für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatDurch die Post bezogen 1.80 Mr. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. #" 95. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Sonnabend, 24. April 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Bieleseld. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Die Konkurrenz zwischen Großbetrieb und Kleinberried in Tandwirtschuft und Inonstrie. In der letzten Zeit ist die Frage, ob in der Landwirtschaft der Groß= oder der Kleinbetrieb wirtschaftlich vorteilhafter arbeitet, durch das Buch des Genossen Schulz wieder akruell geworden. Während es heute kaum mehr jemanden gibt, der die große und fast ausnahmslose Ueberlegenheit des Großbetriebs in der Industrie bestreitet, wird über die Ueberlegenheit des Großbetriebs in der Landwirtschaft immer wieder sowohl innerhalb der Sozialdemokratie, wie auch in bürgerlichen Kreisen gestritten. Wenn ein ähnlicher Streit heute für die Industrie nicht mehr möglich ist, so liegt das daran, daß tatsächlich auf den meisten Gebieten der Großbetrieb den Kleinbetrieb verdrängt hat oder vor unseren Augen verdrängt. Die Resultate der letzten Gewerbezählung haben dies ja von neuem bewiesen. Wir sehen es als selbstverständlich an, daß im Laufe der Zeit der fortgeschrittenere und leistungsfähigere den minder leistungsfähigen Betrieb verdrängen muß. Das hat auch für die Industrie durchaus seine Richtigkeit. Worin besteht denn die Ueberlegenheit des vollkommeneren Betriebes? Darin, daß dieser imstande ist, dieselbe Menge von Gütern mit einem geringeren Aufwand herzustellen, daß er billiger produzieren kann. Gewiß werden in einem Großbetrieb im ganzen viel mehr Waren verfertigt, wie in einem Kleinbetrieb. Aber die Kosten steigen nicht in demselben Maße wie der Aufwand. Während z. B. die Produktion sich verzehnfacht, werden die Aufwendungen vielleicht sich nur verfunffachen. Die auf das einzelne Stück der hergestellten Waren entfallenden Kosten würden sich dann bei dem betreffenden Großbetrieb nur halb so hoch stellen, wie bei dem Kleinbetrieb. Muß denn aber unbedingt die Verbilligung der Produktion sich auch in einem Sinken der Preise äußern? Kann nicht der Unternehmer, der so vorteilhaft produziert, seine Waren weiter zu dem bisher üblichen Preise verkaufen und den hohen Gewinn einstecken? Das ist nur dann möglich, wenn er ein rechtliches Monopol, etwa durch ein Patent, oder ein tatsächliches, infolge des Bestehens eines den Markt in dem betreffenden Produktionszweig beherrschenden Trusts oder Kartells hat. Sonst aber wird die Konkurrenz dafür sorgen, daß die Preise bald ins Sinken kommen. Niemanden ist es ja verwehrt, einen Betrieb zu errichten, der die gleiche Ware auf die gleiche Weise produziert. Wenn daher in irgend einem Geschäftszweig ein außerordentlich hoher Gewinn in Aussicht steht, dann strömt das Unternehmerkapital hinein. Infolge der entstehenden Konkurrenz werden die Preise der erzeugten Waren so herabgedrückt, daß der Gewinn bald nicht mehr größer ist wie in anderen Industriezweigen. Für die Herstellung beliebig vermehrbarer Gegenstände, und darum handelt es sich in der Industrie, gilt das Gesetz, daß die Preise schwanken(oszillieren lautet der Fachausdruck) um die Kosten der billigsten Produktion, die überhaupt möglich ist. Je nach der Marktlage werden sie etwas höher oder niedriger sein. Wenn durch die Konkurrenz der Großbetriebe die Preise derartig gesunken sind, dann ist es mit den teurer arbeitenden Kleinbetrieben vorbei, ihnen wird das Lebenslicht ausgeblasen. Halten sie an ihren früheren Preisen fest, so kauft ihnen niemand mehr ihre Waren ab, denn es werden in der Regel die Waren dort gekauft, wo sie am billigsten sind. Setzen sie ihre Preise aber ebenso niedrig, wie ihre großen Konkurrenten, so können sie nichts mehr verdienen, sie kommen nicht mehr auf ihre Kosten. In beiden Fällen muß der Besitzer eines solchen Unternehmens nach einiger Zeit den Betrieb einstellen. Wenn er nicht etwa ein größeres Vermögen hat, das es ihm ermöglicht, als Rentner zu leben, sinkt er ins Proletariat hinab. An dieser Verdrängung des weniger leistungsfähigen Kleinbetriebes durch den leistungsfähigeren Großbetrieb können bei freier Konkurrenz auch die Schutzzölle nichts ändern. Die Schutzzölle schützen nur vor der ausländischen Konkurrenz, dämmen aber die inländische Konkurrenz nicht ein. Ihr Bestehen kann dazu führen, daß im Inlande Betriebe erhalten bleiben oder auch entstehen, die ohne die Schutzzölle gegenüber ausländischen Betrieben nicht konkurrenzfähig wären, denn die ausländischen Waren werden ja um den Betrag des Zolles verteuert. Aber sie erhöhen nicht den Betrag, bis zu welchem die Waren infolge der Konkurrenz der inländischen Großbetriebe üinken können, und deshalb können sie dem weniger leistungstähigen Kleinbetrieb auf die Dauer durchaus nichts nützen. Liegt es nun in der Landwirtschaft ebenso? Muß auch dort der leistungsfähigere Betrieb den weniger leistungsfähigen verdrängen? Das würde nur dann der Fall sein, wenn auch in der Landwirtschaft Betriebe in beliebiger Weise errichtet und erweitert werden könnten. Das ist aber nur dort möglich, wo Grund und Boden, der wichtigste Faktor der landwirtschaftlichen Produktion, unbeschränkt vorhanden ist, so daß ein jeder ihn sich One weiteres aneignen kann, der einen Betrieb eröffnen will. So liegen aber die Verhältnisse in keinem Kulturlande. Der Grund und Boden ist beschränkt vorhanden. Ja, in vielen Ländern, wie in Deutschland und Englond, haben wir nicht so viel zur Bebauung geeigneten Boden, daß man den Bedarf der Bevölkerung an landwirtschaftlichen Produkten mit seinen Erzeugnissen decken kann. Zwar konkurrieren mit unseren Landwirten die der fremden Länder. in denen Grund und Boden durchaus nicht fehlt. Aber diese Konkurrenz kann nicht dazu führen, daß die Getreidepreise im Inland bis auf die Höhe der Kosten der Produktion in dem betreffenden Konkurrenzlande wie ker Pe in Verschlanz“. Ddie Zelse konnes. VerLeuerung der landwirtschaftlichen Produkte durch Zölle und Transportkosten hat aber eine andere Bedeutung, wie bei Indastrieartikeln. Bei diesen bildet der Betre; der ausländischen 85uktionskosten zuzüglich Transportkosten und Zoll die P#ysigrenze für das Steigen der Preise der im Inland hergeseuten Waren. Denn sowie die Preise der inländischen Waren oder diesen Betrag hinausgingen, würden eben ausländische Waren gekauft werden. Aber wie schon ausgeführt, können sehr Iehl, infolge der Konkurrenz im Inland die Preise unter Betrag sinken. Bei landwirtschaftlichen Produkten jedoch bildet derselbe Betrag nicht nur die Höchstgrenze für die Preise nach oben, sondern wenn im Inland nicht soviel Produkte hergestellt werden können, wie gebraucht werden, auch die Grenze nach unten. Da die inländische Produktion nicht genügt, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken— daneben kommt unter Umständen auch noch die Ausfuhr in Betracht—, haben sämtliche Landwirte die Aussicht, ihre Produkte loszuwerden. Deshalb hat kein Landwirt ein Interesse daran, einen anderen durch Preisunterbietung vom Markt zu verdrängen, und er wird daher seine Preise so hoch, wie nur irgend möglich, halten. Wenn nun infolge irgend welcher technischen Verbesserungen in einem landwirtschaftlichen Betrieb die Produktion wesentlich verbilligt wird, so wird der betreffende Landwirt selbstverständlich das tun, was auch der Industrielle in diesem Fall gern tun würde, aber in der Regel infolge der Konkurrenz nicht tun kann. Er wird billig produzieren und weiter teuer verkaufen. Den höheren Gewinn wird er sehr gern in die Tasche stecken. Eine Verbilligung seiner Produkte würde ihm absolut nichts nützen. Er würde niemanden vom Markt verdrängen. Die teurer hergestellten Produkte des anderen werden ja auch zur Befriedigung des Bedarfs noch gebraucht. Und er kann seine Produktion auch nur in sehr beichränktem Maße vermehren, wenn er nicht mehr Grund und Boden kauft. Gewiß kann auf derselben Fläche durch intensivere Bewirtschaftung unter Umständen mehr herausgeholt werden, aber das geht nur bis zu einer gewissen Grenze. Vergrößert der Landwirt aber, um seine Produktion zu vermehren, seinen Besitz an Grund und Boden, so hat er erst recht keine Veranlassung, mit seinen Preisen herabzugehen. Er braucht ja nicht wie der Industrielle, der seinen Betrieb vergrößert, eine größeres Absatzgebiet zu erobern, indem er seine Konkurrenten zurückdrängt. Dadurch, daß er einem anderen Grund und Boden abgesauft hat, hat er dafür gesorgt, daß von anderer Seite weniger landwirtschaftliche Produkte zum Verkauf angeboten werden. Wenn aber die Preise nicht herabgedrückt werden, so kann auch der weniger leistungsfähige Betrieb noch ganz gut bestehen: Sein Eigentümer wird nicht soviel verdienen, wie der des leistungsfähigeren, aber er braucht nicht verdrängt zu werden. In der Landwirtschaft„oszillieren“ eben die Preise nicht nach den Kosten der billigsten Produktion, sondern nach den Kosten der teuersten Produktion, die noch herangezogen werden muß, um den Bedarf zu befriedigen. Wenn aber in der Landwirtschaft der leistungsfähigere Betrieb den weniger leistungsfähigen nicht verdrängen muß, so ergibt sich, daß allein aus dem Vordringen der einen oder anderen Betriebsform nicht auch auf ihre wirtschaftliche Ueberlegenheit geschlossen werden darf. Es ist z. B. wohl möglich, daß der Kleinbetrieb immer mehr vordringt, trotzdem er wirtschaftlich weniger leistungsfähig ist, weil eben sehr viele Leute da sind, die Kleinbetriebe errichten, oder weil infolge von Erbteilung eine Zerspliterung eintritt, und ebenso ist es möglich, daß der Großbetrieb immer mehr Gebiet erobert, ohne daß er deshall leistungsfähiger zu sein braucht, weil die Großgrundbesitzer aus irgend welchen Gründen politischer oder sozialer Natur die kleinen Besitzer auskaufen, weil sie Bauern legen. Uebrigens wird häufig auch der Kleinbetrieb durch die Ueberarbeit des Eigentümers und seiner Familie aufrecht erhalten. Daher kommt es, daß uns die wirtschaftliche Entwicklung für die Landwirtschaft nicht so klipp und tlar die Antwort auf die Frage gibt, ob der Groß= oder der Kleinbetrieb leistungsfähiger ist, wie für die Industrie. Der Streit über diese Frage wird wahrscheinlich erst aufhören in der sozialistischen Gesellschaft, wo man durch genaue Untersuchungen zweifelsfrei feststellen wird, welche Betriebsform vom wirtschaftlichen Standpunkt vorzuziehen ist, und dann unbekümmert um irgend welche privatwirtschaftliche Interessen diejenige Betriebsform zur allein herrschenden machen wird, welche die Produktion mit dem geringsten Arbeitsaufwand sichert. Die sozialistische Gesellschaft wird eben auch in der Landwirtschaft jede Verschwendung von menschlicher Arbeitskraft— und eine solche liegt vor, wenn der wirtschaftlich weniger leistungsfähige Betrieb erhalten bleibt— beseitigen. Politische Uebersicht. Deutsches Die große Säge. Mit Wirkung vom 1. April wurden in der preußischen Armee in den Ruhestand versetzt: 1 Generalleutnant, 4 Generalmajore, 6 Obersten, 4 Oberstleutnants, 14 Majore, 8 Hauptleute, 10 Oberleutnants und 17 Leutnants. Diese Verjüngung der Armee bekommen die Steuerzahler am Geldbeutel zu spüren. Eine verpuffte Staatsaktion. Als im vorigen Jahre die Konsumgenossenschaft Offenbach liquidierte, suchte der nationalliberale Abgeordnete Amtsgerichtsrat Seifert in Verfügungen die Liquidatoren des Vereins unter Strafandrohungen zur Aufstellung einer anderen Bilanz zu zwingen. Nebenher wurde ein Strafverfahren wegen Vergehens gegen das Genossenschaftsgesetz eingeleitet und die Geschäftsbücher beschlagnahmt. Nachdem bereits im Januar die Verfügungen des übereifrigen Richters durch das Oberlandesgericht Darmstadt aufgehoben war, ist jetzt auch das Strafverfahren gegen die Liquidatoren wegen der anderen Vergehen eingestellt worden. Der von bürgerlicher Seite eingeleitete, zu Wahlzwecken benutzte Feldzug gegen die Genossenschaft ist also kläglich verpufft und die Drahtzieher, nationalliberale Stadträte und Agitatoren, stehen als Verleumder gebrandmarkt da. Die bayerische Regierung gegen die Reichswertzuwachssteuer. Wie die„Münchener Post“ hört, wird die bayerische Regierung sich gegen die Absicht wenden, die Reichswertzuwachssteuer als Ersatz für die Nachlaßsteuer gelten zu lassen. Die bayerische Regierung wird entschieden den Standpunkt vertreten, daß der Ertrag aus der Besteuerung des Wertzuwachses den Gemeinden zufallen soll. Gegen die Agitation des Bundes der Landwirte. Die württembergische Regierung wendet sich im amtlichen„Wochenblatt für die Landwirtschaft“ in einem offiziellen Artikel nochmals mit aller Entschiedenheit gegen die Behauptung der Bauernbündler, daß die Nachlaßsteuer besonders die Landwirtschaft bedrückt haben würde. In dem Artikel wird ausdrücklich festgestellt, daß von den 270000 landwirtschaftlichen Betrieben Württembergs 220000 von der Nachlaßsteuer überhaupt nicht getroffen werden würden.— Soweit also die kleinen und Mittelbauern der Agitation des Bundes der Landwirte in dieser Frage gefolgt sind, stellt sich immer deutlicher heraus, daß sie genasführt worden sind und nur den Reichsgroßgrundbesitzern die Kastanien aus dem Feuer holen sollten. Dietrich Hahn als Nothelfer. In einer konservativen Versammlung, die am Donnerstag abend in Berlin stattfand, bedauerte der Vorsitzende, daß man keinen konservativen Abgeordneten gefunden habe, der bereit gewesen wäre, über die Nachlaßsteuer zu reden. Deshalb habe es Herr Dr. Dietrich Hahn übernommen,„Aufklärung“ über die Nachlaßsteuer zu geben. Das hat Herr Dietrich Hahn auch wirklich besorgt, er propagierte sofort die neuen konservativen Steuervorschläge und wies dann darauf hin, daß mit einer Auflösung des Reichstags gerechnet werden müsse; die konservativen Steuervorschläge werden dann zweifellos die Billigung der Massen finden. Es sieht in der Tat fast so aus, als drängten die Konservativen zu einer Auflösung des Reichstags, und als seien die neuen Steuervorschläge nur darauf berechnet, als Agitationsmittel für die Wahlbewegung zu dienen. Aus dem Reichstag. Ist die Finanzreform vor Pfingsten noch zu erledigen? Die Finanzkommission richtete das Ersuchen an den Seniorenkonvent des Reichstages, statt Dienstag und Donnerstag die Plenarsitzungen ausfallen zu lassen, zwei Tage hintereinander sitzungsfrei zu lassen. Die Kommission will dann an den ihr freigegebenen Tagen von 10 Uhr früh bis 5 Uhr nachmittags mit einer kleinen Mittagspause tagen und an den übrigen Tagen mit Ausnahme des Montags täglich 4 Stunden, so daß sie für die Woche 24 Arbeitsstunden zur Verfügung hat. Inseratensteuer zugehen läßt, müssen diese Entwürfe erst im Plenum beraten werden, ehe sie der Kommission überwiesen werden. Im günstigsten Falle könnten die Ersatzsteuern dem Reichstag erst Anfang Mai zugehen und würden der Finanzkommission kaum vor Mitte Mai zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Selbst wenn sonst alles klappt, dürfte es also schwierig werden, vor Pfingsten noch mit den Vorlagen fertig zu werden. *„* „Der Seniorenkonvent des Reichstages trat Freitag auf Veranlassung der Finanzkommission wegen Festsetzung der sitzungsfreien Tage nochmals zusammen. Es wurde beschlossen, daß nicht am Dienstag und Donnerstag die Plenarsitzungen ausfallen, sondern daß Freitag und Sonnabend sitzungsfrei bleiben sollen, ebenso der Montag, an welchem Tage auch die Finanzkommission keine Sitzung abhalten wird, während am Freitag und Sonnabend Sitzungen von je 6 Stunden Dauer stattfinden sollen. Die Neuordnung soll vom nächsten Freitag ab in Kraft treten. * Budgetkommission und Rechnungshof Die Budgetkommission beschloß heute nach längerer Debatte folgende Resolution:„Den Reichskanzler zu ersuchen, daß 1. den Beratungen der Rechnungskommission ein Mitglied des Rechnungshofes beiwohnt, 2. der Budgetkommission und Rechnungskommission die Erinnerungen des Rechnungshofes, soweit sie grundsätzliche Fragen der etatsrechtlichen Verwendung der Einnahmen betreffen, mitgeteilt werden.“ Ein Antrag Arendt, zu sagen: „in geeigneten Fällen“ wurde abgelehnt. Die Kommission begann sodann mit der Beratung der Besoldungsvorlage und es kam hierbei zu Auseinandersetzungen wegen der Beamtenversammlungen in der Hasenheide. Staatssekretär Sydow bestritt, daß die Regierung hierbei die Hand im Spiele habe. Geheimrat Halle habe es allerdings übernommen, die Oeffentlichkeit über die Pläne aufzuklären, und das Recht müsse die Regierung haben. *„* Die Erledigung der Reichsversicherungsordnung bildet den Gegenstand von Verhandlungen, die zwischen der Regierung und dem Reichstag zurzeit gepflogen werden. Wenn es möglich ist, dann soll der Entwurf so rechtzeitig fertiggestellt werden, daß die Witwen= und Waisenversorgung am 1. Januar 1910 in Kraft treten kann. Dem stehen allerdings außerordentliche Schwierigkeiten entgegen. Zunächst einmal die Geschäftslage des Reichstages und dann der Umfang der Materie. Es wäre nur ein Weg denkbar, nämlich die erste Lesung so rasch als möglich im Plenum des Reichstags vorzunehmen und dann das Gesetz an eine Kommission zu verweisen, die den ganzen Sommer hindurch tagen müßte. Der Reichstag könnte dann im Herbst sofort in die zweite Lesung eintreten und das Gesetz dann bis Ende November fertigstellen. Legt man Wert auf eine rechtzeitige Fertigstellung,— und das ist dringend zu wünschen— da bleibt ein anderer Weg nicht übrig. *„* Die Kontingentierung in der Finanzkommission. Das Branntwein=Kontingent wird an die einzelnen Brennereigüter nach Maßgabe der zum Kartoffelbau geeigneten Landflächen verteilt. Bei der Bemessung des Kontingents muß jene Bodenfläche abgezogen werden, die zum Bau von Kartoffeln ungeeignet ist oder die durch die Kultur anderer Produkte besser ausgenutzt werden kann. Nun gibt es aber Güter, denen Kartoffelboden angerechnet ist und die deshalb ein, der Größe dieses Bodens entsprechendes Kontingent haben, die aber in Wirklichkeit nur wenig Kartoffeln zu Brennzwecken bauen, vielmehr längst zum lukratiden Rübenbau übergegangen sind. Für ihre Brennerei kaufen sie die meisten Kartoffeln und unterscheiden sich sonach kaum noch von den gewerblichen Brennereien. Trotzdem beziehen sie die Liebesgabe von 20 Mk. für ihr viel zu hohes Kontingent. Es handelt sich dabei um eine Anzahl von Gütern, denen zum Teil das Kontingent von der Kontingentierungskommission verweigert worden war, und die es dann auf ihre Beschwerde hin vom preußischen Landwirtschaftsminister wieder erhalten haben. Diese Auslegung der Kontingentierungsvorschriften ist nach Ansicht der Mehrheit der Kommission falsch. Abg. Dr. Südekum beantragte deshalb, die Regierung möge eine Liste jener Brenner vorlegen, die auf diese Weise zu einem Kontingent gekommen sind. Der Antrag wurde von den Konservativen mit dem Argument bekämpft, daß man nicht einen Einblick in private Verhältnisse gestatten könne. Der Antrag wurde schließlich angenommen, sehr zum Aerger der Konservativen, von denen Dr. Dietrich wie besessen hin und her rannte, um die einzelnen Mitglieder der Blockparteien zu veranlassen, gegen den Antrag zu stimmen. Der Liebe Mühe war umsonst. Und nun beschlossen die Agrarier, sich zu rächen, indem sie in der nächsten Sitzung beantragen werden, daß eine Liste aller Brenner von ganz Deutschland der Kommission unterbreitet wird. Der Zweck des Antrages ist der, zunächst einmal die Sache zu Bild der Korruption nach Der konservative Steuervorschlag politische Folgen nach sich ziehen müsse, uw so mehr als 9.r Nr trag höchst ungerechte Verteilung der Lasten ein tazisches Marsder: Der onservative Verschleppungspolik, Vertuag Jei 2 haskteg Peiusge beschränt sch auf die Ve. konservativen Vorschlag ist natürlich die Deutsche Tagesita“ erhdorben Jaben. Die Konbinaton der Rechsverzwaczs. vativen zu ärgern, den Wee nach Damaskus einschlagen wollen. können aber bloß als Ersotz für die Nachlatster zeitung“ geht zur Genüge bervor, daß es deutschen Tageszu decken für den Fall cher u der andern Seite sich den Rücken Ssest ise ai eshecie benisck boscse lde al oihenl der Reichstag die Reformfrage noch in dieser on0 nach der kategorischen Erklärung des müsse gibt 3, 5 für die g.“## bieser Session losen musse, gior es auch für die Regierung kein Ausweichen mehr. „Zentrum als Volkspartei“. wird dem„Vorwärts“ geschrieben: namentlich durch den Kriegsminister zurückgehalten. Infolge der No dem Kampf brach in Stambul non dem von dem Kampf brach in Stambut eine Panik aus, die auch auf Pera übergriff, wo alle Läden geschlossen wurden. In San Stefano stehen drei Züge von je 75 Wagen für 3000 Mann bereit. ihre Lokomotiven stehen unter Dampf, vermutlich um diese Trun. pen nach dem Bahnhof von Stambul zu bringen. Es ist nichausgeschlossen, daß die Besetzung Konstantinopels und des Bildinoch bis heute früh erfolgt. Spanien. Sxf in Esen als Kand Der Arbeiter Stötzel ist beftiger Bekämpfung ge a d.s Fristlichsozialen Arbeiter unter Widerstreben in d:“ Tur“ das gentrum gewählt und nur mit bis mu##n#g die Fraktign aufgenommen worden. Er blieb ordnete der 3“ Arheiterrlasse d ein Zentrumsabge. --Füir gaus der A.geiterklasse herhorgezangen, war. .. Fursten, Grafen und Barone hat das Zentrum dagegen von jeher die schwere Menge gehabt. Unter einem Antrag der ultra- 2c. Amnestie föWonses, Fration des Reichstags aus den Jahre 187, der von zösche Arbeiterlonfsderat ude Sale, Die stn. reichen. in den Reichstag einzieht, dann gibt es in der Zentrumsfrattion zumer noch 3 Fürsten, 2 Grafen, 5 Freiherren und 2 sonstige Vertreter des Arbeiterstandes! Das andertfof', erhält mehr als hapnaft so ui(Parone, das dem Zentrum botr Dutzend, Fürsten, Grafen und, Barone, das dem Zentrum bigl, erhatt mehl als boppell so viel Vertreter im Reichslag als Zenfrund halten Stadt und Land zum die Gründe, die es veranlaßt haben, sich den belgischen Herzog als Reichstagskandidaten zu kapern, für sehalten, aver es soll doch den Schwindel unterlassen, daß es havei auf die Gewinnung einer besonderen politischen„Kapazitat“ angekommen sei und es soll den noch größeren Schwindel zital ungelommen sei, und es son den noch großeren seiner Herzogskandidatur habe als Arbeiterkorporationen an den spanischen Minister gewandt, um die Amnestie der Opfer von Alcala del Valle zu erreichen. Die Verurteilungen von Alcala del Valle machten damals, es war im Jahre 1904, ein ebenso großes Aufsehen die von Montjoich. Hier wie dort waren die grausamsten Foltern angewandt worden, um die Gefangenen zu Geständnissen zu bringen. Einzugestehen war an sich nichts. Die spanische Arbeiterschaft hatte als Protest gegen die fortgesetzten Schikg, nierungen durch Polizei und Behörden den eintägigen Generalstreik für den 1. August 1903 beschlossen. Dieser verlief überall ruhig, nur in der andalusischen Stadt Alcala del Valle kam es zu blutigen Zusammenstößen. 94 der Beteiligten, Männer, Frauen und Kinder, wurden verhaftet. Eine Anzahl wurde durch die grausamsten Mißhandlungen zu Geständnissen gebracht, und vor das Gericht geschafft, zu ungeheuren Strafen verurteilt. Die von der spanischen und französischen Arbeit ilt. Die von der fFunisgen und ftanzbsischen albeiter= schaft eingeleitete Bewegung will nun endlich die Amnestie der damals Verurteilten herbeiführen.nsnie der Wablrechts unterordnen gad dem Gedanken des allgemeinen „ e, g eeienz voten. a des algemeinen Wenn das Zentrum bei der Auswahl der Parlamentsvertreter volnte Han Prüsfere„seiner Wählerschgeft Rehgung tragen 1 9.. ou b““ Zehnteln aus Arbeitern, lleinen Bauern, leiten Handpersern Staot nuto und kleinen Beamten bestehen und nicht wie heute eine Versammlung von Fürsten, Baronen, Prälaten, Advokaten, Unternehmern und Angehörigen der hohen Bureaukratie sein. auf Die Kautelen. Der Abscheu der Agrarier gegen die Nachlaß= oder Erbifallsteuer hat seinen tiefsten Grund in der Abneigung, selbst zahlen. Daß auch nach den Vorschlägen der Regierung nu i. rößeren Vvtschtagzen per Regierugg nur die großeren agrarier von der Steuer betroffen würden, können sie heute nicht mehr leugnen. Um aber die Kleineren und Kleinen in ihrem Gefolge zu erhalten, wurde ihnen vorgeredet, wenn die Steuer nur überhaupt erst da sei, würden die Sätze hald erhöht und auch die kleineren Nachlässe einbezogen werden. . F#ieter, Besorgnis in konservativen und agrarischen Kreisen = gu, begegnen, ist neuerdings vielfach die Rede davon gewesen, daß dagegen Kautelen, d. h. gesetzliche„Schutzmaßnahmen getroffen werden sollten. Das Berliner Bündlerorgan, das offenvar fürchtet, solche Maßnahmen könnten einem größeren Teil der Koniervativen die Nachlaß- oder Erbanfallsteuer annehmbarer erscheinen lassen, bemüht sich natürlich, auch solche Kauteien als wertlos hinzustellen. Es erklärt: „Man denkt sich die Sache so, daß eine etwaige Erhöhung abhängig gemacht werden soll von der Zustimmung der Land on der für das Amt eines montanen Presse., So beruft sich die„Könische VBolsRleicher Wese die Aatelsahns isten, und den Firsen u1 arts. 796, bervorstechender, zum Ausdruck zu bringen neben ven vem arbeiterstande angehörigen Herren Giesberts, Schiffer. swochlvertretungen der vier Königreiche.„Wir halten diesen Gedanken für schlechthin undurchführbar. Die Parallele mit den Reservatrechten in der Brau= und Branntweinsteuergesetzgebung ist durchaus nicht beweiskräftig. Hier handelt es sich um ganz andre Vorgänge und ganz andre Ausgangspunkte. Wenn man wirklich die Erhöhung der Steuersätze abhängig machen will von der Zustimmung der Landesvertretungen, so kann man sich nicht auf die Zustimmung der vier Königreiche beschränken, sondern muß auch die übrigen Einzelstaaten heranziehen. Daß die Verbündeten Regierungen ihre Zustimmung zu einem derartigen gesetzgeberischen Gedanken nicht geben werden, ist klar. Der Reichskanzler hat auch schon indirekt gesagt, daß solche „auleien nicht nötig seien, weil die Befürchtung, daß der neichstag die Steuer in konfiskatorischer Weise erhöhen werde, unbegründet sei. Wenn aber diese Kautelen nicht in das Gesetz hineingefügt werden, dann dürfte die Zustimmung mancher Konservativen, die jetzt bedingt ausgesprochen worden ist, unmöglich sein. Man sagt nun, daß man, um eine künftige Erhöhung * Bielefeld, 24. April. — Von der„Arbeiter=Jugend“ ist die Nummer 7 eingetroffer und kann im Parteibureau in Empfang genommen werden. — Holzarbeiterverband. In der Mitgliederversammlung am Montag, abends 6¼ Uhr, können noch Eintrittskarten für die Maifeier in Empfang genommen werden. Es ist notwendig, daß sich jedes unserer Mitglieder rechtzeitig an der Propaganda beteiligt. — Verband der Maler. Da hier Gehilfen nach Salzuflen gesucht werden, machen wir darauf aufmerksam, daß dort eine Lohnbewegung stattfindet. Zuzug ist streng fernzuhalten. — Ausstellung im Museum. In den Erdgeschoßräumen des städtischen Museums findet die erste Ausstellung von Schülerarbeiten unserer neuen Handwerkerschule mit kunstgewerblichen Tagesklassen statt. Die Ausstellung ist täglich geöffnet von früh 10 Uhr bis nachmittags 5 Uhr. Eintritt frei. Die Ausstellung dauert von Sonntag, den 25. April einschl. bis Sonnabend, den 8. Mai. Am heutigen Sonnabend ist das Museum für den öffentlichen Besuch geschlossen. „.— Die Handwerkerschule mit kunstgewerblichen Tagesklassen (nehe heutige Anzeige) beginnt ihren Unterricht am Sonntag, den 25. d. M., früh 8 Uhr. Drucksachen und Stundenplan sind im Sekretariat, Klosterstr. 4, einzusehen und werden auf Wunsch umsonst und postfrei zugesandt. "— Zum Wetterdienst. Am 1. Mai beginnt wieder der öffentliche(Sommer=[Wetterdienst, und von diesem Tage ab werden wieder, wie in den letzten Jahren, die Wettervorhersagen an sämtlichen Postanstalten täglich gegen 12 Uhr mittags zum öffentlichen Anschlage gebracht. Für die nördliche und mittlere Rheinprovinz, Westfalen und das Großherzogtum Luxemburg werden diese Voraussagen von der öffentlichen Wetterdienststelle des Meteorologischen Observatoriums in Aachen ausgegeben. Neu hinzu kommt in diesem Sommer eine Wetterdienstnebenstelle in Dortmund, die eine Abteilung der Hauptstelle in Aachen bildet. Letztere hat den Zweck, ebenso wie die Hauptstelle Aachen und die schon bestehende Nebenstelle zu Bonn, die tägliche Wetterkarte auszugeben. Die Vorhersage wird bei den Nebensteller nach Genehmigung mit der Aachener Bielefelder Freie Volksbühne. „ Freitag, 23. April: Die Zauberflöte, Oper in 4 Aufbeitzng gegeben worden: v uu den Vrogramm selende Einist nur eine sehr beschräntte Ana ern, welche in dem Monat der Opernspielzeit in Bielefeld zur fführung kommen können, die Sänger haben keine Zeit zur Einstudierung irgend einer neuen Oper, es kann sich ir ur um eine solche handeln deren Par möglichst zu vermeiden, jetzt schon die Sätze so hoch machen müsse, daß der Ertrag für absehbare Zeit genüge. Das heißt aber doch den Teufel mit Beelzebub austreiben. Daß ein solcher Gedanke in der Luft schwebt, scheint aus der Bemerkung des Fürßter„Bülow hervorzugehen, daß die Erbschaftssteuer 100 Millionen Mark bringen solle. Man nimmt sonach an, daß die Erbanfallsteuer einen höheren Ertrag abwerfen werde, als von der Nachlaßsteuer erwartet wurde. Ist das aber der Fall, dann wird das Gesetz, das wir grundsätzlich ablehnen, auch sachlich immer unannehmbarer.“ In einem kann man dem Agrarierblatte zustimmen, daß es unsinnig wäre, eine Erhöhung der Steuer von der Zustimmung der Landesvertretungen nur der vier Königreiche abhängig zu machen. Was diesen recht, muß den übrigen Staaten billig sein. Und die 100 Millionen, die eventuell aus der Erbanfallsteuer sind wahrlich nicht so boch gegriffen, daß die Besitzenden sich darüber beschweren dürften. der Nachener Dienststelle aufgestellt. Meteorologisches Observatorium. Oeffentliche Wetterdienststelle Aachen. .— Stabttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute geht„Carmen“ zu kleinen Preisen in Szene. Morgen, Sonntag, kommt Offenbachs phantastische Oper„Hoffurchschlageng dar Jufführung. Diese, Oper veghagt manns Erzählungen zur Aufführung. Diese Oper verdankt ihren durchschlagenden Erfolg neven der wunderbaren Musir hat' E ffanns Frrählungent u. M e.herliner Komische, Oper dem interessanten Libretto. Die Berliner Komische „Hoffmanns Erzühlungen über 400mal gegeben. Montag geht„Lohengrin“ zum zweiten und unwiderruflich letzten Male in Szene. — Das gesamte städtische Orchester veranstaltet am Sonntag nachmittag 4 Uhr das 8. Abonnementskonzert der Schützengesellschaft auf dem Johannisberge. Ein flottes und gut gewähltes Programm unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Max Cahnbley kommt zum Vortrag. — Beschleunigung der Ersatzleistung bei der Post. Ersatz für verlorene Sendungen wird von der Post bekanntlich in gewissen Fällen geleistet. Um die Ersatzleistung zu beschleunigen, den der stallenischen Gluck, noch nicht Kenntnis gebracht werden konnte. Er ist eben zurzeit aus der Mode gekommen. Diesmal kommt sein Nachfolger in der veutschen Oper, Mozart, zum zweitenmal bei uns zum Wort. und zwar mit der„Zauberflöte“, seiner letzten und musikalisch vollkommensten Oper, welche er im Jahre 1791 kurz vor seinem im Zegerr hig ggsselheg. Jahres erfolgten Tode komponiert hat. Wer sie bört v.“auen wir hier nichts weiter zu sagen. ####rt, wird von ihr entzückt sein, und auch ihre dramatische Wirkung auf den Hörer ist eine so unmittelbare, daß eine Eeisgege gen unrshg ae gan dtaun. aus inr der Erisärung,# der von Schilaneder verfaßt ist, bedarf und#rligruseg, Eist das Problem der allgemeinen Menschenund Bruverliebe, weiches in ihm behandelt wird. Die Ideen der französischen Revolution hatten in Deutschland einen Aufschwung sicht, daß der Falris gero““ und es bestand damals die AnTürkei. Der Beginn der Aktion. Konstantinopel, 24. April. Der Großwesir empfing heute mittag ein vom Präsidenten des Senats, dem Präsidenten der Kammer und Gazi Mugdar Pascha unterzeichnetes Telegramm aus San Stefano, welches besagt: Die Nachricht von dem gestrigen geheimen Votum der Kammer ist falsch. Die Kammer und die Armee verlangen die Entwaffnung der Garnison Konstantinopels, dringende Bestrafung der Schuldigen, Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt und gewissenhafte Befolgung den Nerfassung. Wenn der Sultleistung für verlorene und beschädigte Pakete ohne Wertangabe, die im Reichspostgebiet aufgeliefert und nach Orten des Reichspostgebiets bestimmt sind, erfolgt selbständig durch die Aufgabepostämter, soweit der Ersatzbetrag ohne Porto und Verkaufserlös nicht über 6 Mark hinausgeht. Für Sendungen, die bei Postagenturen aufgeliefert worden sind erfolgt der Ersatz dur nur die freimaurerische wecheid=F. enanren Besitrebungen verkanf und veriästen ss hoten doch die darin ien ein wenig lächerlich sind zur Schöpfung des Fallender An laß gen hat..“*s Dvuenbelsten, was er überhaupt geschrieUnsere Mitgliede mus werden Benno Dlabal. der den g. Belonders bervorgeboben die Pamina sang. Berte Schelper hatte Paula Gradl, der Nacht. Die große Arie hat wohl die sae der Königin der Nacht. Die große arte hal wohl die schwierigste Koloratur, die es überhaupt gipt, aufzuweisen, wenn sie mit der Leidenschaft, die zur Erzielung der vollen Wirkung erforderlich ist, vorgetragen wird. Und das mißlang diesmal. Man hörte die Andacht, mit welcher zugehört wurd Geklatsche ur burde. 8 igt purbe nur, wenn der Vorhang gefauen war. r Schuldigen, Aufrechterhaltung der Ordnung in der Stadt und gewissenhäfte Bespigung der Verfassung. Wenn der Sultan diese Bedingungen akzeptiert, seien sie bereit, ihm die Treue ferner zu bewahren. Dieses Telegramm sowie das Telegramm des Generalissimus der Jungtürken Mahmus Schewket Pascha an den Kabinettschef bilden das allgemeine Tagesgespräch. Sie sind wieder ein Beweis von unerwarteten Ereignissen, worauf man hier immer vorbereitet sein muß. Inwieweit die gestellten Bedingungen angenommen und ausgeführt werden, muß sich sald eressen. eidhet Perdteh, Nah Konstantinopel, 23. April. Die Neuvereidigung der Truppen ging glatt vor sich. Ausgenommen blieb nur die Yildizdivision, wo 5000—6000 Mann noch dem Sultan ergeben sind. Einige Bataillone im Seraskierat weigerten sich, zu schwören, weil sie an der Meuterei überhaupt nicht teilgenommen hätten und als Konstitutionstruppen einen neuen Eid für unnötig erklärten. Im Kriegsministerium wird mitgeteilt, daß von diesen Mannschaften nur ein Teil, nämlich 5000, Reservisten sind, die aber morgen zur Entlassung kommen sollen. 8000 Mann im Seraskierat schwuren, 2000 hatten den früheren Schwur nicht gebrochen. Saloniki, 23. April. Viele Hadschas und Softas trafen hier auf der Flucht aus Konstantinopel an Bord eines griechischen Dampfers ein. Dreißig von ihnen wurden bei der Ausschiffung gefangen genommen; von allen Seiten bringt man gefangene Reaktionäre hierher, darunter auffallend viele Staatsbeamte, Hadschas und Softas. selbst Offiziere. „Salaniki, 24. April. Gestern nacht begann der konzentrische Marsch der jungtürkischen Truppen im Yildiz. Man erwartet von seiten der dem Sultan ergebenen Truppen Widerstand. Konstantinopel, 24. April. Die Operationsarmee steht seit 6 Uhr vor den Mauern von Konstantinopel. Zunächst wurde die Kaserne von Daud Pascha und Ramys Tschiflik umzingelt. Die dortigen Truppen weigerten sich, sich zu ergeben und eröffneten das Feuer, das die Mazedonier erwiderten. Das Endresultat des Kampfes und der Verlauf desselben sind noch unbekannt. Die in Stambul befindlichen Truppen, die den vom Komitee verlangten Eid nicht geschworen haben, angeblich 5000 Mann, wollten ihren Kameraden zu Hilfe eilen, wurden aber beschleunigen. Dann ist ungesäumt entweder Zählung zu leisten oder der Antragsteller mit Angabe der Gründe schriftlich zu bescheiden, Werden mehr als 6 Mark Ersatz gefordert, so hat die Overpostdirektion wie bisher die Entscheidung zu treffen. Wenn der Ersatzanspruch aber nur deswegen zu beanstanden ist, weil nach Maßgabe des Gewichts eine Entschädigung über 6 Mark hinaus gesetzlich unzulässig ist, so sind die Postämter für die Ablehnung selbst zuständig. Bei den Oberpostdirektionen werden die Ausgabenachweisungen für Ersatzleistungen auf ihre Richtigführung nur insoweit geprüft, als die Prüfung nicht schon durch die Bezirksaufsichtsbeamten bei den Revisionen stattgefunden hat. Die Bestimmungen finden auf das Ersatzverfahren für Reisegepäck ohne Wertangabe sinngemäß Anwendung. Unter Umständen soll später die Zuständigkeit der Postämter noch erweitert werden. Die Oberpostdirektionen sind angewiesen, Anfang Oktober 1910 über ihre Erfahrungen und Ansichten zu berichten. — Schlimme Geschenke. Fritzchen bekommt vom Vater eine Trompete. Drei Tage herrscht große Freude. Am vierten kanr Mama das Geblase nicht mehr vertragen. Am fünften wird Papa im Mittagsschlafe gestört. Das ewige Getute wird untersagt. Fritz kann sich trotzdem nicht zurückhalten. Die Trompete wird eingeschlossen. Geheul. Der halsstarrige Junge erhalt eine Tracht Prügel. Es ist nicht auszuhalten= mit ihm, der eine Trompete geschenkt bekam und nicht blasen sollte.... Fanny erhält Schippe, Hacke und Sandeimer. Die Familie lebt in einer großstädtischen Mietskaserne. Auf dem Hofe werden die Kinder nicht geduldet. Die Mutter oder das Dienstmädchen haben keine Zeit, mit der Kleinen auf den Spielplatz zu gehen. Bittere Tränen. Das Kind will keine Vernunft annehmen. Es ist unausstehlich, denn es hat Schippe, Hacke und Sandeimer und soll nicht im Sand spielen.... Ein Junge bekommt eine Laterna magica, und aus Angst vor der Feuersgefahr wird sie eingeschlossen. Ein kleiner Bengel erhält ein mechanisches Spielwerk, und nach drei Stunden ist der zarte Mechanismus geliefert. Der Vater wütet, der Junge heult. Die Geschente, die den Kindern Freude bereiten sollten, sind zu einer Quelle des Aergers und der Erbitterung geworden! Sie mußtenewerden. Wer zarte Nerven hat und ein Mittagsschläschen braucht, schenke seinem Kinde keine Blasinstrumente. Ein Bau95. 246. Sitzung vom Am Bundesratstisc Erste Beratung ein rung des Straf Milderung der Bestin des Hausfriedensbruck Siegelbruchs, Verschär Mißhandlung von K Schutzes der persönlich die Verfolgung und mildert, besonders so schließlich wird der B Staatssekretär Dr. leisen Stimme unvers auf Anregungen des es, dem sozialen. Friel zu tragen Auf Einze daß in anderen Lände Wahrheitsbeweises für doch haben diese Länder freie Presse. Nichts diesen Bestimmungen stehenden Personen z wird die Regierung Abg. Engelen hätten früher kommen nur das bürgerliche St gesetz Milderungen ers Eulenburgprozeß legt Verschärfungen der S den§ 175 verlangt he gebene begangen sind. der Vorlage? Auch v gegen Vernachlässigur wünschen wir die Mög auf Geldstrafe erkann Maximalstrafen für regen, wohl aber die öffentlicher Beleidigun sich sehr leicht als ein erweisen. Diese Fassu eine andere finden.(2 Abg. Perniock Wir können sämtlichen auch zugebe, daß die v die vorgeschlagene Fa beweises nicht unbeach Abg. Dr. Vahren sind meine Freunde billigen wir die Straf Einschränkung des We aber nicht weit genug, langen wir absolute Lachen bei den Soz.) handlung von Kindern weit genug. Wir beha den Bestimmungen üb ständigkeit unseres S Prügelstrafe nicht zu h bracht.(Gr. Heiterke müssen eingeschränkt: werden. Der Hund ist Mensch.(Gr. Heiterk wüchsen der Vivisektio Abg. Dr. Osann gohl, alle Parteien ein Maximalstrafen bei B Ebenso mit den Stre Mißhandlungen von K die Einschränkung des nicht der Eulenburgpr lein Olga Molitor, Familienangelegenheite schränkung findet bei Kleit Niazi Bey. Wir Niazi Ber tir Detg der beka türkischen Bewegung interessantes, genaue bild. Er nennt ihn di denn Niazi Bey war Schar Getrener von des Jungtürkentums den Stein ins Rolle Türkei zertrümmerte. Jugend freiheitliche Unterricht empfing „Lonastir. 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Die Ausstellung hl. bis Sonnabend, as Museum für den blichen Tagesklassen cht am Sonntag, den Stundenplan sind im werden auf Wunsch it wieder der öffentm Tage ab werden ettervorhersagen an Uhr mittags zum rdliche und mittlere zogtum Luxemburg en Wetterdienststelle Aachen ausgegeben. etterdienstnebenstelle uptstelle in Aachen Hauptstelle Aachen die tägliche Wetterei den Nebenstellen stelle aufgestellt. bservatorium. nststelle Aachen. au wird uns gePreisen in Szene. stische Oper„Hoffese Oper verdankt underbaren Musik ner Komische Oper gegeben. Montag uflich letzten Male taltet am Sonntag der Schützengesellund gut gewahltes apellmeisters Max r Post. Ersatz für nutlich in gewissen beschleunigen, den chreibwerk zu verReihe von Aendereten. Die Ersatzohne Wertangabe, Orten des Reichssurch die Aufgabeto und Verkaufssendungen, die bei t der Ersatz durch g. ist möglichst zu Zählung zu leisten e schriftlich zu befordert, so hat die zu treffen. 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Erste Beratung eines Gesetzentwurfs betreffend die Aendezung des Strafgesetzbuches.(Der Entwurf enthält Milderung der Bestimmungen über Verfolgung und Bestrafung des Hausfriedensbruchs, der Bestrafung des Arrestbruchs und Siegelbruchs, Verschärfung der Strafen wegen Tierquälerei und Mißhandlung von Kindern, ferner ist eine Verstärkung des Schutzes der persönlichen Ehre beabsichtigt, und weiterhin wird die Verfolgung und Bestrafung geringfügiger Diebstähle gemildert, besonders soweit sie aus Not hervorgegangen sind, schließlich wird der Begriff der Erpressung enger gefaßt.) Staatssekretär Dr. Nieberding, anfangs wegen seiner leisen Stimme unverständlich, betont, daß der ganze Entwurf auf Anregungen des Reichstages beruhe. Seine Tendenz sei abzrhe ishengg Ländern bei Beleidigungen die Möglichkeit des ###es für die Presse erheblich eingeschrankt sei, und voch hanen viese Länder, England, Frankreich, Holland, eine große freie Presse. Nichts liege der Regierung ferner, als etwa bei diesen Bestimmungen sittliche Mängel der in der Oeffentlichkeit stehenden Personen zu schutzen. Abänderungen im einzelnen wird die Regierung gern berücksichtigen.(Bravo! rechts.) Abg. Engelen(Ztr.): Die beabsichtigten Strafmilderungen hätten früher kommen können, auch muß man sich fragen, warum nur das bürgerliche Strafrecht und nicht auch das Militär=Strafgesetz Milderungen erfahren soll.(Sehr richtig! im Ztr.) Der Eulenburgprozeß legt ferner die Erinnerung nahe, daß wir Verschärfungen der Strafbestimmungen bei Verfehlungen gegen den§ 175 verlangt haben, wenn sie gegen Kinder und Untergebene begangen sind. Warum fehlen diese Verschärfungen in der Vorlage? Auch vermissen wir stärkeren Schutz der Kindergegen Vernachlässigung und Ausbeutung. Beim Diebstahl wünschen wir die Möglichkeit zu schaffen, daß in gewissen Fällen auf Geldstrafe erkannt werden kann. Die Hinaufsetzung der Maximalstrafen für Beleidigungen wird kaum Bedenken erregen, wohl aber die Beschränkung des Wahrheitsbeweises bei öffentlicher Beleidigung. Die vorgeschlagene Bestimmung kann sich sehr leicht als ein Maulkorbgesetz für die anständige Presse erweisen. Diese Fassung ist unannehmbar, die Kommission muß eine andere finden.(Bravo! im Ztr.) Abg. Perniock(kons.): Die Vorlage ist klein, aber gut. Wir können sämtlichen Punkten der Vorlage zustimmen, wenn ich auch zugebe, daß die vom Vorredner erhobenen Bedenken gegen die vorgeschlagene Fassung der Beschränkung des Wahrheitsbeweises nicht unbeachtlich sind. Abg. Dr. Vahrenhorst(Rp.): Mit den Strafmilderungen sind meine Freunde im allgemeinen einverstanden! Ebenso billigen wir die Strafverschärfungen bei Beleidigungen und die Einschränkung des Wahrheitsbeweises. Der Entwurf geht uns aber nicht weit genug, bei Beleidigungen durch die Presse verlangen wir absolute Ausschließung des Wahrheitsbeweises. Lachen bei den Soz.) Auch die Strafverschärfungen bei Mißhandlung von Kindern und wehrlosen Personen gehen uns nicht weit genug. Wir behalten uns entsprechende Anträge vor. Bei den Bestimmungen über Tierquälerei zeigt sich die ganze Rückständigkeit unseres Strafgesetzes. Meine Partei ist für die Prügelstrafe nicht zu haben, aber bei Tierquälern wäre sie angebracht.(Gr. Heiterkeit.), Auch die Auswüchse der Vivisektion müssen eingeschränkt werden Hunde müssen dagegen geschützt werden. Der Hund ist ein kluges Tier, er ist oft klüger als ein Mensch.(Gr. Heiterkeit und Zustimmung links.) Diesen Auswüchsen der Vivisektion sollten alle Parteien entgegentreten. Abg. Dr. Osann(natl.): Mit den Strafmilderungen sind wohl alle Parteien einverstanden. Auch mit der Erhöhung der Maximalstrafen bei Beleidigungen kann man einverstanden sein. speiso mit den Strafverschärfungen für Tierquälereien und :. Landlungen von Kindern. Ein Hauptpunkt der Vorlage ist die Einschrantung des Wahrheitsbeweises. Anlaß dazu hat wohl nicht der Eulenburgprozeß gegeben, sondern der Fall des Fräulein Olga Molitor, wo wir es erlebten, daß die intimsten Familienangelegenheiten vor Gericht gezogen wurden. Die Einschränkung findet bei einem großen Teil meiner Freunde Anklang. Für die Abänderung des Erpressungsparagraphen ist die Begründung irrtümlich, wenn ein Mieter mit Kündigung droht, falls der Mietszins nicht herabgesetzt wird, so kann das als Erpressung ebensowenig ausgelegt werden, wie wenn ein Arbeiter von seinem Koalitionsrecht Gebrauch macht, um bessere Lohnbedingungen zu erringen. Sollte die Rechtsprechung in derartigen Fällen Erpressung erblickt haben, so war das unrichtig. Abg. Frohme(Soz.]: Daß die Grundzüge unseres Strafgesetzbuches von Inhumanität gegen die Arbeiter zeugen, ist nicht eine hetzerische sozialdemokratische Behauptung, so empfindet vielmehr die Masse des Volkes.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Und es wird auch unumwunden von einer Reihe namhafter Juristen zugegeben. Der Entwurf bringt nur eine Teilreform, er ist ein Verlegenheitsgesetz, vermutlich eine Frucht der Blockpolitik. Nur ein kleiner Teil der Vorlage beseitigt wirklich Mißstände. Prinzipiell zustimmen können wir der Milderung der Verfolgung und Bestrafung des Hausfriedensbruchs, des Arrestbruches und der Vereitelung der Zwangsvollstreckung. Auch sind wir prinzipiell mit der Verschärfung der Strafen für Tierquälereien einverstanden. Auch die Begrundung findet hier prinzipiell unsere Zustimmung. Wir haben stets auf dem Standpunkt gestanden, daß diese „Uebertretungen in„Vergehen" umgewandelt werden. Man soll aber über den Schutz der Tiere nicht den Schutz der Menschen vergessen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Wenn man von dem Fuhrmann spricht, der ein abgetriebenes Pferd mißhandelt, so soll man auch an die lange Arbeitszeit denken, die der Mann oft hinter sich hat.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Und wo es sich um wirkliche Roheit handelt, soll man nicht vergessen, daß auf dem Gebiete der Erziehung noch außerordentlich viel bei uns zu tun ist.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Auch sind wir damit einverstanden, daß Kindern und anderen wehrlosen Personen besonderer Schutz gewährt werden muß. Unsere Zustimmung findet auch die Milderung der Verfolgung und Bestrafung geringfügiger Diebstähle. Hier entspricht der Entwurf dem Rechtsbewußtsein weiter Kreise. Es ist aber sehr zu wunschen, daß auch die grausamen Mindeststrafen für den Rückfall abgeschafft werden. Wir hoffen, daß das in die allgemeine Form des Strafgesetzbuches hineingearbeitet wird. Man darf sich nicht verhehlen, daß in allen solchen Fällen die Gesellschaft mit ihren Einrichtungen einen großen Teil der Schuld trägt. Es handelt sich hier um Konzessionen, denen wir zustimmen in der Hoffnung, daß sie weiterführen. Das Maß von Berücksichtigung der Not auf Freisprechung zu erkennen. Leider ist das nach dem Vorschlage des Entwurfs ausgeschlossen. In der Schlußnummer des Entwurfs erhält der Tatbestand der Erpressung eine veränderte Fassung, die insbesondere für die Arbeiter von größter Wichtigkeit ist. Der Begriff der Erpressung ist von Staatsanwälten und Richtern auf die Androhung von Streiks und Boykotts ausgedehnt worden. Die Begrundung sagt, daß diese Folgerung mit der Tendenz des§ 152 der Gewerbeordnung im Widerspruch steht, und die im Entwurf vorgeschlagene Fassung will den Tatbestand der Erpressung dem des Betruges in jeder Beziehung anpassen. Eine durch Drohung mit Arbeitseinstellung erlangte Cohnerhöhung würde nach dem Entwurf nur dann als Erpressung strafbar sein können, wenn der auf die Drohung hin vereinbarte Lohn im Mißverhältnis zu dem wahren Werte der Arbeitsleistung steht. Diese Bestimmung muß das größte Bedenken erregen. Welches ist der wahre Wert und wer soll ihn feststellen? Dieser Fehler, der leicht die Handhabe zu ungerechter strafrechtlicher Behandlung von Arbeitern bietet, darf nicht in das Gesetz hinein.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Unbedingt muß verlangt werden, daß eine Bestimmung hinzugefügt wird, wonach eine Handlung aus§ 152 der Gewerbeordnung keine Erpressung sein kann.(Zustimmung b. d. Soz.) Der Erpressungsparagraph darf nicht eine Gefahr für die Arbeiter sein. Es darf nicht möglich sein, ehrenhafte Arbeiter von Rechts wegen zu Erpressern zu stempeln.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Schärfsten Widerspruch erheben wir gegen die Abanderung der §§ 186—188, die eine Verstärkung des Schutzes der Ehre durch Einschränkung des Wahrheitsbeweises und Erhöhung der Strafe bezwecken. Diese Reform ist für uns unannehmbar. Ich bin gewiß dafür, daß die privaten Verhältnisse des einzelnen weitgehenden Schutz genießen; aber es gibt Fälle, wo die privaten Interessen vor den allgemeinen rechtlichen Interessen zurückstehen müssen. Die öffentliche Meinung ist überzeugt, daß der Eulenburg=Moltke=Prozeß diesen Vorschlag verursacht hat. Daß der Beweis nur mit Zustimmung des Beleidigten zulässig sein soll, führt zu ungeheuerlichen Konsequenzen.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Der Entwurf gewährt dem Kläger geradezu eine Prämie für unwürdiges und unsittliches Verhalten. Der Kläger wird dadurch zum Richter in eigener Sache gemacht.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Die Regierung scheint Grund zu der Befürchtung zu haben, daß es noch mehr Prozesse in der Art des Moltke=Eulenburg=Prozesses geben könne.(Sehr gut! b. d. Soz.) Hoffentlich fällt dieser Vorschlag schon in der Kommissionsberatung, welcher wir zustimmen. Wir werden nicht aufhören, für eine Reform der Strafrechtspflege einzutreten, die sich zu vollziehen hat im Geiste der Humanitat aus geläutertem, sozialem und ethischem Empfinden heraus. Eine solche Reform muß ausgehen von der Hebung der wirtschaftlichen Lage des arbeitenden Volkes.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Dieser Hebung aber widerspricht Ihre Lebensmittelwucherpolitik, ihr widerspricht das System der indirekten Steuern, das weiter ausgestaltet werden soll.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Vielen unserer Richter mangelt noch das richtige soziale Empfinden. Die Klassenjustiz, die ihre Grundlage in der rücksichtslosen Klassenherrschaft hat, muß überwunden werden. Das ist nicht ein sozialdemokratischer Programmpunkt, sondern eine Forderung, die im Programm eines jeden humanen Menschen stehen müßte. Für diese Forderung werden wir nach wie vor eintreten. Die bestehenden Zustände legen einem jeden das Wort zur ernstesten Beherzigung nahe:„Lernet gerecht sein, Ihr seid gewarnt!“ (Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Roth(W. Vg.): Wir stehen dem Entwurf im allgemeinen sympathisch gegenüber. Abg. Werner(Reformpt.): Wir sind stets für eine Verschärfung des Beleidigungsparagraphen eingetreten, aber gegen die jetzige Fassung muß man lebhafte Bedenken empfinden. Am besten wäre es, die ganze Reform des Beleidigungsparagraphen zurückzustellen bis zur allgemeinen Reform des Strafgesetzes. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Sonnabend 2 Uhr. (Rechnungssachen, Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 6 Uhr. Zum Organisationsstatut. Eine außerordentliche GeneralVersammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Essen erklärte sich in einer Resolution im allgemeinen mit dem neuen Organisationsstatut einverstanden und erklärte es insbesondere als eine selbstverständliche Pflicht der Partei, im Statut auszusprechen, daß zur Partei nur gehören kann, der die Grundsätze des Parteiprogramms anerkennt. In bezug auf die Gliederung der Organisation sprach die Versammlung den dringenden Wunsch aus,„daß zur endlichen Schaffung der straffen Zentralisation übergegangen und mit der Einrichtung des partikularischen Systems von sogen. Ortsvereinen gebrochen wird“ Keine Doppelkandidaturen. Die Meldung über die Aufstellung des Genossen Karl Sindermann als Kandidat im 37. sächsischen Landtagswahlkreise, die durch einige sächsische Parteiblätter ging und auch von uns übernommen wurde, ist, wie das Zwickauer„Sächsische Volksblatt“ feststellt, unzutreffend. Bisher hat eine Konferenz der Vertreter des Kreises, die sich mit der definitiven Nomination des Kandidaten beschäftigt hätte, noch nicht stattgefunden. Es kann sich also höchstens um Vorschläge handeln. Der Schwindler Jakob Schwarz, vor dem in der letzten Sonnabend- Nummer gewarnt wurde, ist in Buer i. W., als er versuchte, sich von einem dortigen Genossen auf Grund der gefälschten Papiere 20 Mk. zu ergaunern, von der Polizei verhaftet worden. ac. Der Verbandstag der jugendlichen Arbeiter Oesterreichs tagte während des Osterfestes in Wien. Außer dem Vorstand und den Wiener Delegierten waren noch 59 Delegierte vertreten. Die Genossin Popp, die Genossen Schrammel und Silberer waren in Vertretung der Frauen=Organisation bezw. der Partei= und Gewerkschaftskommission erschienen. Der wichtigste Punkt der Verhandlungen war der der Organisierung der weiblichen Jugend. Hier standen sich zwei Auffassungen gegenüber. Der Referent Danneberg plädierte für die getrennte Organisierung, während Kräibich=Reichenberg dafür Kleines Feuilleton. Niazi Bey. Wir entnehmen der„Frankfurter Zeitung": Von Niazi Bey, der bekanntlich einer der Hauptführer der jungtürkischen Bewegung ist, gibt Sefer Bey in der„Revue ein zitseressantes, genauester Kenntnis entstammendes Charakter= end.#r nenat ihn die größte Gestalt der türkischen Revolution; Lenn Niazi Bey war derjenige, der an der Spitze einer kleinen Schar Getrener von seiner Heimatstadt Resna aus den Angriff des Jungtürkentums auf das alte Regime einleitete und damit F###stein ins Rollen brachte, der den Absolutismus in der Jugend Preihaisner“ Der kühne Offizier hat schon in früher #n##echeitliche Ideen in sich aufgenommen. Seinen ersten zuerricht empfing der Knabe in Resna; dann ging er nach Monastir. Durch seinen französischen Lehrer, einen Offizier, lernte er erst die Bedeutung der französischen Revolution erfassen; an der Geschichte großer Gestalten wie Mirabeau und Lanton fand der junge Geist Erhebung und Begeisterung, und z# Evangelium der Menschenrechte erfüllte seine Phantasie. Szeleich zog ihn ein unwiderstehlicher Drang zu den Waffen: 3 Fünfzehnjähriger trat er in Pancalti in die Militärschule. als junger Leutnant rief ihn sein Schicksal nach Thessalien; er Bech an; dem Kriege gegen Griechenland teil, in der Schlacht bei „###inar zeichnete er sich auf den Höhen von Volo durch seine zerschrockene Tapferkeit aus, und Leutnant Niazis Name wurde in einem Armeebefehl rühmend erwähnt. Der kommandierende General entsandte ihn dann nach Konstantinopel als Begleiter e griechischen Gefangenen, die dem Sultan vorgestellt werden R#ten Hier lernte der junge Leutnant zum ersten Male das ga### in Palaste kennen mit allem seinem Prunk und all seinen guern; er sah die Günstlinge in ihrem Treiben, sah die großen Zpione, die im Alter von 25 oder 30 Jahren Admirals= oder deneralsuniform trugen und ihre Brust mit den höchsten Orden geren konnten. Mit scharfen Blicken musterte er diese Schar argexter. Müßiggänger und arroganter Großtuer, deren Leben Julrigen bestand, und sein Staunen wurde bald zur VerDer Hofmarschall drückte ihm im Namen des Sultans Franken in die Hand, während man dem Sohne des Marum Ssiezim Pascha, einem dreizehnjährigen Knaben, den man Die Gingutanten des Sultans gemacht hatte, 5000 überreichte. „„, Einbrucke, die Niazi hier empfing, verließen ihn nicht mehr seinem Aufenthalt in Konstantinopel trug er einen denschaftlichen. Haß gegen diese Kamarilla davon, die das dem Verderben entgegentrieb. Der Zufall führte ihn gater in seine Heimatstadt zurück: er übernahm in Resna das Kommando über ein Jägerbataillon und zugleich den Auftrag, Monabtike zische Bandenunwesen im Zaume it halten. In er die##. in Generalquartier des dritten Armeekorps, lernte „kor und den Mangel der Soldaten kennen, die Gewissensigkeir von Vorgesetzten, die betrügerischen Lieferanten in die Hände arbeiteten und allen Bestechungen zugänglich waren. Aus der zornigen Empörung, die er damals einsog, erstand jene leidenschaftliche Entschlossenheit und jener Wagemut, mit dem er die Bewegung gegen den Absolutismus einleitete. Als sich in Monastir das Aktionskomitee bildete, war die Rolle der Pariser Theoretiker ausgespielt. In den ersten Junitagen gab Niazi Bey das Signal zur Erhebung. Mit 200 mit Mausergewehren ausgerüsteten Anhängern trat er den Marsch von Resna nach Monastir an.„Der Tod oder die Freiheit“ war die Losung dieser kleinen Schar. In dem Augenblick, da Niazi Bey an der Spitze seiner Getreuen gegen Monastir aufbrach, richtete er an den ersten Sekretär des Sultans, den damaligen Generalinspekteur Hilmi Pascha, ein kurzes, kühnes Telegramm, in dem er den sofortigen Erlaß einer Konstitution forderte. Der Zug Niazi Beys mit seinen 200 Mann wurde die entscheidende Tat, die das morsche Gebäude des alten Regimes zertrümmerte. Wie auf Befehl einer unsichtbaren Macht bildeten sich sofort zwanzig ähnliche Gruppen, das junktürkische Komitee nahm die von Niazi Bey eingeleitete Politik der Tat sofort auf und das Ende war der Erlaß der Konstitution. Konstantinopels Belagerungen. Schwerlich gibt es— auch Paris nicht ausgenommen— eine Stadt, die so oft belagert und erobert und durch Aufstände mitgenommen worden ist, wie Konstantinopel. Bekannt sind die Kämpfe zwischen den Blauen und Grünen und besonders der sieben Tage lang wütende Nikaaufstand 532, bei dem 30000 Menschen von Belisar niedergemetzelt wurden. Belagert wurde die Stadt mehrfach von den Avaren, zweimal von den Persern und Chosroes, zweimal von den Arabern, die dem„griechischen Feuer“ weichen mußten. 923 bestürmten sie die Bulgaren, was sich vielleicht noch einmal wiederholt, 1203 eroberten und verwüsteten sie die Kreuzfahrer. 1295 beschossen die Venetianer Konstantinopel und 1396 bedrängte es Sultan Bajesid. Nach einem anderen osmanischen Ansturm 1422 wurde es 1453 endlich von Mohammed II. erobert. Seitdem war es von äußeren Feinden verschont, wenn auch 1854 und 1878 feindliche Truppen nahe heranrückten und es ernstlich bedrohten. Dagegen gab es genug Aufstände und Massakers: 1821, wo die Griechen niedergemetzelt, und 1826, da die aufrührerischen Janitscharen vernichtet wurden. 1853 und 1876 erregten die Softas Aufstände und vor wenigen Jahren erst waren die furchtbaren„Armenierschlachten“, die noch in frischen Erinnerungen sind. kfg. Krankheiten und Todesfälle in Indien. Ein Beweis dafür, wie verschiedene ansteckende Krankheiten trotz aller Vorkehrungsmaßregeln der englischen Regierung in Indien wüten. geben die Todesfälle, die im„Lancet" veröffentlicht werden. An der Spitze stehen solche mit dem allgemeinen Ausdruck„Fieberfälle". Sicherlich sind hierher mehr als eine Million Todesfälle gerechnet, die der Malaria zuzuschreiben sind, und ebenfalls gehört eine Reihe von ihnen ohne Zweifel der Pest an. Insgesamt werden an Fieber 4464881 Fälle gemeldet, so daß eine Todesziffer von 19,76 pro Mille der Bevölkerung herauskommt, was mehr als die Hälfte sämtlicher Todesfälle ausmacht. Dann folgt die Pest, die ja in Indien im vorigen Jahre ganz besonders stark gewütet hat. Sie hat mit 1315 707 Todesfällen im Jahre 1907 das Jahr vorher mit 300 355 um eine Million übertroffen. — Die Cholera ist hingegen gegen das Jahr 1906 zurückgegangen. Die Sterblichkeitsziffer betrug in diesem Jahre 609519, 1907 aber nur 413 553. Aber auch Diarrhoe und Dysenterie forderten 298 117 Opfer. Gegen diese Ziffer treten die Pocken mit 103988 Todesfällen im Jahre 1907 zwar zurück, wobei aber berücksichtigt werden muß, daß sie im Jahre 1905 nur die Zahl 70912 erreichten. Die Welt der Aussätzigen. Aus Newyork wird der„Frankfurter Zeitung" unterm 13. dieses Monats geschrieben: Wohl niemandem auf der Welt ist ein Wandelbilder=Apparat je zu einer solchen Fülle der Freude geworden, wie der Bewohnerschaft der Aussätzigen=Kolonie in Molokai auf Hawai. Wie die hiesige„Evening Post“ erzählt, hat der Kinematograph vielen dieser Unglücklichen, die ihr junges Leben in der Kolonie zugebracht haben, zum ersten Male einen Blick in die Außenwelt gewährt. Manche hatten niemals eine Stadt gesehen, und die über den Projektionsschirm sausenden Dampfspritzen, die Polizeipatrouillen und marschierenden Truppen waren ihnen ebenso neu wie Elesanten, Löwen, Kamele, Bären und ähnliche Tiere. Der Apparat ist von einigen wohltätigen Herren gestiftet worden, die auch einen Fonds für neue Films aufgebracht haben. Mehrere der Aussätzigen sind zur Bedienung des Apparates angelernt worden und sie veranstalten gegenwärtig jeden Abend Vorstellungen, zu denen die ganze Kolonie herbeiströmt. Kann man den Ozean mit Flugmaschinen überfliegen? Wir entnehmen der„Frankfurter Zeitung": Auf diese Frage, die eine amerikanische Zeitschrift„Fry's Magazine“, einer Reihe von Fachleuten vorgelegt hat, haben sich diese in recht verschiedenem Sinne geäußert. Der bekannte Sir Hiram Maxim hält z. B. eine Strecke von 1000 Meilen, also etwa 1600 Kilometer, für die Grenze der Leistungsfähigkeit einer Flugmaschine, die durch den gegenwärtigen Stand der Motortechnik gesetzt werde. Würde aber ein Motor erfunden, der nicht, wie es die jetzigen Explosionsmotore tun, höchstens die Hälfte des Brennstoffs in Arbeit umsetzt, so könnte man sehr wohl mit der Flugmaschine über den Ozean fliegen. Graf de la Baulx und der Aviatiker Delagrange halten es beide für möglich, mit der Flugmaschine eine solche Reise auszuführen, und die Zeit, da dies geschehen könne, ist nach Delagranges Ansicht viel näher, als die meisten Menschen glauben. Auch Major Baden=Powell hält die Ausführung dieses Unternehmens für möglich; die größte Schwierigkeit ist seiner Ansicht nach die Unterbringung des nötigen Brennmaterials. Ein anderer Fachmann, Butler, hält es für wahrscheinlicher, daß man eine Flugmaschinenreise zum Nordpos eintrat, die männliche und die weibliche Jugend in einer Organijation zusammenzufassen. Die obigen Vertreter der Partei= und Gewertschuften, sowie auch die Frau Popp traten für die getrennte Organisierung ein, worauf alle Anträge, die auf den Anschluß der weiblichen Jugend an die Organisation der jugendlichen Männer abzielte, abgelehnt wurden. Dagegen wurde die Partei= und Gewerkschaftskommission beauftragt, baldigst die Organisation der weiblichen Jugend in geeigneter Weise vorzubereiten. Es folgten sodann Referate über die Gewerbeschulreform und berufliche Ausbildung. Hierzu werden folgende Forderungen aufgestellt: gewerblicher oder Fortbildungsschulunterricht obligatorisch für alle jugendlichen Arbeiter bis zum 18. Lebensjahre. Der Unterricht hat nur an Wochentagen von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends zu erfolgen. Die berufliche Ausbildung kann nur solchen Meistern übertragen werden, deren Betrieb eine wirkliche Ausbildung gestattet und die Zahl der Lehrlinge muß in einem richtigen Verhältnis zu der Zahl der qualifizierten Arbeiter stehen. Im Anschluß an ein drittes Referat über die Arbeitsverhältnisse wird der achtstündige Maximal=Arbeitstag und die 36stündige ununterbrochene Sonntagsruhe, ferner die Beseitigung jeglicher Nachtarbeit zwischen 8 Uhr abends und 7 Uhr morgens für alle jugendlichen Arbeiter gefordert. Was die Bildungsaufgabe anlangt, so wurde als Aufgabe der Jugendorganisation festgestellt, die systematische Erziehung der schulentlassenen Proletarierjugend zu klassenbewußten Arbeitern. Zunächst ist darauf zu sehen, daß die Muttersprache in Wort und Tat möglichst gewandt beherrscht wird. Dann sollen die Aeitglieder in erster Linie einen Einblick in die Entwicklung und das Wesen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung erhalten, ferner aber sollen auch Naturwissenschaften und soziale Hygiene eingeführt werden, wobei die Aufklärung über die sexuellen Fraund die Schäden des Alkoholismus besondere Berücksichtigung zu finden hat. Als Mittel zur Verbreitung des Wissens sollen dienen: Vorträge, Vortrags=Zyklen, Lektüre; ferner aber auch zur Pflege der Künste und Literatur: Vorlesungen, Konzerte, Theaterbesuche, Ausflüge. Begrüßungstelegramme waren von den Jugend=Organisationen fast aller Länder, auch von der Deütschlands, eingegangen. Die Jugendlichen Oesterreichs haben an den beiden Östertagen sehr fleißige Arbeit geleistet, die hoffentlich reiche Früchte bringen wird. Gewerkschaftsbewegung. An die Arbeiterschaft Deutschlands!(Eine dringende Warnung!) Trotz fortgesetzter Anwendung des verwerflichen Mittels der Strafaussperrung gegen die alten Schauerleute seit Mai 1907 hat man diese nicht bewegen können, das Kontraktverhältnis mit der Zwangssparkasse und vierwöchige Kündigung einzugehen. Aber auch von den Arbeitern, die, aus anderen Städten hergekommen, dies Verhältnis aus Unkenntnis eingingen, haben nach den Angaben des Hafenbetriebs=Vereins(Arbeitgeberverband) 696 in einem Jahre freiwillig das Verhältnis wieder aufgegeben. Ein Zeichen, daß trotz der Versprechungen von hohem Verdienst, die Arbeiter mit dem Verhältnis nicht einverstanden sind. Denn die ununterbrochene, intensive Tag- und Nachtarbeit ohne Schichtwechsel bringt erhöhte Gejahren mit sich, die Unfälle sind in fortgesetztem Steigen begriffen. In zehn Jahren, von 1899 bis 1908, sind im Hamburger Hafen von der einen Gruppe von 3000 bis 4000 Schauerleuten sage und schreibe 8460 verunglückt, davon schwer 626. „. Nachdem der Hafenbetriebs=Verein wiederholt in Hamburg= attona durch Anzeigen in der Generalanzeigerpresse„Arbeiter für den Hafen“ gesucht, hat er nunmehr die Bevolierung von Stettin und Umgegend durch Anzeigen in derselben Presse: „Arbeiter für den Hamburger Hafen mit einem Wochenverdienst von 30 Mark und Ueberstunde 1 Mark gesucht" beglückt. Magdeburg hat der Hafenbetriebsverein Zettel unter den Hafenarbeitern verbreiten lassen mit demselben Inhalt; zu melden im Seemannshaus. Wir machen die Arbeiterschaft darauf aufmerksam, daß der Hafenbetriebsverein vergessen hat, hinzuzufügen, daß die Arbeiter mit diesem Verdienst nur dann eingestellt werden, wenn sie 1. nach ärztlicher Untersuchung für tauglich befunden sind, 2. ein reines Sittenzeugnis beibringen, 3. daß sie einer Zwangssparkasse, fur welche jedem Arbeiter jede Woche 1—3 Mark, bis zur Höhe von 100 Mark und mehr in Abzug gebracht werden, beitreten müssen. 4. daß sie dieses Verhältnis nur mit vierwöchiger Kündigung lösen können; ohne die ordnungsgemäße Kundigung verfällt das gesparte Geld in Höhe von 200 Mk. dem Hafenbetriebsverein, 5. daß sie sich zu jeder Arbeit(auch zum Streikbruch) perpflichten müssen, 6. daß, wenn der Arbeiter 40 Jahre alt ist, die Einstellung nicht erfolgt oder von weiteren Bedingungen abhängig ist Arbeiter, die alle diese und mehr Bedingungen durch Unterschrift eingehen, haben die Aussicht, eingestellt zu werden. er Deutschlaz,beachtet dies, denn in Hanburg sund Irbeiter ohne diese Bedingungen genugend zur Arbeit voranben. In den Vereinigten Smyrnaer Teppichfabriken in Linden bei Hannover sind Differenzen ausgebrochen. Sie haben ihren Grund in einer den Arbeitern angedrohten Lohnherabsetzung von 10 Prozent. Die Verbandsleitung ersucht arbeitsuchende Arbeiterinnen und Arbeiter, vorläufig den Betrieb zu meiden. Perhandlungen haben zu keinem Resultat geführt. Klempneraussperrung in Berlin. Die Klempnermeister der Slempnerinnung heben die Baulenpner Verlias ausführen als über den Ozean fliegen könne, weil sich das Prohlem, das nötige Brennmaterial und die Nahrungsmittel zu defördern, für die kleinere Strecke leichter lösen lasse. Die meisten Antworten sehen grundsätzlich keine Schwierigkeiten, die dem Maschinenflug über den Ozean entgegenstehen. Nur über die Zeit, die bis zur Lösung des Problems noch verstreichen müsse, gehen die Ansichten sehr weit auseinander. Die Zeugenaussagen der Kinder vor Gericht. Mit der Erkichtung von Jugendgerichtshöfen haben die Zeugenaussagen der Kinder vor Gericht ein erhöhtes Interesse erhalten, und recht gelegen kommt daher eine Untersuchung des Referendars Dr. Behrend, der das Für und Wider der kindlichen Zeugenaussagen mit psychologischem Verständnis abwägt. Als ein Nachteil der kindlichen Zeugenaussagen ist anzusehen, daß ein Kind eine geringere Auffassungsfähigkeit hat als ein Erwachsener, es hat weniger Erinnerungen, an die angeknüpft wird. Andererseits bringt das Kind Dingen, die es interessiert, eine weit bessere Aufnahmefähigkeit entgegen als der Erwachsene. Nachteilig ist dem kindlichen Zeugenaussagen der noch nicht gefestigte Charakter. Die überwuchernde Phantasie des Kindes verschmilzt in seinem Bewußtsein Geiesenes und Gehörtes mit Selbsterlebtem unterschiedslos zusammen, sie treibt bei manchen Kindern sogar zu Feien Erfindungen. Der Mangel an ethischer Vorstellung befordert die Lüge. Am gefährlichsten ist die leichte Suggerierbarteit der Kinder und der Einfluß, den Eltern auf die Wiedergabe kindlicher Erlebnisse ausüben. Die Fehlerquellen kindlicher Wiedergabe von Erlebnissen sind gesteigert bei einer„Zeugenausgesperrt, weil diese sich einen Tarif nicht aufdrängen lassen wollten, der ganz bedeutende Verschlechterungen der Lohn= und Arbeitsbedingungen enthält. Drei Wochen dauert nun die Aussperrung und da die Klempnermeister sehen, daß den Bauklempnern mit der bisherigen Taktik nicht beizukommen ist, wird jetzt ein andrer Weg versucht. Eine Reihe Klempner= meister und der Nachweis der Innung(Bureau der Kühnemänner) suchen durch große Inserate in auswärtigen Zeitunge arbeitswillige Klempner nach Berlin zu ziehen. Es werd 72½ Pfg. Lohn versprochen. Aber was nützt den Kollegen der Lohnsatz, wenn im Akkord gearbeitet, hierbei jede Lohngarantie abgelehnt wird und die Akkordpreise derartig sind, daß selbst eingearbeitete Kollegen erheblich unter ihrem Lohn bleiben. Die Kollegen und Genossen außerhalb Berlins ersuchen wir dringend, jeden Klempner vor Zuzug nach Berlin zu warnen. Die nach Berlin kommenden Klempner sollen Streikbrecher werden. Die Klempnermeister glauben, daß die Krise und die damit verbundene Arbeitslosigkeit geeignet sind, auswärtige Klempner zum Verrat an ihren Berliner Kollegen zu verleiten. Wir erwarten von unsern auswärtigen Kollegen auf das bestimmteste, daß sie diese Hoffnungen der Klempnermeister zerstören. Schließlich möchten wir noch die arbeiterfreundliche Presse in Deutschland ersuchen, die obenstehende Notiz nachzudrucken, um so dazu beizutragen, daß jeder Klempner von den schwarzen Plänen der Berliner Klempnermeister informiert wird. Scharfmacherterrorismus gegen einen Unternehmer. Aus Münden(Hannover) wird dem„Volkswillen folgendes Schreiben zugesandt: „Herrn Heinrich Wenzel, hie: Seitens der hiesigen Unternehmer sind Sie verschiedentlich gebeten worden, um den Lohnkampf der Unternehmer zu unterstützen, daß Ihr Bauausführender die an Ihrem Neubau auf der Blume arbeitenden Maurer entläßt. Leider sind Sie bisher dieser Bitte nicht entsprochen und damit zum Ausdruck gebracht, daß Sie nicht geneigt sind, für die Unternehmer einzutreten, sondern ihnen den Lohnkampf zu erschweren. Da wir ja nicht in der Lage sind, in diesem Falle Ihnen Vorschriften machen zu können, so müssen wir aber doch die Folgerung ziehen, daß wir dann gezwungen sind, unsern Bedarf an Sand und Zementwaren anderweitig zu decken. Dem Einwande, daß Ihr Neubau infolge Streiks nicht bis 1. Oktober fertiggestellt werde, entgegnen wir, daß jeder von uns Iynen gern helfen bezw. Leute geben würde, um die verlorene Zeit wieder einzuholen. Wir erwarten deshalb auf das Bestimmteste, daß Sie Ihren Bauausführenden veranlassen, die beschäftigten Maurer zu entlassen. Hochachtungsvoll 4 Die vereinigten Maurermeister. Im Auftrage: Adolf Potts, Nachfolger. Das Schreiben ist ohne weiteres klar. Auf dem Bau des Adressaten wird zu den neuen Bedingungen gearbeitet, und das ist ja so schändlich, daß die Herren„vereinigten Maurermeister“ dagegen mit allen Mitteln einschreiten müssen. Half bisher gütliches Zureden nicht, so soll jetzt zu einem echt terroristischen Gewaltmittel gegriffen werden. Der Adressat soll durch Entziehung der ihm bisher zugeflossenen Lieferungsaufträge gezwungen werden, nachzugeben und die bisher beschäftigten Arbeiter, an denen er selber nichts auszusetzen hat, zu entlassen. Das ist eine so feine Methode, daß wir sie in ihrer ganzen Nacktheit unverhüllt und ohne weitere Kennzeichnung, die sich ja vollständig erübrigt, zur öffentlichen Kenntnis bringen. Die Reichsverbandspresse, die immer über sozialdemokratische Schreckensherrschaft zetert, wird diesen Terrorismus gegen einen widerspenstigen Unternehmer ganz in der Ordnung finden. Die Einführung der Erwerbslosenunterstützung abgelehnt. r Vorstand des Schneiderverbandes gibt bekannt: resp. Erwerbslosenunterstützung, 117 Stimmen ware Die Zahl der Mitglieder, die fur die Unterstützung beträgt 29 Prozent der an der Abstimmung beteiligten — Fr,,eKrun vel urftimgrerrg###, aber nur 9 Prozent der gesamten Milglieben. Es ist also vorlaufig, so waren ungiltig. ung stimmten, lange unsern unserm zent der gesamten Mitglieder. Es ist also vorlaufig, nur so wenig Sympathie für diese Unterstutzung unter itgliedern vorhanden, ausgeschlossen, daß dieselbe in erbande zur Einführung kommt. Wir haben einen nunmehr über Aussperrung der Dortmunder Holzarbeiter. Der Dortmunder Arbeitgeberverband für das Baugewerbe hat beschlossen, heute, Sonnabend, die Aussperung sämtlicher Holzarbeiter Dortmunds vorzunehmen. Gegen die Aussperrung stimmte kein Unternehmer, dagegen enthielten sich einige der Abstimmung. Ein heftiger Kampf steht also bevor.— Wie bekannt, wollen die Unternehmer im rheinisch=westfälischen Holzgewerbe durch Lohnabzüge den Abschluß eines Tarifvertrages erzwingen. Röhlinghausen bei Wanne betreibt nun einer der Hauptmacher des Arbeitgeberverbandes ein ausgedehntes Baugeschäft und beschäftigt u. a. auch 25 Tischler, darunter eine ganze Anzahl, welche schon bei dem Vater des gegenwärtigen Inhabers lange Jahre beschäftigt waren und das Vermögen mir zusammenarbeiteten, über welches Herr Walter jetzt verfügt. Zwei Arbeiter feierten am 21. April ihr fünfundzwanzigjähriges„Dienstjubiläum“. Am 20. April sind denselben wie allen übrigen Beschäftigten des Betriebes die Löhne auf Beschluß des Bundes um fünf Prozent gekürzt, was zirka 2,50 Mark bei jeder Lohnzahlung ausmacht. Die Arbeiter gehören dem Gewerkverein Hirsch=Duncker an und werden nun wohl von der„Harmonie“ wird, die von fremden Personen, von B serichtet werden. Hier übt die Suggestion, die Schwächung des erinnerungsvermögens durch die zwischen Ereignis und Verhandlung liegende Zeit und die Form der Verneymung einen Köchst nachteiligen Einfluß auf die kindliche Aussage aus. Von den Jugendgerichten hofft Behrend eine Verbesserung der kindlichen Zeugenaussagen. Der Jugendrichter oder ein Unterstützungsbeamter sollte die Vernehmung jugendlicher Personen als Zeugin und zwar in der Schule oder im Hause vornehmen, In kleinen Orten sollte dies durch den Lehrer geschehen. Vernehmungen der Kinder müßten unvorbereitet erfolgen, eine Ladung sollte nicht vorangehen. Die Vernehmung in der Hauptverhandlung sollte durch eine Protokollverlesung ersetzt werden. Auf alle Falle sollen Kinderaussagen tunlichst eingeschränkt werden. Der Letzte seines Stammes. Aus Winnipeg(Kanada) wird der„Frankfurter Zeitung" unterm 9. d. M. berichtet: In dem National-Parke bei dem berühmten heißen Schwefelbade Bannf (Alberta) starb am Montag der letzte in Gefangenschaft gehaltene „wilde" Büffel, wild insofern, als die übrigen in Kanada in den verschiedenen Reservationen lebenden Büffel entweder in der Gefangenschaft geboren oder eine Kreuzung mit zahmem Rindvieh sind.„Sir Donald“, so hieß der nach dem früheren Sir Donald Smith, jetzigen Lord Strahcona, dem hoch in den Achtzigern stehenden kanadischen Oberkommissar in London, getaufte wilde Geselle, gehörte noch jenen alten, nun dahingegangenen Stämmen an, die auf der Prarie herumjagten und deren eigentliches Eigentum sie einmal war. Vor über 40 Jahren wurde „Sir Donald“ von James Mekay, einem Angestellten auf einer der Stationen der Hudson Bay Company, im derzeit noch ungewohnten Innern des nordwestlichen Kanada gefangen und kam nach Banff, wo die erste Herde Büffel gefangen gehalten wurde. Anfangs betrug sich„Sir Donald“ ganz artig und wohlgesittet, aber seit ein paar Jahren zeigte er böse Spuren von Unverträglichkeit mit der übrigen Herde, und es war auch schon beschlossen, ihn nur noch ein Jahr leben zu lassen und dann abzuschießen. Indessen der alte Herr ließ es soweit nicht kommen, durch seinen bösen Charakter grub er sich selbst sein Grab: am Montag früh wurde er von dem Wärter tot im Walde aufgefunden, sämtliche Rippen waren dem Tiere gebrochen, und der Körper zeigte auch sonst noch schwere Verwundungen; die ganze Herde hatte nämlich den alten gemeinsamen Feind angegriffen, der sich tüchtig zur Wehr setzte, aber im Unterholze verstrickte, zu Fall kam und dann von den erbosten Büffeln zu Tode gestoßen wurde. Der Kopf „Sir Donalds“ wird ausgestopft und im Museum in Bauff, das alljährlich von vielen tausenden Reisenden besucht wird, einen hervorragenden Platz erhalten; der„Letzte seines Stammes“ hat diesen Ehrenplatz wohl verdient. zwischen Kapital und Arbeit überzeugt sein, was sie bahnm vewiesen haben, daß sie mit den übrigen Arbeitern ihre Kör. digung einreichteng Abwehrstren. Am Montag legten in Holzminden sämt. liche Arbeiter der Firma Heinrich Abbes, Riemenscheibenfabrik, die Arbeit nieder als Antwort auf die Ankür. digung eines Lohnabzuges vor 20 Prozent, für den der angehlich schlechte Geschäftsgang als Grund angegeben wurde. In der Feilenfabrik Brand in Witten sind die Schleifer wegen Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse in den Streif getreten.— Zuzug ist streng fernzuhalten. In den Mühlenwerken und Biskuitfabrik Wurzen vorm. Krietsch erbaten die Speicherarbeiter die Beseitigung der schlecht entlohnten Akkordarbeit; an deren Stelle sollte ein Stundenlohn von 40 Pfg. treten. In brutaler Weise warf die Direktion zweimal 8 Mann auf das Pflaster; die anderen zeichten die Kündigung ein. Zuzug ist fernzuhalten! Die Produkte der Firma finden durch Konsumvereine und Kaufleute großen Absatz in Arbeiterkreisen. Die Generalversammlung der Zimmerer in Stuttgart hat die Anträge, die auf Verschmelzung zu einem Bauarbeiterverbande gestellt waren, abgelehnt; dagegen wurde beschlossen, den Ausbau der Arbeitslosenunterstützung vorzunehmen und den Beitrag in diesem Jahre um 5 Pfg. und im nächsten Jahre wiederum um 5 Pfg. in allen Klassen pro Woche zu erhohen. Die Anträge, die auf Einführung der Krankenunterstützung gestellt waren, sind ebenfalls sämtlich abgelehnt worden. Arbeitskammern. Das Gewerkschaftskartell Karlsruhe hat beschlossen, eine Konferenz sämtlicher Gewerkschaftskartelle Badens einzuberufen, um zu den Gesetzentwürfen über die Arbeitskammern und die Arbeiterversicherung Stellung zu nehmen. Die Konferenz soll im Mai in Offenburg stattfinden. Das Gewerkschaftskartell hat ferner die Gründung eines Mietervereins beschlossen. Matrosenausstand. der Dampfer Mannschaften Klage wegen Desertion eingereicht, da sie die Schiffe plötzlich verlassen hatten. Auch die Mannschaften des „Quarant“, welcher heute nach London abdampfen sollte, traten in den Ausstand und verließen das Schiff. Hektalrs. kfg. Großstadtkinder. Sehr interessant, aber zugleich auch betrübend sind die Ergebnisse der gesundheitlichen Prüfung bei 35000 neueingeschulten Kindern in Berlin. Von ihnen litten nämlich 2364 an Blutarmut und ungenügendem Kräftezustand, 999 an Rachitis(englischer Krankheit), 660 an Skrofulose, 505 an Tuberkulose. Also nicht weniger als 4528 Kinder, d. h. fast 13 Prozent, wiesen eine krankhafte Veranlagung auf. Daraus geht hervor, wie im Berliner Brief der„Münch. Medizin. Wochenschrift" besonders, und mit Recht, erwähnt wird, daß ein großer Teil der Erkrankungen, die sich im Verlaufe der Schulzeit zeigen, seinen Beginn bereits in der vorschulpflichtigen Zeit, bezw. im Säuglingsalter genommen hat. Militärisches. Militärgerichtsbarkeit am Kontrollversammlungstag. Ende Januar berichteten wir über eine Verhandlung vor dem Kriegsgericht Würzburg, in der es sich um die berühmte Auslegung handelte, daß Reservisten und Landwehrleute am Kontrollversammlungstage den ganzen Tag unter der Militärgerichtsbarkeit stehen, auch für solche Handlungen, die mit dem militärischen Dienst nicht das geringste zu tun haben. Etwa 20 Kontrol= pflichtige von Stockstadt bei Aschaffenburg hatten nach der Kontrollversammlung eine große Bierreise unternommen, auf chts in der Rollschen Wirtschaft in StockGelegenheit gehört. Dabei erhielt der Reserveunteroffizier Oberle, der dem Reservisten Johann Depp einen Stuhl auf den Kopf schlug, von dem Bruder des Depp, Pius, ebenfalls Reservist, einige Schläge ins Gesicht. Die beiden Depp und der Unteroffizier sind gute Freunde und Duzbrüder. Als der Suff verschlafen war, war alles wieder gut und keiner trug dem andern etwas nach; aber da die Geschichte gerade sich am Kontrollversammlungstag ereignet hatte, war die heilige Disziplin verletzt, Für die militärgerichtliche Aburteilung kämen nur Vergehen in Betracht, die mit dem Dienst selbst in Zusammenhang stünden. Diese vernünftige Entscheidung paßte jedoch dem Gerichtsherrn nicht, das Kriegsgericht mußte nochmals in der Sache verhandeln und kam nunmehr zu dem Urteil, daß der Reservist Depp sich eines„militärischen Widerstandes und tätlichen Vergreifens“, der Unteroffizier der Mißhandlung eines Untergebenen sich schuldig gemacht habe. Der Reservist erhielt sechs Monate acht Tage Gefängnis, der Unteroffizier drei Wochen Mittelarrest. Standesamts-Nachrichten. Amt Enger. Nachrichten vom 9. bis 15. April. Geburten: Söhne: Fabrikarbeiter Heinrich Geaumeyer, Herringhausen; Maurer Wilhelm Bitter, Oldinghausen; Zigarrenarbeiter Wilhelm Wittland, Besenkamp; Lagerarbeiter Heinrich Fricke, Enger; Knecht Herm. Döhrmann, Pödinghausen.„„„„„ Töchter: Higarrenfaorn. Heinrich Schroder, Enger; Schneider Anton Schulte, Besenkamp; Zigarrenarbeiter Wilh. Vogt, Dreyen.„ Aufgevote: Weichensteller Gustav Wehmeier, Enger, und Dienstmagd Elise Böhne, Lippinghausen; Maurer Aug. Strath= mann, Dreyen, und Zigarrenarbeiterin Anna Eggersmann, Ahle; Zimmergeselle August Sundermann, Oldinghausen, und Zigarrenarbeiterin Luise Dicks, Pödinghausen.#####. Eheschließungen: Elektrotechnischer Gehufe Withelm Kleineberg, Mengede, und Näherin Luise Kreft, Oldinghausen Kanonier der 5. Batterie im Ostfriesischen Feldartillerie=negiment Nr. 62 Karl Meyer in Osnabruck und Zigarrenarbeiterin Marie Schlüter, Enger; Lokomotivführer Heinrich Siesespeck, Enger, und Mathilde Althoff, Enger.„in gausen, 19 Sterbefälle: Heinrich Gronemeier, Herring#n 45 Stunden; Knabe Döhrmann, Siele, ½ Stunde; ferner 1 Tor geburt. Amt Herford. In der Zeit vom 12. bis 17. April 1909 sinbeim hiesigen Standesamt angemeldet: 8m „ Geburten. Söhne: Bahnarbeiter Hermann Wollbrink, Schweicheln; Fabrikarbeiter Friedrich Kruger, Stedefreund; Bahnarbeiter Karl Hanisch, Schweicheln.6und Töchter: Bahnarbeiter August Heitbreder, Stedefte#n Eheschließungen. Brauereiarbeiter Fritz Sundern, und Luise Redecker, Enger; Hilfsbahnsteigschatft#et August Wattenberg und Näherin Johanne Scheiper, Schuue## Sterbefälle. Witwe Johanne Höner geb. Heepmag, L. 7„ Jlendiek; Wilhelmine Bredemeier geb. Lbschefz, HeinFallen####, Lina Marie Möllenberg, 2 J., Schweg rich Karl Reinhard Schlüter, 1 Mon., Oberbehme; Minna Rolf, 14 Tage, Bermbeck. ern aula * e O Nr. 95. Bielefeld, Sonnabend, 24. April 1909. 20. Jahrg. Der große Unbekannte. In den jüngst erschienener Memoiren des 1907 verstorbenen ehemaligen Chefs der Reichskanzlei, des Herrn Christoph von Tiedemann, wird erzählt, ein„vielgenannter sozialdemokratischer Agitator“ habe seinerzeit der Reichskanzlei„wertvolle Berichte aus dem sozialdemokratischen Lager“ geliefert. 1878 sei dieser Mann gleich nach dem Attentat Hödels gegen Kaiser Wilhelm I. bei dem Chef der Reichskanzlei erschienen und habe Mitteilungen gemacht, aus denen Herr von Tiedemann„den Eindruck gewonnen“ habe, daß„direkt gegen den Bestand der Monarchie gerichtete Angriffe“ bevorständen. Es dürfte nicht unangebracht sein, diese Mittteilung des Herrn von Tiedemann genauer auf ihren historischen Wert zu prüfen. Zu diesem Zweck müssen wir auf die Ereignisse des Jahres 1878 zuruckgehen. Am 11.Mai feuerte der Idiot Hödel aus einem Revolver schlechtesten Kalibers zu Berlin Unter den Linden einen Schuß gegen den vorüberfahrenden alten Kaiser Wilhelm ab. Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, Hödel habe durch sein„Attentat“ sich irgendwie bemerkbar machen wollen, denn er hatte bei seiner Festnahme keinen Pfennig mehr in der Tasche. Merkwürdigerweise kam von Friedrichsruh sogleich eine Depesche Bismarcks des Inhalts:„Maßregeln gegen die Sozialdemokratie!“ In dem größten Teil der bürgerlichen Presse ging darauf sofort eine wütende Hetze gegen die Sozialdemokratie los, der mar die direkte oder mindestens die„moralische" Mitschuld an dem Attentat aufbürden wollte. Hödel war allerdings einmal mit der Sozialdemokratie in Berührung gekommen: er war aber energisch„abgewimmelt" worden und hatte dann gegen bares Geld bei den Nationalliberalen angebliche Enthüllungen über die Sozialdemokratie angebracht. Dann wollte er sich in Berlin bei der Sozialdemokratie wieder anschmeicheln, wurde jedoch derb abgewiesen und hatte sich alsdann an die Christlichsozialen des Herrn Stöcker herangemacht. Die Hödel=Affäre genügte dem„Herkules des Jahrhunderts", eiligst ein monströses„Gesetz zur Abwehr sozialdemokratischer Ausschreitungen“ ausarbeiten zu lassen. Der Reichstag lehnte aber das Gesetz mit überwältigender Mehrheit ab. Hödel wurde später verurteilt und hingerichtet. Virchow richtete an die Behörden das Gesuch, ihm den Kopf Hödels zu überlassen, um an dem Attentat dauerte fort, wenn auch die„Fruktifizierung“ vorläufig mißglückt war. Nach dem Attentat ist also, wie Herr von Tiedemann erzählt. der„vielgenannte sozialdemokratische Agitator“ auf der Reichskanzlei erschienen. Wenn Herr von Tiedemann aus dessen Mitteilungen damals die Ueberzeugung gewonnen hatte, daß weitere „direkt gegen die Monarchie gerichtete Angriffe“ bevorstanden, so erwuchs ihm, als einen hohen Beamten dieser Monarchie, die Pflicht, der Sache auf den Grund zu gehen, die Stelle, von der die weiteren Angriffe drohten, ausfindig zu machen und ihnen womöglich vorzubeugen. Der„vielgenannte Agitator“ mußte auch in diesem Falle den Verräter spielen, wenn er nicht als Mitschuldiger angesehen sein wollte. Wollte er keine bestimmten Angaben machen, so mußte-man sich seiner als eines Mitwissers hochverräterischer Komplotte versichern— alles dies vom Gesichtspunkt der amtlichen Verpflichtungen des Herrn von Tiedemann aus gedacht. Es scheint aber nichts dergleichen geschehen zu sein! Am 2. Juni folgte das Attentat von Nobiling. Nach den Angaben des Herrn von Tiedemann hätten die beiden Attentate im Zusammenhang gestanden. Aber damit klagt er sich selbst einer von seinem Standpunkte aus unverzeihlichen Fahrlässigkeit an, denn er hätte doch dem angeblichen Komplotte nachspüren müssen. Nach dem Nobilingschen Attentat, bei dem der alte Kaiser schwer verwundet wurde, erreichte die Sozialistenhetze ihren Höhepunkt. Die Sozialdemokratie wurde in einer niederträchtigen, verlogenen Presse der indirekten Anstiftung des Attentats beschuldigt. Nobiling, ein verbummelter Mensch, hatte mit der Sozialdemokratie niemals etwas zu tun gehabt; er war nur einmal in Dresden in einer Versammtung als Redner gegen die Sozialdemokratie aufgetreten und hatte im Sinne der nationalliberalen Partei gesprochen. Will man ihn politisch klassifizieren, so muß man ihn den Nationalliberalen zuzählen. Wenn man diese Tatsache erwähnt, so stellt die nationalliberale Presse sich dumm, weil ihr kein anderer Ausweg bleibt. Bismarck„fruktifizierte“ das zweite Attentat aber nicht nur gegen die Sozialdemokratie. Dafür liegt ein interessantes Zeugnis vor. Herr von Bennigsen schrieb am 15. September 1878 an seine Frau, er fürchte, Bismarck wolle mit dem Sozialistengesetz die Nationalliberalen„an die Wand drücken". Dazu erzählt er:„Als Bismarck in Friedrichsruh die Nachricht von dem Nobilingschen Attentat erhielt, soll er in Gegenwart eines zum Besuch anwesenden höheren Beamten ausgerufen haben:„Jetzt habe ich die Kerle!" und zur Erläuterung für den etwas verwundert ausschauenden Beamten hinzugefügt haben:„Ich meine nämlich die Nationalliberalen.“ Soweit Herr von Bennigsen. Aber die Nationalliberalen gingen in die Falle. Der Reichstag wurde aufgelöst, unter dem Druck der Sozialistenhetze ein neuer gewählt und ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie durchgedrückt mit der Begründung, die Sozialdemokratie sei für die Attentate verantwortlich, wofur man auch nicht den Schatten eines Beweises beibringen konnte. Durch den Telegraphen wurde eine angebliche Darstellung eines angeblich mit Nobiling vorgenommenen Verhörs verbreitet, in dem Nobiling sich als Sozialist bekannt haben sollte. Diese Depesche trug viel dazu bei, die Wut des„guten Bürgertums“ gegen die Sozialdemokratie zu steigern. Allein es war kein wahres Wort an der Sache. Durch das Sozialistengesetz wurde aber auch die nationalliberale Partei gespalten und damit für Bismarcks agrarische Schutzzollpolitik freie Bahn geschaffen. Daß zwischen dem Hödelschen und dem Nobilingschen Attentat ein Zusammenhang bestanden habe, davon ist nicht die geringste Svux erwiesen; es ist auch ganz undenkbar. Der Gewährsmann des Herrn von Tiedemann ist demnach allem Anschein nach ein Schwindler gewesen, der den Herrn Chef der Reichskanzlei und den„Herkules des Jahrhunderts“ gründlich angelogen und dafür seinen Judaslohn eingestrichen hat. Wäre er wirklich ein hervorragendes Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewesen, so hätte sein Verrat auf die Dauer schwerlich verborgen bleiben können. Wahrscheinlich gehörte er der Sozialdemokratie gar nicht an. Bismarck hat einmal selbst von solchen Individuen gesagt:„Die Agenten lügen und übertreiben unverantwortlich!" Darum hätten er und Tiedemann aber auch so gescheit sein und nicht alles glauben sollen. Die Behauptung, daß die Sozialdemokratie die Urheberin der Attentate von 1878 gewesen sei, wird heute von niemand mehr ernst genommen, der nur einigermaßen logisch denken kann. Nur der schwäbische Professor Gottlob Egelhaaf, eine Leuchte der nationalliberalen Partei, hat in diesen Tagen in seiner:„Geschichte der neuesten Zeit“ nochmals behauptet, die beiden Attentate seien aus der„Verhetzung der sozialdemokratischen Massen“, entstanden, doch wird dieser„Historiker“ nur noch von nationalliberalen Mannesseelen ernst genommen. Tiedemann hat, als er seine Memoiren niederschrieb, offenbar daran gedacht, daß die Geschichte ein hartes Urteil fällen könnte über den Staatsmann und seine„Handlanger“, die eine so einschneidende Maßregel, wie das Sozialistengesetz, nur mit der völlig frei erfundenen Behauptung von der Mitschuld der Sozialdemokratie an den beiden Attentaten begründen konnten. Zur Rechtfertigung, die selbstverständlich mißlingen muß, läßt er seinen„großen Unbekannten“ auftreten. Aber wenn dieser Zeuge einen Wert haben sollte, so mußte er genannt werden. Die Geschichtsforschung glaubt an den großen Unbekannten noch weniger, als der Strafrichter, vor dem er in tausend Fällen angerufen wird. Herr von Tiedemann hat der großen historischen Blamage, die man mit dem Sozialistengesetz erfahren hat, durch seine ungeschickte Einführung des„großen Unbekannten“ noch eine kleinere angefügt. Der„große Unbekannte" taucht übrigens später nochmals auf. Zu Anfang der achtziger Jahre machte in Berlin ein Wachtmeister der Kriminalpolizei den Versuch, einen treuen und zuverlässigen Parteigenossen zu bestechen, damit er der Polizei Berichte liefern solle. Der Wachtmeister wurde in eine Falle gelockt und belauscht. Auch er sprach von einem„vielgenannten Agitator“, der angeblich der Polizei Spionendienste leistete. Doch wurde auch hier kein Name genannt. Die Affäre wurde damals an die Oeffentlichkeit gebracht und machte viel Aufsehen. Auch in diesem Falle muß der„vielgenannte Agitator“ wohl ein Schwindler gewesen sein, wenn er überhaupt existiert hat. Das türkische Staatsgefüge.*) Der Islam prägt dem Staate im allgemeinen einen viel bestimmteren Charakter auf als das Christentum. Dies erklärt sich schon daraus, daß der mohammedanische oder mosleminische Staat aus der Religionsgemeinde entstanden ist. Mohammed, der Prophet, wurde auch das weltliche Oberhaupt seiner Anhänger. Seine Nachfolger, die Kalifen, waren zugleich geistliche Oberhäupter und weltliche Herrscher, bis sie nach einigen Jahrhunderten die weltliche Macht verloren und bloß die geistliche Würde behielten. Noch während die auf diese letztere Würde beschränkten Kalisen aus dem früher so mächtigen Hause der Abbassiden in Bagdad und dann in Kairo residierten, war fast jeder weltliche Fürst der Mohammedaner— Emir oder Sultan— das geistliche Oberhaupt im Bereiche seines Gebiets. Er war Vorbeter (Imam), so wie die arabischen Statthalter der Kalifen einst auch das Predigtamt versehen mußten. Endlich riß ein Sultan der Osmanen— Selim 1., als er im Jahre 1517 Aegypten eroberte — die Kalifenwürde selbst an sich, indem er den damaligen abbassidischen Kalisen von Kairo wie einen Gefangenen nach Konstantinopel mitnahm und sich von ihm— angeblich— die Kalifenwürde abtreten ließ. Seitdem ist diese Würde ein Akzessorium des osmanischen Sultanats. Dies ist aber nicht das einzige Merkmal des eigentümlichen theokratischen Charakters, den der mohammedanische Staat besitzt. Wäre der Sultan auch nicht Kalif, so wäre er doch nicht nur hinsichtlich seiner persönlichen religiösen Pflichten, sondern auch hinsichtlich seiner politischen Herrschertätigkeit an das Gesetz des Propheten Mohammed gebunden. Dieses Gesetz, das Scheriat, ist der Koran mit seinen Ergänzungen: 1. Hadis, die Ueberlieferungen der im Koran nicht erhaltenen Aussprüche und Taten des Propheten. 2. Idschma=i=ümmet, die Sammlung von Entscheidungen der vier ersten Kalifen. 3. Kijas, die Meinungen anderer als Autoriäten anerkannter, sehr alter mosleminischer Rechtslehrer. Die hauptsächlich in Hadis und Idschma enthaltenen Ueberlieferungen bilden die Sunna, die von den Sunniten voll, von den Schiiten aber nur teilweise anerkannt wird. Das Scheriat ist nicht nur religiöses, sondern auch bürgerliches Gesetz; es enthält auch Normen für die politische Verwaltung, für das Finanzwesen, für die Zivil= und Strafjustiz, und zwar unter der Sanktion göttlicher Vorschrift. Obwohl der Koran, welcher Mohammed für den größten wahren Propheten erklärt, auch Christus und Moses als Propheten anerkennt und die heiligen Bücher der Christen und der Juden respektiert, ist er doch feindselig gegen alle Nichtmohammedaner und gewährt ihnen nicht die gleichen Rechte wie den Moslemins(Mohammedanern), wenn auch mehr Recht als den Sklaven. Nach den Grundsätzen des Scheriatrechts gehört alles eroberte Land der Gesamtheit der Moslemins(Gläubigen). Die im 16. Jahrhundert verfaßte Sammlung der Scheriatgesetze(das Multekä) enthält auch folgenden Ausspruch:„Alles Land, das der Imam(das heißt der Kalif resp. Sultan) erobert, wird entweder unter die Gläubiger verteilt oder den Einwohnern gegen Bezahlung der Kopfsteuer und des Landtributs belassen; die Gefangenen läßt der Imam töten oder in die Sklaverei führen oder er läßt sie frei als Untertanen der Gläubigen.“ An diese Grundsätze des Islams hielten sich die Türken, solange sie Eroberungen machten. Wenn sie ein christliches Land eroberten, wurde ein Teil der Einwohner in die Sklaverei geschleppt, die männliche Jugend größtenteils in das Janitscharenkorps gesteckt(unter Bekehrung von Islam), ein Teil des Bodens als Zehentgrund an türkische Soldaten verliehen und nur der übrige Teil gegen Entrichtung der Grund= und Ertragsteuer sowie der Kopfsteuer den christlichen Einwohnern gelassen. Nach dem Scheriatrecht können serner vor mohammedanischen Gerichten nur Moslems, aber keine Andersgläubigen giltige *) Wir entnehmen diese Ausführung der kürzlich erschienenen „Geschichte des Machtverfalls der Türkei bis zum Ende des 19. Jahrhunderts“ von Karl Ritter v. Sax(Wien, Manzsche Hofbuchhandlung). Das Buch schildert in gedrängter Kürze die älteren, in größerer Ausführlichkeit, aber doch mit übersichtlicher Knappheit die Ereignisse des 19. Jahrhunderts und führt die Darstellung der türkischen Geschichte bis zum Ausbruch der jungtürkischen Revolution. 21 Maruja. Roman von Francis Brei Harte. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen v. Auguste Scheibe. Als Maruia sich wieder zu ihrer Gesellschaft fand, mußte die in den Kartusstacheln verwickelte Spitze als Erklärung ihres Zurückbleibens dienen, und auch ihr schnelles Atmen und Sprechen wurde dieser wichtigen Grundursache zugeschrieben. „Aber höre’mal, Maruja,“ flüsterte ihr Amita zu,„wir haben von dem Tafeldecker und den Stalleuten alles erfahren. Es ist eine so romantische Geschichte.“ „Wovon sprichst du?“ fragte Maruja hestig. „Nun, von der Geschichte des Tramp.“ „Von dem Privatsekretär aus der Fußbrigade," bemerkte Raymond. ..„Ja,“ fuhr Amita fort,„Mr. Prince war so gerührt von seiner Dankbarkeit für den alten Doktor, daß er ihn in San José auskundschaftete und ihn mit hierhernahm. Seitdem hat sich Nr. Prince immer mehr für ihn interessiert— es scheint, daß der junge Mann irgend einen reichen Verwandten in den Vereinigten Staaten besitzt— so daß Mr. Prince um seinetwillen. elegraphiert, allerlei Erkundigungen über ihn eingezogen und sogar seinen eigenen Anwalt hinüber geschickt hat, um allen Verhattnissen seines Schützlings nachzuforschen. Aber Maruja, hörst du auch, was ich sage?“ „Ja, gewiß. „Du scheinst so zerstreut.“ „Ich bin nur hungrig.“ „So laß uns doch zu Tische dableiben. Man ißt hier eine Stunde früher als zu Hause. Aladin wird dir fußfällig für die danken. Bitte, tu' es!“ Maruja sah die Schwester mit einer so unschuldig unentschlossenen Miene an, als ob die Möglichkeit des Hierbleibens erst in diesem Moment in ihr aufzudämmern beginne. „Und Clara Wilson vergeht fast vor Sehnsucht, den geheimnisvollen Unbekannten nochmals zu sehen,“ fuhr Amita fort.„Bitte, meine kleine Maruja, sage ja!“ Die kleine Maruja ließ einen langen mütterlichen Blick über ihre Schutzbefohlenen hinstreifen. „Nun, wir werden sehen!“ sagte sie endlich. wer. Prince zeigte sich, als er eine Stunde später heimkehrte, docherfreut über die gnädige Annahme seiner Einladung. Er pußte nur zu gut, welche Wichtigkeit die Nachbarschaft dem Umstande beilegte, daß die Erbin der Saltonstalls sich seit einem tewissen Vorfalle— den man jetzt auf die Wirkung des gekossenen Weines schob— von seinen Gesellschaften und allen von ihm veranstalteten glänzenden Festen fernhielt. Man befechtete ihn gleichfalls als in Bann getan— und welcher Art miur wefuhle in bezug auf die Mutter auch sein mochten, so konnte er doch nicht umhin, die Handlungsweise der Tochter, die ihn rehabilitierte, nach ihrem ganzen Wert zu schätzen. Die Art, wie er die Gesellschaft bewillkommnete, sowie die Vorbereitungen zum Diner, welche er sofort folgen ließ, gingen noch über seine sonstige pomphafte Art und Weise hinaus und entsprachen den fast übertriebenen Beweisen von Hochachtung, welche er Maruja gegenüber zur Schau trug. Der Telegraph, sowie mehrere reitende Boten wurden schnell in Bewegung gesetzt, die Frauengemächer den jungen Damen als Ankleidezimmer zur Verfügung gestellt, und die dienenden Geister übertrafen sich selbst. Die Abendtoiletten Marujas, Amitas und die beiden Misses Wilson — durch den elektrischen Draht von der Mission Verdida herbeikommandiert und durch die schnellfüßigsten Pferde herüberbefördert— befanden sich, nebst den dazu passenden Buketts eine Stunde vor der Mahlzeit in den Händen der aufwartenden Mädchen. Das Orchester einer Operngesellschaft, welche gerade die nächste Stadt passierte, wurde durch die Sklaven des Zauberringes von ihrem Wege abgelenkt und herüberbeordert, um ungesehen während des Speisens im Musiksalon zu spielen. „Man möchte sich wirklich in die Finger beißen, um zu wissen, ob man wacht oder träumt,“ sagte Clara Wilson zu Maruja.„Es ist ja alles wie in Tausend und einer Nacht.“ Das Diner war ein Kunstwerk, selbst für diese Heimat der Gastronomie; das Dessert ein Wunder an Fruchtreichtum, selbst für dies Klima, das die Erzeugnisse zweier Himmelsstriche hervorbringt. Maruja, die neben ihrem beglückten Wirte saß, blickte über ein ganzes Beet gelber Rosen zu ihrer Schwester und Raymond hinüber und wurde sich schüchtern der Blicke des jungen Guest bewußt, der am anderen Ende der Tafel, zwischen den beiden Misses Wilson Platz gefunden hatte.— Eine gespensterhafte Erinnerung an sein Aussehen bei ihrer ersten Begegnung kam über sie, während sie ihn heimlich, mit einem Gemisch von Furcht und Neugier, beim Essen beobachtete und sich erleichtert fühlte, als sie sah, daß er Messer und Gabel wie die anderen zu handhaben wußte und daß sein Appetit durchaus nicht an sein früheres Elend erinnerte. Sein Herr und Meister war es, der die Erlebnisse seiner Vergangenheit heraufbeschwor. Mit einem gewissen Enthusiasmus und der Miene eines Festgebers, dem es vor allen Dingen um die Unterhaltung seiner Gäste zu tun ist, sagte er: „Sie werden sich kaum denken können, Miß Saltonstall, daß der junge Mann dort unten so ziemlich unsern ganzen Kontinent durchwandert hat— an zweitausend Meilen— war's nicht so? — und nicht besser dazu ausgerüstet, als in diesem Augenblicke. Harry, erzählen Sie doch mal, wie die Apache-Indianer Sie beinah aufgefressen hätten— Ihnen dann aber die Freiheit gaben, weil sie in Ihnen eine ebenso gute Rothaut zu sehen glaubten, wie in jedem der Ihrigen... und wie Sie dann in den Prairien acht Tage lang nichts weiter zu essen hatten, als zwei Zwiebäcke, nicht größer als so.“ Ein Chor von Bitten und erwartungsvollen Fragen folgte der Aufforderung. Der alte Ausdruck des gehetzten Wildes trat für einen Moment in Guests Gesicht, aber als er die Augen erhob, begegnete er den beinahe teilnehmend besorgten Blicken Marujas, welche stumm geblieben war. „Vor einiger Zeit,“ sagte er, indem er sich wie zur Erklärung an Maruja wendete,„sah ich mich genötigt, Mr. Prince über meine Reise hierher genaue Auskunft zu geben. Dabei habe ich allerlei Einzelheiten erzählt, von denen er glaubt, daß sie für andere Interesse haben könnten; das ist alles. Um mein Leben zu retten, habe ich mich bei einer gewissen Gelegenheit genötigt gesehen, den Indianer zu spielen, habe mit den Rothäuten gelevt und bin etwa vierzehn Tage lang mit ihnen umhergezogen. Hunger habe ich ertragen, wie mancher andere unter gleichen Verhältnissen... was ist weiter dabei!“ Aber trotz seines unverkennbaren Widerstrebens sah er sich endlich genötigt, dem allgemernen Verlangen nachzugeben, und begann in einer kurzen, beinahe rauhen, sich auf die nackten Tatsachen beschränkenden Weise einige seiner Reiseabenteuer zu erzählen. Sie wurden dadurch, daß er es widerwillig tat— ungefähr in der Art, wie er seines Vaters Fragen unbeantwortet hatte und in welcher er wahrscheinlich auch auf Mr. Princes Kreuzverhör eingegangen war— nur noch packender. Ihm selbst schien jedoch an dem Eindruck, den er hervorbrachte, nichts zu liegen; er sprach vielmehr mit der mürrischen Miene eines Menschen, den allerlei versönliche Unbill betroffen hat, für welche er Mitgefühl weder verlangt noch erwartet. Hin und wider erhob er dabei die Augen zu Maruja, sonst blieben sie fest auf seinen Teller geheftez „Nun,“ sagte Prince, nachdem ein langverhaltenes Aufatmen befriedigter Erwartung seinen Talenten als Unterhaltungskommissär den verdienten Dank gespendet hatte,„was meinen Sie... wollen wir nun zur Abwechslung, während wir den Kaffee trinken, auf die Geschichten etwas Musik foigen lassen?“ „Es ist, als ob man im Schauspiel wäre," bemerkte Amita zu Raymond gewendet.„Wie schade, daß Kapitän Carroll, der so genau um Indianer Bescheid weiß, nicht hier war, um dies mit anzuhören. Aber ich hoffe, daß Maruja, die kein Wort davon verloren hat, ihm alles wieder erzählt. „Ich glaube nicht, daß sie das tun wird,“ gab Raymond trocken zur Antwort, indem er zu Maruja hinübersah, welche— in die Betrachtung ihres chinesischen Tellers vertieft— nicht zu beachten schien, daß der Gastgeber das Ausheben der Tafel von ihr erwartete. Endlich erhob sie den Kopf und sagte in leisem, aber verständlichem Tone zu dem Hausherrn: „Es muß durchaus ein neues Muster sein; das alte Geschirr hat nicht diese feingezogenen Linien in der Arabeske. Sie haben dies Services wohl für sich machen lassen?“ „Das habe ich, antwortete der geschmeichelte Prince, indem er den Teller in die Hand nahm.„Was Sie für Augen haben, Miß Saltonstall, Sie sehen wirklich alles.“ Bugenschaft ablegen, infolgedessen die Christen— bis um die Jahrbunderte— tatsächlich beinahe rechtlos waren. Scheriatgsset zundurch wurden überdies die einschlägigen gün- Sinnallgemein in einem den Christen möglichst un#astigen„ ausgelegt und angewendet. Die Christen konnten keine Kiechen vauen, durften keine Glocken läuten, keine gesattelten Pferden reiten und nicht sich so kleiden wie die Moslems sie konnten selbstverständlich eenn Stausamt erhalten und dergleichen.— Von der Westfälischen Landgemeindeordnung. Die Gereinde hedarf der Genehmigung des Kreisausjung, sowie zu der auf einem lästigen Titel beruhenden Erwerbung von Grundstücken, und von solchen Gerechtsamen, weiche jenen gesetzlich gleichgestellt sind; durch welche die Gemeinde mit einem Schuldenbestand belastet oder der bereits vorhandene vergrößert Wald, Weide, Torf usp. re ccer znehmigung des Regierungspräsidenten ist zur Veräußerung oder wesentlichen Veränderung besonderen wissenschaftlichen, historischen der, Kunstwert haben; insbesondere von Archwen oder von Teilen e Reihe Vorschriften sind in der Landgemeindeordnung vorgesehen fur den freiwilligen Verkauf von im Besitz der Gemeinde befindlichen Grundstücken. Sie lauten: „Die. freiwillige Veraußerung von Grundstücken darf der Regel znen; im Wege des öffentlichen Meistgebots stattZur Giltigkeit des Verkaufs aber gehört: Grundsteuerkataster anstat der Paxezsten Auszuges aus dem 2. eine öffentlich auszuhängende Ankündigung; einmalige Bekanntmachung durch das Amtsblatt der Rezierung, oder durch ein im Kreise erscheinendes Blatt; Versagistermin Pchen von der Bekanntmachung bis zum „5g=äthaltung des Verkaufstermins durch eine Justizperson, Eenamtmann oder den Vorsteher. Wenn der Katastralertrag des Grundstücks nicht 6 Mk. überBeistz ia bstar es der unter Ziffer 3 vorgeschriebenen BekanntBei Veräußerung von Gebäuden, welche nur nach der Grund# pesteuert sind, ist, sofern sie für sich allein und nicht als Habehor eines Gutes veraußert werden, eine Taxe aufzunehmen. Das Ergebnis des Verkaufs ist in allen Fällen der Gemeindeversammlung mitzuteilen, und kann nur mit veren Genehmigung der Zuschlag erteilt werden. In besonderen Fallen kann der Kreisausschuß den Verkauf aus freier Hand, sowie einen Tausch gestatten, sobald er sich abetzeugt, daß der Vorteil der Gemeinde dadurch gefördert wird. Die vorstehenden Bestimmungen finden auch auf Verkäufe von Realberechtigungen Anwendung, wobei die Aufnahme einer Taxe jedesmal notwendig ist. Für die Hypothekenbehörde genügt zum Nachweise, daß den obigen Vorschriften genügt worden, die Bestätigung des Vertrages durch den Kreisausschuß. Verpachtungen von Grundstücken und Gerechtsamen der Gemeinde müssen öffentlich an den Meistbietenden geKrasauschuses gestater u mit Genehnigung bes auf die Veraußerung solcher Gemeindegrundstücke, welche als Pallz.(Forstländerei) anzusehen sind, finden die vorstehenden ausfahrungen keine Anwendung. Für die Verwaltung der Gemeindewaldungen bestehen besondere Vorschriften. Weder vie Westsulische Landgemeindeordnung, noch das Zuständigkeitsgesetz haben an den bestehenden Bestimmungen .Der 8 56 der Landgemeindeordnung regelte die Erhebung von Einzugs=, Hausstands= und Einkaufsgeldern in den Gemeinden. Diese Materie ist später in einem besonderen Gesetz behandelt Freizsioiafeitr“ weitere gesetzliche Vorschriften resp, durch das .#sgesetz sind aher die meisten diesbezüglichen Benimmungen wieder außer Kraft gesetzt worden. Heute bestehen nur noch die Vorschriften zu Recht, welche den Landgemeinden den nach der Landgemeindeordnung verwalteten Städten Gemeindebeschlüssen, die der Genehmigung des Kreisausschusses bedürfen, die Erhebung eines Einkaufsgeldes anstatt oder neven einer jährlichen Abgabe für die ###lnahme an den Gemeindenutzungen(Ländereien, weide, Torf usw) gestatten.— eien, Die Stadtverordnetenwahlen in Mülheim a. Rhein. Die mit 5. Zentrums= gegen 14 liberale Stimmen erfolgte UngiltigAuseßen u. der- sozialdemokratischen Mandgte, die gewaltiges A erregte, beschaftigte den Gezirtsausschußz in Köln. Der # der drei in der Stichwahl(mit liberaler Unterstützung) gewählten Sozialdemokraten, ihre Wahl für giltig zu erklären, wurde vom Bezirksausschuß abgelehnt. Der Ausschuß stellte sich dabei auf den ganz unhaltbaren Standpunkt, daß Haus... im Sinne der Städteordnung nur solche Personen seien, die ein Wohnhaus als Alleineigentumer besitzen oder ein das ganze Haus umfassendes Nießbrauchs= oder erbliches Besitzrecht siet son Jemand, der mit seiner Frau gemeinsam ein Haus bezicht als Hauseigentümer im Sinne der Städteordnung gelten. Infolgedessen habe das Mülheimer Stadtverordnetenkollegium nicht die genügende Anzahl Hausbesitzer und so sei die Wahl der drei Nichthausbesitzer ungiltig. die sozialdemokratische Liste volltändig, Vorher z.““ ersten Wahl hatte die Zentrumsliste gesiegt. Die Machinatz der Septzarzepgrtei vaben zur Ungiltigkeitserklärung die“ Bei der gestrigen Nachwayl hat die so:f. demokratische Liste den Sieg davongetragen. 8640 Ein mit je von Zentrums suitischer Vorsicht weiterhin konstruierter Protest n Zentrumsseite wurde nicht verhandelt. Ein Zentrumsstadtverordneter, der gleichzeitig Wahlvorsteher, war an einem Tage eine halbe Stunde zu spät im Wahlbureau erschienen und hatte „für alle Fälle“ einem wirksamen Protest den Weg geUnsere Mülheimer Genossen werden sich nun an das Oberverwaltungsgericht wenden, dessen Entscheidungen man zu Unrecht bei der Begründung dieses Urteiles angezogen hat. Wenn der Standpunkt des Urteils richtig ist, so würden wenige GeSäitter Hautshesin.i gesetzlich vorgeschriebenen beim den g###er haben. Niemals vorher hatte man in den Begriff„Hausbesitzer“ in dieser Weise ausgelegt. in Städtische Arbeiter zu Arbeitswilligendiensten kommandi, r### beiter Augsburgs befinden sich in einer Lohnbewegung und haven auch bei der Firma Schneider u. Enßhein die Arb“ niedergelegt. Die Firma hatte von der Stadt Geleisverlegungs. arbeiten in Submission uvernommen. Anstatt nun die bestreitte Firma zur Einhaltung ihres Vertrages zu zwingen, hat!“ „liberale“ Magistrat dieser Firma 17 städtischer Arbeiter Verfügung gestellt. Als diese Arbeiter sich weigerten, den Strei tenden in den Rücken zu fallen, wurde ihnen mit Entlassung gedroht. Die städtischen Arbeiter ließen sich aber trotzdem nicht zu Streikbrechern machen.— Das Vorgehen des Magistrats ist um so verwerflicher, als eine Gefährdung der öffentlichen Sicher. Zweck hatie dee diese Naßnahme, dielmehr nur den iut zute, vem Unterneymer den Rucken zu steisen.“ nur den Von dem kommunalen„Selbstverwaltungsrecht". Der Ar, beiterturnverein„Fichte“ in Halle a. S., dem zwei städtische Turnhallen zur Verfügung standen, ist— wie dies auch in anderen Städten geschah— von der Regierung aufgefordert worden, nachzuweisen, daß er einen Turnlehrer mit sittliche wissenschaftlicher Vorvildung besitze. Es wurde darauf dem Stadtverordneten Genossen Thiele, der seine Prüfung als sischer Turnlehrer gemacht hat, die Leitung des Vereins überragen. Thiele wurde nun aber von der Regierung aufgefordert. sein Amt als Turnlehrer niederzulegen. Klassengegensätze im nationalpolnischen Lager. Erst als zum ersten Male Sozialdemokraten Keine Auskünfte an Stadtverordnete. Das Tiefbauamt in Frankfurt a. M. hat dieser Tage einen Erlaß herausgegeben, der den Beamten und Angestellten strengstens verbietet, den Stadtverordneten Auskünfte über dienstliche Vorgänge zu erteilen. Mit diesem Erlaß hat sich am gestrigen Dienstag die Stadtverordnetenversammlung in einer ziemlich sturmischen Sitzung beschäftigt. Redner fast aller Parteien sprachen sich scharf gegen den Erlaß aus. Es wurde schließlich ein Antrag angenommen, wonach die Stadtverordnetenversammlung den Erlaß bedauert, weil er geeignet ist, das Ansehen der Stadtverordneten herabzusetzen und der Magistrat ersucht wird, das Tiefbauamt zu veranlassen, den Erlaß zurückzunehmen. Der sozialdemokratische Redner sprach aus, daß dieser Erlaß wohl einzig in Deutschland dastehe. Es werde sich noch kein Magistrat herausgenommen haben, in so schroffer Form gegen Stadtverordnete vorzugehen. Obstruktion. Der gewiß seltene Fall einer Obstruktion bei den Gemeindewahlen spielte sich am 21. April in Saalfeld a. S. ab. Die Gemeinderatswahl kam nicht zustande, da als Protest gegen das reaktionäre meiningische Zehnstimmenwahlrecht sich die meisten Bürger der Abstimmung enthielten. Von 2559 Wählern machten nur 759 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die sozialdemokratische Partei hatte Wahlenthaltung proklamiert. Da zur Giltigkeit der Wur# mindestens die Beteingung der Hälft genden Bestimmungen etwas geändert. hungen Prov3 Gestfalen hat die Vergaltung der Gemeinde. In der Provinz Westfalen hat die Verwaltung der Gemeindeeinen nach folgenden Gesetzen und Verordnungen stattzu. 1. nach der Königlichen Verordnung vom 24. Dezember 1816; „###nach der Instruktion des Oberpräsidenten, erlassen am 19. Mai 1807 für die Regierungsbezirke Minden und Arnsberg; schaften, vom 6. Juik istk, Scuswaldtungen und Waldgenossen.. Diese Gesetze und Verordnungen enthalten Bestimmungen uder die Aufstellung besonderer, vom Regierungspräsidenten zu genehmigender Etats, über die Anstellung von Gemeindeforstbeamten usw. eine Aendenehme Handidaten durcHsnbricken.d Fr. Körverschaften ihnen ge. Rehme Kundidaten burchzubrauen. Man kann sicher sein, daß die polnischen Junker bei den nachsten Reichs= und Landtagsingen. Der polnische seine Presse war deshalb den Junkern gelungen ist. Es konnte besteben, und di. ma; zu vertsatst, dem volnischen Mittelstande bestehen, und die mun gu verkleistern suchte, um nur die nischen Arbeiter in Stadt und Land um so besser an der Leine zu führen, sich nunmehr um so stärker offenbaren werden müssen. " Es ist auch so geschehen; schon damals forderte das führende Organ des polnischen Mittelstandes, der„Kurjer Poznanski“, keinem Zweifel unterliegen, zu. Giltigkeit der Wahl mindestens die Beteinigung der Hälfte aller Wayler notwendig ist, findet am nächsten Dienstag ein zweiter, Wahlgang statt, an dem jeder Wähler— bei Androhung von 8 Mr. Straft— teilnehmen muß. Städtische Arbeitslosenversicherung in Berlin. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner fand am Mittwoch, ven 21. upril, eine Sitzung der gemischten Deputation zur Vorberatung des Antrages über die Errichtung einer städtischen arben#senversicherung statt.— Nach längerer, eingehender Beratung wurde beschlossen, zunächst Berichte über die in anderen Staaten, Kommunen usw. eingeführten verschiedenen Versicherungssysteme einzufordern. Mit der Berichterstattung über diese verschiedenartigen Einrichtungen wurden Stadtrat Fischbeck sowie die Stadtverordneten Goldschmidt und Dupont be„.„ur,nicht, daß ich die ganze Gesellschaft warten lasse, gab sie tachelno zur Antwort, und die eben besprochenen Augen wendeten sich, während sie aufstand, mit einem leichten Abschiedsgruß zu Guest hinüber. Es war der erste Austausch einer sympatyischen Regung zwischen ihnen, und machte auf beide den Eindruck, als ob sie sich die Hand gegeben hätten. Wayrend der Musik fanden allerlei Privatgespräche statt, in Freund nach der Missian Verdida ein)o wohl, wie seinen jungen Mission Perrirhemnud. Dann ging die ganze Gesellschaft in das Gewächshaus, wo der freigebige Wirt jede Dame aufforderte, sich unter den seltenen exotischen Blumen eine auszuwählen. srriseni eri“e in Empfang nahm, sagte sie lachend zu ich um eimne zweite bittezicd für sehr unverschämt halten, wenn „Nehmen Sie, was Ihnen gefällt,“ gab Prince galant zur Antwort.„Sie brauchen die Blume nur zu nennen.“ „Das kann ich leider nicht, erwiderte das junge Mädchen, und zu Guest gewendet fügte sie hinzu:„Es wäre denn, daß Sie mir zu Hilfe kämen... es handelt sich um die Pflanze, die ich heute, morgen, betrachtete. „ En gaube, daß ich sie Ihnen zeigen kann,“ sagte Guest, in bessen Grsicht eine leichte Röte aufstieg,„aber ich bezweifle, daß sie Blüten hat.“ Mit diesen Worten ging er ihr voran, auf den, merkwürdigen Kaktus zu.. AAder er hatte eine Blute— eine prächtige, rote Blume, die aupsah wie Blut, das seine Dornen zum Fließen gebracht. Guest brach sie ab und Maruja steckte sie in ihren Gürtel. „Wie versöhnlich Sie sind,“ sagte er mit dem Ausdruck der Bewunderung. „Das müssen Sie doch wissen!“ antwortete sie, vor sich nieder„Ich— wieso?“ „Sie sind zweimal unartig gegen mich gewesen.“ „Zweimal? S### einmal in der Mission„Perdida, das anderemal auf der Landstraße nach San Antonio.“ Seine Augen verfinsterten sich und suchten den Boden. „Moxgen in der Mission war ich ein elender schöpf, dessen Echönbeit Ihnen nur das stolze, mitleidslose Ge. Wege nach San Antan n.“ zu Boden drückte. Auf dem Hände des an un10 aber gab ich den Fächer in die — Mannes, dessen Augen mir sagten, daß er Sie Unmutig warf sie den Kopf zurück. .„Ein längeres, Besinnen würde galanter gewesen sein, sagte ichtig und rücksichtsvoll?— Glauben Sie, daß jener junge agp ehenso gefällig gegen Sie gewesen wäre?“ „g###be wenig Ansprische zu machen, die von anderen berauflhligt werden müßten, gab er barsch zur Antwort, fügte dann aber in sanfterem Tone und mit freundlichem Blick hinzu: Siepsteslzin Trauer, als Sie hente nachmitag ankanen, Miß „Ja, um Dr. West, den Freund meiner Mutter.“ „Die Trauer kleidete Sie so gut.“ „Gie wollen mir etwas Schönes sagen, aber ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß Kapitän Carroll besser zu schmeicheln versteht. Er sagte:„Es wäre nicht nötig, vaß ich Trauerkleider trüge, ich brauchte nur meine Augenwimpern auf Halbmast zu senken... er ist Soldat, wie Sie wissen. Litter hr Trntpgre. wie glücklich zu sein, gab Guest „Sie glauben daß er glücklich ist?“ fragte Maruja, indem sie die Augen zu ihm aufschlug. Es lag so viel in dieser einfachen Frage, daß Guest dem jungen Madchen, wie nach Erklärung suchend, in die Augen sah. Was Ver, aum Seinsiehemen daraus entgegenleuchtete, brachte sein „Ist er es nicht?“ fragte Guest mit gedämpfter Stimme. „Meinen Sie, daß er wert wäre, es zu sein?“ fragte sie kazegen und war selbst überrascht, daß sie es flüsternd getan Beide verstummten; die Stimmen ihrer Gefährten klangen wie aus weiter Ferne herüber, der berauschende Duft der Bluten schien ihre Sinne einzuwiegen; sie versuchten zu sprechen — aber sie konnten nicht! So nahe standen sie sich, daß zwei lange Palmenblätter sie beide verbargen. Inmitten dieses Schweigens sagte eine Stimme, welche wie die Marujas und doch wieder ganz anders klang, zweimal hintereinander:„Gehen Sie! gehen Sie!" Die Worte schienen aber jedesmal von dem erstickenden Schweigen verschlungen zu werden. Im nächsten Augenblick wurden die Palmenblätter zur Seite geschoben, die dunkle Gestalt eines jungen Mannes schlüpfte, wie ein geschmeidiges Tier, durch die Büsche und Maruja fand sich, bleich und aufrecht in der Mitte des Hauptweges, im vollen Lichterglanz, ihren herankommenden Gefährten entgegensehend. Sie war zornig und erschreckt, siegesfroh und von Angst durchzittert: Henry Guest hatte sie ohne Grund, Ursache und Veranlassung geküßt und sie— hatte den Kuß erwidert! Die schnellsten Pferde aus Aladins Stall konnten sie nicht rasch genug, nicht weit genug von diesem Augenblick, diesem Ereignis, dieser Empfindung forttragen. Klug und erfahren, wie sie war, voll Vertrauen auf die Macht ihrer Schönheit, sicher in ihrem Egoismus, geübt, die Schwachheiten anderer zu benutzen, Worte und Taten der Männer wie der Frauen nach strengem Maße abzumessen, Stellung und Ansehen hochschätzend, gewohnt, mit den hellen Augen des Vaters als echtes Weltkind die praktischen Folgen jeder Abweichung von dem, was Sitte und Herkommen gebieten, deutlich zu erkennen, rief sie sich jetzt doch immer aufs neue die zitternde Glückseligkeit dieses berauschenden Augenblicks zurück. Sie dachte an ihre Mutter, ihre Schwestern, an Raymond und Garnier, an Aladin— sie zwang sich sogar, Carroll zu denken, aber wieder und wieder mußte sie mit stillem Lächeln die Augen schließen, um noch einmal in den kurzen, entzückenden Traum zu versinken, der damit begann, daß die Lippen Guests die ihrigen fanden, und damit endete daß diese Lippen sich wieder losrissen. So war es denn kein Wunder, daß— während sie schweigend und dicht verhüllt, das bleiche ungesicht zu dem kalten Sternenhimmel emporgerichtet, in der Wagenecke lag— zwei andere Sterne auftauchten und mit zitterndem Glanze an ihren von Leidenschaft durchbebten Wimpern hingen.(Fortsetzung folgt.) „Dziennik Poznanski“, mit, daß der polnische Mittelstand in . Propinz, Posen tatsächlich an der Arbeit ist, sich eine feste, polllische Erganisation zu schaffen. Sie soll ihm helfen, den kampf mit den politischen Gegnern leichter zu führen, die wichtigsten Posten an sich zu reißen, ihm die Oberhand im politischen Leven des polnischen Gemeinwesens zu verschaffen. „Dziennik Poznanski“ bemerkt dazu, daß die Organisierung des Mittelstandes notwendigerweise zur Organisierung der gegnerischen Seite— der konservativen Elemente— führen wird, um so sicherer, da auch im konservativen Lager seit längeauch war die politische Führerschaft unteilbar in den Händen Junkerschaft. Aus den Reihen des polnischen Großgrundbesitzes rerrutieren sich die„geborenen“ Führer des Volks, ein Klasseninteresse betrachtete man als das Interesse des geVolkes, ihm wurden die Interessen anderer Gesellschaftsklassen bedingungslos untergeordnet. In dem Maße jedoch, in tischen Einfluß für sich, die Friktion zwischen dem„rubigen Kleines Tenillekon. Der„Tag“ berichtet über ein in Amerika erwendungseieu. gemisches Produkt von ungeahnten Ver.. ugenoglichkeiten, das dem Zelluloid an Bedeutung minestens gleichkommen wird, wenn die in einem Vortrag des ErAmerikanischen Chemischen Gesellschaft gemachten such nur zur Hälfte zutreffen. Das neue Erzeugnis heißt Bakent. So hat es der Erfinder nach sich selbst getauft, denn er heißt Dr. L. H. Baikeland. Und was ist es? Ein auf künstlichem Wege hergestelltes Harz von ganz besonders hervorragenden Eigenschaften. Es ist sehr hart, härter als Schellack tgummi, leider nur nicht so elastisch wie beide. Dafür den Vorzug, unverbrennlich zu sein und von den meisten Auch indheißen Mashve selsdure, nicht angegrifsen iu seine Widerstandssähigteit.0 6re0 Taucht man z. B. einen Holzlöffel in Bakelit A(eine flüssige Form des Stoffes) und erhitzt ihn dann in einem Gefäß, in dem ein Luftdruck von mehreren Atmosphären herrscht, so bildet sich ein harter, glänzender, lackartiger Ueberzug, der dem teuersten japanischen Lack an Haltbarkeit überlegen sein soll. Selbst Spiritus vermag keinen zerstörenden Einfluß auszuüben. Läßt man besonders dünnflüssiges Bakelit auf billiges voröses Weichholz einwirken, so erhält man ein Holz, das durch und durch imprägniert ist und an Härte dem Ebenholz nicht nachsteht und sich verdünnter Säuren, Wasser und Dampf gegenüber äußerst widerstandsfähig zeigt. In ähnlicher Weise ist es dem Erfinder gelungen, Pappe und Papier zu imprägnieren. Mit Bakelit getränkte Papierteller werden vielleicht in vielen Fauen wegen ihrer Leichtigkeit und Unzerbrechlichkeit einen guten Ersatz für Porzellan=, Steingut= und Glasteller abgeben. Für die Gefäßindustrie eröffnen sich damit neue Aussichten, denn was vom Teller gilt, gilt natürlich auch von Flaschen, Krügen, Bechern. Der Erfinder hofft z. B., daß in der Konservenindustrie die bakelisierte Pappbüchse die Blechbüchse verdrängen werde. Mischt man flüssiges Bakelit mit Sand oder Schiefermehl, so gewinnt man einen Teig, der ähnlich wie Email zum Auskleiden von Metallgefäßen verwandt werden kann. Reines Bakelit kann an Stelle von Bernstein für Pfeifenmundstücke gebraucht werden. Vielleicht auch als Ersatz für Zelluloid dei Schmuckgegenständen, Kämmen und dergleichen, denn es hat diesem gegenüber ja den Vorzug der Unentzündbarkeit und ist auch völlig geruchlos, während bekanntlich Zelluloid immer —— chetlen Lände“ und den„politisierenden Städten“ wurde immer sind die Dinge soweit reif geworden, daß die Städte, d. h. der polnische Mittelstand, dabei sind, sich eine feste politische Organisation zu geben. Der heute verschleiert geführte Kampf zwischen dem polnischen Großgrundbesitz und dem polnischen Mittelstande wird durch die getrennten festen Organisationen ein offener werden, was nur von Nutzen für das arbeitende volnische Volk sein kann, denn es wird dann um so eher begreifen können, daß es weder als Anhängsel der einen noch der anderen Partei dienen darf, sondern daß es seinen eigenen Weg zu gehen hat.— CC. Ernkralbersammlung der Zimmerer Fentschlands. K. Stuttgart, 22. April. Vierter Verhandlungstag. Ueber„Kranken- und Arbeitslosenunterstützung" referiert Kollege Ecke=Hamburg. Es sind zu diesem Punkte sehr viele Antrage gestellt, daneben aber auch Anträge auf Einführung nur der Krankenunterstützung. Der letzten Generalversammlung wurde der Auftrag, eine Vorlage dafür auszuarbeiten. An den Erhebungen haben sich 66 Prozent der Zahlstellen mit 84 Prozent der Mitglieder beteiligt. Dabei hat sich ergeben, daß die Bezugssumme der der Arbeitslosenunterstützung gleichgestellt werden muß. Redner schildert ziffernmäßig die Ergebnisse der Erhebungen. Daraus ergibt sich, bei Einführung der Unterstützung eine notwendige Beitragserhohung, die bei einer Unterstützung von 50 Pfg. 5 Pfg., bei 75 Pfg. Unterstützung 10 Pfg. betragen würde. Große Schwierigkeiten stehen der Einführung also nicht entgegen, ob dieselbe heute aber praktisch ist, sei eine Frage, die wohl erwogen werden müsse, da die Arbeitslosen-Unterstützung noch sehr der Verbesserung und des Ausbaues bedürfe. Die Einnahme der Beträge für die Arbeitslosenunterstützung hat vom 1. Mai 1905 bis Ende des Jahres 1908 920614 Mk. betragen, diesem stellte sich eine Ausgabe von 827986 Mk. gegenüber. Am Jahresschluß 1908 war also ein Ueberschuß von 92628 Mk. vorhanden. Die Monate Januar und Februar verursachten aber schon eine Ausgabe von 352894 Mk. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer besseren finanziellen Grundlage, die ohne Beitragserhöhung nicht zu beschaffen ist. Ohne eine solche ist auch an den Ausbau dieses Unterstützungszweiges nicht zu denken. Redner plädiert für Ablehnung aller Anträge, die auf Erhöhung der Unterstützungssummen und Aenderungen der Karrenzzeit gestellt sind. Die Debatte ist lebhaft, es beteiligen sich dreißig Delegierte daran. Die Mehrzahl derselben ist gegen Einführung der Krankenunterstützung, aber für den Ausbau der Arbeitslosen-Unterstützung. Nolt=Königsberg empfiehlt die Einführung einer Sterbeunterstützung, er nimmt hierbei Bezug auf die Versicherungsgesellschaften„Viktoria" und„Friedrich=Wilhelm“, die im letzten Jahre 45 Prozent Dividende zur Verteilung brachten. Diese Versicherungen haben zumeist Eingang in Arbeiterkreisen gefunden, wenn es nun der Arbeiterbewegung gelingen würde, etwas ähnliches für ihre Mitglieder zu schaffen, dann würden Millionen für die Arbeiterbewegung freigestellt werden. Schuppen=Krefeld und Kober-Breslau sind für keine weitere Ausgestaltung des Versicherungswesens. OehmsenDresden erklart, daß die Mitglieder dort gerne einer Beitragserhöhung zustimmen für den Ausbau der Arbeitslosen-Unterstützung. Die Erhöhung soll jetzt 5 Pfg. und im nächsten Jahre wieder 5 Pfg. betragen. Kube=Berlin hält die Zeit für eine Beitragserhoyung nicht gut gewählt, er ist deshalb für keine Aenderung zu haven. Martens=Kiel glaubt soviel Interesse der Mitglieder voraussetzen zu dürfen, daß sie für eine Verbesserung der Arbeitslosenunterstützung auch Opfer bringen werden. Schmaus=München erklärt, daß eine gewisse Grenze bei den Unterstützungseinrichtungen nicht überschritten werden darf, wenn der Kampfescharakter der Organisation gewahrt bleiben soll. Römer präzisiert die Meinung des Vorstandes zu dieser Frage. Derselbe ist nicht Gegner der Krankenunterstützung, glaubt aber, daß beide Unterstützungszweige neben ander aus kassentechnischen Gründen nicht gut möglich sind. eina durch Schlußantrag wird die Debatte veendet. Die Abstimmung ergibt die Ablehnung der Krankenunterstützung gegen 9, die der Sterebunterstützung gegen 7 Stimmen. Der Ausbau der Arbeitslosenunterstützung wird mit 65 gegen 48 Stimmen beschlossen. Ueber die nun notwendig gewordene Beitragserhöhung soll Freitag beschlossen werden, weil die heutige Nachmittagssitzung ausfällt. . Ki Die Fürstenbank. Seitdem die Fürsten Hohenlohe und Furstenberg unter die Bankiers und Gründer gegangen sind und schnell auf diesen für sie neuen Gebieten eine bedeutende Stellung erlangten, macht sich unter den Feudalherren Deutschlands die Neigung geltend, ihre alten Bankverbindungen zu lösen und ihre Vermogen der Verwaltung des Finanzinstituts der beiden hat soeben seinen Geschäftsbericht für 1908 veröfentionen Mark im Vorjahre. Auf ein Kapital von 15 Millionen Mark, die Handelsvereinigung hat die Form einer Aktiengesellschaft, wird wie im Vorjahr eine Dividende von 7 Prozent verteilt. Außer den Vermogen des Fürsten Hohenloohe und Fürstenberg verwaltet das Institut heute schon den Besitz einiger ihrer Standesgenossen, im laufenden Jahre wird dieser Kreis eine beträchtliche Erweiterung erfahren. Einige Jahre hindurch betrieb ein Berliner Bankier die Geschäfte der beiden Fürsten, die durch ihn in verschiedene Gesellschaften hineinkamen, deren Entwicklung und Rentabilität ihnen arge Enttäuschung bereiteten. Das war der äußere Anstoß zur Gründung einer eigenen Bank, die sich nicht nur mit den übernommenen Objekten aus der früheren Bankverbindung befaßte, sondern neuen und weitgesteckten Zielen nacheilte. Sie betätigte sich in der Terrainspekulation, uvernahm Kohlenwerke, gründete Kohlenhandelsgesellschaften und Schiffahrtsunternehmungen, durch die sie bekanntlich erst in Differenzen mit der Hamburg=Amerika=Linie geriet, nach deren Beilegung sie einen beträchtlichen Einfluß in den großen Schiffahrtsgesellschaften erhielt. Die ersten größeren Unternehmungen des Instituts führten schon zu einer Annäherung an die Deutsche Bank, mit der es weiterhin gemeinsam arbeitet. Die Aufmerksamkeit wurde in diesen Tagen auf die Tätigkeit der Fürstenbank von neuem gelenkt; sie hob ein ganzes Aufsichtsratsnest bei einer Braunkohlengesellschaft aus. Aus der schon erwähnten früheren Verbindung der beiden Fürsten mit einem Berliner Bankier waren sie in den Besitz eines größeren Postens von Aktien der Niederlausitzer Kohlenwerke gekommen. Diesen Aktienbesitz haben sie erweitert, so daß sie über die Aktienmehrheit verfügten. Nun berief die Handelssellschaft ein, ie ohne Debatte sämtliche Mitglieder des Aufsichtsrats mit Ausnahme des Vorsitzenden abzusetzen beschloß und einen neuen Aufsichtsrat wählte. Die Mitglieder des neuen Aufsichtsrats gehoren zur Gruppe der Handelsvereinigung, außer ihr ist aber auch die Deutsche Bank durch den Herrn Dr. Hans Jordan in der Verwaltung der Niederlausitzer Kohlenwerke vertreten. Dr. Jordan war früher Generaldirektor der Bergisch=Märkischen Bank, die bekanntlich zum Konzern der Deutschen Bank gehört, er trat von seinem Posten zurück, angeblich, weil seine selbstständige Geschäftsführung der Oberleitung der Deutschen Bank nicht genehm war, wurde aber alsdann dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank einverleibt. Bei allen größeren Unternehmungen der Fürsten Hohenlohe und Fürstenberg repräsentiert er jetzt die Deutsche Bank, die durch die Vervindung mit der Furstenbank nicht nur Reibungen mit den Finanzorganisationen der Feudalherren vermeidet, sondern ihren Einfluß und ihre Mittel sich dienstbar macht. Rückgang der Einnahmen im Eisenbahnverkehr. Die Wirkung der Wirtschaftskrise auf den Eisenbahnverkehr im Jahre 1908 läßt sich jetzt für die preußisch=hessische Eisenbahngemeinschaft feststellen. Es wurden insgesamt 1902,5 Millionen Mark vereinnahmt. Da im Etat für 1908 mit einer Gesamteinnahme von 2052,5 Millionen Mark gerechnet ist, so beträgt die Mindereinnahme gerade 150 Millionen Mark. Dazu hat in erster Reihe die Einnahme aus dem Güterverkehr beigetragen. Sie war im Etat mit 1363,5 Millionen Mark veranschlagt, hat jedoch nur 1241,1 Millionen Mark oder 122,4 Millionen Mark weniger betragen. Das Weniger bei der Einnahme aus dem Personen= und Gepäckverkehr war beträchtlich geringer, aber immer noch bedeutend genug. Gegenüber dem Etatsansatze von 552,9 Millionen Mark hat aus ihm die tatsächliche Einnahme nur 533,5 Millionen Mark oder 14,4 Millionen Mark weniger betragen. Der Rest des Fehlbetrages fällt auf die Einnahmen aus sonstigen Quellen. 14 r Handwerkerschule für na der der Stadt ersteigerungstermine eran den Zimmermeister gangenen VereinbarunBriefkasten der Expedition. Achtung, Filialexpedienten! Die Filialexpedienten, welche die Zeitungen durch die Post überwiesen bekommen, werden daran erinnert, daß sie bis zum 25. angeben müssen, wieviel Zeitungen sie für Mai gebrauchen. Tages-Ordnung für die am Mittwoch, den 28. April 1909, nachmittags pünklich 5 Uhr, stattfindende Stadtverordneten=Sitzung. Anträge und Mitteilungen des Magistrats: 1. Neuwahl von 2 Mitgliedern der Gesundheitskommissior 2. Wahl eines Bezirksvorstehers für den 9. Armenbezirk. 3. Wahl eines Mitgliedes der Ersatzkommission, an Stelle des verstorbenen Fabrikanten Kobusch. 4. Wahl eines Mitgliedes der Komission zur Abschätzung der im Kriegsfalle auszuhebenden Personen=Selbstfahrer, an Stelle des verstorbenen Direktors August Strathmann. 5. Wahl eines Mitgliedes der Kommission zur Abschätzung der im Kriegsfalle beanspruchtem Zugtiere, Wagen und Geschirre, an Stelle des verstorbenen Veterinärrats Baldewein. 6. Genehmigung eines neuen Tarifs für die Abgabe von elektrischem Strom zu Kraftzwecken. 7. Kenntnisnahme von dem Haushaltsplane des gemeinsamen Kreis=Ausschusses für das Rechnungsjahr 1909. 8. Zustimmung zu den vom Kreistage des Landkreises Bielefeld laut Beschluß vom 25. März 1908 gestellten Bedingungen hinsichtlich der neuen Wegematrikel und des Beitragsverhaltnisses. 9. Desgleichen zu der Streichung der Weglinie AltenhagenLockhausen in der Wegematrikel. 10. Bewilligung von 640 Mk. 57 Pfg. für die Bearbeitung des Kleinbahn=Projekts Eckendorf=Salzuflen. 11. Desgleichen von 600 Mk. für die durch Hochwasser Geschädigten. 12. Neufestsetzung des Haushaltsplanes das Rechnungsjahr 1909. 13. Zustimmung dazu, daß gegen Za wachsenen Kosten das im Zwai worbene Grundstück Siegfriedstr. Heringhaus auf Grund der vorher gen aufgelassen wird. Nachbewilligung von 625 Mi. auf Ausgabe=Titel IX I aus Titel XVIII 6 der Kämmereirechnung A für 1909 für die Anlagen auf dem Schillerplatz. 15. Genehmigung eines mit dem Maurermeister Wilhelm Weber abgeschlossenen Vertrages über den Verkauf des Eckgrundstücks Rohrteich= und Mittelstraße. 16. Zustimmung zu der unentgeltlichen Rückauflassung der Parzellen Fl. 5 zu 2194/68— 45 Quadratmeter groß— an Karl Höner, Sudbrakstraße 17. 17. Festsetzung von Fluchtlinien der Straße längs des Güterbahnhofs der Kleinbahn. 18. Festsetzung von Fluchtlinien der Planstraße 348 zwischen Bürgerweg und Planstraße 340. 19. Abänderung der Fluchtlinien der Planstraße 6 oberhalb der Detmolderstraße. 20. Anderweite Festsetzung der Fluchtlinien Ecke Brüder= und Arndtstraße. 21. Bewilligung von 33084 Mk. 84 Pfg. auf Straßenneubaurechnung für den Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Paulus= und Wiesenstraße und Genehmigung des hierüber mit den Erben Gottfried Delius abgeschlossenen Vertrages. 22. Desgleichen von 56 400 Mk. für den Ausbau der Planstraßen 6 und 2 oberhalb der Detmolderstraße und Genehmigung des mit den Anliegern Kaufmann Eggemann und dem städtischen Armenkorpus hierüber abgeschlossenen Vertrages. 23. Vorlage des Planes und Kostenanschlages für eine Bedürfnisanstalt an der Arndtstraße und Bewilligung der Kosten von 1100 Mk. aus Titel XVIII 6 der Kämmereirechnung A für 1909. Desgleichen für ein für die Stadtgärtnerei zu errichtenden Gewächshauses und Bewilligung der Kosten von 18000 Mk. aus Titel XVIII 6 der Kämmereirechnung A für 1909. 25. Nachbewilligung von 3000 Mk. für die Beschäftigung Arbeitsloser. 26. Zustimmung zu der Erhöhung der Schulgeldsätze an den böheren Schulen. 27. Mitteilung, daß der Polizeisergeant Bothe angestellt werden soll. 28. Desgleichen der Schutzmann Freund. 29. Desgleichen der Schutzmann Mentgen. Bielefeld, den 22. April 1909. Der Vorsitzende der Stadtverordneten=Versammlung. gez. Lohmeyer. 2 Jele in der täglichen Suppe! 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Tagesordnung: „Der Sozialismus und die Freiheit". Referent: C. Schreck. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Bielefeld. Montag, den 26. April 1909, abends 6¼ Uhr, in der„Centralhalle“: Aigneder-Versummang. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom I. Quartal. 2. Beitragserhöhung zum Gewerkschaftskartell. 3. Unser Maiausflug. 4. Die Arbeitgeberverbände. Referent: Kollege C. Schreck. 2404 Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Die Lokalverwaltung. im alten Rathause. Kostenfreie Behandlung Unbemittelter. Geöffnet an allen Wochentagen— ausgenommen Donnerstag— die 8 uor. Der Magistrat. von In der Buchhandlung„Volkswacht“ ist zu haben: Wie wird die Staatsangehörigkeit erworben? 9. Peims. Preis 25 Pfg.— Porto 8 Pfg. Marke Nachter. 132 88 755 in den verschiedensten Systemen, wie Pendel, Unterantrieb, Querhebel, Rotations= und Motormaschinen,— erstklassiges Fabrikat der Firma Karl Kampmann jr. 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Einer war sofort tot, der andere schwer verletzt. Ein Mörder verhaftet. Halle a. S., 23. April. Der 17 Jahre alte Hausdiener Karl Trautmann, der hier in der Nacht zum 4. April den Stellenvermittler Friedrich Richter durch Beilhiebe ermordete, wurde in Schönberg=Berlin bei einem Fahrraddiebstahl auf Grund des Signalements von der Schönberger Polizei erkannt und von herbeigerufenen Hallensern Ein Erpresser gesaßt. Berlin, 23. April. Schwer büßen mußte der 19 Jahre alte Arbeiter Otto Schumann aus der Münchebergerstraße 4 einen Erpressungsversuch an einer Hausbesitzerin im Westen Berlins. In einem Briefe forderte er die Dame auf, an einer bestimmten Stelle ein gefülltes Portemonnaie niederzulegen, wenn sie nicht ein entsetzliches Ende finden wolle. Die Dame ging scheinbar hierauf ein, hatte aber vorher die Polizei benachrichtigt, die Schumann in dem Augenblick festhehmen wollte, als er das Portemonnaie aufhob. Schumann riß sich los und feuerte vier Schüsse auf seine Verfolger, die jedoch sämtlich ihr Ziel verfehlten. Von der Kugel eines Polizisten schwer verletzt, brach schließlich Schumann selbst zusammen und wurde zur Charité und von da ins Untersuchungsgefängnis gebracht. Zugentgleisung. Schönhausen, 23. April. In der Nacht zum Freitag entgleisten auf dem Bahnhof Schönhausen unweit Stendal meyrere Wagen eines Güterzuges und versperrten beide Hauptgeleise der Strecke Berlin—Stendal—Hannover. Der Materialschaden ist anscheinend nicht sehr groß. Die in der Nacht verkehrenden D=Züge auf der Strecke erlitten Verspätungen bis zu zwei Stunden.„„„ g Vom Automobil übergefahren. München, 23. April. Gestern abend 10 Uhr fuyr auf der Ingolstädter Chaussee eine Automobildroschke in eine von einer Nachtübung kommende Kompagnie des Infanterie=Leibregiments hinein, wobei zwei Soldaten schwer verletzt wurden. Das Automobil setzte die Fahrt mit äußerster Geschwindigkeit fort, wurde aber bei Schleißheim von der inzwischen verstandigten Polizei angehalten. Selbstmord. Würzburg,23. April. Der frühere Lehrer Dippold, der seinerzeit den Sohn des Berliner Bankdirektors Koch totprügelte, hat sich in der Arbeiterkolonie Simonshof, wo er seit der Verbüßung seiner Strafe weilte, erschossen. Eine merkwürdige Duellsache. Paris, 23. April. In Carcasonne kam es zwischen dem Dragonerleutnant Gand, der am Karfreitag öffentlich Fleisch aß, und seinem Kameraden Leutnant Debourmond, der ihn deswegen mit Schmähungen überhäufte, zu Tätlichkeiten und einem Zweikampf, in dem Gand leicht verwundet wurde. Bezeichnend ist, daß der Freidenker im Regiment keine Zeugen fand, sondern von zwei bürgerlichen Freunden begleitet war. Der Herr Leutnant Debourmond, der seinen Kameraden beschimpfte, weil er am Charfreitag Fleisch aß, ist offenbar ein sehr eifriger Katholik. Daher wundert es uns um so mehr, daß er sich auf ein Duell einließ, wodurch er sich ja mit den Grundsätzen der christlichen Religion in Widerspruch gesetzt hat. Von der Luftschiffahrt. Wien, 22. April. Heute früh wurden hier die Flugversuche mit dem Fahrmanschen Aeroplan fortgesetzt. Während der erste Versuch gelang, mißlang der zweite und das Fahrzeug wurde beschädigt. Vom Löwen verletzt. Reichenberg, 22. April. In einem hiesigen Varieté spielte sich gestern eine aufregende Szene ab. Beim Auftreten von Hawemanns Raubtierkarawane wurde der Löwe Turri störrisch. Er verweigerte den Gehorsam und stürzte auf den Dompteur Hawemann, dem er durch Bisse zwei schwere Verletzungen am rechten Bein beibrachte. Das Publikum ergriff eine furchtbare Panik. Die Verletzungen Hawemanns sind sehr besorgniserregend. Verbrannt. Prag. 23. April. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Familie des Fabrikdirektors Kubitzka in Böhmisch=Klokotschow. Als ein Dienstmädchen Spiritus in einen Kocher goß, explodierte die Spirituskanne und die brennende Masse überschüttete das Mädchen sowie das einjährige Kind des Direktors. Beide erlitten so furchtbare Verletzungen, daß sie bald darauf starbey,.0 Aari Parsett mn ht.“ Hotelbrand. St. Gallen, 25. April. Vorleste Nachr ist in Uzwyl das bekannte große Hotel gleichen Namens mit Saalanbau und wertvollem Mobiliar gänzlich abgesrannt. Die Gäste und das Personal konnten sich nur mit Mühe retten. Bei den Feuerlöscharbeiten wurde ein Feuerwehrmann getötet. Azew tot? London, 23. April. Die Polizei vermutet, daß ein geheimnisvoller Toter, den man im Hockoy-Tunnel aufgefunden hat, ein Freund Azews oder gar dieser selbst ist. Jedenfalls ist erwiesen, daß Azew noch in allerletzter Zeit in England anwesend war. Schlager! Fesselnde Handlung! Südliche Leidenschaft. Ein Charaktergemälde aus dem Leben mit äußerst spannender Handlung. Kleine Anzeigen Tut. 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Es ladet freundlichst ein 2378 der fomites Reisender 2399 für gangbaren Artikel an Private gesucht. Verdienst monatlich 240 bis 600 Mk. Täglich Geld. Für Muster müssen 5 Mk. hinterlegt werden. Zu erfragen ab Sonnabend, 24./4. bis Dienstag, 27./4. einschließlich, täglich von 2—5 Uhr Am Damm 14, part. Die Anzeigen in vorliegender Nummer die Geferinnen wollen die Leserinnen und Leser der„Volkswacht" beachten! a a a g u..* ig-Verein„H (Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes) „ feiert an Sonntag, den 25. April, nachm. 4 Uhr, in den Lokalitäten des Herrn G. Freudenau, Heeperstr., sein 4. Sultungsfest unter gütiger Mitwirkung des Arb.=Gesang=Vereins„Hoffnung“ und der Abt. Vorwärts der„Freien Turnerschaft Bielefeld“ bestehend in Gesangsvorträgen der Männer=Chöre und eines Gemischten Chores sowie turnerischen Aufführungen und großem FEST-BALL. Tentral- Theater on: at i Siser Hierzu ladet ergebenst ein Der Festleiter. Abteilung„Frisch Auf“ feiert am Sonntag, den 25. April, ihr Gastspiel! Nur 2 Tage! Achtung! des berühmten Strickfesselkünstlers Gastspiel! Nur 2 Tage! 5h 3.Stiftungsfest im Lokale des Herrn G. Imkamp, Engerschestraße 1. Hierzu ladet freundlichst ein B Das Fest=Komitee. NN. Die verehrlichen Brudervereine werden gebeten, dies als schriftliche Einladung zu betrachten. 2373 Frisch auf! Frisch auf! Am Sonntag, den 25. April, feiert der Radfahrer-Verein„Ruhig voran“ (Mitglied des Arbeiter=Radfahrer=Bundes„Solidarität“) in den Lokalitäten des Herrn C. H. Apenbrink, Herforderstraße 242, sein diesjähriges Pr. Stittnelestsch Heino und des beliebten Zauberkünstlers 1 Herr Bernardo läßt sich von einigen Herren aus dem Publikum fesseln und befreit sich dann in weuigen Minnten. A Das verehrte Publitum wird höflichst gebeten, „Stricke" zum Fesseln selbst mitzubringen. Heinr. Bewekenhor! Bürgerweg 50. Sonntag, den 25. April. Ball. H. Bracksiek, Hallerweg. Sonntag, den 25. April: 2383 Grosser 1640 Senker, Herforderstraße. Sonntag, den 25. April:(613 TANZ. Außerdem Austreten des beliebten Spezialitäten-Ensemble Sonn= und Feiertags 2 Vorstellungen nachmittags 4 Uhr. u. abends 8 Uhr, sowie von 11—1 Uhr Fruhschoppen-Matinée In allen Vorstellungen die neuesten Weltereignisse vermittels d. Kinematographen. ## Ss ladet freundlichst ein Die Direktion. K Hierzu ladet freundlichst ein Am Sonntag, den 25. April: 2ess: VV. Vost, Hallerweg. Auf zum Hellingskrug! Sonntag, den 25. April 1909: 2411° Grosse humoristische Unterhaltung. 4 Herren. Entree frei. 2 Damen. Es ladet freundlichst ein Ed. Schürmann. Am Sonntag, den 25. April: =Grosser Ball. Musik 4 Mann Bandoneon. 23s9 Wilkelm Lückeing, Schildesche. WDestfalia- Hutomat verbunden mit Reigenfahren, turner. Aufführungen, Gesangsvorträgen, Konzert und Ball. Es ladet freundlichst ein[23962 Das Festkomitee. Schtung! Gambrinushalle, Schtung! Sonntag, 25. April, veranstaltet der 2377 Radfahrer-Verein Dornberg seine diesjährige Huings Veiel in den neurenovierten Lokalitäten des Herrn A. Indiestel, Ansang 4 Uhr. Bürgerweg 14. Ausang 4 Uhr. Es ladet freundlichst ein Der Festleiter. Bahnhofstr., Ecke Lützowstr. arme Speisen u. Getrünke zu jeder Tageszeit. 22 Kctons-Mas Wem Eiden. Am Sonntag, den 25. April, findet in den Lokalitäten der Frau Ww. Kleinert, Detmolderstraße, unsere diesjährige Frahiikss-Petel statt, wozu ergebenst einladet 2401: Der Festleiter. Sonntag, den 25. April: Gresse-Kurussehbeiastigung = auf Helgoland am Ost-Bahnhof.— Es ladet freundlichst ein 9999= Der Besitzer. Unserem Mitarbeiter, dem Schlosser Ferdinand Diekmann, zu seinem am 25. d. M. stattfindenden 25jährigen Arbeitsjubiläum die besten Glückwünsche. Seine Mitarbeiter 2403° der Jirma vorm. Koch& Co.(N. G.) Dopie Schildesche. Schildesche. Restaurant zur Erholung Inhaber: Aug. Höner. Telephon 1413. Schönster Ausflugsort für Familien und Vereine. Schattiger Garten mit grosser Veranda. Schöne Restaurationszimmer. Eine der Neuzeit entsprechende Kegelbahn. 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Das Kind muß es doch als eine willkürliche Unvill empfinden, wenn man ihm ein Spielzeug in die Hand gibt— mit dem Verbot der Benutzung. Bein Einkauf sollte daher gut überlegt werden, was in dem besonderen Falle wirklich geeignet ist, welches Spielwerk durch: die Verhältnisse ausgeschlossen oder geboten erscheint. Wer ein Kind beschenkt, sollte sichvergewissern, daß seine Gabe praktisch, daß Hre Benutzung durch das Kleine möglich und daß sie schließlich der häuslichen Ruhe nicht nachteilig ist. Das ist die Humanität des Schenkers, der gewiß vor dem Gedanken zurückschrecken wird, durch seine Freundlichkeit Kindern wie Eltern peinliche Stunden zu bereiten.— Die kleinen Verbote festigen nie das Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern. Der kluge Vater haut, einem geschickten Diplomaten gleich, vor. Er suggeriert dem Kleinen als eigenen Wunsch, was er von ihm verlangen würde. Das Kind tut gern, tut von selbst, was es auf ein Machtgebot nur widerwillig leisten würde. Ein Beispiel: Ein dreijähriger Junge spricht im Schreibzimmer des Vaters. Er erhält ein paar Bilder, Drucksachen usw., die bald im Zimmer umherliegen. Der Junge soll schließlich die Papierschnitzel wieder aufräumen. Der Vater kann daraus eine kleine Pflicht machen, deren Langweiligkeit der Kleine sich wahrscheinlich zu entziehen sucht. Anders, wenn er das Aufräumen selbst zum Spiel erhebt. Er nimmt den Papierkorb, zeigt dem Jungen, wie lustig die Papierstückchen in den großen Strohkorb fliegen. Er weckt die Freude an der neuen Tätigkeit. Und bald liegt kein Endchen mehr umher. Ja, in einem Falle ist es vorgekommen, daß der Vater den Korb noch einmal ausleeren mußte, weil der Junge so große Lust zum Aufräumen bekommen hatte. Also es geht auch ohne schroffen Befehl, ohne widerwilligen Gehorsam, ohne Tränen. Ein bißchen Diplomatie und Verständnis für die Natur des Kindes sind allerdings erforderlich. Die meisten Eltern müssen sich ärgern, weil sie planlos fordern und planlos schenken. Wer Folgsamkeit verlangt, schaffe auch die Voraussetzungen dafür. Man bedenke, am besten wird der Befehl ausgeführt, der schon ein Wunsch des Kindes war, am geeignetsten ist das Geschenk, das uneingeschränkt dem Kleinen überlassen werden kann. Alle unpraktischen Gaben, die Verbote und Strafen verursachen, sind Folterwerkzeuge. Bemühen wir uns, doch ein bißchen human zu sein, wo es eigentlich selbstverständlich wäre. Paul Westheim in der„Dürer=Bundes=Korrespondenz“. — Vom Verfasser des Artikels„Die Dekadenz in der Kunst und die Handwerkerschulen“ geht uns folgende Zuschrift zu: Im zweiten Teil meiner Abhandlung ist wieder ein verwirrender Nebelfleck aufzuklären: Gleich anfangs auf Zeile 17 und folgenden müßte der Satz, der von der allgemeinen Erkenntnis, daß sich Künstler durch Schulen nicht erziehen lassen, handelt, besser heißen: Man erkannte allgemein, daß sich Künstlerschaft durch Schulen nicht erzielen läßt, und verfiel auf die schlaue Idee, Kunsthanpwerker auszubilden, komischerweise aber auch wieder in Schulen, dem Grundübel der Ausbildung zu künstlerischen Berufen überhaupt und in jedem Falle, wozu auch kunsthandwerkliche Berufe zu rechnen sind. — Bauausschußsitzung. In gestriger Sitzung des Bauausschusses wurden folgende Lieferungen vergeben: Die Lieferung der Kochherdanlage für den Ratskeller wurde der Firma Senking in Hildesheim zu 2169 Mk. übertragen, die Lieferung der Turngeräte für die Schule an der Sudbrackstraße der Firma Hans Herres u. Co.= Hagen zu 1005 Mk. — Ein Schlüssel ist gestern abend nach der Vorstellung der „Freien Volksbühne" im Theater gefunden worden. Er kann in der Expedition der„Volkswacht" abgeholt werden. — Polizeibericht. Die Polizei=Verordnung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Westfalen vom 15. Nov 1907 über die Einrichtung und den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien pp. ist am 1. April 1909 in Kraft getreten. Alle Besitzer von Bäckereien oder Konditoreien, deren Arbeitsräume in bezug auf Lage, Höhe, Fensterfläche oder Kubikinhalt der neuen Bestimmungen nicht entsprechen, werden darauf hingewiesen, daß für die Weiterbenutzung solcher Backstuben die Ge nehmigung des Herrn Regierungs=Präsidenten in Minden erforderlich ist. Etwaige Gesuche sind an die hiesige Polizei verwaltung(Rathaus, Zimmer 31) zu richten, die auch in Zweifelsfällen Auskunft erteilt. Bäcker und Konditoren, die unvorschriftsmäßige Arbeitsräume ohne Genehmigung benutzen verfallen in Strafe, es kann auch die Schließung der Arbeitsräume erfolgen. Zu dem Raddiebstahl aus dem Laden Schillerplatz 14 wird noch mitgeteilt, daß am Tage vorher, am Sonnabend, 17. April, morgen gegen 8 Uhr. ein besser gekleideter Mann im Alter von 26 bis 30 Jahren versucht hat, die Ladentür zu genanntem Geschäft zu öffnen. Einer hinzukommenden Frau hat der Fremde angegeben, er wolle sich ein Fahrrad borgen. Er wird wie folgt beschrieben: 1,65 bis 1,70 Meter groß, schlank, tiefschwarzes Haar, dünnen und ziemlich langer schwarzen Schnurrbart, längliches Gesicht, spitze Nase. Sprache ist schnell mit fremden Dialekt. Bekleidet war er mit dunklem Ueberzieher und schwarzem, steifem Hut. Etwaige Angaben. die zur Ermittlung des Täters führen könnten, nimmt die Krim.=Pol. hier entgegen. „Festgenommen wurden 2 Personen wegen Bettelns. 5 Personen wegen Trunkenheit, Obdachlosigkeit und groben Unfugs. sowie 1 Person infolge Haftbefehls, 6 Obdachlose erhielten im Pol.=Gef. Unterkunft. Fahrraddiebstahl. Dem Bäcker R. von hier wurde gestern morgen gegen 6¼ Uhr ein Fahrrad, Marke„Nero“, Fabriknummer 193735, vor einer Fabrik hier entwendet. Vor Ankauf des Rades wird gewarnt. " Gefunden: 1 braunes Damenportemonnaie mit Inhalt, 1 Medaillon mit Frauen=Photographie, 1 Brosche. Zugelaufen: 1 Jagdhund, weiß und braun, etwa 60 Zentimeter hoch, 1 deutscher Schäferhund(Hündin). „„Verloren: 1 Zehnmarkstück, 1 silberne Hülse mit Bleistift, 1 Goldgürtel mit goldener Schnalle, 1 brauner seidener Gürtel mit goldener Schnalle. Zur Maifeier im Stadt= und Landkreis Bielefeld. " Eintrittskarten zum Vorverkauf sind im Parteibureau, Marktstraße 8, zu haben. Es wird dringend gebeten, die Eintrittskarten möglichst im Vorverkauf zu lösen, damit sich das Geschäft an der Kasse leichter abwickelt. Arbeitslose haben gegen Vorzeigung der ArbeitslosenLegitimation in allen Lokalen freien Eintritt. Die Maifest=Zeitung ist eingetroffen und gelangt im Parteibureau zur Ausgabe. Ganz besonders wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß aise gicht umgesetzten Eintrittskarten und Maifest=Zeitungen Freitag, 30. April. mittags, zurückgeliefert sein müssen, andernfalls sie als verkauft betrachtet werden. Das Zentralkomitee. Versammlungen. Bielefeld. Arbeiter=Sängerbund, Bez. 1. Montag, 26. April, abends 6½ Uhr, in„Stadt Bielefeld": Sängerversammlung. Holzarbeiter=Verband. Montag, 26. April, abends 6½ Uhr, in der„Centralhalle“: Versammlung. Vortrag des Kollegen Schreck über„Die Arbeitgeberverbände“. Stadthager:. Gew.=Kartell. Sonntag, 25. April, nach Schluß des Theaters: Sitzung. ### Brackwede, 24. April. Ein lebensmüdes junges nachdihn im Alter von 18 bis 20 Jahren, versuchte gestern ittag gegen 4 Uhr in der Nähe der Glashütte sich von rer, utagen der elektrischen. Ftraßenbahn. üherfabren zu lassen, H-arr geig“.—tung ie T4edögericht Sie durf sich vor einem in vouler Fayrt befindlichen Wagen und## 27. Marz getagt. Vox der Geratung der Sache und der Fällung Gurde einige Meter mitgeschleift. Schwere Verletzungen hat des Schiedsspruches haben beide Parteien dem Vorsitzenden ersie nicht davongetragen. Was die Selbstmordkandidatin zu dem Schritte veranlaßte, war nicht aus ihr herauszubekommen, da sie jede Auskunft verweigerte. Sie wurde der Polizei in Bielefeld überbracht. s. Herford, 23. April. Betriebsunfall. In der Möbelfabrik von W. Schmidt, Hermannstraße, verunglückte gestern der Arbeiter Horst aus Diebrock. Ihm wurde von der Hobelmaschine der kleine Finger der linken Hand weggerissen. Es ist dies innerhalb einiger Monate der fünfte Unfall im Betriebe der Firma Schmidt. Hier liegt die Vermutung nahe, daß von der Betriebsleitung nicht alles getan wird, um Unglücksfäue zu vermeiden. * Herford, 24. April. Vom Holzarbeiterstreik. Wie die„Herf. Zeitung“ meldet, erhob die Firma Stüker, Möbelfabrik hier, gegen 19 Arbeiter, die wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt hatten, wegen Kontraktbruchs Klage beim Gewerbegericht, die gestern zur Verhandlung kam. Da ein Vergleich nicht abgeleynt wurde, vielmehr die Parteien außergerichtliche Verhandlungen wünschten, wurde die Klage vertagt. * Ennigloh, 23. April. Gemeinderats=Sitzung vom 22. April. Die Arbeiterwohnungs=Genossenschaft ersuchte um Zurückzahlung der Hälfte der von ihr geleisteten Straßenbaukosten. Nach den Erläuterungen des Vorstehers hat die genannte Genossenschaft seinerzeit 1935,40 Mk. zu den Straßenbaukosten Bahnhofstraße gezahlt. Der Ausbau der Teilstrecke der Bahnhofstraße hat 2222,40 Mk. gekostet, somit muß die Gemeinde laut Ortsstatut der Genossenschaft 824,20 Mk. zurückzahlen. Es wurde demgemäß beschlossen.— Hermann Meier und Genossen ersuchen um den Ausbau des übrigen Teiles der Bahnhofstraße oder wünschen Regulierung der Wasserverhältnisse. Der Antrag wurde einer Kommission von 2 Mitgliedern(E. H. Meier und Joh. Wölker) überwiesen, die mit dem Spezialkommissar, der die Vorflutanlagen regelt, zu verhandeln hat. In dem Zusammenlegungsverfahren ist die Auseinandersetzung mit der Gemeinde noch nicht erfolgt, somit wird auch die Frage der Vorflut für die Bahnhofstraße von der Spezialkommission geregelt. Ein Antrag des Kolon Klausmeier betreffs Ausbau bezw. Besichtigung des Weges nach seinem Gehöft wurde einstimmig abgelehnt. Dem Antrage Meier und Genossen auf Festsetzung der Straßenbaukosten für sämtliche Straßen in der Gemeinde wurde zugestimmt und beschlossen, auch für chaussierte Straßen Baukosten zu erheben. Ferner wurde beschlossen, daß bei der Bewerbung um von der Gemeinde ausgeschriebene Arbeiten die Offerten schriftlich an den Gemeindevorsteher einzureichen und der Gemeinde zur Beschlußfassung vorzulegen sind.— Der Rest der Tagesordnung entbehrte des öffentlichen Interesses. * Gehlenbeck, 23. April. Eine Protestversammlung gegen die geplante Tabaksteuer fand am Mittwoch abend im Saale des Herrn Kolbes statt. Etwa 400 Kollegen und Kolleginnen hatten sich eingefunden. Frl. Ostinde=Berlin beleuchtete in 1½ stündigem Vortrage das unsägliche Elend, welhes der Zigarrenindustrie aus der neuen Belastung erwachsen würde. Eine gegen jede Besteuerung des Tabaks gerichtete Resolution wurde angenommen. Diese soll der Finanzkommission des Reichstags übermittelt werden. * Lübbecke, 23. April. In einer Protestversammlung jegen die Tabaksteuer am Dienstag bei Baumeister referierte Frl. Ostinde=Berlin. Eine Resolution, die der Finanzkommission übermittelt werden soll, wurde einstimmig angenommen. * Stadthagen, 23. April. Eine Bäckerversammlung am Dienstag nachmittag im Lokale des Herrn Klöppen befaßte sich mit der Tagesordnung„Unsere zeitgemäße Forderung nach einem wöchentlichen Ruhetage und die Wissenschaft über diese Forderung". Folgende Resolution wurde angenommen: „Die von 10 Kolleger besuchte öffentliche Versammlung der Bäcker und Konditoren erklärt sich erneut, genau so, wie die Versammlungen im Dezember 1908 und Februar 1909 für die vom Verbande der Bäcker, Konditoren und verwandte Berufsgenossen Deutschlands erhobene Forderung: Gewährung eines regelmäßigen wöchentlichen Ruhetages von 36 Stunven für alle Bäcker und Konditoren. * W a r d i e s e F o r d e r u n g i n u n s e r e r P e t i t i o n a n d e n D e u t s c h e n Reichstag schon in eingehender Weise durch die Gutachten einer Anzahl Autoritäten der Wissenschaft, wie durch die Verordnungen er Regierungspräsidenten in Münster und Düsseldorf(die den wöchentlichen Ruhetag gesezlich festgelegt haben) und durch die tarifvertragliche Regelung des wöchentlichen Ruhetages in BerAin, Hamburg=Altona und in den Konsum= und Genossenschaftsbäckereien Deutschlands eingehend und ausreichend begründet, so hat die neuerdings durch den Verband bei weiteren bekannten Vertretern der Wissenschaft vorgenommene Umfrage und die Antworten dieser Herren darauf ein solch einwandfreies Material für die Notwendigkeit der gesetzlichen Festlegung unserer Forderung ergeben, daß wir mit aller Bestimmtheit erwarten, daß nun der Deutsche Reichstag nicht mehr zögern wird, ein derartiges Gesetz als Anhang zur Gewerbeordnung zu schaffen, wie es in unserer Petition gefordert worden ist. „Daß die Arbeitgeber unseres Berufes sich mit Nachdruck gegen unsere zeitgemäße Forderung wenden, entspringt nur derem Profithunger. Sie befürchten, daß ihr Verdienst geschmälert würde, oder aber die Kleinmeister in der Woche einen bis zwei Tage in ihren Bäckereien und Konditoreien mitarbeiten müßten, wenn unsere Forderung Gesetz würde. Der Bund der Bäcker= und Konditorgesellen Deutschlands aber der sich auch gegen unsere Forderung wendet, handelt nicht im Interesse seiner Mitglieder, sondern nachgewiesenermaßen nur im Auftrage der Meister, wenn er in schnödester Weise, wie schon so oft, auch hierin wieder die Interessen der Bäcker= und Konditorgesellen Deutschlands verrät. Die Versammlung beteuert jenem Verrat gegenüber, daß sie nach wie vor auf der Durchführung unserer zeitgemäßen und berechtigten Forderung eines freien Tages in der Woche beharrt, deshalb erwarten wir, daß derselbe nun auch bald durch Beschluß des Reichstags Gesetz wird.“ y Münster, 23. April. Stadtverordnetensitzung vom 21. April. Als erster Gegenstand wird ein Antrag mehrerer Stadtverordneten betr. Ausbau des Bürgersteigs am unteren Ende der Warendorferstraße behandelt. Der Magistrat teilt mit, daß die Kosten jetzt bezahlt seien und mit dem Ausbau in nächster Zeit begonnen werde.— Ein Antrag des Regierungsprändenten auf Unterstützung des Kaiserin=Augusta=Viktoria= hauses in Charlottenburg wird auf Antrag der Rechnungskommission abgelehnt. Die Rechnungskommission begründet ihren ablehnenden Antrag mit einem Hinweis auf die in letzter Zeit bewilligten Mittel für die Münstersche Säuglingsfürsorge. Es sei vorläufig in dieser Sache genug geschehen.— Der Stadtverordnetenvorsteher verliest nun das Antwortschreiben des Magistrats an das Kartell der christlichen Gewerkschaften. In dem Schreiben wird mitgeteilt, daß der Antrag der christlichen Gewerkschaften:„Bei Vergebung von Arbeiten sind, nur solche Unternehmer zu berücksichtigen, welche tariftreu sind", abgelehnt sei. In dem Schreiben heißt es dann weiter.„daß der Magistrat nach wie vor bestrebt sein werde, an erster Stelle hiesige Arbeitgeber zu berücksichtigen. Der Magistrat wie das Stadtverordnetenkollegium muß es ablehnen, sich einer Beschränkung auf vom Ortskartell zu benennende, nach Ansicht des Kartells als tariftreu zu bezeichnende Arbeitgeber zu unterwerfen. Der Magistrat muß sich vielmehr bei Vergebung städtischer Arbeiten völlige Bewegungsfreiheit vorbehalten und beabsichtigt nicht, sich in die als interne Angelegenheiten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu betrachtenden Tarifvereinbarungen einzumischen oder sich an diese zu binden. Dem am Schlusse der Eingabe ausgesprochenen Wunsche, eine Einigung zwischen den streitenden Parteien herbeizuführen, ist der Magistrat insoweit nachgekommen, als er eines seiner Mitglieder ermächtigt hat, den ihm angetragenen Vorsitz in dem von den Parteien berufenen Schiedsgerichte zu übernehmen. Das Schiedsgericht bat am klärt, daß sie sich dem zu fällenden Schiedsspruche unter allen Umständen unterwerfen würden.— Zu unserem lebhaften Bedauern haben wir aber feststellen müssen, daß die Arbeitnehmer, nachdem der Schiedsspruch zu ihren Ungunsten ausgefallen war, sich an ihr Wort nicht gehalten haben, vielmehr in einem in den letzten Tagen veröffentlichten Flugbiatte es ausdrücklich ablehnen, sich dem Schiedsspruch zu fügen. Wir glauben nicht, daß eine derartige Stellungnahme geeignet ist, die Position der Arbeitnehmer zu verbessern.“ Stadtv. Arbeitersekretär Hoile, an den das Schreiben adressiert war, wundert sich, daß dieser Punkt auf die Tagesordnung gekommen sei. Redner bedauert, daß die Oeffentlichkeit sich noch einmal mit dieser Angelegenheit, nachdem Ruhe eingetreten sei und die streitenden Parteien im Holzgewerbe sich geeinigt hätten, befassen müsse. Den Zweck dieses Vorgehens könne „er nicht einsehen. Die Vorlage sei um so weniger am Platze, als das Kollegium den seinerzeit gestellten Antrag abgelehnt habe und die Sache damit erledigt gewesen sei. Da aber das Schreiben hier verlesen sei, wolle er auf einen darin enthaltenen Irrtum hinweisen. In dem Schreiben heißt es:„Der Magistrat, sowie das Stadtverordnetenkollegium muß es ablehnen, sich einer Beschränkung auf vom Kartell zu benennende, nach der Ansicht des Kartells als tariftreu zu bezeichnende Arbeitgeber zu unterwerfen". Das Verlangen, das in diesen Ausführungen liegt, haben die Antragsteller gar nicht gestellt, sondern ausdrücklich betont, daß nur solche Unternehmer nicht berücksichtigt werden sollen, welchen Tarifbruch nachgewiesen sei vom Schiedsamt oder Einigungsamt. Wenn weiter gesagt wird, der Magistrat müsse es ablehnen, sich in interne Angelegenheiten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzumischen, so bitte er, daß auch in Zukunft der Magistrat nicht Stellung nehme für die Arbeitaeber. Es sei ihm von einem Handwerksmeister mitgeteilt worden, daß ihm(dem Handwerksmeister) von einem Mitgliede des Magistrats gesagt sei, als er sich über die Herabsetzung der Stundenlöhne beklagte:„Ja, warum zahlen Sie denn solche hohen Löhne an die Arbeiter?“ Dies ist auch eine Einmischung in die internsten Angelegenheiten der Arbeitnehmer, welche diese auf das Tiefste bedauerten. Er bitte, daß man sich von anderer Seite in diese Angelegenheiten nicht einmische. Beim Titel„Gewährung einer Beihilfe an die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz für verschiedene Gebrauchsgegenstände“ beantragt die Rechnungskommission, zum Zwecke der Einrichtung einer neuen Unfallstation der aus 47 Mitgliedern bestehenden Kolonne eine fahrbare Krankenbahre, zwei Tragbahren und zwei Verbandkästen zu bewilligen. Das Kollegium stimmt dem Antrag zu.— Dem landwirtschaftlichen Kreisverein sollen zum Zwecke der Hebung der Pferdezucht 300 Mark überwiesen werden, wenn derselbe bei seinen diesjährigen Unternehmungen ein Defizit haben sollte. Bei dem Titel„Mitteilung über die erfolgte Genehmigung des Bezirksausschusses bezüglich der beschlossenen Ortsgesetze wegen Erhebung einer Gebühr für die Benutzung der städtischen Entwässerungsanlage, sowie der Müllabfuhr" teilt der Magistrat dem Kollegium mit, daß das Ortsgesetz statt auf 3 Jahre nur auf 1 Jahr vom Bezirksausschuß genehmigt sei. Das Kollegium beschließt nach kurzer Debatte, in welcher Proteststimmen laut wurden, dem Beschluß des Bezirksausschusses Folge zu geben.— Dem Arbeiter Winter auf der Geist bei Münster werden 25 Mk. statt der beantragten 50 Mark bewilligt. W. waren im vorigen Jahre bei einer Desinfektion, welche man in seiner Wohnung vornahm, Sachen verdorben worden.— Der Ausbau der schon seit fünf Jahren geplanten Chaussee von Wilkinghege nach der Kinderhauserchaussee wird nach längerer Debatte genehmigt. Die Kosten sind auf 39000 Mk. veranschlagt.— Der Hansische Geschichtsverein des Vereins für Niederdeutsche Sprachforschung, sowie des Vereins Deutscher Bibliothekare beabsichtigt, in Münster seine diesmalige Jahresversammlung abzuhalten. Der Magistrat schlägt vor, die Herren willkommen zu heißen und zu einer Besichtigung des Friedenssaales einzuladen und sie bei dieser Gelegenheit mit kalter Küche und Wein zu bewirten. Stadtv. Arbeitersekretär Tamps bittet, etwas sparsam mit dem Gelde umzugehen und von einer Bewirtung von Kongressen usw. abzusehen, in anderen Städten geschähe dieses auch nicht mehr. Der Vorschlag des Magistrats wird aber genehmigt.— Die Versammlung bewilligt nun noch einen Betrag von 500 Mk. aus dem Reinertrag der Sparkasse für die Errichtung eines Grabdenkmals des verstorbenen Ministerialdirektors Friedrich Althoff. Derselbe war Ehrenbürger der Stadt Münster.— Es folgt eine geheime Sitzung. * Münster, 23. April. Ein Arzt in der Sprechstunde. Wegen tätlicher Beleidigung ist am 15. Januar vom Landgericht Münster der Arzt Dr. med. Hugo Hauer zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Eine seit fünf Monaten verheiratete Frau konsultierte ihn wegen eines Unterleibs- und Magenleidens.. Er veranlaßte sie, sich völlig auszukleiden, küßte und umarmte sie, sagte, sie möge sich auf das Sofa legen und vollzog mit ihr, als sie es getan hatte, den Beischlaf. Um Hilfe gerufen hat die Frau nicht, sie will in ihrer Bestürzung gär nicht erkannt haben, um was es sich handelte.— Der Angellagte sagte in seiner Revision, die Frau könne sich nicht beleidigt fühlen, da sie einverstanden gewesen sei.— Der Reichsanwalt meinte, es sei erfreulich, daß es noch solche unschuldsvolle Frauen gibt, aber gegen die Feststellungen des Gerichts sei nichts einzuwenden. Das Reichsgericht verwarf am Dienstag die Nevision des Angeklagten. Letzte Nachrichten. Berlin, 24. April. Eine blutige Ehetragödie, der 2 Menschenleben zum Opfer fielen, hat sich gestern abend in einer Gastwirtschaft in der Rigaerstraße abgespielt. Dort erschoß der 28jährige Hausdiener Weiß die 34jährige Frau des Oekonomen Platt und tötete sich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe. Verschmähte Liebe und die Weigerung der Frau, sich von ihrem Manne loszusagen, waren die Motive zur unseligen Tat. Wien, 24. April. Wegen der Ausgabe gefälschter österreichischer 50 Kronen=Noten wurde gestern abend hier der Arzt Dr. Ladislaus Hoschek und die Frau von Kurz, eine Tochter des Sektionschefs, verhaftet. Brüssel, 24. April. In dem Städtchen Baesrode bei Gent ereignete sich gestern in einer Zuckerfabrik eine Gasexplosion, wodurch die Fabrikgebäude in Brand gerieten. Da die Feuerwehr nicht gleich zur Stelle war, entstand eine Panik. Alles drängte den Ausgängen zu. Ungefähr 15 Arbeiter kamen in den Flammen um. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten steht noch nicht fest. Brüssel, 24. April. Nach den neuesten Meldungen sind bei der Kesselexplosion in Baesrode 15 Personen ums Leben gekommen. Lissabon, 24. April. Gestern mittag machte sich ein heftiges Erdbeben im Parlament so stark bemerkbar, daß die Sitzung geschlossen werden mußte. Viele Häuser weisen leichte Beschädigungen auf. Auch mehrere Gasexplosionen fanden statt, bei denen eine Anzahl Personen verletzt wurden. Madrid, 24. April. Gestern wurden hier und in Andalusien 2 heftige Erderschütterungen verspürt, die einige Aufregung hervorriefen. Schiffszusammenstoß. Christiania, 23. April. Beim Zusammenstoß der Dampfer„Edith" und„Oxford“ in der Nähe von Christiania sind 17 Personen ums Leben gekommen. Briefkasten der Redaktion. F. K., Salzuflen. Die Stunden der Kontrollversammlung müssen bezahlt werden. Sie dürfen sich natürlich nur solange entfernen, wie die Kontrollversammlung selbst und der Weg nach und von der Versammlung dauert. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Tür deh Hausbalz! Abseitbürsten Ia. Material, Stück von 17#is Schmutzbürsten Ia. Material, Stück von 10 gis Handwaschbürsten Ia. Material, Stück von 10 Schrubber I3. Material, Stüick von 20 gis Aufnehmeschrubber ls. Materiguug 40 Pis. Wichsbürsten Ia. Material, Haarbesen Ia. Material, Handstäuber Ia. Material, Kokosbesen Ia. Material, Piasavabesen Ia. 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Kuranwendungen. nach den neuesten Methoden(Thure Brandt und Zabludowsky) durch ärztlich bezw. staatlich geprüftes Personal, event. auch im Hause der Patienten. Licht-, Luft- und Sonnen-Bäder. Herford. Johannisstr. 35. Mittagstisch, warmes Frühstück und Abend=Essen zu niedrigen Preisen. Um geneigten Zuspruch bittet 2122 Marie Schöne. Bälen Seute in tausendfucher Nuswahl, vom einfachen Stapelhut bis zum elegantesten Modell. Wirklich billige, keine Phantasie-Preise, selbst der eleganteste Modellhut wird äusserst reell kalkuliert. Herford. Herford. Geschäfts-Eröffnung! Mit dem heutigen Tage eröffne ich Lübberstr. 4 ein Buch-, Schreibwaren- und Zigarren-Geschäft und bitte ein geehrtes Publikum von Herford und Umgegend, sowie Freunde und Bekannte, mein neues Unternehmen freundlichst unterstützen zu wollen. Achtungsvoll Hermann Schröder. zur Ans wuchr. 95. Bielefeld Sonnabend, 24. April 1909. 20. Jahrg. Ein neuer reaktionärer Vorstoß gegen bir Iandwirtschäftlichen Arbeitrr. ssc. Der alte Erfahrungssatz, daß die Agrarier beharrlich ein einmal gestecktes Zel verfolgen, wird wieder bestätigt hinsichtlich der Bestrebungen nach noch größerer Fesselung der landwirtschaftlichen Arbeiter. Bekanntlich haben die agrarischen Unternehmer den dringenden Wunsch, in modern frisierter Form das alte Leibeigenschaftsverhältnis der landwirtschaftlichen Arbeiter wieder ernzuführen. Von dem Versuch, auf dem Wege der preußischen Landesgesetzgebung ein besonderes„Strafgesetz gegen den Kontraktbruch“ der Landarbeiter zu bekommen, mußte auf halbem Wege Abstand genommen werden, nachdem im Reichstag gegen das verfassungswidrige Gesetz Protest erhoben wurde, und uns auch vom Reichsjustizamt die Unzulässigkeit der landesgesetzlichen Regelung dieser Materie konstatiert worden wor. Aber die Agrarier lassen von ihrem Plane der Arbeiterknebelung nicht ab. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit, in den Parlamenten wie in den Versammlungen der landwirtschaftlichen Unternehmer wird das Kontraktbruchthema erörtert und das Einschreiten der Gesetzgebung gefordert. Jetzt stellt sich heraus, daß im stillen eine umsassende Aktion zur Sammlung von Materialien für eine Gesetzgebung gegen die ohnehin so spärlichen Bürgerrechte der landwirtschaftlichen Arbeiter unternommen ist! Das preußische Landesökonomiekollegium hat im Frühjahr 1908 bei den Landwirtschaftskammern die Veranstaltung besonderer Erhebungen über den Kontraktbruch der landwirtschaftlichen Arbeiter,„entweder durch Anfrage bei der Polizei oder durch Befragung einer größeren Anzahl landwirtschaftlicher Arbeiter“, in Anregung gebracht! Die Landwirtschaftskammern haben dieser Anregung größtenteils entsprochen! Das ist freilich die sicherste Art,„einwandfreies Material“ zu beschaffen, wenn man nur die Arbeitgeber und die erjahrungsgemäß den Unternehmern zur Seite stehende Polizei ersucht um Mitteilungen über„Kontraktbruch der Arbeiter". Wer die nicht selten skandalösen„Vertrags"=Verhältnisse der landwirtschaftlichen Arbeiter kennt und die Auffassung der Gutsbesitzer von ihren Herrenrechten, kann sich vorstellen, was von ihnen alles als„Kontraktbruch“ subsummiert wird. Wer auf den Standpunkt steht: Knecht und Magd haben einfach widerspruchslos zu gehorchen, für den gibt es einen Kontraktbruch der„Herrschaft" überhaupt nicht. Was sie tut ist wohlgetan und niemals vertragswidrig. Trotz dieser verwerflichen Erhebungsart haben die„Materialien“ aus der Provinz Westfalen— nur diese hier einstweilen offiziell veröffentlicht— ihren sozialpolitischen Wert, wenn auch anderer Art als es die Materialsammler wünschen. 150 Berichte sind eingelaufen, vier Fünftel stammen von mittleren und kleinen Gutsbesitzern. Die Provinz Westfalen ist nicht die Heimat der Riesengüter; deren gibt es im„Lande der roten Erde" verhältnismäßig sehr wenige. Die Hauptmasse der bäuerlichen Besitzer in Westfalen setzt sich parteipolitisch aus strammen Zentrumsanhängern zusammen. Man kann in der frühzeitigen Veröffentlichung der„Materialsammlung ausgerechnet der Zentrumsagrarier durch den„Reichsanzeiger“ eine nicht üble Ironisierung der Zentrumspartei erblicken, die sich bekanntlich einer besonders stark ausgeprägten„Arbeiterfreundlichkeit und sozialen Gerechtigkeit" rühmt. In der westfälischen Landwirtschaftskammer dominieren die Zentrumsagrarier. Auch sie haben die Befragung der Arbeiter für nicht notwendig erachtet, sondern nur die„Herrschaften“ und die Polizei reden lassen. In den 150 Berichten sind ausgewiesen für 1907: 1488, für 1908: 1672 landwirtschaftliche Arbeiter. Davon waren 1907: 357, 1908: 468 ausländische Arbeiter, Russen, Galizier, Ruthenen, Ungarn usw.! Ueber 25 Prozent der Beschäftigten hatten die„nationalen Bauern" also aus dem Auslande vezogen, in einem Jahre massenhafter Arbeitslosigkeit im Inlande. Nach der„Materialsammlung“ machten die„Herrschaften“ mit ihren Arbeitern folgende Erfahrungen: Von 100 Kontraktbrüchigen wurden Arbeitern wurden kontraktbrüchig 1. unverheiratetes Gesinde 1907 1908 A. Einheimische Arbeiter zur Anzeige gebracht 1907 1908 bestraft im Jahre 1907 1908 Die enorm hohe Ziffer der kontraktbrüchigen Ausländer correspondiert mit gleichen Erfahrungen in industriellen Betrieben. Da aber wissen auch Zentrumsblätter erklärend zu schreiben, den Ausländern gehe noch weit mehr wie vielen inländischen Arbeitern die Kenntnis unserer Arbeitsvertragsgesetze ab. Objektive Sozialpolitiker werden aus der hohen Zahl der gemeldeten Kontraktbrüche der landwirtschaftlichen Arbeiter den Schluß ziehen, die Kontraktverhältnisse selbst trügen nicht den geringsten Teil der Schuld an dem massenhaften Davonlaufen der Arbeiter. Warum sollten ausgerechnet die doch von der modernen Arbeiterbewegung fast gar nicht erfaßten, daher auch die unwürdigsten Arbeitsbedingungen stillschweigend ertragenden Landwirtschaftsarbeiter weit mehr Neigung zu„Kontraktbruchen“ besitzen als die Industriearbeiter, wenn die Arbeitsvertragsverhaltnisse auf dem Lande so anständige sind, wie die„Herrschaft“ sie schildert? Gerade die enorm hohe, bei einer Arbeiterkategorie bis 84,1 Prozent steigende Zahl der Davongelaufenen spricht gegen die agrarkapitalistische Schilderung der angeblich guten landwirtschaftlichen Arbeitsverhältnisse. Die westfälische Landwirtschaftskammer aber fordert noch schärkere gesetzliche Bindung der Landwirtschaftsarbeiter, Erhöhung der Geldstrafen und Einfuhrung von strengen Freiheitsstrafen! Das ist des Pudels Kern, darum die„Materialsammlung". Sie soll einen neuen reaktionären Vorstoß zur Knebelung der Landarbeiter begründen! Dieser Vorstoß wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Eigentlich wirft schon die eigene„Materialsammlung“ der Landwirtschaftskammer ihre Forderungen über den Haufen. 1907 wurden 17,4 Prozent der Kontraktbrüchigen zur Anzeige gebracht, aber nur 4,5 Prozent konnte der Kontraktbruch nachgewiesen werden; sie wurden bestraft. 1908 konnten von 33,6 Prozent der zur Anzeige gebrachten Kontraktbrüchigen nur 7,1 Prozent bestruft werden! Wenn den davongelaufenen Arbeitern und Arbeiterinnen Kontraktbruch nachgewiesen werden kann, ihre Bestrafung erfolgt so sicher wie das Amen in der Kirche. Dafür fühlen die Strafrichter denn doch viel zu sehr mit den Gutsbesitzern. Nur 21 Prozent der wegen Kontraktbruch angeklagten Personen haben nach Ansicht der Behörden Kontraktbruch verübt. Die Zahl wäre sicher noch weit geringer, wenn die Angeklagten gesetzkundiger wären oder stets geschickte Vertretung hätten. Um das, was nach geltendem Recht und schärfster Auslegung nicht als Kontraktbruch angesehen werden kann, zukünftig als Kontraktbruch bestrafen zu lassen, werden die Agrarier mit Hilfe ihrer„Materialsammlung“ demnächst die Regierung nötigen, ein Gesetz zur moglichst vollständigen Knebelung der Landarbeiter vorzulegen.„ Parteinachrichten. Wegen angeblicher Polizistenbeleidigung wurde Genosse Schiffer als verantwortlicher Redakteur der„Königsberger Volkszeitung“ von der Königsberger Strafkammer zu 100 Mark Strafe verurteilt. Der Staatsanwalt beantragte 500 Mark. Schiffer hatte in der Zeitung geschildert, wie ein Schutzmann einen betrunkenen Arbeiter mit dem Säbel zugerichtet hatte. In der Form war, wie selbst der Staatsanwalt anerkennen mußte, der Artikel einwandfrei. Von den 20 geladenen Zeugen wurden die Angaben des Artikels auch im wesentlichen bestätigt. Das Gericht erklärte trotzdem, daß der Artikel nicht objektiv gehalten sei und erkannte auf obige Strafe. Dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zur Seite zu stellen, da er als Bürger das Recht habe, Polizeimaßnahmen zu kritisieren, lehnte das Gericht ab. Eine Warnung vor dem Bauzeichner Franz Pekary gehoren am 15. Juli 1875 in Mako(Ungarn), der mit ungarischen Parteilegitimationen die Organisationen zu brandschatzen sucht, erläßt die„Mannheimer Volksstimme". Aus den Organisationen. Im zweiten und dritten mecklenburgischen Reichstegswahlkreis(Schwerin=Wismar und ParchimLudwigslust) wurden dieser Tage Konferenzen abgehalten. Im zweiten Kreis betrug die Einnahme 1908 716,60 Mark, die Ausgabe 647,91 Mark und die Mitgliederzahl am Jahresschluß 1200. Aus dem dritten Kreise erjahren wir, vaß die Mitgliederzahl am Schlusse des vergangenen Jahres 442, die Einnahmen sich auf 299,48 Mark beliefen und die Ausgaben auf 228,30 Mark. In der Kandidatenfrage blieb es beim alten: StarossonRostock zweiter Kreis, Groß=Hamburg dritter Kreis. In den beiden Kreisen zusammen erzielte unsere Partei 1907 bei der Hauptwahl rund 15000 Stimmen. Fortschritte im dunkelsten Osten. Am Sonntag, 18. April, tagte in Birnbaum(Posen) eine Konferenz für den Wahlkreis Samter=Obornigk. Nach den Berichten der einzelnen Orte macht die Organisation überall gute Fortschritte. Um die Agitation besser und planmäßiger betreiben zu können, beschloß die Konferenz, für den Wahlkreis die Kreisorganisation einzuführen. Als Vorort wurde Birnbaum bestimmt. Ein Beweis, daß auch in den dunkelsten Ecken die Arbeiterschaft, aufgepeitscht durch die unsinnige Steuer= und Finanzpolitik, zu neuem Leben erwacht. Zum Schluß gelobten sich die Konferenzteilnehmer, unermüdlich für den Ausbau der geschaffenen Organisation tatig zu sein. Hausagitationserfolge. In Hamburg wurden in den letzten Monaten durch eine Agitation unter den Mitgliedern der Gewerkschaften 6856 Mitglieder der Parteiorganisation und 904 Abonnenten auf das„Hamburger Echo" gewonnen. Die Zahl der neuen„Echo"=Abonnenten ist um so viel geringer, als die der Beitritte zur Parteiorganisation, weil die meisten der Befragten schon Abonnenten des Parteiblattes waren. Von den Gewerkschaftsmitgliedern sind jetzt 24989 gleich 53,3 Proz. politisch organisiert.— Das Parteisekretariat fügt einen Bericht, dem wir diese Zahlen entnehmen, hinzu. So weit es möglich gewesen ist, haben fast alle Gewerkschaften uns in dankenswerter Weise die Adressen von ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Bei den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen und dem langanhaltenden Winter können wir mit dem Resultat der Agitation sehr zufrieden sein. Eine große Zahl der Gewerkschaftsmitglieder steht der Partei zwar noch fern, aber durch unermüdliche Agitation wird leicht ein großer Teil noch gewonnen werden können. Die Presse vor der Revisionsinstanz. Der Arbeitersekretär Genosse Nikolaus Österroth in Waldenburg hatte am 16. Februar v. J. in Kunzendorf eine politische Agitationsrede gehalten. Auf Grund des Berichts, den der überwachende Gendarm erstattete, wurde Genosse Osterroth seinerzeit von der Strafkammer zu Waldenburg wegen angeblicher Beleidigung der preußischen Gerichte und Polizei sowie des überwachenden Gendarmen verurteilt. Nachdem auf seine Revision das Urteil aufgehoben worden war, hat das Landgericht Schweidnitz aug2. Februar den Angeklagten ganz allgemein gehaltenen Kritik eine Beleidigung nicht gefunden. Auch eine Beleidigung des Gendarmen M. wurde nicht Unternehmer wieder in ihr Joch zurückgetrieben werden sollen. Wenn s nach dem Willen der Unternehmerorganisation ginge, müßten alle diejenigen Arbeiter eines elenden Hungertodes sterben, die es wagten, sich der brutalsten Ausbeutungspolitik zu widersetzen. Gegen diese Gelüste der Unternehmer kann nur die starke Organisation der Arbeiter helfen, die allein im stande ist, den Uebermut und die Ausbeutungssucht der Unternehmer herabzudämmen. Vom Streikpostenstehen. Der Glasmacher Pivonka war vom Schöffengericht in Meißen wegen Streikpostenstehens zu 10 Mark Strafe verurteilt worden. Er sollte gegen eine Verordnung der Amtshauptmannschaft Meißen, wonach das Streikpostenstehen zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Gegenden verboten ist, verstoßen haben. Pivonka bestritt, überhaupt Streikposten gestanden zu haben und wurde deshalb in der Berufungsinstanz vom Dresdener Landgericht freigesprochen. In dem Urteil aber wurde, trotz der verschiedenen, dieser Auffassung entgegenstehenden Reichsgerichtsentscheidungen, das Verbot der Amtshauptmannschaft anerkannt. Der Rechtsanwalt hatte die Rechtsgiltigkeit der Entscheidung angefochten. Im Kampf gegen Streikposten. Die Meißener Amtshauptmannschaft hat auf Grund einer besonderen Verordnung über das Streikpostenstehen anläßlich des Glaserarbeiterstreiks in Brockwitz nicht weniger als 42 Strafmandate gegen Streikende erlassen. Sieben von diesen gelangten bisher zur gerichtlichen Entscheidung und endigten sämtlich mit Freisprechung. In 15 Fällen haben leider die mit einem Strafmandat Bedachten auf Zureden des Amtsanwalts hin ihren Einspruch zurückgezogen. In einer Reihe von Fällen hat die Amtshauptmannschaft selbst die Strafmandate auf erfolgten Einspruch hin zurückgezogen. Bestrafter Verleumder. Vor einiger Zeit stellte der Sekretär der Waldenburger„Gelben", der bekannte Gustav Ermert, in dem dortigen von den Grubenmagnaten zur Bekämpfung der Sozialdemokratie herausgegeben„Feierabend“ die Behauptung auf, der Kassierer des Verbandes der Bergarbeiter in Weißstein habe eine namhafte Summe unterschlagen. Der von der Verleumdung Betroffene, ein braver Genosse, der schon seit elf Jahren sein Amt gewissenhaft versieht, strengte gegen Ermert Privatklage an. Vor dem Schöffengericht log sich Ermert damit heraus, daß er vom Kassierer des„Bauarbeiterverbandes“ geschrieben und„Bergarbeiterverband“ nur ein Druckfehler sei. Er wurde deshalb freigesprochen. Jetzt hat die Strafkammer über die von unserem Genossen eingelegte Berusung verhandelt. Dabei wurde festgestellt, daß es in Weißstein eine Zahlstelle des Bauarbeiterverbandes gar nicht gibt, und daß auch auf dem Manuskript Bergarbeiterverband gestanden hatte! Der Verleumder kam mit 100 Mk. Strafe davon. Der frühere Beamte des Bergarbeiterverbandes, Spaniol, bestreitet in der„Essener Volkszeitung“, der Verfasser des Verleumdungsflugblattes gegen Brust zu sein. Er bestreitet ferner, von christlicher Seite die Mitteilungen darüber erhalten und weitergegeben zu haben. Dazu wird uns vom Verbandsvorstand versichert, daß die von ihm gegebene Darstellung über die Entstehungsgeschichte des Flugblatts durchaus zutreffend sei, und daß Spaniol— wie durch Zeugen bewiesen werden soll— seinerzeit sich dieses Tricks sogar selbst gerühmt habe. Der Streik der Arbeiter der Holsteinischen und Breitenburger Portland=Zementfabriken in Lägerdorf ist jetzt allgemein geworden; es sind über 800 Arbeiter daran beteiligt. Der Betrieb auf den Brandösen wird noch notdürftig aufrecht erhalten. doch fehlt es schon an Masse zum Brennen. Die Arbeiter haben jetzt ihre Forderungen prazisiert und fordern jetzt 10 Prozent Lohnzulage für die Brenner und 15 Zrozent für alle übrigen Arbeiter pro Schicht. Daß diese Forderung nicht unbillig ist, geht daraus hervor, daß die Arbeiter bisher pro Schicht höchstens 2,90 Mk. verdient haben. Die Streikenden haben beschlossen, dahin zu wirken, daß auch das Verladen der Zementschüsse eingestellt werde und die Arbeiter aller Zementfabriken aufgefordert werden, nicht für die Holsteinischen und Breitenburger Portlandzementfabriken zu produzieren. Die Fabrikleitungen suchen überall Arbeitswillige; Zuzug ist deshalb streng fernzuhalten. Die Berliner Holzarbeiter und die Maiseier. Eine von ca. Urteil, keine Beleidigung, denn es ist bekannt, daß die Gendarmen zu den Militärpersonen gehören und als solche auch Befehle ausführen müssen, die sie nicht billigen.— Die Revision des Staatsanwalts bezeichnete die Freisprechung als nicht genügend begründet; es hätte der ganze die Gendarmen betreffende Teil der Rede beurteilt werden müssen. Der Reichsanwalt wies darauf hin, daß das Urteil das auch getan und außerdem das Bewußtsein der Beleidigung verneint habe. Seinem Antrage gemäß verwarf das Reichsgericht die Revision. Unternehmerterrorismus. In Blankenburg am Harz streiken zurzeit bei der Firma Gebr. Schönfeld die Steinmetzen. Da der Unternehmerverband auch seine Zweckmäßigkeit beweisen muß, so hat er folgendes Schreiben an seine Mitglieder verschickt: „Landesverband der Bauarbeitgeber=Verbände im Herzogtum Braunschweig. Braunschweig, den 15. April 1909. P. P. Bei der Firma Gebr. Schönfeld in Blankenburg, Harz, Mitglied des dortigen Arbeitgeber=Verbandes, haben die nachbenannten Sreinmetzen, welche zum Teil auch Maurer sind, die Arbeit niedergelegt, weil ihre Lohnforderung nicht bewilligt wurde. Wir bitten, die streikenden Arbeitnehmer nicht zu beschäftigen und etwa bereits eingestellte sofort wieder zu entlassen.„ Hochachtungsvoll Der Vorstand des Landesverbandes der Bauarbeitgeber=Verbände im Herzogtum Braunschweig Franz Ausmever, Vorsitzender. Darunter folgen dann die Namen, Geburtstag,=Jahr und =Ort von 13 Streikenden, die so durch die Hungerpeitsche der u. a. anführte, ist bereits in Verwaltungs= und kombinierter Sitzung eingehend die Angelegenheit beraten worden, ebenso wie in Werkstattsitzungen und Bezirken dazu Stellung genommen wurde. Der Redner empfahl im Namen der Verwaltung folgende Resolztion:„ 4urc Frist. 96 heitarut Die Versammlung erklart, daß nur durch stritte Arbeilsruhe die Feier des 1. Mai würdig gestaltet wird. Sie macht es deshalb den Vertrauensleuten zur Pflicht, trotz der Aussperrungsbeschlüsse der Unternehmer auch in diesem Jahre wieder darauf hinzuwirken, daß die Kollegen am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen.. Diese Resolution wurde nach turzer Devatte gegen vereinzelte Stimmen angenommen. Bei der Gewerbegerichtswahl in Hornberg(Baden) erhielt die Liste des Gewerkschaftskartells 120 bis 143 Stimmen. Auf die Kuddelmuddel=Liste entfielen nur 22 bis 26 Stimmen. 10000 Mann streiken an den großen amerikanischen Seen. Die Schiffsmaschinisten, Heizer und anderes Maschinenpersonal sowie die Verlader auf den Dampfern im Verkehr auf den großen Seen kämpfen für die Anerkennung ihrer Union. Der Verband der Reederfirmen will die Gewerkschaften der Schiffsleute vernichten. Die Schiffsleute aber wissen, daß die Ausbeutungssucht der Reeder keine Schranken kennt und daß die ohnehin sehr schlechten Verhältnisse auf den Schiffen unbedingt den Schutz durch eine Gewerkschaft brauchen. Als die Reeder sich weigerten, mit der Union der Schiffsmaschinisten einen Arbeitskontrakt abzuschließen, begann der Streik, der bald große Ausdehnung fand und die Schiffahrt auf den Seen lahmlegte. ** Bielefeld, 21. April. Strafkammer. Der Vertreter der Pastor Fölkeschen Heilmethode, der Heilkundige Küper von hier, hatte sich heute in der Berufungsinstanz vor der hiesigen Strafkammer wegen fahrlässiger Körperverletzung unter Vernachlässigung seiner Berufspflicht zu verantworten. Er war am 5. September v. J. vom hiesigen Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 500 Mark ev. 100 Tagen Gefängnis verurteilt worden, wogegen er Berufung eingelegt hatte. Der Anklage zugrunde gelegt waren zwei Fälle, in denen er durch unsachmaßige Behandlung die Kranten an der Gesundheit geschädigt haben soll. In dem ersten Falle handelt es sich um ein offenbar an Scharlach und Nierenentzündung erkranktes Kind, dessen Zustand er durch Anordnung von kalten Sitzbädern verschlimmert haben soll. Der zweite Fall betrifft eine Frau aus Asemissen, die an Blutungen litt und die er ebenfalls falsch behandelt haben soll. In der heutigen Verhandlung gehen die Gutachten der Herren Aerzte auseinander, ja es konnte nicht einmal festgestellt werden, ob das Kind an Masern oder Scharlach gelitten hakte und ob ber Angeklagte in seiner Behandlung Kunstfehler gemacht hat. In diesem Falle wurde das erste Urteil aufgehoben und der ungeklagte freigesprochen. Anders lag die Sache in dem zweiten Falle. Der Gerichtshof nahm, gestutzt auf die Gutachten sämtlicher ärztlichen Gutachter, an, daß der Angeklagte die Frau falsch behandelt habe. Er hätte die Vorsicht, die ihm zein Beruf auferlege, besonders walten lassen und einen Arzt zu seine Fäsische Foßssen: Der Zustand der Frau habe sich durch ine andlung verschlimmert und hierin sei die jahrlässige Korp#etbelletzung erblickt worden. Der Gerichtshof erkannte gegen ihn auf 100 Mark Geldstrafe ev. 15 Tage Gefangerlauben uns, der unmaßgeblichen Ansicht zu sein, daß ersten Tesander gehenden, Gutachten der ärztlichen Gutachter im ersten Haue den Gerichtsyof auch für den zweiten Fall zu einer anderen Stellungnahme hatten Veranlassung geben müssen. Zugegeben, daß der Mann in den zahllosen Fällen seiner Praxis einmal geirrt hat. Dafür wird er dann sofort bestraft!! Ein Arzt kann sich aber irren, so viel er will, er bleibt straffrei. Literarisches. „Die„Sozialistischen Monatshefte“ redigiert von Dr. J. Bloch saantlich alle““ Berlin W., Potsdamer Str. 121h), die be14 Tage erscheinen, haben soeben das 8. Heft ihres 15. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir herdor. Otto Hue: Weiße Salbe.— Karl Leuthner: HerrenAn Das Fürsorgemädchen Louise Becker aus Dortmund, welches bei dem Kolon Plaßzmann in Isselhorst als Dienstmädchen untergebracht war, hatte am Abend des 4. Dezember v. J. ihr Bündel schrtemt das Haus ihrer Dienstherrschaft verlassen. „Stacht wurde gleich am andern Tage entdeckt. Die Verbigung war vom Glück begünstigt, denn ihr Dienstherr traf sie noch auf dem Bahnhof Brackwede an. Unter den“ kranken Vater besuchen zu können. Das Schöffengericht hatte, sace des Piebstaobist sicht vermißte, die Angeklagte von der Anfreigesprochen. Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Strafkammer ST HayrFeie) auf Psrwerfung der Berufung. Hier greise der 1 haß und das Verfahren müsse wegen mangelnden Strafantrages eingestellt werden. Bezüglich der Wegnahme der. Kleidungsstücke fehle es an der Absicht rechtswidriger Zuan Das„Schöffengericht zu Minden hatte den Maler Ernst Motig Mauerauf zu Minden am 21. Januar d. J. wegen Beleidigung, Mißhandlung und Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe von zusammen 40 Mark ev. 8 Tagen Gefängnis und dessen Ehefrau wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung zu Gachafshe n hon 15 Mark ev. 8 Tagen Gefängnis verurteilt. um Exzesse, die sich am Abend des 4. Dezembers oder vor dem Hause des Arbeiters Gerling zu Pindsng abesspiett haoen. Gegen dieses Urteil hatten beide lagtren Berufung eingelegt. Die Strafkammer hielt einen Hausfriedensbruch für nicht festgestellt und sprach beide Angeerste vrszi Besteben. Mauergat“e Imn übrigen blieb das utlen besteyen. Mauerauf, wurde auch heute der Bejidiezug und.eißhandlung fur uverführt erachtet und erhielt Eyefrau zuauerauf wurde wegen Sachbeschädigung „PVesr. Vi. Huc. Eirße Salde.— KutrE zwang, Podelvolt.— Wosor Zür wpissenscheftlichen Begrändes Sozialismus.— Dr. Hugo Lindemann: Städtische Einrichtungen für Lebensmittelversorgung.— Rudolf Kurtz: Zum 100. Gehurtstag Nikolaj Gogols.— Ludwig „Eine neue Erughe der Waldverwüstung.— Politik von I#ppet.— Wirtschaft von R. Calwer.— Sozialpolitik von Robert Schmidt.— Staatssozialismus von W. Schröder. Geistige Bewegung von Dr. W. Hausenstein.— Frauenbewegung von W. Zepler.— Philosophie von Prof. F. StauPsychologie von Dr. allen Kolvorteureniu au jeder Postanstalt, bei auen Relgerleuten, in den Kiosken, sowie direkt vom Verlag der„Sozialistischen Monatshefte“, Potsdamer Str. 121h, BerGnpapz 35, Zzsendung unter Kreuzband oder im geschlossenen zur Persügunget steden auf Verlangen jederzeit kostenfrei „Arbeiter=Jugend“. Aus dem Inhalt der soeben erschienenen : Der Mai der Jugend. Nr. 7 heben Mir.. Iuhalt der soebe im Westall. 1 W“ sieht“ gn“ das Werden weigen g“; wdie siet, die Weit aus? Von Die er######. Wie siet, die welt aus? Von Felig, Rom W dern tisluetn#in Maierlebnis. Von Aug. Wysocki.— mWanzern stausttierts. Von Edgar Hahnewald.— Gewerkschaftliche Unterstützungseinrichtungen. Von Wilh. Jansson.— Die österreichische Jugendorganisation und ihr Verbandstag.— „Ihr tretet nun ins Leben ein..“ Von H. M.— Vom Kriegsschauplatz.— Soziale Rundschau.— Der Pranger der Lehrlingsschinder usw.— Beilage: Maien=Fest. Gedicht Mar Tast. WeiPischerlstrizz,uDer blinde Passagier. Von dem Französischen outend.— Der Streifzug, von Wilb. Busch. Thurow.— Liebestragödie. Gedicht Von der„Neuen Zeit"(S das 30. Heft, Jahrgangs ersch Paul des 27. Jahrgung nen des Heftes heven wir yervor: Zum 1. Mai. Sce##afe von 25 Mark ev. 5 Tagen Gefängnis. a“ntugn„„feibe witen Eachleschaligung„zu einer Gelbstrafe von 5 Mart ev. 1 Tag Gefangnis.verurteilt. Zaiß Zienstmagd Charlotte Ackermann von Minden, welche nem ber ßt ger ihrer Dienstherrschaft im Oktober bezw. Noseiten des Schörene“ Geldbetzäge gestohlen zu haben, war von g#####ogengerichts zu Tinden von der Anklage des ihr zur Last gelegten Diebstahls freigesprochen worden, wogegen die Singer) ist soeben Aus dem Inhalt kung der Seerüstungen. Von G. Ledebour.— Gott, Freiheit und Unsterblichteit. Von A. Thalheimer.— Der Wahlsieg der ztalienischen. Sozialisten. Von Oda Olberg(Rom).— Klein9i::# a#te. Von ir. August Baudert staatliche Wayrrechtsexperimer (Weimar).— Literarische Rur Die Kernpunkte der Reichsfil ndschau: Professor Dr. Sieveking, ., unkte, der Reichsfinanzreform. Von Louis. Der Arbeiter Willy Lange, wurde gestern auch ergriffen. Ein Mädchenhändler verhaftet. Bei der Ankunft des B liner Schnellzuges wurde am 21. April, abends, wie aus H; burg gemeldet wird, auf dem dortigen Hauptbahnhof BegsehtenPandhef, Zeut aus der Schweiz verhaftet. In seiner Marg— us Schleisich das achtzehnjährige Mädchen Aur Moraba aus Schlesten. Das Mädchen war in Berlin" Stellung gewesen und hatte dort den Mädchenhändler kennen gelernt. Er versprach der Nichtsahnenden, daß er sie mit nach auf seine Besitzung nehmen und dort heiraten In Wirklichkeit hatte er die Absicht, das Mädchen in England zu verkaufen. Kurz nach der Verhaftung des Dent lief bei der Hamvurger Polizei ein Steckbrief aus Berlin ein, in dem u. Festnahme des Mädchenhändlers ersucht wurde.“ Der Mädchenhändler scheint den„Stravenhandel" zwische Siedzerhasten betrieben zu haben. Er soll bereits zu haban dis## Malen junge Berlinerinnen nach London gebracht haben, die spater in zweifelhaften Lokalen der englischen Hauptstadt aufgefunden wurden. Dent, der sich als Kunsttischler ausgibt, hatte vor einigen Wochen das Dienstmädchen, das bei einem Kaufmann im Osten Berlins diente und erst seit einem halben Jahre in der Reichshauptstadt weilte, in einem Tanzlokal kennen geternl. Er unterhielt mit dem Mädchen ein Liebesverhältnis und versprach ihm die Heirat. Das Mädchen gab deshalb Mitte dieses Monats die Stellung auf, angeblich, weil es seinem Bräutigam nach dessen Wohnort London folgen wollte. Eltern der M., denen sie ihre Verlobung mitgeteilt hatte, erkundigten sich nach dem Bräutigam ihrer Tochter, erhielten jedoch so unvefriedigende Auskunft, daß sie sich an das hiesige Polizeipräsidium wandten. Dent war am gestrigen Morgen nach Hamburg gefahren und ließ dort das Madchen auf dem Bahnhof zurück, um Fahrkarten nach England zu besorgen. Als er zurückkehrte, wurde er von einem Kriminalbeamten der Hemburger Händser s erhalten hatie, Sienalement des bei Pepnsa.k ovember v. I. hat sich an der Dorforenze zu Lohe en zwischen den jungen Burschen des Kappenberges und dem Dorfe Loye eine Prügelei abgespielt, in der der Zigarrensortiererlehrling Wilhelm Windmeier einen Messerstich in den Rücken erhalten hat der leicht hätte schlimme Folgen haben können. Diesen Messerstich dem Windmeier versetzt zu haben, war der Schmiedelehrling Emil Markitan von Niederbechsen beschuldigt. Der Bursche bestritt die Täterschaft wie mangelnden Veweises ht zu Oeynhausen, welches ihn wegen Staatsanwaltschaft s freigesprochen hatte und wogegen die #ia#erufung eingelegt hatte. Die Strafkammer halt ihn für üverfuhrt unv verurteilte ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu 1 Woche Gefängnis. Ein Badeskandal wurde am Dienstag, 20. April, in einer Verhandlung vor dem Landgericht in München 2 aufgedeckt. In dem von der besseren Gesellschaft besuchten Hotel Edelmaier ia Krankenheil, Bad Toelz, wurde das Personal seit mehreren Jahrer. nit Hundefutter abgespeist. Die Angestellten erhielten das in##.## da# von den Gästen zurückkam, wobei zu beachten ist, . aX sypoilitisch Kranke zur Kur waren. Außerdem bea ginFersonal dieses Fleisch in der Regel nur dann, wenn Göt, frischg porden war. Es besteht der Verdacht, daß auch Gaste##., Fleischreste, die zurückgekommen waren, vorgesetzt erhielten, doch konnte in dieser Beziehung der Beweis nicht mehr erbracht werden. Die Besitzerin des Hotels wurde leider nur zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der jungliberale Agitator Rechtsanwalt Kohl hatte merkwürdigerweise die Vertretung der Angeklagten übernommen und hatte den Mut, trotz der nachgewiesenen Scheußlichkeiten ihre Freisprechung zu beantragen, weil diese Sache doch nichts weiter als Dienstbotengeschwätz sei. Bibliocyerar. Von N. R. Dr. H. Hindemann und Dr. A. Südekum, Kommunales Jahrbuch. Von ew.— ZeitschriftenBuchbruckereistst“ Iu Leipzig erscheint im Verlage der ligthekars(Monatsschrift haft von April d. J. an„Der BibRocherat„Benalsschrist für Arbeiterbibliotheken). Die erste Nummer ist bereits heraus, und ihr Inhalt beweist, daß diese Puhlikation, wie der Verlag im Begleitschreiben sagt,„einem wirtlichen Beourfnis entgegenkommt“. Im Einführungsartikel wortlich zeichhei. ustab Hennig verantnach###grauf hin, daß der proletarischen Bildungsbewegung nvay schieg#gs die bürgerliche Bildungsbewegung in „in„Diattern für Vellsvibliotheken und Lesehallen“, längst beies neue Blatt will vor allem bibliothektechnische und „tondchetorganisatorische Fragen behandeln, und es hat hierfür bestragen werden Pitarbeiter gewonnen, die dazu . Lagen welben, daß die Leser des„Bibliothekar“ einen Ueber vlia über Stand und Bewegung des Arb in Deutschland, Oesterre allen Teilen des deutschen Sprachgebietes verarbeitet und verger, Pezersionen, den Jugendschriftengebiek zumal, sol ein ner Ruum gewahrt werden. Leichenfund. Trier, 22. April. Durch die Wellen eines Dampfschiffes wurde bei Trier die Leiche eines unbekannten älteren Mannes ans Ufer gespült. Schwere Kopfverletzungen machen ein Verbrechen wahrscheinlich. Furcht vor der Kaserne. In Freiberg(Sachsen) erschoß sich ein auf Urlaub befindlicher Soldat vom ersten Leibgrenadierregiment Nr. 100; er hatte kurz vor seinem Seibstmord seinen Angehörigen erklärt, daß ihn niemand wieder in die Kaserne zurückbrächte. Oellager in Flammen. Paris, 21. April. Heute früh kurz nach 10 Uhr sah man im Nordosten von Paris eine gewaltige schwarze Wolke, die mit dem hellen Sonnenschein, der über den Boulevards leuchtete, seltsam kontrastierte. Zunächst wußte sich niemand die Erscheinung zu erklären, dann wurde bekannt, daß ein Oeldepot der Nordvahn, das in der Ebene von Saint Denis liegt, in Brand geraten war. Acht= bis neuntausend Tonnen Oel, Petroleum und Benzin finden sich dort in Kellern und Magazinen aufgespeichert. Erst gestern waren 900 Petroleumfässer ausgeladen worden. Das Feuer ist gegen 10 Uhr in einem Teil des ansgedehnter Gebistes“ breiter Raum gewahrt werven. neuen Organs bringt folgende Artikel:„Was sollen wir lesen?“ von Dr. Paul Lensch,„Literarische Zwischenformen“ von Dr. G. Morgenstern,„Di Hiszsgshesberich Bücherbesprechungen, die NaturVreif, der cht, Rotizen und Sprechsal, Bezugsquellen und Braschüren, i ersten Hefte besprochenen(401) Bücher und Der Abonnementspreis beträgt für das Vierteljahr(3 Nummern) einschließlich Zustellungsporto 50 Pfg. in einem Teil des uusgebehnten Gevieles entstanden, der zwischen dem Bahnhof von Landry und der Straßenbahn nach Saint Denis liegt. Die Ursache ist noch nicht aufgeklärt. Es wird angenommen, daß Funken aus einer Lokomotive auf den ölgetrankten Boden geraten sind und die Flamme rasch die Magazine bt hat. Arkes#.. die Flamme rasch die Magaune arbeiter, wie in dem Bahnhot von Landry beschäftigt sind, eilten sofort zu Hilfe und versuchten die überall Flammen zu ersticken. Aber der dichte, übelgen, und die drohenriechende Rauch verhinderte sie am Vordringen ##, sje, den Versuch aufzugeben. Von losionen zwangen sie, den Versuch aufzugeben. Von allen Seiten eilten Polizei, Feuerwehr und Tausende von Neugierigen herbei. Eine ungeheure Menge umdrängte herbei. Eine ungeyeure Menge, umdrängte den unS#####andherd, aus dem fortwahrend das Krachen explovierender Petroleumfässer hervortönte. Vergebens mahnten die Besonnenen, zurückzuweichen, um sich nicht einer Katastrophe auszusetzen. Erst als eine Kompagnie Infanterie aus Saint Denis kam und eine Schar Pariser Polizisten auf Wagen und Automohilen anrückte, gelang es, einen Ordnungsdienst zu organiNun begann von allen Seiten die Bekämpfung der Feuersbrunst. Zum Glück stehen die Magazine isoliert. Es war bald klar, daß an ihnen nichts zu retten war. Einige zum Bahnhof 7. 6 an ihnen nichts zu retten war. Eini gerürige Gebaube und die Beleuchtungsanlage konnten werden. Alles übrige bildete den Brandherd, der 5 Ziehiheritisepidemie in der Kaserne. Magdeburg, Zurch einen Osterurlauber wurde in die Laserne des vielten Pionierbataillons Diphtheritis eingeschlepp:. Etwa zwanzig Pioniere mußten ins Garnisonlazarett gebracht werden. An einer großen Anzahl von Soldaten sind bereits Schutzimpfungen vorgenommen worden. " Eine Falschmünzerbande gefaßt. Berlin, 22. Adril. Eine Falschmünzerbande ist wieder von der Kriminalpolizei aufgehohen worden; sie verhaftete einen Einbrecher Hermann Gall arbeiter Franz Sawade, bei denen man einige Die Gefährlichkeit des Alkohols im Kindesalter. Von Dr. med. 3ilh. Kühn, Leipzig. (Nachdr. verb.) selten, ß den der Frschsenen Bier verabreicht wird, in weinreichen Gegerwerden und Zöer FrareiPt: Wenn sie dann unnatürlich munter zst das für diuricen eines Rausches zur Schau tragen, so „. eus(u. Die Erwachsenen eine Quelle des Vergnügens. Mischt sich ein Dritter hinein und macht die Eltern darauf merks i—„Organismus versündigen, so kann er froh sein, wenn ihm nur eine Anzahl Schimpfworte an den Kopf geworfen wird den Jarsinn noch eine Tracht Prügel erhält. Namentlich auf Mitaholr: in der Gegend von Erlangen haben wir diesen u#gheinißbrauch im Kindesalter wiederholt gesehen und gerügt. in Sargnicht weit davon, nämlich in der Stadt Nürnberg. sowie ganz bedauerlichs'shen Gegend hat Dr. Emmerich in Nurnberg frühen Kindes=) Voigeg, von derartigen Gewohnheiten schon im geben wollen.. g““““ wovon wir einige Beispiele wiederaler Freide fürgersichte Töchterchen einer Familie war Iu allmählich die Lust an der Rhische sch prachtig entwickelt, als es unruhig schlief und trotz perior, mürrisch wurze, bemerkte eines Tages die Ar: Sorsfalt sichtlich zuruckging. Da ein Glas mit Bier vorzf deutte“ daß das Kind, als es zufällig gierig ausstreckte und sich zurch a) nach diesem die Handchen Mutier, die dem an“ Brustau nicht beruhigen wolte. Die sen Bier ad..“ rein benährten Kinde nie einen Tropven vier voer Wen der Otun zenahrten Kinde nie einen Tropgegen die Kinderwärterin, die das Kind täglich mehrere Stunihm Bier, soviel es trinken wollte, gereicht wurde. Es bedurfte einer mehrwöchentlichen sorgfältigen Behandlung, bis die deutlich nachweisbare, durch den Alkohol entstandene Leberschwellung als Anfang der Leberschrumpfung zurückging und das Keind wieder Geschmack an der Milchnahrung fano. Ferner sah Emmerich ein dreizahriges Kind mit ausgesprochenem Veitstanz, das körGebiet von fast 50000 Metern erstreckt. Von fern sieht man die glühenden Eisengerüste sich vom Rauch abzeichnen. Eine Mauer erscheint hell beleuchtet, dann stürzt alles krachend zusammen, und Blitze zischen durch den Rauch und die brennenden Petroleumstrahlen. Wie durch ein Wunder ist bisher kein Menschenleben haf“ sich den Irm Dace sprang, Habinettscher 4r* gebrochen. Polizeipräfekt Lepine und der ##des Arbeitsministers Barthon waren eine Stunde nuch dem ausbruch des Feuers zur Stelle. Auf den umliegenden Felderund Straßen drängten sich annähernd zehntausend Um ½3 Uhr nachmittags erfolgte noch eine Explosion, die offenbar aus einem Keller oder aus einem gemauerten Reservoir kam. Mauerstücke und Eisenteile flogen in die Luft und die Feuerwehrleute eilten mit Sandsäcken herbei, um die Flammen zu ersticken. Gegen Abend scheint der Brandherd abgegrenzt und der Brand im großen und ganzen gelöscht zu sein. Doch werden noch immer Explosionen befürchtet. verlich und geistig in der Entwicklung sehr zurückgeblieben war, sprechen noch laufen konnte und von dem berichtet wurde, #bss ccit dim ersten Lebensngnate an Bier gewöhnt worden einiges mategi Fischlischer dienge gereicht bekäme und als einziges Wort„#., P#l hören ließ. Auf jeden Fall war durch den reichlicher tergenuß die Entwicklung des Kindes körperlich und geistig schwer geschadigt worden. sich in diesen Fällen um die Folgen einer chronischen Alkoholvergiftung durch Bier handelte, zeigte es sich bei einem vierjährigen Kinde, wie gefährlich auch eine akute für das kindliche Gehirn sein kann. An einem Aschermittwoch wurde Dr. Emmerich früh 3 Uhr zu einem früher ganz gesunden Knaben, gerufen, der an schweren sich wiederbolenden Krampfen losigteit dadr urd in den anfallfreien Zeiten in tiefer Bewutzt#######lag.„Er war tags zuvor von seinen Eltern zu einem Fastnachtsvergnugen mitgenommen worden, bei dem die Eltern dem Bierkrug wacker zugesprochen hatten und, nachdem sie wohl selbst etwas angeheitert waren, jede Kontrolle über das Trinken des Knahen außer acht gelassen hatten. Die Anfälle endeten rs, nachbem durch reichtiche wässerige Entleerungen eine Verringerung der durch den Alkoholgenuß herbeigeführten Blutüberfüllung des Hirns bewirkt war. Die Eltern waren trotz des ausgestandenen Schreckens schwer zu überzeugen, daß das Bier als Ursache der Erkrankung angesehen werden mußte. Noch schlimmer liegen die Verhältnisse dann, wenn die Kind#r Wein erhalten. Auf, die Würzburger Kinderklinik wurde im Einler 1865/66, einem bekanntlich, guten Weinjahre, aus der Kitzinger Gegend ein sechsjähriger Junge gebracht, der das Bild und„weil es nicht ordentlich aß" wöchentlich zwei Fläschchen ayez zu je 150 Gr. als Zulage von der Mutter erhalten, dem, als vie Krankheit sich nicht hesserte noch ein drittes birzue als di. Krunthen sich nicht besserle, noch ein Vrilles hinzugefugt Krankheitsollo war ein derartiges, daß Dr. Emeiner ausgest Als einzige Ursache wurde langer, fortgesetzter allzu reichlicher gestelle G.r-Runge durst, den Phndlichem Wein(Most) festgestenl. Der Junge barste ven Trank für die Familie regelmaßig aus dem Keller holen und setzte, nachdem er sich an dem zaßzig aus dem Keller holen und setzte, nachdem er sich an dem zen, noch ungegoxenen Most, der seine Gesundheit nicht schäbigte, täglich nach Herzenslust gesättigt hatte, die Gepflogenheit des Trinkens von Most in jedem Stadium seiner Gärung fort. Die Eltern fanden hierin nichts befonderes, ja sie freuten sich über die Leistungsfähigkeit ihres Jungen. Der Fall verli wurde. Das Krankheitsbild war ein derartiges, daß Dr. Emnicht daraus klug werden konnte, was vorlag. In der Hauptsache handelte es sich um starke Abmagerung, Blutarmut, mäßige Bauchwassersucht, Lungenkatarrh und Leberschrumpfung. Da die Eltern nicht hören wollten und namentlich die Mutter niche ue ber seßemirter in versicherten, daß das Kind ohne Wein könne, ging es schließlich an Lungenödem zugrunde. Die ergab, daß als Hauptursache eine hochgradige Leberschrumpfung anzusehen war, so daß hier eine tödiche Extrankung infolge von reichlicher Verabreichung von ToKöeftente ste eih taglich in der Kinderernahrung wiederholt, wors erzten...u. Leider wurde Tokayer früher auch bei Darmkatarrhen der Kinder verordnet, wenngleich jetzt diese Verhältnisse besser geworden sind. Grund Fesp pedern ist es ja nicht, wenn die Kinder schon auf hinter dem Alktobol her start ausgeprägten Nachahmungstriebes zum Frühstig kin gund, denn sie sehen es ja, wie der Vater zum Frühstuck sein Glaschen Wein oder Schnaps trinkt und dem Bruder oder auch wiederum dem Vater der Frühschoppen Haters Krug oder Da kgng doch ein Schluck Bier aus des ein Schlua Wein nicht schuld sein, wenn das ein sich steigerndes Unvermögen kundgibt, seine Aufmerksamkeit auf das Ternen zu konzentrieren, und Erscheigenswpen nische sich esiun einer Nervosität deiell e##cimmere Folgen eintreten. Dann schieven die Eltern aber soiche Dinge nicht etwa ihrer verkehrten ErEin anderes Mal handelte es sich um den auch heute noch immer als Stärkungsmittel angepriesenen Tokayer, den wir, wehenbei gesagt zumesn zel angepriesenen Tolaver, den wir, Das mmingbe, zuweilen in recht fraglicher Qualitat erhalten. Dur zweineinhalbjährige Mädchen einer wohlhabenden Familie hatte nach einem Magen= und Darmkatarrh„zur Kräftigung" Fälleanit Namensnennung gehindert wären. Wenn Krampfe, austreten Feitstanz und Erkrankungen der Verdauungsorgane vitech undret aut du. 96);,.. Wie schwer das seitens ir####n 10 ist da: zif, zu achten, ob die Kinder im Hause der Eltern oft..... zu vermeiden ist, das sehen wir an dem Fall der böser Wille.sons..“ liest ja nicht einmal mon Altobol. Unverstand vor, ader es gilt auch von Denen ulsge. das Wort Goethes im„Faust“: „Den Teufel spürt das Völkchen nie, er sie beim Kragen hätte. Und wenn Abonnementößer: für Bielefeld und Umgeg wie bei sämtlichen Agent. ins Haus gebracht 60 Pfg. lich. Durch die Post 1.80 Mk. vierteljährlich Bestellgeld. Einzelnummer 10 9 Erscheinungstag mit Ausnahme der Son Feiertage täglich nachm Fernsprech=Anschluß Nr Nr. 96. Die heutige Die konsern in d Die Konservativen Finanzkommission des Graf Westarp ausgea Nachlaßsteuer durch e eingereicht. Der Antr. derungen abgesehen, vö der„Konservativen Ko wurf. Dem konservativen deutung bei, als die wollen: es handelt si Bülow, der soeben noch ablassen zu wollen. 1 Konflikt zum Austrag mittag in der Finanzko# der Branntweinsteuer. komplizierten Vorlage Anspruch nehmen. Da sitzung der Abg. Roesich Branntweinsteuervorlat ordnung der nächsten setzen, die von der Regi steuer verlangt. In der heftigen Ge Verlangen der Konserv sagt, daß sich ihr Vorge manöver qualifiziert;: hätte, wohin die Reisef Zentrums ersehen müs ergreift, Bülow ein Schwierigkeiten zu ma unterstützte das konser auch mit Hilfe des Zer vative Geschäftsordnun Einschränkung, daß erst schnitt des Branntwein Die Regierung hat vativen Antrag genomn Allgemeine Zeitung" bis „Reichsbote“, in dems die aus der Nähe der gegen den Gedanken de zuwachssteuer sei für die die Schwankungen ertre sind, und nur durch die geschaffen, auf denen sich baut. Die ländlichen( lebhaft gegen eine Beste sie habe der Wertzuw konservative Antrag hab das flache Land zu hoch Zuwachssteuer auf Wert papiere in Betracht komn tungen unterworfen sei, sehr schwierig gestalte. sitzer solcher Wertpapier Verluste erleiden. Der trag der Zuwachssteuer Inseratensteuer, sonder: das möglich sei, sei sehr die Lichtsteuer durch ein auch die Wertzuwachsste Wenn das auch kein darf doch, zusammengeh der letzten Tage, angen konservativen Antrag be Gesetzentwurf im Sinn dann die konservative Fr steuer, und das Zentrun die Konservativen darit Loch in der Finanzrefor Lateins. Was dann?— Nun, gängen des Reichstags Frage diskutiert und wi lösung des Reichstages! Steuerbegeisterung der Auflösung als letzten Ar Ueber den Verlauf d mission geht uns folgend Die preisverteuernd hringt natürlich erschwei auch die Steuer auf Trinkbranntwein bleibt von denaturiertem Spiri Finanzkommission ab, die keiten auszugleichen. E Uungen, weil die Preisvei