Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. 23 Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" X. Gerisch& Co., Nielefeld, Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Nr. 139. Bielefeld, Freitag, 18. Juni 1909. 20. Die heutige Nummer unsaßt 8 Seiten. Die Maifeier. Er V. Mittlerweile ist auch die„Leipziger Volkszeitung“ auf dem Plan erschienen. Wir waren uns zunächst nicht ganz klar darüber, ob wir diesen Spätling noch abdrucken sollten oder nicht, besonders, da sein spätes Erscheinen unsere Dispositionen störte und die in ihm enthaltene geistige Arbeit so gut wie Null ist. Allein gerade deswegen glaubten wir dann, den Artikel unseren Lesern nicht vorenthalten zu dürfen. Wir bemerken, ohne irgend welche Suggestion auf unsere Leser ausüben zu wollen, daß wir unter Umständen durchaus kein Gegner eines groben Wortes sind. Es fehlt uns aber jedes Verständnis dafür, weshalb in der so überaus wichtigen Frage der Maifeier geschimpft werden muß. Uns kann's nur recht sein. Wir werden dadurch an das Wort:„Wer schimpft, hat Unrecht" erinnert, und in der Tat ist in diesem Artikel die Menge der Schimpfworte direkt proportional dem Mangel an Intelligenz. Der Artikel ist überschrieben:„Also das war der Zweck der Uebung" und lautet: Wenn Lessing einmal ein Buch schreiben wollte über das Thema: Gutes aus schlechten Büchern, so könnte man jetzt versucht sein, eine Abhandlung zu schreiben über das Thema: Das Nützliche einer schädlichen Taktik. In der Tat hat der Genosse Schlicke und die Generalversammlung der Metallarbeiter mit ihrer Taktik, die sie zur Abwürgung der Maifeier eingeschlagen haben, dieser Feier mehr genützt als geschadet: denn sie haben die gesamte deutsche Arbeiterschaft auf die geheime Maulwurfsarbeit aufmerksam gemacht, die seit Jahren in gewissen Gewerkschaftskreisen, und vor allem in der Verbandsleitung der Metallarbeiter gegen das Maifest der Arbeit systematisch betrieben wird. Den deutschen Arbeitern aber ist die Maifeier viel zu sehr ans Herz gewachsen, als daß sie geneigt wären, sich ihr Fest durch eine noch so raffinierte Taktik einiger ihrer„Führer" verschandeln und verschlammen zu lassen. Sie werden ihnen ein donnerndes: bis hierher und nicht weiter! zurufen, mag auch der Dünkel und der Hochmut einiger dieser gewerkschaftlichen Emporkömmlinge und ihre Verachtung des großen Pöbels da draußen noch so große Dimensionen angenommen haben. Klagte doch schon der Delegierte zur Hamburger Generalversammlung der Metallarbeiter, DittmannHamburg, über die„Selbstherrlichkeit der Leitung“ und die „unwürdige Bevormundung der Kollegen", was ihm freilich von dem Vorsitzenden Schlicke nur die erhabene Bemerkung eintrug, daß man ihn nicht ernst nehme. Aber freilich! Schlicke nimmt ja auch die Parteipresse„nicht ernst“, wenn sie gegen seine dünkelhaften Bevormundungsversuche protestiert! Bisher war für diesen Hochmutsteufel kein Raum in der Arbeiterbewegung. „galt als die widerlichste Eigentümlichkeit von Kolonialassessoren und Regierungsräten. Mögen die deutschen Arbeiter dafür sorgen, daß sich dieses Parvenüprotzentum nicht in den Kreisen ihrer„Führer" festsetzt. Die Behandlung nun, die die Maifeier im Deutschen Metallarbeiterverbande gefunden hat, ging seit Jahren zielbewußt darauf aus, die Maifeier zu erdrosseln. Im Jahre 1901 gab, so wird der„Frankfurter Volksstimme“ von einem Delegierten des Hamburger Verbandstages geschrieben, der Nürnberger Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes ein Zirkular des Hauptvorstandes Veranlassung, sich mit der Maifeier im besonderen zu beschäftigen. Besagtes Zirkular war als„Bremserlaß“ in weiteren Kreisen der Mitglieder aufgefaßt worden an beschloß in Nürnberg allgemeine Normen, welche die zu nehmen, desgleichen, unter welchen beitsruhe am 1. Mai durchzuführen sei.(Letztere sollte dort Parchsstähig g#rden wo zwei Drittel der beschäftigten Arbeiter vouberechtigte Mitglieder der Organisation und sich die Majorität in geheimer Abstimmung für Arbeitsruhe erklärte.) Ferner wurde beschlossen, den wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai Ausgesperrten oder Gemaßregelten vom 2. Mai ab eine Unterstützung in der Höhe der Arbeitslosenunterstützung zu gewähren, doch wurde dieselbe den einzelnen Mitgliedern nicht als Arbeitslosenunterstützung angerechnet. Im Jahre 1903 schränkte die Berliner Generalversammlung die Unterstützung insofern ein, als nur vollberechtigte Mitglieder der Organisation die unterstützung in der Höhe der Arbeitslosenunterstützung erhalten sollten, falls sie wegen der Maifeier ausgesperrt, gemaßregelt oder entlassen wurden. Dann kam das Jahr 1905 in sich der Kölner Gewerkschaftskongreß mit der Maifeier beschäftigte. Anschließend daran fand in Leipzig im gleichen Jahre die Generalversammlung des Metallarbeiterverbandes statt. Dieselbe nahm erneut Stellung zur Maifeier, sowie gleichzeitig zur Haltung der Delegierten des Metallarbeiterverbandes, welche auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß anwesend waren. Diese Generalversammlung erklärte sich mit der Haltung der Verbandsdelegierten in Köln nicht einverstanden und faßte gleichzeitig den Beschluß, den wegen der Arbeitsruhe am 1. Mai ausgesperrten, gemaßregelten und entlassenen vollberechtigten Mitgliedern die Maßregelungsunterstützung auf die Dauer von längstens 13 Wochen zu gewähren. Letzterer Beschluß bedeutet die Gewährung einer etwa doppelt so hohen Unterstützung für die Opfer der Maifeier, als dieses bei der ArbeitslosenunterFall war. Die Leipziger Beschlüsse hatten seitdem ihre Giltigkeit innerhalb der Organisation, bis nunmehr der Hamburger Verbandstag damit aufgeräumt hat. Man hat nicht nur diese Beschlüsse aufgehoben, sondern jedwede besondere Unterstützung der durch die Arbeitsruhe am 1. Mai ausgesperrten und entlassenen Mitglieder überhaupt. Für die Mitglieder des Metallarbeiterverbandes besteht fortab in diesem Falle lediglich die Arbeitslosenunterstützung, d. h. nicht in der Form der Verbandsbeschlüsse aus den Jahren 1901 und 1903, nach welcher den Mitgliedern eine Unterstützung in der Höhe der Arbeitslosenunterstützung vom 2. Mai an ausbezahlt wurde, sondern die Opfer der Maifeier müssen in Zukunft gleich den anderen Arbeitslosen zunächst eine Woche Karrenzzeit durchmachen und haben erst Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung vom Beginn der zweiten Woche an. Hinzu kommt, daß ihnen diese Unterstützung angerechnet wird bei der Gesamtsumme der Bezugsberechtigung, während dies nach den Beschlüssen der Verbandstage von Nürnberg und Berlin nicht der Fall war. Der ausschlaggebende Passus der in Hamburg angenommenen Resolution lautet: Die Generalversammlung kann deshalb den Mitgliedern des Verbandes die Beteiligung an der Arbeitsruhe am 1. Mai nicht zur Pflicht machen, überläßt es vielmehr jedem einzelnen Mitgliede, sich an ihr unter Beachtung der internationalen Kongreßbeschlüsse und Uebernahme aller sich aus der Arbeitsruhe am 1. Mai ergebenden Folgen zu beteiligen. In dem internationalen Maifeierbeschluß, auf den sich diese Resolution mit ungewolltem Zynismus beruft, heißt es dagegen: Der internationale Kongreß macht es sämtlichen proletarischen Organisationen aller Länder zur Pflicht, die Arbeitsruhe am 1. Mai anzustreben. Pah! Was sind internationale Kongresse! Die nehmen wir „nicht ernst“, sagt Schlicke. Besonders empörend müssen auch die besonderen Umstände wirken, unter denen diese Resolution zustande kam. Nach einem einleitenden Referat Reichels gelangte die Resolution sofort ohne Diskussion an eine Kommission. Als diese dann durch ihren Referenten, den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Severing, Bericht erstattet hatte, lief sofort ein Schlußantrag ein, durch dessen Annahme einer großen Anzahl Redner, die sich bereits gemeldet hatten, das Wort abgeschnitten wurde. Diese Praxis entstammt dem preußischen Abgeordnetenhaus und wurde bisher von den deutschen Arbeitern mit Recht als Gipfel der Nichtswürdigkeit gebrandmarkt. Nachdem man zunächst die„fremden" Berichterstatter und damit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen hatte, ging man dazu über, auch die Redefreiheit zu erdrosseln. So kam es, daß über die wichtige Frage der Maifeier von der stärksten deutschen Gewerkschaft eine tief einschneidende, ja eine die Schlagader der Maifeier durchschneidende Resolution angenommen wurde, ohne daß ein Delegierter zum Worte gekommen wäre. Die Parteipresse aber wurde mit fünf Zeilen über Reichels, und mit 0— in Worten: null— Zeilen über Severings Referat abgespeist. Die Tatsache, daß die Diskussion vor ihrem Beginn durch Schlußantrag erdrosselt wurde, wurde in dem offiziellen Bericht glatt unterschlagen. Das sind Vorgänge, so skandalös und empörend, daß die deutsche Arbeiterklasse im allgemeinen und die deutschen Metallarbeiter im besonderen alle Veranlassung haben, sich mit ihnen eingehend zu beschäftigen. Die bisherigen Metallarbeiter=Versammlungen haben sich mit den Ergebnissen der Hamburger Tagung für im höchsten Maße unbefriedigt erklärt. Bezeichnend ist folgender Laufzettel, mit dem die Verwaltungsstelle Düsseldorf ihre Mitglieder zur Versammlung einlud, um den Bericht von Hamburg entgegenzunehmen: Kollegen! In Hamburg sind eine Reihe von statutarischen Aenderungen vorgenommen worden. Die Berichterstattung in der Presse war zum Teil recht mangelhaft, es ist daher notwendig, daß kein Kollege fehlt. Daß die Verkrauensleute vollzählig vertreten sind, ist selbstverständlich. Hier müssen die Arbeiter ein deutliches Wörtchen sprechen und offen zum Ausdruck bringen, daß sie in der Politik, die die Verbandsleitung in der Frage der Maifeier— um nur von dieser zu sprechen— und der Behandlung der Parteipresse treibt, ein Zeichen höchst gefährlicher Schlappmacherei und dünkelhafter Ueberhebung erblickt. Deutsches " Ein neues Kompromiß in Sicht. Von oft gut unterrichteter Seite will das„Berliner Tageblatt“ erfahren haben, daß die Konservativen und das Zentrum an der Kotierungssteuer festhalten, zwar für Erleichterungen zu haben sind, aber darauf bestehen, daß für die Finanzreform ein Mantelgesetz geschaffen wird. Die Regierung soll dadurch gezwungen werden, der Kotierungssteuer zuzustimmen. In diesem Falle soll bei Zentrum und Konservativen die Neigung vorhanden sein, den Widerstand gegen die Erbanfallsteuer aufzugeben. Die oft gutunterrichtete Seite des„Berliner Tageblatts“ dürfte in diesem Falle kaum gut unterrichtet sein; denn die Vorlegung eines Mantelgesetzes dürfte nach Lage der Sache die Finanzreform als Ganzes zum Scheitern bringen. Auf der anderen Seite ist auch durchaus nicht zu erwarten, daß das Zentrum seinen Widerstand gegen die Erbanfallsteuer aufgibt. Schon wahltaktische Gründe sind es, die es dem Zentrum geboten erscheinen lassen müssen, an der ablehnenden Stellung festzuhalten. Aerzte und Versicherungsordnung. Der Vorstand des Leipziger Aerzteverbandes gibt in einer„Entgegnung“ die Erklärung ab, daß er trotz der im Entwurfe der Reichsversicherungsordnung geplanten„beispiellosen Entrechtung des Aerztestandes“ in seinen Direktiven und der am 23. Mai beschlossenen„Erklärung“— die von der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ bekanntlich heftig angegriffen wurde— nur den„die staatsbürgerliche und berufliche Freiheit des Aerztestandes vernichtenden Bestimmungen" entgegentritt, einen Aerztestreik aber ablehnt, und die ärztliche Behandlung der erkrankten Kassenmitglieder ausdrücklich gewährleistet wissen will. Er verurteilt den Versuch der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung", diese„Erklärung" durch Wegerztestand hinzustellen. Die Entgegnung schließt: „Der Vorstand des Verbandes bezweifelt nicht, daß von allen in Betracht kommenden Faktoren, insbesondere auch der Presse, bei genauer Prüfung des Entwurfes diese Verschleierung durchschaut und aus der nahezu einmütigen Stellungnahme der verschiedendsten ärztlichen Organisationen in allen Teilen des Reiches der Ernst der Lage und die unbedingte Notwendigkeit einer Aenderung des Entwurfes im Sinne der seit vielen Jahren vom„Deutschen Aerztetag" erhobenen Forderungen und von diesem gemachten positiven Verbesserungsvorschlägen anerkannt wird.“ Eine geborstene Reichsverbandssäule. Vor einer Reihe von Jahren wurde in Flensburg ein ev.=christlicher Arbeiterbund gegründet, der den freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie den Garaus machen sollte. An seiner Spitze stand bis vor einigen Wochen der Malermeister E. Nissen. Mitglieder dieses Vereins wurden Arbeitgeber, Lehrer, Rechtsanwälfe, Kaufleute, Pfarrer und auch eine Anzahl Arbeiter. Als der Reichsverband gegründet wurde, sorgte Nissen dafür, daß der ganze„Arbeiterbund“ Mitglied beim Reichsverband ward. Mit Hilfe von Geldern der Landesversicherungsanstalt erwarb der Arbeiterbund das größte Lokal, welches den freien Gewerkschaften und der Partei zur Verfügung stand. Die Sozialistentöterei ist dem Vorsitzenden, trotz aller Machenschaften und Vergünstigungen, schlecht bekommen. Vorige Woche verließ der Herr ohne Abschied Flensburg und nun ist der Konkurs über seine Hinterlassenschaft eröffnet worden. Die polnische Gefahr im Westen. Der Maulkorb, welchen die Regierung dem polnischen Proletariat im neuen Reichsvereinsgesetz aufgezwängt hat, scheint den rheinisch=westfälischen Industrie=Magnaten noch nicht zu genügen, auch nicht die im rheinisch=westfälischen Industriebezirke in Ueberfülle vorhandene Polizei. Wie aus Posen berichtet wird, wurden von dort vier Polizisten, mit Polizeikommissar Menzel an der Spitze, nach dem rheinisch=westfälischen Industriebezirk abkommandiert, um die dort fortschreitende Arbeiterbewegung unter dem polnischen Proletariat zu„überwachen". Die Polizeibeamten beherrschen perfekt die polnische Sprache, so daß sie wohl als Polen gelten könnten. Sie sollen„rettend“ für den preußischen Staat und die Industriebgrone eingreifen. Mit Ausnahmegesetzen und Polizei laßt sich jedoch auf die Dauer nicht viel ausrichten. Die Aufklärung des polnischen Proletariats schreitet trotz alledem rüstig vorwärts. Ein demokratischer Verteidiger der preußischen Polenpolitik. An der Spritztour süddeutscher bürgerlicher Parlamentarier und Journalisten, die kürzlich in das Ostmarkengebiet gemacht wurde, nahm auch der sogen. Demokrat Storz, Reich= und württembergischer Landtagsabgeordneter, teil. Ganz beglückt von dem, was ihm zur Verherrlichung der Antipolenpolitik gezeigt wurde, verspritzt er nun seine Begeisterung im„Neuen Stuttgarter Tageblatt“ und kommt nach intensivem Lobe all der preußischen Maßnahmen zu dem Schluß, daß gerade vom Standpunkt des Liberalismus aus im Prinzip die derzeitige preußische Ansiedelungspolitik zu unterstützen sei. Er betont, daß die freisinnigen Abgeordneten gut daran getan hätten, für den Sprachenparagraphen des Vereinsgesetzes zu stimmen. Storz ist ein sehr strebsamer Politiker und wenn er etwas mehr könnte und sich auf eine andere Macht zu stützen vermöchte, als sie die kleine demokratische Partei darstellt, so würde er es vielleicht noch zu etwas bringen. Eulenburg und Hammann. Berlin, 17. Juni. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen den Fürsten Eulenburg soll am 7. Juli ihren Anfang nehmen. Seitens der Staatsanwaltschaft sind 38 Zeugen geladen. Berlin, 17. Juni. Das Kammergericht hat den Antrag des Fürsten Eulenburg, die Kautionserhöhung rückgängig zu machen, abgewiesen. " Berlin, 17. Juni. Die Meineidsprozesse gegen den Fürsten Eulenburg und Geheimrat Hammann werden eine außerordentliche Schwurgerichtsperiode im Juli beschäftigen. Der„Hansabund“ und Kanzler Bülow. In der„Welt am Montag“ schreibt der frühere Reichstagsabgeordnete Hans v. Gerlach über die Demonstration im Zirkus Schumann u. a.: „Wenn einer an der Sonnabend-Versammlung seine Freude gehabt hat, so sicher Fürst Bülow. Ich werde mich natürlich hüten, zu behaupten, er habe sie arrangieren lassen. Das könnte ich ja nie beweisen. Aber wer sich die Namen der Hauptredner ansieht, der findet darunter diesen oder jenen Geheimen Kommerzienrat, von dem jedermann weiß: der Mann hätte nie das Wort ergriffen, wenn er nicht der„wohlwollenden Neutralität“ des Kanzlers sicher gewesen wäre. Viele Leute haben am Sonnabend in ehrlicher Entrüstung protestiert. Sie würden mit Recht empört sein, wenn man sie als Drahtpuppen der Regierung bezeichnete. Aber unter den eigentlichen Machern gibt es so manchen, von dem man nach allen früheren Erfahrungen voraussagen kann: pfeift die Regierung zurück, so läßt er sich zurückpfeifen. Man weiß, daß bei den Hottentottenwahlen von 1907 ein offiziöser Riesenwahlfonds eine große Rolle gespielt hat. Dieser Fonds ist in erster Linie von der Börse aufgebracht worden. Zugute kam er allen Blockkandidaten, den Börsenfeinden so gut wie den Börsenfreunden.... Wenn die Börsenmänner dumm genug sind, Konservativen und ähnlichen Leuten zur Wahl zu verhelfen, verdienen sie es, daß diese Macht sich gegen sie kehrt. Jetzt sammeln sie Geld, um die Konsequenzen ihrer Geldsammtlung von 1907 unschädlich zu machen.“ Das sind in der Tat interessante Enthüllungen. Ist richtig, was Gerlach schreibt, so haben wir ein prächtiges Stück politischer Nemesis vor uns und können mit dem Genuß reiner Schadenfreude zusehen, wie die Herren vom mobilen Kapital tief in die Taschen greifen müssen, um gegen die von ihnen selbst herangemästete Agrarierhorde einen Schutzwall zu schaffen— wenn nur nicht unter der Frechheit der Sieger von der Hottentottenwahl Millionen anderer und besserer Leute leiden müßten, als die Börsianer. Oberschlesische Die polnisch=nationale Partei hatte für Sonntag, 13. Juni, eine Versammlung unter freiem Himmel in Wieszowa(Kreis Tarnowitzl einberufen. Die Erlaubnis wurde einfach verweigert. Auf eine Beschwerde an den Landrat ging dem Einberufer am Tage vor der Versammlung nachstehender Bescheid vom Amtsvorsteher zu: „Auf Ihren Antrag vom 7. Juni 1909 betr. Genehmigung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel auf dem Grundstücke des Josef Mazur in Wieszowa erhalten Sie— gemäß§ 7 des R.=V.=G.— zum Bescheide, daß die Genehmigung versagt wird, da aus der Abhaltung der Versammlung Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. Die Tatsache, daß die Versammlung auf dem Grundstücke des als großpolnischen Agitator bekannten Josef Mazur abgehalten werden soll. sowie das in Wieszowa seit einiger Zeit in erkennbarer Weise zutage getretene Bestreben, die Bevölkerung für die Betätigung groß=polnischer Ideen zu gewinnen, die mit der Verfassung des preußischen Staates unvereinbar sind, rechtfertigen die Annahme, daß es sich bei der geplanten Versammlung nicht um in polnischer Sprache zu verhandelnde Arbeiterangelegenheiten, sondern um eine demonstrative Betätigung der oben erwähnten Bestrebungen handelt. Eine derartige national=polnische Demonstration in einer Versammlung unter freiem Himmel bildet nach Lage der Verhältnisse in Wieszowa eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit. Auf die Bestimmung im§ 14 Nr. 2 des R.=V.=G., wonach die Polizei befugt ist, eine nicht genehmigte Versammlung unter freiem Himmel auszulösen, sowie die Straf Gröbristickh Bin s 10 weise ich den Herrn Antragsteller noch Wearäabrng Länute mathrsich 2a5. Sottwald.“ Nach dieser Begrundung konnte naturlich jede mißbeliebige Versammlung einfach verboten werden. Aber selbst durch das ist die fadenscheinige Begründung st gedeckt, denn eine Gefahr für die Sicherheit kann, nach den 85.m###„ Zeratung des Vereinsgesetzes im Reichstag gegebenen Semexiaren, gur in einer direkten Gefährdung von Leben, Gesunoheit und Eigentum bestehen. Oder sollte etwa en die Ohren schlagene Finanzreform hatte eine große Erregung herorgeKonservaJunkern darf genau, daß in Deutscham werdeuß in Wieszowa die groß=pblnische Revolution erojinet rufen. Die war aber dadurch etwas gemindert worden, daß die Regierung mit dem Grundsatz gebrochen hatte, alles auf die zultern der Massen zu legen. Als die Vorlage eingeoracht Die Sklaverei unter deutscher Flagge. „Frankfurter Mihzrties Zeitung, brigst, einen Bripabrief aus Beit, reite Samoa zum#oorug, der wichlige Peirteilungen über die Ar sehr belasten, beiterverhältnisse auf dieser Südseeinseigruppe enthält und zu.(er“ Inschauungen der deutschen„Kulturpioniere“ kenngleich die Anschauungen der deutschen„Kultur deren rein persönliche Interessen das Reich allh. die enormen Summen des Kolonialetats aufbringen muß. In dem Briefe heißt es: „Die Händler und Pflanzer hier sind leider zum Teil Leute, die nur möglichst rasch, gleichviel auf welche Weise, reich werden wollen. Daher stammen dann Forderungen, welche mit der Idee deutscher Kultur in etwas reichlich schroffem Gegensatz stehen. Man verlangt, daß die Samoaner zur Arbeit gezwungen und daß Zwangspreise für die Arbeit festgejetzt werden sollen. Mir 0 Pannerx eeise gax die arpen senigeset, werhen sonen. kir persönlich scheint, daß schon die Chinesenwirtschaft schlimm enug ist, und daß man wenigstens das unendlich gutmütige genug und harmlose Völkchen der Samoaner mit den brutalen Methoden eines modernen Sklavereibetriebs verschonen sollte. Aber die Regierung hat hier einen schweren Stand. Nicht nur in australischen, sondern auch in deutschen Zeitungen wird sie jetzt energisch angegriffen, weil sie das Interesse der Sklavenhalter nicht genügend schutzt. Die Chinesenwirtschaft ist leider notwendig wegen der Konkurrenz.(?) In Fitt haben die Engländer ein entsprichendes Systenz zuerst eingeführt mit indischen ###s, und wenn die hiesigen Pflanzer nicht zugrunde gehen fouren, mußren sie eine entsprechende Einrichtung haben. Man meldet also wenn ein Chinesentransyart heyorstaht*# er also, wenn ein Ehinesentransport bevorsteht, bei der Regierung an, daß und wieviel Chinesen man zu haben wünscht. Zugleich zahlt man ein gewisses Kaufgeld für den Transport. Die Leute, die man so bekommt, sind aufs Geratewohl in China bereits nummeriert, so daß das Engagement für beide Teile sozusagen Glücksspiel ist. Meist ist es Gesindel, das von chinesischen Gefängnisdirektoren oder Generalen vermittelt bezw. „Einzelne sind aber ganz gut, und sie sind dann, sie an einen rohen P#stanzer kommen, wirklich zu bedauern. Patürlich, fragt niemand, für welche Arbeit sie geeignet sind. bis Ziesem Punitgitne.5. der Praxis sind die Dinge Anstsszagt is noch nitzt gar so schlimm. Das einzige wirklich Anstoßige für den, der mitten aus deutscher Kultur Antizgden kommt, ist vielmehr die Prügelstrafe. jever Zeiße, dem einige Chinesen übergeben sind, hesiesfecbt he eine urbeizer in Apia veim Chincsenkommissariat mittelenrengiigen und aues ohne Richterspruch, läßt sich mit mitleleuropaischen Begriffen von menschlicher Gesittung nicht gut vereinigen. Natürlich ziehen viele Pflanzer die praktischen Konsequenzen und prügeln selbst. Das kommt ihnen oft teuer zugstegen; deng der Chinese ist nicht ohne Rechtsbewußtsein, sekrch alle Pflanzer sind schon aus Rache von ihren aufgebrachten Chinesen meyr oder weniger grundlich krank geprügelt worden.— Die Schuld an diesen Zuständen liegt aber Röilae Teil guch an, den Pflanzungsgesellschaften, welche auf ihre Pilunzungsleiter drücken und von ihnen Leistungen verlangen, . nur mit den äußersten Mitteln möglich sind. Neuerdings wurde für die chinesischen Strafgefangenen, welche jetzt als Samganischen Deitungist werden, in der F#ren Seuzung der Vorschlag gemacht, die Arbeitertolonnen sollten an Privatleute vermietet werden. Dann würde man dafür sorgen, daß die Chinesen die Arbeit auch wirklich als Strafe empfänden, was jetzt nicht der Fall sei.(!) Ich muß ganz ehrlich gestehen, daß ich im Zweifel bin, ob das Pochstum an Reichtum und Macht, das ein Volk durch seine reichen läßzt, im Verhästn;s sich nur auf so brutale Weise erVerhalnis steht zu der moralischen und ethischen sind ober die Verhätnisse Leider turxenz Naut piel zu öndern; wegen der angelsächlischen Konkurxenz nicht viel zu ändern.“ Das sind ja sehr erbauliche Eröffnungen. Die Regierung wird angegriffen, weil sie das Interesse der Sklavenhalter nicht genügend schütz; und dabej wirkt sie doch in aller Form beim Pundel mit chinesischen Skaven mit, ja„organisiert ihn und hallen deznzze mittiss zwischen Sklavenlieferant und SklavenStlavenhastet st gi die„Schergen, die auf Wunsch des verabreichen.2 aig Stlaven die verlangte Quantität Prügel das System, das vor fünfzig Jahren in den nordgmegikgzischen Sklavenstaaten üblich war und das wi.PTaigz ist bagrstränbenz=so aufreizender Weise geschilbert Beschiaragirguvend; aber was kümmert es die was die deutsche Kapitalistenklasse, daß in der sondern geszröget wirds Eirphase Jorm nicht nur geduldet, genbern gefordert wird,“„Ter, haven es herrlich weit gebracht in und mit unsrer Kolonialpolitik. England. ac. Ein wöchentlicher Ruhetag für Schutzleute. Bei der Becatung des Budgets für das Ministerium des Innern teilte der Staatssekretär Gladstone mit, daß für die Schutzmannschaften ein wochentlicher Ruhetag eingeführt werden solle. Das würde shrfich törfa s nR 1500 neuen Beamten notwendig machen und illionen Mark Mehrkosten erfordern.— Man varf, namentlich den Londoner Policeman diesen Ruhetag schon gönnen. Sie haben einen schweren Dienst, müssen dem Pubda tikum stets helfend und stützend zur Seite stehen, den Verkehr zeligzsp. Wer je Londoner Schutzleute be usw. Wer 1e Tunrggeg. Schugleute bei ihrer Arbeit gepie wenn sie d., gxpegerggggustrationen durch die sorgen, daß d: r stalter sund seien averlagplungen dafür „, ß#e Veranstatter, iun##eien es auch Sozialisten oder unarcisten) unvehenligt bleiben, der hat die Empfindung, daß die englischen Schutzmänner eben für das allgemeine Publikum tätig sind, was man von ihren deutschen Kameraden nicht immer sagen kann. „ ac. Der soziale Pfarrer. In Grellingen, Kanton Bern macht sich seit einiger Zeit der katholische Pfarrer Wilheim Degener bemertbez der Unternehmer und Meister sehr unliebsam U. a. werden iym folgende Sünden vorgeworfen: Eer seshse Ne Hel zengen.u volischen Bählersten misbrach. Es ntek##tigen Geistlichen, die„sozial“ wirken wollen. enistand in Grellingen ein christlich=sozialer Arbeiterverein kam zu einer Lohnbewegung, die vom Pfarrer geleitet Bärke: sstußz, war das Maß voll, die Unternehmer beschwerten der Regierung und diese eilte ihnen auch sofort zu Hilfe, von beinend ir Appellationshofe die Abberufung des Pfarrers ga Fen. Amte beantragte.— Mit Recht, denn wie kommt so ein Pfarrer dazu,„sozial“ wirken zu wollen. wurde, wurde das Lied von der Sparsamkeit gesungen. Bisher sei aber nichts von der Spar amkeit zu merken gewesen. Es sei unzweifelhaft, daß die Erhebung direkter Steuern mit der Reichsverfassung wohl vereinbar sei. Es sei nun auch an der Zeit. direkte Steuern einzuführen, welche die Massen nicht so sehr belasten, wie die indirekten. Er kommt dann auf die ablehnende Haltung der Agrarier gegenüber der Nachlaßsteuer zu sprechen. Es sei unwahr, daß der Bauernstand durch die Steuer zugrunde gerichtet würde, die meisten Landwirte würden gar nicht durch die Nachlaßsteuer getroffen. Die anderen Einwande der Agrarier, wie daß die Steuer den Familiensinn zerstöre, seien erst recht Phrasen. Die Agrarier wollen eben nicht Steuern zahlen. Dazu käme noch, daß sie, wenn auch meiner Ansicht nach mit Unrecht, fürchteten, daß die Annahme der Nachlaßsteuer eine liberale Aera herbeiführen würde. Dann haben sie Furcht, daß durch die Nachlaßsteuer ihre Steuermogeleien aufgedeckt werden. Die Freisinnigen waren bereit, den Agrariern bei der Erbschaftssteuer entgegenzukommen, oder statt dessen für eine Reichsvermögenssteuer einzutreten. Es ist gesagt worden, der Wohlstand des Volkes würde durch die Nachlaßsteuer ruiniert, aber in anderen Ländern wird eine viel höhere Nachlaßsteuer erhoben, zum Beispiel in England etwa das zwanzigfache, ohne daß derartige Nachteile eintreten. Die Regierung habe die Nachlaßsteuer nicht energisch genug vertreten; sie hat sie recht schlecht verteidigt, so daß die Nachlaßsteuer in der Kommission abgelehnt wurde. Die Rechte hat weder bei der Nachlaßsteuer noch bei der Beratung über die Branntweinliebesgabe der Linken gegenüber Entgegenkommen gezeigt. In der Frage der Liebesgabe fand die Rechte Unterstützung beim Zentrum, das früher gegen die Liebesgabe gekämpft hat. Der Redner schildert dann die bekannten Vorgänge in der Kommission, die zum Auszuge der Linken geführt haben. Er begreife nicht, daß die Herren, die so leichtfertig Gesetzentwürfe einbrächten, wie dies in der Kommission geschehen sei, nicht einsehen, wie stark sie die Würde des deutschen Reichstages schädigten. In der Subkommission hat man sich wochenlang mit der Frage beschäftigt, wie man die Tabaksteuer so gestalten könnte, escie beace den aicie eisige a. ie Kehschae Das darf man natürlich nicht, sondern man muß einen Kampf führen. Die Junker werden erst nachgeben, wenn sie überhaupt nicht mehr existieren können. Es kommt gar nicht im einzelnen auf die Art der Steuern an. Da muß man erkennen, die Junker wollen nicht zahlen. Steuerfragen sind eben Machtfragen. Wenn es nach der Gerechtigkeit ginge, so könnten Steuern wie die Salz= und Brotsteuer nicht besteh die Sulz- und Brossteuer nichlbestehen, dann dürfte es nur Einkommen=, Vermögens- und Wertzuwachssteuer geben. Die Junker sind gewohnt, die Macht in Preußen und Deutschland zu haben. Deshalb wollen sie nicht zahlen. Sie sind die Herren, die das Steuernzahlen als etwas Untergeordnetes ansehen. Es muß die Frage aufgeworfen werden: Was nun? Wir sind ja hier ganz speziell an dieser Frage interessiert. Es ist zweifellos, wenn die Tabaksteuer angenommen wird, so bedeutet das geradezu eine Katastrophe für Minden=Ravensberg. Man braucht nur aufs Land zu gehen und zu sehen, wie fast in jedem Hause der Tahak herrscht. Ich halte es für ein großes Verbrechen der preußischen Regierung, daß sie einen Landesteil, der jetzt 360 Jahre mit Preußen verbunden ist, nicht vor einer derartigen Katastrophe schützt. Die Taktik unseres Reichstagsabgeordneten Seyering wird dahin gehen, alles zu tun, um die Tabaksteuer zu Fall zu bringen. Daß die Sache so schlimm geworden ist, liegt daran, daß die Liberalen die dargebotene Hand der Arbeiterschaft immer wieder zurückgewiesen haben so z. B. bei den Landtagswahlen. Vorher hat in diesem Saale Herr Potthoff eine schöne Rede gehalten. Die Freisinnigen haben sich hier ja auch bereit erklärt, für einen Sozialdemokraten zu stimmen. Sie hätten aber auch die Nationalliberalen veranlassen müssen, nur solche Wahlmänner aufzustellen, die auch für uns stimmten. So ist es gekommen, daß hier in einem Wahlkreis, wo 600 linksstehende Wahlmänner 450 rechtsstehenden gegenüberstanden, zwei Konservative und ein Freisinniger gewählt worden sind. Hätten sich die Liberalen auch in anderen Wahlkreisen der Arbeitervartei gegenüber anders verhalten, so wäre die Zusammensetzung des Landtags eine andere. Wenn die Liberalen mit der Sozialdemokratie zusammengehen wollten, dann wäre eine liberale Aera noch möglich. Wollen sie das aber nicht, so wird ihnen auch ein Techtel=Mechtel mit den Nationalliberalen nichts nützen. Genosse Schreck meint, daß die äußerste Linke der Liberalen daß man die Interessenten nicht schädigte. Aber die Rumpf=1miekurs“#######er# gPretuten kommission ist in wenigen Stunden mit der Tabaksteuervorlage### mit für die Steuerlu## herantwortlich ist, die Liberalen hätten in fertig geworden. Pegelung ist auch danach; so, daß alle In- unvexantwortlicher Weise für Ausgaben ferlg geworden., Die wegelung zst auch danach; teressenten darüber entrüstet sind. Der Redner kritisiert dann die übrigen Steuervorschläge der Rumpfkommission. Gegen die Beschlüsse der Rumpfkommission hätte sich in weiten Kreisen, auch von konservativer Seite, Widerspruch erhoben. Die Wertzuwachssteuer dürfe den Gemeinden nicht genommen werden. Die neuen Vorlagen der Regierung seien keine wirkliche Belastung des Besitzes. Von den Konservativen und auch von Bülow sei den Freisinnigen der Vorwurf gemacht worden, daß sie nicht genügend Entgegenkommen gezeigt hätten; er glaube, daß man schon zuviel entgegengekommen sei. Das Verhalten der Konservativen scheine ihm ein Versuch zu sein, den Westen Deutschlands vom Osten her zu schurigeln. Ich hoffe, daß sich das Bürgertum des Westens dies nicht wird gefallen lassen. Die Junker hätten behauptet, es sei eine liberale Aera zu befürchten. Das halte er für ausgeschlossen. Aber die„Kreuzzeitung“ habe sich verplappert und zugestanden, daß die Furcht vor einer Aenderung des preußischen Wahlrechts mit der Beweggrund für das Verhalten der Agrarier sei. Eine Wahlrechtsunverantwortlicher Weise für Ausgaben gestimmt, ohne, vorher für Deaung zu sorgen. Das Entgegenkommen der Liberalen wäre wahrscheinlich noch weiter gegangen, wenn die Konservativen nicht des lästigen Zusammengehens mit den Liberalen müde gewesen wären. Trotz aller Proteste gegen die Tabaksteuer hätte der freisinnige Abgeordnete Mommsen für das Tabaksteuerkompromiß gestimmt. Bisher, so lange es sich nur um die breiten Massen handelte, haben wir von einer Protestaktion der Liberalen nichts gehört. Erst jetzt, wo es sich um ungerechte Steuern handelt, die das mobile Kapital belasten, rühre man sich. Die Freisinnigen hätten in der Kommission an den indirekten Steuern mitgearbeitet. Daher habe man bei der Protestaktion das unangenehme Gefühl, daß man sich auf die Freisinnigen nicht verlassen könne. Man sehe überall, wie wenig von demokratischem Empfinden unter den Libera####n vorhanden sei. Ueberall ein Entgegenkommen. Sie seien froh, wenn ihnen von oben die Hand gedrückt oder gar ein Orden verliehen wird. Die Arbeiter wären bereit, die Liberalen zu änderung werde kommen, sie sei von der Krone versprochen unterstützen, wo sie für Volksrechte eintreten wie das schon im Manifest vorgezeichnet ist. Aber die Liberalen worden. Allerdings dürfe man sich mit einer Wahlrechtsänderung, wie sie die Regierung plane, nicht begnügen. Der Redner weist darauf hin, daß diesmal die Nationalliberalen mit in der mit Opposition ständen. Er schließt Einigkeit unter den Liberalen. In der Diskussion nahm als erster Redner Genosse Hoffmann das Wort: Ich fühle mich hier eigentlich nicht ganz am Platze. Der Redner hat sich ja an die Nationalliberalen gewandt und die Hoffnung ausgesprochen, daß das Zusammengehen aller Liberalen anhalten werde. Es ist nun die Frage: Was ist damit gewonnen? Selbst wenn man die Nationalliberalen zu den Liberalen rechnet— meiner Ansicht nach sind nur einige Liberale darunter—, selbst wenn also ein Zusammengehen mit ihnen zustande käme, so sehe ich nicht ein, wie damit liberale Politik in Deutschland getrieben werden könne. Denn es würde auch dann kommunistischen treten ja nicht für Volksrechte ein, sondern oft beseitigen sie gar solche, wie jetzt z. B. in Kiel. Soll eine energische Protestbewegung einsetzen, dann müßten von unten her aus den Reihen der Aufforderung zur der liberalen Wähler eine Bewegung einsetzen, um den Abgeder aussorbetung dut## ordeten das Rückgrat zu steifen. Eventuell müßten die jetzigen jetzigen „Nyux inirgste Abgeordneten durch andere ersetzt werden. Herr Cremer hält es nicht für möglich, ohne indirektSteuern den Staatsbedarf zu decken. Die Verhältnisse der Arbeiter hätten sich in den letzten Jahren gebessert. K“ Liherale Genosse Hoffmann: Wenn vie Liberalen überhaupt für indirekte Steuern eintreten, dann sind sie nicht liberal. Steuern auf den Luxus bringen nichts ein. Der Sozialdemokratie ist so viel vorgeworfen worden, daß sie gegen Champagner= und Automobilsteuer gestimmt hat. Hat es denn einen Sinn, das Einkommen zu besteuern, wo es ausgegeben wird? Ist es denn besser, wenn jemand nach Monaco fährt und dort sein Geld verGartischland eine lihergle Mwehrheit. E scht vorhanden sein spielt? Die indixekten Steuern auf„Massenverbrguchsartikel in Deurschland eine tiberate Meyrheit noch nicht vorhanden sein. s sind verderblich. Sie treffen auch das Eintommen, aver sie sind Ohne die Arbeiterschaft ist eben ein Kampf gegen das ostelbische) Steuern auf die Not und das Elend. Warum wird nicht einfach Junkertum nicht möglich. Ich bin in Uebereinstimmung mit dem Redner der Meinung, daß man nicht in der Vergangenheit herumstochern soll, aber die Gegenwart hat doch als Grundlage die Vergangenheit, und soweit muß die Vergangenheit in die Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 18. Juni. Protestversammlung gegen die Steuervorschläge des polnisch=klerikal=konservativen Kartells. Landtagsabgeordneter Lorenz eröffnete die Versammlung. Er nahm Bezug auf die von 18000 Personen besuchte Versammlung in Herford, wo die Volksmassen dagegen protestierten, daß ihnen durch die Politik der Regierung ihre Existenz genommen Er fordert auf zum Protest gegen die neuen Steuern, die Ar“: Mitt lst rd treffer.. Betrachtung gezogen werden. Ich weiß ganz gut, daß uns viele Vorwürfe gemacht werden, und ich bin der letzte, der glaubt, daß sie alle ganz unberechtigt sind. Auf jeden Vorwurf aber, der uns gemacht wird, können wir den Liberalen mit einem halben Dutzend antworten. Ich will daran erinnern, daß in Berlin erst vor kurzem durch die Kassierung der sozialdemokratischen Mandate von den Freisinnigen in ganz zweckloser Weise Grund zum Haß zwischen Freisinnigen und Sozialdemokraten gegeben worden ist. Wenn Sie wirklich den Erfolg haben, daß mein Namensvetter seinen Sitz verliert, was ist denn damit für Sie gewonnen? Bei entscheidenden Abstimmungen werden wir och mit den Freisinnigen stimmen müssen. In dem preußischen andtags hanhelt, es sich doch nicht um Abstimmungen über die ven Anschli sozialigische Geseuschaft, sondern um Abstimmungen über Schule mit dem Hi und Kirche, um den Kampf gegen den gemeinsamen Feind, gegen 1 fremde Ma die preußischen Junker. Etwas derartiges müßte vor allem unterbleiben, wenn man eine liberale Aera herbeiwünscht. Nach den Ausführungen des Referenten hofft man gar nicht auf eine liberale Aera. Dann weiß ich aber nicht, warum Herr Schepp eigentlich hier ist. Eine jede Partei muß doch wenigstens den Willen zur Macht haben. Im allgemeinen kann ich gegen die Rede des Herrn Schepp nichts einwenden, was ich daran auszusetzen habe, ist, daß er sie so mit Kleinkram belastet hat, auf den es gar nicht ankommt. Die Steuern der Rumpfkommission können gar nicht schlimmer sein, wie die bestehende Brot= und Salzsteuer. Der Referent hat sich über die leichtfertige Steuermacherei der Rumpfkommission beklagt, weil dieser kleine Versehen unterlaufen sind. Die Rumpfkommission hat für die von ihr vertretenen Parteien sehr gut gearbeitet. In Deutschland be; der Kaiser immer noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Deshalb kam es der Rumpfkommission darauf an, dem Kaiser zu zeigen, daß sie imstande ist, die Finanzreform schnell fertig zu machen, während Bülow, der sie mit den bösen Liberalen machen will, dies nicht kann. Damit ist zweifellos auf der politischen Hintertreppe gearbeitet worden. Ich habe seinerzeit schon Neumann=Hofer vorausgesagt, daß die Liberalen die Steuern der Reichsfinanzreform zu schlucken versuchen würden. Die Liberalen haben sich durch die Blockwahlen in die Hörigkeit der Junker begeben. Sie haben ihnen durch diese eine solche Position verschafft, daß sie sowohl mit dem Zentrum wie mit den Liberalen eine Mehrheit bilden können. Es ist ja ein Unsinn, daß der Industriestaat Deutschland durch die Agrarier beherrscht wird. Aber die Liberalen haben dazu beigetragen, die Macht der Ostelbier zu stützen. So haben sie es 1902 an der das Einkommen besteuert? Weil Steuerfragen eben Machtfragen sind. Der Freiherr v. Stumm mit einem Einkommen von Millionen hat, weil er nur eine Tochter hatte, viel weniger an Salzsteuer zu zahlen, wie ein Arbeiter mit 6 Kindern. Wenn Sie die Protestaktion damit einleiten, daß Sie erklären, indirekte Steuern müssen auch sein, so werden Sie schon von den Junkern auf den Leim geführt werden. Ich will zugeben, daß die Tabaksteuer insofern eine Luxussteuer ist, als der Tabak nicht unbedingt zum Leben notwendig ist; aber das ist gerade das Bedenkliche, weil infolge der Einschränkung des Konsums die Produzenten schwer leiden würden. Auf dem letzten westfälischen Städtetag, auf dem wohl meist Liberale anwesend waren, habe ich vorgeschlagen, eine Resolution gegen die Tabaksteuer anzunehmen. Da habe der lebenslängliche Oberbürgermeister Schmieding sich dagegen gewandt, das wäre Politik. Die Liberalen wollen eben immer entgegenkommen. Deshalb haben sie den Anschluß versäumt. Der Oberbürgermeister Kirschner, der m H u t e i n d e r H a n d a m B r a n d e n b u r g e r T o r e s t e h t, w e n n Majestäten kommen, aber dann nachher nicht ins Schloß hineingelassen wird, ist ein Bild vom Schicksal des Liberalismus. Landtagsabgeordneter Lorenz: Ich kann bestätigen, daß die Liberalen flau gewesen sind. Vieles, was Hoffmann und Schreck gesagt haben, ist zu unterschreiben. Ich möchte wünschen, daß auch die Liberalen manches davon mit nach Hause nehmen. Nun erhält Landtagsabgeordneter Schepp das Sch ansommt. Die Steuern der Runpfsgnmissioß liberalen haben wenn sie, wirflich sbergl wären. Er ist der Meinung, daß die Sozialdemotratie bei dem Zoutarif der Annahme die Wege geebnet habe dadurch, daß sie für den Antrag Trimborn gestimmt habe. Wenn die Liberalen mit den Sozialdemokraten zusammengehen sollten, so müßte sich vor allem die Sozialdemokratie ändern. Bei der Tabaksteuer sei es unbedingt notwendig, auf die sozialen Verhältnisse Rücksicht zu nehmen, in der von der Rumpfkommission angenommenen Form dürfe die Tabaksteuer nicht Gesetz werden, seine Freunde würden dagegen stimmen. Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute in Remkes Saal tagende zahlreich besuchte Protestversammlung erhebt Widerspruch gegen die von der Rumpfkommission beschlossenen Steuern, welche geeignet sind, weite Kreise des deutschen Volkes schwer zu belasten und zu schädigen. Sie erwartet, daß der Reichstag nach wie vor dafür sorgen wird, daß eine wirkliche erträgliche Besitzsteuer eingeführt wird.“ ** Genosse Schreck hatte in seinen Ausführungen u. a. auch behauptet, daß die Freisinnigen für die Radfahrsteuer gestimmt nötigen Opposition fehlen lassen. Sie haben den energischen hätten, eine Behauptung, welche die Herren Lorenz und Schepp ildemokraten mit Hilfe einiger Liberaler sofort bestritten. Genosse Schreck sendet uns nun folgende Erwie Barth und Gothein gegen den Zolltarif geführt haben, nicht 1klärung: ei Wahlen haben sie immer wieder die Agrarier].„Ich erkenne unumwunden an, daß ich mich gestern abend daß er bast Kumkertuen Ferämapste m der Debatte in der liberalen Versammlung darin geirrt, beße, die Arbeiter und den Meittelstand treffen wurden. Mit *— Freie Volksbühr müssen die Mitglieder für Nichtmitglieder sir zu haben. Beginn des gem Wetter findet das — Arbeiter=Jugen sammenkunft auf der um 4 Uhr in„Stadt ihren Stolz darin erb — Die„Arbeiter=J bureau in Empfang zu — Diskutier=Klub. wurde der Bericht für wir folgendes entnehm im Buchdruckgewerbe, Wechsel, Zinsen, Börst Rechtsfragen, Neuersch 8 Tage im Irrenhau berg, Philosophie un Warenhäuser, Ignatz Geschichte, Streifzüge Die Zahl der Vorles gebieten belief sich auf Vortragszyklus des G lung" teil. Der Vereidie Bildung seiner 2 Arbeiterbewegung; get Wie fruchtba Wenn man — Arbeiter= Scha welche zugleich Mitgli sind dies die meisten— das Konzert morgen Schluß noch den Schal — Ziegenzuchtverei fand eine Versammlun Umgegend statt. Es Zuchtvereins beschlosse 30. Juni auf 1 Mark, nächste Generalversamt mittags 4 Uhr, bei W dieser Versammlung Gadderbaum und Umg — Bielefelder Son uns geschrieben: Heute mit durchschlagendem E statt. Morgen gelangt „Sie weiß etwas“ zum "— Der große Hage den Morgenstunden hier Wagenpark nach dem s und schon in wenigen S Augen des Publikums er Sonnabend abend 8¼4 1 — Unglücksfall. G vollgeladener Steinwag Hoberge die Wertherst gerade dabei, die Brei liefen vor dem Wagen! jährigen einzigen Tö wohnenden Arbeiters kam dies zu Fall und über beide Füße gefahr auf der Treppe und sah Plerde an, aber schon findes gegangen. Die Wagen weg. Dem Kne beigerufene Arzt Dr. konnte aber noch nicht halten werden können,! lich bleiben dem Kinde S. Gütersloh. Gew.=K. Lage. Soz. Verein. Erfurter Progi Kreisvorstand w sein. Lübbecke. Soz. Vere Bielefeld. Soz. Ve bei Kaiser, Mül — Gewerbegeri in„Stadt Bieles — Allgemeine K Metallarbe Bielefeld“, Mark Sieker=Stieghorst. S# krug„in Ubbedi Wirt Niestrath. Schildesche. Ausflu liche Spiele und morgens 6 Uhr 12 und 1 Uhr mit ihren Fraue sich zahlreich an Hunnebrock. Arb.= 3½ Uhr bei Gas Rahden. Arbeiter 3½ Uhr. Die Südlengern. Soz. V Tiemeyer,„Elser Kirchlengern. Soz. B am 27. Juni stat S oz.V 27. Juni verschob Stadthagen. S Zur Tarifbei Nachstehend veröffent feld des Deutschen Tarifvertrag, der im Lo zur Anerkennung vorg Zwischen der unter Bielefeld des Deutscher der unterzeichneten F Tarifvertrag vereinbar 1. Die Arbeitszeit außer Sonnabends, ab Arbeitszeit abends um 2. Die Akkordlöhne erkennung des Minime die Sorten: 8. Der vereinbarte pro Mille verstehen sie schnittener und getrockn und mit der Rippe au Deckblatt erhöht sich der Beschaffenheit der Tal 2½ Pfund, Vorstenlan bis höchstens 5 Pfund 4. Bei Verwendung um 1 Mk. und bei Me um 1,50 Mk. pro Mil 5. Den beschäftigter Lohnaufschlag, mindeste 6. Die Lohnzahlung 7. Die Firma liefer ser den KonservaDen Junkern darf in ganz genau, daß in, um in Deutschlen, wenn Handel zirklich ausnutzen, ehr bestehen. Die den Konservativen. muß einen Kampf senn sie überhaupt nicht im einzelnen ennen, die Junker ben Machtfragen. nten Steuern wie in dürfte es nur teuer geben. Die und Deutschland sind die Herren, etes ansehen. Es in? Wir sind ja Es ist zweifellos, deutet das geradez. Man braucht st in jedem Hause roßes Verbrechen ndesteil, der jetzt vor einer derartikeichstagsabgeordn, um die Tabakschlimm geworden botene Hand der iben so z. B. bei Saale Herr Potten haben sich hier aten zu stimmen. ranlassen müssen, ür uns stimmten. eis, wo 600 linksüberstanden, zwei den sind. Hatten en der Arbeite:Zusammensetzung mit der Sozialire eine liberale t, so wird ihnen lliberalen nichts nke der Liberalen beralen hätten in imt, ohne vorher n der Liberalen in die Konservat den Liberalen egen die Tabakmmsen für das ange es sich nur n einer Protest, w o e s s i c h u m Kapital belasten, der Kommission er habe man bei aß man sich auf ehe überall, wie 1 Liberasn vorSie seien froh, gar ein Orden die Liberalen zu die das schon im er die Liberalen beseitigen sie gar gische Protestbeaus den Reihen um den Abgeßten die jetzigen , o h n e i n d i r e k t e hältnisse der Arrt. n überhaupt für liberal. Steuern demokratie ist so gner= und AutoSinn, das Ein? I s t e s d e n n t sein Geld vererbrauchsartikel en, aber sie sind ird nicht einfach en eben Machttem Einkommen ter hatte, viel iter mit 6 Kinleiten, daß Sie verden Sie schon sch will zugeben, t, als der Tabak das ist gerade des Konsums die ten westfälischen nd waren, habe tbaksteuer anzuverbürgermeister litik. Die Libeshalb haben sie r Kirschner, der Lore steht, wenn richt ins Schloß des Liberalisbestätigen, daß Hoffmann und nöchte wünschen, Hause nehmen. as Schlußwort: den Nationalen. Er ist der Utarif der Anfür den Antrag mit den Sozialvor allem die lei es unbedingt zu nehmen, in Form dürfe die würden dagegen n angenommen: hlreich besuchte n die von der e geeignet sind, belasten und zu ach wie vor daBesitzsteuer ein1 u. a. auch besteuer gestimmt enz und Schepp n folgende Ergestern abend rin geirrt habe, dnetenhause für daß namentlich abgabe gewirkt C. Schreck.“ müssen die Mitalieder: Zu dem Konzert am Sonnabend abend zür Richtmitzliet„ ihre Mitgliedskarten mitbringen. Karten iu haben K.:: sind an der Kasse zum Preise von 30 Pfg. ganl beginn des Konzerts präzise 8½ Uhr. Bei ungünstig.m Wener findet das Konzert im Saale statt. "— Arbeiter=Jugend. Sonntag, nachmittags 2½ Uhr, Zuam 2- Uihr in.. Jt Rhiens De ungünstiger Witterung hren Staf.*„Staut,Jielefeld.„Die arbeitende Jugend muß Wern Sitiz darin erblicken, neue Teilnehmer„u werben. bureau in Empfang zu nehmen. In der Versammlung am Montag für das Vereinsjahr 1908/09 gegeben, dem im Guchdruckgewerbe.“ Her a wurden gehalten: Die Kunst Hamburger Gewerkschaftskongreß, Zinsen, Börsen und ihre Bedeutung, Rechtspflege und Rechtsfragen, Neuerscheinungen auf dem Gebiete der Malerei, Irrenhaus als Pfleger, Der Parteitag in NürnWarenhäuser, Janatz.P Religzion, Die Internationale, Die auer, Die Zeitung, ihre Entstehung und Stresßzüge auf dem Gebiete der Nationalökonomie. Horlesungen aus den verschiedensten Wissensgebieten velief sich auf 18. Außerdem nahm der Verein an dem des Genossen Hoffmann über„Kultur=EntwickVerein wird auch in diesem Jahre bestrebt sein, die Rüdung seiner mugnieder zu vertiefen zum Besten der Krernerbewegung; getreu seiner Devise: Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn wohl zu pflegen weiß. Arbeiter=Schachklub Bielefeld. Diejenigen Mitglieder, zugleich Mitglieder der Freien Volksbühne sind— es sind dies die meisten— werden darauf aufmerksam gemacht, daß weert gnorgen abend. früh geaug zu Ende ist, um nach Schluß noch den Schachavent wahrnehmen zu können. Gand„iiesszetrein Gadderbaum. Am Sonntag, 23. Mai, sammlung der Ziegenhalter von Gadderbaum und wurde einstimmig die Gründung eines Zuchtvereins beschlossen. Das Eintrittsgeld wurde bis zum auf 1 Mark, vom 1. Juli auf 2 Mark festgesetzt. Die nächste, Generalversammlung findet am Sonntag, 27. Juni, nachLieser 5# Uhr, bei Wirt Sewing, Gütersloherstraße, statt. Zu A versammtung ladet der Verein die Ziegenhalter von Gabverbaum und Umgegend nochmals ein. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uus geschrieben: Heute abend findet eine letztmalige Aufführung des mit, durchschlagendem Erfolg gegebenen Lustspiels„Im Klubsessel“ Moigen gelangt als Volksvorstellung der amüsante Schwank „Sie weiß etwas“ zum 2. Male zur Aufführung. .„Der große Hagenbecksche Sonderzug trifft Sonnabend in ven worgenstunden hier ein, worauf sofort der große Tier= und Wagenpark nach dem Kaiser=Wilhelms=Platz transportiert wird, und schon in wenigen Stunden werden sich die Riesenzelte vor den Augen des Publikums erheben.— Die Eröffnungs=Vorstellung findet Sonnabend abend 8¼ Uhr statt. ### Unglücksfall. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr kam ein Leugelabener Steinwagen des Steinbruchbesitzers Spilker aus Wertherstraße heruntergefahren; der Knecht war gerade dabei, die Bremse festzuziehen. Dort spielende Kinder n vor dem Wagen her, ein achtjähriger Knabe gab dem fünfwohnenden Rrbesters ochterchen Frida des Wertherstraße 91 am 8 ce gall und Gestermann einen Stoß. Infolgedessen lum dies zu Fau und wurde von dem Vorderrade des Wagens über beide Fuße gefahren. Die Mutter stand vor dem Hause auf der Treppe und sah den Unfall. Der Knecht hielt sofort die Pferde an, aber schon war das Vorderrad über die Füße des Mwggen gegangen. Die Mutter selbst holte ihr Kind unter dem Wagen weg. Dem Knechte trifft keine Schuld. Der sofort herbeigerufene Arzt Dr. Landwehr legte einen Notverband an, konnte aber noch nicht feststellen, ob dem Kinde die Füße erhalten werden können, da die Geschwulst zu groß war. Hoffentlich breiben dem Kinde die Füße erhalten Versammlungen. Sonnabend, 19. Juni. Gütersloh. Gew.=Kartell. Abends 8½ Uhr, bei Clau. Lage. Soz. Verein. Abends 8½ Uhr bei Voß. T.=O.: Das Erfurter Programm. Stadtverordnetenwahl. Der Kreisvorstand wird in dieser Versammlung anwesend Lübbecke. Soz. Verein. Abends 9 Uhr bei Baumeister. Sonntag, 20. Juni. Bielefeld. Soz. Verein. 15. Bezirk. Vormittags 10 Uhr bei Kaiser, Mühlenstraße. — Gewerbegerichts=Beisitzer. Vormittags 10 Uhr in„Stadt Bielefeld“ — Allgemeine Kranken= und Sterbekasse der Bielefels“Maritter. 8. Vormittags 10 Uhr in„Stadt Sieker=Stieghorst. So z. Verein. Ausflug nach dem„Rollkzus,#n.„Abbedissen. Antreten nachmittags 2 Uhr bei Wirt Niestrath. Schildesche. Ausflug nach Vilsendorf, dort volkstümliche Spiele und Gesangsvorträge. Abmarsch mit Musik morgens 6 Uhr vom Marktplatz ab. Rückkehr zwischen 12 und 1 Uhr mittags. Gewerkschaftler, Parteigenossen mit ihren Frauen, und namentlich die Jugend, wollen sich zahlreich an dem Ausflug beteiligen. Hunnebrock. Arb.=Abstinenten=Bund. Nachmittags ## 3½ Uhr bei Gastwirt Günther in Hüffen. Ruyven. Arbeiter=Verein„Frohsinn". Nachmittags Uhr. Die„Volkswacht"=Avonnenten nachm. 4 Uhr. Südlengern. Soz. Verein. Nachmittags 4 Uhr bei Wirt Diemeyer,„Elsenmühle". Kirchlengern. Soz. Verein. Die Versammlung findet erst am 27. Juni statt. Stadthagen. Soz. Verein. Die Versammlung ist auf den 27. Juni verschoben. Zur Tarifbewegung der Tabakarbeiter. Nachstehend veröffentlichen wir den von der Zahlstelle Bielefeld des Deutschen Tabakarbeiterverbandes ausgearbeiteten Tarifvertrag, der im Laufe dieser Woche den hiesigen Fabrikanten zur Anerkennung vorgelegt wird. „, Larif=Vertrag. Zwischen der unterzeichneten Ortsverwaltung der Zahlstelle Bielefeld des Deutschen Tabakarbeiterverbandes einerseits und der unterzeichneten Firma andererseits wurde nachstehender Tarifvertrag vereinbart: 1. Die Arbeitszeit beginnt morgens um 7 Uhr und endet, außer Sonnabends, abends um 7 Uhr. Sonnabends endet die Arbeitszeit abends um 5½ Uhr. 2. Die Akkordlöhne pro Mille inkl. Wickel betragen, bei Anerkennung des Minimallohnes von 9 Mk., für Formarbeit für die Sorten: 3. Der vereinbarte Minimallohn und die festgesetzten Löhne pro Mille verstehen sich bei Lieferung von entrippter oder geschnittener und getrockneter Einlage und angefeuchtetem Umblatt und mit der Rippe aufgesetztem Deckblatt. Bei unaufgesetztem Deckblatt erhöht sich der Rollerlohn um 50 Pfg. pro Mille. Die Beschaffenheit der Tabake muß sein: Sumatra bis höchstens 2½ Pfund, Vorstenlanden bis höchstens 3 Pfund und Umblatt bis höchstens 5 Pfund pro Mille. 4. Bei Verwendung von Brasildecke erhöht sich der Rollerlohn um 1 Mk. und dei Mexiko, Kuba, Havanna oder Jaradeckblatt um 1,50 Mk. pro Mille. 5. Den beschäftigten Heimarbeitern wird ein 5prozentiger Lohnaufschlag, mindestens aber 50 Pfg. pro Mille, gezahlt. 6. Die Lohnzahlung erfolgt jeden Sonnabend vormittag. 7. Die Firma liefert für je drei Arbeiter ein reines Handtuch pro Woche. Im Winter müssen die Oefen eine halbe Stunde vor Beginn der Arbeitszeit angeheizt werden. 8. Ueber die im Betriebe festgesetzten Akkordlohnsätze ist von der Firma eine Lohntabelle anzufertigen. Gegenseitig unterzeichnete Abschriften sind den beschäftigten Arbeitern einzuhändigen oder an sichtbarer Stelle im Arbeits- oder Ablieferungsraume auszuhängen. 9. Alle beschäftigten Arbeiter müssen Mitglied des Deutschen Tabakarbeiterverbandes sein. 10. Vorstehender Tarifvertrag tritt mit dem Tage der Unterschrift in Kraft und gilt zunächst für ein Jahr. Der Vertrag gilt immer für ein weiteres Jahr, sofern von keiner Seite eine Aufkündigung vorgenommen wird. Die Aufkündigungsfrist des Vrtrages ist eine monatliche und ist nur vorzunehmen zum jedesmaligen Jahresabschluß des vereinbarten Tarifjahres. Steuerzahler! In Ergänzung unserer Mitteilung über die Steuerermäßigung wegen des Vorhandenseins von Kindern oder anderer unterhaltsberechtigter Familienangehöriger heben wir hervor, daß für die Beurteilung der Steuerermäßigungsanträge der Familienstand des Antragstellers am 1. April 1909 maßgebend ist. Die Vorteile der neuen Fassung gegenüber dem fruheren Rechtszustand bestehen darin, daß 1. eine Steuerermäßigung auch bei Einkommen von 6500 bis 9500 Mark stattfindet, 2. die Ermäßigungen bei geringeren Einkommen stärker wie bisher sind, wenn mehr als ein Familienangehöriger vorhanden ist, 3. die Ermäßigung bei nur einem Familienmitglied fortfällt. Bisher wurde für jedes Kind oder sonstige unterhaltsberechtigte Familienangehörige bei Einkommen bis 3000 Mark nur ein Betrag von 50 Mark in Abzug gebracht; nur wenn 3 oder 4 Familienangehörige vorhanden waren, wurde die Steuer um eine Stufe, bei 5 oder mehr Familienmitgliedern um 2 Stufen herabgesetzt. In Zukunft muß bereits beim Vorhandensein von 2 Familienangehörigen eine Ermäßigung um eine, beim Vorhandensein von 3 oder 4 um zwei, bei dem Vorhandensein von 5 oder 6 um drei, beim Vorhandensein von 7 oder 8 um vier, bei dem Vorhandensein von je 2 Familienangehörigen mehr eine Ermäßigung um je eine Steuerstufe mehr stattfinden. Die Ehefrau rechnet nicht zu den Familienangehörigen im Sinne dieser Steuervorschriften, wohl aber Enkel, Eltern, Großeltern, Schwiegereltern, denen auf Grund gesetzlicher Verpflichtung der Unterhalt gewähr: wird. Die Herabsetzung der Staatssteuer zieht eine entsprechende Herabsetzung der Gemeindesteuer nach sich. Die auf Grund der§§ 19 und 20 gewährten Ermäßigungen bleiben außer Betracht bei der Berechnung der zu entrichtenden Steuerbeträge für Wahlzwecke. Dadurch wird der plutokratische Charakter des Wahlrechts zum Landtag und zur Kommune etwas eingeschränkt und vermieden, daß Arbeiter, die wegen großer Kinderzahl oder Unterhaltung Familienangehöriger im Steuersatze ermäßigt sind, ihr Wahlrecht oder politische Ehrenämter verlieren. Wer am 1. April 1909 zwei oder mehr Familienangehörige (Kinder, Enkel, Urenkel, Eltern, Großeltern, Schwiegereltern) zu unterhalten hatte, versäume deshalb nicht, bis spätestens am 25. Juni die Herabsetzung der Steuer beim Vorsitzenden der Steuerveranlagungskommission zu beantragen. Parteigenossen und von Porta und Umgegend diene hierdurch zur Kenntnis, daß das Lokal zum„Jakobsberg“, Inhaber Dietrich Fricke in Lerbeck, uns nicht mehr zu Versammlungen zur Verfügung steht. An die gesamte Arbeiterschaft richten wir das Ersuchen, dies zu beachten. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Fürstentum Der unterzeichnete Vorstand beruft die General=Ver„#mlung auf Sonntag, 25. Juli, präzise 1 Uhr, nach Lage Lokal des Herrn Voß, Langestraße 92, ein. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Organisation und Agitction. 3. Statuten=Beratung. 4. Stellungnahme zum Deutschen und zum Bezirks=Parteitag. 5. Aufstellung des Reichstagskandidaten. 6. Verschiedenes. Die Ortsgruppen werden ersucht, unverzüglich Stellung in den Versammlungen zur General=Versammlung zu nehmen. Anträge sind bis zum 10. Juli an den Unterzeichneten einzusenden. Die Ortsgruppen wählen auf 1 bis 25 Mitglieder je einen Delegierten. Mit Parteigruß Der Kreisvorstand. I. A.: Wilhelm Eggen, Detmold, Krummestraße 4. s. Herford, 17. Juni. Stadtverordneten=Versammlung. Ueber die Schaffung der Stelle eines zweiten Oberlehrers und einer zweiten technischen Lehrerin an der höheren Mädchenschule referiert Stadtv. Fellinger. Redner weist auf die Notwendigkeit der neuen Stellen hin, da sich für dieses Jahr herausgestellt habe, daß die vorgeschriebenen Stunden nicht besetzt werden können. Die Vorage wird ohne Debatte angenommen. Auch die Vorlage über die„Bewilligung der Vergutung für Handarbeitsunterricht an der höheren Madchenschule" und die nächste,„Erhöhung des Schulgeldes an der höheren Mädchenschule, wird ohne Diskussion angenommen. Bei der Befürwortung des Herrn Schmalhorst des Antrages auf Bewilligung von 160 Mark für Tintenfässer an der Schule Diebrockerstraße spricht Herr Deppermann seine Verwunderung aus, daß ein solch hoher Betrag für Tintenfässer notwendig sei, er stellt die Frage, wo denn die alten geblieben seien. Herr Schmalhorst teilt mit, daß noch zirka 100 alte Tintenfässer vorhanden sind, an welchen aber die Deckel fehlen und ergänzt werden müssen. Er rechnet auch heraus, daß von dem verlangten Betrage 30 Mk. gestrichen werden könnten.(!)— Die Fluchtlinie für den Bünder Fußweg, Benterweg und die Friedhofstraße werden in der vorgeschlagenen Weise gutgeheißen.— Als letzter Punkt kommt der Antrag auf Bewilligung von 2641 Mk. für Abtretung der Straßenläche an die Erben des Bäckermeisters Strunk zur Verhandlung. Der Vorsteher geht auf die mehrjährigen Verhandlungen in dieser Sache ein und teilt mit, daß es nun gei, einen Vergleich zu schließen, nach welchem für den sam ins sei das Entgegenkommen der Strunkschen Erben ganz anerkennenswert. Die Herren Detering und Deppermann finden den Preis noch zu hoch, Herr Stranghöner will bei dieser„Gelegenheit“ einen Fall zur Sprache bringen; der Vorsteher winkt aber entschieden ab, will nichts von„Gelegenheit“ wissen und verlangt, daß nur zur Sache gesprochen wird. Nach einigem Hin und Wider findet die Vorlage mit der knappen Majorität von 12 Stimmen Annahme. Hierauf folgt eine nichtöffentliche Sitzung. k. Herford, 17. Juni. Steuerreklamation. Mit Rücksicht auf die noch zu erwartenden Reklamations=Anträge hat der Kartellausschuß beschlossen, das Sekretariat auch für nachsten Sonntag, 20. Juni, ausnahmsweise von 9 bis 12 Uhr offen zu halten. Anträge auf Ermäßigung der Einkommensteuer auf Grund des neuen Gesetzes werden vom Sekretariat nur bis zum 23. Juni entgegengenommen und der Behörde übermittelt. Gütersloh, 17. Juni. Wegen eines eigentümlichen Geschäftsgebarens der Firma C. Bertelsmann, hier, saßen am Montag zwei Koryphäen der Wissenschaft, von denen der eine die Rolle des Angeklagten, der andere die des Verteidigers spielte, vor dem Landgericht zu Leipzig. Es handelte sich um eine Privatbeleidigungsklage, die die„christliche“ Verlagsfirma C. Bertelsmann in Gütersloh gegen den Nationalökonomen Geheimrat Professor Dr. Bücher=Leipzig angestrengt hat. Aus Freundschaft, wie er selbst betonte, hatte der Rechtslehrer Geheimrat Professor Dr. WachLeipzig die Verteidigung übernommen. Unter der Ueberschrift: Ein christlicher Verlag hatte Bücher Anfang 1908 im Korrespondenzblatt des Akademischen Schutzvereins das geschäftliche Gebaren der Firma C. Bertelsmann in Gütersloh kritisiert, die mit der Witwe des Pastors Gurland einen Vertrag über ein Verlagswerk abgeschlossen, diesen aber eigennützig verletzt hatte, indem sie Matern von dem Satz herstellte und die Auflage vergrößerte, ohne sich dieserhalb mit Frau Pastor Gurland ins Einvernehmen zu setzen. Auf die Rückseite des Titelblattes setzte die Verlagsfirma: Der Reinertrag wird zum Besten der Judenmission verwendet.(!) In Wirklichkeit ist aber nur das der Frau, Gurland gezahlte Honorar der Judenmission zugeflossen, während den Geschäftsgewinn Herr Mohn, der Inhaber des christlichen Verlags, in die eigene Tasche schob. In frommen Kreisen wurde das Werk viel gekauft, so daß es ein paar Auflagen erlebte. Professor Bücher sah sich als Vorsitzender des Akademischen Schutzvereins veranlaßt, gegen das Gebaren der christlichen Firma vorzugehen. Er nannte es in dem inkriminierten Artikel als auf Täuschung berechnet, irreführend und zweideutig, unaufrichtig und unwahrhaftig. Er bezeichnete es auch als eine kostbare Ironie des Schicksals, daß die„christliche" Firma vorgibt, der Reinertrag fließe der Judenmission zu. Bereits am 2. Februar hatte sich das Schössengericht zu Leipzig mit dieser Angelegenheit zu befassen. Es sprach Professor Büchner frei. Auch das Landgericht, das der Inhaber der Firma als Revisionsinstanz angerufen hatte, schloß sich dem Freispruch an. b. Detmold, 17. Juui. Die heutige StadtverordnetenVersammlung war nur schwach besucht, mit genauer Not war nach halbstündigem Warten die Beschlußfähigkeit hergestellt. Die Anstellung von Lehrern an der städtischen Fortbildungsschule wurde beschlossen.— Fünf Schutzleute wandten sich an die Stadtverordneten um Erstattung der Umzugskosten in Höhe bis zu 75 Mk. Die Stadtverordneten beschieden die Gesuche aber abschlägig.— Der Magistrat empfiehlt ein 181 qm großes Grundstück zum Preise von 160 Mk. zu verkaufen, da es nicht mehr wert sei. Mit dieser Angelegenheit soll sich die Baukommission beschäftigen.— Dem Verkauf des alten Totenhofes an die Schulgemeinde Detmold wurde unter der Maßgabe zugestimmt, daß die Bausumme mit 4 Prozent verzinst und mit ½ Prozent amortisiert wird.— Verschiedene Anwohner der Elisabethstraße haben, nachdem das Oberverwaltungsgericht festgestellt hat, daß die Straßenkosten nicht von den Anliegern, sondern von der Stadt zu bezahlen seien, sich an den Magistrat gewandt mit dem Ersuchen, die bereits bezahlten Straßenkosten zurückzuerstatten. Der Magistrat weigert sich aber und nun wenden sich die Anwohner mit einer Beschwerde an die Regierung. Diese Angelegenheit geht an die Justizkommission.— Für Drucksachen, welche die höhere Mädchenschule hat anfertigen lassen, werden rund 50 Mk. nachbewilligt.— Aus den Mitteilungen des Magistrats geht hervor, daß die Stadt für das große Fischsterben in der Werre unterhalb der städtischen Kläranlagen haftbar gemacht werden soll. Von Regierungsseite hat bereits eine Untersuchung des Wassers stattgefunden. Von städtischer Seite soll nun ebenfalls ein Chemiker mit der Untersuchung betraut werden. Sollte die Ursache des Fischsterbens in der Werre auf die Kläranlagen zurückgeführt werden, so müßte die Stadt wieder einmal recht gehörig in den Beutel greifen. Es mußten dann Rieselfelder angelegt werden. Diese Angelegenheit wurde vertraulich beraten.— Am Schluß der Versammlung entspann sich noch ein kleines Rededuell zwischen den Stadtverordneten Neitzel und Kettmann. Letzterer war mit der Führung des Protokolls einer geheimen Sitzung nicht ganz einverstanden, was Stadtverordneter Neitzel als einen Angriff auf seine Person betrachtete und sich derartige Bemerkungen energisch verbat. Stadtverordneter Neitzel hatte an dem in Frage kommenden Tage das Protokoll geführt. * Detmold, 17. Juni. Ortskrankenkasse der vereinigten Fabrikarbeiter. Sonnabend, 19. Juni, abends 8½2 Uhr, findet im„Odeon“ eine Vertreterversammlung statt. * Lübbecke, 17. Juni. Rechtsauskunftsstelle. Die nächste Rechtsauskunftsstunde findet am Sonntag, 20. Juni, morgens von 9 Uhr an, bei Baumeister statt. * Rheine, 15. Juni. In unseren Kartellsitzungen ist in der letzten Zeit ein sehr unregelmäßiger Besuch zu verzeichnen gewesen. Wir ersuchen deshalb die einzelnen Gewerkschaften an dieser Stelle, ihre Delegierten auf diesen Mißstand ganz energisch aufmerksam zu machen. Zu bemerken ist noch, daß mehrere Delegierte jetzt zweimal hintereinander unentschuldigt fehlten. Wir erinnern diese daran, daß sie beim dritten Male Fehlen ihres Mandats verlustig gehen. Letzte Nachrichten. Zum Tode verurteilt. Berlin, 17. Juni. Die Verhandlung gegen den Sekretär der deutschen Gesandtschaft in Santiago, Beckert, der der Ermordung des Gesandtschaftsportiers, sowie der Brandstiftung usw. beschuldigt wird, hat, wie gemeldet wird, mit der Verurteilung des Angeklagten zum Tode geendet. Beckert stellte auch während der Verhandlung jede Schuld in Abrede, wurde aber durch die vorliegenden Indizien für hinreichend überführt erachtet. Das Urteil wird jedoch vermutlich an Beckert nicht vollstreckt, sondern auf Gnadenwege in lebenslänglichen Kerker umgewandelt werden. In eine Drahtrolle geraten. Altona, den 17. Juni. Der 17jährige Arbeiter Tach, welcher auf dem Drahtwerke Bierbach beschäftigt ist, geriet in eine in Bewegung besindliche Drahtrolle, die ihn, ehe das Werk zum Stillstand gebracht werden konnte, so oft umherschleuderte, daß nur eine schrecklich verstümmelte Leiche aus der Maschine entfernt werden konnte. Kiel, 18. Juni. Nach viertägiger Verhandlung wurde gestern das Urteil des Kriegsgerichts gegen 11 Angeklagte vom Kreuzer „Danzig“ gesprochen. Kapitänleutnant Habenicht erhielt wegen Mißbrauches der Dienstgewalt und ungenügender Beaufsichtigung von Untergebenen einen sechstägigen Kammerarrest. Maschinist Milde wurde wegen Mißbrauches der Dienstgewalt zu drei Tagen gelinden Arrst verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden in der Hauptsache wegen Beteiligung an den Diebstählen bestraft. Der Oberingenieur Roggensack wurde zu 4 Monaten Gefängnis und zur Dienstentlassung, der Ingenieur Friedrich zu 6 Wochen Stubenarrest und Dienstentlassung, der Maschinist Roggatz zu 4 Monaten Gefängnis und Degradation, die übrigen sechs(Deckoffiziere) zu gelindem Arrest von 15 Tagen bis 6 Wochen verurteilt. Berlin, 18. Juni. Ein schwerer Bootsunfall ereignete sich gestern abend in dem benachbarten Grünheide. Dort fuhren drei Herren und eine Dame mit einem Segelboot vom Kurrestaurant aus auf den Poetzsee hinaus. Plötzlich kenterte das Boot aus bisher unbekannter Ursache und die Insassen stürzten ins Wasser. Zwei Herren konnten sich retten, während der dritte, der die Dame zu retten suchte, mit dieser ertrank. Es soll sich um, einen Offizier und die Tochter eines höheren Offiziers handeln. Petersburg, 18. Juni. Der Ausstand der Straßenbahner wird für die meisten Streikenden verhängnisvoll werden. Die Stadtverwaltung gibt nicht nach.. Ein kleiner Teil der Streikenden hat unter den alten Bedingungen den Dienst wieder aufgenommen. Die Unterhandlungen dauern fort. Gestern verkehrten etwa 300 Wagen, deren Lenker größtenteils Freiwillige sind, darunter schnell ausgebildete Schutzleute. Briefkasten der Redaktion. H. Fr. Für angenommene Kinder wird nichts von der Steuer abgezogen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. A K Freie Volksbühne. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8½ Uhr in der Centralhalle: ausgeführt vom ganzen städt. Orchester. Entree: Für Mitglieder 25 Pfg., für Nichtmitglieder 30 Pig. Deutscher Textilarbeiter-Verband Filiale Bielefeld. Sonnabend, den 19. Juni, abends 8½ Uhr: Mitglieder=Versammlung im Lokale des Herrn W. Hannemann, Webereistraße. Tagesordnung: 3325 1. Vortrag des Genossen Paul Scheele über:„Die Bedeutung der Krankenversicherung für die Arbeiterschaft“. 2. Abrechnung vom Ausflug und vom Stiftungsfest. 3. Verschiedenes. Zu recht zahlreichem Besuch dieser Versammlung ladet ein Die Ortsverwaltung. 5 Kugeln 50 Pfg. 5 Kugeln 50 Pfg. 350 Mark in Bar! Restaurant G. Siekmann Schildesche, Herforder= u. Schillerstr.=Ecke Crosses Preis-Rösein veranstaltet vom Kegelklub Sonnabend, 19. Juni Sonntag, 20. Juni Montag, 21. Juni Dienstag, 22. Juni 2 Fortuna“ I. Preis 100 Mk. 2.„ 60„ 3.„ 40 4.„ 25 5.„ 15 6.„ 12 7.„ 10 8.„ 6 99 99 99 99 90 Schlusskegein bis 10¾ Uhr abends. Hierauf: Preis-Verteilung. Außerdem gelangen noch folgende Tagespreise zur Verteilung: Sonnabend, 19. Juni 10 Mk. Sonntag, 20. Juni 12 Mk. Montag, 21. Juni 15 Mk. Dienstag, 22. Juni 15 Mk. Es wird nur auf die vollen Hölzer geworfen.— Mitglieder des veraustaltenden Klubs sind von diesem Kegeln ausgeschlossen. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein 3123 Kegelklub„Fortuna“, 5 Kugeln 50 Pfg. 5 Kugeln 50 Pfg. Buchhandlung„Volkswacht“, SssSchulstraße 20. Wir empfehlen unsern Lesern zur Anschaffung folgende in sauberer Ausstattuug und geschmackvollen Einbänden. Adelbert von Chamissos Werke. Friedrich Rückerts Werke. Zusammen 2 Bände. Goethes Meisterwerke. 2 Bände. Hauffs Werke. 2 Bände. Zeines Werke. 2 Bände. Shakespeares Werke. 2 Bände. Schillers Werke. 2 Bände. Uhlands Werke. Körners Werke. Zusammen 2 Bände. Eichendorffs Werke. Lessings Werke. Zusammen 2 Bände. Kleists Werke. Grillparzers Werke. Zusammen 2 Bände. Friedrich Gerstäckers Werke. 2 Bände. Preis (2 Bde.) 3 Mk. Fritz Reuters Werke. 2 Bände. Ferdinand Freiligraths Werke. 2 Bände. Hackländers Werke. 2 Bände. Preis (2 Bde.) 350zuk. (Durch Boten ins Haus gebracht 10 Pfg. mehr, nach auswärts Porto und Verpackung 1. Zone 35 Pfg., 2. Zone 60 Pfg. gegen Voreinsendung des Betrages.) Bekauntmachung. Verdingung von Pflasterarbeiten. Die Ausführung der Pflasterarbeiten für Neupflasterung der Friedhofstraße soll vergeben werden. Angebotsformulare sind auf dem Stadtbauamt zu haben. Oeffnung der postmäßig verschlossen einzureichenden Angebote findet am Dienstag, den 22. Juni er., mittags 12 Uhr, im Beisein der etwa erschienenen Bieter statt. Herford, den 14. Juni 1909. Stadtbauamt. Kallmeyer. Fernruf Nur 10 Tage vomis. Julrbis ze. Junl 479 Willleinn 3329 Hagon oUh! Ssssssssssss der Erde. — Das grossartigste und sensationellste Unternehmen dieser Art!— Fernruf 478. Konkurrenzlos auf der ganzen Erde! Feraruf 479. Bielefeld, Kaiser-Wilhelms-Platz. Bequeme Strassenbahn-Verbindung. Eine Riesen-Prachtfassade 300 J 65 12 Lokomobilen mit märchenhafter Beleuchtung 35 Bogenlampen, üb. 2000 Glühlampen K Tiere Wagen mit Dynamos Sonnabend, 19. Juni, abends 8¼ Uhr: Gresst-Gafa Erorhlunge Verc.„ Die folgenden Tage jeden Abend 8¼ Uhr: Grosse Vrlllällte Vorstehung sowie jeden Mittwoch, Sonnabend und Sonntag In jeder Vorstellung, auch nachmittags: Fe Gressferte Lisbaren in wunderbarer Dressur auf einmal und allein vorgeführt von Herrn Direktor Willy Hagenbeck. Zum Schluss jeder Vorstellung:——„ aus höchster Höhe des Zuschauer=Zeltes in ein eigens dazu errichtetes Riesen=Wasser=Bassin. The Romanow die beiden Phänomen 22 Java?? Clown Polly der unverwüstliche Komiker mit Slountesse FtEötck! Der Triumph moderner Dressur 2 Löwen(Prachtexemplare) 2 Tigerdoggen, 1 Shetlandpony inganggrig=Trester, vorgel. ue berrn ür Sagentet Indische Zwerg-Elefanten, Shetlandponys, Zebras vorgeführt vom Dompteur Adolph Busch. 1Ö Hotbel Io in einem vollständig neuen, noch nie gesehenen Genre dressiert u. vorgef. v. Dompt. August Mölker. Preise der Plätze: Feudenlagnsis 4 M., Logensit 3 M, Sperstz 2 M, Platz 1.50 Mk., 2. Platz 1 Mk., Galerie(Stehpl.) 50 Pfg. (Rummeriert sind nur Fremdenlogen, Logen und Sperrsitz). Für Militär vom Feldwebel abwärts und Kinder unter 12 Jahren nur in den Wochentags von 10 bis 12½2 Uhr mittags und ab 3. Uhr nachmittags ununterbrochen. Sonntags von 11 bis 12½2 Uhr mittags und ab 2½ Uhr nachmittags ununterbrochen. Die Besichtigung der Tierzelte, sowie Beiwohnung der hochinteressanten Raubtier=DressurProben ist gegen ein Entree von 50 Pfg. für Erwachsene und 25 Pfg. für Militär und Kinder gestattet. Wochentags Besichtigung und Probe von 10 bis 12½ Uhr mittags, Soun= und Feiertags nur Besichtigung, keine Probe, von 11 bis 12½ Uhr mittags. In den Tierzelten sino zu sehen: Eine ganze Herde Eisbären, Löwen, Tiger, Elefanten, darunter die 2 kleinsten Elefanten der Welt, Kragenbären, Dromedare, Zebus, Zebras, Strauße usw. usw. Eine ½ Stunde vor Eröffnung jed. Vorstellung eet kapelle unter Leit. d. Kapellmeist. Herrn Stanek. vorzugl. Restaurant „uber Aüumenr ber Fagsuce Garl Hagenbeck, Gustau Hagenbeck, Willy Hagenbeck, Direktoren. Cyrill Hatlé, Geschüttsführer. Grösste Mäubtier-Dressür-Schau um 4 Uhr grosse Nachmittags-Vorstellung mit genau demselben Programm wie die Abend=Vorstellung. Nur in den Nachmittags-Vorstellungen für Militär vom Feldwebel abwärts u. ber- Kinder unter 12 Jahren auf allen Plätzen Hulbe Preise. Der phänomenale Eisbären-Wasser-Rutsch 8 Löwen— 4 Tiger— 2 Tigerdoggen Eine gemischte Gruppe in hochsensationeller Dressur, vorgeführt vom Dompteur Carl Feldmann. Nachmittags-Vorstellungen auf allen Plätzen halbe Preise! Billette haben nur Giltigkeit zu den Vorstellungen, zu welchen sie gelöst werden. Billette im Vorverkauf zu den Abend=Vorstellungen sind zu haben bei: M. Niemeyer, Jahnplatz, Rudolf Fiedler, Alter Markt. Die Tageskasse auf dem Kaiser=Wilhelms=Platz ist geöffnet ab Sonnabend, den 19. Juni: Meine 3322 Pig.-Tage überraschen alle durch die auffallenden und unvergleichlich billigen Preise. 1 Damen=Bluse 05 in weiß oder dunkel 304 1 Kinder=Kleidchen 05 bis zu 5 Jahren passend##### 1 Rusen=Kittel 99 2 1 Mtr. Kleiderstoff 05 reine Wolle, schwarz u. farbig##### 3 Mtr. Musseline imit. 05, mit Bordüre 80 3 2½ Mtr. Hauskleiderstoff 95.2 2½ Mtr. Hemdentuch 952 9 s2 Rüschen 1 Damenhemd 994 1 weiße Nachtjacke m. Fes. 95; 1 weiße Damenhose m. Fest. 994 1 weißer Austandsrock 954 1 Korset 953 1 Jeston=Untertaille 95 2 Saar Damenstrümpfe 99 4 1 Paar Damenstrümpfe 05 reine Wolle 1—2 hübsche Damengürtel 953 1 Dtzd. w. Taschentücher groß 904 5 Paar lange weiße.„ 95 95 95 54 5 3 Handschuhe 1 schöne Bettvorlage 1 Staubtuch=Tasche 1 Bürsten=Tasche 1 Ueberhandtuch, gestickt 1 Tüllgarnitur, Iteilig 1 weiße WaffelKommodendecke 1 Kommodendecke gehäkelt oder bunt 1 großes weißleinenes Tischtuch 1 hübsche Untertaille 1 Korsettschoner 1 Bettuch, weiß oder bunt, vollständig groß 2 Zierschürzen m. hübsch. Stick. 2 Prima Scheibengardinen 1 elegante Batisthaube 1 Kimono=Schürze b. f. das Alter v. 2—10 Jahr. passend 3 Paar woll. Kinderstrümpfe in jeder beliebigen Größe 1 Kissenbezug m. Spruch 3 Mtr. Handtuchdrel 1 Normalhemd 1 Normalhose 3 Paar Herren=Socken 1 Manns=Hemd 1 Paar starke Hosenträger 95 3—4 Sportvorhemde 99 1 Herrenmütze 1 Krawatte( sammen 904 1 Paar Hosenträg. 1 weißleinenes Vorhemd 05 mit Falten 904 1—3 moderne Krawatten 95 1 Knaben=Bluse 1 Meter Wachsluch 954 95 954 95 99 4 95 95 9 954 954 95 954 sonst b. 1.40 20 Lot Strickwolle 1 Brackwede 86 Kaiserstr. 86. Nr. 139. Deuts 263. Sitzung vom Don Am Bundesratstisch Sydow, Rheinbaben, v. Fortsetzung der 1. B Abg. Graf v. West Reichskanzler, daß die Finanzreform nicht au ihrer absolut negativen Unwahr!) aus ihrer ab ren Anträgen(Gr. H Verbesserungsvorschläge Weise zu prüfen, wenn schläge nichts ändern. lungen haben unsere allerdings nicht bestärk die konservative Partei Dabei haben gerade wir handlungen 140 Milliot die übrigen 360 Million handen. Die Streitfrag soll, sondern in welcher steuervorlage hat für un steuer. Diese Bedenker gatten und Kinder. Simobilen Besitzes gegeni papieren angelegte me leichter entzogen werden besteuern, und das bede milienbeziehungen. Die drückerei der Landwirte Bei der Vermögenseins mögen getroffen, Wertp nicht das Eindringen in Vermögenssteuer?) Da ment des Todes. Weite daß der feste Familienh (Seyr wahr! rechts.) I meine ich: Wir werde bekämpfen können, weni werden lassen.(Sehr r Jahren festgelegt. Wir sichten, auch haben wirn tritt zu bewegen.(Zusti durch unser Eintreten ih lende Heiterkeit links.) Wege finden wird, seine sichtigung unseres Stand durchzuführen.(Abg. S minutenlange Heiterkeit. Liberalen verschuldet. T steuern ist auch bei Ann heit fur die Finanzrefor vorhanden bei Ablehnun missionsberatungen gewü auf die Regierung dami denken gegen die Beste und gegen die vorgeschl Scheckstempels. Er emp kommission. Von Börser ohne wirklich ausreichen. sei die Finanzreform kei schläge der Regierung br Kapitals von 10 Million des mobilen Kapitals ger Abg. Singer(Soz.) war etwa: Unser Bülor (Heiterkeit.) Die Quinte darin, daß es den Konser monnaie der Großgrun Gumigeinn von dem Familiensinn Behandlung des Grun serochen hat, ist nich Portemonnate der Ju Steuern zahlen wollen, Verbul 98 Roman Hinten, im großen nen Tischen saßen Stu das Bier aus. Der Kl langen Haaren und der übernächtigen Gesicht, s. zehrte eine Käsestulle, und wieder als Serviel Oberhemde unter der n es liebevoll vor einer v# bewahren. Er wischte sich den bescheiden zum nächster Blume erlauben, Herr „Prosit, alter Seeh neuestens Schoppens zu Um diese Zeit, wen und er die Tasten nur als„Nassauer", der ül errötete. „Frida Sie haber zweiten Mädchen zu, d auf dem Stuhle hockte. brachte, noch halb schla „Wer verläuft sich indem sie sich erhob. „Machen Sie nur zu.„Das Bier muß“ Vom Büffetraum stoßen, das vom Beher ein neuer Gast das Lok zum Zapfen in Anspru schweren Stock andaue dienung ermuntern wi Trolla hatte in ein er völlig allein saß. „Ein Dunkles, wen sonderlich um das Mä „ Noch den Schlaf ir ihn näher gemustert zu und der Pflicht gehor sahen sich beide an und raschung. „Frida, Sie!“ „Herrjeh, Herr Tr. Nein, das ist gut.“ * Nr. 139. Bielefeld, Freitag, 18. Juni 1909. 20. Jahrg. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 263. Sitzung vom Donnerstag, 17. Juni, 1 Uhr nachmittags. #„Am Bundesratstisch:„Fürst Bissow, v. Bethmann=Hollweg, Sybow, Kheinvaben, v. Einem, Detorück. Fortsetzung der 1. Beratung der neuen Steuern. v. Westarp(kons.): Auch wir wünschen, wie der Reichskanzler, duß vie Liberalen von der Mitwirkung an der giganzreform nicht ausgeschlossen werden, daß die Linke aus „ bsolut negativen Haltung(Gr. Unruhe b. d. Lib., Rufe: #r!) aus ihrer absolut negativen Haltung gegenüber unseren Antragen(Gr. Heiterkeit) heraustreten moge. Sachliche Verbesserungsvorschläge sind wir gern bereit, in wohlwollendster au rüfen, wenn sie an den Grundlagen unserer Vorchilces Pöhs, andern.(Gr. Heiterkeit.) Die gestrigen Verhandallerdings n unere Hoffnungen auf ein Zusammenarbeiten auerdings nicht bestarkt. Der Reichskanzler sprach so, als ob ive Partei sich der Finanzreform entgegenstellte. Sassi. hagen gersßs ir nach monatelangen unfruchtbaren Verhaublungen 140 Miuionen neuer Steuern vorgeschlagen. Für 360 Millionen ist zudem eine sichere Mehrheit vorhanden. Die Streitfrage ist nicht, ob der Besitz besteuert werden . sonvern in welcher Art es geschieht. Die neue Erbschaftssteuer. Piesie Pedeasus ebenso viele bedenken wie die Nachlaß= gatten und 5; Bedenten liegen in der Besteuerung der Ehemohilen Barner: Siesenthält auch eine Degradation des immoolten Besitzes gegenüber dem mobilen, weil das in Wertpapieren angelegte mobile Vermögen der Besteuerung viel leichter entzogen werden kann. Man müßte auch die Schenkungen besteuern, und das bedeutet ein Eindringen in die engsten Famtienbeziehungen. Die ganzen Aeußerungen über die Steuerdruckerei der Landwirte sind lächerlich.(Lauter Widerspr. links.) Bei der Vermögenseinschätzung wird eben das immobile Vermiöges ass reisrine pere dagegen nicht. Wir wollen eben Rermögerugen in die Familienverhältnisse.(Zuruf links: ment ss Tohes, Pne geschieht das Eindringen nicht im Mo#nl bes voes. Leiter befürchten wir von diesem Eindringen, waß der feste Fumilienbesitz in einen mobilen verwandelt wird. meine ich: Fechts.)„Im Gegensatz zum Herrn Reichskanzler betämpfen#.#eir werven später leichter eine Erbschaftsteuer werden lassen.(epennif rechtsstg Vorlage nicht Gesetz Jahren festgelegt tein nicht Unsere Stellung ist leit auch haben wir nicht varteitaktischen Rücktritt zu bewegen.(Zustimmu den Kanzer zum RückFrrre gu gelrigen. Gastimmung rechts.) Wir meinen vielmehr, lende Heiterkeit sinsed Boden gebnet zu haben.(SchalUnd ich hege die Hoffnung, daß er Wege finden wird, seine patriotische Gesinnung unter Berücksichligung unseres Standpunktes in der Frage der Finanzreform durchzufuhren.(Abg. Singer:„Armer Bülow!“ Schallende, ziguteglange Heiterkeit.) Die gegenwärtige Situation haben die #en verschuldet,„ Durch ihr Versagen bei den Verbrauchs#.## ist auch bei Annahme der Erbschaftssteuer eine Mehrheil für vie Finanzreform nicht zu finden. Eine solche ist nur vorhanden bei Ablehnung der Erbschaftssteuer. Sollten Kommissionsberatungen gewünscht werden, so sind wir aus Rücksicht auf die Regierung damit einverstanden.— Redner äußert Bedenken, gegex, die Besteuerung der Feuerversicherungspolicen ## die vorgeschlagene Form des Umsatzes, sowie des Scheastempels. Er empfiehlt die Kotierungssteuer der RumpfBörienfeigdschaft sei dabei keine Rede. Aber ausreichenbe Heranzlehung des mobilen Kapitals sei die Finanzreform kein Werk der Gerechtigkeit. Die VorSalisa der Pzssie brächten nur eine Belastung des mobilen Kupilals von 10 Minionen.(Effektensteuer.) Diese Heranziehung des robilen Kapitals genüge nicht.(Lebh. Beifall rechts.) ##er(Soz.): Der 2on der Rede des Abg. Westarp wur endu. Unser Bülow absolut, wenn er unsern Willen tut! [Heiterkeit.) Die Quintessenz der ganzen Ausführungen bestand Larin, daß es den Konservativen gar nicht einfällt, an das Portemonnaie der Großgrundbesitzer zu rühren. Was Graf Westarp von dem Familiensinn und der Unmöglichkeit der gleichartigen Behandlung des Grundbesitzes und des mobilen Kapitals gesprochen hat, ist nichts anderes als diese Rücksicht auf das Portemonnate der Junker, welche er kennt, und welche keine hlen wollen, sondern alle Steuern anderen aufzubürden suchen.(Sehr richtig! links.) Auch hat die„Kreuzzeitung“ ausgeplaudert, was die Konservativen störrisch gegen die Regierung macht. Es ist die Neigung der Regierung, das preußische Wahlrecht zu reformieren. In dem Augenblick, wo die Konservativen die Sicherheit haben, daß an dem Klassenwahlrecht nichts geändert wird, machen sie auch ein anderes Gesicht zur Finanzreform. Der Herr Reichskanzler hat sich gestern in der Rolle des „Flachsmann als Erzieher“ gezeigt(Stürm. Heiterkeit) und allen Parteien Verhaltungsmaßregeln erteilt. 9# er den liberalen Geist gefeiert. Da muß ich Tor allem hat V 98 Verbundene Kügen. Roman von Max Kretzer. —(Nachdruck verboten.) Hinten, im großen Raume, war noch Leben. An verschiedenen Tischen saßen Studenten, zechten wacker und knobelten sich das Bier aus. Der Klavierspieler, ein schmächtiger Mensch mit langen Haaren und dem Ausdruck verbummelter Genialität im übernächtigen Gesicht, saß abseits bei einer der Kellnerinnen, verzehrte eine Käsestulle, gebrauchte seine blonden Strähnen hin und wieder als Serviette und blinzelte kokett auf das gestärkte Oberhemde unter der weit ausgeschnittenen Weste, als wollte er es liebevoll vor einer vorzeitigen Berührung mit der Wäscherin bewahren. Er wischte sich den Mund mit der flachen Hand und säuselte bescheiden zum nächsten Tisch hinüber: Darf ich mir meine Blume erlauben, Herr Doktor?“ „Prosit, alter Seehund, tönte es ihm vom Spender des neuestens Schoppens zurück. Um diese Zeit, wenn sein Programm bereits erschöpft war und er die Tasten nur noch leise anschlagen durfte, sonnte er sich als„Nassauer", der über die Keckheit der Jugend nicht mehr errötete. „Frida, Sie haben einen Gast bekommen,“ rief er dem zweiten Mädchen zu, das mit hängendem Kopfe unweit von ihm auf dem Stuhle hockte. Sie rieb sich die Augen, reckte sich und brachte, noch halb schlaftrunken, ein verhaltenes Gähnen hervor. „Wer verläuft sich denn noch so spät bei mir, sagte sie dann, indem sie sich erhob. „Machen Sie nur rasch, der Alte klopft schon,“ rief er ihr zu.„Das Bier muß runter.“ Vom Büffetraum her erschallte in der Tat dumpfes Aufstoßen, das vom Beherrscher des Schenktisches her kam. Sobald ein neuer Gast das Lokal betreten hatte, und der Dicke nicht sofort zum Zapfen in Anspruch genommen wurde, klopfte er mit einem schweren Stock andauernd auf die Diele, wodurch er zur Bedienung ermuntern wollte. Trolla hatte in einer Ecke am Fenster Platz genommen, wo er völlig allein saß. „Ein Dunkles, wenn ich bitten darf," bestellte er, ohne sich sonderlich um das Mädchen zu bekümmern. Noch den Schlaf in den Augen, ging sie ans Büffet, ohne ihn näher gemustert zu haben. Erst, als sie zurückgekehrt war und der Pflicht gehorchend am Tische Platz genommen hatte, sahen sich beide an und erkannten sich mit Ausrufen der Ueberraschung. „Frida, Sie!“ „Herrjeh, Herr Trolla! Sieht man Sie auch mal wieder. Nein, das ist gut.“ denn der liberale Geist, den er in der Theorie so hoch schätzt, in seinen Handlungen zu finden ist?(Sehr gut! b. d. Soz.) Ich erinnere nur an seine Stellung zum Dreiklassenwahlrecht in Preußen. Er braucht die liberalen Kreise eben als Kulisse für das reaktionäre Theater, dem er vorsteht.(Heiterkeit.) Auch die Finanzreform ist ein Beweis für das Manko an liberalem Geist: Seine Erklarung, daß er eine Finanzreform nicht billigen würde, die nicht den weitaus größten Teil der Steuern auf Genußmittel legt, zeigt deutlich, daß er den liberalen Geist nur in den Wolken zu suchen beliebt. Auch die Verbeugungen vor den Konservativen, das dem Junkertum gestern gespendete Lob — in Paranthese erinnere ich dabei an Jena und Auerstädt— erweisen, was der Reichskanzler unter liberalem Geist versteht. Für was hat er sich denn gestern begeistert? Ist denn in einer Vorlage, welche 400 Millionen Steuern den Besitzlosen und nur 100 Millionen den Wohlhabenden auferlegt, ein Funke liberalen Geistes? Es ist weit gekommen, wenn man eine solche Vorlage als vom liberalen Geiste erfüllt bezeichnen kann. Das mögen sich die Herren des Liberalismus merken.(Lebh. Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Wenn der Reichskanzler über die schlechte Behandlung klagt, die eine Reihe bürgerlicher Parteien ihm angedeihen ließ, so muß ich sagen, wir fragen nichts danach, wie der Reichskanzler oder die Regierung uns behandelt. Wir prüfen die Vorlagen rein sachlich. Wir fühlen uns auch nicht beleidigt, daß er uns zu seinen Festen nicht einlädt.(Heiterkeit.) Wir halten es überhaupt nicht für richtig, daß auf Festen und ähnlichen privaten Veranstaltungen hinter den Kulissen— verzeihen Sie den vulgären Ausdruck— soviel gemogelt wird.(Heiterkeit. Sehr richtig! b. d. Soz.) Es ist nicht parlamentarische Tätigkeit zu nennen, wenn solche geheimen, privaten Abmachungen hinterher durch das Parlament gebilligt werden.(Lebh. Zust. b. d. Soz.) Die Stellung des Reichskanzlers zum Zentrum bietet mir keinen Anlaß, mich dabei aufzuhalten. Es kann ja sein, daß der Zylinderhut des Kollegen Spahn jetzt wieder zur Geltung kommt (Stürm. Heiterkeit) und daß der Reichskanzler vergißt, wie schlecht er eine Zeit lang behandelt wurde. Herr Bassermann meinte, das Zentrum und die Konservativen davor warnen zu müssen, der Sozialdemokratie noch mehr Anklang bei den Massen zu verschaffen. Aber Herr Bassermann, die Finanzreform, welche Sie vertreten, wird der Sozialdemokratie sicherlich auch keinen Abbruch tun!(Lebh. Sehr richtig! b. d. Soz.) Eine Finanzreform, welche 400 Millionen den Erwerbtreibenden und nur 100 Millionen den Besitzenden auferlegt, eine solche Reform vertritt Herr Bassermann vom nationalen Standpunkt! Noch 1907 hat Herr Bassermann mit der größten Schärfe sich öffentlich verpflichtet, gegen Tabak= und Biersteuer aufzutreten.(Hört, hört! b. d. Soz.) Wenn Sie die Reden der Nationalliberalen von damals mit den jetzigen vergleichen, so finden Sie, daß ihre Haltung und die des gesamten Liberalismus genau so verwerflich ist, wie die der Konservativen.(Zustimmung b. d. Soz.) Es ist also auch hier ein gutes Stück Steuerheuchelei dabei.(Lebh. Sehr wahr! b. d. Soz.) Das einzige, worin ich mit Herrn Bassermann übereinstimme, ist seine Aufforderung an den Reichskanzler, den Reichstag aufzulösen. Eine Regierung hat überhaupt die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit, vor jeder derartig einschneidenden Maßnahme, wie diese Besteuerung, das Volk zu befragen und Neuwahlen anzuordnen.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) M. H. von der Regierung! Lösen Sie den Reichstag auf, Sie werden dann sehen, was man im Volke von dieser Finanzreform denkt. Ich dente dabei noch nicht an die Beschlüsse der Kommission, sondern nur an das Urteil des Volkes über eine Finanzreform, die 400 Millionen durch Konsumsteuern den breiten Massen auferlegt und den Besitzenden nur 100 Millionen.(Lebh. Sehr wahr! bei den Soz.) Diese lumpigen 100 Millionen, die die Regierung als Erbschaftssteuer fordert, sind nur das Feigenblatt, das der Finanzreform angehängt wird.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ein Ornament, ein Stückchen Stuck an diesem Steuergebäude, damit es nach außen hin einigermaßen empfehlenswert erscheint. Der Reichskanzler und Sie alle tun sich hierauf viel zugute. Empfinden Sie denn nicht, welcher Hohn, welche Herabsetzung des Volkes darin liegt, daß man ihm einzureden glaubt, eine Reform, bei der von 500 Millionen der Besitz nur 100 aufbringt, sei eine soziale Reform! Hat denn der Kollege Bassermann, als er gestern diesen Ausdruck gebrauchte, nicht gefühlt, wie er aller Vernunft und Wahrheit damit ins Gesicht schlug!(Sehr richtig! bei den Soz.] Es gehört in der Tat Mut dazu, zu glauben, daß man diese Meinung dem Volke beibringen kann. Tatsächlich handelt es sich um eine Ausraubung der breiten Massen. Dieses ist der wahre Inhalt der Steuerreform.(Lebh. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Dafür sind wir nicht zu haben. Wir verlangen— und das ist die einzige vernünftige Finanzpolitik— Herabsetzung der Ausgaben für Heer und Flotte. Wir verlangen Verständigung mit den anderen Mächten, namentlich mit England und Frankreich. Wir verlangen, daß das Niederhalten der Arbeiterklasse, das Niederhalten einer freiheitlichen Entwicklung des Volkes aufhört. Wir verlangen Beseitigung der indirekten Steuern, Beseitigung von Lebensmittelzöllen und dafür Besteuerung des Einkommens und Besitzes. Das ist unser Steuerprogramm. Es entspricht der Gerechtigkeit und den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Steuerreform der Regierung und die der Kommission lehnen wir ab und bekämpfen sie auf das Allerschärfste. Für die Majorität in der Kommission ist es bezeichnend, daß sie zum gewaltsamen Bruch der Geschäftsordnung schreiten mußte, um ihre Beschlüsse durchzusetzen. Diese Beschlüsse, von denen ich nun und nimmermehr glaube, daß sie Gesetz werden, sind das skandalöseste und schamloseste, was man auf dem Gebiete der Steuerpolitik an Drückebergerei jemals erlebt hat. Sie bedeuten die Auswucherung der breiten Schichten und die Schonung des Einkommens und Vermögens.(Beifall b. d. Soz.) Professor Delbrück hat darauf hingewiesen, worin eigentlich die Gegnerschaft der Konservativen gegen eine vernünftige Erbschaftssteuer ihren Grund hat. Die Herren müssen sich dann richtig einschätzen und ganz andere Steuern leisten als jetzt. Die Darlegungen des Pros. Delbrück beweisen jedenfalls, daß die Behauptung des Grafen Westarp, in landwirtschaftlichen Kreisen bestehe ein Widerwille gegen Steuerhinterziehung, nicht richtig ist. Ein Landwirt, dessen Gut mit einem Reinertrag von 6000 Mk. bewertet ist, hat 1600 Mk. versteuert, also 26 Mk. jährlich bezahlt, und dasselbe trifft auch bei anderen zu.(Hört, hört! links.) Herr Bassermang ist gestern auf den neuen Hansabund zu sprechen gekommen. AAuch wir haben Ursache, uns mit ihm auseinanderzusetzen. Ich wünsche, daß die Hoffnungen des Liberalismus auf den Hansabund in Erfüllung gehen, aber es wäre gut gewesen, wenn der Gründer dieses Bundes, als er von den Kräften sprach, auf deren Arbeit der nationale Wohlstand beruht, auch des Anteils der Arbeiterklasse gedacht hätte, die an diesen Wohlstand Schweiß und Blut hat setzen müssen.(Unruhe rechts; Sehr wahr! bei den Soz.) Zu Unrecht haben die Herren sich als das Sprachrohr der gesamten Bevölkerung bezeichnet. Zu den einzelnen Vorlagen habe ich kurz folgendes zu sagen: Die vorgelegte Erbschaftssteuer ist ein Hohn auf jede vernünftige Erbschaftssteuer, eine Kapitulation der Regierung vor der Majorität der Kommission.(Sehr wahr! bei den Soz.) Gegenüber der Nachlaßsteuer ist die Vorlage eine Verschlechterung und auf die landwirtschaftlichen Interessen zugeschnitten.(Sehr richtig! bei den Soz.) Der Ertrag der Erbschaftssteuer ist lächerlich. Wir behalten uns unsere endgiltige Entscheidung auch über diese Steuervorlage, die ja dem Vernehmen nach an eine Kommission gehen soll, vor. Wir wollen versuchen, etwas daraus zu machen, was mit Recht den Namen einer Erbschaftssteuer tragen darf. So, wie die Vorlage heute ist, oder gar, wie sie noch verschlechtert werden wird, das kann ich Ihnen heute schon sagen, eignet sie sich nicht für uns zur Annahme.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Schecksteuervorlage bedeutet eine neue Belastung des Verkehrs. Und dann die Besteuerung der Feuerversicherungspolicen. Es ist selbstverständlich, daß hierdurch die Neigung, sich gegen Brandschaden zu versichern, abnehmen wird. Solche Steuer halten wir für kulturwidrig. Durch sie muß die Volkswirtschaft schweren Schaden erleiden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Es ist auch nicht wahr, daß das Mobiliar den Maßstab für die Höhe des Besitzes abgibt, und dadurch, daß 5000 Mk. frei Sprudelnd kamen die Worte über ihre Lippen und verscheuchten den letzten Rest der Müdigkeit. Als er ihr die Hand gereicht hatte, saß sie staunend da, als hätte ein Wunder sie beglückt. Dann, als sie flugs mit einem Glas Glühwein zurückgekehrt war, das er ihr spendiert hatte, taute sie bereits nach dem ersten Schluck auf, löste sich ihre Zunge zu einem Wirrwarr von Worten, in dem immer aufs neue ihre Freude über das Wiedersehen zurückkehrte. Das hätte sie sich wirklich nicht träumen lassen, daß sie heute noch einen solchen Gast bekommen würde! Wenn sie ihm vielleicht auch schon längst aus dem Gedächtnis gekommen sei, sie habe sein Leben seit jener Zeit verfolgt, wisse alles, auch daß er jetzt verheiratet und Rechtsanwalt sei. Neulich habe sie sein Schild gelesen und lange gezaudert, ob sie nicht zu ihm hinaufgehen solle, um ihn in einer Angelegenheit um Rat zu fragen. Schon mehrmals habe sie ihn auch hier vorübergehen sehen, sie habe dabei am Fenster gestanden, sei aber von ihm wie eine Fremde betrachtet worden. „Nein, wie ich mich freue. Das ist seit langer Zeit wieder mal eine glückliche Stunde für mich. Und was für ein stattlicher Mann Sie geworden sind. Schön waren Sie ja immer.“ Während er das alles über sich ergehen ließ und dazu gezwungen lächelte, wie jemand, der in eine unbehagliche Lage gekommen ist, hatte er Gelegenheit, sie aufmerksam zu mustern. Was war aus der einstigen hübschen Thüringerin geworden! Wo war die Frische ihrer Wangen geblieben, die schlanke Taille. und die jugendstrotzende Bewegung. Fünf Jahre hatten sie zu einer armseligen Kreatur gemacht, geschlagen von der Hand des Lebens. Ihr Gesicht war schmal, welk Hände und Hals, hohl der Rücken und eckig die einst runden Schultern. Aeußerliche Vernachlässigung guckte aus jeder Falte der Kleidung. Selbst das Haar hatte seinen Glanz verloren. Nur in den Augen leuchtete die alte braune Pracht, wie plötzlich mit Glanz überzogen durch die magische Kraft des Augenblicks. „Wie ist es Ihnen während der Zeit ergangen?“ fragte er, trotzdem aus ihrem Antlitz mehr sprach, als sie hätte erzählen können. „Man schlägt sich so durch,“ gab sie mit gesenktem Blick zurück.„Sie sehen ja, wie weit es mit mir gekommen ist. Sonst würde ich doch nicht in solcher Bude bedienen. Aber in der Friedrichstadt wollen sie Schönere und Jüngere haben Ich wäre längst ins Wasser gegangen, wenn ich mein Kind nicht hätte.“ Sie holte aus der Kleidöffnung am Halse ein wertloses Medaillon hervor und zeigte ihm die Photographie eines etwa dreijährigen Mädchens. „Die ganze Mama— ebenso schön,“ sagte er galant und dachte daran, daß ihm bis jetzt der Kindersegen verwehrt worden war. Sie lächelte bitter.„Schön? Das war einmal! Heute bin ich schon eine alte Schachtel trotz meiner vierundzwanzig Jahre. Aber wenn man soviel Kummer durchmachen muß... Sie nahm das Medaillon, betrachtete das Köpfchen mit leichtem Nicken und führte es inbrünstig an die Lippen. Das Mutterglück färbte ihre Wangen, verjüngte und verschönerte sie. Aus diesem armen Weibe, das auf der Stufe der Verdorbenheit angelangt war, sprach die ewige Schmerzensmutter, in deren Herz Kinderstimmen jubeln. Es war die alte Geschichte der Verführten, die in Leidenschaft vertraut hatten und in Dummheit betrogen wurden. Kramer hatte sie sitzen lassen. Ein Jahr lang hatten sie lustig gelebt, dann war seine Neigung plötzlich erkaltet, hatte er den Bruch mit ihr rücksichtslos vollzogen..„ Wenig schlau wie sie war, hatte sie ihm niemals in der Tasche gelegen, und so wandelte sie hilflos tiefer hinab. Ihre Gutmütigkeit hatte sie schwach gegen ihn gemacht. und so machte sie niemals den Versuch, etwas für ihr Kind von ihm zu erlangen. Sie hatte es irgendwo in Pflege gegeben, sorgte nach Kräften für sein Gedeihen und entbehrte gern, um die einzige Freude ihres Daseins zu stillen. „Wissen Sie, was ich Ihnen damals gesagt habe?" begann sie wieder.„Sie würden mich auf dem Gewissen haben. Und nun ist auch alles so gekommen. Ich war wütend auf Sie, denn ich hatte Sie so gern. Drüben auf der anderen Seite war nur ein Tisch noch besetzt, an dem es laut herging. Man hörte das Rollen der Würfel, das Lachen der Kellnerin und das wüste Geschrei der Bezechten, sobald ein Wurf die Erwartung übertroffen hatte. Eine Stimme gröhlte dazwischen und endete dann in den Zuruf: „Musikdirektor— spielen Sie mal die Ballade von der zerquetschten Aeppelfrau. „Jawohl, gleich!“ Der Klavierspieler machte einen Beinschwung über einen Stuhl hinweg, ließ sich am Instrument nieder und markierte auf dem geschlossenen Deckel das Schlagen der Tasten, während er mit den Lippen die Melodie dazu hell trompetete. Dröhnendes Gelächter erfolgte. Der Künstler verbeugte sich, machte einen genialen Fünffingerstrich durch seine Mähne und bedankte sich für den frischen Schoppen, den er sich aufs neue verdient hatte. Frida ergriff Trollas Hand und küßte sie. Er sah wieder das Grübchen in ihren Wangen, das ihn früher so oft gereizt hatte. Etwas Liebliches sprach aus ihren Zügen, wie damals, als der ganze Stammtisch sie umschwärmt hatte. „Armes Mädel,“ sagte er unwillkürlich. „Ja, das bin ich. Aber jetzt bin ich reich, daß Sie mich stens noch nicht vergessen haben. Sie waren immer gut zu mir, Viel zu gut und viel zu anständig!“ Er seufzte leicht auf, denn er dachte bei ihren Worten an sein eigenes Schicksal. „Aber deshalb grade wäre ich zu gern Ihre Geliebte geworden, fuhr sie fort, während sie ihm die weiche Hand strich. dleiben, wird nicht etwa der Mittelstand befreit. Wir behalten uns, wie gesagt, unsere Stellung vor. Aber jedenfalls lehnen wir diese verkrüppelten Projekte ab, die nach den Wünschen der Großgrundbesitzer und Großindustriellen eingerichtet sind, und bei denen diesen Kreisen eine ungerechte Schonung zuteil wird. Wir haben auch keine Neigung, mit unseren Stimmen die Geschäfte des Zentrums und der Konservativen zu betreiben. Wie #i## bereit, mitzuarbeiten an einer Reform, welche die Vermehrung von Steuern auf Lebensmittel vermeidet und Vermögen und Nachlaß in geeigneter Weise belastet und eine dauernde Ordnung in die Finanzen des Reiches bringt. Alle Steuerreform wird nichts helfen, wenn die kolossalen Ausgaben für Militär, Marine und Kolonien, welche die wirtschaftlichen Kräfte Deutschlands übersteigen, andauern. Die Ursachen der Finanznot muß man beseitigen, erst dann kann Besserung eintreten.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Ehe aber die Herrschaft des Junkertums in Preußen gebrochen ist, gibt es keine Reform im Reiche. Und die Macht des Junkertums in Preußen beruht wieder auf dem Dreiklassenwahlsystem, auf dem Geldsackswahlrecht. Wenn man die Herren Liberalen im November gehört hat, ach, dann war die Voraussetzung für die Finanzreform: Konstitutionelle Garantien und Beseitigung des Dreiklassenwahlsystems in Preußen.(Sehr richtig! bei den Soz.;„Widerspruch bei der Natl.; Zuruf des Abg. Bassermann: as ist ein Mißverständnis, Herr Singer, das habe ich nicht gesagt!) Herr Kollege Bassermann, dann gestehe ich, daß ich Sie überschätzt habe.(Große Heiterkeit.) In liberalen Kreisen hat man aber damals diesen Standpunkt vertreten.“ Wenn man sich zum Schluß fragt, was ist aus dieser Finanzreform, die der Liberalismus gutheißen will, jetzt tatsächlich geworden, so kann die Antwort nur lauten: sie ist ein Gesetz gegen die breiten Volksmassen, ein Ausnahmegesetz zugunsten des Besitzes, wobei, abgesehen von dieser lächerlichen Erbschaftssteuer, von wirklichen Besitzsteuern nicht die Rede sein kann. Lassen Sie mich einen scharfen, aber zutreffenden Ausdruck gebrauchen: Es ist eine Politik der Niedertracht, eine Politik der Ausraubung, die wir mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, bekämpfen werden.(Lebh. Beifall bei den Soz.; Lärm rechts; Glocke des Präsidenten.) „ Vizepräsident Kaempf: Herr Abg. Singer, Sie haben hon wayrend Iyrer Rede gesagt, daß man unter dem Namen inanzreform eine Ausraubung der breiten Massen beabsichtige. Sehr wahr! bei den Soz.) Dieser Ausdruck, zusammen, mit iyren letzten Worten, wobei Sie das Wort„Niedertracht im usammenhang mit der Regierungsvorlage angewendet haben, nötigt mich, Sie zur Ordnung zu rufen.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Spahn(Ztr.): Wir bedauern, daß die Regierung gegen die meisten der von der Kommission vorgeschlagenen Ersatzsteuern sich ablehnend verhält. Der Reichskanzler und Herr v. Rheinbaben haben sich früher unler ausdrücklicher Betonung des Familiensinnes(Dröhnendes Bravo! rechts. Heiterkeit bei den Soz.) auf das entschiedenste gegen die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Gatten und Deszendenten erklärt, sie haben auch hervorgehoben, daß durch diese Steuer der Grundbesitz schwerer getroffen wird, als das mobile Kapital. Es ist wahr, daß mein Freund Gröber einmal Anhänger der Ausdehnung der Erbschaftssteuer gewesen ist. Er hat sich aber inzwischen bekehrt. Schallendes Gelächter links.) Andere haben sich in umgekehrter „ichtung bekehrt, zum Beisviel Herr Pagsche.(Hört, hört, im Zentrum und rechts: Widerspruch bei den Natl.] Da die Bauernsöhne meistens in der väterlichen Wirtschaft arbeiten, so ist diese Steuer eigentlich eine Besteuerung der Arbeit.(Große Heiterkeit bei den Soz.) Redner empfiehlt die Kotierungssteuer, die sich in Frankreich bewährt habe.(Lauter Widerspruch des Abg. Mommsen.) Es handelt sich hier um eine Geld- und nicht um eine Weltauschauungsfrage.(Sehr richtig! rechts; Zuruf links: Bei Geldfragen hört die Gemütlichkeit und die Weltauschauung auf! Große Heiterkeit.) Herr Bassermann wünscht einen Wahlkampf, weil ihn die Börse zu scharf angefaßt wird.(Sehr gut! rechts; Unruhe links.) Ist das Stärkung des Parlaments, Herr Bassermann?(Sehr gut! im Zentrum.) Redner erzählt alsdann die Geschichte seines Zylinderhuts, der ganz zu Unrecht seine symbolische Berühmtheit erlangt habe, und hält dem Reichskanzler, der von Verdächtigungen und Verleumdungen gesprochen habe, sein eigenes Verhalten gegen das Zentrum vor. Der Artikel der„Germania“ über die Bundestreue des Kanzlers sei von einem Nichtkatholiken verfaßt, und das Zentrum stebe diesen Angriffen fern. Wir haben unsere gesellschaftlichen Beziebungen zum Reichskanzler abgebrochen, weil er uns„antinationale Haltung“ vorgeworfen hat.(Stürm. Zustimmung im Zentrum.) Wir lassen uns nicht von persönlichen Sympathien und Antipathien leiten, sondern nur von dem, was nach unserer Ueberzeugung heilsam für das Wohl des Volkes und des Vaterlandes ist.(Stürm. Beifall.) Preußischer Finanzminister v. Rheinbaben: Der Abg. Singer übersieht, daß trotz der 400 Millionen Verbrauchssteuern die indirekten Steuern bei uns immer noch geringer sein würden, als in anderen Ländern, und daß sie für Heer und Marine gebraucht werden, welche den Frieden auch zum Wohle des Arbeiters sichern.(Zustimmung rechts.) Die Berechnung des Ertrages der Kotierungssteuer ist eine ganz willkürliche. Der Besitz von Aktien geht bis in die Kreise des Mittelstandes hinein. Die Landwirtschaft würde sich bei Ri diesen Vorschlägen ins eigene Fleisch schneiden. Die Rückwirkung der Kotierungssteuer auf das Kreditbedürfnis der Provinzen und Gemeinden wäre besonders schädlich. Durch die Banken gewinnt unsere Industrie immer neue Absatzgebiete, hierdurch wächst unser politischer Einfluß. Wir dürfen die Börse nicht lahmlegen.(Sehr richtig! links.) Auch im Zentrum gab es fruher Abgeordnete, welche der Ausdehnung der Erbschaftssteuer nicht abgeneigt waren. Sie ist die einzige allgemeine Besitzsteuer, die im Reiche möglich ist, und deshalb eine Lebensfrage für das Reich. Es ist patriotische Pflicht, dem großen Ziele Einzelbedenken unterzuordnen. Der Mann, der aus äußeren Gründen, um in seiner Stellung zu bleiben, seine Meinung ändert, ist verächtlich. Wer aber aus Ueberzeugung die frühere Meinung revidiert, um einem großen Ziele zu dienen, der ist es nicht. Wir wollen keine Erbschaftssteuer, die den bäuerlichen Besitz zerstört oder die Landwirtschaft überlastet. Davon ist nicht die Rede. Die Gegensätze müssen zu überbrücken sein! Es kann nicht sein, daß das Bündnis zwischen Industrie und Landwirtschaft, welches solange bestand, gekündigt wird. Noch ist es Zeit, sich die Hand zu bieten, und was zerrissen ist, wiederherzustellen für die finanzielle Wiedergeburt unseres Vaterlandes.(Lebhaftes Bravo!) Fürst Hatzfeld(Rp.) erklärt namens seiner Fraktion für die Erbanfallsteuer zu stimmen und wünscht dem Appell Rheinbabens Erfolg. Abg. v. Dziembowski=Pomian(Pole) behält sich für" Kommissionsbe die Stellung seiner Frattion für die Kommisstensberatung vor. Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 1 Uhr. Schluß 6 Uhr. Parteinachrichten. Genosse Augustin, Verwalter des Berliner Gewerkschaftshauses, ist Mittwoch abend an einem Herzschlage gestorben. Richard Augustin war einer von den alten Berliner Parteikämpen, die schon unter dem Sozialistengesetz unerschrocken in Reih und Glied gestanden haben. Seit 1900 zählte er mit zu den Vertretern der Partei im Berliner Rathause. Vom Strafkonto der Presse. Redakteur Genosse Leopoldt vom„Volksblatt“ in Halle wurde von der dortigen Strafkammer wegen Beleidigung des Bürgermeisters Reichstagsabgeordneten Wilde=Elsterwerda zu 1000 Mk. und wegen Beleidigung eines Pastors und sechs Lehrer zu 200 Mk. Geldstrafe verurteilt. Gewerkschaftsbewegung. „Christliche" Wahrheitsliebe. Am 27. Februar dieses Jahres brachte der„Deutsche Maler“(Organ des Zentralverbandes christlicher Maler) in einem Artikel gegen den„Vereinsanzeiger“ folgende Behauptung: „Beim Abschluß des Tarifvertrages im Vorjahre erklärte der Landesverbandsvorsitzende der Arbeitgeber, Herr Eymer, daß es schwer halten würde, bei Beendigung der Aussperrung alle Gehilfen wieder unterzubringen. Da bat und bettelte der Gauleiter des roten Verbandes bei Herrn Eymer:„Sorgen Sie doch dafür, daß die Leute wieder eingestellt werden, wenn sie dann auch wieder entlassen werden.“ Daraufhin sandte der Gauleiter des Malerverbandes, Zimmermann=Frankfurt, eine Berichtigung an die Redaktion des„Deutschen Maler" und erklärte, daß die angeführte Behauptung in allen Teilen unwahr sei. Als Beweis hierfür beziehe er sich auf eine Berichtigung des Herrn Eymer, die der Redaktion des„D. M.“ bereits zugegangen, aber von dieser nicht veröffentlicht worden sei.— Am 27. März nahm die Redaktion des„D. M.“ die Berichtigung des Gauleiters Zimmermann in ihrem Blatte auf, bemerkte aber dazu: „Unsere Gewährsmänner halten trotz der Berichtigung des Herrn Gauleiters Zimmermann ihre Behauptung aufrecht, und haben wir Herrn Eymer folgendes Schreiben gesandt:„Auf Ihre werte Zuschrift vom 1. März in Sachen„Vereinsanzeiger“ kontra„Deutscher Maler“ gestatten wir uns mitzuteilen, daß unsere Gewährsmänner die in Nr. 9 des„Deutschen Maler“ angegebenen Angaben hochhalten. Aus diesem Anlaß liegt daher kein Grund zur Berichtigung unsererseits vor.“. Daraufhin sandte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes, Herr Eymer, folgendes Antwortschreiben an die Redaktion des „Deutschen Maler“:„Im Besitze Ihrer heutigen Zuschrift bin ich sehr erstaunt, daß Ihre Gewährsmänner die in Nr. 9 gemachten Angaben aufrechterhalten wollen. Mit anderen Worten: Sie halten demnach meine Angaben für falsch.— Nicht meinethalben bedaure ich dies, als vielmehr, daß von einer Organisation, die sich christlich nennt, der Wahrheit und der Tatsacht nicht entsprochen wird.“ Dazu bemerkt die Redaktion des„D. M.“,„daß auch jetzt noch 2+ 2 nicht 5, sondern 4 ist. Die Angaben unserer Gewährsmänner bleiben also nach wie vor bestehen und liegt gar kein Grund vor, die Wahrheit derselben in Zweifel zu ziehen. Die Unterstellung in dem Schreiben,„daß wir der Wahrheit und der Tatsache nicht entsprechen“ ist, gelinde gesagt mehr als deplaciert!“ Der. Gauleiter Zimmermann strengte hierauf Klage gegen m S 5,* z c M“ In der Verhandlung den Reoalteur des„T. M. an. In der Verhäutlung am Juni vor dem Schöffengericht in Frankfurt a. M. versuchte 12. Juli gr dem Schöffengericht, in Frankfurt a. nun der Beklagte den Wahrheitsveweis anzurleten, er ist aver damit glänzend reingefallen. Der einzige Zeuge, der christliche Bezirksleiter Abel, der die behaupteten Worte gehört haben will, schied als Mitverfasser des Artikels als Zeuge aus; der andere Zeuge, Tüncher Denfeld von Homburg v. d. H. will es von anderen gehört haben, daß die behaupteten Worte gefallen seien. Der Angeklagte bequemte sich dann auf Zureden seines Anwalts dazu, auf einen Vergleich einzugehen, demzufolge er erklärt, er habe dem Kläger keineswegs den Vorwurf machen wollen, daß er das von seiner Partei in ihn gesetzte Vertrauen mißbraucht hätte, er(der Beklagte) habe sich vielmehr durch die heutige Verhandlung davon überzeugt, daß zu einem derartigen Vorwurf keinerlei Veranlassung vorliege.— übernahm sämtliche Kosten des Verfahrens, auch verpflichtete er sich, den Vergleich binnen zwei Wochen in der von ihm als verantwortlicher Redakteur gezeichneten Zeitschrift„Der Deutsche Maler" zu veröffentlichen. Mit dem Verräterstückchen, das der christliche Metallarbeiterverband gegenwärtig bei dem Streik, den die Solinger Gewerkschaften über die Stahlwarenfabrik Mandewirth verhängt haben, verübt, beschäftigte sich am letzten Sonntag im größten Lokale in Solingen, der stadtischen Schützenburg, eine vom Metallarbeiterverband und dem Industriearbeiterverband gemeinsam arrangierte öffentliche Gewerkschaftsversammlung, die massenhaft besucht war. Die Referenten, Böhmer vom Industriearbeiterverband und Rapp vom Metallarbeiterverband, legten der Versammlung die Gründe, welche zu dem Streik geführt haben, auseinander und geißelten das Verhalten der christlichen Gewerkschaftsführer in der schärfsten Weise. Zu den bereits mitgeteilten Tatsachen ist noch folgendes erwahnenswert: Nachdem bekannt geworden war, daß Mandewirth die bestehenden Preisverzeichnisse(Tarife) umging und den Arbeitern wohl den richtig verdienten Lohn in ihr Kontobuch eintrug, aber bei den Zahlungen bedeutende Abzüge machte, wandten sich die Gewerkschaften an den Arbeitgeververband, der ebenfalls streng auf der Durchführung der bestehenden Preisverzeichnisse(Tarife) besteht. In den gemeinsamen Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeberveroand und den Gewerkschaften wurde Mandewirth verurteilt, die an die Arbeiter zu wenig gezahlten Beträge nachzuzahlen. Mandewirth weigerte sich aber, diesem Beschluß nachzukommen, und die Folge davon war, daß er aus der Fabrikantenvereinigung ausgeschlossen wurde. Während also die Fabrikanten den Tarifverächter für vogelfrei erklärten, schlossen die „Christen“ einen Pakt mit diesem, um die streikenden Arbeiter niederzuzwingen. In einer Versammlung der Christlichen wurde, obgleich sie über den Sachverhalt unterrichtet waren, beschlossen, weiter zu arbeiten. Nicht genug damit, wurden der Firma auch Streikbrecher zugewiesen. In der Versammlung wurde weiter festgestellt, daß der Bezirksleiter vom christlichen Metallarbeiterverband, der bekannte Peter Broich in Düsseldorf, arbeitslosen Mitgliedern gegenüber erklärt hat: „Wenn ihr die Arbeit nicht annehmt, bekommt ihr keine Unterstützung mehr!“ Systematisch sei versucht worden, alle Plätze mit christlichen Streikbrechern zu besetzen. Das sei ein Verräterstreich, wie man ihn sich nicht schlimmer vorstellen könne. Gelber als die Gelben um Lebius seien die Christlichen in diesem Falle. Der christliche Bezirksleiter Peter Broich in Düsseldorf habe Solinger Gewerkschaftsführern gegenüber erklärt:„Ihr sollt vor uns noch auf den Knien rutschen!" Dieser Ausspruch charakterisiert sich von selbst, wenn man bedenkt, daß den zirka 12000 freigewerkschaftlich organisierten Arbeitern im Kreise Solingen nur einige hundert christliche gegenüberstehen. Die Erregung, die sich der Solinger Arbeiterschaft über den Verrat der Christlichen bemächtigt hat, widerspiegelt sich am besten in einer Resolution, die in der Versammlung einstimmig angenommen wurde und in der es heißt: „Solange diech ange die gristlisch orggnisierten Sotigger ,Atererttopheßen den Streikbruch aus ihrer Organisation nicht entsernt haben, gelten alle im christlichen Metallarveiterverband organisierten Arbeiter der Solinger Stahlwarenindustrie als Streikbrecher und sind dementsprechend zu behandeln. Schreiten die christlichen Gewerkschaftler skrupellos über die Existenzen streikender Arbeiter hinweg und verbleiben bei ihrem verräterischen Verhalten, so kann auch den Solinger Arbeitern die Existenz dieser Christen gleichgiltig sein. Zum Ausstand der Kieler städtischen Arbeiter. Der Magistrat hat es abgelehnt, das Gewerbegericht als Einigungsamt anzuerkennen,— wie bürgerliche Blatter melden, aus dem Grunde, weil diese Institution eine städtische Einrichtung und von staut. schen Beamten verwaltet ist. Verselbe Magistrat, der in Lohnkämpfen die Vermittlerrolle spielt, lehnt jede Vermittlung sich versönlich ab Das nonnt man konseanent! Wa blei dtiohnfür die Vermittlerrolle spielt, lehnt jede Vermittlung für sich Personlich ab. Das nennt man konsequent: Wo bleibt da die Anerkennung gesetzlicher Einrichtungen?— Der Stand der Dinge ist sonst unverändert: Dannerstag kam wieder ein Tra# die Anerkennung gesetzlicher Einrichtungen?— Der Stand der Linge ist sonst underändert, Bönnerslag tam wieder ein Transport Arbeitswinliger. Unter der Bedeckung von 50 uniformierten Schutzleuten und vieler Geheimpolizisten, sowie einer Reihe von Agenten wurden sie per Straßenbahn nach dem Depot der Straßenreinigung gebracht. Im übrigen ist die Situation unverändert. „Dann hätte ich doch ein schönes Bild im Herzen und brauchte nicht mit Abscheu an die Vergangenheit zu denken.“ „Dann wäre ich der Abscheu, wandte er ein. „Niemals, niemals, Herr Felix!“, rief sie mit leuchtenden Augen aus.„Ich darf Sie doch noch so nennen? Bitte, bitte.“ Er nickte lächelnd.„Es ist besser so,“ sagte er dann „Ach, jetzt meinen Sie es ja doch nicht so,“ fiel sie lachend ein.„Heute sind Sie schon viel erfahrener. Er blickte schweigend vor sich hin. Im Innern konnte er ihr nicht ganz unrecht geben. Vielleicht wäre er dann freier geblieben, hätte mehr ausgetobt, wäre nicht wie ein richtiger, nüchterner Philister so früh hängen geblieben. „Niemals hätte ich Sie hassen können, auch wenn das Schlimmste gekommen wäre, fuhr sie schmeichelnd fort.„Ihr Männer werdet uns Mädchen niemals ganz begreifen lernen, und wenn wir auch noch so einfältig sind. Wem wir gut sind, dem opfern wir alles, wenn's auch zu unserem Schaden ist. Nur verachten darf man uns dann nicht, und nicht beiseite werfen, wie eine Zitrone, die man ausgepreßt hat... Mein armes Kindchen kann doch nicht dafür. Langsam rollte eine große Träne über ihre Wangen, mit Gewalt beherrschte sie sich vor weiteren Ergüssen. Er sprach ihr Trost zu und beruhigte sie. Der Klavierspieler hatte ganz piano den„Krug zuzi grünen Kranze" angestimmt, und sofort erklang der Chor druben am schwebte“* K“yfen die m Tische. Eine Hand schmer über den Kopsen, die mit dem Finger dirigierte. Sobald die Stimmen sich erhoben, wurde wie ein drohendes Menetekel der dicke Wirt im Türrahmen sichtbar. Die Dirigentenhand machte eine tiefe Senkung, und der Gesang erstarb zum Flüstern, das aber in grelle Laute überging, sobald der Dicke wieder den Rücken kehrte. Frida war wieder heiter geworden. Die Lustigkeit des übermütigen Völkchens riß beide mit sich fort. Sie stießen lachend an und tranken. Dann kramten sie alte Erinnerungen an die vergangenen Tage aus. „Es war doch mancher lustige Abend im Lichtenhainer,“ sagte sie und hegann den„Großpapa“, nachzuahmen, wie er mit seiner großen Dote umherzog, und scherzhaft den Deckel zuschlug, sobald zemand eine Prise nehmen wollte. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. kfg. Gefahren der Röntgenstrahlen. Ein trauriges Vorkommen infolge unvorsichtiger Behandlung mit Röntgenstrahlen wird von Neideck in der„Medizin. Klinik" berichtet. Es handelte sich um einen 24jährigen Schmied, der im Jahre 1903 durch einen Stahlsplitter in der Gegend zwischen dem linken Auge und Nase verletzt wurde. In einer Universitätsklinik wurde ihm geraten, als er sich nicht operieren lassen wollte, sich einer Behandlung mit Röntgenbestrahlung zu unterziehen. Diese fand 102mal statt, und zwar 12 Bestrahlungen hintereinander in 12 Tagen, worauf dann einige Wochen ausgesetzt wurde. Der Erfolg war ein höchst trauriger, denn an den bestrahlten Teilen zeigte sich zunächst eine Verfärbung der Haut, dann stießen sich die Hautteile ab, aber ebenso auch die Weichteile und schließlich sogar die Knochen. Die vernichtete Stelle wurde immer größer, so daß 1905 das linke Auge entfernt werden mußte, während das andere erblindete. Durch die Oeffnung kann man bis hinten nach der Zunge sehen. Es ist nicht zu verwundern, daß der Mann hochgradig nervös geworden ist, denn die Zerstörungen sind nach der beigegebenen Abbildung sehr wenig schön. Die Zukunft der Luftschiffahrt. In einem Artikel des„Pall Mall Magazine“ spricht sich Graf Zeppelin über die Eroberung der Luft und die Zukunft des Luftschiffes aus. Für ihn besteht kein Zweifel darüver, daß die Zukunft der Luftschiffahrt dem großen Luftschiff und nicht der Luftmaschine gehoren wird. Die erste Notwendigkeit für lange Fahrten mit dem Luftschiff sind zwei unabhängig voneinander arbeitende Motoren, jeder mit seiner eigenen Schraube. Bei einem Motor ist die Gefahr des Versagens niemals völlig ausgeschlossen, und das Versagen eines Luftschiffmotors ist viel gefährlicher als etwa das Versagen einer Eisenbahnlokomotive. Zeppelin wendet sich gegen die Behauptung, daß er ein Luftschiff zu bauen beabsichtige, das hundert Passagiere tragen könne,„obwohl ein solches Ungeheuer keineswegs fur die moderne technische Wissenschaft außerhalb der Möglichkeit liegt". Daß Luftschiffe über 60 Kilometer in einer Stunde und 3200 Kilometer in zwei Tagen oder bei langsamer Fahrt 6400 in 4½ Tagen zurücklegen werden, liegt für ihn in dem Bereich der schon sichtbaren Zukunft. Die Luftschiffahrt sei viel schwieriger als die Schiffahrt auf Flüssen und Meeren. Der Luftschiffer hat z. B mit Gebirgen zu rechnen, und bei Nacht oder während dichten Nebels muß er sein Schiff entweder hoch über oder fern von solchen Gefahren steuern. Zeppelin sieht in dem Luftschiff den wichtigsten Pionier der Zivilisation, der dem Menschen den Zugang zu bisher wenig bekannten und halb erforschten Gebieten des Erdballs eröffnen wird. Mit der Zeit wird sich der Luftschiffer auch die günstigen Windrichtungen viel mehr zunutze machen können, und es werden auch sorgfältige Beobachtungen zum Nutzen der Luftschiffahrt angestellt werden. Die Erforschung der Luftströmungen für die Luftschiffahrt ist besonders in Angriff genommen von der internationalen Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt unter Professor Hergesell in Straßburg; durch sie werden noch mehr Beobachtungsstationen über die ganze zivilisierte Welt hin geschaffen werden. Was die Kostspieligkeit der von ihm erbauten Luftschiffe anbetrifft, so meint Zeppelin, daß die Summen sehr übertrieben worden sind. Eine Luftschiffve den sinr., Eine Laftschiffverbindung zwischen Berlin und Kopenhagen wurde sich nach seiner Meinung schon heute mit zeyn Prozent verzinsen. Internationale Luftschiffverbindungen zu verbieten ist unmöglich; aber„die Wirkung der Luftschiffahrt wird eher darin bestehen, ein Band der Einigung zwischen den Nationen zu schlingen, als einen Krieg aller gegen alle zu entfesseln". Die Luftschiffahrt wird seinerzeit durch internationale Verträge geregelt werden. Die Luftschiffer werden auch ihre eigenen Schiffspapiere vor dem Aufsteigen erhalten, in denen die Zahl der Passagiere, Art und Gewicht der Ladung usw. angegeben werden, wie jetzt bei Schiffen, die in See stechen. So wird die Luftschiffahrt eine neue Form der internationalen Gesetzgebung hervorrufen Die norwegische Ueberlandbahn. Ein Seitenstück zu der schwedischen Lapplandbahn, die vor einigen Jahren eröffnet wurde, ist die großartige Bahnanlage Kristiania=Bergen, die jetzt ihrer Vollendung entgegengeht. Sie ist mit einer Gesamtlänge von 516 Kilometern die größte Bahnstrecke Norwegens überhaupt, dessen Eisenbahnnetz bisher nur rund 2500 Kilometer— etwa den zwanzigsten Teil der deutschen— umfaßte. Der Bau wurde 1895 begonnen und ist jetzt bis auf die Teilstrecke Gulsvik—Roa beendet, so daß man 1911 die ganze Strecke dem Betrieb übergeben zu können hofft. Welche technischen Schwierigkeiten diese Hochgebirgsbahn zu überwinden hatte, lehrt schon die Tatsache, daß sie nicht weniger als 184 Tunnels umfaßt, von denen der größte über 5 Kilometer lang ist.(Der Gotthardtunnel hat eine Länge von 15 Kilometern.) Der höchste Steigungspunkt/der Bahn liegt 1300 Meter hoch. Die Gesamtkosten durften kund 60 Millionen Mark betragen. Die Reise von Kristiania nach Bergen wird nach Fertigstellung der ganzen Strecke nur mehr 13 bis 14 Stunden in Anspruch nehmen, mährend jetzt noch die Seereise über 50 Stunden dauert. Beim Streik der K ein immer sonderbai demokratischen Stadt Interpellation eingel „Sind dem M Aussperrung der trieben, insvesonde und in den Lichtw heit der Einwohner zu tiefgreifender C fange bekannt, und Die Interpellatio Stadtkollegien am 2. Am Mittwoch fra Kuhnt den Stadtre stehen, ob die Besichti lehnte das ab, trotzde stand. Auf die Frag antwortete der Stadt Sozialdemokrat.“ D Ersuchen zur Beschlu hat der Magistrat be dem sozialdemokratise Betriebe nicht zu Wegen großer Mi woch auf der Zeche Anläßlich des B Donnerstag zu einen der Polizei, wobei machten. Ein Arbeit wundet. Militär mi Heizer und Matr erklarten sich heute 1 und traten in den A Die Metallarbeite haben die Arbeit ni verweigert worden is Streik in der O Streik ist auf der Drahtwerk, ausgebroc bekannt gegeben, daß gekürzt werden. Dar weg unorganisierte 2 woch kehrten 400 zur verharrten. Da die übrigen Arbeiter lie daß am Feitag 3000 ausgesperrt werden,f nicht wieder vollzähli nen waren vom Aufs Der Deutsche Kylo lich berichtet wurde beschlossen, er hat nu heißt, daß die gewerk der Verschmelzung kl fähigen Organisatione Xylographenverbandes gegenwärtig aus takt den Verband nur Nac In den Lithogra sind die sämtlichen ch worden. Der Grund Solnhofer Aktien=Ver Arbeiter abgeschoben beiter. Die nicht chi zum 11. Juli weiter ac. Aus der belgisch in den Steinbrü 27. Mai befinden sich Steinarbeiter im Str seit langem im Tagel tkordarbeit wieder e noch nicht erzielt, die vor. In diesen Tagen gesperrt worden.— zum Streik greifen, 1 zu erringen. Die Hill denlohn. Seit Jahren versprochen, da es al fast gänzlich mangelt, Besser kann wohl nich Zusammenschluß der Lasset die Kindlei Posen, sind sämtlich dortigen katholischen Gutsbesitzer bis auf beurlaubt worden. T Musik jeden Morgen Güter abgeholt und freier Kost erhalten Für das Wachstu und geistige Entwick als das stundenlange hitze auf den Zuckerri gröbliche Versundigu n solche Beurlaubu## die sich nicht schämer entziehen, um ihren C trifft die Verantwor gleichmäßig. Die U. dern auch anderwärt haben wir diese Aus wähnen müssen. Ein konservativer schen Stadt Bärwalde die zeigt, daß Dünkel einbar sind: „Wir machen dara lingen, Dienstjungen gleitung Erwachsener Anlagen, auch auf Steige- bei Vermeidun Ebenso ist in den Anla und Kinderwagen sow Wer seine Hühner gehen läßt, wird bestra Bärwalde i. Pom., Die Verordnung ist giltig, weil sie den Gri der Städteordnung 4 auf Benutzung der stäl Immer wieder Ma einem umfangreichen R Montag das Kriegsge schäftigen. Unter Ank Heise von der 8. Komp Anklage legte ihm fort Teil unter Mißbrauch handlung, vorschriftsn zur Last. Heise ist ein ie Er war den Anfor#er Beim Streik der Kieler städtischen Arbeiter legt der Magistrat ein immer sonderbareres Verhalten an den Tag. Die sozialdemokratischen Stadtverordneten haben beim Magistrat folgende Interpellation eingebracht: „Sind dem Magistrate die Folgen des Streiks und der Aussperrung der Arbeiter in den größeren städtischen Betrieben, insvesondere im Abfuhrwesen der Straßenreinigung und in den Lichtwerken, welche eine Gefahr für die Gesundheit der Einwohner der Stadt bedeuten und die Bürgerschaft zu tiefgreifender Erregung veranlaßt haben, im vollen Umfange bekannt, und gedenkt er, schleunigst Abhilfe zu schaffen?“ Die Interpellation wird wahrscheinlich in der Sitzung der Stadtkollegien am 22. d. M. zur Beratung kommen. Am Mittwoch fragte der sozialdemokratische Stadtverordnete Kuhnt den Stadtrat, dem die Licht- und Wasserwerke unterstehen, ob die Besichtigung der Werke gestattet sei. Der Stadtrat lehnte das ab, trotzdem dies den Stadtverordneten jederzeit freistand. Auf die Frage Kuhnts, weshalb die Ablehnung erfolge, antwortete der Stadtrat:„Ja, aber Herr Kuhnt, Sie sind doch Sozialdemokrat. Der Stadtrat versprach, dem Magistrat das Ersuchen zur Beschlußfassung vorzulegen. Am Donnerstag nun hat der Magistrat beschlossen, unter den obwaltenden Umstanden dem sozialdemokratischen Stadtverordneten die Besichtigung der Betriebe nicht zu gestatten. Wegen großer Mißstände auf der Grube kündigten am Mittwoch auf der Zeche Werne im Kreise Hamm 150 Bergleute. Anläßlich des Bauarbeiterstreiks in Worms kam es am Donnerstag zu einem Zusammenstoß zwischen Streikenden und der Polizei, wobei die Schutzleute von der Waffe Gebrauch machten. Ein Arbeiter wurde durch einen Revolverschuß verwundet. Militär mußte zur Verstärkung anrücken. Heizer und Matrosen der Hafenschlepper in Marseille erklarten sich heute mit den ausständigen Seeleuten solidarisch und traten in den Ausstand. Die Metallarbeiterinnen des Tremser Eisenwerks in Lübeck haben die Arbeit niedergelegt, weil ihnen eine Lohnerhöhung verweigert worden ist. Streik in der Oberschlesischen Eisenindustrie. Ein wilder Streik ist auf der Oberschlesischen Eisenindustrie, Abteilung Drahtwerk, ausgebrochen. Durch Anschlag hatte die Verwaltung bekannt gegeben, daß vom 1. Juli ab die Löhne um 2—10 Proz. gekürzt werden. Darauf verließen am Dienstag 600, fast durchweg unorganisierte Arbeiter, den Betrieb. Bereits am Mittwoch kehrten 400 zur Arbeit zurück, während 200 im Streike verharrten. Da die Drahtzieher laufend das Material für die übrigen Arbeiter liefern, so hat die Verwaltung angekündigt, daß am Feitag 3000 andere Arbeiter wegen Materialmangels ausgesperrt werden, falls die Streikenden bis dahin die Arbeit nicht wieder vollzählig aufgenommen haben. Die Lohnreduktionen waren vom Aufsichtsrat beschlossen worden. Der Deutsche Kylographen=Verband hat nicht— wie irrtümlich berichtet wurde— seinen Anschluß an den Senefelderbund beschlossen, er hat nur eine Resolution angenommen, in der es heißt, daß die gewerkschaftliche Entwicklung sich in der Richtung der Verschmelzung kleinerer Verbände zu großen, leistungsfähigen Organisationen bewege. Von einer Verschmelzung des Xylographenverbandes mit dem Senefelderbund müsse aber gegenwärtig aus taktischen Gründen abgesehen werden, da für den Verband nur Nachteile daraus erwachsen würden. In den Lithographiesteinbrüchen von Solnhofen(Bayern) sind die sämtlichen christlich organisierten Arbeiter ausgesperrt worden. Der Grund hierfür ist, daß über die Betriebe des Solnhofer Aktien=Vereins die Sperre verhängt und die jungen Arbeiter abgeschoben wurden. Ausgesperrt sind zirka 800 Arbeiter. Die nicht christlich organisierten Arbeiter dürfen bis zum 11. Juli weiter arbeiten. ac. Aus der belgischen Gewerkschaftsbewegung. Der Streik in den Steinbrüchen von Ecausiennes. Seit dem 27. Mai befinden sich, wie wir seinerzeit mitteilten, gegen 600 Steinarbeiter im Streik. Die dortigen Steinmetzen arbeiteten seit langem im Tagelohn, die Unternehmer versuchten aber die Akkordarbeit wieder einzuführen. Eine Einigung ist auch jetzt noch nicht erzielt, die Unternehmer gehen mit Aussperrungen vor. In diesen Tagen sind wiederum weitere 500 Arbeiter ausgesperrt worden.— Die Maurer von Renaix müssen zum Streik greifen, um sich einen Stundenlohn von 35 Cent. zu erringen. Die Hilsarbeiter erhalten gar nur 25 Cent. Stundenlohn. Seit Jahren haben die Unternehmer die Lohnerhöhung versprochen, da es aber an einer Organisation der Arbeiter fast gänzlich mangelt, wurde das Versprechen nicht gehalten. Besser kann wohl nicht demonstriert werden, wie notwendig der Zusammenschluß der Arbeiter ist. Lasset die Kindlein zu mir kommen. In Peckesch, Provinz Posen, sind sämtliche über zehn Jahre alten Schulkinder der dortigen katholischen Volksschule auf Ansuchen der umliegenden Gutsbesitzer bis auf weiteres zum Verziehen der Zuckerrüben beurlaubt worden. Die Kinder werden mittels Leiterwagen und Musik jeden Morgen auf die oft mehrere Stunden entfernten Güter abgeholt und abends wieder zurückgebracht. Neben freier Kost erhalten sie noch einige Groschen Bargeld. Für das Wachstum der Kinder und ihre gesunde körperliche und geistige Entwicklung gibt es kaum etwas Nachteiligeres als das stundenlange gebückte Arbeiten in glühender Sonnenhitze auf den Zuckerrübenfeldern. Solche Beschäftigung ist eine grobliche Versundigung gegen die Kinder. Die Schulverwaltung, die solche Beurlaubungen zuläßt, und die ostelbischen Agrarier, die sich nicht schämen, zehnjährige Schulkinder der Schule zu entziehen, um ihren Geldsack auf Kosten armer Kinder zu füllen, trifft die Verantwortung für diese Kindern angetane Unbill gleichmäßig. Die Unsitte herrscht nicht nur in Peckesch, sondern auch anderwärts in Ostelbien. Auch im vorigen Jahre haben wir diese Ausbeutung und Verelendung der Kinder erwähnen müssen. Ein konservativer Magistrat. Der Magistrat der pommerschen Stadt Bärwalde hat folgende„Bekanntmachung“ erlassen, die zeigt, daß Dünkel und Achtung vor dem Gesetz schwer vereinbar sind: „Wir machen darauf aufmerksam, daß den Knechten, Lehrlingen, Dienstjungen und Dienstmädchen, Kindern ohne BeErwachsener der Aufenthalt sowie das Gehen in den Unlagen, auch auf dem durch diese zum Bahnhof führenden Steige= bei Vermeidung empfindlicher Bestrafung verboten ist. Ebenso ist in den Anlagen das Fahren mit Fahrradern, Motoren und Kinderwagen sowie das Leiten von Fahrrädern verboten. Wer seine Hühner und anderes Federvieh in die Anlagen gehen läßt, wird bestraft. Bärwalde i. Pom., den 28. Mai 1909. Inue....... Der Magistrat.“ Die Veroronung ist, soweit sie sich auf Menschen bezieht, ungiltig, weil sie den Grundsatz der Gleichberechtigung und das in § 4 der Städteordnung paragraphierte Recht jedes Einwohners auf Benutzung der städtischen Anstalten verletzt. Immer wieder Massenmißhandlungen bei der Garde. Mit einem umfangreichen Rekrutenmißhandlungsprozeß hatte sich am Montag das Kriegsgericht der ersten Gardedivision zu beschäftigen. Unter Anklage stand der Unteroffizier Waldemar Heise von der 8. Kompaggie des Garde=Füsilierregiments. Die Anklage legte ihm fortgesetzte Mißhandlung Untergebener, zum Teil unter Mißbrauch der Waffe, vorsätzliche körperliche Mißhandlung, vorschriftswidrige Behandlung und Beleidigung zur Last. Heise ist ein ganz junger Unteroffizier von 20 Jahren. Er war den Anforderungen, die an ihn gestellt wurden, nicht gewachsen. Nicht allein die Leute seiner Korporalschaft mißhandelte er, sondern auch die Mannschaften anderer Abteilungen. Die Anklage führte nicht weniger als 16 Füsiliere auf, die von dem Beschuldigten geschlagen worden sind. Bei seiner Vernehmung gab der Unteroffizier die ihm zur Last gelegten Straftaten, von denen die Anklage mindestens 54 Fälle annimmt, zu. Er räumte auch ein, daß er niemals Veranlassung zu den Mißhandlungen gehabt habe und konnte keine Erklärung darüber angeben, was ihn eigentlich zu den Straftaten getrieben hat. Er mußte zugeben, daß seine Leute stets ihre Pflichten getan und niemals Anlaß zum Einschreiten gegeben haben. Eine Liebhaberei von ihm war es, die Mannschaften mit Sporen zu drangsalieren. Er hatte einen Sporen von einem Feldwebel erhalten und sich einen zweiten von einem Schuhmacher erbeten. Oft zog er die Sporen an die Stiefel und stolzierte dann auf den Korridoren der Kaserne umher. Die Rekruten bearbeitete er mit den Sporen manchmal derartig, daß Hautabschürfungen und kleine Wunden entstanden. Zum Teil hat sich Heise sehr schwere Mißhandlungen zuschulden kommen lassen. So versetzte er dem Füsilier Schillinger einen derben Faustschlag gegen die Stirn, faßte ihn dann am Kragen und würgte ihn, daß ihm die Luft ausging. Als Sch. äußerte, er werde sich dies nicht gefallen lassen, nahm ihn der Angeklagte mit hinter den Bettschirm und würgte ihn dort noch einmal. Der Füsilier Winter hatte eines Tages Zahnschmerzen und blieb deswegen auf der Stube. Als H. heraufkam, riß er dem Untergebenen sämtliche Sachen aus dem Spind, faßte ihn am Hals und stieß ihn gegen Spind und Bett. Ein anderes Mal mußte W. eine Viertelstunde hindurch in der Stube herumrennen, bis er vor Erschöpfung an zu weinen begann. Der Füsilier Michaleck wurde dreizehnmal von dem Angeklagten mißhandelt.„Ich werde Sie spornieren!“ mit diesen Worten begann Heise seine Mißhandlungen mit den Sporen. Mit Vorliebe nannte er seine Untergebenen„Idiot“ oder„Halunke". Den Füsilier Brand hetzte der Angeklagte ohne jede Veranlassung solange im Zimmer umher, bis er schwindlig wurde und zusammenbrach. Einen anderen Füsilier hat H. mit dem Seitengewehr geschlagen und Faustschläge ins Gesicht versetzt, daß das Blut aus Mund und Nase floß. Füsilier Pietsch erlitt bei einem Faustschlag ins Gesicht eine Hautabschürfung am Mund. Einer der als Zeugen vernommenen Füsiliere erwiderte auf die Frage des Verhandlungsführers, Kriegsgerichtsrat Jager, was er eigentlich von den Mißbandlungen des Angeklagten gehalten habe:„Das Quälen und Drangsalieren hat ihm Spaß gemacht!“ Ein anderer Füsilier bekundete, daß er das Vorgehen des Unteroffiziers oft für recht kindisch gehalten habe. Auf die immer von neuem erhobenen Vorhaltungen des Verhandlungsleiters erwiderte der Angeklagte, er könne sich keine Erklärung dafür geben, weshalb er seine Leute geschlagen habe. Der als Sachverstandiger geladene Stabsarzt Dr. Krause führte aus, daß der Angeklagte bei der Ausführung der Mißhandlungen zweifellos in einem Zustand außerordentlicher Gemütserregung gewesen sei. Unteroffizier H. sei von Jugend an geistig nicht vollwertig gewesen und als Hauptursache seien wohl die angeborenen Mängel und Schwächen anzuführen. Der Angeklagte sei wohl höchst reizbar und nervös, doch könne bei ihm der§ 51 des Reichs=Strafgesetzbuches keine Anwendung finden. Das Gericht beschloß, noch ein Obergutachten über den Geisteszustand des Angeklagten einzuholen und die Verhandlung zu vertagen. Die Prozeß wirft wieder einmal auf die Verhältnisse in den Garderegimentern ein recht übles Licht. In kurzen Zwischenräumen wiederholen sich immer wieder diese Anklagen gegen Vorgesetzte, die lange Zeit ihre Untergebenen geschunden haben, die Mißhandlung auf Mißhandlung hauften, ohne daß einer der höheren Vorgesetzten etwas davon bemerkte, ohne daß— und das ist noch trauriger— einer der Mißhandelten den Mut fand, sich zu beschweren! Hier, wo ein noch sehr junger Unteroffizier der Gewalthaber über zahlreiche Rekruten war, wäre eine scharfe Aussicht der höheren Vorgesetzten dringend notwendig gewesen. Daran scheint es sehr zu mangeln. Besser wird es damit auch nicht werden, solange nicht die Herren Offiziere bestraft werden, die es nicht verstanden haben, Mißhandlungen zu entdecken, die sich monatelang und jahrelang hinziehen! Wie Militärinvaliden gemacht werden! Ein Soldatenpeiniger schlimmster Art, auf dessen Konto die Entlassung eines Soldaten als Invalide zu setzen ist, hatte sich am Dienstag in der Person des Unteroffiziers der Reserve Felix Fuhrig von der 2. Kompagnie des Inf.=Reg. Nr. 19 aus Görlitz vor dem Kriegsgericht der 10. Division zu Posen auf die Anklage der Mißhandlung Untergebener, verbunden mit schwerer Körperverletzung bezw. dauerndem Siechtum zu verantworten. Fuhrig war mit der Ausbildung einer Abteilung im Oktober vorigen Jahres eingezogener Rekruten beauftragt. Der Kompagniechef sprach sich über die Abteilung recht mißvilligend aus und die Falge war, daß Leutnant Schmidt dem Angeklagten den Befehl erteilte, seinen Leuten einen besseren Drill beizubringen. Darüber aufgebracht, ließ Fuhrig am 31. Oktober sämtliche Leute in seiner Stube antreten und ließ sie vor dem Baden in ununterbrochener Folge sich auf die Erde niederwerfen, aufspringen und darauf nach dem Korridor laufen. Unmittelbar vor dem Baden mußten die Leute etwa eine Viertelstunde lang Kniebeuge machen. In erhitztem und erschöpftem Zustande mußten sie dann baden. Nach Beendigung des Badens setzte der Angeklagte die unmenschliche Schinderei fort. Während einer ganzen Stunde mußten die Leute in ununterbrochener Folge Kniebeuge bis zur Dauer von 10 Minuten machen, sich etwa 40mal auf den Fußboden legen und dann schnell aufspringen. Sie waren durch diese Prozedur sämtlich auf das außerste erschöpft und zitterten fast durchweg an allen Gliedern. Selbst als der wachthabende Unteroffizier die Mannschaften zur Empfangnahme des Abendessens herausrief, gestattete der Angeklagte den Leuten nicht, ihr Essen zu holen. Als dies ihnen dann endlich erlaubr wurde, fanden sie die Küche bereits geschlossen. Der Angeklagte hätte seine Quälereien wohl auch noch weiter fortgesetzt, wenn nicht der Musketier Przewezny ohnmächtig zusammengebrochen wäre. Um den Ohamachtigen von der mutmaßlichen Simulation abzubringen, goß der Angeklagte ihm einen großen Krug kalten Wassers über Kopf und Körper. Als dies nichts half, wurde Przewezny zu Bett gebracht. Nachdem er zu sich gekommen war, klagte er über Kopfschmerzen und Stiche in der Brust. Am anderen Tage hinderte ihn der Angeklagte daran, sich krank zu melden. Als dies am Montag geschah, mußte die schleunige Ueberführung des Kranken nach dem Garnisonlazarett erfolgen, wo starles Fieber und große Körperschwäche konstatiert wurde. Es trat dann noch Lungenspitzenkatarrh und eine Herzkrankheit hinzu. Der Erkrankte mußte vom 2. November v. J. bis zum Februar im Lazarett behandelt werden, worauf er als gänzlich erwerbsunfähiger Invalide mit einer monatlichen Pension von 45 Mark entlassen werden mußte. Kurz vor der Entlassung trat noch ein heftiger hysterischer Anfall ein. Wie Leutnant Schmidt in der Verhandlung bekundete, hatte er den Angeklagten, als er den Przewezny einmal beim Kniebeugemachen mit gestrecktem Gewehr weinen sah, auf die schwache Körperkonstitution aufmerksam gemacht, und ihm ans Herz gelegt, den Mann in der schonendsten Weise zu behandeln. Nach dem ärztlichen Gutachten ist das Leiden und die Invalidität auf die Mißhandlungen zurückzuführen. Die Aerzte nehmen indessen an, daß sich der Zustand des Kranken in absehbarer Zeit bessern wird, jetzt sei bereits eine geringe Besserung wahrnehmbar. Diese Einschränkung führte für den Angeklagten eine wesentlich mildere Beurteilung seiner Straftaten herbei, indem nicht schwere Körperverletzung mit nachfolgendem dauerndem Siechtum, sondern nur eine fortgesetzte Mißhandlung Untergebener angenommen wurde. Aus diesem Grunde wurde der bereits vom Militär entlassene Angeklagte entsprechend dem Antrage des Anklagevertreters zu 6 Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt Aus der Nachbarschaft. * Ennigerloh, 17. Juni. Portland=Zement=Werke „Union“, Akt.=Ges. Das Geschäftsjahr 1908/09 erbrachte nach 81 228 Mark(i. V. 80 427 Mark) Abschreibungen einen Reingewinn von 135851 Mark(202029 Mark) zur folgenden Verwendung: 16 793 Mark(30 101 Mark) zur Rücklage, 100000 Mark gleich 10 Prozent(120000 Mark gleich 12 Prozent) Dividende, 14059 Mark(27 455 Mark) als Tantiemen usw., 150 Mark(wie i. V.) zur Arbeiterunterstützungskasse und 3499 Mark (22972 Mark) als Gewinnvortrag.(„Ahl. Volksztg.“) * Detmold, 17. Juni. Der Preis für eine Erlaubniskarte zur Besteigung des Hermanns=Denkmals ist auf 20 Pfg. für Erwachsene ermäßigt worden, für Schüler betragt er 10 Pig. In den letzten Jahren hat die Zahl derjenigen, die das Denkmal bestiegen, ganz erheblich zugenommen. In den ersten Jahren nach der Enthüllung des Denkmals, als noch keine Eisenbahn das Land durchquerte, betrug die Zahl der Denkmalbesteiger nur einige Tausend, nach der Inbetriebsetzung der Bahn Herford=Detmold am 1. Januar 1881 stieg sie bald auf 10000 und mehr. Bis zum Jahre 1894 blieb sie aber unter 20 000 und hielt sich dann bis zum Jahre 1904 in der Höhe von 20= bis 25000. Im Jahre 1905 betrug sie 25 765, 1906: 30 701, 1907: 33923 und 1908 über 35000. * Essen, 17. Juni. Ueber ein am Sonntag eingeweihtes Licht=Luftbad in Essen=West berichtet die Essener„Arb.= Zeitung"": Das Bad verdankt sein Entstehen dem im Oktober 1907 gegründeten„Jungborn=Verein". 6 Mann haben damals den Versuch zur Gründung unternommen. Nach Jahresfrist war die Zahl auf das zehnfache gestiegen. Man trat an die Stadtverwaltung um Ueberlassung eines städtischen Grundstücks heran. Dies wurde zu Anfang dieses Jahres bewilligt, ebenso eine Summe von 5000 Mark zu 4 Prozent zur Herstellung des Bades. Es hat alle nötigen Einrichtungen getroffen, so sind vorhanden Umkleide= und Badezellen mit Wannen und Brausen. Turn= und Spielgeräte. Das Bad hat Abteilungen für Frauen und Männer. Trotz des schlechten Wetters waren doch rund 100 Personen bei der Einweihung anwesend. Unterm Regenschirm begrüßte der Vorsitzende die Erschienenen, u. a. auch den Vertreter der Stadt Essen, die Stadtverordneten und die Versten. Im Gartenzelt hielt wegen Regens Lehrer Thiel die Festrede. Redner erinnert daran, wie viel Schwierigkeiten die Schaffung des ersten öffentlichen LichtLuftbades in Elberfeld ihm bereitet hätte. Behörden, Aerzte und andere maßgebende Faktoren stellten sich ihm entgegen. Trotzdem sei sein Werk gelungen und heute in ganz Westdeutschland verbreitet. Es sei mit Freuden zu begrüßen, und ihn hatte es besonders gefreut, daß sich hier gerade diejenigen zusammengefunden haben, denen das Licht=Luftbad am nötigsten ist, Arbeiter und kleine Beamte. In oft humorvollen Ausführungen schildert er die für den Menschen so notwendigen Elemente Licht und Luft und ihre Absperrung durch unser Kulturleben in seiner jetzigen Form. Besonders in Wohnung und Kleidung sündige der heutige Mensch. Zur Heilung dieser Uebel sei wohl das Licht=Luftbad am geeignetsten. Der Eintritt in den Verein kostet 1 Mark, der Jahresbeitrag 4 Mark, damit ist die Benutzung für das. ganze Jahr einbegriffen. Bei Benutzung durch die Familie des Mitgliedes wird 1 Mark Zuschlag gezahlt. Nichtmitglieder zahlen im Jahresabonnement Mark. Ein Einzelbad kostet 0,20 Mark, Schülerkarten 4 Mark; Einzelbäder für Schüler sollen auf 0,05 Mark festgesetzt werden. Litrtärisches. Arbeiter=Gesundheits=Kalender 1910. Der über 100 Seiten starke Kalender bietet eine Fülle interessanten Materials und praktischer Ratschläge. Mit Beiträgen von Parteigenossen und hervorragender Aerzte ausgestattet, mit 4 vielfarbigen Tafeln (1. Bakterien und Bazillen, 2. Fieberhafte Hautausschläge, 3. Brüche und Bruchbänder, 4. Heilpflanzen) und einer großen Anzahl von Original=Illustrationen versehen, bietet der Kalender u. a. folgende Artikel: Bakterien und Bazillen, Aerztliche Ratschläge für die junge Mutter, Muskelrheumatismus, berufliche Gesundheitsstörungen, die arbeitende Frau und der Alkoholismus ufw. Im ganzen genommen, ein im wahren Sinne des Wortes geschriebener Volkskalender, der turmhoch über der üblichen„Auch=Volkskalender"=Flut steht und für dessen Anschaffung das Geld wirklich nicht hinausgeworfen ist. Preis 50 Pfg. In allen Parteibuchhandlungen vorrätig. Verlag der Süddeutschen Volksbuchhandlung G. m. b. H., München, Sendtingerstraße 20. „Arbeiter=Jugend.“ Die soeben erschienene Nummer 11 hat u. a. folgenden Inhalt: Die deutsche Fortbildungsschule. Von Jul. Hoffmann=Kaiserslautern.— Wofür? Fortsetzung des Zwiegesprächs über die Reichsfinanzreform.— Bilder von der Walze.— Das Werden im Weltall.(Fortsetzung.) Von F. Linke.(Mit Illustrationen.)— Eine gewerkschaftliche Lehrlingsorganisation.(Schluß.) Von Paul Barthel.— Ein Jesuitenstückchen.— Vom Kriegsschauplatz.— Aus der deutschen Jugendbewegung.— Ausländische Jugendbewegung.— usw.— Beilage: Sonntagmorgen. Gedicht von A. M.— Weil's recht war. Eine Geschichte aus dem Wald. Von A. Ger.— Wie ich ein feiner Kerl wurde. Erzählung von Adolf Ernst.— Welt und Wissen.— Der rechte Barbier. Gedicht von A. von Chamisso. Herzliche Grüße. Geschichten von Stefan Großmann, Verlag: Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Preis broschiert 2 Mark; elegant gebunden 2,80 Mark. Eine Sammlung tief empfundener Erzählungen aus dem sozialen Alltagsleben. In plastischer Darstellung stehen die Menschen vor uns, von denen der bekannte Autor die kleinen Freuden und Leiden des alltäglichen Kampfes mit inniger Anteilnahme zu schildern weiß. Was uns täglich umgibt und unbeachtet an uns vorüberflutet, gewinnt in diesen Skizzen Leben und Gestaltung.— Wir veröffentlichen als Leseprobe eine dieser Geschichten. In Freien Stunden. Die Hefte 20 bis 22 sind erschienen und bringen u. a. die Fortsetzung des historischen Romans „Kenilworth“ von Walter Scott. In dem mit dem 1. Juli ercheinenden neuen Bande gelangt als Hauptroman„Stephan vom Grillenhof“ von Minna Kautsky zum Abdruck. Jedes Heft kostet 10 Pfg. Zu beziehen bei allen Kolporteuren. — Probenummern frei vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Kommunale Praxis. Wochenschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesozialismus. Die Hefte 20 bis 22 sind erschienen. Wir machen alle Genossen, die sich für das weitverzweigte Gebiet der Kommunalpolitik interessieren, darauf aufmerksam, daß mit dem 1. Juli ein neues Abonnement beginnt. Der Preis für die wöchentlich einmal erscheinende Zeitschrift beträgt 3 Mark pro Quartal. Bestellungen nehmen alle Postanstalten und Buchhandlungen entgegen. Probenummern frei vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 38. Heft des 27. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Wilhelm Wolff.— Der Hansabund.— Kropotkins Geschichte der französischen Revolution. Von Heinrich Cunom.— Aus dem Dreiklassenhaus. Von H. Ströbel.— Zur Einführung der bayerischen MagistratsverVon N. R.— Zeitschriftenschau. Der„Wahre Jacob“ bringt in Nr. 13 des 26. ein Porträt des verstorbenen Redakteurs der„Holzarbeiterzeitung", Genossen Ernst Deinhardt, nebst kurzem Nachruf. Die Nummer enthälk sodann die farbigen Bilder„Im Dreadnought= 115 ieber" und Sicherheitsvorkehrungen“, sowie die weiteren Illu„Die schrecklichste Strafe“,„Das strationen hste Stra..„„Das neue deutsche Reichswappen",„Auf dem Tempelhofer Feld:„Die Sphinx vom „ Da Königsplatz. gute Herz„Aus Berlin,„Lazarettgeheim, nisse“„Konservative Steuerwissenschaft“. Höchste T der Nummer bringt die Gedichte„Monarchen=Entrevue", „Mumpitz“,„Par nobile fratrum“,„Der arme alte Mann“, „Träume",„Lourdes" und„Fiat justitia—“, sowie außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren satirischen Feuilletons„Halleluja!",„Junker",„Wie das Papiergeld entstand“, und„Der Retter des Vaterlandes". Der Preis der 16 Seiten starken Nummer ist 10 Pfg. Unschuldig verhaftet. Halle, 17. Juni. Der unter dem Verdachte des Raubmordes an dem Direktor Friedrich verhaftete Tischler Engelhardt ist heute hier aus der Haft entlassen worden, da er sein Alibi nachweisen konnte. Selbstmord. Halle, 17. Juni. In einem Abteil 2. Klasse des(Personenzuges Halberstadt—Halle erschoß sich heute früh ein elegant gekleideter etwa 30 Jahre alter Fahrgast, dessen Personalien noch nicht festgestellt werden kennten. Sittlichkeitsverbrechen. Hohenlinde, 17. Juni. Ein 18 jähriger Chambregarnist schleppte die 12 jährige Tochter seines Logiswirtes auf sein Zimmer und verübte ein bruteles Sittlichkeitsverbrechen. Die Mutter, welche hinzukam, entriß die ohnmächtige Tochter dem Wüstling, welcher verhaftet wurde. Typhusepidemie. Breslau, 17. Juni. Die Typhusepidemie in Altwasser nimmt immer größeren Umfang an. Bisher sind gegen 250 Erkrankungen amtlich gemeldet worden. Einige Fälle sind wieder tödlich verlaufen. Die Schulen wurden geschlossen. Die beiden Desinfektionsmittel Kresolseifenlösung und Kalkmilch werden auf Gemeindekosten unentgeltlich geliefert. Das Rote Kreuz wurde um Ueberlassung von Baracken ersucht. Es ist jetzt festgestellt, daß das Wasser des Steinertschachtes Veranlassung zum Ausbruch der Epidemie gewesen ist. Eine Decke eingefallen. Metz, 17. Juni. Heute morgen gegen 7 Uhr stürzte hier in dem Umbau des Warenhauses Hirsch infolge des Druckes der aufgespeicherten Materialien die Decke des zweiten Stockwerkes ein, durchbrach die Decke des ersten Stockwerkes und tötete zwei Arbeiter. Ein dritter Arbeiter wurde verletzt. Dacheinsturz. Paris, 17. Juni. In Chatelguson stürzte ein Zementdach in dem Augenblick ein, wo man die Stützbalken entfernte. Eine Frau wurde getötet, eine andere schwer verletzt. Erdbeben. Lissabon, 17. Juni. Die seismographischen Apparate in Coimbra verzeichneten am 8., 11. und 12. Juni heftige Erötiöhe. Geburten: Söhne: Fabrikarbeiter Herm. Becker, Sieker 148, Erdarbeiter Kacl Krull, Sieker 236, Schlosser Heinrich Göbel, Sieker 287, Fabrikarbeiter Gottlieb Schlüter, Sieker 135 (Zwillinge). Töchter: Fabrikarbeiter Wilh. Lepper, Sieker 282, Fabrikarbeiter Gottlieb Kramer, Sieker 214, Fabrikarbeiter Gottlieb Schlüter, Sieker 135(Zwillinge), ferner 1 uneheliche Geburt. Verehelicht: Maschinist August Bratvogel, Recklinghausen, Bruchweg 35, und Auguste Vogel. Sieker 207; Fabrikarb. Heinr. Beckmann, Bielefeld, Petristraße 111, und Pauline Knost, Sieker 351. Gestorben: Ehefrau Hanne Wilhelmine Henriette Berkenkamp, geb. Brinkmann, Sieker 47, 53 J.: Auguste Luise Emilie Plöger, Sieker 5, 7 I.; Walter Niebuhr, Sieker 225, 10 M.; Ehefrau Johanne Luise Amalie Meyer, geb. Westerheide, Bielefeld, Jahnplatz 6; Wilhelm Schlüter, Sieker 135, 3¼ Std.; Erna Schlüter, Sieker 135, 13 Std.; Heinrich Budde, Sieker 179, 6 M. Aufgebote: Bergmann Karl Bollmann, Gelsenkirchen, und Pauline Tremel, Enger. Sterbefälle: Mädchen Meyer, Enger, 8 Stund.= Handarbeiter Johann Heinrich Install, Dreyen, 83 J.; Ehefrau Anna Margarete Ilsabein Aufdemkamp, geb. Schacht, Enger, 45 Jahre— Herford. Nachrichten vom 7. bis 12. Juni Geburten; Knaben: Handarbeiter Herm. Vollmer, Schlosser Wilhelm Wendland, Handelsmann Gottlieb Oberwemmer, Arbeiter Anton John, Fabrikarbeiter Jul. Siekmann, Gastwirt August Kropp, Magistratssekretär Hugo Kinder, Weber Heinrich Hertlindemann, Lehrer Martin Schröder, Tischler Heinrich Wessel. Mädchen: Schuhmachermeister Richard Woltaire, Schuhmachermeister Heinrich Behrens, Zuschneider Gottlieb Kerkhoff, Fabrikarbeiter Wilhelm Tilker, Katasterzeichner Job. Lampert, Hausdiener Wilhelm Pieper, Fabrikant Ludwig Sievers, Zuschneider Friedrich Heuer, Postschaffner Heinr. Rolf, Fabrikarb. Hermann Brünger. Aufgebote: Zimmerer Friedrich Pautz und Anna Hebrock geb. Sewing, Maler August Haddenhorst und Anna Kottmann, Kutscher Heinrich Lindkämper und Johanne Riemann, Bonbonkocher Otto Stute und Marie Hettfleisch, Schlosser Aug. Paul und Anna Kindervater, Kaufmann Karl Alfr. Theodor Friedrich Bernay und Marie Amalie Aug. Ernestine Martha Weber, Landwirt August Deppe und Anna Schmidtpott, Schausteller Heinrich Heitmann und Elisabeth Schmelzer. Eheschließungen: Fabrikarbeiter Hermann Tacke und Berta Kraus, Zimmermann Hermann Wittland und Auguste Becker, Tischier Franz Fraß und Sophie Beckord, Kutscher Wilhelm Heitland und Lina Dröge, Schneider Rudolf Scheuer und Emma Fortmann. Sterbefälle: Kolporteur Wilh. Muschter, 59 J., Braumeister Heinrich Deeling, 54 J., Privatier Nikolaus Fröhlich, 77 J., Ehefrau Marie Falk, 47 J., Witwe Auguste Schönknecht, 69 J., Invalide Christian Dreyer, 75 J., Anna Hokamp, 9 J., ferner 2 Totgeburten. * Minden. Vom 30. Mai bis 5 Juni. Geburten: Söhne: Maler Frein; Arbeiter Pörtner; Künstler Schütte; Ackerer Timmermann; Bäckermeister Welp; Mechaniker Sprengel; Kutscher Schnitker.— Töchter: Arbeiter Pörtner; Sattler Groditzki; Ober=Postkanzlisten Pengel; Lotomotivführer Böke; Schmied Staas. Aufgebote: Versicherungsinspektor Wilke in Minden mit Johanne Bock in Großrudestedt; Uhrmacher Blaffert in Immigrath mit Ida Mielke in Minden; Generalkommissionsseichner Göke in Münster i. W. mit Agnes Ruppert in Minden; Bahnarbeiter Schreiber in Minden mit Marie Ittig in Hahlen; Metzger Rosenfeld in Minden mit Eva de Jonge in Wunstorf. Eheschließungen: Ingenieur Strathmann in Siegen mit Marie Grotjahn in Minden; Eisenbahnanwärter Filikowski in Essen mit Christine Düvelsmeyer in Minden. Sterbefälle: Nachtwächter Prüßner, 50 J. 1 Mon.; Sattler Pfingsten, 68 J. 10 Mon.; Witwe des Kaufmanns Abitz, geb. Ernst, 68 J. 8 Mon.; Sohn des Malers von Linden, 4 Mon. *„„— Bünde. Geburten: Sohn: Friedrich Wilhelm Rodenberg.— Tochter: Handlungsgehilfe Friedrich Wilhelm Brackmann. Aufgebote: Lehrer Hermann Heinrich Collbrunn in Herford und Haustochter Frieda Wilhelmine Mathilde Pohlmann, hier. Eheschließung: Pastor Ernst Karl Gotthilf Georg Baumann in Suderwich und Ellen Debray, hier. Sterbefälle: Bierverleger Friedrich Wilhelm Biermann, 40 J.; Ehefrau Anna Luise Westerbeck, geb. Niedermöller, 23 J.; Ehefrau Katharine Wilhelmine Diestelhorst, geb. Stolle, 39 J.; Sortierer Kaspar Heinrich Friedrich Brinkmann, 43 J. Heiteres. Kellnerinnenbewegung.„Die g'studierten Damen hamm leicht red'n über unsern Beruf, die hamm koa Ahnung net, was dös hoaßt, zwoa ledige Kinder und an Studenten ernahr'n!" Abfuhr. Alternder Geck:„Ihre Wange, süße Kleine, ist so weich und glatt wie—— so glatt wie———“ „—— wie Ihre Glatze!“ Standesamts-Nachrichten. Sieker. In der Zeit vom 1. bis 15. Juni sind beim hiesigen Standesamte angemeldet: Amt Enger. Vom 4. bis 10. Juni. Geburten: Sohn: Zigarrenarbeiter Heinrich Bentrup, Besenkamp.— Töchter: Schuhmacher Herm. Meyer, Enger; Schlosser Wilh. Heidemann, Enger; Maurer Heinr. Aßbrock, Enger; Zigarrenarbeiter Herm. Wilke, Enger; Landwirt Heinr. Grundmann, Besenkamp. Kindermund. In einer biederen Friseurfamilie ist der Storch zwei Jahre hintereinander mit einem Zwillingspärchen eingekehrt. In diesem Jahre war er etwas sparsamer und hat nur ein Brüderlein gebracht. Als der kleine Bernhard zum erstenmal die Stimme seines jüngsten Bruders hört, schleicht er leise an die Wiege heran, bleibt aber ganz betroffen stehen und fragt erstaunt den Vater:„Sag Vater, wo ist denn der andere?" 1 Paket Vanillinzucker für 10 Pfg. 9875 ersetzt 2—3 Schoten feinster Vanille und ist dabei viel einfacher im Gebrauch Für Puddings kann nur das echte Reeses Puddingpulver in Betracht kommen, weil es knochenbildende Bestandteile enthält. Reese Gesellschaft, Hameln. Nachdruck verboten. Durch einstimmigen Beschluß der im Zirkus Schumann zu Berlin zusammen getretenen Abwehrversammlung vom 12. Juni d. J. ist der(3332 T (Brinkhoffs Tonhalle.) Freitag, den 18. Juni, Anf. 8½ Uhr: Auf vielfachen Wunsch zum letzten Male Im Klubsessel. Lustspiel in 3 Akten von Karl Rößler und L. Heller. Sonnabend: Volksvorstellung zu kleinen Preisen. Sie weiss etwas. u. Sterbekasse = der Metallarbeiter= Filiale Bielefeld. Am Sonntag, 20. Juni 1909, vormittags 10 Uhr, findet im Kassenlokal, Marktstr. 8, unsere * Hansa-Bund* für Gewerbe, Industrie und Handel errichtet worden. Der Hansa=Bund bezweckt, im gemeinsamen Interesse von Handel, Industrie und Gewerbe alle gegen diese Stände gerichteten Angriffe und Schädigungen abzuwehren, ferner zum Schutze dieser Stände positive Vorschläge in gemeinsamen Angelegenheiten zu machen und auf Ausgleichung von Gegensätzen in den eigenen Reihen hinzuwirken. Demgemäß soll der Bund auch die Aufgabe haben, bei der Vorbereitung von Wahlen zum Reichstage und zu den Einzellandtagen für die Wahl solcher Kandidaten einzutreten, welche jeder Schädigung und jeder einseitigen Belastung von Handel, Industrie und Gewerbe entgegenzutreten entschlossen sind; in erster Linie soll hierbei für die Wahl von Kandidaten aus den eigenen Reihen der genannten Stände eingetreten werden. Der Jahresbeitrag für 1909 beträgt für jeden selbständigen Gewerbetreibenden 3 Mk., für Angestellte(Handlungsgehilfen und Betriebsbeamten) 1 Mk. Die Beiträge sind an das vorläufige Bureau des Hansa=Bundes, Berlin NW 7, Dorotheenstraße Nr. 3 II, z. H. des Herrn Geh. Justizrat Dr. Rießer zu senden. Die unterzeichnete Handelskammer, welche auf der Abwehrversammlung am 12. d. Mts. auch durch mehrere Delegierte vertreten war, begrüßt die Gründung des Hansa=Bundes aufs freudigste und ersucht dringend sämtliche Angehörigen von Handel, Industrie und Gewerbe ihres Bezirks, dem neuen Bunde sofort beizutreten. Die Handeiskammer zu Bielestid. 11 fleißige Herren aller Stände für den Vertrieb eines gut eingeführten Bedarfs=Artikels(deutsches Reichspatent). Hohe Provision. Brauchekenntnis nicht erforderlich. Verkauf kann auch als Nebeuerwerb betrieben werden.= Off. u. B. P. bef. d. Exp. d. Ztg. (3272 Generüt=Tersammtung 3328 statt. Tagesordnung: 1. Bericht über die diesjähr. GeneralVersammlung in Halle a. S. 2. Bericht der Ortsverwaltung und Neuwahl derselben. 3. Verschiedenes. Alle Mitglieder müssen zu der selben erscheinen. Die Ortsverwaltung. c A P. Zöpfe, Unterlagen, Binder, Netze, Kämme, Pfeile, Spangen, Nadeln, in großer Auswahl gut und billig bei Emil Emde, Friseur, der Stadtheibers Tanpt Arbentsnachweis Uhren u. Goldsachen sollten Sie nie bei einem Pfuscher, sondern beim Uhrmacher H. Siekmann, Kaiserstr. 165 neben der Olmühle kaufen und reparieren lassen. Diese Woche wieder Setrg Si Pfund 60 Pfg. Kalb= u. Schweinesteisch zu billigen Preisen. Verschiedene Wurstwaren und Aufschnitt empfiehlt[2198 Fritz Ellenbeck, Metzgermeister, Lübberstr. 24. Telephon 417. Bielefeld. Zimmerstr. 19. Fernsprecher 292. Nur Werktags geöffnet: vormittags von 8—1 Uhr, nachmittags von 4—7 Uhr. Männliche Abteilung. werden gesucht: 2 Ackerknechte, 2 Barbiere, 3 Dachdecker, 4 Bäcker, 4 Schuhmacher, 4 Schmiede, 2 Zigarrenmachek, 21 Maler, 1 Sattler und Polsterer, 1 Wagensattler, 26 Schneider. 6 Tischler 1 Schlachter. 1 Automebilschlosser, 5 Stellmacher, 1 Tapezierer u. Dek., 2 landw. Arbeiter, 1: Viehwärter, 4 Zimmerleute, 8 Marrer. Es suchen Arbeit: Bauarbeiter, Bohrer, Knechte, Kaufleute, Hausknechte, Stallknecht,Kutscher, Arbeitsburschen, Erdarbeiter, Kernmacher, Fabrikarbeiter, Müller, Former, Bauschlosser, Hobler, Drechsler, Maschinenschlosser, Handlanger, Schleifer, Ziegelarbeiter, Schriftsetzer, Polierer, 1 Sattlerlehrling, Dreher. Weibliche Abteilung. Es werden gesucht: Mehrere Dienstmädchen für Stadt und Land; hier und auswärts. Eine Köchin für Anstalts=Haus. 1 Schneiderin für Schötmar i. L. 1 Kastellanin. Es suchen Arbeit: Mehrere Stützen, 1 älteres Kindermädchen, 1 Haushälterin für Stadt und Land, 1 Maschinenschreiberin, 1 Kontoristin, 1 besseres Mädchen für Lagerposten, mehrere Arbeitsund Stundenfrauen. Facharbeitsnachweis für Hotelund Restaurationspersonal. Mehrere jüngere Kellner(Alter 17 bis 20 Jahre), 5 Kochlehrlinge für Bielefeld und außerhalb, fünf Köchinnen für Hotel nach außerhalb, sowie mehrere Haus= und Zimmermädchen gesucht. Bielefeld, den 17. Juni 1909. Die Verwaltung. Wochenmerits=Prisse in Vielefeld am 17. Juni 1909. Rotkohl Wirsing Steckrüben Kohlrabi Gurken Kartoffeln 150 Pfund 6— 20— 650— * 7 * 30 -650 Die Anzeigen in vorliegender Nummer wollen die Leserinnen und der„Volkswacht" beachten! Leser Kleine Anzeigen Eirt. ort kostet nur 2, gusg. mebrals 15 Jedes Wor.#ost.: nur 2 Pfg., in#### Worte mit mehl....5#Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 4/8. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Oefen und Haushaltungsgegenstände in großer Auswahl, auch bei Teilzahlungen, empfiehlt C. Brakemeier, Rohrteichstraße 72, gegenüber der Schule. 2067 Kleiderschränke von 25 Mk., Bettstellen 15 Mk., Tische 5 Mk. an. Nur Lager, kein Laden, daher billiger als jede Konkurrenz. Brunnenstraße 12 a, 2 Min. vom Stadttheater.[3094 Schirme und Spazierstöcke kaufen Sie am vorteilhaftesten im Spezial=Stock= und Schirmgeschäft von Robert Pott, Heeperstraße 34, an der Ravensberger Spinnerei. Billigste Reparaturwerkstatt am Platze. 2115 Verehrte Hausfrau! Meine Süßrahm=Land=Margarine, per Pfund 70 und 80 Pfg., nebst den bekannten Zugaben, ersetzt in jeder Weise beste Naturbutter. Machen Sie bitte den Versuch. Kaufhaus Kreuzstraße 28.(2597 Eier 55, frische Ware, Wiebrock, Heeper= und Kaiserstraßen=Ecke. 3324 Kinderwagen[3247 zu außergewöhnlich billigen Preisen bei A. Beukert, Gehrenberg 33. Das modernste und feinste Geschäft für getragene Sachen sowie Anzüge, Hosen, Damenkleider, Uhren und Ketten ist und bleibt nur bei Wilhelm Meier, Renteistr. 19. 32948 Kanarienweibchen werden Sonntag, den 20. Juni, von morgens 9—2 Uhr gekauft(alte und junge), à Stück 50 Pfg., in Schors Restaurant, Bahnhofstraße 11, Bielefeld. 3320* 3330• Getragene Herren=Anzüge, Hosen, Damenkleider, Blusen und Schuhzeug kaufen Sie am billigsten bei Heinr. Blinne, Ritterstraße 81. aller Herren=Artikel wegen Aufgabe des Geschäfts. Modehaus Rathausstraße 10.(3331 Herford. Strümpfe, Beinlängen und Füße werden schnell und billig gestrickt. Frau Höcker, Lessingstraße 4. 3307 Musikunterricht (Violine, Klavier) erteilt gewissenhaft G. Lohmann, Bürgerweg 45. Uebernehme noch die Leitung eines Gesang=Vereins.[3327* Zitherunterricht erteilt Ant. Ober aus Tirol. Empfehle gleichzeitig vorzügliche Saiten und gediegene Auswahl Zithermusik. Gehrenberg 39 l.(3321* Schneiderin, perfekte, empfiehlt sich für Damenund Kinder=Garderoben. Langenhagen Nr. 29.[3319* Nebenverdienst, hohen, können sich Leute jeden Standes erwerben durch Uebernahme einer Agentur erstkl. Lebens= und Kinderversicherung mit konkurrenzlosen Tarifen. Off. unter A. Z. an die Exp. der Ztg. 3304* Gütersloh. Feuerversicherungen in den Kreisen Wiedenbrück, Bielefeld, Herford, Halle, Beckum, Warendorf schließt zu billigsten Prämien ab Ludwig Falkenreck, Gütersloh, Feldstraße 31. Agent der Hamburg=Bremer Versicherungsgesellschaft. Postkarte genügt.(3311 Warnung! Ich warne einen jeden hiermit, das falsche Gerücht über meine Mutter weiter zu verbreiten, da wir gegen denselben gerichtlich vorgehen werden. E. B., Detmolderstraße.[3318“ Abonnementsprei für Bielefeld und Umgegen wie bei sämtlichen Agenture ins Haus gebracht 60 Pfg. n lich. Durch die Poß b# 1,80 Mk. vierteljährlich er Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg Erscheinungstage mit Ausnahme der SonnFeiertage täglich nachmitt Fernsprech=Anschluß Nr. # 5 Nr. 140. Die heutige Ni einschließlich der Unt Die In sämtlichen von u die Resolution der Geverbandes polemisieren, Scheu vor der Tradition Jahren besteht, weil sie schlossen worden ist, dart die„Leipziger Volkszeit Gründe, welche gegen di widerlegen. Maiseier ist Und gerade die Trad Tradition zielt der Aus besser, hast keine Basalt ist bei unseren Genossen die Macht der Traditio waltiges Stück Weges t klärter Parteigenosse sich der Tradition bekennen brachten wir in unserer prachtvollen,„Gespenst“ dem„Simplicissimus“: Einmal, als wir vorn Grauen, da fühlten wir Hand zurückgestoßen. „Nicht weiter!" dran schwarze Finsternis, und Diejenigen, welche F konnte nichts deutlich seh Zur Linken war eine fin das Gurgeln der trägen durchschlangelten, und re und schaurig. Wir alle waren an d ten, wie tief das Tal zu Rechten waren. Wir all und wir kannten die Fur lernen. „Wir standen nicht lan trager, in der Hand eine dreimal und warf sie hock starrten dahin, von wo Da gewahrten wir, au Es sah so aus wie ein W dürr, mit Tierfellen bekl giftigem Atem, häßlicher von Menschengestalt geseh die größten Menschen sind aber einer stürzte vorwär „Es gilt das Wohl d stürmten ihm nach; aber hinunter in die schwarze versteinert. Kein Fuß reg unser Auge gewöhnte sich wir sahen gegen den schwi Schreckensgestalt. Wir n vorwärts. „Im Namen der Men m Namen der Men zurücg „Das lügst du!“ „Ich lüge nicht, denn „Wer sagt es?“ „Alle Völker beten zu: Während dieses Gesp. selsen hochgeklettert und Gesicht vorbei. Und wir keine Augen, wo die #e Löch schwarze Töcher. „Du bist eine Lüge, „Ich bin heilig, die „Trete ab von der E Du stemmst dich denen kommenheit führen wol „Wenn ich abtrete, Thronen. Während diesem hat und drangen jetzt gem Streitaxt. Ihre Speere glitten klang es wie hohles M Das Weib aber hob Besten unter seiner Fu überwunden, denn wir machtlos wie zuvor. „Trete ab. Scheusal, wicklung aufhalten, du „Nein, klang es zu „Du mußt fallen, di mußt fallen, du bist ein entgegen: „Ich vin hohl und al je alter ich werde, den bet leten. „Im Namen der Ku Da lachte es so höh und scheußlich, daß es h reden. „Je mehr Kultur, u „Das lügst du, Scheu „Sie nennen mich d Es wird uns alsos an der geheiligten Tra ihre Priester auch noc Dogmas überzeugt sin Wenn wir aber den beitsruhe am 1. Mai Worte kommen lassen, hänger der Arbeitsruh auffassung im Einklan