Abotnementsbreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatsich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größer. Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Wieleseld Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. 70. Bielefeld, Mittwoch, 24. März 1909. 20. Die heutige Nummer unfaßzt 8 Seiten. Die deutschen und englischen Flottenrüstungen. Ig. Berlin, 23. März. In der Budgetkommission des Reichstags, die heute den Etat des Reichskanzlers behandelte, gab der Staatssekretär des Auswärtigen, Frhr. v. Schön, zu den von uns ausführlich wiedergegebenen Auslassungen des englischen Lords der Admiralität und des Premierministers Asquith folgende Erklärung ab: Die englische Regierung hat zwar ihre Bereitwilligkeit zu einer deutsch= englischen Verständigung über Umfang und Kosten der Flottenprogramme in allgemeiner Weise zu ertennen gegeben, sie hat aber keinen dahingehenden formellen Antrag gestellt. In den unverbindlichen Gesprächen, die über diese Frage zwischen maßgebenden deutschen und englischen Persönlichkeiten stattgefunden haben, ist niemals ein englischer Vorschlag hervorgetreten, der nach unserer Aufsassung als Basis für amtliche Verhandlungen hatte dienen können. Im Verkehr zwischen befrenndeten Regierungen pflegt es vermieden zu werden, formelle Anträge zu stellen, deren Berücksichtigung zweifelhaft erscheint. Die englische Regierung hat es wohl aus diesem Grunde vermieden, einen formellen Antrag an uns zu richten, und wir haben daher keine Stellung zu einem solchen Antrag zu nehmen gehabt. Die Gründe für unsere abwartende Haltung gegenüber dem Gedanken einer allgemeinen Einschräntung der Rüstungen zur See sind am 10. Dezember v. J. vom Reichskanzler im Reichstag dargelegt worden. Sie gelten selbstverständlich auch für etwaige Abmachungen unter einzelnen Mächten. Unser gesetzlich festgelegter Flottenbau ist ausschließlich nach unserem eigenen Schutzbedürfnis bemessen und stellt keine Bedrohung irgend einer Nation dar, wie schon wiederholt von uns betont worden ist. In ihren einleitenden Worten erkennt die Erklärung die Richtigkeit der von Asquith aufgestellten Behauptungen an, und gib. damit dem Staatssekretär v. Tirpitz unrecht. Die einander viversprechenden Erklärungen Tirpitz=Schön sind aber nicht gedas Vertrauen anderer Nationen in die Ehrlichkeit der Absichten de: deutschen Regierung zu festigen. * K 0•* * Ueder lie Verhandlungen der Budgetkommission wird uns weitcr berichtet; Abg. Graf Oppersdorf(Ztr.) ist nicht sonderlich erbautvon der Antwort des Irhrn. v. Schön. Er wünscht mehr zu wissan Abg. Singer bedauert lebhaft die Geheimniskrämerei, die die Reichsregierung fortgesetzt dem Parlament gegenüber verritt. Nachdem die englischen Reden bekannt waren, hätte der Reichskanzler sofort entsprechende Aufklärung geben müssen; es sei der Stellung des Reichstags und seiner Kommissionen unwürdig, wenn man ihnen zu verstehen gebe, daß sie abzuwarten hatten, bis man ihnen Aufklärung gäbe. Im Interesse Deutschlnds bedauert Genosse Singer auf das Tiefste, daß die Reichsregierung auf die englischen Anregungen nicht in der bereitwilligsten Weise eingegangen sei; das hätte unter allen Umständen geschehen müssen. Nach dem beobachteten Verhalten sei Leutschland von neuem in die schlimmste Situation gebracht worden. In allen Ländern werde man sagen: Nach dem Vorschlage Englands sei es möglich gewesen, die ungeheuren Flottenbezzlasten zu ermäßigen, das habe aber Deutschland vereitelt. In Deutschland selbst herrsche allgemein die bestimmte Absicht, mit ##gland in Frieden zu leben. Deutschland stehe jetzt trotz dieser. allgemeinen Volksstimmung— infolge des Verhaltens der Regiirung— als internationaler Störenfried da. Die Abgg. v. Puttlitz, Arendt und v. Oriola nahdie Reichsregierung in Schutz. Von unserem Flottenbaubrogramm wollte keiner von ihnen etwas abgestrichen haben. Denach sei das Verhalten der Regierung korrekt gewesen. Der Abz. v. Oriola erklärte: Alle Behauptungen im englischen Parlauent, daß wir den Bau unserer Flotte über das gesetzlich festzelegte Programm beschleunigen, seien unwahr. Abg. Erzberger betonte, daß seine Partei die deutschen Flottengesetze nitgeschaffen habe und nichts davon ablassen wolle. Immerhin sei eine Verständigung über die Schiffsbauten mit England Föglich. Eine solche Verständigung werde auch gewiß von 99 Prozent aller Deutschen gewünscht. Der Staatssekretär Abt nach einigen sogenannten vertraulichen Mitteilungen seiner Keude Ausdruck über die guten Beziehungen Deutschlands zu England trotz dieser neuesten Vorkommnisse. Er wünscht und Ii überzeugt, daß die guten Beziehungen zu England dauernd aufrecht erhalten bleiben. Abg. Genosse Ledebour stellt aus den amtlichen Protokollen des englischen Unterhauses fest, daß #glischerseits versucht worden sei, zu einer Verständigung mit Deutschland zu kommen. Redner weist nach, wie das eine Land kotwendigerweise in seinen Schiffsbauten abhängig sei von dem Laupcogramm des anderen Landes. Deshalb sei es vollständig falsch gewesen, wenn die deutsche Reichsregierung erklärte, sie Ichte sich nur nach unseren eigenen Bedürfnissen. Die deutsche Regierung hätte die Anregungen Englands freudig aufgreifen und sie auch zum Anlaß nehmen müssen, England zur Aufgabe leiner Stellung zur Kaperei zu veranlassen. . Nachdem Abg. Liebermann von Sonnenberg sich für die Regierung ausgesprochen und der freisinnige Abgeordnete Eickhoff die Ausführungen Liebermanns noch unterstrichen hatte, war die Debatte erschöpft.— Damit ist der Etat des Reichskanzlers erledigt, und die Kommission setzt die Bekatung des Marineetats fort. An einmaligen Ausgaben werden zum Bau von 15 auf Staliegenden Schiffen als zweite, dritte und vierte Raten 85 Millionen Mark verlangt. Als erste Raten werden für 6 neue Schiffe 26,5 Millionen Mark verlangt. Weiter werden für in Lorpedoversuchsschiff, für eine Torpedobootsflottille und für Unterseehoote 29.3 Millionen Mark bewilligt. Für SchifisReparaturen werden 4,6 Millionen Mark bewilligt. Für die Taihsgätzische Ausrüstung werden 65 450.000 Mark, für ie Lorpedo-Armierungen 8,27 Millionen Mark bewillegt. Im Cilempo werden dann Dutzende von Titeln genehm t. die verW#ene, Millionen Kosten verursachen. Als Beihiefe für eine anzahl armerer Gemeinden bei Kiel und Wilhelmshaven wurF“ die üblichen Summen bewilligt.— Mitnooch stehen die Neichseisenbahnen zur Beratung. Politische Uebersicht. Deutsches Der Zentrumsvorstoß gegen Bülow. Der Münchener„Bayerische Courier“ meldet: Der Reichskanzler habe in diesen Tagen erneut sein Entlassungsgesuch eingereicht. Er habe noch keine definitive Antwort erhalten. Wohl sei ihm gesagt worden, daß er spätestens nach Erledigung der Finanzreform seinen Abschied erhalten werde, und daß er früher gehen könne, wenn er glaube, dieses Werk nicht fertigzubringen. Diese Meldung— so sagt der„Bayerische Courier“— sei trotz etwaiger offiziöser Ableugnungsversuche doch zutreffend. Das vom Grafen Praschma eingeleitete Vorgehen des Zentrums gegen Bülow wird also weiter fortgesetzt. Es war offenbar von vornherein wohlvorbereitet. Das Zentrum scheint offenbar den Augenblick für gekommen zu halten, um den Block zu sprengen und Rache an Bülow zu nehmen. Nationalliberaler Provinzialparteitag. Die Nationalliberalen Berlins und der Provinz Brandenburg hielten gestern abend in Berlin einen Parteitag ab, der u. a. auch zur Finanzreform Stellung nahm. In einer Resolution wurde hierzu gesagt: „Nach dem Ergebnis der bisherigen parlamentarischen Verhandlungen erscheine als der einzige aussichtsvolle Weg zu einer annehmbaren Finanzreform der Ausbau der von der Regierung vorgeschlagenen Nachlaßsteuer. Der Parteitag richte deshalb an die nationalliberale Fraktion des Reichstags das dringende Ersuchen, für eine gerechte Besteuerung des Nachlasses einmütig und energisch einzutreten.“ Ueber die Aussichten der Schiffahrtsabgaben wird gemeldet, daß die erforderliche Mehrheit im Bundesrat auch dann gesichert sei, wenn Sachsen und Baden dagegen stimmen sollten. Wenn die Vorlage im Bundesrat und Reichstag erledigt ist, dann sollen Verhandlungen mit den ausländischen Staaten angeknüpft werden. Bisher haben solche Verhandlungen nicht stattgefunden. Bauarb ter=Schutzkonferenz in Württemberg. Stuttgart, 23. März. Wie eine Korrespondenz berichtet, wird die württembergische Regierung demnächst eine Bauarbeiter=Schutzkonferenz einberufen, die sich mit der Frage des Ausbaues der Bauarbeiter=Schutzbestimmungen zu befassen haben wird, und in der die Organisation der Unternehmer wie der Arbeiter offiziell vertreten sein soll. Zulassung der Arbeitersekretäre bei Gericht. Die deutschen Arbeitersekretariate der freien Gewerkschaften habe'e dem Reichstag eine Petition, unterbreitet, in der darum gel##n wird, Arbeitersekretäre zur mündlichen Verhandlung von Gericht zuzulassen. In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß zahlreiche Arbeiter infolge mangelhafter Schulbildung nicht befähigt sind, alles so zu Papier zu bringen, wie es zu einer verständlichen Sachdarstellung nötig erscheint. Diese Verhältnisse zwingen vielfach Arbeiter, sich an Winkeladvokaten zu wenden, deren Rechtsbeistand meistenteils sehr zweifelhafter Natur ist, ganz abgesehen davon, daß dadurch auch Kosten entstehen. Es wird dann darauf hingewiesen, daß ein: Anzahl Gewerbegerichte Arbeitersekretäre als Vertreter grundsätzlich zurückweisen. Staatliche Unterstützung für Arbeitsnachweisverbände. Die Regierung soll sich mit der Absicht tragen, soweit Mittel dazu verfügbar sind, den Arbeitsnachweisverbänden finanzielle Zuwendungen zu machen. Wenn die Erfahrungen, die damit gemacht werden, den Wünschen und Forderungen der Regierung entsprechen, dann soll künftig ein fester Posten für diesen Zweck in den Etat eingesetzt werden. Aus dem Reichstag. In der Finanzkommission begann Dienstag die Beratung des Gesetzentwurfs über die Branntweinsteuer, den die Subkommission ausgearbeitet hat. Die Konservativen und das Zentrum traten gegenüber diesem Entwurfe für die Beibehaltung der Kontingentsspannung von 20 Mk. pro Hektoliter, also für die Liebesgabe an die Branntweinbrenner, entschieden ein. Abg. Speck erklärte, für das Zentrum sei der Entwurf unannehmbar, wenn die Spannung beseitigt werde. Die Freisinnigen beantragen eine allmähliche Beseitigung der Liebesgabe, eine Herabsetzung der Spannung bis auf 5 Mk. im Jahre 1919. Die Regierung tritt für ihre Monopolvorlage ein, will aber an dem vorliegenden Gesetzentwurfe mitarbeiten, um auf Grund dieser Vorlage der Subkommission eventuell etwas Annehmbares zustande zu bringen. 100 Millionen Mark müßten aber unbedingt mehr aus dem Branntwein herausgeschlagen werden. Der baperische Bundesratsbevollmächtigte v. Kohl erklärt, daß die bayerische Regierung dem Entwurf der Subkommission nicht zustimmen könnte. Sie forderte Beibehaltung der Spannung von 20 Mk., also der bisherigen Liebesgabe. Außer dem württembergischen Regierungsvertreter erklärt auch der badische den Entwurf für unannehmbar.— Es ist also nicht ausgeschlössen, daß man auf den Monopolentwurf der Reichsregierung zurückkommt. Stimmen zur Reichsfinanzreform. Aus allen Teilen des Deutschen Reiches laufen fortgesetzt Nachrichten ein über Versammlungen von Angehörigen bürgerlicher Parteien. in denen mit allem Nachdruck eine Regelung der Reichsfinanzreform auf der Brundlage verlangt wird, daß auch direkte Reichssteuern eingeführt werden sollen. Insbesondere sind es Versammlungen von Anhängern der freisinnigen Parteien, die mit Nachdruck betonen, daß an der Nachlaßsteuer festgehalten werden müsse, selbst auf die Gefahr hin, daß dadurch der Block zerfalle. Bemerkenswert unter den letzten Kundgebungen ist eine Resolution der sächsischen evangelischen Arbeitervereine, die freudig bereit sind, auch eine weitere indirekte Belastung auf sich zu nehmen. Tonangebend sind in diesen Vereinen allerdings eine Anzahl Pastore., die Arbeiter selbst haben eigentlich nicht viel zu sagen. Aber selbst diese Arbeiter verlangen, daß die Nachlaßsteuer unbedingt durchgeführt wird.— Unterdessen hat ein Mitglied des preußischen Herrenhauses eine neue Gefahr entdeckt, die durch die Nachlaßsteuer hervorgerufen wird. Es sagt in einem Artikel, den die„Kreuzzeitung“ veröffentlicht: Wenn die Nachlaßsteuer eingeführt oder die Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten ausgedehnt wird, so kommt im Falle des Krieges zu den Sorgen, mit welchen einberufene Militärpflichtige ihre Angehörigen verlassen, die Frage, wer wird sich der Hinterbliebenen annehmen? Die Klassen, welche verhältnismäßig die meisten Wehrpflichtigen stellen.— und das sind die ländlichen—. haben im Kriegsfalle die meisten Todesfälle und werden daher durch die Nachlaßsteuer ungleichmäßig hart getroffen. Wenn der Soldat sein Leben für Kaiser und Vaterland opfert, dann wird obendrein der Gedanke sein Herz beschweren, daß die Seinen, wenn er fallen sollte, Erbschaftssteuer bezahlen müssen.— Man muß es der besitzenden Klasse lassen: Wenn es gilt, Gründe ins Feld zu führen, um sich vor Steuern zu drücken, dann sind sie außerordentlich produktiv. Die Agrarier über das Branntweinsteuerkompromiß. Die„Deutsche Agrarkorrespondenz“ des Herrn Klapper ist mit der Aenderung, die die Branntweinsteuervorlage in der Subkommission der Finanzkommission erfahren hat, durchaus nicht einverstanden; sie schreibt: „Es scheint, als solle die deutsche Landwirtschaft für ihre grundsätzliche Bereitwilligkeit, eine großzügige?!) Finanz= reform mit dem vollen Erfordernis von 500 Millionen schaffen zu helfen, dadurch abgestraft werden, daß man die ihrem wichtigsten Industriezweige, dem Brenngewerbe, zugedachte schwere Sonderbelastung in die denkbar schäbigste Form kleidet. Der an Stelle der Monopolvorlage von der Finanz=Subkommission ausgearbeitete Entwurf muß von der Landwirtschaft prinzipiell abgelehnt werden. Die Gründe hierfür sind von der Steuerkommission des Verwertungsverbandes deutscher Spiritusfabrikanten in ihrer letzten Sitzung, durch einstimmigen Beschluß, wie folgt dargelegt worden: „Die Vorschläg. der Subkommission, die der Finanzkommission des Reichstages als Unterlage für die weiteren Beratungen für eine höhere Besteuerung des Branntweins dienen sollen, müssen als für das Brennereigewerbe unannehmbar bezeichnet werden, 1. weil durch die große Mehrbelastung ein starker Rückgang des Trinkbranntweins eintreten muß, und infolge davon die bisherige Produktion der Brennereien nicht annähernd aufrecht erhalten werden kann; 2. weil dadurch nicht nur jede Sicherheit für einen auskömmlichen Preis fehlt, sondern im Gegenteil ein Druck auf die Preise eintreten muß; denn auch die an sich hohe Vergütung für den vergällten Branntwein wird in absehbarer Zeit den Rückgang an Trinkbranntwein selbst bei niedrigen Preisen nicht mehr ausgleichen können, aber erst mit diesem Ausgleich können auskömmliche Preise erreicht werden; 3. weil dieser Preisdruck in Verbindung mit einer Kontingentspannung von nar 10 Mk. zur völligen Vernichtung des Brennereibetriebes in Süd=, West= und Mitteldeutschland führen muß; 4. weil nicht angenommen werden kann, daß mit dem gegeplanten Gesetz die Bennruhigung des Brennereigewerbes aufhören wird, die nun schon Jahrzehnte znhält und 5. weil die gewerbliche Brennerei in diesem Gesetzentwurf den landwirtschaftlichen Brennereien gegenüber zu sehr bevorzugt, wird.“ Nach einer Begründung dieser Resolution fährt die„Agrarkorrespondenz“ fort: „Daß sich das deutsche Brennereigewerbe gegen das Monovol sträubt, daß es sich nur widerwillig dem damit verbundenen Opfer seiner Unabhängigkeit fügen würde, ist nur zu verständlich. Aber wir meinen, daß sich die Verhältnisse geändert haben. Heute bleibt uns keine Wahl. Was für das Gewerbe herauskommt, wenn es das Monopol ablehnt, sehen wir an dem uns vorliegenden Entwurfe. Das süddeutsche Brennereigewerbe hat die Folgerungen hieraus auch bereits gezogen und sich einmütig für das Monovol erktärt. Das ist natürlich, denn das süddeutsche Gewerbe ist es, das in erster Linie und am schwersten durch den neuen Entwurf geschädigt wird. Aber wir meinen, daß das ganze Gewerbe jetzt wohl Ursache hat, in ähnlicher Weise Stellung zu nehmen. Der Kelch einer starken Vermehrung der durch das Gewerbe aufzubringenden Steuerbelastung geht nun einmal nicht an uns vorüber. Die einzige Form, unter der sie aufgebracht werden kann, ohne daß die Existenzbedingungen des Gewerbes vernichtet werden, ist das Monopol; deshalb halten wir es an der Zeit, daß wir nunmehr für das Monopol eintreten.“ Die politische Situation auf dem Balkau wird nicht zum Kriege führen. Dagegen nutzt Oesterreich die Gelegenheit voll aus, seinen Rivalen Rußland um den Rest seines Ansehens zu bringen. Daß die Serben, und wenn auch erst in letzter Stunde, einlenken werden, gehi aus folgender Nachricht hervor: Wien, 23. März. Eine hiesige Korrespondenz meldet aus Belgrad: Gestern berief König Peter den Kronprinzen Georg zu sich und halte mit ihm eine zweistündige Konferenz. Es verlautet aus der Umgebung des Königs, daß der König dem Kronprinzen sehr scharfe Vorstellungen wegen seines provokatorischen Auftretens gemacht habe. Die Unterredung zwischen dem König und dem Kronprinzen endete mit einem sehr scharfen Konflikt. Kronprinz Georg erklärte:„Ich teile die Ansichten des gesamten serbischen Volkes und trete für dasselbe ein, weil ich sein zukünftiger König bin.“ Die österreichische Regierung glaubt aber selbst nicht an Krieg: Wien, 23. März. An der Börse für landwirtschaftliche Produkte wurde heute folgende offizielle Mitteilung des landesfürstlichen Kommissärs verlautbar, es sei kein Grund vorhanden, die Situation ernster aufzufassen als vorige Woche, denn die Bemühungen der Mächte gehen fortgesetzt dahin, Serbien zum Einlenken zu veranlassen. Endlich lassen wir noch die Nachrichten über das Vorgehen Oesterreichs folgen. Wien, 24, März. Die Situation wird an leitender diplomatischer Stelle als sehr pessimistisch aufgefaßt. Auch der englische Vermittlungsvorschlag, der Rußland eine diplomatische Niederlage ersparen sollte, kann als gescheitert betrachtet werden. In Wien erwartet man, daß der Schritt des Grafen Forgach noch Ende dieser Woche erfolgen und Serbien eine ganz kurze Frist einräumen werde, die, wenn sie Oesterreich befriedigen soll, den unbedingten klaren Verzicht auf alle Ansprüche gegenüber Oesterreich ausspricht. Gestern abend sind wieder drei Bataillone Truppen in kriegsmäßiger Ausrüstung abgegangen. aris, 2. März. Der österreichische Botschafter Khevenhüller teinte vorgestern dem Minister Pichon mit, Aehrenthal betrachte die von Sir Edward Grey verfaßte, von Frankreich, England und Rußland in Belgrad empfohlene Antwort für anbefriedigend. Oesterreich fordere die unbedingte Zusicherung des Verzichts auf jede Balkanpolitik Serbiens und Serbiens Abrüstung ohne Gegenseitigkeit, da Oesterreich erst auf Serverausforderung gerustet hat. Auf Grund des Vortrages biens Herausforderung gerüstet hat. Auf Grund des Khevenyuuers finden zwischen den drei Machten neue Verhandlungen statt. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 24. März. ntz. Bielefelder Badewesen und Badeverhältnisse. Uns wird geschrieben: Wie schon so oft— immer leider mit zu wenig Erfolg bisher— steht heute wieder einmal die Badbaufrage hier allseits auf der Tagesordnung. Seit Jahren besteht hier ein Schwimmklub, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, das gesunde Schwimmen in die Schulen als obligatorischen Unterrichtsgegenstand einzuführen und für Bielefeld bessere Badeverhältnisse herbeizuführen. Man muß es anerkennen, der Verein leistet, was er kann, 3000 Schüler, Heerespflichtige, Lehrlinge, Soldaten hat er ohne Ansehen der Person bislang in der Kunst des Schwimmens und Rettens unentgeltlich ausgebildet. Jetzt will er weitergehen, zum 17. April ladet er alle Parteien, Behörden, Lehrer und Freunde gesunder Körperübungen zu einem Lichtbilder=Volksvortragsabend abends 9 Uhr nach Brinkhoffs Tonhalle ein. Dort soll der bekannte Sportsrezitator Gustav Mökel (Berlin) die Kulturaufgabe eines neuzeitlichen Bielefelder Hallenbades besprechen. Wohlgetan hat der Schwimmklub hiermit, es war ja auch für ihn eine moralische Pflicht, er als Hauptfachmann in der hiesigen Badebewegung mußte einmal die Initiative zur Badbaufrage. ergreifen. Wie man uns mitteilt, soll am Vortragsabend eine freie Diskussion nebst Resolutionsfassung zur Bäderfrage stattfinden, auch soll ein Hallenbaufonds sofort gesammelt werden. Auch diese Spendensammlung ist freudigst zu begrüßen, kann doch leider für gesunde Leibesübungen— wie es bekanntlich ja der Schwimmsport, diese Atemgymnastik mit Wasserturnen, ist— immer noch nicht kommunalseitig Geld aufgebracht werden. Die baldige genügende Erledigung der Bielefelder Hallenbadfrage sollte aber eine der vornehmsten Aufgaben unserer Stadtbehörde sein. Unser Gemeinwesen muß einen offenen Blick für die Bedürfnisse— Zeichen der Zeit— und für die. Ferderungen der heute so notwendigen Körperkultur haben. auch Vieleseld muß endlich den Mut haben, sich im Interesse der gemeinnützigen Badfrage eventuell ein kleines zeitiges Opfer aufzuerlegen. Der Schwimmverein fordert zu einer Spendensammlung auf, der Oberbürgermeister. der Regierungspräsident Dr. Kruse und kürzlich der Stadtverordnete Höwener sagten gleichfalls immer wieder, daß hier die Frage eines Badeanstaltvaues voraussichtlich nur durch erstmaliges Aufbringen einer Badbauspende ins Rollen gebracht werden könne. Hier können nun unsere Geldleute, alle die für die Gesunderhaltung des „Volkes“ an Leib und Seele, alle die Jung=Bielefeld eine Wohltat erweisen wollen, zeigen, ob ihre Bürgertugend groß ist; ob sie wissen, was sie für Pflichten haben. Städte, in denen opferfreudiger Geist herrscht(wir haben seit 1900 in 72 Städten Westfalens und Rheinlands, meist in bedeutend kleineren allerdings. wie Oberhausen, Solingen, Rheydt, Dülken. Neuß usw., die Badefrage zugunsten der erwerbenden Massen gelöst), sehen wir einen machtigen Aufschwung, wo nicht, ist Stillstand Rückschritt. Die Besundheit der Bielefelder Bevölkerung ist aber das vornehmste und wichtigste der Güter, deren Schutz und Förderung der Stadt aber anvertraut ist, andererseits ist die Stadtgesundapital, welches.., ein modernes Hallenbad verganzen Unterführung gearbeitet wird, ist es unausbleiblich, daß nicht nur die Fuhrwerke, sondern auch die Fußgänger sich andere Wege suchen müssen, weil der Uebergang für den gesamten Verkehr gesperrt werden wird. Auch für die Unterführung im Zuge der Obernstraße nach der Kl. Bergstraße sind die Vorarbeiten im Gange. Die Villa an der Hochstraße ist schon vergangenen Winter niedergerissen worden. Jetzt werden schon die Sandsteine und die anderen Materialien für die Böschungsmauern auf dem jetzigen freien Platze zwischen Hochstraße und Kl. Bergstraße angefahren. Die Wertherstraße bekommt ja nur eine Unterführung für Fußgänger. Der Wagenverkehr soll sich durch die Unterführung von der Kl. Bergstraße nach der Obernstraße und durch die Bürgerweg=Unterfuhrung bewegen. Diese Fußgänger-Unterführung wird wohl erst in Angriff genommen werden, wenn die beiden zuletzt genannten Unterführungen fertiggestellt sind. Betreffs der Unterführung vom Fußbach nach der Friedhofstraße ist zwischen Eisenbahnverwaltung und Stadt noch keine vollständige Einigung erzielt. Am Langenhagen ist die Brücke über die Bahn fertiggestellt. Gestern abend sind die Steinsetzer mit ihren Arbeiten fertig geworden, so daß sie auch dem Verkehr für Fuhrwerk übergeben werden kann. Außer einem ziemlich breiten Fahrdamm hat die Brücke auf jeder Seite jetzt ein 1½ Meter breites Trottoir. An der Auffahrt ist die Straße jedoch zu schmal, es können hier nicht einmal zwei entgegenkommende Fuhrwerke aneinander vorbei kommen. Hier muß von beiden an der Ecke liegenden Gärten ein Stückchen weggenommen werden. Der Bau des zweiten Bogens am Hallerweg ist soweit gediehen, daß jetzt mit dem Füllen des Gewölbes mit Erdmassen begonnen ist. Mit dem Abbruch des alten Bogens, der noch neben dem neuen steht, kann jetzt angefangen werden, da, wie schon gesagt, der Verkehr über den ersten Bogen geleitet werden kann. Ehe die Eisenbahnverwaltung mit dem Verlegen der vier Geleise nach Brackwede beginnen kann, wird noch eine geraume Zeit vergehen. e) eine Erhöhung der bestehenden Rohtabaksteuer## des Rohtabakzolls nach dem Gewicht, eventuell in welch Höhe? 46 3. Welche Vergünstigungen sollen dem Rauch=, Kau= und Schnupftabak eingeraumt werden? 4. Soll eine höhere Besteuerung der Zigaretten stat, finden: a) durch Erhöhung des Zolls auf türkischen Tabak? bl durch Erhöhung der Vanderolensteuersatze? Fragen über die Wirtungen der eventueuen. Steuern auf die Arbeiter sind aber ganz beiseite gestellt. Mögen die Taoa.. arbeiter bluten, danach fragten Speck und Müller nicht. Die wes. fälischen Tabakarbeiter meinen nun, Röös solle erst mal sen Zentrum gegen die Tabalsteuer gewinnen und dann hier i# Westfalen protestieren. * Halle, 23. März. Kühnemund verhaftet? Unter dem Verdachte, der flüchtige Postassistent Kühnemund aus Ahlbeck zu sein, der bekanntlich wegen Unterschlagung von 140000 Mt. seit dem 12. Februar steckbrieflich verfolgt wird und auf dessen Ergreifung eine Belohnung von 3000 Mk. ausgesetzt ist, wurde, wie dem„General=Anzeiger berichtet wird, gestern vormittag in Werther der angebliche Reisende K. aus Erfurt verhaftet und dem hiesigen Amtsgerichte zugeführt. K. hat eine frappante Aehnlichkeit mit dem Gesuchten, ist auch von derselben Größe und erregte die Aufmerksamkeit des ihn verhaftenden Gendarmen hauptsächlich durch seinen sächsischen Dialekt; außerdem trug er einen geladenen Revolver bei sich, ohne im Besitze eines Waffenscheins zu sein. Auch sonst fehlen ihm jegliche Legitimationsvapiere. Aus Bielefeld wurde im Laufe des Nachmittags ein Photograph hierher beordert, um ein Bild von dem Verhafteten aufzunehmen. Bisher ist das Ergebnis über die sofort angestellte Untersuchung noch nicht bekannt. d.— Gewerbegericht(Land). Vergleichsverhand lung vom 23. März. Der Bäcker M. klagt gegen den Bäckermeister Wulfhorst in Sieker auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 7,10 Mk. Kläger verlangt außerdem wegen kündigungsloser Entlassung eine Entschädigung von 48 Mk. Gegen den Beklagten wird Versäumnisurteil erlassen.— Der Gerber Sp. klagt gegen den Gerbereibesitzer Momphof in Isselhorst wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 36 Mk. Ferner fordert Kläger 3 Mk. an rückständigem Lohn. Der Beklagte behauptet, er habe den Kläger nicht entlassen, sondern dessem Angebot, die Arbeit aufzugeben, zugestimmt. Die Parteien vergleichen sich, der Kläger erhält 5 Mk.— Der Arbeiter H. klagt gegen den Stein bruchunternehmer Galo in Übbedissen auf Zahlung des Restlohnes im Betrage von 29,86 Mk. Der Beklagte erkennt die Forderung an und verpflichtet sich, 10 Mk. bis zum 1. April und den Rest bis zum 1. Mai zu zahlen. ..— Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute findet das Gastspiel des Königl. Bayer. Hofschauspielers Max Hofvauer in seiner Glanzrolle„Mathias Gollinger" stakt. Ludwig Thomas geistvolle Komödie„Moral“ wird morgen zum letzten Male gegeben. Sonnabend gastiert der Königl. Schauspieler und Regisseur Max Wegner vom Hoftheater in Hannover als Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Diese Vorstellung findet trotz dem Gastspiele zu kleinen Preisen statt, um auch den Besuchern dieser Volksvorstellungen einmal einen außergewöhnlich bedeutenden Abend zu bieten. * Gütersloh, 23. März. Gewerkschaftskartell. In der Sitzung vom 20. März waren alle Delegierte, außer einem der Zimmerer, der entschuldigt war, anwesend. Auf eine würdige Feier des 1.Mai sollen die Delegierten in ihren Mitgliederversammungen hinweisen und dafür sorgen, daß sich am Abend des 1. Mai die Gewerkschaftler mit Frauen im Verkehrslokale zu einer Versammlung, in der ein Referat über die Forderungen des Tages gehalten wird, einfinden. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein. Es soll weiter eine Rundfrage stattfinden, ob es nicht möglich ist, im Juni oder Juli mit der Partei und dem Arbeitergesangverein ein Garten= Wald- oder Wiesenfest abhalten zu können. Säle sind ja hier für die „Roten, nicht zu haben. Zum Zwecke der Errichtung einer Verkaufsstelle des Bielefelder Koniumvereins sollen Listen zirkulieren zur Einzeichnung. 200 bis 250 Mitglieder würden zur Eröffnung einer Filiale genügen, und damit würde auch in der Konsumfrage hier Bresche geschlagen. Mögen die Delegierten auch weiter immer so pünktlich zur Sitzung erscheinen und gewissenhaft mitarbeiten, damit es auch hier vorwärts geht. doppelt wird Phir sches durch ein moderges Hal dem oft geforderten Bau einer der Neuzeit Serlische Gefrnöbeiti 0rder Bielefelder gehoben, sondern doch stets auch durch Gesunderhaltung wieder die wirtschaftliche und die geistige Kraft, vor allen Dingen wird aber uns— der arbeitenden Bevölkerung— eine große Wohltat durch genügende Badegelegenheit gebracht, alle Bielefelder, die durch die Art ihres gebenserwerbes, in Schmutz, und Staub zu arbeiten haben, die sich ein Hausbau nicht zu ltsten vermögen, verlangen jetzt, Badaebe######zs ein billiges, erfrischendes ### Von den Bauten der Eisenbahnverwaltung in unserer nimmt das größte Interesse der Bau des Bahnhofsgebäudes in Anspruch, weil auf dem Bahnhof jeder mehr oder tun hat, während bei den verschiedenen Unter= und Ueberführungen der Bahn hauptsächlich nur die Interessen der Bewohner der jeweiligen Begend oder der Personen, welche wegen Aufsuchens ihrer Arbeit oder dergleichen die betreffende haben, in Betracht kommen. Nachdem im vorigen Monat der erste Flügel des Empfangsgebäudes fertiggestellt und zur Aufnahme der Dienst= und Warteräume provisorisch hergerichtet war, wurde auch direkt der Umvollzogen und der letzte Rest des alten Empfangsgebäudes niedergerissen, auf dem sich jetzt schon wieder die gewaltigen EisenkorFmypfangsgeßändes Fiden weilche den Mittelbau des weit über 100 Personen sind bei Maurer= und Montierungsarbeiten beschäftigt. . Die Unterführung im Zuge der Arndtstraße(Schipkapaß) ist schon seil vielen Wochen für den Fuhrverkehr gesperrt. Die Arndtstraße wird unter der Bahnüberführung etwa einen Meter tiefer gelegt, wodurch das Fortschaffen großer Erdmassen notwendig wurde, auch von der Mindenerstraße muß deswegen eine Har'shitiserung begünstigt. dossentlich nehmen, von der Winlerung erganstig und da jetzt die volle Arbeitszeit ge„perden kann, die Arbeiten einen schnelleren Fortgang, dumn enblich der kolossale Verkehr dort geregeltere Verhältnisse bald anderthalb Jahr ist die Bauerei dort im Gange, die Verraunisse sind dort schlecht genug gewesen, und es wäre zu wünschen, daß es dort bald besser wird. Ernstlich kann auch an die Unterführung am Bürgerweg nicht Ergngegangen werden, bevor nicht an der Arndtstraße alles in ###ung ist. Aber auch am Burgergeg,wird schon tüchtig vorgeurbeitet, vor dem Grundstück von Juodeberg sowohl wie auf der anderen Seite vor dem Merfeldschen werden schon die Böschungsmauern gezogen. In nächster 5# — Polizeibericht. Der gestrige Viehmarkt war mit 18 Pferden. 98 Rindern und 1926 Schweinen betrieben. Es wurder gezahlt für: Pferde 200 bis 400, Rinder 150 bis 450, Schweine(6 bis 8 Wochen alte) 16 bis 24, Schweine(Stangen) 30 bis 48, Schweine(Zuchttiere) 58 bis 120 Mark. Der Handel, besonders auf Schweine, war ziemlich flott. Festgenommen wurden 5 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs, Sachbeschädigung und Obdachlosigkeit, 20 obdachlose Wandere janden im Pol.=Gef. hier Unterkunft. Gefund##: 1 Damenhandtasche; 1 Brosche; 1 Damenportemonnaie mit Inhalt: mehrere Damen=Hautjacken; 1 Trauring; 1 Portemonnaie mit geringem Inhalt; 1 Pferdeleine; 1 Damenportemonnaie mit geringem Inhalt; 1 Taschenmesser; 1 geringer Geldbetrag. Zugelaufen: 1 Terrier. Verloren: 1 silberne Damenuhr mit Goldrand; 1 Paar weiße Glacshandschuhe. Plötzlicher Tod. Am 22. dieses Monats, gegen 3½ Uhr nachmittags, brach auf dem hiesigen Hauptbahnhofsplatze eine bisher nicht rekognoszierte, ungefähr 70 Jahre alte Frau zusammen. Sie wurde sofort in ein anliegendes Haus getragen, woselbst sie nach einigen Atemzügen verschied Die Person führte folgende Sachen bei sich: einen Damenregenschirm eine schwarze Tasche, enthaltend ein mit dem Stempel der Firma d. Beaort., Herford, versehenes schwarzes Futteral mit einer blauen Schutzbrille, eine Nickeluhr, Nr. 982342, mit langer Nickelkette, an welcher sich ein Anhängsel mit Frauenkopf befand, eine goldene Brosche mit großem, dunklem Steine, welcher in der Mitte gesprungen ist. Sachdienliche Mitteilungen über die Person der Verschiedenen nimmt die Polizeiverwaltung hier entgegen Versammlungen. Herford. Holzarbeiter. Donnerstag, 25. März, abends 6½ Uhr, bei Liedtke: Vertrauensmannersitzung. In Nüchster Jeit, wenn erst an der Bielefelder Stadttheater. Sozialdemokratischer Verein. Bezirksversammlungen. 10. Bezirk, Stift Berg: Donnerstag, 25. März, abends 8½ Uhr, bei Frieda Schröder. 9. Bezirk. Eimter= und Mindenerstraße: Freitag, 26. März, abends 8½ Uhr, bei Sieker. 4. Bezirk, Ahmserstraße: Sonnabend, 27. März, abends 8½ Uhr, bei Freitag. 5. Beziz u hr. gez Wner Freßer, Sonnabend, 27. März, abends 6. und 7. Bezirk, Engerstraße: Sonnabend, 27. März, bei Lucking, 8. Bezirk, Govenstraße, Benterweg: Sonnabend, 27. März, bei Fuhrmann. Tages-Ordnung: In sämtlichen Versammlungen Vorträge. Gusspie 139: 23. März: Die beiden Leonoren, glaubuich in 4 Aufzügen von Paul Lindau. Dieses Stück ist unin irgend weicher P=ise, beiden Leonoren denkt man, stehen Gegensätze. I bewahre enander gegenüber, repräsentieren „A#### wuure, es sind Mutter und Tochter, von denes Fe es derieshanslirtei und die Tochter geheiratet wird, und zwar noch der Mann znd F junse Mann, der beides besorgt. Dazu jungen Schwerenötersute der beiden Leonoren, der Ontel des aus diesem Material He1sarzt und eine Gonvernante, Stück einen Aufzug statt Her);; gurecht gerührt. Wenn das viel. Einige schnoddrige Redensarf du ir es auch noch dn Brei schmackhaft machen. aus Verlin W sollen den „Sisis prniähs großartig. Willo Schweisguth, als der Onkel U..„usaus als die jüngere Leonore waren Benefizianten und erhielten ihren wohlverdienten Blumenladen. Melly Stollberg als die ältere Leonore war wieder einmal entzückend Karl Krois gab den Justizrat recht lebenswahr; ebenso Heinrich Albers den Hausarzt. Für den Schwerenöter hätte Emil Landerer ein klein wenig mehr Feuer aufwenden können. Interessant war uns, daß das Stück mit aufgespannten Regenschirmen endigt, ein großartiger Effekt, den spater Blumenthal und Kadelburg für das Weiße Röss'l benutzt hoben. Der christliche Röös in der Klemme. Die Tabakarbeiter wissen, daß der Agitator der christlichen abakarbeiter, Herr Röös, katholisch ist und sich zum Zentrum bekennt. Röös macht bekanntlich jetzt in Protestversammlungen gegen die geplante Tabaksteuer. Das Zentrum hat nun zwei Vertreter in der zur Beratung der Tabaksteuer eingesetzten Subkommission, die Herren Speck und Müller=Fulda. Die Beratungen dieser Subkommission sind geheim. Trotzdem ist das Verhalten der beiden Zentrumsleute bekannt geworden. In der S S##, son hat das Zentrum sich schon für die Belastung des Tadais ausgesprochen. In der Subkommission hat es den Verhandlungen folgende Fragen zugrunde gelegt: 1. Welche Mehreinnahmen sollen aus der anderweitigen Besteuerung des Tabaks erzielt werden? 2. Welches Steuersystem soll der Steuererhöhung zugrunde gelegt werden: 4) die Banderolesteuer, eventuell mit welchen Sätzen? b) eine Fabrikatsteuer nach der Vorlage von 1894? e) ein Wertsteuerzuschlag zu dem besteyenden Rohtabakzoll resp. der Rohtabaksteuer, eventuell in welcher Höhe? .„ d) ein differentieller Zoll für die verschiedenen Herkunftstander: Sumatra, Java, Kuba, Brasilien, Nordamerika, Griechenland und Türkei,— eventuell mit welchen Zoll* Dünne, 23. März. Pastor v. Bodelschwingh ist laut„Bünder General=Anzeiger“ vom 20. März durch einen „Ruf“ seiner hiesigen Pfarrstelle enthoben. Es heißt hier, daß v. Bodelschwingh nach Afrika ginge. Pastor v. Bodelschwingh erfreut sich durch seine freimütige Kritik an den traurigen Arbeitsverhältnissen in der Tabakindustrie auch bei den Arbeitern hoher Achtung und Beliebtheit. Man will wissen, daß v. Bodelschwingh wegen der obengenannten Kritik, worin die heutige kapitalistische Produktionsweise sehr getroffen wird, seinen Abschied habe nehmen müssen. Eine Klarstellung wäre unbedingt nötig. * Lage, 23. März. Amtsgemeinderatssitzung vom 22. März. Die Eisenbahnfrage wurde, ebenfalls wie in den Amtsgemeinderatssitzungen in Detmold und Horn, vertraulich beraten. Der Amtsgemeinderat bewilligte 200 Mark für die Ueberschwemmten in der Altmark, für die in SchwarzburgRudolstadt 100 Mark. Für die Landwirtschaftliche Winterschule in Lage wurden 200 Mk. bewilligt. Betreffs der Steinlieferungen für die Wege des Amtes wurde beschlossen, den Lieferanten aufzugeben, nur gute unausgesuchte Ware zu liefern. Den Polizeidienern des Amtes soll die Zeitschrift„Die Polizei“ frei zur Verfügung gestellt werden. Dem Polizeidiener in Augustdorf wurde das Kleidergeld um 50 Mk. erhöht. Es wurde ferner beschlossen, die gewerblichen Unternehmungen des Amtes Lage zu den Unterhaltungskosten der Kommunalwege heranzuziehen. Dem Antrag auf Umgemeindung des Kolonats Pollmann Nr. 6 in Wissentrup nach Billinghausen wurde zugestimmt. Der vom Verwaltungsamt Blomberg ausgearbeiteten Verordnung betr. die Vertilgung der Ackerdiestel wurde ebenfalls zugestimmt. An den in diesem Jahre stattfindenden Obstbaukursen des Obstbauinspektors Hagemann sollen die Obstbaumreviioren des Amtes wieder teilnehmen. Für die Errichtung eines Bandel=Denkmals bewilligte der Amtsgemeinderat 150 Mark. Zu Sachverständijen betr. Ablösung von Holz= und Streuberechtigungen wurden Oberinspektor Kützemeier, Landwirt Krahwinkel=Hörste und Landwirt Niemeyer=Orbke gewählt. Zu Vertrauensmännern für die Auswahl von Schöffen und Geschworenen wurden Landwirt Meier=Ohrsen, Leibzüchter Müssemeier=Müssen, Landwirt Moritz=Heiden, Landwirt Brüggemann=Hagen, Landwirt Windmeier=Nienhagen und Landwirt Hüsemann-Hörstmar ernannt. Zum Impfarzt für das Amt Lage wurde Dr. Buchholz=Lage gewählt. Es soll ein Kostenanschlag über die Beseitigung der scharfen Kurve am Kommunalwege in Hörste angefertigt werden. Dem Gesuch der Anstalt Bethel um einen Unterstützungsbeitrag wurde nicht entsprochen. Für die Anstellung der Amtsunterbeamten soll die Wegebau= und Rechnungsrevisionskommission das vorliegende Statut ausarbeiten. *Detmold, 23. März. Die Generalversammlung der allgemeinen Ortskrankenkasse der versicherungspflichtigen Arbeiter der Stadt Dermold fand gestern abend im„Preußischen Hofe“ statt. Der Besuch der Vertreter ließ sehr zu wünschen übrig. Am schlechtesten beteiligten sich die Arbeitnehmer, es waren von 180 nut 18 erschienen. Aus der Jahresrechnung für 1908 seien die wichtigsten Zahlen wiedergegeben: Die Gesamt=Einnahme betrug: 46 256,34 Mark, davon aus Beiträgen der Arbeitnehmer und Arbeitgeber 34 390,28 Mark. Dem stand eine Gesamt=Ausgabe von 45 466,29 Mark gegenüber und zwar für Arzthonorar: 8632,05, für Apotheken 4593,23 Mark, an Krankenanstalten 4561,45 Mark, an auswärtige Kranke 1037,31 Mark, an Krankengeld 8446,96 Mark, an Angehörige der Kassenmitglieder 139 Mark, Unterstützung an Wöchnerinnen 440,90 Mark, Sterbegeld 620,40 Mark, Verwaltungsausgaben persönliche 1745,85 Mark, sächliche 283.27 Mark Erwerbsunfähig krank waren 398 männliche Kassenmitglieder 6541 Tage und 248 weibliche Kassenmitglieder 4947 Tage. Gestorben sind 10 männliche und 3 weidliche Mitglieder. Wöchnerinnen=Unterstützung zahlte die Kasse an 14 Mitglieder. Der Reservefonds hat sich um 4617,74 Mark erhöht und beträgt jetzt 12 290,05 Mark. Die Revisoren hatten schriftlich Bericht erstattet, alles in Ordnung befunden und bemängelten nur, daß die Aufsichtsbehörde keine Revision vorgenommen habe.— Herr Lobeck(Vertreter der Arbeitgeber wurde an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Theopold in den Vorstand gewählt. Den neuen Vertrag mit den Zahnärzten##r# nehmigte dn Genekarrram Wanach haf en Kane“ lich 9000 Werin sahlen non diesem Bet die Generalversammlung. Danach hat die Kasse lich 3000 Murt zu Zühlen, von viesem Verrage erhalten die Zahnärzte ½ und die Zahntechniker ½. * Isenstedt, 22. März. Der Kampf gegen die Areiterbewegung. Wenn Arbeiter für bessere Lebensderterorwegung., Winn arbener far.. bedingungen kämpfen oder sich gegen Verschlechterungen ihter Lohn= und Arbeitsbedingungen wenden, so fanden sie in den Geistlichen fast immer ihre Widersacher. Anstatt auf sziez der Mühseligen und Beladenen zu stehen, finden wir Herren fast immer auf seiten der Feinde der Arbeiter. Wavrend der preußische Staat den Vastoren 12 Millionen Herren fast immer auf seiten der Feinde der Arbeiter. kene*e Peenpische Staut ven Pusigten 12 Minlonen Bzrghen gemacht hat, sehen die Isenstedter Tabakarbeiter einer gemacht hat, sehen die Isenstedter Tabakarbeiter einer Zukunft##n#i Eabuimunttee durch, neue Nr. 70. Deutsche (Eige 232. Sitzung vom Diensto Am Bundesratstisch: v. Fortsetzung der zweiten beginnend mit dem Kapitel technische Institute". Abg. Dr. Will(Ztr.) t Arbeiter in den Militärwer privates Fortkommen erschn Vorgehen des Vorstehers de welcher den Arbeitern verbo bei berief er sich auf das? Dieses ist eine direkte Verle beiter müssen gegen solche Zustimmung i. Ztr. u. b. d. energisches Wort sprechen. Generalmajor v. Locho des Gebrauchs der französise Abg. Böhle(Soz.): I eine Resolution angenomme Arbeiten nur an solche Firn Vorschriften und die Lohnta verfährt aber keineswegs na auf Billigkeit. Ein besonder tilleriewerkstatt in Spandau Wunderlich vergeben hat. I für diese Arbeit 1,07 Mk. bei Die Firma Wunderlich dage dem die Arbeit an einen Z wo sie dann für 60 Pfg. herg sache von italienischen Arbei solcher abscheulichen Lohndr waltung nicht hergeben.(Le liche Fälle liegen auch an zahlte eine Firma, der Liefe beitern nur einen Lohn von Als die Arbeiter erklärten, zu können, wurden der Firn hört! b. d. Soz.) Das ist politik.(Lebh. Zustimmung sprechen nicht dem im Vorja ständnis der Militärverwal der Garnisonverwaltung hal und die überwiegende Mehrz mal 700 Mark.(Hört, hört! lazaretten werden vielfach? haben dort 543 einen Jahr keinen Fall wird man behau tung in der Sozialpolitik obIm vorigen Jahre habe bracht und der Militärv# Material unterbreitet. Offi keine Nachricht bekommen. ich unter der Hand erfahre genannten Vizefeldwebel K wurde, wobei es sich aber n delte, sondern nur darum, z demokraten das Material ge Am Freitag sagte der Beschwerde an jeden Vorgest sollte eines Tages nach der 2 an seiner Arbeitsstelle gewes er drei Tage Arrest. Nack schwerte er sich und brachte; Tage Arrest.(Hört, hort! schwerte er sich wieder, vor nicht vernommen waren. Hört, hört! b. d. Soz.) O Instanzen gegangen ist, wei geradezu unwürdige Behand Ein paar Worte über di Militärwerkstätten. Die 9 auf dem Papier sehr gut ar Vorsitzenden des Ausschusses du legst das Amt nieder ode Sozialer Roman au entgegen, weil die Tavakindustrie durch neue Ste#cz, geschropft werden son. Der Tabakarbeiter son bluten. Isenstedter sandten deshalb 2 Kollegen als Delegierte zun „Bitte sehr, ich bin nich dein reicher Zehn=Millionen dessen Gesicht ein leicht „Bulle“, der sich nicht schere von der Börsenspekulation n Schulweisheit nur träumen mit dem Gebiet der Börse sie bis in ihr innerstes Get doch selbst nicht im Ernst zu wagen könnte, von dem ich ni glauben, wenn ich dir versiche leines täglichen Börsenbesuck „Na, dann man zu, gri zu gut kannte, um eine zweck ihm bereits festbeschlossenen! wird die Spezialität sein, beabsichtigt?“ „Weizen,“ erwiderte Win „Weizen?“ Verblüfft rie willst du„bullen"? Barm sprochen, Winston, gestehe es mit mir treibst, denn es fäll nehmen. Weizen! Hast du dachtnis bekommen und verg reise als Ausdruck deiner Uel die Männer, die das Haupt brauche deine eigenen Worte lationen ausersehen, gehängt den verdienten. Ist es nicht den Weizen„bullen“ und d daß der Arme seine Morge Kikreskops zu entdecken ver vir über die Absichten der nich der Zufall im Klub ein von Swift empfangen hatte, um die Ernteaussichten zu Brief nicht vergessen, und di gemeinsame Sache machen. deine Sinnesänderung!“ 9.1330 weiß, ich weiß,“ en hani, nicht vergessen, dem u„Ja, ich werde wie Lei 8100—. „Aber zu welchem Zweck anderer wäre, würde ich m gerade du, der du das Geld Nohtabafftener un# wentuell in welchn# Rauch=, Kau= und r Zigaretten statz, irkischen Tabak? uersätze? en. Steuern auf die Mögen die Taoa., iller nicht. Die wes. solle erst mal se.n und dann hier i# rhaftet? Unter nemund aus Ablbeck s von 140000 zird und auf dessen usgesetzt ist, wurde, gestern vormittag aus Erfurt verührt. K. hat eine auch von derselben ) i h n v e r h a f t e n d e n schen Dialekt: bei sich, ohne im fehlen ihm jegliche im Laufe des Nachein Bild von dem Ergebnis über die kannt. ftskartell. In sierte, außer einem Auf eine würdige Ritgliederversammch am Abend des Verkehrslokale zu r die„Forderungen der Versammlung r eine Rundfrage oder Juli mit der irten=, Wald= oder ja hier für die Errichtung einer ins sollen Listen Mitglieder würden damit würde auc# Mögen die DeleSitzung erscheinen ier vorwärts geht. elschwingh ist Närz durch einen Es heißt hier, daß v. Bodelschwing) den traurigen Ar. bei den Arheitern sen, daß v. Bodelvorin die beutige wird, seinen Abwäre unbedingt tssitzung vom falls wie in den Horn, vertraulich 00 Mark für die in Schwarzburg. liche Winterschule Steinlieferungen Lieferanten aufen. Den PolizeiPolizei“ frei zur er in Augustdorf wurde ferner beAmtes Lage uu beranzuzieben. Pollmann Nr. 6 immt. Der vom Verordnung beir. zugestimmt. An sen des Obstbausoren des Amtes Bandel=Denkmals u Sachverständitigungen wurden kel= Hörste und strauensmännern en wurden Landküssen, Landwirt Landwirt Windrstmar ernannt. Zuchholz=Lage geBeseitigung der gefertigt werden. rstützungsbeitrag der Amtsunterisionskommission ersammlung 2 der der: Stadt Derose“ statt. Der rig. Am schlechen von 180 nur g. für 1908 seien esamt=Einnahme er Arbeitnehmer ne Gesamt=Ausür Arzthonorar: Krankenanstalten irk. an Krankennmitglieder 139 kark, Sterbegeld 1745,85 Mark, aren 398 männeibliche Kasseniche und 3 weibzahlte die Kasse m 4617,74 Mark kevisoren hatten Funden und beRevision vorge: er Aubeitgeher heopold in den Zahnärzten gedie Kasse zahrten die ZahnArbensihrer den seiten diese Nr. 70. Bielefeld, Mittwoch, 24. März 1909. 20. Jahrg. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 232. Sitzung vom Dienstag, 23. März, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Einem. Fortsetzung der zweiten Beratung des Militär=Etats, beginnend mit dem Kapitel„Artillerie und Waffenwesen und technische Institute“. Abg. Dr. Will(Ztr.) tadelt die einseitige Ausbildung der Arbeiter in den Militärwerkstätten, wodurch ihnen ihr späteres privates Fortkommen erschwert wird. Der Redner tadelt das Vorgehen des Vorstehers der Straßburger Militärwerkstätten, welcher den Arbeitern verboten hat, französisch zu sprechen. Dabei berief er sich auf das Vereinsgesetz.(Hört, hört! i. Ztr.) Dieses ist eine direkte Verletzung des Vereinsgesetzes. Die Arbeiter müssen gegen solche Eingriffe geschützt werden.(Lebhafte Zustimmung i. Ztr. u. b. d. Soz.) Der Kriegsminister sollte ein energisches Wort sprechen.(Bravo! i. Ztr.) Generalmajor v. Lochow bestreitet, daß Arbeiter wegen des Gebrauchs der französischen Sprache bestraft wurden. Abg. Böhle(Soz.): Im vorigen Jahre hat der Reichstag eine Resolution angenommen, wonach die Militärverwaltung Arbeiten nur an solche Firmen vergeben soll, die die gesetzlichen Vorschriften und die Lohntarife einhalten. Die Militärbehörde verfährt aber keineswegs nach dieser Resoluton. Sie sieht nur auf Billigkeit. Ein besonders krasser Fall ist der, daß die Artilleriewerkstatt in Spandau 5000 Hufeisentaschen an die Firma Wunderlich vergeben hat. In der Artilleriewerkstatt selbst wird für diese Arbeit 1,07 Mk. bezahlt und das Nähmaterial geliefert. Die Firma Wunderlich dagegen erhält 93 Pfg. und hat außerdem die Arbeit an einen Zwischenmeister in Sachsen vergeben, wo sie dann für 60 Pfg. hergestellt wird und zwar in der Hauptsiche von italienischen Arbeitern.(Hört, hört! b. d. Soz.) Zu solcher abscheulichen Lohndrückerei dürfte sich die Militärverwaltung nicht hergeben.(Lebh. Sehr richtig! b. d. Soz.) Aehnliche Fälle liegen auch an anderen Orten vor. In Hagenau zahlte eine Firma, der Lieferungen übertragen waren, den Arbeitern nur einen Lohn von 2,10 Mk.(Hört, hört! b. d. Soz. Als die Arbeiter erklärten, zu diesem Lohn nicht mehr arbeiten zu können, wurden der Firma einfach Soldaten geliefert.(Hört, hört! b. d. Soz.) Das ist das direkte Gegenteil von Sozialpolitik.(Lebh. Zustimmung b. d Soz.) Auch die Löhne entsprechen nicht dem im Vorjahre so laut gerühmten sozialen Verständnis der Militärverwaltung. 50 Prozent der Arbeiter in der Garnisonverwaltung haben unter 1200 Mk. Jahresverdienst und die überwiegende Mehrzahl der Arbeiterinnen hat nicht einmal 700 Mark.(Hört, hört! b. d. Soz.) Auch in den Garnisonlazaretten werden vielfach Arbeiterinnen beschäftigt. Von 979 haben dort 543 einen Jahresverdienst unter 700 Mark. Auf keinen Fall wird man behaupten können, daß die Militärverwaltung in der Sozialpolitik obenansteht.(Sehr richtig! b. d. Soz.) " Im vorigen Jahre habe ich verschiedene Beschwerden vorgebracht und der Militärverwaltung auf ihren Wunsch mein Material unterbreitet. Offiziell habe ich bis zum heutigen Tage leine Nachricht bekommen.(Hört, hörtl b. d. Soz.) Doch habe ich unter der Hand erfahren, daß gegen den damals von mir genannten Vizefeldwebel König eine. Untersuchung eingeleitet purde, wobei es sich aber nicht um Aufklärung der Sache handelte, sondern nur darum, zu ermitteln, wer denn dem Sozialdemokraten das Material geliefert hat.(Hört, hört! b. d. Soz.) Am Freitag sagte der Kriegsminister, den Soldaten stehe Beschwerde an jeden Vorgesetzten frei. Der Feuerwerker Ebert sollte eines Tages nach der Behauptung eines Hauptmanns nicht an seiner Arbeitsstelle gewesen sein. Als er dies bestritt, bekam er drei Tage Arrest. Nachdem er sie abgebrummt hatte, beschwerte er sich und brachte Zeugen vor. Die Antwort war fünf Tage Arrest.(Hört, hört!] Als diese abgesessen waren, beschwerte er sich wieder, vor allem darüber, daß seine Zeugen nicht vernommen waren. Die Antwort war: 7 Tage Arrest. (Hört, hört! b. d. Soz.) Ob der Mann dann noch an höhere Instanzen gegangen ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist das eine geradezu unwürdige Behandlung.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Ein paar Worte über die Behandlung der Arbeiter in den Militärwerkstätten. Die Arbeiterausschüsse nehmen sich dort auf dem Papier sehr gut aus. Als aber ein Vorarbeiter zum Vorsitzenden des Ausschusses gewählt wurde, hieß es: entweder du legst das Amt nieder oder du bleibst nicht mehr Vorarbeiter. (Hört, hört! b. d. Soz.) Wir protestieren entschieden dagegen, daß die Militärarbeiter nicht die gleichen Rechte genießen, wie andere Arbeiter. In den Militärwerkstätten werden Frauen zu Arbeiten verwandt, die sich nicht für Frauen eignen und für die die Privatindustrie keine Frauen verwendet. Alte Leute über 70 Jahre, die ein Menschenalter hindurch in den Werkstätten tätig waren, werden kurzerhand auf die Straße gesetzt. Es heißt ganz einfach: Ihr seid zu alt. Das ist Brutalität.(Lebhafter Beifall b. d. Soz.) Wir verlangen menschenwürdige Behandlung der Arbeiter in den Militärwerkstätten.(Bravo! b. d. Soz.) „Oberst Wandel: Es ist nicht wahr, daß den Werkstättenarbeitern keine menschenwürdige Behandlung zuteil wird. (Lachen b. d. Soz.) Gegen den Vizefeldwebel König, von dessen Missetaten Herr Böhle im vorigen Jahre ein Langes und Breites hier geredet hat, ist eine Untersuchung eröffget worden. Die von Herrn Böhle angeführten Zeugen haben ihn aber meistens im Stich gelassen.(Hört, hört! rechts.) Der Feuerwerker Ebert ist wegen Ungehorsams gegen einen Dienstbefehl bestraft worden. Den Arbeiterausschüssen kommen wir nach Möglichkeit entgegen, und zahlen auch so gute Löhne als möglich ist.(Bravol rechts.) Abg. Zubei!(Soz.): Daß die Behandlung in den Militärwerkstätten eine gute ist, wird von der Militärverwaltung fortwährend behauptet. Aber ebenso fortgesetzt wird es auch widerlegt. Wenn die Arbeiterausschüsse in ihrer Tätigkeit unbehindert wären, warum stellen denn dann so häufig Arbeiterausschüsse in den Militärwerkstätten ihre Tätigkeit ein? Der Kriegsminister sagte, jeder Offizier müsse ein Gentleman sein. Der Hauptmann Schütz aber hat die Pulverarbeiter über die Tragweite ihres Arbeitsvertrages absichtlich im Dunkeln gehalten, sie aufs gröblichste getäuscht. Die Leute traten in der festen Ueberzeugung ein, daß sie nach 30jähriger Tätigkeit eine Pension beziehen würden. Zu ihrem Schrecken mußten sie erkennen, daß nach der durch den Hauptmann Schütz vorgenommenen Revision der Bestimmungen kein gesetzlicher Anspruch besteht. Die absichtliche Täuschung ist durch mehrere Gerichtsverhandlungen festgestellt. Der Militärfiskus ist bis zum Reichsgericht gegangen, um zu verhindern, daß die Leute Pension erhalten. Bei einigem Billigkeitsgefühl hätte er sie ihnen freiwillig zugestehen müssen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Während einige Landesgerichts- und Oberlandesgerichtsurteile zugunsten der Arbeiter ausfielen, entschied das Reichsgericht leider zu ihren Ungunsten. Das Beschwerderecht ist durchaus nicht geregelt. Selbst wenn eine Beschwerde als berechtigt anerkannt ist, so folgt eine wahre Leidenszeit für den betreffenden Arbeiter. Auf Schritt und Tritt wird er von Spitzeln verfolgt, und wehe ihm, wenn er sich das allergeringste zuschulden kommen läßt. In Spandau wird jedem Arbeiter und jeder Arbeiterin Entlassung angedroht, wenn sie mit der Sozialdemokratie auch nur sompathisieren.(Hört, hört! b. d. Soz.) Derartiges ist eines Kulturstaates unwürdig. Auf diese Weise werden nur Heuchler herangezogen, aber der Fortschritt der Sozialdemokratie wird dadurch nicht im geringsten aufgehalten.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Schirmer(Ztr.) bedauert die abhängige Stellung der Arbeiterausschüsse in den Militärwerkstätten, spricht die Hoffnung aus, die Witwen= und Waisenversicherung möge bald kommen, und wünscht, daß die Militärverwaltung besser für die Arbeiterwohnungen sorgt Oberst Wandel: Die Angaben des Abg. Zubeil werden nachgeprüft werden. Den Militärwerkstättenarbeitern ist nicht verboten Vereinen beizutreten. Beweis: Es besteht unter ihnen eine große Anzahl von Vereinen. Das Kapitel wird bewilligt. Für die Resolution auf Vereinfachung und Verbilligung des Artilleriedepotwesens stimmen Zentrum, Sozialdemokraten, Polen, Teile der Freisinnigen und Nationalliberalen. Trotzdem erklärt Vizepräsident Kämpf unter großer Unruhe. namentlich des Zentrums, die Resolution für abgelehnt. Die Resolution auf Errichtung einer Pensionskasse für die Militärwerkstättenarbeiter wird in großer Mehrheit angenommen. Beim Kapitel„Pionier=, Ingenieur=, Festungs=, Verkehrswesen“ fragt Abg. Zubeil(Soz.) an. warum die Militäreisenbahnverwaltung das Gelände zwischen Spremberg und Kaulsdorf jährlich zu 125 Mk. den Morgen pachte, während es nur einen Wert von 100 Mk. hat. Die Verwaltung hätte das Gelände käuflich erwerben sollen, anstatt alle Jahre das Geld geradezu zum Fenster hinauszuwerfen. Oberst Wandel: Das Terrain war nicht billiger zu bekommen. Das Kapitel wird bewilligt. Bei den einmaligen Ausgaben begründet Abg. Gans Edler zu Pudlitz(kons.) einen Antrag, den von der Kommission abgesetzten Titel„Vermehrung der Reserve an Verpflegungsmitteln, Schlußrate, 4686000 Mt.“ wieder einzusetzen. Nach Widerspruch des Abg. Erzberger(Ztr.) wird der Titel wieder eingesetzt. Beim außerordentlichen Etat klagt Abg. Trimborn(Ztr.), daß der Fiskus in Köln für die Grundstücke, die er zu Festungsbaulichkeiten erwirbt, keine Umsatzsteuer bezahlt, worauf der Unterstaatssekretär im Reichsschatzamt Twele erwidert, um den Fiskus zur Umsatzsteuer heranzuziehen, dazu müßte erst ein Gesetz geschaffen werden. Der außerordentliche Etat wird bewilligt. Die Einnahmen des Militäretats werden debattelos angenommen, womit der Militäretat erledigt ist. Nächste Sitzung: Mittwoch 2 Uhr.(Marineetat.) Schluß 6¾ Uhr. 9 Abgeordnetenhaus. 60. Sitzung vom Dienstag, den 23. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Die zweite Beratung des Eisenbahnetats wird fortgesetzt bei den einmaligen außerordentlichen Ausgaben. Eine Anzahl von Abgeordneten bringt eine Reihe von lokalen Wünschen=vor, die sich auf neue Bahnanlagen, Ausbau von Bahnhöfen usw., Beseitigung von verkehrsstörenden Niveauübergängen beziehen. Minister v. Breitenbach sagt wohlwollende Prüfung der einzelnen Wünsche zu. Der Rest des Eisenbahnetats wird angenommen; hiermit ist die zweite Lesung dieses Etats beendet. Es folgen Wahlprüfungen. Die Wahl des Abg. Just(natl.), 7 Lüneburg, wird, entsprechend dem Antrage der Wahlprüfungskommission, für giltigerklärt. Die Kommission beantragt sodann, die Wahl des Abg. Fürbringer(natl.), 1 Aurich, zu beanstanden und Beweiserhebungen zu veranstalten. Abg. Dr. Friedberg(natl.) beantragt, diese Wahl für giltig zu erklären. Abz. Dr Schiffer(natl.) begründet diesen Antrag. Abg. Lüdicke(freikons.) widerspricht diesem Antrage, da fundamentale Verstöße gegen die Wahlbestimmungen bei dieser Wahl vorgekommen seien.6## k, g#.e Der Antrag Friedberg wird abgelehnt, die des Abg. Fürbringer wird beanstandet: Ebenfalls beanstandet wird, entsprechend dem Antrage der Kommission, die Wahl des Abg. Lohmann(natl.), 2 Wiesbaden, während die Wahl des Abg. Dr. Busse(kons.), 3 Bromberg, für giltig erklärt wird. Ebenfalls beanstandet wird die Wahl des Abg. Negelein Es folgt die Wahl des Abg. Reinbacher(Fr. Bo.), 11 Potsdam=Schöneberg=Rixdorf. Die Kommission beantragt, die Wahl zu beanstanden und schlägt außerdem folgende Resolution vor: Die Regierung zu ersuchen, eine amtliche Erklärung des Magistrats der Stadt Rixdorf darüber herbeizuführen: a) ob bei der letzten Wahl in Rirdorf bei der Bildung der Abteilungen für alle oder einzelne Steuerarten nicht die Veranlagung für 1908, sondern diejenige für 1907 zugrunde gelegt ist, eventuell aus welchem Grunde dies geschehen ist; h) ob bei der Bildung der Abteilungen von der Bestimmung in§ 6 des Wahlreglements abgewichen ist, wonach in denjenigen Fällen, in denen bei gleichen Steuerbeträgen sich nicht entscheiden läßt, welcher unter mehreren Wählern zu einer bestimmten Abteilung zu rechnen ist, die alphabetische Ordnung der Familiennamen den Ausschlag gibt; el ob tatsächlich die Bewohner des Hauses Fuldastr. 55/56 zu Rixdorf trotz ihres Einspruchs nicht in die Wählerlisten desjenigen Urwahlbezirks(22), in welchem ihre Wohnung lag, aufgenommen sind, eventuell wie viele Wähler dabei in Betracht kamen, welche Steuersätze denselben anzurechnen waren Ernte. Sozialer Roman aus Amerika von E. Dewitt. **—(Nachdruck verboten.) „Bitte sehr, ich bin nicht dein armes Lämmchen, sondern dein reicher Zehn=Millionen=Dollar-,Bulle“, warf Winston ein, dessen Gesicht ein leichtes Lächeln erschien.„Ein starker „Bulle“, der sich nicht scheren und keine Wolle lassen wird, der por der Börsenspekulation mehr versteht, als du dir in deiner Schulweisheit nur träumen läßt. Wisse, daß ich mit seit Jahren mit dem Gebiet der Börsenspekulation vertraut gemacht und sie bis in ihr innerstes Getriebe studiert habe. Du traust mir doch selbst nicht im Ernst zu, daß ich mich an ein Unternehmen wagen könnte, von dem ich nichts verstände, und du darfst es mir glauben, wenn ich dir versichere, daß mein praktisches Wissen dem keines täglichen Börsenbesuchers nachsteht.“ „Na, dann man zu,“ grunzte Dickinson, der seinen Freund zu gut kannte, um eine zwecklose Argumentation wegen eines bei ihm bereits festbeschlossenen Vorhabens zu versuchen.„Und was vird die Spezialität sein, in der du dein Geld loszuwerden beabsichtigt?“ „Weizen,“ erwiderte Winston mit siegesgewissem Gesicht. „Weizen?“ Verblüfft rief Dickinson das Wort aus.„Weizen willst du„bullen"? Barmherziger Himmel! Aufrichtig gesprochen, Winston, gestehe es mir offen, weng du deinen Scherz mit mir treibst, denn es fällt mir schwer, deine Worte ernst zu kehmen. Weizen! Hast du vielleicht plötzlich ein schwaches Gedächtnis bekommen und vergessen, was du mir vor deiner Abis als Ausdruck deiner Ueberzeugung erklärt hast, daß nämlich die Männer, die das Hauptnahrungsmittel der Welk— ich gebrauche deine eigenen Worte— zum Gegenstand ihrer Spekulationen ausersehen, gehängt, gevierteilt und verbrannt zu werden verdienten. Ist es nicht schon genug, wenn Swift und Leyser den Weizen„bullen“ und den Preis so in die Höhe treiben, daß der Arme seine Morgensemmel nur noch mit Hilfe eines Mikroskops zu entdecken vermag? Hast du vergessen, was ich dir über die Absichten der beiden Ehrenmänner mitteilte, als nich der Zufall im Klub ein Telegramm finden ließ, das Leyser von Swift empfangen hatte, der damals den Nordwesten bereiste, zn die Ernteaussichten zu studieren. Nein, du hast meinen prief nicht vergessen, und doch willst du mit jenen Spekulanten zemeinsame Sache machen. So sprich doch und erkläre mir deine Sinnesänderung!“ g. Ich weiß, ich weiß,“ entgegnete Winston,„und habe deinen Lrief nicht vergessen, dem ich ja gerade meinen„Tip“ verdanke. Ja, ich werde wie Leyser und Swift den Weizen„bullen", und—.“ „Aber zu welchem Zwecke, Winston? Wenn es irgend ein anderer wäre, würde ich mir nichts daraus machen, aber du, gerade du, der du das Geld immer verachtet und jederzeit die Partei der Schwachen ergriffen hast, du wolltest Weizen„bullen“? Eine Million Menschen würden dir fluchen, wenn du unter diese Räuber gingest.“ „Nein, fünfzig Millionen Menschen werden mich segnen.“ rief Winston und schlug mit der Faust schwer auf den Tisch. „Höre auf das, was ich dir jetzt sage. Ich werde eine Anzahl zuverlässiger junger Makler zusammenbringen und ihnen den Auftrag geben, Weizen in Höhe von acht Millionen Dollar für mich zu kausen. Die andern zwei Millionen bleiben für den Notfall reserviert. Weizen steht jetzt auf achtundsiebzig und geht in die Höhe. Die Leyserklique manipuliert zurzeit den Markt und kauft mehr, als sie verkauft. Ohne, daß sie es merken, werden meine Makler auf dem Markt erscheinen und meinen Auftrag ausführen. Innerhalb eines Monats werde ich nahezu zehn Millionen Büschel Weizen haben. Dann werde ich mich bis auf weiteres zurückziehen und warten. Der Weizenpreis geht immer mehr in die Höhe und wird, er mag wollen oder nicht, hundertundfünfzig erreichen. Allen Anzeichen zufolge wird die Juli= ernte höchst armselig sein. Leyser und seine Makler kaufen zurzeit allen Weizen auf, den sie nur bekommen können. Sobald sie die Kontrolle erlangt zu haben glauben, werden sie die Preise wie eine Rakete in die Höhe senden und ihren Vorrat zum höchsten Kurs verkaufen und zu jedem Preise losschlagen. Was wird die Folge sein, wenn fünf Makler jeder zwei Millionen Büschel Weizen auf den Markt werfen und jeden Preis annehmen, der ihnen dafür geboten wird? Die Preise werden fünfzig, sechzig, ja siebzig Punkte in einem einzigen Tage fallen. Die Klique wird den Preis natürlich zu behaupten suchen, doch bin in auch darauf vorbereitet. Ja, ich habe meinen Plan bis in die kleinste Einzelheit ausgearbeitet, Bob.“ Robert Dickinson mußte sich an seinen Stuhl klammern, um nicht umzufallen und starrte seinen Freund vollständig fassungslos aus weitgeöffneten Augen an. „Das wolltest du tun? Eine Börsenpanik hervorrufen? Wenn du deinen Vorsatz ausführst, verlierst du dein Geld, dein gutes Geld, volle zehn Millionen Dollar. Bist du dir darüber klar?: „Was liegt mir an den zehn Millionen Dollar?“ rief Winston aus und ballte beide Fäuste.„Was liegt mir an zehn Millionen Dollar, wenn ich damit diesen Verbrechern eine wohlverdiente Züchtigung erteilen und sie zu ihrem eigenen Schaden lehren kann, was es heißt, in Weizen zu spekulieren. Ich werde die Leysers und Swifts, sowie all die anderen kriminellen Spekulanten zerschmettern, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt, und wenn es mich nicht zehn, sondern zwanzig Millionen kostet. Ich kann aber meinen Plan mit zehn Millionen Dollar verwirklichen. Ich habe alles sorgfältig berechnet.“ „Bei Gott!“ rief Bob, von dem Ungestüm und der Energie seines Freundes fortgerissen, aus. indem er sich die hellen Schweißtropfen von der Stirn trocknete.„Ich glaube, daß du es tun kannst, ich glaube, daß du es tun wirst. Ja, ich glaube, daß Eie gchange dich die gane Staub zu demütigen.“ Spekulantenbande bis in den 7. Die Bombe wird gelegt. Alle vorläufigen Vorbereitungen wurden im Laufe der nächsten Woche geiroffen, und der erste Sonnabend nach der im letzten Kapitel geschilderten Unterredung fand Winston Howard als Inhaber eines kleinen Bureaus, das im Hochparterre eines der großen Geschäftshäuser nicht weit von der Börse gelegen war. Winston empfing hier zu bestimmten Tagesstunden den Besuch Robert Dickinsons, wie der fünf Makler, die er in sein Vertrauen gezogen hatte. Es waren fünf junge Leute, von denen ein jeder unabhängig von den andern operierte, dabei aber doch wußte, daß sie alle zusammen im Interesse Winstons tätig waren. In einer Ecke des Zimmers stand ein großer Schreibtisch mit einem Jalousieverschluß, und gleich daneben war ein selbsttätiger Telegraphenapparat, ein sogenannter Ticker angebracht, der auf langen, schmalen, sich von selbst abwickelnden Streifen automatisch alle Kursänderungen an der Börse verzeichnete: ein tragbares Telephon stand auf dem Schreibpulte und ein kleiner Tisch in der Mitte war mit mehreren Syphons, einigen Flaschen Whisky, sowie einigen Kistchen Zigarren und Zigaretten bedeckt. Von diesem kleinen Zimmer aus leitete Winston mit Hilfe des Telephons seine„Bullen"= Operation an der Getreidebörse. Auf Grund einer sehr gewissenhaften Kalkulation war er sich darüber klar geworden, daß es zum mindesten einen Monat dauern werde, bis er den für seine Zwecke erforderlichen Bedarf an Weizen gedeckt hatte. Seine Makler mußten bei Ausführung seiner Aufträge natürlich mit äußerster Vorsicht zu Werke gehen, um ein vorzeitiges Anziehen der Preise zu verhüten. Die zum Leyserring gehörigen Makler kauften offen und geheim allen Weizen auf, dessen sie habhaft werden konnten— eine Tatsache, die an sich schon eine aufwärtssteigende Tendenz des Preises im Gefolge hatte. Aber obwohl sie stets wieder ein Vieriel ihrer Vorräte auf dem Markt abluden, stieg der Kurs langsam, aber sicher, um halbe und ganze Punkte. Winston begann zu kaufen, als der Weizen auf achtundsiebzig Cents per Büschel stand und er instruierte seine Makler dahin, täglich insgesamt vierhundertundsechsundsiebzigtausend Büschel zu kaufen, von denen aber regelmäßig vor Schluß der Börse bunderttausend Büschel wieder auf den Markt abgeladen wurden. Diese Verkäufe waren unerläßlich, da ohne sie der Preis am nächsten Morgen unverhältnismäßig hoch gewesen wäre. Je mehr Weizen er aber zu niedrigen Preisen kaufen konnte, desto größere Mengen würden ihm an dem Tage der Schlußabrechnung zu Gebote stehen, an dem der ganze Vorrat in Aktion treten mußte, um ihm zum Siege zu verhelfen. Tag für Tag fuhr er fort, Weizen zu kaufen und Tag für Tag and welche Gründe für das einschlägige Verfahren maßgebend gewesen sind. " Das Haus tritt ohne Debatte dem Antrage der Kommission bei, die Wahl wird beanstandet und die Resolution angenommen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Düsseldorf und die Organisation der Amtsgerichte in Düsseldorf, Gerresheim, Neuß und Ratingen. Der Gesetzentwurf wird nach kurzer Debatte an die verstärkte Gemeindekommission verwiesen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Erweiteruag de? Landespol zeibezirks Berlin. Es handelt sich um die Einbeziehung von Stralau in den Landespolizeibezirk Berlin. Auch dieser Gesetzentwurf wird an die Gemeindekommission überwiesen. Die Gesetzentwürfe, betreffend die Aenderung der Amtsgerichte Bütow und Rummelsburg, und betreffend die Errichtung von Ortsgerichten im einem Teile des Kreises Altenkirchen werden in erster und zweiter Beratung ohne Erörterung erledigt. .. Es folgt, die erste Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verpflichtung der Gemeinden in der Provinz Hessen=Nassau zur Haltung von Ziegenböcken. Nach kurzer Debatte tritt das Haus gleich in die zweite Beratung ein, in welcher der Gesetzentwurf unverändert angenommen wird. Es folgt die Beratung des Staatsvertrages zwischen Preußen und dem Großherzogtum Sachsen, betreffend die Durchführung der Grundstückszusammenlegungen und der damit verbundenen Ablösungen im Großherzogtum Sachsen durch die Königlich Preußischen Auseinandersetzungsbehörden. Der Gesetzentwurf wird nach kurzer Debatte in erster und zweiter Beratung anger immen. Es folgen Petitionen. Diese Petitionen, die fast alle von Beamten herrühren und meistens eine Pensionserhöhung oder eine Unterstützung verlangen, werden ohne Debatte nach dem Beschlusse der Petitionskommission erledigt. Eine Petition des Chemikers Wulfmeyer in Vohwinkel um Verbot der Ausfuhr von schlechtem Getreide und von Baumwollsaatprodukten wird durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Die Tagesordnung ist hiermit erschöpft. Das Haus vertagt sich auf Freitag 11 Uhr. Tagesordnung: Etat der Zentralgenossenschafts-Kasse und kleine Vorlagen. Schluß 2½ Uhr. den Selbstgebrauch trat die Produktion für den Welthandel, das heißt die Warenproduktion. Die Produktionsmittel sind in den Händen weniger Einzelner, die Masse der Arbeiter sind besitzlose Proletarier. In der bestehenden Wirtschaftsordnung ist eine Aenderung dieser Lohnsklaverei unmöglich, die Rettung liegt nur in der völligen Abschaffung des Privateigenums an Produktionsmitteln. Der Staat der Zukunft ist eine größe Wirtschaftsgemeinschaft, in welcher alle in gleichem Maße Anteil an den Produktionsmitteln, alle gleiches Recht auf Arbeit haben.“ Schließlich bezeichnete der Redner den internationalen Sozialismus als„Schattenbild der internationalen Größe des Christentums.“ Also nicht mehr Schattenbild der Hölle! Mehr kann man zunächst nicht verlangen. Ein neuer Tarif ist zwischen der Unternehmer= und Arbeiter Ein neuer Tarif ist zwischen der Unternehmer= und Organisation, für die Maser, Anstreicher und Lackie. rer in Zwickau abgeschlossen worden. Derselbe sieht neuzeinhalbstundige Arbeitszeit, 44 Pfg. Stundenlohn für Gehilfen über 20 Jahre und 39 Pfg. für Gehilfen unter 20 Jahren vor. Außerdem werden für Ueberstunden gezahlt: morgens von 6 bie 7 Uhr und abends von 6 bis 9 Uhr 11 Pfg., für S Zuschl pro Stunde. BeParteinachrichten. „und Jesuit über die Sozialdemokratie. In Schwähisch Gmünd in Württemberg hatte auf Veranlassung des sozialdemokratischen Vereins ein Redakteur unseres Stuttgarter Parteiorgans in überfüllter Volksversammlung über das Thema:„Kirche und Sozialdemokratie“ referiert. In der Diskussion trat der evangelische Stadtpfarrer Lamparter dem Redner entgegen, allerdings mit wenig Erfolg. In einer vom evangelischen Arbeiterverein veranstalteten Volksversammlung sprach sodann Pfarrer Lamparter über das gleiche Thema. Einige seiner Ausführungen sind so interessant, daß sie verdienen, festgehalten zu werden. Der Redner bestritt entschieden, daß die Kirche eine Feindin der Sozialdemokratie sei, die, materialistische Weltanschauung jedoch bekämpfe die Kirche. gehe zu: auch in der Bekämpfung der Sozialdemogegen die Strafgewalt durch Erinnerung an die 1848er Revolution. Der erste Strafsenat des Reichsgerichte verwarf am heutigen Tage die von dem Angeklagten Genossen Thieme in Frankfurt a. M. eingelegte Revision gegen das Urteil der Strafkammer, die ihn wegen„Widerstandes gegen die Strafgewalt" zu 200 Mk. Strafe verurteilt hatte. Er hatte das Verbrechen begangen, im Schaufenster der Buchhandlung unseres Frankfurter Parteiblattes Bachs„Geschichte der Wiener Revolution“ auszuhängen, auf dessen erster Seite ein alter Aufruf an die Soldaten nachgebildet war. Das Gericht nahm an dem Angeklagten sei es nicht bloß darum zu tun gewesen, Käufer anzulocken, sondern er habe gleichzeitig antimilitaristische Agitation treiben wollen.— Das Frankfurter Urteil hatte Kopfschütteln und Hohngelächter in der ganzen zivilisierten Welt hervorgerufen. Seit Jahren wurde das Werk unbeanstandet in Oesterreich verkauft. Daß das Reichsgericht, das ja von Jahr zu Jahr immer mehr in Formalismus verknöchert, dieses unglaub iche Urteil bestätigt hat, wird das Ansehen der deutschen Justiz sicherlich nicht heben. Majestätsbeleidiger. Hier wurde bekanntlich der Parteisekretär Genosse Knauf wegen angeblicher Majestätsbeleidigung verhaftet. Seine Beschwerde gegen die Haft wurde abgelehnt. Es soll Fluchtverdacht vorliegen. Da Knauf Familie hat, ist Fluchtverdacht selbstverständlich unbegründet. Der Landesvorstand der elsaß=lothringischen Partei hat Schritte unternommen, um die Haftentlassung gegen Kaution zu erlangen. Bestrafte Einwohner-„Aufregung". Als an einem Sonntage im„Januar d. J. die ländlichen Ortschaften des Wahlkreises Mühlhausen= Langensalza=Weißensee mit einem. Flugblatt über das persönliche Regiment belegt wurden, verbreiteten 2 Genossen diese Flugblätter auch in Tennsted't. Ein Landwirt, der mit seinem Gefährt auf der Straße hielt, war auf die von Haus zu Haus gehenden Flugblattverteiler aufmerksam geworden und bat sie neugierig um ein Exemplar der Blätter. Sie kamen der Bitte in gefalliger Weise nach, doch das Auge des Gesetzes hatte sie bei der„strafwürdigen“ Handlung bemerkt. Es erhielt jeder der beiden Genossen vom Schöffengericht Tennstedt eine Gefängnisstrafe von 8 Tagen zudiktiert. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß beide Sünder versucht hätten,„die Einwohner des Ortes in Aufregung zu versetzen!!“ Auf Geldstrafe wurde nicht erkannt, weil diese nicht von den Angeklagten bezahlt werden würde. 7 Uhr und abends von 6 bis 9 Uhr 11 Pfg., für Sonntags=Nacht. arbeit 22 Pfg. Zuschlag gro Stunde. Bei Landarbeiten gibt es außer den Fahrgeldern für Verheiratete 2,10 Mk., für Ledige 1,50 Mt. Auslösung. Der Tarif ist am 1. März er. in Kraft getxeten. Der Streik der Granitsteinbrecher in Reichenbach(Oder. wald), der 11 Wochen gedauert hat, und bei dem durch das korrekte Verhalten der Bevöllerung sich keine Streikbrecher ein. nisten konnten, weil ihnen die Unterkunft verweigert wurde, ist siegreich beendet, es sind zweijährige Tarifvertrage mit Lohnerhöhung erzielt worden. 30 Prozent Lohnabzug oder Aussperrung. In der Lack. warenfabrik Bischofsgrün(Oberfranken) sollen sich die Arbeiter eine Lohnkürzung bis zu 30 Prozent gefallen lassen, andernfalls erfolge am 27. März die Aussperrung aller Widerspenstigen. Riesengewinn und doch Lohnminderung. Die Baumwolk. spinnerei und Weberei Hof hat 25 Prozent Dividende an die Aktionäre verteilt. Wenige Stunden nach der Beschluß. fassung über die Verteilung des Riesengewinnes kündigte man den Arbeitern eine Lohnminderung von durchschnittlich 20 Proz. an. Die einmütige Erhebung der Arbeiter hat die Ausführung der unverschämten Ankündigung verhindert. Der Weberstreik in Langenbielan. Die im Textilarbeiter. verband organisierten streikenden Weber haben mit allen gegen eine Stimme die Wiederaufnahme der Arbeit abgelehnt. Der Weberstreik dauert also fort. In einer Arbeitgeberversammlung soll bereits in Erwägung gezogen worden sein, dem Streil eine allgemeine Arbeiteraussperrung entgegenzusetzen. Aus der Lohnbewegung der Schneider. Eine stark besuchte Versammlung der Berliner Kostümschneider und Schneiderinnen beschäftigte sich mit der Lohnbewegung der Schneider. Die-Tarifverhandlungen mit den Unternehmern sind bisher resultatlos verlaufen. Von mehreren Rednern wurde empfohlen, die Arbeit niederzulegen. Aus Rücksicht darauf, daß gegenwärtig in Frankfurt a. M. über die Lohnbewegungen in 36 Städten verhandelt wird und ein Streikbeschluß eine allgemeine Aussperrung zur Folge haben könnte, wurde die Entscheidung noch aufgeschoben. Wenn die Verhandlungen mit den Unternehmern bis Mittwoch nicht zu einem Resultat führen, soll der Streik proklamiert und die Arbeit am Donnerstag eingestellt werden. Es kommen in Berlin zirka 1200 Angehörige des Schneidergewerbes in Frage. Industrie, Handel und Verkehr. „Aber ich gebe zu: auch in der Bekämpfung kratie von seiten der Kirche, soweit es sich dabei ni Abwehr, der materialistischen Weltanschauung und diaung der veligiosen Guter gehandelt hat ist Gewerkschaftsbewegung. nicht um eine n eine.. De: Malerverbaud wurde im abgelaufenen. Geschäftsjahr in und eine Vertei= seiner Entwicklung sehr durch die Krise beeinträchtigt. Die Zahl digung der kenglosen Euter gehandelt hut, ist manchmal gefehlt der Mitglieder stieg von 34 746 auf nur 36 319. Im Durchschnitt deu..„Man, wird nicht sagen können, daß, wenn das vetrug im Jahre 1906 die Mitgliederzahl 30626, 1907: 39009 Programm sich verwirklichen würd.§:: und 1908: 39485. Im letzten Jahre sind 15000 Aufnahmen gegenüber 22—24 00u in früheren Jahren sozialdemokratische P##gramm sich WVerwittlichen rbe, die #eligtosen Lebens und die Befriedigung der religiösen die Bedürfnisse nicht mehr möglich wäre. Und deshalb muß die Kirche von aller Bekämpfung der Sozialdemokratie als wirtschaftlicher und politischer Partei sich fernhalten. Die sozialdemokratische Partei war die erste— das muß man ihr zugestehen, das ist ein Zeugnis der Geschichte und der und tatkräftig=für die Interessen der wirtschaftlich Schwachen eingetreten ist. So der evangelische Pfarrer. „„ Fast noch weiter ging der Jesuitenpater Seiler, der am 16. März in der Marienkirche in Stuttgart über„Christentum und, Sozigldemokratie spragy. Der Jezuit stellte zunächst die Frage:„Welche Umstanoe haben den Sozialismus geboren?“ Raflshfargs beantwortete er, dem Zentrumsorgan„Deutsches #. Nr. 62 bom 17. März 1909 zufolge also: „War es der Haß gegen das Christentum? Ganz gewiß: Nein! Zunächst war es der Haß gegen den Kapitalis„Sein Entstehen trägt folgende Merkmale: An Stelle des Kleinbetriebes war durch die wirtschaftliche Entwicklung der Großvetrieb entstanden. An Stelle der Produktion für gegenabet 2#—#r 000 in früheren Jühren erzielt worden. Im Jahre 1907 wurden 180 Lohnbewegungen in 760 Orten mit 4182 Betrieben und 18596 Beschäftigten geführt, von denen 58 in 99 Orten mit 1806 Betrieben zu Streiks oder Aussperrungen führten; außerdem war der Verband noch an 35 anderen Bewegungen beteiligt. 123 Bewegungen hatten vollen Erfolg, 4 teilweise, erfolglos waren 17. Für 3576 Personen wurde eine Arbeitszeitverkürzung von wöchentlich 12036 Stunden erreicht; ferner für 12924 Personen eine Lohnerhöhung, die wöchentlich 25 712,18 Mk. ausmacht. Die Kosten betrugen 194 450 Mk. Im Jahre, 1908 wurden 159 Lohnbewegungen in 173 Orten mit 3862 Betrieben und 14039 Beschäftigten geführt, von denen 50 in 64 Orten mit 1080 Betrieben u. 5979 Beschäftigten zu Streiks oder Aussperrungen führten. Außerdem war die Organisation noch an 31 anderen Bewegungen beteiligt. Von diesen Bewegungen endeten mit Erfolg 95, teilweise erfolgreich 25, erfolglos 8. Es wurde erreicht: für 2995 Personen eine Arbeitszeitverkürzung von wöchentlich 5599 Stunden, für 11 540 Personen eine Lohnerhöhung die 1341224 Mt in der Moche beträgt. Diese BeDer wirtschaftliche Rückgang zeigt sich auch darin, daß in verflossenen Jahre wesentlich weniger Aktiengesellschaften ins Leben traten als im Vorjahre. Nach den Ermittelungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes— auf Grund der Bekanntmachungen der Gerichte im„Reichsanzeiger“— wurden im Jahre 1908 151 Gesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital von 162,5 Millionen Mark neugegründet gegenüber 217 Gesellschaften mit 260,7 Millionen Mark im Jahre 1907. Von den 151 neuen Gesellschaften des Jahres 1908 wurden 72 mit 82 Millionen Mark Aktienkapital unter Einbringung bestehender Unternehmungen begründet; für die Sacheinlage wurden hierbei 66,5 Millionen Mark in Aktien gewährt. Im Jahre 1907 war die Umwandlung bestehender Unternehmungen in Aktiengesellschaften— wie die gesamte Gründungstätigkeit — größer. Im Wege der Umwandlung wurden im Vorjahre 118 Gesellschaften mit 182,8 Millionen Mark Nominalkapital gegründet. Kapitalerhöhungen erfolgten im Jahre 1908 bei 295 Gesellschaften um 443,9 Millionen Mark, während 69 Gesellschaften Kapitalherabsetzungen in Höhe von 40 Millionen Mark vornahmen. Von den letzteren erfolgten nur vier durch Rückzahlung oder Ankauf von Aktien und zwar im Gesamtbetrage von 0,7 Millionen Mark. In den übrigen 393 Millionen Mark wird man Kapitalverluste der Aktionäre infolge Sanierungen zu erblicken haben. wochentlich 5599 Stunden, für 11540 Personen eine erhohung, die 13 412,24 Mi. in der Woche betragt. Diese ging der Preis in die Höhe. Als der für seine Zwecke in Aussicht genommene Monat verstrichen war, stand Weizen auf fünfundneunzig und Winston Howard hatte an neun Millionen Büschel der goldenen Frucht in seinem Besitz und dafür acht Millionen Dollar ausgegeben. Zwei Millionen Dollar hatte er außerdem zu bestreitenn dau Lagergeld und unvorhergesehene Auszaben hatte ihn sein Weizen siebenundachtzig Cents ver, Büschel, gefostet und er stand jetzt auf fünfundneunzig. .. Die Leyserklique hatte keine Ahnung davon, daß sich in den Händer,zinez einzelgen Mannes ein so großer Vorrat Weizen be972;#####e narte Nachfrage war ihnen keineswegs entgangen, aver nicht weiter befremdet, da unter Hand der„Typ““ ausgegeben worden war, daß der Kurs bis auf zweihundert steigen. werde;, Nezey Millionen Büschel Weizen bedeuteten keine Gesahr fur sie, sbrunge sie unter dreißig verschiedenen Personen eerzeit wagen ait neun Millionen Büschel aber in den Händen den Eiugt##. gannes gewann die Lage ein ganz anderes AusUm Winstons Spier zu verderben, hätte die Leyser=Swiftgewarnt, sicherlich nicht gezaudert, einen rücksreissturz eintreten zu lassen; aber Winston Howard war ein Mann, den bis dahin an der Getreidebörse niemand ts und der auch weiterhin bis zu dem Augenblicke des größen der Derientschsann Matler vermieden es, vor ihre fäglichen ite nander zu verkehren und Türen staite Zusammenkünfte fanden nur hinter verschlossenen Am letzten des Monats sandten die Makler ihre Schlußberichte Sizi, aus, denen verporging, daßt, Winstor, Hopard der recht. hohung, die 19 412,24 Mi. in der Woche beiragt. Diese Bewegungen verursachten eine Gesamrausgabe von 201 948,87 Mt. Dex Verhand, hatte in beiden Jahren eine Einnahme von 1 705 58340 Mk, eine Ausache non###c0 9en 6s Mit, chae Ne 1 705 585,40 Mr., eine ausgabe von 1 500 501,04 Wr. Das Vermögen betrug am Schlusse des Jahres 1908 782 754,73 Mk. Es wurden ausbezahlt Reiseunterstützung 23272,28 Mt., Maßregeluxgsunterstützung 11.859.05 Mk., Krankenunterstützunz 186 663,65 Mer., Unterstutzung bei Todesfällen 27445 Mk., für Rechtsichutz 4109.03 Mk. Das Verbandsorgan verursachte eine Ausgabe von 85 340,70 Mk. Für die Agitation wurden 76 101,80 Mark aufgewendet. Die 12.(außerordentliche) General=Versammlung des Verbandes fand vom 2. bis 6. März in Köln statt. Ueber Tarifverträge, den Hauptpunkt dieser Generalversammlung, wurde in geschlossener Sitzung verhandelt. Die Generalversammlung war hauptsächlich zu dem Zwecke einberufen worden, um zu der Haltung des Vorstandes in der Tariffrage Stellung zu nehmen. Es wurde eine Resolution angenommen, worin die Haltung 18denen hervorging, daß Winston Howard der rechtmaßige Eigentumer von neun Millionen Büschel Weizen war, die in verschiedenen Kornspeichern zu seiner Verfügung laer die Berichte gesesen hatte, erschien ein grimmiges und legte sie alsdann verichin, eins, Schublade seines, Schreibtisches, die er Tür zn seinen Schreibtisch und auf geign Monat, vereisen wirse. Michsgansees Jängeren Spaziergange am schönen Ufer des r in keiner zuchte er seinen Freund Robert Dickigson auf, den Well“ sprach Winsp.." Miene #P#uign praig ir ich#pit zufriedener, oiiene, nich„habe setzt den Weizen den.rauche und sarnien ich ,„abArbeit aine tange Wele don, Radbe Grnen= uur uach aul der Bak fnteresieri. Weizen zu tnn?“ frazte „Was ich damit zu tun gedenke?“ fragte Winston gelassen. „O, einstweilen nichts. Ich werde mich auf die Lauer legen und smift den Mar s1 I.P“ gehuer legen warten, dis Leyser und Swill den Marit zu„bullen“ beginnen. Sobald der Kurs auf hundertundfünfzig steht, erscheine ich auf der Bildfläche und alles weitere wird sich ergeben. Ja. banke, ich trinke eine Tasse Kaffee zur Gesellschaft mit.“: (Fortsetzung folgt.) des Vorstandes auf dem Gebiete des Tarifwesens gebilligt wurde. Ferner wurde der Vorstand ermächtigt, bei den Verhandlungen, die im Juli beginnen sollen, dahin zu wirken, daß möglichst alle Fragen, die das Lohn- und Arbeitsverhältnis betreffen, generell geregelt werden. Die endgiltigen Resultate der Tarifverhandlungen sollen den Mitgliedern zur Abstimmung unterbreitet werden. Ferner verhandelte die Generalversammlung über den Kampf gegen die Gefahren der Bleivergiftung. Es wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, die Arbeitslosenunterstützung fakultativ einzuführen. Mitglieder, die diese Unterstützung beziehen wollen, müssen jährlich mumsrtrabeitrag zahlen. Dafür erhalten sie nach einjähriger Mitgliedschaft eine Unterstützung von täglich 1 Mk. bis zur Gesamthöhe von 18 Mk. Mitglieder, die diese Unterstützung nicht beansprucht haben, können nach zweijähriger Mitgliedschaft die Unterstützung bis zur Höhe von 24 Mk. erhalten. Für die Berechtigung zum Bezug der Unterstützung wird nur die Mitgliedschaft vom 1. Januar 1909 an berücksichtigt. Mitglieder, die den Extrabeitrag in der vom Vorstand festgesetzten Zeit nicht bezahlt haben, verlieren das Recht auf die Unterstützung. Die Auszahlung beginnt am 1. Januar 1910 in den Wintermonaten Jannar, Februar, November und Dezember und endigt am 1, Mäxz. 1911. Anträge, wonach die besoldeten Ortsbeamten sich aujahrlich oder alle zwei Jahre einer Neuwahl unterziehen sollen, wurden abgelehnt. Anträge auf Unterstützung für Mitglieder, die wegen Arbeitsruhe am 1. Mai gemaßregelt werden, wurden wegen der zwischen der Generalkommission und dem Parteivorstand schwebenden Verhandlungen abgelehnt. Die Bühnenkünstler als Saisonarbeiter. Aus Theaterkreisen wird der„Berl. Volksztg.“ geschrieben: Die 410 während der Wintersaison und in einzelnen Ausnahmen ganzjährig spielenden deutschen und österreichischen Bühnen beschäftigen zusammen 37976 Personen, die unter den heutigen Verhältnissen ihre Arbeitskraft nur mit 74,2 Prozent verwerten können und gezwungen sind, mehr als den vierten Teil des Jahres zu feiern. Der allgemeine Durchschnitt gilt dabei nur für wenige Kategorien, wie die technischen Hilfsarbeiter, die Choristen und Choristinnen, während die darstellenden Solomitglieder in Schauspiel und Oper nicht mehr als 71 Prozent erreichen können. Verhältnismäßig gut ergeht es den Musikern und den Angehörigen des Valletts, die durchschnittlich mit 80—85 Prozent das vorerst Erstrebensmögliche fast erreicht haben. Die Musiker verdanken dieses günstige Verhältnis hauptsächlich dem Umstande, daß ein ungewöhnlich hoher Prozentsatz bei den ganzjährig spielenden Hoftheatern engagiert ist. Ein anschauliches Bild von der Beschäftigungslosigkeit gibt ein Vergleich nachstehender Zahlen: Von 1000 im Theaterbetriebe beschäftigten Personen haben nur 329 für die Dauer des ganzen Jahres sichere Beschäftigung, während der Rest sich mit viel kürzeren Arbeitszeiten begnügen muß. Es„arbeiten“ 142 von 1000: 9—11 Monate; 181: acht Monate; 137: 7 Monate und 203 nur 6 Monate. Für 7 pro Mille ist sogar nur eine Spielzeit von 5 Monaten zu erreichen! Aber auch hierbei können die darstellenden Mitglieder den Durchschnitt nicht erreichen. 300. haben eine sichere 12monatige 00 pro Mille Schauspieler z. B. Beschäftigung, während ebenso „Die Münchener Fliesenlegergeschäfte haben ihre sämtlichen Arbeiter ausgesperrt, weil über ein Geschäft wegen Nichteinhaltung des Tarifes die Sperre verhängt war. Streik auf dem Farbwerk in Mühlheim a. M. Die Arbeiter Firma A. Leonhardt: Co sind 5. der Firma u. Leonharbi u. Eo. zino heute wegen LohndifferenBrauchen ist sernzuhallen! Zuug von Hilsarbeitern aller 1000 Steinarbeiter erhielten in Striegau am Sonnabend sich einen 5prozentigen Lohnabzug nicht viele mit 6 Monaten zufrieden sein müssen; noch schlechter sind aber die Opernsänger daran, die nur zu 235 pro Mille im ganzen Jahr beschäftigt sind und mit 462 pro Mille eine 4—5monatize, leider unbezahlte Ferienzeit genießen. Für die weiblichen Mitglieder gelten dieselben Verhältnisse. „Ganz allgemein gerechnet hätten 37976 Personen Anspruch auf eine Beschäftigungszeit von je 12 Monaten oder zusammen 455 712 Monaten.-Tatsöchlich ist es aber nicht möglich, mehr als 359394 Monate zu erreichen; dabei müssen noch 5816 Bühnenangehörige an den 131 Bade= usw. Theatern während der Sommermonate eine künstlerisch wie pekuniär wenig befriedigende Beschäftigung suchen. Die statistischen Aufstellungen aus der Industrie haben in letzter Zeit 10 Prozent Arbeitslose gezählt, für diese wurden weitgehende Notstandsarbeiten geplant und aus öffentlichen Mitteln teilweise auch in Angriff genommen. Unter den Bühnenangehörigen haben mindestens ebenso viele überhaupt kein Engagement gefunden! Von diesen ist aber nicht einmal die Rede, sondern von weiteren 26 Prozent, die bei normalen Verhältnissen beschäftigungslos sind oder besser so ausgedrückt: von 52 ProzBeschäftigung leben müssen. In kleinen Städten ist es sehr schwierig, eine längere Spielzeit einzuführen, da in den warmen Monaten kein Auditorium zu finden ist. In den Großstädten dagegen ist es mehr die wohnheit, die von früheren Zeiten, in denen die Städte noch weniger= und durchschnittlich vermögenslosere Einwohner hatten, beibehalten ist und als unabänderliche Norm beibehalten werden soll. .. Zu, all den anderen sozial tief bedauerlichen Erscheinungen. 92s. lig, im Dasein des Bühnenkünstlers aneinanderreihen,““ sellt sich als eine der schlimmsten, daß die Schauspieler und Schauspielerinnen in ihrer großen Mehrheit lediglich arbeiter“ sind, die in der langen toten Zeit von— nichts leben sollen. es Bielefeld, 23. Mär Landgerichtsrat Gockel, Assessor Rohr.— Vor wiederum ein Beamter antworten. Angeklagt w Gefängnisinspektor Alois drei unversorgten Kindern ber 1908 550 Mk., die er und die ihm anvertraut# trolle bestimmten Bücher schriften aus diesen Bücher der im Nebenamte Gesä überhäuft zu sein behaupte Geldern vergriffen zu hal habe die Sache nicht gekla. standen sei; er behauptet, Bücher nachweisen zu kön zauf das unaufgeklärte Me Geschworenen hielten ihn klagte wurde demgemäß ** Bielefeld, 23. Mä Joseph Brunner von Bai vorbestraft, welcher sich schaft befand, hat sich zu Gütersloh niedergelassen Am 14. Januar hat er und als die Gaben nich gestohlen, was ihm nur e ein Paar Stiefel, eine Schlüsselbund gestohlen. falle vor, er erhielt 3 Me erhaltene 6wöchige Hafts littenen Untersuchungshaf Der Kaufmann Ludwi 22. März 1885 in M.=Gle einem hiesigen Geschäft Meisterschaftsspieler im6 aufgespielt und dadurch in Als er später keine Stellu eines Schreibens, welche offenbar gefälscht war, un des Stakettverbandes best etwa 8750 Mt. für erhalt um den Schneidermeister schuldet, um ein Darleher Wiethüchter von hier ist ein Darlehen von 800 9 antragte gegen ihn 1 I Gerichtshof verurteilte i in Tateinheit mit vollend sieben Monaten Gefängn erlittenen Untersuchungsh Der Friseur Wilbelm Untersuchungshaft, dreime überführt, durch mehrere Stoff im Werte von 50 Birne, ein Dutzend Tasch im Werte von 60 Mk. ur Quantitäten-Toilettenarti Diebstahls im wiederholt Anrechnung von 1 Mona Der aus der Untersuch Gieseking aus Kutenhaust wegen Diebstahls vorbest September v. J. in Mir als dieser vor der Anschle Restaurants stand, die Strafkammer erkannte a falle auf 6 Monate Gefi Hg. Rennfahrer und: Trier, 22. März 1909. gerichts Trier beginnt h Prozeß gegen den Rennse die Ermordung des im kannten Mühlenbesitzers St. Vith zur Last gelegt Zeugen geladen. Den Schneider die Staatsann Schulte die Verteidigung Berlin). Die Vorgeschich in frischer Erinnerung. Radrennbahnen und in# sönlichkeit ist jahrelang d gefallen. Seine Mittel ermöglichten ihm, sogare Es bestand schon lange ziehungen zu reichen Per Geld erlange. Er selbst dungen an, daß er auf R Ein plötzliches Licht auf vergangenen Jahres, als aus St. Vith in der Ni schossen aufgefunden wurd Breuer getroffen und so Breuer war am 13. Oktol hatte diese Reise schon öft zu seinem Bankier nach K Reisen mit reichen Geldm zurückgekehrt. Am Abend stein ein, nahm in einem chens Aufenthalt und ging beiführenden Chaussee auf sammengekommen und na Schuß und Mattonet san die beiden aufgeregten Mä stein und benachrichtigted merkte er, daß Breuer in spalt sich zu tun machte Es wurden dort bei späte gerichtete Deveschen vorge daß Breuer von Mattonet geladen worden war. B Mattonet erschossen zu hal an sich gelegt. Aus den zahmten Briefschaften geb Kreisen eine bekannte# pressungen in größerem U den Händen von Erpresser zu vernehmenden Zeugen in Aussicht genommen. Verwandten des Toten un eitigen Beziehungen, so duen. Ferner ist der bei der in Berlin das Dezer Alen bomoseruellen Broz Evenfalls als Zeuge gela Schmurgericht zum Tode Endlich sind noch eine bekannte Meisterfahrer R aus der Berliner Lebewel um über das ausschweife zu geben. Mi v. Re Caltenborn=Stack 17 Fäuen— verübt hmer= und Arbeiter cher und Lackie. Derselbe sieht neuzmlohn für Gehilfen iter 20 Jahren vor. morgens von 6 bie ür Sonntags=Nacht. andarbeiten gibt er 10 Mk., für Ledige März er. in Kran ichenbach(Oden. bei dem durch das Streikbrecher ein. erweigert wurde, ist vertrage mit Lohn. g. In der Lack. ranken) sollen sich Prozent gefallen Aussperrung aller Die Baumwoll. Prozent Dividende nach der Beschluß. nnes kündigte man schnittlich 20 Proz. at die Ausführung im Textilarbeiter. en mit allen gegen it abgelehnt. Der rbeitgeberversammin sein, dem Streil nzusetzen. Eine stark besuchte eider und Schneiung der Schneider. mern sind bisher n wurde empfohlen, arauf, daß gegenohnbewegungen in beschluß eine allgewurde die Entandlungen mit den Resultat führen, n Donnerstag ein1 1200 Angehörige Verkehr. ich darin, daß in ngesellschaften ins Ermittelungen des und der Bekannt*— wurden im ominellen Aktien= det gegenüber 217 Jahre 1907. hres 1908 wurden nter Einbringung die Sacheinlage ien gewährt. 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Er war beschuldigt, bis Mitte Oktoher 1908 550 Mk., die er in amtlicher Eigenschaft vereinnahmt und die ihm anvertraut waren, unterschlagen und die zur Kontrolle bestimmten Bücher unrichtig geführt und unrichtige Abschriften aus diesen Büchern vorgelegt zu haben. Der Angeklagte, der im Nebenamte Gesängnisinspektor ist und mit Arbeiten überhäuft zu sein behaupiet, bestritt, sich an den ihm anvertrauten Geldern vergriffen zu haben. Schon bei seinem Dienstantritte habe die Sache nicht geklappt, er wisse nicht, wie das Defizit entstanden sei; er behauptet, in der Lage zu sein, dieses durch die Bücher nachweisen zu können. Die unrichtige Buchführung sei zauf das unaufgeklärte Manko in der Kasse zurückzufuhren. Die Geschworenen hielten ihn auch nicht für schuldig und der Angeklagte wurde demgemäß freigesprochen. ** Bielefeld, 23. März. Strafkammer. Der Bäcker Joseph Brunner von Bamberg, wegen Diebstahls und Hehlerei vorbestraft, welcher sich schon seit längerer Zeit auf Wanderschaft befand, hat sich zu Anfang Januar dieses Jahres in Gütersloh niedergelassen und die ganze Gegend unsicher gemacht. Am 14. Januar hat er eine ganze Anzahl Häuser abgebettelt, und als die Gaben nicht so ausfielen, wie er dachte, einfach gestohlen, was ihm nur erreichbar war. So hat er einen Rock, ein Paar Stiefel, eine Bürste, eine Schere und sogar ein Schlüsselbund gestohlen. Es lag Diebstahl im wiederholten Rückfalle vor, er erhielt 3 Mor;#e Gefängnis. Die wegen Bettelns erhaltene 6wöchige Haftstrafe ist durch Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft verbußt. Der Kaufmann Ludwig Wilhelm Sonnenschein von hier, am 22. März 1885 in M.=Gladbach geboren, und im Jahre 1906 in einem hiesigen Geschäft als Kommis in Stellung, hat sich als Meisterschaftsspieler im Stackettspiel, welches es gar nicht gibt, aufgespielt und dadurch in besserer Gesellschaft Anschluß gefunden. Als er später keine Stellung hatte und in Not geriet, hat er sich eines Schreibens, welches mit Dr. Arend unterzeichnet und offenbar gefälscht war, und in welchem ihm von dem Vorsitzenden des Stakettverbandes bestätigt wurde, daß er von dem Verbande etwa 8750 Mk. für erhaltene Preise ausbezahlt erhalte, bedient, um den Schneidermeister Heise, dem er noch annähernd 200 Mk. schuldet, um ein Darlehen von 300 Mk. anzugehen. Der Wirt Wiethüchter von hier ist auf den Leim gegangen und hat ihm ein Darlehen von 800 Mk. gegeben. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof verurteilte ihn wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit vollendetem Betrug und versuchten Betrug zu sieben Monaten Gefängnis, worauf ihm ein Monat von der erlittenen Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht wurde. Der Friseur Wilbelm Schulz von Minden, zurzeit hier in Untersuchungshaft, dreimal wegen Diebstahls vorbestraft, wurde überführt, durch mehrere selbständige Handlungen in Minden Stoff im Werte von 50 Mk., eine elektrische Taschenlampe mit Birne, ein Dutzend Taschentücher, eine Schlafdecke, Parfümerien im Werte von 60 Mk. und 20 Mk. bares Geld und bedeutende Quantitäten-Toilettenartikel gestohlen zu haben. Er erhielt wegen Diebstahls im wiederholten Rütksalle 1 Jahr Gefängnis, unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Arbeiter August Gieseking aus Kutenhausen bei Minden, welcher schon viermal wegen Diebstahls vorbestraft ist, hat in der Nacht zum 29 September v. J. in Minden dem Schneider Wilhelm Müller. als dieser vor der Anschlaasäule in der Näbe des Koldeweyschen Restaurants stand, die Uhr aus der Tasche gezottelt. Die Strafkammer erkannte gegen den Dieb im wiederholten Rückfalle auf 6 Monate Gefängnis. *** Eg. Rennfahrer und Lebemann.(Der Mordprozeß Breuer.) Trier, 22. März 1909. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts Trier beginnt heute(Montag) der aufsehenerregende Prozeß gegen den Rennfahrer Joseph Breuer aus Berlin, dem die Ermordung des im Rheinlande in weitesten Kreisen bekannten Mühlenbesitzers und Großkaufmanns Mattonet aus St. Vith zur Last gelegt wird. Zur Verhandlung sind etwa 50 Zeugen geladen. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Schneider, die Staatsanwaltschaft vertritt Erster Staatsanwalt Schulte die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Werthauer Berlin). Die Vorgeschichte des sensationellen Prozesses ist noch in frischer Erinnerung. Der Rennfahrer Breuer, ein auf dem Radrennbahnen und in Berliner Lebeweltkreisen bekannte Persönlichkeit ist jahrelang durch seine großen Geldausgaben aufgefallen. Seine Mittel waren anscheinend unerschöpflich und ermöglichten ihm, sogar eine Rennbahn in München zu pachten. Es bestand schon lange der Verdacht, daß er unsittliche Beziehungen zu reichen Persönlichkeiten unterhalte, von denen er Geld erlange. Er selbst gab als Erklärung für seine Aufwendungen an, daß er auf Rennbahnen enorme Summen gewinne. Ein plötzliches Licht auf dieses dunkle Treiben fiel im Herbst vergangenen Jahres, als der reiche Großkaufmann Mattonet aus St. Vith in der Nähe des Eifelstädtchens Gerolstein erschossen aufgefunden wurde. In der Nähe des Erschossenen wurde Breuer getroffen und sofort wegen Mordverdachts verhaftet. Breuer war am 13. Oktober von Berlin nach Köln gefahren. Er hatte diese Reise schon öfter unternommen und erklart, er fahre zu seinem Bankier nach Köln. In der Regel war er von diesen Reisen mit reichen Geldmitteln, man spricht von 50—60000 Mk., zurückgekehrt. Am Abend des 14. Oktober traf Breuer in Gerolstein ein, nahm in einem Restaurant am Ausgange des Städtchens Aufenthalt und ging öfters auf der an dem Restaurant vorbeiführenden Chaussee auf und ab. Hier ist er mit Mattonet zusammengekommen und nach einem erregten Wortwechsel fiel ein Schuß und Mattonet sank tot zur Erde. Ein Briefträger, der die beiden aufgeregten Männer beobachtet hatte, eilte nach Gerolstein und benachrichtigte die Polizei. Als er sich umwandte, bemerkte er, daß Breuer in einem in der Nähe befindlichen Felsenpalt sich zu tun machte und dort anscheinend etwas versteckte. Es wurden dort bei späterer Nachforschung mehrere an Breuer gerichtete Depeschen vorgefunden, aus deren Inhalt hervorging, daß Breuer von Mattonet zu einem Stelldichein nach Gerolstein geladen worden war. Breuer selbst bestreitet entschieden, den Mattonet erschossen zu haben. Dieser habe vielmehr selbst Hand an sich gelegt. Aus den in der Wohnung des Breuer beschlagnahmten Briefschaften geht hervor, daß Breuer in homoseruellen Kreisen eine bekannte Persönlichkeit war, daß er selbst Erbressungen in größerem Umfange verübte, sich aber auch selbst in den Händen von Erpressern befand. Wegen der großen Zahl der zu vernehmenden Zeugen sind für die Verhandlung mehrere Tage in Aussicht genommen. Unter den Zeugen gefinden sich die Verwandten des Toten und des Angeklagten, die über die beiderleitigen Beziehungen, soweit es möglich ist, Auskunft geben sollen. Ferner ist der bekannte Kriminalkommissar v. Treskow, der in Berlin das Dezernat der Sittenvolizei inne hat und in allen homvseruellen Prozessen als Zeuge zu erscheinen pflegt. Ebenfalls als Zeuge geladen ist der am Freitag von demselben Schwurgericht zum Tode verurteilte Tiefbautechniker Maggh. Endlich sind noch eine Reihe von Rennfahrern, darunter der bekannte Meisterfahrer Robl. geladen. Auch eine Reihe Damen aus der Berliner Lebewelt sollen als Zeugen vernommen werden. um über das ausschweifende Leben des Angeklagten Auskunft zu geben. und Dienstentlassung verurteilt wurde, erlangte kriegsgericht eine Herabsetzung der Strafe auf 3 Monate, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gelten. Wegen des „Mißbrauchs der Dienstgewalt“ bleibt es indes bei der Dienstentlassung. Der Arzt als Vorgesetzter. Man schreibt der Berliner „Volkszeitung": Eine Operation auf Befehl sollte an dem in Stötteritz geborenen Soldaten Franz von der 7. Kompagnie des 9. Infanterieregiments Nr. 133 vorgenommen werden, was derselbe ablehnte. Er wurde deshalb wegen ausdrücklicher Gehorsamsverweigerung unter Anklage gestellt, die vor dem Kriegsgericht der 4. Division Nr. 40 in Chemnitz verhandelt wurde. Der Anklage lag folgender Tatbestand zugrunde: Als Kind hatte Vermischtes. anderen unlauteren Motiven mie seinem Mäterial(in der Schmiergelder=Angelegenheit) zurück“. Die Begründung des Urteils lautete: Die Tatsache, daß eine Anzahl von Professoren und Aerzten dritten Personen für die Zuführung von Patienten Geld gegeben habe, sei festgestellt. Der Privatkläger habe sich an den Nachforschungen und Feststellungen beteiligt und das Material dem Sanitatsrat Dr. Friedemann zugestellt. Der Angeklagte konnte bei seiner Tätigkeit im Schöneberger Aerzteverein die berechtigte Hoffnung haben, daß ihm Dr. Moll sein Material unterbreiten würde im Interesse des Standes. Als dies nicht geschah, habe er sich wohl für berechtigt halten können. den Brief zu schreiben, und insofern sei ihm der Schutz des§ 193 Die gewählten Ausdrücke gehen aber über diesen Beziehen. Dieses lehnte er aber ab. Er war der Meinung, daß er gegen seinen Willen eine Operation an sich nicht vornehmen zu lassen brauche, um so mehr, als die ersten beiven ohne Erfolg geblieben waren. Er blieb bei seiner Weigerung auch trotz dreimaligen Befehls des Stabarztes, sich auf den Operationstisch zu legen.„Ich lasse mich nicht schneiden,“ sagte er und blieb dabei. Das Gericht erachtete den Tatbestand der ausdrücklichen Gehorsamsverweigerung für gegeben, da bei leichten operativen Eingriffen die Zustimmung des zu Operierenden nicht erforderlich sei! Erkannt wurde auf sechs Wochen einen Tag Gejängnis. Die Frage, um die es sich hier handelt, ist von größter prinzipieller Tragweite. Es ist erwünscht, daß die Angelegenheit bis zur höchsten Instanz verfolgt wird, damit von dieser festgestellt wird, wieweit das Persönlichkeitsrecht des Soldaten in bezug auf die Verfügung über seinen Körper durch einen Befehl ausgeschaltet werden darf. zugebilligt.„ Schußz hinaus. Aus der Veryandlung selost sind folgende kundungen von Interesse: Sanitätsrat Dr. Moll erklarte u. a Was bei dem gewöhnlichen praktischen Arzt, der vielleicht aus Not gefehlt have, von seinen Kollegen aufs schärfste gebrandmarkt wurde, sei von einzelnen Professoren, die sich in bevorn. Ja, zugter Stellung befänden, ganz skrupellos getan. man habe alb des Standes zu erledigen, seien u. a. dar ge— eine von ihm agsgesetzte—. Herzgn zie, wie er betone, nicht mit Namen zur Veroffentlichung gee. von den verdachtigtsten Personen abgelet wurde. Anntttärisches. § 175. Hirschberg i. Schl., 23. März. Der Leutnant v. Kaltenborn=Stachau. der wegen Vergehens gegen§ 175 in 17 Fällen— verübt an Soldaten— zu 4 Monaten Gefängnis Zwei Aufseher von einem Gefangenen eingesperrt. Ein tragikomischer Vorfall hat sich in Görlitz ereignet. Von der Strafkammer war Ende Februar der Agent Otto Suschke wegen mehrfacher Betrügereien und Schwindeleien zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden, auch wurde seine sofortige Verhaftung im Gerichtssaale angeordnet. Um verschiedene Geschäfts= und hausliche Angelegenheiten zu ordnen, erhielt Suschke auf sein Ersuchen die Erlaubnis, sich nach seiner in der Brunnenstraße 2 belegenen Wohnung zu begeben, zu welchem Zwei ihm zwei Gefangenenaufseher beigegeben wurden. Zu Hause verstand es Suschke durch eine geschickte Manipulation, die beiden Veamten in ein Zimmer der im ersten Stock befindlichen Wohnung einzuschließen. Hierauf stürmte er die Treppe hinunter, verschloß die Haustür und ergriff die Flucht. Die eingesperrien Beamten rissen sofort das Fenster auf und riefen den Passanten zu, den Flüchtling aufzuhalten. Nach längerer Verfolgung gelang es, ihn festzunehmen, worauf er wieder hinter Schloß und Riegel gebracht wurde. Die beiden Gesangenenaufseher mußten dann auf einer Leiter aus ihrem unfreiwilligen Gefängnis befreit werden. Zu den Unterschlagungen des Postassistenten Kühnemund, über die wir schon berichtet haben, wird von unterrichteter Seite noch mitgeteilt: Die Unterschlagung der Gelder in Ahlbeck ist in ganz raffinierter Weise von dem Beamten langer Hand vorbereitet worden. Nur so war es möglich, die Post um eine so gewaltige Summen zu betrügen. Kühnemund hat sich bereits im Januar bei einer Anzahl größerer Banken ein Konto auf den Namen Ch. Cleve Häutehändler aus Blumenau(Brasilien). eröffnen lassen. Im Februar hat er dann etwa 200 Postanweijungen über je 800 Mark als Postbeamter ausgefertigt, an jene Banken adressiert und abgesandt, ohne sie zu buchen, und natürlich auch ohne das Geld in die Postkasse zu legen. Die Adressen und die Unterschrift des Beamten auf den Postanweisungen hat er so täuschend ausgefertigt, daß sie verschiedene Handschriften zeigten. Die Postanweisungen mußten als echt erachtet und an die als Empfangerinnen genannten Banken ausgezahlt werden, welche die Beträge dem Konto des angeblichen Cleve gutschrieben. Während seines Urlaubes ist Kuhnemund nach verschiedenen Orten gereist, und hat sich dorthin von jenen Banken größere Summen von seinem Konto überweisen und auszahlen lassen. Die Banken selbst hatten die Errichtung eines Kontos seitens eines ihnen ganz unbekannten Menschen nicht beantandet. Nachdem dieser die Bekräge so erhalten hatte, ist er verschwunden. Es handelt sich um eine Veruntreuung großen Stils, wie sie bei großen Bankgeschäften, ein solches ist auch die Post hinsichtlich ihres Geldverkehrs, der sich auf einige Milliarden jährlich beläuft, nie vollständig ausgeschlossen werden kann. Wenn man glaubt, die Schuld an dem Vorfall dem Arbeiten aach bureaukratischen System zuschreiben zu sollen, und meint, in einem„Großbetriebe“ seien Unterschlagungen in solcher Höhe verständlich, aber in Ahlbeck!— so sei zunachst darauf hinzuweisen, daß die Post hinsichtlich des Geldverkehrs wohl den alb gemacht werden können. Es ist ungefähr dasselbe Verh wie wenn bei einer Filiale einer Großbank Einzahlungen gemacht und dann innerhalb des Gesamtbetriebes Veruntreuungen vorkommen. Ebensowenig, wie in großen Geschäften Fälschungen von Wechseln, Schecks, Unterschlagung von Depots usw. seitens ungetreuer Geschäftsführer nie ganz ausgeschlossen werden können, ebensowenig kann auch die Postverwaltung an sich gegen die Entwendung und Veruntreuung von Geldwerten durch Beamte sich unbedingt sichern, will sie nicht durch kleinliche Vor—„*„ Ugedie immerhin seltenen Fälle, in denen die Post durch derartige Vorkommnisse geschädigt wird. Die Höhe des Betrages mußte gewiß stutzig machen; aber sind nicht in großen Kaufmannsbetrieben weit erheblichere Veruntreuungen vorgekommen? Es sei nur an die großen Bankzusammenbrüche, zuletzt an denjenigen der Dänischen Landmannsbank in Kopenhagen erinnert. Die Vorschriften der Post sind durchaus genügend. Ein Einschmuggeln von gefälschten Postanweisungen durch Personen, die nicht bei der Post beschäftigt sind, ist z. B. vollständig ausgeschlossen, während doch das Einschmuggeln gefälschter Wechsel möglich ist; und doch wird kein Mensch verlangen, daß die Banken usw. Vorkehrungen treffen, welche derartige Vorkommnisse unmöglich machen. Bei jeder Postanweisung, die abgesandt werden soll, wird vorher durch einen zweiten amt, derselbe lich sofort nach ihr werden das beansprucht jeder Empfänger. Es wird dann aber eine Prüfung eingeleitet, ob die ausgezahlten Beträge auch wirklich in die Postkasse eingezahlt sind, das nimmt natürlich bei dem Riesenverkehr einige Zeit in Anspruch. Die Zwischenzeit kann sich ein ungetreuer Beamter zunutze machen, und das hat auch der Ahlbecker Beamte getan. Krankenschacher. Ein an sich für die Oeffentlichkeit bedeutungsloter Beleidigungsprozeß, der mit der Verurteilung des Beleidigers zu 30 Mk. Geldstrafe endete, hat vor dem Amtsgericht Berlin=Schöneberg sehr üble und bedauerliche Einzelheiten über das Gebaren angesehener Berliner Aerzte zutage gefördert, mit Hilfe von Schmiergeldern an Hotelportiers und„Institute für medizinische Konsultationen“ ihren„Patientenumsatz" zu erhöhen. Die betreffende Privatklage hatte Sanitätsrat Dr. Albert Moll gegen den prakt. Arzt Dr. Alb. Levin gestellt, weil letzterer als Mitglied des Vorstandes des Vereins Schöneberger Aerzte jenem schriftlich den Vorwurf gemacht hatte, er, Dr. Moll,„halte entweder aus Feigheit oder aus —„" 50 sich sogar despektierlich gegen das Vorgehen der Schöneberger Kollegen geäußert, da die Professoren eine tiefe Kluft von dem gewohnlichen Arzt scheide.(2) Seine Versuche, die Angelegen„„innerhalb des Standes zu erledigen, seien u. a. daran gescheilert, daß ausdrücklich b langen sollte, von ven Ferruchtigtsten Personen abgeleynt wurde. Obwohl das Gebaren solcher Konsuttatsbureaus bekannt sein musse, hätten es einzelne Aerzte sogar fertiggebracht, den Herren eine Ehrenerklärung zu geben, die von dem einen Inhaber eines solchen Bureaus natürlich ausgenutzt worden sei. Dr. Moll bekundete ferner, daß er dem Angeklagten zwei Namen genannt habe in Fällen, die außerordentlich schwer lagen, weil es sich um zwei Männer handelte, die zu den allerersten Größen zählen. — Sanitätsrat Dr. Friedemann erzählt u. a.: Wir haben uns mit Exzellenz v. Leyden in Verbindung gesetzt und erfahren, daß hier von Herrn Dr. v. Lipliawsky und Dr. Weinßbein ein„russisches Institut für medizinische Konsultation“ eingerichtet ist, das eine Poliklinik für arme Russen unterhält. An der Spitze dieser Klinik sollte Exz. v. Leyden stehen. Dies wurde bestätigt, und wir haben letzteren gebeten, daß er sich hiervon zurückziehen möge. Wir haben Exz. v. Leyden ferner die Frage vorgelegt, ob er den sogen.„Schleppern“ für die Zuführung von Patienten Geld gegeben oder den Leitern des Instituts Heldvorteile gewährt habe. Dies wurde verneint. Exz. v. Leyden erklärte: er habe einmal einem der Leiter Geld angeboten, aber es sei abgelehnt worden. Dann erhielten wir von Prof. Kornmeyer weiteres Material. Danach sei ein„Schlepper“ an ihn herangetreten, der ihm Zuweisung von Patienten anbot gegen einen Rabatt von 25 v. H. des Honorars. Dies sei abgelehnt worden. Andere Herren haben sich dankbarer erwiesen. Prof. Posner gab zu, daß er einem Schlepper, dem Heilgehilfen Rosenberg, für Ueberweisung von Patienten Gelder bezahlt habe. Geh. Rat Senator fand nichts dabei, daß man Leuten, die Patienten zuführen, Geld senberg und einzelne Hotelportiers seigebe. Herr Rosenverg aul eingeine######### seien zu ihm gekommen und hatten iym gesagt:„Wir haben Iynen doch Patienten gebracht, und dafür möchten wir etwas haben, und da habe er ihnen dann etwas gegeben, weil er nicht die physische Kraft gehabt habe, sie hinauszuwerfen. Nach den Veröffentlichungen in der„Berliner Aerztekorrespondenz“ kam Herr Dr. Weißbein und forderte uns auf, sein Institut zu besichtigen. Er zeigte seine Kassenbücher, die nichts ergaben. Als ihm die Frage vorgelegt wurde, ob er bezahlt worden sei für die Zuführung von Patienten, hat er dies zögernd zugegeben mit dem Bemerken, daß es sich um„unbeträchtliche“. Summen bis zu 150 Mark handle. Der Mord auf der Alm. Großes Dunkel schwebt noch über einer Mordaffäre, die sich hoch oben in den Alpen, auf der Alp Sementina bei Bellinzona, abgespielt hat. Wie aus Zürich berichtet wurde, wurde unter dem Verdacht, seine Tochter auf der Alp durch Hammerschläge und Messerstiche ermordet zu haben, der Vater der Ermordeten verhaftet. Das Mädchen, Maria Kasagrande, lebte als Sennerin allein in den Bergen. Auch einige Verwandte der Ermordeten, die ebenfalls verhaftet wurden, sollen davon gewußt haben, daß sie umgebracht worden ist; doch konnte die Polizei noch nichts über die Motive dieses Verbrechens ermitteln. Aundrsauk== Nachrichten. Amt Enger. Vom 5. bis 11. März: Geburten: Söhne: Schuhmachermeister Wilh. Hüttemann, Enger; Zig.=Arbeiter Jul. Ohmansiek, Enger; Landwirt Aug. Meyer, Herringhausen. Töchter: Tischler Heinr. Thenhausen, Westerenger; Handarbeiter Aug. Haarland, Belke=Steinbeck; Handarbeiter Gustav Gerdener, Pödinghausen; Zig. Arbeiter Wilhelm Diekmann, Dreyen. Aufgebote: Elektrotechnischer Gehilfe Wilh. Kleineberg, Mengede, und Näherin Luise Kreft, Oldinghausen; Maurer Wilhelm Wilke. Besenkamp, und Zig.=Arbeiterin Anna Wiedemann, Hunnebrock; Lagerarbeiter Heinr. Beckmann, Enger, und Zig.=Arbeiterin Anna Petring, Pödinghausen; Schuhmachermstr. Heinr. Bültermann, Westerenger, und Witwe Luise Kausmann geb. Strathmann, Holsen. Eheschließungen: Landwirt Herm. Schürmann, Dreyen, und Marie Schwentker, Spenge. Sterbefälle: Karl Wilh. Holz, Enger, 9 M.; Ww. Anna Marie Ilsabein Heuermann geb. Heidholz, Besenkamp, 84 J.: Herm. Heinr. Strömer, Besenkamp, 9 M. Briefkasten der Redaktion. A. H., Bünde. Anfragen ohne Namen oder ohne Beifügung von Abonnemeatsquittung werden grundsätzlich nicht mehr beantwortet. 101. A. P. S. Das vorstehend Gesagte gilt auch für Sie. Nr. 56. 1. Die Unterstützung kann jedenfalls als Einkommen angerechnet werden. 2. Die Verbandsbeiträge werden in der Regel von der Steuerbehörde als nicht abzugsfähig betrachtet Nur in vereinzelten Fällen ist es bisher gelungen, den Teil der Beiträge, der für die Kranken= und Invalidenunterstützung gezahlt wird, in Abzug zu bringen. Schristen von kudwig Choma Moral Lausbubengeschichten Tante Frieda Hochzeit die Lokalbahn Die Medaille Peter Schlemihl Assessor Karlchen Grobheiten Neue Grobheiten Briefwechsel e. bayer. Landtagsabgeordn. 3.00 2.00 Zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schutstraße 20. Preis geb. brosch. 8.— 2.— 4.— 8.— 5.— 4.— 2.— 3.— 2.— 2.50 1.50 3.50 2.50 1.50 1.00 1.50 1.00 1.30 1.00 Gerondorr beei son das beste Waschmittel. 1&a Paket 15 Pfg. 1 Heute, abends 7½2 Uhr: Nur einmaliges außerordentliches Gastspiel des Kgl. Bayr. Hofschauspielers Mar Hospauer. — Nur einmalige Aufführung.— Erhöhte Preise. Mathias Gollinger. Donnerstag, den 25. März, abends 7 ½2 Uhr: — Zum letzten Male!— = M o r a l. Am Kleinen Theater in Berlin bereits über hundertmal vor ausverkauften Häusern gegeben. Sonnabend, 27. März: Gastspiel Max Wegner. „Götz von Berlichingen.“ Dienstag, 30. März: Benefiz Heberling. Doktor Klaus Mittwoch, 31. März: Gastspiel Robert Kothe. Volkslieder zur Laute. Wie erhalten wir nuser In Rücksicht auf die stets sich wiederholenden bedauerlichen und frivolen Beschädigungen unserer Baumpflanzungen bitten Aur letzterschienene erstklassige Neuheiten! Aur Höller See. Sensationell. Neu. Selten schönes Seebild mit allen Schrecken eines Schiffbruches und die wunderbare Rettung des Kapitäns. Wunderbare Szeuerie! Großartige Photographie! Der Schlager dieser Woche! — Neu! Neu! besellschalt zur Rushutzung der Eitelkelt, C. m. v. H. Humoristisch. Neu! Neu! Auftrittslied des Nasoni aus der Operette„Gasparone“ (Herr Oberregisseur Ed. Binder, Berlin). und damit uns und dem Staate Die Frage wird mit der Obst-Ausstellung vom 26. bis 30. ds. Mts. beantwortet durch Sport in Mexiko. (Herrlich koloriert.) Ein prächtiges Bild zieht am Auge vorüber. Wir wohnen einem Kampfe bei, ähnlich dem in Spanien, ohne jedoch durch Grausamkeiten unangenehm berührt zu werden, die derartige Schauspiele mit sich bringen müssen. Dieser Film ist ein Ereignis. Ganz besonders interessant ist die Szene, welche zeigt, wie der unbezwingbare, wütende Stier zahm wie ein Lamm ist und aus der Hand frißt, wenn er den Ruf seines Eigentümers hört. 1. Stiere in der Freiheit. 2. Der Kämpf. 3. Der Stier Bonita. 4. Bouita und sein Besitzer. Neu! Schlager! Neu! Vom Feinde verfolgt. (Herrliches Drama.) Ein schmucker Husar wird Sieger im Kriege, aber auch der Besieger seiner schönen Retterin. Neu! Neu! Der Gaunerlehrling. Neu! Schlager! Die Tochter des Maultiertreibers. Burleske. Ein selten schönes Lebensbild. 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Wir verpflichten uns zudem, eine Belohnung von 10 Mk.(und nach I Umständen mehr) an denjenigen zu zahlen, welcher Baumfrevler uns oder der Polizei=Verwaltung mit dem Erfolg zur Anzeige bringt, daß der Täter vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden kann. Herford, den 17. Januar 1909. Busse. Phonographen von 4.50 an 0 omeneseen Sonstige Apparate, Walzen, Platten, sowie alle MusikInstr. in grösster Auswahl. Fr. Werpel, Herford Spezialgeschäft(1265 für Musik-Instrumente. M Wegen Räumung meines Ladens, Lübberstrasse 13, verkaufe ich 1555 Kochherde und Seten zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Lübberstrasse. unMontag morgen früh verschied plötzlich und erwartet unser innigstgeliebter Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Eichmeier im blühenden Alter von 19 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme an die tiefbetrübten Eltern und Geschwister. Sieker, den 22. März 1909. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 25. März, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Sieker Nr. 292, aus statt. Vorfeier 2½ Uhr. 71O— Todesanzeige. Am Montag morgen 2½ Uhr starb nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, die treusorgende Mutter unseres Kindes, unsere Tochter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante *** geb. Neef im Alter von 31 Jahren. Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, din 25. März, nachmittags 2½ Uhr, vom städtischen Krankenhause Vorfeier 2 Uhr. aus statt. 1702• Am Montag abend um 11 Uhr starb plötzlich und unerwartet unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater u. Schwager, der Kolon 17175 im vollendeten 80. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Heepen, den 23. März 1909. Die Beerdigung findet am Freitag, nachmittags 2½ Uhr, vom Trauerhause, Kammeratsheide 83, aus statt. Trauerbriefe mit Konverts liefert schnell, sauber und billig Buchdruckerei„Volkswacht". Tugvorhilfe in grösster Auswahl stets vorrätig TTüderkafe Geschw. Simon, Niedernstrasse 30. Tabakarbeiterkongreß nach in Isenstedt hat nun ei Leben gerufen, dort hält Demonstrationszug untern woselbst sie durch die Sä sorden seien. Da man auch in dieser an, so kann man sich das dieer Rede des Pastors rmit öffentlich, daß an hort ist. Pastor Winkler iderrufen, er wird jeden in ihm gemachten falsche „richtigen. * Minden, 22. März. oziale Versammlu hausen II bei Minden. R ristlich=Sozialen, Herr inden. Angekündigt wa kussionsredner. Trotzdem ommlung zu besuchen, da auarbeiter hier in Betersammlung von einem rbeiter, aus Rotenuffeln. n ihm auf den Gründer ir gewiesen, er bezeichnete oinichen Leben. Ueber ozialen Partei erhielt da er führte ungefähr sol virtschaftlichen Krise hät vierte Stand zu leiden. is sein, hier durch Notst Auch in Minden, wo drei wählt stien, wäre auf diese bekämen die Arbeiter nur von den freien Gewerkscha eine von den Christlich=S nicht beantwortet worden. land zu der Arbeitslosigkeit manchen guten Arbeiter al Arbeit fortnehmen. Sein überhauvt keine fremden tigen. Die Sozialdemokre hätte der Abg. Hue bewikönnte auch gar nicht and Programm in Konflikt kän dann vom Referenten die Versammlung empfohlen, d immer nebenbei eins ausge wurde erwähnt, hierbei wir Gaben hin, und behauptet 180 000 Mark für die säcke!! Nach einigen kammern, Arbeitslosenves versicherung, Heruntersetzer der Invaliden- und Alters der Finanzreform zu. Er es aber nicht gut ohne die gerechtere Verteilung gesor den ziemlich stark angefa überhaupt keine Steuern. ausfuhrzoll, Kaliausfuhr; steuer und Lurussteuer.— Genosse Rathert und fr Herren auf nur 15 Minu kurzem Wortwechsel wurde ging Genosse Rathert auf ein und zerpflückte die from Er stellte zunächst fest, daß Sozialen aus der Rumpel! geholt seien und würden. demokraten schon viel mehr die Christlich=Sozialen. T geschaffen, den vierten St beiter zu vereinigen, sonder zersplitterung sei ihr Haus der Gewerkschaftsbewegung Sozialdemokratie treffend gegenüber, die bewiesen, de recht schlecht informiert n für die Hinterbliebenen in sondern aus der Knaposch ablehnenden Standpunkt bei Beratung der Entwür werbenovelle usw. Nach de Arbeiter niemals wesentlider Referent doch wissen überhaupt keine Steuer wo verlangen nur direkte und frommen Wünschen und 8 ei den Arbeitern gedient, der Arbeiter in ihren Gen tischen Partei kämen wir Der unserem Genossen gesBeklommenheit der christl wurden die Fragen und flissentlich umgangen. Ge sofort ##### fest. Nachdem die o leicht auf christlich=sozia Christlichen hätten den f getan, dem unsererseits Tabakarbeiterkongreß nach Berlin. in Isenstedt hat nun einen„chr Leben gerufen, dort hält Pastor einer solchen Rede führ Der Herr Pastor Winkler lichen“, Kriegerverein ins Winkler auch Reden. In führte er seinen christlichen Kriegern Demonstrationszug unternommen bis zum Reichstagsgebäude, woselbst sie durch die Säbel der Polizei auseinandergetrieben vorden seien. Da man auch in dieser Gemeinde alles glaubt, was ein Pastor ag, so kann man sich das Gruseln der christlichen Krieger bei ei#er Rede des Pastors Winkler vorstellen.— Wir erklären rmit öffentlich, daß an der ganzen Erzählung kein wahres vort ist. Pastor Winkler möge deshalb seine Worte öffentlich iderrufen, er wird jedenfalls selbst das Bedürfnis haben, die in ihm gemachten falschen Angaben der Wahrheit gemäß zu „richtigen. * Minden, 22. März. Eine öffentliche christlichoziale Versammlung tagte am Sonnabend in Holzhausen II bei Minden. Referent war der Landtagskandidat der ristlich=Sozialen, Herr Buchdruckereibesitzer Fr. Knappinden. Angekündigt waren 15 Minuten Redezeit für Diskussionsredner. Trotzdem hielten wir es für ratsam, diese Verommlung zu besuchen, da ein ziemlicher Teil Tabakarbeiter und auarbeiter hier in Beträcht kommen. Eröffnet wurde die ersammlung von einem Herrn Hoppmeier, früher Tabakrbeiter, aus Rotenuffeln. Mit salbungsvollen Worten wurde n ihm auf den Gründer der christlich=sozialen Partei, Stöcker, gewiesen, er bezeichnete Stöcker sogar als die Sonne im oinichen Leben. Ueber Zweck und Tätigkeit der christlichozialn Partei erhielt dann der Referent Knapp das Wort. er führte ungefähr folgendes aus: Unter der gewaltigen virtschaftlichen Kriie hätte am schlimmsten der sogenannte vierte Stand zu leiden. Hauptaufgabe der Kommunen müßte s sein, hier durch Notstandsarbeiten Linderung zu schaffen. Auch in Minden, wo drei christlich=soziale Stadtverordnete gewählt seien, wäre auf diesem Gebiet vorgegangen worden, leider bekämen die Arbeiter nur 18 Pfg. Stundenlohn. Eine Eingabe von den freien Gewerkschaften oder Sozialdemokraten und auch eine von den Christlich=Sozialen wäre vom Magistrat einfach nicht beantwortet worden. Zum großen Teil trügen in Deutschland zu der Arbeitslosigkeit die fremdländischen Arbeiter bei, die manchen guten Arbeiter aus seiner Stelle drängen und ihm die Arbeit fortnehmen. Sein, des Referenten, Standpunkt wäre, überhauvt keine fremden Arbeiter in Deutschland zu beschäftigen. Die Sozialdemokraten versagten hier aber ganz. Das hätte der Abg. Hue bewiesen. Die sozialdemokratische Partei könnte auch gar nicht anders, da sie sonst mit ihrem ParteiProgramm in Konflikt käme. In recht geschickter Weise wurden dann vom Referenten die christlich=sozialen Forderungen der Versammlung empfohlen, der Sozialdemokratie selbstverständlich immer nebenbei eins ausgewischt. Auch die Radbod=Katastrophe wurde erwähnt, hierbei wies der Referent auf die vielen milden Gaben hin, und behauvtete, auch die Regierung zahle jährlich 180000 Mark für die Hinterbliebenen aus dem Staatssäcke!! Nach einigen frommen Wünschen: Arbeitskammern, Arbeitslosenversicherung, Witwen= und Waisenversicherung, Heruntersetzen der Altersgrenze auf 65 Jahre bei der Invaliden= und Altersversicherung, wandte sich der Referent der Finanzreform zu. Er sei Gegner indirekter Steuern, da es aber nicht gut ohne diese ginge, müßte wenigstens für eine gerechtere Verteilung gesorgt werden. Die Konservativen wurden ziemlich stark angefaßt. Die Sozialdemokraten wollten überhaupt keine Steuern. Herr Knavp schlug vor einen Kohlenausfuhrzoll, Kaliausfuhrzoll, Dividendensteuer, Tantiemensteuer und Lurussteuer.— Zur Diskussion meldete sich zunächst Genosse Rathert und fragte den Versammlungsleiter, ob die Herren auf nur 15 Minuten Redezeit bestehen blieben. Nach kurzem Wortwechsel wurde dann freie Redezeit gewährt. Nun ging Genosse Rathert auf die Ausführungen des Herrn Knapp ein und zerpflückte die frommen Wünsche der Christlich=Sozialen. Er stellte zunächst fest, daß alle die Forderungen der ChristlichSozialen aus der Rumpelkammer der Sozialdemokratie hervorgeholt seien und würden. Vor 20 Jahren hätten die Sozialdemokraten schon viel mehr gefordert für die Arbeiter als heute die Christlich=Sozialen. Die christlich=soziale Partei wäre nicht geschaffen, den vierten Stand zu heben, die Massen der Arbeiter zu vereinigen, sondern das gerade Gegenteil, die Arbeiterzersplitterung sei ihr Hauptzweck. Er führt mehrere Fälle aus recht schlecht informiert war. So kommen die 180000 Mark für die Hinterbliebenen in Radbod nicht aus dem Staatssäckel, sondern aus der Knappschaftskasse. Weiter verteidigte er den ablehnenden Standpunkt der Sozialdemokraten im Reichstag bei Beratung der Entwürfe über die Arbeitskammern, der Gewerbenovelle usw. Nach den Regierungsvorlagen kämen für die Arbeiter niemals wesentliche Verbesserungen heraus, das hätte der Referent doch wissen müssen. Daß die Sozialdemokraten überhaupt keine Steuer wollten, sei eine grobe Unwahrheit. Wir verlangen nur direkte und keine indirekten Steuern. Nicht mit frommen Wünschen und Zersplitterung in der Arbeiterbewegung lei den Arbeitern gedient, sondern durch festes Zusammenhalten der Arbeiter in ihren Gewerkschaften und in der sozialdemokratischen Partei kämen wir einzig und allein zu unserem Ziel. Der unserem Genossen gespendete Beifall erzeugte eine sichtliche Beklommenheit der christlichen Führer. In der Erwiderung wurden die Fragen und Ausführungen unseres Redners geflissentlich umgangen. Genosse Rathert stellte dies denn auch sofort fest. Nachdem die Herren sahen, daß die Arbeiter nicht o leicht auf christlich=sozialen Köder anbissen, erklärten sie, die Christlichen hätten den feien Gewerkschaften keinen Abbruch getan, dem unsererseits allerdings zugestimmt wurde. Genosse Schlonann ging dann noch des näheren auf die Tabaksteuer ein und stellte das Verhalten des Abgeordneten des Kreises, Kolon Sielermann, an den Pranger, und gab seiner Freude Ausdruck, daß Herr Knapp ein so energischer Gegner der Tabaksteuer sei. Knapp hätte dazu gesprochen wie ein Sozialdemokrat, aber bezeichnend bleibe es für die christlichen Tabakarbeiter, daß sie dem Berliner Kongreß ferngeblieben seien. Daran könnte man ersehen, wie die Interessen der Tabakarbeiter von deren Führern gewahrt würden. Der Patriotismus unserer Agrarier und Kapitalisten ginge nur bis an den Geldbeutel. Gegen die jetzige Form der Nachlaßsteuer meldete sich noch ein Bauer. Vom Versammlungsleiter wurden dann noch die ollen Kamellen aufgetischt, wie die sozialdemokratischen Abgeordneten im Reichstage bei den sozialpolitischen Gesetzgebungen gestimmt haben, anscheinend verlas er dies aus einer Broschüre des Reichs..... verbandes. Das Schlußwort war gegenüber den ersten Ausführungen ziemlich abgeschwächt. Zum Schluß machte der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß am nächsten Mittwoch im„Rosental“ in Minden der Abgeordnete Dr. Burckhardt sprechen wurde. Auf eine Anfrage unsererseits, ob freie Diskussion gewährt sei, wurde dies versprochen. Anwesend waren zirka 80 Mann. * Minden, 23. März. Wie die Christlich=Sozialen Versprechen halten, dazu wird uns geschrieben: Sonnobend fand in Holzhausen II eine christlich=soziale Versammlung statt, in welcher Herr Fr. Knapp referierte.(Siehe vorstehenden Versammlungsbericht. D. Red.) Nach Schluß der Versammlung erklärte Herr Knapp zwei bekannten Parteigenossen, daß am Mittwoch, 24. März, in Minden im„Rosental“ eine christlich=soziale Volksversammlung stattfände. Reichstagsabgeordneter Dr. Burckhardt werde referieren. Nach dem Vortrag werde freie Redezeit gewährt. Wer von unseren Parteigenossen spreche, sei ganz gleich, und wenn es auch ein sogenanntes Paradepferd sei. Also mit anderen Worten: wir könnten einen unserer bewährtesten und tüchtigsten Redner Herrn Dr. Burckhardt gegenüberstellen. Wie groß aber war unser Erstaunen, als wir am anderen Tage am Schlusse der Bekanntmachung der betreffenden Versammlung im„Mindener Kreisblatt" lasen: Diskussionszeit a Stunde. Also keine freie Redezeit, und das bei einer Tagesordnung, welche zwei so wichtige Fragen wie:„Die politische Lage" und„Die Finanzreform unter besonderer Berücksichtigung der Tabaksteuer" umfaßt. Was sollte nun durch das Versprechen bezweckt werden? Nun, die Arbeiter sollten in hellen Scharen zu dieser Versammlung strömen, damit die Christlich=Sozialen ein volles Haus bekamen. Da es aber nicht möglich ist, in einer ½ Stunde den Referenten zu widerlegen und die Christlichen ihr Versprechen betreffs der freien Redezeit damit schmählich gebrochen haben, so ist es Pflicht der Arbeiter, diese Versammlung nicht zu besuchen, sondern Herrn Knapp mit seinem Referenten und seinen Getreuen sich selbst zu überlassen. Vermischtes. Kesselexylosion. Hamburg, 23. März. Eine schwere Kesselexplosion ereignete sich heute vormittag im Hafen auf dem Schleppdampfer„Eduard“ von der vereinigten Elbschiffahrtsaktiengesellschaft. Zwei Arbeiter wurden so schwer verletzt, daß einer von ihnen seinen Verletzungen bereits erlegen ist. Man nimmt an, daß ein dritter, noch vermißter Arbeiter ins Wasser geschleudert worden und dort ertrunken ist. Ein Unhold. Frankfurt a. M., 23. März. Ein 31 Jahre alter Buchführungslehrer in der Würzburgerstraße, der sich auch mit Vermittlung von Talehen beschäftigte, hat Frauen, die auf Inserate wegen Darlehen bei ihm vorsprachen, in verbrecherischer Weise belästigt. Es wurden ihm bereits 4 Notzuchtsversuche nachgewiesn. Eine Frau erlitt einen Ohnmachtsanfall und mußte arztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Explosion und Feuersbrunst. Dresden, 23. März. In der Königlichen Munitionsfabrik in der Altertstadt erfolgte heute vormittag beim Laden von Feldpatronen eine Explosion, wodurch das betreffende Laboratorium in Brand gesetzt wurde. Das Gebäude brannte vollständig nieder, dagegen gelang es der Feuerwehr, eine Weiterverbreitung zu verhindern. Menschen sind bei der Explosion nicht verungluckt. Mörder von Mutter und Großmutter. Neubrandenburg a. Havel, 23. März. Die Strafkammer verurteilte den 17 Jahre alten Amtsschreiber Otto Schulze wegen Ermordung seiner Mutter und Großmutter zu 15 Jahren Gefängnis. Ausstand der Post= und Telegraphenbeamten beendet. Paris, 23. März. Die ausständigen Pariser Postbeamten beschlossen Dienstag vormittag mit 6000 gegen 300 Stimmen die Wiederaufnahme der Arbeit. Um 2 Uhr wurde die Arbeit im ZentralTelegraphenamt ohne weitere Störung ausgenommen. Tolstoi im Sterben. Petersburg, 23. März. Tolstois Befinden hat sich wesentlich verschlimmert, sein nahes Ende ist zu erwarten. Seinen Eltern zurückgegeben. Newyork, 23. März. Der geraubte Knabe Whitler wurde gegen ein Lösegeld von 10000 Dollar seinem Vater zurückgegeben. Es erfolgte in der Sache eine Verhaftung. Weise gedeckt werden: 25 Millionen durch Erhöhung der Matritularbeiträge, 100 Millionen durch eine Besitzsteuer, die in Form einer Erbanfallsteuer für Kinder und Ehegatten erhoben wird. Die Brausteuer soll 100 Millionen, die Branntweinsteuer Letzte Nachrichten. U ScharzeiNT „Germonia“ würden die Konservativen für die Erbanfallsteuer, die Freisinnigen für die Kaffeesteuer zu haben sein. Berlin, 24. März. In später Abendstunde wurde gestern das Urteil im Prozeß gegen den Referendar v. Igel wegen Tötung des Steinsetzmeisters Marschner gefällt. Er wurde wegen fahrlässiger Tötung zu viermonatiger Gefängnisstrafe verurteilt, wovon ein Monat als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurde. v. Igel wurde aus der Haft entlassen. Berlin, 24. März. Bei der gestrigen Generalprobe zum „Faust" im Deutschen Theater erlitt während der Aufführung der Hexenküchenszene die beliebte jugendliche Schauspielerin Elli Rothe lebensgefährliche Brandwunden. Fräulein Rothe, die die Meerkatze darstellte, geriet, als sie dem Faust den Feuerkelch zu überreichen hatte, mit den Haaren dem Feuer zu nahe und stand in kurzer Zeit in Flammen. Die übrigen weiblichen Darsteller flüchteten, viele fielen in Schreikrämpfe. Die Feuerlöschgeräte waren nicht sofort zur Stelle, so daß die Künstlerin derartig schwere Brandwunden erlitt, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürfte Landsbut, 24. März. Hier wurde der Postschaffner Igler wegen fortgesetzter Unterschlagungen von Postpaketen verhaftet. Eine Haussuchung bei ihm und seiner Geliebten brachten gestohlene und unterschlagene Ware zutage, namentlich Stoffe und Zigarren. Konstantinopel, 23. März. Die türkische Regierung beauftragte ihren Gesandten in Belgrad, bei der serbischen Regierung auf eine friedliche Beilegung des Konfliktes hinzuarbeiten. Die serbische Regierung teilte dasauf ihrem hiesigen Gesandten mit, daß sie fest entschlossen sei, den Konflikt auf friedlichem Wege zu erledigen. Standesamte-Nachrichten. Brackwede. In der Zeit vom 1. bis 15. März 1909 sind beim hiesigen Standesamt angemeldet: Geburten. Söhne: Fabrikarbeiter Heinrich Banze, Brackwede, Gütersloherstr. 329; Bahnarbeiter Wilhelm Volkmann, Brackwede, Gutersloherstr. 301; Maler Hermann Heinrich Adolf Böger, Brackwede, Niederstr. 6a; Fabrikarbeiter August Eickmeyer, Quelle 108; Restaurateur Gustav Falkenreck, sningstr. 39: Glasmacher Karl Maas, Brackwede, ., Senne 1 # heichensteller Hermann Schurmann, Brackwede, Brockhagerstr. 67; Fabrikarbeiter Whelm Sommer, Quelle 111; Landwirt Heinr. Teune, SenneI 108; Bahnarbeiter Wilhelm Wüllner, Brackwede, Eggestraße 16. Töchter: Arbeiter Heinr. Buschmann, Brackwede, Friedrichsdorferstraße 57; Invalide Heinr. Wilhelm Schlüpmann, Brackwede, Kaiserstr. 32a; Fabrikarbeiter August Rulle, Brackwede, Bielefelderstr. 61; Fabrikarbeiter Franz Dopheide, Brackwede, Friedrichsdorferstr. 107a; Fuhrunternehmer Hermann Hansmeier, Brackwede, Bielefelderstr. 775; Fabrikarbeiter Josef Hampel, Brackwede, Spinnerei Vorwärts 16; Weber Karl Senf, Senne I 1; Schlosser Emil Dammeyer, Quell. 68; Modellschreiner Heinrich Strothmann, Brackwede, Kaiserstr. 930; Ingenieur Alfred Keßler, Brackwede, Markt 4; Dekorationsmaler August Brand, Senne I 179; Arbeiter Adolf Kee, SenneI 149; Glasmacher Otto Lippert, Brackwede, Kaiserstr. 187; Bleicharbeiter Karl Ott-Imkampe, Senne 1 46; Arbeiter Wiebe Jansen, Brackwede. Bielefelderstr. 75; Bleicharbeiter Heinrich Wittenbrock, Quelle 42. Aufgebot. Arbeiter Hermann Spilker, Quelle 10, und Auguste Houtz, Ummeln 12. Eheschließungen. Mühlenbesitzer Heinrich Kramer, Hohenhausen in Lippe 120, und Alwine Kükenshöner, Senne Is; Schlosser Johann Sauer, Brackwede, Spinnerei Vorwärts 15, und Elisabeth Reichort, daselbst. Sterbefälle. Ehefrau Hanne Christine Karoline Sudhölter geb. Schürmann, 66 J., Brackwede: Anna Lyer, 7 Mon., Brackwede Mathilde Johanne Karoline Althoff, 10 M., Quelle; Invalide Johann Nevomuk Müller, 53 J., Brackwede; Walter Weimann, 2 J., Brackwede; Ehefrau Hanne Wilhelmine Luise Hellweg geb. Varenholz, 43 J., Brackwede; Maria Anna Wilhelmine Worm, 6 J., Senne I 54; Maria Hedwig Franziska Hünneke, 10 Mon., Brackwede: Hanne Karoline Kamp geb. Depenbrock, 64 J., Brackwede; Heinrich Wilhelm Gustav Ellermann, 1 J., Brackwede; Marie Niedel, 1 J., Brackwede; Ingenieur Karl Heinrich Wilhelm Brinkmann, 35 J., Brackwede; Alfred Hugo Dannhoff, 8 Mon., Brackwede. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Brackwede, Oxningser. 55 Glasmächer Kurt Maas, Brackn Schulstr. 99(Zwillinges; Bauunternehmer Ernst Witte Ser 167; Ziegler August Hilker, SenneI 43; Hilfsweichenst Berlin, 24. März. Die„Germania“ berichtet, das Zustandekommen des Steuerkompromisses sei gesichert. 490 Millionen müßten im ganzen aufgebracht werden. Davon kämen 60 Millionen in Abzug, weil man auf die Abschaffung der Zucker= und Fahrkartensteuer verzichten wolle. Der Rest solle in folgender S E Donnerstag, Freitag, den 25. März, den 26. März, Sonnabend, den 27. März. Verkauf nur I. Etage Ab Donnerstag, den 25. März, bringen wir über 3000 Schürzen verschiedenster Art in den Verkauf, deren Preise unbedingt Aufsehen erregen müssen. Bei prima Stoffen und vorzüglicher Verarbeitung der Schürzen hat unsere diesjährige Schürzenauslage den Vorzug, dass sie fast ausschliesslich die neuesten Formen aufweist. S0 Tfiei er Se liefert billigst ohne Zwischenhändler seit 14 Jahren zu! leichten Zahlungsbedingungen Aug. 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Teller.... 1o, s u. 5; Kaffeekannell m.Patentbetel78, 68, 50,38, 30; Salatièren bekoriert,.... nur 35 u. 28 Kinderbecher....... nu. 5; Butterdosen... 189 Compotschalen belorient.. 20 u. 15; Tassen mit Untertassen.. 101 Tassen groß, Birnenfom........ 25; Kuchenteller groß..... 4 u. 38 Bratenplatten gu..... 42, 33, 25; Speiseteller geson...... 2s u. 18, Kuchenteller durchbrochen... 35 u. 284 Satzschüsseln Gtug..... 78; Speiseteller ba....... 2su. 18, Butterdosen...... 50, 4, 35 Satzschüsseln farbig, Atig. 38; Dessertteller...... is. n, 10; Milchgiesser bekorient..... 15 u. 8; Kumpen nd.::...... 3s, 25, 15; Compotièren rund..... 28, 22, 18; Tassen mit Golbrand und Golbdlinien... 254 Kumpen oal..:.::.... 2s u. 224 Bratenplatten... 8, 58, 42, 28; Dessertteller mit Goldlinien u. Goldstern 25; Saucièren 389 Leuchter. 35 u. 25; Tassen mit Rosenranke........ 25 Kaffee-Service für 6 Personen.. von 1.85 sse 12.00. Wasch-Garnituren... vn 1.25 bs 27.00 4 ese Aha's Excelslor! *