Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt, Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. # 0 Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westsaten und die lippischen Hurstentumer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein Druck und Verlag der Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswach!“ K. Gerisch& Co., Vieleseld Nr. 15. Vielefeld, Mittwoch, 19. Mai 1909. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Zur Lage. Bülow beim Kaiser. Bülow ist jetzt in Wiesbaden bei Wilhelm II. gewesen und hat ihm Vortrag gehalten. Weiter ist dadurch die Sache allerdings nicht gekommen. Wie aus Gesprächen, die Bülow mit Müller=Meiningen, Pachnicke, Wiemer u. Bassermann gehabt hat, durchgesickert ist, wollte der Reichskanzler seinem kaiserlichen Herrn erzählen, daß er hofft, die Finanzreform noch im Sommer machen zu können. Ueber die Unterredung selbst ist bisher nichts in die Oeffentlichkeit gekommen. Bis zum Wiederzusammentritt des Reichstags wird wohl Waffenstillstand herrschen. Daß die Zeit zum eifriger Kuhhandeln benutzt werden wird, ist ja wohl selbstverständlich. Zur Reichsfinanzreform liegen wieder einige nicht ganz belanglose Preßäußerungen vor. In der„Kölnischen Zeitung“ meldet ein offiziöses Berliner Telegramm, daß die Reichsregierung auf dem Standpunkt stehe, zunächst eine Einigung über die indirekten Steuern im Betrage von 400 Millionen Mark herzustellen, um alsdann an die Belastung des Besitzes heranzugehen. Seitens der Regierung stehen dem Verlangen der Liberalen, die indirekten Steuern nur unter der Voraussetzung zu bewilligen, daß nachher auch die von ihnen gewünschte Besteuerung des Besitzes gesichert ist, keine Bedenken entgegen. In dieser Beziehung wird eine Formel gesucht, vielleicht die, daß man Bestimmungen in die Gesetze über die indirekten Steuern hineinbringt, die deren Giltigkeit von der nachträglichen Annahme der Besitzsteuern abhängig macht. Gegenwärtig will die Regierung auf die Kommissionsberatungen nicht einwirken, weil sie nicht voreilig handeln und später den Reichstag hören will. Bezüglich der indirekten Steuern müssen die Liberalen, so meint man in Regierungskreisen, mehr Geberlaune als bisher zeigen; alsdann würden die Konservativen vor die Frage gestellt werden, ob sie und zwar sie allein die Verantwortung dafür übernehmen wollen, daß wegen ihrer eigenbrödlerischen Neigungen die ganze Finanzreform in Frage gestellt werde. Die„Frankfurter Zeitung" nimmt Stellung zu der Besprechung, die der Reichskanzler mit den Führern der Blockparteien gehabt hat und sagt dazu: „Es wird versichert, daß er und die verbündeten Regierungen an dem bisherigen Programm, also daran festhalten, daß 100 Millionen durch direkte Steuern aufgebracht werden sollen. Dieses Programm ist aber ohne die Linke nicht durchführbar. Es ist von Anfang an auf die Mitwirkung der Linken zugeschnitten worden. Darin liegt die politische Bedeutung und dementsprechend ergibt sich, daß Bülow diese Finanzreform nicht ohne oder gegen die Linke machen will. Daß deshalb die Mitwirkung anderer, außerhalb des Blockes stehender Parteien, also des Zentrums, ausgeschlossen sei, ist damit nicht gesagt. Die Mitwirkung des Zentrums ist erwünscht und willkommen bei der Durchführung dieses Steuerprogramms. Aber eine Finanzreform, die gegen dieses Programm, also ohne eine gleichzeitige Besteuerung des Besitzes, erfolgen würde, die kann nach allem, was vorausgegangen ist und will auch— wie sich aus den Unterredungen der letzten Tage ergeben hat— Fürst Bülow sich von einer anderen Mehrheit, deren Hauptbestandteil das Zentrum wäre, nicht aufzwingen lassen. Sollte es sich herausstellen, daß er keine Mehrheit findet, so würde er— darüber bestehen jetzt keine Zweisel mehr— die daraus für seine Person sich ergebenden Konsequenzen ziehen.“ Zum Schluß gibt das Blatt den Mitgliedern der Finanzkommission den Rat, nicht erst auf die Ersatzsteuern zu warten, sondern auch ohne diese ruhig weiter zu beraten. Die Besprechung, die am Sonnabend zwischen den Führern der Nationalliberalen, der Freisinnigen und der Reichspartei stattgefunden hat, soll— wie jetzt parteioffiziös mitgeteilt wird — der Frage gegolten haben, ob diese Parteien sich über ein gemeinsames Vorgehen hinsichtlich der Erbanfallsteuer einigen könnten und eventl. welche Anträge zur zweiten Lesung der Erbanfallsteuer in der Finanzkommission zu stellen wären. Konservative Steuerkünstler. Die Regierung hat auf den konservativen Antrag, der eine Besteuerung der Wertpapiere und der Immobilien verlangte, zur Antwort gegeben, daß außerordentlich langwierige Vorarbeiten nötig seien, um, wenn überhaupt möglich, einen solchen Gesetzentwurf fertigzustellen. Die Konservativen haben nun bewiesen, daß man ein solches Gesetz ungeheuer rasch machen kann; sie haben der Finanzkommission einen Gesetzentwurf unterbreitet, durch den zunächst die zum Börsenhandel zugelassenen Wertpapiere betroffen werden sollen. Der Steuersatz steigt hier von 1 bis zu 5%0 des Betrages, auf den sie lauten. Vom höchsten Steuersatz(5%0) werden die Anteile von bergrechtlichen Gewerkschaften oder die darüber ausgestellten Urkunden(Kuxscheine, Bezugsscheine, Abtretungsscheine) betroffen. Wieviel diese Steuer bringen soll, ist in dem Entwurf nicht gesagt. Man hat sich auch gar nicht die Mühe gegeben, dem Entwurf eine Begründung beizufügen.— Der zweite Teil des Entwurfs betrifft die Erhebung einer Umsatz- und Wertzuwachssteuer. Wer das Eigentum eines im Deutschen Reiche belegenen, bebauten oder unbebauten Grundstückes auf Grund einer Veräußerung oder im Zwangsversteigerungsverfahren erwirbt, hat eine Umsatzsteuer von ½% des Wertes des erworbenen Grundstücks zur Reichslasse zu entrichten. Der Eigentumsübergang im Enteignungsverfahren gilt als Veräußerung. Ein unmittelbar auf Erbfolge berubender Eigentumswechsel gilt nicht als auf Veraußerung beruhend. Die Besteuerung des Wertzuwachses steigt von 10% bei einer Wertsteigerung von weniger als 10%, auf 25% bei einer Wertsteigerung von mehr als 150%. Diese Wertsteuer wird u. a. nicht erhoben bei Zusammenlegungen, bei dem freiwilligen Austausch von Grundstücken, soweit nicht eine dare Herauszahlung von mehr als 500 Mk. an einen der Kontrahenten erfolgt; bei schenkweisen Veräußerungen zwischen Verwandten aufsteigender Linie und Verwandten absteigender Linie, sowie zwischen Ehegatten. Auf diese Weise würde der agrarische Familienbesitz von der Wertzuwachssteuer überhaupt nicht geroffen werden können.— Schatzsekretär Sydow hat bereits erLurt, daß er Sachverständige über diese Steuerart vernommen habe und daß demnächst der Finanzkommission eine Denkschrift zügehen wird, in der alle jene Momente zusammengestellt sind, die gegen eine solche Steuer sprechen. Der Schatzsekretär erklärte weiter, daß er der Beratung der konservativen Gesetzentwürfe zwar aufmerksam folgen werde, daß er aber durchaus nicht in der Lage sei, irgend welche Zusicherungen zu geben. Die deutschen GewerkschaftsKartelle im Jahre 1908. I. Von allen Einrichtungen, welche sich die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft zur Förderung ihrer materiellen und geistigen Interessen geschaffen hat, können unzweifelhaft die Gewerkschaftskartelle als eine der wichtigsten bezeichnet werden. Sie bilden in dem organischen Aufbau der Gewerkschaften ein ebenso notwendiges wie nützliches Glied. Ist die Tätigkeit der Kartelle auch örtlich begrenzt, so sind ihnen doch Aufgaben gestellt, deren Erfüllung wesentlich zur äußeren Ausdehnung und inneren Festigung der Gewerkschaftsbewegung beitragen muß. Es ist deshalb erfreulich, wenn eine weitere, erhebliche Vermehrung der Kartelle seit dem letzten Berichtsjahr eingetreten ist. Am Schlusse des Jahres 1907 bestanden 587, am Ende des Jahres 1908 dagegen 623 Kartelle, das ist eine Vermehrung um 36. Die Zahl der neugegründeten Gewerkschaftskartelle ist allerdings noch eine höhere. Diese kommt jedoch bei dem Endergebnis nicht zur vollen Geltung, weil von dem Kartellbestande des Jahres 1907 leider 15 gestrichen werden mußten. Von den 623 Kartellen beteiligten sich 606= 97,27 Prozent an der Berichterstattung. Die Zahl der berichtenden Kartelle im Jahre 1907 betrug 558= 95,06 Prozent. Von allen früheren Berichtsjahren weist das Jahr 1908 die höchste prozentuale Beteiligungsziffer auf. Den 606 an der Statistik beteiligten Kartellen sind angeschlossen 8437 Gewerkschaften mit 1 560 896 Mitgliedern. Davon sind Zweigvereine von den der Generalkommission angeschlossenen Zentralverbänden 8400, die zusammen 1555101 Mitglieder zählen. Im Jahre 1907 wurden 7720 Zweigvereine mit zusammen 1590063 Mitgliedern als den Kartellen angeschlossen gezählt. Es ist demnach gegenüber dem Jahre 1907 eine Erhoyung der Zahl der angeschlossenen Zweigvereine um 680 eingetreten, dagegen hat sich der Mitgliederstand der angeschlossenen Zweigvereine um 34 962 verringert. Die höhere Zahl der Zweigvereine findet ihre genügende Erklärung darin, daß an der diesjährigen Statistik 48 Kartelle mehr beteiligt sind, darunter eine Anzahl größerer, die in der Statistik des Jahres 1907 fehlten. Die trotz der erhöhten Beteiligungsziffer an der Statistik stattgefundene Verminderung der den Kartellen angeschlossenen Mitglieder der Zentralverbände kann nur auf einen bei diesen eingetretenen Mitgliederverlust zurückgeführt werden. Die anhaltende wirtschaftliche Krise, die mit voller Schwere auf der Arbeiterklasse lastet, diese zu einem hohen Maß unverschuldeter Arbeitslosigkeit verdammt und damit für das werktätige Volk zu einer Quelle vermehrter Not und Entbehrung wird, kann schließlich nicht ohne schädigenden Einfluß auf den Mitgliederbestand der Gewerkschaften bleiben. Bei alledem muß jedoch anerkannt werden, daß die Gewerkschaften sich der gegenwärtigen Krise gegenüber bedeutend widerstandsfähiger erweisen, als es bei früheren gleichen Perioden der Fall war. Diese größere Widerstandsfähigkeit ist nicht allein dem Ausbau des Unterstützungswesens in den Gewerkschaften zuzuschreiben, sondern muß in noch weit höherem Grade auf das Konto der Vertiefung und Festigung der gewerkschaftlichen Bestrebungen bei den Arbeitern gesetzt werden. Die Entwicklung der Kartelle seit dem Jahre 1901, nach ihrer Zahl und den ihnen angeschlossenen Organisationen und Mitgliedern, wird durch folgende Tabelle veranschaulicht: Außer den Zweigvereinen der Zentralverbände gehörten im Jahre 1908 den 606 Kartellen noch 37 Organisationen mit zusammen 5795 Mitgliedern an, die der Generalkommission der Gewerkschaften nicht angeschlossen waren. Darunter sind noch mitgezählt: 8 Vereine der Dienstboten und Hausangestellten mit 4442 Mitgliedern und 4 Zweigvereine des Verbandes der Isolierer mit 240 Mitgliedern. Diese Organisationen haben sich nunmehr der Generalkommission angeschlossen. Die Vereine der Dienstboten und Hausangestellten sind seit dem 1. April d. J. zu einem Zentralverband vereinigt. Die noch bis zum Jahre 1907 den Kartellen angeschlossen gewesenen Lokalorganisationen sind aus der vorliegenden Statistik vollständig verschwunden. Soweit nicht nach den Beschlüssen der Parteitage von Mannheim und Nürnberg der Uebertritt dieser Organisationen zu den zuständigen Zentralverbänden geschlossen erfolgte, sind die verbliebenen Reste teils freiwillig aus den Kartellen ausgetreten, teils von diesen ausgeschlossen worden. Die Remscheider lokalorganisierten Feilenarbeiter sind zu den zuständigen Zentralverbänden der Metall= und Holzarbeiter übergetreten. Anläßlich der mit dem Metallarbeiterverband stattgefundenen Differenzen ist auch der Solinger Lokalverband der Stahlwarenarbeiter aus dem dortigen Kartell ausgeschieden. Die Kartelle, denen bis 15 Organisationen angeschlossen sind, haben sich von 382 auf 419 vermehrt. Eine weitere Vermehrung der Kartelle von 59 auf 71 ist dann noch eingetreten bei der Gruppe, welcher 21—30 Organisationen angehören. Berechnet nach der Zahl der angeschlossenen Mitglieder, ist die erheblichste Vermehrung bei den Kartellen eingetreten, die bis 1000 Mitglieder zählen. Ihre Zahl erhöhte sich von 330 auf 384. Aus der Gegenüberstellung dieser Zahlen geht hervor, daß der größte Anteil an der Vermehrung der Kartelle auf die kleineren entfällt. Bei dem noch vorhandenen Rekrutierungsgebiei der Kartelle kann es sich in der Hauptsache auch nur um kleinere Orte handeln, die der gewerkschaftlichen Tätigkeit erst erschlossen werden müssen. Die übrigen seit dem Jahre 1907 eingetretenen Aenderungen in der Zahl der Kartelle nach deren Größenverhältnissen sind nicht von Belang. Von den Kartellen, die 1907 über 25000 Mitglieder hatten, sind zwei durch Mitgliederverluste aus dieser Klasse ausgeschieden. Es sind dieses die Kartelle Bremen mit einem Verlust von 2219 und Breslau mit einem Verlust von 3290 Mitgliedern. Von den Kartellen, denen gegenwärtig noch über 25000 Mitglieder angeschlossen sind, haben noch Mitgliederverluste gegenüber dem Jahre 1907: Berlin 11263, Frankfurt a. M. 4336, Hamburg2559, Leipzig 748 und Stuttgart 692. Bei allen 7 Orten zusammen ein Verlust von 25 107 Mitgliedern. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Kriegsminister v. Einem spart. Der Kriegsminister hat einen Erlaß hinausgegeben, der zu einer Einschränkung der Offiziers=Dienstreisen auf das allernotwendigste Maß auffordert. Insbesondere sollen die Offiziere, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, den Aufenthalt in fremden Garnisonen nicht über das notwendigste Maß hinaus überschreiten, weil sich gerade an den Tagegeldern wesentliche Ersparnisse erzielen lassen. Aus dem Reichstag. Die Finanzkommissign wählte in ihrer Sitzung vom Dienstag zunächst den konservativen Abgeordneten Freiherrn von Richthofen=Dahmsdorf zum Vorsitzenden. Die Abstimmung über die Tabaksteuer ergab mit 13 gegen 12 Stimmen die Annahme der Wertbesteuerung, die Banderole war damit gefallen. Dieses Resultat war nur möglich, weil der Abg. Dr. Wiemer(freis.) sich der Stimme enthielt, sonst wäre die Wertsteuer mit gleichen Stimmen abgelehnt worden. Die Unterredung der Freisinnigen mit dem Reichslanzler fängt bereits an, Früchte zu zeitigen. Vor Eintritt in die Beratung der neuen Fahrkartensteuer entspann sich eine lebhafte Geschäftsordnungsdebatte. Die Regierung hatte eine Denkschrift ausgearbeitet, die einen richtigen Gesetzentwurf darstellte und ein Tabellenwerk enthielt, das den Ertrag der Fahrkartensteuer zeigte bei einer Belastung der Fahrkarten mit 3, 3½, 4 und 5 Prozent des Preises. Karten im Werte von unter 1 Mk., desgleichen Schülerkarten, sollten frei bleiben. Die Steuer sollte auf alle vier Wagenklassen ausgedehnt werden. Abg. Südekum wies wiederholt darauf hin, daß diese Art der Verhandlung verfassungswidrig sei. Die Vorlage müsse erst in das Plenum gebracht werden. Die Abgg. Dr. Spahn(Ztr.), Mommsen(freis.), Speck (Ztr.), Dr. Wiemer(freis.) erkannten diese Bedenken mehr oder weniger an. Schließlich meldet sich niemand zu der Vorlage zum Wort, was den Abg. Dietrich(kons.) zu dem Vorwurf veranlaßte, die Kommission wolle Obstruktion treiben. Diesem, von einem Erbschaftssteuer=Obstruktionisten erhobenen Vorwurf trat Abg. Geyer scharf entgegen. Endlich hilft Abg. Paasche aus der Verlegenheit, indem er das Wort zur Sache ergreift. Im wesentlichen wunscht er die Steuerfreiheit für die vierte Klasse. Die Nationalliberalen halten an der bisherigen Fahrkartensteuer fest.— Abg. v. Gamp tritt für die neuen Vorschläge ein, ihm sind bloß die Fahrpreise in erster Klasse zu hoch. Er ist für eine Steuer von fünf Prozent in erster und zweiter, 4 Prozent in dritter und 3 Prozent in vierter Klasse. Abg. Südekum trat der Auffassung eines Regierungsvertreters entgegen, der den Entwurf als vorteilhaft bezeichnet hatte. Wenn der Betrag der Steuer für die vierte Klasse auch minimal erscheint, so darf nicht vergessen werden, daß der Arbeiter heute mit jedem Pfennig rechnen muß. Die jetzige Fahrkartensteuer hat die Finanzen der Einzelstaaten zerrüttet. Noch vor drei Jahren hat die Regierung den prozentualen Fahrkartenstempel als ungerecht und unsozial bezeichnet. Jetzt plötzlich sind diese Bedenken überwunden. Man müßte das Reisen verbilligen und statt der vier Klassen deren zwei einführen. Man hebe die Fahrkartensteuer auf und schaffe Ersatz durch Steuer auf den Besitz. Abg. Wiemer(freis.). Abg. Raab(Ant.) und ein polnischer Abgeordneter sind Gegner der Fahrkartensteuer. Staatssekretär Sydow meinte, daß er in einer kuriosen Lage sei. Wenn er die Gewißheit hätte, daß die Steuer im Reichstage eine Mehrheit fände, dann hätte er dem Plenum einen Entwurs unterbreitet. Abg. Stücklen hob hervor, daß man volles Verständnis für die kuriose Lage des Staatssekretärs haben müsse. Mit derart verkehrsfeindlichen Steuern komme er aber aus seiner kuriosen Lage nicht heraus. In Oesterreich bezahlt man für eine Strecke von 500 Kilometern in dritter Klasse Perionenzug weniger als in Deutschland in vierter Klasse. Auf Kosten der ärmeren Bevölkerung sollen den Reisenden erster Klasse Vorteile zugewendet werden. Was meinen die Vertreter der Einzelstaaten, deren Finanzen darunter schwer gelitten haben, zu der Beibehaltung der Fahrkartensteuer? Die Sozialdemokraten werden gegen jede Fahrkartensteuer als unsozial und verkehrsfeindlich stimmen. — Staatssekretär Sydow und ein Geheimrat tratem Stücklen entgegen.— Der konservative Abg. Dietrich bemerkt, daß die Konservativen stets Gegner der Fahrkartensteuer waren. Für das Zentrum erklärten die Abgg. Gröber und Spahn, daß ihnen die neuen Vorschläge der Regierung sehr sympathisch seien. Spahn ermunterte den Schatzsekretär, im Reichstage einen solchen Entwurf einzubringen.— Schatzsekretär Sydow faßt das Ergebnis der Aussprache dahin zusammen, daß er zunächst abwarten wolle, ob ein Initiativantrag aus der Mitte der Kommission komme. Er sei nicht überzeugt davon, daß sich im Reichstage eine Mehrheit für eine Besteuerung der vierten Klasse findet.— Die weitere Debatte bot kein Interesse; ein Beschluß konnte, weil es sich nur um eine informatorische Aussprache handelte, nicht gefaßt werden. Die nächste Sitzung findet statt am Mittwoch, 19.Mai, mit der Tagesordnung: Erbschaftssteuer. R. K. Zum Prozeß Lopuchin=Azew. Man schreibt uns aus Petersdurg vom 12. Mai: " Zur allgemeinen Ueberraschung werden die Gerichtsverhandgungen über die Affäre Lopuchin vor offenen Türen geführt. ##schiecht wohl in der Erwägung, daß bei einiger Geschicktichten des Vorsitzenven in einer offentlichen Sitzung weit mehr in verschiedenen geheimen Prozessen der letzten Zeit der Fall war. Sicherlich ist der Gerichtsworstpenbe wie viele seiner Kollegen angewiesen worden, alle Sansien Zie Perd. zu unterdrücken, Im übrigen in erster Reihe darauf hinaus, die Persönlichkeit Azews als eine seit 1892 der Gendarmerie treu itieren und alle Nachweise seiner provokatorischen Tätigkeit auszuschalten, um so gewissermaßen die Berechtigung dieser Soionagespezies zu dokumentieren. In der Veleuchtung der Anklageakte und der Zeugenaussagen erscheint Azew beinahe als Gesandter der russischen Regierung bei der sozialrevolutionären Ornanisation, der wie andere Gesandte über die Politik der feindlichen Partei rapportiert. Daß er, um ein unbegrenztes Vertrauen zu genießen, gründliche Beweise seiner Aktivität an den Tag legen und selber terroristische Akte Zustande bringen mudre dies nor#schweigt#as M. 6 utarde bringen.... ap legen und selber terroristische Akte TT O# wahte, dies Verschweigl das azew verherrlichenbe Dotument wohlweislich. dieser Gelegenheit erfährt man aber in aller Vollzähli Hei bieset,„„“ Fan über m aller Vonzühlig= keit die Verdienste dieses großten agentprovokateurs und staunt über die grenzenlose Vertrauensseligkeit der sozialrevolutionären Führer. Seit seiner Studentenzeit in Karlsruhe hat er, wie offizielle Schriftstück bekundet, mit kurzen Unterbrechungen der Polizei gedient. Er verstand es, sich in das Vertrauen der Terroristenfuhrer Gerschuni und Gotz einzuschleichen und sowohl von ihnen als von anderen Kampfgenossen viele Tatsachen h. ibnen als von anderen Kampfgenossen 8u.##ren, die zur Vermeidung terroristischer Akte fuhrten. Indes##grn ftige Einenungen##is zum Jahre 1904 mehr einen zufalligen bruchstückartigen Charakter E trugen seine Mitteilungen bis 1006 67 gn, Frachkäauttig.n Pharatier. Erst im 1904 habe azew„seinen revolutionaren Höhepunkt erreicht, so er auf der Pariser Konferenz der revolutionären und oppositionenen Organisationen gemeinsam mit dem bekannten Tscherdie Sozialrevolutionare vertrat. Seitdem er im Jahre 1906 Mitgliev des Zentralkomitees und der Kampforganisation der sozialrevolutionaren Partei geworden sei, werden die von gelieferten Mitteilungen so regelmäßig und so vollständig, daß nicht ein einziger Anschlag der Terroristen zu gelingen vermag, da sie alle nach Azews Angaben von der Polizei rechtzeitig unterdrückt werden. Von Azews Verdiensten in den letzten acht Jahren werden folgende aufgezählt: Im Jahre 1901 wurde dank ihm die große, von Argunow g. Geheimdruckerei, welche das Zentralorgon„Rrevoutionnaza Wassia“ herzusgabnus ee geleitete Geheimdruckerei, welche das ZentralDie Beschlagnahme Teschlagnahme der Druckerei und die Verhaftung der bereiniaten Personen beveuteren einer solchen Schlae f#r ceiliaten"# 8che ggm. verhaftung der be„„„wrKleten einen wbichen Schlag gur die utionare, daß einige ihrer Führer nach dem Ausland emigrierten und dort die Herausgabe des Organs fortsetzten. In demselben Jahre lenkte Azew die Aufmerksamkeit der Geheimpolizei auf die hervorragende Tätigkeit von Gerschuni und Gotz. 1902 verriet er die Gruppe, die den Anschlag auf den Minister Sipjagin ausgeübt hatte, und bewies, daß Gerschuni der Organisator des Anschlages gewesen und zu Mithelfern Melnikow und Kraft gehabt habe; von diesen konnte dann Melnikow verhaftet werden. Später verriet er eine andere Mitarbeiterin Gerschunis, die Feldschererin Romjannikowa, und machte auf die in Petersburg entstandene militärische Kampforganisation aufmerksam, die sich die Ermordung hochstehender Persönlichkeiten, in erster Reihe des Generalprokurators Pobjedonoszew, zur Aufgabe gestellt hätte. Laut seinen Angaben wurden nunmeyr die Offiziere der Artillerieakademie Grigoriew und Nadarow verhaftet, von denen der erstere eingestand, gemäß dem Plane Gerschunis beim Begräbnis Sipjagins A bis zum Januar 1904 wurden infolge von Azews Angaben Anschläge auf Plehwe verhindert und verschiedene Revolutionäre, darunter der bekannte Klitschogen, verhaftet. Um dieselbe Zeit teilte Azew der Polizei mit, daß ein angesehenes Mitglied der Sozialrevolutionare, Lewit, aus dem Auslande angelangt sei, um in Rußland fliegende Kampfgruppen und Dynamitwerkstätten für einen Anschlag auf den Zaren zu errichten worauf dieser Lewit in Orjol verhaftet wurde. Im Juli 1904 erstattete Azew einen sängeren Bericht über den im Flecken Germans stattgehabten Parteitag der Sozialrevolutionäre, auf dem u. a. die terroristische Tätigkeit abermals zum Beschluß erhoben und speziell der Zar als Ziel der Anschläge in Betracst gezogen wurde. Im September 1904 erfolgten auf Azews Anweisungen hin die Verhaftungen eines bekannten evolutionärs Stetow und der von der Partei mit einer Spealmission nach Rußland entsandten Marie Seljuk. Zugleich richtete Azew ausfuhrlich: 1. über den internationalen Soziastentongreß in Amsterdam und 2. über die Pariser Konferenz on V tretern der revolutionären und oppositionellen Gruppen, die den 1905 zur Ausführung gelangten Plan des Kampfes gegen die Regierung prörterten Nach Amsterdam wor= nehst die den 1905 zur Ausführung gelangten Plan des Kampfes gegen die RigierungKorierten. Nach umsterdam warer neost Minor, Ruvanowitsch und dem„Großmütterchen“ BreschkoBreschkowskaja entsandt, in Paris teilte er seine Mission m T). ernow. Um diese Zeit verriet er die Pläne der### sion mit —.####m. Um diese Zeit verriet er die Pläne de. Kampferganisation, sowie den berannten Terroristen Sawenkow und setzte die Polizei von dem auf den Irkutsker Generalgouverneur Kutaissow geplanten Anschlag unter genauer Benennung der Person, die diese Aufgabe übernommen hatte, in Kenntnis. Die serson wurde verheftet und der Anschlag vereite“: übernommen hatte, in Kenntnis. Die en warde deryg und der unschlag pereitelt. Im Januar 1900 enthüllte er der Ponzei die Tätigkeit der Sozialrevölutionäre im Kaukasus und verriet den Terroristen Wolski,„wodurch, der erste Anschlag auf den Bakuer Gouverneur Wolski, wodurch der erste Anschlag auf den Bakue Nataschidze verhindert wurde. Zugleich setzte er von in urur#u 2.218 Gierblutionäre Chilkow nach Rußland von i Kenntnis, daß der Revolutionäre Chilkow na gereist sei, um vauerliche Kampfgruppen zu bilden hie nouen Aufroizung Zmatorialien insbesonder Aie n. und etwas spater, daß nach Bulgarien spezielle Emissäre entsandt seien, um die neuen aufteizungsmalerialten, insbesondele die sogenannten mazedonischen, zu studieren. Er nannte auch die Personen, die nachher den Transport dieser Stoffe nach Saratow ur) Semara * zu studieren. Er nannte auch die Personen, die G Srinnigri geigs Giesge nach Ghramt, und Gumate zu befbrgen hätten. Im Juli 1905 setzte er die Po izei in Kenntnis, oaß die Terroristin Konopljannikowa, welche später den General Min ermordet hat, in Mostau Bomben anfertige und auf das Leben des Generalgouverneurs Durnowo und des Stadthauptmanns Medem einen Anschlag beabsichtige. Sie wurde bald darauf in Smolensk verhaftet, wobei man bei ihr Aufreizungsmaterialier vorfand. Um diese Zeit verriet er auch den Saratower Aufenthalt der Terroristin Breschko=Breschkowskajc und benachrichtigte die Polizei, daß ein gewisser Kasanzew nach Petersburg zwecks eines Attentats auf Trepow angelangt sei. Im August 1905 berichtete er über den in Nischni=Nowgorod bevorstehenden Distriktsparteitag, wobei ein Anschlag auf das Leben des lokalen Gouverneurs Unterberger organisiert werden sollte. Vom Herbst 1905 an habeser als neuaufgenommenes Mitglied der sozialrevolutionären Kampfgruppe samtliche Pläne dieser Gesellschaft der Polizei auszuliefern vermocht. Infolge von Azews Mitteilungen wurde der zu Beginn des Jahres 1907 auf den Zaren geplante Arschlag, deren Ausführung dem Flottenleutnant a. D. Nikitenko und dem Studenten Sinjawski oblag, verhindert; desgleichen wurden im Februar 1908 mehrere Personen der nördlichen Abteilung der Sozialrevolutionäre, die auf den Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch und auf den Justizminister Stscheglowitow ein Attentat auszüben hatten, mit ihren Revolvern auf den Straßen abgefaßt und verhaftet. „„Dies., sind,die Verdienste von Azew. Zu welchem Preis er jevoch seine autorität bei den Revolutionaren zu erkaufen vermocht hat, dies sollte unaufgeklärt bleiben. Denn daß gleichzeitig verschiedene terroristische Akte auf Anraten von Azew tatsächlich vollbracht worder waren, diese Seite der Medaille ließ der Gerichtshof völlig unbeachtet. Leider scheint auch die gruchins wohr Gawict Seite dem mehr diese hervorragende Rolle gespielt. Ob nun Lopuchin verurteilt wird oder nicht, die Oeffentlichkeit hat von dem ganzen Prozeß bei seiner Einschränkung nur wenig zu erwarten. Es ist eher eine Sensation als eine Aufklärungstat. Kommunales. Verteidigung Borachins mehr Gewicht auf die juristischee der Angelegenheit zu legen, als die Aufrollung aller aus Spionagesystem resultierenden Demoralisierungserscheinungen zu erstreben. Bei nachhaltiger Untersuchung wäre es unschwer nachzuweisen, daß die von Azew verratenen terroristischen Aktionen zu einem erheblichen Teile von ihm propagiert und mitbestimmt worden seien. Ohne Provokation hätte Azew nimmerd. Von der Westfälischen Landgemeindeordnung. Wir haben in einem früheren Artikel bereits ausgeführt, daß das Amt einmal einen Kommunal=Verband mit allen Rechten einer Gemeinde bildet und zum anderen einen staatlichen Verwaltungsbezirb darstellt. Dementsprechend sind auch Stellung und Geschäftskreis des Amtmanns zweifacher Natur. Als Beamter des Kommunalverbandes führt er die Verwaltung der Angelegenheiten dieses Verbandes, außerdem hat er aber Staatsverwaltungsgeschäfte wahrzunehmen. Daneben ist der Amtmann auch noch zur Mitwirkung bei der Verwaltung der einzelnen Gemeinden berufen. Die ihm in dieser Beziehung übertragenen Rechte und Pflichten sind von uns bei Besprechung der einzelnen Paragraphen bereits gewürdigt, wir wollen hier aber nochmals eine kurze Uebersich über diese Punkte geben. Dem Amtmann stehen folgende Befugnisse zu: 1. Anordnung außergewöhnlicher Wahlen zum Ersatz für die innerhalb einer Wahlperivde ausgeschiedenen Gemeindeverordneten; 2. Leitung der Wahlen der Gemeindeverordneten, mit dem Rechte jedoch, sich durch den Gemeindevorsteher vertreten zu lassen; 3. Uebernahme des Vorsitzes in der Gemeindeversammlung, im Falle der Stimmengleichheit mit entscheidender Stimme; 4. Beanstandung von Beschlüssen der Gemeindeversammlung; 5. Klagerecht gegen gewisse Beschlüsse der Gemeindeversammlung; 6. Beteiligung bei der Aufstellung des Haushaltsplanes; 7. Beteiligung bei der Revision der Jahresrechnung; 8. Mitwirkung bei der Verwaltung der Einkünfte der Gemeinde; 9. Mitvollziehung von die Gemeinde verpflichtenden Urkunden; 10. Ausschließliche Befugnis, die zum Dienst der Gemeinde erforderlichen, zu bloß mechanischen Dienstleistungen bestimmten Unterbeamten und Diener der Gemeinde zu ernennen; 11. Ordnungsstrafrecht gegenüber den Unterbeamten und Dienern der Gemeinden. Der Amtmann ist das Organ des Landrats bei Führung der allgemeinen staatlichen Aufsicht über die Angelegenheiten der Landgemeinden und selbständigen Butsbezirke, ihm liegt ferner die Besorgung aller örtlichen Geschäfte in Landes angelegenheiten ob, soweit nicht besondere Behörden dafür bestellt sind. Zugleich ist er Hilfsbeamter der gerichtlichen Polizei und kann mit den Funktionen der Amtsanwaltschaft beauftragt werden. Der Amtmann ist ferner der Träger der örtlichen Polizeigewalt innerhalb des Amtsbezirks und der Gemeindevorsteher is: ihm hierbei Organ und Hilfsbehörde. Die Verwaltung der Ortspolizei steht dem Amtmann aber nur insoweit zu, als sie nicht gesetzlich anderen Behörden übertragen ist, ebenso gehört die Verwaltung der Landespolizei nicht zu den Aufgaben des Amtmanns. Die Ortspolizeiverwaltung wird von dem Amtmann im Namen des Königs geführt(§ 1 de Gesetzes über die Polizeiverwaltung vom 11. März 1850). Die Verwaltung der ortlichen Polizei ist keine Gemeinde=, sondern eine Staatsangelegenheit, die Kosten der Verwaltung sind dagegen von den Gemeinden bezw. dem Amtsverbande zu tragen. Als Ortspolizeiverwalter ist der Amtmann befugt, für den Amfang des Amts oder für eine oder mehrere zum Amte gehörige Gemeinden ortspolizeiliche Vorschriften zu erlassen und zegen die Nichtbefolgung derselben Geldstrafen bis zum Betrage von 9 Mk. anzudrohen. Mit Genehmigung des Regierungsoräsidenten kann die Strafandrohung bis zum Betrage von 30 Mk. gehen. Bei Erlaß einer Polizeiverordnung für einzelne oder mehrere Gemeinden muß der Amtmann jedoch vorher mit dem oder den Gemeindevorstehern Beratung über den zu regelnden Gegenstand gepflogen haben. Bei Verordnungen über Gegenstände der landwirtschaftlichen Polizei ist auch die Zustimmung der betreffenden Gemeindevertretungen resp. der Amtsversammlung erforderlich. Auf die sonstigen Befugnisse der Polizei des näheren einzugehen, würde in diesem Zusammenhange zu weit führen, wir beabsichtigen, diese Materie später in besonderen Artikeln zu besprechen. *„* Die Förderung des Baues von Kleinwohnungen durch den Staat. Im württembergischen Landtage gab es am Sonnabend eine große Debatte über Wohnungspolitik, in der für die sozialdemokratische Fraktion Genosse Dr. Lindemann die Forderungen der Partei entwickelte. Die Verhandlung knüpfte an einen Initiativantrag auf„Unterstützung der Erbauung gesunder und billiger Wohnungen fur die weniger bemittelten Leute“ an und endigte mit der Annahme eines Antrages, der die##aatsregierung ersuchte,„die Beschaffung gesunder und billiger Wohnungen für die weniger bemittelten Leute zu unterstützen, zu fördern und die nötigen Mittel in den nächsten Etat einzustellen. „Für den Fall der Gewährung staatlicher Darlehen zur Unterstützung des gemeinnützigen Wohnungsbaues wurden eine Reihe Grundsätze aufgestellt. Gemeinden und Kommunalverbände erhalten Darlehen ohne dringliche Sicherheit bis zum vollen Betrage des Wertes des beliehenen Gebäudes, die gemeinnützigen Baugenossenschaften und Bauvereine nur gegen hypothekariiche Sicherheit bis zu einem bestimmten, möglichst hoch zu bemessenden Teil des Gebäudewertes. Bedingung für die Gewährung der Darlehen ist, daß die beliehenen Gebäude ihrem ursprünglichen Zweck, d. i.„die Schaffung von gesunden und billigen Wohnungen für die wirtschaftlichen schwächeren Volkskreise“ d erhalten bleiben. In Verbindung damit wurde ein Gesetzentwurf beraten, wonack das Finanzministerium ermächtigt wird,„zur Förderung der Familiewohnungsverhältnisse von minder bemittelten Staatsbeamten und von Arbeitern in Staatsbetrieben“ je nach Bedarf an Baugenossenschaften zu 3½ Prozent verzinsliche Darlehen bis zu 350000 Mk. zu gewähren und für von anderer Seite an Baugenossenschaften gegebene Darlehen bis zum gleichen Betrage Bürgschaft zu übernehmen. Der Gesetzentwurf wird nach erfolgter Kommissionsberatung zweifellos angenommen werden. Diese Beschlüsse, ergänzt durch den kürzlich auf Grund sozialdermokratischer Initiative geschaffenen Landeswohnungsinspektor, sind geeignet, für Württemberg eine gewisse staatliche Wohnungsfürsorge einzuleiten, die in anderen Staaten fast noch völlig fehlt. Frankfurt a. M., 18. Mai. Der Wahlvorschlagsausschuß der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung wird dem Plenum empfehlen, daß zur Wahl in die Volksschuldeputation nochmals Genosse Dr. Quarck vorgeschlagen wird, der von der Regierung bekanntlich nicht bestätigt worden ist. Aus der Stadt und Nachbarschaft. Bielefeld, 19. Mai. - Eine Baumversetzung. Vor dem Hause Arndtstr. 8, gegener auf seinem bisherigen Standort stehen geblieben wäre. Er wurde, ra man den schonen Baum nicht wegnehmen wollte, mit dem seine Wurzel umgebenden Erdreich einfach verschoben und er steht jetzt der Volkswacht" um etwa 5 Meter näher. Diese Baumverjetzung hat eine mehrere Tage lange Arbeit erfordert. — Freie Volksbühne. Die Bezirkskassierer können um Freitag ihre Beitragslisten nebst Marken in Empfang nehmen. Der Monatsbeitrag beträgt für Juni, Juli und August 25 Pfg. Konzert findet am Sonnabend, 19. Juni, in der„Centralhalle“ statt. — Bielefelder Sommertheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geichrieben: Morgen, am Himmelfahrtstage, wird die diesjährige Sommerspielzeit mit der Novität„Wo wohnt sie denn?" eröffnet.„Wo wohnt sie denn?“ ist ein toller ausgelassener Schwank von Jean Kren und Georg Okonkowsky, dem Victor Hollaender ein gefälliges musikalisches Gewand gegeben hat. Es ist ein buntes Durcheinander von drastischen Szenen, in denen Eifersucht, Verwechilungen und Liebesabenteuer einander ablösen. Ueber hundertmal ging diese lustige Novität im Thalia=Theater in Berlir unter großer Heiterkeit des Publikums in Szene.— Am Freitag geht als zweite Vorstellung„Die Kameliendame“, dramatisches Gemälde in 5 Akten von A. Dumas Sohn, in Szene. — Polizeibericht. Diebstahl. Mittels Einsteigens sind in Minden in der Nacht vom 15. zum 16. d. M. aus einem Konfektionsgeschäft folgende Sachen gestohlen worden: 1. ein schwarzer Kammgarnanzug, Wert 42 Mk., 2. ein schwarzer Tuchanzug, Wert 41 Mt., 3. ein dunkelgestreifte: Anzug, Wert 38 Mt., 4. ein Paar Hosenträgez Wert 2,25 Mk., 5. ein Paar Glacéhandschuhe(braun), Werz 2,75 Mk., 6. ein Selbstbinder(Krawatte), rotgrün, breit gestreift, Wert 1,50 Mk., 7. 4—5 Spazierstöcke, Gesamtwert 8,75 Mk., 8. zwei Herren=Regenschirme, Gesamtwert 12,25 Mk., 9. ein Paar Manschettenknöpse, Wert 1 Mk., 10. vier Taschentücher, Wert 2,40 Mk., 11. ein Ueberhangtuch, Wert 50 Pfg. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei hier in Empfang. Diebstahl. Am 9. d. M., nachmittags, ist in Minden ein wertvoller echter Foxterr:, auf den Namen„Dowe“ hörend, abhanden gekommen, über dessen Verbleib trotz angestellten Nachforschungen bisher nichts hat ermittelt werden können. Es wird deshalb angenommen, daß der Hund eingefangen und nach auswärts verschleppt worden ist, um verkauft zu werden. Beschreibung des Hundes: weiß, kurzhaarig, die eine Hälfte des Kopfes ist schwarz, die andere weiß. Am Hals trägt der Hund ein Lederhalsband mit Nickelbeschlag, auf dem der Name V. Poten, Simeonsglacis Nr. 4, eingraviert ist. Gefunden: 1 Stickschere, 1 silb. Herrenuhr mit Goldrand. Zugelaufen: 1 Dobermannpinscher. Verloren: 1 silberne Tamen=Zylinder=Remontoiruhr, 1 braunes Damenportemonnaie mit 11 Mk. und 1 Freundschaftsring Inhalt, 1 rotes Herrenportemonnaie mit 24 Mk. Inhalt, 1 Goldgürtel, 1 goldene Brosche mit rotem Stein in Flügelform. Entlaufen: 1 Rehvinscher mit Halsband und Marke, 1 Deutscher Schäferhund(Polizeihund) mit auffallenden WolfsNlauen. Gestohlen wurde in der Nacht zum 17. Mai er. einem Viehhändler in Paderborn von der Viehweide eine fahlbunte Mell=Kuh im Werte von 420 Mk. Besondere Kennzeichen: 1 abgestoßenes Horn. Falls die Kuh hier zum Verkauf angeboten sein bezw. werden sollte, wird um umgehende Benachrichtigung der Kriminalpolizei gebeten. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Trunkenheit und 1 Person wegen Bettelns; 9 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Sperrung. Der Ehsentrupperweg zwischen Bielstein= und Teutoburgerstraße ist wegen Vornahme von Kanalisations= arbeiten für Fuhrnerk bis 28. 5. 09 gesperrt. Ausflüge am Himmelfahrtetage. Bielefeld. Brauereiarbeiter=Verband. Nach Halle. zurück. In Steinhagen bei Wirt Von da über Steinhagen zurück. In Sleinhagen Diekmann gemütliche Zusammenkunft mit den dortigen Kollegen. Schötmar. Die organisierten Arbeiter treffen sich morgens 7 Uhr beim„Tiyoli“. Die Tour geht über Salzüflen nach Loose, dork Zusammentreffen mit den Herforder Genossen. Oeynhausen. Gewerkschaftskartell. Nach der Wallücke. Abwarsch punkt 1 Uhr vom Verkehrslokal R. Küster Sudbrack. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf". Nach Rereinalatal Patthorst, Abmarsch morgens 6 Uhr vom Geremstotal. Auch Richtmitglieder sind willkommen. Es wird erwartet, daß sich Mitglieder und organisierte Arbeiter mit ihren Familienangehörigen recht zahlreich beteiligen und pünktlich an den Treffpunkten einfinden. Für Proviant muß jeder selbst sorgen. Ferner wird ersucht, keine Zweige von den Bäumen zu reißen. Versammlungen. Eidinghausen. Soz. Verein. Sonnabend, 28. Mai, abends 815 Uhr, bei Küster: Versammlung. * Quelle, 18. Mai. In der Gemeinderatssitzung vom 15. Mai war auch der Schulvorstand anwesend. Der Klassenzimmeranbau an der Schule zu Quelle II wurde einstimmig angenommen.— Der Auflassung eines umgelegten Weges vom Kupferhammer bis Niemöllers Hof wurde zugestimmt.— Die alten Wege zwischen der Straße von Flasbeck bis Niewöhner werden eingezogen. Hierfür wird jedoch die von Kolon Hinney neu angelegte Straße als Gemeinbeweg angenommen. Herr Amtmanr Hillbol gab noch bekannt, daß der Lehrer Schuchtmann krankheitshalber bis zum 1. August beurlaubt ist, und daß am 1. August d. J. an der Schule I eine dritte Lehrkraft angestellt wird. Zum Schlusse sprachen unsere Genossen Strothmann und Franke den Wunsch aus, die Tagesordnung möchte den Vertretern doch mindestens 3 Tage vor der Sitzung schriftlich zugehen. Hierzu gab der Amtmann eine zusagende Antwort. * Enger, 18. Mai. Ein Unglücksfall ereignete sich heute hier auf der Haltestelle der Kleinbahn Enger=Süd. Der 70jährige Schäfer Klöpperpieper kam mit dem 2=Uhr=Zug von Bielefeld. In Enger=Süd, wo der Zug nur nach Bedarf hält, wollte K. aussteigen. Er kam dabei so unglücklich zu Fall, daß er einen Schädelbruch davontrug. Von der SSanitätskolonne wurde K. ins Engersche Krankenhaus gebracht. * Herford, 18. Mai. Promenadenkonzert. Donnerstag, 20. Mai(Himmelfahrt), vormittags 11½ Uhr, auf dem Wilhelmsplatze Programm: Helenen=Marsch von Lübbert. Ouverture zu„Berlin, wie es weint und lacht“ von Conradi. Türkischer Abendsegen und Marsch der Palast=(Schar=[Wache aus der Operet:„Der Khedive“ von Karl Faust.„Sirenenzauber“, Walzer von Waldteufel.„Lose Blätter“, Potpourri von Schreiner. * Herford, 17. Mai. Ein recht trauriges Bild zu dem Kapitel des hiesigen Krankenkassenwesens zeigte eine Besprechung der Mitglieder der Deutschen Kranken= und Sterbeversicherungsanstalt E. H. zu Bautzen i. S., die, durch einige Mitglieder derselben veranlaßt, am Sonntag morgen stattfand. Wir haben uns an dieser Stelle schon einige Male mit dieser Kasse beschäftigt, um die Arbeiterschaft zu warnen. Die Boten der Kasse erklären nun, wenn sie von den Mitgliedern an, die Anschuldigungen in diesen Notizen * die Kasse„„ einem War## dazu geäußert, Geändert sich die Zustande in der Kasse nacht. Auch in der Besprechung amen wieder Fälle zur Sprache, in denen Mitglieder, die fast ein Jahr Beiträge gezahlt haben, und Antrag auf Unterstützung stellten, das ominöse Schreiben erhielten:„Betrifft Ausschluß. Da Sie Ihre Beitrage seit..... nicht„ordnungsgemäß“ gezahlt haben, schließen wir Sie nach§ 9 unseres Statuts von der weiteren Mitgliedschaft ausdrücklich aus, usw. Die Gleichmäßigkeit dieser Ausschlußschreiben in ihren Satzformen läßt auf ziemliche Uebung in der Abfassung derselben schließen, und nach dem Umfange derselben ist man vald geneigt, anzunehmen, daß die Anfertigung dieser Schreiben einen großen Ten der VerDie Boten der Kasse erklären nun, wenn sie von den Mitgliedern uf. e Anschalz g..“„in biesen Roligen hingewiesen perden, nese seien langst wiederlegt. Das ist unwahr, bis jetzt hat sich nie Kasse mit keinem Warte dazu geäußert. Geändert haben dug di Amftrnigung ruer ockr- einen girgen Won dee.. waltungsarbeiten der Kasse ausmacht. Nach allem, was bei dieser Besprechung gegen die Kasse vorgebracht wurde, können wir die Nr. 115. Teutsh (C sich 1 ich 260. Sitzung vom Die Am Bundesratstisch: Die Berner Uebe der Literatur und Kunst angenommen. Das Abtommen zwisck einigten Staaten von A gen gewerblichen licher Debatte ebenfalls Desgleichen das Mü batte und das Bankge Abg. Arendt(Rp.) weil die Interessen des nären nicht genugend ger Debattelos wird alsda die Verwaltung des R Hinterbliebenenv men. Es folgt die dritte Be Abg. Struve(Fr. 2 Lesung abgelehnt sind, sti wartung, daß es wirklich und nicht zur künstlichen gegen den Abg. Dr. Hah Professor Wagner in der sei dadurch hervorgerufer „Ihr" statt mit„Sie“ a Professor Wagner entspr heit.(Hört, hort! bei de Abg. Dr. Hahn(kon zegen, mein Gewährsm vielleicht verhört hat. ist auf die Politik des (Gelächter links.) Abg. Stolle(Soz.): mals imstande sein, den Sehr richtig! links.) T hat keineswegs Deutschla kleinen Landwirte, welch lich geschädigt.(Sehr ri# sellt sich die ungeheure durch Repressalien, die d anwendet. Auch die Löl der allgemeinen Preisst Abg. Dr. Struve(3 Wagner die Darstellung fessor Wagner hat gleich Fegter geschrieben. Wa Hahn zweifellos erschien einen Kontrollbrief abge Abg. Dr. Hahn(kon hört.(Zustimmung rech Unschuldswurm!) Abg. Dr. Struve Herrn Hahn doch genau: die für die Konservativen zur Sprache gekommen. Die Debatte über den politik geht weiter. Vize mals vergeblich, sie auf d beteiligen sich daran die (Fr. Vg.), Dr. Hahn(kor de Wente(natl.). Die Generaldiskussion zialdebatte en bloc a Es folgt die dritte B unlauteren Wettb wesentlicher Debatte nac angenommen, nebst nach es am 1. Oktober 1 Es folgt die zweite Le und Ausgaben des afrikanischen Schu nungskommission beantra gen unter Beanstandung Hellings nebst Ufermaue querarm im Etat für Si Abg. Dr. Goercke antrag und tadelt scharf Staatssekretär Dern sei zu diesen Ueberschreitt auf die Gefahr hin, als u Reichstag vor einem Se Schlag ins Wasser ist. in China weilendem Erb und der Fiskus fällt dal dem erreicht, was die Ko Abg. Erzberger( ist erfreulich, daß endlick groben Unfug einschreitet, und führt hier den grazi haben. Hier handelt es des Reichstags. Die Init spterdrückt werden, sie d werschreiten. Ich bitte mission zu belassen.(Bei Staatssekretar Dern Prozeß zu vermeiden. Abg. Dr. Goercke schickter Redner, aber di sprochen. Präsident Graf Stol meinen Sie doch„wenig Staatssekretär Dern reareßpflichtig machen wil Obwohl ich die Handlung unzulässig erklärte, beant Sinne als die Herren R haben ja zweifellos bei der Soz ruft: Trotz der vielen Sie bitte keine Zwischenr dour: Ich habe nur ein p# Komödie!) . Präsident Graf Sto dieses Ausdruckes zur Oi Abg. Ulrich(Soz.]: Hanl, daß das Etatsrecht #n hätten doch ausg eutch Annahme unseres nicht beeinträchtigen. Di en Gaul nach einer## Geider# Wir habeng eiver verausgabt und 1 ###verwaltung berichtet wumisüionen alles durch Di Spezi 8 r können um Freitag pfang nehmen. Der August 25 Pfg. Das n der„Centralhalle" dem Theaterbureau lfahrtstage, wird die ität„Wo wohnt sie ist ein toller ausgerg Otonkowsky, dem hes Gewand gegeben i drastischen Szenen, Liebesabenteuer einse lustige Novität im erkeit des Publikums te Vorstellung„Die Akten von A. Dumas s Einsteigens sind in M. aus einem Konorden: 1. ein schwarschwarzer Tücharzug, izug, Wert 38 Mr., 5. ein Paar GlacéSelbstbinder(Kra. kl., 7. 4—5 Spazier. n= Regenschirme, Genknöpfe, Wert 1 Mk., ein Ueberhangtuch, iimmt die Kriminalags, ist in Minden men„Dowe“ hörend, otz angestellten Nachen können. Es wird ingen und nach aust zu werden. Bedie eine Hälfte des dals trägt der Hund dem der Name V. t. enuhr mit Goldrand. inder=Remontoiruhr, und 1 Freundschaftsmit 24 Mk. Inhalt, Stein in Flügelform. lsband und Marke, auffallenden Wolfs17. 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Desgleichen das Münzgesetzin dritter Lesung ohne Debatte und das Bankgesetz, nachdem Arendt(Rp.) erklart hat, er werde dagegen stimmen, weil die Interessen des Reiches gegenüber den Reichsbankaktionären nicht genugend gewahrt seien. Debattelos wird alsdann in dritter Beratung das Gesetz, betr. die Verwaltung des Reichsinvaliden fonds und des enenversicherungsfonds angenomEs folgt die dritte Beratung des Viehseuchengesetzes. Abg. Struve(Fr. Vg.): Obwohl unsere Anträge in zweiter Lesung abgelehnt sind, stimmen wir dem Gesetze zu, in der Erdaß es wirklich als Viehseuchengesetz angewendet wird und nicht zur künstlichen Grenzsperre dient. Redner polemisiert Hahn, der gesagt hat, die Behandlung des Professor Wagner in der Versammlung der Wirtschaftsreformer hervorgerufen, daß Wagner die Versammlung mit „Ihr" statt mit„Sie“ angeredet have. Laut einem Briefe des Professor Wagner entspricht diese Behauptung nicht der Wahrheit.(Hört, hort: bei den Freis.) Abg. Dr. Hahn(kons.): Ich war in der Versammlung nicht gegen, mein Gewährsmann war Herr von Bodelschwingh, der vielleicht verhört hat. Die wirtschaftliche Blüte Deutschlands Gelschten iinsäi des Bundes der Landwirte zurückzuführen. Abg. Stolle(Soz.): Die deutsche Landwirtschaft wird niemals imstande sein, den ganzen Bedarf Deutschlands zu decken. links.) Die Politik des Bundes der Landwirte hat keineswegs Deutschland zur Blüte gebracht, sie hat aber die kleinen Landwirte, welche Futtermittel gebrauchen, sehr erhebist. esschädigt.(Sehr richtigl links.) Zu dieser Schädigung geEirch### ungeheure Schädigung der Industrie, namentlich ##epressalien, die das Ausland unseren Zöllen gegenüber unwendet. auch die Löhne sind keineswegs im Verhaltnis zu der allgemeinen Preissteigerung gestiegen.(Bravo! bei den Abg. Dr. Struve(Fr. Vg.) erklärt nochmals, daß Professor Wagner die Darstellung des Abg. Dr. Hahn zurückweist. Progleichzeitig an Herrn Dr. Hahn und Herrn Fegter geschrieben. Ware ihm die Loyalität des Herrn Dr. einen Kontrollbrief abgeschickt, date er wobl nicht ars Jafi. d hn(kons.): Diese Unterstellung ist ganz unerUnschuldswurmi Ledebour(Soz.) rust: Sie Dr. Struve(Fr. Vg.): Professor Wagner scheint verrn Hahn doch genau zu kennen, ohne den Brief an uns wäre ie für die Konservativen so blamable Angelegenheit heute nicht zur Sprache gekommen. Die Debatte über den Professor Wagner und die Schutzzollpolitik geht weiter. Vizepräsident Dr. Paasche versucht mehrmals vergeblich, sie auf das Viehseuchengesetz zurückzuführen. Es sich daran die Abgg. Roesicke(kons.), Fegter (Fr. Vg.), Dr. Hahn(kons.), Gothein(Fr. Vg.), Wachhorst de Wente(natl.). Die Generaldiskussion wird geschlossen und das Gesetz ohne Spezialdebatte en bloc angenommen. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzentwurfs gegen den unlauteren Wettbewerb. Das Gesetz wird nach unwesentlicher Debatte nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angenommen nebst einem Antrage Dr. Junck(natl.), wonach es am 1. Oktober 1909 in Kraft tritt. Es folgt die zweite Lesung der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des ostafrikanischen und südwestanischen Schutzgebietes für 1901. Die Rechnungskommission beantragt, die Etatsüberschreitung zu genehmigen unter Beanstandung von 192800 Mk. für den Bau eines Hellings nebst Ufermauer und 127400 Mk. für einen Molenquerarm im Etat für Südwestafrika. Abg. Dr. Goercke(natl.) befürwortet den Kommissionsantrag und tadelt scharf das Verhalten der Verwaltung. „ Staatssekretär Dernburg verteidigt das Geschehene, man iesen Ueberschreitungen gezwungen gewesen. Ich möchte zuf die befahr hin, als unberufener Ratgeber zu erscheinen, den Reichslag vor einem Schritte warnen, der möglicherweise ein Schlag ins Wasser ist. Denn wenn ein Prozeß gegen den jetzt in China weilenden Erbauer des Querarms angestrengt wird und der Fiskus fällt dabei herein, so wird das Gegenteil von was die Kommission gewollt hat. is#rg„Fxs berger(Ztr.) stimmt dem Abg. Görcke zu. Es r#r#ch, daß endlich die Rechnungskommission gegen den infug einschreitet, und da kommt nun der Staatssekretär und führt hier den graziösesten Eiertanz auf, den wir je erlebt zaber. Hier handelt es sich um die Wahrung des Budgetrechts ## brichstags. Die Initiative der Beamten soll in keiner Weise „terdrückt werden, sie darf aber die legitimen Grenzen nicht überschreiten. Ich bitte dringend, es beim Antrag der Kommission zu belassen.(Beifall im Ztr. und links.) a S t a a t s s e k r e t a r D e r n b u r g w i e d e r h o l t s e i n e n R a t, e i n e n Prozeß zu vermeiden. Goercke(natl.): Der Staatssekretär ist ein geschickter Redner, aber dieses Mal hat er recht ungeschickt geProchen. Präsident Graf Stolberg: Wenn Sie„ungeschickt“ sagen, meinen Sie doch„wenig geschickt".(Schallende Heitexkeit.) . S t a a t s s e k r e t ä r D e r n b u r g: O b m a n e i n e n B e a m t e n lichtig machen will, ist lediglich eine Opportunitätsfrage. Lbwohl, ich die Handlung des betreffenden Beamten bereits für Lgulassig erklarte, beantworte ich diese Frage doch in anderem ## als die Herren Redner geneigt scheinen. Die Beamten ###en ja zweifellos bei dem Bau Fehler gemacht.(Abg. Ledebour ruft: Trotz der vielen Examina! Heiterk. b. d. Soz.) Machen Sie bitte keine Zwischenrufe, das wäre noch besser!(Abg. LedeLom s53an habe nur ein paar Worte gesagt, spielen Sie doch keine 4. Präsident Graf Stolberg ruft den Abg. Ledebour wegen dieses Ausdruckes zur Ordnung. Ulrich(Soz.]: Der Staatssekretär mußte selbst zuzeben, daß das Etatsrecht verletzt ist. Weiter sagte er dann, die Hauten hätten doch ausgeführt werden müssen, und man dürfe burch Annahme unseres Antrages die Initiative der Beamten beeinträchtigen. Das wollen wir auch nicht. Wir haben 85. Gaul nach einer ganz anderen Seite geritten.(Große ##terkeit.) Wir haben gerugt, daß der Beamte außeretatsmäßig „##er verausgabt und 1½ Jahr lang nichts davon an die Zenk#umtialtung berichtet hat. Wenn die früheren Rechnungsemmimonen alles durchgehen ließen, so war das ihre Sache. Heute meinen wir, wenn wir das Budgetrecht des Reichstags wahren wollen, so müssen wir gerade in der Rechnungskommission genau prüfen.(Lebh. Sehr richtig!) Der Staatssekretär macht in jeder Kommissionssitzung den Versuch, die Handlungen der Beamten als ganz harmlos hinzustellen. Wir geben aber nichts auf seinen glatten Schmus.(Gr. Heiterkeit. Präsident Graf Stolberg: Ich bitte Sie, einen anderen Ausdruck anzuwenden.) Er sucht die Kommissionsmitglieder mit glatten Redewendungen einzuwickeln. Es muß hier deutlich erklärt werden, daß wir diese Art der Rechnungslegung nicht für gut halten. Wer das wünscht, der muß der Kommission zustimmen. (Lebh. Beifall.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag der Kommission wird einstimmig angenommen. Abg. Ledebour(Soz.) ruft: Der Erfolg des Herrn Dernburg!(Heiterkeit bei den Soz.) Präsident Graf Stolberg teilt mit, daß soeben eine telegraphische Einladung des Oberbürgermeisters von Stuttgart eingegangen sei, der die Mitglieder des Reichstags gelegentlich der Besichtigung des Zeppelinschen Luftschiffes auch zu einem Besuch Stuttgarts einlädt.(Bravo!) Darauf schließt der Präsident mit dem Wunsche für fröhliche Feiertage die Sitzung. Nächste Sitzung Dienstag, 15. Juni, nachmittags 2 Uhr. (Interpellation Pachnicke und Genossen(Fr. Vg.) betreffend Aenderung der mecklenburgischen Verfassung.) Schluß 5¼ Uhr. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 90. Sitzung vom Dienstag, 18. Mai 1909, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrück, v. Breitenbach. Zunächst wird der Köhlbrand=Vertrag in 3. Lesung mit der Aenderung angenommen, daß die Vereinigung von Neuhof mit Wilhelmsburg nicht am 1. April 1910, sondern am Tage des Verkündens des Gesetzes erfolgen soll. Hierauf wird das Gesetz, betreffend den Bergwerksbetrieb ausländischer juristischer Personen und den Geschäftsbetrieb außerpreußischer Gewerkschaften in 3. Lesung nach kurzer Debatte angenommen. Es folgt die Fortsetzung der 2. Beratung der Novelle zum Berggesetz. Die Beratung über die§§ 74—77, die über die Aufsichtspersonen, ihre Qualisikation usw. handeln, wird verbunden. Abg. Leinert(Soz.): Wir haben hierzu eine Reihe Anträge gestellt. Zunächst wünschen wir, daß die Bergbehörde zu entscheiden hat, ob der einer Aufsichtsperson übertragene Geschäftskreis die zulässige Grenze überschreitet und befugt ist, in jedem Einzelfalle entsprechende Anordnungen zu treffen. Der Herr Minister hat in der Kommission erklärt, es sei selbstverständlich Recht und Pflicht der Bergbehörde, darüber zu wachen, ob die einzelnen Aufsichtspersonen den Umfang von Geschäften erledigen könnten, der ihnen übertragen werde. Wir halten es aber fur besser, wenn das ausdrücklich im Gesetz festgelegt wird. Weiter beantragen wir, daß der verlangte Nachweis der Befähigung durch die Aufsichtspersonen als erbracht anzusehen ist durch Beibringung eines Bergschulzeugnisses des Oberbergamts, in dem die Aufsichtsperson beschäftigt werden soll, oder durch das Zeugnis über eine bereits innegehabte gleichartige Stellung. Es entspricht das den Wünschen der technischen Bergbeamten, die sie dem Hause übermittelt haben. Nach den Bestimmungen des Entwurfs kann die Bergbehörde einfach, wenn es ihr nicht paßt, die Qualifikation verweigern. Dieser Willkür der Bergbehörde muß ein Riegel vorgeschoben werden. Weiter sind wir nicht einverstanden damit, daß der Bergausschuß endgiltig über die Entziehung der Qualifikation entscheiden soll, sondern beantragen, daß gegen seine Entscheidung Rekurs an das Ober=Verwaltungsgericht zulässig ist. Das ist notwendig schon deshalb, weil ein Beamter, dem die Qualifikation entzogen ist, zweifellos in einem anderen Betriebe nicht mehr Arbeit findet. Ich verweise darauf, daß nach der Gewerbeordnung den Gesindevermietern und Rechtskonsulenten das Recht gegeben ist, bis zur höchsten Instanz wegen Entziehung ihrer Konzession oder Untersagung ihres Gewerbes zu klagen. Weiter halten wir es für notwendig, zu bestimmen, daß die Aufsichtspersonen nicht verpflichtet sind, Anordnungen der Vorgesetzten, die den Betriebsplänen und den Vorschriften der Bergpolizei nicht entsprechen, auszuführen. Es muß Vorsorge getroffen werden, daß den Beamten nicht etwa auf Grund der Weigerung, solche Anordnungen auszuführen, die Qualifikation entzogen wird. Im§ 76 wird dann bestimmt, daß der Bertwerksbesitzer oder seine Vertreter verantwortlich sind, insoweit sie durch Handlungen oder Unterlassungen den Aufsichtspersonen die Möglichkeit genommen haben, den ihnen obliegenden Verpflichtungen nachzukommen. Hier wünschen wir, daß hinzugefügt wird:„insbesondere, wenn sie die Aufsichtsbeamten über das Interesse des Betriebes hinaus zum Strafdienst heranziehen". Es vassieren in dieser Beziehung eigenartige Dinge; die Steiger sind gewissermaßen der Laune und Willkür der Vorgesetzten überliefert, denn wenn sie sich weigern, müssen sie ein schlechtes Zeugnis und die Entziehung der Qualifikation befürchten. Ich habe in bezug auf die Heranziehung zu Strafschichten eine ganze Reihe von Briefen aus den Kreisen der Steiger erhalten. Ich bitte Sie, unseren Anträgen zuzustimmen.(Bravo! b. d. Soz.] Abg. Dr. Röchling(natl.) erklärt, daß seine Freunde gegen alle Abänderungsanträge, soweit sie nicht redaktioneller Natur wären, stimmen und an den nach langer Beratung in der Kommission zustande gekommenen Beschlüssen festhalten würden. Abg. Brust(Ztr.) wendet sich gegen die sozialdemokratischen Anträge. Der Antrag, daß die Aussichtspersonen nicht verpflichtet sind, den Vorschriften der Bergpolizei widersprechende Anordnungen auszuführen, ist selbstverstandlich; mit seiner Tendenz sind wir aber einverstanden. Im übrigen glaube ich nicht, daß die Wünsche der Beamten so weit gehen, wie die sozialdemokratischen Anträge. Damit schließt die Besprechung. Unter Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge werden die§§ 74—77 unverändert angenommen. Es folgt§ 80f, welcher lautet:„Auf Steinkohlenbergwerken, auf unterirdisch betriebenen Braunkohlen- und Erzbergwerken, sowie auf Kalisalzbergwerken müssen, wenn darauf in der Regel mindestens 100 Arbeiter beschäftigt werden, Sicherheitsmänner und ein Arbeiterausschuß vorhanden sein.“ Hierzu liegt ein Antrag Borgmann(Soz.] vor, die Worte „unterirdisch betriebenen“ zu streichen, sowie die Zahl„100“ zu ersetzen durch„20“. Ferner liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor, der an Stelle der Sicherheitsmänner die Einführung von aus der Mitte der Arbeiter in unmittelbarer und geheimer Wahl zu wählenden Grubenkontrolleuren, die aus der Staatskasse zu besolden sind, fordert. Der Antrag enthält weiter nähere Bestimmungen über die Aufgaben der Arbeiterkontrolleure und ihre Wahl. Die Abgg. Brust(Ztr.) und Gen. beantragen ebenfalls, die Worte„unterirdisch betriebenen“ im§ 80f zu streichen. Abg. Dr. Beumer(natl.): Die Sozialdemokraten berusen sich mit großem Vergüngen auf das geheime Protokoll einer Versammlung von Bergwerksbesitzern. Nach dem BudgetKrawallkrach in Nürnberg kann man es verstehen, daß die Sozialdemokraten nach geheimen Protokollen suchen, in denen sich kraftvolle Worte finden. Gewundert hat mich aber, daß auch reisinnige Abgeordnete Wolff=Lissa mit einem gewissen Behagen in dem Wasser dieses geheimen Protokolles plätscherte. (Heiterkeit.) Wenn unsere Fraktionsverhandlungen— ich nehme keine Partei aus— stenographiert und veröffentlicht würden, dann würde eine Ministerstürzerei an den Tag kommen, über die man sich im Lande wundern würde. Würde man dagegen die Verhandlungen des Staatsministeriums veröffentlichen lassen, so würde manches interessante Wort über uns Abgeordnete bekannt werden. Als man den Fürsten Bismarck einmal durch Lachen in einer Rede unterbrach, sagte er:„Lachen kann jeder. Sie glauben gar nicht, wie ich lache, wenn Sie nicht dabei sind. (Heiterkeit.) Also lassen Sie das Gerede von der Ministersturzerei! Die Bergwerksbesitzer wollen allerdings Herren im eigenen Hause sein, aber nicht in dem Sinne, daß sie Sklavenhalter mit der Peitsche in der Hand sind, sondern in dem, daß sie die verantwortlichen Leiter der Betriebe bleiben. Die Sozialdemokratie will die Arbeiterausschüsse nur zu Parteispecken henutzen. Auch in einem Buche der christlichen Gewerksasten heißt es:„Erste Pflicht der arbeiterausschuste ist Anschluß an die Organisation:(Hört, hört! rechts.) Im Volke wie im Lande verlangt man, daß die Sozialpolitik auch Rücksicht nimmt auf die Konkurrenz mit dem Auslande und auch auf den Mittelstand, dem es vielfach schlechter geht als den Arbeitern. Keine Krankheit ist so unbedeutend, daß sie nicht durch das Hinzutreten eines Arztes lebensgefährlich werden könnte.(Htkt.) Das gilt auch hier.(Beifall rechts. Lachen b. d. Soz.) Abg. Leinert(Soz.): Die Forderung der Arbeiterkontrolleure wird immer als eine sozialdemokratische bezeichnet; sie ist der gesamten Bergfrüher diese Forderung erhoben. 1905 hat hier in Berlin ein Bergarbeiterdelegiertentag getagt, und eine der Hauptforderungen desselben war die Einführung von Arbeiterkontrolleuren. Das Referat darüber hatte ein christlicher Arbeiter, und er forderte genau das, was wir beantragt haben. Auf der zweiten gemeinschaftlichen preußischen Bergarbeiterkonferenz in Essen am 11. und 12. Februar 1906 wurde dieselbe Forderung in einer Resolution zum Reichsberggesetz erhoben. Auch dort wurde gefordert: die Kosten trägt das Reich. Im Jahre 1907 hat auf der Generalversammlung des Gewerkvereins christlicher Bergleute ein Bruder des Kollegen Imbusch über die Berggesetzgebung gesprochen und es wurde eine Resolution angenommen, wo ebenfalls die Einführung von Arbeiterkontrolleuren als eine dringende Notwendigkeit bezeichnet wurde. Im„Bergknappen“ aber wurde am 27. Februar dieses Jahres gesagt:„Wer objektiv und leidenschaftslos das Für und Wider der beiden Arten von Grubenkontrolleuren überdenkt, muß zu dem Schluß kommen: Wir müssen für die im Arbeitsverhältnis verbleibenden Grubenkontrolleure im Sinne der Regierungsvorlage eintreten, weil nur dadurch unter den gegebenen Verhältnissen eine den Wünschen der Arbeiter entsprechende Grubenkontrolle möglich ist.“ Es ist also eine Schwenkung der christlichen Organisationen erst erfolgt, nachdem die Regierung mit ihrer Vorlage gekommen ist. Dieses flotte Einschwenken hat den Beratungen dieser Vorlage außerordentlich viel geschadet. Wir glauben danach immer noch berechtigt zu sein, unsere Forderung im Namen der gesamten Bergarbeiter zu stellen. Wir wollen, daß die Kontrollbezirke nicht mehr als 2000 Mann Belegschaft umfassen, damit die Kontrolleure ihr Revier auch genau kennen lernen können. Die dadurch entstehenden Kosten werden für die Unternehmer nicht so erheblich sein, sie werden für jeden Arbeiter etwa eine Mark betragen. 2000 Mark im Jahre dürften Leben und Gesundheit der Arbeiter doch wert sein. Ueber den Terrorismus der Grubenbarone werde ich noch bei späteren Paragraphen sprechen. Herr Beumer wird sehen, daß er seine kühnsten Träume noch übertrifft. Der Standpunkt des Herrn Beumer ist ja bekannt. Wir haben niemals den Unternehmern einen Vorwurf daraus gemacht, daß sie sich in geheimen Konventikeln oder sonst über ihre Maßnahmen gegenüber den Arbeitern unterhalten. Aber ebenso, wie Sie Dokumente aus der Arbeiterbewegung gegen sie benutzen, können Sie uns auch keinen Vorwurf daraus machen, daß wir das Stenogramm der geheimen Konferenz im Palasthotel für uns ausnutzen. Tatsache ist, daß dort von den einzelnen Rednern, wie Herrn Uthemann. der Standpunkt des Herrenmenschentums vertreten worden ist, der die Organisationen der Arbeiter nicht anerkennen will. Auch die christlichen Arbeiter werden ja genau so von den Herren behandelt wie die sozialdemokratischen Organisationen. Die Arbeiter sollten daher endlich dazu kommen, gemeinsam gegen das Grubenkapital vorzugehen. Uebrigens scheinen sich ja neuerdings die Bergherren wieder an den Minister anzuklammern, nachdem sich herausgestellt hat, daß von Arbeiterfreundlichkeit im Handelsministerium nichts zu finden ist. Herr Beumer sagt, die Arbeiter haben die Freiheit, sich Arbeit zu suchen, wo sie wollen. Das Gegenteil beweisen die schwarzen Listen, die die Freizügigkeit der Arbeiter in unerhörter Weise vernichten.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Durch die fortgesetzte Nichtachtung der Arbeiter muß ihr Widerstand nur gesteigert werden. Hat doch Herr Bueck verlangt, es müsse jetzt, wenn der wirtschaftliche Aufschwung kommt, mit aller Macht dahin gearbeitet werden, die Löhne herabzusetzen.(Hört, hört! b. d. Soz.) Glauben Sie, daß die Arbeiter ruhig zusehen werden, wie ihnen das Fell über die Ohren gezogen wird? Die Brutalität der Unternehmer, die die Arbeiter auf die Knie zwingen wollen, führt dazu, daß die Arbeiter sich immer mehr zusammenschließen zu einer gewaltigen Macht gegen das Unternehmertum. Heer Beumer sprach von der Fürsorge der Unternehmer für die Arbeiter. Nein, die Unternehmer brauchen die Arbeiter nur, um Gewinn zu machen; sie sind ihnen völlig gleichgiltig, wenn die Fabrik keinen Gewinn mehr abwirft; dann schließt eben der Unternehmer die Fabrik. Also die Verhältnisse sind wesentlich anders, als Herr Beumer es darstellte. Durch die immerwährenden Klagen über die fortschreitende Sozialpolitik werden Sie es erreichen, daß die Arbeiterorganisationen der verschiedensten Richtungen endlich dazu kommen, sich zu vereiniges, daß sie sagen:„Bis hierher und nicht weiter! Jetzt haben wir die Tyrannei des Kapitals satt!“(Bravo! b. d. Soz.) Abg. Imbusch(Ztr.): Der gute Wille der Regierung bei der Vorlage ist anzuerkennen. Leider hat man auch diesmal wieder versucht, die Vorlage erheblich zu verschlechtern. Redner weist die Angriffe des Abg. Beumer gegenüber den christlichen Gewerkschaften zurück. Minister Dr. Delbrück: Daß die Vorlage die Herren von der Sozialdemokratie nicht befriedigt, liegt in der Natur der Dinge. Würde ich einen Gesetzentwurf bringen, der genau ihren Forderungen entspräche, so würde er auch dann ihrer lebhaftesten Opposition begegnen.(Lachen b. d. Soz.) Die von der sozialdemokratischen Presse geübte Kritik schießt über das Ziel hinaus. Wir können keine Gesetze für die Arbeitgeber und auch keine für die Arbeitnehmer machen; wir müssen die allgemeinen politischen und öffentlichen Interessen berücksichtigen. Wenn ein Gesetz nicht allen Wünschen der Interessenten entspricht, so beweist das noch nicht, daß es nichts taugt. Daß der Entwurf im allgemeinen das Richtige trifft, beweist die Tatsache, daß in den Haupt Hunkten eigentlich nichts geändert ist. Die Sicherheitsmänner werden gewählt durch direkte und geheime Wahl und in einer die eine sachgemäße Erfüllung ihrer Pflichten garantiert. Sie sind durch die Unkündbarkeit während der Dauer ihrer Waylperiode geschützt gegen Maßregelungen wegen aller derjenigen Handlungen, die sie in korrekter Erfüllung ihrer Pflichten als Sicherheitsmänner vornehmen. Damit sind alle Garantien gegeben, die verständigerweise verlangt werden konnten. Wenn Sie aber immer verlangen Garantien zum Schutze der Arbeiter gegen Beeinflussung durch die Werksverwaltung, so ist es nicht ganz unberechtigt, wenn von seiten der Arbeitgeber auch Garantien zum Schutze der Selbständigkeit der Sicherheitsmänner gegenüber den Arbeiterorganisationen verlangt werden. (Sehr richtig! rechts.) Ich könnte Ihnen manches darüber erzählen, wie die Organisationen eingreifen in die Tätigkeit der Ausschüsse usw. Ich will gern zugeben, daß die einsichtsvollen Führer ein derartiges Verhalten im einzelnen Falle nicht billigen. Aber es ändert an der Tatsache nichts, daß auf diesem Gebiete noch schwere Unstimmigkeiten bestehen. Wenn die Regierung trotzdem diese Vorlage gebracht hat, so ist das ein Vertrauensvotum gegenuber den Arbeitern. Wir wollen den Arheitern, die auf dem Boden der gegenwärtigen Staats- und S###ordnung ihre Interessen vertreten, dabei loyal die Hund reichen. Nehmen Sie dankbar an, was Ihnen geboten wird, aber vergessen Sie nicht, daß es ein großes Vertrauen ist, was Ihnen entgegengebracht wird, wenn wir den Entwurf so annehmen, wie er aus der Kommission gekommen ist.(Bravo! rechts.) Abg. Korfanty(Pole): Auf die Ausführungen des Herrn Abg. Beumer einzugehen, verlohnt sich nicht. Ich wundere mich, daß Herr Leinert so scharf dagegen vorgegangen ist. Die Sozialdemokratie sollte Herrn Beumer lieber als bezahlten Agitator anstellen.(Heiterkeit.) Abg. Beumer(natl.) betont, daß er nicht gegen die Gewerkschaften gesprochen habe, sondern nur gegen das Hineinziehen von Politik und Religion in die Gewerkschaften. Die schwarzen Listen dienen in erster Linie dazu, dem Ueberhandnehmen des Kontraktbruches zu steuern, es kommen in dieselben nur kontraktbrüchige Arbeiter hinein, und das von Rechts wegen. Die Behauptung, daß Herr Bueck gesagt habe, die Löhne der Arbeiter müßten bei steigender Konjunktur herabgesetzt werden, ist eine Erfindung.(Abg. Leinert(Soz.): Es hat in der„Post“ gestanden!] Nach dem stenographischen Protokoll hat Herr Bueck diese Aeußerung nicht gezan. Abg. Spitzing(freik.) tritt für die Kommissionsbeschlüsse ein. Unsere Zustimmung zum§ 80k beweist, daß wir durchaus unparteiisch an das Gesetz herangetreten sind. Lieber hätten wir gesehen, daß das Gesetz auf den Steinkohlenbergbau vorläufig beschränkt geblieben wäre. Abg. Wolff=Lissa(Fr. Vg.): Herr Beumer hat den Standpunkt der Bergherren ebenso extrem vertreten, wie die Sozialdemokratie den Standpunkt der Arbeiter. Unser Standpunkt liegt in der Mitte. Grubenkontrolleure im Hauptamt wünschen wir nicht, sondern treten für die Sicherheitsmanner ein. Die Ausdehnung der Sicherheitsmänner auf den Betrieb über Tage halten wir dagegen für gerechtfertigt. Abg. Brust(Ztr.) bestreitet gegenüber dem Abg. Beumer, daß in der Zentrumsfraktion, so lange er derselben angehöre, jemals von Ministerstürzerei die Rede gewesen sei. Higragt wird ein Schlusgegenzgnosnommg, bg. Leinert(Soz.):„Gegenuber Herrn Deumer stelle ich jest, daß die Aeußerung des Herrn Bueck nach der„Post gelautet hat:„Es sei kein Zweifel, daß in absehbarer Zeit ein wirtschaftlicher Aufschwung kommen werde. Allein, wenn angesichts der erhöhten Selbstkosten die deutsche Industrie aus dem Weltmarkt den Konkurrenzkampf bestehen wolle, werde es erforderlich werden, die Arbeitslöhne herabzusetzen.(Hört, hört! bei den Soz.) Daß das eine Erfindung war, konnte ich nicht wissen, zumal dies seit dem 30. April in allen Blättern gestanden hat und nicht widerrufen worden ist.(Hört, hört! b. d. Soz.) In der Abstimmung wird hierauf der Antrag auf Streichung der Worte„unterirdisch betriebenen“ angenommen, da die Konservativen aus Versehen dafür stimmen. Die anderen Anträge werden abgelehnt. Bei der Abstimmung über den ganzen§ 801 stimmt die Rechte dagegen, der Paragraph wird daher abgelehnt. § 80kb bestimmt, daß die Wahl der Sicherheitsmänner nach Steigerabteilungen unmittelbar und geheim erfolgt. Zur berechtigt sollen volljährige Arbeiter sein, die seit Eröffnung des Betriebes oder mindestens ein Jahr ununterbrochen auf dem Bergwerk gearbeitet haben. Die Sicherheitsmänner müssen mindestens 30 Jahre alt sein, mindestens ein Jahr auf dem Bergwerk und außerdem mindestens zwei Jahre auf gleichartigen Bergwerken desselben Bezirks unter Tage gearbeitet haben. Sie müssen mindestens 5 Jahre als Hauer beschäftigt sein, sie dürfen nicht Knappschaftsinvaliden sein und weder selbst Gastoder Schankwirtschaft betreiben, noch denselben Hausstand mit einem Angehörigen keilen, der ein solches Gewerbe betreibt. Die Abgg. Borgmann(Soz.) u. Gen. beantragen, dem zweiten Absatz des Paragraphen folgende Fassung zu geben: „Zur Wahl berechtigt sind alle zur Zei werk beschäftigten volljährigen Arb müssen mindestens 25 Jahre alt sein und seit Eroffnung Betriebes oder mindestens ein Jahr ununterbrochen auf dem Bergwerk gearbeitet haben. Sie müssen mindestens 5 Jahre unterirdisch oder im Tagebau, davon mindestens 2 Jahre als Hauer beschäftigt gewesen sein, die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen und lesen und schreiben können. Eine Unterbrechung der Arbeit liegt nicht vor, wenn Arbeiter nach Beendigung einer militärischen Dienstleistung auf demselben Bergwerke angenommen werden, ohne inzwischen aus einem anderen Bergwerke beschäftigt gewesen zu sein. Ferner beantragen sie, daß die Sicherheitsmänner nicht auf mindestens 5, sondern auf 3 Jahre zu wählen sind, daß der Wahltermin 4 Wochen vor der Wahl von der Bergbehörde bekanntzugeber ist, sowie folgenden Zusatz:„Die Wahl wird geleitet von einem vom Oberbergamt zu bestellenden Kommissar, der nicht Aufsichtsbeamter sein darf. Die Stimmzettel dürfen nicht von dem Betriebsunternehmer bezw. der Zeche geliefert werden. Die Stimmzettel müssen von weißem Papier sein, dürfen nicht äußerliche Kennzeichen enthalten und müssen eine Größe von 9X12 Zentimeter haben. Abg. Sauermann(Ztr.) befürwortet einen Antrag des Zentrums, den letzten Satz der Kommissionsfassung zu streichen und im vorletzten Satz statt„5 Jahre" zu setzen„2 Jahre“, und dem ersten Satz folgende Fassung zu geben:„Zur Wahl berechtigt sind die volljährigen Arbeiter des Betriebes, welche mindestens ein Jahr Bergarbeit verrichtet haben. Den sozialdemokratischen Antrag, wonach die Wahl von einem vom Oberbergamt zu bestellenden Kommissar geleitet werden soll, halten wir eher fur eine Verschlechterung. Den anderen Antragen der Sozialdemokraten können wir zustimmen. Minister Dr. Delbrück bittet, es bei den Kommissionsbeschlüssen zu belassen. Daß Knappschaftsinvaliden nicht Sicherheitsmanner sein können, ist selbstverständlich, da die Sicherheitsmänner unter Tage arbeiten müssen. Unter den„Angebörigen“ im Sinne dieses Paragraphen sollen Aszendenten, Deszendenten und Geschwister verstanden sein. Abg. Korfanty(Pole) stimmt den Anträgen des Zentrums zu und tritt außerdem für die Streichung der Bestimmung ein, wonach die Sicherheitsmänner der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sein müssen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Abg. Leinert(Soz.): Ich bedauere lebhaft, daß es mir durch den Schluß der Debatte unmöglich gemacht worden ist, unsere Anträge wenigstens zu begründen. Ich habe Material zur Begründung beizubringen, das Sie bestimmen müßte, den Anträgen zuzustimmen. In der Abstimmung wird hierauf§ 80fb unter Ablehnung aller Anträge in der Fassung der Kommissionsbeschlüsse angenommen. Zu§ 80k c wird ein Antrag Graf Strachwitz 1Ztr.) angenommen, wonach das Oberbergamt unter besonderen Umständen die als Voraussetzung für die Wahl zum Sicherheitsmann geforderte Beschäftigungszeit von 5 Jahren als Hauer auf 2 Jahre herabsetzen kann. § 80f d bestimmt, daß die Mitglieder des Arbeiterausschusses in ihrer Mehrzahl von den Arbeitern gewählt werden müssen und daß auf mindestens je 500 Mann ein Vertreter entfallen muß. Abg. Gronowsky(Ztr.) befürwortet einen Antrag, die Worte„in ihrer Mehrzahl" zu streichen und statt der Zahl„500“ die Zahl„300“ zu setzen. Redner protestiert lebhaft gegen die Ausfuhrungen des Abg. Beumer, dessen Rede dem Klassenkampf Tür und Tor geöffnet habe. Nachdem Minister Dr. Delbrück kurz die Kommissionsbeschlüsse verteidigt hat, wird die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr vertagt.(Vorher Wahlprüfungen, u. a. auch der vier Berliner sozialdemokratischen Wahlen.) Schluß 4¾ Uhr. Genossenschaftsbewegung. Die„Dresdener Nachrichten“ über die soziale Wirksamkeit des Verhandes sächsischer Konsumvereine. In den„Dresdener Nachrichten“, einem konservativen Organ, liest man gelegentlich einer Besprechung des Berichts über die Tätigkeit des Verbandes sächsischer Konsumvereine im Jahre 1908 folgendes: Der Bericht über das 41. Geschäftsjahr des Verbandes sächsischer Konsumvereine beweist, daß trotz der wirtschaftlichen Krise die Konsumvereine Sachsens keinen Rückgang, sondern bedeutende Fortschritte gemacht haben. Durch sogenannte Extrarabatte an Mitglieder, die rbeitslos und ohne Mittel waren, wurde eine Unterstützung der Arbeitslosen durch die Gemeinden vermieden. Der Verband zählt 171 Vereine mit einer Mitgliederzahl von 244 812(1907: 234 308). An der Statistik beteiligten sich 166 Vereine. Die Einnahmen betrugen 72 763958 Mk.(65 459 700 Mk.) Dazu kommen noch 2287384 Mark vom Lieferantengeschäft, so daß sich der Gesamtumsatz der sächsischen Vereine auf 75 051342 Mk. beziffert. 37 Vereine haben eigene Produktionsabteilungen mit 519 Personen. Die Eigenproduktion erhöhte sich auf 11 467 267 Mk.(8 464 061 Mt.) Die Vereine haben in ihren Betrieben kürzere Arbeitszeit, bessere Löhne, Regelung der Ferien eingeführt und damit bewiesen, daß sie bahnbrechend vorangehen wollen. Die Geschäftsertragnisse der gesamten sächsischen Konsumvereine betragen 15782365 Mk., denen 7898 494 Mk. Geschäftslasten gegenüberstehen. Die Vermögensbilanz schloß mit 32.030 921 Mark(2547905 Mk. mehr als 1907) ab; die Geschäftsguthaben der Mitglieder betrugen 6370 755 Mk., die Spareinlagen 4091 819 Mk An Rückvergütungen wurden 7169 117 Mk. gezahlt, während für gemeinnützige Zwecke 122 818 Mk. verausgabt wurden. Das ist ein objektives Urteil über die Bedeutung der Konsumvereine, von dem wir mit um so größerer Befriedigung Notiz nehmen, als es einem mittelstandsfreundlichen Organe entnommen ist. Wenn alle Blätter so der Wahrheit die Ehre geben würden wie die„Dresdener Nachrichten“, stände es besser um die Sache der Konsumvereine. Denn die Bekämpfung der Konsumvereine durch Umsatzsteuern, die Verleumdungen über die schlechten Arbeitsverhältnisse in Konsumvereinen und dergleichen ist nur möglich, weil eine jahrelang betriebene falsche Berichterstattung den Boden dazu vorbereitet hat. Wenn erst die Lügen über die Konsumvereine aus den Spalten der Presse verschwunden wären, würde auch das Geschrei der vaar Krämer wirtungslos verhallen. Warum die Hamelner Bäcker 10 Prozent Rabatt gewähren können. Wie in vielen anderen Städten haben auch in Hameln Krämer und Bäcker sich zu einem Rabattsparverein vereinigt, um damit den Konsumverein zu bekämpfen. Die Bäcker gewähren seitdem beim Brotverkauf 10 Prozent Rabatt. Wie nun aber der Rabatt aussieht, der den Konsumenten gewährt wird, davon ein Beispiel. Einige wissensdurstige Konsumvereinsmitglieder stellten folgendes unter Zeugen fest: das Brot, das zum Preise von 75 Pfg. im Konsumverein zum Verkauf gelangt, wiegt 5¾ Pfund oder aber das Pfund Brot kostet ca. 13 Pig. Hierauf gewährt der Verein dann noch 8½ Prozent Rückvergütung. Es wurden nun von einer Anzahl größerer Bäckermeister ebenfalls Brote geholt und folgende Gewichte ermittelt. (Es kommen hier fünf Brote von fünf verschiedenen nur größeren Rabattbäckern in Betracht.) Die Brote wogen einzeln 4,9 Pfund, 5,1 Pfund, 4,9 Pfund, 5 Pfund, 5.2 Pfund. Es kostete demnach das Pfund Brot ca. 15 Pfg. Hierauf gibt es 10 Prozent Rabatt. Das Gewicht als Maßstab vetrachtet, kostet also ein Brot im Werte von zirka 75 Pfg. bei dem Rabattbäcker zirka 10 Pfg. mehr als im Konsumverein. Der Wissensdrang der Mitglieder des Konsumvereins war nach dieser einen Probe vollauf befriedigt. Wie diese, so wird auch jeder Leser ohne weiteres imstande sein, die nötigen Schlußfolgerungen aus dem Vorkommnis zu ziehen. Handel und Verkehr. Gefahren für die Arbeiterschaft. Verschiedene Faktoren begünstigten in den letzten Jahrzehnten eine kolossale Entwicklung der deutschen Industrie in der Roh- und Halbzeugproduktion. Die Faktoren sind: geographische Lage, die deutiche Zollpolitik und last not least intensive Ausnutzung der Arbeitskraft. Deutschland hat einen großen Reichtum an Steinkohlen. Das Vorkommen dieses Brotes der Eisenindustrie beschränkt sich aber in der Hauptsache auf drei Bezirke: Ruhrrevier, Saargebiet und Oberschlesien. In diesen Gebieten wurden Hütten= und Stahlwerke heimisch, die unter dem werktätigen Einfluß der großen Eisenbahnbauperiode und der nach dem deutsch=französischen Krieg entfesselten Hochkonjunktur sich zu kombinierten Betrieben auswuchsen. Diese umfassen alle Produktionsphasen, beginnend mit der Gewinnung der Rohmaterialien, endend mit der Fertigstellung von Walzerzeugnissen, vollständig bearbeitetem Eisenbahnmaterial, Waggons, Kanonen 2c. Schon der Umstand, daß im Produktionsprozeß die Rate der Frachtkosten eine große Rolle spielt, sichert der Betriebskombination, bei der die Transportspesen für Koks und Kohlen auf ein Minimum herabgesetzt sind, bei der die Kosten für Zuführung von Roheisen und Halbzeug in die Weiterverarbeitung kaum ins Gesicht fallen, gegenüber den reinen Werken, deren Betriek nur einen oder zwei Arbeitsprozesse einschließen, die aus entferten Bezirken Brennmaterialien, Roheisen, Halbzeug und sonstige Rohmaterialien heranholen müssen, eine unbestrittene Ueberlegenheit. Die technische Revolution hat diese Ueberlegenheit noch weiter gefördert. Nur der kombinierte Betrieb kann die Abgase, die man früher einfach entweichen ließ, wirklich rationell ausnutzen, nur in gemischten Werken kann man das Verfahren, das flüssige Eisen, sowie es den Hochofen verläßt, sofort in die Weiterverarbeitung überzuleiten, ausnutzen. Als außerordentlich vorteilhaft für die Großeisenindustrie, und zwar zum Nachteil der weiterverarbeitenden reinen Werke, erwies sich der 10=Mark=Zoll auf Roheisen. Dieser machte für den deutschen Markt die Auslandskonkurrenz so gut wie wirkungslos. Und man verstand in kapitalistisch=vatriotischer Tugend Vorteil aus der günstigen Position zu ziehen. Die Inlandsverbraucher mußten hohe Preise zahlen, die den gemischten Werken eine Wirtschaftlichkeit sicherten, welche man zu einer unlauteren Konkurrenz auf dem Auslandsmarkte benutzte. So erstarkte die Großindustrie auf Kosten der Konsumenten und der reinen Werke. Infolge der erwähnten technischen Revolution beherrschten die kombinierten Betriebe in immer stärkerem Maße die Roheisenerzeugung. Die gegannten Faktoren in Verbindung mit den Wirkungen industrieller Verbände. begünstigten weiter in stetig wachsendem Maße die Konzentration in der Rohmaterial= und Halbzeugherstellung. Diese wird in der Hauptsache heute in Deutschland von dreißig kombinierten Werken beherrscht. Ihre Produktion umfaßt nämlich drei Wiertel der gesamten Hochofenkeistung, die Stahlerzeugung ausschließlich, zirka drei Viertel der Walzfabrikate, dazu ein Drittel der Steinkohlenförderung und beinahe die Hälfte der Koksprodultion. Nach Ausweis der Berufsgenossenschaften waren im Jahre 1907 in der deutschen Eisen= und Stahlindustrie rund zwei Millionen Arbeiter beschäftigt. Die dreißig gemischten Werke haben eine Belegschaft von zirka einer halben Million Köpfen und die drei großten unter den Großen— A.=G. Krupp, der Phönix, und die Gelsenkirchener G.— bringen es mit den projektierten Erweiterungen allein auf mindestens 150000 Beschäftigte. Dem ziffernmäßigen Uebergewicht der gemischten Werke, deren Produktions= und Kapitalsbasis durch Angliederung von Kohlenwerken, durch Fusionen und Interessengemeinschaften zwischen Hütten- und Stahlwerken noch fortgesetzt sich erweitert, steht auch die entsprechende wirtschaftliche und soziale Uebermacht zur Seite. Aus den Kreisen der Eisen= und Kohlengroßindustriellen rekrutiert sich das in Deutschland und weit über dessen Grenzen hinaus berüchtigte Scharfmachertum, das in Verbindung mit dem preußischen Junkertum nicht nur eine gemeinschädigende Zollwucherpolitik betreibt, sondern auch seinen ganzen wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Einfluß einsetzt zur Beschränkung der Staatsburgerrechte der Arbeiter, zur Niederknüppelung der Arbeiterorganisationen, zur Verschärfung der Strafgesetze gegen die Streikfreiheit und zur Züchtung jener Elemente, denen man den Namen Arbeitswillige beilegt. Im ganzen kulturellen Europa gibt es kaum einen reaktionäreren Klüngel als das preußische Agrariertum im Bunde mit den Industriefeudalen. Das zeigt sich jetzt sinnenfällig bei den Versuchen, die notwendigen neuen Steuern auf die Schultern der Arbeiter abzuwälzen, ferner bei der Hatz gegen jedes bißchen Sozialreform.... gn... umfassenbe Drsanifat Seine wirtschaftliche wacht, seine umsussenve Organisulion, seinen Einfluß auf die ihm ergebene Regierung setzt das Ausbeutertum skrupellos ein, um einen sozialen aufstieg der Arbeiter zu verhindern. Politische, wirtschaftliche und soziale Knebelung der Arbeiterschaft, das ist nach wie vor die Parole der herrschenden Gesellschaft. Und mit der Vermehrung der Macht der Profitmacher und ihres Einflusses durch die gezeichnete Entwicklung wächst die Gefahr für die Arbeiterschaft. Darauf soll hingewiesen werden, damit das Proletariat sich gegebenenfalls nicht wieder, wie leider schon oft, durch irreführende Phrasen zum Schleppenträger der Ausbeuterinteressen mißbrauchen läßt. Der Petroleumkampf zu Ende! Noch vor 14 Tagen forderte die österreichische Petroleumgesellschaft das Publikum auf, aus Patriotismus keinen Tropfen Oel vom amerikanischen Trust zu kaufen. Eine besondere deutsche Vertriebsgesellschaft wurde gegründet, um die Deutsch= amerikanische Petroteumgesellschaft „besser bekämpfen zu können“, und jetzt— sind Verbruderungsverhandlungen im Gange. Die österreichischen und ungarischen Petroleumetablissements haben Vertreter veauftragt, mit den Bevollmächtigten des Standard Oil Trustes, die schon einige Tage in Wien weilen, über die Form einer Art Interessengemeinschaft zu verhandeln. Die feindlichen Brüder werden schließlich hübsch gemeinsam die Konsumenten ausbeuten. Das, was die Oesterreicher vor einigen Wochen noch als ein ungerechtfertigtes Ausschalten des Zwischenhandels, ein Terrorisieren der Konsumenten nannten, wird man aller Voraussicht nach in Zukunft mit dem Oiltrust in friedlicher Gemeinschaft tun. Im Einklanz mit den Interessen der Deutschen Bank ist ein Trust geschaffen worden, der die ganze Erde umspannt und souverän beherrscht. Nun kann die schrankenlose Ausbeutung der Konsumenten einsetzen. Ein ungetrener Postschaffner. Frankfurt, 18. Mai. Der wegen Postdiebstahls in Würzburg in Haft befindliche Postschaffner Gustav Hoffmann aus Kummernick in Schlesien hat ein Geständnis abgelegt. Er hat auf Dienstfahrten mehrere Postsendungen von geringem Werte unterschlagen, ist aber auch dringend verdächtig, daß er Einschreibebriefe mit mehreren Tausend Mark geöffnet und das Geld unterschlagen hat. Das Heine=Denkmal ist verkauft. Hamburg, 18 Mai. Das Heine=Denkmal auf Korfu soll nach einer Meldung der„Neuen Hamburger Zeitung“ vom Hofmarschallamte für 10000 Mk. an den Verlagsbuchhändlrr Julius Kampe verkauft worden sein. Herr Kampe beabsichtigt, dem Senat das Denkmal zur öffentlichen Aufstellung anzubieten. Sollte das Anerbieten abgelehnt werden, so gelangr das Monument auf der Besitzung des Herrn Kampe bei Blankenese zur Aufstellung. Hingerichtet. Nordhausen, 18. Mai. Der Doppelkindesmörder Heimbrodt aus Rengelrode wurde durch den Scharfrichter Groepler aus Magdeburg heute früh hier hingerichtet. Aus Eisersucht. Breslau, 17. Mai. Eine bkutige Eifersuchtsszene spielte sich am Sonntag abend auf dem um diese Zeit sehr belebten Schweidnitzer Stadtgraben hierselbst ab. Vor dem Café Kaiserkrone gab der Kaufmann Gratzer, Mitinhaber eines großen Putz und Modewarengeschäfts, auf ein junges Mädchen, mit dem er ein Verhältnis unterhalten hatte, einen Revolverschuß in dem Augenblicke ab, als das Mädchen mit einem auswärtigen Reisenden ein Café betreten wollte. Das Geschoß drang einem zufällig vorübergehenden, gänzlich unbeteiligten Manne durch den Kragen seines Ueberziehers und verletzte das Mädchen am Ohr. Der Attentäter nahm, als er verhaftet werden sollte, einen zweiten Revolver aus der Tasche und feuerte einen Schuß auf sich ab, der ihn am Hinterkopfe verwundete. Das Mädchen wurde im Café verbunden, der schwer verletzte Grätzer mußte einem Krankenhause zugeführt werden. Gräßlicher Selbstmord. Paris, 17. Mai. In Thières beging ein Witwer, der sich über den Verlust seiner kurzlich verstorbenen Frau nicht trösten konnte, einen gräßlichen Selbstmord. Er nahm eine Dynamitpatrone in den Mund und brachte sie zur Explosion. Die Körperteile wurden zwanzig Meter weit geschleudert, die Wohnung völlig zerstört. Ein Offizier als Mörder. Paris, 17. Mai. Dem „Figaro“ zufolge wurde gestern abend in einem großen Pariser Spielzirkel ein italienischer Offizier verhaftet, der beschuldigt wird, den Frauenmord in Bologna, von dem schon berichtet wurde, begangen zu haben. Die Ermordete ist angeblich die Maitresse des Offiziers gewesen. Gasexplosion. London, 17. Mai. In der Vorstadt Hachmey erfolgte eine Gasexplosion, wodurch ein Unbekannter getötet, zwei Polizeiagenten und drei Straßenpassanten schwer verletzt wurden. Opfer des Orkans. Newyork, 17. Mai. Nach den letzten Meldungen hat der Orkan, der kürzlich in den Südstaaten wütete, insgesamt 25 Personen das Leben gekostet, während die Zahl der Verwundeten sich auf über 300 belauft. Der Brand des Haupttempels von Tokio. Das größte buddhistische Heiligtum von Tokio, das wohl keinem Weltreisenden, der Japan zu besuchen kam, unbekannt geblieben ist und dem an Reichtum der in ihm beherbergten Kunstschätze und Altertümer und an ehrwürdigem Alter und Rang in der Verehrung der Gläubigen kein anderer Tempel im ganzen Osten von Japan gleichkam, ist, der„Täglichen Rundschau“ zufolge, in diesen Tagen vollständig ein Raub der Flammen geworden. Die Ursache klingt recht lächerlich. Alle Tempel wie Privathäuser in Japan stehen nicht in oder auf, sondern uber der Erde. In Raum unter den Bodendielen hatte sich ein Bettler in den Abendstunden sein Nachtquartier eingerichtet. Er hatte, um sich zu wärmen, ein Feuer angezündet, bei dessen Wärme er einschlief. Als er erwachte, sah er sich von Flammen umgeben. Er stürzte eilig fort. Da alle Tempel aus Holz bestehen und von oben bis unten mit brennbaren Stoffen angefüllt sind. dauerte es nur einen Augenblick, bis der Tempel lichterloh in Flammen stand. Und obwohl sofort nach dem Ausbruch die Feuerwehr mit vierzehn Dampfspritzen in höchster Eile herbeikam, war er doch binnen einer Stunde mit allem, was er enlhielt, bis auf den Grund niedergebrannt. Auch das dazu s#hörige Kloster mit den Wohnungen der Mönche war vollständis vernichtet worden. Was dieser Verlust bedeutet, kann man erst ermessen, wenn man die Geschichte des Heiligtums betrachtel. Die ursprüngliche Anlage stammt aus den allerersten Zeiten Buddhismus in Japan, aus dem 14. Jahrhundert. Der jetzt verbrannte Tempel war im Jahre 1598 erbaut worden. Seitdem hat er nicht nur in Tokio, sondern überhaupt in ganz OstJapan als der erste buddhistische Tempel gegolten. Sein Inneres barg unermeßliche Schätze an alten Schriften, Statuen, Bildern und Weihegeschenken, deren Wert für die Geschichte der japanischen Kunst und Religion unersetzlich ist, und deren bloßer Stoffwert sich schon auf Millionen beläuft. Der bloße Sachschaden wird auf fast neun Millionen Mark geschätzt, und dabei ist er durch keinerlei Versicherung gedeckt. Von der Luftschiffahrt. Berlin, 18. Mai. Mit dem Bau einer Halle für das bei den Siemens=Schuckert=Werken im Bau begriffene Luftschiff ist bei Biesdorf in der Mark Brandenburg begonnen worden. Ueber das Luftschiff selbst wird bekannt, daß es bei 130 Metern Länge und 13 Metern Durchmesser einen Inhalt von rund 13000 Kubikmetern hat. Der Ballonraum ist durch Querschnitte in Sektionen zerlegt, in denen sich je ein Luftsack befindet. Hierdurch soll erreicht werden, daß der Ballon bei Beschädigung einzelner Teile tragfähig bleibt. Das Luftschiff erhält drei Gondeln. In der vorderen und hinteren sind je zwei 125pferdige Motore aufgestellt, durch welche es eine Geschwindigkeit von 60 km erreichen kann. Berlin, 18. Mai. Wie wir erfahren, steht die LuftschiffbauZeppelin=Gesellschaft m. b. H. im Begriff, eine deutsche Luftschifffahrtsaktiengesellschaft zu gründen, deren Finanzierung bereits gesichert ist und die ihren Sitz in Friedrichshafen haben wird. Zum Tode verurteilt. Elbing, 18. Mai. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den Invaliden Hein wegen Ermordung des Marienburger Bürgermeisters Dr. Kuntze zum Tode. Radium in mineralischen Abfällen. Sir William Ramsay. der berühmte Chemiker, hat jetzt offiziell bestätigt, daß sich in Cornwall Radium vorfindet, und zwar in verhältnismäßig ansehnlichen Quantitäten. Ramsay hat, wie den„Basler Nachrichten“ aus London mitgeteilt wird, eine Anzahl von Pechblendestücken analysiert, und zwar hauptsächlich aus der TrenwithGrube, die sich zumeist aus mineralischen Abfällen zusammenjetzt. Jede Tonne des dort gefundenen Erzes dürfte nach der Ansicht Ramsays ein Viertelgramm Radium liefern, d. h. bei dem jetzigen Preisstand Radium im Werte von etwa 50000 Mk. Schon in naher Zukunft sei ein jährlicher Ertrag von zwei Drittel Unzen zu erwarten, was bei den jetzigen Preisen einem Werte von fast zweieinhalb Millionen Mark Gelehrte beabsichtigt, den Direktoren der„British Radium=Corvoration“ nahezulegen, sofort Vorkehrungen zu treffen, um den wertvollen Stoff aus den Erzen von Cornwall auszubeuten. ktg. Schädigungen nach Röntgenbestrahlungen. Mehr und mehr sieht man ein, daß die Röntgenbestrahlungen, namentlich des Kopfes, nicht immer harmlos für das Nervensystem, namentlich aber für das Gehirn, verlaufen. Auf dem 5. Kongreß der Deutschen Röntgengesellschaft wurden Beispiele dafür angeführt. Eine Ziegs, deren eine Kopfhälfte im Alter von 12 Tagen bestrahlt war, entwickelte sich nur, krüppelhaft weiter, obwohl es nur zu dauerndem Haarausfall gekommen war und sich keine Geschwüre gebildet hatten. Ferner wurden Beine von Ziegen gezeigt, die sogar nach noch geringerer Bestrahlung im Wachstum zurückgeblieben waren. Schwere nervöse Störungen traten bei zwei Patienten nach hochgradiger Röntgenverbrennung auf. Ein am Kopfe bestrahltes Kaninchen warf wiederholt nicht lebensfähige Junge und wies später Zeichen von Riesenwachstum auf. Bei einer Bestrahlung wegen Bartflechte hinter dem Ohr zeigten sich epilepsieähnliche Zustände, sowie vorübergehende Sprachstörungen.— Diesen Ausführungen traten indes andere Aerzte auf dem Kongreß entgegen, die niemals Wachstumsstörungen bemerkt haben wollen. Durch Sammelforschungen soll festgestellt werden, wie es in dieser Beziehung steht. Briefkasten der Redaktion. Hausberge. Wir halten Ihre Auffassung für die richtige. Nach § 3 des Invalidenversicherungsgesetzes sind Personen, welchen als Entgelt für die Beschäftigung nur freier Unterhalt gewährt wird, von der Versicherungspflicht befreit. Die Behörde wird den Betreffenden jedenfalls als Arbeiter in der Land= und Forstwirtschaft angesehen haben. Sieker. In der Zeit vom 1. bis 15. Mai sind beim hiesigen Standesamte angemeldet: Geburten: Söhne: Fabrikarbeiter Heinrich Kobusch, Sieker 125, Heuerling Aug. Dopheide, Sieker 28, Handarbeiter Heinr. Elbrächter, Sieker 14, Fabrikarbeiter Pilh. Schnitger, Sieker 355. Fabrikarbeiter Adolf Möller, Sieter 136, Fabrikarbeiter Aug. Stuckmann, Sieker 89. Töchter: Fabrikarbeiter Karl Linge, Sieker 328, Schlosser Otto Schneider, Sieker 36, Gemüsehändler Fritz Lösing, Sieker 62, Müller Herm. Buschkämper, Sieker 319, Handarbeiter Rud. Nieouhr, Sieker 351, Schlosser Hugo Vormbaum, Sieker 108, ferner eine uneheliche Geburt.„ be Si. Aufgebote: Fabrikarbeiter Ernst Schieremvea, Sieker 44, und Arbeiterin Maria Lenoir, Bielefeld, Spinnereistr. 7, Maschinist Aug. Bratvogel, Recklinghausen, Bruchweg 35, und Auguste Vogel, Sieker 207. Verehelicht: Fabrikarbeiter Aug Markmann, Sieker 346, und Bertha Bentrup, Sieker 56, Hilfsaufseher Heinrich Hachmeister, Sieker 179, und Emma Kühn, Schildesche, Friedrich= straße 42, Tischler Gustav Beckmann, Sieker 61, und Luise Kramme, Sieker 305, Fabrikarbeiter Gustav Knoche, Sieker 290, und Anna Austmeyer, Sieker 166, Fabrilarbeiter Friedrich Pape, Bielefeld, Oststr. 10a, und Amanda Stölting, Sieker 174, Bäckermeister Aug. Stenner, Sieker 352, und Auguste Kisker. Theesen 33, Fabrikarbeiter Friedrich Puls, Sieker 255, und Helene Ruwe, Steter 290.„„„Lenrastenempfänten Srichrich WilbelGestorben: Invalidenrentenempfanger Frieorich Withelm Huwendiek, Sieker 39. 69 J., Ehefrau Karoline Uckermark geb. Nagat, Sieker 236, 32 J., Witwe Hanne Sophie Beckmann, geb. Hülsmann, Sieker 63a, 86 J. Herford. Tagesordnung für die am Freitag, den 21. Mai 1909, nachmittags 3 Uhr, stattfindende Stadtverordneten=Sitzung. 1. Revision der Rechnung der Kanalbaukasse 1907. 2. Beantwortung der Erinnerungen zur Rechnung der Straßenerbreiterungskasse 1907 und Antrag auf Entlastung. 3. Vorlagen, betr.: a) Aenderung des§ 4 der Lustbarkeitssteuerordnung vom 23. Februar 1909. 6., 41, F-bct, b) Aenderung des§ 7 der Ordnung üver die Erhebung von Standgeldern an Wochenmärkten usw. vom 30. Dezember 1901. c) Erhöhung des Beitrages zu den Unterhaltungskosten der Stadtdiakonissinnen um 273,75 Mk. aus Titel XII B 1909. Mlagofach d) Genehmigung eines Vergleichs in der Klagesache des Kaufmanns Herzfeld gegen die Stadt wegen Entschädigung.„ a... 6 e) Aufhebung der Fluchtlinie für die A-L=Straße zwischen der Waltgeristraße und der Werre. k) Austausch der Parzelle Flur III Nr. zu 2171/0,216 gegen die Parzelle Flur III Nr. zu 2080/265 pp. g) Erjänzungswahl der 1. Abteilung der Stadtverordneten. Herford, den 15. Mai 1909. Der Stadtverordnetenvorsteher. Lücken. WEEA A Heute Gala-Fest-Programm! Sensationel!! len! Schlager! „Stoerennen in England. Aufsehen erregenn: Eine Steeplechase in England. Ein sensationeller Film, bei welchem mehrere lebensgefährliche Stürze vorkommen. England ist das Land der besten Pferde und der größten Rennen. Dieses Bild, einzig in seiner Art, zeigt das größte engtische Rennen, das zugleich das gefährlichste ist. In einer Länge von 10 Kilometern=10000 Metern wird dasselbe nicht auf einer Bahn geritten, sondern geht kreuz und quer durch das Gelände. Wo ein Hindernis ist, muß das Pferd hinüber. Gräben, Hecken, Hemmauern, Erdwälle, immer nur vorwärts. Man sieht nicht weniger als 8 schwere Stürze. Von 20 Pferden kommt nur noch die Hälfte am Ziel an. 10 Apparate waren in Tätigkeit, um dieses Rennen aufzunehmen. Wie festgenagelt haften die Augen an diesem Bild, denn jeder Augenblick bringt einen neuen, nervenerregenden Moment Ein Bild von bleibendem Wert. 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Man freut sich mit dem Helden des Stückes, wenn dieser vum Schlutz sein herzioes Boy, uf den Armen, Moutgv.. 4. Emsses Kafe im Alamösmkasasss 28 Nur noch heute als Einlage:„Eisenbannungideh inheriisneim-, S Kinder von 2—4 Uhr 10 Pfg.= Unser Theater ist ausgezeichnet ventiliert, bietet deshalb auch an heißen Tagen angenehmen kühlen Aufenthalt. KAI Die Direktion. Modernstes Waschmittel FN= Deutsches Reichspatent= Ist ein ganz neuartiges und eigentümliches ## Waschmittel von überraschender Wirlung, dabei garantiert frei von Chlor und allen sonstigen schädlichen Bestandtellen. Fabriken von Dr. Thompson's Seltenpulver (Marke Schwan) G. m. b. H. in Düsseldorf. Wegen Abbruch des Bielefelder Musikwaren=Hauses, Bahnhofstraße 40 a, werden sämtliche Grammophone, Schallplatten Goldguß= und unzerbrechliche Lambertwalten, Ziehharmonikas, Mandolinen, Guitarren, Zithern, Geigen, Musikwerke, Automaten usw. mit 20% Rabatt ausverkauft. 2835* K Kleine Anzeigen Ecke. 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Auf dem Haiser-Wilhelms-Platz heute Mittwoch und Donnerstag je Anfang nachmittags 3½ Uhr und abends 8 Uhr. Außerdem täglich abends 8¼ Uhr: Grose Aapazitäten-Vorstellung. Nach Schluß einer jeden Vorstellung Besteigung des hohen Drahtturmseiles, wo die unglaublichsten Produktionen ausgeführt werden. Zu diesen außergewöhnlichen Vorstellungen ladet ergebenst ein 2838 Kap. J. Strohschneider. Heinr. Bewekenhorn, Bürgerweg 50.(1640 Donnerstag, 20. Mai: Rellingskrug Am Himmelfahrtstage:[28475 Grosse humoristische Unterhaltung 1 Herren. Es ladet ein Entree frei! 2 Damen. Ed. Schürmann. Grosse Kurfürsten- Kalle! 2829¾] Himmelfahrt und Sonntag, den 23. Mai: TAN. Feite Rlach. W. Tuxhorn, Bleichstrasse. 9.— 1641• Am Himmelfahrtstage: TANZ. 8 TANZ, Es ladet freundlichst ein V. Tuxhorn. Am Donnerstag, Himmelsahrt, den 20. Mai: 28327 ANZ.— Hierzu ladet freundlichst ein XC. Vost, Hallerweg. Restaurant Karl Schröder, Brackwede. Am Himmelfahrtstage: 2844 Auf zum Eggekrug! Himmelfahrt, den 20. Mai: Hierzu laden freundlichst ein. 2827“ A. Fettkötter u. d. Beaitzer. V Verücksichtigt bei Eneren Einkäufen e die Inserenten der„Volkswacht“ Zentral-Theater Inh.: Julius Kaiser. Um vielseitigen Wünschen gerecht zu verden Donnerstag(Himmelfahrt), den 20. Mai 1909 in beiden Vorstellungen Das Ende eines Falschmünzers. Kriminal=Komödie von A. Bellmann. Prachtvolle Dekoration: In den Katakomben von Paria. = Vor 11½—1 Uhr: Matinee.= 2837 Nachmittags 4 und abends 8 Uhr: Grosse Gala-Vorstellung. e! Milh. Busch Album. G1. Die fromme Heleue. 2. Abenteuer eines Junggesellen. 3. Fipps, der Affe. 4. Herr und Frau Knopp. 5. Julchen. 6. Die Haarbentel. 7. Bilder zur Jobsiade. 8. Der Geburtstag oder Die Partikularisten. 9. Dideldum. 10. Plisch und Plum. 11. Baldnin Bählamm. 12. Maler Klectsel. 13. Pater Filncins. Preis: Nru. 1—3 à 1.80 Mk., Nru. 4—13 à 1.25 Mk. 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Novität! Zum 1. Male: Novität! Do wohnt siedenn? Schwank mit Gesang in 3 Akten von Kren und Okonkowski. Erfolgreichstes Repertoirstück des Thalia-Theaters in Berlin. Anfang präzise 8 Uhr. 2845 Freitag, den 21. Mai 1909: Dieser Anzug aus la. Kammgarn oder Cheviot in modernen Streifen oder Karos, engl. Fasson, 2849 kostet nur 25 Mk. Spanier, Niedernstr. 8. Die eeieniege von A. Dunas Sohn. —— Anfang 8½2 Uhr.—— Restaurant„Jägerhof“, Goldstraße 12. 2839 = Am Himmelfahrtstage= erstklassiges MandolinenKonzert mit Klavierbegleitung. Matinec von 11½2—2 Uhr. Nachmittags von 4—11 Uhr. Entree frei! Wier 10 Psg.: Es ladet ergebenst ein 3. K.: Herm. Borostägt. Fr. Werpel, Herford S Musik-Wlien kr Tase, Opheuszgenrerstene. liens Hanstbrzahent.) Brautleute S kaufen ihre 2697 am vorteilhaftesten im Spezialhaus H. W. Knoop 83 Herforderstrasse 83 Ecke Schildescherstrasse. Ecke Schildescherstrasse. Einzel-Möbel-Anfertigung aller Art sehr preiswert und billig. — Herford. Todes=Anzeige. Am Montag, den 17. Mai, nachmittags 3 Uhr, entschlief nach kurzer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Schwager und Onkel Louis Hooc im Alter vor 50 Jahren.— Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, Salzuflerstraße 283 aus statt.(2827 Arbeiter nicht dringend genug vor dem Beitritt zu dieser Kasse warnen.„.„„ * Detmold, 18. Mai. Konsumverern. Die Unterschriftsbogen, welche zur Gründung eines Konjumvereins im Umlauf sind, müssen umgehend abgeliefert werden. Ferner verweisen wir auf die Versammlung am Sonntag, 23. Mai, abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle, in welcher Genosse Becker=Lemgo referiert über das Thema:„Genossenschaftsbewegung und Kleinhandel". Die Handzettel können hierzu beim Genossen Eggen, Krummestr. Nr. 4, abgeholt werden. Es wird ersucht, in der ausgiebigsten Weise hiervon Gebrauch zu machen, damit ein zahlreicher Besuch herbeigeführt wird. Namentlich sollten Frauen sich recht zahlreich einfinden. e. Detmold, 18. Mai. Die gestrige StadtverordnetenSitzung dauerte trotz der nur 4 Punkte umfassenden Tagesordnung 2½ Stunden. Abschluß des Etats. Nachdem das Kolleg beschlossen hat, die Verteilung der Kosten der Straßenreinigung erst nächdem sich die Bau= und Finanzkommission darüber schlüssig geworden ist, zu beraten, wurde die außerordentliche Rechnung, die in Einnahme und Ausgabe mit 60 500 Mark abschließt, genehmigt. Tarauf genehmigte das Kolleg den ganzen Etat. Es werden für kommunale Zwecke 10 Monatsbeträge Einkommensteuer gehoben. Einführung eines Gaseinheitspreises von 12 Pfg. Der zurückgegangene Gaskonsum soll durch die Einführung des Einheitspreises wieder wett gemacht werden. Der Gasdirektor Falk begründete die Vorlage sehr eingehend, dabei nachweisend, daß den meisten Kochgasabnehmern, die gleichzeitig Leuchtgasabnehmer sind, Vorteil erwachsen würde. Eine Vereinheitlichung der ganzen Verwaltung könne eintreten. Es wurden allein für 15000 Mark Gasmesser gespart. Sollte durch die Herabsetzung des Leuchtgaspreises der Verbrauch um das Doppelte steigen, dann würde der Ueberschuß der Stadt die Höhe von 72000 Mark erreichen. Die Debatte war eine lebhafte. Mit Ausnahme der Stadtvv. Sieg und Pecher, die die Abnehmer von Kochgas nicht mehr belasten wollten durch die Erböhung von 10 auf 12 Pfg., sprachen sämtliche Stadtverordneten ffür die Einführung des Einheitspreises von 12 Pfg. Ratsherr Watermann betonte, daß das Gaswerk alles aufvieten müsse gegenüber der Konkurrenz der Elektrizität, die sich in privaten Händen befinde.(Wenn die Stadtverordneten gewollt hätten, könnte auch das Elektrizitätswerk Eigentum der Stadt sein. Aber die Herren Stadtväter haben den Anschluß verraßt.) Eine Anregung, außer dem Gas für Motore(ehm 10 Pfg.) auch das Gas für gewerbliche Anlagen zu Heizzwecken mit 10 Pfg. vro ehm zu berechnen, wurde der Gaskommission überwiesen. Das Kolleg beschloß, statt bisher 10 Pfg. für Kochgas und 16 Pfg. für Leuchtgas. ab 1. Juli den Einheitsvreis von 12 Pfg. für Koch= und Leuchtgas einzuführen. Das Gas für Motore kostet wie bisher 10 Pfg. pro ehm.— In 2. Lesung genehmigte das Kolleg den Verkauf des Totenhofes an der Lemgoerstraße für 10.000 Mark an die Schulgemeinde Detmold ohne Debatte.— Die Interessenden der städtischen höherer Mädchenschule haben in einer Eingabe an den Magistrat und die Stadtverordneten eine lange Speisekarte frommer Wünsche abgeloden über die Besetzung einer vakanten Lehrstelle und den Zustand der Tüchterschule und der Turnhalle. Die Eingabe wird dem Schulvorstande überwiesen Ein Reinfall des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie. Vom Schössengericht in Straßburg war Genosse Redakteur Schneider von der Straßburger„Freien Presse" vor einiger Zeit zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte in scharfer Weise einen Brief der Straßburger Ortsgruppe des Reichsverbandes kritisiert, der an ein Mitglied des Verbandes gerichtet war und dieses aufforderte, in der„Freien Presse“ nicht um Arbeiter zu inserieren. Besonders waren es die Ausdrücke „Reichslügenverband" und„Reichslügengesellschaft", durch die sich die Leiter der Straßburger Ortsgruppe, Militärbauinspektor Stegmann und Rechtsanwalt Zschweigert getränkt und beleidigt fühlten. Der Brief wurde seinerzeit in der ganzen deutschen Parteipresse besprochen und es sind im Verfolg der Angelegenheit mehrere Urteile ergangen, alle höher als das Straßburger Urteil; in Hamburg kam man sogar zu einer Geldstrafe von 300 Mk. Es hat nun die beiden Reichsverbändler in Strazburg schwer geärgert, daß Genosse Schneider, den sie als Urheber der ganzen Sache betrachten, am niedrigsten bestraft worden ist, um so mehr, als die Begründung des schöffengerichtlichen Urteils dem Genossen Schneider die Wahrung berechtigter Interessen im weitesten Maße zuerkannte und den Reichsverband nicht besonders in Schutz nahm. Es verurteilte nur wegen formaler Beleidigung. Die beiden Reichsverbändler legten Berufung ein, Genosse Schneider Anschlußberufung. Am Sonnabend, 15. Mai, hat die Strafkammer in Straßburg beide Berufungen verworfen. Der Verteidiger des Reichsverbandes hatte eine vedeutende Erhöhung der Strafe beantragt; er fiel damit ab. Es bleibt also bei 30 Mk.— Die Begründung des Urteils führte aus, daß Genosse Schneider über das Maß der Wahrung berechtigter Interessen hinausgegangen sei, daß ihm aber eine Menge erheblicher Milderungsgrunde zur Seite stehen.— Die große Aktion des Reichsverbandes für Unwahrheiten hat also höchst kläglich geendet Aus der Verhandlung sei eine auffällige Bemerkung des Klägers Stegmann, Schriftführer der Ortsgruppe Straßburg des Reichsverbandes, erwähnt: Er erklärte, es sei ihm von der Hauptstelle seines Verbandes mitgeteilt worden, daß sich eine ganze Anzahl Sozialdemokraten in Vertrauensstellungen angeboten hätten, dem Reichsverband gegen Bezahlung Internes aus sozialdemokratischen Sitzungen, Material über die Sozialdemokratie usw. zu liefern. Diese Angebote würden aber niemals einer Antwort gewürdigt. Wenr diese Bemerkung des Reichsverbändlers wahr sein sollte, dann ist das ein erneuter Fingerzeig für die Parteigenossen allerorts, bei der Auswahl der Vertrauenspersonen sehr vorsichtig zu sein, besonders deshalb, weil sich in neuerer Zeit das Spitzelwesen wieder stärker bemerkbar macht. Ein neues Parteiblatt. Am Sonntag hat sich eine Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für Regensburg mit der Schaffung eines eigenen Parteiblattes für den Wahlkreis beschäftigt. Nach einem einleitenden Referat des Genossen Adolf Müller=München wurde beschlossen, am 1. Oktober 1909 ein eigenes Parteiblatt für den Wahlkreis Rehensburg herauszugeben. Das Blatt wird täglich im Umfange von vier Seiten als Kopfblatt der„Münchener Post“ erscheinen, die auch den Verlag übernimmt. Auf der holsteinischen und Breitenburger Portlandzementfabrik in Lägerdorf sollte Montag früh die Arbeit wieder aufgenommen werden. Die Streikenden hatten diesen Entschluß auf Grund von Verhandlungen gefaßt, die der sozialdemokratische Gemeindenertreter Hinsche mit einem der Direktoren gehabt hatte. Nachdem jedoch die Arbeiter die Wiederaufnahme der Arbeit beschlossen hatten, erklärte der Direktor, daß er sich auf Zugeständnisse nicht einlasse und sich Maßregelungen vorbehalte. Einem Meister erklärte er, daß er von den alten Arbeitern verlange, jeder einzelne solle bei ihm persönlich um Wiederanstellung bitten. Darauf haben die Streikenden am Montag, den 17. Mai, in einer von 300 Personen besuchten Versammlung einstimmig beschlossen, den Streik fortzusetzen. Der Streik dauert, entgegen allen anderen Meldungen, fort. Zuzug von Arbeitern aller Branchen der Zementindustrie ist fernzudalten!„„..„Aiter I Ms g* Streik der Damenfuzantardeiter in Bresiau. um Sonnabend, 15 Mai, haben in Breslau bei den Firmen Rabatt u. Gutmann und Gebr. Heymann 100 Hutmacher die Arbeit eingestellt. Die Arbeiter verlangten für die be##nntlich sehr großen und schwer zu bearbeitenden Damenhüte Lohnzulagen. Die Unternehmer erklärten erst, zu Verhandlungen hätten sie keine Zeit, später legten sie einen Gegentarif vor, der ganz geringe Erhöhungen und reduzierte Stücklohnpreise enthielt. Da die Unternehmer bemüht waren, die Erledigung der Differenzen hinauszuschieben, stellten die Arbeiter die Arbeit ein. Streikbrecheragenten suchen nun in Dresden und anderen Orten Arbeitswillige zu werben. Zuzug nach Breslau ist fernzuhalten. Der Streik im Zementwerk im Lauffen a. N. ist, wie wir berichtigend mitteilen müssen, noch nicht allgemein beendet. Nur für die wenigen dort beschäftigten Maurer ist die Lohnfrage geregelt, die Arbeiter dagegen, 145 an der Zahl, befinden sich noch im Ausstand. Da wenig Streikbrecher zu verzeichnen sind, ruht der Betrieb fast vollständig. Die Löhne sind dort derartig niedrig, daß Zuzug von Arbeitskräften kaum zu befürchten ist. Der Streik in der Hausmüllverwertungsgesellschaft in Puchheim bei München ist durch Abschluß eines Tarifvertrages zugunsten der Arbeiter beendet. Eine Rekordleistung im Versand schwarzer Listen hat der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller in der Zeit vom 5. bis 10. Mai fertiggebracht. Nicht weniger als 18 derartige Listen sind herausgegangen! Die Sperre über die Arbeiter der chemischen Firma„Union“, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe gefeiert hatten, wird aufgehoben. Ferner wird Mitteilung über die Beendigung des Streiks bei der Firma Lünerhütte, Ferd. Schultz u. Co., Lünen a. d. L., gemacht.— Eine Anzahl Listen sind durch die Maifeier veranlaßt. Aus Hamburg und Umgegend werden von 190 Holzarbeitern, die wegen der Maifeier ausgesperrt wurden, die Personalien angegeben. 59 Schlossergesellen aus Hamburg und Umgegend werden aus dem gleichen Grunde in Verruf gebracht. Das gleiche Schicksal trifft 10 Former und Gießereiarbeiter in Zeulenroda und 9 Küfergesellen in Hamburg Differenzen im Baugewerbe behandeln nachfolgende Listen: 40 Zimmergesellen in Stade, deren Personatien angegeben sind, sollen widerrechtlich in den Ausstand getreten sein, ohne die Entscheidung der Zentralvorstände der Arbeitgeber= und Arbeitnehmerorgenisation abzuwarten.— Als Erganzung der letzten Veröffentlichung über den Streik im Baugewerbe in Pinneverg werden die Namen von drei Maurern mitgeteilt, weil sie sich inzwischen den Ausständigen angeschlossen haben. Dasselbe Verbrechen haben vier Zimmerer und 8 Hilfsarbeiter in Pinneberg begangen, deren Namen gleichfalls bekannt gegeben werden. In Elmshorn sind 22 Malergesellen in den Ausstand getreten. Auch hier fehlen die Namen nicht.— Weil der Fabrikarbeiterverband es ablehnte, den bisherigen Tarifvertrag in einer chemischen Firma in Friesenheim(Baden) zu erneuern, sperrte die Firma 19 Arbeiter aus und ebrachte sie durch Angabe ihrer Personalien in Verruf. Wo im Bunde der Scharfmacher alles vertreten ist, darf selbstverständlich die Metallindustrie nicht fehlen. Wegen der Forderung auf Erhöhung des Lohnes und Abschaffung der Akkordarbeit kam es in einer Eisenmöbelfabrik in Wandsbeck zum Streik. Die Forderungen können(?) von der Firma nicht bewilligt werden. 23 Former, Kernmacher und Gießereiarbeiter in„Bockenheim werden durch Angabe ihrer Personalien in Verruf gebracht, weil sie streikten. Im Industriebezirk Hagen sind bekanntlich anläßlich eines Streiks der Schmiede ernste Differenzen ausgebrochen. Die Unternehmer haben die Aussperrung der übrigen Arbeiter angekündigt. Beigelegte Listen gaben Auskunft über die Ausbreitung der Differenzen.„„„„ 25 Wegen der Weigerung, Streitarbeit zu machen, streiten bei einer Firma in Hagen i. W. 28 Schmiede und Zuschläger. Die Personalien sind angegeben. Die Firma kündigte infolgedessen den übrigen Arbeitern. Die dem Rundschreiben beigefügte Anlage enthält die Personalien von 110 Arbeitern, darunter auch die der Lehrlinge. Auch bei einer anderen Firma in Haspe in Westfalen wurde nach gleichem Muster verfahren. Weil 29 Schmiede und Zuschläger streikten, wurde den übrigen 104 Arbeitern gekündig“ und sämtlich durch Angabe ihrer Personalien in Verruf gebracht. Dasselbe wird noch von zwei Firmen aus Hagen i. W. gemeldet; wo wegen Verweigerung von Streilarbeit bezw. wegen Streiks 32 bezw. 21 Schmiede und Zuschläger genannt werden. Die Textilarbeiteraussperrung in Mühlhausen i. Th. ist abgesagt. Die große Aktion der Strickwarenfabrikanten von Mühlhausen i. Th., die sämtliche axganisierten Textilarbeiter wegen der durch die Arbeiter einer Birma begangenen Maifeier zuerst am 15. Mai entlassen, dann es aber nur bei einer achttägigen Aussverrung„bewenden lassen wollten“, hat sich nun in nichts aufgelöst. Die Unternehmer haben ihre Kündigung in einer an sämtliche Arbeiter verteilten gedruckten Erklärung zurückgenommen. Als ihnen zuteil gewordene„Genugtuung“ geben sie darin an. deß der Zentrolvorstand des Textilarbeiterverbandes das Vorgehen der Arbeiter bei der Maifeier verurteilt habe. Die Verbanbsleitung der Textilarbeiter hatte übrigens nur erklärt, daß die feiernden Arbeiter nicht um ihre Zustimmung dazu nachgesucht haben, und daß sie jede Arbeitseinstellung, die ohne die Zustimmung der Verbandsleitung erfolgt, verurteilt. Steiger und Berggesetznovelle. Eine vom Steigerverband einberufene öffentliche Steigerversammlung, die am 16. Mai in Essen stattfand, nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die am 16. Mai in Essen tagende öffentliche Grubenbeamtenversammlung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß bei der nunmehr abgeschlossenen Beratung der Beragesetznovelle in der Kommission des Abgeordnetenhauses die berechtigten Wünsche der unteren und mittleren Grubenbeamten so wenig berücksichtigt worden sind. Sie erwartet vom Plenum des Hauses, daß es die Beschlüsse der Kommission entsprechand den in der Eingabe des Steigerverbandes vom 2. März er. niedergelegten Wünschen abändert. 9 Besonderer Wert wird darauf gelegi, daß oas Zeugnis einer staatlich anerkannten Bergschule zur Anerkennung der Befähigung genügt, und daß dem Revierbeamten das Recht genommen wird, die Befähigung ohne weiteres zu entziehen. Nach der privatrechtlichen Seite hin wünscht die Versammlung das Verbot des Prämiensystems, die Einsetzung eines Normalarbeitstages sowie die Ausdehnung der Bestimmungen über die Sonntagsruhe der Arbeiter auch auf die Grubenbeamten.„„anb=8 Werner miss# Der Vorsitzende des Steigerveroandes, Werner, wies vesonders darauf hin, daß, wenn die Landesgesetzgebung keine Besserung der Verhältnisse bringe, auch die Steiger sich dem Streben nach reichsgesetzlicher Regelung der Bergbauverhältnisse anschließen müßten. Generalversammlung der Bergarbeiter. In der Sitzung der Generalversammlung der Bergarbeiter vom Dienstag. 18. Mai, hat der Verbandsvorsttzende Sachse in zweistündiger Rede den Geschäftsbericht, der gedruckt vorliegt, ergänzt.Seine Ausführungen beschränken sich zumeist auf die Streiks, auf das Verhältnis zu den gegnerischen Organisationen. sowie auf die Entwicklung des Verbandes im allgemeinen. Bezüglich der Streiks habe leider nicht allen Anforderungen nachgekommen werden können, weil mißliche Organisationsverhältnisse, speziell in Niederschlesien, die Streikbewegung unmöglich machten. Das Verhältnis zu den gegnerischen Organisationen, besonders zu den christlichen, läßt manches zu wünschen übrig. Die christlichen Organisationen haben durch unchristliche Taten bewiesen, daß sie nicht von brüderlichem Geist beseelt sind; sie haben, wo nur möglich, durch Verleumdungen aller Art den deutschen Verband zu schädigen gesucht. Die Debatte über diesen Vorstandsbericht füllte den ganzen weiteren Verhandlungstag aus. Massenflucht von Bergarbeitern. Wegen der immer unerträglicher gewordenen Arbeitsverhältnisse haben am Sonnabend, 15. Mai, auf Zeche„Baaker Mulde“ bei Bochum 300 Mann gekändigt. 89 uf. Zur Ausiperrung in der Holzinoustrie naeinland-Westfalens. Nunmehr hat die Bewegung auch auf Bochum übergegriffen, woselbst die Unternehmer mit einer Ausnahme bisher sich gescheut hatten, die Beschlüsse ihrer Führer auszuführen. Ende voriger Woche wurde in 7 Betrieben insgesamt 60 Gehilfen gekündigt. Alle Anzeichen sprechen jedoch dafür, daß die Kündlgungen nur ungern ausgesprochen worden sind. Der Kampf der Metallarbeiter in Hagen i. W. ist durch das Vorgehen der Unternehmer zu einem Kampfe um die Organisation geworden. Der Arbeitgeberverband für den Regierungsbezirk Arnsberg hat die Sache der Hagener Unternehmer zu der seinigen gemacht. In der Sitzung, in der der Beschluß gefaßt wurde, am 25. Mai, falls bis dahin der Kampf nicht beigelegt ist, 30 Prozent und dann alle acht Tage je 20 Prozent der gesamten Metallarbeiter auszusperren, nahm auch Dr. Tänzler von der Hauptstelle der Arbeitgeberverbände in Berlin teil. In dem Zirkular, durch das der Bezirksverband der Arbeitgeber seinen Mitgliedern den Aussperrungsbeschluß mitteilt, „Jedenfalls beweist das einmütige Vorgehen des Hagener Vereins, daß man fest entschlossen ist, den fortgesetzten frivolen Wühlereien der Arbeiterorganisationen und Gewerkschaften, sowie den stets zunehmenden Uebergriffen in das Selbstbestimmungsrecht der Arbeitgeber ein energisches, machtvolles„Halt“ entgegenzusetzen, und diesen Organisationen die Lust zu späteren neuen unberechtigten Forderungen ein für allemal zu nehmen.“ Das Zirkular ist von dem Geschäftsführer Vollmer unterzeichnet. Dieser hat sich schon bei der Iserlohner Aussperrung als ein draufgängerischer Scharfmacher erwiesen. Bis jetzt sind Anzeichen für Einigungsverhandlungen nicht vorhanden. Nicht nur das Gewerbegericht als Einigungsamt haben die Unternehmer abgelehnt, sondern auch die Vermittlung des Oberbürgermeisters Eingestelltes Meineidsverfahren. Das Untersuchungsver: fahren gegen den Betriebsführer Rüter von Zeche„Borussia“ bei Bochum wegen Mieineids und Verleitung zum Meineid aus Anlaß des Prozesses, der gegen Rüter schwebte, weil er den Grubenbrand auf Zeche„Borussia", bei dem 37 Bergleute ihr Leben eingebüßt haben, verschuldet haben soll, ist eingestellt worden. Die Stellmacher in Hamburg haben wegen abgelehnter höherer Lohnforderungen die Arbeit niedergelegt. Generalstreik?? Paris, 18. Mai. Das Blatt„Patrie“, teilt mit, daß der in Paris tagende Kongreß der Marine=Eingeschriebenen den Generalstreik verkünden würde, wenn den ausständigen Matrosen in Saint Nazaire nicht Genugtuung gegeben werde. Das gleiche Blatt behauptet, daß heute abend 86 Syndikate des allgemeinen Arbeiterverbandes den Ausstand mit sofortigem Beginn verkünden würden.. 96 466## Paris, 18. Mai. Heute mittag waren von den 20 400 Postangestellten nur noch 458 ausständig. Der Streik kann somit als beendigt gelten.— Auch heute mittag fand eine Versammlung der Ausständigen statt, die aber nur von zirka 300 Personen besucht war. Die Presse war ausgeschlossen; indessen verlautet, daß die Fortsetzung des Streiks mit Stimmenmehrheit beschlossen worden fei. Der Generalsekretär der Baugewerksarbeiter erneuerte das Versprechen der Unterstätzung. Die Ausständigen hoffen noch immer, daß der Generalarbeiterverband den allgemeinen Ausstand proklamieren werde.... Paris, 19. Mai. Die Generalföderation der Arveiter hat auf ihrem Meeting den Generalstreik mit 86 gegen 6 Stimmen beschlossen. Gestern nachmittag versammelten sich die Führer der sämtlichen Syndikate und jetzten den Beginn des Generalstreiks auf heute mittag an. Man glaubt jedoch in Regierungskreisen, daß der Ausstand nicht von langer Dauer sein wird und daß sich daran nicht mehr als höchstens 5000 bis 10 000 Arbeiter beteiligen werden. ** Bielefeld, 18. Mai. Strafkammer. Aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde der wiederholt vorbestrafte Kommis Wilhelm Brinkmeyer von Hesseln bei Halle. Der Angeklagte hatte im Sommer 1908 bei seinem Verwandten, dem Kaufmann Wahfahrt in Buckhorst, Aufnahme und Stellung gefunden und hier die beste Gelegenheit, ein ordentliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden. Aber schon nach Verlauf von 2 Monaten stellte sich heraus, daß von den eingehenden Postanweisungsbeträgen im ganzen 1769,20 Mk. er an sich genommen und das Postbuch und das Kassenbuch gefälscht hat. Das Geld hat er mit guten Freunden durchgebracht. Nach dem Gutachten der Sachverständigen ist er als ein geistig minderwertiger Mensch anzusehen, der aber wohl für seine Tat strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen Betruges zu 6 Monaten Gefängnis. Der Agent Lorenz Will von Erkelenz, zuletzt in Minden wohnhaft, wegen Diebstahls, Betruges und Unterschlagung vorbestraft, ist seit dem Jahre 1905 für verschiedene Versicherungsgesellschaften tätig. Er reist von Ort zu Ort und hat in den Jahren 1905 bis 1907 in Oeynhausen, Minden, Niederbecksen die Wirte um eine Kost= und Logisschuld in jedem Falle von 30 bis 50 Mark geprellt, indem er sich heimlich davon gemacht hat. Weiter hat er Versicherungsantrage gefälscht und zwar in der Absicht, auf diese Anträge die Provision einzustreichen. Ferner ist noch ein Wechsel über 280 Mk. und ein Revers von ihm gefälscht worden. Dann hat er der Internationalen Versichsrungsgesellschaft und der Westdeutschen Versicherungsgesellschaft in Köln 7 Mk., 13 Mk., 8,50 Mk. und 16 Mk. veruntreut. Der Gerichtshof erkannte gegen ihn wegen Betruges in 4 Fällen, wegen qualifizierter Urkundenfälschung in 6 Fallen und zwar in 5 Fällen in Tateinheit mit Betrug und wegen fortgesetzter Untreue in 2 Fällen auf 7 Monate Gefängnis. Wegen wissentlich falscher Denunziation hatte sich der Kutscher Johann Küster von Elberfeld zu verantworten. Er hat zurzeit eine Gesamtstrafe von 1 Jahre und 4 Monaten Gefängnis zu verbüßen und befindet sich seit dem 15. Dezember v. J. auf Strafkommando in Avenwedde, wo er mit Erdarbeiten beschäftigt worden ist. Als er im Gerichtsgefängnis zu Gütersloh eine Disziplinarstrafe abzumachen hatte, hat er durch seine Angaben die Gefängnisbeamten beschuldigt, daß sie ihn unmenschlich behandelt und fogar mißhandelt hätten. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte alles erdichtet hatte und er erhielt für diese falsche Denunziation 6 Monate Gefängnis. Letzte Nachrichten. Konkurs eines Vorschußvercins. Berlin, 18. Mai. Von einer schweren finanziellen Katastrophe ist Köpenick heimgesucht worden. Ueber den Köpenicker Vorschußverein ist am Sonnabend 11 Uhr der Konkurs verhängt worden. Es sind insgesamt 780000 Mark in Spargeldern bei dem Verein angelegt und zwar meistenteils von Geschäftsleuten aus Köpenick und Adlershof. Die Folgen dieses Konkurses sind vorläufig unberechenbar. “ i Bmaltung d=8 Morschußnareins arlsärte daß die werden. r zum größt werden. Di. Verwältung des Vbrschuzvereins erkiärle, daß die Verluste dadurch entstanden sind, daß sie sehr viel Baugelder und Hypotheken gegeben hat, die sie zum erheblichen Teil bei Subhastationen verlieren mußte. Ihrer Meinung nach werden die Sparer von ihren Einlagen nichts verlieren. Lübeck, 19. Mai. Auf dem Gute Wensin bei Segeberg ging gestern ein geplatzter Ballon mit anhängendem Trapez nitder. Der Luftschiffer ist im Sturm vermutlich verunglückt. Ueber die Herkunft des Ballons konnte noch nichts ermittelt werden. 60000 Deutsche leben, die vollständig einexer und in einem Gewölbe 60000 Gewehre mit je 7 Patronen aufbewahrt halten. Newyork, 19. Mai. Petrusinos bester Freund Puccio wurde von der Schwarzen Hand erschossen, die alle Freunde des Detekuus u mmochen krcht. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielekald. * domone-Hestums und Hostuhsche *%c in prachtvoller Ausführung, aus den besten Stoffen gearbeitet, ## bieten wir bis zu einem Drittel des krüheren Preises an: Kostümröcke voert bis 26 MIk. Kostüme Serie I vvert bis 96 Mix. Kostüme Serie II vvert bis ee Mix. 2846 Einheitspreis G00 Einheitspreis 1500 M Einheitspreis 2000 Sehen Sie Fenster Nr. 1. Harms& Co., am Jahnplatz. Steimal„Velnstreund“ R In der Welt voran. 2834 neuester Filzhut Letzte Neuheiten. Stroh-Hüte! Riesen-Auswahl in allen Preislagen. 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Vertreten sind die verschiedensten Arten der Krankenkassenorganisationen, ebenso die verschiedenen Richtungen der Arbeiterbewegung, die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, das Generalsekretariat der christlichen Gewerkschaften, die Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaften u. a. Zum ersten Male ist auch das Reichsamt des Innern vertreten. Der Vorsitzende der Zentrale fur das deutsche Krankenkassenwesen, Simanowski, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er erklärte, daß er mit lebhaftem Bedauern feststellen müsse, daß viele Wünsche des letzten Krankenkassen=Kongresses bei der Regierungsvorlage nicht berücksichtigt worden sind. Wenn die Krankenversicherung eine so enorme Entwicklung genommen habe, so sei dies nicht allein auf das Konto der Regierung und der Aufsichtsbehörden zu setzen, sondern nicht zum wenigsten auf das umsichtige, sozialpolitische Verständnis der großen Krankenkassenvorstände. Die neue Vorlage enthalte Einschränkungen der Selbstverwaltung, wie sie sie nicht vermutet hätten. Der Kongreß soll ja hierzu Stellung nehmen. Wir wollen keine verknöcherte Bureaukratie, wir wollen eine einfache Selbstverwaltung.(Lebhafter Beimann=Hollweg, der für die Einladung dankt und bedauert, verhindert zu sein, selbst teilzunehmen. Er habe jedoch mit seiner Vertretung Ministerialdirektor Geh. Regierungsrat Kaspar und Geh. Regierungsrat Dr. Wiedfeld beauftragt. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes hat den Geh. Regierungsrat Seifert mit seiner Vertretung beauftragt. Die Gewerbedeputation des Magistrats von Berlin hat den Dezernenten Magistratsrat Dr. Meyer delegiert, das Statistische Amt Berlins Prof. Dr. Silbergleit. Erschienen sind auch Delegierte aus Oesterreich und Ungarn. Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands ist durch Reichstagsabg. Legien und Döblin vertreten, das Generalsekretariat der christlichen Gewerkschaften durch die Reichstagsabgg. Schiffer, Behrens, Becker und Wiedberg. Anwesend sind außer einer Reihe sozialdemokratischer Abgeordneter auch Mitglieder der bürgerlichen Parteien.— Es nahm sodann das Wort zur Begrüßung Ministerialdirektor Dr. Kaspar vom Reichsamt des Innern: Mein Herr Chef, der Herr Staatssekretär des Reichsamts des Innern, Staatsminister v. Bethmann=Hollweg, hat auf die Einladung der Zentrale fur das deutsche Krankenkassenwesen zum heutigen Krankenkassenkongreß Vertreter entsendet, wie er es schon vor einigen Tagen getan hat, als Vertreter der Landesversicherungsanstalten versammelt waren. Er wird dies in gleicher Weise tun, wenn Vertreter der Berufsgenossenschaften zusammentreten werden, um ebenfalls zur Regierungsvorlage Stellung zu nehmen. Aufgabe der Regierungsvertreter wird es sein, in erster Reihe anzuhören, welche Ansichten in der Versammlung zutage treten, und darüber dem Herrn Minister Bericht zu geben. Diese Berichterstattung muß natürlich auch eine Würdigung erhalten. Es wird daher, glaube ich, zur Klärung beitragen, wenn ich auch meinerseits zu einzelnen Fragen das Wort ergreife.(Lebhafter Beifall.) Aber ich muß dabei große Zurückhaltung üben, denn der Zweck ist ja, zu hören, was Sie wünschen. In kann daher auch jetzt noch nicht auf die Vorlage selbst eingehen. Aber nur einen Hauptpunkt möchte ich erwähnen, weil der Herr Vorsitzende ihn in seiner Eröffnungsrede berührt hat. Ich muß erklären, daß nach der Absicht des Entwurfs die Selbstverwaltung der Krankenkassen erhalten bleiben soll.(Lebhaftes Bravo!) Ich kann daher nicht zugeben, daß aus der Vorlage das Gegenteil herausgelesen wird. Ich werde mit Interesse ihren Verhandlungen folgen und für das Reichsamt des Innern von ihren Wünschen Kenntnis nehmen.— Namens der österreichischen Delegierten begrüßte den Kongreß Reichsratsabg. Eldersch. Die Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine sind durch Arbeitersekretär Erkelenz, die Freisinnige Vereinigung durch Reichstagsabg. NeumannHofer, die sozialdemokratische Reichstagspartei durch die Reichstagsabgg. Stadthagen, Hoch und Robert Müller vertreten. Zu Leitern der Versammlung wurden gewählt Simanowski=Berlin, Fräßdorf=Dresden, Giesberg=München=Gladbach, Dr. v. Schulz=Berlin, BlumeHamburg. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten. Der erste Punkt der Tagesordnung betrifft die Krankenversicherung. Rechtsanwalt Mayer=Frankenthal i. Th. gab einen allgemeinen Ueberblick über die Vorlage einer neuen Reichsversicherungs=Ordnung. Die soziale Versicherung sei einer der wichtigsten Bestandteile des nationalen Lebens unseres Volkes und der Grundpfeiler der gesamten Volksgesundheitspflege in rascher und natürlicher Entwicklung geworden. Wenn auch der Entwurf als Gesamtwerk einen Fortschritt für die soziale Versicherung darstelle, so genüge er nicht den berechtigten, die Interessen aller Beteiligten und Finanzkraft des deutschen Volkes vorsichtig abwägenden Forderung an eine wahrhaft fortschrittliche und freiheitliche Selbstverwaltung auf sozialpolitischem Gebiet. Die zur Annäherung der einzelnen Versicherungsarten unter einander geplante einheitliche Gestaltung der Versicherungsbehörde mit dem Versicherungsamt als örtlichen Unterbau und örtliche Unterinstanz kann abgesehen von vielen Einzelheiten nur dann als eine glückliche Lösung des Problems betrachtet werden, wenn a) die Vertreter der Versicherten und Arbeitgeber durch ein einfaches und unmittelbares Wahlverfahren gewählt werden und ihre Mitwirkung ausnahmslos auf das ganze Gebiet des Aufsichtsbeschlusses, Spruch= und Schiedverfahrens erstreckt wird, b) die Zuständigkeit der Landeszentralbehörde möglichst ausgeschaltet wird, c) die Kosten für die Versicherungsbehörde vom Reich, den Einzelstaaten und Gemeinden getragen werden. Die soziale Versicherung dürfe weder zum Kampfplatz politischer Parteien, noch zum Kampf gegen eine politische Partei herabgewürdigt werden.(Lebhafte Zustimmung.) Bei der Amtsenthebung von Vorstandsmitgliedern müssen politische und religiöse Gründe ausgeschaltet werden. Die vom vorigen Kongreß geforderte Ausdehnung der Versicherungspflicht auf ein Jahreseinkommen von 5000 Mark halte er für zu weitgehend und unter den gegenwärtigen Verhältnissen für undurchführbar. Er sei dagegen für eine Ausdehnung von 2000 auf 3000 Mark. Die Versicherungspflicht kraft Anordnung des Bundesrates habe kaum eine praktische Bedeutung. Da die unteren selbständigen Mittelstandsschichten(Kleingewerbetreibende, Kleinhandwerker und kleine Landwirte) der Krankenversicherung bedürfen, so müsse die Versicherung kraft Gesetz auf Gewerbetreibende und sonstige Betriebsunternehmer, die nicht regelmäßig wenigstens zwei Versicherungspflichtige beschäftigen, ausgedehnt werden. Der Versuch der Reichsversicherungsordnung auf örtliche Zusammenlegung der Krankenkassen sei nur ungenügend. Eine ernsthafte Reform ohne Schaffung leistungsfähiger Träger der Krankenversicherung sei undenkbar. Die Scheidung zwischen Orts- und Landeskrankenkasse sei zu billigen. Weiter wendet sich Referend R.=A. Mayer gegen die Innungs- und Betriebs=Krankenkassen. Auf keinen Fall dürften neue Kassen entstehen. Man müsse mindestens verlangen, daß derartige Kassen nur geduldet werden, wenn sie eine Mindestzahl von 1000 Mitgliedern haben. Die Gestaltung der Selbstverwaltung der Krankenkassen in dem Entwurf atme überall den Geist des Rückschritts und bureaukratischer Polizeiaussicht. Es treffe da das Wort zu, das Bürgermeister Reicke bei der Städtefeier in der Rede vor dem Kaiser gebrauchte:„Der Geist der Bureaukratie geht mehr und mehr um".(Sehr richtig!) Man wolle hier einen Kampf gegen eine bestimmte Partei führen; die Krankenkassen seien aber weder dazu da als Kampfplatz für eine Partei noch als Mittel zur Bekämpfung einer Partei zu dienen.(Lebhafte Zustimmung.) Man müsse doch anerkennen, daß gerade auf die Teilnahme der organisierten Arbeiterschaft der Fortschritt des Krankenkassenwesens zurückdend, sondern vie=Pohnfrnge und Beitragsfrage, ei gut. scheide#, sandern das Interesse der Beteiligten an der Instilution. Die Versicherten haben ein wesentlich größeres Interesse an der Versicherung als der Arbeitgeber, und von diesem Gesichtspunkte aus müsse man unbedingt zu einem Uebergewicht der Versicherten kommen. Die Selbstverwaltung habe die Volkstümlichkeit der Versicherung herbeigeführt. Der Entwurf setze sich über das geschichtlich Gewordene hinweg. Wenn man von Mißbräuchen in der Anstellung von Beamten spreche, dürfe man auch nicht die Mißbräuche im Aufsichtsrecht und die von Unternehmern zugunsten der Betriebskassen vergessen. Die Einführung der Verhältniswahl genüge vollkommen, um zu verhindern, daß eine einzige Partei das Uebergewicht habe. Unverständlich sei die differenzierte Behandlung der Land= und Ortskrankenkassen. Hier wolle man die sozialpolitische Rückständigkeit der Landkassen verewigen. Zun Schluß wendet sich Redner dagegen, daß man den lebenslänglich angestellten Kassenbeamten die Rechte und Pflichten der unmittelbaren Staats- und Gemeindebeamten aufbürgen wolle. Wohin das führen würde, zeige die jüngste Tragödie in der Selbstverwaltung Preußens im Fall Schücking.(Lebhafter Beifall.) Sodann behandelte der zweite Redner Fräßdorf=Dresden, Vorsitzender des Zentralverbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reich, das Verhältnis von Aerzten und Krankenkassen. Im Interesse der Erhaltung des Friedens zwischen Kassen und Aerzten fordert er u. a. a) daß den ärztlichen Ehrengerichten alle Fragen wirtschaftlicher Natur unbedingt entzogen werden, b) daß es als unstatthaft erklärt werde, in wirtschaftlichen Fragen ein Ehrenwort zu fordern oder zu geben, c) daß Maßnahmen getroffen werden, die allen Aerzten eine völlig objektive Rechtsprechung in ehrengerichtlichen Fragen sichern, d) daß Aerzte, die für Kassen bisher tätig waren, verpflichtet sind, gegen Zahlung der Mindestsätze der ärztlichen Gebührenordnung auch in Streitfällen Kassenmitglieder und ihre Angehörige zu behandeln. Aerzte, die dieser Verpflichtung nicht nachkommen, sollen hierzu durch Geldstrafen angehalten werden. Auch muß im Wiederholungsfall oder wenn die Weigerung bei Schwerkranken erfolgt, die Entziehung der Approbation ausgesprochen werden, e) die für die Vorlage vorgesehene Beschrantung des Zahnarztdienstes auf approbierte Zahnärzte ist weder gerechtfertigt noch durchfuhrbar. In bezug auf das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Apothekern fordert Redner: Es muß den Kassen überlassen bleiben, zwecks Erlangung günstiger Bezugsbedingungen für Heilmittel bestimmte Avotheren vorzuschreiben. Die dem freien Verkehr überlassenen Heilmittel müssen auch anderweitig bezogen werden können. Die Bestimmung im§ 436 der Vorlage, wonach alle Apotheker zugelassen werden müssen, die sich bereit erklären, zu gleichen Bedingungen zu liefern, ist mit Rücksicht auf die Interessen der Kassen unannehmbar. Sie nimmt den Krankenkassen die Möglichkeit, auf entsprechende Rabattgewährung zu dringen und den Apothekern den Anreiz, solche zu bieten. Fräßdorf bestreitet weiter, daß die Krankenkassen Gegner des Aerztestandes seien, wohl aber gebe es viele Aerzte, die Gegner der Krankenkassen seien. Die Kassen seien nicht dagegen, daß die Aerzte eine ihrer Ausbildung und sozialen Stellung entsprechende Honorierung erhalten; in Wirklichkeit seien ja auch die ärztlichen Honorare in den letzten Jahren ganz wesentlich gestiegen, höher als die Leistungen für die Kranken. Vielfach hätten die Kranken zugunsten des Aerztehonorars auf Erhöhung der Leistungen verzichten müssen. Die freie Arztwahl würde die Verwaltung ganz erheblich verteuern. Der einzelne Arzt habe auch nichts von der freien Arztwahl, da auf ihn nur ein ganz geringer Betrag komme. Infolgedessen hätten die Aerzte auch kein Interesse für die Krankenkassen und seien auch leicht bereit, in einen Streik einzutreten.(Lebhafte Zustimmung.) An dritter Stelle sprach Albert Kohn, Geschäftsführer der Ortskrankenkasse der Kaufleute in Berlin, der folgende Resolution befürwortete: „Die Ausdehnung der Versicherungspflicht auf landwirtschaftliche Arbeiter, Dienstboten, unständig Beschäftigte, auf die im Wandergewerbe beschäftigten Personen und Hausgewerbetreibende ist freudig zu begrußen. Die darauf bezüglichen Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung entsprechen jedoch in keiner Weise den Ansprüchen, welche an eine ausreichende und zweckentsprechende Krankenversicherung gestellt werden müssen. Die Gewähr, welche für eine hinreichende Pflege der Erkrankten in der häuslichen Gemeinschaft der Dienstberechtigten gegeben ist, ist so gering, daß keinerlei Veranlassung vorliegt, die Rechte dieser Versicherten entgegen denjenigen der übrigen Versicherten irgendwie zu beschränken. Die Bildung von Landeskrankenkassen führt eine weitere Zersplitterung der Kassen herbei und macht, wie der Ausbau dieser Organisation gedacht ist, die Selbstverwaltung illusorisch. Es kann keine Notwendigkeit anerkannt werden, auch in dieser Hinsicht die Rechte irgendeiner Perbundene Kagen. Roman von Max Kretzer. 14—(Nachdruck verboten.) Hiller lachte laut auf, daß es durch das Zimmer schallte.„Die Juristen werden Spiritisten,“ rief er aus.„Wenn dir später bei deinen Prozessen die Hilfe nicht von oben kommt, dann weiß ich nicht... Das ist er doch?“ sagte er dann, nachdem er an den Schreibtisch getreten war und die Photographie Arturs in die Hand genommen hatte, der in Uniform und Mantel, den Helm in der Hand, dargestellt war. Felix hatte das Bild von der Weihnachtsreise mitgebracht, es in einen schönen Rahmen getan und hier aufgepflanzt. Und als er genickt hatte, fuhr Hiller fort:„Dann sieh dir einmal dieses frische, lebenslustige Kerlchen an und frage dich, ob es nicht eine Sünde wäre, geradezu ein Verbrechen an der Blutsverwandtschaft, ihn fallen zu lassen.“ „Aber wie ihn retten?“ seufzte Trolla auf. „Mach dich nur erst fertig. Beim Schoppen kommen in der Regel die besten Einfälle,“ sagte Hiller wieder, der sich freute, die richtige Taktik eingeschlagen zu haben. Trolla, der das Bedürfnis hatte, aus den vier Wänden zu kommen, stimmte zu und warf sich eilig in seinen Straßenanzug. Während dessen unterhielt ihn Hiller über Kramer und Frida, was ihn um so mehr interessierte, als er den ersteren seit längerer Zeit nicht gesehen hatte, und die Thüringerin im Lichtenhainer nicht mehr zu finden war. Seitdem Kramer zu ihr in Beziehungen getreten war, hatte er es für besser befunden, sie zur Aufgabe ihrer Stellung bei Klippel zu bewegen, und so band sie denn jetzt ihre Geschäftsschürze in einem anderen Restaurant vor, wo Kramer sicher war, nicht so bekannt zu sein, wie im Lichtensainer. „Rache für den Abfall bei Felix,“ sagte Trolla lachend, der rasch seine heitere Stimmung wiedergefunden hatte und nun mit seiner Meinung nicht mehr hinter dem Berge zu halten brauchte. „Wir dachten uns schon längst, daß die Sache so zusammenhängt,“ warf Hiller ein.„Jedenfalls hast du nicht viel an ihr verloren... Uebrigens soll Kramer die Absicht haben, sie ganz aus der Kneipe zu nehmen.. „Vielleicht heiratet er sie gar.“ " Hiller lachte.„Vorübergebend— das kann schon möglich sein. Daß sie sich gerade an diesen kleinen Elefanten hängen würde, hatte ich doch nicht geglaubt. Aber er ist mit reichlichen Mitteln versehen, und das reizt ja derartige Weiber. Er wird sie in Sammet und Seide wickeln, sie allmählich zur Demimondaine veranbilden und dann zur richtigen Zeit abschnappen.“ "„Dann wird sie sich einen anderen nehmen und so weiter, und so weiter,“ sfiel Trolla ein, der nun zum Ausgehen gerüstet war. „Deswegen tut sie mir gerade leid. Wenn sie sich gehalten hätte, so würde sich vielleicht immer noch jemand gefunden haben, der sie zur anständigen Frau gemacht hätte.“ „Laissez faire et laissez passer,“ sagte Hiller abwehrend. „Trösten wir uns damit.“ Plötzlich zeigte er eine nachdenkliche Miene und rief dann aus:„Hör mal— eine Idee. Wenn einer dir beispringen könnte, so wär es Kramer. Ich meine in Sachen deines Bruders. Ich glaube, er hat die nötigen Beziehungen.“ Trolla war gerade dabei, seinem Hute mit der Kleiderbürste die nötigen Striche zu geben, als er entrüstet aufblickte.„Niemals, niemals!“ sagte er mit großer Bestimmtheit. Hiller wollte noch nicht locker lassen.„Eure kleinen Reibereien wären doch wirklich kein Hindernis. Im Grunde genommen ist er kein schlechter Kerl.“ „Nein, nein, ich bitte dich, laß diesen Gedanken fallen,“ wandte Trolla wieder ein. „Er könnte dir doch wenigstens die nötigen Winke geben.“ fuhr Hiller fort.„Irre ich mich nicht, so sprach er neulich von einem Geldgeber, den er irgendwo persönlich kennen gelernt habe und bei dem man keine großen Schwierigkeiten habe. Eckberg war auch noch dabei... Wie hieß doch dieser Kerl eigentlich... Ich komme wirklich nicht darauf.“ Sie befanden sich draußen auf dem Flur, und Trolla verschloß die Außentür, als Hiller, der einen Blick auf das Türschild nebenan geworfen hatte, unterdrückt ausrief:„Dankelberg heißt er. Mensch, du wohnst doch nicht etwa bei ihm?“ Trolla war so überrascht, daß er nicht wußte, ob er ja oder nein sagen sollte. Dann hielt er es für besser, diese Vermutung von sich zu weisen.„Nein, es ist nicht derselbe,“ erwiderte er gefaßt.„Eine harmlose Familie.“ „Das ist recht schade,“ sagte Hiller, während sie die Treppe hinabstiegen.„Sonst hättest du es sehr leicht gehabt, dich gleich direkt an die Quelle zu wenden... Als den Chambregarnisten hätte man dich jedenfaus bevorzugt,“ fügte er lachend hinzu. Trolla erwiderte nichts aber in diesem Augenblick begann ein Entschluß in ihm zu reifen, den er wohlweislich dem Freunde verschwieg. Der Frühschoppen ging vorüber, ohne daß man einen Ausweg gefunden hätte. Das lag daran, daß Trolla am wenigsten von der Sache sprach. Seine Gedanken hatten bereits eine bestimmte Richtung genommen und sich wie eine fixe Idee in ihm festgesetzt, die er nicht mehr los wurde. Dem Bruder hatte er zur Beruhigung einige Worte depeschiert und so konnte er einstweilen mit Besonnenheit seinen Plan entwerfen. Am anderen Morgen kam abermals ein Brief Arturs, der einen herzlichen Dank für die Ermunterung enthielt, im allgemeinen aber nur eine Nachfeuerung des ersten Schreibens war. Auch die Mutter schrieb, aber was sie ihm mitzuteilen hatte, war nichts Freudiges. Sie hatte einen Teil des kleinen Kapitals in zweifelhaften Industriepapieren angelegt, die sie sich in ihrer Unwissenheit von irgend jemand hatte aufschwatzen lassen, und deren Kurs nun plötzlich so sehr gefallen war, daß sie froh sein mußte, sie fünfzig Prozent unter dem Kaufwerte losschlagen zu können. „Duplizität der Ereignisse," dachte Trolla, der über diesen neuen Streich des Schicksals am liebsten laut aufgelacht hätte, wenn ihm nicht so verteufelt ernst zumute gewesen wäre. Das dritte Wort, das er zwischen den Zeilen las, hieß„einschränken". Und so stellte er sich mit einem Anflug von Galgenhumor vor den großen Spiegel, machte eine Verbeugung vor sich selber und sagte mit grausigem Hohne:„Gratuliere Ihnen zu Ihrer Zukunft, Herr Trolla. Der„arme Referendar“ ist fertig.“ Der einzige Trost im Augenblick war ihm, daß die Mutter von Arturs entsetzlicher Bedrängnis wirklich noch nicht die geringste Ahnung zu haben schien. Das hätte auch gerade noch gefehlt! Ja, der Bruder hatte recht: lieber den bunten Rock ausziehen, als ihr in dieser Lage mit dem Geständnis„aut—aut" zu kommen. Gewiß, sie sowohl wie Fränzeyen hätten ihr Letztes hingegeben, um Artur die Karriere offen zu halten, aber diese Großmut wäre auf Kosten der eigenen Exrienz erkauft worden, vielleicht durch das Zertrümmern von Fränzchens begonnenem Glücke. Nein, davon konnte und durfte nicht die Rede sein. Einige Augenblicke dachte er auch an den Bruder seiner Mutter, der gewiß auch zwei- bis dreitauseno!Nark hergegeben hätte. Dann hätte aber Fränzchen wieder nichts von ihm zu erwarten gehabt und die„Familienbrühe“ ware fertig gewesen. denn Onkel Heinrich konnte niemals den Mund halien und hatte die Angewohnheit, in Briefen an die Regierungsrätin auf denselben„alten Kohl“ immer wieder zurückzukommen. Ueberhaupt war er auf Arturs Extravaganzen nicht gut zu sprechen, da diese sein„demokratisches Gefühl“ verletzten, wie er zu sagen pflegte. So blieb also nur ein Ausweg, und dieser Auswen ging durch die Tür ins Nebenzimmer. Trolla gehörte zu jenen willensstarken Menschen, die Ginder nisse nicht kennen, sobald es sich um große Ding= handelt, die für ein ganzes Leben entscheidend sein können. Er wallte die Sache so zeremoniell als möglich beginnen, und so klingelte er nach Guste und ließ sich für Frau Dankelberg auf einige Minuten im „Musikzimmer“ anmelden.— „Bitte, Herr Referendar, ich stehe zu Ihrer Verfügung,“ hörte er bald darauf Frau Dankelberg selbst sagen, die nach einem Klopfen die Nebentür geöffnet hatte und ihn einlud, näherzutreten. War es Zusall oder Absicht, daß Fräulein Emmy bei seinem Eintritt am Klavier saß und so tat, als wollte sie gegen die Verabredung schon am Vormittage die„zweihändige Uebung vornehmen? Er wußte es nicht, war auch zu aufgeregt, sich diese Frage im Augenblick zu beantworten. Frau Dankelberg gab ihr einen Wink zu gehen, Trolla jedoch, dem plötzlich der Gedanke durch den Kopf schoß, sie könnte ihm nützlich sein, bat sofort, sich nicht stören zu lassen denn es sei durchaus kein Geheimnis, das er zu behandeln habe. 1— Arbeiterkategorie zu beschränken, da daran festgehalten werden muß, daß die Krankenversicherung sich nur auf dem Boden der Selostverwaltung günstig entwickeln kann. Die Bestimmungen der§§ 500 bis 589, sowie 390 bis 406 bedürfen deshalb dringend einer völligen Umarbeitung.“ Die Betriebskrankenkassen behandelte Jul. Zaiike=Hamburg. Er fordert, daß die freien Hilfskassen, wenn anderen besonderen Kassenarten bestehen bleiben sollen, entwe###r in bisheriger uneingeschränkter Weise als vollberechtigte Krankenkassen weiterbestehen bleiben oder denselben die gleichen Rechte zugestanden werden wie den Pflichtkassen. Es nahm darauf das Wort der Vertreter des Reichsamtes des Innern, Ministerialdirektor Dr. Caspar: In einem Punkte sei er mit den Wünschen, die mehrere Redner ausgesprochen haben, einverstanden, und das sei auch ganz der Standpunkt des Entwurfes, daß nämlich politische Motive bei der Ausbildung der Arbeiterversicherung ausgeschaltet werden müßten.(Beifall.) Er könne nicht auf alle Punkte, die hier vorgebracht sind, eingehen. Wenn ein Redner sich für die Beseitigung des Knappschaftswesens aussprach, so dürfte er damit wenig im Sinne der Bergleute gehandelt haben. Ein anderer Redner meinte, man wolle die Betriebskrankenkassen aufrecht erhalten, weil man sich vor den Unternehmern fürchte. Dem muß ich ganz entschieden entgegentreten. Die Reform beruht auf rein sachlichen Erwägungen. Eine ganze Reihe von Beschwerden der Redner finden im Entwurf Abhilfe, andere werden durch die Einführungsgesetze beseitigt werden. So wird Vorsorge getroffen werden, daß niemand gegenüber seiner jetzigen Versicherung in eine schlechtere Stellung kommt. Der letzte Redner hat dafür, daß politische Motive maßgebend waren, sich auf die Publikation eines früheren Beamten verufen. Der Entwurf weicht iber, wie Sie wissen, in wesentlichen Punkten von dieser Publikat' on Wean hat auch angefuhrt, daß in dem ialdemokratischer Mißbräuche enthalt dieser P#rmation ab. Entwurf der Vorwurf sozialgemorratische.„I#rrau, enthalten sei. Dieser Vorwurf ist aber nur historisch angefuhrt. Daß er tatsächlich erhoben wurde, werden Sie doch nicht bestreiten, und der Entwurf erwähnt nur referierend diesen Vorwurf. Der sondern stellt Regierungsentwurf macht ihn sich nicht zu eigen, sich auf den rein sachlichen Standpunkt. Ein Redner behauptete, die preußische Landeszentralbehörde ein großes Hindernis für die Entwicklung der Arbeiterversicherung sei.(Lebhafte Zurufe: Sehr richtig! Sehr wahr!) Das ist nicht sehr richtig, sondern sehr falsch. Selbstverständlich haben die Behörden, denen die Ueberwachung obliegt, die Pflicht, mancher Beden Gesetzesbestimmungen zu bleiben. Ich muß daher diesen Vorwurf entschieden zurückweisen. Die Bestimmung, daß die Ordnungsstrafen in die Krankenkassen fließen sollen, hat man als arbeiterfeindlich bezeichnet. Das ist doch aber keine arbeiter** f r e u n d l i c h e B e s t i feindliche, sondern eine arbeiterfreuuen Bestimmung. 191 comme ich zum im Borsgg. Nun Hauptpunkt, zur Gestaltung des Stimmrechts Die Organisation der Arbeiterversicherung ist so, du, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammen arbeiten. Der Beweisfuhrung eines Redners, daß die Arbeitnehmer allein ein Interesse an der Versicherung haben, kann ich mich nicht anschließen. Wenn die Gesetzgebung die Arbeitgeber zur Durchführung einer ethischen Pflicht zwingt, mitbeizutragen, so kann man doch nicht sagen, daß für die Arbeitgeber kein Interesse da ist. Natürlich läßt sich so etwas zahlenmäßig überhaupt nicht beweisen. In der Unfallversicherung klagen umgekehrt die Versicherten, daß die Arbeitgeber allein zu entscheiden hätten. Die Berufsgenossenschaften dagegen sind der Ueberzeugung, daß sie nach bestem Willen und in voller Wahrung des Interesses der Versicherten die Entschädigungen festietzen. und sie halten eine Mitwirkung der Versicherten für überflüssig. Der Entwurf sieht ein, daß in den Beschwerden der Versicherten ein berechtigter Kern steckt. Umgekehrt beschweren sich nun die Arbeitgeber, daß sie bei der Krankenversicherung nicht zur Geltung kommen.(Widerspruch.] Sie werden doch nicht bestreiten können, daß in allen wichtigen Fragen die Arbeitgeber in der Minderheit sind. Ein Redner hat geklagt, daß die Unternehmer kein Interesse für die Krankenversicherung haben. Er hat aber den Nachsatz vergessen, daß sie kein Interesse haben weil sie in allen wichtigen Fragen nicht zur Geltung kommen können. Bei der unaufschiebbaren Revision der Arbeiterversicherung glaubte die Regierung die Verpflichtung zu haben, den Wünschen beider Teile nachzugeben. Es ist klar, daß sich dabei nicht vermeiden läßt, daß der einen Seite von ihren bisherigen Vorrechten zugunsten der anderen Seite etwas abgenommen wird. Der Entwurf bemüht sich aber, die Eingriffe so schonend wie möglich zu gestalten. Bei einer ruhigen Würdigung des Entwurfs werden Sie anerkennen müssen, daß er bemüht ist, einen milden Ausgleich zu schaffen. Die Heraufsetzung der Beitragspflicht, die etwa 50 Millionen ausmacht, ist doch keine Kleinigkeit, und daß manche Unternehmer sich dagegen sträuben, ist doch bekannt. Die Versicherten werden künftig auch im Gerichtsverfahren mitwirken. In der Unfallversicherung bekommen die Versicherten einen sehr wesentlichen Einfluß. Die berechtigte Klage der Versicherten war immer, daß der Verletzte vom ganzen Gang der Verhandlung nichts erfahre, das wird beseitigt, und daß der Arbeiter künftig vorher seine Wünsche und Anträge geltend machen kann, ist so wertvoll, daß die Mitwirkung an der endgiltigen Rentenfeststellung daß eine Beschränkung der S verwaltung bleibt bei den Beteiligten. 8 us handelt sich nur Mutter und Tochter mußten etwas in seinem Wesen finden, was ihnen anders als sonst vorkam, denn sie warfen sich verlegene Blicke zu. „Wollen Sie nicht Platz nehmen?“ fragte die Alte dann mit einer einladenden Bewegung. Da Trolla durchaus geschäftlich verfahren wollte, so lehnte er dankend ab mit dem Bemerken, daß er die Zeit der Damen nicht lange in Anspruch nehmen wollte, er müsse auch sogleich wieder fort. Zum Ueberfluß sah er nach seiner., um seinen nie gesehen habe, einzuwerfen.„Haben Sie sich über irgend etwas zu beklagen?... Hat meine Schwägerin sich vielleicht taktlos gegen Sie benommen, oder hat Guste eine Dummheit gemacht?“ „Durchaus nicht, fiel er lächelnd ein.„Ich wollte Sie nur um Auskunft bitten, wo das Bureau Ihres Herrn Gemahls sich befindet und wann ich ihn dort sprechen könnte?“ Der Sessel am Klavier bekam einen leisen Ruck. Langsam wandte Emmy ihren Kopf, als hätte sie etwas nicht richtig verstanden. Trotzdem sie ahnte, was er wollte, wußte sie nicht recht, #ern sollte. Sofort ob sie sich über diese Wendung freuen oder ärge aber stand es bei ihr fest, daß sie ihm ihre Unterstutzung zuteil werden lassen würde, sobald ihre Ahnung sie nicht betrügen sollte. Frau Dankelberg hatte sich schnell gefaßt von ihrer Verblüffung. Als kluge Frau, die schon die seltsamsten Ueberraschungen erlebt hatte, wunderte sie sich durchaus nicht, das Geheimnis der Familie plötzlich enthullt zu tehen. Einmal hätte es ja doch kommen müssen, und so war es ihr im Augenblick eine gewisse Genugtuung, jetzt schon diesen Tag herangenaht zu sehen. Trotzdem sie wußte, daß ihr Mieter ein durchaus solider Mensch war, der niemals über die Verhältnisse hinaus gelebt hatte, war doch sofort ihr erster Gedanke, daß er nunmehr nach seinem Examen zu irgend einem Zwecke Geld gebrauchen könne, wie es ihr bei Leuten seines Standes schon oft vorgekommen war. „Ist es sehr dringend, Herr Referendar?“ fragte sie, ohne ihm erst die nötige Aufklärung zu geben. „Sehr, sehr dringend, erwiderte er.„Es ist eine Angelegenheit, die heute noch in Fluß kommen muß.“ Er wunderte sich selbst, wie er plötzlich den Mut gefunden hatte, gleich die richtige Andeutung zu finden, die jedes Mißverständnis ausschloß. um einen Ausbau der Selbstverwaltung, um eine gerechte Verteilung der Stimmen.(Unruhe und Widerspruch.) Es kommen doch auch Einwendungen der Kreise in Betracht, die hier nicht vertreten sind.(Zurufe.) Hier sind doch nur die Delegierten der Vorstände der Ortskrankenkassen vertreten, und in den Ortskrankenkassen haben die Arbeitgeber bezüglich der Wahlen nichts zu sagen.(Heftiger Widerspruch.] Nun, bei Meinungsverschiedenheiten unterliegen die Arbeitgeber doch stets. Zwei Drittel ist doch mehr als ein Drittel.(Rufe: Seyr richtn., Von den Betriebskrankenkassen hat der überwiegende Teil die Beteiligung am Kongreß abgelehnt. Diese 3 Millionen Versicherte sind schon hier nicht vertreten. Wie weit die Innungsund Knappschaftskassen beteiligt sind, wird sich ja noch zeigen. Man wird auf die hohe Zahr der vertretenen Stimmen hinweisen. Daß die Ortskrankenkassen eine große Zahl von Versicherten vertreten, ist ja bekannt, aber es ist auch bekannt, daß man bemüht gewesen ist, diese Zahl zu vergrößern.(Widerspruch.) Man hat doch an ländliche und kleine Kassen geschrieind sie ersucht, die großen Kassen mit ihrer Vertretung zu betrauen. Von einigen ist das abgelehnt worden. Es ist doch aber möglich, daß auch andere dem Ersuchen nachgekommen sind. Wir können also nicht annehmen, daß die Stellungnahme hier als eine Stellungnahme aller Krankenkassen betrachtet werden kann.(Aba!) Ich muß das feststellen. Der Kongreß nennt „Allgemeiner Deutscher Krankenkassen=Kongreß". Der Kongreß geht damit über das hinaus, was er wirklich ist. Glücklicherweise waren die Ausführungen der Redner im überwiegenden Teil so sachlich, daß sie geeignet sind. bei als wertvolles Material zu dienen.(Lebhafter Beifall.) Die Diskussion wird hierauf auf morgen(Dienstag) früh 7 Uhr vertagt. 18. Generalversammlung der Hergarbeiter Peulschiands. Kr. Eisenach, 17. Mai Erster Verhandlungstag. Im geräumigen Saale des„Tivoli“ haben sich heute die Delegierten des Bergarbeiterverbandes zusammengefunden, um in ernster Arbeit die Waffen zu prüfen und zu schärfen, die ihren Berufsgenossen ein menschenwürdiges Dasein erkämpfen sollen. Die Generalversammlung steht sichtlich unter der Einwirkung des Kampfes um besseren Bergarbeiterschutz, der durch die furchtbare Radbod=Katastrophe aktuelle Bedeutung erlangt hat. Da die üblichen Formalitäten— Eröffnungsfeier, Wahl des Bureaus, Festsetzung der Tagesordnung— bereits am Sonntag erledigt wurden, so wird in die Verhandlungen sofort eingetreten. Um der Statutenberatungskommission reichlich Zeit zu ihrer Arbeit zu geben, erhält zunächst Kamerad Husemann das Wort zum einleitenden Referat über die Abanderung des Statuts, das nach dem Entwurf des Vorstandes Staffelung der Beiträge und größere Autonomie der einzelnen Bezirke und Zahlstellen vorsieht.„„ In längeren Ausführungen begründet diedner den Entwur des Vorstandes. Da die Löhne der einzelnen Bergreviere äußerst verschieden sind, so scheint eine allgemeine Erhöhung der Beiträge ungerecht und der freiwillige Beitrag von 50 Pfg. für die Reviere mit höheren Löhnen als praktisch. Vor einer Einführung einer Umzugsunterstützung verspricht sick Redner nicht allzuviel und glaubt, daß dieselbe nur eine Quelle der Unzufriedenheiten und Streitigkeiten werden dürfte.— Auf Grund der Statistik des Allgemeinen Knappschaftsvereins zu Bochum, wonach 50 Prozent aller Erkrankungen weniger alt 15 Tage dauerten, ersucht Redner, alle Anträge auf Erweiterung Notunterstützung abzulehnen, da eine der der Kranken= und Kriautre abzulehnen, da eine der artige Belastung ohne eine allgemeine Erhoyung der Beiträg nicht durchzuführen sei. Wesentliche Aenderungen in bezug au die Arbeitslosenunterstützung, wie es eine Reihe Anträge wollen verden als unmöglich bezeichnet, da dadurch die Verbandskass janz erheblich belastet wurde. Auch an der Arbeitslosenunter erwaltungsangepeiteren Ausführungen erstrecken sich auf Er###n legenheiten, auf großere Selostandigkeit der Zahlsteuenverwaltung, Agitation und Erweiterung des Vorstandes. Redner empfiehlt die Vorlage des Vorstandes, die allen Bedürfnissen der Kameraden Rechnung trage, zur Annahme und glaubt, daf diese geeignet sei, das Vertrauen der Bergarbeiter zu ihrer Organisation zu stärken. Die Unterstützungsfrage der gestellter Anträge erledigt sich dadurch, daß fast alle Antrage, die sich mi der Vorstandsvorlage decken, unterstützt werden. Bei dieser Gelegenheit ersieht man, daß die oft erhobener Verleumdungen der„christlichen“ Organisationsleiter auf unreelle Kassenführung im Bergarbeiterverband in den Kreisen der Mitglieder keinen Boden gefunden haben, da diesbezügliche Anträge auf schärfere Kontrolle der Verbandskasse keine Unterstützung fanden.. Die Generaloevatte uver den Statutenent wurf sowie der unterstützten Anträge gestaltet sich äußerst leb. haft. Wiesaust=Lüttgendortmund ist gegen den freiwilligen 50=Pfg.=Beitrag; ferner möchte er den Bezug der Sterbeunter „Sei so gut—,“ sagte sie zu ihrer Tochter mit einem Blick auf die Tür, so unvermittelt und bestimmt, daß Trolla diesmal nichts einwenden konnte. Einen leuchtenden Blick Emmys, begleitet von einem Lächeln, glaubte er als eine gewisse Ermunterung auffassen zu dürfen, und so nickte er ihr freundlich zu, bevor sie hinter der Türe verschwand. und wies so freundlich auf einen Fauteuil, daß er nich ablehnen konnte. Er redete sich plötzlich ein, daß er sich den Verlauf der Dinge auch so gedacht habe: die„Präliminarien“ zuerst mit seiner Wirtin zu begianen, die ihm von vornherein so liebenswürdig entgegengekommen war, als hätte sie schon geahnt, daß er sich ihr spater einmal ganz und voll anvertrauen könnte. „Es handelt sich doch wohl um ein Darlehn, nicht wahr?“ fragte sie ruhig. nachdem sie sich beide niedergelassen hatten. „Ganz recht, gnädige Frau, aber nicht für mich,“ gab Trolla zurück; zugleich atmete er auf, innerlich vergnügt darüber, daß er glücklich uber diesen ersten schweren Schritt hinweggekommen war. Sie jedoch blickte etwas ernüchtert auf, und in ihrer Miene las er, wie wenig angenehm sie davon berührt war.„Das beißt — eigentlich betrifft es mich auch, fuhr er sogleich fort.„Darf ich Ihnen Vertrauen schenken: „Voll und ganz,“ erwiderte sie und streckte ihm die Hand entMann in Geldangelegenheiten sehr vorsichtig ist. Er hat schon trübe Erfahrungen gemacht. Deshalb macht er sich aus dem Darlehnsgeschäft gar nichts mehr.(Fortsetzung folgt.) Heiteres. Am Totenbett des Säuglings.„Trösten Sie sich, so hat das Kind wenigstens nicht erfahren, daß es unehelich war.“ Einschätzung in Ostelbien. 1.„Sie haben in Ihrer Deklaration nicht angegeben, daß Ihre Frau einzelne Tage in der Woche gegen Tagloyn arbeitet. Ich muß Sie wegen Steuerdefraudation zur Anzeige bringen.— 2.„Es tut mir leid, daß ich Sie herbemühen mußte, Herr Graf. Ich habe mir ja gleich gedacht, daß Ihre Güter kein Einkommen abwerfen können. tragserhöhung aus, ist jedoch gegen die Anstellung von Ortsbeamten. Neumann=Rotthausen glaubt, daß die Zeit zur Einführung eines freiwilligen Beitrages nicht geeignet ist, er habe den Auftrag, gegen jede Beitragsänderung zu stimmen. Saul=Altenessen will den Beitrag nach der Lohnhöhe, nicht nach dem Alter der jugendlichen Arbeiter festgesetzt wissen; auch spricht er sich gegen die Beitragsstaffelung aus. Meis=Gelsenkirchen ist gegen die Beitragserhöhung und wünscht größere Bewegungsfreiheit der Zahlstellen und Erhöhung des Prozentsatzes der am Ort verbleibenden Beiträge zum Zwecke der Agitation, die heute leider den Bezirksleitern fast allein überlassen sei. Ferner wünscht er Einführung von Schiedsgerichten zur besseren Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Vorstank und einzelnen Mitgliedern, wobei er auf den Spaniol=Konflikt exemplifiziert. Sachse gibt als Vorsitzender bekannt, daß einem auf Zeche„Oberhausen" beschäftigten Kameraden seine Entlassung nach hier nachgeschickt worden sei, seine Delegation trotz Urlaub ausube. weil er sein nen.„ Urlaub ausube. Die Generalversammtung nimmt diesen Akt der Verfolgungswut der Grubenbarone mit stürmischem Pfui! entgegen. der Grubenbarone—..„ a0 6 9 Im Gegensatz zu vielen Delegierten des Kuyrreviers plädieren alle Reviere mit niedrigen Löhnen, besonders Schlesien, Mitteldeutschland und Süddeutschland, lebhaft für die BeiFranz=Waldenburg hält die Einführung von StaffelbeiGeboi der Gerechtigkeit. Die Hälfte###. schlesiträgen für ein Gehel der Ggrichiglrin. Die Hälfte der schle schen Bergleute, besonders die Schlepper und Tagearbeiter, erreiche kaum 3 Mark Lohnhöhe, so daß der bisherige Beitragsmodus die Ausbreitung des Verbandes sehr hindere. Den freiwilligen 50=Pfg.-Beitrag wünden trotzdem in Waldenburg sehr viele Kameraden zahlen. Die Einhaltung der Kündigungsfrist bei Lohnkämpfen wirke bei Differenzen geradezu lähmend und müsse beseitigt werden. Andere Delegierte der Außenreviere stellten sich auf denselben Standpunkt. Die Außenrevier= und große Minderheit der Ruhrrevier=Delegierten stehen auf dem Boden der Vorstandsvorlage, die morgen von einer 13gliedrigen Kommission durchberaten wird. Die Generaldebatte füllte den ganzen ersten Tag aus und wird mit großer Leidenschaftlichkeit und Sachlichkeit geDie Sitzung wird um 6 Uhr auf Dienstag vertagt Militärisches. Ein Aufruhrprozeß. Vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivision wurde Montag unter Ausschluß der Oeffentlichkeit gegen 6 Kanoniere, Knochenhauer, Blechrieder, Kraut, Ludwig, Hasse und Masson, wegen militärischen Aufruhrs verhandelt. Den Angeklagten wurde zur Last gelegt bei der Rückkehr vom Ererzierplatz in Jüterbog nach der dortigen Artillerieschießschule Befehlen nicht gehorcht zu haben. Die Leute wurden auf Wagen transportiert, haben gesungen, dieses Singen auf einen Befehl hin nicht unterlassen und sollten dann vom Wagen heruntersteigen. Eine Anzahl Kanoniere widersetzten sich und warfen nach dem Vorgesetzten mit Steinen. Das Urteil lautet: Knochenhauer 2 Jahre 3 Monate, Blechrieder 3 Jahre, Kraut 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, Ludwig 14 Tage strengen Arrest; die andern beiden wurden freigesprochen. Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“, Arbeiter=Sänger=Bund Westfalen, Arbeiter=Turner=Bund. Freitag. Männer=Gesangverein„Freie Stunde“ 9 Uhr bei Sewing, Bürgerweg 93.„ Besangverein„Concordia 9 uhr bei Kleinert. Arb.=Gesangverein„Waldeslust“ 9 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. „Teutonia I“ 9 Uhr bei Kahl, Herforderstraße 137. Zitherklub„Alpenrose". Rickes, Nebelswall. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße.„ Kelm stersrat — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Dermolverstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Bielefelder Kraftsportvereinigung 9 Uhr im„Berliner Hof. Bielefelder Kraftsportvereinigung.„ Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5. 9 Uhr bei Avenvrint.„„„ GAflemn b.edeft. Kadfahrerverein„Tourist Sitzung bei Heims, Jouenbeckerstr. Radfahrerverein„Transvaal“ 9 Uhr bei Wirt Höner zu Eißen. Radfahrerklub„Flora“ 9 Uhr bei Wöhler, Heeverstraße. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Iritz Beckmann, Kl. Howe. Kegelklub zu den drei Linden 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Guttemplerorden. Loge Bielefeld. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstr. 51. Ringklub„Aberg“ 8½ Uhr bei Karl Blome, Webereistraße. Brackwede. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Arbeiter=Raofayrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. V##ckwede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Theesen. Arbeiter=Gesangverein„Horstheide 8½ Uhr bei Wilhelm Meier=Ditrich. 8 Sudbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf v. Wirt Fohrmann. Schildesche, Radfahrerklub„Einigkeit“ 8½ Uhr im Hellingskrug. Schildesche. Arb.=Kurnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Arbeitergesangverein„Schildesche“ 8½ Uhr bei Höner, Bielefelderstraße. Schildesche. Kegelklub„Fortuna“ 8½ bei Siekmann, HerforderDornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Enger: Turnverein„Eintracht“ 9 Uhr im Niermannschen Saale.„„„„ Herford. Arbeiter=Lurnverein„Stiftberg“ 9 uer bei Wirt Tiemeyer.— Herford. Arb.=Radfahrerverein„Freie Radler 9 uhl im Restaurant„Zur Traube“, A. Seeger.„ Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts" 9 uhr vei Wirt Brockmann. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester.„ Schweichel n. Arbeitergesangverein„Frohsinn 8½ Uhr dei Wirt Generotzky. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Oetinghausen, Arbeiter=Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr beim Wirt Düsdicker. Spenge. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmann. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr bei Herrn Fricke.„„0 15 Rehme. Arbeiter=Rasjahrerverein„Vahn frei 578 Uhe bei Röbke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. 3 beda. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr bei August Kipp. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestt Detmold. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr in der„Central= halle“. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lippischer Hof. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—0½ Uhr im Stadtdagen. Arbeitergesangverein„Edelweiß" 7—9 Uhr. nentähre für#Wiellseld und Umgege wie bei sämtlichen Agentur ins caus gebracht 60 Pfg. lich. Durch die Post 1,/80 Mk. vierteljährliche Vestellgeld. Einzelnummer 10 P Erscheinungstag mit Ausnahme der Son Feiertage täglich nachmi Fernsprech=Anschluß=Nr. Nr. 110. Die heutige der Orwal. Sla Am Mittwoch, 19. mit den Freisinnigen ik Fraktion vollendet. Di entsprechend, wurden d Heimann, Hirsch und In der Debatte ve der Freisinnige Fischb gung der Sozialdeme waren nicht ganz ein räubern, ein Teil stand lage, der Rückverweis# diese nicht Beweis üb Die rücksichtslose B Genossen Ströbel vern zur Umkehr zu beweg antrag beendet worden der Sozialdemokraten und der Nationalliber Kommissionsantrag al demokratischen Mande Freisinns und eines 2 trums an. Das schlechte Ger den lächerlichsten Absp tag erhielten die Abgeo 1. Auf keiner Tr zugelassen werden. 2. Jede Karte be ausgestellt ist. Ue streng verboten. 3. Die Einführu ordneten darf nicht 4. Die Tageskar nehmen und dem B. keinen Umständen; Außerdem prangtei große Plakate des In griffen seien.— Ein dem Kunstgewerbemus geordnetenhause ware dem Hause hatten sich die mit Spannung da Am Mittwoch abe demokratie veranstalte die Ungiltigkeitserklö durchgängig überfüllt, sperrt werden. Die v giltig erklärt worden lungen wurde eine Südosten kam es noch sucher der Versammlu des Südostens und w der Feuerwehr attacki gemenge kam. Nachstehend geben sammensetzung der W menverhältnis, unter Borgmann wa stadt) gewählt. Der 520 wahlberechtigten hielt Borgmann 303, werkschaftblattes Gol Heimann vertr Viertel, südl. Teil), de waren 727 Wahlmäni Heimann und 322 a Kaufmann Schulz en Hirsch war im 7 Teil und Königsvier Einwohner. Von 66 652 ab. Hirsch erhiel 296 Stimmen. Hoffmanns# den 12. Berliner Wal Der Kreis zählt 189 Wahlmänner, von de Hoffmann erhielt dar 172 und der konserv# Stimmen. In der wovon Hoffmann 313 Die Nationaliber dort Konservative u. halten. Noch gester schuß den Beschlußg sames Vorgehen vor rungsrat Dr. Leidi