Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 142. Su U Tealsss Toosoa Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westsaten und die Rippischen Kurstenkuner. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandiung „Volkswacht“ & Co., Wieleseld. 22 Bielefeld, Dienstag, 22. Juni 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Kommunalpolitische Aufgaben auf dem Lande. Die moderne Kommunalpolitik ist zuerst als eine Summe großstädtischer Probleme in die Erscheinung getreten. Das außerordentlich große und rasche Anwachsen der Städte erzeugte Zustände, deren Unhaltbarkeit immer offensichtlicher wurde, und neue Aufgaber traten deshalb immer zahlreicher an die Stadtverwaltungen heran. Die Versorgung der Städte mit Wasser, Licht, Lebensmitteln, die Regelung des Wohnungswesens, des städtischen Verkehrs usw. warfen täglich neue Fragen auf, die zunächst für das Land noch keine Bedeutung zu haben schienen und daher dort auch keine Beachtung fanden. Aber nachdem die Städte eine große Anzahl moderne Einrichtungen geschaffen haben, nachdem ganz besonders die Hygiene in den Städten eine besondere Ausbildung erfahren hat, fällt ein Gegensatz zwischen den großen Städten und dem Lande auf, der vieles zugunsten der großen Städte spricht, das Land in einem immer weniger rosigen Licht erscheinen läßt, als es früher der Fall war und der aber auch darauf hinweist, welche große kommunale Aufgaben nun auf dem Lande zu erfüllen sind, wenn die Lebensverhältnisse in den Dörfern auch nur annähernd den hygienischen Anforderungen entsprechen sollen, die in einer Stadt heute als selbstverständlich und dringend geboten anerkannt und meist durchgeführt sind. Der Medizinalrat Dr. E. Roth in Potsdam hat seine Vorträge über die ländliche Hygiene, die er in der Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung zu Berlin gehalten hat, in Buchform herausgegeben.(Ländliche Hygiene. Von Dr. E. Roth. Jena, Verlag von Gustav Fischer.) Das Material, das Herr Dr. Roth über die hygienischen Zustände auf dem Lande zusammengetragen hat, gibt ein Bild davon, welche außerordentliche kommunale Arbeit auf kommunalem Gebiete in den Dörfern zu leisten ist und zum Wohle der Bewohner vollbracht werden muß. Der erfahrene Arzt stellt auch eine große Anzahl von Forderungen auf, die als ein kommunates Programm für das Land gelten können. Besonders darauf hingewiesen wird auf die geringen Anforderungen, die in baulicher Hinsicht an die Wohnhäuser und deren Nebenanlagen gestellt werden. Vielfach fehlen Bestimmungen über Anlage von Brunnen, Aborten und Düngergruben und deren Entfernung von Wasserentnahmestellen. Besonders zu den östlichen Teilen Preußens liegen diese Verhältnisse sehr. schlimm. So konnte der Kreisarzt eines westpreußischen Kreises gelegentlich einer Typhusepidemie in einer ländlichen Ortschaft melden, daß im ganzen Dorfe kein einziger Abort zu finden sei. In anderen Gegenden finden wir Aborte ohne Grube oder über der Düngergrube hängend. In dem von der Medizinal= abteilung des Kultusministeriums in Preußen herausgegevenen Gesundheitsbericht für 1905 heißt es bezüglich eines östlichen Bezirks:„Bauerngehöfte besitzen selten Abortanlagen, Tagelöhnerhäuser meistens nicht.“ Haus= und Wirtschaftswässer werden entweder kurzerhand auf den Hof, die Düngerstätte oder auf die Straße gegossen. Als weitere Folge ergibt sich die Unreinlichkeit der Höfe, die Verunreinigung des Untergrundes, der Straßen, der Dorfbäche und Flußläufe und weiterhin die Gefährdung der meist in nächster Nähe der Dünger= und Jauchegruben gelegenen Brunnen, Mißstände, die noch weiter dadurch gesteigert werden, daß das weichere Wasser der allen möglichen Verunreinigungen ausgesetzten Dorfbäche von den Dorfbewohnern mit Vorliebe zu allerhand häuslichen Verrichtungen, nicht selten auch zum Trinken benutzt wird.„Je weniger sorgfältig aber die Entfernung der Abfallstoffe gehandhabt wird,“ sagt Dr. Roth,„um so näher liegt die Gefahr, daß Krankheitskeime durch den Verkehr von Menschen und Tier wie durch Vermittlung des Wassers verschleppt werden.“ Im Süden und Westen Deutschlands haben in vielen Kreisen heute schon fast sämtliche Gemeinden Wasserleitung, aber im Osten und im Norden überwiegen die Einzelbrunnen auf dem Lande und in kleineren Städten. Diese Brunnen genügen meistens nicht den einfachsten hygienischen Anforderungen. Nicht nur, daß diese Brunnen eine reiche Mikrofaung und=Flora (Tier= und Pflanzenwelt) beherbergen, sie dienen auch Fröschen und anderem Getier als Tummelplatz. Von den 1330 im Jahre 1905 in einem Kreise des Potsdamer Bezirks von Kreisärzten besichtigten ländlichen Brunnen war nur ausnahmsweise die Umgebung erhöht, so daß Hof= und Straßenwässer meist in den Brunnen gelangen konnten. In einem westlichen Kreise wurden nur 9 Prozent der Brunnen einwandsfrei befunden. Viele Brunnen sind sogar in der Nähe der Abortgruben oder Düngerstätten. Auch die zentralen Wasserversorgungsanlagen auf dem Lande wurden bei den amtsärztlichen Besichtigungen zu einem großen Teile nicht hygienisch einwandfrei befunden. Ganz besonders ungünstig ist aber auch in Bezug auf die Wasserverhältnisse wieder der Osten Preußens beschaffen, wo sich heute noch eine große Anzahl ländlicher Ortschaften befinden, die hinsichtlich der Wasserversorgung ausschließlich auf offene Wasserläufe oder stehende Gewässer und Teiche angewiesen sind. Die Wohnungsverhältnisse auf dem Lande lassen meistens alles zu wünschen übrig. Im allgemeinen, meint Dr. Roth, macht sich auf dem Lande eine gewisse Sorglosigkeit sowohl in der Auswahl des Bauplatzes, wie in der Beschaffenheit des Baumaterials und der Bauausführung gegenüber gesundheitlichen Gefahren geltend. Und die Engräumigkeit des Wohnens nimmt auf dem Lande in demselben Maße zu, als die Industrie auf das Land hinausgeht. Die öffentlichen sanitären Einrichtungen auf dem Lande beschränken sich in der Regel auf die Armen= oder Gemeindehäuser. Diese Armenhäuser sind meistens die ältesten und schlechtesten Häuser im Dorfe, bestehen aus elenden Löchern, haben keine Hausverwaltung und bieten nichts als ein notdürftiges Obdach. Wer diese Verhältnisse kennt, oder wer gar,in einer solchen Behausung Kranke, namentlich solche mit übertragbaren Krankheiten behandelt hat, wird das Verlangen nach etwas mehr Hygiene und auch etwas mehr Charitas..... auf diesem Gebiete der ländlichen Armenkrankenpflege gerechtfertigt finden. So der mehrfach genannte Arzt, der ferner mitteilt:„Von einzelnen Krankenstuben abgesehen, gehören eigentliche Krankenund Siechenhäuser auf dem Lande außerhalb der Industriebezirke und von den Bade= und Kurorten und den Vororten der Großstädte abgesehen, im Osten der preußischen Monarchie, in Hannover und Hessen=Nassau zu den Seltenheiten.“ Was die ländlichen Schulen betreffe, so genügten nur die neueren den Anforderungen der Reinlichkeit und Hygiene. Aber auch die Schulzeiteinteilung auf dem Lande zeitige einen gesundheitlichen Uebelstand. Die Kinder haben vielfach einen weiten Weg zu machen und erhalten deshalb kein Mittagessen, weil sie während der einstündigen Mittagspause nicht nach Hause gehen können. In einer ländlichen Gemeinde kommen 66 Prozent der Schulkinder von auswärts. Den sichersten Maßstab für die Hygiene des Landes bieten die Erkrankungs= und Sterblichkeitsverhältnisse. Ruhr, Typhus und andere übertragbare Krankheiten kommen auf dem Lande häusiger vor als in den Städten. Die Sterblichkeit nimmt in den Städten auch mehr ab als auf dem Lande. Die Säuglingssterblichkeit hat sogar auf dem Lande teilweise zugenommen, und auch die Tuberkulosesterblichkeit nimmt auf dem Lande nicht in dem Maße ab, wie in den Städten! Dr. Roth stellt nun eine große Reihe von Forderungen auf, die eine gründliche Reform auf allen den erwähnten Gebieten erzielen sollen. Besonders sei auf die Errichtung von Gesundheitskommissionen in allen größeren ländlichen Gemeinden hinzuwirken. Diesen Gesundheitskommissionen sollen gegebenenfalls Vertreter aller derjenigen Kommissionen und Deputationen angehören, die auf dem Gebiete der kommunalen und sozialen Hygiene tätig sind, auch Vertreter der Krankenkassen, der Schulen usw. Die an Räume zum Wohnen und Schlafen zu stellenden Mindestforderungen sind durch Gesetze festzusetzen. In jeder Gemeinde muß eine der Einwohnerzahl und der räumlichen Ausdehnung entsprechende Anzahl einwandsfreier Wasserentnahmestellen vorgesehen sein. Durch entsprechende baupolizeiliche Bestimmungen und Erlaß von Brunnenverordnungen sind die wichtigsten gesundheitlichen Forderungen sicherzustellen. Außerdem müssen geeignete Sachverständige und erfahrene Brunnenbauer für diesen Zweck zur Verfugung stehen. Die Beseitigung der festen und flüssigen Abfallstoffe hat so zu erfolgen, daß Verunreinigungen des Untergrundes, der Brunnen und der Wasserläufe ausgeschlossen sind. Die übrigen Forderungen beziehen sich auf die Kranken= und Armenfürsorge, Schulspeijung, Bäder usw. Zweifellos liegt die ländliche Hygiene besonders im Osten Deutschlands noch sehr im Argen und erfordert eine große Arbeit, um mit den die Gesundheit bedrohenden Mißständen aufzuräumen. Aber damit auch etwas Gründliches geschehe, bedarf es der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu allen Kommunalwahlen, um den fortschrittlich gesinnten Elementen— und das sind die Arbeiter— den nötigen Einfluß zu verschaffen und die Herrschaft der rückständigen Großgrundbesitzer zu brechen. Unsere Gegner empfinden es als einen der schwersten Mißstände an der Sozialdemokratie, daß sie ihnen nicht genügend Angriffsmaterial bietet. Dieser betrübenden Erscheinung durch immer neue Verleumdungen abzuhelfen, ist nicht so leicht. Denn um sich derartige Verleumdungen aus den Fingern zu saugen, muß man ein Quantum„geistiger Arbeit“ verrichten, und das hat seine Unbequemlichkeiten. Aus diesem Grunde machen die Ordnungsstützen sich die Sache einfacher, indem sie alte Verleumdungsnotizen sich in einer besonderen Mappe aufbewahren, berparauhosen. unpassender Stunde wieder So geschieht es gegenwärtig mit einem Geschreibsel, das die antisemitisch=mittelständlerische Zeitschrift„Der Hammer“ Ende August 1908 zu ihrer Blamage der Oeffentlichkeit preisgab. Wie damals, so wird die dreiste Albernheit in diesen Tagen wieder ohne jegliche Aenderung gegen die Sozialdemokratie losgelassen. Die Notiz, die neuerdings u. a. in Nr. 268 der„KreuzZeizung. 11. Juni 1909 veröffentlicht wird, hat folgenden „Eine hübsche Zusammenstellung sozialdemokratischer Prophezeiungen bringt die Zeitschrift„Der Hammer“. „Spätestens in 10 Jahren kommt der große Kladderadatsch,“ sagte August Bebel 1875— da stand die bürgerliche Welt noch 30 Jahre und wollte noch immer nicht untergehen.„Mit unfehlbarer Sicherheit eilen wir von Sieg zu Sieg,“ sagte Singer vor den letzten Wahlen— da verlor die Sozialdemokratie die Hälfte ihrer Sitze.„Wenn die neuen Wucherzölle eingeführt werden,“ sagte Ledebour,„so wird niemand mehr das teure Brot öezahlen können,“— da wurden die neuen Zölle eingeführt und das Brot wurde so billig, wie es nie gewesen war. „Wählt keinen von den Ordnungsparteien,“ sagten die Sozialdemokraten 1907,„sonst kommt das Pfund Fleisch bald auf 3 Mk. zu stehen.“— Aber das Volk wählte doch Bürgerliche: da sanken die Schweinepreise von 75 auf 45 Mk.„Das deutsche Volk immert an Unterernährung,“ sagten die sozialdemokratischen Volksbeglücker— da stieg der Fleischverbrauch in Deutschland von 25 auf 52 Kilogramm auf Kopf und Jahr und war fast doppelt so hoch wie in Schweden, Belgien und Dänemark.“ Danach muß man doch wirklich zweifeln, ob diese Augurn nicht am Ende sich noch täuschen, wenn sie sagen:„Wir sind die einzigen Vertreter der Aufklärung und des Fortschritts.“ Die„Kreuzzeitung" stand bei manchen Leuten noch von altersher in dem Ruf, daß sie aus eigenem etwas leiste. An diesem Ruf muß ihr, wenigstens soweit der Ordnungskampf in Betracht kommt, nicht allzuviel gelegen sein, denn selbst die von ihr gewiß als besonders geistreich hervorgehobene Schlußbemerkung ist nicht ihr geistiges Eigentum, sondern stand mit denselben Worten schon vor bald zehn Monaten in der arbeiterfeindlichen Presse zu lesen. Es ist keine angenehme Aufgabe für ein sozialdemokratisches Blatt, derartige Gebrechlichkeiten staatsstützender Intelligenz immer von neuem wieder bloßstellen zu müssen. Aber es hilft einmal nicht: und wenn wir uns die Mühe nehmen, abermals auf die sozialistentötenden Albernheiten einzugehen, so geschieht es in aufrichtigem Mitleid mit dem konservativen Stumpfsinn. Also zum ersten: Der Kladderadatsch. Wir wissen gar nicht, wo Bebel im Jahre 1875 den Kladderadatsch prophezeit hat, aber uns will folgendes bedünken: Wenn im Jahre 1875 ein bürgerlicher Politiker sich schlafen gelegt hätte und heute wieder aufstände, dann würde er die Hände über dem Kopfe zusammenschlagen ob der Entwicklung, die die Welt seitdem im Sinne sozialistischer„Prophezeiungen“ genommen hat. Im Jahre 1875 war schon die kapitalistische Kultur zwerghaft gegen die heutige; wenn aber damals jemand gesagt hätte, daß heute mehr denn zwei Millionen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert seien. und. daß bei den Reichstagswahlen 1907 für die Sozialdemokratie rund 3259000 Stimmen abgegeben würden, dann hätte man den Propheten wahrscheinlich ins Irrenhaus gesperrt. Damit erledigte sich auch die zweite angeblich falsche Prophezeiung des Genossen Singer. Ein scharfer Gegner der Sozialdemokratie, mit dem wir oft die Klinge gekreuzt haben, Prof. Sombart nämlich, sagt auf Seite 257 seines Buches„Sozialismus und soziale Bewegung“ über den Ausfall der Reichstagswahlen von 1907: „Der Erfolg war für die Sozialdemokratie so glänzend, wie er unter den schwierigsten Bedingungen des Kampfes nur sein konnte.....“ Zum dritten: Die Wucherzölle. Man kann es nicht anders als ein Roheitsvergehen nennen, wenn das konservative Blatt von billigen Lebensmitteln fabelt zu einer Zeit, wo das Schweinefleisch nach den eigenen Mitteilungen der„Kreuzzeitung“ vom 11. Juni 1909 im Großhandel bereits bis zu 65 Mk. pro Zentner im Preise hinaufgetrieben worden ist und wo für Brotgetreide ebenfalls nach den Notizen der Kreuzzeitung" vom selben Tage Wucherpreise von gemeingefährlicher und bisher noch nicht dagewesener Höhe gefordert werden. Die arbeitende Bevölkerung möge es sich merken, daß zu einer Zeit, wo viele Zehntausende Proletarier arbeitslos auf der Straße liegen und die übrigen hart unter der wirtschaftlichen Krise leiden, daß zu einer Zeit, wo eben dank der wucherischen Zollpolitik für Lebensmittel unerträgliche Hungersnotpreise gefordert werden— daß zu einer solchen Zeit das führende Blatt der konservativen Partei die Bevölkerung mit der Frechheit verhöhnt, das Brot sei so billig geworden, wie es nie gewesen! Die Sozialdemokratie ist es also nicht, die sich ihrer Prophezeiungen zu schämen hat. Wohl aber stellt der von der„Kreuzzeitung" im Kampfe gegen das Proletariat wieder ans Licht gezerrte Schwindel die Junkerfrechheit derart bloß, daß auch dem blödesten Arbeiter die Augen aufgehen sollten. Politische Uebersicht. Angst vor einer Auflösung des Reichstags haben auch die Freikonservativen, obwohl sie bereit sind, für die Erbschaftssteuer zu stimmen. Die„Post“ weist in einem längeren Artikel nach, daß es sich im Falle einer Reichstagsauflösung im Wahlkampf weniger um die Erbschaftssteuer drehen würde, als vielmehr um die neuen Verbrauchssteuern. Bier, Schnaps und Tabak würden dabei im Mittelpunkt der Agitation stehen. Den Erfolg der Auflösung hätte voraussichtlich die Sozialdemokratie und deshalb müsse die Eventualität einer Reichstagsauflösung aus der Reihe der praktischen Tagesfragen völlig ausscheiden. Hier wird offen eingestanden, daß die Sozialdemokratie die einzige Partei ist, auf welche sich das deutsche Volk verlassen kann. Nur dadurch, daß man dem Volke im Jahre 1907 Sand in die Augen streute, war es möglich, der Sozialdemokratie eine so große Zahl Mandate abzunehmen. Wenn aber, wie dies jetzt nach einer Reichstagsauflösung der Fall wäre, dem Volke klar werden muß, um was es sich eigentlich bei den Reichstagswahlen handelt: nämlich darum, ob die herrschenden Klassen ungehinvert die Taschen der Massen ausräubern dürfen, da ist die Sozialdemokratie gewaltig im Vorteil. Deshalb die Angst der ein Bei hindern, ohne Erfolg bleiben. Nationalliberale Wahlvorbereitungen. Die von uns gestern mitgeteilte Nachricht, daß die Nationalliberalen der Provinz Hannover in einer Konferenz ihre Wahlvorbereitungen bereits getroffen haben, wird jetzt durch einen Bericht der Nationalzeitung“ über jene Versammlung bestätigt. Abg. Bassermann hielt das einleitende Referat und betonte, daß eine Spaltung der Nationalliberalen in den Steuerfragen vollständig ausgeschlossen sei. Es bleibe weiter nichts übrig im Falle der Ablehnung der Erbanfallsteuer als die Auflösung des Reichstages oder der Rücktritt des Fürsten Bülow. Die nationalliberale Reichstagsfraktion sei für den Entscheidungskampf gerüstet, und sie halte die Chancen bei einer Auflösung des Reichstages für sehr günstig. Der Kampf der Hannöverschen Nationalliberalen müsse vor allen Dingen gegen den Bund der Landwirte geführt werden. Eine kurze Resolution, die sich mit den Ausführungen Bassermanns deckte, wurde angenommen.— So aussichtsreich, wie die Nationalliberalen einen Wahlkampf speziell in der Provinz Hannover halten, dürfte er nun allerdings nicht sein. Die bisher dort gewählten nationalliberalen Abgeordneten waren fast durchweg stark agrarisch gerichtet, und wer die Agitation der Hahn und Roesicke kennt, ist sich wohl kaum darüber im Zweifel, daß den Nationalliberalen die bäuerlichen Stimmen zum größten Teil verloren gehen würden. Der von den Nationalliberalen proklamierte Kampf gegen den=Bund der Landwirte entspringt auch gar nicht nationalliberalem Kampfesmut, sondern beruht auf dem einfachen Gebot der Abwehr, weil die Bündler schon bei den letzten Wahlen und noch mehr nach den Wahlen bestrebt waren, die Nationalliberalen aus ihrem Besitzstand in der Provinz Hannover zu verdrängen. Protest des deutschen Handelstages. Die Steuer= und Zollkommission des deutschen Handelstages wird am 23. Juni zu einer Sitzung zusammentreten, in der über die neuen Steuern verhandelt werden soll. Der Präsident des Handelstages hat die Mitglieder eingeladen mit dem Hinweis darauf, daß die fortwährende Bevorzugung der Landwirtschaft in den weitesten Kreisen tiefe Erbitterung ausgelöst hat. Industrie und Handel können im Reichstage nicht zu ihrem Rechte gelangen, wenn sich die Abgeordneten nicht als Vertreter des ganzen Volkes, sondern nur als Vertreter bestimmter Interessen betrachten. Delegiertentag der deutschen bürgerlichen Presse. Am Sonntag wurde in Breslau die 16. Delegierten=Versammlung des Verbandes deutscher Journalisten und Schriftsteller eröffnet. Der erste Gegenstand der Tagesordnung betraf die Schaffung einer Zentralorganisation der Journalisten und Schriftsteller für gänz Deutschland. Ein Antrag des Vereins„Berliner Presse" verlangte die Bildung einer alle Teile des Reiches um Organisation, die geeignet ist, die wirtschaftlichen und beruflichen Interessen des Standes nachdrücklichst zu vertreten. Nach langer Debatte wurde eine Kommission eingesetzt, die den Auftrag bekam, eine Vorlage über Schaffung einer großen .. im Sinne des Berliner Antrages auszuBerufsorganisation urbeiten. Paul Langerhans F. Der frühere Landtags= und Reichstagsabgeordnete, langjährige Vorsteher der Berliner Stadtverordneten und Ehrenbürger der Stadt Berlin, Dr. Paul Langerhans, ist Montag früh im 90. Lebensjahre an den Folgen einer Operation verschieden. Mit dem Verstorbenen sinkt einer der wenigen wirklich liberalen Männer ins Grab, die das deutsche Bürgertum heute noch###### hat.: Ihm war der LiberaBürgertum heute noch aufzuweisen hat. Ihm war der Lil keineswegs eine hohle Phrase, vielmehr war er bestrebt, S###erglen Gedanken überall zum Durchbruch zu verhelfen. rklich li5, g#####ten überall zum Durchbruch zu verhelfen Seine polilische Wirrsamkeit und auch die art, wie er die Geschäfte des Berliner Stadtverordnetenkollegiums leitete, müssen auch dem politischen Gegner volle Achtung abringen. Bündnis zwischen Zentrum und Konservativen. Wie bestimmt versichert wird, hat das Zentrum mit den Konservativen eine förmliche Vereinbarung getroffen, wonach das Zentrum in der Frage der Erbanfallsteuer den Fraktionszwang durchführen wird. Ob auch die Konservativen bestimmte Verpflichtungen eingegangen sind, ist nicht bekannt. Ist es aber der Fall, so kann ihre ganze Haltung nur als persönliche Gegnerschaft gegen den Reichskanzler mit dem Endziel seines Rücktritts aufgesaßt werden. Den Konservativen wird zugeredet, sich einmal über das Bündnis auszusprechen, damit man auf liberaler Seite die Gewißheit hat, daß alle Verständigungsversuche zwecklos sind. Prozeß Eulenburg. München, 21. Juni. Wie die„Münch. Post“ meldet, ist die Berliner Blättermeldung, wonach die Zeugen im Eulenburgprozeß, Fischermeister Ernst und Milchhändler Riedl, eine Vorladung für den neuen Termin am 6. Juli erhalten haben, unrichtig. So geht's einem Arbeiter. Im Dezember vorigen Jahres hat das Schöffengericht in Markneukirchen einen Arbeiter von der Anklage freigesprochen, die dahin ging, daß er das Vereinsund Versammlungsgesetz übertreten habe. Die notwendigen baren Auslagen sollten ihm erstattet werden. Der Freigesprochen hatte eine Anzahl Arbeitsstunden versäumt und verlangte nun dafür, sowie für verausgabtes Porto Entschädigung. Das Gericht erließ einen Beschluß, wonach dem Freigesprochenen Haxf Ferzzenzeniggsgrochen wurden. Verlangt hatte er 3,84 #gnstrnligung, 5 Pfg. für Porto, ferner 60 Pfg. für Berichterstattung an den Bezirksleiter in Dresden und den Hauptvorstand in Stuttgart über den Ausgang der Sache. Diese letztere Auslage wurde als eine notwendige nicht anerkannt, evenso nicht die Entschädigung für Zeitversäumnis, so daß ihm nur die fünf Pfennig ersetzt werden. Zur Lehrerverfolgung in der Republik Bremen. Die Beörde hat in der Anklageschrift gegen Holzmeier die Zah Die an die Behörde gerichtete Verteidigungsschrift Holzmeiers ist von den bürgerlichen„Bremer Nachrichten" im Auszuge und von unserem Bremer Parteiblatte vollständig gebracht worden. In dieser Verteidigungsschrift, in der Holzmeier der Behörde auseinandersetzt, daß auch dem Beamten die Staatsbürgerrechte uneingeschränkt eingeräumt werden müssen, soll er das„Verhalten der Behörde gegenüber dem bremischen Lehrervereine einer unzulässigen Kritik unterzogen und die Stellung der ihm vorgesetzten Schulvorsteher herabgesetzt" haben. Nach erstattetem Berichte der Justizkommission, so heißt es in der neuesten Anklageschrift gegen Holzmeier, ist der Senat der Auffassung, daß Holzmeier, indem er öffentlich in der Presse seine Verteidigung in der angegebenen Weise zu führen sucht, wobei besonders ins Gewicht fallt, daß er sich des Organs der sozialdemokratischen Partei bedient, das nach seiner Tendenz die bestehende Staatsordnung grundsätzlich angreift sich einer weiteren Verletzun Fchluscp ho:. Der Senat besseiner Beamtenpflicht so das durch buldig BeSenat beschließt daher„daß. dur—## E.= schluß vom 11. Mai gegen den Lehrer J. I. A. Holzmeier eroffnete Disziplinarverfahren auf die angefuhrte Handlung des Beschuldigten ausgedehnt wird. Dieser Senatsbeschluß datiert vom 1. Juni d. J. In der letzten, außerordentlichen Generalversammlung des Bremer Lehrervereins, die Mittwoch stattfand, wurde er von Holzmeier den versammelten Lehrern bekannt gegeben. Der Rückgang der Reichseinnahmen. Nach der endgiltigen Zusammenstellung der hauptsächlichsten Einnahmen des Reiches haben sich die Verhältnisse ein wenig Uebersicht zu ersehen rung vornehmlich beteiligt sind die Zölle mit 4,82, der Lotterielosstempel mit 3,45, die Brausteuer mit 2,99, die Maischbottichsteuer mit 2,30, die Erbschaftssteuer mit 0,82 und der Personenfahrkartenstempel mit 0,81 Millionen Mark. Trotz dieser Zunahme hat der Ausfall der Einnahmen gegenüber dem Etatsansatz noch über 165 Millionen Mark betragen. An diesem Manko sind allein die Zölle mit 121 Millionen Mark beteiligt, da sie nur 545,96 Millionen Mark eingebracht haben, während der Etat eine Einnahme von 666,97 Millionen Mark vorsieht. Den zweitgrößten Ausfall hat die Post= und Telegraphenverwaltung aufzuweisen, aus der nur 623,38 Millionen Mark eingekommen sind gegen 644,15 Millionen Mark im Etatsanschlag, also 20,77 Millionen Mark zu wenig. Dann folgt die Erbschaftssteuer, die statt der erhofften 42 Millionen Mark nur 30,08 Millionen Mark ergeben hat, so daß der Ausfall fast 12 Millionen Mark beträgt. Ferner liegt die Einnahme unter dem Etatssoll bei der Reichseisenbahn um 9,05, beim Personenfahrkartennger um egu Ver er. Erausteult um 4,22, bei der Verbrauchsstempel um 5,06, bei der Brausteuer um 4,22, bei der Verbrauch abgave von Branntwein 2,62, bei der Tantiemesteuer um 2, beim Frachturkundenstempel um 1,57, bei der Börsensteuer u 1.30(wobei 101 Milliqnen Mark auf den Kaufstempel entfalle 2/03, um bei der Börsensteuer um L/os swodel hor Millionen Marr auf den Kuufstemperentsallenf, bei der Tabaksteuer um 0,48 und beim Automobilstempel um 0,98 Millionen Mark. Im ganzen betrug hiernach der Ausfall 150,80 Millionen Mark, denen Mehreinnahmen aus einzelnen Steuern in Höhe von 15,19 Millionen Mark gegenüberstehen. Den größten Ueberschuß hat die Maischbottichsteuer ergeben, aus der 13,03 Millionen Mark eingekommen sind, während der Etat nur 8.60 Millionen Mark vorsieht, dann folgen der Stempel von Privatlotterien mit einem Mehr über den Etatsanschlag von 2,87 Millionen Mark, die Zuckersteuer mit 2,65, die Brennsteuer mit 2,47, die Zigarettensteuer mit 1,29 die Salzsteuer mit 0,50, stempelsteuer mit Staatslotterielosstempel mit 0.21, die Schaumweinsteuer mit 1.03 und die statistische Gebühr mit 0,01 Millionen Mark. Abgesehen von den Zöllen und Einnahmen der Verkehrsinstitute sind es also hauptsächlich wieder die sogenannten neuen Steuern, die trotz ihrer zum Teil sehr wesentlichen Herabsetzung im Etatsanschlag einen Ausfall ergeben haben. Dieser Ausfall beträgt nahezu 20 Millionen Mark. Zentrum und Abonneutenversicherung. Bei der vorjährigen Etatsdebatte interpellierte der Zenumsabgeordnete Giesberts im Reichstage die Regierung geplant sei die der Redner als„eine Spekulation auf die Dummheit der Massen" bezeichnete. Am 13. Februar dieses Jahres seberum an; er sprach P“areur diese schnitt bgeordnete Mare....ge Frage im wie die Zentrumspresse chtete, in„ungemein scharfer Weise“ gegen diese unanstandigen Unternehmungen aus; ein völliges Verbot liege im Interesse der Volkswohlfahrt. Das Zentrum brachte dann eine Resolution ein, die das Verbot der Verquickung von Zeitungen und Zeitschriften mit Versicherungen irgendwelcher Art verlangt. Der Reichstag beschloß, erst die Erhebungen abzuwarten, die vom Regierungstische aus versprochen wurden D scharfen Attacke Aegierungkrischr, aus versprochen wurden. Den scharsen Allacken gegen jenen Unfug und Schwindel gegenüber ist die Tatsache, daß die Abonnentenversicherung gerade unter der Zentrumspresse verbreitet ist, wieder eine Bestätigung der doppelten klerikalen Moral. Den„Schwindel“ treiben u. a. auch Zentrumsblätter in Dortmund, St. Johann=Saarbrücken, M.=Gladbach, München. Das schönste aber ist, daß, wie sich jetzt herausstellt. das Blatt der Herren Bachem in Köln, der bekannten Zentrumsführer, die Abonnentenversicherung ehenfalls eingeführt hat. Vor uns liegt eine Kundgebung des Vorstandes des Katholischen Beamtenvereins in Köln, worin mitgeteilt wird, daß die Unterstützung der Hinterbliebenen verstorbener Mitglieder, die den Kölner„Lokalanzeiger“ durch den Verein beziehen, für das Vereinsjahr 1909/10 auf 30 Pfg. festgesetzt ist; außerdem zahlt der Verein noch 20 Pfg. aus seiner Kasse hinzu. Weiter heißt es in der Mitteilung, daß die Unterstützung nur dann gezahlt werde, wenn das Mitglied das genannte Blatt mindestens sechs Monate durch den Verein bezogen hat. Der Anspruch fällt weg, wenn das Blatt.nr. Menn Eegegen Wilt, eder wann die Oabl der heziehenden Mital. st einen Monat nicht mehr bezogen wird oder wenn die Zuhl der bezlehenden Mitgliever unter tauseno herabsinkt, weil dann der Verlag sich nicht mehr bereit erklärt, eine „„ nstigung zu„gewähren“. Ohne Zweifer hat der Verlag mit anderen Katholischen Vereinen ähnliche Abmachungen, die den Reden der Zentrumsleute Aufa aufs brutalste in das Gesicht schlagen. 500 Millionen Erbschaftssteuerertrag! In dem erst in einigen Monaten zur Ausgabe gelangenden Bande des von Geheimrat Prof. Schanz, Württemberg, herausgegebenen, bei Cotta, Stuttgart, erscheinenden„FinanzArchiv“ wird eine Arbeit von R. E. May veröffentlicht werden, deren Hauptergebnisse, in Anbetracht ihres Interesses für die Allgemeinheit, mit Erlaubnis des Herausgebers und Verlegers, schon jetzt bekannt gegeben werden. In dieser Arbeit berechnet May die„Durchschnittsbelastung der Erbschaften in Deutschland, England und Frankreich" und— was im Augenblick noch mehr interessieren dürfte als diese— den„Ertrag der deutschen Erbschaften bei Anwendung der neuen englischen Nachlaß= und Erbschaftssteuersätze", und kommt dabei zu folgendem Resultat: Be. der Anwendung der neuen englischen Steuersätze auf die deutschen Erbschaften würden diese ergeben: 1. An Nachlaßsteuer 305 Millionen Mark(wenn nur die Vermögen über 20000 Mark herangezogen werden,„nur“ 290 Millionen). Der Aufschlag von 2 Prozent für fideikommissarisch festgelegte Vermögen ist in den 305 beziehungsweise 290 Millionen noch nicht enthalten. 2. An Nachlaß= und Erbschaftssteuer zusammen. 429 Millionen Mark, und wenn die Größe der Vermögen in der Mitte liegt zwischen Mays, auf Basis der preußischen Ergänzungssteuerveranlagung ermittelten Zahlen, und den 142 Milliarden, die Professor Hans Delbruck im Aprilheft der „Preußischen Jahrbücher" für Preußen herausrechnet: 506 Millionen Mark. Alle vorstehenden Summen sind berechnet für das Jahr 1910, wie seinerzeit die Berechnungen des Regierungsentwurfs für die Nachlaßsteuer, welche die deutschen Verlassenschaften mit durchschnittlich 1,82 Prozent belastet haben würde, und einschließlich der bisherigen Erbschaftssteuern in den Bundesstaaten mit 2,59 Prozent gegen 9,36 Prozent, mit denen nach den neuen engischen Nachlaß= und Erbschaftssteuersätzen die englischen Verlassenschaften durchschnittlich belastet werden. Eine Reichserbanfallsteuer, welche außer den bisherigen 40 Millionen(Reichs= und Bundesstaatssteuern) noch 100 Millionen gebracht haben würde, würde die deutschen Erbschaften, mit erstexen zusammen mit 3,3 Prozent belasten, rund ¾ des französischen Satzes der Erbschaftsbelastung, rund ein Drittel der künftigen englischent Am Schlusse seiner Berechnungen sagt May:„Das Resultat dieser Untersuchung, bei der selbstredend auch nicht ein DezimalIdee oder einem Bunsche zuliebe gestaltet worden ist, bruch einer Idee oder einem Wunsche zuliebe, gestaltet,worden ist, hat den Verfasser selbst überrascht, und diese Ueberraschung wird wohl allgemein sein. Gerade aber darum kann er nicht umhin, dem Gefühle der Beschämung darüber Ausdruck zu geben, das ihn angesichts der Tatsache erfüllt, daß das große, reiche Volk, dem er angehört, nicht einmal den Opfermut besitzt, von seinem Reichtum der Allgemeinheit verhältnismäßig auch nur den fünften Teil dessen zu opfern, was die englische Nation an seiner Stelle ohne Zaudern auf den Altar des Vaterlandes niedergelegt hat.“ Die Resultate der Mayschen Untersuchungen sind wohl geeignet, den Schaden ins rechte Licht zu stellen, den die Ablehnung des am 15. Juni dem Reichstag von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurfes, betr. Aenderung des Erbschaftssteuergesetzes für die deutsche Volkswirtschaft, im Gefolge haben würde, und den die Ablehnung des am 3. November 1908 dem Reichstag vorgelegten Nachlaßsteuergesetzentwurfs bereits gezeitigt hat. Denn zweifellos wirken die sogenannten„Ersatzsteuern durch Verteuerung der Waren und Mieten einerseits(Belastung der Feuerversicherung und Grundstücksübertragung) und Verteuerung des Zinsfußes andererseits(Erschwerung der Bargeldzentralisation in den Banken und der Reichsbank durch den Scheckstempel) ebenso lebenverteuernd für die Massen, wie die inirekten Steuern. Diese Belastung und Belästigung hätte schon durch eine ganz geringe Erhöhung der Erbschaftssteuersätze vermieden werden konnen. Aber vielleicht wird die Mahnung, die Fürst Bülow am 16. Juni im Reichstag an die Konservativen richtete, schon in nicht allzu ferner Zeit Wirklichkeit:„Ihr„Unannehmbar“, würde die Erbschaftssteuer vielleicht ir diesem „ fg on Eroschaftbsieler duticht in viesem Augenblicke zu Fau bringen, für die Zukunft aver nur neuen Eroschaftssteuern den Weg bahnen, die ohne und gegen Sie zustande kommen und Ihre Ideen und Gesichtspunkte weniger berücksichtigen werden.“ Frankreich. ac. Steuerprojekte. Der Finanzminister Cailleaux hat soeben mit großer Verspätung das Budget von 1910 oorgelegt. Die Begrundung beginnt mit dem offenen Zugeständnis, daß auch Frankreich wie alle anderen Militärstaaten in Finanzschwierigkeiten gerät. Aber der französische Finanzminister sieht in der direkten Besteuerung des Einkommens und des Kapitals die geeigneten Quellen für die notwendigen Staatsmittel. Das vorhandone Defieit von 105 Millignen Tranken hat er guf 60 M: handene Besizir von 10s Millionen Fronten har er auf 60 Franken herabdrücken konnen. Diese 60 Millionen sollen Mill. zum konnen. Diese 60 Millionen sollen zum Teil aufgebracht werden durch eine Steuer auf Petroleum für die Automobile, Einführung einer staatlichen Steuer auf Hunde, namentlich Jagdhunde, in der Hauptsache aber durch Erhöhung der Einkommensteuer. Nun werden eber weitere 100—120 Mill. der Eintommensteller. Nun werden über weilere 103— Tne Vin. Franken zur Durchfuhrung der sozialen Reformen gebraucht. Diese will sich der Finanzminister Cailleaux durch eine Erhöhung der Erbschaftssteuer verschaffen. Dabei ist die franSerbien. Aus der Stadt und Nachbarschaft. Bielefeld, 22. Juni —Deutscher Metallarbeiterverband. Um die verschiedenen Anfragen bezl. des„Blechschmiedes“ zu beantworten, möchten wir mitteilen, daß die Ausgabe desselben am Mittwoch abend auf dem Bureau erfolgt. Die Vertrauensleute werden ersucht, sich am Sonntag morgen um 9 Uhr auf dem Ochsenberge einfinden zu wollen. Jeder Kollege, gleichviel welcher Kommission er zugeteilt ist, hat anwesend zu sein, da noch verschiedene Dinge geregelt werden müssen. Gleichzeitig möchten wir bitten, daß noch bis zum Tage des Stiftungsfestes für einen regen Vertrieb der Eintrittskarten gesorgt wird. Es darf wohl erwartet werden, daß ein noch stärkerer Besuch wie in früheren Jahren trotz der schlechten Konjunktur erfolgt, da die einzelnen Festkommissionen alles daransetzen werden, um ein gutes Gelingen des Festes zu gewährleisten. — Ist es ratsam, Kindern geistige Getränke zu geben, oder nicht? Darüber besteht immer noch bei vielen Eltern und sonstigen Erziehern Unklarheit. Eine maßgebende und wissenschaftlich zuverlässige Stelle, der niemand Parteilichkeit nach der einen oder nach der anderen Seite vorwerfen wird, hat darüber neuestens bündig und klar ihr Gutachten abgegeben, das Reichsgesundheitsamt in seinem„Gesundheitsbüchlein“, Der Kampf gegen den Prinzen Georg. Belgrad, 21. Juni. König Peter bot den Hauptverschwörern, dem Exminister Gencie und dem Obersten Maschin je 100 000 Franken, wenn sie Serbien sofort auf ein Jahr verlassen. Dieses Angebot des Königs ist durch den bekannten schweren Konflikt veranlaßt worden, in den Prinz Georg mit der Verschwörerpartei geraten ist. Exminister Gencie und Oberst Maschin machten aber von dem Anerbieten , Mitteilung. Alle Verschwörer beschlosse bieten des Königs zurückzuweisen und den Kampf gegen den Prinzen Georg fortzusetzen. das einen längeren Abschnitt über die alkoholischen Getränke enthält(neueste Auflage von 1908):„Für Kinder ist der Alkohol ein schlimmes Gift; Bier, Wein, und namentlich Branntwein sollte man Kindern bis zum Ablauf der Entwicklungszeit(14. bis 16. Lebensjahr) überhaupt nicht geben. Sehr beachtenswert ist auch die unmittcbar vorangehende Stelle: Besonders verhängnisvoll ist es, daß Trunksucht der Eltern nur allzu häufig eine schwächliche, geistig wie körperlich minderwertige Nachkommenschaft zur Folge hat, deren Entwicklung oft noch durch Vernachlässigung der Pflege und Erziehung ungünstig beeinflußt wird.“ — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben:„Auf die heutige Erstaufführung der witzigsatirischen Lustspiel=Novität„Der Dummkopf“ aus der Feder des anerkannt besten Lustspieldichters Ludwig Fulda machen wir hiermit aufmerksam.— Um vielen telephonischen und persönlichen Anfragen entgegenzukommen, sieht sich die Direktion veranlaßt, das vereits vom Spielplan abgesetzte, mit beispiellosem Erfolge aufgeführte C. Schülersche Schauspiel„Staatsanwalt Alexander" am Mittwoch noch einmal und zwar zum 5. Male zur Aufführung zu bringen. — Hagenbecks Raubtierschau. Die gestrige Vorstellung war Von besonderem Interesse ist da die große Zahl verschiedenartiger Ponys, die dort zu sehen sind, z. B. ein sehr kleines, dafür aber desto reichlicher behaartes Shetlandpony, ferner zwei Zebras. Auch zwei kleine 10 und 12 Monate alte Elefanten sind da zu finden und viele andere sehenswerte Tiere. — Polizeibericht. Schlägerei. Am 21. Juni, abends #1 sie: Gütersloherstraße vor der W gegen#7## Uhr, fand in der Gu#rherttigt ter der Wirtschaft F. eine Schlagerei statt, wobei zwei Personen erhebliche Verletzungen davon trugen. Der Haupttäter konnte heute morgen i, als er im Begriff stand, abzureisen, festgenommen werden. Gefunden: 1 Rohrstuhl mit Seitenlehnen, 1 altes Portemonnate mit geringem Inhalt. Verloren: 1 graues krokodilledernes Damenportemonnaie mit 3 Mk. Inhalt, 1 Handarbeit(Lochstickerei), 1 Ebenholzstock mit Silbereinlage, 1 wertvolle runde Granatbrosche mit Anhänger, 1 gelbes Damenportemonnaie mit 13 bis 14 Mk. Inhalt, 1 altes braunes Herrenportemannie mit 55 Mk. Inhalt, ein rotes Damenportemennaie mit 30 Mk. Inhalt, 1 schwarzseidener chal, 1 illustrierter Ausstellungskatalog von Salony=Paris. Versammlungen. Mittwoch, 23. Juni. Bielefeld. Soz. Verein, 9. Bezirk. Abends 8½ Uhr, bei Apenbrink. - Arbeiter=Abstinenten=Bund. Abends 8½ Uhr in„Stadt Bielefeld“. Detmold. Außerordentl. Sitzung des Gewerkschaftskartells mit den Vorständen der Gewerkschaften. Abends 8½ Uhr in der„Central= halle“. Die Konferenz des 5. Gaues des Deutschen Tabakarbeiterverbandes. tagte am vorigen Sonntag im geschmackvoll dekorierten Kaiserder Gaule saal“ in Vlotho.„Nachdem der Eauleiter Schlüter sie kurz vor 10¾ Uhr eroffnet hatte, wurden die Delegierten von dem Kollegen Kray=Vlotho willkommen geheißen, und der Vlothoer Arbeiter=Gesangverein sang ein Begrüßungslied. Die Konferenz wählte dann zu Vorsitzenden SchlüterBielefeld und Vogtländer=Ennigloh, zu Schriftführern Blanke=Osnabrück und Müller=Enger. Hierauf wurde in die Beratungen eingetreten. Als erster Punkt steht auf der Tagesordnung: Der Landes=Minimaltarif ür die Zigarrenindustrie, Referent ist Eberle=Bremen, Mitglied des Verbandsvorstandes. Er führte ungefähr folgendes aus: In den Jahren 1906 bis 1908 habe der Verband große Fortschritte, besonders in Westfalen, eczielt. Er habe Fuß gefaßt hier, wo die Lohn= und Arbeitsbedingungen unglaublich niedrige gewesen seien, und habe noch im vorigen Jahre einen Mehrverdienst von 1,13 Mark pro Kopf und Woche erreicht. Aber auch innerlich sei der Verband gekräftigt, in der Hauptkasse becht des Vorstandes stark genug, um jetzt mit Abschlüssen von Tarifen vorzugehen, und zu diesem Zweck ist von ihm ein Minimaltarif ausgearbeitet worden, der die mindesten Forderungen festlegt, die ein solcher Tarif enthalten dürfe. Redner kommt dann eingehend auf diesen Entwurf zu sprechen, den die„Volkswacht“ schon in Nr. 133 veröffentlicht hat. Er betont hierbei ganz besonders die Wichtigkeit erstens der Verkürzung der Arbeitszeit, welche in der Forderung des 9½. stündigen Arbeitstages liegt, und zweitens des 5prozentigen Zuschlags für die Heimarbeiter. Die Abschaffung der Heimarbeit zu verlangen, sei tatsächlich unmöglich; aber die Gerechtigkeit erfordere es, daß der Fabrikant die Heimarbeiter, bei welchen er sämtliche Fabrikunkosten spare, auch höher entlohne. Wir wissen wohl, daß es noch viele Orte gibt, auch in Westlen, wo unter diesem Tarif gearbeitet wird. Natürlich darf mit Fabrikanten, welche diesen Tarif nicht anerkennen, kein Vertrag abgeschlossen werden, soll dies geschehen, müssen sie auch auf allen ihren Filialen nach dem Tarif arbeiten lassen. Die Ansichten über Tarifabschlüsse waren früher sehr geteilt Viele waren der Ansicht, daß Tarifabschlüsse der Arbeiterzustande gekommen. Und ganz besonders wird, wenn, wie bei unserem vorgesehen ist, die Tarifdauer nur ein Jahr beträgt, bei den alle Jayre sich wiederholenden Verhandlungen regelmäßig der Kampf um weitere Verbesserungen einsetzen. „ Der Tarifabschluß ist die Anerkennung der Solidarität der arbeiter. Ein Allheilmittel ist's nicht. Als letztes Ziel müssen wir die Freiheit der urvei anstreben. Aber der Tarifabschluß ist eine Station auf dem Wege zu ihr. Natürlich würden für den Kautabak und die Zigaretten Tarife nachfolgen. kommission, Es sind 31 Zahlstellen.“ e.ll.n burch z2“u 8usprssung 3 und 1 a. 8 J,1en bulch f. 1,0 durch re 4 Zahlstellen durch a Petegierte vertreten, in Summa 48 küir ailtig erllärt.“ Velegierte. Sämtliche Mandate wurden 9 8 durch je Nunmehr wurde i Schmitz=Soest i Festigung der Organis beitslosenunterstützung der nunmehr begin verträgen wirken. D Fabrikanten so viel 2 auch für die Sortierer bemängelt Redner die richtern und Zurichter 1,75. Das sei viel zu Schmuck=Lemgo hält besonders die For weil der Mangel an Weib und Kind nötigt Hierauf trat die 2 Wort Schlüter=Bielef die Moglichkeit, unsere zu lassen. Bisher su arbeiterfeindlich sind, Vertrauensmann aus, Arbeiter, und dann setz sierten AArbeitern ab. durch den Genossen( Tarifverträgen anders kein Platz mehr in de kein Konsumverein, der bewegung steht, von ei den Tarif abgeschlossen Natürlich müssen wir öffentliche Meinung z einzelnen Zahlstellen di Bereich arbeitenden Fi gelungen, für Bielefel hat sich nun herausge welche in Elverdissen Arbeiter im Deutscher Hieraus allein ersieht Firmen ist. Müller=Enger i sicht, daß dieser erst in erkämpft werden muß. des Verbandes als auf durch diese könne nur ausgeübt werden, die Klüter=Ennigloh die Verkürzung der A durch die Arbeiter selb auf die Heimarbeit. ist es noch zu früh im so wichtig sie gewiß sind Fabrikanten, sondern a sipen haben, zu Tarift Ausbau der Organisat vereine wenig. Da ist richtung möglicherweise Weßler=Besenkar ist aber gegen den Unt Forderung der 9½stün Lohnaufschlages jetzt no liche Lohnzahlung aufg Schumann=Kirch Behrens=Bielefe Arbeitszeit inklusive Pe 10stündige Arbeitszeit. Schutte=Oerlingl Tarif aus. Hoffmann=Biele Anwesenden kenne, nier Wichtigkeit der Verkürz gewiß ist Verkürzung besserung, weil durch kürzung der Arbeitszei gefuhrt oder nach sich g Aufnahme der Forderu Minimaltarif allgemeit nur aus dem Bestreben schluß von Tarifabschlüs mit dem 5prozentigen sehr richtig, in der Pra beiter selbst werden sie immer billiger bezahlt: Marx schon im Kapital keit her, wir führen hie den Ausschlag gibt, und die mit dem wirtschaftlic der Tarifvertrag, ders ist, müßte ja hiernach a hier in Westfalen zustar Arbeitszeitverküzung un Heimarbeit gestrichen w Es sprachen dann n Rheda, Bartling Eberle=Bremen und Schlußwort führt Ebe geschlossen werden wi forderungen darin erre bande könnten nur solch Forderungen des Mini Es werden hierauf zahlung, die Differenz. Rauchtabaklöhne und die zur Erwägung überwiest Ferner wird einstim „Die Konferenz stellt den Boden des Landesm verhältnissen entspreche Abweichungen vorgenom Es folgt nunmehr P Arbeitsnachweisbureaus. Bielefeld, führte hierzuc daß die modernen Verh lung eine gute Organis# beitsvermittlung, wie sie Umschauens stattfindet, sonst leicht verderbliche kann das Umschauen zu Den Arbeiter aber trei zum Landstreichertum, z hilflos mit seinem einzie von Fabrik zu Fabrik ha Verhältnisse. Aber auch in den Zeitungen teuer. Auf eine verlangte Ark Personen, bei schriftliche: der vielen Briefe nicht des Arbeitnehmers ist da bracht. Wieviel unnütz Schreibmaterial und Po Arbeitnehmern. Die private Stellenve trieben wird, mutet meis zu, geht auch oft direkt treilich dem Arbeitgeber Wünschen des Arbeitgeb Rechnung getragen, wäh werbsmaßigen Arbeitsne werden meist sehr hohe( mittelte muß hier öfter h Aber auch bei Streiks u lichen Arbeitsnachweise## beitsnachweise lassen in die Diskussion eingetreten:... sie jeden Streik ignorieren und ihre Tätigkeit unter allen UmSchmitz=Soest ist der Ansicht, daß die innere und außere# ständen fortsetzen würden. Festigung der Organisation eine Folge der Einführung der Ar- Auch die kommunalen Arbeitsnachweise sind nicht immer für veilblosenunterstützung sei. Genau in derselben Richtung werde unsere Zwecke geeignet, da sie uns vielfach bei Streiks und Ausder nunmehr, beginnende Kampf um Abschluß von Tarif= I sperrungen ebenfaus hinderlich sind. In den meisten Statuten der kommunalen Arbeitsnachweise wird dieser Punkt, wie das ein. Nach dieser erhielt das hr. begignende Kampf um Abschluß.von Tarifverträgen wirken. Der Abschluß eines Tarifs müsse für die Fabrikanten so viel Wert haben wie eine Schutzmarke. Aber auch für die Sortierer müßten Tarife vorgesehen werden. Dann bemängelt Redner die Differenz in Nummer 3 zwischen Zurichtern und Zurichterinnen von 75 Pfg. zwischen 2,25 und und 1,75. Das sei viel zu hoch. ein Freund von Tarifverträgen und hält besonders die Forderung der freien Zurichtung für wichtig, weil der Mangel an dieser den Arbeiter zur Ausbeutung von Weib und Kind nötigt. Hierauf trat die Mittagspause Wort Schlüter=Bielefeld: Die Tarifverträge geben uns auch die Möglichkeit, unsere Macht als Konsumenten mehr mitwirken zu lassen. Bisher suchten sich Fabrikanten, welche durchaus arbeiterfeindlich sind, irgendwo aus der Arbeiterpartei einen Vertrauensmann aus, versicherten diesem, sie seien Freunde der Arbeiter, und dann setzte dieser ihre Fabrikate unter den organisierten AArbeitern ab. So z. B. die Firma Haubrock=Bünde durch den Genossen Gärtner=Dortmund. Das wird mit den Tarifverträgen anders werden, da wird für solche Freibeuter kein Platz mehr in der Arbeiterbewegung sein. Es wird doch kein Konsumverein, der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung steht, von einem Fabrikanten ferner kaufen, der nicht den Tarif abgeschlossen hätte, und das will schon etwas heißen. Natürlich müssen wir bei dem Kampf auch möglichst durch die öffentliche Meinung zu wirken suchen. Dann müssen in den einzelnen Zahlstellen die Kollegen eine genaue Liste der in ihrem Bereich arbeitenden Firmen aufstellen. Es ist uns z. B. gestern gelungen, für Bielefeld einen Tarifvertrag abzuschließen. Da weiche in Elverdissen eine Filale hat, verpflichtet wird ihre Alckerburge Arbeitsnachweisbureau im Falle von Streiks oder Aussperrungen zu fungieren habe, überhaupt nicht berührt. Der betreffende Paragraph im Statut von Frankfurt a. M., welcher die Fassung hatte: Bei Arbeitseinstellungen und Aussperrungen stellt die städtische Arbeitsvermittlung ihre Tätigkeit für das beteiligte Geschäft oder den beteiligten Arbeitszweig ein— ist von der Regierung nicht genehmigt worden. Es ist deshalb notwendig, daß wir von Verbands wegen den Arbeitsnachweis organisieren und selbst die Arbeitsvermittlung übernehmen. Wir sind dann sicher, daß bei der Arbeitsvermittlung eine Bevorzugung nach keiner Seite hin vorkommt und daß bei Streiks und Aussperrungen der Arbeitsnachweis uns keinen Schaden zufügen kann. Redner erläuterte dann den vom Verbandsvorstand vorgelegten Entwurf eines Regulativs zur Errichtung von Arbeitsnachweisbureaus, wünschte an einigen Stellen Veränderungen bezw. Verbesserungen und empfahl der Konferenz zum Schluß, der Errichtung von Arbeitsnachweisbureaus von Verbands wegen ihre Zustimmung zu geben. In der Diskussion wurden nur unwesentliche Bedenken geltend gemacht. Diese wurden dann in der Resolution dem Vorstand überwiesen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und Genosse Schlüter schloß die Konferenz mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Deutschen Tabakarbeiterverband. * Enger, 21. Juni. Stadtverordnetensitzung. Tagesordnung: 1. Wahl einer Kommission zur Vorprüfung der Stadtkassenrechnung für 1908. 2. Antrag Jürging wegen Freilegung von Bauterrain. 3. Umpflasterung der Brandstraße. Zu 1 wird eine Kommission von drei Mitgliedern gewählt, be16 Gebäude eingeäschert. Posen, 21. Juni. Das Dorf Groß=Elsingen bei Nakel wurde gestern von einem Großfeuer heimgesucht, das durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern entstanden ist. Vier große Bauerngehöfte mit 16 Gebäuden wurden eingeäschert, eine Wöchnerin und zwei Kinder kamen in den Flammen um. Grenzwächter und Schmuggler. Eger, 21. Juni. An der bayerisch=böhmischen Grenze stießen gestern nacht zwei bayerische Grenzaufseher mit einem aus 8 bis 10 Mann bestehenden Schmugglertrupp, der 6 Ochsen nach Bayern einschmuggeln wollte, zusammen. Die Aufseher nahmen ihnen drei Ochsen ab. Es kam zu einem blutigen Kampfe, in dessen Verlauf einer der Grenzwächter von einem Schmuggler durch sechs Messerstiche, deren einer die Lunge durchbohrte, schwer verletzt wurde. Die Grenzaufseher hieben mit ihren Gewehren auf die Schmuggler ein und verletzten diese. Der Schmuggler, der den Grenzaufseher gestochen hatte, wurde verhaftet. Abgestürzt. Innsbruck, 21. Juni. Von der Reitherspitze stürzten zwei Damen aus Innsbruck ab; die eine wurde schwer verletzt, während die andere leichtere Verletzungen davontrug. Feuersbrunst. Toulon, 21. Juni. Eine Feuersbrunst zerstörte die Kupfergießerei der Firma Bonisson. Der Schaden beläuft sich auf über ½ Million Frank. Verschiedene Gebäude sind vollständig eingeäschert worden. Mehrere Feuerwehrleute wurden bei den Rettungsarbeiten verletzt, darunter zwei tödlich. Aus Eisersucht. Paris, 21. Juni. In Gorbio bei Mentone gab gestern während des Gottesdienstes ein Mann namens Leopold Clave, ein Rayonchef in einem großen Nizzaer Warenhaus, auf den Priester Marcel Clave, den er unlauterer Beziehungen mit seiner Gattin verdächtigte, einen Revolverschuß ab, sodann feuerte er auf seine Frau. Beide Opfer wurden schwer verwundet in das Spital getragen. Der Täter wurde von den Anwesenden festgenommen. Mutter und Kind übergefahren. Paris, 21. Juni. Eine Arbeiterin wurde gestern von einem Straßenbahnwagen erfaßt und geriet unter die Räder. Ein dreijähriges Kind, welches sie auf dem Arme trug, wurde in 2 Stücke zerteilt. Die Mutter wurde schwerverletzt ins Spital gebracht. Hieraus allein ersieht man; wie wichtig eine solche Stattstik der Firmen ist. raße, eu#. legen,„Diese soll die Herforder=(Pivitsweg) mit de Seelbornstraße verbinden. Jürging verpflichtet sich, sobald die Müller=Enger ist für den Tarif, aber zugleich der An Straße zur, Hälfte angebaut ist, für die andere Hälfte die sicht, daß dieser erst in langsamer Arbeit Position für Position##tenbaugsten zu tragen,„auch ist er bereit, Gossen und erkämpft werden muß. Er legt mehr Gewicht auf die Stärkung 1 Fimpt....... Die Stadtverordnetenversammlung des Verbandes als auf die Hilfe durch die Konsumvereine, denn pflosterung. Zu 3 wird beschlossen, die umdurch Liese Knne nur auf die leinen Fabrikanten ein Druck 2 tsstiche Zuricheperinehgen, üeher die Abausgeubt werden, die großen würden dadurch nicht traffen, a##n der Grundstüce,„Zurucetung der Mauer und Anlegung Klüter=Ennigloh ist im Prinzip für den Tarif, aber für“s Trottoirs sou der Gemeindevorstand mit Gräfe und Kuhldie Verkürzung der Arbeitszeit sehlt es an der Unterstützung mann verhandeln. Das Ergebnis der Verhandlungen soll der durch die Arbeiter selbst, ebenso bei dem 5prozentigen Zuschlagvertretung zwecks näherer Beschlußfassung vorzelegt werguf, die, Heimarbeit. Für die Aufstellung dieser Forderungen 25 Mt. zu Spielgeräten(Fuß.1 Hieby auf Vewilizung von in Pödinghausen ziehen zu dürfen, wurde auf Widerruf entsprochen.— In der Klagesache des Amtmanns gegen die Stadtvertretung betreffs des Rendanten der Stadtsparkasse Schwabedissen hat der Kreisausschuß zuungunsten der Stadtvertretung entschieden Schwabedissen wird beauftragt, gegen diese Entscheidung beim Bezirksausschuß Berufung zu erheben. Letzte Nachrichten. oschläsegeoih iade Siegikloch Kchtate nisder leiten Fabrikanten, sondern auch mit den großen, wie wir sie in Bunde sitzen haben, zu Tarifabschlüssen zu kommen. Und da ist der Ausbau der Organisation notwendig, da helfen die Konsumvereine wenig. Da ist auch noch die Forderung der freien Zurichtzng möglicherpesse verrrüßt...=en 80 1a. Feßler=Besenkamp spricht sich für Tarifabschlüsse aus, Forderungs sur Sistut grschiedgin Punkt 3. Ferner hält er die Folberung der 9½ftündigen, Arbeitszeit und des 5prozentigen Loynaufschlages jetzt noch nicht für möglich, will dagegen wöchentliche Lohnzahlung aufgenommen wissen. Schumann=Kirchlengern ist derselben Meinung. erklärt, sie hätten in ihrem Tarif als osähge, Arbeishgelteuen die Zeit von 7 557 feltestelt, ale Taris ans““= Herlinghausen spricht sich sompatbisch für den Anwesenden kenne Dielefeld erklärt, daß, so weit wie er die bier ihnen sei, der nicht von der Fführt oder nach sich gezogen hat. Wenn also troßdem hier die Aufnahme der Forderung der 9½stündigen Arbeitszeit in den dem Zlcensein als unmöglich bezeichnet wird, dann von Tar bichtist e daß es auch wirklich zum Abschluß von Tacifabschrüssen tommen soll. Ebenso verhält es sich mit dem oprozentigen Aufschlag auf Heimarbeit. Im Prinzip richtig, in der Praxis jetzt noch undurchführbar. Die Arbst werden sich dagegen sträuben. Heimarbeit wird Berlin, 22. Juni. Ueber die Pläne des konservativ= klerikalen Kartells in Bezug auf die Durchführung der Finanzreform wird aus parlamentarischen Kreisen folgendes berichtet: Es sollen zunächst bewilligt werden 358 Millionen indirekte Steuern. Der von der Rumpfkommission beschlossene Kohlenausfuhrzoll, sowie die Mühlenumsatzsteuer sollen fallen gelassen werden. Dagegen wird an der Kotierungssteuer festgehalten. Die Erbschaftssteuer wird auch in der Form der neuen Regierungsvorlage abgelehnt. Zwischen der zweiten und dritten Lesung soll als Konzession an die Regierung die Kotierungssteuer auf 40 Millionen ermäßigt werden. Ferner soll eine Erbschaftssteuer aber lediglich für das mobile Kapital bewilligt werden, und das dann etwa noch vorhandene Minus an Steuern durch eine Grundstücksumsatz- und Wertzuwachssteuer gedeckt werden. Das konservativ=klerikale Kartell rechnet damit, daß auf diese Beschlüsse hin Bülow und Sydow demissionieren. Vom Bundesrat erwartet die Mehrheit weitgehende Nachgiebigkeit. Es wird erzählt, daß ein Bundesratsmitglied gesagt habe, der BundesSozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis rat würde alles schlucken und wenn es Igel seien. Im Berliner „Lokalanzeiger„wird mitgeteilt, daß Bielefeld=Wiedenbrück. Sonntag, 1. August, nachmittags 2 Uhr, General=Versammlung im Lokale des Herrn Lohmann, Schildescherstraße Tagesordnung: 1. Abrechnung des Kassierers. 2. Bericht des Sekretärs und des Vorstandes. 3. Bericht der Handelsgesellschaft der„Volkswacht“ und der Preßkommission. 4. Stellungnahme zum Parteitag in Leipzig: a) Aenderung des Organisationsstatuts der Partei, b) Beibehaltung oder Abschaffung der Arbeitsruhe u 1 Mai; c) Sonstige Parteifragen; d) Vorschläge zur Wahl der Delegierten. 5. Stellungnahme zum Bezirksparteitage. 6. Neuwahlen: a) des Vorstandes und der Revisoren; b) der Pretkommission. 7. Anträge, die bei den vorhergehenden Punkten ihre Erledigung nicht gefunden haben. am den Ausschlag gibt, und da ist es falsch Forderungen zu stellen, der Ortsgruppen, dem Vorstande und den Revisoren des Verdie mit dem wirtschaftlichen Gesetz nicht in Einklang sind. Auch# eins, dem Sekretär, den Reichstags- und Landtagsabgeordneten er Scrispertzagen der soeben in Bielefeld abgeschlossen worden bezw.=Kandidaten, den Mitgliedern der Handelsgesellschaft und es es se ee een eschen a ie! dann noch in der Diskussion GroßbungetWherie, Fremen uid Südlengern, Schlüter=Bieleseld), Schlußwort führr ggg- Hoffmann=Bielefeld. In seinem uytt Eberle=Bremen aus, daß Tarife auch abgeihleslseg,„ werden würden, ohne daß sämtliche Minimalhande#####, oarin erreicht, seien. Nur empfohlen vom Vervanbe konnten nur solche Firmen werden, welche mindestens die Forderungen des Minimaltarifs zugestanden hätten. Es werden hierauf folgende 4 Punkte, die achttägie Wahlreglement: Die Ortsvereine wählen auf 1 bis 25 Mitglieder je einen Delegierten. Anträge können bis zum 26. Juli an-Genossen Zenker, Marktstraße 8, eingereicht werden Der Vorstand. Den Parteigenossen und Gewerkschaftlern von Porta und Umgegend Minimaltarifs zugestanden hätten. diene hierdurch zur Kenntnis, daß das Lokal zum„Jakobsberg“ E Srrur, frigtage* Punlkte, ose achttagige Lohn= Inhaber Dietrich Fricke in Lerbeck, uns nicht mehr zu Verzahlung, die Differenz der Zurichter und Zurichterinnen, die###mmlungen zur Verfügung steht. An die gesamte Arbeiterschaft Ver=ctabstiohgs gad die Löhne für die Sortierer dem Vorstand s lichten vir das Erluchen, dies u beachten. vuet ewegung vberwiesen. rt Vorstand Ferner wird einstimmig folgende Resolution angenommen: en B5 Kaxferenz stellt sich im Prinzip bei Tarifabschluß auf des Landesminimaltarifs. Es sollen jedoch den Ortsverhältnissen entsprechend mit Genehmigung des Vorstandes abweichungen vorgenommen werden können.“ Es folgt nunmehr Punkt 2, Regulativ Arbeitsnachweisbureaus. Der Referent, Kollege Schutz; Es folgt nunmehr Punkt 2, Regula#l zur Errichtung von Irbeitsnachweisbureaus. Der Referent, Kollege Schurzdaß sicd mugrte hiexzu aus: Es unterliegt wohl keinem Zweiset, dus die movernen Verhältnisse in betreff der Arbeitsvermitt40 Personen wegen Sittlichkeitsverbrechen verhaftet. Saarbrücken, 21. Juni. Hier wurden unter dem Verdacht des Vergehens gegen die Sittlichkeit, begangen an 24 Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren, 40 Personen verhaftet. Die zum Teil noch schulpflichtigen Mädchen wurden sofort aus der Schule verwiesen. Die guß die movernen Verhältnisse in betreff der Arbeitsvermitt- Untersuchung, ist seit Wochen, im Gange. eine gute Organisation erfordern. Die ungeregelte Ar„ Eine Liebestragödie. Halle a. S., 21. Juni. Der 24jährige heitszermittlung, wie sie, vornehmlich in der Form des sogen. Schmiedegeselle Böttcher, der sich von seiner Braut verlassen sah, Wuers stattfindet, fuhrt zur Zeitvergendung und hat auch überfiel diese gestern abend in ihrem Zimmer, das sie mit einem sonsr leicht ververbliche Wirrungen. Bei den Arbeiterinnen andern Mädchen teilte, und gab mehrere Revolverschüsse auf sie ab. kann das Umschauen zu schweren sittlichen Uebelständen führen. Beide Mädchen sprangen in ihrer Angst aus dem Fenster und wurden Den Arbeiter aber treibt die Umschau wider seinen Willen 1 schwer verletzt in das Krankenhaus gebracht. Böttcher erschoß sich ZisieLenitreicherum, zur Pegobonbage ,„Der,Arkeiter guß(stls ## mit seinem, einzigen Besitztum— seiner Arbeitskraft—] Durch einen Schirm tödlich verletzt. Kiel, 21. Juni. Bei Nersstitt,3 Zaorik hausieren, ohne tatsächliche Kenntnisse der n einer Schlägerei wurde gestern abend einem Schlächtermeister mit "##nisie, Aber auch für den Arbeitgeber ist das Inserieren einem Regenschirm das Auge ausgestoßen. Der Mann ist an den in den Zeitungen teuer, vielfach zweckwidrig und höchst lästig, erlittenen Verletzungen nach kurzer Zeit gestorben. Auf eine verlangte Arbeitskraft melden sich häufig seyr viel; Heißer Dampf. Kiel, 21. Juni. Im Heizraum des im Hafen liegenden großen Kreuzers„Prinz Adalbert“ sprang heute vormittag Personen, bei schriftlicher Meldung ist das Eröffnen und Lesen der vielen Briefe nicht minder belästigend. Auch im Interesse des Arbeitnehmers ist das Inserat des Arbeitgebers nicht angeWieviel unnütze Gänge, welche Aufwendungen von bracht. Wieviel unnütze Gänge, welche Aufwendungen von Schreibmaterial und Porto verursachen derartige Inserate den Arbeitnehmern. um ½11 Uhr die Kapselmutter einer Stopfbüchse ab. Durch den herausströmenden Dampf wurde der Heizer Matkowski sofort getötet und der Maschinistenmaat Max Schramm lebensgefährlich verletzt. Zigennerschlacht. Berlin, 21. Juni. Eine Zigeunerschlacht „Die private Stellenvermittlung, soweit sie gewerbsmäßig be entwickelte sich gestern vor den Häusern Bellermannstraße 79—81, trieben wird, mutet meist den Arbeitsuchenden erhebliche Kosten wobei Messer, Schlagringe und Ochsenziemer eine große Rolle spielten. zu, geht auch oft direkt auf ihre Ausbeutung aus, während sie Erst 6 Schutzleuten gelang es, die Schlacht zu beenden, indem sie treilich dem Arbeitgeber nicht selten sehr zu passe kommt. Den die Haupttäter verhafteten. Wünschen des Arbeitgebers wird häufig mit großer Sorgfalt Rechnung getragen, während für den Arbeitnehmer diese gewerbsmäßigen Arbeitsnachweise eine wahre Geißel sind. Es werden meist sehr hohe Gebühren erhoben und der minder Bemittelte muß hier öfter hinter dem gut Bemittelten zurückstehen. Aber auch bei Streiks und Aussperrungen können die gewerblichen Arbeitsnachweise verderblich für uns werden. Diese Arbeitsnachweise lassen in der Regel keinen Zweifel darüber, daß Die Zahl der verletzten Personen ist unbekannt, da viel flüchteten. Unglücksfall. Berlin, 21. Juni. Einen verhängnisvollen Ausgang nahm eine Spazierfahrt, den eine aus 22 Personen bestehende Gesellschaft gestern nach dem Wandlitzsee untemnommen hatte. Bei der Rückfahrt nach Berlin brach der Boden des Gefährtes zusammen, und die im Mittelteil des Wagens befindlichen Personen stürzten auf die Chaussee. Acht der Fahrgäste erlitten dabei erhebliche Verletzungen. „Lokalanzeiger“, wird mitgeteilt, daß sich der Bundesrat trotz schwerer Bedenken mit der Kotierungssteuer abfinden werde. Berlin, 22. Juni. Die Frage der Auflösung des Reichstages wird seit gestern in der Berliner Presse lebhaft erörtert. Die konservativen Blätter beider Richtungen und die Agrarier warnen vor einer Auflösung, während die Liberalen eine Auflösung geradezu erhoffen, und sie als das einzige Mittel anpreisen, den Widerstand der Klerikalen zu brechen.: In diesen Kreisen hegt man auch stark die Hoffnung, daß die Regierung einer Auflösung nicht abgeneigt sei. Die„Frankfurter Zeitung" teilt mit, es finden neuerdings Bemühungen statt, die maßgebenden Stellen davon zu überzeugen, daß eine Auflösung des Reichstags, wenn ein Jahr lang die richtigen Konsequenzen aus ihr gezogen werden, kein Wagnis wäre. Berlin, 22. Juni. Zur parlamentarischen Lage wird dem „Lokal=Anzeiger“ aus dem Reichstag geschrieben, heute sei die erste Abstimmung zur Reichsfinanzreform zu erwarten und zwar über die Kotierungssteuer, die voraussichtlich mit nennenswerter Mehrheit angenommen werden wird. Die Entscheidung über das Schicksal der Erbanfallsteuer liegt bei der sozialdemokratischen Fraktion und bei der Reichspartei. Wenn sich die sozialdemokratische Fraktion entschließt, für die Erbaufallsteuer zu stimmen, und wenn die Reichspartei auf die Forderung einer Sicherung gegen kunftige Erweiterungen oder Erhöhung der Steuer verzichtet, so ist die Möglichkeit der Annahme der Erbanfallsteuer nicht ausgeschlossen. Daß der Bundesrat sich mit der Kotierungssteuer trotz schwerer Bedenken abfinden dürfte, wird allgemein angenommen, weil ihm schließlich nichts anderes übrig bleiben wird, wenn er die Auflösung des Reichstags nicht betreiben will. Die Mehrheit des Reichstages, die die Kotierungssteuer durchsetzt, wird nämlich im Finanzgesetz eine Bestimmung aufnehmen, wonach die indirekten Steuern oder doch die den Massenverbrauch am meisten belastende Steuer nicht eher erhöht werden darf, als bis die Kotierungssteuer in Kraft gesetzt ist. Es ist möglich, daß eine volle Klärung der Lage erst eintritt zwischen der 2. und 3. Lesung im Reichstag. Berlin, 22. Juni. Die Möglichkeit, einer Reichstagsauflösung soll in den letzten Tagen, erheblich näher gerückt sein. Das Abstimmungsergebnis am Sönnabend soll auf den Reichskanzler einen tiefen Eindruck gemacht haben und er soll nunmehr der Ansicht sein, daß der Blockreichstag tot ist. Berlin, 22. Juni. Der Präsident des Reichstages. Graf Stolberg=Wernigerode, ist erkrankt und konnte infolgedessen der gestrigen Sitzung nicht beiwohnen. Wie verlautet, handelt es sich um ein unbedenkliches Leiden und der Präsident hofft, am Donnerstag bereits so weit wiederhergestellt zu sein, um die Leitung der Präsidialgeschäfte wieder übernehmen zu können. " London, 22. Juni. Aus Newyork wird telegraphiert: Lehong, der Mörder der Else Siegel ist in Schenektadi, einer Stadt am Eriekanal verhaftet worden. Sein Stubengenosse Sun Leung wurde auch zu Amsterdam im Staate Newyork verhaftet. Briefkasten der Redaktion. M. Sch., Brackwede. Sie können Ihre Prinzipalin nicht anzeigen, aber diese Sie auch nicht. A. F. 243. 1. Wenden Sie sich an das Hamburger Arbeitersekretariat.— 2. Wenn Sie sich an das Verwaltungsomt. Sie brauchen einen Erlaubnisschein. St., Südlengern. Ja. der Expedition. Achtung, Filialexpedienten! Die Filialexpedienten, welche die Zeitungen durch die Post überwiesen bekommen, werden daran erinnert, daß sie bis zum 25. angeben müssen, wieviel Zeitungen sie für Juli gebrauchen. Arbeiter! Genossen! Es ist Parteipflicht für jeden Genossen, energisch und unablässig für die„Volkswacht" Abonnenten zu werben. Jetzt ist eine besonders günstige und erfolgverheißende Zeit für diese Tätigkeit. Tue jeder seine Pflicht, den Gegnern zum Trutz, dem kämpfenden Proletariat zu Nutz. Auf zur Agitation für die Arbeiterpresse! Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Wir beginnen heute mit unserem grossen Sommeriel m Pr Jedes einzelne Angebot ist besonderer Beachtung wert. 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Daß die Kotierungssteuer ausführbar ist, beweist das Beispiel Frankreichs. auch wir wunschen eine starke Börse, aber die Besteuerung des Kapitals in den großen Kapitalassoziationen ist ein gesunder sozialer Gedanke. Niemand hat den Beweis können, daß die französische Kotierungssteuer das Kapital aus Frankreich vertrieben hat. Wir erkennen dem Ernst der Lage durchaus. Die Mahnungen des Herrn v. Rheinbaben verden von uns durchaus nicht abgelehnt. Wir führen keinen Fessansser p#litische Macht.(Nach links.) Der Herr sein. Das ist selbstverständlich aberv d Konservatpen der Führer*“ will er es verantwoxten, richtigl rechtsungen zu sein?(Sehr Reichsschatzsekretär Sydow: Es ist darauf hingewiesen, Das trift nicht aut..ernssteuer vorgeschlagen. ehr# Fr. Vp.): Herr Roesicke will das mobile mehr belasten, er vergißt wohl, daß es von der Erbschaftssteuer mehr getroffen wird als das immobile.(Lebh. Beif. eine politischen Freunde werden den Widerstand gegen die„Kotierungssteuer nicht aufgeben. Dem Wunsche des Grafen v. Westarp, noch Verbesserungsvorschläge dazu zu machen, können Wir werden die Verantwortung für dieses schädliche Gesetz der Rechten und dem Zentrum überlassen. Wenn der Abg. Dr. Roesicke sich heute als Freund der Börse bekannte, so ist das wohl zu versteyen, daß die Börsenbesucher, wenn die Kotierungssteuer Gesetz wird, sich nachher der ErVoitierunassener teristen:(Heiterkeit bei den Liberalen.) Die in erster Linie die Börse, sondern jeden, der„Wertpapiere hat. Das Vermögen in Wertpapieren „ auf 70 bis 100 Milliarden geschätzt. Die Großbanken und das, was man Borse nennt, besitzen davon nur 5 Prozent. .. Die großen Geseuschaften werden die Steuer abwälzen und oie Zinsen der umlaufenden Wertpapiere werden heruntergehen. Ein Mann, der eine kargliche Rente von 800 Mk. an Pfandbriefbezogen hat, wird 20 Mk. davon an das Reich zu zahlen haben. Aber der Millionär, der es sich leisten konnte, sein Vermögen in preußischen Konsols anzulegen, geht frei aus. Und das nennen Sie eine Besitzsteuer! Mit den Kouvertierungen der atspapiere in den 80er und 90er Jahren ist die Nachfrage guten Werten gestiegen und das Publikum in die Spekulgtign#ineingedrängt worden. Die Kotierungssteuer witd evenfal, diese volkswirtschaftlich, bedauerliche Folge haben. (Sehr richtig: bei den Lib.) Sie wird die Spekulation nicht eindsinneg, sonderr, fördern.(Bravol links) 20. Multer=Fulda(Ztr.): Herr Kaempf hat darauf hingewiesen, daß 70 bis 100 Milliarden Papiere an der Börse zuMlassen sind. Daraus ergibt sich, einen wie großen Teil des Nationalvermögens die Kotierungssteuer treffen wird.(Sehr richtig! im Ztr.) Sie soll nicht das Kapital an der Börse unterdrücken, sondern, indem sie es belastet, einen gerechten Ausgleich schaffen gegenüber der Belastung des im Gewerbe und in der Landwirtschaft tätigen Kapitals. Die Entwicklung der Aktiengesellschaften wird durch diese mäßige Steuer nicht behindert. Es ist durchaus nicht wahr, daß die ganze deutsche Handelswelt und Kaufmannschaft gegen die Kotierungssteuer Stellung nehme. Allerdings in der bekannten Versammlung im Zirkus Schumann hat man abweichende Meinungen nicht zum Wort rommen lassen. Herrn Kirdorff ließ man nicht ausreden. (Lauter Widerspruch bei den Liberalen. Rufe: Adolf Wagner! Adolf Wagner! Rufe rechts: Ruhe! Ruhe! Unruhe im ganzen Hause.) Die Herren vom Hansabunde wollen erst nach dem Tode bezahlen. Wir aber wollen sie schon bei Lebzeiten besteuern. (Lärm. Beifall im Zentrum und rechts; lautes Lachen links.) Die Stempelsteuervorlage der Regierung ist nur ein Versuch, die Lasten von den tragfähigen Schultern der Großbanken auf schwächere abzuwälzen. Die Finanzminister waren auf ihrer Konferenz über die Beschlüsse der Finanzkommission nicht einmal genügend informiert.(Hört, hört! rechts.) Eine Finanzreform ohne genügende Heranziehung der Börse ist unmöglich. Das ware eine Verbeugung vor der Börse. (Lautes Bravo! rechts.) Warum sollen die tragfähigen Schultern frei gelassen werden?(Laute Rufe links: Großgrundbesitz!) Die Kotierungssteuer ist die gerechteste aller Steuern.(Lauter Beif. rechts und im Zentrum.] Reichsschatzsekretär Sydow bestreitet, daß die Finanzminister nicht richtig informiert waren. Reichsbankpräsident Havenstein verbreitet sich über die Schädlichkeit der Kotierungssteuer. Eine Folge davon sei ein Niedergang des Zinsfußes und parallel damit ein sinkender Kurs. An den 20 Milliarden Kommunalpapieren werden 500 bis 600 Millionen verloren werden, im ganzen würde eine Vermögensschädigung von über zwei Milliarden eintreten.(Hört, hört! bei den Lib. Widerspruch rechts und im Ztr.) Die Machtstellung Englands in der Welt ist wesentlich unterstützt durch die Machtstellung der Londoner Börse, die durch die englische Gesetzgebung gefördert wird. Zum Teil ist dieser Erfolg Londons auf Kosten der deutschen Börse erzielt, wozu die deutsche Börsengesetzgebung mit beitrug. In dieser Richtung würde die Kotierungssteuer weiter wirken. Ich bitte dringend, sie abzulehnen.(Lebh. Beifall links.) Abg. Franck(Soz.): Was die Meinung meiner Freunde über die Kotierungssteuer anbetrifft, so sind wir der gleichen Ansicht, wie zurzeit die Regierung.(Heiterkeit im Zentrum.) Die Ausführungen der Herren von der Rechten verlieren an Ueberzeugungskraft und Wahrhaftigkeit durch die Tatsache, daß die gleichen Parteien, die einen Teil des Besitzes angeblich belasten wollen, sich einer allgemeinen Besitzsteuer, der Erbanfallund der Vermogenssteuer, widersetzen.(Lebh. Sehr richtig! bei den Soz.) Das einzige, was uns für die Steuer stimmen konnte, aber nicht stimmt, war der große Eifer, mit dem die Herren im Zirkus Schumann sich gegen diese Kotierungssteuer gewandt haben und ihre gleichzeitige Gleichgiltigkeit gegen die Belastung der großen Massen mit Konsumsteuern.(Lebh. Sehr richtig! bei den Soz.] Wenn Sie uns wirklich eine Steuer bringen, von welcher die großen Hansen tatsächlich betroffen werden, so finden Sie uns bereit, mitzumachen. Von der Steuer, die Sie. uns präsentieren, haben wir diese Ueberzeugung nicht. Allerdings wissen wir nach der letzten Geschäftsordnungsdebatte, daß die Mehrheit alles machen kann, nur nicht, wie das englische Sprichwort sagt, aus einem Mann eine Frau.(Heiterkeit.) Aber wenn wir von Ihnen die Versicherung hören, durch diese Steuer würden Börsen und Banken getroffen und große Gesellschaften belastet, so ist daran doch nur richtig, daß die Steuer bei diesen Adressen zunächst ihren Einzug hält. Dadurch entsteht noch keine Besitzsteuer. Träfe das zu, so wären ja auch die Getreidezölle eine Besitzsteuer, denn der Zoll wird zunächst auch bei den reichen Getreideimporteuren erhoben.(Sehr gut! links Daß Börsen und Banken nur Durchgangsstationen für die Wertpapiere sind, wissen die Herren von der Rechten auch. Sie sind überhaupt viel gescheiter, als sie sich stellen.(Heiterkeit.) Es ist merkwürdig, daß gerade die Agrarier sich darauf berufen, ein Teil des Besitzes entziehe sich der Besteuerung. Das ist die Taktik des Tintenfisches, der seine Umgebung verdunkelt, um selber Verfolgungen zu entgehen.(Heiterkeit.) Nach unserer Ueberzeugung und nach der Meinung des größten Teils der Bevölkerung wird tatsächlich der Großgrundbesitz von den Steuerbehörden geschont. Die für die Einschätzung verantwortlichen Stellen sehen eben, daß seit Jahrzehnten die deutsche Gesetzgebung auf den sogenannten Schutz der Landwirtschaft zugeschnitten ist.. Was liegt näher, als daß solch ein gewissenhafter Beamter sich sagt:„Ich will bei der Einschätzung auch für den Schutz der Landwirtschaft sorgen!“(Sehr wahr! bei den Soz.] Herr v. Rheinbaben hat gegenüber den Vorwürfen im Lande draußen hier gesagt:„Das betrifft die Selbstverwaltungsbehörden.“ Es ist ja bekannt, daß in Preußen die Behörde gegenüber der Selbstverwaltung machtlos ist.(Heiterkeit.) In demselben Preußen, in dem die größte Gemeinde nicht einmal eine Schulturnhalle ohne Zustimmung der Regierung einem Arbeiterverein zur Verfügung stellen kann!(Sehr gut! bei den Soz.] Eine Selbstverwaltungsbehörde unter dem Vorsitz eines Landrats, das ist überhaupt keine Selbstverwaltungsbehörde. (Sehr gut! links.) Die ganze Selbstverwaltung in Preußen ist ein Puppentheater, mit dem Herrn Landrat als Landdrahtzieher hinter der Kulisse.(Heiterkeit.) Wir sind der Meinung, daß die Kotierungssteuer gerade einen Teil derjenigen Leute trifft, denen der Vorwurf der Steuerhinterziehung am wenigsten gemacht werden kann: einen Teil der Arbeiter.(Widerspruch rechts.) Durch die Belastung der Hypothekenpfandbriefe wird die Bautätigkeit erschwert und verteuert.(Lebhafte Zustimmung links.) Nun wissen Sie doch, wie schwer das Baugewerbe seit einigen Jahren daniederliegt. Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal in die Wohnung eines Arbeiters hineingesehen haben, der monatelang keine Beschäftigung hatte. Ich habe in Maurerwohnungen hineingeschaut, wo der Hausvater schon das zweite Jahr nicht beschäftigt war. Wenn Sie nun sehen, daß die Bautätigkeit jetzt leise wieder einsetzt, so sollten Sie sich hüten, den allergeringsten Versuch zu machen, ihr Steine in den Weg zu werfen. Wir meinen, wenn soviel hier von Familiensinn gesprochen wird, so haben auch die Familien der Arbeiter Berücksichtigung zu verlangen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Bezeichnend ist es, daß Sie zwar Hypothekenpfandbriefe treffen, aber die einfachen Hypotheken, die einem ähnlichen wirtschaftlichen Zweck dienen, frei lassen wollen. Das ist symptomatisch. Sie wollen nicht den Besitz als solchen treffen, sondern das Verkehrs= und Kreditwesen, das bekämpfen Sie. Es ist immer dieselbe Melodie: Einmal Fahrkartensteuer, dann Schifffahrtsabgaben, jetzt Kotierungssteuer. Es ist Ihre Feindschaft gegen die moderne Entwicklung des Verkehrs= und Kreditwesens.(Lebhafte Zustimmung links.) Was aber für die Herren vom Zirkus Schumann eine Profitfrage ist, das ist für die Arbeiterschaft eine Lebensfrage.(Sehr wahr! bei den Soz.) Wir sind ferner der Meinung, daß die friedliche Besetzung auswärtiger Märkte für die Entwicklung Deutschlands notwendig ist. Eine chinesische Eisenbahnanleihe kommt uns billiger zu stehen als ein chinesischer Krieg. Diese Steuer aber verhindert und erschwert die wirtschaftliche Annäherung der Nationen. Was nützt es, wenn die Souveräne von Zeit zu Zeit sich umarmen und auf beide Wangen küssen und wenn sie dann zu Hause Gesetze unterschreiben, welche wirtschaftlichen Unfrieden säen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands verlangt die Ablehnung der Kotierungssteuer.— Wir sind längst nicht mehr im Begriff, ein Industriestaat zu werden, sondern wir sind längst ein Industriestaat geworden, aber die 32 Prozent unserer Bevölkerung, die der Landwirtschaft angehören, herrschen immer noch auf Grund rückständiger Einrichtungen über die anderen zwei Drittel. Sie(nach rechts) haben hier im Hause nur deshalb das Uebergewicht, weil Sie es bisher verstanden haben, die ungerechte, mit der Verfassung im Widerspruch stehende Wahlkreiseinteilung aufrecht zu erhalten.(Sehr wahr! bei den Soz.) Das ist der morsche Ast, auf dem Sie sitzen, hoffentlich nicht für alle Ewigkeit. Und wenn es wahr ist, daß Hochmut vor dem Fall kommt, dann sind wir überzeugt, daß der Sturz der agrarischen Herrschaft in Deutschland nicht mehr weit ist. (Lebhafter Beifall links.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 2 Uhr.(Vorher Rechnungssachen und ein Nachtragsetat.) Schluß: 7 Uhr. Ein Pastor über die Sozialdemokratie. Wir legen kein übermäßiges Gewicht darauf, was ein Pastor gelegentlich über die Sozialdemokratie sagt oder schreibt. Wer sie zu erkennen suchte, tat nur seine Pflicht. Es will uns scheinen, daß es nicht die schlechtesten ihres Standes sind, die so über die Sozialdemokratie urteilen, wie Herr Pastor Se i####g- Volkmarsdorf in seinem Büchlein„Kirche und Sozlaldemorratie“. Er schreibt u. a.: „Durch die Sozialdemokratie hat das Denken von Millionen von Arbeitern und Arbeiterinnen eine feste Struktur bekommen. Die Sozialdemokratie hat sie aus der Stumpfheit herausgerissen und ihnen einen titanischen Trotz eingehaucht. Sie hat die Geister zusammengeballt, indem sie alle mit einem Glauben, einer Hoffnung, einem Willen erfüllte. Diese Arbeit hat sie in der kurzen Zeit von vier Jahrzehnten vollbracht, und noch Herbundene Kügent. 41 Roman von Max Kre zer. (Nachdruck verboten.) Als Frau Dankelberg es für angebracht hielt, sich selbst durch den Hinweis zu belügen, daß es ja„nicht schlimm“ werden könne, da man ihrem Manne nichts werde beweisen können, brauste er „Nicht schlimm, nicht schlimm! Das sagen Sie so. Das können Sie auch noch gar nicht wissen. Wenn eine Sache schon bis in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, dann ist in der Regel immer etwas daran. Was soll bloß daraus werden! Schande kommt über Ihre ganze Familie, über Sie, über Ihre Tochter und am meisten über mich. Ich habe kaum meine Laufbahn begonnen und werde als Ihr Verwandter schon mit an den Pranger gezogen. Ein hübscher Schwiegervater, das muß ich sagen! Ich habe nicht viel von ihm gehalten, aber ex hätte wenigstens dafur sorgen können, daß sein dunkles Gewerbe nicht ruchbar würde.“ Emmy streckte ihm im Geheimen flehentlich die gefalteten Hände entgegen, da sie den Sturm langsam heraufziehen sah. Frau Dankelberg seufzte vorerst noch und tat so, als gäbe sie ihm recht. Dadurch fühlte er sich angefeuert, seine Stimmung noch weiter austoben zu lassen. „Wie ist er gegen mich aufgetreten, als ich ihm auf den Kopf zusagte, daß er solche schmutzigen Geschäfte mache. Und nun wird er in aller Form vor den Untersuchungsrichter geladen. Wer kann wissen, ob er nicht einen Haftbefehl gegen ihn erlassen wird.“ Mutter und Tochter zuckten erschreckt zusammen. Die Alte zeigte aber dabei schon die Miene der stark beleidigten Gattin, die ihre Zurückhaltung nicht mehr länger bewahren kann. „Wird ihm nachgewiesen, daß er die Notlage oder den Leichtsinn seiner Geldnehmer durch Wucherzins ausgebeutet hat, so kommt er ins Gefängnis. Wo er dann natürlich auch hingehört.“ Er hörte den leichten Aufschrei Emmys, er sah, wie sie unter dem Eindruck seiner Worte erzitterte, aber er fuhr fort, seinem lange in sich verschlossenen Groll gegen das Treiben Dankelbergs kalt lächelnd Luft zu machen. Plötzlich fuhr die Alte auf, zerdrückte den Rest der Tränen in den Augenwinkeln und stellte sich kampfbereit vor ihn hin. „Sie müssen uns aber nicht gar zu sehr wie eine Schuhputzerfamilie behandeln, Herr Doktor, platzte sie los.„Es muß voch immer noch etwas an uns dran sein, sonst hätten Sie sich doch nicht bei uns festgesetzt.“ „Mama!“ rief Emmy ihr zu. Sie aber machte eine abwehrende Bewegung und geiserte aufs neue los. Trolla lachte laut auf.„Immer weiter, immer weiter, Verehrteste!“ unterbrach er sie.„Geschieht mir ganz recht, endlich mal Ihre wirkliche Meinung darüber zu hören. Um so besser werden wir uns von nun an kennen.“ „Aber ich bitte euch, seid doch friedlich,“ versuchte Emmy beide zu beschwichtigen. ..„Bin ich es nicht, Kind?“ fuhr die Alte fort.„Dein Mann bricht den Streit vom Zaun. Ein Verbrecher ist dein Vater noch lange nicht, mag er auch sonst wie gesündigt haben. Dein Mann hat sich doch jedenfalls in seinem Hause sehr wohl gefühlt „Das ist doch sehr die Frage, Verehrteste,“ hielt ihr Trolla wieder entgegen.„Ich habe Ihre Wohltaten mit meinem Namen bezahlt und ich bin so anmaßend, zu behaupten, daß Sie mir immer darauf noch etwas schuldig sind. Frau Trolla wird immer das Haupt stolz emportragen können, ich bezweifle aber sehr, ob Sie als Frau Dankelberg für die Zukunft dasselbe Recht für sich werden in Anspruch nehmen können.“ Er wollte sich nicht weiter aufregen, sägte zu Emmy Adieu und ging wieder fort, verfolgt von den Zurufen der Alten, die nun rasch umgestimmt war und plötzlich von der Abnung geplagt wurde, er könnte ihr jetzt als Ehemann noch verloren gehen. Was hätte dann aus ihrem Manne werden sollen! XI. Am andern Tage nachmittags betrat Dankelberg sehr aufgeregt Trollas Bureau. Es geschah zum ersten Male, daß er sich hier sehen ließ, und so hatte er dem Bureauvorsteher, der ihn nicht kannte, gar nicht erst seinen Namen genannt, sondern sich bei Beginn der Sprechstunden in einer„wichtigen Angelegenheit“ angemeldet. „Lieber Schwiegersohn, Sie müssen mir helfen," begann er sofort und ließ sich unaufgefordert auf den bequemen Rohrsessel nieder, der gegenüber dem Schreibtisch stand.„Die Hand gebe ich Ihnen erst gar nicht, denn Sie könnten sie am Ende doch wieder nicht beachten. Sie sind doch ein verflucht stolzer Kerl, aber wissen Sie— im Innern hat mir das immer gefallen, wenn ich auch äußerlich anders getan habe. Kerls aus Ihrem Holze sind nun einmal meine schwache Seite. Denken Sie denn, ich habe nicht von Anfang an gemerkt, was Sie für einer sind? Spaß! Ich wäre Ihnen sonst wahrhaftig nicht gleich so entgegengekommen. Trotzdem er den Gemütlichen herausbeißen wollte, sah er gelb und verstört aus. Die Augen waren verquollen, als hätte er schlaflose Nächte gehabt, und als er das linke gewohnheitsmäßig zukniff, bot er dem Typus eines professionellen Spielers, der die Nacht zum Tage macht und dem das Laster sein Kennzeichen tief in die Züge gegraben hat. Trolla, der sofort merkte, daß seine Stimmung nur geheuchelt war, fühlte menschliches Rühren mit ihm, zeigte nichts von seiner sonstigen Abneigung, sondern dachte im Augenblick nur daran, daß er den Vater seines Weibes vor sich hatte. Voll Höflichkeit bot er ihm eine Zigarre an, die er mit Dank entgegennahm und aufmerksam betrachtete, bevor er die Spitze abbiß. „Die Kunst geht wohl? Nach der Sorte zu urteilen..“ Er roch an der Zigarre, warf einen prüfenden Blick im Zimmer umher und nickte wohlgefällig.„Hübsch eingerichtet. Mutter ist nun mal verschossen in Sie. Dann kann's auch was kosten. Hier müssen ja die Klienten wie Fliegen kleben bleiben.“ Er lachte laut auf. Es war ein seltsames Lachen, als wollte er darunter das gerade Gegenteil dieser Ansicht verbergen. Als er dann Feuer empfangen hatte und zu rauchen begann, studierte er durch die Dampfwolken Trollas Miene, ob ihm Gutes oder Er mußte mit ihm zufrieden sein, denn mit einer gewissen gemachten Behaglichkeit begann er:„Manchmal ändern sich die Zeiten. Heute sitze ich vor Ihnen und will Ihre Hilfe. Damals in der Mauerstraße saßen Sie vor mir und rauchten so wie ich jedi. Heute sind Sie der große Mann und ich komme mir etwas klein vor. Aber ich wachse wieder, verlassen Sie sich „O, das glaube ich, Sie werden sich schon durchwinden,“ warf Trolla ein, der durch diese Einleitung humoristisch gestimmt „Sehen Sie, lieber Doktor, da sind wir schon auf unserem Punkt zusammen, sagte Dankelberg nun lebhaft und rückte dichter an den Tisch heran. „Durchwinden, das ist der richtige Ausdruck. Und Sie sollen mir helfen dazu. „Ich?“, unterbrach ihn Trolla unwillig. Dantelverg nickte nur. Dann kaute er an seiner Zigarre, nahm sie aus dem Mund, klebte mit den Fingern die Spitze zusammen und fuhr währenddessen mit gesenktem Blick fort:„Es kann einem ja manchmal was Menschliches passieren, das werden Sie als Juriste wohl am besten wissen. Und wenn Sie es noch nicht wissen sollten, dann müssen Sie sich beizeiten darauf prepparieren. Sie werden schon noch was zu flicker bekommen — durchs Gesetzbuch. Aufs Flicken habe ich mich früher auch verstanden. Sie werden ja wissen, was ich meine. Emmy wird wohl doch darüber den Mund nicht gehalten haben Und wenn doch, dann, hm ja— aus den Akten werden Sie es ja doch ersehen. Da hat irgend so ein Halunke was von Schuster Dankelberg läuten hören und nun steht es auch in der Anzeige. Der Herr Untersuchungsrichter hat sich natürlich einen ganz anderen darunter vorgestellt— wissen Sie, so einen mit Schürze und Pechdraht, dem man den Kellerwurm schon von weiten ansieht. Ich mußte lachen. Und er stieß nun selbst ein kurzes Lachen hervor, das ihm aber nicht aus dem Herzen kam. „Er war sehr freundlich zu mir, der Untersuchungsrichter, und meinte, ich würde wohl drumrum kommen, daß heißt, wenn ein tüchtiger Anwalt meine Sache führte... Weiß schon, weiß ist sie nicht am Ende ihres siegreichen Laufes. Gewiß entspricht die parlamentarische Wirksamkeit nicht der Zahl ihrer Wähler; um so höher muß ihr indirekter Erfolg angeschlagen werden, der darin besteht, daß die maßgebenden Leute immer an das arbeitende Volk erinnert werden. Man denke sich's aus, wie es gegenwärtig in Justiz, Verwaltung. Schulwesen aussehen würde ohne die Sozialdemokratie, die auf Schritt und Tritt die Interesser der Arbeiter gegenüber den herrschenden Gewalten in Schutz nimmt! Man denke an den Lohn! Ob er sich auch nur annähernd so gut entwickelt hätte ohne das ständige Treiben und Drohen der Sozialdemokratie? Ihre Erfolge reichen *““ G r e n z e n d e r P a r t e i h i n a u s. D i e E r s t a r k u n g d e stlichen sur weit über die Grenzen der Palzei hinaur: ie Erstarkung der Hirsch=Dunckerschen, die Organisation der Thristlich-,, sind im Grunde der indiretten Anregung der Sozialdemokratie zu verdanken.“ *** „Die Sozialdemokratie ist in den Augen der Armen die große Helferin und Trösterin. Was eigentlich die Kirche sein sollte, wenn sie nach der Lehre und dem Vorbild Jesu handelte, das hat an ihrer Stelle die Sozialdemokratie vollbracht. Sie richtet die Gefallenen auf, sie sättigt die Hungrigen, sie predigt den Armen das Evangelium von ihrer Erlösung. *„* „Sind die Sünden der Sozialdemokratie wirklich größer als die der anderen Parteien? Gewiß, sie läßt die feine Lebensart vermissen; es kommt alles derber, gröber, ungeschliffener heraus, aber sie rekrutiert sich eben aus Leuten mit geringerer Schulbildung, denen obendrein die Not des Lebens das feine moralische Gefühl abgestumpft hat. Die schwerfällige Masse wird nicht mit geistvollen Leitartikeln, sondern mit kräftigen Schlagworten beeinflußt. Es ist ungerecht, der Partei aus der massiven Art ihrer Agitation Vorwürfe zu machen. Und was den Inhalt der politischen Bestrebungen anlangt, so scheint uns auch bei anderen Parteien Standesinteresse und brutaler Egoismus mitzusprechen. Der sittliche Wert einer Politik wird durch christliche Redensarten nicht verbessert, eher verschlechtert.“ „Oft schon ist auf den religiösen Zug hingewiesen worden, der trotz aller Ableugnung in der ozialdemokratischen Arbeiterschaft vorhanden ist. Der Gegenstand ihres Glaubens befriedigt uns Christen nicht, aber die Kraft und Echtheit des sozialdemokratischen Glaubens muß man anerkennen. Er ist wirklich lebendig; denn er macht seine Anhänger so opferwillig, wie man es in christlichen Kreisen nur ausnahmsweise findet. Er erzeugt eine Mannhaftigkeit, die einer feindlichen Welt zu trotzen wagt. Er ermöglicht endlich die großartige Disziplin, die der Neid der anderen Parteien ist. *„* „Es gibt in unserer Zeit so gebildete Arbeiter, daß vor ihrer Bildung sich mancher Studierte verkriechen kann.“ „Die meisten aus bürgerlichen Kreisen Stammenden sind in Vorurteilen gegen die Sozialdemokratie erze#### die Vorstellujag gaistah,vot, se be: Fanatismus gen, so daß sich iff aller Volksentsiehl ein wahrer Fanansmus gegen diese 4½ 5 verderbnis. Ihrer I — Schaduinge der Menschheit. und wie muß man iynen solche Gedanken abbitten, wenn man sie kennt! Das Eingehen in ihr Geistesleben erweitert einem das Herz; man ist erfüllt von dem Gefühl, eine schwere Last losgeworden zu sein; man ahnt die höhere Einheit des Menschengeistes. Es ist ein herrlicher Gewinn, eine solche Sinnesänderung zu erleben. Nun atmet der vorher schwer gedrückte Optimismus wieder auf.“ eigentliche Organisationsstatistik der Generalkommission erfolgt erst demnächst— haben die Gewerkschaften eine absolute Abnahme von 75 183 Mitgliedern für das Jahr 1908 zu verzeichnen. Die diesmalige Krise hat danach weit scharfer auf die Gewerkschaften eingewirkt als die letzte Wirtschaftskrise 1900/02. Damals trat in einem Krisenjahre ein Rückgang ein; aber er betrug(1901) im Jahresdurchschnitt nur rund 3000 Mitglieder. Dagegen war 1900 sowohl wie 1902 eine Mitgliederzunahme zu ver zeichnen. Aehnlich so scheint die diesmalige Krisenperiode verlaufen. Im ersten Krisenjahre(1907) hatten die Gewerkschaften von Jahresschluß zu Jahresschluß eine Mitgliederzunahme von 73853. Im Jahre 1908 ist im 4. Quartale ein Rückgang von 75 183 Mitgliedern gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres zu verzeichnen. Welchen Einfluß die Krise auf die Mitgliederbewegung der Gewerkschaften hat, dafür ist geradezu typisch der Ruckgang der Mitglieder in den Baugewerksorganisationen; sie allein haben 37718 Mitglieder verloren, darunter die Maurer 17449, die Bauhilfsarbeiter 15 789; die Zimmerer verloren nur 4172 Mitglieder. Geringere Verluste in absoluten Zahlen hatten die kleineren Gewerkschaften der Dachdecker und der Stukkateure, während die Steinsetzer ihre Mitgliederzahl ziemlich hielten, die Maler sogar eine Zunahme von rund 500 zu verzeichnen haben. Außer im Baugewerbe war der Mitgliederverlust im Textilgewerbe am größten; die Textilarbeiterorganisation verlor 23820 Mitglieder. Beide genannten Industriegruppen tragen demnach von der verminderten Mitgliederzahl von 75 183 allein rund 61 000. Ja der Metallindustrie hat der Metallarbeiterverband mit 362073 Mitgliedern seinen Mitgliederstand so ziemlich gehalten, der Verlust von rund 4000 Mitgliedern trifft fast ausschließlich den Schmiedeverband, während die Maschinisten, Kupferschmiede und Schiffszimmerer kleine Zunahmen zu verzeichnen haben. Im Handels= und Transportgewerbe ist ein Mitgliederrückgang von 1156 zu verzeichnen. Die Begerarbeiter beziffern bei einer Mitgliederzunahme von rusd 1000 ihre Mitgliederzahl auf 112513. Größere Mitgliederverluste zählt noch die Bekleidungsindustrie mit 3778, die Holzindustrie mit 4579. die Industrie der Steine und Erden mit 6576 Mitgliedern. Am besten haben sich die polygraphischen Gewerbe und die sonstigen Berufe gehalten, die eine nicht unbedeutende Zunahme ausweisen. Anzunehmen ist hier, daß der gute Ausbau der Organisation und die allgemeine tarifliche Regelung des Arbeitsverhältnisses im Buchdruck=, sowie im Lithograpyie= und Steindruckgewerbe dazu beigetragen hat. Die Ergebnisse des Krisenjahres 1908 sind trotz der immerhin erheblichen Mitgliederabnahme keineswegs niederdrückend. Bei dem großen Zustrom der Mitglieder in den voraufgegangenen Jahren war es selbstverständlich nicht möglich, diesen Mitgliederstand in dem voraufgegangenen Krisenjahr zu halten. Wenn trotzdem relativ eigentlich ein geringer Mitgliederabgang eintrat, so zeugt dies von einer großen Festigkeit der Gewerkschaften. Das Jahr 1909 läßt eine allgemeine Aufwärtsbewegung erhoffen. Zeigen doch die vorliegenden Ab„* rechnungen von 5 Vervanden für das erste Quartal eine Mitgliederzunahme. Rege Agitation aller Gewerkschaftsmitglieder wird dazu beitragen, die Scharte, die das Krisenjahr 1908 den deutschen Gewerkschaften geschlagen hat, nicht nur auszuwetzen, ondern die Reihen zu verstärken, und die Schlagfertigkeit unserer Gewerkschaften zu erhöhen. Parteinachrichten. ac. Siege der Arbeiterpartei in Tasmanien(Australien). Bei den letzten Wahlen zum Landtage gelang es der Arbeiterpartei, die bisher nur 6 Sitze inne hatte, deren 12 zu gewinnen. Das Parlament wird nunmehr aus 18 Antisozialisten und 12 Mitgliedern der Arbeiterpartei zusammengesetzt sein. ac. Die Freiheit der Rede in Australien. Wir haben in diesen Tagen von der Freisprechung Tom Manns berichtet. zwei„Jahren..#nr der Rede ist in Austri Gefängnis verurteilt.— Also selbst die Freiheit Rede ist in Australien nicht mehr gewährleistet. Von der Parteipresse. Zur Grundung eines dritten württembergischen Parteiorgans sind Vorbereitungen getroffen. Bekanntlich besteht bisher in Stuttgart die„Schwäbische Tagwacht“, die jetzt im 29. Jahrgang erscheint, und daneben seit vorigem Jahre in Heilbronn das„Neckar=Echo". Jetzt bereitet der Wahlkreis Göppingen= Gmünd die Gründung einer weiteren selbständigen Parteizeitung vor. Die Firma „Vereinsdruckerei für Gövpingen und Umgebung, G. m. b. H. ist bereits in das Genossenschaftsregister eingetragen worden. Sobald die genügende Anzahl Genossenschafter geworben ist, soll das Blatt ins Leben treten. Gewerkschaftsbewegung. Mitgliederstand der deutschen Gewerkschaften im Jahre 1908. Nach einer aus den Jahresberichten und Abrechnungen der einzelnen Verbände gewonnenen Zusammenstellung— die Der Militarismus sucht Mitglieder der Freien Gewerkschaften als Soldaten. Der Redaktion des„Zimmerer“ ging das nachstehende Schreiben zu: Schöneberg b. Berlin, 1. 6. 09. Eisenbahn=Regiment Nr. 2. I.-Nr. 3118/09. Die verehrliche Redaktion bittet das Regiment um sehr gefällige kostenfreie Aufnahme nachstehender Notiz unter Rubrik „Vermischtes": „Bei dem Eisenbahn=Regiment Nr. 2 zu Schöneberg bei Berlin werden für kommenden Herbst 09 noch zweijährig Freiwillige, vor allem gelernte Zimmerleute, Tischler, Holzarbeiter, Klempner, Telegraphisten, Schneider, Schuhmacher, Sattler und Schiffer pp. zum Dienst mit der Waffe angenommen. Zum Diensteintritt bereite junge Leute wollen sich schriftlich unter Beifügung des Meldescheines, eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, einer amtlichen Bescheinigung der Körpergröße, sowie einer Bescheinigung über die bisherige Tätigkeit bei vorgenanntem Regiment melden. Das Regiment verfehlt nicht, der verehrlichen Redaktion für die Mühewaltung im voraus seinen verbindlichsten Dank auszusprechen. v. Czerner, Oberst und Regimentskommandeur. Die technischen Regimenter stellen die höchsten Anforderungen an Intelligenz und Geschicklichkeit der Dienenden. Darum nimmt man dort zu Offizieren meist Bürgerliche und sucht die Freiwilligen bei den— Sozialdemokraten. Veranlassung nehmen wird, wenn die Kieler Arbeiter keine Lust haben, zu arbeiten, oder wenn diese armseligen Arbeiter sich von ihren wohlberatenen Führern ins Unglück führen lassen, nach Kiel zu kommen. Hochachtungsvoll Die gelbe Streikbrecherorganisation. Ungemein charakteristisch für die wahre Natur dieser Sippschaft ist auch ein Brief, den einer der gewerbs= und gewohnheitsmaßigen Essener Streikbrecher#an seine Mutter in Essen geschickt hat und der in einer dortigen Zeitung veröffentlicht wird. Er lautet in all seiner Schönheit so: Kiel, 13. 6. 1909. Liebe Mutter!„„ Es geht Der wohl höffentlich noch gut. um Freitag Abend um 12 Uhr waren wier an Ort und Stelle. Es war heißer Empfang. Tausende von Menschen umlagerten den Bahnhof. Unser Leben steht auf dem Spiel. Eine ganze Schlacht ist geschlagen worden einige Polizeibeamte liegen im Lazaret. Schicke mir bitte den alten Triko ein Stück Seife und zwei Dosen Streichhölzer und den Revolver mit sämtlichen Kugeln da die meisten einen mit sich führen wier fahren zur Stadt und müssen in die Häuser welches sehr gefährlich ist den die Weiber sind schlimmer wie Hygänen. Den Revolver wickele in Lappen und in den Triko mache ein Paket und schicke es sofort den es Eilt. Die Kugeln nehm heraus und verpacke sie aleine dazwischen. Wenn du sie nicht heraus kriechen kannst so lasse sie heraus machen oder laß sie drin. Die altagse Uhr kannst du auch dabei tun. Mache das Paket so dünn wie möchlich denk aber an den Revolver daß ist die Hauptsache Einige Kugeln sind noch in meiner Weste kannst mal nachsehen Revolver Uhr Streichhölzer und Seise wickle zusammen und den Triko darum tue einen Lappen darum nähen und dan Papier herum, damit wenn daß Papier loßgeht nicht die Sachen herausfallen mache in Postpaket damit ich es bis Mittwoch habe. Es Essen ist gut wier werden wohl noch 14 Tage hier bleiben. Antwort annst du wohl bei das Paket legen. Du bist hoffentlich noch gesund und Munter mir geld bekommen wir hoffentlich Samstag da vier Tage stehen auch, bleiben im Fall eines Kontraktbruches. 4,70 Mk. und die Kost ist der Lohn und bekommen 15 Mk. Reisevergütung wenn wir aushalten.„ Es grußt dich vielmals„ Joses. Denk aber an den Revolver und Kugel das ist hauptsache unser Leben steht auf dem Spiel ganze Schlac, ten werden geliefert noch schlimmer wie in Nochmals viele Grüße Josef. Zigarren und Zigaretten bekommen wir frei; ist ja Städtisch. Der Revolver und die Kugeln und die„Schlachten“ sind dem Burschen die Hauptsache. Und dann die Zigarren und Zigaretten, die der Kieler Magistrat, der aus„finanziellen Gründen“ den Streikenden die winzige Forderung nicht bewilligen zu können behauptet, freigebig unter den Arbeitswilligen verteilt. Und diesem Gesindel stellt die Hamburger Polizei Ehrenwachen bei der Durchreise! Der Streik der städtischen Arbeiter Kiels dauert unverändert fort. Das offiziose Magistrats=Organ, die„Kieler Zeitung, fabelt zwar vom Ende des Ausstandes. Die Ausgesperrten und Ausständigen stehen aber nach wie vor wie ein Mann in der Bewegung, Abtrünnige sind nicht zu verzeichnen. Am Montag vormittag fanden Verhandlungen einer Kommiskenden mit dem Maaistrat statt Zum Ausstand der städtischen Arbeiter in Kiel. Der„Schleswig=Holsteinischen Volkszeitung“ ist folgender Brief zugegangen: Sie bringen in der Nr. 134 vom 13. d. M. unter Lägerdorf einen Bericht, daß die gelbe Streikbrecherorganisation in Kiel eingezogen sei; dies bestätigt sich vollauf, sogar der Pinkerton ist dabei! Gewiß doch eine große Freude für die Herren Lägerdorfer, nicht wahr?? Zu Ihrer näheren Orientierung diene Ihnen noch, daß die gelbe Essener Organisation noch manches Mal sion der Streitenden mit dem Maglstrar stalt. Der Magistrat lehnte jedes Zugeständnis ab, erneuerte nur das schon fruher gegebene Versprechen, daß er zum nächsten Etat einen Antrag auf Einführung der Achtstundenschicht für die Gasarbeiter an den Retortenösen einbringen will. Die wöchentliche Lohnzahlung will er einführen, wenn sich nach Wiederaufnahme der Arbeit die Arbeiterausschüsse der Betriebe dafür aussprechen. Eine Versammlung der Streikenden resp. Ausgesperrten hat Montag nachmittag in geheimer Abstimmung mit 390 gegen 6 Stimmen die Fortführung der Streikes beschlossen. Sieg der Brauereiarbeiter in Mainz. Der Streik in dem Betriebe der„Mainzer Aktienbrauerei", der Großgerauer „Unionbauerei“, der am 7. Mai begonnen hatte, endete mit einem vollständigen Sieg für die Arbeitnehmer. Der am 1. Juli in Kraft tretende Tarif, der auf 5 Jahre abgeschlossen ist, bringt „*** den Brauern, Küfern und Mälzern eine Lohnaufbesserung von 4 Mark, er steigert die Löhne von 26 Mark auf 30 Mark. Handwerker, die seither mit 23 Mark entlohnt wurden, erhalten 30 Mark, der Lohn der Fuhrleute steigt von 21 Mark auf 28 Mark. Die Bierfahrer haben jeden dritten Sonntag frei, für Sonntagsarbeit wird die Stunde 70 Pfg. vergütet. Die Streikenden werden wieder eingestellt, sofort werden 70 Prozent der Arbeiter eingestellt, die andern vor dem 1. Oktober. Die Aufnahme der Arbeit findet Donnerstag statt. Die Einigung wurde durch Vermittlung des Bürgermeisters erzielt. Holzarbeiterstreik in Rathenow. Die in den hiesigen Kleinbetrieben der Bau= und Mobeltischlerei beschaftigten Arbeiter, 40 an der Zahl, legten am Sonnabend die Arbeit nieder. Sie fordern einen Minimallohn von 45 Pfg. die Stunde(bisher 40 Pfg.), für Akkordarbeiter 10 bis 15 Prozent Lohnaufschlag, ferner Verkürzung der Arbeitszeit von 56 auf 54 Stunden, sowie Abschließung eines Tariks. Die Unternehmer verhielten sich son, was Sie sagen wollen!“ wehrte er eine Bewegung Trollas ab.„Sie sind noch keiner, Sie werden's aber werden. Durch meine Sache können Sie's werden.... Uebrigens, was„Schuster Dankelberg" anbetrifft, unterbrach er sich,„so könnte ich mir eigentlich was d’rauf einbilden. Wer etwas ist, wird immer kurz behandelt. Wenn man vom„ollen Menzel spricht, oder von„Stephan“, dann ist auch„Schuster Dankelberg keine Beleidigung... Notieren Sie sich das, das werden wir verwenden können. Keinen Augenblick im Zweifel, daß Trolla auf seine Vorschläge eingehen werde, zog er eine Menge Briese, verfallene Wechselakzepte und sonstige Schriftstücke hervor, die er, das goldene Pincenez weit auf die Nasenspitze gerückt, mit einem raschen Blick stumm überflog und vor sich ausbkeitete. Dann brachte er einen langen Brei vor, aus dem Trolla unmöglich ganz klug werden konnte. Es war der umständliche Vortrag eines Menschen, dem nach jedem dritten Satz das böse Gewissen die Zunge lähmt, der sich fortwährend selbst widerspricht und schließlich wirres Zeug vorbringt, aus dem immer nur das Verlangen hervorbricht, sich möglichst zu emtlasten. „Hier ist die Vollmacht— unterschreiben Sie, unterbrach ihn Trolla endlich.„Ich werde morgen schon Einblick in die Akten nehmen.“ Er wollte sich doch wenigstens die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Geschäftspraxis des Alten einmal gründlich beleuchtet zu sehen. „Schwiegersohn!“ Dankelberg war aufgesprungen, beugte sich it über den Tisch und drückte Trollas Hände.„Wenn Sie Trolla wollte nicht schwach werden.„Warten wir ab,“ sagte er ohne ihm anzublicken. „Felix, geben Sie mir einen Kuß.“ Zum Glück trat der Bureauvorsteher herein, der durch sein Erscheinen diese aufdringliche Herzlichkeit verhinderte. (Fortsetzung folgt.) well sich loskriegen, Sie sollen sich über mich nicht mehr zu beklagen haben. Diese plötzliche Wendung hatte ihn weich gestimmt. Es war fast, als glänzten seine Augen von etwas Nassem, das aus seiner verhärteten Seele emporgestiegen war. Und die Feierlichkeit des Augenblicks gab ihm einen gewissen Schwung der Sprache. „Sehen Sie, lieber Doktor— zu Ihnen habe ich Vertrauen, zu Ihnen kann ich sprechen, denn Sie gehören zu meiner Familie. Sie wollen sich erst die Sporen verdienen. Sie haben noch Feuer und Ehrgeiz. Sie tun noch nicht alles für Geld. Bei Ihnen sitzen die Gebühren noch im Herzen. Denkem Sie an meine Frau, denken Sie an Emmy... Wenn alles gut gbläuft, wenn die Sache überhaupt zurückgewiesen wird, dann —.—. Hier drin sitzt auch noch etwas bei mir, das nicht verknöchert ist.“ Und er schlug sich mit der Hand wiederholt auf die linke Prustseite, während seine Stimme zu ersticken drohte. Wahrhaftig, die Augen wurden ihm klein, und seine Lippen gerieten in zuckende Bewegung. Kleines Feuilleton. Die Geographie der Cholera. Die beunruhigenden Nachrichten, die aus Petersburg über die Ausbreitung der Cholera im Zarenreiche in den letzten Tagen gekommen sind, lenken wieder die Aufmerksamkeit auf die mannigfachen Wege, auf denen der unheimliche Gast nach Europa gelangt. Die russische Regierung hat es sich daher angelegen sein lassen, die verschiedenen„Reiserouten“ der Cholera genau festzustellen, und hat eine Karte anfertigen lassen, auf der die geographischen Wege der furchtbaren Krankheit genau angegeben sind. Diese „Geographie der Cholera“ wird bei den vorbeugenden Maßnahmen eine wichtige Hilfe leisten können. Die Cholera scheint zum Ausgangspunkt für ihr Eindringen in Rußland das Kaspische Meer genommen und sich auf dem Flußwege verbreitet zu haben. Es ist daher dringend notwendig, die Flußläufe sorgfältig zu bewachen, denn die Epidemie dringt mit außerordentlicher Hartnäckigkeit vor. Eine der Hauptursachen ihrer Verbreitung ist immer die Pilgerfahrt der Mohamedaner von Indien nach Mekka. Die Krankheit, die von den Ufern des Ganges mitgebracht wird, schleicht sich trotz der getroffenen Maßnahmen in Aegypten, in Mesopotamien, in Persien, in Asghanistan, bis in den Kaukasus ein und folgt dann den großen Wasserstraßen vom Becken des Kaspischen Meeres, die auch die großen Handelswege sind. Sie wandert als furchtbares Gespenst mit den Karawanen, erreicht mit ihnen die volksreichen Zentren des Verkehrs in Yarkand, Buchara, Kabul, Astrachank Nischninowgorod, Khiva und Orenburg. Sie drängt sich hinein in die Schiffe und landet mit ihnen in Malakka, Sumatra, Java, Borneo, den Philippinen und eilt bis nach Japan und Korea. Von Hongkong, Kanton und Peking aus kehrt sie zu Lande oder ins Mittelländische und ins Schwarze Meer zu finden. Ueber den Persischen Golf läßt sie sich übersetzen und öffnet sich dann dem Eingang nach Arabien. Die Mekka, und weiß den Weg Argentinien erklärem Ihr trauriger Triumphzug durchläuft von Aegypten aus weite Gebiete Afrikas, Tripolis, Algerien, Marokko, reicht bis zum Senegal und setzt sich fort bis Guinea. Die transsibirische Eisenbahn, die Europa mit Medina verbindet, erleichtert ihren Marsch. So sind die Wegspuren der Cholera weit verzweigt und reichen überall hin, aber diese genaue Aufzeichnung ihrer Routen erleichtert die sanitäre Ueberwachung und wird beitragen zum energischen Kampf gegen sie *** Heilverfahren für Alkoholkranke durch Landesversicherungsanstalten kommen mehr und mehr in Aufnahme. In größerem Umfang sind solche bis jetzt von den Landesversicherungsanstalten Rheinprovinz, Schleswig=Holstein und Westfalen eingeleitet worden, mit recht befriedigenden, lohnenden Erfolgen, die noch besser wären, wenn die Betreffenden rechtzeitiger gemeldet und untergebracht würden. Einem Bericht des Reichsversicherungsamtes in Nr. 1 des „Reichs=Arbeitsblattes“ ist zu entnehmen: Unter den 112 männlichen und 6 weiblichen Versicherten, welche dierheinische Anstalt seit 1903 in Trinkerheilstätten behandeln ließ, waren von den bis Ende 1906 abgeschlossenen 55 Fällen nicht weniger als 50 erfolgreich. Die Anstalt ist mit Abstinenzvereinen in Verbindung getreten und veranlaßt die aus der Kur Entlassenen solchen beizutreten, z. T. unter Gewährung eines Jahresbeitrags an die Vereine für jeden solchen Versicherten, der ihnen beitritt. Die L.=V.=A. Schleswig=Holstein hat seit 1900 71 Alkoholkranke in Heilbehandlung nehmen lassen. In 18 Fällen ist voller, in 6 Fällen unsicherer Erfolg erzielt worden. Gänzlich erfolglos blieben 21 Fälle. Die übrigen Behandelten sind teils gestorben, teils war bei ihnen eine Kontrolle nicht möglich. Die Resultate wären laut Bericht der Anstalt noch befriedigender, wenn nicht zum Teil mangelhafte Auswahl und besonders ver patete Anzeige der Krankheitsfälle ungünstig wirken würden. Bei der L.= V.=A. Westfalen waren von den 39 bis zum Schluß des Jahres 1906 aus der Behandlung Entlassenen zu Anfang 1907 15 ganz geheilt, 5 gebessert, 32 wenigstens arbeitsfähig.(Bei alledem ist fast immer die Bedeutung einer Besserung zugleich für eine ganze Familie zu bedenken!) Die L.=V.=A. Baden hat alle Bezirksämter durch Rundschreiben auf die Heilbehandlung Trunksüchtiger hingewiesen und um Angabe von geeigneten Kranken ersucht; ähnlich Westsalen die Krankenkassen und die unteren Verwaltungsbehörden. stritte ablehnend gegen die sämtlich im Deutsch bitten dringend um Fe Ein Holzarbeiterstrei Daselbst bestand für E der am 30. Mai d. J. a Die Unternehmer wolle verlängern und auch so Zur Abwehr dessen sin und ersuchen um Fernh Die Stellmacher in den Abschluß eines Tar der Arbeitszeit von 10 von 3 Pfg. pro Stunde Streik der Zivilmusi von Liegnitz legten da ihre vom Verband Lohnforderungen nicht Säle war es nicht möc der Tanz nicht stattfind Vom Streik auf der Pleß gehört, wird be organisierte Arbeitersch bedingungen in den St Löhne von 2,80 Mark; Arbeiter verlangen desh mehr Bohrmaschinen fi und größere Ordnung Arbeiter sind der Direk Vewaltung lehnt jede 1 einer Versammlung ar schlossen, im Streik zu! Steinhauerarbeiter= Ecaussines ist he arbeiter in Kraft getretbeträgt zirka 3000 und ac. Der drohende er fand in London ein arbeiter=Verbandes statt Zeit eine Nationalkonft zur Verteidigung der Weder die Unternehme nachzugeben. Die Berg allem auf der Einführur Ihrer Behauptung nach wales, weil sie sehr tief Bezirke. Es mußten fördert werden. 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Der in den gower Händlern mit au gegen die Konsumverein Geschäftsverbindung zu zu beschäftigen und jede brechen, die die schriftl weigerten. Die Folge Schlachtviehhof zu Yorkl Genossenschaftsvertreter: Auslandsviehkai und de standen, beschloß im I statut, welches den Auss ger als Käufer auf dem und jeden Fall der Ueber Gegen dieses Statut hab sogar im Oberhause, St begannen die Schlächter sie durch Privatverträge kung der Verkäufe bewi weigerten, ihr Vieh na offenen Märkte in Live vorzugten. Die Wirkun daß die Zahl der in Yo Vieb seit 1897, dem Istatuts, von 72797 Stü gangen ist. Diese Diffe deutet nicht nur für di Marktgebühren, die sich ling stellen, sondern auch heit und vor allem eine Jahre 1907 wurde der Die neuen Anlagen un Als nun das Ortsstatu unterbreitet werden mu schuß der Marktabteilu# Markt vorschrieb, zurü aufmerksam gemacht, li# das Ortsstatut nach G zurückgehen, wo es uner dem Schlachtviehhof du 16. April 1909 beschlo Marktdepartements, in sind, die Aufhebung de am 29. 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Die Stellmacher in Lübeck erreichten durch eine Lohnbewegung den Abschluß eines Tarifvertrages, der ihnen eine Verkürzung der Arbeitszeit von 10 auf 9½ Stunben und eine Lohnerhöhung von 3 Pfg. pro Stunde brachte. Streik der Zivilmusiter in Liegnitz. In 5 der größten Säle von Liegnitz legten Sonntag die Musiker die Arbeit nieder, da ihre vom Verbande der Zivilberufsmusiker eingereichten Lohnforderungen nicht bewilligt wurden. Den Inhabern der Säle war es nicht möglich, Arbeitswillige zu erhalten, so daß der Tanz nicht stattfinden konnte. Vom Streik auf der Bradegrube, die dem Fürsten von Pleß gehört, wird berichtet, daß die daselbst beschaftigte unorganisierte Arbeiterschaft wegen gar zu schlechter Arbeitsbedingungen in den Streik getrieben wurde. Es kommen noch Löhne von 2,80 Mark pro Schicht für Gesteinshäuer vor. Die Arbeiter verlangen deshalb eine Lohnerhöhung, Anschaffung von mehr Bohrmaschinen für die Kohlenarbeit, bessere Behandlung und größere Ordnung in der Grube. Diese Forderungen der Arbeiter sind der Direktion seit längerer Zeit zugegangen. Die Vewaltung lehnt jede Unterhandlung mit den Arbeitern ab; in einer Versammlung am Sonnabend haben die Arbeiter beschlossen, im Streik zu verharren. Steinhauerarbeiter=Aussperrung. Brüssel, 21. Juni. In Ecaussines ist heute die Aussperrung der Steinhauerarbeiter in Kraft getreten. Die Zahl der ausgesperrten Arbeiter beträgt zirka 3000 und erstreckt sich auf 18 Steinbrüche. ac. Der drohende englische Bergarbeiterstreik. Dieser Tage fand in London eine Sitzung des Vorstandes des Bergarbeiter=Verbandes statt. Es wurde beschlossen, in allernächster Zeit eine Nationalkonferenz einzuberufen, um die Maßnahmen zur Verteidigung der Interessen der Bergarbeiter zu beraten. Weder die Unternehmer, noch die Arbeiter sind zurzeit bereit, nachzugeben. Die Bergwerksbesitzer von Südwales bestehen vor allem auf der Einführung der Doppelschichten von je 8 Stunden. Ihrer Behauptung nach arbeiten die Kohlenbergwerke in Südwales, weil sie sehr tief liegen, um vieles teurer, als die anderer Bezirke. Es mußten deswegen größere Mengen Kohlen gefördert werden. Die Arbeiter hingegen befürchten von der Vermehrung der Produktion einen Lohndruck. Jedenfalls sind die Bergarbeiter aller Bezirke solidarisch und es wird, wenn nicht noch im letzten Augenblicke eine Einigung erzielt wird, zu einem allgemeinen Ausstande kommen. Der Oldenburger Kleinhandelsbeamte über die Rabattgewährung. In einem Vortrage über„Konsumvereine und Rabattsparvereine“ hatte der oldenburgische Landtagsabgeordnete Heitmann auch die Tätigkeit des Kleinhandelsbeamten der Oldenburger Handelskammer wegen dessen Förderung der Rabattsparvereine einer Kritik unterworfen. Dazu hatte der Abgeordnete Heitmann zweifelsohne berechtigte Ursache, weil, abgesehen, von der für Publikum und Kleinhändler gleich großen Nutzlosigkeit solcher Rabattsparvereine, diese auch als Kampforganisationen gegen die Konsumvereine betrachtet und empfohlen werden. Diese Kritik hat den Kleinhandelsbeamten der Oldenburger Handelskammer zu einer Erwiderung veranlaßt, die seine Förderung der Rabattsparvereinsbewegung zu rechtfertigen bezweckt. Darin wird nun u. a. ausgeführt: „Splittern wir doch nicht an Einzelheiten herum, ob die vollen 5 Prozent Rabatt dem Käufer zugute kommen. Das hat im Ernst noch keiner behauptet; ob es 2½ oder 4½ Prozent sind, werden die Käufer am besten beurteilen können, und in diesen Kreisen ist man zufrieden mit der Einrichtung. Wenn der Rabatt durch Nettoartikel und Abstufung nicht volle 5 Prozent ausmacht, so fällt ja der Vorwurf der Gegner in sich zusammen, daß 5 Prozent aufgeschlagen werden müssen. Im Gegenteil, diese Ausführungen des Oldenburger Kleinhandelsbeamten bestätigen aufs neue, daß Rabattaufschläge und sogar noch ein übriges gemacht werden. Denn es sind zumeist die gangbarsten Artikel, deren Detailpreise allgemein bekannt sind, die als Nettoartikel vom Rabatt ausgeschlossem werden. Uebrigens haben sich auch zahlreiche kaufmännische Korporationen und selbst Handelskammern in scharfer Weise dagegen ausgesprochen. In Wirklichkeit ist es ja auch den Befürwortern der Rabattsparvereinsbewegung in der Hauptsache damit um die Organisierung der Kleinhandler zu tun, weshalb wir im Interesse der Konsumenten darüber Aufklärung zu verbreiten um so dringender nötig haben. Der Kampf der Schlächter gegen die Konsumvereine in Glasgow. Der in den Jahren 1896 und 1897 von den Glasgower Händlern mit außerordentlicher Schärfe geführte Kampf gegen die Konsumvereine hatte außer anderem auch die Gründung eines Fleischerschutzverbandes für Glasgow und Umgegend zur Folge, dessen Mitglieder sich durch Revers verpflichten, mußten, weder direkt noch indirekt mit einem Konsumverein in Geschäftsverbindung zu treten, keine Konsumvereinsmitglieder zu beschäftigen und jeden Umgang mit den Schlächtern abzubrechen, die die schriftliche Unterzeichnung des Reverses verweigerten. Die Folge dieser Konvention war, daß auf dem Schlachtviehhof zu Yorkhill bei Auktionsverkäufen Angebote von Genossenschaftsvertretern nicht akzeptiert wurden. Da aber der Auslandsviehkai und der Viehhof unter städtischer Verwaltung standen, beschloß im Jahre 1898 der Gemeinderat ein Ortsstatut, welches den Ausschluß eines bestimmten Teiles der Bürger als Käufer auf dem Schlachtviehhofe als unzulässig erklärte und jeden Fall der Uebertretung mit 100 Mk. Geldstrafe ahndete. Gegen dieses Statut haben seitdem die Schlächter immer wieder sogar im Oberhause, Sturm gelaufen; bisher ohne Erfolg. Da begannen die Schlächter, das Verbot dadurch zu umgehen; daß sie durch Privatvertrage Verkäufe abschlossen. Diese Einschränkung der Verkäufe bewirkte, daß die Schlachtviehexporteure sich weigerten, ihr Vieh nach Yorkhill zu verschiffen, vielmehr die offenen Märkte in Liverpool, Manchester und Birkenhead bevorzugten. Die Wirkung des Boykotts läßt sich daran ermessen, daß die Zahl der in Yorthill zur Ausschiffung gelangten Stück Vieh seit 1897, dem Jahre vor dem Inkrafttreten des Ortsstatuts, von 72797 Stück auf 32350 im Jahre 1908 zurückgegangen ist. Diese Differenz von 40000 Stück Schlachtvieh bedeutet nicht nur für die Stadt einen bedeutenden Verlust an Marktgebuhren, die sich pro Stück Schlachtvieh auf einen Schilling stellen, sondern auch weniger Arbeits- und Geschäftsgelegenheit und vor allem eine große Verteuerung des Fleisches. Im Jahre 1907 wurde der Schlachtviehhof nach Merklands verlegt. Die neuen Anlagen und Einrichtungen kosteten 1800000 Mt. Als nun das Ortsstatut dem Landwirtschaftlichen Ministerium unterbreitet werden mußte, behielt der geschäftsführende Ausschuß der Marktabteilung das Ortsstatut, welches den offenen Markt vorschrieb, zurück. Von den Genossenschaftern darauf aufmerksam gemacht, ließ das Landwirtschaftliche Ministerium das Ortsstatut nach Glasgow behufs ordentlicher Erledigung zurückgehen, wo es unerledigt und damit auch der Verkehr auf dem Schlachtviehhof durch Statut ungeregelt blieb. Erst am 16. April 1909 beschloß der geschäftsführende Ausschuß des Marktdepartements, in dem die Schlächter zahlreich vertreten sind, die Aufhebung des Ortsstatuts. Diesem Beschlusse hat am 29. April auch der Stadtrat zugestimmt. Die Vorstellungen einer Deputation von Genossenschafts- und Gewerkschaftsvertretern hatte keinen Erfolg. Vom Sprecher der Genossenschaftsvertreter, dem Vorsitzenden der Großeinkaufsgesellschaft, Stemat, wurde nachgewiesen, daß durch den Boykott der Preis des Fleisches um 4 Pfg. pro Pfund gestiegen und damit eins Verteuerung der Lebenshaltung um jahrlich sechs Millionen Mark eingetreten sei. Die Ungerechtigkeit des Vorgehens des Glasgower Gemeinderats kann daran ermessen werden, daß in und um Glasgow 160000 Konsumvereinsmitglieder wohnen, deren jährlicher Fleischumsatz sich auf 10 Mill. Mark beziffert. Gegenwärtig haben die schottischen Konsumgenossenschaften auf der ganzen Linie den Kampf gegen die ungerechte Maßnahme des Glasgower Stadtrats aufgenommen. Mädchen 13 25 137 sse. Ueber die Tätigkeit des Jugendgerichts Berlin=Mitte liegt jetzt der erste Jahresbericht vor. Nach den in Amerika und England gemachten günstigen Erfahrungen mit besonderen Gerichtshöfen für die zugendlichen Verletzer der Gesetze hat man nun auch in Deutschland an einigen Orten Versuche mit der Schaffung solcher Institutionen gemacht. Das Jugendgericht Berlin=Mitte trat zum ersten Male am 1. Juni 1908 zusammen. Von dieser Zeit bis zum 31. Dezember 1908 urteilte es 979 Personen ab, darunter 777 männliche und 202 weibliche. Auf die einzelnen Altersstufen verteilen sich die Angeklagten wie folgt: Knaben 12 bis 14 Jahre.. 99 14„ 16„ 209 16„ 18„ 469 Was die Familienverhältnisse dieser jugendlichen Personen anbetrifft, so waren 898 ehelicher und 71 unehelicher Geburt, während bei 10 die Herkunft unbekannt war. Unter den ehelichen befanden sich 30, bei denen die Eltern getrennt oder geschieden lebten; 170 waren Halbwaisen, 15 Ganzwaisen. Vorbestraft waren 194 Angeklagte, darunter einer sogar bereits sechsmal. Die Straftaten, wegen derer die Anklage erhoben wurde, waren die folgenden: Diebstahl Mundraub Unterschlagung Betrug Hehlerei Bettelei Führung falsch. Namens Grober Unfug Verschiedene Polizeiübertretungen Obdachlosigkeit Etwa der 4. Teil der Angeklagten, nämlich 258, wurde freigesprochen, bezw. außer Verfolgung gesetzt, davon 83, weil ihnen die zur Erkenntnis der Straftat notige Einsicht fehlte. Von den 721 Verurteilten erhielten 495 einen Verweis, 99 Geldstrafen und 127 Freiheitsstrafen, die sich zwischen der Dauer von einem Tag und mehr als 6 Monaten bewegten. Es ist erfreulich, daß nur ein so geringer Teil(18 Prozent) Freiheitsstrafen ausgesprochen wurde, die bekanntlich in unzähligen Fällen die Einleitung zur Verbrecherlaufbahn bilden, und daß außerdem von den Verurteilten noch 20 der bedingten Begnadigung empfohlen wurden. In 562 Fällen wurde die strafrichterliche Tätigkeit durch andere Maßnahmen ergänzt. So wurden 294 Angeklagte der deutschen Zentrale für Jugendfürsorge und ähnlichen Organisationen zur Unterstützung und Kontrolle überwiesen, in 17 Fällen Aenderungen der Vormundschaft und in 193 Fällen Fürsorgeerziehung angeordnet.— Auch bei uns wird jedenfalls die Erfahrung lehren, daß eine verständaisvolle und nachsichtige Beurteilung der meist nur aus jugendlichem Leichtsinn oder infolge schlechten Beispiels begangenen Straftaten mehr Gutes wirkt, als die Anwendung der ganzen Strenge des Gesetzes auf den jugendlichen„Verbrecher". sso. Die Lage der Arbeiter in der Papierindustrie. Die in der Papierindustrie beschäftigten Arbeiter sind zum Teil noch nicht organisiert. Die Arbeitszeit ist daher in den Papierfabriken eine lange, die Löhne sind niedrig. Das ergibt sich auch aus den Erhebungen, welche die Gewerbeaufsichtsbeamten in Bayern im letzten Jahre über die Papierindustrie gemacht haben, deren Resultate in den soeben erschienenen Berichten der bayerischen Fabrikinspektion veröffentlicht werden. Der Waldreichtum Oberbayerns, Niederbayerns und Unterfrankens hat die Entwicklung der Papierindustrie begünstigt, und es gibt deshalb in Bayern 159 Papier=, sowie Zell= und Holzstofffabriken. Die Betriebsform hat durchweg einen fabrikmaßigen Charakter. Die Organisationen der Arbeiter, so wird verichtet, sowohl der freien als der christlichen, haben verhältnismäßig noch wenig Eingang gefunden, am meisten in den größeren Städten. Die Arbeitszeit ist nur für die Holzarbeiter eine 10- bis 11stündige, die Schichtarbeiter, z. B. die Holzschleifer, Holländerführer, Papier= und Pappenmaschinenarbeiter, die Kocherwärter, Säurearbeiter, Maschinisten usw., haben gewöhnlich 12stündige Tag= und Nachtschichten ohne bestimmte Pausen, also eine 12stündige Arbeitszeit ohne jede Unterbrechung! Dazu kommt aber auch meistens noch zum Zwecke des Schichtwechsels eine 24stündige Schicht— d. h. einmal in der Woche 24 Stunden Arbeitszeit ohne jede Pause! In einem Betriebe sind sogar regelmäßige 15stündige Tag- und Nachtschichten festgestellt worden, und es ist den Gewerbeaufsichtsbeamten nicht gelungen, eine Aenderung herbeizuführen. Diese fürchterlich lange Arbeitszeit genügt den Unternehmern aber noch nicht einmal, denn die Beamten melden, daß Ueberarbeit erwachsener männlicher Arbeiter in einzelnen Betrieben der Papier= und Zellulosefabrikation„ziemlich oft zu finden“ sei, und„die Inanspruchnahme der Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit ist nach den Erhebungen in der Papiererzeugungsindustrie eine ziemlich ausgedehnte". Zu alledem kommt noch, daß auf dem Lande die Arbeiter sehr weit entfernt von der Arbeitsstätte wohnen, was„im Zusammenhang mit langen Arbeitsschichten zur Ueberanstrengung führe, wie der Zentralinspektor Priem in seiner Zusammenfassung der Berichte sagt. Also eine Arbeitszeit von 84, 90, 105 und mehr Stunden in der Woche und dazu täglich noch einen stundenweiten Weg zur Fabrik! Entsprechend den langen Arbeitszeiten sind die Löhne sehr schlechte.„In einzelnen Landbezirken findet man teilweise noch sehr niedrige Löhne“, sagt der Generalbericht. In Oberbayern wird in den Holzstoffabriken 2,40—3,00 Mk. am Tage verdient, in den Papier= und Pappenfabriken 2.20, 2,60 bis 3,00 Mk. und nur in ganz vereinzelten Fällen steigt der Verdienst etwas höher. Arheiterinnen verdienen täglich 1.20 bis höchstens 1.70 Mk., im Akkord bis 2 Mk. Das Akkord= und Prämiensystem hat eine größere Verbreitung gefunden, so daß zu der langen Arbeitszeit noch ein sehr intensives Arbeiten kommt. In Niederbayern betragen die Durchschnittslöhne für erwachsene männliche Arbeiter 2,34.,2,60 und 3.01 Mk., für Arbeiterinnen 1,65 bis 1,85 Mark. In der Pfal; soll— nach Angabe der Unternehmer— der niedrigste Stundenlohn für erwachsene männliche Arbeiter 23 Pfg. betragen, der bis 30 Pfg. steigt.„Als Hauptnahrungsmittel dieser Leute kommen die Kartoffeln in Betracht“, sagt der Berichterstatter. der auch folgendes Haushaltungsbudget wiedergibt, das ein Familienvater mit Frau und vier Kindern im Alter von 2, 7, 10 und 12 Jahren ausgestellt hat: Gesamt=Einkommen im Jahr 840 Mk. Für Wohnung, Milch und Kartoffeln hatte der Arbeiter keine Ausgaben zu machen, da er ein eigenes Häuschen hat, eine Ziege hält und die Kartofeln selbst baut.„Der Fehlbetrag sowie alle anderen noch erforderlichen Auslagen gleichen sich mit dem Nebenverdienst der Frau und Ueberstunden aus“, sagt der Beamte. Bei fast 100stündiger Arbeitszeit in der Woche muß also der Arbeiter noch Ueberstunden machen, muß die Frau neben der Pflege der vier Kinder, der Versorgung des Haushaltes und der Ziege und der Bearbeitung des Kartoffelackers noch Nebenverdienst erwerben— nur damit die Famile das nackte Leben notdürftig fristen kann! Aus dem Bericht aus der Oberpfalz ist zu ersehen, daß dort die erwachsenen männlichen Arbeiter täglich 1,40 bis 2,50 Mk. und nur in vereinzelten Fällen etwas mehr verdienen. Der Tagelohn der Frauen schwankt zwischen 90 Pfg. und 1,50 Mk., die meisten verdienen aber nur unter 1,35 Mk. pro Tag. Nicht anders ist es in Ober-, Mittel- und Unterfranken. In Unterfranken verdienten in einem Betriebe bei täglich 15stündiger Arbeitszeit der erwachsene männliche Arbeiter 2,90 bis 3,10 Mark, also 20 Pfg. pro Stunde. Im übrigen war der durchschnittliche Tagesverdienst 2,40 bis 2,60 Mk., in ländlichen Bezirken 1,70 bis 2,60 Mk.„ 6 00 Wie in Bayern, so ist auch die Lage der Papierarbeiter im übrigen Deutschland beschaffen. Sie haben von allen Fabrikarbeitern heute die längste Arbeitszeit und dabei die niedrigsten Löhne. Nur eine gute gewerkschaftliche Organisation wird diesen fürchterlichen Zustand zu beseitigen vermögen. Und dies ist dringend vonnoten! „Prostitution beim Theater“. Die Protestversammlungen der Bühnenkünstler im letzten Winter und Frühjahr haben auch eine Menge von Broschüren gezeitigt, deren Verfasser sich mit der Beleuchtung mannigfacher sozialer Uebelstände im Theater befassen. Einer der schlimmsten— nein der schlimmste— ist das käufliche Dirnenwesen, gegen welches Vollrath von Lepel(„Prostitution beim Theater. Zürich, Verlag Volkswort) zu Felde zieht. Hauptursache hierfür bildet die hundsmäßige Entloynung des weiblichen Künstlerpersonals, der schamlose Schacher mit Menschenfleisch, der zwischen Theateragent und Direktor getrieben wird. Mit einem niedrigen Jahreslohn, der in den allerwenigsten Fällen 1000 Mark übersteigt, war bis jetzt die Verpflichtung der Beschaffung der vollständigen Theatergarderobe verbunden, deren Kosten sich bei mittleren und erstklassigen Instituten auf das zwei=, ja vielfache des Einkommens belaufen. Was ist die notgedrungene Folge? Prostitution. Wir können aber weiter fragen: Fangt die Prostitution erst an, nachdem eine Künstlerin so glücklich gewesen ist, bei einem Theater unterzukommen? Nein, in den allermeisten Fällen kommt eine Kunstnovize überhaupt erst zur Bühne, wenn sie sich zuvor auf die „horizontale Ebene" begeben hat. Das Opfer der Jungfräulichkeit wird bereits verlangt und gebracht, sobald sich ein junges Mädchen für den Theaterberuf vorzubereiten beginnt. Dem „Mäcen“, d. h. irgend einem„uneigennützigen“ Kapitalisten, der die Studienkosten bestreitet, ist der erste Tribut zu leisten; hernach dem Lehrer, dem Agenten, dem Regisseur, Direktor— und so in Grazie weiter. Hinter den Kulissen und bei den Proben auf der Bühne sitzt die Rüdigkeit und die Flegelei. Hat sich wirklich mal eine Novize bis an die Pforte des Theaters ihre weibliche Scham und Reinheit bewahrt— ist sie eingetreten, dann wird sie bald verdorben sein. Nur der kann sich einen Begriff machen von der Unflätigkeit in Worten, Gesten und Handlungen, die unter dem Bühnenpersonal in Uebung sind, dem das zweifelhafte Glück beschieden war, hinter die Kulissen zu blicken. Im engen Raum stoßen sich die Sachen— doch was für Sachen! Hier wird oft eine Unterhaltung geführt, die an Zynismus noch den Kasernenton überbietet. Man muß nicht bloß einmal und nicht bloß zufällig irgendwo, sondern an verschiedenen Orten stiller Zuschauer bei Regieproben gewesen sein, um sich über die stallknechtsmäßige Roheit mancher, nein vieler Theaterpaschas und Regisseure in tiefster Seele zu entsetzen! Es existiert kein Bühnenkünstler, sei es in welchem Lande immer, der meine Behauptung zu widerlegen vermöchte! Nirgends und in keinem anderen Berufe wird der Mensch rauher angepackt, wie im Theaterberufe. Ihm, der hernach, wenn er auf der Bühne als idealer Held oder edle Heldin agiert, in den Herzen der Zuschauer und Horer den schlummernden Funken höheren Menschentums zu reiner Flamme entfachen soll, ist zuvor jeder Aufschwung des Gefühls, jeder Glaube an Humanität und sittliche Verklärung gewaltsam aus der Brust gerissen worden. Da wundere man sich noch über die Prostitution beim Theater! Sie hat also nicht bloß allein in der miserablen Bezahlung künstlerischer Leistungen ihre Ursache, obwohl die Psychopathia sexualis als beruflich hervorgetriebene Ueberreizung des Nervensystems nicht selten eine freilich doch nur sekundare Bedeutung einnimmt. Vollrath von Lepel ist selbst Schauspieler. Seine Berichte über das Dirnenwesen besitzen sonach authentische Beweiskraft. Nebensächlich bleibt, ob sie dem Kenner des Theaterelends etwas Neues sagen. Naturgemäß scheidet Lepel die Prostituierten in zwei Sorten.„Die ersteren sind weibliche Bühnenmitglieder, welche durch die bestehenden Mißstände, durch minimale Gagen, meist gezwungen wurden, sich zu prostituieren. Die letzteren sind Frauenzimmer, die auch vor ihrer sogenannten Buhnenlaufbahn recht schwungvoll das horizontale Gewerbe ausübten, und nur in der Hoffnung auf reicheren Segen das Theater quasi zur Unterstützung fur ihren eigentlichen Beruf in Anspruch nehmen. Daß hierzu nicht immer das Weib den Anstoß gibt, weiß Lepel jedenfalls auch. Wie mancher Parvenu oder Offizier und höherer Beamter holt sich nicht seine Maitresse aus der Ladenbranche. Da ihm diese Stellung für allzu gewöhnlich erscheint, so sucht er das Mädchen beim Theater anzubringen. Meist erfreut er sich ja der persönlichen Bekanntschaft des Direktors. Fehlt sie ihm, so erwirbt er sich die Freundschaft irgendeines einflußreichen Bühnenkünstlers, der beim Direktor vermittelt und solcherweise indirekt, ohne es zu beabsichtigen, Kupplerdienste leistet. Jetzt segelt die Dame unter der Flagge eines Bühnenmitgliedes, wodurch ihr der Eintritt in die sogenannte„Gesellschaft" erleichtert ist. Der Galan bezahit dem Direktor die ihm erwiesene Freundlichkeit mit einer kleinen für die Geliebte bestimmten Gage. Jugend, Schönheit, rassiges Temperament oder Frechheit helfen über Talentlosigkeit hinweg. Der Weg zur„Herrenbekanntschaft“ steht offen und wird ausgenützt. Die Sittenpolizei sieht dem Treiben zu, ohne sich zu rühren, denn die„Dame“ hat sich schlauerweise unter die Obhut eines wohlsituierten Vertreters der Gesellschaft gestellt, wodurch die Anwendung des Kontrollparagraphen paralysiert wird. Es ist wahrlich nicht notwendig auf Provinzdirektoten yingnen„. in nicht, miphurr,. Sesung ui u. g. i...Ah. e lichen geschlechtlichen Man konnte an Berliner Theatern Dutzende von Exempeln einer heillosen Kokottenwirtschaft statuieren. Lepel macht einige Vorschläge zur Beseitigung solcher Mißstände, die dadurch, daß sie schon oft aufs Tapet gebracht worden sind, nichts an ihrer Aktualität verlieren.„Die Bühnenleiter müssen gezwungen werden, höhere Gagen zu zahlen. Nicht lebensfähige Theater müßten behördlich geschlossen werden. Sogenannte„Schmieren und Wandertheater müßten überhaupt verschwinden. Ebenso müßte ein gewisser Bildungsgrad bei männlichen wie bei weiblichen Buhnenmitgliedern gefordert werden. Es ist ja unglaublich, was heutzutage alles zum Theater läuft. Das Theater ist doch zum Henker nicht der Rückzugsort für gescheiterte und minderwertige Existenzen? Es ließe sich wohl eine staatlich geleitete Prüfungsanstelt für angehende männliche und weibliche Bühnenmitglieder ins Leben rufen. Der Prüfungskommission wäre einzuschärfen, sich die Kunstjünger und Kunstjüngerinnen recht genau anzusehen, bevor sie dieselben den einzelnen Theatern zuweisen würde. Und dann eine Generalsäuberung der bestehenden Kunstinstitute. Mit eisernem Besen müßte da allerdings gekehrt werden. Rücksichtslos! Weg mit den Intendanten und Direktoren, welche die schamloseste Prostitution an ihren Theatern dulden und unterstützen und dadurch die Achtung vor dem Künstlerstande beeinträchtigen; weg mit den Agenten, welche nur unter gewissen Beoren hinzuweisen, die, ir necht mißzuverstehender Hinna„auf die Garnison der betreffenden Stadt, den weibMitgliedern ganz geringe Gagen bieten, ihnen also den echtlichen Verkehr mit den Offizieren direkt offerieren..“ dingungen den weiblichen Bühnenmitgliedern Engagements vermitteln, und weg vor allen Dingen mit dem Dirnentum am Theater!" Lepel weiß sehr wohl, daß namentlich dies letztere zu beseitigen die Bühnenkünstler in erster Linie verpflichtet sind. Warum opponieren sie nicht? Warum dulden sie daß# Warum ronseren sie nicht! Warum dulden sie, baß Kokotten unter ihnen sitzen? Lepel meint ganz richtig: es fehle den Bühnenkünstlern meistens an der notigen Achtung und Würde voreinander; sie ermangeln der moralischen Einsicht und der Selbsterziehung zur Sittlichkeit. Das ist's! Soll alles anders, d. h. besser werden, dann werden die Bühnenkünstler total aus ihrer bourgeoisen Haut herausfahren müssen. Wohl haben sie ja jüngst hierzu einen Anlauf genommen und es war erfreulich zu sehen, daß in einzelnen ihrer Versammlungsreden die Anregungen von unserer Seite hier verwerket wurden. Wenn sie vorwarts wollen, so müssen sie sich organisieren gleich den sozialistisch=gewerkschaftlich koalierten Handarbeitern. Das cheißt aber: lernen von ihnen, anstatt, wie das auf einer der letzten Genossenschaftstagungen von einer Stelle aus geschah, öffentlich gegen die Sozialdemokratie loszuziehen. Mit sozialer Rückständigkeit und spießbürgerlicher Angstmeierei wird nichts getan sein— und alles wird bleiben wie zuvor. Standesamts-Nachrichten. Stadt Bünde. Geburten. Sohn: Oberpostassistent Julius Otto Pahlke, Klinkstr. 20. Tochter: Fabrikant Heinrich Ernst Bollmann, Klinkstr. 20. Sterbefall: Paul Trienemeier, 4 J., Feldmark 151. Amt Enger. In der Zeit vom 11. bis 17. Juni 1909 sind beim hiesigen Standesamt gemeldet: Geburten. Sohn: Kanonier von der 5. Batterie im Ostfriesischen Feldartillerie=Regiment Nr. 62 in Osnabrück Karl Heinrich Meyer....... 8 5en Gerri, Töchter: Zigarrenarbeiter Heinrich Steffen, Herringhausen; Kaufmann Wilhelm Holzkämper, Enger; Kaufmann Karl Österwald, Enger. Sterbefall. Handarbeiter Herm. Heinrich Engelbrecht, 71 J., Oldinghausen. Vereins-Kalender. Dienstag. Gemischter Chor 9 Uhr im„Schützenhof", Arndtstraße. Kamphofer Liedertafel 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeitergesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr bei Beckmann, Gr. Howe. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restauration zum Siegfried. Zitherklub„Edelweiß" 9 Uhr bei Keimeyer, Herforderstraße. Kegelklub„Hansa“ 8½ Uhr bei G. Kickert. Kegelklub„Bahn frei“, 8½ Uhr bei C. Blome, Spindelstr. 68. Bielefelder Kraftsport=Vereinigung 9 Uhr im Berliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld Abt. IV bei Tuxhorn. Radfahrerklub„Westfalia“ 8½ Uhr bei Helsinger, Schmiedestr. 9. Guttemplerorden Loge Teutoburg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51.„„ Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwarts 8½2 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Brackwede. Freie Turnerschaft, Abt.„Frisch Auf“. 8½ Uhr bei Wirt Schröder. — Abteilung„Fichte“ 8½ Uhr bei Wirt Goldstein. — Abteilung„Deutsche Kraft“=Ummeln an bekannter Stelle 8½ Uhr. Brackwede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Sieker. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr im Vereinslokal Sieker 228. Sudbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Brake. Arbeiter=Turnverein 8½ Uhr in der Turnhalle. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Enger. Turnverein„Eintracht“, 9 Uhr im Niermannschen Herford. Arb. Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. 21 M. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann.„ Herford. Radfahrerverein„Frisch voran“ abends 7 uhr bei Witwe Tiemeter.„„ 9 1: Sm Stitl Herford. Gesangverein„Arion 9 Uhr bei Tiemeler, Stiftberg.„„„„„ Herford. Arbeiter=Gesangverein„Immergrun 9 Uhr beim Wirt Büchner.. W.3p,1 0 Ner 1. Herford. Turnverein„Eichenrrunz 9 uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Speuge. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit" 8¾ Uhr bei Heitmann. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr bei Herrn Fricke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Lage. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestraße. Detmold. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 8½ Uhr im Vereinslokal„Centralhalle“ Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lipvischer Hof. 91 Me. 9 1 Vlotho. Arbeiter=Gesangverein abenos 812 Uhr bei Gastwirt Casielmann. Minden. Arbeiter=Sängerbund 7½ Uhr: Männerchor. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaumburger Hof. Sommertheater. (Brinkhoffs Tonhalle.) Heute, abends 8½2 Uhr: Zum 1. Male! Lustspiel=Novität! Der Dummkopf. Lustspiel in 5 Aufz. v. Ludw. Fulda. Mittwoch, den 23. Juni 1909, Anfang 8½2 Uhr: zuf vielseitigen Wunsch nochmalige gufführung! Novität! Zum 5. Male! Novität! Staatsanwalt Alexander. Schauspiel in 4 Akten von C. Schüler. I stor! Heute abend 8½2 Uhr: Großes Sireien konzert im Garten„Hotel Kaiserhof“. 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Juni 1900“ enthalt. ermittelten Jahresdurchsc mitunter beträchtlich tiefe löhnen für die gewerblic Beispiel bei Iuerdienst, m „rie, im Lundkreis Er Satze für gewerbliche Ar wirtschaftliche Arbeiter al nun noch, daß der unter liche Arbeiter, wenigstens wahrend dem über dem lichen Arbeiter nur diese Das hier angezogene Ungerechtigkeit im hellste dem Gewerbeunfall=Ver dessen Jahresarbeitsverd wurde Anspruch erlanger Ein landwirtschaftlicher gesetz versicherter) Arbeite dient hätte, würde nur a kehen können.— Ein ar Loburg(Regierungsbezirk kommenden Berechnungs wohl für die gewerblichen Arbeiter 450 Mark. An von Großknechten(Natur Lohnhöhe eines Fabrikar Mark verdiente, wird hie gelegt wird, eine Vollren knecht, der ebenfalls 600 lediglich jener Durchschn Mark herangezogen wird, „In unserm Falle,„L keiligung des landwirtsch „Loburg gar eine solche Schon im alten Landn von 1886 war der Gesetz wieder zu durchbrechen. lichen Betriebsbeamtene nung zu unterwerfen; da hälter doch etwas gar zus man für die Betriebsbe Individuallohn=Berechnut Materie im Jahre 1900 beamten noch eine andr arbeiter“, hinzuzufügen. sehr sich auch insbesonder rische Vertreter dagegen entziehen, weil durch die liche Anzahl von Arbeiter versicherung versichert wi versicherung zugeteilt wur dem Brennerei=, dem Zi macherei= und dem Bauge und forstwirtschaftlichen 9 sämtliche Arbeiter der die vordem der TiefbauDurch diese versicherun die den Betriebsbeamten „Facharbeiter“, in die abe wirtschaftliche, Berufsarbe stellung logischerweise hin V. G ordnet die Materie „Wer im Sinne dies als eine solche Person anz den gewöhnlichen land= od technische Fertigkeiten erfe Facharbeiter, wie Brenz E vier,„Stellmacher, slututarische Bestimmunge hren Bezirk festgestellt. Bei Aufstellung ihrer schaftlichen Berufsgenosser nen Sachlage abzufinden. das soll hier Gegenstand haben uns der Mühe ur Landwirtschaftlichen Beru den darin formulierter Prüfung zu unterziehen, 1 und für die Sache recht gesamt ermittelten wir nic nungen, darunter befinde die gleiche Berufsart, ser die Unterabteilungen eine spiel: Brenner, Brennmei