Abonnenentöbreie für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 104. " TUe TsUsTc Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Vieleseld, Bielefeld, Donnerstag, 6. Mai 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Zur Kuhhandel? Die Finanzreform steht jetzt wieder einmal im Zeichen des Kuhhandels. Alle Auflösungsgerüchte sind verschwunden, und wo man noch in einzelnen bürgerlichen Blättern die Auflösungsfrage behandelt, da geschieht es, um die Regierung steinerweichend anzuflehen, ja den Reichstag nicht aufzulösen, weil davon nur die Sozialdemokratie Vorteile habe. In den Wandelgängen des Reichstags ist wieder Ruhe, die Blockfraktionen beraten hinter verschlossenen Türen über die Möglichkeiten eines alle Teile befriedigenden Kuhhandels. Vielleicht zeigen sich schon in kürzester Frist die Resultate dieser„Lösung" der Finanzreform. . D i e f r e i s i n n i g e F r a k t i o n s g e m e i n s c h a f t h a t i n e i n e r S i t z u n g Stellung zu der augenblicklichen Lage genommen und sich offenbar alle Wege offen gehalten, getreu dem seinerzeit von Heckscher ausgesprochenen Grundsatz: Wir erwarten die Parole Bülows. Denn der offiziöse Sitzungsbericht erzählt nur, daß die Fraktionsgemeinschaft von einer besonderen öffentlichen Erklärung Abstand nehmen will, und daß sich Uebereinstimmung über das fernere Verhalten in der Steuerkommission ergab. Die nationalliberale Fraktion beschloß, im Gegensatz zu der so drohend aussehenden Erklärung Webers in der Finanzkommission, ruhig weiter mitzuarbeiten, da Bülow ja auf die Mitarbeit der Nationalliberalen rechne. Und die„Kölnische Zeitung" freut sich der Ueberwindung der Krise so, daß sie gleich mit neuen Steuervorschlägen aufwartet. Den Reiz der Neuheit hat jedenfalls die u. a. vorgeschlagene Gesindesteuer für sich. Bei Annahme eines Durchschnittsertrages von 15—20 Mk. pro Kopf rechnet man, daß diese Gesindesteuer einen Ertrag von 25 Millionen bringen würde. Weiter wird eine Steuer von 10 Pfg. pro Woche und Kopf für alle Arbeiter, Dienstboten und Angestellte, die versicherungspflichtig sind, vorgeschlagen. Diese Steuer soll 50 Millionen einbringen. Angesichts dieser Wendung ist nicht weiter verwunderlich daß mon in nationalliberalen Kreisen selbst mit der Behauptung hervortritt, es sei dem diplomatischen Talent Bülows gelungen, die Verwirrung der letzten Tage durch kluge Schachzüge in Wohlgefallen aufzulösen. Die„Börsenzeitung" schreibt: „Das gegenwärtige Tagen der Finanzkommission erscheint bei der augenvlicklichen Lage der Verhältnisse in bezug auf die Steuerreform wie ein Verlegenheitshinhalten, um die Entscheidung nicht zu beschleunigen. Die Fraktionen beraten unterdessen vertraulich, während auf der anderen Seite die Regierung neue Pläne ausarbeitet, ebenfalls um alle Möglichkeiten zu erschöpfen... Man hat es dem Reichskanzler hier und dort verübelt, daß er nicht selbst in der Finanzkommission für die Regierungsvorlagen eintrat. Aber es stellte sich heraus, daß er weiser handelte, als seine Kritiker glauben. Mit seinem Erscheinen in der Finanzkommission war die Alternative gegeben:„Annahme der Regierungsvorlage oder Ablehnung in schroffer Form, wodurch weitere Verhandlungen unmöglich wurden. Furst Bülow hat sich diesen entscheidenden Augenblick für das Plenum vorbehalten und dort wird sich zeigen, ob er, dem das Vertrauen des Kaisers erneut wieder und sicher nicht ohne Absicht ausgesprochen wurde, die Kraft besitzt, durch Auflösung des Reichstags oder durch Hinweis auf einen gangbaren Weg die Möglichkeit zur Lösung der dringendsten Fragen seit Wiederaufrichtung des Reiches zu bieten.“ Die Feigheit und die Charakterlosigkeit der liberalen Blockparteien wird hier noch zu einem Verdienst Bülows umgemünzt. Leute dieser Art werden auch eine den Junkern genehme Finanzreform machen helfen. Bülow und die Finanzreform. Eine Berliner Korrespondenz, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, den Fürsten Bülow unter allen Umständen zu verhimmeln, steut— wahrscheinlich in Uebereinstimmung mit maßgebenden Personen aus der Wilhelmstraße— fest, daß der Reichskanzler keine Finanzreform akzeptieren werde, die den Besitz nicht mit 100 Millionen Mark belastet und die Erbanfallsteuer ausschließt. — Daß Fürst Bülow durch die Haltung der Konservativen in eine mißliche Lage gebracht sei, sei nicht wahr. Denn es sei nicht mißlich, wenn man sich nach langjähriger anstrengender Arbeit zur Ruhe setzen könne. Ob aber der Nachfolger des Fürsten Bülow der Landwirtschaft auch so sympathisch gegenüberstehe, das sei die Frage, die sich die Agrarier wohl vorlegen müssen. Kürde der Kanzler gestürzt, so hätten die Konservativen bloß eineg parteipolitischen Wunsch des Zentrums erfüllt. Schließlich wird den Liberalen noch der Rat gegeben, in der Lranntweinsteuerfrage mehr Entgegenkommen zu zeigen, dann burfte eine Verständigung noch nicht als ausgeschlossen angesehen werden. Von dieser Verständigung wollen allerdings die Agranichts wissen. Die„Deutsche Tageszeitung“ erklärt, daß die Erbanfallsteuer zwar noch ein Buch mit sieben Siegeln sei, daß uer klotzdem grundsätzlich und unbedingt unannehmbar ist, sobald sie das Kindes= und Gattenerbe erfaßt. Ein Schreckschuß? „Neue Gesellschaftl. Korrespondenz“ behauptet, daß der zum PPkagzsler beabsichtige, seine Demission zu geben, falls bis tion des Reichegi“ eine Klärung der finanzpolitischen Situain der Richtung der Grundlinien seiner Politik Tlesgt sei.„In dieser Form findet die Meldung an zuständiger ur keine Bestätigung. Bekannt sei nur, daß der Kanzler rückzutreten fasls" Erwägung ziehe, von seinem Amt zunitib aussichlsigs Zustandekommen der Finanzreform defiwerden sollte. Daß er bereits jetzt einen nicht den Tarfacheni. Hanung festgelegt habe, entspreche Ein nationakliberaler Abgeordneter als Gegner der Erbschaftssteuer. Jena sprach am 2. Mai der Leiter der Fkrarischen„Deutschen Tageszeitung“ vor Thüringer Bauern oie Finanzreform. braucht######tek. Al, Reoister gegen die Erbschaftssteuer aufzog, nahm 5### besonders betont zu werden. In der Diskussion Vort nars liberale Reichstagsabgeordnete Lehmann das de###nd erklärte, daß er vollkommen den Standpunkt Dr. is teile; er werde nie für eine Vermögensfeststellung nach dem Tode des Erblassers zu haben sein. Vor einigen Tagen erst behauptete der nationalliberale Abgeordnete Fuhrmann, seine Fraktion stehe jetzt geschlossen hinter der Forderung der Erbschaftssteuer. Konservative über die Reichsfinanzreform. Dafür, daß im konservativen Lager starker Widerspruch gegen die Bekämpfung der Nachlaß- oder Erbschaftssteuer besteht, liefert jeder Tag neue Beweise. So wird in der„Schlesischen Zeitung“ von konservativer Seite geltend gemacht, daß die Konservativen, nachdem ihr Wertzuwachssteuerantrag abgelehnt worden ist, die Pflicht haben, zum Zustandekommen der Finanz= reform auf die Erbansallsteuer zurückzugreifen, und es wird in ruhiger Sprache dagegen protestiert, daß der von dem Ausschuß der konservativen Partei veröffentlichte Aufruf, der übrigens anonym erschienen sei, die Fraktion dauernd gegen die Erbanfallsteuer binden würde. Die Fraktion wird gewarnt, die Dinge auf die Spitze zu treiben und in unfruchtbaren Doktrinarismus zu verfallen, und es heißt zuletzt: „Wir hoffen, daß trotz dieses Aufrufes die konservative Reichstagsfraktion auch diesmal, wie noch immer, das Richtige tun und alles aufbieten wird, um ein rasches Zustandekommen der Finanzreform zu ermöglichen. Damit würde nicht nur— was die Hauptsache sein muß— dem Vaterlande ein wichtiger Tienst erwiesen, sondern auch der konservativen Sache am besten gedient werden." Im Anschluß hieran ist eine Meldung aus Dresden von Interesse: Nach einer Rede des Führers der sächsischen Konservativen, des Präsidenten der Zweiten Kammer, Geheimen Rats. Mehnert, beschloß die stark besuchte Hauptversammlung des Dresdener Konservativen Vereins gestern einstimmig eine Resolution, die unter den obwaltenden Verhältnissen die Erbanfallsteuer mit Ausdehnung auf Kinder und Ehegatten als die beste Reichsbesitzsteuer bezeichnet. Mehnert führte aus, wahrscheinlich komme die Erbanfallsteuer mit der Wertzuwachsst uer. Sollte letztere wegfallen, so würden die Konservativen als Ersatz bringen. Eine Reichstagsauflösung wie ein Kanzlerwechsel seien in der gegenwärtigen Lage unzweckmäßig, da hierdurch die Finanzreform voraussichtlich nicht gelöst werde. Schließlich verbat sich die Versammlung nachdrücklichst die guten Lehren, welche die„Deutsche Tageszeitung“ gönnerhaft den sächsischen Konservativen erteile. Taktik der Sozialdemokratie. Reichsdefizits die Reichsvermögens=, Reichseinkommen= und Reichseroschaftssteuer empfiehlt, so wenig ist sie geneigt, der Regierung, lediglich um diese aus der Verlegenheit zu helfen, irgend eine verkümmerte, vielleicht nur 40 bis 50 Millionen Mark einbringende Erbanfallsteuer zu bewilligen und dadurch dazu beizutragen, daß die Regierung ein Steuerprogramm zu verwirklichen vermag, das den Unbemittelten zu imperialistischen Zwecken eine neue Steuerlast von 400 Millionen Mark aufladet, während die Besitzenden mit dem vierten oder fünften Teil dieser Summe wegkommen. Sollte die Regierung sich der Täuschung hingeben, für solche Versuche die Hilfe der Sozialdemokraten zu erlangen, so können wir ihr von vornherein sagen, daß sie falsch kalkuliert.“ Die Breslauer„Volkswacht“ spricht die Hoffnung aus, daß die Parole im Einverständnis mit Fraktion und Parteivorstand ausgegeben sei. Wir schließen uns dieser Hoffnung an. In der Sache selbst sind wir mit dem„Vorwärts“ einverstanden, sind aber der Meinung, daß es sehr ungeschickt war, zu erzählen, was wir tun werden. Es ist durchaus nicht unsere Sache, es der Regierung zu sagen, wenn sie falsch kalkuliert. Wir haben vielmehr— und besonders jetzt bei der Reichsfinanzreform— ein Interesse daran, daß sie falsch kalkuliert. Ebenso war es durchaus notwendig, daß die bürgerlichen Parteien im Unklaren über unsere Absichten blieben. Man kann gar nicht wissen, ob nicht gerade diese Erklärung die bürgerlichen Parteien veranlaßt, ein Kompromiß zu schließen, das sonst nicht zustande gekommen wäre, und dadurch eine Reichstagsauflösung, die uns sehr erwünscht wäre, vermieden wird Warum müssen wir denn unseren Kriegsplan den Gegnern immer auf die Nase binden. Politische Uebersicht. Deutsches a Politische Organisationen der Unternehmer verlangt in starterem Maße in ihrer letzten Nummer die Deutsche Arbeitgeberzeitung". Damit soll ein stärkerer Einfluß auf die Gestaltung der Sozialpolitik im Sinne der Unternehmerverbände ausgeübt werden. Es heißt in dem genannten Artikel u. a.: „Mehr denn je beschäftigt man sich zurzeit in den Kreisen des deutschen Unternehmertums mit dem Gedanken der politischen Emanzipation der Arbeitgeber im Sinne der Bildung einer besonderen parlamentarischen Gruppe, deren Aufgabe es sein würde. die Stellungnahme der Arbeitgeber zur Frage der sozialpolitischen Gesetzgebung wirkungsvoll zum Ausdruck zu bringen. ... So muß denn die Entscheidung über die Frage, ob die politische Organisation des Unternehmertums eine Notwendigkeit darstellt oder nicht, unbedingt dahin lauten, daß diese Organisation unter allen Umständen und mit allen verfügbaren Mitteln schnellstens durchzuführen ist.“ Eine Notwendigkeit für die Unternehmer scheint uns eine Arbeitgeberorg. nisation nicht zu sein, denn die Herren haben schon heute genügend Einfluß im Staat, um ihre Wünsche durchsetzen zu können. Wie es gemacht wird, hat man ja aus dem Protokoll über die Geheimkonferenz der Berggewaltigen erfahren. Uns aber kann es nur recht sein, wenn die Unternehmer möglichst offen und rücksichtslos im politischen Kampf ihre Interessen vertreten. Denn je mehr die Herren dies tun, um so leichter werden wir dem Proletarier klar machen können, daß er ihrem Beispiel folgen muß. Borussische Kosakenstreiche. Vor einigen Tagen ereignete sich auf dem Bahnhof Dahlenburg der Linie Berlin=Buchholz ein Vorfall, der ein treffendes Schlaglicht auf preußische Zustände wirft. Ein Gutsbesitzer drang in Begleitung zweier Gendarmen in einen Wagen vierter Klasse ein, in dem sich eine Anzahl polnischer Landarbeiter= und=Arbeiterinnen befanden. Mit dem Rufe„Raus, raus mit euch!“ stürzten sich die Gendarmen auf die vom Gutsbesitzer bezeichneten Landarbeiter und zerrten sie mit Gewalt auf den Bahnsteig. Der Vorarbeiter, den der Gutsbesitzer aus leicht begreiflichen Gründen nicht mit zurückgeführt haben wollte, stellte den Gendarmen vor, daß nicht die Arbeiter kontraktbrüchig geworden seien, wie der Gutsherr behaupte, sondern, daß sie den Dienst verlassen hätten, weil der Gutsherr seine kontraktlichen Pflichten nicht einhielt. Der Gutsbesitzer verhinderte den Vorarbeiter am Weitersprechen, indem er ihn mit dem Revolver bedrohte. Die Gendarmen befolgten auch die Weisungen des Gutsherrn und merkwürdigerweise hatte auch der Bahnhofsvorsteher gegen die Urheber dieser turbulenten Szene nichts einzuwenden, sondern unterstützte ebenfalls den Rücktransport der vor Aufregung laut schreienden polnischen Arbeiter, die vergebens protestierten. Widerspenstige Konservative. In konservativen Kreisen gibt man die Hoffnung noch nicht auf, die sächsischen Konservativen, die sich für die Erbschaftssteuer erklärt haben, noch umzustimmen. Man hat sich hierzu der Vermittlung des sächsischen Vertreters beim Bundesrat, Geheimrat Dr. Fischer, bedient, der seinen Landsleuten eine Einladung zu neuerlichen Verhandlungen überbrachte. Diese haben die Einladung abgelehnt, denn im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen erscheint ihnen größte Vorsicht geboten. Daß die sächsischen Konservativen das bestreiten, ist nicht weiter verwunderlich. Die„parteioffiziösen“ sächsischen„Politischen Nachrichten“ z. B. stellen auf Grund„zuverlässiger Informationen“ fest, daß eine derartige Auffassung dem Beschlusse des Zwölferausschusses vollständig ferngelegen hat. Schließlich kann man von den sächsischen Konservativen doch nicht verlangen, daß sie selbst zugestehen, daß ihr Beschluß lediglich ein taktisches Wahlmanöver ist. Oeffentliche Aufzüge sind in Preußen steuerfrei. Aus Anlaß eines besonderen Falles haben der Finanzminister und der Minister des Innern darauf aufmerksam gemacht, daß die gemäß§ 7 Absatz 1 des Reichsvereinsgesetzes vom 19. April 1908 erteilten polizeilichen Genehmigungen öffentlicher Aufzüge, mit Rücksicht darauf, daß ihre Erteilung ausschließlich im öffente Interesse erfolgt, in stempelsteuerlicher Hinsicht ebenso zu behandeln sind, wie die nach derselben Bestimmung ausgestellten Genehmigungen von öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel, deren Steuerfreiheit bereits anerkannt ist. Die Angst vor einer freien Erziehung der Jugend ist es, die der„Post“ zu lebhaften Klagen Veranlassung gibt. In ihrer Nummer vom 4. Mai bespricht sie die Tätigkeit des Berliner, Jugendausschusses, indem sie darauf hinweist, mit welcher Rührigkeit die Arbeiterschaft daran geht,„schon den jungen Nachwuchs zu organisieren und ihren Reihen einzuverleiben": Sie schreibt dann weiter: „Dieser Eifer sollte die Regierung, die bürgerlichen Parteien, vor allem die großen und kleinen Arbeitgeber den Ernst der Sachlage erkennen lassen...... Gerade in den Kreisen, aus welchen der Nachwuchs der industriellen und gewerblichen Arbeiter kommt, versagt oft die Erziehung durch das Haus und die Familie fast ganz, von einer nationalen und staatsbürgerlichen ist fast gar keine Rede. Hier einzugreifen und die deutsche Arbeiterzugend zu gewinnen, wäre verdienstvoll.“ Aus dem Reichstag. Budgetkommission und Beamtenbesoldung. Auf Grund einer Vereinbarung der Parteien sind eine Anzahl Abänderungsvorschläge eingereicht worden, die eine Erhöhung der Gehälter der verschiedenen Beamtenkategorien vorsehen. Staatssekretär(Sydow erklärt, daß diese Anträge in ihren Wirkungen eine Mehrbelastung von 26 Millionen bedeuten würden und zwar 16 Millionen auf die Gehälter der Unterbeamten und 10 Millionen auf die der mittleren Beamten. Die Regierung könne sich darauf nicht einlassen; denn sie müsse Rücksicht nehmen auf die im preußischen Abgeordnetenhause beschlossene Erhöhung der Beamtengehälter. Es sei nicht angängig, daß man den Beamten im Reiche höhere Gehälter zahle, als im größten Bundesstaat Preußen. Gegen diese Darlegungen wenden sich die Abgg. Singer und Erzberger. Der vom Staatssekretär vertretene Standpunkt, daß das Reich sich in bezug auf die Beamtenbesoldung nach Preußen richten solle, sei ein ganz unhaltbarer. Das Reich sei doch keine Filiale Preußens. Das Gegenteil könne man weit eher verlangen. Wenn aber das Besoldungsgesetz an dem Widerstande des Bundesrates scheitern sollte, so trüge auch dieser dafür die Verantwortung. *** Der Kampf um die Beute. Mit diesen Worten bezeichnete in der Steuerkommission, wenn auch ungewollt, so doch recht treffend, der konservative Abgeordnete Dietrich die Debatte über die Festsetzung des Durchschnittsbrandes für die Branntweinbrennereien. Nach dem neuen Branntweinsteuergesetz gibt es zunächst ein Kontingent, das auf die einzelnen landwirtschaftlichen Brennereien verteilt wird. Für den innerhalb dieses Kontingents hergestellten Spiritus ist eine Verbrauchsabgabe von 115 Mk. pro Hektoliter zu zahlen. Zu diesem Kontingent kommt dann noch der Durchschnittsbrand. Es wird hier die Menge des in den Jahren 1898 bis 1907 erzeugten Alkohols berechnet und die dadurch gewonnene Summe wiederum auf die einzelnen Brennereien verteilt. Der Spiritus, der über das Kontingent hinaus, aber noch innerhalb des Durchschnittsbrandes erzeugt wird, zahlt eine Verbrauchsabgabe von 135 Mk. pro Hektoliter. Was über diesen Durchschnittsbrand hinaus gebrannt wird, hat gewissermaßen zur Strafe noch eine besondere gestaffelte Betriebsauflage zu zahlen. Man will auf diese Weise verhüten, daß durch eine große Alkoholproduktion die Preise gedrückt werden. Bei der Verteilung des Durchschnittsbrandes versuchten nun die Sachwalter der Spirituszentrale eine Strafe für diejenigen Brennereien herbeizuführen, die sich der Zentrale nicht gefügt haben, als von dieser Vereinigung eine Produktionseinschränkung angeordnet wurde. Es wurde nämlich in§ 60 verlangt, daß bei der Verteilung des Durchschnittsbrandes Brennereien, die sich der Zentrale nicht gefügt hatten, mit ihrer Produktion genau so angesetzt werden sollen, als wenn sie ihren Betrieb einze ein Reichscfür bestraft worden, daß sie der preistreibenden, agraden Spirnussentrale sich nicht gefügt hatten. Die Konservativen machten verzweifelte Anstrengungen, den Paragraphen in dieser Form durchzubringen. Due Sozialdemokr###en, Freisinnigen und Nationalliberalen wandten sich geschlo, ii gegen diese Art der Gesetzgebung; im Zentrum waren die Meinungen geteilt. Bei der Abstimmung wurde der stebend, s eo Keshont, ebenio der mit ihm in Verbindtung ide s 91..— Die Spirituszentrale wird nunmehr die nötigen lugen liefern, von denen sie glaubt, daß sie genügend sind, in der zweiten Lesung einen anderen Beschluß herbeizuführen. Eine Hoffnung, die kaum in Erfüllung gehen wird. *„* In der Subkommission des Reichstags für Tabakbesteuerung beschloß eine aus Konservativen, der Reichspartei und dem Zentrum bestehende Mehrheit folgendes: Zu den bisherigen Zollsätzen auf auslätidischen Tabak wird ein Wertzuschlag von 30 Prozent hinzugefügt. Die Steuer auf inländischen Tabak wird auf 50 Mk pro Doppelzentner erhöht. Grumpen werden mit 45 Mk. pro Doppelzentner besteuert. Der seit dem 1. März eingeführte Rohtabak unterliegt der Nachversteuerung. Die Regierung berechnete den Mehrertrag für die Reichsdiesen Steuersätzen auf 30 Millionen Mark jährlich. 88 Millionen Mark berechnet. Nehrertrag auf * „LefReichstag bei den Luftschiffern. Die MitRer#### deichstags waren für Mittwoch vormittag zu einem luftschiffereinrichtungen in Tegel eingeladen. Mehr als 200 Abgeordnete aller Parteien hatten der Einladung Folge geleistet. Zunächst wurde eine Funkenstation mit drahtloser Telegluphie besichtigt. Dann wurde den Abgeordneten die Erzichtung, des Feldtelephons vorgeführt. Schließlich rückte eine Laftschifferabteilung an, die im Zeitraum von 15 Minuten einen Ballon zum Aufstieg„vollkommen fertig machte. Das größte hervor. Aufstieg fertig bereit. Major Groß meinte, daß wegen des starken Windes ein Aufstieg nicht angebracht sei; der Kriegsminister jedoch befahl den Aufstieg mit dem Resultat, daß der Ballon nach wenigen Minuten wieder heruntergeholt werden mußte, weil es ihm, wie Major Groß vorausgesagt hatte, nicht moglich war, gegen den außerordentlich starken Wind aufkommen zu können. Zum Schluß wurde noch eine fahrbare Feldküche vorgeführt, aus der den Abgeordneten Erbsensuppe und Kaffee gespendet wurde Die Suppe wurde allgemein gelobt, weil ja die Herren Abgeordneten eine solche Kost nur einmal ganz ausnahmsweise vorgesetzt betommen. Major Groß benutzte die Gelegenheit, um das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden: In einer außerordentlich geschickten Rede erläuterte er den Abgeordneten die Unzulänglichkeit der Ballonhallen, und die Scherlpresse weiß bereits zu melden, daß dem Reichstag demnächst ein Nachtragsetat zugehen werde, in dem die Errichtung einer neuen Luftschifshalle gefordert wird. Die Weinsteuer. Nach Erledigung der ersten Leiung der Branntweinsteuer wird sich die Finanzkommission des dreichstags zunächst mit der Weinsteuer und zwar mit dem Bericht der Subkommission beschäftigen. Die Vorschläge der Subkommission gehen dahin, von der Einführung einer Weinsteuer überhaupt abzusehen, insbesondere einer allgemeinen Faßweinsteuer nicht zuzustimmen. Für den Fall aber, daß die Hauptkommission sich doch für eine Flaschenweinsteuer entscheidet, sol die Steuer festgesetzt werden für die halbe Flasche auf 3, für die ganze Flasche auf 5 Pfg. Der Entwurf des Weinsteuergesetzes sieht neben dieser Flaschensteuer auch eine Wertsteuer vor, die bei Flaschenweinen im Werte von 20 Mk. ihren Höhepunkt erDer Kommission wird nun empfohlen, die Staffelung dieser Wertsteuer zu erweitern und zwar so, daß Weine im von 20 bis 35 Mk pro Flasche 3 Mk., Weine bis 50 Mk. 5„Mk. un Weine zu einem Preise von mehr als 50 Mk. pre Flascht. 6 wer. Zuschlag zahlen sollen.— Auf alle Fälle wird ein Erhöhung der Schaumweinsteuer vorgeschlagen. Die Kommission hatte sich auch mit der Frage befaßt, obe angängig sei, eine Steuer auf alkoholfreie Getränke zu legen Millionen Fratschlichen Vereigens Htte dies Steer 8 bis 9 Millionen Mall einbringen sollen.„Die Subrommission entschied sich dahin und zwar gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Polen, daß eine Steuer auf alkoholfreie Getränke vorgeschlagen werden soll, wenn die Weinsteuer angenommen wird. Sollte dagegen die Weinsteuer abgelehnt werden, dann solle auch die Besteuerung der alkoholfreien Getränke unterbleiben. Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich. Berlin, 3. Mai. Das deutsch= französische Wirtschaftskomitee hatte zu heute zu einer Sitzung eingeladen, deren Tagesordnung im wesentlichen dahin abzielte, zwischen den beiden großen Nachbarnationen bessere Verkehrsverhältnisse zu schaffen. Da unsere Reichslande an einer solchen Verbesserung als Durchgangsland naturgemäß stark interessiert sind, so war das elsaßlothringische Element besonders stark vertreten. Die Regierung hatte den Geh. Oberregierungsrat und Bundesratsbevollmächtigten Dr. Sieveking und den Präsidenten der elsässisch=lothringischen Zollverwaltung, sowie einen höheren Beamten der Wasserstraßenverwaltung entsandt. Auch der Reichs= und Landtag waren vertreten: ersterer durch die Abgg. Dr. RicklinDammerkirch, Wetterls=Colmar und Birkemayer=Waldshut; letzterer durch den Abg. Blumenthal.— Nach einer kurzen Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden und Direktor der Speditions- und Lagerhaus=Aktiengesellschaft in Köln, Artur Vrancken, erstattete dieser sein Referat über„Beschleunigung des Postpaketverkehrs von Frankreich nach Deutschland“. Er bezweifelte angesichts der starken Zunahme des Paketverkehrs in den letzten Jahren, ob Deutschland auf die Dauer sein der Uebung des Auslandes ohnehin widersprechendes Prinziv, den Paketverkehr durch die Post ausführen zu lassen, beibehalten könne. Während die früher beklagten Verzögerungen von Köln aus jetzt im allgemeinen beseitigt seien, seien im belgischen und französischen Bahnbetrieb solche noch im starken Maße vorhanden. Zu ihrer Beseitigung empfiehlt der Referent, daß Paris die fur Berlin und darüber hinaus, sowie die für Leipzig und ganz Sachsen bestimmten Pakete mit direkten Frachtkarten in besönderen Waggons zum Versand bringt, was eine Verkürzung der Beförderung um volle 24 Stunden bedeuten würde.— Das Referat hatte. Generalsekretär Dr. Borgius=Berlin über „Abschluß einer deutsch=französischen Postkonvention" über„Redner betonte namentlia, die Notwendigkeit einer nommen. Redner betonte namentlich die Notwendigkeit einer Bortermäßigung und zwar nicht nur auf Briefe, sondern auch auf Postkarten, Trucksachen und Warenproben. Im Anschluß an diesen Vortrag wurde eine Resolution angenommen, die eine entsprechende Postkonvention zwischen beiden Ländern fordert. In Verbindung mit dem Komité commercial franco-allemand sollen zweckmäßige Schritte unternommen werden, um gleichzeitig in beiden Staaten die Stellung eines dementsprechenden Initiativ= antrages zu erwirken.— Als dritter Punkt der Tagesordnung figurierte ein Vortrag des Bürgermeisters Götel=Markirch und Lustizrat. Blumenthal=Colmar uber Herstellung einer dritten Elsenbaynverbindung durch die Vogesen. Auf Vorschlag Blumenthals wurde von der Befürwortung einer speziellen Tradce abgesehen und nach dem Vortrage, in dem eine Uebersicht über die vier vorhandenen Projekte gegeben wird, eine Resolution anzenommen, wonach der Deutsch=Französische Wirtschaftsverein die Herstellung neuer Eisenbahnverbindungen durch die Vogesen mit allen Mitteln zu fördern verspricht und um Unterbreitung alles diesbezüglichen Materials bittet. Besonders bemerkenswert ist es, daß der französische Ministerpräsident angesichts der Einwände, die von französischer militärischer Seite gegen alle Projekte erhoben werden, in einem offiziellen Schreiven erklärt, daß gegen die Trace Markirch—St. Dié solche Bedenken nicht bestanden. Dieses Schreiben befindet sich bei den Akten der Petitionskommission des Reichstages.— Den Schluß der Versammlung bildete ein Referat über den deutsch=französischen Wasserstraßenverkehr, Dr. Ad. Schleiffer=Straßburg i. E. Redner schilderte die Mängel auf den drei Hauptrouten und forderte Vergrößerung der Schleusen zwischen Mülbausen und u. G. Montbeliard, beschleunigten Schiffsdienst durch Kanalraddampfer, beschleunigte Rbeinregulierung zwischen Sondernheim und Straßburg. Ermöglichung des Fahrens unter Zollverschluß beim Verkehr nach Frankreich, Umgestaltung der Anschlußfrachten über Straßburg, ferner sofortige Räumung des Flußbettes der Mosel und gründliche Ausbaggerung der Fahrrinne, damit die Kanalbis Diedenhofen kommen können, wo allein ein vorteilhafter Versandumschlag erfolgen könne. Die Versammlung saßte auch diese und andere Wünsche in einer Resolution zusammen. Ein oberschlesisches Polizeistückchen. Der Amtsvorsteher von Neudorf, Kreis Kattowitz, hat eine zu. Sonntag, 2. Mai, einberufene politische Versammlung mir „ach. Absatz 2 des Reichsgejetzes vom 19. April die Geneymigung nur dann versagt werden, wenn aus haltung der Versammlung Gefahr für die öffentliche E zu befürchten ist. In vorliegendem Falle ist diese Ann Bielefelder Stadttheater. 5. Mai: Der Waffenschmie Komische Oper in 3 Akten von Albert Lortzing. Es ist wohl die schwächste ver gangbaren Opern Lortzings, in bezug sowohl auf den Text als auch auf die Musik. Der Text behandelt nur die von vornerein feststehende Tatsache, daß der Graf von Liebenau des ständsc. Pa....— seiraten vird. Das. st, so sghst Waffenschmieds Tochter Marie heiraten wird. Das ist so selbstgar keine Aufregung des begen stattfindet Man fühlt, daß all der dabei gemachte Firlefanz nur des lieben Publida ist und eigentlich gar nicht nötig wäre, so namentlich die deiven komischen Personen des Stücks, der Knappe terg Lisgrnge, 18 Ves=“e ist ud zundig0 de. Ver9784he#######elhof. Die ganze Verkleidung des Ritkers Liebenan ais Ees: ist auch unnbilg und nur zum Vergnügen des Publikums erfolgt. Taß dieses harmlose Opus die leihe der Novitäten beschließt, will uns nicht richtig vorkommen. Die Aufführung war recht hübsch, Carl Kruthoffer als Ritter Adelhof und Carl Baumann als Knappe Georg sorgten hinlänglich für den komischen Teil, Benno Dlabal als Waffenschmied sang das Lied vom Knaben im lockigen Haar sehr nett zu, Sanntag, einberufene politisch folgender genialen Begrundung verboten: Nach§ 7 Absatz 2 des Reichsgesetzes vom 19. April 1908 darf aus der AoSicherheit ... ist. In vorliegendem Falle ist diese Annahme begründel. Die Versammlung soll am 2. Mai 1909, also an einem Tag kurz nach dem sogenannten Vorschußtage, stattfinden. An letzerem Tage wird auf den Gruben und Hütten gelohnt. Es ist nun hinlanglich eine erwiesene Tatsache, daß sich die oberchlesische Arbeiterbevölkerung am Lohnungs= und Vorschußtage und den 3 bis 4 darauffolgenden Tagen in hohem Prozentatze dem übermäßigen Alkoholgenuß hingibt. Die Folge dieses Treibens sind dann Schlägereien und überhaupt Belästigungen der Passanten mannigfaltigster Art. Weiterhin ist es eine oft gemachte Beobachtung, daß sich der oberschlesische Arbeiten venn er bei einer Behorde etwas auszurichten hat, mit Vorliebe „Mut antrinkt“. Dies tut er auch, wenn er zur Versammlung gehen will. Nun kann man bei schönem Wetter mit einer Zah. von 700 bis 800 Teilnehmern bestimmt rechnen. Sollten nun iuch nur 5 Prozent dieser Teilnehmer als Leute der bezeichjeten Art anzusprechen sein, so genügt dies, um eine ernstliche befahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten. Schon ellein ein einziger Fall, welcher ein polizeiliches Einschreiten erforderlich machen würde, kann der Anlaß zu einer größeren Ruhestörung sein. Es ist bekannt, daß Leute, welche Verammlungen wie die geplante besuchen, stets Partei gegen die Polizei nehmen. Nach dem Vorschußtage erscheint es aber weifellos, daß die Polizei gegen irgend einen schließlich doch zum Einschreiten kommen muß. Nun finden sich schnell Leute, welche die Partei des Gemaßregelten ergreifen, und bei einer Menschenansammlung wie die zu erwartende ist der Ausgang des Konfliktes nicht abzusehen. Aus vorgenannten Grunden erscheint die Verweigerung der Genehmigung gerechtfertigt. Rußzsand. R. B. Aus dem Reiche des Galgens. Die sozialdemokratische Dumafraktion hat aus Anlaß eines Briefes des ehemaligen Dumaabgeordneten, Genossen Lomtatidse, der im Hochverratsprozeß gegen die Dumafraktion zur Zwangsarbeit verurteilt wurdund sich gegenwärtig im Sebastopoler Gouvernementsgefängnis befindet, folgende Interpellotion in der* 5 Fer Duma eingebracht: „Ist dem Vorsitzenden des Ministerrates bekannt, 1. daß im Sabastopoler Gefangnis die zum Tode Verurteilten vor der Vollstreckung des Todesurteils systematisch Schlägen und Martern ausgesetzt werden; 2. daß die Todesstrafe ,elbst an Leuten vollstreckt wird, die sich infolge schwerer Erkrankung in bewußtlosem Zustande befinden, wie das der Fall gewesen ist bei dem Geanger in Vogt, der an Typhus daniederlag und eine Temperatur von 40 Grad hatte; 3. daß diese Scheußlichkeiten sich vor den Fenstern des Gefängnisspitals abspielen, wodurch die ohnehin schwere Lage der kranien Gefangenen noch erschwert wird. Was gedenkt der Vorsitzende des Ministerrates, wenn ihm das alles bekannt ist, zu tun, damit sich ähnliche Fälle nicht mehr ereignen und die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden.“ In der Duma wurde der sozialdemokratische Dringlichkeitsantrag mit 176 gegen 118 Stimmen verworfen und die Interpellation einer Kommission überwiesen, wo sie voraussichtlich ausgeschlossen, dennoch schließen die Parteien einen Vergleich, nach welchem der Kläger 20 Mk. erhält. Dieser Vergleich kang von beiden Seiten innerhalb 8 Tagen widerrufen werden. Der Kläger erkrankte am 11. Februar und war bis in den Monat April hinein erwerbsunfähig. Rech den gesetzlichen Festinmungen mus dem Hendlungsgechilfen im Erkrankungs““ Anein Eewberdeunfahig. Mul ven geeplschen sen muß dem Gancungrgehnen im Erigenlungssaue oas Gehalt für 6 Wochen weiter gezahlt werden. Der Beklagte bruar, weigerte sich aber den pellation einer Kommissige alstieistg, m sie Feraussichllich monatelang kiegen wird. Inzwischen wird die Regierung Stolyvin mit Genehmigung der schwarzen Duma ihre Henkertätigkeit nach dem Muster der Sebastovoler Henker fortsetzen können. Ein Seitenstück zu dem Briefe Lomtatidses bildet folgender Brief eines Arbeiters aus einem Moskauer Polizeigefängnis: Im Chamownitschewski=Polizeigefängnis— schreibt er— finden die Hinrichtungen fast täglich statt. Sie werden ausgeführt vom Henker Schabin, der zugleich Feldscher am Polizeispital ist. Er behandelt die Kranken im Svital auf das grausamste und bekommt bei den Hinrichtungen 25 Rubel pro Kopf gezahlt. Für eine Hinrichtung in der Provinz erhält er 100 Rubel, außer den Reisekosten... Eine Frau, die einer Hinrichtung beiwohnte, wurde wahnsinnig.— Wessen Herz wurde auch nicht erbeben angesichts der Hinrichtungen in unserem Gefängnis? Unter den zum Tode Verurteilten sind manche, die kaum den Knabenschuhen entwachsen sind. Diese nimmt der Henker unter seinen Arm und legt ihnen die Schlinge um den Hals. Andere besteigen selbst dasSchafott und legen sich die Schlinge um den Hals. Ein jüdisches Mädchen, das nicht gutwillig das Schafott besteigen wollte, wurde an Ort und Stelle mit den Händen erwürgt zahlte auch für Febr### weigerte sich übet, den Rest für März zu zahlen. Für diese Weigerung gibt er folgende Gründe an: Erstens sei Kläger bei Antritt seiner Stellung schon krank gewesen und hätte diese deshalb gar nicht antreten dürfen und zweitens habe sich Kläger geweigert, ein Attest des Kreisarztez über seine Krankheit beizubringen. Der Kläger bestreitet, daß er beim Antritt der Stellung schon krank war, ein Attest des Kreisarztes vorzulegen, dazu sei er nicht verpflichtet, ein solches des behandelnden Arztes habe dem Beklagten zur Verfügung gestanden. Aus der ganzen Verhandlung ergibt sich, daß der Vertreter des Beklagten selbst nicht an die##n ihm vorgebrachten Gründe glaubt. Das Urteil lautet: De Beklagte wird verurteilt, dem Kläger 160 Mk. zu zahlen und die Kosten des Rechtsstreits zu tragen.— Die Filialleiterin G. klagt gegen die Firma Denecke u. Co. in Bremerhaven, Filiale Bielefeld. auf Zahlung des rückständigen Gehalts in Höhe von 35 Mk., Herausgabe der 90 Mk. betragenden Kaution und Zahlung einer Entschädigung im Betrage von 105 Mk. Die Klägerin ist ohne Kündigung entlassen worden. weil bei einer Inventuraufnahme am 14. April angeblich ein Manko von 198.62 Mk. vorhanden gewesen sein soll. Die Klägerin bestreitet das: einmal sei sie bei der Aufnahme nicht zugegen gewesen und zum andern habe sie bei Errichtung der Filiale im Januar dieses Jahres keine Dezimalwage gehabt, um die ankommenden Sachen nochzuwiegen. In der Sache soll Reweis erhoben werden.— Die Filialleiterin B. klaat gegen die Firma Heinr. Hill in Hattingen, Filiale Bielefeld. wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 263 Mk. Die Beklagte behauptet, für die Entlassurg der Klägerin habe ein wichtiger Grund vorgelegen. indem ihr sittliches Verhalten nicht einwandfrei gewesen sei. Als Filialeiterin habe sie dem ihr unterstellten Versonal ein schlechtes Beisniel gegeben. Das Gericht hält diese Behauptungen durch die Zeugenaussagen für gensigend bewiesen und kommt in seinem Urteil zur Abweisung der Klage. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend findet ein einmalige Aufführung von Mozarts Meisterover„Die Zauberflöte" statt. Fast das gesamte Soloversonal ist in ersten Partien beschäftigt. Freitag geht Rich. Wagners„Walküre“ mit neuen Dekorationen und Beleuchtungseffekten zum letzten Male in Szene. Die Erst=Aufführung am letzten Sonntag bedeutete den Höhevunkt der künstlerischen Leistungen dieser Overr=Svielzeit; deshalb sollte kein Musikfreund den Besuch dieser Wiederholung versäumen. Sonnabend geht Offenbachs Oper„Hoffmanns Erzählungen“ zu kleinen Preiser in Szene. Wochen= Spielplan. sonntag, 9. Mai, Anfang 7 Uhr: Zum letzten Male„Tannhäuser und Der Sängerkrieg auf Wartburg". Große Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. Montag, 10. Mai, Anfang 7½ Uhr: Letzte Vorstellung der Saison. Zum 5. und letzten Male:„Tiefland". Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufzügen nach A. Guimero von Rudolf Lothar.— Musik von Eugen d'Albert. Schluß der Opernspielzeit. An den drei letzten Spieltagen Sonnabend. Sonntag und Montag wird an der Theaterkasse ein Rückblick auf die Spielzeit 1908/09 kostenlos an Interessenten abgegeben. — Wirtshausabfälle als Hundefutter. Es sei davor gewarnt. Nicht selten kommt es vor, daß Hunde durch den fortwährenden Genuß von Wirtshausabfällen schwer und lebensgefährlich erkranken. Die gewürzte, oft mit Zigarrenasche, Zigarrenstummeln und dergleichen vetmischte Kost ist viel zu scharf, wird eicht sauer und greift die Verdauungsorgane, besonders den Magen der Tiere, an. Sie wird auch Ursache zu anderen LeiMe i Wielsnssstase## purm, Fetträude, rote Flechte usp. Muß die Wirkshauslost zeitweise als Nahrung genommen werden, so sehe man jedenfalls darauf, daß Zündhölzer, Staniol, Korke, Stummel und Asche von Zigarren nicht darin sind. Für gewöhnlich aber reiche man dem Hund die ihm als Haustier bekömmlichere gemischte Kost aus Hülsenfrüchten, Reis, Grütze, aufgeweichtem Hundekuchen mit Knochen= und Fleischzusatz. — Polizeibericht. Die Schweineseuche unter dem Schweinebestande des Arbeiters Heinrich Heidemann, Engerschestraße 8, ist erloschen.## über das Gehöft verhängte Sperre ist aufgehoben. Gefunden wurde in der Nähe des Ostbahnhofs vor einigen Tagen ein Pappkarton, in welchem außer mehreren Bekleidungsstücken sich noch nachfolgende Gegenstande befanden: 1 Gesangouch, 1 Neues Testament, 1 Schriftchen betr. Alkohol und seine Gefahren, 1 Schneiderbandmaß und 1 Schneiderschere, 1 Stück Schneiderkreide, 1 Nähring, 1 Futteral mit Nähnadeln, 1 Radiergummi mit eingeschnittenen Buchstaben A. F. Entlaufen: 1 deutscher Schäferhund. Fahrraddiebstahl. Dem Wirt Karl M. hier wurde vorgestern ein Fahrrad, Marke„Hünenrad“, gestohlen. Der Dieb hatte ein altes Rad zurückgelassen. In Oelde wurde der Dieb in der Person des Arbeitslosen Heinrich M. gestern ermittelt, festgenommen und das Rad beschlagnahmt.— Dem Lehrer B. wurde gestern ein Fahrrad, Marke„Automobil“, aus dem Rathausflur entwendet. Gefunden: 1 weißer Damenstrohhut, 1 schwarzer Spitzenchal, 1 Hande'sgesetzbuch, 1 größeres Geldstuck, 1 hellgrauer Kindersportwagen, 1 schwarzer Sammetgürtel, 1 rote Schreibtasche mit geringem Geldbetrag. Versammlungen. Babenhausen. Sonntag, 9. Mai, vorm. 10 Uhr: Besprechung und Bücherwechsel. Heepen. Soz. Verein. Die Versammlung am 9. Mai fällt aus. Herford. Verbanb der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter. Sonntag, 9. Mai, vorm10 Uhr, bei Hillert: Versammlung. Bünde. Holzarbeiterverband. Freitag, 7. Mai, bei Nübel: Versammlung. Salzufleu. Soz. Verein. Sonnabend, 8 Mai: Versammlung. Vortrag des Genossen Eggen=Detmold. Lemgo. Gew.=Kartell. Sonntag, 9. Mai, vorm. 10 Uhr, bei Lüpke: Sitzung. Gütersloh. Sonnabend, 8. Mai, abends 9 Uhr: Besprechung der Parteigenossen. a. Gellershagen, 5. Mai. Wie gelogen wird! In der „Westfälischen Zeitung“ vom Montag, den 8. Mai, lesen wir folgende Notiz: Aus der Stadt und Nachbarschaft. schmied sang das Lied vom Knaben im lockigen Haar sehr nett und auch Ensabeth Léclair als Marie, Josef Schutzner als Graf Liebenau und Elly Freyler als Irmentraut waren an ihrem Platze. Bielefeld, 6. Mai. Die Arbeiter=Jugend findet sich am Sonntag, 9. Mai, nachmittags 2½ Uhr, bei gutem Wetter auf dem Ochsenberge ein. Maz Her Tischler 8. goergleichsverhandlung vom 4. Mai. Der segericht(Land). Vergleichsverbandlun vom„„, Ichler V. llagt, gegen den Vorstand der Anstalt Bethei auf Zahlung des ruckstandigen Lohnes in Höhe von 28,70 Mk. Der Kläger war in der Tischlerei der Anstalt beschäftigt und hat für eine Holzlieferung für einen seiner Bekannten gewissermaßen Bürgschaft übernommen. Da dieser jetzt nicht zahlt, will sich die Beklagte an dem Lohn des Klägers schadlos halten. Das ist nach den gesetzlichen Bestimmungen naturlich Tönsing bewohnt wird. Offenbar liegt hier ein Racheakt vor. In Wirklichkeit verhält sich die Sache so: Das fragliche Haus besitzt etwa 22 Fenster und mehrere Türen mit Scheiben, außerdem eine Glasveranda. Zertrümmert ist„ein“ Fenster und der ganze Schaden beläuft sich auf höchstens 3 Mark. Mit dieser Tatsache vergleiche man die obige Notiz, nach der„sast sämtliche Fenster eingeworfen sind. Nichts könnte natürlich der organ sierten Arbeiterschaft erwünschter sein, als daß der Täter ausfindig gemacht,würde, aber daran hat. man auf der anderen Seis“ indig gemacht würde, aber daran hat man auf der anderen offenbar gar kein Interesse. Wir sind fest uberzeugt, daß## Nchr ernmur F. Angeigl FPo.um. warden 97, on Uoutan auf etcna“ ber=s„ 18 den Sache bisher nicht einmal zur Anzeige gebracht worden ist, es kommt jenen Lenten auf enwus gung anbetes an, uld die Täter festzustellen. Wer ist aber der Oeffentlichkeit so pro Offenbar liegt hier Das mag schon stim Notiz die Tatsachen gut würgerlichen Ki daran denkt, die erg nis verantwortlich z. ausgesprochen, daß mit dem Steinewerf Wir können es dürfnis fühlen, bei Dingen sich als ver Aber das wird i sind unterrichtet ur Moment auch losich so genau an die Wa zur Kenntnis nehme s. Herford, 5. M Neuen Markte Unsere Leser brauch der nächsten Zeit üb leicht, daß einige M mädchen bei Fritz C. daß aus den Reihe au.sgesprochen wird, Sommermonate ein den Männlein und angehören, ermöglich ergötzen.— So hat denn nur nadenkonzert stattge Wilhelmsplatz abzu Klängen des städtisch Ulm=Alleen auf und besprach dabei mit( Jugend und ganz b dem unvermeidliche Zwischendurch schlän tarier. Daß die let zahlreich erichien, de liche Magistrat wol zerts auf die Zeit b in der Fabrik front# Wohnung befanden. Der Abwechslung auf den Alten Mar konnte dann nicht m entweder auf einem setzte sich, verschiede man hatte da noch Gefühl, zu dem m Aber erträg'ich wa wenig angenehm. Die Anwohner Eifersucht geplagt# Alten Markt. Sie berechtigung(sonst sie riefen nach Musi daß das„Kunstv Burgerschaft ein gain hervorragender schaften, so in der 2 schlechts wohnen, ni und der Neue Mai Dem mit den Hei müssen wir verstän des Neuen Marktes Der Neue Markt Alter der anstoßen wieder aufgebauten, aufgebauten Turm fähr 500 bis 700 Markt“. Von einen die Rede sein, es Umgrenzt wird er unter das von ins vierten Seite winkt gehaltenes„Bedürf: Einrichtung des N geichmackvollen Bau zu vervollständigen, einen Haufen halb: Auf diesem Neuen! statt. Was vorauszuse befand sich in fortt man rettete sich abn Dabei hätte es noch Pferde scheuten. D die unruhigen Tiere Leistungen der Kape * Hille, 5. Tabakarbeite statt. Kollegin O Genosse Schatze=M Kaum aber war zwei Herren, der Giggereibesitzer 5 Kingervereins, wi die anwesenden G Kollegen Beerman ggt sei. Zigarrer Maurer. Die Hil zialdemokraten wo Bebel sei von den worden. So schrie „In meiner Mol Jahr!“ schrie Heri hhren erkel diesem Belehrung von sei daß die beiden Kraftleistungen au einer der Herren. aber nicht. Die größten Teil auf christlich=sozialen mit Schreien und mehr auf ihre Klo nossen auf die Bei wort nicht schuldi Mannen des klein selbst Bemecken Tabakarbeiter in A trieben wird. Di Fabrik nach Hause nie darn bis tief richtung. Eilshausen, 4. Eilshausen gehen n zu gründen. Als der Zersplitterung regeu müssen al. tung, Zwiebele Oberchrist auf erhalten haben. A dem Mantel der L auch als Konsume äußerste. Um sich irteien einen Vergleich. Dieser Vergleich kan widerrufen werden. situng vom 4. Mai. Schokoladenfabrikanten halts in Höhe von 160 ebruar und war bis in Roch den gesetzlichen fen im Erkrankungsfalle werden. 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Wir können es ja verstehen, wenn gewisse Kreise das Bedürfris fühlen, bei den augenblicklich im Werden begriffenen Dingen sich als verfolgte Opfer hinzustellen. Aber das wird ihnen nichts helfen, wir sind auf dem Posten, sind unterrichtet und werden im uns geeignet erscheinenden Moment auch losichlagen. Das mögen jene Leute, die sich nicht so genau an die Wahrheit halten, wenn es„Rache" zu üben gilt, zur Kenntnis nehmen, sich aber auch zur Warnung dienen lassen. s. Herford, 5. Mai. Promenadenkonzert auf dem Neuen Markte. In Herford ist kein Ding unmöglich. Unsere Leser brauchen sich gar nicht zu wundern, wenn wir in der nächsten Zeit über weitere Ueberraschungen berichten. Vielleicht, daß einige Missionsstunden zur Betehrung armer Heidenmädchen bei Fritz Collbrun am Renntor abgehalten werden, oder daß aus den Reihen der Bürger der„lebhafte Wunsch“ ausgesprochen wird, an den Ufern des Stadtgrabens für die Sommermonate eine Anzahl Strandkörbe aufzustellen, damit es den Männlein und Weiblein, so der Herforder Gesellschaftscreme angehören, ermöglicht wird, die Bürgernasen an den Düften zu ergötzen.— So hat denn nun wirklich auf dem Neuen Markt ein Promenadenkonzert stattgefunden. Bisher war es üblich, diese auf dem Wilhelmsplatz abzuhalten. Es war ein wahrer Genuß, den Klängen des städtischen Orchesters lauschend, unter den herrlichen Ulm=Alleen auf und ab zu wandeln. Der behäbige Bürgersmann besprach dabei mit Gleichgesinnten die hohe Politik, während die Jugend und ganz besonders die Backfische unter Geplauder und dem unvermeidlichen Kichern fröhlich auf und ab wogte. Zwischendurch schlängelten sich auch ein paar musikliebende Proletarier. Daß die letztere Kategorie der Einwohnerschaft nicht zu zahlreich erichien, dem war dadurch vorgebeugt, daß der fürsorgliche Magistrat wohlweislich die Stunde des Promenadenkonzerts auf die Zeit bestimmte, in der die Arbeiter noch zum Teil in der Fabrik fronten oder aber sich doch erst auf dem Wege zur Wohnung befanden. Der Abwechslung halber wurde das Promenadenkonzert auch auf den Alten Markt verlegt. Von Promenade und promenieren konnte dann nicht mehr gut die Rede sein. Die Zuhörer mußten entweder auf einem Fleck stehen bleiben oder die ganze Gesellschaft setzte sich, verschiedene Gruppen bildend, in einen Rundmarsch; man hatte da noch obendrein das mehr oder weniger angenehme Gefühl, zu dem mitwirkenden Teil eines Zirkus zu gehören Aber erträg'ich war die Gesc ichte immerhin noch, wenn auch wenig angenehm. Doch mit des Geschickes Mächten usw. „Die Anwohner des Neuen Marktes wurden von quälender Eifersucht geplagt ob dieser Bevorzugung ihrer Mitbürger vom alten Markt. Sie riefen mit lauter Stimme nach Gleichberechtigung(sonst nur eine Forderung der Arbeiterpartei)— sie riefen nach Musik. Und der Magistrat— in der Erkenntais, daß das„Kunstverständnis“ der ehrsamen friedliebenden Burgerschaft ein gar köstlich Ding sei und sintemalen die Musik in hervorragender Weise dazu verufen ist, die bösen Leidenschaften, so in der Brust der sündhaften Menschen beiderlei Geschlechts wohnen, nieder zu halten— hörte den Ruf nach Musil und der Neue Markt bekam sein„Piomenaden“=Konzert Dem mit den Herforder Platzverhältnissen nicht Vertrauten müssen wir verständnishalber vorweg eine kurze Beschreibung des Neuen Marktes geben. Der Neue Markt ist überhaupt kein neuer Markt. Nach dem Alter der anstoßenden Johanniskirche mit dem abgerissenen. wieder aufgebauten, wieder abgerissenen und neuerdings wieder aufgebauten Turm zu rechnen, dürfte der Neue Markt so ungefähr 500 bis 700 Jahre bestehen; daher der Name„Neuer Markt“. Von einem Platze kann schlechterdings auch nicht gut die Rede sein, es ist der Kreuzungspunkt von sechs Straßen Umgrenzt wird er an drei Seiten von vier Wirtshäusern, darunter das von ins geschätzte Gasthaus„Zur Traube“. Von der vierten Seite winkt uns freundlich ein im entsprechenden Stil zehaltenes„Bedürfnisbäuschen“(nebenbei gesagt, die nützlichste Emrichlung des Neuen Marktes) mit einem alles andere als geschmackvollen Bauverschlag im Hintergrunde. Um das Bilk zu vervollständigen, denke man sich an diesen Verschlag anlehnend einen Haufen halb verfaulten Holzes und einige Haufen Steine Auf diesem Neuen Markt fand nun das„Promenaden“=Konzert Was vorauszusehen war, trat ein. Die Menschenmenge befand sich in fortwährender Gefahr, übergefahren zu werden, man rettete sich abwechselnd von der einen Seite auf die andere. Dabei hätte es noch zu Katastrophen führen können, da mehrere Pferde scheuten. Die Kutscher hatten alle Kraft einzusetzen, um die unruhigen Tiere zu bemeistern. Selbstverständlich gingen die Leistungen der Kapelle unter dem dröhnenden Wagengerassel und Pferdegetrappel vollkommen verloren. Wer nur einen Funken Kunstsinn besitzt, den mußte es geradezu peinlich berühren, daß so etwas in einer Stadt wie Herford möglich ist. T##Hils. k. Mai. Christlich=soziale Helden. Eine beiterversammlung fand gestern abend hier statt. Kollegin Ostinde referierte. In der Diskussion sprach Genosse Schatze=Minden, sons meldete sich niemand zum Wort Kaum aber war die Versammlung geschlossen, da waren es zwei Herren, der Kleinbahnhofsvorsteyer Brandborst und der Mollereibesitzer Holm, erster auch zugleich Vorsitzender des Kriegervereins, welche mit wildem Geheul Beschimpfungen auf die anwesenden Genossen, hauptsächlich auf die Person des Kollegen Beermann, hausten. Alles seien Lugen, was da geget sei. Zigarrenarbeiter verdienten viel Geld, mehr wie die „Igurer., Die Hiller Tabakarbeiter sollten sich hüten, die Soz#demotraten wollten das Vaterland in den Schmutz ziehen. Bebel sei von den Pfennigen der Arbeiter ein Millionar geworden. So schrien die Herren und schnappten nach Luft dabei. „In meiner Molkerei verdient keiner unter 1200 Mark im hahr:„schrie Herr Holm. Die anwesenden Arbeiter erklärten ihren Elei diesem Gebaren der beiden Herren gegenüber. Jede Belehrung von seiten der Arbeiter hatte aber nur den Erfolg, daß die beiden Kämpen ihre Lungen zu neuen, verstärkten Kraftleistungen aufbliesen. Christlich=sozial sei man, schrie einer der Herren. Was die Krakehler bezweckten, erreichten sie Die Arbeiter blieben ruhig und stellten sich zum größten Teil auf die Seite der anwesenden Genossen. Diese mit Schugziglen Herren mußten die Erfahrung machen, daß ## Schlrien und Lärmen die Arbeiter auch in Hille sich nicht mehr auf ihre Klassengenossen hetzen lassen. Daß unsere GeBeschimpfungen der beiden Krakehler die Antwort nicht schuldig blieben, sondern frei und furchtlos den Mannen des kleinen Davids entgegentraten, versteht sich von Bemecken wollen wir noch, daß die Ausbeutung der P#oester in Westfalen in dieser Gegend am schlimmsten bewird. Die Tabakarbeiter tragen, wenn sie von der Fabrik nach Hause gehen, alle Säcke voll Tabak. Zu Hause sitzen richtung, bis tief in die Nacht hinein und besorgen die ZuFilg Eilshausen, 4. Mai. Die Arbeiter von Hiddenhausen und .„ Tausen gehen mit der Absicht um, einen Konsumverein i grunden. Als Produzenten stehen die Arbeiter hier infolge Zersplitterungsarbeit der Christlichen vollständig schutzlos da. Alles müssen sie über sich ergehen lassen: Lohnabzuge, Maßgelung, Zwiebeler bei der Arbeit, ja ein Kollege, der sich stets erhasten#rist aufspielte, soll sogar Prügel von seinem Meister raben. Alles dieses deckt der christliche Verband mit n Mantel der Liebe zu. Aber nicht nur als Produzenten, zus bis Konsumenten schröpft man hier die Arbeiter aufs eberste. Um sich nun als Konsumenten zu schützen, wollten sich die Arbeiter hier in einem Konsumverein zusammenschließen. Kaum hatten die„Christen“ etwas davon gemerkt, da hielten sie mit den Krämern zusammen eine Versammlung ab und vereinigten sich mit diesen, um die Konsumvereinsgründung zu hintertreiben und zu bekämpfen. Im Organ des christlichen „Tabakarbeiter“ nehmen sie nun den Kampf gegen ihre eigenen Interessen auf. Das Blatt schreibt unter Eilshausen: „Die hiesigen„Genossen scheinen allmählich zu merken, daß die Arbeiterschaft wenig Verstandnis für ihre mit vielem Geschrei angepriesene Bewegung haben. Jetzt sind sie auf den Einfall gekommen, auf dem Umwege eines Konsumvereins, den sie hier gründen wollen, mehr Anhänger zu gewinnen. Unsere Mitglieder werden sich selbstverständlich von dieser roten Agitationsmache fernhalten und ihn auch sonst bei den Arbeitern entsprechend bekannt machen. Ganz abgesehen von dem schlechten Deutsch spiegelt sich in diesen Zeilen so recht die Idee der„christlichen" Bewegung wieder. Genossenschaften, Gewerkschaften und die ch der„christlichen Auffasst politische Bewegung sind nach der„chris.#ung nicht dazu, da, die age der Arbeiter zu verbessern, sondern der Agitation halber. Wohl niemals sind die„Christlichen“ hier offener mit ihrem verräterischen Treiben hervorgetreten. Sie gründen ja auch nicht Gewerkschaften der Arbeiter wegen, sondern zur Bekämpfung der Sozialdemokratie. Gegen dieses Treiben erhebt sich im christlichen Lager bereits offener Widerspruch. Man fängt allmählich an zu merken, daß die„christliche" Bewegung den Arbeitern als Produzenten nicht helfen kann, sie aber als Konsumenten einfach der Ausplünderung preisgibt. Die Arbeiter von Hiddenhausen und Eilshausen durfen sich nicht von diesen kapitalistischen Schrittmachern, von diesen„christlichen“ Arbeiterfeinden irre machen lassen, sondern müssen ruhig und fest auf dem betretenen Wege, nach allen Richtungen hin die Arbeiterinteressen zu fördern, weiter marschieren. Die christlichen Arbeiter von Hiddenhausen und Tilshausen werden dann auch bald einsehen, wo ihre wahren Freunde sind. Durch Liebäugeln den Fabrikanten gegenüber, durch Lieb'=Kind=Machen bei dem Krämern, wie es die Christlichen in Hiddenhausen und Eilshausen stets getan haben, dient man nicht den Arbeitern. Die Arbeiter von Hiddenhausen und Eilshausen werden jetzt gerade den„Christen zeigen, daß in der Vertretung und Forderung der Arbeiterinteressen die„Freien und nicht die sogen. „Christen" die Führung haben. * Besenkamp, 4. Mai. Schon wieder müssen sich die organisierten Tabakarbeiter mit dem Werimeister Heinr. Aßler beschäftigen. Ein Dorn im Auge ist ihm der Deutsche Tabakarbeiterverband. Aßler scheute nicht davor zurück, alte Arbeiter, die 14 Jahre bei ihm gearbeitet haben, weger Zugehörigkeit zumVerbande aufs Straßenpflaster zu setzen. Aßler versteht es gut, durch seine Kniffe dem Fahrikanten andere Gründe dafür anzugeben. Auch hat Aßler jetzt wieder eine Familie g indigt, bestehend aus Mann, Frau und einem Jungen. Ten Lehrling hat Aßler vor zirka 4 Wochen gefragt, ob auch er im Verbande wäre, was der Lehrling bejahte. Darauf hat Aßler dem Lehrling erklärt, er solle nur weiter dabei bleiben, dann bekäme er in den nächsten Tag etwas inderes zu spüren. Anderen Kolleginnen hat Aßler erklärt, das Geld, was sie für den Verband bezahlten, sollten jie lieber auf die Sparkasse bringen oder sich Kleider dafür kaufen. Aßler hat in den letzter zwei Monaten acht organisierte Kollegen auf die Straße gesetzt. Zu einem Handwerker hat Aßler gesagt, wenn seine Leute erst alle aus dem Verbande wären, dann konnte er mit den Leuten mehr anfangen, er hoffe, daß sie größtenteils austreten würden. Ueber die, die drin blieben, wollte er schweigen. Wie es Aßler früher gemacht hat mit seinen Arbeitern, wr sie der Orgar' ation noch fernstanden, dafür einige Proben: Als Aßler eines sends des Alkohols iu viel genossen hatte, wollte ei die Mädchen mit dem Besenstic. durchprügeln. Aßler hätte auch wohl sein Vorhaben ausgeführt, wenn ihn nicht seine Frau von der Fabrik geholt hätte. Auch sind in den Jahren die Lehrlinge mit Prügel bedacht worden. Ein andermal hatte Aßler einen Leuten erklärt, es war in der Kartoffelernte, wer für Aßler keine Kartoffeln ausgraben wolle, müßte drei Tage feiern. Entschädigt wurden die Leute aber nicht, sie bekamen nur ein saar Schnäpse dafür. Als die Tabekarbeiter im Jahre 1905 iberall Arbeit bekommen konnten, woute Aßler die Arbeiter von der Straße holen. So hat er einem Kollegen, der zur Mühle wollte, den Schrotsack unterm Arm weggenommen und ihm Tabak hinein stopfen wollen. Aßler kann aber machen was er will, die Organisation wird er in Besenkamr nicht mehr zertrümmern. Im Gegenteil. Die Arbeiter werden jetzt erst recht einsehen, daß ihnen nur der Verband helfen kann. Hoffentlich genügen Aßler diese Zeilen, um bei sich Einkehr zu halten und die Arbeiter in Ruhe zu lassen. * Detmold, 5. Mai. Sitzung des Amtsgemeinderats für das Amt Tetmold. Die geplante Ueberlandzentrale bei Dörentrup wurde durch Ingenieur Hennecke=Bielefeld durch einen längeren interessanten Vortrag erläutert. Den Mitgliedern des Amtsgemeinderats wurden Fragebogen ausgehändigt, um festzustellen, ob sich die Anlage rentieren wird.— Der Bau einer Eisenbahn durch die Dörenschlucht wurde vertraulich beraten.— Ein Ortsstatut über die definitive Anstellung und Pensionierung der Amts=Unterbeamten soll ausgearbeitet werden.— Auf dem Wege nach Heiligenkirchen wird die Berlebecke durch den sog. blauen Steg überspannt. Ueber die Unterhaltung dieses Steges hatte sich nun vor dem Verwaltungsgerichte ein Streit entsponnen, der damit endete, daß das Oberverwaltungsgericht die Gemeinde Heiligenkirchen von der Unterhaltungspflicht freisprach. In Frage der Unterhaltung kam nun die Furstliche Rentkammer. Diese weigerte sich aber. Der Amtsgemeinderat beschloß, gerichtlich gegen die Rentkammer vorzugehen.— Die Beschlußfassung über den Ausbau des Weges von Dalborn in das Amt Detmold hinein wurde ausgesetzt.— Ein Zuschuß zum Ausbau des Weges zu den Steinbruchen am Knickberge wurde abgelehnt.— Der Antrag der Ortschaft Meiersfeld auf Teilung der Ortschaft Leistrup=Meiersfeld in zwei besondere Bauerschaften wurde dahin erledigt, daß erklärt wurde, der Amtsgemeinderat habe kein Interesse an dieser Frage.— Der Antrag der Ortschaft Fissenknick auf Trennung vom Standesamt Detmold und Hinzulegung zum Standesamt Meinberg soll bei der Regierung befürwortet werden.— Der Kohlenhändler Görder in Remmighausen soll zu den Unterhaltungskosten der Kommunalwege im Amte Detmold jährlich 30 Mark zahlen.— Betreffs des Erlasses einer ZuchtstierOrdnung wurde beschlossen, so lange zu warten, bis die Regierung mit einer derartigen Ordnung an das Land herantritt.— Die Kosten für Abhaltung eines Unterricht ursus zur Ausbildung von Obstbaum=Revisoren wurden bewilligt. * Ahlen, 5. Mai. Zu der am Sonntag 9. d. M., stattfindenden Fiugblattverbreitung werden die Genossen und Gewerkschaftler ersucht, sich zahlreich zu beteiligen. Ausgabe der Flugblätter Sonnabend abend 8½ Uhr an berannter Stelle. Zur Generalversammlung des Tabakvereins am Dienstag in Berlin hatten nur Mitglieder Zutritt: Wie in der Versammlung der Verrat der Tabakindustriellen fortgesetzt wurde, darüber schreibt uns ein Teilnehmer: Vor der Versammlung, seit 8 Uhr morgens, hatten Vorstand, Ausschuß und die Vorsitzenden der Landesvereine getagt, die der Generalversammlung eine Resolution vorlegten.(In der Mittwoch=Nr. gebracht.] Den westf. Fabrikanten und denen vom Niederrhein wurde von einem Redner empfohlen, sich zu, fügen und die Agitation die machte den. Umfg..] mit, erklärte jur die Westfalinger, indem er seine dis jetzt innegehabte Stellung noch einmal darlegte, daß er nur wenn der Reichstag über Leichen gehen wolle, fur die Resolution sei. Kommerzienrat Collenbusch=Dresden sagte nun: Wer gegen die Resolution ist, er ebe eine Hand.— Da erhoben sich links vom Bureau etwa 20 Hände. In diesem Augenblick, also während wurde von einem Redner empfohlen, sich zu fügen und di Agitanon gegen die Majoritat aufzugeben. Man musse durch die Geschlossenheit imponieren. Fabrikant Schöning machte den Umfall mit, auch er ergriff das Wort und der Abstimmung, erklärte Zigarrenfabrikank Kersten aus Rees zur Geschäftsordnung, daß sich die Fabrikanten vom Niederrhein der Abstimmung enthielten. Kommerzienrat Collenbusch übersah die 20 Hände und erklärte die Resolution für einstimmig angenommen. Die 20, welche dagesen stimmten, waren meist Westfälinger. Da die bürgerlichen Blätter den offiziösen Bericht bringen werden, so übersenden wir der„Volkswacht" diesen Bericht mit der Bitte, auch hier der Wahrheit zu dienen. An die armen Tabakarbeiter denkt man bei dieser ktion nicht. Ueber Leichen der Arbeiter schreitet man und den Besitz, die Reichen verschont man. Armes betrogenes Volk! Vermischtes. Explosion. Schönebeck a. E., 5. Mai. Kurz vor 2 Uhr erfolgte in den Allendorfschen Munitionswerken eine heftige Explosion. Der Alkoholraum flog in die Luft. Einige Stunden spater explodierte das Laboratorium, worauf in kurzer Zeit die ganze Fabrik in Flammen stand. Bis jetzt sind fünf Tote und drei Verwundete geborgen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Zahl der Opfer noch größer ist. Schönebeck a. E., 5. Mai. Zu der Explosion in den Allendorfschen Munitionswerken wird noch berichtet: Das Feuer ist gelöscht, die Aufräumungsarbeiten sind bereits im Gange. Der Materialschaden ist ziemlich bedeutend, der Betrieb wird fortgesetzt. Außer den bereits geborgenen fünf Toten und drei Schwerverletzten befinden sich weitere Opfer nicht unter der Trümmern. Von der Luftschiffahrt. Ravensburg, 5. Mai. Der lin II, „Oberschwäbische Anzeiger“ meldet, daß Zeppel der noch vor Pfingsten nach seinem Standort Köln uvergeführt werden soll, zwischen dem 15. und 20. Mai zu einer Fernfahrt nach Berlin aufbrechen wird. Zeppelin I werde in nächster Zeit die Ballonhalle in Metz beziehen. Die Fertigstellung von Zeppelin III, der für die Frankfurter Ausstellung bestimmt ist, wird bis zum Monat August erfolgen. Selbstmord eines jungen Liebespaares. Leipzig, 5. Mai. In einem Gehölz in unmittelbarer Nähe der Stadt fand man heute früh ¾6 Uhr, auf einer Bank liegend, den 17jährigen Agentensohn Kurt Robert Mechold und die 13jährige Ida Berta Lehmann besinnungslos auf. Sie hatten Gift genommen. Bei ihnen lag eine Karte mit der Aufschrift: ½4 Uhr freiwillig aus dem Leben geschieden, weil wir uns liebten! Die Selbstmorder wurden nach dem Krankenhause gebracht. Dort ist Mechold verstorben, das Mädchen liegt im Sterben. Pilzvergiftung. Ratibor, 5. Mai. Dem„Oberschlesischen Anzeiger“ zufolge sind der Ingenieur Hruban in Bochina, seine Frau, seine zwei Kinder und das Dienstmädchen nach dem Genuß von getrockneten Pilzen, die Hruban im vergangenen Sommer in einem nahen Walde gesammelt hatte, erkrankt. Frau Hruban und ihr Sohn sind bereits gestorben. Die übrigen Erkrankten schweben ins Lebensgefahr. Ein Hauptmann wegen Sittlichkeitsverbrechen vor Gericht. Mainz, 5. Mai. Gestern wurde vor dem Kriegsgericht gegen einen Hauptmann wegen Sittlichkeitsverbrechen hinter verchlossenen Türen verhandelt. Näheres ist noch nicht bekannt. Von einem Eisenblock zermalmt. Lille, 5. Mai. In Fivesville wurde ein Metallarbeiter von einem umstürzenden Eisenblock vollständig zermalmt. Frost. Montpellier, 5. Mai. Der Frost der letzten Tage hat hier und im ganzen Departement ungeheuren Schaden angerichtet. In den verschiedenen Bezirken ist die gesamte Blüte der Obstbäume vernichtet worden. Explosion eines Pulverwerks. Graz, 51 Mal. Heute morgen ist das Pulverwerk Jahnstampe bei Peggau in die Luft zeflog n. Ob Menschen dabei verunglückt sind, konnte noch nicht festgestellt werden. Regenwetter und Hochwasser. Wien, 5. Mai. Infolge des andauernden Regenwetters wird aus allen Landesteilen Steigen der Flüsse und große Hochwassergefahr gemeldet. Letzte Nachrichten. Recklinghausen, 6. Mai. Ein umfangreicher Waldbrand dem etwa 1000 Morgen Wald zum Opfer fielen, ist an der Bahnstrecke Haltern=Recklinghausen ausgebrochen. Der Wald gehort zum größten Teil dem Herzog von Arenberg. Der Brand soll durch Funken der Lokomotiven entstanden sein. Halle a. S., 5. Mai. Von einem nationalliberalen Reichstagsabgeordneten wird der„Saale=Zeitung“ geschrieben: Man beurteilt die Lage zumeist ungünstig innerhalb der nationalliberalen Reichstagsfraktion. Man fürchtet, daß die Reichsfinanzreform ohne das Zentrum nicht durchzusetzen ist, mit dem Zentrum aber in jener der Regierung genehmen Weise um den Preis von Bülows Absetzung, und es mehren sich die Aussichten, daß dies doch der schließliche Ausweg sein wird. Von anderer Seite wird die Möglichkeit erwogen, die Besitzsteuer auf ein Jahr d.rch entsprechende Einführung der Matrikularbeitrage zu ersetzen, um durch eintretende enorme Belastung der Bundesstaaten zu zeigen, daß es auf diese Weise auf die Dauer nicht Bromberg, 6. Mai. Die hiesige Strafkammer verurteilte den 30jährigen Lehrer Fritz Fritsch aus Jannowitz wegen Vergehen gegen die Sittlichkeit zu 3 Monaten Gefängnis. Fritsch hatte sich in 3 Fällen an Schulmädchen vergangen. Annaburg, 6. Mai. In den Reinsdorfer Sprengstoffwerken bei Wittenberg wurden bei einer Geschützexplosion ein Schießmeister und zwei Arbeiter getötet. Kolberg, 6. Mai. In einem hiesigen Hotel erschoß sich der Leutnant Kuno vom Infanterie=Regiment Nr. 54. Das Motiv soll eine Liebesaffäre sein. Graz, 6. Mai. Bei der gestrigen Pulver=Explosion in der Dynamitfabrik von Jahn wurde ein Arbeiter getötet, 2 andere trugen schwere Verletzungen davon. Bori aw, 6. Mai. Die Brände in den galizischen Petroleumgruben haben weiter an Ausdehnung zugenommen. Das durch Blitzschlag entstandene Feuer erstree sich jetzt auf nicht weniger als 9 Schächte, an deren Betrieb verschiedene deutsche Gesellschaften mit Kapital beteiligt sind. Eine der Gruben zählte zu den am meisten produzierenden Petroleumanlagen. Konstantinopel, 6. Mai. Das neue Kabin#tt, das gestern vormittag gebildet wurde, jetzt sich folgene maßen zusammen: Großwesier Hilmi; Inneres Ferid; Krieg Salib; Aeußeres Rifaat; Justiz Hakki(bisher Botschafter in Rom]; Bergwerke und Forsten Noradunghian; Handel Aristidi lbisher Abgeordneter): Unterricht Asmi(bisher Wali von Brussa); Marine Arik, Filmet, Scheich ul Islam Saib Mollah, Staatspräsident Reschiv auf. Der jungtürkische Abgeordnete Dschavid wird Unterstaatssekretär der Finanzen, Aristarchi Unterstaatssekretär des Aeußern. Teheran, 6. Mai. Die offizielle Feier des Geburtstages des Schahs im Bagschahgarten ist ohne Zwischenfall verlaufen. Sämtliche Gesandten, sowie die Spitzen der europäischen Kolonien mit ihren Tamen erschienen.— 250 Nationalisten aus Reschd sind, wie bereits gemeldet, vorgestern in Kashvin eingedrungen, haben das Gouvernement angegriffen und den Gouverneur gefangen genommen. Die Garnison leistete bis zum Einbruch der Dämmerung Widerstand, worauf die Feindseligkeiten eingestellt wurden. Von den Truppen des Schahs wurden 20 getotet, 100 ergaben sich. Die Nationalisten hatten 3 Tote. Madrid, 6. Mai. In Orense kam es gestern zu feindseligen Kundgebungen gegen den Bischof, den moralischen Urheber des Blutbades von Olera. Der Bischof wurde ausgepfiffen. Sein lais und die Klöster des Ortes wurden mit Steinen beworsen. Die Geistlichen schossen auf das Volk, dessen Wut dadurch aufs höchste gesteigert wurde. Die Erregung der Menge dauert fort. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Behherstag Freitag bringen wir sämtliche Sonnabend Keste und Resibestande unserer dardlten Abienuin die sich während der Östersaison in grossen Mengen angesammelt haben, zu nachstehend billigen Einheitspreisen zum Verkauf. Restbeslande ungepasster Gurülhen von 1, 2 und 3 Fenstern in crème und weiss 250 375 525 675 darunter teuerste Qualitäten und grösste Breiten Mtr. dos dUs vo. 9 1 Fenster nebst Mull- u. Tüllvitragenresten Mtr. 2 403 A darunter 130 cm breite Transparentstoffe Mtr. TUs Kests von Roper u. Tandienueh bis zu einem regulären Wert von 1.35 Mk. Mtr. 249 dus To. Resibestande Cleganter Kalnstöres von 4, 2 und 3 Fenstern mit und ohne Volant 590 825 1150 Stück bie von Tuch: u. 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Soeben ist erschienen und in der Buchhandlung„Volkswacht“ zu haben: Leo Deutsch: Der Lockspitzel„ [See Seue]“); und die terroristische Deutsch von S. Grumdatz. Preis 40 Pfg., Porto 5 PfoNr. 104. Deut Sitzung vom Am Bundesratstise Erste Beratung des Reiches für sein Staatssekretär Dr wurf, der die unmitte Reichsbeamte in Aus Schaden, regelt. Die Abgg. Dr Br Dr. Spahn,(3t Fr. Vp.), Kölle( B. verstanden. Abg. Stadthag trage zu. Der einzeln wählen, der ihm geg Daraus folgt logische mit der Ausübung di muß, wenn in widerre Gedanke ist im Volke hat die Regierung d Reiches beschränkt. 0 gelingen wird, die A. langen. Schon 1896 h die Haftung des Staa anderen Beamten aus in die persönliche Frei Untersuchungshaft ver einzusehen, weshalb d werden unberechtigte nommen, welche eine solcher Leute zu verha Schuldigen nicht aufzu hat aber damals unser Stelle des Unrechts wahr! bei den Soz.) Sinne dieses Gesetzes Freuden zu begrüßen. handelten und zufölge schlagenen nicht mehr Schuldigen, sondern n Regreß wird vielleicht kommnissen anders eir richtig! bei den Soz.) Erhebliche Bedenke Gesetz keine Anwendu eines mit Angelegenh Beamten handelt, wele dem Auslande zum Ge ländische Rechtsvorschi Daß die Haftung des Ausland befindlichen wird, ist absolut nicht Wenn der Deutsche bürgerlichen Klasse ist hingeschickt. Hier abe von ganz ungeheuerlich bedeutet geradezu: die nicht der Deutschen w und der Gehälter we hoffe, daß diese Ausr seitigt wird. Ich hoff pflicht in dem Sinne beantragt haben. Lei dem Volke und desha hier ist wenigstens kei hoffentlich mit den Bravol bei den Soz. Der Gesetzentwurf Es folgt die dritt richtsverfassun nung und der Gebi In der Generaldel In der Spezialdel Abg. SchmidtVerbi Ro I.„ Sie ist ein Frau Dankelberg Mutter, die vern nutzt, mit dem Le „Ihr einziges Trolla ein, der Worte auf die Ar „Leider," brack ist uns nur geblie glück gehabt. Eiund mit dem ande Es war, als shermaligen Seu stillen Kummer an Unersetzliches Einer erneute hatte er nicht meh gegenüber, wie zi Trolla glaubte andere Hand an aus Höflichkeit "„Emmy hat un paufe. Jort.,„ tranklich. Und draufgehen. Nack ist sie ganz wohlat Sie mußte da ein und setzte jedoch Frosa jedoch s4 die Erlaubnis, Lachend, mit eit bereits auf den Flamme in der war sie wieder 5.„Turnen kan hat auch Unter ordnet. Manch „Emmy wurd nahm, daß sie di berührte. Dan einer gewissen zeugt, daß Sie erzählt. Aber preisen, die ich „Wie zebilde O Nr. 104. Bielefeld, Donnerstag, 6. Mai 1909. 20. Jahrg. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) Sitzung vom Mittwoch, 5. Mai, 3 Uhr nachmittags. Am Bundesratstisch: Dr. Nieberding. Erste Beratung des Gesetzentwurfs über die Haftung des Reiches für seine Beamten. Staatssekretär Dr. Nieberdirg befürwortet den Entwurf, der die unmittelbare Haftung des Reiches für den durch Reichsbeamte in Ausübung von Amtsbefugnissen verursachten Schaden regelt. Die Abgg. Dr Brunstermann(Ro.), Dr. Junck(natl.), Dr. Spahn(Ztr.). v. Brockhausen(kons.), Gyßling Fr. Vp.), Kölle(W. Vg.) erklären sich mit dem Entwurf einverstanden. Abg. Stadthagen(Soz.): Auch wir stimmen dem Antrage zu. Der einzelne Bürger kann sich den Beamten nicht auswählen, der ihm gegenüber eine öffentliche Tätigkeit ausübt. Daraus folgt logischerweise, daß derjenige, der den Beamten mit der Ausübung dieser Tätigkeit betraut, auch dafür haften muß, wenn in widerrechtlicher Weise jemand verletzt ist. Dieser Gedanke ist im Volke außerordentlich lebhaft und stark. Leider hat die Regierung diesen Gedanken auf die Haftbarkeit des Reiches beschränkt. Es ist fraglich, ob es in der Kommission gelingen wird, die Ausdehnung auf die Bundesstaaten zu erlangen. Schon 1896 habe ich dargelegt, wie notwendig es ist, daß die Haftung des Staates für die Handlungen von Polizei= und anderen Beamten ausgesprochen wird, wenn es sich um Eingrifse in die persönliche Freiheit handelt. Wenn z. B. fahrlässigerweise Untersuchungshaft verhängt oder ausgedehnt wird, so ist nicht einzusehen, weshalb der Staat nicht haften soll. Fast täglich werden unberechtigte Verhaftungen von unserer Polizei vorgenommen, welche eine gewisse Uebung darin hat, eine Menge solcher Leute zu verhaften, die nicht schuldig sind, und dafür die Schuldigen nicht aufzufinden.(Sehr richtig! bei den Soz.) Man hat aber damals unseren Antrag abgelehnt, aus Furcht, daß an Stelle des Unrechts das Recht Gesetz werden könnte.(Sehr wahr! bei den Soz.) Daß die Personen des Soldatenstandes im Sinne dieses Gesetzes den Reichsbeamten gleichstehen, ist mit Freuden zu begrüßen. Eine Folge würde sein, daß die Mißhandelten und zufolge des Kadavergehorsams zu Krüppeln Geschlagenen nicht mehr einen Regreß allein gegen den umittelbar Schuldigen, sondern nunmehr auch an das Reich haben. Dieser Regreß wird vielleicht Anlaß geben, daß gegenüber solchen Vorkommnissen anders eingegriffen werden wird, als bisher.(Sehr richtig bei den Soz.) Erhebliche Bedenken bestehen gegen Ziffer 3, wonach das Gesetz keine Anwendung findet„soweit es sich um die Tätigkeit eines mit Angelegenheiten des auswärtigen Dienstes befaßten Beamten handelt, welche die Gewährung des Schutzes gegenüber dem Auslande zum Gegenstande hat, oder durch die auf eine ausländische Rechtsvorschrift zu nehmende Rücksicht veranlaßt ist". Daß die Haftung des Reiches aufgehoben wird, wenn einem im Ausland befindlichen Deutschen rechtswidrig der Schutz versagt wird, ist absolut nicht einzusehen.(Zustimmung bei den Soz.) Wenn der Deutsche kein Arbeiter, sondern Angehöriger der bürgerlichen Klasse ist, so werden allerdings gleich Kriegsschiffe hingeschickt. Hier aber will der Entwurf eine Rechtsversagung von ganz ungeheuerlicher Art.(Zustimmung bei den Soz.) Das bedeutet geradezu: die Beamten des Auswärtigen Amtes sind nicht der Deutschen wegen da, sondern der Bureaukratie wegen und der Gehälter wegen(Sehr wahr! bei den Soz.) Ich hoffe, daß diese Ausnahmebestimmung in der Kommission beseitigt wird. Ich hoffe ferner, daß es gelingen wird. die Haftpflicht in dem Sinne auszudehnen, wie wir es im Jahre 1896 beantragt haben. Leider haben wir bisher keine Richter aus dem Volke und deshalb gebrauchen wir solche Gesetze. Dieses hier ist wenigstens kein Rückschritt und wir werden ihm daher, hoffentlich mit den angedeuteten Erweiterungen, zustimmen. Bravol bei den Soz.) Der Gesetzentwurf geht an die Justizkommission. Es folgt die dritte Beratung der Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz, der Zivilprozeßordnung und der Gebührenordnung für die Rechtsanwälte. In der Generaldebatte wird das Wort nicht verlangt. In der Spezialdebatte begründet Abg. Schmidt=Warburg(Ztr.) einen Antrag auf obligatorische Gewährung des Armenrechts in Bedürfnisfällen bei Gegenständen über 300 Mk., sowie auch in den Fällen, in welchen die Gegenpartei einen Anwalt hat. Die Gewährung des Armenrechts dürfe nicht vom Ermessen des Richters abhängen. Staatssekretär Dr. Nieberding wendet sich gegen diesen Antrag. Abg. Heine(Soz.]: Der Antrag Schmidt=Warburg läuft ungefähr auf das hinaus, was meine Freunde bei der zweiten Lesung beantragt haben. Ich begreife nicht, warum der Herr Staatssekretär dagegen protestiert, daß die Frage, ob arm oder reich hineingezogen wird. Es handelt sich um eine Konsequenz aus der Bewilligung des Armenrechts, und da ist es ganz unerläßlich, daß die Partei, um deren Interesse es sich handelt, eben eine arme sein muß.(Sehr wahr! bei den Soz.] Ich kenne viele Richter, die aus bureaukratischer Gleichgiltigkeit oder Ueberlastung mit Geschäften nicht mit der Liebe und dem Interesse an die Sache herangehen, welche notwendig sind, und welche schematisch die Anträge auf Beiordnung eines Rechtskundigen oder Anwalts abzulehnen pflegen. Namentlich bei Alimentenprozessen ist das wichtig.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Vertretung der außerehelichen Kinder wird meistens außerordentlich salopp geführt. Der Antrag Schmidt=Warburg ist ganz unbedenklich dadurch, daß die Beiordnung nur dann erzwungen werden soll, wenn auch die andere Partei einen Anwalt hat. Ich bitte, dem Antrag zuzustimmen.(Bravo! bei den Soz.] Abg. v. Dziembowski(Pole) stimmt dem Antrag gleichfalls zu. Staatssekretär Dr. Nieberding. Abg. Dove(Fr. Vg.), Abz. Dr. Ablaß(Fr. Vp.) wenden sich gegen den Antrag. Abg. Groeber(Ztr.): Die Einwände schießen weit über das Ziel hinaus. Der Antrag entstammt einem warmen Gefühl für die Armen und nicht dem Tintenfaß, wie so manche andere Paragraphen.(Zustimmung im Ztr.) Abg. Dr. Heintze(natl.) wendet sich gegen den Antrag. Abg. Heine(Soz.): Die Angst des Vorredners, die Prozesse würden bei Annahme des Antrags länger dauern, wenn der armen Partei ein Anwalt bewilligt würde, haben mich nicht überzeugen können. Abg. Träger(Fr. Vp.: Ein Teil meiner Freunde wird für den Antrag stimmen. Es handelt sich um eine soziale Tat und ich bitte Sie, dem Antrag beizutreten. Der Antrag wird durch Hammelsprung abgelehnt. Es liegt ein weiterer Antrag vor, die Pauschalgebühr für Schreibgebühr für Rechtsanwälte bei Zwangsvollstreckungen von 1 Mk. auf 2 Mf. zu erhöhen. Abg. Heine(Soz.): Im Interesse der Bureaugehilfen stimmen wir diesem Antrage zu. Der Antrag, sowie der Rest des Gesetzes werden nach den Beschlüssen der zweiten Lesung angegommen. Es wird ferner in dritter Lesung der Gesetzentwurf betr. Sicherung der Bauforderungen angenommen. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 2 Uhr.(Antrag Speck betr. Mühlenumsatzsteuer.) Schluß 7¼ Uhr. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 80. Sitzung vom Mittwoch, 5. Mai 1909, vormittags 11 Uhr. Die zweite Beratung des Kultus=Etats wird fortgesetzt beim Kapitel„Höhere Lehranstalten“. Bei dem Titel.„Zuschüsse für die vom Staat zu unterhaltenden Anstalten“ wird eine Anzahl von Abgeordneten. die versuchen auf irgend welche allgemeineren Fragen einzugehen, unter großer Heiterkeit des Hauses von dem Präsidenten v. Kröcher daran verhindert. Abg. Eickhoff(Fr. Vp.] wünscht baldige Aufklärung über die von dem Abg. Heß vorgebrachten Gerüchte über das Gymnasium in Essen und protestiert gegen einen Artikel des„Berliner Tageblattes“, der im Anschluß an jene Ausführungen zugibt, daß auch an anderen Gymnasien eine Bevorzugung der Schüler aus besseren„Ständen stattfinde. Eine rasche Aufklärung des Falles wäre dringend notwendig, damit nicht in weiten Kreisen des Volkes der Mythus von den„besseren" Gymnasiasten Glauben findet. Unterstaatssekretär Wever sagt nähere Aufklärung bis zur dritten Lesung zu. Im übrigen kenne die Unterrichtsverwaltung sogenannte„bessere“ Gymnasiasten nicht. Abg. Heß(Ztr.) mißbilligt ebenfalls den Artikel des„Berliner Tageblattes" und betont, er habe nur Gerüchte, die in Essen verbreitet wären, wiedergegeben. Abg. Maurer(natl.) gibt die Nachricht einer Essener Zeitung wieder, daß im Januar zwei Kommissare der Unterrichtsverwaltung das Essener Gymnasium inspiziert hätten und meint, dann müsse doch alles in Ordnung sein.. Abg. v. Schenckendorff(natl.) tritt für eine erweiterte körperliche Erziehung der Jugend ein. Die Spielnachmittage sollen leider auf Kosten des pflichtmäßigen Turnunterrichts erfolgen. Das bedeutet nur eine Verschiebung in der Verwendung der seither schon vorhandenen pflichtmäßigen Turnzeit und entspricht auch nicht dem vorjährigen Beschluß des Hauses. Abg. Schmedding(Ztr.) schließt sich dem Vorredner an. Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff hält eine Vermehrung der Pflichtstunden der Lehrer nicht für angebracht. Das Ziel der Heranziehung einer auch körperlich gesunden Jugend habe auch die Unterrichtsverwaltung. Es frage sich aber, ob nicht durch die Ausdehnung des Zwanges auch auf die Spiele diese den Schülern für die Zukunft verleidet würden. Abg. Eickhoff(Fr. Vp.) bittet, mit den obligatorischen Spielnachmittagen ohne Beeinträchtigung des allgemeinen Turnunterrichts wenigstens in einigen Schulen Versuche zu machen. Abg. Müller=Sagan(Fr. Vp.) tritt für Bewilligung von Mitteln zu Exkursionen der Lehrer mit den Schülern in die freie Natur ein. Er hofft dabei gerade auf die Unterstützung derjenigen, die gegen die„Asphaltpolitiker“, gegen die Asphaltmenschen überhaupt Front machen. Das Kapitel„Höhere Lehranstalten“ wird hierauf bewilligt. Es folgt das Kapitel„Elementarunterrichtswesen“. In Verbindung hiermit wird besprochen; 1. ein Antrag Schiffer(natl.), betr. die Zulassung der Volksschullehrer zum Schöffenamt.(Die Unterrichtskommission beantragt Ablehnung dieses Antrages.); 2. ein Antrag Gottschalk=Solingen(natl.) auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes, durch welchen die Dauer der Schulpflicht in der ganzen Monarchie nach einheitlichen Gesichtspunkten geregelt wird unter Berücksichtigung berechtigter Sonderverhältnisse der einzelnen Landesteile, und in welchem ferner einheitliche Bestimmungen über die Folgen der ungerechtfertigten Schulversäumnis, die Voraussetzungen ihrer Strafbarkeit, den Kreis der verantwortlichen Personen, die Art und Höhe der Strafen und das Strafverfahren getroffen werden; 3. Anträge der Abgg. v. Brandenstein und v. Kessel(kons.), Cassel(Fr. Vp.) und Dr. Pachnicke(Fr. Vg.), betr. stärkere Ausbildung und Heranziehung weiblicher Lehrkräfte für den Elementarunterricht und Vermehrung der staatlichen Lehrerinnenseminare. Abg. Dr. Gottschalk(natl.) begründet seinen Antrag mit der Verschiedenartigkeit der auf dem Gebiete der Schulpflicht bestehenden Bestimmungen. Ein Regierungskommissar betont die Schwierigkeiten, die einer gesetzlichen Regelung dieser Frage, zu der die Regierung an sich durchaus bereit sei, entgegenstehen. Abg. v. Brandenstein(kons.) wünscht in der Begründung seines Antrages hauptsächlich Heranziehung vermehrter weiblicher Lehrkräfte auf dem Lande. Die Mädchen vom Lande hätten gesunde Nerven und würden den Lehrerinnenberuf gut aushalten. Ein Regierungskommissar sagt wohlwollende Erwägung des Antrages zu und stellt fest, daß schon jetzt die Zahl der Lehrerinnen erheblich zugenommen habe. Abg. v. Kesse!(kons.) wendet sich gegen die Einführung des Unterrichts in der Bürgerkunde in den Volksschulen. Die beantragten neuen 12 Kreisschulinspektoren werden wir bewilligen, erwarten aber im nächsten Jahre eine bessere Begründung solcher Forderungen. Im allgemeinen können wir einen Vorzug der weltlichen Kreisschulinspektoren vor den geistlichen nicht anerkennen. Es kommt auf die Auswahl der Persönlichkeiten an. — Den Antrag Gottschalk, mit dessen Inhalt wir im allgemeinen einverstanden sind, beantragen wir der Unterrichtskommission zu überweisen. Abg. D. Hackenberg(natl.) hofft, daß das Entgegenkommen der Regierung gegenüber dem Antrag der Rechten auf Vermehrung der Lehrerinnenseminare sich auch bei anderen Anträgen des Hauses zeigen werde. Lehrerseminare sollten vor allem in kleinen Orten mit reichem Hinterland errichtet werden. (Sehr gut! b. d. Natl.) Auch sollte man mehr Externate zulassen. Dringend notwendig ist eine wissenschaftliche systematische Durchbildung der Seminarlehrer; die in Berlin veranstalteten Kurse genügen nicht. Lehrern, die ihre Tüchtigkeit dargetan haben, Verbundene Augen. Roman von Max Kretzer. 6—(Nachdruck verboten.) „Sie ist ein liebes Ding. Wenn ich die nicht hätte,“ sagte Frau Dankelberg hinter ihr her, ungefähr in der Art einer Mutter, die vernarrt in ihr Kind ist und jede Gelegenheit benutzt mit dem Lob nicht zurückzuhalten. „Ihr einziges Fräulein Tochter, wenn ich fragen darf?“ warf Trolla ein, der das Gefühl hatte, als müßte er durch ein paar Worte auf die Anerkennung eingehen. „Leider," brachte Frau Tankelberg seufzerartig hervor.„Sie ist uns nur geblieben. Wir haben mit unseren Kindern viel Unslück gehabt. Einer meiner Söhne ist beim Baden ertrunken, und mit dem anderen ist es noch schlimmer gekommen.“ Es war, als wollte sie noch etwas hinzufügen, mit einem abermaligen Seufzer jedoch brach sie ab, auf ihren Zügen den stillen Kummer einer Frau, in der plötzlich trübe Erinnerungen an Unersetzliches erwacht sind. Einer erneuten, stummen Aufforderung, Platz zu nehmen, datte er nicht mehr ausweichen können, und so saßen sie sich nun gegenüber, wie zwei schnell vertraut gewordene Menschen. Trolla glaubte zu erraten, was sie meinte.„Gewiß hat der auders„Hand an sein Leben gelegt,“ dachte er, sprach dann aber aus Höflichkeit kurz sein B dauern über das Mißgeschick aus. „Emmy hat uns viel zu schaffen gemacht,“ fuhr sie nach einer Fäuss. Jort.,„In ihrer Jugend war sie immer schwach und kranklich. Und mehr als einmal dachten wir, sie würde uns zrausgehen. Nach der Einsegnung ging's aber dann. Und jetzt sie ganz wohlauf, wenn sie auch so zart aussieht.“ Sie mußte davon abbrechen, denn ihre Tochter trat wieder ein und setzte sofort einen Stuhl in die Mitte des Zimmers. z7% jedoch schnellte sofort von seinem Sitze auf und bat um ###Erlaubnis, ihr die kleine Arbeit abnehmen zu dürfen. Fachend, mit einer abwehrenden Bemertung, hatte sie sich aber bereits auf den Stuhl geschwungen und entzündete nun die Flamme in der etwas unmodernen Ampel. Und ebenso gewandt war sie wieder heruntergesprungen. ##.-Turnen kann siel“ warf Frau Dankelberg wieder ein.„Sie t auch Unterricht darin genommen. Der Arzt hatte es vereronet. Mancher Junge hätte es nicht besser machen können.“ nohm wurde rot und wandte sich ab, woraus Trolla entberiße##ß die diese Offenheit in ihrer Gegenwart nicht angenehm berührte. Dann kehrte sie sich ihm plötzlich zu und sagte mit gewissen verschämten Liebenswürdigkeit:„Ich bin überdas gar nicht interessiert, was Mama Ihnen . Aber es ist nun einmal ihre Art, Vorzüge an mir zu preisen, die ich nicht besitze.“ Wie gebildet sie spricht,“ dachte Trolla, dem diese Bescheidenheit sehr gut gefiel. Von Natur etwas blöde, hatte er vor wohlerzogenen jungen Mädchen einen bedeutenden Respekt, und so war er um eine Antwort verlegen. Frau Dankelberg half ihm über sein nichtssagendes Lächeln hinweg, indem sie ihre Tochter an sich zog und mit großer Zärtlichkeit zu ihr sagte:„Du brauchst dein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Ein Dummchen bist du doch wahrhaftig nicht, und das Herz hast du auch auf dem richtigen Fleck. Nicht wahr, meine Kleine?" „Aber Mama, was soll denn nur der Herr davon denken," kam es wieder mit demselben angenehmen Lächeln über ihre Lippen. Trolla dachte allerdings in diesem Augenblick eine ganze Menge. Die ganze Art und Weise, wie man mit ihm hier verfuhr und ihn in eine Unterhaltung zog, die ihn kaum interessieren konnte, kam ihm sehr sonderbar vor. Der Zweck seines Erscheinens schien ganz vergessen zu sein, und ohne überhaupt zu wissen, ob er hier mieten würde, weihte man ihn bereits in die Familienverhältnisse ein. Er wußte nicht recht, wie er das auffassen sollte. Schließlich aber tröstete er sich sehr rasch mit dem Gedanken, daß man jedenfalls etwas an ihm gefunden haben müsse, was Mutter und Tochter sympathisch berührte und ihn namentlich des Vertrauens der ersteren würdig erscheinen lasse. Er stand wieder, da er es nicht für passend hielt, sich zum zweiten Male zu setzen, bevor das Fräulein nicht Platz genommen haben würde. Plötzlich, als das Gespräch stockte, raffte er sich zusammen, machte eine steife Verbeugung und begann:„Dann bitte ich die Damen nochmals um Entschuldigung... Er kam aber auch diesmal nicht vom Fleck, denn sofort erhob sich Frau Danlelberg und sagte fast ängstlich:„Aber bitte, bleiben Sie doch noch. An den Preis brauchen Sie sich nicht zu stoßen, wir machen kein Gewerbe aus dem Vermieten, denn wir haben es eigentlich nicht nötig. Das Haus gehört uns. Es liegt uns nur daran, einen ruhigen und anständigen Mieter zu bekommen, und Sie machen auf mich den Eindruck, als wären Sie gerade der richtige.“ Lächelnd und zögernd hatte sie die letzten Worte hervorgebracht, die er mit einem höflichen„Sehr schmeichelhaft“ entgegennahm. Sie log keineswegs, um ihn durch eine oberflächliche Schmeichelei festzuhalten. Sein offenes, frisches Gesicht gefiel ihr und nicht minder die Gefälligkeit seines Wesens, die seine Unverdorbenheit verriet. Es steckte etwas in seiner bohen und schlanken Gestalt, das sie an die aristokratischen Allüren der jungen Herren erinnerte, mit denen ihr Mann geschäftlich zu tun hatte, und das zog sie ganz besonders an. Bevor er noch viel überlegen konnte, hatte sie rasch mit ihrer Tochter einen Blick ausgetauschl, und so fuhr sie fort:„Wenn Ihnen zwanzig Mark nicht zuviel sein sollten, dann steht Ihnen das Zimmer zur Verfügung. Ich vermiete es eigentlich nur, weil der Eingang, direkt vom Flur ist, und weil wir binten noch große Räumlichkeiten haben, wo wir schlafen. Mein Mann muß öfter Reisen machen, und dann ängstigen wir uns des Nachts sehr... Für Bedienung brauchten Sie nichts weiter zu entrichten, und was den Kaffee anbetrifft, so würden wir darüber wohl schon einig werden.“ „Man kommt dir ja hier ordentlich entgegen,“ dachte Trolla, der nahe daran war, diese außerordentliche Preisermäßigung etwas komisch zu finden. Zwanzig Mark— das ließe sich schon eher hören und vertrug sich auch mit seiner Monatskasse. Eine derartige Summe hatte er stets für ein anständiges Unterkommen angelegt und sich auch diesmal darauf vorbereitet. Es gehörte nicht viel Witz dazu, um sich zu sagen, daß das Zimmer dafür gefunden sei, dennoch zögerte er abermals. Er befand sich in der Lage eines Menschen, der durch liebenswürdiges Verlocken an einer glänzenden, reichbesetzten Tafel Platz nehmen soll, ohne danach gekleidet zu sein. Er witterte irgend eine Gefahr, die ihm die Freiheit seiner Bewegung nehmen soput. g.4 P; Hin Hänsanhen ae anftand A. Plötzlich fiel sein Blick auf einen glänzenden Gegenstand, der auf dem Schreibtisch stand und der ihm bereits bei der ersten Besichtigung ins Auge gefallen war, ohne daß er ihn weiter beachtet hätte. Nun aber erregte er seine Aufmerksamkeit. „Ei, wo haben Sie denn das her?" fragte er, nachdem er an den Schreibtisch getreten war und die kleine Figur, die anscheinend aus bronziertem Gips bestand, in die Hand genommen „Das ist die Themis, die Sie ja am besten kennen werden.“ fiel Emmy lebhaft ein und trat ebenfalls näher. Es war wirklich die Göttin der Gerechtigkeit, mit verbundenen Augen, Schwert und Wage in den Händen. Trolla zeigte sich freudig überrascht. Als hätte er in dieser prosaischen Umgebung plötzlich ein seltenes Kunstwerk entdeckt, das sein ganz besonderes Interesse in Anspruch nähme, klopfte er mit dem Knöchel des rechten Zeigefingers an die hohl wie ein Topf klingende, schon etwas beschädigte Figur und musterte sie einzehend von allen Seiten. „Ein Mieter, ein Assessor, hat sie zurückgelassen,“ sagte Frau Dankelberg etwas gedehnt, während die Tochter sich rasch abwandte.„Sie muß wohl keinen großen Wert für ihn gehabt Trollas Entschluß war gefaßt. Diese Figur erschien ihm wie ein gutes Omen, von dem er sich im Augenblick leiten lassen müsse. In seiner Einbildung kam ihm das Zimmer plötzlich verändert vor. Er sah sich in schweigender Nacht bei brennender Lampe am Schreibtisch sitzen und im Anblick der heiligen Themis versunlen. Sie würde ihm Anregung geben, seinen Beruf mit ganzer Seele zu erfüllen, nachzueifern dem einen Rechte, an dem nicht zu kritteln und zu deuteln ist. Sein letztes Zögern wurde durch einen leuchtenden Blick aus den Augen der Tochter bezwungen. Sie war wieder zurückgetreten und betrachtete ihn unverwandt, als wollte sie ihm die muß der Zutritt gewährt werden zur Universität, damit sie dort in bestimmten Fächern sich wissenschaftlich ausbilden.(Sehr links.] Wir haben gewiß ausgezeichnete Lehrpläne. In Süddeutschland gehl man den umgekehrten Weg: man sucht sich zuerst die Personlichkeiten, die imstande sind, gute Lehrpläne auch durchzuführen. Man sollte in Preußen den zweiten Schritt bald nachholen.(Sehr gut! links.) Auch unseren Volksschullehrern muß eine weitere Laufbahn eröffnet werden. (Bravo! b. d. Natl.) Abg. Heß(Ztr.): Unsere Volksschule steht durchweg auf der Höhe. Bürgerkunde wird schon längst an den Volksschulen erteilt. Als besonderes Unterrichtsfach ist sie dagegen überflüssig. Die Forderung des Herrn Hoffmann allerdings, daß auf der Volksschule Gesetzeskunde gelehrt werde, entspricht seiner Oberflächlichkeit im allgemeinen. Ich verstehe nicht, weshalb gerade Herr Hoffmann immer von den Sozialdemokraten beim KultusEtat zum Redner bestimmt wird. Ich nehme an deshalb, weil die Rede eines geistvollen und gebildeten Mannes wie des Herrn Heimann nicht so agitatorisch ausgenutzt werden könnte.(Lachen bei den Soz.] Den von Herrn Hoffmann gegen uns zitierten Kirchsteiner überlassen wir ihm gern. Das ist ein Mann, der wegen Sittlichkeitsverbrechen mit den Gerichten in Konflikt gekommen ist. Herr Tews, auf den sich Herr Hoffmann auch berief, ist ein ausgesprochener Feind der christlichen Kirche. Seine Weltanschauung in allen Ehren, aber sie charakterisiert sich jedenfalls als radikaler und religiös=philosophischer Subjektivismus. Ich kann es daher nicht für moglich halten, daß der eutsche Leh ganze deutsche Tchrerverein auf dem Standpunkt des Herrn Tews steht.(Sehr richtig! i. Ztr.) Schreibt doch Herr Tews: Der Religionsunterricht ist nicht dazu da, die Kinder zum Glauben an die Lehren einer bestimmten Konfession zu erziehen, oder eine religiöse Weltanschauung bereits im Kinde hervorzurufen. Daher ist die Kixche nicht berufen, den Religionsunterricht in der Schule zu erlenen.(Sehr richtig links.) Herr Tews steht durchaus auf dem Standpunkt der Dremer Lehrerschaft, und wissen daß dies ein ausgesprochen religionsloter Standpunkt wir Eisen, paß dies ein ausgesprichen Feriglonewier ist.(Widerspruch links. Sehr richtig. i. Ztr.) Der Erfolg des religionslosen Moralunterrichts in Frankreich ist bekanntlich miserables moralisches Niveau.(Oho! links) Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Gegenüber dem Bre Antrag Irandenstein bemerke ich, daß die Leorerinnenseminare in den letzten Jahren um 100 Prozent vermehrt sind, die Lehrerseminare nur um 50 Prozent. Das praktische Bedürfnis für die neuen Kreisschulinspektorstellen ist aufs eingehendste geprüft worden, und das wird auch in bezug auf das Bedürfnis weiterer „„*. Stellen geschehen. Ausdrücklich Burgerkunde kann natürlich in der Volksschule nicht geleyrt werden, aber über das z. B., was zur Armee und zur Marine gehört, werden die Kinder innerhalb des Unterrichts orientiert. Die Frage der Seminarausbildung ist in der Tat von ausschlaggebendem Wert für unsere Volksschule. Es ist aber nicht richtig, daß wir zu viel Wert auf die Internate legen. Es sind in den letzten Jahren viel mehr Externate gegrundet als Internate. Wenn wir einen Modus finden wurden, das Vorwärtskommen der Lehrer zu erleichtern, wäre es uns als Unterrichtsverwaltung natürlich sehr erwünscht, aber es ergeben sich hier sehr viele Schwierigkeiten. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 11 Uhr. 4 u Schluß..- Uhr. E Steibüchel, für die Redaktion der wonner worden. Am 1. Mai sollte er seine neue Stellung antreten. Durch Denunziation bei der Stadtverwaltung ist nun Steinbüchel am Donnerstag durch den Oberbürgermeister plötzlich entlassen worden, wodurch er schon jetzt frei erburg wurde. Der Oo#####urgermeister fragte ihn, welcher politischer Richtung er angehöre, worauf Steinbuchel die Wahrheit bekannte Darauf erfolgte die sofortige Entlassung. Genosse Steinbüche war seit acht Jahren bei der Verwaltung der Stadt Essen angestellt, wohl der beste Beweis, daß er seiner Beamtenpflicht immer korrekt nachgekommen ist. Der Gewaltstreich enbehrt nicht der Komik, da der Oberbürgermeister doch wußte, daß St. am 1. Mai den Dienst verlassen werde. Wahrscheinlich wollte er zeigen, daß er einen Sozialdemokraten auch nicht einen Tag in der Verwaltung dulde. Keine amtliche Publikation in einem sozialdemokratischen Blatte. Die vorletzte Stadtverordnetensitzung in Lüdenscheid der„Volksstimme“ zugehen zu lassen und dafür 200 Mt bewilligt. Der Magistrat trat aber dem Beschlusse nicht bei und nun hat die Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung ihren ersten Beschluß wieder aufgehoben. Dabei stellte sich heraus, daß die Mehrheit von vornherein mit der Ablehnung durch den Magistrat gerechnet und sich nur zum Schein in die Toga des gleichen Rechtes gehüllt hatte. Der grobe Unfug hört nicht auf. Wir hatten in der Nummer unserer Zeitung vom 8. April gerügt, daß die Straßburger e r a t e m i t t e n i n Presse" nach Generalanzeigermanier Inserate mitten in den Text hineingesteut hatte. „ In der Nummer dieses Blattes vom Dienstag, 4. Mai, ##immer dieses Blattes vom Dienstag, 4. Mai, zinden sich wieder Inserate mitten auf einer Textseite. Diesist es ein Inserat, in dem verkündet wird, daß das allein kommenden Worte von den Lippen lesen. Ihm schien es, als hielte sie dabei den Atem an. "„Wenn Sie gestatten, ziehe ich morgen ein.“ sagte er schnell, stellte die Figur auf ihren alten Platz und holte sein Portemonnaie hervor, in dem sich noch ein harter Taler befand. Mutter und Tochter gerieten in Bewegung. „Es wird uns eine große Ehre sein,“ viel die erstere freundlich ein. Und sofort erratend, was er tun wollte, wies sie die Anzahlung zuruck mit dem höflichen Bemerken, daß das nicht nötig sei, denn sie sehe, mit wem sie es zu tun habe. Als wollte sie ihre gute Meinung von ihm noch extra bestätigen, reichte sie ihm wie einem guten Bekannten die fleischige Hand hin, in die Trolla, aus Freude darüber, heute, am Letzten, noch bei sasse bleiben zu dürfen, ohne Zwang die seinige legte. Dann er sich nach einer letzten, höflichen Verbeugung. Als er die Doppeltür hinter sich hatte und mit einem gewissen sie Tran, hinabstieg, stieß er mit einem jungen, Bergnügtsein vi. Treppe hinapstieg, stieß er mit einem „ verwachsenen Munn zusammen, der in einem Haveloa seckle und durch den Zylinderhut, den er trug, einen seltsamen undruck machte. Trolla fühlte das Vedürfnis, sich eine Zigarre anzuzünden. Und während er stehen blieb und sich Feuer gab, entging es ihm nicht, wie der Kleine oben an dem Knopf der Türklingel zog. Dabei kam er auf den Gedanken, das könnte ebenfalls ein Bewerber um das Zimmer sein, und so freute er sich, den Handschlag als der Bevorzugte wegzuhaben. „Na, da bist du ja, Fritz, hörte er dann Lauras Stimme, nachdem geöffnet worden war.„Gut, daß du kommst, es geht etwas vor. wurde wieder zugeschlagen. Und während Trolla mit Behagen die ersten Dampfwolken von sich stieß, hatte er die unangenehme Empfindung, dieses„Etwas“ könnte sich auf ihn beziehen, und als Nachwirkung empfand er noch einmal den ganzen unerfreulichen Eindruck, den die Schwester mit dem mächtigen Schlüsselbund an der Schürze auf ihn gemacht hatte. Bald aber bekam er seine gute Laune wieder. Was ging das alles schließlich ihn an? Er war nur Mieter und frei wie der sogel in der Luft. Mit d.m Gleichmut der Jugend, die sich hneu über alle Eindrücke hinwegsetzt, betrat er wieder die raße.„ Lzortsetzung folgt.) Be Aus den Organisationen. Welche Wirkungen die Krise auf das Parteileben ausübt, ist aus einer Zusammenstellung des Parteisekretariats für das Herzogtum Oldenburg ersichtlich. Danach war im 1. Quartal d. J. in sechs Orten des Landes ein Mi zliederverlust von über 300 zu verzeichnen, der fast ausschließlich auf die Abreise der betreffenden Genossen aus den einzelnen Orten zurückzuführen ist. Trotzdem gelang es, durch Neuaufnahmen den Mitgliederstand in dem genannten Zeitraum um 50 zu erhöhen. Es beträgt derselbe jetzt annähernd 6000.— In sieben Orten haben sich Jugendausschüsse gebildet; in Rüstringen sind bereits 100 Mitglieder für die Jugendorganisation gewonnen.— Die vom Dietzschen Verlag in Stuttgart herausgegebene Bibliothek ist insgesamt 16 Ortsvereinen auf Kosten der Landeskasse übermittelt; im allgemeinen ist eine fleißige Benutzung zu verzeichnen. dem die eben erschienene tschechische Uebersetzung von Bebels„Frau und der Sozialismus“ konfisziert. Abg. Nemec hat deshalb heute beim Ministerpräsidenten interveniert und ihm dargelegt, daß das Bebelsche Buch bereits in der 49. Auflage erschienen ist, in Oesterreich uberall unbeanstandet verbreitet wurde und daß auch eine tschechische Uebersetzung bereits von 13 Jahren erschien, ohne vom Staatsanwalt konfisziert worden zu sein. Der schien, ohne vom Staatsanwalt konfisziert worden zu sein. Der Konfiskation verfiel diesmal eine Stelle(Seite 239 der 49. Auflage), die sich auf die Aufsaugung des kleinen Grundbesitzes durch den Großgrundbesitz bezieht und die aus dem in Oesterreich erschienenen Buche von Teifen entnommen ist. Der Ministerpräsident versprach, sich zu informieren. Abg. Nemec hat in dieser Angelegenheit außerdem S tervellati Angelegenheit außerdem, eine Inlt###on an den Justizminister eingebracht, worin er Schutz gegen die Uebergriffe der Prager Preßpolizei verlangt. ac. Die ungarische sozialistische Föderation der Ver. Staaten hat durch Abstimmung, an der sich sämtliche Zweigvereine beteiligten, beschlossen, sich mit der sozialdemokratischen Partei zu vereinigen und sich den verschiedenen Staatsorganisationen anzuschließen. Die gegenwärtige Form der ungarischen Föderation wird beibehalten, um auch ferner die Landsleute, welche der englischen Sprache nicht mächtig sind, der Organisation zuzuführen. ac. Parteipresse. Der„Vorwarts“ das jüdische sozialistische Tageblatt Newyorks, wird nächstens sein 15jähriges Jubiläum begehen und zur Feier desselben eine 20 Seiten starke Extraausgabe herstellen. Das Blatt steht auf durchaus gesunder finanzieller Basis; es hat einen Abonnentenstand von 90000. Gewerkschaftsbewegung. Eine Massenklage hat Genosse Dickreiter, Redakteur der „Altenburger Volkszeitung“, zugestellt erhalten. Nicht weniger wie 37 Knopffabrikanten in Schmölln haben das Bedürfnis gehabt, sich durch einen Artikel, der von skandalösen Zuständen in der Knopfindustrie berichtete, beleidigt zu fühlen und Strafantrag zu stellen. Neue Maßnahmen der Zechenbesitzer gegen die Arbeiter. Die dem Zechenverbande des Ruhrgebietes angehörenden Zechen händigen den Arbeitern jetzt Zettel aus, in denen sie darauf aufmerksam gemacht werden, daß, falls sie sich eines Kontraktbruches schuldig machen, innerhalb sechs Monaten auf keiner dem Verbande angehörenden anderen Zeche angenommen werden dürfen. Mit dieser Maßnahme hoffen die Herren offenbar, sich vor einer Schadensersatzpflicht zu schützen. Gelbe Gewerkschaftler gegen Arbeitergrubenkontrolleure. Die Macher des gelben Zechenbeamtenverbandes im Oberbergamtsbezirk Dortmund, die den Bergherren bei der Bekämpfung der Forderung auf Arbeiter=Grubenkontrolleure hilfreich zur Seite gestanden haben, sind enttäuscht, daß bei der Beratung der Berggesetznovelle ihre Sonderwünsche nicht in Erfüllung gegangen sind. In einer in Bochum abgehaltenen Gesamt=Vorstandssitzung wurde deshalb beschlossen, erneut an das Abgeordnetenhaus heranzutreten, um wenigstens einen Teil der gestellten Wünsche durchzudrücken. Die Maurer in Freiburg beschlossen, in den Streik zu treten, weil die Unternehmer den geforderten Tarifpreis nicht zahlen wollen. Im schwedischen Baugewerbe droht eine größere Aussperrung auszubrechen. Die Differenzen entstanden aus dem in Aussicht genommenen Reichstarifvertrag, der von den Unternehmern stark moniert wird. Es handelt sich um die Frage der Arbeitszeit. Die Arbeiter verlangen, daß dort, wo die Arbeitszeit bereits kürzer ist als 57 Stunden pro Woche, diese kürzere Arbeitszeit bestehen bleiben soll, während die Unternehmer von dieser Bestimmung im Vertrage nichts wissen wollen, sondern durchweg für das gesamte Baugewerbe auf einer 57stündigen Arbeitswoche bestehen. Die Unternehmer drohen, wenn die Arbeiter nicht bis 15. Mai ihre Bedingung akzeptieren, sämrliche Bauarbeiterplätze in West= und Süd=Schweden ab 22. Mai zu schließen und am 23. Juni sämtliche, be. Mitgliedern des Zentralarbeitgeberverbandes Schwedens beschäftigte Arbeiter im ganzen Lande auszusperren.— Der Zentralarbeitgeberverband Schwedens umfaßt nicht nur die särtlichen Bauarbeiter, ondern auch das gesamte Handwerk, sowie einen Teil der mitteren Industrie. Lohntarise— literarische Leistungen! Das ungeheuerliche Urteil des Landgerichts Bautzen ist am Sonnabend vom Reichsgericht bestätigt worden Vom Landgerichte Bautzen wurde am 8. Januar der Geschäftsführer Oswald Heidel wegen Nachdrucks zu dreihundert Mark Geldstrafe verurteilt. In den Kengersdorfer Webereien i. S. hatte eine Lohnbewegung zu einer Lohnerhöhung von 7½ Prozent geführt. Der neue Tarif wurde in den Webereien aufgehangt. Der Angeklagte ließ in sieben Webereien von Arbeitern die Lohntarife stückweise abschreiben und veröffentlichte dann alle sieben vollstandig in einer Broschüre. Als Anhang dazu gab er eine Tabelle, die zu den Tarifen in keiner Beziehung steht. Jeder der sieben Tarife, heißt es im Urteile, ist ein Schriftwerk. Jeder ist unabhängig von dem andern, da in jeder Fabrik die Lohnverhältnisse anders liegen und die Lohntarife nur mit großer Mühe daraus zu berechnen sind. Als Urheber sind die vielen Nebenkläger anzusehen, da sie persönlich an der Zusammenstellung mitgearbeitet haben.— In der Revision des Angeklagten wurde angeführt: Schriftwerke sollen geschutzt werden, die vermogens0 Nar solche ntzte gn prschapt artgrn, die bei rechtlich verwertbar sind. Deshalv hat auch offenbar das Gericht den Nebenklägern eine Buße nicht zuerkannt. Die Tarife sind in einigen Fallen einfach von den Expedienten zusammenNeuer Streik der Post= und Telegraphenangestellten? Parse zufolge, hat der Verbauo#au. 4. Mai. Einer Blättermeldung zufolge hat der„Verbandsa, schuß der Post= und Telegraphenangestellten beschlossen, daß die übermorgen zum Ministerpräsidenten Clemenceau zu entsendendAbordnung sich auf irgend eine Erörterung der verfügten Maß, welcher ein neuer Ausstand im Prinzip einstimmig beschlossen wurde. Mehrere Redner verlangten unter stürmischem Beifall. daß der Verbandsausschuß die Postbeamten zwei Tage vor Ausbruch des Streiks verständigen möge, damit diese Zeit hätten, alle Dienstbetriebe in Ugordnung zu bringen. ac. Ein Stück tüchtiger Gewerkschaftsarbeit lernen wir durch den Jahresbericht der Sektion Zürich des Metall. arbeiter=Verbandes kennen. Es ist das erstemal, daß eine einzelne schweizerische Sektion einen gedruckten Jahres. bericht herausgibt. Der Jahresbericht schildert die Schwierig. keiten, die es kostet, die Branchen zu verschmelzen Kleinlicher zünftlerischer Berufsdünkel der Kollegen sträubte sich gegen die Verschmelzung, die im Jahre 1901 vorgenommen wurde. Von 400 in Branchen organisierten Kollegen schlossen sich zunächst nur 95 der allgemeinen Sektion an und ihre Zahl stieg bis 1904 erst auf 264. 1905 waren es 447, dann aber beginnt eine schnelle Steigerung bis 2036 im Jahre 1907. Dann freilich trat unter dem Druck des wirtschaftlichen Niederganges ein Mitgliederverlust ein. Aber immerhin zählt heute die Sektion 631 Mitglieder. Sie hat im Jahre 1908 153427 Franken vereinnahmt und 150901 Franken verausgabt; sie besitzt ein ständiges Lokalsekretariat mit mehreren Beamten, hat wahrend des letzten Streiks eine Spenyler Produktivgenossenschaft gegründet, und wird bei wieder aufsteigender Konzunktur den Mitgliederverlust sicher wieder einholen. scher Industrieller vorzu diese Ansicht auf der Delegiertenversammlung bandes deutscher Industrieller zum besten gegeben. Er meinte, es sei kein Zweifel, daß in absehbarer Zeit ein wirtsch###tlicher Aufschwung kommen werde. Allein, wenn angesichts der erhöhten Selbstkostenpreise die deutsche Industrie auf dem Weltmarkte den Konkurrenzkampf bestehen wolle, dann werde es erforderlich werden, die Arbeitslöhne herabzusetzen. Das würde den äußersten Widerstand der arbeiter yervorrufen. Vom wirtschaftlichen Ausschwunge ist zwar noch nichts zu spüren, denn die gegenwärtige geringe Besserung des Arbeitsmarktes ist auf die alljährlich im Frühjahre eintretende Belebung des Arbeitsmarktes zurückzuführen. Bisher mußte die Krise zur Begründung von Lohnkürzungen halten, jetzt soll es nun wieder der wirtschaftliche Aufschwung. Scharfmachern ist eben jede Situation recht, um unter Berufung auf ihren Patriotismus die deutsche Industrie vor dem Untergang bewahren und die Löhne der Arbeiter drücken u wollen. Gut nur, daß die Arbeiter vermöge ihrer Gewerkhaftsor# aisationen dafür gesorgt haben, daß der Weizen der nternehmer nicht gar zu uppig in die Halme schießen kann. zu wollen. chaftsorgan Anterney Niederlage des Handelsministers im Kampfe gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen. Ein helles Licht auf die in der Reichsversicherungsordnung vorgesehene Abschneidung des Rechtsweges der Kassen gegen behördliche Uebergriffe wirst die jetzt veröffentlichte Entscheidung des Bezirksausschusses zugunsten der Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute, Handelsleute und Apotheker in Berlin. Bekanntlich hatte der preußische Landesverband der Hausund Grundbesitzervereine, dem die von den Kassenkontrolleuren und dem Rendanten der vorgenannten Kasse veranstalteten lehrreichen Wohnungsenqueten unangenehm waren, im Jahre 1907 sich herausgenommen, den Magistrat als Aufsichtsbehörde der Kasse zu ersuchen, der Kasse die Veranstaltung solcher Wohnungsenqueten zu untersagen. Der Berliner Magistrat wies dies Ansinnen zurück. Das gleiche tat der Oberpräsident. Aber der Hausbesitzerverein ließ nicht locker. Er vertraute, ganz ebenso wie die Bergbarone, auf die antisozialen Anschauungen des preußischen Handelsministeriums Dies Vertrauen wurde belohnt. Der preußische Handelsminister gab dem Magistrat auf, dem gesetzwidrigen Ansinnen des Hausbesitzervereins zu entsprechen: Dem glaubte der Magistrat nachkommen zu müssen und untersagte unter dem 26. August 1908 der Krankenkasse die Verwendung von Kassenmitteln für die Vornahme solcher Wohnungsenqueten.... urte Guart Diese gesetzwidrige, vom Weinister Hervaigeführte Andronung hat nunmehr der Bezirksausschuß Berlin als eine mit dem Gesetz unvereinbare, die Interessen der Kasse und ihrer Mitglieder schädigende Maßnahme auf die Klage des Kassenvorstandes außer Kraft gesetzt. In den Urteilsgründen heißt es: 66 „Die Prüfung der Rechtmäßigkeit der angefochtenen Andisnung hängt wesentlich mit der Beantwortung der Frage zusammen, ob die Aufwendungen aus dem Vermogen der Kasse zu den Zwecken der sogenannten Wohnungsenqueten und ihrer Veröffentlichung nach der Vorschrift des§ 29 des Kranken=Versicherungsgesetzes bezw. nach dem Kassenstatut zulässig erscheinen oder nicht. Der Bezirksausschuß hat, in völliger Ueberit dem vorgedachten, Bescheide bezw. Erlasse(der gestellt worden, nicht von den Fabrikherren. Sie bestehen überhaupt nur in einer Zusammenstellung von Zahlen, die sich in einer Reihe von Jahren von selbst gebildet haben Der Angeklagte hat den Arbeitern nur die Tarife verständlich machen wollen, damit sie erkennen, wie die Löhne berechnet werden. Dadurch ist das Werkchen des Angeklagten zu einer eigentümlichen geistigen Arbeit geworden.— Der Reichsanwalt führte aus: Die Tarife enthalten nicht eine mechanische Zusammenstellung von Zahlen, sondern sie konnten erst nach genauester Kalkulation aufgestellt werden, zu der ein hoher Grad von geistiger Arbeit zehörte.— Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet. Diese wie so manche anderen Urheberrechtsmanieren günstige Entscheidungen fordern dringend eine Aenderung des Urheberrechtsgesetzes. Die oben mitgeteilte Entscheidung würde Gewerkschaften und nicht minder sozialpolitische Schriftsteller hindern, Lohntarife zu veröffentlichen, falls sie nicht die Genehmigung der Fabrikherren haben. Die Konsequenz des durchaus fehlsomen reichsgerichtlichen Entscheides würde wohl gar die sein, daß man auch die Aufschriften auf Lohntüten nicht veröffentlichen darf, weil diese„einen hohen Grad von geistiger Arbeit" erforderten. Das ang=fihrte Urteil fällte dasselbe erichtlichen Urteilen den Wert wissenschaftsprach. Es ist bedauerlich, daß das Reichssericht in dem angeführten für Sozialpolitiker und Gewerkschaften sowie für wissenschaftliche Forschungen nachteiligen Urteil sich so völlig rein von aller Wissenschaftlichkeit gehalten hat. einstimmung mit dem vorgedachten Bescheide be ersten Magistratsverfügung und dem Overprasivialerlaß die Ueberzeugung nicht zu gewinnen vermocht, daß die hier in Rede stehenden Aufwendungen der Kasse zu einem Zwecke gemacht sind, der über den Rahmen der rechtmäßigen Befugnis der Kasse hinausgeht. Vielmehr ist, anzuerkennen, daß die Veranstaltung sowohl wie die Veröffentsichung der jogenannten Wohnungsenqueten mit den gesetzmäßigen Zwecken der so engem Zusammenhange steht, daß die dadurch erwachsenden, im Verhältnis zu den notorisch sehr erheblichen Einkünften der Kasse nur geringfügigen Kosten eine ungesetzmäßige oder auch nur mißbrauchliche Verwendung des Kassenvermogens nicht darstellen. Dieser Auffassung stehen nach der Ansicht des Bezirksausschusses auch die Ausführungen der in dem Ministerialerlasse vom 26. August 1908 angezogenen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 13. April 1905 vor allem deswegen nicht entgegen, weil es sich in dem dort erörterten Falle nicht um die Frage gehandelt hat, ob eine subjektive Maßnahme des Kassenvorstandes gegen das Gesetz oder das Statut verstoßen habe, sondern vielmehr darirn, ob die Aufnahme einer objektig ungesetzmäßigen Bestimmung in das Kassenstatut zulässig sei. Industrie, Handel und Verkehr. Ki. Die Auflösung der deutschen Fahrradkonvention. vor zwei Jahren errichtete Kartell der Fahrradfabriken ist am 30. April aufgelöst worden. Eine Generalversammlung der deutschen Fahrradkonvention, so firmierte das Kartell, hatte am 24. April beschlossen, am 30. April die Auflösung.g#en führen, falls nicht bis zu diesem Tage die noch außenstehen Firmen ihren Beitritt erklären. Offiziell wird jetzt mitgeten daß die Verhandlungen mit den Außenseitern im allgemeinen ein gutes Ergebnis hatten, daß aber einige wenige Werke auf ihrem ablehnenden Standpunkt verharrten. Auch diese Meldung ke# als eine Bestätigung dafür aufgefaßt werden, daß das Karte: nicht durch die wenigen außenstehenden Werke, sondern durch eigene Kartellfirmen, also von innen heraus, gesprengt wurde. Das Kartell bestand über ein Jahr, bevor die Oeffentlichken von seiner Existenz Kenntnis erlangte. Es umfaßte nach einbarungen, es hatte mit den Lieferanten der Fahrradfabriken Verträge abgeschlossen, durch die den Mitgliedern der Kon vention Sondervorteile zugestanden wurden, ferner hat es aud eine gewisse Kontingentierung der Produktion herbeigeführt. ür sprünglich war auch die Errichtung einer Verkaufszentralisagen geplant das Kartellgebilde sollte zu einer enggeschlossenen## die Bergisch=Märkisch Deutschen Bank gehö das Kartell nunmeh auf Reibungen zwisch de für die der nicht gan den Werke nur ern Schon im Januar bo die Fortführung der zeichnet wurde, es ge des Vertrages herve Fahrradfirmen, die offentlich erklart hattstehend betrachte. Di Gegensätze zwischen de werden, aber den grö schlechte Wirtschaftsl bestimmungen gehind Die Gegensätze inner Fabriken, die ausschli die bessere Fabrikate auch angenommen, da Hauptsache in einem briken, die billige M führenden Fahrradfa die sich mit der Fabri die Konvention gewi eigenen Geschäftstäti strebten trustähnliche Wettbewerb nach den Ausschaltung oder a Firmen, die den Pli standen. Massengüterbahne ten Größen. Die G Minimum beschränkt. setzen, ins Vielfach leistung. Die mod mechanischer Lastenbe lassen jene als Zwei Wirtschaftsleben sinkt ist nur noch ein X Dienerin der Masch steigerten Leistungen richtet. Steigerung transportes, in Riese mittel, ist spekulativ Aufgabe dienen soll mit der Reichshaupts Generaldirektor der sind die Väter des Pi des ausgedachten, bis nes. Diesen unterbre Kritik in einer stattl Man weiß, es sor ist des schöpferischen das literarische Ge Generaldirektor der Idee industrielle, wer Gesellschaft. 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Schon im Januar hatten sich die Differenzen so verschärft, daß die Fortführung der Konvention als sehr unwahrscheinlich bezeichnet wurde, es gelang aber eine provisorische Verlängerung des Vertrages herbeizufuhren, obwohl eine der bedeutendsten Fahrradfirmen, die der Konvention bis dahin angehört hatte, offentlich erklärt hatte, daß sie sich als außerhalb der Konvention stehend betrachte. Dennoch konnte man damit rechnen, daß die Gegensätze zwischen den Kartellmitgliedern sich überbrücken lassen werden, aber den größeren Werken schien wool die gegenwärtige schlechte Wirtschaftslage für einen durch keine Konventionsbestimmungen gehinderten Konkurrenzkampf besonders geeignet. Die Gegensätze innerhalb des Kartells bestanden zwischen den Fabriken, die ausschließlich billige Räder fabrizieren, und denen, die bessere Fabrikate herstellen.„In den beteiligten Kreisen wird auch angenommen, daß die Auflosung der Konvention sich in der Hauptsache in einem verschärften Wettbewerk zwischen den Fabriken, die billige Maschinen produzieren, äußern wird. Die führenden Fahrradfabriken sahen in dem Schutz der Firmen, die sich mit der Fabrikation billiger Räder befassen, wie er durch die Konvention gewährleistet wurde, eine Beschränkung ihrer eigenen Geschäftstätigkeit und ein Hindernis für den angestrebten trustähnlichen Zusammenschluß. Von dem scharfen Wettbewerb nach dem Fall der Konvention erwartet man eine Ausschaltung oder ausreichende Schwächung einer Reihe von Firren, die den Plänen der großen Werke bisher im Wege Massengüterbahnen. Wir leben in der Zeit der multiplizierten Großen. Die Grenzen von Zeit und Raum sind auf ein Minimum beschränkt. Dampfkraft und elektrische Energie ersetzen, ins Vielfache übertragen, die menschliche Arbeitsleistung. Die modernen Compoundlokomotiven sind Riesen mechanischer Lastenbewegung, und die neuesten Schiffskolosse lessen jene als Zwerge der Kraftentwicklung erscheinen. Im Wittschaftsleben sinkt das Individuum zu einer Null herab; es ist nur noch ein Objekt der Kräftekonzentration, wird zur Dienerin der Maschinen. Und nach immer noch mehr gesteigerten Leistungen ist des sinnenden Menschengeistes Ziel gerichtet. Steigerung der Massenerzeugung und des Massentransportes, in Riesenbetrieben und Giganten der Bewegungsmittel, ist spekulativer Köpfe rastlose Arbeit. Der letzteren Aufgabe dienen soll eine Industriebahn, die das Ruhrbecken mit der Reichshauptstadt verbindet. Geheimrat Rathenau, der Generaldirektor der„A. E. G.“, und Professor Wilh. Cauer and die Valer des Projektes, Nicht nur der Idee, sondern auch des ausgedachten, bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Planes. Diesen unterbreiten sie der öffentlichen Begutachtung und Kritik in einer stattlichen Broschüre. „ Man, weiß, es sprechen da Interessenten zu uns. Rathenau „. orv schöpferischen Gedankens Vater. Professor Cauer gal das literarische Gewand. Selbstverstandlich verfolgt der Generaldirektor der„A. E. G.“ mit der Provagierung seiner Idee industrielle, wenn nicht gar nur direkte Interessen seiner Gesellschaft. Ein berechtigtes Unterfangen. Aber die Tatsach berechtigt dazu, mit einem gewissen Mißtrauen an die Lektür des Buches heranzugehen. Man mag es tun und wird docl zugehen müssen: Die Darlegungen, Argumente, Tatsachen materialien, Berechnungen usw. haben etwas Bestechendes Skeptizismus Ueberwindendes an sich! Man fühlt: Ueberzeugte und im Prinzip Ueberzeugende sprechen zu uns! Der RheinHannover=Kanal soll gewaltige Güterbewegungen bewältigen Noch ist die Inbetriebsetzung des Kanals in ziemlich weite Fern geruckt, da wird uns in nuchternen Berechnungen gezeigt, daf für die Ansprüche der Zukunft des Kanals Leistungsfahigkei nicht genüge. Und kühn gegen bisherige Anschauungen an stürmend, berechnen die Verfasser, daß eine Bahn nach ihren Plan billiger arbeite als der Kanalbetrieb. Sie kämpfen gegen „laisser faire, laisser aller“ auf diesem Gebiet. Man sol nicht, getrieben von des Tages Muß, das Notwendige für heut schaften, sondern planmäßig zur Tat werden lassen, was vor I. i## getragene Berechnungen und Kalkulationen als de Julanst Erfordernis erkennen lassen. Rathenau schreibt: „Setzt man den Fall, daß Deutschland trotz schlechter Lag und mittelmäßigen Materialreichtums ein Produktionsgebie Ranges, in ost=westlicher oder nord=südlicher Richtun plötzlich in praktischem Sinne frach frei gemacht werden könnte so wäre die wirtschaftliche Wirkung dieses Ereignisses nich abzusehen. Nicht allein, daß alle bestehenden Industrien sofor unter weit verbesserten Bedingungen arbeiteten und ihren Ab satz auf ein Vielfaches des gegenwärtigen Areals im In= und Auslande ausgebreitet sähen, daß somit auch ihre Konturrenz sähigkeit dem Weltmarkt gegenüber sich gewaltig, und auf de produktionsumfang rückwirkend steigerte: es wären vielmey auch die Existenzmöglichkeiten für zahlreiche neue Industrier gegeben, die jetzt aus geographischen Gründen versagen; un gleichzeitig ware die Industrialisierung derjenigen gut bevölkerten Landesteile wie etwa des preußischen Ostens gewonnen, die gegenwärtig aus Kargheit der Rohmaterialien und des Kon sums unterbleibt. Es scheint phantastisch und ist dennoch nich übertrieben, wenn erste Industrielle die Produktionsfähigkei in einem praktisch frachtfreien Lande auf ein Vielfaches de: gegenwärtigen veranschlagen. Tarife lassen sich unter nüchternen Voraussetzunge: auf die Hälfte bis ein Viertel der billigsten bestehenden Satz reduzieren, und zwar durch den Bau besonderer Güterbahnen die billiger, leistungsfähiger und rentabler sind als Kanäle.“ Betriebe von den Witterungsverhältnissen. Er schreibt: „In dem Kamps um die Bewilligung von Mitteln zum Ausdau der preußischen Wasserstraßen ist behauptet worden, man müsse die überlasteten Eisenbahnen durch den Bau von Kanälen entlasten und hierdurch eine leistungsfähigere und billigere Beförderungsgelegenheit bieten. Die vorstehenden Untersuchungen haben gezeigt, daß ein Kanal in der Anlage erheblich teuerer ist als eine Guterbahn und dabei nur einen kleinen Bruchteil dessen leisten kann, was eine Güterbahn zu leisten imstande ist. Eisenbahnen durch Kanäle entlasten zu wollen, ist daher ein verkehrtes Unterfangen. In der Billigkeit der Transportkosten aber haben die Kanäle, wenn man wirtschaftlich richtig rechnet, schon vor den Eisenbahnen gewöhnlicher Art nicht viel voraus; dagegen werden sie von besonderen Massengüterbahnen in den Tarisen um ein Bedeutendes unterboten.“ Die Kosten der befürworteten Anlage, die nur für den Gütertransport bestimmt ist, werden auf 200 bis 300 Millionen veranschlagt. Die zweigeleisig ausgebaute Bahn soll, bei elektrischem Antriebe und 30 Kilometer Luggeschwindigkeit, mit Transportgefäßen arbeiten, die die Raumfassung der heutigen Normalwagen um das Vierfache übersteigen. Ein Normalzug von 50 Wagen würde zirka 2000 Tonnen Nutzlast bewegen. Die Züge können, je nack Bedürfnis, in ganz kurzen Abständen abgelassen werden. Die vorläufige Leistung soll nach fünfsätzrigem„Betrieb 10 Millionen Tonnen betragen, die Höchstlastans 100 bis 120 Millionen Tonnen. Die Bewegungsichii###berechnet Professor Cauer wie folgt: Transport einslich Abfertigung pro Tonnenkilometer bei 170 Kilo951%5 Entfernung 1,15 Pig und bei 500 Kilometer nur noch 99 Pig. Nach den jetzigen Gütertarifen sind die Transport#o#sten um das Zwei= bis Vierfache höher. „„Erweisen sich die Berechnungen als nicht zu sehr von Phan„issen beeinflußt, dann wird die Regierung dem Plane wohl nahertreten mussen, schon aus dem Grunde, weil die ElektriUierung des Eisenbahnwesens doch nur eine Frage der Zeit in und bei Umwandlung der Betriebe darauf Rücksicht gekommen werden muß, ob eine Trennung des Güterverkehrs dem Personenverkehr sich du: hführen läßt. Für die Betriebssicherheit und Erzielung größerer Fahrgeschwindigkeiten wäre eine Separierung jeden Verkehrs sicherlich von Vorteil. W. im„Vorwärts“. Ki. Auf dem Wege zum internationalen Kupfertrust. Nach der Errichtung des europäischen Zinksyndikats und der internationalen Bleikonvention werden jetzt die Vorbereitungen zur Gründung eines internationalen Kupfertrusts getroffen. Unter den amerikanischen Kupferproduzenten soll die Verständigungsaktion, die von einem Präsidenten des Stahltrusts geführt wird, bereits so weit gediehen sein, daß der Stahltrustprasident Mitte dieses Monats nach Europa reist, um Verhandlungen mit europäischen Produzenten einzuleiten. Die amerikanische Wirtschaftskrise begann gewissermaßen offiziell Ende des Jahres 1907 mit dem Zusammenbruch der Kupferspekulation, der Kupferpreis hatte seinen höchsten Preis in diesem Jahre mit 113 Pfund Sterling erreicht, in schneller Folge stürzte er bis 56 Pfund, im Lauje des Jahres 1908 trat dann eine Erholung bis auf 64 Pfund ein. Aber dieser Preis konnte sich nicht behaupten, er sank wieder bis etwa 58 Pfund für die Tonne. Man hatte aus der Steigerung des Kupferpreises, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1908 eingesetzt hatte, verschiedentlich den Schluß gezogen, daß die Wirtschaftslage sich gebessert habe, doch der darauf eintretende erneute Ruckgang ließ erkennen, daß die Ausfuhrzunahme von Kupfer aus Amerika nach Europa, mit der eine Preiserhöhung Hand in Hand ging, nicht auf eine Steigerung des Verbrauchs zurückzuführen war, sondern auf umfangreiche Käufe, die in Anbetracht des ungemein niedrigen Preises erfolgten. Die Kupferbestände sind eryeblich gewachsen, die Einschränkung der Produktion, die nach dem Krach von den großen amerikanischen Gesellschaften vorgenommen wurde, ist schnell zu einem Teil wieder aufgehoben worden. Dazu kam, daß neue Kupferbergwerke in Kanada und Mexiko aufgeschlossen wurden, bei sinkendem Verbrauch hat sich die Produktion erheblich vermehrt. Die Trustbestrebungen unter den amerikanischen Produzenten, die schon lange im Gange waren, haben durch die Lage des Kupfermarktes neue Anregungen erfahren. An der Weltproduktion von Kupfer, die 1907 etwa 720.000 Tonnen betrug, waren die Vereinigten Staaten mit ca. 470 000 Tonnen, also etwa 60 Prozent der Gesamtproduktion, beteiligt. Von enropäischen Ländern ist an der Kupferproduktion Spanien mit ca. 34600Tonnen, Deutschland mit ca. 22000 Tonnen beteiligt. Unter den Kupferkonsumenten steht Deutschland an zweiter Stelle, der Konsum der Vereinigten Staaten wird für 1907 auf 232000 Tonnen beziffert. Deutschlands Konsum, der im Jahre 1898 ca. 97000 Tonnen betrug, wird für 1907 auf ca. 150000 Tonnen angegeben. Die Hauptverbraucher von Kupfer sind die Elektrizitätswerte. Die zahlenmäßig angeführte Beteiligung Deutschlands an der Kupferproduktion und dem Kupferkonsum zeigt zur Genüge, daß den deutschen Wirtschaftsinteressen das Zustandekommen internationaler Trust= oder Syndikatsvereinbarungen der Kupferproduzenten sehr wenig dienlich wäre. d. Von der Westfälischen Landgemeindeordnung. Mehrere Gemeinden, nebst den, den Gemeinden gleichgestellten Gütern bilden einen Verwaltungsbezirk, ein Amt, an dessen Spitze ein Amtmann steht. Ein Amt kann jedoch auch aus einer einzigen Gemeinde bestehen. Es soll das aber nur der Fall sein venn sie von einer solchen Größe und Leistungsfähigkeit ist, daß sie die dem Amte gestellten Aufgaben zu erfüllen vermag. Das Amt ist als Verwaltungsvezirk ein Zwischenglied zwischen er Gemeinde und dem Kreise. Es kann für solche Angelegenheiten, welche für alle zu ihm gehörige Gemeinden ein gemein chaftliches Interesse haben, einen Kommunalverband bilden. Ein solcher Kommunalverband ist eine Körperschaft des fentlichen Rechts mit allen Rechten einer Gemeinde. Welche gelegenheiten der Regelung durch den Amtskommunalver###nd int iegen sollen, darüber hat, sofern sie nicht durch gesetzliche Vorchristen besonders bestimmt sind, die Amtsversammung unter Genehmigung des Kreisausschusses zu beschließen. dai jedoch eine Angelegenheit bisher nicht zu diesen Gegentänden gehört, so ist die Zustimmung der Gemeinden und der Besitzer der den Gemeinden gleichgestellten Güter erforderlich Für einzelne bestimmte Angelegenheiten, bei welchen mehr ale ine, aber nicht alle Einzelgemeinden eines Amtes ein gemein chaftliches Interesse haben, kann mit Zustimmung der beteiligte: Gemeinden und Besitzer der den Gemeinden gleichgestellten Guteein besonderer Verband gebildet werden. Diese An zelegenheiten gehören alsdann zum Geschäftskreise des Amt nanns und der Amtsversammlung; jedoch haben die Vertreten er nicht beteiligten Gemeinden darüber nicht mitzubeschließen Durch diesbezügliche Reichsgesetze ist das Amt als Kommunal= erband Lefugt, folgende Angelegenheiten in den Kreis seiner Virksamkeit zu ziehen: 1. Errichtung eines den ganzen Amtsbezirk umfassenden Geamt=Armenverbandes(§ 3 des Unterstützungswohnsitzgesetzes 2. Errichtung einer gemeinsamen Ortskrankenkasse(§ 43 des Krankenversicherungsgesetzes). 3. Festsetzung der Beschäftigungszeit der Gehilfer, Lehrling. ind Arbeiter im Handersgewerbe an Sonn- und Festtagen 41b und 105b der Gewerbeordnung). 4 Ausdehnung der täglichen Ruhezeit der in offenen Veraufsstellen und den dazu gehörigen Schreibstuben beschäftigten Gehilfen. Lehrlinge und Arbeiter von 10 auf 11 Stunden(§ 139c der Gewerbeordnung) 5. Begründung der Verpflichtung zum Besuche einer Fortbildungsschule für männliche Arbeiter, sowie für weibliche Handtungsgehilfen und=lehrlinge unter 18 Jahren(§ 120 der Gewerbeordnung. 6. Errichtung von Gewerbegerichten zur Entscheidung von gewerblichen Streitigkeiten(§ 1 des Gewerbegerichts=Gesetzes). 7. Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht auf weitere Kreise von Personen(§ 2 des Krankenversicherungsgesetzes). 8. Bestimmungen über den Bezug einer Veers= und Invalidenrente in Form von Naturalleistungen(§ 24 des Invaliden= versicherungsgesetzes). Die Veränderung oder Auflösung eines Amtsbezirks, bezw. Bildung eines Amtes aus einer Gemeinte oder mehreren Gemeinder und den Gemeinden gleichgestellten Gutern erfolgt durch den Minister des Innern im Einvernehmen mit dem Bezirksausschusse nach vorheriger Anhörung der Beteiligten und des Kreistages. d. 50. Westfälischer Provinziallandtag Dem augenblicklich in Münster tagenden Provinziallandtag liegt wegen Abänderung der Landgemeindeordnung folgender Antrag des Abgeordneten Buschhaus=Hagen vor:„Der Provinziallandtag möge bei der Königlichen Staatsregierung dahin vorstellig werden, daß die Westfälische Landgemeindeordnung dahin geändert wird, daß die Amtmanner von der Amtsversammlung auf 12 Jahre gewählt und die Gemeinderatssitzungen öffentlich geführt werden". Pekanntlich wird der Amtmann nach den jetz: geltenden Bestimmungen durch den Oberpräsidenten, also staatsseitig auf Lebenszeit ernannt. Da der Antrag Buschhaus die genugende Unterstützung durch andere Abgeordnete fand, wird er in einer der nächsten Sitzungen im Plenum beraten werden. Literarisches. Die„Sozialistischen Monatshefte“, redigiert von Dr. J. Bloch Administration, Berlin W., Potsdamer Straße 121h), die beanntlich alle 14 Tage erscheinen, haben soeben des 9. Heft ihres 15. Jahrganges erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir hervor: James Ramsay Mac Donald: Die Krise im englischen Sozialismus.— Eduard Bernstein: Der Freischärlersozialismus wider die Arbeiterpartei Großbritanniens.— Karl Leuth= ner: Umlernen.— Robert Schmidt: Die Reform der Arbeiterversicherung.— Edmund Fischer: Der Entwicklungsgedanke.— Franz Clement: Balzac.— Sozialistische Bewegung von Dr. I. Bloch.— Naturwissenschaften von Dr. B. Borchardt.— Dichtkunst von M. Hochdorf.— Verkehr von F. Linke.— Notgedrungene Erklärung von K. Leuthner.— Der Preis des Heites beträgt 50 Pfg., pro Quartal(8—7 Hefte) 3 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, auf jeder Postanstalt, bei allen Kolporteuren, in den Kiosken, sowie direkt vom Verlag der„Sozialistischen Monatshefte", Potsdamer Straße 121h, Berlin W. 35. (Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Kuvert.) Probehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Vermischtes. Ein Sünder. Aus dem heiligen Speier wird der„Frankfurter Zeitung“ folgendes Geschichtchen erzählt: Ein hiesiger Bürger, ein Mann von 69 Jahren der in der Stadt allgemeine Achtung genießt, führt seit 1901 das Protokollbuch des hiesigen katholische. Männervereins, und zwar, wie von dem zweiten Vorsitzenden anerkannt, mit treuer Pflichterfüllung. Dieser Tage fand nun im hiesigen katholischen Vereinshaus Ausschußsitzung des Vereins statt. Es soll an die Chargenverteilung gegangen werden. Da erhebt sich ein Herr Professor am Gymnasium(der sich unlängst in der vielfach besprochenen Angelegenheit der Schülerdemission— wegen der Ohrenbeichte— ruhmlichst bekannt gemacht hat) und nimmt das Wort zu folgender Rede: „Meine Herren! Eh' wir an die Chargenverteilung gehen, eine kurze Erörterung! Ich muß Sie allen Ernstes fragen, ob der bisherige Schriftführer, der heuer wieder gewählt worden ist, fähig sein wird, das Amt eines Schriftführers in un erem katholischen Verein weiterzuführen. Er sollte, wie ich glaube, seine freie Zeit für sein Haus verwenden! Ich habe seinen großen Sohn(NB. Ein Jüngling von 20 Jahren) schon mehrmals mit einem protestantischen Mädchen im Verkehr gesehen. Am hellen, heiligen Karfreitag, während andere Katholiken andächtig die Kirche besuchen, habe ich ihn mit zwei protestantischen Mädchen(NB. Schwestern) über die Straße gehen sehen!!!" Es ist die höchste Zeit, daß mit allen geistlichen Strafen gegen diese unverbesserlichen Ketzerfreunde vorgegangen werde. Es muß schleunigst Vorsorge getroffen werden, daß die Speierer Katholiten überhaupt keine Protestanten mehr zu sehen bekommen. Man könnte über die fanatische Verranntheit des Speierer Professors lachen, wenn sie nicht bodenlos betrübend wäre für jeden Freund des Fortschritts. Ein„eifriger" Diener Gottes. Zur Erbauung aller wahrhaft frommen Seelen berichtet, wie wir der„Welt am Montag“ entnehmen, das klerikale Organ„Leo"(wohl das unter diesem Titel in Paderborn erscheinende„Sonntagsblatt für das katholische Volk“) von der eifrigen Tätigkeit eines Missionars das folgende Stücklein: „Im Jahre 1882 haben die Rothäute ihn zum Tode verurteilt, an einen Baum gebunden und schon Feuer angelegt, da at er sich noch durch eine List gerettet. 1884 haben die Nordamerikaner 284 Rothäute gefangen genommen, die alle ere schossen werden sollten. Der Oberst, ein treuer Katholik(1), ließ dem Missionar sagen, wenn er noch etwas für die Seelen tun könne, möge er doch kommen. Er erwirkte einen Aufschub er Hinrichtung, und als nach drei Tagen alle genugsam unterrichtet waren, sollte am frühen Morgen das Urteil vollstreckt werden. Die 284 jungen Männer wurden je 10 Schritt auseinander aufgestellt, der Priester trat heran. taufte den ersten, und kaum daß er sich abgewandt, durchbohrte den Indianer die Kugel, und so ging es, bis alle 284 durch Gottes Gnade und den Heldenmut dieses eifrigen Priesters in den Himmel eingingen. Wie wohlgefällig wird wohl dem christlichen Gott der Liehe „der Heldenmut dieses eifrigen Priesters" gewesen sein! Wahre Jünger Jesu. Wir entnehmen der„Tribüne": In der letzten Donnerstags=Nummer des frommen„Reichsboten“ findet sich folgendes originelle Geldgesuch: „Ein Pastor sucht von einem wahren Jünger Jesu gegen Schuldschein und pünktliche Zinszahlung auf 3 Jahre 7000 M. zu leihen Off. unter P. K. 505 beförd. die Ge schäftsst. des„Reichsboten“. Wenn der Geldsucher nicht ein Pastor wäre, könnte man lauben, es sei ein boshafter Antichrist, der einen wahren Jünger Jesu um 7000 Mk. prellen wollte. Aber ein Pastor ist och selbst auch ein wahrer Jünger Jesu, und es ist immerhin iicht gut anzunehmen, daß ein wahrer Jünger Jesu den anderen inschmieren will. Der Herr Pastor scheint also die redliche lbsicht zu haben, den Betrag zurückzuerstatten. Aber wozu raucht er das Geld? Die wirklich wahren Jünger Jesu waren im Besitze ähnlicher Summen und ihr Meister erst recht iicht. Hat der Herr Pastor Schulden? Das wäre unziemlich. Oder hat er gar einen„Fehltritt" begangen, für den er jetzt büßen soll? Das wäre noch schlimmer.— Doch sei dem, wie ihm wolle, als guter Mensch hoffe ich, daß zemand dem notleidenden Pfarrherrn hilft. Ein wahrer Jünger Christi wird dieser Menschenfreund zwar nicht sein, denn die besitzen in der Regel selbst nichts, aber ich glaube, der geistliche Herr nimmt das Geld schließlich doch auch von einem Andersgesinnten, wonöglich gar von einem Juden. Man riecht ihm ja nicht an, vo es her ist. Ein wahrer Jünger Jesu scheint mir auch der Buchhändler 2. in Kaiserslautern zu sein, der nach der„Pfälz. Post“ in den Schulen während der Religionsstunden an die Kommunikanten Kärtchen verteilen läßt, die das Bild Jesu zeigen, wie er vor einer Kommunitantin steht. Darunter befinden sich die Worte: „Zur ersten heiligen Kommunion“, auf der Rückseite aber die folgenden:„Mein Kind! Ich rate dir, deine Kerze, Gesangbuch, deinen Rosenkranz usw. usw. am Fackelrondell in der Buchhandlung L. zu holen, dort findest du das schönste. So wird in Jesu Namen Reklame gemacht und Geld gepumpt, lauter Dinge, die dem Nazarener sehr fern lagen. Er würde diese Mißbraucher seines Namens sicherlich zum Teufel jagen, wie er seinerzeit die Wechsler und Krämer aus dem Tempel gepeitscht haben soll.— Es ist für ihn selbst und für seine angeblichen Verehrer ein gleich großes Glück, daß er nicht meor lebt. Die Brandstiftung der Schwarzen Hand in Newyork. Ueber die neueste Schreckenstat der Newyorker Mafia, die Brandkatastrophe, der, wie bereits gemeldet, 9 Tote und 50 Verwundete zum Opfer fielen, wird weiter aus Newyork berichtet: Vor wenigen Tagen erhielt ein Einwohner des vom Feuer zerstörten Hau es namens Brucchi einen Erpresserbrief folgenden Inhalts:„Entweder zahlt Ihr 5000 Francs oder es ist um Euer Leben geschehen. Petrosino ist tot und die Schwarze Hand lebt noch. Der Brief wurde unverzüglich der Polizei übergeben. Am 30. April hörte man um 2 Uhr nachts in Springstreet, wo das beregte Haus gelegen, gellende, von Revolverschüssen unterbrochene Hilferufe. Die Herbeieilenden sahen sich dem lichterloh brennenden Gebäude gegenüber, das in einem Augenblick von den durch den heftigen Sturm aufgepeitschten Flammen eingehüllt war. Wie die meisten der amerikanischen Häuser war auch das in Rede stehende zum Zweck der raschen Rettung aus Feuersnot mit außenangelegten Treppen versehen, aber nur zu oft dienen diese Außentreppen als Ablagerungsstätte für allerlei Hausgeräte und Gerümpel. Das war auch hier der Fall, und infolgedessen sahen sich die Bewohner der großen Mietskaserne der Möglichkeit beraubt, sich des Rettungsweges über die Treppen zu bedienen. Unter den den Ausgängen Zudrängenden kam es zu verzweifelten Kämpfen. Frauen warfen ihre Kinder aus dem Fenster auf die Straße und folgten ihnen im Todessprung. Die Feuerwehrleute zeigten sich als wahre Helden und bemühten sich mit Todesverachtung um die Rettung der vor Schreck der Besinnung beraubten Menschen, die schreiend und heulend an den Fenstern hingen und jeden Augenblick in die Tiefe zu stürzen drohten. Briefkasten der Redaktion. 42. Abonnent. Die nähere Adresse ist uns nicht bekannt. Sie können dieselbe aber beim dortigen Magistrat erfahren. Osnabrückerstraße. Ja, das kann in Abzug gebrocht werden. Vereins-Kalender. Donnerstag. Männer=Gesangverein„Hoffnung" abends 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße. Arbeiter=Gesangverein„Solidaritöt“ 9 Uhr bei Hellsinger, Schmiedestraße. Arbeiter=Gesangverein„Irisch Auf“ 9 Uhr bei Indiestel. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, Gadderbaum 9 Uhr bei Bracksiek. Zitherklub„Alpenklänge“ 9 Uhr bei Lange, Teichstraße. Freie Tarnerschaft Bies.0 Uhr bei, Hagengonr, Heeverstraße, Freie Turnerschaft Hielefeld. Abt.„Frisch Auf“ 8½ uhr bei Imkamp, Engerschestraße. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld, Abteilung 3. ½9 Uhr bei H. Lohmann. Kegelklub„Hamburger Wappen“ 8½ Uhr bei Vogt, Hallerweg. Kegelklub„Einigkeit“ abends 9 Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Rabfahrerklub„Eilrat“ 9 Uhr bei Freubenau, Heeperstraße. Skatklub„Zur guten Quelle“ 9 Uhr bei Witwe Pilgrim, Ziegel1. Bielefelder Bandonion=Klub ½9 Uhr bei Fritz Beckmann, Klein kleine Howe. Theaterklub„Thalia“ 8 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Guttemplerorden, Loge„Westfalenland“. 8¾ Uhr. Sieker. Arbeiter=Raderfahrerklub„Wanderlust" bei Sittig, Detmolderstraße. Brackwede. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Gesangverein„Heiderose“ 9 Uhr bei Siekmann, Herforderstraßg, Schildesche. Radfahrerverein„Fliegender Adler“ 9 Uhr bei Krämer. Schildesche. Kraft=Sport=Verein ½9—½11 Uhr bei Wirt Schaepersmann, Wilhelmstr. 17. Schildesche. Guttempler=Loge„Rote Erde“ 8¾ Uhr bei Grothaus, Amselstraße 7. Babenhausen. Kegelklub„Freie Bahn“, 8½ Uhr bei Böke. Heepen. Turnverein„Jahn“ 8½ Uhr bei Wirt Müller. übbersil Tigges, Werther. Brünig. Herford. Liedtke. Herford. er Rabfahterverein Kollkrug. Arbeiter=Turnverein„Frisch „Biktotia“ 9 Uhr## Auf“ 9 Uhr bei Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Spenge. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8½ Uhr bei Wirt Lippelmann. Oerlinghausen. Arbeiter=Gesangverein„Solidaritöt" 8¾ Uhr bei C. Löhr. Schötmar. Radfahrer=Verein„Wanderer“. Detmold. Arbeiter=Radfahrerverein„Vorwärts“ 9 Uhr. Südlengern. Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr. Rehme. Arbeiter=Gesangverein 9 Uhr bei Röbke. Minden. Arbeiter=Sängerbund 8¾ Uhr: Gemischter Chor. Lübbecke. Arbeiter=Radfahrerverein„Schwalbe“ 9 Uhr bei Wirt Baumeister. Amemategrapfien--Pleuter Zuf dlten POstr?9; Wir sind stets bemüht, unsern Besuchern das Neueste in ernsten und heiteren Aufnahmen vorzuführen. Amerikanischer Prachtsilm. Neußerst spaunend! Der Undankbare. Ein verirrter Jäger wird von einem Fallensteller und seiner Frau aufgenommen und erquickt. Die Frau aber hat es ihm angetan und um freies Spiel zu haben, lockt er den Mann in eine Bärenfalle, in welcher der Arme die größten Qualen aussteht. Während dessen verteidigt sich das geängstete Weib gegen den Unhold, flieht vor ihm und findet ihren Gatten, den sie befreit. Der herzueilende Jäger erhült seinen Lohn und beruhigt kann das hartbedrängte Ehepaar seinem Heim zusteuern. Der Tischler. Ein Volksstück. Zwanzig Jahre an einer Arbeitsstelle tätig, verliert ein alter Tischler seine Beschäftigung, versucht vergeblich einen anderen Posten zu erhalten und geht endlich verzweifelt ins Wasser. Durch die Tochter seines früheren Meisters gerettet, erhält er seine alte Arbeit wieder. Das Rettungsboot. Bilder von der Wasserkante, den Gebrauch eines Rettungsbootes zeigend. Sehr interessante Naturaufnahme! Die Liebe des Paschas und sein Eine lustige Harems=Intrigue, die Einblicke in das Allerheiligste des türkischen Hauses gewährt. Famoses Tonbild: Kußlied aus der in Berlin allabendlich gegebenen Operette„Herbstmanöver“. Zwei brave Herzen. Drama. Das Vaterland ruft und auch ein älterer Landmann tritt in das Freiwilligenkorps ein. Auf Posten wird ihm die Kunde, daß sein Kind todkrank. Er eilt in sein Heim, wird dort verhaftet und soll als Deserteur erschossen werden. Aufopfernd verhindert die Frau aber die Exekution Liebesgeschichten. Herrlich kolorierte Szenen des alten Spruches: Wie die Alten sungen. so zwitschern die Jungen. Des Doktors Liebesbrief. Urkomischer Streich eines übermütigen Mädchens. Der Tierfreund. Humoristische Versuche mit einem neuen Lebenswecker. Verband der Vertreter der Pastorfelke-Heilweise e. V. Freitag, den 7. Mai, abends 8½2 Uhr, im Saale des Ev. Vereinshauses, Bahnhofstraße: Lichtbilder-Vortrag über Augendiagnose nach den Grundsätzen des Herrn Pastor Felke zu Repelen. Nach dem Vortrag: Freie Diskussion. Die Herren Aerzte werden hiermit besonders dazu eingeladen. Zur Deckung der Unkosten wird 50 Pfg. Eintrittsgeld erhoben. 2542¾ Der Vorstand. Hozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Vielefeld-Wiedenbrück. 2574 Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Schildesche. Sonnabend, den 8. Mai, abends 9 Uhr, im Lokale des Wirts Lücking. Tagesordnung im Lokal. Ortsgruppe Gellershagen. Sonnabend, 8. Mai, abends 8½ Uhr, im Lokale des Wirts Fohrmann, Jöllenbeckerstraße. Tagesordnung: 1. Vierter Vortrag des Genossen Hoffmann über Kulturentwicklung. 2. Gemeindeangelegenheiten. Ortsgruppe Sieker. Sonnabend, 8. Mai. Tagesordnung: 1. Abrechnung von der Maifeier. 2. Kommunales. Ortsgruppe Stieghorst. Sonnabend, den 8. Mai, abends 8½ Uhr, im Vereinslokal, Sieker 228. Tagesordnung im Lokal. Ortsgruppe Quelle. Sonnabend, 8. Mai, abends 8½ Uhr. Tagesordnung im Lokal. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Schildesche. Schildesche. Sonnabend, den 8. Mai, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Lücking: Gewerkschafts versummung. 2575 Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Gewerkschaftsfest. 2. Bibliothek=Angelegenheiten. 3. Ausflug. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen sämtlicher Gewerkschaftsmitglieder wird in Anbetracht der 9 Uhr stattfindenden Parteiversammlung sebeten. Die Gewerkschafts=Kommission. Geschäfts=Sröftung. Einem geehrten Publikum von Bielefeld bringe ich hiermit zur gefl. Kenntnis, daß ich am heutigen Tage ein Koloniat=„Tofl= u. Gemase==Geschaft in duse Am Bach 32 eröffnet habe. Es wird mein Bestreben sein, nur gute und beste Waren bei soliden Preisen zu führen und ich bitte daher, mein Unternehmen gütigst unterstützen zu wollen. Bielefeld, den 5. Mai 1909. 2581*) Hochachtend Carl Albrecht. Bekanntmachung, Nachdem die gegen den Fluchtlinienplan für die Bahndammstraße erhobenen Einsprüche zurückgewiesen sind, wird dieselbe hierdurch förmlich festgesetzt und 8 Tage lung zu Jedermanns Einsicht auf dem Rathause! (Stadtbauamt, Rathaus=Zimmer Nr. 7) offen gelegt.§ 8 des Gesetzes vom 2. Juli 1875. Herford, den 3. Mai 1909. Der Magistrat. Busse. Hellkal„Velkstreund“ DU In der Welt voran. 2579 neuester Filzhut W Letzte Neuheiten. Bielefelder Hut-Bazar Blumentöpfe 3 Paar Kindertassen.. 2 paar Kinderbecher.. 1 grosse Tasse 1 Goldrandtasse 5 kleine Kümpe.... 2 grössere Kümpe. 1 grosser Kaffeekump Kleine Teller...... Grosse Teller..... 6 Stück Satzkümpe 1 ganz grosser Gemüsekump 1 grosses Nachtgeschirr 1 grosser Glasteller 1 hochteines Likörservice 1 gutes buntes Kaffeeservice 1 Posten Sportwagen u 1 Posten Waschkörbe gos: 1 Posten Reisekörbe gros 1 Posten Spazierstöcke n 103 15 103 20 10 103 10 34 53 1.20 503 353 64 1.98 2.25 3.95 1.95 4.50 48 Inhaber: Richard Bingmann nur 27 Bahnhofstrasse 27 nur. In sämtlichen Kaustlaft- u. Gescheilk-Artikenn habe grosse Posten billig gekauft und gebe selbe mit ganz kleinem Nutzen ab. Nur ganz allein bei 2587 Steinstrasse 3/5. in allen Größen — gutes Papier— zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“. 00000000000000000000 Habe 2 schwere Alsche bange = Nur prima Fleisch.= Menkhoff, Rosenstr. 26. 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Die heutige Fr „Zwischen der Regi biungen im Gange finanzreform herbeizu präsident Graf Stolbkannte Herr von Zed man folgendes an: Die Konservative sich auf kinderlose für eine Wertzuwa Freisinnigen für de in welchem die Liebe sition in erster Lini ist.— Die Verhand langt. Eine gewisse, Besté parteioffiziösen Artike gestellt, daß die Regier lionen indirekter und Augenblick haben könn anfälle von Ehegatter für die Wertzuwachss angelegte und an den in zureichenderer Wei wird in dem Artikel schaftssteuer durch die die Konservativen die lassenschaft kinderloser wird, werden sie zwei Wir können an die Eine Erbschaftssteuer nennenswerten Ertra Bülot Die„Norddeutsche ihres Blattes eine Po denz". Letzteres Blat Konservativen dem Ei im Vertrauen auf di preußischen Finanzmi Kinder und Ehegatten Bülows erklärt nun, abgegeben worden, insprechen. Wenn der halte, so nicht aus G sondern aus der Erwö gemeinen Uebereinstin steuer veranschlagten sein muß, und eine a tragreiche Besitzsteuer Der Reichskanzler ha schlag, die Wertzuwa lehnend verhalten; nu Ersatz für die Erbanfe weil ein ausreichende winnen ist. Am Schlusse der C „Weiter muß die als richte die Reichs die Bekämpfung der in der Frage der vielmehr nie einen kommen von 400 Mi notwendige Basis fi die angemessene Be Die Rücktr Die Nachricht, de seinem Amte scheider kommentiert. In der daß es sich nur um Blättern, die den K dem Fürsten Bülow reform scheitern sollte Stellung nimmt die wissen genau, was peist auch die„Deut Scheitern der Finan Fürst Bülow gehen wenn die Ueberzeugus siten, könne, was der dürfte aber wenige P des Reichskanzlers m ihm. Die Agrarier Kanzlerwechsel durch reform. „Gegenüher der M respondenz“, daß Für sichten trage für den eine Einigung über „Berliner LLokalanzei rierte Richtigstellung, .„In dieser Forn keine Bestätigung. Gedanken ernstlich rückzutreten falls definitiv aussichtsle jetz, einen äußerster habe, entspreche nie Daß der Kanzle Korn zu werfen, vorzeitig abzubreche gen keinen Zweifel beiten“ an dem beg Danktelegramm an esca pie er der B5# Fruutte,„daß prakt über blutleere Dok Da der Rücktrit tern der Finanzref wohl annehmen, da