der. sorgehobenen Verein. ealorganisationen an: rbeiter=Sänger=Bu### kampstraße. r. Kampftraße. Apenbrink, Herforder. e Kahl. Derforderstr. jau, Heeperstraße. Wirt Bokeutamp *„Einigkeit“ 9 Uhr Vorwärts“ in dor Trockenhof). 4 bei Karl Schröder. urnerschaft 121/2—2½ t Bielefeld". lhr bei Viertmann, Auf“ 9 Uhr bei 8½ Uhr. Karl Voß, Langestt werden im Bereiche ihre in nachstehender einbrink(für die Gest und Tutzen.) am hause des Gastwirts a, Overlübbe, Unterlücke), am 19. April, Amtsbezirk Hartum; Rejeroe der gesamten hr, für die Landwehr des Gastwirts Kruse n, Meßlingen, Stemgs 9 Uhr. Trane(für die Gen. Todtenhausen und Uhr. lönges(für die Geri Schlüsselburg) am zemann(für die GeIlserheide, Jössen, ifeld, Windheim und lhr, für die Reserven nittags 3½ Uhr, für rve. Langemann(für die eteln, Väpinghausen, April, vormittags itaillons Infanterie. en Stadtbezirk MinApril, nachmittags anterie und Reserde Uhr, für die Reserve am 24. April, vorfgebots der gesamten hr. für die ErsatzUhr r F r i e d r i c h“( f ü r d i e olzhausen 1, Lerbeck. seln und Vennebeck ie Reserve der Proam 26. April, vorrie ersten Aufgebots de und die Ersatzhr, für die Reserve waffen, ausschließlich mmert(für die Geeld, Veltheim und Bürgermeisteramt ehme, Niederbecksen isen, Volmerdingsen, a) am 27. April, rovinzial-Infanterie rm. 10 Uhr, für die nd Landwehr ersten u. 11½ Uhr, für die Spezialwaffen, aus. lags 2 Uhr, für die nen: re der Reserve und inzug, Mütze, event. 1. Aufgebots, sowie samten Waffen. hbarkeit, auf Reklaer beendeter Dienstzinvaliden und RenOber oder als zeitig feldMannschaften der em Jahrgang). ontrollversammlung m ihr Wohnort gerten kann nur mit lngabe der Gründe en. ng tritt nur in ganz nzirkskommando verTage vor Abhaltung er Beifügung bes erden und auf die er Amt, bei Angebeglaubigt sein. schuldigung und untraft. ndert ist, hat vorher laubigtes ärztliches reinlichem Anzuge tabe. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“. A. Gerisch& Co., Wielesekd. 9244 (Oehe Nr. 80. Bielefeld, Montag, 5. April 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Herr von Einem auf dem Kriegspfade. Ein früherer süddeutscher Offizier schreibt dem„Vorwärts“. aachträglich zu den Reichstagsdebatten über den Militäretat: Untertänig und bescheiden wie das offizielle Bayerntum vor dem offiziellen Borussentum zu sein pflegt, hat der bayerische Militärbevollmächtigte am 16. März er. im Reichstage gesagt, er wolle die Ausführungen des Abg. Häusler nicht widerlegen. Das würden die Herren der preußischen Heeresverwaltung schon besorgen, und bei ihnen sei es auch in viel besseren Händen als bei ihm selbst. Am nächsten Tage ergriff Herr von Einem das Wort und bewies wieder einmal, welch ein Lumen das jetzige Haupt der preußischen Militärverwaltung ist. Die herrlichste Blute dieser rednerischen Leistung war die Art und Weise, in der der Kriegsminister die Geheimhaltung der Qualifikationen der Offiziere zu rechtfertigen suchte. Zuerst meinte er, das bisherige geheime Verfahren bringe die Gefahr, daß ungerechte Beurteilungen vorkommen, nicht mit sich, denn die qualifizierenden seien„ehrliche, anständige und nach ihrem ganzen Charakter gefestigte Menschen".(Stenogr. Bericht Seite 7536.) Einige Minuten später aber traute er diesen ehrlichen, anständigen und nach ihrem ganzen Charakter gefestigten Menschen eine Handlungsweise zu, die man weder offen noch ehrlich nennen kann. Er meinte nämlich, daß, wenn den Qualifizierten ihre Qualifikationen mitgeteilt würden, sich eine Situation ergäbe, die er rörtlich wie folgt beschrieb., ,, 3gericht, würk Gusach „Die Folge derartiger Qualisikationsverichte würde einfach die sein, daß neben den öffentlichen Qualifikationsberichten noch andere herliefen. Das würde die Folge sein, meine Herren! Der betreffende höhere Vorgesetzte wurde sich den Oberst herannehmen und einfach sagen:„Ja, Sie haben ihn ja sehr schön qualifiziert, aber wie ist er denn eigentlich?“(Stenogr. Bericht So sehen also im Königreich Preußen nach der Anschauung des Herrn Kriegsministers von Einem, genannt Rothmaler, die Offiziere vom Regimentskommandeur aufwärts aus! Fühlt ein Regimentskommandeur die Pflicht, einen ihm untergebenen Offizier ungünstig zu qualifizieren, so hätte er, wenn die Qualifikationen öffentlich wären, nach Herrn von Einem wahrscheinlich nicht die Courage, dem betreffenden Untergebenen ehrlich ins Gesicht zu sagen:„Ich habe an Ihnen das und das beobachtet und bin daher gezwungen, Ihnen das und das in die Qualifikation zu schreiben“, sondern er würde— wieder nach Herrn von Einem— dem Offizier eine vorzügliche Qualifikation ausstellen, sie ihm vorlesen und dann neben dieser brillanten Qualifikation eine geheime abgeben, in der der Offizier getadelt würde. Und Regimentskommandeure, denen er ein solches Verfahren zutraut, nannte der preußische Kriegsminister, einige Minuten vorher„ehrliche(wohlgemerkt ehrliche!), anständige und ihrem ganzen Charakter gefestigte Menschen“. Aber es kommt noch netter! Nach der Anschauung des Herrn t. Einem würden die Vorgesetzten der Regimentskommandeure in dieses hinterhaftige Verfahren nicht mit einem Donnerwetter dreinfahren, sobald sie davon Kenntnis erhalten. Nein: sie würden ihn mit Gott für König und Vaterland dulden und ihn sogar mitmachen. Da sie— immer nach Herrn von Einem— genau wüßten, daß die Regimentskommandeure imstande sind, mit voller Ueberlegung jalsche Qualifikationen auszustellen und zu unterschreiben, würden sie die Herren fragen, wie die Qualifizierten wirklich sind. Einen solchen moralischen Saustall hält der dermalige kgl. preußische Kriegsminister unter den höheren und höchsten preußischen Offizieren nicht nur für möglich, sondern, wie aus seiner Rede hervorgebt, sogar für unausbleiblich! Und zwar ist ihm diese reizende Schilderung nicht in der Hitze des Gefechts herausgerutscht. Er hatte vielmehr 24 Stunden Zeit zur Vorbereitung auf seine Rede. Nach dieser Glanzleistung der jetzigen preußischen Kriegsexzellenz muß man den preußischen Offizieren zu dem ausgezeichneten Advokaten, den sie in ihrem Minister besitzen, wirklich gratulieren..„ gast zuasizziert wirh Wenn übrigens jetzt so gewissenhaft quatifizier# wird, wie ist dann möglich gewesen, daß der bekannte Rittmeister v. Krosigk an der Spitze einer Eskadron blieb? Und wie ist es dann zu erklären, daß Prinzen in einem Alter, in dem andere Offiziere erst Kompagniechef sind, schon Divisionen und Armeekorps kommandieren? Hier sind doch nur zwei. Mögsichkeiten denkbar: entweder ist das höhere militärische Handwerk nicht so schwierig; dann können aber die Massenpensionierungen in den mittleren und höheren Charoen nur durch ungerechte Qualifikationen inszeniert werden. Oder es ist schwierig; dann aber wäre es bei einem nur auf Gerechtigkeit und Gewissenhaftigkeit basierenden Qualifikationssystem ausgeschlossen, daß Prinzen mit 35 Jahren an der Spitze von Armeekorvs stehen. Gänzlich unbekannt ist Herrn von Einem die Bevorzugung des Adels in der Armee. Man darf ihm mit statistischen Zahlen kommen, man darf ihm zahlenmäßig nachweisen, daß der Prozentsatz des Geburtsadels in den einzelnen Offizierschargen um so größer wird, je höher die Charge ist. Macht nichts, die Kriegserzellenz weiß von nichts, ja sie fordert den, der die Zahlen zitiert hat, entrüstet auf, seine, Behauptung, daß der Adel in der Armee protegiert werde, schleunjast zurückzunehmen. Ein zweifellos sehr einfaches Verfahren! Es ist halt einmal so, daß der Adel von Natur aus viel gescheiter ist als Menschen bürgerlicher Herkunft. Für die Richtigkeit dieses Satzes stellt Herr von Einem selbst ein weithin leuchtendes Beispiel. Der Kriegsminister hat bei der obenerwähnten Gelegenheit dem preußischen Adel einen Lorbeerkranz gewunden. Erstens läßt der vreußische Adel sich für die Leistungen seiner Vorfahren heute noch alänsend honorieren. Zweitens sind die berühmtesten und bekanntesten vreußischen Militärs überhaupt nicht dem preußischen Adel entsprossen. Derfflinger, dessen Herkunft nicht vellkommen feststeht, war auf jeden Fall kein preußischer Junker, Blücher war ein Mecklenburger, Gneisenau ein Sachse, Scharnhorst ein Hannoveraner. Yorks Abstammung ist ebenso wie jene Derfflingers. nicht sicher. Darüber, daß er kein vreußischer Junker war, kann freilich kein Zweifel sein. Moltke war ein Mecklenburger. Ja selbst Herr v. Einem, derzeit General und kgl. preußische Kriegserzellenz, hat nicht die Ehre, zu den preußischen Junkern zu gebören. Sein anerstammter— oder wie Heine sagt— angestammelter König ist bekanntlich der letzte König von Hannover gewesen. Unseres Wissens ist sein Vater für diesen König bei Langensalza sogar gefallen, nicht ahnend, daß sein Sohn 40 Jahre später das preußische Schwert, das ihm selbst das Leben gekostet hat, schleifen werde. Von jener sattsam bekannten Ueberhebung, jener sattsam bekannten Ueberhebung, die preußische Offiziere manchmal zur Schau tragen, zeugten die Ausführungen, die Herr von Einem der Forderung des Abgeordneten Häusler, daß die aktive Dienstzeit der Kavallerie auf zwei Jahre reduziert werde, entgegenietzte. Die Erfahrung lehrt zur Genüge, daß die Zunftmilitärs stets ein heftiges Oppositionsgeschrei loslassen. wenn von der Abkürzung der aktiven Dienstzeit einer Waffe gesprochen wird. Ist die Verkürzung aber dennoch eingetreten, so lehrt die Praxis, daß sie gar nichts geschadet hat. Da jeder Blamierte das Recht besitzt, noch längere Zeit zu schimpfen und die Kassandra zu spielen, so verhalten die Zunftmilitärs sich noch einige Jahre nach der Einführung der kürzeren Präsenzzeit skeptisch, bis auf sie niemand mehr hört. Das ist der gewöhnliche Lauf der Tinge. ge gf..“, Herghiehute der at Hätte der Abgeordnete Hauster die Herabsetzung der attiven Dienstzeit der Kavallerie auf acht Wochen verlangt, so würde die Erwiderung des Kriegsministers berechtigt gewesen sein. Aber Herr Häusler tritt für eine zweijährige Präsenzzeit ein. Da Herr von Einem fragte, ob Herr Hausler selbstverständliche Dinge nicht wisse, so wollen wir ihn auch einiges fragen. Weiß er denn nicht, daß in den deutschen Manövern auch die Kavalleristen des ersten Jahrgangs, also junge Männer, die erst seit elf Monaten auf dem Pferde sitzen, die gewagtesten Attacken und Patrouillenritte reiten? Oder wird im Manöver vor einer Attacke vielleicht befohlen:„Erster Jahrgang austreten“? Und werden in den Krieg nur die Kavalleristen, die im dritten Jahre dienen, mitgenommen? Läßt etwa Herr von Einem die Leute des ersten und zweiren Jahrgangs zu Hause? Diese Fragen mag der Kriegsminister sich selbst beantworten. Schwierig ist es ja nicht. Und wenn er die Antwort gefunden hat, mag er mit seinen Verstandeskräften darüber nachdenken, ob der Gedanke, die Präsenzzeit der Kavallerie auf zwei Jahre zu reduzieren, wirklich so blödsinnig ist, wie er ihn hinzustellen versüchte Dir Inlanz drs bosnischen Abrnienrts. P. Wien, 2. April. „Alle guten Oesterreicher loben ihren Aehrenthal. Die offiziösen Zeitungen preisen ihn als den Sieger über Rußland und England und Serbien, und alle Schwarz=Cielben jubeln, daß Oesterreich endlich wieder eine Rolle unter den Großmächten spielt. Aber leider gibt es solcher guten Oesterreicher, solcher schwarzgelben Patrioten nicht sehr viel, und die Bevölkerung hatte in diesen Tagen nur ein Gefühl: Das Gefühl der Freude, daß der Krieg vermieden wurde. Selbst in Wien, wo die einzige patriotische Partei des Reiches, die Christlichsozialen, ihren Sitz kuren haben, herrschte dieses. Gefühl vor, und zu derselben Zeit, da die nuch 1 Christlichsozialen im Parlament mit dem Sävel rasselten und so taten, als ob das Volt keine andere Sorge habe, als den Uebermut der Serben zu züchtigen, konnte man beim Abmarsch der Wiener Truppen nach Bosnien nichts weniger als eine kriegerische Stimmung bemerken. Die Soldaten wurden zu der Bahnhöfen von Tausenden von Personen begleitet, die ihrer bangen Sorge Ausdruck gaben, ob sie ihre Angehörigen, denen sie jetzt das Geleit gaben, wiedersehen würden. Nicht ein einzigesmal kam es dabei zu patriotischen Kundgebungen, wie sie wohl unvermeidlich geweien wären, wenn die Politik Aehrenthals in der Bevölkerung Widerhall gefunden hätte. Bestenfalls nahm man die letzte Phase des Konflikts, die Mobilisierung, als einen Akt der Notwehr hin, zu dem man durch die serbische Aufregung gezwungen wäre. Aber als die Spannung am größten war, als der Krieg unvermeidlich schien, da gab es gar wenig Begeisterung für Aehrenthal und sein Werk. Nun kann man auch endlich genau übersehen, was Oesterreich und seine Völker von der Annektion Bosniens und der Herzegowina profitiert haben. Selbst vom Gesichtspunkte der Großmachtspolitik aus betrachtet hat das bosnische Abenteuer sonderlich viele Erfolge gebracht. Ernsthaft mußte das 50=MillionenReich die Chancen eines Krieges gegen den 3=Millionen=Staat erwägen, mußte sich der Großstaat vor seinem Zwergnachbarn durch einen Militärkordon schützen, mußte eine viertel Million Soldaten nach Bosnien schaffen, mußte sich alle Beschimpfungen ruhig gefallen lassen und mußte es schließlich als Triumph ansehen, daß Serbien die Annektion anerkannte. Aber immerhin mag vom Standpunkt der Prestigepolitik aus das Ende ein Erfolg Oesterreichs sein, immerhin mag die Tatsache, daß Serbien wieder einmal die Treulosigkeit der rutsischen Politik erkennen konnte, die den kleinen Staat in die Rüstungen und Schulden hineinsetzte, um es dann schmählich im Stich zu lassen, für die österreichische Balkanpolitik günstig sein— wenn auch die Geschichte lehrt, und wie die österreichischen Staatsmänner aus Dr. Wladen Georgewitschs Broschüre über die„Serbische Frage“ ersehen konnten, daß alle Treulosigkeiten Rußlands Serbien aus der„russischen Hypnose“ nicht zu befreien vermochten. Aber für die Völker Oksterreichs stellt sich die Rechnung noch viel trauriger. Die Proklamierung der Annektion wurde von der Türkei mit dem Boykott der österreichischen Waren beantdieser Verlegenheit hatte entrinnen wollen, mußte lich dann doch vor der Geschicklichkeit der Jungtürken die Segel streichen und mußte sich zu einer regelrechten Kriegsentschädigung von 55 Millionen Kronen(46 Millionen Mark) bequemen. nicht gerechnet die Belastung der österreichischen Industrie durch die Zustimmung zur Erhöhung der türkischen Zölle. Aber das war nur das Vorsviel. Was der Konflikt mit Serbien gekostet hat, läßt sich vorläufig auch nicht annähernd berechnen. Nun stand Oesterreich plötzlich mitten in wirklichen Kriegsrüstungen: in Rüstungen zu einem Krieg nach zwei Fronten. An der russischen Grenze mußten alle Besatzungen verstärkt werden, in Bosnien wurde ein kolossales Kriegsheer zusammengezogen, und zugleich in ganz Oesterreich alle Garnisonen verstärkt, um jeden Augenblick genug Reserven bereit zu haben. Die österreichische Heeresverwaltung benützte die Gefahr des drohenden Krieges, um, was es in Friedenszeiten von den Parlamenten nicht bewilligt erhielt, nun ohne Parlament sich selbst zu bewilligen. Kanonen und Gewehre und sonstiges Kriegsmaterial wurden angeschafft. und niemand fragte, wer das Geld hierfür bewilligt habe. Ein bürzerliches Blatt hat schon vor einem Monat berechnet, daß eine halbe Milliarde ausgegeben und um weitere 300 Millionen Kronen Bestellungen gemacht worden seien. Vorläufig hat man sich damit beholfen, daß man die in den Zeiten der Hochkonjunktur angesammelten Reserven in den Staatskassen ausplünderte: hat doch die Regierung gegen den ausdrücklichen Wortlaut der Gesetze in Oesterreich allein um 220 Millionen Kronen Schatzscheine ausgegeben, wofür sie allerdings unter dem Drucke der Kriegsgefahr von der Parlamentsmajorität eine stillschweigende Indemnität erhielt, da diese es ablehnte, sich in eine Prüfung der Verfassungsmäßigkeit dieser Schatzscheine einzulassen. Aber schließlich und letztlich wird auch der militärische Absolutismus das Parlament nicht umgehen können, und er wird nicht nur die Bewilligung der bisherigen Ausgaben, sondern auch die schon jetzt geplante Vermehrung der Rekrutenzahl vom Parlament ansprechen müssen. Dann werden die Völker dieses Staates genau berechnen können, was die Schaffung einer„klaren, unzweideutigen Rechtsstellung“ Bosniens und der Herzegowina, die Umwandlung der Okkupation in eine Annektion, was diese Abänderung sie gekostet hat. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Konkurrenzkampf unter den liberalen Parteien des Blockes. Die Nationalliberalen haben durch einige Reichstagsabgeordnete in Stettin und der Provinz Pommern Versammlungen abhalten lassen. Darüber ist die„Liberale Korrespondenz“ (Freisinnige Vereinigung), Nr. 67 vom 1. April, sehr entrüstet; sie schreibt: „Dcit Recht wird das Vorgehen der Nationalliberalen in Stettin von freisinniger Seite als Brüstierung empfunden. Es kann nur der Sozialdemokratie und der Reaktion dienen.“ Und ein pommersches Freisinnsorgan, die„Ostseezeitung", „Bisher konnten wir leider nur erkennen, daß das Auftauchen der nationalliberalen Sonderbestrebungen in den Pommerschen Wahlkreisen lediglich der Rechten Wasser auf ihre Mühlen leitete, und das kann unmöglich im Sinne der nationalliberalen Parteileitung liegen...“ Zur Arbeitslosenversicherung. Im bayerischen Ministerium des Innern fand am 30. März eine von der Regierung einberufene Konferenz von Vertretern bayerischer Städte, der Geerkschaften und der Unternehmerverbände statt, die sich mit beerstatut für eine kommunale Arbeitslosenvernicherung ausarbeiten lassen. Ein Vertreter der Industriellen erklärte, er müsse entschieden warnen vor allen Maßnahmen, die geeignet seien, die Sozialdemokratie zu stärken. Zu solchen„gefahrlichen“ Maßnahmen sei auch die Einführung einer staatlichen oder kommunalen Arbeitslosenversicherung zu rechnen. Die Verteidigung der Ministerstürzer. Den Grubenherren ist es außerordentlich unangeneym, daß ihre geheime Tätigkeit, die sich gegen den preußischen Handelsminister Delbrück richtete, an die Oeffentlichkeit gezogen worden ist. Die„Berliner Neuesten Nachrichten“, ein Blatt, das vom Großkapital ausgehalten wird, mussen sich der Aufgabe unterziehen, die Ränkespinnerei der Grubenbarone zu rechtfertigen. Das Blatt behauptet, es sei das gute Recht der Grubenbesitzer, in vertraulichen Besprechungen darüber zu beraten, ob Herr Delbrück der geeignete Mann ist, ein Ministerium zu leiten, dessen Entscheidungen von weitestgehendem Einfluß auf die Wohlfahrt des gesamten Reiches sind. Das Blatt sagt dann: „Die Maulwurfgänge, welche das Zentrum mit seinen Intriguen gegraben hat, um den Kanzler zu stürzen, die donnernde Entrüstung der Liberalen, das wüste Geschimpfe und die unbedenkliche, skrupellose Verleumdung der Sozialdemokraten, alle diese schlechten Sitten kann man den Bergherren nicht zum Vorwurf machen.“ Es habe sich um weiter gar nichts gehandelt, als den Bergherren die Autorität in ihren Betrieben zu sichern. Eine Kontrolle von sozialdemokratischen Arbeitern konnten sie sich unter keinen Umständen gefallen lassen. Wenn man in den Betrieben der Heeresverwaltung Kontrolleure aus den Reihen der Soldaten wählen wollte, so würde sich die Verwaltung das sicher nicht gefallen lassen. Weshalb also sollen gerade die Bergwerksbesitzer mit einer Kontrolle einverstanden sein? Herr Delbrück habe als Veranlassung der neuen Berggesetznovelle das Unglück auf Zeche Radbod angegeben, obwohl damals noch gar nicht feststand, worin die Ursache der Explosion zu suchen war. An den von der sozialdemokratischen Presse veröffentlichten Tatsachen wagt das Blatt der Grubenbarone nichts abzuschleifen. Hungersnot in Deutsch=Ostafrika. Die„Deutsch=Ostafrika= nische Rundschau" teilt folgendes mit:„Von der Hungersnot am meisten heimgesucht sind die östlichen Landschaften Gaseni, Useri und Dolole; auch in Matschani, Keni und Kerua sind die Nahrungsmittel knapp. aber eine wirkliche Hungersnot ist dort nicht eingetreten. Grund der Hungersnot ist die schon seit zwei Jahren anhaltende trockene Witterung. Am östlicher Kilimandscharo wurden bisher nur Bananen angebaut. Die Banane hält bei mangelnder oder schlechter Feuchtigkeit zwar eine Zeit lang aus, dann aber versagt sie gründlich und erholt sich nur langsam. Die Eingeborenen haben selbst einen großen Teil ihres Viehes verkauft, und zum Teil zu Spottpreisen. Die Verteilung von Lebensmitteln hat bereits Anfang Februar be„Ersparnisse“ beim Etat. Der Reichstag hat bei der Etatsberatung in diesem Jahre insgesamt 15 395 155 Mark gestrichen, und zwar rund 10 Millionen im Etat für das Reichsheer, 5 Millionen im Postetat, der Rest verteilt sich auf die übrigen Etats. Statt 2865 409 018 wurden nur 2850 018 863 Mark bewilligt. Ueber die staatliche Pensionsversicherung der Privatangestellten soll demnächst eine zweite Denkschrift der Reichsregierung erscheinen. Das Beitrittsalter soll— wie verlautet— auf 16 bis 60 Jahre festgesetzt werden. Von der Beschränkung der Versicherung auf Angestellte mit nicht mehr als 5000 Mk. wird abgesehen, es sollen vielmehr aus versicherungstechnischen Gründen sämtliche Angestellte der Versicherung unterworfen werden. Ebenso soll die Hinterbliebenenpension sämtlichen, nicht nur den und erwerbsbeschränkten Witwen zustehen. Der Beitrag soll 8 Prozent des Einkommens betragen, darf jedoch bei den Gehältern vis zu 1800 Mk. zusammen mit der Invalidenversicherung nicht 10 Prozent übersteigen. in einem Saale des Ilegen sich. Aut dem gestern in Verlin tag erfalgte die Gründu seordnetenhauses abgehaltenen Richtertug Erfdigle die Grünbung eines preußischen Richtervereins. Die„Sammlungen“ in Lüdenscheid. Das Organ des Fürsten Bülow, die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung", druckt in Nr. 74 aus der„Kölnischen Zeitung“ eine pcotiz an wynack die S#ialdemakratie in Ludenscheid Zeitung", druckt in..„aus der„Kölnischen Zeitung“ eine Notig ab, wonach die Sozialbembrrane in Labenscheib eine neue Terrorismus übe. Um die Mittel für die Errichtung genen Druckerei aufeuhring. Die Politik in der Fortbildungsschule. #s OSesßat Herein Lebatte im Weimarischen Landtage über Tummsuns# der Beteiligung der Fortbildungsschüler an den Turnstunven der Arbeiter=Turnvereine erklärte der Staatsminister, daß es das Bestreben der Regierung sei, die Fortbildungsschüler von den parteipolitischen Einflüssen fernzuhalGenosse Baudert die Anfrage an die Regierung, ob es ihr bekannt sei, daß in der Fortbildungsschule in Weimar durch die Lehrer der Volkskalender des Reichsverbandes verteilt worden sei. Zukunft hulden weste“ die Großberzogliche Regiterung es in politischer Kämpfe werde. Tummelplatze Jetzt hat der Herr Staatsminister— nach reichsich vier cber. kurz vor Weibnachten d. J. der von dem Die lautet: urt von Terrorismus übe. Um die M einer eigenen Draurtel aufzubringen, sammelten die sozialdemokratischen„Gründer“ ohne Ansehen der Partei bei den Geschäftsleuten der Stadt.„Viele Geschäftsleute"— so heißt es in der Verdächtigung—„sind dadurch so eingeschüchtert wor300g Mart a.ge sahlt haben. Die Genossen rühmen sich, schon Goo0 Mali aus den bürgerlichen Taschen gezogen zu haben.“ Die sozialdemokratische Preßkommission in Lüdenscheid hat dem dortigen„Generalanzeiger“, der zuerst die Unwahrheit verWo hen— die Antwort auf diese A band zur Mat“ pf.. S.0. en Reichsvera# Berampfung ver Sozialvemokratie herausgigebene Volstalender an hiesige Fortbildungsschüler durch den Rektor verteilt worden ist, ist den Schulbehorden erst jetzt bekannt gedie Schulverwaltung auf dem StandEchise##rn zwar alle parteipolitischen Bestrebungen von der Schale(ruzuhalten sind, daß es aber andererseits Pflicht der Schule ist, die Jugend zur Vaterlandsliebe und zur Achtung vor der bestehenden Staatsordnung zu erziehen, und allen entgegengesetzten Bestrebungen mit Entschiedenheit entgegenzuNotwendigerweise müßte hiernach insbesondere auch gegen die Versuche, die sozialdemokratische Zeitschrift„Arbeiterwer unter Fortbildungsschüler zu verbreiten, eingeschritten Der weimarische Staatsminister hat es vorgezogen, sich um die Kernfrage, ob die Schulstube zum Tummelplatze des politichen. Kampfes gemacht werden soll, zu drücken. Daß die VerFortibichungsschüf beiter=Jugend“ in größeren Umnfange an die ". felhst d:“ gikische Verhezue ie mehr innerhalb der Schule stlost die volllische Errhetzung betrieben wird, daran kann auch der weimarische Staatsminister nichts ändern. Denn diese Verbreitung wird außerhalb der Schulstube vor sich gehen, gegentritt auc die Regierung mit größter Entschiedenheit entoffentlichte, die folgende Berichtigung zugesandt: 1. Es ist unwahr, daß irgend einem Geschäftsmann gesagt worden ist, die Namen der Spender sollten in der„Volksstimme“ veröffentlicht werden. 2. Es ist unwahr, daß irgend einem Geschäftsmann auch nur indirekt mit einem Boykott gedroht wurde. Wahr dagegen ist, daß die Anregung, auch die Geschäftseine Zuwendung zu ersuchen, von einem Geschäftsmann selbst ausging, und wir einem jeden Geschäftsmann ausdrücklich betonten, daß wir eine Zuwendung nur als freiwillige annehmen würden und eine Ablehnung in keiner Weise irgend welche Folgen haben würde. Es ist unwahr, daß die Geschaftsleute 8000 Mark gezeichnet haben. 5. Wahr dagegen ist, daß der gesamte, von Geschäftsleuten gezeichnete Betrag etwa 150 Mk. beträgt, und die übrigen Gelder lediglich von der Arbeiterschaft allein ausg.bracht wurden. Mit vorstehenden Ausführungen fallen also die auf Grund von falschen Jaformationen gezogenu Schlußfolgerungen des „Generalanzeiger“ auf„sozialdemokratischen Terrorismus“ und dergleichen zusammen. Ueberdies bringt die Volksstimme“ erneuten Verdächtigungen gegenüber in ihrer Nummer vom 29. März 1909 noch die folgende Erklärung: „Wir erklären hiermit öffentlich, daß von der mit der Finanzierung unseres Unternehmens beauftragten Instanz niemandem eine Weisung zur Sammlung in der geschilderten Weise erteilt wurde, und daß es uns auch bis jetzt trotz aller B mühungen nicht gelungen ist, den„terrorisierten“ Geschäftsmann und die„Terroristen“ ausfindig zu machen. So muß das Blatt des deutschen Reichskanzlers auch diese neueste Terrorismuslüge zu den übrigen legen. sagen:„Für den Geldbeutel der Angestellten ist es besser „„e nicht zu zu wenn sie zu viel freie Zeit haben“. der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 5. April. Gesperrt! Uns wird geschrieben: rer schönen Besitzung eas unheimliche Schild Intgegen Indessen: Was man auch gegen die unangeneyme Sch einwenden mag,— den einen Vorzug hat sie jedenfells. ehrlich und sagt beizeiten dem Wanderer, daß er umkehre Eine, Liebesgabe an die Berufsgenossenschaften. Dem Reichstag wird demnächst ein Gesetzentwurf zugehen, der eine andere Regelung im Rechnungswesen der Berufsgenossenschaften bezweckt und der gleichzeitig mit den neuen Steuergesetzen erledigt werden soll. Das Unfallversicherungsstz legt. denz„Reich, die Pflicht, auf, die Unfallrente vorschußwel zu bezahlen. um Jahresschluß wird s 9 genossenschaft itgeteil „ellrent: f.— das#; welchen Betrag für verauslagte Unsautente sie un dus Reich zu zahlen haben. Diese Summe ist dann in der Regel auf dem Wege des Umlageverfahrens aufgebracht worden. Das Reich ist durch diese vorschußweise Beder Renten um so schwerer getroffen worden, als die verfügbaren Mittel nicht einmal zur Deckung der laufenden Ausgaben des Reiches hinreichend waren. Die vom Reiche auf Rechnung der Berufsgenossenschaften geleisteten Verschüsse beziffern sich im Jahre 1908 auf 157488494 Mark. Diese Vorschusse konnten nur im Wege der Begebung von Schatzanweisungen aufgebracht werden. Den Diskontaufwand, der 1908 Millionen Mark stieg, hatte das Reich zu tragen. Mit diesem System soll nun gebrochen werden. Künftig sollen die Berufsgenossenschaften dem Staate Vorschüsse in der Höhe des mutmaßlichen Rentenbedarfs zahlen. Die Berufsgenossenschaften verfügen nun aber nicht über hohe Vermögensbestände. Die Regierung meint, es sei eine unbillige Härte, wenn man England. ac. Das Flottenfieber und die Sozialisten. Der„Labour Leader“ von dieser Woche geht scharf mit den Genossen Hyndman und Blatchford ins Gericht. Diese bleiben nämlich bei ihrer eigentümlichen Taktik, den Krieg mit Deutschland als unvermeidlich hinzustellen. Der„Clarion", das Organ Blatchfords, schrieb letzte Woche in großen Lettern über den„deutschen Krieg". der sicher und in allernächster Zeit kommen werde. Es ist selbstverständlich, daß weder Hyndman noch Blatchford den Krieg wünschen, daß sie ihn hassen, wie alle anderen Sozialdemokraten; ihre Auffassung zeht dahin, das offizielle Deutschland strebe die Suprematie auf der See und die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft an. Zweifellos hat Deutschlands Verhalten dieser Auffassung, die in weiten Kreisen verbreitet ist, reichlich Nahrung gegesen, das darf aber Sozialisten nicht veranlassen, den Ruf nach mehr „Dreadnougths“ und sonstigen Rüstungen zu unterstützen. Die zenannten Genossen werden hier zu Schwurzeugen der Flotten„wärmer und kapitalistischen Interessenten. Durchaus richtig ist dagegen die Haltung der Arbeiterpartei. die der mißleiteten Volksstimmung keine Rechnung trägt, die den Mut besitzt, sich dem allgemeinen Taumel entgegen zu stellen. Unsere Pflicht ist es— so schreibt„Labour Leader“— den begen di Sssschung P### sch Widerstand, gegen die Panik, negen die Falichungen zu organisieren. Krieg mit Deutschland sei durchaus die Veruisaerusgnrschort, sei, eine unhilige Härte, venn mat Fie Ert#sgenossenschuften zwingen woule, etwa am 31. DezemMpägionen a Peich geleisteten Vorschüsse in Höhe von 165 Geich für 1car“ an das Reich zu zahlen und gleichzeitig dem Steih fu. 1910 Vorschüsse in Höhe des mutmaßlichen Bedarfs zur Verfügung zu stellen. Um die Industrie zu schonen, ist nun das Reichsschatzamt auf folgenden Ausweg verfallen: Am 31. Dezember 1909— dem Ende der Vorschußleistung durch das Reich— schulden die Berufsgenossenschaften dem Reich etwa 165 Millionen Mark. Dieser Betrag soll nun nicht in einer Summe zurückgefordert, sondern in eine Schuld verwandelt werden und mit 3½ Prozent verzinst und ferner mit 3¼ Prozent amortisiert werden, so daß die Schuld in 20 Jahren getilgt wäre. Die Höhe der Verzinsungs= und der Amortisationsbeträge— pro Jahr 5.800 000 will das Reich übernehmen, das bedeutet in 20 Jahren eine Liebesgabe an die Industrie in Höhe von rund 100 Millionen Mark. „ Gegen dieses Geschenk an die Großindustrie— denn diese hätte den größten Vorteil davon— muß mit Entschiedenheit protestiert werden. * Jeg, mit Teutschland sei durchaus nicht„unvermeidlich, vie Volter wollten keinen Krieg, weder die arbeitenden Klassen, noch die Kreise des Handels und der Industrie im allgemeinen hätten ein Verlangen danach.— Die Deveschen, die in diesen Tagen zwischen der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Arbeitervartei Englands gewechselt wurden, seien eine größere Garantie für den Frieden, als 50 Riesenschiffe. Diese Meinung und die Taktik, welche die englische Arbeitervartei in der Frage befolgt, dürfte in den Kreisen der deutschen Genossen durchaus geteilt werden und Anerkennung finden. Der Standpunkt und das Verhalten der beiden oben genannten Genossen dagegen, die sich sonst in deutschen Parteikreisen der größten Anerkennung und Achtung, erfreuen, wird woh. allgemein als irrig und schädlich betrachtet werden. Kommnnales. Fromme Christen gegen die Sonntagsruhe. In der Bischofsstadt Regensburg wollte die Stadtverwaltung die Verkaufsläden am Sonntag statt um 2 Uhr mittags schon um 12 Uhr geschlossen haben. Die Mehrheit der frommen Kaufleute lehnte dies aber ab, und einer leistete sich die Unverschämtheit, Porschingt zu einer Anlenderrtsbem. (Nachdruck verboten.) In der von der Treptow=Sternwarte(bei Berlin) herausgegebenen Zeitschrift„Das Weltall“ veröffentlicht der Straßburger Gymnasialdirektor Dr. J. Bach einen lesenswerten Aufsatz über die Kalenderreform, also ein Thema, das seit Jahrzehnten aktuell ist und leider wohl auch noch recht lange bleiben wird. Es ist ja bekannt, wie einschneidende und hindernde Wirkungen die Verschiebungen ausüben, welche die Fest wechselndem Datum auf das Erwerbsleben mit sich bringen. Namentlich das Osterfest ist eine Plage für unsern ganzen Wirtschaftsbetrieb geworden, so daß sich schon seit langem Stimmen erhoben, die dem immer unertröglicher werdenden Zustande ein Ende bereiten möchten. Eine Aenderung desselben müßte natürlich mit einer gründlichen Reform unseres Kalenderwesens verknüpft sein, und das ist eine internationale Aufgabe, die bei dem mangelhaften Verständnis der überall an der Spitze stehenden chauvinistischen Hetzer ungemein erschwert ist und fast unlösbar erscheint. Die wesentlichsten Mangel unseres Kalenders beruhen auf zwei Tatsachen. Einmal auf der Unabhängigkeit derjenigen seitperioden von einander, die wir als Abschnitte im taglichen 84 L##tperjoden von einander, die wir als Archaitte im taglichen Leven benutzen, und auf der schwankenden Stellung des Osterfestes und der von ihm abhängigen Festtage. Unser Jahr ist durch die Zeitdauer des Um aufes der Erde um die Sonne bestimmt. Dieser Umlauf vollzieht sich nicht in einer vollen Reihe von Tagen, der Betrag ist bekanntlich 365 Tage 5 Stunden 26 Minuten und 46 Sekunden. Wir haben nach der letzten Gregorianischen Kalenderreform daher eine Schalteinrichtung, die die Jahreslänge in Mittel nur um 26 Sekunden falsch ansetzt, so dau sich dese##k Mittel nur um 26 Sekunden falsch anG#as ncer:„Fehler erst in über 3000 Jahren bis auf den Vellag eines Tages aufgelaufen haben wird. nicht der munger nestände daß unsere anderer Leitgbsch Man zu sich ganz gut und ausreichend, wenn b'oß a bestandig, daß unsele underen Zenabschnitte, er Ser###oche, nur beger in das Jahr hineinpaßten. Die Joo vver sob Tage eines Jahres vertragen keine restlose teilung in Wochen oder Monate, sondern das Jahr hat 52 Wochen und,1 Tag oder im Schaltjahr 52 Wochen und 2 Tage, „. buß die Wochentage sich jedes Jayr im Datum um einen Tag, im Schaltjahr um zwei Tage verschieven. Der zweite Umstand ist der. Das Osterfest und alle von ihm abhängigen Feste schwanken innerhalb eines Zeitraums von 35 Tagen, das Osterfest z. B. in der Zeit vom 22 März bis 25. April, Pfingsten vom 10. Mai bis 13. Juni. So fallen die Ostersonntage fur die nächsten Jahre: 1909 auf den 11. April 1913 auf den 23. März 1910„„ 27. März 1914„„ 12. April 1911"" 16. April 1915„„ 4. April 1912„„ 7. April 1916„„ 23. April Den Ursprung verdankt das Oster= wie das Pfingstfest der Entlehnung aus der Festordnung der Synagoge; Dr. Bach führt das des weiteren aus. „ Beide Uebelstände bringen es naturnotwendig mit sich, daß fur jedes Jahr ein neuer Kalender anzufertigen ist, der von den früheren abweicht und alle die Störungen für Handel und Wandel im Gefolge hat, die so oft schon dargelegt wurden. Will man nun eine Uebereinstimmung der Wochentage mit den Monatsdaten herbeiführen, so entsteht die Schwierigkeit, daß man nichts mit dem eine volle Woche überschießenden Tage(oder in den Schaltjahren mit zweien) anzusangen weiß. Dr. Bach schlägt vor, jedes Jahr mit einem Sonntag zu beginnen und das Gemeinjahr mit einem Sonntage, das Schaltjahr mit einem Montage zu schließen. In der Tat ist es ja an sich gleichgiltig, ob wir am Jahresschluß eine angefangene Wochenreihe abbrechen und mit dem neuen Jahre eine neue beginnen oder ob wir die alte fortsetzen. Die Verlegung des 1. Januar auf einen Sonntag und des Osterfestes auf den Anfang des April bringt den Mißstand mit sich, daß gerade an diesen Geschäftstagen das Fest sehr störend wirken würde, daß ferner an der Jahreswende unter 9, im Schaltjahr unter 10 Tagen 5 Feiertage sind, der 24., 25., 26. ezember und der 1 Januar Das läßt sich am einfachsten 31. T Ins der l. Hankur. Tür laß. sich um einrachsten Weibnachts! an en dadurch beseinigen, daß man den 2. Weinnachtslag seine, Sparakters als arveits#o##en Feiertages entkleidete, wie es schon jetzt beispielsweise in Elsaß=Lothringen der Fall ist. Doch bietet sich, um das Anhäufen arbeitsloser Tage zu vermeiden, noch ein anderer Ausweg, indem wir den überschüssigen Sonntag anderswohin verlegen. Wir machen den 2. und 3. April zum Ostersonntag, den 4. April zum Ostermontag, so daß die Osterwoche durch einen achttägigen Zeitraum ausgezeichnet ist. Das Gemeinjahr endigt dann mit einem Sonnabend am 31. Dezember, das Schaltjahr mit einem Sonntag am 32. Dezember. Dann fallen alle Hauptfeste des Jahres auf einen Sonntag, das Osterfest überragt als solches durch seinen Doppelsonntag alle anderen Feste. Wenn aber einmal eine Reform des Kalenders vorgenommen werden soll, so kann man in der Vereinfachung auch noch einen Schritt weiter gehen, indem man die 52 Wochen= 354 Tage des Jahres gleichmäßig auf die vier Quartale verteilt, so daß auch das erste Quartal 91 Tage erhält, während es in unserem jetzigen Kalender nur 90 Tage hat, wohingegen dem 3. und 4. Quartal je 92 Tage zufallen. Von den drei Monaten eines jeden Quartals erhalten die beiden ersten je 30 und der dritte(nämlich März, Wir sind es nachgerade gewöhnt, in den Straßen der Stadt das bekannte Schild mit der lategorischen Aufschrift „Gesperrt!“ anzutreffen. Jetzt, nachdem wir die Besitzung von Meyer zu Olderdissen einverleibt aben. dürfen wir uns nich: wundern, wenn uns auch vor und auf den Waldwegen unse. xer schönen Besitzung ras unheimliche Schild Intgegenstarrt. crante ne is ehrlich und sagt beizeiten dem Wanderer, daß er umlehren son auf dem Wege, den er wandelt. Und wenn diesem oder jenen esperrt“ ein wenig zu preußisch kuungt,— ja, du lieber Gott, die poetische Mahnung: Rückwärts, rückwärts. Don Po#rigo: Rückwärts, rückwärts, stolzer Cid! paßt auch nicht für jeden, denn nicht jeder ist ein Cid.— „ Also wir wünschen die Schilder, wenn die Passage der Straßen und Wige durch hohe Besuche Kanalranten, Kabelligungenn oder andere Erdbewegungen gestör wird. Dann mußte jetzt vielleicht bei Ummelmann schon uns ein„Gesperrt“ davor warnen, die Hühnenburg hinaufzupilgern,— des Erdbewegens auf den Wegen wegen. Notabene, nicht jetzt erst, sondern seit etwa einem ha ben Jahre! Solange undefähr schon kneten ein paar Männer unter dem Meyerhofe Olderdissen Erdballen zusammen, von denen bishr noch kein Mensch wußte, was aus ihnen eigentlich werden sollte. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, soll die lange Hinauszögerung der Fertigstellung dieser Erdbewegungen mit der 19. Zentenarfeier der Schlacht im Teutoburgerwalde zusammenhängen. Die Partie zwischen der Dornberger Straße und dem Meyerhof soll bei den zu veranstaltenden Festipielen bis zum Jahre 1910— die Schlacht im Teutoburger Walde war bekanntlich im Jahre 9 n. Chr.— der Sumpf sein der den römischen Heerführer Quintilius=Varus so jämm rlich betreg und von dem Tacitus— oder war es ein anderer?— in dem schönen Liede singt: Er geriet in einen Sumpf— teterätetäte, Verlor zwei Stiefel und einen S.rumpf, tetäretäte, Und blieb elend stecken! Hermann und die Cherusker und der Sumpf in allen Ehren! Wir sind die letzten, die die Erinnerung an das große Jahr nicht voll zu würdigen wüßten. Aber muß denn bei uns gerade der Sumpf sein, und dann das ganze Jahr?! Das ist denn doch wirklich zuviel Da könnten bei den— wohl nicht immer ganz freiwilligen— Proben der Rolle des Quintil'as Varus zuviele Mimen stecken bleiben und zwei Stiefel und einen Strumpf vertieren.= Und dann: Die Erinnerung an die Walldlhalla der alten Deutschen und an die Burg der Hünen ist doch auch etwas wert. Die aber wird verblassen, wenn der Sumpf bis zum Jahre 1910 Sumpf bleibt. 10 39 bitte, Herr Magistrat, nicht bis zum Jahre — Was bedeutet die Gartenkolor# für unser Volk? Zu diesem Thema schreibt uns ein Leser unseres Blattes: Sie haben durchaus recht, wenn Sie von der Errichtung von Gartenkolonien für roeiter einen gunstigen Einfluß auf die Valksgesundheit ,gecht, wenn.„von der Errichtung von Gartenkolonien für Arbener einen günstigen Ginstag auf, die Vollrgrlandhei erwarten, wie Sie das in Iyrem Artikel in der SonnavendNummer Ihres Blattes im einzelnen darlegen. Man sollte daher meinen, daß alle, die ein Interesse an der Erhaliung eines gesunden Arbeiterstandes haben, mithelfen würden, derartige Kolonien zu errichten. Mindestens dürfte man annehmen, daß niemand diesen Einrichtungen Schwierigkeiten bereitet, oder die Volks chichten, für die sie in erster Linie geschaffen werden sollen, von der Beteiligung zurückhält. Das trifft nun leider nicht immer zu, wie folgende Angaben beweisen mögen. Auf Veranlassung des verdienstvollen Gewerberats. Regierungsrat Dr. Czimatis in Vreslau wurden in Glatz(Schlesien) 34 Schrebergärten eingerichtet. Jeder Gar u wies eine Größe von 120 Quadratmeter auf, der Pachtzins betrug jährlich 15 Mk. Der Gewerbeinspektor hatte bei der Errichtung die Absicht verfolgt. Arbeiter als Pächter heranzuziehen. Er mußte jedoch balderfahren, daß Arbeiter der Einrich= tung fernblieben. Die Pächter der Gärten sind Post= und Eisenbahnbeamte und Lehrer! Es ist nicht zu bezweifeln, daß die ungünstige Wirtschaftslage, die auch in den schlesischen Industriebezirken zu bemerken war, die Nichtbeteiligung der Arbeiter zu einem Teil erklärt. Fünfzehn Mark spielen im Haushalt des Arbeiters keine geringe Moule, und in schlechten Zeiten sind sie zur Deckung der notwendigsten Ausgaben für Nahrung, Kleidung und Wohnung unentbehrlich. Aber der Gewerbeinspektor in Glatz hat noch einen anderen Grund erfahren, der das Fernbleiben der Arbeiter erklärt. Erberichtet, daß ihm ein Betriebsleiter erklärt habe, Jahresscheng esember) 31 Tage. Dann eatsteht folgendes S S 8 8 = S SSERR „ S•„ K E 99 B CSS 6#S vorstehende Tafel wie die zitierten Stellen entnehmer r mit Erlaubnis des Herrn Dr. Archenhold, des L###ausgeber? wir mit Erlaubnis der„n gen rr ver? des„Weltall“. der erwahnten Arbeit. „Die überzähligen Tage treten als 32. März und 32. Dezember und als Sonntage, die unmittelbar ohne Zwischenraum einem anderen Sonntage vorausgehen, in sinnfällige Erscheinung und prägen sich dadurch dem Gedachtnis leicht ein. Wie das Neujahrsfest(8 Tage nach Weihnachten) am Anfang des Jahres steht, so bildet die Grenzscheide des ersten und zweiten Quartals er würde nicht dulden, d günstige Rückwirkungen Das ist der Tyo de blind gemacht hat. Jede leichte Arbeit im Freien zufrischen und arbeitsfre der Unternehmer glaubt zeit, sondern auch in den „seine“ Arbeiter zu besi menschen liefert auch in daß die Arbeiter und die von dem„guten Willen Volksgesundheit zu erwar selbst in die Hand nehm — Stadttheater. An chrieben: Dienstag un stellungen statt. Das I diesen beidn Tagen ein kommt am Dienstag„Ges mit einer Aufführung d — Stondesomt der sind 201(163) Geburter 5(9) Totgeburten angez und 90(114) Aufgebotse geborenen waren 105( und von den Verstorben lichen Geschlechts. Von sonen im ersten Lebens; zwischen fünf und zwanz 17(12) zwischen vierzig hinaus wurde von 30( merten Zahlen beziehen — Zur Beilegung d gewerbe fand am Sonne dem Vorsitz des Herrn gericht eine Verhandlung statt. Es wurde eine E ausgenommen, wenn sie verbandes, dem sich die geschlossen haben, mit klärt. Ausfuhrlicher B — Polizeibericht. Sonnabend 1. der Knec § 175 R.=Str.=G.=B. 2. der Chauffeur I., gel seinem Dienstberen in mit diesem das Weite Bielefeld.„Freie abends 8½ Uhr, Brackwede. Verbank nen und Wä abends 8½ Uhr Wäschearbeiterinr Detmold. Gew.=Kar Uhr, in der„Cen Joldatar mgo. Mon Bünde. Dienstag, 6. 9 Sonneborn. Mittwoch, Referentin: Fräulei Die Tabakarbe eingeladen. s. Herford, 4. Apri gerichtes vom 2. 2 gegen die Firma J. El Der Kläger war von worden, weil er trotz Direktors am Tage de Geschäft zu kommen, er macht geltend, daß die hinreichender Grund z I. Elsbach hingegen s. März erteitte Ver wiederholten Versäumt Aussicht gestellt worder dareuf an. ob die frag worder is)) Im Ve Monatsgehat in der K * Barntrup, 4. Apri versammlung statt beschäftigte. Refekent! Freisinn. Ueckermann chlug auch gleich einen ehnte, so lief er im Se Anwesenden zur Ueber schließlich nach langem mung der Versammlun Ueckermann referierte Millionen neue Steuer sparen. Er machte au nicht nötig, daß Wagen der Generalspferde lief fäle, nicht Pferde un „erliches Mädchen noniert zu werden. Ei verlangte einen Block v Rettung Deutschlands. Genosse Schlüte: Wort in der Diskussio finanzen seit der Rei Unsinn der Referent ü wendigkeit der 500 Mi seiner Entgegnung be Nebensächlichkeiten und Er erklärte aber, Ne gegen jede Belastung wirken? * Lüdinghausen. 3. trumspartei für das Osterfest, zweiten Sonn Seine Vor 1. An der daten wird nic schluß als 32. schließzt mit S Weihnachtstag Ostern wird a 2. Der 2. zweiter Oster nannt; das E mit Sonntag. , 3. Die Mo je 91 Tage. (1. Ostersonn tag dem Dezei Quartal hat Schaltjahres. „ 4. Wie 2.: noerschüssige April überwi Tage bat stellten ist es besser chbarschaft. efeld, 5. April. en Straßen der tegorischen Aufschrift fir die Besitzung von fürfen wir uns nich: Waldwegen unse. Schild Intgegenstartt. angenehme Schrante sie jedenfalls, sie ist daß er umlehren soll n diesem oder jenen ungt,— ja, du lieber Poerige: Cid! ist ein Cid.— in die Passage der Kanalrauten, Kabelstör wird. Tann hon uns ein„Gehinaufzupilgern,— Notabene, nicht jetzt Solange ungefahr Meyerhofe Olderr noch kein Mensch ollte. Wie wir aus Hinauszögerung der r 19. Zentenarurgerwalde zu. Tornberger Straße altenden Festspielen ht im Teutoburger hr.— der Sumpf uintilius Varus so — oder war es ein täte, ipf, tetäretäte, mpf in allen Ehren! as große Jahr nicht ei uns gerade der r?! Das ist denn - wohl nicht immer Quintil as Varus d zwei Stiefel Und dann: Die lten Deutschen und etwas wert. Die s zum Jahre 1910 s zum Jahre er Volk? Zu diesem s: Sie haben durchGartenkolonien für Volksgesundheit ern der Sonnabendi. Man sollte daher Erhaliung eines geden, derartige Koloinnehmen, daß niebereitet, oder die affen werden sollen, t nun leider nicht nögen. bewerberats Re. en in Glatz(SchleGar u wies eine ins betrug jährlich Errichtung die Abehen. Er mußte r der Einrich= rten sind Post= und ige Wirtschaftslage, zu bemerken war, Zeil erklärt. Fünfters keine geringe Deckung der notund Wohnung unlatz hat noch einen n der Arbeiter ersleiter erklärt habe, entsteht folgendes S•* 2 38 S 8 8 S 45 8 nur im tellen entnehmen des###ausgebers und 32. Dezemie Zwischenraum illige Erscheinung st ein. Wie das ifang des Jahres zweiten Quartals er würde nicht dulden, daß ein Arbeiter sich beteilige, weil ungünstige Rückwirkungen auf die Leistungsfähigkeit zu besorgen * Das ist der Tyo der Unternehmer, den der Kapitalprofit blind gemacht hat. Jeder halbwegs ein atige Mensch weiß, daß leichte Arbeit im Freien nur geeignet ist, Körver und Geist aufzufrischen und arbeitsfreudiger zu machen. Der Herrenmensch !“ Unternehmer glaubt aber, nicht nur während der Arbeitszeiz, sondern auch in den Feierstunden ein Verfügungsrecht über seine“ Arbeiter zu besitzen. Dieser Standpunkt der Herrenmenschen liefert auch in diesem Falle den schlagendsten Beweis, daß die Arbeiter und die unteren Volksschichten im allgemeinen von dem„guten Willen“ der Unternehmer keine Förderung der Volksgesundheit zu erwarten haben, sondern daß sie diese Aufgabe selbst in die Hand nehmen müssen. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Dienstag und Mittwoch finden noch zwei Extravorstellungen statt. Das Ibsen=Theater aus Berlin absolviert an diesen beidn Tagen ein zweimal iges Gastiviel. Zur Aufführung kommt am Dienstag„Gespenster“ und am Mittwoch„Wenn wir Am Ostersonntag beginnt die Opernsaison mit einer Aufführung des Musikdramas„Tiefland“ von Eugen — Stondesomt der Stodt Bielefeld. Im Monat März er. sind 201(163) Geburten und 95(83) Sterbefälle einschließlich 5(9) Totgeburten angezeigt. Ehen wurden 53(49) geschlossen und 90(114) Aufgebotsanträge ssind gestellt. Von den Lebendgeborenen waren 105(90) männlichen und 96(73) weiblichen und von den Verstorbenen 56(44) männlichen und 39(39) weiblichen Geschlechts. Von den Verstorbenen standen 20(17) Personen im ersten Lebensjahre, 7(9) zwischen ein und fünf, 6(3). zwischen fünf und zwanzig, 10(15) zwischen zwanzig und vierzig, 17(12) zwischen vierzig und 60 Jahren. Ein Alter hierüber hinaus wurde von 30(18) Personen erreicht.(Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf März des Vorjahres) — Zur Beilegung der Differenzen im hiesigen Pflasterergewerbe fand am Sonnabend mittag. von 11 bis 1½ Uhr unter dem Vorsitz des Herrn Assessor Dr Gepel vor dem. Gewerbegericht eine Verhandlung zwischen Unternehmern und Arbeitern statt. Es wurde eine Einigung erzielt. Die Arbeit wird wieder ausgenommen, wenn sich der Hauptvorstand des Arbeitgeberverbandes, dem sich die hiesigen Pflastermeister erst kürzlich angeschlossen haben, mit den Vereinbarungen einverstanden erklärt. Ausführlicher Bericht morgen. — Polizeibericht. Festgenommen wurden am Sonnabend 1. der Knecht G. von hier wegen Vergehlns gegen § 175 R.=Str.=G.=B.(widernatürliche Unzucht mit Tieren); 2. der Chauffeur I., gebürtig von hier, weil er verdächtig war, seinem Dienstheren in Bünde ein Automobil entwendet und mit diesem das Weite gesucht zu haben. Versammlungen. Bielefeld.„Freie Volksbühne.“ Montag, 5. Abril, abends 8½ Uhr, in„Stadt Bielefeld": Versammlung. Brackwede. Verband der Schneider. Schneiderinnen und Wäschearbeiter. Dienstag. 6. April, abends 8½ Uhr, bei Schröder: Versammlung der Wäschearbeiterinnen. Detmold. Gew.=Kartell. Dienstag, 6. April, abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle": Sitzung Tabakarbeiterversammlungen finden statt: Lemgo. Montag, 5. April, in Mohrmanns Saal. Bünde. Dienstag, 6. April. abends 7 Uhr, bei Nübel. Sonneborn. Mittwoch, 7. April. Referentin: Fräulein Maria Ostinde=Berlin Die Tabakarbeiterinnen werden besonders eingeladen. s. Herford, 4. April. Sitzung des Kaufmannsgerichtes vom 2. April. Der Handlungsgehilfe G. klagt gegen die Firma I. Elsbach wegen kündigungsloser Entlassung. Der Kläger war von der beklagten Firma deswegen entassen worden, weil er trotz einer dahingehenden Bekanntgabe des Direktors am Tage der Musterung, anstatt um 2 Uhr in das Geschäft zu kommen, erst nach 4 Uhr dort erschien. Der Kläger macht geltend, daß diese Zeitversäumnis von 2 Stunden k.in hinreichender Grund zur Entlassung gewesen sei. Die I. Elsbach hingegen beruft sich auf eine dem Kläger am s. März erteitte Verwarnung, nach welcher ihm bei einer wiederholten Versäumung der Arbeitszit die Entlassung in Ausicht gestellt worden ist.(Hierbei käme er allerdings sehr darcuf an. ob die fragliche Verwarnung auch zu Recht erteilt worder i“)] Im Vergleich zahlt die Firma I. Elsbach ein Monatsgegat in der Höhe von 110 Mark.“ * Barntrup, 4. April. Gestern abend fand hier eine Völksversammlung statt, welche sich mit der Finanzreform beschäftigte. Refekent war Herr Ueckermann vom lippischen Freisinn. Ueckermann eröffnete die Versammlung selbst und chlug auch gleich einen Vorsitzenden vor.: Da derselbe aber abehnte, so lief er im Saale herum und ersuchte mehrere von den Anwesenden zur Uebernahme des Vorsitzes zu bewegen, bis er schließlich nach langem Suchen einen Leiter fand. Die Stimmung der Versammlung ob dieses Vorganges läßt sich denken. Ueckermann referierte dann. Er sei für Heer und Flotte. 500 Millionen neue Steuern hätten wir gar nicht nötig. Man sollte sparen. Er machte auch gleich praktische Vorschläge. Es wäre nicht nötig, daß Wagen zweiter Klasse liefen. An den Rationen der Generalspferde ließe sich sparen, ebenso brauchten die Generäle nicht Pferde und Automobile. Offiziere, die mak ein bürgerliches Mädchen umarmten, brauchten nicht gleich pensioniert zu werden. Er kritisierte dann die Steuervorlagen und verlangte einen Block von Bebel bis Bassermann, darin läge die Rettung Deutschlands. Genosse Schlüter, der zufällig anwesend war, nahm das Wort in der Diskussion, erläuterte die Entwicklung der Reichsfinanzen seit der Reichsgründung und zeigte hieran, welchen Unsinn der Referent über die Finanzreform sowie über die Notwendigkeit der 500 Millionen neuer Steuern verzapft hatte. In einer Entgegnung beschränkte sich Ueckermann auch nur auf Nebensächlichkeiten und ließ bon der Finanzretorm die Finger. Er erklärte aber, Neumann=Hofer und der Freisinn würden gegen jede Belastung des Tabaks stimmen! Also nicht nur wirken? * Lüdinghausen. 3. April. Als Kandidat der Zentrumspartei für die Ersatzwahl zum Reichstage für den Wahlkreis Beckum=Lüdinghausen=Warendorf wurde nach „Münsterschen Anzeiger“ der Herzog von Arenberg= Nordkirchen aufgestellt. darin vorfinden. An die Wochenschrift„Nature“ hat ein Mitarbeiter jetzt aus Khartum in Oberägypten die Photographie eines Krokodilnestes nebst einer Beschreibung eingesandt. Die Aufnahme wurde nahe der abessinischen Grenze an einem Soziales. . ag. Selbstmordversuch als Unfallsfolge. Ein Schieferdecker war infolge Bruches einer Leiter zirka 3—4 Meter hoch mit dem Hinterkopf auf das Pflaster gefallen, wobei er eine leichte Gehirnerschütterung und eine Quetschung des Rückens erlitt, deren Folgen seit langer Zeit beseitigt sind. Als ihm die Vollrente entzogen werden sollte, unternahm er einen Selbstmordversuch, indem er sich mit einem Revolver in den Kopf schoß. Als Folge davon fand eine schwere Lähmung der linksseitigen Gliedmaß.n statt, so daß er nur zu ganz leichten, im Sitzen zu verrichtenden Arbeiten imstande ist und als völlig erwerbsunfähig gelten mußte. Trotzdem ist es aber nach dem Urteil des Reichsversicherungsamtes durch Prof. Windscheid(Medizin. Klinik) nicht angängig gewesen, dem Verletzten die Vollrente weiter zu gewärren, weil der Unfall und seine Folgen durch den Selbstmordversuch nicht verantwortlich zu machen ist Der Selbstmordversuch des Verletzten ist vielmehr das Ergebnis einer augenblicklichen, sehr starken seelischen Erregung gewesen. Der Verletzte hat länger als 17 Jahre ungestört die Vollrente bezog n und dabei sein leidliches Auskommen gefunden. Er hatte durch dieses sange Rentnerleben das Arbeiten völlig verlernt und nahm als ganz selbstverständlich an, daß dieser ihm angenehme und behagliche Zustand bis zu seinem Ableben unverändert andauern werde. In dieser Erwartung sah er sich plötzlich getäuscht, als ihm auf den Antrag der Berufsgenossenschaft seine bisherig Unfallrente von monatlich 50 Mk. auf 15 Mk. herabgesetzt wurde. Er sah ein, daß dieser geringe Betrag allein zur Bestreitung seiner Lebensbedürfnisse nicht ausreichen würde, und daß er gezwungen sein würde, das Fehlende durch Arbeit hinzuzuerwerben. Dazu fühlte er nach den langen arbeitslosen Jahren nicht die Kraft in sich. Er glaubte, zur Ausübung seiner Erwerbstätigkeit nicht mehr imstande zu sein, und war erregt darüber, daß man ihn seinem sorgenlosen Dasein entrissen hatte und einer unsicheren Zukunft entgegenstellte. Die dadurch verursachte Unzufriedenheit wurde noch dadurch gesteigert, daß er dem Alkohol in erhöhtem Maße zusprach, wodurch seine ohn hin nicht sehr große geistige Widerstandskraft noch mehr untergraben wurde. In einer dadurch veranlaßten erregten Stimmung machte er den Selbstmordversuch, der als unmittelbare Folge des durch den Unfall herbeigeführten Zustandes des Verletzten nicht mehr angesehen werden konnte. Er erhielt daher a's Unfalsentschädigung nur 66 3/8 Prozent der Vollrente. Kleines Feuilleton. Die Theorie des Glühstrumpfes. Die Wissenschaft geht der Technik zwar sihr oft voraus, aber es kommt doch häusig vor, daß eine Erfindung gemacht wird und große Verbreitung findet. ehe die wissenschaftlichen Grundlagen dafür in ganzen Umfange erkannt worden sind. So findet die Plysik auch jetzt noch vieles das Osterfest, mit seinem ersten Sonntag dem ersten, seinem zweiten Sonntag dem zweiten Quartale zugehörig.“ Seine Vorschläge faßt Dr. Bach dahin zusammen: 1. An der bisherigen Zählung und Bezeichnung der Jahresdaten wird nichts geändert, nur daß der Schalttag dem Jahresschluß als 32. Dezember zugewiesen wird. Das Gemeinjahr schließt mit Sonntag, das Schalijahr mit Montag. Der zweite Beihnagtstag kann in einen Arbeitstgg verwandelt werden. Kelaick eir ie Kseschilechäls de. caice Kheih. bei der Zusammensetzung der Glühstrümpfe eine besondere Roll spielt, schon seit 1886 bekannt. Erst 1891/92 aber wurde die Entdeckung gemacht, daß dies Element an sich kein Licht abgibt, sondern sein scheinbares Leuchten nur den in den gewöhnlichen Präparaten enthaltenen Verunreinigungen zuzuschreiben ist. Danach wurde die Bedeutung des Elements Cerium erkannt. 1 Prozent dieses Stoffes vermehrt die Kerzenstärke für jeden Kubikfuß des verbrauchten Leuchtgases um 20 bis 25. Es ist eine merkwürdige Taliache, daß eine weitere Steigerung des Gehalts an Cerium wiederum nachtei ig wirkt. Auf die Erklärung dieses Umstandes hat die Wissenschaft viel Mühe vermandt. Zunächst wurde angenommen, daß die eigentümliche Mischung von Thor und Cer die Fähigkeit habe, Wärmestrahlen in Lichtstrahlen zu verwandeln. Eine andere Vermutung richtete sich darauf, daß das Cerium in Atomen d i Sauerstoff in einem Augenblick aufnimmt und im nächsten wieder abgibt und io Tausende von kleinen Punkten höchster Temperatur über der Glühstrumpf ausstreut. Noch andere meinten, daß das starke Glühen des Körvers darauf beruht, daß Licht von einem besonderen Tei' des Spektrums ausgesendet werde. Die Wahrheit ist nun endlich darin erkannt worden, daß das Cerium eine ganz außerordentliche Kraft der Wärmestrahlung besitzt, das Thor eine sehr geringe, und daß der größte Lichteffekt erzielt wird, wenn das Cer gerade bis zu einer Temperatur zwischen 1500 und 1600 Grad erhitzt wird. uc. Zur Radioaktivität. Fast jeder Tag beschert uns neue Arbeiten über die merkwürdige Eigenschaft mancher Mineralien, eigentümliche Strahlungen auszusenden, die zuerst von dem französischen Physiker Becquerel auf photographischem Wege untdeckt worden ist. Die Ergebnisse der fleißigen Forschungen eielr Chemiker und Physiker haben schon manche Wandlung in un eren Anschauungen über die Materie gebracht und es ist nicht ausgeschlossen, daß auf diese Weise mehr Licht in die Fragen der Zusammensetzung des Stoffés kommt. Die Ueberführung eines Grundstoffes, den man chemisch bislang nicht weiter zerlegen kann, in einn anderen. z B. des Radiums in Helium, hat wieder Hoffnungen erweckt, daß es gelingen wird, die 70 bis 80 Elemente, die wir bisher kennen, auf eine einzige Form des Stoffes zurückzuführen. Die Radioaktivität der Mineralien scheint in ihrer wissenschaftlichen Verfolgung beruf.n, uns ein ordentliches Stück in der Naturerkenntnis weiter zu bringen. Es wird desl alb vielen erwünscht sein, sich durch eine zusammenfassende Darstellung des bisher auf diesem Gebiete Erreichten einen Einblick in diese Dinge zu verschaffen. Dem kommt eine kleine Schrift des Chemikers W. Frommel zu Hilfe, die in der bekannten wohlfeilen Sammlung Göschen erschienen ist.(Preis geb. 80 Pig.) Frommel geht von den Strahlungserscheinungen überhaupt aus und gelangt über die Beiprechung der Kathoden= strahlen und der Röntgenstrahlen schließlich zu den Becquerelstrahlen. Ein zweites Kapitel beschäftigt sich mit den radioaktiven Stoffen, die man bis jetzt kennt, und der Messung ihrer Strahlung. Ein drittes zeigt die merkwürdige Dreiform der Strahlung. Bekanntlich sendet das Radium drei durchaus voneinander # rschiedenartige Strahlensorten aus, die ganz verschiedene Eigenschaften haben. Man hat sie als Alpha=, Beta= und Gammastrahlen bezeichnet. Die ersteren beiden Strahlenarten ssind wahrscheinlich stofflicher Art, während die letzteren sogenannte Aetherstrah'en sind, wie die Lichtstrahlen auch Die Gammastrahlen haben denn auch eine ähnliche Geschwindigkeit der Fortpflanzung wir das Licht(300000 Kilometer in der Sekunde). Die Betastrahlen erreichen in ihrer wirksamsten Form diese Geschwindigkeit ebenfalls fast, während die Alphastrahlen nur etwa den zehnten Teil der Lichtgeschwindigkeit haben. Immerhin werden von den radioaktiven Stoffen auch diese Strahlen, die man sich als eine unaufhörliche Folge ganz feiner Stoffteilchen vorzustellen hat, mit ungehruren Geschwindigkeiten bewegt. Die Radiumforschung hat sich bisher als außerordentlich fruchtbar erwiesen, da sie neue Streiflichter auf die mannigfachsten Fragen der Naturwissenschaften wirft. Die Zusammensatzung des SStoffes, die Zusammensetzung der Weltkörp znachtstag kann in einen 2 Der 2. und 3.(oder 9. und 1a) April wird erster und epung ve v. jzug vise, ber Erde usw. sud Dinge, die in der weiter Lstexsonntag, der 4. soder 11.) Apxil Ostermanzag, ges Enerategetratz,. d08 ulter ver Stänsiche Beleuche“„fas en kannt; das Gemeinjayr schließt mit Sonnavend, das Schaltjahr mit Sonntag. 3. Die Monate erhalten 30 und 31, das 2., 3. und 4. Quartal je 91 Tage. Der überschüssige Tag wird dem März als 32. 1. Osterionntag, der 1. April 2. Ostersonntag), der Schalttag dem Dezember als 32. Tag(Sonntags zugeteilt. Das erste Quartal hat somit 92 Tage, ebenso das letzte Quartal eines Schaltjahres. „ 4. Wie 2.; nur wird Ostern am 8. und 9. April gefeiert; der üverschüssige Tag wird dann nicht dem März, sondern dem April überwiesen, so daß dieser 31, das zweite Quartal 92 Tage baf J. Linke. neuen Betrachtungsweise eigentumiiche Vrleuchtung erfahren. Diejenigen, welche sich über die Radiumforschung und ihre Ergebnisse unterrichten wollen, seien deshalb auf das genannte Büche'chen verwiesen, in dem sie kurz zusammengefaßt alles das finden, was bisher auf diesem Gebiete geschehen ist. Ein kleines Register erleichtert den Gebrauch als Nachschlagewerkchen. Ein Krokodilnest. Wenn man an die Riesenformen der Krokodile denkt, fällt es einigermaßen schwer, sich vorzustellen, daß diese Ungeheuer in einer Eischale in die Welt gesetzt werden. Dennoch ist es natürlich so, und zwar legen die Krokodile auch eigentliche Nester an, die sich nur auf den ersten Blick dadurch von einem Vogenest unterscheiden, daß sich sehr viel mehr Eier oder Höhen für ihr Brutgeschäft bietet. Die Krolodilnester sind nicht ganz leicht zu finden, weil die Eier mit Sand bedeckt werden. In dem beschriebenen Fall verriet es sich nur durch eine Vertiefung im Sand, die etwa 4 Fuß über dem stehenden Wasser einer benachbarten Pfütze lag. Eine Anzahl von gewundenen Spuren, die zum Wasserrande hinabführten, ließ auf die Nähe von Krokodilen schließen Die Höhlung war etwa einen Fuß tief, die Eier etwa 5—7 Zentimeter unter dem Sande vergraben. Wenn man hineingriff, konnte man nicht nur Eier, sondern auch junge Krokodile herausziehen, die zwar große Lust zu haben schienen, den Störenfried um einen seiner Finger zu erleichtern, aber noch nicht stark genug zur Ausführung dieser nenschenfreundlichen Absicht waren. Erst am nächsten Tage kam der Beobachter mit einem photographischen Apparat zurück und fand bei dieser Gelegenheit in einem Abstand von 1 Meter noch eine zweite Vertiefung, die gleichfalls mit Eiern und jungen Krokodilen besetzt war. Wer nun glaubt, daß ein Krokodil=Ei zum mindesten besonders groß sein müsse, wie es doch bei den Straußen=Eiern der Fall ist, wird enttäuscht sein, zu hören, daß jene Eier, die von der gewöhnlichen Zylindergestalt der Vogeleier sind, eine Länge von nur etwa 7 bis 8 Zentimetern besitzen. Demgemäß ist auch das junge Krokodil, wenn es die Eihülle verläßt. noch sehr klein, nämlich höchstens 25 Zentimeter lang. Im übrigen ist es vollkommen ausgebildet und verübt ein Geräusch, das dem Quaken eines Frosches gleicht. Am Leib haben die winzigen Ki. odile einen blutroten Fieck, und zwar gerade dort, wo bei höheren Tieren der Nabel sitzt. Die Schalen der Eier sind sehr hart und von gleichmäßig heller Farbe ohne Flecken. Zuweilen verrät sich die Nähe eines Krokodilnestes auch geradezu surch das Quaken der Jungen, das vernehmlich ist, auch wenn sie unter dem Sand stecken. Die Zahl der Eier in einem Nest schien ungefähr 40 zu betragen, aber es bestand keine Gewähr dafür, daß alle von denselben Eltern stammten, obgleich die Wahrscheinlichkeit dafür sprach. Im ganzen legt eine Krokodilmutter sogar sicher nicht weniger als 100 Eier. Während das ausgewachsene Krokodil bekanntlich ein ziemlich träges Tier ist, ssind die Jungen äußerst lebendig und unternehmen schon im jugendlichsten Alter verhältnismäßig große Forschungsreisen von ihrem Neste aus laufen auch ziemlich rasch. Die Eltern liegen im allgemeinen faulpelzig am Wasser oder schwimmen darin ganz langam herum.— Vermischtes. Erdrosselt. Kassel, 4. April. Die 30jährige Regierungsratswitwe von Hauteville, geb. Freiin Lina Wolf v. Gudenberg, eine wohlhabende und lebenslustige Dame, wurde in ihrer Wohnung erdrossel aufgefunden. Um den Hals war der Toten eine Schnur Die Dame wohnte allein und hielt sich bloß eine Haushäl erin, die aber in der gestrigen Nacht, als der Mord verübt wurde, nicht anwesend war. Es verlautet, daß die Ermordete ein Liebesverhältnis mit einem Maane unterhielt, dessen Personalien noch nicht ermittelt sind. Kassel, 5 April. Der Tod der Freifrau Hauteville hat insofern seine Aufklärung gefunden, als eine Mordtat ausgeschlossen ist. Es scheint, als ob die Frau in einem Anfall geistiger Depression selbst Hand an sich gelegt hat. Der überfallene Geldbriefträger. Berlin, 4. April. In dem Befinden des Geldbriefträgers Eulenburg war bis gestern abend eine Besserung noch nicht zu verzeichnen. Der Patient liegt noch in sehr krankem Zustande in der chirurgischen Station des Krankenhauzes am Urban. Es erscheint immer noch fraglich, ob er am Leben erhalten werden kagn. Acctylenexplosion. Freiwaldau, 4. April. Durch eine Acetylenexplosion wurde der Haushälter Barg getötet. Er war in einem Gasthause mit einem Schlossergesellen mit der Reparatur einer Acetylenleitung beschäftigt, als plötzlich infolge einer Unvorsichtigkeit der Kessel explodierte. Barg war sofort tot und auch der Schlossergeselle trug lebensgefährliche Verletzungen davon. Selbstmord eines Offiziers. Bamberg, 4. April. Leutnant Steppes vom 5. Inf.=Reg. hat sich gestern in der Kaserne erschossen. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Von Zeppelin. Friedrichshafen, 4. April. Zeppelin II(Ersatz Echterdingen) wird seine ersten Fahrten anfangs nächsten Monats unternehmen. Eine Bora. Triest, 4. April. Auf der Adria wütet neuerdings eine heftige Bora bei einer Temperatur unter Null. Es werden mehrere Schiffsunfälle gemeldet. Kälte und Schneetreiben. Pilsen, 4. April. In ganz Westböhmen herrscht bei 6 Grad Kälte starkes Schneetreiben. Budapest, 4. April. Aus ganz Südungarn, besonders aus Fünfkirchen, Temesvar und Fiume, werden starke Schneeälle zemeldet. Leitzte Nachrichten. Berlin, 5. April. Ein englisches Theater für Deutschland ist gestern als Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Ansangskapital von 150000 Mark im englischen G.neralkonsulat begründet worden. Die Aufgabe des Theaters soll es sein, neben dem künst erischen Wirken auch die Beziehungen zwischen England und Deutschland freundschaftlicher zu gestalten. Von den anwesenden Vertretern des Lokalkomitees wurden Frau Meta Illing, das frühere Mitglied des Berliner, Lessing=Theaters, zur Geschäftsführerin und künstlerischen Direktorin gewählt. Frau Illing hat sich über Wiesbaden und Frankfurt am Main nach London begeben, um weitere erste Kräfte für ihr Unternehmen zu gewinnen. Das englische Theater wird zuerst im Oktober in Berlin, dann in Kön, Breslau, Bremen, Hamburg, Dresden, Leipzig, Düsseldorf und Bonn gastieren. Berlin, 5. April. Eine Mordtat setzte gestern in später Abendstunde die Bewohner des Hauses Reinickendorferstr. 76 in große Aufregung. Dort erschlug der 31jährige Arbeiter Versiemer seinen Schlafburschen, den 24jährigen Arbeiter Wenzel, mit einem Hammer und stellte sich dann selbst der Polizei. Das Motiv der Tat ist Eifersucht. Gleiwitz, 5. April. In der Friedensgrube wurden drei Heuer durch herabstürzende Kohlenmassen verschüttet. Einer von ihnen wurde getötet, die beiden anderen sind schwer verStolp, 5. April. Die Arbeiterfrau Bellin in Lanken wollte ihr Stiefkind züchtigen. Das Kind ergriff die Flucht und fiel dabei in ein Wasseroch. Die Mutter sprang ihm nach, um es zu retten, doch ertranken beide. Rom, 5. April. Brigant und Dichter ist Salomoni, der vor längeren Jahren dem Verführer seiner Braut, den Bürgermeister seines Heimatsortes, getötet hat und jetzt in Peragia zu 4 Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist. Der Prozeß hat am 17. November vorigen Jahres begonnen. Newyork, 5. April. Durch eine Feuersbrunst ist das Fort Worth im Texas zerstört worden. Unter den verbrannten Gebäuden befinden sich 100 Wohnhäuser, Kirchen und Schulen. Soweit bisher festgestellt ist, sind 6 Personen verbrannt. Der Schaden wird Auf 20 Millionen Mark geschätzt. Briefkasten der Redaktion. Amshausen. Trichinenbeschauer sind keine Gemeindebeamte. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. 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Nun irrt die Aermste umher, findet ihren Knaben bei der Großmutter wieder und das Kind führt die Versöhnung der Gatten herbei. Der Indelsackpfeifer. Der Knecht liebt die Tochter eines Farmers, wird aber zurückgewiesen und tötet aus Rache den bevorzugten Nebenbuhler beim Hochzeitsmahle. Der Vater des Knechtes, ein Dudelsackpfeifer, verfolgt den Sohn und richtet seine Tat, indem er ihn erschießt. Japanische Tänzerinnen. Tanz Evolutionen der kleinen zierlichen Japanerinnen, die durch ihre Eigenart und anmutigen Bewegungen entzücken. Das Bild ist schön koloriert. Der Kindesraub. Vornehme Banditen ent ühren das Kind reicher Leute und fordern ein hohes Lösegeld. Ein Detektiv aber rettet durch einen gewagten Trick das kleine geängstete Wesen. Der Dritte im Bunde. Eine humoristische Glanzuummer! Zwei elegante Bummler verfolgen eine Schöne mit Liedesanträgen, die sich nicht anders zu retten weiß, als indem sie von den Anbetern ein selbstgepflücktes Edelweiß fordert. Als beide unter unsäglichen Mühen die gewünschte Blume erreichen und dann präsentieren, stellt ihnen die Dame— ihren Mann vor! Die Disziplin. Hochkomischeo Militär=Genrebild. Auf dem Kasernenhofe wird„Marsch“. kommandiert und die Mannschaften befolgen diesen Befehl bis ins Endlose. Ferner: Ein Tonbild mit brillantem Text. Ohlen““. Rerten.. Cerdwaren. (1963 Billigste, und reelle Bezugsquelle nur 14 Miederwan 14 nur Adolf Heuer, Uhrmachermeister. Mgg Die Buchhandlung„Volkswacht“, Bielefeld, Schulstr. 20 empfichlt „Asteires-Posckärtel Bielefelder Ansichten.: Genre-Karten etc. Grosse Auswahl. Schöne Dessins. Künstlerische Ausführung.## Nr. 80. Reichsver Dem Bundesrat ist, Reichsversicherungsordn graphen, die in 6 Büche des Gesetzentwurfs ist stehenden Zeit nur mög geben. 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Dieser lokale Unterbau soll für die Krankenversicherung die Aufsichtsinstanz, für die Unfall=, die Invaliden= und die Hinterbliebenenversicherung den gemeinsamen Unterbau abgeben. Als obere Instanz(auch an Stelle der bisherigen Schiedsgerichte) soll ein Oberversicherungsamt, als höchste Instanz das Reichsversicherungsamt(beziehentlich das Landesversicherungsamt) fungieren. Dem Versicherungsamt und dem Oberversicherungsamt soll ein beamteter Vorsitzender vorstehen; diese beiden Instanzen sollen entweder vorhandenen Behörden angegliedert oder als besondere Behörden errichtet werden. Beiden Instanzen sollen paritätisch Arbeitgeber und Versicherte angehören. Die Wählbarkeit der Frauen, die bisher nur für die Versicherungsträger der Krankenversicherung zugelassen ist, ist endlich infolge des starken Vordringens der weiblichen Erwerbstätigkeit und mit Rücksicht auf die Hinterbliebenenversicherung auf alle Versicherungsträger erweitert worden. Die Einzelheiten über die Organisation enthält das 196 Paragrapyen umfassende erste Buch, das zweite regelt die Krankenversicherung. Der Unfallversicherung ist das dritte Buch gewidmet. Das vierte Buch befaßt sich mit der Invalidenversicherung und der neu einzuführenden Hinterbliebenenversicherung. Das fünfte Buch regelt die Beziehungen der Versicherungsträger zu einander und zu anderen Verpflichteten, das sechste Buch das Verfahren. Die Krankenversicherung(§§ 197 bis 631) bringt zunächst eine Ausbehnung des Kreises der versicherten Personen. Die reichsgesetzliche Krankenversicherung wird auf die in landund forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen, sowie auf die Dienstboten, ferner auf Personen, die als Bühnen= oder Orchestermitglieder beschäftigt werden(jedoch nur, wenn ihr regelmäßiger Jahresarbeitsverdienst 2000 Mk. nicht übersteigt) und auf Hausgewerbetreibende ausgedehnt. Die Wöchnerinnenunterstützung wird auf die Dauer von im ganzen acht Wochen, von denen mindestens sechs Wochen auf die Zeit nach der Niederkunft fallen, gewährt. Der Zersplitterung der Krankenorganisationen wird leider nicht durch den Aufbau einer Einheits=Krankenkasse entgegengetreten. Es werden nur schwache Ansätze zu einer Beseitigung der verschiedenen Arten der Krankenversicherung gemacht. Die Gemeindekrankenversicherung soll nun endlich völlig und ausnahmslos beseitigt werden, so daß die Krankenversicherung sich für die Folge durchweg in organisierten Kassen vollziehen würde. Die Baukrankenkassen werden den Betriebskrankenkassen eingereiht. Die Betriebskrankenkassen sollen in der Regel nicht mehr bei einer Zahl von 50, sondern bei einer solchen von 500, in Ausnahmefällen von 250 Arbeitern zugelassen werden. Die Innungskrankentassen und die Knappschaftskassen sollen trotz der lebhaften Gründe, die gegen das Weiterbestehen dieser Organisation sprechen, unverändert bestehen bleiben: die Knappschaftskassen als landesrechtliche Kassen. Neu geschaffen werden Landkrankenkassen. Deren Mitglieder sollen werden: Die in der Landwirtschaft beschäftigten Personen, die Dienstboten, die im Wandergewerbe beschäftigten Personen und die Hausgewerbetreibenden sowie die in ihren Betrieben beschäftigten Personen. Die Zentralisierung von Ortskrankenkassen wird etwas erleichtert. Aufs schärfste wird in die innere Verwaltung der Ortskrankenkassen eingegriffen. Während die Betriebskrankenkassen, die Innungskrankenkassen und die Knappschaftskassen mit allen ihren Mängeln bestehen bleiben sollen, wird eine ganz erhebliche Beschränkung der Selbstverwaltung der Ortskrankenkassen geplant. Es soll künftighin der Beitrag der Arbeitgeber und der Versicherten der gleiche sein, aber auch im Vorstand Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl zuzammenwirken. Der Vorsitzende der Ortskrankenkassen soll durch übereinstimmende Wahl beider Teile gewählt werden. Wenn und auf solange als sich die Gruppen der Arbeitgeber und der Arbeiter über die Person des Vorsitzenden nicht einigen, soll der Vorsitzende durch den Kommunalverband bestellt werden können. Die Verhältniswahl soll für alle Angelegenheiten der Krankenkassen obligatorisch eingeführt werden. Für die Beziehungen der Ortskrankenkassen zu ihren Beamten und Angestellten sowie deren Rechtsverhältnisse ist der Erlaß von Dienstordnungen vorgeschrieben, die der Genehmigung der Aussichtsbehörde bedürfen. Die Genehmigung soll nur beim Vorliegen eines wichtigen Grundes versagt werden. Für die Angestellten der Betriebs= und Innungskrantenkassen ist eine gleiche Vorschrift nicht vorgesehen. Für die Beziehungen zwischen Aerzten, Apothekern und Kassen sind zwei besonders paritätisch zusammengesetzte Schiedsinstanzen vorgesehen. Ein bestimmtes Arztsystem schlägt der Entwurf nicht vor. Er sieht auch von der Einführung einer Pflicht der Aerzte zur Gewährung ärztlicher Hilfe ab. Für den Fall, daß die Aerzte entgegen dem Spruch der Schiedskammer die Behandlung der Kassenmitglieder nicht aufnehmen sollten, wird der Kasse, der ja die Pflicht zur Beschaffung ärztlicher Hilfe im Gesetz auferlegt ist, nur der Ausweg gegeben, daß sie iyren Mitgliedern statt der Gewährung ärztlicher Hilfe einen angemessenen Barbetrag zur Selbstbeschaffung der erforderlichen Behandlung zahlen kann. Aus dem die Unfallversicherung umfassenden dritten Buch(632—1283) sei folgendes hervorgehoben: Die Versicherungspflicht von Handelsbetrieben ist durch folgende Ziffer 10 des§ 632 neu geregelt: Betriebe, die der Behandlung und Handhabung der Waren oder der Beförderung von Personen oder Güter dienen, unterliegen der Versicherungspflicht, falls sie mit einem kaufmännischen Unternehmen verbunden sind, das über den Umfang des Kleinbetriebes hinausgeht, sowie unter gleicher Voraussetzung Holzfällungsbetriebe. Hierdurch sind nicht nur die eigentlichen Lagerungsarbeiten wie bisher, sondern auch ähnliche Arbeiten in kaufmännischen Unternehmen der Versicherung unterstellt und auch eine Ausdehnung der Unfallversicherung auf Erwerbs= und Wirtschaftsnenossenschaften gegeben. Eine beachtenswerte Ausdehnung der Versicherungspflicht enthält der Entwurf auch nach der Richtung, daß das Halten von Reittieren und von solchen Fahrzeugen, die durch elementare oder durch tierische Kraft bewegt werden, der Unfallversicherung unterstellt ist. Dadurch fällt das Fahr- und S.allpersonal künftig unter die Bestimmungen des Unfallgesetzes. Eine auffallende Verschlechterung enthält die neue Vorschrift, daß Renten bis 20 Prozent zeitlich beschränkt werden können. Den Berufsgenossenschaften ist in ihrem unberechtigten Kampf gegen den heutigen§ 34 des Gewerbeunfallversicherungsgesetzes durch Bestimmungen in§ 815 und folgenden über die Bildung eines Reservefonds weit entgegengekommen und ein erheblicher finanzieller Vorteil gewährt. Die schmalen Renten sind weder bei der Unfall= noch bei der Invalidenrente erhöht. Aus dem Abschnitt über Invaliden= versicherung sei erwähnt, daß der Entwurf eine freiwillige Zusatzversicherung zuläßt. Von der Herabsetzung der Altersgrenze von 70 Jahren für den Bezug der Altersrente ist Abstand genommen. Die Hinterbliebenenversicherung soll bekanntlich nach dem Zolltarifgesetz zum 1. Januar 1910 in Kraft treten. Wie von sozialdemokratischer Seite, entgegen den Behauptungen aus Zentrumskreisen, seinerzeit vorausgesagt wurde, reichen die Einbehaltungen aus den Getreide= und Viehzöllen bei weitem nicht für eine noch so schmale Rente aus. Die Hinterbliebenenversicherung soll auf Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber gestellt werden. Die Hinterbliebenenfürsorge soll für die eintreten, die auf Grund der Versicherungspflicht, der Selbstversicherung oder der Weiterversicherung der Invalidenversicherungspflicht unterstellt sind. Die Beiträge der Arbeitgeber und der Versicherten sollen gegenüber den bisherigen Beitragsmarken um durchschnittlich ein Viertel erhöht werden. Sind bislang in Lohnklasse 1—V 14, 20, 24 30 und 36 Pfg. zu kleben, so soll künftig auf 20, 24 30, 38 und 46 Pfg der Beitrag erhöht werden. Die Rente der Invalidenwitwe soll drei Zehntel, die Waisenrente bei Vorhandensein einer Waise drei Zwanzigstel der Invalidenrente des verstorbenen Mannes betragen. Hierzu tritt der Reichszuschuß mit je 50 Mk. zu jeder Witwen= und je 25 Mt. zu jeder Waisenrente. Wenn ein Arbeiter aus Lohnklasse IV volle 30 Jahre lang bei einem Einkommen von 1000 Mk. wöchentlich 38 Pfg. zahlt, so würde seine invalide Witwe ganze — 122,40 Mk., sein Kind 61.20 Mk., beide zusammen 183,60 Mk. jährlich an Rente oder 50 Pfg. täglich erhalten! Auf die Einzelheiten des umfangreichen Entwurfs, der in Heymanns Verlag, Berlin, Mauerstr. 44, erhältlich ist wird noch näher einzugehen sein. Der und die bädische (Nachdr. verb.) Ilg. Stuttgart, 2. April. Vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart kam heute nachmittag die Beleidigungsklage gegen den verantwortlichen Redatteur des„Simplizissimus“, Hans Kaspar Gulbransson, zur Verhandlung. Es handelt sich um angebliche Beleidigungen des Großherzoglich badischen Staatsministeriums und der Generaldirektion der badischen Staatseisenbahnen. Der Angeklagte, der persönlich erschienen war, wurde durch den Reichstagsabgeordneten Conrad Haußmann verteidigt. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Fischer, die Anklage vertrat Staatsanwalt Jelin. Der Anklage lag eine Zeichnung des inzwischen verstorbenen Zeichners Rudolf Wilke in der Nummer 24 des„Simplizissimus“ vom 14. September 1908 zugrunde, die die Ueberschrift trug:„Aus dem Musterlande Baden.“ Es stellt eine Frauensperson dar, der ein Beamter der badischen Eisenbahn einen Orden überreicht. hat den Inhalt, daß der badische Eisenbahnfiskus in Heidelberg ein kleines Bordellchen unterhalte Nach Eintritt in die Beweisaufnahme wurde als erster Zeuge der badische Regierungsrat Jansen, der Dezernent für den betreffenden Liegenschaftserwerb, vernommen: Unter den für die Erweiterung des Heidelberger Bahnhofs erforderlichen Grundstücken befanden sich drei, in denen Bordelle betrieben wurden. Wir hatten beantragt, die Häuser zu schließen und die Konzession für den Bordellbetrieb zu entziehen. Die Heidelberger Polizei wies uns aber ab und auch der Rekurs an das Ministerium des Innern nutzte nichts. Nun wurde den Ansprüchen der Hausbesitzer im Enteignungsverfahren nicht der wahre Wert, sondern der viel zu hohe Ertragswert zugrunde gelegt. Wir wollten uns daher mit den Hausbesitzern gütlich einigen. Der Privatier und frühere Bordellwirt Siwi hatte eines der drei Häuser. Er wollte sein Haus an den Fiskus abtreten, wenn ihm gestattet würde; den Vordellbetrieb noch durch das Jahr 1908 fortzusetzen.„Unter dieser Voraussetzung hat er seine Forderung von 42500 Mt. auf 25000 Mk. ermäßigt. Damit hatten wir uns abgefunden, weil wir glaubten, dadurch auch den Preis der beiden anderen Grundstücke herabdrücken zu können. Nun befaßte sich aber auch der Heidelberger Sittlichkeitsverein mit der Sache und machte eine Eingabe an das Ministerium, in der um Aufhebung der öffentlichen Häuser ersucht wurde. Auf diese Eingabe hin verfügte das Ministerium, daß die Bordelle polizeilich geschlossen würden.— Vert. Rechtsanwalt Haußmann: Ist dem Zeugen bekannt, daß der Verkauf des „Simplizissimus“ auf den badischen Bahnhöfen verboten ist?— Zeuge: Das Verbot ist erst später erlassen worden.— Verteidiger R.=A. Haußmann: Ist dem Zeugen weiter bekannt, daß in der Berliner„Welt am Montag“ ein Artikel gestanden hat betitelt:„Der badische Fiskus als Bordellbesitzer“ und daß gegen diesen Artikel ein Strafantrag nicht gestellt worden ist? — Zeuge: Das ist mir nicht bekannt. Zweiter Zeuge war der Bordellwirt Heinrich Siwi. Er sagte aus, daß er das Haus für 400 Mk. monatlich gewietet hatte. Rechnungsrat Stückler habe ihn gefragt, ob er das Haus dem Eisenbahnfiskus abtreten wolle unter der Bedingung, daß es ihm bis zum 1. Oktober 1908 zur freien Benutzung überlassen bleibe. Das Bezirksamt aber habe dann entgegen dem Vertrag den Betrieb schon am 1. Februar 1908 schließen wollen. Durch persönliche Vorstellungen aber sei es ihm gelungen, einen Aufschub bis Mitte März durchzusetzen. Zeuge Sanitätsrat Mittermeier=Heidelberg, der Vorsitzende des Heidelberger Sittlichkeitsvereins, war mi: Rücksicht auf sein hohes Alter kommissarisch vernommen worden. Aus seiner zur Verlesung kommenden Aussage ging hervor, daß die Roman von Francis Brei Harte. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen v. Auguste Scheibe. Darauf verließ sie die völlig getröstete Faquita, ging durch die große Halle, öffnete ein Pförtchen, durchschritt einen dunklen, in die Backsteinmauer der alten Casa gebrochenen Gang und hatte nun die Neuzeir gleichsam hinter sich gelassen, um in die friedvolle Atmosphäre der Vergangenheit einzutreten. Diese Atmosphäre lag nicht nur in den niedrigen, gewölbten Gängen, die von vergitterten Fenstern erhellt wurden; nicht nur in den rechtwinkeligen Zimmern, deren dunkles, kostbares, aber spärlich vorhandenes Mobiliar nur als Folie für die Pracht der großen, mit Spitzen bedeckten Betten dienen zu sollen schien; sie bestand hauptsächlich aus dem eigenartigen, alles durchdringenden Hauch verblaßter, veralteter Vornehmheit, der im Dämmerlichte dieser Räume, von halb vergessenen, ruhig dahin geschwundenen Generationen der Guitierrez Kunde gab. Ein Nebel, der aus Weihrauch und dem Duft halbwelker Blumen gemischt schien, zo; schleierhaft durch die langen Gänge und ließ die schmalen, schießschartenartigen Fenster auf dem blauen Hintergrunde des Himmels wie schimmernde, in die Wand eingelassene Spiegel erscheinen. Das Gemach, das den Töchtern des Hauses gehörte, sah halb wie ein Schlafzimmer, halb wie ein Betzimmer aus und zeigte ein seltsames Gemisch des Klösterlichen in den weißzetünchten, mit Kruzifixen und anderen religiösen Emblemen berzierten Wänden— und des Haremartigen, im gelegentlichen Anblick schlanker, träge ausgestreckter Mädchengestalten in kurzer, seidener Saya, weit ausgeschnittener Camisa(Hemd) und von den Füßchen fallender Pantoffeln. In einer breiten Ecke des auf den Vatio führenden Ganges aber, dessen Balustrade mit bunten Shawls und Teppichen behangen war, pflegte die Herrin des Hauses, in einer Hängematte zurückgelehnt, von zahlkeicher Dienerschaft umgeben, Freunden und Verwandten ihre Mittagsaudienz zu erteilen. Hierher begab sich Maruja, wand sich durch die Gruppen der Stühle und Polster zu der Mutter hin, küßte sie auf die Stirn und schwang sich selbst wie eine weiße Taube auf das Gitter des Patio. Mrs. Saltonstall, eine brünette, wohlbeleibte Frau, die nur durch ihren sanften Gesichtsausdruck und die ma zvolle Ruhe ihres Wesens davor bewahrt wurde, gewöhnlich auszusehen, hob die schweren braunen Augen zum Gesicht der Tochter auf „Hast du dich gar nicht niedergelegt, Mara?“ „Nein, Mütterchen! Sehe ich danach aus?“ „Du mußt es gleich nachholen.— Man sagt mir, daß Kapitän Carroll heute morgen plötzlich abgereist ist?“ „Tut dir das leid?" 4 „Was soll ich dazu sagen? Amita scheint sich weder für Jofé, noch für Estéban, oder Jorge oder irgend einen ihrer Vettern zu interessieren. Auch von Juan Estudillo scheint sie nichts wissen zu wollen. Der Kapitän ist aber nicht übel... steht im Dienst der Regierung und ist..“ „Nicht weiter als zehn Leaques von hier zu finden!“ fiel Maruja ein, indem sie mit dem Briefe in ihrem Gürtel spielte. „Laß ihn zurückrufen, Mütterchen, er wird sich freuen.“ „Wie du alles leicht nimmst... ganz wie dein Vater. Aber unsere Amita, wie steht's mit ihr... grämt sie sich nicht?“ „Sie und Dorotea und die beiden Wilions sind mit Raymond und deinem schottischen Freunde im Char=a=bancs ausgefahren. Geweint hat sie nicht... in Raymonds Gesellschaft.“ „Um so besser!“ antwortete Mrs. Saltonstall, indem sie sich in ihre Hängematte zurücklehnte.„Raymond ist ein alter Freund. Nun aber solltest du dich zur Siesta niederlegen, liebes Kind, um zu Tische wieder frisch zu sein. Ich erwarte einen Gast... Dr. West.“ „Schon wieder! Was wird Pereo dazu sagen?“ „Pereo!“ wiederholte die Witwe, indem sie ungeduldig in ihrer Hängematte emporfuhr.„Pereo wird geradezu unerträglich! Er ist so verrückt wie Don Quichotte, und es wird immer unmöglicher, seine Unverschämtheiten und Einmischungen vor den Augen der Fremden zu verbergen. Natürlich begreifen sie seine vertraute Stellung zu der Herrschaft nicht, da sie nichts von seinen langen treuen Diensten wissen. Außerdem sind die Haushofmeister nicht mehr üblich, liebes Kind. Die Vallejos, die Briones, die Castros haben keinen mehr, und Dr. West sagt mit Recht, daß sie ein lächerliches Ueberbleibsel des früheren, patriarchalischen Systems sind.“ „Und durch gewandte Fremdlinge ersetzt werden können,“ fiel Maruja ernsthaft ein. „Und das um so eher, wenn das patriarchalische System nicht imstande ist, den Kindern die gebührende Ehrfurcht für die Eltern einzuflößen. Nein, Maruia! Nein, ich bin gekränkt, küsse mich nicht...“ Und sieh nur, wie dein Haar herunter hängt, und deine Augen haben Ringe, daß sie aussehen wie Eulenaugen. Du redest diesem fanatischen Vereo auch nur das Wort, weil er dich in Ruhe läßt, während er deinen armen Schwestern und ihrem Gefolge nachspürt, wie der Indianer tun würde, dessen Blut in seinen Adern fließt. Nur die Heiligen wissen, ob er nicht schuld daran ist, daß Kapitän Carroll die Flucht ergriffen hat. Er glaubt wahrhaftig, der einzige Schutz und Schirm unserer Familienehre zu sein. glaubt von Don Fulono, von Koorotore mit der heiligen Mission betraut zu sein, den Fluch von uns abzuwenden. Ich bin überzeugt, daß er seine Einbildungen durch Aguardiente(Branntwein) aufzufrischen pflegt, und daß unsere einfältigen Tagelöhner und Dienstboten einen Provheten in ihm sehen. Die Kinder erfüllt er durch seine albernen Geschichten mit aberoläubischem Schrecken und bringt sie dazu, den heidnischen Grabhügel zu schmücken, als ob es der Schrein unserer lieben Frau der Schmerzen wäre. Gegen Dr. West hat er sich gestern abend geradezu unartig benommen.“ „Aber du selbst hast ihn in seiner Vertrauensstellung befestigt.“ sagte Maruja.„Erinnere dich, liebe Mutter, wie du ihn beauftragt hast, Duena Enriquita und Oberst Brown zu überwachen und den jungen Engländer fortzuschaffen, der Dorotea zu viel Aufmerksamkeit erwies;: selbst den armen Raymond hattest du ihm in die Hände gegeben, und er ging so rücksichtslos mit ihm zu Werke, daß ich mich des Unglücklichen erbarmen mußte.“ „Ich hatte ihm einfach die Erklärungen aufgetragen, die ich selbst nicht geben kann, ohne die althergebrachte Gastfreundlichkeit der Casa zu verletzen,“ erwiderte Dona Maria mit einer gewissen schwerfälligen Würde, die— trotz der Schwäche ihrer Beweisführungen— nicht ohne Eindruck zu bleiben pflegte. „Noch ist es— der heiligen Jungfrau sei Dank! nicht so weit gekommen, daß wir selbst den Ansprüchen jedes Gastes, den der Zufall unter unser Dach geführt hat, Beachtung schenken müßten, wie die heiratstiftenden, töchterverschachernden Engländer und Amerikaner tun. Auch war Pereo damals noch taktvoll und vorsichtig— jetzt ist er verrückt. Man muß unter den Fremden, die unser Tal bevölkern. Unterschiede zu machen wissen... um so mehr, da die Bewerber aus unseren alten Familien mehr und mehr verschwinden.“ „Das ist nicht so schlimm.“ meinte Maruja mit scheinbarer Unbefangenheit.„Da ist der treffliche Ramierrez, der sich vor kurzem beinahe eine Gemahlin aus der Singspielhalle von San Franzisko geholt hätte.. vielleicht kann er dem Feuer noch entrissen werden.— Dann der jugendliche José Castro, erster Padrono unserer nationalen Stiergefechte in Soquel, berühmter Reitei und Sieger in— ich weiß nicht wie viel Rennen. Und haben wir nicht Vincente Peralta, der, wie die Rede geht, einen Sitz im amerikanischen Kongreß anstrebt?— Er kann wirtlich lesen und schreiben, ich habe selbst einen Brief von ihm.“ Dabei bog sie das Schreiben des Kapitän Carrol herab und zeigte ein anderes, das darunter steckte. Mrs. Saltonstall schlug mit dem Fächer auf die Hand der Tochter. „Du spottest über alles— nur Perco verteidigst du jederzeit. Geh jetzt und suche dich in einen besseren Gemütszustand hinein zu schlafen.— Halt— ich höre des Doktors Pferd.. geh schnell hin und überzeuge dich, daß Pereo ihn in gebührender Weise empfängt" Maruja war kaum in den dunklen Zwischengang eingetreten, als sie mit dem Neuangekommenen zusammentraf, einem grauhaarigen Sechziger mit harten Zügen, der allem Anschein nach ohne Umstände ins Haus getreten war. „Sie haben das Anmelden nicht erwarten wollen,“ sagte sie freundlich,„Mama wird sich durch Ihre Ungeould geschmeichelt fühlen... sie ist im Patio.“ „Pereo hat wahrscheinlich noch zu viel mit der Nachwirkung des Aguardiente zu tun das er gestern in sich hineingegossen, um an das Anmelden zu denken,“ gal Dr. West trocken zur Ant erste Eingabe gegen die öffentlichen Häuser im November 1907 erfolgt sei. Die Häuser seien im Marz geschlossen worden im Batg Hschlossen weiben Runmehr brachte Vert. n.=A. Haußmann den bereits erwähnten Artikel der„Welt am Montag zur Verlesung zum Beweise dafür, daß in ihm die gleichen Tatsachen behauptet worden sind, ohne daß eingeschritten worden wäre. Zur Begründung der Anklage führte Staatsanwalt Jelin aus: Der Angeklagte hat sowohl durch die bildliche Darstellung urch den Text der badischen Regierung seine Mißachtung ausdrugken wollen. Er hat die badische Eisenbahn beleidigt. Der Eisenbahnminister sollte getroffen werden. Das geht schon daraus hervor, daß ein Beamter in badischer Eisenbahnuniform auf dem Bilde gezeichnet ist. Dem Ministerium wird unterstellt, daß es Orden nicht nur an Würdige verteile, sondern auch an Insassen eines Bordells. Nun darf die Satire gewiß überreiben, aber sie darf nicht durch unwahre Behauptungen veretzen. Es wird behauptet, daß die Regierung das Bordell selbst betrieben habe, sogar lange betrieben habe, denn es wird von den langjährigen Verdiensten der Alma Wassermeier gesprochen. Ich wollte zuerst zugeben, daß die badische Regierung unvorsichtig und ungeschickt gehandelt hat. Nach der Aussage des Zeugen Jansen kann ich das aber nicht mehr. Die badische Regierung hat verlangt, daß das Bördell geschlossen werde. aber hat der Angeklagte daraus gemacht? Die Grundlage einer Karikatur muß wahr sein. Der§ 193 ist nicht anwendbar, denn die Bordelle waren längst geschlossen, als der Angriff erfolgte. Korrekt ist der Sittlichkeitsverein verfahren. Dem lagen allerdings auch persönliche Zwecke ganz fern. Der Vergleich mit dem Artikel in der„Welt am Montag paßt nicht, denn er behauptet nur, daß der Fiskus das Haus besitzt, während der Angeklagte behauvtet, daß er das Haus betreibt. Mit Rücksicht auf die hohe Verbreitung des„Simplizissimus“ beantrage der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 1000 Mark. .„ Vert. R.=A. Haußmann bekämpfte zunächst in juristischen Ausführungen die Erhebung der Anklage und beantragte formell des Verfahrens. Materiell führte er aus. Die Foroerung des Stwi von 42.500 M' war cht: Einstellung de.„.„ahrens. Materiell führte er aus: Die „##kung des Ei,, fron 42000 Mi. wur nicht so exorbitant hoch dar": Rebrn t. wal nicht so exorbitant hoch, duß eine Ben#rde deswegen einen Bordellbetrieb weiter dulden durfte. Man hatte ihm das Geld ruhig zahlen sollen und Siwi wäre sofort ausgezogen. Aber um eines finanziellen Effektes willen hat die badische Eisenbahnverwaltung einen Betrieb geduldet, der an und für sich gegen den§. 180(Kuppeleitrieb geduldet, der an und für sich gegen den§ 180( paragrapy) verstößt. Dagegen hatte der Angeklagte die aller „gersteg, Bedenken. Die Ver.„ die so sittlich war, daß 5 schwersten..... Die Verwaltung, die so sittlich war, daß sie den„Simptizissimus auf ihren Bahnhofen vervot, beging eine Handlung, die den§ 180 mindestens streift. Was ist natürlicher, als daß ein satirisches Blatt sich sagte: von hier bis zur Anerkennung des Bordellbetriebes ist es nicht mehr weit! Ob das Bordell bereits geschlossen war, als der Angriff erfolgte, war gleichgiltig. Das andert an der Beurteilung der Persönlichkeiten nichts. Entscheidend war, daß das Gewerbe mit Genehmigung der Bahnverwaltung weiter betrieben worden ist. Das Bild ist das Werk eines der besten aller deutschen Karikaturisten. Nur durch das Eingreifen des Sittlichkeitsvereins ist der Sache ein Ende gemacht worden. Sonst hätte Herr Siwi bis zum Oktober seinen Betrieb ausüben können. Ich beantrage die Freisprechung des Angeklagten. Nach einstundiger Beratung wies das Gericht die formellen Einwände des Verteidigers als rechtlich unerheblich zurück und setzte die Urteilsverkündung auf Dienstag vormittag fest. Parteinachrichten. „ Vess Strafkonto der Presse. Wegen des„Schinderknecht“. urtikels wurde am Freitag Genosse Nottebohm von der „Arbeiter=Zeitung" in Dortmund vom dortigen Landgericht zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte vier Monate beantragt. Vom Fortschritt der Presse. Trotz der Krise, die eine starke Abwanderung aus dem Industriebezirk zur Folge hatte, ist es den Genossen des Wahlkreises Bochum gelungen, die Abonnentenzahl des„Volksblatt“ im Laufe des Winters um 1300 zu steigern. Dies ist vornehmlich einer intensiven Hausagitation zu verdanken, die in allen Orten durchgeführt wurde.— Die „Arbeiterzeitung“ in Dortmund teilt mit, daß sie neben ioren bisherigen regelmäßigen Beilagen„Nach der Arbeit“ (Unterhaltungsbeilage),„Die Genossin“(Frauenbeilage),„Der junge Kamerad“.(Jngendhailgge) noch ." Numerab GJugenbbeilage, noch eine vierte rege mäßige Beilage unter dem Titel„Wissen ist Macht“ vom 1. April an erscheinen lassen wird.„Wissen ist Macht“ soll eine literarische Beilage sein, deren Aufgabe es in erster Linie sein soll, den Paxteigenossen ein Wegweiser zu sein durch das Gebiet der Neuerscheinungen der Parteiliteratur und der für die Arbeiterleser in Betracht kommenden Teile der besseren bürgerlichen Parteiliteratur. Ein Parteikassenmarder. Am 3. März d. I. erschien im Bureau des Hamburger Parteisekretariats der ungarische„Parteigenosse Adolf Goldberger“, der unter Vorzeigung einer anwort.„Ich traf ihn abends vor der Tienda(ländlicher Kramladen), in Gesellschaft zweier Gurgelabschneider, die man am liebsten über den Haufen geschossen hätte.“ „Ein Haushofmeister hat allerlei Einkäufe zu machen, muß mit allerlei Volk verkehren,“ antwortete Maruja, und mit süßem Lächeln fügte sie hinzu:„Was wollen Sie? Seinen Umgang sorgfältig auszuwählen ist eben nicht möglich— können wir es doch kaum für uns selbst. Einen Augenblick schien es, als ob der Doktor etwas erwidern wollte, dann aber ging er mit einem ingrimmigen„Guten Morgen!“ an ihr vorüber, dem Patio zu. Maruja folgte ihm nicht; ihre Aufmerksamkeit wurde plötzlich durch eine bisher unbemerkte, regungslose Gestalt in Anspruch genommen, die, in einem Winkel des Ganges verborgen, auf sie zu warten schien. Das scharfe Auge der Tochter Joseph. Saltonstalls hatte sich nicht getäuscht; ohne weiteres ging sie auf die Gestalt zu und lagte in scharfem Tone: „Pereo; Zogerno trat die Gestalt in das Licht des vergitterten Fensters. Es war die eines alten, großen Mannes, der sich noch immer aufrecht hielt, obwohl das Haar von seinen Schläfen verschwunden war und nur noch in zwei oder drei langen, starren Strähnen in seinem Nacken hing. Sein Gesicht, auf das einer eines Geistlichen, halb der eines Viehtreibers; seine Sammetmanchesterhosen waren vom Knie an offen und mit goldenen Knöpfen besetzt; die breite rote Schärve, die er um den Leib zil du gewunden hatte, wurde zum Teil##ich eine lange, faltenlose Chaquela verhunt und daruber trug er einen runden, priesterlichen Mantel von schwarzem feinem Tuch, der vermittels eines mit Gold umsäumten Schlitzes über den Kopf gezogen war. Seine ruhelosen gelben Augen senkten sich vor denen des jungen Mädchens und der steife, lackierte, breitrandige Sombrero, den er in der runzeligen Hand hielt, zitterte. „Du spionierst schon wieder, Pereo!“ sagte Maruja in einem anderen Dialekt, als sie mit der Mutter gesprochen hatte;„das ist unwürdig für den vertrauten Diener meines Vaters.“ „Dieser Mensch... dieser Coyote, Dona Maruja, ist unwürdig Ihres Vaters, Ihrer Mutter, Ihrer selbst!“ antwortete er mit heftigen Gebärden, in lautem Flüstertone.„Ich, Pereo spioniere nicht, ich verfolge.. verfolge die Spur des schleichenden Raubtieres, bis ichs in meine Gewalt bekomme und ihm den Garaus machen kann. Ja, ich war es— ich, Pereo, der schon Ihren Vater vor diesem Menschen gewarnt hat, welcher sich mit der halben Besitzung, die er an sich gerissen, nicht begnugen wird Ich, Pereo, habe auch Ihre Mutter gewarnt, habe iyr gesagt, daß er jedesmal, wenn er den Boden der Mission Perdida betritt, mit den Augen die Felder abmißt, die er uvon losreißen könnte!“. Der Alte schwieg schweratmend still; in seinem Blick lag der unheimliche Glanz einer fixen Idee. (Fortsetzung folgt.) geblich von dem Budavester Vertrauensmann ausgestellten Bescheinigung den politischen Flüchtling mimte. der von den ungarischen Behörden wirt chaftlich ruiniert und von Ort zu Ort gehetzt worden sei. Er erhielt eine Unterstützung von 15 Mk., weil er vorgab. er wolle nach Paris reisen. Abends erzählte „Goldberger auf einer Herberge, wie man zu Geld kommen könne, ohne viel arbeiten zu müssen. Diese Aeußerung kam dem Sekretariat zu Ohren, worauf man den Ungarn beim Schopfe nahm. Er entpuppte sich als der wegen Hehlerei mit 8 Monaten Gefängnis vorbestrafte Buchdrucker Franz Johann Wallfisch, geboren am 24 März 1869 in Ungarn. Am Dienstag nachmittag hatte W. sich vor dem Landgericht in Hamburg wegen Belruges und Urkundenfälschung zu verantworten. Mitgliedskarte und Begleitschreiben soll nach seiner Behauptung ein anderer Buchdrucker gesälscht haben. Das Gericht verurteilte den Schwindler, der bis zum Jahre 1902 der ungarischen Parteiorganisation angehört haben will, zu 2 Monaten Gefängnis. Personalien. In die Redattion der„Arbeiterzeitung" zu Dortmund trat am 1. April Genosse Georg Beyer aus Breslau ein, der bis November vorigen Jahres an der„Leipziger Volkszeitung" tätig war. Gleichzeitig schied Genosse William Bromme aus dem Redaktionsverband des Dortmunder Organs.— In die Redaktion des„Volkswille" zu Hannover ist am 1. April Genosse Albert Meyer eingetreten, der vor 1½ Jahren aus der Redaktion der„Brandenburger Zeitung" schied. Genosse Meyer übernahm die Redaktion des provinziellen Teils des„Volkswille“ an Stelle des Genossen Thomas, der am gleichen Tage austrat. Unsere Toten. Der Genosse Emil Fischer, Redakteur am „Hamburger Echo“, ist nach etwa einjähriger Krankheit an einer Nierenentzündung in San Remo, wo er sich seit Anfang Dezember aufhielt, gestorben. Fischer war am 17. Januai 1858 in Potsdam geboren. Er war von Beruf Steindrucker und hat auf iner Wanderschaft Deutschland, Norditalien, die Schweiz und ie skandinavischen Länder durchzogen. Die Erkenntnis seiner Klassenlage führte ihn sehr bald in die Reihen der Arbeiterbewegung. In den achtziger Jahren war er in der Wilhelmshavener Werft als Arbeiter tatig. Er wurde dort gemaßregelt und zum Redakteur an die in Bant gegründete„Nordwacht“ berufen, die er bis 1890 redigierte. In dieser Eigenschaft hat er viele Gefängnisstrafen erlitten. Dann wurde er Lokalredakteur am„Hamburger Echo" und bekleidete diesen Posten bis zuletzt. Im Jahre 1904 wurde er in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, wo er einer der eifrigsten, befähigtesten und wirksamsten Redner der Sozialdemokratie war. Seit zwei Jahrzehnten kandidierte er im Reichstagswahlkreise Lüneburg=Winsen. Aus der geeinigten Partei Frankreichs. Der neugewählte Devutierte von Marseille, Bouisson; ist unter etwas ungewöhnlichen Umständen Mitglied der geeinigten Partei geworden. Vor drei Wochen drang er im zweiten Wahlgang gegen einen radikalen Kandidaten und gegen den Kandidaten der geeinigten Partei, Cremieux durch. Er hatte in der Wahlagitation eine vag sozialistische, regierungsfeindliche Politik vertreten. Nach seiner Wahl meldete er seinen Beitritt zu einer Marseiller Bezirksorganisation an, die ihn auch aufnahm und nun hat der Föderationskongreß mit allen gegen drei Stimmen diesen Beitritt zur Kenntnis genommen. Die Situation ist recht merkwürdig.: Denn Bouisson hätte, weil ihm die vorgeschriebene Parteizugehörigkeit fehlte, nicht Kandidat der geeinigten Partei werden können und nun ist er, wenn der Parteitag nicht den Marseiller Beschluß kassiert, Abgeordneter und zwar. nachdem er in einer Wahlkamvagne gegen den Kandidaten der Partei aufgetreten ist. Für die Mängel der Parteiorganisation selbst in großen Arbeiterzentren ist der Vorfall bezeichnend. Daneben aber auch für die steigende Anziehungskraft, deren sich die geeinigte Partei nach den neuesten Erfolgen erfreut. So ist z. B. kürzlich der Pariser Gemeinderat Novarre, übrigens einer der verdientesten und sozialpolitisch unterrichtetsten Kommunalpolitiker in den Gemeinderatsklub der geeinigten Partei eingetreten, der er jahreseng als „Unabhängiger“ ferngeblieben war.— Dagegen ist der Depue###der wegen Vichterfüllung seiner orgarisatorischen Verpflichtungen von der Seine=Föderation aus der Partei ausgeschlossen worden. Gegen den Beschluß ist uppell an den Parteitag zulässig. Betriebe zu schließen und die Aussperrung so lange forkzuführen bis der Deutsche Metallarbeiterverband den von ihnen vorge, legten Tarifentwurs anerkannt hat. Das heißt dann freier“ Tarifvertrag. Auch im Bauanschlägerberuf droht ein schwern Lohnkampf. In diesem Gewerbe ist der Tarifvertrag heut m, und du. Gtzgg.„„„ Gewerkschaftsbewegung. Die Lohnbewegung der Schneider in Magdeburg ist beendet. Die Herrenschneider erreichten eine drei. Oehnerbsbun##derg erreichten, eine drei= bis fünfprozentige Lohnerhohung. Die Damenschneider verkürzten ihre Arbeitste###, die jetzt 9½ Stunden beträgt, um ½ Stunde. Bei einzelnen Firmen wurde außerdem eine beträchtliche Lohnerhöhung erzielt. Aussperrung im Berliner Bauklempnergewerbe. Wie schon erwähnt, sind im Ber iner Bauklempnergewerbe die Verhandtungen über die Einführung eines neuen Tarifvertrages gescheitert. Die Arbeitgeberorganisationen haben beschlossen, alle Ein Vlermönätlichtr Hirrdohnolt und feine Wirkung auf die Arbelir. . Die im Schutzverband der alpenländischen Brauereien vereinigten Bierfabrikanten beabsichtigten, den Biervreis in Steiermark(und ebenso in den übrigen Alpenländern) vom 1. Juli 1908 an zu erhöhen. Sie gewannen die Wirte dadurch für den Plan, daß sie bei der Beute„Halbpart“ beschlossen. Die Preissteigerung, in deren Ertrag sich Brauer und Wirte teilen wollten, betrug 4 Heller per Liter, und um jede Konkurrenz unter den Wirten unmöglich zu machen, sollten die Wirte(und auf ihr Betreiben auch die Konsumvereine) gezwungen werden, das Bier nur zu erhöhtem. Preis abzugeben— bei Strafe des Entzuges der Bierlieferung. Unter dem Eindruck einer Versammlung der Ortsgruppe Graz des Arbeiter=Abstinentenbundes Oesterreichs und der Veröffentlichung meines Referates im sozialdemokratischen Parteib att von Steiermark und Kärnten, im„Arb. iterwille“, entstand eine unerwartete Bewegung unter der Arbeiterschaft, ein spontaner Ausbruch eines Bierboykotts, der am 1. Juli ohne jeden Beschluß und ohne jede weitere Agitation einsetzte und eine solche Höhe erreichte, daß nach 14 Tagen die sozialdemokratische Partei von Steiermart und von Kärnten offiziell den Boykott über das verteuerte Bier verhängte. Boykotts als Kampfmittel gegen Verteuerung von Lebensmitteln oder Gebrauchsgegenständen, die als solche oder als Genußmittel gelten, sind bisher fast immer schiefgegangen. Milchboykott, Fleischboykott, Brotboykott, selbst wenn sie sich nur gegen einzelne Verteuerer richten, leiden meist schwer unter der Unübersehbarkeit der Konsumenten, ganz besonders unter der I übersehbarke. der Konsumenten, ganz besonders unter der Indolenz der Frauen und unter der talichen Noviesse der bürgerlichen Kreise, der Beamten und Gewerbsleute, die zu persönlichen Opfern nicht bereit sind und denen es„auf den einen Kreuzer mehr nicht ankommt“. Besonders sind fast alle gegen eine Ver3 gerichteten Boykotts erso glos geblieben. teuerung des Bieres Gerode da gerichteten Boykotts erure#n liefert das vier#elige, Burgertum, besonderr roßen Städten, einen starten Konsumenten und hilft dadurch ers in den Städten, einen starten Konsumenten und hilft dadurch sen Brauereien, die Uebergangszeit zu uberdauern Wenn trotzdem der Bierboykott in Steiermark und Kärnter vier Monate ungeraurei", Ind mir einein, leinwdeisen, F7. ½„ arch ,einen angedauert hat und mit einem teilweisen Erfolg durch einen regelrechten Friedensschluß zwiecen der machtigen Organisation der Brauereien und den soziaidemokratischen Landesparteivertretungen von Steiermark und Kärnten beendet wurde, kann daraus auf die Wucht und die Zähigkeit ein Rückschluß gezogen werden, womit die Arbeiter in Steiermark(besonders in den Provinzor#en, weniger stramm in Graz) den Bierboykott einhielten. Dies nur zur Information, da ich nicht über den Boy* Diesen Artikel des Genossen Dr. Michael Schacherl entnehmen wir dem Heft 6(1. März 1909) der österreichischen sozialdemokratischen Monatsschrift„Der Kampf“. gleichfalls abgelaufen, und die Arbeitgeber haben beschlossen nachdem die Tarifverhandlungen gescheitert sind, samtliche ul. kordlöhne um 10 v. H. zu kürzen. Da es wohl ausgeschlossen ist, daß die im Deutschen Metallarbeiterverband und im Verein der Bauanschläger organisierten Arbeitnehmer diese Lohnkürzung ruhig hinnehmen werden, dürfte es auch bei den Bauanschlägern zu einem folgenschweren Lohnkampf kommen Es ist deshalb der Zuzug von Bauklempnern und Bauanschlägern nach Berlin fernzuhalten. Die dem Gewerkschaftskartell Dresden angeschlossenen Gewerkschaften hatten am Ende des Jahres 1908 eine Mitglieder. zahl von 58 861(52784 männliche, 6077 weibliche). Es wurden 13167 Aufnahmen erzielt, 11 462 Mitglieder gingen verloren. Das gewaltige Wachstum der Gewerkschaftsbewegung in Dresden geht daraus hervor, daß im Jahre 1903 nur 29 714 Mitglieder vorhanden waren. Die Einnahmen der Gewerkschaften betrugen 2329 861 Mk., die Ausgaben 1792972 Mark. Die letzteren setzten sich wie folgt zusammen: Streik= und Gemaß. regelten-Unterstützung 86 368 Mk.(1907: 399044 Mk.), Arbeitslosen-Unterstützung 359744(1907: 277 462 Mk.), Krankenunterstützung 291 082 Mk.(1907: 147305 Mk.). Streiks und Aus. sverrungen sind in 26 Gewerkschaften zu verzeichnen, an denen 3500 Mitglieder beteiligt waren. Eine ganze Reihe Differenzen „sind ohne Arbeitsniederlegung erledigt worden. In 20 Fällen hat das Einigungsamt des Gewerbegerichts eingegriffen. 26 Gewerkschaften haben im verflossenen Jahre Tarife abgeschlossen. In Dresden hat ssich im verflossenen Jahre auch ein sogenanntes nationales Kartell gebildet, dem die christ. lichen, Hirsch=Dunckerschen und nationalen Arbeiter, 25 Vereine und Vereinchen, sich anschlossen. Sie renommieren damit, 8000 Mitglieder zu haben. Doch dürften sie deren nicht sicher sein, denn bei den Gewerbegerichtswahlen wagten sie nicht einmal, eigene Kandidaten aufzustellen. Glasschleifer=Ausstand beendet. Durch die Vermittlung des Gauleiters vom Glasarbeiterverband ist der Konflikt der Glasschleifer bei der Firma Schramm u. Schupp in Langewiesen i. Th. beigelegt worden. Schwarze Listen des Gesamtverbandes Deutscher Metallindu. strieller. Vier dieser Listen sind uns wieder auf den Tisch geflogen. Sie datieren vom 6., 8. und 9. März und tragen die Nummern 24 bis 27. Unterm 6. März wird ersucht, drei Modelltischler nicht einzustellen, weil sie am 4. März wegen Entlassung eines Kollegen bei der Firma Johann Wilhelm Spät in Nürnberg die Arbeit niedergelegt haben.— Unterm 8. März wird eine schwanze Liste Nr. 17 vom 24 Februar d. I für ungiltig erklärt, weil die Lohndifferenzen bei der Firma Bernhardt u. Philipp in Chemnitz infolge Anwerbung anderer Arbeitskräfte beendet worden sei.— Am 9. März werden im Rundschreiben Nr. 26 elf Former der Suderburger Maschinenfabrik und Eisengießerei A.=G. zu Magdeburg schwarzgeschrieben, die am 6. März wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt haben, und unter dem gleichen Datum wird eine„Arbeiterbewegung“ bei der Firma Boecker u. Co. in Gelsenkirchen=Schalke als beendet e.klärt, wodurch gleich drei schwarze Listen— Nr. 15 18 und 19 vom 23. und 25 Februar und 1. März— erledigt werden. Bergarbeiterstreik. Die Braunschweigischen Kohlenwerke zahlen ihren Aktionären 14 Prozent Dividende. Trotzdem kürzten sie ihren Grubenarbeitern im Januar d. J. den Lohn um 10 Prozent. Mitte März verlangten die Arbeiter die Zusicherung des alten Lohnes. Die Forderung wurde von der Verwaltung jedoch rundweg abgelehnt. Darauf legten über dreihundert Arbeiter der Grube„Treue“ bei Schöningen und die Arbeiter der Grube„Trendelbusch“ am Donnerstag die Arbeit nieder. Die christlichen Bergarbeitex und die vom alten Verbande gehen gemeinschaftlich vor, Die Lederarbeiter in Oederau sind in den Ausstand getreten. Im Schneidergewerbe ir Löbau wurde ein Tarif mit der Schneider=Zwangsinnung abgeschlossen. Genossenschaftsbewegung. Die„Deutsche Kohlenzeitung“ gegen die Beamtenkonsumvereine und Kohlenkassen. Dem Oppelner Beamtenverein ist es gelungen, durch vertragliche Verpflichtung der Königlichen Bergwerksdirektion in Zabrze seinen Mitgliedern für das Jahr 1909 den direkten und billigen Bezug von Kohlen zu vermitteln. Darüber ist die„Deutsche Kohlen=Zeitung“ ganz aus dem Häus. chen geraten, und was sie dem Fiskus sagt, sind keine Schmeicheleien. Ihm wird der Vorwurf gemacht, daß er„durch ein solches Verhalten die wirklich traurige Lage der Geschäftsstände nur noch verschlechtern hilft, und daß sein Beispiel„immer verheerender kott selbst, sondern über seine Wirkungen speziell auf die boykottierende Arbeiterschaft berichten will Erwähnt sei nur, daß der Bierboykott zum großen Teil in Wort und Schrift vom Abstinenzstandpunkt aus begründet wurde und daß es keinem der Parteiredner, auch wenn sie keine Abstinenten waren, mehr einfiel, die Verteuerung des Bieres als die eines„Nahrungsmittels" zu bekämpfen, wie es noch vor wenigen Jahren allgemein ublich war. Ueber die Wirkungen des Bierboykotts auf die Arbeiterschaft liegt mir das Material einer schriftlichen Enquete vor, die ich bei den Parteivertrauensmännern der Lokalorganisationen von Steiermark im Oktober 1908 veranstaltete, und zwar um eine Grund age für ein Referat zu erhalten, das ich auf dem letzten Kongreß des Alkoholgegnerbundes in Wien halten sollte. Daran war ich verhindert, ich glaube aber, daß das Material von Interesse für die Oeffentlichkeit und für die Partei ist. An die Parteivertrauensmänner richtete ich 11 Fragen. 31 Antworten liefen ein, nur fünf der Einsender sind mir als Abstinenten bekannt. Die Fragen lauteten: 1. Haben viele Arbeiter auf den A kohol(Wein, Most, Schnaps) überhaupt verzichtet oder bedeutend weniger als früher getrunken? Welche Getränke(Wein, Most, Schnaps, Kracherl, Kaffee, Tee, Milch, Wasser) wurden von den Boykottierenden getrunken? 2. Ist in den Werkstätten viel weniger Alkohol getrunken worden? 3. Welche Beobachtungen machten die Arbeiter selbst über die Wirkung der Bierenthaltung? Fühlen sie sich, für leichter?(Angabe des Betrieb Wixkung der Bierenthaltung? Fühlen sie sich für die Arbeit keichter: fAngart des Litriedes oder der Branche). 4. Fühlen sich die Arbeiter gesünder, weniger müde als in der Bierzeit? Sind Angaben über erhöhte Arbeitsleistung(bei Akkordarbeit vielleicht durch höhere Verdienste) moglich? Wie steht es mit der Zahl der Unfälle und der Erkrankungen in der bierlosen Zeit? Hat der *•** überhaupt abgenommen? Wenn ja, was machten die Arbeiter mit ihrer freien Zeit? Machte sich eine vermehrte Ausgabe für Lebensmittel, Kleider, Wäsche, Bücher, Zeitungen oder für Frau und Kinder bemerkbar? 8. Sind Ihnen Aeußerungen von Arbeitern oder ihren Frauen über die finanzielle Wirkung des Bierboykotts auf ihre Einnahmen und Ausgaben(Ersparnisse) bekannt? 9. Wie ist überhaupt die Stimmung der Arbeiter über die Enthaltung vom Biertrinken? Ist zu erwarten, daß nach einer Aufhebung des Bierboykotts wieder im alten Ausmaß getrunken wird, oder wird sich voraussichtlich eine dauernde Abnahme zeigen? 10. Ist in Ihrem Orte eine moralische Wirkung des Bierboykotts durch Unterbleiben oder selteneres Vorkommen von Raufereien an Zahltagen, Sonn= und Feiertagen, Mishandlung'n von Frauen und Kindern, Lärmen in den Streßen, Verhaftungen und sonstigen Konflikten zu verzeichnen! auf die Hunderttausende d heute schon auf den Trü fährt das Blatt in seiner? sämmerlichem Tone fort: „Armer Staat, armes Grenze ihrer Ernährung aller angekommen sind. den höchsten wirtschaftliche heit besonders ein, und a schüfe zur Deckung aller kostenlose Einrichtungen. das Recht, Steuern zu z zu sein. Diese„treuesten Staats fassung vom Patriotismus sein. Wo ein Händlerblat es nie, auf die„staatstre weisen. Das ist ichließlic Konsumenten durch genosse befriedigung organisieren, ler verschwunden. Sie bele haben aber keine volkswi erfüllen. Sie entdecken da langen dafür eine Belohnu vereine. Richtige Krämer Der größte Konsumverlich des Umsatzes, die K Leeds. Der Breslauer# 89000 Mitglieder einen Un die Konsum= und Produkt mit 50000 Mitgliedern er reichte. Die Gründung de der gewaltigen Brot= und Jahren des vorigen Jahrh leiden hatte. Sie begann schaft. Eine Anzahl Arb genossenschaftliche Kornmü nossenschaft sich entwickelth bel, Bürsten, Zinnwaren, produziert. In der Korn Mehl und 180000 Säcke a 6 Millionen Mark produz Tonnen besorgen den Ge Mühle, die am direkten Der große Getreidesilo le Schuhfabrik, die 175 Per 2100 Paar Schuhe hergeste Die Bäckerei produziert wi und 3000 Dutzend Pasteter und 500 Pfund Schweinefl kuits, Zuckerwaren, Kandis werden pro Woche 800( Schlächterei beträgt der wö den pro Woche 120 Rinder arbeitet und 80 Zentner T briziert. In Verbindung nossenschaft eine 90 Acre Februar 1908 eröffnete Di und erzielt einen Wochenur Bedeutendes leistet die auch auf dem Gebiete der Kohlen beträgt wöchentlich Kohlenlagern besitzt die am Leeds- und Livervoolk kähne und 150 Eisenbo schwarzen Materials aus sitzt die Genossenschaft 245 nialwaren. 79 für Fleischt für Schuhwaren. 7 für Grünzeng und 16 Kohlen glieder beziffern sich auf #r, im lehzten Jahre 31 „. gat sind insgesamt 219 dan Leeds' eine Fabrikstadt wohner ist, so ergiht sich, Familien dem Konsumvere Industrie, Ha Ki. Die 20prozentige zum Loewe=Konzern gehör tionsfabriken erfreuen ihre dende von 20 Prozent. patronenfabrik in Karlsru 1. Wie stellt sich die Ar Abstinenzbewegung? Die Fragen wurden, wi ten Regel ist, nicht von all trotzdem geben sehr viele dieser mitten unter ihren ganz gutes Bild von den V schreibt Schacherl,„auf di Bierboykotts in phy ischer, Ein Vertrauensmann Kollegen erklären, daß sie in ihrem Leben ohne Bier mehr in ihrer freien Zeit sahren hinaus. Frauen sa recht lange anhalten möchte für den Winter Kl.ider Bier aufg gangen wäre. Ein Vertrauensmann Bierboykott hört man vo jetzt die Arbeit leichter vor beiter jetzt gesünder und m Die Wirkung ist eine mo Ausschreitungen seltener Ein Vertrauensmann fabrik ist, schreibt: „Die nie auch viee Arbeiter b zur Kleidungsstücke und wird mehr getan, was auda sie jetzt kaum die Hälfte Boykott. Auch ist jetzt zu Wirtshäusern an Sonntagen das Bier schuld wa Ein Vertrauensmann greibt:„Die Arbeiter, sich im uugemeinen gesünd genommen, die Wirte klag gen ihre freie Zeit haupt# mit Ausflügen in die Um gehoben. Vermehrte Aus nur bei einzelnen konstatie nahme des Gasthausbesuck r günstig beeinflussen! nihr Aeußerungen von Mi Der Vertrauensmann großer Teil der Arbeiter sich eines bedeutend bess nahm ganz gewaltig ab, Freien, kleine Bergparti Sonntagen in erhöhtem M gabe für Lebensmittel ist der Warenumsatz im Kons var als in der gleichen Ze der Zarjahr, während der trein um 500 bis 800 konstg, aufereien läßt sich un atieren. Der Vertrauensmann Zit einem Sensenwerk sch Seltenheit“ so lange sforlzuführen en von ihnen vorge. heißt dann„freier“ if droht ein schwern Tarifvertrag heute er haben beschlossen, t sind, sämtliche Al. sohl ausgeschlossen ist, d und im Verein der diese Lohnkürzung i den Bauanschlägern ! Es ist deshalb der hlägern nach Berlin angeschlossenen Ge908 eine Mitglieder. eibliche). Es wurden der gingen verloren. isbewegung in Dres903 nur 29 714 Mitn der Gewerkschaften 792972 Mark. Die Streik= und Gemaß. 99044 Mk.), Arbeits. Mk.), KrankenunterStreiks und Aus. erzeichnen, an denen ze Reihe Differenzen rden. In 20 Fällen sts eingegriffen. 26 re Tarife abgeschlos. Jahre auch ein sogest,, dem die christ. Arbeiter, 25 Vereine mmieren damit, 8000 ren nicht sicher sein, en sie nicht einmal, die Vermittlung des Konflikt der Glaschupp in Langeseutscher Metallindu. er auf den Tisch gekärz und tragen die ersucht, drei Modellrz wegen Entlassung Wilhelm Spät in — Unterm 8. März bruar d. I für under Firma Berninfolge Anwerbung Am 9. März werr Suderburger ßerei A.=G zu März wegen Lohnd unter dem gleichen er Firma Boecker als beendet e#klärt, 15 18 und 19 vom zt werden. igischen KohlenDividende. TrotzJanuar d. J. den ten die Arbeiter die ung wurde von der uf legten über dreiSchöningen und die inerstag die Arbeit die vom alten Veri den Ausstand geein Tarif mit der egung. Beamtenkonsumcamtenverein ist es Königlichen Bergfür das Jahr 1909 len zu vermitteln. inz aus dem Häus. nd keine Schmeicher„durch ein solches äftsstände nur noch mmer verheerender u siell auf die boykotnt sei nur, daß der Schrift vom Abstidaß es keinem der waren, mehr einies„NahrungsmitJahren allgemein f die Arbeiterschaft nquete vor, die ich organisationen von und zwar um eine ich auf dem letzten alten sollte. Daran das Material von Partei ist. le ich 11 Fragen. nder sind mir als in, Most, Schnaps) ger als früher geSchnaps, Kracherl, den Boykottieren= Alkohol getrunken iter selbst über die sich für die Arbeit er Branche). r müde als in der Arbeitsleistung(bei ienste) möglich? nd der Erkrankunenommen? Wenn reien Zeit?, Lebensmittel, KleiFrau und Kinder oder ihren Frauen kotts auf ihre Einannt? Arbeiter über rwarten, daß nach im aten Ausmaß tlich eine dauernde Birkung des Bierneres Vorkommen Feiertagen, Mißrmen in den Straen zu verzeichnen? auf die Hunderttausende der Geschäftsleute wirkt, die zum Teil heute schon auf den Trümmern ihrer Habe stehen: Dann fährt das Blatt in seiner Nr. 2 vom 9. Jan. 1909 in hruchlerisch sämmerlichem Tone fort: „Armer Staat, armes Land, dessen treueste Bürger an der Grenze ihrer Ernährungsmöglichleit infolge eines„I den höchsten wirtschaftlichen Schutz zu heit besonders ein, und am liebsten wäre es ihm, der Staat schüfe zur Deckung aller seiner Lebensbedürfnisse besondere kostenlose Einrichtungen. Die„Anderen", ja, die haben nur das Recht, Steuern zu zahlen, im übrigen aber hübsch still zu sein. Diese„treuesten Staatsbürger“ haben eine merkwürdige Auffassung vom Patriotismus. Sie wollen nämlich dafür bezahlt sein. Wo ein Händlerblatt gegen Konsumvereine hetzt, verfehlt es nie, auf die„staatstreue“ Gesinnung der Krämer hinzuweisen. Das ist ichließlich auch begreiflich, denn da, wo die Konsumenten durch genossenschaftliche Selbsthilfe ihre Bedarfsbefriedigung organisieren, ist die Existenzberechtigung der Händler verschwunden. Sie belasten dann bloß noch die Konsumenten, haben aber keine volkswirtschaftlich nutzlichen Funktionen zu erfüllen. Sie entdecken darum ihren„Patriotismus“ und verlangen dafür eine Belohnung durch Unterdrückung der Konsumvereine. Richtige Krämermoral! Der größte Konsumverein der Welt ist, wenigstens hinsichtlich des Umsatzes, die Konsum= und Produktivgenossenschaft Leeds. Der Breslauer Konsumverein verzeichnet trotz seiner 89000 Mitglieder einen Umsatz von 20 Millionen Mark, während die Konsum= und Produktivgenossenschaft Leeds im Jahre 1908 mit 50000 Mitgliedern einen Umsatz von 33223640 Mk. erreichte. Die Gründung der Genossenschaft erfolgte in der Zeit der gewaltigen Brot= und Mehlteuerung, unter der in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts die englische Arbeiterschaft zu leiden hatte. Sie begann ihre Tätigkeit als Produktivgenossenschaft. Eine Anzahl Arbeiter gründete im Jahre 1847 eine genossenschaftliche Kornmühle, aus der später die heutige Genossenschaft sich entwickelt hat, die außer Mehl auch Schuhe, Möbel, Bürsten, Zinnwaren, Brot, Fleisch, Konfektionswaren u. a. produziert.„In der Kornmühle werden jährlich 150.000 Säcke Mehi und 180000 Säcke anderer Fabrikate im Gesamtwert von 6 Millionen Mark produziert. Vier eigene Kähne von je 100 Tonnen besorgen den Getreidetransport von Hull nach der Mühle, die am direkten. Wasserweg Leeds—Hull gelegen ist. Der große Getreidesilo leistet stündlich 15 Tonnen. In der Schuhfabrik, die 175 Personen beschäfrigt, werden wöchentlich 2100 Paar Schuhe hergestellt und 2000 Paar Schuhe repariert. Die Bäckerei produziert wöchentlich außer 20000 3=Pfd.=Broten und 3000 Dutzend Pasteten und Kuchen sowie 3000 Pfd. Kakes und 500 Pfund Schweinefleischpasteten große Mengen von Biskuits, Zuckerwaren, Kandiszucker u. a. m. In der Hemdenfabrik werden pro Woche 800 Stück Hemden verfertigt. In der Schlächterei beträgt der wöchentliche Umsatz 90000 Mt.; es werden pro Woche 120 Rinder, 290 Schafe und 150 Schweine verarbeitet und 80 Zentner Wurst sowie 200 Zentner Schmalz fabriziert. In Verbindung mit der Schlächterei besitzt die Genossenschaft eine 90 Acre große Viehzuchtfarm. Die erst im Februar 1908 eröffnete Dampfwäscherei beschäftigt 80 Personen und erzielt einen Wochenumsatz von 3000 Mk. Bedeutendes leistet die Konsum= und Produktivgenossenschaft auch auf dem Gebiete der Kohlenversorgung. Ihr Umsatz in Kohlen beträgt wöchentlich zirka 4000 Tonnen. Außer sechzehn Kohlenlagern besitzt die Genossenschaft eigene Kohlenwerkter am Leeds- und Livervoolkanal und am Aire sowie 21 Kohlenkähne und 150 Eisenbahnwaggons zur Beförderung schwarzen Materials aus den Yorkshireminen. Insgesamt besitzt die Genossenschaft 245 Niederlagen, darunter 95 für Kolonialwaren. 79 für Fleischwaren, 24 für Manufakturwaren. 19 für Schuhwaren. 7 für Konfektionswaren, 5 für Fische und Grünzeng und 16 Kohlenniederlagen. Die Anteile der Mitglieder beziffern sich auf 16058340 Mk.; für Erziehungszwecke sird., im letzten Jahre 31.200 Mark ausgegeben worden. Be### gat sind insgesamt 2196 Personen. Wenn mar berücksichtigt, dan Leeds' eine Fabrikstadt mit kaum einer halben Million Einwohner ist, so ergibt sich, daß dort mehr als die Hälfte aller Familien dem Konsumverein angeschlossen sind. selde, die Kugellager= und Stahlkugelfabrik in Wittenau ihr gehört die Wasfensabrik Mauser in Oberndorf, der größte Teil der Aktien der Dürener Metallwerke A.=G., ferner ist sie an Motorenfabriken und ausländischen Waffenfabriken beteiligt. Das Geschäft in Friedensartikeln litt im verflossenen Jahr unter den Folgen der Krise, doch die Kriegsartikel haben diesen Rückgang ausgeglichen, der Reingewinn besträgt 3,78 Millionen Mark gegen 3,76 im Vorjahre. Dennoch fühlten sich die Aktionäre„beunruhigt", da der Geschäftsbericht die Mitteilung brachte, daß die Waffenfabrik Mauser in Oberndorf für das Jahr 1908 keine Dividende zur Verteilung bringe. In dem Abschlusse der Deutschen Waffen= und Munitionsfabriken für das Jahr 1908 äußert sich die Dividendenlosigkeit der Mausergesellschaft noch nicht, weil nach der Verrechnungsgepflogenheit die Abrechnung mit Mauser erst in dem darauffolgenden Geschäftsjahre erfolgt. Die Aktionäre nahmen nun an, daß das Gesamtergebnis für 1909 durch den Gewinnausfall bei der Mausergesellschaft erheblich beeinträchtigt werden würde. Dieser Sorge aber sind sie enthoben. In der Generalversammlung am Freitag erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Waffen= und Munitionsfabriken, Geheimer Kommerzienrat Isidor Loewe, daß die Verwaltung trotz der Dividendenlosigkeit der Waffenfabrik Mauser für 1909 ein Resultat zu erzielen hoffe, das dem vorjährigen nicht nachsteben werde. Er stellte weiter fest, daß die vorliegenden Aufträge wesentlich höher wären, als wie im Vorjahre, und beteuerte nochmals, daß eine Befürchtung über ein geringeres Ergebnis im laufenden Jahre unter den Herren Aktionären nicht Platz zu greifen brauche. Nun können die Aktionäre auch wirklich beruhigt sein. Herr Loewe wird sein Versprechen halten. Er wird es um so leichter tun können, da das Reich sich den Loewefabriken gegenüber noch immer sehr nobel gezeigt und bei Preisbewilligungen alle Bülowschen Sparsamkeitstheorien vergessen hat. Die Arbeiter= schaft hat zur Beruhigung der Herren Aktionäre im verflossenen Jahre Lohnreduktionen über sich ergehen lassen müssen, daß bei den vorzüglichen Aussichten der Gesellschaft nun auch freiwillig zu Lohnerhöhungen geschritten werden wird, hat die um die Aktionärsruhe so überaus besorgte Verwaltung bisher noch mitgeteilt. nicht .#n Vertrauensmann(Metal'arheiter) schreibt:„Seit dem rooykott hört man von vielen urbeitern der Faorik, daß tzt die Arbeit leichter vor sich geht. Es steht fest, daß die UrIndustrie, Handel und De kehr. Ki. Die 20prozentige Waffen= und Munitionsdividende. Die zum Loewe=Konzern gebörenden deutschen. Waffen= und Munitionsfabriken erfreuen ihre Aktionäre wiederum mit einer Dividende von 20 Prozent. Die Gesellschaft besitzt die Metallpatronenfabrik in Karlsruhe, die Waffenfabriken in MartinikenU. Wie stellt sich die Arbeiterschaft seit dem Bierboysott zur Abstinenzbewegung? Wie viele sind abstinent geworden? Die Fragen wurden, wie dies bei solchen schriftlichen Enqueten Regel ist, nicht von allen Befragten vollständig beantwortet; trotzdem geben sehr viele Angaben und oft, drastische Aussagen vieser mitten unter ihren Arbeitskollegen lebenden Genossen ein ganz gutes Bild von den Wirkungen.„Ich beschränke mich hier.“ schreibt Schacherl,„auf die Aussagen über die Wirkungen d:3 Bierboykotts in phy ischer, geistiger und finanzieller Beziehung.“ Ein Vertrauensmann(Glasarbeiter) schreibt:„Viele meiner Kollegen erklären, daß sie nicht geglaubt hätten, daß sie einmal in ihrem Leben ohne Bier arbeiten könnten. Die Leute geben nehr in ihrer freien Zeit in die Wälder; die ein Rad haben, sahren hinaus. Frauen sagten mir:„Wenn nur der Bierstreik recht lange anhalten möchte; wenigstens können wir den Kindern für den Winter Klider und Schuhe kaufen, was sonst aufs Bier aufg gangen wäre.“ Eis Bierb „ K#en; 12ich er, e.„„„„ 4%% beiter jetzt gesunder und weniger mude sind als in der Bierzeit. Die Wirkung ist eine moralische, weil Raufereien und andere Ausschreitungen seltener geworden sind" Ein Vertranensmann in einem Orte, wo eine Zündwarenfabrik ist, schreibt:„Die Leute erholen sich auswärts besser, sowie auch viee Arbeiter bestätigen, daß sie sich leichter z#len. Für Kleidungsstücke und auch für die Frauen und die Kinder wird mehr getan, was auch die Wirte am besten sagen können, da sie jetzt kaum die Hälfte von dem Gelde erhalten wie vor dem Boykott. Auch ist jetzt zu erkennen, daß an den Streiten in den Wirtshäusern an Sonn= und Feiertagen, sowie auch an Zahltagen das Bier schuld war.“ Ein Vertrauensmann in einem Orte mit einer Tabakfabrik schreibt:„Die Arbeiter, welche auf das Bier verzichten, fühlen sich im allgemeinen gesünder. Der Gasthausbesuch hat stark abgenommen, die Wirte klagen allgemein. Die Arbeiter verbringen ihre freie Zeit hauptsächlich in der Familie und Sonntags mit Ausflügen in die Umgebung. Die Lebenshaltung at sich gehoben. Vermehrte Ausgaben für Bücher können vorläufig nur bei einzelnen konstatiert werden. Es ist klar, daß die Abnahme des Gasthausbesuches die Finanzgebarung der Familie nur günstig beeinflussen kann, und es sind auch hierauf bezügliche Aeußerungen von Männern und Frauen gemacht worden.“ Der Vertrauensmann einer größeren Stadt schreibt:„Ein großer Teil der Arbeiter füht sich gesünder, und sie erfreuen sich eines bedeutend besseren Avpetits. Der Gasthausbesuch nahm ganz gewaltig ab, und es ließ sich ein Aufenthalt im Freien, kleine Bergpartien. Spaziergänge an Abenden und Sonntagen in erhöhtem Maße feststellen. Eine vermehrte Ausgabe für Lebensmittel ist zu verzeichnen; ein Beweis dafür ist der Warenumsatz im Konsumverein, der um 3000 Kronen höher war als in der gleichen Zeit und bei gleicher Mitgliederzah' wie im Vorjahr, während der Umsatz im Gastgeschäft des KonsumEreins, um 500 bis 800 Kronen monatlich geringer war. Be;### Raufereien läßt sich seit dem Bierboykott eine Besserung tonstatieren. Der Vertrauensmann eines Ortes in einem entlegenen Tale ait einem Sensenwerk schreibt:„Raufexzesse sind jetzt eine Geltenheit"(Schluß folgt.) ** Bielefeld, 3. April. Strafkammer. Am verflossenen Weihnachtsabend betrat eine Gesellschaft junger Bur hen, bestehend aus dem Dreher Carl Höcker von Sieker, dem Arbeiter Oskar Höcker von Sieker, dem Arbeiter Heinrich Tiemann von Sieker und dem Schleifer Hermann Werning von Stieghorst, das Bartlingsche Lokal an der Detmolderstraße hierselbst Nicht lange dauerte es, so war auch schon der Streit vom Zaune gebrochen, indem Werning einem dort anwesenden Gaste einen Faustschlag ins Gesicht versetzte, daß derselbe zu Boden taumelte. Als nun der Wirt einschritt und den Skörenfrieden das Lokal verbot, sielen die Burschen über alle Leute her, die sich im Lokal befanden, auch über den Wirt und das 2##nstmädchen. Leider spielte auch das Messer wiederum seine raurige Rolle, und mehrere Gäste wurden derart zugerichtet, daß sie sich in ärztlic Behandlung geben haben müssen. Die Strafkammer verurtei#le den wegen Korperverletzung schon einigemal vorbestraften Carl Höcker wegen gefährlicher Körperverletzung zu 1 Jahre Gefängnis, worauf ihm 1 Monat von der erlitt en Untersuchungsbart in Anrechnung gebracht wurde. Oskar Föcker erhielt wegn Uebertretung aus§ 367,10 6 Wochen Haft, welche durch Anrechnung der Untersuchungshaft verbüßt sind., Heinrich Tiemann wurde wegen einfacher Körperverlitzung in zwei Fällen zu 5 Wochen Gefängnis und Hermann Werning wegen einzacher Körververletzung zu einer Geldstrafe von 50 Mk. ev. 10 Tagen Gefängnis verurteikt. Dem Tiemann wurde die volle Untersuchungshaft angerechnet. Der wegen Diebstahls schon zweimal vorbestrafte Arbeiter Pilgrim von Pavenstädt hatte bei der Ehefrau Charlotte Voß in Pavenstädt Wohnung gefunden. Am 4. November v. J. war Pilgrim plötzlich verschwunden und mit ihm 20 Mk. bares Geld, as er im unbewachten Augenblick aus der Kommode gestohlen hatte Das Geld hat der Angeklagte später wieder zurückerstattet. Dieses konnte ihn aber vor der Strafe nicht retten. Die Strafkammer erkannte gegen den Di b im wiederbolten ückfalle auf 3 Monate Gefängnis und rechnete ihm 1 Monat von der erlittenen Untersuchungshaft darauf an. Am 6. Oktober v J. wurde von der hiesigen Strafkammer der Hande.smann Fr. Scholle wegen Jagdvergehens zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Heute handelt es sich um seinen Komplicen, den Ligarrerarbeiter Franz Steube von Muccum. Die beiden, welche als Wilddiebe in der ganzen Gegend bekann ind, haben innerhalb der letzten Jahre in der Niederjagd zu Muccum derart mit dem Schießprügel aufgeräumt, daß es um den ganzen Rehbestand geschehen ist. Die Strafkammer verur-, eilte heute den Steube zu 5 Monaten Gefängnis. Im Wiederaufnahmeverfahren hatte sich heute vor der Strafkammer der Polizeisergeant August Beiderbeck von Bünde zu verantworten. Derzeibe war von der hiesigen Strafkammer wegen Mißandlung im Amte zu einer Geldstrafe von 30 Mark bezw. 6 Tagen Gerängnis verurteilt worden und hatte das Wiederaufnahmeverfahren durchgesetzt, indem er mit der Behauptung auftrat, daß in der Nacht zum 10. Februar v. J. nicht er, sondern sein Kollege Kruse den Zeugen Schröder mit den Füßen getreten habe. Die Aussage des Kruie war ganz unbestimmt Dagegen bekundete der Zeuge Schröder mit aller Bestimmtheit, daß ihn der Angeklagte mit den Füßen getreten habe. Diese kestimmte Aussage war für den Richter ausschlagge nd. Es wurde auf Aufrechterhaltung des ersten Urtei s erkannt. Der Schneider Carl Knefelkamp von Obernbeck bei Löhne, wel her zurzeit in Celle 3 Jahre und 4 Monate Zuchthaus zu verbüßen at, hatte sich heute wegen Betruges vor der Strafsammer zu verantworten. Der Angeklagte war auch als Heiratsvermittler tätig gewesen. Zur Sicherheit jeß er sich beim Eingang der Vermatlung Wechsel geben, die ader von ihm nicht eher in Zahlung gegeben werden durften, bis das Geschäft zustande gekommen war. In einem Falle hatte er sich ein: Wechsel über 200 Mk. ausstellen lassen. Da aber dieser einen großen Fettflec trug, hatte ihm sein Anftraggeber einen neuen Wechsel über 200 Mk. gegeb n, den er auch in Zahlung geben durfte. Eines Tages stellte sich jedoch heraus, daß er auch den Fettfleckwechsel in Zahlung gegesen hatte. So sind dann noch zwei andere Leute von K. um Beträge von je 100 Mk geprellt worden. Die Strafkammer verurteilte den K. heute wegen Betruges in 3 Fällen zu 6 Monaten Gefängnis. Der Zigarrenhändler Wilhelm Krämer von Oeynhausen, schon mehrmas vorbestraft, war vom Schöffengericht zu Oeynhausen wegen Hausfriedensbruchs mit 1 Woche Gefängnis bestraft, wogegen er Berufung eingelegt hatte. Wie die Beweisaufnahme ergab, hat er sich am 18. und 19. November v. J. trotz wiederbolter Aufforderung nicht aus der Wohnung der Ehefrau Eilbech zu Mellbergen entfernt. Bei dieser Sachlage wurde die Berufung des Angeklagten verworfen. ** * Zum Tode verurteilt. Wien, 4. April. Gestern wurde in Triest in später Abendstunde das Urteil gegen den angeblichen Hauptmann von Foedransperg, der wegen Ermordung und Beraubung der Varietésängerin Lucie Fabro angeklagt war, gefällt. Die Geschworenen bejahten nach längerer Beratung beide Schuldfragen. Der Gerichtshof verurteilte daraufhin den Angeklagten wegen gemeinen Mordes und wegen Diebstah's zum Tode durch den Strang und zum Rückersatz des gestohlenen Geldes und der Juwelen an den Sohn der Ermordeten Der Vorsitzende legte ihm die Frage vor, ob er sich bei dem Urteil beruhigen wolle, worauf der Verteidiger im Namen des Angeklagten antwortete, daß er die Strafe annehmen werde. Daraufhin wurde der Verurteilte fast ohnmächtig aus dem Saal getragen. Die Geschworenen haben beichlossen, den Gerichtshof zu bitten, den Verurteilten der Gnade des Königs zu empfehlen. " Führer""— der Freihenserest Bern, 4. Aorl. Der F#me des Züricher Freidenker=Vereins, Schriftsteller August Richter, wurde gestern vom Obergericht des Kantons Luzern wegen seiner Broschüren„Die Verbrechen Gottes“ und „Die geschlechtliche Gesundheitslehre der Frau“ zu 2 Monaten Gefängnis und acht Jahren Kantonsverweisung verurteilt. Aintärisches. Militärjustiz. Vom Kriegsgericht in Landau(Pfalz) wurde der Soldat Guthier zu 1½ Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in der Trunkenheit den Befehlen eines Sergeanten, sich zu Bett zu legen, nicht befolgt hat. Vermischtes. Oberkellner und Leutnant. Ein eigenartiger Auftritt spielte sich, wie erst jetzt bekannt wird, vor einigen Tagen in einem großen Hotel der Berliner Friedrichstadt ab. Dort fand ein sogenanntes Heroldessen von Offizieren der Kriegsakademie statt. Bei der Regulierung der Zeche kam es zu Differenzen zwischen dem Oberkellner und einem zur Kriegsakademie abkommandierten 25jährigen Jägerleutnant. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen versetzte der Offizier dem Oberkellner eine Ohrfeige, die aber prompt in doppelter Auflage zurückgegeben wurde. Die noch anwesenden Offiziere traten vermittelnd dazwischen und bestimmten, daß die Sache am nächsten Tage voll erledigt würde. Zu diesem Zeitpunkte erschien der beteiligte Offizier wieder im Hotel, allerdings in Zivil. so daß er von dem Oberkellner nicht erkannt wurde. Ohne Wortwechsel gab er dem Oberkellner mit seinem Spazierstock einige Hiebe über den Kopf und entfernte sich dann sehr schnell. Zufällig hatte aber auch ein Vorgesetzter des Leutnants in dem Hotel Wohnung genommen, der sofort eingriff und eine Untersuchung gegen den jungen Offizier einleitete. Der Oberkellner büßte durch den Auftritt seine Stellung ein. Epidemisches Erpressertum in Amerika. Nach Meldungen aus Newyork ist eine wahre Epidemie von Erpressungsdelikten in Amerika ausgebrochen. Das letzte Opfer ist Herr Nathan Read, Präsident der National Bank of Washington im Staate Indiana. Er erhielt einen Brief des Inhatls. falls er nicht sofort dreißigtausend Dollars an einer gewissen Stelle in einem Park hinlege, würde er ermordet und sein Haus durch Dynamit vernichtet werden. Die Polizei riet dem Millionär, der Forderung scheinbar nachzukommen, was auch geschah. Die Polizei versteckte sich dann, um die Erpresser zu beobachten. Gestern fuhren ein Mann und eine Frau in einem Wagen bis in die Nähe der betreffenden Stelle. Die Frau stieg aus und in diesem Augenblick feuerte die Polizei auf sie. Die Frau ank schwerverwundet zu Boden, der Mann entkam. Die Frau erklärte, sie kenne den Mann gar nicht; er habe ihr fünf Dollars versprochen, wenn sie mit ihm eine Spazierfahrt unternehmen wolle. Krundrbamts=Nacheichten! Stadt Bielefeld. In der Zeit vom 29. März bis 3. April 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Söhne: Hauderer Heinrich Tubbesing, Zim merstraße 20; Schneidermeister Lösing. Oberntorwall 6; Tischlermeister Hermann Tödheide, Rohrteichstr. 26; Straßenreiniger Friedrich Röding, Hakenort=14; Eisendreher Heinrich Wienand, Kaiserstr. 48; Metallschleifer Karl Arensmeyer, Bleichstr. 22; Arbeiter Heinr. Berning, Bleichstr. 46; Kistenfabrikant Heinrich Steinsiek(gent. Höner zu Eißen), Hallerweg 103a; Metallschleifer Heinr. Huttemann, Bleichstr. 159; Kaufmann Heinrich Sewing, Kaiserstr. 26; Schlosser August Borgstädt, Herforderstraße 264; Kaufmann Arno Böttcher, Wittekindstr. 4; Zimmermann Wilhelm Reinecke, Arndtstr. 40; Arbeiter Otto Marks, Oelmühlenstr. 89. Töchter: Geschäftskutscher Hermann Diestelkamp, Spengerstraße 9; Maurer Wilh. Posteher, Bleichstr. 60; Metallschleifer Heinrich Hüttemann(Zwillinge, s. Söhne), Bleichstr. 159: Hausdiener August Wiedeking. Dorotheenstr. 26; Kaufmann Friedrich Meise, Ellerstr. 17; Geschäftskutscher Heinrich Preckewinkel, Herforderstr. 39; Arbeite. Wilhelm Kase, Ehlentrupperweg 121; Sattler und Polsterer Wilhelm Froböse, Oelmühlenstraße 1b; Sildhauer Paul Winter, Oerlinghauserstr. 15; Wollwarenhändler Friedrich Cordes, Mühlenstr. 17; Schachtmeister Mathias Goral, Heinrichstr. 25; Geschäftskutscher Heinrich Knehans, Herforderstr. 109; Tischler Friedrich Grüttemeier, Engerscheraße 67; Eisendreher Otto Schäfer, Bleichstr. 48a; Arbeiter August Bergbusch, Heeperstr. 126; Schneider Christian Vehlewald, Finkenstr. 60; Arbeiter August Linnenbrügger, Schildeicherstraße 80; Arbeiter Wilhelm Hagedorn, Hallerweg 7; Eisendreher Heinrich Krämer, Hallerweg 90; Schirmfabrikant Heinrich Fellmer, Obernstr. 7; Bandagist Arnold Festerling, Liktoriastr. 6; Arbeiter Heinrich Wiegmann, Mellerstraße 63; Gärtner Gottfried Quante, Mellerstr. 71. Sterbefälle. Hanne Landwehr, 1 I.; Walter Breder, 10 J.; verw Arbeiter Jürging, Friederike geb. Bültmann, 84 Jahre; Marie Schmiemann, 8 Mon.; Maschinenbaulehrling Georg Schulze, 18 J.; Ehefrau Kaufmann Reineke, Dorothee geb. Bökmann, 77 J.; verw. Arbeiter Siekmann, Johanne geb. Möller, 51 J.; Gärtner Gustav Landwehr. 71 J.; Anna Rasche, 15 Tage; Stationsassistent a. D. Richard Heck, 66 J; Hermann Lech, 5 Mon.; Ingenieur Johannes Sieveking, 76 J.; verw. Heuerling Greweling, Auguste geb. Zimmermann. 75 J.; Baugewerkschüler Heinrich Reineke, 20 J.; Erna Kroos, 3 Mon.; verw. Landwirt Bremeyer, Lina geb. Beisse, 70 J: Schlosser Adam Engelbrecht, 52 J.; Invalidenrentenempfänger Anton Marr. 59 J.: Richard Genske, 8 Mon.; Stiftspflegling Sophie Müller, 74 J.; Ehefrau Schneider Böhmer, Hanne geb. Schürmann, 67 J.: Kommis Franz Keid#rling, 20 Jahre. Aufgebote. Monteur Wilh. Fißenewert, Zastrowstr. 1, u. Emilie Kerkhoff, Friedrichstr. 53; Ziegler Ernst Schneider, Lieme, und Emma Jacksties, Schildescherstr. 17; Chemigraph Michael Stang, Buddestr. 7, und Henriette Eiyssen, Harlem; Straßenbahnschaffner Friedrich Wienke, Heinrichstr. 36, und Wilhe'mine Karweina, Kurzestr. 27; Schlosser Ewald Mergelkuhl, Welle 27, und Henriette Bulthaup, Kronenstr. 4; Buchhalter Heinrich Heidemann, Gehrenberg 20, und Klara Berghaus, Brandenburgerstr. 31; Eisendreher Paul Oberschelp, Dornbergerstr. 88, und Frida Berkemann, Oststr. 1a; Modelltischler Otto Neupert, Siegfriedstr. 30 und Emma Horstkotte, Arndtstr 48; Fahrradhändler Gustav Voß, Kaiserstr. 149, und Sophie Greite, daselbst; Maschinenmeister Ewald Heindenreich, Arndtstr. 37 und Laura Steinkamp, Arndtstr. 35; Eisendreher Karl Votthoff, Sparenberg 64, und Adele Finkeldey, daselbst 80; Fabrikaufseher Rudolf Bultmann, Große Howe 3, und Marie Siekmann, das. 5; Eisendreher Karl Battefeld, Gütersloberstr. 59, und Anna Diekemper, das. 61; Bäcker und Konditor Franz Vamhof, Siegfriedstr. 87 und Johanne, Ebracht, Bleichstr. 108; Kartonnagenmeister Wilhelm Rüter, Bleichstr. 122, und Emma Niestrate, Sieker; Pastor Ernst Wolter, Dielmissen, und Lydia Schroeder, Göbenstr. 60. Eheschließungen. Arbeiter Otto Volkmann und Berta Kramer; Kaufmann Heinrich Busse und Luise Pennekamp; Werkzeugdreher Ernst Kuhlmann und Auguste Höwelmann geb. Puls; Gastwirt und Konditor Karl Brockhausen und Wilhelmine Konkewitz; Kaufmann Julius Schröder und Marie Horstbrink; Landwirt Ernst Wörheide und Friederike Busse geb. Lösing; Handelsmann Emil Kienscherf und Frida Vensky; Oberlehrer Dr. Nöldeke und Maria Meyer; Bauschlosser Arno Clajus und Luise Schmidt; Arbeiter Friedrich Gerke und Auguste Horweke; Fensternutzer August Kein und Ella Knoop: Schlosser Oelkers und Erna Rosenhäger: Wäschezuschneider Heinrich Tusch und Emma Diekmann: Schlosser Hermann Elges und Wilhelmine Schütter: Musiker Mar Schmidt und Charlotte Tanke: Kaufmann Otto Heß und Elsa Harbaum; Schlosser Oskar Heidemann und Luise Heim; Sattler Julius Küser und Marie Rürup: Musiklehrer Heinrich Schiee und Mathilde Schneider: Schneider Paul Garnjost und Marie Wißmann. Stelereider Consum-Verenn E. G. m. b. M. Zum bevorstehenden Osterfeste empfehlen wir unseren werten Mitgliedern unsere anerkannt vorzüglichen Kuchen. Bestellungen werden in den Verkaufsstellen bis Mittwoch, den 7. April, entgegengenommen. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß wir das Ausbacken von seitens unserer Mitglieder hergerichteten Teigen nicht übernehmen können. Der Vorstand. 2001 *„Kosmos“-Schriften. Kindes. Dr. W. Ament: Die Seele des Wilh. Bölsche: Die Abstammung des Menschen. Im Steinkohlenwald. Der Sieg des Lebens. Der Stammbaum der Tiere. Dr. Delker: Naturgeschichte des Kindes. Dr. Kurt Floericke: Die Bögel des deutschen Waldes. Die Säugetiere des deutschen Waldes. R. Francé: Das Liebesleben der Pflanzen. Das Sinnesleben der P#flanzen. Streifzüge im Wassertropfen. Dr. M. Wilh. Meyer: Die Rätsek der Erdpose. Weltschöpfung. Sonne und Sterne. Kometen und Meteore. Erdbeben und Bulkane. Regyptische Finsternis. 2 Bände. Beltuntergang. Professor F. Sajé: Krieg und Frieden im Ameisenstaat. Dr. E. Teichmann: Vom Leben und vom Tode. Die Vererbung als erhaltende Macht. Fortpslanzung und Zeugung. Th. Zell: Streifzüge durch die Vierwelt. Straußenpolitik. Neue Vierfabeln. Vierfaßeln und andere Irrtümer in der Vierkunde Dr. Preis pro Band Mr. 1.—(Porto nach auswärts 10 Pfg.) Vorstehende sehr empfehlenswerte Schriften sind zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht", Bielefeld. Kinderwagen Sportwagen Der Velleste Osterkuchen wird nie so schön mürbe und wohlschmeckend, wenn er nicht mit der tausendfach bewährten Van den Bergh'schen Clever Stolz oder VitelloMargarine hergestellt wird. Clever Stolz und Vitello halten jeden Vergleich mit bester Naturbutter aus und sind dabei viel billiger wie diese.:::::: Zu haben in den besseren Kolonialwarenhandlungen. 1 rulekeikuße Corautweur. Ab 1. April 1909 sind die Buregustunden unserer Kasse wie nachstehend festgesetzt: ackwede: Vormittags von 8—12 Uhr, nachmittags von 2—5 Uhr, im Kassenlokal, Kaiserstraße 70. Isselhorst: 1987 Jeden Freitag nachmittag von 2½—4°2 Uhr, bei Ww. Ortmeyer, Isselhorst Nr. 12. Am Freitag nachmittag jeder Woche ist das Lokal in Brackwede geschlossen. in grösster Auswahl.— Konkurrenzlos billige Preise. Alleinverkauf der Reform-Wagen, einzig existierend Kinderwagen, die nicht allein der Mode, sondern aucl. den hygienischen Anforderungen vollauf entsprechen. Fr. Barmeier, Detmolderstr. 125, Erstes Spezial-Geschäft am Platze. 1920 Geschaff Silnung. Den geehrten Bewohnern von Herford und Umgegend teile ich hierdurch ergebenst mit, daß ich mit dem heutigen Tage im Hause der Frau Wwe. Wehmeier, Lübberstrasse 4, ein Hesenaution=geschuft möst ertempherei eröffnet habe. Durch langjährige Erfahrungen bin ich in der Lage, alle in dieses Fach einschlagenden Arbeiten voll und ganz anszuführen. Empfehle mein ständiges Lager in sämtlichen Gas=Beleuchtungsartikeln und Gasherden. Mich in meinem Unternehmen unterstützen zu wollen bittet Achtungsvoll 1926 Friedr. Knopf, Installateur. 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Für heute eisung einer Anschuldigung iber den Bezirk Minden d hre Gewerkschaftsleitungene Seite 317) wörtlich: Dieser Rückgang(der dort herrschenden sehr ung Bielefelder Maschinenindus und Fahrradfabriken, sowie triebe. Wenn auch in ei dem Wunsche der Arbeiter Entlassung von Arbeitern beitszeit und die Einlegung nahm doch die Mehrzahl de Arbeiter keine Rücksicht, de des guten Geschäftsganges der letzten Jahre gelungen Arbeitszeit auf 9½ Stun der Gewerkschaftsleitung grundsätzlich abgelehnt hatt genb#igt gerzeien, zur Bew trage ihre Arbeiterzahl er „Prechend ihre Fabrikgebär erweitern. Die Fabrikante entließen die entbehrlichen gleichzeitig die Wirkung ha sationen durch die von ihne losenunterstützungen zu schn gebern nicht unerwünschte kanten sorgten in ausgespi Organisation nicht angehi der Hochkonjunktur Uebers satz zu den ubrigen Arbei voll beschäftigt wurden und Richtig ist, daß die 9 Bünsche der Arbeiter, Entl neiden, keine Rücksicht geno die Behauptungen, daß die 2 schäftsganges auf Anordnu Leistung von Ueberstundeng nehmen an, daß diese Anga sichtsbeamten von einem den leitung übelwollenden Fabri nerhin ist es im höchsten Grnit diesen unwahren Angabdenziös zurecht gestutzte Ber trauen der Arbeiter für di liegt klar auf der Hand. Vor ist, den Arbeiterschutz zu för der Arbeiter gerichteten Best vohl erwarten, daß sie nicht öffentliche Meinung irreführ Kzichtigt, die das wenig hu Verhalten der Fabrikanten über rechtfertigen soll. Am sordert, mit Arbeitgebern: treten, sollten es ablehnen, teilungen einer Seite als zu verwerten.„Eines Man man muß sie hören alle berd Differenzen um die Leistu en Betrieb in solchen Beirieven ergebe den von den Arbeitern gef damals schon eingeführten A In einigen wenigen Fällen Unstimmigkeiten entstanden, die Gewerkschaftsleitung ben Ueberstunden zu bewegen. var, eine Vertürzung der tä durchzusetzen, wurde auch di in allen Fabriken der Biele in Sinne der Arbeiterwünse Verweigerung der Ueberstur nicht der mindeste Anlaß m zu behaupten, daß ausgerecht lolchen Situation die Ver ordnet haben soll. Was sich sedacht haben mag, als er leitung sprach?! Die in de beiter sind keine Drahtpupp beliebig dirigiert werden kö und Blut und Rückgrat, die kahmen im Arbeitsverhältn Beschlüsse der Organisatiol schaftsleitungen! Zu der Frage der Arbauch die Jahresberichte des und des Holzarbeiterverba Klarstellung der Angelege nögen. Da heißt es z. B. bandes u. a.: Da die Arbeiter in d# bei dringlichen Aufträgen Ausdehnung gern geleiste