Bielefeld und Umgegend, so#wie bei sämtlichen Agenturen frei alllns haus gebracht bdd Aig, mongtDurch die Post bezogen .80 Mr. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. 3 Nr. 77. Sa U Seslsts TUsee Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Donnerstag, 1. April 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Nieleseld. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Politische Uebersicht. Deutsches Eine große Kundgebung des deutschen Mittelstandes zugunsten der in der Reichsfinanzreform vorgesehenen Nachlaßsteuer ist für die erste Hälfte des April in Aussicht genommen. Die Professoren Adolf Wagner(Berlin) und Conrad(Halle g. S.) und nach ihnen zahlreiche Vertreter aller Berufsstände werden über das Thema„Mittelstand und Reichsfinanzreform". sprechen. Da sich außer der Deutschen Mittelstandsvereinigung auch der Bund der Beamten mit 250000, der Zentralausschuß der vereinigten Innungsverbände Deutschlands mit 273.000, die Privatbeamtenvereinigungen mit 180 000, die Rabattsparvereine mit 50000, die deutschen Grundbesitzervereine mit fast 100000 Mitgliedern, sowie die kaufmännischen Vereine an der Kundgebung des Mittelstandes beteiligen, dürfte die Versammlung, die weit über eine Million Angehöriger des deutschen Volks repräsentiert, wie geschrieben wird, noch viel bedeutungsvoller werden als diejenige des Bundes der Landwirte im Zirkus Busch. Gutem Vernehmen nach soll Reichskanzler Fürst Bülow sein Erscheinen auf einem anschließenden Festmahl in sichere Aussicht gestellt und erklärt haben, daß er dabei Gelegenheit nehmen werde, den Standpunkt der Reichsregierung in dieser wichtigen Frage zu präzisieren. An die Regierung ist die Bitte gerichtet worden, den Delegierten der Handwerkerinnungen zu gestatten, auf Kosten der Innungen an der Erörterung dieser„rein wirtschaftlichen“ Frage teilzunehmen. Dem Eisenbahnministerium ist der Antrag unterbreitet worden, Extrazüge bereitzustellen und die üblichen Ermäßigungen für Gesellschaftsfahrten zu gewähren. Zentrumsschwindel. Ende voriger Woche hat bekanntlich die Finanzkommission in ihrer agrarischen Mehrheit beschlossen, die Branntweinliebesgabe über den Regierungsvorschlag hinaus auf 20 Mk. zu erhöhen, ohne eine künftige Minderung der Brennerliebesgabe zuzugestehen. Ferner hat man den Branntweinbrennern für die nächsten vier Jahre noch eine Extraliebesgabe in Höhe von zehn Millionen Mark jährlich bewilligt. Mit dieser Tat des Zentrums vergleiche man die folgende Stelle in einer vom Volksverein für das katholische Deutschland herausgegebenen Broschüre„Die Steuerpolitik des Zentrums“, in der es auf Seite 9 heißt: „Gegen die mit der Branntweinsteuer verbundene sogenannte Liebesgabe, welche die Liberalen und Konservativen im Jahre 1887 bei Annahme des Branntweinsteuergesetzes durchzusetzen verstanden haben, hat sich das Zentrum wiederholt mit aller Entschiedenheit ausgesprochen und deren Beseitigung verlangt, zuletzt noch im Frühjahr 1906 gelegentlich der Finanzreform. Die liberalen und konservativen Branntweinbrenner erfreuen sich jedoch so großer Protektion, daß alle Anstrengungen, den Unfug der Branntweinliebesgabe abzuschaffen, bisher vergeblich gewesen sind.“ Auch in der Budgetkommission hat sich in den letzten beiden Jahren der Abg. Erzberger heftig gegen die Liebesgaben ausgesprochen und ihre Zahlung als„Skandal“ und„beschämend für ihre Empfänger" bezeichnet. Die Agrarier haben aber jetzt die Oberhand, vielleicht wesentlich deshalb, weil das Voraussetzung für den neuen konservativ=klerikalen Block wäre. Im Wahlkreis Adenau=Kochem=Zell wurde der Zentrumsmann Pauly mit 12407 Stimmen gewählt. Weiter entfielen Stimmen auf David(Soz.) 483 und Mäßer(parteilos) 453 Stimmen. Im Jahre 1907 erhielt der Zentrumskandidat 17168 Stimmen, der sozialdemokratische Kandidat 59 Stimmen. Die sozialdemokratischen Stimmen sind also um424 Stimmen gestiegen. Der Wahlkreis selbst ist eine der sichersten Domänen des Zentrums. Die Elektrisierung der Bahnen. Die„Münchener Post“. schreibt:„Im Anschluß an eine Konferenz, die vor drei Jahren stattfand, haben am 29. März in Berlin neue Verhandlungen zwischen den Vertretern des Reichs=Eisenbahn=Amtes, der Reichs=Militär=Behörde und der bayerischen Staatsbahnen stattgefunden, die über die Elektrisierungsmöglichkeit der südbayerite #isher Widerstand entgegengesetzt hat. Es handelt sich um die Elekrisierung der südbayerischen Staatsbahnen im Anschluß an das große Altwasser=Projekt. Agrarische Steuerschen. Mit großer Entrüstung weisen die Agrarier die Behauptung zurück, daß sie sich von den Steuern zu drücken pflegen. Trotzdem beweisen eine ganze Menge Beispiele das Gegenteil. Ein Posener Blatt stellt fest, daß der Besitzer zweier Rittergüter in der Provinz Posen, der auch seinen Kindern Rittergüter gekauft hatte, jährlich 40 Mark Einkommensteuer zu bezahlen hätte, weil er bei der Selbsteinschätzung ein jährliches Reineinkommen von 1900 bis 2100 Mark angegeven hatte. Die Behauptung des Professors Delbrück, daß den Agrariern gegenüber außerordentliche Nachsichtigkeit bei der Steuereinschätzung Fiütz, wird, wird auch durch dieses Beispiel neuerdings beDie„Norddeutsche Allgemeine" über die innerpolitische Dedatte. Das Organ des Fürsten Bülow ist äußerst hoffnungsfreudig; es wird der von einem antisemitischen Redner geeuberten Anscht bscharfe, Rieder aushalten könne. Entäuscht Seie Auldshantgen des Aihgeonrieten Hausnean al wieder als eine selbständige Fraktion sich zusammenschließen. ir gefördert wurde. Bezugnehmend auf die Erklärungen der bag. Frhr. v. Richthosen, Fürst Haßfeldt, Liebermann v. wauenberg und Zimmermann meint die„Kreuzzeitung":„Die Rechte ist also in der wichtigsten taktischen Frage einig. Wir zweifeln auch nicht daran, daß sie sachlich sich wieder auf demselben Boden zusammenfinden wird. Ihre scheinbare Trennung in der Frage der Spiritussteuer wird von den Gegnern mit verfrühtem Siegesjubel begrüßt. Die Abstimmung der ersten Kommissionslesung ergab nur eine Zufallsmehrheit, und wurde nur vorgenommen, um kein Vakuum entstehen zu lassen; sie ist für alle Parteien unverbindlich. Aus dem Landtag. Die Berggesetz=Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses verhandelte in der letzten Sitzung zunächst über einen freisinnigen Antrag, der folgende Bestimmungen in das Berggesetz als§ 186 qu eingefügt sehen wollte: daß es den Bergwerksbesitzern oder ihren Vertretern bei Strafe bis zu 2000 Mk. oder entsprechender Freiheitsstrafe untersagt werden soll, einen Sicherheitsmann wegen Erfüllung der ihm auferlegten Pflichten zu entlassen. Die Schuldigen können auch zur Zahlung einer Buße an den Entlassenen angehalten werden. Die bürgerlichen Parteien würdigten den Antrag nicht einmal einer eingehenden Diskussion, sondern lehnten ihn glatt ab. Darauf gelangten die§§ 73 bis 75 zur Beratung. Diese betreffen die Funktionen der Betriebsbeamten und regeln das Qualitätsentziehungsverfahren. Alle Anträge, die eine größere Sicherheit der Steiger in bezug auf die Anerkennung und Aberkennung der Befähigung herveiführen wollten, wurden abgelehnt. Der Minister sagte zu, in den Ausführungsanweisungen entsprechende Vorschriften aufzunehmen. Er wandte sich aber mit großer Entschiedenheit gegen die Anträge, die die Entziehung der Befähigung als Steiger einem Kollegialgericht, dem Bergausschuß und Oberverwaltungsgericht zuweisen wollten. Die Steiger bleiben also der Bergbehörde überliefert. Diese allein entscheidet darüber, ob ein Steiger qualifiziert ist oder nicht, sie kann ihm die Befähigung aberkennen, ohne daß ausreichende Gründe vorhanden sind. Daß nun in Zukunft das Oberbergamt in öffeatlicher Sitzung nach Ladung und Anbörung der Beteiligten entscheiden soll, ist keine ausreichende Garaatie, da ein Bergrevierbeamter, der einem' Steiger die Qualifikation entzogen hat, von seiner vorgesetzten Behörde,„im Interesse der Autorität“, nicht desavouiert werden wird. Danach bleibt es dabei, daß die Steiger schlechter gestellt sind, als Winkelkonsulenten und Stellenvermittler, denen nur der Bezirksausschuß die Konzession entziehen kann. In der nächsten Sitzung kommt die Verantwortlichkeit der Grubenherren an die Reihe. *** Dem preußischen Abgeordnetenhause ist ein Gesetzentwurf über den Bergwerksbetrieb ausländischer juristischer Personen und den Geschäftsbetrieb außerpreußischer Gewerkschaften zugegangen. Der Entwurf bestimmt, daß ausländische juristische Personen zum Erwerb von Bergwerkseigentum, unbeweglichen Bergwerksanteilen und selbständigen Abbau=Gerechtigkeiten der Genehmigung des Königs oder der durch Kgl. Verordnung bestimmten Behörden bedürfen.— Das Gleiche gilt von Gewerkschaften, die in einem anderen Bundesstaat ihren Sitz haben. *„* Die Finanzkommission des Herrenhauses hat die Pfarrer=Besoldungsgesetze und den Gesetzentwurf über die Abänderung des Einkommensteuergesetzes und des Ergänzungssteuergesetzes in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung angenommen. Zum Gesetzentwurf über die evangelischen Geistlichen beantragt die Kommission: die Regierung zu ersuchen, daß sie bei der Verteilung der Mittel, die ihr aus dem Etat für Witwen von den vor dem 1. April 1895 verstorbenen Geistlichen zur Verfügung stehen, möglichst den vollen Betrag, der den Witwen aus dem Reliktenfonds zu gewö wäre, wenn das Gesetz zur Zeit des Ablebens der Pfarrer schon bestanden hätte, den Witwen zukommen lasse. Aus dem Reichstag. Die Wahlprüfungskommission behandelte in zahlreichen Sitzungen die Wahl des Abgeordneten Sievers im 16. hannoverschen Wahlkreis(Lüneburg). Sievers wurde in der Stichwahl mit 14112 gegen 13 362 Stimmen, die auf den Welfen v. Wangenheim entfielen, also mit einer Majorität von 750 Stimmen, gewählt. Gegen die Wahl ging ein umfangreicher Protest ein, der ein typisches Bild der Wahlbeeinflussung seitens der Kriegervereine entwarf, die sich als Leibgarde des nationalliberalen Wahlterrorismus aufspielten. In Versammlungen, bei Kaisergeburtstagsfeiern und dergleichen, sowie in öffentlichen Aufrufen in den Kreisblättern wurden die Mitglieder von den Vorsitzenden in Form militärischer Befehle zur Wahl des Abg. Sievers aufgefordert; für den Fall des Zuwiderhandelns wurde ihnen der Ausschluß unter Verlust aller ihrer erworbenen Rechte angedroht, da für sie immer noch der Fahneneid gelte usw. Aber auch die amtliche Wahlbeeinflussung für den nationalliberalen Kandidaten arbeitete in gewohnter Weise. In dem„Soltauer Kreisblatt“ forderten 13 Gemeindevorsteher, 1 Bürgermeister, Oberförster, Förster, Bahnhofsvorsteher usw.— unter Beifügung ihres Amtscharakters— zur Wahl des Sievers auf; und damit der Aufruf nicht mißverstanden werden könne, wurde im Leitartikel allen Beamten das Eintreten für den Welfen oder gar für den Sozialdemokraten als Bruch ihres Treueides hingestellt. Konservative, Reichspartei und Nationalliberale sehen natürlich weder zahlreiche amtliche Wahlbeeinflussungen noch die wüste Agitation der Kriegervereine als unstatthaft an und kämpfen bei jedem Punkte wie die Löwen für ihren Blockkandidaten, und so dürfte vor den Osterferien kaum eine Entscheidung fallen, so standalös auch diese Vorfälle sind. Im 13. elsässischen Wahlkreise(Diedenhofen) wurde gegen 9674 Zentrums= und 4477 sozialdemokratische Stimmen der Großindustrielle v. Wendel mit 18374 Stimmen gewählt. Nach den Behauptungen des eingereichten Protestes betrieben die Wendelschen Agenten die Agitaiton ganz in der Art ungarischer und galizischer Wahlmache. Wochenlang wurden die Ortschaften durchzogen und die Wähler mit Zigarren, Bier, Wein, Schnaps traktiert. Säle wurden abgetrieben; Wahlvorsteher trieben im Wahllokale Stimmenfang, Eisenbahn= vorsteher beeinflußten ihre Untergebenen usw. Aber da der Protest nur für einzelne Ortschaften Beweis anbietet, reichen diese nicht aus gegenüber der großen Majorität, und so wird Herr Dr. Wendel während der ganzen Session eine Zierde des Reichstags bilden. Aus dem Königreich Saarabien, im Wahlkreise St. WendelOttweiler, wo an Stelle Stumms sein Schwiegersohn von Schubert gewählt ist, ging der Wahlprüfungskommission wieder ein ausführlicher Protest zu, der das alte Bild rücksichtsloser Bedrückung und Kontrolle der Arbeiter durch ihre Vorgesetzten sowie alle Zeichen amtlicher Wahlbeeinflussung enthüllte. Der Protest war zwar im Umfange ungemein reichhaltig, in der Form aber sehr mangelhaft, so daß nur ein kleiner Teit der vorgebrachten Beschwerden als genügend substantiiert arllesehen wurde. Immerhin reichten die für erheblich erachteten Punkte aus, das Stimmenverhältnis eventuell zu beeinflussen; es wurde daher beschlossen, die Wahl zu beanstanden und über die vorgebrachten Beschwerden zu befinden.— In der Hauptwahl hatte von Schubert 18829, der Zentrumskandidat Marx 18416 und der Sozialdemokrat 571 Stimmen erhalten, in der Stichwahl siegte Schubert mit 19.625 gegen 18654 Stimmen. *„* Das Arbeitskammergesetz wurde Mittwoch von der Kommission in zweiter Lesung ziemlich unverändert nach den Beschlüssen der ersten Lesung angenommen.— Der Bericht gelangt nach den Osterferien zur Verteilung. *„* Die Bankgesetznovelle wurde am Mittwoch unverändert in der Kommission angenommen. Die Abstimmung über 2 Resolutionen, die eine Beaufsichtigung der Depositenbanken bezwecken, findet nach den Osterferien statt.— Der Reichsbankpräsident erklärte, daß die auf Wunsch der Großbranken unterbrochene Beratung der Enquete=Kommission alsbald fortgesetzt werden soll. Zentrum und Nachlaßsteuer. Das Zentrum schlägt, entsprechend den in seinen Reihen überwiegenden agrarischen Interessen, in der Nachlaßsteuerfrage bekanntlich völlig in die Kerbe der Agrarier. Aber in katholischen Arbeiterkreisen wird diese Stellung keineswegs gegebracht. Jetzt bringt sie folgende Zuschrift aus ihrem Leserkreise, die an Aeußerungen eines Zentrumsblattes anknüpft: „Der Schlußfolgerung des Zentrumsblattes:„Also abwarten!“ möchte ich entgegenhalten: Das„Abwarten“, fängt für uns, die wir todsicher mit weiteren indirekten Steuern bedacht werden sollen, nachgerade an, quälend zu werden. Uns, den Arbeitern und sogenannten kleinen Leuten, kann es nicht Wurst sein, ob eine Grundlage der neuen Finanzreform gefunden wird und wie sie ausfällt.„Ohne tüchtige und wirkliche Heranziehung des Besitzes keine inbirekten Steuern mehr!"— so lautete die Parole, die auch unsere Zentrumspartei ausgegeben. Schön: Aber wir können uns des Eindrucks nicht erweyren, daß es einfachere Wege zum Ziele gäbe, als die, die unsere Partei bis heute gegangen. Warum lehnt sie immer noch hartnäckig die Nachlaßsteuer ab, mit der eine solche„Grundlage der Finanzreform“ gefunden wäre? Die Nachlaßsteuer, die vor Jahren bereits ein Zentrumsabgeordneter empfohlen hat? Der Opposition in bäuerlichen Kreisen wegen? Aber die„Westdeutsche Arbeiterzeitung“ hat doch in drei ausgezeichneten Artikeln über diese Steuer nachgewiesen, daß den Bedenken der kleinen und mittleren Landwirte leicht Rechnung getragen werden könnte. Ich erinnere mich, in einem dieser Artikel gelesen zu haben:„Eine Nachlaßsteuer wäre unter Umständen sogar für die bäuerlichen Betriebe besonders günstig. Denn einmal wäre der Hauptertrag einer solchen Steuer zu tragen von dem beweglichen Besitz, und zum zweiten würde dieselbe möglicherweise auf eine gesunde soziale Verteilung des Bodens hinwirken: sie würde ein Gegengewicht bieten gegen die Zunahme des landwirtschaftlichen Großgrundbesitzes.... Indem die bäuerlichen Kreise mit solcher Schärfe gegen die Nachlaßsteuer eintreten, schaden sie sich selbst. Hier wäre einmal eine Gelegenheit gewesen, das leistungsfähige mobile Kapital entsprechend zur Steuer heranzuziehen, während die meisten Bauern steuerfrei geblieben wären. Die bäuerliche Opposition schadet sich also selbst.“ Nun lehnen die Regierungen der Einzelstaaten auch das sowieso unsichere„Besitzsteuerkompromiß" ab. Was nun? Abwarten? Worauf sollen wir warten? Vielleicht auf den Zeitpunkt, da sich die konservativen Parteien unter dem Druck der Verhältnisse auf eine Heranziehung des Besitzes durch Nachlaß= oder Erbschaftssteuer mit den übrigen Parteien geeinigt haben? Bis unser Zentrum nur mehr allein dasteht mit einer steifen Ablehnung derartiger Steuerprojekte? Eine solche Situation würde man im Lande schwer verstehen. Und auch der Hinweis auf „Blockkonstellation“ würde nicht überall begriffen werden. Mit großer Genugtuung entnahm ich demselben Parteiblatt, daß diese Steuer auch innerhalb der Zentrumsfraktion noch nicht tot ist. Wir wünschen, daß die Zahl ihrer Freunde wachsen möge.“ Wenn im Zentrum nicht das agrarische Element so starkes Uebergewicht gewonnen hätte, dann wäre es unmöglich, sich einer rationellen Besitzsteuer zu widersetzen. Uebrigens widerspricht das Besitzsteuerkompromiß stark den partikularistischen Tendenzen des Zentrums, und so ist es wohl möglich, daß sich noch ein Teil der schwarzen Partei zur Nachlaßsteuer bekehrt, wenn es nicht noch gelingt, eine genügende Blockmehrheit zusammenzubringen. Blockkrise und Finanzreform. Die Berliner Morgenpresse ist in ihrem Urteil über die gestrigen buß etwas Staates: Ob der Block weiter bestehen bleibe, und ob die Finanzreform innerhalb oder außerhalb des Blockes zustande kommt, geschaffen sei. Der Fortbestand des Blockes ist eng mit der Frage verbunden, ob Bülow mit dem Block gehen müßte, oder auch mit einer anderen Mehrheit im Reichstage weiter regieren würde. Bülow selbst hat sich hierüber nicht ausdrücklich geäußert, aber von der„Tageszeitung“ bis zur„Vossischen Zeitung“ ist die Presse darin einig, daß in dem Satze Bülows: „Parlamentarische Schwierigkeiten können mir meine Aufgabe erschweren, sie entbinden mich aber nicht von der schweren Pflicht des Versuchs, sie zu lösen, solange als dies der Wunsch des Kaisers ist,“ die bestimmte Erklärung ausgesprochen wird, Bulow werde auch bleiben, wenn der Block zugrunde geht und an seine Stelle eine konservativ=klerikale Mehrheit tritt. Die„Tägliche Rundschau“ und die„Nationalliberale Parteikorrespondenz“ sprechen die Hoffnung aus, der alte Block möge erhalten bleiben, und mit diesem Block die Finanzreform einschließlich der Nachlaßsteuer oder einer erweiterten Erbschafts steutr gemacht werden. Sie hören aus den konservativen Reden auch bereits das Zugeständnis heraus, daß sich auch diese Partei entgegenkommend zeigen werde.„ Das scheint auch eine Bemerkung der„Kreuzzeitung zu bestätigen, die heute sagt:„Die Rede des Reichskanzlers ubte eine bedeutende Wirkung aus. Auch auf konservativer Seite wurde sie mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Es ist zu hoffen, daß sie sich von wesentlich förderndem Einfluß auf den ersprießlichen Fortgang der Reichsfinanzreform erweisen wird.“ Die„Deutsche Tageszeitung“ versichert abermals, daß sie die Nachlaßsteuer bekämpfen werde, so lange das ihr möglich sei, und sie progagiert den Gedanken eines Zusammengehens mit Die„Germania“ endlich sucht die aufälige Zurückhaltung des Zentrums damit zu erklären, daß das Zentrum über dem Streit der Blockparteien um die Finanzreform stehe. Ueberdies sei das Zentrum von keiner Seite provoziert oder wegen seines Verhaltens in der Finanzreform angegriffen worden. Das„Berliner Tageblatt“ schreibt über das gestrige Verwerden. Man wollte zum mindesten mit dem Reichskanzler einmal gründlich Abrechnung halten. Aber aus dem Angeklagten wurde ein Ank’äger, der dem Reichstage zurief, daß er es in der bisherigen Weise nicht weiter treiben dürfe. Einige Blätter wollen gerade in dieser schroffen Bemerkung Bülows die Drohung mit einer Auflösung des Reichstages sehen. —2t. Zur Maifeier. Es sei daran erinnert, daß in bezug auf den Vertrieb von Maifestabzeichen, Maifest=Postkarten, Maifest=Zeitungen von der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück am 2. August 1908 dieser Beschluß gesaßt worden ist: „Andere Festschriften und Maifest=Postkartenusw., als die vom Vorstande herausgegebenen, dürfen bei den Veranstaltungen am 1. Mai nicht vertrieben werden. — Die hiesigen Pflasterer sind wegen Lohndifferenzen ausgesperrt worden. Von seiten der Arbeiter wird das Gewerbegericht angerufen werden. — Im Prozeß Meyer zu Selhausen gegen die Stadt Bielefeld ist der Klager am Dienstag von der zweiten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts kostenpflichtig abgewiesen worden. Es handelte sich dabei um einen Schaden in Höhe von 10000 Mk., welcher ihm durch die verspätete Auflassung entstanden sein soll. Der Magistrat hatte ihm diese Entschadigung zubilligen wollen, die Stadtverordnetenversammlung stimmte aber in geheimer Sitzung am Donnerstag, 31. Oktober, nicht zu, sondern erklärte sich nur bereit, 2500 Mk. zu bewilligen, wenn der Meyer als Gegenleistung alle in seinem Besitz befindlichen geschichtlich interessanten Dokumente des Meyerhofes herausgäbe. Darauf ist der Meyer nicht eingegangen und hat nun vorläufig den loren. Er win ihn laut Generalanzeiger“ vor st der Meyer nicht eingegangen und hat nun po„ den srozeß pertolen. Er will zn ln gerng#., zDt das Overlandesgericht Hamm bringen, unserer unsicht nach ohne jede Aussicht auf Erfolg. Er hätte gut getan, das Angebot der Stadt Ende des Konflikts auf dem Balkau. Sikelbeoie uacd der bedhe ead Miläiteprishenten RoualWien, 31. März. Der serbische Gesandte hat heute mittag im Auswartigen Amt die Antwortnote seiner Regierung überreicht. Die Note ist in jeder Richtung zufriedenstellend gehalten und hat daher eine sehr gute Aufnahme gesunden. Morgen wird der Gesandte, Graf Forgach, in Belgrad den Bescheid der österreichischen Regierung übermitteln. Frankfurt a. M., 31. März. Die von dem serbischen Gesandten in Wien heute überreichte Ergänzungsnote besagt, wie der„Frankfurter Zeitung" aus Berlin berichtet wird: Nachdem die Mächte die Annexion Bosniens und der Herzegowina anerkannt haben, werde sich Serbien jedes weiteren Protestes enthalten und freundliche Beziehungen zu Oesterreich hegen und sein stehendes Heer auf den Standpunkt vom 1. Januar zurückBelgrad 31. März. Im Nationalklub teilte der Justi minister mit, die Regierung habe die volle Gewißheit, daß der König fest entschlossen sei, sofort nach Lösung des osterreichischen Konflikts zugunsten seines Sohnes Alexander auf den Thron #.do 31. März. König Peter hat dem englischen und dem russischen Gesandten in Belgrad mitgeteilt, daß er abzudanken gedenke, er verlangt eine Apanage von 250000 Frank und will sich nach Nizza zurückziehen. Darüber, wer die Apanage bezahlen soll, wird noch zwischen Belgrad, Pétersburg und London glg verhaubell. der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 1. April. F. S.— Ortskrankenkasse für Holzarbeiter. Da eine genügende Klarheit über das kürzlich eingeführte Statut bei den Mitgliedern noch nicht besteht, sei auf folgendes aufmerksam gemacht: Es wird in einigen Betrieben an jedem Zahltag der Beitrag zur Kasse in Abzug gebracht, zum Teil alle 14 Tage der halbe Monatsbeitrag, hieraus ergibt sich aber, daß, wenn nicht vier Wochen davon freibleiben, ein Monatsbeitrag zuviel in Abzug kommt, die Mitglieder mögen darauf achten. Die Klassen sind folgendermaßen eingeteilt: Die Klasse II umfaßt Lehrlinge und sonstige versicherungspflichtige Personen unter 17 Jahren, die Klasse III weibliche Mitglieder über 17 Jahre, die Klasse IV Arbeiter über 17 Jahre, die Klasse V Gehilfen aller Art, und Klasse Va umfaßt Werkmeister, Techniker und Kaufleute. Folgende Beiträge sind zu zahlen: anzunehmen. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet eine Aufführung von Max Halbes Schauspiel„Der Strom“ statt. Sonnabend geht der erste Teil der Tragödie„Faust“ in Szene. Sonntag schließt die Schauspiel=Saison mit einer Auffuhrung der Posse„Der Registrator auf Reisen“. — Der beste Fußbodenschutz. Während die gut gefugten, mit hartem Lack oder Firniß überzogenen Fußböden in den Häusern des Mittelstandes gesundheitlich keine oder nur geringe Bedenken bieten, ist dieses im hohen Grade der Fall bei den einfach gedielten Böden geringerer Mietshäuser, sowie der Arbeiterwohnungen und Massenquartiere. Durch das Eintrocknen der Fußbodenbretter zeigen sich bald breite Fugen zwischen den Dielen. Das Scheuern mit Wasser hält namentlich die Zwischendeckenfüllung stets feucht und macht sie zu einem nodernen Pilzhaufen, der sich bei länger geschlossenen Fenstern hon durch den Geruch außerordentlich bemerkbar macht. Außerdem ist bekannt, daß die durch die Fugen zugängliche Zwischendeckenfüllung als Schlupfwinkel und Brutstätte für Ungeziefer aller Art, Fliegen, Schwaben, Wanzen, Fröhe usw. dient. Ein Regimentsarzt, Dr. Schaffer, hat daher nach seinen Erfahrungen in Kasernen die ausgedehnte Anwendung des Teers zum Anstreichen des Fußbodens in billigeren Wohnungen empfohlen, wobei er ein Kile Teer auf 8—10 Quadratmeter Bodenfläche berechnet und jährlich zweimal eine Erneuerung fordert. Auch bei neuen Böden können Dielen, die mit heißem Teer imprägniert sind, verwendet werden, wobei der Teergeruch nur einige Tage unangenehm Der Fußboden braucht bei richtiger Behandlung nicht gelb-braune sch leicht gewöhnt. Ebenso sollen Möbel und hölzerne Haushaltungsgegenstande mit einem leichten Teerüberzug auf den Rück= und Unterflächen gegen Schmutz und Ungeziefer geschützt werden können. kfg. — Polizeibericht. Warnung. Vor einem sogenannten Trunksuchtsmittel, welches unter dem Namen„Coza=Pulper“ durch offentliche Ankündigung. Agenten und Vertreter empfohlen wird und welches auch hier leider oft verkauft worden ist, wird ausdrücklich gewarnt. Das Pulver, welches in kleinster Dosis für 10 Mk. abgegeben wird, ist ein wertloses Schwindelmittel, für dessen Beschaffung die Angehörigen von Trinkern keinen Pfennig aufwenden sollten. Hundeunwesen. Auf öffentlichen Straßen und Plätzen, an dener Monschor zu verkohren pflegen, dürferner die Spenger Mitglieder? Wo sind die Herringhauser? te sind nur einige Mitglieder. Dobei gaitiert Röös nun bald 3 Jahre. stärker wie jetzt. Noch tum. Beiträg kam, war, die christliche Bewegung iaenrunsen 8 Jahre so fort, agitzext und es bleibt nichts mehr ubrig.“ k.. nur so weiter ihr„Christen". Bei eurer Kampfesweise konnte es nicht anders kommen. Ziehen wir aber die Lehre daraus daß Treue und Ehrlichkeit am längsten währt. 1 nur Als er ühr ve tere Also Bei „Christliche“ Agitation. der letzten Reichstagswahl kandidierte im Wahlkreise Herford=Halle der Christlich=Soziale Wallbaum, Hausvater Herford=Halle der Christlich=Soziale Wallbaum, Hausvater auf der Anstalt Bethel. In den Agitationsversammlungen, in welchen landwirtschaftliche Arbeiter anwesend waren, hat dann Wallbaum diesen das Koalitionsrecht versprochen. Was es aber mit diesem Versprechen auf sich hatte, geht aus der Wochenrundschau des„Ravensberger, Nr. 20 vom 25. Januar 1909, hervor. Das Blatt schreibt: Am 20. war Schwerinstag. Auf der Tagesordnung stand der sozialdemokratische Antrag auf reichsgesetzliche Regelung der Rechtsverhältnisse des Gesindes und der landwirtschaftlichen Arbeiter. Er spitzte sich im wesentlichen zu der alten Forderung eines Koalitionsrechts der letzteren zu, die zu bewilligen aber alle Einsichtigen mit Recht und auch diesmal wieder erfolgreich sich entgegenstemmten. Als wir dieses lasen, glaubten wir ganz bestimmt, Herr Wallbaum würde gegen solche Behandlung der landwirtschaftlichen Arbeiter protestieren. Wir haben aber bis heute vergeblich auf den Widerspruch Wallbaums gehofft. So sind die ChristlichSozialen! In den Versammlungen wird alles versprochen: jeder dieser Herren hat sein eigenes Programm.— In Zukunft Wallbaum aber nicht wieder weis machen, daß er der soll uns Wankun, geir nicht Diktator der Christlich=Sozialen sei, als welcher er sich bei der Mundtotmachung sozialdemokratischer Diskussionsredner aufgespielt hat. erste Tarifabschluß vom Deutschen Tabakarbeiterverbande in unserem 5. Gau ist vollzogen worden. Die Burgstein -##arbeit furter Tavatarbeitergenossenschaft ist, auch hier allen voran. Wir lassen den Tarif folgen und bemerken, daß in der Rauchtabakfabrikation die Genossenschaft 40 Pfg Stundenlohn zahlt, während bei der Konkurrenz noch Stundenlöhne von 20 Pfg. vielfach üblich ssind: Tarif=Vertrag. Zwischen der Tabakarbeitergenossenschaft in Burgsteinfurt (E. G. m. b. H.) einerseits und dem Deutschen Tabakarbeiterverbande andererseits wurde nachstehender Vertrag vereinbart: § 1. Die tägliche Arbeitszeit beträgt, außer Sonnabends, 9 Stunden, Sonnabends beträgt die Arbeitszeit 8 Stunden. Die Arbeitszeit beginnt in den Sommermonaten morgens um 7 Uhr, in den Wintermonaten morgens um 7½ Uhr und endet außer Sonnabends, abends um 7 Uhr; Sonnabends endet die Arbeitszeit abends um 6 Uhr. sowie an Orten, an venen Menschen zu vertehten Virrhrgzgg Alpenhunde(Bernhardiner, Leonberger, sowie deren fen alpenhunde,„Ahulisite, Eiöntriger, aon eeren Misch= rassen), Neufundlander und deren Abarten, Doggen und deren Abarten, Windhunde, Bullenbeißer, Bulldoggen, Fleischerhunde hissigen Hunde ohne Maul Muttorb nicht frei Beitrag pro Woche An Unterstützung zahlt die Kasse pro Woche 5.25 A 7.00„ 10,50„ 14,00„ 15,75 jeder Art und aue binnigen Guner ohne Waldbrände. In den letzten Jahren sind wieder Fälle .„** zur Anzeige getommen, in welchen Personen freventlich oder aus Fahrlässigreit in Waldungen der Umgebung Waldbrände verur=0-— Naturheilverein. Der Gruppentag am Sonntag in Hagen war von 14 Vereinen durch 18 Delegierte beschickt. Außerdem waren der Gruppenvorstand und eine Anzahl Laienpraktiker und Naturärzte als Gäste anwesend. Bezüglich der zu betreibenden Agitation wurden die vom Delegierten Schreck=Bielefeld gemachten Vorschläge akzeptiert. Es soll danach der Versuch unternommen werden, die breite Masse der Bevölkerung für eine naturgemäße Lebens= und Heilweise zu interessieren und möglichst in allen Orten Vereine zu bilden.— Der Kassenbericht pro 1908 schloß mit einem Bestande von 538,39 Mk. ab.— Zum Gruppenvorsitzenden wurde Herr Ehlert-Gütersloh gewählt.— Bei der Beratung der Fragen, welche demnächst den Bundestaz beschäftigen werden, wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Delegierten einer Reorganisation im demokratischen Sinne das Wort zu reden haben und dahin wirken sollen, den Einfluß der Gesamtpeit der Mitglieder zu stärken. Im Prinzip erklärte die Gruppe sich bereit, die Bundessteuer eventuell zu erhöhen. Als Deleverboten ist: a) im Walde Feuer anzulegen, b) den Wald mit unverwahrtem Feuer(z. B. brennender Zigarre) zu betreten, c) im Walde brennende oder glimmende Gegenstände(Zigerrenstummel, Zündhölzchen usw.) fortz.„ Für„Strafe un Wertersatz hafter anper der Tätern enentue stummel, Zündhölzchen usw.] fortzuwerfen. Für Strafe und Werlersaß hasten außer ven Talern eventneu auch deren Eltern oder Lehrherren.. venharteman“9). Mit zuringem Gald Gefunden: 1 Damenporkemönnute mit geringen Geldbetrag und 1 Photographie. Zugelaufen: 1 Pinscher, 1 Jagdhund. Verlore.n: 1 goldene Damenuhr. Entlaufen: 1 grauer deutscher Schäferhund. Eingebrochen wurde in der Nacht zum Mittwoch in ein Konfektionsgeschäft in Lage und daraus 12—15 weiße seidene Damenblusen, 12—15 lange schwarze Damenjacken und 3 Ueberzieher entwendet. Vor Ankauf wird gewarnt. Etwaige sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entGestohlen wurde am 31. 3. 09 nachmittags einem Mäden hier eine goldene Damen=Remontoiruhr. Im Innern des Deckels ist der Name„H., Gärtner“ eingraviert. Vor Ankauf wird gewarnt. findet, wurden Husemann=Iserlohn, Schreck=Bielefeld un mann=Minden gewählt. Diese vertreten auf dem Bundestage 2735 Mitglieder; die Gesamtmitzliederzahl des Bundes beträgt 135 422.— Den Schluß der Verhandlungen bildete ein klärender Abwehrvortrag von Schreck=Bielefeld uber das„Kurpfuschergesetz". Redner trat gerade im Interesse der Wissenschaft und beschränkter Forschung dafür ein, mindestens den bestehen unbeschränkter Forschung pafür ein, minrestens den bestehenden gesetzlichen Zustand zu erhalten. Alle staats=medizinischen Ertiungsversuche, die gleichzeitig auch einen Eingriff in die Gewerbefreiheit bedeuten, mußten aufs entschiedenste bekämpft werden. Die anwesenden Naturärzte, Stabsarzt Dr. KochBielefeld und Dr. Groos=Barmen, sowie der Bundespräsident Braun=Berlin, erklärten sich in der Diskussion mit den Ausführungen des Referenten einverstanden.— In später Nachmittagsstunde wurden die Verhandlungen geschlossen. Versammlungen. Stieghorst. Sozialdem. Verein. Sonnabend, 3. April, abends 8½ Uhr, beim Genossen Klemme: Versammlung. Vortrag des Genossen Castrup über„Zivilisation und Sozialdemokratie“.„„, 4. g14 fer g. Eidinghausen. Sonnabend, o. uupril, abends 612 Uhr, bei Küster in Oeynhausen: Besprechung der Parteigenossen und„Volkswacht"=Abennenten von Eidinghausen und Werste zur Gründung einer Ortsgruppe des Sozialdemokratischen Vereins. Genosse Litzinger=Minden wird anwesend sein. Hieleseider Stadttheater en. Mittwoch, 31. März: Gastspiel des Meistersängers zur Laute, Robert Kotbe. Die Laute gehört nicht zu den Instrumenten, durch welche klassische Musik dem Zuhörer übermittelt wird. So liegt auch der Genuß, dessen der Horer teilhaftig wird, abseits von dem großen Strom der Entwicklung der Der christliche Tabakarbeiterverband im östlichen Westfalen. Wir haben immer behauptet, daß die christliche Gewerkschaftsbewegung nicht danach zu beurteilen ist, wie sie in den Spalten ihrer Zeitungen dargestellt wird. Welche Vorstellungen drängen sich dem Nichteingeweihten z. B. vom christlichen Tabakarbeiterverband hier in unserem Bezirk auf, wenn er Größe und Bedeutung dieses Verbandes an dem Spektakel messen will, den wir von dem„christlichen Röös gewohnt sind. Welche Prahlereien liest man oft im„Ravensberger“ und im christlichen Verbandsorgan. Ab und zu wird das„christliche" Dunkel aber doch beleuchtet. Dann aber bleibt gewöhnlich von dem ganzen christlichen Spuk nicht viel mehr als ein paar JünglingsvereinRobert Kothe selbst ist auch kein Sänger, der gewaltige Leidenschaften darzustellen vermag, aber er kann singen, es ist ein Genuß, die Schönheit seiner Tonbildung, die Klarheit und Reinheit seines Vortrags anzuhören. Mit den Liedern, die er vortrug, waren wir heute weniger einverstanden als im vorigen Jahr. Der edle Ritter Prinz Eugen z. B. schien uns ganz unangebracht. Manche Perlen waren aber darunter, so vor allem das Krippenlied aus dem 17. Jahrhundert„Schlaf, mein Kindlein“, in welchem auch die Laute zu wundervoller Geltung kam. Der Sänger hatte diesmal schon eine größere Gemeinde als bei seinem Hiersein vor einem Jahr. g. Die Zahlstellen der Christlichen, welche sie im östlichen Westfalen haben, sind: Eilshausen, Hiddenhausen, Lippinghausen, Herringhausen, Hahlen, Hartum, Hille, Holzhausen, Rothenuffeln, Südhemmern, Unterlübbe, Spradow, Löhne(Bahnhof), Hegedorn, Mennighüffen, Nieder= und Oberbecksen. Obernbeck, Spenge, Stift Quernheim und Volmerdingsen. Das sind die Zahlstellen, welche der christliche Verband angibt. Wir wollen feststellen, daß z. B. Hille angegeben ist. Am letzten Sonnabend meldet Röös von dort aber die Neugründung einer Zahlstelle. Wie reimt sich das zusammen? Wo sind 9.— Mark 9.—„ 9.50„ 9.50„ 9.50„ 10.—„ 10,50„ 12.50„ 4—4½ Uhr. ckel betragen, bei Anerkennung des Mikkimallohnes von 9 Mk., für Formarbeit für die Sorten:„ I776546 Avanti(schlanke und halbschrag.) Löwe(schlanke und halbschrage) Lilli(schräge) Reform(schräge) Kati(schräge) Lidia(größere Fasson) Ideal(größere Fasson) Undine(schräge) 12.50 Wilhelm(schrage) 13.—„ § 3. Der vereinbarte Minimallohn und die festgesetzten Löhne pro Mille verstehen sich bei Lieferung von mit der Rippe aufgesetztem Deckblatt, entrippter oder geschnittener und getrockneter Einlage und angefeuchtetem Umblatt. § 4. Bei Verwendung von Mexiko= oder Brasildecke erhöht sich der Rollerlohn um 75 Pfg. und bei Kuba=, Havanna= oder Java-Deckblatt um 1,50 Mk. pro Mille. § 5. Die in der Rauchtabakfabrikation beschäftigten Arbeiter erhalten einen Stundenlohn von 40 Pfg. § 6. Falls Heimarbeiter beschäftigt werden, so erh##ten dieselben einen Lohnaufschlag von 5 Prozent, aber mindestens 50 Pfg. pro Mille. § 7. Die Lohnzahlung erfolgt jeden Sonnabend morgens. § 8. Die Firma ist gehalten, über die vereinbarten Lohnsätze eine Tabelle anzufertigen.„ 6546. 0„ Gegenseitig unterzeichnete avschriften vieser Loyntavellen sind den beschäftigten Arbeitern einzuhändigen oder an sichtbarer Stelle im Arbeitsraum auszuhangen. § 9. Einzustellende Arbeiter sind von dem am Orte bestehenden Arbeitsnachweis des Deutschen Tabakarbeiterverbandes zu beziehen. § 10. Vorstehender Tarifvertrag tritt am 1. April 1909 in Kraft und gilt für ein Jahr.„„ e S. Der Vertrag gilt immer für ein weileres Jahr, sosern von keiner Seite eine Aufkündigung vorgenommen wird. Die Kündigung des Vertrages ist eine monatliche und kann nur zum jedesmaligen Jahresabschlusse des vereinbarten Tarisjahres erfolgen. Zeit werden noch weitere Firmen Tarife mit dem Tabakarbeiterverbande abschließen. Von seiten der organisierten Arbeiterschaft, der Konsumvereine und auch verschiedener Wirtevereinigungen, z. B. der Kölner Wirtevereinigung, sind in letzter Zeit Beschlüsse gefaßt, keine Zigarren und Tabake zu kaufen, die nicht zu anstandigen Tohn= und Arbeitsbedingungen hergestellt ind. zu anstandigen Lohn= und Arbeitsbedingungen hergestellt sind. Die organisierten Tabakarbeiter werden in diesen Kreisen Propaganda für die tariftreuen Firmen machen und rechnen paganda für die tariftreuen Firmen machen und. hi auf die unterstützung der gesamten arbeiterschaft. * Sieker, 31. März. Standesamtliches. Beim hiesigen Standesamte sind im Monat März zur Anmeldung gelangt: 36 Geburten(16 Knaben und 20 Mädchen), 8 Sterbefälle, 7 Aufgebotsantrage wurden gestellt und 4 Eheschließungen fanden statt. * Vlotho, 31. März. Wieder mal die„gesicherte Existenz“. Ende vorigen Jahres starb hier ein Zigarrenmacher nach sehr langem Krankenlager; die Tuberkulose, die schlimme Feindin der Tabakarbeiter, nahm ihn seiner Familie, der kaum die Mitte der Dreißiger überschritten hatte. Da der Mann lange Jahre gekränkelt hatte, auch Gast in Krankenhäusern gewesen war, so hatte die kleine, zarte Frau, dei Not gehorchend, das Zigarrenmachen erlernt, und so konnte sie nun napper Mühe das Brot erwerben. Sie nahm ihre alte Mutter, eine sich den 70ern nähernde Witwe zu sich ins Haus, die ihr noch nützlich wor. Die Kinder, welche schon vor des Vaters Tode kränklich waren und wahrscheinlich die Krankheit des Vaters geerbt hatten, machten der Mutter die größte Sorge. Sie wandte sich also mit einem such an die Armenkommission, ihr eine Beihilfe zur Miete zu gewähren—. Wenn man nun zewöhnlich sagt:„Was lange währt, wird endlich gut“, so traf das hier nicht zu. Es dauerte sehl lange, aber das Gesuch wurde abgelehnt. Die Armenkommission nahm an, daß die Witwe 12 Mark pro Woche verdiene und daß das ausreichend sei zum Leben, zumal sie ja auch noch von der Stephaniegemeinde jehe Woche ein Brot bekämt. hat jedenfalls ih Amtes in der Armenke richten gewußt, dahinge Zeit der Sitzung das jü älteste Junge 4 Wochen auch nur: 12 Mk. und und 4 Kinder, sollte da die Gefahr vorliegen, de sucht versinkt? Diese le ventilieren.— Es wird gesprochen sein, Hilfei gemeinde notwendig, so und die Kinder vor der * Münster, 31. Mär gewerbe. Der vor spruch des unparteiisch nunmehr gesprochen. Unternehmer die um dreieinhalb? haben sie den Tar ausgelegt und zu R Darius zu Münster i. wehrt haben gegen Münster ist zwar in so begrenzten Unmöglichke spruch gefällt werden k. möglich gehalten, die n Der Arbeiter solle dan Mark p. Tag verdiene,auf die gefüllte Kompot allzu hart bestraft werd echtades Herrn Stadt) iszeit über die tar Es stehe dem Arbeiter wenn er nicht damit ei sche Weisheit. Selbstve arbeiter Münsters auf den schwer Errungenes und Unternehmertücke. 0 *s Bielefeld, 30. M gehens gegen§ 108 des 12. Mai 1901 hatte sich zu verantworten. Der verein„Zimmers lose hatte diese Zeitschriften den genannten Verlagst auf diese Blätter war verbund n, nach dem den eine Heiratsgabe von 5 nun dieses Versicherung migung entbehrte, so n gegen das eingangs erw Mark eventuell 20 Tage Unter der Anklage, Warenzeichens vergang Fabrikant Heinrich 2 antrag war oon den Hal den, weil die angeklagt ähnliche Ringe geliefert sind und welche Ausstat vatentamtlich schützen la Nachahmung der geschüt gegen das Warenzeichen zu einer Geldstrafe von Zu gleicher Zeit wurde Das gleiche Schicksa mann u. Co in Bünde, und Carl Levison zu Bü treter dieser Firma, der lin. Die beiden ersten he versehen, wie ssie die He haben schützen lassen. Havanneser sehr ähnlich die beiden ersteren weg zeichengesetzes zu einer Tagen Gefängnis und Vergehen zu einer Geld Gefangnis. Außerdem gesprochen. Der Zigarrenarbeite Kreis Herford, war an zum 24. Januar d. J. d ser mißhandelt und ein ohne im Besitze eines W geklagte wurde überfüh letzung mit 7 Monaten Kreine? Jedes Wort kostet nur 2 P der fetten Ueberschrift 10 Anzeigen unter dieser Rubrik Kochherde, weiß und schwarz emaillier jebraucht, in enorm großer ollen räumungshalber zu annehmbaren Preise verkauft Teilzah ung gestattet. Ado Ritterstraße 57 Schultorniste Taschen, Bücherträger billig Schlüter, Ecke Bahnhof= und Eingang Arndtstr. 2. Tür. Paletots, Anzüge, zurückgesetzt und von 7 Mk. an. Brunnensti Sämereien, Pflanzbohnen, Saatdafer,# usw. empfiehlt billigst Wiem gang Peiristraßen=Ecke. Wöchnerinne welche an kranken Brustwarz wenden sich an Frau 3 Sggetal 2. herringhauser? ige Mitglieder. vien und Harder sein. An Konat aber nur Jahre. Als er Noch weitere zr übrig. Also fesweise konnte Lehre daraus im Wahlkreise m. Hausvater ammlungen, in aren, hat dann Was es aber 3 der WochenJanuar 1909. sordnung stand zliche Regelung landwirtschaftn zu der alten in zu, die zu i mit Recht ich sich entbestimmt, Herr landwirtschaftheute vergeblich d die Christliches versprochen: — In Zukunft sen, oaß er der er sich bei der insredner aufautschen Burgsteint ist auch hier emerken, daß in Pfa Stundenkundenlöhne von n B u r g s t e i n f u r t Tabakarbeiter= trag vereinbart: er Sonnabends, 8 Stunden. Die gens um 7 Uhr, und endet außer det die Arbeitsnaten: morgens nachmittags von von 9—9½ Uhr, —4½ Uhr. el betragen, bei für Formarbeit — Mark * 50" 50„ 50" * 50„ 2.50„ estgesetzten Löhne der Rippe aufr und getrockneBrasildecke erhöht Havanna= oder beschäftigten Ar9 so erhalten dieer mindestens 50 bend morgens. nbarten Lohnsätze ser Lohntabellen n oder an sichtim Orte besteheneiterverbandes zu 1. April 1909 in Jahr, sofern von wird. natliche und kann reinbarten Tarist die ganzen Being.n nächster im Tabakarbeiterinerten Arbeiterner Wirtevereiniind in letzter Zeit u kaufen, die nicht n hergestellt sind. Proien hierbei terches. Beim hier Anmeldung geidchen), 8 Sterbe4 Eheschlietzungen ie„gesicherte ier ein Zigarren: Tuberkurose, die in seiner Familie, en hatte. Da der Gast in KrankenFrau, dei Not geso konnte sie nun kinder mit knapper alte Mutter, eine daus, die ihr noch des Vaters Tode e Krankheit des utter die größte it einem Gee zur Miete zu. ge„Was lange währt, Es dauerte sehr Armenkommission o Woche verdiene zumal sie ig auch ein Brot bekämt. hat jedenfalls ihr Seelsorger der jä kraft seines Amtes in der Armenkommission Sitz und Stimme hat, zu berichten gewußt, dahingegen hat er wohl nicht gewußt, daß zur Zeit der Sitzung das jüngste Kind der Witwe krank lag und der alteste Junge 4 Wochen lang krank gewesen war—. Man denke auch nur: 12 Mk. und 1 Brot pro Woche— für 2 Erwachsene und 4 Kinder, sollte das nicht schon eigentlich zu viel sein und die Gefahr vorliegen, daß die Familie in Ueppigkeit und Genußsucht versinkt? Diese letztere Frage hätte man sollen doch ernstlich pentilieren.— Es wird wohl hierin das letzte Wort noch nicht gesprochen sein, Hilfe ist hier, trotz des Brotes der Stephaniegemeinde notwendig, soll sich nicht die Mutter ganz aufreiben und die Kinder vor der Zeit dahinsiechen. * Münster, 31. März. Zur Lage im hiesigen Holzgewerbe. Der vor einigen Tagen angekündigte Schiedsspruch des unparteiischen Vorsitzenden des Einigungsamtes ist nunmehr gesprochen. Er lautet dahin: Trotzdem die Unternehmer die tariflich vereinbarten Löhne um dreieinhalb Pfennig pro Stunde kürzten, haben sie den Tarif nicht gebrochen. So untersucht, ausgelegt und zu Recht erachtet von Herrn Stadtsyndikus Darius zu Münster i. W.— Und weil die Arbeiter sich gerifbruchig. gegen, den Lohnabzug, sind, sie ta. üchig. Einsich; die Giadi der unwehrt haben Münster ist zwar in sozialpolitischer Hinsicht die Stadt der unbegrenzten Unmöglichkeiten, daß aber ein derartiger Schiedsspruch gefällt werden konnte, wurde selbst nicht von denen für möglich gehalten, die nach den oberbürgermeisterlichen Worten: Der Arbeiter solle dankbar sein, wenn er 3(in Worten: drei) Mark p. Tag verdiene,— ganz genau wußten, daß dieser Angriff auf die gefüllte Kompottschüssel der Münsterschen Arbeiter nicht allzu hart bestraft werden würde. Weiter ist es nach der Ansicht, des Herrn Stadtsyndilus kein Tarifbruch, wenn die Arnszeit über die tariflich festgelegte„Zeit verlängert wird. Es stehe dem Arbeiter ja frei, die Arbeit niederzulegen(!), wenn er nicht damit einverstanden ist. Eine wirklich salomonische Weisheit. Selbstverständlich pfeisen die organisierten Holzarbeiter Münsters auf einen derartigen Schiedsspruch, sie werden schwer Errungenes zu behaupten wissen, trotz Schiedsspruch und Unternehmertücke. Militärisches. horsamsverweigerung. Aus Brandenburg a. H. pird berichtet: Nach einer größeren Marschübung ließ der Fahnenjunker, Unteroffizter Bartels, vom Brandenburg. Fusilierregiment Nr. 35 die Rekruten auf dem Kasernenhofe den Präsentiergriff üben. Der Füsilier Fleischer machte die Griffe nicht zur Zufriedenheit des Fahnenjunkers und mußte— während die übrigen Rekruten ihre Stuben aufsuchen durften— die Uebung glauben Sie, daß mich der Dienst nicht schon genug anstrengt?“ Wegen Gehorsamsverweigerung und Achtungsverletzung unter dem Gewehr wurde der Rekrut vom Kriegsgericht der sechsten Division am 29. v. M. zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Fleischer erklärte, daß er gegen dieses Urteil Berufung einlegen werde. Vermischtes. Gerichtliches. *s Bielefeld, 30. März. Strafkammer. Wegen Vergehens gegen§ 108 des Gesetzes über die Versicherungen vom 12. Mai 1901 hatte sich der Kassierer Wilhelm Siesenop von hier zu verantworten. Der Angeklagte, welcher von dem Verlagsverein„Zimmers lose Blätter" als Kassierer angestellt war, hatte diese Zeitschriften in den Jahren 1906, 1907 und 1908 für den genannten Verlagsverein vertrieben. Mit dem Abonnement auf diese Blätter war zugleich ein Versicherungsunternehmen verbund. n, nach dem dem Abonnenten bei etwaiger Verheiratung eine Heiratsgabe von 50 bis 1000 Mk. zugesichert wurde. Da nun dieses Versicherungsunternehmen der polizeilichen Genehmigung entbehrte, so wurde der Angeklagte wegen Vergehens gegen das eingangs erwähnte Gesetz zu einer Geldstrafe von 100 Mark eventuell 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Unter der Anklage, sich gegen das Gesetz zum Schutze des Warenzeichens vergangen zu haben, stand der EtikettenFabrikant Heinrich Deußens von Rheydt. Der Strafantrag war von den Havanneser Firmen zu London gestellt worden, weil die angeklagte Firma einer Bünder Zigarrenfabrik kliefert hatte welche den Bock=Zigarren eigen hatten h schützen lassen. Der Gerichtshof erblickte in dieser Nachahmung der geschützten Ringe eine Beihilfe zum Vergehen gegen das Warenzeichengesetz und verurteilte die Firma Deußen zu einer Geldstrafe von 200 Mk. eventuell 20 Tagen Gefängnis. Zu gleicher Zeit wurde auf Publikation des Urteils erkannt. Das gleiche Schicksal hatten die Inhaber der Firma Warmann u. Co in Bunde, die Zigarrenfabrikanten Carl Warmann und Carl Levison zu Bünde. Mit ihnen angeklagt war der Vertreter dieser Firma, der Kaufmann Samuel Lubiner von Berlin. Die beiden ersten haben ihre Zigarren mit demselben Ringe versehen, wie sie die Havanneser Firmen für ihre Henry Clay haben schützen lassen. Außerdem ist die Verpackung der der Havanneser sehr ähnlich gewesen. Die Strafkammer verurteilte die beiden ersteren wegen Vergehens gegen§ 15 des Warenzeichengesetzes zu einer Geldstrafe von je 500 Mk. eventuell 50 Tagen Gefängnis und den Lubiner wegen Beihilfe zu diesem Vergehen zu einer Geldstrafe von 200 Mk. eventuell 20 Tagen Gefängnis. Außerdem wurde die Publikation des Urteils ausgesprochen. Der Zigarrenarbeiter Heinrich Schulz von Rödinghausen, Kreis Herford, war angeklagt, zu Rödinghausen in der Nacht zum 24. Januar d. J. den Arbeiter Böhmvörde mit einem Messer mißhandelt und einen Revolver bei sich geführt zu haben, ohne im Besitze eines Waffenscheines gewesen zu sein. Der Angeklagte wurde überführt und wegen gefährlicher Körperverletzung mit 7 Monaten Gefängnis bestraft. K Entführung aus dem Mädchenasyl. Eine kühne Entführung aus einem Heim verlorener Mädchen vollbrachte nach einem Privattelegramm aus Köln ein junger Mann. Er drang in das Fürsorgestift„Zum guten Hirten“ ein und erlangte unter der Vorspiegelung, daß er seine Schwester besuchen wolle, Einlaß in die Anstalt. Als das Mädchen zu ihm geführt wurde, hielt er der anwesenden Ordensschwester plötzlich einen Revolver vor und sagte:„So, die geht jetzt mit mir!" Die erschrockene Schwester ließ die beiden entfliehen. Die Polizei wurde sofort benachrichtigt, und schon in der vergangenen Nacht gelang es ihr. das Paar in Köln zu entdecken und zu verhaften. Ein Deutscher von Kosaken erschossen. Tarnowitz, den 31. März. Der Bauer Wider aus Friedrichswille fuhr am Donnerstag der vorigen Woche mit 2000 Mk. nach RussischPolen, um Pferde einzukaufen. Seine Ehefrau wurde heute telegraphisch davon in Kenntnis gesetzt, daß ihr Mann von Kosaken erschossen worden ist. Schülerselbstmord. Gnesen, 31. März. Der 17jährige Obersekundaner Hans Teuchert, der einzige Sohn des Kommandeurs im Landwehrbezirk Gnesen, Oberstleutnant Teuchert, hat sich erschossen, da er nicht versetzt worden war. Die Ermordung des Grafen Kamarowsky. Eine der interessantesten Mordäffären der letzten Zeit, deren Einzelheiten den spannendsten Kapiteln eines aufregenden Romans an Beweglichkeit nicht nachstehen, wird in nächster Zeit wieder die Oeffentlichkeit beschäftigen. Wie aus Venedig geschrieben wird, ist jetzt die Untersuchung ihrem Ende nahe, die gegen alle Personen geführt wird, die am Morde des im September 1907 getöteten Grafen Kamarowsky beteiligt sind. Die Klage richtet sich gegen drei Personen, gegen die Gräfin Paula Tarnowskaja, gegen den russischen Gardeoffizier Naumow und den russischen Advokaten Prilukow. Beide Männer sollen, wie erinnerlich, der Gräfin dabei geholfen haben, ihren ungeliebten Gatten durch Mord aus dem Wege zu schaffen. Beide sollen in die Gräfin sterblich verliebt und für deren verbrecherische Pläne nur ein willenloses Werkzeug gewesen sein. Die Gräfin hat vor den Richtern alles geleugnet, während der frühere Geliebte Prilukow ihr alle Schuld aufbürdet. Prilukow ist zweifellos die interessanteste Person in dem düsteren Drama. Er wird von den Zeugen als gewissenhafter, eifrig tätiger Rechtsanwalt gerühmt, der in Moskau eine große Praxis hatte, viel verdiente, aber das Geld auch mit leichter Hand ausgab. Die Tarnowskaja hatte er im Jahre 1904 kennen gelernt, als sie ihn in seinem Bureau wegen Uebernahme der Verteidigung ihres Gatten, der angeklagt war, ihren Liebhaber Berjewsky im Duell erschossen zu haben, konsultierte. Aus der Geschäftsverbindung entwickelte sich dann ein Liebesverhältnis, das den Advokaten immer tiefer in die Netze der Gräfin verstrickte, ihn der Familie und seinem Beruf mehr und mehr entfremdete und ihn im Interesse der Befriedigung der Luxusbedürfnisse der Gräfin, mit der er ausgedehnte Reisen machte, zu enormen Geldausgaben zwang. Den Naumow will Prilukow überhaupt nicht kennen. Wie er angibt, wußte er gar nicht, mit wem er es zu tun hatte, als er sich mit zwei Privatdetektivs zu dem Zwecke aach Venedig begab, um den jungen Mann an der Ausführung seines Mordplans zu hindern. Er will nur das Werkzeug in der Hand der Tarnowskaja gewesen sein, deren Anordnungen er befolgte, ohne daß er über ihre Absichten orientiert gewesen wäre. Wie Naumow, sieht auch die Gräfin der Entwicklung der Dirge im Gegensatz zu dem energisch auf seine Verteidigung bedachten Prilukow mit aller Seelenruhe entgegen. Sie hat in ihrer Zelle die Bilder ihres Söhnchens und des Grafen Kamarowsky aufgestellt, vor denen sie allmorgendlich kniend ihre Andacht verrichtet. Sie wird nicht müde zu erklären, daß sie den unglücklichen Grafen stets geliebt habe und auch heute noch liebte, und sie leugnet entrüstet die Schuld, die ihr die Anklage zur Last legt. Feuersbrunst. Budapest, 31. März. Die große Ortschaft Zsolna=Ardö wurde durch eine Feuersbrunst fast ganzlich zerstört. Ein Fichtenwald in Flammen. Toulon, 31. März. In der Nähe von Forcaqueiret stehen große Fichtenwaldungen in Flammen. Ueber 100 Hektar wurden bereits zerstort. Militär ist zur Eindämmung des Brandes abgegangen. Raubmord. Paris, 31. März. In Chateau Thierry wurde eine Rentnerin von zwei Banditen, welche beabsichtigten, sie zu berauben, überfallen und so schwer verletzt, daß sie bald darauf verstarb, nachdem sie vorher noch eine Beschreibung ihrer Mörder abgeben konnte. Zugentgleisung. Paris, 31. März. Auf der Bahnstrecke Bordeaux=Bayonne entgleiste ein Perjonenzug. Ein Bahnbeamter und ein Reisender wurden getötet, mehrere Mitreisende verletzt. Typhus und Not. Madrid, 31. März. Angesichts der hier herrschenden Typhusepidemie hat die Behörde angeordnet, daß sämtliche Kirchen und Schulen einer Desinfektion unterzogen werden. An die Bevölkerung wird infolge der herrschenden Not in den Kasernen jeder Tag Nahrung verteilt. Feuersbrunst. London, 31. März. Eine Feuersbrunst, die seit Sonnabend wütet, hat bis jetzt Hanf im Werte von ungefähr 80000 Pfund Sterling vernichtet. Ein 18jähriger Bursche wurde wegen Verdachts der Brandstiftung verhaftet. Kesselexplosion. Algier, 31. März. Gestern nachmittag erfolgte in einer Fabrik in der Nähe des Hafens eine Kesselexplosion, durch welche das ganze Gebäude zerstört wurde. Die Eisenteile wurden 50 Meter weit geschleudert. Ein Heizer wurde vollständig zermalmt als Leiche aufgefunden. 6 andere Arbeiter wurden schwer, 20 leichter verletzt. Der Zustand von vier der Schwerverletzten ist hoffnungslos. Lawinen. Gap, 31. März. Eine Lawine, welche in der Nähe von Noiettes niederging, zerstörte ein Wohnhaus, in welchem sich drei Frauen und ein Mann befanden. Alle vier Personen wurden getötet. Graz(Steiermark), 31. März. Eine Lawine riß das Aljazhaus des slowenischen Turistenklubs bei Mojstrana vom Erdboden weg. Personen sind hierbei nicht verletzt worden. Der Brand im Hafen von Havanna. Newyork, 31. März. Wie aus Havanna gemeldet wird, beläuft sich der Schaden bei dem Brande des Schiffes„Altenburg“ auf ungefähr 1½ Million Dollar. Paris, 31. März. Dem„Newyork Herald“ wird aus Havanna gemeldet: Bei dem Brande des Hafengebäudes der Hamburg=Amerika=Linie sind der dritte Ingenieur des deutschen Dampfers„Altenburg“, namens Karl Witrkoppen, und der zweite Steuermann Rudolf Horn ums Leben gekommen, ebenso werden 12 Mann von der Besatzung des Dampfers vermißt. Newyork, 31 März. Aus Havanna wird gemeldet, daß die 14 Vermißten von der Mannschaft des Dampfers„Altenburg“ wahrschemlich umgekommen sind. Unter den Vermißten befinden sich ein Offizier namens Horn aus Sensburg in Ostpreußen sowie der 3. Maschinist Wittkopp aus Stettin. Die „Altenburg“ wurde auf den Strand gebracht. Letzte Nachrichten. " Berlin, 1. April. Grausame Mißhandlungen eines Kindes beschäftigten gestern hier den Strafrichter. Die 7. Strafkammer des Landgerichts I verhandelte gegen den Fabrikarbeiter Seidel und dessen Ehefrau Martha wegen Körperverletzung mit gefährfängnis. Dresden, 1. April. Der Privatier Staps in Neucoswig erschoß im Irrsinn seinen 14jährigen Sohn und unternahm hierauf einen Selbstmordversuch. Posen, 1. April. Der wegen Unterschlagung von amtlichen Geldern geflüchtete Bahnhofsvorsteher Wunsch aus Strelutz (Provinz Posen) wurde in Hamburg verhaftet. Er stand im Begriffe, über See zu gehen. London, 1. April. Die Suffragetts führten gestern neue vergebliche Ueberfälle auf das Parlament aus. Ein Dutzend der Frauen wurden verhaftet. Budapest, 1. April.„In Temesvar wurde die 13jährige Magd Rosa Gezzy als Giftmischerin verhaftet. Sie hat die Vergiftung von 5 Personen eingestanden. der Redaktion. Nach Minden. Nicht zur Aufnahme geeignet. Spenge. Das Wort hieß mumifiziert und bedeutet soviel als getrocknete, geruchlose Leiche, eine Leiche die nicht verwest(eine Mumie). Die alten Aegypter balsamierten ihren Toten ein, wodurch der Körper in der bisherigen Form erhalten bleibt. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. jedem vortrefflich,— wenn nämlich Kathreiners Malzkaffee ganz genau nach der praktisch erprobten Kochvorschrift gemacht wird; sie steht auf jedem Paket. Richtig zubereitet ist Kathreiners Malzkaffee das Lieblingsgetränk von alt und jung. 1895 Kleine Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in de Worte mit mehr als 15 Buchstaden der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig jebraucht, in enorm großer Auswahl. ollen räumungshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werden. Teilzah ung gestattet. Adolf Heine, Ritterstraße 57 1424 Schultornister, Taschen, Bücherträger billigst Wilh. Schlüter, Ecke Bahnhof= und Arndtstr. Eingang Arndtstr. 2. Tür.(1826“ Sofas, Vertikows, Spiegel jeder Art, Riesen=Auswahl, erhält man gut im Bielefelder Möbelhaus, Jöllenbeckerstraße 16—26.[1910 Paletots, 996 Anzüge, zurückgesetzt und gebraucht, von 7 Mk. an. Brunnenstr. 12a. 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Lehmann(na fessors Kuhlenbeck in Laan den Kundgebungen auch deutsche Studenten Seite des Falles in B (Recht oder Unrecht— Lachen bei den Soz.) H nichts.(Bravol rechts, Herrn Staatssekretär, diesem Falle seine volle auswärtigen Amtes, für zutreten.(Bravo' bei de Abg. Eickhoff(Fr. sei, daß der deutsche Be eines Schiedsgerichtsver angeregt habe. Schiedsg den Weltfrieden, obwol Im Falle Kuhlenbeck bin ist wegen Insubordinati# wissen Hetzartikeln gegen links. „Abg. Dr. Pfeiffer sandte in Bern in dieser Staatssekretär v. Sch sitzen, wir mit Großbrit einigten Staaten zu eir legenheit in Lausanne bo schreiten. Professor Kuh Vorlesungen ausgeschlosse es zu Ruhestörungen in anlassung des deutschen die Polizei verhindert n jetzliche infolge von Insu Abg. Scheideman Herren, die sich mit solch Zeug legen, denselben Ei Erheiter im Auslande o land handelt.(Sehr gut „Alle bürgerlichen Par auf internationale Mari wird man das als f. Allerdings, wie ich hinzuf seiegerischer Gesinnung 70 Roman von Autorinierte Uebersetzung „Um dieselbe Zeit hüsch verschwunden. Zeuge der kleinen werden. Während ungeduldiger Hast er auf Seitenwegen grün, das sich seiner Zur Seite abschwen xinthes, dessen verse Platze führten, auf Birnbaumes ein lä „„Dies Sommerh Pfählen und Plank tieferen Waldesschat Rosenblättern Kinder hier gespiel geduldigem Fuße warf sich der bänke ond d. bänke und dreh zuckenden Fingern auf und eilte, ein goldenen Sporen „Er mußte sich das Geräusch von sonst war, nichts Sein Auge, fiel esche Seitzen, hin verdre ten Aeste waren oder durch Pfähle bewahren. Am eingeschnittene, ve staben und Symt richten suchte. Hiurter sendeie be demselben in der gleichen ei blättern bedeckt wi fast wie ei tastischen Spende leitet haben könnt Nr. 77. O O Bielefeld, Donnerstag, 1. April 1909. 20. Jahrg. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 238. Sitzung vom Mittwoch, 31. März, 11 Uhr vorm. Am Bundesratstisch: v. Schön. Nachdem debattelos die Genehmigung zur Einleitung der Widerklage gegen die Abgg. Dr. Mugdan(Fr. Vp.] und Kopsch(Fr. Vp.] in einem Privatklageverfahren wegen Beleidigung erteilt ist, folgt die Beratung des Etat des Auswärtigen Amts. Zu dem Titel: Gehalt des Staatssekretärs liegt ein Antrag Albrecht und Genossen(Soz.) vor, der Reichskanzler möge auf Aufhebung der bundesstaatlichen Anordnungen hinwirken, die, unter Verletzung dei vom Reiche geschlossenen Verträge, von ausländischen Arbeitern die Beschaffung entseltlicher Legitimationskarten verlangen, und Arbeiter, die nicht im Besitze solcher Karten sind, mit Ausweisung bedrohen. Die Abgeordneten Dr. Müller=Meiningen, Hausmann, Gothein und Genossen(freis.) beantragen, der Reichskanzler möge der Frage einer internationalen Bekämpfung der unzüchtigen Literatur näher treten. Abg. Graf Hompesch(Ztr.) und Genossen haben einen ähnlichen Antrag eingebracht. Abg. Roeren(Ztr.) begründet die Zentrumsresolution. Internationale Bekämpfung der Pornographie sei nötig. Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fr. Vp.) begründet den Antrag der Freisinnigen. Der des Zentrums sei nicht annehmbar, weil er auf ein internationales Gewerberecht hinweist, das nicht existiere. Staatssekretär v. Schön: Das Auswärtige Amt hält den Antrag Müller=Meiningen für entsprechender. Die französische Regierung hat eine Konferenz zu der aufgeworfenen Frage einberufen. Wir sind bereit, sie zu beschicken. Abg. Lehmann(natl.) bringt den Fall des deutschen Professors Kuhlenbeck in Lausanne zur Sprache. Leider haben sich an den Kundgebungen gegen deutsche Professoren in Lausanne auch deutsche Studenten beteiligt. Für uns kommt die nationale Seite des Falles in Betracht:„right or wrong my countey“ (Recht oder Unrecht— mein Vaterland.)(Bravo! rechts, Lachen bei den Soz.) Herr Frank, Sie verstehen ja davon gar nichts.(Bravo! rechts, Lachen bei den Soz.) Ich frage den Herrn Staatssekretär, ob der deutsche Gesandte in Bern in diesem Falle seine volle Pflicht getan hat. Es ist Pflicht des auswärtigen Amtes, für die Ehre angegriffener Deutscher einzutreten.(Bravo! bei den Natl. und rechts.) Abg. Eickhoff(Fr. Vg.) fragt an, ob die Meldung richtig sei, daß der deutsche Botschafter in Washington den Abschluß eines Schiedsgerichtsvertrages mit den Vereinigten Staaten angeregt habe. Schiedsgerichte seien zwar kein Allheilmittel für den Weltfrieden, obwohl ihre Wirkung eine segensreiche sei. Im Falle Kuhlenbeck bin ich anderer Ansicht. Herr Kuhlenbeck ist wegen Insubordination entlassen worden. Er war an gewissen Hetzartikeln gegen die Universität beteiligt.(Hört, hört! links.) „Abs: Dx. Pfeiffer(Ztr.) bestreitet, daß der deutsche Gestndte in Bern in diesem Falle seine Schuldigkeit getan habe. Staatssekretär v. Schön: Einen Schiedsgerichtsvertrag besitzen wir mit Großbritannien und hoffen auch mit den Vereinigten Staaten zu einem solchen zu gelangen. Die Angelegenheit in Lausanne bot keinen Anlaß zu diplomatischem Einschreiten. Professor Kuhlenbeck hat einen Studenten von seinen Vorlesungen ausgeschlossen, wozu er nicht berechtigt war. Als es zu Ruhestörungen in seinen Vorlesungen kam, sind auf Veranlassung des deutschen Gesandten weitere Kundgebungen durch die Polizei verhindert worden. Die Entlassung war eine gesetzliche infolge von Insubordination.(Bravo!) Abg. Scheidemann(Soz.): Ich möchte wünschen, daß die Herren, die sich mit solchem Eifer für Professor Kuhlenbeck ins Zeug legen, denselben Eifer beweisen, wenn es sich um deutsche Arbeiter im Auslande oder ausländische Arbeiter in Deutschland handelt.(Sehr gut! bei den Soz.) „Alle bürgerlichen Parteien haben gestern unsere Resolution auf internationale Marineabrüstung abgelehnt. Im Auslande Fird man das als friedensfeindliche Kundgebung auffassen. dings, wie ich hinzusügen will, irrtümlicherweise. Nicht aus riegerischer Gesinnung hat man unsere Resolution abgelehnt, sondern aus Liebedienerei gegen die Regierung. Hätte die Regierung ssie akzeptiert, so ware sie mit Hurra angenommen worden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Mit der britischen Arbeiterpartei haben wir ein Telegramm gewechselt. Sie ist von ganzem Herzen mit unserem Bestreben, dem Wettrüsten zur See Einhalt zu tun und das Prisenrecht abzuschaffen, einverstanden. Wenn es nicht zum Kriege kommen soll, so muß es zu einer Verständigung über das Flottenbauprogramm kommen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Das geht auch aus der Rede des englischen Ministers hervor. Ich kann nur hoffen, die Angelegenheit nimmt schließlich einen guten Ausgang, so wie es bei der Marokkoaffäre zuletzt auch der Fall war. Als wir aber vor 4 Jahren verlanglen, die Regierung solle das tun, was sie jetzt endlich getan hat, da wurden wir natürlich als vaterlandslose Gesellen bezeichnet. Damals fiel hier das stolze Wort unseres modernen Reichskanzlers:„Unsere Politik wird nicht in der Hasenhaide gemacht.“ Würde sie dort gemacht, dann wüßte man wenigstens einmal, wo sie gemacht wird.(Heiterkeit und Sehr gut!) Jetzt weiß man nicht, wird sie in Potsdam, in Monaco oder auf Korfu gemacht.(Zuruf bei den Soz.: Oder in Liebenberg! Große Heiterkeit.) Das Auswärtige Amt ist im höchsten Grade einer Reorganisation bedürftig. Die„Tägliche Rundschau" bezeichnet es als den gefährlichsten Feind des deutschen Volkes. Sie schreibt, es gehe dort wie in einer Kinderstube zu. So werden z. B. wochenlang Beamte damit beschäftigt, nachzusehen, ob vor zehn Jahren irgendeinem Würdenträger des Auslandes„dankend“ oder„mit Dank“ geantwortet sei.(Große Heiterkeit.) Wenn es besser werden soll in der auswärtigen Politik, so müssen die Beziehungen zwischen Krone und Parlament andere werden. Das ist der springende Punkt.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.]) Im November war sich alles hierüber einig, aber was ist gekommen? Nur eine Vermehrung der Geheimniskrämerei. Wenn die Beziehungen zwischen Krone und Parlament andere werden sollen, so darf vor allem auch das Parlament nicht länger ein Zerrbild der Schichtungen des Volkes sein. Heute entspricht die Mehrheit dieses Hauses einer Minderheit im Volke.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Stärke Deutschlands hängt nicht davon ab, ob wir zwei oder drei Dreadnoughts mehr bauen. Wollen Sie ein starkes Deutschland, so schaffen Sie eines, stark durch Freiheit und Selbstbestimmungsrecht des Volkes stark durch Verträge mit den Nachbarvölkern. Wenn wir weiter kommen wollen, so darf nicht mehr die große Mehrzahl des Volkes trotz aller Errungenschaften der Kultur als Parias leben.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Abg. Stresemann(natl.) bringt einen Fall zur Sprache, in welchem der Firma Löwe eine Patronenlieferung nach Mexiko entging. Der Auftrag ging nach Oesterreich, weil das Auswärtige Amt ein Zeugnis für die Firma abgelehnt und gesagt habe, man möge die Lieferung Oesterreich überlassen, denn es sei von Interesse, mit Oesterreich gut zu stehen.(Hört, hört!) Redner führt des weiteren Klage über die Bevorzugung des Adels und der Finanz in der diplomatischen Karriere.— Zur Begründung hoher Zölle im neuen amerikanischen Zolltarif sind falsche Angaben über deutsche Löhne und Arbeitsverhältnisse angeführt worden. Das Auswärtige Amt sollte dagegen protestieren.(Bravo! bei den Natl.) Staatssekretär Freiherr v. Schön erwidert, daß bezüglich der amerikanischen Zollerhöhung das Nötige geschehen sei, um die Irrtümer richtig zu stellen. Ueber den Fall der Firma Löwe hätte der Herr Vorredner mich zuvor informieren sollen. Hoffentlich stellt sich die Sache als unrichtig heraus. Eine Bevorzugung des Adels findet nicht statt. „Abg. Dr. Heckscher(Fr. Vg.): Die Kundgebungen der englischen und deutschen Arbeiter sind gewiß erfreulich, aber nicht nur die Arbeiter, sondern auch das Bürgertum ist friedlich gesinnt. Abg. Stadthagen(Soz.): Eine der ersten Aufgaben des Auswärtigen Amtes scheint es mir zu sein, darauf zu sehen, daß die Verträge gehalten werden, welche das deutsche Reich mit anderen Staaten geschlossen hat. Unsere Resolution verlangt, der Reichskanzler soll auf Beseitigung der Ministerialanweisungen hinwirken, die von ausländischen Arbeitern entgeltliche Legitimationskarten verlangen, und ihnen Ausweisung androhen, falls sie nicht im Besitz solcher Karten sind. Solche ministerielle Anweisungen sind zuerst in Preußen ergangen. Dann in den beiden Mecklenburg und einer Reihe anderer Staaten. Diese Anordnungen ssind ein klarer Bruch der Verträge mit anderen Ländern. Eine Reihe von Regierungen, Oesterreich, Italien, die Schweiz. haben bereits Vorstellungen dagegen erhoben. In der Schweiz wurden die Verordnungen direkt als ein schroffer Bruch des deutsch=schweizerischen Handelsvertrages bezeichnet. Ich frage nun: ist denn das Auswärtige Amt dazu da, die Augen absichtlich zu schließen bei einem derartigen Bruch der Staatsverträge? In allen in Betracht kommenden Verträgen ist den Ausländern zugesichert, daß sie keine anderen Gebühren zu zahlen haben, als die deutschen. Es ist aber nicht nur ein Vertragsbruch, sondern es ist geradezu ein wucherisches Verlangen, für einen wertlosen Wisch, der keineswegs Arbeit verbürgt, zwei resp. funf Mark zu entrichten. Der Reichskanzler muß darauf dringen, daß solche widerrechtlichen Anordnungen beseitigt werden. Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Diese widerrechtlichen Anordnungen wenden aber erhebliche Vorteile gerade besonders reichen Leuten zu. Rechnen wir im Durchschnitt 500000 Arbeiter, von denen jeder 5 Mk. bezahlt, so werden der Feldarbeiterzentrale 2½ Millionen Mk. zugeschanzt.(Hört, hört! bei den Soz.] Dabei vermittelt sie die schlechtesten Arbeitskräfte, weil vernunftige Arbeiter natürlich ein zweites Mal nicht nach Deutschland kommen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Die Androhung der Ausweisung ist ein strikter Bruch des Reichsrechtes. Sie wird für den Fall angedroht, daß jemand sich eine Erpressung nicht gesallen läßt. Tabei hat Preußen überhaupt kein Ausweisungsrecht in solchem Falle. Weiter widerspricht die Gebührenordnung dem Sinne der Reichsverfassung. (Sehr wahr! bei den Soz.] Denn nach ihrem Geiste soll Gleichheit vor dem Gesetz bestehen und kein Unterschied zwischen Arbeiter und Unternehmer gemacht werden, wie es hier geschieht. Da nun die Feldarbeiterzentrale für jeden ausländischen Arbeiter 5 Mk. bekommt, so liegt für sie geradezu ein Anreiz vor, durch gewissenlose Agenten ausländische Arbeiter heranlocken zu lassen. Diese Gebühr bildet eine Prämie auf den Kontraktbruch.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die Absicht des ministeriellen Erlasses ist natürlich, eine Art Streikbrecher aus dem ausländischen Arbeiter zu machen, der sich alles gefallen lassen muß, weil er sonst Gefahr läuft, ausgewiesen zu werden. Ich bitte dringend, ohne Unterschied der Partei für unsere Resolution zu stimmen, wenn Sie nicht das Wort bestätigen wollen, daß es nur zwei Nationen gibt: die der Ausbeuter und die der ausgebeuteten Arbeiter, und wenn Sie nicht erweisen wollen, daß die Staatsverträge nur im Interesse der Ausbeuter geschlossen werden.(Lebh. Bravo! bei den Soz.) Ministerialdirektor Dr. v. Frantzius bestreitet den Widerspruch zwischen den Verordnungen und dem Reichsgesetze. Beim Auswärtigen Amt seien keine Beschwerden auswärtiger Staaten eingegangen Abg. v Oertzen(Rp.) schließt sich den Ausführungen des Ministerialdirektors an. Wir Gutsbesitzer möchten gerne deutsche Arbeiter beschäftigen, leider finden wir keine. In der Bezeichnung der Arbeitgeber als Ausbeuter liegt eine Verhetzung.(Vizepräsident Kämpf ruft den Pedver zn Ord nung.] Hiermit schließt die Diskussion. Persönlich bemerkt Abg. Frank=Mannheim(Soz.): Herr Abg. Lehmann=Jena hat den angelsächsischen Satz„right or wrong my country“. in so sächselnder Aussprache hervorgebracht, daß er allerdings schwer zu verstehen war.(Heiterkeit.) Ich gestehe zu, daß ich mich nicht zu dem Grundsatz bekenne, daß in internationalen Beziehungen das Recht zu schweigen hat. Noch weniger kann ich begreifen, wie man mit den Kanonen nationaler Entrüstung nach den Spatzen professionaler Zänkereien schießen kann.(Sehr gutl bei den Soz.)„ 4.m— Das Gehalt des Staatssetretars wiro bewilligt. Die Resolution gegen die Schmutzliteratur wird nach Zurückziehung der Zentrumsfassung in der freisinnigen Fassung einstimmig angenommen. Die Resolution Albrecht(Soz.] wird unter Streichung der Worte„Unter Verletzung der vom Reiche geschlossenen Staatsverträge“, für deren Aufrechterhaltung nur die Sozialdemokraten stimmen, mit den Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen(Aha! rechts), des Zentrums und der Polen angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf 8 Uhr. Schluß 6 Uhr. Maruja. Roman von Francis Brei Harte. Autorisierte Uebersetzung aus dem Englischen v. Auguste Scheibe. Zweites Kapitel. Um dieselbe Zeit begann der junge Offizier, welcher im GeLusch verschwunden war— wir wollen ununtersucht lassen, ob er Zeuge der kleinen Szene gewesen oder nicht—, unruhig zu werden. Während er mit der Weidengerte, von welcher er ir ungeduldiger Hast die Blätter abgestreift, die Luft peitschte, eilte er auf Seitenwegen bis zu einem kleinen Dickicht von Immergrun, das sich seinem weiteren Vordringen zu widersetzen schien. Seite abschwenkend fand er jedoch den Eingang eines LabyFrthes, dessen verschlungene Pfade ihn endlich zu dem offener Platze führten, auf welchem sich im Schatten eines knorrigen Girnbaumes ein ländlich einfaches Sommerhäuschen zeigte. Dies Sommerhäuschen bestand nur aus eingerammten Pfählen und Planken, welche, mit Baumrinde bekleidet, an sieferen Waldesschatten gemahnten, während, in seltsamem KonFalz der, Fußboden, der Tisch und die Bänke dicht mit welker Rosenblattern bestreut waren, als hätten zerstörungslustige Kinder hier gespielt. Kapitän Carroll schob die Blätter mit unbeduldigem Fuße zur Seite, sah sich rings in dem Raume um warf sich der ganzen Länge nach auf eine der einfachen Holzike und drehte den Schnurrbart zwischen seinen nervös zuckenden Fingern; ebenso schnell sprang er aber alsbald wieder und eilte, einige der zarten duftigen Rosenkelche an d. goldenen Sporen mit sich schleppend, in das Sonnenlicht hinar mußte sich geirrt haben. Ringsum war alles still. N a3, Geräusch von Rädern tönte aus“. großwust war nichts zu hören. ".—„„„ aus der großen Aulee herüber ten Reste wge debter, ineinander verschlungenen und verknot ie waren an vielen Stellen durch eiserne Bänder gehalte durch Pfähle gestützt, um sie vor dem Zusammenbrechen Stamme zeigten sich überall tief in die Rin Fa#eschnittene, vernarbte und halb verwachsene Namen, Buc richten und Symbole, auf die er jetzt seine Aufmerksamkeit suchte. Als er sich endlich nach dem Rindenhäusche zurücktendete, bemerkte er zum erstenmal, daß sich der Bode hinter demselben zu einem kleinen Hügel erhob und daß dersel in der gleichen eigentümlichen Weise mit einer Lage von Roser bedeckt war. Dem Kapitän kam der Gedanke, daß dies seigs fast wie ein riesenhaftes Grab aussähe, ja, daß den phat Spender der Rosenblätter vielleicht dieselbe Idee leitet haben könnte, und noch stand er auf den Platz hinblicker da, als ein Geräusch im Unterholze sein Herz in Erwartung hoch aufschlagen ließ. Ein grauer Schatten glitt über den Hügel und verschwand im Dickicht. Es war ein Coyote. Zu jeder anderen Zeit würde die auffallende Erscheinung dieser Personifikation der Wildnis so nahe bei einer menschlichen Wohnung, einer Stätte der Zivilisation, ihn in Erstaunen gesetzt haben— jetzt beschäftigte ihn nur ein einziger Gedanke— die Frage: Ob sie wohl kommen wird? So verstrichen fünf Minuten. Ungeduldig schritt er vor dem Labyrinthe auf und nieder. Abermals vergingen fünf Minuten. Man hatte ihn ohne Zweifel zum Narren gehalten. Wahrscheinlich erwarteten sie und ihre Schwestern auf dem Rasenplatze vor dem Hause seine Rückkehr und lachten auf seine Kosten. Zornig grub er seinen Stiefelabsatz in den Boden und schlug mit der Gerte in die Büsche. Aber einen Augenblick— eine Minute wollte er doch noch warten. „Kapitän Carroll!“ Die Stimme war für ihn der süßeste Ton der Welt, aber auch ein ganz Fremder würde ihrem musikalischen Wohllaute nicht widerstanden haben. Hastig drehte er sich um. Maruja trat ihm aus dem Inneren des Borkenhäuschens entgegen. „Glaubten Sie, ich würde jenen Weg wählen, auf dem alle Welt mir nachgehen kann?" sagte sie mit leisem Lachen.„Nein, ich kam da oben durch das Dickicht,“ fuhr sie fort, indem sie durch eine leichte graziöse Schulterbewegung die Richtung andeutete, „und habe dabei fast meine Schuhe und meine Augen eingebüßt — sehen Sie nur her!“ Damit schlug sie den unvermeidlichen Spitzenschleier von ihrem feinen Köpfchen zurück und zeigte auf einen Myrtenzweig, der sich gleich einem halben Kranze um ihre Stirn geschlungen hatte. Der junge Offizier blickte sie schweigend an. „Ich höre so gern meinen Namen aus Ihrem Munde,“ sagte er endlich etwas zögernd.„Bitte, sprechen Sie ihn noch einmal aus.“ „Car-roll, Car=roll, Car=roll,“ sagte sie leise und sanft mehreremal vor sich hin, als erfreue sie der vibrierende Ton, den das R in ihrer Muttersprache hat.„Ein schöner Name. Er klingt wie Gesang. Don Carroll! El Cavitan Don Carroll.“ „Aber mein Vorname ist Henry,“ bemerkte er zaghaft. „Ency— das klingt nicht so gut. Don Enxico ist schon besser. Aber El Cavitan Carroll klingt am schönsten. Ich werde Sie immer so nennen: El Capitan Carroll!“ „Immer?“ sagte er, indem er rot wurde, wie ein Schulknabe. „Warum nicht?“ In halber Verwirrung versuchte er, ihr unter die braunen Lider zu sehen— der blaue stählerne Blick des Vaters blitzte ihm entgegen. „Aber, Kapitän Carroll,“ fuhr sie fort,„es war nicht deshalb. es war nicht, um mir Ihren Namen zu sagen— den ich schon kannte und sehr hübsch fand— daß Sie mich um eine Unterredung unter vier Augen ersuchten, hier in diesem kalten“— hier machte sie eine Bewegung, als wolle sie den Spitzenshawl um ihre Schultern ziehen—„kalten Tageslicht. Das hätten Sie ebensogut, ja besser, gestern abend bei Lampenschimmer, bei Tanz und Musik tun können. Sie haben mich sicherlich nicht deshalb gebeten, unsere Gäste zu verlassen: Monsieur Garnier, der sehr hübsche Komplimente macht, dessen Name aber nicht sehr hübsch ist, und Mr. Raymond, der von mir spricht, wenn er zu mir sprechen könnte. Unsere Gäste würden sagen, daß mir Kapitän Carroll alles dies in ihrer Gegenwart hätte mitteilen können.“ „Aber wenn jene beiden wüßten, Miß Saltonstall,“ fuhr der junge Offizier fort, während er ihr mit blässer werdendem Gesicht und leuchtenderen Augen näher trat—„wenn sie wüßten, daß ich Ihnen etwas anderes, etwas ganz anderes zu sagen habe — verzeihen Sie, ich habe wohl Ihre Hand zu fest gefaßt, habe ihnen weh getan?— wenn jene beiden wüßten, daß ich Ihnen etwas zu sagen habe, was nur Sie allein hören dürfen, hätte dann einer von ihnen das Recht, Einsprache dagegen zu erheben? Halten Sie mich nicht für toll. Miß Saltonstall; aber ich bitte Sie— ich flehe Sie an, mir diese Frage zu beantworten, ehe ich weiter spreche.“ „Wer könnte ein solches Recht haben?“ sagte Maruja, indem sie ihre Hand zurückzog, aber den jungen Mann unter dem Banne ihrer Augen behielt.„Wer könnte Ihnen wehren, mit mir von meiner Schwester zu reden? Ich habe Ihnen schon gesagt, daß Amita, wie wir Schwestern alle, ganz frei ist.“ Kapitän Carroll trat um einige Schritte zurück und blickte sie bestürzt an. „Könnten Sie mich so mißverstanden haben, Miß Saltonstall?" stotterte er.„Könnten Sie noch denken, daß es Amita ist, die ich—“ hier hielt er einen Augenblick inne und fuhr dann leidenschaftlich fort:„Erinnern Sie sich wirklich nicht an das, was ich Ihnen gestern abend sagte. Sollten Sie alles vergessen haben?“ „Gestern abend— war eben gestern abend,“ entgegnete Maruja mit leichtem Achselzucken.„Man spricht bei Lampenlicht von Liebe und Leidenschaft, aber man heiratet am Tage. Was sagt man nicht alles bei Mondschein, bei Musik und Blumenduft? Aber morgens ißt man sein Frühstück, wenn man nicht gerade mit Kapitänen und Kommandanten Kriegsrat hält. Sie wollten also mit mir von meiner Schwester reden, Kapitän Car=roll. Nun fangen Sie an. Dona Amita Carroll klingt sehr, sehr hübsch. Ich werde keinen Widerspruch gegen die Zusammenstellung erheben.“ Dabei streckte sie ihm die Hand entgegen, warf den Kopi zurück und lächelte. Er ergriff ihre Hand mit leidenschaftlichem Ungestüm. „Nein, nein, Sie sollen mich anhören— Sie sollen verstehen, begreifen, wie ich's meine!“ rief er.„Sie sind es, die ich liebe, Maruja, Sie— Sie allein. Gott helfe mir, ich kann nicht Preußischer Landtag. Abgeordueten haus. 64. Sitzung vom Dienstag, den 30. März. Am Ministertische: v. Breitenbach. Präsident v. Kröcher eröffnet die Sitzung um 2¼ Uhr. Das Haus erledigte zunächst das zweite Verzeichnis der für die Plenarberatung ungeeigneten Petitionen durch Kenntnisnahme. Eine Reihe weiterer, persönliche Interessen der Bittsteller berührende Petitionen werden dem Vorschlage der Kommission gemäß, durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Ebenfalls den Kommissionsbeschlüssen entsprechend wird eine Petition des Bundes deutscher Militaranwärter in Berlin wegen Abschaffung der Arreststrafen für die unteren Beamten, der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. Eine Petition des Rhein.=Westf. Verbandes der Freunde evangelischer Freiheit in Köln wegen Versagung der staatlichen Genehmigung der Beschlüsse der rheinischen und der westfälischen Provinzialsynode, betr. das Pfarrbesetzungsrecht, wird als Material überwiesen. Gemäß dem Kommissionsantrage wird eine Petition wegen Regelung der Ausstellungsbedingungen und der Besoldungsverhältnisse der akademisch vorgebildeten Kirchenmusiker der Regierung mit dem Ersuchen überwiesen, sie an die Kirchenbehörden zur Erwägung weiterzugeben. Eine Petition der Frau Minna Schmidt=Bürkly in Berlin wegen Einführung des kommunalen Stimmrechts für grundbeupzende hezw wirtschaftlich lhständige und steuerzahlende Fraue gründete„Berliner Volksblätt“ wurde ab 1. Januar 1891, laut einem Beschlusse des ersten Parteitages nach dem Fall des Sozialistengesetzes, abgehalten in Halle a. S. vom 12. bis 18. Oktober 1890, zum offiziellen Parteiorgan mit dem Titel„Vorwärts“, Berliner Volksblatt, und zum Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei bestimmt. Die Festnummer ist zum großen Teile dem Jubiläum gewidmet und enthält Artikel von Franz Mehring, A. Bebel, K. Kautsky, Viktor Adler(Oesterreich), Hermann Schlüter(Amerika). Jean Jaurés(Frankreich), E. Belfort Bax(England), J. Keir Hardie(England), Paul Lafargue(Frankreich), E. Vandervelde(Belgien), Pablo Iglesias (Spanien), G. Plechanow(Rußland) und einen Brief Jules Guesdés. Der Jubiläumsartikel ist von Paul Singer. Ferner ist die Titelseite der Nr. 1 des„Berliner Volksblatts“ vom Sonntag, 30. März 1884, und die Titelseite der Nr. 1 des„Vorwärts“ vom Donnerstag, 1. Januar 1891, zum Abdruck gebracht. Der„Vorwärts"=Betrieb ist auf 4 Seiten veranschaulicht. Mögen die Berliner Genossen auch weiter bestrebt sein, dem „Vorwärts“ die Bedeutung zu verschaffen, die ihm entsprechend der großen sozialdemokratischen Wählerschaft Groß=Berlins zukommt. Dazu unser herzliches„Glückauf!" besthende bezw. wirtschäftlich selbstänrige Ind steuerzahlene= Frauen in den Städten beantragt die Kommission, durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. Abg. Fischbeck(Fr. Vp.) beantragt, diese Petition als Material zu überweisen. Die Abgg. Hirsch(Soz.) und Lusensky(natl.) unterstützen den Antrag Fischbeck, der aber gegen die Stimmen der Linken abgelehnt wird. Es bleibt also beim Uebergang zur Tagesordnung. Es folgt die erste Lesung der Sekundärbahnvorlage. Eisenbahnminister v. Breitenbach begründet die Vorlage. Sie mußte geringere Anforderungen stellen, als im Vorjahr, aber sie bringt zum ersten Male eine Forderung zur Elektrisierung einer Fernbahnstrecke. Damit ist der erste Schritt zur Elektrisierung unserer Staatsbahnen getan. Bei der ständig zunehmenden Entwicklung der Elektrizitätsindustrie hat der elektrische Betrieb eine große Zukunft. Abg. v. Quark(kons.): Es war vorauszusehen, daß die Vorlage schmaler dotiert sein würde, als im Vorjahre. Die Einführung des elektrischen Betriebes auch im Fernverkehr begrüßen wir. Je mehr der elektrische Betrieb sich verbilligt, desto mehr wird er sich ausdehnen. „ Abg. Wallenborn(Ztr.): Wir billigen die Forderung fur ven Ausbau der Hauptbahnen, hätten aber gewünscht, daß für Nebenbahnen mehr ausgeworfen worden wäre. Abg. Dr. Friedberg(natl.): Bedauerlich bleibt, daß die Vorlage um die Hälfte hinter der des Vorjahres zurückbleibt. Von den Forderungen für Hauptbahnen entfällt das meiste auf die Berliner Gürtelbahn, für das Land bleibt so gut wie nichts übrig.(Lebh. Sehr richtig!] Mit der Einführung des elektrischen Fernverkehrsbetriebes sind wir gern einverstanden.(Beifall.) Neben= und Kleinbahnen halten wir für den kräftigsten Hebel der wirtschaftlichen Entwicklung: deshalb muß mehr für sie geschehen. Abg. Frhr. v. Zeolißz(freikons.] bemängelt die zu langsame Umwandlung von Neben= in Hauptbahnen. Minister v. Breitenbach: Es ist ja richtig, daß wir diesmal weniger für die Sekundärbahnvorlage auswerfen mußten, als im Vorjahre. Aber man darf nicht vergessen, daß wir aus den früher bewilligten Mitteln noch 1 Mil.iorde 350 Millionen Mark an verfügbaren Mitteln für noch herzustellende Bahnbauten haben. Wir haben diesmal nur dorr zugegriffen, wo Arbeitsmangel vorlag. Die Vorlage verteilt ihre Ausgaben genau zur Hälfte auf den Osten und den Westen. Puttkamer(kons.). Krause=Waldenburg (freikons.), Dionysius(kons.), Stüll(Ztr.), Frhr. von Richthofen(kons.) tragen lokale Wünsche vor. Abg. Dr. Hackenberg(natl.) tritt für eine Bahnverbindung Gemünden=Simmern ein. Abg. v. Strombeck(Ztr.) wünscht eine Vollbahnstrecke Göttingen—Heiligenstadt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 2 Uhr: Fortsetzung. Schluß 5½ Uhr. erst sange altungsble geGeschäftssozialismus. In Nürnberg und wahrscheinlich auch in anderen Jarteiorten werden folgende Prospekte verbreitet: #n.„ Nürnberg, Datum des Poststempels. Werter Genosse! Einem vielseitigen Wunsche entsprechend und mit der gütigen Erlaubnis der werten Angehörigen des Verstorbenen habe ich die Büste des Genassen Grillerherger in künstlexischer die Bastk des Genossen GrekrenVergerin kunstlerischer Ausführung herzustellen mich entschlossen. Mit unserm Fuhrer, der unsre Partei in der schwersten Zeit — und unter dem Ausnahmegesetz— in der zielbewußten Weise zum Siege führte, in steter geistiger Verbindung zu bleiben und so zugleich als schönen Zimmerschmuck stets vor Augen zu haben, ist der Zweck der Herstellung. Um unsrer Parteikasse einen kräftigen Zuschuß zufließen zu lassen, wird pro Büste 10 Pfg. in dieselbe abgeführt werden. Wie Sie sehen, ist der Zweck ein doppelter: das Andenken unsres Führers zu wahren und die Stärkung der Parteikasse. Auch habe ich unsre andern Führer: Bebel, Liebknecht. Vollmar und Kiefer in Arbeit und werde Ihnen selbige in kürzester Zeit vorzeigen. Um jedem Genossen die Möglichkeit zu geben, sich dieselbe anschaffen zu können, bin ich bereit, jede Büste, deren Preis 3 Mk. beträgt, auf Raten zu 50 Pfg abzugeben. Es ist dies bei der künstlersichen Ausführung der Büste ein gewiß sehr billiger Preis. Sollten Sie gewillt sein, sich eine Büste anschaffen zu wollen, bitte ich Sie, von der Einzeichnungsliste, die Sie von Ihrem Vertrauensmann nebst Büste zur Einsicht erhalten, Gebrauch machen zu wollen. Achtungsvoll Philipp Gutmann, Nürnberg, Jakobstr. 57. Mein Vertreter wird in nächster Zeit sich persönlich vorstellen. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins Nürnberg bemerkt hierzu: Von Herrn Gutmann haben wir keine Mitteilung erhalten, daß er beabsichtige, eine Büste unseres verstorbenen Genossen Grillenberger in den Handel zu bringen; auch sind wir nicht davon unterrichtet, daß pro Büste 10 Pfg. an unsere Parteikasse abgeführt werden sollen. Auch selbst dann, wenn dieses geschehen wäre, hätten wir abgeraten, denn durch eine derartige zweifelhafte Geschäftsübung möchten wir unsere Parteikasse nicht gestärkt haben. Wir sind überhaupt im höchsten Maße erstaunt, zu lesen, daß Herr Gutmann unter dem Deckmantel der Parteizugehörigkeit den Versuch unternimmt, in den Kreisen unserer Genossen sich ein Absatzgebiet zu erschließen. Ein Blick in unsere Mitgliederliste zeigt uns, daß Herr Gutmann nicht einmal Mitglied unserer Parteiorganisation ist. Die Form des Prospekts mutet uns daher sehr sonderbar an, die doch nur gewählt wurde, um ein gutes Geschäft in den Kreisen unserer Genossen zu machen. Wir wissen zwar nicht, ob die Angehörigen unseres verstorbenen Genossen ihre Einwilligung zu dieser Art Geschäftspraxis gegeben haben; zu einem solchen Vorgehen dürfte sie gewiß nicht erfolgt sein. Dies Verhaltnis des Unternehmers zur Partei läßt diese Annahme berechtigt erscheinen. Da Herr Gutmann Ratenzahlungen gnädigst zu gewähren geruht hat, möchten wir nicht unterlassen, unsere Parteigenossen zur äußersten Vorsicht zu ermahnen, sie werden aus dem Dargelegten die nötigen Schlüsse selbst ziehen können. Ein skandalöser Gefangenentransport. Dem Schöffengericht in Mülheim a. Rh. wurden vor einiger Zeit teils als Angeklagte, teils als Zeugen vier Strafgefangene vorgeführt. Obwohl sich ein berüchtigter schwerer Verbrecher unter den vieren befand, beauftragte man mit dem Transport zwei junge Gefängnisbeamke; einer war kaum achtzehn(!) Jahre alt. Die vier wurden von ihren Transporteuren zuerst mit Schnape traktiert, und bei der Rückkehr ins Gefängnis besuchten die seche noch mehrere Kneipen, so daß die ganze Gesellschaft total betrunken war. Schließlich gingen die vier Gefangenen ihre Weges, nachdem sie in den Straßen einen unbeschreiblichen Spektakel veranstaltet hatten. Mehrere Stunden nachher fanden einige Polizeibeamte einen der Ausreißer, und sie schleiften ihn. da er sehr widerspenstig war, ins Gefangnis. Tort wurde er im Hofe von den Beamten mit Schlägen und Säbelhieben schwer mißhandelt. Ueber diesen Vorgang hatte die„Rheinische Zeitung“ einen Bericht gebracht, durch den sich die Polizeiveamten beleidigt fühlen. Infolgedessen stand Genosse Kemp. kens jetzt vor der Kölner Strafkammer. Die Schilderung bis zur Flucht der Gefangenen wurde als richtig zugegeben.(Die Transporteure sind bestraft worden.) Die„beleidigten“ Polizeibeamten stritten die Säbelhiebe eidlich ab, wobei sie von zwei Gefängnisaufsehern unte lützt wurden. Dennoch glaubte die Strafkammer den bestimmten Aussagen zweier Zivilzeugen und sprach Genossen K. entgegen dem Willen des Staatsanwalts, der 200 Mk. Geldstrafe beantragte, frei. Die ungeduldigen Rentenempfänger. Am 3. August 1908 mußten auf dem Postamt zu Lugau bei Chemnitz fünf Personen, darunter der Genosse Kalkbrenner, der gekommen war, um „Rente“ zu erheben, längere Zeit warten, weil der diensttuende Beamte„ausgetreten“ war. Den Wartenden schien's an dreiviertel Stunde. Der Schalterbeamte meinte, es seien höchsten achtzehn Minuten gewesen. Die Chemnitzer„Volksstimme“ brachte zwei Notizen über den Vorfall, und prompt erhob die Behörde Beleidigungsklage! Letzten Mittwoch fand der Termin statt, der zweimal vertagt war, darunter einmal, weil die Angeklagten den Amtsrichter Grützner als befangen ablehnten. (Das Landgericht erklärte ihn dann für nicht befangen.) Vor den Schranken standen: Genosse Redakteur Bartels als Verantwortlicher der„Volksstimme“, Genosse Kalkbrenner der den Postassistenten mündlich beleidigt, und Genosse Krauße aus Lugau, der die inkriminierten Notizen nach Annahme des Gerichts(!) an die„Volksstimme“ gesandt haben soll. Bartels wurde zu vierzehn Tagen Gefängnis, Krauße und Kalkbrenner zu je sieben Tagen, letzterer außerdem noch zu fünf Tagen Hast verurteilt. Personalien.= Der frühere Reichs= und Landtagsabgeordnete Genosse Julius Seifert in Zwickau ist am 31. März, nachmittags 5 Uhr, nach einjährigem Leiden gestorben; er erreichte ein Alter von 61 Jahren.— Der Verstorbene vertrat von 1890 bis 1903 den 19. sächsischen Wahlkreis im Reichstage, von 1893 bis 1901 war er Mitglied der zweiten sächsischen Ständekammer. Vom Jahre 1889 bis 1900 leitete Seifert den Zwickauer Arbeiter=Wahlverein. Seit 1900 bis zum heutigen Tage gehörte er dem Vorstande des 18. sächsischen Reichstagswahlkreisvereins an. Im Jahre 1902 nahm er den Rendantenposten bei der Zwickauer Ortskrankenkasse an. den ex bis zu seinem Tode bekleidete. Gewerkschaftsbewegung. Der Verband der Sattler hält zu Ostern seine 7. ordentliche Generalversammlung in Köln ab, gleichzeitig feiert diese Organisation das Fest ihres 20jährigen Bestehens. Aus dem aushri“ben(Geidäftsbericht-„ bis(Veneral führlichen Geschäftsbericht an vie Generalversammlurg heben wir folgendes hervor: Gegründet wurde der Verband im Jahre 1889 auf einem Kongreß in Dresden im Anschluß an eine Generalversammlung der freien Hilfskasse der Sattler. Die Organisation hielt sich lange Jahre in den Grenzen von 2000—3000 Mitgliedern, bis es 1903 der Kasseler Generalversammlung gelang, vollständige Reformen durchzuführen, welche auch gleichzeitig einen großen Umschwung hervorriefen. Der Beitrag wurde auf 40 Pfg. erhöht, ferner die Einführung der Arbeitslosen- und Krankenunterstützung sowie die Anstellung eines besoldeten Beamten beschlossen. Die folgende Generalversammlung in Dresden konnte einen enormen Fortschritt auf allen Gebieten konstatieren. Der Mitgliederbestand war von 3500 auf 6000, das Vermögen von 16.000 auf 74000 Mk. gestiegen. Auf der jetzt in Köln statt findenden Generalversammlung können solch enorme Fortschritt nicht mehr berichtet werden. Zwar hat sich die Mitgliedergal noch um 654 verstärkt, obschon im Jahre 1908 ein Verlust von 346 Mitgliedern zu verzeichnen ist. An diesem Ergebnis ist die wirtschaftliche Krise schuld, welche bereits 1906 in der Sattlerei sehr stark einsetzte. Trotz alledem ist die Zahl der Lohnbewegungen in den drei Jahren nicht zurückgegangen, im Gegenteil ist ein weiterer Fortschritt auf diesem Geviete zu konstatieren. Insgesamt wurden 147 Bewegungen in 102 mit vollem, in 13 Fällen mit teilweisen und in 26 Fällen ohne Erfolg durchgeführt. Hiervon waren 28 Angriffsstreiks, 24 Abwehrstreiks, 15 Aussperrungen und 80 Bewegungen ohne Arbeitseinstellungen. Beteiligt waren an diesen Bewegungen 5553 Personen, 2034 Streiktage waren zu veranders, und selbst, wenn ich anders könnte, ich würde nicht wollen. Hören Sie mich an. Ich will ruhig sein. Kein Mensch kann uns hier belauschen. Ich bin nicht wahnsinnig— bin kein falscher Verräter! Ich habe Ihre Schwester aufrichtig bewundert, und kam hierher, um sie zu sehen. Darüber hinaus habe ich mir weder ein Unrecht an ihr, noch gegen Sie vorzuwerfen. Ich bin Amita nie näher getreten, denn ich sah Sie, Maruja. Von diesem Augenblicke an habe ich nichts anderes mehr gedacht, habe von nichts anderem geträumt.“ „Das alles ist drei, vier, fünf Tage her. Sie sehen, ich habe ein gutes Gedächtnis. Aber jetzt— was wollen Sie jetzt von mir, Kapitän Carroll?“ „Sie bitten, daß ich Sie lieben darf— Sie ganz allein lieben darf. Gestatten Sie mir, in Ihrer Nähe zu oleiben, um Ihre Liebe zu werben, wie darum geworben werden muß. Ich bin nicht wahnsinnig, wenn auch zu allem entschlossen. Ich weiß, e mich hof Sie mich hoffen lassen.“ Sie blickte ihn an, bis sie die ganze brennende Fieberglut seiner Augen in sich aufgenommen, bis ihr die Ohren von seinen leidenschaftlichen Worten brannten und klangen— dann schüttelte sie den Kopf. „Das kann nicht sein, Carroll— kann nie und nimmer sein!“ Er richtete sich unter dem Schlage mit so einfacher männlicher Würde auf, daß sie einen Moment die Augen niederschlug. „Es steht mir also ein anderer im Wege?“ sagte er traurig. „Es gibt keinen, der mir lieber wäre, als Sie. Nein— seieg Sie nicht töricht. Lassen Sie mich los. Ich will Ihnen sagen, warum Sie mir nie etwas sein können— hören. Sie wohl, ich sage mir. Mit meiner Schwester Amita ist's etwas anderes.“ Der junge Soldat richtete sich kühl und stolz auf. „Ich habe Ihnen hart zugesetzt, Miß Saltonstall.“ sagte er. „Ich war aufdringlich, nachdem ich meine Antwort bereits erhalten, ich weiß es recht gut— aber das hatte ich doch nicht verdient. Leben Sie wohl!“ „Bleiben Sie,“ entgegnete sie sanft.„Ich wollte Ihnen nicht wehe tun. Kavitän Carroll. Wenn es geschah, so geschah es gegen meinen Willen. Ich hätte Sie ja nicht hier zu treffen „#.— aber würden Sie mich weniger geliebt haben, wenn ich viese Unterredung vermieden hätte?" Er vermochte keine Antwort zu geben, aber in der Tiefe seines schmerzerfüllten Herzens wußte er, daß seine Leidenschaft badurch nicht abgekühlt worden wäre.(Fortsetzung folgt.) bi 1809— 31. März— 1909. (Schluß.) Aus den Erfahrungen dieser jungen Zeit entsprang aber das erste ganz große Werk: Der Revisor. Es bedeutete einen starken und ich ellen Aufstieg nach den jugendlichen Phasen seiner Dichterschaft, einen Aufstieg vom herzlichen Spaße zur ern#ten Komik und nun zum tiefen Humor. Mit lustigen idyllischen Schilderungen aus dem kleinrussischen Leben— Abend auf einem Gutshofe bei Dikanka— begann Gogol. Stärker gefaßt, kräftiger, ernster war das Novellenbuch Mirgarod, in dem auch die frischwilde Kosakengeschichte Taras Bulba enthalten ist. Schon war der Weg beschritten, auf dem Gogol zum strichsicheren genialen Porträtisten der Menschen und der Natur seiner Heimat und des weiteren Rußlands in Dorf und Stadt, Hauptstadt und Provinz heranreifen sollte. Puschkin hat gesagt: niemand verstehe es besser, als Gogol, dem Russen seine Schwächen abzulauschen und sie zu schildern. Den unwiderstehlichen Drang, zum Lachen reizende Vorgänge zu ersinnen, schrieb Gogol seinem krankhaften Zustande zu; er wollte sich so zerstreuen. Puschkin begriff diese Neigung und zwang den jungen Dichter,„die Sache ernster zu nehmen". Als Gogol ihm einst eine kurze, gut gelungene Schilderung vorgelesen, sagte Puschkin:„Wie ist das möglich, mit einer solchen Gabe, den Menichen zu erraten und mit einigen Strichen ihn lebendig hinzustellen, wie ist das möglich, mit einer solchen Gabe nicht an ein großes Werk heranzugehen! Das ist direkt Sünde. Puschkin überließ ihm dann einen eigenen Plan, den Vorwurf zu den Toten Seelen, und der Gedanke zum Revisor gehört ebenfalls Puschkin, der das Hauptmoment der Komödie, die Angst der Beamten vor plötzlichen Revisionen, selber einmal drastisch beobachten konnte. Die Revisor=Komödie führt in den Kreis der Beamten einer Provinzstadt, in den plötzlich die Nachricht hineinplatzt, ein Revisor aus Petersburg werde inkognito und mit geheimer Instruktion eintreffen. Das böse Gewissen und das Schnüffeltalent verführt sie, einen jungen lebelustigen Fremden, Klestakoff mit Namen, der im Gasthofe absteigt, für den Revisor zu halten. Sie umschwänzeln den Gefürchteten alsbald mit katzbuckelnder Liebenswürdigkeit und der Fremde, der den Braten merkt, spielt den vermeintlichen Revisor im Ernst, kommt den Bestechungsversuchen der Beamten verständnisvoll entgegen, füllt sich die Taschen mit Rubelnoten, verlobt sich gar mit der Tochter des Stadthauptmanns und saust zuletzt mit den besten Pferden des Postverwalters davon; in eben dem Moment, wo der betrogenen Betrügerbande die Augen aufgehen, kommt die Meldung, daß der Petersburger Revisor nun wirklich eingetroffen sei. Gogol wollte in dieser Komödie anfangs die Geisel über Petersburg schwingen. Aber der Plan wurde dann ins allgemeine abgeändert. Dieser sagte:„Im Revisor habe ich beschlossen, alles Verderbliche in Rußland, das ich damals kannte, auf einen Haufen zu sammeln, alle Ungerechtigkeiten, die in jenen Gegenden und in jenen Fällen ausgeübt werden, wo am meisten von Menschen Gerechtigkeit verlangt wird, und auf einmal über alles zu lachen.“ Das Gelächter sollte heilen, sollte töten. Rücksicht auf die Zensur hieß ihn treilich vorsichtig sein und ein S“ vlatz wählen. Die russisch tische Berechnung war. Einst soll Nikolaus zu dem Geldmann st haben: Was? Dummkopf! Du ropinznest zum Schauplah wahlen. Die russische Bureaukratie begruff naturlich sofort, daß die Komodie die ganze Kaste treffen soute. Der Har ließ aber das Stück in Petersbu# Zai neß aber das Stück in Petersburg aufführen, er leistete sich diesen Scherz, der woyl nicht ohne pfiftige poliFrankel gesag. yren cur,# ammkopf!. Du klagst, daß alle Steuerbeamten die Staatsrasse bestehlen? Laß sie doch in Ruhe! Siehst du denn nicht, dreifacher Dummkopf, daß sie, solange sie stehlen, den Zaren lieben und ihn gegen umstürzlerische Unternehmungen schützen?“. Und als nun die erste Aufführung des Revisor vorüber war, soll der Zar Gogol gegenüber das Wort gebraucht haben:„So habe ich nie gelacht wie heute abend.“ Worauf Gogol erwiderte:„Ich habe eigentlich eine andere Wirkung mit dem Stücke beabsichtigt. Und noch ein andres Zarenwort wird aus seiner Stunde fabuliert:„Es haben alle ihr Teil abbekommen und ich am meisten.“ Wichtiger als die Echtheit dieser Worte ist jedenfalls, daß jedes in seiner Weise den Nagel auf den Kopf traf. Das System war durch die Kraft dichteristischen Gestaltens vor der Welt gebrandmarkt, und in der Weltliteratur und auf der Bühne überall lebt Gogols Komödie unverdorrt noch heute. Sie wird nicht sterben. Das zweite, zum Teil in Rom geschriebene Hauptwerk Gogols Die toten Seelen erschien 1842. In den vierziger Jahren setzte der Kampf gegen die Leibeigenschaft ein, und so wurde Gogols Werk zunachst, wie Peter Krapotkin erzählt, als eine furchtbare Anklage gegen die Leibeigenschaft aufgefaßt. Die demoralisierenden Wirkungen dieser Einrichtung auf die Bauernbesitzer zeichnet der Roman in der Tat in genialen Bildern. Sie sind auch in der Fabel drastisch ausgedrückt. Die Fabel und die Jeden Stempel, jede Unterschrift, jede Urkunde kann man haben. Der Rubel braucht bloß zu rollen. Aber derweilen kann im Lande passieren, was will. Steht's nicht in den Akten, dannist es nicht passiert, und steht's darin, so braucht's durchaus noch nicht passiert zu sein. Diesen Zustand deutet Tschitschikow, der Held, aus. Er hat schon einmal als hoher Zollbeamter gezeigt, wie man sich auf Kosten des Staats, mit Hilfe seiner eigenen Machtmittel, vollsaugen kann. Damals hat er mit einer großen Schmugglerbande gemeinsame Sache gemacht Jetzt arbeitet er ganz ohne Komplicen, und er hat die wunden Stellen deStaatswesens ausgespürt wie nachmals der Hauptmann von Köpenick. Er deutet nämlich den Zustand aus, daß nach dem Gesetz die Kopfsteuer für die leibeigenen Bauern von den Grundbesitzern auf Grund einer Revisionsliste gezahlt werden muß, die bloß alle zehn Jahre neu aufgestellt wird. Stirbt ein Bauer, so muß für ihn bis zur Aufstellung der neuen Liste weiter gesteuert werden, als ob er noch lebte. Nun können die Bauern natürlich verkauft werden, und es ist auch möglich, sie zur nahme von Hypotheken zu verpfänden, und da zahlt das richt für den Bauern zweihundert Rubel und mehr. Das sucht sich nun Tschitschikow zunutz zu machen. Er kauft die Namen der Gestorbenen auf, als gette es einen Kauf von lebenden Bauern, denn nach dem Gesetz leben die toten Seelen ja auf den Aktenvapier noch; natürlich kauft er sie spottbillig; und wenn im Charsoner Gouvernement, wo man Boden geschenkt. e#ko##e# kann, Grundbesitzer geworden ist, wird er seine toten Seene zeichnen. Erreicht wur von 4965 Stunden u 5266 Mk. Die Koster 92000 Mk. gegenüber Auch sind gute Fortschr Am 31. Dezember 190 mit 2229 Arbeitern un Die Einnahmen au sich in der Berichtszeit trug 456 207 Mk., der steht. Hauptsächlich ha Ausgabe verursacht E losen am Ort und auf stützung 60 840 Mk., fü 113000 Mk., für Beezugsunterstützung 3038 Mitglieder in Beiträg ihnen in Unterstützung starken Inanspruchnal mögenssbestand nicht! 70000 Mk., wozu no Letztere haben sich in hier 73000 Mk. für A. 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Si. um einen Gewerbe zuklären, daß er sich Gegensätze verscharf Recht zu spreck nehmer aufspi Aussprache mit den Wir stellen diese Fr eingehenden Antwon Wahrscheinlich dür wenn das nicht der F beitgeber=Zeitung" vor schärfste verurteilt we Beleidigung der Gen die Form so gewählt, gen können. Was Scharfmacher=Organe Auf der Suche na Firma Schramm i beschäftigte Kontorist die sämtlichen Glass keit im Kampfe steher nehmlich in Hannover zuwerben. Bei den Vertrete in Gera siegten die mit rund 3400 Stimi Stimmen und 180, d geben wurden. Wer die Politik i den Vertreterwahlen Reuß j. L., die etwe dorthin überführen, rkunde gefertigte 111##en, pfanden und im Han säckel füllen. Dieser Tschitschiko nernder Rechner, der aufs Ganze geht. 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Hauptsächlich haben die Opfer der Krise die Summe der Ausgabe verursacht So wurden für Unterstützung der Arbeitslosen am Ort und auf der Reise 80 691 Mk., für Krankenunterstützung 60 840 Mk., für Streik= und Gemaßregeltenunterstützung 113000 Mk., für Beerdigungsbeihilfe 8990 Mk. und für Umzugsunterstützung 3038 Mk ausgegeben. 416 408 Mk. haben die Mitglieder in Beiträgen aufgebracht, und 269 450 Mk. wurden ihnen in Unterstützungen wieder zurückgezahlt. Infolge dieser starken Inanspruchnahme der Mittel konnte sich der Vermögenssbestand nicht beben und beträgt derselbe jetzt annäyernd 70000 Mk., wozu nock 55000 Mk. der Lokalkassen kommen. Letztere haben sich in ihrem Bestande verdoppelt, trotzdem auch hier 73000 Mk. für Arbeitslose und Kranke ausgegeben wurden. Zu erwähnen wäre noch, daß im letzten Jahre die Vorarbeiten zur Verschmelzung mit dem Verbande der Portefeuiller so weit gediehen sind, daß der Zusammenlegung in Köln kaum ernstliche Schwierigkeiten erwachsen können. Es kann dem Verbande der Sattler das Zeugnis ausgestellt werden, daß diese Organisation im Rahmen der deutschen Gewerkschaften ihre Aufgabe glänzend gelöst und daß sie im wirtschaftlichen Kampfe sowie in der Unterstützung der Opfer der heutigen Gesellschaftsordnung ihre möglichstes getan hat. Scharfmachern ins Stammbuch. Der Steinbruchbesitzer Köhler in Meißen, der seinerzeit aus seinem Betriebe die organisierten Steinarbeiter hinauswarf und eine gelbe Organisation gründete, die er über ganz Deutschland verbreiten wollte, ist nunmehr vollständig fertig. In dem Betriebe, in dem Köhler nichts mehr zu sagen hat, dominiert wieder der Steinarbeiterverband. Der Mann, der die moderne Organisation resp. die Sozialdemokratie vernichten wollte, hat jetzt eine sogen. „Denkschrift herausgegeben, in der er schildert, wie er auf den Rat der Unternehmer=Organisation und auf einen Artikel der „Dresdener Nachrichten“ hin den Kampf aufgenommen habe. Er sei auch vom Verband der sächsischen Industriellen unterstützt worden, aber diese Unterstützung hätte bei weitem nicht ausgereicht, um ihm den Schaden zu ersetzen, den er durch den Streik gehabt hätte. Zum Schluß ersucht er die Kapitalisten, ihm 120000 Mk. zur Gründung eines neuen Werkes zu pumpen, um den sozialdemokratischen Gewerkschaften den Beweis zu erbringen, oaß die Macht des Verbandes der Industriellen und der vaterländischen Partei doch die stärkere ist und bleibt. Das Schicksal des Köhler, der früher ein größeres Werk mit 500 Arbeitern besaß und nun nichts mehr hat, sollte eigentlich den Unternehmern als warnendes Beispiel dienen, die da glauben, mit Hilfe der gelben Arbeiterorganisationen die moderne Arbeiterbewegung niederzwingen zu können. Eine perfide Anrempelung der Gewerberichter leistet sich die „Arbeitgeber=Zeitung" nach dem berühmten Muster der Revolverpresse in ihrem Briefkasten der letzten Nummer. Es heißt da: „F. R. in A. Sie fragen:„Welches Mittel wird empfohlen, um einen Gewerbegerichtsvorsitzenden wirksam darüber aufzuklären, daß er sich an der Nation versündigt und die sozialen Gegensätze verscharft, wenn er in seiner Amtstätigleit anstatt Recht zu sprechen, sich als Anwalt der Arbeitnehmer aufspielt? Anbei sei bemerkt, daß persönliche Aussprache mit dem Gewerberichter nicht beabsichtigt wird. Wir stellen diese Frage zur Disussion und werden Ihnen die eingehenden Antworten zusenden." Wahrscheinlich dürfte die Anfrage fingiert sein. Aber auch, wenn das nicht der Fall ist, dürfte die Handlungsweise der„Arbeitgeber=Zeitung“ von jedem anständig denkenden Menschen aufs schärfste verurteilt werden. Das Blatt hat nicht den Mut, seine Beleidigung der Gewerberichter zu vertreten; deshalb hat es die Form so gewählt, daß die Beleidigten ihm nicht an den Kragen können. Was kann man von einem solchen skrupellosen Scharfmacher=Organe auch anders erwarten. Auf der Suche nach Streikbrechern befindet sich der bei der Firma Schramm und Schupp in Langewiesen i. Th. beschäftigte Kontorist Machold. Da bei der genannten Firma die sämtlichen Glasschleifer um ihre Organisationszugehörigkeit im Kampfe stehen, hat der Machold Auftrag erhalten, vornehmlich in Hannover und in Süddeutschland Streikbrecher anzuwerben. Bei den Vertreterwahlen für die Textilbetriebskrankenkasse in Gera siegten die Kandidaten des Textilarbeiterverbandes mit rund 3400 Stimmen über 450 gelbe und Hirsch=Dunckersche Stimmen und 180, die für die Kandidaten der Lokalisten abgegeben wurden. Wer die Politik in die Krankenkassen trägt, das hat sich bei den Vertreterwahlen zur Unterländischen Ortskrankenkasse in Reuß j. L., die etwa 80 Gemeinden umfaßt, gezeigt. Der Bezirksverein Gera=Land, eine agrarisch=liberale Parteiorganisation, die auch die Reichs=, Landtags= und Gemeindewahlen betreibt, führte in bekannter Manier die Agitation gegen die als sozialdemokratisch verschriene Ortskrankenkasse, hatte aber nur den Erfolg, daß in einem ländlichen Wahlbezirke die von ihm aufgestellten Vertreter für die Abteilung der Arbeitgeber gewählt wurden. Der Streik der Kostümschneider und Schneiderinnen Berlins hat bei seiner kurzen Dauer von sechs Tagen mit einem guten Erfolge für die Streikenden geendet. Es ist eine Einigung dahin zustande gekommen, daß die Minimallöhne wesentlich erhöht werden. Die Lohnzulagen, die die Mehrzahl der Arbeitgeber zu machen haben, bewegen sich in einer Höhe von 3 bis 9 Mark pro Woche. Der neue Tarifvertrag soll noch im Laufe der Woche vor dem Gewerbegerichte unterzeichnet werden; er tritt mit dem 1. April er. in Kraft.— Ebenso ist der Streik der Damenschneider und Schneiderinnen in Wiesbaden, der beinahe zu einer Aussperrung aller in Deutschland im Schneidergewerve Beschäftigten geführt hätte, erfolgreich beendet worden. Snonstrir, Hanort Ki. Das Ende des neuen Warenhaus=Systems. Mit der Eröffnung des Passage=Kaufhauses in Berlin sollte nach den Versicherungen seiner Gründer„der Grundstein zu einer neuen wirtschaftlichen Aera“ gelegt sein. Diese Gründer hatten mit Hilfe einer Finanz= und Terraingruppe im Oktober des vergangenen Jahres ein prächtiges Warenhausgebäude errichtet, das zum Unterschiede von den bekannten Warenhäusern nicht von einem Besitzer betrieben, sondern an etwa 60 Detailhändler vermietet wurde. Die Vorteile der im Konkurrenzkampfe so erfolgreichen Warenhäuser sollten auf diese Weise einer großen Anzayl von Kleinhändlern ermöglicht werden, ohne daß ssie deshalb ihre Selbständigkeit aufzugeben hätten. Die Baugesellschaft, die das Warenhaus errichtet hatte, übernahm die Leitung der Kasse, der Reklame, des Warentransports für die Mieter gemeinsam, die Spesen sollten im Umlageverfahren erhoben werden. Schon bei der Eröffnung des Etaolissements traten wir der Auffassung entgegen, daß auf diesem Wege der Kleinhandel sich der Warenhäuser werde erwehren können. Die wirtschaftliche Ueberlegenheit der großen Warenhäuser, so führten wir damals aus, ist nicht nur durch die großen und schönen Räume, eine großzügige Reklame und sonstige an sich gewiß nicht zu unterschätzende Aeußerlichkeiten bedingt, sie beruht auf dem Masseneinkauf und dem Ausgleich des Risikos durch den gleichzeitigen Betrieb sehr vieler Geschäftszweige. Zwischen den einzelnen Firmen, die das Passage=Kaufhaus bewohnten, bestand keinerlei Einkaufsorganisation, jeder Mieter betrieb seinen Handel auf eigene Rechnung und nach seinen Kräften. Dazu kam, was wir auch in unserer ersten Besprechung des Unternehmens bereits bemerkten, daß von den Firmen des„zerlegbaren Warenhauses“ nur sehr wenige vorher wirklich leistungsfahige Geschäfte betrieben hatten. Die großkapitalistische Entwicklung im Detailhandel hat besonders in Berlin zu einer fast völligen Ausschaltung kleiner lebensfähiger Detailgeschäfte geführt, den Markt beherrschen die großen Warenhäuser und die großen Spezialgeschäfte. Nur zwei solcher Firmen sind unseres Wissens dem Ruf gefolgt. Die übrigen Teilnehmer des Passage=Kaufhauses grundeten neue Geschäfte, zum Teil mit Hilfe und unter Beteiligung der Passage=Kaufhaus=Gesellschaft Schnell, allzu schnell ist„die neue Aera" im Detailhandel vorübergegangen. Das neue Warenhaus=System wird aufgegeben, das Passage=Kaufhaus in ein wirkliches Warenhaus umgewandelt. Die Vertrage der Gesellschaft mit den einzelnen Teilnehmern sind gelöst worden, die Warenlager gehen gegen Anteilscheine an die Betriebsgesellschaft über, die früheren Mieter und selbstän n Detailhändler werden Abteilungsleiter und Einkäufer neuen Warehauses. Für viele dieser Beteiligten hat der Versuch, der allein dem Bestreben einiger Terrainspekulanten, überteuerte Terrains mit großem Nutzen zu verwerten, entsprang, aber deshalb um so lauter mit neufrisierten Mittelstandsrettungsphrasen begründet wurde, üble Folgen gezeitigt. Sie haben gute Stellungen aufgegeben, um unter dem Patronat der Passage=Kaufhaus=Gesellschaft selbstständig zu werden. Schon vor der Neuregelung wurden einige von ihnen zahlungsunfähig, die Kaufhausgesellschaft übernahm ihre Betriebe. Wir können die Vermutung nicht unterdrücken, daß die Passage=Kaufhaus=Gesellschaft das Ende des neuen Warenhaus=Systems stark vorgeahnt hat, vielleicht von vornherein sogar mit dem Gedanken einer Uebernahme der einzelnen Abteilungen gerechnet hat. Die Verträge, die besonders mit wirtschaftlich schwächeren Teilnehmern abgeschlossen wurden, hätten auch in wirtschaftlich besseren Zeiten den„gegründeten“ Mietern kaum ausreichenden Verdienst ermöglicht. Das Schicksal des neuen Systems wurde noch beschleunigt durch die zahlreichen Differenzen der Teilnehmer, die auch bei einer besseren Konjunktur gewiß nicht ausgeblieben wären. Gerichtliches. Meineidsanklage gegen einen Regierungsassessor. Am Dienstag wurde vor dem Schwurgericht in Trier eine Meineidsdorthin überführen, alles natürlich bescheinigt durch gerichtlich gefertigte Urkunden, und dann wird er seinen Bauernvesitz verpfanden und im Handumdrehen seine Taschen aus dem Staatssäckel füllen. Dieser Tschitschikow ist ein abgefeimter Streber und gaunernder Rechner, der sich nicht mit Kleinigkeiten abgibt, sondern aufs Ganze geht. Er ist den Weg gegangen, den die Erziehung ihm wies, als sie ihm riet, vor den Oberen und vor dem Geldsack zu kriechen: wer das versteht, und wenn er auch dumm und talentlos ist, kommt allen zuvor, so sagte man ihm. Er ist ein Spitzbube, sagt Gogol, aber dann wagt er alles ab und vergleicht und lacht ganz ernsthaft: aber nein, kein Schurke, ein guter Wirt, ein Erwerbsgenie ist er, und zuletzt legt er dar, daß Tschitschikow ein Typus ist, der überall in Rußland vorkommt. Das ist derselbe Klang, der einmal aus dem Revisor ins Publikum hinunterschallt:„Ueber wen lacht ihr? Ihr lacht ja über euch elbst. Gegol wußte: der Weg, den er als Schriftsteller ging, war mit Dornen und mit Undank besät; er wußte, der Geschmack des beifallslauten großen Lesepublikums traf sein naturalistischhumor stisches Werk nicht. Dieser Geschmack wandte sich unwillig ab, wenn man ihm„das menschliche Elend in seiner Blöße“ zeigte; er wollte zerstreut wecken, um zu vergessen, und nevte die idealen Charaktere, die in Entzücken versetzen und Tränen auspressen. Ja, der Schriftsteller, der das geben kann, wird wie ein Gott gefeiert,„doch wie ganz anders, sagt Gogol, ist das Los des Schriftstellers, der sich erkühnt, das Alltägliche, das gleichgiltige Augen kaum bemerken den schrecklichen, anekelnden Schlamm der unser Leben umgebenden Winzigkeiten im Bilde darzustellen, der es wagt, mit dem kräftigen, unerbittlichen Grabstichel die ganze Tiefe kalter, zerstückelter Charaktere, von welchen unser irdischer, heiterer und langweiliger Lebensweg wimmelt, zu zeichnen, und sie kar und deutlich vor die Augen des Volkes hinzustellen. Auf ihn stürmt kein Beifall der Menge ein:„er entrinnt iuch nicht dem strengen Gerichte seiner Zeitgenossen, dem heuchlerischen, gefühllosen Gerichte, das die von ihm gepflegten Schöpfungen niedrig und nichtig nennt, ihm einen Platz unter den verachteten, die Menschheit mit Füßen tretenden Schriftstellern einräumt, und ihm Herz und Gemüt, und die göttliche Flamme des Talents abspricht. Denn dies Gericht erkennt es nicht an, daß die Bewegung der kleinsten Insekten und der Glanz der leuchtenden Sonne gleich wunderbar, daß viel Gemütstiefe dazu nötig ist, um ein aus dem niedrigen Leben ausgenommenes Bild mit dem warmen Schöpfungsstrahle zu beleben, daß es ein Gelächter gibt, das sich würdig mit den höheren lyrischen Regungen in eine Reihe stellt Zußtmacharsn Zuckungen eines gemeinen So hat Gogol die Schwere, aber auch die große Schönheit seiner Dichtermission stark gefühlt. Er hat der Stimme des eigenen Innern gehorcht, und sie hat ihn zum Bahnbrecher für die Arbeit eines kampferfüllten, torsprengenden Jahrhunderts werden lassen. Herrlich reckt sich im Tschitschikow=Roman der furchtlose, lachend spottende Trotz des Dichters auf:„Nein, ich mag keinen tugendhaften Helden, es ist höchste Zeit, einen betrügerischen ins Joch zu spannen; wir wollen einmal einen Spitzbuben zum Helden machen.“ Ganz wie die Wirklichkeit es tut. Und ihr müßt ihn euch anschauen, das Lachen um euch her wird euch zwingen. Als Gogol am 4. März 1852 gestorben war, verbot die zaristische Polizei den Zeitungen, des Dichters zu gedenken. So mächt.g war die lebendige Kraft des Gogolschen Lebenswerkes. Turgenjew setzte trotzdem durch, daß ein Nachruf, in dem er Gogol einen Großen nannte, gedruckt wurde, und zwar mit Erlaubnis des Zensors in Moskau. In Petersburg hatte die Zensur die Veröffentlichung dieses Nachrufs verboten. Das Ergebnis war für Turgenjew eine Verurteilung wegen Ungehorsams und Verletzung der Zensurvorschriften zu einem Monat Polizeiarrest und zweijahriger Verbannung aufs Land. Ganz widerrechtlich und auf eine handgreifliche Lüge des Zensurobergewaltigen hin geschah diese Verurteilung. Man hat den ersten Nikolaus den lupergeßlichen genannt. Unvergessen wird jedenfalls in der Geschichte Rußlands diese Totenfeier eines großen Dichters bleiben. Das zaristische Regiment, das jede Gelegenheit zu oppositionellen Kundgebungen im Keime hinderte, sagte: er gehört trotz all seines Wehrens dennoch zur Revolution. Und so war's auch und wird's vor der Geschichte bleiben. Wir zvüren's immer noch im Anbauch des unmitte bar aufgefangenen Lebens, das die großen Schöpfungen Gogols bergen. frd. Von den Himmetsrricheinungrn im Aprtl. Von Georg Kästner in Bremen. —.(Nachdr. verb.) Das Osterfest fällt in diesem Jahre in den April und aus diesem Grunde verdient der Monat tatsächlich mal wieder seinen Namen„Ostermond“, wie ihn Karl der Große genannt hat. Das Fest der Auferstehung hat seinen eigentlichen Ursprung wohl in der Natur. Astronomisch hat ja der Frühling bereits im März begonnen; da, wo die Zahl eine so große Rolle spielt, geht's immer genau und pünktlich zu. während sich das Wetter nicht immer so gut danach richtet An einigen Tagen hat uns aber der Frühling schon gezeigt, was er zu leisten vermag, und wir wollen hoffen, daß er hält, was er mit seiner Einleitung versprochen. In der Welt der großen Plancten sieht's jetzt für den Beobachter betrüblich aus. Daß Merkur, dieser leichtfüßige anklage gegen den Regierungsassessor Rautenstrauch, Mitglieb einer millionenreichen Familie, verhandelt. Rautenstrauch war vor etwa sieben Jahren in einen Prozeß verwickelt, in dem der damalige Angeklagte, der Arbeiter Lieblar, beschwor, daß R., der damals noch Regierungsreferendar war, mit ihm verbotenen Verkehr gepflogen habe R. bestritt diese Aussage unter seinem Eide, worauf Lieblar wegen Meineids usw. zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Diese Strafe hut er verbüßt und ist dann nach Amerika ausgewandert. Vor einigen Wochen zeigten sich plötzlich bei dem jetzigen Regierungsaffessor R. eigenartige Symptome: er wurde streng religiös und suchte bei einer Ordensbruderschaft um Aufnahme nach. Diese wurde ihm aber verweigert, als er angab, daß die schwere Sünde des Meineids sein Gewissen belaste, er habe vor sechs Jahren wissentlich falsch geschworen. niemals mit dem Arbeiter Lieblar pervers verkehrt zu haben, während dies doch der Fall gewesen sei. Die Ordensbrüder empfahlen R., zunächst bei der Staatsanwaltschaft Trier Anzeige von seinem Verbrechen zu machen und eventuell später, nach der Sühne seines Verbrechens, erneut um Aufnahme nachzusuchen. R. irrte eine Zeitlang umher und stellte sich schließlich der Staatsanwaltschaft in Trier, vor der er sein Geständnis wiederholte. Das Schwurgericht verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis. Strafmildernd kam in Betracht, daß er durch waorheitsgemäße Angaben im Prozesse Lieblar sich selbst einer strafbaren Handlung beschuldigt haben würde. Von einer Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den unschuldig verurteilten Lieblar hat man nichts gehört. Vereins-Kalender. Dounerstag. Männer=Gesangverein„Hoffnung" abends 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 9 Uhr bei Hellsinger, Schmiedestraße. Arbeiter=Gesangverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Indiestel. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, Gadderbaum 9 Uhr bei Bracksiek. Zitherklub„Alpenklänge“ 9 Uhr bei Lange, Teichstraße. „Zither=Quartett=Verein“ 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld, Abteilung 3, ½9 Uhr bei H. Lohmann. Kegelklub„Hamburger Wappen“ 8½ Uhr bei Vogt, Hallerweg. Kegelklub„Einigkeit" abends 9 Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Radfahrerklub„Eilrad“ 9 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Skatklub„Zur guten Quelle“ 9 Uhr bei Witwe Pilgrim, Ziegelstraße 50. 1. Bielefelder Bandonion=Klub ½9 Uhr bei Fritz Beckmann, Kleine Howe. Theaterklub„Thalia“ 8 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Guttemplerorden, Loge„Westfalenland“, 8¾ Uhr. Sieker. Arbeiter=Raderfahrerklub„Wanderlust" bei Sittig, Detmolderstraße. Brackwede. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Gesangverein„Heiderose“ 9 Uhr bei Siekmann, Herforderstraße. Schildesche. Radfahrerverein„Fliegender Adler“ 9 Uhr bei Krämer. Schildesche. Kraft=Sport=Verein ½9—½11 Uhr bei Wirt Schaepersmann, Wilhelmstr. 17. Schildesche. Guttempler=Loge„Rote Erde“ 8¾ Uhr bei Grothaus, Amselstraße 7. Babenhausen. Kegelklub„Freie Bahn“, 8½ Uhr bei Böke. Heepen. Turnverein„Jahn“ 8½ Uhr bei Wirt Müller. Ubberdissen. Radfahrerverein„Viktoria“ 9 Uhr bei Tigges, Rollkrug. Wertyer. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Spenge. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8½ Uhr bei Wirt Lippelmann. Oerlinghausen. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8¾ Uhr bei C. Löhr. Schötmax. Radfahrer=Verein„Wanderer". Detmold. Arbeiter=Radfahrerverein„Vorwärts“ 9 Uhr. Südlengern. Gesangverein„Einigkeit" 9 Uhr. Rehme. Arbeiter=Gesangverein 9 Uhr bei Röbke. Minden. Arbeiter=Sängerbund 8¾ Uhr: Gemischter Chor. Bruder der Erde, sich nicht blicken läßt, nimmt uns nicht Wunder. Aber auch die schöne Venus verhüllt sich unseren Blicken in der alles überstrahlenden Mutter Sonne. Sie wird erst gegen Ende Mai wieder des Abends auf kurze Zeit sichtbar werden. Der ringumkränzte Saturn bleibt ebenfalls wie im Vormonat unsichtbar, und Mars macht ssich immer rarer. Die Dauer seiner Sichtbarkeit nimmt langsam noch weiter ab, so daß wir am Ende des Monats nur noch eine halbe Stunde lang das Vergnügen haben, diesen flammenden Stern am Horizonte zu sehen. Am meisten bietet immer noch Jupiter. Aber auch der neigt sich schon, er geht von Mitte des Monats an bereits vor Tagesanbruch unter. Die Dauer seiner Sichtbarkeit beträgt dann 7½, am Ende des Monats noch nahezu 6½ Stunden.— Es ist bekannt, daß die Oberflächen der beiden Planeten Jupiter und Saturn veränderliche Gebilde zeigen, über deren Beschaffenheit man noch im Unklaren ist. Einer festen Oberfläche können diese Gebilde ihrer Veränderlichkeit wegen nicht angehoren. Es gibt aber auch wieder einige Einzelheiten, die so beständig sind oder gewesen sind, daß man sie nicht als rein atmosphärische Gebilde betrachten kann. Es mag nur an den roten Fleck erinnert werden, der im August 1878 auftauchte und bis in die letzten Jahre hinein gesehen wurde, allmählich immer blasser werdend. Man nimmt an, daß es sich dabei um schlackenartige Abkühlungen handelt, die auf der glühendflüssigen Oberfläche schwimmen. Das kann aber nicht gut zutreffen, denn sie müßten sonst zeitweilig wenigstens von dampfähnlichen Gebilden bedeckt werden. J. Corbu nimmt daher neuerdings an, daß die beiden genannten großen Planeten einen noch glühendflüssigen Kern besitzen, der von einer mächtigen Schicht dichter halbdurchsichtiger Gase umhüllt ist. Diese verschlucken das Licht, welches vom Planeten ausgeht und lassen nur die weniger brechbaren Strahlensorten durch. Die beständigeren Bildungen müßte man dann als Schlackenbildungen ansehen, die das Licht des glühenden Kerns etwas abhalten und so auf der Wolkendecke dunkler sichtbar werden. Man braucht dabei nicht anzunehmen, daß das Eigenlicht dieser Oberfläche noch besonders stark wäre. Ueber Planeten jenseits des Neptun schwirrten vor einiger Zeit wieder mal Nachrichten in den Zeitungen herum. Eine bezieht sich auf Prof. Pickering, worüber ober noch nähere Nachrichten fehlen, eine andere auf eine Ansicht von Forbes in Glasgow. Nach der Annahme des letzteren soll ein Panet jenseits der Neptunsbahn seine Bahn ziehen und rund 1000 Jahre zu einem Umlauf um den Mutterkorper der Sonne brauchen. Forbes schließt auf die Existenz dieses Kometen durch merkwürdige Störungen, die gewisse Kometen in ihrer Bahn erfuhren. Forbes' Annahmen sind aber falsch, wie aus früheren Untersuchungen von Prof. Kreutz hervorgeht. Forbes Komer müßte jetzt in Centauren stehen. Braune Benchel Modelne Bentne! 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Wochentags mit Ausnahme der Montage von 7 bis 1 von 2 bis 8½ Uhr, jeden Sonnabend bis 10 Uhr. Sonntags von 6 bis 9 Uhr. Brausebad I(2. Bürgerschule), Rohrteichstraße. Brausebad IV(10. Bürgerschule), Gutenbergstraße. Für Männer: Jeden Sonnabend, nachmittags von 4 bis 10 Uhr; jeden Sonntag, vormittags von 6 bis 9 Uhr. Für Frauen: Jeden Freitag, nachmittags von 5 bis 9 Uhr. Kassenschluß 20 Minuten vor den festgesetzten Endzeiten. 1882 Der Magistrat Bielefeld. Kinematogrsphlen-Pleuter Zür alten-Post. 1914 Prachtvolle Neuheiten gelangen zur Vorführung. Der Sturm an der Silberküste. Wunderbar schöne vielfarbige Seebilder, abwechselnd mit großartigen Felsformationen, die von der aufgeregten brandenden Flut überspült werden. Unser armes Kind. Ein rührendes Familiendrama. Das Kind eines jungen Ehepaares stürzt aus dem Fenster und stirbt. Der verzweifelte Vater ergibt sich dem Trunk und kommt durch Not und Elend immer mehr herab. Als beide Gatten die Trennung beschließen und Hab und Gut teilen, kommen ihnen die Kleidungsstücke des Kindes in die Hände und von der Erinnerung übermannt sinken sich beide versöhnt in die Arme. Humoreske! Ein trotziger Mieter. Humoreske! Flitterwochen feiern junge Leute in einer gemieteten Villa und als sie ein neuer Mieter daraus verdrängen will, erfinden sie allerhand Böswilligkeiten, um den Nachfolger zu vertreiben. = Mitleid und Liebe.= Episode aus einer Erdbebenkatastrophe. Durch einen Schiffskapitän wird die Tochter eines dortigen Einwohners gerettet und auf sein Fahrzeug geführt. In der Rekonvaleszenz lernen sich beide kennen und lieben und schließen auf hoher See den Bund fürs Leben. Ein eifersüchtiger Gatte. Blind und toll vor Eifersucht verfolgt ein Gatte seine unschuldige Frau und der Konflikt wird auf ulkigste Weise durch ein Haarbüschel gelöst. Wintersonntag in der Anvergue Touristenfreuden in einer französisch. Winterlandschaft. Der Hund des Schiffsjungen. Geld oder Leben. Banditen nehmen eine englische Familie gefangen und erzielen für deren Freilassung hohes Lösegeld. Bei einer Matrosenmeuterei wird der Schiffsjunge zum Retter des Kapitäns. Aus Rache entführen die Aufrührer den Jungen nach einer wüsten Insel. Sein Hund aber schwimmt ihm nach und bringt den Schiffskommandanten an den Ort der Aussetzung, wo der Knabe erlöst wird. Der Sultan der Türkei. Aktuelles Toubild mit prickelndem Text. Staultheatel! Heute, abends 7½ Uhr: * Der Strom. Sonnabend, den 3. April 1909, abends 7 ½2 Uhr: Klassiker=Vorstellung. Kleine Preise. aes kehtile seen Sonntag, den 4. April: Schluss der Schauspiel-Saison. Oster=Sonntag, den 11. April 1909: Beginn der Opern-Saison. 6 Brennavor= inderwagen und Sportagen verkaufe bis Östern mit 10 Proz. Rabatt. Vermann Schulze, Obernstraße 38. Städnsches-Srchestel. Freitag, den 2. April, abends 8½ Uhr, im Stadttheater: Kunstier Kenzert. Hozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbruck. 1901 Leitung: Kapellmeister Max Cahnbley. Solist: Wilnelm Backhaus. 1. Mendelssohn: Vierte Symphonie. 2. Beethoven: Viertes Klavierkonzert. 3. Chopin: Klaviersoli. 4. Tschaikowsky: Capriccio Italien. Preise der Plätze: II. Parkett1 Orchester-Loge Fremden-Loge I. Rang-Loge 1. Rang Balkon Parkett-Fauteuil 3.50 Mk. 3.00 Mk. 1. Parkett 1824 2.50 Mk. II. Rang Balkon, 1. Reihe 1.50 Mk. II. Rang, 2. und 3. Reihe 1.25 Mk. II. Rang, 4.—6, Reihe 1.00 Mk. Amphitheater, 1.—3. Reihe 0.75 Mk. Amphitheater, 4.—5, Reihe 0.50 Mk. Gallerie, 0.30 Mk. Vorverkauf in der Musikalienhandlung Selle.— Der lbach-Flügel ist aus dem Lager von Rud. lbach Sohn, Barmen. Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Schildesche. Sonnabend, 3. April, abends 9 Uhr, im Lokale des Wirts Lücking. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1908. 2. Vortrag des Genossen Hoffmann über:„Die Erhaltung der Energie in der Natur“. 3. Maifeier. Ortsgruppe Sieker. Sonnabend, 3. April, abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Wirt Fritz Meier, Heeperstraße. Tagesordnung: Maifeier. Ortsgruppe Uerentrup. Sonnabend, 3. April, abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Menke. Vortrag über die politische Lage. Ortsgruppe Quelle. Sonnabend, 3. April, abends 8½2 Uhr. Tagesordnung: Maifeier. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Feuer-Versicherungen werden unt. kulauten Bedingungen reell aufgenommen. 1133 August Ostmann, Zastrowstr. 24. Hauptagent der„Albingia“, Versich.=Akt.=Gesellschaft Hamburg. Herm. Ostmann, Lutterstraße 50. Vertreter und Kassierer. Eie Anzeigen in vorliegender Nummer wollen die Leserinnen und Leser der„Volkswacht" beachten!.....** eice hun un un u. Buchdruckerei„Volkswacht“. Waschkörbe u Sessel, Triumphstühle verkaufe bis Ostern mit 10 Proz. Rabatt. Nermann Schulze, Obernstraße 38. 1740 Abonnementsprei für Bielefeld und Umgeger wie bei sämtlichen Agenturt ins Haus gebracht 60 Pfg. lich. 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Herrschbegier, ihrer un ein Blitzlicht ein Stück und im speziellen des S junker erhellt— ein kla Rücksichtslosigkeit, mit interessen zu verfolgen dieses Protokoll wiede Klasse, die entschlossen zu halten und koste es entschlossen ist, sich die es Ministerwechsel über sie die Macht hat, ihrer Dem Plan des Ha Mitwirkung an der K eine Frucht des furchtbder Zorn der Bergher geben wollte, nur eine den Bergarbeiterschutz leuren zu verbessern(1 eingesetzt worden ist, i den Bergbauunternehm beiter auch zu etwas al sie auch— und seier ei betriebe haben sollen, u forderten deshalb auf d Der Geheimrat Uthe in Oberschlesien, der sie Steigern einen Namen Der Handelsminister h eins zwei Arbeiterverti die Konserenz im Min Mitglied des Bergarbei lichen Gewerkvereins. sammelten Unternehme die Teilnahme an der§ Er sagte: Ich meine, jetzt gegen den Handelsmi können. Denken Sie treter der gesamten wir gehen nicht zu rium. Weil uns hei preußische Handelsm zu diesen Verhandlun einer solchen Besprei ganze Geschichte. Dieser radikale Ste mung der Versammlun erklärte, daß Delbrück „Ist es wirklich ri gehen? Soweit mir Staatssekretärs des dem muß ich sagen, hat mir auch den Ei sicht liegt die Sache Geheimrat Uthe lassenschaft vom vers oben heruntergekomn Herr Kleine: meiden, gegen den nach meiner Meinun marck gehabt haben. „Herr Delbrückh dient. Unrecht geschah in dem die Bergunter dowsky sehen. Das ha zeigt nur, das „Ministers für Sozia ihnen nicht mit Haut u Herr Uthemann ist rität geblieben. Die Standpunkt, den der