Abonnementspeets für Vielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatsich. Durch die Post bezogen 1.80 pek. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. ## Se UUesebsTrosoe Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" Gerisch& Co., Rieleseld. Nr. 59. Bielefeld, Donnerstag, 11. März 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Eröffnung des Parlaments. P. Wien, 8. März. Mittwoch wird das Parlament wieder eröffnet werden, nachdem es am 5. Februar nach Hause geschickt worden war. Man fragt sich aber vergeblich, was Herr v. Bienerth mit der Schlietung der Session erreicht hat. Daß die Trommeln und Trompeten nicht wieder in Aktion treten, das wäre auch mit geringerem Kraftaufwand durchzusetzen gewesen. Und ohne Parlament zu regieren, wagt auch Herr v. Bienerth nicht. Es würde sich auch sonderbar ausnehmen, wenn man nicht einmal die parlamentarische Bewilligung der Annexion Bosniens erhielte. In Wirklichkeit war aber gerade das Gelüste, ohne Parlament zu regieren, der eigentliche Grund der Schließung der Session. Man wollte einmal dem Parlament die„starke Hand“ zeigen oder vielleicht auch nur ankündigen, und manchem hohen Herrn nag das Wasser im Munde zusammeng laufen sein bei dem Gedanken, daß man dem Parlament„den Herrn zeigen“ werde. Darauf deuten verschiedene Umstände hin: vor allem die lächerliche Komödie mit den Hausdurchsuchungen bei den Tschechischradikalen, die man geheimer antimilitaristischer Agitation beschuldigte. Nun sind die tschechischradikalen„Jungmannschaften“ wirklich so dumm, die Rekruten zu allerlei Allotria zu veranlassen, u. a. dazu, daß sie mit dem Trauerflor am Arm einrücken oder panslawistische Lieder singen; aber dergleichen wird gemeiniglich nicht durch Hausdurchsuchungen erwiesen, ganz abgesehen davon, daß der Prozeß vor dem Zusammentritt des Parlaments nicht beendet sein kann und eine Auslieferung der tschechischradikalen Abgeordneten im Parlamente nicht durchzusetzen wäre. Daß man daran dachte, das Parlament beiseite zu schieben, geht aber noch viel deutlicher daraus hervor, wie die Regierung die Kosten des Aehrenthalschen Abenteuers hereinzubringen versucht. Eines Tages wurde die Bevölkerung mit der Mitteilung überrascht, daß die Regierung Schatzscheine im Betrage von 220 Millionen Kronen mit Zjähriger Laufzeit ausgebe. Die gesetzliche Berechtigung leitete die Regierung daraus ab, daß das Parlament seit 1905 zu den verschiedensten Zwecken Anleihen bewilligt habe, die in Form von Renten aufzunehmen wären. Da aber bei dem jetzigen niedrigen kentenkurs die Ausgabe von Renten unvorteilhaft wäre,„benüge sich“ die Regierung derzeit mit der kurzfristigen Schuld # der Form der Schatzscheine. In der Tat hatte das Parlament in den letzten fünf Jahren eine Reihe von Juvestitionen beschlosin und hierfür der Regierung das Recht der Ausgabe von kenten zur Beschaffung des Geldes eingeräumt. Aber diese Investitionen wurden nur zum kleinsten Teile auch nur in Angriff genommen, so daß auch das Geld bisher nicht benötigt wurde Der bosnische Feldzug hat aber bisher Hunderte don Millionen gekostet, ja die Armeeverwaltung hat die Kriegsgefahr dazu benutzt, um ohne Bewilligung der Delegationen die Armee vollständig neu auszurüsten. Ein Teil der kosten wurde aus den Kassenbeständen der verschiedenen Ministerien genommen, ein Teil soll nun mit den 220 Millionen bezahlt werden, die das Parlament für den Bau von Wasserstraßen, für Flußregulierungen, Lokalbahnen, Hafenbauten und oonstige Investitionen(darunter allerdings im Jahre 1907 auch für militärische Ausrüstung 72 Millionen) bewilligt hat. Nachdem man die Kassenbestände, d. i. die Ueberschüsse aus der Vergangenheit, einfach ausgeplündert hat, um die Kosten der Annexion zu bezahlen, will man zu demselben Zwecke auch noch die für zukünftige Investitionen bewilligten Summen vergeuden. Die Regierung beruft sich bei der Ausgabe der Schatzscheine darauf, daß diese Anleihen für diese bestimmten Zwecke ja schon bewilligt seien, ihre offiziösen Blätter aber widerlegen die Bedenken gegen die Verfassungsmäßigkeit dieser Schatzscheine damit, daß die„äußeren Umstände“ die rascheste Aufnahme der Anleihen erforderten; sie geben also unverblümt zu, daß das für Wasserstraßen und Bahnen bewilligte Geld für die Bezahlung der Kosten der Annexion verwendet wird. In Wirklichkeit ist die Verfassungswidrigkeit dieser Schatzscheine kaum bestritten. Die Bewilligung des Parlaments lautet ausdrücklich auf die Ausgabe von Renten so daß jede andere Art der Aufnahme dieser Anleihen unzulässig ist. Die Offiziösen verweisen zur Begründung immer nur auf die dringende Notwendigkeit dieser Schatzscheine, sowie höchstens noch darauf, daß in der Bewilligung der Ausgabe von Renten die der Ausgabe von Schatzscheinen mit eingeschlossen sei. (So wird denn die erste Aufgabe des Parlaments sein müssen, du Regierung für diesen Verjassungsbruch zur Verantwortung zu ziehen, wie es überhaupt vor allem das wichtigste ist, diese Regierung Bienerth, die unfähig ist, das Parlament zu sühren und in ihrer Unfähigkeit allen Einflüssen unverantwortlichen Faktoren nachgibt, zu Fall zu bringen. Aber das it nur möglich, wenn das Parlament von der Obstruktion befreit ist. Die Obstruktion gibt der Beiseiteschiebung des Parlaments einen Schein von Recht, die Obstruktion kegitimiert geradezu dieses Ministerium. Denn wenn Dringlichkeitsanträge die Tagesordnung verbarrikadieren und die Verhandlung des Rekrutenkontingents unmöglich machen, kann sich die Regierung mit Fug und Recht darauf berufen, daß keine Regierung in keinem Parlament verpflichtet ist, eine Zweidrittelmajorität zu haben, oder gar verpflichtet ist, zurückzutreten, wenn zwanzig Abgeordnete(soviel genügen zur Einbringung von Dringlichkeitsanträgen) ihr Schwierigkeiten bereiten. Diese Ausrede muß man der Regierung benehmen. Herr v. Bienerth muß in eifener Schlacht besiegt werden, und er wird gestürzt werden können, wenn es zur offenen Schlacht kommt. Denn Herr v. Bienerth hat keine Majorität im Porlament und er wäre schon im Februar gestürzt worden, wenn die Tschechischradikalen ihm mit ihrer dummen Lärmnacherei nicht die Möglichkeit zur Flucht gegeben hätten. Allmählich dringt nun auch bei den tschechiichen Parteien die Einsicht durch, daß die Obstruktion keine Bekämpfung der Regiekung, sondern nur eine Ausrede für sie ist. Das Parlament wird vor Ostern voraussichtlich nicht viel zu erledigen haben; es wird genug zu tun haben, um die Arbeiten wieder auf den alten Stand vor Schließung der Session zu bringen. So lange wird Herr v. Bienerth vielleicht leben konnen. Wenn die Osterglocken läuten, wird seine Sterbestunde schlagen. Politische Uebersicht. Reich. Verteuerung der Eisenbahnfahrt. Karlsruhe, 10. März. Unter der Einwirkung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in Verbindung mit der vor einigen Jahren getroffenen Tacifreform ist der Reinertrag der badischen Staatsbahnen von 28 Millionen im Jahre 1907 auf 13 Millionen im Jahre 1908 gesunken. Die Regierung will dadurch Abhilfe schaffen, daß sie die beschleunigten Personenzüge wegfallen läßt, in denen der Fahrpreik in der 3. Klasse pro Kilometer 2 Pfg. beträgt, also so hoch ist, wie in Preußen in der 4. Klasse. Die Handelskammern und Verkehrsvereine protestieren gegen diese Absicht der Regierung. Nationalliberaler Parteitag. In der letzten Sitzung des Zentralvorstandes der Nationalliberalen Partei wurde der geschäftsführende Ausschuß beauftragt, die Vorbereitungen für den diesjährigen allgemeinen Vertretertag der Partei zu treffen. Dieser soll im letzten Drittel des Septembers in Eisenach stattfinden, und damit zugleich die 50jährige Erinnerungsfeier für den Nationalverein verbunden werden, zu dem am 14. August 1859 der Grundstein ir Eisenach gelegt wurde. Politischer Sensationsprozeß in Sicht. Regierungsrat Martin, der Verfasser des Buches:„Fürst Bülow und Kaiser Wilhelm II.“, will gegen, alle diejenigen Zeitungen mit Strafanträgen vorgehen, die ihn bei Besprechung seines Buches beleidigt haben. Diese Prozesse sollen ihm Gelegenheit bieten, die von ihm gemachten Angaben zu beweisen; zu welchem Zwecke er den Reichskanzler, Beamte des Auswärtigen Amtes, den Geheimrat Klehmei, den Herausgeber des„Daily=Telegraph“ und einige englische Journalisten a.s Zeugen laden lassen will. Württemberg und das Steuerkompromiß. Die württembergische Regierung nimmt gegenüber dem Steuerkompromiß einen unbedingt ablehnenden Standpunkt ein. Die Besitzsteuer sei für die Regierung unannehmbar, sie halte ihrerseits an der Nachlaßsteuer fest oder bestehe doch auf einem ähnlichen Ausbau der Erbschaftssteuer. Das bayerische Zentrum für die Nachlaßsteuer? München, 10. März. Als Symptom einer Aenderung in der Haltung der bayerischen Reichstagsabgeordneten des Zentrums ist mitzuteilen, daß sie nunmehr für die Nachlaß= und Erbschaftssteuer, allerdings in modifizierter Form stimmen werden. Bisher haben sie sich diesen Vorlagen gegenüber ablehnend verhalten. Verkürzung der Arbeitszeit in den Militärwerkstätten. Berlin, 10. März. In den Werkstätten der Militärverwaltung ist durch Anschlag bekannt gemacht worden, daß mit dem 1. April dieses Jahres in sämtlichen technischen Instituten des Heeres der 9stündige Arbeitstag in Kraft trilt. Den Arbeitern wird der gleiche Tagesverdienst wie bei 10stündiger Arbeitszeit gewährt. Die angefochtenen sozialdemokratischen Landtagsmandate. Der Magistrat in Berlin hat dem Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg die Erklärungen über die Wahllisten zugehen lassen, die als Grundlage für die letzte Landtagswahl benutzt wurden. Die Zulässigreit der Verwendung dieser Wahllisten hat zu einem Protest gegen die Giltigkeit einiger sozialdemokratischer Mandate geführt. Die Erklärungen des Magistrats gehen nun dem preußischen Landtage zu, der dann im Plenum weitere Entscheidungen treffen wird. Aus dem Reichstag. . In der Budgetkommission hatte zum Schluß der Sonnabendsitzung eine vielversprechende Debatte begonnen über die Forderungen der Militärmusik. Mit Heftigkeit hatte sich der Kriegsminister gegen alle Bestrebungen gewandt, die auf eine Herabsetzung der Zahl der Musiker in den Regimentern abzielte. Zu Beginn der Dienstagssitzung wurde die Debatte fortgesetzt, aber mit wesentlich herabgestimmten Tönen auf Seiten der Zentrumsopposition. Ein Antrag, von den geforderten 368 Stabshoboisten, 4466 Hoboisten und 477 Bataillonstambouren 700 als„künftig wegfallend“ zu bezeichnen, wurde abgelehnt. Die geforderten Musiker wurden also in voller Zahl wieder bewilligt. Was ist ein Revue=Geschenk? Diese Frage wurde aufgeworfen bei einem Titel, unter dem 85 145 Mk. gefordert werden. Der Kriegsminister setzte auseinander, daß aus diesem Fonds Geschenke an die Unteroffiziere und Mannschaften gegeben werden, über die der Kaiser Revue abhalte. Selbstverständlich bewilligte die Kommissionsmehrheit daraufhin die geforderte Summe. Im Handumdrehen wurden dann weiter für zahlreiche Kapitel ohne Debatte einige Dutzend Millionen bewilligt. Als„Allgemeine Unkosten“ werden in sechs verschiedenen Titeln sechs Millionen Mark gefordert. Der Korreferent Erzberger beantragt, Abstriche von 40000 Mk. zu machen. Es wurden 20000 Mk. abgestrichen. Kopsch, der im übrigen flott mitbewilligt, will von 3000 Mk., die für die Kriegshunde verlangt werden, 1500 Mk. sparen.— Nachdem Professor Görke sich vergeblich für den Hund erwärmt hatte, wurden 1500 Mk. gestrichen. Etwas bedeutungsvoller gestaltete sich die Aussprache über die Summen, die für Uebungen im Gelände, Angriffsübungen, Landungsübungen und Aufklärungsübungen und die damit verbundenen Flurentschädigungen verlangt werden. Es handelt sich um die Summe von 2225000 Mk. Es wurde verschiedentlich behauptet, daß für Flurentschädigungen von den Großgrundbesitzern Forderungen gestellt werden, die ins Aschgraue gingen. Die Militärverwaltung sei leider viel zu splendid. Es wurde weiter behauptet, daß noch besondere Uebungen veranstaltet worden seien, weil die Regimenter Gelder für Flurentschädigungen übrig gehabt hätten. Nach einer ausgedehnten Debatte wurde die ganze Summe bewilligt. Der Abg. Stücklen rügt die strengen Bestrafungen von Mannschaften des Beurlaubtenstandes. Mit dem System, das die Mannschaften des Beurlaubtenstandes am Tage der Kontrollversammlung den ganzen Tag unter das Militärgesetz stellt, müsse gebrochen werden.— Nach längerer Debatte fand eine Resolution Annahme, in der gefordert wird, daß in Zukunft statt der Arreststrafen Geldstrafen zulässig sein sollen. **** In. der Finanzkommission wurde Mittwoch noch beinahe vier Stunden über die Tabaksteuervorlage beraten. Aus der Debatte ist hervorzuheben, daß die Angaben des Regierungskommissars Dr. Lißner von allen Seiten heftig angegriffen und widerlegt wurden. Besonders die Angaben über die amerikanischen Verhältnisse wurden eingehend von dem Abg. Molkenbuhr widerlegt. Dann drehte sich die Debatte hauptsächlich darum, ob man eine Subkommission wählen solle, der die Vorlage übergeber werden soll, oder ob direkt eine Abstimmung über§ 2 der Vorlage des Banderolesteuersystems stattfinden solle. Am Ende der Beratung lagen mehrere Anträge vor. Der Antrag Weber wollte die sofortige Entscheidung über die Banderolesteuer herbeigeführt wissen. Das Zentrum ließ aber durch den Abg Speck beantragen, die Entscheidung auszusetzen, eine Subkommission zu wählen und dieser die Banderolesteuervorlage zu übergeben, sowie auch die weitere Ermächtigung, eventuell Ersatz für die Banderolesteuer vorzuschlagen oder überhaupt neue Steuerformen für die Besteuerung des Tabaks zu suchen. Die Abstimmung wurde vom Präsidenten folgendermaßen vorgenommen:— Soll eine Entscheidung getroffen werden über§ 2? Diese Frage wurde in der Abstimmung mit 15 gegen 13 Stimmen verneint. Unter den 15 befanden ich das Zentrum, die Konservativen, die Freikonservativen und ein Pole. Dann wurde weiter positiv bestimmt, die Banderolesteuervorlage einer Subkommission zu überweisen und der Subkommission die Ermächtigung zuzusprechen, weitere Steuerformen zu suchen und zu beraten. Schluß der Sitzung.— Am Donnerstag beginnt die Beratung über die Biersteuer. *** Die Kommission für die Zivilprozeßnovelle beendete am Dienstag vormittag die zweite Lesung, ohne daß wesentliche Aenderungen beschlossen wurden. Das Gesetz soll am 1. April 1910 in Kraft treten, während ursprünglich der 1. Oktober in Aussicht genommen war. Für die Landesjustizverwaltung wird eine Uebergangsfrist(zum Zwecke der Versetzung von Richtern bei Wegfall von Stellen] von einem Jahre gegeben, während die Regierungsvorlage drei Jahre vorsah.— Eine Petition des Monistenbundes, die eine Aenderung der Eidesformel fordert, wurde durch die Beschlüsse der Kommission für erledigt erklärt. Eine Eingabe der bei den Amtsgerichten zugelassenen Rechtsanwälte wurde der Petitionskommission überwiesen. Die Pauschal=Schreibgebühren, gegen die sich die Anwaltsgehilfen besonders dringlich gewandt haben weil sie Entlassungen befürchteten, wurden mit kleinen Verbesserungen angenommen. Bei der Schlußabstimmung wurde das Gesetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und einiger Zentrumsleute angenommen. Eine von den Genossen Dr. Frank und Heine beantragte Resolution, die eine Abkürzung der jetzt für Rechtsanwälte geltenden dreißigjährigen Verjährungsfrist der Ansprüche der Berufshaftung forderte, fand einstimmige Annahme. Der Staatssekretär sagte zu, daß im nächsten Winter bei der in Aussicht stehenden Reform der Rechtsanwaltsordnung dieser Wunsch Berücksichtigung findet. *** Die Geschäftsordnungskommission hat am Dienstag die Entscheidung getroffen über den§ 33a, der in der ersten Lesung beschlossen wurde und diesen Wortlaut hat: „Bei der Besprechung von Interpellationen dürfen nur solche Anträge eingebracht werden, die sich auf den Gegenstand der Interpellation beschränken und keine Gesetzentwürfe enthalten. Sie müssen von mindestens 30 Mitgliedern unterzeichnet sein. Falls gegen die Zulassung eines Antrags Widerspruch von mindestens 30 Mitgliedern erhoben wird, beschließt darüber der Reichstag sofort ohne vorherige Diskussion. Die Abstimmung über die vorliegenden Anträge muß vertagt werden, falls bis zum Schluß der Diskussion ein Antrag hierauf gestellt und von mindestens 30 Mitgliedern unterstützt wird. Die Abstimmung erfolgt alsdann in einer der nächsten drei Sitzungen ohne weitere Diskussion.“ Die sozialdemokratischen Mitglieder hatten beantragt die Streichung des Satzes im ersten Absatz, welcher den Widerspruch der 30 Mitglieder ermöglicht. Der Konservative, Graf von Westarp. forderte jetzt, daß auf Antrag von 50 Mitgliedern die Ueberweisung der eingegangenen Anträge an eine Kommission geschehen muß. Da dieser Antrag während der Abstimmung gestellt und eingereicht wurde, protestierten die Abgg. Singer u. Ledebour gegen die Zulassung dieses konservativen Abstimmungs=Antrags. Das Zentrum setzte aber eine Wiederaufnahme der Diskussion durch. Schließlich wird der Antrag Westarp gegen sechs konservative Stimmen abgelehnt. Ein redaktioneller Verbesserungsantrag zum Absatz 2 wird einstimmig angenommen. Die Forderung des ersten Absatzes:„Falls gegen die Zulassung eines Antrags Widerspruch erhoben wird...“ wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Zentrums angenommen. Hierauf soll nun die Schlußabstimmung über den§ 33a in seiner veränderten Fassung erfolgen. Der Vorsitzende glaubt, die Voraussetzung machen zu müssen, daß bei der Ablehnung dieses Paragraphen das bisherige Recht wieder in Geltung tritt, welches jede Antragstellung für nicht zulässig erklärt. Dagegen widersprechen die Abgg. Ledebour und Singer; es entstehe durch eine derartige Kommissionsentscheidung lediglich ein Vakuum, dessen Beseitigung dann Sache der Antragstellung im Plenum sein wird. Der Vorsitzende schließt sich dieser Auffassung an. Abg. Roeren interpretiert eine etwaige Ablehnung des§ 330 als Herstellung des alten Rechts. Abg. v. Payer ist der gegenteiligen Auffassung. Hierauf wird der§ 33a mit 14 gegen 9 Stimmen abgelehnt. (Dagegen stimmten Sozialdemokraten, Konservative und Zentrum.) Nun wird zur Herstellung des alten Rechts als neuer Paragraph das frühere konservative Amendement eingebracht. „Die Stellung eines Antrags bei dieser Besprechung eiht aher jedem Mitgliede des Reichstags überist unzulässig, Es bleir auet ngem Beitgnigte err eitimglags überlassen, den Gegenstand in Form eines Untrags weiter zu verfolgen.“ sich Serbien selb': untergeordnet hat, daß die dosnische Frage eine europäische Frage ist und daß es den Signatarmächten des Dieser Antrag wird mit 14 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Mehrheit setzt sich zusammen aus Konservativen, Zenkrum und Nationalliberalen. Hierauf beginnt die Diskussion über die sogenannten kleinen Anfragen, wozu Anträge von Müller=Meiningen und Junck vorliegen. Geht Holle? Berlin, 10. März. Die Verabschiedung des Kultusministers Dr. Holle ist, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, nunmehr endgiltig veschlossen. Die offizielle Mitteilung dürfte bereits in allernächster Zeit erfolgen. Uns ist das schnuppe. Zum Fall Tremel. München 10. März. Auf das bestimmteste wird hier versichert, daß die Regierung sich der prinzipiellen Bedeutung in der Frage des Pfarrers Tremel voll bewußt ist und nicht geneigt ist, ohne weiteres der Entscheidung der kirchlichen Instanz sich zu fügen. Selbstverständlich wird der Entscheidung durch die Regierung eine genaue Prüfung der Angelegenheit vorausgehen. In liberalen parlamentarischen Kreisen geht die Ansicht dahin, daß der Kultusminister Dr. v. Wehner in diesem Falle auch für die Wünsche des Zentrums zu haben ist. Das ist wieder ein Fressen für den„Simplleissimus“. Fürst als Reichstagskandidat. Wie wir schon kurz berichteten, hat am Sonntag in Düren eine—nrir#g. Versammlung, katholischer Arbeiter gegen v, p r o. eine tausendköpfige die Kandidatur des Fursten Salm=Dick, Reifferscheidt, testiert den das Zentrum als Nachfolger des verstorvenen Grafen Hompesch im Kreise Düren=Jülich aufgestellt hat. Die Veranstaltung ging von Leuten aus, die jahrelang Vertrauensämter in der Zentrumspartei und in den Zentrumsgewerkschaften bekleidet haben. Der Einberufer erntete stürmischen Beifall, als er gegen die Fürstenkandidatur zu Felde zog. Ein Verteidiger des offiziellen Zentrums, ein Gewerkschaftsbeamter, erklärte, daß auch er vieles in der Zeatrumspolitik verurteilen müsse; besonders könne er sich mit dem Vorgehen der Partei in den Steuerfragen nicht einverstanden erklären. Indessen der Fürst sei ein Mann. der für alle Stände eintreten wolle. Das Hohngelächter der Versammelten ließ den Redner nicht weitersprechen. Nicht besser erging es den anderen Verteidigern der offiziellen Kandidatur. Obwohl die Freunde desselben sämtlich gewiegte, mit allen Kniffen vertraute Redner, die wenigen Wortführer der katholischen Sprecher aber unbeholfene Sprecher waren, trugen die letzteren einen vollen Sieg davon. Die Empörung stieg aufs höchste, als die Praktiken bekannt wurden mit denen das offizielle Zentrum gegen die Ansprüche der Arbeiter gewirkt hat und als darauf hingewiesen wurde, daß die Zentrumspresse die Aufnahme der Versammlungsanzeigen verweigert hat. Man ließ schließlich die Verteidiger des Zentrums gar nicht mehr zum Wort kommen, sondern schrie sie nieder. Die Versammlung beauftragte das Komitee, Schritte zur Aufstellung eines den katholischen Arbeitern genehmen Kandidaten zu tun Wie der Staat betrogen wird. Zu dem jüngst von Professor Delbrück angeschnittenen Thema der systematischen Steuerhinterziehungen, besonders der Agrarier, schreibt„Einer vom Lande" dem Hannoverschen Courier": „Delbrück berührt damit eine moralische Wunde unsres nationalen Lebens, die sehr gefährlich ist. Daß sie vorhanden ist, wird keiner leugnen, der etwas Einblick in die Verhältnisse gewonnen hat. Ja, es ist zweifellos, daß sie viel tiefer ist und sich viel weiter ausbreitet, als man gewöhnlich annimmt. Wenn der Staat in die tatsächlichen Verhältnisse genauer hineinsehen könnte, würde er über die Summen staunen, um die er betrogen wird. Es fehlt vielfach das Gefühl, daß man damit ein Unrecht begeht. Und die Art, wie man den Staat betrügen kann, ist bege.... Die Art, wie.. den Staat betrügen ja recht einfach. Herr Sounoso geot z. B. in die Landeskreditanstalt und leiht 50000 Mark, vielleicht zu 3½ Prozent. Da hat er 50000 Mark Schulden, die bei der Einschätzung natürlich sache aber wird bei der Einschatzung wohlweislich verschwiegen. So scheint er als arg verschuldeter armer Kerl, während er bei seiner Anleihe-Manipulation nicht nur keinen Pfennig eingeTußt hat, sondern„vielleicht noch infolge, des hilligen AnleiheZinsfußes ein Geschaftchen macht.— Ein Geistlicher erzahlte bi als Diebstahl gegeißelt habe, sei ein Zuhörer mit dem Bekenntnis zu ihm gekommen, daß er seine Steuerkraft zu niedrig angegeven habe. Sie seien darauf beide zum Landrat gefahren, und die Sache sei in aller Stille in Ordnung gebracht worden. pries die Tatsache als ein ganz außergewohnliches Ereignis. 2 uch er hatte die Ueberzeugung, daß viele andre mit jenem in gleicher Verdammnis seien daß ihnen aber nicht wie ihm das sch sein, a sie wird leider als Gemeingut des ganzen Volkes anzusprechen sein. Es ist eine berechtigte Ueberzeugung, daß wir eine Finanzreform kaum nötig hätten, wenn wirklich die Steuerdeklarationen in ehrlicher Weise erfolgen würden. „Und die Sache hat eine sehr ernste moralische Seite. Einmal werden die ehrlichen Steuerdeklaranten gegenüber den unehrlichen schwer benachteiligt, und indem die immerhin besser Situierten sich diese Unehrlichkeit leisten, wird wiederum die wirtschaftlich schwächste Volksschicht durch indirekte Steuern jene Summen decken helfen müssen, die durch den Betrug ausfallen. Das ist eine himmelschreiende soziale Ungerechtigkeit. Die Regierung wie jeder Volksvertreter müßte es als eine moralische Notwendigkeit ansehen, gegen einen solchen Zustand Front zu machen. Sodann wäre es an sich schon viel wert, wenn die Möglichkeit zu solchem Betrug genommen würde. Der Staat sollte das durch eine wirksamere Art der Steuerregulierung zu erreichen suchen. Er würde sich damit ein hohes Verdienst nicht nur um seine Finanzen, sondern auch um die Gesundung der nationalen Moral erwerben!“ Der Herr der das schreibt, hat zweifellos recht mit der Annahme, daß der Steuerbetrug viel weiter verbreitet ist, als gemeinhin angenommen wird. Und das Schlimmste dabei ist, daß die Ehrlichen für die Unehrlichkeit der andren mitzahlen müssen. Unzutreffend erscheint aber die Annahme, daß die Regierung davon nichts wisse oder kein Mittel habe, dem entgegenzuwirken. So lange freilich die Landräte. als Regierungsvertreter im Kreise wie jüngst von andrer S:“; wurde Wreter im Kreise, wie jungst von undter Seite geschildert warde, systematisch die Niedrichaltung der Steuersummen der Agrarier beir ihen, ist an eine Besserung nicht zu denken. Berliner Vertrages zukomme. sowohl bezüglich der Annexion von Bosnien und der Herzegowing als bezüglich der Neuredak= tion des Artikels 25 des Berliner Vertrages die Entscheidung zu fällen, übergibt Serbien seine Sache ohne Reserve ihnen als dem kompetenten Gericht und verlangt folglich bei diesem Anlasse von Oesterreich=Ungarn keine Gntschädigungen, weder territoriale noch politische, noch ökonomische. Petersburg, 11. März. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, ist gestern der Abschluß der russisch=türkischen Konvention über Ablösung der türkischen zriegsschuld zwischen Iswolski und Risaat Pascha erfogt. Die Konvention stellt ein Kompromiß zwischen dem russischen und türkischen Vorschlag dar. Kommnnales. Die Berliner Arbeitslosenzählung. Die städtische Deputation für Stalistik hat gestern über die Arbeitslosenzählung in Berlin veryandelt. Für das klägliche Fiasko der letzten amtlichen Zählung nach dem Meldesystem wurde von der Mehrheit der Teputation die von unseren Genossen vorgenommene Zählur. nach Hauslisten, die einige Tage früher stattfand, verantwortlich gemacht. Genosse Stadtverordneter Wurm bestritt sehr entschieden, daß die Absicht obgewaltet habe, die amtliche Zählung zu stören die Wahrheit sei durch das Meldetystem eben nicht festzustellen. Er beantragte, die nächste vom Magistrat beschlossene Zählung nach dem von Partei und Gewerkschaften angewandten System vorzunehmen. Der Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt.— Beschlossen wurde dann mit derselben Mehrheit, Mitte Mai eine dritte und Mitte August eine vierte Arbeitslosenzählung nach dem Meldesysten in Groz=Berlin vorzunehmen. Schmiergeldererpressung zu Wahlzwecken. Eine Angelegenheit, die in den Kreisen der Berliner städtischen Verwaltung großes Aufsehen erregt hatte, beschäftigte heute die 10. Straframmer des Landgerichts I Berlin. Unter der Anklage des Betruges hatte sich der frühere freisinnige Stadtverordnete Stephan Fähndrich zu verantworten. Der Angek'agte war seit Anfang der 90er Jahre Mitglied der städtischen Grundeigentums=Deputation; zu seinen Obliegenheiten gehörte auch die Erledigung der Vorarbeiten bei der Verpachtung städtischer Grundstücke. Im Mai 1907 waren in Rummelsburg drei städtische Wassergrundstücke zu vermieten. ein Pächter hatte für eins der Grundstücke 1800, ein anderer 1500 Mk. geboten. Fähndrich ersuchte nun den, der das niedrige Gebot abgegeben hatte, 300 Mk. zu „irgend welchen wohltätigen Zwecken zu spenden. Er werde, falls das geschehe, versuchen, den höheren Bieter zur Zurücknahme seines Angebots zu bewegen. Die 300 Mk. wurden gegeben und der Angeklagte überwies sie dem freisinnigen Wahlfonds. Im übrigen aber hielt er sein Wort Das Gebot von 1800 Mk. wurde zurückgezogen und der andere bekam den Zuschlag.— Durch Zufall kam die Sache zur Anzeige. Das Gericht verurteilte heute den Fähndrich zu 150 Mk, Geldstrafe eventuell 10 Tagen Gefängnis. In der Urteilsbegründung wird gesagt, daß weder Betrug noch Amtsunterschlagung vorliege. der Angeklagte habe sich aber des Vergehens im Amte im Sinne des § 331 des Strafgesetzbuchs schuldig gemacht, da er als Beamter ein Geschenk erfordert und angenommen habe. Seine Motive mögen nicht unedel gewesen und auf politischen Fanatismus zu. sückeuführen sein. Jedenfalls aber enthalte die Handlungsweise des Angeklagten einen Vertrauensbruch! der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 11. März. Sozialer Roman von Dewitt" betitelt sich eine Ernte, Erzählung, mit deren Abdruck wir heute beginnen. Unter dem Namen Tewitt verbirgt sich ein Mann, der lange Jahre in Diensten des Auswärtigen Amtes stund und der numentlich die sozialen und politischen Verhältnisse Noroamerikas aus eigener Anschauung kennt. Der Verfasser macht uns mit dem Sohne eines reichen Grundstückssperulanten belannt, der, angewisert von der schmutzigen Jagd nach dem Dollar, sich mit den sozialen Problemen seiner Zeit beschaftigt. Ganz besonders interessier: iyn die Not der arbeitenden Klassen, und seinem beobachtenden Verstande entgeht nicht, daß die Ausplünderung des Volkes durch die vereinte Kapitalmacht eine vollständige ist. Es reizt ion, die Not des Volkes am eigenen Leibe kennen zu kernen. Er geht auf die Wanderschaft und arbeitet auf amerikanischen Jarmen schwer um sein tägliches Brot. Auf der Narzis=Farm ist er Buchhalter geworden, er sieht, wie die Getreidespekulanten an der Börse nicht nur die Koniumenten, sondern auch die Produzenten um die Frucht ihrer Aroeit prellen und beschließt, eine der bösartigsten Weizenspekulantengruppen zur Strecke zu brinEntscheidung auf dem Wien, 11. März. Die serbische Note lautet: Den freundschaftlichen Ratschlägen der russischen Regierung entsprechend, beehrt sich die serbische Regierung folgende Erklärung zu übermitteln, mit der Bitte, sie der Regierung, bei der Sie akkreditiert sind, bekannt zu geben: Von der Ansicht ausgehend, daß die Haltung Serbiens gegenüber Oesterreich=Ungarn auch nach der Proklamation eine normale geblieben ist, hat Serbien weder die Absicht, einen Krieg mit der benachbarten Monarchie zu provozieren, noch möchte es seine herzlichen Beziehungen zu derselben ändern, indem es fortfährt, auf Grund der Gegenseitigkeit seine Pflichten zu erfüllen und mit ihr wie in der Vergangenheit Beziehungen zu unterhalten, welche den gegenseitigen materiellen Interessen entsprechen. Im Geiste des Standpunkts, welchem sen. Sein Vorhaben gelingt mit Aufwendung großer Mittel, je er zur Durchführung seiner Idee opfert. Es ist nun ungemein interessant, dem Verfasser in die Börsengeschäfte zu folgen und das Treiben der Kapitalisten am Getreivemarkt im Kampfe um die Dollars zu beobachten. Die Erzählung ist flott geschrieben und bringt dem Lezer neben der Unterhaltung auch noch Belehrungen über volkswirtschaftliche Probleme. Der Held der Erzählung, den der Verfasser überschwenglich einen„Sozialisten“ nennt, heiratet schließlich die Tochter eines Narzis=Farmbesitzers, den er vom Untergang gerettet. d.— Gewerbegericht(Land). Vergleichsverhandlung vom 9. März. Der Arbeiter L. klagt gegen die Chemische Fabri. J. H. Busch in Brackwede auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 10,69 Mk. Der Kläger wurde, nachdem ihm das Arbeitsverhältnis gekündigt war, bei andere Arbeit gestellt, wo er statt des bisherigen Lohnes von 4 Mk. nur etwa 3 Mk. pro Tag verdiente. Die Beklagte behauptet, es sei vereinbart, daß jedem Arbeiter zu jeder Zeit auch andere Arbeit übertragen werden könne, die weniger Lohn einbrächte. Der Kläger bestreitet das, worauf die Firma zugibt, daß dies nicht in der Arbeitsordnung stehe, sondern nebenher vereinbart sei. Die Parteien schließen einen Vergleich, wonach der Kläger 5,35 Mk. erhalten soll. Die Beklagte kann innerhalb dreier Tage den Vergleich widerrufen.— Der Arbeiter W. klagt gegen dieselbe Firma den Betrag von 8.91 Mk. ein. Auch hier liegt die Sache genau so, wie in der vorstehenden Verhandlung. Kläger will von der von der Beklagten behaupteten Vereinbarung nichts wissen und lehnt einen Vergleich ab. Es wird deshalb Beweis erhoben werden. d.— Kaufmannsgericht. Spruchsitzung vom 9. März. Der Handlungsagent Seidler in Kiel klagt gegen die Firma Anler=Werke, vorm. Hengstenberg u. Co., auf Zahlung des bisher erhaltenen Wochenfixums von 100 Mk. zahlbar bis zum 30. Juni 1909. Der Kläger behauptet, er sei Reisender der Beklagten für die Provinz Schleswig=Holstein und nicht Handlungsagent gewesen. Die Beklagte bestreitet, daß Kläger Reisender gewesen sei der abgeschlossene Vertrag besage ausGehalt nicht zahlen will. Sie beruft sich dabei auf eine mit Perional getroffene diesbezugliche Abmachung. Der Kläzer be. streitet diese Abmachung nicht, hält dieselbe jedoch nach§ 63 de# Handelsgesetzbuches für nichtig. Das Gericht weist d.# Klagab, da es eine derartige Vereinbarung für zulässig hält. Wir haben unsern Standpunkt in dieser Frage vor einigen Mona### klipp und klar dargelegt, als das Bielefelder Kaufmannsger#ch in einem auch die Firmo-Haupimann betreffenden Falle zum ersten Male im jetzigen Sinne entschied. Die Verkäuferm W. klagt gegen dieselbe Firma auf Zahlung ihres Gehalts für die Monate Januar und Februar im Betrage von zusammen 170 Mk. Die Klägerin hat am 26. Januar d. J. das Dienst, verhältnis gelöst, weil sie nach ihrer Angabe vom Inhaber der beklagten Firma mit Schlägen bedroht sel. Die Beklagte aus dies zugeben, will aber durch das Benehmen der Klögerin dau gereizt sein. Da die Klägeria inzwischen Stellung erpalten hat. ermäßigt sie ihre Forderung auf 142.80 Mk. Die Beklagte erberei“ im Ver! „ee. Pewesen sti, des a.geschlossen= Veritag 97jag: Kusdrucklich, Kläger eei Handlungsagent, der jeden Tag seine Stellung aufgeben könne. Kläger wendet ein, daß der schriftliche Vertrag nicht den mündlichen Abmachungen entspräche. Dem widerspricht die Beklagte durch Vorlegung der vom Kläger geschriebenen Briefe, in denen dieser sich selbst als General=Vertreter bezeichnet. Das Gericht kommt nach längerer Beratung zur Abweisung der Klage, weil es annimmt, daß Kläger Handlungsagent ist, und die Klage somit nicht zur Zuständigkeit des Kaufmannsgerichts gehört.— Der Handlungsgehilfe K. gegen die Firma W. Hauptmann auf Zahlung des rückständigen Gehalts in Höhe von 69.50 Mk. Kläger ist während eines klärt sich beren, im Vergleichswege 143 Mk. zu zahlen.— Der Geschäftsführer S klagt gegen die Inhober des Passage=Theaterz auf Zahlung des rückständigen Gehalts und Entschädigung für plötzliche Entlassung in Höhe von insgesamt 240 Mk. Die Beklagte erkennt diese Forderung an, sie kann jedoch nicht zahlen. da auch das Theater vor einigen Tagen geschlossen ist. Da dem Kläger daran lag. einen vollstreckbaren Titel zu bekon men, wurde auf Zahlung der geforderten Summe ein Vergleich geschlossen. — Polizeibericht. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Körperverletzung, 1 Person wegen strafbarer Obdachlosig. keit, 1 Person wegen Bettelns und 1 Person wegen Trunkenheu und Verübung groben Unfugs. Fahrraddiebstahl. Dem Eisenwarenhändler Friz Fahrrad, Marke„Westfalen", Fabrik=Nr. 138 727, entwend Diebstahl. Der Witwe Honsel hier, Viktoriastraße 59, wurden vorgestern, abends, 6 bis 7 Paar Tamenstrümpfe im Werte von zirka 15 Mark entwendet. Vor Ankauf der gestohlenen Sachen wird gewarnt. Verloren. 1 kleines, gelbrotes Damenportemonnaie mi 2,15 Mark Inhalt; 1 Damenportemonnaie, Inhalt 1 Verlobungsring, gez. I. A. S. Sch. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Das heutige außerordentliche Gastspiel der Schauspielerin Auguste Prasch= Grevenberg in Alexandre Bissone Schauspiel„Die fremde Frau“ wird für unser Stadttheater ein künstlerisches Ereigais bedeuten.— Am Sonnabend gelangt in einmaliger Aufführung, als klassische Vorstellung zu kleinen Preisen, Shakespeares„Der Kaufmann von Veneoig“ zur Aufführung. Wochen=Spielplan. Sonntag, 14. März: Anfang 7 Uhr, Ende gegen 10 Uhr. Erhöhte Preise. Zweites und unwiderruflich letztes außerordentliches Gastipiel der Herzogl.=Meiningischen Hofschauspielerin Auguste Prasch=Grevenberg. Novität! Zum zweiten Male.„Die fremde Frau“(La femme X... Schauspiel in 4 Aktea von Alexandre Bisson. Jacqueline... Auguste Prasch-Grevenberg als Gast. 15. März: Anfang 8 Uhr Ende nach 10½ U Beze. Montag,10. fia g.„lung 8 Uhr, Ende nach 19 72 Uhr. siz fur die erste sentimentale Liebhaberin Anna Ueberhorst. „Zapfenstreich. Schauspiel in 4 Aufzügen von Franz Adan Beyerlein. Dienstag, 16. März: Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 10½ Uhr „Die fremde Frau"(La femme X...] Schauspiel in vier Alten von Alexandre Bisson. Jacqueline..... Mell Stollberg. Mittwoch, 17. März: Anfang 7½ Uhr, Ende 10 Uhr. Erhöhte Preise. Außerordentliches Gastspiel des Königl. Hofschauspielers August Junkermann.„Möller Voß" oder„Die Franzosen in Deutschland“(Ut de Franzosentid). Zeitbild aus den deutschen Freiheitskriegen in 3 Akten nach der Erzählung„Ut de Franzosentid“ von Fritz Reuter. Donnerstag, 18 März: Anfang 7½ Uhr. Ende gegen 10½ Uhr Von der Académie francaise preisgekröntes Werk!„Die rote Robe“[La robe rouges. Schauspiel in 4 Akten von Eugéne Prieux. Deutsch von Anne St. Cère. Sonnabend, 19. März: Anfang 7½ Uhr, Ende nach 10 Uhr Außer Abonnement. Erhöhte Preise. Außerordentliches Gastspiel des Königl. Hofschauspielers August Junkermann. „Dörchläuchting. Charakterbild in 3 Akten frei nach Reuter. Adolph Friedrich IV., Herzog von Mecklenburg, Strelitz... August Junkermann. Versammlungen. Vielefeld. Metallarbeiterverband. Sonnabend, den 13. März, abends 5½ Uhr, im Restaurant„Stadt Bielefeld": Sitzung der Vertrauensleute. — Verband der Schneider und Wäschearbeiter. Freitag, 12. März, nach Geschäftsschluß, in der„Central= halle": Versammlung der Wäschearbeiterinnen. Bünde. Freitag, abends 7 Uhr, bei H. Nübel: Belehrungsabend. Niederberen. Soz Verein. Sonnabend, 13. März, abends 9 Uhr, bei Küster: Diskutierabend. Lippstadt. Gewerkschafts=Versammlung. Sonntag. 14. März, abends 8 Uhr: Vortrag über„Die heutige Wirtschaftslage und die Gewerkschaften. 10. März,, Der Radfahrervegel * Sudbrack, 10. März, Der Radfahrerne „Transvaal" feiert sein diesjahriges Stiftungsfest am Mcontag, den 31. Mai(2. Pfingsttag), wovon wir den Brudervereinen hiermit Kenntnis geben. * Brackwede, 10. März. Rezitations= und Liederabend. Am Sonntag, 14. d. M., nachmittags 3½ Uhr, veranstaltet die Gewerkschaftskommission im Lokal#e des Herrn Karl Schröder einen Rezitations- und Liederabend. Vortragende ist Frau Margarete Walkotte=Berlin. Nach dem Vortrag Ball. * Brackwede, 11. März. Am 7. d. M. fand bei unserem Ehrenmitglied A. Kramme die diesjährige erste Generilversammlung des Ziegenzuchtvereins statt. Die von den Kreisdeputierten angenommene Körordnung wurde mit Freuden begrüßt. nen den Zeitungen für den alten Preis in den Verein werden. Die vom Vorstand beabsichtigte Bezirksausstellung für Ziegen und Lämmer wurde einstimmig beschlossen, dadurch sonl in unserem Orte die Ziegenzucht gehoben werden. Zwecks wertung der Lämmerfelle sollen die Vereine wieder vereint im Verbande verkaufen. Der Erlös der Felle soll den Mitgliedern ausgezahlt werden. Zu Verbandsdelegierte wurden die Herren Sauve und Rosenfeld einstimmig gewählt. * Gütersloh, 9. März. Am 1. März d. J. konstituierte sich hier ein Gewerkschaftskartell. Das Kartell führt den Namen„Kartell der freien Gewerkschaften Gütersloh und Umsegend". Dem Kartell sind 6 Ortsgruppen und zwar die der Zentralverbände der Brauer, Holzarbeiter, Maurer, Metallarbeiter, Textilarbeiter und Zimmerer angeschlossen. Außer den Sitzungen nach Bedarf findet jeden dritten Sonnabend im Monat eine Versammlung im Lokale des Herrn Joh. Klau, Berlinerstraße, statt.— Endlich ein Fortschritt in Nazareth. * Detmold, 10. März. Lippischer Landtag. Ueber die gestrige Sitzung ist noch nachzutragen, daß bei der Erörterung der Wertzuwachssteuerfrage von dem Abg. Hof!“ vr „„ halben Monats trank gewesen, fur welche Zeit die Beklagte das: „, Werigkwachssirner, eag, von vem W.. mann auf die kolossale Steigerung der Ausgaben hingewiesen wurde, die die Stadt Salzuflen für die Entwicklung des semacht hat. Im ganzen seien das 450000 Mk. gewesen. Die rbeiter haben davon den größten Tei zu tragen gebadt. der Sitzung wurde auch die Ausgabe für die Volksschule bewilligt, und zwar im Betrage von 570,000 Mark. Auf Aufras“ teilte der Vertreter der Regierung mit, daß die Regierung destrebt sein werde, die ältesten Seminaristen frei wohnen lassen, sie also aus dem Internat zu nehmen, in dem die Gem“ naristen sonst noch sind. Ein Lehrermangel bestehe nicht mege4g es werde sogar in kurzer kräften gerechnet werden kö Geminars seien so viele Geminars Lehrer kaum je wieder eint den, daß die ganze Herr ick der lippische Staat ernstlic Volksschule ginge. Der fr bescitigt, daß man an der n Er einen Lehrer festgeyal zirklichkeit noch bei vi# Jedenfalls aver muß es au piele junge Leufe zum Eini sei der bese I.# ert bescheidenen Stellu lich das Gegentei zu erwa auch das Errgebnis der Sprache, und gleich der erst daß die Ergebnisse des let wichen gegen die früheren. Veränderung der Grundla der Medizinalreferent der keine bestimmte Auskunft! eigenartige Stellung nahm Mit Recht bemerkte er, daß Art keinen oder doch nur vertrat er die Ansicht, das suchungen für ein Joh des vor tegend suchungen für, ein Jahr ein des dol ngenden Material trat dieser Anregung mit eines weiteren Ausbaues schiedenartigkeit der jährlic zunächst unterrichtet werde des Landtags gar keine N diese hochwichtige Sache wi Mitglied der liberalen Fr. daß jetzt erst mal ausgesetz bedauerliche Verstärkung d hierbei haben Der Regier recht gelegen kommen. Ist es schwer sein. wieder„einz darauf berufen, daß die frü Urteil über den tatsächl Volksschulen ermöglicht hä noch mehr angeführt werd wünscht, kann gemacht werd gesetzt werden, darüber sol sein. Beschlossen wurde, noch einmal zu besprechen die Frage. ob die landwir steuerfrei gelassen werden tiven bejahten mit dem 5 gleichartige Gebilde wären schied zwischen Konsumver klär. Nach dem Wortlant nicht befreit zu sein. Die heutige Sitzung bei dem Titel„Staatsmin Fragen und Beschwerden hervor. Zu der Frage de Minister heute selbst Stell lage in der Regierung noch dieser Tagung des Landta pische Staat solle neben d haben. Von seiten des Al die Auslassungen des Mi tragten Verlegung des M zurückgegriffen und in ane sagt, was zu den ganz un zu sagen war. Die Antwoi laut und ließ erwarten, da nicht wieder den Wunsch d schlägt. Abg. Schmuckw Verwaltung hin, nachdem geordneter, für die eben ge gen Handwerker einen Sta hatte Er forderte die R Dingen befaßte, erst male Verhältnissen der auf Gese des und anderen. Ein sol über die ungünstige Lage d alle mit mehr oder wen Zum Schluß machte Sch aufmerksam, der sich in Hi amter versucht, einem Arb aus persönlicher Feindschaf aber der Arbeiter ist schlie men. Weiter ersuchte Sch daß endlich mit den sonde es handelt sich um Hol Dieser Herr kümmert sich die Bewohner vertritt, gar z. B. auf den Nachmittag naturlich nicht vaßt, weil sonst b klagen sich die Mit sichtsloses Verhalten des Freitag, den 1. S. RLURAS des stad m Leitung: Städt. Musi I. Mendelssohn: Ouve 2.„ Scher nat 3. Schumann: Ouve 4. Beethoven: Symt Vorverkauf in der Soeben ist erschienen und Bielefeld, Berichte Pr is 1 Mark. Von Kile Das neue P Die Heim der Die Gestilten der wieder jebe dig. prächtigen, starten eine dem Cyarakt umgebung belb 4g es werde sogar in kurzer Zeit mit einem Ueberschuß, an kräften gerechnet werden können, und in den Anfangsklassen Geminars seien so viele Semingristen, daß ein Mangel ##a# Lehrassen des Geminars seien so viele Semingristen, daß ein Mangel an Lehrer kaum je wieder eintreten könne. Dazu muß gesagt werden, daß die ganze Herr ichkeit mit dem Tage vorbei wäre, wo der lippische Staat ernstlich an eine ordentliche Reform seiner Volksschule ginge. Der frühere Lehrermangel ist nur dadurch beseitigt, daß man an der niedlichen Höchstzahl von 120 Schülern Ei. fsczfaehr lestgegalten har an einer Höchlitzah, die in Birklichkeit noch bei vielen Schulstellen überschritten wird. Jedenfalls aber muß es auffallen, daß sich verhältnismäßig noch viele junge Leufe zum Eintritt in das Seminar gemeldet haben: Bei der bescheidenen Stellung der lippischen Lehrer wäre eigentlich das Gegenteil zu erwarten gewesen. In der Debatte kam auch das Ergebnis der schu ärztlichen Untersuchungen zur Sprache, und gleich der erste Redner machte darauf aufmerksam, daß die Ergebnisse des letzten Jahres doch ganz erheblich abwichen gegen die früheren. Es sei zu befürchten, daß da eine Veränderung der Grundlagen eingetreten wäre. Leider fehlte pr Medizinalreferent der Regierung in dieser Sitzung, so daß kein: bestimmte, Auskungt darüber gegeben werden konnte. Eine eigenartige Stellung nahm dabei der liberale Abg Bruns ein. Mit Recht bemerkte er, daß die Feststellungen in der vorliegenden Art keinen oder doch nur geringen Wert hätten. Weiter aber vertrat er die Ansicht, daß es besser sei, jetzt mit den Untersuchungen für ein Jahr einzuhalten, damit erst eine Verwertung des vor iegenden Materials erfolgen könne. Abg. Schmuck strat dieser Anregung mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit eines weiteren Ausbaues der Sache entgegen. Ueber die Verschiedenartigkeit der jährlichen Feststellungen müsse der Landtag zunächst unterrichtet werden. Es scheint auf der rechten Seite des Landtag.s gar keine Neigung zu bestehen, die Ausgaben für diese hochwichtige Sache weiter zu bewilligen, und wenn da ein Mitglied der liberalen Frat ion mit dem Wunsche hervortritt, daß jetzt erst mal ausgesetzt werden möchte so bedeutet das eine bedauerliche Verstärkung des Einflusses. den die Konservativen hierbei haben. Der Regierung mag ein solcher Wunsch ebenfalls recht gelegen kommen. Ist erst einma„ausgesetzt“, dann wird es schwer sein, wieder„einzusetzen“. Man wird sich dann einfach darauf berufen, daß die früheren Erfahrungen kein zuverlässiges Urteil über den tatsächlichen gesundheitlichen Stand in den Volksschulen ermöglicht hätten, und was an solchen Ausreden noch mehr angeführt werden kann. Wos der Abg. Bruns wünscht, kann gemacht werden, ohne daß die Untersuchungen ausgesetzt werden, darüber sollte sich dieser Herr als Lehrer klar sein. Beschlossen wurde, die Angelegenheit in der Kommission noch einmal zu besprechen. Bei der folgenden Aussprache über die Frage ob die landwirtschaftlichen Genossenschaftsmolkereien steuerfrei. gelassen werden dürften oder nicht, was die Konservativen bejahten mit dem Hinweis auf die Konsumvereine, die gleichartige Gebilde wären. machte Abg Schmuck den Unterschied zwischen Konsumvereinen und Genossenschaftsmolkereien klär. Nach dem Wortlaut des Gesetzes scheinen die Molkereien nicht befreit zu sein. Die heutige Sitzung brachte nur Anfragen und Antworten bei dem Titel„Staatsministerium“. Aus der großen Zahl von Fragen und Beschwerden heben wir hier einige bedeutsamere hervor. Zu der Frage der Wertzuwachsbesteuerung nahm der Minister heute selbst Stellung, indem er erklärte, daß die Vorlage in der Regierung noch nicht erledigt sei, daß sie aber nach dieser Tagung des Landtags bearbeitet werden solle. Der lippische Staat solle neben den Gemeinden an dem Ertrage teilhaben. Von seiten des Abg. Neumann=Hofer wurde auf die Auslassungen des Ministers zu der vom Landtage beantragten Verlegung des Wahltermins für die Landtagswahlen zurückgegriffen und in anerkennenswert scharfer Weise das gesagt, was zu den ganz unberechtigten Ausfällen des Ministers zu sagen war. Die Antwort des Herrn v. Gevekot war=kleinlaut und ließ erwarten, daß die Regierung beim nächsten Male nicht wieder den Wunsch des Landtags und Volks in den Wind schlägt. Abg. Schmuck wies auf verschiedene Mißstände in der Verwaltung hin, nachdem er den Versuch einiger liberaler Abgeordneter, für die eben gegründete Krankenfasse der selbständigen Handwerker einen Staatszuschuß zu erha ten, zurückgewiesen hatte Er forderte die Regierung auf, ehe sie sich mit selchen Dingen befaßte, erst mal einen Vergleich zu machen zwischen den Verhältnissen der auf Gesetz berubenden Krankenlassen des Landes und anderen. Ein solcher Vergleich werde Aufschluß geben über die ungünstige Lage der pflichtmäßigen Kassen, die jetzt, fast alle mit mehr oder weniger großen Fehlbetrögen abschlössen. Zum Schluß machte Schmuck auf einen slandalösen Vorfall aufmerksam, der sich in Horn abgespielt hat. Dort hat ein Beamter versucht, einem Arbeiter die Rente abzujagen, und zwar aus persönlicher Feindschaft. Der Versuch hatte ansangs Erfolg, aber der Arbeiter ist schließlich wieder zu seinem Rechte gekommen. Weiter ersuchte Schmuck den Minister, dafür zu sorgen, daß endlich mit den sonderbaren Allüren eines Ortsgewaltigen ses hendelt sich um Holzhausen] ein Ende gemacht wird. Dieser Herr kümmert sich um die Wünsche des Ausschusses, der die Bewohner vertritt, gar nicht. Er setzt einfach die Sitzungen z. B. auf den Nachmittag an, wo es den Ausschußmitgliedern natürlich nicht paßt, weil sie am Tage zu arbeiten haben. Auch sonst b klagen sich die Mitglieder des Ausschusses über ein rücksichtsloses Verhalten des betreffenden Herrn. Es wäre denn e ne uee Freitag, den 12. März, abends 8 Uhr: C. Abchnsmonts-Kontert des städtischen Orchesters im Stadttheater. doch zu wünschen, daß da die Regierung endlich mal aufräumt. Der Dorfausschuß hat auch schon eine Eingabe an den Landtag gerichtet, in der die Beschwerdepunkte angegeben sind. * Hamm, 10. März, In Sachen Radbod. Die Versuche der Zechenverwaltung, die gravierenden Angaben des Radbod=Delegierten auf dem Bergarbeiterkongreß zu bestreiten, haben einen Bergmann, der mit zur ersten Rettungskolonne gehörte, veranlaßt, in einem Briefe an die„Bergarbeiterzeitung“ die bestrittenen Angaben als zutreffend zu bestätigen. So wird z. B. die Behauptung der Verwaltung, sie habe für eine besonders zuverlässige Wetterkontrolle Sorge getragen, in dem Briefe durch folgende Sätze illustriert:„Wie zuverlässig Beamte aber waren, zeigt sich, daß solche, wenn sie die Oerter befuhren. einfach auf der Tafel nur das Datum umschrieben, den Vermerk „rein“ aber stehen ließen. Nach Wettern war aber nicht kontrolliert worden. Ich hatte Wetter vor Ort stehen; Wetterkontrolleure habe ich nicht gekannt.“— Und an anderer Stelle des Schreibens heißt es:„Dann will die Zechenverwaltung den Beweis führen, daß der Schacht am Unglückstage um ½7 Uhr früh wieder fahrbar gewesen sei. Auch hier hat Thomas recht, wenn er sagte, daß der Schacht infolge des fehlenden Materials erst um ½9 Uhr fahrbar wurde. Ich selbst bin um diese Zeit mit den ersten Rettungsmannschaften eingefahren. Des weiteren bestätigt der Schreiber des Briefes, daß es am 11. November tatsächlich vor Ort 22 gebrannt hat, wofür er noch mehrere Zeugen benennen könne. * Hamm, 10. März. Leichenbergung auf Radbod. In der Zeche Radbod sind heute mittag die ersten Leichen der verunglückten Bergleute geborgen worden. Die Befahrung der zweiten Sohle, auf der eine Anzahl Leichen liegen, wurde im Beisein des Untersuchungsrichters und des Staatsanwal's vorgenommen. Die Leichen sind, wie der Kreisarzt feststellte, mumifiziert und völlig geruchlos. Eine Erkennung ist vollständig ausgeschlossen, wenn nicht aus besonderen Merkmalen eine Feststellung der Persönlichkeit ermöglicht wird. Die Bergung der Leichen wird morgen(Donnerstag) fortgesetzt. Gerichtliches. Freigesprochen. Hildesheim 10. März. Vor dem Schwurgericht hatte sich die 20jährige Dienstmagd Helene Borsum unter der Anklage zu verantworten, im August ihr uneheliches Kind vorsätzlich getötet zu haben, indem sie es noch lebend in einen Abort geworfen habe. Es erfolgte jedoch Freispruch, da der Verdacht besteht, daß die Angeklagte sich fälschlich selbst beschuldigt hat, während eine andere Person die Tat ausgeführt hat. Blutschande. Frankfurt a. M., 10. März Die Strafkammer verurteilte heute den Gärtner und Händler Joseph Speth, der sich an seiner eigenen 15jährigen Tochter vergangen hat, wegen Blutschande zu 1½ Jahren Zuchthaus. Literarisches. Von Julius Berstl, dem Sohne unseres Stadttheater=Direktors, erschien soehen eine neue literarische Arbeit, der Loman „Schwarz=Rot=Gold“.(Verlag Reißner, Dresden. Geh. 3 Mk., Geb. 4 Mt.), der in fesselnden Bildern die deutsche Revolution von 1848 behandelt und der dramatischen Schilderung der Berliner Barrikadenkämpfe das idyllische, behäbige Leben in einer thüringischen Kleinstadt an die Seite setzt. Namentlich die humorvolle Kleinmalerei, die uns ergötzliche Szenen aus der Welt der„Biedermeier“ vor Augen führt, wird dem Buch manchen Freund gewinnen.— Zu gleicher Zeit kommt ein zweites„Werk auf den Bückermarkt, dessen Herausgeber ebenfalls Julius Bersil ist. Es handelt sich hierhei um die humoristische Anthologle„Lachende Lieder seit auno 1800“, die in R. Voigtländers Verlag in Leivzig a's ein Seitenstück zu der rühmlichst bekannten, bereits in 9000 Exemplaren vervreiteten Anthologie„Vom goldenen Ueberfluß“ erscheint. Der überaus billige Preis von 1,80 Mark für das künstlerisch ausgestattete, in Ganzleinen gebundene Buch, ermöglicht es jedem, sich diese humoristische Gedichtauswahl, die lustige Verse von 82 Lyrikern des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart umschließt, anzuschaffen.(Siehe Inserat in heutiger Nummer.) Nummer 6 des Süddentschen Postillon(Märznummer) ist soeben erschienen und schmücken vier Vollbilder diese Nummer. Die Hinrichtung der jeweilig Konfessionellen durch ihre Glaub nsgenossen: Olympische Spiele im Irunewald: Im AtelierMorgenbesuch: Der Herr Verleger am Abend; außerdem eine aus ändische Satire: Zur Buchdrucker=Aussperrung in Holland. Tertlich heben wir hervor: Eisgang(Leitgedicht), Märzblüten, 350 Milliarden, das Portemonnaie der Besitzenden, JunkerTaktik Was in der Welt vorg ht, Nieder mit der Nachlaßsteuer, Die schöne Helena, Reform des preußischen Wahlrechts in Sicht, (Agrarische Glossen. Ostelbien. Die Nummer kostet 10 Pfg. und ist in jeder Parteibuchhandlung, dessen Kolporteuren, sowie vom Verlage M. Ernst, München, zu beziehen. Ein Liebesdrama. Hannover, 10 März. Heute mittag wurde im Walde bei Alt=Warmbsschen die Leiche eines unbekannten Paares aufgefunden und zwar eines ungefähr 20jährigen Mädchen mittleren Standes und eines etwa 24jährigen Mannes, in dessen Kleidung man goldne Uhr und Rrette und eine kleine Barsumme fand. Das Mädchen führte österreichisches Geld bei sich. Die Namen konnten noch nicht festgestellt werden. Selbstmord durch Gasvergiftung. Berlin, 10. März. Der 28 Jahre alte Kutscher Willi Kleinadel, der in Plötzensee noch drei Jahre zu verbüßen hatte, fand gestern Geleoenheit, an einen Gashahn heranzukommen und atmete so viel Gas ein, daß er besinnungslos zusammenbrach. Trotz ärztlicher Hilfe, die ihm in der Charité zuteil wurde, erlag er der Vergiftung. Dr. Egbert Müller tot. Berlin, 10. März. Eine stadtbekannte Berliner Persönlichkeit. Dr. Egbert Müller, der jogen. „Geistermüller“, ist gestern in seiner Wohnung in der Scharnhorststraße im 79. Lebensjahre gestorben. Pilzvergiftungen. Berlin, 10. März. Die leichten Vergiftungserscheinungen im Virchow=Krankenhause sind zwar noch nicht vollständig aufgeklärt, doch sprechen die bisherigen Feststellungen dafür, daß sie auf den Genuß von Morcheln zurückEin Arzt verhaftet. Karlsruhe, 10. März. Großes Aufsehen erregt die Verhaftung des hiesigen praktischen Arztes Dr. Broda. Der Verhaftete hat sich an Patientinnen, die sich in seiner Behandlung befanden, im Zustande der Narkose verErpressungen gegen Luftschiffer. Der Ballon„Zähringen“ des Mannheimer Vereins für Luftschiffahrt, der am Sonntag vormittag mit drei Insassen von Mannheim einen Aufstieg unternommen hatte. wurde in der Nähe von Homburg von einigen Bauernburschen in brutaler Weise festgehalten. Die Burschen packten den Ballon am Schleppseil und richteten an die Insassen die drohende Aufforderung, sich mit einem Geldbetrage loszukaufen, sonst würde man sie zur Erde niederholen und ihnen die Knochen im Leibe zerschlagen. Die Insassen versuchten zunächst vergeblich, mit guten Worten von den Bauernburschen fortzukommen, als aber die Bedrohung immer heftiger wurde, blieb ihnen nichts anderes übrig, als das Schleppseil abzuhängen. Der Ballon schnellte infolge, dieser vlötzlichen Entlastung mit rasender Geschwindigkeit 2200 Meter in die Höhe, und die Fahrtteilnehmer schwebten eine Zeitlang in ernster Lebensgefahr. Gegen 4 Uhr nachmittags gelang es ihnen aber, in der Nähe von Friedberg in Hessen glatt zu landen. Gegen die Erpresser ist bereits ein gerichtliches Verfahren eingeleitet vorden. m„.s 10 Mäx. Seit amzt Schneestürme. Butarest, 10. Marz.„Seit zwei Tagen wüten furchtbare Schneestürme in ganz Rumänien, der Verkehr ist verschiedentsich völlig unterbrochen, das Geschäftsleben stocht, zahlreiche Unfälle sind zu verzeichnen. In der Moldau sind große Ueberschwemmungen eingetreten, zahlreiche Eisenbahnlinien sind unterbrochen, die Stadt Berlad steht unter Wasser. Feuersbrunst. Paris. 10. März. Als gestern abend einige Feuerwerksarbeiter des Arsenals von Lorient in den Werkstätten der Insel Saint Michel bei Lorient Granaten verluden, erplodierte ein Geschoß und zerstörte alle umliegenden Lagerschuppen. Wie durch ein Wunder wurde kein Arbeiter schwer verletzt, nur ein paar leichtere Verletzungen waren zu verGerettet. Bordeaux, 10. März. Die Mannschaft des bei Brest gesunkenen Dampfers„Mouro“ ist von einem englischen Dampfer gerettet und nach Vordeaur gebracht worden. Erdbeben. Lissabon, 10. März. Mehrere leichte Erdstöße sind gestern in der Provinz Mincho verspürt worden. Von der Luftschiffahrt. Zürich, 11. März. Die„Züricher Nachrichten“ melden: Im Einvernehmen mit dem Grafen Zeppelin und unter Teilnahme der namhaften Aeronauten Eurovas wird der frühere Hausgeber der„Illinois Staatsztg.“, Brucker, ein geborener Hesterreicher, von Cadix aus am 25 Juli eine Fahrt mit dem kharen Ballon nach Spanisch=Westindien antreten. Er wird Route fo'gen, die Columbus bei Entdeckung des neuen ErdIs eingeschlagen hat. Zevvelin hat dies kühne Projekt für rchführbar erklärt. Die Reise beansprucht eine Woche. Oesterreicher, von Cadir aus am 25 Juli eine Fahrt mit dem lenkkaren Ballon nach, Spanisch=Westindien antreten. Er wird der teilz durchführhar erklärt., Die Reize, heangrici ene n Friedrichshafen, 10. März. Die Uebungsfahrten mit dem Reichsluftschiff„Z. I“ wurden heute bei heiterem, aber ziemlich windig m Wetter fortge etzt. Das Luftschif fuhr zunächst mit mäßiger Geschwindigkeit gegen den aus Nordosten kommenden Wind nach der Stadt Friedrichshafen zu, überflog diese und kehrte in einem großen Bogen landeinwärts wieder auf den Weg zurück. Um 12 Uhr 10 Minuten wurde in der Bucht von Friedrichshafen ein Abstieg auf den See vorgenommen, wobei ein Passagierwechsel stattfand. Um 1 Uhr erfolgte die glatte Landung. Friedrichshaf= n, 11. März. Dem gestern bereits gemeldeten Aufstieg des Militärluftschiffes„Zeppelin I.“, der insbesondere der Einübung der Landungsmanöver auf dem Wasser galt, folgte gestern nachmittag eine zweite woh gelungene Fahrt von allerdings nur ¾ Stunden Dauer. Diesem Aufstieg, bei dem die Handbabung der Höhensteuer demonstriert wurde, wohnte auch Graf Zeppelin bei. Manöver und Landung gingen glatt von ftatten. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für “ den Interatenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Leitung: Städt. Musikdirektor Professor W. Lamping. I. Mendelssohn: Ouverture Meeresstille u. glückl. Fahrt. 2.„ Scherzo u. Notturno a. d.„Sommernachtsttraum. 3. Schumann: Ouverture Genoveva. 1366 4. Beethoven: Symphonie Nr. 3,„Eroica“. Vorverkauf in der Musikalien-Handlung H. Selle. s ct- ten. Soeben ist erschienen und in der Buchhandlung„Volkswacht“, Bieleield, Schulstraße 2“ zu haben: Auf Messinas Trümmeen Bericht eines Augenzeugen. Pr is 1 Mark. Von Paul Darhue. Porto 10 Pfg. 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Sie Die Begründung des dem bündeten Regierungen vorgele brauchsteuergesetzes gibt zu(S stimmigen Ablehnung der Ta politischer und wirtschaftlich Gründe sich auf die Erfahru vom Jahre 1879 und auf die g strie stutzten. Um bei dieser neue Tabaksteuervorlage freie! gründung den Nachweis zu er stimmigen Ablehnungsbeschluß gebend gewesenen Gründe bei naherer Prüfung hi Tabakzollerhöhung von 1879 brauchsrückgang von Tabakfal erhebliche, Arbeiterentlassung „erhebliche Minderbeschäftigu noch habe sich eine„starke“ A verhältnissen der Zigarrenind Süddeutschland, eingestellt. wissen Maße ergeben haben, be — nur scheinen sie ihr nicht Schlusse zu kommen,(S. 31): verden, daß den Bedenken, die bisher als untunlich erscheinen deutung tatsächlich nicht zukom Diese Schlußfolgeri sachen in schärfstem Wi für können wir durch die Tabakzollerhöhung von 1879 a erbringen. Als Handelskamn die Tabakindustrie eine große für in unsern Akten und I Material. Der Rückgang in unserer T erhöhung vom 16. Juli 1879 weisungen: Amtliche Zusammenstellung Minden in der Zigarrenin A. EinzelLid. Handelskammerbezirk 8 Nr. Minden. d Fab a) Kreis Minden. 1. Stadt Minden 2 Amt Hausberge... 3.„ Rehme=Oeynhaus. 4.„ Dützen. 5.„ Hartum 6„ Petershagen.. 7.„ Windheim... b) Kreis Lübbecke. 8. Stadt Lübbecke.... 9. Amt Gehlenbeck Pr. Oldendorf „ Hüllhorst.... „ Alswede „ Levern „ Rahden... c) Teil= Kreis erford. Stadt Bünde 16. Amt Bünde(auß. Stadt) 17.„ Rödinghausen.. 18.„ Gohfeld=Mennig= hüffen..... 19. Stadt und Amt Vlotho 15. Ste Gbekamtgahle. 8. Gesam „ im Jahr ag. Handelskammer:“ Jak der FaMinden briken 1. Kreis Minden 34 2. Kreis Lübbecke 39 3. Tell=Kreis Herford 90 Zusammen 163 voll besch Die Zahl der Fabrilen iste der Arbeiter um 1964= 28, Frozentsatz erhöht sich aber b beschaftigung auf volle gerech C. Dauer des Rückgangs Handelskammerbezirk Minden. 1. Kreis Minden 2. Kreis Lübbecke 3. Teil=Kreis Herford Gesamtzahl Handelskammerbezirk Minden. 1. Kreis Minden 2. Kreis Lübbecke 3. Teil=Kreis Herford Gesamtzah Vorstehende Nachweisur zollerhöhung von 1879 ein Lobatindustrie eingetreten Zehn Jahren langsam über ergänzt durch die Darlegu delskammer zu Bie 102—103 heißt: „Neben zahlreichen Ar tion der täglichen Arbeitsz Aktordarbeit ganz bede von herbeigeführt word machen sich diese Verhält geltend. Es ist nicht zu O G Nr. 59. Bielefeld, Donnerstag, 11. März 1909. 20. Jahrg. Die Einwirkungen der Tabakzollerhöhung von 1879 auf die westsaltschr Eabaninbustrir. Eine weitere Denkschrift zum Entwurf eines Tabakverbrauchsteuergesetzes hat die Handelskammer zu Minden an den Reichstag abgesandt. Sie lautet: Die Begründung des dem Hohen Reichstage von den Verbündeten Regierungen vorgelegten Entwurfes eines Tabakverbrauchsteuergesetzes gibt zu(S. 25). daß die Gründe der einstimmigen Ablehnung der Tabaksteuervorlage von 1905 sozialpolitischer und wirtschaftlicher Natur waren, und daß diese Gründe sich auf die Erfahrungen mit der Tabakzollerhöhung vom Jahre 1879 und auf die gegenwärtige Lage der Tabakindustrie stützten. Um bei dieser ihr unbequemen Sachlage für eine neue Tabaksteuervorlage freie Bahn zu schaffen, versucht die Begründung den Nachweis zu erbringen, daß diese für den einstimmigen Ablehnungsbeschluß des Hohen Reichstages maßgebend gewesenen Gründe nur Scheingründe seien, die bei näherer Prüfung hinfällig würden. Durch die Tabakzollerhöhung von 1879 sei weder ein besonderer Verbrauchsrückgang von Tabakfabrikaten eingetretea, noch hätten „erhebliche“, Arbeiterentlassungen stattgefunden, noch sei eine „erhebliche“ Minderbeschäftigung von Tabakarbeitern erfolgt, noch habe sich eine„starke“ Verschiebung in den Produktionsverhältnissen der Zigarrenindustrie, von Norddeutschland nach Süddeutschland, eingestellt. Daß diese Folgen sich in einem gewissen Maße ergeben haben, bestreitet also die Begründung nicht. — nur scheinen sie ihr nicht erheblich genug. um nicht zu dem Schlusse zu kommen,(S. 31): es muß„als erwiesen betrachtet verden, daß den Bedenken, die eine Erhöhung der Tabakabgaben bisher als untunlich erscheinen ließ, die ihnen beigemessene Bedeutung tatsächlich nicht zukommt“. Diese Schlußfolgerung steht mit den Tatsachen in schärfstem Widerspruch. Den Beweis hierfür können wir durch die Darlegung der Einwirkungen der Tabakzollerhöhung von 1879 auf die westfälische Tabakindustrie erbringen. Als Handelskammer. in deren Verwaltungsbezirk die Tabakindustrie eine große Verbreitung hat, haben wir hierfür in unsern Akten und Jahresberichten ein grundlegendes Material. Der Rückgang in unserer Tabakindustrie durch die Tabakzollerhöhung vom 16. Juli 1879 zeigt sich durch folgende Nachweisungen: Amtliche Zusammenstellung der im Handelskammerbezirk Minden in der Zigarrenindustrie beschäftigten Personen. A. Nr. Einzel=Nachweisung. Im Jahre 1878 im Jahre 1880 Lid. Handelskammerbezirk Zahl Zahl Zahl Zahl Minden. der der der der Fabriken Arbeiter Fabriken Arbeiter a) Kreis Minden. # dt gm: n... 45 3 6 2 1 1. Stadt Minden 2 Amt 3. 4 5. s deynhaus. Kausberge. Rehme=Oel Dützen Hartum Petershagen Windheim reis Lübbecke. 8. Stadt Lübbecke 9. Amt Gehlenbeck 10.„ Pr. Oldendorf 1.„ Hüllhorst.. 12.„ Alswede 13.„ Levern 14.„ Rahden.... c) Teil= Kreis Herford. 15. Stadt Bünde 16. Amt Bünde(auß. Stadt) 17.„ Rödinghausen.. 18.„ Gohfeld=Mennig= hüffen..... 19. Stadt und Amt Vlotho 5 2 10 8 9 7 2 1 2 19 25 6 29 11 950 83 261 90 200 113 15 10 4 3 2 1 453 98 158 105 179 70 15 189 434 306 228 64 45 199 694 728 210 902 1058 5 6 8 6 2 1 2 11 16 8 26 14 58 143 398 267 32 28 171 460 520 229 521 1005 9sd. Gesamtzahl: 163 6869 130 8. Gesamt=Nachweisung. Handelskammer= m Jahre 1878 im Jahre 1880 1905 bezirk Zahl Zahl Zahl Zahl P. gin„ der Fa= der Ar= der Fa= der ArNr. Minden briken beiter briken beiter 1. Kreis Minden 34 1712 25 1073 2. Kreis Lübbecke 39 1565 30 1097 3. Teil=Kreis Herford 90 3592 75 2735 Abnahme in der Zahl der Fa= Arbriken beiter 9 639 9 468 15 857 Zusammen 163 6869 voll beschäftigt. 130 4905 33 1964 nur beschränkt beschäftigt. Die Zahl der Fabriken ist also um 33= 20,25 Proz., die Zahl der Arbeiter um 1964= 28,59 Proz. zurückgegangen; letzterer Prozentsatz erhöht sich aber bedeutend, wenn die beschränkte Beschäftigung auf volle gerechnet wird. Dauer des Rückgangs in unserer Tabakindustrie. I. „Vorstehende Nachweisungen bekunden, daß durch die TabakLüerhöhung von 1879 ein sehr erheblicher Rückgang in unserer Labakindustrie eingetreten ist, der erst in einem Zeitraum von deyn Jahren langsam überwunden werden konnte. Sie werden erganzt durch die Darlegungen des Jahresberichts der HanLelskammer zu Bielefeld für das Jahr 1880, wo es S. 102—103 heißt: „Neben zahlreichen Arbeiterentlassungen sind durch Redukvon der täglichen Arbeitszeit, sowie der zur Ausgabe gelangenAkkordarbeit ganz bedeutende Einschränkungen der Fabrikavon herbeigeführt worden. Namentlich im Kreise Herford nachen sich diese Verhältnisse in recht beklagenswerter Weise deltend. Es ist nicht zu verkennen, daß die ZigarrenarbeiterBevölkerung hiesiger Gegend aus den Zeiten zunehmenden Wohlstandes nunmehr infolge der erhöhten Tabaksteuer und der wachsenden Furcht vor weiteren Steuererhöhungen oder Einführung des Tabakmonopols einer sich steigernden Notlage entgegengeht. Aus zehn gegen Ende des Jahres 1880 eingegangenen Zuschriften von Interessenten heben wir zur näheren Kennzeichnung der Sachlage folgende Angaben hervor. Nr. 1. Die Zahl unserer Arbeiter hat um 25 bis 30 Prozent abgenommen. In unserer Fabrik und unseren Filialen hat eine Einschränkung der Arbeitszeit von 4 bis 5 Stunden pro Tag stattgefunden. Während der Ernte waren unsere Filialen 4 bis 6 Wochen lang ganz geschlossen. Die Akkordarbeit hat sich um ein Drittel vermindert. Nr. 2. Aus einer unserer Filialen wurden ca. 50 Arbeiter entlassen. Bereits seit dem Frühjahr 1880 fand eine Reduktion der zur Ausgabe gelangenden Akkordarbeit um 33½ bis 40 Prozent statt. Zur Zeit der Korn- und Kartoffelernte feierten die Filialen 14 Tage bis 3 Wochen. Eine nennenswerte Lohnreduktion fand unsererseits nicht statt, jedoch ließen wir seit dem 1. Oktober 1880 nur bei Tageslich, arbeiten und ermäßigten auf solche Weise die tägliche Arbeitszeit. Die Lage der Zigarrenarbeiter in hiesigem Bezirk ist eine sehr traurige. Der Verdienst beträgt infolge der reduzierten Arbeitszeit 1 Mk. pro Tag(inkl. Hilfsarbeiter), nur bei einzelnen erreicht der tägliche Lohn eine Höhe von 1,50 Mark. Wenn man nun berücksichtigt, daß ein großer Teil der Arbeiter seine früheren Ersparnisse auf Grund und Boden festgelegt und den Rest des Kaufgeldes auf Hypothek ausgenommen hat, von deren Verzinsung augenblicklich gar nicht die Rede sein kann, so ist ein Notstand, wenn nicht bereits vorhanden, doch in unmittelbarer Nähe und eine vollständige Verarmung zu befürchten. Nr. 3. In meiner Fabrik hat eine Reduktion der Löhne um 10 Prozent stattgefunden. Nr. 4. Die Zahl der Arbeiter inkl. Hilfsarbeiter hat seit 1879 um ca. 25 Prozent abgenommen. Eine Einschränkung der täglichen Arbeitszeit hat nicht stattgefunden, dagegen ist die Aktordarbeit insofern beschränkt worden, als die Stückarbeiter nur 1½ Mille pro Arbeitswoche abliefern dürfen. Die Löhne sind um 5 bis 10 Prozent ermäßigt worden. Nr. 5. Wir haben infolge der erhöhten Steuer unsere Arbeiterzahl um ein Drittel reduziert. Die Löhne sind um zirka 10 Prozent ermäßigt worden. Da der Konsum bedeutend abgenommen hat und das Fabrikat von vielen Seiten unter Herstellungspreis verschleudert wird, so ist einstweilen nicht daran zu denken, daß die Verhältnisse sich bessern. Nr. 6. Im Jahre 1880 haben wir 14 Proz. Arbeiter weniger beschäftigt als in 1879. Die zur Ausgabe gelangte Akkordarbeit hat pro 1880 21 Proz. weniger betragen als im Vorjahre. Nr. 7. Die Zahl unserer Arbeiter hat sich um 30 Prozent vermindert. Zudem ist eine Einschränkung der täglichen Arbeitszeit um 4 Stunden erfolgt. Der Akkordlohn reduzierte sich von 9 auf 7 Mk. resp. von 8 auf 6 Mk. pro Mille. Der Lohn der Wickelmacher, früher 18 Mk. pro Monat, ist auf 12 Mark herabgemindert worden. Nr. 8. Die Zahl der Arbeiter hat sich um 25 Prozent vermindert. AAußerdem hat eine Einschränkung der Akkordarbeit um 25 Prozent stattgefunden. Nr. 9. Ich beschäftige zurzeit 10 Proz. weniger Arbeiter als im Jahre 1879. Die tägliche Arbeitszeit ist um 2 Stunden reduziert worden. Bei den Akkordlöhnen hat eine Reduktion um 27 Proz., bei den Löhnen der Hilfsarbeiter von 5 Proz. stattgefunden. Nr. 10. Die Akkordlöhne der Zigarrenarbeiter sind um 20 Proz. herabgesetzt worden; außerdem beschäftigen wir zurzeit 20 Proz. Arbeiter weniger als in 1879.“ Auslanderung. Der Rückgang in unserer Tabakindustrie wird ferner durch die Zahl der Auswanderer dargetan. Sie betrug aus unserem Bezirk: 1879... 208 Auswanderer 1880... 467 1881... 1896 1882 1427 1884... 619„ In dieser Zahl der Auswanderer, die sich hauptsächlich nach den Vereinigten Staaten von Amerika wandten, befinden sich neben den Tabakarbeitern auch landwirtschaftliche, denen es bei dem engen Zusammenhange unserer Landwirtschaft mit der Tabakindustrie sonst möglich gewesen wäre, in dieser lohnende Nebenbeschäftigung zu finden. Aus dem Amt Bünde, in dem vorwiegend Tabakindustrie ist, betrug die Zahl der Auswanderer: 1879... 35 Auswanderer 1880... 40 1881... 300 1882 254 1884 Diese Zahlen, verglichen mit den Nachweisungen über den Rückgang in der Beschäftigung der Tabakindustrie, besagen, daß es den meisten Arbeitern noch möglich gewesen ist, das harte Jahr 1880 mit Hilfe der erarbeiteten Ersparnisse zu überstehen, daß aber dann von vielen der für den bodenständigen Westfalen besonders schwere Schritt der Loslösung von der heimatlichen, unwirtlich gewordenen Scholle getan werden mußte. Wie die Arbeiter durch die Tabakzollerhöhung von 1879 zum Teil geradezu vernichtend getroffen worden sind, so gleichfalls die Fabrikanten. Ein Teil von ihnen hat die Fabrikation einstellen, andere haben Filialbetriebe aufgeben müssen. Ein Rückgang der Produktion ist überall eingetreten und der Verdienst wesentlich zurückgegangen, bei manchen, selbst lapitalstarken Firmen bis zum erheblichen Verlust. Die uns mitgeteilten Buchausweise von größeren Firmen geben nachstehendes Bild. Der Umsatz hat betragen unter Zugrundelegung des normalen Jahres 1878 bei diesen Firmen in Prozenten: den nächstfolgenden Jahren nicht von der Konumtion, sondern von der Produktion getragen worden. Diese nackten Tatsachen gewinnen Leben, wenn die Zeugen jener Zeit zu Worte kommen. Eine Umfrage bei 705 Zigarrenarbeitern, die im Jahre 1879 in der westfälischen Tabakindustrie bei 105 Firmen beschäftigt gewesen sind, und zwar in den Kreisen Herford, Lübbecke, Minden. Halle, Wiedenbrück, Lippstadt, Melle, Stadt Osnabrück und Fürstentum Lippe, liegt uns in namentlichen Einzelberichten vor. Wir stellen sie dem Hohen Reichstag zur Verfügung. Es haben 558 männliche und 147 weibliche Zigarrenarbeiter, davon im Jahre 1879 verheivatet 389, unverheiratet 316, berichtet über ihr und ihrer Mitarbeiter damaliges Los. Sie berichten über umfangreiche Arbeiterentlassungen, über zeitweise Stillegung von Besiche Arbeiterentlassungen,„über zeitweise Stillegung trieben, über erhebliche urveitseinschrankungen mit Einlegung vieler Feierschichten, über den geringfügigen Verdienst, über Lohnermäßigungen,— über Not und Elend, nachdem der letzte spargroschen aufgezehrt war. Die Einwirkungen der Tabakzollerhöhung von 1879 haben sich— den Nachweis glauben wir erbracht zu haben— in der westfälischen Zigarrenindustrie in geradezu verderblicher Weise geltend gemacht. Es hat eines langjährigen Zeitraumes bedurft, bis sie sich von diesem Schlage wieder erholt hat, bis Beschäftigung und Verdienst der Fabrikanten und der Arbeiter wieder auskömmlich wurden. Aber jed. neue Mehrbelastung wird sie unweigerlich demselben harten Schicksal überantworten. Die Frage der steuerlichen Mehrbelastung des Zigarrenkonsums ist eine reine Produktionsfrage geworden, die nur nach nationalwirtschaftlichen und sozialpolitischen, und nicht nach einseitig fiskalischen Gesichtspunkten beurteilt werden darf. Wie in unserer dem Hohen Reichstage im Januar überreichten Denkschrift bitten wir erneut: „Der Hohe Reichstag möge zum Schutze der in der Zigar„renindustrie werktätigen Fabrikanten und Arbeiter jeder „und jederlei Mehrbelastung des Tabaks seine Zustim„mung versagen.“ In größter Ehrerbietung Handelskammer zu Minden. Albert Meyer, Kommerzienrat, Wilhelm Lücking, Vorsitzender, ,„ Stellv. Vorsitzender. A. Hindenberg, Syndilus. schnitt„„ 69„ 67 Dieses Bild kann nur bedingter Weise für die Beurteilung verwertet werden, da diese Firmen durch ihre Kapitalkraft in der Lage waren, ihre Geschäftsbeziehungen möglichst aufrecht zu erhalten. Aber auch nur auf Kosten des Verdienstes, dessen Kurve sich tief senkt, bei einigen bis in starken Verlust hinein. Der Rückgang im Verbrauch der Tabakfabrikate nach 1879 ist also durch Gewinneinbuße der Fabrikanten und durch Lohnkürzung der Arbeiter abgeschwächt worden, oder mit anderen Worten: Die Tabakzollerhöhung von 1879 ist in Abgeordnetenhaus. 50. Sitzung vom Mittwoch, 10. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Frhr. v. Rheinbaben. Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Bericht der Geschäftsordnungstommission, betreffend die Ermächtigung zur strafgerichtlichen Verfolgung eines Redakteurs wegen Beleidigung des Abgeordnetenhauses. Es handelt sich um einen Artikel in der„Görlitzer Volkszeitung“, in dem das Abgeordnetenhaus mit Rücksicht auf die Verhandlungen über die Wahlrechtsreform mit einer Schafherde verglichen wird.„ G2 f.m Das Haus beschließt gemaß dem Antrage der Kommission debattelos, die Ermächtigung zur strafgerichtlichen Verfolgung zu versagen. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfes, betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Linden. Abg. Leinert(Soz.) kritisiert einzelne Bestimmungen der Eingemeindungsverträge. Infolge der Hannoverschen Städteordnung, die ein Hohn auf jede Vernunft ist, verliert eine ganze Reihe von Einwohnern der Ortschaften, welche eingemeindet werden sollen, ihr Wahlrecht und müssen es sich erst kaufen. Ich möchte daher an die Regierung die Anfrage richten, wann die zu erwartende neue Städteordnung für Hannover kommt. Ferner sind in den Verträgen ganz unangebrachte Bevorzugungen der Grundbesitzer in bezug auf die Steuern vorgesehen. Die Wertzuwachssteuer soll erst in sechs Jahren in Kraft treten, während doch gerade jetzt sehr große Wertsteigerungen des Grund und Bodens zu erwarten sind. Das ist eine ungerechte Bevorzugung der jetzigen Grundbesitzer.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Nach weiterer kurzer Debatte geht die Vorlage an die verstärkte Gemeindekommission. Hierauf wird die zweite Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Heranziehung der Beamten zur Gemeindeeinkommensteuer, fortgesetzt. Abg. Viereck(frk.) begründet die Einfügung eines neuen § la, wonach in den Gemeinden, in denen neben der Gemeindeeinkommensteuer Schulbeiträge für öffentliche Volksschulen (Schulsozietätsbeiträge) erhoben werden, es bis zur Einführung des Volksschulunterhaltungsgesetzes bei den alten Vorschriften verbleiben soll. Jedenfalls solle aber die Summe der vom dienstlichen Einkommen zu entrichtenden Gemeindeeinkommenund Schulbeiträge 125 Prozent der Staatseinkommensteuer nicht übersteigen. Eir Regierungskommissar wendet sich aus formellen und materiellen Gründen gegen den Antrag. Abg. Dr. v. Kries(kons.) hält den Antrag aus finanziellen Gründen für nicht durchführbar und empfiehlt eine Resolution, wonach eine Mehrbelastung der Beamten in den Landesteilen, in denen noch Sozietätsschulen bestehen, baldigst beseitigt werden soll. Abg. Dr. Heisig(Ztr.) wendet sich gegen den Antrag Viereck. Abg. Lusensky(natl.) erkennt die Tendenz des Antrages Viereck als berechtigt an. Abg. Frhr. v. Zedlitz(frk.) hält die Gründe, die gegen den Antrag geltend gemacht worden sind, für nicht durchschlagend. Abg. v. Jazdzewski(Pole) erklärt sich gegen den Antrag. Damit schließt die Besprechung. In der Abstimmung wird der Antrag Viereck abgelehnt, die Resolution v. Kriesangenommen. § 2 bestimmt, daß das Kommunalsteuerprivileg nur für die Beamten wegfallen soll, die nach dem 31. März 1909 eingetreten sind.„„„ Abg. Reinbacher(Fr. Vp.] befürwortet einen Antrag, der diese Beschränkung beseitigen und nur den Militärpersonen das Privileg belassen will. Dieser Antrag wird gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten abgelehnt. Der Rest des Gesetzes wird debattelos erledigt. Es folgt die erste Beratung der Novelle zum Stempel. steuergesetz. Abg. Dr. v. Kries(kons.): Das Gesetz ist von dem Abgeordnetenhause in einer Resolution gewünscht worden und bildet den Schlußstein der Beamtenbesoldungsreform. Die Einzelheite., werden in der Kommission zu prüfen sein. Durch die Erhöhung der Jagdscheinabgaben werden namentlich die kleinen Leute be.roffen werden. Vielleicht kann man diese Abgabe für reiche Leute, die lediglich zu Sportzwecken jagen, höher bemessen. Redner beantragt Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Abg. Fleuster(Ztr.) äußert ebenfalls Bedenken gegen eine höhere Besteuerung der Jagdscheine und Jagdpachtverträge. Abg. Dr. Friedberg(natl.) erklärt das Einverständnis U bö seiner Freunde mit der Vorlage. Bedauerlich ist, daß die Pachtverträge jetzt weniger herangezogen werden sollen als die Mietsverträge, und daß man nicht einen Fideikommißstempel eingefuhrt hat. Finanzminister v. Rheinbaben verteidigt die erhöhte Besteuerung der Jagdscheine. Die frühere, viel wesentlichere Er„ohung hat keine Verringerung der Jagdscheine zur Folge gehabt. Herr Fleuster verlangte eine ermäßigte Jagdscheingevuhr für Familien. Er will offenbar das Kinderprivileg auch auf diese Steuer ausdehnen.(Heiterkeit.) Die Erledigung des Fideikommißstempels wird besser dem zu erwartenden allgemeinen Gesetz uber die Fideikommisse vorbehalten. Ein Entwurf zu dieser Materie ist schon ausgearbeitet. Abg. Lüdicke(frk.) erklärt die Bereitwilligkeit seiner Freunde, in der Kommission an dem Zustandekommen der Vorlage mitzuarbeiten. Abg. 2räger(Fr. Vp.): Wir erkennen die Notwendigkeit, die hier geforderten Mittel aufzubringen, an und sind auch mit der Art der Aufbringung im allgemlinen einverstanden.(Im einzelnen bleiben die Ausführungen des Redners auf der Tribüne unverständlich.) Heimann(Soz.): Meine Freunde sind an dem Beschlusse, der die Grundlage dieses Gesetzentwurfs bildet, nicht beteiligt gewesen und daher im Prinzip mit der ganzen Vorlage nicht einverstanden. Wenn wir eine nicht unbedingt ablehnende Haltung einnehmen sollten. so könnte das nur geschehen, wenn an Stelle der neuen Steuern Zug um Zug andere Steuern zum Fortfall gebracht würden. Beispielsweise wenn das zu besteuernde Existenzminimum von 900 auf 1200 Mk. heraufgesetzt würde.(Beifall bei den Soz.) Selbstverständlich aber hindert unsere prinzipielle Stellung meine Freunde nicht daran, zu den einzelnen Positionen Stellung zu nehmen. So haben wir von unserem Standpunkt aus nicht das geringste einzuwenden gegen die einzige neue Steuer unter den im Entwurf vorgeschlagenen, die staatliche Zuschlagssteuer zu den Sätzen der Kreisabgaben Jagdscheine, Auch mit der Erweiterung der Anwendung des für Jagdscheine. Auch mit der Exweiterung der Anwendu# staatlichen auftassungsstempels sind wir einverstanden. Wir halten dafür, daß die Unterbindung der Grundstücksspekulation und der dadurch bedingten Heraufschraubung des Wertes der Grundstücke die von den Terraingesellschaften mit großem Geschick betrieben wird, nur von Vorteil sein kann. Die Grundstücksbesitzer bilden ja heute aus ihrem Grundbesitz sehr häufig Gesellschaften mit beschränkter Haftung, und die Anteile dieser Gesellschaften werden dann zu Preisen veräußert, die die Wertsteigerung der Grundstücke schon in sich schließen. Im ersten Halbjahr 1908 sollen 180 derartige Gesellschaften gegründet worden sein; bei den meisten derselben wurde, um die Stemvelkosten möglichst zu verringern, das Kavital auf den kleinsten zulässigen Betrag von 20·000 Mk. beschränkt, obwohl es häufig um Millionenobjekte sich dabei handelte.(Hört, bört! bei den Soz.) Zeitungsnachrichten zufolge hat der Herr Finanzminister die Oberzolldirektion angewiesen, durch Einsichtnahme in gewisse Gesellschaftsverträge nachzuprüfen, ob und in welchem Umfange Steuerhinterziehungen durch solche Gesellschaften begangen werden. Wir frenen uns, daß diese vorbereitenden Maßnahmer so rasch zu gesetzlichen Anordnungen Veranlassung gegeben haben. — Ganz anders stehen mir nun aber zu vielen anderen Positionen. So können unbillige Härten entstehen durch Verdoppelung des Steuersatzes für Legalisation von Urkunden. Die lebhaftesten Bedenken haben wir gegen die Verdovvelung der Steuern für Genehmigung von Lustbarkeiten durch die Ortsvolizeibehörde und gegen die zehnsache Erhöhung der Steuer für Genehmigung der Verlängerung der Polizeistunde für einzelne Wirtshäuser. Das Gastwirtsgewerbe ist heute schon durch die Gewerbesteuer. Mietssteuer, Schank= und Konzessionssteuer sehr belastet, abgesehen von den vielfach bestehenden kommunalen Lustbarkeitssteuern. Es liegt daher kein Grund vor. dieses Gewerbe,' s häufig genug unter schwierigen Verhältnissen zu leiden hat. noch mehr zu schrönfen. Von der Einführung des hohen Stemvels für die Erlaubniserteilung zum Betrieb des Gesindevermieter= oder Stellenvermittlungsgeschäfts von 50 bis 500 Mk. befürchten wir eine noch weitere Verschlechterung der Laoe der Stellensuchenden. Die Stellenvermittler werden doch diese Steuer nicht aus ihrer Tasche zahlen, sondern sie werden sie auf die schwöcheren Schultern der Stellensuchenden abwälzen. indem sie einfach ihre Gebühren allgemein erhöhen.(Sehr wahr! bei den Soz.] Wünschenswert wäre es, wenn den sogenannten gemeinnützigen Gesellschaften die Stempelgebühren ganz erlassen Sozialer Roman aus Amerika von E. Dewitt. —(Nachdruck verboten.) 1. Ein Millionär auf der Walze. Winston Howard war ein junger Mann, dem das Glück von seinem Eintritt in das Leben an gelächelt hatte. Seinem Vater, einem millionenreichen Chicagoer Grundeigentumhändler, dankte er alle Annehmlich#ten und Vorteile einer sorgfältigen Erziehung, die für Geld überhaupt nur zu haben waren, und von der gutigen Mutter Natur sah er sich mit einer Fülle Gaben, körperlichen sowohl wie geistigen, ausgestattet, mit denen er auf jeden Fall sein Glück in der Welt gemacht hatte, auch wenn' er nicht der Erbe eines Krösus gewesen wäre. Aber ungeachtet seiner bevorzugten Stellung dürstete es ihr nicht nach gesellschaftlichen Erfolgen; in den Kreisen jener Welt. in der man sich nicht langweilt und in denen junge Millionärssöhne— hüben wie drüben — die erste Geige spielen, glänzte er nur durch seine Abwesenheit, und da er sehr originelle Gedanken besaß, zu denen er sich allzeit offen und mutig bekannte, kam es, daß er in den Ruf eines exzentrischen Genies gelangte, dem man ein gewisses Mißtrauen entgegenbrachte und aVerhand" same Ueb enigegenbrachte und auerhand unliebsame Aeberraschungen zuplutotratische System nicht sonderlich günstig ausfielen. Er hatte viele Bekannte, aber nur einen einzigen Freund. und dieser war kein anderer als sein Altersgenosse, Robert Dickinson, ein junger Anwalt, den er von Jugend an gekannt und mit dem zusammen er in= und ausländische Universitäten besucht hatte. Bob Dickinson selbst, der einen tieferen Einblick als irgend ein anderer Mensch in den Charakter Winston Howards getan hatte, hegte die höchste Meinung von ihm und seinen Fähigkeiten und hielt ihn für einen jener großen Geister, die die Welt entweder zu reformieren oder zu revolutionieren vermögen. Der Umstand daß er als der Freund Winston Howards bekannt war, hatte seine Schattenseiten für ihn. Es verging kaum ein Tag, an dem ihm nicht müßige Frager hart zusetzten. „Sagen Sie uns doch, was will Winston eigentlich? Will er eine neue Religion erfinden und sich zum Heiland einer neuen Sekte aufwersen? Will er das Evangelium der Anarchie predigen und den Kommunismus einführen? Will er vielleicht gar die Welt erobern, oder ist er am Ende doch übergeschnappt und reif für das Irrenhaus?“ In die Enge getrieben, hielt Vob Dickinson es meist für angezeigt diplomatisch ausweichende Antworten zu geben, die den eigentlichen Kern unberührt ließen und die Neugierde nur noch mehr anfachten. Winston Howard zählte jetzt dreiundzwanzig Jahre und war gerade von Heidelberg zurückgekehrt, wo er einige Semester lang Vorlesungen über die Philosophie von Kant, Schopenhauer und Nietzsche gehor, hatte. Die deutsche Saat war bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen und reg#e ihn zur Veröffentlichung eines Buches an, das, von dem amerikanischen Verleger in der richtigen Weise angezeigt, einen über Erwarten großen buchhändlerischen Erfolg errang. Jeder andere Schriftsteller wäre hierüber stolz und glücklich gewesen, nicht so jedoch Winston, den gerade die unerhoffte Popularität bedenklich und stutzig machte. Seit drei Monaten weilte nun Winston Howard wieder in der prächtigen Stadt an den schönen Ufern des Michigan=Sees. werden könnten. Ganz besonders aber müssen wir uns wenden gegen die Erhöhung des Stempels auf Mietsverträgen für Mieten von 300 bis 1000 Mk. voli ein Zehntel auf drei Zehntel des Mietszinies. Die Grenze, bis zu der für Mielsverträge überhaupt Stempel erhoben werden dürfen, muß erheblich heraogesetzt werden. Alle Mietsverträge unter 400 Mk. sollien stempelfrei bleiben. Seit 1895, wo die bisherige Grenze festgesetzt wurde, sind doch die Mieten in allen großeren Städten erheblich gestiegen, und eine einigermaßen annehmoare Wohnung ist unter 400 Mk. nicht zu haben. Sehr wahr! Lei den Soz.] Niemand, der sich rühmt, soziales Empfinden zu besitzen, dürfte daher für die Erhöhung dieses Mietsstempels eintreten. Es sollte auch zwischen 400 bis 1000 Mk. noch eine weitere Grenze bei 600 Mk. gejetzt werden, und für die Wohnungen von 400 bis 600 Mk. dürfte hochstens der jetzige Stempel von ein Zehntel des Mietszinses erhoben werden. Dafür braucht man andererseits mit der Progression nicht bei 7000 Mk. Miete aufzuhören.(Sehr richtig! bei den Soz.) Im schärfsten Gegensatz zu der großen Rücksichtslosigkeit, mit der man hier gegen die kleinen Leute in den Großstädten vorgegangen ist, steht die zarte Rücksichtnahme gegenüber der Landwirtschaft.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Stempel für die Verpachtung von landwirtschaftlichen Grundstücken soll auf der bisherigen Höhe belassen werden. In der Begründung heißt es:„Eine stärkere steuerliche Belastung verbietet sich mit Rücksicht auf die oft wenig leistungsfahigen Pächter größerer und mittlerer Grundstücke.“ Es gibt doch aber auch viele Pächter großer landwirtschaftlicher Grundstücke, großer Domänen, die ja dock selbst große Herren sind und leicht in der Lage wären, einen höheren Stempel zu zahlen. Diese existieren aber für die Steuerverwaltung nicht. Der Arbeiter und der kleine Mann in der Stadt muß bluten, damit die landwirtschaftliche Bevöl'erung unbehelligt bleiben kann.(Sehr wahr! bei den Soz.] Es wäre eine sehr interessante und dankbare Aufgabe, einmal all die Vergünstigungen festeustellen, die bei uns in Preußen der Landwirtschaft auf dem Wege der Gesetzgebung und durch die Verwaltungspraxis gewährt werden und ihren Wert zu berechren. Ich glaube. man käme da zu Summen, die den ärgsten Pessimisten in Erstaunen setzen würden.(Sehr wahr! bei den Soz.) Von einer Einzelperson, die nicht über das ganze amtliche Material verfügt, ist freilich diese Aufgabe nicht durchzuführen. Ganz im Einklang mit dieser Praris steht die Tatsache, daß die Vorlage keine Erhöhung des Fideikommißstemvels bringt. Hier hätte in erster Reihe der Hebel angesetzt werden sollen. Der Herr Finanzminister hat auf die zr erwartende Vorlage über den Fideikommiß verwiesen. Ich glaube, daß diese Vorlage eine Erhöhung des Stemvels nicht bringen wird. Und wenn man dann mit einer solchen Anregung kommt, so wird es heißen, die Regelung dieser Frage paßt nicht in das System der Vorlage, sie hätte bei dem Stempelsteuergesetz erledigt werden müssen. (Sehr gut! bei den Soz.] Wir werden jedenfalls nicht versäumen, den Herrn Finanzminister seiner Zeit an seine heütigen Worte zu erinnern.— Nun, wir werden abwarten. in welcher Gestalt die Vorlage aus der Kommission herauskommen wird und behalten uns unsere Stellung für die zweite Lesung vor. (Bravo! bei den Soz.) Abg. Wolff=Lissa(Fr. Vg.) vermißt gleichfalls eine Erhöhung des Fideikömmißstempels und hofft, daß die Vorlage in verbesserter Gestalt aus der Kommission kommt. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Die Vorlage wird an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr.(Dritte Lesung des Beamtensteuerprivileggesetzes. Dritte Lesung des Wohnungsgeldzuschußgesetzes. Zweite Lesung des Gesetzes, betr. die Gebühren der Medizinalbeamten.) Schluß 4 Uhr. So schreibt Rolan:„Die meisten Paragraphen des Kontrak. tes lauten überhaupt: Das Mitglied ist„verpflichtet“... die Tirektion ist„verechtigt"..„ das Mitglied„verzichtet"... die Direktion„behält sich das Recht vor... Nur in ganz wenigen Fällen„darf“ das Mitglied. Den Satz: der Direktor ist„verprlichtet“... habe ich, trotzdem ich viele Kontrakte vie er Tirektoren gelesen habe, noch nirgends gesunden. Nur in einem Nunkt stoht dem Mitglied ein unbestreiteares Recht zu nämlich zielle Diskussion über d Hantl sichl dem Winglser ein undestkenbares gecht zu, numing dann, wenn es dem Direktor pränumerando einen Monat Arbeit geleistet hat, und der Direktor postnumerando die Bezahlung berweigert. Dann„darf“ der Schauspieler weitere Pränumerandoarbeit verweigern. Wenn auch bisher die deutschen Schauspieler aus Mangel an Einigkeit und zie bewußter Führung sich die unglaublichen dem modernen sozialen Empfinden Hoon sprechenden Vertragsbestimmungen gefallen ließen, so darf man doch nicht glauben. daß sie deshalb damit zufrieden g.wesen wären. Kraft des vorhandenen Kapitals diktierten die Direktoren die Vertragsbedingungen, aus denen klar und deutlich hervorgeht, daß niemand es wagen darf, an ihrer Ehrenhaftigkeit zu zweifeln, während sie von dem Schauspieler das Geg.nteil anzunehmen geneigt sind. Wird z. B. ein Schauspie'er krank und meldet dies seiner Direktion, so behält sie sich das Recht vor, die Krankheit so lange für Schwindel zu halten, bis ihr angestellter Vertrauensarzt das Gegenteil vekundet. Zeugnisse von Hausärzten haben der Direktion gegenüber keine Giltigkeit. klärt der Theaterarzt, er könne die Krankheit nicht konstatieren, so muß das Mitglied spielen. Die Wut über solche beschämende Bestimmungen kommt am besten zum Ausdruck durch die in Theaterkreisen kursierenden Garderobenwitze. Z. B. wenn ein Schauspieler während der Vorstellung auf offener Szene stirbt, so macht er sich dadurch eines groben Vertragsbruches schuldig, und seine Erben sind verpflichtet, der Direktion den erwachsenen Schaden in Höhe der Einnahme eines ausverkauften Hauses zu ersetzen. Außerdem verfällt der Direktion die vereinbarte Konveationalstrafe. Dagegen verbleibt die Leiche im Besitz der Direktion. so lange es angängig ist, und hat nach wie vor ihre ganze Kraft zur Verfügung zu stellen für stumme Rollen, Komparserie und Statisterie. Die Desinfektionskosten sind von den Erben zu tragen.— Das Geschichtchen ist noch nicht einmal zu Ende, die innere Empörung, die nur den Witz, von Mund zu Mund erzählt, als Ventil hat, zeitigt derbere Aeußerungen, die sich nicht wiedergeben lassen. Weiter! Wenn irgend ein Angestellter irgend eines Berufes an einem Tage verhindert ist, zum Dienst zu erscheinen, sagen wir durch eine gerichtliche Vorladung oder dergl., so macht er seinem Chef davon Mitteilung, und ist dadurch für die fragliche Zeit vom Dienst befreit. Nicht so der Schauspieler. Die Direltion erlaubt sich so lange an der Richtigkeit der Meldung zu zweifeln, bis der Künstler durch Vorzeigen der Vorladung in Urschrift nachweist, daß er in diesem Falle nicht geschwindelth Die nach zeit v.: dritten Spielzeit bei fünfjährigen, Verträgen, Schauspieler unvedingt gevunden ist, oo ihm das Engagement gefällt oder nicht. In Krankheitsfällen entfällt sofort das Spielhonorar, meist die Hälfte der Gage betragend; nach kurzer Zeit. oft nach einer Woche, ist der Direktor berechtigt, den Vertrag für gelöst zu erk'ären. Wird aber ein Mitglied gar kontraktbruchig, so ist eine einzige Strafe gar nicht mehr ausreichend, das Vergehen zu fühnen. Erstens verfällt die vereinbarte Konventionalstrafe, meist in Höhe einer Jahresgage. Hat das Mitglied diese aber bezahlt, so ist es nicht etwa frei, sondern muß weiter seinen Verpflichtungen gegen die Direktion nachkommen, und tut es 14 Tagen im Probemonat, zum Ablauf der bei zweijährigen Kontrakten, zum Ablauf der ersten und n Spielzei, bei fünfjährigen, Verträgen, während der Inspietet. das nicht, so treten die Bestimmungen in Kraft, nach denen es an keiner dem Bühnenverein angehörenden Bühne mehr aufIn der soeben erschienenen Kunstnummer(Märzheft) der „Dokumente#is Geshchte##„Keg 242im2, Berlin) zeichnet der Schauspie'er F. Rolan Berlin ein Stimmungsbild der des Fortschritts"(Verlag Georg Reimer „ne der Schauspgerer„" In, HeitingEin Enmmungrg ile bühnengenossenschaftlichen Kreise. Seine eindringliche ilderung der Zustände im Theaterwesen läßt uns einen Schilberung der Hustanre im Thealerwesen laßt uns einen tiefen Blick in die Kulissen tun, läßt uns erkennen, welche Summe von Elend hinter dem so oft zum Lachen und Lächeln gezwungenen Künstler lauert, welch Sklave seines Direktors der Schausvieler bis dato war. treten darf für die Dauer von 3 bis 5 Jahren. Tritt der Kontraktbrüchige an einer Nichtvereinsbühne auf, so gelten diese Bestimmungen gar bis zu 5 Jahren nach Ablauf des gebrochenen Vertrages. Man sieht, daß das Geschichtchen von den Verpflichtungen des toten Schauspielers auf ganz realem Boden gewachsen ist. So stand es zu lesen in dem neuen Vertrage, den der Bühnenverein einstimmig angenommen hatte. und den die deutschen Schauspieler in der denkwürdigen Delegiertenversammlung vom Dezember 1908 ebenso einstimmig abgelehnt haben. Zum ersten Male waren die Delegierten einig, daß es unwürdig sei, einen solchen Vertrag durch ihr Votum zu sanktionieren. Die erste Vom Tage seines Eintreffens an ergoß sich ein Schauer von Einladungen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen über ihn, denen er in den ersten Wochen bereitwillig Folge leistete; manch vielumworbene Schönheit, die ihn insgeheim als Partner für die große Lebensreise ersehnte, blickte ihn ermutigend an, aber beld drängte sich ihm die Frage auf, ob all die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten nicht in erster Reihe den Millionen gelten, als deren Erbe er angesehen wurde, und er zauderte nicht, seinen gezelligen Verkehr, dieser nüchternen Erkenntnis entsprechend. einzuschränken. An dem Abend, an dem wir seine Bekanntschaft machen, hatte er den Vorzug gehabt, in dem Hause eines bekannten rkannte Königin der Saison, eine strahlende Millionärs die anerkannte Königin der Saison, eine strahlend Schönheit aus einer der ersten Familien des Sudens, zur Tafel zu führen, später viermal mit ihr zu tanzen und sie schließlich sogar im lauschigen Couvé nach Hause zu begleiten. Kaum eine Stunde später stand er in der behaglichen Junggesellenwohnung seines Freundes vor dem Kamin und schien, trotz des ihm wiederfahrenden Glückes, mit sich und der Welt in hohem Grade unzufrieden zu sein. Robert Diainson hatte auf einem behaglichen Armstuhl Vlatz genommen und blickte seinen Freund bewundernd von der Seite an: die hohe breite Denkerstirn, die tiefliegenden, von Klugheit und Güte leuchtenden braunen Augen, die feinen Linien um Mund und Nase, die elegante stattliche Erscheinung, die in der tadellosen Gesellschaftstoilette doppelt vorteilhaft zur Geltung kam, daß, wenn er nicht durch den Zufall der Geburt an Stelle eines männlichen ein weibliches Wesen geworden wäre. es sicherlich sein innerstes Bestreben sein würde, in der Ehelotterie den großen Preis in der Person Winstons zu ziehen. Nach einer geraumen Weile begegneten sich die Augen der beiden Freunde und Howard ließ sich gähnend in einen Lehnstuhl. seinem Freunde gegenüber, fallen. Dabei bemerkte er: „Ich habe mir alles reiflich überlegt, Bob, und bin nun zu einem Entschluß gekommen.“ Dabei streckte er seine Füße von sich und betrachtete ironisch die seidenen Schnallen auf seinen Lackschuhen. „Eine verrückte Idee,“ sagte er schließlich und hielt die Hand vor dem Mund, so lächerliche und abgeschmackte Dinge zu tragen. Ernste Männer sollten sich schämen, solche Dummheiten mitzumachen. „Aber die Mode schreibt es vor.“ warf Bob entschuldigend ein.„und solange wir zur Gesellschaft gehören, müssen wir uns ihren Geboten fügen. Aber was ist es, worüber du nachgedacht hast und zu welchem Entschlusse bist du gekommen? Wenn ein Philosoph, wie du, fünfzehn Minuten lang, ohne ein einziges Wort zu sprechen, mit gerunzelter Stirn dasteht, so läßt sich mit Fug und Recht von ihm erwarten, daß ihm mindestens die Lösung eines welterschütternden Problems gelungen ist. Was ist es, Winston, das dir solange den Mund gefesselt hielt?“ „Ich wollte ich wäre eine so sorglose Natur wie du und könnte allen Dingen eine heitere Seite abgewinnen,“ seufzte Winston.„Leider ist mir das nicht gegeben, ich nehme alles ernst und tragisch. Worüber ich nachdachte? Nun, worüber anders, als über die Pflichten, die der Reichtum seinen Besitzern auferlegt?“ Ein Krurren Boks war die Antwort.„Bist du schon wieder bei dem alten Thema angelangt?“ fragte er mit gu gespielter Entrüstung.„Wenn ich dich reden böre und an die mündelsicheren Wertvaviere denke. die mein vorsorglicher Vater für seinen verheißungsvollen Sprossen in einem feuer= und einbruchsicheren Bankgewölbe deponiert hat, so komme ich mir fast wie ein Dieb vor, der nicht unter anständige Menschen Bbrtu „Vater will mir den täglichen„Argus“ kaufen," nahm Winston den unterbrochenen Faden wieder auf,„und einen Zeitrngsbesitzer aus mir machen— natürlich einen solchen, der die Ansichten der besitzenden Klassen vertritt.“ Bob Dickinson war aufgesprungen und starrte den Redner ungläubig an. Dann rollte er sich langsam aus einem Kästchen türkischen Tahas= eine Zia-nette. Als e= damit fortig wer lürrischen Tadars Eine Aigarelle. Uls e. damit fertig wal, war alle Heiterkeit aus seinem Gesichte verschwunden. „Ueberzeuge, dich, ob du auf dem rechten Wege bist, dann geh vorwarts,“ sagte Bob Dickinson und zündete die Zigarette an einem kleinen elektrischen Feuerzeuge an.„Das ist ein Ausspruch, den einer unserer Pioniere, Daniel Voone, oder Dovy Crockelt geran hat und den sich ein jeder, der sich einer Pionier= laufbahn zuwendet, zum Leitspruch auserküren sollte. Wie ich dich lenne, wirst du als Zeitungsbesitzer ein Pionier der Presse werden, der neue, von ihr noch nie zuvor betretene Pfade wandelt, ein Pionier vielleicht, der—, er unterbrach sich einen Augenblick und fuhr dann fort,„doch nein, mein lieber Junge, was ich dir sagen wollte, ist nur dies: Ueberlege es dir noch einmal wohlweislich, ehe du die Laufbahn eines amerikanischea Zeitungsherausgebers betrittst; sein Pfad ist nicht immer mit Rosen bestreut. Winston erhob sich und steute sich mit auf der Grust gekreuzten Armen vor seinen Freund.„Du wunderst dich über mich, Bob.“ sagte er,„und hättest in der Tat allen Grund dazu, wenn du mir auch nur einen Augenblick lang zutrauen könntest. daß ich eine Zeitung im Interesse der besitzenden Klassen herauszugeben imstande wäre. O,. Bob.“ fuhr er fort,„unser großer Febler, um nicht zu sagen, unser Verbrechen, besteht darin, daß wir nichts von dem Leben und den Lebensbedingungen der Menschen kennen, welche die großen Massen des Volkes bilden, des Volkes, ohne dessen Arbeit die besitzenden Klassen keine Reichtümer anhäufen würden. Hast iu dich jemals unter diese Leute gemischt, Bob, über die unsere Kreise sich so gern lustig machen hast du dich je der Mühe unterzogen, dich mit ihrer Lage. ihren Wünschen und Bedürfnissen zu beschäftigen und dir ein richtiges Bild des Volkes zu beschaffen? Nein, du hast es nicht getan, ich auch nicht und keiner aus unserer Bekanntschaft. Um das wahre Verständnis für das große Problem des Tages. die Lösung der sozialen Frage zu gewinnen, muß man selbst zum Volke gebönen, in seiner Mitte leben, mit ihm fühlen, denken, handeln. Das war es, Bob, worüber ich nachgedacht „Du möchtest doch nicht gar mit der Stadtmission, der armee und der Gesellschaft für innere Kolonisation in Wettbewerb treten?“ fragte Bob, in dessen Gesicht ein breites Grinses erschien.„„„„ 6—9 asler inneren „Zum Kuque mit Stadtmistion, Wei sormee und uner inn. Kolonisation.“ erwiderte Winston verächtlich und zündete eine nelle Ziaarette an.„Was haben die frommen Herren wo schon je für die Sache des Volkes getan! Nein, ich will selbst ein Arbeiter werden und ausfinden, was es heiß“, im Schwe: seines Angesichts seir Brot verdienen Selbst ausfinden win ich. in welchem Verhältnis die großen Kanitolsvereiniannae zur Masse des Volkes stehen, ob sie es bedrücken oder Zichgng und dann— mein Jurge. da.n werde ich mein Blatt bringen, das freilich nicht ganz den Erwartungen meines Batel entsrrechen dürfte." M Dickinson ließ einen longgezogenen P#iff noren..„Du dir da eine Aufgabe zu, Winston.“ bemerkte er, die eines kules würdig wäre!"(Fortsetzung folgt.) diskutabel war. Es soll in dusunft von geschlossen wersen Tere der Vertrag ion Leie.. ten auferlegen. Taß der Bühnenverein kräftige Bühnengenossensch Sie levt und gnügen.—.„er. und w aber den unwürdigen Ver der Schauspieler zu zerstör paliden, der Greise und W will, kat ihn um den letzt der Schauspieler darf stolz auf seiner Seite steht. So weit der SchauspiOrganisation haben die Wesen des Kapitalismus d um sich vor neuen Illusior zu schützen, müssen sie sich auf einem andern Gebiet hrutal herrscht, wie auf der Parte Aus den Organisation Wahlkreises Dortmund deutschen Parteitage zu be Parteitag wie bisher im 9 finden soll, den§ 6 des C zuändern, daß das Gesch sationen vom 1 April bis der§ 9 des Entwurfs dah November jeden Jahres st sprechend die Berichterstatt vorstand bis zum 15. Augu teitage wird der Wahlkreis trag, die Maifeier diesmal tag zu verlegen, wurde mit Gewerlsa Die rheinischen Holzind In einer vor Unternehm sammlung zu Bochum wi schlossen, in der es heißt: T tung der gegenwärtigen Lo sicherten Arbeitsverhältnis eine den Zeitverhältnissene zu lassen, wenn nicht in Schreinergewerbe auf Gri zustande kommt. Die Ar Lohnverkürzung vor, wen 14 Tagen es zu einer vertr# ist.“ An den Arbeitern ha handlungen keine Verständi lassen sie sich von den Sch Fortschritte im Kampf Logiszwanges. Der Kamt von den verschiedensten Bei geführt wird, scheint allmäl auch die staatlichen Verwa ringem Maße, zu beeinflust Beziehung am leichtesten hi ordnung im Sinne der ändern würde, läßt sich al muß es Aufgabe der orgas beamten der Gewerbeinspe schlechten Logis der Arbe schiedene Organisationen. System schon achtunggebiet den auch die Fleischer, daß Polizei für diese Zuständ ordnung heißt es u. a.:„G sam, daß den Gehilfen us fügung gestellt werden müs gesetzbuches und§ 168 der L Hinsicht durch polizeiliche ob in dieser Hinsicht nick stehen.“ Es hält oft recht Organe so weit zu beweger Die organisierte Arbeiters auch auf diesem Gebiete treten ist. Ger ** Bielefeld, 9. Mär steller Willy Rosenhagen haft und zurzeit in Un dreimal vorbestraft, ha wiederum wegen Betruge und dem eigen.n Gestän mann Emil B. zu Biele schwindelt und dann das im wiederholten RückfallGefängnis. Die Ehefrau Friseur Betruges mehreremal v wegen Betruges vor der Betrug hatte sie durch d geleitet, indem sie unter Hovve und Homann in M verkehr stand. anrief un vorivrechen würde, doch Einkäufe zu machen habe. genug bei sich habe, möge Weise erhielt sie von de 40 Mt. Die Straffamm 5 Monaten Gefängnis. Der Arbeiter Hermar mit dem Vertriebe von 6. Oktober 1908 von den Fuder Heu bezogen und Pestkaufpreis vor etwa Schoffengericht hatte in trug erblickt und ihn zu der Angeklagte Berufun vermißte in der Peweis klagte in betrügerischer Urteil auf und sprach ih Malzkaffee. affizielle Diskussion über den Theatervertrag ergab, daß er nicht diskutabel war. Es soll in dusunft von zwei Gleichberechtigten ein Vertrag geschlossen wersen Ter eine zaht und der andere leistet, und der Vertrag iou reiet. nen gleicher Weise Rechte und Pflichten auferlegen. Taß der Bühnenverein den Versuch macht, die sehr lebenskräftige Bühnengenossenschaft totzu.chweigen, ist sein Privatvergnugen. Sie levt und wirkt weiter. Taß der Bühnenverein aber den unwürdigen Versuch gemacht hat, die Pensionsanstalt der Schauspieler zu zerstören, daß er durch Schädigung der Inpaliden, der Greise und Witwen die Schauspie er niederzwingen will, kat ihn um den letzten Rest der Sympathie gebracht, und der Schauspieler darf stolz sag.n, daß die gesamte Oeffentlichkeit auf seiner Seite steht. „ So weit der Schauspieler. Man sieht, den Bedanken der Organisation haben die Bühnenkünstler begriffen. Von dem Wesen des Kapitalismus dämmert ihnen eine Ahnung auf. Aber um sich vor neuen Illusionen über die Aussichten des Kampfes zu schutzen, müssen sie sich darüber ganz klar sein, daß kaum auf einem andern Gebiet der Kapitalismus so allmächtig und hrutal herrscht, wie auf dem des Theaterwesens. Parteinachrichten. Aus den Organisationen. Die Generalversammlung des Wahlkreises Dortmund=Hörde beschloß, beim nachsten deutschen Parteitage zu beantragen:„Falls der regelmäßige Parteitag wie bisher im Monat Septemver jeden Jahres stattfinden soll. den§ 6 des Organisationsstatutentwurfs dahin abzuändern, daß das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen vom 1 April bis 31. März läuft. Ablehnendenfalls ist der§ 9 des Entwurfs dahin abzuändern, daß der Parteitag im November jeden Jahres stattzufinden habe. Im 86 ist dementsprechend die Berichterstattung der Kreisvereine an den Parteivorstand bis zum 15. August verlängert festzusetzen.“ Zum Parteitage wird der Wahlkreis drei Delegierte entsenden. Ein Antrag, die Maifeier diesmal auf den dem 1. Mai folgenden Sonntag zu verlegen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die rheinischen Holzindustriellen drohen mit Lohnkürzungen. In einer vor Unternehmern der Holzindustrie besuchten Versammlung zu Bochum wurde am 8. März eine Resolution beschlossen, in der es heißt: Da den Arbeitgebern eine Aufrechterha.tung der gegenwärtigen Lohnhöhe nur bei einem vertraglich gesicherten Arbeitsverhältnis möglich ist, sehen sie sich gezwungen, eine den Zeitverhältnissen entsprechende Lohnverkürzung eintreten zu lassen, wenn nicht innerhalb 14 Tagen ein Vertrag im Schreinergewerbe auf Grundlage der bestehenden Verhältnisse zustande kommt. Die Arbeitgeber behalten sich eine weitere Lohnverkürzung vor, wenn innerhalb einer neuen Frist von 14 Tagen es zu einer vertraglichen Vereinbarung nicht gekommen ist.“ An den Arbeitern hat es noch nie gelegen, wenn bei Verhandlungen keine Verständigung gefunden wurde. Vergewaltigen lassen sie sich von den Scharfmachern allerdings nicht. Fortschritte im Kampf um die Beseitigung des Kost= und Logiszwanges. Der Kampf, der schon eine Reihe von Jahren von den verschiedensten Berufen gegen den Kost= und Logiszwang geführt wird, scheint allmäblich auch die öffentliche Meinung und auch die staatlichen Verwaltungsorgane, wenn auch nur in geringem Maße, zu beeinflussen. Der Gesetzgeber, der es in dieser Beziehung am leichtesten hätte, indem er den§ 115 der Gewerbeordnung im Sinne der Beschlüsse der Gewerkschaftskongresse ändern würde, läßt sich allerdings nichts merken. Desto mehr muß es Aufgabe der organisierten Arbeiter sein, die Aufsichtsbeamten der Gewerbeinspektoren, die Polizeibehörden, auf die schlechten Logis der Arbeiter aufmerkzam zu machen. Verschiedene Organisationen, so die Barbiere, haben mit diesem System schon achtunggebietende Erfolge aufzuweisen. Jetzt melden auch die Fleischer, daß es ihnen in Durlach gelungen ist, die Polizei für diese Zustände zu interessieren. Ir einer Verordnung heißt es u. a.:„Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß den Gehilfen usw. genügende Schlafräume zur Verfügung gestellt werden müssen und wir gemäß§ 116 des Strafgesetzbuches und§ 168 der Landespolizeiverordnung auch in dieser Hinsicht durch polizeiliche Nachschauen uns überzeugen werden, ob in dieser Hinsicht nicht zu beanstandende Verhältnisse bestehen.“ Es hält oft recht schwer, die Polizei und die betreffenden Organe so weit zu bewegen, sich diesen Aufgaben zu unterziehen. Die organisierte Arbeiterschaft wird aber nicht eher ruhen. bis auch auf diesem Gebiet eine Wandlung zum Besseren eingetreten ist.— Gerichtliches. ** Bielefeld, 9. März. Strafkammer. Der Schriftsteller Willy Rosenhagen von Berlin, zuletzt in Werther wohnhaft und zurzeit in Untersuchungshaft, wegen Betruges schon dreimal vorbestraft, hatte sich heute vor der Strafkammer wiederum wegen Betruges zu verantworten. Nach der Anklage und dem eigenen Geständnis hat er im August 1905 dem Kaufmann Emil B. zu Bielefeld ein Darlehen von 200 Mk. abgeschwindelt und dann das Weite gesucht. Es lag diesmal Betrug im wiederholten Rückfalle vor, der Angeklagte erhielt 4 Monate Gefängnis. Die Ehefrau Friseur Schlinghorst von Stadthagen, wegen Betruges mehreremal vorbestraft, hatte sich heute wiederum wegen Betruges vor der Strafkammer zu verantworten. Den Betrug hatte sie durch das Telephon ganz geschickt in die Wege geleitet, indem sie unter dem Namen ihres Vaters die Firma Hovve und Homann in Minden, mit der ihr Vater im Geschäftsverkehr stand. anrief und diese bat, seiner Tochter, die bei ihr vorivrechen würde, doch mitzuteilen, daß sie noch anderweitig Einkäufe zu machen habe. In dem Falle, daß dieselbe nicht Geld genug bei sich habe, möge er ihr das Geld vorstrecken. Auf diese Weise erhielt sie von der genannten Firma ein Darlehen von 40Mk. Die Straffammer verurteilte die Betrügerin heute zu 5 Monaten Gefängnis. Der Arbeiter Hermann Braß von Minden, der sich nebenbei mit dem Vertriebe von ländlichen Produkten befaßt, hatte am 6. Oktober 1908 von dem Zimmermann Waltke in Hahlen ein Fuder Heu bezogen und war beschuldigt, den Walt'e um den Schäten#ig vor etwa 20 Mk. beschwindelt zu haben. Das Schoffengericht hatte in dem Treiben des Angeklagten einen Betrug erblickt und ihn zu 5 Tagen Gefängnis verurteilt, wogegen der Angeklagte Berufung eingslegt hatte Die Strafkammer vermißte in der Deweisführung den Nachweis, daß der Argeklagte in betrügerischer Absicht gehandelt hat, hob das erste Urteil auf und sprach ihn frei. „ Ag. Der Lustmord im Gießener Stadtwald vor Gericht. Gießen, 10. März. Vor dem hiesigen Schwurgericht nahm heute der Mordprozetz gegen den.47 Jahre alten Schuymacher Wilhelm Reif aus Oberspei am Rhein seinen Anfang. Es handelt sich bei diesem Prozeß um die bestialische Ermordung des zehnjährigen Sohnes des Metzgermeisters Heinrich Abel aus Gießen, die in den Weihnachtstagen des vorigen Jahres die bessische Universitätsstadt in Aufregung und Schrecken versetzt hatte. Die Mutter des für sein Alter ziemlich kräftig entwickelten Knaben hatte diesen am Weihnachtsheiligenabend ausgeschickt, um etwas einzuholen. Der Knabe ist auch in dem Geschäf. gewesen, wo er den Einkauf machen sollte, und hat von dem Verkäufer zu Weihnachten drei Aepfel zum Geschenk erhalten. Um 6 Uhr abends war dann noch das unglückliche Kind bei einer Schwester, die einen Zigarrenladen hat, zu Vesuch. Um 8 Uhr abends sollte im Abelschen Hause die Beicherung der Kinder vor sich gehen. Der kleine Heinrich Abel hatte noch füns Geschwister, die zu Hause, während die Eltern den Christbaum anzündeten, sehnsüchtig auf die Rückkehr des Bruders warteten. Es wurde aber immer später. 10 Uhr war längst vorbei und die Eltern gerieten in große Unruhe. In der Nacht machte der besorgte Vater dann der Polizei noch Anzeige von dem Verschwinden seines Sohnes. Am ersten Weihnachtsfeiertag gegen Mittag ging der Gießener Stadtverordnete Krumm mit seiner Tochter im Stadtwald spazieren. Sie bogen dabei vom Wege ab, um etwas in den Forst hineinzugehen, als sie plötzlich vor einer Kinderleiche standen, die mit dem Gesicht nach unten gekehrt war. Krumm erkannte sofort, daß hier ein Verbrechen begangen war, und machte der Polizei von dem grausigen Funde Mitteilung. Die Aerzte sahen, daß der Knabe den Tod durch Erstickung gefunden haben mußte, und die ganze Situation ließ darüber keinen Zweifel, daß ein Lustmord verübt war. Die Untersuchung gestaltete sich zunächst sehr schwierig, da in der Nähe des Fundorts zurückgelassene Gegenstände des Mörders nicht zu sehen waren. Erst mit Hilfe eines Polizeibundes wurde die Behörde auf die Fährte des heutigen Angeklagten gelenkt. Die Polizei nahm an, daß bei dem Gewaltakt die Kleider des Mörders mit denen des Ermordeten in Berührung gekommen sein müßten, und ein Polizeihund mußte daher die Kleider des ermordeten Knaben beschnuvvern. Der Polizeihund nahm nunmehr einen Weg. den der Mörder nach der Stadt zu ebenfalls gegangen sein mußte, und führte die Polizei direkt bis zu der Person des Reif bin. Der Hund stellte sich vor Reif auf und brach in lautes Gebell aus. Reif bestritt zunächst die Tat hartnäckig, aus seinen Personalakten stellte man aber fest, daß er wegen eines Sittlichkeitsverbrechens schon zu der enormen Strafe von acht Jahren Zuchthaus verurteilt war, die er Anfang 1908 verbüßt hatte. Nunmehr wurden auch eine Reihe Zeugen ausfindig gemacht, die für Reif ziemlich belastende Aussagen machen konnten. Sie erklärten. den Knaben am Weihnachtsheiligenabend in Begleitung eines Mannes gesehen zu haben, auf den das Aussehen des Reif paßt. Unter der Wucht des Beweismaterials brach schließlich Reif zusammen und gestand die Tat ein. Die Verhandlung gegen Reif wird zwei Tage in Anspruch nehmen, wegen Gefährdung der Sittlichkeit wird der größte Teil der Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Wir werden über den Ausgang der Verhandlung berichten Stadt Hersord. In der Zeit vom 1. bis 6. März 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Zigarrenarbeiter Friedrich Niehaus. Tischler Wilhelm Vögeding, Hausdiener Friedrich Deppe Maler Johannes Sänger, Arbeiter Otto Hellmann, Anstreicher Robert Preis. Reisender Gustav Brand, Handarbeiter Heinrich Eickhoff, Tischlermeister Wilhelm Kerkhoff, Kohlenhändler Friedrich Berg, ferner zwei uneheliche. Töchter: Kupferschmied Adolf Fricke, Postbote Gustav Gößling, Maurer Wilhelm Tilker, Techniker Joseph Muertz, Bankdirektor Alfred Voß, Fuhrknecht Wilhelm Meise. Erdarbeiter Ludwig Steffen, Schneider Karl Kürten, Fabrikarbeiter Heinr. Knöner. Ausgebote: Sattler Gottlieb Julius Käser und Marie Luise Chaclotte Rürup, Fabrikarbeiter Heinrich Gößling und Anna Vollmer, Bauarbeiter Karl Feller und Lina Karcher. Speditionsgehilfe August Großjohann und Charlotte Spreen, Fabrikarbeiter August Nolte und Henriette Schade geb. Brinker, Arbeiter Friedrich Hoffmann und Luise Meyer, Kaufmann Johann Paul Ecke und Käthe Antonie Emma Meyer. Ehesckließungen: Konditor August Mund und Elfriede Stockey, Bäcker Wilhelm Winter und Wilhelmine Niewöhner, Arbeiter August Schürkamv und Anna Blöbaum, Kolon Peter Kleineberg und Auguste Klinksiek, Kleinhändler Heinrich Heithölter und Anna Klausmeier. Sterbefälle: Johanne Müller, 4 Mon.; Hermann Danielmeier, 1 Jahr; Witwe Engel Lindemeyer, 71 Jahre; Witwe Dorothea Schmidtpott, 66 Jahre; Amonda Dietmann, 1 Jahr. Amt Herford.=Vom 1. bis 6. März: Gekurten: Knaben: Bahnarbeiter Gustav Petring= Eickum, Heuerling Hermann Landwehr=Diebrock. Mädchen: Malermeister Heinrich Wittenbreder=Schweicheln, Tischler Heinrich Brünger=Stedefreund, ferner 1 uneheliches. Aufgebore: Tischler Heinrich Brünger=Diebrock und Auguste Hüllinghorst=Diebrock, Bahnarbeiter Wilh. WöhrmannStedefreund und Anna Steinkühler=Stedefreund, Fabrikarbeiter Heinrich Beiner und Elise Schneidereit=Schweicheln. Eheschließungen: Bahnarbeiter Wilhelm EntgelmeierSchweicheln und Näherin Anna Schnier=Sundern. Sterbefälle: Gustav Wilhelm Steinkühler=Schweicheln, 6 Mon. ** Amt Enger. Vom 26. Februar bis 4. März: Geburten: Söhne: Zig.=Fabrikant Heinr. Büscher zu Enger; Handarbeiter Gottlieb Rolf zu Enger; Zig=Arb. Herm. Schwidde zu Besenkamp; Handarbeiter Heinr. Schröder zu Enger; Maurer Wilh. Laker zu Pödinghausen; Maurer Gustav Riepe zu Oldinghausen; Zig.=Arb. Wily. Hellmann zu Westerenger Töchter: Ziegelmeister Heinr. Hoppe zu Enger; Handarbeiter Wilh. Möllering zu Enger; Zig.=Arb. Gustav Fleer zu Dreyen; Maurer Heinr. Giesselmann zu Westerenger. Aufgebote: Zig.=Arb. Aug. Biermann zu Dreyer, und Zig.=Arbei“erin Friederike Rottmann zu Westerenger. Eheschließungen: Maurer Heinr. Bockermann zu Enger, und Näherin Johanne Castrup zu Westerenger; Zig.= Arbeiter Friedr. Niebaus zu Besenkamp und Zig.=Arbeiterin Johanne Korte zu Besenkamp. Sterbefälle: Ehefrau Margarete Ilsebein Nölkenhöner geb. Ringstmeyer zu Westerenger, 70 J Amt Ennigloh. Vom 15. bis 28. Februar: Geburten: Söhne: Zig.=Arb. Friedr. Gerkensmeier zu Spradow; Müller Heinr. Hilker zu Muccum; Zig.=Sort. Heinr. Weßler zu Hüffen; Zig.=Arb. Heinr. Bohrenkämper zu Hunnebrock; Zig.=Arb. Heinr. Tiemann zu Dünne: Schuhmachermstr. Wilh. Kleine zu Südlengern; Werkmeister Herm. Niemeier zu Hüffen; Zig.=Arb. Karl Becker zu Südlengern; Werkmeister Heinr. Claus zu Werfen; Zig.=Arb. Friedr. Kleinemeyer zu Spradow; Kolon Wilh. Wilmsmann zu Holsen; Tischlergeselle Karl Schuster zu Ennigloh: Arb. Heinr. Holscher zu Werfen. Töchter: Kaufmann Friedr. Niemeyer zu Holsen; Bahnarbeiter Heinr. Ransiek zu Spradow; Kistenbekleber Hermann Wölker zu Ennigloh; Zig.=Arb. Wilh. Knollmann zu Holsen; Maurer Heinr. Möllering zu Werfea; Fabrikarbeiter August Bültermann zu Ennigloh: Kolon Karl Blase zu Dünne: Tagelöhner Heinr. Metting zu Ennigloh: Zig.=Sort. Fr. Schneider zu Ennigloh; Werkmeister Friedr. Lübkemeier zu Holsen. Eheschließungen: Kistenarbeiter Heinr. Beiderwieden zu Ennigloh, und Zig.-Arbeiterin Wilhelmine Diestelhorst zu Dünne; Kaufmann Gustav Büscher zu Ennigloh, und Dienstmagd Marie Röhr zu Muccum; Witwer Zig.=Arb. Herm. Steinmeier zu Ennig 5, und Zig.=Arbeiterin Emma Kampeter zu Bieren; Zementarbeiter Aug. Brünger zu Ennigloh, und Zig.= Arbeiterin Luise zu Ennigloh. Aufgebote: Zig.=Arb. Kaspar Greiwe zu Holsen, und Anna Horst, das.: Zig.=Arb. Heinr. Bartling zu Hunnebrock, und Zig.=Arbeiterin Alwine Wortmann, das.; Kistenarb. Wilhelm Muller zu Ennigloh, und Zig.=Sort. Marie Möller zu Spradow. Sterbefälle: Karoline Pauline Luise Ransiek zu Ennigloh, 8 J.; Hererling Kaspar Heinr. Schröder zu Ahle, 56 J.“ Johanne Marie Anna Steube zu Muccum, 18 T.; Johaan Karl August Viehe zu Ennigloh, 3 M.; Ackergeh. Friedrich Wilhelm Behring zu Muccum, 21 J.; Erna Frida Dora Voßenkämper zu Ahle, 6 M.; Werner Karl Heinr. Wippermann zu Spradow, 1 J.: Tagelöhner Heinr. Ludwig Oberhaus zu Huffen, 83 J.; Ehefrau Wilh. Vieht geb. Biermann zu Dünne, 76 J.; Heinr. Friedr. Ernst Brinkmann zu Holsen, 1 J.: Friedr. Aug. Heinx. Tellbüscher zu Ennigloh, 10 M. Briefkasten der Redaktion. W. St., Pivitsheide. Wenn jährliche Kündigung vereinbart ist, muß dieselbe auch eingehalten werden. Vielleicht können Sie sich mit dem Vermieter aber gütlich einigen.„„ Donnerstag. Männer=Gesangverein„Hoffnung" abends 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 9 Uhr bei Hellsinger, Schmiedestraße. Arbeiter=Gesangverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Indiestel. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, Gadderbaum 9 Uhr bei Bracksiek. Zitherklub„Alpenklänge“ 9 Uhr bei Lange, Teichstraße. „Zither=Quartett=Verein“, 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld, Abteilung 3, ½9 Uhr bei H. Lohmann. Kegelklub„Hamburger Wappen“ 8½ Uhr bei Vogt, Hallerweg. Kegelklub„Einigkeit" abends 9 Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Radfahrerklub„Eilrad“ 9 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Skatklub„Zur guten Quelle“ 9 Uhr bei Witwe Pilgrim, Ziegelstraße 50. 1. Bielefelder Bandonion=Klub ½9 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Theaterklub„Thalia“ 8 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Guttemplerorden, Loge„Westfalenland“, 8¾ Uhr. Sieker. Arbeiter=Raderfahrerklub„Wanderlust" bei Sittig, Detmolderstraße. Brackwede. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Gesangverein„Heiderose“ 9 Uhr bei Siekmann. Herforderstraße. Schildesche. Radfahrerverein„Fliegender Adler“ 9 Uhr bei Krämer. Schildesche. Kraft=Sport=Verein ½9—½11 Uhr bei Wirt Schaepersmann, Wilhelmstr. 17. Schildesche. Guttempler=Loge„Rote Erde“ 8¾ Uhr bei Grothaus, Amselstraße 7. Babenhausen. Kegelklub„Freie Bahn“, 8½ Uhr bei Böke. Heepen. Turnverein„Jahn“ 8½ Uhr bei Wirt Müller. Ubberdissen. Radfahrerverein„Viktoria“ 9 Uhr bei Tigges, Rollkrug. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Spenge. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8½ Uhr bei Wirt Lippelmann. Oerlinghausen. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8¾ Uhr bei C. Löhr. Schötmar. Radfahrer=Verein„Wanderer". Detmold. Arbeiter=Radfahrerverein„Vorwärts“ 9 Uhr. Südlengern. Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr. Rehme. Arbeiter=Gesangverein 9 Uhr bei Röbke. Minden. Arbeiter=Sängerbund 8¾ Uhr: Gemischter Chor. Herford. Tagesordnung für die am Freitag, den 12. März, nachmittags 3 Uhr, stattfindende Stadtverordneten=Sitzung. 1. Antrag des Magistrats betr. Ankauf des Grundstücks der Witwe Rottmann am Uhlandsplatz. 2. Fortsetzung der 1. Lesung des Haushaltsplans für 1909. Herford, den 6. März 1909. i. Der Stadtverordneten=Vorsteher. Lücken. 12 X.28 1 Malstaffee. Machen Sie einen Versuch mit dem beliebten 1423 wird Katbreiners Malzkaffee täglich von immer größerer Bedeutung!— Er ist wohlschmeckend, gesund und doch billig!— Aber Vorsicht beim Einkauf! Verlangen Sie ausdrücklich Kathreiners 10 Pfennig=Paket, ausreichend für etwa 20 Tassen. KAA W N B. NI.C. Verwaltung Bielefeld u. Umgegend. Montag, den 15. März, abends 6½ Uhr, in der „Centralhalle“: vord. doherur Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Scheidemann über: „Die auswärtige Politik und die Gewerkschaften“. 2. Aufstellung der Kandidaten zur Generalversammlung in Hamburg. 3. Mitteilungen der Ortsverwaltung und Verschiedenes. Zu dieser wichtigen Versammlung ist das Erscheinen aller Mitglieder dringend notwendig. 1420 Die Ortsverwaltung. Sozialbemonrätischer. für den Wahlkreis Vielefeld-Wiedenbruck. 1819 Mitglieber=Versammlungen: Ortsgruppe Brake. Sonnabend, den 13. März, abends 8½ Uhr, in der Turnhalle. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Gemeindeangelegenheit. Ortsgruppe Gellershagen. Sonnabend, 13. März, abend 8½ Uhr, im Lokale des Wirts Fohrmann, Jöllenbeckerstraße. Tagesordnung: 1. Dritter Vortrag des Genossen Hoffmann über Kultur=Entwicklung. 2. Bericht von der General=Versammlung. 3. Gemeinde=Angelegenheiten. Ortsgruppe Gadderbaum. Sonnabend, 13. März, abends 8½ Uhr, bei Bracksiek, Hallerweg. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Buse über:„Leben und Leiden in deutschen Zuchthäusern und Strafgefängnissen. 2. Bericht von der General=Versammlung. Ortsgruppe Stieghorst. Sonnabend, den 13. März, abends 8½ Uhr, im Vereinslokale, Sieker 228. Tagesordnung im Lokal. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Arbeiter-Gesang-Verein„Solidarität“, Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes. Am Sonntag, den 14. März 1909, veranstaltet obiger Gesangverein einen Hiöbel und Treuter-Rbcnd mit anschließendem Ball in den Lokalitäten des Herrn H. Lohmann, Schildescherstraße 47. 1440 Eintritt à Person 40 Pfennig. Tanzband 20 Pfeunig. Anfang 5 Uhr nachm. Hierzu ladet freundlichst ein Das Festkomitee. NB. Die Tanzpausen werden durch humoristische Vorträge ausgefülltSoebenerschienen u. durch alle Buchhandlungen zu beziehen sind: „Schwarz-Rot-Gold“. Roman von Julius Geh. 3 Mk., geb. 4 Mk. Verlag Carl Reißner, Dresden. Lachende Lieder seit anno 1800. Eine humoristische Anthologie, herausgegeben von Julius Berstl. 1434 In Ganzleinenbd. 1. 80 Mk. K. Poigtländers Verlag, Leipzig. versäumen nicht vollständige 1994 Zu Herford. Verband der Ban= Erd= und = hilfsarbeiter= Zahlstelle Herford feiert am Sonntag, 14. März, der nachmittags 4 Uhr. sein diesjähriges Wintertest im Vereinslokal Fritz Liedtke, Lindenhof, woz Freunde und Gönner freundl. eingeladen werden. 1421] Der Vorstand. Herford. Herford. Kindfleisch, Grösste Auswahl. Billigste Preise. Eigene Tischlerei. gute Ware, das Pfd. 60 u. 65 Pfg., sowie(gutes 828 Kalb= u. Schweinefleisch zu billigen Preisen. Auch sämtliche Wurstwaren empfiehlt zu eilligen Preisen Wilhelm Esch, Schlachtermeister, Radewigerstrasse 6. Hochzeits-Einladungen liefert Buchdruckerei Volkswacht. 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Aber gesetzt, reitwillig geliehen werden, so gen, ob die Verhältnisse in de des das Risiko eines großene erledigt. Den letzten Krieg, den# total verloren. Nicht einen es gegen die Japaner verzeich ser erbärmlich geschlagen, ver densbedingungen nur dem U schöpft war und ihm eine We viel genützt hätte, weil es de erreichen können. Ein Krieg mit einer euro zweien, würde an die russisch rungen stellen als der Kamr müßten Millionen mobilisie russische Regierung die aktive und großen Städten zum N lassen. Außerdem müßten H eingezogen, also in die mobil Ferner ist zu bedenken, d großen europäischen K großartiger Feldbefestigungen am Schaho aufgeführt wurdgute Straßen und Eisenbahn sch kriegerische Ereignisse sel in Operationsgebieten, diee schlossen sind. Die russische ihrer-Gefechtskraft Schanzer Niveaus, auf dem die Bildun großen Teil ihrer Soldaten intelligenteren Deutschen und lassen kann. Auch während! Russen fehr schnell geschlagen, herauswagten. In der Gegenwart, wo d meinen Mann ein gewisses es unmöglich ist, eine Arme mili tärisch genügend zu unte der Volksbildung sich eben a Der russisch=japanische K russischen Offizierkorps nicht die Feigheit nicht selten ist. Gebiete„Großes“ geleistet, wie so im Hintergrunde hä erscheinen. Es ist aber sehr unwahrst korps in der verhältnismäßi mit Japan vergangen ist, sie ändert hat. Wir wollen nich zum Besseren in wenigen Ja Wandlungen vollziehen sich Sieger mitten im Lande ste halben bitter empfunden wir in der Zeit von Ende 1806 Befreiungskriege. In Rußle der Niederlage gefeylt, weil kam, und daher werden die Krieg nicht selten hat, für da lich ausgeblieben sein. Zieht man die inneren V so kann man erst recht nich Kreise in Petersburg irgend senprobe mit europäischen M Symptome einer Revolution loschen, aber das Feuer gli sagen, ob es nicht mächtig Armeen ins Land marschier wäre nicht das erste Fürsten gejagt wird, in der der regi ist. Dem Haus Vonaparte! alle Regierungssorgen hinwe herzlich froh, als er den Solt wahrscheinlich sehr gut gege können, den Rücken gekehrt h bei seinen Besiegern angelan Weiter ist zu bedenken, de Rußland auch die russische just den Teil Rußlands, des burger Knute furchtbar zule existieren, daß die russischen österreichisch würden. Fur sagt, für Preußen, empfinder scheinlich weniger SympathiKriege gegen Rußland sehr Deutsche Reich durch Enteic aufzuhetzen, stellt auch ein kunst dar. W Kurde endlich Frankreic 73 Die Zumutung, daß Nno eines großen Krieges starter Tabak. Ein Bündni erlegen, daß ein Teil der schworenen Abenteuern Hil gangene Verpflichtungen kön Land die Narreteien und,