ammes mit den iten Gesetz, er. in canc carc gegentreten im 1. und im griebenso im lateiim lateinischen #inos(Krebs). Umstellung der Angewandt zel gen, besagt sichen Lagerung die sechs ganz jeben gen, gne, hat, wird übertim-or(Furcht gekehrter LautVorte, das auch orm:a(Gestalt) in ihren Lautt gelagert sind. re' der Formen im sprachlichen in Sprache entnz in derselben as gleiche Wort (englisch goat) enso ist es ganz nit Nach=en beiem Schramm=e e, so vereigigen der vokalischen hnell und unser finden sich zus Getränk mit und ebenso das das lateinische ganz dasselbe, tick-le. ob wir inder mit hol-e. nicht gerade imuns klar, wenn lateinische nos sel) neben das deutsches ernst eichen oder das g-idus ikalt). ie verschiedenen lsprache finden, iren Metathesis telbar aus der anz anders aber rzeugen müssen, nd mit dem-ös nit med-as beine direkte Abvon Vorgängen lb der Sprachntnis wir jetzt 1. Wo wir die iben, sehen wir igen fallen, und von den Küsten fern des Indus des Ganzes, wo wendigkeit wirsich doch der er Weise weiter rletzung, den wir = Narb=e beidogermanischen bezeichnet wiro. len) angemutet! in stehlen) und spricht, daß wir ppen einer und oder auf gersetz der mens me und überal die Erscheinung, ieses Spiel der sich damit sogar ze Erde, so gil es ist ein wirkag können wir der Mensch in itt es lofort in den Dialekten. der Kinder. Die finden, die wir in und auch bei , was sind sie esetzes! Natur aus der rmeßlichen Gesie nämlich die Weise variiert mnis aufklären, ezeln selbst mit ns sein, in all Erscheinungswendigkeit, und Gesetzmaßigkeit n Neubau der tern nachmittag anderer leicht Abomementchhreis für Bielefeld und Amgegend, sowie bei sämttichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pig. monatlich. Durch die Post bezogen 180 M. viertelführlich exkusive Bethtehgeid. Einzelnummer 10 Pig. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage tüglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Se UTbusesteerce Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionsbreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender RabattInseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Nieleseld, Nr. 68. Bielefeld, Montag, 22. März 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. wen bezahlt das Volk die Lebensmittelzölle? ssc. Mit dem Argument, die Lebensmittelzölle kämen vorwiegend den Kleinbauern zugute, seien vorzüglich ihretwegen auf die Größenklasse (nach der Anbaufläche) eingeführt, hat der Bund der Landwirte zweifellos starken Eindruck in kleinbürgerlichen Kreisen gemacht, und das Zentrum hat mit derselben Behauptung auch Massen von Industriearbeitern und Kleinbürgern dem Zolltarif von 1902 günstig gestimmt. Wem in Wirklichkeit die enorme Verteuerung der Nahrungsmittel in erster Linie zugute kommt, geht klar aus den soeben veröffentlichten Hauptergebnissen der landwirtschaftlichen Betriebszählung für Preußen von 1907 hervor. Wir lassen die wichtigsten Ergebnisse derselben, die voraussichtlich auch in der agrarischen Literatur eine große Rolle spielen werden, hier folgen. Es entfielen, Haupt= und Nebenbetriebe zusammengerechnet unter 0/05.. 0,05 bis unter 1„„ 2„„ n 20„„ 100„„ über 500 1 ha 2„ 3„ 20„ 100„ 500„ zutammen man die Zahl der Betriebe mit den auf sie entfallenden Anbauflächen verteilt, dann ist schon sinnenfällig, daß Hunderttausende„landwirtschaftlicher Betriebe“ in der Statistik erscheinen, die für die Versorgung des Marktes mit landwirtschaftlichen Produkten absolut nicht in Betracht kommen. Der offizielle Statistiker erklärt denn auch erläuternd, daß erstens 1907 die Zwergbetriebe„genauer erhoben sind wie 1895“ und zweitens: ihre starke Vermehrung eine Folge der neuerdings erfolgten Einrichtung von Laubenkolonien usw. in den zum Gebiete der Großstädte gehörigen Gemeinde= und Privatländereien sei Wirtschaftlich hätten diese Betriebe„nicht allzu viel zu bedeuten". Die Laubenkolonien, Gartenstadtanlagen und dergl. sind gewiß begrüßenswerte sozial=hygienische Einrichtungen, aber sie auch in die landwirtschaftliche„Betriebs"=Statistik aufzunehmen, ist ein Nonsens. Selbst Betriebe bis zu 5 Ar Umfang kann man unbedenklich aus der Betriebs=Statistik ausscheiden, insofern es sich nur in Ausnahmefällen um Produktionsstätten für den Markt handelt. In der Spezialstatistik der Hauptbetriebe erscheint die Betriebszahl und die Anbaufläche der KleinGruppen Zwergbetriebe(unter ½ ha Anbaufläche) Parzellenbetriebe(½ bis unter 2 Kleinbäuerliche Betriebe( 2„„ 5 Mittelbäuerliche Betriebe( 5„„ 20 Großbäuerliche Betriebe(20„„ 100 Großbetriebe( über 100 betriebe von 0,50—3 Hektar bedeutend verringert, aber auch die beiden höchsten Größenklassen von 500 bis uber 1000 Hektar, zeigen eine Abnahme. Eine absolute Vermehrung der landwirtschaftlichen Riesenbetriebe hat nicht stattgefunden, im Gegensatz zu der industriellen Betriebsentwicklung. Zugenommen haben die Hauptbetriebe sowohl der Zahl nach wie hinsichtlich der Anbaufläche, in den mittleren Größenklassen am erheblichsten. Ob freilich diese Betriebe nicht mehrfach sich in derselben Hand befinden, geht aus der Zählung nicht hervor. Der offizielle Statistiker schlußfolgert, die Bedeutung der mittelbäuerlichen Betriebe nehme zu, die der größten„aber offensichtlich ab“. Entscheidend für die vorausgestellte Frage ist jedoch, ob der landwirtschaftliche Zwerg= und Parzellenbetrieb, der 1907 über 60 Prozent der gesamten Betriebe umfaßte, tatsächlich auch nur annähernd so wie der Großbetrieb durch die Agrarzölle begünstigt wird Darauf geben nachstehende Tabellen eine bündige Antwort. Werden die Zählungsergebnisse prozentnal verglichen, dann entfallen von je 100 Betrieben auf die Anbaufläche der Das Bild hat sich total verändert! Die letzte Zählung ergab, daß 39,79 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe überhaupt keine Anbaufläche im Hauptbetriebe hatten, weitere 22 Prozent bewirtschafteten nur 1,19 Prozent der gesamten Anbaufläche; es trat sogar eine Verringerung der Anbaufläche ein. Dagegen entfielen auf die nur 5,74 Prozent von der Gesamtzahl ausmachenden großen und größten Betriebe 64,21 Prozent der ganzen Anbaufläche! Also besitzen oder bewirtschaften nicht einmal 6 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer weit über drei Fünftel der gesamten Anbaufläche! Drücken wir das auch in absoluten Zahlen aus: 1907 waren 1261 453 landwirtschaftliche Hauptbetriebe vorhanden. Davon hatten aber 18773 allein fast ein ganzes Drittel der ganzen Anbaufläche in Bewirtschaftung; rechnen wir auch die nächsthohe Größenklasse hinzu, so kommen wir auf 190 264 Großgrundbesitzer, die allein über 64,21 Prozent verfügten! Dieser relativ winzigen Zahl von 190000 Besitzern oder Bewirtschaftern ist das über 60 Millionen starke deutsche Volk tributpflichtig gemacht durch die Lebensmittelzölle! Die Agrarier werden natürlich hinweisen auf die Zunahme der„kleinen und mittleren Betriebe“. Diese Zunahme ist allerdings statistisch festgestellt. Aber der offizielle Statistiker selbst muß eingestehen, daß die Zwergbetriebe,— sie umsaßten 1907 ##st.10 Prozent der Gesamtzahl— für die landwirtschaftliche gproduktion bedeutungslos sind. Die preistreibende Wirkung der Zolle kommt nur für die an den Markt gebrachten Produkte in Betracht. Die kleinsten und kleinen Bauern mit einer Bewirtschaftungsfläche von je unter 2 Hektar produzieren aber wesentlich nur für den Eigenbedarf, und was sie von ihren Landeserzeugnissen an den Markt bringen, ist erstens minimal, zweitens müssen sie selbst wieder landwirtschaftliche Produkte einkaufen, denn nur die großen und größten Gutsbesitzer können die komplette Eigenproduktion durchführen. Die Zwerg= und Parzellenbetriebe machten zwar 61,79 Prozent von der gesamten Betriebszahl aus, aber zur Bewirtschaftung überhaupt standen ihnen nur 4,77 Prozent der Anbaufläche zur Verfügung! Das ist doch ein so krasses Mißverhältnis, daß sich jeder lächerlich macht, wenn er, nachdem die amtlichen Feststellungen vorliegen, noch behaupten wollte, der Kleinbauernstand sei der Nutznießer der Agrarzölle. Auch wenn man die kleinbäuerlichen Betriebe in der Größe bis zu 5 Hektar, hinzurechnet, wird das Bild nicht schöner. Wir kommen dann zu dem Resultat, daß 77,11 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe nur 12,91 Prozent der Gesamtanbaufläche unter Bewirtschaftung haben! Nun treten die vornehmen Kostgänger des deutschen Volkes erst recht deutlich hervor. Ueber drei Viertel der landwirtschaftlichen Wirtschaften müssen sich mit nur knapp 13 Prozent der vorhandenen Anbaufläche behelfen, wonach sich naturgemäß auch der Zollnutzen bemißt, soweit er überhaupt für die Zwerg=, Parzellen= und kleinbäuerlichen Betriebe existiert. Hingegen bewirtschaftet die kleine Zahl der Großgrundbesitzer(es sind nur 6,74 Prozent der Gesamtbetriebe) über 64 Prozent der ermittelten Anbaufläche! Diese Handvoll Großagrarier und Rittergutsbesitzer bezieht den gewaltigen Löwenanteil aus der enormen Verteuerung der Volksnahrung. Eine verschwindend geringe Zahl„Edelster und Bester“ schröpft die breite Volksmasse unerhört, und dieselben Großgrundbesitzer sind es wieder, die sich hartnäckig weigern, dem geschröpften Vaterlande durch Bewilligung der Nachlaßsteuer wenigstens etwas von dem durch die Zollprofite errafften Reichtum zurückzugehen. Diese gelinde Besteuerung der reichen Nachlässe hat Furst Bülow schon vor dem agrarischen Ansturm fallen gelassen. Auf der abermaligen indirekten Belastung der durch die Lebensmittelzölle ausgewucherten proletarischen Masse besteht Fürst Bülow, der agrarische Kanzler, selbstverständlich. Reichstagsabgeordneter Teu Eurmer Gsten und vir voreschirstschen Grubenbeamten. schriebgn 3u der technisch=industriellen Beamten wird uns geIn der Reichstagssitzung vom 8. Februar d. J hat der Abseordnete Graf Carmer=Osten versucht, die Ausführungen des Legeordneten Dr. Friedr. Naumann über die Vorgänge in Früglchlesien, namentlich auf der Gewerkschaft von Giesches seiner aö#,etträften, Der Abg. Dr. Naumann hatte sich in ntun dede auf die gktenmäßige Darstellung der Vorgänge genutzt, die der Bund der technisch=industriellen Beamten darüber Lroffentlicht hat. Da die Angaben des Abg. Grafen CarmerVorstans Jagu tig= teils widerspruchsvoll waren, sah sich der des B. t.=i. B. genötigt, ihm dies in einem längeren Zesrgiben vom 22. Februar d. J. auseinanderzusetzen. Auf Isten#2reiben ist der Reichstagsabgeordnete Graf CarmerEr 5as auf den heutigen Tag die Antwort schuldig geblieben. wurs“ sich nicht entschließen können, den ehrenrührigen VorLeu##„ die gemaßregelten Grubenbeamten seien„minderwertige enie, zurückzunehmen. Und dies trotzdem der Generaldirektor der Gewerkschaft Giesches Erben, der bekannte Geheime Bergrat Uthemann, diese„minderwertigen Leute“ als den„Stamm seiner tüchtigsten und besten Beamten“ bezeichnet hat. Der weiteren Behauptung des Reichstagsabgeordneten Grafen CarmerOsten von einer„Einmischung" des Bundes in die Verwaltung des Betriebes steht die Tatsache entgegen, daß die oberschlesischen Vertrauensmänner des Bundes wiederholt versucht haben, mit der Direktion und dem Repräsentantenkollegium von Giesches Erben Rücksprache zu nehmen. Erwiesenermaßen ist einer Anzahl Beamten von dem Geheimen Bergrat Uthemann die Alternative gestellt worden: Bund oder Gewerkschaft. Es ist infolgedessen unhaltbar, wenn der Reichstagsabgeordnete Graf Carmer=Osten behauptet, von den beteiligten 16 Beamten sei gegen die Gewerkschaft von Giesches Erben eine„offene, unberechtigte, vom Zaune gebrochene Kriegserklärung“ erlassen worden. Auch trifft es nicht zu, daß die Erregung unter den Steigern erst durch den Ingenieur Karo hervorgerufen worden sei. Hexr Karo hat es sich vielmehr gerade angelegen sein lassen, den durch die Entlassung des Steigers Appelt von Giesches Erben vom Zaun gebrochenen Konflikt so schnell als möglich friedlich beizulegen. Graf Carmer=Osten hat die vorstehenden Feststellungen des Vorstandes des B. t.=i. B. bis auf den heutigen Tag unwidersprochen gelassen. Er ist aber auch nicht der Aufforderung des Bundes nachgekommen, seine im Reichstage gemachten Ausführungen dort richtigzustellen oder in der Presse eine entsprechende Erklärung abzugeben. Man kann es dem Urteil der Oeffentlichkeit überlassen, ob der Reichstagsabgeordnete Graf Carmer=Osten bei dieser Gelegenheit nach dem Grundsatze „Noblesse oblige“ gehandelt hat. Das vorstehend erwähnte Schreiben des Bundes an den Grafen Carmer=Osten hat folgenden Wortlaut: Berlin, om 22. 2. 09. Herrn Grafen von Carmer=Osten. Mitglied des Reichstages „„ Berlin. Sehr geehrter Herr Abgeordneter! In der Reichstagssitzung vom 8. Februar d. J. haben Sie gegenüber den Ausführungen des Abgeordneten D. Naumann eine Darstellung der Vorgänge auf der Gewerkschaft von Giesches Erben gegeben, die mit unseren einwandfreien und jederzeit durch Zeugen nachweisbaren Feststellungen nicht übereinstimmt. Wir nehmen deshalb Veranlassung, Ihren Auslassungen gegenüber folgende tatsächlichen Feststellungen zu machen: 1. Herr Steiger Appelt hat in der Versammlung in Rybnik gegen den Plan einer Erweiterung der Tarnowitzer Bergschule lediglich in sachlicher Weise Stellung genommen. Ihm war nicht bekannt, daß der Vorstand der oberschlesischen Steinkohlenbergbau=Hilfskasse den betreffenden Beschluß gefaßt hatte. Er hatte vielmehr von der Absicht einer Erweiterung der Bergschule durch eine Notiz der Zeitschrift„Kohle und Erz“ Kenntnis bekommen, in der über die Urheberschaft das Planes gar nichts bemerkt war. Nach den übereinstimmenden Aussagen aller Versammlungsbesucher ist an dem Abend weder der Name Giesches Erben noch der des Geheimen Bergrats Uthemann erwähnt worden. „2. Die Behauptung, daß Herr Appelt nicht geeignet gewesen wäre, jemals Steiger zu werden, ist in der von Ihnen gewählten Fassung geeignet, Mißverständnisse hervorzurufen. Man könnte danach annehmen, es habe ihm dazu an der praktischen Tüchtigkeit im Dienste oder an der theoretischen Vorbildung gefehlt. Beides trifft nicht zu! Er sollte vielmehr vor einigen Wochen offiziell als Steiger angestellt werden und seine definitive Anstellung ist nur durch das Gutachten des Arztes verhindert worden. Sie haben übrigens in Ihrer Reder später selbst gesagt, daß Herrn A. infolge seines Auftretens in der öffentlichen Versammlung gekündigt“ wurde. Sie geben damit also zu, daß bei der Entlassung gar nicht die Frage der Tüchtigkeit, sondern lediglich die Tatsache seiner organisatorischen Betätigung entscheidend gewesen ist. 3. Wenn Sie im Widerspruch hiermit gleich darauf als unrichtig hinstellen, daß Herrn Appelt wegen seiner Zugehörigkeit zum„Bund der technisch=industriellen Beamten“ gekündigt worden sei, so stellen wir demgegenüber fest, daß Herrn Appelts Entlassung auch von Herrn Direktor Besser— also von demjenigen, der die Entlassung ausgesprochen hat!— damit motiviert worden ist, daß Herr Appelt„zuviel agitiere und hetze“. 4. Ihre Behauptung, daß von dem Bunde in Oberschlesien wenig oder gar nichts bekannt war, erscheint uns recht befremdlich, weil es u. E. zu den Pflichten jedes Arbeitgebers gehört, sich mit den Organisationen der Angestellten und Arbeiter zu beschäftigen. Außerdem ist die Behauptung tatsächlich unrichtig, da bereits vor zwei Jahren der Berg= und Hüttenmännische Verein“ einen Angriff gegen den Bund versuchte. An der damals von unserem Bunde einberufenen Protestversammlung hat sogar der Syndikus des Berg= und Hüttenmännischen Vereins, Herr Dr. Knochenhauer, teilgenommen. 5. Eine„Einmischung“ in die Verwaltung des Betriebes ist von uns niemals versucht worden. In allen Briefen unserer oberschlesischen Bundesfreunde ist vielmehr unzweideutig hervorgehoben worden, daß es nur ihr Wunsch war, die Herren über die Bestrebungen und Ziele unserer Organisation zu informieren. Daß sie sich überhaupt bemüht haben, mit den leitenden Herren von Giesches Erben eine Verständigung über die Entlassung ihres Kollegen Appelt herbeizuführen, halten wir für selbstverständlich. Denn eine Organisation, die es mit der Wahrung ihrer Standesinteressen ernst nimmt, hat nicht nur das Recht, sondern die unbedingte Pflicht, sich jedes Kollegen anzunehmen, der wegen der Ausübung seines Koalitionsrechts gemaßregelt worden ist. 6. Der Steiger, der am 18. 1. zu Herrn Generaldirektor Uthemann gerufen wurde, hat sich in der tags zuvor abgehaltenen Versammlung in Königshutte absolut nicht agitatorisch hervorgetan. Er ist im Gegenteil bloß Zuhörer gewesen und hat in die Verhandlungen mit keiner Silbe eingegriffen. 7. Derselbe Kollege erklärt noch heute und würde es eventuell mit seinem Eide bekräftigen, daß Herr Geheimrat Uthemann ihn am Schluß der Verhandlung beauftragt hat, seinen Kollegen mitzuteilen, sie würden am nächsten Tage ebenfalls vor die Alternative„Bund oder Gewerkschaft“ gestellt werden. Als Zeuge für diesen Vorgang kann auch der Berginspektor Foerster angeführt werden. Es wird somit die Folgerung hinfällig, als sei das Schreiben der 16 Beanten eine„osiene, pise Gesegschgaft gepesente os 95 seinem ersten Absatze von der erwähnten Alternative und läßt auch sonst deutlich erkennen, daß die betreffenden Herren nichts weniger im Sinne hatten,„als eine Kriegserklärung vom Zaune zu brechen“. 8. Die Konferenz, die dann am anderen Tage stattfand, ist nach der übereinstimmenden Aussage aller Anwesenden von Herrn Generaldirektor Uthemann mit der Erklärung eröffnet worden, er wisse sehr wohl, daß er„den Stamm seiner tüchtigsten und besten Beamten vor sich habe“. Dieser Wortlaut steht zweifelsfrei fest, so daß der ehrenrührige Vorwurf, als wenn es sich zum größten Teil um„mindetwertige Leute“ gehandelt habe, mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden muß. 9. Sie führten ferner aus, daß fünf der tüchtigsten Beamten sich für die Gesellschaft erklärt haben und daß die elf Beamten, die dem Bunde die Treue hielten, mit einer Ausnahme untüchtig gewesen sein sollen. Abgesehen von der Unwahrscheinlichkeit eines solchen Zufalles steht aber fest, daß gerade die Herren, die sich für den Bund entschieden haben, seitens der Verwaltung bei vielfachen Gelegenheiten als besonders tüchtig bezeichnet worden sind. Auch der Umstand, daß gerade diese sechs, sieben und mehr Jahre im Dienste der Gewerschaft Giesches Erben standen, ist ein Beweis für ihre Tüchtigkeit. Zudem ist einigen Herren— also nicht nur einem!— ihre besondere Tüchtigkeit erst vor nicht langer Zeit(nämlich gelegentlich der Fertigstellung des CarmerSchachtes!] durch Gewährung einer außergewöhnlichen Gratifikation bestätigt worden 10. Sie wollen bitte bedenken, wie sehr Sie durch Ihre abfälligen und zudem unrichtigen Ausführungen den guten Ruf der Betreffenden geschädigt und ihr wirtschaftliches Fortkommen erschwert haben. Wir gestatten uns darauf hinzuweisen, daß Sie ein derartig abfälliges Urteil, wie es in den Worten„minderwertige Leute“ liegt, außerhalb des Reichstags nicht wiederholen könnten, ohne Gefahr zu laufen, sich strafbar zu machen! Und ährigens: nahlesse oblige! die Tatsache, daß Sie zu ven Meitbesitzern der Gewerkschaft von Giesches Erben gehören, Blockparteien sei dann kommt darin nur zum so und so vielten Male die Anmaßung der Nationalliberalen zum Ausdruck, daß ihre Partei d: Block sei. Tatsächlich hat sich zwar nicht der Fraktion vo Reichsschatz##, eher die konservative Fraktion von dem Ansinnen der Mioneltiberalen, den Antrag Herold abzulehnen, weil er ein Hentrumsantrgg sei, brüstieren lassen, lediglich um nicht die schwache Möglichkeit einer Blockmehrheit für die Finanz= reform zu zerstören. Das von der nachgiebigen Rechten dann vorgeschlagen und vorläufig angenommene Kompromiß wird nun aber von der Linken so leidenschaftlich bekämpft, daß die Hoffnungen auf eine Blockmehrheit täglich mehr dahinschwinden. Die Rechnung des nationalliberalen Parlamentariers, der im „Leipziger Tageblatt“ sein„taktisches Empfinden" zu Worte kommen läßt, dürfte sich dann leicht als salsch erweisen: weder würde Herr Sydow die Reform mit dem Block machen können, eber die konserpative Fraktion von dem am in der Lage nicht blotz einseitig von der Generaldirektion des Werkes eingeholt, sondern auch die andere Partei, die gemaßregelten Beamten, gehört hätten. Wir durfen wohl hoffen, daß Sie nunmehr Veranlassung nehmen, Ihre im Reichstag gemachten Ausführungen bei der ersten sich bietenden Gelegenheit richtig zu stellen. Sollte dies aus irgend welchen Gründen nicht moglich sein, so bitten wir, eine entsprechende Erklärung in der Presse abgeben zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung Bund der technisch=industriellen Beamten. gez. Stiel. gez. Lüdemann.“ Politische Uebersicht. Wachsende Unzufriedenheit gegen Bülow. Gegen den Fürsten Bülow wenden sich nun auch konservative Preßorgane, Der„Reichsbote“ wirft dem Kanzler vor, daß er den Schatzsekretar nicht mit der nötigen Energie unterstütze und deshalb dafür verantwortlich sei, daß die Steuerpläne der Regierung fast durchweg abgelehnt werden. Ein anderer Teil der Presse, besonders liberale Organe, wollen gefunden haben, daß im Volk eine lange nicht mehr dagewesene Steuerbegeisterung herrscht. Das Volk, das die liberale Presse da entdeckt hat, besteht zurzeit allerdings nur aus einer Anzahl Professoren und Angehöriger freier Berufe, die niemand hinter sich haben. — Aus dem Reichstag. In der Budgetkommission teilte am Sonnabend der Vorsitzende zu Beginn der Sitzung den Inhalt eines Schreibens des Reichskanzlers mit. In diesem Schreiben erklärt der Reichskanzler, daß er nicht in der Lage sei, vor der Budgetkommission zu erscheinen, um Auskunft über den deutsch=englischen Flottenbau zu geben. Er werde den Staatssekretär für das Auswärtige Amt, schaftliche Verfügung vom Jahre— 1889, in der von der Eu. rung der öffentlichen Ordnung durch Verbreitung von Schriften die Rede ist, und verurteilte mehrere Genossen, darunter den Gauleiter des Bäckerverbandes, Genossen Reymann=Dresden. noch würde Fürst Bülow einem Zentrumskanzler Platz mathen müssen. Tertium datur!“ Aus dem Landtag. Ueber die vom Abgeordnetenhause beanstandeten Wahlen unserer Genossen Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann liegt jetzt die gutachtliche Aeußerung des Berliuer Magistrats vor. Der Magistrat gibt zu, daß in allen Berliner Wahlkreisen, auch in den Kreisen, in denen Freisinnige gewählt sind, die Wählerlisten in der Weise aufgestellt sind, daß für die Zensiten unter 3000 Mark das Steuerjahr 1908, für die Zensiten über 3000 Mark das Steuerjahr 1907 zugrunde gelegt ist. Der Magistrat erklärt weiter, daß er garnicht anders habe handeln können. Die Antwort des Magistrats wird nunmehr an die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses gehen. Das Plenum wird sich erst nach den Osterferien damit befassen und dann endgiltig über die Wahl beschließen. Schön, heauftragen, eine Erklärung in dieser Angelegenheit abzugeben, behalte sich aber vor, zu einer ihm passend erscheinenden Zeit sich über den Flottenbau zu äußern. Ohne Debatte wird das Schreiben zu Protokoll genommen. Die Kommission tritt sodann in die Weiterberatung des Marineetats ein; einige Positionen desselben werden ohne wesentliche Aenderungen genehmigt. Die neueste Tabaksteuervorlage. Die Subkommission für die Tabaksteuer soll sich auf einen nationalliberalen Antrag geeinigt haben, der neben der Erhöhung der Gewichtssteuer für inländischen Tabak auf 75 Mk. für den Doppelzentner eine Zollerhöhung für Zigarren und Zigaretten vorsieht. Der Zoll für Zigaretten soll auf 1000 Mk., der für Zigarren auf Mk. pro Doppelzentner erhöht werden.y 700 üußerdem sonl für ausländische Tavakblätter(bearbeitete und unbearbeitete) beim Uebergang an einen Verarbeiter ein Zollzuschlag vom Werte erhoben werden. Ris m Uebergang soll F#t Rückzug Serbiens. Es ist genau so gekommen, wie wir auch in den Tagen des tollsten Kriegsgeschreis kühl bis ans Herz hinan immer behauptet haben: Rußland kann nicht und Serbien wird deshalb klein beigeben. Daß die friedliche Wendung so langsam sich durchsetzte und daß Oesterreich tatsächlich mobilisierte, hatte seinen Grund in dem recht natürlichen Bestreben der österreichischen Staatsmänner, die miserable Lage, in welche Rußland durch seine ungeschickte Haltung geraten war, nach Kräften auszunutzen und diesem Erofeind Oesterreichs die Demütigung bis auf die Neige kosten zu lassen. Folgende Nachrichten liegen heute vor: Belgrad, 21. März. Von autoritativer Seite wird mitgeteilt, daß die serbische Regierung bereit ist, alle Wünsche der Nachte zu erfüllen, die mit der Würde des Staates und mit dem Interesse der Nation vereinbar sind. Serbien erkennt die Annexion der okkupierten Provinzen als vollendete Tatsache an, verzichtet auf territoriale Kompensationen und nimmt die normaren Beziehungen zu dem Kaiserstaat wieder auf. alles jedoch unter der Voraussetzung, daß dieses Arrangement, international durch eine Konferenz oder sonstwie sanktioniert wird. Weiter wird erklärt:„Gegen den Versuch, mit Oesterreich=Ungarn direkt oder allein über die Wiederaufnahme der normalen Beziehungen zu verhandeln, hat Serbien schwere Bedenken, da erst aus den letzten zwei Monaten zwei Fälle vorliegen, in denen die Doppelmonarchie nicht loyal gehandelt hat. Wien, 21. März. Wie aus Belgrad gemeldet wird, beginnt man jetzt in Serbien einzusehen, daß man nicht mehr auf uropa rechnen kann. Die Stimmung schlägt gegen Rußland um, dem Verrat vorgeworfen wird, und die anderen befreun Kereen. Bis zum Arrtigung sollen Tabakblätter unter Zollaufsicht des Reiches bleiben. Als Wert soll im allgemeinen der Preis gelten, der zwischen Verkäufern und Verarbeitern vereinbart wird. ** . In der Finanzkommission wurde am Sonnabend die Gas= und Elektrizitätssteuervorlage beraten. Der Referent Pichler(Ztr.) sprach gegen die Vorlage und schloß seine Rede mit dem Wunsche, sie möge ebenso endgiltig abgelehnt werden, wie gestern die Inseratensteuer. Der Korreferent Schulz(Rp. sprach für die Vorlage. Schatzsekretär Sydow, sowie der Regierungskommissar Dr. Weber traten für die Vorlage ein. Sydow erklärte, die Steuer hemme die Industrie nicht; als Beweis führte er Italien an, in welchem Lande die Industrie trotz der Steuer im starken Aufschwung begriffen ist. Die Hauptsache ei die finanzpolitische Seite und gerade aus diesem Grunde ollte die Steuer bewilligt werden, denn die elektrische Industrie habe eine so große Zukunft, daß aus ihr die ertragreichste Steuer fließen könnte.— Die Abgeordneten Günther(Freis.) und Fuhrmann(natl.) sowie Hanisch(Antisem.) erklärten sich gegen die Vorlage; ebenso begrundet Abg. Genosse Emmel die ablehnende Haltung seiner Fraktion. In der Abstimmung wurde dann die Vorlage mit allen gegen 2 Stimmen der Konservativen und 2 Stimmen der Reichspartei abgelehnt. Am Dienstag wird die Branntweinsteuervorlage beraten. deten Mächte beschuldigt man der Feigheit, weil sie vor den Bajonetten Deutschlands kapitulieren. Die Kriegspartei versucht die entstandene Erbitterung auszunutzen und den Haß gegen Oesterreich noch zu steigern, was auch gelingen wird, wenn die Regierung der maßlosen Agitation nicht ein Ende macht. London, 21. März. Wie verlautet, hat der serbische Minister des Aeußern folgende Mitteilung veröffentlichen lassen: Rußland, Frankreich und England haben Serbien empfohlen, seine Rüstungen einzustellen. Serbien wird diesem Rate Folge leisten, wenn ihm Garantien dafür gegeben werden, daß Oesterreich seinerseits keinen Angriff unternimmt. Rom, 21. Marz. Nach hier aus Montenegro eingetroffenen aber offiziell nicht bestätigten Meldungen soll der Furst von Montenegro die Abrüstung für bevorstehend erklärt haben, weil Montenegro und Serbien beschlossen hätten, sich dem dringenden Wunsche der Mächte, den Frieden zu wahren, zu fügen. Aus der Stadt und Nachbarschaft. etzitionskommission. Am Donnerstag gelangten einige Peiitionen von allgemeinem Interesse zur Verhandlung. Eisenacher Zinngießermeister petitionierte um Aenderung des Gesetzes, betr. den Verkehr mit zinkhaltigen Gegenständen. Er wünscht im Interesse des daniederliegenden Zinngießergewerbes, daß gestattet werden soll, daß den Biergläserdeckeln bis zu 50 Prozent Zink beigemischt werden darf. Hierzu hatte der Vorstand des Deutschen Metallarbeiterverbandes eine Gegenpetition eingereicht, die verlangt, daß es bei dem gegenwärtigen Zustand belassen werden möge, wonach Deckel auf Gläsern und anderen Geschirren nicht mehr als 10 Proz. Zink enthalten dürfen.— Der Verbandsvorstand weist auf die Schädlichkeit hin, die der Wunsch der Zinngießermeister mit sich bringen würde. Genosse Sachse begründete die Petition der Metallarbeiter in eingehender Weise. Die Petitionen wurden schließlich dem Reichskanzler als Material überwiesen. Dann wurden zwei Petitionen aus polnischen Kreisen verhandelt. Die Polnische Berufsvereinigung bat um Abänderung des§ 12 des Vereinsgesetzes, dahingehend, daß den Versammlungen gestattet wird, in polnischer Sprache zu verhandeln, wenn es sich um Berufsfragen oder um Vereinsangelegenheiten handelt. Die andere Petition— überreicht vom Abg. Dr. Frank= Ratibor— verlangt, daß im Kreise Ratibor die Anwendung der polnischen Sprache in allen Versammlungen gestattet werde, weil die Bevölkerung sich nur zu 10 Prozent der deutschen Sprache bedient. Die Polen allein bilden in dem Kreise nicht die erforderlichen 60 Prozent der Bevölkerung, mit mährisch sprechenden Teil der Bevölkerung machen sie aber 90 Prozent aus. Der Referent Abg. Napieralsti empfahl Ueberweisung zur Berücksichtigung der beiden Petitionen, die auch mit knapper Mehrheit beschlossen wurde. * Bielefeld, 22. März. — d. Gewervegericht(Stadt.) Spruchsitzung vom 19. März. Der Bautechniker F. klagt gegen den Bildhauer v. Saher wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung von 100 Mark. Der Beklagte will den Kläger zu Recht entlassen haben, weil dieser ein verleumderisches Gerücht über ihn in Umlauf gesetzt habe. Da Kläger das bestreitet, soll in einem neuen Termin Beweis erhoben werden.— Der Arbeiter W. klagt gegen die Firma W. Hellmann auf Zahlung des Restlohnes in Höhe von 14 Mark. Kläger war rach seiner Angabe als Nachtarbeiter ohne Lohnvereinbarung eingestellt. Es sind ihm dann am Zahltage 22 Pfg. pro Stunde gezahlt worden, während er 35 Pfg. für angemessen hält. Die Beklagte behauptet, Kläger habe durch seinen Schwager um Arbeit anfragen lassen und diesem sei ausdrücklich gesagt worden, es handle sich um Frauenarbeit, für die ein Lohn von 22—30 Pfg. pro Stunde bezahlt würde. Kläger gibt dies schließlich zu, worauf Abweisung der Klage erfolgt.— Der Tischler W. klagt gegen den Tischlermeister Meinecke auf Zahlung des rückstandigen Lohnes in Höhe von 25 Mark. Klager behauptet, er sei als Tischler für polierte Möbel eingestellt, aber mit anderen Arbeiten beschäftigt worden und deshalb gegangen. Der Beklagte behauptet dagegen, dies sei nicht der Fall, Kläger sei angenommen, um alle vorkommenden Tischlerarbeiten zu verrichten. In der Sache soll Beweis erhoben werden.— Der Maurer St. klagt gegen die Firma F. Eilers jun. auf Zahlung einer Entschädigung im Betrage von 56 Mark. Der Kläger behauptet, er sei für vier Wochen fest eingestellt gewesen, aber nur 10 Tage beschäftigt worden, wahrend die Beklagte dies bestreitet und ausführt, es sei nur gesagt, die zu verrichtenden Arbeiten könnten wohl vier sochen dauern. Die Parteien vergleichen sich, der Kläger erhält 4 Mk. und tritt wieder ein.— Der Bierfahrer L. klagt gegen den Bierhändler Wüstefeld wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung in Höhe von 36 Mark. Eine weitere Forderung von 11,25 Mk. ist bereits in Die„Kreuzzeitung“ und der Block. Polemik gegen das nationalliberale„Leipziger Tageblatt“ schreibt die„Kreuzzeitung": an d e se u Sodow und den Reichskanzler gegeneinander Ratmäßigleit damit die Regierung unter nationalliberale Volmaßigleit zu bringen, muten um so seltsamer an, als gleichzeitig der Block die ganze Finanzvorlage mit ihren direkten und indirekten Steuern der Regierung vor die Füße geworfen ... Eine Garantie für den Block kann weder Fürst Bülow noa, Sydow übernehmen. Ist es dem Block wegen seiner heterogenen Zusammensetzung unmöglich, für ein Finanzgesetz eine Mehrheit zu bilden, so muß eine andere Mehrheit gesucht werden. Daß der Block nicht in allen seinen Teilen geneigt ist, in sich ein Kompromiß auch nur anzustreben, dafür sprechen die Erklärungen freisinniger Führer, die offen die Finanzreform nicht als eine Blockaufgabe hinstellen. Wenn der nationalliberale Abg. Dr. Weber wirklich dem Reichsschatzsekretär gesagt hat, er verbittet sich auf das allerentschiedenste das Ansinnen, fur einen Zentrumsantrag zu stimmen, weil das eine Brüskierung der einem früheren Termin vom Beklagten anerkannt worden. Der Beklagte leistet trotz der gemachten Vorhaltungen den ihm auferlegten Eid, daß er den Kläger nicht entlassen habe, worauf die Klage zurückgenommen wird.— Der Werkmeister F. klagt gegen den Tischiermeister Gehring wegen kündigungsloser Entlassung auf Zahlung einer Entschädigung von 190 Mk. Die vom Kläger ferner verlangten 65 Mk. an rückständigem Lohn sind inzwischen gezahlt worden. Es wird ein Vergleich geschlossen, der Kläger tritt wieder ein. — Ein freisprechendes Urteil von prinzipieller Bedeutung ällte das Dresdener Oberlandesgericht. Gelegentlich eines Ausstandes in einer Großmühle in der Umgegend Dresdens im Mai vorigen Jahres waren von dem Dresdener Bureau der Bäcker an eine ganze Reihe von Kunden der Mühle Zirkulare als Drucksachen in einem offenen Kuvert versandt worden, durch die die Empfänger auf den Streik aufmerksam gemacht wurden und ferner darauf hingewiesen wurde, daß eventuell eine Veröffentichung der Kunden der Mühle erfolgen würde. Es wurde weiter in dem Zirkular die Bitte ausgesprochen, die Firma zur Bewilligung der Forderungen der Arbeiter zu veranlassen. In dieser Versendung sah das Schöffengericht eine Verletzung des§ 20 des Preßgesetzes und einen Verstoß gegen eine amtshauptmannzu Recht bestehend. Genosse Reymann legte nunmehr Revision an das Oberlandesgericht ein und rügte eine fehlerhafte Anwendung des Strafgesetzes und eine Verkennung des Begriffes „Oeffentlichkeit". Er hatte damit auch Erfolg, denn das höchste sächsische Gericht sprach ihn frei unter Uebernahme der Kosten auf die Staatskasse. Die Versendung von Zirkularen in offenen Kuverts könne nicht als eine öffentliche Verbreitung von Schrif. ten angesehen werden. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben. Heute gastiert Hofschauspieler August Junkermann zum letzten Male und zwar als„Dörchlsuchtung“. Tilly Musäus und Willy Schweisguth, zwei der vielseitigsten und=beschäftigsten Mitglieder des Stadttheaters, spielen zu ihrem morgigen Benefiz die beiden Hauptrollen in Lindaus geistvollem Lustspiel„Die beiden Leonoren“. Max Hofpauer, der berühmte Königl. Bayr. Hofschauspieler, gastiert am Mittwoch als Mathias Gollinger in dem gleichnamigen Lustspiel von Blumenthal und Max Bernstein. Hofpauer ist wohl zurzeit der bedeutendste süddeutsche Dialektschauspieler. — Polizeibericht. Festgenommen wurde 1 FrauensPerson wegen Trunkenheit, 1 Person wegen Bettelns, 2 Personen wegen Trunkenheit, groben Unfugs und Obdachlosigkeit, 17 obdachlose Wanderer erhielten im Polizeigefängnis hier Unterkunft. Wegen versuchten Einbruchsdiebstayls wurde der Kellner H. P. festgenommen, als er in der Kronen=Drogerie einzubrechen versuchte. Diebstahl. In Herford ist am Sonnabend, 20. d. M., gegen 9 Uhr abends, ein schwarzes Pferd mit Geschirr gestohlen worden. Auf dem Sattellager ist es mit mehreren weißen Stellen versehen. Gefunden. 1 Damenhandtasche, 1 Brosche, 1 Damenportemonnaie mit Inhalt; mehrere Damenhautjacken, 1 Trauring, 1 Portemonnaie mit geringem Inhalt, 1 Pferdeleine, 1 Damenvortemonnaie mit geringem Inhalt, 1 Taschenmesser, 1 geringer Geldbetrag. Zugelaufen 1 Terrier. Verloren: 1 silberne Damenuhr mit Goldrand, 1 Paar weiße Glacéhandschuhe. Versammlungen. Bielefeld. Frauen= und Mädchen=Versammlung. Mittwoch, 24. März, abends 8½ Uhr, im Restaurant „Stadt Bielefeld". Vortrag des Genossen Loewe über „Die Kunst im Hause.“ — Verband der Friseurgehilfen. Dienstag, den 23. März, abends 10 Uhr, im Restaurant„Stadt Bielefeld". Oeffentliche Versammlung. Eingeladen sind Meister wie Gehilfen. T.=O.:„Wie stellen sich die Berufskollegen gegenüber der Schmutzkonkurrenz?“ s. Herford, 21. März. Konkurs der„Herforder Zeitung für Stadt und Land“. Die Anmeldung des Konkurses der Firma Quentin u. Sellwig ist am 20. Marz erfolgt. Als Konkursverwalter ist der Kaufmann Hentsohel eingesetzt. Die Schulden sollen zirka 150000 Mk betragen, welchen an Aktiven chöchstens 60—70000 Mk. gegenüberstehen. Der Inhaber der Firma war Max Quentin, Sohn des früheren Oberbürgermeisters Quentin. Betroffen wird eine große Anzahl Geschäftsleute in Herford. Auch die Arbeiter der Firma sind insofern die Leidtragenden, als sie für einige Wochen den Lohn stehen haben. * Salzuflen, 19. März. Stadtverordnetensitzung vom 18. März. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Bürgermeister auf eine Anfrage mit, daß die letzte Personenstandsaufnahme 6137 Einwohner ergeben hat. Dann soll untersucht werden, ob es sich bewahrheitet, daß Holzarbeitern an den vereinbarten Akkordlohn Abzüge gemacht worden sind. Als erster Punkt stand die Angelegenheit der Werler Brücke auf der Tagesordnung. Das Gutachten, welches der Unter nehmer durch Professor Möller=Braunschweig hat ausarbeiten lassen, geht dahin, daß dem betreffenden Unternehmer keine Schuld an dem Unglück beizumessen ist, sondern höhere Gewalten dies verursacht haben. Nach langerer Debatte wurde der Beschluß gefaßt, den Unternehmer aufzufordern, mit der Herstellung der Brücke zu beginnen. Innerhalb 10 Tagen ist hierüber eine Erklärung von dem Unternehmer abzugeben. Der Gasetat balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 22.600 Mk., der Wasserwerksetat mit 20 650 Mark. Fur das Gutachten in Sachen des Elektrizitätswerks werden von Ingenieur Leithäuser und Direktor Döpke 1500 Mk. gefordert. Von der Versammlung sind damals nur 1000 Mk. bewilligt worden. Die Sache geht deshalb an den Magistrat zurück. Der Bautenvoranschlag stellt sich in Ausgabe auf 28 727,88 Mk. Zwecks Balancierung des Hauptetats geht derselbe an die Finanzkommission zurück. Zur Verminderung der Säuglingssterblichkeit hat der Magistrat 10 Mark bewilligt. Die Versammlung stimmt diesem zu. Hierbei kommt man auch auf die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter zu sprechen, welch erstere einen großen Teil Schuld mit tragen bei Krankheitsfällen in der Familie. Bei der augenblicklichen Steigerung der Bodenpreise braucht man auf billige Wohnungen nicht mehr zu rechnen. Es soll ein Fonds gegründet werden zur Gewinnung von Bauland und dergleichen. Ein dahingehender Antrag ist von den Stadtverordneten in Aussicht gestellt. Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit wird angeregt, den Verkauf sterilisierter Milch von seiten der Stadt zu übernehmen. Betreffs einer Dienstanweisung für die städtischen Beamten hat die Regierung die Beschwerde der Stadtverordneten dahin beantwortet, daß der Magistrat selbständig und allein über alle städtischen Angelegenheiten beschließen kann, soweit nicht ausdrücklich die Zustimmung der Stadtverordneten vorbehalten ist. Betr. der Krankenhausdiener ist der Magistrat dem Beschluß der Stadtverordneten beigetreten, wonach das Gehalt derselben von 650 auf 700 Mk. erhöht wird. Ueber die Wertzuwachssteuer fand dann noch eine kleine Debatte statt. Herr Landtagsabgeordneter Hoffmann hat nämlich um einschlägiges Material zur Begründung der Forderung ersucht. Zuschuß zur katholischen Schule. Der Magistrat war anfangs dem Beschluß der Stadtverordneten beigetreten, wonach der Zuschuß von 1200 auf 1600 Mk. erhöht wurde. Dies ist nunmehr geschehen. Nach dem Bericht der Revisoren ist bei der Sparkasse alles in Ordnung befunden worden. meister Georgi in Waldheim(Sachsen). * Lage, 20. März. Stadtverordneten= Sitzung vom 19. März. Nach Verlesung von fünf Eingängen wurde der Voranschlag weiter beraten. Von den einzelnen Positionen zeitigte das„Allgemeine Gewerbegericht“ eine lebhafte Debatte. Die bürgerlichen Stadtverordneten stellten den Antrag, das Gewerbegericht aufzuheben, da es nur in 6 Fällen in Anspruch senommen worden und der Zuschuß von 260 Mk. zu hoch sei. Der Antrag wurde angenommen. In besonderer Weise sprachen sich ür Aufhebung aus die Herren Klokemann, Bungener, Spenn;, mann und Bussemeier. Unsere Genossen Meier und Brauns widerlegten entschieden die Angriffe und traten für die E;: haltung des Gewerbegerichts ein. Stadtv. Bussemeier enthiet sich dann der Abstimmung.„4 * Detmold, 20. März. Das Gewertschaftslat#!“ hatte vor einiger Zeit eine Eingabe an den Magistrat Sgge: worin um die Anordnung ersucht wurde, den hiesigen meistern den Aushang eines Gewichts= und Preistarifs in dere“ Verkaufsstellen vorzuschreiben. Als Gründe führten wir bn daß bei den einzelnen Bäckermeistern das Gewicht des Broieehr schwankte, ja, daß ein Unterschied von 1½ bis 2 Pfam vorhanden wäre. Mit den Preisen verhielt es sich ähnlich se Wir wiesen ferner da wichtstarife in anderen und Sachsen derartige Landesteile erstreckten. Keasiten und die Verkau ####ten, würde dieses überwiesen. Wir erhi Für die Anorda## und Gewichtsverzeich stellen der Bäckereie ordnung liegt zurzeit Der§ 73 der Gewe Verkäufer von Backwa angehalten werden, die nen Backwaren für ger räume durch einen von lokale zur Kenntnis des ist kostenfrei mit dem taglich während der 2 Veranlassung zu einen des kann der Magistr derartige Eingabe nich feststellen, daß die Bäck ausgegeben hat, das Bi während sonst bei ein betrug. 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Das Krankenkas „Die Wahlen der Gene heim und werden ge mitgliedern vorgenomm Arbeitnehmern und eb hineinzureden. Die W direkt ungiltig, weil si. sind. Hoffentlich sorg Wahlen dem Gesetz und gekern vorgenommen Auch diese Versamm Herren Unternehmer d dann, wenn er dem wollen. Die Arbeit ne dieses anmaßende„Her zurückzuweisen, und zwi sammlung hat sich wied ämter mißbraucht. * Hartum, 20. Mär im Saale des Jünglin semmlung statt, i meier und Reichs= un referierten. Zunächst Finanzlage Preußens dungsgesetz. Auch das dem er sagte: Ueber di mit Ausnahme der Soz nete Hoffmann in ganz sprochen hatte. In de Rüter=Hartum, wen Zukunft auch keine Lux gebaut werden, denn vie nungen auszustatten. die Finanzreform im R Milliarden Mark Schu nötig, aber wenn es a ungemütlich und halte Beachten Wir wiesen ferner darauf bin, daß derartige Preis= und Gewichtstarife in anderen Städten schon vorhanden seien, in Hessen und Sachsen derartige Bestimmungen sich sogar über ganze Landesteile erstreckten. In Städten, wo derartige Tarife beständen und die Verkaufer unter dem festgesetzten Gewicht verkauften, würde dieses Brot unentgeltlich der Armenverwaltung überwiesen. Wir erhielten aber so gende abschlägige Antwort: Für die Anordneng eines sichtbaren Anschlages der Preisund Gewichtsverzeichnisse über Backwaren in den Verkaufsstellen der Bäckereien in Gemäßheit des§ 73 der Gewerbeordnung liegt zurzeit eine Veranlassung nicht vor. Witte. Der§ 73 der Gewerbeordnung lautet:„Die Bäcker und die Verkäufer von Backwaren können durch die Ortspolizeibehörde angehalten werden, die Preise und das Gewicht ihrer verschiedenen Backwaren für gewisse von derselben zu bestimmende Zeiträume durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufslokale zur Kenntnis des Publikums zu bringen. Dieser Anschlag ist kostenfrei mit dem polizeilichen Stempel zu versehen und täglich während der Verkaufszeit auszuhängen.“ Wenn keine Veranlassung zu einem Preis- und Gewichtstarif vorläge,— des kann der Magistrat versichert sein—, würden wir eine derartige Eingabe nicht gemacht haben. Nun können wir aber feststellen, daß die Bäckerinnung für ihre Mitglieder die Parole ausgegeben hat, das Brot dürfe nicht mehr wie 5½ Pfd. wiegen, während sonst bei einigen Bäckermeistern das Gewicht 7 Pfd. betrug. Ob dies des alb geschehen ist, damit bei einer polizeilichen Kontrolle das Gewicht überall gleich sein sollte, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Arbeiterschaft von Detmold ersieht aber aus der Antwort des Magistrats, wie wenig Interesse derselbe dieser für die Arbeiter wichtigen Frage entgegenbringt. Das hat die Arbeiterschaft sich aber selber zuzuschreiben. Wir haben keinen Vertreter im Stadtparlament; wäre das der Fall, dann könnte der Magistrat zur Rechenschaft gezogen werden. Arbeiter Detmolds! Stärkt und kräftigt die gewerkschaftlichen und politischen Organisationen und schafft auch eine starke genossenschaftliche Organisation. * Minden, 20. März. Die Generalversammlung der Ortskrankenkasse fand gestern statt. Leider war dieselbe von den Kassenmitgliedern schwach besucht. Die kolossale Arbeitslosigkeit im Baugewerbe wird dadurch demonstriert. Auch die Tariftreue der Arbeitgeber hat sich hierbei herrlich gezeigt. Während in den Abmachungen zwischen Arbeitern und Unternehmern festgelegt ist, daß vom 15. März ab, bei halbstündiger Vesperpause, bis 6 Uhr abends gearbeitet wird, glauben die Arbeitgeber, auf die später kommenden Bauarbeiter keine Rücksicht nehmen zu brauchen. Auch waren die Arbeitgeber stärker vertreten als sonst; es mußte also etwas Besonderes los sein. Die Arbeitgeber hatten ihre Ergänzungswahlen durch Kopfnicken bald vollzogen. Nicht so rasch ging es bei den Kassenmitgliedern. Die Arbeitgeber wollten einem Kassenmitglied das Recht zum Mitreden und Mitwählen aberkennen, weil er augenblicklich in keinem versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stehe, obgleich der§ 271 des Krankenversicherungsgesetzes und § 9 des Statuts das ausdrücklich gestattet. Das betreffende Mitglied ließ sich aber nicht verblüffen, es blieb in der Versammlung und hat auch mitgeratet und mitgetatet. Da die hektographisch vervielfältigten Stimmzettel für die Vertreterwahl ungiltig waren, schrieben die Arbeitnehmer die Stimmzettel einfach ab, die vorgeschlagenen Kandidaten wurden doch gewählt. Die Abrechnung vom oerflossenen Geschäftsjahr ergab einen Ueberschuß von 1127,11 Mk. Dem Rendanten wurde Entlastung erteilt. Daß letzterer seine Stellung gekündigt hatte, wurde nicht erwähnt. Moniert wurde, daß der Vorsitzende keine Versammlung zur Berichterstattung vom Krankenkassenkongreß einberufen habe.— Daß die Arbeitgeber den Arbeitnehmern in ihre Wahlhandlung hineinredeten, war eine gesetzlich unzulässige Handlung. Das Krankenkassengesetz sagt in seinem§ 38 Absatz 3: „Die Wahlen der Generalversammlung zum Vorstande sind geheim und werden getrennt von Arbeitgebern und Kassenmitgliedern vorgenommen.“ Es hät also kein Arbeitgeber den Arbeitnehmern und ebenso umgekehrt in ihre Wahlhandlung hineinzureden. Die Wahlen der Arbeitgeber sind aber direkt ungiltig, weil sie nicht geheim vorgenommen worden sind. Hoffentlich sorgt die Aufsichtsbehörde dafür, daß die Wahlen dem Gesetz und Statut entsprechend auch von den Arbeitgekern vorgenommen werden. Auch diese Versammlung hat allzu deutlich bewiesen, daß die Herren Unternehmer den„Herrn im Hause=Standpunkt“ auch dann, wenn er dem Gesetz zuwider ist. Geltung verschaffen wollen. Die Arbeit nehmer haben um soviel mehr die Pflicht, dieses anmaßende„Herren=Recht“ in die gesetzlichen Schranken zurückzuweisen, und zwar mit aller Deutlichkeit. In der Versammlung hat sich wieder gezeigt, wer die Kassenverwaltungsämter mißbraucht. * Hartum, 20. März. Am Sonnabend, 13. d. M., fand hier im Saale des Jünglingsvereins eine konservative Versemmlung statt, in der Landtagsabgeordneter Sültemeier und Reichs- und Landtagsabgeordneter Sielermann referierten. Zunächst sprach der Abg. Sültemeier über die Finanzlage Preußens und hauptsächlich über das Lehrerbesoldungsgesetz. Auch das Pfarrerbesoldungsgesetz berührte er, indem er sagte: Ueber die Vorlage waren sich alle Parteien einig, mit Ausnahme der Sozialdemokraten, von welchen der Abgeordnete Hoffmann in ganz skandalöser Weise gegen die Vorlage gesprochen hatte. In der Diskussion meinte zunächst Pastor Rüter=Hartum, wenn der Staat sparen wollte, so sollten in Zukunft auch keine Luxusgebäude der Regierungsbeamten mehr gebaut werden, denn vielen Beamten fehle das Geld, solche Wohnungen auszustatten. Dann sprach Abg. Sielermann über die Finanzreform im Reichstage. Deutschland habe beinahe fünf Milliarden Mark Schulden, diese zu verringern seien Steuern nötig, aber wenn es ans Zahlen ginge, würde jeder Deutsche ungemütlich und halte die Taschen zu. Die Erbschafts= und Nachlaßsteuer bezeichnete er als die ungerechteste aller Steuern, er forderte die Anwesenden auf, jeder, der ein Besitztum hätte, sollte dies früh genug einem Erben übergeben, damit nicht der Staat hinterher ziehe. Aus der Tabaksteuer zögen andere Länder weit mehr als Deutschland, aber solange die Industrie darunter zu leiden hätte, sei er dagegen. Dann sagte er, er sei persönlich angegriffen worden, weil er sich nicht gegen jede Belastung des Tabaks ausgesprochen hätte. Das könne er nicht, denn für eine Zigarettensteuer wäre er sofort zu haben, auch für eine Zigarren-Importsteuer; es müsse an indirekten Steuern festgehalten werden. Zur Diskussion meldete sich wieder Pastor Rüter, welcher meinte, jede Steuer sei ungerecht, aber der Besitz könne mehr aufbringen. Auch die Salzsteuer wäre mit zu den allerungerechtesten zu zählen. Der Pastor Rüter stellte dann laut Statistik des Professors Neumann fest, daß die Besitzlosen an Steuern 7—8 Prozent aufbrächten, die Besitzenden nur 1—2 Prozent. Diese Angaben bezweifelte Sielermann, indem er sagte, das könne keiner ausrechnen! Nun geschah etwas unerwartetes: Pastor Rüter sprach weiter und Sielermann verließ den Saal. Vor der Tür rief er der Versammlung zu: „Wenn ich diesen Sommer mal wieder kommen soll, müßt ihr mich rufen.“ Darob große Entrüstung und alles verließ den Saal, bevor die Versammlung geschlossen wurde. Sielermann schloß die Versammlung mit der Mahnung, alles in Gottes dand zu befehlen und am ersten nach dem Reiche Gottes zu trachten; dann würde uns das andere alles zufallen. * Stadthagen, 21. März. Soz. Verein. Die Versammlung am Sonntag war so schwach besucht, daß ein wichtiger Punkt der Tagesordnung nicht erledigt werden konnte. Es muß deshalb am Karfreitag wieder eine Versammlung stattfinden. Die Genossen werden an dieser Stelle ersucht, ihre Lauheit abzustreifen und energisch für die Ausbreitung der politischen Organisation zu sorgen. * Münster, 20. März. Die katholische Kirche ein Hemmnis der Entwicklung. Seit 12 bis 15 Jahren ist die Stadt Münster damit beschäftigt, die alten Wallgräben zuzuschütten und Anlagen darauf zu schaffen. Herrliches und Schönes ist in dieser Zeit erstanden. Aber mitten in dieses schöne Bild fällt ein häßlicher Flecken, die sogenannte Engle=, auch Götteschanze genannt. Während im Sommer ringsumher Blumenbeete, Rasenteppiche und wohlgepflegte Kieswege das Auge erfreuen, sieht man hier verwilderte und verfallene Uferböschungen. Aus dem Wasser, dessen Bewohner außer einigen Enten nur Ratten sind, steigen an den Sommerabenden übelriechende Dünste empor, da es seit Jahren nicht gereinigt ist und nicht selten Kadaver verendeter Katzen usw. beherbergt. Im vorigen Jahre wurde in einer Stadtverordnetenversammlung auf diesen unwürdigen Zustand hingewiesen, aber der Besitzer dieses reizenden Eilandes ist— der hochwürdige Bischof von Münster. Trotzdem der Magistrat schon an betreffender Stelle vorstellig geworden war, bleibt alles beim alten. So wie hier das Gesamtbild schöner Anlagen durch das kulturfeindliche Verhalten kirchlicher Behörden schwer beeinträchtigt wird, so wird durch dieselbe Stelle das wirtschaftliche Interesse ganzer Stadtteile geschädigt. Straßenzüge können nicht ausgebaut werden, weil die daranliegenden Klöster sich weigern, den dazu erforderlichen Grund und Boden herzugeben. Während andere Stadtteile, durch derartige Hindernisse nicht beenat, sich rasch entwickelt haben, sind Straßen, die direkt an die Alistadt grenzen, noch in demselben Zustande, wie vor einem halben Jahrhundert. Der untere Teil dieser Straße ist vollstädig ausgebaut, der obere Teil bleibt liegen, weil ein Kloster der größte Anlieger ist. Aber nicht nur in äthetischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist das Verhalten der Kirche dem Gemeinwesen wenig förderlich, sondera auch in hygienischer Beziehung. Als vor Jahren die Stadtverwaltung auf dem Domplatz eine Bedürfnisanstalt errichten wollte, scheiterte dies an dem Widerstand des Domkapitels. Die katholischen Schulen in Münster stehen hinter den evangelischen weit zurück. Während bei letzteren zirka 46 Schüler auf einen Lehrer kommen, sind es bei ersteren über 60. Mit den Bildungsmitteln der Schule ist es dasselbe Verhältnis. Die widerliche Debatte im Stadtverordnetenkollegium bei Gelegenheit der Bewilligung eines Zuschusses zur Errichtung eines Säuglingsheims ist noch in aller Einnerung. Ein Stadtverordneter und strammer Zentrumsmann meinte da kaltblütig: Es hat so lange ohne Säuglingsheim gegangen, da wirdes auch wohl noch einige Zeitlänger gehen. Dabei steht Münster in bezug auf Säuglingssterblichkeit mit an erster Stelle. Nur Kirchen sind in Münster genügend vorhanden, diese genügen auch den modernsten Ansprüchen.— Gerichtliches. Bielefeld, 20. März. Schwurgericht. Vorsitzender: Herr Landgerichtsrat Gockel, Vertreter der Staatsanwaltschaft: Herr Assessor der Staatsanwaltschaft Wilhelmi. Auf der Anklagebank erschien vorgeführt der Maurer Fritz Seidewitz aus Sieker, ein Mann, der zwar bislang nicht vorbestraft ist, aber dem Amte als Trunkenbold bekannt geworden war. Mit der Trunkenheit stellte sich die Unlust zur Arbeit ein, und so kam es, daß die Ehefrau auf Arbeit gehen, für ihre fünf Kinder selber aufkommen und sogar noch dem Trunkenbolde von ihrem kargen Arbeitslohne täglich einige Groschen für Schnaps hergeben mußte. Die Folge davon war, daß dem Vater das Erziehungsrecht über seine Kinder genommen und diese— bis auf das kleinste, welches bei der Mutter blieb— anderweitig untergebracht wurden. Wenn nun die Frau sich bei Tage müde gearbeitet hatte und des Abends heimkehrte, wurden ihr von seiten ihres Mannes obendrein noch die heftigsten Szenen hereitet. So auch am Sonnabend, den 30. Januar d. J., am Tage jener rohen Bluttat. Der Angeklagte war mit dem Abendbrote nicht zufrieden, er brach den Streit vom Zaune, indem er der Frau das Essen vor die Füße warf. Dann ergriff er ein Messer und stach damit in blinder Wut auf die arme geplagte Frau los, die dann blutüberstromt zusammengebrochen ist. Der Stich war der Frau in die rechte Brustseite, zwischen der vierten und fünften Rippe schräg von oben nach unten eingedrungen und hatte die Zwischenrippenarterie, die längs der Rippe verläuft, angeschnitten. Zunächst hatte die Frau versucht, das heftig hervorsickernde Blut zu stllen. Dann war der Angeklagte nach dem Nachbar Wulfhorst gegangen und dort äußerst gelassen angekommen. Wulfhorst hatte sofort an Dr. Stohmann telephoniert. Dieser fand die Frau im Bette liegend vor. Als er sie aufstehen ließ, trat die Blutung mit erneuter Heftigkeit auf, woran Dr. St. erkannte, daß die Frau nur durch einen operativen Eingriff zu retten sei. Sie wurde denselben Abend noch nach Anlegung eines Notverbandes in das hiesige Krankenhaus geschafft, in dem sie dann am darauf folgenden Freitag gestorben ist. Noch vor ihrem Tode hat die Frau dem Arzte, dem sie vernehmenden Richter und auch zwei Frauen gegenüber erklärt, daß ihr Mann ihr absichtlich und mit Gewalt in die Brust gestoßen habe. Der Angeklagte stellte heute den Hergang der Bluttat anders dar. Er gab zwar zu, infolge des Essens Streit mit seiner Frau gehabt zu haben, aber er will das Messer nicht vom Tische genommen und es seiner Frau absichtlich in die Brust gestoßen haben. Er habe seiner Frau, die noch habe waschen wollen, dieses verboten und dann in heftiger Bewegung mit der Hand, in der er das Messer zufällig gehabt habe, nach der Kammertür gedeutet. Seine Frau müsse ihm in das Messer gelaufen sein. Die Zeugenaussagen gingen bei dem Punkte, ob der Angeklagte bei Begehung der Tat angetrunken war, auseinander. Soviel eben wurde festgestellt, daß der Angeklagte sich nach der Begehung der Tat äußerst ruhig benommen hat. Von den ärztlichen Gutachtern wurde als Todesursache die Stichwunde bezeichnet. Die Anklage behauptete, daß der Angeklagte vorsätzlich seine Frau getötet, also Totschlag verübt habe. Die Geschworenen bejahten aber die Frage nach vorsatzlicher Körperverletzung mit Todeserfolg und verneinten die Frage nach mildernden Umständen. Der Gerichtshof verurteilte ihn wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu 4 Jahren Gefängnis. Vorher wurde die Verhandlung gegen den Ziegelarbeiter Ferdinand Koch von Heddinghausen bei Lübbecke, die schon am Donnerstag begonnen hatte und bis heute ausgesetzt worden war, beendet. Der Angeklagte war beschuldigt, zu Lübbecke vor dem Königlichen Amtsgericht am 30. Dezember 1907 den vor seiner Vernehmung geleisteten Eid wissentlich durch ein falsches Zeugnis verletzt zu haben. Schon gleich nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Angeklagte wurde auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen freigesprochen. Vermischtes. Ueberschwemmung. Stendal, 21. März. Amtlicherseits wird jetzt der gesamte Schaden im altmärkischen Ueberschwemmungsgebiet auf über zehn Millionen Mark geschätzt. Das Elend ist sehr groß. Ungezählte Familien sind ohne Erwerb. Der Ausstand der Post= und Telegraphenbeamten. Paris, 21. März. Eine größere Zahl von Telephonistinnen hat gestern den Dienst wieder angetreten. Ein öffentlicher Briefkasten wurde gestern demoliert und der Inhalt auf die Straße gestreut. Die Ausständigen wiesen jeden Anteil an den Beschädigungen des Telegraphenmaterials und sonstige Exzesse zurück. Da Clemenceau einen Grippenanfall hat, wurde der auf gestern 3 Uhr angesetzte Ministerrat auf morgen verschoben. Paris, 21. März. Wie verlautet, wird am Montag früh eine endgiltige Wendung in der Streikbewegung der Postbeamten eintreten. Die Regierung sieht für Montag außerordentliche Maßregeln vor, welche für den Fall verfügt werden sollen, daß am Montag nicht sämtliche Streikende den Dienst wieder aufnehmen. Es haben sich bereits eine größere Anzahl Arbeitswilliger gemeldet und man hofft, daß bis morgen die Mehrzahl der Ausständigen die Arbeit wieder aufnehmen wird. Das Streikkomitee hielt gestern abend eine Sitzung ab. Von allen Seiten wird empfohlen, den Widerstand fortzusetzen. Der Zentralrat der Tabak= und Streichholzarbeiter, sowie die Arbeiter der Marinewerften usw., hielten gestern eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, daß für den Fall, daß die Regierung Strafmaßregeln verfüge, eine Ausstandsbewegung in die Wege geleitet werden soll. Am Hauptbahnhof wurde von kundiger Hand eine Störung der Telephonleitung vorgenommen. Eine strenge Untersuchung ist eingeleitet. London, 21. März. Die englischen Postbeamten haben an ihre französischen Kollegen ein Telegramm gesandt, in welchem sie denselben Geldunterstützungen in Aussicht stellen. Sie erklären ferner, eine Subskription zu ihren Gunsten einzuleiten. In den meisten englischen Städten werden Propagandaversammlungen abgehalten. Ein Schiff untergegangen. London, 21. März. Das deutsche Segelschiff„Gerhardt“ wurde gestern beim St. Catherines Kap auf der Insel Wught leck und ging unter. Der Kapitän und die Mannschaft wurden vom Leuchtschiff„Bembridge“ aufgenommen. Letzte Nachrichten. Hamm, 22. März. Ein Zug ist auf der Strecke von Ahlen nach Hamm in der Nacht von Sonnabend zu Sonntag entgleist. Personen sind nicht verletzt worden. Hingegen ist ein großer Materialschaden entstanden. Eine Menge Kartoffeln, Porzellanwaren und Fliesen sind beschädigt und unbrauchbar gemacht worden. Langenbielau, 22. März. Die im Textilarbeiterverband organisierten streikenden Arbeiter haben gegen eine Stimme die Wiederaufnahme der Arbeit abgelehnt. In einer Arbeitgeberversammlung ist in Erwägung gezogen worden, dem Streik mit einer allgemeinen Arbeiteraussperrung entgegenzutreten. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Kaufmann’s bekannt billige GacFbaarUrrTe OOhFe beginnt morgen Dienstag, vormittags 8 Uhr. Beachten Sie morgen unser Preisverzeichnis. Jeder Artikel ein Gelegenheitskauf..... GoUGderAcch 1676 Neue — P U L T. ergangs-Paletots 475. 480 Staub-Paletots 3T. 3600 Frauen-Paletots 1689. 950 Jacken-Kleider 148. 1350 Tailen-Kleider 19F9. 1500 Liftboy-Jacken 148. 4500 Kimonos 1659. 600 Sport-Röcke 27. 350 Kostüm-Röcke 659. 4500 Wollene Blusen 5'. 250 Seidene Blusen 9T. 500 Musseline-Blusen 3T5. 1800 Kinder-Kleider 28s. 300 Gelegenheits-Kauf! Posten Sport-Kostümröcke 675 aus la. Stoffen Wert bis 10.00 G Posten elegante Sport-Röcke aus hübschen neuen hellen Stoffen Stück Posten Posten Woll-Blusen aus hübschen Stoffen, in guten Qualit., ganz auf Futter jede Bluse Posten hochfeine Woll-Blusen ganz auf Futter mit neuen Passen Posten zurückgesetzte Serie! Serie 11 früherer Preis bis 55 Mark. 14 18 Diese Woche hervorragend billig ausgelegte Warenposten. Posten Rhenania-Kleiderstoffe für Blusen, Morgenröcke und Kinderkleider garantiert waschecht... sonst 78 4 Meter 9 Posten Wasch-Kleiderstoffe doppelbreite cachemirartige Qualität BA in hübschen, modernen Karos....... 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Seit Einführ nancher Offizier, der anschei des Berufs nicht mehr gewa Abg. Noske(Soz.): Ol nistisch wie manche Vorredn. tische Gewitterschwüle, und witter losbricht. In solcher von Parteigegensätzen nur u. nicht gedacht, daß der Kriegs kommen könnte, die Soziald zu verunglimpfen, wie er 10 Er Sozialer Roman aus Der Brief hatte folgender Mr. Roger 2 Geehrter Herr! Ich Schreibens vom 16. d. M., Hypothek auf die„Narzißvor zwei Monaten ersuchen entsprechen möchte, sebe außerstande, da das sicht mein Eigentum, son die ich als Agent vertrete. genannten Zweck verwand Betrages in bar ersucht, Ich muß Sie daher ersuche den 22. kommenden Mona falls ich die üblichen Schri aufrichtigem Bedgu eine Lüge!“ schr ## geballten Faust auf den lassen klirrten.„Eine verda d# Einen Augenblick lang „ Engländer von seinem S im Zimmer auf und ab.„Ei er zum drittenmal. Ingine tiefe Furche zeigte zugenblick des Schweigens Aaren eine Erklärung für nufregung versetzt hat. Er Geize ommen, der mir Re lachte, ih bot. Ich lachte z:. Und nun in die Reihe anischen an schen Geschäft Geschäftsmethoder Henfiger brutaler Raub!. wai“: Der Schurke weiß die Kosten komn ta denken kann. hona ist neure uapn. De die Har neunzig Cents, ur Hohe. Habe ich recht ia„Ja,“ entgegnete dieser esege denis ei weiß der Schurke — D Nr. 68. Bielefeld, Montag, 22. März 1909. 20. Massenprotest gegen die gepiante Mehrerlaftung dis Eubaks! Uns geht folgender Aufruf zu: Seit im Jahre 1879 die letzte Zollerhöhung auf Tabak in Kraft trat, lebt unsere Tabakindustrie in steter Bennruhigung. Jetzt droht wieder eine so gewaltige Mehrbelastung des Tabaks, daß unter ihrem Druck die Tabakindustrie unserer engeren Heimat zusammenbrechen muß. Wenn schon 1879 fast ein Drittel unserer Zigarrenarbeiter brotlos wurde, was soll jetzt aus den 20 000—25000 Zigarrenarbeitern von Minden= Ravensberg werden? Vernichtete Existenzen, denen sich die Besitzer der kleinen und mittleren Zigarrenfabriken zugesellen. Soll wie 1879 wieder die Auswanderung aus unserem Bezirke auf das neunfache steigen? Soll Not und Elend die Häuser niederreißen, welche Intelligenz und Fleiß aufgebaut haben? Da muß der Kampf der Parteien schweigen! Alle Einwohner unserer Gegend müssen in einer gewaltigen 4 sich zusammenfinden. Wir laden deshalb unsere gesamte Bevölkerung, alle Bürger. alle Parteien, alle Berufe ein zu einer gewaltigen Versammlung, zu einer Massendemonstration auf Sonntag, den 28. März, nachmittags 4 Uhr, nach dem Schützenhof in Herford. Unseren gemeinsamen Notschrei können und dürfen die Staatsbehörden und die Abgeordneten nicht überhören. Herford, 17. März 1909. Der Verein Waldeck. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 228. Sitzung vom Freitag, 19. März, nachm. 2 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Einem. e Gezun des Militäretats. Abg. Graf, Carmer=Zieserwitz(kons.): Adelige Offiziere perden nicht bevorzugt. Wer das nicht zugibt, kennt die Verpiltnisse nicht.(Widerspruch und Heiterkeit links.) Unter der sparsamkeit darf die Schlagfertigkeit der Armee nicht leiden. In Frankreich bewilligen die Sozialdemokraten alles, was für das Heer verlangt wird. Soldatenmißhandlungen, soweit sie überhaupt noch vorkommen, sind nur von der Sozialdemokratie verschuldet.(Heiterkeit.) Das Anschwellen des Pensionsfonds ist erklärlich. Seit Einführung der zweijährigen Dienstzeit ist mancher Offizier, der anscheinend gesund ist, den Anstrengungen s Berufs nicht mehr gewachsen.(Bravol rechts.) „abg. Noske(Soz.): Obwohl ich die Dinge nicht so pessinistisch wie manche Vorredner ansehe, so herrscht doch eine politische Gewitterschwüle, und man kann nicht wissen, ob ein Gewitter losbricht. In solcher Stunde sollte man bei Erörterung von Parteigegensätzen nur um so nachdenklicher sein. Ich hätte nicht gedacht, daß der Kriegsminister gerade jetzt auf den Einfall kommen könnte, die Sozialdemokratie in so unerhörter Weise zu verunglimpfen, wie er gestern es tat.(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Soz.) Wir sind in Sturm und Drang groß geworden und brauchen seiner Herausforderung nicht aus dem Wege zu gehen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Schon oft haben wir gesehen, daß ein Minister in seiner Verlegenheit sich damit helfen will, daß er den roten Lappen schwingt. Und meistens erleben wir es daß ein Teil der bürgerlichen Abgeordneten darauf hineinfällt.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Kriegsminister war von einer ganzen Reihe von Rednern sehr in die Enge getrieben worden, und daß er die Mehrheit des deutschen Volkes gegen sich hat, ist nicht zu bestreiten. Denn die Mehrheit des Volkes gehört nicht zum Block.(Sehr richtig! bei den Soz.) Ja, nicht einmal die Regierungsparteien stehen restlos hinter dem Kriegsminister. Auch der Freisinn hat nicht auf jede ernsthafte Kritik verzichten können. Zwar haben die bürgerlichen Parteien den Militarismus großgepäppelt, aber bei manchen taucht jetzt doch ein Grauen auf über die Konsequenzen. Deshalb redet man so viel von Sparsamkeit. Den großen Worten über die Sparsamkeit stehen allerdings, wie das auf burgerlicher Seite üblich ist, nicht die entsprechenden Taten gegenüber.(Sehr wahr! bei den Soz.) Nur bei 7 von den 30 Kapiteln des Etats ist keine Steigerung eingetreten. Nur die einmaligen Ausgaben sind geringer geworden. Und wenn erst die Finanzreform wieder etwas mehr Geld in die Reichskasse gebracht hat, so wird das, was jetzt weniger ausgegeben wird, bald gründlich nachgeholt werden. Ein Teil des Hauses bemüht sich ja schon die Abstriche wieder illusorisch zu machen und jedem wirklichen Versuch, zu sparen, ist der Kriegsminister schon in der Kommission nachdrücklich entgegengetreten. Für 12 Adjudanten des Kaisers sollen weiterhin jährlich 118000 Mark ausgegeben werden, ebenso werden für 65 Adjudanten der Fürsten über 300000 Mark ausgegeben. Dabei wird nicht einmal versucht, nachzuweisen, ob alle diese Herren auch wirklich etwas zu tun haben. Es ist aber die Frage am Platze, ob nicht in einer Zeit, in der den armen Volksmassen neue Steuern zugemutet werden, die Fürsten auf salche koststzieligen und unnötigen Benefizien verzichten können. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die Wohnungszuschüsse der Generale hat man allerdings von 30000 Mark auf 15 300 Mark heruntersetzen müssen. Nach der berühmten altpreußischen Sparsamkeit sieht das ja auch noch nicht aus.(Sehr wahr! bei den Soz.) An wirkliche Ersparnis, an Ersparnis durch Abrüstung sagt der Kriegsminister, sei nicht zu denken. Natürlich werden für die Luftschiffahrt wieder die entsprechenden Kanonen angeschafft werden, um die Luftschiffer herunterzuschießen, und so wird die Schraube weiter angezogen werden, solange die Völker sich den Wahnwitz gefallen lassen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Auf die Klage des Abg. Häusler über die Unübersichtlichkeit des Etats hat der Kriegsminister gar nicht geantwortet. In stück, aus dem Etat das „Fauszufinden. Weiter der Tat ist es aber ein wahres Kuns wirkliche Einkommen eines Offiziers herauszt hat Herr Häusler sich mit großem Nachdruck gegen das jetzige System der Pensionierungen ausgesprochen. Und fast noch schärfer hat Herr Müller eine Reform des Finanzwesens verlangt. Auch zu dieser Frage, die immer brennender wird, hat der Minister geschwiegen. Dabei ist der allgemeine Pensionsfonds auf 104¼ Millionen gestiegen, gegen das Vorjahr um fast. 4½ Millionen. Die Pensionierungen würden in diesem ifang nicht eintreten können, wenn das Militärkabinett dem Kriegsministerium unterstellt wurde.(Sehr richtig! bei den Soz.] Der Kriegsminister meinte, es sei eine Aenderung in der Verfassung nötig, damit er hier über die Personenfrage Rede und Antwort stehen könne. Wenn aber der Reichstag der Meinung ist, daß es nicht so weiter gehen kann, und daß der Reichstag sich damit zu befassen habe, so muß eben die Verfassung geändert werden. Es wird übrigens gespart bei den Pensionen, aber nur bei den Soldaten, die im Heeresdienst kaputt gehen. Ich habe auf diesen Mißstand schon früher hingewiesen, daß man den Offizierspensionsfonds beständig überschreitet, an den in ihrer Gesundheit ruinierten Söhnen des Volkes aber Ersparnisse macht. Bei dieser meiner Meinung stehe ich auch heute noch und stütze mich auf Tatsachen. Welchen Eindruck das im Lande macht, das brauche ich wohl nicht auszuführen.(Sehr wahr! bei den Soz.) Alle Mißstände bestehen unverändert weiter.(Sehr richtig! bei den Soz.) Es ist geradezu eine Schande, daß erst, nachdem in der Presse Lärm geschlagen wurde, der Kommandierende des 16. Armeekorps verboten hat, daß Soldaten angehalten werden sollen, den Pferde10 Ernte. Sozialer Roman aus Amerika von E. Dewitt. —(Nachdruck verboten.) Der Brief hatte folgenden Wortlaut: Mr. Roger Wilson,„Narziß=Farm“ Arbuthnot, Kansas. * Geehrter Herr! Ich bekenne mich zum Empfange Ihres Schreibens vom 16. d. M., worin Sie mich in Sachen meiner Hypothek auf die„Narziß=Farm“ um einen weiteren Aufschul vor zwei Monaten ersuchen. So gern ich Ihrem Wunsche auch entsprechen möchte, sehe ich mich doch zu meinem Bedauert dazu außerstande, da das Geld, welches Sie von mir liehen nicht mein Eigentum, sondern das einer dritten Person ist die ich als Agent vertrete. Der Herr, dessen Geld ich für der Fnaggts Zweck verwandte, hat mich nun um Rückgabe des Ich murs 4c# bar ersucht, doch bin ich dazu nicht in der Lage Dch muß Sie daher ersuchen, den vollen Betrag bis spätestens 22. kommenden Monats an mich zurückzuzahlen, andernfalls ich die üblichen Schritte gegen Sie ergreifen müßte. In aufrichtigem Bedauern zeichne ich Achtungsvollst Das-: Orais::: guis. Jsaak Hovver. ist eine Luge!“ schrie Wiison erregt auf und schlug mit Faust auf den Tisch, daß die Weingläser und Kaffeekassen klirrten.„Eine verdammte Luge!" „Einen Augenblick lang herrschte Schweigen. Dann sprane in Engländer von seinem Sitze auf und ging, vor Wut zitternd . Zimmer auf und ab.„Es ist eine teuflische Lüge!“ versicherte zum drittenmal. Furche zeigte sich auf Winstons Stirn. Nach einem Fhngnblick des Schweizens bemerkte er:„Vielleicht kann ich A###n eine Erklärung für den Brief geben, der Sie in solche versetzt hat. Erst gestern bin ich mit Hopper zuBeinzer Pkommen, der mir achtundsiebzig Cents für den Büschel gen vor. Ich lachte ihm ins Gesicht und ließ ihn stehen.“ die 24nd nun ist die Reihe zu lachen an ihn gekommen. So sind kanischen guisen Geschäftsmethoden— die verdammten amerigemeiner, Hritass“ hoden! Raub ist es, weiter nichts als Raub! Er hat nur auf die Gelegenheit gemal aue Der Schurke weiß, daß ich bei achtundsiebzig nicht einpathes ie Kosten komme, geschweige an Abzahlung seiner kang is; denken kann. Der Mindestpreis, zu dem ich verkaufen die## neunzig Cents, und an der Börse geht der Weizen in Xoh. Habe ich recht oder nicht. Winston?" ist r# entgegnete dieser langsam,„in den letzten zwei Wochen undsiebzig Jehn Cents gestiegen. Bis dahin stand er auf achtDas weiß der Schurke sehr wohl. Er weiß, daß ich die Farm nicht halten kann, wenn ich den Weizen zu achtundsiebzig Cents verkaufe— und auf die Farm hat er es abgesehen.“ Winston hatte sich erhoben und in seiner Haltung wie Stimme lag etwas, was seine Zuhörer bisher nicht an ihm bemerkt hatten. „Darf ich Sie für einen Augenblick unterbrechen, Mr. Wilson,“ bemerkte er ruhig.„Lassen Sie uns die Lage ganz kaltblütig betrachten und zu diesem Zwecke mit Hopper beginnen. Ist es Ihnen bekannt, daß er der Vertreter der Swiftschen Kapitalsgruppe ist?" „Habe ich es mir doch gleich gedacht!“ murmelte Mr. Wilson. :„Ich weiß cs positiv,“ fuhr Winston fort.„Ich habe mich eingehend mit dieser Sache beschäftigt und sehr gut unterrichtete Freunde in Chicago um Auskunft gebeten.“ Es war, nebenbei gesagt, sein guter Freund Robert Dickinson, dem er diese Auskünfte verdankte.„Hopper hat den Auftrag erhalten, das Zwangsverfahren gegen alle Farmer einzuleiten, die ihm die gekündigten Hypotheken nicht auf den Tag zahlen. Die Schuldner werden dadurch gezwungen, ihren Weizen zu jedem Preise zu verkaufen, und er schlägt durch die Operation zwei Fliegen mit einer Klappe, indem er Farmer sowohl wie Weizen in seinen Besitz bringt, ohne den entsprechenden Gegenwert zu leisten. Das ist die eine Seite des Falles. Hopper will Sie zwingen, die Hypothek auf Ihre Farm zu zahlen, ehe der Marktpreis die richtige Höhe erreicht hat.“ „Es ist mir nur zu klar,“ stöhnte Wilson. „Jetzt kommen wir zu der anderen Seite des Falles. Die Swifts sind einen Bund mit Joseph Leyser eingegangen, jenem berüchtigten Spekulanten, der, wie Sie wissen, im letzten Winter den Haferpreis so schrecklich in die Höhe trieb, und der auch in den letzten zwei Jahren mit den Weizenpreisen ein schamloses Spiel getrieben hat, indem er ihn entweder in die Höhe schnellte oder zum Fallen brachte, wie es seinen dunklen Machenschaften an der Börse gerade om besten in den Kram paßte. Man nennt Joseph Leyser den Napoleon der La Salle Street.— In La Salle Street erhebt sich der Palast der Getreidebörse in Chicago. — Doch ist er in meinen Augen nichts weiter als ein ganz gewissenloser, verdammter Schurke. Natürlich hat das etwas zu bedeuten, wenn zwei so mächtige Kapitalsvereinigungen, wie die Swifts und die Leysers, ein Bündnis miteinander eingehen. Durch dieses Bündnis haben sie die ganze Getreideproduktion des großen Nordwestens unter ihre Kontrolle gebracht. Ich bin jeder Bewegung auf dem Weizenmarkte gefolgt und weiß, daß sie den Weizenpreis auf seinen gegenwärtigen niedrigsten Standpunkt heruntergetrieben haben. Zu diesem Preise kaufen sie jetzt den Maiweizen, der gerade von den Feldern eingebracht ist. Die meisten kleinen Farmer haben Hypotheken auf ihre Grundstücke und kein Geld, und müssen daher zu dem gebotenen niedrigen Preise verkaufen. Wenn Swift und Leyser allen Weizen in ihren Besitz gebracht haben, den sie zu diesem Preise kaufen können, so fangen sie mit mist mit den Händen anzufassen. Ich frage, ob ein entsprechender Befehl auch bei den anderen Korps ergangen ist, denn solche Schweinereien kommen bei manchen Regimentern immer noch vor.(Hört, hört! bei den Soz.) Dafür aber hat der Kommandant von Spandau folgendes verfugt:„Ich habe Unteroffiziere auf der Straße ohne Handschuhe angetroffen, ich ersuche, ihnen erneut klar zu machen, daß die Rücksicht auf ihren Stand es fordert, daß sie sich auf der Straße mit Handschuhen bewegen.“(Schallende Heiterkeit links und im Zentrum.) Mit der Unsitte des Militärboykotts hat die Behörde immer noch nicht gebrochen. Wenn aber die Wirte sich erkundigen, wem sie ihren wirtschaftlichen Ruin zu danken haben, so schiebt es eine Instanz auf die andere, bis schließlich die Schnüffelei der Polizei ans Tageslicht kommt.(Hört, hört!] Ueber die militäroffizielle Propaganda für die notorisch politischen Kriegervereine hat der Kriegsminister ebenfalls vorgezogen, sich auszuschweigen. Das geradezu schmachvolle Schnüffelwesen im Heere hat Kollege Erzberger schon gebührend gegeißelt. Achtgroschenjungens werden in sozialdemokratische Vereine geschickt, um über die politische Gesinnung der Rekruten zu berichten. Das Rekrutenschleifen, die Mißhandlung der Neueingetretenen durch die älteren Jahrgänge blüht unter sträflicher Duldung der Vorgesetzten, und es finden sich sogar hier Abgeordnete, wie Graf Carmer, die das entschuldigen. Geradezu albern ist es aber, wenn dieser Herr und auch Herr Liebermann von Sonnenberg behaupten, wir Sozialdemokraten freuten uns über die Mißhandlungen. Wenn mein Kollege Bebel durch unablässigen Kampf gegen die Soldatenmißhandlung, einen Kampf, in dem er lange Zeit allein stand, eine gewisse Einschränkung des Uebels herbeigefuhrt hat, so hat er damit das Soldatenleben um ein Kleines weniger unangenehm gemacht. So haben wir nicht die Unzufriedenheit, sondern die Zufriedenheit vermehrt. (Sehr gut! b. d. Soz.) Wenn Graf Carmer die Schimpfereien in der Kaserne in Parallele stellt mit derben Ausdrücken auf unseren Parteitagen, so ist das mehr als töricht. Bei uns kann jeder im gleichen Ton antworten. In der Kaserne aber muß der Soldat nicht nur die gemeinsten Schimpfworte, sondern auch körperliche Mißhandlungen hinnehmen, ohne mucksen zu dürfen. (Sehr wahr! b. d. Soz.) Das Vorgehen gegen die Mißhandlungen entbehrt immer noch des nötigen Ernstes. Die Urteile, die ergehen, sind nicht gseignet, die Offiziere zu schärferer Beaussichtigung anzuspornen. (Laule Zustimmung links.) Den Soldatenschindern scheint die Gnadensonne des Königs weiter. Der Unteroffizier Berthold, durch dessen Schuld der Schütze Bauer sein Leben einbüßte, ist begnadigt worden. Das Gericht hatte ihn zu einem Jahre Gefängnis und Degradation verurteilt.(Stürm. Hört, hört! bei den Soz.) Die Journalisten aber, welche die Schinderknechte als Schinderknechte bezeichnen, die werden von demselben Kriegsminister verfolgt, der starke Ausdrücke auch hier im Reichstag durchaus nicht scheut. Er tritt zugunsten jener Buben ein.(Lebh. Sehr gut! b. d. Soz.) Ich richte an den Kriegsminister die Frage, ob es sich nicht empfiehlt, die persönliche Ehre des Soldaten besser zu schützen.(Stürm. Zust. links.) Der Kollege Häusler sprach in dankenswerter Weise über den Unfug der Schmiergelder. Herr v. Einem wußte natürlich wieder von nichts und bestritt einfach die Tatsache. Es ist aber offenes Geheimnis, daß zahlungsfähige Leute sich von Uebungen drücken können, und Gerichtsverhandlungen erweisen, daß es mit der Behauptung des Kriegsministers nicht stimmt, Offiziere, die schwarze Fonds bilden und Regimentsgelder zu Unrecht verwenden, seien in der Armee nicht geduldet. In Wirklichkeit wird es so genau nicht genommen. Daß schuldige Offiziere gebührend bestraft werden, kann das Volk nicht glauben, solange gegen die Offiziere bei verschlossenen Türen verhandelt wird. (Lautes Sehr wahr! b. d. Soz.) In erschreckender Weise ist die Zahl der Bestrafungen von Soldaten gestiegen. Gewisse Leute führen das auf den Einfluß der Sozialdemokratie zurück.(Sehr wahr! rechts.) Ach, m. H., es ist umgekehrt. In Gegenden, wo die Sozialdemokratie am stärksten ist, kommen die wenigsten Fälle von Unbotmäßigkeit vor. Der bayerische Kriegsminister hat das ausdrücklich anerkannt. In der Zahl der Soldatenselbstmorde marschiert Deutschland direkt hinter Oesterreich.(Lebh. Hört, hört!) Die Bevorzugung des Adels hat der Kriegsminister zugeben müssen. Ihr Blut fürs Vaterland zu lassen, wofür der Kriegsminister den Adel so sehr geruhmt hat, ist doch schließlich die Aufgabe der den Kurstreibereien an der Börse an. Sie„bullen“ den Markt, wie der Fachausdruck lautet, und sie werden, ich gebe Ihnen mein Wort, nicht eher damit aufhören, als bis der Preis des Weizens auf hundertundfünfzig Cents für das Büschel gestiegen ist.“ Winston hatte sich in eine heftige Leidenschaft hineingeredet; sein Körper zitterte vor Erregung. Er gestikulierte dramatisch mit den weit von sich gestreckten Händen und fuhr dann und wann mit den Fingern der Rechten durch das wirre, genial gelockte Haar. Bei seiner eindrucksvollen Rede hatten Vater und Tochter ihre eigenen Sorgen vergessen und starrten Winston gebannt aus großen Augen an, wie wenn sie dem Spiel eines großen Tragöden auf der Bühne folgten. „Spekulation nennen sie das, und die erfolgreichen Spekulanten sind unsere großen Männer, die das Wort in unserer Republik führen, vor denen sich ehrfurchtsvoll die Kaiser und Könige der alten Welt verneigen, und die doch weiter nichts als gemeine Diebe, Räuber, Ausbeuter und Erpresser sind. Amerikanische Spekulanten und Multimillionäre! Fast auf sie alle. wie auf ihre europäischen Kollegen trifft das Wort jenes Wiener Rothschilds zu, daß niemand heutzutage Millionen erwerben könne, ohne das Zuchthaus mit dem Aermel zu streifen. Hier die Baisse=Spekulation, das„Bären“ des Marktes, wodurch der kleine Produzent ruiniert wird. Man nimmt ihm sein Haus, sein Vieh weg und treibt ihn von der Scholle, die sein alles war. Sie ruinieren ihn, diese amerikanischen Spekulanten und Multimillionäre, um sich in den Besitz seines Weizens zu setzen— seines Weizens, für den er hart gearbeitet, den er im Schweiße seines Angesichts gesät und geerntet hat. Den Preis dieses Weizens, den sie fast für ein nichts an sich gebracht haben, senden sie später hinauf in schwindelnde Höhe, bis das Gevet des armen Mannes:„Unser täglich Brot gib uns heute“, zu einer Gotteslästerung wird, da ihm durch diese gottlosen Spekulationen sein tägliches Brot verteuert, verkleinert, wenn nicht gänzlich vorenthalten wird. Auf dem ganzen Erdball sind Menschen dem Hungertode nahe und sterben auch daran, weil sie kein Brot erhalten. Was will das aber alles besagen? Mögen die Produzenten zum Teufel gehen, mögen die Konsumenten auf der Straße Hungers sterben, wenn nur die große Spekulation gelingt und dem Spekulanten zu all den Millionen, die er schon hat, noch einige Milliönchen mehr einbringt. Und den ausgeprägtesten Verkörperer dieses schmachvollen Systems, in dem die Raubgier am stärksten entwickelt ist, der erbarmungslos über Leichen schreitet, um sein Ziel zu erreichen, diesen Schurken, diesen gewissenlosen Schurken nennt man einen großen Mann — einen Napoleon! Einen Napoleon der Spekulation!" Erschöpft setzte er sich nieder. Er hatte vergessen, wo er war und wer seine Zuhörer waren, und seine Worte an die Völker des ganzen Erdballs gerichtet, die mehr oder minder durch das Chicagoer Spekulantentum in Mitleidenschaft gezogen werden. Große Schweißtropfen standen auf seiner Stirn. Abg. Kopsch(Fr. Vp.) polemisiert gegen den Abg. Erzberger. Als das Zentrum noch zur Regierungsmajorität gehörte, sei es nicht für Sparsamkeit eingetreten. Jetzt auf einmal empfinde es das Bedürfnis, zu sparen. Redner klagt über die Zurücksetzung der Juden im Heere, und spricht über das Schmierwesen beim Einjährigendienst. Der Fall Braband in ind ist Hamburg war höchst bedenklich. Dr. Braband ist ein königsOffiziere. Dafür werden sie bezahlt. Aber Gut und Blut opfern auch die armen Teufel, und die werden dafür nicht belohnt. (Stürm. Zustimmung b. d. Soz.) Der Resolution über die Einschränkung der Militärmusik stimmen wir zu. Die Militärmusiker sind fast gar nicht mehr Soldaten, bereiten aber den Zivilmusikern unlautere Konkurrenz.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Der Resolution auf vermehrte Verwendung von Feldwebelleutnants haben wir ebenfalls zugestimmt. Wir lieben zwar nicht diese Zwitterstellung, aber wir bekämpfen die kastenmäßige Abschließung des Offizierkorps. „„Wenn Herr Dr. Müller mit seiner Erklärung, keine bürgerliche Partei wolle die Schlagfertigkeit des Heeres vermindern, sagen wollte, die Sozialdemokratie wünsche diese Herabminderung, so protestieren wir dagegen auf das Entschiedenste. Unser Progxamm verlangt Erziehurg des Volkes zur Wehrhaftigkeit! Das souren auch unsere Gegner wissen. Die Entscheidung über Krieg und Frieden, worüber Herr von Liebermann sich nicht im klaren ist, wollen wir nicht durch Volksversammlungen, sondern durch die Volksvertreter herbeiführen. Der Reichstag Leizteng Tehr auf shanhitte fiu seine eigene Würde, diese Ent„Leipziger Volkszeitung“. Behel erklärte auf dem Lübecker Parwohri K 5 Sas! zuir peute in seine Hand bringen.(Sehr teitage: wir betrachten den Eid als leere Formel.(Hört, hört! von uns vertreten murhe.. daß vieles, was früher nur rechts, lebh. Zwischenrufe b. d. Soz.: Denken Sie an General Zur Herabsetzung der F“ jeßt von anderer. Seite verlangt wird. Pork!) Eine Resolution in Jena verpflichtet die Sozialdemomendistent sepuut der Präsenzziifer wird die wirtschaftliche Not= 1 kratie, dahin zu wirken, daß die junge Mannschaft Abscheu vor # greit drangen, und die Moglichkeit der kürzeren wienstzeit dem Heeresdienst(Lebh. Unterbrechungen b. d. Soz.: Lesen Sie wesen. Jo wird auch in der Armee.. Polonial=1 den Wortlaut vor!). Daß der jungen Mannschaft lebhafter Abmählich Bahn brechen.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz." 91, Heu henrafen Rlig Iwzisrautz weigebracht werden sol. schauung energisch durchsetzen, so würde er nicht mehr lange Kriegsminister bleiben. Unsere Armee ist in technischer Beziehung modern. Aber ihr Geist ist nicht modern. Es ist der Kastengeist.(Lebh. Bravo! b. d. Freis.) Abg. Dr. Müller=Meiningen(Fr. Vp.): Die Erklärnngen des Kriegsministers über das Militärkabinett haben mich nicht befriedigt. Er hat bestätigt, daß es eine antikonstitutionelle Institution aus vormärzlicher Zeit ist.(Sehr richtig b. d. Frs. Der Kriegsminister hat freimütig eingeräumt, wie stark der ehse se hece esch eschel Kriegsminister v. Einem polemisiert gegen den Abgeordneten Noske. Ich hatte nicht das Bedürfnis, die Sozialdemokratie zu verunglimpfen und stecke auch in keiner Olomme Ich Kastengeist im Offizierkorps geworden ist. Wie aber hat solcher Kastengeist einreißen können? Der Kriegsminister hätte früher krutte zu verunglimpfen und stear, auch in keiner Klemme. Ich s wegen sei habe nur wiederholt, was die Sozialdemokratie allgemein in 1 griffen Wort und Schrift zum Ausdruck bringt. Ich erinnere an Aus- ein Krie sprüche Auers, ein moralischer Zwirnsfaden dürfe die Sozialihm entgegentreten sollen. Seine platonischen Versicherungen helfen nichts. Aus der Bemerkung des Kriegsministers, daß er seiner Billigung der Zulassung jüdischer Offiziere ange. werden würde, muß man schließen: Bei uns darf sich riegsminister, nicht zu den elementarsten Grundsätzen (icher Gleichheit bekennen.(Sehr wahr! links.) Die halten, durch strenge Gerechtigkeit, nicht aber durch kleinliche Polizeischitanen. (Lebh. Beifall links.) Kriegsminister v. Einem legt in breiten Ausführungen dar, daß es im Generalstabe eine Bevorzugung des Adels nicht gebe. Was der Abg. Müller=Meiningen glaubt, ist mir ganz egal.(Tobender Beifall b. d. Junkern.) Ein Blockantrag verlangt Schluß der Debatte. Abg. Singer(Soz.] zur Geschäftsordnung: Die elemenDer Kriegsminister war gestern in Anschauungen befangen, die aus der Zeit des Sozialistengesetzes stammen. Er hat die Sozialdemokraten Meineidige genannt und gesagt, wer zur Wahl eines Sozialdemokraten auffordere, sei kein Gentleman.(Zurufe: Bismarck!] Ja, Bismarck hat zur Wahl des Sozialdemokraten Sabor aufgefordert, also war Bismarck nach Herrn v. Einem kein Gentleman.(Schallende Heiterkeit im ganzen Hause und auf den Tribünen.] Wir protestieren dagegen, daß der Kriegsminister die Ehrenhaftigkeit von 3¼ Millionen deutscher Staatsbürger antastet.(Lebh. Zustimmung b. d. Soz.) Er sprach von dem Eide unserer Parteigenossen im Abgeordnetenhause. Derartige Eide sind Formeln, die ihre BeZwischenrusg., also Milikarismus!). Das sind nur Worte. Für den jungen Dienstpflichtigen ist Militarismus nichts anderes als Militärdienst. Ich möchte wissen, wie Sie selbst in Ihrem Zukunftsstaat ein Volksheer einexerzieren wollen, wenn Sie Abscheu vor dem Dienst und der Autorität erwecken, wie Sie es tun. Ich hoffe allerdings, daß der Soldat sich dann gegen Sie wendet und Sie zum Teufel jagt.(Beifallsgelächter rechts.) Herr Bebel hat sein Leben lang tüchtig gearbeitet, den Staat umzustürzen. Wenn ich das bezweifeln wollte, würde er sich beleidigt fühlen. — Sie haben oft ausgesprochen, daß im Falle eines Krieges der Soldat den Dienst verweigern soll.(Zuruf: Wo steht das?) steht bei Kautsky! Kennen Sie den?(Beifallsgelächter tarste Gerechtigkeit würde erfordern, daß man unserer Partei Gelegenheit gibt, auf die schweren Angriffe des Kriegsministers und anderer Redner zu antworten. Da man uns aber mundtot machen will, sehen wir uns genötigt, von den Mitteln der Geschäftsordnung Gebrauch zu machen. Ich bezweifle die Beschluß. fähigkeit des Hauses.(Lebh. Bravo! b. d. Soz.) Die nun folgende Namensauszählung ergibt die Anwesenheit von 177 Abgeordneten, also Beschlußunfähigkeit. Vizepräsident Paasche beraumt die nächste Sitzung auf 4.15 Uhr, also 15 Minuten später an.(Fortsetzung der zweiten Beratung des Militäretats, beginnend mit der namentwpist ursteren Parteigenassen.... d 2: Sos.) Wer beim Block.) In einem Aufsatz„Parlamentarismus, Krieg und zu vertreten Lie sie ins su verargen, wenn sie, um die Wähler I Sozialdemokratie!“ heißt es:„Es gibt einen Weg, den Krieg zu —.Petizheu, biginle ins Abgeordnetenhaus entsegden, den For:g vereiteln. Dieser Weg ist einfach die Dienstverweigerung der Soldaten oder wenigstens der Reservisten.“(Stürm. Hört, lichen Abstimmung über einen inzwischen eingegangenen Antrag der Abgg. v. Normann(kons.), v. Gamp(Rp.) und Bassermann(natl.) auf Schluß per Debatte natl.) auf Schluß der Debalte. Schluß der Sitzung 4 Uhr. Freterzen, vig sie ins Abgeordnetenhaus entsenden, den Formeln genugen, die nicht se eingefuhrt haven.(Lebh. Zust. bei den Soz.) Der Kriegsminister sagte weiter, wir Sozialdemokraten wollten den Zwiespalt zwischen Volk und Heer schüren. Was ist ihm Volk? Die Offiziere und die besitzenden Klassen! Durch Zunahme der Sozialdemokratie, je mehr Sozialdemokrater im Heere dienen, desto näher kommen sich Volk und Heer. b. d. Soz.) Wir fordern allgemeine Wehrpflicht, und Abscheu erwecken wollen wir vor Mißhandlungen, Beschimpfungen, Schreckensurteilen, überflüssigem Drill und Klassenscheidung im Heere. Zehnmal haben wir dasselbe gesagt. seschen bestchenden Heresbsens fund wir, Resdern auf ge. zem Wege wollen wir. Auf gesetzlichem Wege. Man ht unsere Absichten nicht zu billigen, aber niemand hat das Recht, uns zu schmähen, wie der Kriegsminister es getan. Ich habe keinen parlamentarischen Ausdruck für sein unerhörtes Verfahren.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Heres In Wahrheit hat das Her steis") im Schatten des Heeres. uns erwartet werden, daß wir Sympathie für diese Art des Heerwesens haben. Solange solche Anschauungen herrschen, wie sie gestern aus dem Munde des Kriegsministers kamen, so lang werden wir diesen Anschauungen entgegentreten. Es ist ein Kampf um Kultur und Menschlichkeit, wenn wir, wie bisher, so auch in Zukunft rufen: Nieder mit dem Militarismus!(Lebh. andauernder Beifall b. d. Sächsischer General Soz.) Dieser Weg voer weggltenn geg Ven gnen. hört! rechts, leby. Rufe v. d. Soz.: Weiter lesen!) Das will ich schon tun:„In der Tat, das Mittel ist einfach und, wenn durchgeführt, unfehlbar.“(Erneute Zurufe b. d. Soz.: Weiter lesen! Rufe rechts: Ruhe!]„Würde seine Anwendung tatsächlich bewirken, daß ein Krieg unmöglich wird, so könnte man dagegen kaum etwas in jenem Falle— und es sind 99 von 100 — dagegen einwenden. Ich sehe keine ethischen Gründe, die vom Standpunkt des Proletariats dagegen sprechen.“(Lebh. Zwischenrufe b. d. Soz.; Abg. Dr. Frank ruft: Verdrehung! Eine brüllende Stimme rechts ruft: Juden raus! Von allen Seiten wird gerufen: Ruhe! Ruhe! Abg. Frank ruft: Militärjesuit! Lebh. Zust. b. d. Soz., gr. Lärm rechts; Rufe: Zur Ordnung! und Frechheit!] Präsident Gi nung. Kriegsminister v. Einem: Ich wiederhole, ich habe gestern nur gesagt, was die Sozialdemokratie zum Ausdruck brachte. cht zwischen Offiin den Pferdemist heben mußte, hat in der sozialdemokratischen Presse solches Aufsehen gemacht. Darin liegt aber keine Schande für einen Kavalleristen. Bei keiner Kavallerie der Welt ist es anders. Herr Noske behauptet, daß in der Armee keine Fortschritte gemacht sind. Aber die Zahl der Mißhandlungen ist um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Herr Noske ist ein Feind vom Schimpfen, möge er auch in seiner Partei entsprechenden Einhraf Stolberg ruft den Abg. Frank zur OrdHeneral v. Salzach verbreitet sich über den fluß gewinnen und auch den Terrorismus beseitigen, der weit Fall Berthold=Bauer. Bauer habe ein schweres Herzieiden ge- s schlimmer ist als wenn ein Soldat mal einen Schlag erhält. gabt, der Unterofizier Verthold habe das nicht gevutt. 1(Sehr richial rechts Lachen P.gu aus einen Sch. Aha Hagemann(natl.): Politik K abg. Gagemunn, fnalth. Politir in den Kriegervereinen wünschen auch wir nicht, aber die Sozialdemokratie mussen sie selbstverständlich bekämpfen. Das Militärstrafrecht erachten auch wir für reformbedürftig. Zum Volk gehören nicht nur die Arbeiter, sondern auch unsere Wähler.(Beifall im Block.) gechußt." Sehr richtiggrechts, Tachen v. d. SSoz.] Kriegervereinen] Reform des Militärstrafrechts. Daran die verlangen eine kann aber erst gedacht werden, wenn die Reform des allgemeinen Strafrechts durchgeführt ist. Herr Kopsch klagte über die Zurücksetzung des jüdiAuch ich schen Elements. Auch ich halte es nur für einen Akt der Ge„Aber was— was läßt sich da tun?“ fragte schüchtern und befangen eine Mädchenstimme.„Wo ist der Mann, der diesem Napoleon ein zweites Moskau bereitet?“ Er wandte sich um und blickte sie an. Befangen fuhr sie zurück; das fremde Feuer in seinen Augen, das wirre Haar, die tiefen Falten auf seiner Stirn, der fest zusammengepreßte Mund die wie in einem Fieberanfall zitternde hohe Gestalt— all dies machte einen unvergeßlichen Eindruck auf das junge Mädchen. rechtigkeit, daß ein tüchtiger junger Mann. auch wenn er Jude 1## ist, zum Reserveoffizier gemacht wird.(Abg. Kopsch: Bravo! Gr. Heiterkeit b. d. Soz.] Dann ist geklagt, daß in Hagen den de Prrzen 8. 0, Soz.] Dann ist geklagt, daß in Offizieren der Verkehr in einem gewissen Klub verboten wurde Der Klub nannte sich„Seehund" und die dort herrschenden 230. Sitzung vom Sonnabend, 20. März, nachmittags 4½ Uhr. Am Bundesratstisch: v. Einem. Fortsetzung der abgebrochenen Beratung des MilitärEtats. Vizepräsident Dr. Paasche teilt mit, daß der Schlußantrag zurückgezogen ist.(Heiterkeit und Bravorufe b. d. Soz.] Abg. Dr. Frank(Soz.): Obwohl wir gewöhnt sind, als Blitzableiter zu dienen, wenn die Wolken sich über dem Haupte eines Ministers zusammenziehen, hätte ich doch erwartet, daß der Kriegsminister in seinem Kampfe gewisse Grenzen nicht überschreiten würde, die man auch politischen Gegnern gegenüber gewöhnlich einhält. Der Kriegsminister versuchte durch Zitierung meines Parteigenossen Kautsky den Eindruck zu erwecken, daß die sozialdemokratische Partei den Krieg unmöglich machen will, indem sie die Soldaten oder wenigstens die Reservisten veranlaßt, den Dienst zu verweigern. Bevor ich näher auf diese Sache eingehe, möchte ich den Kriegsminister fragen, ob er den Aufsatz gelesen hat.(Kriegsminister v. Einem bejaht die Frage.) In diesem Falle bedauere ich außerordentlich, daß er uns hier ein Zitat vorgelesen hat, das in der Form, wie es vorgetragen wurde, ein gefälschtes Zitat ist.(Hört, hört! b. d. Soz.) Daß er es gewagt hat, uns einen Satz als Kautskys Meinung vorzulesen, der das genaue Gegenteil von Kautskys Meinung ist.(Hört, hört! b. d. Soz.) Aus dem vorgelesenen Satz schien hervorzugehen, daß Kautsky für den Militärstreil eintrete. Ich will mir erlauben, zu verlesen, was Kautsky wirklich schrieb und überlasse dem Hause und der Oeffentlichkeit das Urteil darüber, wie man die Beweisführung eines Mannes nennen will, der in so merkwürdiger Weise die wesentlichsten Punkte wegläßt.(Zuruf b. d. Soz.:„Absichtlich!] Ich will kein Urteil fällen, aber doch sagen: Die Würdigung, die der Kriegsminister gestern dem Pferdemist zugesprochen hat, kann ich seine: Beweisführung nicht zusprechen. Denn er hat dabei von„anständigem“ Pferdemist geredet.(Sehr gut! b. d. Soz.; Unruhe rechts.) Die nicht verlesene Stelle lautet folgendermaßen:„Gibt es inzwischen kein anderes Mittel, Kriege zu vereiteln? Seit Jahren schon glaubten die Anarchisten, wie sie überhaupt die direkte Aktion lieben, einen direkten Weg gefunden zu haben, der sofert, zuzn. Ziele führt. Und von ihnen haben es die ston anarchistisch Manieren waren wirklich seehundsmäßig.(Gr. Htkt.) Ich bin das an seinem gutmütigen schwachen Vater nichts von den Eigen schaften kennen gelernt hatte, wie sie sich an dem Manne vor ihr offenbarten. als sie ihre Augen vor seinem Blicke niederschlug, überreichte ihm ein Diener ein Telegramm, das soeben ein Eilbote aus der Stadt für ihn abgegeben hatte. Mechanisch öffnete er es. Er überflog flüchtig den Inhalt. Unwillkürlich wurden seine Augen größer und es schien sich alles im Kreise vor ihm zu drehen. Zum zweiten Male las er die Worte, die ihm entgegenstarrten: Winston,„Narziß=Farm“, Arbuthnot, Kansas. kein Feind einer gewissen Genialität. Aber wenn der Uebermensch die Regeln der Zivilisation und Etikette völlig abstreift Htkt.], wenn jeder beim Empfang mit einem Wort begrüß wird, das ich hier nicht aussprechen will, das mit„altes“ anfängt und mit„Loch“ schließt(Minutenlange stürm Heiterkeit) dann ist der Wunsch des kommandierenden Generals wohl verständlich.(Lebh. Zust.) Herrn Erzberger gegenüber bemerke ich, daß ich Herrn Häusler nicht für einen Ignoranten halte und ihn nicht habe beleidigen wollen. Ich bin nur erstannt, daf er den Satz bemängelte, das Pferd sei die beste Waffe des Kavalleristen. Weiter muß ich auch die Angaben des Herrn Erzberger über die Begünstigung der Firma Krupp bestreiten Lebh. Zustimmung rechts.) Abg. Rieseberg(W. Vg.) bittet den Kriegsminister, die ndes bei Vergebung, bor, Higzsgemosrat Aer burchsetzten Gewerkschaften in Frankreich übernommen, aus deren Reihen wieder Anhänger dieses direkten Weges auch in die sozialistische Partei gelangt sind.“ Diesen Satz also hat der Kriegsminister übersehen. Vorgelesen hat er:„Dieser eigerung der de:„Wie sie(das ist die Dienstverweigerung) de Propagierl.„(Hork, horl! v. d. Soz.) aubte ich zugunsten des Kriegsministers, daß Albe, vuß jemand ihm dieses gemein gefälschte Wünsche des Mittelstand erücksichtigen, dann mäge er zum läßlich. Ich kondoliere nicht, da mir bekannt, daß sowohl wie er, seit einiger Zeit auf das Ableben vorbereitet waren. eoramm„.*: 9..„. Robert. Als er von dem Telegramm aufblickte, sag er die Augen des Mädchens auf sich gerichtet. en Sie erüasichtigen, dann möge er zum Aergex der Sozialgemokrati roch lange auf seinem Posten bleiben.(Lachen b. d. Soz.) Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Nächste Sitzung: Sonnabend 11 Uhr.(Fortsetzung der Beluß 8 Uhr. „Was sagten Sie doch vor einem Augenblick?“ fragte Win ston,„sprachen Sie nicht von Napoleon, oder—“ „„O nein, Sie waren es, der zuerst von einem Napoleon der Spekulation sprach. Ich meinte nur, daß wir niemanden hätten „Napoleon ein zweites Moskau bereitete“ der diesem Napoleon n wwige. Mc veren „Da befinden Sie sich im Irrium, Miß Wilson. Ich kenne den Mann, der ihm sein Moskau bereiten wird... Was wür den Sie sagen, wenn ein Mann, der ein Herz für das Volk hat 229. Sitzung vom Sonnabend, 20. März, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Einem. Fortsetzung der Beratung des Militär=Etats. Abg. Gothein(Fr. Vg.): Die am Etat gemachten Abstriche ind im Vergleich zu seiner Höhe sehr gering. Früher wurde die ungeheure Steigerung des Militäretats begründet mit der Befürchtung eines Krieges nach zwei Fronten. Rußland hat sich inzwischen als ein Koloß mit tönernen Füßen erwiesen. Frankreich allin kenn zegen uns nicht 6“; füh ein. Sozialreformer, sein halbes„Vermögen opfern würde, un reich allein kann gegen uus nicht Krieg fuhren., In England diesen Spekulanten und Multimillionaren, diesen Swifts und 1 hegt man überdies den Wunsch nach einer Erleichterung der Rüstung. Die kürzliche Rede Rehmen Leysers, einen Denkzettel zu erteilen, den sie und ihre ganzes Leben lang nicht vergessen würden. Nehmen wir an, daß dieser Mann ein Vermögen von zwanzig Millionen Dollars besäße; damit könnte er etwas anfangen, meinen Sie nicht auch? Damit könnte er den Verbrechern, den ruchlosen „Aber es gibt auf der ganzen Welt keinen Mann, der dessen jähig wäre! rief Wilson ungläubig aus. nau das tun wird, was ich hier von ihm gesagt habe.“ Langsam zerriß er das Telegramm in kleine Fetzen und warf sie zum Fenster hinaus. 1g. Die kurzuu Beve des englischen Premiers, hat das deutlich ausgesprochen. Der Reichskanzler hätte zu dieser Rede sofort Stellung nehmen müssen. Friedensversicherungen allein sicht, man muß auch die Initiative zur Abrüstung ergreifen können.(Sehr richtig! b. d. Freis.) Ersparnisse könnten wohl gemacht werden, ohne die Schlagertigkeit zu beeinträchtigen. Die geheimen Qualifikationsberichte der Offiziere wünichen wir beseitigt. Daß der Kriegsninister von dem neuen Militärstrafgesetzvuch wünscht, es müsse denselben Geist haben wie das allgemeine Gesetzbuch, hat uns gefreut.(Lebh. Zust. b. d. Freis.) Deshalb braucht man aber mit der Reform nicht länger zu warten.(Sehr wahr! bei den Freisinnigen) Wie jedes Volk die Regierung hat, die es verdient, so hat jede Regierung die Sozialdemokratie, die sie verdient. Bei Weg ist einfach die Dienstyerweigecung der Soldaten oder wenigstens der Reservisten.“ Nicht vorgelesen hat er dann wieder das Folgende:„Wie sie(das ist die Dienstverweigerung) u. a. Genosse, Herve pranagtert“(Hört hörtl B am Goa) Ursprünglich glaupte er falsch bedient wurde, daß ien Zitat überlassen hat.(Zuruf rechts: Unerhört! Zurufe bei den Soz.; Völlig wahr!] Sie haben recht, es ist allerdings unerhört, daß ein Mann, der uns verantwortlich ist, es wagt, der Oeffentlichkeit derartig falsche Zitate zu unterbreiten. Weiß denn der Kriegsminister, der den Artikel gelesen hat, nicht, daß der Zweck des sieben Seiten langen Artikels kein anderer ist, als die Bekämpfung des Militärstreiks. Ich glaube, aus Respekt vor der Volksvertretung hätte der Minister unterlassen müssen, so zu handeln, und auch aus Respekt vor sich selbst.(Lebhafte Zustimmung b. d. Soz.) Aber ganz abgesehen von dieser Fälschung: eine Partei hat Anspruch darauf, daß sie nach ihrem Programm, nach ihren offiziellen Beschlüssen bewertet wird.(Zust. b. d. Soz.) Nicht aber nach den Aeußerungen einiger ihrer Männer.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Die Sozialdemokratie hat sich auf ihren sämtlichen Parteitagen einmütig gegen die Kasernenagitation und antimilitaristische Agitation gewehrt.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ich verweise außerdem auf folgendes:„Auer sagte am 3. Dezember 1890 hier im Reichstag:„Wir haben schon oft erklärt und auch ich kann erklären, daß wir bereit sind, dem Vaterland gegenüber ganz dieselben Pflichten zu erfüllen wie alle anderen Bürger. Ich weiß, daß auch nicht einer unter uns ist, der in dieser Beziehung anders denkt.“(Hört, hört! b. d. Soz.) Bebel hat in „Ueber die Tätigkeit des deutschen Reichstages von 1890 bis 1893“ geschrieben:„An der Erhaltung der Unabhängigkeit Deutschlands sind die arbeitenden Klassen mindestens ebenso interessiert, wie diejenigen, die sich als die berufenen Leiter und Herrscher der Völker betrachten, und das arbeitende Volk ist nicht gewillt, seinen Nacken unter irgend einer Fremdherrschaft zu beugen.“(Hört, hört! b. d. Soz.) Nun ist vom Kriegsminister gesagt worden, die jungen Leute, die wir aufklären, bevor sie in den Dienst 1, bevor sie in den Dienst treten, könnten nicht unterscheiden zwischen dem Militärdienst und dem Militarismus, vor welchem wir ihnen Abscheu einflößen wollten. Die jungen sind aher aufgoklärt gonzeg em ewischen Mil Arbeiter sino aber aufgertart genug, um zwischen Militarismus und Militärdienst unterscheiden zu können. Sol nicht. zutraffene.# merliche Volksschule, für die kein Geld so sind nicht wir daran Volksschule auch Sollte das bei allen buld, sondern die jämübrig ist wegen der b. d. Soz.; „Er wird Leyser zerschmettern, er wird Swift zerschmettern, er wird den ganzen Spekulantenzing zerschmettern!“ —, beißt, dieser, Mann: Wer ist er?“ fragte das junge Mädchen, das vor Aufregung zitterte. Er blickte sie einen Augenblick schweigend an. Dann entgegnete er: „Wie er heißt und wer er ist möchten Sie gerne wissen? Ich muß Sie bitten, Miß Grace, sich noch ein wenig in Geduld zu fassen, aber Sie werden die rechte Antwort auf diese Fragen zur rechten Zeit und am rechten Ort erhalten.“ (Fortsetzung folgt.) ewigen Militärforderungen.(Stürm. Zustimmung b..##r Lärm rechts; fortgesetzte Furufe der Abgg. Kreth, Graf Westarp und anderer Junker.) Einen besonderen Trumpf des Kriegsministers hildeten die uns in Preußen werden aber die Sozialdemokraten mit Eifer gezüchtet.[Sehr richtig! b. d. Freis.) Was nun der Kriegs= Einen besonderen Trumpf des Kriegsministers bildeter minister gestern aus Kautsky verlesen hat, beweist gar nichts. Betrachtungen über unsere Steuung zum Eid. In den Flege“Kautsky tritt gerade gegen die anarchistischen Lehren auf. Viel= jahren der Sozialistentötung(Sehr gut! bei den Soz.) haben leicht ist dem Kriegsminister das Malheur passiert, ein Zitat zu Staatsanmälte gegen nus die Verleumhun; erhohen haß wir icht, ist dem Kriegsminister das Malheur passiert, ein veren, das Kautscy nur anführt, um es zu verämpfen. leher keit v. p4 Soz.) Als der Kriegsminister die heitergouigestee zug Höffnung aussprach, daß in Zukunft Juden nicht mehr zurückgesetzt werden sollen, fügte er hinzu:„Vielleicht werde ich deshalb kolossal angegriffen.“ Dieser Angstruf(Unruhe rechts), nun ich will sagen, dieser Stoßseufzer (Heiterkeit) spricht Bände. Wollte der Kriegsminister seine AnStaalsanwante gegen uns die Verleumoung erhoben, baß e“die Heiligkeit des Privateides nicht achten. Davon ist man zurückgekommen. Man hält sich noch an unsere Stellung zum Ausführungen in g.cemmgrg.„an val Faonen= und Verfassungseid. Alle unsere, Auuyenuge„n bie“ ser Beziehung sind nichts als historische Theorien, zu welchen die berrschenden Parteien, Regierungen und Fürsten die Praxis H; schrieben haben.(Stürm. Zustimmung bei den Soz., lärmener Uruhe rechts, Toben der Abag. Kreth und Graf Westarp.) 50 erinnere daran, wie oft kommen ist, die Verfassu schwören und dann das schworen hatte. Vizepräsident Kae zollern nicht vorwerfen. Abg. Frank: Hät lassen. Ich bin nämlich nicht mit dem Worte Schwurgerichten abgeurt auch daran erinnern, da preußische Verfassung u. ihn aber ebenfalls nicht ist unerhört!] In der drücklich zugegeben, daß Sehr richtig! bei den fassung, die Sie hier in vertreten, wären ja schli berechtigten Volksvertre denn z. B. die holstein schwören müssen und nider Nähe des Parlamer schen Eidbrechers, Olive Spitze des Volkes steher und einen König aufs den es ankommt, ist: E Völker, ohne Rücksicht a und Fahneneide, wenn d Rechte zum Sieg zu ver Im übrigen werden: die wir bisher betrieben die Augen öffnen, ihner gute Sozialdemokraten Wir werden sie weiter Militarismus aufklären, Menschen zu Persönlich lächter rechts.) Wir erir aufgeklärte Arbeiter zu würdige, Behandlung ha den Soz.) Wir werden her. Gegen den Milita Sachwalter des Militar reits Schiffbruch gelitten auf den Tribünen.) Vizepräsident Kae gramms rufe ich den# Kriegsminister falsche Z bei den Soz.: Verhält sic zur Ordnung, weil erd halten vorgeworsen hat. doch das Wort!) Kriegsminister v. Ei worfen, falsch zitiert zu zitieren.(Zuruf bei den Abgeordnete hat selbst a Tat, das Mittel ist einf (Abg. Bebel ruft: Dasi mit der Ironie vom Leib ferner, daß keine ethische tariats dagegen sprechen. Kautsky möchte wohl, rechts.) Nicht am Wille Durchführung der Herv tation hat Herr Bebel au nur, den Rekruten, zu so anfangen.(Abg. Bebel Ruhe!) Ich kann Ihn Lautes Lachen bei den schuldigungen erheben, de rechts: Ruhe, Ruhe!) E Sie mit der Kasernena zurückhaltend sind. Aber schon heftig in den Kase In dem Bericht ul Reichstagsfraktion auf de Militarismus dem Inte Kapitalismus dienstbar den zu bekämpfen die L (Lebh. Zustimmung bei! gesagt. Der Abg. Sing sind Feinde des Militari. zerschmetiert am Boden Sie wollen die Stützen d die Stützen des Staates ist Ihr Lebenswerk und Und das ist unerhört, das Sie wollen die jungen L demokraten machen, und wenn ich gegen Sie für Frank auf Cromwell und wandle auf den Spuren Verfassung nur umgesto machen.(Zuruf bei den aber Bismarck hat erste kämpfen nur für eine K Soz.: Nein, für das gan Proletariat und bekämpfe tische Macht nur unter stellen. In keinem Land getan, als in Deutschland Aber die Agitation der lung.(Bravo! rechts un Soz.) Abg. Erzberger Vorwürfe gegen mich erh Fragen nicht eingegangen Reitschule nach Hannove gegeben, daß sie unerlaub Unterschied zwischen El kann ich mich nicht ein! Worte der Bergpredigt: ihrer, der bricht die Ehe im Ztx.),„Ebensowenig i über Schikanierung von gangen. Sein Angriff a schäft ist, dem Fürsten B mission auf Sparsamkeit in Zukunft tun, soweit nicht leidet(Bravo! im Kriegsminister v. Ei Hannover kommandierter Beziehungen keine Rede politischen Gründen sink unterdrücken suchen. Ein Antrag auf Schli Das Gehalt des Krie lution des Zentrums, do einmal stattfinden sollen Resolution der Freisinni rechts verlangt. In der Spezialdebatt Abg. Cuno(Fr. Vp. sters über die Vorgänge auch liegen sie bereits „Arzutanturoffiziere“ bei abzusetzen, die beiden kon tei beantragen, diese 100 trag Erzberger(Ztr.) v# nicht von nur 30 Mitglie Nächste Sitzung Mon sionsfonds und Invalide Schluß 7 Uhr. erinnere daran, wie oft Friedrich Wilhelm IV. in die Lage gekommen ist, die Verfassung oder das, was er dafür hielt, zu beschwören und dann das Gegenteil von dem zu tun, was er beschworen hatte. Vizepräsident Kaempf: Sie dürfen das einem Hohenzollern nicht vorwerfen. Abg. Frank: Hätte mich der Vorsitzende nur ausreden lassen. Ich bin nämlich der Ansicht, daß geschichtliche Vorgänge nicht mit dem Worte Meineid gezeichnet und nicht vor den Schwurgerichten abgeurteilt werden können. Ich darf doch wohl auch daran erinnern, daß Wilhelm I. den Verfassungseid auf die preußische Verfassung unter Assistenz von Bismarck geschworen, ihn aber ebenfalls nicht gehalten hat.(Abg. Graf Westarp: Das ist unerhört!] In der Indemnitätsvorlage Vismarcks war ausdrücklich zugegeben, daß die Verfassung nicht geachtet worden ist. (Sehr richtig: bei den Soz.) Nach der spießbürgerlichen Auffassung, die Sie hier in bezug auf die geschichtlichen Vorgänge vertreten, wären ja schließlich die Welfen die einzig wahren und berechtigten Volksvertreter. Wieviele verschiedene Eide haben denn z. B. die holsteinischen Beamten im Laufe der Jahre schwören müssen und nicht halten können? In London steht in der Nähe des Parlaments das Standbild eines solchen, historischen Eidbrechers, Oliver Cromwells, des Mannes, der an der Spitze des Volkes stehend, die Verfassung wiederholt gebrochen und einen König aufs Schafott gebracht hat. Der Punkt, auf den es ankommt, ist: Gibt es ein geschichtliches Recht für die Völker, ohne Rücksicht auf das formale Recht, auf Verfassungsund Fahneneide, wenn die Umstände es gebieten, dem wirklichen Rechte zum Sieg zu verhelfen?(Hört, hört! rechts.) Im übrigen werden wir nach wie vor die Agitation betreiben, die wir bisher betrieben haben. Wir werden den jungen Leuten die Augen öffnen, ihnen einschärfen, in der Kaserne innerlich gute Sozialdemokraten zu bleiben, aber nie davon zu sprechen. Wir werden sie weiter über ihr Beschwerderecht und über den Militarismus aufklären, und werden uns bemühen, die jungen Menschen zu Persönlichkeiten heranzubilden.(Wieherndes Gelächter rechts.) Wir erinnern sie daran, daß sie stolz sein sollen, aufgeklärte Arbeiter zu sein und daß sie Anspruch auf menschenwürdige, Behandlung haben.(Stürm. anhaltender Beifall bei den Soz.) Wir werden unsern Kampf weiter kämpfen wie bisher. Gegen den Militarismus und gegen den Mann, der als Sachwalter des Militarismus auftritt, der aber jetzt dabei bereits Schiffbruch gelitten hat.(Stürm. Beifall bei den Soz. und auf den Tribünen.) Vizepräsident Kaempf: Nach Durchsicht des Stenogramms rufe ich den Abg. Frank zur Ordnung, weil er dem Kriegsminister falsche Zitate vorgeworfen hat.(Stürm. Zurufe bei den Soz.: Verhält sich aber so!) Ich rufe den Redner ferner zur Ordnung, weil er dem Kriegsminister unanständiges Verhalten vorgeworsen hat.(Rufe bei den Soz.: Entziehen Sie ihm doch das Wort!) Kriegsminister v. Einem: Der Abg. Frank hat mir vorgeworfen, falsch zitiert zu haben. Auslassen heißt doch nicht falsch zitieren.(Zuruf bei den Soz.: Da hört sich doch alles auf!) Der Abgeordnete hat selbst ausgelassen, daß Kautsky sagt:„In der Tat, das Mittel ist einfach und, wenn durchgeführt, unfehlbar. (Abg. Bebel ruft: Das ist doch Ironie!) Ach, bleiben Sie mir mit der Ironie vom Leibe!(Lärm. Beifall rechts.) Kautsly sagt ferner, daß keine ethischen Gründe vom Standpunkt des Proletariats dagegen sprechen. Das ganze kommt also darauf hinaus: Kautsky mochte wohl, aber er kann nicht.(Stürm. Beifall rechts.) Nicht am Willen fehlt es, sondern an der Macht zur Durchführung der Hervéschen Ideen. Auch die Kasernenagitation hat Herr Bebel aus guten Gründen bekämpft. Er fürchtet nur, den Rekruten zu schaden, sonst möchte er auch schon damit anfangen.(Abg. Bebel ruft lebhaft: Vorlesea! Brüllen rechts: Ruhe!) Ich kann Ihnen doch nicht alle Aktenstücke vorlesen. (Lautes Lachen bei den Soz., Abg. Ledebour: Wenn Sie Anschuldigungen erheben, dann müssen Sie sie beweisen! Brüllen rechts: Ruhe, Ruhe!) Es ist ja klug und weise von Ihnen, daß Sie mit der Kasernenagitation im Interesse der Soldaten so zurückhaltend sind. Aber wenn Sie könnten, dann würden Sie schon heftig in den Kasernen agitieren. In dem Bericht über die parlamentarische Tätigkeit der Reichstagsfraktion auf dem Parteitag von 1892 heißt es, daß der Militarismus dem Interesse der herrschenden Klasse und dem Kapitalismus dienstbar sei(Lebh. Zustimmung bei den Soz.), den zu bekämpfen die Lebensaufgabe der Sozialdemokratie ist. (Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Weiter habe ich auch nichts gesagt. Der Abg. Singer hat auf dem Parteitag gesagt: Wir sind Feinde des Militarismus und werden ihn bekampfen, bis er zerschmettert am Boden liegt.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Sie wollen die Stützen der Macht des Vaterlandes untergraben, die Stützen des Staates umstürzen.(Sehr wahr! rechts.) Das ist Ihr Lebenswerk und Ihr Daseinszweck.(Sehr wahr! rechts.) und das ist unerhört, das ist infam.(Lauter Beifallsjubel rechts.) Sie wollen die jungen Leute unter allen Umständen zu Sozialdemokraten machen, und dann wollen Sie mir es verdenken, wenn ich gegen Sie für die Armee auftrete. Stolz hat der Abg. Frank auf Cromwell und Bismarck hingewiesen, und gemeint, er wandle auf den Spuren Bismarcks. Aber Bismarck hätte die Verfassung nur umgestoßen, um ein ganzes Volk glücklich zu machen.(Zuruf bei den Soz.: Also der Zweck entscheidet!) Nein, aber Bismarck hat erst ein einiges Deutschland geschaffen. Sie kämpfen nur für eine Klasse, das Proletariat.(Zuruf bei den Soz.: Nein, für das ganze Volk!]) Sie sehen das Volk nur im Proletariat und bekämpfen alles andere. Sie erstreben die politische Macht nur unter dem Deckmantel, die Arbeiter besser zu stellen. In keinem Land der Welt wird so viel für die Arbeiter getan, als in Deutschland.(Beifall rechts. Lachen bei den Soz.) Aber die Agitation der Sozialdemokratie hindert diese Entwicklung.(Bravo! rechts und bei den Natl. Lautes Lachen bei den Soz.) Abg. Erzberger(Ztr.): Der Kriegsminister hat zwar Vorwurfe gegen mich erhoben, ist aber gerade auf die wichtigsten Fragen nicht eingegangen. Bezüglich der beiden Offiziere, die zur Reitschule nach Hannover kommandiert wurden, wird jetzt zugegeben, daß sie unerlaubte Beziehungen hatten. Auf den feinen Unterschied zwischen Ehebruch und unerlaubten Beziehungen kann ich mich nicht einlassen. Ich halte mich einfach an die Worte der Bergpredigt:„Wer ein Weib ansieht und begehrt ihrer, der bricht die Ehe mit ihr in seinem Herzen.(Beifall im Ztr.) Ebensowenig ist der Kriegsminister auf meine Klagen über Schikanierung von Katholiken in Kriegervereinen eingegangen. Sein Angriff auf mich zeigt, daß es ein schlechtes Geschäft ist, dem Fürsten Bülow zu folgen und in der Budgetkommission auf Sparsamkeit zu drängen. Ich werde das aber auch in Zukunft tun, soweit die Schlagfertigkeit der Armee dadurch nicht leidet(Bravo! im Ztr.) Kriegsminister v. Einem: Bei den an die Reitschule in Hannover kommandierten Offizieren war auch von unerlaubten Beziehungen keine Rede. Schikanen in Kriegervereinen aus politischen Gründen sind mir widerwärtig und werde ich zu unterdrücken suchen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird angenommen. Das Gehalt des Kriegsministers wird bewilligt. Die Resolution des Zentrums, daß Kontrollversammlungen jährlich nur einmal stattfinden sollen, wird angenommen. Ebenso die Resolution der Freisinnigen, die eine Reform des Militärstrafrechts verlangt. In der Spezialdebatte bestreitet Abg. Cuno(Fr. Vp.), daß die Schilderung des Kriegsministers über die Vorgänge beim Verein„Seehund“ zutreffend sei, auch liegen sie bereits mehrere Jahre zurück. Beim Kapitel „Adjutanturoffiziere“ beantragt die Kommission, 100000 Mark abzusetzen, die beiden konservativen und die nationalliberale Partei beantragen, diese 100000 Mk. wieder einzusetzen. Auf Antrag Erzberger(Ztr.) vertagt- sich das Haus, um diese Frage nicht von nur 30 Mitgliedern entscheiden zu lassen. " Nächste Sitzung Montag 2 Uhr.(Fortsetzung. Dann Pensionsfonds und Invalidenfonds.) Schluß 7 Uhr. Landtag. Abgeordnetenhaus. 57. Sitzung, Freitag, den 19. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: v. Breitenbach. Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Eisenbahnetats. Zunächst wird die allgemeine Besprechung über die finanztechnische und wirtschaftliche Seite des Eisenbahnetats fortgesetzt. Minister v. Breitenbach: Die Vorredner haben anerkannt, daß der Eisenbahnetat im großen und ganzen den Wünschen entspricht, die dieses hohe Haus wiederholt geäußert hat. Ich habe mich bemüht, den Eisenbahnetat so aufzustellen, daß er der Wirklichkeit entspricht; die Einnahmen sind nicht zu niedrig, die Ausgaben nicht zu hoch angegeben. So muß es auch sein. Mit der Resolution der Budgetkommission:„Ausgleichsfonds, Begrenzung des Extraordinariums und der an die allgemeine Staatskasse abzuführenden Eisenbahnüberschüsse" bin ich einverstanden. Ich werde im Verein mit Am Finanzminister mit aller Energie an die Lösung der ernsten Aufgabe herangehen, die uns durch Ihre Resolution gestellt ist. Eine Erhöhung der Gütertarife, die hier von einer Seite gefordert ist, muß ich ablehnen. An einen Ausbau der Rohstofftarife, soweit dies ohne Gefährdung der Staatsfinanzen möglich ist, werden wir zu gegebener Zeit herangehen. Mit dem elektrischen Betriebe haben wir noch keine Erfahrungen gesammelt. Wir haben den elektrischen Betrieb bisher nur auf zwei Personenstrecken eingeführt, dort scheint er sich zu bewähren. Wir werden den elektrischen Personen- und Güterverkehr auf der Strecke Leipzig bis Magdeburg einführen. Die Vorlage hierzu wird noch in dieser Session Ihnen vorgelegt werden. Den Berliner Vorortverkehr können wir nicht über ein bestimmtes Maß hinausdehnen. Wir haben sogar nichts dagegen, wenn durch private Konkurrenzlinien unser Verkehr entlastet wird. Es wäre mir sehr wertvoll, die Meinung dieses hohen Hauses kennen zu lernen. Von einem Zuschlag für die Reisenden 3. Klasse, die den Speisewagen benutzen, verspreche ich mir nichts. Denn wenn die Reisenden 3. Klasse einen solchen Zuschlag zahlen müßten, dann würden sie daraus eine Berechtigung herleiten, noch länger in den Speisewagen zu verweilen.(Heiterkeit.) Den Vorwurf, daß die Eisenbahnverwaltung an der unrechten Seite sparte, muß ich zurückweisen. Ich bestreite auch, daß das ungünstige Urteil, das der Abg. Macco über die Juristen in unserer Verwaltung abgab. richtig ist. Fast jedes Jahr werden Herren aus unserer Verwaltung von großen Privatbetrieben übernommen. Das ist doch ein Zeugnis für ihre Tüchtigkeit. Unrichtig ist es auch, daß die technischen Beamten in der Eisenbahnverwaltung gegenüber den Verwaltungsbeamten zurückgesetzt werden. Das Verhältnis beider Beamtenkategorien zueinander ist seit der Reorganisation der Verwaltung im Jahre 1895 ein ganz ausgezeichnetes.(Beifall.) Unterstaatssekretär v. Dombois gibt die Erklärung ab. daß der Finanzminister gegen die Resolution der Budgetkommission nichts einzuwenden habe, und erläutert die finanztechnische Wirkung dieser Resolution.„..„ Abg. v. Quast(kons.): Die Eisenvannverwaitung befördert jetzt die Post ohne Entschädigung. Die Kosten, die uns dadurch entstehen, betragen jetzt ungefähr 36 Millionen, sie steigen von Jahr zu Jahr. Wir müßten doch mal überlegen, ob das so weitergehen kann. Der Personenverkehr ist ständig im Zunehmen begriffen, aber die Einnahmen sind nicht entsprechend gestiegen. Dies kommt von der Abwanderung in die unteren Klassen. Ich wundere mich darüber, daß überhaupt noch so viele Leute 3. Klasse fahren, denn die 4. Klasse ist doch jetzt fast ebenso gut ausgestattet, wie die dritte. Um der Ueberfüllung der Speisewagen vorzubeugen, könnte man vielleicht Speisewagen 3. Klasse einführen. Bei der Anlage von neuen Privatbahnen muß darauf gesehen werden, daß unseren Staatsbahnen keine Konkurrenz gemacht wird. Ich bitte den Minister, bei einer anderweitigen Regelung der Rohstofftarife recht vorsichtig zu sein, damit wir keine Einbuße in den Einnahmen haben. Im übrigen haben wir zu dem Minister das Vertrauen, daß er sein Amt so leitet, daß Zustände, wie sie jetzt in Frankreich herrschen bei uns nicht vorkommen können. Abg. Gyßling(Fr. Vv.): In unserer Eisenbahnverwaltung herrscht das Bestreben, die Gesenwart zugunsten der Zukunft zu belasten. Dies entspricht eigentlich nicht der Gerechtigkeit. Mar sollte daher alle Ausgaben, die werbende Anlagen darstellen, auf das Extraordinarium übernehmen. Bisher haben wir keine Klarheit über unsere Finanzverhältnisse gehabt, wir müssen daher zu anderen Grundsätzen kommen; doch müssen wir dafür sorgen, daß diese uns nicht in unserer Bewegungsfreiheit hindern. Einen spanischen Stiefel wollen wir nicht. Ich verstehe nicht, daß die Konservativen eine Erhöbung der Gütertarife wollen; eine solche läge weder im Interesse der Industrie, noch in dem der Landwirtschaft. Die Fahrkartensteuer werden wir auf die Dauer nicht aufrecht erhalten können. Keinesfalls dürfen wir die 4. Klasse mit der Fahrkartensteuer belegen. Mit der Elektrisierung unserer Bahnen müssen wir so schnell wie möglich vorgehen. Die Klagen über die Benutzung der Speisewagen seitens der Reisenden 3. Klasse sind weit ubertrieben.— Erfreulich ist es, daß die Arbeiterausschüsse sich bewährt haben. Abg. Dr. v. Woyna(freikons.): Wir begrüßen es, daß jetzt durch die Resolution der Kommission festgestellt werden soll, ob die Bilanzen unserer Staatsbahnen nach richtigen Grundsätzen aufgestellt sind. Wir werden der Resolution zustimmen. Die Betriehsmittelgemeinschaft ist ein großer Fortschritt, auch in politischer Beziehung. Auf dem Gebiete der Bauten kann noch viel gespart werden. Ein Holländer fragte mich einmal:„Was bauen Sie denn da, ein Schloß?“ Es wurden aber Wohnungen für Unterbeamte gebaut.(Hört, hört!) Abg. Dr. Pachnicke(Fr. Vg.): Meine Freunde haben immer verlangt, daß eine feste Grenze zwischen Ordinarium und Erraordinarium gemacht werden soll. Wir freuen uns, daß dies jetzt geschehen soll. Wir können nur unser Einverständnis damit erklären, daß die Verwaltung die Arbeiterausschüsse empfängt und in einer Aussprache mit ihnen die Differenzen zu lösen versucht. Nicht ein Kommandowort von oben, sondern eine gütliche Aussprache liegt im Interesse der Arbeiter und der Verwaltung. Nun ist gesagt worden:„Schaffen. Sie Gerechtigkeit, dann werden Sie auch gute Finanzen haben. Wie stimmt dies denn mit der Schutzzollpolitik, die doch nur den Großgrundbesitzern Vorteile bringt? Der Eisenbahnminister lebt doch mehr von der Industrie als von der Landwirtschaft. Deshalb läge ein mäßiger Freihandel nur im Interesse des Landes. Abg. Hirsch=Essen(natl.): Die Eisenbahnen haben nicht nur den Zweck, den Staatssäckel mit Millionen zu füllen, sondern sie sollen dem allgemeinen Besten und der ganzen Volkswirtschaft dienen. Deshalb lehnen wir eine Erhöhung der Gütertarife entschieden ab. Das ganze Haus hat sich früher auch entschieden dagegen ausgesprochen. Ich begreife nicht, weshalb die Konservativen jetzt auf einmal eine Erhöhung wollen. Auch die Beseitigung der Kohlenausfuhrtarife wäre eine durchaus verkehrte Maßnahme. Abg. Tourneau(Ztr.) befürwortet einen Antrag, eine Petition wegen Bewilligung von Arbeiterfahrkarten für die Strecke Arenshausen=Mühlhausen in Thüringen der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Die Kommission hätte Uebergang zur Tagesordnung beantragt. Minister v. Breitenbach bittet, es bei dem Beschluß der Kommission zu lassen und äußert sich dann über die Elektrisierung der Berliner Stadtbahn. Sollte man die Elektrisierung der Stadtbahn einführen, so würde eine solche bedeutende Verbesserung der Verkehrsverhältnisse nicht ohne eine Erhöhung der Tarife eingeführt werden können. Abg. Strosser(kons.): Es ist gar kein Wunder, daß unsere Ausfuhrtarife für Kohlen im Lande Beunruhigung hervorgerufen haben, denn unsere deutschen Kohlen werden im Auslande billiger verkauft als im Inlande. Daß dies nicht recht ist, sollte doch auch Herr Hirsch=Essen einsehen. Die Abnahme der Einnahmen aus der 1. und 2. Klasse rührt auch wohl daher, daß viele reiche Leute jetzt nicht mehr mit der Eisenbahn, sondern mit ihren eigenen Automobilen fahren. Die Sitze und die Gänge der Durchgangswagen werden jetzt oft mit Gepäck so belegt, daß kein Platz für die Reisenden da ist. Deshalb sollten die Schaffner angewiesen werden, daß schwere Gepäckstücke nicht mit ins Coupé genommen werden dürfen. Die Bestimmungen über die Nichtrauchercoupés werden jetzt viel zu rigoros gehandhabt. Drei Viertel der männlichen Reisenden rauchen doch, auch das zarte Geschlecht beteiligt sich schon recht häufig am Rauchen. (Heiterkeit.) Auch in den Speisewagen darf leider noch nicht geraucht werden, trotzdem der Abg. Hackenberg im Vorjahre in so rührender Weise seine Bitte vortrug.(Heiterkeit.) Freilich gelten diese strengen Vorschriften nur auf den preußischen Bahnen. Ich möchte deshalb nochmals darum bitten, daß wenigstens die eine Hälste des Speisewagens den Rauchern geöffnet wird. Zu einer Tasse Kaffee muß man doch eine Zigarre rauchen dürfen. Dies liegt doch auch im Interesse der Tabakindustrie. Denken Sie mal daran, wieviel an Tabaksteuer dadurch verloren geht, daß in den Bahnen so strenge Rauchvorschriften bestehen.(Heiterkeit und Beifall.) Minister v. Breiten bach: Wenn der Reichsschatzsekretär sich an mich wenden sollte wegen der Genehmigung des Rauchens in den Speisewagen, so werde ich die Sache in Erwägung ziehen. (Große Heiterkeit.) Wenn wir das Rauchen in den Speisewagen gestatten wollten, so würde bald auch von denen darüber geklagt werden, die jetzt über das Verbot jammern. Eine bestimmte Anzahl von Nichtrauchercoupés müssen wir schon deshalb haben, weil diese von den Frauen benutzt werden. Ich werde von neuem eine Verfügung erlassen, daß die Schaffner dem Unfug des Belegens der Sitze und Gänge mit Gepäckstücken steuern. Abg. v. Wenden(kons.) bittet um einen größeren Schutz und eine bessere Behandlung der Tiere bei der Beförderung auf der Eisenbahn. Abg. Witzmann(natl.) tritt für eine Erweiterung des billigen Sonntagsverkehrs ein. Auch dem platten Lande und den kleinen Städten müßte diese Wohltat zuteil werden. Mein Heimatsort Haynau leidet sehr an dem Mangel billiger Sonntagskarten. Minister v. Breitenbach: Dem Tierschutz wende ich fortgesetzt meine Aufmerksamkeit zu. Dem Wunsche des Abg. Witzmann ist schon seit einer Reihe von Jahren entsprochen. Ich bin gern bereit, wenn in Haynau wirklich ein Bedürfnis vorliegt, auch dort Sonntagskarten einzuführen. Dem Wunsche jedoch, die Sonntagslarten auch für das platte Land einzuführen, muß ich widersprechen, denn das würde zu einer allgemeinen Tarifherabsetzung führen. Hierauf wird ein Antrag auf Schluß der allgemeinen Besprechung angenommen. Die beiden Resolutionen der Budgetkommission werden angenommen. Der Antrag Tourneau wird abgelehnt.— Eine Reihe von Titeln werden ohne Debatte angenommen. Sodann vertagt das Haus die weitere Beratung auf Sonnabend 12 Uhr. Schluß 4 Uhr. Herrenhaus. 5. Sitzung vom Freitag, den 19. März, 1 Uhr. Präsident Frhr. v. Manteuffel eröffnet die Sitzung 1 Uhr 20 Minuten. Auf der Tagesordnung steht eine Reihe kleinerer Vorlagen. Der Gesetzentwurf betr. die Verpflichtung der Gemeinden in der Provinz Hessen=Nassau zur Haltung von Ziegenböcken wird unverändert angenommen. Auf einen Antrag des Amtsanwalts zu Vietz um Erteilung der Genehmigung zur Einleitung der Untersuchung gegen das Herrenhausmitglied Klitzing wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung(Jazdpolizeikontravention) hat die Geschäftsordnungslommission beschlossen, die beantragte Genehmigung zu erteilen. Für den Kommissionsbeschluß spricht: v. Buch=Carmzow: Herr Klitzing hat in der Schonzeit ein Wild geschossen, das außerlich den Eindruck einer Ricke machte, von dem aber in Berlin an den Zähnen festgestellt wurde, daß es ein Rehkitz war.(Heiterkeit.) Es handelt sich also um die Frage, daß, wenn jemand eine Ricke schießen will, er vorher die Zähne zählen muß.(Große Heiterkeit.) Daß die Sache einen politischen Anstrich hat, nehmen wir nicht an.(Stürm. Heiterkeit.) Wir glauben nicht, daß der Amtsanwalt in Vietz gegen Herrn v. Klitzing mit Rücksicht auf dessen politische Tätigkeit vorgegangen ist.(Erneute Heiterkeit.) In Erwägung aller dieser Umstände hat die Kommission beschlossen, die Genehmigung zu erteilen.(Allgemeine Heiterkeit.) Das Haus beschließt demgemäß. Oberbürgermeister Schustehrus=Charlottenburg berichtet über den Gesetzentwurf betr. die Erweiterung des Landespolizeibezirks Berlin. Nach dem Gesetzentwurf tritt dem Landespolizeibezirk Berlin die Gemeinde Stralau hinzu. Der Entwurf wird nach kurzer Debatte unverändert angenommen. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Unbestimmt; aber nicht vor dem 30. März. Schluß ½3 Uhr. Vermischtes. Der Untergang der„Margarethe". London, 16. März. Ueber die Einzelheiten des Schiffszusammenstoßes bei Hoek van Holland erzählt der gerettete Passagier Schildt:„Ich war in meiner Kajüte, als ich plötzlich lautes Schreien und die Schiffsglocke läuten hörte. Ohne die Strümpfe anzuziehen, lief ich mit den anderen an Deck. In demselben Augenblick rannte der Dampfer gerade in die Backbordseite des Bugs. Der Stoß war so furchtbar, daß wir fast alle umfielen. In unser Schiff war ein großes Loch gerissen, durch das das Wasser in den Schiffsraum hineinschoß. Der Dampfer rannte dann ein zweites Mal mit uns zusammen. Unser Schiff fing nach wenigen Minuten an unterzugehen und legte sich auf die Backbordseite. Es gelang neun Mann von uns, ein Rettungsboot loszumachen. Die anderen Leute versuchten ebenfalls, die vorhandenen Rettungsboote und zwei kleine Boote auszusetzen, aber ich fürchte, daß dies nicht gelang; denn als wir keum vom Schiff losgekommen waren, ank dieses hecküber in das Meer. Ich fürchte, daß alle ertrunken ind, wenn sich nicht einige auf den Dampfer gerettet haben. Als unser Boot flott war, hielt uns der Kapitän sein Kind entgegen und flehte uns an, es mitzunehmen, aber das Schiff war bereits im Sinken, und das Boot konnte wegen des Wasserstrudels nicht an das Schiff herankommen. In der Befürchtung, daß wir alle mit in die Tiefe gezogen würden, ruderten wir fort. Nachdem wir einige Zeit gerudert hatten, füllte sich das Boot halb mit Wasser. Nach einer Stunde sichteten wir das Fischerboot„Iris“, das uns nach Lowestoft brachte. Von dem Augenblicke, als der Zusammenstoß stattfand, bis zu dem Moment, als das Schiff sank, mag eine Viertelstunde verflossen sein. Die Nacht war bei dem Zusammenstoß schön und klar. Die Schuld scheint die„Mascotte zu treffen, die trotz lauten Zurufens der Mannschaft der„Margarethe“ ihren Kurs nicht anderte. Das Ende der Hungerkur. Frau Claire de Serval, die sich in der Baracke der Charité in einem besonders hierfür hergerichteten Glaspavillon einer Hungerkur von dreißigtägiger Dauer unterziehen wollte, hat auf ärztlichen Rat das Fasten beendet. Der Schluß der Hungerkur erfolgte lediglich aus wissenschaftlichen Gründen, die eine frühere Beendigung der Hungerkur wünschenswert erscheinen ließen. Frau Claire de Serval hat somit, nachdem sie sich während der ersten zehn Tage ihrer eigenartigen Kur auch des Trihkens enthalten hatte, im ganzen dreiundzwanzig Tage gehungert, ohne unter dieser Gewaltleistung physisch zusammenzubrechen. Professor Stähelin, der die Hungerkunstlerin behandelte, machte nach dem„B. T.“ über den Zweck der vorzeitigen Unterbrechung der Hungerkur und über das Befinden der Patientin folgende Mitteilungen:„Maßgebend für die Beendigung des Fastens waren für uns und für die Patientin nur Grunde rein wissenschaftlicher Natur. Frau de Serval hat sich nicht nur während der ganzen bisherigen Kur 4 tapfer gehalten, sondern sie hätte auch angenscheinlich ihren Vorsatz, weiter zu hungern, durchgeführt. Es kam uns aber darauf an, bei dieser immerhin nicht häufigen, guten Gelegenheit genauere Feststellungen über die Verhältnisse des StoffwechLediglich zu sels unter den gegebenen Umständen zu gerzielen. Lezzelich zu diesem Zweck ist jetzt bei durchaus gutem Befinden der Patientin die Kur abgebrochen worden. Es wurde ihr zunächst eine warme Haferschleimsuppe gereicht, die mit bestem Appetit genommen und vertragen wurde. Später gab es leichten Milchkaffee. Die Patientin bleibt natürlich bis auf weiteres zur wissenschaftlichen Beobachtung in ihrem Glashause.“ Vier Schisse untergegangen. Gestern wurde der Schiffsreeder Alfons Ahrens verhaftet unter dem Verdacht des Versicherungsbetruges und des Meineides. Er wird beschuldigt, in vier Fällen Schiffe auf hoher See zum Sinken zebracht zu haben, um nach dem Untergang die hohen Versicherungssummen zu erhalten. Auch der Matrose Nobel wurde vor einigen Tagen verhaftet. Er hatte versucht, den Dampfer Kommerzienrat Borjan von der WoermannLinie auf hoher See leck zu machen. Ihm werden in Gemeinschaft mit einem Maschinenführer drei Fälle von Schiffsuntergang zur Last gelegt. Ahrens gilt als Anstifter zu diesem Verbrechen. Hungersnot in Portugal. Lissabon, 21. März. Wie berichtet wird, herrscht in verschiedenen portugiesischen Provinzen eine enorme Hungersnot. Auf den Straßen werden viele Personen halb verhungert aufgefunden.„Secolo“ berichtet, daß in den Städten Alijo und Beja die Bevölkerung verschiedene öffentliche Gebäude angegriffen und in Brand gesetzt habe. U. a. drang die aufrührerische Bevölkerung in das Rathaus von Beja, begoß alles mit Petroleum und steckte das Mobiliar in Brand. Alles was sich in dem Rathause befand, wurde zerstört, nur einige wertvolle Aktenstücke wurden gerettet. Truppen, die an Ort und Stelle entsandt wurden, sind mit Dynamitbomben empfangen worden. Schlagende Wetter. New=York, 21. März. In der Kohlengrube United(Indiana), in welcher 37 Arbeiter beschäftigt waren, entstand gestern eine Explosion schlagender Wetter. Bisher konnten nur zwei Arbeiter gerettet werden. Es ist wenig Hoffnung, die übrigen lebend aus dem Schachte zu befördern. Eine Landungsbrücke eingebrochen. London, 21. März. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern mittag auf der Werft der Firma Vickers Sons and Maxim zu Barrow. Als die Arbeiter auf dem Linienschiff„Vanguard“ von der Dreadnought=Klasse das Schiff verließen, um ihren Lohn zu empfangen, und sich dabei ungefähr hundert Mann über die Landungstreppe drängten, brach diese zusammen und sämtliche Personen stürzten darauf zum Teil auf den Kai, zum Teil ins Wasser. Drei Mann wurden getötet und 50 verletzt. Die Szene war furchtbar. Das Wehegeschrei der Verwundeten war weit hörbar. Die Matrosen des nahe beiliegenden Kriegsschiffes„Bulcan“ eilten herbei und leisteten Rettungsdienste Man schaffte ungefähr dreißig Mann ins Hospital, wo mehrere lebensgefährlich verletzt daniederliegen. Die Landungstreppe war alt und nicht stark genug, die Last zu tragen. Standesamts-Nachrichten. Bielefeld. In der Zeit vom 15. bis 20. März sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Erdarbeiter Heinrich Budke, Walkenweg 79: Prediger Adolf Schwing, Hermannstr. 24; Tischler Johann Banze, Nordstr. 17; Schneider Herm. Schwalm, Blücherstraße 4: Bautechaiker Friedrich Lenger, Bürgerweg 70; Arbeiter Friedrich Hilker, Ziegelstr. 80; Installateur Wilhelm Temme, Viktoriastr. 63; Arbeiter Gustav Recksiek. Hallerweg 135: Arbeiter Friedrich Hoppe, Ulmenstr. 9a; Schlosser Wilhelm Wüstefeld. Siechenmarschstr. 3; Tischler Theodor Hülsmann, Kaiserstraße 149: Konfektionsbügler Otto„Nahrholdt, Detmolderstr. 90; Damastweber Heinrich Düker, Luisenstr. 52d; Buchbinder Ludwig Butenuth, Langenhagen 48; Eisendreher Theodor Wolter, Heimweg 2; Buchhändler Arnold Röhrmann, Kronenstr. 8; Lagerist Friedrich Blotenberg, Thielenstr. 1. Töchter: Metallschleifer Karl Fischer, Mellerstr. 45; Tischler Heinrich Brandt, Jobannistal 6; Maurer Friedrich Bornemann, Göbenstr. 46; Arbeiter Hermann Busse, Ziegelstr. 106; Tischler Wilhelm Ebeler(gen. Boltmann), Weststr. 32; Schuhmacher Wilhelm König, Schildescherstr. 100; Kutscher Karl Schülting, Kaiserstr. 120; Maurer Friedrich Rasch, Mühlenstr. 185(Zwillinge): Hausdiener August Krämer, Weststr. 49; Schlosser Heinrich Gebauer, Jöllenbeckerstr. 33: Schneider Wilhelm Blömer, Mühlenstr. 18a; Maler Emil Klein, Bielsteinstr. 26; Schuhmacher Heinrich Puls, Ehlentrupperweg 1; Tischler Ernst Kombrink, Siegfriedstr. 14; Arbeiter Gustav Lange, Heeperstr. 101. Sterbefälle: Wilhelm Waldhelm, 8 Tage; Wilhelm Hünneseld, 2 J.; Albert Dirks. 4 Mon.; Invalidenrentenempfänger August Steinkamp, 71 I.: Arbeiter August Kintscher. 46 J.; Maurer Andreas Heinrich Gießelmann, 72 I.: Agnes Handelsmann Pörschke, Luise geb Paul, Pankoke. 1 I.: verw. 68 J.: Gerda Henke, 2 Mon.: Ehefrau Rentner Kleine, Henriette geb. Grote, 59 J.: Heinrich Recksiek. 4 Tage; Ebefrau Rentner Ostmeier, Charlotte geb. Beiderbeck, 58 J.; verw. Arbeiter Borgmeyer, Helene geb. Beckmann, 79 J.; Stiftspflegling Friedrich Heibrock, 67 J.: Ehefrau Revolverdreher Kirschbaum, Emma geb. Nolte, 39 J.; verw. Damastweber Niedick, Hanne geb. Höhner, 76 J.; verw. Maurer Schürmann, Wilhelmine geb. Brockmann, 59 J.: Luise Leimkühler. 20 J.; Luise Mangl, 1 MoRes haice helschl lis caen schseck Stcheaiese weg 26a; Seinhauer August Moses, Siegfriedstr. 43, und Ar Diekmeier, Hallerweg 66a; Fabrikant Johannes König, Vle; und Ida Halle, Niedernstr. 11; Arbeiter Paul Linne. Jöhcl.= beckerstr. 96. und Paula Schneider, Bleichstr. 157; Schlachter beckerstr. 96. und Paula Schneider, Bleichstr. 157; Schlachter Christian Föste, Gahlen, und Helene Borchardt, Johannisberg 2a; Kaufmann Oskar Schwake, Ed.=Windthorststr. 24, und Auguste Kampmann, Viktoriastr. 15: Arbeiter Heinrich Fedder. Gadderbaum und Martha Dörr. Alleestr. 7; Schlosser Eduard Bergmann, Mellerstr. 14, und Johanne Wortmann, Schildescherstraße 53; Arbeiter Friedrich Gerke, Breitestr. 27a: und Auguste Horwecke, Burgstr. 20; Schlosser Robert Vogt. Gütersloherstr. 58, und Anna Oertel, Papenmarkt 7; Vizefeldwebel Friedrich Meyer. Kasernenstr. 4, und Mathilde Horstbrink, Bielsteinstr. 34; Eisendreher August Wienstroth, Bauerschaft Schildesche und Auguste Uffmann, Jöllenbeckerstr. 123; Sandformer Heinrich Bierhoff. Engerschestr. 1, und Ottilie Ott, daselbst; Arbeiter August Wilker, Wiesenstr. 14, und Anna Weber, Wiesenstr. 9: Verwaltungsdiätar Hugo Esdar, Ellerstr. 27, und Christine Hornung, daselbst; Kutscher Wilhelm Strötker, Herforderstr. 32, und Amalie Obernowitz, Dammstr. 4: Sattler Christian Hammersen, Rathausstr. 3, und Luise Höcker, Weststr. 35; Lackierer Eduard Allerogge, Weststr. 27, und Wilhelmine Möller. Wittekindstr. 18; Kaufmann Viktor Darius, Essen a. d. Ruhr, und Martha Drees, Siegfriedstr. 18; Unfallrentenempfänger Wilhelm Worst, Welle 18, und Sophie Bölckow geb. Schulz, Neuenkirchenerstr. 18. Eheschließungen: Kaufmann Johannes Tadey und Elisa Bossel, Tischlermeister August Weitkamp und Emma Schierbaum, Regierungsrat Heinrich Bäumer und Emilie Thomäe geb. Colsman, Polizeisergeant Wilhelm Pahde und Lina Sturm, Königlicher Bahnmeister Lambertus Penning und Johanne Fillies, Fabrikportier Wilhelm Försterling und Helene Steinhoff, Arbeiter Heinrich Nagel und Karoline Oberschelp, Werkzeugschlosser Eduard Schröder und Marie Eckmann Rechtsanwalt und Notar Dr. Lui Appelius und Helene Adriani. Handlungsgehilfe Gustav Sandvoß und Martha Wiesinger Buchdrucker Hermann Obstfelder und Auguste Steinkamp. B. NE.“ T. Verwaltung Bielefeld u. Umgegend. Bezirks=Versammlungen finden statt: Montag, den 22. März, abends 6½ Uhr, bei Bracksiek, Hallerweg. Dienstag, den 23. März, abends 6½ Uhr, bei Tuxhorn, Bleichstraße. Dienstag, den 23. März, abends 6½ Uhr, bei Kleinert, Detmolderstraße. Mittwoch, den 24. März, abends 6½ Uhr, im Vereinslokal, Sieker 228, für das obere Sieker und Stieghorst. Mittwoch, den 24. März, abends 8½ Uhr, bei Holz, Siegfriedstraße. Donnerstag, den 25. März, abends 6½ Uhr, bei Fohrmann, für Gellershagen und Umgegend. Donnerstag, den 25. März, abends 8½ Uhr, bei Blome (früher Heybrok), Spindelstraße. Freitag, den 26. März, abends 8 Uhr, bei Schneider, Kampstraße. Sonnabend, den 27. März, abends 8½ Uhr, bei Meyer, Heeperstraße, für das untere Sieker. Sonntag, den 28. März, vormittags 10 Uhr, bei Böke, Bielefelderstraße, für Schildesche und Umgegend. Dienstag, den 6. April, abends 8½ Uhr, im Restaurant „Stadt Bielefeld“, Marktstraße. Freitag, den 9. April, vormittags 9½ Uhr, bei Schröder, Gänsestraße, für Brackwede und Umgegend. Hea. u. Maschen Versammlung Tages=Ordnung in allen Versammlungen: Die General=Versammlung in Hamburg und bie hierzu obrliegenden Antrage. In Anbetracht dieser wichtigen Tages=Ordnung ersuchen wir um vollzähligen Besuch der Kollegen. Die Ortsverwaltung. 1605 Abendkursus für Frauen und Mädchen. Am 1. April er. beginnt in der Gewerbeschule Herford(Alter Markt 6) wieder ein dreimonatlicher Kursus für Frauen und Mädchen, in dem wöchentlich zweimal von 8—10 Uhr abends gelehrt wird(nach Wahl): 1. Handarbeit, wie Flicken, Stopfen, Weißsticken; 2. Maschinennähen, Anfertigen von verschiedenen Wäschegegenständen; 3. Schneidern, Aufertigen von Blusen, Röcken, Kinderkleidern, Modernisieren alter Garderobe; 4. Putzmachen, Nähen von Hauben, Hutformen, Kinderhüten, Mützen, Garnieren und Modernisieren von Hüten. Die städtischen Behörden haben beschlossen, diese Einrichtung iusefern zu unterstützen, als zu dem pro Monat 5 Mk., also für den dreimonatlichen Kursus 15 Mk. betragenden Schulgelde 2 bezw. 6 Mk. aus städtischen Mitteln als Zuschuß bezahlt werden, sodaß die Frauen und Mädchen selbst für den ganzen Kursus nur 9 Mk. aufzubringen haben. Diese Einrichtung wird zur Benutzung dringend empfohlen. Herford, 18. März 1909. Magistrat. Busse. am Mittwoch, 24. März 1909, abends 8½ Uhr, im Restaurant„Stadt Bielefeld“, Marktstr. 8. Vortrag des Genossen Löwe über: „Die Kunst im Hause.“ Zu zahlreichem Besuch ladet ein Die Einberuferin. 1679 Stadttheater. Heute, abends 8 Uhr: Auf vielseitigen Wunsch noch einmaliges Gastspiel des Königl. Hofschauspielers August Junkermann. Dörchläuchting. Dienstag, 23. März, abds. 7½ Uhr Benefiz für die erste muntere Liebhaberin Tilky Musäus und den ersten humoristischen Vater Willy Schweisguth. Nur einmalige Aufführung! Die beiden Leonoren. Mittwoch, den 24. März, abends 7 ½ Uhr: Nur einmaliges außerordentliches Gastspiel des Kgl. Bayr. Hofschauspielers Hospauer. Mathias Gollinger. Priemter And'S Cxteister! 1 Bekanntmachung. Die öffentliche Lesehalle ist vom 29. d. Mts. ab bis auf weiteres geschlossen. Herford, 15. März 1909. Der Magistrat. .*• Busse. Soeben erschien: Simplicissimus Nr. 57. Buchhandlung„Volkswacht“. Brackwede. ne 967 nur letzte Neuheiten, kaufen Sie gut und billig bei M. Thomas, Osningstrasse 6 Billig. Billig. lei SFratulationskarten g5. für alle Gelegenheiten stets größte Auswahl Buchhandlung„Volkswacht“. Das Verzeichnis der Handwerker=Innungen und Gewerbevereine, die zur Teilnahme an den Wahlen zur Handwerkskammer berechtigt sind, liegt vom 19. bis einschließlich 26. d. Mts. im Rathaus I, Zimmer Nr. 5, zur Einsicht der Beteiligten auf. Etwaige Beschwerden gegen die Richtigkeit des Verzeichnisses sind innerhalb 14 Tagen— vom Tage der Offenlegung beginnend— bei uns anzubringen. Herford, den 16. März 1909. Der Magistrat. Busse. 1381 Der Lebehsmttelmarkt steht heute in bezug auf Butterersatzmittel unter dem Zeichen der Van den Berghschen Vitello und Clever Stolz-Margarine. Beide Marken ersetzen feinste Naturbutter bei wesentlich billigerem Preise in geradezu verblüffender Weise.:::::: 3: Erhältlich in den besseren Kolonialwarenhandlungen. Hochzeits=Einladungen Kachdriceri„Jaltovatzt“. sKleine Anzeigen=er.“ Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in### Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. 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Hermann Oberschelp, Herford, Rennstraße 23. 1600 Beleidigung die wir gegen Frau Berends ausgesprochen, nehmen wir als unwahr zurück. Wilhelmine Wächter, Frieds Lösing, Hepen. 1631 zr Spiten-Fhleuter Zür aiten-Post. 1677 Das Prosramm enthält nur ganz hervorragende Neuheiten! = Original!= Eine Reise in Schweden. Kochinteressant! Die großartigen schwedischen Seen, die genial angelegten Kanäle und Schleusen, sowie die eigenartigen Fels= und Waldpartien erregen die Bewunderung jedes Naturfreundes. Die Sauvagette. Sauvagette ist ein armes Mädchen, das, trotzdem es von reichen Kindern mißhandelt wird, diese doch mit Einsetzung des eigenen Lebens aus den Händen Auf originellere Weise kann man unmöglich Reklame machen! Tanog' süge Charakterbild. Durch die fromme Lüge einer Schwester wird ein durch die Ichwrsurt Agned Tupr: Rot zum Dieb Gewordener vor der bevorstehenden Verhaftung bewahrt. gestellt Eine reizende Küchenfee stellt ihre Anbeter im wahrsten Sinne so kalt, daß felbst Kalt gestrur. Schornsteine die gefrorenen Gefühle nicht wieder auftauen können. Gehrochenen Brzez. Ein Ehedrama. Die junge Frau eines Attachés verläßt ihren Mann, um sich einem Rous in die Arme zu wersen. Der verzweifelnde Gatte unternimmt einen Selbstmordversuch, und an seinem Krankenlager bereut die Zurückkehrende ihre Verirrung. Großen Jubek erregt: Zu feüh zurück. Dienstboten=Amüsement in Abwensenheit der Herrschaft, die bei ihrer Rückkunft eine nette Bescherung vorfindet. Unkrant vergeht nicht. Humorvolle Fahrt einer Motorfahrerin, die ihre Energie durs Ankraut vergehr nicht. keinerlei Fährlichkeiten einbüßt. Ein Kinderdnett. Eindrucksvolles Tonbild. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, wie bei sämtlichen Agenturen ins Haus gebracht 60 Pfg. mon lich. Durch die Post bezog 1.80 pk. vierteljährlich exklus Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= u Feiertage täglich nachmittags Fernsprech=Anschluß Nr. 353. 69. Die heutige Nun Tolki Deut Eine Reichswertzuwachs am Mittag“ aus bestinforn Regierung mit der Absicht, ratensteuer und die etwa nt den Entwurf einer 30pi bringen. Landtagsnachwahl in A Ulmer Wahlkreis erhielt parteiler Munz 1718, der der Zentrumskandidat Ostb kratischen Stimmen sind sei Es ist ein zweiter Wahlga Krisis und Eisenbahnv# Reichs=Eisenbahnen in Elsa 1908 bis Ende Februar 1909 Mark gegenüber den gleich Februar 1909 betrug, die 2 ist um 410000 Mk. niedrige jährigen Februar wurden fördert als im Februar de „Die Finanzlage in Bahsich in bezug auf das künftig daß allein bei den VerkehrsBeamtengesetzes und des E über den Voranschlag hina Ressorts sollen bedeutende 1 Da nun die berechtigten haupt noch keine Erledigun für diese zweifellos etwas erhöhung— ohne Berücksi Herold— größer werden, a wurde. Die mutmaßliche Be Steuern mit Einbeziehung! stellt sich sonach auf 50 bis Dem Reichstag soll in zugehen, das die Verhandlu Seerechtskonferenz Weißbuch über Marokko, de mission seinerzeit zugegange zu sein. Ig. Die Tabaksten steuergesetzes eingesetzte Su gen vertraulichen Charakter richten über ihre Beschlüsse jedoch von unterrichteter neldungen über die Ablehn begründet sind leider die M Einführung der Wertsteuer in Anwendung kommen soll schlägen der Subkommission „Die Kommission ist aber schlüsse zu fassen, da bestimn vorliegen. Mit der Ausar Kreth beauftragt worden, Reichsschatzamtes sachversti sachlich wird die Kommissio bekannten Vorschlägen nich Tabakgewerbe nicht vollend diese Vorschläge, wie uns wird, auch große steuertecht vir die Meldungen, die vor auf die Vorschläge einzuge für Stimmungsmache halter Es ist indes müßige K oder minder begründeten Mit der seltsamen Geheimn nen sollte daher einmal Volk hat ein Recht darauf über seine Geschicke beschließ lg. Der Marineet Auch zu der Montagssitzt der Reichskanzler noch H waren, um über die wich lischen Flottenrüstungen ständigung Auskunft zu ge der Regierung alles mögli ringe Meinung von den R Als die Marineverwaltun der im vergangenen Jah Reichstages, die Regelung rinebetrieben betreffend, Falitätsrat Harms, daß Bundesrat zugehen würde. Schiffbauindustriellen, die wurde, war er aber in der gexpaitung und andere zu anstalte, um festzustellen, auch durchführen lassen. " Unsere Vertreter wer Llegierungsvertreter mit kein Glück haben. Auf Kommissionsmitglieder wi erhandelt werden, und Mterungen über diesen Eitgung diejenige Behandlung deutung verdient. Und nisse onlangt, so werden Rrch eine wiederholte Au Wünschen den gebührende „Mittlerweile hat die R aus Berlin gemeldet wir Jusae“ emmission des Re Uniates des Reichskanzler szisr pause gemachten Mit släge zur Einschränkung