieder herbei, und der praktische Sinn der Amerikaner hatte bald in dieser allgeGefahr das Richtige gefunden, das Feuer nicht etwa zu denn das sahen alle, war unmöglich, aber es doch sprühend empor. Hoch auf aber, wie eine einzige Feuersäule, loderte das von der Sonne vollkommen ausgedörrte, aus dünnen Balken und Brettern bestehende, mit hölzernen geteerten Schindeln bedeckten Parkerhaus, und die Bewohner desselben hatten in der Tat kaum Zeit gehabt, von dem Augenblick an, wo der erste Feuerschrei ertönte, das nackte Leben zu retten. Feuer! Durch „Grenzen zu bannen und nicht weiter fressen zu lassen. das nicht, so wärge gerade jetzt der Wind etwas nach, geschah worden:“ Sa uirs di ganze Stadt ein Raub der Flammen geund Tauen be..“ nun rechts und links, mit Aexten sich die Bahn freisen wolte: Partien, dort, wohin das Feuer der Zelte und Holzbarackenein Wüten durch Riederreißen rücksichtslos, wer sich inn g. in tun. Während einzeine, dem Brande unbarzhrig nnern derselben befand, noch völlig von dem Braude unveruhrie Gebäude mit ihren scharfen Aerten eiffen und dag#g:.Pebaube mit ihren schärfen Aexten angriffen und die Eckpfosten einhieben, warfen Hunderte von ich en star'en Taue um die ihrem. Geschick verarmen die langen starken Taue um demf Poden gleich Aher sie in nacsten Augenblick Die flammenden Stüicke der Zestee selbist das half nicht inmer. selbst über diese hin, und die wenigen, überhaupt in San Francisco vorrätigen Spritzen kamen dem eigentlichen Feuer gar nicht nahe, sondern hatten vollauf zu tun, nicht mindere Gefahr da und dort in ven noch unerfaßten, aber bedrohten Straßen abzuhalten. Die Aufregung und Angst der Bewohner stieg dadurch auf das äußerste. Jedes neu ergriffene Haus mehrte die Not, und dumpfe, wenn auch vollkommen unbestimmte Gerüchte von Brandstiftern, die selbst während des Arbeitens von Mund zu Mund liefen, vermehrten nur die Aufregung der Leute. „Die ganze Seite der Plazaf auf der sich die eigentlichen Spielhöllen, mit dem hohen Parterhaus in der Mitte, befanden, stand nicht allein in hellen Flammen, sondern war schon in kaum einer au ningkaum einer Viertelstunde dem Boden gleich gevrannt, und nur die rauchenden Trümmer sandten noch ihren Qualm und Funkenregen ##urg das gagzg, Gebäude zitterte der Ruf, bis unter das Dach hinauf, und die dort Zimmer an Zimmer einquartierten Bewohner eilten, aus dem Schlaf emporgeschreckt, zitternd an die Fenster. Aber nur einen Blick warfen sie hinaus, auf die drohende Gefahr da unten, und aufgreifend, was ihnen nur zunächst in die Hände kaum, stürmten sie fast alle der hölzernen schmalen Treppe zu, das Freie zu gewinnen, ehe ihnen dieser einzige Rückweg abgeschnitten würde. (Fortsetzung folgt.) wird, auch diese— unseretwegen zum Besten der Menschheit ersonnene— Erfindung seinen Interessen dienstbar zu machen. Die Sonne als Triebkraft von Motoren. Der kühne Gedanke, die rastlose Wärmeabgabe der Sonne an die Erde durch Hilfe sinnreicher Apparate in motorische Kraft umzuwandeln, ist bereits oft von der technischen Wissenschaft aufgegriffen worden. Schon im Altertum beschäftigte sich Archimedes mit ähnlichen Problemen. In neuen Zeiten hat der Franzose Mouchot eine Sonnenmaschine konstruiert, in der eine große Anzahl von Spiegeln bei einer Flächenausdehnung von 80 Quadratmetern so angeordnet ist, daß sie die Sonnenstrahlen auf einen gemeinsamen Mittelpunkt werfen, der dann eine so große Hitze entwickelt, daß er einen Motor von einer Pferdekraft antreibt. Seit Edisons Zementhaus. Ein italienischer Journalist, der Edison besuchte, erzählt von dessen„Zukunftshaus":„Das Zementhaus ist eine Neuheit, der der Erfinder eine große soziale Bedeutung schreit; aun der der Ersir zuschreibt. Man baut eine Hausform aus eisernen Platten und Tr rägern, die leicht zusammengesetzt und leicht wieder auseinandergenommen werden können, so daß man sie von einem Ort zum anderen schaffen kann. Die Form wird dorthin gebracht, wo das Haus gebaut werden soll; wenn sie aufgestellt ist, füllt man sie durch eine Oeffnung mit einer flüssigen Mischung von Sand und feinem Zement. Sobald die Mischung fest und trocken ist, wird die Form entsernt und das Haus ist in allen' seinen ind fertig DasG“ Teilen fix und, ferng... Das. Gerippe— eigentlich müßte man es die Kruste nennen— des Zementhauses wiegt nur wenige Tonnen und kann von 10—12 Arbeitern in wenigen Tagen aufgestellt werden; die Füllung der Form erfordert zwei bis drei Tage; der Verhärtungsprozeß dürfte eine Woche dauern; in weniger als drei„Wochen ist also das Haus so weit, daß es bezogen werden kann.„Es bildet sich bereits eine Gesellschaft für die Massenherstellung meiner Zementhäuser,“ sagte Edison.„Die Gesellschaft soll jedoch meine Erfindung nicht ausbeuten, denn ich will, daß mein Haus zuallererst den ärmeren Bevölkerungsklassen zugute kommen soll. Ich werde bestimmen, daß der Reingewinn der Gesellschaft nicht mehr als 15 Prozent betragen dorf. Ein Zementhaus von sieben Zimmern mit allem Zubehör soll nicht mehr kosten als 1500 Dollars(6000 Mk.). 600 Dollars sollen in jährlichen Raten von 10 Prozent gezahlt werden, während der Rest als 5prozentige Hypothek eingetragen werden soll.“ Es versteht sich, daß diese Lösung der Wohnungsfrage eine Utopie tal ist so gut wie alle anderen, und daß das Kapital es schon lernen Mouchots Experimenten, so wird in, T. P.s Weckly ausgeführt, hat man in der Lösung dieser Frage bedeutsame Fortschritte gemacht, aber der Tag ist freilich noch fern, da jenes Land so viel South Pasadena, und dient als Pumpapparat, um aus der Tiefe eines Brunnens Wasser zu Bewässerungszwecken emporzuheben. Der Apparat hat die Form einer riesigen Ellipse. deren kleinster Durchmesser elf Meter beträgt. In der Fläche sind in sinnreicher Anordnung nicht weniger als 1788 kleine Spiegel angebracht, die alle Sonnenstrahlen auf einen bestimmten Punkt konzentrieren, an dem sich ein Kessel befindet mit 800 Liter Fassungsgehalt. Ein Rohr leitet dann den entwickelten Dampf zu dem Motor über, der zehn Pferdekräfte entwickelt. Das Wasser aus dem Brunnen wird dabei mit einer Schnelligkeit von 11 000 Litern in der Minute emporgepumpt. Der ganze Apparat ist wie ein Teleskop eingerichtet, so daß er verstellbar ist und der Sonne in ihrem Stande folgen kann. Heuschnupfen. Die Ursache des Heuschnupfens ist sehr häufig in dem Reiz gesucht worden, den der Blütenstaub verschiedener Gräserarten auf die Schleimhäute ausübt. Auf das Irrige dieser Ansicht hat in der französischen Akademie der Wissenschaften Pierre Bonnier hingewiesen, der unter Heranziehung der Häufigkeit der Erkrankungen auf See oder bei Schneewetter des Heuschnupfens annimmt. Der schlagendste Beleg für die Berechtigung seiner Theorie ist wohl der, daß die Krankheit auch zu Zeiten auftritt, wa öhark keine Grasart in Blüte steht. G=96“s sich daupt Blüte steht. Es handelt sich oielmehr um eine Störung gewisser#ervenzentren, die die Schleimabsonderung paiie mesesteg reet dich die Schleimabsonderung sen. Die Behandlung muß sich barauf richten, die Reizder Schleimhäute hevabzumindern und die normale Firitiggnde in Frage siebenden Nervengruppen der Rasenpeimguat wieder herzustellen. beherrse barkeit des Arbeitgebers oder luffor malige Auffor###ng schimpft, oder sich tat! wenn eine unverheirate beiter sich der Aufwieg Herrn quält, wenn er gehens unter Anklage vorsichtig ist. Der Ar lösen, wenn der Arbei fortwährend nicht inne mißhandelt wird und unsittlich insultlert wir von der Arbeit fort, o trunken angetroffen, so Fall eine Konventional kasse dem Arbeiter auf aller Forderungen aus ersatzansprüchen das 9 Arbeiters zu. Soweit der famose wir kurz angeführt hab losigkeit der Landarbei traktbruch der Landarb Akt der Verzweiflung Küren, wie sie sich a Junkern verkauft habe nicht mehr. Ein Mit arbeiterflucht aufzuhalt der Landarbeiter mit 0 Die sozialistische P beigischen Genossen ha dem Kampfe, den sie sei Der Verkauf des Zent der sozialistischen Liter Belgiens von jetzt an sozialdemokratischen Pr sen. Unsere Genossen parieren diese bureaut Regierung dadurch am größerer Bahnhöfe Flie tischen Presse und Lite Gewerk An die Bauarbeiter fang Juni sind die Ar und seinen, Nachbarstä burg=Withelmsburg we gesperrt. Einigung der Unternehmer, die Zweck der Aussperrung nichtet oder doch lahmg Kampf bevor. Agenten sprechungen Arbeitswill bereits einige Hündert Arbeiter allerorts! St arbeiter nach Hamburg die 1 Der Verband der 2 Deutschlands hält am bandstag im Berliner Gewerkschaften hatte lichen Krise zu leiden, wütete, wie sie nur ei mit Herstellung von E behrt werden können. 2. Quartal noch ganz Jahres schon ein erheb des 2. Quartals 1908 Schluß des 4. Quarté sich der Verlust wen zahlen des Verband1906: 7961, 1907: 8604 und Austritt von Mit doch die Zahl der Eis 1907: 4285 und im Jal Den Eintritten steht ei und Ausschlüssen gegen Den Mitgliederverluste ringe Zahl von Eintrit gliedern war in Berlir im Rechenschaftsbericht die Beitragskassierung ist. Trotz dieser ungur Mitgliederbestand des Während im Jahre 19 Wochen dem Verband gliederzahl von 6637 r. diese im Jahre 1908 au im Jahresdurchschnitt Wochen an. Aus dem Verband in den letzter 575 730,24 Mk. hatte, de Mark, laufende Beiträ Mark 50 Pfg., Zinsen Mark. Demgegenüber. Davon behielten die stützung gab der Verk stützung 153955,83 Mt 190s allein 83 510,33 M Mark, für Sterbegeld Mark 30 Pfg., Gemas standsunterstutzung 241 der Hauptkasse: für 8 Mark, Verbandstag 19 Zu den Gesamteinnahr 1o daß der Verband ar Vermögen von 69983, hat in den letzten Ja bewegungen durchgekam in 1663 Betrieben mit In 18 Orten mit 637 die Bewegung ohne Ar wurde gestreikt, betroff Gäftigten., Der Verli 2294 Beteiligte 40 863 Erreicht wurde für 2488 zeit von 3897 Stund. pir sonen eine Lohnerhöhn Jahre 1908 wurk Beschäftigten Forder betrug für 713 Bete beitsverdienst 58 789 eine Arbeitszeitvert eine Lohnerhöhung Im allgemeinen kanz schaftlichen Misere keit zurückblicken. De Zeit eine Stütze, hat ausbezahlt. Der Ve mit der Finanzfrag mpfe und 2. Lohnkämpfe Ausstand der Nieter Nietern auf der Flensb neubau Stapel Nr. 288 neubau Stavel Nr. 288 gekündigt worden. Die Rechnung. Trotz wiede blieb diese bei ihrem Al leiters Schulz vom dor des Arbeitgebers oder dessen Stellvertreters selbst auf zweimalige Aufforderung hin nicht Folge leistet, den Arbeitgeber beschimpft, oder sich tatlich widersetzt, wenn ein Arbeiter stiehlt, wenn eine unverheiratete Person schwanger wird, wenn der Arbeiter sich der Aufwiegelei schuldig macht, wenn er die Tiere des Herrn quält, wenn er wegen eines Verbrechens oder eines Vergehens unter Anklage gestellt wird und wenn er mit Licht un vorsichtig ist. Der Arbeiter ist berechtigt, das Verhältnis zu lösen, wenn der Arbeitgeber seine vertragsmäßigen Leistungen fortwährend nicht innehalt, wenn er vom Arbeitgeber gröblich mißhandelt wird und wenn eine Arbeiterin vom Arbeitgeber unsittlich insultiert wird. Bleibt der Arbeiter ohne Erlaubnis von der Arbeit fort, oder wird er während der Arbeitszeit betrunken angetroffen, so ist der Arbeitgeber berechtigt, für jeden Fall eine Konventionalstrafe von 50 Pfg. zugunsten der Armenkasse dem Arbeiter aufzuerlegen. Dem Arbeitgeber steht wegen aller Forderungen aus diesem Vertrage, sowie wegen Schadenersatzansprüchen das Recht der Einbehaltung der Sachen des Arbeiters zu. Soweit der famose Vertrag, dessen wichtigere Paragraphen wir kurz angeführt haben. Er zeigt die himmelschreiende Rechtlosigkeit der Landarbeiter und erklärt auch den häufigen Kontraktbruch der Landarbeiter, der in den meisten Fällen nur ein Akt der Verzweiflung ist. Denn wenn die Landarbeiter erst spüren, wie sie sich auf Gnade und Ungnade den ostelbischen Junkern verkauft haben, ist ihres Bleibens in diesen Gefilden nicht mehr. Ein Mittel gibt es nur, um endgiltig die Landarbeiterflucht aufzuhalten, und das ist die rechtliche Gleichstellung der Landarbeiter mit den Industriearbeitern. Hürtrinachrichten. Die sozialistische Presse auf belgischen Bahnhöfen! Unsere beigischen Genossen haben endlich den Sieg davongetragen in dem Kampfe, den sie seit 23 Jahren gegen die Regierung führten: Der Verkauf des Zentralorgans der Partei,„Le Peuple", und der sozialistischen Literatur überhaupt ist auf den Bahnhöfen s von jetzt an zugelassen. Bei uns zu Lande sind der sen. Unsere Genossen, besonders in den größeren Städten, parieren diese bureaukratische Unanständigkeit der preußischen Regierung dadurch am besten, daß sie in unmittelbarer Nähe großerer Bahnhöfe fliegende Verkaufsstellen der sozialdemokratischen Presse und Literatur einzurichten versuchen. Gewernschaftsbrwrgung. An die Bauarbeiterschaft des In= und Auslandes! Seit Anfang Juni sind die Arbeiter des Baugewerbes in Hamburg und seinen Nachbarstädten Altona=Ottensen, Wandsbeck, Harburg=Wilhelmsburg wegen geringfügiger Lohnforderungen ausgesperrt. Einigungsversuche scheiterten an dem bösen Willen der Unternehmer, die keinerlei Zugeständnisse machten. Der Zweck der Aussperrung ist offenbar: die Organisation soll vernichtet oder doch lahmgelegt werden. Es steht ein langwieriger Kampf bevor. Agenten sind ausgesandt, um untei allerlei Versprechungen Arbeitswillige einzufangen. In Schlesien will man bereits einige Hündert der„nutzlichen Elemente geködert haben. Arbeiter allerorts! Sorgt dafur, daß kein arbeitswilliger Bauarbeiter nach Hamburg und seinen Nachbarstädten geht! Der Verband der Tapezierer und verwandten Berufsgenossen Deutschlands hält am 18., 19, 20. und 21. Juli seinen 4. Verbandstag im Berliner„Gewerkschaftshaus“ ab. Wie fast alle Gewerkschaften hatte der Verband schwer unter der wirtschaftlichen Krise zu leiden, die im Tapeziererberufe mit einer Schärfe wutete, wie sie nur einen Beruf treffen kann, der vorwiegend mit Herstellung von Gegenständen beschäftigt ist, die leicht entbehrt werden können. Entwickelte sich der Verband bis zum Schluß des 4. Quartals zurück. Im Jahresdurchschnitt stellte sich der Verlust weniger ungünstig. Die Mitgliederzahlen des Verbandes im Jahresdurchschnitt waren folgende: 1906: 7961, 1907: 8604, 1908: 8275. Die Fluktuation, der Einund Austritt von Mitgliedern, ist außerordentlich groß, betrug doch die Zahl der Eintritte im Jahre 1906: 4838, im Jahre 1907: 4285 und im Jahre 1908 trotz der Krise immer noch 3113. Den Eintritten steht eine fast ebenso große Zahl von Austritten und Ausschlüssen gegenüber: 1906: 3585, 1907: 3814, 1908: 3748. Den Mitgliederverlusten im Jahre 1908 steht aber eine zu geringe Zahl von Eintritten gegenüber. Der Hauptverlust an Mitgliedern war in Berlin zu verzeichnen, und dieser Umstand wird im Rechenschaftsbericht des Vorstandes darauf zurückgeführt, daß die Beitragskassierung in Berlin völlig ungenugend organisiert ist. Trotz dieser ungunstigen Verhältnisse ist die Stabilität im Mitgliederbestand des Verbandes im allgemeinen gestiegen. Während im Jahre 1905 die Zahl der Mitglieder, die über 52 Wochen dem Verbande angehorten, bei einer absoluten Mitgliederzahl von 6637 nur 3585, in Prozenten 53,1 betrug, stieg diese im Jahre 1908 auf 74,8 Prozent, d. h. von 8275 Mitgliedern im Jahresdurchschnitt gehörten 5871 dem Verbande über 52 Wochen an. Aus dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß der Verband in den letzten drei Jahren eine Gesamteinnahme von 575730,24 Mk. hatte, davon entfielen auf Eintrittsgelder 6118,40 Mark, laufende Beiträge 541 817,50 Mk., Extrabeiträge 14474 Mark 50 Pfg., Zinsen 3937,28 Mk., sonstige Einnahmen 5382,56 Mark. Demgegenüber steht eine Ausgabe von 589 197,99 Mark. Davon behielten die Filialen 133382,81 Mk., für Reiseunterstützung gab der Verband 21643 Mk., für Arbeitslosenunterstützung 153955,83 Mk. aus. Davon entfallen auf das Jahr 190s allein 83510,33 Mark. Für Krankenunterstützung 23 212.15 Mark, für Sterbegeld 8835 Mk., für Streikunterstützung 149209 Mark 30 Pfg., Gemaßregeltenunterstützung 1448.13 Mk., Notstandsunterstutzung 2416,75 Mk., Sonstiges 1406,71 Mark. In der Hauptkasse: fur Zeitung 28 465,78 Mk., Gehälter 28 442,58 Mark, Verbandstag 1906 3918,85 Mk., Sonstiges 31 000.95 Mk. Zu den Gesamteinnahmen kam ein Bestand von 33 451.64 Mk., so daß der Verband am Schluß des Jahres 1908 noch über ein Vermögen von 69983,89 Mk. verfügen konnte. Der Verband hat in den letzten Jahren eine ganze Anzahl schwerer Lohnbewegungen durchgekampft. Im Jahre 1907 wurden in 34 Orten in 1663 Betrieben mit 4739 Beschäftigten Forderungen gestellt. In 18 Orten mit 637 Betrieben und 1240 Beschäftigten wurde die Bewegung ohne Arbeitseinstellung erledigt. In 16 Orten murde gestreikt, betroffen wurden 566 Betriebe mit 2439 Beschäftichten. Der Verlust an Arbeitszeit betrug für zusammen 2294 Beteiligte 40 863 Tage und an Arbeitsverdienst 204 675 Mt. Etreicht wurde für 2488 Beteiligte eine Verkürzung der Arbeitszeit von 3897 Stund. pro Woche. Zusammen wurde für 4356 Personen eine Lohnerhöhung von 10164 Mk. pro Woche erreicht. Im Jahre 1908 wurden in 23 Orten in 499 Betrieben mit 1366 Beschaftigten Forderungen gestellt. Der Verlust an Arbeitszeit betrug fur 713 Beteiligte 13.537 Tage und der Verlust an Arbeitsverdienst 58 789 Mark.— Erreicht wurde für 258 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von 936 Stunden pro Woche und eine Lohnerhohung für 1050 Personen von 1922 Mk.=pro Woche. Im allgemeinen kann der Verband der Tapezierer trotz der wirtschaftlichen Misere der letzten Jahre auf eine fruchtbare Tätigkeit zurückblicken. Den Arbeitslosen war der Verband in schwerer Zeit eine Stütze, hat er doch enorme Summen als Unterstützung ausbezahlt. Der Verbandstag wird sich denn auch hauptsächlich mit der Finanzfrage beschäftigen, ferner mit der Frage der Lohnkämpfe und Tarifverträge. Ausstand der Nieter auf der Flensburger Schiffswerft. Den Nietern auf der Flensburger Schiffswerft ist für den Schiffsneubau Stapel Nr. 288 eine 10prozentige Lohnreduzierung angekündigt worden. Die Werft baut diesen Dampfer auf eigene Rechnung. Trotz wiederholter Vorsprachen bei der Direktion vliev diese bei ihrem Abzuge bestehen. Die Versuche des Gauleiters Schulz vom dortigen Metallarbeiterverband, eine Einigung herbeizuführen, waren ohne Erfolg. Am Freitag abend beschlossen die Nieter mit 117 gegen 22 Stimmen, die Arbeit niederzulegen: Sonnabend mittag traten sie in den Streik. Gauleiker Schulz hatte sie dringend vor diesem Schritt gewarnt. Eine Anzahl anderer Arbeiter, die seitens der Direktion zur Streikarbeit aufgefordert wurde, verweigerte diese und wurde sofort entlassen. Ein aktiver, königlich preußischer Grenadier als Arbeitswilliger. In Sommerfeld, Bezirk Frankfurt a. O., stehen die Töpfer der Firma Roll u. Kreutz seit Anfang dieses Monats im Abwehrkampf. Die Firma hatte das bestehende Tarifverhältnis, das übrigens recht niedrige Löhne enthielt, gekündigt und suchte nun die schlechte Konjunktur dazu auszunutzen, den alten Tarif gleich auf weitere 3 Jahre festzulegen, um so zu verhindern, daß die Töpfer bei zu erwartender guter Konjunktur erhöhte Forderungen stellen. Hierauf konnten die Gehilfen aber nicht eingehen und sie traten deshalb in den Abwehrkampf ein. Von den zirka 40 Töpfern der Firma blieben nur 2 Arbeitswillige stehen. Die Firma sucht nun Arbeitskräfte heranzuziehen, was ihr jedoch erst in einem Falle gelungen ist. Und zwar ist dieser Arbeitswilliger ein aktiver Grenadier des 12. Grenadier=Regiments in Frankfurt a. Oder. Dieser Träger des kaiserlichen Rockes heißt Paul Brettschneider; er war vor Beginn seiner militärischen Laufbahn bereits Mitglied des Töpferverbandes, mußte aber wegen Restierens der Beiträge ausgeschlossen werden. Er ist in Sommerfeld beheimatet, hat 14 Tage Urlaub erhalten und nutzt diese Zeit nun aus, indem er sich bei Roll u. Kreutz als Arbeitswilliger betätigt. Wir fragen: Ist der vorgesetzten Behörde des Breitschneider bekannt, daß der Grenadier Brettschneider in Sommerfeld Arbeitswilligendienste verrichtet und als Töpfer arbeitet? Erhalten Soldaten Urlaub, um in der Fabrik zu arbeiten? Die Vorgesetzten des arbeitswilligen Grenadiers Brettschneider werden auf diese Fragen bald Auskunft geben müssen. Der Verbandsvorstand der Töpfer hat nämlich dieses seltsamen Vorfalles wegen beim Kommando des 12. Grenadier=Regiments interveniert. Wir sind begierig, zu erfahren, ob von dieser Seite die Handlungsweise des Brettschneider gebilligt wird. Neun schwarze Listen versandte der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller in der Zeit vom 26. Juni bis 10. Juli d. J. Durch Angabe ihrer Personalien werden in Verruf gebracht 118 Betonarbeiter in Hamburg, 4 Schmiede der Anhalter Hufeisenfabrik in Roßlau, 15 Müller der Malzfabrik A. Heymann in Mannheim, 94 Knopfarbeiter und Arbeiterinnen in Frankenhausen und 52 Textilarbeiter und Arbeiterinnen in Gefrees. Zum Kampf der Maschinisten und Heizer auf dem Rhein. Wie die Lieferanten und Arbeitswilligen„arbeiten“, davon gibt Zeugnis folgende, uns zugesandte Erklärung! Die Unterzeichneten erklären hiermit, daß das nachstehend Geschriebene die reine Wahrheit ist und bekräftigen dieses durch ihre eigenhändige Unterschrift. „Wir wurden am Mittwoch, den 14. Juli, von dem Agenten Heßberg bezw. dessen Vertreter Delfing in Essen a. Ruhr als Arbeiter angeworben. Es wurde uns von den Agenten gesagt, daß wir zu Montagezwecken, Hochbau, Eisenkonstruktion usw. verwendet würden. Wir mußten dann in Essen im Bureau des Agenten Delfing, Parallelstraße 18, unsere Legitimationspapiere abgeben. Um 6,18 Uhr Mittwoch abends wurden wir dann in Essen auf die Eisenbahn gesetzt; das Reiseziel wurde uns verschwiegen. Es wurde uns nur die Andeutung gemacht, daß die Reise nach der Schweiz zu geht. In Worms wurden wir in einen anderen Zug geschafft und ging die Reise direkt Straßburg zu. Unterwegs in Winden mußten die unterzeichneten Otto Sprenger, Heinrich Stein und Alois Kuhn umsteigen nach Maximiliansau. Dort wurden wir dann auf ein Boot gebracht, um als Heizer Dienste zu tun. Dieses Boot hatte den Namen„Colonia 7“. Die anderen Unterzeichneten wurden nach Markolsheim(Els.) befördert von dort nach Saßbach auf das Boot„Colonia 8“ gebracht.— In Essen wurde und 6 Mk. als wahrscheinlicher Tagelohn und je 1 Mk. für die Ueberstunde versprochen. Als wir an Bord kamen, frugen wir, was es für Lohn gibt; darauf wurde uns die Antwort, daß es 26 Mk. und 2 Mk. Zulage pro Woche gibt. Davon müßten wir uns selbst beköstigen, was 4,80 bis 5 Mk. pro Woche für warmes Essen betragen würde. Für diese Lohnbedingungen wollten wir jedoch nicht arbeiten. Die auf „Colonia 8“ gebrachten Unterzeichneten stellten darauf an den Agenten Werner von der„Rhein= und Seeschiffahrtsgesellschaft“ in Köln, welch letzterer das Boot„Colonia s“ gehört, die Forderung auf Ausfertigung eines Kontraktes mit höherem Lohn. Dieses wurde auch angenommen. Die Arbeit war uns jedoch zu schwer. Wir waren nicht in der Lage, diese schwere Arbeit dauernd zu verrichten. Wir von„Colonia 7“ unterzogen uns der uns gegen unseren Willen zugemuteten Arbeit. Wir erhielten aber nur den Lohn von 26 Mk. pro Woche. Wenn wir in Essen gewußt hätten, daß wir solche schwere Arbeit verrichten sollten, dann wären wir nicht auf das Ansinnen der Agenten Heßberg und Delfing eingegangen. Nur durch Verschweigen des wahren Sachverhaltes seitens der Agenten Heßberg und Delfing ließen wir uns bestimmen, von Essen wegzufahren. Wir bestätigen alles dieses noch einmal als der vollen Wahrheit entsprechend und warnen zugleich alle Arbeitslosen und auch alle in Arbeit stehenden Berufskollegen, sowie alle andere Arbeiter vor dem Treiben der Agenten Heßberg und Delfing, da diese es nicht ehrlich mit der Arbeiterschaft meinen. Mannheim, den 18. Juli 1909. (gez.) Robert Drinnhausen, Schlosser; Theodor Liefert, Heizer; Peter Mangold, Heizer; Franz Witt, Schlosser; Wilhelm Schönauer, Schlosser; Alois Kuhl, Schlosser; Otto Sprenger, Heizer; Heinrich Stein, Heizer. Die Metallarbeiterorganisationen in Dortmund haben die vor 9 Wochen gegen das Stahlwerk„Hösch“ verhängte Sperre aufgehoben. Einigungsverhandlungen im oberschlesischen Baugewerbestreik. Auf Anregung des Arbeitgeberverbandes fand am Sonnabend vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts in Kattowitz eine Einigungsverhandlung statt. Nach fünfstündiger Verhandlung wurde den Maurern und Zimmerern eine Lohnerhöhung von drei Pfennig pro Stunde angeboten. Die Arbeitgeber= und die Bauarbeiterverbände beschlossen, in den Montag stattfindenden Versammlungen zu dem Einigungsvorschlage Stellung zu nehmen. Damit ist Aussicht auf eine Einigung gegeben. Streik in der Schweiz beigelegt. Durch staatliche Vermittlung ist der Streik der Arbeiter am Bruggwaldtunnel der Bodensee-Toggenburg=Bahn beigelegt worden. Die Arbeiter erhielten Zugeständnisse. Genossenschaftsbewegung. Die steuerliche Behandlung der Konsumgenossenschaften ist bekanntlich in den meisten deutschen Staaten verschieden von der Behandlung, die den landwirtschaftlichen und gewerblichen Genossenschaften auf dem Gebiete des Steuerwesens zuteil wird. Während die letzteren stets steuerfrei sind, vielfach sogar direkte und indirekte Unterstützungen aus Staatsmitteln erhalten, sucht man die Entwicklung der Konsumvereine durch ungerechte Ausnahmesteuern zu beeinträchtigen. Es handelt sich hier um ein Stück Ausnahmegesetzgebung gegen die meistens von Arbeitern gebildeten Konsumvereine, die um so empörender wirken muß, als die von der Gesetzgebung begunstigten landwirtschaftlichen Genossenschaften dem„Mittelstand“ genau so gefährlich werden wie die Konsumvereine, wenn wir uns einmal im Jargon der Konsumvereinsfeinde ausdrücken dürfen. Das geht wieder aus dem Geschäftsberichte des Reichsverbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften hervor, der anfangs Juli seinen Genossenschaftstag in Stettin abhielt. Nach dem erstatteten Geschäftsbericht haben die 18000 Genossenschaften, die dem Reichsverband angehören, für etwa 200 Millionen Mark Waren gemeinsam bezogen und für 85 Millionen Mark Waren gemeinsam abgesetzt. Dazu kommen noch die Umsätze der Kreditkassen, die sich auf 5800 Millionen Mark belaufen. Es liegt auf der Hand, Gaß durch die Tätigkeit der landwirtschaftlichen Genossenschaften die Händler mit Maschinen, Saatgut, Geraten usw. genau so gut eine Beeinträchtigung erfahren wie die Händler mit Kolonial= waren und Lebensmitteln durch die Konsumvereine. Die Händler machen denn auch schon lebhaft gegen die landwirtschaftlichen Genossenschaften Front und fordern zunächst einmal das Aufhören jeder staatlichen Unterstützung dieser Genossenschaften, einzelne Korporationen wollen auch schon die Steuerschraube gegen landwirtschaftliche Genossenschaften in Anwendung gebracht haben. Man braucht sich in der Tat auch nicht über solche Forderungen zu wundern. Das schreiende Unrecht, das den Konsumvereinen zugefügt wird, muß notwendigerweise auch auf die übrigen Genossenschaftsarten zurückwirken, sobald die Gegnerschaft gegen diese reger wird und Aussicht besteht, daß die Feinde aller Genossenschaftsarbeit auch gegen die landwirtschaftlichen Genossenschaften etwas zu erreichen vermögen. Die dänische Konsumgenossenschaftsbewegung feierte in diesem Jahre ein bedeutsames Ereignis: das fünfundzwanzigjährige Bestehen ihrer Großeinkaufsgesellschaft. Dänemark ist dasjenige Land Europas, in dem die Genossenschaftsbewegung den höchsten Grad der Intensität erlangt hat. In dem kleinen Lande erzielte die Großeinkaufsgesellschaft im Jahre 1908 einen Umsatz von 46 425 324 Mark. Sie betreibt in mustergiltigen Anlagen eine Tabakfabrik, eine Zucker= und Schokoladefabrik, eine Kaffeerösterei, eine Seilfabrik, eine Seifenfabrik, eine technisch=chemische Fabrik, eine Gewürzmühle, eine Strumpfwaren- und Trikotagenfabrik. Ein Neuntel des Gesamtumsatzes wird in eigenen Produktivbetrieben hergestellt; diege tragen zu dem Reingewinn von 2038 315 Mk. ein Drittel bei. Der Großeinkaufsgesellschaft in Dänemark sind alle 1200 bestehenden Konsumvereine angeschlossen. Zwei Drittel des Gesamtumsatzes der dänischen Konsumvereine werden durch ihre Großeinkaufsgesellschaft bezogen, ein Resultat, das sonst keine festländische Großeinkaufsgesellschaft aufweisen kann. Neben den Konsumvereinen bestehen in Dänemark noch etwa 1100 Genossenschaftsmolkereien, 36 Genossenschaftsschlächtereien, eine Eierexportgenossenschaft und eine Anzahl sonstiger landwirtschaftlicher Bezugs= und Absatzgenossenschaften. Die Mitgliederzahl sämtlicher Genossenschaften beläuft sich auf 525 000, der Gesamtumsatz auf über 300 Millionen Kronen. Die dänische Genossenschaftsbewegung ist ausschließlich eine Agrarbewegung, die städtischen Arbeiter haben erst schüchterne Versuche mit der Gründung von Konsumvereinen gemacht; doch ist zu erwarten, daß in nächster Zeit auch die Arbeiter sich der Konsumgenossenschaftsbewegung in stärkerem Maße zuwenden. Die Gegensätze zwischen Konsum= und Produzentengenossenschaft, die in anderen Ländern an der Tagesordnung sind, kennt man in Dänemark nicht. Die eigenartige Entwicklung des dänischen Genossenschaftswesens hat sie bisher verhindert. kig. Ueber städtische Gesundheitsämter und ihre Aufgaben. Die Aufgaben der städtischen Untersuchungsämter sind nach v. Esmarchs(33. Vers. d. deutsch. Vereins f. öffentl. Gesundheitspflege). 1. Die Untersuchung von Nahrungsmitteln(gemäß Reichsgesetz vom 14. Mai 1879), von infektiösem Material, Trinkwasser, Abwasser, ferner allgemein hygienischer Art(Ventilation, Heizung), insbesondere auf dem Gebiete des Schul= und Krankenhausbaues, und der Gewerbetätigkeit. 2. Die Begutachtung von hygienischen Einrichtungen, Apparaten, Modellen, sowohl zum Zweck ihrer Einführung, wie zu gerichtlichen Zwecken. 3. Die fortlaufende Ueberwachung städtischer Einrichtungen, wie Schulen, Krankenhäuser, Schlachthöse, Wasserund Abwasseranlagen, Bäder, Markthallen, Desinfektionsanstalten. 4. Die Ausbildung städtischer Angestellter in Desinfektion, erster Hilfe(Samariterdienst), Wohnungspflege, Entnahme zu Untersuchungen verschiedener Art(Marktpolizei, Schutzleute). 5. Die Anregung zur Einführung hygienischer Maßnahmen und Einrichtungen auf den verschiedensten Gebieten der öffentlichen und privaten Gesundheitspflege(Beratungsstellen für Behörden und Private). 6. Sammlung und Verwertung statistischer Ermittlungen auf dem Gebiete der Hygiene usw.— Die Leitung des Amtes ist einem umfassend gebildeten Hygieniker zu übertragen, der bei größeren Aemtern die Stellung im Hauptamt, bei kleineren eventuell auch im Nebenamt zu versehen hat(Stadtarzt). Alle im öffentlichen Interesse liegenden Funktionen sollen in weitestem Umfang kostenlos geleistet werden, doch sollen die Untersuchungsämter in beschränktem Umfange auch Privaten— gegen entsprechende Vergütung— zur Verfügung stehen. Bekanntlich gibt es eine Anzahl von Städten, die derartige Untersuchungsämter bereits besitzen. sse. Wodurch entstehen die meisten Betriebsunfälle? Auf diese Frage gibt der letzte amtliche Bericht über die Grubenarbeiterunfälle im rheinisch= westfälischen Industriegebiet dem Sozialpolitiker eine sehr lehrreiche Antwort. Gemeinhin wird angenommen, die unausgesetzte Zunahme der Betriebsunfälle sei auf das Konto der mit dem Betriebe natürlich verknüpften Gefahren zu setzen. Die Annahme ist trügerisch. Beim Bergbau denkt man unwillkürlich an die Schlagwetter- und KohlenstaubExplosionen und an das Zusammenbrechen der unterirdischen Grubenbaue, vermutend, daß diese Gefahrenquellen am stärksten zu Unfällen führen. Tatsächlich weist die Statistik das relative Zurückgehen der infolge dieser Gefahrenquellen entstandenen Betriebsunfälle nach. Im Ruhrbergbau entstanden von je 100 schweren und tödlichen Arbeiterverunglückungen infolge von 1885/86 1900 1908 1. Explosionerg.....:„ 1802 3.75 8.40 2. Glühender Metaumassen, heinte und ätzender Flüssigkeiten, giftiger Gase. 0,92 1,01 1,43 3. Bewegter Maschinenteile, Transmissionen usw. 4,58 8.34 3,64 4. Stein- und Kohlenfau 45,01 36,96 31,20 5. Sturz von Leitern. Treppen usw. in Vertiefungen, Bassins 11.00 3.85 6,81 6. Besörderung von Lasten.... 17,82 32,78 37,61 7. Sonstiger(Gebrauch einfachen Handwerkzeugs) Ursachen...... 2,65 8.31 8,91 Die Annahme, es seien die enorm steigenden Unfälle im Bergbau in erster Linie auf die ihm eigentlichen Gefahrenquellen (Explosionen und Zusammenbrüche) zurückzuführen, ist also durchaus irrig. Was die Explosionsopfer anlangt, so waren sie 1908 relativ noch niedriger gewesen, wenn sich nicht die Riesenkatastrophe auf Zeche Radbod ereignete. Die Zahl der Explosionsopfer ist im allgemeinen prozentual erheblich geringer geworden in den letzten Jahrzehnten. Auch die infolge von Steinund Kohlenfall entstandenen Betriebsunfälle gingen relativ erheblich zuruck. Dagegen nahmen die Betriebsunfälle infolge Beförderung von Lasten(Förderung, Auf= und Abladen) riesig zu! Sie haben sich seit 1885/86 mehr als verdoppelt, und daher rührt in allererster Linie die erschreckende Zunahme der Grubenunfälle. Gerade diese Gefahrenquelle ist aber dem Bergbau nicht eigentümlich, sondern wird auch hier in der rapidesten Weise verstärkt durch das unausgesetzt beschleunigte Betriebstempo. Also nicht der Bergbau an sich ist in dem Maße, wie die Unfallvermehrung zeigt, gefährlicher geworden, sondern die Gefahren wurden und werden erhöht durch die kapitalistische Sucht nach möglichst hoher Ausbeute, die nur erzielt werden kann durch eine rücksichtslose Ausnutzung der motorischen und der menschlichen Arbeitskraft. Hier ist der Punkt, wo eingesetzt werden muß, wenn die Betriebsunfälle und Menschenopfer verringert werden sollen. Gerichtliches. * Bielefeld, den 17. Juli. Strafkammer. Schon seit einer langen Reihe von Jahren besteht in der Kurfürsten= und Arndtstraße die Unsitte, daß die jungen Fabrikburschen der Kochschen Fabrik bei einem Schneefalle während der Mittagszeit Spalier bilden und die Fabrikarbeiterinnen der Fabrik von Delius& Söhne mit Schneebällen werfen. Am 5. März d. J. wurde die zur Arb### gehende Ehefrau Sanderbrink auch in der brutalsten Weise unter dem Gelächter erwachsener Arbeiter geworfen. Sich umsehend, ge* wahrte sie den 17 Jahre alten Arbeiter Heinrich Schwabedissen von Sieler, der einen Schneeball unter dem Arme trug. Sie glaubte, in ihm einen ihrer Peiniger zu sehen, der im Begriff stand, sie zu werfen, und stürmte auf ihn los und gab ihm eine kräftige Ohrfeige, daß ihm der Hut vom Kopfe flog. Als sie aber den Hut an sich nahm, um den vermeintlichen Täter ermitteln zu können, wurde sie von einer Anzahl Burschen umringt und von dem Schwabedissen mit einem Holzschuhe in den Rücken geschlagen. Schwabedissen war unter Anklage wegen Körperverletzung gestellt, aber vom Schöffengericht, das Notwehr annahm, freigesprochen worden. Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil wurde heute verworfen. Der dem Trunke sehr ergebene und vielfach vorbestrafte Schuhmacher Heinrich Tiemann wollte im Oktober v. J. seinem Freund Br. einen Besuch abstatten. Da Br. nicht zu Hause war, verschaffte er sich Eingang in dessen Wohnung, um es sich da gemütlich zu machen und die Ankunft seines Freundes zu erwarten. Gelegenheit macht Diebe und namentlich der Durst, der ihn befiel. Seine Willenskraft war durch den Alkohol derart geschwächt, daß er seinem Freunde eineTaschenuhr nebst Kette stahl und ein Sparkassenbuch entwendete, um darauf 15 Mark für Getränke zu erheben.„Die Strafkammer verurteilte ihn heute wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle zu 5 Monaten Gefängnis und brachte ihm hierauf 2 Monate von der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung. Der Arbeiter Carl Schnautz von hier, ein wiederholt schwer vorbestrafter Mensch, welcher noch vor einigen Wochen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, hat seinem Schwager Kiefer, bei dem er Wohnung gefunden hatte, aus einem verschlossenen Schranke, den er mit einem falschen Schlüssel geöffnet hatte, einige Mark bares Geld gestohlen. Er erhielt wegen schweren Diebstahls im wiederhokten Rückfalle eine Zusatzstrafe von 5 Monaten Gefängnis. In der Neujahrsfrühe dieses Jahres kam der Angeklagte, der Werkmeister Heinrich Welpott von Gehlenbeck, nach durchschwärmter Nacht in die Baumeistersche Wirtschaft zu Lübbecke. Hier kam er mit dem dort anwesenden Packer Lücker in Wortstreit, der jedoch bald durch eine Runde Bier beigelegt wurde. Als aber der Welpott den Heimweg antrat, will er von dem Lücker angegriffen und ins Gesicht geschlagen worden sein und er habe sich durch das Umherschlagen mit einem Messer des Angreifers erwehrt. Wenn er den Lücker dabei verletzt habe, so habe er in Notwehr gehandelt. Außerdem soll er noch den Lücker bedroht und beleidigt haben. Das Schöffengericht zu Lübbecke hatte in der Sitzung vom 21. Mai d. J. den Angeklagten in allen Anklagepunkten freigesprochen, wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Die Strafkammer hielt eine Beleidigung für vorliegend, hob das erste Urteil, soweit es die Beleidigung betraf, auf und verurteilte den Welpott zu einer Geldstrafe von 20 Mark ev. 4 Tagen Gefängnis. Im übrigen wurde die Berufung verworfen... Der mehrfach vorbestrafte Schlosser Heinrich Guntau aus Bremen hatte sich gleich, nachdem er am 26. April aus dem GeBeim Schwimmen ertrunken. Blankenburg, 19. Juli. Gelegentlich einer Besichtigung der im Pionierdienst ausgebildeten Mannschaften des hiesigen Bataillons erhielten ein Unteroffizier und mehrere Mann den Auftrag, als Patrouille den Mönche=Mühlenteich zu durchschwimmen. Obwohl alle des Schwimmens kundig waren, gingen der Unteroffizier und zwei Mann in der Mitte des Teiches unter und ertranken, obwohl zahlreiche Rettungsmannschaften in Kähnen herbeieilten. Die Affäre Hammann=Schmitz. Berlin 19. Juli. Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Professor Schmitz in Charlottenburg und den Journalisten Walter Steinhoff ein umfangreiches Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung des Geheimrates Hammann angeordnet. Ein betrügerischer Leutnant. Berlin, 19. Juli. Unter dem Verdachte, umfangreiche Betrügereien verübt zu haben. wurde heute in Charlottenburg in der Joachimstaler Straße 7 der Kürassierleutnant a. D. Philipp v. Nathusius verhaftet und in das Amtsgericht Charlottenburg gebracht. Ein Oberst als Sittlichkeitsverbrecher. Posen, 19. Juli. Eine verblüffende Aufklärung hat das vor einigen Tagen gemeldete Verschwinden des=Obersten und Kommandeurs des 155. Infanterie=Regiments gefunden. Oberst Geyer wurde vor einigen Wochen während einer Uebung des Regiments vom Brandwunden, Personen mit angesengten Kleidern und kleineren Verletzungen.“ Berlin, 19. Juli. Die Staatsanwaltschaft des Landhat zur Exmittlung des Schuldigen der, gestTruppenübungsplatz weg verhaftet. Die Ursache der Verhaftung sind Sittlichkeitsverbrechen, die er an zwei jungen Mädchen beWes zu seinem Zimmer führte durch die Stube seiner Wirtin, und als diese am 18. Mai zufällig nicht anwesend war, öffnete er die unverschlossene Kommode und stahl daraus 20 Mark. Doch er kam damit nicht weit. Schon an demselben Tage befand er sich in Nummer sicher und wurde ihm das Geld wieder abgenommen. Er wurde als Dieb im wiederholten Rückfalle zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, worauf ihm die volle Untersuchungshaft angerechnet wurde. Am Abend des 31. Oktober v. J. hatten bei der Verteilung von Feuerwehrsachen verschiedene Mitglieder des Feuerwehrverins Volmerdingsen bis in die Morgenzeit hinein ihren Durst gründlich gelöscht, so daß es auf dem Heimwege blutige Köpfe jetzte. Das Schöffengericht zu Oeynhausen hatte den Fuhrunternehmer Wilhelm Isemann von Volmerdingen, der dem Viehhändler Wieninger von Werste im Streite mit einem Knüppel mehrere Schläge beigebracht und erheblich an der Stirne verletzt haben soll, zu einer Geldstrafe von 50 Mark ev. 10 Tagen Gefängnis verurteilt. wogegen der Verurteilte Berufung eingelegt hatte, in der er Notwehr vorschützte. Die Strafkammer hob das erste Urteil auf und sprach den Angeklagten Isemann frei, weil nicht festgestellt werden konnte, wer zuerst angegriffen dei.— Vermischtes. gangen haben soll. Abgestürzt. Innsbruck, 19. Juli. Von der Hockspitze ist der hiesige Tourist Bachler abgestürzt und schwerverletzt aufgefunden worden. Weitere vier Innsbrucker Touristen, die die Tour ebenfalls unternommen hatten, werden noch vermißt. Entführer und Mörder. Im heißblütigen Lande des Aetna hat sich ein blutiges Liebesabenteuer abgespielt, dem ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist. Aus Rom wird gemeldet: Auf dem Landgute der reichen Familie Laplaca bei Caccamo auf Sizilien erschien unvermutet ein junger Mann namens Stampacito, der um die Hand des Fräuleins Laplaca anhielt, aber abgewiesen wurde. Stampacito, der ein Gewehr trug, war außerdem von drei vermummten Individuen begleitet. Er setzte das Mädchen ohne weiteres auf ein Maultier und schleppte es mit Gewalt fort. Auf die Hilferufe des Mädchens, eilte der Bruder, ein junger Ingenieur, herbei, um die Entführung zu verhindern. Aber ehe er seinen Revolver abfeuern konnte, stürzte er, von einem Flintenschuß in den Kopf getroffen, tot nieder. Auch ein Nachtasyl. Wir lesen im„Wiener Fremdenblatt": In der Nähe des Lusthauses im Prater stehen einige Pappeln, deren Alter von Fachmännern auf ungefähr 110 Jahre geschätzt wird. Die Jahre haben die Bäume ausgehöhlt, nur die grünen Kronen legen noch Zeugnis von ihrem Leben ab. Einer dieser Baumriesen geriet vor wenigen Tagen plötzlich in Brand, und die Feuerwehr hatte mit der Löschung des Feuers kein leichtes Stück Arbeit zu leisten. Bei dieser Gelegenheit mußte der Baum umgelegt werden und nun zeigte es sich, daß sein Inneres einen vollständigen Obdachlosenhaushalt beherbergt hatte. Zu unterst befand sich ein aus Gras bereitetes Lager für den„Hausherrn". Er war der einzige, der sich ausstrecken konnte. In die Höhe des Bauminnern führten Stiegen, auf deren Absätzen je eine Person sitzend oder zusammengekauert übernachten konnte. Jeder der Bewohner, unter denen sich auch ganz junge, den Eltern entlaufene Burschen befanden, hatte sich sein„Zimmer“, soweit es möglich war, wohnlich eingerichtet. Es fanden sich hier verschiedene roh ausgearbeitete Zierate und Kleiderhaken, in die Baumrinde waren Fenster und Gucklöcher geschnitten. Allerdings wird dieser Romantik jetzt ein Ende gemacht. Die anderen hohen Baumriesen in jener Gegend werden, um ähnliche Ansiedlungen unmöglich zu machen, mit Zement ausgegossen werden. Eine höhere Tochter als Mörderin. Aus Christiania wird der„Berliner Volkszeitung“ geschrieben: Ein schweres Verbrechen hat eine Schulerin der höheren Töchterschule in Drontheim verüht. Die Mörderin steht im Alter von 16 Jahren und wohnte in Drontheim bei ihrer alten Großtante. Unmittelbar vor Ostern starb die Tante, und das Mädchen legte dem Nachlaßgericht ein Testament vor. in dem die Verstorbene sie zur Universalerbin eingesetzt hatte. Bald stellte sich aber heraus, daß das junge Mädchen das Testament zu seinen Gunsten gefälscht hatte. Das Mädchen wurde verhaftet; die Polizei faßte auf Grund verschiedener Indizien auch den Verdacht, daß die Nichte ihre kurz nach der Testamentsfälschung plötzlich gestorbene Tante aus dem Wege geräumt habe. Da die Indizien sich mehrten, legte vor einigen Tagen das Mädchen das Geständnis ab. die alte Tante ermordet zu haben. Die Verhaftete gibt zu, daß sie den Mord mit Ueberlegung ausgeführt habe; die Tante habe die gerichts, I Berlin hat zur Exmittlung des Schuldigen der gest rigen Rennbahnkatastrophe eine Untersuchung eingeleitet. Gegen wen die Anklage erhoben werden wird, hängt von dem Ergebnis der Untersuchung ab. Der Minister des Innern forderte kurz nach dem Unglück einen ausführlichen Bericht über die Katastrophe ein, in dem die genauen polizeilichen Feststellungen, auch soweit sie Mängel in der Anlage der Rennbahn betreffen, angegeben werden sollen. Berlin, 19. Juli. Unter den Schrittmachern wird die gestrige Rennbahnkatastrophe noch lebhaft erörtert. Sie schieben die Schuld an dem Unfalle Krüger zu; dessen Maschine sei vor dem Rennen nicht in Ordnung gewesen. Die Oelpumpe war leck, die Borderpneumatik besaß keine Flügelreifen. Berlin, 19. Juli. Im Elisabethkrankenhause ist von den bei dem gestrigen Unglück auf der Radrennbahn im Botanischen Garten schwerverletzten Personen inzwischen noch Frau Krüger, die Mutter des getöteten 17jährigen Mädchens, ihren Verletzungen erlegen. Das Befinden der übrigen Schwerverwundeten ist sehr ernst, so daß man noch mit weiteren Todesfällen zu rechnen haben wird. Im ganzen sind also bis jetzt 5 Todesfälle zu verzeichnen, Von der Luftschiffahrt. Stuttgart, 19. Juli. Ueber die Beziehungen des Reiches zum Grafen Zeppelin und seinen Unternehmungen teilt der „Schwäbische Merkur“ von unterrichteter Seite mit, daß voraussichtlich in der nächsten Woche das Ersatzluftschiff für das bei Echterdingen vom Sturm zerstörte von den Kommissaren des Reichsamts des Innern und des preußischen Kriegsministeriums abgenommen werden, woraufhin dann die Restzahlung des durch einen Nachtragsetat für 1907 zur Verfügung gestellten Betrages in Höhe von 500000 Mk. an den Grafen Zeppelin erfolgen werde. Damit sind dann die Beziehungen des Zeppelinichen Unternehmens zum Reich vorläufig abgeschlossen, da etatsmäßige Mittel zur Förderung seiner Bestrebungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Calais, 19. Juli. Der Luftschiffer Latham unternahm heute morgen um 6 Uhr 45 Min. den Versuch, den Aermelkanal zu überfliegen. Der Aufstieg erfolgte bei sehr günstigem Wetter. Der Luftschiffer entschwand mit seinem Apparat bald in sehr beträchtlicher Höhe den Blicken der Zuschauer. Bis 9 Uhr morgens war eine Meldung über seinen Verbleib nicht eingetroffen. Kurz darauf traf jedoch ein Schleppdampfer aus Calais ein mit dem Luftschiffer an Bord. Dieser war 18 Kilometer von der Küste infolge eines Motordefekts abgestürzt. Er selbst war nicht verletzt, dagegen hatte sein Apparat Beschädigungen erlitten. Die anwesende Volksmenge akklamierte den Luftschiffer in frenetischer Weise. Latham erklärte, daß er sofort, nachdem sein Apparat repariert sein werde, seinen Versuch erneuern werde. Lustrriffer Raushan erhaß sich Mathien, 19. Juli. Der Luftschiffer Poulhan erhob sich mit seinem Flugapparat bis auf 100 Meter und flog dann in der Richtung nach Arras. Bei der Rückkehr flog er über einen Fesselballon, der in 120 Meter Höhe stand. Er wandte zum zweiten Male und erreichte bei seiner Rückkehr eine Höhe von Räuber an der deutsch=russischen Grenze. Unglaubliche Zustände scheinen noch immer an der russischen Grenze zu herrschen. Vor einigen Tagen, wurden, auf der Grenzchgusser zwischen zälschung de.### gabe sie die Tante erdroffelt; sie Augustowo und Lipsk, wie berichtet wird, etwa 40 Pferoeyanoter, 1 Um dies zu verhinoern, habe sie die Tante erdrosselt; sie die den Pferdemarkt in Lipsk besuchen wollten, von maskierten die schwächliche 78jährige Dame mit dem Kopfkissen ihres## Räubern überfallen, gefesselt, mit vorgehaltenen Revolvern be= erstickt. Die Mörderin setzte nach der Begehung des Fälschung des Testaments entdeckt und ihr mit Anzeige gedroht. Hios zu vorhindern hahe sie die Tanto ordrossolt; sie droht und ihrer Barschaft beraubt. Im ganzen erbeuteten die Wegelagerer auf diese Weise 30000 Rubel. Einer der Geschädigten, der Pferdehändler Gerd Djuren aus Koppenstede bei Darmum in Ostfriesland, der bei diesem Ueberfall 4000 Mark deutsches Geld und 1000 Rubel einbüßte, hat sich jetzt beschwerdeführend an das Auswärtige Amt in Berlin gewandt und hofft dadurch wieder zu seinem Gelde zu kommen. Nach den Ausführungen in der Eingabe hat sich der Ueberfall in folgender Weise abgespielt: Djuren, der seit etwa drei Jahren Pferde in Rußland aufkauft, reiste am 11. Juli von Berlin nach dem deutsch=russischen Grenzort Groß=Czymochen in der Absicht. den Pferdemarkt in Lipsk im Kreise Augustowo(Gouvernement Suwalki) zu einem Einkauf zusbesuchen. Von dem russischen Grenzort Kahli aus benutzte er in Begleitung seines Kommissinärs ein Fuhrwerk und gelangte am 12 Juli bis Augustowo, wo übernachtet wurde. Von dort aus fuhren beide am Morgen des 13. Juli weiter. Auf der Chaussee zwischen Augustowo und Lipsk befindet sich zwischen den Kilometersteinen 14 und 15 ein Chausseehaus, vor dem ein Mann in der Uniform eines Chausseewärters stand. Als das Fuhrwerk vor dem Chausseehaus anlangte, sprang der Mann auf die Pferde zu und führte sie wider den Willen des Kutschers in das Gehöft. Dort wurden Djuren und sein Kommissionär von mehreren zum Teil maskierten Männern umzingelt und mit Revolvern bedroht. Sie verlungten die Hergabe des Geldes, widrigenfalls sie sofort schießen würden. Die gespannten Revolver wurden den Ueberfallenen vor die Brust gehalten. Die Bedrängten gaben in dieser Notlage ihre gesamte Barschaft heraus. Djüren hatte 3000 Mk. deutsches Geld und 100 Rubel russisches Geld bei sich und sein Kommissionär 1000 Mark und 900 Rubel. Auf demselben Gehöft befand sich schon eine Anzahl von Schicksalsgenossen, und später wurden von den Leuten noch mehrere andere Fuhrwerke geplündert. Die meisten der Ueberfallenen, die ebenfalls nach Lipst reisen wollten, hatten große Geldsummen bei sich. Sämtliche Ausgeraubte wurden gefesselt und auf einem Boden des Hauses eingeschlossen. Einer der Reisenden, der Händler Fahl aus Augustowo, der nicht gutwillig sein Geld hergeben wollte, wurde vor den Augen der übrigen Gefangenen totgeschossen. Einem Geschäftsfreund Djurens, dem Pferdehändler Johann Hendricus ten Doeschate aus Goor in Holland, wurden etwa sechstausend Mark abgenommen. Auch er sucht jetzt bei der Behörde Hilfe und hat sich an die holländische Gesandtschaft in Berlin gewandt. Die Räuber hatten zunächst den Chausseewärter überfallen und mit der ganzen Famiue gernever. Dann zog einer von ihnen die,Chausste: Bettes erstial. Die Morderm setzte nach der Begehung, des Verbrechens ihre Vorbereitungen zum Examen ruhigen Blutes fort. In der Schule war sie fleißig und ehrgeizig. Sie bestand die Prüfung in allen Fächern mit guten Zensuren. Eine Spur von Reue zeigte sie nicht. In der Untersuchungshaft verlangte sie „spannende Romane" als Lektüre. 21 Personen ertrunken. Newyork, 19. Juli. Gestern sind in den hiesigen Gewässern bei einem plötzlichen Sturme 21 Personen ertrunken. Die Katastrophe auf der Berliner Radrennbahn. Ueber den Moment der Katastrophe gibt ein Augenzeuge dem „Berliner Tageblatt" nachstehende Schilderung:„Das Rennen wird immer spannender, immer aufregender, und plötzlich entringt sich ein Entsetzensschrei aus Tausenden von Kehlen. kaum einer Sekunde ist ein furchtbares Unglück geschehen. Auf der Kurvenplatzseite brennt lichterloh ein Motorwagen, Motorräder und Rennfahrer überstürzen sich, einzelne von ihnen fliegen wie abgeschossene Kanonenkugeln auf den Sandplatz des Innenraumes, Motorräder und Fahrräder sausen die Bahn herab, die Zuschauer springen bleich und aufgeregt von ihren Sitzen, ein Moment ratloser Bestürzung herrscht unter den Tausenden von Zuschauern. Beherzte Männer springen über die Barrieren, bemühen sich um die herumliegenden verunglückten Rennfahrer, man hebt sie auf, man reißt ihnen die dicke Ledergewandung vom Leibe und sucht sie nach den Kojen zu bringen.— Den schrecklichsten und furchtbarsten Anblick bietet aber die Tribüne mit den Kurvenplätzen. Dort schlägt eine mächtige Feuersäule zum Himmel, Schmerzens= und Entsetzensschreie werden laut, es herrscht für Sekunden ein unentwirrbares Durcheinander. Die Zuschauer drängen sich dorthin, andere, die Augenzeugen der Explosion gewesen sind, flüchten entsetzt von ihren Plätzen, viele sturzen über die Barrieren und rutschen die Kurve hinunter in den rettenden Sand. Vom Sattelplatz aus sieht man eine beherzte Gruppe von Männern um den brennenden Motor hantieren, mehrere Menschen, die der Motor bei seinem wuchtigen Schwung über die Barriere niedergeschmettert hatte, werden unter dem feuerspeienden Motor hervorgezogen. Die erste Verunglückte ist eine Dame. Ihre schwarze, spitzenbesetzte Kleidung steht in hellen Flammen, eifrige Hände reißen ihr die brennenden vom Leibe bis sie in Hose und Hemdfetzen dasteht. 150 Metern. Heute nachmittag um 4 Uhr wird er die Fahrt Douai—Arras und zurück ausführen. Arras, 19. Juli. Der Luftschiffer Poulhan, welcher um ½6 Uhr die Hin= und Rückreise Douai—Arras vorzunehmen versuchte, mußte infolge eines Motordefekts einen Kilometer von Douai landen. Um 6 Uhr setzte er die Fahrt fort und landete in Arras um 6 Uhr 22 Min., nachdem er die Strecke von 20 Kilometern in 22 Minuten zurückgelegt hatte. Um 6 Uhr 50 Min. begann er die Rückfahrt nach Douai. Drei Kilometer von Arras mußte er infolge zu starken Windes wieder landen, wobei sein Apparat einige Beschädigungen erlitt.„ Metz, 20. Juli. Gestern trafen die Führer der Ville de Nancy, Ingenieur Kapferer mit seinem Bruder aus Nancy hier ein und besichtigten mit Erlaubnis der deutschen Militärbehörde die Ballonhalle. Abends wohnten die Herren einem Aufstieg des Z. I bei. Einstimmig erkannte man die Leistungen und die Manövrierfähigkeit des Z. I mit bewundernden Worten an. Von französcher Seite wurde angeregt, für heute abend einen gemeinsamen Aufstieg des Zeppelin und der Ville des Nancy zu unternehmen und an der Grenze zusammenzutreffen. Aachen, 20. Juli. Prof. Reißner on der hiesigen Technischen Hochschule führte gestern in Branderscheide bei Aachen mit seinem Flugapparat Flugversuche in 4—6 Meter Höhe aus. Der erste Flug gelang ausgezeichnet. Bei der zweiten Landung wurde infolge Abstellens des Motors ein Rohr des Stahlgestells geknickt. Prof. Reißner wird seine Versuche in einigen Tagen wieder aufnehmen. Briefkasten der Redaktion. E. K. Oberlübbe. Sielermann hat gegen die Tabaksteuer sshun. Für die Reise mit Sänglingen ist als zweckmäßigste Nahrung „Kufeke“ zu empfehlen. Es ist leicht zuzubereiten, lange haltbar, macht die Kuhmilch leichter verdaulich und schützt vor den gefürchteten Darmerkrankungen.(3937 Kleine Anzeigen=Gile. * Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in d#c Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumungshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werden. Teilzahlung gestattet. Adolf Heine, Ritterstraße 57. 3569 Bettstelle 3930“ mit Matratze und runder Tisch billig abzugeben. Alst. Kirchstraße 10. 50 Prozent 3918 und mehr verdient jeder bis zum Inkrafttreten der Steuer, der Zigarren kistenweise kauft bei Aug. Dustmann, Arndtstr. 20, Ecke Gr. Kurfürstenstraße. Wiebrock. Wohnung von 3 Räumen mit Stallung und Land, Walkenweg 15, zum 1. Oktober zu vermieten. Nachzufragen Strackerjahn, Bleichstr. 197.[3854“ Durchgebrannt ist mein Limburger und Harzkäse, um sich der Banderolesteuer zu entziehen. 3921 Fetzen dom, Leide,„Iss sie in Host uus Gemesepen Tglnrg. Die Männer, die der bedauernswerten Frau die brennenden Kleider vom Leibe gerissen hatten, überließen die weitere Bergung der Dame anderen Samariterhänden, aber es fand sich bedauerlicherFamilie geknebelt. Dann zog einer von ihnen die Chaussee= weise keine helfende Seele, die der furchtbar verbrannten Frau wärteruniform an und faßte vor dem Chausseehause Posto. Dies zur Seite gesprungen ware. Die Aermste wankte die Sitzübrigen Komplizen lagen im Hause versteckt und sprangen erst reihen entlang, angestarrt von entsetzten, ratlosen Zuschauern, zu, wenn der falsche Wärter ein Fuhrwerk auf den Hof führte. einem Ausgang zu, keine hilfreiche Hand bot sich ihr, und am Die Befreiung der Gefesselten geschah durch den Sohn des Chaussee=] Ausgang zur Treppe stürzte sie bewußtlos zusammen. Von der Wiebrock 30 kostet das Pfund Tilsiter Fettkäse, kl. Reibekäse 4 St. 10 Pfg.(3922“ Kinderwagen, moderner, wegen Platzmangel billig zu verkaufen. Gadderbaum, Eggetal Nr. 32.[3940* wärters, dem es mit vieler Mühe gelungen war, sich die Fesseln abzustreifen. Die Räuber waren inzwischen mit der Beute entflohen. Die Ueberfallenen erstatteten zwar sofort bei der Polizei in Augustowo Anzeige, doch hielt es diese nicht einmal für nötig, die Namen der Geschädigten aufzunotieren oder ein genügendes Polizei= oder Militäraufgebot zur Ergreifung der Räuber auszusenden. Nur drei Polizisten machten sich aus die Suche.— Zwärtigen Amt hahen hereits Konserenzen der GeschädigIm auswartigen umt haben bereitz Konferenzen der Geschäbig. ten mit dem Vizekonsul Freiherrn Dr. v. Grünau stattgefunden. Stelle, wo sie zusammengestürzt war, brachten sie einige Zuschauer in eine leerstehende Koje. Inzwischen wurden unter dem brennenden Motorwagen neue Opfer der Katastrophe hervorgezogen. Einem Manne war das Gesicht schwarz verkohlt, die Kleider verbrannt, die Hände mit schrecklichen Brandwunden bedeckt, das Fleisch stellenweise bis auf die Knochen losgeschält. Auch er wurde von mitleidigen Helfern von der Tribüne herabgetragen und auf dem Rasen als tot niedergelegt. Ueberall sah man an der Unglücksstelle zersetzte, blutende Gesichter, Köpfe mit Aiteriühmicher Kleiderschrank zu verkaufen. Gellershagen, Schulstraße 129.[3934“ Oefen, Kochherde und Küchengeräte liefert billigst Beckord& Lohmann, Gütersloherstraße 58a.[3804 2 freundliche Räume, zum 1. Oktober zu vermieten. Klosterstr. 3. 3814“ 3935= Wohnung von 3 Räumen zum 1. Oktober zu vermieten. Mellerstraße 44. Wohnungen in Schildesche, Bielefelderstraße, 3 u. 4 Räume mit Land per sofort oder 1. Oktober zu vermieten. Näheres Voß, Bielefeld, Kaiserstr. 3.[3939“ Teilhaber m gesucht mit 1000 bis 1500 M Kupilal, zweus Vergroßerung Kapital, zwecks Vergrößerung e## Betriebes, welcher nur an Konsüme liefert. 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Die Blockpolitik des F der eigentliche und letzte 6 Elemente gewesen, sie habzwischen der Masse des B Linken blendend beleuchtet für den Liberalismus, ob mit dem Konservativismu rechts oder links nimmt. sehr tiefgehenden Untersch Veränderung der Stellun ehemaligen Blockfreisinn wenn die Haltung des Fre Umgestaltung der Grundlaber bis jetzt nicht das kl Haltung des Freisinns im Schnapsblocks beweise eh„Es galt, ein gemei gegen die neue Mehrhei tung unterblieb jeder A wenn uns versichert wi Linken persekt. Wird geworfen, und findet er ren, der nicht eingelade keine Folge geleistet h keinen Block. Dazu g sichtsloser Aktion berei auf verzichtet, die Me Wähler hinter sich ho Durchführung dieser F Sozialdemokratie auf Art an der Verwirklic die Regierung zur Befr nicht den Glauben an d lich, liberalen Grundge Aber es fehle nicht nur seine Taktik im entschiede dern es lägen sogar bereit der Freisinn sein ohnehi völlig preisgeben wolle: „Nachdem sich eben in der Politik so bitter Verstöße gegen„Intr macht. Nun soll die fr geworfen werden. Ver nur soll man in der Pi zu richten. Herr Köre schen Gegnern das Leb gehenden schutzzöllnerise fährt seine Rechtfertigt Ein Bauernburg Nationalliberale, denen gefährlicherer Wahlgegn Programm ist konfus graphen, der das Fes politik ausspricht. Sollen nun die Na die Gewinnung der Ba sinnigen wollen auch ih möchten sie ihre Chance möchten sie ihre Chance tagsabgeordnete drücken aus, und der früher Danzig setzt im„Berli züglich der Frage Frei Liberalismus ein Waff Wenn der Freisinn der auch seine wirtschaftlichen Bord werfe, müsse man denn schließlich noch liber „Münsterberg meint lismus sei Duldsamkeit recht, er soll die Duldsa politischen und religiös keinen Preis um ihre oder verringern. Wer des Rahmens der eige negiert die Partei übe jedes positive Ziel. Ein Reaktion sehr wohl gef nicht verlangen dürfen, nehmen, das ohne Kon Winde treibt.“ Die kühl abwartende der politischen Einsicht B wohl schwerlich zutrauen nung des Freisinns nich würde. Er würde schlie mit dem Freisinn nicht ab Kampfbereitschaft des Fre bei dem politischen Kall sieht. Je eher und grür liefert, daß sein Herausw auf seine Grundsätze gebi #hus