ug„Volkswachl“, Schutlstraße 20. lt folgende vorrätig: ch das Invaliden= igs= Gesetz. Preis to 3.4. rch das GewerbeGesetz. Preis 25 4, S. ch das Bau=Unfalletz. Preis 30 4, . ich das Unfallvergesetz für Land= und chaft. Preis 25 4, ptfragen der Unfallug. Preis 20 4, 8 ch das Krankenvers. Preis 30 4, Porto ch das Vereinsgesetz §. Porto 5 Z. lle zur, Gewerbe. Von A. StadtPreis 204, Porto irch das Gewerbeund Kaufmannsge. v. Preis 25 4, 3. ch vor dem GewerbePreis 20 4, Porto ch das Militär=PeuPreis 50 J, den MilitärpflichPreis 30 J, Porto und Pflichten des Von Richard ki. Preis 20 4, 3. ech die StrafprozeßPreis 40 J, Porto 2861 Uleser en-Anlag erbem Buxkin, in Farben und Grösgen nur 4.85 Mk. Soöbbee dernstr. 8. F K in gröfster Auswahl zu billigsten Preisen uchkinater, abonnementshreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 117. Si UUTorbouUs Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Sonnabend, 22. Mai 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" X. Gerisch& Co., Vielesekt. 20. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. di an, in allen lligsten bei Ott. Asse 1 2709 issen-Ecke. Die deutschen GewerkschaftsKartelle im Jahre 1908. II. Als die hauptsächlichste Aufgabe der Kartelle ist von den Gewerkschaftskongressen stets die Betreibung der gewerkschaftlichen Agitation am Orte bezeichnet worden. Neben den dafür gemachten ausgaben kann auch die Zahl der abgehaltenen Versammlungen als ein Gradmesser für die agitatorische Betätigung dienen. Es wurden im Berichtsjahre abgehalten insgesamt 2668 allgemeine und 1474 berufliche Versammlungen. Das sind 290 Veranstaltungen mehr als im Vorjahre. Man kann mit der Durchschnittsziffer der stattgefundenen Versammlungen zufrieden sein. Namentlich wenn berücksichtigt wird, daß die mit bleierner Schwere auf der Arbeiterschaft lastende Krise auch die Ausübung der Agitation ungünstig beeinflußt. In der Zahl der weiblichen Vertrauenspersonen und der Arbeiterinnenkommissionen ist leider ein Rückgang eingetreten. Im Jahre 1907 waren vorhanden: in 48 Orten weibliche Vertrauenspersonen und in 25 Orten Arbeiterinnenkommissionen. Dagegen 1908: in 30 Orten weibliche Vertrauenspersonen und in 18 Orten Arbeiterinnenkommissionen. Es mag sein, daß es an vielen Orten an befähigten weiblichen Personen zur Betreibung der gewerkschaftlichen Agitation unter den Arbeiterinnen mangelt. Aber gerade dieser Umstand müßte die Kartelle veranlassen, der Heranbildung weiblicher Kräfte größere Aufmerksamkeit zu widmen. Wie notwendig die Gewinnung unserer Klassengenossinnen für die Gewerkschaften ist, das wird uns wieder zur Genüge durch die Ergebnisse der letzten Berufszählung bewiesen. Ist doch durch diese festgestellt, daß 3 510 466 weibliche Personen in gewerblichen Betrieben beschäftigt sind. Unaufhaltsam vollzieht sich das Eindringen der Frau in das Erwerbsleben. Die Zahl der erwerbstätigen Frauen vermehrt sich relativ schneller als die der Männer. Der starken Arbeitslosigkeit haben die Kartelle im Jahre 1903 ganz besonders ihre Aufmerksamkeit zugewandt. An 133 Orten wurden Arbeitslosenzählungen vorgenommen. Den Kartellen muß für die Vornahme dieser Zählungen volle Anerkennung gezollt werden. Tragen doch dieie dazu bei, die verheerenden Wirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise nachzuweisen und Tausenden über die kulturfeindlichen Tendenzen unserer„vielgepriesenen Gesellschaftsordnung“ die Augen zu öffnen. Gleichzeitig werden aber auch durch die Nachweisungen dieser erschreckenden Arbeitslosigkeit Staat und Kommune dazu gedrängt, sich mit dem Problem der Arbeitslosenfrage zu beschäftigen. Ist auch vorläufig eine großzügige Arbeitslosenfürsorge seitens dieser Körperschaften nicht zu erwarten, so gilt auch in dieser Beziehung für die Gewerkschaften die Parole:„Mit vereinten Kräften vorwärts drängen!" Eine durchaus notwendige Tätigkeit haben die Kartelle auf dem Gebiet des Arbeiterschutzes zu entfalten. Selbst die geringen gesetzlichen Bestimmungen, die der Klassenstaat gegen die äußerste Ausbeutung der Arbeiter geschaffen hat, werden illusorisch, wenn nicht die Gewerkschaften mit eiserner Energie über die Durchführung der Arbeiterschutzbestimmungen wachen würden. Diesem Zweck dienten im Jahre 1908: 126 Beschwerdekommissionen für Gewerbeinspektionssachen und 233 Bauarbeiterschutzkommissionen, die von den Kartellen unterhalten wurden. Es bestanden ferner 63 Kommissionen für die Beseitigung des Kost= und Logiswesens beim Arbeitgeber. Denn die Tätigkeit der Gewerkschaften darf sich nicht allein auf die Kontrolle der Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen beschränken, sondern immer wieder müssen Anläufe gemacht werden, um die gesetzgebenden Körperschaften zur Ausdehnung der Arbeiterschutzbestimmungen zu vera#u assen. Das gleiche gilt von dem Gebiet der sozialpolitischen Gesetzgebung. Hier haben die Kartelle die Aufgabe, durch intensive Agitation und gut durchgeführte Organisierung der Arbeitervertreterwahlen dafür zu sorgen, daß sozialpolitisch geschulte Arbeiter zur Vertretung der Versicherten in den Organen des Versicherungswesens gewählt werden. Nur die planmäßige Anwendung der vereinten Kräfte der gesamten Arbeiterschaft kann den Widerstand des Unternehmertums brechen, der gegen jeden Fortschritt auf dem Gebiete sozialer Reformen gerichtet ist. Die Bildungsbestrebungen finden durch die Kartelle eine fortlaufende unablässige Förderung. Die Zahl der Kartelle, die gemeinsame Bibliotheken besitzen, ist seit dem Jahre 1907 von 374 auf 430 gestiegen. Lesezimmer wurden 1907 von 56 und 1908 von 70 Kartellen unterhalten. Ein guter Teil der von den Kartellen veranstalteten gemeinsamen Versammlungen dient durch Halten guter Vorträge ebenfalls den BildungsbestrebunFist, Verartige gemeinsame Veranstaltungen sollten besonders solche Kartelle treffen, denen nur kleinere Gewerkschaften angeschlossen sind. Sie wurden sich damit einer dankbaren Ausgabe zuwenden. Wie ernst es den Kartellen mit den Bildungsbestrebungen ist, geht auch daraus hervor, daß im Jahre 1908 in 235 Kartellorten Bildungsausschüsse bestanden. Mit dem Einsetzen der Bewegung zur Ausbildung der Arbeiterjugend ist auch den Kartellen ein weiteres Feld fruchtbarer Betatigung eröffnet. Von 234 Kartellen wurden im Jahre 1908 Jugendkommissionen unterhalten. Die damit bekundete schnelle Erfassung dieser neuen Aufgabe beweist, daß die Kartelle sich bewußt sind, wie notwendig es ist, die heranwachsende Generation durch Darbietung geeigneter Bildungsmittel frühzeitig mit den Problemen des wirtschaftlichen und politischen Lebens vertraut zu machen. Die Orte, an denen Gewerkschaftshäuser bestehen, haben seit dem Jahre 1907 eine Vermehrung von 33 auf 51 erfahren. Nach den Kassenberichten scheinen an verschiedenen Orten solche Unterneymungen noch in Vorbereitung zu sein. Wie schon in früheren Berichten hervorgehoben wurde, stehen die Gewerkschaftshäuser in der Regel nicht unter der direkten Regie der Kartelle, sondern es werden zu deren Errichtung und Verwaltung besondere genossenschaftliche Unternehmungen geschaffen. Diese Form ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Errichund Erhaltung der Gewerkschaftshäuser ihre hauptsächlichste Stütze in den Gewerkschaften am Orte findet. Bei den bestehenden Gewerkschaftshäusern handelt es sich auch nicht imNer um eigene erbaute oder erworbene Häuser, sondern häufig werden mit den Inhabern passender Lokalitäten langjährige Verträge abgeschlossen, die den Gewerkschaften die ausschließliche Benutzung solcher Lokale sichern und sie an dem finanziellen Ergebnis interessieren. An 86 Orten bestehen Arbeitersekretariate, die von Kartellen unterhalten werden. In verschiedenen Fällen sind an dem Unterhalt eines Sekretariats mehrere Kartelle beteiligt. Es trifft dieses zu bei den Sekretariaten, die für größere Bezirke errichtet sind, ferner bei solchen, die sich in größeren Orten befinden, um welche sich in nicht allzu weiter Entfernung kleinere Kartelle gruppieren. Außer den Sekretariaten werden noch von 157 Kartellen Rechtsauskunftsbureaus unterhalten. Ueber die Tätigkeit der Sekretariate und Auskunftsstellen wird später besonders berichtet werden. Von 47 Kartellen wurden während des Berichtsjahres Sammlungen zur Unterstützung von Streiks und Ausiperrungen veranlaßt. 83 Kartelle gewährten solche Unterstützungen aus den Mitteln der Kartellkasse. Die Arbeitersekrrtart und dir Potschristra für Krchlskonsulenten. In Schweidnitz hat das Gewerkschaftskartell ein Rechtsschutzbureau seit dem Jahre 1903, wo für organisierte und unorganisierte Arbeiter Auskünfte in ihren Angelegenhei#en erteilt und für sie Schriftstücke an Behörden angefertigt werden. Als Verwalter des Bureaus, funktionierte seit dem Juni 1907 der Genosse Berke. Die Organisierten haben für die Anfertigung von solchen Schriftstücken nichts zu entrichten. Nichtmitglieder dagegen 25 bis 50 Pfg. Ueber die Höhe der Gebühren befindet der Verwalier selbständig. Sie fließen ohne Abzug in die Kasse des Gewerkschaftskartells und der Verwalter hatte vierteljährlich darüber Rechnung zu legen. Für seine ganze Mühewaltung(Auskunfterteilung und Anfertigung von Schriftsätzen) erhielt Berke aus der Kasse des Gewerkschaftskartells eine vierteljährliche Entschädigung von 10 Mk. Im August 1908 hatte Berke für einen nich torganisierten Mann eine Anzeige angefertigt und diese an die Behörde abgesandt. Auf Verlangen erhielt er 30 Pfg. für die Kartellkasse. Dieser Vorfall wurde zum Anlaß eines Strafverfahrens gegen Berke, weil er die Vorschriften der Gewerbeordnung über die sogen. Rechtskonzulenten nicht beachtet habe. Das Landgericht Schweidnitz verurteilte ihn auch zu der niedrigsten Geldstrafe von 1 Mk. Es nahm erstens eine Uebertretung, der Vorschrift des § 35 an, wonach der Behörde davon Anzeige zu machen ist, wenn jemand die gewerbsmäßige Besorgung fremder Rechtsangelegenheiten und bei Behörden wahrzunehmender Geschäfte beginnt, insbesondere die Abfassung der dar auf bezüglichen Schriftstücke.(Dasselbe trifft zu auf die gewerbsmäßige Auskunfterteilung über Vermögensverhältnisse oder persönliche Angelegenheiten.) Zweitens wurde ihm zur Last gelegt die Nichtbeachtung der Ministerialvorschriften vom 28. November 1901, die auf Grund des§ 38 der Gewerbeordnung für derartige Gewerbetreibende, hinsichtlich der Buchführung, Kenntlichmachung ihrer Schriftsätze usw., erlassen worden sind. Diese Vorschriften sollen in dem erwähnten Einzelfalle nicht beachtet worden sein. Das Urteil sieht eine gewerbsmäßige Tätigkeit des Angeklagten im Sinne der angezogenen Vorschriften nur in dem entgeltlichen Anfertigen der Schriftsätze für Nichtmitglieder, die an Behörden gerichtet sind. Der Angeklagte legte Revision ein, die Rechtsanwalt Wolfgang Heine am 17. Mai vor dem Kammergericht vertrat. Er machte geltend, daß der Begriff der Gewerbsmäßigkeit verkannt sei. Als der§ 35 Abs. 3 der Gewerbeordnung in seiner jetzigen Fassung vom Reichstage beraten worden sei, namentlich die Worte:„gewerbsmäßige Auskunfterteilung“, da habe der Abgeordnete Bebel den Antrag gestellt, die drei Worte zu streichen, weil er befürchtete, daß die Arbeitersekretariate und ähnliche Institute davon Schwierigkeiten haben könnten. Der Staatssekretär Graf v. Posadowsky habe erwidert, daß Bebel die Begriffe„geschäftsmäßig" und„gewerbsmäßig“ nicht genügend unterscheide, und habe dann hinzugefügt:„Wenn jemand geschäftsmäßig aus humanitären und sozialpolitische Gründen solche Auskünfte erteilt, fällte er nicht unter die Bestimmungen der Gewerbeordnung". Daraufhin sei der Antrag Bebel abgelehnt worden, was ohne diese Erklärung nicht geschehen wäre. Entsprechend der Aeußerung des Staatssekretärs habe auch der Justizminister in einer Verordnung an die Oberstaatsanwälte ausgeführt, daß die Angestellten gewerkschaftlicher Vereinigungen, welche gegen festes Gehalt in den Auskunftsstellen dieser Vereinigungen mit Erteilung von Rat in Rechtsangelegenheiten beschäftigt würden(Arbeitersekretäre), den Vorschriften der§§ 35 und 148 der Gewerbeordnung nicht unterliegen. In dem Erlaß sei auch gesagt, daß ein aus sozialpolitischen Gründen und ohne Absicht des Erwerbs stattfindender Betrieb der Auskunftsstelle auch seitens der Unternehmerin ein gewerbsmäßiger nicht sei, und daß, abgesehen davon, ein Gewerbebetrieb bei dem Angestellten schon deshalb nicht vorliege, weil dieser nicht selbständig für eigene Rechnung, sondern nur als Beamter der Vereinigung tätig sei. Der Anwalt kam zu dem Schluß, daß eine gewerbsmäßige Besorgung der fraglichen Angelegenheiten im Sinne des§ 35 hier nicht vorliege. Unerheblich wäre die Annahme einer geringen Schreibgebühr für die Kartellkasse. Es handle sich nur um eine gemeinnützige Unternehmung. Das Kammergericht hobdas Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, indem es ausführte: Im großen und ganzen könne sich der Senat den Ausführungen der Verteidigung anschließen. Die Gewerbsmäßigkeit wäre ausgeschlossen, wenn eine Vereinigung aus humanitären Gründen und nicht zum Zwecke des Erwerbes ein solches Bureau habe. Auf Freisprechung könne trotzdem heute nicht erkannt werden, weil die Feststellungen nicht erschöpfend seien. Wenn auch der Senat im allgemeinen wisse, wie die Dinge lägen, so müsse die Feststellung, wie es sich hier mit dem Kartell und seiner Auskunftsstelle verhalte, doch dem Landgericht überlassen werden. Vor allem müsse geprüft werden, ob das Kartell gewerbsmäßig die Auskunft betrieben habe. In einem solchen Falle wäre zwar Angeklagter nicht anzeigepflichtig, würde aber nach § 151 der Gewerbeordnung für die Befolgung der Ministerial= vorschriften vom 28. November 1901 haften, da dies polizeiliche Vorschriften seien. Das Landgericht müsse sich somit nochmals mit der Sache befassen. Aus dem Reichstag. Ein überlasteter Parlamentarier. Der Abgeordnete Dr. Dröscher, der der konservativen Partei des Reichstages angehört, scheint es mit der Erfüllung seiner parlamentarischen Pflichten nicht so genau zu nehmen, wie es im Interesse des Volkes erforderlich war. Dr. Dröscher war in einem längeren Zeitraum Mitglied der Petitionskommission des Reichstages und wiederholt Berichterstatter solcher Petitionen, zu denen auf Beschluß der Kommission schriftlicher Bericht an das Plenum erstattet werden sollte. Je schneller ein derartiger Bericht auf die Tagesordnung einer Plenarsitzung gesetzt werden kann, um so eher haben die Petenten Aussicht auf Berücksichtigung ihrer Bitten. Das sollte nach unserer Meinung den Mitgliedern der Kommission Veranlassung geben, mit möglichster Beschleunigung ihren Bericht fertigzustellen. Der Abgeordnete Dröscher betrachtet die Kleinarbeit der Petitionskommission aber— wie es scheint— als ein quantité negligaeble; denn, wie uns aus parlamentarischen Kreisen mitgeteilt wird, ist Dröscher, der seit einiger Zeit aus der Petitionskommission wieder ausgetreten ist, mit 17 Berichten seit etwa 1½ Jahren im Rückstande. Darunter befinden sich Berichte zu Petitionen, die die Kommission zur Berücksichtigung empfohlen hat, die also den Petenten eine Erfüllung ihrer Bitten bringen könnten. Die längere Verzögerung bedeutet also eine Schädigung der Petenten sowie des Petitionsrechtes des Volkes überhaupt. In ganz besonderem Lichte erscheint die Tätigkeit des Herrn Dr. Dröscher, wenn man berücksichtigt, daß der Vorsitzende der Petitionskommission, wie wir erfahren, den Abgeordneten wiederholt dringend ersucht hat, die Berichte fertigzustellen. Auch die Petitionskommission hat vor etwa 3 Wochen durch einstimmigen Beichluß den Dr. Dröscher aufgefordert, die Berichte beizubringen, allerdings mit demselben negativen Resultat. Nun wird der Herr Abgeordnete in der nächsten Plenarsitzung des Reichstages, die sich mit Petitionen befassen wird, über die 17 Sachen mündlichen Bericht zu erstatten haben. *„* * Die direkten Steuern in der Finanzkommission. Nach der langen, heftigen Debatte vom Mittwoch war die Kampfeslust einigermaßen geschwunden. Zunächst sollte das Besitzsteuerkompromiß beraten werden, das von den Einzelstaaten die Aufbringung von 100 Millionen Mark für Rechnung des Reiches verlangt. Diese 100 Millionen sollten in Form von Zuschlägen zu den einzelstaatlichen Einkommen= u. Vermögenssteuern erhoben werden. Die Debatte wurde eröffnet, es meldete sich niemand zum Wort. Sang= und klanglos wurde das Besitzsteuerkompromiß durch einstimmige Ablehnung beseitigt. Es folgte die Beratung des konservativen Antrages. Der erste Teil, die Besteuerung der Wertpapiere, wurde ohne Debatte mit 17 Stimmen angenommen. Die Sozialdemokraten (David, Geyer und Stücklen) enthielten sich der Abstimmung, weil die Tragweite dieser Steuer— mangels jeder Unterlagen — absolut noch nicht zu übersehen ist. Die Freikonservativen hatten vorher versucht, eine Bestimmung von großer Tragweite möglichst unauffällig in das Gesetz einzuschmuggeln. Sie hatten nämlich den Antrag gestellt, das Reich möge dafür sorgen, daß in den Einzelstaaten und den Gemeinden die Besteuerung der Aktiengesellschaften einheitlich geregelt werde. Das hätte nicht nur eine Beeinträchtigung der Finanzhoheit der Einzelstaaten bedeutet, sondern auch einen Vorzug speziell für die Aktiengesellschaften. Abg. Dr. David machte den Vorschlag, das Wort„Aktiengesellschaften" zu streichen, damit komme man dann zu einer Regelung des Steuerwirrwarrs. Schließlich wurde der Antrag zurückgezogen. Bei der Abstimmung über den Antrag auf Einführung der Reichsumsatzsteuer für Grundstücke wurde der von den Konservativen vorgeschlagene Satz von ½ Prozent ersetzt durch den Antrag Böhme(W. Vg.). Nach diesem Antrage bleiben von der Umsatzsteuer befreit: Grundstücke im Werte von 20000 Mk. Von dieser Grenze ab steigt die Steuer staffelweise von 1/10% bei 40000 Mk., auf 1% bei 350000 Mk. und darüber. Der Antrag wurde nur als Provisorium betrachtet, das in einer weiteren Lesung geändert werden soll. Vorher hatte Abg. Dr. Hieber(natl.) darauf hingewiesen, daß diese Umsatzsteuer die kleinen Landwirte weit härter treffe als die Erbanfallsteuer, eine Behauptung, der Abg. Herold(Ztr.) mit mehr Eifer als Geschick entgegentrat. Der§ 4 des konservativen Antrages sieht die Wertzuwachssteuer vor, die nicht nur Verkäufe, sondern auch Tauschverträge treffen soll. Diese Steuer setzt ein mit einem Steuersatz von 10 Proz. bei einer Wertsteigerung bis inschließlich 10 Prozent. Bei je 10 Prozent weiterer Wertsteigerung steigt die Steuer um 1 Prozent; sie erreicht bei einer Wertsteigerung von 150 Proz. 25 Prozent. Diese Sätze werden erhoben, wenn seit dem letzten Verkauf des Grundstücks nicht mehr als fünf Jahre verflossen sind. Beträgt dieser Zeitraum 10 Jahre, so werden 9/10, beträgt er 25 Jahre, so werden nur 5/10 der vorgeschlagenen Sätze erhoben. Die Steuer wird nicht erhoben bei Zwangsversteigerungen, wenn der Käufer das Grundstück steigern mußte, um sich vor Schaden zu bewahren; bei Zusammenlegungen, bei freiwilligem Austausch von Grundstücken, wenn nicht mehr als 500 Mark bar herausbezahlt werden; bei schenkweisen Veräußerungen zwischen Verwandten auf= und absteigender Linie; bei der Teilung zwischen Miteigentümern. Wie leichtfertig der ganze Antrag ausgearbeitet ist, ergibt sich daraus, daß man beim Abschreiben des Kölner Ortsstatuts auch die Vorschriften des preußischen Kommunalabgabengesetzes mit auf das Reichsgesetz anwenden wollte. Sogar das Verwaltungsstreitverfahren haben die Westarp und Roesicke stehen lassen, obwohl das Reich eine solche Instanz gax nicht kennt! § 14 bestimmt, daß für den gebundenen Besitz(Fideikommisse) alle 25 Jahre 1 Prozent des zu dem betreffenden Termin ermittelten gemeinen Wertes zu entrichten ist. Abg. Erzberger wies sofort nach, daß im gebundenen Besitz ein Wert von 500000000 Mk. steckt. Gilt für die Berechnung des Wertzuwachses das Jahr 1884, so ist diese Steuer erstmalig 1909 zu entrichten. Sie würde bei 1 Prozent 500 Millionen Mark betragen. Unter stürmischer Heiterkeit wurde festgestellt, daß damit die Reichsfinanzreform sofort zur allgemeinen Zufriedenheit gelöst ist. Die Konservativen sahen natürlich sofort ein, daß sie sich einen schlimmen Streich gespielt hatten, und sofort setzten auch die Abänderungsanträge ein. Schatzsekretär Sydow und Abg. Dr. David wiesen darauf hin, daß man auf diese Weise zu einer Reichsvermögenssteuer kommt. David betonte noch, daß man vom gebundenen Besitz ruhig zunächst einmal 500 Millionen Mark einziehen und ihn dann mit einer dauernden Abgabe belasten kann. Unter allen Umständen muß aber auch der Besitz des Landesherrn zu der Steuer herangezogen werden. Abg. Paasche findet den Gedanken, dem gebundenen Besitz eide einmalige Abgabe von 1 Prozent des Wertes aufzuerlegen, für sehr erwagenswert, dann muß aber auch der Besitz der toten Hand in der gleichen Weise belastet werden. Das Zentrum ließ durch den Abg. Erzberger sofort erklären, daß man auf der gegebenen Anregung nicht mehr beharre. Abg. v. Gamp wunscht: Freilassung der Landesherren, dagegen sollen die Seitenlinien zu der Steuer herangezogen werden. Schließlich findet der Antrag Annahme in der Erwartung natürlich, daß bis zur nächsten Lesung ein Ausweg sich bietet.— § 15 räumt den Bundesstaaten und den Gemeinden das Recht ein, zu der Umsatzsteuer des Reiches noch Zuschläge von 2 Proz. zu erheben. Bei§ 15 des Antrages entspinnt sich eine lange Debatte, in der die Bundesratsberollmächtigten Leydhecker für ElsaßLothringen, v. Burkardt für Bayern und v. Scherer für Baden sch.vere Bedenken gegen diesen Paragraphen äußern. Der bayerische Bundesratsbevollmächtigte stimmte darin mit dem badischen überein, daß§ 15 eine formliche Umwälzung der Steuergesetzgebung in den Gemeinden mit sich brächte und warnt vor solchen Eingriffen in die Steuergesetzgebung der Einzelstaaten. Das Zentrum erklärte,§ 15 erschwere die Annahme des ganzen Gesetzes. Nach weiterer Debatte werden dann alle Anträge zu§ 15 und dieser selbst von den Antragstellern zurückgezogen. Auch über§ 16, der den Gemeinden 20 Prozent des Ertrages der Wertzuwachssteuer zuweist, entspann sich eine längere Debatte, die wiederum darlegt, wie wenig sorgfältig der Antrag ausgearbeitet worden ist. Schließlich stellt Abg. Herold den Antrag, statt 20 Prozent 3 Prozent zu setzen. Das genügt für die Erhebung der Wertzuwachssteuer. Aber dieser Antrag wird abgelehnt.§. 16 wird dann angenommen. Ohne Debatte wird§ 17, der Schlußparagraph, angenommen. Darauf wurde eine Gesamtabstimmung über den Arrikel 3 vorgenommen. Dabei gab Genosse David folgende Erklärung ab: Wir stimmen dem Entwurf unter dem Vorbehalt einer definitiven Stellungnahme zu, in der Voraussetzung, daß die Annahme des Entwurfs nicht präjudizierend ist für das Schicksal der Erbschaftssteuervorlage. Für den Fall, daß wir vor die Alternative gestellt werden, entweder den konservativen Antrag oder die Erbschaftssteuer, geben wir der Erbschaftssteuer den Vorzug. Die nächste Sitzung findet am Sonnabend, 22. Mai, morgens 9 Uhr, statt. Tagesordnung: 1. Rest der heutigen Tagesordnung, 2. Schaumweinsteuergesetz, 3. Brausteuergesetz. In einer Geschäftsordnungsdebatte hob Abg. Geyer hervor, daß sich die Parteien ja geeinigt hätten, nicht eher die indirekten Steuern der zweiten Lesung zu unterziehen, bis die Ersatzsteuer=Entwürfe der Regierung vorlägen. Aber der Beschluß lautete wie vorstehend. „Der rote Gustav“. Der„Vorwärts“ schreibt:„ „Der Genosse Hoffmann gebrauchte in der Landtagssitzung vom 15. Mai mit Bezug auf den konservativen Landtagsabgeordneten Malkewitz die Redewendung:„der früher bei uns auch bekannt war unter dem Namen„der rote Gustav". Darauf gab Herr Malkewitz in der nächsten Sitzung vor der Tagesordnung eine geharnischte Erklärung ab: das sei eine „perfide Beleidigung“, die früher schon mal verbreitet worden sei, er habe nie zur Sozialdemokratie gehört. Da Genosse Hoffmann durch den Gewaltstreich der preußischen Duma vorläufig nicht in der Lage ist, Herrn Malkewitz dort zu antworten, wollen wir an dieser Stelle Herrn Malkewitz mit besonderer Freude gern bestätigen, daß er nie zur Sozialdemokratie gehört hat. Leute, die zu uns gehören, pflegt man auch unter uns nicht so zu bezeichnen; sein Radikalismus auf gewerkschaftlichem Gebiet und sein reaktionäres Auftreten auf politischem, gaben Anlaß zu manchem Spitznamen. Malkewitz war de in den eifriges Verbandsmitglied der Buchdrucker und wurde achtziger Jahren Vorsitzender der Mitgliedschaft Stettin. Der Tarif(den er heute als Buchdruckereibesitzer nicht anerkennt) war damals sehr wenig durchgeführt und Malkewitz tat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender alles, um dem Tarif Geltung zu verschaffen, er hat auch Arbeitseinstellungen zu diesem Zwecke veranlaßt. Später wurde Malkewitz Gauvorsteher und entwickelte dabei eine lebhafte Tätigkeit auf gewerkschaftlichem Gebiete bei den Buchdruckern. Er war auch Gehilfenmitglied der Tarifkommission; heute beschäftigt er keinen organisierten Gehilfen in seiner„Pommerschen Reichspost“. Schon im Jahre 1888 machte man auf dem Gautage in Spandau gegen ihn Front, da er in seinem Blatte den Puttkamerschen Streikerlaß Vielrseiorr=Zommertheater! en. Freitag, 21. Mai: Die Kameliendame dramatisches Gemälde in 5 Aufzügen von Dumas=Sohn. In dem Stück wird das Problem der wahren Liebe des Weibes behandelt. Auch die Halbweltdame kann wahrhaft lieben. Das ist uns seit den Dramen Anzengrubers und Ibsens selbstverständlich. Den modernen Menschen fehlt eben der Respekt vor der anständigen Ehefrau, die ihren Leib an ihren Mann für den Preis einer anständigen oder gar hochseinen Versorgung verkauft hat. Insofern existiert kein Interesse an diesem Problem mehr. Und daß dann durch die Schwindsucht der Knoten des Problems durchgehauen wird, anstatt daß eine wirkliche Lösung erfolgt, macht die Sache nicht besser. Die Aufführung litt unter der gähnenden Leere des Saals. Man verstand die Schauspieler nur sehr unvollständig. Feinere Nuancen mußten dabei verloren gehen, und es wäre unbillig, danach ein Urteil zu fällen. Jeden alls war die Aufführung nicht schlecht. Die Ausstattung schien uns nicht glänzend genug zu sein. Kleines Feuilleton. Marie Luisens Abenteuer. Als Napoleon I. abgesetzt war, fiel dem Grafen v. Sainte=Aulaire die Aufgabe zu, der Kaiserin Marie Luise von dieser Katastrophe Meldung zu machen. In Angst und Verlegenheit über die furchtbare Wirkung, die die sung aller Voraussicht nach auf die Kaiserin ausüben mußte, hielt der Graf seine Augen zu Boden geschlagen. Die Kaiserin war aus dem Schlafe gerissen worden und saß auf dem Rande des Bettes, die nackten Füße unter der Beitdecke hervorstreckend.„Ach,“ jagte sie zu dem Grafen, dessen Augen am Boden hafteten,„Sie sehen meinen Fuß an. Man hat mir immer gesagt, daß der sehr schön sei.“ Diese Erzählung des Grafen Sainte=Aulaire hat Dr. Mar Billard in einem nach neuen unveröffentlichten Urkunden gearbeiteten Buche über die„Kaiserin Marie Luise und ihre Gatten", das in den nächsten Tagen bei Karl iegismund in man zweiganze Bände vermöchten. Zum Verständnis dieses Charakters, der zwar nicht ein psychologisches Rätsel, aber doch immerhin psychologisch recht interessant ist, darf man wohl an die unglückliche Erziehung erinnern, die Marie Luise genossen hat. Es war sozusagen eine Erziehung der forcierten Unschuld. Man hielt von der jungen Prinzessin alles, was sich auf das natürliche Leben der Geschlechter bezog, mit peinlichster Strenge fern: man G schern und Gärten von Schönbrunn überverteidigte, aber zu gleicher Zeit noch als Gauvorsteher Arbeitseinstellungen zum Zwecke der Durchführung des Tarifs anregte! 1890 legte er sein Amt als Gauvorsteher nieder. Berliner Kollegen sagten nach dieser Wandlung von ihm:„Und das ist der rote Gustav von fruher?" Ja. man nannte ihn spottweise wegen seiner heutigen Feindschaft gegen den Tarif„Tarif=Anarchist“. Also keine Aufregung, Herr Malkewitz! Wir reklamieren den „radikalen Gustav“ von früher nicht, aber seine heutigen Freunde bezeichnen Leute, die heute wie er seinerzeit für die Organisation tätig sind, als„Streikhetzer“! Enaland. ac. Der Stand des Arbeitsmarktes im Monat April zeigt deutlich, daß die wirtschaftliche Krisis leider noch lange nicht überwunden ist. Das geht auch wieder aus den Berichten des englischen Arbeitsamtes hervor. Von 416 Gewerkschaften mit einer Mitgliederzahl von 700 867, welche im Monat April Berichte einsandten, waren 57250 oder 8,2 Prozent in diesem Monat arbeitlos. Es ist derselbe Prozentsatz wie im März d. J., dagegen befanden sich im April 1908 nur 7,1 Prozent der Mitglieder außer Arbeit. Auch in den Berichten über die Veränderung der Lohnhöhe kommt die schlechte wirtschaftliche Konjunktur zum Ausdruck. Von 85000 Arbeitern, die im Monat April überhaupt von einer Veränderung der Lohnhöhe betroffen wurden, erhielten nur 7000 eine Erhöhung, während 78000 sich eine Herabsetzung der Löhne gefallen lassen mußten. Insgesamt beträgt die Verminderung des Lohnes für die englische Arbeiterklasse 82000 Mark pro Woche. Altramontane Arvorbentheorien. schreibt in der Graf Hoensbruch=Großlichterfelde „Frankfurter Zeitung“:......„ „Nicht bloß die Wissenschaft, sondern auch der Ultramontanismus beschäftigt sich mit Erdbeben. Ihn kümmern freilich nicht die Fragen, ob Erdbeben tektonischen oder bulkanischen Ursprungs sind. Er hat einfachere Erklärungsweisen. Und man muß gestehen, seine Erklärungen sind interessant und höchst beachtenswert. Freilich liegt das Interesse und die Beachtung, die sie verdienen, ganz auf dem Gebiete der Unwissenschaft und der Unkultur. Aber haben wir nicht die Pflicht, auch diese Nachtund Schattenseiten der Menschheit im Auge zu behalten? Ganz gewiß, zumal wenn wir wissen, daß viele Millionen Menschen, und zwar solcher, die uns umgeben, mit denen wir täglich und stündlich zusammenkommen, die durch ihre Organisation und Masse großen Einfluß auf die Entwicklung unseres öffentlichen Lebens haben, in diesem Dunkel wohnen und von ihm aus alle Dinge, welche Fortschritt und Kultur betreffen, beurteilen und behandeln.„„„ Berd'enst= in h Bekannt ist— ich rechne es mir zum Vervienste un, es bekannt gemacht zu haben—, daß der a. o. Professor der Theologie an der Kgl. preußischen Universität zu Münster, Dr. Joseph Bautz, bis zur gegenwärtigen Stunde die feuerspeienden Berge und die Erdbeben auf die Hölle und den Teufel zurückführt. In cölle“(M. 1905 2 verbesserte un seinem Werke:„Die Holle Mainz ,1905, 2. Velhchte.# vermehrte Auflage) stellt er zunachst die Lehre auf(S. S. 28 ff.). daß die Hölle mit ihrem Feuer sich im Innern unserer Erde befindet, und schreibt dann:„Selbst vom Standpunkte des vernünftigen Denkens empfiehlt sich unsere Lehre... Das Bewußtsein, daß die Hölle uns so nah, daß ihre grausigen Flammen hart unter unseren Füßen drohend lodern; daß ein näherer oder entfernterer Zusammenhang besteht zwischen dem, was wir an der Oberfläche beobachteten, und dem, was die entsetzliche Tiefe birgt; daß es der Hölle Schloten sind, die vor unseren Augen giftig qualmen(die Vulkane); daß die Riesenwogen ihres ewigen Feuermeeres aus der Tiefe heraus die Erde, die uns trägt, in banger Angst erzittern machen(die Erdbeben), das alles dürfte wohl geeignet sein, jenen erschütternden Eindruck nicht wenig zu verrchärfen... Befindet sich in der Hölle wirkliches Feuer, was später im§ 11 zu zeigen ist, und befindet sich die Hölle mit ihrem Feuer im Innern unserer Erde, wofür wir gute Gründe beigebracht haben, dann bedarf es gar keiner Phantasie, sondern es genügt eine nüchterne, vernünftige Betrachtungsweise, um zwischen der Hölle im Erdinnern und gewissen Erscheinungen an der Oberfläche einen näberen oder entfernteren Zusammenhang herzustellen"(a. a. O. S. 39 f.). Prof. Bautz geht dann ausführlich auf die Hölle in unserm Erdinnern ein, auf ihre Nebengelasse, z. B. das Fegfeuer, das„nach der Auferstehung der Leiber zur eigentlichen Hölle gezogen werden wird, weil es dann keine Bewerber mehr hat"(wahrscheinlich wird dann wohl die Wand zwischen Hölle und Fegfeuer eingerissen); er macht weiter die tovographischkritische Bemerkung:„Für alle Fälle bemerken wir, daß die Hölle und ihr Feuer zurzeit(von Prof. Bautz gesperrt) nur geringe Dimensionen erheischen, da sie lediglich von Geistern bewohnt sind. Sollten diese Dimensionen nach der Auferstehung der Leiber unzulänglich sein, so wird der Schöpfer der neuen Erde(von Prof. Bautz gesperrt) Sorce tragen. Lessius [Jesuit) gibt eine weitläufigere Berechnung, um dareutun, daß ein ganz geringer, verschwindender Teil des Erdinnern vinreicht um eine geradezu fabelhafte Anzahl von Menschen aufzureicht, um ein. Wr 44 nehmen“(a. a. O. S. 41 f.).„„„. In diesen Bautzschen Ausführungen paven wir vie augemeine Theorie des Ultramontanismus uder Erdbeben und feuerspeiende Berge. Einzelne Erdbeben und vulkanische Ausbrüche haben aber ihre besonderen Urfachen. Ueber solche Sonderursachen belehrt uns eine in Oesterreich und Deutschland weitverbreitete-ultramontane Zeitschrift„Bon satius=Korresondenz, Apologetische Mitteilungen für den hochwürdigen Klerus und gebildete Laien". Sie wird herausgegeben vom Benediktiner Grafea Wilhelm Emanuel v. Galen, einem Sohne des verstorbenen Zentrumsführers, Grafen Ferdinand v. Galen, und einem Bruder des gegenwärtigen Zentrumsabgeordneten Grafen Friedrich v. Galen. Die Nummer, vom 1. Mai 1909(die Erdbebentheorie ist also hoch„modern") enthält an erster Stelle einen Artikel: „Erdbebenländer“ mit folgenden Auslassungen über die Erdbeben von Martinique und Messina:„. 616— 14 „O hättest du. Messina, es doch erkannt, in viesen letzten Tagen, was dir zum Frieden dient! Nun aber war es vor deinen Augen verborgen: Siehe, deine Häuser werden dir wüste gelassen werden!— So möchte man wahrhaftig ausrufen im Angesicht dieser entsetzlichen Katastrophe. Als das lieblichste Fest der Christenheit herannahte, um allen, die guten Willens sind, den Frieden zu bringen, hat das göttliche Kind an Messina keinen guten Willen mehr finden können; Messina hatte im Gegenteil seinen gerechten Zorn in furchtbarster Weise herausgefordert. Ein„Zeichen seiner Ankunft" verlangte es, ein„Weihnachtsgeschenk“ eigener Art. Es wurde ihm zuteil nach seinen Wünschen:„Wenn du da bist, dann laß es uns wissen durch ein Erdbeben“. Und Er ließ es Messina wissen. Digitus Dei est hie! Das Händchen des Kindleins hat Messina furchtbar getroffen. Entsetzlich wie Sodoma frevelnd wurde es entsetzlich wie Sodoma gestraft. Das war„der Zorn des Lammes“(Apoc. 6. 16.).— Auch in Martinique sollen kurz vor dem Erdbeben die furchtbarsten öffentlichen Gotteslästerungen begangen worden sein. Aber das war ja weiter nichts als ein physisch notwendiges Naturereignis! sagt der Aberglaube. Die Ursache war eine Hebung der Erdkruste, nicht Messinas Sünde. Auch die Turmuhr schlägt mit physischer Notwendigkeit. getrieben durch die Schwerkraft der Gewichte, die Mitternachtstunde, sie kanns gar nicht anders. Und doch täte sie anders, wenn sie vorher anders gestellt worden wäre. Der freie menschliche Wille hat sie aber so gestellt, daß sie um Mitternacht die Mitternachtstunde mit phusischer Notwendigkeit schlagen muß. hr Und so stellte der Urheber der Zeiten- und Weltenu. Messinas Mitternachts= und Todesitunde schon vorher— im Anfang der Schöpfung— gerade auf die Stunde nach seiner Sünde. Sollte Er an seiner Weltenuhr nicht können, was der Mensch an der Turmuhr kann? Wie kindisch einfältig wäre es, das zu behaupten!— Aber dies Zeichen des höchsten Wesen kam dem modernen Unglauben gar zu ungelegen. Eben hatteeer Ihn wegdemonstriert: und da demonstriert Er so furchtbar schlagend— durch das merswürdige Zusammentreffen von höhnischer Bitte und schrecklicher Gewährung—daß Er wahrlich ist und Gerechtigkeit ist. Und wie treffend war dies sein Gericht! Es traf alle, weil alle schuldig waren— auch die Feigen, auch die Leisetreter, auch die Schweigenden gegen alle Gottlosigkeit da, wo sie reden sollten. — Es traf vor allem die Priesterschaft Messinas, die zum Teil so schändlich ihre heiligsten Pflichten vernachlässigt hatte; nur der Erzbischof, ein paar Greise und Blinde wurden gerettet.— Es traf zuerst die Kirchen: schon naturgemäß wegen ihres hohen Baues. Aber Tote brauchen keine Kirchen, und die Ueberlebenden waren ihrer meist unwürdig.— Es traf ein als Weihnachtsgeschenk, so wie verlangt, aber: nach dem Fest. Zuerst sollte noch einmal die Gelegenheit zur Umkehr gegeben werden, dann erst das Wort schrecklich wahr werden:„Wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle gleicherweise zugrunde gehen(Luc. 13. 5). Es traf ein am Fest der Unschuldigen Kinder. Für die einzig unschuidigen, die Kinder dieses gottlosen Messina, war es eher eine Erlösung, ein Fest, aber kein Gericht.(S. 181.) Ueber die Erdbebentheorie des Universitatsprofessors Pautz möchte man in ein grimmiges Gelächter ausbrechen, ob des Blödsinns von solcher Stelle; bei den Deklamationen der„Bonifatius= Korrespondenz“ möchte Verachtung einen ersticken, ob des sich hier breitmachenden Gottesbegriffes. Aber beides: Lachen und Verachtung verschwinden vor einem andern Gedanken: das ist Wissenschaft das ist Religion ungezählter unserer Mitmenschen; so spiegeln sich in ihren Köpfen Naturereignisse. Vernunft, verhülle dein Haupt! Kommnuales. Die Misere der Selbstverwaltung. Genosse Dr. Quarck war als Vertreter der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung in die dortige Volksschuldeputation gewählt worden. Die Regierung hatte diese Wahl nicht bestätigt. Der Wahlvorschlagsausschuß hat aber trotzdem einstimmig den Stadtverordneten duldete in den Gemachern ans Garten von Schonrtunn auethaupt nur weibliche Tiere, und alle Bücher, die die Prinzessin in die Hand bekam, wurden in usum Delphini bearbeitet. Vielleicht war es das verkehrte System, das sich später gerächt hat: sicher ist, daß Marie Luise, kaum daß sie von Napoleon getrennt war, sich in ein Leben und Abenteuer stürzte, die lebhaft an die modernsten fürstlichen Skandalgeschichten erinnern. Freilich war bekanntlich ihr Herz damals schon vollständig mit Beschlag belegt. Graf v. Neipperg, der seiner Geliebten, als er Mailand verließ, gesagt hatte, er werde in weniger als sechs Monaten der Geliebte und bald der Gatte der Exkaiserin sein, machte diese Ankündigung pünktlich wahr. Marie Luise hat ihn zweifellos geliebt. 1829 starb der Graf, und Marie Luise schien ganz untröstlich. Zwei Jahre später aber finden wir sie schon wieder ganz vergnugt, levenslustig und verjüngt. Sie gibt bei den Lie zahervorstellunger am Hafe van Parma die Rallen der den Vier adervorstenlungen um GHose von Barma die Ronen der jugendlichen Liebhaberinnen, interessiert sich für die Mode und amüsiert sich auf Hofbällen. Bald bekam auch Neipperg in dem Grafen Karl v. Bombelles einen Nachfolger. Marie Luise beurteilte ihn zuerst als einen„wahren Heiligen" aber lange beließ sie ihn nicht in seiner Heiligkeit, sondern sie gab ihm unzweifelhaft zu verstehen, daß er nicht nur die Politik, sondern auch die Herzogin von Parma glücklich machen müsse. Bombelles war zunachst sehr überrascht, aber schließlich ging er auf die Vorschläge der Exkaiserin ein. Genügten Marie Luise die Nachfolger Napoleons, die sie sich zu Gatten erwählt hatte? Die Gerüchte wissen auch von anderen Abenteuern zu berichten; ziemlich gewiß aber ist, daß der Tenor Jules Francois Lecomte bei ihr Glück gehabt hat. Die Tenöre sind eben, wie es scheint, unwiderstehlich. Als Marie Luise ihn in der glänzenden Theaterbeleuchtung sah und seinen bestrickenden Gesang hörte, war sie von ihm entzückt: er mußte ihr allein vorsingen, dann behielt sie ihn zum Souper— und kurz, wie Lecomte selbst einem Pariser Freunde geschrieben hat,„als ich am Morgen erwachte, konnte ich mir einbilden, ich sei der Kaiser“. Beton bei Fundierungsarbeiten und im Straßenbau. Die Versuche, bei Fundierungen schwammiger und mooriger Baugründe an Stelle der Kiefernbaumstämme den Betonpfahl zu verwenden, haben, wie der„Bauhilfsarbeiter“ schreibt, so günstige Resultate gezeitigt, daß sich auch auf diesem Gebiete die Technik es sich angelegen sein läßt, Verbesserungen zu schaffen. Diese ersten Versuche mit dem Betonpfahl als Ersatz für den Kiefernstamm waren immerhin etwas umständlich und zeigten auch einige Mängel beim Einrammen in den Erdboden. Die Herstellung dieser Pfähle erfolgte in der Regel an einem eigens zu diesem Zweck aufgestellten Gerüst, in das die vier= resp. achteckige Einschalung in vertikaler Richtung hineinmontiert wurde. Mit dem Fortschreiten der eingestampften Betonmasse wurde auch die Einschalung verlängert, bis zur gewünschten Länge des Pfahles. In dieser Stellung verblieb der Pfahl, bis er eine genügende Härte erreicht hatte. Dann wurde er seiner Umhüllung entkleidet und unter den Rammbär gebracht. Trotz der besonderen Vorrichtung, die beim Einrammen angewendet wurde, um den Betonpfahl nicht zu zerschlagen, ist die Erschütterung in manchen Fällen doch so überauts stark gewesen, daß dadurch die spätere Tragfähigkeit des Pfahles erheblich herabgemindert worden ist. Gegenwärtig wendet man eine andere Methode an, die man zurzeit im Hamburger Freihafengebiet beobachten kann. An Stelle des fertigen Betonvfahls treibt man eine zylindertsche, aus Stahlplatten angefertigte Röhre in den Erdboden, die am unteren Ende mit einer spitzen Stahlkappe versehen ist. Die Kappe hat die Form des oberen Teiles eines Zuckerhutes und ist an der inneren Seite mit einem 10 Zentimeter hohen Falz versehen, in den die zylindrische Röhre hineinpaßt. Damit die Röhre nicht durch den Druck von außen zusammengedrückt wird, erhält sie im Innern durch ein zusammengefügtes Eisengerippe, das eng an die Wandungen anschließt, eine Verstärkung, die auch zugleich als Armierung dient. Sobald die Röhre die gehörige Tiefe erreicht hat, wird mit dem Füllen der Betonmasse begonnen. Nach Beendigung dieser Arbeit bleibt die Röhre unberührt, bis die Betonmasse ihre richtige Härte erhalten hat, was in der Regel nach 14 bis 20 Tagen der Fall ist. Dann wird die Röhre mit der Maschine hochgezogen und der Betonpfahl mit der Stahlkappe bleibt in der Erde zurück. Die neuesten Versuche laufen auch darauf hinaus, die Röhre schon während des Anfüllens langsam und gleichmäßig mit hochzuziehen. Diese Ausführung bezeichnet man mit dem Ausdruck Simplexverfahren. Ebenfalls neu ist die Verwendung des armierten Betons im Straßenbau als Pflaster. Als solches wird er in den Vereinigten Staaten verwendet, und man rühmt ihm auch hierfür eine ganze Reihe von Vorzügen nach. Er ist nicht allein billiger und ausdauernder als andere Pflasterarten, sondern bleibt auch im Gebrauch frei von Brüchen und Spalten, wie sie bei anderen Pflasterungen so häufig durch Stoß oder Temperaturwechsel entstehen. Daher läßt er sich auch bis dicht an die Straßenbahnschienen legen, ohne von den Rädern ausgefahren oder nennenswert beschädigt zu werden. Die größte Empfehlung für das Betonpflaster aber liegt in der Tatsache, daß es auch bei stärkster Abnutzung stets rauh bleibt und nie schüpfrig wird. Wenn man in China nach dem Weg frägt. Eine seltsame Auskunft erhält man zumeist, wenn man in chinesischen Städten die Eingeborenen nach dem Wege frägt. Es heißt dann etwa, wie wir im Welt=Courier lesen: „Ehrwürdiger Vater, das von Dir gesuchte Haus befindet sich in nordöstlicher Richtung von hier. Sei so gut und verfolge diese Straße hier, bis Du auf eine Querstraße triffst, die nach Westen abzweigt; Du triffst dann auf einen Platz, von dessen Nordseite eine weitere Straße nach Osten ausgeht. Sie f'hrt Dich nach dem von Dir gesuchten Orte! Die Chinesen wissen in den Himmelsrichtungen vortrefflich S scheid und glauben das auch von den Fremden, worin sie sich freilich zumeist täuschen. Flüsse, Berge, Gebirge, Städte usw. zeichnen sie hauptsächlia, vurcy den Zusatz der Himmelsrichtunz; zeichnen sie hauptsächlich durch den Zusatz der dung(Osten), s!(Westen), pe(Norden), nan(Süden). nuch beiden Hauptstädte Peking und Nanking leiten ihre Namen davon##. 117. der Sta (Fortsetz — Etwas über Fi widmen der Seefischkost England und Norwege obgleich wir Deutsche 1# Hochseefischereiplatz des frische Seefisch bei o# nicht nur ein wohlschn klein gern gegessen wir wert besitzt; nach den kern beträgt der Eiw Nährwert abhängt, bei Prozent und bei fettem fisch und Kabeljau ent Rindfleisch, sind aber b Zum Teil liegt die frauen dem Seefisch en frauen sich nicht recht au nur ein einfaches Koche Fisch mit Gemüse koch kann. Einige Winke in Leserinnen willkommen Vor allem ist es ei im Winter frisch und hat, den großen Auktir beizuwohnen, wo tägli aus See ankommen, de welch schöner Qualität kanntlich werden die Fi nach dem Fang geschl. Wasserstrahl aus der T gepackt. Die Fischversa haven verschicken die F bahn hat besondere Fisch als Eilgut, so daß all Fisch schnell und in Bremerhaven ins Bini Da der Fisch gleich muß ihn die Hausfrat trocken und kühl. Es bereitung stundenlang an Geschmack. Wer d Fischen anhaftet und lieben sollte, der kann Viertelstunde— aber in das man etwas Essig der Fisch sorgfältig ger schwarze Haut im Bauck und wascht ihn rasch in Fisches gilt folgende Flossen in Wasser, dem würz zugegeben hat, zu nimmt man den Topf heißen Herd stehen, bis können; dann ist er gas den. Manche Frauen lassen die Schuppen dr Was das Braten dazu alle kleineren Fisc schneidet man sie in d Stücke zu bekommen, einem scharfen Messer Fisches bis auf das Ri den Knochen, treibt es nun die untere Hälfte sind, trocknet man sie n geschlagenem Ei und P mit kochendem Fett( min oder Rüböl.) Ma Fett kocht, wenn man während des Bratens möglichst ganz von Fett ist der Fisch nach 5 bis um zu sehen, ob er gar Fisch und probiert, ob geht. 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Bielefeld, Sonnabend, 22. Mai 1909. 20. Aus der Stadt und Nachbarschaft. (Fortsetzung aus dem Hauptblatt.) * Bielefeld, 22. Mai. — Etwas über Fischkochen. Unsere deutschen Hausfrauen widmen der Seefischkost noch nicht die Beachtung, die in Holland, England und Norwegen dem frischen Seefisch geschenkt wird, obgleich wir Deutsche in Geestemünde=Bremerhaven den größten Hochseefischereiplatz des europäischen Festlandes haben und der frische Seefisch bei ordentlicher, sachverständiger Zubereitung nicht nur ein wohlschmeckendes Gericht ist, das von groß und klein gern gegessen wird, sondern auch einen sehr hohen Nährwert besitzt; nach den Untersuchungen von Aerzten und Chemikern beträgt der Eiweißgehalt, von welchem bekanntlich der Nährwert abhängt, bei Schellfisch 17 Prozent, bei Kabeljau 16 Prozent und bei fettem Rindfleisch 16 bis 17 Prozent. Schellfisch und Kabeljau enthalten also ebensoviel Eiweiß wie fettes Rindfleisch, sind aber bekanntlich viel billiger. Zum Teil liegt die geringe Wertschätzung, die unsere Hausfrauen dem Seefisch entgegenbringen, daran, daß manche Hausfrauen sich nicht recht auf seine Zubereitung verstehen; sie kennen nur ein einfaches Kochen und Braten und wissen nicht, daß man Fisch mit Gemüse kochen und wie man Fischreste verwerten kann. Einige Winke in dieser Beziehung werden deshalb unseren Leserinnen willkommen sein: Vor allem ist es ein großer Irrtum, daß der Seefisch nür im Winter frisch und gut ist. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat, den großen Auktionen in Geestemünde und Bremerhaven beizuwohnen, wo täglich durchschnittlich 300000 Pfund Fische aus See ankommen, der wird sich davon überzeugt haben, von welch schöner Qualität die Fische auch im Sommer sind. Bekanntlich werden die Fische ja an Bord der Fischdampfer sofort nach dem Fang geschlachtet, ausgeweidet, mit einem starken Wasserstrahl aus der Dampfpumpe abgespült und dann auf Eis gepackt. Die Fischversandgeschäfte in Geestemünde und Bremerhaven verschicken die Fische ebenfalls auf Eis, und die Eisenbahn hat besondere Fischzüge eingerichtet und befördert die Fische als Eilgut, so daß alle Vorkehrungen getroffen sind, um den Fisch schnell und in gutem Zustand von Geestemünde und Bremerhaven ins Binnenland zu befördern. Da der Fisch gleich nach dem Fang geschlachtet worden ist, muß ihn die Hausfrau ebenso aufbewahren wie Fleisch, also trocken und kühl. Es ist ganz falsch, den Fisch vor der Zubereitung stundenlang in Wasser zu legen; dadurch verliert er an Geschmack. Wer den charakteristischen Seegeruch, der den Fischen anhaftet und den viele besonders hochschätzen, nicht lieben sollte, der kann den Fisch vor der Zubereitung eine Viertelstunde— aber nicht länger— in kaltes Wasser legen in das man etwas Essig gegeben hat. Vor der Zubereitung muß der Fisch sorgfältig gereinigt werden. Zuerst entfernt man die schwarze Haut im Bauch, dann reinigt man ihn mit einer Bürste und wäscht ihn rasch in kaltem Wasser. Für das Kochen des Fisches gilt folgende Regel: der Fisch wird mit Kopf und Flossen in Wasser, dem man nach Belieben Salz, Essig und Gewürz zugegeben hat, zu Feuer gebracht. Wenn das Wasser kocht, nimmt man den Topf vom Feuer weg und läßt ihn auf dem heißen Herd stehen, bis die Flossen leicht herausgezogen werden können: dann ist er gar und muß sofort herausgenommen werden. Manche Frauen kochen den Fisch abgeschuppt, manche lassen die Schuppen dran; beides ist richtig. Was das Braten von Fisch betrifft, so verwendet man dazu alle kleineren Fische. Will man größere Fische braten, so schneidet man sie in daumenbreite Stücke.(Um heile, glatte Stücke zu bekommen, führt man zunächst einen Schnitt mit einem scharfen Messer durch den Rücken und die eine Seite des Fisches bis auf das Rückgrat, dann setzt man das Messer auf den Knochen, treibt es mit einem Hammer durch und schneidet nun die untere Hälfte glatt ab.) Nachdem die Fische gereinigt sind, trocknet man sie mit einem reinen Tuch ab, wendet sie in geschlagenem Ei und Paniermehl und gibt sie in eine Pfanne mit kochendem Fett.(Schmalz mit ausgebratenem Speck, Palmin oder Rüböl.) Man muß besonders darauf achten, daß das Fett kocht, wenn man den Fisch hineinlegt, und daß das Fett während des Bratens kochend bleibt; der Fisch muß auch möglichst ganz von Fett bedeckt sein. Nach mehrfachem Umdrehen ist der Fisch nach 5 bis 10 Minuten(je nach seiner Größe) gar; um zu sehen, ob er gar ist, sticht man mit dem Messer in den Fisch und probiert, ob das Fleisch leicht von den Gräten abgeht, Zum Schluß ein Rezept über eine billige Fischsuppe, die in Geestemünde und Bremerhaven vielfach praktisch erprobt worden ist: kleine billige Fische werden gereinigt und von den Gräten getrennt. Die Hälfte davon setzt man mit einer Zwiebel, Wurzeln, Suppengrün, Lorbeerblatt, Salz und Pfefier in kaltem Wasser aufs Feuer, kocht sie weich, und treibt alles durch ein feines Sieb, bindet mit etwas Mehl und gibt einige Tropfen Maggi dazu. Von dem übrigen Fischfleisch wird ein Teil in Butter goldgelb gebraten und der Rest zu Klößchen geformt und beides in die Suppe gegeben. Ueber die Verwertung von Fischresten gibt es viele bewährte Rezepte, von denen wir folgende erwähnen: Fischfrikadellen; Reste von gekochten Fischen werden mit Butter, in Milch geweichter Semmel, Eier und Gewürz zu einem Teig verrührt, zu Frikadellen geformt und goldgelo gebraten.— Pannfisch; Reste von gekochten Fischen werden von den Gräten befreit, fein gehackt und mit dem dritten Teil gekochter und gestampfter Kartoffeln und mit etwas Wasser(am besten git dem Wasser, in dem der Fisch gekocht worden ist), zerlassener Butter oder Margarine, Salz, fein gewiegter Zwiebel und reichlich Senf zu einem Brei gerührt und auf kleinem Feuer erhitzt. . st. Ummeln, 21. Mai. Eine Volksversammlung, in der Reichstagsabgeordneter Severing über die politische Lage keferierte, und die sich eines sehr guten Besuches erfreute, fand gestern nachmittag hier statt. Erfreulicherweise hatten sich auch eine größere Anzahl Frauen eingefunden. Genosse Severing besprach in eingehender Weise die äußeren und inneren politischen Zustände, wobei er ganz besonders die Ungerechtigkeit der indirekten Steuergesetzgebung den Anwesenden vor Augen führte. Mit der Aufforderung, an der Aufklärungsarbeit sich mit zu beteiligen, schloß Redner seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag Die Führer der Christlich=Sozialen, die sonst immer das große Worte im Munde führen und sich anmaßen, der junge SiegEed zu sein, der dem Drachen Sozialismus den Garaus macht, hatten es vorgezogen zuhause zu bleiben, jedenfalls um die scharlig gewordenen„geistigen“ Waffen zu reparieren. Vom Vorsitzenden wurde diese Drückebergerei in gebührender Weise geFanzeichnet, und Genosse Severing betonte in seinem SchlußLor Gegner hatten sich nicht zum Wort gemelzet.—, daß n Herrschaften entgegen ihrer Praxis die größte Reoefreiheit dgestanden ist, wenn sie in unseren Versammlungen ihre AnWauungen zum Vortrag bringen wollen. Mit der AufforFerzis die„Volkswacht“ zu lesen und dem sozialdemokratischen Ra###n beizutreten— diese Betätigung sei die beste Waffe gegen #. zteumdungen und Angriffe aus dem Hinterhalt—. schloß neoner seine Ausführungen s. Herford, 21. Mai. Stadtverordneten=Versammlung. Stadtv. Koch referiert über die Vorlage die Aufhebung der Fluchtlinie zwischen der Waltgeriestraße und der Werre betreffend. Er empfiehlt, die Vorlage anzunehmen, welchem die Versammlung gegen eine Stimme nachkommt.— Ohne Diskussion wird dem Austausche einiger Parzellen der Flur 3 zugestimmt.— Stadtv. Heibrock wünscht vom Magistrat darüber Aufklarung, warum in der Bürgerschule am Wilhelmsplatz eine größere Anzahl Schüler unterrichtet wird, welche nicht in dem Bezirke wohnen. Erster Bürgermeister Busse erklärt, daß die Bestimmung, daß die Schüler nur die Schule besuchen dürfen, in deren Bezirk die Eltern wohnen, erst nach und nach durchgeführt werden könne. Wolle man auf der Durchführung bestehen, so würden durch die reichlichen Abwanderungen große Störungen hervorgerufen. Stadtv. Kommerzienrat Böckelmann weist noch auf die Gefahr hin, daß es bei strikter Durchführung der Bestimmung vorkommen könne, daß die Außenschulen überfüllt sind und Neubauten notwendig würden, während die Schule Wilhelmsplatz leersteht. Der Magistrat stellt eine neue Festsetzung der Bezirke in Aussicht.— Ohne Diskussion werden die Berichte über die Revision der Rechnung der Kanalbaukasse 1907 und die Beantwortung der Erinnerungen zur Rechnung der Straßenverbreiterungskasse entgegengenommen. Ohne Debatte wurde auch der Aenderung des§ 4 der Lustbarkeitssteuerordnung zugestimmt.— Eine rege Aussprache erfolgte bei dem Punkte über die Aenderung der Ordnung über die Erhebung von Standgeldern. Die Vorlage enthielt eine Bestimmung, nach welcher die zu erhebenden Sätze ganz wesentlich heravgesetzt werden können, sie hatte deshalb eine besondere Bedeutung, weil nach der Ordnung auch die Benutzung der Bürgersteige bei Bauten mit Gebühren belegt wird. Der Vorsteher Justizrat Lücken vertritt den Standpunkt, daß nach seiner Ueberzeugung Gebühren für diese Art der Benutzung von Teilen der öffentlichen Wege überhaupt nicht erhoben werden dürfen. Zweiter Bürgermeister Dr. Heß vertritt dagegen die Ansicht, daß für die Benutzung der Bürgersteige, durch welche die Bevölkerung im Verkehr behindert werde, billigerweise eine Gebühr erhoben werden solle. Die Vorlage fand Annahme.— Ebenfalls angenommen wird die Vorlage. den Beitrag zu den Unterhaltungskosten der Stadtdiakonissinnen um 273.75 Mk. zu erhöhen. In einem Vergleiche sollen Herrn Kaufmann Herzfeld 800 Mk. für die Abtretung einer Straßenfläche gezahlt werden. Herr Herzfeld hat ursprünglich 2950 Mk. gefordert, ist jetzt aber auf 800 Mk. heruntergegangen, er verlangt jedoch zu der genannten Summe die Uebernahme sämtlicher durch den bisherigen Prozeß entstandenen Kosten durch die Stadt. Diesem Verlangen zu genügen, kann sich die Versammlung nicht entschließen, sie erklärt sich zur Uebernahme der Hälfte der Kosten bereit. Als ltzeter Punkt wird die eventuelle Neuwahl behandelt und es berichtet der Vorsteher hierzu folgendes: Nachdem der Stadtv. Weinberg sein Mandat niedergelegt habe, habe sich der Magistrat mit der Frage einer Ergänzungswahl beschäftigt. In früheren Jahren habe man die Gepflogenheit geübt, die Ergänzungswahlen mit der allgemeinen Wahl zu verbinden, dabei sind verschiedene Mandate monatelang unbesetzt geblieben. Ganz besonders lange Zeit sei dies beim Wegzuge des Stadtv. Klingenhagen gewesen, hier habe das Mandat 1¾ Jahre geruht. Um nun nicht den Schein zu erwecken, ungerecht und parteiisch zu sein, wenn es sich um die 1. Abteilung handele, könne der Ausschuß auch die Vornahme dieser Wahl nicht empfehlen. Die Versammlung solle vielmehr frei in dieser Frage entscheiden. Stadtv. Schönfeld spricht sich für die sofortige Engänzungswahl aus, ebenso Stadtv. Deppermann. Der letztere betont dabei, daß doch von einer Ergänzungswahl für Klingenhagen nur deswegen abgesehen worden sei, weil die Bürgerschaft zu sehr aufgeregt werde. Stadtv. Kommerzienrat Böckelmann ersucht die Versammlung, vorsichtig bei der Beschlußfassung zu sein und von einem Beschlusse, überhaupt keine Ergänzungswahlen vorzunehmen, abzusehen. Man solle auf die jeweiligen Umstände und Verhältnisse Rücksicht nehmen. Heute käme man ohne die zwei fehlenden Stadtverordneten in der 1. Abteilung aus. Es müsse aber damit gerechnet werden, daß im Laufe der Periode noch weitere Mandate frei würden, und dann werde die Zahl zu klein, dann müßten Ergänzungswahlen vorgenommen werden. Es wird beschlossen, von einer Wahl zurzeit abzusehen. * Oeynhausen, 19. Mai. In der Generalversammlung der Ortskrankenkasse für gewerbliche Arbeiter der Stadt Oeynhausen und des Amtes Rehme am 12. Mai wurde beschlossen, der Regierung höhere Sätze für den durchschnittlichen Tagelohn vorzuschlagen: für die 1. Klasse 1,10 Mark, 2. Klasse 1,50 Mk., 3. Klasse 2,40 Mk., 4. Klasse 3,50 Mk., 5. Klasse 4,00 Mk. Bei der Beratung über die Erhöhung des Krankengeldes, die einer unserer Kollegen begründete, gab der Vorsitzende den Ratschlag, die Kranken könnten sich doch an den Vaterländischen Frauenverein wenden, dort würde ihnen eine kleine Gabe zuteil.(!) Der Herr hat merkwürdige Ansichten. Die Krankenkassen sind doch da, damit der Arbeiter, wenn er krank ist, keine Almosen braucht, und deshalb müssen die Unterstützungen möglichst ausreichend bemessen werden. Oder glaubt der Herr, daß es den Arbeitern sehr angenehm ist, wenn sie deund wehmütig bei den Damen vom Frauenverein um eine Unterstützung bitten müssen? Zur schärferen Krankenkontrolle wurde für jeden Ort ein Kontrolleur gewählt. * Lage, 21. Mai. Stadtverordneten= Sitzung. 14 Stadtverordnete, Bürgermeister Lüning und Ratsherr Kanne waren anwesend. Der Verpachtung der städtischen Ziegelei und den Verpachtungsbedingungen kann der Magistrat nicht zustimmen. Insonderheit will die Stadt keinerlei Verpflichtungen gegenüber dem Pächter übernehmen. Die Stadtverordneten stimmten dem Antrage des Magistrats, die Ziegelei zu anderen Bedingungen zu verpachten, zu.— Die Ortsgruppe Lage des Kaufmännischen Vereins von 1858 bittet die Stadt, zu dem in Lage stattfindenden Bezirkstage 200 Mk. zu bewilligen. Nach längerer Debatte, in welcher die Stadtv. Genossen Brauns und Meier gegen die Bewilligung sprechen, wurde der Antrag des Stadtv. Rohdewald. die Summe als Garantiefonds zu bewilligen, angenommen. Für die Pflasterung beim Eisenbahnübergang fordert der Magistrat 850 Mk. Nach kurzer Debatte wurde die geforderte Summe bewilligt.— Stadtv. Ellerkamp beantragte in einem Schreiben, ihn von seinem Amte als Stadtverordneter zu entbinden. Dem Antrage wurde stattgegeben. * Bückeburg, 21. Mai. Bauarbeiterstreik. Beim Fürstlichen Baumeister Herrn A. Krauß stellten heute sämtliche Maurer und Bauhilfsarbeiter die Arbeit ein. Sie wurden dazu durch die Maßnahmen des Herrn Krauß getrieben. Anfang März d. J. reichten die Maurer und Bauhilfsarbeiter auf Wunsch des Herrn Krauß eine Lohnforderung ein, da der bestehende Vertrag Giltigkeit bis zum 31. März d. J. hatte. Es wurde eine minimale Lohnerhöhung gefordert und zwar 3 Pfg. pro Stunde. Herr Krauß lud uns zu einer Verhandlung ein, aber als wir kamen, erklärte der Herr, nicht mit uns verhandeln zu wollen; wir mußten also unverrichteter Sache abziehen. Krauß hatte die Ausschachtungsarbeiten für das neue Marstallgebäude erhalten, jetzt hat er auch die Maurerarbeiten bekommen. Bei den Ausschachtungsarbeiten beschäftigte er Leute eines anderen Unternehmers, und zwar für einen Stundenlohn von 28 Pfg.; 36 Pfg. mußten aber laut Tarif bezahlt werden, also liegt hier ein grober Tarifbruch vor. Den Ba arbeitern zog Krauß, nachdem der Tarif abgelaufen war, pro Stunde 1 Pfg. ab. Dies konnte er leicht durchsetzen, weil in Bückeburg wenig Arbeit vorhanden war. Am Mittwoch, 19. Mai, fand nun in Bückeburg eine sehr stark besuchte Versammlung der Bauhilfsarbeiter und Maurer statt, welche zu den Maßnahmen des Herrn Krauß Stellung nahm. Mit großer Majorität, mit 85 gegen 5 Stimmen, wurde beschlossen, daß unsere Vertreter nochmals im Laufe des Freitags(21. Mai) versuchen sollten, mit Herrn Krauß über die eingereichte Lohnforderung zu verhandeln. Sollte diese wieder abgelehnt werden, dann sollte am Montag, 24. Mai, bei Herrn Krauß die Arbeit eingestellt werden. Es kam jedoch anders. Am Freitag morgen ging Herr Krauß zu der oben bezeichneten Baustelle und sagte zu dem Arbeiter Vogt, welcher schon lange bei Herrn Krauß zur vollen Zufriedenheit gearbeitet hat:„Nach dem Frühstück gehen Sie zum Unternehmer Hartmann und arbeiten dort; ich kann Sie nicht mehr gebrauchen; ich habe für Sie keine Arbeit mehr.“ Es müssen aber Leute von Hartmann zwischendurch Kalk und Steine tragen, weil Krauß' Arbeiter die Maurer allein nicht bedienen können da eben zu wenig vorhanden sind. Warum wurde nun der Kollege Vogt entlassen? Weil er organisiert ist und für seine Organisation eintritt. Während der Arbeitszeit und bei der Arbeit hat der Kollege Vogt sich nichts zuschulden kommen lassen. Dies ist der Grund, warum die Arbeit bei Herrn Krauß eingestellt worden ist. Wir sind der Meinung, daß Herr Krauß in dieser Beziehung systematisch vorgeht, denn sobald ein Arbeiter, wenn er auch vorher der tüchtigste war, einen Posten in der Organisation bekleidet, wird er von Herrn Krauß entlassen. Als unsere Vertreter bei Herrn Krauß auf Grund des Beschlusses vorstellig wurden, erklärte Krauß, er ginge auf nichts ein, die Geschichte käme ihm ganz gelegen, bloß ärgern könne es ihn, daß ihm dies gerade an einem fürstlichen Bau passiere. Nun, hätte Krauß mit uns unterhandelt und die bei ihm beschäftigten Arbeiter als gleichberechtigte Menschen behandelt, dann wäre es nicht so weit gekommen. Wir ersuchen die Bauhilfsarbeiter und Maurer, Bückeburg zu meiden. * Detmold, 22. Mai. Ein Impfgegner=Verein für das Fürstentum Lippe wurde am Freitag, 14. Mai, im Hotel Bandel, hier, gegründet. Eine Versammlung des Vereins findet heute abend im Hotel„Odeon" statt. Man schreibt uns hierzu noch: Zahlreiche Aerzte und Juristen gehören bereits dem Deutschen Impfgegnerbunde an, welcher es sich zur Aufgabe gestellt hat, das Impfzwanggesetz zur Aufhebung zu bringen, da alljährlich viele Kinder infolge des Impfens an schwerem Siechtum zugrunde gehen oder lebenslänglich körperliche oder geistige Krüppel werden. Viele von denen, welche die Impfung gut überstanden haben, behalten ein schleichendes Gift im Körper, das sie oft fürs ganze Leben träge und unlustig macht und nie ganz gesund werden läßt. Der Rest aber bleibt gewöhnlich nicht dauernd vor der Pockenseuche geschützt. Das Oberlandesgericht in Düsseldorf hat entschieden, daß Eltern wegen Verweigerung des Impfens nicht zur Impfung ihrer Kinder gezwungen werden können, sondern nur einmal mit polizeilicher Geldstrafe zu bestrafen erlaubt sei, was nicht wiederholt werden darf. Nähere Auskunft und Anmeldungen bei dem ersten Schriftführer Herrn Kaufmann Warweg am Marktplatz, Detmold. * Hamm, 21. Mai. Die Witwe Dora eine von den sechs Klägerinnen gegen das Hilfskomitee von Radbod, ist wegen Meineids verhaftet worden. Vermischtes. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Königshütte, 21. Mai. Durch herabstürzende Kohlenmassen wurden gestern auf der „Deutschland“=Grube mehrere Bergleute verschüttet. Der Hauer Schendzilorz, Vater von 10 Kindern, konnte nur als Leiche geborgen werden, alle übrigen wurden gerettet. Feuersbrunst. Bingen, 21. Mai. Vergangene Nacht brach im benachbarten Dromersheim ein Feuer aus, das mehrere Häuser mit Nebengebäuden vollständig, andere teilweise zerstörte. Familiendrama. München, 22. Mai. Ein schweres Familiendrama ereignete sich heute früh um 7 Uhr in einem Hause am Paulanerplatz. Die Ehefrau des Invaliden Schneider verletzte ihre beiden Kinder im Alter von 4 und 6 Jahren durch Messerstiche in die Lunge schwer, ebenso ihren Ehemann. Der Mann geriet über die Tat seiner Frau in eine solche Aufregung, daß er sie durch einen Stich in die Brust tötete. Durch den Lärm wurde ein vorübergehender Schutzmann aufmerksam und eilte in die Wohnung. Die verletzten Kinder wurden in ein Krankenhaus gebracht. Ermordung. Saloniki, 21. Mai. Der Vorsitzende des hiesigen Bulgarenklubs und ein bulgarischer Lehrer, der ihn begleitete, wurden unweit von Monastir ermordet. Der Urheber ist vermutlich ein Angehöriger einer griechischen Bande. Explosion. Oran, 21. Mai. Eine Explosion zerstörte in der letzten Nacht die hiesige algerische Bierbrauerei. Glücklicherweise befand sich zur Zeit der Explosion niemand in dem Gebäude, welches vollständig zerstört wurde. Letzte Was ging in Wiesbaden vor? Sonderbarerweise hüllen sich die Ossiziösen in Stillschweigen darüber, was in Wiesbaden denn eigentlich vor sich gegangen ist. Daß der Kaiser und Fürst Bülow einig seien, ist ein vages Gerede, solange man nicht weiß, worin diese Einigkeit besteht. Unter diesen Umständen sickern allerlei Gerüchte durch, die sich naturgemäß der Kontrolle auf ihre Richtigkeit entziehen. Der„Berliner Börsen=Courier“ will wissen, daß eine Kundgebung der Regierung zu erwarten sei, in der aber doch schließlich nur wiederholt würde, was von der Regierung bereits zum Ueberdrusse gesagt worden ist. Herr v. Loebell hatte am Freitag in der Finanzkommission eine eingehende Unterredung mit dem Abg. Dr. Weber und der Abgeordnete Wiemer entfernte sich am nachmittag in ziemlicher Eile, wie erzählt wurde, zu einer Konferenz über das fernere Schicksal der Finanzreform. Hamburg, 22. Mai. Bei der Ostener Fähre kenterte ein mit 12 Personen besetztes Boot. 2 Personen sind ertrunken. Nenstadt a. H., 22. Mai. Direktor Wade vom Pfälzischen Konservatorium wurde gestern wegen vielfacher Vergehen gegen den§ 174,1 verhaftet. München, 22 Mai. Auf fast unglaubliche Unsauberkeiten der Geschäftsführung durch zwei hiesige Wurstfabrikanten wurde die Aufmerksamkeit der Behörde gelenkt. Infolge einer Anzeige wurden die Läden und Arbeitsräume der beiden Meister revidiert und dort Details wahrgenommen, die die jüngst aufgedeckten Geheimnisse der Wurstküche weit in den Schatten stellen. Nicht Bait= nur wurde vereitertes und Pferdefleisch für die Fabrikation verwendet, sondern das Speisefett wimmelte auch von Würmern, die in das Fett zerrieben wurden. Ratibor, 22. Mai. Der räuberische Plan zweier Einbrecher fand gestern vor der hiesigen Strafkammer seine Sühne. Der Schlossergeselle Sobotta hatte den Arbeiter Matysyak in einem Reisekorb auf dem Bahnhof in Kandrzyn zur Aufbewahrung aufgegeben. In der Nacht sollte Matysyak die Kasse erbrechen und berauben. Der Anschlag mißlang aber, da der im Korbe befindliche Verbrecher entdeckt wurde. Die Strafkammer verurteilte Sobotta zu 5 Jahren und Matysyak zu 2 Jahren Zuchthaus. Paris, 22. Mai. In der Ortschaft Honaucourt wurde gestern der mi###aßliche Mörder des Malers Steinheil, der mehrfach aft vorbe####fte Anselle Tardevenne, verhaftet. Kleines Feuilleton. Ein außergewöhnlicher Beweis von Vierfreundlichkeit trug sich dieser Tage in dem Straßburger Vorort Schiltigheim zu. Ein hiesiger Einwohner hatte einer Henne dreißig Eier zum Ausbrüten untergelegt, und als elf junge Hühnlein auskrochen, nahm er sie und legte sie in die warme Sonne. Nach einiger Zeit wollte er nach den jungen Küchlein sehen, da waren sie aber spurlos verschwunden. Man dachte natürlich sofort an die Katze, die sich eine günstige Gelegenheit nicht hätte entgehen lassen. Nach langem Suchen fand man endlich die Katze in einem Bett; unter sich hielt sie die jungen Tierchen, die an ihr herumpickten, warm. Die Katze ließ dies ganz ruhig geschehen und machte auch gar keine Anstalten, ihre Schützlinge zu verlassen, sie war sich ja keiner Schuld bewußt. Der Besitzer, ganz erstaunt über die eigenartige Szene, nahm sofort seinen Photographieapparat und hielt das außergewöhnliche Bild fest. Diese Katze kannte wohl die anderen ihres Geschlechtes und wurde so die Retterin der jungen Hühnchen. Heiteres. Naturbetrachtung.„Ja, is dös a schöner Klee— da möcht ma ja do glei a Kuah sei,„ In der Großstadtschule.„Die Erde ist eine teus steinige, teils sandige Masse unter dem Pflaster.“ (Simpl.) " Seisteid im neuen Hathause. Tägliche Verzinsung der Spareinlagen Ilnsfuß 8 /4 10 Unentgeltliche Ausleihung von Anentgeltl. Einziehung der Spareinlagen von auswärt. Kassen. Geschäftsstunden: 8½—1 Uhr vormittags 3—6 Uhr nachmittags. Annahmestellen: Bürgerweg 34. Firma Kleinjung& Westerheyde. Herforderstr. 82. Herr Apothekenbesitzer L. Müller. 2502 Die Verwaltung der Stadtsparkasse. Toerner. Gebr. Kusehauff Bielefeld. Aromatische Sparkernseife ist die beste und billigste Seite. 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Das Bureau ist zur Auskunfterteilung von vormittags 11 bis mittags 1 Uhr und von nachmittags 5½2 abends 7½ Uhr für das Publikum geöffnet. An Sonnund Feiertagen ist das Bureau geschlossen. Gebühren werden für mündliche Auskunft nicht erhoben. Soweit zur Erledigung der Arbeiten Schriftstücke(Klageschriften, Eingaben usw.) erforderlich sind, werden diese nach Möglichkeit vom Sekretariat angefertigt. Die Anfertigung erfolgt unentgeltlich für alle Personen, die den dem Sekretariat angeschlossenen Vereinigungen angehören, welche das Sekretariat durch Beiträge unterstützen. Unorganisierte Personen haben für einfache Schriftsätze (ein bis zwei Seiten) 25 Pfennige, für größere 50 Pfennige zu zahlen. Die Anfertigung von Duplikaten wird Urschriftsätzen gleich erachtet. Briefliche Auskunft wird nur nach auswärts erteilt, Anfragen ist Freimarke beizufügen. Porto=Auslagen fallen dem Auftraggeber zur Last. Zur Inanspruchnahme des Sekretariats sind alle Personen ohne Unterschied des Alters, des Geschlechts, des Berufs, der Konfession, der Parteistellung und des Wohnorts berechtigt. Die Aufsichtskommission. Bucharucherei vensadchl GeschäftsZirkulare GeschäftsKarten Rechnungen Briefbogen Kuverts Postkarten Paketadressen Programme Theaterzettel Visitenkarten GratulationsKarten Bielefeld Schulstr. 20 Telephon 353 VerlobungsKarten HochzeitsEinladungen Trauerbriefe und-Karten Eintrittskarten Mitgliedskarten Mitgliedsbücher Quittungs bücher Plakate Flugblätter nun usnnunna n n a ana Grfandhells Tir Bisher sind folgende Hefte erschienen: 1: Dr. Christeller: Die erste Hilfe bei Unglücksfällen. Mit 9 Text=Illustrationen. 2. Dr. Hilberstein: Das erste Lebensjahr. 3. Dr. Hirschoff: Zur Gesundheitspflege des Nervensystems. 4. Dr. J. Zadek: Der Achtstundentag, eine gesundheitliche Forderung. 5. Dr. F. Fröhlich: Alkoholfrage und Arbeiterklasse. 6. Dr. Z. Silberstein: Das Schulkind. 7. Dr. Ernst Gebert: Geschlechtsverkehr und Geschlechtskrankheiten. 8. Dr. B. Chajes=Schöneberg: Nahrung und Ernährung. Mit einer farbigen Tasel. 9. Dr. Paul Bernstein: Wie sollen wir uns kleiden? 10. Dr. M. Epstein=München: Der Arbeiterschutz mit besonderer Berücksichtigung der Werkstatthygiene. 11. Dr. Zadek: Frauenleiden und deren Verhütung nebst einem Auhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. 12. Dr. Ernst Thesing=Magdeburg: Vom medizinischen Aberglauben. 13. Dr. 5. Munter: Das Wasserheilverfahren in der Gesundheitspflege des Arbeiters. 14. Louis Jordan=Leipzig: Verhütung und Zeilung des Stotterus. 15. Dr. Julian Markuse: Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. 16. Gertrud Bewald=Berlin: Zähne und Zahnpflege. 17. Dr. Christeller: Bau und Lebenstätigkeit des menschlichen Korpers. 18. Ed. Bernstein: Der Geschlechtstrieb. 19. Joh. Banker: Die Krankenpflege im Hause. Preis pro Heft 20 Pfg. Porto 8 Pfg. Vorrätig in der Buchhandlung„Volkswacht“. 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Leinert(6 Worte„in ihrer Mehr mit den Einfluß des des Ausschusses beschr Arbeiterausschuß ja ga gegenüber dem Arbeitg Der Arbeitgeber kann nun will man ihm ne Mitglieder des Arbeit unangenehmen Situati passen, auszuheben. Da des Ausschusses. Die treter ist zu groß. Es Mitglied sich über die Auch unsere weiteren Arbeiter fordern müss wirksame Vertretung Abg. Schulze=P Anträge für seine Fre Abg. Dr. Röchli gegen die Angriffe des höre ein warmes Herz, Sozialpolitik ab, die n werden soll. Ich erinne daß nirgends soviel He der Sozialpolitik. Abg. Gronowsk redner das Wort von d zogen hat. Ich habe hauptung protestiert, Sozialpolitik betrieben Beumer behauptet, da das Recht nehmen woll Wir wollen lediglich Arbeitsverhältnisse hal christlich=nationalen A nicht erkannt. In der Abstimmur Stimmen der Konserr der§ 80fd unverän § 80fe bestimmt, beiterausschusses für Sicherheitsmanner erf die Arbeiter. Abg. Wolff=Lisso die Sicherheitsmänner Handelsminister Di schon in der Regieru sich niemand dagegen eine redaktionelle Ver Ein sozialdem Wahl der Arbeiterau und geheim durch die der Sicherheitsmännen soll bestimmt werden die unterirdisch besch ausschußmitglieder ger Abg. Leinert( Konservativen in der Arbeiterausschüsse soll gierungsvorlage, durch den, sondern indirekt wehren sich nicht nur die Arbeiter aller Ric Petitionen beweisen. einmal den Versuch: dem Gesetz herauszube stimmung der Arbeit beiterausschußmitglied ist gerade dieser Pare weist wieder, wie unr Sozialpolitik in der 2 die allgemeine Grube eingeführt. Herr Röc stimmt über die Last innere ich an die Aeu abgeordneten auf dem wollen uns doch dar Lasten, die wir zu tro kalkuliert, sie bedeuten und das Geschrei, da wert, daß man darüb sich sind, sprechen Sie politik, aber nach auf Konkurrenzfähigkeit d angeblich zu hoch gest des Deutschen Reiche besonders in bezug au bereits den 10stündig man in Deutschland wachsene Arbeiter bi nehmer unbedingt beh Der Antrag Wolff Leinert abgelehnt § 80fg bestimmt, Steigerabteilungen vaden in Begleitung heit der Sicherheitsn , Befahrungen aus w ir der Sicherheits die Werksverwa Falle hat die Werksv beamten von der Sa „Abg. Imbusch trums, wonach die r aerfolgen hat und weitere für notwend den soll. cm. Die Katze ließ keine Anstalten, ihre Schuld bewußt. Der e, nahm sofort seinen iche Bild fest. Diese is und wurde so die 0* Klee— da möcht teils steinige, teils (Simpl.) Ksnunt Nr. 117. Bielefeld, Sonnabend, 22. Mai 1909. 20. Sieteld, s. Staatsbahn— Besorgung von n. 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Die zweite Beratung der Berggesetznovelle wird fortgesetzt beim§ 80fd, welcher bestimmt, daß die Mitglieder des Arbeiterausschusses in ihrer Mehrzahl von den Arbeitern gewählt werden müssen. Auf mindestens je 500 Mann faßt bei der Zusammenstellung des Arbeiterausschusses angemessen berücksichtigt werden. Ein sozialdemokratischer Antrag will die Worte „in ihrer Mehrzahl“ streichen und die Zahlen 500, 3 und 100 durch 200, 5 und 20 ersetzen. Abg. Wolff=Lissa(Fr. Vg.) befürwortet einen Antrag, der ebenfalls die Worte„in ihrer Mehrzahl“ streichen will. Abg. Korfanty(Pole) befürwortet ebenfalls die Streichung dieser Worte und einen weiteren Antrag, wonach auf je 300 Mann der Belegschaft ein Vertreter entfallen muß. Abg. Leinert(Soz.): Wenn wir die Streichung der Worte„in ihrer Mehrzahl“ beantragt haben, so wollen wir damit den Einfluß des Unternehmers auf die Zusammensetzung des Ausschusses beschränken. Sie müssen bedenken, daß der Arbeiterausschuß ja gar keine Möglichkeit hat, seine Beschlüsse gegenüber dem Arbeitgeber auch zur Durchführung zu bringen. Der Arbeitgeber kann seine Beschlüsse einfach ablehnen, und nun will man ihm noch obendrein es ermöglichen, seinerseits Mitglieder des Arbeiterausschusses zu ernennen, um ihn der unangenehmen Situation zu entheben, Beschlüsse, die ihm nicht passen, auszuheben. Das bedeutet die völlige Bedeutungslosigkeit des Ausschusses. Die Zahl von 500 Mitgliedern auf jeden Vertreter ist zu groß. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß das Mitglied sich über die Wünsche von 500 Mitgliedern informiert. Auch unsere weiteren Anträge sind das allermindeste, was die Arbeiter fordern müssen, um in den Arbeiterausschüssen eine wirksame Vertretung ihrer Interessen zu besitzen. Abg. Schulze-Pelkum(kons.) erklärt die vorliegenden Anträge für seine Freunde als unannehmbar. Abg. Dr. Röchling(natl.) verteidigt den Abg. Beumer gegen die Angriffe des Abg. Gronowski. Zur Sozialpolitik gehöre ein warmes Herz, aber ein kühler Kopf. Wir lehnen eine Sozialpolitik ab, die nur auf die Kosten der anderen betrieben werden soll. Ich erinnere an das Wort des Grafen Posadowsky, daß nirgends soviel Heuchelei zu finden ist als auf dem Gebiete der Sozialpolitik. Abg. Gronowski(Ztr.): Ich nehme an, daß der Vorredner das Wort von der Heuchelei nicht auf meine Freunde bezogen hat. Ich habe am Dienstag vor allem gegen die Behauptung protestiert, daß in Deutschland eine sprunghafte Sozialpolilik betrieben werde. Es ist nicht richtig, was Herr Beumer behauptet, daß die Gewerkschaften den Arbeitgebern das Recht nehmen wollen, Arbeiter einzustellen und zu entlassen. Wir wollen lediglich das Recht der Mitbestimmung über die Arbeitsverhältnisse haben. Das Wesen und den Charakter der christlich=nationalen Arbeiterbewegung hat Herr Beumer noch nicht erkannt. In der Abstimmung werden sämtliche Anträge gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt, der§ 80fd unverändert angenommen. § 80fe bestimmt, daß die Wahl der Mitglieder des Arbeiterausschusses für die Belegschaft unter Tage durch die Sicherheitsmänner erfolgt, für die Belegschaft über Tage durch die Arbeiter.„ Abg. Wolff=Lissa(Fr. Vg.] beantragt, daß die Wahl durch die Sicherheitsmänner unmittelbar und geheim erfolgt. Handelsminister Dr. Delbrück: Diese Bestimmung stand schon in der Regierungsvorlage, und in der Kommission hat sich niemand dagegen gewandt. Der Antrag bedeutet also nur eine redaktionelle Verbesserung. Ein sozialdemokratischer Antrag wünscht, daß die Wahl der Arbeiterausschußmitglieder allgemein, unmittelbar und geheim durch die Arbeiter in derselben Weise, wie die Wahl der Sicherheitsmänner, erfolgt. Mit Zustimmung der Arbeiter soll bestimmt werden können, daß die Sicherheitsmänner für die unterirdisch beschäftigten Arbeiter zugleich als Arbeiterausschußmitglieder gewählt werden. Leinert(Soz.): Dieser Paragraph ist durch die esheie aech heis häicsie Keice Sch e den, sondern indirekt durch die Sicherheitsmänner. Dagegen wehren sich nicht nur die sozialdemokratischen Arbeiter, sondern die Arbeiter aller Richtungen, wie die dem Hause zugegangenen Petitionen beweisen. Wir haben durch unseren Antrag noch einmal den Versuch machen wollen, diese indirekte Wayl aus dem Gesetz herauszubekommen. Wir wollen, daß nur mit Zustimmung der Arbeiter Sicherheitsmänner zugleich als Arbeiterausschußmitglieder gewählt werden können. Sozialpolitisch ist gerade dieser Paragraph der denkbar rückständigste und beweist wieder, wie unrichtig die Behauptung ist, daß wir in der Sozialpolitik in der Welt voran sind. In Frankreich z. B. ist die allgemeine Grubenkontrolle, wie sie die Arbeiter fordern, eingeführt. Herr Röchling hat wieder allgemeine Klagen angestimmt über die Lasten der Sozialpolitik. Demgegenüber erinnere ich an die Aeußerung eines freikonservativen Reichstagsabgeordneten auf dem Verbandstage des Tabakvereins:„Wir wollen uns doch darüber nicht streiten: die sozialpolitischen Lasten, die wir zu tragen haben, werden in die Waren hineinkalkuliert, sie bedeuten absolut keine Belastung der Arbeitgeber, und das Geschrei, das darüber gemacht wird, ist nicht soviel wert, daß man darüber spricht.“ Sehen Sie, wenn Sie unter sich sind, sprechen Sie ganz anders über die Lasten der Sozialpolitik, aber nach außen stellen Sie es so hin, als wenn die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie leidet unter der angeblich zu hoch gespannten Sozialpolitik. Die Sozialpolitit des Deutschen Reiches steht der ausländischen sehr viel nach, besonders in bezug auf die Arbeitszeit. In Frankreich hat man bereits den 10stündigen Arbeitstag für alle Arbeiter, während man in Deutschland die Ausdehnung der Arbeitszeit für erwachsene Arbeiter bis zu 24 Stunden als Recht der Unternehmer unbedingt behalten will.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Der Antrag Wolff=Lissa wird angenommen, der Antrag Leinert abgelehnt. „§ 80fg bestimmt, oaß die Sicherheitsmänner ihre Steigerabteilungen einmal im Monat zu befahren haben in Begleitung eines Aufsichtsbeamten. Falls die MehrAbg. Leinert(Soz.): Wir beantragen, daß die Befahrung der Grube durch den Sicherheitsmann nicht einmal im Monat, sondern einmal in der Woche erfolgt. Auch diese Forderung wird nicht nur von sozialdemotratischen Arbeitern, sondern auch von christlichen Organisationen vertreten. Lebhafte Bedenken haben wir dagegen, daß die Befahrung immer in Begleitung eines Aufsichtsbeamten erfolgen soll, und beantragen daher, daß die Aussichtsbeamten nur mitgehen auf Erfordern des Sicherheitsmannes. Ich erinnere daran, daß im Hilgerprozeß festgestellt wurde, daß im Saarrevier fast immer in das Fahrbuch von den Sicherheitsmännern, die in Begleitung des Aufsichtsbeamten einfuhren, eingeschrieben wird„Alles in Ordnung". Weiter beantragen wir, den Beschluß der Kommission in erster Linie herzustellen, wonach der Arbeiterausschuß zu bestimmen hat, ob weitere Befahrungen notwendig sind. Erst später behauptete man, daß der Arbeiterausschuß dieses Recht zur Schikane gegen den Arbeitgeber ausnutzen könnte und führte deshalb die Genehmigung der Werksverwaltung ein, die nun jede weitere Befahrung unmöglich machen kann. Wir verlangen weiter, daß die Werksverwaltung für jeden Sicherheitsmann ein besonderes Fahrbuch anzulegen hat, in welches der Sicherheitsmann sogleich nach beendeter Befahrung das Ergebnis der Befahrung einzutragen hat. Dabei darf er natürlich nicht beaufsichtigt, werden. Der Betriebsführer hat das Fahrbuch nach jeder Befahrung einzusehen und ist befugt, seine Bemerkungen zu den Eintragungen des Sicherheitsmannes zu machen. In der Kommission hat man sogar gesagt, der Sicherheitsmann müßte beaufsichtigt werden bei der Eintragung, damit er nicht Unsinn einträgt.(Hört, hört!) Nachdem Sie so scharfe Bestimmungen für die Auswahl der Sicherheitsmänner getroffen haben, ist es geradezu eine Beleidigung fur die Arbeiter; wenn eine solche Vermutung ausgesprochen wird.(Sehr richtig!) Die von uns beantragten Bestimmungen sind übrigens in Frankreich durchgeführt, wie auch die weiter von uns gewünschte Bestim836 u für 2 junge Brute Achriebehr. 1n s6? nicht die Werksverwaltung dagegen Einspruch erhebt. In diesem Ffalle hat die Werksverwaltung unverzüglich einem Bergrevierbeamten von der Sachlage Mitteilung zu machen. Abg. Imbusch(Ztr.) begründet einen Antrag des Zentrums, wonach die regelmäßige Befahreng dreimal im Monat du erfolgen hat und der Einspruch der Werksverwaltung gegen weitere für notwendig gehaltene Befahrungen beseitigt werden soll. Hebung der Sicherheit in den Gruben auch dadurch beigetragen wissen, daß Eintragungen in das Fahrbuch, in denen die Besorgnis einer G=fahr ausgesprochen wird, unverzüglich zur Kenntnis der Bergrevierbeamten gebracht werden missen. Unter Ablehnung aller Anträge wird der§ 80tg unverändert angenommen. Eine Reihe weiterer Paragraphen wird bebattelos angenommen., 9 9-5 chen einee Sicherke: § 80fl bestimmt, daß beim Ausscheiden eines Sicherheitsmannes während seiner Wahlperiode der Werksbesitzer die Vornahme einer Neuwahl veranlassen kann und dies tun muß, wenn das Oberbergamt es anordnet. Abg. Leinert(Soz.] befürwortet einen Antrag, wonach der Werksbesitzer die Neuwahl veranlassen muß, wenn der Arbeiterausschuß oder die Mehrheit der Belegschaft der in Frage kommenden Steiger= bezw. Fahrabteilung sie verlangt oder das Oberbergamt die Neuwahl anordnet. Der Antrag wird abgelehnt. § 80fn bestimmt, daß, wenn die Wahl nach Steigerabteilungen unzweckmäßig erscheint, das Oberbergamt genehmigen kann, daß die Wahl nach Fahrabteilungen erfolgen kann. Zu diesem Zweck hat der Werksbesitzer das Recht, d.s Vergwerk in Fahrabteilungen einzuteilen. Abg. Leinert(Soz.) bittet um Annahme eines Antrages, wonach zur Vornahme der Wahl nach Fahrabteilungen und der Einteilung eines Bergwerks in Fahrabteilungen die Zustimmung des Arbeiterausschusses notwendig ist. Auch dieser Antrag wird abgelehnt. § 80fo bestimmt, in welchen Fällen dem Sicherheitsmann während seiner Wahlperiode das Arbeitsverhältnis durch den Werksbesitzer gekündigt werden kann: 1. wenn er seinen Verpflichtungen als Sicherheitsmann nicht nachkommt; 2. wenn sonst Tatsachen vorliegen, die ihn als nicht geeignet zur Fortsetzung seiner Tätigkeit als Sicherheitsmann erscheinen lassen; 3. wenn er seine Tätigkeit als Sicherheitsmann zu Zwecken mißbraucht, die mit seinem Amte als Sicherheitsmann nicht im Zusammenhang stehen; 4. wenn wichtige Gründe anderer Art vorliegen, die mir der Ausübung seines Amtes als Sicherheitsmann nicht zusammenhängen.„#..# und S#, Die Abgg. Grunenberg(Zer.) und Korfanty(Pole) befürworten die Streichung der Ziffer 4. Abg. Leinert(Soz.): Wir halten auch die Ziffer 3 für sehr kautschukartig und beantragen daher, hinter„Sicherheitsmann“ einzufügen:„während der Ausübung seines Dienstes in der Grube.“ Die Ziffer 4 ist durch die Rechte in der Kommission in diesen Paragraphen eingefügt. Ja, man behauptete, diese Bestimmung bedeute fur den Sicherheitsmann eine Sicherung seiner Rechte.. In der Tat können auf Grund dieser Ziffer 4 alle überhaupt nur denkbaren Gründe bei der Entlassung vorgeschoben werden. Wenn der Arbeitgeber den Sicherheitsmann in einer sozialdemokratischen Versammlung hat reden hören, so ist das für den Arbeitgeber ein„wichticer“ Grund. Etwas anderes wäre es, wenn nicht der Werksbesitzer selbst darüber zu bestimmen hätte, was ein wichtiger Grund ist. Die Gründe im § 82 zur Entlassung jedes Arbeiters genügen auch vollkommen gegenuber den Vertrauensleuten der Arbeiter.(Sehr richtig!) Die Ziffer bedeutet eine ganz wesentliche Verschlechterung, einen Kautschukparagraphen schlimmster Art, der in einem Gesetz nichts zu suchen hat, das zur Sicherung von Leben und Gesundheit der Arbeiter dienen soll. Nach dem letzten Absatz dieses Paragraphen ist weiter der Revierbeamte nur auf Antrag eines Beteiligten verpflichtet, die Gründe des Ausscheidens eines Sicherheitsmannes zu untersuchen und zu Protokoll zu nehmen. Wir verlangen, daß er diese Pflicht unter allen Umständen hat, und wollen weiter folgendes bestimmen:„Wendet sich der Sicherheitsmann oder die Mehrheit der Belegschaft der in Frage kommenden Steiger= bezw. Fahrabteilung beichwerdeführend an das Oberbergamt und erachtet dieses die Entlassung für ungerechtfertigt, so hat es die Wiedereinstellung des Sicherheitsmannes zu verfügen. Die Wiederanstellung ist gleichfalls zu verfugen, wenn durch Urteil des Berggewerbegerichts die Entlassung einesSicherheitsmannes für ungerechtfertigt erklärt wird.“ Nur dadurch kann verhindert werden, daß die Sicherheitsmänner auf die schwarze Liste kommen.(Sehr richtig! bei den Soz.] Abg. Flesch(Fr. Vp.) verweist darauf, daß die Bestimmung darüber, was ein wichtiger Grund ist, nicht der Bergwerksbesitzer, sondern schließlich das Gericht trifft. Freilich sei zuzugeben, daß das Mißtrauen der Bergarbeiter gegen die Bergherren sich auch auf die Gerichte erstreckt, da die Vorsitzenden der Berggerichte nach Ansicht der Arbeiter vielfach mit den Bergherren zu nahe liiert wären.„ In der Abstimmung werden alle Antrage abgelehnt. § 80 ko unverändert angenommen. Nach debatteloser Annahme einer Reihe weiterer Paragraphen begründet... 66 Abg. Flesch die Einfügung eines neuen Paragraphen, wonach den Werksbesitzern untersagt sein soll, die Anwendung der soeben beschlossenen Bestimmungen zum Nachteil der Arbeiter durch Verträge(mittels Reglement, Arbeitsordnung oder besonderer Uebereinkunft auszuschließen, oder die Arbeiter in der Uebernahme oder Ausübung eines in Gemäßheit dieser Bestimmungen ihnen übertragenen Ehrenamtes zu beschränken. Bei Verstößen gegen diese Bestimmungen sollen die Werksbesitzer oder deren Angestellte mit Geldstrafen bis zu 300 Mk. oder mit Haft bestraft werden.— Eine entsprechende Bestimmung findet sich auch im Invalidenversicherungsgesetz. Nachdem sich die Abgg. Goebel(Ztr.) und Korfanty (Pole) mit dem Antrage einverstanden erklärt haben, schließt die Debatte. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt. § 90a bestimmt, daß die technischen Angestellten im Falle der Krankheit ihren Anspruch auf Gehalt und Unterhalt auf die Dauer von 6 Wochen behalten, daß der Angestellte sich aber den Betrag anrechnen lassen muß, den er für diese Zeit auf Grund der gesetzlichen Krankenversicherung zu beanspruchen hat. Abg. Brust(Ztr.) tritt dafür ein, daß in solchen Fällen nur die Hälfte des gesetzlichen Krankengeldes anzurechnen ist. Abg. Leinert(Soz.]: Wir beantragen, die Anrechnung des gesetzlichen Krankengeldes ganz zu beseitigen. Es bedeutet diese Bestimmung eine Benachteiligung gerade der schlechter entlohnten technischen Angestellten, denn die technischen Angestellten mit 2000 Mk. Gehalt und darüber sind nicht zur Krankenversicherung verpflichtet, ihnen kann also auch der Betrag einer eventuell freiwilligen Krankenversicherung nicht abgezogen werden. Das ist vor einiger Zeit auch von einem Gericht in Bochum festgestellt worden, das die Anrechnung des Krankengeldes bei einem Steiger, der über 2000 Mk. Gehalt hatte, für unstatthaft erklärt hat. Unter Ablehnung beider Anträge wird der§ 90a unverändert angenommen. § 207b sieht die Strafen für Zuwiderhandlungen gegen bestimmte Paragraphen des Gesetzes vor. Abg. Leinert(Soz.): Wir beantragen, daß über diesen Paragraphen hinaus die Bestrafung des Unternehmers auch dann eintritt, wenn er dem Steiger nicht die vorgeschriebene Entschädigung bezahlt, wenn er den Arbeiterausschuß nicht beruft. trotzdem ein Drittel der Mitglieder es verlangt, und wenn an den Beschlüssen des Arbeiterausschusses über die Sicherheit der Grube nicht auch die Sicherheitsmänner teilnehmen. Endlich muß der Unternehmer auch dann bestraft werden, wenn er einen Sicherheitsmann ohne zwingenden Grund entläßt. Abg. Brust(Ztr.): Wir können dem Herrn Vorredner nur insoweit zustimmen, als wir die Bestrafung des Unternehmers auch dann für geboten halten, wenn er den Arbeiterausschuß den Bestimmungen des Gesetzes entgegen nicht beruft. Die sozialdemokratischen Anträge werden hierauf abgelehnt. Nach debatteloser Annahme einiger weiterer Paragraphen ist die zweite Beratung der Berggesetznovelle erledigt. Ein Antrag Gyßling(Fr. Vp.] und Genossen die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst eine gesetzliche Neuregelung des Privatschulwesens, eventuell des privaten höheren Mädchenschulwesens, herbeizuführen, wird nach kurzer Debatte an die Unterrichtskommission überwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Sonnabend 12 Uhr.(Zweite Lesung der Stempelsteuervorlage.) Schluß 4½ Uhr. Herrenhaus. 10. Sitzung vom Freitag, 21. Mai. Am Ministertisch: v. Dombois. Präsident Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 40 Minuten. Zunächst steht auf der Tagesordnung der vom Abgeordnetenhause bereits genehmigte Gesetzentwurf über die Heranziehung der Beamten, Elementarlehrer und unteren Kirchendiener zur Gemeindeeinkommen steuer. Die Herrenhaus=Kommunal=Kommission beantragt: Annahme in der Fassung des Abgeordnetenhauses. In einer Resolution ersucht sie die Regierung um Vorlegung des statistischen Materials, das entsprechend einem Beschlusse des Hauses vom 27. Juni 1905 über die Einbuße an Steuereinnahmen gesammelt worden ist, die durch die auf dem Gebiete der Kommunalbesteuerung der Beamten geltende Gesetzgebung entsteht; Oberbürgerweister Vosberg=Potsdam: Der Entwurf ist nur eine Abschlagszahlung. Die Einbuße der Städte durch das Beamtensteuerprivileg ist außerordentlich groß. Sie beträgt in vielen Städten 40 und mehr Prozent. Das Privileg ist eine Ungerechtigkeit gegen die Kommunen, und es fragt sich, ob die Abschlagszahlung, die die Vorlage bringt, wirklich ein Vorteil ist. Als Abschlagszahlung nehme ich den Entwurf an. Oberbürgermeister Körte=Königsberg i. Pr.: Ich kann dem Vorredner nicht zustimmen, ich lehne das Gesetz ab; denn es bildet keine zweckmäßige Regelung, auch für den gegenwärtigen Augenblick nicht. Ich halte eine radikale Beseitigung des Privilegs für notwendig. Oberbürgermeister Ehlers=Danzig tritt dem Vorredner bei. Das Privileg müsse ganz abgeschafft werden. Privilegierte Klassen müssen beseitigt werden. Geheimrat Freund: Die Regierung ist sich der Unvollkommenheit der Vorlage bewußt und bedauert vor allem, daß sie nicht mehr zugunsten derjenigen Städte, die durch das Privileg große Ausfälle haben, gestaltet werden konnte. Die Geldfruge stand aber dem im Wege. Die Entschädigung, die an die Beamten zu zahlen wäre, wäre zu hoch. Ohne Erhöhung der Steuern ließe sich das nicht durchführen. Deshalb halte die Regierung an dem in der Vorlage angegebenen Weg fest. Oberbürgermeister Fuß=Kiel erklärt sich für die Annahme der Vorlage. Der Sperling in der Hand ist besser, als die Taube auf dem Dache. Nach längerer Debatte wird die Vorlage mit großer Majorität gegen die Stimmen einiger Oberbürgermeister angenommen. Die Resolution wird abgelehnt. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs über die Umzugskosten der Geistlichen der evangelischen Landeskirche der alteren Provinzen. Graf v. Schwerin bittet, dem Gesetzentwurf zuzustimmen, da die Buntscheckigkeit des bisherigen Verfahrens geradezu eine Rechtsunsicherheit bedeute. Frhr. von der Goltz: Die Interessen der Gemeinden und der Mitglieder der Kirche sind im Gesetzentwurf nicht g-nügend gewahrt. Die Gemeinden müssen auch Umzugskosten zahlen, ohne daß ein Grund vorliegt, und müssen auch bluten, wenn ein Geistlicher disziplinarisch versetzt wird oder wenn er sich zu verbessern wünscht. Ein Regierungskommissar empfiehlt die unberänderte Annahme des Gesetzentwurfes, der einem langjährigen Wunsche der Geistlichen entspricht. Oberhofprediger D Dryander tritt dem Freiherrn von: der Goltz entgegen. Die Lasten für die Gemeinden sind doch nur sehr geringfügige. Das Gesetz hat einen hohen ideelle Wert und ist im Interesse der Geistlichen wie der Gemeinde:: zu begrüßen, die nunmehr nicht mehr in die Versuchung kommen werden, bei der Auswahl eines Geistlichen die Entfernung zu berücksichtigen. Die Vorlage wild hiekanf ungerändert angenommeg. auch die Vorlage über die Ge wird nach kurzer Abgeordnetenhauses angenommen. Ber wird hierauf unveränder angenommen. #rlage über vie Gebühren der Medizinglbeamten ter Beratung unverändert in der Fassung des muies angenommeg. EEs folgt vie Beratung einer keihe von Petitionen zur Frage des höheren Mädchenschulwesens. Die Abieitung der pro kacultate docendi geprüften Lehrerinnen des Verbandes akademisch gebildeter und studierender Lehrerinnen zu Köln fordert Gleichstellung dieser Lehrerinnen mit den akademisch gebildeten Lohrern. Der Verband Stettiner Privatschullehrerinnen verlangt Aufbesserung der Lehrerinnen an den staatlich anerkannten privaten höheren Mädchenschulen. Die Städte Osnabrück und Koblenz wünschen Zulassung von Mädchen zu den höheren Knabenschulen. Oberbürgermeister Struckmann=Hildesheim beantragt, die Petition um ausnahmsweise Zulassung der Koedukation als Material zu überweisen. Staatsminister a. D. Dr. v. Studt: Die Fürsorge des Staates für das Mädchenschulwesen in finanzieller Beziehung war früher recht mangelhaft. Im Laufe meiner ministeriellen Tätigkeit ist der Betrag auf das Dreifache erhöht. Es müssen aber weitere Opfer gebracht werden. Die Schulreform, die sich im wesentlichen auf den Beschlüssen der von mir abgehaltenen Januar=Konferenz von 1906 aufbaut, ist ein erheblicher Fortschritt. Sorgfältiger Erwägung bedar' die Frage der gemeinsamen Erziehung der Knaben und Mädchen. Ich hatte den Uebergang zur Tagesordnung für berechtigt. Hier heißt es: Principiis obsta! Die Erfahrungen in Amerika sind zum Teil recht fragwürdig. Jedenfalls ist die Sache noch nicht geklärt. Immerhin ist die Frage der Koedukation eine wichtige für die Kommunen und die Familien.(Beifall.) Oberlandesgerichtspräsident Hamm=Bonn meint, die Kommission habe keine prinzipielle Entscheidung treffen wollen. Ueber die Petitionen auf Zulassung von Mädchen zu Knabenschulen erfolgt Uebergang zur Tagesordnung, die übrigen Petitionen werden als Material überwiesen. Eine Petition von Professor Gutzner=Halle um Förderung des mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterrichts wird der Regierung zur Erwägung überwiesen, nachdem Fürst Salm=Horstmar dieselbe mit dem Hinweis empfohlen, daß ein guter naturwissenschaftlicher Unterricht das Beste zur Bekämpfung Haeckels und des Monistenbundes sei. Nächste Sitzung: Sonnabend 1 Uhr.(Besoldungsvorlagen.) Schluß 6½ Uhr. Harkeinächrichten. Der Bildungsausschuß der Gesamtpartei hat am Dienstag, den 18. Mai, eine Sitzung abgehalten, die besonders der Vorbereitung des Winterprogramms 1909/10 gewidmet war. Der Bildungsausschuß wird im Hinblick auf die bisherigen günstigen Erfohrungen das Institut der wissenschaftlichen Wanderkurse weiter ausbauen, besonders durch Einrichtung von naturwissenschaftlichen und geschichtlichen Vortragszyklen. Das Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften soll fortlaufend ergänzt werden; außerdem soll dem nächsten Verzeichnis auch eine Uebersicht über künstlerischen Wandschmuck beigegeben werden. Das gedruckte Winterprogramm des Bildungsausschusses, das allen bei der zentralen Geschäftsstelle(Berlin SW. 68, Lindenstraße 3) gemeldeten lokalen Ausschüssen unentgeltlich zugeht, wird in diesem Jahre früher als im Vorjahre(Mitte Juni) verschickt werden. Gegen die Brackeler Anarchosozialisten. Der erweiterte Vorstand der Kreisorganisation des Wahlkreises Dortmundorde hat in einer Sitzung, an der Vertreter aller Landbezirke teilnahmen, zu dem bekannten Konflikt in Brackel Stellung genommen. Entgegen den Darstellungen der gesamten bürgerlichen Presse wurde festgestellt, daß es sich nicht um einen größeren Kreis von Genossen, sondern lediglich um Machenchaften einiger Quertreiber handelt. Der erweiterte Vorstand beschloß einmütig, gegen sechs Genossen, die anarchosozialistische Propaganda betrieben haben, den Ausschluß zu beantragen.— Um dieses Verfahren einzuleiten, beruft der Zentralvorstand des Wahlkreises Dortmund=Hörde eine außerordentliche Generalversammlung auf den 20. Juni ein.— Einer der gegen die Partei auftretenden Redner der Brackeler Versammlung, der Rechtskonsulent Karl Erdmann=Dortmund, ist schon aus der Partei ausgetreten, just einen Tag vor dem Zusammentritt des Schiedsgerichts, das über seinen Ausschluß entscheiden sollte. Vom Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung eines Bergwerksdirektors— durch die Kritik der Arbeitsverhältnisse auf der ihm unterstellten Grube— wurde Genosse Herm. Krasser vom„Sächsischen Volksblatt“ zu Zwickau durch das Schöffengericht Zwickau zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt. Von der Strafkammer in Eisleben wurde Stadtverordneter Genosse Trautewein aus Gernrode wegen Beleidigung des Bürgermeisters Sempke in Ermsleben zu 75 Mk. Strafe verurteilt. Einem dortigen Wirt wurde die Schankkonzession entzogen, angeblich, weil kein Bedürfnis vorlag. Unsere Genossen, die dort verkehrten, vermuteten, daß darin der Grund zur Entziehung der Schankkonzession liege, eine Vermutung, die der Bürgermeister amtlich stets bestritt. Eines Tages saß der Bürgermeister mit unserem Genossen Trautewein, dem Bürgermeister von Gernrode und anderen Stadtverordneten am Biertisch zufällig beisammen. Der Bürgermeister kannte unseren Genossen nicht und erzählte in der Bierlaune, daß er dem Wirt die Schankkonzession entzogen habe, weil sich dort Sozialdemokraten versammeln. Genosse Trautewein erklärte darauf in einer öffentlichen Versammlung, der Bürgermeister sei unwürdig, das Amt eines Stadtoberhauptes zu bekleiden. Das Gericht rügte das Tun des Bürgermeisters und meinte, er habe sich wohl„verhauen“, kam aber gleichwohl zu einer Verurteilung unseres Genossen. Gewerkschaftsbewegung. Zwei Vorkommnisse aus der Betriebskrankenkasse der Kaiserlichen Werft in Danzig, die letzthin Gegenstand einer Besprechung in einer Werftarbeiterversammlung waren, liefern einen netten Beitrag zur Verwaltung der Betriebskrankenkassen: Ein Leutnant Wisotzki hatte ein Verhältnis mit der Tochter eines Werftarbeiters, das nicht ohne Folgen blieb. Der Leutnant bekannte sich zwar als Vater des unehelichen Kindes, er zahlte aber keine Alimente. Für den Unterhalt seines Kindes ließ der Leutnant die junge Mutter und die Eltern derselben sorgen. Der Vater des Mädchens ging nun zu dem Vorsteher des Arbeitsamtes der Kaiserlichen Werft, dem Korvettenkapitän Simon, der zugleich Vorsitzender der Betriebskrankenkasse ist, und fragte, wie er sich zu verhalten habe. Simon erflärte, er könne nichts tun, weil er selbst Offizier sei; er sei aber bereit, das Kind in einem Säuglingsheim unterzubringen. Das Kind wurde dann auch tatsächlich im Säuglingsheim verpflegt. Die Kosten betrugen 135 Mk. Diese Summe zahlte Simon aus der Betriebskrankenkasse an das Säuglingsheim. Im März 1909 monierte der Revisionsausschuß der Betriebskrankenkasse diese Ausgabe, von der nicht einmal der Vorstand der Kasse durch Simon unterrichtet worden war. Ferner beanstandete der Revisionsausschuß eine Ausgabe von 15 Mk., die statutenwidrig auf Veranlassung Simons für Behandlung der Frau eines Bureausekretärs gezahlt worden waren. In dem Revisionsprotokoll wurde mit Bezug auf die Verpflegung des unehelichen Kindes die Kasse gesagt, es sei nicht ersichtlich, daß die v. T. Verftangehörigen gezählt werden darf, und muß somit der ub des Vorstandes in Abschrift dem Belage beigefügt wersbeiten Ausgabe wurde bemerkt, daß es sonst üblich Mita durch„z zu den W. Beschluß den. Zu der an sei, für Angehorige der###eder nur die Halfte der verausgabten Kosten zurückzuerstatten, es seien somil 7.50 Mk. zu viel bezahlt worden. Der verlangte Vorstandsbeschluß unterblieb ebenso wie die Erstattung der beanstandeten Summen. In der nun stattgefundenen Generalver ammlung der Betriebskrankenkasse, zu der neben 36 Mitgliedervertreiern auch ein Vertreter der Werftdirektion erschienen war, mußte auf Verlangen einiger Vertreter Simon das Revisionsprototoll verlesen. Zu den beanstandeten Ausgaben bemerkte Simon, daß er für das Geld mit seiner Person hafte; er hätte das Geld ja auch aus einem anderen Fonds nehmen können; aus welchem, sagte er nicht. Ein Arbeitervertreter, der Böttcher Gerlosf, rugte die statutenwidrige Ausgabe und beantragte Aussetzung der vollen Entlastung des Kassenvorstandes, bis er die Erstattung der 135 Mk. nachgewiesen habe. Simon sprach gegen den Antrag. Er meinte, es genuge seine Erklärung, daß das Geld zurückgezahlt werde. Festgestellt wurde noch ausdrücklich, daß es sich um eine eigenmachtige Handlung Simons handele und daß die übrigen Vorstandsmitglieder vergeblich versucht hätten, Simon zur Erstattung der 135 Mk. zu bewegen. Der Antrag Gerloff wurde angenommen, sogar der Vertreter der Werftdirektion stimmte dafür. Nach.####, der Generalversammlung ersuchte Simon den Gerloff, sich davon zu überzeugen, daß das Geld zurückerstattet ist. Das geschah dann auch durch Vorlegung einer Quittung, aus der nicht recht ersichtlich, wer das Geld zurückerstattet. Immerhin war diese Aktion notwendig, um der Kasse zu der zu Unrecht entnommenen Summe zu verhelfen; der Vorstand allein hatte nichts ausrichten können, erst mußte die Versammlung ein ernstes Wort sprechen. Die Sache hat aber noch ein recht bezeichnendes Nachspiel. Gerloff, der seinen„Vorgesetzten“ Simon gezwungen hatte, das zu Unrecht verausgabte Geld zurückzuerstatten, erhielt seine Entlassung zum 20. April. Gerloff war bereits zehn Jahre auf der Werft beschäftigt, ohne jemals das geringste verschuldet zu haben. Die Gründe der Kündigung versuchte Gerloff vom Oberwerftdirektor Freiherrn v. Schimmelmann vergebens zu erfahren. Der Direktor wußte nur zu sagen, daß er ihn nicht gebrauchen könne. Gerloff sagte dem Direktor ins Gesicht, daß seine Entlassung auf sein Verhalten in der Krankenkassenversammlung erfolgt sei. Der Direktor bestritt das. Nun wandte sich Gerloff an den Minister v. Tirpitz. Von dort kam der Bescheid, daß die Entlassung bestehen bleibe. Eine von 800 Arbeitern besuchte Versammlung der Kaiserlichen Werft nahm von dieser Sache Kenntnis und verurteilte auf das Entschiedenste die Entlassung Gerloffs, die als eine Maßregelung betrachtet wurde, weil Gerloff in seiner Eigenschaft als Generalversammlungsvertreter die Interessen der Kasse und ihrer Mitglieder in sachlicher Weise vertreten habe. Die Versammelten sprachen dem Gemaßregelten ihre volle Sympathie aus, sie verpflichteten sich, ihn— wenn möglich— auch materiell zu unterstützen. Beschlossen wurde noch einstimmig die Herausgabe von Sammellisten für Gerloff. Dann wurde die Versammlung mit einem begeisterten Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung geschlossen. Erwähnt sei noch, daß die Versammlung— entgegen den vereinsgesetzlichen Bestimmungen— polizeilich überwacht wurde. Der Polizeibeamte erklärte, er werde bleiben, solange es ihm gefalle. Gegen die Reichsversicherungsordnung. Die elfte Generalversammlung des Zentralverbandes der Schiffszimmerer Deutschlands, die in Kiel tagte, beschäftigte sich in der Sitzung vom Diegstag, 18. Mai, mit der Reichsversicherungsordnung. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die die von der Regierung ausgearbeitete Reichsversicherungsordnung als für die Arbeiter unannehmbar bezeichnet. Die Resolution fordert für die Krankenversicherung Beseitigung aller Hemmnisse, die einer wirklichen Selbstverwaltung entgegenstehen, in erster Linie die Beseitigung der Betriebs- und Innungs=Krankenkassen. Für die Unfallversicherung fordert sie die Beteiligung der Versicherten an der Verwaltung und das Recht der Verncherten, bei der Festsetzung der Renten ein entscheidendes Wort mitzureden; Zugrundelegung des vollen Jahresverdienstes bei der Rentenberechnung, damit die volle Rente auf die Höhe gebracht wird, in der schon heute den Beamten eine Pension gewährt wird, nämlich 75 Prozent des Jahresverdienstes. Von der Invaliden= versicherung fordert die Resolution Erhöhung der Lohnklassen und der Renten. Für die Witwen= und Waisenversicherung hält sie Renten für erforderlich von mindestens 180 Mark für erwerbsfähige Witwen sowie für Waisen, und 360 Mark für erwerbsunfähige Witwen. Zur Aussperrung in der Holzindustrie in Rheinland=Westfalen wird uns gemeldet, daß der Arbeitgeberbund für das Baugewerbe mit Montag, 24. Mai, über diejenigen Unternehmer, die nicht ausgesperrt haben, die Materialsperre verhängen wird. In der Stahlgießerei der Westfälischen Stahlwerke in Weitmar bei Bochum sind wegen bedeutender Lohnreduktionen Differenzen ausgebrochen. Aus dem gleichen Grunde ist die Gießerei des Stahlwerks Stockum, Kreis Bochum, für Former und Gießer gesperrt. Neue Beamtenmaßregelungen in Oberschlesien. Auf der „Königshütte“ haben wieder eine größere Anzahl jüngerer Beamte wegen ihrer Zugehörigkeit zum Bunde technischer und industrieller Beamten ihre Kundigung erhalten. Man nahm sich diesmal nicht einmal die Mühe, einen äußeren Anlaß für die Kündigung zu suchen. Bauarbeiteraussperrung in Würzburg. Die Baumeistervereinigung in Würzburg droht in einem Schreiben an die dortige Vervandsleitung mit allgemeiner Aussperrung der organisierten Maurer, Bauhilfsarbeiter und Erdarbeiter, wenn bis Freitag früh 7 Uhr die bei der Firma Baer u. Sohn streikenden Arbeiter die Arbeit nicht wieder ausgenommen haben. In der Stettiner chemischen Fabrik Union ist es am Dienstag abend zur Arbeitsniederlegung gekommen. Der Grund liegt in Maßregelungen einer Anzahl Arbeiter. Streik der Tischler in Strelitz i. M. und Konitz. In beiden Orten betrug die Arbeitszeit bislang noch 65 und 66 Stunden pro Woche. Die Arbeiter verlangen nun die Einführung einer Arbeitszeit von 57 Stunden pro Woche. Die Unternehmer verweigern die Anexkennung dieser Forderung. Alle Versuche zur gutlichen Einigung sind fehlgeschlagen. Die Tischler haben deshalb die Arbeit eingestellt. Vor Zuzug wird gewarnt. Gewerbegerichtswahl in Nürnberg. Bei der Unternehmerbeisitzerwahl in Nürnberg erzielte die sozialdemokratische Liste 355, die Liste der vereinigten Bürgerlichen 1818 Stimmen. Nach dem Proporz sind gewählt: 8 Sozialdemokraten und 15 Bürgerliche. Straßenarbeiter=Ausstand. Hamburg, 21. Mai. Sämtliche Staatsarbeiter erklärten sich solidarisch mit den morgen in den Ausstand tretenden Straßenreinigern. Sie versprachen jede Hilfeleistung, Ablehnung von Streikbrecherarbeit und pekuniäre Unterstützung. Eventuell wollen sämtliche Staatsarbeiter in den Ausstand treten. # 7. chluß Aufgehobenes Urteil. Der Redakteur der„Metallarbeiterzeitung, Genosse Scherm, war vom Schoffengericht von Saaifeld(Thur.) vorigen Herbst zu 150 Mark Strafe verurteilt worden, weil er den Metallindustriellen Auerbach durch eine Besprechung der Zustände in seiner Fabrik beleidigt haben soll. In der Verhandrung stellte sich heraus, daß die aufgestellten Behauptungen wesentlich richtig waren. Schöffengericht und Landgericht verurteilten trotzdem, das Oberlandesgericht Jeng hob indessen am Dienstag das Urteil auf und verwies es die Vorinstanz zurück da§ 193. Wahrnehmung berechtigter Interessen, nicht berücksichtigt worden sei. Terrorismus der Baunternehmer. In Halberstadt befinden sich die Maurer und Bauarbeiter im Lohnkampf. Die Streikenden sind durch schwarze Listen über ganz Deutschland von den Unternehmern versehmt worden. Der Aushungerungs. befehl lautet: „Arbeitgeberverband für das Baugewerbe in Halberstadt. Sehr geehrter Herr Kollege! Hierdurch benachrichtigen wir Sie ergebenst, daß am 1. Mai bei uns die Maurergesellen und Bauarbeiter in den Streik getreten sind. Wir bitten Sie höflichst, aus Halberstadt kommende Maurer und Arbeiter nicht einzustellen bezw. sogleich wieder zu entlassen. Die Liste der Ausständigen beiliegend. Es folgt dann, alphabethisch geordnet, mit Familien= und Vornamen, Geburtstag und Geburtsort ein Verzeichnis von 228 Maurern und 111 Bauarbeitern. Achtung, Glaser! Der vom Verbande der Industriellen unterhaltene Arbeitsnachweis in Mannheim sucht durch Vermittlung des Annoncenbureaus Rud. Mosse in bürgerlichen Zeitungen Glaser nach Mannheim. Es wird dabei ein Wochenrohn von 40 Mark in Aussicht gestellt. So hoch sind die Löhne jedoch nicht. Die Glaser und Schreiner in Mannheim stehen in einer Tarifbewegung. Die Unternehmer wollen durch Zuzug auswärtiger Arbeiter die Tarifbewegung zu ihren Gunsten gestalten In Mannheim sind sehr viele Glaser und Schreiner ohne Beschäftigung. Zuzug ist deshalb fernzuhalten. Bergarbeiterausstand in Oesterreich. Die gesamte Belegschaft des westböhmischen Bergbau=Aktienvereins im Bezirke Wien ist in den Ausstand getreten; es handelt sich um 11 374 Mann. 2c. Der französische Bergarbeiterkongreß, der dieser Tage in Lens stattfand, hat mehrere bedeutsame Beschlüsse gesaßt. Nach längeren vertraulichen Unterhandlungen wurde im Prinzip die Verschmelzung mit dem Verband der Schieferbrucharbeiter beschlossen. Dieser Verband hat in allernachster Zeit seinen Kongreß in Paris und dürfte voraussichtlich denselben Beschluß fassen. Der französische Bergarbeiter=Verband gehört mit zu denjenigen wenigen französischen Gewerkschaften, welche ein gutfundiertes Kassenwesen besitzen und die mehr der Taktik der deutschen Gewerkschaften zuneigen. Das Zentral= bureau, das seinen Sitz in Lens hat, wird durch mehrere festangestellte Beamte verwaltet. In einer einstimmig angenommenen Resolution wird der gesetzliche Achtstundentag fur. alle Bergwerke(Kohlen, Metall usw.), Stein= und Schieferbrüche gefordert. Wiederholt werden die Beschlüsse, durch welche die volle Sonntagsruhe und die Alterspensionen für Bergleute (2 Franken pro Tag nach erreichtem.50. Lebensjahre und nach 25 Dienstjahren), gefordert, wird Eine Delegation wird en wird. Es werden zwar Löhne bis zu 20 Mark pro Pegen.? 22 hie. ader auch Kaschin, die für 1., g und 6 Schilling pro Woche arbeiten. Dabei sind die Preise eidung usw. verhältnismäßig hoch. Auch sei die Arveitsm Teil sehr ausgedehnt bis 12 und 14 Stunden hro Tag. 25 Dienstjahren), gefordert wird Eine Delega###n##### beauftragt, den Minister lum schleunige Erledigung der Wunsche des Kongresses zu ersuchen.(Diese ist mittlerweile vom Minister empfangen worden.)„„ Zum Internationalen Bergarbeiter=Kongrep in Berlin wurden 2 Delegierte gewählt. ac. Der schweizerische Typographenbund veröffentlicht soeben seinen Rechenschaftsbericht vom Jahre 1908. Erfreulicherweise kann mitgeteilt werden, daß heute alle Mitglieder unter dem Einheitstarif und nur in tariftreuen Druckereien arbeiten. Die Zahl der Zweigvereine beträgt 22, die Mitgliederzahl hat sich um 186 vermehrt und ist damit auf 3045 gestiegen. Die Einnahmen der allgemeinen Kasse beliefen sich auf rund 112000 Franken, die Ausgaben auf 86 000 Franken. Dazu kommen aber noch die Kassen für Kranken=, Invaliden=, Arbeitslosen= und Sterbe=Versicherung im Betrage von 260000 Franken. Der Typographenbund hat in Basel eine eigne Druckerei.„Im Berichtsjahre konnte der Verband das Jubiläum seines 15zayrigen Bestehens feiern. ac. Zur Lage der Dienstboten in Australien. Die Londoner Frauen=Zeitung„Worman Worker“ veröffentlicht eine Zuschrift der Sekretärin des Arbeiterinnen=Verbandes von WestAustralien. Darin wird berichtet, daß die Lage der Dienstboten in Australien keine so glänzende ist, wie in der Regel angenommen wird. Es werden zwar Löhne bis zu 20 Mark pro Woche gezahlt, es gibt aber Mädchen, die für 10, 8 sogar fur Kleidung usp. verhältnismäßig hoch. Auch sei, Zeit zum Teil sehr ausgerehnt, bis 12 und 14 Stunden pre Lag. Sogar Gesindevermieterinnen haben sich in den verhältnismäßig jungen australischen Kolonien schon eingenistet. Diese haben die meisten Stellungen in Händen und beuten die Mädchen genau so unverschämt aus, wie ihre werten Kolleginnen in der alten Welt. Die Sekretärin warnt deswegen die jungen europäischen Mädchen vor der Auswanderung nach Australien. Gendssen! Es ist Parteipflicht für jeden Genossen, energisch und unablässig für die„Volkswacht" Abonnenten zu werben. Jetzt ist eine besonders günstige und erfolgverheißende Zeit für diese Tätigkeit. Tue jeder seine Pflicht, den Gegnern zum Trutz, den kämpfenden Proletariat zu Nutz. Auf zur Agitation für die Arbeiterpresse! EUNNL. Modernstes Waschmittel Deutsches Reichspatent— glbt nach halbstündigem Kochen ohne Reiben und Bürsten blendend welsse, unverdorbene Wäsche und ersetzt die Rasenbleiche vollkommen. Für absolute Unschädlichkeit garantieren die Fabriken von Dr. Thompson's Seifenpulver (Marke Schwan) G. m. b. H. in Düsseldort. + MAGGl-Suppen 806 ult den Arounaters über ähnliche Produkte zeigt sich 1. in dem reinen, kräftigen Wohlgeschmack, L. im charakteristischen Eigengeschmack jeder Sorte, 8. in der Ausgiebigkeit und daher Billigkeit. 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Das Zentrald d u r c h m e h r e r e f e s t einstimmig angenomststundentag für alle und Schieferbrüche sse, durch welche die ionen für Bergleute ebensjahre und nach legation wird beaufung der Wünsche des weile vom Minister ngreß in Berlin veröffentlicht soeben 8. Erfreulicherweise kitglieder unter dem kereien arbeiten. Die itgliederzahl hat sich gestiegen. Die Einch auf rund 112.000 Dazu kommen aber *, Arbeitslosen= und 000 Franken. Der ne Druckerei. Im iläum seines 15jähritlien. Die Londoner iffentlicht eine ZuZerbandes von WestLage der Dienstboten in der Regel angesis zu 20 Mark pro i, die für 10, 8 und abei sind die Preise Auch sei die Arbeits4 Stunden pro Tag. den verhältnismäßig stet. Diese haben die die Mädchen genau eginnen in der alten jungen europäischen stralien. ossen! energisch und unabverben. Jetzt ist eine Zeit für diese Tätigrn zum Trutz, dem rbeiterpresse! aschmittel hapatent a— im Rochen ohne endend welsse, che und ersetzt ommen. 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Bekanntmachun Damit die Friedhofsaufseher des Johannis= und Nikolaifriedhofes die Friedhöfe zu Sonn= und Festtagen rechtzeitig ordnungsmäßig in Stand setzen können, ist angeordnet, daß sämtliche Handwerker ihre Arbeiten auf den Friedhöfen an den Sonnabenden und den den Festen vorhergehenden Tagen um 4 Uhr nachmittags beendet haben müssen, und daß auch kein Fuhrwerk nach 4 Uhr die Friedhöfe mehr befahren darf. Ferner ist bestimmt, daß die Beerdigungen au Sonnabenden und an den Tagen vor Festtagen in der Zeit vom 1. April bis 30. September nur bis 5 Uhr, vom 1. Oktober bis 81. März nur bis 4 Uhr nachmittags erfolgen können. 2857 Bielefeld. Der Magistrat. Erhebung! — Zur Zahlung der Staats=, Kreis=, Gemeinde= und Kirchenabgaben sind für die hiesige Stadtgemeinde folgende Hebeiermine anberaumt: Für das 1. Vierteljahr(April Juni) vom Tage der Zustellung des Steuerzettels ab bis zum 5. Juni 1909 Für das 2. Vierteljahr(Juli September) vom 1.—14. Aug. 1909 Für das 3. Vierteljahr(Oktober(Dezember) vom 1.—14. November 1909 Für das 4. Vierteljahr(Januar(März) vom 1.—14. Febr. 1910 während der Vormittagsdiennstunden von 8 bis 12½ Uhr. Vorstehendes wird gemaß§ 33, Abs. 6 der Anweisung für das Haushalts=, Kassen= und Rechnungswesen vom 29. Juli 1905 mit dem Bemerten veröffentlicht, daß mit der Zustellung der Steuerzettel am heutigen Tage begonnen wird Herford, den 21. Mai 1909. Kämmereikasse. Bekanntmachung. Vom 1. Juni d. J. ab befindet sich die öffentliche Rechtsberatungsstelle nicht mehr Waisenhausstraße 1, sondern im Rathaus II, Münsterkirchplatz 1, 1 Treppe, neben dem Kgl. Standesamt. Herford, den 17. Mai 1909. Der Magistrat. Dr. Heß. was ist Arthurom 2033 20s00 Rohen Das neue Lederseit für schwarzes und auch farbiges Schuhzeug in jeder Ledersorte, welches nicht nur im trockenen, sondern auch im nassen Zustande des Leders sofort eingerieben werden kann und das Leder dann weich und geschmeidig austrocknet. 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Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Vortrag des Genossen Hoffmann über Schulverhältnisse in Preußen. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. 2756 Zurückgesetzte Mastel und-Rocio spottbillig. n& Cehwencer, Oberntorwall 1 2834 neuester Filzhut in Sonntag, den 23. Mai 1909, nachmittags 4 Uhr: Veiks-Versummang auf der Deele des Herrn Gemeindevertreters Jul. Ziemaun, Brake i. W. — Tagesordnung:— Die politische Lage. Referent: Reichstagsabgeordneter Severing. Freie Diskussion für jedermann. allen Farben. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein 2383] Der Elinberufer. ** n ede * 4 4%— Letzte Neuheiten. Strol-Hate. Riesen-Auswahl in allen Preislagen. Nur Bielefeider Aut-Dazar Nur Inhaber: Richard Bingmann = 27 Bahnhofstrasse 27.= I Berücksichtigt bei Gueren Einkäufen vie Inserenten der„Volkswacht". 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In der Stadtverordnetenversammlung vom Dienstag stand dieser Antrag zur Debatte. Der freisinnige Landtagsabgeordnete Funck polemisierte gegen den Antrag des Wahlvorschlagsausschusses und schlug einen Nationalliberalen zur Wahl vor. Funck erklärte, es habe keinen Zweck, Quarck noch einmal zu wählen. bl ni.t bestätigen, und dann sei gegeben, daß auf Grund des§ 44 des Schulunterhaltungsgesetzes die Regierung ein Mitglied der Schuldeputation erNach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde zur Abstimmung geschritten; hierbei erhielt Genosse Quarck 15, der nationalliberale 36 Stimmen, 4 Stimmen waren ungiltig. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 22. Mai. — Arbeiter=Jugend. Sonntag, nachmittags 2½ Uhr, auf der Ochsenheide: Zusammenkunft. Bälle usw. sind diesmal mitzubringen. — Ausstellung im städtischen Museum. Im Erdgeschoß des städtischen Museums, Koblenzerstr. 1, werden, anschließend an die Ausstellung von Schülerarbeiten der staatlich= städtischen Fasstesfstgenu. Bielefeld, im Laufe des Sommers einige aussteuungen gezeigt werden, die von den Sammlung von sogenannten Buntpapieren, Jahrhunderten vielfach, nicht nur zu Buchbinderarbeiten, Anwendung gefunden haben. Interessant ist, auf diesem Spezialgebiete die Entwicklung der Geschmacksbewegung der letzten Jahrhunderte im kleinen wiederzufinden, von der vollsaftigen Sattheit der Renaissance mit schwervergoldeten phgntgstischen die zunächst geschmackliche schafft. Die Ausstellung ist zu den üblichen Maseumszeiten— Sonntag, Dienstag, Freitag von 11½ bis 1 Uhr, undSonntag, Mittwoch und Sonnabend von 3 bis 5 Uhr— umsonst geöffnet. Zu anderen Zeiten gegen 50 Pfg. Eintrittsgeld. Ein kleiner Führer, der auch über die verschiedenen Techniken aufklärt, wird für 20 Pfg. verkauft. — Sommertheater Bielefeld. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend gelangt der überaus drastische Schwank„Pension Schöller“ zum ersten Male zur Aufführung. Morgen, Sonntag, abend.wird der bei der Erstaufführung mit kolossalem Beifall ausgenommene Schwank„Wo wohnt sie denn?“ zum ersten Male wiederholt. — Polizeibericht. Einschränkung von Lustbarkeiten. Nach der Polizeiverordnung des Herrn Oberpräsidenten über die Heilighaltung der Sonn= und Feiertage dürfen am Vorabend des ersten Pfingsttages, und an diesem selbst weder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähnliche Lustbarkeiten veranstatret werden. Schhidr P. Spülung der Straßenrinnen. Es wird darauf hingewiesen, daß auf Grund des§ 4 der Polizeiverordnung vom 28. August 1875 an sämtlichen Straßen und Wegen des Stadtbezirks die befestigten Straßenrinnen und Gossen von den Anliegern der Straßen täglich mit reinem Wasser und zwar vor 9 Uhr morgens gründlich auszuspülen und zu reinigen sind. Für einzelne einfallende Regentage kommt die Anordnung in WegGefunden: 1 schwarzer Hornkneifer mit goldenem Bügel, 1 Brosche,. a Lmannee Zugelaufen: 1 Dobermannpinscher. Verloren: 1 Zehnmarkstück,1 silbernes Kettenarmband mit Anhängsel gez. I. A., 1 goldene Brosche, 1 braunes Damenportemonnate mit 10 Mk., 1 schwarzseidene Schürze mit lila Streifen. Entlaufen: 1 Rehpinscher. Straßensperrung. Die Oelmühlenstraße zwischen Bielstein= und Teutoburgerstraße wird zwecks Vornahme von Wasserleitungsarbeiten vom 22. 5. bis 24. 5. für den Fuhrwerksveriehr geiverrt.„„ 6.92 Festgenommen wurde 1 Person wegen steckbrieflicher Verfolgung und 1 Person wegen Trunkenheit und groben Unfugs, 12 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Montag, 24. Mai, abends 6½ Uhr, Sitzung der Vertrauenspersonen im Restaurant„Stadt Bielefeld“. Der Vorstand. Versammlungen. Bielefeld. Oeffentl. Schuhmacherversammlung. Montag, 24. Mai, abends 8 Uhr, bei Hannemann: Vortrag des Kollegen Kummerow=Hamburg über„Die Ursachen der wirtschaftlichen Krise und deren Folgen für die Arbeiter“. Herford. Holzarbeiterverband. Montag, 24. Mai, abends 6 Uhr, bei Liedtke: Vertrauensmännersitzung. — Arbeiter=Abstinentenbund. Sonntag, 23. Mai, nachm. 6 Uhr, bei Seeger: Versammlung. Bünde. Holzarbeiterversammlung. Sonntag, 23. Mai, vorm. 9 Uhr, bei Nübel: Vortrag des Genossen Hoffmann=Bielefeld über„Die Lage der Finanzreform“. Ausflüge. Bielefeld. Maurerverband. Durch die Berge nach Karl Schröder= Brackwede, Sonntag, 23. Mai. Treffpunkt: Morgens 6½ Uhr an der Kreissparkasse. Vlotho. Arbeiter=Gesangverein. Ins LinnenbekeTal und eventuell nach dem Bonstapel. Treffpunkt: Mittags 2 Uhr beim Gastwirt Marten. Die organisierte Arbeiterschaft von Vlotho und Umgegend ist freundlichst eingeladen. Es wird erwartet, daß sich Mitglieder und organisierte Arbeiter mit ihren Familienangehörigen recht zahlreich beteiligen und pünktlich an den Trefspunkten einfinden. Für Proviant muß jeder selbst sorgen. Ferner wird ersucht, keine Zweige von den Bäumen zu reißen. Deutscher Arbeiter=Sängerbund. 5. Bezirk. Sonntag, 23. Mai, vormittags: Chorprobe in Oetting= hausen. Die Herforder Gesangvereine marschieren vorm 7 Uhr vom Bahnhofs=Hotel ab. Deutscher Tavakarbeiterverband. 5. Gau. Am Sonntag, 20. Juni, morgens 10½ Uhr, findet im Kaisersaal in Vlotho eine Konferenz sämtlicher Zahlstellen im 5. Gau statt. Tagesordnung: 1. Lohntarife und Minimallohnsätze im 5. Gau. Referent: Carl Leichmann=Premen.„weig zu, L#n. Gan g. 2. Der Zentralarbeitsnachweis für den 5. Gau. Referent: Kollege Albert Schulz=Bielefeld. Zu dieser Konferenz entsendet jede Zahlstelle bis 100 Mitglieder einen Delegierten; von 100 bis 200 Mitgl. zwei; von 200 bis 300 Mitgl. drei Delegierte usw. Für die Delegierten wird Mittagessen bee. Der Ganleiter. W. Schlüter. (Schluß von„Aus der Stadt u. Nachbarschaft“ in d. 1. Beilage. 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Die Debatte über den Vorstandsbericht ist lebhaft und es werden verschiedene Wünsche und Anregungen laut. MeisGelsenkirchen konstatiert, daß der Vorstand an der Verbreitung des„30000=Mark=Flugblatts“, welches August Brust, den früheren Gewerksvereinsvorsitzenden, der Annahme von Bestechungsgeldern bezichtigt, völlig unschuldig ist und Sachse alles getan hat, um dessen Verbreitung zu verhindern. Der Zentrumsgewerkverein habe durchaus keine Ursache zur Entrüstung, da er selbst solchen Schmutzartikeln Verbreitung sichert, wie die Verleumdung gegen Pokorny beweist, an der Vorstandsbeamte des Gewerkvereins aktiv beteiligt waren. Piekers=Essen schildert seine Erlebnisse, die er bei Knappschafts- und Stadtverordnetenwahlen mit den„Christlichen“ gemacht habe. Kapläne haben sogar Frauen mit der Verweigerung der Absolution gedroht, wenn ihre Männer„rot“ wählten; ferner wurde gedroht, Kinder sozialdemokratischer Wähler nicht zur Kommunion zuzulassen. Redner verurteilt das Treiben des Zentrumsgewerkvereins und billigt die Haltung des Vorstandes. Alle Redner sind einig in der Verurteilung der gehässigen Agitation des Zentrumsgewerkvereins und sprechen sich gegen das Zusammengehen mit demselben bei Lohnkämpfen usw. aus, solange Charaktere vom Schlage der jetzigen Führer die Leitung in Händen haben. Delegierte aus allen Revieren versichern den Vorstand des Vertrauens der Mitgliedschaften und bemängeln nur die Langmut des Vorstandes den Gegnern gegenüber. Es wird betont, daß der Gewerkverein ein verräterisches Spiel mit seinen eigenen Mitgliedern treibt. Mit Interesse wird der Delegierte Österroth-Waldenburg, dem Wahlkreise Sachses, angehört, der betont, daß der Verleumdungsfeldzug der Gegner gegen den Vorstand noch besonders ausgenützt wurde gegen den Abgeordneten Sachse, um dessen politische Stellung zu erschüttern. Sachses Wähler hätten demgegenüber am letzten Sonntag diesen erneut als Reichstagskandidaten aufgestellt als Protest gegen das Treiben der Gegner. Aus seinen persönlichen Erfahrungen könne er sagen, daß von allen Gegnern die Christlichen die schofelsten Waffen führten. Die Führer des Gewerkvereins rangierten moralisch noch weit hinter dem Söldling der niederschlesischen Bergherren, dem„reichstreuen“ Gustav Nachdem 35 Delegierte zum Vorstandsbericht gesprochen haben, wird die Debatte durch Schlußantrag beendet. Im Schlußwort geht Sachse auf die gestellten Anträge und die geäußerten Wünsche ein. Er konstatiert, daß in der Debatte nicht der mindeste Vorwurf gegen den Vorstand erhoven worden sei, obwohl die Gegner gerade darauf so sehnsüchtig gewartet hätten. Die Gegner sollten daraus die Lehre ziehen, daß ihre Taktik, die auf eine Disharmonie zwischen Vorstand und Mitgliedern hinarbeite, durchaus falsch sei und kein Resultat zeitige, als die eigene Blamage. Der Charakter der „christlichen“ Führer als Arbeitervertreter erhalte eine recht eigentümliche Beleuchtung durch deren parlamentarische Tätigkeit. Man brauche nur auf das blamable Verhalten des Abgeordneten Behrens beim Reichsvereinsgesetz zu erinnern und an die Tatsache, daß durch das Verhalten der Behrens, Giesbert, Schiffer das von der Regierung geplante Verbot der Frauenarbeit auf Bergwerken von 1910 auf 1912 verschoben worden ist. Redner verwahrt sich dann noch gegen den Vorwurf, daß der Verband allzusehr im Fahrwasser des Revisionismus schwimme. Das Unterstützungswesen des Verbandes habe mit dem„Revisionismus“ ebenso wenig zu tun wie unsere schweren, erschütternden Kämpfe mit dem„RadikalisDen Bericht über die Presse erstattet Pokorny, der die Haltung der„Bergarbeiterzeitung" verteidigt und in launiger Weise die Angriffe der Gegner auf das seine Person, abfertigt. Dem Wunsche des„christlichen" „Bergknappen“, seine Bjographie zu, vervollständigen,(ein schristliches“ Sudelblatt hatte eine, solche verbreitet), kommt kedner nach und bringt dabei den schlagenden Beweis für die Verbreitung des Sudelpapiers durch Beamte der Zentrums16 Verbundene Augen. Roman von Max Kretzer. —„Nachdruck verboten.) gewerkschaft. Die Kritik des Blattes über Grubenmißstände zeitige eine Flut von Prozessen und Berichtigungen. Der Inseratenteil müsse aus der Zeitung verschwinden. In der Debatte kennzeichnen mehrere Redner die Berichtigungspraxis der Grubenverwaltungen, die meistenteils die gerügten Mißstände beseitigen und dann kühn und dreist„berichtigen". Mit der Haltung des Blattes sind die Diskussionsredner im allgemeinen einverstanden, nur wird größere und schnellere Berücksichtigung der Einsendungen aus den Kreisen der Kameraden gewünscht,g ug. uue Sennersteg Früß u. Die Sitzung wird um 12 Uhr auf Donnerstag früh vertagt, da am Nachmittag ein Ausflug in die schöne Umgebung der Lutherstadt unternommen wird. Kr. Eisenach, 20. Mai. 4. Verhandlungstag. Die nunmehr im Druck vorliegende Präsenzliste ergibt, daß 119 Delegierte, inklusive der Verbandsbeamten, anwesend sind, außerdem sind als Gäste Harolin=Oesterreich, UmbreitBerlin, als Vertreter der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, und Genosse Hengsbach, Reichstagsabgeordneter, anwesend. Redakteur Wagner referiert über„die Möglichkeit und den Wert der Tarifverträge im Bergbau". Der Bergarbeiterverband habe in dieser wie in allen anderen Fragen die Initiative ergriffen. Redner schildert die Entstehungsgeschichte der Tarifverträge und deren Wirkung in anderen Berufen, wie auch im Bergbau Englands und Amerikas. Im deutschen Berabau kann von einer Vertragsfreiheit des Bergarbeiters keine Rede sein. Das heutige Gedingewesen sei die schreiendste Brutalisierung des Bergmanns. Die meisten Ruhrzechen hätten Vorschriften in der Arbeitsordnung, nach welchen der Bergmann nur den ortsüblichen Schichtlohn erhält, wenn er nicht innerhalb 3 bis 5 Tagen das von der Grubenverwaltung festgesetzte Gedinge annimmt. Das sei um so ungerechter, als zwischen dem Höchstlohn und dem Mindestlohn häufig Unterschiede von 2 bis 4 Mark pro Schicht vorkommen. Redner widerlegt die von den Angestellten des Kohlensyndikats geltend gemachten Bedenken und konstatiert, daß die Zahl der Tarifverträge in Deutschland im Jahre 1907 um 2000 gestiegen sei. Die Einführung von Tarifverträgen im Bergbau entspringe dem dringenden Bedürfnis der gesamten Bergarbeiterschaft nach Stetigkeit der Löhne und Vertragsfreiheit. Sie sei auch das einzige Mittel, um die drohenden erschütternden Kämpfe im Bergbau zu verhüten. Redner legt die Grundzüge seines Vortrags in folgender Resolution nieder: „Der bestehende Arbeits= und Lohnvertrag im deutschen Bergbau entspricht nicht dem wahren Sinn der Gesetzgebung, insbesondere dem§ 105 der Gewerbeordnung(freie Vereinbarung), weil er den Arbeitern einseitig von den Grubenherren aufgezwungen wird und sie deren Willkür völlig überantDer Arbeiter im Bergbau hat heute bei der Festsetzung seiner Lohn= und Arbeitsverhältnisse absolut kein Mitbestimmungsrecht, denn die Arbeitsordnungen geben den Grubenherren und deren Beamten das Recht, die Löhne und Gedinge nach Willkür festzusetzen und zu reduzieren. Der Gedingevertrag insbesondere stellt eine nach Willkür zu handhabende Schraube ohne Ende dar, wodurch der Arbeiter zu immer größeren Leistungen gezwungen wird. Dieser Zustand macht die fortgesetzt steigenden Unfallund Krankheitsziffern, das rapid sinkende Lebensalter und die frühe Invalidität der Bergarbeiter nur zu sehr erklärlich, nicht minder aber auch die großen Bergarbeiter=Streiks, die für die gesamte Volkswirtschaft große Gefahren in sich schließen. Die Erbitterung der Bergleute wird ias Ungemessene gesteigert durch die gewaltigen Lohnunterschiede, durch Maßregelungen und schwarze Listen seitens der Grubenherren, die sich als ein Staat im Staate geberden. Dieser Willkür der Grubenherren muß ein wirksamer Damm entgegengesetzt werden, wenn unser Wirtschaftsleben nicht verhängnisvollen Katastrophen entgegentreiben sol.„ I1Mm ist 4.— haste gne Unter den gegebenen Veryältnissen ist der beste Weg zu gesunden und rechtlichen Zuständen die Schaffung tariflicher Vereinbarungen, die den Arbeitern ein Mitbestimmungsrecht auf die Gestaltung ihrer Arbeitsbedingungen sichern. Die hauptsächlichsten Schwierigkeiten, die die Tarifregelung im deutschen Bergbau zu überwinden hat, sind nicht in besonderen technischen und wirkschaftlichen Verhältnissen begründet, sondern in dem Wir haben uns ja Widerwillen der Grubenherren, mit den Arbeiterorganisationen auf gleichem Fuße zu verhandeln. Sobald die Organisation der Grubenbesitzer die Bergarbeiterorganisation anerkennt, würde sich eine tarifliche Regelung auch bei schwierig gelagerten Verhältnissen leicht anbahnen lassen. Im Braunkohlen=, Erz= und Salzbergbau sind Tarifverträge nach englischem Muster ohne weiteres durchführbar. Aber auch im Steinkohlenbergbau schließen technische Schwierigkeiten die Möglichkeit von Tarifverträgen keineswegs aus. Eine tarifliche Regelung muß die Festsetzung der Schichtzeit, des Zeit= oder Schichtlohnes, sowie des Gedingelohns, der Löhne für Neben= und Sonntagsarbeiten, der Materiallieferung und etwaiger Deputatkosten für die Arbeiter umfassen. Sie erfolgt zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeiter, als gleichberechtigte Kontrahenten, unter Anerkennung des Grundsatzes„Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit". Die für die verschiedenen Gruppen der Schichtlohnarbeiter vereinbarten Lohnsätze gelten als Mindestlöhne. Wo der Abschluß eines Tarifvertrags nach englischem Muster wegen technischer Schwierigkeiten zu kompliziert erscheint, muß der Gedinge=Vertrag nach folgenden Leitsätzen festgeict werden: gristlich benzinkart marhen RckDas Gedinge muß schriftlich vereinbart werden. Dabei ist auch zu bestimmen, wohin dem Arbeiter das Holz und andere notwendige Materialien angeliefert werden müssen. Als Maßstab zur Bemessung des Gedinges dient der Grundlohn, welcher den Verhältnissen entsprechend nach Bergrevieren oder einzelnen Werken zwischen den Organisationen der Unternehmer und Arbeiter zu vereinbaren ist. Alle vorkommenden Nebenarbeiten müssen bezahlt und der Preis schriftlich vereinbart werden. Ist dieser Grundlohn von den Arbeitern nicht zu erreichen, so hat innerhalb einer Woche eine Neuregelung des Gedinges den Verhältnissen entsprechend zu erfolgen. Kommt hier eine Einigung nicht zustande, so ist die Streitfrage durch eine paritätische Einigungskommission zu schlichten, andernfalls hat der Arbeiter Anspruch auf den im Vormonat verdienten Durchschnittslohn seiner Arbeiterkategorje.„„ Treten Veränderungen der Abbauverhältnisse ein, so muß eine entsprechende Neuregelung des Gedinges erfolgen. Kommt es hierbei zu keiner Verständigung, so hat die erwähnte Einigungskommission gleichfalls die Streitfrage zu schlichten, andernfalls hat der Arbeiter auch hier Anspruch auf den im Vormonat verdienten Durchschnittslohn seiner Arbeiterkategorie. Dasselbe gilt auch, wenn ein Gedinge=Arbeiter vorübergehend im Schichtlohn beschäftigt wird.“ In der Diskussion wurden von Rednern der verschiedensten Reviere Mißstände im Gedingewesen vorgebracht. Ein Delegierter zitiert als zutreffendes Charakteristikum folgenden Vers eines Steigers:„Wer nur den lieben Gott läßt walten, Und steht sich mit dem Steiger gut, Der wird schon seinen Lohn erhalten, Wenn er auch nicht viel leisten tut“. HarolinOesterreich schildert die dort gemachten Erfahrungen in der Tariffrage und betont die Notwendigkeit der einheitlichen Organisation als Vertragskontrahent dem Unternehmertum gegenüber; Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die Statutenbevatungskommission erstattet Bericht und empfiehlt die Vorstandsvorlage, die bei der Durchberatung der Anträge nochmals genau geprüft und mit den Anträgen tunlichst vereinigt sei, zur Annahme. Die Spezialdebatte ergibt die Annahme des vorgelegten Entwurfes, in dem folgende Aenderungen enthalten sind: Die Bestimmung, daß invalide und über 50 Jahre alte Kollegen nicht Mitglied werden können, soll keine Anwendung finden auf Mitglieder, welche aus anderen Organisationen übertreten und deren Aufnahme vor Vollendung des 50. Lebensjahres erDem Paragraph, der vom Ausschluß der Mitglieder handelt, wird ein Passus angehängt, nach dem Ausgeschlossene, wenn neue, eine andere Entscheidung herbeizuführen geeignete Tatsachen bekannt werden, ihre Wiederaufnahme beantragen vonnen..„„.. Suns tchen fall uach der Olafte hDas Sterbegeld für Invaliden soll nach der Klasse bezahlt werden, in die er während seiner aktiven Mitgliedschaft Beiträge geleistet hat. Einem Beschluß der Vorständekonferenz entsprechend wird im Statut festgelegt, daß Zugehörigkeit zu zwei gewerkschaftlichen Organisationen nicht zum Doppelbezug X. Zwei Tage darauf bat Dankelberg seinen Zimmerherrn zur Erledigung der Wechselangelegenheit nach seinem Bureau, was Trolla nicht unangenehm war, denn so konnte er den vielbeschäftigten Mann einmal in seinem Berufsgewande beschauen. Um so erstaunter war er, nichts vorzufinden, was ihn in seinen Vermutungen irgendwie hätte bestärken können. Als er das alte, zweistöckige. aber durchaus sauber aussehende Haus in der Mauerstraße betrat, glaubte er schon durch äußerliche Umstände auf die Geldgeschäfte, die hier betrieben würden, hingewiesen zu werden. Er hatte sich ausgemalt, Menschen kommen und gehen zu sehen, ein reges Treiben zu entdecken, das auf ein offenes, viel in Anspruch genommenes Bureau hinwiese. Nun erlebte er eine arge Enttäuschung. In dem offenstehenden Torweg, durch den der warme Maiabend die unangenehmen Ausdünstungen der Straße trieb, entdeckte er weder Schild noch Aufschrift. So begann er denn den stillen Portier zu studieren und las zu seiner Ueberraschung, daß Dankelberg auch Eigentümer Aha, dachte er, während er die reingeschenerten, nach alter Berliner Art mit frischem Sand bestreuten Treppen emporstieg,„der Fuchs hat sich in seinen eigenen Bau zurückgezogen, um desto besser wühlen zu können.“ An der weißgestrichenen Außentür zwei Treppen hoch angelangt, glaubte er aber seinen Augen kaum zu trauen, als er in dem Dämmerlicht unter dem winzig klein geschriebenen Namen„Dankelberg“ ein größeres Blechschild mit der Aufschrift„Kunsthandlung" erblickte. Dankelberg als Kunsthändler— das war ihm das Allerneueste. Gerade als er klopfen wollte, vernahm er drinnen lautes Sprechen, und gleich darauf trat Eckler so unmittelbar schnell veraus, daß Trolla mit ihm zusammenstieß. Die Verlegenheit war auf beiden Seiten, der„Assessor" aber faßte sich sofort und sagte, nachdem er einen flüchtigen Gruß auszetauscht hatte:„Auch du mein Sohn Brutus?“ Trolla begriff sofort, was er damit meinte, lächelte diskret und wollte damit die Unterhaltung als abgebrochen betrachten. Eckler jedoch nahm ihn von der Tür fort und raunte ihm mit der Miene des überlegenen Mannes zu, der plötzlich die Situation deherrscht:„Wollen Sie in Geschäften zu ihm? Das hätten Sie mir eigentlich anvertrauen sollen, ich hätte Ihnen verschiedene Winke geben können. In solcher Verlegenheit ist wohl jeder von uns einmal gewesen. Er ist bei guter Laune, aber sagen Sie nur sicht, daß wir uns kennen. So etwas macht ihn mißgestimmt. Wer hat Sie empfohlen? Kramer wohl, he?... Uebrigens kange sche geschen. Ihrem Eranen Trolla hatte nur wie zerstreut mehrmals stumm genickt. Sofort leuchtete ihm ein, daß Eckler keine Ahnung von seinem Verhältnis zur Familie Tankelberg habe, und um eine Ausrede zu gebrauchen, kam er plötzlich auf den Einfall, er hätte im Auftrage eines Bekannten hier in„Kunstangelegenheiten" zu tun. „Guter Witz,“ sagte Eckler mit so viel spöttischer Betonung, daß sich Trolla recht einfältig vorkam.„Dann also viel Erfolg,“ fügte der Assessor noch hinzu und schritt dann die Treppe Als Trolla eingetreten war, befand er sich in einem großen zweifenstrigen, nach der Straße gelegenen Raum, dessen zwei kahle Wände völlig mit Oeldruckbildern bedeckt waren, die ohne Rahmen und Leinewand auf die Tapete genagelt waren. An der dritten Wand stand ein offenes Regal, dessen Fächer zur Hälfte auf den ersten Blick Tapetenrollen zu enthalten schienen, die sich aber bei näherer Besichtigung ebenfalls als Bilder erwiesen. Große Mappen; wie man sie bei Kunsthändlern findet, lagen auf einem langen Geschäftstisch, der sich rechtwinklig am Fuße der beklebten Wände hinzog, und lehnten gegen das Regal. Sofort erhob sich ein junger schieläugiger Mensch von einem Pult am Fenster, machte eine wohleinstudierte Verbeugung und fragte mit zuvorkommender Höflichkeit:„Wünschen der Herr Bilder zu kaufen?“ 4.66 Die Frage war so ernst gehalten, daß Trolla durchaus nicht Neigung zum Lächeln zeigte. Er wurde an dieser ganzen Umgebung irre und neigte zu der Annahme, sich in einem Geschäftslokal zu befinden, in dem man Dankelberg nur ein kleines Plätzchen zur Erledigung seiner laufenden Angelegenheiten eingeräumt habe. Als er dann verneint hatte und dem jungen Menschen mit der Friseurmähne seine Karte überreicht hatte, verschwand dieser hinter einer Nebentür mit der Bemerkung, daß er den„Herrn Chef“ sofort benachrichtigen werde. „Das nenne ich wirklich seltsam,“ dachte Trolla, der nun einige Minuten Zeit hatte, seine Musterung in dieser Kunsthandlung“ fortzusetzen, wobei ihm nun auch verschiedene Proben von Bilderrähmen auffielen, die in den Ecken umherstanden und an dem Pfeiler zwischen den Fenstern hingen. Einige der grellen Landschaften und Genrebilder dieser großen Musterkarte, die das Auge auf die Dauer zur Verzweiflung bringen konnten, waren ihm nicht unbekannt. Er hatte sie bereits in der Wohnung in der Linienstraße angestaunt, und so siel ihm jetzt erst ein, daß er sich über die auffallende Fülle derartiger Reproduktionen dort mehrmals im Stillen gewundert hatte. Jedenfalls hatte man sie wohlfeil erhalten. „Der Herr Chef lassen den Herrn Referendar bitten.“ Diesmal war der Bückling des jungen Menschen noch tiefer, und es schien Trolla, als hätte er diese gesteigerte Zuvorkommenheit seiner neu angesertigten Visitenkarte zu verdanken. Dankelberg, in langem, schwarzem Rock und weißer Weste, das goldene Pincenez weit auf der Nasenspitze, stand bereits in der geöffneten Tür und streckte ihm die Hand entgegen mit den Worten:„Treten Sie näher.„ Dann waren sie beide allein, in einem sehr behaglich eingerichteten, ebenfalls zweifenstrigen Raum, der ein Mittelding zwischen Bureau und Wohnzimmer war.„. 8 „Bitte, nehmen Sie Platz,“ sagte Dankelberg und wies uuf einen der zusammengetragenen Fauteuils, die neben dem doppelten Diplomatentisch standen und wie zur Beratung einluden. Dann öffnete er noch einmal die Tür, rief laut hinein:„Emil, es ist Schluß, wenn noch jemand kommen sollte.“ Trolla, der sich gesetzt hatte, erfaßte mit einem raschen Blick die weitere Ausstattung des Raumes: einen großen, gepolsterten Lehnsessel an der Wand, das schwarzlederne Ruhebett mit gesticktem Puff daneben, den kleinen Geldschrank unweit der Türe, nicht weit davon einen Ständer mit Akten, der ihn ganz besonders interessierte, und ganz im äußersten, alkovenartigen Teile des Zimmers, hinter einem halb aufgezogenen Vorhang Waschtoilette und Kleiderspind; dazwischen etwas, das sich wie ein Bett ausnahm, im Dunkel des Winkels aber nicht ganz erkennbar war.„„.7.4erichtst— Gahen“ „Er scheint sich ja hier ganz häuslich eingerichtet zu haben,“ dachte Trolla, und nahm an Dankelberg könnte sich hier eine Art Absteigequartier geschaffen haben. Und kaum war dieser wieder zurückgekehrt, so fiel Trolla auch die gepolsterte Innenseite der Tür auf, was ihn auf den Gedanken brachte, es könnten hier hin und wieder sehr geheimnisvolle Dinge verhandelt werden, die mit dem Verkaufe von Bildern nichts zu tun hätten. „Sie rauchen doch eine mit'ner Leibbinde,“ fragte Dankelberg und reichte Trolla seine Zigarrentasche hin. Und als dieser dankend eine der„echten“ mit der Bemerkung genommen hatte, daß es sehr angenehm sei, sich eine derartige Marke leisten zu können, fiel der Alte ihm sofort ins Wort: „Hä, glauben Sie nur nicht, daß ich das alle Tage kann. Ich habe die Nummer in Zahlung nehmen müssen. Leider! Für gewöhnlich rauche ich mein: Achtpfennigsorte. Die Zeiten sind zu schlecht. Wer will heut' noch Bilder kaufen, nicht mal nach„Sie sind auch Kunsthändler?" fühlte sich Trolla verpflichtet, einzuwerfen, während er bei sich dachte:„„Große Kenntnisse von diesem Geschäft scheint er nicht zu besitzen, sonst würde er das Wort„nachgemacht" nicht gebraucht haben.“ „Was dachten Sie denn? Natürlich bin ich Kunsthändler, wovon sollte ich denn sonst leben? Einen Beruf muß der Mensch habey,„., Fasf Lermaßen das hiefer B.iSein Ernst verbluffte Trolla dermaßen, daß dieser keine Einwendung wagte, sondern nur eine zustimmende, Bewegung machte. „Mit Hypotheken= und Kommissionsgeschäften ist heute nicht mehr viel zu machen,“ fuhr Dankelberg fort, der sich auf seinen Sessel am Schreibtisch niedergelassen hatte und die zerkaute Spitze seiner Zigarre mit den Fingern wieder zu runden ver Rechtschutz=, Streik= und Maßregelungsunterstützung betigt.— Der Vorstand wird um eine Person verstärkt, jedoch unbesoldeten Vorstandsmitglieder die Majorität. von rechtigt. veyalten„die unbesoldeten Vorstandsmitgliedeg — Die Generalversammiung verpflichtet alle Vervandsbeamten aufs neue, eine energische Agitation gegen den Alkoholgenuß zu entfalten. Der Beitrag wird folgenderweise festgesetzt: Alle Mitglieder, die unter 3 Mk. verdienen, sollen 30 Pfg., alle übrigen 40 Pig. zahlen; sie können jedoch auch in die 50 Pfg.=Klasse eintreten. Arbeitslose und Gemaßregelte, welche die volle statutarische Unterstützung bezogen haben, können auf Antrag für die fernere Dauer der Arbeitslosigkeit von der Beitragspflicht best it werden, um dadurch die im Verbande erworbenen Rechte zu erhalten. 1910: Gras Das neue Statut son am 1. Januar 1910 in Kraft treten Die Sitzung wird auf Freitag früh verlagt. Bischof und Sitniichneksverbrichtr. Ein schmutziges Trauerspiel ist zu Ende. Der letzte Akt trielte vor der Strafkammer in Rottweil(Württemberg). ische Pfarrer Michael Bauer von Taldorf, früher Staolpfarrer in Schramverg, wurde mach dreitagiger Verhandlung am Donnerstag, 13. Mai, wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit und Religionsvergehen zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. Er hat den Beichtstuhl dazu benützt, beichtende Kinder zu schänden. Die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt. So viel sickerte aber doch durch, daß die Veryandlung ein grauenhaftes Bild sittlicher Verkommenheit entrollt hat. 21 Zeugen, meist weiblichen Geschlechts, waren geladen. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre Zuchthaus beantragt. Bauer war, wie gesagt, früher Stadtpfarrer in Schramberg. Als politischer Agent des Zentrums führte er einen erlitterten Kampf gegen den Stadtschultheißen Harrer, der sich dem Zentrumskommando nicht widerspruchslos fügen wollte. Schon die Wahl Harrers hatten Bauer und sein Anhang aufs schärfste bekämpft. Die bis dahin friedlich zusammenlebenden Konfessionen wurden skrupellos gegeneinander gehetzt. Plötzlich ließ das Zentrum im Kampfe gegen Harrer nach. Auf dem Schramberger Rathaus schien Frieden einkehren zu wollen. Die guten Bürger Schrambergs atmeten auf. Die Stadtverwaltung hatte Not gelitten unter dem heißen Streit. Nun hoffte man auf bessere Zeiten. Wie erklärlich, zerbrach sich mancher den Kopf über die urplötzlich zutage getretene Friedensliebe des streitbaren Zentrumskämpen. Schließlich tauchten Gerüchte auf, der Stadtpfarrer habe sich an Kindern vergangen. Doch diese Gerüchte schliefen bald wieder ein, als Bauer nach Taldorf im Oberamt Ravensburg versetzt wurde. Die Eltern der Kinder, die das Opfer des Geistlichen geworden waren, schwiegen aus begreiflichen Gründen. Die anderen schwiegen, weil sich, wie erklärlich, das Beweismaterial bei dem Schweigen der Nächstbeteiligten schwer beschaffen ließ. Die schmutzige Affäre schien der Vergessenheit anheimfallen zu sollen. Das änderte sich plötzlich im Herbst des vergangenen Jahres. Der Stadtschulheiß Harrer verkehrte im Hause eines Großindustriellen. Die überreife Tochter des Fabrikanten gewährte dem Schultheißen ein Schäferstündchen. Später gerieten der Schultheiß und der Großindustrielle in Zwistigreiten über städtische Fragen. Und nun suchte der Fabrikant seinen früheren Freund unmoglich zu machen durch Bekanntgabe des intimen Umganges des verheirateten Schultheißen mit der Tochter. Der Schultheiß gab sein Vergehen unumwunden zu. Jetzt hielt das Zentrum seine Zeit für gekommen. Zunächst wurde der Stadtschultheiß bewogen, sein Amt niederzulegen und sich einer Neuwahl zu unterstellen.— Der Zentrumsführer sagte ihm strikte Neutralität zu. Kaum aber hatte Harrer sein Amt niedergelegt und seine Kandidatur aufgestellt, als das Zentrum gegen ihn losging. Seine sittliche Verfehlung wurde in Flugblättera und Wahlreden aufs äußerste ausgenutzt. Die Zentrumschristen trieften förmlich von moralischer Entrüstung, obgleich der Fehltritt Harrers, sein Schäferstündchen mit einem liebebedürftigen überjährigen Fräulein, doch etwas anders einzuschätzen ist, als das Verbrechen des Stadtpfarrers an unschuldigen Kindern. Die Mehrheit der wahlberechtigten Bürger Schrambergs stellte bestätigung seiner Wahl im ersten Wahlgang sterium notig hatte, erhielt er im zweiten Wahlgang nicht. Allerdings fiel auch der Zentrumskandidat mit Glanz durch. Die Stadtschultheißenstelle wird durch einen Regeerungsvertreter versehen. Die beispiellose Hetze des Zentrums, besonders im Flugblatt des jetzigen katholischen Stadtpfarrers gegen Harrer in dem vom„christlichen Sittengesetz“ und dergleichen die Rede war, brachte die geistliche und politische Wirksamkeit des erbittertsten Feindes des Stadtschultheißen, des Stadtpfarrers Bauer wieder zur Diskussion. Bauer erließ eine hochtrabende Erklärung. in der er drohte, alle„Verleumder“ vor Gericht ziehen zu wollen. Er hütete sich aber wohlweislich, seine Drohung wahrzumachen. Mittlerweile hatte sich das Beweismaterial gegen ihn aber derart gehäuft, daß der Staatsanwalt eingreifen mußte. Das Ende ist die Verurteilung des katholischen Stadtpfarrers zu drei Jahren Zuchthaus. Am Vorabend vor der Verurteilung, am Mittwoch, weilte der Bischof Keppler von Rottenburg in Schramberg, um den Seinen Mut zuzusprechen. Er fürchtete augenscheinlich, die Praris. die vom Zentrum gegen seine Gegner angewendet wird. nämlich daß ein Einzelfall einem ganzen Stand oder einer Partei zur Last gelegt wird, würde nun auch gegen die katholischen Pforrer geübt werden. Der Bischof erwartete, daß die in jener Festversammlung Anwesenden nicht zu denen gehören, welche ein wahres Vergnügen darin finden, derartiges in den Wirtschaften breitsuchte, was Trolla sehr unappetitlich fand und ihn zu der Ueberzugung brachte, daß dieser mehrfache Häuserbesitzer eigentlich ein rechter Ekel sei, der die Gewohnheiten des ungebildeten Protzen habe. „So, so steht's mit den Geschäften,“ wandte Trolla ein und ließ seinen Blick unwillkürlich wieder im Zimmer umherschweifen. „Ach, Sie sehen wohl auf den Geldschrank,“ sagte Dankelberg wieder.„Das ist nur'n Dalleswärmer. Es ist nischt drin! Aber es sieht nach was aus.“ „Na, na, hätte Trolla einwenden mögen, hütete sich aber davor, weil er nicht wußte, ob sein Gegenüber diese Worte gnädig aufnehmen würde. Er fühlte sich plötzlich so eingeschüchtert, denn diese Klagen Dankelbergs kamen ihm verdächtig vor. Den letzten Notschrei des Bruders in der Tasche, der ihm auf dem Herzen brannte, hatte er die Empfindung, es könnte sich im letzten Augenblicke alles wieder zerschlagen, und so zitterte er vor diesem unerwarteten Geständnis Dankelbergs wie ein Petent, der die Entscheidung eines Gewaltigen erwartet. „Haben Sie das Papier bei sich?“ fragte Dankelberg plötzlich, der in einigen Schriftstücken auf dem Tisch gekramt hatte. Und als Trolla ihm den Wechsel des Bruders uberreicht hatte, auf dem nur der Vermerk des Ausstellers fehlte, trat das vorherige Schweigen ein. Dankelberg hatte das Pincenez wieder der Nase zugeführt und prüfte das Papier von allen Seiten. Und während Trolla jede seiner Bewegungen verfolgte, herrschte unheimliche Stille im Zimmer. Nur von der Straße herauf machte sich das Humpfe Rollen der Wagen vernehmbar und jenes unbestimmte Geräusch, das sich wie das Vibrieren einer ganzen in Bewegung befindlichen Stadt ausnimmt. Draußen war der Tag noch nicht zur Rüste gegangen, zeigte sich noch bei den Häuserfirsten vorbei wie ein Stück grauen Dunstes der wolkenbedeckte Himmel, in den die mächtige Kuppel der Dreifaltigkeitskirche wie eine wuchtige, schwarze Masse hineinrogte und mit Gewalt das letzte Licht zu verdrängen schien. Plötzlich erhob sich Dankelberg, zog die dichten Fenstervorhänge zu, zündete die Lampe an, setzte sich wieder, nahm das zutreten. Ist dies nobel?“ So hat der Bischof nach dem Bericht des ultramontanen„Deutschen Volksblatt“ gesprochen. Als aber dieselben Zentrumsmänner den früheren Stadtschultheißen mit wahrem Vergnügen durch den Kot schleiften, da hat der Herr Bischof säuberlich geschwiegen, wie man auch noch nichts davon vernommen hat, daß er sich jemals gegen die Praxis der ultramontanen Presse gewendet hätte, dieser Presse, die jeden, auch den kleinsten Fehltritt eines Sozialdemokraten in skrupellosester Weise ausschlachtet und der Gesamtvartei anhängt. . Die beispiellose Hetze des Zentrums, die ekelhafte Ausbeutung der sittlichen Verfehlung des früheren Stadtschultheißen durch die Zentrumschristen hat erst den streitbaren Zentrumspfarrer ins Zuchthaus gebracht. Pfarrer und Bischof mögen sich also bei den eigenen Kämpen bedanken. Die ganze Affäe gewährt einen recht tiefen Einblick in die Gesellschaftsverhältnisse und das Intrigenspiel der„regierenden“ Schichten einer kleinen frommen Stadt. Titernrische s. Von der„Neuen Zeit“(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 34. Heft des 27. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Um die Finanzreform. Von J. Karski.— Sozialdemokratische Finanzreform. Von K. Kautsky. — Die Blinden und der Sozialismus. Von einem Blinden. — Zu dem Entwurf einer Reichsversicherungsordnung. Von Gustav Hoch(Hanau).— Literarische Rundschau: Maximilien Robespiere, Discours et Rapports. Von Hermann Wendel. Neuerscheinungen der„Philosophischen Bibliothek“. Von Ph — Notizen: Eine Enquete über Haushaltungsbudgets der Petersburger Arbeiter. Von A. Lampert.— Zeitschriftenschau. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 Mk. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pfg.— Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Hermischles. Zeppelins Zukunftspläne. Im Rathause der Stadt Straßburg i. E. hielt auf Einladung des dortigen Bürgermersters Dr. Schwander Direktor Colsmann von der Zeppelin=Luftschiffbaugesellschaft einen Vortrag. Professor Hergesell und einige Industrielle wohnten dem Vortrag bei, der in der Hauptsache von den Verkehrslinien für Luftschiffe und im besonderen der geplanten Verbindung den Rhein entlang handelte. Herr Colsmann betonte, daß seine Gesellschaft vor allem für Verkehrszwecke den weiteren Bau von Luftschiffen jetzt beschlossen habe. Zwei Luftschiffe sind bei der Gesellschaft schon bestellt worden. Das Kriegsministerium habe es vorlaufig abgelehnt, einen neuen Luftkreuzer zu erwerben. Diese Haltung des preußischen Kriegsministeriums erklärte der Vortragende dadurch, daß man als technischen Berater in Berlin für diese Angelegenheiten einen Erfinder und Konstrukteur von Luftschiffen habe, der mit Entschiedenheit das halbstarre System vertrete. Die Gesellschaft sei daher gezwungen, sich an Kommunen und Private zu wenden. Köln will sich bei einem Ausbau von Luftschiffahrtslinien mit einer halben Million beteiligen und Düsseldorf wird ebenfalls einen namhaften Betrag zur Verfügung stellen. Die Fahrten sind nicht als regelmäßige Verkehrsfahrten, sondern als Sportfahrten gedacht. Durchschnittlich 300 Tage im Jahre hält Herr Colsmann für den Verkehr günstig. Die Verfehrsluftschiffe sollen eine Mannschaft von sechs Mann erhalten und wanzig Fahrgäste mitführen können. Die Dauer einer Durchchnittsfahrt ist auf sieben Stunden berechnet. Alle C2—„„ 10 Werr. Glanden verichner. au. Fahrten ouen vorlaufig von Friedrichshafen ausgehen, wo auch die „Luftschiffwerkstatten“ angelegt werden. Luzern ist als südlichste und Düsseldorf als nördlichste Station gedacht. Zwischen diesen beiden Punkten werden unter Berührung von Straßburg und anderen Städten, die mit der Gesellschaft noch unterhandeln, die neuen Luftlinien liegen. Luzern wird eine Ringbahn um den Rigi mit einem besonderen, bei Luzern stationierten Luftschiff erhalten. Für spater kommen noch eine Linie MünchenFriedrichshafen und Berlin=Friedrichshafen in Frage. Die Rentabilitätsberechnung basiert auf den wenigen, bis jetzt ausgeführten Fahrten. Der Berechnung für Sportfahrten sind Teilstrecken nach Zeit(vier Stunden Fahrt) in einer Fahrthöhe von siebzig Metern zugrundegelegt. Die drei Luftschiffe sollen zusammen 600 Fahrten im Jahr unternehmen. Die Kosten für ein Betriebsjahr einschließlich Amortisationsquoten betragen 1700000 Mark. Die Einnahmen setzen sich aus den Fahrpreisen zusammen. Für die Linie bis Düsseldorf ist eine militärische Subvention zugesichert. Für Süddeutschland gilt der Bau von Hallen in Munchen und Straßburg als gesichert, ebenso der Halle bei Luzern. Einer neuen Zeppelin=Luftschifffahrts=Aktiengesellschaft, die zur Finanzierung demnächst in Frankfurt a. M. eine Vertreterversammlung haben wird, beabsichtigt die Zeppelin=Gesellschaft mit einer halben Million beizutreten. Sie macht dafür zur Bedingung, daß alle starren Luftschiffe von ihr bezogen werden, ohne Luftschiffe der anderen Systeme von dem Betrieb der neuen Gesellschaft auszuschließen. Schlimme Kunde vom Kölner Dom. Schon einmal kam aus Köln die Nachricht, daß dem Kölner Dom der Zahn der Zeit zusetze. Jetzt kommt abermals eine Mitteilung, die Aufsehen und lebhaftes Bedauern hervorrufen wird. Wie man meldet, erstattete in der Generalversammlung des ZentralDombauvereins Dombaumeister Regierungsrat Hertel den Bericht über den baulichen Zustand des Kölner Domes und hob hervor, daß dieser Zustand in mancher Beziehung recht unerfreulich, sogar sehr schiecht sei. Der Kern des Bauwerks sei aber in allen T..# Stelle in Teisen durchaus gesund und fest; der Dom sei an keiner seinem Bestande unmittelbar gefahrdet. Der Umfang Papier in die Fingerspitzen beider Hände und sagte weiter nichts wie:„J—a. Er schien nachzusinnen und schwer zu einem Entschlusse zu kommen. Minuten vergingen so, während denen er wiederholt die Zigarre auf den Aschenbecher legte, wieder zurücknahm und an ihr sog, trotzdem sie bereits erkaltet war. Und Trolla, der in seinem neuen Frühjahrspaletot und den hellen Glacés durchaus patent aussah, hatte ebenfalls das Rauchen vergessen, blickte in das Futter des Hutes, den er hin und her wippte und wurde dabei von dem einzigen Gedanken gepeinigt:„Was wird nun kommen““ 4 Plötzlich wandte sich Dankelberg ihm zu uno fügle oyne jeden Anflug von Gemütlichkeit:„Wissen Sie auch, daß ich im Begriff bin, etwas furchtbar Dummes zu begehen?“ „Inwiefern?“ fuhr es Trolla uber die Lippen. „Das werde ich Ihnen sagen. Sie wollen sich doch später als Rechtsanwalt niederlassen, nicht wahr?... Nun gut— dann werden Sie mich gleich verstehen. Aber Sie rauchen ja nicht, unterbrach er sich, und ließ sofort ein Zündholz knallen,„Teures Kraut darf niemals kalt werden, sonst schmeckt's bitter. Bei mir ist das was anderes, ich kaue das Zeugs mehr, wie meine Alte sagt, wenn der Kamm ihr schwillt. Hier, bitte— Und als die ersten Rauchwolken wieder aufstiegen und die zarten bläulichen Schwaden die Lampe umringelten, begann er wieder, nun bebaglich in seinen Sessel zurückgelehnt, dem er einen Ruck gegeben hatte, so daß er die Hände über den Leib verschränken konnte:„Als Jurist werden Sie wissen, daß jede Leistung eine Gegenleistung bedingt und daß jeder Wechsel eine Valuta haben muß. Ich gebe Ihnen sechstausend Mark und Sie geben mir das Wechselakzevt Ihres Bruders dafür—. „Der aktiver Offizier ist und dessen ganze Karriere auf dem Spiele steht, falls seine Schulden zur Kenntnis seines Obersten kommen sollten,“ unterbrach ihn Trolla etwas trotzig, da er sein Alut heißer werden fühlte. Der Aerger stieg in ihm auf, denn er war hierher gekommen in dem Glauben alles Zug um Zug erledigt zu sehen und bekam nun seiner Meinung nach überflüssige Belehrungen zu kosten.(Forts. folgt.) der notwendigen Instandsetzungsarbeiten sei sehr groß, die sehr ernster Natur. Die Kosten seien auf viele Millionen Mark zu schätzen. Zu Befürchtungen wegen der Standsicherheit des Domes oder auch nur seiner wichtigsten Teile liege aber durch. aus keine Veranlassung vor Ein Riesendenkmal. Aus Rom wird berichtet: Die große bronzene Reiterstatue des Viktor Emanuel=Denkmals, des vor dem Kapitol emporwächst und als Sinnbild des„neuen Rom“ künftig das Stadtbild der ewigen Stadt beherrschen wird, ist jetzt gegossen. Es wurde zum Gusse in dreizehn Teile geteil.: den Kopf, den Rumpf und die Beine des Königs und Kopf, Brust, Rumpf, Kruppe, Schweif und die vier Beine des Pferdes. Ueber die riesigen Dimensionen dieses Standbildes geben einige Zahlen Aufschluß. Allein das Zaumzeug des Pferdes wiegt gegen vier Tonnen. Der Säbel ist vier Meter lang und wiegt sieben Zentner. Die beiden Satteltaschen, die Aussichtspunkte werden sollen, sind größer wie ein mittelgroßer Mensch; sie messen 1,80 Meter Höhe. Der Kopf des Königs ist 2,50 Meter hoch und wiegt 42 Zentner. Die Brust des Pferdes wiegt 140 Zentner und der Rumpf 180. Das Standbild wird auf einer 32 Quadratmeter großen Bronzeplattform aufgestellt und dann wohl das größte Reiterbildnis der Welt sein. Das Innere des Pferdes ist so geräumig, daß dreißig Leute darin bequem ein Bankett feiern können. Vom Schlachtfeld der Arbeit. Belgrad, 20. Mai. Gestern stürzte in dem Bergwerk Bor im Timoker Kreis eine Wand ein und begrub neun Arbeiter unter sich; sieben Arbeiter wurden teils schwer, teils leicht verletzt geborgen; zwei liegen noch unter den Erdmassen und werden kaum gerettet werden. Hirschberg, 20. Mai. Beim Talsperrenbau in Mauer wurde durch herabstürzende Steine ein Arbeiter getötet, einer schwer verletzt. Sibirische Abenteuer eines Waadtländers. Man schreibt der „Frankfurter Zeitung" aus der Schweiz: Vor einiger Zeit wurde über die kühne Flucht berichtet, die einen Bürger dieses Landes aus sibirischer Verbannung über Wladiwostok und Japan in seine Heimat zurückführte. Der Held dieser Abenteuer, Herr Maurice Gehri, beschreibt jetzt seine russischen Schicksale in einem Buche, das unter dem Titel„Prisons russes"(Edition du Foyer Solidariste, Saint Blaise pres Neuchätel) erschienen ist. In Shitomir, einer Provinzstadt des südwestlichen Rußlands, wo er als Lehrer der französischen Sprache an einem russischen Gymnasium wirkte, geriet Herr Gehri in den Strudel der Freiheitsbewegung. Nicht lange dauerte es, bis er von der Polizei gepackt und nach einem ganz summarischen Verfahren zur Veroannung in die Einöden des Jakutenlandes verurteilt wurde. Ganz gewaltig waren die Strapazen, die der Sträfling auf der Reise nach seinem unheimlichen Bestimmungsorte durchmachen mußte. An und für sich schon ist es keine Kleinigkeit, 9877 Werst in einem Luxuswagen zurückzulegen. Wer aber vierter Klasse fährt mit einer fünf Kilo schweren Kette, die zwischen den Füßen baumelt, wer gezwungen ist, wochenlang den sogenannten „russischen Soldatengeruch“ der militarischen Eskorte einzuatmen, ein Gemisch lieblicher Düfte, die im günstigsten Falle an fauligen Sauerkohl und geteerte Juchtenstiefel erinnern, wer eine lange Reihe von Nächten in den sibirischen Erappengefängnissen zubringen muß, die sich durch den furchtbaren Monismus von Schlaf=, Speise= und Latrinenraum auszeichnen, der kann von Gluck sagen, wenn er sich nicht eine unheilbare Krankheit für den Rest seines Lebens zuzieht. Zu all diesen Leiden gesellt sich noch der Umstand, daß die Gefangenen nur sehr, wenig Gepäck mit sich nach Sibirien nehmen durfen. Daher hatte Gehri seine Barschaft und einen falschen Paß, der ihm von einer revolutionären Organisation für den Fall eines Fluchtversuches verschafft worden war, im Absatze seines Stiefels verborgen. Er beging aber die Unvorsichtigleit, zwei andere Gepäckstucke, die er mit sich führte,— ein Brillenetui nebst Brille und ein Exemplar von Kants„Kritik der reinen Vernunft“ in seine Rocktasche zu stecken.„Hallo! was ist denn das?“ ruft der diensttuende Offizier, als man den Gefangenen durchsucht und das Brillenetui sichtbar wird.„Eine Brille"....„So? Her damit! Brillen sind in Sibirien nicht erlaubt.“„Ich bin aber kurzsichtig und brauche durchaus eine Brille, antwortet Gehri. „Tut nichts! wer Brillen nach Sibirien mitnehmen will, muß ein ärztliches Zeugnis vorweisen; hast du ein solches?“— „Nein.“—„Also gut, die Brille bleibt hier.„Und was ist das?“ fährt der Offizier fort, als er das Buch erblickt.„Kants Kritik der reinen Vernunft.—„Aha, eine revolutionäre Schrift und dazu noch in deutscher Sprache. Unteroffizier, hast du in deinem Kommando einen Esthen oder Letten, der Deutsch kann."„Zu Befehl, Euer Hochwohlgeboren.— Ein junger, bartloser Mann tritt aus der Reihe heraus und beginnt iim Buche zu blättern.—„Nal was ist's?“ frägt der Offizier, der schon anfängt, ungeduldig zu werden.„Genau kann ich es nicht sagen“, antwortet der Lette,„ich verstehe nur einige Worte... Gott... Seele... Gott...“„Aha! das Leben eines Heiligen? Nicht wahr?“—„Jawohl, Euer Hochwohlgeboren.—„Gut. Hier, Gefangener, nehmt das Buch! Ihr könnt es meinetwegen bis nach Kamtschatka bringen. Und mit diesen Worten druckt der Offizier dem Reclambändchen einen amtlichen Stempel oben auf. Trotzalledem gelang es dem Schweizer nicht, seinen Kant zu retten. Als es zu fliehen galt, mußte auf alles Geväck Verzicht geleistet werden. Seinen guten Humor hat aber Herr Gehri nicht in den Urwäldern Sibiriens zuruckgelassen. Gegenwärtig schwingt er den Bakel als ehrsamer Schulmeister im idyllischen Städtchen Morges im Waadtlande und bei Gelegenheit, wie jüngst bei den Protestmeetings gegen die Auslieferung Wassiliews, läßt er auch eine schneidige Rede gegen russische Willkurakte vom Stapel. Herford Stadt. Nachrichten vom 10. bis 15. Mai. Geburten: Söhne: Bahnschaffner August Landre; Schuhmachermeister Konrad Horstmann; Reisender Theodor Berg; Maurer Heinrich Gößling; Handarbeiter Heinrich Beckmann; Bahnarveiter Hermann Sieker; Postschaffner Karl Hauptmeier; Maurer Karl Strunk; Reisender Heinrich Meyer. Töchter: Schneidermeister Panl Dietrich; Malermeister Heinrich Kiehl; Tischler Konrad Petram; Kaufmann Wilhelm Biermann: Schneider Friedrich Schneider(Zwill.); Fabrikarbeiter Wilhelm Schweppe; Arbeiter Wilhelm Tasche. Aufgebote: Küfer Heinr. Heitmann und Elisabeth Wenzel; Kellner Otto Ernst Wilh. Theodor Seidel und Minna Vogt; Militär=Intendantur=Diätar Franz Georg August Hitzemann und Luise Dorothea Ottilie Dalesch; Lagerist Gerhard Ewert und Auguste Schütz; Handlungsgehilfe Wilh. Vogt und Hermine Schelp; Teppichweber Herm. Ortgiese und Anna Kaiser; Knecht Heinrich Dustmann und Klara Hippe; Fabrikarbeiter Herm. Tacke und Bertha Kroh; Hilfsarbeiter Ernst Petersen und Ida Tappe; Sattler Christoph Friedr. Herm. Holsten und Karoline Brockmeier; Schlachter Aug. Friedr. Herm. Heinr. Merkord und Maria Kortekamp; Konditor Franz Butgereit und Elisabeth Brockmann; Bauarbeiter Oskar Heines und Henriette Lindenbrügge. Eheschließungen: Fleischveschauer August Horst und Anna Oberhokamp; Stadtbauamtsassistent Heinr. Wehmeyer und Hermine Möller; Buchhalter Karl Middeke und Charlotte Joly; Maler Robert Kruse und Marie B#ehmeyer; Kartonnagengehilfe Wilh. Brokamp und Johanne Meier: Konditor Heinrich Freese und Lisbeth Schmidt; Arbeiter Wilh. Kaiser und Wilhelmine Hollensteiner; Kartonnagenzuschneider, Aug. Siekmann und Emilte Notholt; Konditor Gustav Kuhlmann und Auguste Saeger; Arbeiter Aug. Bredenkötter und Friederike Glißmann. 6 Sterbefaile: Witwe Johanne Schiervolz, 68 J.: Fausmann Heinr. Rabenschlag, 43 J.: Ehefrau Anna Meier, 30 J.: Landwirt Theodor Meier zu Selhausen, gen. Meier zu Olderdissen, 24 J.: Johann Eikholz, 4 Mon.; Köchin Minna Vogi, 25 Jahre. Abonnementährei für Bielefeld und Umgege wie bei sämtlichen Agentu: ins Haus gebracht 60 Pfg. lich. Durch die Post 1.80 Mk. vierteljährlich Bestellgeld. Einzelnummer 10 2) Erscheinungstag mit Ausnahme der Son: Feiertage täglich nachmi Fernsprech=Anschluß Nr. Nr. He. Die heutige! Geschäftso im Als im November: Artikel veröffentlicht redung wiedergab, da Reichstags auf die aus auch wieder einmal rec Volk durch die persönli bemächtigte sich aller sann darüber nach wie könnte. Von unserer verantwortlichkeitsgeset Reichstanzler in Ankl Gesetz, dessen Bedeutur den darf, bedarf der# erwarten ist. Die Voraussetzung flusses ist jedenfalls, d lichst schnell mit einer zu dieser Stellung nel in ausreichendem Ma heute im Reichstage b örterung zu bringen, is den Bundesrat; die k Reichstag hat aber ke antwortung einer In mehr die Beantwortu Gründen ablehnen. Geschäftsordnung kan lung einer Interpell ständen die betreffend zur Sprache kommt, n hat. Es heißt nämlich sich der Reichskanzler bereit, so wird an dem zu deren näheren Aus kanzler in der Lage, Wochen oder Monate daß unsere Reichsbote lich vielleicht eine An nicht klüger gemachtw Interpellation wegen eingebracht, gelangte 4 erst am 10. und 11. „An die Beantwol lehnung darf sich ein anschließen, wenn mi Aber die Stellung e unzulässig. Das bede die Auffassung seiner in einer Resolution: dere dies, aber schlie Eine Resolution, die darf überhaupt nicht ordnung des Reichsta Klinge, was das Reichskanzler eine I auch noch das Heft der Geschäftsordnung sei, den Gegenstand ir Das klingt ja sehr überflüssig, weil sow Recht haben, Anträg stens, wenn es sich u. Denn bekanntlich be nur an einem Tage? die aus dem Hause Reihenfolge zur Ber und, da in der Re Initiativanträge vor nen, daß sein Antra ratung gelangt, zu ei stand der Interpello Session inzwischen Nun kann' der R kommen selbständig: schäftsordnung so zu gegeben wird, rasch geben? Unsere Gen ein, außerdem wurde greifende Revision Angelegenheit wurd mission übergeben, Parteien einliefen. Bericht über ihre T Unsere Genossen haben, daß jede? Reichskanzler, wie schlossen war. Ess 30 Mitgliedern des auf die Tagesordnu in der der Interp# führung erhalten so der darauf antrüger werden können. Zu einer so du nung hat sich die Kl spätestens am dritt olgenden Sitzungst urüber auffordern antworten will, wal der Reichskanzler so Interpellation folg forvert werden soll den Tag der Bera geblieben. Es heißt: Erklärt der 9 so erhält an der pellant das Wort