Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.,80 Mk. vierteljährlich exkluswve Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 62. Ei UTruosotresoc Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Expedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Montag, 15. März 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größen Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Nielesekd. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. höheren Neue Steuersorgen. lg. Die Haltung der liberalen Vertreter in der Frage des Steuerkompromisses hat nicht überall im Lande Zustimmung gefunden. Von Tag zu Tag mehren sich die Stimmen, die sich mit aller Entschiedenheit gegen das Blockkompromiß wenden und von den liberalen Vertretern eine gleiche Stellungnahme verlangen. Der Verein der Freisinnigen an der Unterweser, der Demokratische Verein in Karlsruhe, die Freisinnigen in Biedenkopf und der Vorstand des Vereins der Freisinnigen Volkspartei in Hirschberg=Schönau bezeichnen die Zustimmung der liberalen Vertreter zum Blockkompromiß als einen schweren politischen Fehler, weil eine derartige Haltung ein Zurückweichen vor den Bündlern bedeute. Auch die Organisationen der Freisinnigen Vereinigung erklären sich in zum Teil sehr scharfen Ausdrücken gegen die einstweilige Annahme der Besitzsteuer und verlangen von ihren Abgeordneten, an der Nachlaßsteuer festzubalten. Selbst die Nationalliberalen sind ungehalten über das Blockkompromiß und beschwören ihre Fraktion, der Besitzsteuer die Zustimmung zu verjagen und die Nachlaßsteuer wieder einzubringen. Einflußreiche nationalliberale Organe wie„Köln. Zeitung" und„Hannov. Courier“ fordern die Fraktion dringend auf, weder die Besitzsteuer anzunehmen, noch den Gedanken der Reichsvermögenssteuer weiter zu verfolgen, sondern sich zur Nachlaßsteuer zu bekehren, um den agrarischen Vorstoß zu parieren. Aber auch in konservativen Kreisen ist man mit dem Blockkompromiß nicht einverstanden, und auch die Konservativen im Lande machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube, sondern opponieren frisch drauf los, so daß sich die„Kreuzzeitung" zu diesem Stoßseufzer veranlaßt sieht: „Wir richten die Mahnung an alle unserer Partei nahestehenden Zeitungen im ganzen Reiche, die Schwierigkeit der Lage nicht noch dadurch zu verschärfen, daß man die Haltung der Fraktion mit absolut unrichtigen und irreführenden Argumenten bekämpft. Dabei wollen wir noch erwähnen, daß nach unserer Ueberzeugung, wenn man jetzt die Witwen= und Waisensteuer bewilligen sollte, was ausgeschlossen ist, bei der nächsten Steuerreform, wo wieder mit derselben Begründung der Besitz herangezogen werden soll, eine Reichs s•* zum Teil derungezogen werden soll, eine Reichsvermorenestellerdings ganz bestimmt igensstener dann allerdings ganz bestimmt kommen wird..... Eine Auflösung des Reichstages käme nur den destruktiven Elementen zugute, es wäre eine Auflösung, bei der die verbündeten Regierungen mit den Sozialdemokraten und Freisinnigen zusammen gegen die übrigen bürgerlichen Parteien kämpfen würden. Eine Auflösung des Reichstages würde der Sozialdemokratie nützen.“ Daß die„Kreuzzeitung" diese Mahnung an ihre Parteifreunde für notwendig hält, ist überaus bezeichnend für die politische Situation und für die anmaßende Begehrlichkeit der Junker. Ihnen ist das Blockkompromiß nicht etwa zuwider, weil, wie die alte Phrase lautet, es in die Finanzhoheit der Einzelstaaten eingreift, sondern weil überhaupt damit ein— natürlich unzulänglicher— Versuch der direkten Besteuerung unternommen werden soll. Auch das ist den Junkern im Lande zu viel, weil sie am liebsten alles aus dem Bier und dem Tabak herausholen möchten. Und wenn die„Kreuzzeitung" diese absolut ablehnende Haltung ihrer Freunde nicht billigt, dann ist es lediglich die Erwägung, daß eine künftige Steuerreform bestimmt eine Reichsvermögenssteuer bringen wird, und die Furcht vor einer Auflösung des Reichstages, die ihr die Rolle des Maßhaltens zuweist. Ob dieses Maßhalten auf der Grundlage der Blockkompromisselei indessen genügen wird, um alle Bedenken der „Kreuzzeitung“ zu beheben, ist freilich eine andere Frage. Das wird einzig und allein von den Liberalen abhängen. Ist es den Liberalen mit ihrem Vorbehalt ernst gewesen, sind sie grundsätzlich gegen das famose Kompromiß, dann werden sich wohl oder übel die Konservativen zur Nachlaßsteuer bequemen müssen. erscheint eine solche Bekehrung jedoch sehr fraglich und die „Deutsche Tageszeitung“ schreibt denn auch schon: „Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der Kampf um die Nachlaßsteuer nochmals in aller Schärfe entbrennen. Wir sind stet und halten unser Pulver vorläufig trocken. Man möge sich aber auf der anderen Seite nicht täuschen... Eine Rückzugslinie gibt es für uns nicht.“ Die Worte der Junker haben vor den tönenden Kundgebungen der Liberalen den Vorzug, daß man sie ernst nehmen darf. Würde man mit dem gleichen Ernst die augenblickliche Erregung e liberalen Schichten gegen die junkerliche Anmaßung und die schwächliche Haltung ihrer Vertreter werten und schätzen können, dann dürfte man sich allerdings auf einen scharfen Kampf gefaßt machen. Wir fürchten jedoch, daß die Liberalen ihren„Vorbehalt" vergessen und durch eine Zustimmung zum Blockkompromiß den Blockfrieden nicht stören werden. Der Geschäftsbericht Krichsbrrsichtrungsnmtes für 1908. esc. Welchen riesigen Umfang die Geschäfte des Reichsamtes zngenommen haben, ist dem soeben herausgekommenen neuesten Krsst### entnehmen. Das Personal bestand 1908 aus einem Prasidenten(Dr. Kaufmann). 2 Direktoren, 23 Senatsvorsitzen40 sonstigen ständigen Mitgliedern, außerdem noch zehn Beamten als kommissarischen Hilfsarbeitern. Dazu tommen 8 höhere Rechnungsbeamte, 144 Bureauheamte, ein Kanzleidirektor, 82 Kanzleisekretare, 38 Diener, Pförtner und Botenmeister, 68 Diätare. Als Vertreter der Unternehmer und der Versicherten gehörten 264 Mitglieder dem Amte an. Richterliche Beisitzer und Hilfsrichter waren 99 vorhanden. Trotz dieses großen Beamtenapparates konnte das Amt von den vor sein Forum gelangten 54.060(davon 15449 aus dem Vörjahre) Beichwerden, Rekursen, Streitigkeiten und Revisionen nur 36 811 erledigen, so daß 17•249 in das laufende Jahr hinübergenommen werden mußten. Die Spruchpraxis des Reichsversicherungsamtes ist aber nicht etwa eine saumselige, sondern es muß vielmehr Klage geführt werden über die Ueberlastung der einzelnen Sitzungen mit Fällen. Darunter leidet auch die Sorgfalt der getroffenen Entscheidungen. Bei jeder Debatte über den Etat des Reichsversicherungsamtes haben die sozialdemokratischen Redner die Einrichtung von mehr Senaten verlangt, um die bestehenden zu entlasten und die Zahl der unerledigten Fälle zu verringern. Niemand kann es allen recht machen, aber der Geschäftsbericht des Reichsversicherungsamtes erweckt doch das peinliche Gefühl, daß auch die Spruchpraxis unseres höchsten sozialen Gerichts allzu sehr von dem bekannten Gejammer der agrarischen und industriellen Unternehmer über angeblich„zunehmende Faulheit und Rentensucht der Arbeiter“ beeinflußt wird. Das Amt deutet selbst auf die Bestrebungen der konservativen und ultramontanen Agrarier gegen die„kleinen Unfallrenten“ hin und bemerkt vielsagend, es biete„schon das geltende Recht Handhaben, um dem unbegründeten(!) Anwachsen der Unfalllast mehr als bisher(!) ohne Schmälerung der Rechte der Versicherten entgegenzuwirken. Die beigefügten Schiedsspruchtabellen zeigen denn auch, wie die Schiedsrichter das geltende Recht anwenden. In den 114 Berufsgenossenschaften und den 540 Ausführungsbehörden waren 1908 insgesamt über 21,1 Millionen Personen gegen Unfall versichert. In der Gesamtzahl befinden sich etwa 1½ Millionen Perjonen, die doppelt, d. h. gleichzeitig in gewerblichen und in landwirtschaftlichen Betrieben versichert sind. Nach einer vorläufigen Ermittelung betrug 1908 die Zahl der angemeldeten Unfälle 655 859, wovon erstmalig 141 848 entschädigt wurden. In Unfallangelegenheiten wurden 422 012 berufungsfähige Bescheide erteilt. In 74540 Fällen wurde gegen die Bescheide Berufung eingelegt. Die Behauvtung der Arbeiterfeinde, das Einlegen der Berufung würde„sportsmäßig" betrieben, nehme immer größeren Umfang an, ist unrichtig, denn auf je hundert Bescheide sind Berufungen eingelegt worden 1890: 21.26, 1900: 21,01, 1908: 17,67. Speziell die von den Rentenbewerbern ausgehenden Berufungen sind von 20,07 in 1901 auf 8,01 in 1908 zurückgegangen. Dieser Vorgang ist aus den Empfindungen der Rentenbewerber unschwer zu erklären. Die Schiedsgerichte haben nämlich von je 100 Fällen entschieden Zzugunsten des„ zugunsten des Rentenbewerbers Versicherungsträgers, 1886. 31,21 43.57 1890 27,76 55,24 1900 23,18 64.54 1908 18,28 71,92 Die soziale Rechtsprechung hat sich demnach zuungunsten der Versicherten enorm verschlechter!! Gegen die Entscheide der unteren Schiedsgerichte sind letztjährig 22552 Rekurse beim Reichsversicherungsamt eingelegt worden, wovon 18 665 durch Urteil erledigt wurden. Von je 100 Rekursen wurden erledigt durch Bestätigung des Vorbescheides eingelegt von den, eingelegt von den Versicherten Versicherungsträgern 1904 78.0 47,9 1906 81,1 46,8 1908 82.3 45,8 Auch im Versicherungsamt schnitten die Berufsgenossenschaften mit ihren Rekursen günstiger ab wie die Arbeiter. Die Zahl der abgewiesenen Rekurje ist größer geworden, soweit sie die Ansprüche der Verletzten betreffen. Angesichts dieser Tatsache ist es kein Wunder, wenn die Beschwerden der Verletzten über ungerechte Abweisungen sich vermehren. Doch ist hierbei ein wichtiger Umstand zu beachten. In den Terminen zur Verhandlung von Unfallsachen erschienen in 54,6 Prozent der Fälle weder der Verletzte selbst noch ein Vertreter vor dem Reichsversicherungsamt. Ueber die Hälfte der Fälle mußte also lediglich noch den Akten entschieden werden. Da es sich wesentlich um Akten der Berufsgenossenschaften handelt, nur ein geringer Teil der Verletzten hinreichend schreib- und gesetzeskundig ist, so werden die Senate naturgemäß aus den Akten vorwiegend ein dem Verletzten ungünitiges Bild gewinnen. Diese für sie so ungünstige Spruchpraxis ist für die Arbeiter eine neue Mahnung, sich ihren gewerkschaftlichen Organisationen anzuschließen, denn durch die von den Gewerkschaften unterhaltenen Arbeitersekretariate wird den Verletzten ein sachkundiger Beirat gestellt. Das gleiche Bild finden wir bei der Invalidenversicherung. Es. ino P###g„ Janzar 1891 bis 31. Dezember 1908 anerkannt worden 1 032873 Invalidenrenten, 90 476 Krankenrenten, 470 379 Altersrenten, insgesamt 2193728. Nach der 1899 in Kraft getretenen Abänderung des Invaliditäts= und Altersversicherungsgesetzes nahm die Zabl der Rentner sprunghaft zu von 113985 auf 152 246 in 1900. Hierauf erfolgten fortlaufende Revisionen des Rentenfestsetzungsverfahrens seitens Beauftragter des Reichsversicherungsamtes. Die Folge war eine ganz enorme Verringerung der Rentnerzahl bei gleichzeitiger starker Vermehrung der Versicherten. Daß auf der Jagd nach Simulanten auch zahlreiche wirklich Berechtigte um ihre Renten gekommen sind, ist eine unbestrittene Tatsache. Man beachte folgende Tabelle: Es wurden Invalidenrenten bewilligt Beiträge erhoben 1903 152882 146,27 Mill. Mark. 1905 122 868 161,29„ 1907 112220 178.64 1908 116852 noch nicht ermittelt. Die Zahl der bewilligten Renten ging um mehr als 25 Proz. zurück in derselben Zeit(1903—1907) wo die Beitragssumme um mehr als 20 Prozent zunahm, was einer bedeutenden Vermehrung der Versicherten entspricht. Das Reichsversicherungsamt meint in seinem vorliggenden Bericht, die„rückläufige Bewegung“ der Rentenfestsetzungen scheine 1906 ihren„tiefsten Stand“ erreicht zu haben. Ob damit gesagt sein soll. das rigorose Rentenquetschen habe seinen Zweck erfüllt, oder ob es noch weiter angewendet werden soll, bleibe dahingestellt Die Nachweise der Rentenentscheide sind auch Beweise für die rigorose Rentenquetsche. 1900 waren von 100 berufungsfähigen Bescheiden 10,7 Prozent ablehnende, 1/0 Prozent entziehende. Die Ablehnungsbescheide stiegen bis 1906 auf 20,9 Prozent der Gesamtzahl— in diesem Jahre wurde der erwähnte„Tiefstand“ erreicht— und stellten sich 1908 auf 16,5 Prozent. Dagegen sind die Entziehungsbescheide fortgesetzt vermehrt worden seit 1900 und machten 1908 schon 84 Prozent der Gesamtzahl aus! Auch gegenüber den Revisionen in Invalidenversicherungssachen erwies sich das Reichsversicherungsamt für den Rentenbeansprucher ungünstiger entscheidend. Von je 100 Revisionen wurden erledigt durch Bestätigung des angefochtenen Schiedsgerichtsurteils eingereicht von eingereicht von Versicherten Versicherungsanstalten 1904 84,69 33,61 1908 87,08 28.90 Die Versicherungsanstalten legen natürlich nur Revision ein, wenn das Schiedsgericht einen nach Ansicht der Versicherungsanstalten zu günstigen Spruch für den Versicherten fällte. Das Reichsversicherungsamt bestätigt immer weniger die von den Versicherungsanstalten angesochtenen Arteile, bei der Gegenseite liegt die Sache umgekehrt. Hier spielt das von den Versicherungsanstalten eingeführte System der sogenannten„Vertrauensärzte“. mit ihren leider nur zu sehr vom Reichsversicherungsamt anerkannten Gutachten eine den Versicherten sehr schädliche Rolle. Das Heilverfahren hatten bis 1907 insgesamt 95 Berufsgenossenschaften übernommen. Es hatte in 10481 Fällen von überhaupt 11371 ein günstiges Ergebais. Die Kosten beliesen sich auf 833963,94 Mk., wovon 144035,49 Mk. die Krankenkassen erstatteten. Die im Jahre 1908 von den Trägern der Unfallversicherung gezahlten Entschädigungen an Verletzte usw. beliefen sich nach vorläufiger Feststellung auf 157488494 Mark. Manche Million würde nicht auszugeben sein, wenn mehr Gewicht auf die Unfallverhütung gelegt wäre. Das Vermögen der Versicherungsträger(Invaliditäts- und Altersversicherung) belief sich am Schluß des Jahres 1907 auf rund. 1404 Millionen Mark, gegen 845,7 Millionen Mark im Jahre 1900. Politische Uebersicht. Furcht vor einem politischen Skaudalprozeß. Wie gemeldek, uub Faifer-Wzstheergt Martin, der die Broschüre„Fürst Bülov en. Wahrheitsbeweis für hauptungen führen. . Die.„Konservative Korrespondenz“ bemerkt hierzu:„Wenn diese Meldung richtig ist, so kann es sich nur darum handeln, einen Standalprozeß in möglichst großem Umfange zu veranlassen. Das würde ein verwerfliches Unternehmen sein, durch das der Regierungsrat Martin sich schwerlich die verlorenen Sympathien wiedererwerben könnte. Für unsere Strafprozeßreform ist aber schon die Möglichkeit eines solchen Prozesses sehr bedeutsam. Es ergibt sich daraus, daß Spekulationen zu sensationellen Zwecken auf den Wahrheitsbeweis, gleichviel, ob er gelingt oder nicht, unter allen Umständen der Boden entzogen werden muß. Und das so rasch wie möglich. Trennung von Staat und Kirche. Nürnberg. In einer großen liberalen Volksversammlung für den vom Bamberger Erzbischof Abert gemaßregelten liberal=katholischen Pfarrer Tremel empfahl der Referent Kohl, in die Enge getrieben, die von einem Sozialdemokraten eingebrachte Resolution, die als Lösung aller Konflikte zwischen der Kirche und der Staatsgewalt die Trennung von Kirche und Staat fordert. Die liberale Resolution wurde zurückgezogen und die sozialdemokratische, weil konsequent und weitergehend, fast einstimmig angenommen. Ein Monstre=Prozeß gegen russische Studenten. Dresden, 13. Marz. Von hier wird die Verhaftung russischer Studenten gemeldet. Es soll sich um die Einleitung eines Prozesses wegen Geheimbündelei handeln, in dem auch russische Studenten anderer Hochschulen hineingezogen werden sollen, denn die„Dresdener Nachrichten" teilen mit, daß auch in Mittweida acht russische Studenten verhaftet wurden, von denen man nur zwei wieder entließ. Die Verhafteten werden nach Dresden übergeführt. Bei den in Dresden Verhafteten wurde eine umfangreiche russische Korrespondenz gefunden. Die Proteste gegen die neue Fernsprechgebührenordnung mehren sich ganz gewaltig. In den letzten Tagen sind es besonders eine große Reihe von Handelskammern, die sich in ihren Eingaben an den Reichstag zum Teil in außerordentlich scharfer Weise gegen die Verteuerung des Telephons aussprechen. Die Nachlaßsteuer als gegen Steuerbetrug. " Prof. Hans Delbrück kämpft weiter für die Nachlaßsteuer; in der„Täglichen Rundschau"(Nr. 119 vom 12. März) veröffentlicht er einen Leitartikel, in dem er sich zunächst scharf gegen die „Besitzsteuer“ erklärt. Daß es eine Unbilligkeit ist, das unfundierte und das auf Vermögen fundierte Einkommen gleichmäßig zu besteuern, hat man längst erkannt und deshalb neben der Einkommensteuer als Ergänzung die Vermögenssteuer eingeführt. Diese ist aber sehr gering, ein Millionär zahlt jährlich 500 Mk.(½ vom Tausend) und vor allem wird sie nicht mit Kommunal=Zuschlägen belastet. Wenn nun also die Finanzverhältnisse im Reich einmal so sind, daß die höheren Einkommen mit einer neuen Steuer belegt werden müssen, so verlangt es die offenbare Billigkeit, diese auf das fundierte Einkommen, auf das Vermögen zu legen.... Zieht man aber die Arbeitseinkommen schon von 3000 Mk. heran, so bedeutet das eine sehr bedeutende Entlastung des fundierten Einongenz, das heißt, des Verngens. 44 06s huDer materielle Unterschied zwilchen Nachlaßsteuer und Kompromiß ist daher kein anderer, als daß dieser den Reichtum schont oig Liche durch, die Heranziebung der Arbeitseinkommen ir onteresseg und reichen Staatsbürger haben daher scompromiß, diejenigen, die nur von ihrer #### leten oder nur ein kleines Vermögen haben, an der von der megierung vorgeschlagenen Nachlaßsteuer. Professor Telbrück kommt dann auf seine Behauptung zurück. 1 daß durch schlechte und unehrliche Steuerdeklarationen dem Staate große Steuersummen entzogen werden: Durch diese schlechte Veranlagung werden nun in ungeheurem alle diejenigen geschädigt, die richtig veranlagt sind. Weil viele Mitbürger unterdeklarieren, müssen die ehrlicher die ohen Kommunalzuschläge bezahlen. Das Abgeordnetenha. hat jetzt sehr beträchtliche Zuschläge zur Einkommensteuer beschlossen. Der Steuerkompromiß im Reichstage will von Reichs wegen noch neue Zuschläge dazufügen. Alle diejenigen Zuschläge wären überflüssig, wenn man durchsetzen könnte, daß allgemein ehrlich deklariert wird. Das beste Mittel, zu richtigen Deklarationen zu gelangen, wäre eine von Reichsbeamten kontrollierte Nachlaßsteuer. Schon der Minister v. Miquel wollte zu diesem Zwecke eine Erbschaftssteuer einführen, kam aber damit im Abgeordnetenhause nicht durch. Mag man nun also aus diesem oder jenem Grunde für oder gegen die Nachlaßsteuer sein, eins ist sicher, daß sie ein recht wirksames Mittel zur Erzielung ehrlicher Deklarationen sein würde, daß also, um auf unteren Ausgangspunkt vom materiellen Interesse zurückzukehren, alle ehrlichen Steuerzahler ein Interesse, an, der Nachlaßsteuer, alle unehrlichen ein Interesse an ihrer üblehnung haben. Die Kohlensteuer. .. Die„Deutsche Tageszeitung“ kommt auf ihr Lieblingsthema, die Einführung einer Kohlensteuer, zurück und nützt die Geldklemme des Reiches gehörig aus, um für die Kohlensteuer Pro„machen. Das agrarische Blatt schreibt: „Milliorden sind im Laufe ber Jahre durch diese Ausbeutung des Nationaleigentums in die Taschen privater Kapitalisten und Kapitalsassoziationen geflossen, und das Volk muß ruhig zusehen, wie mit jeder geförderten Tonne Kohlen eine Verminderung des eigentlich der Gesamtheit zustehenden Eigentums an diesen unersetzlichen Bodenschätzen eintritt, ja, es muß mit ansehen, daß diese Großkapitalisten, denen der Staat die Ausbeutung dieses nationalen Schatzes leider ganz frei überlassen hat, den deutschen Verbrauchern deutsche Kohlen vorenthalten, um sie zur Bezahlung von Wucherpreisen zu nötigen, während das Ausland zu sehr viel niedrigeren Preisen damit versorgt wird...... Statt wenigstens energisch gegen diese verderbliche Anwendung einer unbedacht überlassenen Ausbeutungsfreiheit einzuschreiten, wurde dieselbe noch durch Frachtvergütungen auf staatlichen Eisenbahnen unterstützt und die preußischen Steuerzahler müssen für den Bau von Kanälen Hundert=Millionen=Opfer bringen, welche in erster Linie dem Kohlensyndikat seine Ausbeutungspolitik gegenüber den deutschen Konsumenten erleichtern werden. Andererseits wurde jeder errsthafte Versuch unterlassen, jene begünstigten Ausbeuter der nationalen Bodenschätze zu einer angemessenen Tributleistung an die Staatskasse heranzuziehen..... Hätte die Reichsregierung in dieser Situation(der Finanznot) nicht viel eher daran denken sollen, den hochrentablen Besitz an Kohlenausbeutungsgerechtsamen zugunsten der Reichskasse zu besteuern? Eine solche Steuer mußte doch um so einwandfreier erscheinen, weil dabei keine Kollision mit dem Steuersystem der einzelnen Bundesstaaten drohte und weil gerade auch d'eser Besitz durch die die Aufrechterhaltung der Weltmachtstellung des Deutschen Reiches eine sehr große Wertsteigerung erfahren hat. Es muß überraschen, daß man in Regierungskreisen auch pen dieshezüglichen Anregungen von außen her mit schweigender Ableynung begegnen zu wollen scheint Anschließend hieran sordert die„Deutsche Tageszeitung“ in Uebereinstimmung mit der konservativen„Elbinger Zeitung“ eiaen Aoslenausahsrgol.—biger Heiang auf dem Gebiet des Schulwesens eine führende Stelle einnimmt, hat im Jahre 1907/08 pro Kopf des Schülers der höheren Knabenlehranstalten 294,95 Mark bezw., wenn das Schulgeld und der minimale Stoatsbeitrag aufgerechnet wird, 413,15 Mark ausgegeben Pro Kopj der höheren Mädchenschulen wurden 2°6.92 bezw. 826.27 Mark. pro Kopf der Mittelschulen 128,04 und pro Kopf der Volksschulen 85,10 bezw. 86,80 Mark aufgewandt. Daraus giht hervor, daß ein Schüler der höheren Lehranstalten die Stadt beinahe 3½mal so viel kostet wie ein Schüler der Volksschulen, und daß auch im Vergleich zu den übrigen Schularten die Volksschulen schlecht abschneiden, da. gr###e höheren Mädchenschulen imimer noch das 1½fache der Volksschulen verausgabt- wird. Um so vern underlicher ist es da, daß der Magistrat unter Führung des Oberbürgermeisters Adikes sich wiederholt hartnäckig geweigert hat, für die unteren Schullategorien die allgemeine Lern= und Lehrmittelfreiheit einzuführen, so daß der Bezug freier Lernmittel nach wie vor ins D zernat der Armenfürsorge fällt. Auch ein kürzlich von der Stadtverordnetenversammlung beratener Minoritätsentrag, der die Freistellen der höheren Schulen vermehren und ihre Besetzung aus einer Qual in ein Recht umwandeln wollte, gelangte nur in der verstümmelten Form zur Annahme, daß auch in Zukunft Bittgesuch und Bedürftigkeitsnachweis das Ausschlaggebende sind. Erhöhung der Lehrer= und Arbeitergehälter. Dresden, 12. März. Im Dresdener Stadtverordnetenkollegium wurde gestern beschlossen, die Lehrergehälter zu erhöhen. Weiter wurde ein Antrag unserer Genossen, die Löhne der städtischen Arbeiter noch in diesem Jahre zu erhöhen, angenommen. Die Ueberschüsse von städtischen Werken dürsen aber nicht etwa durch Ausbeutung der Arbeiter erzielt werden. Wir müssen besonders auch dafür eintreten, daß in kommunalen Betrieben die achtstündige Arbeitszeit eingeführt wird. Ueberhaupt die Arbeitsbedinzungen in den städtischen Betrieben sollten muster. Ko Zweite Gemeindevertreterkouferenz für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. der Gemeindevertreterkonferenz, die Sonntag nachmittag im Lokale von Indiestel stattsand, waren 43 Gemeindevertreter, 2, Kreisleitungsyextreter, 16 Vertreter von Ortsverwaltungen, 18 Stadtverordnete und 5 Kandidaten für Kommunalwahlen anwesend. Außerdem waren die Genossen Sachs und SchädVertreter der„Volkswacht“ und der Bezirksparteisekretär Genosse Klingenhagen anwesend. Zu der vorigen Gemeindevertreterkonferenz hatten sich 29 Gemeindevertreter, 88 Vertreter von Ortsverwaltungen und Kreisleitungen, 23 Stadtverordnete und 5 Kandidaten eingefunden. Genosse Hoffmann erstattete den Bericht für den auf der vorjährigen Konserenz gewählten Ausschuß. Die Tätigkeit des Ausschusses sei nicht zu bedeutend gewesen. Der Ausschuß sei Aufruhrprozeß. Am Sonnabend fand vor dem Dresdner Landgericht der Aufruhrprozeß gegen Genossen Redakteur Düvell und dem Instrumentenmacher Stenzel statt. Es waren 28 Zeugen geladen. Außerdem waren zwei ärztliche Sachverständige anwesend, um über den körperlichen und geistigen Zustand des Angeklagten Stenzel auszusagen. Beide Angeklagten sind beschuldigt, an Zusammenrottung teilgenommen zu haben.— Stenzel bestritt, sich der ihm zur Last gelegten Straftat schuldig gemacht zu haben und vor allen Dingen bei dem Vorgang eine führende Rolle innegehabt zu haben. Er weiß selbst nicht, warum man ihn verhaftet hat. Der eine Sachverständige bekundet, daß Stenzel schon bei den Wahlrechtsdemonstrationen im Jahre 1905 stark verletzt worden sei: er sei Alkoholiker und dies früher noch in stärkerem Maße gewesen als heute. Das Gutachten der unzurechnungssähig sei., vovzin, daß Stenzel minder aber Düvell bestreitet auf das Entschiedenste, sich der ihm zur Last gelegten Straftat schuldig gemacht zu haben. Auf Vorhalt des Vorsitzenden sagt er, er habe in seiner Rede im Volishaus an demselben Vormittag wohl scarfe Wendungen gebraucht, aber nur empfoolen, den Kampf mit gesetzlichen Mitteln zu führen Ebenso bestreitet er, gesagt zu haben, die Versammlungsbesucher sollten zum König ziehen, wie es die Anklageschrift behauptet. Er gibt der festen Ueberzeugung Ausdruck, daß keine Ausschreitungen vorkämen, wenn die Polizei nicht eingreifen würde. Aussagen sind nicht ser Bet-slend ,#-csistep vernommen. Die und nicht sehr belasteno für Duveu, mehr für Stenzel, in bezug auf Düvell sehr unsicher. Die meisten können nicht genau behaupten, Düvell in der ersten Reihe oder hol;, modifizieren. Der I. Sie müssen ihre Aussagen wieder. volt moohigter" Der Polizeileutnant Eichler muß u. a. zugeben, daß er erst am anderen Tage von einem Gendarmen die Mitteilung aufgenommen habe, daß Düpell sehr laut gewesen sei bekundet ferner, daß Düvell sich die größte Mühe gegeben habe, die Masse zu zerstreuen und zu beruhigen. Der Polizeisagt aus, daß vor dem Einhauen der Polizei ders Henersenswert ug ben, an die Menge ergangen sei. ist die Aussage eines Polizeibeamten, Fabe Apsege Pgachze mit Kapuze getragen. Es wurde fest. aißt Wich gearrni einen solchen getragen hat. Der ge##rr zu haben.— Der Vorsitzende und der Verteidiger Giese gerieten wiederholt aneinander, weil der VerKeniser richdere Vorsitzenden zu viel Fragen an die Schließlich verzichtete die Verteidigung auf eine ganze Reihe da die Aussagen der Polizeibeamten so widersprechend und teilweise negativ waren, daß die Anklage unmöglich aufrecht erhalten werden konnte. . H g des Staatsangalts Dr. Wulfen, der Kesenben ie lie Tileisk erselte Vorieh. 8fil- Greäiehe sind wir für die Wertzuwachssteuer eingetreten, indem dort eine eifrige Propaganda entfaltet wurde. Ferner hat eine Konferenz der Gemeindevertreter von Bielefeld und dessen näherer Umgebung stattgefunden, in der die Frage der Berichterstattung der Gemeindevertreter an den Ausschuß besprochen wurde. Es wurde betont, daß die Gemeindevertreter darauf bestehen sollten, daß ihnen die Tagesordnung durch Zettel ins Haus geschickt werde. Die Tagesordnungen sollten dann eingeschickt werden und dabei angegeben werden, wie sich unsere Genossen dazu zu verhalten haben. Das wäre alles, was ich zu berichten habe, das ist nicht viel, aber es ist ein Anfang. Hierauf ergriff Genosse Hoffmann das Wort zu einem Vor rag über die Wertzuwachssteuer: Der Redner wies darauf hin, daß die Einnahmequellen der Gemeinden sehr beschränkt seien. Z. B. die Hundesteuer bringt nichts, und in Bielefeld hat man jetzt die Schankkonzessionssteuer eingeführt, die aber auch nicht viel bringen wird. Es bleiben daher nur die Zuschläge zu den staatlichen Steuern und außerdem noch die Wertzuwachssteuer Die Wertzuwachssteuer sei eine direkte Steuer, denn die Wertzuwachssteuer bezahle der Verkäufer, der den Wertzuwachs bereits gewonnen habe. Die Steuer könne nicht abgewälzt werden, die Mieter müssen mit ihren Mieten denselben Wert verzinsen, ganz gleich, ob die Wertzuwachssteuer erhoben wird oder nicht. „Warum ist gerade für uns die Wertzuwachssteuer so besonoers wichtig? Unserm Gebiet steht ein mächtiges Aufstreben bevor, z. B. in dem Kreis Lüdinghausen dringt jetzt die Kohle und es ist daher zu erwarten, daß dort in Bälde ein großer Wertzuwachs eingeheimst werden wird. Es müsse daher bald die Wertzuwachssteuer eingeführt werden, damit es dann nicht zu spät ist. Wenn man erst kommt, wenn der große Wertzuwachs schon in die Taschen der Grundeigentümer geflossen hat, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Steuer keinen Ertrag bringt. Auf eine Bemerkung des Genossen Schmidt Herford weisen die Genossen Hoffmann und Sachs darauf hin, daß die Wertzuwachssteuer nicht abgewälzt werden könne, den Grundstücksbesitzern sei beim Verkauf ihrer Grundstücke doch eine Brenze der Preise nach oben gesetzt, über die hinaus die Käufer nicht gehen könnten, weil dann das Grundstück für sie nicht mehr die genügende Rentabilität haben würde. Preise, die über dieser Grenze ständen, bekämen sie nicht. Was sie aber überhaupt an Preisen erzielen könnten, das forderten und bekämen sie, ganz gleich ob die Wertzuwachssteuer bestände oder nicht.„Da also schon sowieso die höchstmöglichsten Preise für Grundstücke erzielt würden, so sei es ausgeschlossen, daß der Betrag der Wertzuwachssteuer auf die Grundstückspreise heraufgeschlagen werde.sse gerausbann sprach Genosse Severing über die Aufgaben der sozialdemokratischen Gemeindevertreter. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die der Behandlung des ihm gestellten Themas infolge der komplizierten Verhältnisse in unserem Be zirk entgegenständen. In deutschen Einze meisten Kulturaufgaben von dem Staat auf gewälzt. Infolgedessen ist die Finanznot der Gemeinden heute schon sehr groß. Die Frage, ob man den§ 13 des Zolltarifgesetzes, der die Abschaffung des städtischen Oktrois verfügt, zum 1910 in Kraft setzen oder noch auf 5 Jahre hinausschieben das östliche Westfalen nicht aktuell. Es sei nicht tig sein.„Tann muß auch dafür gesorgt werden, daß bei rgevung stadtischer Arbeiten nur solche Firmen berücksichtigt werden, die das Koalitionsrech acben und gute Arbeitsbedingungen gewähren. Außerdem miü#n wir eine kräftige Sozialpolitik verlangen. Seibstverständlich darf sich die sozialpolitische Eeir msstege Pe nicht auf die Säuglinge beschränken. I. Snun. z. B. zunächst dafür eintreten, daß zur Bekämpfun, der Sauglingssterblichkeit sterilisierte Milch von der Gemeinde abgegeben wird. Das wurde nicht zu viel kosten. Wir müssen. um noch eins herauszugreifen, auch verlangen daß die Nahrungsmittelkontrolle streng gehandhabt wird Auf die Schulen haben ja die Gemeinden erhältnismäßig wenig Einfluß. Wir müssen iber durch unsere Kritik versuchen. zu erreichen was zu erreichen ist. Z. V. müssen wir uns wenden gegen eine hohe Klassenfrequenz. Daß dadurch hohe Kosten entstehen, darf uns nicht abhalten, hier Forderungen zu stellen, .. Es entspann sich im Anschluß an Severings Referat eine sehr levhafte Tiskussion, in der eine Reihe wertvoller Anregungen gegeben wurde. Es wurde von mehreren Rednern ausgesprochen, daß wir für die Eingemeindung der Vororte von Bielefeld in die Stadt eintreten müßten. Dann wurde den Gemeinden geraten, sich möglichst Land zu sichern, damit sie eine wirksame Wohnungspolitik treiben können Angeschnitten wurde ferner die Frage, wie man sich zu den Bauordnungen in den Landg. meinden zu stellen habe. Es wurde von mehreren Rednern gewünscht, daß der Ausschuß diese Frage studieren sollte. Genosse Kreft=Stadthagen fragte an, wie man sich zu einer Heranziehung der juristischen Personen zur Schu steuer zu verhalten habe, ein entsprechender Gesetzentwurf liege zurzeit dem Landtag von Schaumburg=Lippe vor. Die Frage wurde dahin beantwortet, daß man wohl für die Heranziehung der Aktien= gesellschaften und der übrigen Erwerbsgeiellschaften zu den Schullasten eintreten müsse, daß aber der Ueberschuß der Konsumvereine nicht mit zur Steuer herangezogen werden dürfe, weil er kein Einkommen darst Ut. Genosse Franke aus Quelle warf die Frage auf, ob die Genossen für eine Billettsteuer stim. men könnten, die in Quelle geplant sei, um den Rennverein zu tresen..„—4 Nenuerein u Genosse Severing erklärt, daß wir aus prinziviellen Gründen nicht für diese Steuer stimmen könnten. Außerdem würden ja auch die Vergnügungen der Arbeitervereine dadurch getrosen werden. due Sachurz Folgende vom Ausschuß aufgestellten Grundsätze über die Berichterstattung der Gemeindevertreter an den Ausschuß wurden einstimmig genehmigt: Die Gemeindevertreter sollen über die im Gemeinderat gepflogenen Verhandlungen und über die gefaßten Beschlüsse einen Bericht abfassen und an den Parteisekretär einsenden. Wenn nötig, ist der Sekretär bei der Abfassung des Berichts heranzuziehen. Die Stellungnahme der sozialdemokratischen Vertreter zu den einzelnen Vorlagen ist im Bericht anzugeben. Der Bericht, in dem besonders auch die Steuerverhältnisse und die Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde(Etat) anzug ben sind, ist vierteljährlich zu geben. Ferner soll über jede Sitzung ein Protokoll Lustägden gegen die Beibehaltung der indirekten Steuern wenBicz Sreoz ergalten werden konnte. stener in Frage kommt, für I; e Einsiührung der Wertzuwahs. „Stig dem Vlatooger des Staatsanwalts Dr. Wulfen, der kommenstenen. Erhöbung, der Zuschläge zur Einbeide unzerlagte fur schuldig patt und Bestrafung beider Ange= gerechti“ die unteren ddie direkte Bestenerung Untlagten verlangt, und nach den vorzüglichen Plaidopers der An= d Schanklonzessionssteuer, von P walte kommt der Gerichtsbof zu folgendem uel sogers bef Au. gag bie Schogrennzszignr Steug,##a der jetzt viet, die Rede ist, lagten verlangt, und nach den vorzüglichen Plaido #on der Gerichtsyof zu fdigendem Urteil: Stenzei wird # 8 Mconaten Gefängnis verurteilt, von denen 1 Monat auf die itsrhuchungshaft, anzurechnen ist, Düvell wird freigesprochen. va: Loge# dem untrage des Staatsanwalts spricht der Gerichtsvof die Haftentlassung Stenzels aus. — In der Bearündung des Urteils wird u. a. gesagt: Es sei als ha cher Wig marde am Schlusse seiner Rede gesagt nicht verschließen tan den i seigen, daß er seine Augen ian Es sei aber auch festgestellt, daß er gegesetlichen Miteln gefihrt werden gose. sich nichts noseineam Teitzshme an der Demonstration selbst habe sich nichts posirio Strafgtiges beweisen lassen. Stenzel dagegen der Stagt stark demonstrativ hervorgetreten, Wienschenmassen einzuwirsen d Rödelsführerschaft.— Andererseita f ein Vorzeben arenze an Rubelsfuorerschaft.— Anbererseirs habe man aber seine leichte den Unstand gelten lassen Burchnungsähioleit als Kommnnales. svo. Aufwendungen der Stadt Frankfurt a. M. für die verschiedenen Schülerkategorien. Die Stadt Frankfurt a. M., die sou, wie die Freunpe per Sieuer sagen, ein Entgelt für die Erteitung des Privilegs, das den Wirten in Gestalt der Konzession gegeben wird, sein. Es ist dagegen einzuwenden, daß manche Privatbetriebe, Aktiengesellschaften usw., die, wenn auch icht ein rechtliches, so doch ein tatsächliches Monopol haben, auch nicht besonders besteuert werden. Die Schankkonzessionssteuer trifft aber nicht den hohen Ertrag, der etwa auf die Konzession zurückzuführen ist, sondern sie wird auch dann erhoben, wenn gar kein oder nur ein geringer Ertrag erzielt wird. Ich hoffe, daß die Finanznot der Gemeinden einmal mit dazu Sehesge wird. die Besteuerung in Reich und Staat gerechter „ Es ist wünschenswert, daß Gas=, Elektrizitäts-, Wasserwerke usw. in den städtischen Besitz kommen. Es muß hier dareu sehen werden sace ecsie seien se eaiser eie Kies ui die heais inr unteren Grenze möglichst angenähert werden. Für elektrische Ueberlandzentralen müssen wir eintreten. Dadurch bekommen nicht nur auch entlegene Dörfer gutes Licht, sondern es wird auch möglich, in solchen Orten Betriebe mit elektrischer Triebkraft einzurichten und Industrie dorthin zu bringen, was besonders im Interesse der Ausbreitung unserer Bewegung liegt. Ferner soll über jede Sitzung ein Protokoll abgesaßt werden, worurch die vierteljährliche Berichterstattung erleichtert wird. Wichtige Fragen sollen vorher in der Fraktion beraten und über die Stellungnahme derselben ein Beschluß herbeigeführt werden. Eventuell ist bei wichtigen Fragen der Rat der Zentralkommission einzuholen. " Zum Schluß wurde der Ausschuß in seiner bisherigen Zusammensetzung durch Akklamation wiedergewählt. Er besteht danach aus dem Agitationskomitee, verstärkt durch die Gemeindevertreter Genossen Grube=Brackwede, Heitland=Schildesche, Pöh=Sudbrac und Wulshorst=Sieler. eiant=Sch Aus der Stadt und Nachbarschaft. ees„ Bielefeld, 15. März. Holzarbeiterverband. Im ganzen Reiche finden in diesen .100 Versammlungen statt, die sich mit der Frage unserer Interessenvertretung beschäftigen sollen. Der Einfluß unserer Organisation ist immer mehr gestiegen, wie das erst bei den letzten Vertragsverhandlungen zum Ausdruck kam. Nichtsdestoweniger gilt es, unsere Position weiter auszugestalten. Gerade jitzt, während der Krise, muß der innere Ausbau des Verbandes eifrigst betrieben werden. Eine Versammlung, welche der Stärkung unserer Gewerkschaft am Orte dienen soll, findet am Dienstag in der„Centralhalle“ statt. werden daran erinnert, daß die Führung einer Bedeutung für unsere zukünftigen „In dieser ernsten Zeit sollte jeder durch treue Pflichterfüllung den Gesamtinteressen dienen. 3/5 Kontroll: Versammlungen für den Stadtkreis heiter Shigu derbaum finden im Garten des &8. amri sattVerein Kreuzstraße 28, in der Zeit vom 2. bis Landkreis Bielefeld, ausschließlich Amt GadderSausgein Pa Persammlungen in der Zeit vom 14. 50 Wir bringen die Bekanntmachung morgen. „Freitags den 12. März. Die Installationsarbeiten für die Sudbrackstraße wurden in 3 Losen vergeben und zwar Los I an Fr. Rohde zu 1449,05; Los II an & Drewes zu 2936,05; Los III an Sürig zu 4539.80; die Schreib= und Zeichenmaterialien in Los 1 an A. Adams zu 544,25; in Los II an Skobel zu 1031/14 Mi. 6 6“ Die Anlieger der Schildescherstraße sollen zur Bürgersteigbefestschweren Zementpiatren aufgefordert werden, auf der rechten Seite ganz, auf der linken Seite bis Haus Nr. 69, ebenso die Anlieger der Kriemhildstraße. Das vorgelegte Spezialprojekt und Kostenanschlag, für den Schulneubau an der Weidenstraße wurde Straße burch das u gus empfiehlt die Beleuchtung der neuen letung zu bewirken, Johannlstal elekrisch und zwar mit Kabeh „Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Rutk. düe. heutige zum Genesiz für Fräulein Ueberhorst stattfindende czzzng von„Zapfenstreich“ weisen wir nochmals empfehlen, uin. Pergeeg wird das spannende Schauspiel„Die fremde Frau“ Spistmach set gegehen; die Titelrolle spielt Fräulein Stolberg Gastipiels;„dan wieder das große Ereignis eines JunkermannKreibeitsfriegen Auführung kommt das Zeitbild aus den deutschen (ut de Franzosentihe. Franzosen in Deutschland“ zweite neutrase n:.. Am Sonntag, den 14. März, ist eim alscherigtu e Loge J. O. G. 2. n. gestiftet worden, deren MitHie rächie ds: Der Name der neuen Loge ist Eintracht. V. Viermann, Bürgerweg 16, stan. Tagen 15 Personen; 20 Obo gefängnis Unterkommen. erbielten im biesgen VolzelEingebrochen wurde in der Nacht zum Sonntag, 14. Marz, in dem Zigartenpavillon„Havanna=Centrale“ am Niederwall. En naet wurden für zirka 250—800 Mk. Zigarren und Zigaretten. u9 H###bl.„Dem Lehrer P. hier, Turnerstraße 7, wurd an nachmittags zwischen 2 und 8 Uhr vom Flur ein geiohe Flsdas im Werte von 7 Mi. enwendet. Lor Knkauf bei gestohlenen Sachen wird gemarnt. 88r Straßensperrung. Zwecks Herstellung und Erbauung der Straßenkanäle u. Hausanschlußleitungen wird die Weidenstraße zwischen Heinrich= und Königstraße bis 1. 5. 00 für Fuß= u. Verkehr gesperrt. Zugelaufen ein Bastardhund. Verloren ein Balltuch; ein Trauring gez. A. S.; ein kleines gelbrotes Damenportemonnate mit 2,15 Dik##nhalt. — pz Meisterkursus. Am 7. Juni 1909 beginnt je ein neuer achtwochiger Meisterkursus für Schneider. Schuhmacher, Bauschlosser und Kunstschmiede, sowie Bau= und Movelschreiner im Handwerkskammergebäude in Dortmund Kaiserstr. 78. Aufgenommen werden Schneider= und Schuhmachermeister, Schlosser= bezw Kunstschmiede= und Schreinermeister, sowie solche Gesellen, die sich in Kürze selbständig machen wollen. Aumeldungen sind bis spätestens 1. Mai 1909 unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebens aufes, eines amtlichen Führungszeugnisses und der Ausweise über Lehrlings=, Gesellen-, Militärund eventl. Meisterverhältnisse an den Leiter der Kurje einzureichen. Tas Unterrichtsgeld beträgt 20 Mk. für den Kursus. In der Regel erhalten die Teilnehmer reichliche Beihi fen zum Lebensunterhalt. Geschäftszimmer des Leiters: Dortmund, Schwanenwall 41. Die westsälischen Handwerkskammern uind zu weiterer Auskunftserteilung gern bereit. Die nächstfolgenden Kurse in den genannten Handwerkszweigen werden voraussichtlich am 11. Oktober 1909 beginnen. Sozialdemokrat Verein, Ortsgruppe Bielefeld. Vortragsabende. Montag, 15. März, abends 8 Uhr, bei: Tuxhorn für den 11. und 12. Bezirk. Thema: Das Leben und Treiben der Junker im 18. Jahrhundert. Dienstag, 16. März, abends 8 Uhr, bei: Hellsinger für den 4. Bezirk. Thema: Die Kunst im Hause. Lohmann für den 5. und 7. Bezirk. Thema: Zivilisation und Sozialdemokratie. Rothschild für den 6. Bezirk. Thema: Die Internationale. Apenbrink für den 8., 9. und 10. Bezirk. Thema: Robert Blum und seine Zeit. Freese für den 13. und 19. Bezirk. Thema: Die Krankenversicherung. Kaiser für den 14. und 15. Bezirk. Thema: Die Invaliden versicherung. Kickert für den 16., 17. und 18. Bezirk. Thema: Stehendes Heer oder Volkswehr? Flaßbeck, Breitestr. 15, für den 20. Bezirk. Thema: Alkoholismus und Arbeiterbewegung. Mittwoch, 17. März, abends 8 Uhr. bei: Holz für den 1., 2. und 3. Bezirk. Thema: Die Unfallversicherung. — Der Bevollnächtigte. Versammlungen. Bielefeld. Oeffentliche Holzarbeiterversammlung. Dienstag, abends 6½ Uhr, in der„Zentralhalle". T.=O.:„Wer schützt die Interessen der Holzarbeiter?“ Referent Schmidt=Hannover. Gew.=Kartell. Dienstag. 16. März, abends 8½ Uhr, in der„Zentralhalle". Sitzung. aldemokratischer Verein für den Wahlkreis Lippe. Wie schon bekannt ist, hat die Generalversammlung am 7. März in Lemgo den Sitz des Kreisvorstandes von Lemgo nach Detmold verlegt. Der Kreisvorstand hat sich nunmehr in seiner Sitzung vom 11. März konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Genosse Wilhelm Eggen, Detmold. Krummestr. 4, zum Kassierer Genosse Wilhelm Fehst, Detmold, Hohenloberstr. 17, gewählt. Alle Anfragen und Zuschriften sind zu richten an den Vorsitzenden Genossen Eggen, alle Geldsendungen sind an den nerer Genossen Fehst zu senden. Weitere Zuschriften erhalten die Ortsvereine in den nächsten Tagen. Mit Parteigruß Der Kreisvorstand. * Westerenger, 13. März. Erhängt. Am 12. d. M. wurde der 74 JJahre alte Heuerling Schröder in seiner Wohnung erhängt aufgefunden Das Motiv zur Tat ist unbekannt. * Bückeburg, 13. März. Schaumburg=Lippischer Landtag.(Donnerstags=Sitzung.) Präsident Wippermann eroffnet die Sitzung. Anwesend sind sämtliche Abgeordnete, sowie die Mitg ieder der Regierung. Das Protokoll der letzten Sitzung wird verlesen und genehmigt. Die Lesung des Landeskassen-Etats wird fortgesetzt. Auf Vorschlag des Präsidenten Wippermann wird der Kaufvertrag der Landwirt Prenge und Bode in Cammer, den diese wegen Ankaufs einer Wiese mit dem Ministerium abgeschlossen hatten, zur Beratung gestellt. Die beiden Landwirte hatten lange Jahre eine dem schaumburg=lippischen Staate gehörende Wiese in Pacht gehabt. Da diese an der Aue gelegene Wiese häufig unter Ueberschwemmungen zu leiden hatte und für den Staat eigentlich wertlos war, so wurde der Verkauf beschlossen. In einem öffentlichen Verkaufstermin boten die bisherigen Pächter 8950 Mk., ein Kolon Bakemeier aber 50 Mk. mehr Trotzdem glaubte die Regierung, das Gebot der früheren Pächter berücksichtigen zu müssen und diesen den Zuschlag zu erteilen. Etwa 9 Monate später bot Bakemeier 1000 Mk. mehr, doch blieb es bei dem Beschlusse der Regierung. Die Kommission stand auf dem gleichen Sandpunkt und bat, den Kaufvertrag zu genehmigen. AbgeordKrömer findet es nicht kaufmännisch, wenn man das gen, verstoße gegen Treu und Glauben. Da noch einige Abgeordnete sich fur den Kaufvertrag ausgesprochen hatten, wird dieser genehmigt. Hierauf wird in der Etatsberatung fortgefahren. Bei Aversum der Stadt Bückeburg fragt der Abgeordnete Krömer, wie es mit dem dieserhalb geführten Prozeß stehe. Staatsrat v. Campe erwidert, daß dieser in letzter Instanz beim Reichsgericht liege. Die 1. Lesung des Etats wird beendet und dieser mit den eingetretenen Aenderungen in erster Leiung genehmigt, desgleichen das Gesetz zur Feststellung des Landeslassenetats. Auf Antrag des Abg. Krömer wird sodann mit der Beratung des Gesetzentwurfes betr. Abänderung des Volksschulgesetzes von 1875 begonnen. Abg. Krömer will dem Ministerium seine Anerkennung nicht versagen, daß dieses gewillt sei, die Volksschul weiter auszubauen. Der Ausbau dürfe aber nicht im Galopptempo und nicht auf Kosten der Schulgemeinden erfolgen. Staatsminister Frhr. v. Feilitzsch zerstreut die Bedenken des Abg. Krömer. Mit den eing stellten 24000 Mk. werde man vor äufig wohl auskommen. Abgeordneter Lorenz freut sich, daß die schwere Bürde der Lehrer etwas gemildert werde, hofft aber, daß die hartbedrängten Gemeinden auch etwas unterstützt würden. Abg. Brinkmann hat das Vertrauen zu der Regierung, daß das Gesetz in mildester Zielefelder Stadttheater en. Sonnabend, 13. März. Der Kaufmann von Venedig, Lustspiel in 5 Alten von Shakespeare. Es zeigte sich wieder einmal, daß Shakespearesche Komödien in unserem Stadttheater eine vorzügliche Aufführung..... Der ganze Ton „io auf Shatespeare gestimmt, oaß sich des Zuschauers eine Form gehandhabt werde. Abg. Hüking bemerkt, daß man keine Sorge wegen zu schroffen Vorgehens zu haben brauche. Das Gesetz sei in guten Händen. Abg. Pie wunscht, daß die Schulbauten in nicht zu iuxuriöser Weise erfolgten. Abg. Kröner teilt mit, daß wegen der Schulbauten schon häufig Klage geführt sei, über unzweckmäßige Bauart. Er bitte, den Schulvorständen etwas mihr Freiheit zu lassen und keinen Druck auszuüben. Staatsminister Frhr. v. Feilitzsch erwidert, daß niemals ein Druck ausgeubt werde, aber wenn Staatsmittel zum Bau einer Schule bewilligt werden sollten, habe die Regierung auch das Recht, mitzureden. Forsch sein und die Hand aufhalten. passe nicht zusammen. Abg. Hille hält in Art. 2 des Gesetzes die Worte„und Führung“ fur zu weit gehend und bittet um Streichung. Die Regierung hat gegen die Streichung nichts einzuwenden. Abg. Krömer bringt zur Sprache, daß namentich unter den jüngeren Lehrern in den Schulen ein gewisser Unteroffizierton herrsche. Dieser sei nicht angebracht Schulrat Schwertfeger erwidert, daß, wenn ihm dieserhalb Klagen vorgebracht wurden, er ganz energisch Abhilfe schaffen würde. Das Gesetz gelangt hierauf in erster Lesung zur Annahme. Angegommen wird ferner auch der zu diesem Gesetz eingebrachte Antrag Brunstermann, Aktiengesellschaften 2c. zu den Schullasten mit heranzuziehen. Anlaß zu diesem Antrage hat die frühere Lagershausensche Hütte in Stadthagen gegeben, die jetzt in eine Aktiengesellschaft umge wandelt ist. Eine längere Debatte entspann sich bei der Beratung des Gesetzentwurfs betr. Einführung der Fortbildungsschulen auf dem Lande. Artikel 1 des Gesetzes lautete: „Sofern die örtlichen Verhältnisse einer Schulgemeinde es irgend ishäru nach Anhörung des Schulvorstandes die Overentscheidet, soll eine Fortbildungsschule errichtet werven. Die Kommission hielt den Zeitpunkt zur Einbringung die ses Gesetzes für nicht geeignet und lehnte deshalb Artilel 1 ab. ohne in die weitere Beratung des Gesetzentwurfs einzutreten. Von den meisten Abgeordneten wurden Bedenken wegen der Durchführbarkeit dieses Gesetzes geäußert wenn sie auch im Prinzip für den Fortbildungsschulunterricht waren. Das Geschließlich mit 8 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Auf Antrag des Abg. v. Bülow erfolgte Schluß der Sitzung. . J. Münster, 13. März. In der Stadtverordneten sitzung vom 10. März hatte sich wiederum ein zahlreiches Publikum eingefunden. Es bestand zumeist aus christlichen Holzarbeitern, weiche ein Interesse an der Abstimmung über den christlichen Antrag, betr. Vergebung von Arbeiten an tariftreue Unternehmer, hatten. Fast drei volle Stunden haben sie gestanden und gewartet, aber vergebens. Unter den Sachen, welche zur Sprache gebracht wurden, seien nur einige besonders interessierende herausgegriffen. Durch die Uebernahme der Straßenbahn durch die Stadt am 1. April macht sich die Anstellung eines Oberingenieurs nötig Derselbe hat neben der Straßenbahn auch das Elektrizitätswerk unter Aufsicht. Das Anfangsge alt soll 6000 Mark betragen, von 3 zu 3 Jahren um 500 Mark steigend bis 7500 Mark. Bemerkenswert ist die Antwort des Stadtbaurats Tormin auf eine Anfrage des Stadtverordneten Nottarp was nit den Straßenbahnern werden solle, da die Firma Lahmeyer sämtlich: Leute zum 1. Aprik gekündigt habe. Die Antwort lautete:„Es müssen erst die Personal=Akten geprüft werden, und erhalten diejenigen, welche bleiben können, in den nächsten Tagen nach Prüfung derselben Bescheid. Hieraus geht hervor, daß eine Auslese der Leute stattfinden soll. Wir sind aber der Meinung daß die Stadt die Leute, welche die Firma Lahmeyer gesiebt hat, mit ruhigem Gewissen übernehmen könnte, ohne große Auslese zu halten.. Beim Titel Kanalgebühren und Müllabfuhr greift Stadtverordneter Kraus die Straßenseger an. Man könne äufig beobachten, wie die Straßenseger sich einer großen Genütlichkeit hingeben, es sei nötig, die Leute manchmal etwas aufzumuntern, auch wäre es vielleicht angebracht, den sogenannen Aufsehern, welche nicht viele Leute zu beaussichtigen haben den Besen in die Hand zzu geben. Den Leuten, welche 10 bis 11 Stunden auf der Straße den Besen führen müssen, sind wohl mal einige Minuten Pause zu gönnen, wenn sie auf die Kehrmaschine waren müssen. Man kann aber auch sehr oft beobachten, daß die Arbeiter, wenn sie ihre Arbeit fertig haben wollen, fast Laufschritt zu machen genötigt sind. Bei dieser Gelegenheit möchten wir gleichzeitig die Frage aufwerfen, wo bleiot der den Straßenfegern versprochene Lohn von 3.50 Mark? Wie kommt die Stadt dazu, sich hier anden Arbeitern zu bereichern: Wir haben seit längerer Zeit wiederholt feststellen können, daß den Leuten 3.50 Mark pro Tag versprochen wurden, aber nur 3.40 und weniger gezahlt wird. Wo bleibt das Geld was man den Arbeitern hier vorenthält? Zum Jahresbericht 1907/08 äußert sich der Oberbürgermeister in längerer Rede, in welcher er sich auch mit dem Hausaltsplan für 1909 beschäftigt Zunachst kommt er auf die Laiserfeier von 1907 zurück, die ihm, wie es scheint, ganz beonders gut gefallen hat. Die dafür verausgabte Summe von 136000 Mark findet er noch besonders niedrig, zumal Münster itwas geboten hat, was andere Städte bisher nicht nachzumachen vermocht haben. Das Geld brauchte nicht erst im folgenden Jahre durch höhere Steuerbeträge aufgebracht zu werden, sondern sei durch frühere Ueberschüsse im voraus gedeckt gewesen. Sonstige bedeutende Summen sind für Neuvf asterungen der Straßen der Altstadt verausgabt worden. Das Geld hierfür, 520000 Mark, ist durch Anleihen aufgebracht worden und wird o nach und nach abgezahlt. Das Zahnärztliche Institut, welches im Berichtsjahre fertiggestellt wurde, hat mit Einrichtung 80ois 90000 Mark gekostet. 420000 Mark hat der Ankauf des Drubbels gekostet. Ein weiterer großer Posten, die Umkanalisierung der Altstadt, hat 320000 Mark Kosten verursacht. Man ist augenblicklich daran, die Kosten einzuziehen. Die Hauseigentumer, welche jetzt zahlen sollen, schlagen die Hände zuammen. Wie schon in weiteren Kreisen bekannt ist, geht es in Münster mit der Finanzwirtschaft immer mehr und mehr bergab. Wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts noch Ueberschüsse bei 100 Vrozent Kommunalsteuern gemacht, so ist es jetzt damit vorbei. Im vorigen Jahre zahlten wir bereits 170 Prozent mit Einschluß der Schulsteuern, welche, wie bekannt, in früheren Jahren extra erhoben wurden und 20—40 Prozent betrugen. Jetzt kommt man aber auch mit den 170 Prozent nicht mehr aus...„werden im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach 210 bis 215 Prozent zahlen müssen. Dieser hohe Prozentsatz an direkten Steuern ist unserem Magistrat und Stadtvätern aber ein Dorn im Auge. Der Fremdenzuzug könnte darunter leiden. Der Magistrat ist deshalb auf der Suche nach neuen Steuern. Um die Meinung der Stadtverordneten zu hören, wurden allerlei Vorschläge vom Magistrat gemacht. Eine Erhöhung der Gaspreise und des Wasserpreises ist vorgesehen. Die teueren Elektrizitätsvreise sollen, wenn möglich, noch mehr angezogen werden. Die Hundesteuer soll 20000 Mark, das doppelte wie bisher, einbringen. Um letztere durchzudrücken, verzichtet man vielleicht auf den durch die Wertzuwachssteuer glaubt man 25000 Mark herauszuschlagen. Die Erhöhung des Schulgeldes an den höheren Schulen hat eine lebhafte Dabatte hervorgerufen. Die Stadtverordneten Prof. Kahle und Prof. Reich sprachen sich entschieden dagegen aus. uut lg“ ein vorzugliche Aufführung erfahren. Der ganze Ton auf Shalespeare gestimmt, daß sich des Zuschauers eine barmonische Stimmung vemachtigt. Besonders hervorheben Reiff als Lanzelot und Melly Stollberg als Porzia. Weiter niemanden, da wir sonst alle nennen müßten. Unsertwegen könnte Shalespeare noch viel mehr geEin Vorschlag zur Ausgestaltung der Lohn= und Arbeitsmarkinatinik. esc. Die wirtschaftliche Krise, in der wir uns befinden, läßt es wieder deutlich zum Bewußtsein kommen, daß unsere Statistik zur Erfassung der Erscheinungen des wirtschaftlichen Lebens noch sehr mangelhaft ist. Das„Reichsarbeitsblatt" und andere Vu likationen bringen zwar eine Unmenge von Ziffern und Laten; bei näherer Betrachtung aber merkt man, daß das Ganze recht lückenhaftes, in einzelnen Teilen sogar unzuverlässiges Stückwerk ist.„Dg3.gilt sowohl hiasichtlich der Lohn= als auch der Arbeilomurlstatistik. . Ar. seitensten sind noch zuverlässige und umfassende Lohn e u. Zwar hat es sich eine Reihe von Gewerkschaften zur ausgabe gemacht, moglichst regelmäßige Erhebungen über die Lohnverhaltnisse ihrer Mitglieder vorzunehmen, doch umfassen solche Statistiken immer nur einen Bruchteil der in Frage kommenden Arbeiterkategorien(und zwar nicht den schlechtest gestellten), und dann haben sie im übrigen teilweise Mängel, die bei derartigen privaten Umfragen unvermeidlich sind. Behördlicherseits sind auch schon in Verbindung mit den Abschätzungen zur Einkommensteuer lohnstatistische Untersuchungen vorgenommen worden, indes nur sehr spärlich und zwar wegen der Schwierigkeiten, die gerade dieses Gebiet der Statistik vietet. Etwas besser ausgestaltet ist die Berichterstattung über die Lage des Arbeitsmarktes. Sie fließt zurzeit aus vier verschiedenen Quellen. Den eigentlichen Arbeitsmarkt beleuchten die Ausweise der Arbeitsnachweise, bei denen für einen bestimmten Ort oder Bezirk aus dem Verhältnis der Arbeitsuchenden zu den offenen Stellen auf den Bedarf an Arbeitskräften geschlossen werden kann. Die Veränderung des Beschäftigungsgrades sucht man aus den Mitgliederziffern der Krankenkassen, die die Bewegung der gewerblich Beschäftigten widerspiegeln, und aus den Einnahmen der Landesversicherungsanstalten aus dem Verkaufe von Invalidenversicherungsmarken zu ermitteln. Als vierte Quelle haven wir die monatlichen Arbeitslosenzählungen der Fachverbände, welche die Arbeitslosenunterstützung eingeführt haben, die für einen großen Teil der vrganisierten Arbezterschaft Auskunft über die Zahl der arbeitslosen Mitglieder zunächst die Berichte der Arbeitsnachweise, wie sie al monatlich im„Reichsarbeitsblatt“ veröffentlicht werden, anbetrifft, so ist dazu zu bemerken, daß sie nur, von geringen Ausnahmen abgesehen, die Verhältnisse in den Großstädten beleuch55 de die kleinen Orte und sogar noch der größte Teil der Minlstädte noch keine Arbeitsnachweise besitzen. Das Bild ist aber nicht nur unvollständig, sondern auch direkt falsch dadurch, daß das Arbeitsnachweiswesen noch nicht zentralisiert ist und das Ergebnis der verschiedensten Arbeitsnachweise— der Arbeiter(Gewerkschaften), der Arbeitgeber, paritätische— in die Veröffentlichung ausgenommen werden. Arbeiter, die zunächst bei dem Nachweis ihrer Gewerkschaft keine Arbeit erhalten haben, wenden sich dann an die anderen Nachweise und erscheinen so doppelt und dreifach in der Statistik. Dadurch wird das Gesamtbild verschoben, d. h. zu ungünstig gestaltet, woran aber die Arbeiter ebensowenig ein Interesse haben wie an einer zu günstigen Darstellung. Gänzlich unbrauchbar sind die Angaben über die Beitragseinnahmen der Landesversicherungsanstalten für die Beurteilung des Arbeitsmarktes. Die Untaugsichkeit ist so offensichtlich, daß man sich wundern muß, daß das Kaiserlich Statistische Amt diese Angaben immer noch weiter führt. Nimmt man z. B. das Novemberheft des„Reichsarbeitsblattes" zur Hand, so findet man, daß der Erlös aus den Beitragsmarken im Oktober um zirka 1¾ Millionen Mark höher war als im September. Im Jahre 1907 erhöhte sich die Einnahme im Oktober gegenuber der im September sogar um 2¼ Millionen. Es hat dies seine Urfache nicht etwa in einer entsprechend günstigeren Gestaltung des Arbeitsmarktes, sondern in der Gewohnheit vieler Unternehmer und Krankenkassen, die Beitragsmarken in vierteljährlichen Zwischenräumen zu verwenden, was Foige hat, daß der erste Monat im Quartal immer sehr hohe Markenankäufe aufweist. Die Arbeitslosenzählungen der Fachverbände umfassen ebenfalls nur einen Bruchteil der Arheiterschaft. Auch gegen die Art und Weise dieser Zählungen sind schon, namentlich von Richard Calwer, Bedenken erhoven vorden. Am zuverlässigsten dürften in der gegenwärtigen Berichterstattung über die Lage des Arbeitsmarktes noch die Zusammenstellungen über die Mitgliederbewegungen der Krankenkassen S7 Indes ist, auch dieses Bild noch mangelhaft. Von zirka 00 Krankenrussen des Deutschen Reiches berichten nur zirka 3500. Eine wesentliche Vervollkommnung der gegenwärtigen Einrichtungen könnte erzielt werden, wenn die Geschäftsergebnisse der gesamten Krankenversicherung systematisch ausgestaltet und bearbeitet und zur Wirtschaftsstatistik herangezogen würden. Die Krankenkassenverwaltungen sind in der Lage, ein ungeheures sozialpolitisches Material zutage zu fördern und es dem öffentichen Leben dienstbar, zu machen. Es ist darauf hinzuwirken, aß diese Schätze endlich gehoben werden. Sabdsrafseit, wie die Kassen auf einfache Weise in der Lage gom S 00 Per guzunehmen. Die Kassen können bekanatich vom§ 20, abs. 2 des Krankenversicherungsgesetzes Gebrauch machend) zur Bemessung der Beiträge und Unterstützungen ein Tassensystem einführen, welches einzig und allein die Lohnhöhe er Versicherten berücksichtigt. Dieses System, welches gegeniber den sonst noch angängigen eine Reihe von Vorzügen besitzt, ist von einer großen Zahl von Kassen eingeführt worden. Die Arbeitgeber haben solchenfalls bei der Anmeldung der versicherungspflichtigen Personen genaue Angaben über deren Lohnverha rninte und deren Veränderungen zu machen. Die Kassen, welche ein Lohnklassensystem eingeführt haben, erhalten die Lohnstatistik schon dadurch, daß sie die Angehörigen jeder Lohnklasse zählen. Das Kaiserliche Statistische Amt hat bereits Anrecungen zur Ausgestaltung dieser Erhebungen gegeben. Es ist jedoch— von einigen Ausnahmen abgesehen— bis jetzt noch nicht viel erreicht worden. Am vollkommensten sind die Statistiken von der Ortskrankenkasse in Leipzig eingerichtet worden, wie deren regelmäßige Veröffentlichung im Reichsarbeitsblatt zeigen. Die Gesetzgebung wird bei der bevorstehenden Reform der Arbeiterversicherung noch durch Zentralisation des Kassen wesens, gleichmäßige Gestaltung der Lohnklassen und einheitliche Berichterstattung für eine allgemeine Nutzbarmachung solcher Lohnstatistiken sorgen müssen. Statinichen E nun von Prof. Silbergleit, dem Direktor des Staln. umtes der Stadt Berlin, ein großzügiger Vorschlag in derselben michtung gemacht worden. Nach ihm sollen die Meldungen für alle versicherungspflichtigen Personen einheitlich und entsprechend inhaltreich gestaltet werden. Das gesamte Material sei dann in den ersten Tagen eines jeden Monats an eins„bestimmte Zentralstelle jeden Orts oder Bezirks abzugeben, weiche dururch von jedem in dem vorhergehenden Monat ersolgten„Eintritt in versicherungspflichtige Beschäftigung und aumrm aus derselben unterrichtet ist. Der statistischen Bearbeitung des Materials, sei es in der Richtung des Beschäftiggngsgrades sei es in der Richtung des Arbeitsmarktes— , g e n w i r h i n z u, s e i e s i n d e r R i c h t u n g l o h n s t a t i s t i s c h e r Feststellungen— waren die Wege in noch näber zu bezeichnender Art und Ausdehnung gebahnt. Für die Vraxis des statistiichen Dienstes müßte die Form des Individualblattes ld. h. eines Meldeformulars immer nur für eine Verson) eingeführt werden, welches dann zum Nachns is des Wohnungs= und Arbeitsder Bedingungen des letzteren wird.„Einem kombinationsfrohen Gemüt eröffnet sich die Aussicht auf ein schier unabsehbares Gebiet höchst bedeutsamer Bevölkerungsund sozialpolitischer Feststellungen, die schließlich das Material abgeben zu einer Lehre vom beruflichen Schicksal des Arbeitnehmers zu einer Morphologie des Arbeitsverhältnisses.“ Man kann dem nur voll zustimmen. Man muß sich überhaupt wundern, daß das statistische Material welches die KrankenDie amtliche Statistik den nicht weiter verwendet worden ist. En umtliche Glalisigl der Krankenversicherung ist gegenwärtig d95g. felßst nicht einmal siber die wichtigsten dans unrichtig. Auch rac. n00 dazu beilweise Reform der Krans uu diese Richtung muß die bevorstebende bringen, die seicht erzielt werden können. S Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. 0 0 6 Fast sämtliche hier aufgeführte Artikel sind Neuheiten der Saison. 0 und Geide Ca. 10000 Meter Kleiderstölle reizende Streifen und Karos, für Blusen, Kinderkleider und Morgenröcke . 90 bis 110 cm breit regulärer Preis 1.88 bis 8.00 Serie 1 Meter 100 Seie n 150 * Meter Ca. 1200 Meter Satintuche und Fantasie-Kleiderstoffe la. Qual., fast nur 11O cm breit, in schwarz u. hübschen uni Farben regührer Preia bis 9.95 Serie 1 Meter 45 Serie n 185 Seie u 950 Meter□ Meter 4— Serie 1I1 Meireizende helle und Serie dunkle Streifen und I Karos= Mtr. Posten Schwurze Mohalr-Kieiberstonle Ia. 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Wir den Aeußerungen des Herr mission durchaus für die P dereien in gewissen Gegen Mittel für Aufforstungen Ebenso muß mit allen Mi die verkauften Waldstrecken Das kann nur erreicht we verkauft wird, sondern an Preis, den es für den Gru tont, der Grunewald sei d. weil er in der Nähe von entgegenhalten, daß Berlin es die Residenz des preußi geenorden ist. Würde diese hätte Berlin lediglich diesell märkische Stadt.(Lachen teren seinen Antrag. Der Gedanke wird hoffentlich v Landesteilen nicht unberück Abg. v. Bülow(natl.) tung des Grunewaldes. Abg. Graf Spee(Ztr. lokalen Standpunkt aus be nicht verpflichtet sein, nur d Städte zu erhalten. Möge haben, den Wald in seiner diese Zwecke nicht weniger Antrag v. Brandenstein geh keine Fabrikanlagen an den nöglich. Abg. Rosenow(Fr. Zeitung“ soll es ein klein seinem persönlichen Interes vom Grunewalde verkauft ganz andere Teile darum. eine wichtige Staatsaufgabe Parteifrage, auch um keine Frage, die das ganze Volki die Ausgestaltung der Erhol Menschenmögliche. Es trei die jetzt einem Oberförster ein Fünftel der gesamten S eine besondere Berücksichtigu beanspruchen. Wenn Herr Spott und Hohn, den die Sireiklädten haben, fragte, Bische9 nur der Intellign, herdorf zu verdanken sei diese Intelligenz genau Vorfahren, die nichts zu tun Reubritter zu gehen.(L schaffen Sie die geschichtliche nur Berlin, sondern die gas teresse an der Erhaltung de Sozialer Roman a Es war zuviel für Wins und eilte hinaus in di Herzens mit vollen Zügen Gedanke, ob es sich denn inger fortzusetzen. Aber schwand er wieder und Win noch drei Monate lang m Schweiße seines Angesichts sig,“ gut es möglich soziglen Frage einzudringen Gerechte Empörung stieg die in dem Innern des dieser schmutzige Kidley nick Peiters eine menschenwürd Weshalb duldete er es, daß wurde, das selbst für einen ##n wäre? Es war schän Kidley, Macht über das Wo geben war. Er wanderte noch etwa und begegnete zuletzt Butle schlofen zu gehen, da sie un Unterbrechung bis spä „Wo werde ich schlafen? Schuppen natürlichk #er stark zweisse“ antwor der wird es Ihnen zi, Der Aufseher zuckie nur # Frage vernahm.„Der Hotelzimmer können wir und lege dich damit „Aber ich habe keine Sie mir, bitte, eine geben? kommst du mir FHätst, du die„Haltefest=) reitsanstalt? Bei uns mu mithringen.“ diesen Worten schr und ließ Winston stehen, de Farmhause begab und dort wie um eine Decke bat. „„Was fällt dir ein,“ ful chlafenden Zeit Leute zu sti kann dir weder ein Bett dein Verstand nicht sagt, da Nr. 62. O 0 Bielefeld, Montag, 15. März 1909. 20. Jahrg. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 53 Sitzung vom Sonnabend, 13. März, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Arnim=Criewen. Zunächst wird der Gesetzentwurf, betreffend die Gebühren der Medizinalbeamten, nach kurzer Debatte in dritter Lesung erledigt. Hierauf wird die zweite Beratung des Forstetats fortgesetzt beim Extraordinarium. Im Extraordinarium werden 1000000 Mark gefordert zum Ankauf und zur ersten Einrichtung von Grundstücken zu den Forsten und zur Anlage von Straßenzügen innerhalb der Forstgrundstücke, deren Veräußerung beabsichtigt wird, sowie zur Beteiligung an den Kosten für die„Herstellung der Brücken über die Havel bei Pichelsdorf und die Verlegung der Schießstände in der Jungfernheide. Die Abgg. Borgmann(Soz.) und Genossen beantragen, für diese Zwecke nur 500000 Mark zu bewilligen. Abg. v. Brandenstein(kons.) beantragt: Die Regierung zu ersuchen, bei Veräußerungen fiskalischer Grundstücke in der Umgebung von Berlin die Ufer der Flüsse und Seen vom Verkaufe auszuschließen. Wir halten es in Uebereinstimmung mit den Aeußerungen des Herrn Oberlandforstmeisters in der Kommission durchaus für die Pflicht der Forstverwaltung, ihre Ländereien in gewissen Gegenden nutzbringend zu verwerten, um Mittel für Aufforstungen in anderen Gegenden zu erhalten. Ebenso muß mit allen Mitteln darauf gedrungen werden, daß die verkauften Waldstrecken ihre Eigenschaft als Wald behalten. Das kann nur erreicht werden, wenn nicht an Privatpersonen verkauft wird, sondern an Gemeinden. Berlin findet nun den Preis, den es für den Grunewald bezahlen soll, zu hoch und betont, der Grunewald sei doch erst so viel wertvoller geworden, weil er in der Nähe von Berlin liege. Dem muß man aber entgegenhalten, daß Berlin doch nur so groß geworden ist, weil es die Residenz des preußischen Königs und deutschen Kaisers geworden ist. Würde diese Residenz etwa Salzwedel heißen, so hätte Berlin lediglich dieselbe Bedeutung, wie irgend eine andere märkische Stadt.(Lachen links.) Redner begründet des weiteren seinen Antrag. Der diesem Antrag zugrunde liegende Gedanke wird hoffentlich von der Regierung auch in anderen Landesteilen nicht unberücksichtigt bleiben.(Bravo! rechts.) Abg. v. Bülow(natl.) betont die Notwendigkeit der Erhaltung des Grunewaldes. Abg. Graf Spee(Ztr.): Diese Frage darf nicht vom rein lokalen Standpunkt aus betrachtet werden. Der Staat kann nicht verpflichtet sein, nur die fiskalischen Forsten für die großen Städte zu erhalten. Möge Berlin, wie andere Städte es geian haben, den Wald in seiner Umgebung ankaufen. Wien hat für diese Zwecke nicht weniger als 40 Millionen angelegt. Der Antrag v. Brandenstein geht uns zu weit. Nach ihm waxen gar keine Fabrikanlagen an den Flüssen der Umgebung von Berlin möglich. Abg. Rosenow(Fr. Vp.]: Nach der„Deutschen TagesZeitung“ soll es ein kleiner Klüngel in Berlin sein, der in seinem personlichen Interesse Sturm läuft dagegen, daß etwas vom Grunewalde verkauft wird. In der Tat kummern sich ganz andere Teile darum, weil sie der Ansicht sind, daß hier eine wichtige Staatsaufgabe vorliegt. Es handelt sich um keine Parteifrage, auch um keine kommunale Frage, sondern um eine Frage, die das ganze Volk interessiert. Berun tut in bezug auf die Ausgestaltung der Erholungsstätten für seine Einwohner das Menschenmögliche. Es treibt Forstwirtschaft im großen Stil, die jetzt einem Oberförster unterstellt ist. Berlin bringt fast ein Funftel der gesamten Staatssteuern auf, daher kann es auch eine besondere Berücksichtigung der Interessen seiner Einwohner beanspruchen. Wenn Herr v. Brandenstein mit einem gewissen Spott und Hohn, den die Herren rechts ja immer gegenuber den Großstädten haben, fragte, ob denn die Entwicklung Berlins Zischerez nur der Inteligenz der Nachlonmen aus dem früheren #eroorf zu verdanken sei, so sage ich ja, und wir bilden uns „iese Intelligenz genau so viel ein, wie jene Herren auf ihre Vorfahren, die nichts zu tun wußten, als auf die Landstraße als Reubritter zu gehen.(Lachen rechts.) Durch Ihr Lachen schaffen Sie die geschichtliche Tatsache nicht aus der Welt. Nicht nur Berlin, sondern die ganzen Vororte haben das größte Interesse an der Erhaltung des Grunewalds. Der König hat die Zusage gemacht, den Grunewald als Volkserholungsstätte zu erhalten. An diesem Königswort sollte nicht geruttelt werden. Den vorliegenden Anträgen stimmen wir zu, weil wir es für ein Unrecht halten, daß man Berlin die Wälder in der Umgebung entzieht, um Gelder für bestimmte Zwecke zu erhalten. (Bravo! links.) Lüdicke(frk.): Wir stimmen der An- und Verkaufspolitik der Forstverwaltung grundsätzlich zu. Sie wird uns hoffentlich vor Zuständen bewahren, wie sie in Amerika zu verzeichnen sind. Freilich ist es eine Pflicht des Staates, in gesundheitlicher Beziehung für die Bewohner der großen Städte zu sorgen.(Zuruf links: Na also!) Aber auch die Großstädte selbst dürfen sich der Pflicht nicht entziehen, zu diesen Kosten beizutragen. Es ist bedauerlich, daß es noch nicht zu einem Zweckverbande Groß=Berlin gekommen ist. Aufgabe eines solchen Verbandes würde es sein, die Waldungen in der Umgebung zu erhalten. Dem Antrag v. Brandenstein stimmen wir zu. Bis hart an das Wasser heran darf die Bebauung nicht zugelassen werden. Abg. Borgmann(Soz.): Bei dieser Angelegenheit dürfte eigentlich der Herr Finanzminister am Ministertische nicht fehlen.(Sehr richtig: links.) Herr Rosenow erwähnte das Königswort, an dem man nicht drehen und deuteln sollte. Die Regierung aber scheint sich wenig um dieses Königswort zu kümmern. Wer ein bißchen Liebe zum Volke, zur Natur und zum Walde hat, kann nur mit Trauer sehen, wie hier vorgegangen wird. Die Haltung der Regierung in diesen Dingen ist ganz unbegreiflich. Es gibt keine Großstadt mit einer solchen Bevö kerungsdichtigkeit wie Berlin. Wie groß die Liebe der Berliner zur freien Natur ist, können Sie jeden Sonntag gehen, wenn trotz der schlechten Verkehrsverhältnisse Hunderttausende ins Freie hinausströmen. Ich bin mit Herrn Rosenow durchaus einverstanden, daß hier keine Parteifrage vorliegt, sondern daß es sich um eine Lebensfrage der großstädtischen Bevölkerung handelt Man sagt, die Wertsteigerung des Grund und Bodens in Berlin sei nur darauf zurückzuführen, daß Berlin Residenz wurde. Die Entwicklung stammt aber erst aus der Zeit her, seit Berlin mit den anderen Kommunen die Selbstv rwaltung erhielt. Als die Verwaltung von Berlin noch in den Händen der Regierung war, war es geradezu eine Schande, in welchem Zustande sich die Straßen der Residenz befanden.(Sehr richtig! links.) Erst durch die kommunalen Einrichtungen seit der Zeit der Selbstverwaltung ist Berlin so emporgeblüht und der Wert seines Grund und Bodens so gestiegen. Ich frage, was hat denn die Forstverwaltung eigentlich geleistet, um den Wert des Grunewaldes so zu steigern? Nicht das geringste!(Sehr wahr! links.) Also es ist die gewöhnlichste Bodenspekulation, die sie betreibt, die Einheimsung von Gewinnen, zu deren Schaffung sie absolut nichts getan hat.(Sehr richtig! links.) Irgendwelche Geschenke für Beri aus allgemeinen Mitteln lehne ich durchaus ab. Aber die Preise, die die Forstverwaltung fordert, kann Berlin unmöglich zahlen. Hätten wir ein einheitliches Groß=Berlin, so würde eine Einigung in dieser Frage mit der Forstverwaltung sicher keine Schwierigkeiten machen. Für die Wuhlheide, die von der Stadt erworben werden soll, um Tiefbrunnen anzulegen, wobei das Waldterrain erhalten wird, verlangt die Forstverwaltung 40 Millionen Mark.(Hört, hört! links.) Ich weiß nicht, ob Sie das für einen angemessenen Preis halten. Berlin wird ja dies Opfer bringen, und mit dem Augenblick werden alle Hinweise auf Wien mit seinen 40 Millionen paralysiert. Es handelt sich also nicht nur um den Grunewald und die Wuhlheide, sondern auch um die Königsheide bei Rixdorf, den Köpenicker Forst usw. Der ganze Norden Berlins hat nichts als die Schönholzer Heide, die seitens der Forstverwaltung längst der Bodenspekulation überlassen worden ist. Ich weiß nicht, wer von Ihnen die Verhältnisse im Norden Berlins kennt. Die Herren, die von auswärts kommen, pendeln ja gewöhnlich nur zwischen dem Westen und diesem Hause umher.(Heiterkeit.) Wer aber die Verhältnisse im Norden Berlins kennt, weiß, daß es geradezu ein Verbrechen ist, der erholungsbedürftigen Bevölkerung im Norden die einzige Erholungsstätte, die Schönholzer Heide, zu nehmen. Die Stadt Berlin hat das erhebliche Opfer gebracht, ungefähr 180 Hektar des Waldbestandes in Buch stehen zu lassen, weil der Staat einsichtslos genug gewesen ist, in der nächsten Umgebung von Berlin=N. die Forsten niederzuschlagen. Jetzt sind auch im Tegeler Forst 40 Morgen Land der Bebauung überantwortet. Für den Schillerpark will die Stadt Berlin 6 Mill. Mark aufwenden. An die andere Seite der Müllerstraße grenzt Eente. Sozialer Roman aus Amerika von E. Dewitt. 4—(Nachdruck verboten.) Es war zuviel für Winston. Hastig erhob er sich von seinem Sitze und eilte hinaus in die frische Abendluft, die er dankbaren verzens mit vollen Zügen einsog. Unwillkürlich kam ihm der bedanke, ob es sich denn wirklich lohne, sein Experiment noch langer fortzusetzen. Aber ebenso schnell wie er gekommen, verschwand er wieder und Winston gelobte sich, sein Brot mindestens drei. Monate lang mit seiner eigenen Hände Arbeit im Schweiße seines Angesichts zu verdienen und während dieser gu so gut es möglich war, in das Geheimnis der großen w#cen Frage einzudringen. Gerechte Empörung stieg in ihm über die Verwahrlosung auf, die in dem Innern des Schuppens herrscht. Weshalb sorgte schmutzige Kidley nicht wenigstens dafür, daß den Ernteis eine menschenwürdige Schlafstelle zur Verfugung stand? Weshalo duldete er es, daß ihnen als Essen ein Zeug vorgesetzt wurde, das selbst für einen hungrigen Hund noch zu schlecht ge? E s w a r s c h ä n d l i c h, d a ß e i n e m H a l u n k e n, w i e d i e s e m Kidley, Macht über das Wohl und Wehe so vieler Menschen gegeben war. wanderte noch etwa eine Stunde lang planlos umher und begegnete zuletzt Butler, der ihm den guten Rat erteilte, Iisfes zu gehen, da sie um halb vier Uhr aufstehen und dann müßtggn rechung bis spät in den Nachmittaz hinein arbeiten „Wo werde ich schlafen?“ fragte Winston. aber#. Schuppen natürlich, wenn noch Platz da ist, woran ich ## nturt zweifle, antwortete Butler.„Fragen Sie den Auf##er, der wird es Ihnen schon sagen können.“ z: Der Aufseher zuckte nur gleichgiltig mit den Achseln, als er 8 Frage vernahm.„Der Schuppen ist voll und mit einem sotelzimmer können wir nicht aufwarten... Nimm deine lege dich damit hin wo immer du willst.“ 8:, Aber ich habe keine Decke, entgegnete Winston,„wollen nir bitte, eine geben?“ kommst du mir vor,“ sprach unwillig der Aufseher. e#n### Ddie„Haltefest=Farm“ vielleicht für eine Wohltätigmitbringen: Bei uns muß sich ein jeder seine eigene und sich Jssen Worten schritt er in sittlicher Entrüstung davon ###s Winston stehen, der sich alsdann noch einmal nach dem onrmhause begab und dort Kidley um Unterkunft zum Schlafen, wie um eine Decke bat. dir ein,“ fuhr dieser ihn barsch an,„zur nachtHlafenden Zeit Leute zu stören und um Decken zu betteln. Ich gir weder ein Bett noch eine Decke anweisen. Wenn dir un Verstand nicht sagt, daß du dir selbst eine Decke mitbringen mußt, so wirst du eben ohne Decke schlafen müssen. Geh', wenn du willst, auf den Heuboden und lege dich dort nieder, laß dir aber nicht einfallen, mir ein Pferd zu stehlen, denn in dem Falle holen wir dich früher ein und hängen dich auf.“ Mit diesen Worten warf er die Tur ins Schloß. In der Brust des jungen Millionärs kochte es.... Nahmen denn diese Menschen gar keine Rücksicht auf das Wohl ihres Nächsten? Also wie die Hunde wurden die Arbeiter auf den Farmen behandelt und so ging es in dem vielgerühmten Großbetriebe der amerikanischen Landwirtschaft zu. Weshalb? Damit die Reichen immer reicher und die Armen noch immer ärmer würden? Die Farm war, wie zahlreiche andere, das Eigentum einer Vereinigung von Großgrundbesitzern, die in der Verwaltung größtmöglichste Sparsamkeit eingeführt hatten. Die Folge dieser Politik der übertriebenen Sparsamkeit war natürlich die, daß den Arbeitern zum Essen verdorbenes Fleisch vorgesetzt und ihnen zugemutet wurde, in einer stinkenden Atmosphäre zu schlafen, die ihre Gesundheit untergrub. Und all dies nur, damit die amerikanischen Großgrundbesitzer noch einige Dollars mehr in den großen Säckel tun konnten, aus dem sie ihren Töchtern heruntergekommene europäische Edelleute als Gatten kauften, die zwar die Millionenmitgift nahmen, aber doch nur verächtlich auf die ihnen verhandelte Fleischware und deren plebejische Eltern blickten! „Wir leben in einem großen Lande,“ philosophierte Winston vor sich hin,„in der ersten Republik der Welt, aber das Regierungssystem ist ebenso wenig wert wie das einer Monarchie. Wann wird den Armen, Elenden, Unterdrückten, Entrechteten und Enterbten des Glücks ein Rächer und ein Retter erstehen?" Er suchte die Scheune auf, fand dort eine Leiter und stieg auf ihr zum Boden hinauf, wo er sich ohne Umstände der Länge nach in das Heu niederwarf. Sofort stieg eine erstickende Staubwolke auf, die ihm fast den Atem raubte, sich aber schließlich wieder verzog, worauf er es sich so bequem machte, wie es die Umstände erlaubten und bald einschlief. Im Traum erblickte er sich als Eigentümer der„Haltefest=Farm“, der den bösen „Boß“ auf denselben Heuboden zu schlafen zwang, auf demer jetzt, ruhte. Gegen Morgen erwachte er plötzlich, da es ihn empfindlich fror. Da weiterer Schlaf ausgeschlossen war, verließ er den Boden und schritt, um sich zu erwärmen, schnell hin und her. Der Mond stand noch hoch am Himmel und ergoß sein Silberlicht über die„Haltefest=Farm“. Es dauerte aber nicht lange und ein durchdringendes Getöse, nicht unähnlich dem einer afrikanischen Kriegstrommel, wurde luut. Das Geräusch kam von Peter Petersen, einem baumlangen, blonden Schweden, der einen großen Kupferkessel mit aller Gewalt seiner kräftigen Arme bearbeitete und zuletzt mit Stentorstimme ausrief: „Alles aufsteh'n!„Alles aufsteh'n und an die Arbeit gehen!" Winston lief an die Pferdetränke und steckte seinen Kopf in die Jungfernheide, welche die Forstverwaltung niederschlagen und der Spekulation überantworten läßt.(Hort, hört!) Wie es Berlin mit seinen Wäldern gegangen ist, beweist der Plenterwald, den Berlin geschaffen hat und der jetzt außerhalb des Gemeindebezirks liegt. Statt die Ländereien der Bodenspckulation zu übergeben, sollte die Regierung eine vernünftige Bodenpolitik treiben und das Land im Erbvaurecht zur Verfügung stellen. Nur durch die Auswucherung des Grund und Bodens sind ja die hohen Mietspreise in Berlin zu erklären. (Sehr wahr! bei den Soz.) Dieses Vorgehen der Regierung bringt die schwersten Gefahren für die Gesundheit der Berliner Bevölkerung mit sich. Es ist zweifellos, daß die großstädtische Bevölkerung degeneriert. (Sehr wahr! bei den Soz.) Sehen Sie, wie über Berlin ständig eine ungeheure Dunstwolke sich befindet. Bedenken S., daß viele Kinder von Arbeiterfamilien bis zu ihrem 14. Lebensjahre vielleicht niemals aus dieser Dunstwolke herauskommen. sehr wahr! bei den Soz.] Schon mit Rücksicht auf die Wehrkras des Volkes hätte der Staat das lebhafteste Interesse daran, dieser Degeneration vorzubeugen. Neuerdings ist hier eine Zentrale für sportliche Erziehung unter der Leitung des Oberprasidenten Trott zu Solz geschafsen. Bei dieser Gelegenheit hat der Oberpräsident betont:„Wir wollen ein an Seele und Körper gesundes Geschlecht heranziehen". Herr Büxenstein war es, der auch diese Unternehmung als Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie empfahl. Nun, wir sind mit diesen Bestrebungen durchaus einverstanden, und wollen sie gern unterstützen. Wenn Berlin in dieser Angelegenheit noch etwas tun will, soll es an uns nicht fehlen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Unser zum Etat gestellter Antrag soll eine Demonstration sein gegen diese Politik der Auswucherung des Grund und Bodens seitens der Forstverwaltung. Wir wollen der Regierung die Mittel verweigern zur Aufteilung der Jungfernheide und anderer Wälder. Ich hatte mich schon gefreut, Herrn v. Brandenstein auch einmal ein Lob aussprechen zu können.(Heiterkeit.) Aber nach der unklaren Begründung seines Antrages bin ich dazu nicht in der Lage. (Lachen rechts.] Herr v. Pappenheim lacht; wenn er aber einmal Gelegenheit nehmen würde, im Kreise von Berlinern seine rückständigen Ansichten in dieser Frage zu vertreten, so würde er sehr schlecht dabei fahren.(Lachen rechts.) Berlin verlangt durchaus nicht eine Extrawurst für sich, aber die Berliner müssen dagegen protestieren, daß sie in dieser Weise gemißhandelt werden.(Unruhe rechts. Sehr richtig! links.) Wenn ein vernünftiges Abkommen mit der Forstverwaltung und der Stadt Berlin möglich ist, so kann ich wohl namens der Berliner Stadtverordnetenversammlung(Lachen rechts) erklären, daß es an dem guten Willen Berlins nicht fehlen wird. Meine Freunde bilden den vierten Teil der Berliner Stadtverordnetenversammlung, und Herr Rosenow hat sich auch auf unsern Standpunkt gestelkt. Wir wollen unser Recht als Staatsbürger genau so gewahrt wissen, wie Sie(nach rechts) es für sich sehr oft unberechtigterweise beanspruchen.(Unrube rechts.) Wir wollen nichts geschenkt haben, sondern nur Gleichberechtigung. Die Gefahr der Schädigung der Volksgesundheit, die infolge der Niederlegung der Wälder um Berlin besteht, müssen Sie von dem Gesichtspunkt aus betrachten, daß, was jetzt vernichtet wird, unwiderbringlich verloren ist.(Bravo! bei den Soz.) Landwirtschaftsminister v. Arnim-Criewen: Ein großer Teil der Redner scheint durch die starke Agitation in der Presse beeinflußt zu sein. Es ist auch hier so dargestellt, als ob der Staat tatsächlich in der Umgebung von Berlin und anderen Großstädten Waldschlächterei betrieben habe. Demgegenüber bin ich genötigt, ernstlich und prinzipiell den Standpunkt der Staatsregierung darzulegen. Es ist nicht möglich, in größeren Städten Volkswälder auf Kosten des Staates zu halten. Für Volkswälder zu sorgen, ist Aufgabe der großen Kommunen. Ich kann auch zu meiner Freude konstatieren, daß die großen Kommunen dieser Aufgabe im allgemeinen gerecht geworden sind. In Berlin erhält der Staat für die Jungfernheide nur zwei Mark pro Quadratmeter, während der eigentliche Baustellenwert ganz erheblich höher ist. Wenn man einer Kommune solche Vorteile erweisen wollte, könnten auch andere Kommunen, in deren Nähe sich kein Wald befindet, vom Staate verlangen, daß er Wälder anlegt. Der Staat muß aber das Nationalvermögen so verwalten, wie es im Interesse aller Staatsbürger liegt. Das schließt aber nicht aus, daß der Staat auch Rücksicht auf die Volksgesundheit nimmt, und das hat die Forstverwaltung in weitestem Maße getan. Die Waldfläche in der Nähe von Berlin das eiskalte Wasser. Die erste Nacht auf der„Haltefest=Farm“, war glücklich überstanden und der erste Arbeitstag sollte beginnen. Was mochte er bringen? Während er sein Gesicht badete, fiel ihm plötzlich ein, daß er kein Handtuch besaß, um sich abzutrocknen. Wiederum regte sich eine Stimme in ihm, die ihm vorwurfsvoll zuzurufen schien, daß er sich all' diese Erfahrungen hätte ersparen, und doch die gewünschten Beobachtungen sammeln können, wenn er sich als zahlender Gast auf der Farm einquartiert hätte. Doch nein, seine Beobachtungen wären unvollständig und daher wertlos gewesen, wenn er nicht das, was er jetzt erfuhr, am eigenen Leibe erlebt hätte. Immerhin machte sich eine gewisse katzenjämmerliche Stimmung in ihm geltend. 3. Schlagende Argumente. Im Laufe der nächsten Tage überzeugte sich Winston Howard davon, daß das von ihm so oft seinen reichen Freunden gegenüber angewandte Wort:„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen, durchaus keine nichtssagende Redensart war. Am dritten Tage wog er sich auf einer der kleinen Getreide" wagen und stellte mit Ueberraschung eine Gewichtsabnahme von nicht weniger als zehn Pfund fest. „Buchstäblich aus mir herausgeschwitzt,“ meinte er,„und wenn wir unsern Verdienst in Naturalien nach der Menge des vergossenen Schweißes empfingen, so hätte ich jetzt zum mindesten auf mehrere Tonnen Mehl Anspruch.“ Nach dem Frühstück begann das Tagewerk. Während die großen. Mähmaschinen in jeder andern Hinsicht den modernsten Anforderungen entsprachen, wurden sie doch nicht durch Dampfkraft, sondern durch Pferde getrieben, deren Zahl, je nach der Größe der Maschine, zwischen zehn und dreißig schwankte. Winston nahm seinen Platz auf dem Bocke eines Wagens, fast unmittelbar hinter einer der großen Mähmaschinen ein und sah mit äußerstem Interesse, wie das einem belebten Wesen gleichende Ungetüm sich in die wogenden Weizenfelder stürzte, mit seinen Messern eine Fläche von fünfunddreißig Fuß auf einmal packte, die Aehren von den Halmen trennte und den Weizen in einen Riesenbehälter ausleerte. Um die Maschinen im Gange zu erhalten und jeder Störung vorzubeugen, hatten zwei Männer weiter nichts zu tun, als auf die Messer acht zu geben.... Dort, wo das Getreide unter den Messern hervorquoll, stand ein. Mann, dessen Aufgabe es war, die Spreu von dem Weizen zu sondern. Dieser ergoß sich dann in einen andern Schacht, der in einen offenstehenden Sack einmündete, den ein an dieser Stelle stehender Mann hielt, um ihn, sobald er voll par, zur Seite zu schieben und durch einen anderen zu ersetzen. Ein Mann, zuweilen auch zwei Männer, bemächtigten sich der vollen Säcke, nähten die Enden mit einer großen Nadel und Bindfaden zusammen und warfen sie alsdann von der Maschine auf die Erde. Hinter den Maschinen kamen die Fuhrwerke, zu denen de hal, ziedrig geschätzt, nach den Grundstückpreisen einen Wert von mindestens einer Milliarde Mark und nur für 36.7 Mill. Mark Wald, also nur ein verschwindender Teil ist verkauft worden. Für diesen Betrag haben wir rund 450000 Morgen Oedlän= dereien aufgeforstet. Dil Vereinigten Staaten. aus denen wir vor allem Holz importieren, sind mit ihren Holzbeständen jetzt so zurückgekommen, daß ihr Holzbestand nach der Schätzung von Sachverständigen in 30 Jahren überhaupt verbraucht ist. Aehnlich geht es mit Canada, Rußland und Schweden. Da muß die Forstverwaltung auch bestrevt sein, alle Ländereien, die sich zum Ackerbau nicht eignen, zu erwerben. Sollen wir etwa die Summen, die wir zur Aufforstung dieser Länder brauchen, unhr 6 Millionen Mark, jährlich durch Steuern aufbringen? den 86 Millionen Mark verkauften Terrains sind die sten in den Besitz der Kommunen übergegangen. Nur etwa Million eigentliche Spekulationsverkäu, haben stattgeVon meist eine Million eigentliche Spekulationsverkäufe haben stattgefunden. Der Grunewald soll in seinem Hauptvestandteil erhalten bleiben. Nur abgelegenere Teile, in denen man ja auch heute stets nur auf einzelne Spaziergänger stößt, sollen veräußert werden. Die Behauptung, daß Se. Majestät der König ein Versprechen abgegeben habe, der Grunewald solle erhalten bleiben, ist nicht richtig. Der Grunewaldsee mit seinen Ufern bleibt vollständig erhatten. Außerdem ist eine Parkstraße in Aussicht genommen, wie sie keine Großstadt der Welt besitzt. Dem Wunsche, der dem Antrag Brandenstein zugrunde liegt, einen Streifen Landes bei Vichelswerder zwischen Chaussee und Havel nicht zu verkaufen, will ich Rechnung tragen. Im übrigen geht der Antrag zu weit. Doch besteht durchaus die Absicht, die Naturschönheiten in der Umgebung von Berlin zu erhalten. (Bravo! rechts.) Nachdem noch der Abg. Pachnicke(Fr. Vg.) gegen die Grunewaldverkäufe protestiert hat, wird ein Schlußantrag angenommen. Der Antrag Borgmann wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt, der Antrag v. Brandenstein angenommen. Der Titel wird bewilligt. Bei einem weiteren Titel wird nach kurzer Debatte eine Resolution der Budgetkommission angenommen, wodurch die Regierung ersucht wird, in Zukunft zu vermeiden, daß an der Begründung von Vorlagen über den Bau von Eisenbahnen der Umstand nicht kenntlich gemacht wird, daß unter den zu Beiträgen und Hergabe von Grund und Boden verpflichteten Interessenten der Fiskus selbst in Frage kommt.— Der Rest des Etats wird bewilligt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Dienstag 11 Uhr.(Bauetat.) Schluß 5 Uhr. Saarabische Beamtenbestechung Bericht. Saarbrücken, 12. März. Die ersten Zeugen, die in der gestrigen Nachmittagssitzung vernommen wurden, versagten nicht nur vollständig, sondern gaben derart unqualifizierte Antworten, daß der Vorsitzende in höchster Erregung ausrief: „O, was seid ihr doch schöne Leute, die ihr mit solchem Benehmen und solcher„Weisheit“ das Gericht zu täuschen versucht! Es ist einfach nicht zu glauben.“ Einem Zeugen drohte er sogar mit dem Zuchthaus, falls er nicht aussagen wollte, umsonst: Der Mann weiß von nichts mehr, wird vereidigt und kann abtreten, da der Staatsanwalt keinen Antrag auf Verhaftung stellte, wie es jeder erwartete. Es folgen dann 3 Zeugen nach der Reihe, die übereinstimmen aussagen, daß in der Partie der Angeklagten Weiß un Ratzier fortlaufend Geld für die Beamten gesammelt worden sei, das auch zweifellos abgeliefert wurde. Die Beträge, die an den Partiemann abgeführt wurden, betrugen 2 bis 5 Mark monatlich. Ein Zeuge bekundet, daß der Partiemann Raßier öfter mit einem Paket in die Wohnung des Steigers Rollinger gegangen sei, wo er das Paket an Frau Rollinger ablieferte In demselben seien stets Eßwaren, Fische usw. enthalten gewesen, die von der Kameradschaft bezahlt wurden. Zeuge Schneider, jetzt auf Grube Kreuzwald beschäftigt, macht die positive Aussage, daß in seiner Partie, solange er auf Göttelborn geschafft, ständig Geld für die Beamten gesammelt und auch abgeliefert worden sei und zwar an den angeklagten Steiger Jennal. Er habe diese Schmiererei nicht mitmachen wollen, habe die Absicht gehabt, sich zu beschweren, doch habe sein Partiemann ihm davon abgeraten, weil er doch kein Recht bekomme. Steiger Jennal will den Zeugen als Trinker und Bummelant hinstellen, muß sich aber nachweisen lassen, daß er sich für diesen„Bummelant“ auf der Inspektion verwendet und ihn dort als tüchtigen und zuverlässigen Arbeiter gelobt habe. Sachverständiger Dr. Herbig stellt dem Zeugen ein gutes Zeugnis aus und stellt fest, daß er freiwillig von den Staatsgruben abgekehrt, Steiger Jennal sich sogar bemüht habe seine Kündigung rückgängig zu machen. Ein anderer Zeuge bekundet, daß in seiner Partie regelmäßig und bestimmte Beträge für Steiger Jennal und Fahrsteiger Rieß gesammelt, weiß aber nicht, ob sie auch abgeliefert wurden. Zeuge Hötzinger— nicht angeklagt—, weger Meineids mit 15 Monaten Gefängnis bestraft, verweigert seine Aussage darüber, ob er Geld gesammelt, gegeben und an die Beamten abgeliefert habe. Er wird darüber befragt, in welcher Form und mit welchen Worten Steiger Glasen und Obersteiger Michaelv ihn zum Meineid verleitet hätten und sagt darüber folgendes: Als ich zum Untersuchungsrichter auf die Inspektion mußte, kam Steiger Glasen zu mir und sagte: Du weißt doch * 0 zwei Männer, der Kutscher und ein Sackträger gehörten, welch letzterer die vollen Säcke, einen nach dem andern, vom Boden aufzunehmen und in den Wagen zu werfen hatte. Der erste Tag seiner Tätigkeit im Felde endete für Winston mit einem Mißerfolge. Ein großer Tierfreund, hatte er sich nicht entschließen können, den Pferden seines Wagens die Peitsche zu geben, wie es die andern Treiber taten, und die Zahl der von ihm abgelieferten Säcke stand hinter der der anderen Fuhrwerke zurück. Der Aufseher enthob ihn daher auf der Stelle seines Amtes als Kutscher und wies ihn an, am nachsten Tage Sackträgerdienste zu verrichten. Erst dann lernte Winston Howard wirklich harte Arbeit kennen. Sack für Sack vom Boden aufzuheben und an die richtige Stelle im Wagen zu werfen, war keine leichte Aufgabe. noch dazu in den Mittagsstunden, wenn die Sonne am Zenith stand und ihre glühenden Strahlen erbarmungslos auf die schattenlosen Felder sandte. Winston empfand im Rücken fürchterliche Schmerzen und die Arme wollten ihm den Dienst versagen, doch biß er die Zähne zusammen und hielt wie ein tapferer Soldat auf seinem Posten aus. Die anderen Arbeiter hatten ihm einen Winkel zum Schlafen eingeräumt und auch eine zersetzte Decke gegeben, in die er sich einwickeln konnte, und so war es ihm moglich, einige Stunden zu schlummern; aber das Abendessen bekam ihm nicht gut und bereitete ihm Verdauungsbeschwerden, so daß er sich am nächsten Morgen schwach und wie zerschlagen von seiner Lagerstätte erhob Am dritten Tage fühlte er sich so schwach, daß er sich kaum aufrecht zu erhalten vermochte; er sagte sich jedoch, daß er ausmüsse, und sein starker Geist triumphierte über das schwache Fleisch. Am vierten Tage wurde er sich der Tatsache bewußt, daß seine Muskeln hart wie Stahl wurden und die ihnen zugemutete Anstrengung leicht bewältigten. So verfloß die erste Woche, aus der Winston als Sieger hervorging— ein junger Riese, dessen eiserne Gesundheit die schlechte Kost, der Mangel an Schlaf und das Uebermaß harter Arbeit zwar nicht ernstlich zu schädigen vermochten, der aber zur Erkenntnis des ihm und seinen Genossen zugefügten Unrechts gelangt war und auf Rache sann. Am meisten richtete sich sein Unwille wider die schlechte Kost, die ihnen vorgesetzt wurde. Sie erhielten regelmäßig ungewas du zu tun hast? Bedenke, es kann sonst für dich schlimmer werden, als für mich! Du mußt dort sagen, du weißt von nichts! Darauf habe er nach dem Obersteiger=Bureau kommen müssen, wo er den Obersteiger Michaely und Fahrsteiger Rieß antraf. Michaelv habe ihn gefragt, was er beim Untersuchungsrichter auszusagen gedenke, worauf er geantwortet habe, daß er die Aussage verweigern werde Michaely hätte aber gesagt: Du mußt mich schützen! Du mußt sagen, daß ou von nichts weißt und nie etwas gegeben hast. Als er dann vom Untersuchungsrichter zurückgekommen sei, have Steiger Glasen ihn gefragt, wie er ausgesagt habe, worauf er erwiderte: So, wie Sie mir gesagt haben, und d für muß ich 18 Monate im Gefangnis sitzen! Vorsitzender zu den angeklagten Steigern:„Das ist ein Opfer eueres Systems: 18 Monate muß der Mann hinter Gefängnismauern schmachten, weilertat, was ihm von seinen Vorgesetzten ge jugi wurbe, und weil er diesen einen Gefallen tun wollte. Welchen Gegengefallen wird man ihm erweisen, wenn er seine Zeit abgebüßt hat? Die Geschworenen haben die Schuldfrage des Steigers verneint, aber den armen Bergmann auf anderthalb Jahr ins Gefängnis geschickt! So ergeht es uns Menschen, wenn wir uns für andere opfern, das merkt euch alle.“ Zeuge Ehrlich hat in der Partie Ran gearbeitet, der auch der wegen Meineids bestrafte Breier angehörte, und macht etwa folgende Aussage: Als ich die erste Schicht in der Partie machte, wurde mir gesagt, daß ich einen Liter Schnaps als Einstand mitbringen müßte, was er auch getan habe. Bei dem Schnapstrinken sei Breier dann auf die„Wolfskasse" zu sprechen gekommen und habe gesagt, daß jeder, der in der Partie bleiben wolle, monatlich 5 Mark zur„Wolfskasse“ steuern müsse! Das Geld bekäme der Obersteiger, Fahrsteiger und Steiger, wofür sie ein günstiges Gedinge erhielten und tüchtig Geld verdienten. Breier habe ihn darauf schwören lassen, daß auch er in die„Wolfskasse" zahlen, aber nichts verraten werde. Er habe den Eid geleistet und habe Breier dann ein Dolchmesser aus der Tasche gezogen und gesagt: Fritz! Wenn dauns verraten tust, schneide ich dir mit diesem Messer den Hals ab! Wir zahlten pro Mann, die ganze Kameradschaft an jedem Lohntag 5 Mark in die„Wolfskasse" und auch ich habe regelmäßig meine 5 Mark abgeliefert. Das Geld erhielten die Beamten. Außerdem wurde noch gesammelt, um die Saufschulden der Beamten extra zu decken! Einen Monat hatten sie schlecht verdient, aber auch wenig gearbeitet, da zahlten sie nur 3 Mark in die„Wolfskasse“, worauf der Fahrsteiger Rieß in die Arbeit gekommen sei und gefragt habe, wie das komme, daß die„Wolfskasse" diesesmal so mager sei? Und als sie ihm dann gesagt hätten daß sie schlecht verdient haben, habe er das Gedinge sofort derart aufgebessert, daß der Lohnausfall des vorigen Monats wieder wett gemacht wurde. Selbstverstandlich zahlten sie darauf wieder ihre 5 Mark in die „Wolfskasse". Flaschenbier sei in Säcken in die Grube geschafft und dort gemeinschaftlich getrunken worden, wobei oft stundenlang nicht gearbeitet wurde und das mit Wissen des Steigers Glasen und Fahrsteigers Rieß, mit deren stillschweigender Genehmigung. Daß Arbeiter mitten in der Schicht ohne Genehmigung oder ohne Urlaub des Steigers ausgefahren sind, sei sehr oft vorgekommen. Der angeklagte Fahrsteiger Rieß sucht diese schwer belastenden Aussagen damit abzuschwächen, daß er angibt, er sei öfter 3 Wochen nicht in die Arbeit des Zeugen gekommen, mithin habe er auch nicht wissen können, ob die Leute Bier getrunken und in der Grube gebummelt hätten. Sachverständiger Dr. Herbig bezeichnet es a's eine grobe Pflichtverletzung, wenn der Fahrsteiger nur alle 3 Wochen die einzelnen Betriebspunkte befahren habe. Einem Fahrsteiger seien 5 Steigerabteilungen unterstellt und sei es Pflicht des Fahrsteigers, jeden Tag eine Steigerabteilung zu befahren. Angeklagter Rieß hält das Auftreten des Zeugen, des Sachverstandigen und auch des Gerichtsvorsitzenden gegen ihn als vereingenommen und nicht korrekt, was zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen ihm und dem Vorsitzenden führte. Durch den Zeugen Lück, Zäpfer in der Neufangschen Wirtschaft, wird noch festgestellt, daß Bergleute sehr oft Geld bei ihm deponierten, das nachher von den Steigern vertrunken wurde. Die Beamten hätten stets vorher jewußt, wann und wieviel Geld abgeliefert und von wem es abgeliefert worden war. Die Höhe der Summen war sehr verchieden, mitunter nur 2 bis 3 Mark, aber in anderen Fällen auch 20 Mark und darüber. Die außerordentliche Gedächtnisschwäche der Zeugen hat sich bis heute morgen noch so gesteigert, daß die Leute nicht einmal mehr wissen, bei welchem Steiger sie gearbeitet haben, und der Vorsitzende in Erregung ausruft: „Es ist merkwurdig, daß unter der Belegschaft der Grube Göttelborn eine solche unglaublich weit verbreitete Gedächtnisschwäche herrscht, die geradezu an eine Epidemie grenzt. Man wird jeden Tag noch mehr von der Verstocktheit der Zeugen überzeugt. Freut euch, daß nicht ein anderer diesen Prozeß leitet, es könnte mancher von euch ans Messer getommen sein. Ich will, daß aus diesem Prozeß keine Nachprozesse, kein weiteres Unheil über euch kommt, und das lohnt ihr mir mit solcher Verstocktheit!“ Von den 38 Zeugen, die in der Vormittagssitzung vernommen wurden, verweigerten 34 direkt ihre Aussage und wurden zum größten Teil dann auch nicht vereidigt. Die 4 anderen Zeugen konnten nur Aussagen über Gehörtes, also keine bestimmten Angaben machen. Der Lehrer Fries sagt aus, daß nießbares, verdorbenes Fleisch und auch die Zutaten ließen in jedem Punkte zu wünschen übrig. Diesem unerträglichen Zustande beschloß Winston ein Ende zu bereiten und gleichzeitig dem Verwalter der Farm, wie dessen würdiger Schwester, eine heilsame Lektion zu erteilen. Er durfte sich bei seinem Vorhaben der Unterstützung und Mitwirkung der meisten seiner Mitarbeiter versichert halten, die ihn seit seiner Ankunft auf der Farm kennen und schätzen zu lernen reichlich Gelegenheit gehabt hatten. Am meisten imponierte ihnen seine Muskelkraft und die Gewandtheit, mit der er sich ihrer zu bedienen wußte. Wie gut kam es ihm jetzt zustatten, daß er einmal, zusammen mit einigen anderen reichen, jungen Freunden, bei einem berühmten Preissechter, der lange Jahre als Boxer die Weltmeisterschaft behauptet hatte, in die Schule gegangen und in alle Tricks der edlen Kunst der Selbstverteidigung eingeweiht worden war! Nach seinem ersten Scharmützel mit Butter hatte er noch zwei oder drei weitere Auseinandersetzungen mit schlagenden Argumenten gehabt und bei deren Ende mit nicht mißzuverstehender Stimme erklärt, er werde einem jeden auf der Farm, der ihn nicht in Ruhe lasse, die Knochen im Leibe zerbrechen. Man lauschte ihm daher mit Achtung, als er eines Abends von einem Sitze am Tische mit lauter Stimme ankündigte, daß sie sich das schlechte Essen nicht länger gefallen lassen sollten. „Ihr alle wißt, daß drei Männer aus unserer Mitte erkrankt sind und ihr kennt auch die Ursache ihrer Erkrankung. Schuld daran ist einzig und allein das verdammte Hundefleisch, mit dem wir auf der„Haltefest=Farm“ abgefüttert werden. Wenn Leute wie wir von den vierundzwanzig Stunden des Tages vierzehn Stunden lang angestrengt auf dem Felde arbeiten, so haben sie, meiner Ansicht nach, einen gerechten Anspruch auf anständiges Essen, und sie brauchten es sich nicht gefallen zu lassen, daß ihnen ein solcher, eines Menschen unwürdiger Fraß vorgesetzt wird. Ich beantrage, daß wir dem Verwalter dieser Farm einmal gründlich unsere Meinung sagen und ihm einen tüchtigen Skandal machen. Vielleicht werden wir dann anständigeres Essen und besseres Fleisch bekommen. Das ist alles, was ich zu sagen habe. Ein konfuses Stimmengewirr erhob sich in allen Sprachen und nahm erst wieder ein Ende, als Butler mit seinem tiefen Baß dazwischenfuhr und Ruhe gebot. (Fortsetzung folgt.) seit Jahren in seiner Gemeinde allgemein das Gespräch umging. auf der Grube Göttelborn wurden die Durchstechereien in großem Stil betrieben. Mehrfach sei behauptet worden, drei oder gar vier Fünftel der Gesamtbelegschaft beteilige sich an den Bestechungen der Beamten Vertzstnäg, fegenein an, heimlich abfahren sehen, die sich um 6 Uhr zur Anfahrt gemeldet hatten. Bergleute, die um 6 Uhr angefahren, waren um 8 Uhr wieder zu Hause, was nicht anders erklärlich sei, als daß die Beamten darum gewußt, es geduldet hätten, wofür sie von den Bergleuten Geschenke erhalten mußten. Bestimmte Einzelheiten können sie nicht angeben. Dem Einfahrer Jungmann ist die Erlaubnis auszusagen vom Oberbergamt Bonn nicht erteilt worden. Die Zeugenvernehmung ist damit beendet; weitere Beweisanträge werden nicht gestellt und so werden die Plaidoyers die nächste Sitzung ausfüllen. Auf allseitigen Wunsch— Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Sachverstandiger— zwecks Vorbereitung fällt die Nachmittagssitzung aus. Saarbrücken, 13. März. Nach einem kurzen Gutachten des Sachverständigen Dr. Herbig, der es a.s eine grobe Pflichtverletzung, sowohl der Beamten als Arbeiter kennzeichnet, falls das Gericht die Bestechungen als erwiesen erachte, vertritt der Staatsaawalt Michelka die Anklage, die er im vollen Umfang aufrecht hält und beruft sich dabei auf die Geständnisse der Angeklagten in der Voruntersuchung. Diese Geständnisse besagten ubereinstimmend, daß Gelder an Michaely und an Fahrsteiger und Steiger abgegeben worden sind. Michaely hat die Richtigkeit dieser Angaben auch in diesem Prozeß zugegeben und es ist nicht anzunehmen, daß, wenn nicht die anderen Beamten Geld erhalten hätten, die Angeklagten das in der Voruntersuchung zugestanden hätten. Die zahllosen Zeugenverweigerungen aus dem Grunde, sich selbst nicht zu belasten, müssen als Gestandnisse bewertet werden. Es hieß sich selbst etwas vorlügen, wollte man anders handeln. Die Handlungsweise des Steiger Klasen, der die Gefängnisstrafe des Bergmanns Hötzinger auf dem Gewissen habe, sei um so verwerflicher und verdiene dieser Angeklagte deshalb schon eine höhere Strafe. Er beantragte folgende Strafen: Gegen den Obersteiger Michaely 9 Monate Gefängnis oder 6 Monate Zuchthaus. Diese 6 Monate Zuchthausstrafe in eine Zusatzstrafe von 3 Monaten Zuchthaus zu ermäßigen. Gegen Fahrsteiger Riß 8 Monate Gefängnis, Fahrsteiger Früh4 Monate, Steiger Klasen 5 Monate Gefangnis und gegen die Steiger Huppert, Primm, Andres— statt Heinrich— Rolinger, Sick, Floch und Jenal je 3 Monate Gefängnis. Gegen die Bergleute Bethschneider und Maringer 9 Wochen, Schirra, Dumont und Pirrung 7 Wochen, Altmaier 6 Wochen, Hay, Bech, Jockum, Martin und Schmitt 4 Wochen, Frau Rißz, Weis, Rau, Rasier und M. Bethschneider 2 Wochen und gegen zwei weitere Angeklagte je 1 Woche Gefängnis. Das Gericht setzt die Urteilsverkündigung auf Mittwoch, der 17. März, nachmittags 4 Uhr, aus. Trans vor orm Kummergrricht. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts hatte als Revisionsinstanz in dem Beleidigungsprozeß zu entscheiden, den Lebius wegen eines Artikels des„Vorwarts“ gegen unseren verantwortlichen Redakteur, Genossen Weber, angestrengt hatte. Genosse Weber ist am 12. Januar in zweiter Instanz wegen lediglich formaler Beleidigung des gelben„Bürgers“ zu einer Geldstrafe von 30 Mark verurteilt worden. Die Geschichte des Prozesses ist kurz folgende: In einem Artikel des„Vorwärts“ war nachgewiesen worden, daß eine kleine Zahl von Aktiengesellschaften, die zusammen 100000 Arbeiter beschäftigen, einen Reingewinn von 64½ Millionen Mark erzielten, so daß also jeder Arbeiter 644 Mark von seinem Arbeitsverdienst in die Taschen der Aktionäre habe fließen lassen müssen. Lebius, dessen finanzielle Beziehungen zum Unternehmertum ja bekannt sind, glaubte verpflichtet zu sein, diese Feststellung im Blatte„Der Bund“ zu widerlegen und zu beweisen, daß der Unternehmergewinn nicht von Arbeitern geschaffener Mehrwert sei. Er bewies jedoch nur aufs glänzendste seine Unkenntnis auch der allereinfachsten nationalökonomischen Grundbegriffe. Dafür aber leistete Lebius desto mehr in Anwürfen gegen den „Vorwärts“, wie z. B:„Bewußte Fälschung“—„unverschämte Lügen des roten Hetzblattes“.—„Blödsinn“ und derg eichen meyr. Eine Antwort des„Vorwärts“, in der die nationalökonomische Unwissenheit des Lebius glossiert wurde, veranlaßte Lebius, zum Kadi zu laufen. Das Landgericht bestätigte das Urteil des Schöffengerichts, das wegen formaler Beleidigung gegen Genossen Weber auf 30 Mark Geldstrafe lautete. Es lehnte eine Reihe Beweisanträge, ebenso die von Weber erhobene Widerklage ab. Das Landgerichtsurteil führt aus:„Die höhnische und wegwerfende Art und Weise, in der dem Privatkläger seine angebliche Unwissenheit aus dem hier in Frage kommenden Gebiete und die angeblich von ihm bei Abfassung des Artikels„Märchenhafte Gewinne" begangenen Fehlgriffe vorgeworfen wurden, ließen klar erkennen, daß es in der Absicht des Artikelschreibers gelegen habe, ihn in bezug auf seinen Beruf ais Wirlschaftrrennter un unnverwertig hinzustellen, der seine Verachtung und Geringschätzung varauf. als Wirtschaftspolitiker als mind Lächerlichkeit preiszugeben und iym ringschätzung auszudrucken,„Jedermany habe, nun au vurauf, vaß keine soziale Bedeutung nicht verkannt, die Stellung, welche er auf Grund seiner persönlichen Fähigkeiten und seiner Betatigung im öffentlichen Leben inneryalb der menschlichen Gesellschaft einnehme, nicht in höhnischer und geringschatziger Weise herabgewürdigt werde. Der Angeklagte habe nun zu seiner Entlastung einen umfassenden Wahrheitsbeweis darüber angetreten, daß der Privatklager kein Ehrenmann im landläufigen Sinne sei. Unter Benentung von Zeugen behaupte der Angeklagte unter anderem folgendes: 1. Der Kläger habe wiederholt in einem gewissen hange geäußert, das Geld stehe höher als alle Ideale, der Grundsatz jedes vernünftigen Journalisten wäre:„Wer am meisten zahlt, der hat uns“. 2. Kläger habe zu gleicher Zeit Artikel für ein nationalliberales, ein sozialdemokratisches und ein Zentrumsblatt geschrieben. 3. In einer Privatklagesache gegen den„Vorwärts“redakteut Wermuth habe sich der Angeklagte Wermuth auf das Zeugnis der Ehefrau des Schriftstellers May berufen, daß Kläger den May durch eine anonyme Postkarte unter Drohungen zur Hergabe eines größeren baren Darlehns zu bewegen versucht habe. Demnächst habe die Frau Lebius die Frau May zu einer Unterbezug auf deren bevorstehende Zeugenvernehmung als Zeuge der Postkarte gehalten, sei aber inzwischen zu der Ueberzeugung von der Unrichtigkeit seiner Ansicht gekommen. Als Frau May dieses Ansinnen zurückgewiesen, hätte Frau Lebius erklärt, daß dann Mann die alten Angriffe gegen May wieder aufnehme. 4. Kläger habe sich verschiedener Straftaten dem Schriftsteller May gegenüber schuldig gemacht.„ 6.6448 Schmidt 5. Kläger habe im April 1908 den Journatisten Schule unter Hinweis aus die inzwischen eingetretene Verbesserung seiner Vermögensverhältnisse zu bestimmen versucht, ihm„Juterna" über die ihm bekannten Verhältnisse der„Dresdeuer Volkszeitung“ und ihrer Redaktion zu verraten... 66. 6. Kläger täusche die den gelben Vereinen angehorenden arbeiter; diese Vereine seien von einzelnen Arbeitgebern und ganzen Arbeitgeberverbänden abhängig und würden von ihnen bezahlt, während den Arbeitern vom Kläger das Gegentef. Fire werde. Kläger habe auch ein Redaktionsgeheimnis nach Wahrung desselben ohne Grund und ungefragt verraten und damit die Moglichkeit geschaffen, einen Mann zu bestrafen, der ihm im Vertrauen auf das Redaktionsgeheimnis Mitteilung gemacht hatte. 7. Ferner war beantragt, den Redakteur Kahl in Halle über den Inhalt einer von diesem abgegebenen schrift ichen Erklörung zu vernehmen, welche die Entstehung der Broschüre„Karl May, ein Verderber der deutschen Jugend betreffe und das Verhalten Lebius in der Angelegenheit eingehend schildere.(Siehe Nummer des„Vorwärts“ vom 13. Januar.)—— Den angetretenen Wahrheitsbeweis habe nun das Landgericht, so wurde weiter ausgeführt, für unerheblich erachtet, weil er sich nur auf die moralische Beschaffenheit des Privatklägers beziehe, diese aber nicht in dem inkriminierten Artikel angegriffen sei und demnach dem Wahrheitsbeweise auch für das SStrafmaß Bedeutung nicht zukomme. Sollte Kläger wirklich in sittlicher Beziehung nicht ganz einwandfrei sein, so würde das den Angeklagten noch nicht berechtigen ihn auf einem ganz anderen Geviete als minderwertig hinzustellen und lächerlich zu machen. Das Maß seiner sittlichen Integrität könne bei der Einschätzung einer Ehrenkränkung, die ihm in bezug auf seinen sozialen Wert zugefügt worden sei, nicht in Betracht kommen Uebrigens würde dem Gericht die Strafe selbst dann nicht zu hoch erscheinen, wenn sämtliche vom Angeklagten über den Privatkläger aufgestellten Behauptungen der Wahrheit entsprächen. Wenn in dem Artikel an einer Stelle von der Wurschtigkeit eines Charlatans gesprochen sei, so scheide das für die Frage der Formalbeleidigung, die nur zum Inhalt der Klage gemacht sei, aus. Der Schutz des§ 193 des Strafgesetzbuches stehe dem Angeklagten nicht zur Seite, da er nur ein parteipolitisches Interesse wayrgenommen habe, das ihn nicht berechtigte, in ehrverletzender Weise sich über L. auszulassen. Für die Anwendbarkeit des§ 199 des Strafgesetzbuches(Straffreiheit für auf der Stelle erwiderte Beleidigung) sei kein Raum. Das Berufungsgericht verkenne nicht, daß auch der Artikel des Privatklägers im Bund“. auf welchen der inkriminierte Artikel die Antwort bildete, heftige Ausfälle enthalte, die unter den Gesichtspunkt der Beleidigung fielen. Diese Ausfälle richteten sich aber durchweg gegen den Vorwärts“ als solchen, nicht gegen den Angeklagten. Die Redakteure des„Vorwärts" bildeten keine kollektive Meyrheit, aber selbst, wenn es der Fall wäre, so sei eine Beleidigung dieser Mehrheit ohne bestimmte Richtung gegen einzelne Individuen der Gesamtheit nicht denkbar. Es gehe aus seinem Artikel nicht hervor, daß der Privatkläger samtlichen Redakteuren, auch denen, welche eine Schuld an den gerügten Uebelständen nicht treffe, einen Vorwurf machen wollte. Speziell fehle ein Anhalt dafür, daß Lebius gerade an den Angeklagten gedacht habe. Eine wechselseitige Beschuldigung liege nicht vor. — Was die Widerklage betreffe, so bleibe als Artikel, für den Privatkläger verantwortlich sei, nur der Artikel:„Wie gehetzt wird" im„Bund“ vom 9. Februar 1908 übrig. Die Widerklage müsse aber abgewiesen werden, weil der Person des Widerklägers mit keinem Worte Erwähnung getan werde, und auch sonst nicht erhelle, daß der Widerkläger Weber getroffen werden sollte. Genosse Weber legte Revision ein. Sein Vertreter. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld, machte vor dem Kammergericht vor allem geltend, daß der Wahrheitsbeweis zu Unrecht abgeschnitten worden sei. Die Ausführungen des Landgerichts daruber seien rechtsirrig. Er sei der Meinung, daß bei der Frage der Beleidigung, auch der formalen, namentlich hinsichtlich der Höhe der Strafe die gesamte Persönlichkeit dessen in Betracht zu ziehen sei, der sich bereidigt fühlte. Die Reihe von Anträgen, weche beim Landgericht in der Beziehung gestellt worden seien, würden ergeben, daß Lebius eine Persönlichkeit sei, die keinen Anspruch darauf habe, allgemein geachtet und geschätzt zu werden Der Anwalt rügte ferner u. a. die Nichtanwendung des§ 199 des Strafgesetzbuches. Den Privatkläger vertrat Rechtsanwalt Hennigsohn. Der zweite Strafsenat des Kammergerichts fällte folgendes urteil: Soweit die Widerklage und§ 199 in Betracht komme sei die Revision unbegründet. Der Senat stehe insoweit auf demselben Standpunkt, wie das Landgericht. Maßgebend sei daß sich die fragsichen Ausführungen des„Bund“ nur auf den „Vorwärts“ als solchen bezögen und nicht auf den Widerkläger. Dagegen sei der Senat der Meinung, daß das Urteil nicht haltbar sei, soweit es den Angeklagten verurteilte, und zwar deshalb nicht, weil der Beweis der Wahrheit nicht erhoben sei. Das Landgericht sage zwar, die Strafe würde es auch aussprechen, wenn die Behauptungen des Angeklagten alle erwiesen würden Sosche Unterstellung sei aber unzulässig, die Tatsachen müßten erst geprüft werden, ob die Behauptungen wahr seien oder nicht, und erst dann sei das Gericht in der Lage, die Strafe festzusetzen. Hier handele es sich zwar nur um den§ 185 des Strafgesetzbuches. Der Senat sei aber mit dem Reichsgericht der Ansicht, daß, wenn es sich um das Strafmaß handele, immer der Beweis der Wahrheit geführt werden müsse, soweit er angetreten sei, und daß das Gericht dann erst ermessen könne, wie sich die Strafe rechtfertigen lasse. Insoweit Angeklagter verurteilt sei, werde das Urteil aufgehoben nebst tatsachlichen Feststellungen und an das Landgericht zurückverwiesen. Parkeinnchrichten. Erfolge in Schlesien. Die 13 um Breslau liegenden Reichstagswahlkreise, die dem Agitationsbezirk„Mittelschresien" angehören, haben in den letzten Jahren einen erfreulichen Fortschritt zu verzeichnen. Der vor kurzem vom Parteisekretär erstattete Bericht umfaßt 2½ Jahre und die 13 Wahlkreise GuhrauSteinau=Wohlau, Militzsch=Trebnitz, Oels=Wartenberg, Namslau=Brieg, Oblau=Nimpisch-Strehlen, Kreuzburg= Rosenberg, Oppeln= Leobschütz, Neustadt, Falkenberg=Grottkau, Neiße und Heynau=Goldberg=Liegnitz. Gerade in den schwärzesten Gegenden hat unsere Parrei inzwischen am festesten Fuß gefaßt und in Neiße(„Schles. Rom„, Neustadt und Oppeln war der Zorn der Schwarzen riesengroß. Aber er konnte die nach und nach entstandenen 22 Vereine nicht mehr zerstören und da, wo die Partei einmal Anschluß gefunden, werden die Anhänger bald begeisterte und opferwillige Genossen. Opfer sind freilich sehr große vonnöten. Ueber, 40 Prozesse zeugen von den ohnmächtigen Versuchen gewisser Machthaber, die Tewegung zu ersticken. Weit über 100 Beschwerden über Ortsvorsteher, Gemeindevorsteher, Bürgermeister, Landröte, Polizisten. Gendarmen und Regierungspräsidenten mußten eingelegt verden, damit den Genossen das bißchen Recht nicht unwillkurlich geschmälert wurde. Die Verfolgungen hatten jedoch auf die Kassenverhältnisse der Vereine in diesen 13 Kreisen keinen ungünstigen Einfluß. Es konnten weit über 1000 Mark für Agitation, 2215 Mark für Flugblätter, Kalender usw., 195 Mk. für Inhaftiertenunterstützungen und rund 500 Mk. für die Einrichtung des Sekretariats ausgegeben werden. Der Kampf gegen die Drangsalierungen verschlang 676 Mk. Prozeßkosten, und für Fahrgelder und Auslagen des Sekretärs, der in über 220 Versammlungen gesprochen und an über 544 Sitzungen, Terminen, Verhandlungen usw. teilgenommen hatte, mußten 3023,14 Mk. ausgegeben werden. Trotz dieser hohen Ausgaben verzeichnet der Bericht am Schlusse 1908 einen Kassenbestand von 1064.78 Mk. In 25 Landgemeinden bereiligten sich unsere Genossen an den Gemeindewahlen; in 13 gelang es, den sozialdemogratischen Kandidaten den Sieg zu verschaffen. Ende 1908 waren in 18 Landgemeinden trotz tollster Wahlbeeinflussung und Verrorisierung 37 sozialdemokratische Gemeindevertreter, denen sich in den nächsten Wochen weitere hinzugesellen werden. Auch bei den Landtagswahlen erzielte die Partei prächtige Erfolge: In 51 Ortschaften 443 Wahlmänner und 21 788 Stimmen! Davon allerdings in Breslau, das mit im Bericht verzeichnet ist, 390 Wahlmänner und 16.375 Stimmen.— Für die Landbewohner wird in bestimmten Zwischenräumen ein eigenes ###Der Landbote“ für Schlesien und Vosen in einer jedesmutigen auflage von 18000 gratis verteilt, was der Partei dielen Anhang auf den Dörfern verschafft hat. Bei allen a“tueuen Gelegenheiten, namentlich zur Wahlrechtsbewegung, wurden“ in vielen Tausenden von Flugblättern und vielen Hunderten von Versammlungen die Besucher und Leser aufgeklärt. Aus den Organisationen. In Preußisch Holland(Ostpreußen) ist ein Wahlkreisverein für den Wahlkreis Pr. Holland=Mohrungen zegründet worden. Militär gegen die Arbeiter. Die im Augsburger Gemeindekollegium sitzenden Parteigenossen brachten beim Magistrat eine Interpellation ein. Darin wird um Auskunft ersucht, auf wessen Veranlassung das Massenaufgebot von Schutzleuten und Militär wegen der bekannten Versammlung, in der Cohen=Berlin referierte, erfolgt sei. Sie sehen durch diese Maßregel die Freiheit der Arbeiter gefährdet und verlangen, daß solche Dinge sich nicht wiederholen. Der Magistrat suchte die Verantwortung vom Magistrat auf die Kreisregierung bezw. das Ministerium zu wälzen, erklärte sich aber im übrigen mit den getroffenen Maßnahmen einverstanden. Die liberale Mehrheit lehnte es ab. den Magistrat zur Beantwortung weiterer Fragen aufzufordern. Erst hetzt man die Arbeiterschaft durch Gründung von gelben Vereinen gegeneinander und dann glaubt man sie durch Polizei und Militar„beruhigen" zu sollen! Gewerkschaftsbewegung. Agitationsversammlungen des Deutschen Holzarbeiterverbandes. In der Zeit vom 13. bis 29. März veranstaltet der Holzarbeiterverband in ganz Deutschland etwa 700 Holzarbeiterversammlungen mit der Tagesordnung:„Wer schützt die Interessen der Holzarbeiter?" Alle Holzarbeiter werden ersucht, für zahlreichen Besuch dieser Versammlungen zu wirken. Errichtung eines Arbeitersekretariats im Plauenschen Grunde Das Dresdener Gewerkschaftskartell stimmte in seiner Versammlung am Dienstag abend einstimmig dem Antrag zu, das Kartell im Plauenschen Grunde mit dem Dresdener zu verschmelzen und im Plauenschen Grunde ein Arbeitersekretariat zu errichten. Die Stelle des Arbeitersekretärs soll ausgeschrieben werden. Das Kartell des Plauenschen Grundes hatte diesen Plan vorher ebenfalls mit großer Majorität gebilligt und einen entsprechenden Antrag an das Dresdener Gewerkschaftskartell gestellt. Dem Kartell des Plauenschen Grundes sind zirka 10.000 organisierte Arbeiter angeschlossen. Scharfmacherpraxis im„humanen“ Süden. Die„Schwäb. Tagw. berichtet: Der Verband Metällindustrieller in Württemberg versendet wieder eine Schwarze Liste. Die nachfolgende Liste hat aber ein ganz besonderes Interesse, wir veröffentlichen sie daher wörtlich: Verband Metallindustrieller in Württemberg. Stuttgart, 23. Februar 1909. Mitteilung an die Kartellverbände auf Grund des Kartellvertrages der in Württemberg tätigen Arbeitgeberverbände. Die Firma Gebr. Ritz u. Schweizer Maschinenfabrik und Eisengießerei, in Gmünd hat den Former Wilhelm G., geb. den 4. Dezember 1870 in Stuttgart=Berg, wegen Hetzerei entlassen. Infolgedessen haben folgende Former gekündigt: Aucerder Folgen Namen und Geburtsort. unger###m hat der Metallarbeiterverband die Sperre über die Firma verhängt. Wir bitten deshalb, diese sowie alle aus dem genannten Betrieb kommenden Arbeiter bis auf weiteres von der Einstellung auszuschließen. Hochachtungsvoll Verband Metallindustrieller in Württemberg. Also der Former Wilhelm G. ist wegen Hetzerei entlassen, ämtliche Gießereibesitzer und andre Arbeitgeber sind gewarnt vor dem Hetzer, mag er sehen, was aus ihm wird. Herzlos wird er der Straße überantwortet. G. hat sich gegen die„dreima geheiligte“ Ordnung vergangen, er soll„gehetzt“ haben. Nun sol er mit der Hungerpeitsche kuriert werden. Doch für den jetzt Gehetzten hätte sich ein Ausweg geboten. Sein Onkel ist namlich Gießereibesitzer in C., dort soll für den Gehetzten um Arbeit gefragt worden sein Der Gießereibesitzer Wilhelm G. wäre auch bereit gewesen, einen Neffen in Arbeit zu nehmen. Wenn man 80 Arbeiter beschäftigt, kann man auch seinen Verwandten noch dazu nehmen, ein tüchtiger Arbeiter ist es ja auch. Aber das darf nicht sein, das gestattet der Industriellenverband nicht, mit blutendem Herzen muß der Gießereibesitzer seinen Neffen im Unglück lassen, der Industriellenverband erlaubt das nicht. Und da behaupte jemand, wir leben im Zeitalter der Humanitat! Ein Arbeitersekretariat für die Kreise Jerichow I und II wird am 1. April in Burg, Franzosenstraße 46, eröffnet. Als Sekretär ist Genosse Magnus Gebhardt gewählt. Die Textilarb.er der Firma Gensburger in Colmar Elsaß) sind in den Ausstand getreten. Von den etwa 420 Arbeitern streiken 270; davon gehören 10 der christlichen, die übrigen der freien Gewerkschaft an. Drei Pfennige für vierzehntägige Arbeit. Sage und schreibe „Drei Pfennige, wagte die Baumwollspinnerei Trötschler u. Chinger in Singen am Hohentwiel in Baden am 14tägigen Lohntermin(28. Februar) auszuzahlen. Die Arbeiterin schuldete einem Krämer namens Graf 18.77 Mk. Die Schuldsumme wollte sie sich in Raten abziehen lassen. Zu allem Unglück kam ein längst verfallener Steuerbetrag hinzu und nun sah die Lohntüte der Arbeiterin so aus: Baumwollspinnerei Singen, Troetschler u. Chinger. Name der Arbeiterin Zahltag vom 15. 2. bis 28. 2. 1909. Verdienst A 23.02 Hiervon ab: Vorschuß 4—.— Strafe— Krankenkasse—68 Invaliden- und Altersversicherung„—24 — ab: Graf Steuer Rest A 22,10 K 18.77 „ 3,30 K 22.07 Rest KA 0.03 Die Firma schämte sich auch nicht, der Arbeiterin wirklich die Lohntüte mit dem Inhalt von— drei Pfennigen zu überreichen. Diese Tatsache bildet auch eine Illustration zu dem bekannten Wort von der vollen Kompottschüssel! Man braucht ihm nur die Lohntüte mit den drei Pfennigen gegenüberzustellen. Aerztliche Idealisten. Wenn zwei dasselbe tun, so ist es doch nicht dasselbe. Die Bestrafungen von Arbeitern wegen„Terrorismus“ sind an der Tagesordnung, da kann man gespannt sein, welche Staatsaktion folgender Resolution der Aerzte des Bergischen Bezirkes nachfo'gen wird. Die Resolution lautet: „Tritt ein Arzt aus seinem ärztlichen Verein aus, so sind zurzeit die schärfsten Maßregeln gegen denselben zu ergreiten, a) sofern sich eine Handhave finden läßt, soll eine Beschwerde wegen Verletzung der ärztlichen Standesinteressen an das Ehrengericht erfolgen. b) Der Austritt aus dem Verein ist satzungsgemäß möglichst zu erschweren. Der Austritt ist auf einen bestimmten Termin zu beschränken mit vorbergehender festgesetzter Kündigungsfrist. Die Kündigung muß den Grund des Austritts enthalten. c) Der ausgetretene Arzt muß erfahren, daß wir kollegial nicht mehr mit ihm befreundet sind; wir vermeiden deshalb Konsilien, Ueberweisungen und Vertretungen usb.; nur Konsilien im Falle dringender Not find gestattet. d) Eine weitere Folge ist die Vermeidung freundschaftlichen Verkehrs, besonders in denselben Glsellschaften und Familien. e) In der Fachpresse sind die Namen der austretenden Aerzie eventuell mit Angabe des Grundes des Austrittes zu veröffentlichen. k) Die Gesellschaften, welche dem ärztlichen Verein Rabatt gewährt haben, sind sofort zu benachrichtigen, damit mit dem Austritt sofort auch die Preisermäßigung bei Versicherungen fortfällt. g) Bei Abschlüssen von Verträgen mit Kassen und Freiwerden von kommunalen Aemtern ist tunlichst darauf hinzuwirken, daf nur Vereinsmitglieder berücksichtigt werden.“ Natürlich„zwingen“ die Aerzte niemanden, es soll nur jeder „standesgemäß denken und handeln" und„nach dem Grade seiner Fähigkeiten an dem Kampfe teilnehmen". Da ist natürlich keine Verrufserklärung mit der Anwendung dieser Resolution, weder gesellschaftliche Aechtung, noch materielle Schädigung verknüpft. Sie ist nur dem idealen Streben nach Förderung des„Standesbewußtsein“ bei den Herren Kollegen entsprungen. Weizen. Gerste Hafer Kartoffeln Keuntetrüben Kleehen Wiesenhen England 1896—1900 2,12 " 1,88 " 1,74 " 11.72 " 4 3, 8 3 " 3,85 " 3,46 in England mehr als in Deutschland + 37·65% + 31 47„ + 32.83„ + 34.08„ + 121.47„ + 24.59„ + 0,00„ Industrie, Handel und Verkehr. Krisenwirkung. Die Flensburger Reederei„Dampfschifffahrtsgesellschaft von 1869“ hat im Jahre 1908 mit erheblichem Verlust gearbeitet. Abgesehen davon, daß eine Dividende nicht verteilt werden konnte, mußten dem Reservefonds 74 149,80 Mt. und dem Dispositions= und Erneuerungsfonds 91836,67 Mk. entnommen werden. Auch auf der Flensburger Schiffswerft macht sich die Krise in Gestalt von Arbeitslosigkeit bemerkbor. Zwar wurden keine Entlassungen vorgenommen, aber infolge der notwendigen Arbeitsaussetzungen erdienen die Arbeiter kaum 10 Mk. pro Woche. Die Gewerkschaften werden durch die Zustände sehr stark belastet. Die Zollfreiheit als Erzieherin in der Landwirtschaft. ssc. Die Agrarzölle haben nicht nur die Wirkung, daß sie die Lebensmittel verteuern, sie hindern auch den Fortschritt in der landwirtschaftlichen Produktionsentwicklung. Da die Preise künstlich hoch und die Konkurrenz durch die Zölle ferngehalten werden, fehlt der stärkste Antrieb zur Verbesserung der Produktionsweise, während in Ländern mit Zollfreiheit auch die Landwirtschaft gezwungen ist, ihre Leistungsfähigkeit auf die höchste Stufe zu bringen. Das zeigt uns England, vie wir einem soeben erschienenen hochinteressanten Buche von Dr. Franz Brinkmann über„Die Grundlagen der englischen Landwirtschaft“(Hannover 1909, Verlag von M. u. H. Schaper) entnehmen. Die englische Landwirtschaft ist der deutschen in bezug auf Leistungsfähigk it sehr weit voraus! Es betrugen nämlich die 5jährigen Durchschnittserträge pro Hektar in Tonnen (1000 kg) in: Deutschland 1894—1898 1.54 1,43 1.31 8.74 19.74 3.09 3.46 Der Mehrertrag ist in England, wie man sieht, ganz außerordentlich und auf eine intensivere Kultur zurückzuführen, wie der im allgemeinen auf agrarischem Standpunkt stehende Verfasser im einzelnen nachweist. In gleicher Weise kommt die große Ueberlegenheit der englischen Landwirtschaft bei der Viehzucht zum Ausdruck. Es betrug nämlich das durchschnittliche Schlachtgewicht in Deutschland Rindvieh ohne Kälber 255 kg) 144 Kälber. 50„ Schafe 23„ Schweine 90„ Danach liefert also in England jedes geschlachtete Stück Rindvieh(einschließlich Kälber) 88 kg mehr Fleisch als in Deutschland. Die Schweine werden in England ganz jung geschlachtet, Schweinefleisch wird nur halb so viel gegessen wie in Deutschand. Englands Landwirtschaft ist heute mustergiltig geworden für alle übrigen Länder, denn es liefert das Zuchwieh nach allen Erdteilen. England, das seinen größten Fleischbedarf aus Amerika beziehen muß, wird immer mehr ein Exportland für Pferde, Rindvieh, Schafe und Schweine— zur Zucht! Dieser Export hat sich erst in den letzten Jahrzehnten entwickelt und betrug im Jahre 1906 bereits 1 756990 Pfund Sterling, über 35 Millionen Mark. Die englische Landwirtschaft ist nicht nur trotz, sondern zum Teil dank der Zollfreiheit neuerdings in rascher Vorwärtsentwicklung begriffen.: Sie bat dazu freilich eine große Umwandlung durchmachen müssen, sie hat sich vornehmlich auf Viehzucht, Milch= und Butterproduktion und Gartenwirtschaft verlegt und ihre Arbeitsmethode der in der Industrie herrschenden angepaßt: Die Maschinenarbeit und die Ersparnisse menschlicher Arbeitskraft sind auf das höchste entwickelt, die Betriebe basieren auf kapitalistischen und kaufmännischen Grundsätzen wie jeder Fabrikbetrieb. Die landwirtschaftlich benutzte Fläche ist in Eng and in den letzten Jahrzehnten auch wieder wesentlich größer geworden. Sie betrug 45 652545 acres im Jahre 1868, im Jahre 1905 aber 47673 115 acres Die industrielle Entwicklung läßt sich nicht aufhalten und auch in Deutschland wird die Landwirtschaft je länger je weniger den Bedarf decken können. Die Agrarzölle steigern nicht die landwirtschaftliche Produktivität, sondern hindern die Entwickung und bringen so auf die Dauer auch der Landwirtschaft keinen Nutzen, während sie gleichzeitig dem deutschen Arbeiter die Lebensmittel verteuern. Die Aufhebung der Zölle würde dagegen die deutsche Landwirtschaft zwingen, nach„moderneren“ Grundsätzen zu produzieren, und sie wurde sich dabei mit der Zeit wohler befinden als jetzt, wie das Beispiel in England zeigt. eillstand bedeutet den Tod, nur vom Fortschritt ist ein Heil zu erwarten— auch in der Landwirtschaft! kg England 299 kg) 232 43„ 27 61 kg Vermischtes. Verhungert! Berlin, 12. März. Ein krasser Fall von Großstadtelend, dem ein junges Menschenleben zum Opfer gefallen ist, hat sich im Vorort Oberschönweide abgespielt. Die dort wohnhafte Familie Welsch, bestehend aus dem 30jährigen Mann, der 24 Jahre alten Frau, sowie zwei Kindern von zwei Jahren und neun Monaten, die schon seit Jahren in ärmlichen Verhältnissen lebte, geriet dadurch, daß der Mann vor einem halben Jahre die Arbeit verlor, in große Not, die noch dadurch vermehrt wurde daß der Mann die Kleinigkeit, die er verdiente, vertrank, und sich schließlich nicht mehr zu Hause sehen ließ. Der kränklichen Frau gelang es trotz redlicher Bemühungen nicht, so viel zu verdienen, um den Unterhalt für sich und die beiden Kinder bestreiten zu können. Nachdem auch schon der dürftize Hausrat verkauft war und die Frau keinen Ausweg mehr sah, legte sie sich mit ihren beiden Kindern in das einzige ihr noch gebliebene Bett und wartete. Hausbewohner, denen es auffiel, daß die Frau nicht mehr zum Vorschein kam, drangen in die Wohnung und fanden die Frau mit ihrem zweijährigen Kinde fast verhungert vor, während das jüngste Kind bereits gestorben war. Eine Nachbarin nahm sich nun der Frau und ihres Kindes an. Beuthen, 13. März. Nach dreitägiger Verhandlung verurteilte gestern das Schwurgericht den Schlossergesellen Julius Pawelka aus Scharley, der am 12. August v. J. in den graflich Donnersmarckschen Forsten den Förster Peul Neukirch erschossen hatte, zu 14 Jahren Zuchthaus. Florenz, 13. März. Hier erschoß sich gestern der Advokat sonzales, der Direktor des spanischen Kollegs in Bologna. Gonzales hatte sich geweigert, ein Duell anzunehmen, und aus Lonsalez hatte sich geweigert, ein Duell anzunehmen, und aus diesem Grunde hatte iym der spanische Botschafter in Rom mit der avsetzung gedroht. Gonzales war von einem spanischen Offizier wegen einer intimen Angelegenheit gefordert worden. Eine Leiche gefunden. Celle, 12. März. Unweit Celle wurde gestern abend in der Unteraller die Leiche einer weiblichen Person im Wasser treibend aufgefunden, an der Kopf, Arme und Beine fehlten. Der Körper muß schon lange im Wasser gelegen haben, denn er war völlig versandet und verkalkt. Materialdiebstähle auf der Torpedowerkstatt. Kiel, 14. März. Ueber die Materialdiebstähle auf der Torpedowerkstatt Friedrichsort wird noch bekannt, daß die gestohlenen Torpedoköpfe, die ein Gewicht von 25 Zentnern haben, bei einem Althändler gelegentlich einer polizeilichen Revision gefunden wurden. Der Althändler hatte sie von einem Manne gekauft. Dieser wurde sofort verhaftet. Er hat die gestohlenen Torpedoköpfe offenbar von Friedrichsort nach Kiel gebracht. Ein Geisteskranker. Berlin, 14. März. Der 33 Jahre alte Uhrmacher Richard Duhl aus der Malplaquethstraße 6 hat den Fabrikarbeiter Röder, nach einem Sittlichkeitsattentat auf dessen zwei kleine Töchter, durch einen Revolverschuß schwer verletzt und die Ehefrau mißhandelt. Duhl hat allem Anschein nach die Tat in einem Anfall von Geistesstörung verübt. Ein Eisenbahuraubmörder. Dirschau, 14. März. Der Eisenbahnraubmörder van der Velden hat endlich dem Staatsanwalt ein offenes Geständnis seiner Tat abgelegt. Kurz vor der Station Dirschau sah er, wie der Wirtschaftsinspektor Ehlert sein gefülltes Portemonnaie herauszog, im Augenblick, als er es wieder in die Tasche stecken wollte, gab Velden den tödlichen Schuß ab. Als sein Opfer besinnungslos zurücksank, zog im der Mörder das Portemonnaie aus der Tasche, stieg in Dirschau aus und verschwand. Unglücksfall. Charlerois, 13. März. Gestern abend stürzte in der Grube„Fiestaux“ im Couillet ein Fahrstuhl aus bisher noch unbekannten Gründen in die Tiefe. Fünf Arbeiter wurden getötet und drei schwer vorletzt. Die Affäre Steinheil. Paris, 14. März. Die Untersuchung über die Angelegenheiten der Witwe Steinheil ist beendet. Der Untersuchungsrichter teilte der Witwe mit, daß die Untersuchung genügend Verdachtsmomente gegen sie ergeben habe, um sie unter Anklage stellen zu können, mit Vorbedacht ihren Gatten und ihre Mutter getötet zu haben. Der Untersuchungsrichter legte der Angeklagten alle diesbezüglichen Punkte auseinander. Die Witwe Steinheil erhob energisch Widerspruch gegen diese Behauptung. Die Akten des Untersuchungsrichters werden der Anklagekammer nunmehr zur Prüfung unterbreitet werden. Frau Steinheil ist nach dem St. Lazarus=Gefängnis zurückgebracht worden und wird dies nur verlassen, um als Hauptangeklagte vor dem Schwurgericht zu erscheinen. Der Typhus in Madrid. Madrid, 14. März. Es läßt sich nicht länger verheimlichen, daß zurzeit hier Typhus herrscht. Im Sanjuan=Hospital befinden sich über 300 Kranke, von denen zahlreiche im Sterben liegen. Auch der Bürgermeister ist daran erkrankt. Die Presse verlangt strenge Maßregeln. Brandstiftung. Innsbruck, 11. März. Infolge Brandstiftung äscherte Großfeuer in Mils bei Innsbruck vier Bauernhöfe samt allen Wirtschaftsgebäuden ein. Der Schaden ist sehr groß, da zahlreiches Vieh verbrannte. Der mutmaßliche Brandstifter wurde verhaftet. Feuersbrunst. Drüssel, 12 März. Eine Feuersbrunst zerstörte diese Nacht eine Spitzenfabrik. Mehrere andere Geschäfte, welche sich in demselben Haus befanden, sind ebenfalls vernichtet worden. Der Schaden beläuft sich auf über ½ Mill. Franken. Vulkan=Ausbruch. London, 12. März. Einer„Times“= Meldung aus Neu=Seeland zufolge ist am Montag abend ein Ausbruch des Vulkans Nojauruhoe erfolgt, der Dienstag seinen Höhepunkt erreichte. Auf 7 Meilen war der Himmel vom Staub verfinstert und die Luft mit Schwefeldunst erfüllt. Die in der Nachbarschaft angesiedelten Einwohner flohen. Am Mittwoch mittag rauchte der Bulkan noch. Der angerichtete Schoden schein: nicht bedeutend zu sein. Als am Sonnabend abend die siebBernhard von der Arbeit zurückkehrte, wurde sie im Vorort Neudorf von dem Arbeiter Ernst Rudloff auf der Straße erstochen. Rudloff verfolgte das Mädchen schon seinen Liebesanträgen, ohne aber Erfolg zu haben. Der Mörder konnte in derselben Nacht verhaftet werden, ebenso der Bruder des Mörders der kurz nach der Tat der älteren Schwester des getöteten Mädchens drohte, er werde sie ebenfalls umbringen, wenn sie seine Liebe nicht erwidere. Rom, 15. März. Bei den gestrigen Stichwahlen wurden nach den bisher vorliegenden Resultaten 12 Sozialisten, 6 Republikaner, 7 Radikale und 3 Klerikale gewählt. Rom, 15. März. In Neapel näherte sich der dort bekannte Edelmann Mazzarella einer Dame der Gesellschaft und erklärte ihr seine Liebe Von der Dame charf in seine Schranken zurückgewiesen, zog Mazzarella einen Revolver aus der Tasche und schoß sich in die Stirn. Er brach tot vor den Augen der entsetzten Dame zusammen, die selbst ohnmächtig niederjank. Rotterdam, 15. März. Der norwegische Dampfer„Mascot“. der beschädigt dort eintraf, bohrte gestern das deutsche Segel„Maxgareta“, das auf dem Wege nach He burg war, in ven Grunp. Die gesamte Mannschaft der„Margareta“, mit Ausnahme von 6 Mann, kam um. Petersburg, 15. März. Die Schwarze Meerflotte be: Befehl erhalten, sich zum Schutze der russischen Interessen in Persien berei. zu halten. P., Münster. standen. Briefkasten der Redaktion. Wir sind mit Ihren Vorschlägen einver12 ist die Verrichtun J Dren F.— Verrichtung der Hauswäsche mit dem vollkommensten selbsttätigen Waschmittel von böchster Wasch- und Bleichkraft. Wäscht von selbst ohne jede Arbeit und Mühe, bleicht wie die Senne, schont das Gewebe und ist absolut unschädlich. :.::: Ueberall erhältlich.:: MLLEINIGE FABRIKANTEN: Henkel& Co., Düsseldorf. Leee Betrifft die Herstellung der Leitungen und die Entnahme von Gas aus dem stödtischen Gaswerk Herford. Bei Anlage von Gasle#rgen für Koch=, Heiz= und Kraftzwecke sind die bestehenden Bedingurgen genau zu beachten: § 37. Die Rohrleitung von dem Gasmesser bis zu den Apparaten muß überall frei und sichtbar sein, darf also niemals unter Putz usw. verlegt werden. An derselben dürfen andere Auslässe als zu den das Gas verbrauchenden Apparaten und zu den etwa notwendigen Wassersäcken nicht angebracht werden. Sämtliche unbenutzte Auslässe werden zugepflockt und durch die Betriebs=Verwaltung plombiert. § 38. Für diese Anlagen ist ein besonderer Gasmesser aufustellen. Es ist gestattet, in demselben Raume, in dem ein größerer Kochapparat mindestens ein Zwei=Lochkocher oder ein Motor Aufstellung findet, eine Leuchtflamme anzubringen, welche ihr Gas durch denselben Gasmesser gemessen erhält. Der Konsum einer solchen Flamme darf bis zu 150 Liter stündlich betragen. " Wird eine Leitung gefunden, die den Vorschriften nicht entspricht, dann muß der Abnehmer das durch die Leitung entnommene Gas zum Leuchtgaspreise bezahlen, solange die Anlage nicht den Vorschriften entsprechend geandert ist. Außerdem muß die Differenz zwischen dem Leuchtgas= und Kochgaspreise auf ein Jahr zuruckgerechnet nachbezahlt werden. Herford, den 9. März 1909. Der Magistrat: Busse. V Berücksichtigt bei Eueren Einkäufen Trauen: die Inserenten der„Volkswacht“. Kreine Anzeigen=Car! Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in dag Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Konfirmationsgeschenke in Uhren, Ketten, Schmucksachen kaufen Sie bei mir stets am besten und billigsten. A. Heuer, Uhrmacher, Niederwall 12.(1302“ Wecker, Taschenuhren, Uhrketten, Zimmeruhren besichtigen Sie ohne Kaufzwang und überzeugen sich, daß Sie nur bei mir reell und am billigsten kaufen. Adolf Heuer, Uhrmachermeister, Niederwall 12.(1303* Kleiderschränke von 25 Mk., Bettstellen 15 Mr. Tische 5 Mk. an Nur Lager, kein Laden, daher billiger als jede Konkurrenz. Brunnenstraße 12 a, 2 Min vom Stadttheater. 949 Saiten für Geige Zither, Mandoline sowie Zubehörteile kaufen Sie am besten bei A. Heuer, Uhrmacher, Niederwar 12.(13012 Wohnungen von 3 und 4 Räumen in allen Preislagen, zum 1. 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