Adonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgetd. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. S=4-9 Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Nr. 102. Bielefeld, Dienstag, 4. Mai 1909. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Wieleseld. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Zur Kundgebungen bürgerlicher Parteien zur inneren Krise. Der Gesamtvorstand des Wahlvereins der Liberalen(Freisinnige Vereinigung), verstärkt durch die Abgeordneten der Partei im Reichstage und im preußischen Landtage, hielt am Sonnabend und Sonntag im Reichstagsgebäude eine Sitzung ab, in der zur gegenwärtigen politischen Lage Stellung genommen wurde. Die Konferenz nahm— nach lebhaften und eingehenden Besprechungen— einstimmig die folgende Resolution Gothein=Pachnicke an: „Der Vorstand des Wahlvereins der Liberalen hält in Uebereinstimmung mit der parlamentarischen Vertretung der Partei das Zustandekommen einer gründlichen Reichsfinanzreform im nationalen Interesse für notwendig. Eine Mitarbeit des Freisinns ist indes nur möglich, wenn eine ausreichende Besteuerung der Erbschaften erfolgt. Lehnt die konservative Partei diese allgemeine Belastung des Besitzes ab, dann trifft sie die Schuld am Scheitern der Reform. Eine Wertzuwachssteuer auf Immobilien kann als Ersatz für in Wegfall kommende indirekte Steuern dienen, nicht aber als Ersatz für die Erbschaftssteuer. „Eine endgiltige und dauernde Regelung der Finanzverhaltnisse des Reiches ist nur durch eine Abkehr von der agrarisch=hochschutzzöllnerischen Wirtschaftspolitik und durch Einführung quotisierbarer direkter Reichssteuern zu erreichen. Bei dem Ernst der politischen Lage ist mit der Möglichkeit einer Reichstagsauflösung zu rechnen. Unsere Organisationen werden deshalb aufgefordert, in die Vorbereitungen zum Wahlkampf schleunigst einzutreten.“ Die„Konservative Korrespondenz“ veröffentlicht mit Zustimmung des 50er Ausschusses einen Aufruf an die Konservativen im Lande. Es heißt darin: Eine Ausdehnung der Erbschaftsbesteuerung auf Kinder und Ehegatten müssen wir— gemäß oft gefaßten Beschlüssen— ablehnen... Unsere parlanentarischen Vertreter haben vollen Ersatz für eine solche Steuer durch andere, vorzugsweise den Besitz treffende Ergänzungssteuern geboten, und sie hoffen, die Mehrheit des Reichstages auf solche oder ähnliche Vorschläge zu einigen... Eine verhetzende Agitation im Lande aber tut seit Wochen, als sehe sie nicht und beschuldigt uns des strafbaren Eigennutzes im Interesse Einzelner. Der Aufruf versichert nun, daß es die konservative Partei gewesen, die stets auf größte Beschleunigung der Kommissionsarbeit hingewirkt habe, dagegen hätten die auderen Parteien fast due Steuern abgelehnt oder aufs gröblichste eingeschränkt, so daß schließlich fast nichts übrig geblieben sei. Das sei offensichtlich bekannt, und darum sei der schlimme Mangel an Vertrauen, den die Beamten und der Mittelstand zu den Konservativen jetzt haben, zu bedauern. Der Aufruf mahnt zur Besonnenheit, zur Festigkeit und zum Vertrauen. Es sei eine ernste Stunde für die Partei, darum nüßten treu und geschlossen die Reihen im Kampfe mit den gegnerischen Interessen zusammengehalten werden. Angst vor einer Reichstagsauflösung. „Die freikonservative„Post“ legt in einem langen Artikel dar, daß eine Reichstagsauflösung durchaus nicht zu empfehlen sei. Im Jahre 1907 habe man bei hochgehender nationaler Bewegung durch den Zusammenschluß der Blockparteien nur eine knappe Mehrheit gegen Zentrum und Sozialdemokratie erzielen können. Würde der Reichstag jetzt aufgelöst, so würden sich Konservative und Liberale bekämpfen und der lachende Dritte wäre die Sozialdemokratie, deren Geschäfte man mit der Auflösung besorgen würde. Der neue Reichstag dürfte dann für die Reichsfinanzreform noch weit ungünstiger zusammengesetzt sein, als der jetzige. Das Blatt empfiehlt schließlich, den Einzelstaaten die Matrikularbeitrage nicht mehr zu stunden, sondern die geschuldete Summe in ihrem ganzen Umfange einzuziehen. Wenn dann die Steuerzahler in den Einzelstaaten einige hundert Millionen Mark nehr aufbringen müssen, so werden sie für einen starken Druck auf den Reichstag sorgen, daß dort endlich positive Arbeit geleistet wird. Ein konservatives Wahlmanöver. Die sächsischen Konservativen haben sich für die Erbanfallsteuer erklärt und auch im konservativen 50er=Ausschuß haben die sachsischen konservativen Führer Mehnert, Opitz, Wagner und hähnel sich der bekannten Vertrauenskundgebung für die konserdative Fraktion nicht angeschlossen. Eine Zuschrift an die NNational=Zeitung“ gibt nun eine Erklärung für die Hallung der sächsischen Konservativen. In Sachsen finden in diesem verbst die Landtagswahlen statt und es stehen sich da Konserdative und Nationalliberale schroff gegenüber. Die Konservaüiben befürchteten, wenn sie eine ablehnende Stellung der Erbanfallsteuer gegenüber einnehmen, eine schwere Niederlage bei den Landtagswahlen; deshalb die Erklärung, die mit„besondeten sächsischen Verhältnissen" begründet wurde. Nach der Zuschrift an die„National=Zeitung“ hat man es sonach mit einem siemlich plumpen Wahlmanöver zu tun. Herr von Halle— geht. Der betriebsame Veranstalter von Vertrauenskundgebungen für die Politik des Fürsten Bülow, Dr. von Halle, ist aus dem ist z#schatzamt ausgeschieden. Ob sein Abgang ein freiwilliger er, steyr noch nicht fest; vielmehr liegt die Vermutung nahe, daß 3. gegangen worden ist. Denn seine Art, für den Fürsten Bülow das guguggserklärungen zu erlangen, war doch so ungeschickt, # das Reichsschatzamt für seine Leistungen jedenfalls keine verantwortung mehr übernehmen wollte. Politische Uebersicht. Neues Münzgesetz. Dem Reichstag ist ein Gesetzentwurf Ezangen, der das Münzwesen durch einheitliches Zusammenantgnder bestehenden vier Münzgesetze regelt. Mit dem Gesetzsber, ist eine Münznovelle verbunden, in der Bestimmungen git die Ausprägung des neuen 25=Pfennigstückes getroffen sind. „“'ses Geldstück wird aus Nickel hergestellt und hat die Größe nes Markstückes, ist jedoch dünner und hat einen glatten Rand. Aus dem Landtag. Die Gemeindekommission des preußischen Abgeordnetenhauses hat gestern abend die Anträge der Sozialdemokratie und des Zentrums, betr. Armenunterstützung und Wahlrecht, beraten und einen Antrag angenommen, der dem Prinzip der ursprünglichen Anträge Rechnung trägt. Der Antrag geht dahin, einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach nicht jede Unterstützung aus öffentlichen Mitteln den Verlust des Wahlrechtes zur Folge hat. Koloniale Kinderausbeutung. In den„Bremer Nachrichten“, einem„liberalen“ Organ, lesen, wir: „Aus Soga(Plantage„Brema") Deutsch=Ostafrika wird uns geschrieben:„In Ihrer Zeitung steht so viel über die dortigen Schulen und Lehrer geschrieben, vielleicht stellen Sie dem kleinen Abdallah aus dem Innern von Deutsch=Ostafrika auch ein kleines Plätzchen zur Verfügung. Er erzählt Ihnen: Ich heiße Abdallah V., der fünfte werde ich genannt, da außer mir noch vier Arbeiter, die Abdallah heißen, auf derselben Plantage arbeiten, und ich der kleinste von allen bin. Ich bin 5½ Jahre alt, und wenn morgens saum der Tag graut, dann gehe ich zu meinem Bana, wird in Suaheli Bwanda geschrieben, zur Arbeit. Fast ist es um fünf Uhr nock dunkel, wenn alle Arbeiter auf der Sammelstelle verhammelt sind, aber wenn uns unser Bana zur Arbeitsstelle gebracht, dann geht auch schon die Sonne auf, die hier sehr schnell aufgeht Meistens müssen wir Kinder Unkraut aufsuchen und wegtragen, welches die großen Arbeiter aushacken, oder Baumausschlac mit großen Messern abschlagen, und in letzter Zeit haben sich sehr viele kleine schwarze Käfer auf die jungen Gummibäume und Baumwolle gesetzt, die wir einsammeln müssen; neulich hatte ich von 40 Kindern die meisten, eine ganze Flasche voll gesammelt, wofür mir die Bibi, Banas Frau, ein Stück Zucker gegeben hat. Arbeiten müssen wir von morgens früh bis nachmittags ¼ vor 4 Uhr. Eine Frühstücks= und Mittagspause kennen wir nicht, auch esse ich nichts, wenn ich früh von Hause weggehe, nur Wasser gibt uns unser Bana während der Arbeitszeit, das wir sehr viel trinten, weil es hier sehr heiß ist.— Wenn ¼ vor 4 Uhr die Glocke geschlagen wird, dann ist ein großes Freudengeschrei und wir versammeln uns alle wieder auf der Sammelstelle, hier erhält dann jeder große Arbeiter 1½ Pfund Reis und jedes Kind 1 Pfund.— Dann gehe ich zu meiner Mama, die mir den Reis kocht, aber allein darf ich ihn nicht alle essen, ich muß meinen Geschwistern etwas davon abgeben. Jeder Arbeiter, wenn er zum ersten Male zur Arbeit geht, erhält eine Arbeitstarte, worauf 30 Felder gezeichnet sind, diese Karten müssen wir jeden Morgen abgeben, und wenn wir sie abends zurückbekommen, ist eine Ziffer in ein Feld getragen. Ist meine Karte ganz voll geschrieben, dann bekomme ich meinen Lohn, 4 Mark. Aber wenn die Karte halb voll ist, darf ich mir auch schon auf Vorschuß ein Hemd für 60 Pfg. und ein Hüftentuch für 60 Pfg. kaufen, das ich dann Sonntags trage. Wenn ich zur Arbeit gehe, trage ich nur ein altes Hüftentuch, eine Mütze habe ich nicht.— Habe ich meinen Lohn erhalten, dann erlaubt mir meine Mama, daß ich 14 Tage nicht zur Arbeit gehe und bummle ich dann mit andern Kindern im Urwald. Zur Schule kann ich nicht gehen, weil hier keine ist, aber bis 30 kann ich schon zählen. Bin ich auch nicht so klug und so fein wie die Kinder in Deutschland so verdiene ich doch so viel, daß meine Geschwister und ich zu essen haben. Abdallah V“ Jeder anständige Mensch wird diesen„Brief" des Fünfjährigen mit Empörung lesen. Das freisinnige Jammerblatt hat natürlich auch nicht das leiseste Wort des Tadels. Das Ganze klingt übrigens wie eine blutige Satire auf die Kinderausbeutung. Eine 11stündige Arbeitszeit für noch nicht einmal schulpflichtige Kinder! Ohne Lause! Mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 1 1/8 Pfg. und ein paar Reiskörnern! Natürlich keine Schule! Mit welchem Neid werden unsere Agrarier und Schlotbarone nach Deutsch= Ostafrika blicken! Sicher sind der Bana(Herr) und seine Bibi sehr gottesfürchtige und königstreue deutsche Patrioten, rechts der Elbe ausgewachsen. Besonders die Bibi ist doch ein Goldgeschöpf. Man denke: ein richtiges ganzes(nicht etwa ein halbes!) Stück Zucker gibt dieses Gemüt einem unter 40 Kindern! Und der großmütige Bana gibt ihnen auch noch Wasser— man denke, unverfälschtes Wasser. Das Ganze heißt dann: Christentum, Humanität und Kultur zu den Wilden tragen. Ein Stück Mittelalter. Mit dem Modergeruch des Mittelalters behaftet ist jede Art Religionszwang und also auch die Erhaltung der obligatorischen religiösen Eidesformel auch für Atheisten und Freidenker, wofür sich die wackere Mehrheit des Reichstages entichieden hat, mit nichtigen Vorwänden. Nichtig ist auch die Begründung des Regierungsvertreters Nieberding, die Furcht vor der Strafe im Jenseits halte die Schwörenden von falscher Aussage eher ab, als die drohende Kriminalstrafe. Doppelt nichtig. Einmal, weil ja nur die fakultative Zulassung einer weltlichen Eidesformel beantragt wurde, nämlich für Personen, die an himmlische Strafen nicht glauben und sie also auch nicht fürchten. Sodann zeigt das Leben tausendfach, wie wenig sich die Menschen aller Schichten aus religiösen Bedenken von leichten und schweren Schlechtigkeiten abhalten lassen. Das war sogar in früheren Zeiten der Fall, wo der Glaube noch viel tiefer in Köpfen und Gemütern jaß als gegenwärtig. Habsucht und Bosheit usw. sind auch bei stockgläubigen Bauernschädeln viel stärkere Motive, was bekannt genug ist. Ist es nicht offenbar absurd, wenn einem Freigeist, wie z. B. dem berühmten Züricher Psychiater Forell, als er vor einigen Jahren in München vor Abgabe eines sachverständigen Gutachtens vereidigt werden sollte und erklärte, er glaube nicht an einen persönlichen Gott, die Verpflichtung auferlegt wurde, die Worte nachzusprechen:„Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden... so wahr mir Gott helfe!“— Dazu kommt, daß nach dem Matthäus=Evangelium(5, 33 ff.) Jesus selbst in der Bergpredigt von allem Schwören beim Himmel und heiligen Dingen abgemahnt hat, denn„Eure Rede sei ja, ja, nein, nein, was darüber ist, das ist vom Uebel.“ Dasselbe wird im Jakobusbrief(5, 12) eingeschärft. Auch von den mit einem Christen vor einem jüdischen Gerichtskollegium zum Austrag brachte, um ihre Sache durch einen Eid bekräftigen zu können. Mittelalterlichen Charakters ist überhaupt das bestehende Strafgesetz über den Meineid. Das hat seinerzeit ein Fachkriminalist nachgewiesen. Die Römer der klassischen Zeit erblickten im Meineid zwar auch einen Frevel gegen die Gottheit, aber sie bestraften ihn nur, sofern eine Partei durch die falsche Aussage geschädigt oder die Rechtsfindung irregeleitet wurde, also lediglich wegen dessen prozessualer Schädlichkeit. Die Bestrafung desselben wegen Religionsfrevels überließen sie den Göttern. — Im Reich der Karolinger aber saß in der Gesetzgebung neben der juristischen Wissenschaft die Theologie zu Rate, infolgedessen dekretierte Karl der Große in seinen„Kapitularien“, jeder Meineid sei ein vom Staat zu ahnendes Religionsverbrechen. (Dem Meineidigen müsse die Zunge ausgerissen und die Hand abgehackt werden, die sich zum Kruzifix erhoben hat.) Durch das ganze Mittelalter zieht sich diese Anschauun=, und nicht einmal die Renaissance, die sich wieder den römisch. Rechtsquellen zuwendete, hat hierin Wandel geschaffen. Mit scholastischer Spitzfindigkeit haben italienische, französische, deutsche, holländische Juristen jene Anschauung in die Quellen hineininterpretiert. Für die kriminelle Praxis ist der Unterschied oft sehr von Belang. Um wie mancher Bagatellaussagen willen, die für das gerichtliche Urteil durchaus irrelevant waren, nach altrömischer Auffassung also straflos bleiben mußten, sind schon Meineidsprozesse angestrengt und schwere Strafen verhängt worden! Ein beeidigtes alterndes Mädchen z. B., das aus Eitelkeit sein Alter um einige Jahre zu niedrig angibt, ohne damit auf den Gang des Prozesses irgend einen Einfluß zu üben, muß ins Zuchthaus! Der verstorbene angesehene Rechtslehrer Binding hat in den achtziger Jahren den Ausspruch getan:„Wer doch den Festtag deutscher Rechtspflege noch erleben könnte, an welchem eine erleuchtete mutige Reichsregierung das erlösende Wort spräche: Der Eid in allen seinen Anwendungen ist aus dem deutschen Rechtsleben verbannt! Wir kommen ohne ihn aus und ersetzen ihn durch die feierlichste weltliche Wahrheitsversicherung, die wir uns auszudenken vermöchten.“ Die Religion soll in die Rechtshändel nicht mehr tausendfältig hineingezerrt werden. Auch gehöre die Selbstverfluchung der Vergangenheit an.„Dieser Tag wird kommen! Aber wer von uns wird ihn noch schauen?" Rußland. Enthüllungen über die Brutalitäten bei den Hinrichtungs= akten. Man schreibt uns aus Petersburg vom 21. April: Längst bekannt ist das Martyrium, dem zahlreiche Gefangene in den russischen Kerkern seitens ihrer Folterer im allgemeinen ausgesetzt sind. Die Schreckensszenen jedoch, die hinter den verschwiegenen Mauern vor und bei den Hinrichtungen sich abspielen, sind bislang der Oeffentlichkeit vorenthalten geblieben. Nunmehr dringt ein entsetzlicher Schrei über dieses Kapitel menschlicher Leiden an die russische Gesellschaft. Dem ehemaligen Dumaabgeordneten Lomtatidse ist es nämlich gelungen, aus dem Gefangnisse von Sebastopol heraus ein Schreiben über seine diesbezuglichen Erlebnisse an die Opposition in der Duma gelangen zu lassen, und dieses Schreiben wirkt trotz aller Erfahrungen über die Greuel der russischen Henkersjustiz aufs neue erschütternd. Kein Wunder, wenn der Mann schreibt, daß er es vorziehe, alle Entbehrungen, die ihm infolge dieser Handlung zuteil werden dürften, auf sich zu nehmen, als langer zu schweigen. Wir entnehmen dem Dokument folgende Stellen:„Nicht zum ersten Male bin ich eingesperrt, nicht zum ersten Male habe ich gehört und gesehen, was hinter den Gefängnismauern geschieht, aber das, was hier vorkommt, ist so außerordentlich in seiner Entsetzlichkeit, daß ich bei der bloßen Erinnerung daran vor Schrecken erstarre. Ich will, da ich schwer krank bin, nur beschreiben, unter welchen Begleiterscheinungen und in welcher Weise die zum Tode durch den Strang Verurteilten hier hingerichtet werden. Denn Hinrichtungen gibt es hier in großer Zahl, siebzig seit meinem Hiersein(seit Mai vorigen Jahres), während fünfzehn weitere Gefangene der Urteilsvollstreckung entgegensehen und noch etwa neunzig auf einen gleichen Richterspruch gefaßt sein müssen. Dies allein im Gouvernement Taurien im Laufe einer einzigen Session! Da die meisten dieser Todeskandidaten einfache Räuber, Raufbolde usw. sind, so sterben sie wie Feiglinge, fallen vor den Henkern auf die Knie, rufen die Mutter zu Hilfe— kurzum, sie bereiten der Verwaltung ein großes Vergnügen... Die Hinrichtungen werden auf dem Hof des Gefängnisspitals in einer Entfernung von etwa sieben Arschin(5 Meter) von meinem Fenster vollzogen. Um 6 Uhr abends beginnt man unter einem jungen Birnbaum das Blutgerüst aufzurichten, und von da an bis in den frühen Morgen muß ich notgedrungen wach sein und all dies mit erleben, ja zuweilen mit eigenen Augen die gesamten Schrecken mit ansehen. In ohnmächtiger Wut renne ich dann an die Wand, schimpfe, schreie, klopfe, vernehme aber nur, gleichsam zur Antwort, die zynischen Ausrufe der wachhabenden Polizeiinguschen mit dem Polizeimeister an der Spitze, die die ganze Zeit hindurch den Spitalhof füllen... Monatelang sitzen die zum Tode Verurteilten in Erwartung der Urteilsvollstreckung, jede Nacht von der Furcht geplagt, daß die Reihe an sie kommen könnte. Deshalb legen sie sich bis zum Morgen nicht nieder, und erst am Morgen fallen sie, von der nervösen Anspannung niedergeschlagen und erschöpft, wie tot hin und schlafen den ganzen Tag. Aber beim geringsten Geräusch. mag es der Tritt des Aufsehers oder der Schall der Schlüssel sein, springen sie auf und schreien mit unmenschlicher Stimme über das ganze Gefängnis: Helft, man will mich hängen, helft! Da erwacht das Gefängnis, es beginnt zu lärmen, zu schreien, an die Türen zu klopfen. Irgendwo in einer Kammer beginnt man einen Trauermarsch zu singen, irgendwo schreit man: Lebt wohl, lebt wohl! Da werden aber auch schon in die Korridore des Gefängnisses, das seit der vor drei Jahren stattgefundenen Explosion und der Flucht unter Belagerungszustand sich befindet, Soldaten hineingeführt, sie laden ihre Flinten, und das Kommando ertönt, beim geringsten Lärm zu schießen... Doch diesmal war es nur ein Schreckgespenst gewesen. Heute hängt man niemand. Dafür stellt jetzt die Verwaltung die Ordnung her, sie schimpft mit den gemeinsten Zuhälterausdrücken, nimmt Betten, Seife, Zucker usw. weg und haut gründlich drein, wobei sie zur Verhinderung etwaiger Schreie die Mäuler verstopft. Dann aber kommt eine wirkliche Hinrichtungsnacht. Dies ist schon vom Abend an bekannt. Denn man sieht, wie die Särge hineingebracht werden, und an deren Zahl wird bestimmt, wie 55 98 4 Menschen hingerichtet werden sollen. Später erscheinen die Polizeiinguschen, die sich in den Gefängniskorridoren und im Hofe ausstellen... Irgendwoher vernimmt man einen unterdrückten Kampf, etwas wie einen Schrei; offenbar war dem Todeskandidaten der Mund nicht kunstgerecht zugestopft. Denn wenn die Zelle des zum Tode Verurteilten geöffnet wird, pflegen sich mehrere Menschen über ihn zu stürzen, und einer halt ein Kissen, um ihm den Mund zu stopfen. Allein auch der Verbrecher ist berit, und nicht ohne Kampf ergibt er sich seinen Häschern, aber er hat kein Abwehrmittel und kann nicht lange Widerstand leisten. Das Geschrei ist verstummt, man hört nur noch ein Gebrüll, ein Gekreisch. Jetzt beginnt der Hammer geschäftig zu arbeiten, denn man befreit den Verbrecher von seinen Ketten. Dafür fesselt man ihm schwer, bis aufs Blut, die Hände nach hinten und die Beine, trägt ihn dann auf Händen ins Bureau und wirft ihn in einem finsteren Zimmer auf den Fußboden nieder, wo er solange liegen bleibt, bis das Schafott errichtet ist und Staatsanwalt und sonstige Behörden angelangt sind. Unterdessen schleppen Aufseher fürs Blutgerüst die Pfähle und sonstigen Utensilien auf den Spitalhof hinaus, und aus dem Spitalkorridor wird ein gewöhnlicher Schrank hinausgetragen, der nebst einem darauf zu stellenden Stuhl dem Todesopfer als Fußgestell zu dienen hat, bis der Stuhl weggenommen wird und der Unglückliche zu baumeln beginnt. Auch die Särge werden gebracht und um das Blutgerüst aufgestellt. Jetzt ist alles parat... Wie Balken werden die Verurteilten auf Handen zum Schafott getragen, in bloßen Hemden und Beinkleidern, nackt, zitternd vor Kälte. Vorsichtig löst man von ihren Armen und Beinen tellt sie die Fesseln und ste. auf ihre Füße, aber meist muß man sie festhalten, damit sie nicht hinfallen, auch den Mund befreit man ihnen, aber beim geringsten Versuch, zu schreien, greift man an ihr„Maschinchen“, wie ein Chefgehilfe sich hier auszudrücken pflegt. Schließlich meldet sich auch der Staatsanwalt, der das Urteil verliest. Um diese Zeit beginnt das Gefängnis zu johlen und einen rauermarsch zu singen, während Soldaten herumlaufen und zu dies erweckt offenbar im Verbrecher sucht, er will um alles in der Welt weiterleben, er fällt auf die Knie, er weint, fleht, er kriecht heran, um den ihn Umgebenden die Hände zu küssen. Der Arzt, der Staatsanwalt, der Pope wenden sich ab und gehen seitwarts, aber die Gefängniswärter schreien laut:„Aha, willst du nicht heran... gelustet ihn nicht...“ Aber nun kommt auch schon der Henker und legt dem Todeskandidaten die Hand auf die Schulter, en sich über ihn di worauf dieser niederfällt. Sofort stürzen sich über ihn die Aufseher und zerren ihn empor, wayrend er mit den Fußen arbeitet und brüllt und brüllt... Ach, nein, niemals habe ich etwas Aehnliches gehört. Ich weiß nicht, wer so brüllt. Denn das Gebrüll klingt weder wie von einem Menschen noch wie von einem Tiere. Ich habe beobachtet, wie man eine Kuh, einen Hammel, ein Schwein schlachtet; sie brüllen, aber dies da ist doch noch anders... Während des Gebrülls wird der Todeskandidat noch mit mehrmaligen Püffen und Schlägen traktiert und mit großer Mühe aufs Blutgerüst heraufgeschleppt, eine Weile wird an ihm herumhantiert, worauf etwas am Strick hängen bleibt und seiner ganzen Länge nach sich ausstreckt... Die anderen Verurteilten aber stehen dabei, sehen es mit an und wiederholen dasselbe Bild Diese Praxis ist hier so üblich, daß ein gewisser Sinkow ein Anarchist, den Präsidenten des Gerichtshofes, der ihn zum Tode verurteilte, darum bat, sich mit den erforderlichen Instanzen dahin ins Einvernehmen zu setzen, daß ihm die Qualen vor der Hinrichtung erspart blieben, während er seinerseits versprach, schweigend, ohne von jemand Abschied zu nehmen oder sich zu wehren, in den Tod zu gehen. Ihm wurde es zugesagt, und das Versprechen scheint auch gehalten worden zu sein. Ein gewisser urteilt, aber seine Hinrichtung war noch ausgesetzt. Man hatte aber die Namen verwechselt und ihn statt eines Kammergenossen ergriffen. Kaum hatte er zu erklären versucht, daß nicht er gemeint sei, als man ihm den Mund verschloß, ihn auf den Boden warf und seine Hände nach hinten fesselte: mehrere robuste rie setzten sich sodan 8 k5** Kerle sepien sich sovann auf ion unt hieven die ganze Zeit auf ihn ein, als er von den Fußketten befreit wurde. Sodann wurde er ins finstere Zimmer gebracht, I den Boden geworfen und bis er ins finstere Zimmer gehracht, auf den Boden geworfen und bis um 1 Uhr nachts hingehalten, vis er endlich am Schafott nochmals erklären konnte, daß eine Verwechslung vorliege. Der „Irrtum“ wurde nunmehr aufgeklärt, der Richtige gehenkt, und Sasonow erhielt statt der Todesstrafe lebenslängliche Katorga lag aber lenge krank##anioder Ein anderer Jewisse“ er lag über lunge krank daniever. Ein anbeter. ein grwoisser vielleicht war es so besser, aber mich hat kein Hinrichtungsakt so wie dieser erschüttert. Serbien. Vom Exkronprinzen. Belgrad, 3. Mai. Ministerpräsident Novalewitsch antwortete heute in der letzten Sitzung dieser Session auf die Intervellation des Sozialisten Kaßlerovic über den geheimnisvollen Tod des Dieners des früheren Kronprinzen Georg. Novakewitsch erklärte, die Regierung habe im amtlichen Kommuniqué bekannt gegeben, wie es sich mit diesem Todesfall verhalte. Der Interpellant gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, indem er betonte, daß der Prinz Georg, obgleich er die Konsequenzen gezogen hätte, sich einer strafrechtlichen Verfolgung durch eine Vertuschung der Sache nicht entziehen könne. Dann mischte sich auch der Minister des Innern ein und verwies scharf den Interpellanten, der kein Recht zu einer Verdächtigung des Prinzen auf Grund von haltlosem Geschwätz habe. Teilnahmslos verfolgte die Skupschtina diesen Auseinandersetzungen. Fürkei. Die Jungtürken an der Arbeit. Konstantinopel, 3. Mai. Die Verhandlungen der Pforte mit der Ottomanbank und der Deutschen Bank über einen Vorschuß von 300000 Pfd. wurden sistiert. Man bringt dies in Zusammenhang mit dem gestrigen Fund einer Anzahl von Säcken mit Geld und Zinsscheinen im Bildiz=Kiosk. Diese werden heute von der Kommission geöffnet und dem Tresor überwiesen. Paris, 8. Mai. Der Spezialkorrespondent des„Daily Mail“ in Stambul berichtet: Die Nachforschungen nach Papieren sich die zu diesem 150 Hinrichtung aufge Andeutungen des des ul zum Lode verHamids, dessen hoben wurde, nach dem Yildiz. Mit Hilfe der Eunuchen wurden zahlreiche geheime Dokumente entdeckt, darunter der Briefwechsel Abdul Hamids mit einem europäischen Monarchen. Die Briefe werfen ein bemerkenswertes Licht auf die jüngsten Ereignisse ir der Türkei. Konstantinopel, 3. Mai. Der Sultan hat das Vermögen Abdul Hamids, das aus widerrechtilchen kationen herrührt, dem Staatsschatz überwiesen. gesamte Konfismorgen fortgesetzt. Konstantinopel, 3. Mai. Nach amtlichen Depeschen ist es dem neuen Wali von Adana gelungen, die Ruhe in Adana, Mersina und Aleppo sowie anderen vortigen Städten herzustellen. Alle Walis in Syrien und dem benachbarten Sandschak erhielten vom Minister des Innern den strikten. Be zische Maßregeln gegen die revolutionären U. medanischen Union zu ergreifen. Befehl, enermtriede der mohamder Stadt und Nachbarschaft. * Gielefeld, 4. Moi. Die erste Schrebergartenkolouie für Bielefeld ist gesichert. Uns wird geschrieben: Es gibt wohl kaum eine soziale Einrichtung, die auf der einen Seite so ideal, einfach und billig ist, und andererseits in wirtschaftlicher, hygienischer und sozialer Beziehung so einschneidend wirkt und Freude in die Familie bringt, als die Einrichtung von Schrebergarten. Diese haben den herrlichen Vorzug, daß der Schrebergärtner kein Almosenempfänger ist, sondern freies Mitzlied der großen Schrebengartenfamilie. Da sind nicht Beamter, Arbeiter und Bürger, nicht reich und arm, auch nicht Stand, politische Partei und Religion, sondern nur Schrebergartennachbarn, alle haben nur das eine gleiche Interesse an dem gleichen Besitz. Mag draußen im Weltgetriebe jeder Kolonist seinen Mann stehen, ze nachdem es ihm gefällt, hier soll es nur Schrebergärtner geben, alle gute Nachbarn mit demselben Recht Schrebergärtner geben, alle gute Nachbarn mit demselben Recht und Interesse. Mehr als irgendwo im Leben soll hier einmal die Gleichheit aller gepflegt werden, hier sind sie aus jedem Stand, jedem Bekenntnis und aus allon yolitischen Funs,„Ndem Belenninis und aus allen polikischen Parteien vereint, ganz unbeschadet ihrer Stellung draußen im Leben. Auch die Aufsicht und Verwaltung ist mehr oder weniger eine Selbstverwaltung, indem die Kolonie in viele kleine Bezirke geteilt wird, über die ein Kleinvorstand gesetzt wird, bestehend aus zwei Schrebergärtnern des kleinen Bezirks und einem Patronatsmitgliede(vom Gesamtvorstande). Durch diese Gemeinsamkeit aller wird auch auf die Kinder der Kolonisten ein wohltätiger Einfluß ausgeübt, und im folgenden Winter werden sie sich häufig nach ihren Schrebergenossen zurücksehnen, mit denen sie bei leichter Arbeit und in kindlichem Spiel auf eigenem Spielplatz froh Stunden verlebten und an Körper und Geist erstarkten. Der kennt die Schrebergartensache noch nicht, der da meint eine landschaftlich so schön gelegene Stadt wie Bielefeld brauche diese neue Sache nicht. Die schonsten Spaziergänge in Feld und Wald und die gesunde Lage einer Stadt— so schon und gut das ist— besagt gar nichts gegen Schrebergartenkolonien. Was ist der Spaziergang für den Städter? Er ist gewiß gut und nütz. lich, bedeutet aber wenig gegen den Nutzen des Schrebergartens Dr. med. Schreber sagt mit Recht:„Ein öfteres Austummelr in freier Luft schafft besser Gewandtheit, Kraft und Jugendmut macht und erhält besser, vertraut mit Klima und Jahreszeit, verschafft überhaupt einen viel, ja unaussprechlich viel gedeihlicheren Genuß der freien Luft, als eine steifbeinige Familienpromenade. Mit der steifbeinigen Familienpromenade hat Dr. Schreber recht, sie steht weit hinter der Bewegung im Schrebergarten und auf dem Schreberspielplatz zurück. Wie wäre auch die Schreber gartensache überall in der Kulturwelt so rasch und gewaltig vorangekommen, wenn sie nicht so gut und nutzlich ware für unser Volk. In Deutschland gibt es bereits mehr als hunderttausend Schrebergärten, und in jedem Jahre tun sich neue Kolo nien auf. Auch in unserem Bielefeld wird 1910 die erste großKolonie, über 21000 Quadratmeter groß und fast im Stadt mittelpunkte gelegen(7 Minuten vom Schillerplatz), eröffne werden. Mehr als 100 Familien sollen ihren eigenen, einge friedigten und mit Tür und Schloß versehenen Garten haben mit Fahnenstange und Fahne, mit Spielplätzen für kleine Kinde und dem großen Spielptatz für die größeren Kinder, mit Wasser leitung und vielen Hydranten für Trinkwasser und in Becker abgestandenes Wasser zum Begießen, mit trockenen breiter Wegen durch die Kolonie zu Spaziergängen, Hallen gegen Reger und Sonne und dergleichen. Das alles macht die Schrebergartensache so schön, so freund. lich und freudebringend, das treibt sie ganz von selbst zu immer größerer Ausdehnung, das ist es auch, warum bald an aller Enden einer Stadt neue Kolonien entstehen mit ihrem„Zurüc zur Natur“, vorauf Goethes Wort so recht paßt: riedenheit jauchzet Groß und Klein, Mensch, hier darf ich's Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!“ — Arbeiter=Turnerbund Deutschlands. Soeben erschienen ist der Bericht des Bundesvorstandes für das Jahr 1908. Aus diesem geht hervor, daß der Bund trotz der wirtschaftlichen Krise auch in diesem Jahre einen Aufschwung zu verzeichnen hat Die Zahl der Vereine stieg von 1382 auf 1622 und die der Mitglieder von 120076 auf 135.828, also eine Zunahme von 240 Vereinen und 15 752 Mitgliedern. Mit der Ausdehnung des Bundes stieg auch gleichzeitig die Zahl der Abonnenten des Organs, der„Arbeiter=Turnzeitung“, und zwar von 79 000 aus Organs, der„Argener-#urngenung, und zwar von 79 000 auf 92000, also eine Vermehrung um 13000 Abonnenten; auch die vom Bund gegründete Handelsfirma, welche erst seit Mitte 1907 hestebt, und dafür eingerichtet ist# Bedürfnisse der 1901 bestehr, und bafur Eingerichter ist, die Bebarfnisse der m kleidung Utensilien Lehrbüchern Vereine an Turnkleidung, Miinsinen, Tehrruckern und dergi zu befriedigen, hat im Berichtsjahre einen Umsatz von 122 000 Mark aufzuweisen. Wir sehen also, daß alle gegen den Arbeiter=Turnerbund geührten Schläge ihn in seiner Fortentwicklung nicht aufhalter . Wird er doch nicht nur von den bürgerlichen Organikonnten.„ sationen bekampft— das ließe sich sehr leicht ertragen—, sonder: auch die Staatsgewalt wird gegen ihn aufgeboten. Und gerade das Jahr 1908 war in dieser Beziehung eines der schwersten seit seinem Bestehen. Aber eine Organisation, die aus dem Volke selbst hervorgewachsen ist und daher einem inneren VolksDT bedürfnis entspricht, ist eben nicht zu vernichten. Wohl kein andere Arbeiterorganisation, außer der Partei, wird mit einer en Konsequenz und Hartnäckigkeit von den Staatsbehörden befehdet, wie gerade der Arbeiter=Turnerbund. Der Grund ist aber eben in der Eigenart als Turnerorganisation zu suchen. Von jeher hat das Turnen, sobald es nicht zum Mittel der Aufrechterhaltung der jeweiligen Gesellschaftsordnung angewandt wurde, bei den Mächten des Rückschritts in schlechtem Ansehen gestanden, weil die Jugend das Hauptkontingent der Turner stellt, und um seine Jugend ist der Staat ganz besonders besorgt. Sie bildet ja das künftige Geschlecht, das dem Staat einst den Stempel aufdrücken wird. Die Zukunft des Staates hängt im wesentlichen davon ab, wie die Jugend erzogen wird. Gelingt es den Anstrengungen der Arbeiterklasse, die Jugend für ihre Bestrebungen zur Umgestaltung der Staatsund Gesellschaftsordnung zu gewinnen, dann wird sie bald das Spiel gewonnen haben und ihre Grundsätze verwirklichen können. —kr. Gewerkschaftliche Leistungen. Wir haben bereits vor einiger Zeit die Riesensummen veröffentlicht, welche der Deutsche Metallarbeiter=Verband nach seiner Abrechnung im Jahre 1908 für Unterstützung seiner Mitglieder ausgegeben hat. nzwischen hat auch der Christliche, Metallarbeiter=Verband eine abrechnung veröffentlicht. Auf Wunsch unserer Leser bringen wir nachstehend eine Gegenüberstellung der Leistungen beider Verbände. Die durchschnittliche Mitgliedenzahl des Deutschen Metallarbeiter=Verbandes betrug 360 099, die Beitragsleistung 47,87 pro Mitglied. Der Christliche Metailarbeiter=Verband hat es begreiflicherweise unterlassen, da nach seiner eigenen Angabe die Beitragsleistung pro Mitglied noch nicht einmal 40 betrug, die Zahl seiner Mitglieder anzugeben. Rechnet man jedoch auf je 48 Mark verkaufte Beitragsmarken ein Mitglied, so ergibt sich 21 548. Legt man aber eine durchgrunde, was be, daß jedes Mitglied ½ Jahr mit seinen Beiträgen ist, so ergeben sich 25 857 Mitglieder. Schon hieraus kann man die Bedeutungslosigkeit des christlichen Verbandes ersehen. Noch drastischer tritt diese aber bei den Einnahmen und Ausgaben hervor. An Beitrittsgeldern, Beiträgen und sonstiEinnahmen verzeichnet der christliche Verband Wenn ferner die 97193,77 Lokalbei der 673 325,38 Mark. gerechnet werden, die in . 0. Mho Erluirelträge abEinnahme des Deutschen Metallarbeiter=Verbandes auch nicht eingerechnet sind, so ergibt sie eine Reineinnahme von 576 131,61 Mk., gegenüber 10 186 58735 Mark im Deutschen Metallarbeiter=Verband. Die lokalen G##. Marl im Benischgg—-„. Die spraten nahmen des Deutschen Metauarbeiter=Verbandes sind noch nicht veröffentlicht, im Vorjahre betrugen dieselben pund 4 Millionen Mark. Noch krasser tritt der Unterschied bei der Gegenüberstellung der gezahlten Unte * scheinung. stutzungen in Er Es verausgabten: terReisegeld Umzugsunterstutzung Erwerbslos.-Unterstutzg.: a) bei Krankheit... b) bei Arbeitslosigkeit Streikunterstützung. Maßregelungen Besondere Notfälle Sterbegeld Rechtschutz Deutscher„„ Christlicher Metallarb.=Verv. Metallarb.=Verb 401 607,39 A 6234,30 Zusammen 8013 114,37 A 226269,00 A Wenn beachtet wird, daß der christliche Verband auch hierbei, gerade wie bei der Einnahme, arischen Leistungen der Verwal. tungsste... mit verrechnet hat, so ist der Betrag der Unterstutzungen geradezu klaglich zu nennen. Hat doch Verwaltung Bielefeld des Deutschen Medie nichtstatut llen m die ahre 1908 aus Lokalkasse allein tallarbeiter=Verbandes im Mitteln der Haupt= und Lo 211 230,03 Mark Unterstützungen gezahlt. Was besagt in Anbetracht dieser Leistungen die Verninderung des Vermögensbestandes beim Deutschen Metallarbeiter=Verband um 660 173,95 Mark. Die Opferwilligkeit der Mitglieder, welchen die Summen zugute gekommen sind, wird afür sorgen, daß die Verminderung baldigst wieder wett genacht wird.„ Im übrigen:„Wurde der Deutsche Metauarbeiter=Verband seine Abrechnung so aufstellen wie der christliche, indem er Haupt- und Lokalkassen zusammenrechnet, dann würde das Resultat ein ganz anderes werden!" d.— Gewerbegericht(Stadt). Spruchsitzung vom 30. April unter dem Vorsitz des Herrn Rechtsanwalts Dr. Cramer. Als Beisitzer fungieren die Herren Fabrikdirektor Aug. Gundlach und Metallarbeiter Gottlieb Rüter. Der Tischler K. klagt gegen den Tischlermeister Stüssel auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 33,41 Mk. Ferner verlangt Kkläger die für 234 Wochen für die Invalidenversicherung gezahlten Beiträge zurück, weil der Beklagte diese Beiträge wohl in Abzug gebracht, ober dafür Marken nicht geklebt hat. Im April 1906 wurde durch den Kontrollbeamten der Versicherungsanstalt festgestellt, daß der Beklagte seit dem 22. September 1899 ür den Klager keine Marken mehr verwendet hatte. Der Betlagte mußte dann für die gesetzlich zulässige Zeit von 2 Jahren die Marken nachkleben, immerhin blieb eine Zeit von 4½ Jahren, ür die die Beiträge in Abzug gebracht, aber Marken nicht mehr verwendet werden konnten. Der Beklagte hat dann, um seine Verfehlung in etwas gut zu machen, für die nächsten Jahre Marken einer höheren Klasse geklebt und die Preisdifferenz zegenüber der niedrigeren Klasse ganz getragen. Immerhin hat der Beklagte nicht so viel aufgewendet, als er in den vorhergehenden Jahren durch Nichtverwendung von Marken gespart hat, ganz abgesehen davon, daß er auch die Beiträge des Klägers eingeheimst hat. Der Beklagte erkannte im heutigen Termine nach längerer Verhandlung an, daß er dem Kläger an Beiträgen die Summe von 3648 Mk. zurückzuerstatten, und an Restlohn 33,05 Mk. zu zahlen habe.— In der Klagesache des Wächters F. gegen die Wach= und Schließgesellschaft vegen kündigungsloser Entlassung ist ein außergerichtlicher Vergleich dahin zustande gekommen, daß der Klager wieder eingestellt wird und dieserhalb auf eine Entschädigung verzichtet. — Der Wäschereibesitzer Meyer klagt gegen die Plätterin 8. wegen Vertragsbruch auf Zahlung einer Entschädigung von 12 Mk. In der Sache soll Beweis erhoben werden.— Der Maschinenzwicker S. klagt gegen die Firma Kröger u. Co. uuf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 40,97 Mk. ind Herausgabe der Kaution im Betrage von 6,29 Mk. Wir saben diesen Fall bereits gelegentlich der ersten Verhandlung lich hatte der Kläger einen V ausführlich besprochen. Bekanntlich halte der#lage“ einen VerMonaten. Der Kläger ### nun, diesen Vertrag im„Dezember vorigen Jahres "** karz gerundigt zu haben. Die Velgese bestritt nun, diesen„Vertrag im Dezember vorigen Beklagte Februar geerst am 12. gehi Werkmeister, bei dem die trag mit einer Kundigungsfrist von behauprete zu ausgang dies und sagte, die Kundigung chehen, außerdem sei aber auch der Werkmeister, bei Kundigung im Dezember angevracht sein solle, vei solch langristigen Verträgen nicht berechtigt, eine Kündigung entgegen zunehmen. Kläger wies darauf hin, daß ihm auch am 12. Februar noch gesagt sei, er könne Ende März gehen, wenn die Firma Ersatz bekomme. Es sei auch am 1. Marz jemand zum 1. April engagiert, dieser Ersatzmann aber am 27. März wegen einer strafbaren Tat verhaftet worden. Die Firma hat dann am 2. April nochmals einen anderen Arbeiter engagiert, dieser soll aber nicht so viel leisten, als er an Lohn erhält. Die der Firma hieraus entstehende Differenz in der Leit vom 1. April bis 12. Mai will sie ersetzt haben und sie erhebt Widerklage auf Zahlung von vorläufig 54,12 Mk. In der Verhandlung kommt noch zur Sprache, daß der zwischen den Parteien geschlossene Vertrag eine Konventionalstrafe von 60 Mk. für den Fall der rechtswidrigen Lösung desselben vorsieht. Dieser Betrag sollte dem Kläger nach und nach vom Lohne in Abzug gebracht werden. In Wirklichkeit sind aber nur— wie die Beklagte sagt, durch ein Versehen ihrerseits— 5 Mk. Kaution einbehalten worden. Dies ist der Betrag, der jedem Arbeiter bei der Beklagten als Kaution in Abzug gebracht wird. Das Urteil lautet: Die Beklagte wird verurteilt, dem Kläger insgesamt 47,26 Mk. zu zahlen. Die Widerklage wird abgewiesen, die Beklagte hat die Kosten zu tragen. In der Begrundung des Urteils wird gesagt, daß das Gericht als erwiesen angenommen hat, daß dem Kläger gesagt sei, er könne am 31. März gehen, falls Ersatz für sei. Dieser Ersatzmann sei bereits am 1. März engagiert seprüft, ob bei Vereinbarung einer Konventionalstrafe über den Betrag derselben hinaus Schadenersatz verlangt werden könne. Diese Frage hat das Gericht verneint. Da von der Kaution im vorliegenden Falle überhaupt erst 5 Mk. aufgesammelt seien, hätte die Beklagte im günstigsten Falle diesen Betrag zugesprochen erhalten können. Aber auch auf diese Entschadigung habe sie nach dem Ausfall der Beweisaufnahme keinen Anspruch.— Der Tischler Sch. klagt gegen den Tischlermeister Brandt auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 4,08 Mk. Klager soll nach der Behauptung des Beklagten einen Tisch nicht richtig gearbeitet haben, weil er die Anordnungen des Beklagten nicht befolgte. Die Beweisaufnahme fiel aber nicht zugunsten des Beklaaten aus und dieser der in vorieen Termin en Termin angunggen des Benlgglen chus, und bieser, der im verign einen Vergleich stritte ablehnte, war heute bereit, 3 wet. an den Kläger zu zahlen. Leider ging der letztere auf diesen Vergleichsvorschlag ein.— Die Stutze K. klagt gegen den Restauratent Muller von der„Eintracht“ wegen Vertragsbruch auf Zahlung einer Entschädigung von 28,60 Mk. Die Klägerin war am 12. März zum 15. engagiert, wurde dann aber nicht eingestellt. Der Beklagte sucht sich dadurch herauszureden, daß er behauptel, er habe der Klägerin nur versprochen, er wolle einen Versuch mit ihr machen, ferner sei sie mit der Nichteinstellung einverstanden gewesen und drittens sei kein fester Lohn vereinbart word##; Das Einverständnis der Klägerin soll darin liegen, daß sie## der Eröffnung, sie werde nicht eingestellt, gesagt yat: Dann laßt es sich nicht ändern. Der Beklagte wird verurteilt, der Klägerin 28,60 Mk. zu zahlen. Das Gericht hat in den angeführten Worter der Kläzerin keinen st die Forderung vor hä.— auch der Beklagte die 4.— Innungssch unternehmer Wort Betrage von 5,40 M von 3,75 Mk. anerke gleich auf Zahlung vo demselben Unternenn 5.40 Mk. Der Be Maurer W. klagt geg lung des ihm noch zu Kläger hat nach seine haupt noch keinen Li weiterer Stunden n jetzt tariflich festgeleg in der Verhandlung ge um die Bezahlung di den Lohn nicht zahl macht und dadurch E Gerichts wollen sich sten Sitzung weiter — Genossenschaft hatte in seinen 28 T von 241 440 Mk., in ein Mehr von 36 450 252 500 Mk., im gle daß das Mehr im angeführten beiden neue Mitglieder der — Stadttheater. schrieben: Zum Höhe sich der sorgfältig genochmals auf den h und Kruthoffer, der merksam gemacht. Al an der hier seit ei Oper„Der Waffens „Die Zauberflöte"1 wird am Freitag wiPreisen noch einmal — Standesamt d wurden 160(170) G 2(6) Totgeburten a und Aufgebotsanträ borenen waren 86 von den Verstorbene Geschlechts. Von de ersten Lebensjahre, fünf und zwanzig, 1 schen vierzig und se wurde von 26(28) Zahlen beziehen sich — Polizeibericht. zes Damenportemon Damenuhrkette aus Zugelaufen: Verloren: 1 Kinderhandtäschchen vortemonnaie mit Papieren. Festgenomm groben Unfugs und Polizeigefängnis Ur Ueverfallen eine Ehefrau. Der gewaltsam das Port Der Unbekannte, de mit dem Schmied E identisch. Er melde obdachlos und triek Zeit nach Verbüßn die er wegen Einbi fängnis entlassen. blonde Haare, bart blauen Jackettanzug gelbbraunen Filzhu Taters nimmt die Bielefeld., Arbei 5. Mai, aben lung. Vortr# holismus und — Baudelegie arbeiter abends 7 Uhr Oeynhausen. Mittr kordia": Sitz aller Kranker Hille. Dienstag, 4. Westerenger. Mitt Niehoff. Hagen bei Barntru Schröder. Spradow. Freitag, Holsen. Sonnaben Kirchlengern. Son Ostkilver. Sonntag Referentin in Berlin. . en. Sonntag, 2 Trilogie„Der Ridrama gilt vielen Schaffens überhau Das letztere zweife hat nicht mit den gold, Siegfried u Riesen und Zwer menschliche Schick die wundervollen ist die vollendet Strom von welche ist nicht wie die Tristan und Isol Skizze des ganzen ein, übrigens ein Musik nur, wo? Unterredung Frick artiger, erhabener Duett zwischen Bi wohl in Wort und geschaffen hat. Die Aufführur Sieznun Pau Tunding und Jos Fritz Bergmann, nen Indisposition ihre Wiedergabe d Die Szenerie die Erscheinungen kürenselsen zu sehTheater war gut erschied ahrten bei der UnterChristlicher zerb. Metallarb.=Verk A 6234,30 „ 8 643,70„ 00 * 120 195,68 52 508.08 29 506,63 8794,48 528.00 2 355.00 2503 13 4 226 269.00 4 rchristliche Verei der Einnahme, gen der Verwal. t, so ist der Betrag nennen. Hat doch Deutschen MeJahre 1908 aus talkasse allein gezahlt. 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Der Veklagie will nur eine Forderung von 3,75 Mk. anerkennen. Die Parteien schließen einen Vergleich auf Zahlung von 4,65 Mk.— Der Maurer L. verlangt von demselben Unternehmer den rückständigen Lohn in Höhe von 5.40 Mk. Der Beklagte erkennt den Anspruch an.— Der Maurer W. klagt gegen den Bauunternehmer Korte auf Zahlung des ihm noch zustehenden Lohnes im Betrage von 13,75 Mk. Kläger hat nach seiner Angabe für 19 gearbeitete Stunden überhaupt noch keinen Lohn erhalten, während er für eine Anzahl weiterer Stunden nur 52 Pfg. Lohn erhalten hat, statt der jetzt tariflich festgelegten 55 Pfg. Die letztere Forderung wurde mn der Verhandlung gar nicht weiter erörtert, diese drehte sich nur um die Bezahlung der 19 Stunden. Hierfür will der Beklagte den Lohn nicht zahlen, weil Kläger eine Arbeit nicht gut gemacht und dadurch Schaden angerichtet habe. Die Beisitzer des Gerichts wollen sich die Sache ansehen, es soll dann in der nächsten Sitzung weiter verhandelt werden. — Genossenschaftliches. Der Bielefelder Consum= Verein hatte in seinen 28 Verkaufsstellen im März 1908 einen Umsatz von 241440 Mk., in demselben Monat 1909 277890 Mk., somit ein Mehr von 36 450 Mark. Im April 1908 betrug der Umsatz 252500 Mk., im gleichen Monat 1909 dagegen 308 245 Mk., so daß das Mehr im April sich auf 55 745 Mk. beläuft. In den angeführten beiden Monaten meldeten sich 373 Personen als neue Mitglieder der Genossenschaft an. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Zum Höhepunkt der diesjährigen Opernsaison gestaltet sich der sorgfältig gewählte Spielplan der letzten Woche. Es sei nochmals auf den heutigen Ehrenabend der Herren Cahnbley und Kruthoffer, der eine Tannhäuser=Aufführung bringt, aufmerksam gemacht. Alle Lortzingfreunde werden sich am Mittwoch an der hier seit einigen Jahren nicht aufgeführten komischen Oper„Der Waffenschmied erfreuen. Der Donnerstag bringt „Die Zauberflöte" in einmaliger Aufführung„Die Walküre" wird am Freitag wiederholt und am Sonnabend geht bei kleinen Preisen noch einmal„Hoffmanns Erzählungen“ in Szene. — Standesamt der Stadt Bielefeld. Im April dieses Jahres wurden 160(170) Geburten und 87(90) Sterbefälle einschließlich 2(6) Totgeburten angezeigt. Ehen wurden 94(110) geschlossen und Aufgebotsanträge sind 79(87) gestellt. Von den Lebendgeborenen waren 86(72) männlichen und 74(98) weiblichen und von den Verstorbenen 38(47) männlichen und 49(43) weiblichen Geschlechts. Von den Verstorbenen standen 18(18) Personen im ersten Lebensjahre, 9(16) zwischen ein und fünf, 6(7) zwischen fünf und zwanzig, 17(6) zwischen zwanzig und vierzig, 9(9) zwisen vierzig und sechzig Jahren. Ein Alter hi rüber hinaus wurde von 26(28) Perionen erreicht.— Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf April des Vorjahres. — Polizeibericht. Gefunden: 1 Kettenarmband, 1 schwarues Damenportemonnaie mit Inhalt, 1 Frauen=Nickelbrille, eine Damenuhrkette aus Weißmetall, 1 Brosche mit Korallen. Zugelaufen: 1 junger schwarzer Spitz. Verloren: 1 schwarzer Kinderregenschirm, 1 braunes Kinderhandtäschchen mit 30 Mk. Inhalt, 1 braunes Damenportemonnate mit 1 Mk. Inhalt, 1 Brieftasche mit allerlei Papieren. Festgenommen wurden 5 Personen wegen Trunkenheit, groben Unsugs und Obdachlosigkeit; 10 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Ueverfallen wurde am 29. April d. J. in Elberfeld eine Ehefrau. Der Täter warf sie zur Erde und versuchte, ihr gewaltsam das Portemonnaie aus der Schürzentasche zu rauben. Der Unvekannte der schließlich die Flucht ergriff, ist zweifellos mit dem Schmied Gustav Szengel, geb. 19. 4. 1888 zu Schiffbeck, identisch. Er meldete sich am 24., 26. und 28. v. M. in Elberfeld obdachlos und trieb sich mittellos umher. S. ist vor einiger Zeit nach Verbüßung einer neunmonatlichen Gefängnisstrafe, die er wegen Einbruchsdiebstahls erhalten hatte, aus dem Gefängnis entlassen. Beschreibung des Täters: 1,58 Meter groß, blonde Haare, bartlos, volles, gesundes Gesicht. Trägt mittelblauen Jackettanzug, gelbe Schuhe und weichen schwarzen oder gelbbraunen Filzhut. Etwaige Mitteilungen bezüglich des Taters nimmt die Kriminalpolizei hier entgegen. Versammlungen. Bielefeld. Arbeiter= Abstinentenbund. Mittwoch, 5. Mai, abends 8½ Uhr, in„Stadt Bielefeld": Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. med. Nauß über„Alkoholismus und Tuberkulose". — Baudelegierte der Maurer, Bauhilfsarbeiter und Zimmerer. Donnerstag, 6. Mai, abends 7 Uhr, in der„Centralhalle": Sitzung. Oeynhausen. Mittwoch, 5. Mai, abends 7 Uhr, im Hotel„Konkordia": Sitzung der Vorstandsmitglieder und Vertreter aller Krankenkassen. finden statt: Hille. Dienstag, 4. Mai, abends 8½ Uhr. Westerenger. Mittwoch, 5. Mai, abends 8½ Uhr, bei Gustav Niehoff. Hagen bei Barntrup. Donnerstag, 6. Mai, abends 3½ Uhr, bei Schröder. Spradow. Freitag, 7. Mai, abends 8½ Uhr, bei Koldewei. Holsen, Sonnabend, 8. Mai, abends 8½ Uhr. Aliengern. Sonntag, 9. Mai, nachm. 3 Uhr. Ostkilver. Sonntag, 9. Mai, nachmittags 6 Uhr, bei Frormann. Referentin in allen Versammlungen: Kollegin OstindeBerlin. Bielefelder Stadttheater. cn. Sonntag, 2. Mai: Die Walküre, erster Tag aus der Trilogie„Der Ring des Nibelungen“ von Wagner. Dies Musikdrama gilt vielen Verehrern Wagners als der Höhepunlt seines Schaffens überhaupt, jedenfalls als der Höhepunkt der Trilogie. Das letztere zweifellos mit Recht. Schon der Text der Walküre hat nicht mit den äußerlichen Schwierigkeiten wie die des Rheingold, Siegfried und der Götterdämmerung zu kämpfen, die Riesen und Zwerge sind in ihm gänzlich ausgeschaltet. Das menschliche Schicksal der Wälsungen ergreift auf das tiefste, und die wundervollen Leitmotive tun iore volle Wirkung. Die Form i die vollendet Wagnersche, die Musik ist der fortlaufende Strom, von welchem das Wort getragen wird. Die Introduktion ist nicht wie die alte Ouverture oder die Introduktionen zu Tristan und Isolde oder den Meistersängern eine musikalische Stizze des ganzen Dramas, sondern führt nur in die erste Szene ein, übrigens ein musikalisches Glanzstück. Langweilig wird die Musik nur, wo Abhandlungen gesprochen werden wie bei der Unterredung Frickas mit Wotan. Sonst ist die Musik von großartiger, erhabener Schönheit. Der Schluß des Dramas, das Duett zwischen Brunhilde und Wotan und Wotans Abschied ist ##? in Wort und Ton das Vollendetste, was Wagner überhaupt beschaffen hat. Die Aufführung war großartig. Ernst Brandenberger als Surzing: Paula Grahl als Sieglinde. Benng Dlaval als Künding und Josefine Grining als Brunhilde waren vorzügsich. Frißz Bergmann, der den Wotan sang, schien uns an einer kleinen Indisposition zu leiden, die Fricka ist keine dankbare Rolle, ihre Wiedergabe durch Elly Freyler war tadellos. „„ Die Szenerie war brillant, besonders schön war es daß man 3 Erscheinungen der ankommenden Walküren auf dem WalKrenselsen zu sehen bekam, zumal die Musik sie verlangt. Das Theater war gut besuchr. * Brackwede, 4. Mai. Sämtliche Zimmerer der Firmen Dopheide, Winter und Bennemann haben heute morgen die Arbeit niedergelegt, da diese Firmen sich weigern, den im vorigen Jahre festgelegten Lohn zu zahlen. Zuzug von Zimmerern nach Brackwede ist fernzuhalten. * Sieker, 4. Mai. Standesamtliches. Im Monat April sind beim hiesigen Standesamte angemeldet: 16 Geburten(7 Knaben, 9 Mädchen), 8 Sterbefälle, 11 Aufgebotsanträge wurden gestellt und 8 Eheschließungen fanden statt. * Werther, 3. Mai. Die Protestversammlung gegen jede Mehrbelastung des Tabaks am Sonntag bei Brünig war von 110 Personen, darunter einigen Frauen, besucht. Fraulein Ostinde=Berlin referierte. s. Herford, 30. April. Stadtverordnetensitzung. UnterMitteilungen bringt der Vorsteher zur Kenntnis, daß der Antrag, für den katholischen Seelsorger eine Vergütung des Unterrichts in den höheren Schulen zu gewähren, vom Magistrat angenommen ist. Dann berichten die Herren Werner und Siepe über die Revision der Rechnung der Kämmereikasse und Straßenbaukasse. Es folgen die Beratungen einiger Magistratsvorlagen. Stadtv. Koch reseriert über den Ankauf der Grundstücke zur Vergrößerung des Schulplatzes an der Diebrockerstraße. Die vorige Sitzung des Kollegs habe sich nicht zu der Annahme der Vorlage entschließen können, weil der geforderte Preis von 45 Mk. pro Rute zu hoch erschienen sei. Es sei hierauf nochmal? mit den Besitzern Niehaus und Stranghöner verhandelt worden, beide haben aber rundweg erklärt, mit dem Preise nicht heruntergehen zu können. Da die Grundstücke zur Vergrößerung des Schulplatzes aber dringend benötigt würden, empfehle der Referent die Annahme der Vorlage. Für die Annahme sprachen die Herren Stranghöner, Brinkmann, Nordiker, König, Schmalhorst und Detering, sowie der 1. Bürgermeister Busse. Herr Prof. Fellinger spricht sich für den Ankauf des dem Herrn Niehaus gehörenden Grundstücks aus, rät aber davon ab, auch das des Herrn Stranghöner zu erwerben. Der Schulplatz genüge dann den Ansprüchen vollkommen und man spare dabei 3000 Mk. Die Regierung schreibe vor, daß auf jedes Kind 3 Quadratmeter Raum des Spielplatzes komme, diesem sei genüge getan, für 900 Kinder reiche der Platz aus. Sofern man beabsichtige, den Schulplatz als Spielplatz für Jugendspiele der schulentlassenen Jugend zu verwenden und deshalb eine so bedeutende Vergrößerung verlange, müsse sich der Redner dagegen wenden; er müsse auch den Mitgliedern des Kollegs wieder einmal ins Gedächtnis zurückrufen, daß man bei der letzten Erhöhung der Steuer um 10 Prozent, den Grundsatz aufgestellt habe, in den nächsten Jahren nur die allernotwendigsten Anschaffungen zu machen, damit sich nicht noch eine weitere Erhöhung der Steuer notwendig erweise. Wenn Herr Detering gesagt habe, daß es gar nicht so bedeutungsvoll sei, wenn zu den vielen Schulden der Stadt noch 3000 Mk. dazu kämen, so müsse er dagegen einwenden, daß die kleinen Schulden in ihrer Menge die große Schuld erst ausmachten. Herr Stadtv. Werner stellt Berechnungen auf, nach welchen es geradezu unsinnig ist, schon heute Ankäufe zu machen, die erst in 15—20 Jahren notwendig sind, bis dorthin wäre uns der Besitz durch die aufzubringenden Zinsen viel teurer gekommen, als wie eventuell eine Wertsteigerung ausmache. Auch Herr Vorsteher Lücken spricht sich entschieden gegen den Ankauf des zweiten Grundstücks aus. Es sei von allen Seiten anerkannt worden, daß der Platz für die nächsten 15 Jahre vollkommen ausreiche. Für diese seine Ueberzeugung nehme er die volle Verantwortung auf sich. Die Abstimmung ergab die Annahme der Vorlage mit 14 gegen 9 Stimmen. Die dritte Abteilung stimmte geschlossen mit ja.— Ueber die Einfriedigung der Schule an der Mindenerstraße referiert der Stadtv. Detering. Die Vorlage wird mit einigen Aenderungen angenommen.— Herr Prof. Fellinger begründet den Antrag des Magistrats, eine weitere Hilfskraft an der böheren Mädchenschule anzustellen. Die Anstellung wird ohne Debatte beschlossen Ueber die Stellvertretung des Landtagsabaeordneten Direktor Siebert liegt ein Magistratsantrag vor. Herrn Oberlehrer Borbein die Vertretung zu übertragen. Die Kosten der Verretung werden zur Hälfte von der Stadt und zur Hälfte von Herrn Siebert getragen. Hierauf folgt eine nichtöffentliche Sitzung. * Herford, 3. Mai Promenadenkonzert. Mittwoch 5. Mai, nachmittags 6½ Uhr auf dem Markte. Programm: Hoch die Fahnen. Marsch von Wiagert. Ouverture zur Operette „Banditenstreiche“ von Suppé. Die Blume. Walzer von Waldteufel. Schmeichelkätzchen, Salonstück von Eilenberg. Fantasie aus der Over„Stradella“ von Flotow. * Herford, 3. Mai. Der Konsumverein Herford und Umgegend erzielte im Monat Avril in seinen siehen Verkaufsstellen einen Umsatz von 34.055 Mk. Ein Mehr gegen den gleichen Monat im Vorjahre von 15070 Mark. 23 Mitglieder wurden ausgenommen * Herford, 3. Mai. Der Arbeiterturnverein „Einigkeit"(Abt. 5) feiert am 16. Mai im Lokale des Herrn Freitag sein Frühlingsfest und am 15. August das Stiftungsfest. Die Brudervereine werden gebeten, dies zu beachten. * Herford, 3. Mai. Der Magistrat der Stadt Herford bringt folgendes in Erinnerung:„In Städten wie ländlichen Ortschaften werden neuerdings zur Eindeckung der Dächer von Wohn= und Wirtschaftsgebäuden vielfach Zementplatten verwendet und aus diesen durch verschiedene Farben allerlei Figuren, Jahreszahlen und Buchstaben großen Maßstabes gebildet. Derartige Dacher gewähren durch iore bunten und unruhigen Flächen in den meisten Fällen einen geradezu häßlichen Anvlick. Die Tatsache, daß besonders auf dem platten Lande diese Dacheindeckungen immer gebräuchlicher werden, veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß§ 1 des Gesetzes gegen die Verunstaltung von Ortschaften pp. vom 15. Juli 1908(G. S. S. 260) eine geeignete Handhabe bietet, um derartigen Bauausführungen entgegenzutreten, wenn sie die Straßen der Ortschaft oder das Ortsbild gröblich verunstalten. * Gütersloh, 4. Mai. Zur Aussperrung der Maurer wird uns mitgeteilt, daß von dem Arbeitsnachweis der Unternehmer in Bielefeld, Geschäftsstelle Pelzer u. Co., Herforderstr. 7, versucht wird, Arbeitsuchenden nach Güterslob und anderen Streikorten Arbeit anzuweisen. Es hat demnach den Anschein, als ob die Arbeitsnachweisstelle Lieferantenbureau für Streikbrecher sein soll. Die Arbeiter müssen also darauf achten, ob in den ihnen angewiesenen Orten Lohnbewegungen bestehen. * Lage, 3. Mai. Zu der auf heute abend einberufenen Stadtverordneten=Versammlung hatten sich 13 Stadtverordnete, Bürgermeister Lüning und Ratsherr Klöpper eingesunden. Der Etat für 1909/10 schließt mit einem Fehlbetrag von 3500 Mark. Der Magistrat beantragt, den Fehlbetrag zu bewilligen und die Erhebung von 4 Einheiten der Staatssteuern für das Jahr 1909/10 festzusetzen. Er macht sodann die Mitteilung, daß die städtische Sparkasse in 1908 nicht 29000 Mark Ueberschuß abwerfen wird, sondern rund 35.000 Mark. Die Stadtverordneten bewilligten den Fehlbetrag ohne Debatte und stimmten dem Magistratsantrag betr. Erhebung der Staatssteuern zu.— Der Tontransport zu der städtischen Ziegelei soll über das Geleise der Staatsbahn Lage=Hameln geleitet werden. Da aber von der in Frage kommenden Behörde für die Stadt unannehmbare Vorschriften aufgestellt sind, beantragt der Magistrat, von dem Tontransport über das Geleise abzusehen. Stadtv.=Vorsteher Krügermeper stellte auf Grund der Tatsache, daß noch genugend Ton zum Betrieb der Ziegelei vorhanden ist, den Antrag, die Verpachtung der Ziegelei gleich nach Pfingsten stattfinden zu lassen. Der Untrag wurde angenommen, evenso der Antrag Bürgener, wonach die Stadt dafür sorgt, daß der Ton später zur Ziegelei geschafft werden kann. In die Kommission betr. die Auswahl eines Schützenplatzes wurden die Stadtvv. Siekmann und Beissenhirtz gewählt.— Das Gesuch des Stadtförsters Schmidtmeier um eine außerordentliche Gehaltszulage wurde abgelehnt. Ebenso das Gesuch des Expedienten Brinz um eine außerordentliche Gehaltserhöhung. * Lage, 3. Mai. Beimlippischen Zieglergewerbegerichte sind, nach der„Volksztg.“ im vergangenen Jahre 117 Prozesse anhängig gewesen und zwar 108 auf Klage der Arbeiter gegen Arbeitgeber, 7 auf Klage der Arbeitgeber gegen Arbeiter und 2 auf Klage von Arbeitern gegen Arbeiter desselben Arbeitgebers. Von diesen Prozessen wurden 46 durch Vergleich erledigt, in 11(Sachen wurden Versäumnisurteile erlassen und in 22 Sachen ergingen andere Endurteile. 11 Prozesse fanden durch Nichterscheinen der Parteien oder durch Zurücknahme der Klage ihre Erledigung, während 27 Sachen nicht zu Ende geführt werden konnten und für das Jahr 1909 übernommen werden mußten.— Der Wert des Streitgegenstandes betrug in 10 Fällen bis zu 20 Mk., in 18 Fällen mehr als 20 bis 50 Mk. in 30 Fällen mehr als 50 bis 100 Mk. und in 59 Fällen mehr als 100 Ml.— Das Verfahren dauerte bis zu ihrer Erledigung bei 9 Sachen weniger als eine Woche, bei 29 Sachen eine bis zwei Wochen, bei 38 Sachen zwei Wochen bis einen Monat, bei 14 Sachen einen bis drei Monate und bei acht Sachen mehr als drei Monate. Zur Erledigung dieser Prozesse waren 153 Verhandlungstermine erforderlich. e. Detmold, 3. Mai. Ortskrankenkasse der vereinigten Fabrikarbeiter. Die Generalversammlung am 29. April war nur schwach besucht. Es waren anwesend 34 Vertreter der Arbeitnehmer, 7 Vertreter der Arbeitgeber und ca. 50 Kassenmitglieder. Die Jahresrechnung 1908 ergab folgendes Resultat: Einnahme: Kassenbestand 2349,09 Mk., Zinsen 483,25 Mk., Eintrittsgelder 24 Mk., Gesamtbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgever 31 879,97 Mk. Ersatzleistungen 39.50 Mark, vom Reservefonds 6000 Mk., sonstige Einnahmen: 81,65 Mark, Summa 40 857,46 Mk. Ausgabe: Arzthonorar 6768,19 Mark, Arznei, Zahnärzte und sonstige Heilmittel 5650,08 Mk., Krankengeld an Mitglieder: 16 432,01 Mk., Angehörigen-Unterstützung: 1524,82 Mk., Wöchnerinnen=Unterstützung: 434,45 Mk., Sterbegeld: 568 Mk., Kur= und Verpflegungskosten in Krankenanstalten sowie Fürsorge der Landesversicherungsanstalt der Invaliden=Versicherung: 5700,85 Mk., an Rekonvaleszenten: 332,48 Mk., Unfallzuschuß 52,50 Mk., Zinsen vom Reservefonds 448,38 Mk., Verwaltungsausgaben: sächliche: 545,85 Mk., persönliche: 1154,40 Mk., sonstige Ausgaben: 501,72 Mk., Summa: 40 114,33 Mk. Bleibt Bestand: 743,13 Mk. Der Reservefonds betrug 1907 14542,13 Mk., 1908 aber nur 8991,51 Mk., mithin weniger 7157,24 Mk. Erkrankt waren erwerbsunfähig 414 männliche an 10 690 Krankheitstagen und 108 weibliche Kassenmitglieder an 2507 Krankheitstagen. Sterbefälle 8; 7 mannliche und 1 weibliches Kassenmitglied. Die Mitgliederzahl betrug im Durchschnitt 1138. Der Vorsitzende ergänzte den Bericht und teilte mit, daß 8000 Mk. rückständige Beitrage noch eingetrieben werden müßten.— Den§ 29 des Statuts dahin zu ändern, daß die Ausgehzeit nur in der Zeit von morgens 8 bis abends 6 Uhr geschehen dürfe, beantragte der Vorstand. Nach eingehender Devatte beschloß die Generalversammlung, dem Paragraph die Fassung zu geben, daß die Festsetzung der Ausgehzeit nur den Aerzten überlassen werden soll.— Die Herbeiführung einer schärferen Kontrolle der erwerbsunfähigen Kranken beantragte der Vorstand, ohne aber mit positiven Vorschlägen hervorzutreten. Ein Antrag Bartl, eine 6gliedrige Kommission zu wählen, die mit dem Vorstand gemeinsam Vorschläge ausarbeiten soll, wurde angenommen.— Den Kongreß der Krankenlassen Deutschlands zu beschicken, beschloß die Generalversammlung und wählte Herrn Hagemann zum Delegierten und Herra Bartl zum Stellvertreter. Es wurden unter Verschiedenes eine Reihe Maßnahmen des Vorstandes mit Recht kritisiert. Der Verlauf der Generalversammlung war zeitweise ein recht lustiger, da es der Vorsitzende verstand, durch seine Ausführungen für Heiterkeit zu sorgen. Ein Antrag Schmidt: Bei Vertreterwahlen die Verhältniswahl einzuführen und diesen Antrag auf die nächste Tagesordnung zu setzen, wurde angenommen. Der Vorsitzende entpuppte sich als Hellseher und prophezeite, daß der Antrag von der nächsten Generalversammlung abgelehnt werden würde. * Minden, 3. Mai. Die Maiversammlung war von über 250 Personen besucht. * Bückeburg, 3. Mai. Einen alten Zopf hat man jetzt wenigstens in den Städten unseres Fürstentums beseitigt. Bislang wurde die Ortsschulaufsicht von Geistlichen ausgeübt. Nunmehr ist diese vom Fürstlichen Ministerium den Rektoren der Stadtschulen übertragen worden.— * Bückeburg, 3. Mai. In der heutigen Bürgervorsteher=Sitzung wurde auf Vorschlag des Bürgerwarthalters Rinne die Beschlußfassung wegen Abtretung einer Straßenparzelle an der Ulmenallee bis auf weiteres ausgesetzt, da der Magistrat wegen Begradigung der Fluchtlinie mit noch einem in Fraze kommenden Hausbesitzer verhandeln soll.— Einem Geländeaustausch zwischen Hofkammer und Stadt stimmte das Kolleg zu und sprach die Hoffnung aus, daß, wenn die Stadt hier der Hofkammer entgegenkomme, diese der Stadt bei der verlängerten Maschstraße mehr Entgegenkommen beweisen möge.— In einer früheren Sitzung war angeregt worden, die Leitung zur Badeanstalt derart auszubauen, daß nicht so viel Wasser verloren gehe. Der Magistrat glaubt diesen Uebelstand dadurch beseitigen zu können, daß am Eingangsende der Leitung eine sogenannte Drosselung angelegt werde.— 1750 Mk. für einen zweiten Gasmotor in der Gasanstalt werden bewilligt. * Iserlohn, 3. Mai. Der Mordbube, der vor 8 Tagen hier das Ladenfräulein Ida Schweitzer tötete, ist in der Person eines in Iserlohn in Stellung befindlichen Sattlerlehrlings namens Friedrich Schulte aus Meggen ermittelt worden. Er hat die Tat schon eingestanden; auch wurde ein am Tatorte aufgefundenes Messer, sowie ein Zollstock von dem Meister und den Gesellen wiedererkannt; beide Gegenstände wurden seit einiger Zeit in der Sattlerwerkstatt, wo Schulte tätig war, vermißt. Nachrichten. Leipzig, 4. Mai. In Leipzig=Lindenau fand gestern abend eine Explosion, anscheinend von Benzinersatz, in der Siemeringstraße 13 statt, wo sich die Malerwerkstatt der Firma Brückner u. Schönitz befindet. Beide Inhaber wurden tot aufgefunden. Die Leichname lagen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt auf dem Boden. Da die Firma sich in Zahlungsschwierigkeiten befand, liegt die Vermutung nahe, daß sie Brandstiftung beabsichtigten und dabei von der Explosion überrascht wurden. Rom, 4. Mai. Der„Tribuna“ wird aus Konstantinopel gemeldet, im Yildiz Kiosk habe man unter den Papieren des ExSultans Abdul Hamid einen Brief an den deutscher Kaiser gefunden, in dem der Sultan dem Deutschen Reiche große finanzielle Vorteile in Aussicht stellt, wenn der Kaiser seine Autorität zu seinen Gunsten einsetzen wolle. Eine Antwort des deutschen Kaisers will man ebenfalls gefunden haben, doch verdient dies Gerücht kaum Glauben. Jedenfalls habe Freiherr v. Marschall nichts getan, um das alte Regime zu schützen. Brüssel, 4. Mai. In dem Kohlenbergwerk von Lacour in Frameries stürzten am Samstag zwei Maurer, die auf einem Hängegerüst Reparaturen im Schacht vornahmen, mit dem Gerüst in die Tiefe, wo man sie zerschmettert auffand. Paris, 4. Mai. Hier verlautet, die Gesellschaft Löwe habe die Wrightschen Flugmaschinenpatente für 600000 Mark für Deutschland erworben. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. der Firma **o Grosse Frankfurterstrasse 71. Dieses Geschäft war eines der feinsten in Mode- und Posamenten-Artikeln. Das gesamte Lager, das mehr als eine Waggonladung fassen konnte, besteht im wesentlichen aus: Allerfeinsten Spitzen, Besätzen, Spachtelstoffen, Seiden, Futtersachen, Knöpfen, Kleiderstoffen, Satins, Tuchen, Cheviots, Buckskins zu Herrenund Knaben-Anzügen, Schirmen, grossen Posten seidenen Bändern, sämtlichen ..... Artikeln in besten Qualitäten für Schneiderinnen etc. etc...... Wir haben das Lager, welches einen Fakturen-Wert von ca. 50000 Mk. hat, ausserordentlich billig gekauft und sind in der Lage, auch spottbillig verkaufen zu können. Wir werden die Kleiderstoffe, Buckskins und Futtersachen im Parterre-Lokale und die Besätze, Spitzen und Seiden etc. in der 1. Etage auslegen. Wir werden Fenster Nr. 1 an der Niedernstrasse mit solchen Sachen dekorieren und bitten, diese Auslagen zu besichtigen. Der Verkauf beginnt heute nachmittag. 2547 Stauttheatel! Heute, abends 7½ Uhr: Benefiz für den ersten Kapellmeister Max Cahnbley und den Oberspielleiter Carl Kruthoffer. Tannhäuser und: Der Sängerkrieg auf der Wartburg. Mittwoch, den 5. Mai 1909, abends 7½ Uhr: Der Waffenschmied. Sonnabend: Kleine Preise! Hoffmanne Erzählungen. Teter der Fustel e. V. Freitag, den 7. Mai, abends 8½ Uhr, im Saale des Ev. Vereinshauses, Bahnhofstraße: Lichtbilder-Vortrag über Augendiagnose nach den Grundsätzen des Herrn Pastor Felke zu Repelen. Nach dem Vortrag: Freie Diskussion. Die Herren Rerzte werden hiermit besonders dazu eingeladen. Zur Deckung der Unkosten wird 50 Pfg. Eintrittsgeld erhoben. 2542¾ Der Vorstand. Gerenen Seefisch- Verkauf. Der Fluchtlinieuplan für den Wellbrockerweg ist durch übereinstimmende Beschlüsse der städtischen Kollegien vom 2. März, 16 April 1909 und unter Zustimmung der Orts=Polizeibehörde festgestellt und wird nach§ 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 hierdurch 4 Wochen auf dem Stadtbauamt (Rathaus=Zimmer Nr. 7) zur Einsicht der Interessenten offen gelegt. Einwendungen gegen den Plan sind in obiger Frist bei Vermeidung der Ausschließung bei uns anzubringen. Herford, den 1. Moi 1909. Der Magistrat. Busse. Die Abfuhr des Hausmülls soll vorläufig am Freitag und Montag einer jeden Woche stattfinden. Die Behölter sind an diesen Tagen auf dem Hofraum, im Vorgarten oder auf der Straße bereit zu stellen, und zwar in der Zeit vom 1. April bis 30. September von morgens 6 Uhr ab, in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. März von morgens 8 Uhr ab. Herford, den 28 April 1909. Der Magistrat. Busse. Vertreter: Ad. Fischer, Bielefeld. Hochzeits-Einladungen fertigt schnell und sauber an Buchdruckerei„Volkswacht“. BUTTUN in nur bester Qualität liefern zu den billigsten Preisen Gebr. Gottschalk, Bielefeld, Niedernstr. 29/31. 2339 Zahn-Atelier Otto Grosche Detmolderstrasse 123 Eoke Fröbelstrasse. Zahnziehen:: Plombieren Anfertigung künstl. Gebisse Reparaturen eto.:..: Beste Ausführung. u Billige Preise.:: 3 53 Billig! Billig! Billig! Treffe mit großen Posten Fische ein direkt von den Fischdampfern aus Bremerhaven, das Pfund nur 10 Pfg. ohne Kopf. Mache darauf aufmerksam, daß es nur allerfeinste blutfrische Ware ist. Der Verkauf findet am Mittwock, morgens 8 Uhr, auf dem Platze des Herrn Krome, Jöllenbeckerstr.=Ecke, gegenüber Dickertmanns Fabrik, statt.(25515 Soeben erschien: Simplicissimus Nr. 5. Frauen! Berücksichtigt bei Eueren Einkäufen die Inserenten der „Volkswacht.“ Gnhtentmndser. Grabeinfassungen, in allen Preislagen, am billigsten bei Wilhelm Ott, Engerschestrasse 1 1845 und Herforderstrassen-Ecke. Breiinaber Vornehmste Marke. Hohe technische Vollendung. Peinliche Präzisionsarbeit. 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Am Sonntag abend 8½2 Uhr entschlief plötzlich und unerwartet infolge eines Schlaganfalles unser lieber, unvergeßlicher Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der Invalide Wilhelm Huwendiek Dies zeigen mit der Bitte um im Alter von 69 Jahren. stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Sieker, den 4. Mai 1909.(2548“ Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 6. Mai, nachmittags 2½ Uhr, vom Trauerhause, Sieker 39, aus statt. Vorfeier um 2 Uhr daselbst. Nr. 102. Preuß Abg 78. Sitzung vom M Die zweite Beratung beim Titel„Univers haus Berzin“. Abg. D. Hackenbe Lehrstuhls für Neugrie Abg. v. Neumann lin einen Lehrstuhl für Eine Reihe weiterer verschiedenen Universitä Abg. Borgmann wiederholt den Versuch schuß nicht auskommt, daß sie die Kur= und war sie das erste von a Maßnahme getroffen he ihre Sätze auf 3 Mk., sämtliche städtische Kra spiel folgten, bedeutet eine schwere Schädigun eine Gefahr für die öff dadurch abhalten lassen, Krankenbehandlung zu hinzu, daß sie nebenbei dient und daß die Patie objekte dienen, freilich eine solche Lehranstalt Medizin eine unerläßli durch gerechtfertigten die Charité eine Erhö nicht notwendig hat. kassen betroffen, die sie Zum mindesten müßte alle Einrichtungen d sprechen. Leider kann werden. Es werden vi gemeine Verpflegung Klage zugegangen, daß einziges Klosett und nu bört, hört!] Außerdem b daß der Dunst in d Acankenhause dürfte so nen.(Sehr wahr! b. geben oder nicht, steht frei, aber es wird doch Druck ausgeübt. Ich schwerde eines Kranken in das städtische Kran halten. Er schreibt mi die Chaxité in bezug Moabit!“ Die Verwe daß sie mindestens auf schen Krankenhäuser. sozialem Empfinden bei 1903 wurde ein Pfleger torienversuchen an der Der Arzt starb. der P bekam eine große Reih am Leben, ist aber so seinen Dienst nicht me valtung hat sich alle 9 zu schaffen.(Hört, hör Handlung. Nach lang schädigungen von 30, d Portierposten, den era schließlich hat man ihm 80 Mark gegeben. Di die Verwaltung der C Geheimrat Naum war notwendig in Rück gen und umfangreiche gen, wie sie kein städti daß in den alten Gebin bezug auf Klosett Verbu Ron Am Spätnachmitt der achtiziger Jahre, schmalen und wenig taler=Viertel nach alle des Gehens prüfte er hin und wieder stehe einem kleinen Streife sich führte. Bei dieser Geleger sehr nahe bringen, de Lömmerung, wo die 2# ihr Werk zu gehen vorübergleiten. Endlich hatte er er es betrat, überzeug Nietszettel. Danach, zu taxieren. Ueber also war es jedenfall Krethi und Plethi ei den Reißnägeln der " Er kannte derarti ia ihnen gemacht. stattlichen vierstöckige ersten Blick durch nich chied, dessen Fassade sauberen Eindruck mo Die Wände des T es in dem Halbdunk blank vom Kirniß vom Firniß Läufer der Treppe findung eines Men dem dritten Treppen eine kleine Enttäusch u. geöfnet wurde etwas kurze Frage n „Hier ist ein Zi Die Tür öffnete Weibes, das er für „Iawohl.„Ein erwiderte die Perso stehenden mit einem zäste, als hätte sie aiso störe nicht unn rote Gesich burde etwas unsanf O O Nr. 102. Bielefeld, Dienstag, 4. Mai 1909. 20. Jahrg. Preußischer Landtag. Abgeorduetenhaus. 78. Sitzung vom Montag, 3. Mai, vormittags 11 Uhr. Die zweite Beratung des Kultus=Etats wird sortgesetzt beim Titel„Universitäten und Charité=Krankenhaus Berlin". Abg. D. Hackenberg(natl.) fordert die Errichtung eines Lehrstuhls für Neugriechisch an der Berliner Universität. Abg. v. Neumann=Großenborau(kons.) wünscht für Berlin einen Lehrstuhl für Kolonialpolitik.". greg en. Eine Reihe weiterer Redner bringt Spezialwunsche für die verschiedenen Universitäten vor. Abg. Borgmann(Soz.): Die Charité=Verwaltung hat wiederholt den Versuch gemacht, da sie mit dem staatlichen Zuschuß nicht auskommt, die Verwaltungskosten dadurch zu decken, daß sie die Kur= und Pflegekosten erhöht hat. Im Jahre 1906 war sie das erste von allen Berliner Krankenhäusern, das diese Maßnahme getroffen hat. Neuerdings hat sie, wieder als erste, ihre Sätze auf 3 Mk., teilweise sogar auf 3,50 Mk erhöht. Da sämtliche städtische Krankenhäuser natürlich sofort ihrem Beispiel folgten, bedeutet das, insbesondere in der jetzigen Zeit, eine schwere Schädigung der Arbeiterklassen. Es bedeutet auch eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit, da viele Kranke sich dadurch abhalten lassen, im Krankheitsfalle sich in eine geordnete Krankenbehandlung zu begeben. Bei der Charité kommt noch hinzu, daß sie nebenbei noch als Lehrinstitut für die Universität dient und daß die Patienten, die sie aufsuchen, vielfach als Lehrobjekte dienen, freilich nur mit ihrer Zustimmung. Wenn aber eine solche Lehranstalt im Interesse der Allgemeinheit für die Medizin eine unerläßliche Notwendigkeit ist, so sollten die dadurch gerechtfertigten Zuschüsse des Staates so groß sein, daß die Charité eine Erhöhung ihrer Kur= und Verpflegungssätze nicht notwendig hat. In erster Linie werden davon Krankenkassen betroffen, die sich ohnehin in schwieriger Lage befinden. Zum mindesten müßte man annehmen, daß dann in der Charité alle Einrichtungen den weitgehendsten Anforderungen entsprechen. Leider kann dies Zeugnis der Charité nicht ausgestellt werden. Es werden vielfach Klagen über die ärztliche und allzemeine Verpflegung laut. So ist mir aus neuerer Zeit eine Klage zugegangen, daß für einen Saal von 40 Personen nur ein einziges Klosett und nur eine einzige Badewanne vorhanden ist. Hört, hört!] Außerdem sind die Fenster des Klosetts zerbrochen, b daß der Dunst in den Krankensaal hineinströmt. In einem Acankenhause dürfte so etwas unter keinen Umständen vorkommen.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Sich zum Studienobjekt hinzugeben oder nicht, steht, wie gesagt, eigentlich jedem Patienten krei, aber es wird doch in dieser Beziehung ein gewisser sanfter Druck ausgeübt. Ich habe auch in dieser Beziehung eine Beschwerde eines Kranken, der glücklich ist, aus der Charité hinaus in das städtische Krankenhaus Moabit gekommen zu sein, erhalten. Er schreibt mir:„Welcher gewaltige Unterschied gegen die Charité in bezug auf Sauberkeit und Pflege herrscht in Moabit!“. Die Verwaltung der Charité sollte dahin wirken, daß sie mindestens auf dasselbe Niveau kommt, wie die städtischen Krankenhäuser. Weiter wird geklagt über Mangel an sozialem Empfinden bei der Verwaltung der Charité. Im Jahre 1903 wurde ein Pfleger gezwungen, die Pflege eines bei Laboratorienversuchen an der Pest erkrankten Arztes zu übernehmen. Der Arzt starb. der Pfleger erkrankte dann selbst an der Pest, bekam eine große Reihe von Serum=Einspritzungen, blieb zwar am Leben, ist aber so vollständig hinfällig geworden, daß er seinen Dienst nicht mehr ausüben konnte. Die Charité=Vervaltung hat sich alle Mühe gegeben, sich den Mann vom Halse zu schaffen.(Hört, hört! b. d. Soz.) Das ist eine sehr unschöne Handlung. Nach langen Verhandlungen hat man ihm Entschädigungen von 30, dann von 47 Mark angeboten, dann einen Portierposten, den er aber auch nicht mehr ausfüllen konnte, und schließlich hat man ihm, allerdings nur auf Widerruf, monatlich 80 Mark gegeben. Dieser Fall beweist, wie wenig einsichtsvoll die Verwaltung der Charité handelt.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Geheimrat Naumaan: Die Erhöhung der Pflegekosten war notwendig in Rücksicht auf die Einrichtung neuer Abteilungen und umfangreiche Neubauten. Die Charité hat Einrichtungen, wie sie kein städtisches Krankenhaus besitzt. Zuzugeben ist, daß in den alten Gebäuden noch vielfach mangelhafte Zustände in bezug auf Klosett und Badeeinrichtung bestehen. Deshalb erfolgen eben die Neubauten. Soweit irgend möglich, soll aber auch jetzt schon für Besserung gesorgt werden. Das Schicksal des Pflegers, der 28 Jahre bei der Charité gewesen ist, hat die Verwaltung lebhaft bedauert. Sie hat es immer als ihre Aufgabe angesehen, für diesen Mann zu sorgen. Wiederholte Untersuchungen ergaben, daß er 60—70 Prozent erwerbsunfähig ist. Es wurde mehrmals der Versuch gemacht, ihm leichte Arbeit zu verschaffen. er machte aber sehr weitgehende Ansprüche. Nach längerem Hin= und Herverhandeln sind ihm 80 Mk. pro Monat bewilligt. Als Krankenpfleger hatte er im ganzen 936 Mark. Es soll der Versuch gemacht werden, ihm Invalidenrente zu verschaffen, um die dann nicht etwa die Entschädigung von 960 Mart gekürzt werden soll. Ob die Entschädigung dauernd so hoch belassen wird, hängt natürlich davon ab, was die jährlichen Untersuchungen über seine Erwerbsfähigkeit ergeben. Abg. v. Arnim=Züsedom(kons.): Die Klagen des Abgeordneten Borgmann hat der Regierungsvertreter als durchaus unbegründet widerlegen können. Es ist auch insofern ungerecht gewesen, als er von dem inzwischen zum größten Teil fertiggestellten Neubau kein Wort gesagt hat. Nur in den noch bestehenden beiden alten Stationen sind die mißlichen Verhältnisse vorhanden. Die Erhöhung der Verpflegungskosten war notwendig. Abg. Borgmann(Soz.): Es ist mir durchaus bekannt, daß das Charité=Krankenhaus sich im Umbau befindet und daß man die Mittel dafür durch Vernichtung des Botanischen Gartens bereitgestellt hat.(Hört, hört! b. d. Soz.) Ich habe aber die Frage gestellt, ob es nicht trotz des Umbaues möglich ist, in den alten Stationen wenigstens insofern Besserung zu schaffen, daß für 40 Personen nicht mehr eine einzige Badewanne und ein einziges Klosett vorhanden ist. Ich weiß nicht, ob der Abgeordnete v. Arnim, wenn er einmal auf eine solche Station käme, darauf Rücksicht nehmen würde, daß anderwärts ein Umbau stattfindet. Was ich über die Fürsorge für den erkrankten Wärter gesagt habe, ist von der Regierung vollinhaltlich bestätigt worden. Es ist ja erfreulich, daß die Regierung ihm die Invalidenrente nicht abziehen will: aber das muß erst eine Auffassung der letzten Tage gewesen sein, denn in einem Schreiben vom 21. Mai 1907 wird der Abzug angekündigt. Ich meine, man sollte die monatliche Unterstützung von 80 Mark dem Manne als dauernde Pension zukommen lassen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Abg. Cassel(Fr. Vp.): Ueber die neuen Einrichtungen der Charité hört man nur Gutes. Inwiefern es möglich ist, in den alten Bauten nur Veränderungen zu treffen, kann ich nicht beurteilen. Für den Wärter möchte ich warm eintreten.(Sehr richtig! links.] Wenn jemand unter so exzeptionellen Umständen an einer so schrecklichen Krankheit erkrankt, dann sollte man voll für ihn sorgen.(Sehr richtig! links.) Ich kann das nur veraleichen mit dem Opfer, das ein Soldat auf dem Felde für das Vaterland bringt. Ich hätte es auch gern gesehen, wenn ihm auch eine größere Entschädigung für die dauernde Schädigung seiner Gesundheit gewährt worden wäre, denn es ist doch möglich, daß das Leben dieses Mannes durch die Erkrankung verkürzt wird.(Abg. Borgmann: Sicher!) Geheimrat Naumann: Der Mann bekommt, solange er erwerbsunfähig ist, monatlich 80 Mk., außerdem die Rente. Vielleicht können wir auch eine Aufseherstelle für ihn ausfindig machen. Damit schließt die Debatte. Das Kapitel wird bewilligt. Es folgt das Kapitel„Höhere Lehranstalten". Abg. Siebert(kons.) tritt für die Erhaltung des humanistischen Gymnasiums ein. Die Geistesgymnastik, die man ihm verdankt, möchte ich für das Volksleben nicht vermissen.(Bravo! rechts.] Mit der Errichtung der sogenannten Reformgymnasien sollte man nicht zu rasch vorgehen, sondern erst mehr Erfahrungen sammeln. Redner kritisiert es des weiteren, daß Schüler eines Berliner Gymnasiums in den letzten Osterferien eine Romfahrt unternommen haben. Eine Anzahl von Schülern habe zweifellos aus Mangel an Mitteln diese Reise nicht mitmachen können und bei ihnen bleibt ein bitteres Gefühl zurück. Zu den sozialen Bedenken kommen hygienische und pädagogische. Die Ferien sind zur Erholung da und die Vorfreude wird es vielen Schülern schwer gemacht haben, dem Unterricht vorher mit Aufmerksamkeit zu folgen. Auch sollten wir die Jugend vor der Frühreife bewahren, denn die Nervenzerrüttung nimmt einen erschreckenden Umfang in unserer Jugend an.(Sehr wahr! rechts.) Viel wünschenswerter ist die Teilnahme der deutschen Jugend an den Musteraufführungen, die im Juli in Weimar vom Deutschen Schillerbund geplant sind. Wir müssen alles unterstützen, was die ideale Gesinnung unserer Jugend stärkt. (Bravol rechtz)..... 41. M. 5aumkesärstistent Abg. Heß(Ztr.) bestreitet die Reformbedürftigkeit des humanistischen Gymnasiums. Der moderne Geist schlägt ohnehin seine Wogen auch in das humanistische Gymnasium. Das Französische sollte auf keinen Fall zugunsten des Englischen zurückgedrängt werden. Dem, was der Vorredner über die Schülerausflüge gesagt hat, stimme ich durchaus zu. Redner fragt an, ob es richtig sei, daß in dem Gymnasium in Essen in die A-Klasse nur Schüler bemittelter Eltern, in die B=Klasse nur Schüler minderbemittelter Eltern ausgenommen werden. In die A-Klasse sollen nur Schüler ausgenommen werden, deren Eltern ein steuerpflichtiges Einkommen über 500000 Mark nachweisen. (Lebh. Hört, hört! und Heiterkeit.) Unterstaatssekretär Wever: Uns ist von diesen Vorgängen nichts bekannt. Es ist zwar in letzter Zeit davon gesprochen worden, daß im Gymnasium in Essen nicht alles in Ordnung sein soll. Aber Näheres wissen wir nicht. Ein Fachreferent ist mit der Untersuchung beauftragt. Die Verhältnisse scheinen uns so verwunderlich, daß wir nicht annehmen können, daß alles auf Wahrheit beruht. Sollte die Sache sich freilich so verhalten, so würden wir das für eine Ungeschicklichkeit und Taktlosigkeit allerschlimmster Art erklären mussen.(Bravo!) Abg. Hintzmann(natl.] wünscht Beschleunigung in der Schaffung eines stenographischen Einheitssystems, damit die Stenographie in den Schulen eingeführt werden könne. Die Romreise könne er nur billigen. Eine allgemeine Gleichmacherei sei vom Uebel. Von dem betreffenden Gymnasium wären Vorkehrungen getroffen, daß nicht nur Söhne von Kommerzienräten die Reise mitmachen konnten. Redner fragt des weiteren an. in welchem Umfange Versuche mit Kurzstunden gemacht worden sind. Notwendig ist die Verbreitung sexueller Aufklärung. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten hat auf diesem Gebiete zweifellose Verdienste. Innerhalb des Unterrichts kann natürlich nur mit äußerster Vorsicht an diese Frage herangegangen werden. Am besten ist die Aufklärung durch eine geeignete ärztliche Persönlichteit.(Bravo!)„ Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Dienstag 12 Uhr. Schluß 4¾ Uhr. Vom Kampf gegen * Bielefeld, 4. Mai. Wegen Nichtimpfenlassens seines Kindes hatte sich am 29. April vor dem hiesigen Schöffengerichte ein Impfgegner, der Arbeiter W. von hier, zu verantworten. Der Angeklagte hat seit Jahren einen erbitterten Kampf wegen der Impffrage gegen die Polizeiverwaltung Bielefeld geführt und die Sache bis vor die höchste Instanz in solchen Fragen, das Oberlandesgericht in Hamm, gebracht. Hier hat der Angeklagte ein obsiegendes Urteil erstritten, aber die Polizeiverwaltung in Bielefeld kümmert das nicht, sie fängt wieder von vorne an, um der Staatskasse neue Kosten aufzubürden. Der Sachverhalt ist folgender: Der Angeklagte hat ein am 22. Dezember 1904 geborenes Kind, welches er trotz Aufforderung nicht impfen ließ. Er erhielt nun zunächst eine Strafe von 3 Mark, welche bezahlt wurde. Als er einer erneuten Aufforderung nicht nachkam traf eine zweite Strafverfügung über 10 Mark ein, welche Strafe ebenfalls beglichen wurde. Als später zum drittenmal eine Strafe von 15 Mark festgesetzt wurde, erhob W. Widerspruch und brachte dadurch die Sache zur gerichtlichen Entscheidung. Das Schöffengericht stellte sich in der Verhandlung am 23. April 1908 auf den Standpunkt, daß jemand so oft bestraft werden könne, bis er sein Kind impfen lasse oder den Nachweis erbringe, daß dasselbe ohne Gefährdung für seine Gesundheit nicht geimpft werden könne. Dieses Urteil wurde auf eingelegte Berufung hin von der Strafkammer des Bielefelder Landgerichts bestätigt. Diese Entscheidung focht der Verurteilte mit der Revision an und so ging die Sache an das Oberlandesgericht in Hamm. In der Revision war gerügt, daß durch das Urteil der im Strafrecht herrschende Grundsatz, daß ein und dieselbe Straftat nur einmal zur Bestrafung gezogen werden dürfe, verletzt sei. Diese Rüge hat das Oberlandesgericht für begründet erachtet und die Entscheidung der Vorinstanz aufgehoben. Das Oberlandesgericht sagt u. a. in der Begründung seines Urteils: „... Es ist dävon auszugehen, daß es sich im§ 14, 2, des Verbundene Kügen. Roman von Max Kretzer. „—(Nachdruck verboten.) I. Am Spätnachmittag eines trockenen Novembertages, Mitte der achtiziger Jahre, schritt ein junger Mann eilig eine jener schmalen und wenig belebten Straßen entlang, die das Rosentaler=Viertel nach allen Richtungen hin durchschneiden. Während des Gehens prüfte er die Nummern der Häuser; dann blieb er hin und wieder stehen und studierte verschiedene Adressen auf tinem kleinen Streifen Papier, den er in der hohlen Hand mit sich führte. Bei dieser Gelegenheit mußte er die Schristzüge dem Gesicht sehr nahe bringen, denn es war um die Zeit der beginnenden Dammerung, wo die Laternenanstecker gerade im Begriff sind, an ihr Werk zu gehen, und die Menschen schattenhaft aneinander vorübergleiten. Endlich hatte er das Haus gefunden, das er suchte. Bevor ek es betrat, überzeugte er sich von dem Vorhander sein etwaiger Mietszettel. Danach pflegte er die Bewohner und ihr Gewerbe m. taxieren. Ueber der Haustür klebten nur zwei Papptafeln, also war es jedenfalls keiner jener großen Taubenschläge, wo Krethi und Plethi ein= und ausging und die Entreetüren von den Reißnägeln der Visitenkarten übel zerlöchert waren. Er kannte derartige Häuser und hatte schlimme Erfahrungen ia ihnen gemacht. Um so mehr freute er sich nun, vor einem stattlichen vierstöckigen Hause zu stehen, das sich zwar auf den Eten Blick durch nichts von den moderner Mietskasernen unter# dessen Fassade und Fensterreihen jedoch einen du 4aus lauberen Eindruck machten. Die Wände des Torweges und des Flures waren, soweit er F, in dem Halbdunkel exkennen konnte, neu gestrichen und noch Halbdunkel erkennen konnte, neu gestrichen und noch Haut vom Firniß der Farben, und als sein„Soritt auf dem ungehört verhallte, hatte er die woblige Empischen der sich beinahe b#imisch fuhlt. vom Firnitz ha##fer der Treppe ungehört verhallte, hatte er die wohli #ung eines Menschen, ver sich beinahe heimish juhlt.„ Auf dem dritten Treppenabsatz angelangt, eriebte er allerdings sofort Fue kleine Enttäuschung. Er mußte wiederholt klingeln, bevor z geöffnet wurde und durch die schmale Spalte der Tür eine ewas kurze Frage nach seinem Begehr ertönte. „Hier ist ein Zimmer zu vermieten?“ Die Tür öffnete sich weiter, und die robuste Figur eines Veibes, das er für einen Dienstboten hielt, wurde sichtbar. „J—awohl. Einen Augenblick. Ich werde gleich öffnen,“ erwiderte die Person etwas kurz, nachdem sie den Draußenhatenden mit einem raschen Blick von unten bis oben gemustert giig####ts hätte sie sagen wollen:„Du nimmst es ja doch nicht, viso störe nicht unnütz.“ Das rote Gesicht verschwand wieder, und die Korridortür burde etwas unsanft geschlossen. „Auf freundlichen Empfang scheint man hier nicht großen Wert zu legen,“ dachte Trolla etwas ärgerlich, während er geneigt war, das etwas geräuschvolle Vorlegen der Sicherheitskette in symbolischen Zusammenhang mit dem kleinen, gußeisernen Schildchen an der Tür zu bringen, das die Aufschrift trug:„Mitglied des Vereins gegen Verarmung und Bettelei.“ Also jedenfalls anständige und wohltätige Leute, bei denen ein bedürftiger Rechtskandidat gut aufgehoben sein würde. Da ihm die Spitzfindigkeiten des späteren berühmten Verteidigers, von dem er träumte, bereits im Gemüte lagen, änderte er jedoch sofort diese Ansicht dahin, daß die vielverbreitete Aufschrift auch hier nur ein Notbehelf sein könne, durch den man aufdringlichen Belästigungen entgehen wolle. Es war gut, wenn man sich früh daran gewöhnte, einen doppelten Schluß zu ziehen. Bewährte sich der eine nicht, so doch der andere, und so kam man jedenfalls nie in Verlegenheit. Sein nächster Blick galt dem Namen des Wohnungsinhabers. Irgendwo mußte er doch zu lesen sein.„Eine Treppe rechts" hatte er sich nur notiert, also wollte er auch rasch in Erfahrung bringen, mit wem er„die Ehre haben werde, in den nächsten Minuten zu verhandeln. Nachdem er mehrmals den Versuch gemacht hatte, seinem eigenen Schatten auszuweichen, und dadurch verleitet worden war, ärgerlich zu dem auffallend niedrig brennenden Gasflämmchen über seinem Haupte emporzublicken, das für den Geiz des Hauswirtes sprach, entdeckte er endlich unter dem Kristallknopf der Klingel eine kleine Stahlplatte, auf der er mühsam die fast verputzten, eingravierten Schriftzüge enträtselte. „Dankelberg,“ hatte er glücklich herausgefunden. „Aha, das sind die berühmten Dankelbergs,“ dachte er dann in einer humoristischen Anwandlung. trotzdem er diesen Namen in seinem Leben noch nicht gehört hatte. Aber er gefiel ihm, schon um des harmonischen Klanges der Silben wegen. Das Schnappen eines Türschlosses riß ihn aus seiner Betrachtung. Es war wieder das ältliche Mädchen, das ihn einlud, das Zimmer zu betreten, dessen Eingang direkt am Flur lag. Wie es schien, hatte sie erst rasch eine Lampe angezündet, die auf dem Sofatisch stand und etwas dürftig brannte. „Die Herrschaft ist nicht zu Hause, aber sehen Sie sich nur alles genau an.“ sagte sie und musterte ihn mit demselben Blick wie vorher, was ihm aber diesmal nicht auffiel, weil seine Augen von anderen Dingen in Anspruch genommen wurden. Er befand sich in einem ziemlich großen, zweifensterigen Raum, dessen üppige Möblierung ihn verdutzt machte. Nicht etwa, daß er sich für eine derartige Ausstattung zu gering gehalten hätte, denn als Sohn aus gutem Hause war er an eine behagliche Umgebung gewöhnt. Aber alles, was er sah, vertrug sich nicht mit seinen augenblicklichen Verhältnissen. Er hatte sich eine„einfache Bude“, seinen Bedürfnissen entsprechend, ausgemalt, und sah sich nun von Möbeln und Dingen umringt, die ihm, dem ziemlich Mittellosen, viel zu protzenhaft und aufdringlich erschienen, als daß er sich in ihrer Mitte seinem Studium ohne Sorge hätte hingeben können. Er wußte nicht recht, was er aus dem Zimmer machen sollte. Es war weder Wohnzimmer, Schlafzimmer noch Arbeitszimmer. Schließlich aber, als er alles genau gemustert hatte: die schwere Portiere an der Seitentüre, die buntgemusterten Uebergardinen, die kupferfarbenen Plüschfauteuils, den großen Velour am Boden, den bis zur Decke reichenden Trumeau und die große Schweizer Stutzuhr auf der eleganten Kommode, kam er zu der Ueberzeugung, daß man aus der Not eine Tugend gemacht und durch das Hineinstellen von Bett, Schreibtisch und Kleiderspind eine Art Salon in einen vermietbaren Raum umgewandelt habe. Das Bett erregte ganz besonders seine Bewunderung. Es war auffallend breit, mit einer grünseidenen Steppdecke belegt und stand mit dem Kopfende unter einer Draperie von chinesisch gemustertem Stoff, die sich wie der schüchterne Anfang eines Baldachins von der Wand aus hervorneigte. „Ei,“ dachte Trolla unwillkürlich,„darin muß es sich ganz somas schlafen.“ Und er stellte sich vor, wie schön es sein müßte, auf den weichen Pfühlen die Glieder zu strecken, falls er einmal mit einem etwas schweren Kopfe aus der Kneipe heimkäme. Auch der bequeme Diplomatenschreibtisch am Fenster gefiel ihm ganz besonders. Er fuhr mit den Fingerspitzen über das grüne Tuch, beklopfte das Holz und bückte sich, um die Türen mit den Beschlägen besser besichtigen zu können. „Sehen Sie sich nur alles recht genau an.“ klang es abermals, gedehnt wie zuvor, von der Tür her, wo die Dienstmagd nach wie vor unbeweglich stand. Diesmal glaubte Trolla einen boshaften Ton aus ihren Worten zu hören, und so wandte er sich ihr zu, um sie zum erstenmal etwas näher in Augenschein zu nehmen. Jetzt erst sah er, daß er kein mehr junges Mädchen vor sich hatte, sondern eine bereits angejahrte Person, deren kräftiges, noch gesundes Aussehen ihn erst getäuscht hatte. Sie erschien ihm wie ein Mittelding zwischen Hausmädchen und Wirtschafterin. Dafür sprach ihr selbstbewußtes Auftreten, das bessere Kleid, das sie trug. und das große Bund Schlüssel, das über das Band der befetteten Schürze eingehalt war. Auch ein gewisser aufgeweckter Zug im breiten, gesunden Gesicht, der silberne Kopf einer Nadel im wüst zusammengesteckten Haar und kleine, goldene Knöpfe in den Ohrläppchen wiesen auf eine bevorzugte Stellung im Haushalte hin. Als Trolla nun mit einem raschen Blick all diese respektablen Merkmale umfaßte, hielt er sich für verpflichtet, einen höflichen Ton anzuschlagen. „Bitte um Entschuldigung, wenn ich eine etwas eingehende Prüfung anstelle,“ sagte er mit einem Lächeln,„aber man findet nicht überall derartig behagliche Zimmer.“ „Kann schon sein,“ ggb. se zuruck. Ihr ruhiger, kalter Blick berührte ihn unangenehm. Es war Impfgesetzes um ein echtes Unterlassungsdelikt handelt. Da nun Kindesimpfung nur einmal vorgenom die Kindesimpfung nur einmal vorgegommen zu werden sie auch hegrifflich uue einmalfrg. ich begrifflich nur einmal unterlassen werden, das Kind kann nur einmal ungeimpft bleiben, mögen viele Auffo oder einen Nachweis darüber hinaus, kann er eben nicht ühren und etwas unmögliches kann von ihm nicht verlangt amtlichen Organe noch so viele Aufforderungen zur esmgen vonrPaue setn. Von mehreren Untevrgun nur die Rede sein, wenn mehrere Handlungen geboten sino oder dieselbe Handlung wiederholt vorzunehmen Bergleiche Goltdammers Archiv a. a. O) Mit Strafe bedroht ist der Ungehorsam des Unterlassenden für die Gesamtdauer seines normwidrigen Verhaltens. Mit der Bestrafung ein neues, Schuldkonto eröffnet, es dauert vielmehr eine uunzellassung der nur einmal gebotenen Handung oxt.„Vergleiche Entscheioung des Reichsgerichts Bd. III .e van,* Frechz, veherrschenden Grondeue stgrach dem Sa 7: Eine„ Abweichung von dieser Konsequenz ist nach dem a niemals zu“unosaße„nulla poend eige, lege gemuze„zu präsumieren, sondern nur da anzuneynen, wo der Gesetzgeber seinen hierauf gerichteten Willen unzweideutig— was vorliegend in keiner Weise der Fall Ausdruck gebracht hat. Verstärkt wird das Gewicht obiger AufImpfgesetzes. 850 0 . Bci sgeben auf die Entstehungsgeschichte des Ongigesepev. Funuugin der im Gesetz enthaltene Zusatz,„trotz erfolgter amtlicher Aufforderung“, im Reichstage beschlossen worden, damit nicht die ländliche, vielfach weit von der Imy stelle wohnende Bevölkerung ungewarnt der Strafe des§ verfalle. Der Zusatz soll also zu einer Milderung, r zu einer Verscharfung der Strafbestimmung dienen. ... Weil das Impfdelikt ein echtes Dauerdelikt ist, benach der herrschenden Meinung die Verjährung nicht, so n der Ungehorsam fortdauert, d. h. die Impfung nachgeholt we. den kann. Erscheint bis zu diesem Zeitpunkt das Impfdelikt mechisinstirnt der Verjährung gegenüber als ein und diese Scpernde Straftatz, so ist nicht einzusehen, weshalb dassel dem Grundsatze ne bis in idem gegenüber nicht alechtes Dauerdelikt zu behandeln sein sollte. . Die Annahme, daß das Gesetz die Impfung erzwingen will, d. h. daß die ausgeworfene Strafe so oft zu wiederholen sei, bis der Impfpflicht genügt sei, wäre nur zutreffend, wenn der zugng dem Rechte wesentlich wäre. Dies ist aber keineswegs der Teils genießen die Rechtspflichten überhaupt nicht den Schus Zwpanges, teils nur unter binzutretenden gänzlick heierogenen Bedingungen. Wie oft enthält zudem gerade die auf den direkten Erfüllungszwang! Es richtet sich dies je nach dem Interesse, das die Rechtsordnung Archib B3.52 82. 291 t t: Vergleiche bierzu Goltdammerk Wie die Entstehungsgeschichte und der Wortlaut des Gesetzes dartun, ist der Anspruch des Staates auf Durchführung der Impfung nicht für so schwerwiegend erachtet worden, daß schärfere Zwangsmittel erforderlich erschienen. Eine geringe Kriminalstrafe erschien genügend, um die Durchtung, soweit sie im stgatlichen Interesse erforderlich erschien zu sichern.(Vergreiche Goltdammers Archiv Bd. 54 S. 96.) m. H5ternach dürfte der Angeklagte, der bereits zweimal wegen Mevekiretung des§ 14 Abs. 2 des Impfgesetzes bestraft worden tigen Kindes nicht nochmals bestraft werden Die Strafklage Wollte m aber annehmen, daß auf dem Umwege über die S 12.94.. Impigesetzes trotz erfolgter Bestrafung aus Abs.: Impfgesetzes die Impfung erzwungen werden könne, so würde ein Vergehen in dieser Weise dem Grundsatze „ne bis in idem“ widerstreiten; denn wenn wegen unterlassener Impfung nur einmal gestraft werden kann, darf die piederholte Bestrafung auch, nicht indirekt ermöglicht werden. Har der Angeklagte auf die aufforderung aus 12 a. a. O. ganz geschwiegen, so hat er das selbständige Gebotsgesetz des§ 12, Aus## erteilen, übertreten und kann wegen Uebertretung vieses Gevotsgesetzes bestraft werden. „Da das angefochtene Urteil keine Feststellungen dahin getroffen hat, ob der Angeklagte innerhalb der gesetzten Frist eine solche Erklärung abgegeben hat, der Vorderrichter sich vielmehr auf die Feststellung beschränkt hat, daß der Angeklagte der wieberhollen Aufforderung, den Nachweis zu führen, daß die Impfung seines Sohnes erfolgt oder aus einem gesetzlicher Grunde unterblieben sei, nicht nachgekommen ist, so läßt sichk nicht prüsen, ob der§ 14, 1, richtig angewendet ist....“ Das Urteil wurde auch in diesem Punkte aufgebahen sammlungen beschäftigt haben, war begründet worden mit 6. gesetztem parteischädigendem Verhalten Wenigers. Vom Strafkonto der Presse. Der Genosse Rotteboh# Redakteur der Arbeiterzeitung in Dortmund, hatte vor einiger Zeit in einer Mitteilung üver ein Vorkommnis einex G. m. b. H. in Unna von einer„Gesellschaft mit schränktem Horizont“ gesprochen. Der Direktor der Gesess. schaft, stellte Strafantrag; Genosse Nottebohm wurde zu 5 Mart Geldstrafe verurteilt. In dem Bericht über die Ber, handlung hatte er den beleidigenden Ausdruck veröffentlichtdaraufhin stellte der Direktor von neuem Strafantrag Daraufhin wurde Genosse Nottebohm zu 100 Mark Geldst verurteilt. Gelbstrate Gewerkschaftsbewegung. s Urigil warde auch in hiesem„Punlle aufgehoben unt ichmaligen Prüfung und Feststellung an die Vorinstan verwiesen. Dos Landgericht hat hann in erneuter## maligen Prüfung und Feststeuung an die Vorinstanz zurückverwiesen. Das Landgericht hat bann in erneuter Ver handlung vom 13. November 1908 festgestellt, daß der Angeklagte auf die Aufforderung hin, sein Kind impfen zu lassen, der Polizeiverwaltung erklärt hat, er lasse sein Kind nicht impfen Da nach den Ausführungen des Revisionsgerichts diese Er klarung genügte, so wurde auch in diesem Falle auf Frei prehung erlannt.—4e auf G So hatte also der Angeklagte die Sache siegreich durchgeführ Wer nun glaubte, daß er Ruhe haben würde, der hatte die Rech nung ohne die Bielefelder Polizeiverwaltung gemacht. W. er hielt bald eine neue Aufforderung, sein Kind impfen zu lassen gleichzeitig wurde ihm angedroht, daß das Kind zwangsweise ge impft werden würde. Hierauf erklärte W. der Polizei, für ihr sei die Sache erledigt, da das Oberlandesgericht zu seine:. Maifeieraussperrungen. Einige tausend Holzarbeiter sind in Nürnberg wegen der Maifeier bis 6. Mai ausgesperrt. 172 Mann in 43 Werkstätten, die gefeiert hatten, konnten am Montag sie Arbeit wieder beginnen. Da die Holzarbeiter sich zurzeit in einer Lohnbewegung befinden, fand am Sonntag eine Versammung statt, um den Bericht über den Stand der Bewegung entzegenzunehmen. In der Diskussion wurde auch die Aussperrungs. frage wiederholt berührt. Die Unternehmer haben die Verhantlungen hingezogen, um erst die Maifeier vorübergehen zu lassen, veil sie anscheinend glauben, daß die Ausfperrung dämpfend virken werde. Das Gegenteil davon ist aber eingetreten. Die Versammlung erklärte, an den Forderungen— Lohnerhöhung von 5 Pfg. pro Stunde, Verkürzung der Arbeitszeit von 54 auf 3 Stunden wöchentlich und Freigabe des 1. Mai— festzuhalten. Allgemein wurde verlangt, daß sofort der Streik erklärt werde. doch wurde zuletzt ein Beschluß hierüber nicht gefaßt, da die Entcheidung ohnehin noch vor Ablauf der Aussperrung fallen muß. 1m Dienstag werden die Dentralnarstände der Arheiter und# Gunsten entschieden habe. Die Polizei setzte nunmehr die zwangsweise Impfung fest und erließ zugleich eine Strafver fügung in Höhe von 21.Mark. Gegen die zwangsweise Impfun erhob W. Beschwerde beim Regierungsprasidenten, darauf ver weisend, daß das Impfgesetz einen solchen Zwang nicht kenn und der§ 15 des Gesetzentwurfes, welcher eine solche Zwangs impfung vorsah, vom Reichstag gestrichen, also nicht Gesetz ge worden sei. Das Verfahren wegen der Zwangsimpfung ruh nun vorläufig, ob bis zum St. Nimmerleinstag, konnten wir len. Wie kommt die Polizei überhaupt dazu, sich das Recht anzumaßen, solchen Zwang ausuben zu dürfen? Be trachten wir die Sache doch einmal genauer: Nach Artikel 2 de dauernder Impfentziehung desselben impfpflich. 14. 2, war H* d Sttasttag verbraucht. Das ar die vorhergegangene Bestrafung bereitBazulässigkeit der Strafo sahren war daher insoweit weger fverfolgung einzustellen. un Das Oberlandesgericht □ Stelzagbesgericht hat sich also auf den Standpunkt gestellt, vaß das Urteil, soweit aus§ 14 Absatz 2 Bestrafung eingetreten, aufzuheben sei, weil der Angeklagte bereits zweima wegen des Unterlassens der Impfung bestraft sei. Das Ges 14 Absatz 1 des Impfoesetzes zu befirg obliegenden Nachweis, daß das Kind geimpft oder die Impfung dabe. Dazu lagt das urtei. erbrach rist bes§ 12 ist der Strafbers 14 Absadz 1 versehene Vorimpfungen abgelehnt und das Impfgesetz ist ohne diese B stimmung in Kraft getreten. Was durch Reichsgesetz nicht ge stattet ist, kann nicht hinterher wieder durch die Hintertür de Landesgesetzgebung eingeschmuggelt werden, solche Vorschrifte ständen mit dem Reichsgesetz in Widerspruch und wären deshal hinfällig. Aber hier handelt es sich garnicht einmal um landes gesetzliche Vorschriften, sondern um Anordnungen einer Polizei behörde, die diese aus den ihr zustehenden allgemeinen Befugnisser herzuleiten sich das Recht anmaßt. Gegen die Strafverfügung in Höhe von 21 Mark hatte W Widerspruch erhoben und so kam die Angelegenheit erneut vor das Schöffengericht. Dieses stellte sich auf den Standpunkt des Oberlandesgerichts Hamm, daß es sich im vorliegenden Fall um ein Dauerdelikt handle, welches nur einmal bestraft werder könne. Da W. auch den Beweis fuyrte, daß er auf die Auf cheidung ohnehin noch vor Ablauf der Aussperrung fallen muß. Am Dienstag werden die Zentraworstande der urbeiter und der Internehmer über die Forderungen unterhandeln. In Mühlhausen i. Th. hatten die vereinigten Textilnternehmer auf eine Anfrage der Arbeiter des Textilarbeiter= erbandes die Freigabe des 1. Mai schroff abgelehnt. Trotzden varen die sämtlich organisierten Arbeiter der Firma Louiz hirsch der Arbeit ferngeblieben. Die Unternehmer kündigten zierauf am Sonnabend, 1. Mai, allen denjenigen Arbeitern, velche dem Textilarbeiterverband angehören. Es kommen fünf Strickwarenfabriken in Frage, aus denen insgesamt etwa 300 rganisierte Arbeiter entlassen werden sollen. In der Holzindustrie Berlins und Umgegend sind aus 263 Betrieben mit 5506 Beschäftigten 4028 Arbeiter wegen Beteiliung an der Maifeier ausgesperrt. Diese Angaben beziehen sich uf Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Weißensee und Rixorf. Für Berlin allein kommen 3729 Ausgesperrte in Betracht. die Aussperrung erstreckt sich meist auf drei Tage. Berlin. In der Metallindustrie sind 358 Mann in 9 Beieben ausgesperrt worden, die aber fast alle am Donnerstag rüh wieder anfangen. Eine Werkstatt hat die Arbeiter überaupt entlassen. München. Der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe at 800 Schreinergesellen und 50 Tapezierergehilfen wegen Teiliahme an der Maifeier ausgesperrt. Es handelt sich hier um inen Tarifbruch von seiten der Unternehmer, da bei den letzten Tarifverhandlungen ausdrücklich ausgemacht wurde, daß die Naifeier in der gewohnten Weise begangen werde. : D i e U n t e r n e h m e r i m H o l z ipzig. m ein Zauexdelitt, bandle, welches. nur einmal bestraft werden Easr Arbeigrschaft wegen Teilnahme an der Maifeier auf könne. Da 2. auch ven beweis fuhrte, daß er auf die Auf#age aus. Die Direktion hatte erst auf Ansuchen den 1. forderung der Ponzeiwertgattung hin die Erklärung abgegebezn keigegeben, dann aber ihre Bewilligung wieder zurückgez hage, er lasse, das Kind nicht g impfen, so wurde auch dirferhut, 1####ftegbach a. M. In der Schuhrabrik„Union vi auf die e er, lasse das Kind nicht impfen, so wurde auch pieserhat Freisprechung erkannt. Der Amtsanwalt hatte beantrag Strafverfügung zu bestätigen, weil das Oberlandesgerich rf einen anderen Standyunkt eingenommen habe wi esce ci s sece eicn sichälkle te Erfordern gesetzten Frist nachgewiesen bezw. erwent bat, was iig garzusweisen oder zu erklären möglich war lin ioe die Zrpung uicgz entan s ai. Vosighr sechae n. Düsseldor einen unveren Stanopunn eingenommen habe, wi das in Hamm. Wird Polizei und Staatsanwaltschaft nun zu frieden sein oder ihrerseits die Sache wieder durch alle Ir stanzen treiben? eben Sae ie###„Krauf„beschränkt, hat, Auskunft dahin zu gg nicht ersbigt sei und deshatb Bestrafung aus§ 12 abs. 2 Impfgesetzes eingetreten sei.... Auisestates Inss trifft eine solche Erklärung des gemäß§ 12 Impfgeietzes Aufgeforderten nicht diejenigen Punk“; übParteinachrichten. vizrutgen sie, über welche Auskunft nach dem Wortlaute jenes Gesetzesparagrapher Ausschluß aus der Partei. In einer von tausend Perbesuchten Mitgliederversammlung d's###iglde #x. Zlick eines Menschen, der mit verhaltener Ungeduld auf die beendigung einer überflüssigen Unterredung wartet. Liesem gtnag and das auch„sofort, und es ärgerte ihn, von ###gs gewöhnlich gussehenden Weibe nicht für voll angepunkt: dachte er. Jeiae stich hat sie auch recht von ihrem Staaddoch nicht mietese nn ue wird dir ansehen, daß dn das Zimmer Was wollte er auch noch hier? Mit seiner Hoffnung, heute noch zu einer neuen Wohnung zu kommen, schien es also wieder Vielle sonen hejüchten, Biilglieberversammiung des sozralbemy kratischen Wahlvereins Harburg a. d Elbe wurd. ein Antrag auf Ausschluß des Parteimitgliedes Kar Weniger früher Geschaftsführer des„Volksblattes“ für Harburg, Wilhelmsburg und Umgegend, mit Zweidrittel majorität angenommen. Der Antrag, mit dem sich zwei Ver zu lassen. . Eind Sie die, Wirtschafterin, wenn ich fragen darf?“ begann selfe###, um baburch Zeit zu gewinnen, einen Entschluß zu sich vom Fsesk zu rühren.“derte sie wieder ruhiz, ohne a. Eipos erschreckt empfand er keine Lust zu fragen, von wem Schwester sei. Wenn die übrigen Famitienmitglieder ## kurz angebunden waren, dann hatte der künftige Chamviegurnist auf besonders liebevolle Behandlung hier jedenfalls zu rechnen. Bevor er sich empfahl, reizte es ihn aber doch, nach dem Preis zu fragen. „Wieviel soll das Zimmer kosten?" Hie mieten es ja doch nicht.“ sagen: Was=häle on höhnisch an, als wollie Gied nur schan. mich noc so lange auf, du Windbeutel. S#atzi hm doch zu viel. Woher wissen Sie das?“ fragte *.###ausfordernd, daß ihr Blick seine Festigkeit verlor. Trotzdem schien sie durchaus nicht eingeschüchtert zu sein, ervielmehr ganz unverfroren:„Das sehe ich Ihnen an.“ Plötzlich fügte sie rasch hinzu:„Es ist wohl kalt draußen?“ sofort, daß sie damit auf seinen Sommerüberzieher Sawpisles, wpollte, den er noch immer trug, und beschämt und errasch undi:r Keckheit, schwieg er. Dann aber faßte er sich kommen wmian i abweisender Miene:„Ich werde wieder. Sie fühle den Ser'schaft, zu Hause ist. Ich danke Ihnen.“ ziemlich weawersend ich machte einen schiefen Mund und sagte Sie sich doch keine Mwageri nach der Lampe griff:„Geben Uund wenn schon. Studenten vermieten wir nicht. schlechte: sahrr muß es ein seiner sein. Man macht sonst schlechte Erfahrungen.(Fortsetzung folgt.) Von den Himmelserscheinungen im Mai. Von Georg Kästner in Bremen. (Nachdruck verboten.) Publikum so oft mit den allz Die Astronomen, die im großen Meteorologen vexwechselt werden, sind jedenfalls nicht schuld daran, daß der Meai noch nicht genugeno vorbereitet ist,— was vorneweg bemerken möchte, wenn mein Bericht gelesen wird. aller Wetterfragen muß man sich an die Meteorologen wenden und seinen Zorn auf sie ableiten. Denn die könner eigentlich auch nichts dazu tun, daß besseres Wetter wird Die Sonne meint's sicherlich in diesem Jahr ebenso gut mit uns wie immer. Ueberhaupt möchte ich meine Leser darauf aufmerk sam machen, daß sie sich immer auf die Astronomen verlassen können, sie können nie Anlaß haben, auf diese Art von Leuten „geladen“ zu sein. Sie lassen den Mond genau zur rechten Zei voll werden— was beiläufig bemerkt diesmal am 5. der Fall sei wird—, sorgen für Abwechslung in seinem Aussehen, lassen die Sonne rechtzeitig auf= und untergehen; man hat ihnen ferner das stete Anwachsen der Tageslänge gerade dann, wenn wir's brauchen— nämlich im Sommer— zu danken und sonst noch so vieles. Nur mit den Kometen hapert's manchmal ein bißchen immer den auf der Milchstraße. So haben sich wieder eine ganze Menge Astronomen vergeblich die Augen ausgeguckt nach dem Halleyschen Kometer, der sich sonst immer noch als einer der zuverlässigsten seiner Art erwiesen hat. Wir kennen ihn schon seit mehreren Jahrhunderten und wissen, daß wir ihn eigentlich sogar schon mehrere Jahrtausende kennen, wenn wir ihn auch nicht immer begrüßt haben, wenn er sich alle dreiviertel Jahrhundert in unserer Nähe zu schaffen machte. Prof. Wolf in Heidelberg, Melotte in Greenwich, Lee auf der Licksternwarte in Kalifornien haben vergeblich nach Halleys Schutzbefohlenen Ausschau gehalten. Lees photographische Aufnahmen zeigen Sternspuren bis zur 18. Größe, aber von dem Kometen ist noch nichts zu sehen. Da der Ort des Kometen fast nur bei Tage über unserm Horizont steht, so muß der Spätsommer abgewartet werden, ehe wir hoffen dürfen, ihn wieder zu finden. Hoffentlich rechtfertigt er dann wieder das in ihm gesetzte Vertrauen. Leider bietet sich so selten Gelegenheit, den Halleyschen Kometen am Tage zu sehen, wie es voraussichtlich am 8. Mai 1910 der Fall sein wird, wann die nächste unter den günstigsten Umständen und am besten in Tasmanien zu beobachtende totale Sonnenfinsternis stattfinden wird. Gelegentlich der von der Lycksternwarte auf der Flint=Insel beobachteten Sonnenfinsternis am 3. Januar 1908 hat Perrine durch direkte Messung die Helligkeit der Sonnenkorona, des um den verdunkelnden Mond von der Sonne sichtbaren Strahlenkranzes, ermittelt. Er fand, daß fast alles von der Korona ausgehende Licht von einem ganz schmalen Ring derselben stammte, der nur eine Bogenminute— den dreißigsten Teil des Sonnendurchmessers— breit wär. Die mittlere Helligkeit war 8/10 von derjenigen des Mondes; die glänzendsten Stellen waren aber 2—3mal so hell. Der dunkle Himmelsgrund aber war nur um ein Tausendstel so hell wie der Vollmond. Von den großen Planeten ist sogar Merkur fast den ganzen Monat hindurch des Abends im Nordwesten sichtbar, Mitte des Monats nahezu eine halbe Stunde. Das ist aber auch so ziemlich das einzige, denn Venus und Saturn lassen sich gar nicht blicken, Mars nur eine Stunde des Morgens im Südosten und Jupiter nur noch am westlichen Himmel wenige Stunden. Bei Sonnenuntergang steht er hoch im Meridian. tettin. Die chemische Fabrik„Union“ sperrte 40 Mann hrer Arbeiterschaft wegen Teilnahme an der Maifeier auf zwei Tage aus. Die Direktion hatte erst auf Ansuchen den 1. Mai reigegeben, dann aber ihre Bewilligung wieder zurückgezogen. „Gisenbach a. M. In der Schuhfabri„Union wurden amtliche Schuhmacher, etwa 80 Mann, wegen Teilnahme an der Naifeier auf unbeschränkte Zeit ausgesperrt. Magdeburg. Die hiesige Schuhfabrik Buehring u. Co. ntließ wegen der Teilnahme an der Maifeier heute iyre 300 Irbeiter und Arbeiterinnen. Die Entlassenen hatten bereits vegen früherer Differenzen zum nächsten fälligen Termine ge ündigt, wurden aber jetzt sofort entlassen, obgreich in früheren Jahren gegen die Beteiligung an der Maifeier seitens der Firma iichts eingewendet worden war. Von der Handhabung des Versammlungsrechts. Im Kreise Hamm wurden fortgesetzt die Versammlungen der Bergarbeiter, n denen nur Berufs=Angelegenheiten besprochen wurden, zu oolitischen Versammlungen gestempelt und die Versammlungseiter wegen Nichtanmeldung politischer Versammlungen mit Strafmandaten bedacht.— Das Schöffengericht in Unna hat iun eine solche Bestrafung aufgehoben und erklärt, daß diese Bergarbeiter=Versammlungen, offenbar unter den§ 6 des Reichs=Vereinsgesetzes fielen, nicht politisch und nicht anmeldeFflichtig seien. Nach 10wöchentlichem Abwehrstreik ist der Kohlenarbeiterstreik in Kiel beendet worden. Es wurde ein Tarif auf die Dauer von 4 Jahren vereinbart, nachdem für das Löschen der Tonne Kohlen in den nächsten 4 Jahren 68, 68, 70 und 72 Pf 50 und Tonne Kohlen in den nächsten 4 Jahren 63, 68, 70 und Pfg. gezahlt werden sollten. Der Stundenlohn vou 48, 48, ind 52 Pfg. betragen. In den ersten Jahren bedeutet diese setzung eine kleine Verschlechterung gegen die jetigen ArPig. betragen. In den ersten Jahren bedeutet Sestzesugg, ein neim Vrtschighletung peyen vie setzigen beitsverhaltnisse, wo für die Tonne Kohlen 70 Pfg. und ein Stundenlohn von 50 Pfg. gezahlt wurde. Stundenlohn von 50 Pfg., gezahlt wurde. Gegenüber den ve## den Unternehmern beabsichtigten Verschlechterz#ngen, die 60 Pfg. für die Tonne Kohlen und 40 Pfg. Stundenlohn zahlen wollten, ist es jedoch ein Erfolg. Dieser Erfolg war nur möglich durch die geschlossene Einigkeit der Kohlenarbeiter, trotzdem die Unternehmer bei der schlechten Geschäftskonjunktur Hunderte von Streikbrechern herbeigeholt hatten und ein ganzes Schiff als Streikbrecherlogis eingerichtet war. In der Hausmüllverwertungsgesellschaft in Puchhein bei München befinden sich seit 1. Mai 97 Arbeiter und Arbeiterinnen im Streik. Die Organisation, der Fabrikarbeiterverband, hatte den Tarif gekündigt, um die Löhne der Arbeiter, die zwischen 2,70 und 3,30 Mk. schwanken, und die der Arbeiterinnen, die bisher 1,60 bis 1,90 Mk. verdienten, zu erhöhen. Die Firma beantwortete diese Forderungen damit, daß sie italienische A# beiterinnen kommen ließ, die aber sofort wieder abreisten, als sie von den Streikenden aufgeklärt wurden. Nun hat es die Firma mit Polinnen versucht.— Die Arbeit im Betriebe ist eine ungemein schmutzige, muß doch dort der ganze Hausunrat der Stadt München verarbeitet werden. An Streikbrechern hat die Firma bis heute 10, 4 derselben blieben von den alten Arbeitern stehen, dazu kaperte die Firma 6 Polinnen. Gelingt es, der Zuzug fernzuhalten, dann muß die Direktion nachgeben. Ein Textilarbeitererfolg. Einen 14tägigen Streik mit Ekfolg keendet haben letzte Woche die Arbeiter der Kammgarnweberei Rogelet in Bühl(Oberelsaß). Sie erreichten die Abstellung einer Reihe von Mißständen und setzten einen neuen Stücklohntarif mit einer kleinen Lohnerhöhung durch. der Doutsch, Fertilarheiterverband hessen Angestellte wit neuen Sinlalohniatf ir einer keinen Böpnerhohung Der Deutsche Textilarbeiterverband, bessen ungesteute mit derVerbandsvorsitzenden Hübsch von Berlin persönlich tatkräftis eingegriffen haben, hat unter den größtenteils unorganisiert## indsvorsitzenden Hübsch von Berlin persönlich tattzchtez Oak zien* 0 glopeenteng undige. Arbeiterinnen und Arbeitern zahlreiche Aufnahmen gemacht. Die Wirkung der Krise. In der mittelfränkischen industrie, deren Betriebe erst kürzlich wegen schlechten Geschaftzz ganges vier Wochen stillgelegt waren, wurden am Sonnadensämtliche Arbeiter auf unbestimmte Zeit entlassen. Zum Streik der Kölner Kostümschneider. Einigungsverhaft, lungen scheiterten. Die Sperre über die Weltfirma Hirs# u. Co. bleibt bestehen. Die Kölner Kostümschneider verharten im Ausstande.„„„„„ 609 Bauarbeiterstreit. In Halberstadt sind etwe 500 Maurer und Bauarbeiter in den Streik getreten, nachdem ber handlungen an dem Widerstand der Arbeitgeber gescheitert sieSämtliche Bauten liegen still. Der Streik der 1 Erbeiter beendet. A Der soziale Ausse stellten versendet soeb Es geht daraus he Jahre zu allen die I betreffenden Fragen Vertreterversammlun der Novelle zur Gefrage und dem ersten schäftigte. In der z Programm und die grundlegenden Refor Sitzung zu dem Angdas Koalitionsrecht d Zur gesetzlichen Rege Ausschuß dann später lichen Eingabe an R den im Deutschen 9 bänden gehören zurze insgesamt 76 822 Mit Ausschuß 75 Prozen angestellten vertreten. Aus der dem Ber nisationen der Angest 31. Dezember 1908 Techniker=Verbände 1 12 437, die Verbän 13.777 und verschie zählten. Es muß jed 650 995 Privatangeste Genosse Konfumvereinsbeki „Hamburger Nachrich einkaufs=Gesellschaft von Angriffen in Niveau dieses Blattes der Großeinkaufs=G Würdigung fanden, Schweigen der Verac dazu sagen, daß Herr als früherer Komiker Großeinkaufs=Gesellsch wurf der„Vetternwir 313 Angestellten auch genossenschaftsbewegur tigkeit dieser Angriffe weisen in der Tat nu Hamburger„ Nachrich verhaßte Institut vor Auch als die„Hai an der Gründung ein Thüringens beteiligte haftes„Deutsch höchste sehr schiechte Schule die Geschäftsleitung Consumvereine an il „Hamburger Nachrich keineswegs gleichgiltig schäftsbriefes aus ihre als Gewährsmann de einem entlassenen Kor einem früheren Anges scher Consumvereine, Diese ergab als Rest daß der Verdächtige richten" ist, und stellt die Großeinkaufs=Gese hat. In seiner Wo Manuskript. des erste gleich aber auch eine Gesellschaft Deutscher die bereits zur Einle gegen den betreffender ten Verdächtigen wur vornehmende Beamte Wohnung geeilt, nach waltet hatte, fand d burger Nachrichten“ schnelleren Wege vora Das Ergebnis die leitung der Großeink interessant genug, um werden. Für die B burger Nachrichten“, daß der Gewährsma Unzulänglichkeit entla als Spitzbube der mußte. Zwar sucht ehrenvollen Tatbestan dabei anwendet, ist! Nachrichten“ führen n dächtigen vor, bei de wirklichen Gewährsm Dieb unzweifelhaft en „Wenn das Blatt n win, seitens der Gro vereine oder einer ihr macht worden, den eh bringen, so berichtet von der Art, wie sie Zwecke ausnutzen, wie zaufs=Gesellschaft Deu die„Hamburger Nack so werden sie dem St. übrigen aber mögen Reden kann die Gro vereine ebensowenig sein könnte. Indust „ Ki. Die Börse den n Hochkonjunkt noch zu wach verfallen, im mit dem die Srie, eskom Wwoegung der gen war das Sperulation engen Grenz entsprechende tion., völlig serbischen D# Hausse auf gelangt. Ob Umfang kaut nur, die 5 stärter das den lange ver macht, die Ki Elektrizitätserfahren. E daß verschiedt gen der Kur Charakteristi bei Einfuhrn indet worden mit fort. Wenigers. enosse Rottebohn Dortmund, hatte Seshel e ttebohm wurde zu 50 uädruc veröffentP““ kasbruck Verossentlicht: neuem Strafantrag. 100 Mark Geldstreie begung. id Holzarbeiter sind in Mai ausgesperrt. 172 n, konnten am Montag arbeiter sich zurzeit in onntag eine Versammnd der Bewegung entsuch die Aussperrungs. er haben die Verhandvorübergehen zu lassen, lussperrung dämpfend aber eingetreten. Die gen— Lohnerhöhung Arbeitszeit von 54 auf 1. Mai— festzuhalten. Streik erklärt werde, cht gefaßt, da die EntIsperrung fallen muß. der Arbeiter und der rhandeln. ie vereinigten Textiler des Textilarbeiter= abgelehnt. Trotzdem er der Firma Louis nternehmer kündigten denjenigen Arbeitern, en. Es kommen fünf insgesamt etwa 300 len. lmgegend sind aus 263 beiter wegen BeteiliAngaben beziehen sich Weißensee und Rixgesperrte in Betracht. rei Tage. 358 Mann in 9 Bealle am Donnerstag it die Arbeiter überfür das Baugewerbe rgehilfen wegen Teilhandelt sich hier um ier, da bei den letzten icht wurde, daß die n werde. lzgewerbe haben 680 Maifeier ausgesperrt, edoch auf 10 Tage. on“ sperrte 40 Mann er Maifeier auf zwei Ansuchen den 1. Mai wieder zurückgezogen. prik„Union“ wurden en Teilnahme an der t. Buehring u. Co. ifeier heute ihre 300 senen hatten bereits fälligen Termine ge obgleich in früheren ier seitens der Firma gsrechts. Im Kreise gen der Bergarbeiter, sprochen wurden, zu die VersammlungsVersammlungen mit ericht in Unna bet id erklärt, daß diese inter den§ 6 des und nicht anmeldeder Kohlenarbeiter= jurde ein Tarif auf dem für das Löschen fren 68, 68, 70 und idenlohn soll 48, 48, fahren bedeutet diese zen die jetzigen Arn 70 Pfg. und ein Gegenuber den von chlechterzingen, die Stundenlohn zahlen r Erfolg war nur der Kohlenarbeiter, Geschäftskonjunktur lt hatten und ein sichtet war. st in Puchheim rbeiter und ArbeiteFabrikarbeiterverne der Arbeiter, die e der Arbeiterinnen, rhöhen. Die Firma sie italienische Arsieder abreisten, als . Nun hat es die im Betriebe ist eine nze Hausunrat der reikbrechern hat die den alten Arbeitern I Gelingt es, der nachgeben. Pre schlechten Geschaft, sen am Sonnabenklassen. Einigungsverban Weltfirma Hirsschneider verharren t sind etwe leten, nachdem ber gescheitert Der Streik der Bauarbeiter in Delitzsch ist zugunsten der Arbeiter beendet. Alle Forderungen sind bewilligt worden. Der soziale Ausschuß von Vereinen technischer Pridatangestellten versendet soeben seinen Jahresbericht für das Jahr 1908. ez geht deraus hervor, daß der Ausschuß im verflossenen Zahre zu allen die Interessen der technischen Privatangestellten getreffenden Fragen Stellung genommen hat. Es wurden zwei Vertreterversammlungen abgehalten, von denen die erste sich mit der Novelle zur Gewerbeordnung, der Pensionsversicherungsfrage und dem ersten Entwurf eines Arbeitskammergesetzes beschaftigte. In der zweiten Sitzung wurden das sozialpolitische Programm und die Satzungen des Sozialen Ausschusses einer grundlegenden Reform unterzogen. Außerdem wurde in dieser Sitzung zu dem Angriff der bayerischen Metallindustriellen auf das Koalitionsrecht der Privatangestellten Stellung genommen. Zur gesetzlichen Regelung des Koalitionsrechtes hat der Soziale Ausschuß dann später noch seine Vorschläge in einer ausführlichen Eingabe an Reichstag und Bundesrat niedergelegt. Von den im Deutschen Reiche vestehenden größeren Technikerverhänden gehören zurzeit vierzehn dem Sozialen Ausschuß an, die insgesamt 76 822 Mitglieder zählen. Es sind damit im Sozialen Ausschuß 75 Prozent aller organisierten technischen Privatangestellten vertreten. Aus der dem Bericht angehängten Uebersicht über die Organisationen der Angestellten im Jahre 1908 ergibt sich, daß am 31. Dezember 1908 die kaufmännischen Verbande 494 725, die Techniker=Verbände 111 884, die Verbände der Bureaubeamten 12437, die Verbände der landwirtschaftlichen Angestellten 13777 und verschiedene Organisationen 117393 Mitglieder zählten. Es muß jedoch dabei beachtet werden, daß hiervon nur 650 993 Privatangestellte sind. Genossenschaftsbewegung. Konfumvereinsbekämpfung im Reichsverbandsstil durch die „Hamburger Nachrichten. Seit einiger Zeit bildet die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine den Gegenstand von Angriffen in den„Hamburger Nachrichten“, die dem Niveau dieses Blattes entsprechen und bei der Geschäftsleitung der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine die Würdigung fanden, die sie verdienen: sie wurden mit dem Schweigen der Verachtung ausgenommen. Was soll man auch dazu sagen, daß Herr Geschäftsführer Lorenz lügnerischerweise als früherer Komiker vorgeführt und der Geschäftsleitung der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine der Vorwurf der„Vetternwirtschaft“ gemacht wird, weil sich unter ihren 313 Angestellten auch ein paar Söhne von in der Konsumgenossenschaftsbewegung tätigen Herren befinden? Die Dürftigkeit dieser Angriffe ist ja ihre beste Widerlegung, und sie beweisen in der Tat nur das eine, daß der Artikelschreiber in den HHamburger Nachrichten“ nichts von Belang gegen das ihm so verhaßte Institut vorzubringen weiß. Auch als die„Hamburger Nachrichten“ ein Schreiben eines an der Gründung eines Konsumvereins in einem kleinen Orte Thüringens beteiligten Arbeiters veröffentlichten, dessen mangelhaftes„Deutsch höchstens das eine beweist, daß der Mann eine seor schlechte Schule besucht haben muß, sonst aber nichts, hielt die Geschaftsleitung der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine an ihrem Grundsatze fest, auf Angriffe der „Hamburger Nachrichten“ nicht zu antworten. Da es ihr aber leineswegs gleichgiltig sein kann, wenn die Abschrift eines Geschäftsbriefes aus ihrem Kontor entwendet wird, ließ sie bei dem als Gewährsmann der„Hamburger Nachrichten“ Verdächtigen, einem entlassenen Kommis, und bei seinem Freunde, gleichfalls einem früheren Angestellten der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine, eine polizeiliche Haussuchung abhalten. Diese ergab als Resultat den unwiderleglichen Beweis dafür, daß der Verdächtige der Gewährsmann der„Hamburger Nachrichten ist, und stellte obendrein fest, daß dieser auch zugleich gleich aber auch eine Anzahl aus dem Kontor der GroßeinkaufsGesellschaft Deutscher Consumvereine entwendeter Gegenstände, die bereits zur Einleitung eines Verfahrens wegen Diebstahls gegen den betreffenden Kommis geführt haben. Bei dem zweiten Verdächtigen wurde nichts gesunden. Der die Haussuchung vornehmende Beamte war zwar so schnell wie möglich in dessen Wohnung geeilt, nachdem er bei dem ersten seines Amtes gepaltet hatte, fand dorten aber den Mitarbeiter der„Hamburger Nachrichten“ schon vor. Er war ihm auf einem noch schnelleren Wege vorausgeeilt. Das Ergebnis dieser Haussuchungen scheint der Geschäftsleitung der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine interessant genug, um der breiteren Oeffentlichkeit mitgeteilt zu werden. Für die Beurteilung der Publikationen der„Hamburger Nachrichten“ ist es ja nicht ganz unwichtig, zu wissen, daß der Gewährsmann des Blattes ein wegen geschäftlicher Unzulänglichkeit entlassener Angestellter ist, der nun obendrein als Spitzbube der Staatsanwaltschaft überwiesen werden mußte. Zwar sucht das Blatt diesen, für es nicht sonderlich ehrenvollen Tatbestand zu verschleiern, aber der Trick, den es dabei anwendet ist leicht zu durchschauen. Die„Hamburger Nachrichten“ führen nämlich ihren Lesern nur den zweiten Verdächtigen vor, bei dem nichts gefunden wurde. Von ihrem wirklichen Gewährsmanne, der als solcher und zugleich als Dieb unzweifelhaft entlarvt ist, schweigen sie. „Wenn das Blatt noch außerdem seine Leser glauben machen win, seitens der Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine oder einer ihr nahestehenden Seite sei der Versuch gemacht worden, den ehemaligen Angestellten zum Schweigen zu bringen, so berichtet es die Unwayrheit. Entlassene Kommis gen. der Art, wie sie die„Hamburger Nachrichten“ für ihre k.u16s gatsnutzen, wiegen für die Geschäftsleitung der Großeinzaufbecheseuschaft Deutscher Consumvereine genau so schwer wie die„Hamburger Nachrichten" selbst. Treiben sie es zu arg, so werden sie dem Strafrichter zur Behandlung übergeben. Im übrigen aber mögen sie tun, was sie nicht lassen können. Ihr Reden kann die Großeinkaufs=Gesellschaft Deutscher Consumvereine ebensowenig schädigen, wie ihr Schweigen ihr nützlich sein könnte. Industrie, Handel und Verkehr. industrielle Lage und die Börse. Immer eilt di den wirtschaftlichen Ereignissen weit voraus. Als die Hochkonjunktur sich noch unvermindert behauptete und eher zu wachsen schien, war die Börse längst einer Stagnation verfauen, im Frühjahr 1907 begann der allgemeine Kurssturz, mit dem die Börse die erst viel später einsetzende wirtschaftliche Krise eskomptierte. Inzwischen hat sich manche Aufwärtsbewegung der Kurse vollzogen, aber trotz aller HaussebestrebunE5, war das kapitalistische Publikum zur Beteiligung an der ation nicht herauszulocken, der Verkehr hielt sich in sehr etwas stärkeren Steigerungen folgten schnell entsprechende Rückschläge. Seit einiger Zeit hat sich die Situanach der Beilegung der österreichisch= Hauste#e##ferenzen belebte sich die Borse und eine intensive Frusse uuf fast allen Spekulationsgebieten ist zum Durchbruch selangt. Objektive Börsenberichte sprechen von einem in diesem Umsang kaum je beobachteten Spekulationssieber, von dem nich sörter d#s## rufsmäßige Spekulation, sondern vielleicht noch den kangs sitzende Publikum ergriffen zu sein scheint. In Börsensälen werden bedeutende Umsätze geEseht##e Kurse schnellen empor in kurzer Zeit haben einzelne erfahren u. Eisenwerte bis 20prozentige Steigerungen daß v#rf„Es sind sogar die gewiß seltenen Fälle vorhanden gen 33:schievene Gesellschaften die außerordentlichen SteigerunAktien für sachlich unbegründet erklärten. für das Haussefieber sind auch die Vorgänge Einführung von neuen Aktien. Bei Einführung der Aktien der Spinnerei und Buntweberei Pferfee war ein erster Kurs von 148 Prozent in Aussicht genommen. Die Nachfrage nach Fg war so stark, daß sie das Aktienkapital von 1½ Miutonen um 1 Million Mark überstieg. Der erste Kurs wurde unter diesen Umständen nicht notiert, am folgenden Tage kam bei einer nur wenig verminderten Nachfrage statt des erst beabsichtigten Kurses von 148 Prozent ein solcher von 160 zustande. Das Publikum riß sich förmlich um die Aktien, die nach der bisherigen Entwicklung der Gesellschaft durchaus keine übermäßigen Gewinnchancen bieten. Nur wenige Tage darauf wiederholte sich dieses Spiel bei der Neueinführung der Aktien der Hirsch, Kupfer= und Messingwerke, Aktiengesellschaft in Halberstadt. Wieder überstieg die Nachfrage das Angebot sehr erheblich, die Festsetzung des Einführungskurses wurde verschoben, später kam statt des in Aussicht genommenen Kurses von 145 Prozent ein Kurs von 166 Prozent zustande. Den stärksten Anreiz zu der, übertriebenen Spekulation gibt der außerordentlich billige Geldstand, von dem die Banken nur nichts wissen, wenn das Reich Anleihen zu annehmbaren Bedingungen verlangt. Aber es ist nicht zu verkennen, daß diese Haussebewegung zum Teil auch von der Hoffnung getragen ist, daß sich in der Industrie die Bewegung zur Besserung vollzieht. Diese Berechnung wird aber falsch, wenn in dem Spekulationseifer statt mit der Erwartung bereits mit der Tatsache einer günstigeren Konjunktur operiert wird. Noch sind die Ansätze zu einer besseren Gestaltung der industriellen Lage überaus zart, der Spekulationsoptimismus bietet keinen Maßstab für die gegenwärtige wirtschaftliche Situation, aber er kann doch als Zeichen einer zuversichtlicheren Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung gelten. ssc. Der Welthandel im Jahre 1908. Die auf dem Wirtschaftsleben der Völker lastende Krise hat im letzten Jahre einen fast allgemeinen Rückgang der internationalen Handelsbeziehungen zur Folge gehabt. So weit bis jetzt Angaven vorliegen, betrugen in Millionen Mark Einfuhr Ausfuhr Großbritannien Frankrei Rußland(11 Spanien Oesterreich Vereinigte Mexiko Fast alle Länder weisen also gegen das Vorjahr einen Rückgang sowohl im Einfuhr- als auch im Ausfuhrhandel auf Am stärksten ist dieser Rückgang in Mexiko, wo er in der Einfuhr 31 und in der Ausfuhr 13 Prozent beträgt, und in den Vereinigten Staaten, deren Einfuhr sich um 21 Prozent und deren Ausfuhr sich um 8,8 Prozent verminderte. In Teutschland beträgt das Minus in der Einfuhr 4,9, in der Ausfuhr 1,4 Prozent. Die ersten Monate des neuen Jahres weisen für einzelne Länder eine leichte Besserung, für andere dagegen noch eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage auf. sge. Das Hauptland der Bücherproduktion ist Deutschland. Ein Artikel in der soeben erscheinenden 3. Auflage des Handwörterbuches für Staatswissenschaften besagt darüber folgendes: Nach der bis jetzt allerdings nur sehr mangelhaft entwickelten internationalen Statistik des Buchhandels betrug die Zahl der produzierten Bücher in den fünf wichtigsten Kulturländern: Im Jahre 1886 entfiel also ein Drittel und 1906 bereits ast die Hälfte der gesamten Bücherproduktion der genannten Länder auf das Land der Dichler und Denker. Wieviel Bücher darunter sind, die besser nicht gedruckt wären, verrät die Statistik leider nicht. Soziales. sse. Feiertagsheim für Arbeiterinnen. Eine nachahmenswerte Einrichtung ist in Littlehampton(England) von einer Anzahl Frauen verschiedener Gesellschaftsschichten und Parteirichtungen geschaffen worden. Ein ehemaliges altes Herrenhaus, in einer wundervollen Landschaft und nur 10 Minuten von der See gelegen, wurde in ein komfortables Hotel verwandelt, das speziell den Klubs der unverheirateten Fabrikarbeiterinnen bei Sonntagsausflügen als angenehmer, gemütlicher und billiger Aufenthaltsort dienen soll. Es enthält auch für 50 Personen Schlafgelegenheiten, und zwar kostet der Aufenthalt für Einzelpersonen 12 Mk., für Klubs und Partien von mehr als 30 pro Person 10 Mk. die Woche. In der Zeit von Ostern bis Ende Juni ist es auch Müttern erlaubt, mit ihren Kindern zu kommen, und während der Österwoche hält ein Knabenklub das Hotel besetzt. Der letzte Geschäftsbericht zeigt, daß das Heim im Jahre 1908 von 425 Lohnarbeiterinnen besucht wurde. Bis jetzt trägt sich das Heim noch nicht selbst, sondern verlangt noch Zuschüsse von seiten seiner Gönner. Doch hofft man, in absehbarer Zeit den Besuch so zu steigern und vor allem auch während der Wintermonate rege zu halten, daß die Einnahmen die Ausgaben decken werden. Erhebungen über den Ernährungszustand der Schulkinder.— Schulspeisung. Im Dresdener Stadtverordnetenkollegium wurde ein Antrag des Stadtrats beraten, von der Vornahme weiterer Erhebungen über den Ernährungszustand der Kinder der Volksschulen mit Rücksicht auf die hohen Kosten abzusehen. Von unseren Vertretern, insbesondere vom Genossen Fleißner. wurde auf den hohen sozialen und hygienischen Wert der ärztlichen Untersuchungen der Volksschüler hingewiesen. Die Untersuchungen von 57000 Dresdener Schulkindern hätten ergeben, daß die Volksschüler durchschnittlich um ein Jahreswachstum hinter den Kindern der Bürgerschule zurückstehen. Der Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger bürgerlicher Vertreter angenommen. Einstimmig angenommen wurde ein weiterer Antrag des Stadtrats, die Zuwendung größerer Mittel für die Speisung bedürftiger Schulkinder zu beschließen und Arbeitslosigkeit des Vaters bei der Schulspeisung mit in Berücksichtigung zu ziehen. Gerichtliches. Wahrung berechtigter Interessen. Köln, 30. April. Vor dem Kölner Amtsgericht klagten 23 von Leipzig gelegentlich des Aerztestreiks nach Köln gekommene Aerzte gegen den Kölner Arzt Dr. Albersheim wegen Beleidigung. In einer VersammGesellschaft für soziale Reform hatte der Beklagte hinsichtlich der Leipziger Aerzte den Ausdruck Streikbrecher gebraucht. Zehn Klagen wurden abgereiesen, weil ein Sühnetermin vorher nicht stattgefunden hatte. Der Beklagte wurde freigesprochen, weil er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und unter den obwaltenden Umständen eine Beleidigung nicht vorliege. Ein bestialischer Stiefvater. Vor dem Schwurgericht in Koblenz hatte sich der 48jährige Tagelöhner Jakob Knopp aus Boppard zu verantworten angeklagt des vorsätzlichen Mordes an seinem 2 Jahre alten Stiefsohn Andreas sowie der fortgesetzten Mißhandlung seiner drei Söhne Jakob, Reiner und Peter. Der Angeklaute hat im verflossenen Sommer nach dreimonatiger Witwerzeit eine gewisse Katharina Schmidt geheiratet, die zwei uneheliche Kinder hatte. Das eine brachte sie bei ihren Eltern unter, das jüngste nahm sie mit in die Wohnung des Augeklagten. Dieses Kind soll Knopp mit Ueberlegung durch fortwährende Mißhandlung und Einflößung von schädigenden Flüssigkeiten zu Tode gemartert haben. Seine drei älteren Söhne hat er mit gefährlichen Werkzeugen in lebensgefährlicher Weise mißhandelt. Die Söhne, die freiwillig gegen den Vater aussagten, bekundeten, daß er mit bestialischer Roheit gegen das kleine Kind vorgegangen sei und erzählten schauerliche Einzelheiten. Der Angeklagte hat dem unehelichen Kinde Schläge mit einem Stock auf den Kopf versetzt, mit dem Absatz seiner Plüschpantoffel ins Gesicht geschlagen, die Zähne eingeschlagen, damit es seiner Mutter nichts sagen konne unter anderem mehr. Dann, so bekundete ein Sohn, habe er dem Andreas mit einem Stück Holz den Mund aufgesperrt und ihm Karbol und Arnika eingeflößt. Auch die anderen Knaben hat er so häufig ohne jede Ursache geschlagen, daß blaue Flecken und Wunden entstanden seien. Die als Zeugin geladene Ehefrau verweigerte die Aussage. Als der kleine Andreas gestorben war, stellte der prakt. Arzt Dr. Schmoll ein Attest aus, wonach er keine Spuren von Mißhandlungen gefunden hatte. Als später gegen den bestialischen Stiefvater Anzeige erstattet und die Untersuchung eingeleitet wurde, grub man die Leiche aus. Es stellte sich heraus, daß das Kind nicht nur einen Arm gebrochen hatte, sondern daß auch die Schädeldecke zertrümmert war. Die Geschworenen erkannten den Angeklagten der Mißhandlung seiner Söhne sowie des Mordes schuldig. Der Gerichtshof verurteilte hierauf den Angeklagten zum Tode und zu 1 Jahr Gefängnis. Militärisches. kw.Hannover, 30. April. Einmildes undeinstrenges Urteil. Das Oberkriegsgericht des 10. Armeekorps beschäftigte in zweitägiger Verhandlung eine Strafsache, deren Ausgang in weiteren Kreisen Aufsehen erregen dürfte. Am 12. März erhielt der Kommandeur des zweiten Bataillons des Ostfries. Ins.=Reg. Nr. 78(Garnison Osnabrück), Major Weber, einen anonymen Brief. In diesem wurde der Unteroffizier Volkert von der 8. Komp. beschuldigt, eine gesundheitsschädliche Behandlung eines Retruten vorgenommen zu haben, die der Briefschreiber als geradezu unmenschlich bezeichnete. Der Brief schloß ungefähr:„Der Herr Major moge den Fall untersuchen, andernfalls wir alten Leute nach unserer Entlassung den Fall zur Anzeige bringen werden beim Gericht.“ Die sofort eingeleitete Untersuchung bestätigte im allgemeinen die anonyme Mitteilung. Unteroffiziert Volkert kommandierte am 11. März, abends 9 Uhr, den Retruten Rolfs, der sich angeblich mit schmutzigem Wasser gewaschen hatte, nach dem Hofe, wo sich der Mann trotz der ziemlich scharfen Kälte den Oberkörper entblößen und sich dann bücken mußte, worauf er auf Befehl des Unteroffiziers von dem Spielmann Kiefer abgeseift und zuletzt mehrere Male mit eiskaltem Wasser übergossen wurde. Rolfs war infolge der Prozedur mehrere Tage erkältet, dauernde gesundheitliche Schöden sind jedoch nicht eingetreten. Als der anonyme Briefschreiber meldete sich im Laufe der Untersuchung der Muskerier Karl Boy von der 6. Komp., ein Eljässer, der sofort ebenso wie der Unteroffizier Volkert unter Anklage gestellt wurde und mit diesem am e. April vor dem Kriegsgericht der 19. Division zur Aburteilung kam. Letzteres verurteilte den Unteroffizier Volkert wegen„vorschriftswidriger Behandlung eines Untergebenen" zu 10 Tagen mittleren Arrest. Der Musketier Boy wurde schuldig befunden, es unternommen zu haben, den Major Weber durch Drohung zu einer dienstlichen Handlung zu bewegen. Unter Zubilligung mildernder Umstände lautete dann das Urteil gegen Boy wegen Widersetzung auf die„Mindeststrafe“ von sechs Monaten Gefangnis! Das Urteil gegen den Unteroffizier ist rechtskräftig geworden! Boy erhob Berufung und focht die Schuldfrage an, die gleichzeitige Berufung des Gerichtsherrn rügte das„zu niedrige“ Strafmaß. In der Verhandlung vor dem Oberkriegsgericht erklärte Boy, er habe sich die Tragweite seines Vorgehens nicht überlegt, im übrigen aber nur die Absicht verfolgt, eine Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Nur die Angst vor den bekannten Gefahren des vorgeschriebenen Instanzenweges habe ihn zur Absendung des anonymen Briefes bewogen. Major Weber sprach die Ueberzeugung aus, daß der Angeklagte nicht die Absicht einer Nötigung hatte, und Feldwebel Fricke schilderte ihn als einen weichlich veranlagten und leicht zur Rührung neigenden, dabei impulsiven Mann. Von dem Verteidiger, Rechtsanwalt Bojumga, wurde Freisprechung aus objektiven wie subjeltiven Gründen beantragt. Auch der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat Philippi, hielt das erste Urteil für unzutreffend. Widersetzung liege wohl nicht vor, dagegen Achtungsverletzung im Sinne des§ 89,2 des M.=Str.=G., wofür die gesetzliche Mindeststrafe von 14 Tagen strengen Arrests ausreichen würde. Das Oberkriegsgericht hat jedoch beide Berufungen verworfen und das Urteil der ersten Instanz bestätigt. Der eingangs zitierte Passus aus dem Briefe stelle eine Widersetzung bezw. eine Einwirkung zur Vornahme einer Diensthandlung durch Androhung eines Uebels dar. Für diese Feststellung sei nicht, wie in den Gründen des ersten Urteils ausgeführt, der Eindruck des Briefempfängers maßgebend, sondern die Absicht des Angeklagten, die nach Ansicht des Gerichts den Begriff der Widersetzung in sich einschließe. Die von der ersten Instanz verhängte Mindeststrafe von 6 Monaten Gefängnis erschien angemessen. Literarisches. Der Pope Gapon und seine Rolle in der russischen Revolntion. Erinnerungen und Eindrücke von Leo Deutsch. Der Verfasser ist der durch seine erfolgreiche Flucht aus den Eisgefilden Sibiriens bekannte russische Revolutionär, der hier seine Erinnerungen an den Priester erzählt. Mit der russischen Revolution, jener gewaltigen Epoche der Neuzeit, wird der Name Gapon als eine iyrer tragischsten Erscheinungen für immer verbunden sein. Gapon war es, der am 22. Jonuar hunderttausende seiner Landsleute vor das Schloß des Zaren führte, dessen Name eine Zeitlang das Interesse der ganzen Menschheit erregte, und der nach kurzer Zeit als Verräter an der Sache des Volkes durch das Urteil eines Revolutionstribunals hingerichtet wurde.— Dieses Interesse an der Persönlichkeit Gapons und der Rolle, die er im russischen Freiheitskampfe gespielt hat, ist noch heute lebhaft genug, um die Broschüre den deutschen Arbeitern empfehlen zu können. Preis 50 Pfg. Volksausgabe 25 Pfg. Zu beziehen durch Buchhandlungen und Kolporteure, sowie direkt vom Verlag der Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Ranker, Die Krankenpflege im Hause. Heft 19 der Arbeitergesundheitsbibliothek.— Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Preis 20 Pfg., in besserer Ausstattung 50 Pfennig. Wenn auch die Krankenpflege infolge der ganzen modernen Kulturentwicklung, der Großindustrie und der Vernichtung der alten Familie, der Großstadt mit ihrer Wohnungsmisere und dem Eintritt der Frau in das Erwerbsleben usw., aber auch infolge der neueren Entwicklung von Medizin und Hygiene mehr und mehr eine öffentliche Angelegenheit geworden, in Krankenhäusern und Sanatorien verlegt worden ist und durch Berufspfleger und=Pflegerinnen geschieht, so bleiben doch immer noch zahllose Fälle, in welchen nach wie vor die Familie die Pflege des Erkrankten übernmmmt, in welchen der Frau als Gattin und Mutter die Aufgabe zufällt, als Helferin des Arztes zur Gesundung erkrankter Familienangehörigen wesentlich mit beizutragen. Kein Zweifel, daß unsere heutigen Frauen und Mädchen für diese ebenso verantwortungsvolle wie schöne Aufgabe allermeistens nicht oder wenigstens nicht genügend geschult sind und aus dieser mangelhoften Vorbereitung sich mannig ##3e, Scpierisleiten und Schädigungen für den Kranken er#r###: Tiisem Mangel der heutigen Erziehung der Frau will belfen, in wescheme. 1 d Arbeitei=Gezundheitsbibliothek abn leicht faßlicher Form sasserz ein fruherer Krantenrätier, haltung““#.#rm Anweisungen gibt für die Instandung des Krankenzimmers und des Krankenbetts, die Lagerung und Reinhaltung des Kranken, Wachen bei Krankan, für,%Zghachtung des Kranken, das Stinsen— Kpanken und visatastungen beim Essen und Dae Heft s=N“ 9* „. Dus Hest sbute in keiner arbeiterfamilie fehlen, fleißig gebesen und im Bedarfsfall nachgeschlagen werden. Verlag Buchhandlung Vorwärig Sw 840 Bhrtung####,„Berlin Jw. b8. Die Hefte 16 und 17 sind erschienen. Jede Woche erscheint ein Zeitzzum Preise von 10 Pfg. Bestellungen durch alle Zeikungsausträger und Kolporteure. „ Kommunale Praxis. Wochenschrift für Gemeinde=Soziausmus. Verlag Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68. Heft 17 ist soeben erschienen. Aus dem Inhalt wir .. H a% veren erschienen. aus dem Inhau erwähnen „Du urbeitslosenversicherung in Bayern.— Das württem## osenversicherung in Bayern.— Das w vergische Gemeindeprogramm. Gemeindeverfassung.— und. Steuerwesen.— Gesundheitswesen.— Bildungsw. FinanzMemm### ssen.— Gesundheitswesen.— Bildungswesen.— Wohnungswesen.— Kommunale Sozialpolitik.— Armen= und Wazzenpflege.— Wirtschaftspflege.— Verkehrswesen usw. # is ver wöchentlich einmal erscheinenden Zeitschrift 3 Mk. pro Quartal. Besteuungen nimmt jede Postanstalt sowie Buchhandlung entgegen. Der.„Neuen Zeit“.(Stuttgart, Paul. Singer) ist soeben das 31. Me### des 27. Jahlgungs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Der französische Kongreß in St. Etienne(11. bis 14. August). Von Charles Rappaport(Paris). unbekannte Pestalozzi, der Sozialpädagoge und Sozialpolitiker. Antrittsvorlesung an der Universitat Zürich am 6a##shrngr 1909. Von Robert Seidel.— Die Stahlwarenes Solinger Industriebezirkes. Eine wirtschaftsgeschichtliche Studie von Johannes Kretzen.— Literarische Rundschau: G. B. Ughetti, Auf dem Wege zur Wissenschaft. "— Notizen: Die Marxisten in Holland. Von Dr. W. a. Vonger.— Zeitschriftenschau. Vermischtes. Der Bürgermeister als Wilderer. Kassel, 2. Mai. Im Walde bei Gersdorf im Kreise Herzfeld ertappten die Förster, die wegen der dort verübten Wilddiebereien einen verstärkten Uevermachungsdienst abten, Wilddiebereien einen verstärkten Ueberwachungsvienst eingesteut hatten, den Bürgermeister des Dorfes Alledorf, einen sehr vermögenden Mann, beim Wildern. Er hatte mit einem Verwandten, einem reichen Bauerngutsbe F## Ar einem Verwandlen einem Teichen„Tauerughisbesitzer, Schlingen gelegt, in denen er Rehwild sing. Bei der Haussuchung wurden noch einige Rehstücke gefunden. Der Bursche als Einbrecher. Wilhelmshaven, 3. Mai. , B u r s c h e b e i m Der Obermatrose Krüger,#### eim Stationschef Admiral von Fischel, erbrach im Stationsgebaude die Kasse, entwendete eine größere Summe und suchte dann das Weite. einem Einbrecher verletzt. Berlin, 2. Mai. Auf der Flucht nach einem Einbruch im Restaurant Kaisergarten in Pichersverg schoß der Hausdiener Wilhelm Donning auf den ihn verfolgenden Büfettier Rudolf Klagemann vom Restauran Neue Welt und verletzte ihn schwer. Der Täter entkam. Verwundete wurde dem Krankenhause zugeführt. Der Ein Gerüst eingestürzt. Frankfurt a. M., 30. April. Wie aus Worms gemeldet wird, stürzte heute nachmittag dort während eines heftigen Gewittersturmes ein schweres Gerüst an der neuerrichteten Walzwerken am Nothafen zusammen. Drei Zimmerleute, die sich in der Nähe des Gerüstes aufhielten, wurder durch herabfallende Balken und Eisenteile verletzt, davon einer schwer. Der Unfall ereignete sich während der Vesperpause nur dadurch ist ein größeres Unglück verhütet worden. Ein grausiger Fund. Mannheim, 30. April. Aus den Rhein bei Sandhofen wurde gestern nachmittag ein Sack ge zogen, der zerstückelte Leichenteile enthielt. Die Leiche dürft schon etwa zwei Monate im Wasser gelegen haben. Die gericht liche Untersuchung ist eingeleitet worden. Albert Langen gestorben. München, 30. April. Der Verleger des„Simplicissimus“, Albert Langen, ist heute in Alter von 40 Jahren gestorben. Schneegestöber in Süddeutschland. München, 3. Mai. De plötzliche Witterungsumschlag, der in den letzten Tagen in West und Mitteldeutschland eingetreten ist, hat sich jetzt auch in Südtirol und Bayern bemerkbar gemacht. Dort herrschen sei gestern heftige Schneegestöber. Im Gebirge liegt der Schne stellenweise 30 Zentimeter hoch. In Munchen trat starke Schneefall ein. Grenzzwischenfall an der russischen Grenze. Myslowitz, 1, Mai. Der Schuhmacher Bartoschewitz aus Myslowitz wurde ## er mit mehreren Freunden auf neutralem Boden in der Naye der Zollkammer stand, von den dortigen Grenzkosaken aufgefordert, den Platz zu verlassen. Da B. nicht sofort ging, wurde er von zwei Kosaken ergriffen und verhaftet. Auf dem Transport nach Bendzin bearbeiteten ihn die russischen Soldaten derart mit Kolbenstößen, daß er ins Krankenhaus übergeführt werden mußte. Wettersturz. Venedig, 3. Mai. Hier ist seit gestern Wettersturz eingetreten. Die Temperatur ist auf den Nullpunkt rres Sch gesunken. In Belluno wütet starkes Sihneegestöber. Durch den elektrischen Strom getötet Ein achtjähriger Knabe spielte gestern abend an der steilen Böschung des Bahneinschnitts der Pariser Ringbahn. Dabei kam er einem Starkstromkabel zu nahe und wurde durch den elektrischen Strom gelötet. Ein Mann hatte das gesehen und versuchte, den Knaben zu retten, doch auch er fiel entseelt nieder, als er die Leitung berührte. Einem Arbeiter erging es nicht vesser, so daß der Unfall drei Menschenleben gefordert hat. Endlich kam die Feuerwehr, durchschnitt das Kavel und sorgte für die Bergung der drei Leichen. Brand einer Mietskaserne. Newyork, 1. Mai. Bei dem Brande einer Mietskaserne wurden insgesamt 9 Personen getötet und 20 schwer verletzt. Mehrere Mutter warfen ihre Kinder auf die Straße, wo sie zerschmettert liegen blieben. Ein Zug überfallen. Newyork, 1. Mai. Räuber koppelie Locomotiwe und den Far, ung v.# Northern. Pgeifie ken die Locomotive und den Postwagen des Northern, Pacif Zuges ab, fuhren mit diesem foll und raubten die postsacke. Gegen die Gemeingefährlichkeit der modernen Damenhüte. In dem nordamerikanischen Staate Illinois hatten kürzlich eine unzahl Frauenrechtlerinnen einen Sturm auf das Parlament inszeniert und die Herren Gesetzgeber aus dem Beratungssaale vertrieben, wo sie dann, von den galanten Abgeordneten als Zuschauer auf der Galerie bewundert, eine Stunde lang Parlament hielten. Dieser Sturm auf das„Kapitol“ hat nun eine den kühnen Damen nicht vorhergesehene Wirkung gezeitigt: 7257, Abg. Henton hat jetzt ein Gesetz gegen die Gemeinzefährmodernen Damenhüte eingebracht. Die Abgeordneten von Illinois, die so bereitwillig den Frauen ihre Sitze abtraten, find nämlich im Gedränge Opfer der Hutmode geworden: eine große Zahl von ihnen hat durch die breitrandigen Hüte und die hervorstehenden Hutnadeln im Gesichte Schrammen und zum Teil sogar schmerzhafte Verletzungen davongetragen. ufgebote: Fabrikarbeiter Gustav Knoche, Sieker 290, und Näherin Anna Austmeyer, Sieker 166; Bäckermeister Auz. Stenner, Sieker 352, und Auguste Kisker, Theeßen 33; Fabrikarbeiter Friedr. Puls, Sieker 255, und Näherin Helene Ruwe, Sieker 8: Eisendreher Heinr. Schlingmann, Sieter 344, und Fabrikarbeiterin Anna Ottensmann, Sieker 207. Verehelicht: Wäschezuschneider Hugo Klußmann, BieleWilh. Pott, Sieker 4, und Anna Kobusch, Sieker 4. estorhen: Fabrikarbeiter Heinrich Aug. Klemme, Sieker 122, 22 I.: Paula Hülsmann, Sieker 345, 10 M. Heepen. In der Zeit vom 16. bis 30. April wurden beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten: Söhne: Fabrikarb. Gust. Obermark, Heepen 178; Kolon Karl Gaus, Heepen 47; Tagelöhner Gust. Grabbe, Lübrassen 1; Erdarbeiter Aug. Stuke, Heepen 155; Fabrikarb. Otto Diekmann, Heepen 6.— Töchter: Lackierer Otto Schlottmann, Heepen 265; Müller Heinrich Ellermeier, Oldentrup 2; Landbriefträger Friedrich Möller, Heepen 241; Fabrikarb. Gust. Wächter, Heepen 216; Fabrikarb. Friedr. Knoche, Heepen 141; Fabrikarb. Gust. Stieghorst, Heepen 249; Schmied Heinrich Burggrabe, Heepen 218; Kolon Herm. Hallerberg, Altenhagen 7; Hofarb. Friedr. Fuhrmann, Brönninghausen 7. Eheschließungen: Schuldiener Aug. Halemeyer, Heepen * Nührasse 86, und Fabrikarbeiterin Anna Strunk, Tubrassen 10; Eisenbahnbauassistent Otto Möller, Heepen 134, und Pauline Hassebrock, daselbst Nr. 11. Webermeister August Rußkamp, Oberjöllenbeck 163, und Weberin Anna Möller. Heepen 17. Sterbefälle: Frida Justine Marie Holtmann, 7 Mon. alt, Heepen 117: Landwirt August Heinrich Wilhelm Strunk, 70 Jahre alt, Altenhagen 8; Martin Bruno Wellmann, 5 Mon. alt, Heepen 168; außerdem 1 Totgeburt. Standesamts-Nachrichten. Standesamte angemeidet: 16. bis 30. April sind beim Hiesigen „„Geburten: Söhne: Fabrikarbeiter Herm. Büscher, Sieker 418; Stuckateur Gustav Werning, Sieker 72; Bäcker Heinrich Hotho, Sieler 200; Fabrikätbeiter Friedr Brinkmann, Sieker Hatho Siaker 900: Sahr karb.0; Sieker 72; Bäcker Heinrich 929: 8 hrikarbeiter Friedr. Obermark Fabrikarheiter Friedr. Ooexmart, Sieker 322. Tochter: Gartner Bernhard Zumsande, Sieker 195; w. Fabritaxheiter Friedt, Vr##mart, Sieker 322. ,„in Erinhag, Horhanrg Gieltt 155, Fabrik= arbeiter Friedrich Beckmann, Sjeker 351; Schlosser Karl Schafer, Gieker aos; Fobrikarbeiter Woithelm Niemanns drich Ber, ger 351; Schlosser Karl Schä m Niemann, Sieder 139. Bünde. Geburten: Töchter: Malermeister Karl Herm. Heinr. Brünger, Hangbaumstr. 3; Seilermeister Ernst Heinrich Bekemeyer, Feldmark 67. Sterbefälle: Gerichtsvollzieher Johann Heinrich Brune, 66 J.; Johanne Wilhelmine Christiane Isabelle Emma Frank geb. Harlep, 82 J.; Gartenstr. 27; Anna Marie Ilsabein Vahle geb. Haubrock, 74 J., Feldmark 21; Werlmeister Aug. Heinrich Dammeier, 37 J., Feldmark 71. Vereins-Kalender. Dienstag. Gesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr beim Wirt Pieper, Friedrichstraße. Gemischter Chor 9 Uhr im„Schützenhof“, Arndtstraße. Kamphofer Liedertafel 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeitergesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr bei Beckmann, Gr. Howe. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restauration zum Siegfried. Zitherklub„Edelweiß“ 9 Uhr bei Keimeyer, Herforderstraße. Kegelklub„Hansa“ 8½ Uhr bei G. Kickert. Bielefelder Kraftsport=Vereinigung 9 Uhr im Berliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld Abt. IV bei Tuxhorn. Radfahrerklub„Westfalia 8½ Uhr bei Helsinger, Schmiedestr. 9. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. - Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Guttemplerorden Löge Teutoburg. 836 Uhr. Gr. Kurfürsteg. straße 51. Bratkwede. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr be: Karl Schröder. Brackwede. Kraft=Sport=Verein 3½ Uhr bei Karl Schröder. Sieker. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr im Ver, einslokal Sieker 228. Sndbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf" b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Elche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Brake. Arbeiter=Turnverein 8½ Uhr in der Turnhalle. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel. Bürgerweg. Enger. Turnverein„Eintracht“, 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arb. Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Radfahrerverein„Frisch voran“ abends 7 Uhr bei Witwe Tiemeier. Herford. Gesangverein„Arion“ 9 Uhr bei Tiemeier, Stiftberg. Herford. Arbeiter=Gesangverein„Immergrün“ 9 Uhr beim Wirt Büchner. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Falkendiek. Arbeiter=Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Stille. Speuge. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit" 8¾ Uhr bei Heitmann. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr bei Herrn Fricke, Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Lage. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestraße. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei Gastwirt Mohrmann, Lippischer Hof. Vlotho. Arbeiter=Gesangverein abends 8½ Uhr bei Gastwirt Casselmann. Minden. Arbeiter=Sängerbund 7½ Uhr: Männerchor. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaum. burger Hof. Briefkasten der Redaktion. E. A. 1. Nein, dazu ist die Kasse nicht verpflichtet. Die Fragen 2—4 erledigen sich damit. F. K. Frage 1 hängt doch jedenfalls mit dem Bezug von Armenunterstützung zusammen. Wenn der Mann die angewiesene Arbeit nicht verrichten kann, soll er sich dies vom Arzt bescheinigen lassen. 2. Die von Ihnen genannte Kommission ist wohl die untere Verwaltungsbehörde, welche die Rentenanträge begutachtet. Wenn das Attest eingereicht war, wird es auch wohl mit vorgelegen haben. 3. Der Bezug einer Invalidenrente hat mit dem Lebensalter nichts zu tun. Vorschrist ist, daß der Antragsteller 200 Wochenbeiträge geleistet hat und seine Erwerbsjahigkeit auf weniger als ein Drittel gesunken ist. Warum wenden Sie sich mit Ihren Fragen denn nicht an das Sekretariat in Herford, Hämelingerstraße 5? Briefkasten der E. H., Lemgo. Ihre Karte haben wir der Post übergeben, die Zeitungen sind hier rechtzeitig aufgegeben worden. Arbener, agitiert für enti Ieilung! ssssru PaIzn! lüssige Kroum. H1. Die fromme Heleue. 2. Abeutener eines Zunggesellen. 3. Fipps, der Affe. 4. Herr und Frau Fuopp. 5. Julchen. 6. Die Haarbentel. 7. Bilder zur Jobstade. 8. Der Geburtstag oder Die Partikularisten. 9. Dideldum. 1o. Plisch und Plum. 11. Baldnin Rählamm. 12. Maler Klecksel. 13. Vater Filncins. Preis: Nru. 1—3 à 1.80 Mk., Nrn. 4—13 à 1.25 Mk. Zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht“. Tanpt Arbeitsnachweis Bielefeld. Zimmerstr. 19. Fernsprecher 292. Nur Werktags geöffnet: vormittags von 8—1 Uhr, nachmittags von 4—7 Uhr. Männliche Abteilung. Es werden gesucht: 2 Ackerknechte, 2 Ackerburschen, 1 Barbier, 1 Barschlosser, 2 Dachdecker, 2 Hausbur,chen, 2 Schlachter, 28 Maler, 4 Schmiede, 4 Sattler und Polsterer, 36 Schneider, vier Tischler auf Bau u. Möbel, 1 Schuhmacher, 3 Steinhauer, 8 Stellmacher, 3 Tapezierer und Dekorateure, vier landwirtsch. Arbeiter, 2 Viehwärter, 2 junge Kutscher, 2 Zimmerleute, mehrere Lehrlinge. Es suchen Arbeit: Bauarbeiter, Klempner, Dreher, Bohrer, Maschinenschlosser, Knechte, Mechaniker, Kernmacher, Fabrikarbeiter, Buchbinder, Kartonnagenarbeiter, Kaufleute, Bäcker, Maurer, Handlanger, Erdarbeiter, Hobler, Schleifer, Buchbinderlehrling. Weibliche Abteilung. Es werden gesucht: Mehrere Dienstmädchen für Stadt und Land, Zimmermädchen, Köchinnen für auswärts, 2 Haushälterinnen für Stadt, Kindermädchen für auswärts, 2 Haushälterinnen für Land, mehrere Landmägde. Es suchen Arbeit: Mehrere Stützen, mehrere Mädchen für Lager, mehrere Aufwärterinnen, mehrere Arbeits=, Wasch= u. Stundenfrauen. Bielefeld, den 29. April 1909. Die Verwaltung. Rechnungs-Formulare, liefert in sauberer Ausführung prompt und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. Soeben ist erschienen und in der Buchhandlung„Volkszu haben: Leo Deutsch: Der Lockspitzel Asew und die terroristische Taktik. Die gefährlichste Zeit des Sänglingsalters ist die Periode der Zahnung und Entwöhnung, weil in diesem Alter die Durchfälle am häufigsten auftreten. Die beste Abwehr bietet eine rationelle Ernährung mit„Kufeke“ und Milch, wodurch die Verdauung gefördert und geregelt wird. 2545 Kleine Anzeigen=Gae. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in#### Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Fahrräder, sowie sämtliche Zubehörteile, als Laufdecken, Luftschläuche, Lenkstangen, Felgen, Pumpen usw., zu billigsten Engrospreisen. Bielefelder Nähmaschinen= und Fahrrad=Industrie G. m. b. H., Verkaufsläger: Friedrich= straße 25. 1982 Friseurgeschäft in meinem Hause per Juli anderweitig für 300 Mk. Jahresmiete zu vermieten. 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Ih dalidität und Krankhei und zwar hauptsächlich rechtzeitigen und ordn fahr der vorzeitigen I Im ursprünglichen Grundsatz maßgebend, tralssieren. Tadi geführt worden, die fi vieler Klassen eine so Teil der Ortskra1 freiwilligen Zu Entwurf gibt die hochst preis. Er trägt dem G beschränktem Maße Re 1907 gab es neben de 23232 Krankenkassen 1 aller Kassen hatten wi Zersplitterung ein gro gründung des Entwurf dürse nicht allzu halb nicht? Weil die 9 durchaus begründeten schaft seit Jahren e triebs=, Bau=,„ kassenwesen zu be Kassengebilde, die das organische Entwicklung erhalten bleiben erhobenen durchaus zut glauben machen, daß sie über die ja viel mehr ge krankenkassen! Besond kassen spricht aus die Kassen begegnen ja die 5#x. schweren„ordnung ulberzeugung gewonnen den Kassengebilde sozuf gegen die Ortskr dabei insgesamt etwa Mit diesen Kassen wir einer Prätension des Von Selbstverwal ihnen ganz und gar kei oder weniger von der nach berechtigten Inter ist, speziell die Kr „Förderer des sozialen haltiger Grund für die die Ortskrankenkasseni den und kann auch nich " Anders als zu den uich der Entwurf zu sicherung zugelassenen zung. Diese ist eine fuhrende kommunal vornherein als ein dur gedacht worden ist. pflichtigen erfassen, die dem einen oder dem and Krankenkasse unterbring sonen haben nicht allen der Versicherung, sie Empfang von Krankenu beblich hinter den Mit zurückstehen. Es bestat versicherungen(gleich e einrichtungen) mit 147 der Versicherten). Der #esnahmslos zu eersicherung sich für die sllziehen wird. Diese Beseitigung ist i entschieden eingetreten; erein ebenso widerstre und Knappschaftskassen. 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