Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags, Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Vieleseld. Nr. 112. Zuchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Vielefeld, Sonnabend, 15. Mai 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten. Mutter- und Fäuglingsschutz in der Krankenversicherung der Reichsversicherungsordnung. Die deutsche Sozialdemokratie— und innerhalb derselben die deutschen Genossinnen— haben seit Jahrzehnten der Frage des Mutter- und Säuglingsschutzes ihre steigende Aufmerksamkeit gewidmet. Neben durchgreifenden gesetzlichen Bestimmungen für die lohnarbeitenden Frauen und Mädchen haben sie weitgehende Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge durch die Krankenkassen im Interesse aller proletarischen und kleinbürgerlichen Frauen gefordert. Durch unsere Abgeordneten im Parlament, auf den sozialdemokratischen Parteitagen und den sozialdemokratischen Frauenkonferenzen, so zuletzt in Mannheim 1906, sind die Mindestforderungen an die Gesetzgebung formuliert und eingehend begründet worden. Die„Gleichheit und die sozialdemokratische Tagespresse haben sie wieder und wieder propagiert, und in immer größerem Umfange sind die proletarischen Frauen die Träger dieser Forderungen geworden, deren Durchführung sie im Interesse ihrer Gesundheit, sowie im Interesse einer gesunden Entwicklung des proletarischen Nachwuchses dringend heischen. Angeregt durch das Vorgehen der deutschen Sozialdemokratie, durch die Verhandlungen über die Novelle zum Krankenversicherungsgesetz 1902, durch die Mutterschaftsbewegung des Auslandes, sowie durch die steigende Aufmerksamkeit, die dem Mutterschaftsproblem in den Kreisen bürgerlicher Frauen, vor allem in den Kreisen der intellektuellen, gewidmet wird, haben sich seit einigen Jahren auch die bürgerliche Frauenbewegung und bürgerliche Sozialreformer der Frage des Mutterschutzes bemächtigt. Angesichts der erschrecklich hohen Säuglingssterblichkeit in Deutschland werden Aerzte und ernste Sozialreformer zudem immer aufs neue veranlaßt, Forderungen zu erheben, deren Durchführung hier Wandel schaffen soll. Wenngleich in diesen bürgerlichen Kreisen auch nicht die sozialdemokratischen Forderungen erhoben und vertreten werden, es hier überhaupt noch nicht zu einer Einheitlichkeit der Stellungnahme gekommen ist, fordert man neben Errichtung einer Mutterschaftskasse von anderer Seite z. B. eine besondere Mutterschaftsversicherung, während wieder andere mit uns der Meinung sind, die Krankenversicherung müsse ausgebaut werden, so wird aber immerhin ankrkannt, daß weitgreifende Reformen von nöten sind. Die deutsche Regierung dagegen, die kürzlich dem Bundesrat den Entwurf der Reichsversicherungsordnung zugehen ließ, hat darin auf die seir langem vertretenen Forderungen, die den Willensausdruck weiter, interessierter Kreise bilden, absolut keine Rücksicht genommen. Bei unserer Kritik des Entwurfes sehen wir vollständig ab von jenen Bestimmungen, die das Selbstverwaltungsrecht der Ortskrankenkassen zu untergraben drohen, sowie von jenen Bestimmungen, nach denen Landkrankenkassen ohne Selbstverwaltungsrecht für bestimmte Arbeiterkategorien geschaffen werden sollen. Wenngleich diese reaktionären Bestimmungen die weiblichen Mitglieder der Kasse nicht weniger treffen als die männlichen, ja, bei dem Umstande, daß alle Schwangerenunterstützung bisher fakultativ war, und nach dem Entwurf auch bleiben soll, sogar das besondere Interesse der Frauen wachruft, so wollen wir doch, da hierbei die Gesamtarbeiterschaft engagiert ist, es bewenden lassen bei einem Herausheben jener Bestimmungen, die den eigentlichen Mutter= und Säuglingsschutz enthalten. Hier aber ist es nur eine einzige Bestimmung, die einen Fortschritt bedeutet gegenüber einem geltenden Rechte, und das ist die Einbeziehung der Landarbeiter, der Dienstboten, der unständigen und der Heimarbeiter und einiger anderer mehr in die Krankenversicherungspflicht. Damit ist zahlreichen Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen die Wöchnerinnen= und Schwangerenunterstützung zugänglich gemacht. Leider enthält der§ 197 des Entwurfes, nachdem er im einzelnen die versicherungspflichtigen Perionenkreise aufgezählt hat, als Schlußsatz wieder die alte Bestimmung, daß die Versicherungspflicht nur, außer bei Arbeitern und Dienstboten, dann besteht, wenn die Tätigkeit dieser Personen gegen Entgelt geübt wird, und— wenn ihr regelmäßiger Jahresarbeitsverdienst 2000 Mk. nicht übersteigt. Durch diese Bestimmung ist der Kreis der versicherungspflichtigen Personen wieder viel zu eng gezoggr.„ärghntums kowie Zahlreiche Frauen des Klein= und Mittelvurgertums, sowie der Intelligenz, bedürfen zur Zeit der Schwangerschaft und als Wöchnerinnen dringend der sozialen Fürsorge, während sie jetzt, sowie nach dieser übernommenen Bestimmung, wiederum davon ausgeschlossen sind. Mit Rücksicht auf die soziale Fürsorgebedürftigkeit auch dieser Frauen während der Zeit der Mutterschaft, hatten die Genossinnen in Mannheim die Forderung vertreten, daß die Versicherungspflicht auf alle Frauen auszudehnen sei, deren Familieneinkommen 3000 Mk. nicht übersteigt. Hinter dieser Forderung bleibt also der„Entwurf weit zurück. Dasselbe trifft leider gleichfalls zu auf alle übrigen Forderungen, weil hier der Entwurf lediglich geltendes Recht erhalten, aber nicht erweitern will. So besagt§ 232: Der Betrag des Krankengeldes ist als Wöchnerinnenunterstützung auf die Dauer von im ganzen acht Wochen(bisher sechs Wochei) vor und nach der Niederkunft an Wöchnerinnen zu gewähren, die innerhalb des letzten Jahres, vom Tage der Entbindung an gerechnet, mindestens sechs Monate hindurch auf Grund der Reichsversicherung gegen Krankheit versichert gewesen sind. Von diesen acht Wochen müssen mindestens sechs auf die Zeit nach der Niederkunft entfallen. Die Forderungen der Genossinnen dagegen lauten:„Ausdehnung der Wöchnerinnenunterstützung von sechs auf acht Wochen nach der Niederkunft, und falls das Kind lebt und die Mutter willens und fähig ist, es zu stillen, auf 13 Wöchen.rn u 4— g. Hervorragende Aerzte gehen sogar, gedrangt von dem Ergebnis ihrer medizinischen Forschungen, noch viel weiter. Sie erklären, daß noch neun Monate nach der Geburt Mutter und Kind eine physiologische Einheit bilden sollten. Sie begründen ihre Forderung damit, daß die Forschungen der letzten Jahre festgestellt haben, daß im Blute eine ganze Anzahl hoch komplizierter Eiweißverbindungen vorkommt, die für den Ablauf aller Lebensprozesse von ganz hervorragender Bedeutung #in?: Von diesen Eiweißverbindungen wird vom Blute an die eiich abgegeben und diese begünstigen so die Assimilierung der Substanzen der Milch durch die noch ernährenden und der aufbauenden den Säugling. Durch Ernährung des Säuglings mittels Kuhmilch, dazu durch Abkochung in ihrer ursprünglichen chemischen Zusammensetzung eine Veränderung erfahren hat, erfolgt die Assimilierung nicht so gut und so leicht, da die Tiermilch ganz andre Eigenschaften und Eigentümlichkeiten ihrer Eiweißverbindungen aufweist, deren Verdauung eine weit größere Kraftanstrengung des kindlichen Organismus erfordert, der er oft nicht gewachsen ist und deshalb zugrunde geht. Soll deshalb der größte Reichtum der Nation, ein gesunder, kräftiger Nachwuchs erzielt werden, ist das Minimum eines Wöchnerinnenschutzes 13 Wochen, um durch Zahlung der Unterstützung während dieser Zeit die Mütter in den Stand zu setzen, ihren Kindern die natürliche Nahrung der Mutterbrust zu reichen. Der§ 234 des Entwurfes bestimmt, ähnlich wie§ 21 Abs. 1 Nr. 4 des bisherigen Krankenversicherungsgesetzes, daß die Satzung, das Statut, bestimmen kann, daß bei einer durch Schwangerschaft verursachten Arbeitsunfähigkeit den weiblichen Mitgliedern bis zur Dauer von sechs Wochen das Krankengeld als Schwangerschaftsunterstützung gewährt wird. Ferner kann bestimmt werden, daß die erforderlichen Hebammendienste und die ärztliche Behandlung der Schwangerschaftsbeschwerden frei zu behandeln sind. Desgleichen kann das Statut den nicht versicherungspflichtigen Ehefrauen der Kassenmitglieder die Schwangeren= und Wöchnerinnenunterstützung sowie die Hebammendienste und ärztliche Behandlung frei gewähren. „Dem gegeüber fordern die Genossinuen: Erhöhung der Schwangerschaftsunterstützung auf die Dauer von acht Wochen und an Stelle der fakultativen Gewährung durch Statut zwingendes Recht. Die Unterstützung der Schwangeren auf die Dauer von acht Wochen fordern sie, weil die Erfahrung gelehrt und ärztliche Autoritäten es bestätigt haben, daß die anstrengende Arbeit— ob Haus= oder Erwerbsarbeit— bis kurz vor Entbindung äußerst schädlich ist für den weiblichen Organismus, oft genug Unterleibsleiden nach sich zieht, genau so wie die zu frühe Wiederaufnahme der Arbeit nach der Entbindung, und ferner äußerst schädigend wirkt auf die Nachkommenschaft. Erklärlich genug: So wie der Säugling von der Muttermilch ernährt, wird das werdende Kind vom Blute der Mutter ernährt. Alles was daher den mütterlichen Organismus schädigt, hemmt und schädigt auch die Entwicklungsmöglichkeit der kommenden Generationen. Zwingendes Recht, statt fakultativer Gewährung der Unterstützung muß gefordert werden, wenn diese überhaupt einen praktischen Wert haben soll. Im andern Falle würde es von der Verwaltung abhängen, was geschaffen werden soll, und da hat bisher die Erfahrung gelehrt, daß es entweder langer Kämpfe bedarf, um eine Mehrleistung der Kasse zu erzwingen, oder aber die fakultativen Bestimmungen bleiben toter Buchstabe, wie es z. B. fast überall der Fall war mit der Wöchnerinnen= und Schwangerenunterstützung für die Ehefrauen der Kassenmitglieder. Denn wir haben nicht überall vom sozialen Geist belebte Vertreterkörperschaften und Kassenvorstände. Wären diese überall, wäre die Mehrleistung ohne große Mehrbelastung durchzuführen, weil nach einer Berechnung des Genossen Molkenbuhr 18 Beitragszahler für einen Geburtenfall aufzukommen hätten. Außerdem würden jedoch die Krankenkassen auch wieder viel Krankengeld sparen, welches jetzt an unterleibsleidende Kranke und für die Behandlung siecher Kinder zu zahlen ist. Schließlich aber hat der Staat die Pflicht, falls es sich notwendig macht, Zuschüsse zu zahlen, um damit die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Volkes zu steigern. Der Entwurf sieht als Krankengeld die Hälfte des Grundbeitrages(durchschnittlicher Tagelohn), die laut Statut auf drei Viertel erhöht werden kann, vor. Als Schwangeren= und Wöchnerinnenunterstützung müßte das Krankengeld unbedingt auf die volle Höhe des durchschnittlichen Tagelohnes festgelegt werden, damit den Frauen ein voller Ersatz ihres verlorenen Verdienstes gewährt wird. Denn nicht zum Vergnügen, sondern aus Not sind sie in die Erwerbsarbeit getreten, und sie würden entbehren müssen, erhielten sie weniger an Unterstützung als der durchschnittliche Lohnausfall betrug. All die genannten Forderungen sind das Minimum dessen, was an Mutter= und Säuglingsschutz geheischt werden muß. Und doch wird es eines schweren Kampfes bedürfen, es durchzusetzen.... Han kmnt. 9.. Darum rufen wir schon heute die proletarischen Frauen auf den Plan. Darum fordern wir sie schon heute auf: Beschäftigt euch mit dem, was ihr als dringend nötige Reformen auf dem Gebiete der Krankenversicherung betrachtet, was aber die Reichsversicherung euch nicht bietet.„„„„ 91.53 Mallr“ Seid ihr euch selber vollkommen klar über diese Materie, so könnt ihr um so nachdrücklicher und wirkungsvoller euch an dem Kampfe der Gesamtarbeiterschaft um die Reform der Reichsversicherungsordnung bekeiligen.„„ Was wir fordern, werden wir nur kämpfend erringen, freiwillig bietet man uns nichts. Politische Uebersicht. Unternehmer und Krankenversicherungsgesetz. Was die in den Unternehmerverbänden organisierten Scharfmacher von der Reform des Krankenversicherungsgesetzes erwarten und was sie fordern, das hat der Generalsekretär des Verbandes„Unterelbe“, von Reiswitz, auf der Generalversammlung der schleswigschen Arbeitgeberverbände ausgesprochen. In einem Referat über„Soziale Zeitfragen“ sagte er u. a.: „Im speziellen wird nun zunächst an die Reform des Krankenversicherungsgesetzes gedacht. Da ist nun zwar zu wünschen, daß der unheilvolle Einfluß der sozialdemokratischen Partei auf die Ortskrankenkassen durch eine Aenderung der Abstimmungsverhältnisse gründlich unterbunden wird. Aber es ist gleichzeitig fraglich, ob diese Wahrscheinlichkeit seitens der Anbeitgeber nicht zu teuer damit erkauft wird, daß sie, wie es vorgeschlagen ist, künftighin die gleichen Beiträge zu den Krankenkassen zu leisten haben, wie die Versicherten selbst. Empfehlenswerter wäre es wohl, wenn die Beitragsleistung die gleiche wie bisher bliebe, wogegen aber die Verwaltungsausgaben der Kassen den Arbeitgebern übertragen würden, wofür ihnen alsdann die Hälfte der Stimmen zuzusichern wäre. Die Verwaltung der Krankenkassen wäre gleichzeitig den in Frage kommenden Behörden zu überweisen. Zu sichern ist des weiteren unter allen Umständen der Fortbestand der Betriebs=, Bau=, Innungs- und Knappschaftskrankenkassen, die sich gut bewährt haben, wogegen die sogenannten Freien Hilfskassen unbedingt zu beseitigen wären. Man könnte den letzteren Kassen eine Respektfrist einräumen, während der sie ihre Mitglieder in die anderen Krankenkassen überzuführen hätten.“ Diese Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Vertagung des Reichstages. Das„Berliner Tageblatt“ will aus dem Reichstage erfahren haben, daß eine Besprechung des Präsidenten Grafen Stollberg mit dem Reichskanzler das Ergebnis gezeitigt habe, daß der Reichstag am kommenden Dienstag vertagt werden soll. Fürst Bülow will dem Kaiser entgegenfahren und ihm Vortrag über die gegenwärtige Situation halten. Demgegenüber erfahren wir von anderer Seite, daß der Vorschlag des Präsidenten dahin ging, den Reichstag noch vor Pfingsten zu vertagen, die Finanzkommission aber weiter arbeiten zu lassen. Der Reichstanzler dagegen vertritt den Standpunkt, daß das Plenum des Reichstages auch nach Pfingsten noch weiter tagen soll. Die neue Fahrkartensteuer. Der Entwurf der neuen Fahrkartensteuer ist im Reichsschatzamt fertiggestellt.„Wie die Scherlpresse zu melden weiß, ist ein Zuschlag von 3½ Prozent zu den Fahrpreisen für alle vier Wagenklassen festgesetzt. Fahrkarten im Betrage von weniger als einer Mark sollen steuerfrei bleiben. In der Praxis wäre die Wirkung dieser neuen Steuer folgende: Für eine Fahrkarte von Berlin nach Frankfurt a. M. ist jetzt zu zahlen an Fahrkartensteuer 1. Klasse 5,40, künftig 1,45 Mark, in 2. Klasse 1,20 Mark, künftig 89 Pfg., in 3. Klasse 40 Pfg., künftig 49 Pfg., in 4. Klasse nichts, künftig 30 Pfg. Die Reform besteht also darin, daß die Passagiere 1. Klasse entlastet und dafür die Passagiere 4. Klasse belastet werden. Noch ein umgefallener Konservativer. Der konservative Reichstagsabgeordnete Arnold-Greiz erläßt in der„Greizer Zeitung“ eine Erklärung, in der er sich für die Erbschaftssteuer ausspricht und betont, daß— wenn die Mehrheit der Konservativen auf ihrem ablehnenden Standpunkt beharren sollte— er daraus die Konsequenzen für seine Parteistellung ziehen würde. Die Freunde der Erbschaftssteuer in den Reihen der konservativen Reichstagsfraktion sind damit bereits auf fünf angewachsen. Herr Anton von Wehner. Nach Mitteilungen der„Münchener Post“ gilt die Stellung des bayerischen Kultusministers als erschüttert. Man habe sich bereits nach einem Nachfolger umgesehen. Ein in einem anderen Ressort tätiger Minister, auf den man das Augenmerk gelenkt hatte, habe dankend abgelehnt. Es wird dem bisherigen Kultusminister Mangel an Geschicklichkeit im Umgange mit den Universitätsprofessoren, Mißgriffe in der Besetzung kirchlicher Stellungen vorgeworfen. Es wären deswegen auch leitende Zentrumstreise gegen den Minister eingenommen, und eine Reihe anderer Affären heimlicher Natur (Terrain=Spekulationen, Maßregelung eines Beamten, der auf eine Einladung hin den Minister nur als„Exzellenz“ und nicht als„Hochgebietender Herr Staatsminister“ angeredet hat), hätten das Gefäß zum Ueberlaufen gebracht. Deutsch=portugiesischer Handelsvertrag. Der Bundesrat wird in den nächsten Tagen diesen für Deutschland ziemlich wichtigen Handelsvertrag verabschieden. Nach der Pfingstpause soll dann der Reichstag in die Beratung des Vertrages eintreten. Zur Sprachenfrage im Reichslande hat die elsaß=lothringische Regierung in der Landesausschußsitzung vom Mittwoch mit einer längeren Erklärung Stellung genommen. Dem Hause liegen zwei Anträge auf Einführung des französischen Sprachunterrichts in der Volksschule des deutschen Sprachgebietes vor. Der Staatssekretär Zorn von Bulach eröffnete nun die Debatte, indem er ausführte: „Der Regierung liege es fern, die französische Sprache prinziell zu bekämpfen. Sie erkenne für das gemischte Sprachgebiet und die an der Grenze gelegenen Orte die Notwendigkeit an, die französische Sprache in der Volksschule zu pflegen. Doch vermag sie die Einführung des obligatorischen Unterrichts für die Elementarschulen des deutschen Sprachgebiets außerhalb der Grenzzone nicht anzuerkennen. Die große Mehrheit brauche die französische Sprache nicht, für die Minderheit aber sei durch den Ausbau der Mittel- und Fortbildungsschulen zu sorgen. Die Regierung lehnt es deshalb ab, zur Einführung des französischen Sprachunterrichts in der Volksschule die Hand zu bieten.“ Was die Regierung zur Begründung ihres Standpunktes sagt, ist durchaus unrichtig. In ganz Elsaß=Lothringen ist die Kenntnis der französischen Sprache eine Notwendigkeit, und für jeden einzelnen würde sie eine bedeutende Erleichterung des Existenzkampfes bedeuten. In den von den Führern der verschiedenen Richtungen abgegebenen Erklärungen wurde denn auch dem Bedauern darüber, daß die Regierung aus politischen Rücksichten die wirtschaftlichen und kulturellen Interessen des Landes hintansetze, unverhohlen Ausdruck gegeben. Erhöhung der Gehälter der Geistlichkeit in Elsaß=Lothringen. Die Zeiten sind schlecht. Deshalb muß vor allen Dingen der— Geistlichkeit geholfen werden. Die elsaß=lothringische Regierung hat— diesem Grundsatze buldigend— denn auch soeben dem Landesausschusse eine Vorlage zugehen lessen, wodurch die Gehälter der Religionsdiener wesentlich erhöht werden. Danach sollen die katholischen Geistlichen in Zukunft Gehälter in Höhe von 1600—4800 Mk., die protestantischen Geistlichen solche zwischen 2200—4600 Mk. und die Rabbiner solche von 2000 bis 4400 Mk. beziehen. Nicht mitangerechnet sind die von den Gemeinden zu tragenden Wohnungsgelder, auch nicht die von der katholischen Kirche erhobenen Sporteln, Messegelder usw. Natürlich bringt die vorgeschlagene Erhöhung eine starke Belastung des Kultusbudgets, eine so starke, daß die Regierung sich nicht getraut hat, sie vollständig auf die Landeskasse zu übernehmen. Die Regierung will für den katholischen Kultus jährlich 2 350 600 Mk., für den evangelischen 711 000 Mk. und für den sraelitischen 86 400 Ml. opfern. Was darüber ist, soll von den Angehörigen der betreffenden Religionsgemeinschaften durch Zuschlage zu den direkten Staatssteuern geleistet werden. Selbstverstandlich erlischt die Pflicht zur Zahlung dieser Zuschläge mit dem Austritt aus der Religionsgemeinschaft. Ein solcher Austritt war aber bisher für Katholiken und Israeliten rechtlich nicht gegeben. Nun soll die Austrittsmöglichkeit geschaffen werden. Aber schon die Vorlage der Regierung erschwert den Austritt durch allerlei Chikanen nach preußischem Muster. Charakteristisch für den Geist des Gesetzes ist besonders die Bestimmuno, daß die Austrittserklärung als null und nichtig anzusehen ist, wenn auch nur einer der Angehörigen des Ausgetretenen, der mit iym in Familiengemeinschaft lebt, von den Einrichtungen der Landeskirche irgendwelchen Gebrauch macht. Mit einer solchen Bestimmung werden religiöse Zwistigkeiten direkt in den Schoß der Familie getragen, zu religiösen Bedrückungen fordert sie geradezu heraus. Aus dem Reichstag. Die Besoldung der Reichstagsbeamten wurde am Donnerstag in der Budgetkommission beraten. Eine vorausgegangene Besprechung der verschiedenen Parteien hat zu einem Einigungsvorschlage geführt, der in der Kommission Annahme fand. An die Besoldungsfrage schloß sich eine Debatte über die innere Organisation des Reichstagsbetriebes. Entgegen einer Anregung wurde beschlossen, Frauen in der Bibliothek nicht zu beschaftigen. ** Noch eine Subkommission. Die neuerdings im Reichstage eingerissene Gepflogenheit, aus den Kommissionen heraus Subkommissionen zu bilden, artet nachgerade in eine Plage aus. Jetzt hat auch die Justizkommission des Reichstages eine solche Subkommission eingesetzt, die in eine Vorberatung der Novelle zum Strafgesetzbuch eintreten soll. Durch diese Suokommissionen werden die Geschäfte keineswegs gefördert, denn die Debatten setzen in der Hauptkommission— das hat sich in der Steuerkommission gezeigt— doch wieder in alter Breite ein. Während aber die Hauptkommissionen im gewissen Sinne wenigstens unter der Kontrolle der Oeffentlichleit arbeiten, ist dies bei den Subkommissionen nicht der Fall, weil in der Regel von vornherein Vertraulichkeit der Verhandlungen beschlossen wird. *„* Die Budgetkommission des Reichstags gegen Minister v. Rheinbaben. In der Budgetkommission des Reichstags kam am Donnerstag(13. Mais auch zur Sprache, daß der preußische Finanzminister v. Rheinbaben im preußischen Abgeordnetenhause über die Gehältererhöhung, die die Budgetkommission des Reichstags gegenüber der Regierungsvorlage habe eintreten lassen, sich lustig gemacht habe. Die Mehrkesten würden 26 Millionen betragen. Darauf habe er hinzugefügt: „Woher nehmen? Näheres in der Expedition!“ Graf Oriola wendet sich gegen diese Aeußerungen und meint, daß sie von keiner besonderen Hochachtung vor den Arbeiten der Reichstagskommission zeuge. Er bedauert, daß sich der Minister in einem anderen Parlamente mißfällig über die Reichstagskommission geäußert habe, und er glaubt, dies im Namen der Kommission zurückweisen zu müssen. Erzberger schließt sich diesen Ausführungen an. Wenn Rheinbaben Belehrung geben wolle, so olle er sie an den Landtag richten, aber nicht an den Reichstag. Abg. Singer führt aus: Wenn der Minister keine besseren Witze machen könne, dann solle er es lieber bleiben lassen. Der Landtag sei der ungeeignetste Ort, sich über den Reichstag lustig zu machen. Die Aeußerung sei ein Ausfluß der bekannten Ueberhebung, daß das Reich sich stets nach Preußen richten müsse. Singer beantragt, daß der Berichterstatter der Kommission, abg. Droescher, beauftragt wird, im Plenunm gegen diese Aeußerung des Ministers v. Rheinbaben zu protestieren.— Die Kommission beschließt demgemäß. *** In der Finanzkommission des Reichstages führte am Freitag, den 14. Mai, der zweite Vorsitzende Spahn die Verhandlungen. Er gab zunächst bekannt, daß ihm vom Abg. Paasche ein Schreiben zugegangen sei, nach dem er den Vorsitz in der Kommission niederlege und bat, die Wahl eines anderen Vorsitzenden vorzunehmen. Abg. Paasche erklärte, daß er die gestrigen Vorgänge in seiner Fraktion zur Kenntnis gebracht, und daß die Fraktion entschieden habe, daß sie einen Vorsitzenden für die Finanzkommission nicht mehr stellen werden. Darauf sprachen die Abgg. v. Richthosen, v. Gamp und Raab ihr Bedauern über die Vorgänge aus und drückten dem Abg. Paasche ihren Dank für die bisherige, unverzagte Führung der Geschäfte Der Vorsitzende Spahn schlug nun vor, die Wahl des Vorsitzenden für morgen auf die Tagesordnung zu setzen. Ferner gas der Vorsitzende bekannt, daß die Regierung ein Tabellenwer! zur Fahrkartensteuer ausgearbeitet habe, das aber der Kommission augenblicklich noch nicht vorgelegt werden könne. Daraufhin wurde beschlossen, die Fahrkartensteuer heute von der Tagesordnung abzusetzen, bis die Tabellen den Mitgliedern zugegangen sin Tarauf wird in die Beratung über den Gesetzentwurf zum Finanzweeen eingetreten, speziell über die Vorlage, die die Beseitigung der Vorschüsse an die Berufsgenossenschaften zum Zwecke hal. In der Beratung legte der Abg. Stadthagen klar, daß die Fassung nach der Vorlage eine Liebesgabe für die Berufsgenossenschaften von 100 Millionen Mark bedeute, die sich freilich auf 20 Jahre verteile. Gefährlich sei es, diese Vorlage jetzt zu beraten: da die Reichsversicherungsordnung demnächst beraten werde, sei es eineZerreißung der Frage. Die Liebesgabe werde aus den Reihen der Arbeiter den Unternehmern gegeben, da die Arbeiter die Mittel für das Reich aus indirekten Steuern aufbringen müssen. Die Berufsgenossenschaften kürzen den Arbeitern geflissentlich die Renten; mit viel mehr Recht müssen die Krankenkassen unterstützt werden. Die Abgg. Gamp und Müller=Fulda teilen die Ansicht Stadthagens, daß die Berufsgenossenschaften selbst die Träger ihrer Kosten sein müssen. Der Abg. Müller=Fulda legt außerdem klar, daß die Berufsgenossenschaften selbst imstande seien, die Kosten aufzubringen. Nach längerer Debatte wird ein Antrag Paasche, daß das Reich nicht die Hälfte, sondern nur zwei Fünftel, die Berufsgenossenschaften drei Fünftel der Tilgungs= und Verzinsungsbeträge übernehmen, mit Mehrheit angenommen. Darauf entspann sich eine lange Geschäftsordnungsdebatte über die nächste Sitzung und deren Tagesordnung. Die Konservativen gingen von ihrem früheren Standpunkt ab und wollen gestatten, daß über Artikel 4 der Tabakwertsteuervorlage abgestimmt wird. Man einigte sich schließlich, daß die nächste Sitzung am Dienstag stattfinden soll. Als erster Punkt steht: Abstimmung über Artikel 4 des Tabakster#gesetzentwurfs, wie er von der Kommission bisher beraten wurde, als Punkt 3: die Fahrkartensteuer. Dann wird noch die Frage aufgeworfen, ob die Kommission, wenn das Plenum in die Pfingstferien geht, weiter beraten wird. — Die Frage bleibt unentschieden, bis morgen, Sonnabend, der Seniorenkonvent getagt hat. Das Zentrum hat es abgelehnt, den ersten Vorsitzenden zu stellen; es kommen für diesen Posten nunmehr in Frage: der Freikonservative v. Gamp und der Antisemit Raab Aus dem Landtag. Ueber die preußische Berggesetz novelle hat am Donnerstag die Berggesetzlommission den Bericht für das Plenum festgestellt. Ferner wurde die Schlußabstimmung vorgenommen. Die Nationalliberalen, die Freikonservativen und die Konservativen stimmten für den Gesetzentwurf, das Zentrum enthielt sich der Stimme, weil eine Fraktionsberatung noch nicht hat stattfinden können, die Freisinnigen fehlten in der Sitzung. Der Gesetzentwurf wurde angenommen mit 10 gegen 1 Stimme(Soz.) bei 7 Stimmenthaltungen...„ Im ganzen fehlten 10 Mitglieder der Kommission, die nur aus 28 Mitgliedern bestand. England. ac. Das Budget. Nachdem die Generaldebatte über die Finanzreform des Schatzkanzlers Lloyd George geschlossen, ist das Unterhaus in die Beratung der Einzelfragen eingetreten. Schon seit mehreren Tagen wird die geplante Steuererhöhung auf Spiritus, Bier und die Konzessionssteuer beraten. Hier zeigen sich auch die schwachen Seiten der Reform. Wie alle indirekten Steuern, so haben auch dieje den Nachteil, daß sie in der Hauptsache von den ärmeren Bevölkerungsklassen eingesracht werden müssen. Aber nicht bloß der Steuerbetrag, sondern eine weit höhere Summe wird auf die Konsumenten abgewälzk. So soll z. B. das Bier mit etwa 6 Millionen Mark mehr belastet werden. Die Brauer und Gastwirte sind sich aber schon dahin einig, das Glas Bier(½ Liter) mit 4 Pfg bezw. in besseren Lokalen um 8 Pfg. teurer zu verkaufen. Diese Gewerbe wurden damit einen Gewinn von 360 Millionen bezw. 720 Millionen Mart erzielen, eine Summe, mit der Lloyd George sein ganzes Defizit mehrmals decken könnte. Wenn auch die Konkurrenz dafür sorgen wird, daß die angegebene Summe nicht ganz erreicht wird, so ist doch so viel sicher, daß die Mehrbelastung des Bieres und auch des Branntweins als Vorwand zu dienen haben wird, aus den Konsumenten, und es sind, wie schon gesagt, vor allem die ärmeren Volksklassen, riesige Beträge herauszuwirtschaften. Hierzu kommt noch eine Erhöhung der Konzessionssteuer für Gastwirtschaften. Diese betragen jetzt in London im Durchschnitt 760 Mk. pro Jahr, sie ist seit 1880 nicht mehr erhöht worden. Bis zum Jahre 1905 waren die Inhaber von mit ist, in der Begründung zum jetzigen Gesetzentwurf heißt, der Wert der gastwirtschaftlichen Betriebe gestiegen. Im übrigen sei die Bevolkerung gewachsen, der Konsum gestiegen, die Zahl der Schankstätten aber sei gefallen, und so rechtfertige sich eine schärfere Heranziehung dieser Gewerbebetriebe zur Steuer. Jetzt beginnt der eigentliche Kampf der Interessenten um die neuen Steuerprojekte. Das Bier= und Branntweinkapital machen mobil. Von den konservativen Führern wird der Kampf mit großer Heftigkeit geführt, und zwar führen sie denselben nicht bloß um die Steuern, sondern gegen den Freihandel, für die Fottenrüstungen, gegen die Sozialreform. der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 15. Mai. — Tarifbewegung der Tabakarbeiter Bielefelds. In letzter Zeit hat die Tarifbemegung auch im Tabakgewerbe Fortschritte gezeitigt. Im 5. Gau ist die Burgsteinfurter TabakarbeiterGenossenschaft der einzige Betrieb, der mit dem Deutschen Tavakarbeiterverbande einen Tarif abgeschlossen hat. Um nun auch für die Bielese der Tabakarbeiter tarifmäßige Festlegung ihrer Lohn= und Arbeitsbedingungen zu erlangen, fand Mittwoch abend eine Vorbesprechung zwischen einigen hiesigen Firmen und den Zigarrenarbeitern dieser Firmen statt. Schlüter, Gauleiter des Tabakarbeiter=Verbandes, betonte, daß die Tariffrage von der Organisation wohl erwogen sei. Die Tarifbewegung solle auf den ganzen Gau ausgedehnt werden. Die Tacakarbeiter würden durch die mißliche Lage der Branche gedrängt. Hätte man tariftreue Firmen hier am Platze, so würde alles aufgeooten werden, um die Arbeitsgenossen als Konsumenten zu beeinflussen, damit dieselben ihre Zigarren nur von diesen beziehen. Die Tabakarbeiter hätten den festen Willen, dem Tarif Geltung zu verschaffen und würden dieses auch durchsetzen. Redner entwickelt dann die Grundlagen eines Tarifs und bittet hauptsächlich die anwesenden Zgarrenfabrikanten, sich auszu sprechen. Von diesen wird betont, daß sie der Sache sympathisch gegenüberstehen. Die Zigarrenarbeiter ständen als Arbeiter so tief im Lohnverhältnis, daß auch sie, die Arbeitgeber, bereit wären, jedes Mittel, welche zur Hebung der Lage der Arbeiter der Tabakindustrie dienlich sei, zu ergreifen. Schlüter verwies noch auf den Beschluß des Verbandstages der Gastwirte in Köln, wodurch die Mitglieder verpflichtet werden, nur von dort Zigarren zu beziehen, wo den Arbeitern ein anständiger Lohn für Herstellung derselben bezahlt würde. Ebenso hat sich in diesem Sinne Herr Beuse. Vorsitzender des Hamburger Wirtevereins, und Herr Krasky, Vorsitzender des Verbandes der Hamburger Zigarrenladeninhaber, ausgesprochen. Die Diskussion ergab auf beiden Seiten ein günstiges Resultat. Die Ortsverwaltung des Tabakarbeiterverbandes und der Gauleiter wurden beauftragt, nit den hiesigen Fabrikanten einen Tarif zu vereinbaren. Die Fabrikanten erklärten sich hierzu bereit. Die Sitzung findet am Freitao 21. d. M., statt. Der abgeschlossene Tarif soll dann einer Versammlung zur endgiltigen Beschlußfassung vorgelegt werdet. — Deutscher Metallarveitervervand. Die letzte Generalversammlung der hiesigen Verwaltungsstelle beschloß bekanntlich, daß am Sonntag, den 16. d. M., eine allgemeine Hausagitatioi stattfinden solle. In Ausführung diees Beschlusses werden die Mitglieder hierdurch noch einmal dringend ersucht, sich am Sonntag morgen pünktlich um 9 Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Ueber die erscheinenden Kollegen werden die Bezirksführer eine Liste atlegen. d.— Gewerbegericht(Stadt). Spruchsitzung vom 14, Mai. Der Arbeiter Z. klagt gegen die Firma Geor. Gehring, Tischlerei und Möbelfabrik, auf Zahlung des Restlohnes in Hohe von 50 Pfg. Gegen die Beklage wird Versäumnisurteil erlassen.— Der Kutscher Sch. klagt gegen die Firma Stratmann u. Meyer wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung im Betrage von 42 Mk. Die Beklagte beantragt, die Klage abzuweisen, einmal sei in ihrem Betriebe durch Arveitsordnung jede Kündigung ausgeschlossen, und zum andern sei Kläger zu Recht entlassen worden, weil durch seine Schuld eine Karambolage des von ihm geführten Fuhrwerks mit der Straßenbaon stattgefunden habe, wobei ein Schaden von 450 Mark entstanden sei. Der Kläger behauptet, daß die im Fabrikbetriebe der Bellagten geltenden Bestimmungen für ihn als Kutscher nicht in Betracht kämen, er habe nie eine Arbeitsordnung gesehen. An dem Zusammenstoß mit der Straßenbahn trage er keine Schuld. Die Parteien vergleichen sich, die Beklagte zahlt dem Kläger 25 Mk. Mit diesem Vergleich sind alle beiderseitigen Ansprüche aus dem fraglichen Arbeitsverhältnis beglichen.— Der Restaurateur Siekermann klagt gegen den Hausdiener St. auf Zahlung eines Betrages in Höhe von 20 Mk. Der Beklagte war als 1. Hausdiener angestellt. Er allein war berechtigt, Trinkgelder anzunehmen, mußte davon aber monatlich 20 Mk.(zuerst 30!] an den Kläger Siekermann abgeben, welcher mit dieser Summe den 2. Hausdiener bezahlte. Für den letzten Monat hat Kläger die Hergabe dieses Betrages verweigert. Er begründet das heute damit, daß er bei einer Arbeitszeit bis zu 19 Stunden täglich selbst nur 30 Mk. eingenommen habe und davon unmöglich 20 Mk. abgeben könne. Die Parteien vergleichen sich schließlich. Der Kläger erklärt sich bereit, 10 Mk. herauszugeben.— Der Laufbursche H. klagt gegen den Unternehmer Wenzel auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 5 Mk. Der Beklagte wird wegen Nichterscheinens zur Zahlung dieses Betrages verurteilt, außerdem hat er der Mutter des Klägers, welche als dessen gesetzlicher Vertreter den Termin wahrnimmt, 1 Mk. Kosten zu erstatten.— Der Arbeiter N. klagt gegen der Gärtner Humboldt auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 3,30 Mk. Der Beklagte will diesen Betrag nicht zahlen, weil der Kläger beim Ausgraden von Sträuchern einen Spaten zerbrochen hat, außerdem wird die Zuständigkeit des Gewerbegerichts von ihm angezweifelt. Es kommt ein Vergleich zustande, der Beklagte zahlt dem Kläger 2·Mk.— Die Plätterin P. klagt gegen die Firma Goldmann u. Hirschfeld auf Zahlung des Restlohnes von 10.20 Mk. Die Klägerin hatte am 8. Avril ihr Arbeitsverhältnis bei der Beklagten zum 23. April gekündigt. Während der Kündigungszeit trat die Firma an die Klägerin heran, um diese zum Bleiben zu veranlassen. Die Klägerin ließ sich auch schließlich überreden, als man ihr zusagte, die Sache mit ihrem künftigen Arbeitgeber, bei welchem sie am 24. April eintreten sollte. in Ordnung zu bringen und für allen ihr erwachsenden Schaden aufzukommen. Die Firma Goldmann u. Hirschfeld hat nun aber nichts getan, so daß die Klägerin am 27. April von dem neuen Arbeitgeber aufgefordert wurde, die Arbeit anzutreten. Die Klägerin trat jetzt ohne Kündigung bei der Beklagten aus, um dieser Aufforderung nachzukommen. Goldmann u. Hirschfeld sahen das als Vertragsbruch an und zogen der Klägerin 10,20 Mark vom Lohn ab, sie agen, die Klägerin hätte ble#iven sollen, dann wären sie für den dieser entstehenden Scaden auszekommen. Da auch der Vorsitzende diese Ansicht als richtig bezeichnet, spricht er für einen Vergleich, der dann auch dahin zustande kommi, daß die Klägerin 6 Mk. erhält. Als nobel können wir das Vorgehen der Firma Goldmann u. Hirichfeld in diesem Falle gerade nicht bezeichnen. Sie hat doch durch ihr Verhalten dieKlägerin in dieVerlegenheit gebracht, daß diese schließlich gleichzeitig auf 2 Stellen zur Arbeit verpflichtet war.— Der Arbeiter O. klagt gegen den Klempnermeister Borchert auf Zahlung von 40 Pig. Restlohn. Da der Beklagte nichts schuldig sein will, wird Beweiserhebung beschlossen.— Der Lehrling H. klagt gegen den Buchdruckereibesitzer Wiermann auf Aufhebung des Lehrvertrages und Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 280 Mark. Der Kläger hat die Lehre verlassen, weil er von dem Beklagten in übermäßiger Weise gezüchtigt sein will. Der Beklagte hat Widerklage auf Rückkehr des Lehrlings erhoben. In der Sache ist bereits mehrmals verhandelt worden. Im heutigen Termine nimmt der Beklagte die Widerklage zurück, nachdem ihm klar gemacht ist, daß er einen diesbezüglichen Antrag innerhalb 8 Tagen nach dem Austritte des Lehrlings bei der Polizeibehörde hätte stellen müssen. Die Klage wird ebenfalls aus formalen Gründen abgewiesen. Nach§ 127f der Gewerbeordnung hätte der Entschädigungsanspruch innerhalb 4 Wochen nach Auflösung des Lehrverhältnisses gestellt werden müssen. Diese Frist ist aber versäumt worden. — Vauausschußsitzung. Die Maurerarbeiten für die Schule an der Weidenstraße erhielt Maurermeister Klarhorst als Mindestfordernder für den Preis von 69015 Mark. Die Schulhofbefestigu.g für die Sudbrackschule wurde dem Maurermeister Walkenhorst hier zu 4900 Mark übertragen, die Lieferung der elektrischen Lichtanlage für die Sudbrackschule an G. Schmidt hier zu 1285.64 Mark, die Tischlerarbeiten für die anzulegenden Vereinszimmer im Ratskeller— nachdem der Mindestfordernde sein Angebot zurückgezogen hatte— an G. Stüssel zu 1542 Mark. Die Lieerung eines neuen Müllabfuhrwagens an P. Bauer zu Cöln=Ehrenfeld zu 1150 Mark. Die Einga, einer Anzahl Interessenten auf Erbreiterung der Arndtsti ze vor der Eisenbahnunterführung wurde zur Kenntnis gebracht. Bauausschuß beschloß, wegen der dadurch entstehenden hohen Kosten den Antrag abzulehnen. — Bielefelder Sommertheater. Die Direktion teilt uns zur Aufklärung des verehrl. Theaterpublikums mit, daß in diesem Jahre die Dutzendbilletts zu jeder Vorstellung Giltigkeit haben. mit Ausnahme der Benefize. — Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld. Die Sportgenossen werden ersucht, sich am Sonntag zur Abfahrt zum Bezirksfest in Herford punktlich ½1 Uhr bei Kahl, Herforderstraße, einzufinden. Polizeibericht, Straßensperrung. Behufs Vornahme von Geleisstoßausbesserungen in der Gütersloherstraße durch die hiesige Siraßenbahn wird diese Straße von Montag bis Mittwoch vom Kantensiek bis Mühlendamm und dana bis Ende der Woche bis Nebelstor für Fuhrwerk gesperrt. Der Fuhrwerksverkehr wird über den Fußbach geleitet. Baden an verbotenen Stellen. Zur Vermeidung von Unglücksfällen wird darauf hingewiesen, daß das Baden in freien Gewässern, Steingruben und an anderen durch öffentliche Blätter oder durch Warnungstafeln bezeichneten Stellen verboten ist. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Festgenommen wurden 6 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs und Obdachlosigkeit 1 Frauensperson wegen Trunkenheit und groben Unfugs; ferner erhielten 11 obdachlose Wanderer im Polizeigefängnis Unterkunft. Gefunden: 1 Paket mit Leinen. Zugelaufen: 1 schwarz und gelber Schäferhund, ein schwarzer Pudel. Verloren: 1 gelber glacélederner Damengürtel, 1 schwarzes Damenportemonnaie mit 1,30 Mk. Inhalt, 1 helle Damenjacke, 1 braunes Herrenportemonnaie mit etwa 10 Mk. Inhalt, eine dreisträngige Korallenkette. Röös, Behrens und Dr. Diese Herren Christen haben in Versammlungen eifrig gegen die Besteuerung des Tabaks geredet. Die letzteren hal als Angehörige der Wirtschaftlichen Vereinigung bestimmt er#ärt: Die Wirtschaftliche Vereinigung sei gegen jede Mehrbelastung des Tabaks durch neue Steuern. Das Organ der„christlichen" Tabakarbeiter bringt gestern die Merdung, daß der Wertzollzuschlag im Prinzip mit 16 Stimmen der Konservativen, der Reichspartei, der Wirtschaftlichen Vereinigung und des Zentrums angenommen sei. Was sagen die Hiddenhauser und Eilshauser Tabakarbeiter hierzu? Lief nicht noch vor lurzem die Notiz durch die Presse, daß dort einer der genannten Herren erklärt habe, die Wirtschaftliche Vereinigung lehne jede Erhöhung der Tabaksteuer und des Zolles ab? So offen ist wohl noch niemals der Schwindel getrieben worden. Röös vom Zentrum sollte doch erst mal erklären, was er nun als Zentrumsmann tun will gegenüber dem Verrat des Zentrums. Da sind die Konservativen doch besser. Bei denen weiß man wenigstens, wie man dran ist. Die„Christlichen“ haben sich aber jetzt hier in Westfalen ein Denkmal gesetzt. Ein Denkmal der Untreue, des Verrats und der Wortbrüchigkeit. Denn hätten die zwei Christlichen gegen die Wertzuwachssteuer gestimmt, dann wäre auch diese mit 14 gegen 14 Stimmen in der Kommission gefallen. Bei der Reichstags=Ersatzwahl im Wahlkreise Beckum=Lüdinghausen=Warendorf wurde der offizielle Kandidat des Zentrums, Herzog von Arenberg, mit 13.600 Stimmen gewählt. Der Kandidat der Zentrumsopposition, Justizrat Westhof=Oelde, erhielt 3492, unser Genosse Eilers=Bielefeld 1167 Stimmen. Bei der Wahl 1907 wurden abgegeben: 22879 Stimmen für das Zentrum, 924 sozialdemokratische, 511 nationalliberale und 28 freisinnige Stimmen. Es war von vornherein keih wesentlich anderes Resultat zu erwarten. Eine Opposition, zu welcher der Kandidat selbst sich nicht zu bekennen wagt, konnte unmöglich nennenswerte Erfolge zeitigen. Der Rückgang der Stimmen zeigt an, daß die Herzogskandidatur sehr unpopulär war. Es ist immerhin etwas, aber doch sehr wenig, daß ungefähr 5000 Zentrumsmannen die Faust in der Tasche zu allen gewagt haben. Unser Fortschritt beträgt ungefähr 250 Stimmen. Wir warten mit der Besprechung, bis das detaillierte Resultat vorliegt. Herford. 13. Mai. Von der Polizeiverwaltung wird uns geschrieben: Mit der beginnenden wärmeren Jahreszeit mehren sich wieder die Wald= und Wiesenbrände in bedenklicher Weise. Fast überall, wo Ginster und dürres Gras steht, finden sich die schwarzen Brandflecken. Auch das nächste Buschwerk ist versengt. So ist durch einen solchen Unfug in die schönen Anlagen auf dem Langenberg eine häßliche, rußgeschwärzte Lücke gerissen worden. Was Naturkreunde mit großen Kosten ihren Mitmenschen mühselig geschaffen haben, ist von unbedachter Kinderhand oder freventlichem Leichtsinn Erwachsener beim Umaehen mit Feuerzeug zerstört. Und nur durch glücklichen Zufall ist weit größerer Tchaden verhütet worden. Ein heftiger Windstoß hätte die ganzen angrenzenden Waldungen zum Raub der Flammen werden lassen können. Es ist ja bekannt, wie unaufhaltsam das Feuer im dürren Gras und Laub um sich greift. Aus den paar angezündeten Halmen, aus dem„Feuerchen“ wird ein gefährlicher Brand. Neben dem angerichteten Schaden macht sich, wer auf Wiesen und in Wäldern unvorsichtig mit Feuer erwachsenden Schaden auf. i. Hirschfeld hat nun aber 27. April von dem neuen Arbeit anzutreten. Die bei der Beklagten aus, um Goldmann u. Hirschfeld zogen der Klägerin 10.20 ägerin hätte bleiven sollen, tsiehenden Seaden auszeiese Ansicht als richtig beh, der dann auch dahin zuerhält. Als oobel können ann u. Hirichfeld in diesem it doch durch ihr Verhalten t, daß diese schließlich gleichichtet war.— Der Arbeiter Borchert auf Zahlung zte nichts schuldig sein will, Der Lehrling H. klagt gegen n auf Aufhebung des Lehrädigung in Höhe von 280 verlassen, weil er von dem ichtigt sein will. Der Bees Lehrlings erhoben. In idelt worden. Im heutigen erklage zurück, nachdem ihm züglichen Antrag innerhalb #rlings bei der Volizeiige wird ebenfalls aus for127f der Gewerbeordnung erhalb 4 Wochen nach Aufverden müssen. Diese Frist rerarbeiten für die Schule irermeister Klarhorst als 69015 Mark. Die Schulwurde dem Maurermeister rtragen, die Lieferung der brackschule an G. Schmidt heiten für die anzulegenden hdem der Mindestfordernde G. Stüssel zu 1542 Mark. fuhrwagens an P. Bauer Die Einga einer Anzahl er Arndtst# ze vor der Kenntnis gebracht. Bauentstehenden hohen Kosten die Direktion teilt uns zur likums mit, daß in diesem orstellung Giltigkeit haben. Bielefeld. Die Sportgeitag zur Abfahrt zum Bebei Kahl, Herforderstraße. herrung. Behufs Vorin der Gütersloherstraße diese Straße von Montag kühlendamm und dana bis hrwerk gesperrt. Der Fuhrgeleitet. ellen. 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Mai. „Wenn in der Eröffnungsrede zu der Schülerarbeiten Aussteuung der hiesigen Handwerkerschule gegen Ende gesagt wurde: „Wir wollen Sie erfreuen, darum ärgern Sie sich bitte nicht, wenn Sie einmal zu einer Arbeit, die den Ihnen bisher zufällig bekannten ferner liegt, kein inneres Verhältnis finden können usw.“, so empfinde ich diese Aeußerung als eine mit liebenswürdigem Lächeln gegebene Anspielung auf die Stimmen aus der Bielefelder Oeffentlichkeit und auf meine Stimme in der „Volkswacht“ gegen die Kunstwerke am Bezirkskommando. Ich hatte„dazu geschrieben:„Wohl dem, der darüber noch lachen kann.“ Es wäre eine vollständig falsche Meinung, bei mir empfundenen Aerger anzunehmen, und diese Annahme verriete auch nicht sehr viel psychologisches Erfassen. Ich will es hierdurch verraten, was mich zu meiner Stellungnahme bewog. Vorigen war es tiefster Groll über nichtverdiente Zurücksetzung, nicht Brotneid, und ersterer ist von maßgebender Stelle aus gehoben, wofür ich dankbar bin, ohne Pudeltreue zu kennen. In meiner Dankbarkeit aber fühlte ich mich verpflichtet, weitere Warnungen in die Welt zu geben,— nicht zu schweigen! Wenn Autoritäten versagen, muß eben, wie im Abt von St. Gallen, der Schäfer einspringen. Hoffentlich werden es keine Kassandrarufe bleiben. Die Gefühle der Kassandra bei Nichtbeachtung ihrer Warnungen seitens der Trojaner waren doch wohl auch kein Aerger, sondern schwerste Sorge um das Schicksal ihrer Mitbürger. Ich versichere auch, daß mich etwaige Abneigungen gegen Personen nicht hätten zum Schreiben veranlassen können. —. Nun, einige Kleinigkeiten sind ja auch schon erreicht worden. Die dilettierenden Damen sind aus der Handwerkerschule verbannt worden; Herr Dir. Thiele hielt einen Vortrag für Tischler und veranlaßte wohl auch einen solchen über Grabmalskunst und gestand in seiner obenerwähnten Rede ein, daß es schließlich auch ohne Schulen geht.(Siehe Darmstadt.) — Dessenungeachtet wird mich die Sorge, Bielefeld nicht dem Snobismus und dem unbedingten Autoritätenglauben auszuliefern, auch ferner auf dem Posten finden, und deshalb gestatte ich mir auch diese nicht bedeutenden, jedenfalls aber interessanten Glossen über Kunst und Künstler zu bringen. Als voriges Jahr der erste Preis eines Wettbewerbes um ein König Georg=Denkmal in Dresden auch ausgeführt werden sollte, dessen Urheber Prof. Wrba war, ein vorzüglicher und eminent begabter Bildhauer, vielleicht auch der geistige Vater der Form und Behandlung unseres Kaiserdenkmals, bildete sich dort eine Gegnerschaft gegen diess Projekt, in der auch namhafte Künstler sich befanden. Wrba zeigte den König Georg in archaistischer Auffassung, auch nicht in Uniform. Prof. Seffner in Leipzig, der Goethe als Leipziger Student im Denkmal herrlich festhielt, — also kein Idiot— war einer der ersten Rufer im Streite. Die Gegner behaupteten mit Recht, daß Wrbas Auffassung die Tradition der Dresdener Bildhauerkunst rücksichtslos durchbreche, sie eher, statt weiterzubilden, unterbinde, also etwas ganz Fremdes, heimatlich Unberechtigtes gebe. Wrba mußte sich bequemen, in engerer Konkurrenz mit Seffner einen neuen Entwurf anderer Auffassung anzufertigen, der dann allerdings wieder mit dem ersten Preise gekrönt wurde und jetzt auch ausgeführt wird. Die Dresdener Gegner hatten aber durch ihren Protest die Untervindung ihrer heimatlichen Tradition und das„Lart pour l'art“ verhindert. Daß die Weiterentwicklung ihrer Tradition ohne Wrbas heimatsfremde Kunst möglich ist, zeigte Hosaeus in seiner kolossalen Ballspieler auf dem Sportplatze und in seinem Mozartbrunnen auf der Bürgerwiese.— Ferner ging der Bildhauer Döhler in Dresden bei einem Schiller=Denkmals=Wettbewerbe mit dem ersten Preise durchs Ziel, dessen Entwurf anfangs ebenfalls zur Ausführung bestimmt wurde. In diesem Falle erreichten die Gegner die vollständige Ablehnung der archaistischen Auffassung. Den Gegnern wird man„Brotneid“ als Motiv ihrer Ablehnung nicht vorwerfen können, wie dies oft geschieht, auch nicht sachliche Unkenntnis und Mangel an Einfühlen. Nun erwarte ich mit Spannung die Lösung des spezifischwestfälischen(ravensbergischen) Linnenkorl=Problems durch einen Tirdler; ich erwarte und wünsche im Interesse Bielefelds, ja Westfalens, das zu meiner zweiten Heimat geworden ist, das Beste und werde ohne Befangenheit an diese Lösung herantreten, obgleich ich die unerschütterliche Ueberzeugung habe, daß Heimatskunst nur auf heimatlichem Boden wachsen kann, daß diese wieder nur durch wurzelständige Künst57 Lünstlern aus der Heimat, restlos gelöst werden kann. ##ensfremdes ist auch vom größten Genie noch nicht bewaitigt worden(siehe Bezirkskommando). Ich verweise auf Meunier und seine Modelle aus seiner Heimat. Wäre Meunier nicht belgischer Landsmann gewesen, hätte er nie diese monumentale Verklärung dieser niedrigen Arbeit geben können. Diese Werke sind Höhenkunst und Heimatskunst zugleich. Ich befürchte im Interesse Bielefelds bei der doch tatsächlich bestehengane bedeutend größeren Charakterverschiedenheit de A der fürchte im Interesse Bielefelds bei der doch tatsächlich besteh den, gung erveutend Kloßeren, gharatiertgrschiebenhein der Stämme vom äußersten Süden bis Norden, als der vom Osten zum Westen, das Mißglücken. Ich muß das Mißglücken bekürchten, weil die Figur„Leineweber auf der Lieferung“ schon historisch, ist und Studien kaum möglich sind. Es wurde also von ihrem ehrenvollen und uneigennützigen Mäcenatentum. Also auch hierin wird sich Dr. Bock geirrt haben, wenn er mit unter den Ratgebern war. Wir werden ja sehen, ob ein Tiroler Bauer im westfälischen Kostüm herauskommt. Gerade in unserer bedeutenden Charakterverschiedenheit, die ihren Ausdruck auch in der Kunst findet, in unserer Dezentralisation liegt ja eine hauptsächliche Stärke mit in unserer deutschen Kunst; wer diese aufheben und ausgleichen will, schlägt die Sache selbst. Berlin oder München, Dresden oder Wien, sind doch nicht Deutschland, wie man annähernd von Paris gegenüber Frankreich sagen kann. Selbstverständlich werden sich durch das Nivellierende des Zeitgeistes diese Eigenschaften mit der Zeit verwischen. Heimatskunst erfordert aber größtes Einfühlen in den Charakter von Land und Leuten, bedarf der Weiterentwicktung der Tradition. Ein anderer Wettbewerb führt mich zu unserem verderblichen Autoritätsglauben, zum Dogma von der Autorität. Den ersten Preis bei dem Wettbewerbe um ein 25 Pfg.=Stück erhielt ein Süddeutscher, ein Kunstgewerbeschüler in Berlin(!); er wird dadurch bekannt werden und massenhafte Aufträge erhalten. Heutigentags schon nicht mehr originell ist, wie das Berühmtwerden von Ursachen aus dem Geschlechte sus abhängen gann und wie erste Preise entstehen können. Ich setze die Betauntschaft mit dem Entwurfe voraus, dessen Abbildung fast durch alle Zeitungen ging und auch vom Kunstwart gebracht wurde. Der Revers zeigte ein in einem Kreis lose eingeschriebenes Quadrat. In diesem Quadrate stand ein Adler in der Diagonale, so, daß Kopf und Schwanzende in je einer gegenüberliegenden Ecke angeordnet waren. In den beiden anderen Ecken waren die freischwebende Kaiserkrone und die Jahreszahl angegracht. Diese jedes verseinerte Auge beleidigende Zusammenstellung von Kreis und Quadrat hat ihren Ursprung in einer antiken griechischen Münze, siehe Brockhaus' Lexikon, Münzen, Tafel I; der Adler hier entspricht dort der Eule, die freischwebende Krone einem Oelzweige, die Jahreszahl griechischen Buchstaven.— Das Quadrat kehrt in der griechischen Münze östers wieder, weil es dem Kopfe des Prägestockes entspricht, auf dem das zu prägende Stück Metall aufgelegt wurde und sich während des Prägens nicht verschieben durfte. Es entstand also aus einer Notwendigkeit und wurde dadurch erst zum berechtigten, wenn auch nicht schönem Ornament; der umfassende Kreis bildete sich von selbst aus dem kugeligen Metallstück. Diesen mechanischen Vorgang jetzt sinnlos nachzuahmen, ist bezeichnend für eine gewisse naive Unverschämtheit einerseits, die jetzt oft schöpferisch bezeichnet wird, und einer gewissen Gedankenlosigkeit andererseits, die solche Unverschämtheiten prämijert. und auch, weil sie etwas„Neues“,—„Bluff— und. Für den Schüler besteht aber jetzt die Gefahr der Ueberschätzung seiner Kraft, vielleicht ist er nie wieder so glücklich im „schopferischen Ausgraben“; für das urteilslose Publikum liegt die Gefahr darin, daß es sich jetzt der Führung eines solchen Herren gedankenlos anvertraut, er hat ja einen Namen. Das ist der Fluch des Autoritätenglaubens. Irrt eine Autorität, reißt sie die gläubige Menge mit ins Verhängnis. Wieviele „Autoritäten“ irren aber, denen diese Bezeichnung in Wirklichreit nicht zutommt, die vielmehr nur durch Fortunas Gnaden zu„Großen“ aufgeblasen wurden und durch Schaumschlägereien ihre Größe zu erhalten suchen müssen, wenn sie überhaupt dazu fähig sind, gegen sich ehrlich zu sein, da sie ihre Schwäche nicht fühlen. Einen solchen Schaumschläger vermute ich in einem deutschen Künstler mit französischen Vor= und Familiennamen— schon Reklame genug für viele gute Deutsche!— der voriges Jahr hier ausstellte. Er hatte immer schon— schon vor fast 30 Jahren — die richtige Erkenntnis, daß Reklame für seine werte Person materiell sehr dienlich ist. Dieser Künstler stammt aus Chemnitz, wohnt jetzt in München und hat sich malerisch und maltechnisch vielleicht eine persönliche Note verliehen und ist so halb und halb berühmt geworden. Ob schon seit längerem, weiß ich nicht, fügt er hinter seinen Vornamen Charles das Adelsprädikat de ein, apostrophiert es aber, wie man es im Französischen vor Vokalen z. B. d'Amade macht, obgleich sein Familienname mit einem sehr scharfen Konsonanten beginnt. Nun sollte man doch meinen daß diese Spekulation auf die Gedankenlosigkeit, diese Schaumschlägerei— eines Künstlers unwürdig— sofort klare Menschen stutzig machen und Rückschlüsse auf die Qualität seiner Erzeugnisse verursachen müßten,— nichts davon!—, dieser Künstler wurde auch hier in Bielefeld gefeiert. Ich kenne ihn persönlich— schon als Dresdener Kunstakademiker und lauten Reklameschläger kannte ich ihn— und später hatte ich mit ihm bei den=Vorbereitungen zur Wettinfeier zu tun. Und so mancher Künstler, dem es an wirklicher Ausdruckskraft fehlt, muß zu diesen persönlichen Toilettenmitteln greifen — Sand in die Augen!— Verschiedene versuchen es mit Kokettieren, mit Blasiertheit und mit Abgelebtheit, das sind die „Uebermodernen“, die Kranken, andere wieder frisieren ihr Aeußeres, auf Rubens, und Remhrandt, auf Russentypus, auf Christusköpfe und sonstiges schausvielerisches Wesen usw. Trotzdem möchte ich aber jedem Ruskin,„Menschen untereinander", Verlag der blauen Bücher, f. d. Stück 1,80 Mark, angelegentlichst empfehlen. Gewerkschaftsbewegung. . Die Glasarbeiter in Geiersthal in Thüringen schlossen sich— 50 Mann stark— dem Zentralverband der Glasarbeiter an. Dem Unternehmer paßte die Sache nicht und er versuchte, die Arbeiter der Organisation zu entfremden. Als dies nicht gelang, machte er auf der Glashütte folgenden Anschlag:„Da das angenehme Verhältnis, welches seit Jahrzehnten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der hiesigen Glasfabrik bestanden hat, durch Verhetzung und Ausschreitung, wie sie letzten Sonnabend vorgekommen sind, ein ruhiges Weiterarbeiten zur Unmöglichkeit wird, sehen wir uns gezwungen, den Betrieb in vierzehn Tagen einzustellen. Arbeiter, die gesonnen sind, unter den früheren ruhigen Verhältnissen gemeinschaftlich mit uns weiterzuarbeiten, mögen sich vor Ablauf obiger Frist bei uns melden, um unseren Bescheid entgegenzunehmen.“ Die Arbeiter haben sich nicht gemeldet und sind der Organisation treu geblieben. Es sind auch nicht die geringsten Störungen und Ausschreitungen vorgekommen und trotzdem wurde der Betrieb am Sonnabend, 8. Mai, eingestellt.— Es werden alle Glasarbeiter ersucht, Geiersthal zu meiden. " In der Warmwasserapparate= und Badeöfen= Fabrik von Juncker u. Co. in Dessau wurde versucht, Akkordpreisreduktionen bei den Klempnern durchzudrücken. Die Betriebsleitung geht dabei in rigorofester Weise vor und sucht durch hohe Versprechungen Klempner nach hier zu locken, welche dann die traurige Erfahrung, einer gröblichen Täuschung zum Opfer gefallen zu sein, machen müssen. Wir ersuchen darum, den Zuzug von Klempnern nach hier streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter=Verband, Verwaltung Dessau. Vom Post= und Telegraphenbeamtenstreik in Frankreich. Paris 14. Mai. Im Laufe des gestrigen Tages sind zirka 100000 Telegramme befördert worden. Von den Telephondamen fehlten nur 70 von 2500. Von 125 Postarbeitern haben 80 sich erboten, die Arbeit wiederaufzunehmen. Insgesamt fehlten in Paris gestern 7000 Postangestellte. Gerichtliches. Leußeres auf Rubens, und nembrandt, auf Russentyous, auf Shrintgsippfe und fonstiges„chausvielerisches, Wesen usw., das sind die Schaumschläger. Also auch diesen Göttern können sehr menschliche Schwächen anhaften, der Weise lächelt darüber, und sie tun auch nicht weh, wenn sie auch Berechnung sind und oft irre führen, schon mancher hat dadurch sein äußerliches Glück gemacht. Wie sagte doch jener Vorgesetzte zu seinem sich vorstellenden, parfümierten Untergebenen?„Ein gebildeter Mensch riecht weder gut noch schlecht!“ Wie wohltuend einfach und anspruchslos sind jedoch gerade die großen Künstler in ihrer äußeren Erscheinung. Man sehe sich einmal die Porträts, besser die Glanzbilder dieser Edelmenschen und Heroen an, die nichts von Arroganz und Affigkeit kennen. Nur einige in bunter Folge! Hans Thoma, Steinhausen, Klinger, Gottfr. Keller, Menzel, Möricke, Stifter Schwind, Ludw. Richter, Böcklin, Lenbach, Laibl, Aler(Sascha) Schneider, Mozart, Beethoven usw. usw. Diese Genannten sind alles solche, die wirkliche Kunst vermitteln aus innerem Drange, nicht um sie nur zu verkaufen(!). SieheRuskin. „Menschen untereinander", Seite 182. Diese enttäuschen die kunsthysterischen Männlein und Weiblein fast sämtlich, wenn auch hier und da ein Titanenkopf auf imponierendem Gerüste getrager wird, und man muß guter Augen- und Seelenleser sein, will man bei diesen die Künstlerschaft erlesen. Wie die Heimatskunst der Heimat, soll sie wahr sein, angepaßt sein muß, ähnlich muß angewandte Kunst dem Besteller, dem Verbraucher, individuell angepaßt sein. Nehmen wir einmal einen recht drastischen Fall heraus, um zu zeigen, daß dies mitunter durch das sittliche Niveau des Bestellers geradezu zur Unmöglichkeit werden kann. Irgendeiner hat sich durch seine „überlegene Intelligenz“ ein großes Vermögen erworben und ruht auf seinen Lorbeeren aus. Vielleicht schlug er Bauern übers Ohr oder diskontierte Handwerkern in Not Wechtel. Dieser gesetzlich gewährleistete Ehrenmann, weil man ihn auf Grund geschriebener Gesetze nicht fassen konnte, möchte sich ein Haus bauen und einrichten— individuell bis zur letzten Konsequenz. Das ist eine künstlerisch nicht zu lösende Aufgabe, der sich. durch##5 Lharaktereigenschaften, des Anftraggebers unüber von 1 Jahre und 8 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine windvare Widerstände entgegensteuen. Diese aufgabe kann] gegen dieses Urten eingelegte Berufung hatte nur wenig Erfolg, kein Künstler lösen, denn der wirkliche Künstler ist gut und es wurde jedoch die Strafe auf 1 Jahr und 6 Wochen ermäßigt. findet den Ausdruck nicht. Ruskin brückt das wie folgt aus: 1 Der Schlosser August Poggemeier von Werste bei Oeyn„Du kannst dich nicht zu einem guten Menschen malen oder hausen ging am Abend des 6 Juli y S mit#weien seiner singen. Du mußt gut sein, ehe du malen oder singen kannst, und dann werden Farbe und Ton das Beste in dir vollenden.“ Würde sich aber dennoch ein Künstler dieser Aufgabe unterziehen, das unsittliche Individuelle des Auftraggebers aber außer Betracht lassen und etwas an sich Künstlerisches leisten, wäre dann nicht die ganze Arbeit nur Atrappe, nur Schein, weil sie nicht wahrhaftig ist, weil die ganze Arbeit nur eine konventionelle Lüge ist, die unsittlich ist, und ist dann im Grunde genommen diese Arbeit nicht genau dasselbe, was die bisherige„ästhetische Schnellbinder=Dement=Kultur“ an MietsBielefeld, 12. Mai. Strafkammer. Die Ehefrau Bergmanns Wilhelm Piependreier von Bochum war vom Schöffengericht zu Gütersloh am 18. Februar d. I. von der Antlage des Hausfriedenbruchs freigesprochen worden. wogegen die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hatte. Die Angeklagte soll am 9. September v. J., als sie ihre Nichte, die bei der Frau Schimmelfeder in Kattenstroth in Stellung war, abholen wollte, sich des Hausfriedenbruchs schuldig gemacht haben. Die Strafkammer vermißte den Nachweis, daß sie sich bewußt gewesen sei, den Hausfrieden zu brechen. Es wurde deshalb die Berufung der Staatsanwaltschaft verworfen. Der erst 23 Jahre alte Buchdruckereibesitzer Hermann Hipler von Schötmar hat im Mai v. J. zwei Brillantringe im Werte von 730 und 750 Mk. von hiesigen Juwelieren auf Kredit gekauft, wovon er den einen hier gleich in Bielefeld für 300 Mk. verpfändete und den anderen in Hannover versetzte. Dann ist es ihm nach drei vergeblichen Versuchen an verschiedenen Stellen gelungen, bei einem der beiden hiesigen Juweliere einen gefälschten Wechsel über 745 Mk. unterzubringen und darauf 400 Mark bares Geld herausgezahlt zu erhalten. In der vorigen Verhandlung am 31. März d. J. vor der hiesigen Strafkammer und in der heutigen Verhandlung suchte er den Nachweis zu führen, daß er sich damals in guten Vermögensverhältnissen befunden habe, welche ihm solche Anschaffungen gestatteten. Dieses wurde aber durch die heutige Beweisaufnahme geradezu widerlegt. Er wurde wegen vollendeten Betruges in 3 Fallen und versuchten Betruges in 1 Falle in Tateinheit mit schwerer Urkundenfalichung zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt, worauf ihm 2 Monate von der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wurden. Der Viehhändler Friedrich Kleine=Harre zu Obernbeck bei Löhne war geständig, im Laufe des vorigen Jahres auf einem Wechsel über 1200 Mk. das Akzept gefälscht zu haben. Der Wechsel ist zweimal prolongiert worden, so daß eigentlich drei Fälschungen vorlagen. Der Gerichtshof nahm aber eine fortgesetzte Handlung an und verurteilte den Angeklagten zu sechs Wochen Gefangnis. Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, daß kein Schaden durch die Wechselfäschung entstanden ist. Der Arbeiter Heinrich Lühr von Eidinghausen, welcher s. Z. von der hiesigen Strafkammer mit 1 Jahr Gefängnis bestraft worden ist, war vom Schöffengericht zu Oeynhausen wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Beleidigung, einschließlich des einen Jahres Gefängnis, zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahre und 8 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Seine dieses Urteil eingelggte Berufung hatt: nur Ers“ „Agerige hastherische Schneubinder=Zemenichrultur an Mietshäusern auch schon war?! Ein Künstler könnte wohl für den Begriff„konventionelle Lüge", also einer Unsittlichkeit, ebenso wie für Neid und Haß einen künstlerischen Ausdruck finden, er darf sich aber nie einer Unsittlichkeit bedienen(darüber wäre ein langes Kapitel zu schreiben) und Unsittlichkeiten zu schaffen. Die Wechselbeziehungen zwischen Auftraggeber und Künstler, die auf sittlichem Zustande basieren, treten hier klar zutage, und daher hat auch Ruskin wieder recht, wenn er schreibt:„Die Kunst vervollkommnet die Sittlichkeit oder den sittlichen Zustand der Menschen. Sie vervollkommnet ihn,— sie bringt ihn nicht hervor. Erst muß der rechte sittliche Zustand da sein, sonst ist die Kunst unmöglich. Wenn sie aber gewonnen ist, wirkt sie erhöhend und vollendend auf den sittlichen Zustand, aus dem sie erstand, zurück und teilt vor allem ihr Frohlocken anderen Gemütern mit, die eines gleichen schon sittlich fähig sind.“ Und was macht unser„Ehrenmann“ in seinem neuen Heim? Der schwimmt wie eine Rosine in guter Bouillonsuppe, nachdem er den Architekten um die Hälfte des Honorars geprellt hatte. Vor kurzem hat er noch einige japanische Fächer und einige prima imitierte Fayancen aus Blech sich geleistet und damit dem Ganzen erst die richtige Weihe gegeben, es war ihm alles noch zu leer. Er soll ersticken an all der Schönheit ohne Erben zu hinterlassen, der Reichsfinanznot wegen. Und was mache ich,— Ich will Schluß machen, sonst verfalle ich wahrhaftig noch selbst dem eben bekämpften Dogma von der Autorität. hausen ging am abend des 6. Juli v. J. mit. zweien seiner Freunde am Siel zu Oeynhausen spazieren. Es dauerte nicht lange, so hatten seine Begleiter mit drei friedlich des Weges gehenden Spaziergängern Händel gesucht und bekommen. Ehe man es sich versah, war die Rauferei in vollem Gange, und bei dieser Gelegenheit hat der Angeklagte anstatt Frieden zu stiften, wie er behauptet, dem Tischler Böll, der schon von den Freunden des Poggemeier zu Boden gestoßen war, von hinten einen Messerstich in den Rücken versetzt, der diesem beinahe das Leben gekostet hat. Die Strafkammer erkannte gegen den heimtückischen Messerhelden auf 1 Jahr Gefängnis. Der Angeklagte wurde sofort in Haft genommen. Der Arbeiter Heinrich Hägermann von Minderheide, welcher schon einmal wegen Körperverletzung vorbestraft war, hat in der Nacht zum 1. Dezember v. J. ohne alle Veranlassung den Arbeiter Heinrich Meyer von Häverstädt mit einem Messer bearbeitet und ihm eine bedeutende Quetschwunde am Kopfe beigebracht. Für diese gefährliche Körperverletzung war ihm vom Schöffengericht zu Minden eine Geldstrafe von 40 Mk. eventuell 8 Tage Gefängnis geworden, wogegen er noch Berufung eingelegt hatte, die aber verworfen wurde. Militärisches. Soldatenmißhandlungen bei der Garde. Mittwoch, 12. Mai, wurde vor dem Kriegsgericht der 2. Garde=Division gegen einen brutalen Soldatenschinder verhandelt. Angeklagt war der Sergeant Riemke von der 2. Kompagnie des Kaiser=Franz=GardeGrenadierregiments, die Leute seiner Korporalschaft in Hunderten von Fällen schwer mißhandelt zu haben. Er hat sie geschlagen, gestoßen, ihnen Faustschläge ins Gesicht versetzt, daß die Nase blutete und die Lippen aufsprangen, sie mit dem Seitengewehr mißhandelt usw.— Einzelne Leute sind 30- bis 40mal in dieser rohen Weise mißhandelt worden. Der Soldatenschinder berief sich darauf, daß er vom Feldwebel Bartsch zu den Mißhandlungen angestiftet worden sei, und 8 — Feldwebel mußte zugeben, daß er dem Sergeanten gesagt habe, er solle Ordnung in die verlotterte Korporalschaft bringen. Riemke wurde— dem Antrage des Anklagevertreters entsprechend— zu einem Jahre und drei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Er wurde sofort verhaftet. Statt einer Rente— drei Monate Gefängnis! Der Maurer aus Selbongen(Kreis Sensburg) litt nach seiner am 29. September 1904 erfolgten Entlassung aus dem Militärdienst dauernd an Herzschwäche. Er stellte deshalb bei der Militärbehörde den Antrag, ihm eine Pension zu bewilligen. Das Gesuch begründete er damit, daß er sich das Leiden während seiner Militarzeit zugezogen habe, da er wiederholt gemißhandelt worden sei. Als er keine Antwori auf sein Gesuch erhielt, richtete er an seinen Regimentskommandeur ein etwas derbes Schreiben. Hierin wurde eine Achtungsverletzung gefunden; anstatt der Rente erhielt Kloß— 14 Tage Mittelarrest. Da Kloß leidend war, trat er trotz wiederholter Aufforderungen die Strafe nicht an; schließlich wurde er verhaftet. Als Kloß die 14 Tage abgemacht hatte, reichte er nochmals eine Eingabe auf Bewilligung einer Pension ein; er erfuhr aber, daß inzwischen schon wieder ein neues Verfahren gegen ihn eingeleitet sei, und zwar hauptsächlich wegen Beharrens im Ungehorsam. Diese Freveltat sollte durch die Weigerung, die Strafe anzutreten, begangen worden sein. Das Kriegsgericht bekam es wirklich fertig, den schon seit mehr als 4 Jahren im Zivilleben stehenden Kloß wegen Beharrens in Ungehorsam und eines anderen Vergehens zu sieben Wochen Gefängnis zu verurteilen.— Dem Gerichtsherrn war diese Strafe noch zu gering; er legte Berufung ein und das Oberkriegsgericht erkannte jetzt auf drei Monate Gefängnis!— Vor Gericht wurde festgestellt, daß Kloß an Herzschwäche leide und von seinen Eltern unterhalten werden muß, da er vollständig arbeitsunfähig ist. Frauenbewegung im Ausland.— Die Frau in öffentlichen Aemtern. unsere Mütter und Hausfrauen: Wer's nur verstände. Von Rob. Reinick.— Aus der Kindheitsgeschichte der Erde. I. Von Hannah Lewin=Dorsch.— Winke zur häuslichen Krankenpflege. Von Dr. med. B. Steininger.— Feuilleton: Ostrau. Von Peter Bezruc.— Ein Landjunker. Von R##o aus Gogol.(Fortsetzung.) ür unsere Kinder: Prinzeß Frühling. Von Emma Dötz.(Gedicht.)— Das Wappen der Urbarier. Von Robert Grötzsch.— Aus dem Reiche der Technik. II. Eine Eisenbahn= jahrt. Von Rich. Woldt.— Der Clown. Von Heinr. Vierordt. (Gedicht.)— Die Geschichte des Regentrövschens. Von Toni Sußmann.— Der Esel und der Stier. Von Just Friedrich Wilhelm Zachariä.(Gedicht.)— Das Märchen vom Schlaraffenland. Von L. Bechstein.— Hänschen auf der Jagd. Von Heinrich Seidel.(Gedicht.) Vermischtes. Literarisches. Von der„Gleichheit". Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen(Stuttgart, Verlag von Paul Singer), ist uns soeben Nr. 16 des 19. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Der Entwurf einer Reichsversicherungsordnung. Von gh.— Die Strafzustiznovelle. I. Von H. B.— Die Heimarbeiterinnen in der Fellzurichterei und Hasenhaarschneiderei. Von Johannes Heiden.— Schützt die Mutter! Von Fr. Kleeis.— Eine gewerkschaftliche Frauenorganisation. Von Gert.— Schrecken des Militarismus.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Jahresbericht der Kreisvertrauensperson für den sechsten sächsischen Wahlkreis Dresden=Land.— Politische Rundschau. Von H. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Aus dem Gebiet der rheinischen Textilindustrie.— Der dritte Verbandstag der organisierten christlichen Heimarbeiterinnen. Von M. W.— Genossenschaftliche Rundschau. Von H. Fl.— Notizenteil: Dienstbotenfrage— Soziale Gesetzgebung.— Frauenstimmrecht.— Sozialistische a„ Eisenbahnunglück. Straßburc, 14. Mai. Heute nacht 102 Uhl Engleiste der Schnellzug Nr. 161 Basel—Köln nahe der Station Herlisheim bei Colmar infolge Zusammenstoßes mit ##l. Teutgegenkommenden Güterzuge. Der Postwagen und der erste Schlafwagen des D=Zuges fingen alsbald an zu brennen. Mehrere Personen sind verbrannt. Die Passagiere des zweiten Schlafwagens konnten sich durch die Fenster retten. Colmar, 14. Mai. Bis vormittags 11 Uhr waren vier Tote festgestellt. Es scheinen aber noch einige Reisende unter den Trümmern zu liegen. Umgekommen sind der Heizer des Guterzuges, Heizer und Maschinist des D=Zuges und ein Postbeamter. Der Zusammenstoß ist darauf zurückzuführen, daß an der Stelle, wo das Unglück geschah, der Kessel der Güterzugsmaschine explodierte, wobei vier Wagen des Güterzuges auf das Nebengeleise geschleudert wurden. Im gleichen Augenblick kam von Mülhausen der Schnellzug herangesaust und fuhr in die entgleisten Wagen des Güterzuges hinein, wodurch der größte Teil des Zuges die Böschung hinabgeschleudert wurde. Colmar, 14. Mai. Bis jetzt steht fest, daß vier Beamte und ein Reisender getötet und drei Postbeamte und 12 Reisende schwer verletzt sind. Der Fabrikant Buchholz aus Krefeld erlitt einen Beckenbruch.. Vermißt wird niemand mehr. Der Heizer und der Maschinist der Güterzuglokomotive wurden unter den Trümmern tot und vollstandig verkohlt hervorgezogen. In der Asche des D=Zuges fand man als einzigen und unversehrten Gegenstand einen Rosenstrauß. Die meisten Passagiere, Frauen und Kinder, begaben sich, in Decken gehüllt, nach Herlisheim, von wo sie nach Colmar befördert wurden. Colmar, 14. Mai. Nach den bis mittags vorliegenden Meldungen sind bei dem Eisenbahnunglück fünf Personen getötet und 14 verletzt worden, darunter mehrere schwer. Straßburg, 14. Mai. Bei dem Eisenbahnunglück bei erlisheim konnte der Straßburger„Bürgerzeitung“ zufolge der größte Teil der Post gerettet werden. Die Post wurde aus dem Wagen geworfen und so vor der Vernichtung bewahrt. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 33. Heft, des 27. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt der Gestes heven wir hervor: Die Parteikrise der Independent Labour Party. Von Theodor Rothstein.— Gewerkschaftliche Konzentration. Von Jojef Kliche.— Die Stah warenfabrikation des Solinger Industriebezirks. Eine wirtschaftsgeschichtliche Studie von Johannes Kretzen.(Schluß.)— Naturallohn und Landarbeiterorganisation. Von August Pacek.— Jugendbewegung. Von Max Frankenthal(Berlin).— Literaruche„Rundschau: Gustav Schmoller, Skizze einer Finanzgebis 10001 Frauggi, esterreich, England und Preutzen(1500 Ger 6 70. Beg% Dr. I. Ingwer, Das Koalitionsrecht der arbeiter. Von N. R.— Notizen: Statistik der italienischen Wahlen. Von Oda Olberg.— Zeitschriftenschau. Leizte Nachrichten. Berlin, 15. Mai. Der„Kölnischen Zeitung" wird von einer Seite, die Bülow kennt, geschrieben: Alles, was in der Kommission geschehe, habe auf Bülow keinen Einfluß. Es wird auf das Bestimmteste in Abrede gestellt, daß Bülow mit dem Zentrum verhandelt habe. Bülow verzichte auf die Durchführung, der Finanzreform durch ein konservativ=klerikales Bunonis gegen die Liberalen. Bülow halte an seinem bekannten entwickelten Programm fest und werde die Finanzreform als Ganzes zum Abschluß bringen. Berlin, 15. Mai. Entgegen anderslautenden Meldungen, nach denen der Reichstag am Dienstag bis zum Herbst vertagt werden soll, erfahren wir von absolut zuverlässiger parlamentarischer Seite, daß weder die Absicht besteht, von diesem Tage ab den Reichstag zu vertagen, noch, daß eine derartige Vertagung in Aussicht genommen ist. Reichskanzer Fürst Bülow trifft Montag, 17. Mai, in Wies. baden ein, um dem Kaiser über die allgemeine Lage Vortrag zu halten. Man erwartet hiervon eine Klärung der Situation. der Redaktion. Sch. Nr. 22. Der Hauswirt darf die Kinder des Mieters nicht schlagen. Sie können Strafantrag stellen. Nr. 1000. 1. Von welchem Ort wollen Sie die Einwohnerzahl ? 2. D i e F r a g e l ä ß t s i c h i m B r i e f k a s t e n n i c h t b e a n t w o r t e n. 3. Die Mutter des Kindes kann ebenso gut eine Heirat ablehnen wie der Vater desselben. Selbstredend müssen in einem solchen Zaue die alimente weiter bezahlt werden, da diese doch nicht eine Entschädigung für die Mutter sind, sondern für den Lebensunterhalt des Kindes entrichtet werden. Sie müssen für den Schaden aufkommen. W. B. 100. Sie müssen sich an einen Fachmann wenden, ir dieser Sache können wir Ihnen keine Auskunft geben. 0 Die dünnste Wassersuppe, jede schwache Bouillon, ferner Saucen, Gemüse und Salate erhalten augenblicklich feinen, kräftigen Wohlgeschmack durch Zusatz einiger Tropfen MAGGl-Würze. Echte MAGGl-Würze hilft sparen. Telnnutmichung. Kaubmordversuch. 1000 Mark Am 7. Mai 1909, früh gegen 7 Uhr 50 Min., wurde im Hause Körnerstraße 20, welches gegenüber dem Postamte W 35 gelegen ist, die verwitwete 43 Jahre alte Frau Ernestine Reschke mit vier klaffenden Kopfwunden in ihrer im Seitenflügel 2 Treppen links befindlichen aus 2 Stuben und Küche bestehenden Wohnung noch lebend aufgefunden. Der Täter ist identisch mit einem Schlafburschen(Einmieter), welcher sich seit dem 30. April 1909 auf den zweifellos falschen Namen Karl Winkler einlogiert hatte. Der angebliche Winkler zahlte sofort 7 Mk. beim Mieten an aus einem Portemonnaie, das anscheinend noch mehr Geld enthielt, jedoch nicht beschrieben werden kann. Winkler wurde um 7 Uhr 60 wein. bei seiner Flucht von mehreren Hausbewohnern und Straßenpassanten gesehen. Er soll in der Richtung der Lützowstraße nach der Potsdamer Straße zu gelaufen sein. Die Tat ist mittels eines 800 Gramm schweren Schlosserhammers der das Fabrikzeichen(ein Helm) der Firma Steinbach, Oberbrück in Westfalen, führt, verübt. Auf dem Holzteile, welcher bei Verübung der Tat gebrochen ist, sind schwach und kaum sichtbar die Buchstaben K. H. eingeritzt. Der angebliche Winkler hat höchstwahrscheinlich die Absicht gehabt, nach Tötung der Frau Reschke den im Bezirk der Körnerstraße tätigen Geldbriefträger zu ermorden und zu berauben. geht aus folgenden Tatumständen hervor: 1. Am 30. April 1909, nachm. zwischen 7 und 8 Uhr, ist auf dem Postamt 18, Berlin NO, Lichtenberger Straße 22, eine Postanweisung über 6 Mk. an Herrn Karl Winkler bei Frau Reschke, „MAGGIs gute. sparsame Küche“. Berlin W, Körnerstraße 20, Quergebäude 2 Treppen links, aufgegeben worden.- Der Postabschnitt fehlt und befindet sich vielleicht noch im Besitz des Täters. " 2. Am 4. Mai 1909, nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, ist auf dem Postamt 99, Berlin O, Schicklerstraße 2, eine Postanweisung über 5 Mk. an Frau Reschke Witwe. Körnerstraße 20, Berlin W, Quergebäude 2 Treppen links, aufgegeben worden. Der Postabschnitt bezeichnet als Absender M. Friedländer, Magazinstr. 13. 3. Am 5. Mai 1909, nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, ist auf dem Postamt 1, Berlin C, Spandauer Straße 19—24, eine Postanweisung über 3 Mk. an dieselbe Adresse der Frau Reschke aufgegeben worden. Der Postabschnitt bezeichnet als Absender Frau Lindner, Poststraße 2. Auf der Rückseite des Abschnittes steht:„Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstage. Hoffentlich habe ich ihn eine kleine Freude bereitet.“ 4. Am 6. Mai 1909, nachmittags zwischer 3 und 4 Uhr, ist auf dem Postamt 16, Berlin SO, Köpenicker Straße 122, eine Postanweisung über 2 Mk. wiederum an die Adresse der Frau Reschke aufgegeben worden. Der Postabschnitt bezeichne als Absender Frau Urban, Michaelkirchstraße 32. Auf der Rückseite:„Viele Glückwünsche zum Geburtstag.“ Die Schriftzüge der Postanweisungen zu 1—4, sowie die Quittung des Empfängers auf der Rückseite der Postanweisung zu 1. weisen mit absoluter Sicherheit auf denselben Urheber hin. Die Schrift verrät eine im Schreiben wenig geübte Hand. In der Matratze von der Bettstelle des Täters versteckt wurde eine kleine Flasche, auf welcher„Eigentum Karl Täschner, Berlin 0“ eingepreßt war, vorgefunden und die, wie nach chemischer Analyse festgestellt, menschlichen Harn enthielt, dessen Beschaffenheit auf einen nicht erheblichen Harnröhren= oder Blasenkatarrh keine Anzeigen=Gar! Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in# Worte mit mehr als 15 Buchstaben der setten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. schließen läßt, was die Folge einer überstandenen oder noch bestehenden Gonorrhoe sein kann. An der Flasche klebte der Rest eines offenbar fruher vorhanden gewesenen mit Goldschrift beschriebenen Zettels in Etikettenform. Der Flaschenkork trägt die eingebrannte Bezeichnung„Mampe halb und halb mit dem Schimmelgespann“. Signalement: Ca. 25 Jahre alt, mittelgroß, mittelstarke Statur, halblanges gescheiteltes mittelblondes Haar, mittellanger hellblonder Schnurrbart, mittelstarkes Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe, spricht sehr schnell, trägt dunkle abgetragene, unten durchgestoßene Hose, braune gestrickte Unterjacke, welche er vermutlich manchmal über, manchmal unter einer dunklen Weste trägt, schmutzige weiße Wäsche, Chemisette und Stehkragen, rötlichen Schlivs, schmutzigen abgetragenen, bis an die Knie reichenden dunklen Ueberzieher mit geraden Taschen; er pflegt beim Gehen die Hände völlig in die Taschen des Ueberziehers zu stecken, dunkles Schuhzeug, steifen schwarzen Filzhut. Außer enem länglichen schwarzen Kamm, den er in der Westentasche bei sich trug, besaß der Täter nichts an Wasch- und Kamm=Utensilien. Der Täter besaß noch eine Taschenuhr von gelblichem Metall und vermutlich mit Sprungdeckel, außerdem eine Uhrkette von weißem Metall. Es muß auch damit gerechnet werden, daß der Täter sich nach der Tat vagabondierend und bettelnd auf der Landstraße herumtreibt. Personen, welche über den Täter irgendwesche Auskunft zu geben imstande sind, werden unter Hinweis auf obige Belohnung um Mitteilung an mich ersucht Berlin, den 8. Mai 1909. Der Volizeipräsident. IV. Abteilung. I. A.: Hoppe, Oberregierungsrat. Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumungshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werden. Teilzahung gestattet. Adolf Heine. Ritterstraße 57. 2438 Fahrräder, sowie sämtliche Zubehörteile, als Laufdecken, Luftschläuche, Lenkstangen, Felgen. Pumpen usw., zu billigsten Engrospreisen. Bielefelder Nähmaschinen= und Fahrrad=Industrie G. m. b. H., Verkaufstäger: Friedrich= straße 25. 1982 50 Kinderwagen, Sport=Sitz=Liegewagen, neu eingetroffen, stehen mit Mk. 5.— Anzahlung zu fabelhaft billigem Preise zum Verkauf. Bahnhofstraße 2a, nur 1. 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Bezirk (Gau östliches Westfalen und die lippischen Fürstentümer) feiert am Sonntag, 16. Mai, auf dem Marktplatze in Schildesche in den hierzu errichteten brei großen Zelten sein * F 0 * 1. Nachmittags 3¼ Uhr: Festzug durch das Dorf. Antreten bei„Wirt Wilh. Böke, Bielefelderstraße. 2. Instrumental= und Vokalkonzert. 3. Aufführungen der Arbeiter=Turn=, Radfahrer= u. Kraftsport=Vereine Schildesche. Fest-Ball. Entree 30 Pfg. Orchester gut besetzt. Entree 30 Pfg. Auf dem Platze sind zur Unterhaltung für Jung und Alt Karussells, Spiel= und Kuchenbuden aufgestellt. Hierzu werden die Arbeiter von Bielefeld und Schildesche freundlichst eingeladen. 2642 Der Festausschuss. F ar R Arbeiter-Turnverein„Deutsche Kratt“ Ummeln P½ feiert am Sonntag, den 16. Mai, sein 2757 * in den hierzu erbauten Zelten an der Gütersloherstraße, bestehend in turnerischen Aufführungen, Gesangsvorträgen und BALL Der Festausschuß. wozu freundlichst einladet W. Tuxhorn, Bleichstrasse. 9— Sonntag, den 16. Mai:(1641* TANZ. TANZ. Es ladet freundlichst ein N. Tuxhorn. Heinr. Bewekenhorn, Bürgerweg 50.[1640 Sonntag, den 16. Mai: Carl Senker, Herforderstraße. Sonntag, den 16. Mai:[2503 TANZ,KERKY 6666850000000OOD20R00ROOOSO0SSOSRRS Am Sonntag, den 16. Mai, feiert der der Maler und Lackierer — Zahistelle Oeynhausen— im Saale des Rosentals einen Ban GUS Anfang 4 Uhr. Aufang 4 Uhr. Freunde und Gewerkschafkler können durch Mitglieder eingeführt werden. 2753] Der Vorstand. 3030090600000030000060000030630000000990 „„ n e wirkt ein zartes, reines Gesicht, rosiges, jugendfrisches Aussehen, weiße, sammetweiche Haut u. blendend schöner Teint. 1023 Alles dies erzeugt die allein echte Steckenpferd=Lilienmilch=Seise v. Bergmann& Co., Radebeul, à St. 50 Pfg. bei L. Schäfer. C. H. Apenbrink, Herforderstr. 242. Sonntag, 16. d. M.: 24 TANZ. 2761 Gar Am Sonntag, den 16. Mai PISNE. Hierzu ladet freundlichst ein UV. Vogt, Hallerweg. Etablissement Ww. Kleinert, Detmolderstr. Am Sonntag, den 16. Mai 1909: 27842 1 Grosser Ball. 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Der Zutritt ist nur gegen Vorzeigen des Mitgliedsbuches gestattet. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 276 Empfehle mich zur Lieferung Sater kiusin zu solidem Preise. August Krüger, Stadtkapellm. bei 2524 2531 ErnstZimmermann, Comthurstr. 7. stadtische Freibad (früher Vollbrinker) wird Montag, 17. Mai, morgens 6 Uhr, eröffnet. Heberr-Schafft Zigarren- und Zigaretten Grosshandlung 1498 Pernspr. 1193 Bielefeld Bahnhofstrasse(Eoke Lützowstrasse). Ich empfehle, für Wiederverkäufer besonders geeignet, die bekannten und beliebten Zigaretten der Firma RIST& CO., Zigaretten-Fabrik, München. Rist la Reine Goldm. Verkauf 10 St. 504 Rist Isis„ 10„ Rist Nr. 2„ 10„ Rist City Goldm.„ 10„ Rist Dukatengold„ 10„ allen übrigen bekannten Zigaretten sowie Zigarren und Tabaken halte steis grosses Lager, daher beste und billigste Bezugspuelle für Wiederverkäufer. Nöchste Leistungsfähigkeit.— Zeste Referenzen. Goldene Medaille Bielefeld 1908. Frauen! 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Gauführte aus, daß der Streik entstanden sei, weil Koch, den Zigarrenarbeitern das aufgejetzte Deckblatt entzogen habe. Die Zigarrenarbenter hätten jeden morgen erst 1½ Stunden sich hinsetzen sollen und Deckblatt selbst aussetzen müssen. Das sei ein Lohnabzug von 1,50 bis 2,00 Mk. pro Woche. Der Vater des jetzigen Fabrikanten Koch habe, wenn er keier kein aufgesetztes Blatt habe liefern können, hierfür 25 Pfg. pro 1000 Zigarren vergütet. Auch das habe Herr Koch abgeleynt. Alle Vergur. Einizung sind von Koch protzig zuruckgewiesen worden. Den Hauptab#ug seiner Zigarren habe Koch in Herford. Die Herforder Arbeiter müßten sich deshalb überlegen, ob sie noch die Zigarren eines Mannes rauchen wollten, der die Lage der Tabakarbeiter, die heute schon die schlechtbezahltesten Arbeiter Deutschlands seien, noch weiter herabdrücken wolle. Koch habe Wistel bef Gobterz Pilige gefunden, Hausarbeiter, auf dem M###geid. Tiefes jeien die Geschwister Bögeholz, Fräulein Wiemann, die Kollegen Held und Horn, sowie Frau Tacke, welche, den Tabak von den Wirten Riso und Klusmeyer holten Dach dann ien auch, die gefertzigten Zigarren brächten, die Koch vann abhole. au ein Ligarrenarbeiter Causing im Schwarzenmoor sez als Arbeitswilliger tätig. Die Arbeitswinigen auf dem Wittel habe Koch bekommen, weil dort eine Fabrik eingegangen sei. Die Arbeit, die von einigen Kollegen beschen worden sei, sei minderwerig..4 Kolegse Arbeitersekretär Schmidt führt aus: Koch habe ihn, als er bei ihm gewesen sei, um Frieden herbeizuführen, auf dem Hausflur kurz abgefertigt. Der erste Bürgermeister von Herford sei an Koch herangetreten, aber auch ohne jeden Erfolg. Die müßten in der Herforder Arbeiterschaft jetzt einen Rückhalt finden. In diesem Sinne sprach auch der Genosse Meier. Püster führte aus, daß die Zigarrenarbeiter bei Koch, um existieren zu können, ihre Kräfte aufs äußerste anspannen müßten. Frühstücks= und Vesperpausen würden nicht gemacht, sondern die Butterstollen würden während der Arbeit gegessen. Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: „Die Versammlung drückt ihre tiefste Entrüstung über das Vorgehen des Zigarrenfabrikanten Koch, Stiftsberg, aus. Koch hat trotz der mißlichen Lage der Tabakarbeiter seinen Arbeitern den Lohn gekürzt und diese dadurch in den Streik getrieben. Die Zigarren, welche von ihm jetzt zum Vertrieb kommen, läßt er von Arbeitswilligen herstellen. Den Arveitswilligen zahlt er noch 50 Pfg. weniger Lohn wie bisher. Die Versammlung beschließt und verpflichtet sich, dahin zu wirken, daß kein Herforder Arbeiter Kochsche Zigarren raucht. Die Versammlung beauftragt das Streikkomitee, gemeinsam mit dem Kartellausschuß durch Plakate in den Wirtschaften und Läden der Herforder Arbeiterschaft von diesem Beschlusse Kenntnis zu geben. Die Parole muß sein: Kochsche Zigarren werden nicht geraucht.“ Es liegt nun an der Herforder Arbeiterschaft für Durchführung dieses Beschlusses zu sorgen. Auch die Genossen von Schötmar, Salzuflen wollen auf Kochsches Fabrikat achten. Schötmar, 14. Mai. Die Affäre Brüggemann gibt hier täglich Gelegenheit zu neuen Erregungen. Auch jetzt kommen noch Inhaber von Handscheinen und überzeugen sich, daß sie einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Die Revision der Amtsgemeindesparkasse ist noch nicht beendet, doch wird jetzt schon ihr Verrust auf eine Viertel Million Mark geschätzt. Der weiteus größere Teil der Verluste trifft natürlich die vertrauensseligen Sparer. Man beziffert diese auf annähernd 750000 Mark, so daß von Brüggemann Unterschlagungen in Höhe von fast 1 Million Mark begangen sind. Wie es B. angefangen hat, sich in den Besitz der Darlehen zu setzen, erhellt aus folgender Taktik. Kam ein Sparer mit Geld und wollie dieses bei der Amtssparkasse festlegen, so versprach ihm B. ein halbes Prozent mehr, als die Sparkasse gab. Bei dem Vertrauen, welches B. genoß, schöpften die Sparer keinen Argwohn und gingen, befriedigt über höheren Prozentsatz, nach Hause. Hierdurch hat natürlich B. auch die Amtssparkasse erheblich geschädigt. Wie es B. fertig gebracht hat, die Amtssparkasse bei den Revisionen in Ordnung zu haben, steht noch nicht fest. In der haben die Revisionen der Kasse zu keinen Einwendungen geführt. Die Kasse ist viermal im Jahre von den Revisoren der. Kasse in Schötmar, von der Regierung und von einem Bücherxevisor des Sparkassenverbandes fur Westfalen nachgeprüft. Letzterer führt auch jetzt die Aufklärungsarbeiten an der Kasse aus. Interessant ist dann noch, in welcher Weise B. von seinem Posten als Verwalter der Filiale der Fürstlichen Spar= und Leihekasse in Detmold zurücktrat. Vor etlichen Jahren erschien ohne jede Benachtichtigung bei B. der Direktor der Fürstlichen Spar= und Leihekasse in Begleitung eines anderen Beamten. Als der Direktor den Wunsch ausdrückte, die Kasse zu revidieren, erhielt er von B. die Antwort, er habe jetzt keine Zeit und solle ein anderes Mal wiederkommen. Nach einem erregten Wortwechtel zwischen beiden beschwerte sich der Direktor bei FürstRregierung. Noch ehe diese weitere Schritte getan hatte, lief am anderen Tage ein Schreiben B.'s ein, daß die Kasse geprüft werden könne. Im übrigen, schrieb B., passe ihm die Weiterführung der Filiale nicht, die Regierung solle sich daher nach einem anderen Beamten umsehen. Aus der Weigerung, die Kassenrevision vornehmen zu lassen, geht hervor, daß schon damals die Kasse nicht in Ordnung war. Daß nicht alle Bewohner des Amtes vertrauensselig waren, geht aus der Tarsache hervor, daß vor längeren Jahren ein Ziegeleibesitzer B. mit dem Ausdruck Betrüger" belegte. B. verklagte den Beleidiger und das Schöffengericht Salzuflen erkannte auf die hohe Geldstrafe von 600 Mark. Jetzt will der damals Verurteilte versuchen, daß die Klage wieder ausgenommen wird und daß dann seine Freisprechung erfolgt. Der Schaden, welcher einzelne Personen betrifft, beziffert sich auf Hunderte und Tausende von Mark. Ein angesehener Salzuf erBürger verliert allein 60·000 Mark, während ein Kreisphysikus in Detmold 15000 Mark verliert „.“ Detmold, 14. Mai. Zur Lohnbewegung auf der Aktien=Bierbrauerei Falkenkrug. Die Brauereiarbeiter stehen seit kurzem in einer Tarifbewegung. Die bisherigen Verhandlungen haben zu einem befriedigenden Ergebnis nicht geführt. Die Direktion ist in allen für die Arbeiter sehr wichtigen Fragen sehr zurückhaltend, besonders hinsichtlich der Löhne muß das gemachte Angebot als vollständig unzureichend bezeichnet werden. Die jetzt bestehenden Löhne sind Unnockun aner die niedrigsten im hiesigen Bezirk. Seit Jahren bestehen in der Umgegend in Anbetracht der teuren Lebensverhältnisse weit höhere Löhne. Auch in der Verkürzung der Arbeitszeit steht die Brauerei weit hinter den andern Brauereien zurück und gerade hierin erwarten die Arbeiter, daß die Direktion ihnen entgegenkommt.„Hoffentlich zeitigen die Verhandlungen der nächsten Tage ein anderes Bild. Die öffentliche Meinung ist auf seiten der Arbeiterschaft. * Lübbecke, 14. Mai. Rechtsauskunftsstelle. Die nächste Rechtsauskunftsstunde findet am Sonntag, 16. Mai, morgens von 9 Uhr an, im Lokale des Herrn Baumeister statt. .* Stadthagen, 13. Mai. Gewerkschaftskartell. Die Sitzung am letzten Sonntag beschäftigte sich hauptsächlich mit den Verleumdungen und Verächtlichmachungen einiger Personen gegen das Gewerkschaftskartell bezw. gegen den Vorstand desselben. Die Delegierten waren der Ansicht, daß diesen Machinationen entschieden entgegengetreten werden müsse. Dieses kann jedoch nur durch Aufklärung geschehen. Es wurde beschlossen, in allernächster Zeit eine Gewerkschaftsversammlung einzuberufen, welche sich mit dem Thema„Die Bedeutung der Gewerkschaftskartelle für die organisierten Arbeiter" beschäftigen soll. Das Bildungswesen soll mehr gefördert werden durch lehrreiche Vorträge. Die Einrichtung einer Bibliothek soll in die Wege geleitet werden. Hierzu schweben zurzeit noch Verhandlungen mit dem Arbeiter=Bibliothekverein„Fortschritt". * Steinhude, 14. Mai. Am Montag, 10. Mai, ereignete sich hier ein Vorfall, der am Orte erregt besprochen wird. Der Leverfabrikant Seegers hat nämlich am 10. Mai 4 Arbeiter entlassen weil sie sich nicht gefallen lassen wollten, daß ihnen 1 bis 2 Mark Strafe für verbrannte Häute von ihrem Lohn abgezogen wurden, woran die Arbeiter eigentlich keine Schuld trugen Seegers hatte zwar gesagt, die Arbeiter sollten ein Brett auf das Dampf= und Wasserrohr legen, bovor die Häute darauf geworfen würden, er würde ihnen sonst den Schaden vom Lohn abziehen, wenn die Häute verbrennen würden. Die Arbeiter haben aber dem Vorarbeiter als auch Seeger gesagt, er möchte doch das Rohr isolieren lassen, denn das Brett könnte doch mal vergessen werden. Jetzt, wo der Schaden da ist, und die 4. Arbeiter die Arbeitsstelle verlassen haben, hat Seegers das Rohr isolieren lassen. Ein Mann hat die Arbeit wieder ausgenommen, die drei anderen arbeiten anderwärts. * Gelsenkirchen, 14. Mai. Bergunglück. Auf der Zeche „Prosper“ wurde ein Bergmann dadurch getötet, daß er zwischen eine Eisenstange und einen Kokshaufen gequetscht wurde.— Auf Zeche„Vondern“ ist ein Arbeiter durch Einatmen giftiger Gase getötet, ein Maschinist schwer verletzt worden. ag. Unfälle bei Arbeitern. Nicht allzu selten kommk es vor, dak leichte Unfälle von Arbeitern übersehen werden und infolgedessen nicht zur Anmeldung kommen. Später werden die Betroffenen mit ihren Ansprüchen abgewiesen. Es muß daher die dringende Mahnung ausgesprochen werden, auch den kleinsten Unfall nicht leicht zu nehmen, weil man nie wissen kann, welche Gesundheitsschädigungen sich später zeigen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. Der Verkauf beginnt Montag früh um 10 Uhr. Montag, den 17. Mai, Dienstag, den 18. Mai, Antwech, den 19. Mial. 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Des weiteren wird eine von der Kommission vorgeschlagene Resolution angenommen, die den Reichskanzler um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zur Bekämpfung der Gefahren auffordert, welche dem Publikum durch Banken und Bankiers erwachsen, die es zur Anlage von Depositen oder Spargeldern anreizen. Es folgt die zweite Lesung des Viehseuchengesetzes. Abg. Lehmann=Jena(natl.) gibt zu verstehen, daß er eigentlich alle Paragraphen des Gesetzes besser gefaßt hätte, wenn er es gemacht hätte. Das Laienelement müßte mehr an der Kontrolle beteiligt werden. „ Wenn die Herren Sozialdemokraten das Wort Landwirtschaft hören, dann verlieren sie den Verstand.(Schallende Heiterkeit links.) Wer außerhalb des Parlaments schon einmal eine wirkliche Kuh gehandelt hat(andauernde Heiterkeit), der weiß, daß die sozialdemokratischen Anträge unannehmbar sind. Redner empfiehlt den Sozialdemokraten, ein Landgut zu kaufen und landwirtschaftliche Produkte zu produzieren.(Heiterkeit.) Er empfiehlt außerdem die Annahme der von ihm vorher stark kritisierten Kommissionsfassung.(Lebh. Beifall rechts.) Staatssekretär des Innern v. Bethmann=Hollweg verteidigt die verbündeten Regierungen gegen die Angriffe wegen Nichthinzuziehung des Laienelements und verbreitet sich dann über die Einfuhrverbote. Dieselben seien in Krankheitsfällen wie z. B. Milzbrand und anderes notwendig, sie seien aber in keiner Weise Belästigungen des Handels. Redner schließt gleichfalls mit der Bitte, die Kommissionsbeschlüsse anzunehmen. Abg. Scheidemann(Soz.): Das Viehseuchengesetz hat in der Presse nicht die Beachtung gefunden, die es verdient. Viele Leute haben nämlich gemeint, es ginge sie nichts an. Das lag an dem Titel, den es erhalten hat, der aber seinen Inhalt nicht im ganzen Umfange deckt. Man hätte es z. B. nennen können: „Gesetz betreffend die Bekämpfung der Viehseuchen und der den Agrariern unbequemen ausländischen Konkurrenz".(Sehr richtig! bei den Soz.) Dann hätte sich die Oeffentlichkeit mit diesem außerordentlich schlimmen Gesetz mehr befaßt. Es sind Paragraphen in dem Gesetz enthalten, deren Handhabung im agrarischen Sinne die Volksernährung nicht sichert, sondern gefährdet.(Sehr richtig! bei den Soz.) Das Gesetz interessiert nicht nur die Viehzüchter, sondern, da es sich auch auf Haustiere erstreckt, jeden, der einen Hund oder eine Katze hat. Nur denjenigen, die einen Vogel haben(Heiterkeit) kann man zum Troste sagen, daß ihr Kanarienvogel nicht unter das Gesetz fällt. Denjenigen Bestimmungen, die nach dem Stande der Wissenschaft geeignet erscheinen, Seuchenverschleppungen zu verhüten, stimmen auch wir Sozialdemokraten zu. Leider fehlen hier aber einige Vorschriften; die in dem Sinne der Seuchenverhinderung günstig gewirkt haben würden. Beispielsweise hätte bestimmt werden können, daß die Ställe einen Mindestraum für jedes Tier haben müssen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Den veterinären Bestimmungen stimmen wir, wie gesagt, zu, denn wir haben zu unserer Veterinärwissenschaft ebenso sehr Vertrauen, wie wir gegen die Behörden, die später die Bestimmungen ausführen, das denkbar größte Mißtrauen haben.(Zustimmung bei den Soz.) Dieses Mißtrauen ist nicht etwa eine sozialdemokratische Eigenschaft. Aus diesem Mißtrauen ist die Laien= oder besser gesagt, Sachverständigenkommission hervorgegangen, welche die Viehhalter vor Belästigungen schützen soll. Der Staatssekretär scheint über diese Kommission nicht richtig informiert zu sein. Er hätte sonst nicht behaupten können, durch ihre Einrichtung würde die notwendige Schnelligkeit gelähmt, die im Falle einer Gefahr notwendig ist. Die Kommission soll ja nicht den Behörden in den Arm fallen, aber sie soll ein Organ sein, zu der die in Betracht kommenden Bevölkerungskreise Vertrauen haben und die allerdings den Herren von der Regierung auch einmal sagen kann: Hier habt ihr eine Dummheit begangen. Die Kommission soll ja nur auf Anruf zusammentreten und greift nicht in die Kompetenz der Regierung ein. In der Kommission hat man diese Sachverständigenkommission erst preisgegeben, als die ReVerbundene Kügen. Roman von Max Kretzer. 13—(Nachdruck verboten.) Frida war bereits von ihm fort und inmitten von Kramer und Hiller, die inzwischen ruhig weitergegangen waren.„Felix ist verrückt geworden,“ rief sie aufgebracht aus. „Freut mich. Um so vernünftiger bin ich,“ erwiderte Kramer und ergriff ihren Arm mit den Worten:„Also endlich doch.“ Sie betraten das fast überfüllte Café, in dem zum Glück gerade eine Ecke frei wurde. Trolla war auffallend schweigsam, um so redseliger zeigten sich die übrigen. Frida namentlich war schon nach dem ersten Glas Schlummerpunsch sehr ausgelassen geworden. Sie lachte und scherzte so übermütig, daß Kramer immer aufs neue mit ihr anstieß und sie zum Trinken bewog. Als sie das dritte Glas vor sich stehen hatte, drohte ihr Trolla mit dem Finger und sagte:„Frida, Frida— trinken Sie nicht zu viel.“ „Sie aber verzog die Lippe wie verächtlich und erwiderte abweisend:„Das kann Sie doch nicht mehr interessieren. Vielleicht lassen Sie ihre Ermahnungen.“ „Das verschmähte Weib, wie es im Buche steht," dachte Trolla und machte ärgerlich einen Kopfnicker der Zustimmung. Innerlich war er angenehm berührt davon, es endlich so weit mit ihr gebracht zu haben. Als er dann aber unwillkürlich wieder aufblickte und ihre Augen auf sich gerichtet sah, entdeckte er doch einen anderen Ausdruck in ihnen, als zuvor. Es war, als betrachtete sie ihn nun mit einer gewissen Wehmut, mit mehr Mitleid als Groll; als hätte sie zu ihm sagen wollen:„Was ich auf der Zunge habe, trage ich nicht im Herzen.“. Als die Vorhänge an der Eingangstür wieder zurückgeschlagen wurden und Eckler und Rosa hereintraten und sich nach einem Nebentisch umsahen, fand er es an der Zeit, sich zu erheben. Er wollte denn doch der Möglichkeit entgehen, mit dem„Assessor" und dessen Begleitung hier noch die Gesellschaft zu teilen.“ „Sie wollen schon fort?“ fragte Frida verblüfft, als hätte sie das eigentlich nicht erwartet. Kramer jedoch, froh darüber, den Nebenbuhler glücklich los zu werden, zugleich aber ärgerlich, Frida noch so teilnahmsvoll zu sehen, warf spöttisch ein:„Herr Trolla will jedensalls heute noch slicgene 6 „Das nicht, lieber Freund,“ gab dieser zurück,„aber ich räume Ihnen das Feld, in der sicheren Erwartung. daß Sie als Gentleman Frida vor den Folgen des Punschgenusses bewahren werden.“ gierung drohte, das ganze Gesetz darüber scheitern zu lassen. Bei den von agrarischer Seite hineingearbeiteten Bestimmungen hat man von der Regierung eine derartige Drohung allerdings nicht vernommen.(Hört, hört! bei den Soz.) Auch wir Sozialdemokraten halten es für selbstverständlich, daß die strengen Maßnahmen, die im Inland gegen Viehseuchen getroffen werden, auch gegen das Ausland beachtet werden müssen. Wir verwahren uns aber entschieden dagegen, daß unter dem Anschein der Seuchenbekämpfung neue Einfuhrerschwerungen im agrarischen Interesse eingeführt werden.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Der§ 6 verbietet die Einfuhr von Tieren. die an einer übertragbaren Seuche leiden und von verdächtigen Tieren. Was verdächtige Tiere sind, ist im§ 1 gesagt, nämlich„Tiere, an denen sich Erscheinungen zeigen, die den Ausbruch einer übertragbaren Seuche befürchten lassen und Tiere, an denen sich Seuchenerscheinungen zwar nicht zeigen, rücksichtlich deren jedoch die Vermutung vorliegt, daß sie den Ansteckungsstoff ausgenommen haben. Ist wohl jemand hier anwesend, der jemals schon ein Tier gesehen hat, bei dem er bei einigermaßen gutem Willen nicht hätte annehmen können, daß es Ansteckungsstoff im Leibe hat?(Sehr richtig! bei den Soz.] Das ist eine geradezu haarsträubende Bestimmung. Und nicht nur diese„verdächtigen“ Tiere, denen man gar nichts ansieht, sollen den Bestimmungen des Gesetzes unterworfen sein, sondern auch die Erzeugnisse dieser Tiere. Dieses ist sogar unserer gewiß agrarischen Regierung zu weit gegangen und sie hat sich dagegen gewehrt, daß auch die Erzeugnisse solcher Tiere in den§ 6 aufgenommen werden. Die Bestimmung ist so gemeingefährlich, daß es sehr zu bedauern ist, daß die Regierung nicht erklärt hat, sie würde das Gesetz über diese Bestimmung scheitern lassen. Graf Posadowsky, als ihm bei der Durchbringung des Fleischbeschaugesetzes die Agrarier auch fortgesetzt mit derartigen Anträgen kamen, sagte:„Vergessen Sie doch nicht, daß es sich hier um ein Gesetz hygienischer Art handelt, aber nicht um ein Gesetz, durch das auf Umwegen der Preis für bestimmte Gegenstände, die den Herren von der Landwirtschaft unbequem sind, erhöht werden soll". Seitdem ist unsere Regierung agrarischer. geworden. Der Bund der Landwirte hat immer mehr Macht über sie gewonner.(Lebh. Zust. bei den Soz., Unruhe rechts. In der Kommission hatten wir oft den Eindruck. als ob wir in einer Kommission des Bundes der Landwirte uns befänden. (Unruhe rechts.) Alles, was aus dem Auslande kommt, gilt diesen Herren für schlecht. Sogar das ausländische Getreide. In einem Flugblatt des Bundes der Landwirte heißt es:„es ist amtlich festgestellt, daß das eingeführte Getreide nichts taugt, ein Getreidehändler selbst hat es als Dreck bezeichnet".(Große Heiterkeit links.) Sogar die Obsteinfuhr wird in diesen Flugblättern bekämpft, es wird direkt ein Verbot der Einfuhr des Obstes gefordert unter Heranziehung der famosen Schildlaus. (Heiterkeit.)„Aber die Freisinnigen“. heißt es dann,„scheinen die Läuse sehr gern zu haben".(Große Heiterkeit.) Wer die Tendenz des Bundes der Landwirte und vor allem die Macht, die er auf unsere Regierung ausübt, nicht will, kann unmöglich für die gemeingefährlichen Bestimmungen der§§ 6 und 7 stimmen. Unsere Anträge, im§ 6 die Worte„sowie von Erzeugnissen solcher Tiere“ und die letzten Zeilen zu streichen, wollen die schlimmsten Giftzähne ausziehen. Noch schlimmer aber ist der § 7, den wir ganz zu streichen beantragen. Nach§ 7 kann die Einfuhr lebender oder toter Tiere, tierischer Erzeugnisse oder Rohstoffe, sowie von Gegenständen: die Träger des Ansteckungsstoffes sein können, verboten oder beschränkt werden. Das heißt nichts anderes, als daß man jede Grenze sperren kann, wenn der Bund der Landwirte es wünscht.(Lebh. Sehr richtig! bei den Soz. Freilich hat die Regierung gesagt, ein solches Einfuhrverbot werde ja nicht von untergeordneten Organen ausgesprochen, sondern der Landwirtschaftsminister habe darüber zu entscheiden. Das ist uns keine Gewähr. Die Erfahrung hat gelehrt, daß man Landwirtschaftsminister sein kann und zugleich Milchproduzent, Schweinezüchter und zugleich Teilhaber bei Tippelskirch u. Co.(Leby. Sehz richtig! bei den Soz.) In Zukunft kann ein Landwirtschaftsminister vielleicht auch Teilhaber einer noch schlimmeren Firma sein. Um in Zukunft eine Gewähr für ein vorsichtiges Erlassen von Einfuhrverboten zu erreichen, müssen Sie unseren Anträgen entsprechen. Ich bitte Sie, diese Anträge anzunehmen und es dadurch auch uns zu ermöglichen, für das Gesetz zu stimmen.(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Abg. Freiherr v. Pfetten(Ztr.): Der Vorredner hat sich in Uebertreibungen ergangen.(Zuruf bei den Soz.: Er hat Tatsachen angeführt.) Für uns ist das Gesetz ohne die§§ 6 und 7 wertlos. Der Abg. Scheidemann will dem Auslande erlauben. was er dem Inlande verbieten woll.(Abg. Scheidemann: Ich : Kramers Lächeln verschwand. Er fixierte Trolla durch sein Monotle und fand nicht gleich die Worte, dann aber sagte er mit auffallender Gemessenheit:„Mein werter Herr Trolla, ich muß doch bitten. Unterlassen Sie künftighin derartige Hinweise, die an diesem Orte und um diese Zeit völlig überflüssig sind.“ Aus seiner Miene sprach das weitere, was er verschwieg. Trolla war keinen Augenblick eingeschüchtert. Unter einem durchaus verbindlichen Lächeln erwiderte er:„Verzeihen Sie. Gerade weil Ort und Zeit viel zu entschuldigen pflegen, lege ich Ihnen den etwas bedenklichen Zustand unserer Frida ans Herz.“ „Wollen Sie provozieren?“ klang es scharf zurück. „Nicht im geringsten. Nur eine freundliche Ermahnung vom Stapel lassen.“ „Die Sie in diesem Falle für sich hätten behalten sollen,“ erwiderte Kramer kurz. „Dann bitte ich um Entschuldigung für meine gute Meinung von Ihnen,“ sagte Trolla lächelnd und empfahl sich. Er ging, ohne nicht zuvor noch Frida die Hand gedrückt zu haben. „Was haben denn die beiden eigentlich?“ fragte sie mit schläfrigem Blick und neigte sich zu Hiller. „O, sie haben eigentlich nichts miteinander," erwiderte dieser heiter,„sie gehören beide zu jenen angenehmen Menschen, die immer das Gegenteil von dem denken, was sie sich freundschaftlicherweise ins Gesicht sagen. Man nennt das unbewußte Abneigung. Trolla mißt das Recht von unten nach oben und Kramer von oben nach unten. In der Mitte prallen sie gewöhnlich zusammen und sagen sich versteckte Sottisen. Wenn man das zu große Gefühl Trollas mit der zu kalten Vernunft Kramers multiplizieren könnte, dann bekäme man veilleicht ein ganz hübsches Resultat, aus dem sich etwas machen ließe.“ „Das ist mir zu lateinisch,“ warf Frida mit blödem Gesichtsausdruck ein und hörte dann lieber auf Kramer, der ihr mit anderen„vernünftigen“ Dingen kam.— Trolla war froh, die frische Winterluft wieder mit vollen Zügen atmen zu können, was ihm um so angenehmer war, als er sich dabei ungestört seinen Gedanken überlassen konnte Kramers Verhalten hatte ihm heut##weniger denn je gefallen, und so nahm er sich vor, sich mit ihm nur auf den notwendigen Verkehr zu beschränken, soweit es sich um ein gelegentliches Zusammentreffen in die Kneipe handeln würde. Er hatte es nicht weit bis zu seiner Wohnung. Als er, die Schachtel mit dem brennenden Wachslicht in der Hand, die Biegung der Treppe erreicht hatte, hörte er die Entreetür oben öffnen, und so konnte er noch eine männliche Gestalt hineinhuschen sehen, die allem Anschein nach einen Zylinderhut und einen Pelz trug. Wahrscheinsich also der Hausherr, dessen Kehrseite er wenigstens einmal flüchtig sehen konnte. Immerhin ein gewisser Erfolg, auf den er sich etwas einbilden durfte. habe gerade das Gegenteil gesagt.) Gesagt mögen Sie es haben, aber Ihre Ausführungen waren nicht logisch.(Heiterkeit links.) Redner erklärt, daß seine Fraktion trotz mancher Bedenken im einzelnen für das Gesetz stimmen wird.(Beifall im Zentrum und rechts.) Abg. Dr. Hahn(kons.): Die Viehzucht ist der wichtigste Erwerbszweig Deutschlands. Das nationale Schwein hat über die Sozialdemokratie gesiegt. Nur die Schafe haben abgenommen. Dafür haben wir um so mehr Rinder.(Heiterkeit.) Die Schweinezucht hat Deutschland mit neuen Ansiedelungen übersät. Auf den Junkergütern gibt es aber wenig Schweine.(Große Heiterkeit.) Der Schutz der nationalen Viehzucht stammt vom Landwirtschaftsminister v. Hammerstein=Loxten, der die Scheinezucht aus dem ff. kannte.(Zuruf links: So gut wie Podbielski. Große Heiterkeit.) Herr Scheidemann versteht nichts von der Maul- und Klauenseuche.(Große Heiterkeit.) Was helfen uns die schönsten Schweine, wenn sie verseucht werden! Die Kontrolle muß sich auch auf tierische Produkte erstrecken. Nach Schlesien ist einmal die Klauenseuche durch zwei russische Hausierer eingeschleppt worden. In Ost und West, in Nord und Süd verlangt die Landwirtschaft nach Seuchenschutz.(Lebhaftes Bravo! rechts.) Preußischer Staats- und Landwirtschaftsminister v. Arnim bezeichnet erhöhten Seuchenschutz notwendig für Vieh und Menschen. Wir freuen uns, daß es in der Kommission zu einer Einigung gekommen ist. Die verbündeten Regierungen haben nicht die Absicht auch da, wo es sich um neue Kosten handelt, die bestehenden Bestimmungen über die Kostenaufbringung zuungunsten der Interessenten zu ändern.(Hört, hört! und Beifall.) Die obligatorischen Laienkommissionen würden eine Lähmung bedeuten. Das Mißtrauen der Sozialdemokratie gegen die Objektivität der Behörden weise ich zurück.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Struve(Fr. Vg.): Der unbedingt ablehnenden Kritik des Abg. Scheidemann kann ich mich nicht anschließen. Wir haben im Gegensatz zur Sozialdemokratie das Vertrauen zur Regierung, daß sie die Bestimmungen dieses Gesetzes nicht im handelsfeindlichen Sinne mißbraucht. Auch bei der Kritik der Einfuhrbestimmungen aus dem Auslande hat der Vertreter der Sozialdemokratie die Objektivität, mit der im übrigen gesprochen hat, vermissen lassen. Redner volemisiert des weiteren gegen den Abg. Dr. Hahn, die Kampfesart des Bundes der Landwirte sei eine demagogische.(Sehr richtig! links, Unruhe rechts.) Landwirtichaftsminister v. Arnim betont nochmals die Notwendigkeit strenger Absperrungsmaßregeln. Abg. Erzberger(Ztr.): Herrn Scheidemann bemerke ich, daß auf die Kommission keineswegs ein Druck vom Bunde der Landwirte ausgeübt ist. Ich gäbe die§§ 6 und 7 gern preis, aber nur dann, wenn überall im Auslande dieselben scharfen Gesetze beständen, wie bei uns und ebenso scharf gehandhabt würden.(Zust. rechts und im Zentrum.) Gerade das Einfuhrverbot auch auf Erzeugnisse verdächtiger Tiere ist eine Verbesserung, die von der Kommission geschaffen wurde.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Rösicke(kons.): Sachlich sind wir mit Herrn Erzberger einverstanden.(Zuruf links: Der neue Block! Heiterkeit.) Nun, mit dem Zentrum zusammenzugehen ist doch nicht unmoralisch.(Große Heiterkeit.) Der Bund der Landwirte tritt stets für die Interessen der Allgemeinheit ein.(Lebh. Widerspruch links.] Auch die Lasten dieses Gesetzes nimmt die Landwirtschaft wieder auf sich im Interesse der Allgemeinheit. Dafür brauchen wir aber als Korrelat die§§ 6 und 7, die uns vor dem Einbruch der Seuchen aus dem Auslande schützen. Wenn Sie (nach links) in der volkswirtschaftlichen Erkenntnis erst weiter fortgeschritten sein werden(Sehr gut! rechts), dann werden Sie auch einsehen, daß diese Paragraphen notwendig sind. Es handelt sich bei diesem Gesetz nicht um politische Fragen, sondern darum, dem Volke gesundes Fleisch zu verschaffen.(Bravo! rechts. Hierauf wird die Debatte vertagt. Abg. Scheidemann(Soz., persönlich): Herr v. Pfetten hat erklärt, ich habe gesagt, an der Gesunderhaltung des Viehes habe lediglich der Großgrundbesitz ein Interesse. Ich habe einen solchen Unsinn nicht gesagt. Er ist Eigentum des Herrn von Pfetten.(Heiterkeit.] Ich habe auch nicht gesagt, ich wolle dem Auslande Erleichterungen schaffen gegenüber den strengen Vorschriften für das Inland. In Wirklichkeit habe ich gesagt: Wir halten es für selbstverständlich, daß gegen das Ausland dieselben Schutzmaßregeln notwendig sind, wie im Inland. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.(Weiterberatung, Rechnungssachen. Schluß 7¼ Uhr Da er nicht als Nachtschwärmer gelten wollte, so schloß er leise sein Zimmer auf und legte sich schleunigst aufs Ohr. Am Nachmittage des folgenden Tages, der ein Sonntag war, begann er seine Sachen zur Reise zu packen, da er nichts besonderes vor hatte. Er hätte gern etwas Bindfaden gehabt, und so wagte er sich in das Nebenzimmer hinein. Zu seiner Ueberraschung fand er es völlig verändert. An Stelle des Sofas stand ein anscheinend wertvolles Klavier, rechts und links davon machten sich Fauteuils breit, und in der Mitte des Zimmers ein großer geblümter Teppich in leuchtenden Farben, durch den man den früheren verblaßten ersetzt hatte. Es sah aus, als hätte man die Absicht gehabt, ein richtiges Musikzimmer zu schaffen. Sofort fiel ihm ein, was Frau Dankelberg ihm am vergangenen Tage zu verstehen gegeben hatte, und da er niemand zu Hause wähnte, tat er sich keinen Zwang an. Er klappte den Deckel des Instruments auf und ließ die Finger über die Tasten gleiten. Und als er fand, daß das Klavier vorzüglich gestimmt war und einen ausnehmend schönen Klang hatte, erfaßte ihn die Leidenschaft des gebildeten Dilettanten, der einen Genuß lange entbehrt hat. Er liebte Beethoven über alles, und so war er bald in die Croica vertieft, die er völlig im Kopfe hatte. Die weiten Schatten der Dämmerung füllten das Zimmer, nur noch schwach zeichnete sich das Tageslicht in dem viereckigen Ausschnitt der Fenster ab. er sah kaum noch das Elfenbein der Tasten, aber noch immer schwelgte er in der unendlichen Gefühlswelt der Töne. Als er eine Pause machte, überhörte er sogar ein wiederholtes. leises Klopfen. Lichtschimmer blendete ihn dann. Es war Emmy, die, eine brennende Lampe in der Hand, aus dem hinteren Zimmer eingetreten war und um Entschuldigung für die Störung bat, da sie ihm die nötige Beleuchtung bringen wolle. Etwas verwirrt erhob er sich und bat nun seinerseits um Verzeihung, daß er sich angemaßt habe, vielleicht die Ruhe nebenan gestört zu haben. „Im Gegenteil, Sie wissen gar nicht, was Sie mir für einen großen Genuß bereitet haben,“ erwiderte sie ohne jede Ziererei. „Ich habe selten so schön spielen gehört, und sehe nun ein, was für eine Stümperin ich bin.“ Er machte die übliche Einwendung, sie jedoch fuhr ohne darauf zu achten, fort, nachdem sie die Lamve auf einen kleinen Tisch gestellt hatte und nun dabei war, die Lichte der Klavierleuchter anzuzünden:„Papa und Mama sind ausgegangen, ich hatte keinen rechten Mumm, mitzugehen. Nun freue ich mich, das bessere Teil erwählt zu haben... Sie würden mir wirklich eine Freude bereiten, wenn Sie von meiner Wenigkeit gar keine nehmen wollten.“ „Und Sie würden mir eine viel größere Freude bereiten, gnädiges Fräulein, wenn Sie mir die Ehre Ihrer Gesellschaft er Preußischer Landtag. Abgeordneten haus. 87. Sitzung vom Freitag, 14. Mai, vorm. 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Gsen# suns des Etats wird fortgesetzt beim kringen spen.(Sos): Ich möchte zunächst Klagen vorF#ingen über die Beschaffenheit der Wagen 4. Klasse. Die übergroßen Pebraahl““ns sehr gut eingerichtet, aber in der ###h gag der Züge laufen noch ältere Wagen. Es B. einem Abort. notwendigsten Einrichtungen, 2 Wagen 4. Klasse in.o nt es noch hausig vor, daß zwar wagen sind, und din eirem Zuge lauen, daß aver beide Rauchallam S.“ und geejenigen, die den Qualm nicht vertragen, vor sstig Frauen und Kinver, werden dadurch außerordentlich bew zumal in der 4. Klasse nicht solche Zigarren geraucht „### wie in den anderen Klassen. Weiter habe ich Beschwerve varüver zu führen, daß seit dem 1. Januar die Arerwochenkarten für Arbeiter, die aus den Vororten nach zn. fahren, entzogen worden, sind. Die Amtsvorsteher sollen enbaynbehörve ertlart haven, daß diese Arbeiter sehr wohl in der Lage seien, die Fahrkosten voll zu bezahlen. Diese Entziehung der arbeiterwochenkarten ist ein großes Unrecht, rchen Zir Zei der Krise. Dazu kommt, daß den Gemeinden, nahme die Steuern der Arbester daden, durch diese Maßwerden sich nun wohl oder übel in der Nähe ihres jetzt einmal sagten: Der Minister hat behauptet, unsere Löhne seien um 30 Prozent gestiegen, wir haben aber garnichts davon gemerkt und wollen infolgedessen jetzt auch 30 Prozent weniger täglich arbeiten,— dann wurde sich sofort herausstellen, daß die Eisenbahnverwalter aus die Gutmütigkeit dieser Arbeiter geradezu angewiesen sind. Wir treten hier für diese Arbeiter ein, nicht weil wir Unzufriedenheit erregen wollen, denn das zur Genüge die Regierung(Sehr richtig! bei den Soz.) Zeitungen und lesen die# gewähren. Dann ist eine Verordnung über die Annahme zugendlicher Arbeiter bei der Eisenbahn herausgekommen. Es stellt werden.“ Au Fgrnsgnn Eienbahnbediensteten angezm Alter u; 14 Jahren veruisgen, die an diese jungen Leute im aner von 12 Juhlin gesteut werden, sind so hoch, daß nur die besten Elemente dabei in Frage kommen. Trotzdem sollen diess jungen Arbeiter einige Monate ohne Entschädigung beZitzet werden. Dann eroalten sie Löhne, die in bestimmten äumen erhöht werden sollen, jedenfalls aber bis zum 18. Jahre binter den Anfangslöhnen der Arbeiter von 18 Jahren zuräckhleieen sollen. Nach. vierjähriger Dienstzeit sollten doch geisung###ter, mit sruasicht auf, ihre zweifellos besseren Teistungen, einen höheren Lohn, als den bisherigen Anfangslohn, erhalten. Sozialpolitisch ganz rückschrittlich ist es, daß sie einige Monate umsonst arbeiten müssen. Eine Aussicht, später einmal im mittleren Dienst angestellt zu werden, haben diese jungen Leute nicht, trotz der hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden. Was nun die Lohnfrage der Eisenbahnarbeiter im allgemeinen betrifft, so ist es sehr merkwürdig, daß jetzt, nachReseldugesordnung für die Beamten in Preußen abgeschlossen as1, die Reglerung ertlart, für die Arbeiter haben wir kein Geld. Die Beyauptung des Finanzministers, daß die Erhöhung der Arbeiterlöhne der der Beamtengehalter vorausgeeilt sei, ist ganz falsch und steht im Widerspruch mit dem, was der Finanzminister bei der Einbringung der Besoldungsordnung führte damals aus, um das Haus zu veranlassen, nicht über den Betrag, der von der Regierung festgelegt war, hinauszugehen:„Es ist ja mit der Gehaltsaufbesserung für Preußen nicht abgeschlossen; es werden die Bezüge der Reichsbeamten folgen, die Kommunen werden sich anschließen, und selbst auf das Lohnverhältnis wirkt naturgemäß diese Aufbesserung der Beamten zurück.(Hört, hört! bei den Soz.) Aljo erst verman indirekt den Staatsarbeitern eine Erhöhung der und dann wird dieses Verspreche: sten. Der Die Arbeiter lesen doch auch die Zeitung##,#n isenuen Behauptung von einer 30prozentigen Lohnsteigerung. Die Arbeiter haben davon nichts erfahren, sie werden deshalb unzufrieden gemacht. Wir verlangen, daß der Aufbesserung der Beamtengehälter eine Aufbesserung der Arbeiterlöhne folgen muß. Die Arbeiter sind viel leichter zu organisieren als die Beamten. Und wenn die Arbeiter erst einmal den Gedanken einer passiven Resistenz in sich ausgenommen haben, dann wird der Schaden von Hunderten von Millionen unvergleichlich hoch sein gegenüber den wenigen Millionen, die notwendig gewesen wären, um die Löhne angemessen zu erhöhen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Wir haben jüngst hier in Berlin mehrere Beamtenversammlungen erlebt und mancher Abgeordnete hat den auf diesen Versammlungen angeschlagenen Ton nicht für gut gehalten. Glauben daß es so schwierig sein wird, die Eisenbahnarbeiter in dieselbe Unzufriedenheit zu versetzen, in die die Beamten versetzt worden sind? Deshalb ist es dringend notwendig, daß die Verwaltung eine Erhöhung der Löhne vornimmt. Die Fernhaltung der Organisation der Eisenbahnarbeiter vom Betriebe ist doch nur eine Macht= und Kraftfrage, die in demselben Augenblick zu Ende ist, in dem die Arbeiter sich darauf besinnen, daß sie dieselben Rechte haben, wie die anderen Arbeiter. Wenn die Eisenbahnarbeiter einmal nach Frankreich blicken und sehen, daß dort sogar die Postbeamten sich organisieren, dann müßte es doch sonderbar zugehen, wenn sich ihrer der Organisationsgedanke nicht in gleicher Weise bemächtigen würde. Und dann sind Sie auf das Wohlwollen der Arbeiterorganisation angewiesen. Mit dem Gewaltmittel des Verbots einer Arbeiterorganisation werden Sie nicht weit kommen. Die Unzufriedenheit der Arbeiter werden Sie nur dann beseitigen, wenn Sie die Wünsche der Arbeiter erfüllen. Eine andere Lösung gibt es nicht Deshalb richte ich das dringende Ersuchen an den Minister, die Wünsche der Arbeiter in loyaler Weise zu erfüllen.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Eisenbahnminister v. Breitenbach: Der Abg. Leinert hat die Behauptung aufgestellt, daß die Entlohnung der Eisenbahnarbeiter eine durchaus ungenügende sei, und daß jetzt nach der Verabschiedung der Beamtenbesoldungsvorlage die Konach die Arbeiterlohne musgn sequenz gezogen werden müsse: Auch die Arbeiter öhne müssen erhöht werden. Ich meine, Zahlen beweisen. Von 1897 bis 1907 sind die Löhne der Eisenbahnarbeiter um 27 Prozent gestiegen, und die neue Besoldungsvorlage erhöht sie abermals um 20 Prozent.(Hört, hört! rechts.) Der Abg. Leinert hat von der Gutmütigkeit der Arbeiter gesprochen und gesagt, wenn sich das Wohlwollen der Verwaltung nicht umsetze in eine Lohnerhöhung, werde die Arbeiterschaft zur passiven Resistenz getrieben. Ich habe ein solches Zutrauen zur Arbeiterschaft, ich bin so durchdrungen, daß diese Ideen noch keinen Boden bei unserer Arbeiterschaft gewonnen haben, daß ich keinerlei Bespricht * Löhne, und vann wird viesegErtsbrechen nicht gehalt Eisenbahnminister wies bei Besprechung der Lohnfrage neulich auf die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse hin und meinte, Osten den Bahnunterhaltungsarbeitern ein Lohn von gezahlt werde, so passe man sich damit den östlichen Verhältnissen an, denn die Verwaltung have durchaus Aosicht diesen Verhältnissen vorauszueilen. B 42.cht, Pirfen PHerhallnisen, Te„auszurtien. ern aver denkt mon nicht dare L „Aus nicht die e durchaus nicht die Siesen Verhallnissen Vorausguriken. Bei den Beamtengehalttrn üder denkt man nicht paran. im Osten niedrigere Gezu zahlen, im Gegenteil, die Beamten im Osten vekommen noch die Ostmarkenzulage. Der Herr Finanzminister hat dann gesagt, daß die Löhne der Eisenbahnarbeiter in den letzten 10 Jahren um 30 Prozent gestiegen seien. In einer Petition der technischen Beamten wird sogar behauptet, daß die Löhne um 50 Prozent gestiegen seien. Aber weder ist richtig, was der Minister gesagt hat, noch ist richtig, was diese Petition behauptet. Absolut unwahr ist aber, daß der Rückgang der Eisenbahneinnahmen zurückzuführen sei auf eine Erhöhung der Ar. 4 g. Aus den uns useizersigung gestellen amlichen ahlen kuann sich jedermann leicht von der Haltlosigkeit dieser -hauptungen überzeugen. Richt um 30 Prozent, sondern nur um 20 Prozent sind seit 1899 die Löhne gestiegen. Dabei muß man berücksichtigen, daß jetzt noch die Eisenbahnverwaltung Löhne von 2,10 Mark pro Tag zahlt.(Hört, hört! bei den Soz.) Von Aachen bis Eydtkuhnen ist die Eisenbahnverwaltung mit ihren Löhnen gegenüber der Privatindustrie ins Hintertreffen geraten. Aber viel mehr, als auf die Intelligenz und Geschicklichkeit ihrer Beamten ist die Eisenbahnverwaltung angewiesen auf die Gutmütigkeit, Intelligenz und Geschicklichkeit der Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Soz.) Denken Sie nur einmal an den kolossalen Güterverkehr. Wenn die Arbeiter sich wiesen, wandte er mit kecker Höflichkeit ein und betrachtete sie dabei mit Wohlgefallen. Sie trug dasselbe rote Kleid, in dem er sie bereits zweimal gesehen hatte, und zeigte eine kühn=hohe Frisur, die ihrem pikanten Gesichtchen den Anstrich eines Modekupfers gab. „Aber nur, wenn Sie noch etwas zum besten geben,“ gab sie schalkhaft zuruck. „Ihre Wünsche sind mir Befehl,“ sagte er ohne jede Neigung zur Phrase, setzte sich wieder ans Klavier und spielte die„Träumerei“ von Schumann, weil er wußte, daß man damit bei jungen Mädchen immer Stimmung machte. Als der letzte Laut verklungen war und er sich umwandte, sah er sie weinen. Die hellen Tränen rannen ihr über die Wangen. Sofort sagte er sich, daß diese Gefühlsexplosion nich nur eine Folge der Musik sei, sondern daß etwas anderes sie schwer bedrücken müsse. Wenn aber mit einer passiven Resistenz der Versuch gemacht werden sollte, dann wird sich die Bewegung gegen die Partei des Abg. Leinert richten, denn ich bin fest uberzeugt, daß man sich in deutschen Landen derartige Machenschaften nicht gefallen lassen wird.(Beifall rechts; Lachen bei den Soz.) Abg. Trimborn(Ztr.) betont, daß diejenigen seiner Freunde, die dem Arbeiterstande angehören oder nahestehen, die Ausführungen des Abg. Leinert nicht billigen.(Bravo! rechts.) Nach weiterer unwesentlicher Debatte wird der Eisenbahnetat bewilligt. Es folgt der Etat der Bauverwaltung. Abg. Brütt(irk.) wünscht schleunigen Ausbau des KaiserWilhelm=Kanals. Unterstaatssekretär v. d. Brüggen erwidert, daß der Regierungspräsident beauftragt sei, das Planfeststellungsverfahren für die ganze Kanalstrecke mit möglichster Beschleunigung durchzuführen. Avg. Krüger(kons.) fragt an, wann das Projekt der Nogatregunierung dem Hause zugehen werde. Minister v. Breitenbach stellt die Vorlage für die nächste Session in Aussicht. Abg. Prinz zu Löwenstein=Wertheim=Freudenberg lkons.) tritt für die Beseitigung des Vorschleuzenrechts im Interesse der kleinen SSchiffseigentümer ein. Minister v. Breitenbach sagt Erwägungen darüber zu wie den kleinen Schiffern geholfen werden könne. Ein Schlußantrag wird angenommen. „ Abg. Leinert(Soz.] bedauert, daß es ihm durch den Schluß der Debatte unmöglich gemacht worden sei, eine Aeußerung des Abg. Felisch uber den Arbeiterführer MeißnerHannover richtigzustellen. Nach debattelover Annahme einer Reihe kleinerer Etats folgt der Justizetat. Abg. Schepp(Fr. Vp.) wünscht Hinzuziehung der Anstaltsdirektoren als Sachverständige bei Strafverfahren gegen Fürsorgezöglinge. Abg. Leinert(Soz.): Bei der zweiten Beratung wurde gesagt, wir Sozialdemokraten müßten froh sein, daß wir unter der preußischen Justiz leben. Diese Freude gönnen wir unseren Gegnern. Ich glauoe, daß unter den Besitzenden es Elemente gibt, die sehr froh sein können, unter der preußischen Justiz zu leben. Ich erinnere an den Fall des Referendars v. Jgel. der den Bauunternehmer Marschner erschoß. Die Erregung darüber war außerordentlich groß. Jael hatte gesagt, er hätte sich etwas derertiges von dem erschossenen Herrn Marschner nicht bieten lassen dürfen. Dabei at er das Eigenium des Herrn Marschner in ganz ungehöriger Weise in Besitz genommen. Die Sache selbst ist nicht so interessant als die Be„Was ist Ihnen?“ fragte er teilnahmsvoll. Sie schien sich nun ihrer Tränen zu schämen, denn sie wandte sich ab und erwiderte leise:„O nichts, nichts... Ich dachte nur daran, wie fröhlich wohl das Weihnachtsfest sein wird, das Sie zu Hause verleben werden.“ „Und Sie— freuen Sie sich nicht?“ Sie hatte sich beruhigt, führte aber noch immer das Taschentuch gegen die Augen.„Wie man's nimmt, Herr Trolla. Eine richtige Familienfeier ist es bei uns nie.“ Ihr Seufzer bewies ihm, daß sie ihm stillen Kummer zu verbergen hatte, und so fuhr er fort:„Sie bekommen doch gewiß rech: schöne Geschenke,— wahrscheinlich alles, was Ihr Herz begehrt.“ „. Gewiß, darüber könnte ich nicht klagen. Wenn Mama mich beschenkt, so freue ich mich, wenn Papa es tut, nicht. Sie werden das vielleicht komisch finden, aber es ist so. Papa und ich stehen nämlich immer auf dem Kriegsfuße. „Darf man wissen warum?“ platzte es ihm heraus. „Weil ich sein Geld nicht leiden kann.“ „Das ist allerdings sonderbar,“ gab er lachend zurück. Dabei mußte er unwillkürlich ihre Worte mit dem Gewerbe ihres Vaters zusammenbringen, über das er bisher nur Vermutungen angestellt hatte. „Was hat Ihr Herr Papa eigentlich für ein Geschäft?“ fragte er mutig. „Er vermehrt sein Vermögen auf eigene Art,“ gab sie zurück, indem sie sich zum Lächeln zwang. „Eine angenehme Veschäftigung.“ „Richt wahr?“„, I, 6. Eine Pause trat ein, vie beide peinlich empfanden, weil jedes vom Mißtrauen des anderen in dieser Angelegenheit überzeugt war.(Fortsetzung folgt.) gründung, die der Staatsanwalt seinem Strafantrage gab. Es muß doch eigentümlich berühren, daß ein Mann, der eine Blutschuld auf sein Gewissen geloden hat, vom Staatsanwalt hingestellt wird als ein gut erzogener anständiger junoer Mann. Der Staatsanwalt sagt allerdings, dem sinnosen Schießen müsse entschieden entgegengetreten werden, aber er beantragt trotzdem mildernde Umstande.(Hört, hört! bei den Soz.] Bei einem Arbeiter, der mit dem Revolver so hantierte, hätte man von Roheit gesprochen und exemplarische Bestrajung für notwendig gehalten.(Sehr wahr! bei den Soz.) Meine Behauptung von der Klassenjustiz kann durch solche Urteile nur bewiesen werden: Die Strafe von 4 Monaten ist außerordentlich niedrig. Selbst die„Post“ schreibt:„Immerhin hat der Angeklagte ohne zwingenden Grund ein Menschenleben vernichtet und das Urteil ist ein so mildes, daß man die Ankündigung, der Verurteilte habe Revision eingelegt, nicht recht versteht.“ Die„Post“ schreibt weiter:„Gewiß trifft ihn das Urteil an sich weniger schwer, als die Konsequenzen, die sich daraus für ihn ergeben, die Vernichtung seines Lebenszieles durch die Aufgabe der amtlichen Laufbarn Mit ähnlichen Konsequenzen hat z. B. der Arbeiter nicht zu rechnen, so daß die Frage des„Vorwärts“. ob das Urteil gleich milde ausgefallen wäre, wenn ein Arbeiter auf der Ank agebank gesessen hätte, durchaus unberechtigt erscheint. Ich glauhe, das Haus wird mit mir darin einverstanden sein, daß die Konsequenz, daß dieser Mann seine Laufbahn in der Justiz aufgeben muß, für die Justiz nur günstig sein kann.(Sehr richtig! bei den Soz.] Es berührt eigentümlich, wenn andererseits Arbeiter wegen Landfriedensbruch, bei welchen das Bewußtsein der Schwere ihrer Handlung durchaus nicht erwiesen ist, 9 Monate Gefängnis bekommen.(Sehr richtig! bei den Soz.] Weiter hat man mir meine Behauptung übelgenommen, die Justiz sei ein Werkzeug zur Erhaltung der selbe Soz.) So schreibt die„Post“ angesichts der Verurteilung eines bürgerlichen Redakteurs, der einem sozialdemokratischen Blatte vorgeworfen hatte, daß es„nach bekanntem demagogischem Rezept Aufhetzerei betreibe":„Das Urteil erscheint nur unter der Voraussetzung haltbar, daß der Kampf gegen die Sozialdemokratie, also die Erhaltung der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, als ein berechtigtes Interesse im Sinne des § 193 des Str.=G=B. nicht mehr anerkannt werden soll. Sollte die Rechtspflege sich fortan auf diesen Standpunkt stellen. so scheint uns freilich ein Sieg der Sozialdemokratie nicht mehr im Bereich der Unmöglichkeit zu liegen. Das ist eine Bestätigung meiner Behauptung.(Sehr wahr! bei den Soz) Ich hatte seinerzeit den Herrn Justizminister aufgefordert, er moge die Staatsanwälte anweisen, bei den Uebertretungen gegen die sozialen Gesetze höhere Strafen zu beantragen. In anderen Fällen ist der Justizminister mit solchen Erlassen gleich bei der Hand gewesen, z. B. mit dem Erlaß auf Grund des Erpressungsparagraphen gegen Gewerkschaften vorzugehen. Ueber die zu geringe Bestrafung bei Uebertretungen der Arbeiterschutzbestimmungen beklagt sich auch der Gewerberat für den Landespolizeibezirk Berlin. Er schreibt:„Ein zweimal wegen eines solchen Vergehens mit 5 Mark bestrafter Unternehmer wurde wegen des gleichen Verstoßes abermals mit derselben Strafe belegt. Ein anderer mit 20 Mark bestrafter Unternehmer erhielt wegen des gleichen Vergehens das zweitemal nur 6 Mark. Eine abschreckende Wirkung für den betreffenden oder andere Gewerbetreibende kann von solchen niedrigen Strafen nicht erwartet werden.“ Hier, wo Leben und Gesundheit der Arbeiter in Frage kommen, zeigt unsere Justiz einen auffallenden Mangel an sozialem Verstänonis.(Sehr wahr! bei den Soz.) Redner führt des weiteren darüber Beschwerde, daß nach einer neuerlichen Verfügung in Erfurt vom 1. Oktober 1909 ab die Gefangenen auch mit Bürstenmacher=, Stickerei= sowie Putzmacherarbeit beschäftigt werden sollen. Eine solche Verordnung macht sich besonders fühlbar in der Zeit des wirtschaftlichen Niederganges. Beschäftigt werden müssen ja die Gefangenen, aber man soll auch Rücksicht nehmen auf die Gewerbetreibenden und die Arbeiter.— Kurz vor dem letzten Moltke=Harden=Prozeß ging die Mitteilung durch die Presse, daß Fürst Philipp zu Eulenburg in Liebenberg außerordentlich krank geworden sei. Solche Mitteilungen kommen immer kurz vor den Prozessen, wo die Gefahr besteht, daß er vernommen werden soll. Nachher ist es vollständig still davon geworden. Ich möchte fragen, ob man mit dem Prozeß so lange warten will, bis etwa durch ein Gesetz völlige Straffreiheit für fürstliche Herrenhausmitglieder herbeigeführt ist.(Heiterkeit. Unruhe rechts.) Der ganze Prozeß hat im Lande den Eindruck erweckt daß ein Angeklagter von angeblich so hoher Herkunft, der solche Beziehungen hat (Zuruf bei den Soz.: Und solche Briefe besitzt! Heiterkeit.), selbst von der Justiz verschont wird. Daß diese Auffassung sich im Lande unverrückbar festsetzt, daran trägt auch die Justiz einen großen Teil Schuld. Auf einen kranken Arbeiter, der angeklagt ist, wird wenig Rücksicht genommen, da erfordert es die Staatsraison, die Unvarteilichkeit der-Justiz, daß er in die Krankenanstalt des Gefängnisses gebracht wird. Die Unparteilichkeit der Justiz aber erfordert es, daß auch Fürsten nicht anders behandelt werden, als gewöhnliche Sterblichen(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Justizminister Beseler: Die Gerichte sind in ihren Urteilen selbständig. Ihrem Spruch muß sich jeder fügen, ob er ihm unangenehm ist oder nicht. Auf sie kann ich nicht einwirken. allerdings Vers an Staatsanwalte kann ich alletring.#####ügungen erlassen. Klassenherrschaft. Diese#-Auffassung ist aber auch in bürgerlichen Kreisen vorhanden, denn man er##art, die Justiz müsse ein Werkzeug gegen die Sozialdemokratie sein.(Sehr wahr! bei den Eine Anordnung an die Staatsanwalte aus den 90er Fayren hat dem Sinne des Herrn Leinert nicht entsprochen. Mir ist sie nicht gegenwärtig, sie geht auch in eine Zeit zurück, für die ich nicht eintreten kann. Das Urteil im Prozeß Igel ist, wie mir gesagt wird, noch nicht rechtskräftig.(Widerspruch bei den Soz.) Daher kann ich mich darüber nicht auslassen. Fürst Eulenburg ist auf Gerichtsbeschluß, nachdem zunächst die Haft vollstreckt war, gegen Kaution auf freiem Fuß belassen. Zwei Instanzen haben sich dahin ausgesprochen, daß eine Gerichtsverhandlung bei seinem Zustand unmöglich sei. Auch ist schließlich noch ein Gutachten der höchsten Instanz. die wir darüber in Preußen haben, eingeholt, wie es ausgefallen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls haben auch hier die Gerichte zu entscheiden. Abg. Ramdohr(frk.) wünscht ein eigenes Gerichtsgebäude für Pritzwalk. Ein Regierungskommissar erwidert, daß im nächsten Etat Mittel dafür eingestellt werden sollen. Der Etat wird bewilligt.= Es folgt der Kultusetat. Abg. Heß(Ztr.) kommt auf den Essener Gymnasialfall zurück und ersucht die Unterrichtsverwaltung, das Resultat ihrer Untersuchung mitzuteilen. Unterstaatssekretär Dr. Wever: Vom Provinzialschulkollegium wurde die Anstalt am Anfang des Jahres einer einzehenden Revision unterzogen, und es wurde sofort angeordnet, daß das bisherige Verfahren bei der Unterbringung der Schüler aufzuhören habe.(Hört, hört!] Von Beginn des laufenden Schuljahres ist somit ein durchaus objektives Verfahren bei der Einschulung gewährleistet. Der zur Prüfung nach Essen entandte Ministerialkommissar hat den Anordnungen des Provinzialschulkollegiums zustimmen können. Tatsache ist, daß bisher durch Schuld des Direktors eine Verschiedenheit nach der sozialen Stellung in den beiden Parallelklassen vorhanden gewesen ist.(Hört, hört!) Dem Direktor ist der schwere Vorwurf zu machen, daß er die hierdurch entstandene Mißstimmung in den Eltern= und auch Lehrerkreisen nicht bemerkt und gewürdigt hat.(Sehr richtig!] Eine weientliche Aufgabe der Erziehung der Schule ist es, unter ihren Zöglingen Gemeinsinn und Kameradschaftlichkeit zu pflegen und das Gefühl in ihnen zu wecken, daß ne nach keinem anderen Maßstave, als nach dem der eigenen Tüchtigkeit, bewertet werden.(Seyr richtig!) Die Unterrichtsverwaltung wird dafür sorgen, daß streng nach diesen Grundsätzen verfahren wird, und daß Dinge. wie sie in Essen vorgekommen sind, sich in Zukunft nicht wiederholen. (Lebhafter Beifall) Abg. Schroeder=Kassel(natl.) kritisiert die Maßregelung der Lehrer Brandau und Kimvel in Kassel. In dem gemeinsamen Referieren mit einem Sozialdemokraten liegt doch nicht ohne weiteres ein Hinneigen zur Sozialdemokratie. Wir verurteilen solche Maßregelungen liberaler Männer aus politischen Gründen aufs schärfste.(Bravo! bei den Natl.) Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Ich wiederhole, wir denken nicht daran, einen Lehrer wegen liberaler Gesinnung zu maßregeln. Aber es ist mit den Pflichten eines Beamten nicht vereinbar, wenn er gemeinsam mit einem Sozialdemokraten sich an der Ovvosition gegen eine Vorlage beteinigt, die sein vorgesetzter Minister in allerhöchstem Auftrage eingebracht hat.(Bravol rechts.) Abg. Eickhoff(Fr. Vp.): Diese Erklärung des Herrn Ministerialdirektors besaure ich lebhaft.(Bravo! links) Die Unterrichtsverwaltung sollte die große Erregung berücksichtigen, die seinerzeit in der nassauischen Bevölkerung durch die Befürchtung entstand, sie würde die bewährten Simultanschulen verlieren. Lehrer Brandau hat sich ausdrücksich als Gegner der Sozialdemokratie bekannt. Die Unterrichtsverwaltung sollte alle Ketzerrichterei unterlassen. Der Essener Fall ist durch die Erklärung des Herrn Unterstaatssekretärs für uns erledigt. Dem Direktor kann ich nur den Rat geben, sobald wie möglich seinen Abschied zu nehmen.(Ohol rechts.) Zurückweisen muß ich aber die Uebertreibungen, die in einem Teil der Berliner Presse an diesen Fall geknüpft sind. Nach meiner Ueberzeugung bildet er eine Ausnahme. Abg Brütt(frk.) erklärt sich mit den Ausführungen des Ministerialdirektors Dr. Schwartzkopff einverstanden.(Bravo! rechts.) Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Sonnabend 11 Uhr Außerdem Köhlbrand=Vertrag. Schluß: 4½ Uhr. Abonnementöbe: für Bielefeld und Umgeg wie bei sämtlichen Agenti ins Haus gebracht 60 Pfg lich. Durch die Post 1,80 Mk. vierteljährlich Bestellgeld. Einzelnummer 10 9 Erscheinungstag mit Ausnahme der Son Feiertage täglich nachm Fernsprech=Anschluß Nr Nr. 113. Die heutige Das Scha Es wird nicht nur unter Ausschluß der A gen eingeladen hat, au sprechungen über ein handlungen wurden sinnigen, Nationalliber zum Zweck eine Einig tives Steuerprogramn werden, welche die Lib Fall zu machen bereit gesetz in Kraft tritt. Linke zu einer ausreich ist, die Konservativen frage zu bewegen. An den Verhandlu Dircksen, Müller=Mein teil. Die„Kreuzzeitung" nicht viel wissen, sie me Hand, dies Spiel abzu Plänen geneigte Mehr reform gesichert und i Sicherheit angenommer schluß der Wirtschaftl. über einig sein werden, gleich mit Widerstreber betätigen und sich an es dringend erwünscht nötig gewordenen Er barz ohne Zögern den undlungen auf neuer Bülow Die„Norddeutsche „In einem Teil weitergesponnen, de: debatten des Jahres ausgesprochen und f Landtagsabgeordnete Meinung, Furst Bi verderblich, für ein Bsö3über stellen wi Andlungen mit kein dentensteuer gesproch listische Maßregel be Daraus geyt hervohält, denn sonst würde assen. 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