Abonnementishreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 156. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Donnerstag, 8. Juli 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abende tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ K. Gerisch& Co., Wieleseld. 3 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Arbeitergroschen. I. In ihrer Verlegenheit über die sozialdemokratische Brandmarkung des Brotwuchers weiß die Scharfmacherpresse nichts anderes anzufangen als sich an das Schreckenskind der konservativen Partei, den Abg. Kreth anzuklammern. Dieser Herr hat bekanntlich am 24. Juni 1909 im preußischen Abgeordnetenhause von unserem Parteigenossen Leinert verlangt, er solle für eine Ermäßigung der sozialdemokratischen Parteibeiträge sorgen. Derartige Ausfälle sind ein würdiges Seitenstück zu der Wahlrechtsrede des Herrn Kreth vom 22. Januar 1908, deren Stilblüten damals von der„Rhein.=Westfälischen Zeitung" als beleidigende und ungerechte Beschuldigungen gegen die Sozialdemokratie bezeichnet wurden und bei deren Betrachtung selbst der streng konservative„Reichshote“ meinte:„Wir möchten doch nicht zur weiteren Anwendung dieser Waffe auf konservativer Seite raten.“ In Anlehnung an den derart von seinen eigenen Parteigenossen kalt gestellten Herrn Kreth verlangt nun die arbeiterfeindliche Presse in einem„Sozialdemokratische Auspolverung“ überschriebenen Artikel von den sozialdemokratischen Führern, daß sie sämtliche Parteisteuern außer Hebung setzen sollen. Dieser Artikel, den u. a. die„Berliner Neuesten Nachrichten“ in Nr. 325 vom 30. Juni 1909 abdrucken, jongliert keck mit der Behauptung,„daß die sozialdemokratische Partei das Einkommen ihrer Anhänger zu völlig unproduktiven Zwecken relativ weit höher belastet, als das die Getreidezölle vermögen.“ „Jedenfalls,“ so heißt es dann weiter,„ist die Laufbahn eines sozialdemokratischen Parteiführers angenehm und glänzend. Wir kennen verbummelte Studenten und ausrangierte Schneidergesellen, die in irgend einem süddeutschen Staate zu den Großwürdenträgern der Partei gehören und in den elegantesten Vorortkolonien eigene Villen besitzen.“ So sehr wir nun wünschen, daß nicht allein unsere„Großwürdenträger“, sondern alle Menschen, die sich von redlicher Arbeit nähren, zu dem hier von dem Scharfmacherblatte verlockend hingemalten„Endziel“ gelangen möchten, so liegt im vorliegenden Falle der Schwindel doch derart plump auf der Hand, daß das Scharfmacherblatt sich eine prachtvolle Gelegenheit zur Kennzeichnung des Verbleibs der Arbeitergroschen entgehen läßt und bedauerlicherweise die sozialdemokratischen Villenbesitzer nicht mit Namen brandmarkt. Auf derselben geistigen und moralischen Höhe wie die verfehlte Kennzeichnung des ausrangierten Schneidergesellen steht die weitere Behauptung des Scharfmacherblattes, daß die sozialdemokratische Partei jährlich etwa 2 Millionen Personen um 40 bis 60 Millionen Mark„brandschatzt“, was auf den Einzelnen 20 bis 30 Mk. ausmacht. Ausdrücklich heben die„Berliner Neuesten Nachrichten“ hervor, daß sie mit dieser Summe nicht etwa die Gewerkschaftsbeiträge, sondern nur die Parteibeiträge meinen. Wie jedermann weiß, werden als Beiträge für die sozialdemokratischen Wahlvereine selbst in Großstädten durchweg nur 30 Pfg. monatlich erhoben, was für das Jahr noch nicht 4 Mk. ausmacht. Um zu der von ihm angegebenen Summe zu kommen, begeht das Scharfmacherblatt die Albernheit, zu schreiben: „Diese Summe setzt sich einmal aus den Beiträgen der sozialdemokratischen Vereine, Extrasammlungen und Abonnementsgeldern als sogenannte direkte Parteisteuern zusammen; hinzu kommen die sogenannten indirekten oder Aufwandsteuern, bedingt durch Teilnahme an Versammlungen und unzähligen Festlichkeiten.“ Man kann sicher sein, daß die Scharfmacherpresse kein Wort über die Organisationsbeiträge verlöre, wenn sie den Arbeitern keinen Nutzen brächten. Aber gerade die unumstößliche und selbst von den Gegnern der Sozialdemokratie anerkannte Tatsache, daß diese Beiträge den Arbeiter in den Stand setzen, nicht allein sich über die Methode der kapitalistischen Ausbeutung auszuklären, sondern auch sich gegen seine Unterdrücker mannhaft zu wehren, erfüllt die Kapitalisten und ihre Soldknechte mit Wut, gibt ihnen die Heuchelphrasen ob der Vergeudung der Arbeitergroschen ein und läßt sie das von der Regierung wohlgefällig angehörte Geschrei nach Ausnahmezustand, Zuchthauskurs und ähnlichen Unterdrückungsmaßnahmen erheben. Will man in Zahlen ausgedrückt haben, welche Vorteile die Organisation den Arbeitern bringt, so sei auf folgendes verwiesen. Die Beiträge, welche die in den freien Gewerkschaften organisierten Arbeiter zu zahlen hatten, stellten sich nach einer Aufstellung in Nr. 36 des„Correspondenzblattes der Gewerkschaften“ vom 5. September 1908 im Jahre 1905 durchschnittlich auf 40 Pfg., im Jahre 1906 auf 47 Pfg. und im Jahre 1908 auf 53 Pfg. die Woche. e Gewerkschaften erzielten für ihre Mitglieder und selbstzerständlich, weit über deren Kreis hinaus nach einer von S##: 1###### er in Nr. 29 des„Correspondenzblattes“ vom 18. Juli 1908 veröffentlichten Aufstellung im Durchschnitt pro Person und Woche an Arbeitszeitverkürzung im Jahre 1905: 3 Stunden 44 Minuten, „„ 1906: 3„ 41 „„ 1907: 3„ 39 Daneben erreichten die Gewerkschaften an Lohnerhöhung pro Person und Woche 1905: 2,07 Mk., 1906: 1,89 Mk., 1907: 1,93 Mark. So sieht es im Hinblick auf die Gewerkschaftsbeiträge um die angebliche Vergeudung der„Arbeitergroschen" aus. Doch wir verschmähen es, selber die Vertrauenspersonen der Arbeiterschaft vor den Verleumdungen der Scharfmacherpresse in Schutz zu nehmen und wollen vielmehr statt unser über diesen Gegenstand einige erbitterte Gegner der Sozialdemokratie reden lassen. Max Lorenz, der Herausgeber der„Antisozialdemokratischen Korrespondenz", schrieb am 4. August 1907 im„Tag":„Ich stimme überhaupt nicht in das Gerede von den sich von Arbeitergroschen ernährenden Führern ein, die den„armen“ Arbeiter„ausbeuten". Wenn jemand innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung ausgebeutet wird, sind es viel eher diese Führer, deren Risiko außerordentlich groß und deren Gehälter in Anbetracht der zu leistenden Arbeit noch immer ziemlich jämmerlich sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen.“ Gleichfalls schrieb mit einer weit über das Ziel hinausschießenden Schärfe ein konservativer Politiker, Richard Nordhausen, am 22. November 1907 in demselben Blatt:„Die organisierte Arbeiterschaft kann selbstverständlich nicht wie ein Rauchklub, mit Beamten auskommen, die ihrer Tätigkeit für die Gewerkschaften nebenbei obliegen. Sie bedarf ihrer Arbeitskraft ganz und muß sie bezahlen. Soll unsere Kritik hier einsetzen, so muß sie, statt von Verschleuderung der Arbeitergroschen zu reden, vielmehr die Schundlöhne brandmarken, die die antikapitalistische Sozialdemokratie ihren Angestellten zahlt.“ Ebenso äußerte sich die zentrumsagrarische„Rheinische Volksstimme“, als ein Kriegervereinsblatt über die hohen Gehälter der Partei= und Gewerkschaftsbeamten allerhand geschwindelt hatte, am 26. November 1907:„Warum wir das hier wiedergeben? Um an diesen Beispielen wieder einmal zu zeigen, wie sehr sich die Bauern von den Arbeitern an Opferwilligkeit. und Verständnis für die Bedeutung der Organisation ihres Berufsstandes, sowie der für sie eintretenden Presse beschämen lassen. Die Arbeiter sind eben bedeutend einsichtsvoller als die Bauern. Wo es den Beitritt zu einer Berufsorganisation und die materielle Stärkung derselben, wo es die Unterstützung ihrer Presse gilt, da wird mit dem Gelde nicht gespart. Die Arbeiter sind eben bereits zu der Reife und Einsicht gelangt, daß sie durch diese anscheinend nicht direkt einen in Mark und Pfennige umzurechnenden Gewinn abwerfende Kapitalsanlage von wenigen Groschen ihre eigenen Interessen am allerwirksamsten fördern." Im Gegensatz zu den Berufsvereinigungen läßt sich die Tätigkeit, die eine politische Partei in Rede und Schrift zugunsten ihrer Interessenten ausübt, nicht in Zählen ausdrücken. Aber wie wir mehrfach den Gegnern unserer Partei das Wort gegeben haben, so möge auch hier ein Nichtsozialdemokrat reden. Im Juniheft 1909 der Monatsschrift„Nord und Süd" stellte Professor Niebergall über das geistige Leben der Bauern und des Fabrikarbeiters eine Untersuchung an. Nachdem der Gelehrte das geistige Niveau der Landbewohner gekennzeichnet hatte, schrieb er weiter:„So wie die Leute eben vom Lande kommen, sind sie meistens nur für die ungelernte Arbeit zu gebrauchen. Ich weiß von einem Fabrikanten, dem nicht nur im Zorn die Worte entfahren sind, daß viele seiner Arbeiter nur darum keine Sozialdemokraten sind, weil sie zu dumm dafür wären; wenn sie nur solche wären, dann würden sie auch gescheiter und für die Arbeit besser zu gebrauchen sein. Das ist gewiß ein glänzendes Zeugnis für die Sozialdemokratie aus berufenem Munde. Und in der Tat, das kann man wohl sagen: sie kommt nur dahin, wo einigermaßen höhere Interessen sind, und wo sie herrscht, da weckt sie höhere Interessen. Sie gilt schon jetzt in weiten Kreisen als die Weckerin des geistigen Lebens der Leute; was die Volksschule begonnen, was aber alle bürgerlichen Veranstaltungen nicht fertig gebracht haben— wer hat sich übrigens in solchen Kreisen außer in Wahlzeiten um das geringe Volk gekümmert? das rächt sich jetzt bitter— das hat die Sozialdemokratie fest in die Hand genommen.“ So urteilen Gegner der Sozialdemokratie über die Organisation und den Nutzen der zu ihrer Erhaltung und Ausbreitung aufgebrachten„Arbeitergroschen“. Politische Uebersicht. Deutsches Von der preußisch=deutschen Ausweisungspraxis. In Metz wurde der Schreiner Kunze, ein Oesterreicher, ausgewiesen. Er arbeitete seit 5 Monaten in Metz. Da wurde er 3 Monate krank. Der Unternehmer gab ihm das Versprechen, daß er bei seiner Gesundung wieder an seinen alten Platz gestellt werde. Der Unternehmer hielt aber das Versprechen nicht. Deshalb traten die Kollegen K.s in den Ausstand, obwohl dieser gebeten hatte, seinetwegen nichts zu unternehmen. Die Behörde aber sah in ihm den Hetzer und Aufwiegler, und trotz seines Einspruches wurde K. ausgewiesen. Binnen 24 Stunden mußte er Elsaß=Lothringen verlassen. Pachtsteigerungen und Zollschutz. Wie die„Liberale Korrespondenz“ in Nr. 131 vom 5. Juli 1909 mitteilt, machte der freisinnige Gutsbesitzer Dr. Wendorff=Toitz beachtenswerte Angaben über das Steigen der Kauf= und Pachtpreise für Güter im Regierungsbezirk Stralsund. Das Gut Jabelitz auf Rügen ist jetzt neu zur Verpachtung aufgeboten und dabei ein Gebot von 10000 Mk. Pacht erzielt worden. Da dasselbe Gut bisher nur 7080 Mk. Pacht bringt, so hat eine Steigerung um 2920 Mk. oder 41 Prozent stattgefunden; die alte Pacht betrug auf dem 886 Morgen großen Gute bisher rund 8 und künftig 11,28 Mk. für den Morgen, und wurde bisher noch nicht der volle Grundsteuerreinertrag von 7265 Mk. als Pacht erzielt, so macht das neue Gebot das 14fache des Reinertrages aus. Das Gut Jabelitz wird im Durchschnitt von seiner Ackerfläche von 663 Morgen 4 Zentner Getreide pro Morgen zum Verkaufe bringen, das sind rund 135 Tonnen Getreide. man die Steigerung des Preises durch die erhöhten Zölle mi 15 Mk. pro Tonne, so ergibt sich daraus ein Mehrerlös von Mk. im Jahre, die Mehrausgabe für Pacht allein aber beträgt 2920 Mk. oder ist um rund 900 Mk. höher als die Einnahmesteigerung. Der neue Pächter steht sich also unter den neuen, höheren Zöllen um 900 Mk. schlechter, als der alte unter den Caprivischen Zöllen. Aehnlich liegen die Verhältnisse für das 900 Morgen große Klostergut Voigdehagen bei Stralsund, das sogar eine Pachtsteigerung um 43 Prozent brachte. Auch hier steht der neue #### ich trotz der höheren Zölle um 1530 Mk. schlechter als Kohlenzoll als Ausnahmegesetz gegen Preußen. Diese Entdeckung machte die„National=Zeitung“, der eine Zuschrift zugegangen ist, in der betont wird, daß diese Steuer nur einen einzigen Bundesstaat treffen würde, nämlich Preußen. Die anderen deutschen Bundesstaaten haben keine Kohlenausfuhr nach dem Auslande.„Wie in aller Welt soll,“ so wird gefragt, Preußen dazu kommen, eine ganz besondere Steuer an das Reich zu bezahlen.“ Geheimrat Dr. Hammann, der am Dienstag vom Schwurgericht von der Beschuldigung, einen Meineid geleistet zu haben, freigesprochen wurde, hat die Leitung des offiziösen Preßbureaus wieder übernommen. Die Regierung will in dieser Sache in den nächsten Tagen mit einer Erklärung an die Oeffentlichkeit "„Der Prozeß gegen Eulenburg wieder vertagt. Im Moabiter Jusuizpalast begann Mittwoch vormittag 9½ Uhr die Meineidsverhandlung gegen den Fürsten Eulenburg. Der Angeklagte war in Begleitung seines Sohnes und eines Dieners erschienen. Als der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Kanzow bei der Vernehmung den in den Gerichtsakten registrierten Verdacht der Simulation berührte, geriet der Angeklagte in große Erregung. Er bestritt, daß er bei der ärztlichen Untersuchung in Schloß Liebenberg, wie die Akten melden, absichtlich den Atem angehalten habe, um den Pulsschlag zu vermindern. Oberstaatsanwalt Preuß stellte den Antrag, den Fürsten zu verhaften. Im weiteren Verlaufe der Verhandlung erklärte der Gerichtsarzt Dr. Hoffmann den Angeklagten für verhandlungsfähig, jedoch für haftfähig nur, wenn außerordentliche Rücksichten genommen würden. Der Sachverständige Medizinalrat Dr. Störmer äußerte sich ähnlich. Schließlich wurde der Prozeß, nachdem der Furst einen Schwächeanfall erlitten, auf unbestimmte Zeit vertagt. Den Antrag auf Verhaftung zog der Staatsanwalt zurück. Einen ausführlichen Bericht bringen wir morgen. Aus dem Reichstag. n... Berlin, 7. Juli. lg. Ueber die Geschäftslage des Reichstags sind heute im Seniorenkonvent folgende Vereinbarungen getroffen worden: Morgen sollen die Finanzgesetze in zweiter Lesung erledigt werden, am Freitag Rechnungssachen, Petitionen und kleinere Vorlagen, eventuell auch Wahlprüfungen. Sonnabend soll die Beamtenbesoldungsvorlage in zweiter Lesung zur Verhandlung kommen, die entgegen den früher gehegten Erwartungen voraussichtlich zu lebhaften Erörterungen führen wird. Sollte am Sonnabend die Beamtenbesoldungsvorlage erledigt werden, dann würden am Montag die Finanzgesetze in dritter Lesung„verabschiedet“ werden können. Spezialdebatten sind in der dritten Lesung kaum noch zu erwarten, so daß die Montagsitzung ausreichen dürfte, um sie zu beenden. Am Dienstag würde endlich noch die dritte Lesung über die Vorlage betreffend die zollwidrige Verwendung von Gerste, über die Beamtenbesoldungen und über kleinere Vorlagen erfolgen. Am Dienstag oder Mittwoch würde dann der Reichstag in die Ferien gehen können. Ueber die Absichten der Regierung, ob die Session geschlossen oder vertagt werden soll, ist bestimmtes noch nicht bekannt. Budgetkommission. Der Umfall der Rechtsparteien ist perfekt. Die Rechtsparteien haben sich mit der Regierung geeinigt. Die Mehrheit verzichtet auf die Erhöhung der Gehälter gegenüber der Regierungsvorlage mit ganz geringen Ausnahmen. Die Beschlüsse der ersten Lesung, für die die Herren Erzberger und Dröscher mit so großer Wärme eintraten, wurden mit ganz geringen Ausnahmen aufgehoben. Die sozialdemokratischen Anträge auf Besserstellung der unteren Beamten wurden abgelehnt. Dafür wurden aber einige Stellen für Oberbeamte auf Kosten der Unterbeamten aufgebessert. Die Gehaltsordnung wurde bis zur Klasse 32 erledigt. Mittwoch abend ist Fortsetzung der Sitzung. Die Feinde der Erbschaftssteuer. Es ist sicher nicht ohne Interesse, an der Hand der Abstimmungsliste sich die Herren etwas näher anzusehen, die im Reichstage gegen die Erbanfallsteuer gestimmt haben. Ordnet man sie nach Berufen. so ergibt sich folgendes Bild: Gutsbesitzer 42, Rittergutsbesitzer 36, Geistliche 22, Richter aller Grade, vom Amtsrichter angesangen bis hinauf zum Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Spahn, 20, Rechtsanwälte 16, Redakteure 12, Beamten 12, Handwerker 8, Rentiers 5, Professoren 3, Lehrer, Verbandssekretäre, Gewerkschaftsbeamte, Kaufleute und Fabrikbesitzer je 2. Ferner je ein General a. D., Arzt, Bibliothekar, Bürgermeister, Mühlenbesitzer und Malermeister(Antisemit Bindewaldt). Betrachtet man sich das Bild nach den Titeln der Erbschaftssteuergegner, so findet man dieses Resultat: Ein Herzog, drei Fürsten, neun Grafen, sechs Freiherrn und 30 von ganz gewöhnlichem Adel. Die Mehrheit der Gegner der Erbschaftssteuer besteht somit in Junkern und Pfaffen. Oestliche Grundbesitzverteilung. Ueber die Verteilung des Großgrundbesitzes in Posen und Schlesien macht der Gutsbesitzer Morawski in einer soeben erschienenen Schrift„Der kommende Tag“ sehr bemerkenswerte Mitteilungen. Morawski verlangt, Jaß nicht nur die polnischen Güter parzelliert, sondern daß auch die großen Feudalbesitze deutscher Eigentümer aufgeteilt werden. So verfügen drei posensche Feudalherren über einen ungeheuren Besitz. Es sind dies der Fürst von Thurn und Taxis, der Großherzog von Sachsen=Weimar und der Herzog von Sachsen=Koburg=Gotha. In demselben Sinne wie Morawski hat sich auch jüngst eine große Ansiedlerversammlung erklärt; in ihrer Resolution heißt es: „Wir sind nicht so unduldsam, zu verlangen, daß alle Großgrundbesitzer von hier abwandern, aber aus Gerechtigkeitsprinzip muß verlangt werden, daß diejenigen Großgrundbesitzer, die sich nicht in der Ostmark aufhalten, enteignet werden, unbekümmert darum, ob sie Deutsche oder Polen sind.“ Ueber die Verteilung der Besitze in dem benachbarten Schlesien erfahren wir folgendes: Die Familie Hohenlohe hat 200 000 Morgen, etwa nersmarck, und nicht viel weniger der Graf Schaffgotsch. Je 100000 Morgen besitzen der König von Sachsen, Fürst Solms, Graf Arnim=Muskau und der Herzog zu Sagan. Je 80000 Morgen Graf Tiele=Winckler, Prinz Byron von Kurland, Fürst Carolath und der Herzog von Trachenberg, um nur die allergrößten zu nennen. Der Großgrundbesitz ganzer Kreise gehört in Schlesien oft nur zwei oder drei Personen. So zum Beispiel im Kreise Kattowitz, wo es außer den Aktiengesellschaften, die nur kleine Bodenflächer haben, nur drei große Besitzungen gibt: die des Herzogs von Ujest, des Grafen Tiele=Winckler und des Grafen Henckel. In ganz Ostelbien besitzt der Adel nach Morawski über zwanzig Millionen preußische Morgen und die Zahl der Majorate hat sich in Preußen in den letzten sechzig Jahren mehr als verdoppelt. Die genannten Personen führen zumeist ein luxuriöses Leben im Auslande, wenn sie es nicht vorziehen, auf den Bänken der deutschen Parlamente über die Not der Landwirtschaft Klagelieder anzustimmen und sich in den beweglichsten Tonen gegen die geringfügigste Besteuerung ihres Besitzes zu wenden. „Hauptaufgabe“ des Hausabundes. Aus der Nr. 25 der„Südwestdeutschen Industriezeitung" vom 19. Juni, dem Organ der saarabischen Industriellen, gibt die„Germania“ folgende Stelle wieder: ... Des weiteren will und wird sich der Hansabund wenden gegen die sozialpolitische Gelegenheitsgesetzesmacherei und hier wird ja wohl zunächst die Hauptaufgabe der neuen Organisation in der Aufklärung der breiten Massen— wahrscheinlich aber auch in den eigenen Reihen— bestehen. Flugblätter und Broschüren zu Hunderttausenden in alle Gesellschaftskreise geworfen, Kleinarbeit der Lokalorganisationen, Agitationsreisen von Wanderrednern, jährliche Generalversammlungen nach dem Muster des Bundes der Landwirte — alles dies dürfte dazu beitragen, die öffentliche Meinung aufzuklären über die Folgen einer Gesetzgebung, die zum Teil auf Betreiben interessierter politischer Parteien und aus Furcht der Regierung vor der Sozialdemokratie inszeniert wird, teils auf Stimmung hoher Kreise zurückzuführen ist.“ „Da kommt,“ bemerkt dazu die Germania",„die Herzensmeinung zum Ausdruck, die man Herrn Kirdorff im Zirkus Schumann aus taktischen Gründen nicht aussprechen ließ. Daß das die Herzensmeinung der nationalliberalen Unternehmerkreise ist, die im Hansabund eine so große Rolle spielen, ist gerade keine neue Entdeckung. Gerade die Sozialdemokratie hat es ja mit allem Nachdruck ausgesprochen, daß es sich bei der ganzen Rauferei zwischen dem alten und dem neuen Block, zwischen Agrariern und Industriellen nicht etwa darum handelt, die nichtbesitzenden Massen vor neuen Steuern zu schützen, sondern lediglich darum, den kleinen Prozentsatz direkter Steuern möglichst auf die andere Besitzgruppe abzuwälzen. Daß die Industriegewaltigen der neuen Hansa über diesen häuslichen Krieg gegen Konservative und Zentrum ihre besondere Freundschaft gegen das Proletariat nicht vergessen haben und vergessen werden, versteht sich ganz von selbst. Da aber das Zentrum eben erst im preußischen Landtage bei dem neuen Berggesetz bewiesen hat, wie wenig die Arbeiter vom Zentrum ein entschiedenes Eintreten für ausreichenden Arbeiterschutz zu erwarten haben, hat die„Germania“ eigentlich zu allerletzt Ursache, die Hansabündler als Gegner einer energischen Sozialpolitik zu denunzieren. gierungen und der Reichstag auf folgender Basis die Einigung finden würden: a) Besitzsteuern. 1. Aus Grundbesitz, Umsatz= resp. Wertzuwachssteuer 2." Quittungen über Scheck= und Reichsbankguthaben. 3.„ Kuxen= und Effektenstempelerhöhung 4.„ den Zinsscheinbogenstempeln.... 5.„ der Erhöhung der Matrikularbeiträge 40 Millionen 20 22,5 27.5 25 in dieser einen Provinz 400000 Morgen, der Fürst Pleß ebensoviel die Familie Henckel von DonAlso zusammen 135 Millionen b) Neue indirekte Steuern. Zusammen.... 310 Millionen c) Forterhaltung bestehender Steuern. 1. Der Fahrkartensteuern.. 20 Millionen 2. Der Zuckersteuern in bisheriger Höhe.. 35„ Also 500 Millionen Es ist natürlich ein ganz grober Schwindel des ultramontanen Blattes, die Quittungs=, Scheck= und ähnliche Steuern unter die Besitzsteuern zu rechnen, ganz abgeseher davon, daß diese sogenannten Besitzsteuern nur einseitig Handel, Industrie und städtischen Grundbesitz belasten, also nichts weniger als allgemeine Besitzsteuern sind. Natürlich sind auch die Schätzungen außerordentlich hoch gegriffen, allein bei der neuen Kuponsteuer 7½ Millionen höher als offiziös angegeben wird. Wenn ein Jahr herum ist, wird das Bild schon ganz anders aussehen. Cliquenwirtschaft unter der Das Zentrum jammert bekanntlich unablässig über Zurücksetzung katholischer Beamten bei der Stellenbesetzung. In einer Zuschrift des Oberkeichsanwalts Hamm an die„Kölnische Zeitung“ werden nicht nur die Imparitätsklagen des Zentrums widerlegt, es wird auch die„Nebenregierung“ der Zentrumsabgeordneten in der Zeit ihrer Macht recht nett gekennzeichnet. Hamm verwahrt sich zunächst gegen die Behauptung der„Köln. Volkszeitung", daß man ihn als Katholiken zum Oberreichsanwalt ernannt habe, als man 1896„die Mitarbeit des Zentrums im Reiche nicht mehr habe entbehren können". Hamm versichert: „Ich war eben damals unter den Oberstaatsanwälten, welche als geeignet für den Posten galten, der im Dienstalter Aelteste. WVöllig unrichtig ist es auch, daß meine eigene Erfahrung und der ausdrückliche Wunsch des Grafen Bülow, wenigstens in der Justizverwaltung der allzu auffallenden Imparität in etwas abzuhelfen, mich als Präsidenten darin bestärkt hätten, in dem katholischen Bekenntnis eines Beamten nicht mehr ein Hindernis der Tüchtigkeit zu erblicken. Es ist mir in meinen verschiedenen Amtsstellen niemals von einem Vorgesetzten der Wunsch ausgesprochen oder auch nur angedeutet worden, bei meinen Vorschlägen wegen Besetzung höherer Stellen das religiöse Bekenntnis der Beamten zu berücksichtigen. Diejenigen katholischen Kollegen, welche ich als Präsident zum Aufrücken in höhere Stellen vorgeschlagen habe, waren sämtlich auch schon von meinem Amtsvorgänger Struckmann dafür in Aussicht genommen. Richtig ist nur, daß während der Amtsführung von Struckmann mehrere dem Zentrum zuneigende katholische Beamte in höhere Amtsstellungen aufgerückt sind, welche nach meinem Urteil und dem allgemeinen Urteil der Kollegen diesen Stellungen nicht gewachsen waren. Ich weiß nicht, ob die Beförderung der betreffenden Herren auf Empfehlungen von Zentrumsabgeordneten, welche in ihrem Urteil über deren Qualifikation unbewußt durch die Parteigenossenschaft beeinflußt sein mochten, oder auf die Furcht der maßgebenden Stellen vor den Klagen der Zentrumspartei über Imparität zurückzuführen war, bin aber durch diese Vorgänge nur noch mehr darin bestärkt worden, meine Vorschläge nicht nach dem unsinnigen PrinDie neuen Kompromißsteuern. Bethmann=Hollweg und Sydow haben gestern nachmittag im Namen der verbündeten Regierungen mit den Vertretern des neuen Blocks über das Steuerkompromiß verhandelt, nachdem vorher die bundesstaatlichen Finanzminister und der Bundesratsausschuß für das Finanzwesen sich über die Kompromißanträge der Parteien schlüssig gemacht hatte. Ueber alle Hauptpunkte soll Einigung erzielt worden sein. Der Bundesrat will sich damit einverstanden erklären, daß die von ihm vorgeschlagene Steuer auf Feuerversicherungsabschlüsse durch eine Zinskuponsteuer ersetzt wird. Diese Steuer soll zirka 20 Millionen bringen. Die gestern abend noch dem Reichstage eingereichten Antrage, die das Steuerkompromiß enthalten, sind von allen Parteien der neuen Mehrheit unterschrieben. Der Inhalt ist folgender: Im Artikel 1 der Reichsstempelnovelle ist neu einzuschalten: Nr. 3 A. Gewinnanteilschein= und Zinsbogen. a) Gewinnanteilscheinbogen von inländischen Aktien, Aktienanteilscheinen, Reichsbankanteilscheinen, Anteilscheinen von Kolonialgesellschaften: 1 Prozent C. rsatz, b) Gewinnanteilscheinbogen von auslandischen Aktien und Aktienanteilscheinen, sofern die Bogen im Inland ausgegeben werden: 1 Prozent. c) Zinsbogen(Rentenbogen) von inländischen für den Handelsverkehr bestimmten Renten= und Schuldverschreibungen, sofern sie nicht unter 3 Ak fallen: 5 pro Mille. d) Zinsbogen von Renten= und Schuldverschreibungen ausländischer Staaten, Kommunen usw.: 5 Prozent. e) Zinsbogen von Renten und Schuldverschreibungen ausländischer Korporationen, Aktiengesellschaften usw., sofern die Bogen im Inland ausgegeben werden: 5 Prozent. 1) Zinsbogen von inländischen, auf den Inhaber lautenden und auf Grund staatlicher Genehmigung ausgegebenen Rentenund Schuldverschreibungen der Kommunalverbände usw.: 2 pro Mille. Befreit sind: Zinsbogen von Renten= und Schuldverschreibungen des Reiches und der Bundesstaaten, Gewinnanteilscheinbogen von Aktien der in der Befreiungsvorschrift der Tarifnummer 1 bezeichneten Aktiengesellschaften, Gewinnanteilscheinund Zinsbogen, die bei der ersten Ausgabe der Wertpapiere mit diesen in Verkehr gesetzt werden. Die Befreiung greift nicht Platz, soweit die Bogen für einen längeren als zehnjährigen Zeitraum ausgegeben werden, Gewinnanteilschein= und Zinsbogen, die vor dem Inkrafttreten dieser Vorschriften ausgegeben sind. Nach den weiteren Bestimmungen der Anträge soll der Stempel für Kauf= und sonstige Anschaffungsgeschäfte( 3/10 bis 1/10 und 1 pro Mille), wie ihn die Kommission beichlossen, gestrichen werden, ferner sollen unter die Schecksteuer auch fallen Quittungen über Geldsummen aus Bankguthaben, die die Kommission vom Stempel befreit hatte. Die Bestimmungen sollen am 1. August 1909 in Ansehung des Scheckstempels mit dem 1. Oktober 1909 in Kraft treten. Auch die von der Finanzkommission sonst beschlossenen Stempelsteuern sollen am 1. August in Kraft treten. Versten. Rußlands Eingreifen. London 7. Juli. Die letzten Nachrichten aus Persien bezeichnen die Entscheidung als unmittelbar bevorstehend. Die Russen sind augenscheinlich entschlossen, den Schah zu unterstützen oder ihm wenigstens in der russischen Gesandtschaft Zuflucht zu gewähren. Es hat sich herausgestellt, daß Rußland im Einvernehmen mit England handelt. Eine diesbezügliche Interpellation in der gestrigen Parlamentssitzung wußte die Regierung zu vereiteln, so daß jetzt allgemein angenommen wird, daß zwischen England und Rußland ein geheimes Abkommen betreffs einer Teilung Persiens besteht. Ein sozialdemokratischer Gemeindevorstand. Bei der Gemeindevorstandswahl in der Lübeckischen Gemeinde Moisling — bekannt durch die wiederholte Vertagung der Bestätigung der zu Gemeindevorstandsmitgliedern erwählten Genossen— siegte am Sonntag unser Genosse Struß mit 100 gegen 19 bürgerliche Stimmen. Wird auch dieser Genosse nicht bestätigt, dann ernennt das Lübecker Stadt= und Landamt als Aufsichtsbehörde ein Gemeindevorstandsmitglied. Aus der Stadt und Nachbarschaft. zip mechanischer Parität, sondern stets ohne jede Rücksicht auf das religiöse Bekenntnis nach der Befähigung der Beamten zu machen. Die„gesicherten“ 500 Millionen Steuern. Die„Kölnische Volkszeitung“ berechnet das zahlenmäßige Ergebnis des Kompromisses zwischen Regierung und Schnapsblock; sie sagt, man dürfe annehmen, daß die verbündeten Re* Bielefeld. 8. Juli. — Achtung, Bauarbeiter! Resultat der diesjährigen Bautenkontrollevom 28. Junibis 2. Juli. Es wurden kontrolliert 79 Bauten, davon waren im Rohbau 21. Im Ausbau 41. Angriffsbauten waren 17, 1 war im Staatsbau, 3 kommunale, 4 Betriebs= und 71 Privatbauten. (Eisenkonstruktion I.) Die Unfallverhütungsvorschriften fehlten auf 4 Bauten. Bei 20 Bauten war genügend Gerüst vorhanden. Auf 21 Bauten stand ein Außengerüst, auf 10 Bauten fehlte die Abdeckung unter dem Gerüst, auf welchem gearbeitet wurde. Auf 29 Bauten wurde überhand gemauert. Bei 7 Bauten fehlte beim Ueberhandmauern. Bei 16 Bauten jedes deckerarbeit verricht.,.. vorhanden war. stei ohne duß ein Schutz= bezw. Fanggerüst in 13 Fällen blieb das Schutzgerüst stehen bis zur Fertigstellung. In 27 Fällen fehlte das Treppengeländer. In 25 Fällen fehlten die Podeste zum Ausruhen der Arbeiter. Das Trinkwasser war auf einem Bau nicht genießbar. Baubuden fehlten auf drei Bauten. Bei 13 Baubuden waren die Seitenwände, bei 9 das Dach nicht dicht. Eine Baubude war ohne Fenster. Bei 48 konnten die Fenster nicht geöffnet werden. Bei 3 war keine verschließbare Tür. Bei 21 fehlte der Holzfußboden, bei 33 war überhaupt kein Fußboden. Bei 15 fehlten die Tische. In 14 wurde Material gelagert. Drei Baubuden waren zu klein. Auf 38 Baustellen war kein Verbandskasten. Auf 4 Baustellen war kein Abort. Auf 2 Baustellen konnte man von der Straße in den Abort sehen. 7 Aborte hatten keine dichte Bedachung. Bei 31 fehlte der Fußboden. Bei 38 die Sitzbrille, 12 hatten dichte Gruben und 22 hatten eine Tonne. 42 hatten ausgeschachtete Gruben, bei 23 wird für eine geregelte Abfuhr gesorgt, 13 werden desinfiziert. In 8 Fällen reicht der Abort im Verhältnis zur Zahl der auf dem Bau Beschäftigten nicht aus. Auf 20 Bauten war kein Pissoir vorhanden. Kollegen! Wie ihr seht, sind noch recht viele Mißstände im Baugewerbe vorhanden. Sache der organisierten Bauarbeiterschaft ist es, diese Zustände, die das Leben und die Gesundheit unserer Kollegen gefährden, zu beseitigen. Da nun hier am Orte eine Beschwerdekommission besteht, ist es Pflicht jedes Kollegen im Bauberufe, diese zu unterstützen. Dieses geschieht, wenn von allen Mißständen sofort der Kommission Nachricht gegeben wird. Schriftliche Mitteilungen können in den dazu angebrachten Briefkasten in den Lokalen der Centralhalle, von Hannemann und August Indiestel niedergelegt werden. Daß hier am Ort noch viel Arbeit vorhanden ist, zeigt obige Statistik. Ferner wird jedem Kollegen bekannt sein, diß die in Frage kommende Berufsgenossenschaft in diesen Tagen aue eine„Kontrolle“ der Bauten vornehmen will. Wie es bei solch einer Kontrolle zugeht, das weiß man ja. Wir ersuchen daher, uns von allen Fällen Mitteilung zu machen, in denen die Unternehmer schon vorher von dem Stattfinden der Kontrolle unterrichtet waren. Wie wir erfahren haben, soll das meist der Fal' sein. Also Kollegen, auf dem Posten. Die Beschwerde=Kommission. — Freie Volksbühne. Die Bezirkskassierer werden ersucht, ihre Beitragslisten nebst Marken abzuholen. Das Konzert findet am Sonnabend, 17. Juli, in der„Centralhalle“ statt.— Die Mitglieder können von den Bezirkskassierern Billette für das Biotophon=, sowie Harms Kinematographen-Theater erhalten. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterburean wird uns geschrieben: Heute ist die Premiere Franz Molnärs dreiaktiger Komödie„Der Teufe!". Die Bekanntschaft mit diesem geistreichen Werke des rassigen Ungarn dürfte allen literorischen Feinschmeckern hochwillkommen sein. Ein faustischer Zug steckt in der Komödie, der uns bis zum letzten Augenblick fesselt. Es war jedenfalls ein Wagnis, den Inbegriff des Bösen in menschlicher Gestalt auf die Bühne zu bringen, aber wie dieser Teusel im Frack zwei Menschen aufeinander hetzt, deren Denken er reflexiv verkörpert, das ist dem Autor in fast genialer Weise gelungen.— Freitag zum 2. Male:„Der Tiroler Franzl“. — Polizeibericht. Festgenommen wurden 1 steckbriefVerfolgter, 1 Person wegen Diebstahls, 1 Person wegen lich Verfolgter, 1 Person wegen Diebstayis, 1 Person wegen Bettelns, 2 Personen, darunter 1 Frauensperson wegen Trunkenheit und Verüben groben Unfugs. 5 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft und Verpflegung. Gefunden: 1 zweirädrige Malerkarre; 2 Musterdurch. sätze. Verloren: 4½ Meter Feston; 1 braunes Damenportemonnaie mit etwa 6 Mk. Inhalt; 1 Zehnmarkstück; 1 goldener Kettenring. 50 Mark Belohnung. Zu dem in der Nacht vom 5. zum 6. d. M. in dem Laden Kaiserstr. 3 verübten Einbruchsdiebstahl wird noch bemerkt, daß die gestohlenen Fahrräder folgende Bezeichnung stragen: Ein Damenrad, Marke Dürkopp„Diana", Nr. 379947; zwei Herrenräder, Marke Dürkopp„Diana“, Nr. 386 254 und 348 458; zwei Herrenräder, Marke„Phänomen“, Nr. 111 676 und 107 604 oder 107 459. Außerdem wurden noch 1 Fahrradsattel, 3 Acetylen=Laternen und 1 Büchse Karbid entwendet. Für Ermittelung der Täter und Wiedererlangung der gestohlenen Sachen ist obige Belohnung ausgesetzt. Versammlungen. Freitag, 9. Juli. Bielefeld. Soz. Verein. 13 und 19. Bezirk, abends 8½ Uhr bei Freese. Vortrag des Genossen Schreck über„Die politische Lage“. Bünde(Feldmark). Tabakarbeiterverband. Abends 9 Uhr bei Timmert. Gauleiter Schlüter wird anwesend sein. Sonnabend, 10. Juli. Bielefeld. Soz. Verein. 17. und 18. Bezirk. Abends Uhr bei Husemann. Vortrag des Genossen Castrup über „Die politische Lage“. Heepen. Soz. Verein. Abends 9 Uhr bei Twelker. Lübbecke. Soz. Verein. Abends 9 Uhr. Holsen. Ortsgruppe des Soz. Vereins. Hüffen. O.=G. d. Soz. Vereins. Abends 9 Uhr ber Günther. Vortrag des Genossen Klingenhagen=Bielefeld über„Warum müssen wir uns politisch organisieren?“ Sozialdemokratischer Verein für den Reichstags Wahlkreis Teckleuburg=Steinfurt=Ahaus. Sonntag, 1. August, vormittags 11 Uhr, im Lokale der Frau Witwe G. ter Meer zu Burgsteinfurt 3. General=Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassenbericht. 3. Agitation und Organisation. 4. Stellungnahme zum Uebertritt an den Bezirk Westliches Westfalen. 5. Aufstellung eines Reichstagskandidaten. 6. Anträge. Der Vorstand. I. A.: Wilh. Feld jun., Vorsitzender. Anträge müssen bis zum 27. d. M. schriftlich eingereich sein. s. Herford, 6. Juli. Sitzung des Gewerbegerichts. Auf Zahlung von 13 Mk. rückständigen Lohnes klagt der Arbeiter S. gegen den Unternehmer Strunk. Der tehlten die Geländer bezw. Sockelbretter. Auf 5 Bauten waren die Kellerträger nicht abgedeckt. In 20 Fällen wurde DachKläger zur Begleichung der Schulden einen Auftrag nicht gegeben hat, erkennt er die Zahlung an und gibt sich im Vergleich mit 90 Pfg. zufrieden.— Gegen denselben Unternehmer klagt der Arbeiter K. Im Vergleich zahlt Strunk an den Kläger 2,50 Mk. Die eingeklagte Summe betrug 4 Mk.— Der Bäckergehilfe G. klagt gegen den Bäckermeister Dresing auf Herausder Arbeit zugefügten Gericht schlägt einen an Dresing zu zahlen genommen. Dresing i die Armenkasse. Hierauf folgt eine Nach längerer Verhan zuständig, weil der Kl oder Handelsgewerbe, * Detmold. 7. Ju Schießvergnügens vo beides sehr gute Freund handlung vor dem hiest des Gymnasialdirektors, und der l7jährige Han Afrikareisenden, probiert ein Tesching. Verschiede Sohn des Direktors die legte, krachte der Schuß dem Ohre in den Kopf, wurde dann eine Opera Getroffene starb an Lu hervorgerufen war. De Monaten Gefängnis ver Gefängnis beantragt. 2 gnadigung einsetzen. * Detmold, 7. Juli Lage. Vor dem hiesige verhandlung gegen die H pel und Theodor Wilde in angeklagt sind. Diese schworenen beschäftigt nn waren zu Gefängnisstra megen Meineids zu eine Verurteilten eingelegten geber. Dem Angeklagten Ri dem Angeklagten Gröppzwei Fällen und dem Ar Last gelegt. Die Angeklagten hat begangen, daß sie Heira Frau anboten. Ging der ein, so ließen sie ihn We der Verlobung resp. HoFrage: Ob die Wechsel die meisten der Heirats vermittler die Wechsel Geld brachten, und zwar Sümmchen, die die zu bezahlen hatten. In der Verhandlung vernommen werden, um verschiedenen Papieren hingeschrieben hatten. Di ab. Jedoch war der Ge gabe seines Fahrrades. Dresing hat Widerklage erhoben und 8,50 Mk. als Ersatz für den ihm durch das Verlassen Schnabene " abena! Creme Wolll 265 390 Zurüc creme Wolll weil mit kurzen sonst 6.75 bis 13 Musseli nur Neuheite 490 5 90 GrosseP Batist. mit Madei Valencien! Serie 900 Wasch-Ko nur Neuheite 6 00 1 Prinzess-V ausserordel 350 Ein Pe Sport-Kos sonst 19.75—28. 3735 verlangt.. bezw. Fanggerüst sutzgerüst stehen bis Treppengeländer. uhen der Arbeiter. genießbar. Baunubuden waren die Eine Baubude war ht geöffnet werden. fehlte der HolzfußBei 15 fehlten die i Baubuden waren bandskasten. Auf en konnte man von hatten keine dichte 38 die Sitzbrille, Tonne. 42 hatten e geregelte Abfuhr n reicht der Abort Beschäftigten nicht janden. Kollegen! se im Baugewerbe beiterschaft ist es, heit unserer Kolleam Orte eine Beedes Kollegen im schieht, wenn von Nachricht gegeben den dazu angeLentralhalle, von egt werden. Daß zeigt obige Statisein, d ß die in iesen Tagen aud Wie es bei solch kir ersuchen daher, n denen die Unterr K o n t r o l l e u n t e r das meist der Fal' rde=Kommission. er werden ersucht, Das Konzert tralhalle“ statt.— erern Billette für phen- Theater erm Theaterburean e Franz Molnärs Bekanntschaft mit dürfte allen liteEin faustischer letzten Augenblick nbegriff des Bösen en, aber wie dieser etzt, deren Denken ast genialer Weise roler Franzl“. urden 1 steckbrief1 Person wegen rson wegen Trunbdachlose erhielten gung ; 2 M u s t e r d u r c h. ines Damenporterkstück; 1 goldener der Nacht vom 5. übten Einbruchshlenen Fahrräder a". 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Nach längerer Verhandlung erklärt sich das Gericht als nicht zuständig, weil der Kläger nicht Angestellter im Kaufmannsoder Handelsgewerbe, sondern Provisionsreisender ist. * Detmold. 7. Juli. Der traurige Abschluß eines Schießvergnügens von zwei Primanern des hiesigen Gymnasiums, beides sehr gute Freunde, bildete heute den Gegenstand einer Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht. Der 17jährige Sohn des Gymnasialdirektors, Geh. Regierungsrat Gebhardt in Detmold, und der l7jährige Hans Zintgraff, Neffe des früheren berühmten Afrikareisenden, probierten im Garten der Wohnung des ersteren ein Tesching. Verschiedentlich versagte die Flinte, und als nun der Sohn des Direktors die Waffe auf seinen Freund im Scherz anlegte, krachte der Schuß und die Kugel drang dem anderen hinter dem Ohre in den Kopf, wo sie die Schädeldecke durchschlug. Es wurde dann eine Operation versucht, die aber nichts nutzte. Der Getroffene starb an Lungenlähmung, welche durch die Verletzung hervorgerufen war. Der unglückliche Schütze wurde heute zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Amtsanwalt hatte 5 Monate Gefängnis beantragt. Bei dem Verurteilten wird die bedingte Begnadigung einsetzen. * Detmold, 7. Juli. Noch einmal die Eheschmiede in Lage. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heute die Revisionsverhandlung gegen die Heiratsvermittler Karl Ruhoff, Heinrich Gröppel und Theodor Wilde in Lage, welche des Betrugs und des Meineids angeklagt sind. Diese Angelegenheit hatte schon einmal die Geschworenen beschäftigt und zwar im März d. J. Ruhoff und Wilde waren zu Gefängnisstrafen wegen Betrugs und Gröppel außerdem megen Meineids zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Der von den Verurteilten eingelegten Revision beim Reichsgericht wurde stattgegeben. Dem Angeklagten Ruhoff wurde heute Betrug in fünf Fällen, dem Angeklagten Gröppel Meineid in einem Falle und Betrug in zwei Fällen und dem Angeklagten Wilde Betrug in zwei Fällen zur Last gelegt. Die Angeklagten hatten die verschiedenen Betrugsfälle dadurch begangen, daß sie Heiratslustige aufsuchten und ihnen eine reiche Frau anboten. Ging der betreffende Heiratslustige auf den Vorschlag ein, so ließen sie ihn Wechsel unterschreiben. Diese sollten erst nach der Verlobung resp. Hochzeit in Umlauf gegeben werden. Auf die Frage: Ob die Wechsel gleich diskontiert werden dürften, waren die meisten der Heiratslustigen hereingefallen, sodaß die Heiratsvermittler die Wechsel sofort begaben und somit die Leute um ihr Geld brachten, und zwar waren es zum großen Teil ganz erkleckliche Sümmchen, die die Heiratslustigen nach den Wechselprotest=Prozessen zu bezahlen hatten. In der Verhandlung sollten auch zwei Schreibsachverständige vernommen werden, um den Angeklagten zu beweisen, daß sie auf verschiedenen Papieren Rasuren vorgenommen und andere Worte hingeschrieben hatten. Diese Sachverständigen lehnten die Angeklagten ab. Jedoch war der Gerichtshof anderer Meinung. Ebenso wurde ein Antrag der Verteidiger der Angeklagten abgelehnt, welcher dahin ging, die Betrugsfälle von dem Meineid zu trennen und diesen nur allein vor dem Schwurgericht zu verhandeln. Die Betrugsfälle sollten der Strafkammer überwiesen werden. Die umfangreiche Zeugenvernehmung dauerte bis in den späten Nachmittag. Am Donnerstag beginnen die Plaidoyers. * Rehme, 6. Juli. Ueber die Lauheit vieler Arbeiter in puncto politischer und gewerkschaftlicher Betätigung schüttet ein Genosse, der eine an Freuden geringe Jugend verlebt und eine muckerische Erziehung genossen hat, in einem Schreiben an uns, sein Herz aus. Der Genosse teilt uns mit, wie er sich nach und nach von den ihm eingepaukten Anschauungen frei gemacht und zu einer freien Weltanschauung durchgerungen hat und wie er unablässig bemüht ist, für die Ideen des Sozialismus zu wirken, indem er seine Mitarbeiter aufklärt über die politischen und wirtschaftlichen Vorgänge und sie für die gewerkschaftliche und politische Organisation zu gewinnen sucht. Da die Mitteilungen auch auf manchen anderen Ort unseres Verbreitungsbezirks zutreffen mögen, seien sie dem Sinne nach wiedergegeben. Der Genosse klagt über den schlechten Besuch der Versammlungen. Ist gerade einmal kein Vortrag vorgesehen, dann sitzen viele Genossen gar bald beim Kartenspiel; die übrigen schauen zu, als ob wunder was von dem Spiel abhinge. Ebenso ginge es bei Kommissionssitzungen, wo manche nicht das Ende abwarten könnten, um die Karten in die Hand zu bekommen. Statt sich über wichtige Fragen, wie sie doch wahrhaftig immer und zurzeit in erhöhtem Maße schweben, zu unterhalten und ihr Wissen zu vertiefen, ihren Geist durch Diskussionen zu schärfen, vertrödeln sie ihre Zeit im Spiele. Ein Spielchen in Ehren, aber zur Leidenschaft dürfe es nicht ausarten. Der Genosse freut sich immer, wenn sich ein Gegner mit ihm in Diskussion einläßt. Er hat schon mehr wie einen Gegner zum Schweigen gebracht, weil er besser belesen, besser beschlagen war in der Politik, wie sein Gegner. Um so drückender empfindet er es, daß noch wenige seiner Ortsgenossen Freude an sachlicher Diskussion über Politik usw. haben. Gar oft sei ihm ein Artikel in der Zeitung oder der Inhalt eines Buches nicht sofort klar, da fühle er so recht den Mangel an geistig regsamen, gleichgesinnten Menschen. Hätten die alten Genossen früher mehr Gewicht auf die Aufklärung der Frauen und der Jugend gelegt, so stände es heute besser um uns, unsere Bewegung wäre weiter vorangeschritten. Der Genosse erhofft durch seine ermahnenden Worte eine regere Gestaltung des Versammlungswesens, aber auch mehr geistige Betätigung und Lerneifer von denen, die es angeht, damit auch an seinem Orte die geistig Fortgeschrittenen die Indifferenten bald überwiegen möchten.— Wir schließen uns dem Wunsche des Genossen an. Mögen auch die Genossen anderer Orte, auf die das oben Gesagte zutrifft, dies beherzigen und sich ihrer Pflicht bewußt werden. Die Gesetzesmacherei des alten Blocks wie auch die des neuen, des Schnapsblocks, fordert alle Männer, denen es mit dem Wohle des arbeitenden Volkes ernst ist, zu reger, systematischer Aufklärungsarbeit unter den indifferenten Arbeitern auf. Mehr denn je aber muß sich jeder Genosse und Gewerkschaftler seiner Pflicht bewußt werden der politischen und gewerkschaftlichen Organisation gegenüber und nicht bloß zahlen, sondern auch mithelfen im Befreiungskampf der Arbeiter.— Jeder Arbeiter muß Abonnent der Volkswacht", jeder sozialdemokratische Wähler Mitglied des sozialbemokratischen Vereins, jedes Mitglied ein Kämpfer werden! Das sei unsere Parole! * Bochum, 7. Juli. Ein Radbod=Prozeß gegen die„Bergarbeiterzeitung". Die„BergarbeiterZeitung" brachte in einer Februar=Nummer die sensationelle Mitteilung, daß am Unglückstage einer der Rettungsmannschaften auf Radbod folgendes Gespräch zwischen dem Bergrevierbeamten Holländer und dem Direktor Andre gehört habe: Ersterer:„Hier sind noch Lebende, was ist zu tun?“— Andre: „Was lebt, das lebt, wir müssen heraus!“ Diese Mitteilungen sind nun Gegenstand einer öffentlichen Anklage gegen den verantwortlichen Redakteur Wagner der„Bergarbeiterzeitung“. Am Dienstag wurde ihm die Anklage zugestellt, und am nächsten Mittwoch ist bereits Termin am hiesigen Landgericht anberaumt. Als Verteidiger ist Rechtsanwalt Reichstagsabgeordneter Heine in Aussicht genommen. Vermischtes. Mit ihrem Töchterchen ins Wasser gesprungen. Berlin, 7. Juli. Infolge Nahrungssorgen hatte sich kürzlich die dreißigjährige Artistin Wendorff in der Spree ertränkt. Wie sich nunmehr herausstellt, hat sie ihr seit dem gleichen Zeitraum verschwundenes Töchterchen in den Tod mitgenommen, heute wurde aus der Spree die Leiche eines 10jährigen Mädchens herausgezogen, in welchem die Tochter der Artistin rekognosziert wurde. Selbstmord? Posen, 7. Juli. Heute früh wurde der Kaufmann Otto Seidenstücker aus Bleicherode im Harz, der seit etwa eiter Woche in einem hiesigen Hotel wohnte, erschossen in seinem Bette aufgefunden. Es steht noch nicht fest, ob es sich um einen Selbstmord handelt, oder ob möglicherweise ein Mord in Frage kommt. Erdbeben. Paris, 7. Juli. In der Region von Ammlila (Algerien) wurde gestern ein heftiger Erdstoß verspürt. Zwei Eingeborenen=Häuser stürzten ein und zwei Menschen wurden unter den Trümmern begraben. Die meisten Gebäude zeigen große Risse. Große Ueberschwemmungen. London, 7. Juli. Aus Denver in Colorado wird telegraphiert: In Colorado, Ohio, Missouri und Mexiko richten furchtbare Ueberschwemmungen große Verheerungen an. Der Schaden beträgt Hunderttausende von Dollar. Drei Todesfälle werden berichtet. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Sehnabena abela.. Creme Wollbatist-Blusen 265 390 490 690 Zurückgesetzte creme Wollbatist-Blusen weil mit kurzen Aermeln sonst 6.75 bis 13.50 390 Musselin-Blusen nur Neuheiten dieser Saison 490 590 690 875 Grosse Posten weisse Batist-Blusen mit Madeira-Stickerei u. 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Smaillewaren. 1 Emaille=Eimer 2 Pakete Seifenpulver 2 Aufnehmer 1 Lösselblech 1 Schöpflössel 1 Wasserkrug 1 Waschschüssel 1 Emaille=Essenträger 1 Eutaille=Milchflasche zusammen 954 1 großer Kochtopf 1 Spülsteinreiniger zusammen 954 zusammen 95 4 zusammen 95 4 zusammen 95 4 Glaswaren. 12 Goldrandbecher 95 4 24 Glastellerchen 954 1 Bierkrug zusammen 954 Glasschüsseln 95 4 6 Gläser 1 Satz= 5 1 große Salatschüssel und 6 Teller 1 Wasserflasche 6 Gläser 1 Kabarett m. 4 Einsätz.] und 1 Butterdose zusammen 954 zusammen 95 4 zusammen 95 4 Emaillewaren. 1 Waschständer 1 emaill. Waschschüssel 1 Wasserkessel m. Ansatz 7 1 Asbestuntersatz 1 1 Emaille=Eimer 1 Kehrschaufel, ff. lack. 1 Milchkrug, 1½ Lir.) 1 Kaffeeflasche 1 Eßkump 1 Kaffeekanne 1 Untersatz m. Majol=Einl. zusammen 95 4 zusammen 954 zusammen 95 4 zusammen 954 zusammen 95 For Kerren: 1 Kavaliergarnitur, besteh. aus: 1 Tascheumesser, zusammen 1 Zigarren=Abschneider, 1 Nagelfeile, 1 Schlüsselkette) 95 4 1 Taschenmesser, 1 Schere, 1 Nagelfeile zus. 95 4 1 Sicherheits=Rasierapparat 95 4 1 Rasiergarnitur, besteh. aus: 1 Messer, zusammen 1 Napf, 1 Spiegel, 1 Stück Seife, 1 Pinsel) 954 Für Damen! 1 Handtäschchen mit passendem Portemonnaie 95 4 1 Gürtel, 1 Brosche zus. 95 4 1 Garuitur Blusennadeln, 1 Prosche, 1 Verleukette zus. 95 4 1 Handtäschchen mit Einrichtung(1 Spiegel, zus. 1 Nadelbüchse, 1 Parfümflasche, 1 Portemonnaie J 95 4 In der ersten Etage: Frische blühende Topfblumen g als: Fuchsien, Begonien, Geranien zum Aussuchen 3 Tösse Tägliche Bedarfsartikel. 4 große Flaschen Emulsin Putzextrakt, 1 Putztuch 3 Karton Kerzen 2 Stück Kernseife, 2 Palete Seifenpulver,) zus. 6 Beutel Waschblau, 1 Paket Boraxz 05 zus. 95 4 95 4 S und 1 Paket Glanzstärke 2 große Flaschen Geolin, 1 Poliertuch, 1 Staubtuch und 1 Topfreiniger 6 Bogen Schmirgelleinen, 2 Pakete Emaille=) putz, 2 Pakete Oefenputzschmirgel, 2 Pakete; Messerputzpulver, 5 Dosen Putzpomade zus. 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Stadthage: sekretär meine Vorwürfe aus der Welt, daß sic leistet, die sich gegen die ande richten.(Lebh. Zus Der Vertrag wird in nommen und es folgt Finanzreform bei Abg. Speck(Ztr.) u fehlen unter Bedauern de die Vorlage, während Ha Bundesratsbevollmächtigte unannehmbar erklären. „äbg. Molkenbuhr rüsten sich die Herren vor fördern Kartelle, wie sie Gesetzgebung gefördert ha zweck dieser Mühlenumsatz Sehr wahr! bei den Soz scharf genug gebrandmar block, Sehr richtig! bei de Sozialpolitik, die das Tabakarbeiter brotlos: we stützung gewähren will, Zündholzarbeitern alle 1 Masse mit 250 Millione Tabak, verteuert Kaffee un die Politik der Mehrheit beim Schnapsblock.) A Strafsteuern heimsuchen dann möge man doch be (Lebh. Zust. bei den Soz. ist ganz was anderes. noch Liebesgaben dazu er mahlt, der muß erdrosselt Roman aus von Fr 8728 Der Eigentümer des Bord gekommen und lehnt seiner Fracht zu überwack schien ihn nicht im mind nur Augen für die auf Assessor stand kaum zwei Bootsmann drehte ihm paar höflich und leise Mannes. Wer von ihm sprechen. „Heda, Hans!“ rief er einen der unten beschäftig alles da hinüber zu Stür umdreh'n?" „Aber die Passagiere! „Die mögen sehn, wo „hierüber damit, Junge, Ruder gar nicht führen.“ „Verzeihen Sie,“ faßt den Mann deutsch sprech Gelehnten leicht und sch klopfte.— „Ja!“ sagte der S ihm um. „Kennen Sie einen g fornien?“ frug jetzt der Sache ernst zu Leibe zu rü Namen hörte.“ „Ja, mein guter Man tümer, seine Aufmerksamkt wendend,„Kalifornien ist gute Portion Sieberts hei bert hab' ich hier übriger „Gottlieb heißt me sie rasch auf den Bootsfü Freund und ist er in San „Hm,“ sagte der Man seid seine Frau?— ja, ich wartet.“ „Ist er in San Franc 156. * 0 Bielefeld, Donnerstag, 8. Juli 1909. 20. Jahrg. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 277. Sitzung vom Mittwoch, 7. Juli, mittags 12 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bethmann=Hollweg, Rheinbaben, Sydow, Delbrück. Nach debalteloser Annahme eines Musterschutz=Uebereinkommens mit Dänemark wird eine Vorlage über Aktienausgabe in Kiautschou an die Budgetkommission überwiesen und sodann in die Beratung des Handelsvertrages mit Venezuela eingetreten. Abg. Stadthagen(Soz.): Solche Handelsverträge sollten nicht nur das Unternehmer=, sondern auch das Arbeiterinteresse ins Auge fassen.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Aber ein Freuzischer Regierungsvertreter hat sich im preußischen Abgeodueterhause die ungeheuerliche Behauptung geleistet, Arbeiter bien in Handelsverträgen nicht gemeint.(Hört, hört! b. d. Soz.) Den Schutz des Deutschen Reiches genießen nur Faulenzer und Unternehmer.(Unruhe rechts; Sehr gut! b. d. Soz. Präsident Graf Stolberg bittet den Redner, nicht zu weit vom Thema abzuschweifen.) In Italien, in Oesterreich hat man von amtlicher Seite scharfe Proteste gegen die Behandlung der italienischen und österreichischen Arbeiter in Deutschland erhoben. (Hört, hört! bei den Soz.) Aber was kümmert man sich in Preußen um Vertragsverletzungen? Verträge nennt man dort Zwirnsfäden, über die man nicht stolpern werde.(Hört, hört! bei den Soz.) Ich frage den Reichskanzler oder, da solcher zurzeit ja nicht existiert(Große Heiterkeit), seinen Vertreter, ob auch Arbeiter den Schutz der Bestimmungen dieses Vertrags genießen sollen?(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg entrüstet sich über die Angriffe des Vorredners auf Preußen und erklärt im übrigen, daß sich die Meistbegünstigung auf alle Staatsbürger beziehe. Abg. Stadthagen(Soz.): Dadurch, daß der Staatssekretär meine Vorwürfe zurückweist, schafft er die Tatsache nicht aus der Welt, daß sich Preußen tagtäglich Vertragsbrüche leistet, die sich gegen die Verträge Deutschlands mit dem Ausande richten.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Der Vertrag wird in erster und zweiter Lesung angenommen und es folgt die Fortsetzung der zweiten Lesung der Finanzreform bei der Mühlenumsatzsteuer. Abg. Speck(Ztr.) und Abg. Dr. Roesicke(kons.) empfehlen unter Bedauern der ablehnenden Haltung der Regierung die Vorlage, während Handelsminister Delbrück und bayrischer Bundesratsbevollmächtigter Ritter von Burkhardt sie für unannehmbar erklären. 4962012 Abg. Molkenbuhr(Soz.): Ganz wie es ihnen paßt, entrüsten sich die Herren von der Mehrhei über Kartelle oder befördern Kartelle, wie sie neulich das Spirituskartell durch ihre Gesetzgebung gefördert haben.(Sehr gut! links.) Der Hauptzweck dieser Mühlenumsatzsteuer ist die Verteuerung des Mehles. (Sehr wahr! bei den Soz.) Diese Mehlverteuerung kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden.(Unruhe beim Schnapsblock, Sehr richtig! bei den Soz.) Es ist eine wunderbare Art Sozialpolitik, die das Zentrum treibt. Das Zentrum macht Tabakarbeiter brotlos: wenn es diesen noch eine gewisse Unterstützung gewähren will, so versagt es den brotlos werdenden Zündholzarbeitern alle Unterstützung. Es belastet die breite Masse mit 250 Millionen Mark bei Bier, Branntwein und Tabak, verteuert Kaffee und Tee, Steinkohlen und Mehl. Das ist die Politik der Mehrheit und speziell des Zentrums.(Unruhe beim Schnapsblock.) Wenn man Großbetriebe darum mit Strafsteuern heimsuchen will, weil sie eben Großbetriebe sind; dann möge man doch bei den Großgrundbesitzern anfangen. (Lebh. Zust. bei den Soz.) Aber da heißt es: Ja, Bauer, das, ist ganz was anderes. Der Großgrundbesitzer muß vielmehr noch Liebesgaben dazu erhalten. Wer aber Mehl im großen mahlt, der muß erdrosselt werden. Selbstredend bedanken wir Roman aus den Goldfeldern Kaltforniens von Friedrich Gerstäcker. 6— Der Eigentümer des viereckigen Leichterbootes war mit an Bord gekommen und lehnte an der Schanzkleidung, das Einladen seiner Fracht zu überwachen. Was an Bord übrigens vorging, schien ihn nicht im mindesten zu interessieren, denn er hatte nur Augen für die auf seinem Boot eingestauten Güter. Der Assessor stand kaum zwei Schritte von ihm entfernt, aber der Bootsmann drehte ihm den Rücken zu und überhörte auch ein paar höflich und leise an ihn gerichtete Fragen des alten Mannes. Wer von ihm etwas erfahren wollte, mußte laut sprechen. „Heda, Hans!“ rief er da plötzlich in deutscher Sprache dem einen der unten beschäftigten Leute zu,„Donnerslag, pack' nich alles da hinüber zu Stürvord. Du willst uns woll den Kasten umdreh'n?" „Aber die Passagiere!—“ rief der Mann zurück. „Die mögen sehn, wo sie Platz finden, lautete die Antwort, „hierüber damit, Junge, wir können ja auch sonst das eine Ruder gar nicht führen. „Verzeihen Sie,“ faßte sich der Assessor da ein Herz, als er Mann deutsch sprechen hörte, indem er dem über Bord Fslenuten leicht und schüchtern auf die breiten Schultern „Ja!“ sagte der Seemann und drehte den Kopf nach ihm um. „Kennen Sie einen gewissen Herrn Siebert hier in Kaliornien?“ frug jetzt der Assessor, fest entschlossen, der fraglichen Sache ernst zu Leibe zu rücken. Die Frau horchte auf, als sie den Kamen hörte.“ „Ja, mein guter Mann,“ antwortete aber der Bootseigenlumer, seine Aufmerksamkeit wieder dem eigenen Fahrzeug zuvendend,„Kalifornien ist groß und in dem mögen schon eine gute Portion Sieberts herumlaufen. Einen Gottlieb Sievert hab' ich hier übrigens gekannt, wenn es der sein soll.“ „Gottlieb heißt mein Mann!“ rief da die Frau, indem sie rasch auf den Bootsführer zutrat,„kennt Ihr den, guter Freund und ist er in San Francisco?“ „Hm,“ sagte der Mann und drehte sich nach ihr um,„Ihr seid seine Frau?— ja, ich weiß, er hat sie von Deutschland er„Ist er in San Francisco?“ hat die Frau.— uns dafür, eine solche Politik mitzumachen.(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Abg. Bassermann(natl.) und Abg. Günther(Fr. Vp.) erklären sich gegen die Vorlage.(Beifall links.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg(W. Vg.) schimpft auf die Linke, die sich darüber sehr amüsiert, und stellt die Regierung mit strenger Miene wegen ihres ablehnenden Standpunktes zur Rede. Handelsminister Dr. Delbrück erklärt, daß die Regierung diesmal aber wirklich und wahrhaftig an ihrem Unannehmbar festhält. Abg. Gothein(Fr. Vg.) rügt die Schnodderigkeit des Kommissionsberichtes. Abg. Dr. Höcker(Rp.) erklärt, daß seine Fraktion nach der Erklärung der Regierung trotz prinzipieller Billigung des Gedankens gegen die Mühlenumsatzsteuer stimmen werde. Abg. Erzberger(Ztr.) macht die Sezession der Linken für die schlechten Qualitäten des Kommissionsberichtes verantwortlich. Abg. Dr. Südekum(Soz.) protestiert dagegen, daß die Namen der sozialdemokratischen Abgeordneten unter dem Bericht stehen. § 1 der Mühlenumsatzsteuer wird mit 188.gegen 170 Stimmen und drei Stimmenthaltungen abgelehnt.— Die folgenden Paragraphen werden debattelos abgelehnt. Es folgt die Beratung des Kohlenausfuhrzolls. Handelsminister Dr. Delbrück erklärt, daß die verbündeten Regierungen einhellig den Kohlenausfuhrzoll als unannehmbar betrachten. Abg. Frhr. v. Richthofen(kons.) erklärt namens seiner Fraktion und der Wirtschaftlichen Vereinigung, daß sie nach dieser Erklärung gegen den Kohlenausfuhrzoll stimmen werden (Heiterkeit links), und fragt die Regierung nach ihrer Stellung zu einem eventuellen Kaliausfuhrzoll. Handelsminister Delbrück erklärt, daß die Regierung unter ganz besonderen Umständen eventuell in einen zeitweiligen Kaliausfuhrzoll einwilligen könne. Abg. Herold(Ztr.) gibt eine der des Abg. Richthofen ähnliche Erklärung namens seiner Fraktion ab. Abg. Dr. Stresemann(natl.) erklärt sich gegen den Kohlenausfuhrzoll und weist auf Posadowsky hin, der Ausfuhrzölle für Deutschland als unmöglich erklärt habe. Abg. Gothein(Fr. Vg.) wirft die Frage auf, ob nicht die Erklärung des Ministers Delbrück in Sachen des Kaliausfuhrzolls bestellte Arbeit sei, um das Kalisyndikat zustande zu bringen. Abg. Hue(Soz.): Bis in die allerletzten Tage hinein hat die Zentrumspresse an dem Kohlenausfuhrzoll festgehalten. Den Arbeitern wurde dabei der blaue Dunst vorgemacht, als ob es sich um einen Schlag gegen das Großkapital handelt. Herr Roesicke in seinem Bericht spricht von der Arbeiterschaft, die den Kohlenausfuhrzoll wolle. Wo sind diese Arbeiter? Der alte Bergarbeiterverband und die christlichen Bergarbeiter haben sich in Jahresberichten und Massenversammlungen gegen den Kohlenausfuhrzoll ausgesprochen.(Hört, hört! links.) Eine bemerkenswerte Wahrheit aber enthält der Bericht des Herrn Dr. Roesicke: Die Löhne der Bergarbeiter in England sind bedeutend höher, als bei uns.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ein Kommissionsmitglied, das sellst an einem Bergwerk beteiligt ist, gestand einmal, daß auf den hohen Preisen im Inlande die Möglichkeit ruhe, die deutsche Kohle in England zu Schleuderpreisen zu verkaufen, und zum anderen, daß die Verzinsung des im Bergbau angelegten Kapitals eine außerordentlich hohe sei. (Lebh. Hört, hört! b. d. Soz.) Wir werden uns das merken, wenn wir hier wieder einmal Bergarbeiterforderungen zu vertreten haben. Wir Sozialdemokraten haben bei allen unseren Abstimmungen das Interesse der gesamten Arbeiterschaft, auch der katholischen, wahrgenommen. Aber das Zentrum verrät die Interessen der karholischen Arbeiter.(Lauter Beifall b. den Soz.) In einem Augenblick, wo Zentrumsblätter die schwere „Wenigstens nicht weit davon, murmelte der Deutsche leise vor sich hin und spuckte seinen Tabaksaft über Bord, „tut mir leid, Modame, den— haben wir aber vorgestern begraben.“ „Begraben?“ schrie die Frau und faßte in Todesangst den Arm des Mannes, der ihr die furchtbare. Kunde mitgeteilt. Selbst der Assessor setzte das kleinste Kind, das er bis dahin auf dem Arm gehalten, rasch an Deck nieder, denn er fürchtete, daß er es fallen ließe, so war ihm der Schreck in die Glieder gefahren. Der Deutsche nickte aber mit dem Kopfe und sagte:„Ja, tut mir leid, aber— erfahren hättet Ihr's doch müssen, und so ist's vielleicht besser, Ihr hört es gleich von Anfang an. Er ist an einer Art Ruhr gestorben, und die Sache muß entsetzlich schnell gegangen sein, denn abends waren wir noch zusammen und am Morgen lag er in seinem Bette tot.“ Die Frau Siebert war in die Knie gesunken und barg das Gesicht in den Händen, und einzelne der Passagiere drängten herbei, zu hören, was vorgefallen. „Siebert ist tot!“ ging da die Kunde von Mund zu Mund, „na, das ist eine schöne Geschichte, die arme Frau, die sitzt jetzt da. Und was ist aus seinem Gold geworden?" Der Deutsche zuckte die Achseln. „'s ist eine böse Wirtschaft hier in dem Kalifornien," meinte er.„Es sollte mir lieb sein, wenn die Frau noch was davon vorfände, aber, es sind schon zwei Tage her. Na, fragt da'nmal in Nergels deutschem Boarding=Haus an— halt da, Hans. nimm nichts mehr mit, wir haben genug. Was jetzt nicht mit kann, muß bis zur nächsten Fuhre bleiben. Hinunter mit Euch, jeder Mutter Sohn, der an Land will. Wir stoßen jetzt ab und wer nicht drin ist, bleibt zurück!“ Der Mann schwang sich dabei auf die Schanzkleidung und hinüber und wollte eben nach unten gleiten, als der Assessor noch einmal seinen Arm ergriff. „Wie heißt das Haus, das Sie uns nannten in dem Herr Siebert gewohnt hat?“ frug er rasch und ängstlich. „Nergels Boarding=Haus," lautete die kurze Antwort,„in Pacific=Street“, und im nächsten Augenblick war er unten bei seinen Leuten. Ihm nach drängten die Passagiere; die, die ihre Sachen schon unten hatten, um nicht zurückgelassen zu werden, die übrigen ein anderes, ähnliches Boot herbeizuwinken, das gerade nicht weit von dort vorüberfuhr und dem Rufe Folge leistete. Um die Frau bekümmerte sich niemand mehr, und wenn sie auch wohl, wie die Leute meinten:„schlimm daran war, jetzt ohne Mann in Kalifornien da zu sitzen,“ hatten sie doch zu viel mit sich selber zu tun, um länger über eine Sache nachzudenken, an der sie doch„nichts ändern konnten. Notlage der Arbeiter anerkennen, wälzt man Lasten über Lasten auf die Arbeiterschaft, während man mit den albernsten Redensarten die ablehnende Haltung bei der Erbschaftssteuer zu rechtfertigen sucht.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Was den Kaliausfuhrzoll anbelangt, der hier zur Sprache gebracht worden ist, so ware das einzig Richtige die Verstaatlichung der Kaligewinne durch das Reich.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Aber eine pflichtvergessene Regierung hat es zugelassen, daß ein großer Teil der deutschen Kalibodenschätze sich in den Händen amerikanischer Kapitalisten befindet.(Hört, hört! b. d. Soz.) Bei der Gelegenheit möchte ich den Minister mahnen, sich nicht durch profithungrige Kapitalisten von der Verordnung über das Zweischachtsystem abdrängen zu lassen. An dieser Verordnung hängen Menschenleben. (Stürm. Zust. b. d. Soz.) Der Kohlenausfuhrzoll fällt, weil der einflußreiche Zechenverband gegen ihn ist. Während die kath. Arbeiterschaft sich ausdrücklich gegen jede weitere indirekte Steuer ohne gleichzeitige Besteuerung des Besitzes ausgesprochen hat, besteuert das Zentrum Tabak, Bier, Kaffee, Tee, Zündhölzer, während es den Großgrundbesitzern Millionen über Millionen in den Schoß wirft. Genieren Sie sich doch gar nicht, meine Herren, und fahren Sie weiter fort. Es gibt immer noch Dinge, die das arme Volk braucht und die noch nicht extra versteuert sind. Versteuern Sie doch das Leinöl der armen Weber. (Stürm. Sehr gut! b. d. Soz.) Das Volk kann ja Schmieröl gebrauchen und wenn auch dieses versteuert wird, Gras essen! Und dann gehen Sie hinaus und predigen den Leuten vom Christentum und Nächstenliebe vor. Wahrhaftig, der Galgenhumor muß einen packen! Sie haben das Christentum verhöhnt und die Barmherzigkeit mit Füßen getreten.(Lebh. Zustimmung links, Unruhe rechts; Abg. Kreth ruft: Unverschämt! Lebh. Unruhe links; Zur. b. d. Soz.: Der Schnapsdirektor mit seinen 50 000 Mk. Einkommen hat kein Christentum nötig! Andauernde Unruhe im ganzen Hause. Vizepräsident Dr. Paasche ruft den Abg. Hue wegen seines Schlußsatzes zur Ordnung.) Handelsminister Delbrück protestiert gegen die Behauptung Gotheins, daß die vorige Erklärung bestellte Arbeit gewesen sei.(Abg. Hue ruft: Und kein Wort über das Zweischachtsystem! Der Minister zuckt die Achseln.) Abg. Graf Kanitz(kons.) hält dem gefallenen Kohlenausfuhrzoll eine elegische Leichenrede, während Abg. Frhr. v. Gamp=Massaunen(Rp.) sehr vergnügt über diese Wendung der Dinge ist. Abg. Sachse(Soz.) fordert die Regierung auf, diesmal ausnahmsweise fest zu bleiben, und schärft dem Minister Delbrück die Pflicht bei, an dem übrigens viel zu spät eingeführten Zweischachtsystem festzuhalten.(Bravo! b. d. Soz.) Der Kohlenausfuhrzoll wird fast einstimmig abgelehnt und die Weiterberatung der Finanzgesetze auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Schluß 6½ Uhr. Vielefeider Stadtveroronriensthung vom Mittwoch, 7. Juli. Direktor Brüggemann wird als Stadtrat eingeführt. Als Punkt 5 steht auf der Tagesordnung: Zustimmung zu der Einführung des Normaletats, betreffend die Besoldungen der Leiter und Lehrer der höheren Unterrichtsanstalten vom 5. Juni 1909, für die Leiter und Lehrer des Gymnasiums nebst Realgymnasiums, der Oberrealschule und der Kaiserin=AugusteViktoria=Schule vom 1. April 1908 ab, sowie, daß dem Schuldiener des Gymnasiums vom 1. April 1908 ab ein Gehalt nach der neuen staatlichen Beamten-Besoldungsordnung zu zahlen ist. Nach den Ausführungen des Bürgermeisters Stapenhorst erfordert die Erhöhung der Lehrergehälter für 1908 eine Mehrausgabe von 33 950, für 1909 eine solche von 37.860 Mk. Die beschlossene Erhöhung des Schulgeldes würde eine Mehreinnahme von 37·000 Mk. bringen. In den genannten Summen seien aber noch nicht die Mehrausgaben enthalten, die für Nur der alte Assessor war zurückgeblieben, und als das zweite Lichterboot von Bord abstieß, kauerte die Frau noch immer mit in den Händen geborgenem Antlitz auf dem Deck, und der alte Mann stand neben ihr, hielt das Jüngste wieder auf dem Arm und zeigte ihm, mit selber blutendem Herzen, die bunte lebendige Bai, das rege, lustige Schaffen und Treiben da draußen, damit es nur nicht mehr so schreien sollte. III. Auf kalifornischem Boden. Mr. Hetson hatte mit seiner Frau in dem leichten Boot die Landung schon weit früher erreicht, dort zufällig einen leeren Karren getroffen, der Güter an den Strand geführt und diesen augenblicklich gemietet, sein Gepäck in irgend ein Hotel zu schaffen Der Karren hielt auch bald, durch die bunten Straßen dieser wunderlichen Stadt fahrend, vor einem Mittelding zwischen Zelt und Schuppen, denn die Wand rechts von der Tür bestand aus übereinander genagelten Brettern, die links aus Segeltuch. Ueber dem Eingang aber prangten mit großen schwarzen Buchstaben die Worte„Union=Hotel“, und er durfte nicht daran zweifeln, den erfragten Platz erreicht zu haben. Eine Art Kellner, ein Individuum, wenigstens, das in Ermangelung eines besseren dafür gelten konnte, war auf des Karrenführers Ruf in der Tür erschienen, und zeigte sich hier auch insofern geschäftig, als es ohne weiteres einen Koffer und eine Hutschachtel auspackte und damit im Innern wieder verschwinden wollte. „Halt!“ rief ihm da Hetson nach,„kann ich hier ein eigenes Zimmer bekommen?" „Eigenes Zimmer? gewiß,“ sagte der Kellner,„Nr. 7“, und tauchte damit wieder hinter der Leinwand unter. Hetson blieb nichts weiter übrig als ihm zu folgen, um den bezeichneten Platz erst selbst einmal in Augenschein zu nehmen. Selbst die geringsten Anforderungen aber, die er an dieses, dem Aeußeren nach sehr bescheidene Hotel gestellt, fand er nicht befriedigt. Ein„eigenes Zimmer“ zeigte ihm der Kellner allerdings, aber es war das nur ein kleiner Verschlag, eine Art Zeltabteilung, die einfach durch ein Stück blauen Kattun hergestellt schien. Das mochte nun allerdings für Männer, und auf kurze Zeit, ein einträglicher Aufenthalt sein; wenigstens ließ sich darin existieren und man konnte es als eine Art Biwak betrachten. Hier aber eine Dame einzuquartieren, blieb ganz außer der Frage. Der Karrenführer hatte indessen schon den größten Teil des Gepäcks heruntergegeben, als Mr. Hetson erklärte, hier Gie Lehrerinnen und Oberlehrerinnen der höheren Mädchenschulen erforderlich sind. Die Stadt werde also eine kleine Mehrausgabe haben, die nicht durch die Schulgelderhöhung gedeckt sei. Stadtv. Hoffmann: Wir sind nicht in der Lage, hier srei zu entscheiden, denn wir sind durch die Entscheidung der Regierung gebunden, aber wenn wir selbst frei entscheiden könnzen, würden wir für die Erhöhung der Gehälter stimmen. JeSach wenn nun einmal anerkannt wird, daß die Kosten der Lebenshaltung gestiegen sind, erwarten wir,daß der Magistrat auch für eine entsprechende Erhöhung der Löhne der städtischen Arbeiter eintreten wird. Die städtischen Arbeiter sind doch auch Menschen und sie leiden ebenso unter der Verteuerung der Lebenshaltung wie die Beamten. Was den Beamten recht ist, sollte den Arbeitern billig sein. Die Zustimmung wird von der Versammlung erteilt. Bei Punkt 7: Bewilligung von 7000 Mk. nebst 4½ Prozent Zinsen vom 1. September 1908 ab als Entschädigung für 20 Quadratmeter, welche die Firma Schuhfabrik Westfalia Kröger u. Co. zur Niedernstraße abzutreten hat, verlangt der Stadtv. Lütkemeyer eine Herabsetzung des Zinsfußes der städtischen Sparkasse, der noch immer 4½ Prozent betrage, wie er zur Zeit der Hochkonjunktur angesetzt worden sei, trotzdem der Bankdiskont inzwischen gesunken sei. Beigeordneter Toerner: Trotz des geringen Bankdiskonts ist der erwartete Zustrom von Einlagen in die Sparkasse nicht eingetreten und die Nachfrage nach Hypotheken sei eine sehr große. Ueber das in den nächsten Monaten zu erwartende Geld ist bereits oisponiert. Zum 1. Oktober könne der Zinsfuß unter keinen Umständen herabgesetzt werden, frühestens zum 1. Januar. Stadtv. Lütkemeyer behauptet, daß schon heute Hypotheken unter dem Zinsfuß der Stadtsparkasse gegeben worden seien. Auch habe die Stadt Dortmund ihren Zinsfuß herabgesetzt. Die 7000 Mark werden bewilligt. Punkt 8: Bewilligung von 5338,71 Mk. als außerordentliche Beihilfe an den Kapellmeister Cahnbley für das Jahr 1. Juni 1908/09. Beigeordneter Toerner: Das Orchester hat große künstlerische Erfolge erzielt, aber keine materiellen. Die Einnahmen sind zwar um 7000 Mk. gestiegen, aber die Ausgaben haben damit Schritt gehalten. Ein erheblicher Ertrag würde durch kleine Geschäfte erzielt, durch Uebernahme von Tanzmusiken usw., hingegen sei der Ertrag aus den Abonnementsund Volkskonzerten, sowie aus den Abonnementskonzerten der Schützengesellschaft durchaus ungenügend. Stadtv. Tiemann erklärt, daß seine Freunde bereit seien, den Zuschuß zu bewilligen. Sie hofften aber, daß die Einnahmen sich so vermehren werden, daß im nächsten Jahre ein so hoher Zuschuß nicht mehr nötig sein werde. Wird es sich nicht ermöglichen lassen, bei einem Neuabschluß des Vertrages mit dem Theaterdirektor größere Vorteile für die städtische Kapelle herauszuschlagen? Stadtv. Hoffmann: Die Schwierigkeit unserer Musikverhältnisse liegt bei der Schützengesellschaft. Wir beabsichtigten ein großes Konzert für die Arbeiterschaft auf dem Schützenberge zu geben auf ganz neutraler Grundlage. Das Lokal ist uns einfach abgeschlagen worden. Dabei hätte die städtische Kapelle doch auch eine hübsche Summe verdient. Der Schützenberg ist das einzige größere Lokal in Bielefeld und die Schützengesellschaft hat damit ein Monopol. Das sollte sie doch nicht in so kunstfeindlichem Sinne ausnutzen. Wir haben für die städtische Kapelle getan, was wir tun konnten, die Zeit der Krise ist allerdings dafür sehr ungeeignet. Ich hoffe auch, daß in den nächsten Jahren ein so hoher Zuschuß für die städtische Kapelle nicht mehr nötig sein wird. Aber wenn eine Besserung der materiellen Lage des Orchesters nicht eintritt, so werden wir eben den Zuschuß bewilligen müssen. Denn wir werden doch die städtische Kapelle nicht eingehen lassen wollen. Ich bitte Sie(zur Rechten) aber, Ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß die Schützengesellschaft in Zukunft ihr Monopol nicht mehr in solch kunstseindlicher Weise ausübt. Beigeordneter Toerner: Auch er hoffe, daß sich bei Neuabschluß des Vertrages mit dem Theaterdirektor größere Vorteile für das Orchester werden herausschlagen lassen. Der Ertrag des Theaters sei ja im letzten Jahre geringer geworden, aber er sei immer noch größer, als man ursprünglich erwartet habe. Der geforderte Zuschuß wird bewilligt. Als Punkt 9 steht auf der Tagesordnung: Vorlage des Planes und Kostenanschlages für den Erweiterungsbau des städtischen Krankenhauses und Bewilligung der Kosten von 59000 Mk. aus Anleihemitteln. Bürgermeister Stapenhorst und Baurat Schulz begründend ie Vorlage. Auf das Haus 0 soll ein Stockwerk aufgesetzt werden. Es sollen dadurch die Räume für Geschlechtskranke vermehrt werden und es soll dadurch ermöglicht werden, die Kranken nach der Art und dem Stadium der Krankheit zu trennen. Ferner soll ein Raum für sieche Kranke geschaffen unter keinen Umständen bleiben zu wollen. Irgend ein passenderer Platz war wohl schon aufzufinden, schlechter wenigstens konnte er ihn nirgends treffen. Rasch ging er deshalb wieder zu dem Karren hinaus, sich das Fuhrwerk jedenfalls so lange zu sichern, bis er ein ihm genügendes Absteigequartier gefunden habe und blickte eben ziemlich ratlos die von Menschen wogende Straße auf und ab, als ein an „Hotel“ gerad' vorbeikommender Mann vor ihm stehen blieb, ihn einen Augenblick aufmerksam betrachtete und dann ausrief:„Hetson! bei allem, was lebt! Kamerad, welcher glückliche Wind hat dich nach Kalifornien getrieben?“ Der Mann war eine zu auffallende Persönlichkeit, ihn je, wenn einmal gesehen, wieder zu vergessen, und doch konnte sich Hetson, als er überrascht zu ihm aufschaute, seiner nicht erinnern. Um die hohe kräftige Gestalt hing eine bunte mexikanische Zarape, in derselben Art, wie sie die Spanier und Kalifornier trugen, über die linke Schulter geschlagen; den Kopf deckte ein breitrandiger brauner Filzhut, unter dem die kleinen stechenden schwarzen Augen aus einem Wald von Haupt= und Barthaaren vorschauten. Die Beine staken in schwarzsamtnen, an den Seiten offenen und am Schlitz reich mit silbernen Knöpfen besetzten Hosen und an den Schuhen klirrten ein Paar schwere mexikanische Sporen von polierter Bronze. Auch die dem jungen Amerikaner entgegengestreckte weiße, fast zarte Hand funkelte von fünf oder sechs steinbesetzten Ringen, aber wer war der Mann? „Bestex Herr,“ sagte Hetson etwas verlegen,„Sie sind da jedenfalls im Vorteil, denn Sie scheinen mich zu kennen, während ich mich in der Tat nicht besinnen kann, wo „Hahaha!“ unterbrach ihn aber lachend der Bärtige,„hab' ich mich so verändert, daß mich selbst ein alter Kommilitone nicht wiedererkennt? Du erinnerst dich wohl gar nicht eines gewissen Bill Siftly, he?“ „Siftly? ist es denn möglich?“ rief Hetson jetzt erfreut, die noch immer dargebotene Hand ergreifend und schüttelnd,„das ist allerdings ein wunderbares Zusammentreffen. Das Wowerden, die heute in den allgemeinen Krankensälen untergebracht seien, dort aber durch ihr Jammern und Klagen häufig die anderen Kranken störten. Stadtv. Dr. Esau wünscht eine Vermehrung der Irrenzellen im städtischen Krankenhause. Er habe es in zwei Fällen erlebt, daß man habe Tobsüchtige nicht unterbringen können und tagelang in der Wohnung behalten müssen. Bürgermeister Stapenhorst: Wir haben je zwei Zellen für Männer und für Frauen. Ich glaube, daß das im allgemeinen ausreicht. Stadtv. Höwener: Gegen den Bau selbst habe ich nichts einzuwenden. Ich möchte mir aber erlauben, etwas anderes zur Sprache zu bringen. Ich bin von mehreren Seiten darauf aufmerksam gemacht worden, daß unser Freibad bei Bollbrinker total versagt. Der Wasserspiegel ist im Sinken. Es fließt kein Wasser mehr in das Bassin. Das ganze ist mehr eine Kloake. Wenn sich der Magistrat nicht entschließen kann, Leitungswasser in das Bassin fließen zu lassen, so ist es besser, der Magistrat schließt einfach das Bad. Stadtbaurat Schulz: Seit Freitag fließt kein Wasser mehr in das Bassin. Daran sind teilweise die Quellen im Lutterkolk schuld, dann soll auch die Spinnerei mehr Wasser nehmen, als uns lieb ist. Der Wasserspiegel sinkt beständig und ich hatte heute früh bei der Besichtigung das Gefühl, daß es etwas riecht. Würden wir Leitungswasser in den Kanal leiten, so würde uns das täglich 60 Mk. kosten. Da wir eine tägliche Einnahme von höchstens 30 Mk. aus Karten haben, wäre das auf die Dauer sehr unwirtschaftlich. Am Montag wird der Magistrat darüber beraten, was zu geschehen hat. Entweder muß das Bad geschlossen werden oder wir müssen vorläufig Leitungswasser hineinleiten, bis auf andere Weise Abhilfe geschaffen wird. Bürgermeister Stapenhorst: Die Eisenbahn hat uns den Wasserzufluß abgeschnitten. Wir stehen mit ihm in Verhandlungen über den Zufluß. Vor 30 Jahren sind die Quellen in der Umgebung von einem Ingenieur Schmidt untersucht worden, und da hat sich ergeben, daß die Weserlutterquelle etwa 9000 Kubikmeter Wasser abgibt, die Emslutterquelle etwa 1000 Kubikmeter. Jetzt hat sich infolge des Anschneidens der Zuflüsse durch die Bahn das Verhältnis umgekehrt, die Emslutterquelle ergibt 8000 Kubikmeter, die der Weserlutter aber gar nichts. Wir haben das der Bahnverwaltung vorgestellt, aber die erklärt, sie könne mit dem Wasser auf ihrem Gebiet machen, was sie wolle. Der Regierungspräsident hat uns seine Hilfe zugesagt. Es soll in nächster Zeit in seiner Anwesenheit ein Termin mit der Eisenbahnverwaltung stattfinden. Mit einer Klage gegen die Eisenbahnverwaltung würden wir wohl kaum Erfolg haben. Stadtv. Tiemann: Die Aenderung in den Wasserverhältnissen von Ems= und Weserlutter ist schon vor mehreren Jahren gekommen. Ich habe Gutachten von hervorragenden Wasserjuristen gelesen, nach denen die Bahn mit ihrem Wasser machen kann, was sie will. Die Summe zur Erweiterung des Krankenhauses wird bewilligt. Zu Punkt 13: Genehmigung eines Vertrages mit der Witwe des Kaufmanns Th. Bertelsmann über den Ankauf von Grundstücken neben der Gütersloherstraße und Bewilligung des Kaufpreises nebst Kosten aus dem Grundstücksfonds bemerkt Bürgermeister Stapenhorst, daß dies Grundstück evtl. zum Bau eines Gebäudes für die Handwerkerschule benutzt werden könnte. Der Magistrat habe auch Wert darauf gelegt, die Grundstücke in der Nähe des Sparenbergs in der Hand zu haben, damit der Sparenberg nicht durch Bauten beeinträchtigt werden könnte. Von dem Grundstück aus werde es möglich sein, eine 5 Meter breite Zufuhrstraße zum Sparenberg zu schaffen. Die für den Ankauf verlangten 50000 Mk. werden bewilligt. Ferner wurde unter Punkt 14 einem mit Lina Klinksieck abgeschlossenen Vertrage über den Ankauf der Besitzung Am Sparenberg 2 E zugestimmt und der Kaufpreis von 23,000 Mark bewilligt. Ebenso wurde unter Punkt 15 einem mit dem Kolon Wilhelm Freudenau in Gadderbaum abgeschlossenen Vertrage über den Ankauf eines Grundstücks am Grenzweg zugestimmt. Vom Kolon Freudenau sind zwei Grundstücke für 50 000 Mark gekauft worden, eins in Gadderbaum, und eins in Bielefeld hinter dem Freudental. Das ick Gadderbaum ist wieder für 30000 Mk. an die Anstalt verkauft worden, während das in Bielefeld für 20·000 Mk. behalten werden soll; das Grundstück in Gadderbaum ist 6281 am groß, das in Bielefeld 27574 qm, so daß der Stadt der Quadratmeter auf 72½ Pfg. zu stehen kommt. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden gemäß den vorliegenden Anträgen erledigt. Parreinachrichten. ac. Zum ersten bosnisch=herzegowinischen Parteitag. In Bosnien waren 87 Delegierte erschienen. Es lag ein Proher? sollst du mir aber nachher erzählen, jetzt erlaube mir erst, dir meine Frau hier vorzustellen. „Deine Frau?“ rief der neugefundene Freund verwundert und drehte sich rasch nach der Dame um. „Gentlemen,“ unterbrach da der Karrenführer die Unterhaltung,„ich kann mir wohl denken, daß es ganz unangenehm sein muß, in diesem blutigen verbrannten Lande einen alten Bekannten zu treffen. Die Geschichte geht mich aber eigentlich nichts an, und ich kann deshalb nicht ein paar Stunden hier halten und meine Zeit versäumen. Zeit ist hier Geld und wenn Sie mich nicht mehr haben wollen, so bezahlen Sie mich und ich fahre meiner Wege(Fortsetzung folgt.) Hansabund, Es sitzen geheime und bloße Kommerzienräte im Saal; Sie repräsentieren das große Gewerbs- und Betriebskapital. Denn im Angesichte der Steuern Geht jedem der Hintern mit Eis. Die gierigen Junker verteuern Jetzunder die Spesen mit Fleiß. Es sind Dividenden in Frage, Da fällt es den Nobligen ein, Man könnte bei drohender Lage Auch trotzig und bürgerlich sein. Es wurde von Hansa gesprochen Kommerzienrätlicherseits; Indessen nach wenigen Wochen Verliert diese Sache den Reiz. Der König wird mehre: In, Und mancher wird bei der weserv' Ein Leutnant, der nichts mehr tadeln Und's Maul nicht mehr aufreißen ders. (Peter Schlemihl im„Simpl.“) grammentwurf vor, dessen prinzipieller Teil mit dem Erfurter Programm der deutschen Sozialdemokratie identisch ist. Bei der Debatte wurde besonders eifrig und eingehend die Agrarfrage erörtert, und schließlich eine präzise Fassung der Forderung nach Ablösung der Kmeten von Staats wegen formuliert. Das Parteiorgan„Glas Slobode“ hat eine Auflage von 2500 Exemplaren— es erscheint dreimal im Monat und wird sehr gern gelesen, so daß sich allenthalben der Wunsch kundgibt, es möchte bald öfter erscheinen. Die Erfüllung dieses Wunsches wird leider noch durch die berüchtigte Kautionspflicht hintangehalten.— Der Parteitag forderte in einer Resolution Preßfreiheit und Beseitigung der Kaution. Gewerkschaftsbewegung. Die Arbeitswilligen in Kiel werden täglich kecker; sie fühlen sich als Herren der Situation, dank des Verhaltens des Magistrats. Am Dienstag nachmittag holten Arbeitswillige im Hinterhause der Muhliusstraße 91 die Klosettkübel ab. Dabei mußten sie vor der offenstehenden Küche einer Arbeiterwohnung vorbei. Ein Arbeitswilliger belästigte die in der Küche anwesende Frau; diese verbat sich dies und ließ den Namen„Streikbrecher" fallen. Als der Arbeitswillige noch nicht ging, kam noch der Mann hinzu und stellte den Arbeitswilligen zur Rede, dabei gleichfalls das Wort Streikbrecher“ gebrauchend. Jetzt rief der Arbeitswillige seine Kollegen herbei; diese und der die Abfuhrwagen begleitende Schutzmann von der städtischen Polizei brachen nunmehr gewaltsam in die inzwischen verschlossene Wohnung ein, und der Schutzmann schlug auf den Inhaber der Wohnung mit der blanken Waffe ein. Als die Frau ihrem Mann zur Hilfe kommen wollte, fielen die Arbeitswilligen über sie her und bearbeiteten sie mit Fäusten und Stiefeln, so daß sie ohnmächtig wurde. Als sie wieder zu sich kam, nahm sie ihr 6 Monate altes Kind auf den Arm und wollte nach ihrem Manne sehen, der aus der Wohnung verschwunden war. Dieser war draußen mit den Arbeitswilligen ins Handgemenge gekommen; bei dieser Gelegenheit stieß der Schutzmann das Kind vor die Brust, so daß es hinten überschlug und nur noch an den Füßen von der Frau gehalten wurde. Der Mann wurde dann in den stinkenden Abfuhrwagen gesperrt und zur Polizeiwache gefahren, wo er festgehalten wurde. Später wurde auch die Frau verhaftet, eine halbe Stunde in Haft behalten und dann entlassen. Ueber solche Fälle meldet die bürgerliche Presse nichts! Die Tischler in Magdeburg haben in einer sehr stark besuchten Versammlung am Sonntag beschlossen, am anderen Tage die Arbeit in allen Werkstätten nicht mehr aufzunehmen, wo die Forderungen noch nicht anerkannt sind. Dieser Beschluß ist am Montag einmütig zur Durchführung gelangt. Die Forderungen sind bisher für mehr als 100 Tischler bewilligt, gegen 600 befinden sich im Streik. Es ist Ehrensache aller Arbeiter, für Fernhaltung des Zuzuges von Tischlern, Maschinen= und Hilfsarbeitern nach Magdeburg zu sorgen. Tarifabschluß für das Brauereigewerbe in Mannheim. Zwischen dem Verband der Brauereiarbeiter und den in Mannheim und Umgegend bestehenden Brauereien kam ein Tarifabschluß auf die Dauer von 2½ Jahren zustande. Der Lohn wurde durchschnittlich bis zu drei Mark pro Woche und Person erhöht. Der Mindestlohn ist jetzt 32,10 Mk. inklusive 5,10 Mk. Biergeld, das früher ausbezahlt wurde. „Der Handschuhmacher", das bisherige Organ des zum Lederarbeiterverband übertretenden Verbandes der Handschuhmacher, beschließt sein Dasein mit einem historischen Rückblick: „Nach vierzig Jahren. Am 4. Juli 1869 wurde der Handschuhmacherverband geschaffen, der heute neben dem Buchdruckerverband zu den ältesten Gewerkschaften Deutschlands gehört. Er ist zudem seit 20 Jahren die einzige Organisation, die 90 Prozent aller Berufsgenossen um ihre Fahne schart. Am Schluß dieses Rückblicks werden die Namen von 14 Kollegen angeführt, die seit Gründung des Verbandes, also seit 40 Jahren, demselben ununterbrochen treue Mitglieder waren. Ihre Treue moge der gesamten Gewerkschaftsbewegung ein gutes Vorbild sein. Sie möge vor allem die Mitglieder des Handschuhmacherverbandes anspornen, auch der neuen gemeinsamen Organisation unverbrüchliche Treue zu bewahren. Die„Portefeuiller= Zeitung verabschiedet sich von ihren Lesern in ihrer letzten Nr. 13 dieses Jahrgangs. Das Blatt, welches im 9. Jahrgang erschien, war allezeit ein wachsamer Hüter der Verbandsinteressen gewesen. Es bleibt dieser Aufgabe bis zum letzten Augenblicke treu, indem es die bisherigen Mitglieder des Portefeuillerverbandes auffordert, auch im gemeinsamen Verband der Sattler und Portefeuiller ihre Pflicht zu tun. ac. Das türkische Parlament gegen die Gewerkschaften. Mit großer Mehrheit hat die türkische Kammer nach lebhafter Debatte einen Gesetzentwurf beschlossen, der den türkischen Arbeitern die Gründung von Gewerkschaften verbietet! Die kraftvolle Demonstration, die am 19. Juni in Saloniki von 23 gewerkschaftlichen, sozialistischen und genossenschaftlichen Organisationen veranstaltet wurde, hat auf die jungtürkische Regierung also keinen Eindruck gemacht. Der Minister des Innern, Ferid Pascha, der im Parlament gegen die Koalitionsfreiheit der Arbeiter sprach, hat den Sieg davon getragen über die armenischen Abgeordneten, die sich sofort mit aller Energie gegen Ferid Poscha gewandt hatten. Die reaktionäre Haltung der Regierung und der Parlamentsmehrheit wird über kurz oder lang schon die erforderliche Korrektur finden. Dafür bürgt die Kraft, die in der türkischen Arbeiterschaft schlummert. Existieren doch bereits Gewerkschaften der griechischen Zigarettenpapierarbeiter, Seifenarbeiter, Handlungsgehilfen, Schneider, Buchdrucker, Tischler, Marmorarbeiter, Schuhmacher, Tabakarbeiter, Arbeiter der Staatsmonopole, städtische Arbeiter, ferner der jüdischen Seifenarbeiter, Handlungsgehilfen, Schneider, Tischler, Marmorarbeiter, der bulgarischen Buchdrucker, türkische Eisenbahnarbeiter, Gasarbeiter usw. Den Fortschritt des Proletariats werden Ausnahme= und Knebelgesetze in der Türkei ebenso wenig aufzuhalten vermögen, wie das in anderen„Kulturländern“ der Fall gewesen ist. ac. Bosnische Arbeitertagung. In Serajewo der Hauptstadt Bosniens, fand am 27. Juni ein Gewerkschaftskongreß statt, an den sich am 28. und 29. ein Parteitag anschloß. Die deutsch-österreichische, die tschechische, die südslawische, die ungarische, die kroatische, die serbische Sozialdemokratie hatten Vertreter gesandt, so daß in Bosnien zum erstenmal eine kleine Arbeiter-Internationale tagen konnte. Der bosnische Gewerkschaftsverband setzt sich zusammen aus Branche=Organisationen der Holzarbeiter, Bau=, Metall-, Lederarbeiter, Schneider, Bäcker, Zimmerer und Hilfsarbeiter. Filialen und Zahlstellen befinden sich in Sarajewo, Dolnja, Tuzla, Mostar, Banjaluka, Jajce, Zerica, Bosnisch=Gradiska, Brcko, Drvar, Derventa, Prnjawor, Zwornik, Hadzici, Kobiljdol und Krupa. Die Gesamtzahl der Mitglieder beträgt zurzeit 3017. Im letzten Jahre wurden trotz des Annexionsrummels und der Krise 11 Streiks geführt, von denen 7 mit einem Erfolg der Arbeiter endeten. Außerdem wurden einige Konzessionen in bezug auf Löhne und gewerkschaftlichen Einn davon 24081 aus Mitg für Reise-, Arbeitslosen nen, für Agitation 473 An die Gewerkschaf nachmittags, ein Meet ladung zu dieser Demo sonen Folge: Männer, tholiken. Die Vertret G ** Bielefeld, 7. Ju Landgerichtsdirektor No Staatsanwalt Dr. Don heute der Zigarrenarbei hausen. Er war beschi hausen einen von iom Herringhausen gehörend haben. Der Angeklagte, gemacht hatte, bestritt h sehr umfangreichen Ben hinzog, wurde der Ang Zur freien Aerztewe der Aerzte war wegend die Straßburger Ortskr soweit es sich um die Ohrenkrankheiten handel Straßburger Aerztevere der Aerzte eingeführt w Eine Mutterschaftska Gesellschaft gegründet n sitzen. Der Zweck der## Kreine? Jedes Wort kostet nur 2 Pfe der fetten Ueberschrift 10 Anzeigen unter dieser Rubrik — Neu eingetroffen: Großer Posten und Herren=Stiefel in nu Qualitäten, Knaben= und 2 Stiefel, sowie Sandalen zu Preisen. Getragene Anzüge, Westen usw., stets größte? Machen Sie einen Verst unseren Schuhen und Sie unser Kunde bleiben. Kohl Düring, Piggenstraße 10, a Markt. Wiebrock. Haltet Umfrage, ob der n Beste in Heringen liefert. such genügt zu den neuen Ke 250. 65 Pig. Wiebrock seine marinierten Heringes bleiben die besten, das ist stnräh. 3566•] Wiebrock. Limburger durchgebrannt, der wirklich sehr pikant bei 2 Heeper= und Kaiserstraßen=E Käse=Wiebroc Wenn der nicht wär, wer wohl 5 Stück Harzkäse für noch mehr. Bielefelder, unerreicht im G höchster Nährwert. Kochherde, weiß und schwarz emailliert, gebraucht, in enorm großer# sollen räumungshalber zu jer annehmbaren Preise verkauft Teilzahlung gestattet. Adol Ritterstraße 57. Achtung! Großen Posten Regenschir Aussuchen, à Stück Mk. 1.60. Verkauf. 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Fili9, Dolnja, Tuzla, Gradiska, Brcko, ei, Kobiljdol und ägt zurzeit 3017. rummels und der inem Erfolg der Konzessionen in bezug auf Löhne und Arbeitszeit ohne Ausstand erzielt. Die gewerkschaftlichen Einnahmen beliefen sich auf 42 833 Kronen, davon 24081 aus Mitgliederbeiträgen. Es wurden ausgegeben: für Reise-, Arbeitslosen- und Krankenunterstützung 12084 Kronen, für Agitation 4731, für Bildungszwecke 2322 Kronen. „An, die, Gewerkschaftstagung schloß sich Sonntag, 27. Juni, nachmitlags, ein Meeting unter freiem Himmel an. Der Einladung zu dieser Demonstration leisteten mehr als 4000 Personen Folge: Männer, Frauen, Orthodoxe, Muhamedaner, Katholiken. Die Vertreter von 6 Nationen hielten Ansprachen. Gerichtliches. ** Bielefeld, 7. Juli. Schwurgericht. Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Nordbeck, Vertreter der Staatsanwaltschaft: Staatsanwalt Dr. Dommes.— Vor dem Schwurgericht stand heute der Zigarrenarbeiter Jobst Heinr. Tiemann von Herringhausen. Er war beschuldigt, am 26. April d. J. zu Herringhausen einen von ihm bewohnten und dem Kolon Niermann zu Herringhausen gehörenden Kotten vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben. Der Angeklagte, der sich durch seine Redereien verdächtig gemacht hatte, bestritt heute die Brandlegung. Auf Grund der sehr umfangreichen Beweisaufnahme, welche sich bis zum Abend hinzog, wurde der Angeklagte freigesprochen. es. Zur freien Aerztewahl. Vom bekannten Leipziger Verband der Aerzte war wegen der Forderung der freien Arztwahl über die Straßburger Ortskrankenkasse die Sperre verhängt worden, soweit es sich um die Spezialärzte für Hals-, Nasen= und Ohrenkrankheiten handelt. Jetzt ist nun durch Vertrag mit dem Straßburger Aerzteverein die freie Arztwahl für diese Kategorie der Aerzte eingeführt worden. Die Sperre wurde aufgehoben. Eine Mutterschaftskasse ist in Karlsruhe i. B. von einer Gesellschaft gegründet worden, in der auch Arbeitervertreter sitzen. Der Zweck der Kasse ist Schutz der Mütter bei der Entbindung, durch Gewährung von kleinen Geldprämien und Ausdehnung des Stillens. Die der Krankenkasse angehörenden Frauen erhalten bei einem Monatsbeitrag von 50 Pfg. im Falle einer Entbindung nach einjähriger Mitgliedschaft 20, nach zwei Jahren 30, nach drei Jahren 40 Mk. Bei Zwillingsgeburten erhält die Wöchnerin einen Zuschlag von 10 Mk. Mütter, die sechs Wochen stillen, bekommen 3, die 8 Monate stillen 6 Mk. Die badische Landesversicherungsanstalt hat 100 Mk. als erste Rate, der Karlsruher Stadtrat 1000 Mk. geschenkt. Die Einrichtung ist hauptsächlich für jene Frauen geschaffen, die nicht in Fabriken oder sonstwie gewerblich tätig sind, bei vorkommender Entbindung aber finanzielle Hilfe sehr gut gebrauchen können; kann sich die Mutter schonen, ist zur Verhütung der vielen Unterleibskrankheiten schon etwas getan. Natürlich können auch sonst beschäftigte und versicherungspflichtige Frauen der Kasse beitreten, wenn das Gesamteinkommen der Familie 3000 Mark nicht übersteigt. Das Unternehmen ist vorläufig auf Karlsruhe beschränkt. Letzte Nachrichten. Hagen, 8. Juli. Die hiesige Strafkammer verurteilte den 15jährigen Lehrling Friedrich Schulte, der am 26. April einen Lustmord an der 15jährigen Verkäuferin Schweitzer verübte, zu der höchstzulässigen Strafe von 15 Jahren Gefängnis. Essen, 8. Juli. Auf der Gewerkschaft„Deutscher Kaiser" stürzte der Förderkorb auf. Alle darin befindlichen 6 Arbeiter wurden verletzt, davon 2 lebensgefährlich. Berlin, 8. Juli. Das Befinden des Fürsten Eulenburg, dessen Erkrankung zu der Vertagung des Meineidsprozesses auf unbestimmte Zeit Veranlassung gab, hat sich im Laufe des gestrigen Abends so weit gebessert, daß Gefahr vorläufig nicht besteht. Sobald es sein Zustand erlaubt, wird der Fürst nach Schloß Liebenberg zurückkehren. Berlin, 8. Juli. Als künftiger Nachfolger des Fürsten Bülow wird, der„Nationalzeitung“ zufolge, der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz genannt, der angeblich die besten Aussichten haben soll. Hamburg, 8. Juli. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den 44jährigen Korbmachergehilfen Mochriewski, der am 11. Mai seine frühere Geliebte auf offener Straße durch 14 Messerstiche ermordete, zum Tode. Dresden, 8. Juli. Die Reichstagsersatzwahl im 19. sächs. Wahlkreise, der bisher durch den verstorbenen sozialdemokratischen Abg. Goldstein vertreten war, ist auf den 7. September anberaumt worden. Dresden, 8. Juli. Ein von Charkow nach Karlsbad reisender Russe wurde gestern als choleraverdächtig in ein hiesiges Krankenhaus gebracht. Beuthen, 8. Juli. Hier warf gestern ein 16jähriges Mädchen seinen neugeborenen Sohn in die Abortgrube. Das Mädchen und die Mutter wurde wegen Beihilfe verhaftet. Einsturz eines Neubaues. Konstanz, 7. Juli. In Immendingen stürzte heute ein Neubau ein. Zwei Maurer, die unter den Trümmern begraben wurden, konnten noch nicht gerettet werden. Unterschlagene Unterstützungsgelder. Rom, 7. Juli. Die Untersuchung, die der Kriegsminister über die Verteilung der für die Opfer des Erdbebens in Sizilien eingekommenen Summen eingeleitet hatte, hat erwiesen, daß viele dieser Beträge an ihren Bestimmungsort nicht gelangt sind. So sind in Catania Geldbeträge von Verwaltungsangestellten unterschlagen worden. Bei der Veröffentlichung dieser Nachricht sind Unruhen ausgebrochen. Die Fenster des Rathauses in Catania wurden eingeworden, so daß Truppen einschreiten mußten. Rom, 8. Juli. Vor einigen Monaten beging die blutjunge Zofe der Gattin des bekannten Komponisten Puccini Selbstmord durch Vergiften, weil die Frau das Mädchen beschuldigt hatte, ein Liebesverhältnis mit ihrem Mann zu unterhalten. Die Familie des Mädchens klagte gegen die eifersüchtige Signora, die gestern wegen Verleumdung zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden ist. Die Sezierung der Leiche ergab die völlige Unberührtheit des Mädchens. Gernike, von 40, 30, 20, 10 und 5 Pfg. an. S 1 GFF* von 135, 90, 60, 45 u. 30 Pfg. an sowie großen Posten Eillälfe, Verzelan, Glaswaren alle Haushaltartikel erhalten Sie in allergrößter Auswahl, bei anerkannt billigsten Preisen, nur bei Kleine Anzeigen=Ecke. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in#### Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Neu eingetroffen: Großer Posten Damenund Herren=Stiefel in nur guten Qualitäten, Knaben= und MädchenStiefel, sowie Sandalen zu billigsten Preisen. Getragene Anzüge, einzelne Westen usw., stets größte Auswahl. Machen Sie einen Versuch mit unseren Schuhen und Sie werden unser Kunde bleiben. Kohlmeier u. Düring, Piggenstraße 10, am alten Markt. 3739 Wiebrock seine Parole heißt: großer Umsatz, wenig Nutzen, bringt mir und den Konsumenten Nutzen. 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Wir machen besonders auf unsere Sparkassen-Einrichtung aufmerksam, Sparkassen=Zinsfuß 4 Prozent. 3738 Beitritts-Erklärungen werden in unseren Verkaufsstellen entgegengenommen. Der Vorstand. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Vielefeld=Wiedenbrück. 3727 Mitglieder=Versammlungen: Sind Sie ergrinent? über die schlechte Beschaffenheit Ihres Rades, 20 fahren Sie fortan die geilegene Nlacke Ortsgruppe Gadderbaum. Sonnabend, 10. Juli, abends 8½ Uhr, bei Bracksiek, Hallerweg. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Vortrag des Genossen Schreck über das Erfurter Programm(5 Vortragsabende). 3. Waldfest. Ortsgruppe Gellershagen. Sonnabend, 10. Juli. abends 8½ Uhr, im Lokale des Wirts Fohrmann, Jöllenbeckerstraße. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1908/09. 2. Stellungnahme zur GeneralVersammlung und Wahl der Delegierten. 3. Bericht der Gemeindevertreter. * Ortsgruppe Heepen. Sonnabend, 10. Juli, abends 9 Uhr, bei Twelker. Tagesordnung im Lokal. Hauptvertreter: C. Brakemeier Rohrteichstr. 72. Teleph. 874. 8564 Verband deutscher Textilarbeiter Iikiale Wieleseld. Sonntag, 11. Juli, vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn W Hannemann, Webereistraße 5: Statt besonderer Anzeige. 3731 Durch die glückliche Geburt eines gegunden, kräftigen — Mädchens= General-Versammlung Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1909. 2. Halbjahrsbericht. 3. Agitation. 3726 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortoverwaltung. 3724 Krawatten Herren-Wäsche Hosenträger Bunte Garnituren Bunte Serviteurs mit Kragen Herren-Socken :: zu äußerst:: billigen Preisen. onl Mollt Obernstraße 51. Empsehle diese Woche extra prima sice Kich Heinr. Stiegeler, Pferdemetzger. 3725“ Brackwede, Kaiserstraße 136. Hoctzeits=Einladungen siefert Buchdruckerei Volkswacht. Herford. Sonntag, 11. Juli, nachmittags 4 Uhr anfangend, feiert der Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ sein diesjähriges Stiftungs=Fest beim Vereinswirt F. Liedtke, Lindenhof, wozu ergebenst einladet 3732 Das Komitee. Adonnementshreis f#: Bielefelb und Umgegend, wie bei sämtlichen Agenturen ins Haus gebracht 60 Pfg. mo lich. Durch die Post bezi 1.80 Mk. vierteljährlich exkli Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der SonnFeiertage täglich nachmittag Fernsprech=Anschluß Nr. 35 Die heutige Nu Zum Ta hat die sozialdemokratische Abänderungsantrag zum schädigung arbeitslos werk der folgenden Wortlaut Aus den Einnahme Landesregierungen, je sprechende Beträge zu Hausgewerbetreibenden, innerhalb zweier Jahr vorübergehend oder für anderweit eine entspre welche wegen notwendig werden, Entschädigungen schriften über Umfang erläßt der Bundesrat tionen des Tabakgewer! Entschädigung im Fall weniger als der entgan Die Berechnung de stimmt sich nach dem D treten des Gesetzes vorDer Antrag bezwecktz ourch das Gesetz arbeitslos gesetzlich festzulegen. Weit jenigen Hausgewerbetreib schädigt werden sollen, die Jahres) nach dem Inkraft Damit die Zuwendungen Armenunterstützungen erh ner, statt Unterstützung Erlaß der Vorschriften üb der Zuwendungen sollen gewerbe gehört werden, un gangenen Arbeitsverdien letzten Jahres maßgebend Die Tabakst Ueber die Beschlüsse schreibt die„Süddeutsche 6. Juli: „Der 2. Juli d. J. schichte des deutschen Tab ben. Zum ersten Male h rer Volksvertretung eine von der erdrückenden Me den als unheilvoll bezeicht die Wünsche und Vorsch weitverbreiteten Industri der Abg. Erzberger behal das Urteil vieler angesehl aber übersehen, diese Fac die Gelegenheit genomme prüfen. Die Möglichke Wertsteuer motivierte de auf Pferde, welcher bek Wertklassen erhoben wirk Klassifizierung eines Fl Brauereipferd oder einer gelungen ist; ob sie aber von einem Tabak zu 3 lernen, das ist eine ander tiven Verabschiedung des gehend zurückkommen. Die als Folge dieses in der Tabakindustrie— — wurde jetzt endlich ir des Antrages Giesberts machte der Reichsschatzse Vorbehalt, daß eine Ent beiter nur durch eine, vo Erhöhung der Steuersätz plumpe Bemerkung hätter seiner früheren Taten den Reichstage die Verpflicht Arbeiter in den ersten neuen Gesetzes vor der au gewerbe für ewige Zeiten werden? Das wäre ei Opferstock. Dazu ist wei die Abnahme des Konsur Tabakgewerbe proportion Wert der auf einen Arbe Zigarren berechnet sich au Mehrbelastung durch Ta Arbeitern die Existenz en kleiner Teil dieser Arbeit kommen fände, so würde Mark auf die arbeitslos beiter 20•000 Mk.= 2 erforderlich sein.