Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. TO JTrueoTorso Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Wieleseld. Nr. 153. Bielefeld, Montag, 5. Juli 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Zur Abstimmung über die Tabaksteuer. Ig. Berlin, 3. Juli. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir vor einigen Monaten, als in der„Kölnischen Volkszeitung“ einige Artikel zur Tabaksteuerfrage erschienen, die die Haltung der Sozialdemokratie zu verdächtigen versuchten, die Vermutung äußerten, daß das Zentrum in der Tabaksteuerfrage umfallen würde. Wir haben leider recht behalten. Die gestrige Abstimmung hat bewiesen, daß die überwiegende Mehrheit der Zentrumsfraktion sich mit Haut und Haaren der Ausplünderungspolitik der Junker verschrieben hat. Mit Nein stimmten vom Zentrum nur die Abgeordneten Becker(Arnsberg), Bitter, Fehrenbach, Fritzen (Rees), Uebel, Nacken, Pfeiffer, Schirmer, Schiffer, Wiedeberg und Schüler. Enthalten haben sich Häusler, Hamecher, Heim, Irl, Spindler und die Vertreter der westfälischen Wahlkreise Warburg=Höxter(Abg. SchmidtWarburg) und Lippstadt=Brilon(SchwarzeLippstadt). Mit Ja stimmten u. a. der Renommierarbeiter Giesberts, der noch vor einigen Wochen in der„Westdeutschen Arbeiterzeitung“ gegen neue Lasten der indirekten Steuergesetzgebung protestiert hatte, Engelen, der in Osnabrück wohnt— aber nicht gewählt ist, der Sekretär der katholischen Fachabteiler Dr. Fleischer, der Abgeordnete für Paderborn v. Savigny, der Vertreter für Steinfurt=Ahaus Dr. Herold. Wie immer, so bot auch bei dieser Abstimmung die Fraktion „Kraut und Rüben“, die irgend ein Spaßvogel einmal„wirtschaftliche Vereinigung“ getauft hat, ein Bild der traurigsten Zerfahrenheit. Mit Nein stimmten die Abgg. Behrens, Burckhardt, Kölle, Lattmann und Raab, mit Ja die famosen Mittelstandsfreunde Böhme, Graef, Hanisch, Herzog(der Vertreter von Rinteln=Hofgeismar), Liebermann von Sonnenberg, Rieseberg, Roth, Schack, Stauffer und die beiden Vogts aus Württemberg. Und damit die Konfusion nicht noch übertroffen werden könnte, enthielt sich ein anderes Mitglied der wirtschaftlich Vereinigten, der Abg. v. Damm, der Stimme. Die Polen, die noch kurz vor der Abstimmung mit ihrer prinzipiellen Gegnerschaft gegen alle indirekten Steuern prunkten, haben sich geschlossen an dem schmählichen Raubzug beteiligt. Die gesamte Fraktion hat für die Steuer gestimmt. Ein neuer Beweis dafür, daß trotz allen demokratischen Getues die Polen eine durchaus reaktionäre Gesellschaft sind. Die beiden Welfen v. Dannenberg und Götz v. Olenhusen haben gegen die Steuer gestimmt, ebenso der Däne Hansen. Von den Konservativen absentierte nur der Abg. Sielermann, von der Reichspartei nur der Abg. Schmidt=Altenburg. Der Vertreter für Schaumburg=Lippe Dr. Brunstermann hat für die Steuer gestimmt. Auch die sogenannte „Reformpartei“, die Antisemiten, mit ihren 5 Mitgliedern und 2 Hospitanten, die ja auch sonst nicht müde werden, ihre Mittelstandsfreundlichkeit zu betonen, ist geschlossen für die Steuer eingetreten. Mit Ja hat endlich auch der„wild" gewordene frühere nationalliberale Abg. Lehmann=Jena gestimmt. Die Obstruktion der Fleischwucherer. P. Wien, 1. Juli. Wieder ist das Abgeordnetenhaus, das sich seit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts mit Erfolg aller absolutistischen Anschläge der Regierungen wie auch aller obstruktionellen Attentate aus seiner Mitte heraus zu erwehren verstanden hat, von einer frivolen Obstruktion bedroht, und wieder müssen sich die Sozialdemokraten an die Spitze stellen, um das Volkshaus aus dieser Gefahr zu erretten. Die Obstruktion geht diesmal von den Agrariern und zwar vornehmlich von den slawischen Agrariern aus und sie richtet sich gegen die Handelsverträge mit den Balkanstaaten, die der österreichischen Bevölkerung zinigermaßen billigeres Fleisch verschaffen sollen. Sehr viel ist es ja ohnedies nicht, was den Konsumenten geboten wird. Lebendes Vieh wird auch in Zukunft nicht vom Balkan nach Oesterreich importiert werden dürfen und von geschlachtetem Vieh nur ein beschränktes Quantum, das noch lange nicht die Einfuhr vor dem Zollkrieg erreicht. Der Jahresverbrauch Oesterreichs und Ungarns beträgt etwa 5 Millionen Stück Rindvieh und 8 Millionen Schweine. Nun sollen aus Rumänien in den ersten drei Jahren jährlich 10000 Stück Rind und 50000 Schweine, später 35000 Stück Rind und 120 000 Schweine eingeführt werden dürfen, aus Serbien 35 000 Rinder und 70000 Schweine. Also verhältnismäßig ein so geringes Quantum, daß die Preise davon nicht sonderlich beeinflußt werden können und höchstens in den größeren Städten die Approvisionierung einigermaßen, erleichtert werden wird. Andererseits steht aber das Schicksal des österreichischen Exports in Frage, der durch den Zollkrieg fast ganz unterbunden würde. An diesen Zuständen ist vornehmlich die Feigheit der bürgerlichen Parteien und die Liebedienerei der Regierung gegenüber den Agrariern schuld. Es ist kein Zweifel, daß seit der Wahlreform die Mehrheit des Parlaments nicht agrarisch ist, ja als im vorigen Jahre der provisorische Handelsvertrag mit Serbien in der Form eines Dringlichkeitsantrages zur Verhandlung gestellt werden mußte, fand er trotz des heftigsten Widerstandes der Agrarier sogar die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Aber die bürgerlichen Parteien wollen mit den Agrariern im Frieden leben und opfern ihnen die Interessen auch des Bürgertums gern auf, weil sie dafür ihre Hilfe im Kampfe gegen die verhaßten Sozialdemokraten finden. Das zeigte sich deutlich im März dieses Jahres, als der provisorische Handelsvertrag erneuert werden sollte. Die Regierung beugte sich vor dem Diktat der Agrarier und erklärte, sich mit einem bloßen Meistbegünstigungsvertrage begnügen zu wollen. Im Volkswirtschaftlichen Ausschusse, der unter der Obmannschaft des Genossen Ellenbogen überhaupt ein Musterausschuß ist, setzten die Sozialdemokraten durch, daß die Regierung die Ermächtigung erhielt, den Handelsvertrag provisorisch in Kraft setzen zu können. Aber im Plenum des Hauses wichen die Regierung und die bürgerlichen Parteien vor dem Lärm der Agrarier zurück, und so wurde bloß die Ermächtigung zum Abschluß eines Meistbegünstigungsvertrages gegeben— auf den aber Serbien dankend verzichtete. Nun soll der mit Rumänien abgeschlossene Vertrag vom Parlament genehmigt und der Regierung überdies die Ermächtigung zur provisorischen Abschließung von Handelsverträgen mit allen Balkanstaaten für unbestimmte Zeit gegeben werden. Aber die Agrarier legen dagegen ihr Veto ein. Aber diesmal wäre es eine Kleigigkeit, mit den Agrariern fertig zu werden. Diese sind nämlich zum ersten Male nicht einig. Die deutschen Agrarier wollen zwar die Handelsverträge auch nicht bewilligen, aber sie wollen— im Interesse der auswärtigen Beziehungen des Staates— sich etwas Zurückhaltung auferlegen und von einer Obstruktion absehen. Dagegen wollen die tschechischen Agrarier— von denen sich übrigens wieder die TschechischKlerikalen abgesondert haben— die Verhandlung des Ermächtigungsgesetzes verhindern. Sie werden darin noch von den Slowenen bestärkt, deren Führer Schusterschitz gern im Trüben fischen möchte: er hofft, wenn er alles durcheinander hetzt, doch endlich das ersehnte Ministerportefeuille zu erlangen. Neben dem Obstruktionisten, der durch die Obstruktion Minister werden möchte, steht an der Spitze der tschechischen Agrarier wieder der Obstruktionist, der Minister war, der geheime Rat Praschek, der sich durch einen Gnadenakt des Kaisers widergesetzlich die Ministerpension von 8000 auf 12 000 Kronen erhöhen ließ. Aber beide wagen es nicht, offen zuzugestehen, daß sie das Ermächtigungsgesetz obstruieren wollen. So haben sie in der Obmänner= konserenz(dem„Seniorenkonvent“ des österreichischen Parlaments) eine Erklärung abgegeben, die in den vieldeutigen Satz ausklang, daß sie„mit der Erledigung des Budgets das Arbeitsprogramm als erschöpft betrachten“, und sie waren nicht zu bewegen, einen Kommentar zu diesem Orakelspruch zu geben. So einigte sich die Obmännerkonferenz, ohne Rücksicht auf diese Erklärung noch das Ermächtigungsgesetz und eine Reihe anderer Vorlagen— so die über die Arbeitszeit im Handelsgewerbe, über den Dienstvertrag der Handlungsgehilfen, über die Unfallversicherung im Baugewerbe u. a.— vor den Ferien zu erledigen. Nun brachten die tschechischen Agrarier und die Slowenen 63 Dringlichkeitsanträge ein, durch die der Weg zur Tagesordnung versperrt ist. Aber auch jetzt noch wagen sie es nicht, zu bekennen, was sie mit ihrer Ovstruttion bezwecken. Alle möglichen Ausreden müssen herhalten, so auch die, daß Dr. Adler sie in der Obmännerkonferenz beleidigt habe, indem er über ihre„Erklärung“ Witze machte. Wieder hatten die bürgerlichen Parteien nicht den Mut, diese frivole Obstruktion abzuwehren und der Führer des deutschnationalen Verbandes Abg. Chiari erklärte noch heute nachmittags in einem Interview, gegen die Obstruktion lasse sich gar nichts machen, wenn sie ernst gemeint sei. Eine Obmänner= konferenz, die heute nachmittag stattfand, blieb erfolglos, da die Obstruktionisten sich damit begnügten, zu erklären, daß sie ihrer früheren Erklärung nichts hinzuzufügen hätten. Da entschlossen sich die Sozialdemokraten, selbst die Initiative zur Abwehr der Obstruktion zu ergreifen. Sie brachten also die dringenden Vorlagen, deren Erledigung die Obmännerkonferenz beschlossen hatte, in der Form von Dringlichkeitsanträgen ein: das Ermächtigungsgesetz, die beiden Handlungsgehilfengesetze, die Gesetzentwürfe über die Unfallversicherung im Baugewerbe, über die Regelung der Petroleumindustrie, über den Weltpostvertrag, über den Urheberrechtsvertrag mit Rumänien und einen Beschluß des Volkswirtschaftlichen Ausschusses auf provisorische Aufhebung der Getreidezölle bis Ende Juli(diesen in abgeänderter Form, so daß die Aufhebung bis Ende Juli 1910 gefordert wird). Damit ist der frivolen Obstruktion der Krieg erklärt. Die Sozialdemokraten haben damit ihre Entschlossenheit ausgedrückt, die 63 Dringlichkeitsanträge durchzuberaten—„aufzuarbeiten“ — um zur eigentlichen Tagesordnung zu kommen. Wenn die bürgerlichen Parteien ihre eigene Sache nicht wieder verraten, wie im März, und wenn die Regierung ihre eigenen Gesetze nicht wieder feige im Stiche läßt, dann wird die Obstruktion der Fleischwucherer in wenigen Dauersitzungen gebrochen werden. Die Schande Es war ein großes Glück für die Arbeiterbewegung in Deutschland, daß hier die Gewerkschaften unter der Aegide der Sozialdemokratie erstanden und erstarkt sind und ihren Aufschwung nahmen, aus ihr die besten Kräfte gesogen haben. Im Gegensatz zu anderen Ländern, sveziell England, wo sie, wie Kautsky schreibt(„Der Weg zur Macht"), urwüchsig entstanden. Das hat sie davor bewahrt, daß ihr Horizont sich„nur gewerkschaftlich“ verengte und die großen und weiten Ziele der proletarischen Emanzipationsbewegung ihrem Gesichtskreis entschwanden. Unbeschadet ihrer spezifischen Tagesaufgaben zur Hebung der Klassenlage der verschiedenen Arbeiterberufe, haben sie den Kontakt mit der großen allgemeinen Bewegung nie verloren, blieben sie im allgemeinen immer vom echten sozialistischen Geist erfüllt. In diesem Sinne ist ja auch das Wort geprägt worden„Partei und Gewerkschaften sind eins“. Wenn wir sagten„unbeschadet", so haben wir zu wenig gesagt. Denn eben der sozialistische Geist hat nicht allein ihre Kräfte gestärkt und gestählt und ihr Wachstum mächtig gefördert, sondern namentlich auch sie vor Entgleisungen auf Abwege geschützt, sie verhindert, utopische oder reaktionäre Ziele zu verfolgen. Darin liegt ja der hohe praktische Wert des„Endziels“, daß es erkennen läßt, wohin die ökonomische und gesellschaftliche Entwicklung steuert, und daß es daher vergebliches Bemühen ist, um Ziele zu ringen, die scheinbar oder vorübergehend Vorteile versprechen, aber entweder auf die Dauer unhaltbar sind, oder veit mehr Nachteile in ihren Falten bergen. Die#inbürgerlich- zünftlerischen Bestrebungen, die von der Illusion beherrscht werden, dem Handwerk seinen„goldenen“ Boden“ wieder zurückgewinnen zu können, bieten ja hierfür ein abschreckendes Beispiel, wie nicht minder der bereits verkrachte Antisemitismus. So hat kürzlich auch die größte Gewerkschaftsorganisation Ameritas unter der Führung von John Mitchell und Samuek Gompers sich für einen engherzigen„Nativismus“(vom englischen native—„eingeboren“— d. h. im Lande geboren) erklärt, nämlich für die durchgreifende Beschränkung der Einwanderung auswärtiger Arbeiter. Soweit es sich darum handelt, in Zeiten großer Arbeitslosigkeit den Massenzuzug fremder Streilbrecher fernzuhalten, läßt sich zwar dagegen kaum etwas einwenden, wie auch der„Vorwärts" bemerkt, der aber hinzufügt: Selbst diesen Schäden der Einwanderung könnten die amerikanischen Gewerkschaften wirksamer begegnen, wenn sie mit den europäischen Organisationem in Verbindung treten würden. Auch in Amerika, wie in England hemmt das urwüchsig" entstandene und exklusive Gewerkschaftswesen die Entwicklung einer starken sozialdemokratischen Partei, wofür doch in den Zuständen die Bedingungen vollauf gegeben sind. Dieses Amerika, von dem noch immer vielfach geglaubt wird, es existiere dort kein so großes Elend wie anderwärts, weil angeblich jedem Fleißigen Gelegenheit geboten sei, emporzukommen, protzt ja gern mit seinen kolossalen Reichtümern— wie Luxusschiffe mit ihrer glanzend komfortablen und luxuriösen Ausstattung in den Kajüten, womit die Zustände im Zwischendeck einen schauerlichen Kontrast bilden. Der Klassenkontrast in Amerika ist aber noch um vieles schauerlicher. Der amerikanische Soziologe Robert Hunter hat diese Schande Amerikas in einem Buche enthüllt: „Poverty“(Armut), das nun in deutscher Uebersetzung vom Genossen Südekum(„Das Elend der neuen Welt", Berlin, Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, H. Ehbock) erschienen ist. Wir erfahren da ganz entsetzliche Dinge über scheußliche Wohnungen in Mietskasernen der Armenquartiere großer Städte, worin Tausende eingepfercht sind und wovon von einem Beamten gesagt wurde:„Man kann einen Menschen ebenso leicht mit einer Wohnung totschlagen, als mit einer Axt.“ Seuchen und ansteckende Krankheiten, besonders die Tuberkulose, sind in diesen miasmatischen, ekelhaften Mietskasernen und ganzen Straßenzügen Newyorks, Chicagos, St. Louis usw. eingenistet und raffen jahraus jahrein ungezählte Opfer an Erwachsenen und Kindern dahin. Grauenhaft sind auch die Schilderungen vom Jammer der Kinderarbeit. 1700000 Kinder unter 15 Jahren schaffen auf den Feldern, in Fabriken, in Werkstätten und Bergwerken. In den Statistiken, sagt Hunter, kann man keine müden Augen, keine bleichen Wangen und ermüdete kleine Glieder vorführen. Mehr als 24000 Kinder werden in der Union in und auf Bergwerken und Steinbrüchen beschäftigt. Zehn bis elf Stunden müssen sie tätig sein in der mit Kohlenstaub geschwängerten und die Lungen schwarz färbenden Luft, beim Lärm der Kohlenwagen und ohrbetäubendem Rasseln der Aufzüge. Manchmal fällt ein Kind in die Maschine und wird schrecklich zugerichtet oder rutscht aus und fällt in den Schacht, wo es zerschmettert liegen bleibt. Andere bekommen das Bergmannsasthma oder die Schwindsucht, die sie aufreibt. Viele Tausende von Kindern sind als Glasarbeiter sowie in Textil=, Tabak= und Zigarrenfabriken beschäftigt. Manche in den Fabriken des Tabaktrusts sind nach ihrer Tagesarbeit ohnmächtig zusammengebrochen. Das„Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ erscheint auch als Land der unbegrenzten kapitalistischen Scheußlichkeiten. Gäbe es drüben eine starke sozialistische Partei, so wären diese Zustände längst aufgedeckt und energisch bekämpft worden. Heute aber frißt dieser kapitalistische Krebsschaden am Marke des Volkes weiter, und die furchtbaren Folgen würden sich in noch schrecklicherer Weise zeigen, wenn nicht noch immer der Zustrom der Einwanderer für die Volkskräfte als eine gewisse Auffrischung wirksam wäre. Je dichter aber die Bevölkerung wird, je mehr der Kapitalismus seine Einflußsphäre erweitert, desto stärker wird sich sein degenerierender Einfluß geltend machen. Dagegen kann nur energischer Kampf helfen, der aber von den in der Vertretung einseitigster Berufsinteressen der amerikanischen Gewerkschaften nicht erfolgreich ausgenommen werden kann und wird. Der Kampf wird erst dann mit Aussicht auf Erfolg entbrennen, wenn die Sozialdemokratie in den Vereinigten Staaten zu einem beachtenswerten Machtfaktor geworden sein wird, die die Interessen der Arbeiterklasse auch in der Gesetzgebung mit Energie und Zähigkeit verfechten wird. Politische Uebersicht. Bülow bei Wilhelm. Lübeck, 4. Juli. Fürst Bülow ist in Travemünde vorgestern abend angekommen und begab sich sofort an Bord der„Hohenzollern“.— Von der Abreise des Fürsten Bülow ist in Berlin nichts bekannt gewesen. Es handelt ich also offenbar bei der Reise des Kanzlers zum Kaiser um eine blötzliche Entschließung und man rechnet mit wichtigen Ueberraschungen. Erledigtes Reichstagsmanvat. Der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Justizrat Dr. Quarck ist infolge eines Schlagzufalls Freitag fruh ½2 Uhr in Koburg gestorben. Er war iber 70 Jahre alt.— Quarck erhielt bei der letzten Wahl 4437 Stimmen, der Sozialdemokrat 4306, der Freisinnige 4128. In der Stichwahl wurde Quarck mit 7852 gegen 4780 sozialdemokratische Stimmen gewählt. Zur Nachwahl in Neustadt=Landau. Der Agitationsausder Freisinnigen Volkspartei nahm Stellung zur zidatenfrage für die Reichstagswahl. Es wurde folgender Begefaßt: Infolge der Abmachungen des Bundes der Landmit den Nationalliberalen beschließt das Agitations komitee der Freisinnigen Volkspartei des Wahlkreises NeustadtLandau, wenn möglich einen eigenen Kandidaten aufzustellen, eventuell strikte Wahlenthaltung zu proklamieren, keinesfalls aber die nationalliberale Kandidatur Buhl in irgend einer Weise zu unterstützen. Wieder ein Hochverratsprozeß. Berlin, 2. Juli. Unter dem Verdachte des Hochverrats wurde heute der Schneider und verantwortliche Redakteur der anarchistischen Zeitschrift„Ter freie Arbeiter" durch Beschluß der dritten Straskammer des Landgerichts I verhaftet. Vor dieser Kammer hatte sich der Redakteur Hermann Reetz wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze zu verantworten. Das Gericht hielt jedoch in den Artikeln einen Hochverrat im Sinne des§ 85 Str.=G.=B. für vorliegend. Die Strafkammer erklärte sich deshalb für unzuständig und verwies die Sache an das Reichsgericht. Ki. Der Schnapsdirektor Kreth. Die kartellierten Branntweinliebesgabenempfänger haben einen ihrer eifrigsten parlamentarischen Vertreter reich belohnt. Der Reichstagsabgeordnete Kreth ist zum Direktor der Spirituszentrale ernannt worden. Kreth, der sich bemühte, den ostelbischen Schnapsjunker in Form und Ton zu imitieren, war bisher Direktor der landwirtschaftlichen Zentraldarlehnskasse in Berlin. Sein neues mt gibt ihm die Möglichkeit, seinen wirtschaftlichen und politischen Idealen berufsmäßig zu dienen. Just zur rechten Zeit ist Kreth mit der Schnapswurde ausgezeichnet worden, er wird wahrscheinlich in den Verhandlungen über die Branntweinsteuer im Reichstage den Beweis zu liefern versuchen, daß die Wahl des neuen Schnapsdirektors auf den richtigen Mann gefallen ist. Die Spirituszentrale, die Kreth nun im Parlament repräsentieren wird, hat sich von jeher durch einen wüsten Terror ausgezeichnet. Die Diktatur des Fuselsyndikats führte zu den heftigsten Klagen, aber die Branntweinbrenner setzten ihr Treiben ungestört fort. Im Herbst vorigen Jahres hatte der Spiritusring seinen Vertretern in einzelnen Gegenden die Anweisung gegeben, daß die offiziellen Preisnotierungen für Spiritus um 3 Mi. für 100 Liter für diejenigen Käufer zu erhöhen sind, die nicht dauernd Kunden des Ringes sind. Ferner sie an, daß jede Abgabe von Spiritus, sei es an regelmäßige oder gelegentliche Abnehmer, in jedem einzelnen Falle der Genehmigung der Ringleitung bedarf. Mit dieser Maßnahme sollte bewirkt werden, daß die Spiritusabnehmer durch Androhung der Zuschlagspreise von 3 Mk. für 100 Liter gezwungen werden, jede Offerte der ringfreien Fabriken abzulehnen und nur von der Zentrale zu kaufen. Es wird recht vergnüglich werden, wenn Kreth im Reichstage genötigt sein wird, den Fuselterror zu verteidigen. Wenn das Zentrum herrscht. In Donaueschingen im badischen Schwarzwald, dem Sitze des Fürsten von Fürstenberg, hat bei der letzten Gemeinderatswahl das Zentrum gesiegt. Jetzt soll ein neuer Bürgermeister gewählt werden. Der Zentrumsführer Bauer, Redakteur des katholischen Organs für Donaueschingen, stellte folgende Forderungen für den zu wählenden Bürgermeister auf: Er muß 1. katholisch sein, 2. in katholischer Ehe leben, 3. seine Kinder katholisch erziehen lassen, 4. seinen religiösen Verpflichtungen nachkommen.(In letzter Beziehung habe für ihn Fürst von Fürstenberg vorbildlich zu sein. Erfülle der neue Bürgermeister die verlangten Obliegenheiten nicht, würde ihm die Zentrumsmehrheit bei jeder Gelegenheit Opposition machen. dem In der Budgetkommission vom Freitag gab es zu Beginn wieder einen langen Streit über die sogenannte Indiskretion, die darin besteht, daß an die Magdeburger Zeitung“ und an die„Kölnische Volkszeitung“ Berichte über eine vertrauliche Sitzung der Subkommission für die Beamtenbesoldung gegangen sind. Der Abg. Beck(natl.) gab die Erklärung ab, daß die Mitteilungen der„Magdeburger Leitung“ nicht von Nationalliberalen ausgegangen sind, und Erzberger versicherte noch einmal, daß er nicht der Urheber der Nachrichten der „Kölnischen Volkszeitung“ sei, was ihm aufs Wort zu glauben ist, denn die„Kölnische Volkszeitung“ hat ihn ja gerade wegen seiner ersten Erklärung in dieser Sache kräftig bei den Ohren genommen.— Danach behandelte die Kommission die Klasseneinteilung der Städte für die Wohnungsgeldbemessung der Be— Es wurden unwesentliche Veränderungen gegenüber der Regierungsvorlage vorgenommen. Vom Kompromiß zwischen Regierung und Mehrheitsparteien. Die Verhandlungen zwischen der neuen Mehrheit und den verbündeten Regierungen zwecks einer Vereinbarung über die sogenannten Besitzsteuern sind noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch Schwierigkeiten, zumal die Vertreter der Regierung nichts anbieten und nichts vorschlagen. Sie wollen den Vorschlag der Mehrheit abwarten und dann sagen, was annehmbar ist und was nicht. Es ist aber sehr wahrschemnlich, so wird der„Frankfurter Zeitung“ aus Berlin gemeldet, daß es in einigen Tagen zu einer Vereinbarung kommen wird, denn die Vertreter der Mehrheit operieren in richtiger Erkenntnis der Situation sehr vorsichtig und geben möglichst viel nach. Man darf wohl mit Sicherheit annehmen, daß die Kotierungssteuer, die Mühlenumsatzsteuer und der Kohlenausfuhrzoll definitiv aufgegeben sind, und daß man im Reichstage nach dem Gampschen Antrage auf die erfolgte Erhöhung des Effektenstempels über die Vorlage hinausgehen wird, und daß die Rechte auf die Herabsetzung der Zuckersteuer jetzt verzichtet. Die Mehrheit will möglichst wenig Schwierigkeiten machen. Wie das„Berl. Tageblatt“ hört, hat Herr Geheimrat Dr. Riesser gestern eine Unterredung mit dem Unterstaatssekretär v. Loebell gehabt, der bekanntlich im Auftrage des Fürsten Bülow an den Verhandlungen über das Steuerkompromiß teilnimmt. Herr Geheimrat Riesser hat im Namen des Hansabundes Herrn v. Loebell gefragt, ob die von einer parlamentarischen Korrespondenz verbreiteten Mitteilungen über den Inhalt des Kompromisses richtig seien. Er hat gleichfalls nochmals darauf hingewiesen, welche schwere Schädigung besonders aus der Kotierungssteuer erwachsen müßte. Herr v. Loebell hat ihm darauf die Versicherung gegeben, daß die Regierung nach wie vor die Kotierungssteuer als unannehmbar betrachte und ihr unter keinen Umständen zustimmen werde. In parlamentarischen Kreisen ist man überzeugt, daß zwar nicht eine „Lotierungssteuer“, aber irgend etwas Aehnliches das Licht der Welt erongen wird. Heute treten die Finanzminister der Einzelstaaten zu einer neuen Konferenz in Berlin zusammen. Es sollen in dieser Konferenz die letzten Beschlüsse über die Gestaltung der Finanzreform gefaßt werden. Wahrscheinlich dürfte die Konferenz auch berufen worden sein, um über das Kompromiß des neuen Blocks mit der Regierung Beschluß zu fassen Davon, daß der Reichskanzler wegen der Erbschaftssteuer scheidet, kann keine Rede sein. Bei seinem Rücktritte wirken verschiedene, teilweise weiter zurückliegende Ursachen mit. Die Haltung des Bundesrats, der nicht umgefallen, sondern sich andauernd mit dem Kanzler in vollster Uebereinstimmung befand, hat den Rücktritt nicht verursacht. Wer von dem Umfalle des Bundesrats spricht, muß hinzufügen, daß dann auch Bülow umgesallen sei. Ueber eine Auflösung des Reichstags wurde im Bundesrat bis zu diesem Augenblicke noch nicht gesprochen. Tatsächlich ist die Auflösung ganz ausgeschlossen, die zwar den Konservativen einigen Abbruch tun, jedenfalls aber die Reichsinteressen auf das schwerste schädigen würde. Denn bei den unvermeidlichen Hin- und Herreden würde auch die bereits beschlossene, indirekte Besteuerung von Tabak, Bier und Branntwein wieder zweifelhaft werden. Die Reichsfinanzreform müsse auch ohne die Erbschaftssteuer unter allen Umständen sofort gemacht werden, davon seien der Kaiser, der Reichskanzler und der Bundesrat gleichmäßig überzeugt. Die Erzählung von den„verschiedenen, teilweise weiter zurückliegenden Ursachen“ ist nichts als müßiges Gerede. Bülow tritt eben zurück, weil er gegenüber dem Zentrum eine Niederlage erlitten hat Zweierlei Zu den Mitteilungen, daß der Bundesrat die Herabsetzung der Zuckersteuer verhindern will, schreibt die„Deutsche Tageszeitung“ entrüstet: „Wir müßten einem solchen Plane auf das entschiedenste widersprechen. Die Herabsetzung der Zuckersteuer ist bedingungslos und feierlich zugesagt worden; und nur diese Zusage der verbündeten Regierungen hat eine ganze Anzahl von Mitgliedern des Reichstags dazu vermocht, trotz schwerer Bedenken der Brüsseler Konvention ihre Zustimmung zu geben. Es müßte das Vertrauen zu feierlichen Regierungserklärungen bedenklich beeinträchtigen, wenn der Bundesrat so leicht von einer derartigen Zusage abgehen wollte. Ein solches Verhalten wäre um so unverständlicher, als unter einer Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Zuckersteuer nicht nur weiteste Kreise der Landwirtschaft, sondern auch die ganze Bevölkerung zu leiden hätte und es sich hier um einen Konsum handelt, dessen Ausdehnung und Verbreitung im Interesse einer gesunden Volksernährung überaus wünschenswert ist. Das ist gewiß richtig. Nur daß bei diesen Leuten die Gesamtheit des deutschen Volkes nur dann Berücksichtigung findet, wenn dies in Einklang zu bringen ist mit agrarischen Profitinteressen. Noch wichtiger und unentbehrlicher als der Konsum des Zuckers ist der des Brotes. Da aber hier nicht die Verbilligung, sondern die Verteuerung das Einkommen der Agrarier erhöht, so wenden sich die Brotwucherer ohne jede Rücksicht auf die Volksgesundheit gegen die Herabsetzung der Getreidezölle trotz der Hungersnotpreise. der Stadr und Nachbarschaft. * Bielefeld, 5. Juli. über den Stand und die Verwaltung der Gemeinde=Angelegenheiten der Stadt Bielefeld für 1907. IX.(Schluß.) ao Inyglidenversicherung. Im Berichtsjahre sind 22 122(22 626) Quittungskarten umgetauscht und der Versicherungsanstalt unter Beifügung von Verzeichnissen eingesandt worden, 504 weniger als im Vorjahre. Die Quittungskarten sind beim Umtausch auf die Höhe des Markenwertes und auf die rechtzeitige Verwendung der Marken geprüft worden. In beiden Fällen kam es wiederholt zu Beanstandungen. Die zu niedrigen Marken wurden vernichtet, der Wert bei der Versicherungsanstalt zur Erstattung angemeldet und für Verwendung richtiger Marken Sorge getragen. Bei verspäteter Murtenverwendung wurde der Versicherungsanstalt Anzeige erstattet. Für den freiwilligen Eintritt in die Versicherung (Selbstversicherung) sind graue Quittungskarten vorgeschrieben, worüber besondere Liste zu führen ist. Nur 19(13) graue Quittungskarten sind ausgestellt worden. Auf Antrag wurden 9(3) Personen von der Versicherungspflicht befreit, 7(2), weil Die bayerische Regierung über Bülows Rücktritt und die Reichstagsauflösung. Von angeblich autorativer Seite wird dem Münchener Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" die Stellung der bayerischen Regierung zur politischen Lage folgendermaßen geschildert: Bayern hat andauernd Treue zum Reichskanzler gehalten und ihn in keinem Augenblicke im Stiche gelassen. In allen Wandlungen der Reichsfinanzreformfrage bestand die vollste Uebereinstimmung mit ihm. Der Gedanke einer Erbschaftssteuer rührte von der bayerischen Regierung her, welche damit in Preußen nur langsam Anklang fand. scheidung der unteren Verwaltungsbehörde ergangen. Altersrente. Im Berichtsjahre sind 12(10) Altersrentenanträge gestellt worden. In allen Fällen wurde Rente bewilligt. Im Jahre 1907 waren 89(91) Altersrenten vorhanden. Invalidenrente. Im Jahre 1907 sind 163(159) Invalidenreatenanträge gestellt worden. 13 Anträge wurden, weil die Bedingungen nicht erfüllt waren, abgeleynt. 26 Anträge wurden zurückgezogen. 8 Anträge schwebten noch am Schluß des Jahres. Demnach wurden 116 Renten bewilligt. 14 Rentenempfänger sind im Laufe des Jahres gestorben oder verzogen, 1 Person ist die Rente wieder entzogen worden. Die Versicherungsanstalt hat eine Anzahl Rentenempfänger durch die Aerztekommission aachuntersuchen lassen, wobei sich ergeben hat, daß mehrere Rentenempfänger ihre Erwerbsfähigkeit wieder erlangt hatten und die bewilligten Renten aufgehoben werden konnten. Das Verfahren schwebte noch am Schlusse des Berichtsjahres. 2 Rentenempfängern wurde die Rente wegen Trunksucht in Naturalien gewährt. Es waren 684(701) Invalidenrenten vorhanden. Die Gesamtsumme der gezahlten Invaliden= und Altersrenten betrug nach Mitteilung des hiesigen Postamts im Jahre 1907; 158 388,97(146972,83) Mark. Rentenempfängern, welche die öffentliche Armenpflege in Anspruch nehmen, wird die Invaliden= oder Altersrente ganz oder teilweise nicht ausbezahlt, sondern der Armenverwaltung überwiesen. Im Jahre 1907 ist in 18(16) Fällen eine Ueberweisung von Rentenbeträgen erfolgt. 340(341) Anträge auf Erstattung der halben Beitrage wurden von Frauen aus Anlaß ihrer Verheiratung und 50(51) aus Anlaß von Todesfällen von Hinterbliebenen gestellt, zusammen 390(392). Im. Jahre 1907 wurden 435(417) Anträge auf Bewilligung eines Heilverfahrens gestellt. 161(139) Anträgen wurde nicht stattgegeben. In 26(9) Fällen wurde ein Zuschuß zum künstlichen Gebiß und in 1 Falle ein Zuschuß von täglich 2 Mk. zu einer Badekur bewilligt, ferner wurden bewilligt zweimal ein künstliches Bein und einmal eine Beinschiene, 1 Antrag wurde zurückgezogen. 243(264) Personen wurden zur Kur untergebracht: 65 in Lippspringe, 25 in Lüdenscheid, 32 in Ambrock, 18 in Oeynhausen, 17 in Nammen, 17 in Salzuflen, 13 in Seebruch, 9 in Senkelteich, 8 in Pyrmont, 8 in Ems, 4 in Salzschlirf, 3 in Neuenahr, 3 in Volmarstein, 1 in Driburg, 1 in Godesberg, 1 in Wildungen, 1 in Bremen Privatheilanstalt. 2 im städtischen Krankenhause Bielefeld, 1 in Sarepta Anstalt Bethel, 11 in Elim(Trinkerheilanstalt), 3 ir Bernardshof (Trinkerheilanstalt). Hervorzuheben ist, daß durch die Unterbringung Trunksüchtiger sehr gute Erfolge erzielt worden sind. Soweit die Kranken der Krankenversicherungspflicht nicht unterlagen, wurden ihren Angehörigen von der Versicherungsanstalt durch unsere Vermittlung— vorschußweise durch die Kammereikasse— Unterstützungen gezahlt, welche 929,15(854,62) Mark betrugen. Die Versicherungsanstalt gewährt solchen Rentenempfangern, die bei ihren Angehörigen kein geeignetes Unterkommen finden und einer besonderen Fürsorge wurdig und beZürftie, sind, anstatt der Rente Aufnahme in ein Invalidenhaus. 907 wurde 5(2) Personen Invalidenhauspflege zuzeil. Die Rentenempfänger wurden untergebracht: 2 im Marienstift, 2 im Wilhelm=Augusta=Stift und 1 im St. Franziskushospital. Post=, Telegraphen= und Eisenbahnwesen. Ueber den Verkehr im Jahre 1907 geben die nachstehenden Aufstellungen ein übersichtliches Bild: Postamt Bielefeld 1. Es waren vorhanden 71(71) Beamte, 172(159) Unterbeämte, 10(9) Postillone, 138(137) Briefkasten, 76(76) amtliche Verkaufsstellen. Porto- und Telegrammgebühren=Einnahme 1236 448(1185079) Mk., Einnahme aus statistischen Marken 970(915) Mk., Briefsendungen: aufgegeben 17 460 100(15 773 576) Stück, eingegangen 10 483900(9533 602) Stück Pakete ohne Wertangabe: aufgegeben 883773(852 875) Stück, eingegangen 577.677(542825) Stück, Wertsendungen: aufgegeben 20 823(20 802) Stück eingegangen 25 190(24.080) Stück, Postanweisungen: eingegangen 645831(602 662) Stück, aufgegeben 337428(328 248) Stück, Postnachnahmesendungen: eingegangen 110 626(99885) Stück, Postauftragsbriefe: eingegangen 11 583(11 584) Stück, abgesandte Postzeitungsnummern 3983 490(3907592) Stück. Postamt Bielefeld 2. Es waren vorhanden 15(15) Beamte, 37(34) Unterbeamte, 3(2) Briefkasten. Porto= und Telegrammgebuhren Einnahme 153018(133.821) Mk. Einnahme aus Wechselstempelmarken 2261(1 647) Mk., Einnahme aus statistischen Wertzeichen 308(225) Mk., Briefsendungen: aufgegeben 2535 500(1 482 800) Stück, eingegangen 40600(43.500) Stück, Pakete ohne Wertangabe: aufgegeben 135 591(112624) Stück, eingegangen 823(528) Stück, Wertsendungen: aufgegeben 2219 (1949) Stück, eingegangen 1(—) Stück, Postanweisungen: aufgegeben 34 638(23353) Stück, eingezahlt mit 2484 303(2324932) Mk., Postauftragsbriefe: aufgegeben 2926(2670) Stück, Zeitungen: abgeholte Zeitungsnummern 69 368(71 800) Stück, Telegramme: aufgegeben 15640(14084) Stück, eingegangen 1022 (948) Stück, Gespräche: im Ortsverkehr 1155(893) Stück, im Fernverkehr 1015(1018) Stück. Telegraphenamt Bielefeld. Es waren vorhanden: 48(48) Beamie, 41(38) Telegraphengehilfinnen, 24(19) Unterbeamte, darunter 12(10) jugendliche Telegrammbesteller. Telegramme: eingegangen 99560(97552) Stück, aufgegeben 69488(68589) Stück, Zahl der Fernsprechteilnehmer 1408(1290) Stuck, im Stadt=Fernsprechbetrieb hergestellte Verbindungen 3029794 (3522951) Stück. Eisenbahnen. Die Uebersicht über den Verkehr auf den Staatseisenbahnen in Bielefeld weist für das Rechnungsjahr 1907 folgende Zahlen auf: Auf Fahrkarten und Scheine wurden 1131 851(917639) Personen abgefertigt. Es wurden verladen zum Versande 30 559(36.005) und eingeführt 8177(10 959) Stück Vieh. An Gütermengen wurden versendet: Stückgut einschließlich Eil- und Expreßgut 53099(48 474) Tonnen; Wagenladungen 65078(68599) Tonnen; empfangen: Stückgut einschließlich Eilund Expreßgut 34854(38127) Tonnen; Wagenladungen 414 504(422821) Tonnen. Abgefertigt Frachtbriefe im Versande 609 741(572 434), im Empfange 404 772(400 241). Der zur Gemeinde=Einkommensteuer für 1908 vorläufig veranlagte Reinertrag der Station beträgt 254371(235 434) Mk. Die Uebersicht über den Verkehr auf den Bielefelder Kreisbahnen(Eigentum des Landkreises Bielefeld) weist für das Betriebsjahr 1907 folgende Zahlen auf. Auf Fahrkarten wurden 489374(462 410) Personen befordert und hierfür 123 161,98 Mk. (119932,94) Mf vereinnahmt. Es wurden verladen 2195(1 626) Stück Vieh, und zwar im Versand 479,24(427,47) Tonnen. im Empfang 614,12(545,27) Tonnen. An Gütermengen wurden befördert: Eilgut 108,48(129,85) Tonnen, Stückgut 2554,69 (2254,93) Tonnen, Wagenladungsgut 28876,18(17993,.95) Tonnen. Die Gesamteinnahme aus dem Güter= und Tierverkehr betrug 29978,14(23336,69) Mk. Die Gesamteinnahme der Bahnen stellte sich auf 158 081,69(148 734,25) Mk., die Gesamtausgabe aus 113482,39(95 509,40) Mk. Als Betriebsüberschuß verblieben 44 599.30(53224,85) Mk. Zur Verzinsung der Anleihen sind verwendet 52536,27(53.031,64) Mk., zur Tilgung der Anleihen 15262,48(14 767,11) Mk., als Rücklage in den Erneuerungssonds 7·000.—(7000.—) Mk., als Gewinnbeteiligung des Staates und der Provinz Westfalen 7777,70 Mk. Der hiernach sich ergebende Fehlbetrag beträgt 37977,15(21 573,90) Mk. und ist vom Landkreise Bielefeld gedeckt. Gemeinsame Kreisverwaltung. Vom Kreiswegeverbande wurden im Berichtsjahre— wie im Vorjahre— 35 Kreisstraßen mit einer Gesamtlänge von 139 Kilometern unterhalten. Für die Unterhaltung der Kreisstraßen einschl. Pflasterungen, Kanalanlagen usw. sowie einschl. einer Rücklage für die Straßenneubaurechnung wurden 171509,28(183925,75) Mark aufgewendet Straßenneubauten wurden im Berichtsjahre nicht ausgeführt, doch wurden die Verhandlungen über den Ausbau der Matrikelstraße Isselhorst—Hollen—Niehorst soweit gefördert, daß die Bauarbeiten gleich mit Beginn des neuen Baujahres tatkräftig in Angriff genommen werden konnten. Der Zuschuß der beiden Kreise zu den Straßenunterhaltungskosten betrug 48000(48000) Mk. Die Kreissparkasse, die am 1. März 1847 den Betrieb eröffnete, konnte am 1. März 1907 auf eine 60jährige Wirksamkeit zurückblicken. Am 1. Januar betrug der Einlagenbestand 46 750 243,84 Mk., neueingelegt wurden im Jahre 1907 6985 515,18 Mk. die Zinsengutschrift für 1907 betrug 1 408 707,19 Mk., zusammen 55 144 466,21 Mk., zürückgezahlt wurden 7131 339.24 Mk., mithin Einlagenbestand Ende 1907 48013 126,97 Mk. Sparbücher waren am Jahresschluß 36919 (35 547) Stück im Umlauf. Der Reservefonds stand am Jahresschluß mit 1309282,17(1 308 384,57) Mk. zu Buche. Der Reingewinn betrug— nach Abschreibung von 172852,20(72 440,90) Mark für Kursverluste auf Wertpapiere— 71 638,90(165 772,92) Mark. Ein Drittel des Reingewinns wird dem Reservefonds zugeführt und der verbleibende Betrag zu Kreiswegebauzwecken verwendet. Aus dem Reservesonds und dem Reingewinn der Kreissparkasse sind seit ihrem Bestehen zu öffentlichen Zwecken, vorzugsweise zu Wegebauten, 4 464 177,57(4 308 325,12) Mk. verwendet worden.„: M 14467. Die jahrelangen Veryandiungen uver eine Neuregerung des Verhältnisses der beiden Kreise zur gemeinsamen Kreisverwaltung sind im Berichtsjahre soweit gediehen, daß ein Nachtrag zum Verwaltungsstatut und eine neue Wegematrikel beschlossen wurden. Letztere ist mit dem 1. April 1908 in Kraft getreten. Auf Grund der neuen Wegematrikel übernimmt der Stadtkreis die in seinem Bezirk liegenden Kreisstraßen— rund 15 Kilometer— zur eigenen Verwaltung und Unterhaltung gegen eine jährliche Rente. Diese beträgt erstmalig 35000 Mk.= 2,33 Mk. für den laufenden Meter Straße; sie steigt jährlich um 1 Prozent bis zur Erreichung des Einheitssatzes von 3,50 Mk. für den laufenden Meter Straße. Für neu hinzukommende Strecken tritt eine entsprechende Erhöhung ein. Der Landkreis kann jederzeit die in seinem Gebiet liegenden Kreisstraßen ebenfalls gegen eine Rente in eigene Verwaltung und Unterhaltung übernehmen Solange die Straßen in der gemeinsamen Verwaltung verbleiben, werden sie dem Verkehrsbedürfnis entsprechend wie bisher unterhalten. Zur schnelleren Fertigstellung verschiedener Straßenneubauten wird eine Anleihe bis zur Höhe von 300000 Mark aufgenommen. Der Zuschuß zu dem Wegeverbandsbedarf wird künftig von den beiden Kreisen nach dem Maßstabe der staatlich veranlagten Einkommen=, Grund=, Gebäude=, Gewerbeund Betriebssteuer aufgebracht. — Standesamt der Stadt Bielefeld. Im Juni d. J. sind 169(165) Geburten und 62(68) Sterbefälle einschließlich 2(6) Totgeburten angezeigt. Ehen wurden 30(38) geschlossen und Aufgebotsanträge 30(49) gestellt. Von den Lebendgeborenen waren 94(88) männlichen und 75(77) weiblichen und von den Verstorbenen 38(41) männlichen und 24(27) weiblichen Geschlechts. Von den Verstorbenen standen 14(23) Personen im ersten Lebensjahre, 5(8) zwischen ein und fünf, 2(4) zwischen fünf und zwanzig, 10(8) zwischen zwanzig und vierzig, 12(8) zwischen vierzig und sechzig Jahren. Ein Alter hierüber hinaus wurde von 17(11) Personen erreicht. Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf Juni des Vorjahres — Noch einmal der Theaterkritiker der„Westfälischen Zeirung". In unserer Sonnabend-Nummer haben wir den Nachweis geführt, daß die Theaterkritiken der„Westfälischen Zeitung“ ohne genügende Kenntnis der deutschen Sprache geschrieben werden. Es erscheint uns aber doch nützlich, die Abrechnung gleich gründlich vorzunehmen. Das ist weniger leicht, als es auf den ersten Blick aussieht. Wir könnten zwar eine Unzahl Kritiken anführen, die jedem guten Geschmack Hohn sprechen. Allein ein unanfechtbarer Beweis der Unfähigkeit wird damit nicht geliefert, denn schließlich gilt bei den meisten Menschen das Philisterwort: Ueber den Geschmack läßt sich nicht streiten, obgleich das Gegenteil richtig ist. Da könnten wir die Kritik der Salome(Ella Kobold), des idealen Gatten und manche andere anführen, wo die Unfähigkeit für die Kenner auf der Hand lag, aber es gilt eben, den Beweis auch für die Nichtkenner zu führen. Ein glücklicher Zufall kommt uns da zu Hilfe. Als die Pfarrerin von Richard Fellinger zur Aufführung kam, brachten „Generalanzeiger“, Wr. unterzeichnet, und„Westfälische Zeitung“, Anh. unterzeichnet, Kritiken, welche in einzelnen Sätzen Wort für Wort übereinstimmten. Wir geben sie hier wieder, erst die des„Generalanzeigers": Ernst, der Pfarrer, ist jung und unerfahren als Bauernsohn in die Großstadt gekommen, wo er rasch zum Liebling aller frommen Damen und zum echten Salonlöwen geworden ist. Selbst die Mutter einer jungen und schönen Frau, die sich in den lauten, schillernden Vergnügungen des gesellschaftlichen Lebens am behaglichsten fühlt, ist völlig verliebt in ihn. Das gute, ehrliche Männerherz ist in Gefahr, sich und seinen Beruf zu vergessen. Aber noch rechtzeitig besinnt er sich auf sich selbst und er läßt sich in ein kleines, armseliges Dörfchen versetzen, das zwei Stunden von der nächsten Bahnstation entfernt ist. Die unheimliche Ruhe und das trostlose Gleichmaß der Tage sind der Pfarrerin Hier setzt die Handlung ein. Die Pfarrerin, die sich Mutter fühlt, sehnt sich leidenschaftlich nach der tollen Lust der Hauptstadt zurück, deren Lockungen in ihrem Vetter Bruno, ihren Eltern und dem Onkel Konsistorialrat verkörpert sind. Sie alle suchen den Pfarrer zur Rückkehr zu bewegen, aber er bleibt stark und nach stürmischen Auseinandersetzungen entschließt er sich zur Scheidung. Da aber tritt der nahe Fluß über die Ufer und bei der Ueberschwemmung ist der Pfarrer der mutigsten einer. Nun die der„Westfälischen Zeitung": Jung und unerfahren ist der Pfarrer in die Großstadt gekommen, wo er bald der vergötterte Liebling aller frommen Damen und zum Salonhelden geworden ist. Selbst die Mutter seiner jungen, schönen Frau, die sich in den lauten schillernden Vergnügungen des Lebens am behaglichsten fühlt, ist völlig verliebt in ihn. Der Pfarrer, der es mit seinem Beruf und seiner Ehre ernst nimmt, ist in Gefahr, sich zu vergessen. Aber er ist noch innerlich stark genug, besinnt sich auf sich selbst und läßt sich in ein kleines, abgelegenes Dörfchen versetzen, fern von den schweren, sinnberauschenden Düften der parfümschwangeren Salons. Die unheimliche Ruhe und das trostlose Gleichmaß der Tage sind der jungen, an ein lebenslustiges Dasein gewohnten Pfarrerin unerträglich. Hier setzt die Handlung ein, der Konflikt ist fertig. Die Pfarrerin, die sich Mutter fühlt, sehnt sich leidenschaftlich nach dem tollen, gesellschaftlichen Treiben der Großstadt zurück, deren Lockungen in ihrem Vetter Bruno, einem eleganten Schwerenöter, den lebenslustigen Eltern und einem trefflich gezeichneten Onkel Konsistorialrat anschaulich verkörpert sind. Von allen Seiten wird der junge Pfarrer gedrängt, das einsame, öde Dorf zu fliehen, wieder nach der Großstadt zurückzukehren. Aber er bleibt stark und nach einer aufregenden, wilden Auseinandersetzung fällt das inhaltreiche Wort: Scheidung. Nun greift der Dichter freilich zu einem etwas stark verbrauchten Mittel, das eigene Ich durchzusetzen und die Gattin wieder zu gewinnen. Es tritt Hochwasser ein, die Flut tritt über die Ufer und bei der Ueberschwemmung ist der Pfarrer der mutigste von allen. Woher diese seltsame Uebereinstimmung? Haben die Herren Kritiker Wr. und Anh. sich gegenseitig über das Stück ausgesprochen, so daß ihre niedergeschriebenen Kritiken sogar im Wortlaut übereinstimmen? Ach nein, des Rätsels Lösung ist viel einfacher. Abgeschrieben haben beide aus einer dritten Zeitung und setzen ihren Lesern als eigenes Produkt den auf fremdem Felde gewachsenen Kohl vor. Natürlich weiß man nicht, wie oft das die Herren so gemacht haben. In diesem einen Falle konnte es festgestellt werden. Wer aber selbst kritisieren kann, prostituiert sich nicht auf diese Weise. Dazu hat seine Ehre als Kritiker zu lieb, wer eine solche hat.— Durch dieses allerdings unfreiwillige eigene Eingeständnis ist ja wohl nun der Beweis der Unfähigkeit als Kritiker geführt. Und wie schreibt nun der junge Mann seine Kritiken über die Schanspieler. Da ist das Gastspiel von Ella Kobold als Madame Sans Géne, in welchem der Gast durchaus Minderwertiges bot. Aber ein Mitglied des Hamburger Stadttheaters, davor muß man Respekt haben. Also kam der Kritiker Anh. nach der Vorstellung auf die Bühne gekrochen, unterhielt sich respektvollst mit Dame Kobold und ließ sich von ihr erzählen, daß ihre Mitspieler die Rollen nicht ordentlich gelernt hätten. Und am folgenden Tage schrieb der Kritiker in der„Westfälischen Zeitung": ..... Leider blieb gestern abend eine größere Wirkung aus, da der übrige Apparat so lahm und schleppend funktionierte, daß Fräulein Kobold alle Mühe hatte, die Situation zu halten. Kann denn die Regie nicht dafür sorgen, daß die Herrschaften wenigstens ihre Rollen lernen? Bloße Unfähigkeit, das bemerkten wir schon am Sonnabend, würde uns milde stimmen, wenn sie aber mit einer solchen Bösartigkeit gepaart ist, so muß man dafür sorgen, daß der Besitzer dieser angenehmen Eigenschaften möglichst unschädlich gemacht wird. — Die proletarische Jugend trifft sich am Mittwoch, 7. Juli, nachmittags 3 Uhr, zu gemeinsamem Ausflug bei Ummelmann, Dornbergerstraße. 91.„„Des städtische Orchester veranstaltet am Dienstag abend 972 Uhr em Streichkonzert im Garten Hotel Kaiserhof. Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit, müssen jedoch an der Kasse umgetauscht werden. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet eine Volksvorstellung zu ermäßigten Preisen statt. Zur Aufführung gelangt zum dritten Male, Hermann Sudermanns wirksames Schauspiel„Johannisfeuer: Dienstag ist wiederum ein Premieren=Abend. Hans Neuerts Volksstück mit Gesang„Der Tiroler Franzl“ geht, aufs beste vorbereitet, zum ersten Male in Szene. Donnerstag: Literarischer Abend:„Der Teufel". " L.„„Gewerbegericht(Stadt). Spruchsitzung vom 2. Juni unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Cramer. Der Arbeiter S. klagt gegen die Firma Horstmann u. Kiebling wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 54 Mk. Die Beklagte behauptet in ihrem Betriebe bestehe eintägige Kündigungsfrist. Das sei auch dem Kläger bekannt gewesen, der bereits früher bei der Beklagten einmal in Beschäftigung stand und damals mit eintägiger Frist gegangen sei. Der Kläger bestreitet, daß ihm dies bekannt gewesen sei, er habe damals das Arbeitsverhältnis mit eintägiger Frist gelöst, weil keine Arbeit vorhanden war und er schon tagelang gefeiert hatte. Es soll in einem neuen Termin Beweis erhoben werden.— Der Fliesenleger H.klagt gegen den Steinmetzmeister Kronen berger auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 25,40 Mk. Kläger hat etwa vier Wochen bei dem Beklagten in Arbeit gestanden und dann pro Stunde 50 Pfg. Lohn gezahlt erhalten, während er 60 Pfg. als angemessen beansprucht. Der Vertreter des Beklagten behauptet, es sei zwar anfänglich über die Höhe des Lohnes nichts vereinbart worden, später jedoch sei dem Kläger gesagt, daß er 50 Pfg. Stundenlohn erhalte. Der Kläger widerspricht dieser Angabe. Wenn ihm 50 Pfg: geboten seien, dann wäre er Maurer geblieben, der doch 55 Pfg. erhalte. Zur weiteren Verhandlung wird ein neuer Termin anberaumt Außer einem Zeugen, der über die Vereinbarung aussagen soll, wird auch ein Sachverständiger geladen, der über die Angemessenheit der Forderung von 60 Pfg. Stundenlohn ein Gutachten erstatten soll. Außerdem wird das persönliche Erscheinen des Beklagten angeordnet.— Die Arbeiter K. und M. klagen gegen den Ingenieur Jünnemann auf Zahlung des rückständigen Lohnes im Betrage von 80 resp. 30 Mk. Gegen den Beklagten ist bereits einmal Versäumnisurteil erlassen, gegen das er aber Einspruch erhoben hat. Zum heutigen Termin ist er wiederum nicht erschienen, hat dem Gericht aber mitgeteilt, daß er an einem auswärtigen Amtsgericht einen Termin wahrzunehmen habe. Der Einspruch des Beklagten wird wegen seines Nichterscheinens verworfen, das Urteil ist, soweit der Arbeiter K. in Betracht kommt, rechtskräftig, dem zweiten Kläger konnte die Ladung noch nicht zugestellt werden, weil er inzwischen abgereist ist.— Der Arbeiter W. verkangt von dem Dampfkesselreiniger Peters wegen nicht rechtzeitiger Aushändigung der Papiere eine Entschädigung in Höhe von 10 Mk. Die für heute angesetzte Beweisaufnahme konnte nicht zu Ende geführt werden, da einer der geladenen Zeugen ausgeblieben war. Der Zeuge wurde in eine Strafe von 5 Mk. genommen, im übrigen wurde neuer Termin zum 9. Juli angesetzt.— Der Former H. klagt gegen die Firma Reinshagen u. Vogt auf Zahlung des Restlohnes im Betrage von 24,83 Mk. Die Beklagte will von dieser Summe nur 4,86 Mk. anerkennen, welcher Betrag irrtümlich einem andern Arbeiter gezahlt sei. Von dem Restbetrage will sie 12,32 Mk. nicht zahlen, weil Kläger eine Anzahl Nähmaschinengestelle nicht richtig gearbeitet habe und den Rest von 7,65 Mk. hat die Beklagte an zwei Mitarbeiter des Klägers gezahlt, welche mit diesem im geneinschaftlichen Akkord arbeiteten und durch die nicht volle Ausnutzung der Arbeitszeit seitens des Klägers zu kurz gekommen seien. Die Beweisaufnahme in dieser Sache war eine sehr eingehende und interessante. Während der Meister der Beklagten die Schuld für die verdorbenen Gestelle dem Kläger aufbürden will, behauptet der Kläger, die Schuld liege an den schlechten Modellen und auch daran, daß die ihm zugewiesenen Arbeiter Neulinge gewesen seien, die er habe anlernen müssen. Der Vorsitzende hält das Vorgehen der Beklagten betreffs des Betrages von 7,65 Mk. nicht für einwandfrei, es gehe doch nicht an, in dieser Weise über den Lohn eines Arbeiters zu verfügen. Er empfiehlt der Firma, diesen Betrag zu zahlen und wegen der Restsumme einen Vergleich zu schließen, da die Schuld des Klägers nicht über alle Zweifel erhaben festgestellt sei. Nach längerer Verhandlung wird ein Vergleich geschlossen, der Kläger erhält 15 Mk. gezahlt.— Die Stärkerin B. klagt gegen den Wäschereibesitzer Heidemann auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 9,70 Mk. Die Klägerin behauptet, daß sie das Arbeitsverhältnis ordnungsmäßig gekündigt habe, während der Beklagte dies bestreitet. Der Beklagte will den ihm für diese Behauptung auferlegten Eid leisten, auf Vorschlag des Vorsitzenden wird jedoch ein Vergleich dahingehend geschlossen, daß die Klägerin 4,85 Mk. erhält. Bielefeld. Ocffentl. Schuhmacherversammlung. Montag, 5. Juli, abends 8½ Uhr, bei Hannemann, Webereistraße 5. — Soz. Verein, 1. Bezirk. Dienstag, 6. Juli, abends 6½ Uhr, bei Bewekenhorn. Detmold. Soz. Verein. Mittwoch, 7. Juli, abends 8 Uhr, in der„Centralhalle". * Brackwede, 4. Juli. Gemeinderatssitzung. In der Sitzung vom 2. Juli wurde folgendes verhandelt: Vor ungefähr zwei Jahren war beschlossen worden, eine Badeanstalt mit Turnhalle zu errichten, wozu die Regierung einen Zuschuß gewähren sollte. Das Ministerium teilt jetzt mit, daß es nicht in der Lage wäre, eine größere Summe Geld zuzuweisen. Ein bürgerlicher Vertreter beantragte wegen der schlechten Finanzlage Vertagung. Genosse Ramsbrock wies darauf hin, daß es doch für einen Industrieort wie Brackwede unbedingt nötig sei, für Badegelegenheit zu sorgen, und er wünschte wenigstens die Errichtung einer Badeanstalt. Es nutzte aber alles nichts, der Vertagungsantrag wurde angenommen.— Der Zuschuß zu dem Erweiterungsbau der 4. Bürgerschule ist ebenfalls abgelehnt worden, doch will die Regierung erneut beim Minister vorstellig werden und den Zuschuß für die 4., wie für den Erweiterungsbau der 5. Bürgerschule beantragen.— Dem Antrag des Milchhändlers Schmedtmann um Auflassung von Grundflächen wurde zugestimmt.— Der Antrag des Kolon Siekermann um Auflassung von Wegeflächen soll durch Austausch entschieden werden. — Streitsache des Möller=Stifts wegen eines Freibettes. Das Kuratorium räumt der Armenverwaltung das Verfügungsrecht über ein Freibett ein.— Der Auflassung einer Parzelle an den Eisenbahnfiskus gegen Bezahlung wurde zugestimmt.— Von Verkoppelungsverfahren wie diversen Eisenbahnangelegenheiten jurde Kenntnis genommen.— Das Schulfrühstück wird in Zukunft nur noch an Ortsarmenkinder unentgeltlich verabfolgt, jedoch ist die Einrichtung getroffen, daß alle übrigen Kinder gegen Bezahlung auch ein Frühstück erhalten können.— Der Bebauungsplan für das Terrain zwischen Kaiserstraße, Holterstraße und dem Gebirge wurde genehmigt. * Windelsbleiche, 3. Juli. Windhose. Heute nachmittag gegen ¾4 Uhr wurde hier eine Windhose beobachtet. Ein Heuhaufen wurde in die Höhe gerissen und das Heu zerstreut. Weiterer Schaden ist nicht entstanden. * Niederbecksen, 4. Juli. Brandstiftung. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag wurde die Familie Stratmann hier durch Feueralarm im Schlaf gestört. Wie die Leute aus dem Hause traten, stand ihr Haus bereits in Flammen. Das Feuer wurde aber durch energisches Eingreifen der Nachbarn gelöscht. Kaum war diese Arbeit vollendet, da sah man aus dem Neubau des Schuhmachers Karl Lindemann, der noch unbewohnt war und kaum zwei Minuten von Stratmann entfernt lag, die Flammen herausschlagen. Hier konnte nichts mehr gerettet werden. Der Schaden beläuft sich ungefähr auf 1500 Mark. Der Schaden des Stratmann ist nicht bedeutend. Dem Gendarmeriewachtmeister Ballerstein gelang es heute morgen, des Täters in der Person des 24 Jahre alten Arbeiters Karl Stratmann habhaft zu werden. Der Täter ist im vollen Umfange geständig. Er gibt an, die Tat aus Rache gegen seinen Vater verübt zu haben. n. Detmold, 4. Juli. Zuzug von Tischlern fernhalten. Nachdem die Lippische Möbelfabrik vor einigen Wochen den Konkurs angemeldet hat, werden jetzt nach und nach sämtliche Arbeiter entlassen. In Frage kommen über 100 Arbeiter. Es ist deshalb notwendig, daß die umliegenden Zahlstellen des Holzarbeiterverbandes die reisenden Kollegen hierauf aufmerksam machen, da durch den Konkurs hier viele Arbeitslose, insbesondere verheiratete, vorhanden sind. * Detmold, 4. Juli. Unredlichkeiten beim Militär. Vor dem Kriegsgericht stand vor einigen Tagen ein Vizefeldwebel. Er wurde verschiedener unredlicher Handlungen gegenüber Einjährigen beschuldigt. Der Vertreter der Anklage beantragte gegen den Angeklagten 2 Monate Gefängnis und Degradation. Der Spruch des Gerichts lautete auf 4 Wochen Mittelarrest. Gegen dieses Urteil wurde von dem Vertreter der Anklage Berufung eingelegt. Nun ist der Entscheid von höherer Seite eingegangen, nach welchem das Urteil aufgehoben und die Strafsache zur nochmaligen Verhandlung zurückgewiesen ist.— Gegen eine ganze Reihe von Feldwebeln und Unteroffizieren ist ein Strafverfahren eingeleitet. * Lemgo, 4. Juli. Ein unangenehmer Nachklang zu der Ausstellung des Lippischen Handwerkerbundes, welche im vergangenen Jahre hier stattfand, ist zu berichten. Die Ausstellung schloß mit einem erklecklichen Mehr für die Handwerkerkasse. Als eine ganze Zeit verging, ohne daß eine Abrechnung ourch das Ausstellungskomitee erfolgte, wurde man mürrisch und verlangte von dem Vorsitzenden des Bundes die Abrechnung. Dieser drehte und wandte sich nun und schob die Abrechnung immer weiter hinaus. Schließlich schöpften die Mitglieder Verdacht, und richtig, der Vorsitzende Se hmachermeister Kuhlmann in Lemgo, Mitglied der Landessynode, Mitglied des Kirchenvorstandes, des Schulvorstandes pund Inhaber weiterer Ehrenämter, he te— 2400 Mark in seine Tasche gesteckt, d. h. für sich verbraucht. Er selbst war außerstande, das Geld wieder herzuschaffen. Schließlich erstattete ein Schwiegersohn in Salzuflen die Summe zurück. In der letzten Sitzung des Handwerkerbundes wurde nun Kuhlmann gezwungen, seinen Posten als Vorsitzender des lippischen Handwerkerbundes niederzulegen. * Ennigerloh, 3. Juli. Gewerkschaft„Elsa“. Zu dem Unglücksfall auf Gewerkschaft„Elsa“, über den wir in Nr. 149 unter Beckum berichteten, wird uns jetzt mitgeteilt, daß der Unfall nicht im Kesselhause, sondern im Maschinenhause passierte. Ueber eine Untersuchung des Falles wird uns jedoch noch nichts mitgeteilt.— Gelegentlich dieses Falles gehen uns Klagen über recht geringe Löhne auf dem Werke zu. Tabei sind im vorigen und auch wieder in diesem Jahre die Löhne noch gekürzt worden. Im vorigen Jahre wurden davon nur die Arbeiter betroffen, die über 40 Pfg. Stundenlohn hatten, im März d. J. mußten alle Arbeiter dran glauben. Am schwersten sind die Arbeiter geschädigt, die den Zement von den Oefen abfahren. Sie bekamen bisher 11 Pfg. für den Wagen; es wurde ihnen 1 Pfg. abgczogen, so daß sie bei 30 Wagen den Tag nur noch auf 3 Mk., statt früher 3,30 Mk., kommen. Dieser Verdienst wurde zudem nur erreicht, weil die Arbeiter ihre Pausen nicht voll einhielten. Das bedeutet einen Lohnausfall von 7,50 Mark in einem Monat und 90 Mark in einem Jahre. Daß da die Gewerkschaft immer größere Ueberschüsse abwirft, ist nach diesem nicht mehr zu verwundern. Arbeitern, die 32 Pfennige Stundenlohn hatten, werden ebenfalls nur noch 3 Mk. gezahlt usw. An den Mieten wurde den in den Häusern der Gewerkschaft wohnenden Arbeitern aber nichts nachgelassen, auch die Kohlen müssen die Arbeiter so teuer wie früher bezahlen. Auf dem Werke werden auch Frauen beschäftigt, aber es sind nur zwei Aborte vorhanden. Davon ist noch nicht einmal einer für die Frauen allein, sondern die Aborte werden von Männern und Frauen benutzt. Es läßt sich leicht denken, daß dadurch das sittliche Gefühl nicht gehoben wird. Die Aborte befinden sich zudem in sehr unsauberem Zustande. Wie leicht zu erraten ist, hat die Organisation hier erst schwachen Fuß gefaßt. Deshalb können auch die Unternehmer schalten und walten, wie es ihnen beliebt. Das würde natürlich sofort anders werden, wenn sich die Arbeiter alle gewerkschaftlich und politisch organisieren würden. Sie würden dann durch die Macht der Organisation die Unternehmer zwingen, ihnen anständige, zum Leben auskömmliche Löhne zu zahlen und auch die ganzen Arbeitsbedingungen, die auf dem Werke vorherrschen, bessern. Deshalb rufen wir den Arbeitern auf Gewerkschaft„Elsa" zu: Schließt euch alle dem Fabrikarbeiterverbande an! * Hörde, 3. Juli. Gasvergiftung. Von den Verletzten, die gestern abend von dem Unglück, das über Hörde hereingebrochen ist, betroffen wurden, befanden sich bis heute mittag noch,43 Personen in den Krankenhäusern. Ihr Befinden ist vorläufig zufriedenstellend, und man hofft, sie alle am Leben zu erhalten. Im ganzen befanden sich, soweit bis jetzt festgestellt wurde, etwa 60 Personen in ärztlicher Behandlung. Dazu kommen noch zahlreiche Passanten, die auf der Straße betäubt wurden, aber nach kurzer Zeit wieder erwachten. Der Unfall wurde entdeckt von einem Arbeiter, der kurz nach 7 Uhr zu seiner Familie zurückkehrte. Als er die Küchentür öffnete, fand er seine Frau und zwei Kinder bewußtlos am Boden liegen. Er eilte erschreckt zu einer ihm bekannten Schuhmachersfamilie, die in demselben Hause wohnt. Aber auch dort lag die Frau mit ihren drei Kindern bewußtlos in der Nähe des Herdes. Er stürzte dann auf die Straße und bat einige Passanten um Hilfe. Man schaffte mit vereinten Kräften die scheinbar Leblosen ins Freie, wo sie sich rasch erholten. Inzwischen spielten sich in den benachbarten Häusern ähnliche Szenen ab. Die Erregung steigerte sich von Minute zu Minute, und die kurzen, schrillen Signaltöne des„Phönixwerkes" verkündeten, daß schwere Gefahr im Verzuge sei. Es wurden sofort die nötigen Maßregeln ergriffen. Polizisten und Feuerwehrleute arbeiteten mit übermenschlicher Kraft. Sie drangen in die einzelnen Häuser ein und holten die Betäubten auf die Straße, die bald einem riesigen Feldlazarett glich. Aerzte und Samariter hantierten mit Sauerstoffapparaten und sorgten für den Transport der Kranken in die beiden hiesigen Krankenhäuser. Die Schreckensszenen, die sich an der Unglücksstätte abspielten, spotten jeder Beschreibung und manchem der Passanten, die mit großer Aufopferung Hilfe leisteten, liefen die Tränen über die Wangen herab. Hier lagen drei kleine Kinder wie leblos auf der Straße, kaum bekleidet, in tiefer Ohnmacht. Dort lag eine Frau, die ihr Kind fest umklammert hielt, am Kriegerdenkmal schlummerten zwei Schulmädchen, von denen das ältere noch den Suppenlöffel in der Hand hatte. Erschütternd war der Anblick eines jungen Mannes, der mit verstörter Miene auf einem Karren seine zwei kleinen Brüder, aus denen das Leben bereits entflohen schien, ins Krankenhaus transportierte. Es währte fast zwei Stunden, ehe alle Verletzten in Sicherheit gebracht waren. Wen die Schuld an dem Unfall trifft, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden. Erwiesen ist jedoch, daß das Ventil des Gasrohrs, das einen Durchmesser von 1,3 Metern hat, undicht gewelen Ist. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. 10 Prozent Rabatt auf nicht annoncierte Damen-Konfektion gewähren wir während dieses ExtraVerkaufs. Einer gefl. Beachtung empfehlen wir unsere morgen erscheinende = Haupt Annonce. Sommertheater. (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute 8½ Uhr: Zum dritten Male: Zu ermäßigten Preisen. Johannisfeuer. Schauspiel i. 4 Akten v. H. Sudermann. Dienstag, den 6. Juli, Anfang 8½2 Uhr: Novität! Zum 1. Male! Der Tiroler Volksstück mit Gesang — in 4 Aufzügen von H. Neuert.— Dienstag, den 6. Juli, abends 8½2 Uhr:[3682 Großes Streich=Konzert im Garten„Hotel Kaiserhof“. Vorverkaufskarten haben hierzu Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfennig. ## Visiten-Karten 2amp; liefert Buchdruckerei„Volkswacht“. seit Bestehen unserer Firma veranstalten wir von Dienstag nachmittag 3 Uhr an. * Fast unser ganzes Damen-Konfektionslager— im Verkaufswerte von ca. 70000 Mark— soll zur Räumung gelangen, und haben wir deshalb nicht allein zurückgesetzte Piecen, sondern auch Neuheiten dieser Saison im Preise ermässigt. Eine gleich günstige Gelegenheit zur Beschaffung preiswerter und billiger Reisetoilette dürfte sich so bald nicht wieder bieten. S• PHEI gen6 Grosser Fang in Schollen! Lebchufristhe Sthöhen ca. 1—3pfündige Fische Nordage Fernspr. 473. Sind Sie ergrimmt? über die schlechte Beschaffenheit Ihres Rades, so fahren Sie fortan die gedliegene darkte Hauptvertreter: C. Brakemeier Rohrteichstr. 72. Teleph. 874. 3564 aPfd. furPIg. Deutsche Dampifischerei-Gesellschaft„Nordsee“, 3684 Fernsprecher 473 Bielefeld Niedernstrasse 12. Kleine Unzeigen=Sar. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in dac Worte mit mehr ais 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. B. A.C! Verwaltung Bielefeld und Umgegend. Da die Zahl der Arbeitslosen sich erheblich verringert hat, werden die Kontrollstellen bei Oertmann, Sieker 271, Budde, Sieker 198, und Filges, Gut Sudbrack 70, hierdurch aufgehoben. Die Kontrolle der Arbeitslosen dieser Bezirke findet wieder jeden Tag, vormittags von 10—12 Uhr, auf dem Bureau statt. Die Ortsverwaltung. 3681 Herford. Herford. Am Dienstag, den 6. Juli 1909, abends 7 Uhr, im Lokale des Herrn Liedtke, Lindenhof: sien Versummia Tages=Ordnung: Die Bedeutung der Konsum=Vereine für die minderbemittelten Bevölkerungsschichten. — Referent: Verbandssekretär Ferd. Vieth, Hamburg.— Konsum-Verein Herford u. Umgegend, E. G. m. b. H. 3676 Der Vorstand. Stellung und Rat erhalten Mädchen u. Frauen jeden Berufs kostenlos durch die Weibl. Abteilung des Haupt-Arbeitsnachweisen, Bielefeld, Zimmerstraße 10, Zimmer 5. Die nächste Nummer des Simplicissimus erscheint als Spezialnummer unter dem Titel Bestellungen nimmt schon jetzt die Buchhandlung der Holkömacht“ entgegen. Plätterinnen neuer Oberhemden für dauernde Beschäftigung nach Köln gesucht. Meldungen bei Anna Müller, Arndtstraße 45.(3654 HSratulationskarten für alle Gelegenheiten P stets größte Auswahl Buchhandlung„Volkswacht“. Todes-Anzeige. Am 3. d. Mts. starb plötzlich infolge eines Schlaganfalles unsere liede Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante, die Witwe Lisette Tiemann geb. Papenbrok im Alter von 47 Jahren, welches mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt anzeigen[3683* Die trauernden Kinder nebst Geschwister. Die Beerdigung findet am Dienstag, nachmittags 3½ Uhr, vom Klösterchen, Bürgerweg, aus statt. Vorfeier daselbst 3 Uhr. Danksagung. 3680 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Kranz= und Blumenspendeu bei der Beerdigung unseres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie seinen Mitarbeitern, dem V. d. D. B. und dem Verein Helau unseren innigsten Dank. Familie H. Toppmann und Braut. S Senlag.= Nr. 152. Bielefeld, Sonnabend, 3. Juli 1909. 20. Jahrg. Bericht über die Gewerbeaufsicht in Lippe im Jahlt 1908. Der Bericht des Gewerberats über das Jahr 1908 ist dem Lippischen Landtage zugegangen. Es handelt sich um das letzte Jahr der Zeit, wo der lippische Staat mit seiner Gewerbeaufsicht beim großen Nachbar Preußen unterschlüpfen konnte: die Regierung hat im Anfang dieses Jahres dem Landtage mitgeteilt, daß es nicht gelungen sei. Lippe weiter an einen preußischen Aufsichtskreis zu gliedern, weil die preußische Regierung ihre Beamten für sich behalten will. Man hat sich inzwischen durch einen preußischen Assessor geholfen, der also auf diesem Gebiete in Lippe seine Sporen verdienen wollte; aber da das nichts halbes und nichts ganzes war, so ist man schließlich auf einen pensionierten preußischen Gewerberat gekommen, der also in Preußen nichts rechtes mehr leisten kann, von dem man aber anzunehmen scheint; daß er für Lippe noch genüge. Auch etwas von den„Vorteilen“ der Kleinstaaterei! Der vorliegende Bericht ist von dem Gewerberat Müller verfaßt, der auch den über das Jahr 1907 erstatter hat(in der „Volkswacht" besprochen am 25. und 26. Juli 1908). Wir können hier nur das wesentliche hervorheben. In der Stellung der Gewerbeaufsichtsbeamten zu den Unternehmern und Arbeitern hat sich nichts gedert, abgesehen davon, daß sich die Anträge der Fabrikbesitzer, ihre Betriebe so oft wie möglich zu revidieren, wieder gemehrt haben. Diese Anträge entspringen aber vielfach der Meinung, daß durch die Revision der Betriebe und durch die Befolgung der Ratschläge die Verantwortlichkeit der Unternehmer, dem Gesetze gegenüber, beseitigt würde. Von allen Fabriken und den diesen gleichgestellten Anlagen wurden 64.2 Prozent mit 90,8 Prozent aller Arbeiter revidiert, von den Fabriken, die erwachsene Arbeiterinnen beschäftigen, 71,7 Prozent mit 92.9 Prozent der Arbeiterinnen und von den Fabriken mit jugendlichen Arbeitern 76,6 Prozent mit 89,9 Prozent der jugendlichen Arbeiter. In dem Abschnitte über jugendliche Arbeiter wird gesagt, daß sich die Zahl der Betriebe, worin jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, von 163 auf 186 vermehrt hat. Jedoch ist die Gesamtzahl der jugendlichen Arbeiter fast dieselbe wie im Vorjahre geblieben. Die kleinen Betriebe, die motorische Kraft zu Hilfe nehmen, um konkurrenzfähig zu bleiben, haben sich vermehrt, und es scheint, als ob die jugendlichen Arbeiter in diesen kleineren Betrieben hauptsächlich unterzukommen suchten. In 40 Betrieben wurden Verstöße gegen die gesetzlichen Bestimmungen festgestellt, wobei es sich aber zum größten Teil darum gehandelt hat, daß die Arbeitsbücher nicht vorhanden waren. Der Bericht bemerkt auch, daß diese Einrichtung von den„Arbeitgebern“ wie„Arbeitnehmern“ als eine„lästige Einrichtung“ angesehen würde. Sehr oft soll es vorkommen,„daß minderjährige Personen, um ihren häufigen Arbeitswechsel zu verdecken, die ihnen ausgestellten Arbeitsbücher vernichten und als verloren angeben und sich für 50 Pfg. ein neues Arbeitsbuch ausstellen lassen".„Ein Fortfall der Arbeitsbücher würde im allgemeinen weder von den Gewerbetreibenden noch von den Arbeitern kaum bedauert werden.“ Daraus geht eben wieder hervor, daß die Arbeitsbücher ein ganz unnötiger Ballast sind, den man ohne jeden guten Zweck herumschleppt. Kleinere Unternehmer haben sich vielfach nicht gescheut, bei zeitweilig eiliger Arbeit die jugendlichen Arbeiter in ungesetzlicher Weise auszubeuten, was in 11 Fällen zu einer Bestrafung geführt hat, die aber in den bekannten engen Grenzen blieb. In verschiedenen Betrieben wurden jugendliche Arbeiter an gefährlichen Arbeitsmaschinen beschäftigt. Mehrere Gewerbetreibende aber haben es abgelehnt, jugendliche Arbeiter zu beschäftigen, weil es ihnen zu lästig„war, die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten— „was,“ so heißt es im Bericht,„nicht zu bedauern ist, wenn dadurch die Eltern bewogen werden, ihre Söhne zur Erlangung einer guten handwerksmäßigen Ausbildung bei einem tüchtigen Handwerksmeister in die Lehre zu geben“. Daß die jungen Leute dabei meistens vom Regen in die Traufe kommen, weiß der Berichterstatter natürlich auch, und er hat gleich daneben über einen Fall zu berichten, wo ein ehrsamer Tischlermeister sich nur der Anfertigung von Massenartikeln widmete, trotzdem sich aber nicht scheute, drei Lehrlinge„handwerksmäßig auszubilden“. Die gewerbliche Beschäftigung schulpflichtiger Kinder hat erheblich abgenommen, was zurückzuführen ist auf die von den Schöffengerichten erkannten Strafen. In 77 Fällen wurden die Angeklagten verurteilt: die höchste Strafe war 30 Mark. Nach den Berichten der Zeitungen scheinen in diesem Jahre noch mehr Strafen verhängt zu sein oder zu werden, denn in den letzten Wochen hat man sehr viel davon gelesen. Der Bericht rügt eine„wenig erfreuliche Erscheinugg, Die Aussagen der Kinder widersprechen sich oft; und der Aufsichtsbeamte meint, man könne sich des Verdachts nicht erwehren, „daß hier andere Einflüsse, etwa Einwirkung der Arbeitgeber öder vielleicht gar der Eltern im Spiele waren, durch welche die Kinder veranlaßt wurden, ihre erstmaligen Aussagen zu widerrufen.“ Es ist richtig, daß, wie es weiter heißt, diese Leute, die die Kinder zum Lügen anhalten, eine große moralische Schuld auf sich laden; aber es ist nicht weniger wahr, daß die moralische Schuld noch viel größer da ist, wo eine gedankenlose politische Richtung sich dem Streben der Arbeiterklasse nach oben entgegenstemmt. Erst wenn die Arbeiter nicht mehr gezwungen sind. ihre Kinder mehr oder weniger mit orbeiten zu lassen, wird es mit der Lüge, die den Unternehmer herausreißen soll, vorbei sein. Erwachsene Arbeiterinnen sind 1908 etwas weniger beschäftigt geweien als 1907, wenn sich auch die der Betriebe, in denen Arbeiterinnen tätig sind, vermehrt hat. Im besonderen weisen die Möbelfabriken, die Nahrungsmittelindustrie und die polygraphischen Gewerbe eine geringere Zahl von Arbeiterinnen auf. 7 Unternehmer sind bestraft worden. Die Inhaberin eines Putzgeschäfts hatte während der Saison zwei Arbeiterinnen wiederholt 14 bis 15 Stunden lang täglich beschäftigt, wofür sie aber nur 5 Mark Gelostrafe zu blechen gehabt hat. Auch im Jahre 1907 waren gerade in den Putzgeschäften krasse Mißstände zu verzeichnen, so daß hier eine genaue Revision mehr als an anderen Stellen vonnöten ist. Daß auch in Lippe der wirtschaftliche Niedergang zu spüren gewesen ist, beweist die Bemerkung, daß die von den Behörden zu bewilligenden Ueberstunden nur den dritten Teil der des Vorjahres ausgemacht haben. In dem Abschnitte über die Arbeiter im allgemeinen heißt es, daß die Zahl der revisionspflichtigen Betriebe um 36 zugenommen hat. Die Zahl der erwachsenen Arbeiter ist von 4049 auf 4553, und die Gesamtzahl der Arbeiter aller Art von 6227 auf 6643 gestiegen. Auffallend war die Vermehrung der Arbeiter in der Holzindustrie, worin vielfach handwerksmäßige Betriebe zur Verwendung motorischer Kraft und zur Herstellung von Massenartikeln übergingen. Bei diesen Umwandlungen sind freilich nicht wenige Unternehmer arg in die Klemme geraten, weil sie sich die Konkurrenz mit den „Großen“ ihres Faches zu leicht vorgestellt hatten. Die Arbeitszeit war in vielen Betrieben erheblich eingeschränkt, besonders in den größeren Möbelfabriken, die Feierschichten eingelegt oder die tägliche Arbeitszeit gekürzt haben. Als ein interessanter Fabrikpascha erwies sich ein Herr, der es ablehnte, bei der Verwendung der von den Arbeitern erhobenen Strafgelder außer sich noch wen mitsprechen zu lassen. Der Bericht spricht hier von einem„an und für sich nicht unbilligen Gesuche" der Arbeiter. An drei Stellen waren Streiks zu verzeichnen:„Bei einem von diesen handelte es sich um die Arbeitsniederlegung von 31 Stellmachern und Schmieden in acht Wagenbaubetrieben, sie erreichten eine Lohnaufbesserung, die Festsetzung eines Minimallohns und eine Verkürzung der Arbeitszeit. Der zweite Streik betraf eine Möbelfabrik, in welcher die Tischler die Arbeit niederlegten, weil infolge von Arbeitsmanger auch ältere verheiratete Leute entgegen dem Wunsche der Arbeiterschaft entlassen worden waren. Der Ausstand verlief ergebnislos, da der Betriebsinhaber sich nicht darauf einließ, die Kündigung der ihm wohl zum Teil mißliebigen Arbeiter zurückzunehmen. Der dritte Ausstand, der etwa ¼ Jahr dauerte, fand in einer Zigarrenfabrik statt, woselbst von 115 Arbeitern 36 Zigarrenmacher zwecks Erreichung besserer Arbeitsbedingungen, die ihnen schließlich zugestanden wurden. die Weiterarbeit niederlegten. An dem letzterwähnten Ausstande beteiligten sich auch 4 Lehrlinge, die nun das versäumte Vierteljahr ihrer Lehrzeit nachholen müssen.“ Diese warnende Stimme des Herrn Gewerberats wird wohl keinen jungen Arbeiter abhalten, wenn es nötig ist wieder an die Seite der erwachsenen Kollegen zu treten und den Kampf durchfechten zu helfen, aber sie ist bezeichnend für die Lage der Dinge. Bei den Ausständen haben die Unternehmer(zum Teil wenigstens) den verbissenen Willen gehabt, kein Zugeständnis zu machen, was durch verschiedene Aussprüche bekräftigt worden ist. Aber sie haben sich doch gefügt, als sie sahen, daß sich die Arbeiter nicht schon in den ersten Tagen windelweich zeigten. Die Zahl der Unfälle ist wieder gestiegen, von 200 auf 221, wovon 75 in Betrieben vorkamen, die nicht der Gewerbeaussicht unterstehen. Ganz erschreckend ist die Steigerung in der Holzberufsgenossenschaft: 1907 24, 1908 47! Die anderen Berufsgenossenschaften sind mit 11. 9, 8, 7 usw. Fällen beteiligt. Drei Unfälle endeten mit dem Tode des Verletzten. Erwähnenswert sind die Folgen des einen davon: In einer Möbelfabrik flog einem an der Kreissäge beschäftigten Arbeiter ein Stück Holz an den Leib, wodurch schwere innere Verletzungen entstanden, die tödlich wirkten.„Dieser Unfall“, so sagt der Bericht wörtlich,„veranlaßte die Gewerbeaussichtsbeamten, an alle Betriebe, wo Kreissägen zum Längsschneiden kurzer Hölzer benutzt werden, die Forderung zu stellen, daß die an diesen Arbeitsmaschinen beschäftigten Arbeiter mit einem gepolsterten Lederschurz ausgerüstet werden Leider fand diese Maßnahme weder bei den betreffenden Arbeitgebern, noch bei Arbeitern das richtige Verständnis. Als in der Anlage, woselbst sich der tödliche Unfall ereignet hatte, einige Monate später wiederum eine Revision vorgenommen wurde, hing der beschaffte Schurz zwar neben der Kreissäge an der Wand. aber nach Angabe des Betriebsinhabers nur als Schaustück, weil die Arbeiter nicht zu bewegen seien, den Schurz zu benutzen, da er ihnen beim Bücken unbequem sei.“ Diesen wenigen Angaben über den besonderen Fall der Aufsichtsbeamte die Bemerkung folgen, daf „leider noch häufig die Beobachtung gemacht werden muß, das die Arbeiter selbst aus den ihren Mitarbeitern# ihren Augen zugestoßenen Unfällen nicht für sich die Lehre zur bestimmungsgemaßen Benutzung der Schutzvorrichtungen ziehen.“ Man kennt diese Weise, aber man weiß auch, daß sie armselig ist. Denn die Arbeiter gehen natürlich nicht aus bloßer Bequemlichkeit darauf aus, ihre Gesundheit der Gefahr auszusetzen, sondern wo sie von der Akkordarbeit nicht getrieben und von einem„Aufseher" oder dergleichen nicht belästigt werden, wo die Arbeit zu keinem öden Mechanismus, der erschlaffend wirkt, geworden ist, überhaupt da, wo es umgekehrt wie in der Regel von heute zugeht, da wird keiner über nachlässige Anwendung der schützenden Vorrichtungen zu klagen haben. Daß auch nirgends die Herren Gewerberäte etwas tiefer blicken oder— wenn sie es schon hier und da getan haben(denn es gibt doch wohl auch nachdenkende Geister darunter)—, nirgends den Mut finden, den im kapitalistischen Tanze von vornherein und allemal fragwürdigen Wert der Schutzmittelchen mehr oder weniger philosophisch abzuhandeln! In einer Papierfabrik holte sich ein 16jähriger Junge den Tod, als er unter eine Papiermaschine gekrochen war, die im Gange war. Dieser Unfall hat dahin geführt, daß dem Betriebsinhaber verboten worden ist, Personen unter 18 Jahren zum Schmieren und Putzen von im Gange befindlichen Maschinen usw. zu verwenden. Ebenso leicht wie junge Leute können aber auch erwachsene dabei verunglücken, denn was den jungen Menschen an Vorsicht abgehen mag, das lassen besonders ältere Arbeiter in der„Fixigkeit“ fehlen. So etwas müßte deshalb ganz verboten werden. Die Unfälle an Holzbearbeitungsmaschinen ereigneten sich zum größten Teile an Abrichthobelmaschinen und Kreissägen, und daß es meist leichte Verletzungen gewesen sind, wird darauf zurückgeführt, daß jetzt fast alle Betriebe die runden Messerwellen eingeführt haben. Unter den schweren Unfällen sind drei, wobei die betroffenen Arbeiter ein Auge verloren. Daß in den Steinbrüchen keine schweren Unfälle vorgekommen sind, ist nicht der Achtsamkeit der Betriebsleiter zu danken, sondern dem reinen Glück, da der Bericht ausführt, daß„mehrfach“ wegen Unterhöhlungen usw. verwarnt worden ist. Bei den Revisionen soll sich dann gezeigt haben,„daß den Anforderungen der Gesundheitspflege bei Einrichtung der Arbeitsräume im allgemeinen immer mehr Aufmerksamkeit zugewendet wird".„Wenn die Anlage von Staub= und Späneabsaugungseinrichtungen in den Möbelfabriken zum Teil auch nur unter Zuhilfenahme von Zwangsmaßregeln durchgeführt werden konnte, so sehen die Betriebsunternehmer doch später in allen Fällen die Vorteile dieser Einrichtungen ein und waren dann meistens stolz auf das geschehene.“ Na also! Daran sieht man wieder, daß es oft nur die reine Bequemlichkeit der Unternehmer ist, etwas ordentliches für die Gesundheit der Arbeiter zu tun. Wenn dann aber der Bericht bemerkt, daß„wie der Augenschein lehrt“, sich die Ziegeleibesitzer mit Recht beklagten über den— Mangel an Reinlichkeits- und OrdnungsKinder, mit dem einzigen Unterschied, daß sich die Frau nicht mehr bei ihm dafür bedankte. Wenn sie aber nach Kalifornien kam, hatte sie sich vorgenommen, daß ihr Mann ihm„eine gute Stelle sagen solle“; das versprach sie auch dem Assessor aus freien Stücken, und der gutmütige einfache Mann hatte eine aufrichtige Freude darüber Kalifornien kam ihm jetzt nicht mehr so fremd und öde vor; er sollte ja einen Freund dort finden, der ihn mit seinem Rat und seiner Erfahrung unterstützen würde. Mit diesen Gefühlen schaute er, das jüngste Kind der Frau Siebert auf dem Arm, nach dem auftauchenden Land hinüber und zeigte dem kleinen dreijährigen Burschen die Berge,„hinter denen sein Vater wohnte“. „Die Frau ist versorgt,“ sagte jetzt Herr Hufner, aber mit etwas unterdrückter Stimme, zu dem Apotheker,„der Mann hat ein Heidenglück gehabt.“ „Wer?— der Assessor?" „Bst, sprechen Sie nicht so laut. nein, ich meine jener Siebert. Ich weiß nicht, wie viel tausend Dollar der und seine Kameraden im ganzen förmlich aus der Erde geschaufelt haben. Der Stellen gibt es aber noch mehr, und die Matrosen haben da ein vortreffliches Sprichwort: Es sind noch so gute Fische im Meer, wie je herausgekommen.“ „Ja,“ sagte Ohlers,„und: was deines Amtes nicht ist, da laß deinen Vorwitz, oder: Schuster bleib bei deinen Leisten.“ „Wie so?“ frug Herr Hufner verwundert. „Nun, ich meine nur,“ erwiderte Ohlers trocken.„Die aber, denk' ich, die sich das als ein so großes Vergnügen vorstellen, eine Schaufel als Spazierstock und eine Spitzhacke statt Regenschirm zu tragen, werden am Ende doch wohl finden, daß sie sich eine verwünscht unbequeme Unterhaltung ausgesucht haben. Nun, der Geschmack ist verschieden. Aber, wenn ich nicht irre, kommt da unser verrückter„Amerikaner“ angeschlichen. Bin auch neugierig, was der eigentlich in Kalifornien verloren hat, und was er dort mit seiner Frau anfangen will.“ Der Passagier, von dem er sprach, war ein noch junger, schlanker und blasser Mann, ein geborener Amerikaner, der auf dem Schiff seines scheuen, abgeschlossenen Wesens wegen, kurzweg den Beinamen des„Verrückten“ erhalten hatte. Er war erst in Valparaiso mit einer jungen, höchst liebenswürdigen Frau an Bord gekommen, da ein paar Kajüts=Passagiere das Schiff verlassen hatten, und konnte tagelang auf dem Quarterdeck sitzen, ohne ein Wort mit irgend jemandem zu sprechen. Nur auf das Meer starrte er dann hinaus. der Richtung zu, in der er Kalifornien wußte, und die Zwischendecks-Vassagiere meinten dabei, er suche nur einen Platz unten im Wasser aus, wo er nächstens einmal bequem hineinspringen könne. Die ersten Toge war er allerdings, und zwar ununterbrochen, auf dem Schiff umhergegangen, die verschiedenen Passagiere zu mustern. Er sah sie dann einzeln, wie sie an ihm vorüber oder ihrer Beschäftigung nachgingen, starr und aufmerksam an, sprach aber mit keinem, und es schien ordentlich, Gold. Roman aus den Goldfeldern Kaliforniens von Friedrich Gerstäcker. Der Mann jener Frau, eigentlich ein etwas leichtes Subjelt, wenigstens in früherer Zeit, war nach Amerika gegangen, sein Glück zu versuchen, und hatte Frau und Kinder in Deutschland zurückgelassen. Er ließ auch jahrelang nichts von sich hören bis plötzlich ein Brief von ihm kam, der die unglaublichste Botschaft enthielt. Siebert war nämlich, mit noch vielen anderen Deutschen, in damaliger Zeit unter jenem Trupp von Freiwilligen gewesen, den die Vereinigten Staaten nach Kalifornien schickten, um von dem Land Besitz zu ergreifen. Diese Leute, meist Abenteurer, die auf keine andere Weise ihr Leben hatten fristen können, hielten auch im Anfang vortrefflich aus und gingen nicht aus dem Bereich ihrer Rationen. Kaum aber drang die Kunde der neuentdeckten Goldminen zu ihnen, als sie fast alle desertierten und sich nun in den Bergen zerstreuten, um nach Gold zu graben. Eigentümlicherweise sielen diese. Leute gleich im Anfang auf die reichsten Stellen, und manche von ihnen gruben allerdings in wenigen Tagen den Goldwert von Tausenden von Dollars aus den Bergschluchten. Zu diesen gehörte auch Siebert, und wenn auch leichtsinnig, doch von gutem Herzen, schrieb er augenblicklich nach Hause, seine verlassene Familie zu sich zu rufen. Die Beschreibung der kalifornischen Schätze, die er dem Briefe beifügte, lief sogleich mit Blitzesschnelle durch die ganze Nachbarschaft und verleitete manchen, die eigene Heimat zu verlassen und sich gleichfalls mit so leichter Mühe Schätze zu erwerben. Niemand aber war glücklicher als die Frau Siebert, die von Haus zu Haus zu ihrer Bekanntschaft lief, den Glücksbrief ihres Mannes vorzuzeigen. Wie sie dabei beneidet wurde, läßt sich denken, aber sie verlor auch keine Zeit, sich und die Kinder zu ihrer Reise zu rüsten. Das Geld zur Ueberfahrt hatte ihr der Mann auf Hamburg angewiesen, und das erste Schiff, das von dort nach San Francisco bestimmt in See ging, nahm sie und die Kinder an Bord. Unterwegs war die Frau übrigens, in so ärmlichen Verhältnissen sie bis jetzt gelebt haben mochte, mit einer eigenen Art von Ehrfurcht betrachtet worden. Ging sie doch in Kalifornien keineswegs einer ungewissen Zukunft entgegen, und gehörte ja ihr Mann selber mit zu den wenigen Glücklichen, die im ersten Anfang Gelegenheit gehabt, die Schätze jenes wunderbaren Landes auszubeuten. Ihr Mann wußte dabei gewiß die besten und reichsten Stellen in den Bergen, und hätte ihnen treffliche Anleitung geben können— wenn er eben wollte. Jedelmann behandelte deshalb die Frau höchst achtungsvoll und tat isse alles mögliche zu Gefallen, vielleicht daß sie doch ein gut Wort für sie einlegen konnte. Dieses ehrfurchtsvolle Betragen der Leute an Bord gegen sie verwöhnte sie aber. So schüchtern sie an Bord gegangen war, so zuversichtlich wurde sie nach und nach. Der„Assessor“ Möhler war gerade das Gegenteil von ihr, und zwar ein Mann schon im reifsten Mannesalter, ein angehender Fünfziger. Er selber sprach allerdings nie über seine früheren Verhältnisse. Einzelne an Bord schienen ihn aber früher gekannt zu haben, und so erfuhren denn die anderen auch sehr bald, daß er wenn auch nicht in glänzenden, doch ganz angenehmen, jedenfalls gesicherten Verhältnissen in Deutschland gelevt hatte, und eigentlich nur durch seine verheirateten Töchter nach Kalifornien geschickt war. Während er früher alles, was in seinen Kräften stand, und eigentlich noch mehr, für seine Kinder getan hatte, ermübeten diese seine kleinen, sehr unschuldigen Eigenheiten. Zum Reisen hatte er überdies stets Lust gezeigt; und man wußte ihn auf geschickte Art halb zu überreden, halb zu zwingen, daß er noch in seinem Alter„sein Glück“ in dem fremden und fabelhaften Goldlande versuche. Der Assessor ging allerdings, aber wenn er auch nicht darüber sprach, fühlte er doch, wie er eigentlich behandelt worden und daß er seinen eigenen Kindern im Wege gewesen wäre und das gob seinem ganzen Wesen etwas Gedrücktes, Schmerzliches. Seine angeborene Gutmutigkeit ließ es jedoch keinem anderen entgelten, wie nur sich selber. Gegen sämtliche Mitpassagiere war und blieb er. trotz mancher heimlichen und offenen Neckerei, die Gefälligkeit selber, und half, wo er nur irgend konnte. Schon in Deutschland hatte er sich dabei sehr gern mit kleinen Kindern beschäftigt. Die einzigen jedoch, die er an Bord vorfand, gehörten der Frau Siebert, und die kleinen Wesen merkten gar bald, wie sie mit ihm standen. Wo er sich aufhielt, hingen sie sich an ihn, und er wurde auch wirklich nicht müde, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie nach Umständen selbst zu warten und reinlich zu halten. Zugleich wußte er eine Menge Spielereien für sie anzufertigen, malte ihnen Bilder und schnitt ihnen Figuren und Häuser aus Papier, und war mit einem Wort das Faktotum der drei Kleinen an Bord. Die Frau harte das im Anfang mit großem und aufrichtigem Dank angenommen, und es sich sogar nicht nehmen lassen, dem Assessor. für so manchen ihr erwiesenen Dienst, wenigstens die Wäsche instand zu halten. Schon von Rio ab fand sie aber, daß der Mann nur wenig mehr tat als die übrigen, wenn auch auf andere und nützliche Art. Alle übrigen Passagiere wuschen sich dabei die Wäsche selber, warum konnte es der Assessor nicht ebenfalls tun? Und als er sich endlich den Kübel selber vorholte, seine Hemden einweichte und dann die eigenen Aermel zu der etwas ungewohnten Arbeit aufstreifte, machte sie sich an einem anderen Teil des Decks etwas zu schaffen und ließ es ruhig geschehen. Von da ab blieb der Assessor allerdings seine eigene Waschfrau, trotzdem aber auch derselbe Freund und Beschützer der nun der Arbeiter, so ist das wieder eine oberflächliche Rederei, wie sie sich vielfach in den Berichten der Gewerbeaufsichtsbeamten finden. Es ist doch schlechterdings von Arbeitern, die Tag über 12 bis 13 Stunden lang die schwerste körperliche Arbeit getan haben, nicht zu verlangen, daß sie noch besonderen „Sinn für Reinlichkeit und Ordnung bekunden sollen. Mit dem nötigsten hört es da auf. und wenn das ein preußischer Gewerbeinspektor nicht verstehen kann, dann ist er eben mit ncht mehr Einsicht und Denkkraft begabt, als er zur Not haben muß um in Preußen gewerdliche Verhältnisse zu„beurteilen“. Statt einen Mangel bei den Arbeitern festzustellen, hätte in diesem Falle der Gewerbeinspektor besser daran getan, die Ziegeleibesitzer darüber aufzuklären, wie es kommt, daß die Arbeiter so wenig Reinlichkeits- und Ordnungssinn zeigen, hätte er den Besitzern sagen müssen, daß die unmenschliche Arbeitszeit von 12 bis 13 Stunden nicht nur jenen schönen Sinn, sondern noch viel mehr in den Arbeitern erstickt. Es scheinen sich bei den lippischen Ziegeleiunternehmern überhaupt nette Menschenfreunde aufzuhalten: auf zwei Ziegeleien fehlte ein Abort, und als der Beamte verlangte, daß dieser Zustand beseitigt würde, tat ein Betriebsinhaber noch sehr verwundert und meinte, sowas sei in kleinen Betrieben weder üblich noch notwendig. Der Mann ist offenbar ein Naturschwärmer, er knöpft sich seine Hosen gewiß auch lieber im Freien als daheim in seiner stillen Klause los, und einen solchen Kauz darf man nicht stören, wenn seine Praxis auch nicht allgemein empfohlen werden kann. In den Zigarrenfabriken fehlt es an Wascheinrichtungen.„Einer der größten Zigarrenfabrikanten erklärte dem Gewerbeaussichtsbeamten, daß er sich nicht zur Lieferung von Seife verstehen wolle, da die nach dem Waschen mit Seife noch an den Händen der Arbeiter haftenden Seitenteilchen den Geschmack der Zigarren beeinträchtigen könnten.“ Erst nach der Androhung von Strafe wurde das anders. Ueber die„wirtschaftlichen und sittlichen Zustände der Arbeiterbevölkerung“, weiß der Bericht nichts besonderes zu sagen. Im allgemeinen sollen die Löhne nicht herabgesetzt worden sein, aber es wird zugegeben, daß viele Arbeiter mit ihren Familien unter Arbeitslosigkeit, Feierschichten und Verkürzung dei Arbeitszeit zu leiden gehabt haben. Dazu wird noch bemerk::„Im allgemeinen treten die wirtschaftlichen Folgen derartiger Krisen für die hiesigen Arbeiter deshalb nicht so schwer auf, wie in vielen anderen Gegenden, weil die meisten Arveiter in der glücklichen Lage sind, ein kleines Besitztum oder wenigstens eine in besseren Zeiten erübrigte Geldsumme auf der Sparkasse zu haben. Diejeniger. Arbeiter jedoch, welche Wohfür die meisten Lebensmittel keine Verminderung erfahren haben.“ Mit diesen Sätzen gibt der Berichterstatter zu. daß auch die Arbeiter in Lippe ein böses Jahr durchgemacht haben. Daß die Krise hier nicht so wirkte, wie in manchen anderen Gegenden, liegt auch daran, daß Lippe noch wenig Industrie hat, womit eben dem Niedergange gewisse Grenzen gesetzt sind. Wenn sich übrigens die„glücklichere Lage“ lippischer Arbeiter darauf beschrankt, daß sie ein„kleines Besitztum“ haben, so weiß andererseits jeder, der mit den Verhältnissen etwas vertraut ist, wie das fragwürdige Glück erworben wird: unter Not und Entbehrungen, indem er es sich und den Seinen am Munde abspart, sucht allerdings mancher Arbeiter ein paar hundert Mark auf der Sparkasse zu sammeln. Der Erfolg ist dann ja auch danach! Diese Arbeiter sind in vielen Fällen am schwersten vorwärts zu bringen, wenn es sich um den wirtschaftlichen Kampf handelt; sie fallen am leichtesten den organisierten Kollegen in den Rücken, und an ihnen hat der Unternehmer oft eine ungemischte Freude. Statt in der freien Gewerkschaft, im Bunde ihresgleichen einen Rückhalt zu suchen, klammern sie sich ängstlich an wenige Sparpfennige und bilden so ein tröstendes Objekt für Unternehmer und preußische Gewerberäte, die in ihnen wohl gar ein Urbild stillen Glückes bewundern. Zum Leben zu wenig, zum Sterben genug! Der Bericht schließt wieder, wie im vorigen Jahre, mit dem Hinweise auf eine der bekannten„Wohlfahrtseinrich= tungen“ und zwar ist es diesmal die Weberei von Karl Weber& Co. in Oerlinghausen, die da glänzt. Ohne das geht's nun einmal nicht. Im ganzen weichen die Feststellungen und Angaben des vorliegenden Berichts nicht wesentlich von den früheren ab. Die erhebliche Steigerung der Unfälle beweist wieder, daß es in den Betrieben trotz der Gewerbeaufsicht an allen Ecken und Enden fehlt, und es fragt sich, ob der neue Beamte zu besseren Feststellungen kommt als der abgegangene. Arbener, ugliert für eure Zeitung! als ob er jemanden unter ihnen suche. Auch hatte er sich gleich am ersten Tage die Namenliste geben lassen und sie eifrig durchstudiert. Ob er freilich irgend einen Bekannten zu finden hoffte oder fürchtete, wußte niemand, und es war wohl natürlich, daß sich die Passagiere, mit keiner weiteren Beschaftigung, uber das sonderbare Betragen des Mannes die wunderlichsten Erzählungen bildeten. Da er sich aber still und anspruchslos zurückhielt, ermüdeten sie auch endlich, sich mit ihm zu beschäftigen, und fertigten ihn zuletzt mit dem schon erwähnten Beinamen ab. Seine Frau war ein junges, liebenswürdiges Wesen von kaum achtzehn oder neunzehn Jahren, und wenn sie an Deck erschien, wich sie nie von seiner Seite. Gegen sie selber blieb er auch immer zartlich und aufmerksam, ja er konnte dann sogar heiter sein. Nur wenn sie ihn verließ, kam der düstere unheimiche Geist über ihn. Heute freilich schien selbst ihre Nähe den sonst so wohltätigen Einfluß auf ion verloren zu haven. Mit dem Lande in Sicht, war eine seltsame wilde Unruhe über ihn gekommen. An Bord befand sich noch, als Kajüts=Passagier. ein alter Herr, ein Arzt, und nur schlichtweg der Doktor genannt, der sein Kojen=Nachbar und dabei der einzige war, mit dem er sich manchmal unterhielt. Er klagte dann über Schmerzen im Kopf und Beklemmung auf der Brust, und ließ sich leichte Mittel von dem Arzt verschreiben. Diese nahm' er auch gehorsam ein, iber das Uebel besserte sich nicht und Doktor Rascher bemerkte bald, daß dem hartnäckigen Unwohlsein eine tiefere, das Gemüt bereffende und berührende Ursache zugrunde liege. Alle Anspielungen darauf blieben jedoch erfolglos. Der Patient leugnete partnäckig, etwas Derartiges zu kennen ja wich zuletzt ängstlich jeder nur dahin zielenden Andeutung aus. Er schien entschlossen, den fremden Doktor nicht zu seinem Vertrauten zu machen, und dieser konnte=ihn naturlich nicht dazu zwingen, deshalb aber auch seinen Zustand nicht verbessern. Der Amerikaner, dessen Name Hetson war, hatte wieder eine Weile über Bord gesehen, während Ohlers ihn schweigend und kopfschüttelnd betrachtete. Endlich richtete er sich auf, hob gegen Suden, von welcher Richtung sie hergekommen waren, wie orohend die geballte Faust, murmelte einige Worte in englischer Sprache, die weder der Apotheker noch Hufner verstanden und wandte sich dann rasch wieder, um auf das Quarterdeck zurückzukehren. Die ihn umstehenden Zwischendecks=Passagiere hatte er keines Blickes gewürdigt. „Ob sie wohl Narrenhäuser in San Franzisko haben?“ sagte Ohlers, der ihm nachsah, als er langsam uber den Gangweg schritt,„wäre am Ende gar keine so üble Spekulation, ein solches, etwas geräumiges Institut da drüben anzulegen. Eigentlich und genau genommen ist schon die Hälfte von denen, die überhaupt jetzt hier hinüberlaufen, halb und halb verrückt, und daß es bei den meisten drüben zum Ausdruck kommt, läßt sich mit Gewißheit annehmen. Ich muß mir die Sache doch einmal ordentlich werlegen Gartenstabt und Volnsgesanohein. Der größte Vorteil, den die Gartenstadt bietet, liegt in dem Fehlen der mannigfachen Widerstände und Reibungsflächen, die das mürrische Gestern dem zukunftsfrohen Heute zu hinterlassen pflegt. Die Gartenstadt ist ein jungfraulicher Boden, der den Saatkörnern neuer Gedanken und Bestrebungen reiche Ernte verheißt. Sie kann die Saat nicht selbst schaffen, wird aber den ihr anvertrauten Pflänzlein Nahrung in Fulle spenden. Die Bedeutung. die dieser Bestrebung für einige der wichtigsten Aufgaben der Gegenwart zukommen, soll in den nachfolgenden Zeilen kurz erörtert werden. Ihr volkswirtschaftlicher Wert beruht vor allem darin, daß sie ihren Bewohnern preiswerte, gesunde und billige Wohnungen bietet. Um uns eine Vorstellung von der Höhe der dabei in Betracht kommenden Geldwerte zu machen, wollen wir uns daran erinnern, welch hohen Anteil ihres Gesamtverdienstes die städtische Bevölkerung für ihre Wohnung ausgeben muß. Bei den Minderbemittelten, die rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung ausmachen, sind es häufig 25—30 Prozent. Nach einer Schatzung des Landeswohnungsinspektors Gretschel erHetson schritt indessen auf dem Quarterdeck auf und ab Seine Frau ging zu ihm und legte ihren Arm in den seinefordert der jährliche Bedarf an Kleinwohnungen in Deutschland 800 Millionen Mark. Ob für diese Riesensumme den minderbemittelten Volksgenossen dumpfe, unzureichende Räume in schmutzigen Hinterhäusern oder gesunde und schöne Heimstätten in Gartenstädten geboten werden, das ist nicht allein eine privatwirtschaftliche, sondern eine volkswirtschaftliche Frage von größter Bedeutung. Ebenso ist es nicht gleichgiltig, ob die steigenve Grundrente gegenwärtig als unverdienten Wertzuwachs den zufälligen Bodenbesitzern zufließt und diesen Einzelpersonen etwa die Befriedigung irgendwelcher Luxusbedürfnisse gestattet, oder ob sie öffentlichen Korporationen und gemeinnützigen Vereinigungen die Mittel zur Hebung der Lebenshaltung und der Kultur des Volkes darbietet. Wenn weiter durch gesunde Wohnungen dem Vordrängen der schrecklichen Tuberkulose, des Krebses, der Trunksucht, der Geisteskrankheiten und andrer Krankheiten entgegengewirkt wird, wenn dadurch das Leben vieler Menschen vor Siechtum bewahrt und verlängert wird, dann wächst dadurch auch für den einzelnen Menschen die Zahl der Jahre, in der er arbeiten und Werte erzeugen kann, im Verhältnis zu den Jahren, die er als Kind und als Kranker untätig sein muß. Dann verringern sich die Ausgaben für Kranken= und Irrenhäuser, für Trinkerheilanstalten und Armenpflege, auch Gefängnisse und Zuchthäuser. Wenn ferner die Gartenstadtbewegung mit ihrer starken kulturellen Schwungkraft dazu führt, daß die Bewohner edlere Lebensfreuden kennen lernen, so läßt sich auch das in ein volkswirtschaftliches Rechenexempel bringen. Um nur eins zu erwähnen: Es ist für die volkswirtschaftliche Entwicklung unsers Volkes durchaus nicht belanglos, ob es jährlich drei Milliarden für Alkoholgenuß und zwei Milliarden für unsittliche Zwecke vergendet, oder ob es die gleiche Summe für seine kulturelle Höherentwicklung, für gute Erziehung, für Konzerte, Theater und Bibliotheken ausgibt. Nach Untersuchungen, die in Budapest vom Vorstand des Statistischen Amtes, Körösi, angestellt wurden, leistet die übergroße Wohndichte vor allem der Verschleppung von Infektionskrankheiten Vorschub. Beim Vergleich der Wohnungen von weniger als zwei Innenwohnern pro Zimmer mit den übrigen fand er, daß sich bei diesen die Infektionskrankheiten um 43 Prozent, Masern um 250 Prozent, Keuchhusten um 100 Prozent, Krupp um 57 Prozent, Diphtherie um 24 Prozent steigern. Welche Rolle die Wohnung bei der Verbreitung der Tuberkulose spielt, haben u. a. die genauen Untersuchungen des Pariser Arztes Dr. Lucien Gxaux gezeigt. Es geht daraus hervor, daß die reichliche Zuführung von Licht und Luft in die Wohnungen das beste Mittel zur Bekämpfung dieser furchtbarsten Volkskrankheit ist. Wo diese Bedingung ersüllt ist, da vermindert sich die Tuberkulosesterblichkeit selbst unter sonst sehr ungünstigen hygienischen Verhältnissen. Durch die genauen Unter*) Wir entnehmen diese Ausführungen dem soeben erschienenen 259. Bändchen der bekannten Sammlung wissenschaftlichgemeinverständlicher Darstellungen„Aus Natur und Geisteswelt“(Verlag von B. G. Teubner in Leipzig): Die Gartenstadtbewegung. Von Hans Kampffmeyer, Generalsekretär der deutschen Gartenstadt=Gesellschaft Karlsruhe.(Preis geheftet 1 Mk., geb. 1,25 Mk.), das zum erstenmal eine zusammenfassende Darstellung der Gartenstadtbewegung gibt, indem es ihre volkswirtschaftlichen Voraussetzungen, ihre Geschichte, zunächst in England, dann in Deutschland, schildert, um dann die wichtigsten praktischen Einzelfragen der Bewegung— Geländewahl, Bebauungsplan, Bodenpolitik und Finanzierung zu erörtern und mit einer Darstellung ihrer Bedeutung in volkswirtschaftlicher wie hygienischer Hinsicht, für Industrie und Landwirtschaft sowie für die allgemeine Kulturentwicklung und ihrer Aufgaben und Aussichten in Deutschland schließt und das schien ihn zu beruhigen; wenigstens verließ er bald darauf das Deck und stieg in seine Kajüte hinunter. Der Mittag rückte jetzt heran, und Kapitän wie Steuermann hatten sich mit ihren Instrumenten an Deck eingefunden, ihre Observationen zu nehmen. Leider aber versteckte sich gerade gegen zwölf Uhr die Sonne hinter dichten Wolken, und wenn auch die Seeleute hartnäckig versuchten, wenigstens einen Schein ihrer Scheibe zu bekommen, blieb doch alles vergeblich. Die Wolken verhinderten das, und doch ruckten sie, bei der jetzt immer günstiger werdenden Brise, dem Land rasch näher. Das geschah aber nur, um möglicherweise ein oder das andere Fahrzeug zu treffen, das ihnen den Weg zeigte, wenn sie nicht die Einfahrt selber von außen erkennen konnten. Mehr und mehr traten jetzt auch die schroffen, felsigen und vollkommen kahlen Küstenberge des Festlandes vor, und deutlich konnten sie in deren Nähe mehrere Segel erkennen. Anstatt aber von diesem eine Richtung zu erfahren, wurden sie nur noch mehr irre gemacht, denn einige hielten nach Süden hinunter, andere nach Norden hinauf, wahrend einzelne sogar ihren Kurs änderten und von der Küste wieder abfielen. Es war augenscheinlich, daß diese alle die Einfahrt ebenso wenig kannten, wie sie selber.(Fortsetzung folgt.) Von drn Zimmrisrrscheinungrn im Von Georg Kästner in Bremen. —(Nachdruck verb.) Der Höhepunkt des Jahres wurde eigentlich schon am 22. Juni mit dem astronomischen Sommerbeginn überschritten; es geht schon wieder bergab, auf die Zeit der Ernte zu. Jetzt geschieht das noch sehr langsam, ganz unmerklich. Die Sonne sendet ihre Licht= und Warmestrahlen der Erde täglich noch 18 Stunden lang zu und bringt alle Vegetationsformen zur vollen Entfaltung. Im Anfang dieses Monats aber überschreitet die Erde noch einen anderen Punkt ihrer Bahn, nämlich den, an welchem sie der Sonne am fernsten steht. Das macht sich dadurch bemerkbar, daß der Durchmesser der Sonne scheinbar wieder wächst. Am 4. Juli ist die Erde am weitesten von der Sonne entfernt, während sie am 3. Januar ihr am nächsten stand. Nun nähert sie sich ihr wieder und erreicht ihren nächsten Stand am 1. Tage des kommenden Jahres. Bis dahin wachst also der Sonnendurchmesser scheinbar wieder an. Diese Tatsache ist aber nur mit feinen Meßinstrumenten feststellbar, das bloße Auge merkt nichts davon, obwohl der Unterschied in unserer Stellung zur Sonne über 5 Millionen Kilometer beträgt. In der jetzigen entferntesten Stellung der Ende zum Zentralgestirn beträgt die Entfernung 152 Millionen Kilometer. Daß trotzdem die Temperatur bei unserer größten Sonnennähe niedriger ist, muß zuerst befremdlich erscheinen. Für die Erde im ganzen trifft das auch zu, denn sie erhält von der Sonne im Winter ein Vierzehntel mehr Sonnenwärme als im Sommer. Dabei kommt es aber für jeden Erdort noch auf die Art der BeKrahlung an. Wenn wir uns der Sonne am nächsten befinden, suchungen sind die gesundheitlichen Schäden der hohen Stockwerkbauten unwiderleglich festgestellt worden. Durch Decken und Treppenhäuser steigt die verbrauchte Luft, im Sommer auch die Hitze von unten nach oben und schädigt die Lebensbedingungen der dort Wohnenden. Selbst wenn der übliche Abstand der Häuser(Gebäudeabstand gleich Höhe) innegehalten wird, fehlt es den unteren Stockwerken— besonders im Winter— an Licht und Sonne. Das Treppensteigen in der schlechten Luft der meist ungenügend gelüfteten Treppenhäuser ist sehr ungesund und für Wöchnerinnen und Rekonvaleszenten geradezu gefährlich. Die dort wohnenden, vielbeschäftigten Hausfrauen finden zudem nicht genug Kraft und Zeit, um die kleinen Kinder die vielen Treppen herunterzugeleiten und wieder hinaufzutragen. Auch größere Kinder kommen naturgemäß weniger in die Luft, da sie von der Mutter dann schwerer beaussichtigt werden können. Wo sollen sie auch spielen? Im engen, dumpfigen Hof oder zwischen den Rädern der Automobile und elektrischen Wagen? Hygieniker wie Grotjahn konstatieren mit Verwunderung, daß die zerlumpten Kinder im Osten Londons lange nicht so sehr an der englischen Krankheit leiden wie die wohlgekleideten deutschen Arbeiterkinder, die in den Mietkasernen aufwachsen und aus diesen nicht so leicht hinaus können wie die englischen Kinder aus ihren Kleinhäusern,.,„„ 4# um Wohl die häßlichste Seite der Wohnungsmißstande steul das Schlafgängerwesen dar. Durch die Höhe der Miete werden oft gerade die kinderreichen Familien dazu gezwungen, in ihre engen Räume noch Aftermieter aufzunehmen. Die Wohnungsinspektionen haben oft unglaubliche Zustände entdeckt: einräumige Wohnungen, in denen neben der Familie noch mehrere Mieter, wohl gar verschiedenen Geschlechts, hausten. Auch der Alkoholmißbrauch, der die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger herabsetzt, der unsere Hospitäler, Gefangnisse und Irrenanstalten bevölkert und außerdem drei Milliarden des nationalen Einkommens verschlingt, steht im Zusammenhang mit der Wohnungsfrage. Es ist ja nur zu leicht verständlich, daß der Mann, der nach schwerem Tageswerk abends heimkehrt und in den engen Räumen weder Ruhe noch Behagen findet, seine Erholung in der Kneipe sucht, um dort in einem kurzen Rausche die Trostlosigkeit seiner hauslichen Verhältnisse zu vergessen... n Angaben di in ehen bracht Ich hoffe, daß die venigen Angaben, die ich eben brachte, genügen werden, um dem Leser eine Vorstellung von der Bedeutung zu geben, die eine fortschreitende Gartenstadtbewegung für die Gesundheit unseres Volkes haben muß. Alle die Schäden der Uebervölkerung werden in den weitraumig gebauten Gartensiedlungen in Wegfall kommen. Hier wird auch Gelegenheit zur Gartenarbeit geboten, auf deren gesundheitliche Bedeutung Prof. M. von Gruber und andre Hygieniker mit großem Nachdruck hinweisen. Denn die Erzeugnisse des eignen Gartens bringen Abwechslung in den Speisezettel und ermöglichen eine bessere Ernährung der Familie. Die Gartenarbeit gibt dem in der Fabrik beschästigten Arbeiter und auch dem geistigen Arbeiter, der seine Zeit im Bureau oder Schreibzimmer verbringt, ein gesundes Gegengewicht gegen die ungesunden Nachwirkungen seiner beruflichen Tätigkeit. Die Frauen der Unbemittelten finden hier eine gesunde und nutzbringende Beschäftigung. Bei der Jugend der ersten Gartenstadt kann man über ihre Wirkung auf die Gesundheit der Einwohner noch wenig sagen. Dagegen steht uns schon einiges Zahlenmaterial aus verwandten Unternehmungen zu Gebote, das Schlüsse auf gesundheitliche Wirkung der Gartenstädte zuläßt. So betrug die Sterblichkeit in den von der Stadt Ulm mustergiltig angelegten Kleinwohnungen, die zudem überwiegend von kinderreichen Familien bewohnt werden, 1901 nur 13,06, 1902 12.25, und 1906 kamen in 10 Monaten nur 5 Gestorbene auf 100 Einwohner, während der Durchschnitt der letzten Jahre in Ulm 185 betrug. Noch schlagender sind die Erfolge, die in Port Sunlight und Bournville, den Vorläufern der englischen Gartenstadtbewegung, erreicht worden sind. Während die Durchschnittssterblichkeitsziffer in England 10 Promille beträgt und in den Slum=Quartieren von Städten wie Liverpool bis auf 35 Promille steigt, beziffert sich die durchschnittliche Sterbezahl in Port Sunlight auf 8—9 Promille. Die gesundheitlichen Erfolge in Bournville sind ebenso günstig wie in Port Sunlight. Auf dem internationalen Kongreß für soziale Hygiene und Demographie, der vom 22. bis 29. September im Berliner Reichstagsgebäude tagte, und an dem über 5000 Personen, meist Hygieniker und Aerzte, teilnahmen, wurde im Anschluß an ein Referat des Schreibers dieser Zeilen die nachstehende Resolution angenommen: „Der Kongreß erblickt eine wesentliche Förderung der Volksgesundheit in einer durchgreifenden Wohnungs= und Bodenbesitzreform. Er empfiehlt, der Ausgestaltung der bestehenden Ortschaften sowie der Begründung neuer Siedlungen die Ziele der Gartenstadtbewegung zugrunde zu legen, die in den verschiedenen Kulturländern hygienisch vorbildliche Ansiedelungen geschaffen hat oder zu schaffen bemüht ist.“ werden wir von ihr viel schiefer bestrahlt, als im entgegengesetzten Falle, d. h. die Kraft der Sonnenbestrahlung ist im ersteren Falle(im Winter) bei uns viel geringer als im letzteren, wenn es bei uns Sommer ist. Von den großen Planeten sind Mercur während des ganzen und Jupiter am Ende des Monats unsichtbar. Die Venus bleibt den ganzen Monat hindurch etwa eine halbe Stunde als Abendstern sichtbar, am 27. d. M. ist sie in der Nähe des Regulus im Sternbilde des Löwen zu finden. Auch Mars ist nun schon in den späten Abendstunden zu sehen; die Dauer seiner Sichtbarkeit belauft sich am Ende des Monats auf nahezu 5 Stunden. Saturn geht in den ersten Tagen des Monats um Mitternacht herum auf; die Dauer seiner Sichtbarkeit nimmt bis auf 4½ Stunden zu. Wir machten vor einiger Zeit die Mitteilung, daß Professor Pickering die Möglichkeit des Vorhandenseins eines Planeten annimmt, der jenseits des Neptun seine Bahn um die Sonne zieht. Er schloß das aus gewissen Ausbiegungen der Bahnen der Planeten des Uranus, Saturn und Jupiter. Daß er bis jetzt noch keine Störungen auf dem Neptun außern konnte, soll daran liegen, daß seit der Entdeckung Neptuns noch nicht genügend Zeit verflossen ist, als daß wir diese Störungen hätten bemerken können. Die Umlaufszeit des Planeten gibt Pickering zu 373 Jahren an. Erst 1910 soll dieser Planet von Neptun überholt werden. Die Masse dieses Planeten schätzt Pickering auf das Doppelte der Erdmasse. Er würde daher sicher nicht heller sein als 12. Größe oder, wenn seine Rückstrahlungsfähigkeit für Licht geringer sein würde, gar nur etwa 14. Größe. Wenn dieser Körper wirklich vorhanden sein sollte, so würde seine Entdeckung jedenfalls vom Zufalle abhängen. Der Stern Beta im großen Hunde, dem Sternbilde, welchem auch der Sirius angehört, hat durch sein spektrales Verhalten erwiesen, daß er ein Doppelstern ist, dessen beide Sternglieder sich in 6 Stunden umeirander bewegen. Es ist nur noch ein Sternpaar bekannt, das eine geringere Umlaufszeit um einen gemeinsamen Schwerpunkt hat, nämlich Beta im Cepheus. Dort schwingen sich die beiden Sterne schon innerhalb des kurzen Zeitraumes von 4 Stunden und 36 Minuten einmal umeinander. Der erwartete Halleysche Komet kam Mitte Juni gerade so zur Sonne zu stehen, daß er von uns aus gesehen hinter ihr sich befinden mußte. Die Entfernungen von der Erde werden von Cowell und Crommelin angegeben: am 30. Juni zu 757 Millionen Kilometer, am 3. August zu 663, am 2. September zu 546 und am 30. September zu 426 Millionen Kilometer. Die Stadt Aarhus in Dänemark hat die Errichtung einer städtischen Sternwarte beschlossen, die zum Gedächtnis an den aus Aarhus stammenden und als Entdecker der Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes bekannten Astronomen Olaus Römer(gest. 19. Sept. 1710) den Namen„Ole Römer=Observatorium“ führen wird. Das Institut soll in erster Linie der wissenschaftlichen Forschung mit besonderer Berücksichtigung der Astrophysik der Fixsterne dienen. Nr. 199. 274. Sitzung vom So Am Bundesratstisc Auf der Tagesordn entwurfs über den Z Branntwein. Abg. Dr. Weber wärtigen Form unani 1887 berechtigt, jetzt ni not des Reiches auf Konservative und Zent 5 Millionen Mark. Industrien, wie die d ihren Hunderttausender Ungnade der Spiritus dann Mittelstandspolit (Sehr gut! links.)§ Prozent Alkohol festsetz den Alkoholgenuß zu rechts.) Die Vorlage zentrale.(Lebh. Beifa Abg. Speck(Ztr.) aber zugeben, daß 30 viel ist. Abg. Dr. Südek dagegen, daß unsere Ne befinden. Wir haben len, wo im Hochgebirg sich wohl ein Marter (Große Heiterkeit.) Beim Branntweing der Inschrift: Hier Heiterkeit.) Wohl ode Verewigung der Liebes machen. Darauf nur den Konservativen zu§ sehr guten Gründen. wahr, daß die Liebes liegt. Sie liegt nicht grundbesitzes. Es hand Brenner, deren Name forderung hartnäckig zu Soz.) Uebrigens wär die Bestimmung fände, versammlungen, daß wenn es sich um ihre links.) Daß die Lieb zum Ausdruck gelangt, bei den Soz. und Freis auf allmähliche Aufhe kleineres Uebel annehn Der Staatsmonopolged Privatmonopol der Spi gesetzgebung so befestig Abg. Kreth, ruhig den hört! und Sehr richtig die Spirituszentrale de fert, soll man uns doch lich gar kein Grund v Spiritus zu ersetzen. Kartoffeln nur zum neueren Konservierung Verwendung der Karto ab, das korrumpieren Abstimmung zu unte Großgrundbesitzer zu; Abg. Frhr. v. C 8 Roman aus von Die Leontine änder Uferklippen nicht zu na gar nicht, was sie dav See nämlich sind sie n täns zu vertrauen. Hi all seinen Einschnitten dort nicht geradezu anl wortlich vor und betri ihre kostbare Zeit. D drohte, wenn ein schwe Küste betroffen hätte, Mr. Heison war e besonders schien ihn hi zuregen. Er lief zum wissen, was für Fahrze jedoch keins derselben stimmen. Die Sonne neigte statt so rasch als mögl Segel umgebraßt und Erst im Dunkelwerden hinabgegangen, und die falls, trotz des wunderv Kajüte zurückgezogen, den„hoffentlich letzten Doktor war mit dem E und her geschritten, u riefen, blieb der Dokto hinaus und schaute ne „Doktor," flüsterte Seite. Rasch fuhr er empt Hetson. die Frau des Die junge Dame ste hüllt, dicht neben ihm, und was führt Sie no allein an Deck?— wo „Er schläft, Doktor regt,„und ich habe de zu sprechen. Ich mu so lange das noch unge fast, daß mir die nur nicht, ob Sie Ged iuzschenken. en. Durch Decken t, im Sommer auch Lebensbedingungen bliche Abstand der zehalten wird, fehlt im Winter— an Luft der meist unungesund und für zu gefährlich. Die ten finden zudem 1 Kinder die vielen laufzutragen. Auch r in die Luft, da sie verden können. Wo n Hof oder zwischen Wagen? 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Statt angesichts der Finanznot des Reiches auf die Liebesgabe zu verzichten, belasten Konservative und Zentrum die kleinen Parfümeriegeschäfte mit 5 Millionen Mark.(Hört, hört! bei den Natl.) Bedeutsame Industrien, wie die chemische und die Celluloidindustrie mit ihren Hunderttausenden von Arbeitern werden auf Gnade und Ungnade der Spirituszentrale preisgegeben. Und das heißt dann Mittelstandspolitik und Schutz der nationalen Arbeit! (Sehr gut! links.)§ 104a, der für den Trinkbranntwein 30 Prozent Alkohol festsetzt, zeigt deutlich die Tendenz der Rechten, den Alkoholgenuß zu fördern.(Sehr richtig! links. Unruhe rechts.) Die Vorlage ist ein Gesetz zum Schutz der Spirituszentrale.(Lebh. Beifall links. Abg. Speck(Ztr.) empfiehlt die Kommissionsbeschlüsse, muß aber zugeben, daß 30 Prozent Alkohol im Schnaps etwas viel ist. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Zunächst protestieren wir dagegen, daß unsere Namen sich unter den Kommissionsberichten befinden. Wir haben die Kommission verlassen.— An Stellen, wo im Hochgebirge Abstürze stattgefunden haben, befindet sich wohl ein Marterl oder sonst ein kleines Denkzeichen. (Große Heiterkeit.) Beim Branntweingesetz wäre ein Marterl zu errichten mit der Inschrift: Hier ist der Block verunglückt.(Schallende Heiterkeit.) Wohl oder übel mußten die Liberalen gegen die Verewigung der Liebesgabe, wenn auch zögernd genug, Front machen. Darauf nur hatte das Zentrum gelauert und es kam den Konservativen zu Hilfe. Die Polen gesellten sich bei. Aus sehr guten Gründen.(Sehr gut! bei den Soz.)— Es ist nicht wahr, daß die Liebesgabe im Interesse der Landwirtschaft liegt. Sie liegt nicht einmal im Interesse des ganzen Großgrundbesitzes. Es handelt sich um eine ganz kleine Zahl großer Brenner, deren Namen die Regierung trotz mehrfacher Aufforderung hartnäckig zu nennen sich weigert.(Hört, hört! bei den Soz.) Uebrigens wäre es gut, wenn sich auch im Reichstag die Bestimmung fände, wie bei verschiedenen Stadtverordnetenversammlungen, daß Interessenten nicht mitstimmen dürfen, wenn es sich um ihre eigenen Interessen handelt.(Sehr gut! links.) Daß die Liebesgabe immer in der Einkommensteuer zum Ausdruck gelangt, will ich ja nicht behaupten.(Sehr gut! bei den Soz. und Freis., Lärm rechts.) Der freisinnige Antrag auf allmähliche Aufhebung der Liebesgabe ist für uns als kleineres Uebel annehmbar und wir werden für ihn stimmen. Der Staatsmonopolgedanke ist gefallen, aber dafür bleibt das Privatmonopol der Spirituszentrale und wird durch die Reichsgesetzgebung so befestigt, daß ein vorsichtiger Mann, wie der Abg. Kreth, ruhig den Direktorposten annehmen kann.(Hört, hört! und Sehr richtig! bei den Soz.) Mit dem Einwand, daß die Spirituszentrale der armen Näherin billigen Spiritus liefert, soll man uns doch nicht kommen. Es liegt volkswirtschaftlich gar kein Grund vor, das billige Petroleum durch teuren Spiritus zu ersetzen. Ebenso albern ist der Einwand, daß man Kartoffeln nur zum Schnapsbrennen verwenden kann. Die neueren Konservierungsmethoden gestatten die allerausgiebigste Verwendung der Kartoffeln zur Viehfütterung. Wir lehnen es ab, das korrumpierende System der Liebesgaben durch unsere Abstimmung zu unterstützen und dem Fürsorgegesetz für reiche Großgrundbesitzer zuzustimmen.(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Abg. Frhr. v. Gamp=Massaunen(Rp.) tritt für die Kommissionsbeschlüsse ein, wenn sie auch nicht mustergiltig seien.(Abg. Singer(Soz.): Ein Pfuschwerk sind sie.) Abg. Schweickhardt(D. Vp.) wendet sich scharf gegen die Vorlage, während Abg. Vogt-Crailsheim(W. Vg.) sie verteidigt. Abg. Roesicke(kons.): Die Vorlage ist keine Begünstigung, sondern eine Belastung der Landwirtschaft.(Lautes Hohngelächter links.) Gerade die Landwirte zahlen gerne Steuern. (Schallende minutenlange Heiterkeit.) Ich zahle mehr kommensteuer, als ich zu zahlen habe.(Lautes Lachen links. Zuruf: Sie Edler!) Die Branntweinbrennereien verfolgen ethische Absichten.(Donnerndes Gelächter links.) Die landwirtschaftliche Brennerei hat einen Kulturzweck.(Brausende Heiterkeit links.) Sie erhält dem Vaterlande die Kartoffelkultur.(Erneute stürmische Heiterkeit links.) Abg. Mommsen(Fr. Vg., von der Rechten mit höhnischem Lachen empfangen): Ihr Gebaren(nach rechts) erinnert lebhaft an die Kinderstube.(Sehr wahr! links, zornige Rufe rechts.)— Man beschwert sich auf agrarischer Seite über den Ausdruck Liebesgabe; schön, gebrauchen wir das vom Kollegen Südekum gebrauchte Wort Fürsorgegesetz.(Sehr gut! links.) Die auf Grund einer falschen Wahlkreiseinteilung zustande gekommene Mehrheit zwingt der Regierung und dem Lande ihren Willen auf.(Lebh. Zustimmung links, Unruhe rechts.) Abg. Dr. Semler(natl.): Für die Finanzreform hängt nicht alles am Gelde, sondern am Schnapse.(Sehr gut! links.) Graf Posadowsky hat mir einmal erzählt, die ostpreußischen Grundbesitzer könnten ohne Branntweinliebesgabe ihren Söhnen nicht die Leutnantszulage gewähren.(Unruhe rechts.) Das war wenigstens ehrlich.(Abg. Kreth ruft: Aber dumm! Schallende Heiterkeit im ganzen Hause.) Abg. Bruhn(Ant.): Ich stimme für die Liebesgabe im Interesse der Landwirtschaft. Ich bin nicht Besitzer einer Brennerei.(Zuruf links: Aber der„Wahrheit"! Stürmische Heiterkeit.) Abg. Dr. Weber(natl.): Für den Zolltarif haben wir Nationalliberale gestimmt.(Zuruf bei den Soz. und den Freis.: Leider!) Gegen ihn der Bund der Landwirte.(Hört, hört! bei den Natl.) Abg. Gothein(Fr. Vg.): Der Entwurf ist ein Gesetz zugunsten des Portemonnaies der Schnapsbrenner.(Lebhafte Zustimmung links, Unruhe rechts.) Und da spricht Herr Roesicke von ethischen Momenten.(Lautes Lachen links.) Warum schweigt die Regierung, während doch ihr Entwurf im Orkus verschwunden ist.(Die folgenden Ausführungen des Redners gehen im Höllenlärm der Rechten unter.) Reichsschatzsekretär Sydow: Die Regierung hat gewiß das Monopol für besser gehalten, als den vorliegenden Entwurf, aber gerade die Freisinnigen haben das Monopol zu Fall gebracht.(Hört, hört! rechts.) Abg. Dr. Wiemer(Fr. Vp., durch den fortgesetzten Lärm der Rechten fast unverständlich): Dieser Gesetzentwurf ist das widersinnigste, was die agrarische Sonderpolitik je ausgeheckt hat.(Bravo! bei den Freis.) Damit schließt die Diskussion über die§§ 1—23.§ 1 wird angenommen.§ 2, der die Liebesgabe enthält, wird in namentlicher Abstimmung mit 207 gegen 143 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen angenommen. Eine Reihe weiterer Paragraphen werden unter den Rufen der Linken: Schnapsblock! Schnapsblock! angenommen. Zum§ 15 nimmt das Wort Schatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkte(Stürmische Heiterkeit links, Zurufe bei den Soz.: Die Regierung und Standpunkt!) Präsident Graf Stolberg hebt im mächtigen Schwunge die Glocke empor. Der Klöppel springt hinaus und die Glocke springt dem Klöppel nach.(Abg. Nehbal hebt die Glocke auf und trägt sie zurück. Minutenl. Heiterkeit des ganzen Hauses.) Schatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt(Erneutes stürmisches Gelächter, Sie sind ja umgefallen, wie können Sie da stehen. Präsident Graf Stolberg versucht vergeblich durch Klopfen an die Glocke sich Ruhe zu verschaffen.) Schatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt(Erneutes stürm. Gelächter links. Die Rechte brüllt: Ruhe! Präsident Graf Stolberg klopft mit einem Lineal auf den Tisch.) Schatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt(Stürm. Gelächter links und stürmische Ruhe!=Rufe rechts. Präsident Graf Stolberg schwingt die klöppellose Glocke). Schatzsekretär Sydow: Die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt(Gelächter und Zurufe dauern an und die Präsidentenglocke gibt kläglich wimmernde Laute von sich). Präsident Graf Stolberg: Dieser Lärm entspricht nicht der Würde des Hauses.(Stürm. Beifall links. Rufe bei den Soz.: Die Schnapsliebesgabe und die jämmerliche Haltung der Regierung auch nicht!) Schatzsekretär Sydow wählt endlich andere Eingangsworte, bleib aber im übrigen bei der fortdauernden Unruhe des Hauses unverständlich. Inzwischen ist nach der hartnäckigen Weigerung des Klöppels, sich wieder einhaken zu lassen, eine etwas kläglich aussehende Ersatzglocke zur Stelle geschafft worden. Abg. Singer(Soz., zur Geschäftsordnung): Dadurch, daß der Schatzsekretär das Wort genommen hat, ist die Diskussion wieder eröffnet worden. Wir haben hier eine Vorlage von 148 Paragraphen mit nicht weniger als 43 Abänderungsanträgen, die fortgesetzt wieder geändert werden.(Hört, hört! links.) Diese Abänderungsanträge sind der beste Beweis für die Unreife der Kommissionsarbeit.(Lebh. Zustimmung links; Lärm rechts.) Ich beantrage daher Zurückverweisung an die Kommission. Die von der Mehrheit beliebte Debatte ist ein unerhörter Skandal. (Präsident Graf Stolberg bezeichnet diesen Ausdruck als unparlamentarisch.) Die Zurückweisung an die Kommission ist im Interesse der Würde des Reichstages notwendig.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Der Antrag Singer wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Freisinnigen abgelehnt. Abg. Gothein(Fr. Vg., zur Geschäftsordnung): Wir haben dem Antrag nur darum nicht zugestimmt, weil wir der Ueberzeugung sind, daß die Kommission doch nichts Besseres herausbringt.(Lebh. Zustimmung und Heiterkeit links.) Der Antrag Rösicke zum§ 15, die kleinen Brennereien bis zu einer Produktionsgrenze von 30 Hektoliter zu entschädigen, wird angenommen. Der nationalliberale Antrag, die Produktionsgrenze bis zu 50 Hektoliter zu begrenzen, wird in namentlicher Abstimmung mit 200 gegen 152 Stimmen abgelehnt. Beim§ 45 wird in namentlicher Abstimmung ein Antrag Weber(natl.) auf weitergehende Ermäßigung der Betriebsauflage mit 183 gegen 169 Stimmen abgelehnt. §§ 54 und 107 enthalten Bestimmungen über Vergütungen und über Verbrauchsabgaben bei Horzessig. Abg. Dr. Süde kum(Soz.) weist darauf hin, daß die zur Beratung stehenden Paragraphen dieses Fürsorgegesetzes(Htkt.) geradezu Musterbeispiele agrarischer Fürsorge sind, durch die der Preis des Essigs außerordentlich in die Höhe getrieben wird. Die Paragraphen werden vom Schnapsblock angenommen. § 69a regelt die Denaturierungspflicht. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Dieser Paragraph ist der Gipfel des Berges von Fürsorgebestimmungen. Angeblich beabsichtigt er die Ueberproduktion von Trinkbranntwein hintanzuhalten. Selbstredend tun das die Agrarier nur aus patriotischen, aus ethischen Interessen heraus.(Gr. Heiterkeit links.) Nach den Agrariern beruht die Kultur Deutschlands auf dem Kartoffelbau und der Kartoffelbau auf dem Schnapse. Demzufolge sind also die chronischen Alkoholisten und notorischen Schnapsbrüder die Grundlage der deutschen Kultur.(Stürm. Heiterkeit und Sehr gut! links.) OOtO. Roman aus den Goldfeldern Kaltforniens von Friedrich Gerstäcker. Die Leontine änderte jetzt ebenfalls ihren Kurs, den starren Uferklippen nicht zu nahe zu kommen, und die Passagiere wußten gar nicht, was sie davon denken sollten. Draußen in offener See nämlich sind sie wohl gezwungen, der Führung des Kapitäns zu vertrauen. Hier sahen sie das Land hell und klar mit all' seinen Einschnitten und Kuppen liegen, und daß der Kapitän dort nicht geradezu anlief und Anker warf, kam ihnen unverantwortlich vor und betrog sie nur wieder so viele Stunden um ihre kostbare Zeit. Die Gefahr, die ihnen und ihrem Schiff drohte, wenn ein schweres Wetter sie in der Nähe der fremden Küste betroffen hätte, kannten sie ja nicht. Mr. Hetson war ebenfalls wieder an Deck gekommen, und besonders schien ihn hier der Anblick der fremden Schiffe aufzuregen. Er lief zum Kapitän und verlangte von diesem zu wissen, was für Fahrzeuge das wären und wo sie herkämen. Da jedoch keins derselben geflaggt hatte, ließ sich das gar nicht bestimmen. Die Sonne neigte sich dem Horizont, und die Leontine, anstatt so rasch als möglich einen Ankerplatz zu suchen, hatte ihre Segel umgebraßt und hielt so viel sie konnte von der Küste ab. Erst im Dunkelwerden war der junge Amerikaner in seine Koje hinabgegangen, und die meisten der Passagiere hatten sich ebenfalls, trotz des wundervollen und warmen Abends, in die HauptKajüte zurückgezogen, um mit Kartenspielen und einer Bowle den„hoffentlich letzten“ Abend an Bord zu feiern. Nur der Doktor war mit dem Steuermann oben auf Deck eine Weile hin und her geschritten, und als diesen seine Geschäfte nach vorn riefen, blieb der Doktor allein zurück, lehnte sich über das Deck hinaus und schaute nach dem Steuerruder nieder. „Doktor,“ flüsterte da eine leise, ängstliche Stimme an seiner Seite. Rasch fuhr er empor, denn an der Stimme hatte er Mrs. Hetson. die Frau des Amerikaners, erkannt. Die junge Dame stand auch wirklich, fest in ihren Schal gehüllt, dicht neben ihm, und erstaunt sagte er:„Mrs. Hetson? und was führt Sie noch so spät in der feuchten Nachtluft hier allein an Deck?— wo ist Mr. Hetson?“ „Er schläft, Doktor,“ antwortete ihm die Frau, sichtlich erregt,„und ich habe den Augenblick benutzt. Sie einmal allein zu sprechen. Ich muß Sie sprechen, muß mit Ihnen reden, so lange das noch ungestört geschehen kann, und an Land zweifle ich fast, daß mir die Gelegenheit werden wird. Ich, ich weiß nur nicht, ob Sie Geduld haben, mir eine Viertelstunde Gehör in schenken. Beste Mrs. Hetson,“ sagte der alte Mann freundlich,„wenn ich selbst nicht Arzt wäre, und hier also nur meine Pflicht tue, wurde der Zweifel ungerecht gewesen sein. Sie wollen mit mir über Ihren Gatten sprechen?" „Ja, hauchte die Frau und warf einen scheuen Blick über das Deck zurück, ob auch niemand weiter in der Nähe wäre. Nur der steuernde Matrose lehnte an den Speichen seines Rades. konnte aber von der mit unterdrückter Stimme und in englischer Sprache geführten Unterhaltung nichts verstehen. „Ich dachte es mir, sagte der Arzt,„und habe mir lange gewünscht, daß er oder Sie offen gegen mich gewesen wären, ich habe Ihnen dann vielleicht Hoffnung auf seine Heilung geben können, denn sein Leiden scheint mir tief und schwer zu sein. So leicht aber wir die meisten Krankheiten des Körpers nach ihren äußeren Erscheinungen zu bestimmen vermögen, so schwer, ja unmöglich ist es für den Arzt. den Seelenleiden eines Patieden auf die Spur zu kommen, wenn er selber uns nicht freiwillig die Hand dazu bietet, und ein Seelenleiden ist es jedenfalls, das den Körper Ihres Gatten aufreibt und auf die Länge der Zeit selbst verderblich für ihn wirken muß. „Sie haben recht, antwortete leise die Frau,„und oft schon bat ich ihn, aber stets vergebens, Ihnen zu vertrauen. Er hat mir sogar streng verboten, mit irgend jemandem, wer es auch sei, darüber zu sprechen. Aber ich fühle, daß ich nur zu seinem Besten handle, wenn ich sein Gebot übertrete, ja ich muß meinethalben reden, wenn nicht die Sorge um ihn, auch mich zuletzt aufreiben soll.“ „Fassen Sie sich, beste Frau. fassen Sie sich,“ bat der alte Mann die Erregte, indem er hinüber nach dem aufmerksam werdenden Matrosen deutete.„Die Leute verstehen fast alle etwas Englisch, und wir brauchen keinen weiteren Zeugen. „Sie haben recht,“ sagte die junge Frau mit völlig ruhiger, gesammelter Stimme.„So hören Sie denn, und zürnen Sie nicht, wenn ich etwas weiter ausholen, wenn ich auf mich selbst zurückkommen muß, ich werde Sie aber mit keinem unnötigen Wort ermüden. „So kommen Sie hier zur Schanzkleidung,“ sagte der Arzt, „in die See hinausgesprochen verhallen die Worte, und niemand an Deck kann hören, über was wir hier verhandeln. Die Frau trat zu ihm, lehnte sich mit ihrem Arm auf die breiten Bulwarks und sagte dann mit jetzt fast ruhiger Stimme: „Ich will Ihnen alles ersparen, was mich selbst betrifft; nur so viel müssen Sie wissen, daß ich vor etwa zwei Jahren mit einem Landsmann von mir, einem jungen Englander, in meinem Vaterlande verlobt wurde und ihn von Herzen liebte. Er war Seemann und wollte nur noch eine Reise nach Ostindien machen; nach seiner Rückkehr sollte dann der Kirche Segen uns verbinden. Wenige Tage später traf uns da die Schreckenskunde, daß sein Schiff, gleich beim Auslaufen aus der Themse, auf den Goodwin Sands verunglückt und mit seiner ganzen Mannschaft untergegangen sei. Nur ein einziger Matrose war wie durch ein Wunder gerettet und wieder an die englische Küste gebracht worden. Mich warf der Schmerz um den Bräutigam auf das Krankenlager, und mein Vater nahm in jener Zeit um so lieber eine ihm gebotene amtliche Sendung nach Buenos Aires an. als er auch für mich am leichtesten Heilung in einem Luft= und Szenenwechsel zu finden hoffte. Wir reisten dorthin ab, und schon unterwegs erholte ich selber mich vollkommen. Unser Aufenthalt in der Argentinischen Republik dauerte aber nicht lange. Von dort schifften wir uns nach Chile ein, und in Valparaiso machte ich die Bekanntschaft meines jetzigen Gatten, Mr. Hetions. Dieser hatte nämlich meinem Vater mit der aufopfernsten Uneigennütztgkeit verschiedene Dienste geleistet. Wir lernten ihn dabei alle als einen wackeren und edlen Mann kennen, daß wir ihn lieb gewinnen mußten und ich endlich seiner Bewerbung um meine Hand nachgab. Er war unendlich glücklich und trug mich auf den Händen, ja, tut es noch, und ich durfte an seiner wahren Liebe keinen Augenblick zweifeln. „So kam unser Hochzeitstag heran. Wir sollten im Hause des amerikanischen Konsuls getraut werden, und eben im Begriff einzusteigen, um dorthin zu fahren, bekam mein Vater noch Depeschen von Europa, die er natürlich bis nach dem Schluß der feierlichen Handlung liegen ließ.„„ Mrs. Hetion schwieg einen Augenblick, als oo sie erst Kräfte sammein müsse, die Erinnerung an jene Zezt noch einmal durchzuleben; als sie der Arzt aber mit keinem Worte unterbrach, fuhr sie endlich nach kurzer Pause langsam fort: „Als wir nach Haus zurückkehrten, wo meine Eltern ein kleines Fest für uns arrangiert hatten, sand ich auch einen Brief für mich vor, und ein eigenes Zittern durchlief schon bei dem Anblick der Aufschrift meinen ganzen Körper. Ich will Sie aber nicht mit dem ermüden, was ich empfand und litt, sondern Ihnen nur einfach die Tatsachen mitteilen. Der Brief war von Charies „Von wem?“ „Von meinem früheren Bräutigam,“ flüsterte die Frau. „Nach dem Schiffbruch seines eigenen Fahrzeuges von einem amerikanischen Schooner gerettet, hate diesen der in jener Nacht und die nächsten Tage tobende Nordost=Sturm verhindert, ihn an Land zu setzen. Bald ließen sie Europa hinter sich, und Charles war gezwungen, die Reise nach Brasilien, wohin der Schooner bestimmt war, mitzumachen. Dort warf ihn ein hitziges Fieber monatelang auf das Krankenlager: schon bewußtlos wurde er an Land und in ein Spital geschafft, und als er wieder zu sich kam und an uns nach England schrieb, erhielt er von dort keine Antwort mehr. Wir waren indessen abgereist, ja hatten eine volle Woche in einer und derselben Stadt, in Rio de Janeiro, zugebracht, ohne von seinem Leben eine Ahnung zu haben. So wie er sich aber erholt, reiste er selber nach England, erfuhr unsern Aufenthaltsort und schrieb nach Buenos Aires. Aber auch der Brief verfehlte uns, da wir indessen nach Valparaiso übergesiedelt waren, und erst, als er nach lang;: . Anter Ablehnung des Antrags Weber wird der§ 69a in der Stimmenthaltungen ui 18 gegen 166 Stimmen bei vier werden debatelos angenommen. Die bolenden Auslanggt ält die Sätze für die Einfuhr aus dem „Ahs, Dr. Südekum(Soz): Im§ 103 werden ganz erschlagen, Zilate für. die Einfuhr von Parfümerien vorgedie Riesenzollägesche Regierung wird kaum versehlen, auf auf französische Parfümerien mit einer ErEishrs Pssheäätisch aus deutsche Spielwaren zu antworten. Ich Auf Antrag Dier 4chme dieser Zollätze warnen. S 103a mit der Distuit 9 kons) wird die Diskussion über Reicheschatse uder S 108 verbunden. # uu gtretär Sydow: Man darf sich nicht durch den ersten Anschein täuschen lassen und diese Steuer als eine Fircöstener, betrachten. Eine Menge kleiner Käufer, kleiner Teschäfte und Hausierer würde dieser Steuer unterliegen. Die Steuer wird nichts bringen, sondern ist eine reine Verärgerungestengr.(Sehr richtigl links.) efra, tetrich(kon): Die Gründe des Herrn Staatsdie Wirschaftliche Pouserative, die Rechspartei und Heiterkeit linis, Vereinigung, gegen diese Steuer zu stimmen. Stastsee rsberger(Ztr.): In der Kommission war der Staulsserletar mit dem Grundgedanken der Steuer einverstanden.(Hört, hört! i. Ztr.) Wir halten den Grundgedanken dieser Steuer für gesund und berechtigt.(Gr. Heiterkeit links.) Aber im Interesse des Zustandekommens der Reichsfinanzreform werden wir im gegenwärtigen Moment auf die Weiterberatung diesg, Siezer keinen Wert legen.(Lachen links.) 8##ekretär Sydow: Besprechungen mit den beteiligten Kreisen haben mich davon überzeugt, daß mein in der Kommission vertretener Standpunkt falsch war. bs,„Zassermann(natl.): Nachdem die Väter dieser millerstanbsseindlichen Steuer ihr eigenes Kind verleugnet ziehe ich meinen Antrag auf namentliche Abstimmung triebe über 20 Hektar; 2. Kleinbetriebe, zu denen alle Betriebe Harzistes poso genug sind, um die auf ihnen wirtund die nicht so groß sind, als daß fremde Arbeitskräfte normalerweise herangezogen werden müßten. Sie fallen in die Größenklasse von 2—20 Hektar; 3. Zwergbetriebe, die nicht ausreichen, um eine Familie zu ernahren und deren Bewirtschaftung darum in der Regel nur neben anderer Berufsarbeit einhergeht. Nach diesen drei Klassen geordnet zeigt die Reichsstatistik folgendes Bild: 1. Zahl der Betriebe: 1895 1907 Zu= od. Abnahme in% 3236 367 3378 509+ 142142+ 4/4 2015 122 2071816+ 56 694#+ 2,8 285 757"— 21071*— 6/ Größenklasse bis 2 ha 2„ 20 über 20„ 306 828 " Zusammen 5558317 5 736082+ 177765+ 3,2 2. Landwirtschaftlich ausgenutzte Gesamtfläche in Hektar: bis 2 ha 1 808 444 1 731317— 77127— 4/2 2„ 20„ 13007859 13726 437+ 718578 44+ 5,5 über 20„ 17701 638 16377119— 118519— 7/4 Zusammen 32 517941 31 834873— 683 068— 3,1 Abg. Träger(Fr. Vp.) spricht unter fortgesetzten Schlußrufen der Rechten gegen die Parfümeriesteuer. Seine Ausleinen auf der T# führungen bl ie, geden die führungen bieleen auf der Tribüne unverständlich. Abg. Singer(Soz.): Nicht der Steuerblock ist von der Regierung überzeugt worden, daß die Parfümeriesteuer schädlich sei, sonvern ein Teil des schwarz=blauen Blocks hat ein Haar darin gefunden. Darum läßt die Mehrheit diese Steuer fallen, damit nicht darüber die ganze Sache aus dem Leim geht. Was den Staatssekretär betrifft, so ist es eine starke Zumutung an zu verlangen, daß wir irgend einer Regierungserklärung noch Glauben schenken sollen.(Lebh. Zustimmung links.) § 103 wird angenommen,§ 103a(Parfümeriesteuer) wird mit allen gegen keine Stimme ab gelehnt.(Gr. Heiterkeit.) aun§. 104a verlangt, daß Trinkbranntwein mindestens 30 Proz. unohol enthält. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Warum schreibt die Mehrheit nicht lieber gleich vor, wieviel Alkohol jeder deutsche Staatsbürger zu sich nehmen muß.(Sehr gut! links.) wzem bestimmun, Peschäftsordnungsdebatte wird der S 1042 abgelehnt.(Gr. Heiterkeit.) (Prozentbestimmunch einstimmige .„„Abschnitt 7 begründet Abg. Dr. Südekum(Soz.) einen antlug auf Unterstützung durch das Gesetz arbeitslos werdender Arbeiter. Der Antrag wird mit 182 gegen 139 Stimmen abgelehnt, worauf sich das Haus auf Montag 1 Uhr vertagt.(Rest der zweiten Lesung der Reichsfinanzreform.) Schluß 7½ Uhr. Die Betriebsentwicklung in der Lanowirtschaft. eso Nachdem die meisten Bundesstaaten die vorläufigen Ergebnisse der Betriebszählung von 1907 für ihren Bereich schon Reichsstatistische Amp 908 dem kürzlich erschienenen Vierteljahrsheft(1909. II. Heft) die Zusammenstellung für das ganze Reich. Ihrer ökonomischen Natur nach sind die landwirtschaftlichen Betriebe in drei große Klassen zu gliedern: 1. Großbetriebe, wozu alle Betriebe gehören, die ständig mit fremden Arbeitskräften wirtschaften; zu ihnen rechnen normalerweise alle BeDas Resultat ist demnach: Rückgang der Großbetriebe— Zunahme der Kleinbetriebe, beider sowohl nach der Zahl der Betriebe, als nach der genutzten Fläche. Die ersteren verloren 6,8 Prozent der Betriebe und 7,4 Prozent der Fläche. Die letzteren gewannen 2,8 Prozent der Betriebe und 5,5 Prozent der Fläche. 2 Zi5 Ztzerabetriebe zeigen ein Anwachsen hinsichtlich der Zahl 4,4 Prozent), aber eine Abnahme hinsichtlich der 77127 ha= 4,2 Prozent). Betrachtet man diese Betriebsgruppe genauer, so zeigt sich, daß die kleinsten Betriebe bis zu 0,5 ha, also die„Betriebe, die meist nur aus einem Gemüse= oder Obstgarten, auch einem Stück Kartoffelland bestehen, sowohl nach Zahl(+ 231 143) wie nach Fläche(+ 11647 ha) zugenommen haben. Diejenigen von 0,5—2 ha Größe haben dagegen um 89001 an Zahl und 88 755 ha an Fläche verloren. sind die Betriebe der halbbäuerlichen Elemente, denen ein so großer landwirtschaftlicher Nebenbetrieb offenbar immer unbequemer wird bei der wachsenden Inanspruchnahme ihrer arbeitskraft durch lohnendere gewerbliche Beschäftigung. Auch in der Klasse der Kleinbetriebe zeigt die unterste Gruppe, die Betriebe von 2—3 ha, die bei schlechterem Boden und extensivere Bewirtschaftung noch keine reinbäuerliche Existenz gewähren, einen Rückgang. Ihre Zahl sank von 1895 bis 1907 um 19935; ihre Fläche ging um 36 470 Hektar zurück.— Von der Größenlinie von 3 ha aufwärts aber zeigen die Kleinbetriebe in allen Gruppen ein starkes Anwachsen nach Zahl wie Fläche. Die kleinbäuerlichen Gruppen in der Größe von gewannen 9894 Betriebe und 55358 Hektar. Die mittelbäuerlichen Gruppen in der Größe von 5—20 ha hatten einen Zuwachs von 66 735 Betrieben und 699.690 Hektar. Das Gegenbild zeigen die Großbetriebe, die in allen Gruppen Zahl und Fläche verloren hahen Die großt“.VB an Iu. ind Frache verlören haben. Die großbauerlichen Betriebe in der Gruppe von 20—100 ha gingen um 19576 Betriebe und 547 731 na zurück. Die Gutsherrenbetriebe von über 100 ha verloren an Zahl 1495 und an Fläche 776 788 ha. Das ist das Gegenbild von Konzentration. Und das geschah in einer Zeit, wo die ganze Gesetzgebung eine Schutzgesetzgebung für Graßbetriebe, wax, wo„ sie ihnen Tausende von Millionen in Gestan vom känstlichen Preiserhöhungen und Liebesgaben in den Schoß warf! Dabei kommt allerdings auch in Betracht, daß in den ostelbischen Gebieten durch die sogenannte„innere Kolonisation“ zahlreiche bäuerliche Ansiedlungen auf Kosten des Großbesitzes geschaffen worden sind. Allein, erstens erreicht die dadurch verursachte Verschiebung nicht annähernd die in obigem Zahlenbild erscheinende Gewinn= resp. Verlustsumme. Zweitens aber ist diese behördliche Schaffung von Kleingütern an Stelle einer privaten Güterzerschlagung getreten, die vor ihr kräftig eingesetzt hatte und ohne sie sicherlich kräftig weiter gegangen wäre. Aufruhrprozeß in Sicht. Fünf Monate nach der Wahlrechtsdemonstration in Harburg am 31. Januar ist gegen zehn Arbeiter— von denen einige sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben sollen— Anklage wegen Beteiligung an einem Auflauf erhoben worden. Die Harburger Polizei hatte an jenem Tage umfangreiche Absperrungsmaßregeln vorgenommen. Aus der Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht in Harburg folgerte das Gericht den dringenden Verdacht, daß Aufruhr und Landfriedensbruch vorliege. Das Gericht erklärte sich deshalb zur Aburteilung der Sache für unzuständig. Nunmehr wird sich die Strafkammer des Landgerichts in Stade mit der Angelegenheit befassen. Lange ein übriges uch Gewerkschaftsbewegung. Bewaffnete Arbeitswillige. Die Ausrüstung der dem Staate nützlichen Elemente mit Revolvern scheint allgemein Mode zu werden. Auch beim Holzarbeiterstreik in Rathenow markieren sie die forschen Kerls und suchteln mit ihren Revolvern in der Luft herum. Mehrere Arbeitswillige, die für den Tischlermeister Nagel angeworben waren und von Berlin mit der Bahn eintrafen, bedrohten die Streikposten mit Revolvern, als die Ausständigen sie über die Sachlage am Orte zu unterrichten versuchten. Schon im Eisenbahnzuge hatten diese Helden, wie festgestellt worden ist, Mitreisende, die nach Rathenow fuhren, in derselben Weise bedroht, so daß die Reisenden beim Stationsvorsteher Beschwerde führten. Trotzdem konnten die gefährlichen Burschen von der Polizei unbehelligt in Rathenow einziehen, sie mußten indes wieder abziehen, denn der Unternehmer verzichtete, als er von dem gewalttätigen Verhalten der Arbeitswilligen erfuhr, auf deren Einstellung. Der Streik, der sich auf 11 Tischlereibetriebe und eine Holzbearbeitungsfabrik mit insgesamt 52 Beteiligten erstreckt, dauert unverändert fort, da die Beteiligten sich bis jetzt nicht zu Verhandlungen geneigt zeigen. Einige Arbeitswillige haben sich leider gefunden, mit denen jedoch die Meister wenig anzufangen vermögen, weshalb sie sich alle erdenkliche Mühe geben, Ersatzkräfte von außerhalb heranzuziehen. Harleinachrichten. Eingestelltes Verfahren. Gegen den Redakteur Beyer der „Arbeiterzeitung“ in Dortmund war wegen eines Aufrufs zum 1. Mai, in dem zur Arbeitsruhe aufgefordert worden war. ein Strafverfahren eingeleitet worden. Der Dortmunder Staatsanwalt erblickte in dem Aufruf ein Vergehen gegen§ 110 des Str.=G.=B.(Aufforderung zum Kontraktbruch). Inzwischen hat wohl die Staatsanwaltschaft die gänzliche Aussichtslosigkeit des Verfahrens eingesehen und dem Genossen Beyer Donnerst###du#ch eine Zuschrift mitgeteilt, daß das Verfahren eingeZeit zufällig in England unsern neuen Aufenthaltsort erfahren, Organisierter Hirsch=Dunckerscher Streikbruch. Als Streikbrecherbureau entpuppt sich der Hirsch=Dunckersche Gewerkverein der Töpfer und Ziegler mit dem Sitz in Bitterfeld. Bekanntlich stehen in Königsberg i. Pr. die Töpfer seit dem 1. Januar d. J. in einem Abwehrstreik. Die Unternehmer hatten den Gehilfen einen reduzierten Lohntarif unterbreitet, der von den Verbändlern und den in Königsberg leider auch noch vertretenen Lokalisten abgelehnt wurde. Nun hatte sich in Königsberg auch eine Sperrebruchgarde bei der gesperrten Firma Bonn etabliert, die sich nunmehr plötzlich mit richtigem Instinkt Hirsch=Dunckerisch„organisierte", und nun als„Korporation“ ohne weiteres dem Ultimatum der Unternehmer zustimmte, während Lokalisten und Verbändler sich ablehnend verhielten. Es kam so zum Abwehrkampf, bei dem die neugebackenen Hirsch=Dunckerschen den Unternehmern als treue Hilfstruppe zur Seite standen. Außerdem hatten diese Verbündeten noch einen Vertrag abgeschlossen, wonach mit den Hirsch=Dunckerschen ein Arbeitsnachweis eingerichtet und ein Vertrag abgeschlossen wurde, demzufolge in Königsberg fortab nur HirschDunckersche Töpfer eingestellt werden sollten. Die letztere Maßnahme haben die Unternehmer nun allerdings bereits fallen lassen, da sie einzusehen beginnen, daß die Ausständigen nicht abtrünnig werden und mit den Hirsch=Dunckerschen allein für das Gewerbe keine Ehre eingelegt werden kann. Jetzt aber nun, nachdem in Königsberg die Arbeit zu drängen anfängt, gehen die Hirsch=Dunckerschen mit offenem Visier vor. In der neuesten Ausgabe des Organs dieser Aucharbeiterorganisation, dem„Deutschen Töpfer“, vom 2. Juli, wird in einem Danziger Ortsbericht aufgefordert, nach Königsberg so viel Arbeitskräfte als nur irgend möglich zu vermitteln! Und die Hauptverwaltung dieser Hirsch=Dunckerschen Arbeiterorganisation schließt sich in derselben Nummer derselben Auffassung an, sie erklärt, daß die Kollegen getrost nach Königsberg gehen könnten, sie fänden dort, soviel ihr bekannt sei, auch Arbeit!— So sucht eine Aucharbeiterorganisation dem Unternehmertum beizuspringen. Als erschwerend fällt noch ins Gewicht, daß, wie bereits erwähnt, die Hirsch=Dunckersche Streikbruchgarde in Königsberg auch schon vor dem Abwehrkampf durchgängig aus Arbeitswilligen bestand, die fast sämtlich in der schon damals gesperrten Firma Bonn unter Tarif arbeiteten. Es waren zunächst Wilde, als jedoch die Königsberger Abwehrbewegung herannahte,„organisierten“ sie sich Hirsch=Dunckersch und wurden von dem Sekretär der Hirsch=Dunckerschen Töpfer= und Zieglerorganisation, Lange in Bitterfeld, liebevoll ausgenommen. Jetzt nun, nachdem die Ausständigen bereits im 7. Monat des Abwehrkampes stehen und die Situation sich zu bessern beginnt, glaubt dieser Generalsekretär und Arbeitswilligenagent schrieb er aufs neue, schrieb von seinem Leben, von seiner Liebe, und daß er dem Briefe auf dem Fuße folgen würde.“ „Und weiß Mr. Hetson von dem Briefe?“ frug der Arzt. „Ja,“ sagte die Frau.„Ich war sein Weib, ich fühlte, daß ich kein Geheimnis, kein solches Geheimnis vor ihm haben n Gey##### in solches Geheimnis vor ihm haben burse, wenn nicht unser ganzes künftiges Lebensglück gefahrdet sein sollte, und beschloß, wahr gegen ihn zu sein. Eine Verbindung mit Charles war ja doch unmöglich geworden, ich gehörte meinem Gatten an und hoffte, er würde mir genug vertrauen, meinen Versicherungen auch zu glauben.— An dem nämlichen Abend konnte ich freilich keinen Mut zu dem Schritt fassen; aber am nächsten Morgen gestand ich meinem Gatten alles, zeigte ihm den Brief und versicherte ihm, daß ich Charles geliebt, aber auch fest entschlossen sei, jede, selbst mit ihm abzubrechen. Das nächste Postschiff sollte den Scherdebrief er schi, wule ven Schewebrief an ihn mitnehmen, in dem ich ihm das Geschehene auseinandersetzte und ihn bat, sich wie ein Mann in das nun einmal Unabänderliche zu fügen. ## Ard seis, nahm Ihr Mann das Geständnis auf?“ fragte Anfang so ruhig und vernünftig, wie ich nur hoffen as berzlichste kannt“ erwiderte die Frau.„Er dankte mir auf den Unglücklich“ das Vertrauen, das ich, in ihn gesetzt, bedauerte um meinen Besist der durch eine solche hreihe von Unglücksfällen und ausführlich georacht sei, und bat mich selber, ihm so rasch als moglich zu schreiben. Nur wenn er alles wußte, lernte er am leichtesten entsagen.“ enbliclighchrien Hapir Brief, den ich Hetson Post nahm ihn nach Ergsand mit zu lesen lag Pr chalsezte eine eigene Unruhe. Wieder schrieben aß er keine I., Heilen, der mir allerdings ge##gen, dap er keine untwort abwarten, sondern seinem ch ihm Fie ezm nächsten Schiffe folgen würde. Vergebens gab ... Versicherung, daß ich ihn, wenn er selbst nach Valparaiso kame, nicht sehen wollte und fest überzeugt wäre, er würde das Land augenblicklich wieder verlassen, sobald er erfuhr, was indessen hier geschehen war. Es blieb alles umsonst. Tag und Nacht ließ es ihm keine Rast; der Gedanke, das Charles kommen und mich zurückfordern werde, bemächtigte sich mit jeder Stunde mehr seiner Seele, und in einem reinen Ausbruch bat er mich endlich, n.. IIn. in ein andetes Land zu fliehen, denn er sei nicht mehr imstand aufreibende Angst zu ertragen. „Ich willigte endlich ein. Mein Vater, dem selber zu den Wunsch mit ihm in ein anderes stunbe, diese stete, ihn .„Ich willigte endlich ein. Mein Vater, dem ich alles geKunden, redete mir sellrr gu, pen Wunsch meines Mannes zu erfunen, und da gerade ior Schiff, nach San Francisco bestimmt, in Valparaiso anlegte, beschloß Mr. Hetson, die Gelegenheit ohne weiteres zu benutzen. Unsere Vorbereitungen waren auch bald getroffen, nur wußte ich nicht, weshalb Mr. Hetson dieselben so geheim betrieb. Endlich gestand er mir, er fürchte, daß uns mein früherer Bräutigam selber nach Kalifornien folgen würde, und habe deshalb beschlossen, ihn von unserer Fährte abzubringen. Ein anderes Schiff lag nämlich gleichzeitig, nach Sidney in Australien bestimmt, im Hafen von Palzaraisg, und em Brief, di G scr. 1 13 6 per für Shartes zurucbleiben sollte, „die Meldung, daß wir uns nach Neu=Holland eingeschifft hatten.(Fortsetzung folgt.) Frau und Naturwissenschaft. UC. In dem von uns besprochenen Werke von Dr. Hans Friedenthal über das Wollhaarkleid des Menschen kommt er von seinem naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zu einer interessanten Beleuchtung der Beziehungen zwischen Mann, Weib und Kind, die auch ein bemerkenswertes Streiflicht auf die Frauenfrage werfen, das weiterer Kenntnis wert ist. Mit Erlaubnis des Autors geben wir die beachtlichen Ausführungen im folgenden wieder. :„Die Wollhärchen des Neugeborenen bilden einen nicht sehr dichten, fast farblosen, nur, bei günstiger Beleuchtung auffälligen Flaumpelz im Gesicht und auf der gesamten behaarten Körperoberfläche und helfen mit der Samtweichheit, welche nach der Entfernung der Fruchtschmiere die zarte und weiche Kinderhaut bei Beruhrung kennzeichnet, die für das Kind beinahe lebensnotwendige Zuneigung der Mutter ihrem Träger zu erwerben. Wahrend der erste Anblick des Neugeborenen in vielen Fällen recht abstoßend auf die Mutter wirkt, dringt die klagende Stimme des hilflosen Wesens an ihr Herz und weckt im Verein mit der Wonne des Berührungsgefühls die Mutterinstinkte, welche durch das Wollustgefühl beim Säugen erst ihre volle Stärke erhalten. Diese Instinkte selbst müssen wir als ererbte Erinnerungsbilder an Empfindungen auffassen, die mit bestimmten Bewegungsvorgängen verknüpft waren. Der Eindruck des Wunderbaren, welchen die Beobachtung der Instinkthandlungen von jeher auf das empfängliche Menschengemut gemacht hat, beruht darauf, daß die Empfindungen, welche unser unbewußtes Handeln beeinflussen und unsern Willen lenken, nicht uns selber, sondern unsern Vorfahren zugeflossen sind. Für diese innige Verknüpfung von Mutter und Kind durch die Berührungsgefuhle nach Aufyören der leiblichen Verknüpfung durch die Placenta(Mutterkuchen) ist die Wollbehaarung der Mutter nicht weniger wichtig als die des Kindes, und kein anderes Säugetier besitzt ein so ausgedehntes empfindliches Tastorgan zur Aufnahme von Berührungsempfindungen wie der Mensch in seinen mit feinen Wollhärchen besetzten Hautflächen. Wie in so dielen den Menschen auszeichnenden Punkten ist die Frau gleich dem Kinde mit ihrer wollhaarbesetzten, dauerhaararmen Haut dem terminalhaarreichen Manne an Feinheit des Berührungsgefühls überlegen, und die bei ihr weit ausgesprochenere Verknüpfung von Geschlechtsgefühl mit Beruhrungsgefuhlen steht, wie oben auseinandergesetzt, im Dienste Sollte die Frau der weißen Rasse nach Abschüttelung der jugendlichen Merkmale mit der männlichen auch wie notwendig die männliche Form der Beso ware eine bedeutende Einbuße an Mutterinstinkt garnicht zu vermeiden. Weder ist dem Neugeborenen mit der Berührung einer bärtigen Wange gedient, noch vermag diese die Weichheit der Kinderhaut zu empfinden. Eine Zunahme der Frauenbärte bei den männlich sich betätigenden Frauen scheint Friedenthal schon jetzt nach eigenen Untersuchungen sehr wahrscheinlich. Genauere statistische Untersuchungen sind erforderlich. Die Verfeinerung des Berührungsgefühles der Haut durch die feinen Wollhärchen beruht auf die Vermehrung der bei Berührung gereizten Nervenpunkte. Diese Vermehrung der Hautsinnesempfindungen durch einen eigenen Sinn, den Haarberührungssinn, kommt durch spezifische Nervenendigungen an der Haarwurzel zustande, welche an allen Haaren sich finden und an den Tasthaaren der Säugetiere eine besonders starke Ausbildung erfahren haben. Ist eine Hautfläche von dichtem Haarwuchs bedeckt, so schützen die Haare alle Nervenpunkte in der Haut vor Erregung. Die Wärmepunkte. Kältepunkte, Druckpunkte, Schmerzpunkte werden garnicht oder nur schwach erregt, und nur der Haarberührungssinn vermittelt dem Zentralnervensystem die Kunde von der Annäherung eines fremden Körpers. Bei Berührung wollhaartragender oder haarloser Haut unterrichten sämtliche Hautsinne uns durch eine lebhafte Mischempfindung sogleich über Temperatur, Oberfläche, Härte, Gestalt und Bewegungsweise des berührenden Objektes. Der Nervenapparat der Tast= oder Spürhaare der anderen Säugetiere kann diesen keineswegs einen Ersatz für die durch dichte Behaarung verloren gegangene Sinnesschärfe der Haut gewähren, auch wenn der Haarberührungssinn, wie bei manchen Tieren, z. B. der Hauskatze, zu großer Feinheit entwickelt ist. Für die größere Berührungsempfindlichteit der Frauenhaut gegenüber der Männerhaut kommt die Frauen und Kindern gemeinsame Feinheit und Dünne der Oberhaut nicht weniger in Betracht als die Haararmut. Auch in diesem den Menschen vor anderen haararmen Säugetieren bevorzugenden Merkmal übertrifft die Frau den Mann sehr allgemein. Und an anderer Stelle sagt Friedenthal: „Die Wachstumsstärke des Wollhaarpelzes im extrauterinen (nachgeburtlichen) Leben scheint in enger Abhängigkeit von der Ausbildung des Terminialhaarkleides zu stehen, indem die terminialhaarreichen Menschenrassen, wie die Australier und die poikiloderme(weiße) Rasse eine geringere Rückbildung des Wollhaarkleides im späteren Leben zeigen ls die terminalhaarärmeren Neger und Indianer. Je dicker die Haut, desto geringer im allgemeinen die Ausbildung der Wollb=haarung. Der von feinen Wollhärchen herrührende Flaum der Frauenwange bei der Europäerin, welche dieses Merkmal der Jugendlichkeit bis zum Lebensende beibehalten kann, wenn die echt weibliche Beibehaltung der Jugendlichkeit ihre Formbildung beherrscht, bedeutet physiologisch zugleich das Maximum an Reizempfanglichkeit der damit geschmuckten Haut. Der ästhetischen Bewertung der höheren Schonheit der weiblichen Form beim Menschen liegt nicht nur in der Behaarung, sondern auch in den meisten anderen Punkten die unbewußte Anerkennung der funktionellen Vollkommenheit zugrunde. Feinheit der haararmen Haut und Beibehaltung des Flaumhaarkleides durch das ganze Leben, diese Merkmale der Frauenbehaarung sind zugleich wichtige Punkte der Sonderstellung der menschlichen Bebaarun= wichtioe Bunl der Sonderstenlung der menschlichen Behaurung bru#, aus Danzia einer Extranotiz di und den um ihr Le Rücken zu fallen. 1 zur Vertretung von Die Huf= und Tarifdifferenzen die Im Solnhofene dem 17. Juni etwa sperrt sind, haben n die Arbeit niedergel von den Unternehm arbeiten. Lohnbewegung d ler in Magdeburg! stellt. Sie verlan Stunde, für Arbeit 50 Pfg., bei Ueberstt für die weiteren Sti Stunde Zuschlag, A Stunden wöchentlick Montagearbeiten, C zeuges und Einführ Bauarbeit. Mit let begegnet werden: bis Arbeiten in den einz arbeiten seit April allgemeinen Vertrag unter dem Vorsitz de ein neuer Vertrag schaffen, doch hat d vermocht, diesen Ve Mitglieder in Mag Ein Erfolg der kohlengrube„Zur gu starke Belegschaft in schlag bekanntgegeber ten, wie Holzbauen sollten. Dadurch n einen wöchentlichen Auch die Gedinge Hauer höchstens noch verdienen konnten. der Arbeiter wurde beiterausschuß einen um 20 Pfg. und das pro Hunt erhöht wu bezahlt. Die Holzarbeiter Werkstätten in den Der Bauarbeiter sieben Wochen währt verbandes für die de triebe geführt. Jetz einen Aufruf, in dem sich nicht bis zum 2. meldet hat, um zu de und Arbeitnehmer v den gewerblichen un zum 1. Oktober d. I kann natürlich nicht sorisch. In Wirklich die verlangte Lohner willigen, worauf die Dieses schneidige darin seinen Grund Mangels an Arbeit finden, der sie durch Achtung, Weißger haben die Lederfabrika am 1. August ablau unterbreiteten die Ar rungen: 40 Pfg. Stun Zuschlag, Freigabe de stand kommen 80 We siert sind. Kapitalistengewinn ergebnis des Allgemei weist einen Ueberschu eine seit Bestehen des reichte Summe. Als statuts die Arbeiterve Teuerungsverhältnisse und Witwenrenten so es, dazu sei kein Geld ag. Muskelkrämpf treten nicht selten M in dem„Journal d gung“, die angestren verantwortlich zu m dann zu leiden, wenn sein besteht. In erst und zwar die Finger scheinung solgen die einander, die von leichteren Fällen wen er bei schwereren zu ag. Ledigenheim hygiene spielt die S große Rolle. Um treten, hat man die schaffen, die von Pro nationalen Kongreß wurde. Nach dem B dizin“ müssen separa Mietskaserne geschaff wohnungen zu finden. gestellt, die in einem einzelnen Zimmer st haben, der auf einen mündet und nicht au für mehrere Mieter dürfen nicht direkt un Verheiratete in Verl Fenstern angewiesen müssen, soweit es mö Jedenfalls muß, um kein Mieter eine ande wohnung, zu berühre mit Gas und Abzug die Möglichkeit besitz Heizung anzubringen. oder andernfalls ein Eingangsflure haben, anderen zu treten b müssen die BequemliSchachte für Kehrimüssen zum Gebrauck als 30 chm bei einer Benutzung von zw K Zengs sir Eriges tun zu müssen. Das Sianal zum Streikeinich(guf., Danzia greift er gieria auf und unterstreicht in 496##tanotiz die Aufforderung, nach Königsberg zu gehen en um ihr Lebensminimum kämpfenden Arbeitern in den Rücke,, zu fallen. Und das nennt sich noch Arbeiterorganisation zur Vertretung von Arbeiterinteressen! #.Die Huf= und Wagenschmiede in Nürnberg haben wegen Tarifoifferenzen die Arbeit niedergelegt. . Im Solnhofener Lithographie=Steingebiete, in dem seit dem 17. Juni etwa 1000 christlich organisierte Arbeiter ausgesperrt sind, haben nun auch die freiorganisierten Steinarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil sie nicht in der Lage sind, nach dem pox den Unternehmern den Christlichen angebotenen Tarife zu Lohnbewegung der Holzarbeiter in Magdeburg. Die Tischler in Magdeburg haben Forderungen an die Unternehmer gestellt. Sie verlangen eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. die für Arbeiter über 20 Jahre einen Mindestlohn von 50 Pfg., bei Ueberstunden für die ersten beiden Stunden 10 Pfg. für die weiteren Stunden und für Sonntagsarbeit 25 Pfg. pro Stunde Zuschlag, Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 Stunden wöchentlich, ferner Regelung der Entschädigung bei Montagearbeiten, Entschädigung beim Halten eigenen Werkzeuges und Einführung eines einheitlichen Akkordtarifes für Bauarbeit. Mit letzterem soll besonders der Schmutzkonkurrenz begegnet werden: bisher waren die Akkordpreise für die gleichen Arbeiten in den einzelnen Betrieben sehr ungleich. Die Tischler arbeiten seit April 1908 ohne Vertrag. Wohl wurde bei den allgemeinen Vertragsverhandlungen in Leipzig im April v. J. unter dem Vorsitz des Herrn v. Berlepsch auch für Magdeburg ein neuer Vertrag vereinbart, resp. durch Schiedsspruch geschaffen, doch hat der Arbeitgeber=Schutzverband bisher nicht vermocht, diesen Vertrag zur Anerkennung zu Pringen; seine Mitglieder in Magdeburg sind ihre eigenen Wege gegangen. Ein Erfolg der Bergarbeiterorganisation. Auf der Braunkohlengrube„Zur guten Hoffnung“ in Zittel trat die 43 Mann starte Belegschaft in den Streik, weil den Arbeitern durch Anschlag bekanntgegeben wurde, daß die verschiedenen Nebenarbeiten, wie Holzhauen und=rauben, nicht mehr bezahlt werden sollten. Dadurch würden Kameradschaften von zwei Mann einen wöchentlichen Lohnausfall von etwa 7 Mk. erlitten haben. Auch die Gedinge waren derart reduziert worden, daß die Hauer höchstens noch einen Lohn bis zu 2,50 Mk. pro Schicht verdienen konnten. Durch die Einigkeit und gute Organisation der Arbeiter wurde erreicht, daß die Verwaltung mit dem Arbeiterausschuß einen Vertrag schloß, demzufolge der Schichtlohn um 20 Pfg. und das Gedinge von 27 und 28 auf 28 und 29 Pfg. pro Hunt erhöht wurden, auch werden sämtliche Nebenarbeiten bezahlt. Die Holzarbeiter in Magdeburg sind 131 Mann in vier Werkstätten in den Ausstand getreten. .„Der, Bauarbeiterstreik in Landsberg a. W., der nun schon sieven Wochen währt, hat zur Gründung eines Arbeiterschutzverbandes für die dortigen gewerblichen und industriellen Betriebe geführt. Jetzt erließ dieser junge Scharfmacherverband sch.### in dem gesagt wird, daß, wer von den Streikenden . zum 2. Juli bei seinem früheren Arbeitgeber gemeldet hat, um zu den zwischen den Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarten Bedingungen zu arbeiten, in den gewerblichen und industriellen Betrieben Landsbergs bis zum 1. Oktober d. I. keine Arbeit erhält. Von Vereinbarung kann natürlich nicht die Rede sein, sonst wäre der St sorisch. In Wirklichkeit hatten es die Unternehmer die verlangte Lohnerhöhung auf 38 Pfg. pro St willigen, worauf die Arbeiter Streik beschlossen. Dieses schneidige Vorgehen des jungen Verbändchens scheint darin seinen Grund zu haben, daß die Unternehmer sich wegen Mangels an Arbeitskräften bereits in einer Kalamität befinden, der sie durch eigenes Scharwerken begegnen möchten. Achtung, Weißgerber! In Frankenhausen am Kyffhäuser haben die Lederfabrikanten den mit den Arbeitern abgeschlossenen, am 1. August ablaufenden Tarifvertrag gekündigt. Darauf unterbreiteten die Arbeiter den Arbeitgebern folgende Forderungen: 40 Pfg. Stundenlohn(bisher 35), für Zurichter 12 Proz. Zuschlag, Freigabe des 1. Mai. Bei einem eventuellen Ausstand kommen 80 Weißgerber in Betracht, die sämtlich organiKapitalistengewinne und Arbeiterfürsorge. Das Rechnungsergebnis des Allgemeinen Knappschaftsvereins Bochum per 1907 weist einen Ueberschuß von rund 25 Millionen auf. Das ist eine seit Bestehen des Vereins auch nicht im entferntesten erreichte Summe. Als bei Beratung des neuen Knappschaftsstatuts die Arbeitervertreter eine auch nur einigermaßen den Teuerungsverhältnissen angepaßte Erhöhung der Invaliden= und Witwenrenten sowie des Krankengeldes beantragten, hieß es, dazu sei kein Geld da. weniger als 40 ehm betragen bei einer Höhe von 3 m. Soweit möglich, müssen die Fenster und Türen der Zimmer so eingerichtet sein, daß sie einen guten Luftzug ermöglichen, der direkt von den den Mietskasernen gegenüberliegenden Seiten kommt, wobei die Fensteroberfläche wenigstens ein Sechstel der Zimmeroberfläche beträgt und über eine Hauptaußenmauer des Hauses zu öffnen ist. Sie müssen im übrigen allen sonstigen Ansprüchen an Lage, Decken, Wände. Verschluß eines gewöhnlichen einfachen Hauses entsprechen.— Es wird sehr schwer sein, alle diese Forderungen zu erfüllen. Die volkswirtschaftliche Bedentung der Lebensverlängerung. an ökonomischen Werten infolge von Krankheiten, deren Verhütung im Bereich menschlicher Fähigkeit liegt, ist gom, sozialpolitischen Standpunkt ein mächtiger Ansporn zur Verbesserung öffentlicher hygienischer Einrichtungen. In Amerika sind, wie das„Journal der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung“ mitteilt, äußerst interessante amtliche Feststellungen nach dieser Richtung gemacht worden, und der zur Information des Präsidenten der Union dienenden„Konservation Kommission" zugestellt worden. Sie haben ergeben, daß der Verlust an Lebensdauer infolge vermeidbarer Todesfälle an Tuberkulose, Durchfall, Darmkatarrh, Lungenentzündung, typhösen Erkrankungen und Diphtherie sich auf einen durchschnittlichen Wert von 73 Jahren beläuft. Ein Mitglied der sogenannten Kommission, Prof. Irving Fischer, schließt aus einer sorgfältigen, Zusammenstellung der vermeidbaren Fälle Schillers Werke wurden von Cotta im ganzen über dreihunderttausend Gulden Honorar gezahlt. Schiller hat hiervon rund vierundzwanzigtausend Gulden erhalten. Ich glaube, das Interesse, daß seine Dichtungen viel früher Gemeingut des deutschen Volkes geworden wären, wäre viel größer gewesen als der Vorteil davon, daß seine Erben noch mehr als das Zehnfache dessen erhielten, was er selbst bezogen hatte. Dreißig Jahre über Lebenszeit als Schutzfrist für, Bücher ist zu viel. Als Schutzfrist für Aufführungen ist es zum mindesten genug. Was darüber hinausginge, wäre als allgemeine Satzung entschieden vom Uebel.“ ** Bielefeld, 3. Juli. Strafkammer. Der Schlosser Otto Szczesinski von hier war geständig, ein junges Mädchen von 13 Jahren verführt zu haben. Der Gerichtshof erblickte in dem Geständnis mildernde Umstände und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahre Gefängnis; die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Schlosser Hermann Rudack von hier war angeklagt, in der Nacht zum 24. Mai d. J. die Kutscher Franz Timm und August Hackert von hier in der hiesigen Körnerstraße mit einem einer das Leben geimmenstellung der vermeidbaren Fälle Messer mißhandelt zu haben und zwar in ei neunzehn für die Union hauptsächlich in Betracht] fährdenden Weise. Dieser Messerstecherei war ein Wortstreit kommenden Todesursachen, daß etwa ein Drittel der jetzt vor= und eine ungefährliche Relger:#.# kammondon Tadesfällo verhütgt werdeg könnte Dies würde kommenden Tobessaule verbuter werden tonnte. Dies wurde einer Verlängerung der mittleren Lebensdauer um sogar mehr als fünfzehn Jahre entsprechen. Der Einfluß einer derartigen Vermehrung der Lebenswerte auf die Industrie und die allgeu bringen; seine meinen wirtschaftlichen Verhältnisse, wäre ein ganz ungeheurer. Wege gegangen. Von ganz besonderer Bedeutung in dieser Hinsicht ist das ProAuf der Braun= lblem der Lebensverlängerung für die Versicherungsgesellschaften. Im Hinblick darauf hat Prof. Fischer eine Eingabe an die Vereinigung der Präsidenten der Lebensversicherungsgesellschaften gerichtet, worin er, ganz abgesehen von der philantropischen, die wirtschaftlichen Momente ins Treffen stellt, um die Unterstützung der Gesellschaften zur Förderung der volksgesundheitlichen Zwecke zu erlangen. Er vertritt den Standpunkt, daß die Gesellschaften sehr wohl 200000 Dollar jährlich zu Zwecken des Schutzes des menschlichen Lebens aufwenden könnten, welcher Betrag nur etwa ein Achtel v. H. der gegenwärtigen Versicherungsprämien auf Ableben ausmachen würde. Dieser Betrag soll nicht zur Einrichtung von Krankenhäusern und Sanatorien verwandt werden, sondern zur Erziehung des Publikums in sanitärer Beziehung, sowie zur Propaganda zwecks Interessierung der städtischen und staatlichen Bebörden an Einrichtungen zum Schutze der Lebenserhaltung. Die Vereinigung der Präsidenten der Lebensversicherungsgesellschaften hat tatsächlich beschlossen, den Vorschlag in eingehende Erwägung zu ziehen und steht ihm wohlgeneigt gegenüber. Die vorbereitenden Arbeiten sind bereits in Angriff genommen worden. Urheberschutz oder Kulturförderung? Es gehört zu den unlöslichen Antinomieen(Widersprüchen) der kapitalistischen Entwicklung, daß sie einerseits dem Künstler die materiellen Mittel des Schaffens gewährt, indem sie ihn zum Warenproduzenten macht, andererseits ihm die Möglichkeiten künstlerischen Wirkens beschränkt, ja unterdrückt, indem sie es von den Erwerbsrücksichten abhängig macht. Der Künstler will leben, wie jeder andere Mensch, aber sein Werk muß, um seinen Beruf zu erfüllen, in die Allgemeinheit gehen. Diesen in der kapitalistischen Ordnung unheilbaren Konflikt haben die großen schöpferischen Soziales. ag. Muskelkrämpfe bei Stahlarbeitern. Bei Stahlarbeitern treten nicht selten Muskelkrämpfe auf, für die nach Dr. Welsh in dem„Journal der Amerikanischen Medizinischen Vereinigung“ die angestrengte Muskelarbeit in überhitzten Räumen verantwortlich zu machen ist. Die Arbeiter haben besonders dann zu leiden, wenn schon irgendwie ein körperliches Unwohlsein besteht. In erster Linie werden Muskeln an den Händen, und zwar die Fingerbeuger, befallen. Auf der Höhe der Erscheinung solgen die einzelnen Krämpfe alle paar Minuten aufeinander, die von lebhaften Schmerzen begleitet sind. Bei leichteren Fällen wendet Dr. Welsh heiße Packungen an, während er bei schwereren zu Apomorphin und Strychnin greift. ag. Ledigenheim oder Volkshotel? In der Wohnungshygiene spielt die Schlafburschen- und Untermieterfrage eine große Rolle. Um den verschiedenen Mißständen entgegenzutreten, hat man die Forderung aufgestellt, Ledigenheime zu schaffen, die von Prof. Tagliani in Turin auf dem 14. Internationalen Kongreß für Hygiene und Demographie“ vertreten wurde. Nach dem Bericht in der„Sozialen Hygiene und Medizin“ müssen separate Zimmer für einzelne Personen in einer Mietstaserne geschaffen werden. Sind in ihr nur Familienwohnungen zu finden, so wird eine Reihe von Forderungen aufgestellt, die in einem Volkshotel besser zu erfüllen sind. Die einzelnen Zimmer sollen nämlich einen besonderen Eingang auf einen großen und guterleuchteten Treppenabsatz mündet und nicht auf einen dunklen Korridor oder auf einen für mehrere Mieter gemeinsamen Verbindungsgang. Sie dürfen nicht direkt untereinander oder mit den Wohnungen für Verheiratete in Verbindung stehen oder auf Gänge vor den Fenstern angewiesen sein, die ihnen Licht und Luft geben. Sie müssen, soweit es möglich ist, einen besonderen Abort besitzen. Jedexfalls muß, um zu dem gemeinsamen Abort zu gelangen. kein Mieter eine andere Wohnung, sei es Einzel- oder Familienwohnung, zu berühren brauchen. Jede muß einen kleinen Herd miit aas und Abzug für die Verbrennungsprodukte und auch dir, Moglichreit besitzen, darin eine Vorkehrung hygienischer Heizung anzubringen. Jede muß möglichst einen Wasserauslaß oder andernfalls einen gemeinsamen Wasserauslaß auf dem e-Pogreih Dr die Heuts Slälte ded Gdalel Gescinlinst werkes— öffnet nur den Reichen die teuren Pforten, und auch sonst ist die Wagner=Oper ein Monopol der großen Bühnen, die allen Unbemittelten— schon wegen ihrer Preise— unzugänglich bleiben. Es ist bezeichnend, daß gerade an den Namen Wagner sich die Bestrebungen anlehnen, eine Verlängerung des Urheberschutzes herbeizuführen. Das Reichsgesetz vom 19. Juli 1901 gewährt den Urheberschrtz noch 30 Jahre nach dem Tode des urhevers. 30 Jahre haben die Erben Gelegenheit, die Werke eines Genies auszubeuten, wie irgend ein Trust sein Monopol. Das mag ein Ausfluß des kapitalistischen Eigentumsrechts sein und unseretwegen mag es auch konsequent sein, dieses Recht zu verewigen wie das an jedem anderen Besitztitel. Um so deutlicher tritt dann aber auch die Kulturfeindlichkeit dieses kapitalistischen Eigentumsrechts hervor. Im Falle Wagner beruft man sich darauf, daß der„Parsival“ vor Profanierung bewahrt werden müsse.“ Und demzuliebe soll Wagner, dessen Werke 1913 frei werden, noch weitere 20 und ihrer Kontrahenten bleiben! Welch ein Widersinn. und diesem Widersinn zuliebe son womöglich das Schutzrecht allgemein auf 50 Jahre erhöht werden. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß wir Sozialisten diesen Wahnsinn, der ja nach kapitalistischer Auffassung Methode genug haben mag, aufs schärfste bekämpfen und die Gelegenheit benutzen müssen, um das Unhaltbare und Kulturwidrige dieses Systems zu beleuchten. Aber auch in bürgerlichen Kreisen erheben sich Stimmen, die sich gegen die Verlängerung der Schutzfrist aussprechen. Max Burckhard, der frühere Wiener Hofburgtheaterdirekter, der sich bereits wiederholt vorteilhaft vor uno eine ungefährliche Balgerei voraufgegangen. Kurze Zeit darauf erhielt Timm von dem Angeklagten zunächst einen Stich in die Seite und a tempo den zweiten in den Bauch, so daß die Gedärme heraustraten. Hackert, der seinem Freunde zu Hilfe eilen wollte, erhielt ebenfalls zwei Stiche, welche jedoch ungefährlicher Natur waren. Der verletzte Timm hat nur sein Leben der sofort im Krankenhause vorgenommenen Operation zu verderken. Die Strafkammer verurteilte Rudack zu einem Jahre Gefängnis. Wir wissen nicht, weshalb der Berichterstatter nicht mitgeteilt hat, daß der Angeklagte zuerst einen furchtbaren Schlag über den Kopf erhalten hat, der ihm fast seine Besinnung und jedensalls seine Zurechnungsfähigkeit raubte. Die Sache liegt wesentlich milder, als der Bericht vermuten läßt. Warum hat man den Angeklagten verhaftet, der an Flucht gar nicht gedacht hat, warum ist es ihm dadurch unmöglich gemacht worden, sich eine genügende Verteidigung zu besorgen? Jedenfalls ist es der Angeklagte und jetzt Verurteilte nicht, der irgend eine Gefahr für die nächtliche Sicherheit der Straßen Bielefelds darstellt. Der Rangiermeister Heinrich Horstmann zu Dankersen war vom Schöffengericht zu Minden wegen Erregung öffentlichen Aergernisses mit 4 Monaten Gefängnis bestraft, wogegen er Berufung eingelegt hatte. Der Gerichtshof erblickte in der bisherigen Unbescholtenheit mildernde Umstände, hob das erste Urteil auf und erkannte gegen den Angeklagten auf eine Geldstrafe von 100 Mk. eventl. 20 Tage Gefängnis. ** Bielefeld, 3. Juli. Schwurgericht. Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Nordbeck; Vertreter der Staatsanwaltschaft: Assessor Rohr.— Vor dem Schwurgericht hatte sich heute die Ehefrau des Maschinenbauers Eduard Eick von Minden zu verantworten. Ihr wurde zur Last gelegt, in der Nacht zum 26. März d. J. das von ihr und ihrem Manne bewohnte Haus vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben und zwar in der Absicht, sich die ziemlich hohe Versicherungssumme für den Brandschaden zu verschaffen. Die Angeklagte bestritt die Brandstiftung, aber auch ihre Mittellosigkeit, in der das Motiv der Brandstiftung ebenfalls gefunden werden sollte. Der Wahrspruch der Geschworenen lautete auf„Nichtschuldig“ und die Angeklagte wurde demgemäß vom Gerichtshofe freigesprochen. *** Zwangserziehung und ihre Folgen. Vor dem Schwurgericht in Straßburg hatten sich am Mittwoch vier Zöglinge der Zwangserziehungsanstalt Hagenau i. E. wegen des Mordes an einem Anstaltsbeamten bezw. Anstiftung hierzu zu verantworten. Die Verhandlung erbrachte den Beweis dafür, daß die Einrichtungen des gegenwärtigen Staates nicht geeignet sind, die Schäden der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu heilen. Von den vier Angeklagten ist einer der Sohn einer armen Witwe mit 8 Kindern, die— weil sie für den Lebensunterhalt sorgen mußte— nicht die nötige Sorgfalt auf die Erziehung ihrer Kinder verwenden konnte. Bei zwei anderen Angeklagten waren die elterlichen Erzieher dem Trunke ergeben. Um die Kinder vor Verwahrlosung zu bewahren, brachte man sie in die Zwangs-„Erziehung". Der vierte Angeklagte bekam zu Hause nicht genügend zu essen; um seinen Hunger zu stillen, 20 Jahre das Monopol seiner Erben zu Hause nicht genügend zu essen: um seinen Hunger zu stillen. bleiben: Welch ein Widersinn. Und##stahl er Geld und eine uhr, Der„Erziehung gelang es nicht, fesster.###t m— l aus den jungen Leuten wirrlich vollwertige Menschen zu machen. Wohl brachte sie es fertig, die schlechtesten Triebe auf einige Zeit mit der brutalen Zucht zu unterdrücken, aber sie verstand es nicht, die edlen Triebe in den Kindern zu pflegen und zu entfalten. Die Angeklagten waren in der Schuhmacher=Abteilung der Anstalt beschäftigt. Hier waltete der Handwerkslehrer Boyon seines Amtes als„Erzieher“. Er war— wie der Anstaltsdirektor als Zeuge aussagte— ein stiller, ruhiger Mann, der aber so etwas Kaltes in seinem Umgange mit den Zöglingen seinen reichsdeutschen Kollegen(Hoftheater werden bei uns von hatte daß er sich deren Herzen nicht erwerben konnte.— Der den kunstdämlichsten Junkern besorgt) hervorgetan hat, nimmt am schwersten belastete Angeklagte Bronner— etwas exzenim 2. Junihefte des„Literarischen Echos“ dazu Stellung. Wir trisch voranlagt und leicht veizhar murde von Re gewähren seinen Ausführungen gern ein weiteres Echo. "„Nicht aus sich heraus— schreibt Burckhurd— als einem in Zeit und Raum isolierten Wesen hat der Künstler geschaffen, er hat nur an das Licht gefördert, was Geschlechter vor ihm vorbereitet, was Mitmenschen in ihm angeregt haben. Als Glied der Entwicklung hat der Künstler etwas geleistet und der Gesamtheit gehört auch sein Werk. Es gibt überhaupt nur einen einzigen Grund ür die Gewährung besonderer Schutzfristen für den Autor: die Erwägung, daß der Schutz ihm die Mittel schafft, vorwiegend oder ausschließlich seiner literarischen, künstterischen Arbeit zu leben. Für die Kunst wäre es besser, wenn sie nicht auch zugleich Erwerb zu sein brauchte; aber alle die wären dann von ihr ausgeschlossen, die ihrer ganzen Arbeitskraft zum Erwerben bedürfen. Frei soll die künstlerische Arbeit den Künstler machen, das bezweckt sein Urheberrecht: das Schutzrecht des Schriftstellers, des Komponisten für ihre Erben hat nur mehr insofern Berechtigung, als es jene der Sorge entheben soll, auch noch ihren Nachkommen und Angehörigen Vermögenswerte zu erwerben und zu überliefern, eine Sorge, der sie sich in unserer Gesellschaftsordnung, in der das Erbrecht den Menschen verlockt, über seinen Tod hinaus Güter zu monopolisieren, kaum werden entziehen können. Der Mensch lebt nicht nur in seinen Kindern fort, sondern auch in seinen anderen Werken. Es ist ein Unrecht gegen den Künstler selbst, wenn man um der materiellen Interessen der Erben willen seine Werke in der Entwicklung des vollen Lebens, zu dem sie fähig wären, beschränkt. Wenn man einen Menschen, der von Schaffensdrang erfüllt ist und nicht nur um des Geldes willen arbeitet— fragt, was ihm lieber wäre, wenn gewisse Personen so und so viele Jahre nach seinem Tode Geld erhalten, oder wenn ein Werk, das er geschaffen, in das Herz, in die Seele vieler Tausender dringt, statt ein Mon###### einiger rrisch verantagl und reicht reizvar— wurde von Boyon mehrere Male hart gezüchtigt und von ihm mit dem Schimpfnamen „Zigeuner" belegt. Als sich Bronner über diese Behandlung beim Direktor beschweren wollte, sagte Boyon zu ihm, er wolle mit ihm ins Waschlokal gehen, dort werde er seinen(Bronners) Kopf ins Wasser stecken, dann würde sein Zorn schon vergehen. Der Angeklagte Buckl, ein geistig beschränkter Mensch— blieb in seiner Ausbildung als Schuhmacher zurück. Er sollte deshalb ein halbes Jahr länger lernen. Der Angeklagte Koepler litt an Bettnässen: weil er dies einmal verschwiegen hatte, erhielt er auf Anordnung des Direktors 10 Stockschläge. Auch der vierte Angeklagte, Demmerle, ist mehrmals von Boyon geschlagen worden. Die Züchtigungen erweckten den Groll der Löglinge. Ab und zu gurden den Zöglingen zur Strafe die Haare turz geschoren. Der Direktor sagte aus, daß die Beamten angewiesen seien, die Zöglinge nicht zu züchtigen. Das Recht, Strafen zu verhängen, habe nur der Direktor. Die Strafen bestehen im Verweis, stehend essen, Kostentziehung, milden und strengen Arrest und körperlicher Züchtigung. Letztere soll unter Aufsicht des Direktors von dem Beamten ausgeführt werden, der die Beschwerde vorbringt. Zur Züchtigung wird ein 8 Millimeter dicker Stock verwendet. Der Zögling muß sich bücken und die Schläge selbst zählen!— Die vier Zöglinge hatten nun den Entschluß gefaßt, einmal etwas zu unternehmen, um den Boyon los zu werden Zu diesem Zwecke sollte Bronner den Boyon mit dem Messer verletzen. B. erklärte sich zu der Tat bereit und am kritischen Tage als er nach einem Konflikte mit Boyon von diesem in Arrest geführt werden sollte, versetzte er dem B. einen Stich in die Brust, der tödlich wirkte. Im Verlaufe des Konflikts hatte Boyon dem Bronner mit dem Fuße in das Gesäß getreten.— Nach eintägiger Verhandlung wurde folgendes Urteil gefällt: Bronner wird zu Jahren, Buckl zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt: die beiden anderen Angeklagten werden freigesprochen. Seele,„vieler Tausender„dringt, statt ein Monopol einiger wenigen zu bleiben: ich kann mir gar nicht vorstellen, daß da Eingangsflure haben, ohne daß der Mieter in die Wohnung des“ erinnern sich wohl noch ganz gut an die Zeiten des Cottaschen wössen aie Heauemlichteistt: Wasser zu entnehmen. Sie Privilegiums für die Werke Schillers und Goethes. Run, man Schächte für Kebrichtentfernung" henugen Sie ann getrost sagen, Goethe und Schiller sind ihrem Volke das, was kommen. Der 9. November 1867 war da ein Markstein. Für! Militärisches. Zum Tode verurteilt. Oran, 2. Juli Im Laufe einer ∆0 Unter Ablehnung des Antrags Weber wird der§ 69a in der konservativen Fassung mit 181 gegen 166 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen angenommen. Die folgenden Paragraphen werden debattelos angenommen. .§.103 enthält die Sätze für die Einfuhr aus dem aubtande. „Abg. Dr. Südekum(Soz.): Im§ 103 werden ganz exbrockante Zollsätze für die Einfuhr von Parfümerien vorgeschlagen. Die franzosische Regierung wird kaum verfehlen, auf die Riesenzollsätze auf französische Parfümerien mit einer Erhöhung des Zolles auf deutsche Spielwaren zu antworten. Ich möchte ausdrücklich vor der Annahme dieser Zollsätze warnen. „Auf Antrag Dietrich(kons.) wird die Diskussion über 3 Looa mit der Diskussion über§ 103 verbunden. „ Reichsschatzsekretär Sydow: Man darf sich nicht durch ven ersten Anschein tauschen lassen und diese Steuer als eine Luxussteuer betrachten. Eine Menge kleiner Käufer, kleiner . und Hausierer würde dieser Steuer unterliegen. Die Sieuer wird nichts bringen, sondern ist eine reine Verärgerungssteuer.(Sehr richtig! links.) . Ahg, Dietrich(konf): Die Gründe des Herrn Staatsdie Wirtichafslassen uns Konservative, die Reichspartei und (Heiterkeit linis, Vereinigung, gegen diese Steuer zu stimmen. zberger(Ztr.): In der Kommission war der Staatssekretär mit dem Grundgedanken der Steuer einverstanden.(Hört, hört! i. Ztr.) Wir halten den Grundgedanken dieser Steuer für gesund und berechtigt.(Gr. Heiterkeit links.) Aber im Interesse des Zustandekommens der Reichsfinanzreform werden wir im gegenwärtigen Moment auf die Weiterberatung dieser Steuer keinen Wert legen.(Lachen links.) Reichsschatzsekretär Sydow: Besprechungen mit den beteiligten Kreisen haben mich davon überzeugt, daß mein in der Kommission vertretener Standpunkt falsch war. Abg. Bassermann(natl.): Nachdem die Väter dieser mittelstandsfeindlichen Steuer ihr eigenes Kind verleugnet haben, ziehe ich meinen Antrag auf namentliche Abstimmung Abg. Träger(Fr. Vp.) spricht unter fortgesetzten Schlußrufen der Rechten gegen die Parfümeriesteuer. Seine Ausführungen bleiben auf der Tribüne unverständlich. Abg. Singer(Soz.): Nicht der Steuerblock ist von der Regierung überzeugt worden, daß die Parfümeriesteuer schädlich sei, sondern ein Teil des schwarz=blauen Blocks hat ein Haar darin gefunden. Darum läßt die Mehrheit diese Steuer fallen, damit nicht darüber die ganze Sache aus dem Leim geht. Was den Staatssekretär betrifft, so ist es eine starke Zumutung an uns, zu verlangen, daß wir irgend einer Regierungserklärung noch Glauben schenken sollen.(Lebh. Zustimmung links.) § 103 wird angenommen,§ 103a(Parfümeriesteuer) wird mit allen gegen keine Stimme abgelehnt.(Gr. Heiterkeit.) an§. 104a verlangt, daß Trinkbranntwein mindestens 30 Proz. unoyol enthält. Abg. Dr. Südekum(Soz.): Warum schreibt die Mehrheit nicht lieber gleich vor, wieviel Alkohol jeder deutsche Staatsbürger zu sich nehmen muß.(Sehr gut! links.) Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wird der§ 104a (Prozentbestimmung) einstimmig abgelehnt.(Gr. Heiterkeit.) Bei Abschnitt 7 begründet Abg. Dr. Südekum(Soz.) einen Antrag auf Unterstützung durch das Gesetz arbeitslos werdender Arbeiter. Der Antrag wird mit 182 gegen 139 Stimmen abgelehnt, worauf sich das Haus auf Montag 1 Uhr vertagt.(Rest der zweiten Lesung der Reichsfinanzreform.) Schluß 7½ Uhr. triebe über 20 Hektar; 2. Kleinbetriebe, zu denen alle Betriebe zu zählen sind, die groß genug sind, um die auf ihnen wirtschaftende Familie voll zu beschäftigen; und die nicht so groß sind, als daß fremde Arbeitskräfte normalerweise herangezogen werden müßten. Sie fallen in die Größenklasse von 2—20 Hektar; 3. Zwergbetriebe, die nicht ausreichen, um eine Familie zu ernähren und deren Bewirtschaftung darum in der Regel nur neben anderer Berufsarbeit einhergeht. Nach diesen drei Klassen geordnet zeigt die Reichsstatistik folgendes Bild: 1. Zahl der Betriebe: + 177.55 2. Landwirtschaftlich ausgenutzte Gesamtfläche in Hektar: bis 2 ha 2" 20 über 20 1 808 444 13 007 859 17 701 638 1731 317 13726 437 16377119 77127— 4/2 718578 4+ 5,5 118519— 7/4 Zusammen 32 517941 31 834873— 683 068— 3,1 Das Resultat ist demnach: Rückgang der Großbetriebe— Zunahme der Kleinbetriebe, beider sowohl nach der Zahl der Betriebe, als nach der genutzten Fläche. Die ersteren verloren 6,8 Prozent der Betriebe und 7,4 Prozent der Fläche. Die letzteren gewannen 2,8 Prozent der Betriebe und 5,5 Prozent der Fläche. Die Zwergbetriebe zeigen ein Anwach + 149149— 44 Prozentl aber gachsen hinsichtlich der Zahl I. 4# 129—. 19 M ine ubnahme hinsichtlich der Fläche(— Mn 132“, Ptrhentg. üver eine ubnahme hinsichtlich der (—(71a1 na= 1/8 Prozent). Betrachtet man diese Betrlebsgruppe genauer, so zeigt sich, daß die kleinsten Betriebe lso die Betriebe“ die meist nur# Fir Ertriebsentwicklung in der Tandwirtschaft. sso Nachdem die meisten Bundesstaaten die vorläufigen Ergebnisse der Betriebszählung von 1907 für ihren Bereich schon vor längerer Zeit veröffentlicht haben, bringt nun auch das Reichsstatistische Amt in dem kürzlich erschienenen Vierteljahrsheft(1909. II. Heft) die Zusammenstellung für das ganze Reich. Ihrer ökonomischen Natur nach sind die landwirtschaftlichen Betriebe in drei große Klassen zu gliedern: 1. Großbetriebe, wozu alle Betriebe gehören, die ständig mit fremden Arbeitskräften wirtschaften; zu ihnen rechnen normalerweise alle Bebis zu 0,5 ha,#., die„Getrier,“, die meist kur aus einem Gemuse= oder Oostgarten, auch einem Stuck Kartoffelland bestehen, sowohl nach Zahl(+ 231 143) wie nach Fläche(+ 11647 ha) zugenommen haben. Diejenigen von 0,5—2 ha Größe haben dagegen um 89001 an Zahl und 88 755 ha an Fläche verloren. Es sind die Betriebe der halbbäuerlichen Elemente, denen ein so großer landwirtschaftlicher Nebenbetrieb offenbar immer unbequemer wird bei der wachsenden Inanspruchnahme ihrer Arbeitskraft durch lohnendere gewerbliche Beschäftigung. Auch in der Klasse der Kleinbetriebe zeigt die unterste Gruppe, die Betriebe von 2—3 ha, die bei schlechterem Boden und extensivere Bewirtschaftung noch keine reinbäuerliche Existenz gewähren, einen Rückgang. Ihre Zahl sank von 1895 bis 1907 um 19•935; ihre Fläche ging um 36 470 Hektar zurück.— Von der Größenlinie von 3 ha aufwärts aber zeigen die Kleinbetriebe in allen Gruppen ein starkes Anwachsen nach Zahl wie Fläche. Die kleinbäuerlichen Gruppen in der Größe von 3—5 ha gewannen 9894 Betriebe und 55358 Hektar. Die mittelbäuerlichen Gruppen in der Größe von 5—20 ha hatten einen Zuwachs von 66 735 Betrieben und 699.690 Hektar. Das Gegenbild zeigen die Großbetriebe, die in allen Gruppen an Zahl und Fläche verloren haben. Die großbäuerlichen Betriebe in der Gruppe von 20—100 ha gingen um 19 576 Betriebe und 547 731 ha zurück. Die Gutsherrenbetriebe von über 100 ha verloren an Zahl 1495 und an Fläche 776 788 ha. Das ist das Gegenbild von Konzentration. Und das geschah in einer Zeit, wo die ganze Gesetzgebung eine Schutzgesetzgebung für Großbetriebe war, wo sie ihnen Tausende von Millionen in Gestalt von künstlichen Preiserhöhungen und Liebesgaben in den Schoß warf! „ Dabei kommt allerdings auch in Betracht, daß in den ostelbischen Gevieten durch die sogenannte„innere Kolonisation“ zahlreiche bäuerliche Ansiedlungen auf Kosten des Großbesitzes geschaffen worden sind. Allein, erstens erreicht die dadurch verursachte Verschiebung nicht annähernd die in obigem Zahlenbild erscheinende Gewinn= resp. Verlustsumme. Zweitens aber ist diese behördliche Schaffung von Kleingütern an Stelle einer privaten Güterzerschlagung getreten, die vor ihr kräftig eingesetzt hatte und ohne sie sicherlich kräftig weiter gegangen wäre. Aufruhrprozeß in Sicht. Fünf Monate nach der Wahlrechtsdemonstration in Harburg am 31. Januar ist gegen zehn Arbeiter— von denen einige sich des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht haben sollen— Anklage wegen Beteiligung an einem Auflauf erhoben worden. Die Harburger Polizei hatte an jenem Tage umfangreiche Absperrungsmaßregeln vorgenommen. Aus der Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht in Harburg folgerte das Gericht den dringenden Verdacht, daß Aufruhr und Landfriedensbruch vorliege. Das Gericht erklärte sich deshalb zur Aburteilung der Sache für unzuständig. Nunmehr wird sich die Strafkammer des Landgerichts in Stade mit der Angelegenheit befassen. Gewerkschaftsbewegung. Bewaffnete Arbeitswillige. Die Ausrüstung der dem Staate nutzlichen Elemente mit Revolvern scheint allgemein Mode zu werden. Auch beim Holzarbeiterstreik in Rathenow markieren sie die forschen Kerls und suchteln mit ihren Revolvern in der Luft herum. Mehrere Arbeitswillige, die für den Tischlermeister Nagel angeworben waren und von Berlin mit der Bahn eintrafen, bedrohten die Streikposten mit Revolvern, als die Ausständigen sie über die Sachlage am Orte zu unterrichten versuchten. Schon im Eisenbahnzuge hatten diese Helden, wie festgestellt worden ist, Mitreisende, die nach Rathenow fuhren, in derselben Weise bedroht, so daß die Reisenden beim Stationsvorsteher Beschwerde führten. Trotzdem konnten die gefährlichen Burschen von der Polizei unbeParteinachrichten. Eingestelltes Verfahren. Gegen den Redakteur Beyer der „Arbeiterzeitung“ in Dortmund war wegen eines Aufrufs zum 1. Mai, in dem zur Arbeitsruhe aufgefordert worden war. ein Strafverfahren eingeleitet worden. Der Dortmunder Staatsanwalt erblickte in dem Aufruf ein Vergehen gegen§ 110 des Str.=G.=B.(Aufforderung zum Kontraktbruch). Inzwischen hat wohl die Staatsanwaltschaft die gänzliche Aussichtslosigkeit des Verfahrens eingesehen und dem Genossen Beyer Donnerstag durch eine Zuschrift mitgeteilt, daß das Verfahren eingestellt sei. — Zeit zufällig in England unsern neuen Aufenthaltsort erfahren, schrieb er aufs neue, schrieb von seinem Leben, von seiner Liebe, und daß er dem Briefe auf dem Fuße folgen würde.“ „Und weiß Mr. Hetson von dem Briefe?“ frug der Arzt. „Ja,“ sagte die Frau.„Ich war sein Weib, ich fühlte, daß ich kein Geheimnis, kein solches Geheimnis vor ihm haben dürfe, wenn nicht unser ganzes künftiges Lebensglück gefährdet sein sollte, und beschloß, wahr gegen ihn zu sein. Eine Verbindung mit Charles war ja doch unmöglich geworden, ich gehörte meinem Gatten an und hoffte, er würde mir genug vertrauen, meinen Versicherungen auch zu glauben.— An dem nämlichen Abend konnte ich freilich keinen Mut zu dem Schritt fassen; aber am nächsten Morgen gestand ich meinem Gatten aues, zeigte ihm der Brief und versicherte ihm, daß ich Char helligt in Rathenow einziehen, sie mußten indes wieder abziehen, denn der Unternehmer verzichtete, als er von dem gewalttätigen Verhalten der Arbeitswilligen erfuhr, auf deren Einstellung. Der Streik, der sich auf 11 Tischlereibetriebe und eine Holzbearbeitungsfabrik mit insgesamt 52 Beteiligten erstreckt, dauert unverändert fort, da die Beteiligten sich bis jetzt nicht zu Verhandlungen geneigt zeigen. Einige Arbeitswillige haben sich leider gefunden, mit denen jedoch die Meister wenig anzufangen vermögen, weshalb sie sich alle erdenkliche Mühe geben, Ersatzkräfte von außerhalb heranzuziehen. Organisierter Hirsch=Dunckerscher Streikbruch. Als Streikbrecherbureau entpuppt sich der Hirsch=Dunckersche Gewerkverein der Töpfer und Ziegler mit dem Sitz in Bitterfeld. Bekanntlich stehen in Königsberg i. Pr. die Töpfer seit dem 1. Januar d. J. in einem Abwehrstreik. Die Unternehmer hatten den Gehilfen einen reduzierten Lohntarif unterbreitet, der von den Verbändlern und den in Königsberg leider auch noch vertretenen Lokalisten abgelehnt wurde. Nun hatte sich in Königsberg auch eine Sperrebruchgarde bei der gesperrten Firma Bonn etabliert, die sich nunmehr plötzlich mit richtigem Instinkt Hirsch=Dunckerisch„organisierte", und nun als„Korporation“ ohne weiteres dem Ullimatum der Unternehmer zustimmte, während Lokalisten und Verbändler sich ablehnend verhielten. Es kam so zum Abwehrkampf, bei dem die neugebackenen Hirsch=Dunckerschen den Unternehmern als treue Hilfstruppe zur Seite standen. Außerdem hatten diese Verbündeten noch einen Vertrag abgeschlossen, wonach mit den Hirsch=Dunckerschen ein Arbeitsnachweis eingerichtet und ein Vertrag abgeschlossen wurde demzufolge in Königsberg fortab nur HirschDunckersche Töpfer eingestellt werden sollten. Die letztere Maßnahme haben die Unternehmer nun allerdings bereits fallen lassen, da sie einzusehen beginnen, daß die Ausständigen nicht abtrünnig werden und mit den Hirsch=Dunckerschen allein für das Gewerbe keine Ehre eingelegt werden kann. Jetzt aber nun, nachdem in Königsberg die Arbeit zu drängen anfängt, gehen die Hirsch=Dunckerschen mit offenem Visier vor. In der neuesten Ausgabe des Organs dieser Aucharbeiterorganisation, dem Deutschen Töpfer“, vom 2. Juli, wird in einem Danziger Ortsbericht aufgefordert, nach Königsberg so viel Arbeitskräfte als nur irgend möglich zu vermitteln! Und die Hauptverwaltung dieser Hirsch=Dunckerschen Arbeiterorganisation schließt sich in derselben Nummer derselben Auffassung an, sie erklärt, daß die Kollegen getrost nach Königsberg gehen könnten, sie fänden dort, soviel ihr bekannt sei, auch Arbeit!— So sucht eine Aucharbeiterorganisation dem Unternehmertum beizuspringen. Als erschwerend fällt noch ins Gewicht, daß, wie bereits erwähnt, die Hirsch=Dunckersche Streikbruchgarde in Königsberg auch schon vor dem Abwehrkampf durchgängig aus Arbeitswilligen bestand, die fast sämtlich in der schon damals gesperrten Firma Bonn unter Tarif arbeiteten. Es waren zunächst Wilde, als jedoch die Königsberger Abwehrbewegung herannahte,„organisierten“ sie sich Hirsch=Dunckersch und wurden von dem Sekretär der Hirsch=Dunckerschen Töpfer= und Zieglerorganisation, Lange in Bitterfeld, liebevoll ausgenommen. Jetzt nun, nachdem die Ausständigen bereits im 7. Monat des Abwehrkampes stehen und die Situation sich zu bessern beginnt, glaubt dieser Generalsekretär und Arbeitswilligenagent zleschzeitig, nach Sidgey in—. g# immt, im Hafen in Australien bestimmt, im Hafen von Valparaiso, und ein Brief, der für Charies zurückbleiben sollte, Meldung, daß wir uns nach Neu=Holland eingeschifft hätten.(Fortsetzung folgt.) ; aber am nächsten Morgen gestand ich meinem Gatten gegie ihm den Erie, und versicherle ihm, eng ich, Chartes zwar früher geliebt, aber auch fest entschlossen sei, jede, selbst Tiefl Ie. Verbindung mit ihm abzubrechen. Das nächste Posta###den Scheidebrief an ihn mitnehmen, in dem ich ihm bus Geschehene auseinandersetzte und ihn bat, sich wie ein Mann in das nun einmal Unabänderliche zu fügen. „Und wie nahm Ihr Mann das Geständnis auf?“ fragte der Arzt leise. „Im Anfang so ruhig und vernünftig, wie ich nur hoffen und erwarten konnte, erwiderte die Frau.„Er dankte mir auf das herzlichste für das Vertrauen, das ich in ihn gesetzt, bedauerte den Unglücklichen, der durch eine solche Reihe von Unglücksfällen um meinen Besitz gebracht sei, und bat mich selber, ihm so rasch als möglich zu schreiben. Nur wenn und ausführlich als mignc zu schreiten. Kur wenn er alles wußte, lernte er am leichtesten entsagen.“ „Auge., clich schrieb ich den Brief, den ich Hetson zu lesen ollkomen damit einverstanden und!..“ ugenblicklich schrieb ich den Brief, den ich Hetson zu lesen gab.#r war vollsomen dam emnberstanben, und bie nachste ont nahm ihn nach England mit; aber selbst von dem Tage an bemächtigte sich meines Gatten eine eigene Unruhe. Wieder und wieder las er Charles' Zeilen, der mir allerdings geschrieben, daß er keine Antwort abwarten, sondern seinem Briefe mit dem nächsten Schiffe folgen würde. Vergebens gab ich ihm die Versicherung, daß ich ihn, wenn er selbst nach Valparaiso käme, nicht sehen wollte und fest überzeugt wäre, er würde das Land augenblicklich wieder verlassen, sobald er ersprhr, was ,indessen hier geschehen war. Es blieb alles umsonst. Tug und Nucht ließ es ihm keine Rast; der Gedanke, das Charles kommen und mich zurückfordern werde, bemächtigte sich mit jeder Stunde mehr seiner Seele, und in einem rei. n Ausbruch von Verzweiflung bat er mich endlich, mit ihm in ein anderes Land zu fliehen, denn er sei nicht mehr imstande, diese stete, ihn austesbende, Krost uu, ertrgen.e 6ete, „Ich willigte endlich ein. Mein Vater, dem ich alles gestanden, redete mir selber zu, den Wunsch meines Mannes zu erfüllen, und da gerade ihr Schiff, nach San Francisco bestimmt, in Valparaiso anlegte, beschloß Mr. Hetson, die Gelegenheit ohne weiteres zu benutzen. Unsere Vorbereitungen Heison Zielelben gtrossen; nur wußte, ich. nicht,weshalb Nr. se#on dieselben so gegeim betrieb. Endlich gestand er mir, er furchte, daß uns mein fruherer Bräutigam selber nach Kalifornien folgen würde, und habe deshalb beschlossen, ihn von unserer Fährte abzubringen. Ein anderes Schiff lag nämlich Frau und Naturwissenschaft. UC. In dem von uns besprochenen Werke von Dr. Hans Friedenthal über das Wollhaarkleid des Menschen kommt er von seinem naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zu einer interessanten Beleuchtung der Beziehungen zwischen Mann, Weib und Kind, die auch ein bemerkenswertes Streiflicht auf die Frauenfrage werfen, das weiterer Kenntnis wert ist. Mit Erlaubnis des Autors geben wir die beachtlichen Ausführungen im folgenden wieder. „Die Wollhärchen des Neugeborenen bilden einen nicht sehr dichten, fast farblosen, nur, bei günstiger Beleuchtung auffälligen Flaumpelz im Gesicht und auf der gesamten behaarten Körperoberfläche und helfen mit der Samtweichheit, welche nach der Entfernung der Fruchtschmiere die zarte und weiche KinderI g„ Frachtschnliete dir gu#ee uns Wsch= Winderhaul lei Beruyrung kennzeichnet, die fur das Kind veinahe lebensnotwendige Zuneigung der Mutter ihrem Träger zu erwerben. Wahrend der erste Anblick des Neugeborenen in vielen Fällen recht abstoßend auf die Mutter wirkt, dringt die klagende Stimme des hilflosen Wesens an ihr Herz und weckt im Verein mit der Wonne des Berührungsgefühls die Mutterinstinkte, welche durch das Wollustgefühl beim Säugen erst ihre volle Stärke erhalten. Diese Instinkte selbst müssen wir als ererbte Erinnerungsbilder an Empfindungen auffassen, die mit bestimmten Bewegungsvorgängen verknüpft waren. Der Eindruck des Wunderbaren, welchen die Beobachtung der Instinkthandlungen von jeher auf das empfängliche Menschengemüt gemacht hat, beruht darauf, daß die Empfindungen, welche unser unbewußtes Handeln beeinflussen und unsern Willen lenken, nicht uns selber, sondern unsern Vorfahren zugeflossen sind. Kind di Für diese innige Verknüpfung„von Mutter und K#n burch die Beruhrungsgefuhle nach alufyoren der leiblichen Verknüpfung durch die Placenta(Mutterkuchen) ist die Wollbehaarung der Mutter nicht weniger wichtig als die des Kindes, und kein anderes Säugetier besitzt ein so ausgedehntes empfindliches Tastorgan zur Aufnahme von Berührungsempfindungen wie der Mensch in seinen mit feinen Wollhärchen besetzten Hautflächen. Wie in so dielen den Menschen auszeichnenden Punkten ist die Frau gleich dem Kinde mit ihrer wollhaarbesetzten, dauerhaararmen Haut dem terminalhaarreichen Manne an Feinheit des Berührungsgefühls überlegen, und die bei ihr weit ausgesprochenere Verknüpfung von Geschlechtsgefühl mit Berührungsgefühlen steht, wie oben auseinandergesetzt, im Dienste der- Nachkommenschaft. Sollte die Frau der weißen Rasse nach abschulielung der jugendlichen Merkmale mit der männlichen be auch wie notwendig die männliche Form der Behautung sich erwerben, so ware eine bedeutende Einbuße an Mutterinstinkt garnicht zu vermeiden. Weder ist dem Neugeborenen mit der Berührung einer bärtigen Wange gedient, noch vermag b vermag diese die Weichheit der Kinderhaut zu empfinden. Eine Zunahme der Frauenbärte bei den männlich sich betätigenden Frauen scheint Friedenthal schon jetzt nach eigenen Untersuchungen sehr wahrscheinlich. Genauere statistische Untersuchungen sind erforderlich. Die Verfeinerung des Berührungsgefühles der Haut durch die feinen Wollhärchen beruht auf die Vermehrung der bei Berührung gereizten Nervenpunkte. Diese Vermehrung der Hautsinnesempfindungen durch einen eigenen Sinn, den Haarberührungssinn, kommt durch spezifische Nervenendigungen an der Haarwurzel zustande, welche an allen Haaren sich finden und an den Tasthaaren der Säugetiere eine besonders starke Ausbildung erfahren haben. Ist eine Hautfläche von dichtem Haarwuchs bedeckt, so schützen die Haare alle Nervenpunkte in der Haut vor Erregung. Die Wärmepunkte. Kältepunkte, Druckpunkte, Schmerzpunkte werden garnicht oder nur schwach erregt, und nur der Haarberührungssinn vermittelt dem Zentralnervensystem die Kunde von der Annäherung eines fremden Körpers. Bei Berührung wollhaartragender oder haarloser Haut unlerrichten sämtliche Hautsinne uns durch anderen Säugetiere kann diesen keineswegs einen Ersatz für die durch dichte Behaarung verloren gegangene Sinnesschärfe der Haut gewähren, auch wenn der Haarberührungssinn, wie bei manchen Tieren, z. B. der Hauskatze, zu großer Feinheit entwickelt ist. Für die größere Berührungsempfindlichteit der Frauenhaut gegenüber der Männerhaut kommt die Frauen und Kindern gemeinsame Feinheit und Dünne der Oberhaut nicht weniger in Betracht als die Haararmut. Auch in diesem den Menschen vor anderen haararmen Säugetieren bevorzugenden Merkmal übertrifft die Frau den Mann sehr allgemein. Und an anderer Stelle sagt Friedenthal: „Die Wachstumsstärke des Wollhaarpelzes im extrauterinen (nachgeburtlichen) Leben scheint in enger Abhängigkeit von der Ausbildung des Terminialhaarkleides zu stehen, indem die terminialhaarreichen Menschenrassen, wie die Australier und die poikiloderme(weiße) Rasse eine geringere Rückbildung des Wollhaarkleides im späteren Leben zeigen s die terminalhaarärmeren Neger und Indianer. Je dicker die Haut, desto geringer im allgemeinen die Ausbildung der Wollb=haarung. Der von feinen Wollhärchen herrührende Flaum der Frauenwange bei der Europäerin, welche dieses Merkmal der Jugendlichkeit bis zum Lebensende beibehalten kann, wenn die echt weibliche Beibehaltung der Jugendlichkeit ihre Formbildung beherrscht, bedeutet physiologisch zugleich das Maximum an Reizempfanglichkeit der damit geschmuckten Haut. Der ästhetischen Bewertung der höheren Schonheit der weiblichen Form beim Menschen liegt nicht nur in der Behaarung, sondern auch in den meisten anderen Punkten die unbewußte Anerkennung der funktionellen Vollkommenheit zugrunde. Feinheit der haararmen Haut und Beibehaltung des Flaumhaarkleides durch das ganze Leven, diese Merkwale der Frauenbehaarung sind zugleich wichtige Punkte der Sonderstellung der menschlichen Behaaruna“ Lange ein übriges uch bruch aus Danzia einer Extranotiz die und den um ihr Leb Rücken zu fallen. 11 zur Vertretung von Die Huf= und Tarifdifferenzen die Solnhofener dem 17. Juni etwa sperrt sind, haben n die Arbeit niedergele von den Unternehme arbeiten. Lohnbewegung de ler in Magdeburg h stellt. Sie verlan Stunde, für Arbeit 50 Pfg., bei Ueberstu für die weiteren Sti Stunde Zuschlag, V Stunden wöchentlich Montagearbeiten, E zeuges und Einführ Bauarbeit. Mit letz begegnet werden: bis Arbeiten in den einz arbeiten seit April allgemeinen Vertrag unter dem Vorsitz de ein neuer Vertrag schaffen, doch hat di vermocht, diesen Ver Mitglieder in Mag Ein Erfolg der kohlengrube„Zur gu starke Belegschaft in schlag bekanntgegeben ten, wie Holzbauen sollten. Dadurch w einen wöchentlichen L Auch die Gedinge Hauer höchstens noch verdienen konnten. der Arbeiter wurde beiterausschuß einen um 20 Pfg. und das pro Hunt erhöht wur bezahlt. Die Holzarbeiter Werkstätten in den Der Bauarbeiter sieben Wochen währt verbandes für die do triebe geführt. Jetzt einen Aufruf, in dem sich nicht bis zum 2. meldet hat, um zu der und Arbeitnehmer v den gewerblichen und zum 1. Oktober d. I. kann natürlich nicht sorisch. In Wirklich die verlangte Lohner! willigen, worauf die Dieses schneidige darin seinen Grund z Mangels an Arbeits finden, der sie durch Achtung, Weißger haben die Lederfabrika am 1. August ablau unterbreiteten die Ar rungen: 40 Pfg. Stun Zuschlag, Freigabe de stand kommen 80 Wei siert sind. Kapitalistengewinn ergebnis des Allgemei weist einen Ueberschu eine seit Bestehen des reichte Summe. Als statuts die Arbeiterve Teuerungsverhältnisse und Witwenrenten so es, dazu sei kein Geld ag. Muskelkrämpfe treten nicht selten Mu in dem„Journal der gung“, die angestrengt verantwortlich zu mac dann zu leiden, wenn sein besteht. In erster und zwar die Fingerb scheinung solgen die ei einander, die von lel leichteren Fällen wende er bei schwereren zu! ag. Ledigenheim o hygiene spielt die Sd große Rolle. Um de treten, hat man die schaffen, die von Prof. nationalen Kongreß fi wurde. Nach dem Ber dizin“ müssen separate Mietskaserne geschaffer wohnungen zu finden. gestellt, die in einem einzelnen Zimmer sol haben, der auf einen mündet und nicht auf für mehrere Mieter dürfen nicht direkt unt Verheiratete in Verbi Fenstern angewiesen se müssen, soweit es mög Jedenfalls muß, um z kein Mieter eine ander wohnung, zu berühren mit Gas und Abzug die Möglichkeit besitzer Heizung anzubringen. oder andernfalls eine Eingangsflure haben o anderen zu treten bre müssen die Bequemlich Schachte für Kehrich müssen zum Gebrauche als 30 chm bei einer§ Benutzung von zwei dr #44 ach der Wahlrechtsuuar ist gegen zehn erstandes gegen die — Anklage wegen en. Die Harburger e Absperrungsmaßaufnahme vor dem sicht den dringenden uch vorliege. Das der Sache für unier des Landgerichts gung. srüstung der dem scheint allgemein ik in Rathenow eln mit ihren Reeitswillige, die für in und von Berlin reikposten mit ReSachlage am Orte senbahnzuge hatten itreisende, die nach roht, so daß die de führten. Trotzder Polizei unbees wieder abziehen, dem gewalttätigen deren Einstellung. ebe und eine Holzaten erstreckt, daubis jetzt nicht zu beitswillige haben eister wenig anzukliche Mühe geben, ruch. Als Streikrsche Gewerkverein tterfeld. Bekannteit dem 1. Januar ier hatten den Geitet, der von den r auch noch veritte sich in Königsgesperrten Fixma nit richtigem Innun als„KorpoUnternehmer zusich ablehnend veri dem die neugen als treue Hilfsdiese Verbündeten en Hirsch=Dunckerin Vertrag, abgeortab gur Hirschn. Die letztere ings bereits fallen lusständigen nicht erschen gllein für kann. Jetzt aber drängen anfängt, sier vor. In der heiterorganisation, n einem, Danziger viel Arbeitskräfte id die Hauptverganisation schließt ig an, sie erklärt, ehen könnten, sie seit!— So sucht ehmertum heizubewicht, daß, wie reikbruchgarde in durchgängig aus der schon damals eten. Es waren Abwehrbewegung nckersch und wurzen Töpfer= und bevoll aufgenomeits im 7. 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Das Signal zum Streiker gierig auf und unterstreicht in einer Extranotiz die Aufforderung, nach Königsberg zu gehen und den um ihr Lebensminimum kämpfenden Arbeitern in den Rücken zu fallen. Und das nennt sich noch Arbeiterorganisation zur Vertretung von Arbeiterinteressen! Die Hufweniger als 40 ehm betragen bei einer Höhe von 3 m. Soweit möglich, müssen die Fenster und Türen der Zimmer so eingerichtet sein, daß sie einen guten Luftzug ermöglichen, der direkt von den den Mietskasernen gegenüberliegenden Seiten kommt, wobei die Fensteroberfläche wenigstens ein Sechstel der Zimmerehen wam oberfläche betriägt und über eine Hauptaußenmauer des Hauses #.##s,Huf= und Wagenschmiede in Nürnberg haven wegen zu öffnen ist.„ Sie müssen im übrigen allen sonstigen Ansprüchen Tarifdifferenzen die Arbeit niedergelegt. an Lage, Decken, Wände. Verschluß eines gewöhnlichen einfachen Im Solnhofener Lithographie=Steingebiete, in dem seit Hauses entsprechen.— Es wird sehr schwer sein, alle diese Fordem 17 Juni etwa 1000 christlich organisierte Arbeiter ausge, derungen zu erfullen. wperxt sind, haben nun auch die freiorganisierten Steinarbeiter die Arbeit niedergelegt, weil sie nicht in der Lage sind, nach dem von den Unternehmern den Christlichen angebotenen Tarife zu arbeiten. Lohnbewegung der Holzarbeiter in Magdeburg. Die Tischler in Magdeburg haben Forderungen an die Unternehmer geSchillers Werke wurden von Cotta im ganzen über dreihunderttausend Gulden Honorar gezahlt. Schiller hat hiervon rund vierundzwanzigtausend Gulden erhalten. Ich glaube, das Indes deutschen Die volkswirtschaftliche Bedentung der Lebensverlängerung. Der Verlust an ökonomischen Werten infolge von Krankheiten, deren Verhütung im Bereich menschlicher Fähigkeit liegt, ist vom sozialpolitischen Standpunkt ein mächtiger Ansporn zur Verbesserung öffentlicher hygienischer Einrichtungen. In Eer in wgggoeburg paben Forderungen an die Unternehmer ge Amerika sind, wie, das„Journgl der Amerikanischen Medizinistellt. Sie verlangen eine Lohnerhohung von 3 Pfg. die schen Vereinigung“ mitteilt, äußerst interessante amtliche FestStunde, Lür, Arbeiter, über 20 Jahre einen Mindestlohn von stellungen nach dieser Richtung gemacht worden, und der zur 50 Pfg., bei Ueberstunden für die ersten beiden Stunden 10 Pfg., Information des Präsidenten der Union dienenden„Konserfür die weiteren Stunden und für Sonntagsarbeit 25 Pfg. pro vation Kommission" zugestellt worden. Sie haben ergeben, daß stunde Zuschlag, Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 53 1 der Verlust an Lebensdauer infolge vermeidbarer Todesfälle an Stunden wöchentlich, ferner Regelung der Entschädigung bei Tuberfulase. Durctall Dormsaturh Luxgavertzisnd, Montagearbeiten. Entschädigung beim Halten eigenen Werkzeuges und Einführung eines einheitlichen Akkordtarifes für Bauarheit. Mit letzterem soll besonders der Schmutzkonkurrenz begegnet werden: bisher waren die Akkordpreise für die gleichen Arbeiten in den einzelnen Betrieben sehr ungleich. Die Tischler unter den neunzehn für die Union hauptsächlich in Betracht arbeiten seit April 1908 ohne Vertrag. Wohl wurde bei den kommenden Todesursachen, daß etwa ein Drittel der jetzt vorallgemeinen Vertragsverhandlungen in Leipzig im April v. J. kommenden Todesfälle verhütet werden könnte. Dies würde unter dem Vorsitz des Herrn v. Berlepsch auch für Magdeburg einer 9 ein neuer Vertrag vereinbart, resp. durch Schiedsspruch geschaffen, dach hat der Arhaitgabar Schutzuorhand a schar m ht Tuberkulose, Durchfall, Darmkatarrh, Lungenentzündung, typhösen Erkrankungen und Diphtherie sich auf einen durchschnittlichen Wert von 7,3 Jahren beläuft. Ein Mitglied der sogenannten Kommission, Prof. Irving Fischer, schließt aus einer sorgfältigen Zusammenstellung der vermeidbaren Fälle unter den neunzehn für die Union hauptsächlich in Betracht schaffen, doch hat der Arbeitgeber=Schutzverband bisher nicht vermocht, diesen Vertrag zur Anerkennung zu bringen: seine Mitglieder in Magdeburg sind ihre eigenen Wege gegangen. Ein Erfolg der Bergarbeiterorganisation. Auf der Braunkohlengrube„Zur guten Hoffnung" in Zittel trat die 43 Mann starke Belegschaft in den Streik, weil den Arbeitern durch Anschlag bekanntgegeben wurde, daß die verschiedenen Nebenarbeiten, wie Holzhauen und=rauben, nicht mehr bezahlt werden sollten. Dadurch würden Kameradschaften von zwei Mann einen wöchentlichen Lohnausfall von etwa 7 Mk. erlitten haben. Auch die Gedinge waren derart reduziert worden, daß die einer Verlängerung der mittleren Lebensdauer um sogar mehr 853. fünfzehn Jahre entsprechen. Der Einfluß einer derartigen Vermehrung der Lebenswerte auf die Industrie und die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse, wäre ein ganz ungeheurer. Von ganz besonderer Bedeutung in dieser Hinsicht ist das Problem der Lebensverlängerung für die Versicherungsgesellschaften. Im Hinblick darauf hat Prof. Fischer eine Eingabe an die Vereinigung der Präsidenten der Lebensversicherungsgesellschaften gerichtet, worin er, ganz abgesehen von der philantropischen, die wirtschaftlichen Momente ins Treffen stellt, um die Unterstützung der Gesellschaften zur Förderung der volksgesundheitlichen Zwecke zu erlangen. Er vertritt den Standpunkt, daß die Gesellschaften sehr wohl 200 000 Dollar jährlich zu Zwecken des Schutzes des menschlichen Lebens aufwenden könnten, welcher Betrag nur beiterausschuß einen Vertrag schloß, demzufolge der Schichtlohn um 20 Pfg. und das Gedinge von 27 und 28 auf 28 und 29 Pfg. pro Hunt erhöht wurden, auch werden sämtliche Nebenarbeiten bezahlt. Die Holzarbeiter in Magdeburg sind 131 Mann in vier Werkstätten in den Ausstand getreten. #.„Der, Bauarbeiterstreik in Landsberg a. W., der nun schon sieben Wochen währt, hat zur Gründung eines Arbeiterschutzverbandes für die dortigen gewerblichen und industriellen Betriebe geführt. Jetzt erließ dieser junge Scharfmacherverband einen Aufruf, in dem gesagt wird, daß, wer von den Streikenden sich nicht bis zum 2. Juli bei seinem früheren Arbeitgeber gemeldet hat, um zu den zwischen den Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbarten Bedingungen zu arbeiten, in den gewerblichen und industriellen Betrieben Landsbergs bis zum 1. Oktober d. I. keine Arbeit erhält. Von Vereinbarung kann natürlich nicht die Rede sein, sonst wäre der Streik illu sorisch. In Wirklichkeit hatten es die Unternehmer die verlangte Lohnerhöhung auf 38 Pfg. pro Sti willigen, worauf die Arbeiter Streik beschlossen. Dieses schneidige Vorgehen des jungen Verbändchens scheint darin seinen Grund zu haben, daß die Unternehmer sich wegen Mangels an Arbeitskräften bereits in einer Kalamität befinden, der sie durch eigenes Scharwerken begegnen möchten. Achtung, Weißgerber! In Frankenhausen am Kyffhäuser haben die Lederfabrikanten den mit den Arbeitern abgeschlossenen, am 1. August ablaufenden Tarifvertrag gekündigt. Darauf unterbreiteten die Arbeiter den Arbeitgebern folgende Forderungen: 40 Pfg. Stundenlohn(bisher 35), für Zurichter 12 Proz. Zuschlag, Freigabe des 1. Mai. Bei einem eventuellen Ausstand kommen 80 Weißgerber in Betracht, die sämtlich organisiert sind. Kapitalistengewinne und Arbeiterfürsorge. Das Rechnungsergebnis des Allgemeinen Knappschaftsvereins Bochum per 1907 weist einen Ueberschuß von rund 25 Millionen auf. Das ist eine seit Bestehen des Vereins auch nicht im entferntesten erreichte Summe. Als bei Beratung des neuen Knappschaftsstatuts die Arbeitervertreter eine auch nur einigermaßen den Leuerungsverhältnissen angepaßte Erhöhung der Invalidenund Witwenrenten sowie des Krankengeldes beantragten, hieß as, dazu sei kein Geld da. 406 beantragten, beß sondern zur Erziehung des Publikums in sanitärer Beziehung, sowie zur Propaganda zwecks Interessierung der städtischen teresse, daß seine Dichtungen viel früher Gemeingut de Volkes geworden wären, wäre viel größer gewesen als der Vorteil davon, daß seine Erben noch mehr als das Zehnfache dessen erhielten, was er selbst bezogen hatte. Dreißig Jahre über Lebenszeit als Schutzfrist für. Bücher ist zu viel. Als Schutzfrist für Aufführungen ist es zum mindesten genug. Was darüber hinausginge, wäre als allgemeine Satzung entschieden vom Uebel.“ ** Bielefeld, 3. Juli. Strafkammer. Der Schlosser Otto Szczesinski von hier war geständig, ein junges Mädchen von 13 Jahren verführt zu haben. Der Gerichtshof erblickte in dem Geständnis mildernde Umstände und verurteilte den Angeklagten zu einem Jahre Gefängnis; die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Schlosser Hermann Rudack von hier war angeklagt, in der Nacht zum 24. Mai d. J. die Kutscher Franz Timm und August Hackert von hier in der hiesigen Körnerstraße mit einem Messer mißhandelt zu haben und zwar in einer das Leben gefährdenden Weise. Dieser Messerstecherei war ein Wortstreit und eine ungefährliche Balgerei voraufgegangen. Kurze Zeit darauf erhielt Timm von dem Angeklagten zunächst einen Stich in die Seite und a tempo den zweiten in den Bauch, so daß die Gedärme heraustraten. Hackert, der seinem Freunde zu Hilfe eilen wollte, erhielt ebenfalls zwei Stiche, welche jedoch ungefährlicher Natur waren. Der verletzte Timm hat nur sein Leben der sofort im Krankenhause vorgenommenen Operation zu verdat'en. Die Strafkammer verurteilte Rudack zu einem Jahre Gefängnis. Wir wissen nicht, weshalb der Berichterstatter nicht mitgeteilt hat, daß der Angeklagte zuerst einen furchtbaren Schlag über den Kopf erhalten hat, der ihm fast seine Besinnung und jedensalls seine Zurechnungsfähigkeit raubte. Die Sache liegt wesentlich milder, als der Bericht vermuten läßt. Warum hat man den Angeklagten verhaftet, der an Flucht gar nicht gedacht hat, warum ist es ihm dadurch unmöglich gemacht worden, sich eine genügende Verteidigung zu besorgen? Jedenfalls ist es der Angeklagte und jetzt Verurteilte nicht, der irgend eine Gefahr ischen für die nächtliche Sicherheit der Straßen Bielefelds darstellt. ] Der Rangiermeister Heinrich Horstmann zu Dankersen war I vom Schöffengericht zu Mindan wagen Erregung Fffantlichen Helscherngszeienchasten dait lelschich Keisliosen, denr Vorschlag in eingehende Erwägung zu ziehen und steht ihm wohlgeneigt gegenüber. Die vorbereitenden Arbeiten sind bereits in Angriff genommen worden. Urheberschutz oder Kulturförderung? Es gehört zu den unlöslichen Antinomieen(Widersprüchen) der kapitalistischen Entwicklung, daß sie einerseits dem Künstler die materiellen Mittel des Schaffens gewährt, indem sie ihn zum Warenproduzenten macht, andererseits ihm die Möglichkeiten künstlerischen Wirkens beschränkt, ja interdrückt, indem sie es von den Erwerbsrücksichten abhängig macht. Der Künstler will leben, wie jeder andere Mensch, aber sein Werk muß, um seinen Beruf zu erfüllen, in die Allgemeinheit gehen. Diesen in der kapitalistischen choffengericht zu Minden wegen Erregung öffentlichen Aergernisses mit 4 Monaten Gefängnis bestraft, wogegen er Berufung eingelegt hatte. Der Gerichtshof erblickte in der bisherigen Unbescholtenheit mildernde Umstände, hob das erste Urteil auf und erkannte gegen den Angeklagten auf eine Geldstrafe von 100 Mk. eventl. 20 Tage Gefängnis. ** Bielefeld, 3. Juli. Schwurgericht. Vorsitzender: Landgerichtsdirektor Nordbeck; Vertreter der Staatsanwaltschaft: Assessor Rohr.— Vor dem Schwurgericht hatte sich heute die Ehefrau des Maschinenbauers Eduard Eick von Minden zu verantworten. Ihr wurde zur Last gelegt, in der Nacht zum 26. März d. J. das von ihr und ihrem Manne bewohnte Haus Soziales. ag. Muskelkrämpfe bei Stahlarbeitern. Bei Stahlarbeitern treten nicht selten Muskelkrämpfe auf, für die nach Dr. Welsh reih beigsei ses Seise, dier Ghaseh scenlase werkes— öffnet nur den Reichen die teuren Pforten, und auch sonst ist die Wagner=Oper ein Monopol der großen Bühnen, die allen Unbemittelten— schon wegen ihrer Preise— unzugänglich bleiben. Es ist bezeichnend, daß gerade an den Namen Wagner sich die Bestrebungen anlehnen, eine Verlängerung des Urheberschutzes herbeizuführen. Das Reichsgesetz vom 19. Juli 1901 gewährt den Urheberschatz noch 30 Jahre nach dem Tode des Urhebers. 30 Jahre haben die Erben Gelegenheit, die Werke eines Genies auszubeuten, wie irgend ein Trust sein Monopol. Das mag ein Ausfluß des kapitalistischen Eigentumsrechts sein und unseretwegen mag es auch konsequent sein, dieses Recht zu verewigen wie das an jedem anderen Besitztitel. Um so deutlicher tritt dann aber auch die Kulturfeindlichkeit dieses kapitalistischen Eigentumsrechts hervor. Im Falle Wagner beruft man sich darauf, daß der„Parsival“ vor Profanierung bewahrt werden müsse.“ Und demzuliebe soll Wagner, dessen Werke 1913 frei werden, noch weitere 20 Jahre das Monopol seiner Erben und ihrer Kontrahenten bleiben! Welch ein Widersinn. Und diesem Widersinn zuliebe soll womöglich das Schutzrecht allgemein auf 50 Jahre erhöht werden. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß wir Sozialisten diesen Wahnsinn, der ja nach kapitalistischer Auffassung Methode genug haben mag, aufs schärfste bekämpfen und die Gelegenheit benutzen müssen, um das Unhaltbare und Kulturwidrige dieses Systems zu beleuchten. Aber auch in bürgerlichen Kreisen erheben sich Stimmen, die sich gegen die Verlängerung der Schutzfrist aussprechen. Max Burckhard, der frühere Wiener Hofburgtheaterdirekter, der sich bereits wiederholt vorteilhaft vor schworenen lautete auf„Richschulbig und die Angellagte wurde demgemäß vom Gerichtshofe freigesprochen. „sesproche Zwangserziehung und ihre Folgen. Vor dem Schwurgericht in Straßburg hatten sich am Mittwoch vier Zöglinge der Zwangserziehungsanstalt Hagenau i. E. wegen des Mordes an einem Anstaltsbeamten bezw. Anstiftung hierzu zu verantworten. Die Verhandlung erbrachte den Beweis dafür, daß die Einrichtungen des gegenwärtigen Staates nicht geeignet sind, die Schäden der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu heilen. Von den vier Angeklagten ist einer der Sohn einer armen Witwe mit 8 Kindern, die— weil sie für den Lebensunterhalt sorgen mußte— nicht die nötige Sorgfalt auf die Erziehung ihrer Kinder verwenden, konnte. Bei zwei anderen Angeklagten waren die elterlichen Erzieher dem Trunke ergeben. Um die Kinder vor Verwahrlosung zu bewahren, brachte man sie in die Zwangs-„Erziehung". Der vierte Angeklagte bekam zu Hause nicht genügend zu essen: um seinen Hunger zu stillen, stahl er Geld und eine Uhr. Der„Erziehung“ gelang es nicht, aus den jungen Leuten wirklich vollwertige Menschen zu machen. Wohl brachte sie es fertig, die schlechtesten Triebe auf einige Zeit mit der brutalen Zucht zu unterdrücken, aber sie verstand es nicht, die edlen Triebe in den Kindern zu pflegen und zu entfalten. Die Angeklagten waren in der Schuhmacher=Abteilung der Anstalt beschäftigt. Hier waltete der Handwerkslehrer Boyon seines Amtes als„Erzieher“. Er war— wie der Anstaltsdirektor als Zeuge aussagte— ein stiller, ruhiger Mann, der aber so etwas Kaltes in seinem Umgange mit den Zöglingen hatte, daß er sich deren Herzen nicht erwerben konnte.— Der am schwersten belastete Angeklagte Bronner— etwas exzentrisch veranlagt und leicht reizbar— wurde von Boyon mehrere Male hart gezüchtigt und von ihm mit dem Schimpfnamen „Zigeuner" beleat: Als sich Bronner über diese Behandlung in dem„Journal der Amerikanischen Medizinischen Vereini Leinen reichsdeutschen Kollegen(Hoftheater werden bei uns von gung" die angestrengte Muskelarbeit in überhitzten Räumensden kunstdämlichsten Junkern, besorgt) hervorgetan hat, nimmt Wir und zwar die Fingerbenger, befallen. Auf den Höße der Er: Haik zur an das Biche eitzrbekt, was Geschlechter Hei zür en beim Direktor beichveren volle, fate Bovon iu b/gronnerg einander, die von lebhaften Schnerzen begleitek sind. Bei der Ertwicklung dat der Känsler eiwos geloster: Als Glied Kopf ins Waser stecken, dann würde sein Zorn schon vergehen. leichteren Fällen wendet Dr. Welsh heiße Packungen an, während samtheit gehört auch sein Weri. as# Der Angeklagte, Buckl, ein, geistig heschränkter Meysch— blieb er bei schwereren zu Apomorphin und Strychnin greift. 1 einzigen Grruz““““ Ge Jhrr Abesone u gur einen in seingg, luzvildung als Schuhmager agrück, Er sollte deshalb Secig Apomorpbin und Strochnin greift. einzigen„Grund ür die Gewayrung besonderer Schutzfristen ein halbes, Jahr länger lernen. Der Angeklagte Koepler litt hpaiene spielt die Schlafhusschengo u5 zn der Wohnungs führ#den Autor: die Erwägung, daß der Schutz ihm die Mittel l an Bettnässen: weil er dies einmal verschwiegen hatte, erhielt große Rolle Um den verschies, Mitsständen entgegeneue lerischen Ars 9chlieklich seiner literarischen, künst. ler auf Anordnung des Direktors 10 Stockschläge.„Auch der sraße Rolle, um den verschiedenen„Mißstägden entgegenzu: lerischen Arbeit zu leben. Für die Kunst wäre es besser,„wenn vierte Angellagte, DZemmerle, ist mehrmals von Boyen geellt. Ledigenheime zul sie nicht auch zugleich Erwerb zu sein brauchte; aber alle die s schlagen worden. Die Züchtigungen erweckten den Groll der wären dann von ihr ausgeschlossen, die ihrer ganzen Arbeits Zöglinge. Ab und zu wurden den Zöglingen zur Strafe die kraft zum Erwerben bedürfen. Frei soll die künstlerische Ar= Haare kurz geschoren. Der Direktor sagte aus, daß die Bebeit den Künstler machen, das bezweckt sein Urheberrecht: das amten angewiesen seien. die Zöglinge nicht zu züchtigen. Das Schutzrecht des Schriftstellers, des Komponisten für ihre Erben Recht Strafen zu verhängen, habe nur der Direktor. Die hat nur mehr insofern Berechtigung, als es jene der Sorge ent= Strafen bestehen im Verweis, stehend essen, Kostentziehung, heben soll, auch noch ihren Nachkommen und Angehörigen Ver= milden und strengen Arrest und körperlicher Züchtigung. Letzmögenswerte zu erwerben und zu überliefern, eine Sorge, der tere soll unter Aufsicht des Direktors von dem Rcamten ar.3. seten, hat man die Forderung aufgestellt, Ledigenheime zu schaffen, die von Prof. Tagliani in Turin auf dem 14. Internationalen Kongreß für Hygiene und Demographie“ vertreten wurde. Nach dem Bericht in der„Sozialen Hygiene und MeLizin“ müssen separate Zimmer für einzelne Personen in einer „„etskaserne geschaffen werden. Sind in ihr nur Familienwohnungen zu finden, so wird eine Reihe von Forderungen aufgestellt, die in einem Volkshotel besser zu erfüllen sind. Die einzelnen Zimmer sollen nämlich einen besonderen Eingang haben, der auf einen großen und guterleuchteten Treppenabsatz mündet und nicht auf einen dunklen Korridor oder auf einen für mehrere Mieter gemeinsamen Verbindungsgang. Sie dürfen nicht direkt untereinander oder mit den Wohnungen für Verheiratete, in Verbindung stehen oder auf Gänge vor den Fenstern angewiesen sein, die ihnen Licht und Luft geben. Sie güssen,„soweit es möglich ist, einen besonderen Abort besitzen. Jedenfaus muß, um zu dem gemeinsamen Abort zu gelangen. kein Mieter eine andere Wohnung, sei es Einzel= oder Familien= wohnung, zu berühren brauchen. Jede muß einen kleinen Herd mit ,Gas und Abzug für die Verbrennungsprodukte und auch gie. Möglichkeit besitzen, darin eine Vorkehrung hogienischer Heizung anzubringen. Jede muß möglichst einen Wasserauslaß oder andernfalls einen gemeinsamen Wasserauslaß auf dem Eingangsflure haben, ohne daß der Mieter in die Wohnung des anderen zu treten braucht, um Wasser zu entnehmen. Sie sie sich in unserer Gesellschaftsordnung, in der das Erbrecht den Menschen verlockt, über seinen Tod hinaus Güter zu monopolisieren, kaum werden entziehen können. Der Mensch lebt nicht nur in seinen Kindern fort, sondern auch in seinen anderen Werken. Es ist ein Unrecht gegen den Künstler selbst, wenn man um der materiellen Interessen der Erben willen seine Werke in der Entwicklung des vollen Lebens, zu dem sie fähig wären, beschränkt. Wenn man einen Menschen, der von Schaffensdrang erfüllt ist und nicht nur um des Geldes willen arbeitet— fragt, was ihm lieber wäre, wenn gewisse Personen so und so viele Jahre nach seinem Tode Geld erhalten, oder wenn ein Werk, das er geschaffen, in das Herz, in die Seele vieler Tausender dringt, statt ein Monopol einiger wenigen zu bleiben: ich kann mir gar nicht vorstellen, daß da seine Entscheidung einen Augenblick schwankt. Aeltere Leute erinnern sich wohl noch ganz gut an die Zeiten des Cottaschen Privilegiums für die Werke Schillers und Goethes. Nun, man tere soll unter Aufsicht des Direktors von dem Beamten ausgeführt werden, der die Beschwerde vorbringt. Zur Züchtigung wird ein 8 Millimeter dicker Stock verwendet. Der Zögling muß sich bücken und die Schläge selbst zählen!— Die vier Zöglinge hatten nun den Entschluß gefaßt einmal etwas zu unternehmen, um den Boyon los zu werden. Zu diesem Zwecke sollte Bronner den Boyon mit dem Messer verletzen. B. erklärte sich zu der Tat bereit und am kritischen Tage als er nach einem Konflikte mit Boyon von diesem in Arrest geführt werden sollte, versetzte er dem B. einen Stich in die Brust, der tödlich tirkte. Im Verlaufe des Konflikts hatte Boyon dem Bronner mit dem Fuße in das Gesäß getreten.— Nach eintägiger Verhandlung wurde folgendes Urteil gefällt: Bronner wird zu 2½ Jahren, Buckl zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt: die beiden anderen Angeklagten werden freigesprochen. Militärisches. müssen die„Bequemlichkeit bieten, auf dem gemeinsamen Flure kann getrost sagen, Goethe und Schiller sind ihrem Volke das, was Schächte für Kehrichtentfernung benutzen zu können. Sie sie ihnen heute sind, erst geworden seit dem Erlöschen dieses Fiäliss Zum eeie eiger' Sähs eins einzelne Person nicht weniger Privilegiums. Erst seither sind sie in das Haus des kleinen kriegsgerichtlichen Verhandlung warf emn Soldat, welcher der Beuen I0 com bei einer Hgge von weniger als 3 m enthalten. Bei Beamten, in die Hand des Arbeiters und des„Studenten ge= leidigung eines Korporals beschuldigt war, eine Schere nach Benutzung von zwei Personen darf ihr Rauminhalt nicht kommen. Der 9. November 1867 war da ein Markstein. Für Präsidenten. Der Soldat wurde sofort zum Tode verurteilt. Zum Tode verurteilt. Oran, 2. Juli. Im Laufe einer leidlaung einas Dorvorals beschn zig.. gescher der Be Literarisches. „Arbeiter=Jugend“. Die soeben erschienene Nummer 12 hat u. a. folgenden Inhalt: Die deutsche Fortbildungsschule. II. Ziel und Organisation der modernen Fortbildungsschule. Von Joh. Hoffmann=Kaiserslautern.— Reichstagsauflösung. Ein politisches Zwiegespräch zwischen einem Jungen und einem Alten.— Das Werden im Weltall. Von Felix Linke(Mit Illustrationen).— Magenta und Solfrino.— Wanderregeln. Von W. Sollmann.— Der Pranger der Lehrlingsschinder.— Schnurriges von den Gegnern usw. Beilage: Die Meister=Geige. Gedicht von John Henry Mackay. — Weil's recht war. Eine Geschichte aus dem Walde. Von A. Ger. — Wie ich ein seiner Kerl wurde. Von Adolf Ernst.— Bücher für die Jugend.— Verwandlung. Gedicht von Hoffmarn von Fallersleben. Der Bibliothekar Nr. 4 ist soeben erschienen. Die Nummer enthält: Die öffentliche Bibliothek und Lesehalle in Berlin. Von Hermann Jahn, Berlin.— Verborgenes Gift. Von Dr. K. Franz, Bremen.— Gefängnisbibliotheken. Von G. Riem.— Was muß eine Arbeiterbibliothek tun? Von S. Koperbe, Amsterdam.— Einhaltung der Ausleihfrist. Von Ihl.— Bibliotheksberichte: Glückstadt, Hanau.— Bücherbesprechungen.— Notizen und Sprechsaal. Die Bibliotheksverwaltungen seien erneut auf das Blatt, das sehr viel Anregungen bringt und neue Wege zeigt, hingewiesen. Unsinnige Wette. Köln, 4. Juli. Infolge einer Wette trank der 18jährige Erdarbeiter Langel innerhalb 10 Minuten 21 halbe Schoppen Schnaps hintereinander. Er verstarb an Alkoholvergiftung. Gestern hatten sich nun die Veranstalter der Wette, der Fuhrmann Mundorf und die Wirtin Graef, wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht zu verantworten. Der Fuhrmann wurde zu einer Woche, die Wirtin zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Automobilunfall. Berlin, 4. Juli. Auf der Chaussee von Berlin nach Potsdam hat sich gestern in der Nähe des Glinicker Kirchhofes ein Automobilunfall ereignet. Das Automobil des Kommerzienrates Schuchardt aus Grunewald überschlug sich infolge zu starken Bremsens. Der Chauffenr wurde am Kopf schwer verletzt. Die übrigen Insassen erlitten Hautabschürfungen. Doppelselbstmord eines Elternpaares. München, 4. Juli. Die Eltern des Leutnants Heinlein, der kürzlich durch Selbstmord endete, der Registrator Heinlein und seine Frau, haben gestern hier ebenfalls aus Gram über den Tod ihres Sohnes ihrem Leben ein Ende gemacht. Der Mann erschoß sich, während die Frau sich die Pulsadern öffnete und verblutete. Reichsluftschiff. Metz, 4. Juli. Wie die„Frankf. Ztg.“ aus Metz meldet, hat das Reichsluftschiff gestern abend um 11 Uhr die Weiterfahrt in Biberach angetreten und ist heute morgen um 8 Uhr unter Führung des Majors Sperling auf dem Exerzierplatz Freseaty bei Metz gelandet. Neue Schrecken in Messina. Turin, 2. Juli. Der Sonderberichterstatter der„Stampa“ meldet:„Als Messina gestern morgen erwachte, wurde es von einem neuen Erdbeben heimgesucht. Die kleinen Stöße der letzten Tage waren wenig beachtet worden, weil man sich allmählich an sie gewöhnte. Gestern morgen um 7 Uhr 30 Minuten erfolgte aber ein furchtbarer, heftiger unterirdischer Schlag, der nicht weniger als 8 Sekunden währte und von lautem Getöse begleitet war. Die Stadt begann förmlich zu tanzen, und wären die menschlichen Wohnungen jetzt nicht aus Holz errichtet, so wäre die arme Stadt von einem vielleicht größeren Unheil betroffen worden als bei der Katastrophe am 28. Dezember. Auf den ersten Stoß folgten gestern morgen rasch hintereinander weitere Stöße, die mit einem plötzlichen Zucken begannen, sich wellenförmig verbreiteten und schließlich mit einer strudelartigen Erschütterung endeten. Sie waren alle von brüllendem Getöse begleitet, das an den Kanonendonner einer Schlacht erinnerte. Die Bevölkerung erfaßte ein furchtbarer Schrecken, und die Bewohner glaubten, daß der Tag der großen Katastrophe wieder gekommen sei. Man flüchtete in panikartiger Verwirrung auf die Straßen. Auf allen Gesichtern spiegelten sich Angst und Verzweifung, und die erregten Landleute standen schreiend und klagend umher. Die Bevölkerung weigert sich, die täglichen Arbeiten zu verrichten, und der Schrecken wird noch vermehrt durch übertriebene Nachrichten, die im Erdbebengebiet verbreitet werden. Die Stöße folgen in kurzen Intervallen, und das unterirdische Gebrüll, das von weit her ertönt, jagt den Bewohnern den Schrecken in die Glieder. Schwarze Wolken ziehen am Horizont herauf und verdunkeln die Sonne. Als die Stöße aufhörten, wurde alle Arbeit eingestellt. In den Fruchthallen, in denen Hunderte von Frauen und Mädchen beschäftigt waren, entstand eine entsetzliche Panik. Die erschreckten Frauen ergriffen schreiend die Flucht, stürmten auf das freie Feld" und riefen in herzzerreißendem Jammer die Hilfe des Himmels an, der sich so grausam gegen die armen Messinesen zeigt. In dem benachbarten Rione San Filippo stürzte eine Fabrik zusammen, in die sich zahlreiche Personen geflüchtet hatten. Gerade in dem Augenblick, als sich die Leute innerhalb der Mauern befanden, erfolgte ein neuer Erdstoß. Steine und Ziegel flogen umher und verletzten einige Personen. In der Via Santa Cecilia in Messina stürzte ein Haus zusammen, in dem sich ein Laden befand. Dort hatte der Fuhrhalter Giuseppe Capozzi aus Patti mit seiner Frau Maria Puzzanga und deren neunjähriger Tochter Wohnung genommen. Bei dem ersten Stoß stürzten die Mauern ein, und die Zuzzanga wurde mit ihrer Tochter verschüttet. Viele Soldaten eilten herbei, um die beiden zu retten. Sie arbeiteten drei Stunden mit übermenschlichen Kräften. Noch eine Viertelstunde nach dem Einsturz hörten sie die flehenden Stimmen der Verunglückten. Dann verstummten die Klagelaute, General Porporra und viele Offiziere trafen an der Unfallstelle ein und munterten die Soldaten bei ihrer Rettungsarbeit auf. Das Kriegsschiff„Dandolo“ hat seine Besatzung gelandet, und mehrere Torpedoboote befinden sich im Hafen. Infanteristen und Marinesoldaten arbeiten gemeinschaftlich, um die Trümmer wegzuräumen und die erregte Menge von den gefährdeten Stellen fernzuhalten. Nach sechsstündiger fieberhafter Arbeit wurden die Leichen der Maria Puzzanga und ihrer Tochter zutage gefördert. Die Mutter hatte ihr Kind an die Brust gepreßt. Ihre Beine waren gebrochen. Die Leichen waren noch warm, ein Beweis, daß beide Opfer noch lange in tiefer Bewußtlosigkeit gelebt hatten, nachdem ihre Hilferufe verstummt waren. Die Soldaten sind traurig darüber, daß sie keinen Erfolg bei ihren Rettungsarbeiten hatten. Obgleich bei dem letzten Erdbeben Tausende von Opfern dahingerafft wurden, rufen doch diese beiden Toten, die mit Blut überströmt sind und schwere Verletzungen zeigen, grenzenloses Mitleid hervor. Die Züge, die von Messina abgehen, haben zahllose Leute aufgenommen, die vor Schreck die Flucht ergreifen. Der geringe Handelsverkehr, der sich seit Neujahr in den Straßen Messinas entwickelt hatte, hat jetzt wieder völlig aufgehört. Heftiger Wind braust über die trostlosen Trümmer, und das Meer zeigt wieder seinen drohenden Anblick. Zwischen 11 und 4 Uhr nachmittags wurden noch fünf weitere Erdstöße verspürt. Dann folgten noch etwa zehn leichte Erschütterungen. Man weiß nicht, ob sich die Erde jetzt wieder beruhigt hat oder ob neue Schläge bevorstehen. Das Beben wurde nicht nur in Messina verspürt. Auch in Radicena erfolgte gestern früh um 7 Uhr 39 Min. ein starker Stoß, der von unterirdischem Donner begleitet war. In Mileto wurde um 7 Uhr 22 Min. eine starke Erdbewegung wahrgenommen, die aus der Gegend von Messina kam. In Tropea erfolgte um 7 Uhr 30 Min. ein Beben, das die Stärke des vierten Grades hatte und vier Sekunden dauerte. Um 7 Uhr 25 Min. verzeichneten die Apparate in Catania eine heftige Bewegung, um dieselbe Zeit wurde in Tarent ein Erdbeben in einer Entfernung von 300 Kilometern registriert. In Messina wurde die große eiserne Halle am Hafen schwer beschädigt. Sie war bereits beim letzten Erdbeben buchstäblich gespalten worden. Gestern stürzte ein Teil der Halle zusammen, der Rest mußte auf große eiserne Träger gestützt werden. Die Truppen bereiten Minen vor, um das Gebäude ganz in die Luft zu sprengen. Enorme Trümmermassen häufen sich wieder am Kai, an einzelnen Stellen haben sich tiefe Löcher gebildet. In der Via Garibaldi haben sich die Schuttmassen um 25 Zentimeter gehoben. Der erzbischöfliche Palast ist unversehrt geblieben. Nur einige kleine Risse zeigen sich in den Mauern. Auch das Fort und der Bahnhof sind unbeschädigt. Besondere Erwähnung verdient ein Phänomen, das selbst bei dem letzten großen Erdbeben nicht beobachtet wurde: Zahllose Leichen von Katzen liegen umher, die bei dem jetzigen Erdstoß offenbar vom Schlag gerührt wurden. Die Kadaver weisen keinerlei Verletzungen auf. Dynamitexplosion. Graz, 4. Juli. Im Wieserhoftunnel fand eine Dynamitexplosion statt. Hierbei wurde ein Arbeiter getötet und mehrere andere leichter verletzt. Beschlagnahmte Bomben. Budapest, 4. Juli. Infolge einer vertraulichen Anzeige wurde bei drei hier durchreisenden Serben eine polizeiliche Haussuchung vorgenommen und bei denselben drei Bomben beschlagnahmt. Vier Vergleute verschüttet. Charleroi, 4. Juli. In einer Kohlengrube fand gestern ein Einsturz eines Schachtes statt. Vier Bergleute sind in einer Tiefe von 685 Metern verschüttet worden. Einer der Unglücklichen konnte sich sogleich retten, die drei anderen aber sind unter enormen Mengen von Materialien aller Art begraben. Die ganze Nacht hindurch haben Ingenieure und Rettungsmanschaften an der Wegräumung gearbeitet. Von Zeit zu Zeit konnte man die Hilferufe der lebendig Begrabenen vernehmen, aber man hat wenig Hoffnung, sie noch zu retten. Ertrunken. London, 4. Juli. Das Dock in Newport, bei dessen Bau durch einen Dammbruch eine große Anzahl von Arbeitern verschüttet wurde, hat sich mit Wasser gefüllt, so daß alle noch lebend Begrabenen ertrunken sein müssen. Man schätzt die Anzahl der Toten auf 17 bis 20 Mann. Die ersten mykenischen Funde in Sparta. Die Ausgrabungen am Menelaon, dem angenommenen Grab von Menelaus und Helena und dem Sitz ihres Kultus in Sparta, durch die British School of Athens haben, wie der„Times“ gemeldet wird, zur Entdeckung von wichtigen Ueberresten der mykenischen Kulturperiode gefuhrt, den ersten, die man in Sparta gefunden hat. Mit einer Gipslage bedeckte Ziegel mykenischer Art, die in einzelnen Fällen noch Spuren von Freskomalerei tragen. Fragmente mykenischer Topfware von lokalem Typus sind sowohl unter dem Bauwerke selbst wie in einem daneben liegenden Gebäude gefunden worden. Auch andersartige mykenische Funde sind in der Nachbarschaft gemacht worden, so daß anzunehmen ist, daß man hier auf das mykenische Sparta gestoßen ist.— Das sogenannte Menelaon selbst, das aus großen Konglomeratblöcken errichtet ist, scheint dem fünften Jahrhundert v. Chr. anzugehören. Am Fuße eines nur wenig abwärts darunter liegenden Abhanges stieß man auf eine Anzahl Bronce= und Bleivotive, anscheinend aus dem siebenten Jahrhundert v. Chr.— darunter Figürchen, Perlen, Doppeläxte, Fibeln und Täfelchen — ferner auf eine ganze Reihe Terrakotten von hervorragender Ausführung aus der zweiten und besten Periode der lakonischen Kunst, die, wie durch die Ausgrabungen der Engländer in Sparta, namentlich am Artemis Orthia=Tempel, bekannt geworden ist, infolge der kriegerischen Gesetzgebung des Staates später bedeutend abgenommen hat. Die in der nächsten Nähe des Menelaons gefundenen Töpfereien rangieren von mysenischer Ware in den untersten Schichten bis zur sechsten lakonischen Kunstperiode, die ungefähr um 400 v. Chr. zu setzen ist. Diese wichtige Stätte soll im nächsten Jahre durch die Engländer vollständig ausgegraben werden. Nachrichten. Essen, 5. Juli. Gestern morgen wurde die Leiche der Frau des Arbeiters Kopp vollständig verkohlt auf freiem Felde zwischen Altenessen und Gelsenkirchen, 10 Minuten von ihrer Wohnung entfernt, aufgefunden. Ein Selbstmord oder Unglücksfall scheint als ausgeschlossen, der Ehemann will dovon nichts wissen. Berlin, 5. Juli. Eine Schreckenskunde durcheilte gestern den Norden Berlins. Am Ufer des Plötzensees hatte man drei Knaben bewußtlos und einen vierten, schwer erkrankten daneben sitzend aufgefunden. Der vierte zeigte schwere Vergiftungserscheinungen und mußte schleunigst nach dem Krankenhause gebracht werden, wo zwei Knaben bald nach der Einlieferung starben; ein dritter schwebt in Lebensgefahr, während das Befinden des vierten etwas besser ist, aber auch noch zu Besorgnissen Anlaß gibt. Es handelt sich anscheinend um Vergiftungen durch Schirling, von dem die Jungen gegessen haben. Die Personalien der Knaben konnten bis spät abends noch nicht festgestellt werden. Petersburg, 5. Juli. Seit gestern sind 74 Neuerkrankungen und 37 Todesfälle an Cholera zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Erkrankungen beträgt nunmehr 662. Petersburg, 5. Juli. Nach einer Meldung der„Nowoje Wremja“ ist die Lage in Teheran äußerst bedroht, nachdem der Bachjtiarenthan den entscheidenden Entschluß gefaßt habe, den Schay zu entthronen und Teheran zu nehmen. Die von russischen Offizieren kommandierten Kosakenbrigaden zeigen sich unzuverlässig. Mehrere persische Offiziere haben sich auf den Willen des Volkes berufen und sich geweigert, den Schah zu verteidigen. Bei der Unzuverlässigkeit der Kosaken sei die Lage der Europäer sehr gefährdet. Briefkasten der Redaktion. L., Arndtstraße. Nach dem Gesetz, betreffend den Feingehalt der Gold= und Silberwaren vom 16. Juli 1884 darf der Feingehalt auf goldenen Uhrgehäusen nur in 585 oder mehr Tausendteilen, auf silbernen Uhrgehäusen nur in 800 oder mehr Tausendteilen angegeben werden, während andere Schmucksachen von Gold und Silber in jedem Feingehalt gestempelt werden dürfen. In diesem Falle ist der Feingehalt in Tausendteilen anzugeben. Standesamts-Nachrichten. Bielefeld. In der Zeit vom 28. Juni bis 3. Juli d. J. sind angemeldet: Geburten: Söhne: Schuhmacher Anton Uelsberg, Ed. Windthorststr. 11; Handelslehrer, Doktor Wilhelm Breitfeld, Uhlandstr. 15; Schneider Julius Peters(gen. Schwarz), Wertherstr. 45; Kürschnermeister Otto Wust, Hermannstr. 54; Kaufmann Karl Kleinemeyer, Gehrenberg 9; Schmied Heinrich Engelbrecht, Oerlinghauserstr. 17; Tischler Wilh. Dressen, Oststraße 24; Arbeiter Johannes Brodmann, Wittekindstr. 36; Kupferschmied Robert Zölfel, Ehlentrupperweg 9; Schlosser Julius Kastrop, Heinrichstr. 9; Werkzeugschlosser Otto Kluge, Metzerstr. 1; Zivilingenieur Karl Gräber, Melanchthonstr. 36; Handelsmann Heinrich Rahmann, Osnabrückerstr. 27; Brandmeister Franz Hemrich, Niedernstr. 18; Arbeiter Wilh. Nüssen, Herforderstr. 25; Handlungsgehilfe Georg Hoffmann, Ravensbergerstr. 58; Schneidermeister Joseph Jager, Arndtstraße 57; Schuhmacher Wilh. Schling, Gehrenberg 41; Kaufmann Friedr. Sundermann, Kaiserstr. 99; Handelsmann Karl Manski, Osnabrückerstr. 24(Zwillinge siehe Töchter). Töchter: Verwaltungsassistent Heinrich Gehring, Wittekindstraße 3; Kaufmann Louis Oetker, Johannisberg 8; Straßenbahnschaffner Adolf Stahlschmidt, Mellerstr. 49; Maler Kaspar Klemens, Schlosserstr. 6; Maurer Paul Wegner, Bleichstr. 22; Kaufmann Otto Heß, Viktoriastr. 63; Tischler Karl Eikmeyer, Rohrteichstr. 67; Maurer Wilhelm Entgelmeier, Heeperstr. 44; Arbeiter Karl Buchwald, Langenhagen 57; Privatkassenbeamter Wilh. Drewing, Neuenkirchenerstr. 18; Handelsmann Karl Manski, Osnabrückerstr. 24; Sattler Heinrich Obermark, Feldstraße 25. Sterbefälle: Hugo Hindermann, 11 M.; verw. Invalidenrentenempfänger Müller, Anna geb. Jarolimek, 50 J.; Unfallrentenempfänger Hugo Grabow, 55 J.; Fritz Gerwien, 2 M.; verw. Seidenwarenhändler Olmes, Johanne geb. Brinkmann, 77 J.; verw. Schlachtermeister Heinemann, Christine geb. Heinemann, 65 J.; Maurer Karl Lührmann, 37 J.; Knabe Dressen, ½ Stunde; Bruno Austmeier, 6 M.; Arbeiter Aug. Stodick, 77 J.; Arbeiter Heinrich Lachmann, 60 J.; Ehefrau Arbeiter Strunk, Johanne geb. Eickhoff, 38 J.; Wirt Herm. Husemann, 52 J.; Buchhalter Karl Bohres, 38 J.; Arbeiterin Martha Ramhorst, 22 J.; Franz Marx, 7 M.; Charlotte Becker, 1 M.; verw. Malei Tiemann, Lisette geb. Papenbrock, 47 J.; Invalideurentenempfänger Aug. Schlamelcher, 57 J. Aufgebote: Geschäftskutscher Gust. Pannhorst, Friedrich= straße 62, und Auguste Kienapfel, Quelle 96; Weber Wilhelm Gäsing. Rolandstr. 22, und Martha Bleimund, Herforderstraße 1465; Arbeiter Heinrich Grothe, Detmolderstr. 182, und verw. Maler Lehnhard, Emilie geb. Reuter, Güterbahnhof 2; Monteur Kurt Lange, Ed. Windthorststr. 24, und Luise Krüger, Ehlentrupperweg 13; Arbeiter Heinr. Strötker, Herforderstraße 32, und verw. Selterswasserfabrikant Grothaus, Anna geb. Ortmann, daselbst; Buchbinder Aug. Koch, Herforderstraße 84, und Christine Klauke, Engerschestr. 57; Friseur Joh. Grieskamp, Brackwede, und Luise Feldmann, Friedrichstr. 63. Eheschließungen: Kaufmann Aug. Schürmann und Else Mühlenweg; Fabrikbesitzer Ernst Halbrock und Lino Crüwell: Metallarbeiter Karl Kramme und Pauline Vinke; Kaufmann Julius Goldschmidt und Jenny Windmüller; Buchhändler Hermann Mohnke und Johanne Hoberg; Artist Friedrich Brosien und Auguste Kirchhof; Schlosser Willy Ludwig und Agnes Offenborn Vereins-Kalender. Montag. Diskutierklub 8 Uhr im Restaurant„Stadt Bielefeld". Männer=Gesangverein„Einigkeit“, 8½ Uhr bei Viertmann, Bürgerweg. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Gütersloh. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. Dienstag. Gemischter Chor 9 Uhr im„Schützenhof“, Arndtstraße. Kamphofer Liedertafel 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeitergesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr bei Beckmann, Gr. Howe. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restauration zum Siegfried. Zitherklub„Edelweiß" 9 Uhr bei Keimeyer, Herforderstraße. Kegelklub„Hansa“ 8½ Uhr bei G. Kickert. Kegelklub„Bahn frei“ 8½ Uhr bei C. Blome, Spindelstr. 68. Bielefelder Kraftsport=Vereinigung 9 Uhr im Berliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld Abt. IV bei Tuxhorn. Radfahrerklub„Westfalia 8½ Uhr bei Helsinger, Schmiedestr. 9. Guttemplerorden Loge Teutoburg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“, 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“, 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schröder. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft"=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Sieker. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr im Vereinslokal Sieker 228. Sudbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf" b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Brake. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr. nger. Turnverein„Eintracht“, 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arb. Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße.„„„„ Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf 8½ Uhr der Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Protnors. Herford. Radfahrerverein„Frisch voran abenos 7 Uhr der Witwe Tiemeier.„„ Herford. Gesangverein„Arion 9 Uhr bei Tiemeier, Stiftverv.„„ M Herford. Arbeiter=Gesangverein„Immergrun 9 Uhr beim Wirt Büchner. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. undern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Spenge. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit" 8¾ Uhr bei Heitmann. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr bei Herrn Fricke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Lage. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestraße. Detmold. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 8½ Uhr im Vereinslokal„Centralhalle". Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Vlotho. Arbeiter=Gesangverein abends 8½ Uhr bei Gastwirt Casselmann. Minden. Arbeiter=Sängerbund 7½ Uhr: Männerchor. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaum. burger Hof. Abonnementöbreis für Bielefeld und Umgegend, wie bei sämtlichen Agenturen ins Haus gebracht 60 Pfg. mo lich. Durch die Post bez 1,80 Mk. vierteljährlich exkli Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der SonnFeiertage täglich nachmitta Fernsprech=Anschluß Nr. 3: Nr. 154. heutige Ni Vertagung od In parlamentarischen daß die Regierung nach die Session schließen wir den besonderen Wünschen diesem Falle in der Lag setzung des Präsidiums d tagt werden, dann würde Geschäfte im kommenden anderen Falle aber wird Präsidium neu gewählt. Ob sich die Wünsche sidentenpostens indes erfi daß die Konservativen ihr von Stolberg=Wernigerot lassen werden, ist nicht g Vizepräsidenten will sich schließlich werden sich die standigen. Jedenfalls ha uns ihre Köpfe über eine brechen. Ein Präsidium v. Sonnenberg kann als das Triumvirat St Die Frage, ob Vertag für uns dagegen nicht ga hat die Gewerbeordnung Gebiete des Arbeiterschu Verbesserungen in die Ge freilich dabei nicht heraus besserungen gegenüber der men, und das hat den Z striellen hervorgerufen, de verbänden in geharnisch neue Belastung der Unt das Arbeitskammergesetz, Kommission gestaltet hat, Bueck und Beumer sowohl, wie das Arbeits Tisch fallen, wenn wirklie Ist das der Zweck der halb auf den Sessionsschlu beiden den Scharfmacher in der Versenkung versch das ja nicht, ein solches in das ganze Gebaren d heute mehr denn je als d den erwiesen haben. Der Einigung über die G Ueber die Besoldung der stande gekommen, so daß: Woche— vielleicht zwisder Reichsfinanzvorlage— hat sich bereit erklärt, 1 sprünglich bewilligen woll so daß im ganzen 117 M mission ursprünglich verla sind. Eulenburg wieder kri B. Z.“ erfährt, ist seit seiner Berliner Wohnung burg eine bemerkenswert Fürst, der in den letzten men hat, konnte Sonnabe lassen und hat mehrfach anfälle erlitten. Medizi das Krankenlager Eulen! beiden letzten Nächte hate Arzt bei dem Kranken g dahin ausgesprochen habe Fürsten ihm vielleicht ges handlung anzuwohnen, d gen eines längeren Pro dürfte. Aus Die Beamtenb rommission. Die 9 mit der zweiten Lesung Singer erklärt, daß er samen Abmachung zugesti eine Vereinbarung zu tre und seinen Freunden no stellt hätte Da diese Vr so hätten seine Freunde stimmen können. Das wesen, indem sie dem Ve beamten ein bestimmtes klärt, daß die Sozialdem destmaß in der Besserste amten, sowie der Witwen gefaßt werden, gegen je amten stimmen müßten. seine Partei sei entschlosse