Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westsaten und die Rppischen Kurstenlumer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Rielesekd. Nr. 184. Bielefeld, Freitag, 28. Mai 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Die Zolltarifrevision in den Vereinigten Staaten. II.(Schluß.) Die ganze Schwere des Payneschen Tarifentwurfes liegt nicht, wie man anzunehmen geneigt wäre, in der im vorigen Aufsatz kurz behandelten Revision der Dingleyschen Zollsätze. Der eigentliche Charakter und die wahre Bedeutung des neuen Tarifvorschlages kommt in der Hauptsache erst in den zoll- und verwaltungstechnischen Bestimmungen zu vollem Ausdruck. Der Paynesche Tarif gibt sich als ein Doppeltarif, der Maximal= und Minimalsätze kennt. Letztere, die niedrigst zulässigen Sätze, sollen gegen alle jene Staaten in Anwendung kommen, welche den Vereinigten Staaten von Amerika volle, lückenlose und unbeschnittene Meistbegünstigung einzuräumen bereit sind, d. h. gegen jene Staaten, welche der Einfuhr aus den Vereinigten Staaten die Teilnahme an dem Genusse aller jener Vorteile gewähren wellen, die dem von dem betreffenden Lande am meisten begünstigten Zollausland eingeräumt sind. Vorbedingung für die Anwendung des Minimaltarifes ist demnach, daß der Staat, der in den Genuß desselben gelangen will, der amerikanischen Einfuhr die Tür so weit öffnet, wie dem von ihm am stärksten bevorzugten Lande. Dieser Minimaltaris ist im großen ganzen der alte Dingleytarif in der Gestalt, die er vermutlich durch die gegenwärtige Revision erhalten wird. Der Maximaltarif hingegen enthält die Sätze des Minimaltarifs plus einer Erhöhung um durchschnittlich 20 Prozent. Wo Herr Payne die alten Dingleysätze um mehr als diese 20 Prozent herabgesetzt hat, da sollen die Dingleysätze als Maximalsätze gelten. Fur Waren, hauptsächlich Roh= und Halbstoffe, auf die die amerikanische Industrie angewiesen ist, sowie für Wollwaren, bei welchen die Minimalsätze schon an und für sich schier 90 Prozent des Wertes betragen, sind die Minimalsätze gleichzeitig Maximalsätze. Dem gegenüber gibt es auch Produkte, bei denen die Erhöhung der Maximal= über die Minimalzölle dreißig und vierzig Prozent ausmachen. Waren, die auf der Freiliste stehen, sind zu einem erheblichen Teil im Maximaltarif mit 20 Prozent Zoll belegt. Dieser sogenannte Maximaltarif soll nach Paynes Vorschlagen auf alle jene Erzeugnisse Anwendung finden, deren Herkunftsländer Amerika nicht volle Meistbegünstigung zugestehen. Dabei ist kein Raum für Verhandlungen von Staat zu Staat, von Regierung zu Regierung über eine vertragsmäßige Regelung der gegenseitigen Handelsinteressen, über die Bindung und Erniedrigung der Zölle, Erleichterung der Behandlung der Einfuhr, Milderung der Schwierigkeiten beim Uebergang der Waren über die Grenzen und anderes mehr. Die Stellung der amerikanischen Regierungen den Regierungen der anderen Staaten gegenüber wäre eine denkbar einfache: Die amerikanische Regierung hat lediglich die mehr technische als handelspolitische Frage zu lösen, ob der andere Staat der amerikanischen Einfuhr unbeschrankte Meistbegünstigung gewährt. Damit wäre ihre Tätigkeit erledigt. Ist dies nämlich der Fall, dann tritt diesem Staate gegenüber der Minimaltarif in Kraft. Wenn nicht, dann kommt von selbst, ganz mechanisch der Maxii ist mit in Betraggsthzheehen, daß maltaxif in Geltung. Dabei ist mit in Betrag die Meistbegünstigung nicht etwa allein die Meistbegünstigung nicht etwa, allein die Zou#### unfaßt, sondern auch etwaige technische und administrative Maßnahmen mit umschließt, so daß eine Erschwerung in dieser Richtung gleichbedeutend mit einem Versagen der Meistbegünstigung wäre. Man sieht: alles ist auf ein Entweder— Oder gestellt. Es ist im Kerne eine echte Revolverpolitik, wie sie ja auch die europäischen Staaten, gegen die sie gerichtet ist, in langjähriger Praxis geübt haben, bloß daß sie nicht eine so echt amerikanische Kaltblütigkeit, Ruhe und Unverhülltheit aufbringen konnten. Wenn Herr Payne seinen Tarif einen Maximal= und Minimaltarif getauft hat, so äußert sich darin sein auch sonst an diesen Stellen hervorlugender Dilettantismus. Die Begriffe „Miximal= und Minimaltarif“ in seiner Uebertragung auf sein starres, unbeugsames, mechanisch funktionierendes Tarifsystem sind nur geeignet, einen zu täuschen und irrezuleiten. In der Regel geben die Maximal= und Minimaltarife lediglich die Höhe an, über welche der erst zu vereinbarende Zollsatz nicht steigen bezw. unter welche er unter keinen Umstanden fallen: darf. Die eigentliche Zollhöhe unterliegt erst einer vertragsmäßigen Festlegung innerhalb der autonom gezogenen Schranken. Der Paynesche Tarif ist in Wirklichkeit ein Generaltarif. Dies hat denn auch die Aldrich=Kommission alsbald erkannt und, wie durch Kabel der„Frankfurter Zeitung“ gemeldet wurde, am 30. April im Senat den Antrag eingebracht, den Payneschen Maximaltarif durch einen Generaltarif zu ersetzen, der im Durchschnitt die Minimalsätze um 25 Prozent des Wertes erhöht, wobei er abermals um 5 Prozent über den Payneschen Zuschlag hinausgeht und hierdurch den Strafcharakter der hohen Sätze noch steigert. Der so im Senate revidierte Generaltarif soll gegen alle Länder Anwendung finden, die auf irgendwelche Weise Amerika gegenüber anderen Staaten zu benachteiligen versuchen sollten. Also auch der Senat hält an dem starren, automatischen System fest. Auch sonst kommt der Gewaltcharakter des Entwurfs vielfach zum Ausdruck, so in den Bestimmungen über das Inkrafttreten des neuen Tarifs. Die Abkommen mit anderen Staaten, die zurzeit in Geltung stehen, sollten nach dem Entwurf Paynes spätestens 10 Tage nach Inkrafttreten des Tarifes gekündigt werden. Das bedeutet speziell für Deutschland in der Hauptsache, daß unverzüglich mit dem Inkrafttreten des Tarifes dieser gegen es in Anwendung kommt. Denn wenn auch der Vertrag mit Deutschland noch länger läuft, nämlich sechs Monate, so enthält derselbe nur einzelne Erleichterungen auf administrativem Gebiete, nicht aber eine Bindung der wichtigsten Zölle, so daß in den anderen Punkten sofort der neue Tarif in Geltung trete, in den restlichen nach sechs Monaten. Andere Staaten haben überhaupt keine Kündigungsfristen, so Frankreich, Bulgarien, die Schweiz. Aber Herr Payne ist ein Gentleman und so gewährt er allen diesen Staaten eine Henkersfrist von sechzig Tagen. Während dieser Zeit sollen seine Minimalsätze angewendet werden, erst wer sich mittlerweile nicht zur Gewährung der Meistbegünstigung entschließt, soll den Ruten der Maximalsätze verfallen. Nach dem Antrage der Aldrich=Kommission soll dagegen der Präsident erst vom 31. März 1910 ab den Generaltarif anwenden. Eine besondere Eigentümlichkeit der amerikanischen Tarife ist seit langem das zähe Festhalten an Wertzöllen. Daran hat auch der neue Tarif nichts geändert, nur daß eine sehr wesentliche Umgestaltung der Valuationsmethode, der Art und Weise der Feststellung des für die Zollerhebung maßgebenden Wertes, vorgenommen wird. Es ist eine alte, immer wiederholte Klage der amerikanischen Zollbehörden, daß das alte Verfahren sehr viel Mißstände gezeitigt, daß vor allen Dingen starke, die amerikanischen Zolleinnahmen schwer beeinträchtigende Unterschätzungen der importierten Werte etwas durchaus Gewöhnliches seien. Ob und wie weit das richtig ist, ist natürlich unkontrollierbar; jedenfalls widerspräche es nicht den allgemeinen Erfahrungen, die man in den verschiedenen Ländern mit dem Ehrlichkeits- und Wahrheitssinne der Herren Industriellen gemacht. Und es nimmt sich wahrhaft burlesk aus, wenn die an dem Fortbestand der bisherigen Zustände interessierten Kreise Deutschlands von pathetischen Beteuerungen des Gegenteils überließen, die nur eine kindliche Naivität mit mehr als einem lustigen Augenzwinkern aufnehmen kann. Daß dem gegenüber die amerikanischen Hochschutzzöllner die Sache noch mehr aufbauschen, ist verständlich, da jede Verschärfung der Wertfeststellung einer entsprechenden Zollerhöhung gleichkommt. Nach dem Payneschen Tarifentwurf soll es im allgemeinen bei dem bisherigen Verfahren bleiben, das den Wert der Produkte nach dem wirklichen Marktpreise derselben im Herkunftslande der Zollerhebung zugrunde legt. Wo eine solche Abschätzung nicht gut möglich ist, da sollen die Produktionskosten die Basis bilden. Nun ist dies eine äußerst schwierige Sache, weil die meisten Industriellen die Produktionskosten als ihr Privatgeheimnis nicht der Oeffentlichkeit und damit der Konkurrenz preisgeben wollen. Deshalb war z. B. im Handelsprovisorium zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten bestimmt, daß bei Artikeln, die in Deutschland lediglich für den Export hergestellt werden— und diese spielen eine große Rolle — der Exportpreis maßgebend sein solle. Diese Vergünstigung war den deutschen Importeuren sehr willkommen, den amerikanischen Protektionister aber ein Dorn im Auge. Folglich wird diese Bestimmung beseitigt. Weiter wird aber noch die Wertfeststellung einer besonderen Kategorie und von Waren beträchtlich zuungunsten der Importeure verschlechtert, nämlich jener Waren, die im Herkunftslande nicht im offenen Markt uneingeschränkt zum Verkaufe angeboten und nach Amerika nicht direkt verkauft werden, sondern zunächst an dortige Agenten konsigniert werden. Bei allen diesen Produkten soll der zollpflichtige Wert niemals geringer sein als der amerikanische Großhandelspreis nach Abzug des vermutlich zu erlegenden Zolles, der Fracht, anderer Transportspesen und einer Provision von 10 Prozent. Dadurch ist aller Willkür in der Wertfeststellung Tür und Tor geöffnet und ewigen Unzuträglichkeiten und Klagen Raum gegeben. Außer diesen einschneidenden Umgestaltungen enthält der Entwurf eine Reihe minder wichtiger organisatorischer und anderer Veränderungen, die nur für die beteiligten Kreise ein näheres Interesse haben und hier füglich übergangen werden können. Man kann naturgemäß zurzeit noch kein endgiltiges Urteil über den neuen Tarif abgeben, da alles noch chaotisch im Werden ist, keine oder wenig definitive, feste Form angenommen hat. Aber soviel steht schon heute fest, daß der Tarif dem deutschen Handel mit Amerika eine nur schwer wieder gut zu machende Schädigung zufügen wird und daß darunter mit der deutschen Industrie auch das deutsche Industrieproletariat und alle von ihm abhängigen Kreise zu leiden haben werden. Und ebenso klar ist, daß schuld daran zu einem sehr großen Teile Deutschland selbst mit seiner eigenen maßlosen Schutzzöllnerei trägt. Der amerikanische Protektionismus hat es dem deutschen abgeguckt, wie man sich räuspert und wie man spuckt. Es steckt ein Gran Tragikomik darin, daß die Peitsche, die jetzt Amerika über Deutschland schwingt, von unseren eigenen Schutzzöllnern während der letzten Zolltarifkämpfe so fein gedreht worden ist. Müßte man nur nicht damit rechnen, daß sie auch auf unschuldige Rücken herabsaust. Hr. in der„Fränkischen Tagespost“. Aus Abom Hamios Herrscherlagen. Am 30. Mai 1876 spräch zwischen dem Ge des Kriegsministers Hussein Avni Pasc Asis im Schlafgemach des letzteren statt: „Sire, ich bedauere, Ihnen mitteilen zu müssen, daß die Nation einstimmig Sie abgesetzt hat und einen Führer ernannt hat, der würdiger ist, sie zu regieren.“ „Was für eine Nation? und wer sind Sie, daß Sie in ihrene Namen sprechen?" „Ihre Majestat braucht nur einen Blick auf die Straße zu werfen, um zu sehen, daß der Palast von einem Volkshaufen umringt ist, der die Delegation dieser Nation ist, die Ihre Majestat nicht zu kennen scheinen!“ „Ihr seid Rebellen und Undankbare! Sie, Redif, sind der Schuldigste von den Banditen, die meinen Sturz vorbereitet daben, denn Sie verdanken mir alles: Ehren und Stellung!" Eine Stunde nach diesem Auftritt donnerten die Kanonen vom Platze des Seraskierats mit voller Salve, und den Muezzin verkündete vom Minaret der Moschee von Beschik=Pasch herab, daß Murad V. den Thron Osmans bestiegen habe. Acht Tage später erschien ein Flügeladjutant des abgesetzten Sultans im Ministerkonseil und gab aus nächster Nähe fünf Revolverschüsse ab, mit denen er zwei Minister tötete und vier andere Personen verletzte. In der Zwischenzeit hatte der unglückliche Abdul Asis„Selbstmord" begangen. Ein Bericht, der von zwanzig Aerzten Konstantinopels unterzeichnet war, bestätigte den Selbstmord. Die Verschworenen, die den Sturz von Abdul Asis angestiftet hatten, machten unerhörte Anstrengungen, um dem kranken Murad die Herrschaft zu erhalten, wobei sie der Oeffentlichkeit den Ernst seiner Krankheit verheimlichten. Es gelang ihnen, die Wahrheit drei Monate lang zu unterdrücken. Aber dann wurde des Sultans Zustand doch bekannt, man mußte den offenkundigen Tatbestand zugeben und Murad durch seinen Bruder Abdul Hamid II. erletzen. Bevor diesem die Zügel des Staates anvertraut wurden glaubten die Paschas die Vorsichtsmaßregel ergreifen zu müssen, ihn ein Dokument unterzeichnen zu lassen, durch das er sich verpflichtete, eine Konstitution zu bewilligen und die *) Diese Schilderung der Regierungstätigkeit des heute gesturzten Sultans entstammt der Feder des türkischen Publizisten Sefer Bey, der sie vor zwei Jahren im Dezemberheft 1906 der Revue" veröffentlichte. Es handelt sich, also um eine Schilzerung des absoluten Herrschers, dessen Regierungsund Gewaltsystem durch die Staatsumwälzung im vorigen Sommer, die dem Lande die Erneuerung der Verfassung brachte, ein Ende nahm. Die Red. Gesetze und Traditionen des Reiches zu respektieren; dies Dokument wurde dem Scheik ul Islam, Hairullah=Effendi zur Bewahrung übergeben. Wahrend dieser Vorgänge in Konstantinopel wurde die Lage des Reiches nach außen hin höchst kritisch. Infolge des Aufstandes in der Herzegowina und Bosnien, war zum erstenmal die bulgarische Frage akut geworden. Gleichzeitig regte sich Serbien, um einen Vorwand für den russisch=türkischen Krieg zu geben. Die Situation des ottomanischen Reiches war also zu jener Zeit diese: äußerer. Krieg einerseits, Regierungsschwankungen andererseits, Unruhen und Revolution überall. Abdul Hamid entschloß sich, vor allem seinen Thron zu befestigen und die Personen zu beseitigen, die ihm den Zugang zur Macht erleichtert hatten. Er begann damit, daß er sozusagen auswanderte, indem er die gewohnte Residenz seiner Vorgänger verließ und sich auf den Gipfel des Hügels Jildis installierte, wobei er diesen Platz befestigte, wie einen Ort, der heftige Anstürme auszuhalten hat. Zugleich verbannte er den Großwesir nach Sarukhan, Midhat Pascha nach Brindisi und Hairullah=Effendi nach Taif. Sowie der Friedensvertrag am 13. Juli 1878 in Berlin unterzeichnet war, verwandte Abdul Hamid seine ganze Aufmerksamkeit darauf, ein besonderes Herrscherregime zu schaffen, das in seiner Art einzig in der Geschichte dasteht. Dieses Regime ist gewiß das außergewöhnlichste, das ein Despot jemals eingerichtet hat, so vorteilhaft für sich hat er die unzähligen Einzelheiten der Organisation und der Vorkehrungen geregelt. Augustus, Machiavelli und Ludwig XI. haben trotz ihrer Verschlagenheit nie etwas Aehnliches erdacht. Da Abdul Hamid es an seinem Vorgänger erlebt hatte, wie leicht man durch eine Palastrevolution gestürzt werden konnte, so lag seiner ganzen Regierungszeit der Gedanke zugrunde, sich vor ähnlichen Ueberraschungen zu schützen und jedes mögliche Einverständnis zwischen den Männern, die Werkzeuge seiner Macht waren, zu verhindern. Die Zukunft des Reiches, das Schicksal und das Glück der Völker, die seinem Schutz anvertraut waren, der Name, den er in der Geschichte hinterlassen würde, selbst die Interessen der Dynastie waren in seinem Regierungsprogramm Nebensachen. Er hatte nur eine Sorge, die ihn krankhaft verfolgte: sich auf dem Thron zu halten, trotz allem und gegen alles, gleichviel durch welche Mittel. Die gesamte Beamtenschaft, die Richter, Offiziere und Diplomaten wurden, soweit sie noch aus der Zeit seiner Vorgänger stammten, zu seiner Anschauuung von der Regierung gezwungen und falls sie sich weigerten, gewaltsam unterdrückt. Alle Mittel waren ihm gut genug zu diesem Zweck. Er begann damit, nicht nur die Männer verschwinden zu lassen, die ihm die Macht verschafft hatten, sondern er entfernte auch den ganzen alten Hof: Kammerherren, Sekretäre, Flügeladjutanten usw. Er gründete zu seinem Bedarf eine Zivil= und Militäranstalt und besetzte sie mit jungen Leuten, die aus dem Lyceum von Galata Serai und der Militärschule genommen wurden, und die er nach seiner Weise modelte. Er schied sodann alle Generäle aus, von denen er einige Unabhängigkeit fürchtete. Er teilte die Armee von Konstantinopel in zwei Sektionen, die er erstes und zweites Armeekorps nannte. Eines dieser Korps stand unter nominellem Kommando des Kriegsministers, den subalterne Offiziere überwachten, die wiederum von anderen beständig ausspioniert wurden. Das zweite Korps bildete des Sultans persönliche Garde, die er um den Jildis in Kasernen und Baracken hielt und mit ganz besonderer Fürsorge umgab. Während die anderen Truppen von Konstantinopel und den Provinzen immer in der äußersten Dürftigkeit lebten, schwelgte die Prätorialgarde im Ueberfluß. Ein dickleibiges Album enthält die Photographien sämtlicher Offiziere, die er sorgfältig ausgesucht hatte, nebst ihrer detaillierten Lebensbeschreibung. Der Kriegsminister hatte nicht nur nie die Möglichkeit, auch nur einen Korporal zu versetzen, sondern er kannte nicht einmal weder dem Ansehen noch dem Namen nach irgend einen der Prätorianer Offiziere. Der Marschall, der dieses Korps befehligte, wurde mit Gold überschüttet und halte nie einen Kontakt mit dem Chef der Hierarchie. Auf diese Weise hatte der Sultan eine Armee in der Hand, die bereit war, ihn zu verteidigen und sich für ihn zu opfern. Als Uebermaß der Vorsorglichkeit und Vorsicht streute er Mißtrauen isnerhalb seiner Truppen aus, indem er die einzelnen Völkerstämme seines vielsprachigen Reiches gegen einander ausspielte. Seine Garde umfaßte Albanesen, Syrer, kleinasiatische Türken und sogar Neger. Die Albanesen erhielten türkische Chefs, die Türken albanesische, und so verfuhr man in allen Bataillonen und Regimentern. Jede Truppenformation wurde von einem Korps von Spionen begleitet, die selbst wieder von einer anderen Klasse von Spionen überwacht wurden. Da die Flotte eine aktive Rolle bei der Absetzung seines Oheims gespielt hatte, so stellte er sie unter Befehl eines Paschas, der ihm ergeben war und dessen einzige Aufgabe darin bestand, diese Seemacht vollständig untüchtig zu machen, indem er sie im Goldenen Horn eingeschlossen hielt, das sie niemals überschreiten durfte. Nach zwanzigjähriger Ruhe in diesem schlammigen Kanal ist sie kaum noch zu gebrauchen. Unter den Justizbeamten traf der Sultan eine neue Auswahl: er schaltete alle aus, die als unabhängig galten. Statt dessen füllte er die Tribunale mit Leuten, die nicht einmal etwas von der Existenz eines Gesetzbuches ahnten, und ließ sie Verhaftungen vollziehen und Urteilssprüche fällen, bei denen er sich nur von seinem Belieben, von seinen Leidenschaften und Ränken leiten ließ. Jeder Versuch zur Unabhängigkeit wurde mit Entsetzung und Verbannung bestraft. Aus Furcht, daß neue soziale Schichten im öffentlichen Leben auftauchen und des Sultans Verwaltung kritisieren könnten, wurden alle Militärschulen genau überwacht und von neu eingetretenen Männer inspiziert, Kreaturen, die vollständig ihrem Herrn ergeben waren, die weder Gewissen noch Wissen hatten RR Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Die preußischen Einkommensteuerzuschläge. Für die Einteilung der Zuschläge zur Einkommensteuer ist vom Finanzministerium an die Gemeindeverwaltungen die vorläufige Anweisung ergangen, die Zuschläge zusammen mit der Steuerrate s ersten Quartals zu erheben. Sollte diese aber bereits gezahlt sein, so sollen die Zuschläge erst zusammen mit der Steuerrate für das zweite Quartal eingezogen werden. Die Badereise des Fürsten Eulenburg. Wie das„Berliner Tageblatt“ aus ganz zuverlässiger Quelle erfahren hat, hat Fürst Eulenburg seine Badereise ins Ausland nach Gastein angetreten, ohne vorher die Erlaubnis der Staatsanwaltschaft eingeholt zu haben. Er hat vielmehr durch seinen Verteidiger die Mitteilung von seiner Abreise erst nach Antritt der Reise an die Staatsanwaltschaft gelangen lassen. Unter diesen Umständen blieb dem Landgericht Berlin I, das seinerzeit die Haftentlassung beschlossen hatte, vorläufig nichts weiter übrig, als die Abreise einfach zur Kenntnis zu nehmen. Ob die Staatsanwaltschaft weitere Schritte unternehmen wird, steht noch nicht fest. „Das Zentrum in der Stadtverwaltung und im Reichstage. die„Kolner Zentrumsstadtverordneten beabsichtigen in nächster Sitzung einen Vorstoß gegen die vom Zentrum im Reichstage tebhaft verreidigte Reichswertzuwachs= und Umsatzsteuer zu unternehmen. Die Kirchenflucht erfüllt, wie bürgerliche Blätter schreiben, die Synoden mit banger Sorge. In den sechs Berliner Diözesen sind ausgetreten: im Jahre 1906: 3766, 1907: 3802 und 1908: 9118 Personen. In den Synodalsitzungen beschäftigte man sich nun eifrig mit der Frage, wie dieser Kirchenflucht zu steuern ist. Ein Pfarrer Steiniger meinte in der Stadtsynode Berlin, daß bisher den Austritt aus der evangelischen Landeskirche meist Arbeiter vollzogen hätten, und zwar in allererster Reihe die gutbezahlten Arbeiter. Andererseits befänden sich unter den Ausgetretenen aber auch Personen in zum Teil recht angesehener Lebensstellung, und die Möglichkeit sei nicht von der Hand zu weisen, daß die Austrittsbewegung auf die bürgerlichen Kreise übergreife, die mit ihrer Steuerkraft die Kirche äußerlich erhalten. als Ursuche dieser Austrittsbewegung bezeichnete dieser Redner in erster Linie die Erhöhung der Kirchensteuer, sodann aber auch die Verbindung von Religion und Politik, die er verwerfe. Ein Hofprediger sah in dem„Terrorismus der Sozialdemokratie“, ein anderer Synodale in der kirchlichen Intoleranz die Ursache der steigenden Abkehr von der Kirche Aus dem Der neue Block an der Arbeit. In der Finanzkommission des Reichstages erreichte am Donnerstag der Terrorismus des blau=schwarzen Kartells seinen Höhepunkt, indem die Männer des Zentrums, die Konservativen, die Polen, die Wirtschaftliche Vereinigung und bemerkenswerterweise auch die Reichspartei sich der Mühe entschlugen, die Anträge, die von anderer Seite kamen, auch nur anzusehen oder die ihnen gegebene Begründung anzuhören. Die Beratung der Branntweinsteuer wurde bei§ 2, dem Kernpunkte der ganzen Vorlage, fortgesetzt. In der ersten Lesung war ein Zentrumsantrag angenommen worden, nach dem aus den Einnahmen aus der Verbrauchsabgabe bis zum 1.,„Oktober 1912 jährlich 10 Millionen Mark entnommen werden wuten zur ansammlung eines besonderen Fonds in Höhe von mindestens 20 Millionen Mark. Diese Bestimmung wurde in der zweiten Lesung wieder gestrichen. In der Hauptsache aber handelte es sich um die Liebesgabe. Nach der Fassung in erster Lesung sollte, die Verbrauchsavgabe innerhalb des Kontingents 215 Mark, über das Kontingent hinaus 1,35 Mark pro Liter Spannung zwischen diesen beiden Sätzen von #e#e###st gleich 20 Mark pro Hektoliter und stellt die LiebesRoesicke beantragt: Herabsetzung der Verbrauchsabgabe auf 1,00 resp. 1,20 pro Liter. Die Nationalliberalen wollen die Lievesgabe bis zum Jahre 1922 auf 12 Mark herabgesetzt fehen, dagegen sollte die Steuer allmahlich steigen auf 1,28 vesp. 1,40 Mark pro Liter. Die Freisinnigen wollen die Liebesgabe stufenweise bis zum Jahre 1919 auf 5 Mark herabsinken lassen. Staatssekretär Sydow bedauert lebhaft, daß kein Antrag vorliege, der die Wiederherstellung der Monopole fordert. Re#igniert meinte er, dann müsse es eben auch so gehen.— Die Vertreter der süddeutschen Regierungen traten energisch für die Aufrechterhaltung der Liebesgabe ein.— Abg. Südekum erklärte, daß die Sozialdemokraten natürlich für den niedrigsten Steuersatz stimmen würden, um eine höhere Steuer zu verhäten. In dieser Abstimmung liege aber kein Präjudiz für unser Verhalten im Plenum. Die Abstimmung ergab schließlich folgendes Resultat: Die Steuer beträgt innerhalb des Kontingents 1,05 Mark, außerhalb des Kontingents 1,25 Mark. Die Liebesgabe bleibt also auf 20 Mark bemessen. Gegen die Liebesgabe stimmten: Sozialdemokraten, Nationalliberale und Freisinnige. Eine ganze Reihe Paragraphen werden— zum Teil mit geringen Aenderungen— ohne Debatte angenommen. Zu einer und deren einzige Rolle darin bestand, das Unterrichtsprogramm seinen einfachsten Ausdruck zu bringen. Wenn irgend ein Unglücklicher sich einfallen ließ, ein verbotenes Werk zu lesen — und es gab keine andere Lektüre— oder eine verdächtige Zeitung, so wurde er nachts verhaftet, mit Ketten gefesselt und ohne Gnade ins Innere von Tripolis oder in die brennenden Wüsten Arabiens gebracht. Niemand wagte, über diese Willkür Rechenschaft zu verlangen; Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, die das Wagnis unternehmen wollten, etwas darüber zu erfahren, verschwanden ebenfalls, ohne daß man erfuhr, zu welcher Zeit oder auf welche Weise. Was die Diplomatie anbetrifft, so kreierte der Sultan ein neues Personal, dessen Mission im Auslande darin bestand, nicht etwa die Interessen des Landes zu wahren, sondern die Presse zu überwachen, sie im Solde zu haben, von der Wahrheit abzulenken und vor ihr alle Schimpflichkeiten dieses verderblichen Regimes zu verbergen. Um die Türken, seine Glaubensbrüder, ihre Lage vergessen zu machen, schlug er in der inneren Politik folgenden Weg ein. Er erregte den Antagonismus der Rassen und spielte die einen gegen die anderen aus, so daß eine ständige Uneinigkeit geschaffen wurde. Er bildete in Konstantinopel sogar ein Korps von 40000 Spionen, das aus den berüchtigtsten Banditen zusammengesetzt war, die den Auftrag hatten, im Palais täglich Tausende von Berichten zu erstatten, die nicht nur über das, was ihre Verfasser beobachtet und gehört Auskunft gaben, sondern auch vieles enthielten, was sie selbst erfunden, provoziert und angestiftet hatten. Dies geschah, um die öffentliche Meinung dauernd in Atem zu halten. Abdul Hamid selbst gab seinen Helfershelfern das Schema und Grundgewebe der imaginären Komplotte. Es gab keine oberste Direktion, um die Berichte dieser kontrollieren, aber mehrere Sektionen waren eingerichtet, die sich untereinander kontrollierten, und die sich eifrigst schaften vur sich gegenseitig zu denunzieren. Die Gesandtschaften wurden ausspioniert in der Person der Gesandten, ihrer Frauen, ihrer Kinder, ihrer Sekretäre, und mehrere Dragomans wurden erkauft, um das gewünschte Resultat zu erhalten. Für dieses veryaßte Geschaft gaben sich besonders die nicht muselmanischen Beamten, und zwar die bekanntesten, her. Aus dieser Tätigkeit stammen viele schmachvoll erworbene Reichtümer und hohe Stellungen. Um diesen Spionen das Werk zu erleichtern, erhob man sie zu den höchsten Ehrengraden. indem man für den einen ein Ministerium nach Laune schaffte, aus dem anderen einen Unterstaatssekretär machte— für ein Delebhaften Aussprache führte dagegen die Frage der Steuerkredite. Hier beschloß die Kommission, daß als Sicherheit für die Steuer auch die Verpfändung eines unter Mitverschluß der Steuerbehörde stehenden Branntweinlagers zu genehmigen ist. Eine Verschlechterung wurde bei§ 24 durchgesetzt. In der ersten Lesung war beschlossen worden, das Kontingent von 1913 ab alle fünf Jahre neu festzusetzen. Diese Zeitperiode wurde auf 10 Jahre verlängert. Diese Bestimmung hat die Konsequenz, daß das Entstehen neuer Brennereien erschwert wird, denn sie erhalten ein Kontingent erst bei der Neueinteilung und sind natürlich schlechter gestellt, wenn die Neueinteilung erst in 10 Jahren statt bereits in 5 Jahren erfolgt Sodann beriet die Finanzkommission§ 34, Neuveranlagung der Kontingente betreffend. Dazu lag ein Antrag Mielczinski vor. Südekum monierte, daß das in einer Resolution von der Regierung verlangte Material über die Veranlagung nicht vorgelegt worden sei. Geh. Rat Ney erwiderte, es sei nur von Stuttgart und Hamburg Material eingegangen. Südekum erwartet, daß das ganze Material bis zur Verhandlung im Plenum vorliege. Der Antrag Mielczinski wurde mit einigen Modifikationen angenommen. Zu§ 40 beantragt Weber, daß die Obstbrennereien die Kontingente, die sie in den ersten Betriebsjahren nicht abgebrannt haben, im nächsten Jahre mit abbrennen dürfen. Der Antrag wurde abgelehnt. Ferner beantragen Weber und Dietrich zu§ 42 höhere Sätze, die bis 50 Hektoliter mit 4 statt 2 Mark beginnen und in weiterer Staffelung sich bis zu 11 resp. 14 Mark bei 2000 resp. 3000 Hektolitern pro Hektoliter steigern. Antrag Dietrich, der die höchsten Sätze und die höchste Staffel hat, wird angenommen. Es kamen dann eine Reihe weiterer Paragraphen zur Beratung. Da der klerikal=konservative Block für alle Regierungsanträge, die unter der Firma Dietrich laufen, stimmt, und die Anträge der Linken ostentativ ablehnt, beteiligt sich die Linke nicht mehr an der Debate. Südekum konstatiert, daß alles, was in erster Lesung verbessert wurde, jetzt grundlos umgestürzt werde. Der Schluß der Sitzung gestaltete sich äußerst tumultuarisch, weil die Konservativen mit Hilfe des Zentrums die ihnen von der Regierung eingeblasenen Anträge auf Erhöhung des Kaffeeund Teezolls und auf Einführung von neuen Steuern auf Zündhölzer und Glühkörper auf die Tagesordnung der Freitagsitzung setzen wollten, obschon diese Anträge noch nicht einmal gedruckt vorliegen. Unsere Genossen erklärten, daß diese Festsetzung der Tagesordnung den bindenden Abmachungen im Seniorenkonvent direkt ins Gesicht schlüge. Es sei ein unerhörtes Verfahren, daß man neue Gesetze zur Beratung stellen wolle, während nicht einmal die Möglichkeit bestehe, mit den Fraktionen Rücksprache zu nehmen Das Verfahren, Gesetzentwürfe, die ganz neue Steuern einführen wollen, ohne Begründung in der Kommission vorzubringen und dadurch die von der Geschäftsordnung vorgeschriebene erste Lesung im Plenum zu umgehen, fordere zur Anwendung jedes Mittels des Widerstandes heraus. Auch die Freisinnigen und Nationalliberalen gaben ungefähr gleichlautende Erklärungen ab und wollen sich— vorausgesetzt naturlich immer, daß ihre Courage so weit reicht— an den Beratungen der neuen Anträge überhaupt nicht mehr beteiligen, sondern das Lokal verlassen. Mit der Rücksichtslosigkeit, mit der die Agrarier ihre Sonderinteressen bei der Beratung der Branntweinsteuervorlage verfochten, verträgt sich dieses Verfahren gegen die Geschäftsordnung vollständig. Aber daß eine derartige terroristische Ausnützung der Mehrheit den elementarsten Grundsätzen des Parlamentarismus widerspricht, liegt auf der Hand. Sehr bemerkenswert war das Verhalten der Regierung. Genosse Dr. Südekum sagte dem Staatssekretär ins Gesicht, daß er mit den Konservativen bereits die Verabredung getroffen habe, auf jede Erbschaftsbesteuerung zu verzichten. Staatssekretär Sydow bestritt das zwar, konnte aber nicht leugnen, daß er zu den Anträgen der Konservativen und des Zentrums Gevatter gestanden habe. Und daß diese Anträge nur darauf abzielen, eine wikliche Belastung des Besitzes als„überflüssig“ erscheinen zu lassen, darüber wird sich wohl niemand im Zweifel sein. Das blau=schwarze Kartell geht also mit Volldampf daran, die indirekten Steuern in eine Form zu bringen, daß sich die Agrarier noch die Taschen füllen können, während die große Masse des Volkes ausgeplündert wird. Sie machen auch die sogenannte Besteuerung des Besitzes zu einer reinen Farce. Man kann schon jetzt sagen, daß der konservative Antrag auf Besteuerung des Wertzuwachses auch noch eine kleine Korrektur erfahren werde. Man wird nämlich die Besteuerung des Wertzuwachses ländlicher Grundstücke noch herausnehmen. Was dann noch übrig bleibt ist nichts als eine Verkehrssteuer die selbstverständlich abgewälzt werden wird und zwar in der Richtung des kleinsten ökonomischen Widerstandes. Mit anderen Worten, die gesamten indirekten Steuern und auch die betrügerisch sogenannten direkten Steuern, die jetzt geplant sind, fallen ausschließlich der bereits jetzt so hart belasteten großen Masse auf die Schultern, der man mit dem Kaffee nun auch noch das letzte Genußmittel verteuern will, während man zugleich durch die Besteuerung der Beleuchtungskörver jene Dunkelheit im Lande zu schaffen trachtet, in der Junker und Pfaffen stets am besten zu munkeln verstanden haben. *** Die Wertpapiersteuer. Die Räte im Reichsschatzamt haben schlimme Zeiten. Von früh 10 bis abends 6 Uhr sitzen sie in der Finanzkommission und am späten abend finden dann noch Konferenzen mit den verschiedenen Interessenten statt. Eine solche Konferenz tagte auch am Mittwoch abend, und wie partement, das vielleicht schon fünf Titulare für diesen Posten besaß. Um von einem Zimmer im Jildis=Kiosk aus ein Reich in Händen zu halten, das seiner Ausdehnung nach dreimal so groß wie Frankreich ist, mußte man extreme Maßregeln ergreifen und beträchtliche Geldmittel zur Verfügung haben. Abdul Hamid hat die außerordentlichsten Maßregeln ergriffen und sich unberechenbare Hilfsmittel geschaffen. Zunächst bemächtigte er sich der Ueberwachung des Telegraphen. Kein Telegramm, selbst nicht das unbedeutendste, wurde dem Adressaten ausgeliefert, ohne die Unterschrift des Beamten zu erhalten, dem der Sultan dieses Mandat anvertraut hatte. Kein Brief wurde abgeliefert, bevor er das schwarze Kabinett passiert hatte, das bestandig im Palais seinen Sitz hatte. Das Telephon war verboten, ebenso das elektrische Licht; die Beamten gingen nicht ins Theater, damit sie sich nicht sehen und Komplotte schmieden konnten. Keine Hochzeitsgesellschaft, keine Beerdigung, kein Fest wurde geduldet ohne ein Jrade des Großherrn. Die Truppen hatten keine Patronen, die Kanonen waren in Kasematten eingeschlossen, deren Türen versiegelt worden waren. Die Minister sahen sich nicht, es sei dean, daß sie sich vereinigten, um ihren Konseil an der Hohen Pforte oder im Palais abzuhalten. Jeder Minister, wenn er sein Portefeuille behalten wollte, hatte den Auftrag, am Ende jeder Sitzung einen besonderen Bericht zu machen über das, was während der Beratung gesprochen worden war. Personen, die für gewöhnlich dem Konseil des Kabinetts fremd waren, nahmen Teil daran, um das Gehaben eben dieser Minister zu kontrollieren. Jeder Kommandant eines Armeekorps, jeder Gouverneur einer Provinz, jeder Obersteuerdirektor, jeder Präsident eines Gerichtshofes wurde von Adjunkten kontrolliert, die offiziell den Namen von Inspektoren trugen, aber in Wirklichkeit Spione waren, die direkt nach dem Jildis telegraphieren und, falls nötig, ihre Vorgesetzten verhaften konnten. Man kann ein so zahlreiches Personal nicht in seiner Ergebenheit erhalten, ohne ihm Lockmittel zu geben; man mußte ihm also Rang, Dekorationen, Sinekuren und Konzessionen verleihen, die es zu Geld machen konnte und die es auch ohne Scheu zu Geld machte. Ein Beamter wurde Händler für Auszeichnungen und machte daraus einen regelrechten Handel, mit offenem Laden und Verzeichnis; ein anderer erhielt Konzessionen für Minen, die er zu einem Spottpreise wieder verkaufte. Einer erhielt das Monopol für Getreidelieferungen, ein anderer wurde, zum Schaden des Staates, mit anderen Privilegien belohnt. Das Reich wurde„verauktioniert“ und fiel dem Meistbietenden zu.(Schluß folgt.) das„Berliner Tageblatt“ erfahren haben will, haben sich die Bank= und Börsenkreise damit abgefunden, daß sie in Form einer Bankumsatzsteuer 20 bis 30 Millionen aufbringen mussen, *** Eine Besteuerung der Parfümerien. Der Ruhm der Konservativen hat offenbar die Herren vom Zentrum nicht schlafen lassen, deshalb haben sie auch einen Steuerantrag in der Finanzkommission eingebracht, der ganz nach dem Muster der Westarp und Roesicke gearbeitet ist. Keine Begründung und keine Ertragsberechnung, zwei Dinge, die ganz unerläßlich sind, wenn eine neu vorgeschlagene Steuer auf ihren Wert geprüft werden soll. Die Abgg. Erzberger, Pichler und Müller=Fulda haben beantragt, in das Branntweinsteuergesetz einen§ 103a einzuschalten. Es sollen besteuert werden: Riechmittel, Parfümerien, Haarfärbemittel, Haut= und andere Verschönerungsmittel, Kopf=, Mund- und Zahnwässer, wohlriechende Essenzen, Extrakte, Tinkturen und Wässer, außerdem wohlriechender Essig. Die Steuer sieht vor: Für 1 Stück oder 1 Behälter a) im Kleinverkaufspreis bis zu 0,50 A einschließl. 0,10 A b e) d e) 1 6 h k über 0.50 1,00 2.00 3.00 5,00 8.00 10,00 15,00 20,00 bis 1,00 M 0.25 2,00„ 0.50 3,00 5,00 8.00 10,00 15,00 2060 1,00 1.50 2.50 3.50 4,50 6,00 8.00„ Die Steuer soll vom Hersteller der genannten Erzeugnisse in Gestalt einer Banderole entrichtet werden. Auf jede Packung oder jeden Behälter muß der Kleinverkaufspreis angegeben werden * Konservative Steueranträge. Am Schluß der Sitzung der Finanzkommission am 27. Mai wurden zwei konservative Anträge verteilt, die Gesetzentwürfe über die Besteuerung der Beleuchtungsmittel und der Zündwaren enthalten.§ 2 des Antrages Nr. 272 lautet: Die Steuer beträgt: A. für elektrische Glühlampen und Brenner zu solchen: 1. bis zu 15 Watt 5 Pfg. für das Stück, 2. von über 15 bis 25 Watt 10 Pfg. für das Stück, 3. von über 25 bis 60 Watt 20 Pfg. für das Stück, 4. von über 60 bis 100 Watt 30 Pfg. für das Stück, 5. von über 100 Watt 50 Pfg. für das Stück. B. Für Glühkörper zu Gasglühlicht und ähnlichen Lampen 10 Pfg. für das Stück. C. Für Brennstiste zu elektrischen Bogenlampen 1 Mk. für das Kilogramm. D). Fur Quecksilberdampf= und ähnliche elektrische Lampen bis 100 Watt 1 Mk. für das Stück, für solche von höherem Verbrauche je 1 Mk. mehr für jedes weitere angefangene 100 Watt. § 2 des Antrages Nr. 273 lautet: Die Zündwarensteuer beträgt: 1. Für Zündhölzer, für Zündspänchen und für Zündstäbchen aus Strohhalm oder aus Pappe: a in Schechteln oder anderen Behältnissen mit einem Inhalt von weniger als 30 Stück 1 Pfg. und mit einem Inhalt von 30 bis 60 Stück 1½ Pfg. für jede Schachtel oder jedes Behältnis; b) in Schachteln oder anderen Behältnissen mit einem Inhalte von mehr als 60 Stück 1½ Pfg. für 60 Stück oder einen Bruchteil davon. 2. Für Zündkerzchen aus Stearin, Wachs oder ähnlichen Stoffen: in Schachteln oder anderen Behältnissen mit 20 oder weniger Zündkerzchen 5 Pfg. für jede Schachtel oder jedes Behältnis, b) in größeren Packungen für je 20 Zündkerzchen oder einen Bruchteil davon 5 Pfg. Die höheren Steuersätze treten nicht ein, wenn die vorstehend angebenen Stückzahlen um nicht mehr als 10 v. H. überschritten werden. Die Agrarier wühlen weiter! Die Führer der Bündler fahren fort, ihre Gesinnungsgenossen scharf zu machen gegen die Versuche, die Reichsfinanzreform anders zu gestalten, als die konservativ=klerikale Koalition es will. In Marienburg tagte am Sonntag die Provinzialversammlung des Bundes der Landwirte für Westpreußen. Herr von Oldenburg-Janutschau leistete sich dort folgende Satze: „Wir stehen jetzt am Vorabend des Ziels, zu dem die Wege, welche die Parteien beschritten, verschieden gefuhrt haben. Der Weg, den die Konservativen und der Bund der Landwirte eingeschlagen haben, wird sicher zu dem richtigen Ziele führen. Es ist die höchste Ehre des Mannes unseres Standes, daß er die Last trägt, wenn er unter ihr auch seufzt. Das Vaterland erfordert es, und mit gutem Gewissen können wir der Zukunft entgegensehen. Uns Preußen kann es nie passieren, daß wir stürzen, so lange die Erde besteht. Das klingt ja sehr siegesgewiß und gipfelt in einer blödsinnigen Verherrlichung des Preußentums. Der Bundesvorsitzende, Herr v. Wangenheim, ließ sich dahin vernehmen: „Wenn wir die deutsche Entwicklung ansehen, konstatieren wir ein Ueberwuchern des Großkapitals. Es werden große und schwere Kämpfe von den Großkapitalisten gegen die Landwirte geführt. Aber diese Kämpfe können nur zum Umsturz, zu einer Revolution führen. Die Förderung der indirekten Steuern belaste die großen Massen, ist ein wenig bewiesenes Schlagwort. Wenn da gesagt wird, daß von der Erbanfallsteuer nur der größere Besitz getroffen werde, so sei das politische Taschenpielerei. Es widerspricht allen wirtschaftlichen Grundsätzen, daß ein Teil des vorhandenen Vermögens konfisziert wird. Von der Gehässigkeit der Steuer wolle er gar nicht sprechen. Es liegt doch gar kein politischer oder sachlicher Grund vor, an dieser Steuer festzuhalten. Der Reichsfinanzminister hat die Reform in falsche Bahnen geschoben. Schließlich machte der Bundesführer seine Verbeugung vor dem Zentrum:„Wenn das Zentrum sich erbietet, mit den Konervativen zu gehen, und ist die Finanzreform nicht mit dem Freisinn zu machen, dann wird sie eben mit dem Zentrum gemacht.“ So wirken die Agrarier mit aller Entschiedenheit darauf hin, die Liberalen auszuschalten, um das„große Werk“ mit Hilfe des Zentrums zu vollbringen. Sie wollen diese und keine andere Lösung. Fahrradstempel. Die„Frankfurter Zeitung" schreibt: „Unter den Stempelsteuerprojekten, die das preußische Finanz= ministerium auf Veranlassung des Abgeordnetenhauses zur Deckung des Defizitrestes ausgearbeitet hat, befand sich auch ein Stempel auf Jagdpachtverträge. Eine aus den Konservativen und dem Zentrum zusammengesetzte Mehrheit hat aber im Abgeordnetenhause diesen Stempel so herabgesetzt, daß daraus eine Mindereinnahme von ca. 100000 Mk. entsteht. Die Herabsetzung ist natürlich beileibe nicht im Interesse der Jagdausübenden, sondern„mit Rücksicht auf die kleinbäuerlichen Gemeinden“ erfolgt, auch die Nachlaßsteuer, die vier Fünftel der deutschen Landwirtschaft, darunter den gesamten Kleingrundbesitz, völlig freigelassen hätte, ist ja bekanntlich von den Agrariern lediglich aus Liebe zum„deutschen Bauern im schlichten Wamse“ abgelehnt worden. Der Ausfall, der durch den Beschluß des Abgeordnetenhauses verursacht worden ist, soll durch eine, sinnwidrig als Stempelabgabe konstruierte Steuer auf Fahrräder gedeckt werden; jeder Fahrradbesitzer soll hinfort dem Fiskus jährlich ein Opfer von 50 Pfennigen entrichten. Ueber die unsoziale Gesinnung, die sich in einer solchen Steuer dokumentiert, kann keine Meinungsverschiedenheit bestehen. Das Fahrrad ist längst nicht mehr ein Luxusgegenstand der Wohlhabenden— bei denen ist es aus der zwecke und daneben Transportmittel dier Tasche dieser kleinen preußische Staat a können. Schlimmer leistungsunfähigsten des bureaukratischen Folge haben muß. Fahrradverkehr wird werden, zahlreiche Be liche Aktenstöße beich tausende von 50-Pfen verhältnis wird hier hebungskosten und d lebens stehen, ohne d sein wird! Das Di Musterleistung agrat gleiche konservativ-kle tag ihre exzentrischen Die Angehörigen ja die„Frankfurter wahlen das ihrige ge Jetzt brauchen sie sich geordnetenhaus solch und Recht wird man Die Liber Von liberaler Sei zu verhindern, daß di klerikale Mehrheit zu Zeitung" will nachw sammengehen von Z Reichsfinanzreform die konservative Par Zentrum zusammeng anderen Gebieten sich müsse. Es sei aber einem der wichtigste zehe ohne daß man nucksichtnahme gezw Konservativen und denklich: Das Blatt fährt „Ganz besonder sieht, daß das Zei vollkommener Uebe Zeiten, wo zwische auftauchten, sind vr nur ihren Frieder funden. 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Schlimmer aber noch als diese Belastung der steuerlich leistungsunfähigsten Schichten des Volkes ist die Vermehrung des bureaukratischen Apparats, die ein solches Steuerchen zur Folge haben muß. Man stelle sich vor: der gesamte deutsche Fahrradverkehr wird unter steuerpolizeiliche Kontrolle gestellt werden, zahlreiche Beamte werden in Tätigkeit gesetzt und unendverhältnis wird hier der Reinertrag der Steuer zu den Erhebungskosten und der ungeheuren Belästigung des Geschäftslebens stehen, ohne die die Steuer überhaupt nicht durchzuführen sein wird! Das Dreiklassenparlament hat hier wahrlich eine Musterleistung agrarischer Finanzweisheit vollbracht. Und die gleiche konservativ=klerikale Koalition will nun auch im Reichstag ihre exzentrischen Künste üben!“ Die Angehörigen der linksliberalen Parteien, deren Organ za die„Frankfurter Zeitung“ ist, haben bei den letzten Landtagswahlen das ihrige getan, um die konservative Macht zu stärken. Jetzt brauchen sie sich nicht darüber zu wundern, wenn das Abgeordnetenhaus solch volksfeindliche Steuern einführt. Mit Fug und Recht wird man sie mit dafür verantwortlich machen können. Die Liberalen und der„Neue Von liberaler Seite werden verzweifelte Versuche gemacht, um zu verhindern, daß die Reichsfinanzreform durch eine konservativklerikale Mehrheit zustande kommt. Die nationalliberale„Köln. Zeimesg guil nachweisen, daß die Polenpolitik bei einem ZuGa.# von Zentrum und Konservativen in Sachen der Reichssinanzreform leiden würde. Es sei gesagt worden, wenn die konservative Partei auch jetzt in der Finanzreform mit dem Zentrum zusammenginge, so bedeute das nicht, daß sie auch auf anderen Gebieten sich die Politik des Zentrums zu eigen machen müsse. Es sei aber nicht möglich, daß man mit jemandem auf einem der wichtigsten Gebiete eine Interessengemeinschaft eindaß man auf anderen Gebieten ebenfalls zu einer Rücksichtnahme gezwungen sei. Und ein Zusammengehen von Konservativen und Zentrum sei für die SStaatsinteressen bedenklich: Das Blatt fährt dann fort: „Ganz besonders tritt diese Befürchtung hervor, wenn man sieht, daß das Zentrum bei seiner gegenwärtigen Aktion in vollkommener Uebereinstimmung mit den Polen handelt. Die Zeiten, wo zwischen dem Zentrum und den Polen Gegensätze auftauchten, sind vorüber, und Polen und Zentrum haben nicht nur ihren Frieden, sondern auch die engste Verbindung gefunden. Sie stellen zahlenmäßig im Reichstag eine Vereinigung dar, die stärker ist als die Konservativen, und die Konservativen würden daher nicht umhin können, ihren Wünschen Rechnung zu tragen. In einer solchen politischen Entwicklung liegt aber eine Gefahr für unsere Polenpolitik, die sich in den letzten zehn Jahren unter Billigung aller entschlossen national denkenden Parteien fest und systematisch entwickelt hat. Das geschah unter andauerndem Widerspruch des Zentrums, das diesen Widerspruch natürlich auch jetzt nicht aufgeben, sondern vielmehr verstärken wird. Als Verbündeter der Konservativen wird es sich in der günstigen Lage befinden, Rücksichten auf seine Polenpolitik verlangen zu können, und, wenn eine klerikal=konservativ=polnische Mehrheit herrschend bliebe, würden wir in die Gefahr kommen, in die alte Politik der Schwäche und in den Zickzackkurs zurückzufallen, die der deutschen Politik in Posen so viel geschadet haben. Einsichtige und weitsichtige Konservative sollten sich heute schon sagen, daß das Zentrum nichts umsonst tut und gewiß versuchen wird, aus seinem Bunde mit den Konservativen Kapital zu schlagen. Es ist aber nicht leicht, einer engbefreundeten Partei solche Rücksichtnahmen zu verweigern, zu denen man sonst und ohne den Bund nicht bereit gewesen wäre. Es soll nicht behauptet werden, daß die Konservativen eine solche Entwicklung freudig begrüßen, denn das würde mit ihrer Vergangenheit im Widerspruch stehen, zu befürchten ist aber, daß sie sich ihr nicht werden entziehen können, und damit unsere nationale Politik in der Ostmark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die zahlreichen Konservativen die im Kampfe mit dem Polentum stehen, sollten an dieser Erwägung nicht leichten Herzens vorübergehen. Durch solche Lamentationen werden sich freilich die Konservativen nicht rühren lassen. Wenn es sich um den Geldbeutel handelt, dann pfeifen unsere Junker auf die sogenannten nationalen Interessen. Die ganze Sache ist übrigens so an den Haaren herbeigezogen, daß man daraus sehen kann, in welcher Verlegenheit sich die Liberalen befinden. der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 28. Mai. in Frankreich. Man schreibt uns aus Südfrankreich: In ganz Frankreich, besonders in französischen Hanbelskreisen, bricht sich von Jahr zu Jahr der Gedanke Bahn, daß Sprachkenntnisse unbedingt notwendig sind. Um dieses Ziel möglichst bequem zu erreichen, ohne sich von seinen Kindern zu trennen, inseriert man in deutschen Zeitungen, um Deutsche als Lehrerinnen, Erzieherinnen, Gouvernanten, Kindergärtnerinnen usw. möglichst„au pair“, also ohne Bezahlung oder für fast nichts zu engagieren. Ganze Scharen melden sich auf solche Annoncen, und so kommt es, daß heute in Frankreich überall auf dem Lande, auf den Gütera, in Dorf und Stadt deutsche Mädchen zu finden sind. Nun sind aber diese Stellungen vielfach höchst unwürdig und entsprechen, da von einem Familienanschluß nur in seltenen Fällen die Rede ist, nicht den Erwartungen; es sind nach deutschen Begriffen oft nichts weiter als Dienstbotenstellungen. Von allen denen, die alljährlich nach Frankreich kommen, hat die Mehrzahl nur den einen Wunsch, möglichst bald die französische Sprache zu erlernen, um alsdann in ihre Heimat zurückzukehren, woselbst sie nach einem Aufenthalt in Frankreich bessere Stellen zu finden hoffen, nur wenige denken daran, vorher Auskunft einzuholen und genaue Bedingungen zu stellen, die große Mehrzahl geht auf gut Glück und vertraut sich blindlings den betreffenden Familien an, die sie engagiert haben. Nur zu häufig wird ihnen später klar, wohin sie gekommen; sie sind bitter enttäuscht, wenn man ihnen sagt, daß sie sich vorher hätten erkundigen müssen; sie meinen, daß über Familien, die ihre Annoncen mit Frau Pustor soundso unterzeichnen, Auskunft einzufordern wohl unnotig sei. Aber gerade traurige Erfahrungen stammen aus einer Pastorenfamilie. Aus einer solchen fluchtete sich vor einigen Jahren eine junge Deutsche in eine deutsche Familie, weil der Herr des Hauses ihr nachstellte; eine zweite Deutsche wurde aus derselben Familie mit 2,60 Fr. Nr., Pohr Fags tP auf die Straße gesetzt. Als sie nach mehreren Herführten in Toulouse angekommen war, hat ein Luxemburger Student, der der deutschen Sprache mächtig war, sie auf der Straße aufgelesen, sich ihrer angenommen und sie mit Hilfe von Freunden in die Heimat befördert. Eine dritte Deutsche aus Württemberg hatte zwei Jahre in derselben Familie zubringen müssen, da ihr sonst die Rückreise nicht vergutet worden ware. Ihre Nachfolgerin, eine vierte Deutsche(Ostpreußin) mußte ebenfalls, durch unwürdige Behandlung gezwungen, diese Falie verlassen und ist dann mit Hilfe mitleidiger Deutscher, die sich ihrer angenommen haben, in die Heimat geschafft worden. In einem benachbarten Orte führt eine junge Deutsche aus dem Elsaß mit ihrer ehemaligen Herrschaft einen Prozeß, weil diese ihr eine kleine„Summe Geldes vorenthält, die ihr testamentarisch vermacht wurde; in einem anderen Nachbarorte befanden sich zwei junge Deutsche, Schwestern, in öffentlichen Häusern; vermutlich sind sie auch einst unter günstigem Anerbieten ins Ausland gegangen, dort ihrem Schicksal überlassen und so von Stufe zu Stufe gefallen. Auf einem der reichsten Güter in hiesiger Gegend wurde eine junge Deutsche aus einer Stadt an der Saale, geschlechtlich erkrankt, in ihre Heimat zurückgesandt; ihre Vorgängerin, eine Württembergerin, wurde in Abwesenheit der Herrschaft den Dienern überlassen, kam in andere Umstände und wurde mit großer Heimlichkeit von einer benachbarten Skation nach Deutschland zurückgeschickt; man glaubte damit zu verhindern, daß die Sache bekannt würde. Ueberaus groß ist die Zahl derer, die sich wegen nicht Innehaltens der vereinbarten Bedingungen beklagen; noch mehr reisen, wenn sie die Mittel aufbriagen können, einfach wieder ab. Mit Prozessen ist nichts zu erreichen, denn die Mehrzahl der Mädchen unterzeichnet in ihrer Unvernunft Kontrakte, wonach ihnen die Rückreise oder gar Hin= und Ruckreise erst nach Ablauf der vereinbarten Jahre vergütet wird; die Mädchen sind somit vollständig gebunden und der unwürdigsten Behandlung ausgesetzt. Die deutschen Blätter und Zeitschriften sollten es für eine Ehrenpflicht halten, wenn sie derartige Annoncen ausländischer Familien aufnehmen, an anderer Stelle ihres Blattes zu warnen, ins Ausland zu gehen ohne vorherige Erkundigung und genaue Festsetzung der Bedingungen. So gehen jahrein, jahraus viele Hunderte von jungen Mädchen ohne Sinn und Verstand unter den schlimmsten Verhältnissen ins Ausland, die dort kaum anderes erreichen, als dem deutschen Namen Unehre zu machen; denn, wenn sie auch nicht direkt für die erwähnten peinlichen Vorfälle verantwortlich gemacht werden können, so ist es doch indirekt ihre Schuld, weil sie sich nicht erkundigt hatten, und der Fremde, der nur nach dem Aeußeren urteilt, geht achselzuckend darüber hinweg und sagt:„une Allemande dans la m ère.“ Der„Internationale Verein der Freundinnen junger Mädchen“ in Berlin und Neuchätel, der unter dem Protektorat der Kaiserin steht, hat viel getan und manches Mädchen abgehalten, ohne vorherige Erkundigung ins Ausland zu gehen, oder ihm Auskunft verschafft. Die allerwenigsten aber kennen oder wenden sich an den Verein. Eine bekannte Schriftstellerin, Frau Eleonore Niessen=Deiters in Lübeck, hat im Jahre 1907 einen Aufruf erlassen, der in vielen deutschen und österreichischen Zeitungen veröffentlicht wurde, worin sie in scharfen Worten das Vorgehen ihrer deutschen Schwestern geißelt. Daß diesen unhaltbaren Zuständen in irgend einer Weise ein Ende gemacht werde, erfordert die Ehre des deutschen Namens. Manches ließe sich vielleicht erreichen, wenn man die Geistlichkeit, die Direktoren und die Schulvorstände aller Lehrerinnenseminare, der Volks= und höheren Mädchenschulen, ganz besonders aber die deutsche Presse immer wieder darauf aufmerksam machte, die ins Ausland gehenden Mädchen zu ermahnen, sich vorher zu erkundigen und nur solche Kontrakte zu unterzeichnen, die freie Hin= und Rückreise gewähren, selbst für den Fall, daß die Engagierten vor der vereinbarten Zeit aus irgend welchen Gründen fortgeschickt werden. Daß gerade gebildete deutsche Mädchen aus ordentlichen Familien in der Fremde zur Kammerzofe und zum Dienstmädchen herabgedruckt werden und sittlichen Schaden leiden, ist leider etwas alltägliches und des deutschen Namens wahrlich nicht würdig. — Wer nicht hören will, muß fühlen! Dieses Sprichwort kann man auch auf die anwenden, die sich vor kurzem wieder verleiten ließen, von außerhalb Photographien zu beziehen. Gewarnt hat die„Volkswacht“ schon verschiedentlich vor derartigen Anpreisungen, aber wie man jetzt wieder erfahren muß, leider ohne Erfolg. Durch folgenden Handzettel, der vorher verbreitet wurde, sind die Aufträge gewonnen worden: Bitte aufzubewahren! Wird abgeholt! Kein Kaufzwang auf Rahmen! Gratis! erhalten Sie auf Wunsch eine unretouchierte Vergrößerung ca. 44 cm breit, 51 cm hoch, wenn Sie unserem Vertreter eine Photographie leihweise überlassen oder uns eine solche per Post zusenden.(Von jeder Familie wird nur ein Bild gratis vergrößert.) Wir fertigen Ihnen in diesem Falle eine Vergrößerung vollständig unentgeltlich an. Es besteht keinerlei Verpflichtung für Sie, uns für dieses Geschenk zu entschädigen; wir benützen diese Reklame, die lediglich Ihnen zugute kommt, um unseren Kundenkreis zu erweitern und unsere Firma in Deutschland einzuführen. Wir halten dieses Offert bis zur Abholung des Prospekts aufrecht und sollte es uns freuen, von Ihnen ein Probebild zur kostenlosen Vergrößerung zu erhalten. Wir liefern Ihnen die unretouchierte Vergrößerung ohne Entschädigung frei ins Haus. Sollten Sie die Vergrößerung in Kreide= oder Pastell=Manier(schwarz oder farbig) ausgeführt wünschen, so wird Ihnen unser Reisender hierfür Muster mit genauer Preisangabe unterbreiten, die sich jeweilig nach Ausführung resp. Auswahl der Rahmen richten würde. Unsere Reisenden sind nicht berechtigt, andere Versprechungen, wie die vorgedruckten zu machen oder eine Entlohnung in irgend welcher Form für die Gratisbilder zu verlangen. Alle Anfragen und Zuschriften erbitten wir an das Süd= Westdeutsche Kunstinstitut(Inh.: Bruno Klitscher) St. Johann=Saarbrücken, Fürstenstraße 2a. Am folgenden. Tage kam der Reisende, um die Handzettel wieder einzusammeln und die Bestellungen zu erbitten. Da die meisten nicht wußten, was unretouchierte Bilder sind, und da bis dahin ja jedes Risiko auch ausgeschlossen war, bekam der Reisende Bestellungen in Hülle und Fülle. Aber wie verwundert waren viele, als der Reisende nach einiger Zeit mit den unfertigen Bildern erschien und nun erst die direkte Bestellung auf Fertigstellung des Bildes und eine Anzahlung von 2—3 Mt. forderte. Durch gutes Zureden und Zeigen von Phorographien bekannter hiesiger Personen und Nachbarn gelang es dem Reisenden auch, viele Personen für die Fertigstellung der Bilder und Unterschreibung des Bestellzettels zu gewinnen. Dieser Tage sind nun die Bilder per Post eingetroffen, und es mußten außer dem vereinbarten Preise noch 1,45 Mk. für Karton, Porto und Verpackung bezahlt werden. Aber noch größer war der Schreck, als die Bilder gar nicht so ausgefallen waren, wie angenommen worden war. Das Bild eines Ehepaares, welches uns gezeigt wurde, sah der geliehenen Photographie auch nicht einmal ähnlich. Ferner sind die ganzen dem Institut zur Vergrößerung geliehenen Photographien beschädigt, indem sie darauf eine Art Ranke gedruckt haben. Warum dies geschehen ist, ist uns unverständlich. Wir wollen aus diesem Anlaß noch einmal Gelegenheit nehmen, unsere Leser zu ersuchen, sich nicht durch schwindelhafte Reklame täuschen zu lassen. Hier am Orte sind so viel tüchtige und leistungsfähige photographische Geschäfte, daß man nicht nötig hat, sich an auswärtige Firmen zu wenden. Man kann hier am Orte die Vergrößerungen ebenso billig und bedeutend besser beziehen und kommt obendrein nicht noch in Gefahr, ein vollständig verpfuschtes Bild zu bekommen, da man es sich hier erst ansehen kann, bevor man es abnimmt, während, wenn es durch die Post kommt, man das Paket ungeöffnet erhält und daher jeden Schund annehmen muß. # Paurer=Verband. Die Mitglieder=Versammlung am letzten Mittwoch nahm zu den Differenzen beim Bauunternehmer Twele=Sieker Stellung. Es konnte Herrn Twele bisher nicht klar gemacht werden, daß auch für Sieker der Stundenlohn für Maurer 55 Pfg. und für Bauhilfsarbeiter 45 Pfg. betragt; Herr Twele zahlte bis dato seinen Arbeitern oo bezw. 43 Pfg., und sogar einigen„minderwertigen“ Arbeitern 50 bezw. 40 Pig. Es konnte in der Versammlung kein anderer Ausweg gefunden werden, als den Betrieb des Unternehmers Twele zu sperren. Infolgedessen haben am gestrigen Tage, da ein nochmaliges Vorstelligwerden bei Herrn Twele nicht gefruchtet hat, sämtliche Maurer und Bauhilfsarbeiter die Arbeitsstellen verlassen. Wie verlautet, will Herr Twele von einem Unternehmer in Hillegossen Leute„borgen“. Es seien deshalb alle Kollegen darauf aufmerksam gemacht, daß jeder Unternehmer nach dem Vertrage verpflichtet ist, seinen Leuten den Lohn zu zahlen, welcher an dem Arbeitsorte üblich ist. Bemerkt soll auch noch werden, daß Herr Twele früher ein eifriges Mitglied unseres Verbandes war und ihm seinerzeit auch ein Vertrauensposten übertragen wurde. . Zuzug von Maurern und Bauhilfsarbeitern ist selbstverstandlich streng fernzuhalten. — Deutscher Holzarbeiter=Verband. Sonnabend, 29. Mai, ist das Bureau des Deutschen Holzarbeiter=Verbands, Zahlstelle Bielefeld, nachmittags von 4 Uhr ab geschlossen. Die Unterstützungen werden nachmittags von 2 bis 4 Uhr ausbezahlt. Versammlungen. Be.. Sonntag, 30. Mai: Bruaweve. Freie Turnerschaft. Abt.„Frisch Auf“. Morgens 9 Uhr bei Schröder: Außerordentliche Versammlung. Burgsteinfurt. Gew.=Kartell. Vorm. 11 Uhr: Besprechung. Bielefeld. Verband der Schneider und Wäschearbeiter. Sonntag, 30. Mai: Ausflug nach dem „Pappelkrug". Abmarsch nachm. 2 Uhr vom Kriegerdenkmal. christliche Moral des„Ravensberger“. Ein köstliches Bild bietet der„Ravensberger“ seinen Lesern in der Nr. 120 vom Dienstag in einem Artikel über„Mogeleien bei den Kinderfahrkarten". Es heißt darin: „Zumeist sind es nun die Mütter, die darauf ausgehen, die Kinder jünger zu machen als sie sind. Man kann es vor Fahrtbeginn oft hören, wie den Kindern zugeraunt wird: „Mach dich klein, duck dich zusammen!". Diese schlauen Mütter sollten aber bei ihrem Profitmachen bedenken, daß die Folgen, die sich an solche Mogeleien knüpfen können, recht üble ...„Die gerichtlichen Strafen sind nicht mehr milde, weil diese Verschleierungspraxis überhand genommen hat. Wohlhabende Personen sind nicht mehr zu Geldstrafen, sondern zu Haft verurteilt worden,— ein teurer Spaß bei der Ersparnis von ein paar Groschen.“ Also die schlauen Mütter sollen die Folgen bedenken, welche in Geld= oder Haftstrafen bestehen können. Es fällt dem „Ravensberger“ nicht im Traume ein, auch nur anzudeuten, daß da vor allen Dingen die„schlauen Mütter“ ein Verbrechen an den Kindern begehen, indem sie bei ihnen die Lüge in das Herz säen. Dieser Gedanke kommt dem„Ravensberger" aber nicht. Er ist nicht ängstlich um die Moral, sondern er warnt nur vor Geldbuße oder Gefängnis. Würde mit diesen Folgen nicht zu rechnen sein, so könnten die Leser des„Ravensberger" nicht allein den Fiskus, sondern Gott und alle Welt betrügen, ohne daß dieses christliche Blättchen seine Stimme erheven würde. Und das nennt man dann„christliche Moral“! Nach unserer Moral ist eine Handlungsweise, die sich der Lüge bedienen muß, verwerflich, ganz gleich, ob die Handlung mit Geld oder Gefängnis oder nicht bestraft wird. , n. Herford=Elverdissen, 27. Mai. Empfehlende Erinnerung. Den Lesern der„Volkswacht" wird noch erinnerlich sein, daß der Wirt Ehrler in Elverdissen längerer Zeit seine Arbeiterfeindlichkeit dadurch bewies, er den Arbeitern sein Lokal verweigerte. Derselbe Wirt bringt jetzt der Herforder Einwohnerschaft, und dazu gehören ja auch die Arbeiter, sein Lokal und Gartenwirtschaft in zempfehlende Erinnerung. Die Herforder organisierten Arbeiter haben aber das Verhalten des Herrn Ehrler noch nicht vergessen, sie werden auf den schattigen, angenehmen und kühlen Aufenthalt bei Herrn Ehrler verzichten, wie sie auch gar keinen Appetit auf die gut gepflegten Biere, ff. Butterbrote mit Schinken und Wurst von selbstgeschlachteten Schweinen verspüren. All die gepriesenen Herrlichkeiten sind auch bei Wirten zu erhalten, die den Arbeitern mehr entgegenkommen, wie Herr Bernhard Ehrler in Elverdissen. * Oerlinghausen, 27. Mai. Die hiesige Feuerwehr kapelle wird am 1. Pfingstmorgen um 6 Uhr ihre Weisen von Tönsberge erschallen lassen. Im Anschluß hieran findet 7 Uhr ab Freikonzert beim Schopkebad statt. (Schluß von„Aus der Stadt u. Nachbarschaft“ in d. 1. Beilage.) vor daß vom von Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. 8 E * 8 e — 22 — 63 63 in den neuesten Tassons Wecberiest Mark an. von Mapp Erinder Gelegenneitskauf 6.40 C.28-S Vonlamiss-Shenkats zum Aussuchen Stück 10U ED . 65 89 52 52 6 55 Besonders preiswertes Hngebof in Bähieh Weisse Seidenbatist-Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen Blusen aus weißem Seidenbatist mit imitiertem 95 Madeira=Stickerei=Einsatz 95 aus weißem Seidenbatist mit schönen 145 Einsätzen und Festons4 aus weißem Seidenbatist mit feinen 195 Einsätzen und Festons aus prima Seidenbatist mit Valencienne= 290 Spitzen, Einsätzen und Passen a aus feinstem Seidenbatist, ganz neue 275 Macharten mit guten Zutaten 8 aus prima Schweizer Seidenbatist, prima 4190 Verarbeitung 4“ ganz aus imit. Madeira=Stickerei, pracht= 575 volle Qualität, gute Fassons 6 ganz aus imit. 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Bereits im Jahre 1879, als Regierung und herrschende Parteien sich noch nicht zu der Idee dieser Versicherung bekannten, forderte die sozialdemokratische Reichstagsfraktion eine Unfallzwangsversicherung bei einer Reichsversicherungsanstalt. Im ersten Entwurf der Regierung, 1881, war die Forderung berücksichtigt; es sollte die Organisation einer Reichsversicherungsanstalt unter Ausschluß von Privatversicherungsanstalten geschaften werden. Die Karenzseit, d. h. die Wartezeit zu Lasten der Krankenkassen, sollte vier Wochen betragen. Die Kosten sollten durch Beiträge der Unternehmer und der Arbeiter und durch einen Reichszuschuß gedeckt werden. Alle diese Vorschläge wurden von den bürgerlichen Parteien, besonders vom Liberalismus, energisch bekämpft. In der Reichsversicherungsanstalt glaubte man„einen ersten Schritt zum Staatssozialismus“ sehen zu müssen. Auch der Reichszuschuß wurde„prinzipiell“ unter diesem Gesichtspunkte zurückgewiesen. Im zweiten Entwurf, 1882, kehrten diese Forderungen nicht wieder; er stellte ein anderes Prinzip, das der„Zusammenfassung der realen Kräfte des Volkslebens in der Form korporativer Genossenschaften unter staatlichem Schutz und staatlicher Förderung", auf. Keine Reichs= oder Landesversicherungsanstalt, sondern nach Maßgabe der durchschnittlichen Gefahrenklassen der beteiligten Industrie, eine Versicherung auf Gegenseitigkeit auf der Grundlage des Umlageverfahrens; örtlich abgegrenzte Betriebsgenossenschaften derselben Gefahrenklasse eines bezw. mehrerer Industriezweige oder Betriebsarten. Auf dreizehn Wochen verlängerte Karenzzeit zu Lasten der gleichzeitig neu zu gestaltenden Krankenkassen. Dafür gänzlicher Wegfall der Arbeiterbeiträge unter Beibehaltung des Reichszuschusses. Wie der erste, so kam auch dieser Entwurf nicht zur Erledigung. Der dritte, 1884, und das ihm entsprungene erste Unfallversicherungsgesetz vom 6. Juli 1884, brachte dann die Gliederung nach Gewerbszweigen durch Berufsgenossenschaften; dreizehnwöchige Karenzzeit; Deckung der Kosten allein durch die Unternehmer mit Ersatz des Reichszuschusses durch eine bloße subsidiäre Reichsgarantie für den Fall den finanziellen Versagens der Berufsgenossenschaften. Diese organisatorische Grundlage der Unfallversicherung hat seitdem keine Veränderung erfahren. So, wie sie geschaffen war für das Gewerbe=Unfallversicherungsgesetz von 1884, ist sie beibehalten worden für die im Laufe der nächsten Jahre geschaffenen anderen Zweige der Unfallversicherung, die land= und forstwirtschaftliche, die Bau= und die See=Unfallversicherung. Jedes dieser vier Gesetze ist ein besonderes Gesetz, das, außer dem Bau=Unfallversicherungsgesetze, sein Gebiet ohne Bezugnahme auf ein anderes Gesetz regelt. Das im Jahre 1900 geschaffene sogenannte Hauptgesetz läßt diese Verteilung im wesentlichen unangetastet; es enthält allgemeine ergänzende beziehungsweise abändernde Bestimmungen über die Errichtung neuer Berufsgenossenschaften, die Schiedsgerichte, das Reichsversicherungsamt, die Errichtung von Landesversicherungsämtern usw. Die Zersplitterung der Unfallversicherung zeigt sich nicht nur in ihren vier Zweigen— denen man füglich auch noch das Beamtenfürsorgegesetz von 1886 hinzurechnen könnte— sondern drastischer noch darin, daß sie als Versicherungsträger 66 gewerhliche und 48 landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften mit zusammen 933 Sektionen hat. Hinzukommen 550 staatliche und kommunale Behörden bezw. Institutionen, welche die Versicherung selbständig durchführen. Das. Berufsgenossenschaftswesen ist nichts anderes, als die Organisierung des Unternehmertums gegen berechtigte Interessen der Arbeiter auf dem Gebiete der Unfallversicherung. Die Arbeiter haben darin durch Vertreter nur bei Beratung der Unfallversicherungsvorschriften mitzureden. Ganz offen huldigen die Berufsgenossenschaften als reine Geldinstitute des Unternehmertums der Tendenz, die Entschädigungssummen so niedrig wie möglich zu bemessen, den Begriff des Betriebsunfalls nach Möglichkeit einzuschränken, Unfallverletzte als„Simulanten“ hinzustellen, die Praxis der Rentenquetsche anzuwenden, wo immer es geht. Die Rechtsprechung der Berufsgenossenschaftsorgane hat sich in unzähligen Fällen als eine sehr anfechtbare erwiesen. Und dabei läßt die Unfallverhütungsfürsorge durch diese Organe sehr viel zu wünschen übrig. Wenn die Arbeiter dem Berufsgenossenschaftswesen feindlich gegenüberstehen und seine Beseitigung fordern, so haben sie dazu die triftigsten Gründe. Sommertheater. „o-Donnerstag, 27. Mai:„Staatsanwalt Alexander" Schauspiel in vier Akten von Carl Schüler. Der Staatsanwalt ist ein korrekter Vertreter des Buchstabenrechts. Das Strafgesetzbuch ist sein Evagelium; soziale oder psychologische Erklärungen für das Verbrechen kennt er nicht. Rücksichtslos zwingt er nicht nur seine starren Rechtsauffassungen dem Gericht auf. sondern auch dem Sohne gegenüber kennt der Herr nur Strenge. Als unbeugsamer Vertreter des Gesetzes ist ihm jedes menschliche Empfinden verloren gegangen. Was erschütternde Vorgänge in seiner Praxis und wohlgemeinte Anregungen aus Richterkreisen nicht vermochten, das tritt schließlich ein, als sein eigener Sohn einen Totschlag begangen hat. Dem Sohne drückt er, zwar den Revolver in die Hand, aber dieser hat nicht den Mut, ihn gegen sich selbst zu wenden, und so muß der Staatswalt seinen eigenen Sohn dem Gerichte übergeben. Zu spät bricht die Erkenntnis durch, daß er dem Sohne gegenüber stets den Staatsanwalt, nicht aber den Vater gezeigt hat.— Die Idee des Stückes ist ja gar nicht übel, leider fehlte die Kraft, den Konflikt zwischen dem starren Gesetz und dem Leben künstlerisch zu gestalten. Immerhin hat der Verfasser durch geschickte Zusammenstellung von Vorgängen im Zimmer eines Staatsanwalts ein bühnenwirksames Stück geschaffen. Bei der Charakterzeichnung ist ihm vieles, namentlich die Figur des Staatsanwalts, gut gelungen. Die Aufführung war äußerst wirkungsvoll und tadellos abverundet. Hans Freihen formte den Staatsanwalt aus einem Guß. Vorzüglich waren auch die Leistungen von Walter Neumann, Joseph Kießlich, Max Caro und Georg Puritz. Benno Henning, der den viel zu sentimental geratenen Landgerichtsdirektor spielte, muß sich angewöhnen, die Worte auch wirklich zu sprechen. Von den Damen müssen wir in erster Linie Emmy Berend als Mutter Wild nennen, das war ein erschütterndes Spiel. Gut waren auch Ida Sanders und Annelies Felsen. Das Sommertheater kann auf diese Aufführung stolz sein Wie die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung überhaupt, so ist auch die organisatorische Zusammenfassung und Vereinheitlichung der Unfallversicherung insbesondere eine Forderung, die vernünftigerweise gar nicht bestritten werden kann. Was der frühere Staatssekretär, Graf Posadowsky, am 2. März 1905 im Reichstage sagte,„wenn wir heute eine res integra hätten, würde kein vernünftiger Mensch daran denken, eine besondere Organisation der Kinderversicherung, eine besondere Organisation der Krankenversicherung und eine besondere Organisation der Alters- und Invaliditätsversicherung zu schaffen“; wurde man heute die sozialpolitische Gesetzgebung neu aufbauen,„so bestünde wohl nicht der geringste Streit darüber, daß eine einheitliche Organisation geschaffen werden müßte“— das gilt speziell auch für die Unfallversicherung rücksichtlich ihrer Zersplitterung. Nach Posadowskys Ueberzeugung muß auch hier die Entwicklung dahin gehen, daß man„einen Unterbau unter berufsmäßiger Leitung schafft, der die sozialpolitische Gesetzgebung ingerhalb beschränkter Verwaltungsbezirke in erster Instanz durchzuführen hat, der alle Anträge auf ihren sachlichen Inhalt prüft, die Einziehung der Beiträge leitet, die Rentenempfänger überwacht, das Heilverfahren anordnet und die Zahlung der Renten veranlaßt". Der Entwurf der Reichsversicherungsordnung trägt der Forderung, die bisherigen vier Zweige der Unfallversicherung einheitlich zu gestalten, nicht Rechnung. Das ist eine schwere Unterlassungssünde, welche die Begründung rechtfertigen zu können glaubt mit Rücksichtnahme auf die„großen Verschiedenheiten“, die nach ihrer Behauptung sich ergeben„aus den besonderen Verhältnissen der einzelnen Versicherungszweige". Das sind Verlegenheitsargumente, die nicht ernst genommen werden können. Der Zweck der Unfallversicherung— darauf allein kommt es an— und seine Erfüllung hat mit„besonderen Verhältnissen“ gar nichts zu tun. Der wahre Grund, weshalb der Entwurf nicht zur Vereinheitlichung schreitet, ist: er will die berufsgenossenschaftliche Unternehmerorganisation nicht preisgeben! Ihm erscheint die zusammenfassende Behandlung nur angebracht für die Gebiete des bisherigen Gewerbe= und des bisherigen Bauunfallversicherugsgesetzes. Diese beiden Gesetze sind demgemäß im„ersten Teile“ des dritten Buches verbunden und nach ihrem Hauptgebiete als GewerbeUnfallversicherung bezeichnet. Daran schließt sich als „zweiter Teil“ die land= und forstwirtschaftliche und als„dritter Teil" die See=Unfallversicherung. Ausgeschaltet sind nur diejenigen Bestimmungen, die der Unfallversicherung mit den anderen Versicherungszweigen gemeinsam sind oder die sich für alle diese Zweige gemeinsam gestalten lassen. Diese Vorschriften sind in das erste Buch des Entwurfs hineingearbeitet. Sie betreffen insbesondere die Fälle des Nebeneinanderbestehens von Ansprüchen gegen Krankenkassen und gegen Träger der Unfallversicherung und die daraus erwachsenden Ersatzansprüche, das Verhältnis zwischen Ansprüchen aus der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung zu solchen aus der Unfallversicherung in Fällen, in denen die Invalidität oder der Tod durch einen entschädigungspflichtigen Unfall verursacht ist, die Uebernahme des Heilverfahrens der Krankenkassen durch die Berufsgenossenschaften und umgekehrt die Uebertragung des Heilverfahrens der Berufsgenossenschaften auf die Krankenkassen usw. Die schwere Ungerechtigkeit, daß die Berufsgenossenschaft erst dann zur Zahlung von Unfallrente verpflichtet ist, wenn der Unfall eine Beschränkung der Erwerbsunfähigkeit von länger als 13 Wochen zur Folge hat, wodurch den Krankenkassen die Entschädigung für weitaus den größten Teil sämtlicher Unfälle aufgebürdet wird, läßt der Entwurf bestehen. Er bildet die Vorschriften über die Leistungen während der Wartezeit noch genauer aus(§§ 665ff.). Ist der Verletzte nach dem neuen Gesetze gegen Krankheit versichert, so find ihm mindestens die vorgeschriebene Krankenunterstutzung(§§ 217 bis 226 des Entwurfs) oder bei erweiterter Krankenpflege die Leistungen aus den§§ 514, 518, 525(freie Kur und Verpflegung in einem Krankenhaus oder einer ähnlichen Heil= oder Pflegeanstalt statt des Krankengeldes usw.) zu gewähren. Dabei ist von Beginn der fünften Woche nach dem Unfalle bis zum Ablauf der dreizehnten Woche das Kranke t#eld auf mindestens zwei Drittel des maßigebenhen. Grundbetrages(als soicher gilt der durchschnittliche Tagelohn. soweit er vier Mark für den Arbeitstag nicht übersteigt) zu bemessen. Das Entsprechende gilt auch für die Angehörigenunterstützung. Die Begründung erwähnt ausdrücklich, daß dabei den„Klagen über die Belastung des einzelnen Unternehmers durch Leistungen für die Wartezeit“ insoweit Rechnung getragen worden ist, als diese Last nur dem einzelnen Unternehmer auf die Berufsgenossenschaft für die Fälle zu übertragen ist, in denen der Unfall überhaupt eine Entschädigungspflicht für die Zeit nach Ablauf der Wartezeit begründet. der Stadt und Nachbarschaft. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) * Bielefeld, 28. Mai. — Zentral=Arbeiter=Bibliothek. Am Sonnabend vor Pfingsten ist die Bibliothek von 2 bis 3 Uhr und von 5¼ Uhr bis 7 Uhr geöffnet. — Die Inhaber folgender Friseurgeschäfte haben uns mitgeteilt daß sie den Tarif anerkennen wollen: v. Ahrentschild, Altst. Kirchstr. 20, Weiß, Lützowstr., und Langeworth, Arndtstr. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Wegen Vorbereitungen zu der Novität „Im Klubjessel“ und der Gesangsposse„Flotte Weiber“ ist das Theater Freitag und Sonnabend geschlossen.„Im Klubsessel", Lustspiel in 3 Akten von Carl Rößler und Ludwig Heller, wird am Pfingstsonntage zum ersten Male aufgeführt. Es ist ein liebenswürdiges Stück mit einer originellen Handlung und einer Fülle der drolligsten Einfälle und Situationen. Die äußerst scharf gezeichneten Hauptrollen befinden sich in den besten Händen und somit dürfte der 1. Pfingstfeiertag einen wirklich heiteren und amüsanten Theaterabend bringen. Die lustige, melodiöse Gesangsposse„Flotte Weiber" bietet am 2. Pfingstreiertag dem gesamten Personal Gelegenheit, sich im besten Lichte zu zeigen. — Polizeibericht. Brustseuche. Unter dem Pferdebestande des städtischen Fuhrparks in Herford ist die Influenza (Brustseuche) ausgebrochen, die Gehöftsperre ist verhangt. Straßensperrung. Zwecks Vornahme von Geleisund Pflasterreparaturen in der Engerschenstraße unter der Ueberführung der Staatsbahn Köln=Berlin(Kilometer=Station 02) wird die Straße vom 1. bis 4. Juni für den Fuhrwerkverkehr, gesperrr. Festgenommen wurden 2 Frauenspersonen wegen Verdachts der Gewerbsunzucht. 15 Obdachlose erhielten im Polizei=Gefängnis hier Unterkunft. e. Detmold, 27. Mai. Der Lippische Landtag ist zu einer Sommertagung auf Montag, 14. Juni, einberufen worden. Den Landtagsabgeordneten ist soeben folgende Vorlage 20, Gesetz, betr. Abänderung des§ 3 des Gesetzes vom 11. April 1907, die Besoldung der staatlichen Beamten betr., zugegangen: Einziger Artikel. Der Absatz 6 des§ 3 des Gesetzes, die Besoldung der staatlichen Beamten betreffend, vom 11. April 1907— L.=V. Bd. 24 Seite 657— wird aufgehoben und durch nachstehende Bestimmung ersetzt. Die vor Erfüllung des 25. Lebensjahres zurückgelegte Dienstzeit kommt für die Feststellung des Dienstalters zur Bemessung des Gehalts und Ruhegehalts, sowie für die Geltendmachung des Anspruchs auf Versetzung in den Ruhestand ebensowenig in Anrechnung, wie die im einstweiligen oder bleibenden Ruhestand verbrachte Zeit im Falle der Wiederanstellung. Etwaige nach der bisherigen Gesetzgebung erworbenen Rechte werden durch diese Bestimmung nicht berührt. In der Begründung wird zunächst gesagt, daß nach§ 23 des Reichsgesetzes über die Versorgung der Personen der Unterklassen des Reichsheeres, der Marine und der Schutztruppen den Militäranwärtern bei Ermittelung der Pension als pensionsfähige Dienstzeit nach Maßgabe des Reichsbeamtengesetzes oder mindestens soweit anzurechnen sind, als die Zivildienstzeit nach den Vorschriften des Landesrechts angerechnet wird. Da nun noch keine landesgesetzliche Vorschrift besteht, von welchem Alter ab die Zivildienstzeit als pensionsfähig zur Anrechnung kommt, so müßte nach der jetzigen Lage der Gesetzgebung den aus Militäranwärtern hervorgegangenen Staatsbeamten die volle Militärdienstzeit als pensionsfahig angerechnet werden. Die ausführliche Begründung schließt sodann: Das Reichsgesetz gestattet aber der Landesgesetzgebung Normen zu treffen, nach welchen die Ausrechnungsfähigkeit der Zivildienstzeit an die Zurücklegung eines bestimmten Lebensalters geknüpft wird, was dann auch für die Berechnung des Ruhegehalts der in den Staatsdienst übertretenden Militäranwärter maßgebend ist. Diese Möglichkeit zu benutzen empfiehlt sich, weil unter den Staatsbeamten die ehemaligen Militäranwärter andernfalls erheblich und nicht gerechtfertigtermaßen vor den Zivilanwärtern bevorzugt und außerdem nach§ 33 Abs. 1 unter 1 des Zivilstaatsdienstgesetzes schon in einem Lebensalter pensionsberechtigt würden, wo sie der Regel nach noch dienstfähig sind. Es ist billig und zweckmäßig, etwaigen bei Erlaß dieses Gesetzes bereits mit Ruhegehaltsanspruch angestellten Beamten die Vorteile zu wahren, welche sie aus der bisherigen Geseßgebung für sich herzuleiten vermögen. Dieses bezweckt der Schlußsatz des Gesetzentwurfes. * Dortmund, 28. Mai. Die Radbodkolonie vor Gericht. Den Ablehnungsantrag gegen Siebold begründet die Verteidigung damit, daß Herr Siebold der Erbauer der Kolonie sei und mithin am Ausgange dieses Prozesses ein erhebliches Interesse habe. Trotz dieser Einwendungen lehnt der Gerichtshof den Ablehnungsantrag ab. Generaldirektor Nebenkläger Jansen erklärt, er sei gar nicht auf den Gedanken gekommen, bei Anlage der Kolonie einen ärztlichen Sachverständigen zu Rate zu ziehen. Er habe das Bauterrain für ganz besonders günstig gehalten. Zwei bei dem Bau der Kolonie beschäftigt gewesene Zimmerer machen über die leichtfertige und hastige Art des Bauens, über die Feuchtigkeit der Wohnungen, über die miserable Beschaffenheit des Trinkwassers, das wie Vetroleum geschmeckt habe, und über andere Dinge außerordentlich belastende Aussagen. Der Bergmann Lewandowsky erklärt, das Trinkwasser sei schwarz wie Kaffee gewesen. Er sowohl wie seine Kinder erkrankten nach dem Genusse des Trinkwassers. Trotz vielfacher Beschwerden— selbst beim Generaldirektor— wurde keine Abhilfe geschaffen. Die Wohnung war außerordentlich feucht und blieb es trotz gründlicher Heizung und Lüftung. Gegen den Knappschaftsarzt Dr. Meyer, der von der Gegenseite als Sachverständiger geladen ist, bestand allgemein die größte Mißstimmung unter der Belegschaft der Zeche Radbod. Der Fahrsteiger Thiemann titulierte die Leute mit „Taugenichts",„erbärmlicher Kerl“,„Faulpelz". Dem Zeugen Langer, der im ersten Prozeß belastende Aussagen machte, ist sofort nach dem Termine die Wohnung gekündigt worden. Im zweiten Winter war die Wohnung noch genau so feucht wie im ersten Winter. Trotz der besten Verpackung erfroren in beiden Wintern mehr als 20 Zentner Kartoffeln. Die Bettstelle wurde feucht, eine Matratze verfaulte völlig; die Kleider im Schrank verschimmelten. Auf dem Boden unter dem Dache lag der Schnee einen halben Meter hoch. In das Klosett regnete es hinein. Alle Wohnungen waren furchtbar feucht. Aber alle Klagen hierüber waren vergeblich. Dem Zeugen ist einmal im Bett der Schnurrbart an der Bettstelle festgefroren. Seine acht Kinder erkrankten, eines starb. Auch die Frau erkrankte, die vorher kerngesund war. Die Wände waren mit Eisschichten überzogen.— Die Gedinge wurden stark gekürzt. Der Wettersteiger Rensing erklärte dem Zeugen, als er ihn auf schlechte Ventilation aufmerksam machte, er würde ihm„ein paar in die Fresse hauen". Zwei weitere Bergleute bekunden ahnliches. In der heutigen Verhandlung ereignete sich ein Zwischenfall, der die ganze Situation sehr trefflich kennzeichnet. Bei allen die Zeche belastenden Aussagen lacht der Nebenkläger André. Der Verteidiger beschwert sich hierüber beim Vorsitzenden und erklärte, daß ihn das Benehmen des Nebenklägers im höchsten Grade irritiere; er fühle sich dadurch in seiner Verteidigung eingeschränkt und bitte den Vorsitzenden, dem Nebenkläger das Lachen zu untersagen. Der Vorsitzende erklärte darauf, daß der Verteidiger doch wo anders hinsehen oder sich umkehren möge. Der Verteidiger protestierte auf das allerentschiedenste gegen diese Erklärung des Vorsitzenden und beantragte über dessen Stellungnahme einen Gerichtsbeschluß. Der Gerichtshof lehnte nach kurzer Beratung ab, einen Beschluß zu fassen. Am dritten Verhandlungstage sagt ein Zimmermann aus, daß die meisten Handwerker, die auf der Kolonie tätig waren, sich darüber einig gewesen seien, daß Häuser selten aus solch mangelhaftem Material gebaut würden. Der Zeuge meint, in seiner Heimat, in Halle, würde die Baupolizei solche Bauten nicht abnehmen. Der Vorsitzende teilt dann mit, daß die vorgesetzte Behörde des gestern erschienenen Zeugen, Amtmann a. D. Stamm, die Genehmigung der Aussage des Zeugen verweigert hat. Amtmann Stamm sollte auf Antrag der Verteidigung über folgende Fragen vernommen werden: Ob die Zeche in Konflikt mit der Behörde gelegen habe, ob ohne Erlaubnis Kolonien gebaut würden, ob die erteilte Bauerlaubnis unter Beobachtung des Ortsstatuts durchgeführt sei. ob die Direktoren der Zeche Radbod megen Verstöße gegen die Bauordnung in Strafe genommen seien, ob die zwischen der Behörde und der Zeche zustande gekommenen Verträge hinter der Weinflasche und bei Gelegenheit von Schmausereien abgeschlossen seien, und ob die Zechenverwaltung versucht habe, den Amtmann durch Geldgeschenke zu beeinflussen. Zwei von der Zeche geladene Steiger bestreiten nicht, die Arbeiter beschimpft zu haben; sie wollen das aber in der Erregung getan haben. Mehrere Beraleute bestätigen, daß Beschimpfungen der Arbeiter durch dic Beamten auf Radbod an der Tagesordnung gewesen seign. Der Nachtsteiger sei oft betrunken gewesen: auch Schläge K— #nd des Arbeners angeboken. Verschiebene Bergleuke bestätigen auch wieder, daß das Gedinge und der Zechenlohn— wie von der„Arbeiterzeitung“ behauptet— gekürzt wurde, obwohl die Arbeit erschwerlicher geworden sei. Ein Zeuge, der 28 Jahre Bergmann ist und auf vielen Gruben des Industriebezirks gearbeitet hat, erklärte, daß er nirgends eine solch große Antreiberei gefunden habe wie auf Radbod. Man habe von den Bergarbeitern geradezu Unmenschliches gefordert. Die Beweisaufnahme wendet sich dann wieder den Zuständen auf der Kolonie zu. Vermischtes. Gefangene Deutsche in Marokko. Tanger, 26. Mai. Nach Berichten aus Mogador hat sich die Lage der im Susgebiet eingeschlossenen beiden Deutschen günstiger gestaltet. Der Pascha von Mogador entsandte sofort Soldaten, um mit einHlußreichen Sus=Kaids über die Freilassung der Deutschen zu B## Den gleichen Auftrag erhielten vom deutschen erhandeln. Den gleichen Auftrag erhielten vom deutschen Vizetonsul in Mogador deutsche Protegierte aus dem Susgebiet. Ein gestern in Tanger gecharteter Dampfer begibt sich zunächst nach Mogador, wird von dort etwa 50 marokkanische Soldaten an Bord nehmen und sodann längs der Susküste zur Aufnahme der bedrängten Deutschen kreuzen. Man hofft, ihre baldige Befreiung durch den einflußreichen Gouverneur von (Agadir zu erlangen. Von der Luftschifjahrt. Berlin, 27. Mai. Das Militärauftschiff„Groß II“ unternahm gestern nachmittag von Tegel aus eine fast dreistündige Uebungsfahrt. Der Aufstieg erfolgte gegen vier Uhr. Das Luftschiff umkreiste zunächst mehrere Male en Tegeler Schießplatz und wandte sich dann nach Süden. Kurz vor acht Uhr erfolgte ohne Schwierigkeiten die Landung. Die Führung des Ballons hatte Major Sperling übernommen. Friedrichshafen, 27. Mai. Im Lager des Grafen Zeppelin ist man mit den Leistungen des„Z. II“ bisher sehr Sufrie frieden. Es sind zwar noch verschiedene Mangel auszugleichen, doch handelt es sich nur um Kleinigkeiten, die rasch behoben sein können. Man hofft, daß heute beide Motore tadellos funktionieren. Mannheim, 27. Mai. Mit finanzieller Unterstützung des Herrn Lanz wird hier in allerkürzester Zeit ein von dem Diplomingenieur Johann Schütte, Professor an der Technischen Hochschule zu Danzig erfundenes Luftschiff starren Systems gebaut werden. Das Schüttesche Luftschiff wird 19.000 Kubikmeter Wasserstoffgas fassen und über eine motorische Kraft von 5—600 Pferdekräften verfügen. Mit den Fundamentierungsarbeiten für die Ballonhalle wird in den nächsten Tagen begonnen. Leutnant Schrader und sein Bursche gerettet. Hamburg, Fischerku 27. Mai. Der Finkenwärder####kutter 249, der auf einer Fangreise begriffen war, fand heute morgen zwischen Cuxhaven und Helgoland ein Segelboot, in dem sich der vermißte Festungsbauleutnant Schrader und sein Bursche befanden. Das oot wurde ins Schlepptau, die Insassen an Bord genommen oland gela und dann in Helgo.#####ndet. Uebergefahren. Frankfurt a. M., 27. Mai. Auf dem Bahnhofe Frankfurt=Sachsenhausen wurde heute vormittag 9 Uhr der 39jährige verheiratete Bahnschaffner Müller beim Ueberschreiten der Geleise von einem Güterzuge erfaßt und übergefahren. Er ist bald darauf seinen Verletzungen erlegen. Wegen Landesverrats verurteilt. Leipzig, 27. Mai. Im Landesverratsprozeß Schweng und Genossen wurde heute das Urteil gesprochen. Das Reichsgericht verurteilte den Hauptangeklagten Schweng zu vier Jahren Zuchthaus, den Angeklagten Bohn zu zwei Jahren 6 Monaten Zuchthaus, die Mutter des Schweng zu sechs Monaten Gefängnis und seine Frau zu drei Monaten Gefängnis. Eine gefährliche Krankheit der Weinrebe. Neustadt a. 27. Mai. In der Gegend von Weißenheim am Sand ist nach dem„Pfälzischen Kurier“ in den Weinbergen der gefürchtete, verheerende amerikanische Stachelbeermehltau aufgetreten. Es Ainge,* ist dies eine neu eingeschleppte Krankheit. Ein Vater auf seinen Wunsch vom Sohne ermordet. Stuttgart, 27. Mai. Der Wirt Weiß im Schwarzwaldorte Kalw beauftragte seinen 23jährigen, geistig nicht normalen Sohn, der an beiden Füßen gelähmt ist, ihn mit einer Zimmerbüchse zu erschießen. Der Sohn drückte das von dem Vater vorher geladene Gewehr ab. Als der Tod nicht gleich eintrat und der gräßlich Verwundete ihn wiederholt bat, ihn zu erschießen, erschlug der Sohn den Vater mit einem Beil. Weiß war wegen einer Geldangelegenheit in die größte Erregung versetzt worden und dies war die Ursache, weshalb er in den Tod gehen wollte. Der Sohn wurde ins Gefängnis geliefert. An einem Eselbiß gestorben. Fürth, 27. Mai. Ein achtjähriger Knabe wurde auf dem Volksfestplatze in Lindenhain von einem Esel, den er streichelte, in die Geschlechtsteile gebissen und ist unter großen Schmerzen seinen Verletzungen erlegen. Mord. Hirschberg i. Schl., 27. Mai. In der Kellerwohnung des Hauses Bahnhofstraße 65 ist gestern morgen gegen 9 Uhr der dort mit Frau, Sohn und Tochter wohnende, 60 Jahre alte Heinrich Scholz von Hausbewohnern, in einer Blutlache liegend, tot aufgefunden worden. Scholz, ein dem Trunke ergebener Mann, lebte mit seiner Familie in Unfrieden. Die Wohnung wurde polizeilich abgesperrt und versiegelt. Die Familie ist in Haft genommen worden, man nimmt an, daß Scholz ermordet worden ist. Wegelagerer. Brocken, 27. Mai. Gegen 11 Uhr vormittags wurde ein Herr im Schneeloch durch drei Schüsse von Wegelagerern schwer verletzt und seiner Barschaft, etwa 1300 Mk., beraubt. Erdbeben. St. Remo, 27. Mai. Heute früh 6 Uhr wurden hier ziemlich heftige Erdstöße wahrgenommen. Es wurde zwar kein Schaden angerichtet, die Erdstöße riefen jedoch unter der Bevölkerung große Beunruhigung hervor. London 27. Mai. Aus verschiedenen Teilen der Welt laufen hier Nachrichten von Erdbeben ein. Zunächst hat England selbst ein solches in Devonshire erlebt. Die Erschütterungen waren kurz aber sehr heftig. Häuser schwankten und ein starkes Sausen war vernehmbar. Zwei Erschütterungen innerhalb drei Minuten wurden nach Telegrammen aus Amerika in den Staaten Illinois. Wiskonsin, Jowc. Michigan und Minnesota beobachtet. In Chicago war die Wirkung besonders heftig und verursachte panikartige Furcht. Schornsteine stürzten, Für 200000 Franken Juwelen gestohlen. Bangkot 27. Mai. Juwelen im Werte von 200000 Franken, die der Königin von Siam gehörten, sind auf dem Wege nach Bangkof gestohlen worden. ktg. Das größte Licht=Luftbad. Die Erkenntnis, daß für die große Menge des Volkes Licht, Luft und Sonnenschein in hohem Maße nottut, hat, wie der Wiener Korrespondent des„Lancet“ berichtet, dazu geführt, an der Donau ein Riesen=Licht=Luftbad einzurichten. Die Sache ist verhältnismäßig einfach, denn man konnte eine weite Strecke benutzen, auf der seit alten Zeiten aus der Donau feiner Sand angeschwemmt wurde. Das Ufer ist seicht, aber der Fluß liefert dort schnell fließendes und kühles Wasser. Außerdem hat man darauf Wert gelegt, daß Bäume gänzlich fehlen. Im vorigen Sommer haben an manchen Tagen 10000 Personen dieses große Licht=Luftbad aufgesucht. Fenster zersprangen und Feuer brach in verschiedenen Stadtteilen aus. Ueber Melbourne wird von einem Erdbeben auf den neuen Hebriden berichtet, welchem vier Menschen in einem einstürzenden Missionsgebäude zum Opfer fielen. Explosion einer Bombe. Rom, 27. Mai. Während eines Feuerwerks im Korso von Sassari in Sardinien platzte eine Bombe und zersprang in unzählige Stücke. In der Menge, die mit Entsetzen auseinanderstob, wurde einem Mann und einem Kinde das Gehirn teilweise zerstört. Einer Frau wurde ein Bein abgerissen. Außerdem wurden 7 andere Personen schwer verletzt. Verbrecherisches Treiben. Madrid, 26. Mai. Im Hinterlande von Coruna hat sich eine Art Kamorra gebildet, die Scheunen niederbrennt, Wälder abholzt, Felder verwüstet und sonstigen großen Schaden anrichtet. Die Landleute, die sich ihr nicht angeschlossen haben, werden mit dem Tode bedroht. Zahlreiche Gendarmen sind aufgeboten worden, um dem verbrecherischen Treiben Einhalt zu tun. Bisher sind 15 Verhaftungen vorgenommen worden. Sturm an der spanischen Küste. St. Sebastian, 26. Mai. Ein heftiger Sturm wütet an der nordspanischen Küste. Zahlreiche Fischerbarken sind gesunken, 12 Personen sind umgekommen. Madrid 26. Mai. Obgleich die Behörden den Umfang der Schiffskatastrophen bestreiten, welche durch den letzten Sturm an der Nordküste entstanden sind, laufen fortwährend Meldungen ein, welche den Verlust an Menschenleben noch bedeutender hinstellen, als man anfänglich angenommen hatte. Ueber 60 Fischerboote sind gesunken. Die Zahl der Ertrunkenen dürfte über hundert betragen. Aus den Häfen der Provinz Biskaja allein waren am Tage des Sturmes 300 Fischerboote ausgezogen, von denen jedoch viele in anderen Häfen Zuflucht nehmen konnten. kfg. Wanderherz. Es gibt eigentümliche Erscheinungen in bezug auf das Herz, bei denen man nicht immer weiß, woher sie kommen. Manchmal stellen sich schon nach den kleinsten Mahlzeiten Herzklopfen, Herzangst, Atemlosigkeit und schwächerer Puls ein. In diesem Falle muß man an den erregenden Einfluß der Magenwand denken, wenn es sich nicht direkt um Speisen handelt, die zu beschuldigen sind. Die geschilderten Beschwerden können aber auch zuweilen bei dem sogenannten Wanderherzen auftreten, bei dem der Herzaufhängeapparat kein fester ist, sondern sich in einem schlaffen Zustande befindet, wodurch das Herz selbst den verschiedensten Verschiebungen ausgesetzt ist. Eine ganze Anzahl von Gesunden und Kranken ist nur in einer bestimmten Körperlage von Herzbeschwerden frei. Der eine kann nur auf der linken, der andere nur auf der rechten Seite liegen, mancher bekommt beim Liegen auf dem Rücken Herzklopfen und kann nur auf dem Bauche liegend einschlafen. Dr. Selig, der über den Herzschmerz überhaupt einen Vortrag auf der letzten Versammlung der Balneologischen Gesellschaft gehalten hat, glaubt nach der„Medizinischen Klinik“, daß gerade diese Verhältnisse sehr häufig übersehen werden, ohne daß er Angaber macht, wie sie zu verbessern sind. Hirschberg, 28. Mai. Gestern abend ist das Dach der großen Montierungshalle der Maschinenbau A.=G. vorm. Starke u. Hoffmann eingestürzt. gestürzt. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Materialschaden ist bedeutend. Eine Betriebsunterbrechung erfolgt nicht. Kronach(Bayern), 28. Mai. Hier erhängte sich gestern die Bäckerfrau Ziller, nachdem sie sich vor ihren Kindern durch Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt hatte. Wien, 28. Mai. Das Automobil, in dem der bekannte Millionär Dr. Rappaport, der Besitzer der Villa Allatini, Miß Gibson und der Sportsmann Wiesinger saßen, stieß, angeblich wegen Versagens der Bremse, gegen einen Baum. Die Insassen wurden hinausgeschleudert. Während die Herren unverletzt blieben, fiel Miß Gibson, die vor kurzem einen Engländer geheiratet hatte, gegen einen Baum und war sofort tot. Briefkasten der Redaktion. Ostbahnhof Bielefeld. Zur Aufnahme nicht geeignet. L. Minden. Senden Sie uns bitte die Nummer des„Mind.= Lübb. Kreisblattes“ ein ein. Briefkasten der Expedition. Achtung, Filialexpeditionen! Von folgenden Filialen haben wir bis heute keine Nachricht erhalten, wieviel Zeitungen für Juni gebraucht werden: Barntrup, Blomberg, Hausberge, Heidenoldendorf, Hunnebrock, Lemgo, Lippstadt, Löhne(Bhf.), Löhne(Ort), Neesen, Neubeckum, Nordhorn, Rahden, Steinheim, Wendthagen. Wir machen darauf aufmerksam, daß wir nicht eher Zeitungen überweisen, bis wir die Bestellung vom Expedienten bekommen haben. Scmmertheater! (Brinkhoffs Tonhalle.) Freitag und Sonnabend geschlossen. Pfingstsonntag: Im Klubsessel. Pfingstmontag: Flotte Weiber. Für unsere Senffabrik suchen wir sofort einen tüchtigen Muller der möglichst mit Motoranlage umgehen kann. 3015 Steinhage& Wieck. B. NE. T! Verwaltung Bielefeld. Morgen, Sonnabend, ist das Bureau bis nachmittags 3 Uhr geöffnet. 3030 Die Ortsverwaltung. Reise-Handbuch Herford. für wandernde Arbeiter. Preis Mk. 1.50. Porto 10 Pig. Vorrätig in der Buchhandlung„Volkswacht“, Schulstr. 20. Visiten-Karten K; liefert sauber und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. Di Trrsorker Miichverkanstr. Kleine Anzeigen Ent. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in d## Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. 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Fum, Sieker 173. 19010 Die Milchverkäufer von Herford sind durch das Heranwachsen der Margarine=Fabriken, durch das teure Futtermaterial und durch die vielen Verluste nicht mehr in der Lage, die Milch zu dem bisherigen Einkaufspreise zu beziehen und sind gezwungen, um ihr Gewerbe weiter zu betreiben, vom 1. Juni 1909 ab den Preis für die Milch von 16 auf 18 Pfg. per Liter zu erhöhen und werden die Herforder Bürger dieses als gerecht anerkennen. 3011 mit 2 Pfund Inlett mit 2 Pfun Inlett mit 2 Pfund Inlt mit Daunen Oberbett aus Gute 3035 8 Napokki Anfertigung :::: Nähe Strelna für Her Khabenn veljumige i empfiehl A. No Br Och Nastkamstieis be. bei mir in einer es ein leichtes ist Auch beliebten Wurstw a. Leberwu Mettwur ff. Zungenn f Thüringe f. Silze Landleberw. Geschmack ff. Bratwur ff. geh. 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Doch sollen E ist, daß in dem Wah einigten Parteien des stattet war, Abschrifte es den Liberalen vern Der nächste Punk der Geschäftsor suchen des Untersuchu gierung in Breslau u. sendung der Petition Diese Petition, in wel zeit bei der Eisenbahn zahlung von Gehalt u. Disziplinarverfahrens ihn benutzt werden. Abg. Kirsch(Ztr. jetzung des Hauses A Tagesordnung. Abg. Traeger( Es handelt sich hier Petitionsrechts der B handelt werden dürfe. Abg., v. Brande trage. Die Sache m Herren sich über die wollen, so können sie (Unruhe links.) Abg. Dr. Mülle titiansrechts der Bean die dringend der Erör dürfe. Der Antrag auf Ab ordnung wird gegen die glieder des Zentrums Es folgt die dritte bahnanleihegese genommen wird, Wünsche geäußert habe Es folgt die Berat nossen(natl.), die Regi zahlbarer Unterstützun mittel zur Hebung# stellen. Abg. v. Pappen fiehlt namens der Bu trages. Unterstaatssekretär hat eine Hilfsaktion leitet. Nach weiteren Bei Bartling(natl.), S trag angenommen Dann wird der Ge im Regierungsk Wegebaulast der Land den Kreisen übertragen dem Beschlusse der K ratung angenomme Es folgt die erste die Erhebung vo lichen und ka schulen, welcher die bände ermächtigt, von Beiträge zu erheben, je den gewerblichen, und kaufmännischen Fortbil Beron Rom 21 Laura, ein Paket W los eingetreten und hatt gehört. „Mir hat die Nacht sah ihn, wie er sich imn kleiner wurde, bis er ein Tunnel aussah, ver kommen.“ „Das möchtest du w „Dann gäbe es hier eine deiner Art. Dir paßt h Die Tante zuckte mit gut mit euch gemeint, a „Gut, gut!“ Du hät man schon. Du gönnst Laura lachte unterdri Er wird sie nasführen „Das wäre dein Wr anständige Menschen in „Gott sei Dank.“ Frau Dankelberg wi ihre Schwägerin hin un wieder damit meinst. Schlimm genug, daß si an seiner Stelle hätte macht, wenn ich so etwas Brot.“ „Gerade so viel, daß bei euch,“ wandte Laura gehen soll, braucht ere Dankelberg jedoch sa Zänkereien zwischen den daß er fast gar nicht me doch wieder und stippte wenn sie über die Nachb pohl auch schön hüten, si wußte noch mehr a Mund, der ihm viellei können. Wer konnte: brauchen mußte. So spielte er denn n hätte er bei derartige Ohren. Als sie aber wieder erregt zurückgab, sie m F∆. PR 9 0 Nr. 122. Bielefeld, Freitag, 28. Mai 1909. Jahrg. Preußischer Landtag. 21 Roman von Max Kretzer. —(Nachdruck verboten.) Laüra, ein Paket Wäsche im Arm, war wie gewöhnlich lautlos eingetreten und hatte den letzten Teil des Gesprächs mit angehört. „Mir hat die Nacht von ihm geträumt,“ begann sie.„Ich sah ihn, wie er sich immer weiter von mir entfernte und immer kleiner wurde, bis er endlich in einem dunklen Loch, das wie ein Tunnel aussah, verschwand. Also wird er wohl bald wieder kommen.“ „Das möchtest du wohl?“ zischelte Frau Dankelberg hervor. „Dann gäbe es hier einen großen Kuddelmuddel, das wäre so nach deiner Art. Dir paßt hier schon vieles nicht mehr, daß weiß ich.“ Die Tante zuckte mit den Achseln.„Ich habe es immer nur gut mit euch gemeint, aber ihr wollt ja niemals hören. „Gut, gut!“ Du hättest es gut mit uns gemeint? Das kennt man schon. Du gönnst nur Emmy ihr Glück nicht. Laura lachte unterdrückt auf.„Glück? Wenn ich so was höre! Er wird sie nasführen und dann sitzen lassen.“ „Das wäre dein Wunsch. Aber es gibt Gott sei Dank noch anständige Menschen in der Welt.“ Gott sei Dank.“ 662 Frau Dankelberg war sehr aufgebracht. Sie trat dicht vor ihre Schwagerin hin und raunte ihr zu:„Ich weiß schon, was du wieder damit meinst. Das soll eine Spitze gegen uns sein. Schlimm genug, daß sich das dein Bruder gefallen läßt. Ich an seiner Stelle hatte schon längst kurzen Prozeß mit dir gemacht, wenn ich so etwas immer zu hören bekäme, denn du ißt sein Brot.“ „Gerade so viel, daß ich satt werde, und das verdiene ich mir bei euch, wandte Laura ruhig ein.„Wenn August will, daß ich gehen soll, braucht er es ja nur zu sagen. Dankelberg jedoch schwieg sich grundlich aus. Er war an die Zänkereien zwischen den beiden Frauen bereits so sehr gewöhnt, daß er fast gar nicht mehr darauf achtete. Sie vertrugen sich ja doch wieder und stippten gemütlich den Kuchen in den Kaffee, wenn sie über die Nachbarschaft klatschen konnten. Er würde sich wohl auch schön hüten, sich von seiner Schwester zu trennen, denn L wußte noch mehr als Emmy, und er fürchtete ihren losen Mund, der ihm vielleicht noch hätte Ungelegenheiten bereiten konnen. Wer konnte wissen, ob er sie nicht noch einmal gebrauchen mußte.„ g 444# So spielte er denn mit unstand den Dummen und tar so, als dätte er bei derartigen Redensarten immer Watte in den Ohren. Als sie aber wieder zusammenplatzten, und als Laura diesmal erregt zurückgab, sie werde sich wohl hüten, sich die Finger zu Abgeordnetenhaus. 97. Sitzung vom Donnerstag, 27. Mai, vorm. 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Den ersten Gegenstand der Tagesordnung bilden Wahlprüfungen. Dem Antrage der Wahlprüfungskommission entsprechend wird beschlossen, über die Vorgänge bei der Wahl der Abgg. Büchtemann(Fr. Vp.) und Wagner(Fr. Vp.) Beweise zu erheben und die Wahlen der Abgg. Meyer(frk.), Wolkowski(kons.) und Karow(kons.) für giltig zu erklären. Doch sollen Erhebungen angestellt werden, ob es wahr ist, daß in dem Wahlkreis der Danziger Niederung den vereinigten Parteien des Zentrums und der Konservativen gestattet war, Abschriften der Wählerlisten zu nehmen, während es den Liberalen verwehrt war. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist der Bericht der Geschaftsordnungskommission über das Ersuchen des Untersuchungskommissars bei der Königlichen Regierung in Breslau um Erteilung einer Abschrift bezw. Uebersendung der Petition des Polizeisekretärs Arndt in Breslau. Diese Petition, in welcher Arndt um Anrechnung von Diätarzeit bei der Eisenbahn auf das Besoldungsdienstalter, um Nachzahlung von Gehalt und Umzugskosten und um Einstellung des Disziplinarverfahrens bittet, soll in diesem Verfahren gegen ihn benutzt werden. Abg. Kirsch(Ztr.) beantragt angesichts der schlechten Besetzung des Hauses Absetzung dieses Gegenstandes von der Tagesordnung. Abg. Traeger(Fr. Vp.) schließt sich diesem Wunsche an. Es handelt sich hier um die wichtige prinzipielle Frage des Petitionsrechts der Beamten, die nicht vor leerem Hause verhandelt werden dürfe. Abg. v. Brandenstein(kons.) widerspricht dem Antrage. Die Sache müsse erledigt werden, und wenn manche Herren sich über die Wahrung von Prinzipien unterhalten wollen, so können sie das bei einer anderen Gelegenheit tun. (Unruhe linksz Abg. Dr. Müller=Sagan(Fr. Vp.): Die Frage des Petitionsrechts der Beamten ist eine wichtige prinzipielle Frage, die dringend der Erörterung in einem gut besetzten Hause bedürfe. Der Antrag auf Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung wird gegen die Stimmen der Rechten und einiger Mitglieder des Zentrums angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Entwurfs eines Eisenbahnanleihegesetzes(Sekundärbahnvorlage), die angenommen wird, nachdem nochmals einige Redner lokale Wünsche geäußert haben. Es folgt die Beratung des Antrages Bartling und Genossen(natl.), die Regierung möge durch Gewährung nicht rückzahlbarer Unterstützungen oder zinsfreier Darlehne Staatsmittel zur Hebung der jüngsten Hochwasserschäden bereitstellen. Abg. v. Pappenheim(kons.) als Berichterstatter empfiehlt namens der Budgetkommission die Annahme des Antrages. Unterstaatssekretär v. Dombois: Die Staatsregierung hat eine Hilfsaktion im Sinne des Antrages bereits eingeleitet. Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Jagow(kons.), Bartling(natl.), Schmidt=Warburg(Ztr.) wird der Antrag angenommen. Dann wird der Gesetzentwurf, betreffend die Landwege im Regierungsbezirk Kassel, durch welchen die Wegebaulast der Landwege den Gemeinden abgenommen und den Kreisen übertragen wird, nach unwesentlicher Debatte nach dem Beschlusse der Kommission in zweiter und dritter Beratung angenommen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erhebung von Beiträgen fur die gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen, welcher die Gemeinden und weitere Kommunalverbände ermächtigt, von den Arbeitgebern der Fortbildungsschüler Beiträge zu erheben, jedoch nicht mehr als 10 Mark jährlich bei den gewerblichen, und nicht mehr als 30 Mark jährlich bei den kaufmännischen Fortbildungsschulen für jeden Schüler. „ Lundene. Die Abgg. Lusensky(natl.) und Dr. Hager(Ztr.) erklären ihre Zustimmung zu dem Entwurf, der eine Lucke ausfülle. Handelsminister Dr. Delbrück gibt noch einige Erläuterungen zu dem Entwurf, der entstanden sei, weil das Oberlandesgericht Hamm, entgegen der Praxis der Regierung, den Gemeinden das Recht abgesprochen hat, Beiträge auch zur Erhaltung der Fortbildungsschuten zu erheben. Abg. v. Pappenheim(kons.): Auch wir stimmen dem Entwurf zu, setzen aber voraus, daß die gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen dem Handelsminister, unterstellt bleiben und nicht unter das Kultusministerium kommen. Abg. Dr. Müller=Berlin(Fr. Vp.): Den letzten Wunsch teilen auch wir. Mit dem Entwurf sind wir ebenfalls einverstanden. Damit schließt die Diskussion. Da Kommissionsberatung nicht beantragt ist, wird die zweite Lesung sofort vorgenommen und der Entwurf debattelos angenommen. Der nächste Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung des Antrages Hammer(kons.), der um einen Gesetzentwurf bittet, wonach zur Vertretung des kleinen Kaufmannsstandes ein Kleinhandelsausschuß„aus Personen, deren Gewerbebetrieb nicht über den Umfang des Kleingewerbebetriebes hinausgeht", gebildet wird.— Die Kommission für Handel und Gewerbe, an welche der Antrag verwiesen war, beantragt, die Regierung zu ersuchen, unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse und der Zusammensetzung der Handelskammer tunlichst auf Einrichtung von Kleinhandelsausschüssen, die an die Handelskammern anzugliedern sind, hinzuwirken. Abg. Dr. Müller=Sagan(Berlin)(Fr. Vp.) beantragt, den Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen. Der Gegenstand des Antrages greife tief in die gewerblichen Interessen ein, die ebensowohl wie die agrarischen nur vor einem vollen Hause verhandelt werden sollten.(Es sind nur etwa 20 Abgeordnete anwesend.) Die Abgg. Hammer(kons.) und v. Pappenheim (kons.) widersprechen diesem Antrage. Der Antrag auf Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung wird abgelehnt und in die Verhandlung eingetreten. Abg. Hammer(kons.) erklärt sich mit dem Antrage der Kommission einverstanden, der dasselbe, was sein Antrag auf dem Wege der Gesetzgebung verlangt, auf dem Verwaltungswege erreichen will. Abg. Lusensky(natl.): Mit der Tendenz des Antrages sind meine Freunde einverstanden, aber das gewünschte Ziel läßt sich auch auf anderem Wege erreichen, doch immerhin auch auf dem vorgeschlagenen, und deshalb werden wir der vorgeschlagenen Resolution der Kommission zustimmen. Abg. Dr. Gerschel(Fr. Vp.): Dem Antrag Hammer sind durch die Umänderung, die er in der Kommission erfahren hat, die Giftzähne ausgebrochen. So, wie der Antrag jetzt lautet, erhoffen wir von ihm eine günstige Wirkung für unser Gewerbsleben und werden ihm daher zustimmen. Abg. Dr. König=Krefeld(Ztr.) erklärt sich ebenfalls mit dem Antrag in der Fassung der Kommission einverstanden, Damit schließt die Diskussion. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Debattelos wird dann ein Antrag Dr. Belzer(Ztr.) ann, die Regierung möge erwägen, ob in den Etat setzen sind, um den Land= bezw. Ortsarmen=Vergenomme Mittel einzusetz bänden an der Grenze, welche durch Abstoßung von verarmten Deutschen aus dem Ausland sehr belastet werden, zu helfen. Dann begründet Abg. Brütt(frk.) einen Antrag, den Bahnhofsbuchhandel kurzfristig, höchstens auf drei Jahre zu verpachten und den Verpachtungstermin zeitig genug öffentlich bekanntzumachen. Mit dem Monopol des Bahnhofsbuchhandels muß gebrochen werden. Auf dem von dem Antrage angegebenen Wege werde auch die Staatskasse höhere Beträge erzielen. Abg. König=Guben(natl.) warnt davor, sich in die bestehenden Zustände einzumischen. Der Staat würde keine Seide dabei spinnen. Ein Regierungskommissar weist auf die Schwierigkeiten hin, die sich der Durchführung des Antrages entgegenstellen und bittet, ihn abzulehnen. Abg. Traeger(Fr. Vp.): Ich kann mich den Ausführungen des Regierungsvertreters anschließen. Der Antrag würde den Bahnhofsbuchhandel ruinieren. Eine Monopoliverbrennen und Trolla reinen Wein einzuschänken, weil sie ihn nicht besehen könne und es ihm gönne, wenn er hier sitzen bliebe und ihnen auf die Dauer die schönsten Schwulitäten bereite, wurde es ihm doch zu viel. „Seid doch nur endlich stille und hört lieber die schöne Musik dadrin. Das ist doch was fürs Gemüt,“ sagte er, während er die Scheine, die er diesmal auf den Tisch gezählt hatte, wieder zusammenraffte. Unwillkürlich lauschten sie, denn machtvoll klang die Missa solemnis Beethovens zu ihnen hinein, die sie nicht kannten und nicht verstanden, deren gewaltigem Eindruck sie sich aber nicht verschließen konnten. Es war, als säßen dort drin zwei Menschen, die, losgelöst von dieser Welt niedrigen Denkens hier hinten, nur ganz ihren reinen Gefühlen lebten und himmlischen Regionen zustrebten, um dem Schmutze ihrer Umgebung zu entrinnen. Es brauste auf und nieder, klagend und jauchzend wie Göttergesang, nicht vollendet gespielt, aber doch mit jener Harmonie, die die Tonsprache des unsterblichen Meisters seelenvoll verstehen ließ. „Das ist'was Frommes, unterbrach Frau Dankelberg das Schweigen, nachdem sie eine Weile andächtig gelauscht hatte. „Dann ist es nur schade, daß Onkel Schneider nicht hier ist,“ warf Laura ein, die ihre Gefühle über die Musik nicht aufkommen lassen wollte, weil es Trolla war, der sie mit hervorgerufen hatte. „Der Kerl hat mir richtig'n paar Sachsen darunter gegeben," sagte der Alte laut und verschloß die Geldscheine endlich in das alte Zylinderbureau neben dem Fenster. Während der letzten fünf Minuten hatten sich seine Gedanken nur um den Profit gedreht und um eine neue„Sache“, die er mit seinem Hintermann in Aussicht hatte. Die Musir war verstummt, und es war plötzlich ganz still geworden, als müßte man sich erst von dem Spiele gründlich erholen. Laura hatte wieder das Zimmer verlassen, Frau Dankelberg aber sagte:„Ich muß'mal fragen, was das war. Komm nur, August, und zeige dich auch mal.“ Ohne zu klopfen, offnete sie die Tür. „Aber Emmy!“ rief sie entrüstet aus und machte die Armbewegung einer besorgten Mutter, die plötzlich so tut, als seien ihr eben erst die Augen aufgegangen. Beide Liebenden hingen Lippe an Lippe und stoben nun auseinander wie zwei aufgescheuchte Tauben. Emmy, glühend rot im Gesicht, und Trolla in der grenzenlosen Verlegenheit eines Mannes von Erziehung, der plötzlich die Empfindung einer gewissen Scham darüber hat, sich bei einer delikaten Angelegenheit nicht als Gentleman benommen zu haben. Eine peinliche Pause trat ein, während welcher Dankelberg, der ebenfalls alles mit angesehen hatte, im Rahmen der Türe stand und Trolla ermunternd wie zum Gruße zunickte, als wollte er ihm zurufen:„Benimm dich nur gleich anständig, dann wird schon alles gut werden.“ Dann trat er näher, reichte ihm mit sierung desselben wünschen auch wir nicht. Aber es ist kein Grund vorhanden, Leute, die sich bewährt haben, ohne weiteres vor die Tür zu setzen. Das Lesebedürfnis des Publikums den Bahnhöfen zu verkaufen nicht gestattet. Früher wurde auch der Verkauf freisinniger Blätter verhindert, heute geschieht das zwar nicht mehr, aber die Verhinderung des Verkaufs der sozialdemokratischen Zeitungen ist eben so engherzig und verfehlt.(Zustimmung links.) Abg. Itschert(Ztr.) bittet, in dem Antrag die Worte „kurzfristig" und„auf drei Jahre" zu streichen und die Verpachtung nicht„in der Regel“, sondern„tunlichst“ an den Meistbietenden zu vergeben. Abg. Strosser(kons.) schließt sich diesem Wunsche an. Abg. Brütt(frk.) erklärt sich als Antragsteller mit diesen Aenderungen einverstanden.(Heiterkeit links.) Damit schließt die Diskussion. Abg. Schiffer(natl.) beantragt, die Worte, daß die Verpachtung„an den Meistbietenden“ erfolgen soll, zu streichen. Dieser Antrag wird angenommen.(Heiterkeit links.) Dann wird der nunmehr völlig umgestaltete Antrag angenommen. Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung eines Antrages Hammer(kons.), welcher die Beseitigung der Bevorzugung der Filialbetriebe bei der kommunalen Besteuerung fordert..erung Der Antrag wird nach kurzer Dehatte angenommen. Präsident v. Kroecher bittet und erhält die Ermächtigung, die nächste Sitzung einzuberufen, wenn Vorlagen vom Herrenhaus an das Haus zurückgelangen. Voraussichtlich wird das nicht vor dem 22. Juni geschehen Schluß: 4¼ Uhr. ilungen ohne Ausnahme in der Weise, daß die Gesamtsteuersumme gedrittelt wurde. Diese Drittelung hat durch das Gesetz vom 30. Juni 1900 eine Korrektur erfahren durch die Bestimmung, daß in Gemeinden mit mehr als 10000 Einwohnern alle Wähler, die mehr als den auf den einzelnen Wähler entfallenden Durchschnittsbetrag der Gesamtsteuersumme zu zahlen haben, nach dem Drittelungsprinzip aber der dritten Abteilung angehören, der zweiten bezw. ersten Abteilung zugeteilt werden müssen. In Rixdorf liegen nun die Verhältnisse so, daß bei der Drittelung eine große Zahl von Wählern, die den Durchschnittssteuersatz nicht erreichen, der zweiten Abteilung angehören. Alle diese Wähler hat der Magistrat bei Aufstellung der Gemeindewählerliste in die dritte Abteilung eingereiht. Gegen diese Listenaufstellung hat der Stadtverordnete Genosse Conrad, nachdem seine Beschwerde an die Stadtverordnetenversammlung zurückgewiesen wurde, Klage beim Bezirksausschuß in Potsdam erhoben. Nach langer Beratung gab der Bezirksausschuß sein Urteil dahig ab: „Die angefochtene Wählerliste ist zu kassieren. Es ist eine neue Liste aufzustellen, nach dem Durchschnittsprinzip, d. h., daß auf jede Abteilung ein Gesamtsteuerbetrag von 889880,60 Mk. entfällt.“ Bisher entfielen auf die drei Wählerabteilungen folgende Beträge: 1. Abteilung 804 282,84 Mk., 2. Abteilung 804 192,66 Mk. und 3. Abteilung 1 061 166.22 Mk. Auf Grund der Entscheidung des Bezirksausschusses haben demnächst in Rixdorf Neuwahlen stattzufinden. Die Rixdorfer Wahlrechtsräuber erlitten somit eine neue Niederlage. Es scheint, als ob sie nicht zur Ruhe kommen könnten.— Finanznöten. Ihr Steuersystem ist durchaus veraltet. Es besteht aus Zuschlägen zu den Ertragssteuern des Staates und dem Oktroi. Beide Steuerarten treffen die mittleren und unteren Schichten am allerhärtesten. Seit Jahren schreit alles nach Reeinem Gutenabend-Gruß die Hand, kniff das eine Auge zu und sagte:„Schwerenöter Sie— gehen gleich aufs Ganze!“ Ein verlegenes Lächeln Trollas war(die Antwort. Dann irrte sein Blick zu dem Mädchen seiner Liebe, dessen heißen Atem er noch zu verspüren glaubte, das nun aber fassungslos und, plötzlich bleich geworden, mit gesenkten Augen am Klavier stand, nicht wissend, wie sie sich verhalten sollte. „Aber Emmy, wie kannst du dich nur so vergessen!“ sagte die Alte wieder und schlug diesmal mit den Händen zusammen. „Rege dich nur nicht auf, Mutter, es wird ja alles jut werden, fiel der Alte tröstend ein, der das Kommende schon voraussah.„Der Herr Referendar ist ja ein Ehrenmann.“ Trollas Entschluß war gefaßt. Man hätte durchaus nicht nötig gehabt, ihn an seine unzweifelhafte Gesinnung zu erinnern. Noch orannten ihm Emmys heiße Küsse auf seinen Lippen, noch war er wie betäubt von dem berauschenden Sinnenreiz ihres Haarduftes, und noch empfand er den ganzen himmlischen Zauber, in dem ihre Seelen während der ernsten Klänge ineinander aufgegangen waren. . Die dunkle Empfindung, daß man ihn mit Gewalt zu einer Erklärung herausfordern wollte, trat zurück, er sah nur als anständiger Mann die Notwendigkeit dazu ein. Und die Pflicht, der Geliebten zu beweisen, daß er mit ihrem Herzen nicht gespielt habe, gab ihm den Mut, sich sofort in die Situation zu finden. Ich bitte sehr um Entschuldigung, wenn Sie vielleicht unangenehm überrascht sein sollten, begann er höflich und freundlich. „Aber zwischen Emmy und mir ist eine Aussprache längst vorhanden. Wenn Sie nichts dagegen haben, so erkläre ich sie hiermit als meine Braut. Zugleich möchte ich ergebenst um die Hand Ihrer Tochter bitten.“ „Abgemacht, Herr Referendar,“ sagte Dankelberg sofort und schlug kräftig in seine Hand ein.„Von nun an können wir wie vernünftige Männer reden.“ „Das wird sich ja schon alles finden,“ warf die Mutter ein, zog Trolla ungeniert an sich und drückte einen Kuß auf seinen Mund. Sie war so gerührt, daß ihr die Augen feucht wurden. Nun stürmte sie auch auf ihre Tochter zu, herzte sie und sagte aufgelöst vor Wonne:„Ich gratuliere dir, mein Kind.“ „Dann können wir ja die Sache gleich begießen,“ meinte Dankelberg, dem die Weinlaune noch im Kopfe saß. Heute hatte er wirklich einen guten Tag. Als Frau Dankelberg dann nach hinten schritt, um die freudige Neuigkeit auch Laura und Gusten zu verkünden, führte sie noch immer den Schürzenzipfel gegen die Augen. Es war doch schon, daß sie die kleine Komödie gespielt hatte, um ihn zu einem Geständnis zu bringen. Wenn schon, denn schon! Draußen in der Küche weinte Guste vor Freude mit. „Sind Sie denn verrückt geworden?“ fragte Laura und die Kochringe, daß sie klirrten. # Nun ist die Vorläge der Regierung erschienen; sie sieht auch ähnlich. Es werden folgende Steuerarten vorgeschlagen: 1. die Wertzuwachssteuer, 2. die Grundsteuer nach dem gemeinen 1. die.„.., 2. die Grundsteuer nach dem gemeinen Wert, 3. die Warenhaussteuer, 4. die Hundesteuer, 5. die Werterhöhungsbeiträge, 6. der Wirtschaftskonzessionsstempel, 7. die Kuxtaxe. Also ein buntes Gemisch fortschrittlicher und rückschrittlicher Ideen, deren Uebertragung ins Praktische so aussieht: Die Wertzuwachssteuer hält sich in außerordentlich bescheidenen Grenzen. Die Staffelung wird den Gemeinden über###. darf jedoch 25 Prozent der Wertzuwachses nicht überschreiten. Wertsteigerungen unter 10 Prozent müssen steuerfrei bleiben. Die Grundwertabgabe, die von den Gemeinden für die nicht bebauten Grundstücke nach Maßgabe des gemeinen Wertes erhoben werden kann, ist ebenfalls äußerst niedrig. Sie darf den Satz von ½ Prozent jährlich nicht übersteigen. Schärfer packt man bei der reaktionären Warenhaussteuer zu; hier beträgt der Satz mindestens ein Fünftel vom Hundert des Umsatzes und kann bis zu 1½ Prozent steigen. Eine Abstufung nach der Höhe des Umsatzes ist zulassig. Diese Steuer muß erhoben werden: in Gemeinden unter 10000 Einwohnern bei einem Umsatz des betreffenden Geschäfts von mindestens 100000 Mk., bei 10000 bis 50000 Einwohnern, wenn der Jahresumsatz mindestens 150000 Mk. beträgt, und bei mehr als bei einem Jahresumsatz von mindestens 200000 Mk. Ob auch die Konsumvere ne unter die Bestimmungen fallen, verrät weder der Entwurf noch die Begründung; sie scheinen demnach stark bedroht. Das Hundesteuergesetz erhöht die jetzigen Mindest= und Höchstsätze von 1,20 Mk. bis 8 Mk. auf 8 Mk. bis 24 wet. Die Werterhöhungsbeiträge knüpfen an ein aus dem Jahre 1807 stammendes französisches Gesetz an. Sie können von den Gemeinden erhoben werden, wenn durch von ihr vorgenommene Arbeiten— Straßenund Brückenbauten, allgemeine Sanierung, Straßendurchbrüche usw.— eine Wertsteigerung des anliegenden Grundstückes herbeigeführt wird. Auch hier darf der Satz der Beiträge 25 Prozent der Wertsteigerung nicht überschreiten. Auf keinen Fall darf die Gemeinde mehr an Beiträgen erheben, als die Kosten der Arbeiten betrugen. Der Wirtschaftsstempel ist für jede neue Schankwirtschaftskonzession zu zahlen. Er beträgt zwischen 200 und 1000 Mk. je nach der Größe der Wirtschaft und der Einwohnerzahl der Gemeinde. Die Höhe der Kurtaxe ist ganz in das Ermessen der Gemeinden gestellt. Die fuße Arbeiterschaft. Eine Arb.itergruppe von welcher verhältnismäßig wenig in der Oeffentlichkeit die Rede ist, ist die in der Schorola# adender Oeffentlichkeit die Rede ist, ist die in der Schororr.n und. Zuckerwarenindustrie und ihren Nebenbranchen beschäftigte. Trotzdem von Jahr zu Jahr der Umfang dieser Industrie wuchs, haben die darin tätigen Lohnsklaven— es sind zu 60—70 Prozent weibliche:— bisher versäumt, in gesind zu 60.—70 Prozent weibliche:— bisher versäumt, in genugender Zahl sich ihler Berufsorganisation anzuschließen. So ist es erklarlich, daß der zuständige Verband(früher der Verband der Konditoren und verwandter Berufe, jetzt der Deutsche Bäcker= und Konditorenverband) noch nicht in der Lage war, ausreichend einzugreifen und auch die allgemeine Arbeiterschaft wenig von den Zuständen in diesen Betrieben erfuhr. Es würde aber im Interesse aller liegen, wenn von den dortigen Verhältnissen etwas mehr Notiz genommen würde; sind es doch immerhin mindestens 50000 Personen, die in Frage kommen. Der Tiefstand einer solchen großen Gruppe in bezug auf seine Erwerbsverhältnisse bleibt nicht ohne Wirkung auf andere Kreise; schon deshalb nicht, weil hier auch Saisonarbeit üblich ist. Sie fällt in die Wintermonate, im Sommer wendet sich dann die Arbeiterschaft anderen Berufen zu und schädigt diese durch ihre Bedürfnislosigkeit. Zahlt man ihnen doch noch Löhne, von welch. laum satt essen kö von welchen sie sich tatsachlich kaum satt en### konnen. Einige wenige Zahlen werden das sofort beweisen. Im vorigen Jahre wurde von der Organisation eine Statistik ausgenommen, welche ergab, daß von 143 Großbetrieben nicht weniger denn 88 den gelernten Kräften, d. h. den Fabrikkonditoren, Anfangslöhne von 20—35 Pfg. pro Stun e zahlten. Den Bäckern, für welche besonders die Honigkuchen- und Kakesfabriken in Betracht kommen, wurden in 54 Betrieben(von 67) die gleichen Hungerpfennige geboten und den ungelernten Hilfsarbeitern gar in 114 von 121 Betrieben. Noch viel traurigere Verhältnisse förderte die Erhebung aber in bezug auf die Arbeiterinnen zutage! Es lagen aus 142 Betrieben Angaben vor, welche alle bis auf 2 nur Anfangslöhne bis höchstens 20 Pfg. die Stunde anlegten. 47 Betriebe magtenes sogar bloß* 10 Rf zu! ten und wir iche von * Geiriebe wagten es sogur, bioß 7—10 Pig. zu bielen, a finden unter diesen Nobelsten der Noblen sogar sold Weltruf, wie Gebr. Stollwerk A.=G. Die Behandlung ist eine den Löhnen angemessene. Strafgelder regnet es nur so, und wenn eine Arbeitern glaubt, sie „Nee, noch nich. Aber ick hab' unsern Herrn Schwiegersohn so fern, gab Guste schluchzend zurück. Ta Zwei.„#ge später, gegen Abend, saß Trolla an seinem Schreiotisch, als es an der Außentur bescheiden klopfte und Schneider mit feierlicher Miene hereintrat. Er trug neue, mostrichfarbene Glacéhandschuhe, schwenkte einen spiegelbla Verb hfarbene Glacéhandschuhe, schwenkte einen spiegetblanken Zylinderhut und nayerte sich unter wiederholten Errbeugungen, wodurch er unstreitig seinen Respekt vor seiner Umgebung andeuten wollte. 30 „Aha, er will gratulieren kommen,“ dachte Trolla, empfing Er wollte heute so groß als möglich ; g i n g e r a u f s e i n Z i e l l o s.„ S i e w o l l e n Cousine heiraten, Herr Referendar?" be„ n e i n e m V o r w u r f s b o l l e n auf einen Stuhl nieder. erscheinen. Ohne Umschweife also wirklich meine gann er mit einem pfiffigen Lächeln und einem vorwurfsoollen Rick, was Trolka unwinturlich heiter stimmte. :„Wenn Sie nichts dagegen haben...?“ wandte er höflich ein und reichte dem Kleinen seine Zigarrentasche hin. Fritz schien sich sehr geehrt zu fühlen, denn er fuhr sofort von seinem Sitz auf, bedankte sich und ließ es sich nicht nehmen, Trolla aus seiner eigenen Streichhölzerbüchse Feuer zu geben. „Ich scheine ihn doch verkannt zu haben,“ waren Trollas Gedanken wieder, der in ihm bisher einen boshaften Zug entdeckt zu haben glaubte. „Was sollte ich wohl dagegen einzuwenden haben, Herr Referendar, erwiderte Schneider junior, wöhrend er mit etwas verqualmten Augen an der Zigarre sog, die ihm anscheinend zu stark war.„Sie sind bübscher und großer als ich, das ist eben ausschlaggebend. Habe ich mir nicht alle Mühe gegeben, Emmy Ihnen wieder abspenstig zu machen, aber will sie denn? Ich erbe'mal ein großes Haus und noch viel mehr, und bin Vaterns Einziger, und Sie sind vorläufig noch nichts. Aber wie gesagt — will sie denn? Das ist nun der Dank für das viele Klavierspielen— vierhändig!“ „Recht schade,“ warf Trolla ein, durch die Liebestragib des Kleinen humoristisch gestimmt.„Aber trösten Sie sich. Bei Ihren vortrefflichen Eigenschaften werden Sie gewiß noch viel von heiratslustigen. Damen umschwärmt werden.“ „Glauben Sier gab Fritz zurück und blickte ihn mit seinen großen, wasserblauen Augen prüfend an. Er wußte nicht, sollte er mißtrauisch sein oder sich geschmeichelt fühlen. Dann fuhr er seufzend fort:„Was nutzt das alles, wenn man Einer nur gut ist. Sie wollte gewiß noch, wenn Sie sich von ihr lossagten. Sie würde dann bald den Schmerz überwinden, sich in alles fügen und doch noch mit mir vorlieb nehmen. Wenn es auch nur aus Aerger wäre, Sie nicht bekommen zu haben. Die Mädchen sind ja darin komisch. O, ich kann Ihnen sagen— ich habe auch schon meine Erfahrungen hinter mir... Ich würde sogar in diesem Falle ein gutes Wort für Sie bei meinem Vater einlegen. Trolla, der diesen Hinweis in seiner richtigen Bedeutung nicht verstand, schüttelte nur lächelnd mit dem Kopfe. Fritz zedoch, der im besten Zuge zu sein glaubte, gab seinem Stuhl könne ungestraft probieren, ob die Leckerbissen, bei deren Herstellung sie sich abplagt, im Geschmacke geraten sind, so kostet ihr das Vergnügen am Ende der Woche unter Umständen so viel, daß sie noch die Margarine vom Brote weglassen muß. Wo die Strafgelder übrigens bleiber erfährt das Gros selten. Ueberhaupt wird die Arbeiterschaft, und besonders die weibliche, durchweg als Spitzbubengesellschaft betrachtet; sie wird ohne weiteres bei jedem Verlassen des Betriebes einer peinlichen Visitation unterzogen. Jedem ehrlich und anständig erzogenen Mädchen muß es natürlich das Schamgefühl auf das Groblichste verletzen, wenn es sich ohne alle Ursache täglich— oft noch in Gegenwart von Mannern— den ganzen Korper nach Konterbande abtasten lassen muß. Wenn durch solch summarisches Verfahren manche erst zu kleinen Unredlichkeiten angereizt wird, so kann das nicht Wunder nehmen. Dieses abstoßende Bild der Arbeitsverhältnisse wird vervollständigt, wenn man die Arbeitszeiten in Betracht zieht. Vorherrschend ist ja der Zehnstundentag, eine ganze Reihe von Fabriken läßt aber noch 11 und sogar 12 Stunden arbeiten. Das schlimmste Uebel ist jedoch das enorme Ueberstundenunwesen. Ueberstundentage wurden in mehreren Betrieben bis weit über 200 festgestellt und die regelmäßige Arbeitszeit meist 3—5, oft noch mehr Stunden überschritten. Auch jugendliche Personen wurden gegen Recht und Gesetz vielfach langer angespannt; selbst endlose Heimarbeit greift in gewissen Artikeln immer mehr um sich. Daß eine solche kolossale Ausbeutung den Unternehmern auch in den letzten Krisenjahren noch enorme Gewinne abwarf, ist erklärlich. Sechs der größeren Aktiengesellschaften ernteten beiszielsweise im Berichtsjayre 1907 resp. 1907/08 rund 2½ onen Mark Reingewinn. Wohlverstanden nach allen Abschreibungen! Um all diese profitablen Zustände zu konservieren, haben die Schokoladefürsten sofort, als die Arbeiterorganisation ihren ersten ernsten Vorstoß machte, Gegenmaßregeln unternommen. Zunächst schlossen auch sie sich Schutzverbänden an und dann errichteten sie schleunigst Arbeitsnachweise nach dem Muster der Kühnemänner in der Metallindustrie. Vor allem aber sollten Wohlfahrtseinrichtungen ihren Rettungsanker bilden, und Pensionskassen, Sparkassen, Speiseanstalten, Arbeiterheime, Wohnhäuser usw. wurden so zahlreich errichtet, wie in wenigen Branchen. In der Regel war man sogar so freundlich, regelrechte Beiträge hierzu den Arbeitern gar nicht abzuverlangen, man ließ den Charakter der Wohltätigkeit ganz rein leuchten. Daß das Gebotene aber, wenn ein Kapitalist sich gar zu edelmütig zeigt, bei näherem Hinsehen um so dürftiger ist, weiß man im voraus. Betrachten wir wenigstens einige dieser besonders humanen Einrichtungen. Die Firma Kaiser in Viersen, Inhaberin der bekannten Kaffeegeschäfte, hat für ihre Schokoladenfabrik, die ungefähr 700 Kopfe beschäftigt, eine Altersversorgungskasse eingerichtet Jedem Arbeiter(die Arbeiterin kommt auch hier als minderwertig nicht in Betracht wird nach 10jähriger Tätigkeit bei der Firma— jedoch nicht vor dem 30. Lebensjahre— jährlich im Januar ein Monatsgehalt gutgeschrieben, und zwar 20 Jahre lang. Nach dieser Zeit, also im 50. Jahre, wird der Altersversorgte etwas über 3000 Mk. besitzen, d. h. wenn ihm in jedem Jahre 100 Mk. gutgeschrieben wurden, was aber nur in gunstigen Fällen eintritt. Scheidet er vor Ablauf dieser 20 Hinterlegungsjahre aus, so kann er so viel mal ein Zwanzigstel von der gutgeschriebenen Summe erhalten, als Hinterlegungen für ihn stattgefunden haben. Einen rechtlichen Anspruch hat er jedoch an all das nicht, sondern er ist immer auf die Gnade der Firma angewiesen. Immerhin sieht es noch nach etwas aus, wenn man nicht bedenkt, daß bei Kaiser ebenso wenig alte Leute zu finden sind wie in der ganzen Schokoladenindustrie, weil eben bei den niedrigen Lohnsatzen niemand dort sich lange aufhält. Kaiser zahlt seinen Leuten noch 3,50—3,70 Mk. pro Tag, wenn sie schon 8—10 Jahre bei ihm sind. Seine Altersversorgung ist also nichts weiter als ein schönes Schild, das nur einigen ganz besonders Bevorzugten in späteren Zeiten einmal zugute kommen wird. Die Reichardt=Kcompagnie in Wandsbeck macht gleichfalls stark in Wohltätigkeit. Sie hat Unterstützungskassen, baut Arbeiterwohnhäuser und hat bereits ein„Reichaldtheim“ für zum Dienstmädchen entzogen werden. Heller kann also kaum Unternehmergüte strahlen wie in Wandsbeck. Das Konto der Unterstützungskasse dieser Firma, betrug im Jahre 1907 3286,67 Mart. Da diese Summe der Firma jeden— lächer..— Jhr Srese falls selder etwas zu rlich gering erschien und mit iyrer sonstigen„großzügigen Reklame“ schlecht in Einklang zu bringen ist, so hat sie noch die r'ge für das ihren Leuten gewährte Mittagessen hinzugesellt Betrage für das chren Leuten gewahrn Millägessen Vinfugesenlt und konnte nun 21 862,60 Mk. aufrechnen. Das Kostsystem in hintereinander mehrere Rucke, so daß er nun dicht vor Trolla saß, tippte diesen gemütlich an und redete mit unterdrückter Stimme auf ihn ein.. „Sie können sie ja eigentlich gar nicht beiraten, Herr ferendar. Ein feiner Mann wie Sie, dessen Pruder Offizier ist! Ich bitte Sie! Die n.### ein En, Die faulen Geldsachen geh'n ja noch, aber Sie konnen doch keinen Verbrecher zum Schwager haven. Ede war immer das räudige Schaf in der Familie, hatte keine Lust zum Arbeiten und stahl und betrog wo er konnte. Das letzte Mal saß er wegen Unterschlagung. Plötzlich blaß geworden, ließ ihn Trolla ruhig weiter reden, denn Ek nichtserwartet. nn diese Enthüllung hatte er nicht „„„ wenn er hier wieder auftauchte un „Bedenken Sie doch, wenn er hier wieder auftauch Ihnen uver den Weg liese. Was für Unanneymiichteiten für Sie! Mich geniert's nicht mehr, denn ich habe keine Rücksichten zu nehmen. Ich kenne auch schon seit Jahren die ganzen Verhältnisse. Aber Sie, der Sie eine große Karriere vor sich haben——! Nein, nein— Sie könnten sich dabei nicht wohl fühlen.“ Er fuchtelte mit dem Zylinderhut umher, weil das lebhafte Sprechen ihm die Ruhe nahm. Und als Trolla in das bleiche Gesicht blickte, aus der die verhaltene Eifersucht deutlich ihre stumme Sprache redete, fühlte er sich angewidert bei dem Gedanken, dieser unschöne Kobold könnte jemals Besitz von Emmy ergreifen. Er bog sich weit über die Lehne des Sessels zurück, um jede Berührung mit ihm zu verFritz ließ sich jedoch nicht stören, sondern tippte nun ins Leere hinein:„Gewiß wird man Ihnen schon Andeutungen darüber gemacht haben, aber alles werden Sie doch noch nicht wissen, begann er wieder, brach aber verblüfft ab, als Trolla sich plötzlich erhob und ihm ins Wort fiel:„Ich danke Ihnen für Ihre Mitteilung, aber sie kommt etwas zu spät. Das wußte ich bereis Zu seiner ganzen Höhe emporgereckt, blickte er mit erzwungenem Lächeln auf den Kleinen.„ „Sie wußten? Ja dann—. Wayrend Schneider junior wie ein Talmigeck mit den behandschuhten Fingern über den Rand des Zylinderhutes fuhr, lächelte er blöde, als stünde er plötzlich vor etwas Unfaßbarem, was nicht in seinen Schädel könnte. „Bitte um Entschuldigung für die Störung, verabschiedete er sich dann und machte nun einen leichten Bückling, der sehr im Gegensatz zu den vorangegangenen Verbeugungen stand. Weshalb sollte er jetzt noch große Umstände machen! Dieser Herr Referendar erschien ihm plötzlich als ein Mensch, dessen Charaktereigenschaften er sehr überschätzt hatte. Der nahm jedenfalls die Mitgift, wo er sie herbekam und drückte zu allem ein Auge zu, wie sein zukünftiger Schwiegervater es zu tun Die Tür war ins Schloß gefallen. Trolla ließ sich wieder an seinem Schreibtisch nieder und starrte vor sich hin, erfüllt von unklaren Gemütsbewegungen, die ihn in ihrem Banne hielten. Dann bekam er seine gestigkeit u der. Nein, nein— er durfte * S„* c# u r d e n W a k e“ d. e B r u d e r s v e r a n t w a r t l i c h die Schweiter nicht ful den Male. des Braders verantwortlich machen! Wie könnte er sonst jemals in seinem Leben das Rechte verteidigen! (Fortsetzung folzt.) der Fabrik wird hier den Arbeitern genau so gut als Wohltat gepriesen, wie es der Bäckermeister tut. Auch die Stollwerksche Aktiengesellschaft in Köln a. Rh. baut ihren alten Arbeitsveteranen Wohnhäuser, nennt sie Villen und schreibt sogar noch den Namen des Bewohne:s dran. Ueber ihre Betriebsunterstützungskassen und Pensionskassen läßt sie im allgemeinen jedoch nur das in die Oeffentlichkeit dringen, was sie für gut hält. Ein besonderer Fall wird aber das Dunle. genügend verscheuchen. Ein 64 Jahre alter Arbeiter war in der Firma 21 Jahre beschäftigt. Er wurde krank und bekam Invalidenrente, d. h. die staatliche, nicht die Stollwerksche. Von der konnte der Arbeiter auch nicht leben und er bat die Firma, ihn wieder zu beschäftigen oder ihm einen Zuschuß aus der Pensionskasse zu gewähren. Das lehnte die Firma aber ab, denn sie hatte den Mann eben noch nicht volle 25 Jahre ausgebeutet. Da der Mann merkwürdigerweise mit der Bettelbriefschreiberei noch nicht nachließ— er konnte sich jedenfalls nicht so schnell an das Hungern gewöhnen—, so erhielt die Polizei eine Anzeige. Der Alte sollte Erpressung begangen haben. Die Polizei mochte aber in diesem Falle ihre eigenen Gedanken haben— sie verwendete sich für ihn und er bekam nun noch für ein Vierteljahr von der Millionenfirma freien Mittagstisch in der Volkswohlküche. Auch die Betriebskrankenkasse der Firma ist von der gleichen Art Wohltäterei angesteckt. Die Arbeiterinnen z. B., die im Verdacht stehen, guter Hoffnung zu sein, werden beizeiten abgeschoben und können sehen, ob sie vei einer anderen Kasse noch unterkommen können, wenn sie nicht völlig hilflos dastehen wollen.— Als weiteres Betäubungsmittel fur die Arbeiter bringt man die Sparkassen in Anwendung. Der Herr Chef läßt sich wiederum selber herbei, für seine Leute zu sparen, da en ode es einmal nicht anders geht. Nach einigen Jahr##er zu besonderen Zeiten, Weihnachten z. B., souen dann die auszahlungen erfolgen. Leider fliegen mißliebig gewordene Personen kurz vor solchen Terminen oft auf die Straße. Aber wenn dies auch nicht der Fall ist, so sind es nur lächerlich geringe Summen, die dem Arbeiter in den Beutel getan werden, nachdem man sie ihm erst zehnfach vorenthalten hat. Eine besonders feine Kasse dieser Art hat sich Herr Sprengel=Hannover eingerichtet. Sie zahlt die ersten 5 Beschäftigungszahre pro Jahr 20, dann bis zum 10. Jahr 25, dann bis zum 25. Jahre 30 Mark(den Arbeiterinnen 10, 15 und 20 Mk.) ein. Ausgezahlt wird, wenn der Betreffende im Betriebe bleibt, drei Monate nach Aufhören der Einzahlung, aber nicht vor dem 55. Lebensjahre! Tritt jemand vorher aus so erhält er innerhalb der ersten 10 Jahre die Hälfte, zwischen dem 10. und 15. drei Fünftel und zwischen dem 15. und 20. vier Fünftel(dann alles) ausgezahlt. Eine Arbeiterin, die im 11. Jahre ausscheidet, hat demnach Anspruch auf die Hälfte von 125= 62,50 Mark. Für diese Summe hat sie ihr heiligstes Recht verkauft. Denn in Wirklichkeit kauft Herr Sprengel für 6,25 Mk. pro Jahr mit seiner„Sparerei“ den Arbeiterinnen das Koalitionsrecht ab, weil alle Ansprüche an die Kasse verloren gehen, wenn einmal ein„komplottmäßiges Niederlegen der Arbeit" stattfindet. Den Arbeitern gibt er ja ein paar Pfennige mehr dafür. Die ganzen Wohltaten der Schokoladenfürsten sind demnach von demselben Kaliber wie die der Kühnemänner. Wir hoffen, daß die gedrängte Skizze dieser Verhältnisse die allgemeine Arbeiterschaft veranlassen werd, die Agitation unter dieren Berufsgruppen etwas mehr zu unterstützen als es bisher noch der Fall gewesen ist. Handelt es sich doch, wie ausgesprochen, zumeist um Arbeiterinnen, die gewonnen werden sollen, und hier mitzuhelfen ist Solidaritätspflicht aller! Wie viele haben dazu in Familie oder Gesellschaft einmal Gelegenheit! Jeder sollte empfinden, daß er moralisch verpflichtet ist, hier mit Hand anzulegen, wo Gelegenheit sich nur bietet. Oft stammen unsere unorganisierten Kolleginnen aus Familien, in denen Vater und Bruder tätige Mitglieder ihrer Organisation sind und sie leiden doch, daß Tochter oder Schwester zu geradezu schimpflichen Bedingungen arbeitet und zu ihrer Verbesserung nicht das geringste beiträgt! Das ist ein Unrecht gegen die Arbeitervejede wegung im ganzen. Zudem könnte heute#organisierte Arbeiter wissen, daß die zuständige Organisation für diese Gruppe auch in der Lage ist, voll und ganz für ihre Mitglieder einzutreten. Der Verband der Bäcker und Konditoren(Sitz Hamburg) hat durch seine großen und schweren Kämpfe für die Bäckereiarbeiter bewiesen, daß er die Lage der Berufsangehörigen zu bessern versteht! Unterstütze man ihn also in seinem Bestreben, jetzt schneller in der Schokoladen- und Zuckerwarenindustrie genügenden Boden zu finden, und er wird auch diesen Proletariern vald zum Nutzen der Allgemeinheit bessere Lohn= und Arbeitsverhältnisse erkämpft haben Die„Arbeiter=Turnzeitung“ im Festgewande. Das Organ des Arbeiter=Turnerbundes, die„Arbeiter-Turnzeitung“, pat mit ihrer uns vorliegenden Ausgabe Nr. 11 eine Abonnentenzahl von 100000 erreicht und aus diesem Anlaß ein festliches Kleid angelegt. Stellt man die Leserzahl des Blattes mit der Zahl der männlichen Mitglieder des Bundes, die zurzeit 130 000 beträgt, in Vergleich, so zeigt sich, daß die freien Turner ihrem Organ ein sehr rühmenswertes Interesse entgegenbringen. Die Festausgabe ist gleichzeitig den Delegierten des 9. Bundesturntages, der während der Pfingstfeiertage in Köln tagt, gewidmet, ein trefflicher Willkommengruß. Der Bund der technisch=industriellen Beamten, der durch die energische Abwehr der mehrfachen Angriffe auf die Koalitionsfreiheit in den letzten 1½ Jahren wiederhol die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf sich gelenkt hat, hält zu Pfingsten in 9 ordentlichen Bundestag ab N Berlin seinen 3. PirimichengCunrrslag ab. Neben inneren Verfassungsfragen werden den Bundestag die Frage der parteipolitischen Neutralität, das Vereins- und Versammlungsrecht, die Arbeitskammerfrage und die Vereinheitlichung der Versicherungsgesetzgebung veschäftigen. Auch mit der Frage, welche Forderungen im Interesse der technischen Angestellten von den Kommunalverwaltungen zu erfüllen sind, werden sich die Delegierten befassen. Gewerbegerichtswahlen in Frankfurt a. M. Bei der diesmaligen Wahl zum Gewerbegericht war die Beteiligung der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer geringer als vor zwei Jahren. Von den Arbeitgeberlisten entfielen auf Liste 1(liberal) 526 Stimmen und 29 Beisitzer, auf Liste 2(Mittelständler) 100 Stimmen und 4 Beisitzer, auf Liste 3(Soz.) 254 Stimmen und 9 Beisitzer. Von den Arbeitnehmerlisten entfielen auf Liste 1 (christlich=nationale Arbeiter) 1109 Stimmen und 3 Beisitzer, 9986 Stimmen und 30 Beisitzer, Liste 2(Gewerkschaftskarten, g### Weimmngun ur Wing Liste 3(Bund der technischen Beamten) 108 Stimmen und kein Beisitzer. Die Zimmerer Leipzigs, die am Bau der landwirtschaftlichen Ausstellung beschäftigt waren, haben nach eintägigem Streike eine Erhöhung ihres Stundenlohnes von 70 auf 75 Pfg. durchgesetzt. Tarifbewegung im Baugewerbe. Die beiden Arbeitgeberorganisationen, der„Vierstadtebund“(Hamburg=Altona=Wandsbeck=Harburg), und der„Bund er Maurer= und Zimmermeister, haven den Organisationen der Bauhilfsarbeiter, Maurer und Zimmerer die Mitteilung gemacht, daß, wenn bei einem ihrer Mitglieder Forderungen gestellt oder es zur Arbeitseinstellung bei diesem kommt, die Unternehmer eine allgemeine Aussperrung vornehmen werden. Dasselbe ist in bürgerlichen Zeitungen durch Anzeigen bekannt gegeben.— Der„Vierstädtebund“ hat es von vornherein abgeleynt, mit den Arveiterorganisationen in ein Tarifverhältnis einzutreten und beabsichtigt, nur eine Arbeitsordnung zu erlassen, zu der die Arbeiter etwaige Wünsche äußern dürfen. Der„Bund der Maurerund Zimmermeister hat wiederholt mit den Vertretern der Arbeiter verhandelt, lehnt es jetzt jedoch ab, irgend welche Verbesserungen der Lohn= und Arbeitsbedingungen eintreten lassen, angeblich, weil der Bund von dem Verbande Unterelde hieran gehindert wird. Die Tarifverhandlungen haben anch mit dem Bund de Resultat geführt. D Maurer und Zimmere der Tariffrage in ihre Von den in Betracht Mitglieder des Zentre Vereinigung"(Lokalor Verbande an. Die 1,20 Mk. pro Stunde. die Bautätigkeit in Ha den Jahren 1906 und zeichnet werden können organisationen in den Der Wiesbadener durch einen für die A. Innung hatte sich komitee zu verhandeln Meister eine neue, fr nung erklärte sich bere einzutreten. Es wurde festgelegt. Jetzt müsse Innung angehoren, in falls dem Vertrage an den Arbeitern avgesch Zur Holzarbeiterau Unternehmer versucher zu verleihen, indem sie Zirkular, das der Ar sendet, heißt es: „Da es von außer das Holzgewerbe, sond sonders mit Rücksicht daß dieser Streik nich heit der Arbeitgeber forderlich. Durch d einiger kleinerer Mei schwerste geschädigt. an die obenerwähnten oder für sie Arbeiten troffenen Mitglieder unserer baugewerbliche Angelegenheit durchau solchen Firmen nichts durch ihr Verhalten die Reihen der Arbeit Der Arbeitgeberbu# Hauptversammlung an einten Arbeitgebern nahmen nunmehr im durchzuführen. In d Unternehmer 64 Gesel Gesellen gekündigt. T die Kündigung in Boc worden. Die Lohnbewegung einen schärferen Char die Angelegenheit seit bietet sie den Arbeiter den Forderungen der hatten eine 10stündige löhne von 32 bis 50 P diese Löhne schon haber arbeit und 50 Prozent Da die Unternehmer lehnend verhalten, dür zug von Schlossern no ktg. Die Beeinflus trizitat. Es bedeutet durch die Bestrahlung lebhaftere Entwicklung, geht. So werden nicht zeln, die Halme und d Den Haupterfolg hat Bodens, guter Düngun kann eventuell den bee unbeeinflußten. Ueber nieur Dr. Max Bresle halb der Erdoberfläch elektrisch geladen sind ladung dieser Spannur dies eine sogenannted Nächten nach der Art treidehalme oder auch leuchtender Punkte sick etwa um oszillatorisch wird, sondern um wirk zeigen, daß sich die gan elektrisch geladenen Z1 stimmung erzeugt, aon Die Erfolge dieses Ve daß die beeinflußten P wicklung zeigen als d Ernten ganz erstaunli ** HP VI u so gut als Wohlta# in Köln a. Rb. baut nennt sie Villen und sohne:s dran. 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Neben inneren die Frage der parteiVersammlungsrecht, heitlichung der Vernit der Frage, welche Angestellten, von den verden sich die DeleM. Bei der diesBeteiligung der Arus vor zwei Jahren. Liste 1(liberal) 526 (Mittelständler) 100 .) 254 Stimmen und entfielen auf Liste 1 nen und 3 Beisitzer, en und 30 Beisitzer, 8 Stimmen und kein r landwirtschaftlichen eintägigem Streike 0 auf 75 Pfg. durchbeiden Arbeitgeberiburg=Altona=Wandskurer= und Zimmerder Bauhilfsarbeiter, macht, daß, wenn bei ellt oder es zur Arternehmer eine allgeasselbe ist in bürgergeben.— Der„Vierit, mit den Arbeiternautreten und beabssen, zu der die Ar„Bund der Maurer= den Vertretern der d, irgend welche Vergungen eintreten Verbande„Unterelbe ungen haben deshalb amit dem Bund der Maurer, und Zimmermeister zu keinem sultat geführt. Die Organisationen der Bauhilfsarbeiter, Maurer und Zimmerer werden sich in der laufenden Woche mit der Tariffrage in ihren Mitgliederversammlungen beschäftigen. Von den in Betracht kommenden Arbeitern sind 4110 Maurer Mitglieder des Zentralverbandes, 388 Mitglieder der„Freien Vereinigung"(Lokalorganisation), 68 gehören dem christlichen „In.„Die Löhne, barieren zwischen 080 und 1,20 Mk. pro Stunde. Nach einer ausgenommenen Statistik ist die Bautätigkeit in Hamburg und Umgegend noch besser, als in den Jahren 1906 und 1907, die beide als gute Baujahre bezeichnet werden können.— Wahrscheinlich werden die Arbeiterorganisationen in den nächsten Tagen den Streik beschließen. Der Wiesbadener Schuhmacherstreik wurde am Donnerstag durch einen für die Arbeiter günstigen Vergleich beendet. Die Innung hatte sich hartnäckig geweigert, mit dem Streikkomitee zu verhandeln. Schließlich gründeten eine Anzahl Meister eine neue freie Vereinigung. Und diese freie Innung erklärte sich bereit, mit den Arbeitern in Verhandlungen einzutreten. Es wurde dann ein neuer Vertrag auf drei Jahre festgelegt. Jetzt müssen nun auch die Meister, die der alten Innung angehören, in den sauren Apfel beißen und sich ebenfalls dem Vertrage anschließen, den die freie Vereinigung mit den Arbeitern abgeschlossen hat. Zur Holzarbeiteraussperrung in Rheinland=Westfalen. Die Unternehmer versuchen, der Aussperrung größeren Nachdruck zu verleihen, indem sie zur Materialsperre greifen. In einem Zirkular, das der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe versendet, heißt es: es von außerordentlicher Wichtigkeit, nicht nur für das Holzgewerbe, sondern für das ganze Baugewerbe ist, besonders, mit„ Rücksicht auf die Verhandlungen des Jahres 1910, daß dieser Streik nicht verloren geht, so ist volle Geschlossenheit der Arbeitgeber und einmütiges Vorgehen unbedingt ersorderlich. Durch das abweichende Verhalten namentlich einiger kleinerer Meister wird die allgemeine Sache auf das schwerste geschädigt. Wir bitten Sie infolgedessen dringend, an die obenerwähnten Meister keinerlei Material zu liefern oder für sie Arbeiten zu leisten an Stelle der vom Streik betroffenen Mitglieder unserer Organisation. Die Mitglieder unserer baugewerblichen Ortsverbände erklären sich in dieser Angelegenheit durchaus solidarisch und haben beschlossen, von solchen Firmen nichts mehr zu kaufen, die der Arbeitgebersache durch ihr Verhalten schweren Schaden zufügen und dadurch die Reihen der Arbeiter stärken.“ Der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe hat auf seiner Hauptversammlung am Montag beschlossen, die von den vereinten Arbeitgebern im Schreinergewerbe getroffenen Maßnahmen nunmehr im ganzen Bundesgebiet mit aller Strenge durchzuführen. In der vorigen Woche haben in Herne 12 Unternehmer 64 Gesellen und in Bochum 11 Unternehmer 56 Gesellen gekündigt. Wie wir schon berichteten, ist inzwischen die Kündigung in Bochum von den Arbeitgebern zurückgezogen worden. Die Lohnbewegung der Schlosser in Straßburg i. E. nimmt einen schärferen Charakter an. Nachdem die Meisterinnung die Angelegenheit seit dem 1. April bis jetzt hingezogen hat, bietet sie den Arbeitern einen Tarifvertrag an, der weit hinter den Forderungen der Arbeiter zurückbleibt. Die Arbeiter hatten eine 10stündige Maximalarbeitszeit und Minimalstundenlöhne von 32 bis 50 Pfg., 10 Prozent Zulage für diejenigen, die diese Löhne schon haben, 25 Prozent Zuschlag für Ueberstundenarbeit und 50 Prozent für Nacht= und Feiertagsarbeit verlangt. Da die Unternehmer sich diesen Forderungen gegenüber ablehnend verhalten, dürfte es zum Kampfe kommen, weshalb Zuzug von Schlossern nach Straßburg fernzuhalten ist. löh Kleines Feuilleton. kfg. Die Beeinflussung des Pflanzenwachstums durch Elektrizität. Es bedeutet ohne allen Zweifel einen Fortschritt, daß durch die Bestrahlung der Pflanzen mittels Elektrizität ihre lebhaftere Entwicklung, und zwar in allen ihren Teilen vor sich zeht. So werden nicht nur die Früchte, sondern auch die Wurseln, die Halme und die Blätter ein regeres Wachstum zeigen. Den Haupterfolg hat das Verfahren bei gutem Zustande des Bodens, guter Düngung und Bewässerung. Längere Trockenheit kann eventuell den beeinflußten Pflanzen mehr schaden als den unbeeinflußten. Ueber das Verfahren selbst spricht sich nieur Dr. Max Breslauer in der„Medizin. Klinik“ aus. Oberhalb der Erdoberfläche werden Drähte gespannt, die positiv elektrisch geladen sind und daher die Neigung haben, eine Entladung dieser Spannung in die Erde hineinzubewirken. Es ist dies eine sogenannte dunkle Entladung, die jedoch in finsteren Nächten nach der Art des Elmsfeuers an den Spitzen der Getreidehalme oder auch an den Drähten selbst in Form winzig leuchtender Punkte sichtbar wird. Dabei handelt es sich nicht etwa um oszillatorische Entladungen, wie häufig angenommen wird, sondern um wirklich konstanten Gleichstrom. Es läßt sich zeigen, daß sich die ganze Luft unterhalb dieser Drähte in einem elektrisch geladenen Zustand befindet, der eine Art Gewitterstimmung erzeugt,'ähnlich wie bei atmosphärischen Entladungen. Die Erfolge dieses Verfahrens bestehen im wesentlichen darin, daß die beeinflußten Pflanzen eine lebhaftere und raschere Entwicklung zeigen als die unbeeinflußten und daß ferner die Ernten ganz erstaunlich viel höhere Erträge aufweisen. Die Versuche sind natürlich jedesmal in der Weise ausgeführt worden, daß neben dem Versuchsfeld ein Kontrollfeld unbeeinflußt blieb und beide, soweit irgend möglich, dieselben Bodenverhältnisse dieselbe Bewässerung und Besonnung hatten. Die Mehrerträge konnten daher mit Sicherheit nur auf diesen hinzukommenden neuen Vegetationsfaktor, die Elektrizität, zurückgeführt werden. Das Verfahren wird dieses Jahr in großem Maßstabe auf einer Reihe von Gütern in Deutschland und im Auslande eingeführt, von denen eins unter der besonderen und offiziellen Ueberwachung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft steht. Der Haupterfolg, den sich die Landwirtschaft hiervon verspricht, beruht in der schnelleren Reife der Pflanzen, die in vielen Fällen noch wichtiger ist als ein vermehrter Ertrag. Ein Steckbrief gegen Karl Marx. Im 10. Heft des 3. Jahrganges der Münchener Halbmonatsschrift„März“ veröffentlicht Dr. Wilhelm Feldmann eine Abhandlung„Aus Karl Marxens Wanderjahren“, in der er recht anschaulich schildert, wie Karl Marx von der internationalen Reaktion und ihren Schergen in der Welt umhergehetzt worden ist. Es befindet sich in dieser Darstellung auch ein ungemein charakteristisches Polizei=Dokument, ein Steckbrief, den die Polizeibehörde in Hannover im Mai 1850 erlassen hat, als Marx, nachdem er ein Jahr vorher wieder einmal aus Deutschland ausgewiesen und auf seinen heimlichen Irrfahrten über Magdebura, Bielefeld, Hamburg auch nach der Leine=Residenz der bornierten Welfenfürsten gelangt war. Hier das von Feldmann wörtlich mitgeteilte„Signalsenene:. aim wörlich mitzetelte„Sig1. Zuname: Marx. 2. Vorname: Carl. 3. Stand od. Gewerbe: Doktor.!) 4. Geburtsort: Trier. 5. Wohnort: Unbestimmt. 6. Religion.?) 7. Alter: 32 Jahre(geb. 2. 5. 1818). 8. Größe: 5 Fuß 10 bis 11 Zoll hannov. Maß. 9. Statur: Untersetzt. 10. Haare: Schwarz, gelockt. 11. Stirn: Oval. 12. Augenbrauen: Schwarz. 13. Augen: Dunkelbr., etw. blöde. 14. Nase: Dick. 15. Mund: Mittel. 16. Zähne. 3) 17. Bart: Schwarz. 18. Kinn: Rund. 19. Gesicht: Ziemlich rund. 20. Gesichtsfarbe: Gesund. 21. Spricht deutsch im rheinischen Dialekt und französisch. 22. Besondere Kennzeichen: a) Erinnert in Sprache und Aeußerem an seine jüdische Abkunft; b) ist schlau, kalt und entschlossen. 1) Marx war Toktor der Philosophie. 2) und*) Angaben fehlenEs zeigt die ganze bornierte Arroganz des Polizeistaates dieses Signalement, das dem Denkergenie Marx„blöde Augen“ nachsagt und unter den besonderen Kennzeichen=Angaben von dem warmherzigen Menschheitsfreunde spricht wie von einem Spitzbuben oder Mörder. Und dieser Polizeistaat ist derselbe geblieben bis auf den heutigen Tag. sse. Steigende Frequenz der Zuckerkrankheit bei steigender Wohlhabenheit. Auf Grund der Berichte der Gothaer Lebensversicherung stellt Dr. Prinzing fest, daß ein direkter Zusammenhang zwischen der Lebensbaltung der Versicherten und dem Tod an Zuckerkrankheit besteht. Bei Versicherungssummen bis zu 3000 Mk. sind 47 Todesfälle an genannter Krankheit auf 1000 zu verzeichnen, bei Summen von 3—6000 aber 108 pro Mille und bei über 6000 bis zu 162 pro Mille. Dr. Prinzing sagt, daß Nervenaffektionen aller Art, wie sie die verfeinerte Lebenshaltung mit sich bringt, ein wichtiger Faktor bei Zuckererkrankungen sind; auch hängen Zuckerkrankheit und Fettsucht, als Folge übermäßiger und unrationeller Ernährung sehr oft zusammen. Die Zunahme der Zuckerharnruhr für Berlin ist statistisch festgestellt. In den Jahren 1871—1875 hatte die Krankheit auf 100 000 Ew. 2,5(männl.) und 1,2(weibl.) Todesfälle zur Folge, von 1900—1905 aber 20,7(mänm.) 12,3(weibl.) Sehr viel Einfluß auf die Zuckerkrankheit hat natürlich auch der Alkoholkonsum. Standesamts-Nachrichten. Amt Herford! In der Zeit vom 10. bis 15. Mai 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Söhne: Kolon Hermann Breder=Diebrock; Maurer Wilhelm Westerwelle, Elverdissen. Landwirt Heinrich Gustav Wittland, Eickum; Tischler Friedrich König, Sundern. „ Aufgebot. Landwirt Gustav Niemann, Falkendiek, und Anna Rührup, Jalkendiek. Eheschließung. Maschinenarbeiter Friedrich Hönning, Schwarzenmoor, und Johanne Sieker, Schwarzenmoor. Sterbefälle. Landwirt Hermann Heinrich Gustav Meier zu Bexten gnt. Meier zur Heide, 56 J., Diebrock; August Gößling geb. Schaberg, 28 J., Eickum. **** Amt Herford. In der Zeit vom 17. bis 22. Mai wurden beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Wegewärter Wilhelm Laker=Eickum, ein unehelicher. Eheschließungen: Landwirt Eduard Höner gen. Heidemeyer=Herford und Auguste Döpke=Falkendiek. Sterbefälle: Laar, 65 Jahre. „* Amt Enger. In der Zeit vom 7. bis 20. Mai 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Söhne: Holzarbeiter Wilhelm Kirchhoff, Landwirt Johann Friedrich SiekmannWesterenger; Zigarrenarbeiter Hermann Diekmann, Westerenger; Stellmacher Heinr. Wostbrock, Enger; Zigarrenarbeiter Bröhlhorst, Enger; Landwirt Aug. Evering, Dreyen. Töchter: Zigarrenarbeiter Heinrich Hollmann, Westerenger; Maurer Heinrich Steinkühler, Besenkamp; Landwirt Heinrich Tobusch, Herringhausen; Maurer Heinrich Bockermann, Enger. Aufgebot. Zigarrenarbeiter Heinrich Pühse, Herringhausen, und Zigarrenarbeiterin Karoline Siekmann, Herringhausen. Eheschließungen. Maurer August Oelschläger, Dreyen, und Zigarrenarbeiterin Anna Hartwig, Siele; Zimmergeselle August Sundermann, Oldinghausen, und Zigarrenarbeiterin Luise Dicks, Pödinghausen; Konditor August Paust, Enger, und Karoline Peppmeier, Dreyen; Zigarrenarbeiter Hermann Gießelmann, Spenge, und Zigarrenarbeiterin Anna Josting, Westerenger; Maurer August Stratmann. Dreyen, und Zigarrenarbeiterin Anna Eggersmann, Ahle; Tischlergeselle Wilhelm Tappe, Besenkamp, und Zigarrenarbeiterin Anna Lücking, Besenkamp. Sterbefälle. Johanne Marianne Meyer zur Heide gent. Lübke, 2 J., Herringhausen; Kandidat der Chemie Hermann Heinrich Friedrich Gröppel, 26 J., Enger; Heinrich Hermann Hartwig, 4 Mon., Besenkamp; Handarbeiter Albert Heinrich Schäffer, 75 J., Westerenger; gewerbl. Karoline Lisette Middelmann, 41 J.; Witwe Anna Katharine Hauptmann gent. Wemhöner geb. Thenhausen, 76 I.; Ehefrau Anne Ilsabein Klöckmann geb. Wöhrmann, 53 I., Dreyen; Witwe Johanne Marie Elisabeth Rolf geb. Benthien. 67 J., Enger; Ehefrau Johanne Wilhelmine Haubrok geb. Klöne, 63 J., Westerenger. *„* Amt Ennigloh. In der Zeit vom 15. bis 30. Aprik 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Söhne: Fabrikarbeiter Heinrich Spilker, Spradow; Zigarrenarbeiter August Klüter, Holsen; Zigarrenarbeiter Friedrich Schürstedt, Südlengern; Zigarrenarbeiter Friedr. Henseler, Werfen; Kolon Gottlieb Mesterheide, Dünne: Tagelöhner Wilhelm Burmann, Südlengern; Kolon Heinrich 732u7un: Schäfer Friedrich Stellbrink, Südlengern Pntgg., Kolon Heinrich Steinkamp. Dünne; Zigarrenarbeiter Friedrich Wüllner, Dünne; Tischler Heinrich Preiwinkel, Ennigloh; Zimmermann Wilhelm Kase, Muccum; Tagelöhner Heinrich Blomenkamp, Südlengern; Zigarrenarbeiter August Klüter, Ennigloh; Landwirt Heinrich Meier, Ennigloh; Bäcker Heinrich Röthemeyer; Holsen; Bahnarbeiter Heinrich Spethmann, Südlengern. Töchter: Zigarrenarbeiter Anton Heinrich Meyer, Holsen; Kolon Friedrich Oberhommert, Dünne; Fabrikarbeiter Anton Schulte, Spradow; Zigarrenarbeiter Friedr. Henseler, Werfen; Maurer Hermann Lüking, Holsen; Tischler Wilhelm Krämer, Spradow: Postschaffner Heinrich Witte, Spradow; Zigarrenarbeiter Wilhelm Albrecht, Südlengern; Zigarrenarbeiter Karl Gehne, Südlengern; Zigarrenarbeiter Wilhelm Budt, Ahle; Zigarrenarbeiter Friedrich Meier, Ennigloh; Zigarrenarbeiter Heinr. Meier, Südlengern; Zigarrenarbeiter Heinr. Hölscher, Dünne: Kistenmacher Heinrich Haubrock, Ennigloh; Zigarrenarbeiter August Heinrich Friedrich Korte, Hüffen; Zigarrenarbeiter Gustav Struk, Hunnebrock; Zigarrenarbeiter August Lindemeier, Hunnebrock; Zigarrenarbeiter Gustav Hoepner, Hunnebrock; Zigarrenarbeiter Ernst Homburg, Ennigloh. Aufgebote. Kistenarbeiter Hermann Siekmann, Hunnebrock, und gewerbl. Johanne Poggemeier, Bischofshagen; Mühlenarbeiter Friedrich Blomenkamp, Südlengern, und Zigarrenarbeiterin Anna Erdbrügger, Quernheim; Zigarrenarbeiter Heinr. Siekmann, Hunnebrock, und Zigarrenarbeiterin Alwine Bäumer, Bustedt; Lehrer Gottlieb Düsediekerbäumer, Ennigloh, und gewerbl. Auguste Kisker. Ennigloh. Eheschließungen. Verw. Fabrikarbeiter Heinr. Kammann, Ennigloh, und Dienstmagd Marie Peper, Bünde; Zigarrenarbeiter Heinrich Inderliet, Dünne, und Zigarrenarbeiterin Wilhelmine Brandhorst, Dünne; Zigarrenarbeiter Heinrich Klüter Muccum, und Zigarrenarbeiterin Luise Oberpenning, Dünne; Zigarrenarbeiter Friedrich Ortmeier. Holsen, und Zigarrenarbeiterin Luise Stratmann, Ahle; Ackergehilfe Friedrich Wilmsmeier, Dünne, und verw. Marie Wilmsmeier geb. Hagemeier, Dünne; Zigarrenarbeiter Friedrich Kley, Holsen, und Zigarrenarbeiterin Marie Schinke, Ennigloh; Zigarrenarbeiter(jetzt Grenadier) Heinrich Klingenhagen, Königsberg, und Zigarrenarbeiterin Marie Oberpenning, Dünne; Fabrikarbeiter Wilhelm Held. Ennigloh, u. Zigarrenarbeiterin Emma Hellmann, Muccum; Zigarrenarbeiter Karl Buddenberg, Südlengern, und Zigarrenarbeiterin Minna Rosenbohm, Südlengern; Postbote Franz Kochmann, Ennigloh, und Zigarrenarbeiterin Luise Budde, Ennigloh; Zigarrenarbeiter Heinrich Schuster, Spradow, und Zigarrenarbeiterin Marie Sieks, Ennigloh; Zigarrensortierer Karl Koch, Ennigloh, und Zigarrenarbeiterin Marie Wortmann, Muccum; Dekorationsmaler Friedrich Sundermeier, Südlengern, und Zigarrenarbeiterin Emma Römer, Südlengern: Gastwirt August Busse, Südlengern, und gewerbl. Emma Bußmann, Büttendorf; Gasanstaltsarbeiter Karl Zimmermann, Südlengern, u. Zigarrenarbeiterin Mathilde Bresser, Südlengern; Hilfshremser Hermann Hensiek, Osnabrück, u. Zigarrenarbeiterin Luise Niedermöller, Ennigloh. Sterbefälle. Ehefrau Heinrich Luttermann geb. Vogel, 23 I., Enniglohz Richard Steinkamp, 11 Mon.. Ennigloh; Wenen UIo Uid Racffen so besuchen Sie den Pwcur Raever Rorehr in Herren-, Knaben- u. Arbeiter-Konfektion. Sämtliche Waren werden zu jedem annehmharen Preise ausverkauft. Verschemm Verschemm! Verschennf. beim Eiinkauf wird Freitag, den 28., und Samstag, den 29. Mai von 5 MIk. div. Kolonialwaren 3000 eine Flasche ff. Himbeersirup Offeriere für die Pfingstfeiertage: Weizenmehl: Blütenmehl Kartoffelmehl Griesmehl S Citronat per Pfund 15 per Pfund 16. per Pfund 14# per Pfund 18. per Pfund 68. Himbeersirup Preiselbeeren Sultanin-Rosinen ff. gerein. Korinthen Stampfzucker per Pfund 379 per Pfund 324 per Pfund 434 per Pfund 29 per Pfund 21 Würfelzucker Mandeln ff. 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