Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Wieleseld. Nr. 136. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Dienstag, 15. Juni 1909. 20. Jahrg. heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Maifeier. II. Die„Frankfurter Volksstimme“ überschreibt ihren Artikel „Die Reform“ der Maifeier. Er lautet folgendermaßen: Diese Bezeichnung für die Beschlüsse des Hamburger Metallarbeiterverbandstages zur Maifeierfrage hat Genosse SeveringBielefeld als Berichterstatter jener Kommission geprägt, der die Begräbnisresolution vor der Beschlußfassung zur Diskussion im engeren Kreise zugewiesen wurde, so daß eine Debatte im Plenum des Verbandstages gar nicht stattfand. Eine„Reform“, der Maifeier! Das hört sich wie ein blutiger Hohn an, ist aber durchaus nüchterner Ernst. An der selbständigsten, einmütigsten revolutionären Kundgebung des internationalen Proletariats ist„reformiert" worden von der größten deutschen Gewerkschaftsorganisation. Weniger Verbandsbeamte und mehr praktisch tätige Arbeiter sollten diesmal als Delegierte zur Generalversammlung entsandt werden. Und doch ist die „Reform“ der Maifeier mit großer Mehrheit, mit 129 gegen 51 Stimmen, beschlossen worden. Dieser Tatsache gilt es offen ins Gesicht zu sehen. Es gilt, sie zu verstehen, zwar nicht, um alles zu verzeihen, aber doch, um uns zu verständigen. Die„Reform" besteht nach dem Wortlaut des Metallarbeiterbeschlusses darin, daß den Mitgliedern des Verbandes die Beteiligung an der Arbeitsruhe am 1. Mai nicht mehr„zur Pflicht gemacht“, sondern daß es vielmehr„jedem einzelnen Mitgliede überlassen wird, sich an ihr unter Beachtung der internationalen Kongreßbeschlüsse und Uebernahme aller sich aus der Arbeitsruhe am 1. Mai ergebenden Folgen zu beteiligen“. Als Gründe werden angegeben, daß die Arbeitsruhe in der Eisen= und Metallbranche ohne schwere wirtschaftliche Kämpfe und dadurch bedingte Schädigung der wirtschaftlichen Interessen nicht zu erreichen sei, sowie, daß die Arbeitsruhe am 1. Mai als gewerkschaftliches Kampfesmittel zur Erreichung günstiger Lohn= und Arbeitsbedingungen und zur Befestigung bereits errungener Positionen nicht betrachtet werden könne, indem sie ihrem inneren Wesen nach eine genügende Berücksichtigung taktischer Maßnahmen nicht ermögliche. Dieser Wortlaut des Beschlusses zeigt, daß es sich in Wirklichkeit nicht um eine„Reform“ der Maiseier, sondern um eine grundsätzliche Verwerfung der Arbeitsruhe am 1. Mai aus Gründen der Gewerkschaftstaktik handelt. Von dem unmöglichen Ding einer„Reform“ wurde nur gesprochen, um der Sache einen gelinderen Namen zu geben. Und vollends die beiden Referate von Reichel und Severing, die der auch von uns benutzte offizielle Verbandsbericht nur zu kurz abtut, die aber das„Hamburger Echo“ ausführlicher bringt, lassen gar keinen Zweifel über die Absicht der Metallarbeitermehrheit, die Arbeitsruhe am 1. Mai als Kampfmittel endgiltig zu beseitigen. In dem Augenblick, in dem„jeder Einzelne" darüber entscheiden soll, ob er feiert oder nicht, wo die Arbeitsruhe also aufhört, der Gedanke und das Ziel der Organisation zu sein, ist sie für die Arbeiter tot. Im ersten Referate versuchte Genosse Reichel das Grab, das er schaufelte, durch einen Kranz geschichtlicher Anerkennung zu schmücken. Die Organisation habe jetzt schon vielfach zum Neuneinhalb-, Neunstundentag und darüber hinaus geführt. Zu diesem Resultat habe sicher die Anregung des Pariser Internationalen Kongresses mit beigetragen. Sie habe Arbeiter und auch bürgerliche Politiker angespornt, sie habe auch Regierungen und Parlamente auf die Bahn der Arbeitszeitverkürzung getrieben. Dieser wichtige Fortschritt wäre in dem Umfange nicht eingetreten, wenn nicht durch die Maifeier die Bewegung tiefen Gehalt und eifrige Förderung erhalten hätte. Man werde der historischen Bedeutung der Maifeier durchaus gerecht, wenn man ihre Leistungen in der Vergangenheit feststelle. Nach diesem Lob auf die Vergangenheit mußte der Nachweis kommen, daß dasjenige, was bisher anregend und anfeuernd wirkte, diesen Zweck nicht mehr erfülle. Und den Versuch dieses Nachweises machte Genosse Reichel auch. Man kann aber nicht sagen, daß er ihm besonders geglückt sei. Zur Stellung von Forderungen eigne sich die Festlegung eines ganz bestimmten Tages im Jahre am allerwenigsten. Mit Verlaub: wer hat denn jemals den wahnwitzigen Gedanken geäußert, daß die Forderung des Achtstundentages und der Arbeitsruhe nur auf den 1. Mai „festgelegt“ werden solle? Natürlich sollte von jeher die Organisations- und Agitationsarbeit des ganzen Jahres sich schon darauf richten, für die Arbeitszeitverkürzung und die Mairuhe etwas herauszuschlagen bei Lohnkämpfen und Tarifabschlüssen. Und war das Jahr ungünstig, so nahm es niemand den Metallarbeitern übel, daß sie darauf Rücksicht nahmen. Desto mehr würden sie in Zeiten günstiger Konjunktur für die Maiparole erreichen. Es kam nur darauf an, daß sie den Gedanken eines vom internationalen Proletariat selbst eingesetzten Feiertages nicht überhaupt fallen ließen. Das ist aber jetzt mit dem Hamburger Beschluß geschehen, trotzdem die von Reichel angeführte Statistik der Metallarbeiterbeteiligung an der Maifeier gegen seinen und für unseren Standpunkt sprach. Er teilte mit, daß die Beteiligung organisierter Metallarbeiter an der Arbeitsruhe in den guten Jahren 1905/06 von 5,18 auf beinahe 9 Proz. gestiegen, dann aber in den beginnenden schlechteren Geschäftsjahren bis auf 2 Proz. gefallen sei. Wie kann man aber nach so glänzenden Steigerungsresultaten in guter Geschäftszeit die mangelhafte Beteiligung in bösen Jahren allein gelten lassen? Die Zeiten ändern sich wieder. Und dann hätte der Metallarbeiterverband mit seinenMitteln leicht weiter über die 1906 erreichten 9 Proz. fortschreiten können, wenn er die agitatorische Bedeutung der Maifeier für die Gegenwart und Zukunft ebenso hoch einschätzte, wie er es für die Vergangenheit tut. In dieser mangelhaften Einschätzung liegt die Erklärung für die Hamburger Beschlüsse. Das war aus dem Schlußreferat des Genossen Severing mit noch größerer Deutlichkeit zu erkennen. Er meinte: Die Demonstration lasse sich nicht auf einen uns genehmen Zeitpunkt verschieben, sie finde zu einer Zeit statt, wo die Konjunktur in vielen Branchen eine ungünstige, keine Erfolg versprechende sei. Sehr interessant seien die Ausführungen eines Nürnberger Delegierten gewesen, der in der Kommission sagte, man müsse den Kampf um die Arbeitsruhe aus Idealismus führen, nicht auf Kosten der Organisation. Die Sache liege aber doch so, daß sie zu einer reinen Organisationsfrage geworden sei. Man habe gegen uns den Vorwurf erhoben: Ihr seid alte Krämer geworden, ohne Begeisterung, bar jeder Ideale! Das müsse er kurzerhand zurückweisen. Der Idealismus dürfe nicht einen Tag dauern, sondern 365 Tage. Genau dasselbe, was sein Schlußsatz besagt, erwidern wir dem Genossen Severing. Wenn unser Idealismus 365 Tage dauert, dann stellt er den ganzen Apparat der Gewerkschaftsorganisation, alles Tun und Lassen des Verbandes von vornherein auf die möglichste Erreichung der großen, gemeinsamen Ziele der gesamten Arbeiterbewegung und ihre propagandistischen Mittel ein. Und ein solches Mittel von höchster Wirkung war die internationale Maifeier mit ihrer sich allmählich ausdehnenden internationalen Arbeitsruhe. Schlimme Wirtschaftsperioden brachten Rückschläge, aufsteigende Konjunkturen immer neue Fortschritte. Der Schwung des weltumfassenden revolutionären Maigedankens riß immer neue Teile der Massen mit. Damals stand der Maigedanke über den Organisationen und entflammte sie. Heute wird er„zu einer reinen Organisations= frage“ gemacht, d. h. es wird gefragt, ob er umgekehrt den Einzelorganisationen und ihren Berufszielen in allen Fällen paßt und ihnen nicht auch manchmal Schwierigkeiten bereitet, und da diese Frage allerdings für schlechte Zeiten auch von uns nicht verneint werden kann, so soll das entscheidend werden und eine Gemeinsamkeit des revolutionären Wollens und Strebens aufgegeben sein, die bisher die fortgeschrittenen Arbeiter der ganzen Welt anfeuernd und begeisternd umschlang. Die gemütliche Sonntags= oder Abendfeier tritt an Stelle der internationalen Willenskundgebung des Proletariats, die den symbolischen Maigedanken von Periode zu Periode höher hob und unter Benutzung aller günstigen Umstände die Gleichgiltigen und Schlaffen zur Uebung ihrer Kräfte mit fortriß. Wer so stark, wie wir, von der werbenden Bedeutung der internationalen Maifeier überzeugt ist, gibt aber auch nach den Hamburger Beschlüssen der deutschen Metallarbeiter die Hoffnung nicht auf, daß die Zeiten wiederkehren, in denen wir mit der ganzen organisierten Macht der deutschen Arbeiterschaft hinter der Propaganda für das Weltfest stehen. Vielleicht müssen wir aus noch größeren und gewaltigeren Kämpfen lernen, daß die Taktik der Nachgiebigkeit unrichtig ist, vielleicht werden uns die Oesterreicher, Skandinavier und Romanen noch lehren, welche hinreißende Kraft doch im proletarischen Maigedanken liegt. Die Maifeier kann in Deutschland eine Zeit lang begraben sein und schlafen, aber sie wird desto kräftiger wieder aufleben, wenn die zugespitzten Klassengegensätze und Klassenkämpfe auch die großen Gewerkschaften von der unzerstörbaren Lebenskraft des revolutionären Maigedankens überzeugt haben. Soweit die„Frankfurter Volksstimme". Zustimmend haben den Artikel bisher das„Hallesche Volksblatt“ und die Dortmunder„Arbeiterzeitung“ abgedruckt. Das„Hamburger Echo“, bringt ihn rein referierend zur Kenntnis seiner Leser. Die neuen Steuern. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht in ihrer Dienstagsnummer(15. Juni) Einiges aus dem Inhalt der von der Regierung dem Reichstage vorgelegten neuen Steuern. Einleitend bemerkt das Regierungsorgan:„Die verbündeten Regierungen halten an dem Grundsatze fest, daß von dem neuaufzubringenden Steuerbedarf von 500 Millionen Mark wenigstens 100 Millionen ausschließlich auf die Schultern der besitzenden Klassen gelegt werden müssen. Sie hatten zu diesem Zwecke eine Nachlaßsteuer samt einem Wehrsteuerzuschlag und die Erweiterung des Erbrechts des Staates in Vorschlag gebracht. Für diese Abgaben in ihrer ursprünglichen Form ist keine Mehrheit im Reichstage vorhanden. Andererseits können die verbündeten Regierungen den von der Finanzkommission des Reichstages ausgearbeiteten Steuern auf Wertpapiere und auf den Wertzuwachs bei Grundstücken nicht zustimmen. Die in den bisherigen eingehenden Verhandlungen zur Reichsfinanzreform vergeblich unternommenen Versuche, die Besitzsteuerfrage in anderer Weise befriedigend zu lösen, haben dargetan, daß es in den durch die bundesstaatliche Verfassung vorgezeichneten Verhältnissen für das Reich eine andere allgemeine Besitzsteuer als die Erbschaftssteuer nicht gibt. Die verbündeten Regierungen sind bereit, der Ausdehnung der Erbschaftssteuer eine Form zu geben, die den geltend gemachten Einwendungen und Wünschen Rechnung trägt und bringen dementsprechend eine neue Vorlage ein...... Läßt sich durch eine allgemeine Besitzsteuer der Betrag von 100 Millionen Mark nicht erreichen, so erübrigt es sich nur, den Vermögensbesitz in seinen einzelnen Erscheinungsformen in direktem Anschluß an verschiedene wirtschaftliche Vorgänge, die ihn im Verkehr in die Erscheinung treten lassen, steuerlich zu erfassen, und zwar den Besitz an Immobilien und Mobilien durch eine Stempelabgabe auf die Versicherungsquittungen, den reinen Kapitalbesitz durch eine Erhöhung des Effektenstempels..... Innerhalb der sonstigen, von den verbündeten Regierungen vorgeschlagenen Steuern haben ferner zurzeit keine Aussicht auf Annahme die Besteuerung der Inserate und der elektrischen Kraft. Die von der Finanzkommission des Reichstags hier in Aussicht genommenen Maßregeln, die Mühlenumsatzsteuer und der Kohlenausfuhrzoll sind aus den hier wiederholt dargelegten Gründen abzulehnen. Für die entstehenden Ausfälle soll vielmehr Deckung geschaffen werden durch Verkehrssteuern, und zwar durch eine Stempelabgabe beim Eigentumswechsel von Grundstücken, durch eine Erhöhung des Wechselstempels und durch die Einführung eines Scheckstempels.“ Ueber den Inhalt der einzelnen in Vorschlag gebrachten Ersatzsteuern wird folgendes mitgeteilt: Gegen die Nachlaßsteuer ist nicht nur von den grundsätzlichen Gegnern einer Besteuerung des Gatten- und Kindererbes, sondern auch von denen, die einer derartigen Erweiterung der Erbschaftssteuer zustimmend gegenüberstehen, der Vorwurf erhoben worden, daß auf die Zahl der Erben keine Rücksicht genommen werde. Für die Form der Nachlaßsteuer sprechen nun zwar vom finanziellen Standpunkt aus eine Reihe gewichtiger Gründe, die Möglichkeit, mit niedrigen Prozentsätzen anzufangen und doch ansehnliche Erträge zu erzielen, weil die Steuer sich auf eine breitere Gesamtmasse aufbaut, ferner der Umstand, daß die Wehrsteuer sich finanztechnisch nur mit einer Nachlaßsteuer zweckmäßig verbinden läßt. Die zugunsten dieser Steuerform geltend gemachten Gründe sind für die verbündeten Regierungen nicht von solcher Bedeutung, daß sie nicht auch zu einem Ausbau der Erbanfallsteuer auf Ehegatten und Kinder bereit wären. Der neue Entwurf soll einer Reihe von Einwendungen Rechnung tragen, die in den Debatten gegen die vorgeschlagene Erbschaftsbesteuerung erhoben sind. Bei der Besteuerung des Gatten- und Kindererbes scheidet der Mobiliarbesitz, soweit er nicht in Kapitalien, insbesondere in Wertpapieren besteht, von der Besteuerung aus. Ferner ist die Freilassung des Gattenerbes in beerbter Ehe im Entwurfe vorgesehen. Die neue Steuer soll nach einer eingefügten Bestimmung dann nicht erhoben werden, wenn der Ernährer der Familie im Felde gefallen ist. Der Entwurf sieht das Recht des Erbschaftssteueramtes vor, unter Umständen eine Versicherung an Eidesstatt über die Richtigkeit und Vollständigkeit der eingereichten Erbschaftssteuererklärung und der weiteren Angaben zu fordern, um eine Hinterziehung unmöglich zu machen. Beträgt der Wert des Gesamtnachlasses unter 20000 Mk., dann tritt Steuerfreiheit ein, gleichviel, wie hoch der Erwerb des einzelnen Erben ist. Die Steuerpflicht für Kinder und kinderlose Ehegatten soll erst bei einem Erbanfalle von mehr als 10000 Mk. beginnen. Im übrigen sind alle diejenigen Vergünstigungen zugunsten des ländlichen Grundbesitzes wiederholt, die der früher vorgelegte Entwurf enthielt. Der Mehrertrag der erweiterten Erbschaftssteuer wird auf 68 Millionen Mark veranschlagt, wovon nach Abzug eines Anteils der Bundesstaaten für das Reich ein Ertrag von 55 Millionen Mark erwartet wird. Stempel auf Feuerversicherungspolicen: Durch Freilassung der kleineren Versicherungswerte unter 5000 Mark soll auf das geringere Maß der Leistungsfähigkeit Rücksicht genommen werden. Es wird eine Stempelabgabe von Quittungen über gezahlte Versicherungsprämien vorgeschlagen, die, in Höhe von jährlich ein Viertel vom Tausend der Versicherungssumme erhoben, einen Ertrag von etwa 35 Millionen Mk. bringen soll. Der nicht ersaßte, in Wertpapieren bestehende Kapitalbesitz soll durch eine nochmalige Erhöhung des Effektenstempels belastet werden. Es sollen in Zukunft entrichtet werden: Von inländischen Aktien 2½ Proz., von ausländischen 3 Proz., von Kuxen 3 Mk., von Einzahlungen auf solche 2½ Proz., von inländischen privaten Renten und Schuldverschreibungen, sowie solchen ausländischer Staaten und öffentlicher Verbände usw. 1 Proz., von sonstigen ausländischen Obligationen 1½ Proz., endlich von Renten und Schuldverschreibungen inländischer öffentlicher Verbände 3 vom Tausend. Neu hinzu treten die Aktien der deutschen Kolonialgesellschaften mit 1½ Prozent. Der Mehrertrag aus diesen Tarifänderungen wird auf etwa 10 Millionen Mark geschätzt. Wertzuwachssteuer von Grundstücken: Der von der Beurkundung der Eigentumsübertragung zu erhebende Wertstempel soll 1/8 Prozent betragen. Die Steuer soll 20 Millionen Mark bringen. Als Verkehrssteuern, die an den Geldumsatz anknüpfen, werden eine Erhöhung des Stempels für gewisse Wechsel und ein Scheckstempel vorgeschlagen. Es wird mit einem Ertrage von insgesamt 20 Millionen Mark gerechnet. Der Wechselstempel soll nur für solche Wechsel, die länger als drei Monate laufen, erhöht werden, und zwar im ersten Jahre für einen und dann für je fernere sechs Monate der Laufzeit um eine weitere Abgabe in Höhe des bisherigen Stempels. Auf Schecks soll ein fester Stempel von 10 Pfg. pro Exemplar erhoben werden. Politische Uebersicht. Reichseinnahmen 1908. Im Rechnungsjahr 1908 sind, nach dem„Zentralblatt für das Deutsche Reich“, folgende Einnahmen des Deutschen Reiches an Zöllen, Steuern und Gebühren, abzüglich der Ausfuhrvergütungen usw., sowie der Verwaltungskosten zur Reichskasse gelangt: Zölle 545 956 360 Mk.(— 98 788 704 Mk.), Tabaksteuer 10 814 658 Mk.(— 147 916 Mk.), Zigarettensteuer 15 629184 Mark(+ 2949 276 Mark), Zuckersteuer 144085 575 Mark (+ 5 720 144 Mk.), Salzsteuer 57 592 469 Mk.(— 151 252 Mk.), Branntweinsteuer: a) Maischbottichsteuer 13.032 591 Mark (+ 64 453 Mk.), b) Verbrauchsabgabe und Zuschlag 105 576 456 Mark(— 4 743 659 Mark), c) Brennsteuer 2470 577 Mark + 5076 938 Mark), Schaumweinsteuer 5491 646 Mark + 134 913 Mk.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 51 048 258 Mark(— 2723616 Mark), Spielkartenstempel 1785 314 Mk.(— 10 639 Mk.), Wechselstempelsteuer 16 405 966 Mark(— 931 826 Mark), Reichsstempelabgaben: 1. Ueber weisungssteuern: A) von Wertpapieren 27152778 Mark (+ 8 284 896 Mk.), B) von Kauf= und sonstigen Anschaffungsgeschäften 12021 500 Mk.(+ 2 899 279 Mk.), C) von Lotterielosen: a) für Staatslotterien 32 380 660 Mk.(+ 313 063 Mk.), b) für Privatlotterien 10 753 604 Mark(+ 1 065 919 Mark), 2. Reichseigene Steuern: A) von Frachturkunden 14 107 127 Mk. (— 1 608 752 Mk.), B) von Personenfahrkarten 18 463 825 Mk. (— 720 264 Mk.), C) von Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge 1 876 668 Mk.(+ 809 398 Mk.), D) von Vergütungen an Mitglieder von Aufsichtsräten 3 352 617 Mk.(— 744 841 Mk.), Erbschaftssteuer 30 082 093 Mk.(+ 3·817 849 Mk.), Statistische Gebühr 1 446 193 Mk.(— 62 248 Mk.). Gegen den Heimarbeiterschutz. Ende dieses Monats findet in Dresden eine Sitzung des Ausschusses des Verbandes sächsischer Industrieller statt, die sich mit der weiteren Verbesserung des Heimarbeiterschutzes, wie er in der Gewerbeordnungskommission beschlossen wurde, befassen soll. Gegen den Bäckereiarbeiterschutz. Der Bäckerei-Innungsverband„Saxonia“, der gegenwärtig in Löbau tagt, nahm eine Resolution an, in der er sich gegen jede Verbesserung des Bäckereiarbeiterschutzes wendet, vor allem gegen eine Ausdehnung der Sonntagsruhe und gegen den 36stündigen Ruhetag. — Es wurde dann ferner die Gründung eines Allgemeinen Deutschen Arbeitgeberschutzverbandes für das Bäckergewerbe gefordert. Die polnische Sprache vor Gericht. Vor dem Charlottenburger Schöffengericht fand eine Verhandlung gegen Mitglieder des polnischen Wahlvereins statt. Während der Beratung der Richter über das Urteil unterhielt sich der Verteidiger Stobincki mit den Angeklagten in polnischer Sprache. Der Staatsanwalt beantragte ganz erregt eine Ordnungsstrafe von 50 Mark für den Rechtsanwalt, weil er vor einem deutschen Gerichtshof polnisch gesprochen habe. Das Gericht lehnte die Verhängung einer Ordnungsstrafe ab, da es selbstverständlich keinem Verteidiger verwehrt werden könne, in beliebiger Sprache sich mit seinen Klienten zu unterhalten. Der Rechtsanwalt will ay über den Staatsanwalt beschweren. Das Beschwerderecht der Beamten. Stuttgart, 13. Juni. Eine große Debatte über das Koalitions= und Beschwerderecht der Beamten gab es gestern im württembergischen Landtag. Sie endete mit der Niederlage der Regierung. Einstimmige Annahme fand eine vom Ministerpräsidenten bekämpfte Erklärung, worin ausgesprochen wird, daß es durchaus einer vor zwei Jahren vom Landtag gefaßten Resolution entspreche, wenn mehrere oder eine Gruppe Beamter gemeinsam Beschwerde führen gegen dienstliche Maßregeln, wodurch sie gemeinsam in Leidenschaft gezogen werden. Veranlaßt war die Debatte durch die Maßregelung einiger Beamter. Zum Streike der Aerzte in Schiltigheim bei Straßburg i. E. nahm am Freitag abend eine sehr stark besuchte Volksversammlung Stellung, die in einer Resolution erklärte, daß die vom Aerzteverein Straßburg=Land an die Ortskrankenkasse gerichteten Forderungen viel zu hoch sind. Da diese Forderungen mit Sicherheit eine enorme Beitragserhöhung oder aber die Aufhebung der Familienunterstützung nach sich ziehen würden, protestiert die Versammlung energisch gegen das die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie die Gemeinde schwer schädigende Verhalten der Aerzte, um so mehr, als diese Herren vor allem die durch die Krise schon schwer heimgesuchten Arbeiter in erster Linie treffen und keine Ursache haben, über zu niedrige Honorierung(6,65 Mk. pro Mitglied und Jahr) sich zu beklagen. Die Versammlung verlangt, daß die Aerzte ihr Verhalten aufgeben und der Kasse im Sinne der Vorschläge des Kassenvorstandes ein Entgegenkommen zeigen.— Der Gemeinderat von Schiltigheim beauftragte in seiner letzten Sitzung den Bürgermeister, an den Verhandlungen der Kasse mit den Aerzten teilzunehmen. Obligatorische Arbeitslosenversicherung. Das badische Ministerium des Innern hat eine umfangreiche Denkschrift über die Arbeitslosigkeit veröffentlicht. Die Denkschrift spricht sich für die Anwendung des Genter Systems für die organisierten Arbeiter, für die Anwendung des Kölner Systems für die nichtorganisierten Arbeiter aus. Sollten die nichtorganisierten Arbeiter von der freiwilligen Versicherung nicht den wünschenswerten Gebrauch machen, so sei ein Gesetz zu erlassen, das die Gemeinden befugt, auf Grund eines Ortsstatuts eine obligatorische Arbeitslosenversicherung der ortsansässigen Arbeiter einzuführen und hierfür einen Beitrag zu erheben.— Zu einer Aussprache über diese Vorschläge des Ministeriums findet nächstens eine Konferenz statt, zu der neben den Vertretern der größeren und mittleren Städte auch solche der Unternehmer und der Gewerkschaften eingeladen werden sollen. Der Prozeß gegen Eulenburg. Berlin, 14. Juni. Das Kammergericht hat den Beginn der außerordentlichen Schwurgerichtsperiode, in der gegen den Fürsten Eulenburg wegen Meineids und Versuchung zum Meineide verhandelt werden soll, auf den 5. Juli festgesetzt. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsdirektor Kanzow ernannt worden. Die Auslosung der Geschworenen hat bereits heute vormittag stattgefunden. Was die Erhöhung der Kaution von 100000 Mk. auf 500000 Mk. betrifft, so hat das Kammergericht, nachdem die Strafkammer dem Ersuchen des Staatsanwalts um Erhöhung nicht nachgekommen war, bereits am 4. Juni die Erhöhung beschlossen, da es durch die Reise des Fürsten Eulenburg ins Ausland einen Fluchtverdacht nicht für ausgeschlossen hielt und auf Grund eines schon damals ergangenen Gutachtens der wissenschaftlichen Deputation von der Verhandlungsfähigkeit Eulenburgs überzeugt wurde. Diese achttägige Frist für die Kautionsstellung lief bereits am Sonnabend ab, und nachdem der Verteidiger Rechtsanwalt Wronker einen vergeblichen Versuch gemacht hatte, die Erhöhung der Kaution durch die schleunige Rückkehr Eulenburgs nach Berlin als unnötig hinzustellen, wurden die zu den 500000 Mk. noch fehlenden 400 000 im letzten Moment hinterlegt, wodurch der Angeklagte der sofortigen Verhaftung entging. Aus dem Reichstag. Ueber den Arbeitsplan des Reichstages berichtet der„Berliner Lokalanzeiger": Der Seniorenkonvent des Reichstages wird am Dienstag Dispositionen über die Geschäftslage treffen. Die Steuervorlagen sollen erst in einer Generaldebatte nochmals besprochen werden, da die Finanzkommission dem Plenum vollständig neue Vorlagen mit ganz geringen Ausnahmen unterbreitet. Im Seniorenkonvent soll der Vorschlag gemacht werden, in der laufenden Woche die Sitzungen bereits um 12 Uhr mittags beginnen zu lassen, da Kommissionen kaum noch arbeiten werden, dagegen in der nächsten Woche, wenn die Finanzkommission tagen wird, die Sitzungen um 1 Uhr beginnen zu lassen. Nach einer allgemeinen Debatte von 4 Tagen glaubt man die Einzeldiskussion für jede Vorlage auf etwa 1½ Tage ansetzen zu können, so daß die 2. Lesung aller Steuervorlagen, auch der neuen Ersatzsteuern, am 3. Juli erledigt sein und die 8. Lesung sich sofort anschließen könnte. Die Verabschiedung der Besoldungsvorlage dürfte in 2 bis 3 Tagen erledigt werden so daß etwa am 10. Juli die Vertagung des Reichstages auf den Herbst erfolgen könnte. Wohin geht der Kurs? So fragt die Deutsche Tageszeitung", Daß sich die Regierung nicht den Wünschen der Agrarier gefügt hat, bringt das Blatt direkt aus dem Hauschen. Die„Deutsche Tageszeitung bezeichnet die augenblickliche Situation als eine immer unverständlicher werdende und meint, daß die Haltung der Regierung überhaupt nicht mehr sachlich zu erklären sei. Sie weist darauf hin, daß noch nie eine deutsche Regierung einen ähnlichen Erfolg auf dem Gebiete der Ordnung der Reichsfinanzen zu verzeichnen hatte, wie die gegenwärtige. Denn neben der Gesamtsumme hat die Kommissionsmehrheit auch die Kardinalforderung der Regierung zugestanden, daß ein Teil der neuen Steuern den Besitz treffen soll. „Dies Verlangen widersprach nicht nur aller Tradition der Reichspolitik, sondern sogar der bis dahin durchaus vorherrschenden Auffassung von dem Sinne der Bestimmungen der Reichsverfassung; und sie widersprach jedenfalls auch den bisher auf das Entschiedenste festgehaltenen finanzpolitischen Ueberzeugungen großer Parteien des Reichstages, ohne deren Mitwirkung das Reformwerk wenig aussichtsvoll erscheinen mußte. Da trat ein Fall ein, wie er wiederum in der deutschen Reichsgeschichte, ja wie er überhaupt in ähnlichen Situationen der Geschichte noch nie dagewesen ist: Dieselbe Regierung, die seit Jahr und Tag nicht aufgehört hatte, zu betonen, daß die endliche Ordnung der Reichsfinanzen eine nationale Notwendigkeit ersten Ranges, und daß jeder Tag unnötigen Aufschubs dieser Reform ein schwerer Schade für die Wohlfahrt des Reiches sei, schlug die Reform, die eine opferbereite und tatkräftige Mehrheit ihr fertig entgegenbrachte, aus; und dieselbe Regierung, die bisher immer wieder erklärt hatte, daß die lange Verzögerung der Entscheidung selbst das Ansehen des Reiches nach außen hin ernstlich schädige, setzt dem entgegenkommenden Programm der bewilligungsbereiten Mehrheit neue Vorschläge entgegen, die neuen Streit und neue schwere Hemmungen für das Reformwerk bringen!"„Nach einleuchtenden sachlichen Gründen für diese Haltung der Regierung wird man vergeblich suchen... Es handelt sich doch gegenüber der immer steigenden Finanznot und Verschuldung des Reiches nicht um die Erbschaftssteuer, sondern darum, daß der Hunger des Reiches endlich gestillt wird; es handelt sich nicht um irgend einen steuerlichen Einzelplan, sondern um die Finanzreform! Die Behauptung, daß das Zentrum durch die Annahme der Mehrheitsvorschläge wieder zur Herrschaft kommen müsse, enibehrt doch wirklich jeder sinnvollen Logik. Dazu wäre die erste Voraussetzung jedenfalls, daß der Freisinn sich, wenn man nicht seine Forderungen bei der Finanzreform erfüllt, weiter den Staatsnotwendigkeiten versagte. Ein solcher Standpunkt wäre aber doch eine Felonie, die der Freisinn selber weit von sich weisen wird. Dann bliebe aber nur eine Annahme übrig, so sehr man sich dagegen auch sträuben mag: Daß die Regierung die Reform nicht gegen die Linke machen will! Das wäre freilich ein Standpunkt, der jeden Patrioten mit schwerster Sorge erfüllen müßte; denn das hieße nichts anderes, als daß der verantwortliche Leiter der Reichspolitik, der über den Parteien stehen soll, einen großen nationalen Erfolg, eine ernste nationale Notwendigkeit, nicht unter Dach und Fach bringen kann, weil er sich einer Pattei oder einer Parteikonstellation gegenüber äußerlich oder innerlich nicht mehr frei fühlt. Ein solcher Standpunkt bedeutet den tatsächlichen Anfang der Etablierung einer parlamentarischen Regierung. Er wäre um so gefährlicher und unheilvoller, in einer Zeit wie der jetzigen, wo wir seit den Novembertagen bereits den ersten großen Generalansturm der Linken in der Richtung auf ein parlamentarisches Regiment erlebt haben, der nur mit Mühe und Not hat abgeschlagen werden können! Stehen die Dinge so, dann wäre die Haltung der Regierung freilich„erklärt"; aber dann würde es sich allerdings auch um mehr als um die Reichsfinanzreform handeln; dann ginge der Kampf um nicht mehr und nicht weniger als um die Frage, ob im Reiche entgegen der jetzigen, auf monarchischer Grundlage beruhenden Reichsverfassung des parlamentarische System zur Geltung kommen soll.“ Die Ausführungen des agrarischen Blattes entbehren jeder „sinnvollen Logik". Wenn die Regierung sich der Reichstagsmehrheit ohne weiteres fügt, so ist das keine parlamentarische Regierung. Wenn sie aber nicht mit der Reichstagsmehrheit durch Dick und Dünn geht, dann ist das eine. Man muß es den Agrariern lassen: Sie verstehen es gasiz famos, die Begriffe auf den Kopf zu stellen. Sie haben eben ihre eigene Sprache. Wie kann man auch von diesen Herren verlangen, daß sie sich der Sprache des gemeinen Volkes bedienen? Wenn ihnen eben etwas nicht paßt, so schimpfen sie einfach über parlamentarische Regierung. Vor der Entscheidung. Unter dieser Ueberschrift schreibt die„Kölnische Zeitung" am Schlusse eines längeren Artikels: „Die Frage ist nur, ob der konservativ=klerikale Block es wagt, die Finanzreform dem deutschen Volbe im einseitigen agrarischen Standesinteresse und im politischen Interesse des konfessionellen Zentrums aufzuzwingen oder ob sie im Interesse des Staatsganzen gemacht wird. Fürst Bülow hat uns nicht ins Vertrauen gezogen, aber wir glauben nicht, daß ein Staatsmann seines Schlages seine Reputation vor der Weltgeschichte preisgeben und seinen Namen an die Spitze einer Aera setzen wird, in der nicht die ausgleichende Gerechtigkeit, sondern wirtschaftlicher Klassenegoismus Trumpf ist. Dazu kommt, daß es psychologisch unmöglich wäre, daß Fürst Bülow nach allem, was vorgefallen, um solchen Preis mit Herrn Erzberger einen innerlich unwahren und unhaltbaren Frieden schlösse, indessen, das sind Persönlichkeitsfragen der zweiten Linie. Möge Fürst Bülow oder ein anderer einer solch konservativ=klerikalen Finanzgestaltung den Stempel geben, sicher ist dann ein Kampf ohnegleichen, der auf Jahrzehnte hinaus unser politisches Leben vergiften wird. Niemals stand der Reichstag vor einer solchen schweren. Entscheidung; selten aber war auch ihm, was er im Einklang mit den Interessen des Staatsganzen zu tun hat, so klar und deutlich vorgezeichnet, wie heuer.“ Zu den neuen Steuervorlagen bemerkt das Blatt:„Da sie zum Teil eine recht schwere Belastung bedeuten, werden sie von keiner Seite gern angenommen werden, wie überhaupt man Steuern nie gern annimmt. Aber sie zeigen immerhin eine ganz gewaltige Besserung, wenn man sie mit denen vergleicht, mit denen die Rumpfkommission uns beglücken wollte. Wenn die Gesetzentwürfe in amtlicher Form vorliegen, wird man ermessen können, ob und in welchen Punkten sie veränderungsfähig sind und ob ihre Bewilligung durch die Notwendigkeit, dem Reiche die zu seinem Unterhalt nötigen Gelder zu gewähren, gerechtfertigt ist. Der Wert einer militärischen Berichtigung. Das Generalkommando des 14. Armeekorps(Baden) hatte vor einigen Tagen in der Angelegenheit des Zusammenstoßes eines Fuhrmannes mit dem Leutnant Freund vom Karlsruher Telegraphenbataillon, worüber an dieser Stelle berichtet wurde, folgende Erklärung erlassen: „Bei dem am 25. Mai stattgehabten Zusammenstoß eines Fahrzeuges des Telegraphenbataillons ist der Ausdruck: * „Reißt ihn runter, stecht ihn nieder, den Hund!“ nicht gefallen. Das Kommando:„Säbel heraus!“ hat der beteiligte Offizier nicht gegeben. Von seiner Waffe hat er erst Gebrauch gemacht, nachdem der Kutscher mit der Peitsche nach ihm geschlagen hatte. Kgl. Generalkommando 14. Armeekorps.“ Der Karlsruher„Volksfreund“, der die Asfäre erst ausgedeckt hatte, da kein einziges bürgerliches Blatt sich an die Militärhierarchie gewagt hat, erklärte, er halte seine Behauptungen aufrecht. Er fügte hinzu, es sei doch allbekannt, daß beim Militär Zusammenstöße von Offizieren mit Zivilisten nicht wortlos sich abspielten. Zudem habe der Leutnant den Fuhrmann mit dem Säbel geschlagen, ehe der angegriffene Fuhrmann zur Abwehr die Peitsche brauchte. Noch heute sei die rechte Hand des Fuhrmanns verbunden. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat nun am Ende der verflossenen Woche den Fuhrmann über die Affäre vernommen. Er hat wörtlich bestätigt, daß die Worte: Reißt ihn runter, stecht ihn nieder, den Hund!“(womit der Fuhrmann gemeint war) gefallen sind. Auch das Kommando:„Säbel heraus!“ sei gegeben worden. Der Fuhrmann nannte auch einen Augenzeugen, einen Schreinermeister aus einem kleinen Orte bei Karlsruhe. Dieser ist am 9. d. M. vernommen worden. Auch er bestätigt de Angaben des„Volksfreund". Somit ist die tatsächliche Feststellung der Berichtigung als nicht zutreffend erwiesen worden. Das Generalkommando des 14. Armeekorps hätte besser getan, zu schweigen. Es hat der von ihm vertretenen Institution und dem Leutnant Freund keinen Dienst geleistet. Die Parlamentswahlen in o Freitag haben in Holland die Wahlen zur zweiten Kammer stattgefunden. Sie brachten einen gewaltigen Erfolg der klerikal=konservativen Koalition unter Führung des fruheren Ministerpräsidenten Kuyper. Eine Wolffsche Depesche meldet, daß gewählt wurden: 7 Liberale, 3 Demokraten, 25 Katholiken, 20 Protestanten, 9 von der Partei der historischen Christen. 36 Stichwahlen haben stattzufinden, an denen 23 Liberale 7 Demokraten, 11 Sozialisten, 21 Protestanten, 2 Katholiken und 8 von der Partei der historischen Christen beteiligt sind. Damit ist die bisherige„liberale", allerdings nur auf zwei Stimmen beruhende Kammermehrheit, die auch die Sozialisten umfaßte, beseitigt. Die Liberalen verloren in Amsterdam vier Bezirke, im Haag zwei. Verloren gingen ferner für sie Gorinchem, Kampen, Zaandam und Enkhuizen. In Nordbrabant und Limburg sind alle klerikalen Kandidaten gewählt worden. Die Stichwahlen geben für die Liberalen nur geringe Hoffnung. Die neue Kammer wird voraussichtlich aus 60 Klerikalen, und 40 Antiklerikalen bestehen. Bemerkenswert ist die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen, obgleich der Wahlkreis Euschede(Vertreter Van Kol) verloren gegangen ist. Bisher waren in der zweiten Kammer acht Sozialdemokraten, sämtlich der revisionistischen Richtung angehörend. In 77 Kreisen hatte die alte(revisionistische) Partei Kandidaten aufgestellt, die neue(marxistische) Partei in vier Kreisen. Welche Sozialdemokraten in den elf Stichwahlen in Frage kommen, ist zurzeit hier noch nicht bekannt; es wird nur mitgeteilt, daß Van Kol ausgefallen sei und daß der Führer der Revisionisten, Troelstra, in zwei Kreisen(einem Amsterdamer und dem von Leuwarden) in Stichwahl stehe gegen zwei Liberale, aber kaum Aussicht auf Erfolg habe, da die Stimmenzahl der christlichen Parteien den bürgerlichen Kandidaten zugute kommen dürfte. Als bezeichnend wird von dem holländischen Korrespondenten der„Frankfurter Zeitung" angeführt, daß in den großen Städten des Landes, Rotterdam und Amsterdam, in denen 1905 aus Furcht vor der Einführung der Schutzzölle und aus Abneigung gegen das Kuypersche Regime die liberale Gesinnung besonders stark hervortrat, diesmal das sogenannte christliche Element große Fortschritte gemacht hat. Wie sehr der Kuypersche Geist den Wahlfeldzug beherrschte, zeigt das Beispiel eines calvinistischen Pfarrers in Utrecht, der in der Kirche für den Sieg der Kuyperschen Koalition beten ließ und anriet, nur diejenigen zu wählen, die die Kuypersche„Antithese“ anerkennen, und er verkündete, daß man Gott untreu sei, wenn man diesem Prinzip untreu werde.(Die„Antithese“ Kuypers, die im Lande die leidenschaftlichen Kämpfe hervorrief, teilt die Bevölkerung in Christen, d. h. Katholiken und Calvinisten, und Heiden, d. h. Liberale, ein.) Kuyper, der in der Kirche zu Hardenberg eine Wahlrede gehalten hat, bekämpfte den Freihandel, der lediglich durch die großen Städte Amsterdam und vor allem Rotterdam verteidigt werde. Der Handel von Rotterdam aber werde zum großen Teil durch deutsche Firmen betrieben, sagte Kuyper weiter in der Absicht, die antideutschen Elemente zugunsten der Schutzzölle auszubeuten, aus deren Erträgnissen nach Kuypers Auffassung die Kosten der sozialen Gesetze und die Staatsunterstützung für die konfessionellen privaten Schulen bestritten werden sollen. Ein durchaus neues Element in der diesmaligen Wahlkampagne bildet das energische Eingreifen der Frauen, die in vielen Wahlversammlungen die Kandidaten auf ihre Gesinnung bezüglich des Frauenwahlrechts festzulegen suchten. Automobile mit Damen durchfuhren die Städte; die Damen verteilten Flugblätter, die zum Eintreten für das Frauenwahlrecht aufforderten. Frankreich. Staat und Kirche. Bordeaux, 14. Juni. Ueber den Prozeß gegen den Kardinal Andrieu wird gemeldet: Vor dem Untersuchungsrichter erschien der Kardinal Andrieu, um sich zu rechtfertigen über den Inhalt seiner Rede vom 28. März d. J. Der Kardinal beansprucht alle Verantwortlichkeit für die von ihm gemachten Aeußerungen. Was die Verwaltung seiner Diözese angehe, so sei er nur vor seinem Gewissen, Gott und dem Papste verantwortlich und er bestreite den Zivilbehörden das Recht, zu intervenieren. Er beansprucht das Recht, Gesetze der Republik zu bekämpfen, wenn diese die Ausübung der Religion und des Kultus gefährdeten. Zahlreiche Katholiken begrüßten den Kardinal bei der An- und bei der Abfahrt. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 15. Juni. — d. Kaufmannsgericht. Spruchsitzung vom 11. Juni. Der Geschäftsführer Herdejost klagt gegen den Verlags-Inhaber Krome auf Zahlung des rückständigen Gehalts für den Monat Mai im Betrage von 200 Mark. Weitere Ansprüche behält sich der Kläger vor, da nach seiner Behauptung der abgeschlossene Engagementsvertrag bis zum 31. Dezember d. I. lief. Es handelt sich bei der ganzen Sache um die vor einigen Monaten hier erschienene„Bielefelder Rundschau“, für die der Beklagte nach seiner Angabe etwa 3000 Mk. gegeben hat und deren Herausgeber der Kläger resp. dessen Vater waren. Kläger behauptet nun, der Beklagte sei Teilhaber gewesen, dem am 1. April der gesamte Verlag abgetreten sei. Kläger sei von da ab Angestellter gewesen, wie ein Vertrag ausweise. Der Beklagte bestreitet dies, er will das Geld für die Errichtung einer Annoncen-Expedition gegeben haben, nicht für die„Rundschau“, — — den Hund!“ nicht geius!“ hat der beteiligte fe hat er erst Gebrauch : Peitsche nach ihm ge14. Armeekorps.“ die Asfäre erst ausgeBlatt sich an die Mililte seine Behauptungen ekannt, daß beim MiliZivilisten nicht wortlos mnt den Fuhrmann mit ne Fuhrmann zur Absei die rechte Hand des jsat nun am Ende der die Affäre vernommen. te:„Reißt ihn runter, er Fuhrmann gemeint o:„Säbel heraus!“ sei ite auch einen Augennem kleinen Orte bei iommen worden. Auch d“. 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Es wird beschlossen, eine Anzahl Beweise zu erheben, um das Verhältnis der Parteien zu einander festzustellen.— Der Korrespondent B. klagt gegen die Firma F. W. Hellmann auf Zahlung des Gehalts für 2 Monate in Höhe von 150 Mark. Kläger war zur Besorgung der französischen und englischen Korrespondenz angestellt, er soll aber diesem Posten nicht haben vorstehen können, weil er des Deutschen nicht genügend mächtig war. Die Beklagte hat deshalb nach ihrer Angabe den Kläger vom 29. Mai bis zum 1. Juli, dem Ablauf des Dienstverhältnisses, als Stadtreisenden bei ihrer Berliner Filiale beschäftigen wollen. Kläger soll dies jedoch abgelehnt haben, worauf er entlassen wurde, ohne das Gehalt für Mai zu erhalten. Die Beklagte behauptet auch, Kläger erhalte nicht 75 Mark monatlich, sondern es seien ihm 75 Franken(60 Mark) zugesagt. Im ersten Monat habe er zwar 75 Mark erhalten, aber der Firmeninhaber habe 15 Mt. aus seiner Tasche zugelegt. Das Gehalt für den Monat Mai im Betrage von 75 Mark wird dem Kläger gezahlt, im übrigen soll Beweis erhoben werden, ob Kläger eine Tätigkeit als Stadtreisender abgelehnt hat.— Der Handlungsgehilfe klagt gegen die Firma Schröder u. Baum auf Zahlung des Restgehalts für den Monat Mai im Betrage von 36,92 Mk. Ferner bittet Kläger, festzustellen, daß die Beklagte verpflichtet ist, ihm das Gehalt bis zum 1. Oktober zu zahlen, falls er bis dahin keine andere Stellung erlangt habe. Kläger hat das Dienstverhältnis am 24. Mai gelöst, weil der Inhaber der Beklagten ihn beleidigt haben soll. Von der Gegenpartei wird dies bestritten, sie habe nur unangemessene Aeußerungen des Klägers scharf zurückgewiesen. Es wird ein Beweisbeschluß erlassen.— Der Provisionsreisende P. klagt gegen die SingerCo. auf Rückzahlung der Kaution im Betrage von 130 Mark. Ursprünglich verlangte der Kläger auch ein Zeugnis und die Aufhebung der Konkurrenzklausel, welchem Verlangen seitens der Beklagten in einer früheren Sitzung stattgegeben wurde. Auch die Kaution sollte Kläger inzwischen zurückhaben, aber eine Quittung unterschreiben, die allerlei Klauseln enthält. Kläger verweigerte deshalb die Unterschrift. Heute wurde ein Vergleich dahingehend geschlossen, daß die Beklagte gegen Quittung des Klägers die Kaution von 180 Mark zahlt; der Vertrag ist aufgehoben, die gegenseitigen Ansprüche sind beglichen bis auf einen erst später fällig werdenden Provisionsanspruch des Klägers.— Der Reisende N. klagt gegen dieselbe Firma auf Zahlung der Kaution in Höhe von 152 Mark. Der Kläger war nach seiner Angabe Oberreisender der Beklagten und sollte, als es zu Differenzen kam, nach Rietberg als Landagent versetzt werden. Es soll solche Versetzung ein Mittel der Firma sein, um nicht beliebte Angestellte klein zu kriegen. Die Beklagte behauptet, die Kaution des Klägers betrage nur 108 Mark, hiervon gingen für Retourprovisionen 47,67 Mk. ab, so daß sie sich bereit erkläre, 60,33 Mk. an den Kläger zu zahlen. Da die Beklagte einen längeren Schriftsatz eingereicht hat, wird der Termin vertagt, um dem Kläger Gelegenheit zu geben, eine Gegenerklärung einzureichen.— Der Handlungsgehilfe R. klagt gegen die Firma Kayser u. Co. wegen grundloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung von insgesamt 650 Mk. Die Beklagte erklärt sich während der Verhandlung bereit, 118 Mk. zu zahlen, im übrigen bittet sie um Abweisung der Klage, da die Entlassung zu Recht erfolgt sei. Kläger sei fortdauernd trotz Verwarnung zu spät ins Geschäft gekommen. Die Beweisaufnahme fällt zuungunsten des Klägers aus, weshalb er mit seiner Restforderung von 532 Mark abgewiesen wird.— Der Handlungsgehilfe Sch. klagt gegen die Firma F. Mertens wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung von 560 Mark. Die Beklagte behauptet, Kläger sei nicht von ihr entlassen worden, sondern habe selbst das Dienstverhältnis gelöst. Sie habe zunächst die Entlassung des Klägers ausgesprochen, man habe sich aber wieder geeinigt, worauf dann der Kläger am folgenden Tage die Arbeit eingestellt habe. Ueber die beiderseitigen Behauptungen soll Beweis erhoben werden. — Eine öffentliche Protestversammlung gegen die von der polnisch-klerikal- konservativen Koalition beschlossene Reichsfinanzreform ist vom hiesigen Liberalen Verein für Donnerstag, 17. Juni, abends 8½ Uhr, in Remkes Theatersaal einberufen worden. Landtagsabgeordneter Dr. Schepp wird über das Thema:„Der Kampf um die Reichsfinanzreform“, referieren. — Die Taten eines Arbeitswilligen. Sonnabend abend erklärte ein Pflasterer, der bisher Arbeitswilligendienste verrichtet hatte, einigen streikenden Pflasterern, daß er die Arbeit niederlegen wolle. Er wolle aber noch einmal zur Arbeitsstelle gehen, und einen anderen Kollegen veranlassen, ebenfalls die Arbeit niederzulegen. Das tat er auch, und einer der Streikenden begleitete ihn. Als sie zur Bahnhofstraße, wo die Firma H. Pohlmann zwischen den Geleisen der elektrischen Bahn Pflasterungen ausführt, gekommen waren, rief der dort beschäftigte Steinsetzer Johann Buttröwe, hier Bleichstraße wohnhaft, dem Streikenden zu:„Du willst bloß horchen. Dann stieß er ihn so gegen die Böschungsmauer des Bahndammes, daß dieser blutige Lippen und eine Verletzung am Kopfe davontrug. Gegen den Buttröwe ist Strafantrag gestellt worden. —0— Frisches Brot. Wie oft wird das Verlangen gestellt, nur frisches Brot auf den Tisch zu bringen! Bei näherer Prüfung stellt sich indessen heraus, daß der Genuß frischen Brotes gesundheitsschädlich wirkt. Das frische Brot ist trotz des besten Backverfahrens im Innern noch nicht völlig reif. Erst wenn das gebackene Brot von kühler Luft umspult wird, reift auch die innere Masse. Das frisch oder sogar warm genossene Brot ballt sich im Magen zusammen und wird dadurch schwer verdaulich. Je weicher das Brot ist, desto schneller wird es hinuntergeschlungen, ohne daß es genügend gekaut ist. Der angenehme Duft des frischen Brotes verführt zu reichlicherem Genuß, der besonders schädlich wirkt, wenn zu dem frischen Brote noch Fette genossen werden. Sowohl das Stärkemehsl als auch die Fette werden nur im Darm verdaut. Der Magen läßt diese Stoffe unverdaut passieren. Stärkemehl wird lediglich infolge des Kauaktes durch den dadurch abgesonderten Mundspeichel verdaulich. Wenn man diesen Vorgang betrachtet, kann man ermessen, daß wenig gekaute Brotmassen, eben weil sie nicht mechgnisch zerkleinert und vom Speichel durchdrungen sind, unnötig langere Zeit im Magen lagern und dort die Verdauungsvorgänge stören. Es entwickeln sich im Magen dann saure Gärungsprodukte, die auch die Zersetzung der Eiweißkörper im Magen ungünstig beeinflussen. Man rolle nur einmal die Masse des frischen Brotes oder des Brötchens zusammen und man wird eine klebrige, kleisterartige Kugel haben. Eine solche kompakte Masse kann der Magen schwer zur Auflösung bringen, auf daß sie im zerfallenen Zustande den Durchgang zum Darm passieren kann, um im Darm dann endlich verdaut zu werden. Viele Magen= und Darmstörungen sind auf den Genuß von frischem Brot zurückzuführen, noch mehr allerdings werden solche hervorgerufen durch das frische Brötchen am Morgen. Vom Standpunkte einer naturgemäßen Ernährung und damit zusammenhängender rationellerer Ausbeute der Nährmittel, sollte daher der Genuß frischen Brotes vermieden werden. Das etwas gelägerte Brot verlangt zwar eine kräftigere Anwendung unserer Kauwerkzeuge. Gut gekaut aber ist— halb verdaut. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute Dienstag ist die erste Aufführung des lustigen Schwankes:„Sie weiß etwas“ von Rud. Kneisel. Das gut einstudierte Stück, das sich durch prächtigen Humor und Witz auszeichnet, bürgt für einen unterhaltenden Theaterabend. Der hochinteressante französische Schwank„Liebesgewitter“ wird am Mittwoch abend bereits zum 3. Male in der bekannten trefflichen Besetzung wiederholt. Am Donnerstag, den 17. Juni, zur Feier des siebzigsten Geburtstages von Paul Lindau wird dessen Schauspiel!„———, so ich dir" als Festvorstellung in Szene gehen, worauf wir jetzt schon aufmersam machen. — Freie Volksbühne. Wir machen unsere Mitglieder darauf aufmerksam, daß laut Versammlungsbeschluß, die Beiträge für Juni, Juli und August auf 25 Pfg. pro Monat festgesetzt sind. Diejenigen, welche für diese Monate keine Marken kleben, gelten als ausgeschieden. Beitragsmarken sind am Sonnabend noch an der Kasse zu haben. Karten für Nichtmitglieder 30 Pfg. — Bei der Prüfungsfahrt über 505,1 Kilometer für leichte Tourenräder zeigte sich, wie uns mitgeteilt wird, eine auffallende Ueberlegenheit der leichten, stabilen„Dürkopp“= Fahrräder. Diese Prüfungsfahrt zeitigte folgendes Ergebnis: Erstens: vier Fahrer gehen geschlossen durchs Ziel, darunter 2 auf„Dürkopp“. Zweitens: der 2., 4., 11., 12. und 14., also 5 von 15 ausgesetzten Preisen, wurden gewonnen auf„Dürkopp“. Drittens: der 1. Vereinspreis wurde gewonnen auf„Dürkopp“. Viertens: von den 15 siegenden Rädern hat„Dürkopp“ die vier leichtesten. Diese Ergebnisse sind von Vorstandsmitgliedern des „Deutschen Radfahrerbundes“, Gau 20, Berlin, festgestellt und ist somit endlich einmal offiziell festgelegt, daß„Dürkopp“ die leichtesten Maschinen baut, daß die Konkurrenz mit ihren Gewichten erst an 5. Stelle kommt und daß trotzdem„Dürkopp“. mit seinen leichten Maschinen 6 Preise gewinnt, während die nächstfolgende Konkurrenz nur 2 Preise aufzuweisen hat. Polizeibericht. Straßensperrung. Die Petristraße zwischen Hakenort und Feldstraße wird wegen Kanalisation bis 22. 6. für den Verkehr gesperrt. Gefunden; 1 Herrenfreundschaftsring mit schwarzem Stein, 1 silb. Herrenuhr, 1 bunter Damengürtel, 1 rundes gold. Medaillon. Eingefangen: 1 Ferkel, etwa 6 Wochen alt Zugelaufen: 1 grauer Affenpinscher, 1 junger schwarzund weiß gefleckter Jagdhund, 1 Deutscher Schäferhund. Verloren: 1 braunes Herrenportemonnaie, inliegend 18 Mk. und 2 Schreibpinsel, 1 zweisträngige Korallenhalskette, 1 silb. Halskette mit Medaillon, 1 Zehnmarkstück, 1 Kneifer mit Dubleebügel, 1 Zwanzigmarkstück, 1 dunkelgraues Umschlagetuch, 1 roter Tuchgürtel, 1 Militär=Pensions=Quittung auf den Namen des Invaliden Georg Wahl lautend. Festgenommen wurde eine steckbrieflich verfolgte Person. Ferner der Hausierer W., ohne festen Wohnsitz, weil er gelegentlich des Hausierens gestern nachmittag einen Geldbetrag von 550 Mk. entwendete. Bei seiner Festnahme wurde dieser Betrag noch in seinem Besitz vorgefunden.— Eingeliefert wurden in das Polizeigefängnis 4 Personen, 6 Obdachlose erhielten Unterkommen. Versammlungen. Herford. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Donnerstag, 17. Juni, abends 8½ Uhr, bei Seeger: Versammlung. Berichterstattung von der Bundesgeneralversammlung. Referent: Genosse Riep=Bielefeld. Für alle Steuerzahler! Die Einkommensteuernovelle hat, soweit es sich um Ermäßigung wegen Kinderzahl handelt, rückwirkende Kraft für das Steuerjahr 1909. Nach dem jetzt vom„Reichsanzeiger" veröffentlichten Erlaß des preußischen Finanzministers haben auch diejenigen, die bereits veranlagt sind(natürlich auch die, deren Reklamation zurückgewiesen war), das Recht, bis spätestens am 25. Juni bei dem Vorsitzenden der Einkommensteuer=Veranlagungskommission Ermaßigung des Steuersatzes wegen der neuen über die Berücksichtigung der Kinderzahl bei der Steuerveranlagung in der Einkommensteuernovelle vom 26. Mai ergangenen Vorschriften zu beantragen. * Gütersloh, 15. Juni. Lehrer=Erziehung. Zur Behandlung der Seminaristen, über die wir in Nr. 121 berichteten, veröffentlicht die„Neue Westdeutsche Lehrerzeitung“ jetzt eine sehr charakteristische Bittschrift der Schüler des hiesigen Seminars an das Provinzialschulkollegium. Es heißt darin: „Es ist uns leider in letzter Zeit nicht möglich gewesen, zu unserem Direktor das persönliche Vertrauen zu hegen, auf das allein sich die gedeihliche Förderung jeder Erziehungsund Unterrichtstätigkeit gründet. Wir müssen uns im Unterricht Ausdrücke gefallen lassen wie:„Sie Esel!"„Sie Bähschaf!"„Halten Sie das Maul!“„Was hinter Ihren Stirnen steckt, weiß ich nicht, ich habe oft darüber nachgedacht; was in Ihren Herzen steckt weißich, nichts Gutes“; dazu kommt ein allzu scharfes Rügen der in der unausbleiblichen Aufregung begangenen Inkorrektheiten im mündlichen Ausdruck und eine Fülle ehrenkränkender Redewendungen, die Zeugnis davon ablegen, wie sehr der Herr Direktor den Persönlichkeitswert seiner Schüler ignoriert. Wir nehmen unserem Direktor gegenüber eine Stellung ein, die einen persönlichen Verkehr fast ausschließt und uns beispielsweise pedantischen Anschuldigungen hiesiger Quartiergeber schutzlos preisgibt, Die Schuler bitten schließlich, da ein Entgegenkommen des Direktors— er heißt Ewers— nicht zu erwarten sei, um eine Untersuchung der Sachlage. Sie legten eine Hausordnung des Seminars bei, in der beispielsweise die dreimalige wöchentliche Inspizierung der Quartiere vorgesehen, der Besuch der Wirtschaften im wesentlichen und der Ausgang vor der Kirchzeit verboten ist usw. Wie können junge Leute, die durch eine solche Anstalt hindurchgehen, in der ihnen die Persönlichkeit ausgetrieben wird, dann die Jugend zu Persönlichkeiten erziehen! Und einen solchen Direktor hält man für geeignet, Jugenderzieher zu erziehen? * Lage, 14. Juni. Der Streik der Tischler bei der Firma Sepymann, Möbelfabrik, dauert unverändert fort. Nachgegeben hat die Firma insofern, indem die 9½stündige Arbeitszeit einigen Arbeitswilligen bewilligt worden ist. Wegen Mangel an Aufträgen sollen die 4 noch streikenden Tischler noch nicht wieder eingestellt werden können. Dieses stimmt aber nicht, da die Firma in Zeitungen Tischler zu dauernder, lohnender Beschäftigung sucht. Darum ist der Zuzug weiter fernzuhalten. * Detmold, 14. Juni. Der Lippische Landtag ist heute nachmittag wieder zusammengetreten. Es stellt sich heraus daß die Tagung nur kurz sein soll, daß nur die wichtigsten Sachen erledigt werden sollen, weil zu der Beratung der Finanznot des Landes noch keine Gelegenheit gegeben ist. Lippes Finanzen hängen vom Reiche ab, und da in der Frage der Reichsfinanzresorm noch kein Ende zu sehen ist, so wird die Verhandlung im lippischen Landtage bis in den Herbst verschoben. Die Regierung läßzt sich in einem Schreiben an den Landtag über die Finanzen wie folgt aus:„Der genehmigte und festgestellte Voranschlag der Landkasse für das Rechnungsjahr 1909 schließt mit einem Fehlbetrag von 136 452 Mk. ab, uber dessen Deckung Beschluß zu fassen der Landtag während seiner Sommertagung in Aussicht genommen hatte. Letzteres war aus dem Grunde geschehen, weil man hoffte, daß um diese Zeit die Reichsfinanzreform zum Abschluß gebracht und ein Ueberblick über die Wirkung der Reform auf die Finanzen Einzelstaaten ermöglicht sein würde. Leider ist diese Hoffnung nicht in Erfüllung gegangen, es muß deshalb vorläufig für die Ordnung unseres Finanzwesens ohne Rücksicht auf die Reichsfinanzreform Sorge getragen werden. Auf diesseits geschehene Anfrage hat das Reichsschatzamt hierher mitgeteilt, daß vom Fürstentum Lippe für das Rechnungsjahr 1909 an Matrikularbeiträgen vorläufig nur 533 178 Mk. zu zahlen seien und daß der Rest der nach dem Reichsetat für 1909 auf 993679 Mk. festgestellten Matrikularbeiträge mit noch 460 501 Mk. auf Grund des Reichesgesetzes vom 3. 6. 06 zunächst nicht erhoben werde. Da im Voranschlage der Landkasse für 1909 die Matrikularbeiträge mit 590 932 Mk. eingestellt sind, vermindert sich der obige Fehlbetrag von 136 452 Mk. um(590932— 533 178 Mk.) 57 754 Mk., mithin auf 78698 Mark. Zu dessen teilweiser Deckung wird die Erhebung eines Einzelsatzes der Einkommensteuer in Vorschlag gebracht. Nach einer weiteren Mitteilung des Reichsschatzamtes werden die für 1906 gestundeten Matrikularbeiträge im Juli d. J. zur Hebung gelangen, falls die Reichsfinanzreform nicht zustande kommt. Aber selbst im günstigsten Falle wird die Wirkung der zu erlassenden Reichsgesetze auf die Reichsfinanzen für das laufende Rechnungsjahr kaum oder doch nur in geringem Maße in die Erscheinung treten. Es muß daher mit der Zahlung der im Juli d. fälligen gestundeten Matrikularbeiträge aus dem Jahre 1906 gerechnet werden. Letztere betragen für das Reich 28 403 680 Mark und für das Fürstentum Lippe etwa 70000 Mark. Wir hoffen, diesen Betrag aus den Mehrerträgnissen der Einnahmen der Landkasse für 1909 decken zu können, müssen aber vorübergehend zu diesem Zwecke Gelder bei der Landesspar- und Leihekasse aufnehmen, da die Landkasse in der ersten Hälfte des Rechnungsjahres zu außergewöhnlichen Ausgaben nicht imstande ist. Den bei der Landkasse für außergewöhnliche Fälle gebildeten Fonds in Höhe von 238 670,80 Mk. glauben wir einstweilen zurückhalten zu müssen, zumal für die nächsten Jahre voraussichtlich größere Summen an gestundeten Matrikularbeiträgen, o für 1910 153 593 Mk. und für 1911 244 894 Mk. zu zahlen sein werden. Der Landtag wird ersucht, sich zunächst mit der Hebung eines 13. Einzelsatzes der Einkommensteuer für 1909 einverstanden erklären zu wollen. Sollten infolge der Beschlüsse des Reichstages weitere Anforderungen an die Einzelstaaten ergehen, werden wir mit entsprechenden neuen Anträgen an den Landtag kommen müssen. Der Landtag beschäftigte sich heute mit den Vorlagen über Aenderungen der Ablösungsgesetze und über die Anstalt Lindenhaus. Für die Irrenanstalt Lindenhaus wurden statt der geforderten 20 000 Mk. nur 10000 Mk. neben einigen kleineren Posten bewilligt. Die Ablösungssachen betreffen nur wenige abgelegene Bezirke des Landes, sind da allerdings für eine Anzahl von Bewohnern ziemlich bedeutend. Ueber die Wertzuwachssteuervorlage wurden nur wenige allgemeine Worte gesprochen. Auch diese Vorlage soll erst im Herbst erledigt werden, aber ein liberaler Abgeordneter bemerkte schon, daß dieser Entwurf erheblichen Schwierigkeiten begegnen werde. Derselbe Herr wollte auch den Höchstsatz von 25 Prozent herabgesetzt wissen. Der liberale Abg. Neumann=Hofer nahm die Besitzenden in Schutz, die sich auf die drohende Steuer nicht vorbereitet hätten, und kündigte an, daß seine Fraktion im Herbst den Antrag stellen würde, die Wertzuwachssteuer für das ganze Land bindend einzuführen. Auf Einzelheiten ging man nicht ein, so daß nach kurzer Debatte der Gesetzentwurf an den Finanzausschuß verwiesen werden konnte.— Voraussichtlich wird die eben erst angesangene Tagung schon morgen geschlossen werden. Letzte Godesberg, 15. Juni. Im Rhein ertränkte sich ein Liebespaar, weil sich die Eltern des Mädchens einer Heirat widersetzten. Berlin, 15. Juni. Seit gestern morgen weilt der Berliner Kriminalkommssar Klinghammer mit einer Reihe von Kriminalbeamten in Liebenberg. Er hatte gestern eine fünfviertelstündige Unterredung mit dem Fürsten, in der, wie verlautet, besprochen wurde, wo sich die Beamten im Schlosse aufhalten sollten. Fürst Eulenburg lehnte ihnen den Aufenthalt im Schlosse ab. Der Kriminalkommissar verteilte darauf seine Be, amten auf die umliegenden Ortschaften. Er selbst hatte dann eine telephonische Rucksprache mit dem Polizeipräsidium und begab sich dann nach dem zuständigen Landratsamt in Templin. Heute werden 12 weitere Beamte in Liebenberg erwartet. Der älteste Sohn des Fürsten und der Rentmeister Geritz waren noch gestern abend in Berlin, um Beschwerde über das Erscheinen der Kriminalbeamten auf dem Schlosse Liebenberg mit der Begründung zu führen, daß die geforderte Kaution gestellt worden sei. Berlin, 15. Juni. Im Hotel„Alter Küstriner Hof“ am Küstriner Platz war am Freitag ein Paar abgestiegen, das man gestern im Zimmer des Hotels mit durchschnittener Kehle tot auffand. Es handelt sich um den 24jährigen Schlächter Scheel und seine Geliebte, die 17jährige Näherin Böse. Aus hinterlassenen Briefen geht hervor, daß beide gemeinsam in den Tod gegangen sind, weil sich ihrer Verbindung unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstellten. Berlin, 15. Juni. Dem Vernehmen nach hat der sächsische Finanzminister Dr. Rüger bei der letzten Beratung der Reichsfinanzreform sich für die Parfümeriesteuer ausgesprochen, während sich die meisten anderen Minister dagegen wandten. Leipzig, 15. Juni. Der im Zusammenhang mit der Friedrichsschen Mordaffäre vor kurzem verhaftete Schriftsteller Dr. Artur Pleißner=Leipzig wurde gestern nachmittag aus der Untersuchungshaft entlassen, da die entscheidende Strafkammer die Kollusionsgefahr als beseitigt betrachtet. Eine Kaution ist von Pleißner nicht verlangt worden. Wien, 15. Juni. Aus Belgrad wird der„Zeit“ gemeldet: Hier wird auf das Bestimmteste behauptet, daß Fuad=Pascha von der Pforte telegraphische Instruktionen zum Abschluß eines türkisch=serbischen Bündnisses erhalten habe. Wien, 15. Juni. Der der christlich=sozialen Partei angehörige Bezirksvorsteher Geiblinger wurde wegen Veruntreuungen verhaftet. Bürgermeister Dr. Lueger hatte ihn schon vor einiger Zeit vom Amte suspendiert. Budapest, 15. Juni. Der„Budapesti Hirlap“ veröffentlicht eine bedeutsame Zuschrift aus Belgrad, in der ausgeführt wird, daß die Umtriebe gegen die Dynastie Karageorgewitsch einen immer größeren Umfang anehmen. Antidynastische Agitatoren entdeckten einen Abkömmling der alten Dynastie Namanyc, der in der österreichischen Armee dient, und welchem die serbische Krone übertragen werden soll. Newyork, 15. Juni. Die amerikanische Regierung ordnete an, daß zwei Schiffe, die verdächtig waren, Waffen für die Revolutionäre in Venezuela an Bord zu haben, festgehalten wurden. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Netr engetreiten! AUT8 bestehend aus: Kleiderstolfen, prima Damentuche, schwere Mohairs, BlusenStonfe, neueste Dessins. Waschstonfe, in Leinen, Musseline, Batiste usw. Posten Tupfenmull, prima Ware. Dottdamaste, 130 u. 160 cm breit, Ia. dualität, Schuf zenzeuge in Nessel u. Siamosen. Perner: Posten Handtuch-Reste zum Aussuchen Stück 25 Servietten Stück 300 Fischtücher 100/150 Stück 954 Sämtliche Waren sind auf Tischen im Parterre-Lokal ausgelegt. 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Novei wort in Aussicht. nicht eingetroffen die mit Keir Har Erledigung der A ben wurde kein 3 Delegation der en dort:„Seien Sie den, um den engl eine enge Fühlun scheint.“ Das Bi mitgeteilt, daß Organisationen d glaube aber, daß eine Delegation i ladung ist also vo bestehenden Geger Ueber den jetz lischen, Arbeiterpa beiläufige Bemer Nationalkomitees worden. Dabei n donald, der Sek Parteivorstand no indes nicht! Dag dem Parteivorstar Verl 35 Als einer der Wochen in Anspru Trolla über seine und ihn am liebste Platz zu nehmen. „Ihr Herr Sc Schaffsky und lan die ebenso befette unter dem beschmi Er brachte er irgend einen Asch den ihm Trolla die Papiere noch Stück Zigarren ge aber bestritten w billig" hergegeben in Aussicht gestell Es war eine herausmerkte, aus er seinen Entschlu fortwährend zum er von ihm wisser Auch der Nan heit, die Trolla als er oben auf hatte. Dieser M haben, daß er m Zum Schluß hervor. Er habe Zigarren geliefer suchung wegen Be nommen worden: sich seiner Sache Sachen sofort sech Rechtsanwalt die so würde er ihn Er hatte bere nun nach seiner durch eifriges Fi Seine gläsernen Dessins. a Ware. iamosen. icher k 951 A latz. hung thause ist die Stelle der Kühlhausanlage Das Gehalt beträgt iter persönlicher Vornachmittags bis zum Schlachthofe bei dem tung. Dr. Heß. Anzüge, und gebraucht, von 7·Mk. nenstr. 12 a.[3085 Harzkäse, ) P f g., a u c h p r i m a L i m ise empfiehlt Wiebrock, id Kaiserstr.=Ecke.[2931 in Niermann, wohnt jetzt Gütersloher2. Schlachter Schreiber Wohnung, auch einzeln, zum 1. Juli en. Eggetal 37.[3288“ Wohnung 3285“ imen, im Hause Sieker 355, ktober zu vermieten. Carl n. Fröbelstraße 8. Wohnung, tume, mietfrei. Osnabrücker38. 1. 132842 Logis ge Leute frei. Welle 36, 11329 Io 136. Bielefeld, Dienstag, 15. Juni 1909. 20. Zum Besuch ver englischen Arbeiterbelegierten. Der in den letzten Tagen stattgefundene Besuch von Mitgliedern der englischen Arbeiterpartei in Deutschland und seine Begleitumstände haben der Presse Anlaß zu Betrachtungen gegeben, die eine Klarstellung notwendig erscheinen lassen. Das Britische Nationalkomitee für den internationalen Sozialistenkongreß, das aus Vertretern der dem Internationalen Bureau angeschlossenen Parteien besteht, hat im Juli v. J. dem Parteivorstande in Berlin mitgeteilt, daß ihm mit Rücksicht auf die politische Situation die Entsendung einer Delegation nach England erwünscht sei, um dort gemeinsam für den Frieden zu demonstrieren. Diesem Wunsche ist ohne weiteres gern entsprochen worden. Der Parteivorstand hat die Delegation den Genossen Kautsky und Ledebour übertragen und der Besuch hat Mitte Oktober in London stattgefunden. Ueber dessen Verlauf hat das Nationalkomitee dem Parteivorstande seine Befriedigung ausgesprochen und dabei betont, daß damit auch viel zur Förderung der Beziehungen zwischen der deutschen und englischen sozialistischen Arbeiterbewegung beigetragen worden sei. Anläßlich dieses Besuches haben Vertreter oer englischen Arbeiterpartei der deutschen Delegation den Wunsch geäußert, daß der Parteivorstand Vertreter ihrer Organisation zu einem Besuche in Deutschland einladen möchte. Daraufhin ist dem Genossen Keir Hardie am 5. November als Vertreter der englischen Arbeiterpartei mitgeteilt worden, daß der Parteivorstand die Arbeiterpartei willkommen heiße. Er müsse aber alle dem Internationalen Bureau angegliederten Organisationen gleichmäßig behandeln und könne daher die Arbeiterparrei nicht allein einladen; er müsse vielmehr gleichzeitig die Einladung auch an die übrigen, dem Internationalen Bureau angegliederten Bruderparteien richten. Dieser Vorbehalt war umso notwendiger, als die vorher erwähnte Einladung an den Parteivorstand zur Delegation von allen, dem Internationalen Bureau angeschlossenen britischen Organisationen ausgegangen war, und eine nur an die Arbeiterpartei gerichtete Einladung gleichbedeutend gewesen wäre mit einem Eingreifen in die Differenzen, die zwischen den englischen Organisationen bestehen. In demselben reiben war weiter gewunscht worden, daß die Demonstration, die auf jeden Fall ein großer Erfolg sein würde, bald stattfinden möchte. Der Brief schloß:„Wir wünschen aufs entschiedenste, mit den englischen Genossen in enge Fühlung zu kommen, damit beide Teile von einander lernen. Am 16. November stellte Keir Hardie eine bestimmte Antwort in Aussicht. Als diese jedoch bis zum 2. Dezember noch nicht eingetroffen war, wurde das Britische Nationalkomitee über die mit Keir Hardie geführte Verhandlung informiert und um Erledigung der Angelegenheit gebeten. Auch in diesem Schreiben wurde kein Zweifel gelassen, daß der deutschen Partei eine Delegation der englischen Genossen sehr erwünscht sei. Es hieß dort:„Seien Sie versichert, daß wir unsererseits alles tun werden, um den englischen Genossen zu beweisen, wie wertvoll uns eine enge Fühlung mit unseren englischen Bruderparteien erscheint. Das Britische Nationalkomitee hat dann am 5. April mitgeteilt, daß gegenwärtig die dem Komitee angeschlossenen Organisationen die Einladung nicht annehmen können. Es glaube aber, daß es in der nächsten Zukunft möglich sein werde, eine Delegation im gewünschten Rahmen zu senden. Die Einladung ist also vorläufig an den unter den englischen Genossen bestehenden Gegensätzen gescheitert. Ueber den jetzt erfolgten Besuch von Mitgliedern der englischen Arbeiterpartei ist dem Parteivorstande zuerst durch eine beiläufige Bemerkung in einem Schreiben des Britischen Nationalkomitees vom 23. Februar d. I. Mitteilung gemacht worden. Dabei war in Aussicht gestellt, daß der Genosse Macdonald, der Sekretär der Arbeiterpartei, deshalb mit dem Parteivorstand noch in Verbindung treten werde. Das geschah indes nicht! Dagegen teilte der Genosse Südekum am 9. März dem Parteivorstande mit, daß er vor einigen Tagen ein SchreiHerbundene Zlügen. Roman von Max Kretzer. 35—(Nachdruck verboten.) Als einer der wenigen Klienten, die ihn in den ersten Wochen in Anspruch nahmen, stellte sich Schaffsky ein. Trotzdem Trolla über seinen Wert bereits zur Genüge erfahren hatte und ihn am liebsten gar nicht angehört hätte, nötigte er ihn doch, Platz zu nehmen. „Ihr Herr Schwiegervater hat mir Sie empfohlen," begann Schaffsky und langte sofort ein ganzes Bündel Papiere hervor, die ebenso befettet waren, wie das helle Sommerjackett, das unter dem beschmudelten Paletot hervorlugte. Er brachte erst die Nase dem Schreibtisch sehr nahe, um irgend einen Aschbecher für seinen Zigarrenstummel zu suchen, den ihm Trolla auch zuschob; dann legte er los, hielt aber die Papiere noch krampfhaft fest. Er habe jemand tausend Stück Zigarren geliefert, ganz„reelle Ware“, deren. Wert nun aber bestritten werde. Er hätte die Zigarren gar nicht„so billig“ hergegeben, wenn ihm nicht dabei„ein anderes Geschäft“ in Aussicht gestellt worden wäre. Es war eine verwickelte Geschichte, die, wie Trolla sofort herausmerkte, auf verschleierten Wucher hinauslief. Trotzdem er seinen Entschluß sofort gefaßt hatte, ermunterte er Schaffsky fortwährend zum Weitersprechen und holte so alles heraus, was er von ihm wissen wollte. Auch der Name Schneider fiel, und zwar mit einer Offenheit, die Trolla lebhaft wieder an jenen Ballabend erinnerte, als er oben auf der Galerie das würdige Kleeblatt belauscht hatte. Dieser Mensch mußte ein kolossales Zutrauen zu ihm haben, daß er mit seinen Andeutungen nicht zurückhielt. Zum Schluß rückte Schaffsky noch mit einer zweiten Sache hervor. Er habe einem Künstler eine goldene Uhr und ebenfalls Zigarren geliefert, und nun hätte man gegen ihn eine Untersuchung wegen Betruges eingeleitet. Er sei bereits einmal vernommen worden und möchte den„Herrn Doktor“ gebeten haben, sich seiner Sache warm anzunehmen. Er sei bereit, für beide Sachen sofort sechzig Mark Vorschuß zu zahlen. Wenn der Herr Rechtsanwalt die Sache als zu seiner Zufriedenheit durchführte, so würde er ihn zu seinem„ständigen Anwalt“ ausersehen. Er hatte bereits drei Zwanzigmarkstücke hervorgeholt, die er nun nach seiner Gewohnheit zwischen den Fingern hielt und durch eifriges Fühlen noch einmal auf ihren Wert hin prüfte. Seine gläsernen Augen waren dabei auf Trolla gerichtet, wie ben von Macdonald erhalten habe, in dem dieser mitteilte, daß die Arbeiterpartei es abgelehnt habe, einer gemeinsamen Einladung der britischen Parteien zu folgen. Sie habe aber beschlossen, auf eine Einladung einer Gesellschaft nach Deutschland zu reisen, die letztes Jahr einige deutsche Arbeiter nach England führte. Diesen Besuch habe Macdonald sechs Monate lang vertagt, weil er hoffte, daß die deutsche Partei die Arbeiterpartei empfangen würde. Dem Genossen Südekum ist auf seine Anfrage hin am nächsten Tage mitgeteilt worden, daß der in Aussicht gestellte Besuch der Arbeiterpartei ganz unabhängig sei von der an das Britische Nationalkomitee gerichteten Einladung; der Parteivorstand sei gern bereit, die Arbeiterpartei bei ihrem Besuche in Deutschland zu empfangen. Als darauf von Macdonald keine Antwort erfolgte, ist ihm am 30. April von dieser Absicht des Parteivorstandes noch einmal direkte Mitteilung gemacht worden. Ganz überraschend teilte dann am 7. Mai Macdonald mit, daß sie angenommen hätten, ihr Besuch sei der deutschen Partei nicht angenehm. Sie hätten sich bereits verpflichtet, Deutschland unter der Aegide eines internationalen Reiseklubs zu besuchen. Dieser Besuch solle keinerlei Parteicharakter tragen. Macdonald bedauerte, daß infolge von Mißverständnissen die Sache einen solchen Verlauf genommen habe und schlug vor, anläßlich ihres Besuches in Berlin die Sache durch eine mündliche Aussprache zu klären. So stand die Sache, als plötzlich in Berlin ein Ausschuß zum Empfang der„englischen Arbeiterführer“ auftauchte, an dessen Spitze Freiherr v. Berlepsch stand. In einem Zirkular, das den Reichstagsabgeordneten, u. a. auch mehreren bekannten Genossen zugestellt worden ist, wurde mitgeteilt, daß der englische Besuch auf Einladung des deutsch=englischen Verständigungskomitees erfolgte. Gleichzeitig handele es sich um eine Erwiderung von mehrfachen Besuchen reichsdeutscher Arbeiter in England. Es sei in Aussicht genommen, den Gästen die namhaftesten Sehenswürdigkeiten und die für Arbeiter besonders bemerkenswerten Einrichtungen Berlins zu zeigen, wobei das Gewerkvereinshaus der Hirsch=Duuckerschen Vereine an erster Stelle genannt wurde. Weiter hieß es:„In London sind die deutschen Arbeiter im vorigen Jahre durch S. M. den König selbst, durch Vertreter des Ministeriums und des Grafschaftsrates, sowie durch den Lordmayor und andere führende Persönlichkeiten empfangen und begrüßt worden. Bei der Kürze der Zeit werden offizielle Empfänge dieser Art für den bevorstehenden Besuch kaum in Aussicht genommen werden können.“ Zum Schluß wurde zu Beitrittserklärungen zum Ausschuß aufgefordert. Neben Berlepsch gehörten auch der Vorsitzende der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine, Goldschmidt, und die Abgeordneten Wiemer und Schrader dem Ausschusse an. Partei und Gewerkschaften hatten begreiflicherweise nicht die geringste Neigung, den freisinnigen Flottenfanatikern, den Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereinen und der vorgeschobenen Gesellschaft für soziale Reform als Staffage zu dienen. Parteivorstand und Generalkommission sind daher übereingekommen, sich an diesen Veranstaltungen nicht zu beteiligen. Zwischen den Mitgliedern der Arbeiterpartei: Macdonald und Frau, Barnes, Elynes und Jewell und Mitgliedern des Parteivorstandes und der Generalkommission der Gewerkschaften haben dann während des Besuches wiederholte und eingehende Aussprachen stattgesunden. Die englischen Genossen mußten dabei zugeben, daß den deutschen Genossen wegen ihres Verhaltens keinerlei Vorwürfe gemacht werden können. Sie hätten allerdings aus der nur bedingten Einladung der Arbeiterpartei in Verbindung mit dem bekannten Briefe des Genossen Bebel an Bruce Glasier(August 1908) geschlossen, daß ihr Besuch bei der deutschen Partei keine freundliche Aufnahme finden werde. Unsere englischen Freunde übersahen dabei jedoch, daß bereits im September v. J. Partei und Gewerkschaften in Berlin englische Arbeitervertreter— darunter auch Mitglieder der Arbeiterpartei— in einer riesigen Versammlung in der Hasenhaide aufs freundlichste begrüßt und gemeinsam mit ihnen für den Frieden demonstriert hatten, und daß einige Wochen später eine Delegation der deutschen Partei zu gleichem Zwecke in England war. Ueber die Bereitwilligkeit der deutschen Partei zu solchen Veranstaltungen hätten demnach bei der englischen Arbeiterpartei Zweifel nicht mehr bestehen sollen. Immerhin mag zugegeben werden, daß bei den langwierigen, schriftlichen Verhandlungen und bei den so sehr verschiedenen Verhältnissen der beiden Länder Mißverständnisse entstanden sind, die eine Verständigung erschwert haben. Die englischen Genossen erklärten weiter, daß sie wegen den für sie in Deutschland zu treffenden Veranstaltungen mit dem Reisebureau nur allgemeine Richtlinien festgelegt hätten; die Einzelheiten dieser Veranstaltungen hätten sie erst bei ihrem Eintreffen in Deutschland kennen gelernt. Ihre Reise hätte privaten Charakter tragen sollen, außer dem Empfang von städtischen Verwaltungen seien offizielle Empfänge nicht erwünscht gewesen. Nachdrücklich verwahrten sie sich gegen eine auch in die deutsche Parteipresse übergegangene Behauptung des Genossen Glasier im„Labour Leader“, die vermuten ließe, daß die Kosten ihrer Reise von der deutsch-englischen Reisegesellschaft getragen würden; sie seien vielmehr auf ihre eigenen Kosten gereist. Es muß hier auch festgestellt werden, daß eine solche oder ähnliche Mitteilung dem Genossen Glasier, der einige Tage vorher in Berlin war, von Mitgliedern des Parteivorstandes oder der Generalkommission nicht gemacht worden ist. Beiderseits war man sich einig, daß die mündlichen Aussprachen von großem Werte waren, die leidige Angelegenheit damit als erledigt zu betrachten sei, und nun von beiden Seiten alles geschehen müsse, um ein gutes Verhältnis und eine möglichst enge Fühlung der Arbeiterbewegung in England und in Deutschland herbeizuführen. Parteinachrichten. Genosse Hermann Goldstein f. Nach langem Leiden ist Montag, 14. Juni, vormittags gegen 10 Uhr, Genosse Hermann Goldstein im Krankenhause zu Dresden gestorben. Seit langer Zeit litt Goldstein an Arterienverkalkung; nicht lange nach Beginn der letzten sächs. Landtagssession warf ihn sein Leiden auf das Krankenlager, von dem er sich nicht wieder erheben sollte. Vergeblich suchte er Heilung in dem Sanatorium zu Kreischa bei Dresden, sein Zustand verschlimmerte sich, und er wurde wieder in das Krankenhaus nach Dresden gebracht. Nun hat ihn der Tod von seinen Leiden erlöst. Unser verstorbener Genosse ist 57 Jahre alt geworden. Mit Goldstein ist wieder einer der ältesten sächsischen Genossen dahingegangen; sehr jung kam er zur Partei und sehr jung schon in recht verantwortliche Stellen, in denen er sein Bestes zu geben bemüht war. Vor fast 2 Jahrzehnten übernahm er die Leitung des Zwickauer Parteiblattes, die er bis zu seiner Erkrankung behalten hat. 1891 wurde er in den sächsischen Landtag gewählt, dem er bis 1898 angehörte; der Wahlrechtsraub von 1896 machte eine Wiederwahl unmöglich. Trotz des elenden Wahlrechtes gelang es Goldstein 1905 aber doch, als einziger Sozialdemokrat wieder in den sächsischen Landtag zu kommen. Er hat sich wacker gehalten— als Einziger gegen die ganze reaktionäre Korona. Im Reichstage vertrat er seit 1903 den 19. sächsischen Reichstagswahlkreis StollbergSchneeberg. Die Partei verliert in ihm einen ihrer besten Streiter und wird ihm immer treues Andenken bewahren. ac. Samuel Gompers Studienreise. Der Präsident des amerikanischen Arbeiterbundes schifft sich am 19. Juni in Newyork ein, um eine dreimonatliche Reise nach Europa zu unternehmen. Er wird dem englischen Gewerkschafts=Kongreß, sowie der internationalen Konferenz der gewerkschaftlichen LandesSekretäre beiwohnen, die im August in Paris oder London stattfinden wird. Herr Gompers wird England, Frankreich, die Schweiz, Italien, Oesterreich und auch Deutschland besuchen. Herr Gompers, der sich bekanntlich in schroffen Gegensatz zu unsern amerikanischen Genossen befindet, von der Sozialdemoins Wesenlose hinein. In Wahrheit erkannte er dessen Mienenspiel ganz gut und zwar mit dem Scharfblick des Sehenden, der in einem dunklen Raume allmählich die Gegenstände erkennt. Wie immer, konnte er sich schwer von seinem Golde trennen, und so hielt er die Goldstücke wie mit Krallen fest. Es war, als erwartete er, man würde zugunsten seiner Bekanntschaft mit Dankelberg auf einen Vorschuß verzichten. Dann, als Trolla auch noch schwieg, nachdem er die Schriftstücke bereits aus der Hand gelegt hatte, zählte Schaffsky vorsichtig die Goldstücke auf den Tisch. Er wollte sein Gegenüber dadurch zum Sprechen bringen. Plötzlich jedoch fuhr er auf, als Trolla bedauerte, seine Sache nicht vertreten zu können. Er glaubte, nicht richtig verstanden zu haben. „Aber Sie sind doch Rechtsanwalt?“ krähte er hervor. „Ich glaube, Ihnen keinen Erfolg versprechen zu können,“ warf Trolla ein. „Das können Sie doch gar nicht wissen, Herr Doktor.“ „Das weiß ich,“ entgegnete ihm Trolla so bestimmt, daß er sehr kleinlaut wurde. „Aber Ihr Herr Schwiegerpapa sagte mir doch, daß ich bei Ihnen gut aufgehoben sein würde.“ „Dann hat sich mein Schwiegervater eben geirrt.“ „Das ist mir noch nicht passiert.“ Trolla sagte nichts mehr, die Unterredung war zu Ende. Schaffsky fühlte wieder nach den Goldstücken, brachte sie in seinem großen, altmodischen Portemonnaie unter und raffte mit derselben Blindheit die Papiere zusammen. An der Türe blieb er noch einmal stehen. Während er sich mit seinem großen bunten Taschentuch schneuzte, weil er an einem ewigen Schnupfen litt, sagte er:„Schade, recht schade. Ich hätte viel für Sie zu tun gehabt, Herr Doktor. Sehr viel. Dann möchte ich nur einmal wissen, was Ihr Herr Schwiegervater sagen wird, wenn er einmal zu Ihnen kommt, und zwar in der Sache....“ Er wollte noch etwas hinzufügen, besann sich aber, tastete nach der Türklinke und ging kopfschüttelnd hinaus, ungefähr wie jemand, dem etwas Unerhörtes passiert ist. Am andern Tage wußte bereits Dankelberg davon. Trolla begegnete dem Alten auf der Treppe, als er von ihm angesprochen wurde. „Wenn Sie so fortfahren, werden Sie Ihr Bureau bald schließen können, Herr Doktor, sagte er, nachdem er auf Schaffsky zu sprechen gekommen war. Ihre Kollegen werden Sie auslachen. „Das ist meine Sache, Herr Dankelberg, gab Trolla zurück, ärgerlich über diese Anrempelung. „So. Meinen Sie? Das wollen wir doch einmal sehen. Statt Geld in die Kasse zu bekommen, lassen Sie Ihre Schreibfüchse die Federhalter zerkauen. Und Ihr Bureauvorsteher verkauft Maulaffen zum Fester hinaus.“ „Sie haben doch nicht darunter zu leiden,“ wandte Trolla wieder ein. „Aber es kostet— „Das Geld Ihrer Frau Gemahlin, ich weiß schon,“ unterbrach ihn Trolla.„Das werde ich stets mit großem Danke anerkennen.“ Dankelberg, der einige Stufen unter ihm stand, hatte wieder sein höhnisches Lächeln bereit. Er hatte ganz etwas Anderes sagen wollen, bezwang sich aber nun und erwiderte spöttisch: „Aber das Geld meiner Frau gehört auch zur Familie. Ich werde nicht dulden, daß Sie so unsinnig wirtschaften. Trolla kitzelte es, ihn einmal gehörig von sich abzuschütteln, und so sagte er kalt:„Ich muß ergebenst bitten, mich mit solchen Dingen nicht auf der Treppe zu belästigen.“ „Was, belästigen?“ rief Dankelberg hinter ihm her.„Sie belästigen mich, Herr Doktor. Sie haben mich schon lange belästigt. Er polterte die Treppe hinunter und sprach dabei laut vor sich hin. Trolla war vom Gericht gekommen und wollte nun zu Mittag essen. Aber der Appetit war ihm vergangen, trotzdem sich Emmy, wie immer, liebevoll um ihn bemühte. Auf ihre Fragen, ob ihm etwas Unangenehmes passiert sei, gab er ausweichende Antwort, denn er wußte, daß sie sich mehr darüber ärgerte als er selbst. Am Abend kam eine neue Aufregung. Es lag irgend etwas in der Luft, was ihm verheimlicht werden sollte. Er bemerkte es an der Miene seiner Frau, an der Gedrücktheit seiner Schwiegermutter, die auffallend schweigsam war. „Sie hätten meinen Mann nicht so beleidigen sollen, Herr Felix,“ sagte sie endlich. „Ich habe ihn mir nur abgewehrt, beste Frau Schwiegermutter," erwiderte er ärgerlich. „Ich muß Ihnen die Eröffnung machen, daß ich Ihnen den wasseur uch so bange geben kom, as Sie er bei us im Hause wohnen. So leid es mir tut, fuhr sie fort.„Des##lo hätte ich es gern gesehen, wenn Sie zu meinem Manne nicht so schroff wären. Er will nur genommen werden.“ „Wie er es bei seinen zahlreichen Opfern getan hat. Ich bedaure sehr, mich dazu nicht aufschwingen zu können.“ kratie, überhaupt von einer selbständigen Arbeiterpolitik nichts wissen will, ist ausgerüstet mit Empfehlungsschreiben der Regierung der Vereinigten Staaten an die amerikanischen Konsuls und sonstigen Behörden. Die Newyorker„Volks=Zeitung“ richtet zum Abschied des Herrn Gompers die Mahnung an ihn, über die europäische Arbeiterbewegung sich von berufener Seite informieren zu lassen. „Und zwar legen Sie, bitte, allen dortigep' Arbeiterführern von einiger Bedeutung die eine Frage vor: Ob sie mit Erfüllung ihrer Forderungen für die Arbeiterklasse auch nur annähernd so weit gekommen wären, wie sie es tatsächlich sind, wenn sie nicht als unabhängige sozialistische Arbeiterpartei das politische Feld betreten hätten?“ Wir können uns dem Wunsche, die ausländischen Arbeiterführer möchten sich nicht immer nur von Personen führen lassen, die ein Interesse daran haben, nur die glänzenden Seiten zu zeigen, nur anschließen. ac. Sozialistische Wahlsiege in Italien. Fester, als im Parlament angesichts der Militärlasten, halten die italienischen „Volksparteien“, bei den Gemeindewahlen zusammen. Sozialisten und Demokraten haben einen schönen Sieg in Mantua erfochten und beherrschen nunmehr die Verwaltung dieser bedeutenden Stadt. Auf einen gleichen Erfolg ist in Turin zu hoffen. Auch dort haben die(an Zahl nicht sehr starken) Radikalen(Demokraten) und Republikaner sich mit den Sozialisten auf eine gemeinsame Liste geeinigt. Auf der anderen Seite hat sich der liberal=klerikale Mischmasch noch nicht willig zusammengefunden. Er wird sich aber schon finden. Eine gründliche Niederlage hat dieser Mischmasch bei der Nachwahl zur Deputiertenkammer in Orvieto erlitten. Dort siegte Genosse Trapanesi über den Regierungskandidaten Borelli, für den sich, obwohl er sich antiklerikal nennt, neben dem staatlichen, auch der ganze kirchliche Wahlapparat einsetzte. In pienontesischen Allessandria hat der Genosse Bürgermeister Sacco, zwingender Privatgründe halber, sein Amt niedergelegt. Er war der erste Arbeiter, der Bürgermeister einer größeren italienischen Stadt wurde, und hat in musterhaftester Weise sein Amt verwaltet. Mutmaßlicher Nachfolger wird der bisherige Beisitzer(Stadt= oder Magistratsrat) Pistoria, ebenfalls Sozialist. Gewerkschaftsbewegung. Die Aussperrung der Holzarbeiter im Ruhrgebiet ist beendet. Nachdem die Verhandlungen im Rathaussaale in Essen zu keinem abschließenden Ergebnis geführt, wurden sie für die in Betracht kommenden Orte Gelsenkirchen, Herne und Dortmund örtlich geführt. Anstatt eines Bezirkstarifes, wie ihn der Arbeitgeberbund verlangte, wurden Ortsverträge abgeschlossen. Die Ablauffrist dieser Verträge verlangte der Arbeitgeberbund einheitlich mit denjenigen im Baugewerbe; festgelegt wurde dagegen der 15. April 1912. Die Agitationsklausel, nach der auf den Arbeitsstätten jegliche Agitation verboten sein sollte, wurde sowohl in den Verträgen selbst als auch in der Form von protokollarischen Erklärungen vom Arbeitgeberbund fallen gelassen. Fertgelesczingor für Gelsenkirchen, Wanne, Röhlinghausen und be=Sodingen an Stelle der bisher üblichen 60stündigen wochentlichen Arbeitszeit eine sofortige Verkürzung von einer Stunde und ab 1. Juni 1910 weitere 3 Stunden pro Woche. An Lohnerhöhungen während der Vertragsdauer wurden insgesamt 6 Pfg. pro Stunde zugebilligt. In Dortmund wird ab 1. Juni 1910 die 9stündige Arbeitszeit an Stelle der bisher üblichen 9½stündigen eingeführt mit einer Lohnaufbesserung während der Vertragsdauer von insgesamt 5 Pfg. pro Stunde. Außerdem wurden für sämtliche Orte eine Reihe weiterer Verbesserungen für die Arbeiter erzielt. Das Verlangen des Arbeitgeberverbandes, unter allen Umständen den Arbeitern einen Vertrag aufzuzwingen— bekanntlich die Ursache der Aussperrung— ist mit dem Abschlusse dieser Verträge nicht in Erfüllung gegangen, des wirklichen Sieges können sich die Ausgesperrten erfreuen. Zur Situation im Hamburger Aussperrungsgebiet. Die Unternehmer bemühen sich unausgesetzt, die Aussperrung zu verallgemeinern. Bisher waren diese Bemühungen aber nur von geringem Erfolge begleitet. Trotzdem an einigen Bauten die Arbeit wegen Materialmangel eingestellt werden mußte und an anderen Bauten die Streikleitungen die Arbeit sperrten, hat sich die Zahl der direkt am Kampf beteiligten Arbeiter nicht erhöht. Ein Teil der ausgesperrten Maurer und Zimmerer hat Hamburg verlassen und ist durch Bemühung der Streikleitung in anderen Orten in Arbeit getreten. Vielfach ist den Arbeitern aber trotz der Aussperrung in Hamburg Arbeitsgelegenheit geboten, namentlich trifft dies bei den Maurern zu, von denen in den letzten Tagen über 150 Mann neu eingestellt sind, davon 60 zu neuen Bedingungen. Sonnabend, 12. Juni, meldeten sich zur Kontrolle in den Streikbureaus: 3096 Maurer, 1595 Zimmerer und 1805 Bauhilfsarbeiter. Die Aussperrung in vollem Umfange ist den Unternehmern nicht geglückt— trotz allem Terrorismus, den der Vorsitzende des Baugewerbeverbandes, Herr Lummert, angewandt hat. Hat er doch in einem Zirkular eine „radikale Arbeitssperre verlangt, mit der er allerdings wenig Glück hatte. Die Maurer haben in einer überaus stark besuchten Versammlung beschlossen, daß sie an ihrer Kampfestaktik festhalten, und daß Provokationen nicht dazu führen können, eine allgemeine Arbeitsniederlegung zu beschließen, um damit die Pläne des Herrn Lummert und Genossen zu vervollständigen. Es soll überall dort in Arbeit geblieben und solche aufgenommen werden, wo die Streikleitung nicht in einem anderen Sinne entschieden hat. Diese Taktik soll auch für die Plattenansetzer und die Betonarbeiter maßgebend sein. Außerdem wurde beschlossen, den Anordnungen der Streikleitung über Arbeitseinstellung und Arbeitsaufnahme unbedingt Folge zu leisten. Durch diesen Beschluß hat die Streikleitung der Maurer vollständig freie Hand bekommen, in allen Fällen— ohne Versammlungs=Beschluß, nach freiem Ermessen und nach den jeweiligen Umständen — eine Wiederaufnahme oder Einstellung der Arbeit anzuordnen. Die Organisation der Zimmerer hat beschlossen, vom 14. Juni ab über sämtliche Bauten die Sperre zu verhangen. Bauschlosser sind von 48 Firmen 249 Mann ausgesperrt. Von den zirka 2000 beschäftigten Klempnern sind 433 Mann ausgesperrt, Dachdecker 18, Steinarbeiter 120, Töpfer 100, Gipser 435. Von Hafenarbeitern sind 179 Mauersteinverlader ausgesperrt. Diese Zahl wird sich noch um ein Bedeutendes vermehren, sobald an den Löschplätzen die Fahrzeuge leer sind; außerdem sind noch 40 Sandbaggerer, in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Materialsperre wird sich die Zahl der Ausgesperrten zwar noch vermehren, aber im ganzen genommen ergibt sich als Resultat, daß Herrn Lummert seine Scharfmacherei nicht gelungen ist. Besondere Kopfschmerzen soll es diesen Herren machen, daß die Arbeiten auf dem Festplatze für das große Bundesschießen sast vollständig ruhen. Gerüchtweise verlautet, daß man zu diesen Arbeiten Pioniere aus Hamburg heranziehen will. Vom Ausstand der Kieler städtischen Arbeiter brachte die bürgerliche Presse Berichte, in denen große Krawalle und Schlägereien mit der Polizei geschildert wurden. Nach eingezogenen Erkundigungen an authentischer Stelle können wir berichten, daß diese Nachrichten übertriebene Sensationsmache sind, die wahrscheinlich den Zweck haben, die Sache der Ausständigen zu diskreditieren. In den Berichten wurde natürlich die Schuld den Ausständigen zugemessen. Wohl kommt es allabendlich zu einigen Tumulten im Gutenberaviertel, zu denen aber das provokatorische Verhalten der Polizei Veranlassung gibt. Textilarbeiterstreik in Viersen im Rheinlande. Die Stoffweber und=Weberinnen, sowie die Spulerinnen reichten wegen Lohndifferenzen die Kündigung ein. 57 Personen kommen in Frage. Schwarze Listen. Schon wieder haben wir Einblick genommen in eine Anzahl der berüchtigten Rundschreiben des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller. Verschiedene der Rundschreiben enthalten nur Mitteilungen über beendete Differenzen. Aus Viersen, wo die Maurer und Bauhilfsarbeiter streiken, ind 65 Maurer und 102 Hilfsarbeiter auf die schwarze Liste gesetzt. Das gleiche Schicksal trifft 20 Arbeiter der Firma Hagemann und 75 Arbeiter des Eisenbetonwerkes in Hamburg. Ferner wird über die Sperre des Eisen= und Stahlwerks Hoesch in Dortmund berichtet. Dort haben die Arbeiter bekanntlich wegen fortgesetzter Maßregelungen von organisierten Arbeitern die Sperre verhängt. Die Firma bestreitet natürkie, Maßregelungen. 187 Arbeiter dieses Werkes werden nun unter genauer Angabe ihrer Personalien der Ungnade des Unternehmertums überliefert. Der Handschuhmacherverband vollzieht nunmehr mit Ablauf dieses Monats seine Verschmelzung mit dem Lederarbeiterverband. Der„Handschuhmacher“ stellt sein Erscheinen ab 1. Juli ein. Als gemeinsames Organ trägt die „Lederarbeiterzeitung“ den Untertitel:„Organ des Verbandes aller in der Leder= und Lederhandschuh-Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Das neue Bureau des Verbandes befindet sich vom 1. Juli ab: Berlin SO. 33, Muskauerstraße 30. Ein kleiner Irrtum. Von einem Streikbruder", der in Würzburg mit einem Beile auf einen Polizeiwachtmeister losgegangen, von diesem aber mit einem Säbelhieb über den Kopf niedergestreckt worden sei, erzählt die bürgerliche Presse. Die Sache stimmt. Nur war es kein„Streikbruder“, sondern ein dem Staate nützliches Element, ein Arbeitswilliger. Der Ausstand der Kürschner in Weißenfels und den Nachbarorten, an dem mehrere hundert Arbeiter beteiligt waren, ist nach vierwöchentlicher Dauer durch eine Lohnerhöhung beendet worden. Demonstrationszug gegen Verleumder. Die ausgesperrten Bauarbeiter und Schreiner in Würzburg veranstalteten Sonntag nachmittag einen großen Demonstrationszug vor den Lokalitäten der bauernbündlerischen„Neuen Bayerischen Landeszeitung“ des ehemaligen Sozialdemokraten Anton Meninger. Das Blatt hatte die Streikenden fortgesetzt mit „Säufer",„Räubergesindel“ in der maßlosesten Weise beschimpft. Die Demonstration nahm einen eindrucksvollen und ruhigen Verlauf. Ausschreitungen kamen nicht vor. ssc. Ein Wöchnerinnenheim. Der Verein„Unterkunft für hilfsbedürftige Wöchnerinnen und deren Säuglinge" erstattet den 9. Jahresbericht über das von ihm unterhaltene und von Professor Hugo Neumann geleitete Wöchnerinnenheim in der Blumenstraße in Berlin. Das Heim, das in ähnlich vorurteilsloser Weise wie der Bund für Mutterschutz gerade den hilfsbedürftigsten unter den Müttern, den unehelichen, seine Pforten öffnet, gewährte im Jahre 1908 162 Müttern mit 164 Säuglingen Aufnahme. Die Zahl der Verpflegungstage betrug bei den Müttern 5949, also im Durchschnitt 36,2 Tage auf den einzelnen Fall, bei den Kindern 6682 oder 40, Tage im Durchschnitt. Die der Anstalt entstehenden Verpflegungskosten stellten sich auf 1,58 Mk. pro Tag und Person. Die Mütter kommen zum Teil in einem recht elenden Zustand in das Heim: 4 von ihnen hatten Kindbettfieber gehabt, 39mal waren bei der Aufnahme Blutungen vorhanden, 12mal Verlagerungen, 26mal genähte Dammrisse; 18 Frauen litten an anderen Beschwerden und Krankheiten. Nur 3 der ausgenommenen Wöchnerinnen waren verheiratet, 2 eheverlassene und 1 verwitwet. Die übrigen waren ledig. Unter diesen befanden sich nur 3, die nicht berufstätig waren. Je 1 der Mütter standen im jugendlichen Alter von 15—16 Jahren, 49 waren 17 bis 20, 64: 21—25, 23: 26—30 und 8 über 30 Jahre alt. Unter den noch nicht 20jährigen befanden sich mehrere, die bereits zum zweiten Male Mutter wurden. Ein trauriger Vergleich mit den wohlbehüteten Frauen der Bourgeoisie drängt sich uns auf, wenn wir hören, daß 23 Mädchen bis zu ihrer Entbindung in Dienst standen und von den 35 in Schlafstellen wohnenden 28 noch bis zuletzt arbeiteten. Bei sich zu Hause oder bei Verwandten wohnten nur 32, die übrigen warteten bei Hebammen, in Heimen, Asylen usw. ihre schwere Stunde ab. Charakteristisch ist auch die Mitteilung, daß in 4 Fällen die Mädchen zwar gegen Verrichtung der Hausarbeit bei Hebammen Unterkunft gefunden hatten, aber da sie die geforderten 30—50 Mark nicht hinterlegen konnten, vor der Entbindung an die Luft gesetzt wurden. Die meisten Mädchen kamen direkt aus Entbindungsanstalten; nur 10 waren bei sich zu Hause entbunden worden. Was die Väter der unehelichen Kinder anbelangt, so waren 20 von ihnen Arbeiter, 43 Handwerker, 8 Landwirte, 22 Kaufleute, 11 Diener, Kellner, 15 Soldaten, Beamte, 4 Lehrer, Frau Dankelberg seufzte. Emmy jedoch wandte sich ab, trat ans Fenster und begann leise zu weinen. Das Gespräch darüber stockte, denn alle drei empfanden die dumpfe Schwüle kommender Ereignisse. Niemals hatte er über eine Mitgift gesprochen, immer in dem Glauben, Frau Dankelberg würde diese Angelegenheit von selbst eines Tages zur Sprache bringen. Und nun wurde ihm als jungem Anwalt, der von seinen Klienten noch nicht leben konnte, der harte Kampf ums Dasein in Aussicht gestellt. Er kannte diesen Kampf, den zahlreiche, junge Kollegen führten, die sich als Junggesellen kaum mit Anstand über Wasser halten konnten. Es war das Schwimmen der Bildungsproletarier mit dem Strom, wobei man jeden Strudel vermeiden mußte, um nicht rettungslos verloren zu gehen. An diesem Abend hatte Trolla Sehnsucht nach Alleinsein, und so ging er, da es noch nicht spät war. Er wollte irgendwo ein Glas Bier trinken, um durch Zerstreuung schlimme Gedanken zu bannen. Wie zu einer alten Liebe schlug er den Weg ein, der ihn ins Lichtenhainer führte. Lange war er nicht dort gewesen. Nur einige Male des Spätnachmittags hatte ihn die sommerliche Hitze zum kühlen Trunk hineingetrieben. Nun war es wieder Winter. Eingemummt schritten die Menschen eiligst durch die Straßen. Kurz vor seinem kam ihm der„Assessor“ entgegen und begrüßte ihn mit der größten Liebenswürdigkeit. „Nun, was macht Schuster Dankelberg." begann er ohne jeden Zwang und hüllte sich fester in seinen eleganten Pelzpaletot ein. Trolla, der ihm nicht gut entgehen konnte, zuckte ablehnend mit den Achseln. Und als er wirklich ein etwas dummes Gesicht zeigte, fuhr Eckler lachend fort: „Demosthenes spielt den Verblüfften. Lieber Freund, Sie haben doch alle unsere Erwartungen übertroffen. Sollte wirklich diese Heirat die ultima ratio für Sie gesoesen sein?“ Trolla fühlte diesen Stich als eine Revanche für damals, als er diesem Filou die gleiche Bemerkung zu kosten gegeben hatte. Zugleich empfand er die heiße Röte, die ihm jäh in die Wangen stieg. „Wie meinen Sie das?“ fragte er herausfordernd. „Aber tun Sie doch nicht so. Sie wissen eben, wie der Weg ache 3o Fortfahren Ihrer ersten großen Krininal= s e 1# fortfahren mit Ihrer Kniffologie, dann stehen Sie am andern Morgen als berühmter Mann auf. „Ich muß doch energisch bitten,“ brachte Trolla bebend hervor, der kaum wußte, wie er sich im Augenblick verhalten sollte. „Aber verstehen Sie doch erlaubte Scherze, mein Lieber,“ sagte Eckler wieder mit bezaubernder Unverfrorenheit.„Mir gegenüber brauchen Sie doch Tatsachen nicht mehr zu kachieren.“ Und den vertrauten Schwerenöter spielend, klopfte er ihm wohlmeinend auf die Schulter und zitierte ebenso pfiffig als zweideutig:„Mit Euch, Herr Doktor, zu spozieren ist ehrenvoll und ist Gewinn!... Sie haben nun einmal mehr Schwein gehabt als ich. Aber es ist ja ganz egal unter Kollegen, wer die Braut heimführt.“ Und als Trolla betroffen schwieg, fuhr er in seiner etwas schnarrenden Sprechweise fort:„Sagen Sie übrigens— was macht eigentlich das kleine Vermächtnis, das ich meinem Nachfolger da draußen zurückgelassen habe. Sie waren doch mein Nachfolger. Das Zimmer soll ja lange unvermietet gewesen sein. Ich taxiere, daß man meine Spuren erst ganz verwischen wollte... Es war eine kleine Themis aus Gips. Ich ließ das Ding als symbolische Drohung zurück. Es sollte sozusagen mein Skelett im Hause sein... Auf Wiedersehn. Vielleicht sehen wir uns heute noch. Lassen Sie sich das Lichtenhainer gut schmecken. Sie werden alte Bekannte finden.“ Damit lüftete er den Zylinderhut und entfernte sich. (Fortsetzung folgt.) Kleines Feuilleton. ssc. Alkohol als Krankheitsursache. Der soeben erschienene Geschäftsbericht der Berliner Ortskrankenkasse der Kaufleute usw. für 1908 gibt auch eine Uebersicht über die ermittelten Krankheitsursachen. Von 45 367(1907: 42 501) Karten mit Angabe der Krankheitsdiagnose wurde auf 10 066(10 825) auch die Ursache der Krankheit angegeben. Davon entfielen 5881 (6413) auf Handelshilfsarbeiter, 1950(2005) auf Handlungsgehilsen. Alkoholismus war als Ursache angegeben bei den Handelshilfsarbeitern in 4,43 Prozent der männlichen und 0,61 Prozent der weiblichen und bei den Handlungshilfen in 3,39 Prozent der männlichen und 0,49 Prozent der weiblichen Krankheitsfälle. Dazu bemerkt der Bericht:„Die Zahlen der Krankheitsursachen lassen ersehen, welch bedeutende Rolle die bekannten Volksseuchen für die Krankenkassen spielen. Wenn dabei der Alkoholismus eine verhältnismäßig geringfügige Rolle spielt, so müssen wir immer wieder darauf verweisen, daß es vorerst, wenn der Kranke nicht selbst mitteilsam ist, noch außerordentlich schwer ist, den Alkohol als Krankheitsursache festzustellen. Zweifellos ist es aber trotzdem, daß eine große Zahl von Magenund Darmkrankheiten wie von Nervenleiden auf den Genuß von alkohalhaltigen Getränken zurückzuführen ist. Bekanntlich ergeben die Feststellungen in Berliner Krankenhäusern, in denen die Ermittelung der Krankheitsursache leichter ist als durch die Kassenärzte, wesentlich höhere Zahlen. Gegen die Feststellungen des Direktors der inneren Abteilung am Krankenhaus Friedrichshain, Prof. Dr. Stadelmann, der namentlich die verderbliche Einwirkung des Alkoholgenusses auf den Verlauf der Lungenentzündungen hervorgehoben erschreckend groß genannt hat, wurde freilich eingewandt, daß ihm ein besonders ungünstiges Krankenmaterial zufließe, das einen Schluß auf die allgemeinen Verhältnisse der Berliner Bevölkerung nicht zulasse. Aber vom Krankenhaus Charlottenburg kann dieser Einwand ganz sicher nicht gemacht werden. Und von diesem berichtet der dirigierende Arzt Prof. Dr. Grawitz, daß von 1303 Männern 271 gleich 27 Prozent, von den Männern über 30 Jahre aber 34 Prozent Alkoholiker waren, d. h. daß von den erwachsenen Personen männlichen Geschlechts jeder dritte Mann an ausgesprochenen krankhaften Veränderungen infolge von Alkoholmißbrauch litt. Und bei allen diesen Statistiken ist nicht ermittelt, inwieweit sonstige Krankheiten durch Alkoholgebrauch ungünstig beeinflußt werden. Beachtenswert und erfreulich ist übrigens, daß die Ortskrankenkasse der Kaufleute auch bei der Verabreichung der Heilmittel der verderblichen Wirkung des Alkohols Rechnung trägt, im Gegensatz zu anderen Kassen und Heilanstalten, in denen die Verabreichung des„stärkenden“ Weins noch eine große Rolle vielt. Von den insgesamt 40291,/9v, Wefz, 65g 60 Mar, Her mittel verausgabt wurden, entfielen auf Wein 659,60 Murl oder 0,15 Prozent, dagegen auf Milch 35 284,85 Mark oder 8 Proz, kfg. Malariafälle in Deutschland. Nachdem Dr. Trautmann in der Nähe von Leipzig Malariaüberträger gefunden hat, worauf unzweifelhaft manche Fälle von scheinbar nicht zu erklärendem Fieber zurückzuführen sind, sind auch sonstige Entdeckungen dieser Art in Deutschland wichtig. In Wilhelmshaven und Umgegend wurden im Jahre 1908/09 nur 16 einheimische Malariafälle gegenüber dem zehnfachen im vorigen Jahre festgestellt. Bei der methodischen Untersuchung aller (über 1000) Kinder in dem am meisten von Malaria heimgesuchten Arbeiterviertel in Bant fanden sich im Laufe des Sommers nicht einmal 1 Prozent der Kinder infiziert. Bei der Behandlung der Kinder wurden mit Zimmerschen Chininschokoladetabletten(Chininum tannicum) gute Resultate erzielt. Täglich wurden sie, dem Lebensalter entsprechende Dezigrammdosen, zunächst an 6 bis 7 aufeinanderfolgenden Tagen, sodann an jedem 7. und 8. Tage 2 Monate lang gegeben. Bei Erwachsenen waren die Behandlungsresultate mit Schokoladentabletten weniger günstig. Mückenlarvenvertilgung war aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht angängig, da die Larven in Gräben leben, die als Viehtränkstätten dienen. Im Frühjahre wurden die Anophelesmücken, die meisten voll Blut gesogen, zahlreich in Kuh- und Schweineställen, seltener in Kellern gefunden. Nach den Untersuchungen Uhlenhuths enthielten die Mücken je nach dem Orte ihrer Herkunft Rinder= bezw. Schweine-, niemals Menschenblut. In Emden, woselbst keine Bekämpfungsmaßregeln ergriffen waren, sind nach den Ermittlungen von Dr. Mühlens im Jahre 1907 und auch 1908 größere Malariaepidemien aufgetreten. Im September und Oktober 1908 konnten noch bei etwo 20 Personen(meist Kinieser dern) Parasiten nachgewiesen werden. Studenten, 2 L 17 unbekannt. waren freiwillig In dem Heil Mütter, ihre Ki Kinder körperlic Anstalt zu verze 1 an eitriger A Entlassung werd wacht und über Außer dieser pflegte die Ansta an der Ammenb die sich meist in Todesfälle vor. Sinkende Lö Berufen mit den gehalten, wo eir geschickt auszunn die Löhne entw ringerem Maße bedeutet das ein Löhne zur Zeit soeben erschiene Die Zahl der i stieg von 7,9 Pr 1908. In der von 17,4 Prozer dagegen stieg. vor im Jahre 1908. bezahlten Arbei Wirtschaftskrise 1906 26,6, 1907 die 5., die höch kräfte angehöre 39,2 Prozent al nicht in der We beiter einen A wechsel dem Ne daß er den jun geringere oder besserem Geschö nicht zu verliere geht aus der 2 veränderungen einem, allerding auch mit der T Mitglieder um im Jahresdurch hier in diesem Arbeitskraft nic Männerarbeit d eine große Ro Zigarrenindustr schnittsziffer der Inoustri ssc. Der 3 der Frage des 2 pflanzer in Deu auch den deutsch wenig aber ein Verschwinden d vermag, zeigt ei Nr. 15 der agra bau im Eichsfel seit 1894 ständig Jahr Pflanzer 1894 1609 1896 1748 1898 555 1900 1118 1004 1292 Die Einnal trugen: 1895 21 1896 15 1898 7 Trotz des er Inlandstabak zu wenig genießbar der Ackerbau, de zu halten verma wird— wie im *" Bielefeld pressung hatten Wilhelm vom H Hoff zu verantn Schwester 3 Mo Der Zimmer sitzer eines Dam §§ 24 und 47, Es handelt sich polizeiliche Genhatte ihn, der z für verantwortl Urteil war von legt worden. 2 kessel am 25. No bevor die polize war, doch in Be für verantwortli aufgehoben und eventuell 5 Tag Keine Klasse stand ein Stud verletzung. Er lichen Lokale un gewiesen wurde, schlagen. Der seiner Rolle her rein menschlich serueller Erregi „Ich glaube nich man den Angek Trotz dieser den Rüpel zu 5 Der„Diam 14. Juni. 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Auch nach ihrer Entlassung werden die Kinder noch von der Anstalt aus überwacht und über ihr Fortkommen Bericht erstattet. Außer diesen vorübergehend ausgenommenen Kindern verpflegte die Anstalt noch 52 Pensionäre, die ihr zwecks Ernährung an der Ammenbrust anvertraut waren. Unter diesen Kindern, die sich meist im kläglichsten Zustande befinden, kamen mehrere Todesfälle vor. Sinkende Löhne. Das Steigen der Löhne hat nur in den Berufen mit dem Steigen der Lebensmittelpreise gleichen Schritt gehalten, wo eine gutorganisiertc Arbeiterschaft die Konjunktur geschickt auszunutzen verstand. Wo dies nicht geschah, blieben die Löhne entweder überhaupt stabil, oder sie stiegen in geringerem Maße als die Lebensmittelpreise. In beiden Fällen bedeutet das ein relatives Sinken der Löhne. Daß aber die Löhne zur Zeit der Krise absolut zurückgehen, lehrt u. a. der soeben erschienene Bericht der Ortskrankenkasse Mannheim I. Die Zahl der in der niedrigsten Klasse versicherten Personen stieg von 7,9 Prozent im Jahre 1905 auf 8,7 Prozent im Jahre 1908. In der 2. Klasse war gleichfalls eine kleine Steigerung von 17,4 Prozent auf 17,6 Prozent zu verzeichnen. Die 3. Klasse dagegen stieg. von 11,5 Prozent im Jahre 1907 auf 13,5 Prozent im Jahre 1908. Dahingegen fiel die Prozentziffer der besserbezahlten Arbeiter, die die 4. Klasse bilden, seit Eintritt der Wirtschaftskrise ständig. Ihre Prozentziffer betrug 1905 30,5, 1906 26,6, 1907 23,2 und sie fiel 1908 auf 20,9 Prozent. Auch die 5., die höchste Klasse, der die gutbezahlten ersten Arbeitskräfte angehören, weist einen kleinen Rückgang von 39,8 auf 39,2 Prozent auf. Die Lohnkürzungen dürften im allgemeinen nicht in der Weise erfolgt sein, daß der Unternehmer dem Arbeiter einen Abzug macht, sondern daß er beim Arbeiterwechsel dem Neueingestellten einen geringeren Lohn gibt und daß er den jungen Leuten mit zunehmender Berufstüchtigkeit geringere oder überhaupt keine Aufbesserung gibt, die er bei besserem Geschäftsgange geben müßte, um die Arbeitskräfte nicht zu verlieren. Daß das Letztere vielfach der Fall sein muß, geht aus der Tatsache hervor, daß die Anzeigen über Lohnveränderungen von 7579 auf 5469 zurückgegangen sind. Zu einem, allerdings geringen Teile hängt das Sinken der Löhne auch mit der Tatsache zusammen, daß die Zahl der männlichen Mitglieder um 1290 zurückgegangen, während die der weiblichen im Jahresdurchschnitt um 413 gestiegen ist. Entscheidend ist das hier in diesem Falle bei der geringen Zunahme der weiblichen Arbeitskraft nicht, obgleich die Verdrängung der besserbezahlten Männerarbeit durch schlechtbezahlte Frauenarbeit sonst in Baden eine große Rolle spielt und namentlich in der Textil- und Zigarrenindustrie sehr ins Gewicht fällt, wodurch die Durchschnittsziffer der Lohnhöhe heruntergedrückt wird. Industrie, Handel und Verkehr. ssc. Der Rückgang des Tabakbaues in Deutschland. Bei der Frage des Tabakzolles sind auch die Interessen der Tabakpflanzer in Deutschland vorgeschoben worden, da man angeblich auch den deutschen Tabakbau schützen und fördern müsse. Wie wenig aber ein Tabakzoll den Rückgang und das einstige völlige Verschwinden des Tabakbaues in Deutschland zu verhindern vermag, zeigt ein längerer Bericht des Kaplans Olvis Becker in Nr. 15 der agrarischen Zeitschrift„Das Land“ über den Tabakbau im Eichsfeld(Hannover). Dort ist der Anbau des Tabaks seit 1894 ständig zurückgegangen und zwar wie folgt: Die Einnahmen aus dem Tabakbau auf dem Eichsfeld betrugen: 1895 210000 Mk. 1900 143 500 Mk. 1896 155300„ 1904 67500„ 1898 75 700„ Trotz des erhöhten Zolles gingen also die Preise für den Inlandstabak zurück— weil die Nachfrage nach dem deutschen, wenig genießbaren Tabak nachläßt. Und damit schwindet auch der Ackerbau, der sich nur noch in der Rheinpfalz einigermaßen zu halten vermag, aber auch von da nach und nach verschwinden wird— wie im übrigen Deutschland. Gerichtliches. weise für den von ihm geführten Titel als Ingenieür nicht erbringen. Lemoine behauptet, daß der Direktor der DebeersGesellschaft, Julius Werner, nur den Zweck verfolgte, eine Fabrik in den Pyrenden zu errichten, um dort künstliche Diamanten herzustellen, ohne daß das Verfahren der Oeffentlichkeit preisgegeben worden wäre. Werner beabsichtige das Verfahren selbst vor den übrigen Aktionären geheimzuhalten. Werner bestritt diese Behauptungen und erklärte, wenn es gelungen wäre, künstliche Diamanten herzustellen, so würden diese auch als solche verkauft worden sein. Lemoine wirft Werner vor, dem Untersuchungsrichter nicht alle Diamanten zugestellt zu haben. Die Verhandlung wurde hierauf vertagt. Literarisches. Soeben ist erschienen: Der historische Materialismus. Für Arbeiter erklärt von Hermann Gorter. Aus dem Holländischen übersetzt von Anna Pannekoek. Mit einem Vorwort von Karl Kautsky.(Stuttgart, J. H. W. Dietz Nachf.) 128 Seiten. Preis broschiert 75 Pfg., gebunden 1 Mark.(Vereinspreis 50 Pfennig.) Der Autor ist in Deutschland nicht unbekannt. Er vertritt in der holländischen sozialdemokratischen Partei den Marxismus. Mit einer Anzahl Genossen wurde er auf dem letzten holländischen Parteitag aus der S. D. A. P.(alten Partei) ausgeschlossen; die Ausgeschlossenen gründeten hierauf eine neue Partei(die S. D. P.), in der Gorter zum Mitglied des Parteivorstandes gewählt worden ist. Die vorliegende Arbeit ist von Gorter noch vor dem Ausschluß verfaßt und von den holländischen Parteigenossen glänzend aufgenommen worden. Jetzt liegt sie in einer guten Uebersetzung den deutschen Parteigenossen vor, die aus dem ganz eigenartigen Werk sicherlich reiche Belehrung schöpfen werden. Hermischtes. ** Bielefeld, 12. Juni. Strafkammer. Wegen Erpressung hatten sich heute vor der Strafkammer der Zwickmeister Wilhelm vom Hoff von hier und dessen Schwester Bertha vom Hoff zu verantworten. vom Hoff erhielt 9 Monate und seine Schwester 3 Monate Gefängnis. Der Zimmermeister Kasselbaum zu Obernbeck, welcher Besitzer eines Dampssägewerks ist, hatte sich wegen Vergehens aus §§ 24 und 47, Ziffer 2, der Gewerbeordnung zu verantworten. Es handelt sich um eine Inbetriebsetzung des Dampfkessels ohne polizeiliche Genehmigung. Das Schöffengericht zu Oeynhausen hatte ihn, der zu der fraglichen Zeit krank gewesen war, nicht für verantwortlich gehalten und freigesprochen. Gegen dieses Urteil war von seiten der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt worden. Die Strafkammer stellte fest, daß der Dampfkessel am 25. November v. J., bevor seine Abnahme erfolgt und bevor die polizeiliche Genehmigung zum Betriebe eingegangen war, doch in Betrieb gesetzt worden ist, der Angeklagte sei hierfür verantwortlich gewesen. Es wurde deshalb das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte zu einer Geldstrafe von 25 Mk. eventuell 5 Tagen Gefängnis verurteilt. *„* Keine Klassenjustiz. Vor dem Schöffengericht Halle a. S. stand ein Student Hoffmann unter der Anklage der Körperverletzung. Er hatte einem jungen Mädchen in einem öffentlichen Lokale unsittliche Zumutungen gemacht, und als er zurückgewiesen wurde, das Mädchen mit dem Stock über den Arm geschlagen. Der Anklagevertreter fiel bei diesem Falle ganz aus seiner Rolle heraus. Er klagte nicht an, sondern bat, den Fall „rein menschlich" zu betrachten; der Student habe sich in serueller Erregung befunden, und er schloß mit den Worten: „Ich glaube nicht, daß man von Klassenjustiz reden kann, wenn man den Angeklagten freispricht". Trotz dieser sonderbaren Anklagerede verurteilte das Gericht den Rüpel zu 50 Mark Geldstrase. Der„Diamantenfabrikant" Lemoine vor Gericht. Paris, 14. Juni. Der zweite Prozeß gegen den Diamantenfabrikanten Lemoine ist heute eröffnet worden. Der Angeklagte konnte BeEin Mörder entdeckt. Köln, 14. Juni. Der Mörder der 16 jährigen Laura Klinkenberg, die am 30. April 1908 im Aachener Walde ermordet und deren Leichnam mehrere Wochen später im Gebüsch versteckt aufgefunden wurde, scheint nunmehr in der Person eines gewissen Christian Quensten, der gegenwärtig im Gefängnis zu Lüttringl ausen eine Strafe verbüßt, ermittelt zu sein. Quensten gestand den Mord einem Freunde gegenüber und sagte, er habe das Mädchen, das 1200 Mk. an einen Rechtsanwalt abliefern sollte, vergewaltigt und ermordet, um in den Besitz des Geldes zu kommen, er habe aber nur die Quittung des Rechtsanwaltes und kein Geld vorgefunden. Zugzusammenstoß. Altona, 14. JJuni. Heute nachmittag 1 Uhr 5 Minuten stieß in der Nähe des Hauptbahnhofes der nach Hamburg fahrende elektrische Vorortzug mit einem von Blankenese kommenden Zuge zusammen. Die Lokomotive und drei Wagen des Dampfzuges wurden aus den Geleisen gehoben, der elektrische Zug schwer beschädigt. Ein Reisender wurde leicht verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Eine jugendliche Mörderin. Sagan, 14. Juni. Eine blutige Szene spielte sich heute vormittag im Gerichtsgebäude in Sagan ab. Dort stieß während eines Termins die 16 Jahre alte Fabrikarbeiterin Emma Radke ihrem früheren Geliebten, dem Weber Eduard Linke, der als Belastungszeuge erschienen war, ein Taschenmesser in die rechte Brust, so daß der Weber blutüberströmt zusammenbrach. Er wurde in hoffnungslosem Zustande in ein Krankenhaus gebracht. Im Wahnsinn. Heidelberg, 14. Juni. Gestern mittag ½1 Uhr stürzte sich in Heidelberg der Student der Theologie Hans Scaedelin aus Groß=Affoltern bei Bern in einem Anfall von religiösem Wahnsinn aus einem Fenster seiner Wohnung und blieb mit zerschmettertem Schädel tot liegen. Neue Erdstöße. Paris, 14. Juni. Neue Erdstöße sind gestern vormittag gegen 9 Uhr in der Umgegend von Toulon verspürt worden. In Bargemon wurde die Kirche stark beschädigt. Gleichzeitig wurde das Wasser aller Quellen in der Umgegend heiß. Es behielt diese Temperatur mehrere Stunden bei. Die Glocken der Kirchen gerieten in Schwingungen und läuteten. In Bandal sind drei Verschüttete, welche noch lebend geborgen wurden, gestern abend gestorben. Verdurstet. Paris, 14. Juni. In Mauretanien sind fünfzig französische Soldaten mit dem Kapitän Bontemps vor Durst umgekommen, weil eine der Quellen von den Mauren verstopft wurde. Die Cholera in Petersburg. Petersburg, 12. Juni. Seit gestern sind elf neue Choleraerkrankungen und drei Todesfälle zu verzeichnen. Die Zahl der Erkrankten beträgt zurzeit 48. Die„Tause“ des Camorristen. Aus Neapel wird berichtet: Die Freunde der Ordnung, die seit zwei Jahren in dem frohen Bewußtsein lebten, die vielgefürchtete Camorra sei erloschen und vernichtet, haben eine neue Enttäuschung erlebt. Seit dem Tage, da in Neapel die Carabinieri mit einem Schlage eine Anzahl der Hauptführer der großen Verbrecherorganisation dingfest machten, und da Petrosino in Newyork den„capo in testa Enrico Alfano, den berüchtigten Erricone, unschädlich machte, schien Ruhe und Frieden in Süditalien und Sizilien wieder einzuziehen. Die Camorra ist tot. So dachte man. Wer am Dienstag in der Via Calata der seltsamen und aufregenden Szene beiwohnte, die sich dort abspielte, weiß heute, daß die Camorra gleich der Hydra trotz der abgeschlagenen Köpfe weiterlebt. In der einsamen Straße im Poggio Reale=Viertel hatte sich eine Bande Camorristen zusammengefunden. Es galt die „Taufe“ eines neuen Bundesmitgliedes. Die Camorristen waren melancholischer Stimmung; es sind schlechte Zeiten für die Camorra, die Verfolgung der Polizei wird immer nachdrücklicher und die Widerstandsmittel wachsen nicht. Schließlich traf der lang erwartete Führer der Camorristen Gennaro Monaco ein und übernahm die Leitung der illustren Versammlung. Ein anderes berühmtes Mitglied, Gaetano Lieto, versah das Amt des Festredners und führte den Novizen mit einer schwungvollen Ruhmesrede in den Kreis der Genossen ein. Denn Ciro Esposito, der hoffnungsvolle siebzehnjährige Jüngling, verdiente alles Lob, hatte er doch schon eine Reihe kühner Verbrechen verübt und wegen Diebstahl und Raub schwere Verurteilungen erfahren. Nach der Einweihungsrede kam es zur Haupthandlung, der Tauffeier, zur„zumpata“, zu dem traditionellen Messerduell zwischen dem Kandidaten und dem Festredner. Diese Einweihungsduelle verlaufen übrigens niemals tödlich. Zwischen den beiden Gegnern darf nie ein Streit oder sonst ein Grund des Hasses bestanden haben und bei dem Kampfe dürfen sie mit der blitzenden Klinge nie nach der Brust des Gegners, sondern nur nach den Armen zielen. Aus einem Bündel zog der Präsident die Messer. Sie haben lange scharfe Klingen; jeder der Kämpfer erhält eines, das dritte bleibt dem Vorsitzenden, der mit der Klinge in der Hand dem Zweikampf ffolgt und die Pflicht hat, den Kämpfer sofort niederzustechen, der nicht das Messer senkt, sobald ein Tropfen Blut beim Gegner geflossen ist. Die Kämpfer ziehen Rock und Hemd aus; nur bis zur Hüfte bekleidet, treten sie einander gegenüber. Mit katzenartig gewandten schmiegsamen Bewegungen beginnt das Vorspiel, lauernd schleichen sie einander naher, ziehen sich zurück, die schlanken gebräunten Körper sind in steter Erwartung gespannt; dann, mit einem plötzlichen Sprunge beginnt ein Angriff, wird abgeschlagen, der Gegner weicht aus, der Angreifer springt zurück und alles harrt auf den nachsten Gang, indes die im Kreise umherstehenden Genossen mit Kennerblicken jede Bewegung verfolgen, die Gewandtheit der Gegner abschätzend. Aber das Schicksal versagt dem jungen Ciro Esposito den Ruhm, den Kampf siegreich zu Ende zu fuhren. Plötzlich ertönt ein lauter befehlender Ruf:„Halt! Hände hoch, keinen Widerstand oder alle werden niedergeschossen. Die braunen Gesellen fahren blitzschnell herum, die Hände zucken zu den Messern und Revolvern. Aber es ist zu spät. Von zwanzig Carabinieris ist die Gruppe umzingelt. Als harmlose Fischer verkleidet, als Trödler oder Arbeiter haben sie sich herbeigeschlichen. Im Sonnenlicht blinken zwanzig Revolverläufe. Jeder Widerstand ist nutzlos. Wenige Minuten später werden die gefürchteten Camorristen, mit Handschellen gefesselt, in drei Gefangenenwagen gepackt, die unter Bedeckung der Carabinieri schnell davonrollen. So endete die kurze Karriere Ciro Espositos, der unter s. hoffnungsvollen Umständen in den Bund eintrat. Denn jetzt, da so viele Führer der Camorra gefangen sind, sind die Avancementsaussichten günstiger als je. Wenn es ihm gelungen wäre, seinen Gegner zu verletzen, wäre er zum„Camorrista di dovere“ geworden. Und schnell hätte der junge Verbrecher vielleicht die weiteren Rangstufen erklommen, wäre bald„capo di paranza, Abteilungschef, geworden und vielleicht später sogar„capo in testa", der Leiter der großen Verbrecherorganisation, die im Stillen wieder ihre Fäden spinnt und sich vorbereitet, die erlittenen Niederlagen zu rächen. Der Aberglaube der Eisenbahner. Eine Blütenlese aus dem Aberglauben, der unter den Angestellten der amerikanischen Eisenbahnen allgemein anzutreffen ist, verössentlicht„Railway and Locomotive Engineering". Lokomotivführer und Heizer haben zum Beispiel nie Zutrauen zu einer Maschine, die bereits einmal irgendwo an einem Eisenbahnunfall beteiligt gewesen ist, und ziehen die älteste, schlechteste und unzuverlässigste Maschine, deren Reisen bisher ohne Unglück ab gelaufen sind, einer neuen und zuverlässigen vor, die nur in loser Beziehung zu einem Unfall gestanden hat. Eine merkwürdige Rolle spielt beim Aberglauben der Eisenbahner das Drehen der Maschine auf der Drehscheibe. Hier aber herrscht keine Einstimmigkeit, vielmehr halten einige Lokomotivführer streng darauf, daß ihre Lokomotiven stets nach rechts herum gedreht werden, während andere die entgegengesetzte Richtung für richtig halten. Alle aber halten hieran so fest, daß sie jede Maschine, die nicht in der ihrer Ansicht nach richtigen Drehrichtung gedreht worden ist, noch einmal herumdrehen lassen. Auch für das Besteigen der Maschine gibt es Vorschriften: man darf sie nie mit dem rechten Fuß zuerst betreten, und noch gefährlicher ist es, auf der rechten Seite herabzusteigen, falls man sie ölen will— das hat sicher einen Eisenbahnunfall zur Folge. Daß auch Zahlenaberglaube bei den Eisenbahnern vorhanden ist, ist wohl selbstverständlich. Merkwürdigerweise aber spielen die„Unglückszahlen“ 7 und 13 hierbei keine Rolle; die sonst als glückbringend betrachtete 9 dagegen bringt nach dem Glauben der Eisenbahner Unglück, und gleiches gilt von all ihren Vielfachen. Ein Aberglaube, der bei den Streckenarbeitern zu finden ist, ist folgender: wer beim Betreten der Strecke über eine Schwelle oder eine Schiene stolpert, muß unbedingt zurückgehen, um den Fehltritt wieder gut zu machen und das drohende Verhängnis abzuwenden. Ein Nachspiel zum Newyorker Kleiderschmuggel. Aus Newyork wird berichtet: Eine Szene, wie sie außerhalb der Vereinigten Staaten von Nordamerika schwer denkbar ist, spielte sich im Saal der Zollverwaltung ab, wo der erste Teil der aus Paris in Newyork eingeschmuggelten Kostüme und Modewaren öffentlich versteigert wurde. Die Affäre der beschlagnahmten Schmuggelgüter hatte damals, wie man sich erinnert, viel Staub aufgewirbelt, und man kann sich denken, daß die Ankündigung dieser eigenartigen Auktion auf die Damenwelt der Hudsonstadt elektrisierend wirkte. Nicht weniger als fünftausend elegant gekleidete Frauen, unter ihnen die Gattinnen und Töchter einiger der„prominentesten“ Männer Newyorks, kämpften mireinander um den Eintritt in den Auktionssaal, der nicht mehr als siebenhundert Personen fassen konnte. Hin und wieder mußte die Auktion unterbrochen und die Türen mußten geöffnet werden, weil mehrere Frauen durch die Hitze ohnmächtig wurden und hinausgetragen werden mußten. Am erfinderischsten erwies sich eine Newyorkerin, die nicht mehr Zutritt zum Saal fand, sie holte sich eine Leiter, kletterte darauf empor und bot durch ein Fenster um die kostbaren Modesächelchen tapfer mit. Der Beamte der Zollverwaltung, der den freiwilligen Auktionator spielte, faßte die ganze Sache als einen Scherz auf. Wenn er sich dem Zaungast am Fenster zuwandte, brüllte er wie ein Löwe, und wenn er sich dem dichten Gedränge im Saal zuwandte, ließ er seine Stimme zu einem kaum hörbaren Flüstern herabsinken. Die Auktion ging infolge des allgemeinen Tohuwabohus nur schrittweise vorwärts, und selbst die Bemühungen der vierzig Zollwächter, in dem Getümmel der durcheinander kreischenden Frauen Ruhe zu schaffen, blieben erfolglos. Sie wurden von dem zarten Geschlecht einfach überschrien. Am ersten Tage gelangten Spitzen und zarte Lingeriekostüme zur Versteigerung. Obgleich die Damenwelt in der überwiegenden Mehrzahl war, gingen die feinsten und delikatesten Schöpfungen der letzten Pariser Mode an eine Schar von Männern über, die sich ganz in der Nähe des Auktionators postiert hatten. Leicht erklärlich, es waren die Vertreter von Modeimporteuren, die das größte Interesse daran hatten, den Bestand an Spitzenund Leinenkostümen nicht in unkundige Hände fallen zu lassen. Im übrigen standen die von den Damen gebotenen Preise weit über dem Durchschnitt der Ladenpreise, und Mr. Loeb, der Newyorker Hafenzolldirektor, der dem Auktionsdrama beiwohnte, konnte sich ob des guten Geschäfts der Regierung schmunzelnd die Hände reiben. Eine verhängnisvolle Katastrophe hat sich in der Nacht zum Sonnabend in dem russischen Hafen von Sebastopol ereignet. Dort ist bei einem Nachtmanöver der Flotte ein Unterseeboot untergegangen, wobei die gesamte aus zwanzig Personen bestehende Besatzung des Bootes, mit Ausnahme des Kommandeurs, ihren Tod gefunden hat. Aus Sebastopol wird darüber berichtet: In der Nacht zum Sonnabend um 11 Uhr 30 Min. stieß das Unterseeboot„Kambala" bei einem Angriffsmanöver gegen ein in den Hafen einlaufendes Geschwader infolge einer unerwarteten Wendung des Panzerschiffes„Rostißlaw“ mit diesem zusammen und sank sofort. Der Kommandeur des Bootes, der sich auf Deck befunden hatte, wurde gerettet, alle anderen Insassen des Unterseebootes, der Chef der Unterseebootsabteilung, Kapitän Bjelikow, zwei Deckoffiziere sowie siebzehn Matrosen ertranken. Die„Kambala“ liegt in einer Tiefe von 28 Faden. Maßnahmen zur Hebung sind bereits getroffen. Briefkasten der Redaktion. Zwei Schüler. Es kommt auf das Ortsstatut über die Fortbildungsschule an. Sie müssen sich eventl. beim Amtmann beschweren.— Amt Brackwede. Beim hiesigen Standesamt sind in der Zeit vom 16. bis 31. Mai angemeldet: Geburten: Söhne: Fabrikarb. Heinr. Ermshaus, Sennerstr. 16; Bleicharb. Wilhelm Bunzemeier, Senne 1 192; Maurer Albert Kempf, Friedrichsdorferstr. 105; Zementeur Gottlieb Eckernkamp, Querstr. 7; Schlosser Aug. Baumhöfener, Bielefelderstr. 925; Ziegelmeister Karl Sielemann, genannt Ellermann, Niederstr. 129; Arbeiter Adolf Bokermann, Sennerstraße 92a; Gärtner Heinrich Michael Seel, Niederstr. 108. Töchter: Fabrikarbeiter Friedrich Wilhelm Emil Klusmann, Ummelnerstr. 19; Fabrikarb. Karl Bentlage, Senne I 148; Maurer Heinrich Depenbrock, Senne I 130; Kesselschmied Karl Heinrich Eduard Hülsewede, Kaiserstr. 1455; Kaufmann August Maaß, Gütersloherstr. 76a: Fabrikarbeiter Peter Wörmann, Senne I 137; Glasmacher Wilhelm Kauffold, Gütersloherstr. 8; Bleicharbeiter Hermann Pankoke, SenneI 93; Arbeiter Hermann Heidbreder, Senne I 38; 3 uneheliche Geburten. Aufgebote: Tischler Wilhelm Sudhölter, Quelle 99, und Anna Brindöpke, Senne I 10; Bleicharbeiter Karl Bahrenholt, Senne I 121, und Ida Möllenbrock, Senne I 198; Fabrikarbeiter Franz Hagedorn, Bielefeld, Burgstr. 17, und Pauline Bittner, Quelle 36; Maler Oskar Unger, Spinnerei Vorwärts 7, und Frieda Hengst, daselbst. Eheschließungen: Tischler Franz Menke, Bielefeld, Hallerweg 123, und Martha Fromjohann, Bergstr. 13; Arbeiter Hermann Pollmeier, Holterstr. 50, und Minna Ludewig, genannt Müller, Friedrichsdorferstr. 72; Arbeiter Heinrich Steffen, Bielefelderstr. 100, und Valentine Bucino, daselbst; Anreißer Wilh. Siekmann, Gadderbaum, Gütersloherstr. 111, und Martha Breitenbach, Bergstr. 18; Former Karl Steinkamp, Grünstr. 31, und Luise Beckmann, Senne I 97; Bäcker Karl Hücker, Ummeln 64, und Johanne Wessel, Niederstr. 44; Maurer August Linnenbrügger, Senne I 161, und Wilhelmine Grundmann, daselbst. Sterbefälle: Johanne Louise Holtkamp, geb. Ortmeyer, 34 J.; Leibzüchter Johann Heinrich Bentlage, 79 J.; Senne I; Emma Graumann, 16 J.; Leibzüchter Johann Heinrich Kobbenbrink, 84 J., Senne I: ein unbekannter Mann; Frieda Krakenberger, 1 J., Senne 1: Johanne Friederike Henriette Heitmann geb. Ellermann, 56 J.; Johanne Friederike Westerheide geb. Rethage, 67 Jahre. 1. 5 Mark, 30 10 15 Herford. Tagesordnung für die am Donnerstag, den 17. Juni 1909, nachmittags 3 Uhr, stattfindende Stadtverordneten=Sitzung. Vorlage des Magistrats betr.: 1. Schaffung der Stelle eines zweiten Oberlehrers und einer zweiten technischen Lehrerin an der höheren Mädchenschule. 2. Bewilligung der Vergütung für Nadelarbeitmehrstunden daselbst. 3. Erhöhung des Schulgeldes an der höheren Mädchenschule. 4. Bewilligung von 160 Mark für Tintenfässer an der Schule Diebrockerstraße. 5. Fluchtlinienpläne für den Bünder Fußweg, Benterweg und die Friedhofstraße. 1 6. Bewilligung von 2641,60 Mark an die Erben Bäckermeister Strunk hier für Abtretung der Parzelle Flur I zu Nr. 3262/2222 an die Stadt. Herford, 10. Juni 1909. * D e r S t a d t v e r o r d n e t e n= V o r s t e h e r: L ü c k e n. Für die Veranstaltung einer Tanzbelustigung: a) wenn diese bis 11 nachts dauert... 5 Mark, b) wenn diese bis über 11 Uhr nachts dauert 10„ c) wenn dieselbe von Masken besucht wird. 20„ 2. Für die Veranstaltung einer Kunstreitervorstellung: a) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld von höchstens 0,50 Mk. erhoben wird... 5 b) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld von mehr als 0,50 Mk. und bis zu 1,50 Mk. erhoben wird 15 c) wenn bei derselben ein Eintrittsgeld von mehr als 1,50 Mk. erhoben wird... 3. Für die Veranstaltung eines Konzertes oder einer Theatervorstellung........ 4. Für Gesangs= und deklamatorische Vorträge (sog. Tingel=Tangel) für den Tag.... 5. Für das Aufstellen eines mechanischen oder anderen Musikinstrumentes, Grammophons, Chronophons, Phonograph usw. in Gastwirtschaften, Schenkstuben, öffentl. Vergnügungslokalen, Buden oder Zelten für das Rechnungsjahr... 6. Für Vorstellungen von Gymnastikern, Equilibristen, Ballet= und Seiltänzern, Taschenspielern, Zauberkünstlern, Bauchrednern und dergleichen: a) wenn bei denselben ein Eintrittsgeld von höchstens 0,20 Mk. erhoben wird, für den Tag 2 b) wenn bei denselben ein Eintrittsgeld von mehr als 0,20 Mk. erhoben wird für den Tag 4 7. Für das Halten eines Karussells: a) eines durch Menschen oder Tiere gedrehten für den Tag 5 b) eines anderweitig, als zu a) angegebenen, gedrehten für den Tag...... 12 8. Für das Halten einer Schaukel für den Tag. 3 9. Für das Halten einer Schießbude oder anderer als durch Würfel veranstalteten Glücks spiele für den Tag 3 10. Für öffentliche Belustigungen der vorher nicht gedachten Art, insbesondere für das Halten eines Marionetten=Theaters, einer Würfelbude, für das Vorzeigen eines Panoramas, Wachssigurenkabinetts, Museums, je nach dem zu erwartenden Gewinn des Unternehmens für den Tag 0,50—5 11. Für Veranstaltungen in Kinematographen, Biographen und für ähnliche Veranstaltungen tischer Feste veranstaltet werden, bleiben steuerfrei, wenn sie an dem Gedenktage selbst stattfinden. Sofern diese Voraussetzung nicht zutrifft, kann die Steuer für die Lustbarkeit von dem Magistrat erlassen werden. § 6. Betreffs der Rechtsmittel gegen die Heranziehung zur Steuer nach dieser Ordnung wird auf die Bestimmung in den §§ 69 und 70 des Kommunal=Abgaben=Gesetzes vom 14. Juli 1893 verwiesen. § 7. Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Ordnung unterliegen einer Strafe von 3—30 Mark. § 8. Unberührt bleiben die im Bezirke der Stadt Hersord geltenden, die Veranstaltung von öffentlichen Lustbarkeiten betreffenden polizeilichen Vorschriften. § 9. Vorstehende Steuerordnung tritt am 1. April 1909 in Kraft. Herford, den 23. Februar 1909. Der Magistrat. Russe. Dr. Heß. Dr. Lange. Herm. Müller Hch. Schönfeld. Horstmann. Genehmigt auf Grund der§§ 18 und 77 des Kommunal= abgabengesetzes vom 14. Juli Minden, 12. März 1909. Der Vorsitzende des Bezirks=Ausschusses. L. S. I. V.: Bartels. Ordnung betreffend die Erhebung von Lustbarkeitssteuern im Bezirke der Stadt Herford. Auf Grund des Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung vom 29. Januar und 19. Februar 1909 wird hierdurch in Gemäßheit der§§ 15, 18 und 82 des Kommunalabgaben=Gesetzes vom 14. Juli 1893 nachstehende Ordnung, betreffend die Erhebung von Lustbarkeitssteuern im Bezirke der Stadt Herford, erlassen: § 1. Für die im Bezirke der Stadt Herford stattfindenden öffentlichen Lustbarkeiten sind an die hiesige Kämmereikasse nachstehende Steuern zu entrichten: für den Tag § 2. In dem in§ 1 Ziffer 1 gedachten Falle schließt die höhere Steuer die niedere in sich. Die unter Ziffer 5 des§ 1 aufgeführte Steuer ist auch für jedes im Laufe des Rechnungsjahres aufzustellenden Instruments zu entrichten. In den im§ 1 Ziffer 10 und 11 gedachten Fällen erfolgt die Festsetzung der Steuer von Fall zu Fall durch den Magistrat. § 3. Die Steuer ist vor Beginn der Lustbarkeit und bezüglich der Tarifstelle 5 in§ 1 am Beginn des Rechnungsjahres, bezw. 14 Tage nach der erfolgten Aufstellung eines der gedachten Instrumente zu zahlen. Für die Zahlung haftet derjenige, der die Lustbarkeit veranstaltet und— falls ein geschlossener Raum für die Veranstaltung der Lustbarkeit hergegeben wird— der Besitzer desselben, dieser solidarisch mit dem Veranstalter auf das Ganze. § 4. Den öffentlichen Lustbarkeiten im Sinne dieser Ordnung werden diejenigen gleichgestellt, welche von Vereinen oder geschlossenen Gesellschaften veranstaltet werden. Dem Magistrat soll es überlassen bleiben, mit solchen Vereinen usw. für mehrere Jahre ein Uebereinkommen betreffs Zahlung eines Jahrespauschquantums an Stelle der Einzelsteuern abzuschließen; diese Vereinbarungen bedürfen der Genehmigung des Bezirksausschusses. § 5. Als öffentliche Lustbarkeiten im Sinne deser Ordnung gelten diejenigen nicht, bei welchen ein höheres wissenschaftliches oder Kunstinteresse obwaltet. Bei öffentlichen Lustbarkeiten, deren Reinertrag zu einem wohltätigen oder gemeinnützigen Zwecke bestimmt ist, kann die Zahlung der Steuer von dem Magistrat erlassen werden. Lustbarkeiten, welche zur Feier patrioZu der vorstehenden Genehmigung wird gemäß§ 77 des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 und des Ministerialerlasses vom 26. Juni 1907 M. d. f. IV b 1167— F. M. I1 6672 111 10 936 mit der Maßgabe die Zustimmung erteilt, daß im§ 4 die Worte„in den ihnen eigentümlich gehörenden Räumen oder in Räumen von Wirtschaften und sonstigen Gebäuden“ gestrichen werden. Münster, 7. April 1909.“ Der Oberpräsident von Westfalen. L. S. J. A.: Kirchner. Vorstehende Ordnung wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Herford, 10. Juni 1909 Der Magistrat. Dr. Heß. Die chemische Untersuchung entnommener Milchproben hatte folgendes Ergebnis: Bemerkungen Die Milch entspricht den Anforderungen. Vollmilch muß enthalten: 1,028 bis 1,034 spezifisches Gewicht, 2,7% Fettgehalt und 11,5% Trockensubstanz. Herford, den 12. Juni 1909. Die Polizeiverwaltung. Der UI. Bürgermeister. Dr. Heß. is se ee e dauliche Nahrung gegeben werden, welche dem Körper außerdem recht viele Nährstoffe zuführt. Als solche Nahrung ist„Kufeke" zu empfehlen, da dasselbe leicht(verdaulich ist und durch seinen Gehalt an Eiweiß= und Mineralstoffen eine kräftige Nahrung darstellt.[3280 Die gresssPrajungerP aber Sesjri Aur leichts-Tourenräder 3287 Leigt den überiegenen Gerr einer emnzigen Fahrraumkarke. Welchen positiven Erfolg brachte die grosse Prüfungsfahrt über 505,1 Km. für leichte Tourenräder, welche unter der Bezeichnung„Orosser Preis der Industrie“ auf der Strecke Berlin—Trebbin—Liebenwerda-Bautzen—Zittau—Oörlitz-Muskau—Luckau-Zossen am ersten und zweiten Pfingstfeiertage veranstaltet wurde? Die deutsche Sportgemeinde hatte ein grosses Interesse daran, einmal offiziell festgestellt zu sehen, welchen sportlichen Wert die neuerdings von allen Seiten angebotenen, leichten Räder haben. Es wurden daher nur Tourenräder im Gewichte von 21 bis 27 Pfund zugelassen. Von vornherein sei bemerkt, dass die bei dieser Prüfungsfahrt benutzten leichten Tourenräder gegenüber den Rennrädern anderer Preisfahrten eine ganz gewaltige Ueberlegenheit zeigten, denn es wurden mit den leichten Tourenrädern Durchschnittsgeschwindigkeiten erzielt, die einfach fabelhaft sind. Diese 505,1 Km. lange Tour wurde von der Spitzengruppe, welche aus 4 Fahrern bestand, die geschlossen durchs Ziel gingen, in 20 Stunden zurückgelegt. Dies ergibt eine Stundendurchschnittsgeschwindigkeit von 25 rund Km. Dies wäre der Erfolg der leichten Tourenräder im allgemeinen. Wir kommen nun zur Marke. Dabei machte sich das„Dürkopp“-Rad in eigenartiger Weise geltend. Nicht nur, dass in der obenerwähnten Spitzengruppe von 4 Mann, welche geschlossen durchs Ziel gingen und wobei man gewissermassen sämtliche 4 Fahrer als Sieger anschen muss, da das Vorderrad des ersten nur wenige Handbreiten vor dem Vorderrade des Zweiten über das Ziel ging, zwei„Dürkoppf-Räder vertreten waren, und nur ein Rad der Marken B. und N.— Auf„Dürkopp“-Rädern wurde ausserdem der erste Vereinspreis gewonnen. Diesen Preis gab es für durchschnittliche Leistungen der konkurrierenden Vereine. Es ist bezeichnend, dass der Forster Verein, welcher den ersten Vereinspreis erzielte, ausschliesslich mit„Dürkopp“-Rädern ins Rennen ging. Aber auch über die prozentuale Ueberlegenheit hinsichtlich der SiegesChancen eines leichten stabilen„Dürkopp“-Fahrrades ergab die grosse Prüfungsfahrt für leichte Tourenräder ganz bestimmte Anhaltspunkte. Von den 15 Preisen wurden allein auf„Dürkopp“ 5 Preise gewonnen, nämlich: der 2., 4., 11., 12. und 14. Die nächst sich bemerkbar machenden Marken B., A. und N. hatten nur je 2 Siege aufzuweisen. Diese Zuverlässigkeitsfahrt für leichte Tourenräder hat aber auch ergeben, dass— dem Eingeweihten war dies längst bekannt— die„Dürkopp“-Räder tatsächlich die leichtesten sind. Wir führen nachstehend die niedrigsten Gewichte der siegenden 15 Räder an, und zwar: Nr. 20 mit Freilaufbremse 11,8 Kg. Dürkopp „ 41„„ 12.1„„ „ 8„„ 122„„ „ 21„„ 12.4„„ Diese Feststellung wurde von Mitgliedern des Gauvorstandes gemacht. Daraus geht hervor: Hinsichtlich der Leichtigkeit stehen die leichten, stabllen „Dürkopp“- Räder an erster Stelle, aber auch die zweite, dritte und vierte Stelle nehmen sie noch für sich in Anspruch. Das leichteste Rad der siegenden Konkurrenz kommt erst nach„Dürkopp“ und zwar an fünfter Stelle. Die Zuverlässigkeitsfahrt für leichte Tourenräder ergab weiter: Auf „Dürkopp“ wurden mehr als doppelt so viele Preise erzielt, als auf den nächsten, sich bemerkbar machenden Marken. Für das Publikum und für die Händlerschaft war es bislang nicht leicht, unter den vielen Anpreisungen leichter Räder die wirklich leichteste Marke herausfinden, denn jeder rühmte sich, die leichteste und haltbarste Maschine zu bauen. Die obige Feststellung dokumentiert in durchaus korrekter und nicht etwa reklamehaft übertriebener Weise die tatsächliche Ueberlegenheit der leichten, stabilen„Dürkopp“-Maschine. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, dass die„Dürkopp“-Werke hinsichtlich der Maschinen keine Kunststücke machten, sondern den Fahrern Maschinen lieferten, wie solche katalogmässig gegeben werden. güsumg Dürkopp& Co., A.-G., Bielefeld. General-Vertreter: Louis Stratemann. Verkaufsstellen: Conr. Brakemeler, Rohrteichstr.:: Louis Voss, Kaiserstr. Abonnementspr für Bielefeld und Umge wie bei sämtlichen Agent ins Haus gebracht 60 Pfg lich. Durch die Post 1,80 Mk. vierteljährlich Bestellgeld. Einzelnummer 10 Erscheinungsta mit Ausnahme der So Feiertage täglich nachn Fernsprech=Anschluß N Nr. 193 Die heutige 2 Der Artikel des erschienen ist, hat die arbeiterverband". E tion und fährt dann Die Resolution bei vor der Maifeier. vorgehoben, daß der beitsruhe überall dor Arbeiterinteressen mi arbeiter=Resolution, sagen, daß im int schränkenden Satze daß es„sämtlichen p zur Pflicht“ gemacht streben“! Man kann es unr am 1. Mai auffasser Organisation von der Einfluß des Metal Einzelpersonen sowol schluß, am 1. Mai zu aller sich aus der Arl Dieser Passus der R nisationsgedanken, de einigungen verkörper Hunderttausende von munternden oder al sammen, nein: er tre dessen das Lebenseler rischen Grundgedanke Seit den Berliner die ganze deutsche, ja Deutschen Metallarbe feier. Die Taktik di einen nur den Kreis Richtungshinweis. D sind sich die 129 De gewesen, und deshalb einer der bedauerlich Arbeiterorganisation an dem Bau herumge nationale Arbeiterkor Bau, der nunmehr zi recht zwar, aber doch nicht gering, daß an spiele folgen, und daf des Monument der mutes des internatic fallenes Denkmal der wie er zuweilen auch schleicht... Gerad sich hüten, den Reig nicht das Gerede auf! nisse von 1906 eine taktik eingegeben. Die Resolution b ringer Zahl. 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