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Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Nieleseld, Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Freitag, 5. März 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten Zur Reichsfinanzreform. Ig. Berlin, 4. März. Die heutige Sitzung der Steuerkommission hat insofern das undurchdringliche Duntel ein wenig gelüftet, als nunmehr feststeht, daß der Block die Finanzvorlage macht, und zwal auf der Grundlage der vor uns gestern mitgeteilten Kompromißvorschläge. Die Anträge Herold wurden von der Kommission abgelehnt, der Kompromißvorschlag von den Blockvertretern angenommen. Das Zentrum stimmte in der Schlußabstimmung gegen das Kompromiß. Die Warnung der„Kreuzzeitung“ an die Liberalen hat scheint's gefruchtet, wenigstens ist von einem Widerstand der Freisinnigen nichts mehr zu verspüren. Es soll nunmehr die Tabaksteuervorlage beraten werden; man will in der Kommission die Banderolesteuer ablehnen und eine Subkommission beauftragen, über eine indere Form der Bedeuerung zu beraten. Die„Frankfurter Zeitung“ schreibt noch zur Situation: München, 4. März. Hier hält die Regierung und die führenden Kreise der Finanzwelt, der Industrie und des Handels nach wie vor an der Nachlaßsteuer für das Reich entschieden fest. In diesem Sinne ist auch die Rede des Ministerpräsidenten Frhrn. v. Podewils auf dem ersten bayerischen Handelskammertag über die Reichsfinanzreform aufzufassen. Wie andere Bundesstaaten, so befürchtet auch Bayern bei einer anderen Besitzsteuer eine gefährliche Unsicherheit für die einzelstaatliche Budgetgebarung, die dem föderativen Charakter des Deutschen Reiches nicht entspreche. Kaisermanöver 1909. Die offiziöse Korrespondenz Hoffmann hat also, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, wegen der geplanten Kaisermgnöher auch das Wort ergriffen. Nebenbei bemerkt: Besser wäre es gewesen, wenn sie voryer die deutsche Grammatik ergriffen hätte, denn ihre Auslassungen waren teilweise im reinsten Karlchen Mießnick=Deutsch abgefaßt. Und der Inhalt? Mein Gott, es könnte einem angst und bang werden, wenn man bedenkt, daß diese banalen, jedes höheren geistigen Schwunges entbehrenden Betrachtungen im bayerischen Kriegsministerium oder im bayerischen Generalstab entstanden oder höchstwahrscheinlich sogar von einem hohen Offizier versaßt worden sind. Die Auslassungen der Korrespondenz Hoffmann rängieren ja noch weit hinter dem gewiß noch nicht imponierenden, seinerzeit vielgenannten Artikel des Grafen Sphiefsen.,. isnguben; graße& uhermagäner aib. Der Trick der Korrespondenz. große Truppenmanover überhaupt und die Kaisermanöver in einen Topf zu werfen, verdient vor allem die gebührende Festnagelung. Jeder vernünftige Mensch wird zugeben, daß große Manöver einen gewissen militärischen Wert haben können. Aber andererseits ist der Nachweis, daß in den im Deutschen Reich üblichen Kaisermanövern militärische Phantastereien und Schaustellungen eine große Rolle spielen, mit Leichtigkeit zu führen. Diese Erscheinung ist ja so bekannt, daß man sich schämt, einzelne Belege dafür anzuführen. Ueberfälle in mondhellen Nächten, von den Zeitungen vorher annoncierte Kavallerieangriffe, die noch dazu glücken. Kavallerieartacken gegen die Front eines nicht nur unerschütterten, sondern sogar siegreichen Gegners usw sind militärische Delikatessen, die nur während der Kaisermanöver serviert werden. Wenn Volk und Presse sich auf Grund solcher Erfahrungen wehren. für derartige militärische Theaterstücke Hunderttausende zu bezahlen, so sind sie vollkommen im Recht. Daß die höheren und höchsten bayerischen Offiziere für die Kaisermanöver begeistert sind, ist freilich verständlich, denn sie erhalten dabei preußische Piepvögel, preußische Kronenorden und anderen Indianerschmuck aus der Schublade der„Kultur". Der in die ewigen Parademarsch= gefilde des Großen Geistes abgegangene Wahrheitsfreund Frhr. v. Asch heimste z. B. aus Anlaß der bayerischen Kaisermanöver 1897 nicht weniger als fünf Großkreuze ein. Und diesmal prophezeien wir dem Freiherrn v. Horn, daß er mindestens drei neue Großkreuze(ein preußisches, ein württembergisches und ein badisches) zur Zierde seiner teutschen Brust bekommen wird. Selbst wenn die Kaisermanöver von überflüssigen kostspieligen Kinkerlitzchen frei wären, so würde ihr militärischer Wert dennoch keineswegs so groß sein wie ihn die Korrespondenz Hoffmann schilderte. Manöver mögen noch so kriegsmäßig angelegt und durchgeführt werden: das ausschlaggebende und schreckliche Moment des Krieges, die verderbenbringende männermordende Kugel, fehlt. Die Kämpfer können noch leichter heldenhaft sein als Achilles und Siegfried, vie wenigstens ar einer bestimmten Stelle ihres Körpers verwundbar waren. Das wird namentlich vor der Kavallerie bei der Rekognoszierung ausgiebig benützt, so daß jeder Parteiführer über die Gegenpartei ohne Schwierigkeit so ziemlich alles erfährt. Während der Kaisermanöver in der Gegend von Breslau passierte es, wie Oberst Gädke berichtete, sogar, daß Kavelleriepatrouillen auf eine Entfernung von 50 Metern an besetzten feindlichen Schanzen kühn vorbeiritten. Und weil den Führern die Nachrichten über den Gegner so leicht zukommen, bleibt ihnen die große Nerventortur, die die Ungewißheit im Kriege verursacht, und die sehr leicht auf die Entschaußfähigkeit lähmend einwirkt, erspart. Ob der Umstand, daß die höheren Führer durch die Manöver daran gewöhn: werden, Meldungen, die sie im Ernstfalle„ar nicht oder erst nach längem aufregenden Warten erhalten würden, im Handumdrehen zu empfangen, im Kriege sich nicht sehr unangenehm fühlbar machen wird, ist fraglich. Nur zu leicht kann sich durch die Manöver in einer Armee ein Melde= und Befehlsmechanismus einbürgern, der im Kriege gar nicht zu gebrauchen ist. ####Was die Behauptung der Korrespondenz Hoffmann anbelangt Armeeführer im Kriege nur dann ihren Platz ausfüllen Eößagr penn sie schon im Frieden große Truppenmassen geführt 1920 onzi##w###en wir einfach auf die Kriege von 1866 und 407v. Moltke schlug die Schlachten von Königgrätz, St. PrivatGravelotte und Sedan siegreich und hat vorher im Manöver keine zehntausend Mann befehligt. Und haben nicht auch die preußischen Armeeführer von 1866 und ihre Generalstabschefs ihre Aufgabe gut erfüllt, ohne ihre strategischen Fähigkeiten vorher in großen Manövern geschärft zu haben? „Nur bei großen Manövern können die so wichtigen modernen Nachrichten- und Verkehrsmittel in kriegsgemäßer Weise eingesetzt und erprobt werden!“, sagt die Korrespondenz Hoffmann gelehrt. Zur Prüfung der Funktionsfähigkeit eines größeren Telegraphen= oder Telephonnetzes, mag es nun dauernd oder vorübergehend angelegt sein, sind aber keine großen Manöver nötig. Dazu genügen einige Dutzent telegraphier= und telephonkundiger Männer. Und den Eisenbahnverwaltungen, die im Sommer an mancher Sonntagen 60000 Menschen und mehr von einem einzigen Ort aus ohne vorherige Anmeldung befördern können, wird auch ohne Kaisermanöver ein Transport von 100000 Mann, der ihnen schon Tage vorher angekündigt worden ist, gelingen. Darüber, daß man keine Kaisermanöver benötigt, um Fesselballons und lenkvare Luftschiffe zu erproben, braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Das Hauptkunststück besteht darin, daß die Insassen des Ballons sich rasch in der unter ihnen liegenden Gegend orientieren, damit sie die Annäherung feindlicher Truppenteile richtig melden lönnen. Ob in dieser Gegend eine Insanteriedivision oder sechs herummarschieren, ist nebensächlich, denn wer eine Infanteriedivision aus dem Ballon abzählen kann, kann auch sechs abzählen, vorausgesetzt, daß das Tageslicht so lange währt. Die Korresvondenz Hoffmann erklärt ferner feierlich, daß selbst der sogen. gemeine Soldat in den Kaisermanövern viel lerne, denn im großen Krieg währe der Schützenkampf Stunden und Tage. Es ist zwar bekannt, daß die Truppen in den Kaisermanövern unmenschlich angestrengt werden, aber Tag und Nacht hat man sie bisher noch nicht ununterbrochen losknallen lassen. Und selbst wenn die Zeitdauer der Manöver ähnlich gestaltet würde, wie jene der großen Kämpfe im Kriege, so würden dennoch die furchtbaren Eindrücke, die Aufregung fehlen. Die Soldaten und ein erllecklicher Teil der Offiziere würden nur über die blödsinnige Schinderei, die kein Ende nehmen will, schimpfen und nebenbei steinmüde werden. Einen ganz besonderen Vorzug der Kaisermanöver sieht die Korrespondenz Hoffmann darin, daß der Soldat dabei großen Entbehrungen ausgesetzt wird. Im Lande des Brot= und Fleischwuchers, wo für viele Proletarier Hunde=, Katzen= und Pferdefleisch Sonntagsbraten vorstellen, wo in jedem Winter Hunderttausende arbeitslos sind, braucht mar wirklich nicht erst Kaisermanöver, um einer großen Anzahl Soldaten begreiflich zu machen, was man unter Hunger versteht. Und was hilft es für den Krieg, wenn vor den Soldaten die gewöhnlich genügende oder reichliche Nahrung haben, mehrere Tausend im Frieden einmal ein paar Tage hungern müssen und danr wieder zu ihrer alten Lebensweise zurückkehren? Ebenso ist es mit den Anstrengungen. Wird mobilisiert, so werden sich selbs. in dem Feldheer der vordersten Linie einige hunderttausend Mann befinden, die an große Märsche in kriegsmäßiger Ausrüstung nicht mehr gewöhnt sind. Daß solche Leute sich schneller einmarschieren werden, wenn sie zwei oder drei Jahre vorhe; anläßlich eines Kaisermanövers an zwei oder drei Tagen bis zur Erschöpfung marschieren mußten, glaubt niemand. Allerdiags muß der Soldat körperlich gestählt werden; aber deswegen ist es nicht nötig, ihn 50—60 Kilometer marschieren und dann noch ein Gefecht absolvieren zu lassen. Für solche Experimente ist die Gesundheit des Mannes, dessen eigentlicher Beruf außerhalb der Kaserne liegt, zu kostbar. Uebrigens weiß man zur Genüge, daß mit den Kaisermanövern 1909 von Preußen ein politischer Zweck verfolgt wird. Sie stellen einen weiteren Handgriff zur Eskamotage der bayerischen Selbständigkeit vor. Seit neuestem vergeht tein Jahr mehr ohne daß bayerische Truppenteile zu Kaisermanövern herangezogen werden. Diesesmal wird gleich die ganze oayerische Armee aus dem Lande geholt. Und die bayerischen Regierer sagen dazu nicht nur Jo und Amen, sondern sie verteidigen die preußische Manipulation höchstselbst in einer offiziösen Korrespondenz. Mehr Untertänigkeit kann man in Berlin nicht verlangen. Natürlich macht man in München zu dem Aufgefressenwerden auf friedlichem Wege die Faust in der Tasch= und verflucht die Stunde, in der man 1891 die ersten bayerischen Kaisermanöver selbst inszenierte, nur damit Prinz Leopold deutscher Generalinspektor werden konnte. Aber es hilft den Herrschaften nichts. Sie sind in der Lage des Goetheschen Zauberlehrlings, der verzweifelt jammert: „„Die ich rief, die Geister, Werd ich nun nicht los.“ (R. K. in der„Münch. Post“.) Politische Uebersicht. Deutsches Die Witwen= und Waisenversicherung. Dem Bundesrat soll, wie bereits gemeldet, nächstens ein Gesetzentwurf zugehen, der die Aufhebung des§ 15 des Zolltarifgesetzes fordert. Dieser Paragraph bestimmt, daß die Mehreinnahmen aus dem Getreidezoll und einigen anderen Zöllen als Fonds für die Witwen= und Waisenversicherung angesammelt werden muß. Die Regierung will dafür die Witwen= und Waisenversicherung, weil die Einnahme aus den Zöllen schwankend ist, auf einen Reichszuschuß stützen. Damit würde das bisher angesammelte Geld von der Regierung zu anderen Zwecken verwendet werden können. Die Witwen= und Waisenversicherung sollte nach dem Zolltarifgesetz am 1. April 1910 in Kraft treten. Daran scheint nun allerdings nicht zu denken zu sein. Und ob die Mittel für den Reichszuschuß bei der jetzigen Finanznot beschafft werden können, ist sehr fraglich. Das Fazit der Gesetzesvorlage wäre also: Die Regierung kann über das angesammelte Geld verfügen und die Witwen= und Waisenversicherung wird auf die lange Bank geschoben. Ki. Das Marokkoabkommen und der Tatendrang der deutschfranzösischen Bankgruppe. Wie die„Voss. Zeitung“ aus zuverlässiger Qualle erfahren haben will, ist aus Kreisen, die der neuen deutsch=französischen Bankgruppe nahestehen, schon überschnell der Versuch unternommen worden, die BagdadbahaObligationen zur offiziellen Kursnotierung in Paris zu bringen. Auf eine Anfrage erfolgte ein ablehnender Bescheid, weil die französische Regierung den Schein vermeiden will, als enthielte das Marokkoabkommen irgendwelche finanzielle oder wirtschaftliche Konzessionen. Die Verhandlungen wurden nicht offiziell geführt. In den maßgebenden französischen Kreisen soll die Eilfertigkeit, das neue deutsch=französische Marokkoabkommen praktisch auszunutzen, verstimmt haben. Podbielskis Abschied. Pod, der erst letzthin durch seine urwüchsige Ausdrucksweise in verschiedenen Teilen Deutschlands die Agrarier in helle Begeisterung versetzte, will völlig aus dem öffentlichen Leben scheiden. In einer Versammlung des Bundes der Landwirte in Westpriegnitz erklärte er, daß er sich gänzlich vom politischen Leben zurückziehen wolle.— Worauf dieser plötzliche Verzicht zurückzuführen ist, ist nicht bekannt. Noch auf der letzten Zirkus=Busch=Parade ließ Podbielski nichts von politischer Müdigkeit merken. Pod scheint sich in seiner neuen Stellung als junger Mann des Herrn Rathenau so wohl zu fühlen, daß er jetzt auf die Politik gut verzichten kann. Aus dem Reichstag. Die Budgetkommission begann am Mittwoch vormittag die Beratung des Militäretats. Der Kriegsminister v. Einem machte zunächst vertrauliche Mitteilungen. Daran knüpfte sich eine lange Diskussion über die Rationen, Pferdegeld und Stallservice. Es wurde von einem Mitgliede der Kommission festgestellt, daß nur 65 Prozent der Pferde, für die Rationen geleistet, gehalten werden. Der Kriegsminister stellte für das nächste Jahr eine Vorlage in Aussicht, die die ganze Materie neuzeitlich regeln solle. Abg. Graf Oriola fragte an, wie es mit den Generulen stehe, die Automobile zur Verfügung gestellt bekommen. Oberst Wandel erklärt, daß die Automobile dienstlichen Zwecken zur Verfügung gestellt würden. Abg. Gothein regt an, den Offizieren die Pferde von der Verwaltung aus zu stellen und auch in eigener Regie zu verpflegen. Bei den Generalen, denen Automobile zur Verfügung gestellt würden, könnten doch auf alle. Fälle Pferderationen gespart werden. Der Kriegsminister bestreite., daß der Vorschlag des Abg. Gothein eine Verbilligung zur Folge haben würde. Durch die Automobile der Generale würden Pferde nicht gespart. Der Präsident des Reichsmilitärgerichts— so wurde in der Kommission festgestellt— habe keinerlei Felddienst zu tun, beziehe aber trotzdem Rationen für 6 Pferde. Mit diesem Zustand soll bei der Neuregelung, die der Kriegsminister in Aussicht gestellt hat, gebrochen werden. Ein Abgeordneter regt die Schaffung einer Zwangsversicherung für Offizierspferde unter Leistung eines Staatszuschusses an. Diesem Vorschlage trat der Kriegsminister entgegen.— Zu einer heiteren Szene kam es, alk bei der Forderung von zwei Bureaubeamten festgestellt wird, daß die Kolonialverwaltung sich für die gleichen Posten bereits zwei Beamte hat bewilligen lassen. Unter großer Heiterkeit wird in der Kommission allgemein zum Ausdruck gebracht, daß die der Kolonialverwaltung bewilligten zwei Beamten nunmehr wieder gestrichen werden müßten.— Auf einen Wunsch, den Druckvertrag mit der Firma Mittler u. Sohn baldigst zu lösen, erklärt ein Vertreter der Militärverwaltung, daß ein Monopol nicht bestehe und die der Militärverwaltung berechneten Preise nicht zu hoch seien.„ 6 Die Viehseucentommission hat Mittwoch vormittag die 2. Lesung des Gesetzes betreffend die Bekämpfung der Viehseuchen beendet.— Zu lebhafteren Auseinandersetzungen kam es noch einmal bei den§§ 19 und 44a. In diesen Paragraphen sind die Sperr=Maßregeln stipuliert Gegen die Bestimmungen, daß nicht nur die Ställe, Hofräume, sondern auch die„Gehöfte“ für jeden Personenverkehr sollen gesperrt werden können, wandten sich unsere Genossen in entschiedener Weise. Unter„Gehöft" verstehe man den ganzen Besitz, also auch die Wohnhäuser. In diesen letzteren befinden sich aber vielfach auf dem Lande Wirtschaften, die zu politischen Versammlungen benutzt werden können. Auf Grund der fraglichen Bestimmungen des Viehseuchenaejetzes würde jeder Bürgermeister in die Lage versetzt, alle ihm mißliebigen Versammlungen zu unterdrücken. Selbstverständlich lehnte die agrarische Mehrheit der Kommission die Streichung des Wortes„Gehöft“ ab. Sie akzeptierte damit die Ausmerzung des bayerischen Zentrums=,Bauern“ Freiherrn von Zetten, der offen ausgesprochen hatte, daß es kein Unglück sei, wenn eine Anzahl sozialdemokratischer Versammlungen nicht statrfände.— Es schwebt jetzt nur noch eine Differenz zwischen der Kommissionsmehrheit und den verbündeten Regierungen: Die Einsetzung einer Laien=Kommission. Um Zeit zu Kuhhändeln über diese Frage zu gewinnen, soll der in Betracht kommende Paragraph in der nächsten Woche einer dritten Lesung unterworfen werden— Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß das Viehseuchengesetz mit seinen vielen unübersehbaren, die Volksernährung bedrohenden Bestimmungen demnächst Gesetz werden wird.— Zum Konflikt auf der Balkauhalbinser. Gestern war wieder alles voll von Krieg und Kriegsgeschrei. Die Zunft der Diplomaten hat ja ein Interesse daran, dem Publikum einzureden, daß sie eine ungeheure Tätigkeit entfaltet und ohne diese das Kriegsunglück über die Menschheit hereinbrechen würde. Das gerade Gegenteil ist bekanntlich der Fall. Heute steht nun fest, daß Serbien, wenn es auch noch einige Winkelzüge versucht, nachgeben wird. Dies wird in folgender Nachricht aus Wien angekündigt:. Pemsetiun Wmt. Wien, 4. März. Auf dem hiesigen uuswartigen Amte wurde heute abend folgendes mitgeteilt: Wir halten die günstigen Nachrichten für die richtigeren. Wohl besitzen wir noch nicht den Wortlaut der serbischen Note und von diesem Wortlaut wird es abhängen, ob wir die heutige Erklärung auch nur für einen Teil der bisher geübten Verschleppungstaktik halten müssen, auf die wir uns unter keinen Umständen einlassen, oder aber, ob von einer Annäherung an unseren Standpunkt geredet werden kann, die wir mit sofortiger Einleitung von Verhandlungen über wirtschaftliche Anschauungen beantworten würden. Selbstverständlich erwarten wir zuvor noch eine direkte Mitteilung. Gerade nach den Erfahrungen der jüngsten Tage aber wird es klug sein, das endgiltige Ergebnis der Verhandlungen abzuwarten, bevor man über die Lage im ganzen urteilt. Fest steht bisher nur eins: Wenn die Gefahr für den Frieden wirklich gebannt ist, so ist das nur der Fall dank der unerschütterlichen Einigkeit der deutschen und österreichisch=ungarischen Diplomatie, die allen durchsichtigen Bemühungen, sie auseinander zu manövrieren, kalten Blutes widerstanden haben. Die Weihrauchspende war natürlich ebenso unnötig wie unverdient. Es hätte einer ungewöhnlichen Ungeschicklichkeit be durft, um es zum europäischen Krieg kommen zu lassen. Allervingo für vas großmaulige Serbien wit seinemH zum eurtlichen Krieg kommen zu lassen. Allerwaf“, alle heide nichte in. fevien ui, seinem Kronprinzlein, welche aue beibe nichts zu vertieren haben, war keine Garantie zu übernehmen. Aber auch diese haben den besseren Teil der dem Vaterland erhalten. Leben 4. März. Gestern wurde im Ausschuß für Nationa verteidigung mitgeteilt, daß König Peter sofort nach des Schnsrigs Frase mit Hesterreich=Ungarn abdanken, und Lus Kroubrinz Georg den Toron besteigen werde. Kronprinz aund sgäctete vierauf an den Ausschuß für Nationalverteidi. dia Heite sich ruhig und gemäßigt zu verhalten und ien bloß insgeheim fortzusetzen, da er seinem Vater Porde#regierung das Versprechen gegeben habe, sich ruhig zu Belgien. ac. Der geschäftskundige König. Leopold II. hat es stets verstanden, seine kleinen Vtrinatonig, Leovold II. hat es stets verPeivalgeschafte mit denen des Staates zu gatzichen und hat daraus seinen Vorteil gezogen. Rannte man den Airikaonerseinr ausgedihnten Besitzungen am Kongo er m 8#.##1o hat er sich jetzt den Beinamen„Der Asiate“ vervien. Dei smarte Geschäftsmann auf dem Königsthron hat E# zänlich schon vor 7 Jahren die Konzession aus umfangreiche murde Zerch Tientsin zu verschaffen gewußt. Die Konzession listen=Gerellschaft versichen deren Kit einer belgichen Kapito. . 9(5g retnichen, geren Leitung sich tarjächlich in den Handen Leopolds befand. Das Parlament wurde dabei nicht befragt, obwohl der belgische Staat es war, der die Souveränität üver dieses Stück chinesischen Territoriums ausübte, und tät üver dieses Stüa chinesischen Territoriums ausübte, und dem in einem Konfliktsfalle die Verantwortung zugefallen ware. Die„militärische Besatzung, die Belgien, wie die ubrigen euroTalschen Lander, in der chinesischen Hauptstadt unte: ält, hat unter anderem auch die Aufgabe, die„Ordnung“ auf dem belgi. Wochen munhe sahung in##e eine Abteilung Soldaten von der belgischen Be„apung in Peking nach Tientsin dirigiert, weil dort Unruhen ausgebrochen waren. Diese hatten ihre Ursachen in dem dort bestehenden chinesischen Spie haus gehabt. „Die Finanzgruppen, die ehedem an diesem Unternehmen be###gt waren, sind noch abgefunden word n, so daß der König Prertradnx alleznige oder goch der hauptsächlichste Besitzer des e ist. Nicht nötig, beionders zu betonen, daß das Unternehmen ein recht lukratives Geschäft ist, andernfalls würde sich der geschäftsgewandte Herr Leopold längst davon zurückgezogen Scei-chastedri i. Boden der konzeznonierten euroväischen innerbalb di:“ auch von den Chinesen sehr bevorzugt, weil sie geeser tausenderlei Vexationen entgehen, denen sie anderwen vurch ihre eigenen Landesbehörden ausgesetzt sind. große Gewinn= erzielt. ganz erheblich, und so Kommnnales. die Giltigleithder Otak 1.„ Landgemeindeordnung. Einsprüche mei Rachen erbeim Gem=inden nich Bektanntmachung des Wahlergebnisses wesche ihre.... steder anzubringen. Bei Gemeinden, Bekanntmachungen durch die Zeitungen veröffentdie Frist von zwei Wochen vom Tagi dieser Bekanntmachung an. Die Gemeindeversammlung hat von Amts wegen, also auch erhoben sind, über die Giltigkeit der Wahlen Beschluß zu fassen. Zur Erhebung des Sizigrucs ist jedes Gemeindemitglied berechtigt, welches sich im läilig, daß ein, ist daher durchaus zu. ilklasse Einst in Wähler der dritten Wahlt.,##ruch gegen in per ersten oder zweiten Abteilung erheot. Der Einspruch kann sich nicht auf die Behauptung stützen, die Wählerliste habe Unrichtigkeiten enthalten. Solche Einsprüche sind während der Auslegungsfrist der Liste geltend zu machen. Wohl Sählpersapren.. stüihen, daß die für das S###erfahren, vorgeschriebenen Formen nicht beachtet sind oder dus der Gewuhlte nicht Gemeindeverordneter sein kann usw. Die Entscheidung der Gemeindeversammlung kann nur auf Giltigkeit oder Ungiltigkeit der Wahl lauten Erklärt sie ein Pahl. für ungiltig,„so kann sie nicht etwa gleichzeitig diejenige Tesen uin gewann erklären, die vielleicht die nächstmeiste oder Ungiltigkeit einer Wahl ausgesprochen wikann mit der Klage angefochten werden. Zur Erhebung der Llags, die innerhalb zwei Wochen anzubringen ist, sind be1. diejenigen, deren Beschwerde und Einspruch durch Beschluß der Gemeindeversammlung als unbegründet zurückgewiesen worden ist; 2. die Gewählten, deren Wahl durch Beschluß der Gemeinde. versammlung für ungiltig erklärt worden ist; 3. der Gemeindevorsteher oder Amtmann. Die Klage ist beim Kreiseusschusse schriftlich einzureichen oder mündlich zu Protokoll zu erklären. In der Klage ist ein bestimmter Antrag zu stellen. " Gegen die Entscheidung des Kreisausschusses ist binnen eine Frist von zwei Wochen, von der Zustellung an gerechnet, Berufung an den Bezirksausschuß zulässig. Die Berufung ist schriftlich anzumelden und zu rechtfertigen. Gegen das Urteil des Bezirksausschusses kann die Revision an das Oberverwaltungsgericht eingelegt werden. Die Anmeldung und Rechtfertigung der Revision hat Wochen, von der Zustellung des Urteils des Bezirksausschusses an gerechnet, beim Kreisausschusse zu erfolgen. Die Klage hat keine aufschiebende Wirkung. Demnach bleibt der Beschluß der Gemeindeversammlung solange maß gebend, bis er durch eine im Verwaltungsstreitverfahren ergangene rechtskräftige Entscheidung außer Kraft gesetzt worden „Hat die Gemeindeversammlung eine Wahl für giltig erklärt, so stur vie Gewählten in ihr Amt einzuführen, ohne Rücksicht darauf, ob gegen den Beschluß die Klage erhoben ist. Ist dagegen von der Gemeindeversammlung eine Wahl für ungutig erwerden, die Bewählten nicht eingeführt. Neuwahlen Gesbgsger dann vorgenommen werden, wenn auch im prachen ies streitverfahren die Ungiltigkeit der Wahl ausgeer rie die Pagssiige ain für die östlichen Provinzen, scheidenden Gemei zu seben vor, daß die ausMahlveriade re'd. Staotverordneten, deren 6jährige argelaufen ist, solange im Amte bleiben bis die gemeinde=Oronze. Phrt sind. In der Westälischen Landbeshalß vorte..n oiche Bestimmung und er kann Nahl durch gir Ungiltigkeitserflärung einer stimm berecktigter Femeindeversommlung eine größere Anzahl wemeindemitglieder bis zur rechtskräftigen Eatscheitzung per Angelegenheit nicht in der genügenden Weise in de. Gemeinteversammlung vertreten ist. beitslosigkeit als unerheblich erscheinen zu lassen, wahrscheinlich, damit die Stadtverwaitung keine Maßnahmen zur Linderung der Not zu treffen braucht. Die Armee=Intendantur und die Tarifklausel. Bei Gelegenheit der Neuregelung der Bedingungen für die Vergebung städtischer Arbeiten veantragten die sozialdemokratischer Vertreter in der Stadtverordnetenversammlung Rothenows die Aufnahme folgender Bedingung:„Dei submittierende Unternehmer ist verpflichtet, den bei Ausführung der zu vergebenden Arbeit beschäftigtei Arbeitern und Arbeiterinnen mindestens oiei#te g und Arbeiterinnen mindestens diejenigen Lohn= und Arbeitsbevingungen zu gewähren, die in dem betreffenden Gewerbe tariflich festgelegt sind.— Der Antrag wurde mit der Vorlage an die Bau=Deputation zurückverwiesen. Als jetzt über die Vergebung der Arbeiten für einen von der Stadtgemeinde vertraglich auszuführenden Neubau eines Tinzierslunnos beschlossen werden sollte, erkundigten sich unsere Genossen nach dem Schicksale ihres Antrages. Der Stadtbaurat gab zur Antwort, daß man noch dabei sei, die Lieferungsbedingungen entsprechend umzuarbeiten. Fur die vorliegende Vergebung sei der Aatra; überdies gegenstandslos, da hier die Intendantur die Lieferungsbedingungen vorschreibt. Letztere enthielten bereits die in dem Antrage geforderten Bedingungen. Zur Wahlrechtsbewegung in Kiel. Zu Mittwoch abend waren# von der sozialdemokratischen Partei 3 Protestversammlungen###d# einberufen worden, die alle überfüllt waren 2 Versammlungen wurden polizeilich abgesperrt; insgesamt haben wohl 7- bis 8000 Personen an den Versammlungen teilgenommen. Redner waren die sozialdemokratischen Stadtverordneten. die scharf den geplanten Wahlrechtsraub kritisierten. In allen Versammlungen wurde eine Resolution angenommen, die es als Widersinn und Schande erklärt, in dem Augenblicke das Dreiklassenwahlrecht in einer Stadt einzuführen, in dem sich das preußische Volk mit Macht gegen die Dreiklassenschmach erhebt Die Resolution soll den Stadtverordneten und dem Magistrate zugestellt werden.— Sämtliche Polizeiwachen in der Nähe der Versammlungslokale waren mit außergewöhnlich stark bewaffneten Polizeiabteilungen bejetzt. Die Polizei befürchtete Straßendemonstrationen. Die Parteileitung hatte jedoch hiervon abgesehen. Die von den städtischen Kollegien gewählte Deputation reist heute nach Berlin und wird morgen vom Minister des Innern empfangen werden Es ist wenig Aussicht vorhanden, daß sie etwas erreicht. Von den 12 Stadtverordneten, die Mitglied der freisinnigen Parteiorganisation sind, und die unter Androhung des Ausschlusse: zur Ablehnung des Magistratsantrages vervflichtet wurden, sind 8 aus der Organisation ausgeschieden mit der wunderlichen Begründung, sie trieben als Stadtverordnete keine Politik. Diese # wollen also nur freie Hand für den Wahlrechtsrauk Es ist nun mit Sicherheit anzunehmen daß außer den 10 Sozialdemokraten nur noch 4 bürgerliche Stadtverordnete sich als Gegner des Wahlrechtsraubes bewähren werden, und das Arbeitslosenzählung. Nach dem amtlichen Ergebnis der von veranstalteten Arbeitskosenzählung in Dex 25, Schrgar#urten 5472 Personen als arbeitslos n aus nichermittelt. Tavon schieb arer rer amtliche Bericht 997 a Grunden aus. u vaß nur 4475 Perionen blieben Davon großer Teil bis 5 Monae, als ein Viertelsahr arbeitlos, ein Die Arbeitslosenzählung wurde in der Weise Die Arbeitslosenzählung wurde in. Teise vorgenommen, iß sich die Arbeitslosen an amtlichen Stellen zu melden hatten. s ist selbstverständlich, daß dadurch viel Arbeitslase abgehalten daß Es ist selbstverständlich, daß dadurch viel Arbeitslos abgehalten worden sind, sich zu melden, so daß das Resultat ir keinem Verhältnis zur wirtlichen Arbeitslosigkeit steht. Der amtliche Tericht zeigt deutlich das Bestreben, die Arverteilt unter die Aktionäre nach der Höhe des Kapi. tals, mit dem sie an der Unternehmung beteiligt sind. Tort bekommt der am meisten, der das meiste Geld in der Unternehmung hat. Von dem Ueberschuß des Konjumvereins aber bekommen die am neisten, die vielleicht, weil sie eine große Familie haben, besonders viel Waren von dem Konsumverein entnommen haben. Im übrigen, wer die Lehren unserer Theoretiker näher kennt, der weiß: Sie haben nicht behauptet, daf der Meyrwert, den ein Unternehmer erhält, gerade in dem Betrieb erzeugt wird, dessen Inhaber er ist. Sondern die gesamte Arbeiterklasse erzeugt den gesamten Mehrwert welcher der Kapitalistenklasse zufließt und nach bestimmten Gesetzen, auf die wir hier nicht näher eingehen können, unter sie verteilt wird. Wenn die Unternehmungen, die heute in den Händen der Konsumvereine sind, privaten Kapitalisten gehörten, dann würde allerdings die sogenannte Dividende, welche heute die Mitglieder erhalten, in deren Taschen fließen. Durch die Konsumvereine wird ein Stück Mehrwert den Kapitalisten entzogen— zugunsten der Mitglieder des Koniumvereins. Wer sind das aber? Es sind, das hat ja die„Westfälische Zeitung" selbst erzählt, zu 90 Prozent Arbeiter! Man kann natürlich on der Redaktion der„Westfälischen Zeitung" nicht verlangen, daß sie merkt, wie sich der Artikel widerspricht, indem er einmal oon er kapitalistischen Ausbeutung redet und dann ausführt, daß kapitalistischen Ausbeutung redet und dann ausführt, daß die angeblichen Ausveuter zu 90 Prozent Arbeiter sind. Wunscht die„Westfälische Zeitung“ etwa, daß der ganze Ueberschuß der Konsumvereine unter ein vaar hundert Angestellte verteilt wird. und sso für diese Sinekuren geschaffen werden? Wird es nicht ein jeder halbwegs denkende Mensch richtig finden, daß man den den Kapitalisten abgerungenen Mehrwert einer möglichst hier den Kal großen Zahln — l vor Arbeitern zugute kommen laßt? Wir Sozialdemokraten wünichen ja auch nicht, daß der Reinjewinn z. B. der Firma Krupp unter die Arbeiter gerade dieser irma verteilt wird, sondern wir wollen, daß ein immer bei 29 gegenwärtig besetzten Stadtverordnetenmandaten! Die Entscheidung steht also auf des Messers Schneide. Spätestens kommenden Montag wird eine Sitzung der städtischen Kollegien stattfinden, in der die Entscheidung fällt. Bemerkt sei noch, daß die Sozialdemoraten in der Stadtverordnetensitzung am Dienstag wohl für die Vertogung des Magistratsantrages, aber gegen den Bittgang nach Berlin gestimmt haben. Aus der Stadt und Nachbarschaft. A M BAr Ezhmefukupg unger ei. Arbeiter Firma VerkeiltVer, snseen Wir wodlen,, eup ein immer großerer. Teil dessen, was heute den Kapitalisten als Mehrwert in Gestalt von Dividende, Zins usw. zufließt, der Allgemeinheit zur Verfügung stehen soll. Wenn wirklich einmal irgendwo die Arbeiter so blödsinnig sein sollten, wie es ihnen die„Westfälische Zeitung" empfiehlt und den Reingewinn eines Konsumvereins unter dessen Angestellte verteilen würden, dann würden wir bald in der„Westfälischen Zeitung" lesen, daß sich wieder einmal sozialdemokratische Führer von Arbeitergroschen mästen. Blücklicherweise ist ein solcher Mangel an Intelligenz bei den Arbeitern nicht vorhanden, so etwas findet man nur in der Westfälischen Zeitung" Man sieht, die„Westfälische Zeitung“ hat mit ihrer Sozialistenbekämpfung nicht viel Gluck. Sie hat keine glückliche Hand, würde Justizrat Klasing sagen. Sie täte wahrlich besser, sich ausschließlich anderen Aufgaben zu widmen, die ihr besser iegen, z. B. der Schilderung von Kriegervereinsfesten, Kaisergeburtstagsfeiern und ähnlichem Aber sie sollte doch nicht immer wieder den vergeblichen Versuch machen, mit ihres Geistes Waffen(?) dem Drachen Sozialdemokratie zu Leibe zu ziehen? Sie erreicht doch damit nur, daß sie ein paar auf ihre Finger bekommt. Will sie denn auch die letzten denken. den— man verzeihe das harte Wort— Menschen aus den Reihen ihrer Leser vertreiben, oder nimmt sie auf denkende Leser keine Rücksicht, weil sie annimmt, daß sich diese sowieso mit Grausen wenden, wenn sie ein paar Tage lang den Versuch gemacht haben„geistige“ Kost aus den Spalten der„Westfälischea Zeitung zu beziehen. * Bielefeld, 5. März. Die„Westfälische Zeitung“ und die Bolkswirtschaft oder die Sau und die Bibel. „Die„Westfälische Zeitung“ schwafelt wieder einmal über Sachen, von denen sie keine Ahnung hat, was wir gewohnt sind Es ist ja auch gar nicht anders moglich, denn von was versteh denn die„Westtälische Zeitung" etwas? Der Abwechslung hal ber bringt sie diesmal einen Artikel, der sich in folgender „geistvoller“ Weise, mit der Verteilung des Gewinns deDresdener Konsumvereine befaßt. Der Artikel lautet: „Worte und Taten. Die sozialdemokratischen Blätter pflegen großen Lärm zu schlagen über die zu hohen„wucherischen Gewinne“ der geschäftlichen Großbetriebe. Das ist jedoch nichts als Heuchelei ansis s####g#r#e: Das ist jedoch nichts als Heuchelei Denn die Sozialbembiralte betreibt in ihren eigenen Reiher die krasseste„kapitalistische Ausbeutung Belehrende Aufschlüsse darüber entcält die Bergarbeiter=Zeitung, welche in ihrer Nr. 2 von 1909 einen Geschäftsbericht der vier„Dresdener Konsumvereine“ veröffentlicht. Diese vier Konsumvereine sind sozialdemokratisch und bestehen zu 90 v. H. aus Arbeitern. Der Umsatz der vier Konsumvereine betrug im abgelaufenen Geschäftsjahre 14012343 Mark. Der Reingewinn betrug 1 335 535 Mark, das heißt 10½ v. H. Mit welchem Betriebskapital die genannten vier Konsumvereine arbeiten, steht nicht in dem Beschäftsbericht. Man kann es jedoch schätzungsweise feststellen aus der Zahl der Mitglieder, die 44 053 für alle vier Vereine zusammen betrug, und dem Geschäftsanteil, der für jedes Mitglied auf 30 Mark festgesetz ist. Angenommen, die Geschäftsanteile seien alle voll gezahlt, so ergibt sich ein Betriebskapital von 1 321 590 Mark. Wahrscheinlich aber sind die Geschäftsanteile nicht alle voll gezahlt. An Es ergibt sich also: Bei der Annahme der vollgezahlen A#teile ist der Gewinn großer als das gesamte Beiriebskapital, er beträgt nämlich 101 vom Hundert. Tatsächlich aber wird er sicher noch höher sein, denn daß alle Anteile voll eingezahlt sind, kommt äußerst selten bei einer Genossenschaft vor. Die vier Konjumvereine hatten im Jahre 1908 781 Angestellte welche zusammen 751 342., ark Löhne und Gehälter erhielten also auf den Kopf etwa 1046 Mark. Verteilt man den Reingewinn auf die Angestellten, so entfallen auf jeden 1860 Mark. Nun ist es eine beliebte sozialdemokratische Behauptung, daß der erzielte Gewinn eines Unternehmens immer nur die Arbeitswerte der Betriebsangestellten darstelle. Wäre diese. Behauptung richtig, so müßte sit doch von den„Genossen" zuerst auf die Angestellten der sozialdemokratischen Kon umvereine angewendet werden. Es wären demnach die 781 Angestellten der in Rede stehenden Konsumvereine um je 1860— 1046 gleich 814 Mark geschädigt worden. Wo sind diee 814 Mark geblieben? Welche bürgerlichen Betriebe arbeiten mit so gewaltigen Gewinnen wie diese vier sozialdemokratischen Konjumvereine? Man sieht wieder einma., daß bei den Genossen sich Worte und Taten schlecht vertragen. Dieser Artikel ist voll von Irrtümern und zeigt so recht, mit wie wenig Geist in der„Westfälischen Zeitung gearbeitet wird. Wie ungeheuer niedrig muß die Redaktion der„Westfälischen Zeitung“ ihre Leser einschätzen, wenn sie es wagt, ihnen eine derartige, von Unsinn triefende Schreiberei vorzuietzen. Zunachst geht aus dem Artikel hervor, daß der Verfasser vom Wesen eines Koniumvereins keine blasse Ahnung hat. Er behandelt ihn einfach, wie irgend ein kapitalistisches Unternehmen. Gibt es einen größeren Blödsinn, als wenn man die Dividende, die ein Konsumverein an seine Mitglieder verteilt, mit der Dividende einer Aktiengesellschaft vergleicht und sie in Verhältnis zum Grundkapital des Konsumvereins stellt? Der Verfasser des Artikels weiß nicht einmal, daß die sogenannte Dividende der Kon'umvereine weiter nichts ist, als die Rückzahlung eines Teils der für die Waren gezahlten Preise. Die Konsumvereine haben das Prinzip, ihre Waren nicht sofort so billig zu verkaufen, als es ihnen bei genauer Berechnung ihrer Einlaufspreise und Unkosten mög'ich wäre, sondern sie nehmen erst die ortsüblichen Preise und zahlen am Ende des Jahres den Ueberschuß an die Mitglieder wieder zurück, und zwar verteilen sie ihn im Verhältnis zu dem Wert der Waren, welche das einzelne Mitglied im Laufe des Jahres entnommen hat Wie ehr unterscheidet sich nicht diese Konsumvereinsdividende von dem. was bei Aktiengesellschaften als Dividende bezeichnet wird? Tort wird der Ueberschuß der Unternehmung — Gewerkschaftskartell Vielefeld. Die Amtsperiode des Gewerkschaftsausschusses ist mit der öffentlichen Gewerkschaftsversammlung abgelaufen. Betreffs Neuwahl des Ausschusses findet am Mittwoch, den 17. Marz, abends 8½ Uhr, im Restaurant„Stadt Bieleseld“ eine Sitzung der Kartelldelegierten statt. Da bisher von verschiedenen Gewerkschaften die Adressen der neugewählten Vorstandsmitglieder und Kartelldelegierten nicht mitgeteilt sind, ersuchen wir, dies baldigst nachzuholen und die Adressen an Kollegen Köllner, Marktstr. 8, einzusenden. Der Ausschuß. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns gechrieben: Morgen(Sonnabend) wird„Alt=Heidelberg" zum letzten Male gegehen; diese Vorstellung findet zu kleinen Preisen statt Melly Stollberg, die jetzt schon die dritte Saison in Bielefeld wirkt, hat am Dienstag Benefiz. Die Künstlerin hat für ihren Ehrenabend die Rolle der Yanetta in dem Schauspiel„Die rote Robe“ von Brieur gewählt. Am Donnerstag und darauf folgenden Sonntag gastiert die Herzogl.=Meiningische Hofschauvielerin Auguste Prasch-Grevenberg als Jacqueline in„Die fremde Frau“. — Städtisches Orchester. Wir weisen nochmals auf das heute abend um 8½ Uhr im Stadttheater stattfindende vierte Volkskonzert(Populärer Abend) bin. — Gesangverein„Hoffnung“(Mitglied des AArbeitersängerbundss), jeiert am Sonntag, 4. März, sein 13. Stiftungsfest in den Lolaliiäten des Wirts Lohmann. — Polizeibericht. Festgenommen wurden 1 Person wegen Bettelns, 1 Person wegen Diebstahls und 1 Person wegen Trunkenheit. 28 obdachlose Wanderer erhielten Unterkunft im Polizeigewahrsam. Eingebrochen wurde in der Nacht zum 8. 3. 09 in den Keller des Hauses Fröbelstr. 42 und daraus 40 Flaschen Liköre und Schnaps entwendet. Die Diebe scheinen zum Transvort eine zweiräderige Handkarre ntwendet zu haben. Letztere fand sich zwei Tage spater auf derselben Stelle im Hofe des Bestohlenen wieder vor. Schwindler holte gestern aus einem Haushalt ein Fleischmesser, ein Hackmesser und ein anderes Messer ab, um, wie er angao, die Sachen auf der Straße zu schleifen und sofort wieder zurückzubringen. Da die betreffende Person nicht zurückkehrte, scheint sie die Gegenstände unterschlagen und verkauft zu haben. Sachdienliche Mitteilungen sind an die hiesige Kriminalpolizei zu richten. Versamm! Brackwede. Schmiede=Verband. Sonntag, 7. März, vorm. 10 Uhr, bei Schröder: Versammlung Vortrag des Genossen Hoffmann=Bielefeld uoer„Genossenschaft, Gewerkschaft und Partei“. Enger. Soz. Vereia. Sonntag, 7 März, nachm. 4 Uhr: Versammlung. Herford. Gewerkschafts=Kartell. Sonnabend, den . 6. März, abends 8½ Uhr, bei Hillert: Sitzung. Huude. Soz. Verein. Sonntag, 7. März, nachm. 4 Uhr: Versammlung. Hunnebrock. Soz. Verein. Sonntag, 7. März, nachmittags 3 Uhr: Versammlung. — Radfahrerverein„Elsetal“. Sonntag, 7. März, #### nachm. 3 Uhr, bei Nübe!: Versammlung. Spradow. Soz. Verein. Sonntag, 7. März, nachm. 2 Uhr: Besprechung. Oetinghausen. Soz. Verein. Sonntag, 7. März, nachm. 4 Uhr: Versammlung. Lemgo. Gewerkschafts=Kartell. Sonntag, 7. März, vorm. 10 Uhr, bei Lüpke: Sitzung. Dann jeden Sonntag nach dem 1. eines Monats. — Die Gew.=Bibliothek ist geöffnet jeden Sonntag, vormittags von 11 bis 12 U r. Detmold. Soz. Verein. Sonnabend, 6. März, abends 8# Uhr, in der„Centralhalle": Generalver am mlung. ewerkschaftskonferenz. Sonntag, 7. März, vormittags 10 Uhr, in der„Centralhalle"„... 66 Minden. Soz. Verein. Montag, 9. März, abends 8°2 Uhr, in der„Centralhalle": Versammlung. T.=O.: Die Umgestaltung der Finanzreform. Ablen. Parteigenossen und„Volkswach!"=Abongenten. Sonnabend, 6. März, abends 8½ Uhr: Gesprechung Vortrag des Genossen Klingenhagen=Bielefeld über die allgemeine politische La As di0 ungemein. kbilnisch. Tage. Wahlkreis Lüding Parteige Wie schon bekannt, ist der Reichs- und Landtagsa pir nun vor einer Neuwa arbeit zu verrichten haben, Orte, uns frühzeitig Nocht Versammlungen reip. Par Mit Partei Die I. A.: Wilhelm I Sc * Schweicheln, 4. Mä Rehabilitierung seiner E mann, hier, zuteil. In? Kreisblatt“ finden wir so Eh Wir Unterzeichnetene serr Lehrer Friedrich O Schweicheln, in jeder Hin Gutes tut, und wenn B Verleumdung und Unwah Herr Wohrmann ist I von Hohenzollern und jetz er gerade in letzter Eigen gejetzt war, sehen wir uns Johannes Ki Wilhe.m Ra Wilhelm Sto Julius Kötte Heinrich Rie Gust. Wehme Simon Bein H. Bahle, Ar Heinrich Hil Heinrich Hill Heinrich Me Karl Ellerbr Hermann Kö Friedrich Kö Aug. Pieper Ellerbrok, Ti Fritz Hi deb Leopold Wöh Vahle Geme Heinrich Bei Heinrich Bre Friedrich Ni August Schw Ovenbeck, He Wilhelm Alt H. Brunste.: Ja, aber das ist doch kannt war. Natürlich, Adlers des Haus=Ordens Güte— oder gibt es! schiede?, wir sind darin er auch in jeder Hinsicht als Gutes tun. Diese Er Erklärung, die gibt's ni sind geknickt. * Salzuflen, 3. März tag betr. WertzuSitzung der Stadtverord stimmig beschlossen word steuer eine Eingabe an tagsahgeordneten Schmi Wahlkreises, wozu die# Barntrup gehören) vom sammrung folgendes Se stimmigen Beschlusses Stadt Salzusten erlaubt liegend Abschrift einer hiesigen Magistrat vom einer Wertzuwachssteuer gebenen Bitte zu überre daß noch in der jetzigen Städteordnung entsprec Bestimmungen zur Ermö Wertzuwachssteuer getrof Furstliche Regierung. sigen Magistrat vom 2. s arbeiten bereits beschäft daß dieselben inzwischen cesp. Entscheidung seiten steht. Speziell für die S Wertzuwachssteuer von weil seit einigen Jahrer das hiesige Bad einen hiesigen Bodenwerte gas mit dem Bade gleichen nötigt, auch ihrerseits willigen, zu werchen Al von denen der allergröß Bade hat, gleichmäßig 2 nicht mehr wie recht und Bodenverkäufen zu den schen Ausgaben mit her weil es onst bei den schwieriger wird, dem C Stadtverordneten bitten wollende Erwägung zu bereits in der vorliegend treffen * Sülbeck, 4. März. Am Sonntag, 28. Febr. Bielefel? , en. Dienstag, 2. A spiel in brei Alten v hatte sich dieses Stü der Tai mit der Dar Uebermenzchen einen ganz Teil oder, als Turchschnitt ist. Es Winkel was zum Sch verzichte: hat, mit den und bei ihrem Mann des Mannes im Wir 93 Elisabeth war au viinde Helene. Sude fizen berangezogen. das Glück im Wink Zeichen für die aug aus dem Gebiete des Donnerstag, 4. M fünf Aufzügen von welchem sich Norber Publikum eingeführt lich und die heutige verstand diesmal wir er dai„große Licht“ als„kleineres Licht“. will. ebenfalls recht ner, weiter waren Charlotte Egaers in Holm gut aufgehober der Kommissionssitzt gehoben werden. wizeichget ,war. Eine Stüa effekt machen Wahlkreis Lüdinghausen=Beckum=Warendorf. Parteigenossen! Wie schon belannt, ist der Vertreter unseres Wahlkreises, der Reichs= und Landtagsabgeordnete Wattendorf, gestorben. Da vir nun vor einer Neuwahl stehen und noch viel Aufklärungserheit zu verrichten haben, ersuchen wir die Parteigenossen aller Orte, uns frühzeitig Nochricht zu geben, wo es uns möglich ist, Versammlungen reip. Parteibesprechungen abhalten zu können. Mit Parteigruß Die Kreisleitung. J. A.: Wilhelm Joroan, Ahlen, Lütkeweg 50. * Schweicheln, 4. März. Kuriosum. Eine sonderbare Rehabilitierung seiner Ehre wird dem Lehrer Herrn Wöhrmann, hier, zuteil. In Nr. 53 vom 3. März des„Herforder. Preisblatt“ finden wir folgende e Ehren=Erklärung, Wir Unterzeichneten erklären und bezeugen hierdurch, daß Herr Lehrer Friedrich Otto Wöhrmann, wohnhaft Nr. 65 zu schweicheln, in jeder Hinsicht ein Ehrenmann ist, welcher nur Gutes tut, und wenn Böses von ihm gesagt wird, dies nur Verleumdung und Unwahrheiten sind..,.. 4.18 Hedens Herr Wöhrmann ist Inhaber des Adlers des Haus=Ordens von Hohenzollern und jetzt Fürsorge= und Waiseninspektor Da er gerade in letzter Eigenschaft unerhörten Verleumdungen ausgejetzt war, sehen wir uns zu der obigen Erklärung veranlaßt. Johannes Kötter, Kaufmann, Wilhelm Rabe, Zigarrenarbeiter, Wilhelm Stork, Bahnarbeiter, Julius Kötter, Zuschneider, Heinrich Riepe, Arbeiter, Gust. Wehmeyer, Arbeiter, Simon Beiner, H. Bahle, Arbeiter, Heinrich Hildebrandt, Kaufmann, Heinrich Hildebrandt. Landwirt, Heinrich Meyer, Händler, Karl Ellerbrok, Maurer, Hermann Kötter 101, Arbeiter. Friedrich Kötter 101, Arbeiter Aug. Pieper Nr. 101, Konditor, Ellerbrok, Tischler, Fritz Hi debrand, Nr. 101, Händler, Leopold Wöhler, Arbeiter, Vahle Gemeinderat. Heinrich Bentrup, Bahnbeamter, Heinrich Broks Neubauer, Friedrich Niederbäumer, Zuschneider, August Schwagmeier, Nr. 43, Kolon, Ovenbeck, Hauptlehrer, Withelm Altenhöner, Nr. 80, H. Brunsteen, Nr. 27 Gemeinderat. Ja, aber das ist doch unerhört, daß dies uns bisher unbekannt war. Natürlich, wenn Herr Wöhrmann Inhaber des Adlers des Haus=Ordens von Hohenzollern, hoffiut ich vierter Güte— oder gibt es bei diesem Orden keine Klassenunterschiede?, wir sind darin gänzlich unerfahren— ist, dann mus er auch in jeder Hinsicht ein Ehrenmann sein und kann nichte als Gutes tun. Diese Erklärung, das ist eine Erklärung, solch Erklärung, die gibt's nicht alle Tage. Und alle Verleumder sind geknickt,„ * Salzuflen, 3. Marz. Die Eingave an den Landtag betr. Wertzuwachssteuer. Nachdem in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vom Dienslag einstimmig beschlossen worden war, in Sachen der Wertzuwachssteuer eine Eingabe an den Landtag zu richten, ist dem Landtagsahgeordneten Schmuck(Vertreter der 3. Klasse des zweiten Wahlkreises, wozu die Städte Lemgo, Salzuflen, Blomberg und Barntrup gehören) vom Vorstand der Stadtverordnetenversammiung folgendes Schreiben zugegangen:„Infolge einstimmigen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Salzuslen erlaubt dieselbe sich, dem hohen Landtag anliegend Abschrift einer Verfügung Fürstl. Regierung an den hiesigen Magistrat vom 3. Juli 1908 betreifend Einführung einer Wertzuwachssteuer für die Stadt Salzuslen mit der ergebenen Bitte zu überreichen, gütigst dahin wirken zu wollen daß noch in der jetzigen Session entweder die§§ 90 und 91 der Städteordnung entsprechend geändert, oder landesgesetzliche Bestimmungen zur Ermöglichung der baldigen Einführung einer Wertzuwachssteuer getrofsen werden. Fürstliche Regierung ist nach einer Verfügung an den hiesigen Magistrat vom 2. Sept. v. J. seit dieser Zeit mit den Vorarbeiten bereits beschäftigt, so daß angenommen werden darf daß dieselben inzwischen erledigt ind, und einer Beich ußfassung cesp. Entscheidung seitens des Landtages nichts mehr im Wegsteht. Speziell für die Stadt Salzuflen ist die Einführung eine Wertzuwachssteuer von sehr hoher, einschneidender Bedeutung weil seit einigen Jahren nach Erbauung des Thermalsprudels das hiesige Bad einen großen Aufschwung genommen, und i hiesigen Bodenwerte ganz außerordentlich gestiegen sind. Un mit dem Bade gleichen Schritt zu halten sab sich die Stadt genötigt, auch ihrerseits ganz besonders hohe Ausgaben zu be willigen, zu werchen Ausgaben sämtliche Bürger Salzuflens von denen der allergrößte Teil überhaupt keinen Vorteil von Bade hat, gleichmäßig Beiträge leisten müssen. Es ist deshall nicht mehr wie recht und billig, wenn die hohen Einnahmen aus Bodenverkäufen zu den notwendig gewordenen großen städtischen Ausgaben mit herangezogen werden. Auch tur Eile not weil es onst bei den fortwährenden Bodenverkäufen später schwieriger wird, dem Gesetz rückwirkende Kraft zu geben. Die Stadtverordneten bitten deshalb, diese Angelegenheit in wohl wollende Erwägung zu ziehen und im Interesse unserer S.ad bereits in der vorliegenden Landtagsjession eine Entscheidung z. treffen.“. * Sülbeck, 4. März. Bergarbeiterversammlung Am Sonntag, 28. Febr., fand hier eine von 150 Bergarbeiter: bieten, da M. inzwischer höhere Forderungen gestellt hat für die notwendig werdenden Umbauten.— Die Tomschule wird in eine sechsklassige Schule umgewandelt und ein neue Lehrkraft(techn. Lehrerin) bewilligt.— Ein Antrag des„Gemeinnützigen Bauum Uebernahme der Bürgschaft für ein Darlehen von kongreß in Berlin, ebenso an der Mangelhaftigkeit der Berggesetznovelle im preußischen Landtag. Von der Regierung, die es nicht für notwendig gehalten hat, den Bergarbeiterkongreß zu beschicken und die Wünsche der Bergarbeiter entgegenzunehmen, sei nichts zu erwarten. Das Referat wurde mit größtem Beifall ausgenommen. Eine Resolution gegen die Bergg sowie eine weitere gegen die Einführung einer Re steuer wurden einstimmig angenommen.— Der Christl werkverein, dessen Führer sich in den letzten Jahren viele Mühe gaben, auch hier in Schaumh#########enn Fuf zu fassen, hat hoffentsich durch sein Verhalten zun durch das Verhalten des früheren seir Grab gegraben 2 Der Zinzaßz der Stadtsparlas virz iu gleiche Detmol, 4. März,, Si2, Lrg####ndtag Iu der gesetzt. Die Zipsherabietzung der Sestriez Sitzung vurde vie: um onnuvend aubo=Zeschigung Prozent auf 4 Prozent war dafüir maßzebend. Beide Besimimten und Lehrergehälter kommt es zu einem lleigen Interi: den zuerst errichteten Häusern, baut. Auch einem weiteren buro=Lippe festen Fuß zu fassen, hat Bürgschaftsantrage diese? Vereins wird zugestimmt.— Für vier alten zum Bergarbeitertongreß und Anschlagssäulen werden 350 Mk. bewilligt, und für die Pflasteruheren, Gewexkvereinsführers und rung am Domhof 500 Mi.— Danr Halzetgost u#gofzne zur##g ist Brust zur Petition der Schaum= nungen vom Jahre 1907 Bielefelder en. Dienstag, 2. März: Das Glüsck im Winkel, Schauspiel in drei Alten von Hermann Sudermann. Emil Landerer hatte sich dieses Stück für sein Benesiz ausgesucht und hat in der Tai mit der Darstellung des agrarischen Pferdehändlers und Uebermenichen einen vollen Erfolg erzielt. Das Stück ist ein ganz Teil öder, als die Sudermannsche Fabrilarbeit sonst im Durchichnitt ist. Es ist auch kein Glück, sondern ein Ungluck im Winkel was zum Schluß übrig bleibt, nachdem Elisabetg darauf verzichte: hat, mit dem Agrarier. ihrer Jugendliebe, durchzugehen. und bei ihrem Manne bleiben wird. Hans Freiven lag die Rolle des Mannes im Winkel nicht besonders gut. Melly Stollberg als Elisaleth war ausgezeichnet, ebenso Clarissa Linden als die blinde Helene. Sudermann wird in letzter Zeit stärker zu Benesizen herangezogen. Es lebe das Leben. Stein unter Steinen, das Glück im Wintel haben herhalten müssen. Ein trauriges Zeichen für die augenblickliche Unfruchtbarkeit der Produktion en dem Gebiete des Dromas. g.,„Lansein. Donnerstag, 4. März: Das große Licht, Schauspiel in fünf Aufzügen von Felir Philippi. Es ist das Schauspiel, mit welchem sich Norbert Berstl im Sommer 1902 beim Vielefelder Publikum eingeführt hat. Die Aufführung damals war vortrefflich und die heutige ebenfalls Emil Landerer als„der Meister". verstand diesmal wirklich die Bühne zu beherrschen. Verkörperte er dai„große Licht“ ganz ausgezeichnet, so war Hubert Hopkirk als„kleineres Licht“, welches doch gern als großes Licht gelten will, ebenfalls recht gut. Brillaut war Hans Freihen als Goldner, weiter waren die Rollen der Frau. Rasmussen und der Charlotte Egaers in den Händen von Rosa Woytasch und Carla Holm gut aufgehohen. Besonders muß die famofe Inszenierung, der Kommissionssitzung, mit der das Stück beginnt, hervorgehoben werden, wie denn auch sonst die Inszenierung ausgezeichnet war. Eine solche Inszenierung ist nötig, wenn das Stück Effekt machen soll, und der wurde wirklich hervorgebracht. sionsverhandlungen gewesen, wobei sich der Landtag mit den neuen Forderungen der Anstalt vertraulich beschäftigt hat. Gestern führte der liberale Abgeordnete Schelp— ein Vertreter der 2. Klasse— u. a. aus, daß Lippe auf dem Gebiete der Einkommensteuer=Veranlagung Reformen durchzuführen hätte damit es möglich werde, die jetzt vielfach durch die Mascher schlüpfenden Steuerpflichtigen besser zu fassen. Man nimm. nämlich nicht mit Unrecht an, daß es die Landwirte gut verstehen, dem Staate bei der Steuereinschätzung ein Schnippchen zu schlagen, aber auch in industriellen Kreisen wird es zweisellos oft nicht allzu genau genommen. Jedenfalls wäre eine durchgreisende Reform sehr zu wünschen. Der liberale Herr brachte dann aber noch der Wunsch vor, daß Lippe Preußen darin folgen möchte, daß auch hier die Unternehmer verpilichtet würden. über die Bezüge der Arbeiter Auskunft zu geben! Wenn dieser liberale Wunsch erfüllt wird, erleben wir vielleicht eine Neuauflage der Schwindeleien namentlich in Berliner Blättern über Riesen=Einkommen in Arbeiterkreisen. Vor der Regierung wurde auf eine Anfrage bemerkt, daß die mit einer allgemeinen Sebsteinschätzung gemachte Probe das Ergebnis gehabt habe daß in städtischen Bezirken die Steuerpflichtigen der niedtiger Stufen höhere Einkommen zu versteuern men wäre. Diese Mstteilung aber fand selbst servativen Parlamente eine zweife hafte Aufnahme. Sogar ein Mitglied der rechten Seite entgegnete darauf, daß die höherer Einkommen wohl mehr Angstprodukte der bei einer protokollariichen Vernehmung natürlich aufgeregten kleinen Leute wären Dieser Herr, der das sonderbare Ergebnis so kennzeichnete, ginz auch etwas näher ein auf die Steuerfragen im allgemeinen un führte dabei aus, daß or längeren Jahren bei der Einführung des jetzt zu Recht bestehenden Einkommensteuergeietzes es ge rade die Liberalen gewesen sind. die mit aller Bewalt dahin drängten daß die höheren Einkommer in Lippe niedriger als ir Preußen besteuert würden. Das haben sie damals auch fertigebracht, so daß heute die kleinen Leute in Lippe im Verhält nie zu den preußischen Steuersätzen viel schlechter gestellt sin als die Leute mit dem großen Gelobeutel. Im Anschluß an die Feststellungen entstand noch eine kleine Debatte darüber, ob di bei der nur zui Probe vorgenommenen Selbsteinschätzung erzielten Ergebnisse jetzt auch bei der Veranlagung zur Steuer be rücksichtigt werden müßten. Die Regierung meint, das sei selbstverständlich. Andere Herren scheinen es nach dem Wortlaut der gesetzlichen Bestimmungen nicht für so selbstverständlich zu hal en. Abg. Schmuck wies darauf hin, daß wir in einer Krisis eben, die noturgemäß auf die Steuersätze einwirke, und daß ei deshalb angebracht sei, nicht auf eine Steigerung der Steuer einnahmen zu hoffen. Bei der Bemessung der Steuerjätze müsse ein Unierichied gemacht werden zwirchen den Einkommen. die nur zum Leben ausreichen, und denen, die darüber hinausaehen Wenn überhaupt endlich an eine Reform des Einkommensteuergesetzes herangetreten werden solle, dann sei es nötig, das früher versäumte nachzuholen und die hohen Einkommen auch so zu der Staatslasten heranzuziehen, wie es Der Ertrag der Einkommensteuer ist jetzt im Voranschlage 700000 Mark ausgeworfen. Bei einer anderen Gelegenhei vurden von liberaler und konservativer Seite Anträge ange kündigt. durch die auf die Regierung eingewirkt werden soll, daf je versucht, im Bundesrate für eine Ent astung Lippes zu wiren. Von der Leibefasse ein reiner Ueberschuß von 160000 Mark, der steuert 103000 Mark bei, die preußische Klassenlotterie 58000 Mark. Die Einnahme aus dem Obste der Landeswege hat sich im Jahre 1908 auf über 20000 Mark belaufen. In der Sitzung von heute wurde zunächst eine Eingabe auSalzuflen verlesen. die von der Stadtverordnetenversammlung kommt und worin ersucht wird, der Regierung eine Beschleunigung der Arbeiten für den Erlaß eines Landesgesetzes übe die Wertzuwachssteuer nabe zu legen. Nachdem danach ine persönliche Katzpolgerei zwischen einem konservativen un wei liberalen Abgeordneten, deren Kosten der Konservative zi bezahlen hatte. erledigt war, ging man wieder an die 2. Lesung es Etats. Dabei rurd n wieder verschiedene Wünsche ge äußert, so der Wunsch nach einer Aufteilung der Staatsdomän sa kenhagen im livvischen Osten. Etwas länger beschäftigte der sandtag auch die Frage, ob Preußen berechtigt sei, sich von Lippir die Hebung der indirekten Steuern eine so hohe Summe ezahlen zu lassen. Es wurde vorgeschlagen, sich mit anderen kleinstaaten zu einer gemeinsamen Abwehr zu vereinigen oder m Bundesrate vorzusprechen. Ueber all diese Fragen soll noch nal in einer Kommission verhandelt werden Auch die Koster er Einkommensteuerveranlagung erscheinen vielen Abgeordzeten viel zu hoch, die schon seit Jahren immer wieder darau zinweisen, ohne aber biser den geringsten Erfolg gehabt zu aben. Jetzt ersucht die Regierung wieder um eine Erhöhung er" Summe, was sie damit begründet, daß die Selbstinschätzungsvrobe viele besondere Ausgaben verursacht habe Zum Schluß wurde auch die Frage der Matriku'arbeiträge noch urz gestreift und durch Ueberweisung an die Kommission voräufig erledigt. Es liegt dazu schon ein Antrag vor, den der lbg. Neumann=Hofer gestellt hat und der dahin geht, daß zunächst nur die alte Summe vom vorigen Jahre eingestellt werden möge. Auf diese und andere Weise will man das Defizit verringern das einiges Kopfzerbrechen verursacht hat. Von der Regierung wurde zu der oben erwähnten Eingabe aus Salzuslen wegen des Erlasses einer allgemeinen Wertzuwachssteuerordnung auch erklärt, daß der Entwurf eines solchen Gesetzes zusgearbeitet werde und daß er zur nächsten Tagung dem Landtage zugehen solle. * Detmold, 4. März. Ortskrankenkasse der vereinigten Fabrikarbeiter. Von der Regierung sind die in der außerordentlichen Generalversammlung beichlossenen Stotzutenänderungen genehmigt worden und mit, dem 1. März in en Es wird also jetzt statt wie bisher mezzo. Stadto. Meier ersucht, von der Wahl des Stadtv. Lehrer Kornfeld in diese Kommission Abstand zu nehmen, da es sick, um dessen Sache mit handele, während Kornfeld errlärt: Ich habe als Stadtverordnetei nicht nur die Interessen er Lehrer, sondern auch die der anderen Beamten zu vertreten. Persönliche Interessen vertrete ich nicht. Er tritt dann aber zurück. Dann wendet sich Vorsitzender Schütte gegen die Wahl eines Stadtverordneten in die Kommission, da derselbe erst ½ Jahr der Versammlung angehöre, was von dem Betroffenen gerügt und als Beeinflussung bezeichnet wird. Der Vorsitzende heist dies zurück. Während aber sonst in der ganzen Sitzung die Abstimmung durch Sitzenbleiben der Jasager getätigt wird, läßt der Vorsitzende über den Stodtv Grote durch Aufstehen abstimmen, was von diesem und dem Stadtv D. Arragon als merkwürdig bezeichnet wird. Stadtv. von Borries glaubt den Vorsitzenden dagegen in Schutz nehmen zu müssen. Dieser habe nur eine svezielle Kenntnis der Verhältnisse von den zu ählenden verlangt, um in der Kommission mitwirken zu können, Stadtv Grote sei damit nicht getroffen. Zweiter Fürgermeister Becker teil; diese Auffassung. Damit ist der wischenfall erledigt. Eine Eindabe der Lehrerschaft der Mittelchule, auch sie bei der Gehaltsregulierung zu berücksichtigen, vird der Kommission überwiesen. Militärisches. Erfolgreiche Berufung. Frankfurt a. Main, 4. März. Vegen mi itärischen Aufruhrs waren oom Kriegsgericht der 26. Division die Dragoner Becker, Krumb, Böcher und Laule von er 4. Schwadron des 24. Tragoner=Regiments in Darmstadt u je 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden, wozu für Becker roch 3 Monate und für Krumb noch 1 Monat wegen Achtungsverletzung kamen. Die Angeklagten hatten den dreimaligen Beehl des Unteroffiziers vom Dienst, das Licht auszulöschen, nicht befolgt und ruhig weiter Karten gespielt. Fünf weitere Draoner, die dem Kartenspiel zuschauten, waren nur wegen Beharrens im Ungehorsam zu Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis 1 Jahr bestraft worden. Gegen das Urteil hatten alle Angeklagten Berufung an das Oberkriegsgericht des 18. Armeekorps eingelegt. Auch der Gerichtsherr hatte Berujung zugunsten der vier wegen Aufruhrs Verurteilten eingelegt. Das Oberkriegsgericht hielt Meuterei nicht für vorliegend und verurteilte auch Becker, Krumb, Böcher und Laule nur wegen Beharrens im Ungehorsam, und zwak Becker zu 11 Monaten, Krumb zu 1 J a h r, B ö c h e r z u 8 M o n a t e n u n d L a u l e z u 1 0 M o n a t e n G e fängnis. Auch die Strafen für die übrigen fünf Angeklagten purden herabgesetzt; sie wurden zu Gesängnisstrafen von drei ois sechs Monaten verurteilt. Unterschleife bei den Pfalzbahnen. Mannheim, 4. März. Die Unterschleife bei den Pfalzbahnen haben nach den bisherigen feststellungen bereits die Höhe von 145000 Mk. erreicht. Dieser Fehlbetrag ist von den bisherigen Aktionären zu tragen. Hinnerichtet. Gletwitz, 4. März. Heute früh um 7 Uhr wurde der Raubmörder Galotzka, der im Juli 1908 den Möbelhändler Glücksmann in Zabrze ermordete, hingerichtet. Vom Turm herabgestürzt. Teplitz, 4. März. Gestern ibend stürzte sich vom Gockenturm der katholischen Kirche auf dem Schloßplatz ein 21jähriges Mädchen herab. Der Körper fiel zuerst auf einen Gesimsvorsprung, dann auf das Pflaster vor dem Kirchentor. Trotz der riesigen Höhe, aus der das Mädchen herabstürzte, war es nicht sofort tot. Es hatte beide Beine gebrochen und am Rücken eine große Wunde, sowie innere Verletzungen erlitten. Ein bestochener Offizier. Bukarest, 4. März. Unter #em Verdachte, von zwei in Berlin als Kaufleute etablierten Brüdern, die eine Tuchlieferung für die rumänische Armee überiommen haben, eine erhebliche Abschlagszahlung auf eine größere Bestechungsiumme angenommen zu haben, steht ein aktiver hoher Offizier, dessen Verhaftung angeblich bald erolgen soll. Dre Kriegsminister hat eine strenge Untersuchung des Falles angeordnet. Im Fieber Malaga, 4. März. Im Militärlaboratorium trug sich gestern eine furchtbare Tragödie zu: Der im Majorsrang stehende Oberapotheker Cabrera, der einige Tage an Influenza gelitten hatte, erschien plötzlich im Bureau und erschoß dem zwei Drittel Kraft geireten, Es wird alsg je nur drei Fünftel des Tagelohnsatzes als Krankengeld gezahlt, und außer den Wochentagen nur für die Festtage, die in die Woche follen.„„ G 1.5 * Detmold, 4. Dearz. als Vertrauensärzte für das hiesige Schiedsbericht für Arbeiterversicherung für das Jahr 1909 sind gewählt die Herren: Medizinaltat Dr. Volkhauten. Hofrat Dr. Stemann und Sanitätsrat Dr. Carius, sämtlich in Detmold. k Minden, 4. März. Stadtverorkneten= Sitzung. Die für Beberbergung der Obdachlosen verbrauchte Summe von 118.50 Mk. für 14 Wolldecken und 10 Strohsäcke für das Polizeibefängnis wurbe nachbewilligt. Hierbei wurde vom Staktv. Wehrmann bemängelt, daß sich die Gefängnisräume in sehr den Hauptmann Luengo. Dann schoß er auf den Obersten Munoz, der hereinstürzte, um Cabrera zu entwaffnen, traf ihn aber nicht, da der Oberst mit Blitzesschnelle eine Kniebeuge machte. Darauf setzte Cabrera den Revolver an die Stirn und erschoß sich selbst. Tabrera hat wahrscheinlich im Fieberwahnsinn gehandelt. 3 Soniknaben ertrunken. Antwerpen, 4. März. In der Vorstadt Borgerhout sind gestern abend 3 Schulknaben im Alter von 12 Jahren ins Eis eingebrochen und ertrunken. 7 Arbeiter verschüttet. Clermont=Ferrand, 4. März. 7 Arbeiter, welche an der Reparatur eines baufälligen Hauses beschäftigt waren, sind durch Einsturz einer Decke und Mauer verschütter worden. 3 Arbeiter wurden getötet, 4 trugen schwere Verletzungen davon. Die Genickstarre. Chalon sur Marne, 4. März. Die Genickstarre ist unter den Mannschaften des 6. Kürassier=Regiments ausgebrochen. Zwei Soldaten sind bereits gestorben. Hoher Schneekall. Lissabon, 4. März. In ganz Portugal herrscht Schneegestöber. Mit Ausnahme der Hauptstadt und ihrer Umgebung liegt der Schnee mehrere Zentimeter hoch. Schiffsunglück. London, 4. März. Der Terpedozerstörer „Doon“ überfuhr diese Nacht einen englischen Dampferkutter. Die Mannschaften wurden gerettet. Briefkasten der Redaktion. H. Schr., Calzusten. Aus Ihrem Bericht war nicht zu ersehen, um was es sich bei dem Schreiben betr. Konzessionserteilung an der Straßenbahn eigentlich gehandelt hat. Deshalb mußte der ganze für uns unklare Passus gestrichen werden. Eine Stadtverordnetenversammlung kann doch nicht einem an sie gerichteten Schreiben zustimmen, sondern nur einer Konzessionserteilung oder tvumn Gobeg mangelhaftem Zustande befänden, auch sollten die Obdachlosen nicht Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Wr;# als Maßstab für die Beurteilung der Arbeitslosigkeit anzulegen“ den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld für F ar RomMalaapr Sezwarze und farbigr Malderstohe das Neueste der Saison in Cheviot, Crepe-Mohair, Diagonale, Chevron und Satintuche das Meter in reiner Wolle zu 95 Pfg., 1.10, 1.30, 1.35, 1.50, 1.60, 1.95 Reinwollene Flanelle das Meter zu 85 Pfg., 1.00, 1.20, I. 35, 1.65 Mielnersiamagar Lleid 6 Heter zu 2.65, 3.30, Kleidersiamosendoppelte Breite 3.90, 4.50, 5.10 Ferner empfehle in grösster Auswahl: Schürzensiamosen“ubetuss. 68. Damenhemden 135, 16s.“*%% Damenhemden n 1.25, 1.85, 1.85, 2.165. Bott-Kattune u. Satins 33, 45, 55 Ptg. Peston-RUcKOzI.65, 2.15, 2.45, 3.00, 3.50 Pelz-Pique n 42, 48, 55, es, 78, es rs. Korsetts m. 90 p, 1.25, 1.50, 1.65 und hüber. Sämtliche Hussteuerartikel wie Hemdentuche, Betidamaste, Handtücher, Halbleinen etc. Ss in nur guten Qualitäten enorm billig. Hieiojela, Oberhstl. 86. 1315 TUeesc! Gegehaber der Kafh. Kirche. Städtisches Orchester. Freitag, den 5. März, abends 8½ Uhr im Stadttheater: Viertes Volkskonzert Populärer Abend. Leitung: Kapellmeister Max Cahnbley. Solist: Paul v. Hagen. Im Programm u. a.: Ouverture„Römischer Karneval“ v. Berlioz, Rhapsodie Nr. 6 v. Liszt, Künstlerkarneval v. Svendsen usw. 1198 Vorverkauf in der Musikalien-Handlung H. Selle. Achtung! Sonnabend, 6. März, Achtung! feiert der Rauchklub„Ravensberg“ sein diesjähriges Kappenfest im Lokal des Herrn G. Freudenau, Heeperstr. 126. Anfang 8 Uhr abends. 13005 Hierzu ladet freundlichst ein Der Festleiter. Wder die„Volkswacht“ unterstüht, von den Lese h1, von den Leserinnen und Lesern der„Volkswacht“ unterstützt zu werden. Soeben ist erschienen und in der Buchhandlung„Volkswacht“. Bielefeld, Schulstraße 20, zu haben: Messinas Trümmern Bericht eines Augenzeugen. Preis 1 Mark. Von Paul Daehne. Porto 10 Pfg. 3% 5g 998 „üctens heften sich Ihrer Person an, wenn Sie das Veilchenseifenpulver Goldperle verwenden, bei welchem außerdem noch jedem Paket ein hübsches und praktisches Geschenk gratis beigefügt ist. Schutzmarke. Fabrikant: Carl Geutner, Göppingen. 1306 Tendene Trrsammtung des Bielefelder Haushaltsvereins e. G. m. b. H. am Sonnabend, den 13. März 1909, abends 8 Uhr, im Lokale des Arbeiter-Bildungs-Vereins, Kreuzstraße 23, Tages-Ordnung: Mitteilung der Bilanz vom 31. Dezember 1908 durch den Vorstand. 2. Berichterstattung des Aufsichtsrats über die Prüfung der Geschäftsbücher, der Bilanz und der Vorschläge über die Verteilung des Gewinnes 3. Beschluß über die Genehmigung der Bilanz, über die Verteilung des Gewinnes und über die Entlastung des Vorstandes. 4. Neuwahl für das nach dem Turuus ausscheidende VorstandsBigseh.„ ausgebdene Benz 5. Neuwahl für zwei nach dem Turnus ausscheidende AussichtsratsMitglieder. 6. Beschlußfassung über die dem Vorstand und Aufsichtsrat zu gewährende Entschädigung. 7. Verschiedenes. 1304 Aufsichtsrat des Bielefelder Haushaltsvereins e. G. m. b. H. Hans Thieme, Vorsitzender. Die Bilanz liegt von heute ab in unserem Kontor aus.— Zur nahme an der General=Versammlung ist die Vorzeigung der vom Verein ausgestellten Legitimationskarte erforderlich. Gelegenheits- Kauf! S Erwarb einen grossen Posten Kochherde, erstklassiges Fabrikat, unter Preis und gebe solche SPotr-Preisen a. Rdcl heine Spezial-Geschäft für Kochherde u. Oefen Ritterstrasse 57. 4 Nr. 54. Preußisch Abgeor 44. Sitzung vom Mittwoc Am Ministertisch: v. M Die zweite Lesung des E Innern wird fortgesetzt in Berlin und Umgebung“. Abg. Ziethen(frk.) kom von Groß=Berlin zu spreche mit Berlin eine wirtschaftlic einheitliches Gemeindewesen. einigung zu fehlen scheint. T Eingemeindung der Vororte lösbar. Es würde dann ein ausgedehnten Gebiet und ein entstehen.„Dabei ist Berlinj ausgewach' n, unter denen s# einer Zentralstelle aus leiten auch vom Standpunkte der gegen die Eingemeindung. sich ein überaus lebhaftes keo Reihe von ihnen sind zu Gr wie Charlottenburg, haben Einrichtungen getroffen. 2 Kreisen nach vielen Millio zahlen sein würden. Die P bereits darauf eingerichtet, m die Bedürfnisse der Vorort ziehungen der Vororte zu d lösen. Denkbar wäre nure Umfange. Zuzugeben ist, daß orte außerordentlich verschied Vororte am wenigsten in der Kos Siesenr groe gestellten diesem Grunde wäre— ist, zumal auch die Regierung daß die betreffenden Gemeind vielleicht ein bestimmter Pr steuersolls in eine Ausgleich Summe zurückverteilt werden hältnis ihrer Bevölkerung. Abg. Cassel Fr. Vp.): wgegeben, daß Groß=Berlin Aus diesem Grunde ist die E wendigkeit. Die Darstellung gescheitert sei, daß Berlin sie plante, abgelehnt habe, ist verordnetenversammlung hat Eingemeindung nur der bes hat eine Eingemeindung in GHört, hört!] Damit war de war gegen die Eingemeindun tete in diesem Sinn: an die Pinisters Herrfurth haben Staatsregierung über die völlig geändert. Die Gründ Eingemeindung kann ich nic jetzt zu groß sei, bestreite ich Es mögen anderswo besser ganzen wird den kommunaler aus genügt. Es ist gar ni allem an der Spitze steht, so wenn auch andere Städte H nun durchaus keine Eingeme anderer Weg gefunden werd der Vororte mit Berlin zu! denke an eine Organisation, Grafschaft London das vere einzelnen Gemeinden Selbst Herrn Vorredners, der die( Vororte für richtig hielt, ste lichen Aeußerung des Herrn burgischen Prooinziallandtag gegen eine Einverleibung d Wir sträuben uns gar nicht gemeindung etwa auch Temp hof das wünscht. Wenn die will, so halte ich das für ei und es widerspricht auch der regeln, unter welchen eine s# den darf. Wenn ich auch an die Vororte ausüben will, so den Grund aufstellt: Berlin nicht größer werden.(Seh hat fast das doppelte Weichl Einwohnerzahl. Warum so aus in dem beschränkten R Herrn Vorredners, einen Ar unserer Ansicht zum Komn durchführbar halten.(Sehr gar keinen besonderen Vort für seine Entwicklung.(Bre Abg. Hammer(kons.) Vorredner durchaus objektiv Rede wird sein: Was du keine Ewigkeit zurück.(Hei die fetten Rosinen, die we scheiterte die Sache. Heute Oberpräsident auf dem Pr einzig richtige. Sehr wenig Kreise, die sich immer geger durch den Mund ihres Dick Bürgermeisters Reicke, sich wandten, um die Eingemein reichen.(Sehr richtig! rec Berlin fast garnichts getan. auch ganz im argen; an die wird nicht gedacht.„Wenn di wären, wie Herr Cassel, wi (Große Heiterkeit.) Abg. Rosenow(Fr. Hammer„unwiederbringlick sein. Seit Jahren wartet auf die Antwort auf seine dung. Die Erklärung des landtag scheint vielleicht nur leicht bekommt sie der Herr schrift, oder als Zeitungsa Standpunkt der Regierung nicht zu vereinbaren. Es mit einzelnen Gemeinden u wissen, ob die Regierung a deren Ländern ist man stölz und bringt im Lande Opfer „Wasserkopf“. Berlin und nur Abweisung und Hohn, Gerlin will ja das Tempelh Nr. 54. 20. Jahrg. G„ Bielefeld, Freitag, 5. März 1909. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 44. Sitzung vom Mittwoch, 3. März, nachmittags 1 Uhr. Am Ministertisch: v. Moltke. Die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel„Polizeiverwaltungen in Berlin und Umgebung". Abg. Ziethen(frk.) kommt auf die Frage der Organisation von Groß=Berlin zu sprechen. Zweifellos bilden die Vororte mit Berlin eine wirtschaftliche Einheit; es handelt sich um ein einheitliches Gemeindewesen, dem nur noch die rechtliche Vereinigung zu fehlen scheint. Trotzdem erscheint mir die Frage der Eingemeindung der Vororte außerordentlich schwierig, ja unlösbar. Es würde dann eine Gemeinde mit einem ungeheuer ausgedehnten Gebiet und einer Einwohnerzahl von 4 Millionen entstehen. Dabei ist Berlin jetzt schon über die Verhältnisse hinausgewach' n, unter denen sich eine Gemeinde mit Erfolg von einer Zentralstelle aus leiten läßt.(Sehr richtig! rechts.) Und auch vom Standpunkte der Vororte sprechen wichtige Gründe gegen die Eingemeindung. In einem Teil dieser Vororte hat sich ein überaus lebhaftes kommunales Leben entwickelt. Eine Reihe von ihnen sind zu Großstädten emporgewachsen; manche, wie Charlottenburg, haben geradezu vorbildliche kommunale Einrichtungen getroffen. Dazu kommt, daß den beteiligten Kreisen nach vielen Millionen zählende Entschädigungen zu zahlen sein würden. Die Provinz Brandenburg hat sich auch bereits darauf eingerichtet, mit ihren kommunalen Einrichtungen die Bedürfnisse der Vororte zu befriedigen. Auch diese Beziehungen der Vororte zu der Provinz sind nicht so leicht zu lösen. Denkbar wäre nur eine Eingemeindung in geringerem Umfange. Zuzugeben ist, daß die Steuerkraft der einzelnen Vororte außerordentlich verschieden ist und daß gerade die ärmeren Vororte am wenigsten in der Lage sind, den ihnen in bezug auf soziale Fürsorge gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Aus diesem Grunde wäre— da die Eingemeindung unmöglich ist, zumal auch die Regierung dagegen ist— es wohl angebracht, daß die betreffenden Gemeinden sich gegenseitig helfen. Es könnte vielleicht ein bestimmter Prozentsatz des Gemeindeeinkommensteuersolls in eine Ausgleichskasse gezahlt werden und diese Summe zurückverteilt werden auf die Gemeinden nach dem Verhältnis ihrer Bevölkerung.(Bravo! rechts.) Abg. Cassel(Fr. Vp.): Der Herr Vorredner hat selbst zugegeben, daß Groß=Berlin eine wirtschaftliche Einheit bildet. Aus diesem Grunde ist die Eingemeindung eine unbedingte Notwendigkeit. Die Darstellung, als ob die Eingemeindung daran gescheitert sei, daß Berlin sie früher, als Minister Herrfurth sie plante, abgelehnt habe, ist in ihrem Kern falsch. Die Stadtverordnetenversammlung hat damals nur eingesehen, daß eine Eingemeindung nur der besten Vororte nicht möglich sei, und hat eine Eingemeindung in viel größerem Umfange beschlossen. (Hört, hört!] Damit war der Magistrat nicht einverstanden, er war gegen die Eingemeindung der westlichen Vororte und berichtete in diesem Sinn: an die Regierung. Mit dem Abgange des Ninisters Herrfurth haben sich dann aber die Ansichten der Staatsregierung über die Zweckmäßigkeit der Eingemeindung völlig geändert. Die Gründe des Herrn Vorredners gegen die Eingemeindung kann ich nicht auerlengen. Daß Berlin schon jetzt zu groß sei, bestreite ich entschieden.(Sehr richtig! links.) Es mögen anderswo bessere Einrichtungen bestehen, aber im ganzen wird den kommunalen Anforderungen von Berlin durchaus genügt. Es ist gar nicht nötig, daß Berlin durchaus in allem an der Spitze steht, sondern man kann es nur begrüßen, wenn auch andere Städte Hervorragendes leisten. Wenn man nun durchaus keine Eingemeindung will, so muß jedenfalls ein anderer Weg gefunden werden, um die gemeinjamen Interessen der Vororte mit Berlin zu wahren, als ein Zweckverband. Ich denke an eine Organisation, wie sie in London existiert, wo die Grafschaft London das vereinigende Band bildet, während die einzelnen Gemeinden Selbständigkeit haben. Die Haltung des Herrn Vorredners, der die Eingemeindung wenigstens einzelner Vororte für richtig hielt, steht im Widerspruch zu der bedauerlichen Aeußerung des Herrn Oberpräsidenten auf dem brandenburgischen Prooinziallandtag. Danach sträuht man sich sogar gegen eine Einverleibung des Tempelhofer Feldes in Berlin. Wir sträuben uns gar nicht dagegen, in Konsequenz dieser Eingemeindung etwa auch Tempelhof einzugemeinden, falls Tempelhof das wünscht. Wenn die Regierung das durchaus verhindern will, so halte ich das für eine große Unbill gegenüber Berlin, und es widerspricht auch den Gesetzen. die die Voraussetzungen regeln, unter welchen eine solche Eingemeindung vollzogen werden darf. Wenn ich auch anerkenne daß man keinen Zwang auf die Vororte ausüben will, so ist es doch unverständlich, daß man den Grund aufstellt: Berlin muß so bleiben wie es ist und darf nicht größer werden.(Sehr richtig! links.) Die Stadt Köln hat fast das doppelte Weichbild wie Berlin bei viel geringerer Einwohnerzahl. Warum sollen die Einwohner Berlins durchaus in dem beschränkten Raum schmoren? Der Gedanke des Herrn Vorredners, einen Ausgleichsfonds zu schaffen, führt nach unserer Ansicht zum Kommunismus, den wir noch nicht für durchführbar halten.(Sehr richtig! b. d. Freis.) Berlin will gar keinen besonderen Vorteil. aber es verlangt freien Raum für seine Entwicklung.(Bravo! links.) Abg. Hammer(kons.): Ich erkenne an, daß der Herr Vorredner durchaus objektiv gesprochen hat. Das Motiv meiner Rede wird sein: Was du im Augenblick ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück.(Heiterkeit.) Berlin wollte damals nur die fetten Rosinen, die westlichen Vororte, haben, und daran scheiterte die Sache. Heute ist der Standpunkt. den der Herr Oberpräsident auf dem Provinziallandtag dargelegt hat, der einzig richtige. Sehr wenig konsequent war es, daß gerade die Kreise, die sich immer gegen das persönliche Regiment wenden, durch den Mund ihres Dichters und Verwaltungsbeamten, des Bürgermeisters Reicke, sich im Berliner Rathaus an den Kaiser wandten, um die Eingemeindung des Tempelhofer Feldes zu erreichen.(Sehr richtig! rechts.) Für die Verkehrsmittel hat Berlin fast garnichts getan. Die Bodenpolitik liegt in Berlin auch ganz im argen; an die Einführung einer Wertzuwachssteuer wird nicht gedacht. Wenn die Herren im Stadtparlament alle so wären, wie Herr Cassel, würde das Bild vielleicht anders sein. (Große Heiterkeit.) Abg. Rosenow(Fr. Vp.): Die Prophezeiung des Herrn Hammer„unwiederbringlich verloren“ scheint ja zutreffend zu sein. Seit Jahren wartet der Oberbürgermeister von Berlin auf die Antwort auf seine Eingabe in Sachen der Eingemeindung. Die Erklärung des Oberpräsidenten auf dem Provinziallandtag scheint vielleicht nun die Antwort gewesen zu sein. Vielleicht bekommt sie der Herr Oberbürgermeister noch in der Abschrift, oder als Zeitungsausschnitt.(Sehr gut! links.] Der Standpunkt der Regierung in dieser Frage ist mit den Gesetzen nicht zu vereinbaren. Es schweben jetzt wieder Verhandlungen mit einzelnen Gemeinden über die Eingemeindung. Ich möchte wissen, ob die Regierung auch diese verhindern wird. In anderen Ländern ist man stölz auf die Entwicklung der Hauptstadt und bringt im Lande Opfer dafür. Hier spricht man von dem „Wasserkopf“ Berlin und hat, wenn von Berlin die Rede ist, nur Abweisung und Hohn und Svott.(Sehr wahr! links) Gerlin will ja das Tempelhofer Feld mit gutem Gelde bezahlen. Wir müssen Klarheit haben, was nun eigentlich aus Berlin und seiner Entwicklung werden soll. Ich bitte den Herrn Minister, die Richtlinie zu zeigen, welche er in dieser Frage einzuschlagen gedenkt.(Bravo! links.) Redner wendet sich des weiteren gegen das Verlangen der Verhängung der Schaufenster an Sonn- und Feiertagen. Minister v. Moltke: In den Jahren 1875 bis 1878 wurde von der Bildung einer Provinz Berlin gesprochen. Es kam ein Gesetz, das die Absicht hatte, Berlin, Charlottenburg und Teile von Teltow und Niederbarnim mit Berlin zu vereinen. Diese Vorlage ist aus der Kommission des Abgeordnetenhauses nicht herausgekommen. In dieser Zeit wurde dann Berlin durch die Provinzialordnung aus der Provinz ausgeschieden. 1891 bis 1896 beschäftigte man sich dann mit der Bildung eines GroßBerlin durch Eingemeindung. Auf die damaligen Pläne einer Eingemeindung großen Stils ging Berlin nicht ein. Der Magistrat wies darauf hin, daß der Stadt dadurch große finanzielle Opfer erwüchsen, während ein eigenes Interesse Berlin nicht vorhanden sei.(Hört, hört! rechts.) Berlin wollte nur eine Grenzregulierung. Graf Eulenburg aber erklärte 1893, die Eingemeindung müsse umfangreicher sein. Er verhielt sich also nicht ablehnend. Der Wechsel im Ministerium und politische Erwägungen sind also in dieser Frage nicht maßgebend gewesen.(Sehr richtig! rechts.) Inzwischen hat sich ein Kranz selbständiger kommunaler Körperschaften um Berlin gebildet. Man kam dann auf den Gedanken, ein Großberlin zu schaffen durch besondere administrative Einrichtungen, nicht durch communale. Infolgedessen wurde 1905 der Oberbürgermeister Von Berlin aufgefordert, Vorschläge zu machen, dabei aber ausdrücklich darauf hingewiesen, er habe abzusehen von dem aufgegebenen Plan eines Großberlin auf dem Wege der Eingemeindung. In seinem Bericht gab er die Möglichkeit der Bildung von Zweckverbänden zu, eventuell auf gesetzlichem Wege, bemerkte dabei aber, daß er die Eingemeindung für ersprießlicher hielte. Die Antwort hatte er erhalten, bevor neulich der Oberpräsident im Provinziallandrag Stellung genommen hat. Er ist also dadurch nicht überrascht worden. Ein Verbot an die umliegenden Gemeinden, mit Berlin zu verhandeln, ist meines Wissens nicht ergangen. Der Oberpräsident hat nur gesagt, es empfehle sich nicht, in solche Verhandlungen einzutreten, weil dadurch eine gewisse Unruhe erzeugt werde, die der Entwicklung der Vororte nicht günstig sei. Das ist meines Erachtens ganz richtig, aber ein Verbot kann ich darin nicht erblicken. Eine Grenzregulierung in kleinerem Umfange ist durchaus nicht ausgeschlossen; es schweben auch derartige Verhandlungen. Was das Tempelhofer Feld anbetrifft, so ist in amtlicher Form eine Anregung an mich bisher überhaupt nicht herangetreten.(Hört, hört!] Ich bin also der Meinung, daß der Weg der Bildung von Zweckverbänden durchaus gangbar ist, sei es auf privatrechtlicher oder öffentlich rechtlicher Grundlage. Mit einem Zweckverband auf dem Gebiete des Verkehrs ist ja jetzt der Versuch gemacht. Zu einer Vermittlung in dieser Richtung bin ich durchaus bereit. Eventuell wäre daran zu denken, die gesetzlichen Bestimmungen über Zweckverbände in Landgemeinden auf die Städte zu übertragen. Abg. v. Bülow=Homburg(natl.) tritt für die Schaffung eines einheitlichen Bebauungsplanes für Großberlin ein. Ein Schlußantrag der Konservativen— auf der Rednerliste steht nur noch der Abg. Cassel Efrs. Vp.]— wird gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt. (Große Heiterkeit links.) Abg. Cassel(frs. Vp.): Ich habe nicht gesagt, der Minister habe die Eingemeindung des Tempelhofer Feldes abgelehnt, sondern nur aus der Erklärung des Oberpräsidenten auf eine ablehnende Haltung des Ministers gegen dieses Projekt geschlossen. " Abg. Hammer(kons.): Das Tempelhofer Feld sind wir in Teltow viel besser geeignet in eine Gartenstadt umzuwandeln, als Berlin mit seiner durchaus nicht mustergiltigen Bodenpolitik. Damit schließt die Debatte. Das Kapitel wird behilligt. Zu dem Kapitel„Polizei=Verwaltung in den Provinzen“ liegt ein Antrag Bartscher(Ztr.) vor auf Ausdehnung der für Bochum und Gelsenkirchen geplanten königlichen Polizei auf die Landkreise unter Trennung der Aemter des Landrats und des Polizeipräsidenten. Abg. Bartscher(Ztr.) begründet den Antrag im Interesse einer einheitlichen Handhabung der Sicherheitspolizei und der Möglichkeit raschen Eingreifens im Falle von Unruhen. Wenn auch die Streiks im allgemeinen friedlich verlaufen, so sind doch solche Unruhen nicht ausgeschlossen bei der Haltung der Zechenbesitzer, die es bedauerlicherweise ablehnen, mit den Arbeitern zu verhandeln. Abg. Schmieding(natl.) Die Zechenbesitzer haben sich nicht geweigert, mit ihren Arbeitern zu verhandeln, sondern mit dem völlig politisch zusammengesetzten Gebilde der sogenannten Siebenerkommission. Abg. Rosenow(frs. Vp.) bringt erneut die beiden Fälle in Wiesbaden und Breslau zur Sprache, wo den freien religiösen Gemeinden die Annahme von Legaten nicht gestattet ist. Ein Grund zur Verweigerung liegt in beiden Fällen nicht vor, denn die Wiesbadener Gemeinde ist rechtsfähig und die Breslauer Gemeinde hat die Rechtsfähigkeit durch Eintragung in Offenbach in durchaus legaler Weite inzwischen erlangt. Minister v. Moltke erwidert, daß der Wiesbadener Fall inzwischen erledigt sei. Gegenüber dem Breslauer Fall könnte er, soweit sein Ressort in Betracht kommt, von dem ablehnenden Standpunkt nicht abgehen. Abg. Geißler(Ztr.) wünscht polizeiliche Maßregeln gegen Unfälle durch die amerikanische Luftschaukel. Damit schließt die Debatte. Der Antrag wird angenommen. Hierauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Donnerstag 12 Uhr.(Außerdem Etat der Handels= und Gewerbeverwaltung.) Schluß: 5¾ Uhr. 45. Sitzung, Donnerstag, 4. März, mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Moltke. Die zweite Beratung des Etats des Ministeriums des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Polizeidistriktskommissare in Posen. Abg. v. Goßler(kons.) wünscht Erhöhung der Dienstaufwandsentschädigungen für diese Beamten. Minister v. Moltke erwidert, daß die Ermittelungen zur Prüfung dieser Frage noch nicht zum Abschluß gekommen wären. Das Kepitel wird bewilligt. Beim Kapitel Landgendarmerie tritt Abg. Schulze=Pelkum(kons.) für die Besserstellung der Gendarmen ein. Abg. Wamhoff(natl.) betont die Notwendigkeit, der Gendarmerie Polizeihunde zur Verfügung zu stellen. Ein Regierungskommissar sagt Erwägung dieses Wunsches zu. Zum Kapitel Allgemeine Ausgaben im Interesse der Polizei beantragen die Abgg. Borgmann(Soz.) u. Gen., den Titel Geheime Ausgaben im Interesse der Polizei 300000 Mk. zu streichen. Abg. Ströbel(Soz.): Die in diesem Titel vorgesehene Ausgabe dient nicht der Ermittelung von Verbrechern, sondern politischen Zwecken. In den 60er Jahren waren es auch sogar Nationalliberale, welche sich gegen diese Ausgabe wandten. Sie führten aus, daß die Regierung eines solchen Fonds nicht bedürfe, daß aber die Regierung, welche eines solchen Fonds bedürfe, nicht wert sei, zu existieren. Ich weiß nicht, ob das auch heute noch der Standpunkt der Nationalliberalen ist. Die Abstimmung wird es ja beweisen. Die Vorgänger des Freisinns standen selbstverständlich ebenfalls auf diesem Standpunkt. Waldeck erklärte diesen Fonds für unmoralisch und bestritt, daß er einen wesentlichen Vorteil für den Staat bedeute. Auch Eugen Richter forderte die Streichung dieses Fonds, der damals erst 120000 Mk. betrug. Vom Zentrum erklärte sich Reichsberger 1865 für diesen Fonds. Im Kulturkampf aber veränderte sich die Haltung des Zentrums.(Hört, hört! bei den Soz.) Am 28. Januar 1874 erklärte Windthorst emphatisch, daß das Zentrum jeden Groschen ablehne, für den die Regierung eine Rechenschaft zu geben nicht in der Lage sei. Die Regierung erklärte früher, daß der Fonds nötig sei zur Bekämpfung und Ueberwachung der Anarchisten. Diese Ueberwachung ist wirklich überflüssig. Bei uns in Deutschland gibt es gar keine Anarchisten im Sinne der Rechten und der Regierung. Wir haben keine Gewaltanarchisten, höchstens einige Edelanarchisten, die eine durchaus harmlose Erscheinung sind. Wenn man sie trotzdem überwacht und bespitzelt, so gibt man ihnen nur ein Relief nach außen, eine Bedeutung, die sie nicht haben. Es scheint freilich, als ob man die Anarchisten künstlich großpäppeln will, um sie jegen die Sozialdemokratie auszunutzen. Ebenso wenig braucht der ausländische Anarchismus überwacht zu werden, von dem man in den letzten Jahren gar nichts mehr gehört hat. Man müßte denn an Rußland denken, wo aber der sogenannte Anarchismus einfach die selbstverständliche Begleiterscheinung der russischen Zustände ist. Diese Ueberwachung führt höchstens zu dem Unwesen der Agents provocateurs. Ich erinnere an den Spitzel Schröder in der Schweiz, von dem nachgewiesen wurde, daß er von Berlin aus monatlich 200 bis 250 Mk. erhielt. Bei ihm wurde Dynamit gefunden, er hetzte die Arbeiter durch Reden auf, und empfahl ihnen als einziges Mittel der Rettung die Propaganda der Tat. Es ist auch bewiesen worden, daß dieser Spitzel die anarchistische„Freiheit" bezahlte.(Hört, hört! bei den Soz.) Es ist klar, daß diese Polizeispitzel die allerbedenklichsten Elemente sind, die leicht dazu kommen, etwas in Szene zu setzen, wo nichts vorhanden ist, um sich die polizeiliche Suhvention auf die Dauer zu sichern, und die vor dem skrupellosesten Vorgehen nicht zurückschrecken. Das hat ja auch der Leckert=Lützow=Prozeß im Jahre 1896 zur Genüge bewiesen. Damals sah sich der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Freiherr Marschall v. Bieberstein, vor den Machenschaften dieser Svitzel genötigt. in die Oeffentlichkeit zu flüchten. Er wurde von ihnen verdächtigt, gegen andere Beamtengruppen konspiriert zu haben, es wurde aber gerichtlich festgestellt, daß diese Behauptungen von den Polizeispitzeln aus den Fingern gesogen worden waren.(Hört, hört! bei den Soz.) Interessant war auch die Entlarvung des Normann=Schumann, der nach Leipzig geschickt wurde, um die Bewegung der antisemitischen Partei zu überwachen. Sie sehen, auch gegen diese Partei hat man die Spitzel gebraucht. In welch unerhörter Weise die Mittel aus diesem Fonds benutzt werden, beweist auch der im Reichstag vorgebrachte Fall des russischen Karfmanns in Schöneberg, der einen Ausweisungsbefehl erhielt, und dem dann als Bedingung der Zurücknahme dieses Befehls gestellt wurde, daß er landesverräterische Dienste gegen sein Vaterland, Rußland, leisten solle. (Hört, hört! bei den Soz.) Dazu wurde ihm von der Polizei noch ein falicher Paß ausgestellt.(Hört, hört!) Für solche Fälschungen sollen wir 300000 Mk. bewilligen! Wie ein Teil dieser Summe in unsere Parteikasse fließt, hat ja mein Freund Hirsch dargelegt. Ihm gegenüber hat der Herr Minister die Spitzelei für notwendig zur Ueberwachung der Sozialdemokratie erklärt, die nicht so harmlos sei, wie sie sich hinzustellen pflege. Die von ihm und Herrn Strosser verlesenen Zitate beweisen aber nicht im geringsten, daß die Sozialdemokratie eine gewaltsame Revolution beabsichtige, sie zeigen nur, daß wir mit nüchternem Blick die Entwicklung der politischen Verhältnisse in Deutschland und Preußen verfolgen. Dafür, daß die Sozialdemokratie beabsichtigt, in friedlicher organischer Weise die Zustände zu reformieren, legen die theoretischen Schriften unserer Partei auf jedem Blatt Zeugnis ab. Wenn auf der anderen Seite von uns betont wird, daß die Sozialdemokratie eventuell mit Konflikten rechnen muß, so stellen wir damit nur fest, daß es allerdings nicht den Anschein hat, als ob die herrschenden Klassen zuf ihre Privilegien freiwillig verzichten würden. Sie können doch nicht verlangen, daß im Interesse der erzreaktionären Junker die ganze Weltgeschichte still steht. Sie könner nicht verlangen, daß die Masse des Volkes sich einfach dem Widerstand der 20000 Junker fügt, die allerdings eine große wirtschaftliche Macht besitzen, die mehr als ein Trittel des Bodens ihr eigen nennen und als deren Gefangene sich selbst die Krone betrachtet.(Lachen rechts.) Wir bekämpfen sie mit friedlichen, geistigen Mitteln.(Lachen rechts.) Kommen Sie doch in unsere Versammlungen! Aber Sie ziehen es vor, uns die Säle abzutreiben, uns mit Polizeischikanen zu bekämpfen, weil Sie elend Schiffbruch erleiden würden, wenn Sie sich auf ehrliche Diskussionen mit uns einlassen würden.(Sehr wahr! bei den Soz.) — Der Herr Minister wies auch auf unsere Straßendemonstrationen hin, die ein Abweichen von den gesetzlichen Wegen seien. Wir verlangen auch auf diesem Gebiete nur gleiches Recht wie die besitzenden Klassen. Ich erinnere an die Straßendemonstrationen im Januar und Februar 1906, wo sogar in einer nicht angemeldeten Versammlung eine Rede zum Fenster hinaus von Wilhelm II. gehalten wurde. Präsident v. Kröcher: Soweit es irgend nötig ist, will ich Ihnen gestatten. Seine Majestät den Kaiser und König zu erwähnen, wenn Sie es aber tun wollen, dann bitte ich Sie, es in passender Form zu tun. Diese Form halte ich nur dann für gewahrt, wenn außer dem Namen des Kaisers auch seine Würde bezeichnet wird.(Bravo! rechts.) Abg. Ströbel(Soz., fortfahrend): Also die Sozialdemokratie verlangt nur, daß ihr das gleiche Recht gewährt wird, wie den besitzenden Klassen. In dem Gebrauch dieses Rechts auf Straßendemonstrationen wird sie sich durch alle Drohungen vom Ministertisch daß die Volizei die Waffen habe, um sie zu gebrauchen, nicht einschüchtern lassen. Waren doch diese Drohungen nur das Echo der Hetzreden im Zirkus Busch.(Sehr gut! bei den Soz.)— Was die Unruhen bei den letzten Straßendemonstrationen anbetrifft, auf die der Minister hinwies, so betone ich, daß diese Demonstrationen spontan entstanden sind. Niemand hat daran gedacht, daß sich an diese Versammlungen der Arbeitslosen, deren Termin lange vorher anberaumt war, ehe der Tag des Einzuges des Königs von England bekannt war, Demonstrationen anschließen würden.— Der Herr Minister verlangte, wir sollten den Nachweis führen, daß Polizeibeamte bei den Demonstrationen als agents vrovocateurs gewirkt hätten. Wir wollten den Nachweis vor Gericht führen, aber den Polizeibeamten wurde vom Polizeipräsidenten die Aussage verboten. (Sehr wahr! bei den Soz.) Uebrigens hat ja der Abg. Dr. Seyda den aktenmäßigen Beweis erbracht, daß in der Tat Spitzeleien von Polizeibeamten geübt worden sind. Wir werden das nächste Mal den Rat des Polizeipräsidenten an die Berliner Bevölkerung befolgen und werden die Polizeisvitzel mit Mehl bestreuen damit jeder sie erkennen kann.(Sehr gut! bei den Soz.) Ich bitte Sie, aus volitischem Anstandsgefühl und im Inseresse der moralischen Sauberkeit, sowie aus der einfachsten un Frechen, Alugheit heraus erztich mit Arnim(kons.) zitiert Aeußerungen von Bebel, und bestreitet, das es iser(kons.): Es hat noch nie eine Partei geVörigedie K die Die bria,e stigen Wassen gekämpft hat, wie die l#####ntate Macht so in den Vordergrund gegeut hat.(Zuruf bei den Soz.: Die haben wir ja gar nicht!) Ich habe oft versucht, sachlich in Ihren Versammlungen zu diskutieren, aber man hat es mir durch Gebrüll und Niederschreien unmöglich gemacht. Meinen Vorwurf, daß es auch in Ihrer Zeeött Frs# ikel. gibz, haben Sie nicht zurückweisen können. Es sachen ahauseng“ ud von uns vorgebrachten Tats Seldtegneg. Jeravo gechieg rscttiachten ToPräsident d. Krocher: Den Ausdruck:„Es gebört Ihre Stirn dazu“ auf ein Mitglied des Hauses angewe nicht als direkt hausordnungswidrig bezeichnen, aber g5A bg., Karfanty(Pole) kommt noch einmal auf den vom ##r. Seyda schon erörterten Fall der Entlarvung eines „Iutorisch tätig gewesenen Polizeispitzels zurück. Er erklärt, daß oie provolatorische Tätigkeit dieses Spitzels nach den in seinen Händen befindlichen Akten erwiesen sei. Wenn der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern in seinen Akten vorbanden sein.i“ gefunden habe, so müßten zweierlei Atten Antrag Borgmann wird hierauf gegen die Stimmen der„zeispzigen, g, und Sozialdemokraten abgelehnt. führung des Fürsorgeche,an die Kommunalverbände zur AusSch ie e ie. hetont " abg. Schmeoving(Zir.) die Wichtigkeit der Religion bei der Fursorgeerziehung und bedauert, daß die Familien=Fürsorgegzziehune richt in srößerem Umfange Anwendung findet. agg. Stroce: Soz): Der Bericht über die Ausführung der Fursorgeerziehungsgesetzes, betont mit Recht, daß Kinder lassen nicht in das Gerän. si Vergehen zuschulden kommen leitete Erziebungsansta: gehören, sondern in eine gut geist ein Gecdarse heu m oder in die hamilienerziehung. Das ist ein Gebanke, den wir seit langen Jahren vertreten.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der Bericht beweist auch, daß die Verwahrlosung der Kinder vielfach eine Folge der sozialen Not ist. gehen.(Sehr wahr! bei den Soz.) 48 Prozent der weibPis betice oshsinge, was berast ich bad Gask Soz.) Bezeichnend ist, daß die Bäcker, Kellner, also die Bern in denen die patriarchalische Willkür am wenigsten durch Arbe den Zäglingen stellen.“(Hört, Hörtf des stäriste Kontingent lichkeit vermieden werden, daß geistig Anormale ir das Gefsne nis kommen.(Sehr wahrl bei den.. das Gelängbeiont, baf durch altiget Hureden das Vertrauen der Zöglinge Seisch shes shisher Fel bsewisen dat. Die Pribaten Vi. Ausbau der gewerkschaftlichen (Bravol bei den Sazzinistionen moglichst Rechnung trägt. gelegt würden. Eine ausreichende Ueberwachung wperdhers Ziesieck Zrec bolten Auschskonmisonen eingesett Vv# ge,# Beg.. Bxggo! links.) „ishte## des Elats wird nach unwesentlicher Debatte begeitägnng het G Dr. Szuman(Pole) und Genossen auf Be. Iegitimationskarten für ausländische Saisonarbei. der wiro ver ugrarkommissign überwiesen. vertagt sich das Haus. Schluß: 5K ubrdreitag 11 Uhr.(Handelsetat) Vom Straf eines Tischlern als verantwortlicher Redakteur der 58 hanhesse n8o. zu 20 Mark Geldstrafe verurteilt. Mohrheitsbemegzus Kritik von Verkstatt=Mitzständen. Der wahrhensbeweis wurde als erbracht angesehen; der Angeklagte el 865 Poaei Vorn u wei gegengen. Auseicg nossen Wishessengericht zu Magdeburg verurteilte den Gehelm Hoch wegen Schutzmannsbeleidigung zu einem weil er am 24. Januar bei den Wahlrechtsdemonstrationen, empört über das Vorgehen der Schutzleute, geruien haben sollte:„Euch Bluthunden, euch wollen wir es schon der die Halizin der Urteilsbegründung hieß es, daß derjenige, tragen habe, au die Straße truge, auch die Konsequenzen zu „„Ein Jubiläum der Koburger Parteiorganisation. Die sozialvemorratische Parteiorganisation im Herzogtum Koburg zurüch Osopsea“ au ein fünfundzwanzigjähriges Bestehen aucd in Loburg an Doen boamalisan VerLandesorgonisation bildete. Diese weist henie über 700 im Herglieder auf. Gewerkschaftsbewegung. Noch eine Tarifkündigung im Maschinisten= und Heizerverband. Der Arbeitgeberverband des Hasengebiets Mannheim=Ludwigshafen E. V. hat unter dem 27. Februar dieses Jahres den im Jahre 1907 mit dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer abgeschlossenen Tarifvertrag für die Schiffsmaschinisten und=Heizer gekündigt. Wenn der Zentralder Maschinisten und Heizer in eine Verschlechterung der Lohn- und Arbeitsbedigunger einwilligt und den Ablauf des Tasii auf 31. Tezember 1911 verlegt, will der Arbeltgeherverweiterlaufen lassen.ne Tarii bis z8 Lenanntem Leltpunlkt „Das Ende eines Bruderzwistes. Vorigen Herbst splitterte sich eine unzahl Schiffsmaschinisten und=Heizer der Zahlstelle Ruhrort des Zentralverbandes von diesem ab und gründete eine Zrtegratigngte Vereinigung der Maschinisten und Heizer“ ######rund hierzu lag angeblich in verschiedenen. Maßnahmen des Vorstandes des Zentralverbandes. Die ca. 200 Mitglieder zählende Vereinigung hat sich nun dieser Tage wieder zum Zentralverband der Maschinisten und Heizer angeschlossen. 8 Arbeitslose Eisenbahner. In Pforzheim und in Schwetzingen bei Mannheim sind in voriger Woche eine Anzahl schon lange bei der Bahn beschäftiger Arbeiter entlassen worden. Der badische Parteitag der Sozialdemokratie forderte in einer Resolution die Generaldirektion auf, für anderweitige Arbeitsgelegenheit zu sorgen; eine Versammlung christlicher Eisenbahner bedauerte, daß in der jetzigen Zeit, wo die Kommunen überall Notstandsarbeiten verrichten lassen, von dem Staate in entgegengesetzter Weise verfahren wird und Arbeiterentlassungen vorgenommen werden. Den Unternehmern von Eisenbahnbauten solle zur Pflicht gemacht werden, nur solche Arbeiter einzustellen, die beim Eisenbahndienst wegen Arbeitsmangel entlassen worden sind. . Ein Streik um längere(!) Arbeitszeit. In der Steinplatten= fabrik Vereinigte Servaiswerke in Ehrang bei Trier haben kürzlich die im tatholischen Arbeiterverein(Fachaoteilung BerlinTrierer Richtung)„organisierten“ Arbeiter gestreikt. Die Arbeit wurde aber ergebnislos wieder ausgenommen. In einer Versammlung beschlossen die Arbeiter, der Wertsabteilung ihre Pünsche, gorzutragen. Einer dieser„Wünsche“ lautet gemäß der„Trierischen Landeszeitung":„Die Arbeit soll nicht 9, sondern 12 Stunden dauern, damit die Leute vollen Tagelohn hätten“. So seher die Früchte der klerikalen„Aufklärung“ Der Weberstreik im Eulengebirge. Den Webern und Weberinnen der Firma Vereinigte Buntweberei, vormals B. Feugebauer Söhne und Karl Postpischil, in Langenbielau ist ein Kampf ausgedrängt worden, der von der geiamtei Arbeiterschaft dieses Betriebes mit seltener Energie und Opserfreudigkeit durchgeführt wird. Es streiken zurzeit 312 Weber und Weberinnen. Die Hilfsarbeiter, wie Sputer, Scherer und Andreherinnen müssen feiern, da keine Arbeit für sie im Betriebe vorhanden ist. Die Kündigungsfrist der letzteren aog### Sonnabend, 6. März 1909, ab Dann stehen rund b00 urbeiter im Kampfe. Und warun das alles? Weil eine Anzahl Familien der besitzenden Klassen glauben, ihre Lebenshaltung trotz der Krise standesgemäß fortsetzen zu müssen. Dagegen haben zwar die Arbeiter nichts einzuwenden, aber es darf nicht auf Kosten einer ausgehungerten Arbeiterschaft geschehen. Zu diesem Betriebe haben sich 10 Familien zusammengetan, mit einem Stammkapital von 1 Million Mark. Aus den 600 Arbeitern wollen sie nun ein erkleckliches Sümmchen herauswirtschaften, damit„sie" keine„Not“ leider brauchen. An Kapital Postpischil 40000 Mk., Reinhold Böchri Zöggg 36, Pizefergre Postvischil 37000 Mi., Karl Post#ischll 20 000 Ml., I####h,„Fröhlich 43000 Mk., Witwe Anna Neugebauer 248000 Mt., ulson? Neugebauer 133000 Ml., BernElionore Fischer geb. Neugebauer Mk., Herbert Neugebauer 143000 Mk. Selbstverständlich wird, auch der Gewinn der eingezahlten Summe entsprechend nicht in hruse.. di Postpischilschen Familien doch auch mit nur 40000 i unds ist peziell Hert Gustav Postpischil mell 9., ieg“ wii, Einlage, der den Hungertarif durchdrücken win. Zu viesen zehn Patrizierfamilien gesellen sich neben den Sies Herk Beizsehsdire Direen. Es sind 5 Vert Sr#t####rettor Koch mit 14000 Mk. Jahresgehalt Kontordirektor Lange mit 12000 Mk. Jahresgehalt den: Wie Weß,PPehen wenigen Arbeitern herausgeholt wei#####e guberz sich im Jahre 1908 ca. drei Vierteljahr bei. viegreznyalbtägiger arbeitszeit durchgehungert, in der Hoff„####r# eine baldige Besserung eintreten werde. 1500 Arbeiter und Arbeiterinnen der Textilindustrie verließen im Jahre 1908 Langenbielau, um in einem anderen„Vaterlande“ eine besiere suchen. Zu Neujahr 1909 wurde wieder volle Arheizszeit, eingeführt. Alles atmete auf. Hatten doch oft Mann S.: Frau zujammen nicht mehr als 7 bis 10 Mk. in der schweren Hastnisg Krise perdient. Da kam die Fusion Neugebaverwpischil zustande, deren erste Tat der sogen. Kochtarif(nach Direktor Koch genannt) war. Dieser neue Tarif brachte Lohnabzüge von 15 bis 30 Prozent. Durch Verhandlungen wurden einige Verbesserungen erreicht. Immerhin beträgt der Lohnabzug noch 1 bis 3 Mk. pro Woche. Wo die Frauen mit auf Füssen, werden für zwei Kinder 6 bis 7 Mi. Pflegegeld bezahlt. Durch schlechtes Schuß= und Kettenmaterial In den BeZaen“ der Beber, noch ganz gxheblich verschlechtert. R#5##ciretie. die Firma 14 Tirektoren verbraucht. Rafter wurz“ brachte neue Aasichten, neue Einrichtungen mit. Besser wurde e' aber nicht. Am 15. Februar 1909 traten nun, vog saeheringem Zugeständnisse nicht machte, die Weber sber ce Aus der Nachbarschaft. * Schbtmar, 3. März. Zu dem Bericht in Nr. 45 über die Versammlung des Schweineversicherungs=Vereins für Schötmar und Umgegend bringen wir heute das amtliche Resulat der v#on der Landwirtschaftlichen Untersu, chungsstation Münster untersuchten Futterstoffe: Nr: Händler Von wemn bezogen Gehalt in%/ Bemerkungen 1 G. Leuschner, Hut, Herford Protein 13.45 hier Fett 2,69 2(Fr. Kleemann, Altrogge, Lage Protein 12.24 hier Jett 1.70 Gleue, hier do. Protein 19,08 Fett 4/53 L. Althof, hier Niedernmühle Protein 8,41 Blotho Feit 2.25 5 R. Sieweke, Gleue, hter Protein 15,25 hier Feit 4,32 6 Adler, hier(Adler, hier Protein 12,01 Fett 3.62 7(A.Brokschmitt hier Schnelle Protein 10,55 Fert 1,70 Böhle, von ihm selbst Protein 18,49 Ehrsen[Fett 3,84 9 Schnelle von ihm selbst Protein 15,49 Jett 4,72 Schnelle(von ihm selbst Protein 15,49 Fett 4,72 Schnelle Klumeyer Bracht Beckmann, Knetterheide Bollhöfer, Knetterheide Heidsiek, Knetterheide Amrhein, Knetterheide Wöltje, Werl Remert, Werl Hut, Lage Protein 12.49 Fett 7,99 von ihm selbst Protein 15,13 Fert 3/46 Krügermeier, Protein 15,73 Lage Fett 8,46 Gleue, Schötmar Protein 11,41 Fett 3,43 Tiemann, Protein 13,56 Niederbexen Fett 2,55 Koch, Oeynhausen Gleue, Schötmar von ihm selbst Tieker, Söhne Herford aee gucdh die Ungh... Bis auf eine Weberia die Switelieder znorganisierten, die Aufseherfrauen kitglieder der katholischen Fachabteilung dem Streik angeschlossen. Eine Einmütigkeit, wie sie noch nie Zigarten uiw: Gleick nach=Peginn Formnen und kalten Korn, Protein 14,89 Feit 3,08 Protein 18,87 Fett 3,94 Protein 15,01 Fett 2.91 Protein 13,81 Feit 2,71 Das Bollmehl ist rein, jedoch mit Milben behaftet. Das Gerstenschrot ist rein, jedoch mit Milben behaftet. Das Futtermittel ist ein, zahlreiche Brandspuren enthaltendes Gemisch von Roggen= und Weizenkleie und m. Milben behaft. Das Maisschrot ist rein, aber mit Milben behaftet. Die Roggenkleie enthält außer Weizenkleie und zahlreich. Brandspuren große Mengen von Erdnußhülsen und ist daher als verfälscht zu bezeichnen. Auch Milben waren vorhanden. Die Roggenkleie enthält Roggenbestandtelle, Brandspuren, Erdnußhülsen und ist daher gefälscht, auch Milben waren vorhanden. Das Roggenschrot ist rein, aber mit Milben behaftet. Der Weizengrand ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Bollmehl ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Bollmehl ist rein, aber mit Milben behastet. Das Reismehl ist rein. Das Futtermittel ist eine Schrotmisch. von verschiedenen Körnern(Hafer u. Gerste). Ist auch mit Milben behaftet. Das Weizenbollmehl ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Haferschrot ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Gerstenschrot ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Bollmehl ist rein, aber mit Milben behaftet. do. Das Gerstenschrot ist rein, aber mit Milben behaftet. Das Bollmehl ist rein, aber mit Milben dehaftet. des Streiks bezog eine Absziehende alte Schule neber arie von vier bis fünf Mann trouilieren. Kaum hat sich das Faorikor am 15. 9. M“ gereten, obwohl ihnen guf, dr, neu einzushrenden Hiernach braucht sich niemand mehr zu wundern, wenn fortwährend Schweine sterben. Ein Strafverfahren hat die Staatsanwaltschaft abgelehnt, weil der Täter nicht zu ermitteln sei. „Stattverordnetensitzung Kindsgrah. m Kindsgrab sich bereit erklärt hat, statt 100 150 Mr. Pachtiumme zu zahlen, erklärt sich die Versammlung mit der Verpachtung an ihn einverstanden.— 2. Ankauf des Frodermannschen Hauses. Ueber den Ankauf dieser mitten in der Stadt gesegenen 9 Ar 14 Quadratmeter großen der Witwe Frodermann einen gezahlt werden sollen. Die Besitzung befindet sich östlich der Salze und es ist dort eine Straße projektiert. Eine Petition von über 100 Anwohnern, die westlich der Salze wohnen, erklärt sich gegen den Ankauf, damit der Verkehr aus dem von ihnen „otzoohl ihnen auf din neu einzuführenden, orts: Hepohnten Stadteil nicht fortgezogen wird. Nach längerer ablichen Reichenbacer Lonntarf eine erbebliche Rautbesserung Pesue, in der einige Stahdverordnete für, andere apen““ zugebiligt vorde war“, Man kriegt es fertig, aus borrenden unzaui recben, wird die Beich ossung vieriber Dit“ Lohnabzügen erhebliche Aufbesserungen zu machen. Es ist nächsten Sitzung vertagt. Genosse zeichmann ist gegen den Ankauf, da sich dert etwas Ordentliches nicht schaffen ließe.— Für eine Schreibhilfe, für den„Stadtrentmeister werden Re gerfeiche seaie Alibesierchef beiasch weiden gel Der noch ist er in Der Reichenbacher Tarif enthält den ehr wichtigen Pafuas: „Wo bisher höhere Löhne gezahlt wurden, als der Tarif vorsieht, bleiben dieselben bestehen.“ Wenn die„Vereinigte Buntweberei“ gesen Zusatz ebenfalls in ihren Tarif aufnehmen würde, könnte eine Verständigung herbeigeführt werden. Inzwischen haben nun, sämtlsiche, Hilfsorheiter, wie Souler, Scherer, Andreher, omie##as Personal der Färberei und Appretur zum Austritt am 6. März 1909 gekündigt bekommen, wodurch die Zahl der Streikenden und Ausgesperrten sich auf 600 erhöhen wird. Die Veranloht Haste derr Herexhgrat Tövert=Reichenbach veruntaßt, harte. sind wegen oer goreynenden Haltung der Firma ergehnislos erlaufen. Die Weber wollen ihren alten Lohntarif Scapit., Schribhilfe für den Stadtrentmeister perden 500 Wer. bewilligt, und für eine solche für das Magistratsbureau 900 Mark.— Die Etatsberatung, welche auf der Tagesordnung stand, wurde ausgesetzt, da die Finanzkommission infolge des Fehlens von Rechnungen die Beratung noch nicht hat zu Ende führen können.— Es wird dann folgendes Schreiben verlesen, das der Versammlung zugegangen ist: An die Stadtverordnetenversamm ung, hierselbst. Die nachstehend unterzeichneten Stadtverordneten richten hiermit an die Stadtverordnetenversammlung die Bitte, in der heute abend stattfindenden Sitzung den Vorstand zu ermächtigen ein Schreiben an die augenblicklich in Detmold SeC Conl und 91 der Städteordnung hei gejetzliche Bestimmung zur Ermöglichung einer Wertzuwachssteuer zu treffen. Die Stadtverordneten. dird einstimmie*(Folgen 7 Unterschriften. zweifelter Hungerkampf st. bezonnen bat, hat hoffent. schaflichen veriraulichen Besprechung, in lich für die Arbeiterschaft den zewünschten Erfoig. Wahl eines Stadthaumeisters, und„eines Krankendaus= und Armenarztes beschäftigte, ist eine weschlußfassung nicht erfolgt. ####e sind hoffnungskroh und erwarten von auswärts nichrs als wrengste Solidorität. Das Langenbielauer Gewerkschaftskartell hat bereits 800 Mk. zu außerordentlichen Unterstützungszwecken flüssig gemocht und wird außerdem noch eine freiminine cammlung vornehmen lassen. Die Begeisterung, mit der dieser Kampf, der im wahren Sinne des Wortes ein verFür den Stadtbaumeister Wahl. Die Kommission einmal befassen. Die W men werden, da man si konnte, und sämtliche hief gen Herbst Bedingungen nicht beitreten konnte. den Aerzten noch einmal * Hamm, 4. März. bereits berichtigten Notiz Kon in schwi in gross Bielerein Verein für Okkulte for Sonnabend, 6. Mö findet im Saale der Harn Oberntorwall, ein Vortra mit dem Thema: = Der Spiritismus unbekannte Naturwisse stat:. * Eintritt frei. Gäste wil 1200 A in nur b lie billigs Gebr. Blalgfeich. — (8c4 für den Stadtbaumeisterposten stehen 3 Bewerber zur engeren Wahl. Die Kommission soll sich mit dieser Angelegenheit noch einmal befassen. Die Wahl der Aerzte konnte nicht vorgenommen werden da man sich über die Gehaltslätze nicht einigen konnte, und sämtliche hiesige Aerzte in einer Eingabe vom vorigen Herbst Bedingungen gestellt hatten, denen die Versammlung nicht beitreten konnte. Der Magistrat wurde beauftragt, mit den Aerzten noch einmal Rücksprache zu nehmen. * Hamm, 4. März. Zu der auch von uns gebrachten, jedoch bereits berichtigten Notiz über die Klage, nach der Witwen der auf„Radbod“ Verunglückten einen Dortmunder Rechtsanwalt beauftragt haben sollten, gegen den Kronprinzen und den Oberpräsidenten von Westfalen die Klage wegen Herausgabe der gesammelten Urterstützungsgelder zu erheben, erklärte im Auftrage des Kronbrinzen dessen Hofmarschall Graf von Bismorck=Bohlen einem Mitarbeiter des„Berl. Tageblatt": Der Kronprinz übergab dem gesetzlichen Ausschuß das Verfügungsrecht der bei dem Schaffhausenschen Bankverein deponierten Summe, die dann von der ank an die Stadtsparkasse der Stadt Hamm zur Verfügung des Ausschusses überwiesen wurde. Mit der Uebergabe der Summe an den gesetzlichen Arbeiterausschuß war jegliches weitere Verfügungsrecht seitens des Kronprinzen erloschen. Der Kronprinz für die Hinterlliebenen der auf der ickten Ber des Zent . vr: Zeche„Radbod“ verunglucklig Bergleute. * Recklinghausen, 4. März. Die fisialische Zeche „Waltrop“ ist in Gefahr, zu ersaufen. Das unhaltsam eindringende Wasser hat die unteren Sohlen überschwemmt und steigt ununterbrochen. Alle Arbeiten unter Tag sind eingestellt. Sämtliche Pferde sind zutage gefördert. 200 Bergleute mußten wlchnt veiben. in schwarzen, blauen und dunkel gemusterten Stoffen von Mk. 7.— bis 40.— Stadttheater. Sonnabend, den 6. März 1909, abends 7½ Uhr: Vorstellung zu kleinen Preisen. Zum letzten Male! Alt-Heidelberg. Sonntag, den 7. März 1909, abends 7 Uhr: Das grosse Licht. Montag: Moral. Dienstag, den 9. März 1909, Benefiz Melly Stollberg:„Die rote Robe“. Donnerstag: Gastspiel Prasch- Grevenberg Trinkt Ahn’s Excelsior! Oeynhausen. Sonntag, den 7. März 1909, abends 8 Uhr, im Schützenhof Oeynhausen. Zweites Gastspiel des Leon Bernhardyschen Schau- und Lustspiel-Ensembles aus Hannover: Der Pariser Taugenichts oder Palast und Hütte. Lustspiel in 2 Abteilungen und 4 Aufzügen von G. Töpfer. Spielleiter: Dir. Bernhardy. Kassenöffnung 7 Uhr. Anfang Punkt 8 Uhr. 1260 Wochenmurtis= Pleist in Bielefeld am 5. März 1909. Butter per Pfd. 100—115 Rindfleisch„„ 70— 75 Schweinefleisch Speck stalbfleisch Hammelfleisch Gänsefleisch Eier Hasen Zwiebeln Aeusel„„ Wurzeln, alte, pr. Bund „ neue,„„ Kartoffeln, neue, pr. 1 Pfd. 4— 5 alte, 60 00 00 75—. 85 80— 85 70—.80 79— 65 „„ 65— 70 pr. Stück 1/ Kile 18— 20 20—. 30 — pr. Stück 35— 45 25— 40 „ 25— 40 „ 20— 35 „ 6— 8 Kartesseln 150 Pfund 525—600 Blumenkoht Kopssalat Kavons Rottohl Wirsing Steckrüben Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Krankheit sowie bei der Beerdigung unsererlieben Entschlafenensagen wir allen, insbesodere Herrn Pastor Phillips für seine trostreichen Worte, sowie dem Gesangverein„Westfalia“ unsern innigsten Dank. 1299“ Bielefeld, 2. März 1909. Jamilie Wessel. 4 4 in grosser Auswahl und neuen kleidsamen Fassons von Mk. 1.10 bis 3.50 Bieierein 1308 Kanster I. W. Nachruf. Am Dienstag, morgens 9 Uhr, starb nach kurzem Leiden unser Filial-Expedient in Enger, der Genosse Friedrich Rahkob im Alter von 51 Jahren. Sein aufrichtiger Charakter sichert ihm bei uns ein bleibendes Andenken. Buchdruckerei u. Buchhandlung„Volkswacht“. Bielefeld. A. Gerisch& Co. Am Dienstag, den 2. d. M., vormittags 9 Uhr, verschied sanft nach kurzem Leiden unser Kassierer und Filial=Expedient Leirbeich Kahkan im Alter von 51 Jahren. Ein ehrendes Andenken bewahren ihm Die Mitglieder des Sozialdem. Vereins Herford=Halle Ortsgruppe Enger. Die Beerdigung findet am Sonnabend nachmittag 1 Uhr vom Trauerhause aus statt. s1317 8 Verein für okkulte Forschung Sonnabend, 6. März, findet im Saale der Harmonie, Oberntorwall. ein Vortrag mit dem = Der Spiritismus als= unbekannte Naturwissenschaft stat:.(1321 Eintritt frei. Gäste willkommen. SOeooseene Schweine=Versicherungs=Verein auf„Gegenseitigken Bielefeld. Am Sonntag, den 7. März, morgens 9½ Uhr:(1309“ General=Versammlung im Lokale von C. H. Apenbrink, : v e r f o r d e r s t r a ß e 2 4 2. Tagesordnung im Lokal. Um zahlreiches und pünktliche# Ersche nen wird dringend ersucht. Der Vorstand WUTUTTT in nur bester Qualität liefern zu den billigsten Preisen Gebr. Gottschalk, Bleiefeld. Niedernstr. 29/31. 80 Kleine Anzeigen Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in#### Worte mit mehr als 15 Buchstaben der seiten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Kleiderschränke von 25 Mk., Bettstellen 15 Mk., Fische 5 Mk. an. Nur Lager, kein laden, daher billiger als jede Konurrenz. Brunnenstraße 12 a, 2 Min. vom Stadttheater. 949 Nur och kurze Zeit, wegen Umzug, dauert der Totalausv rkauf sämtlicher Schuhviren meit unter früherem reellen Vert. Auf Konfirmand ustiefel eroigt extra Veraütung. Heinr. Meyer, Nellerstraße 26. 1305* Speisekartoffeln. Empfeyle chöne mehlige Magnum vonum sowie rote Volimann. Stroh bei mehreren Zentnern 1.75 Mark. H. 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März 1909, findet in den hochnärrisch dekorierten Lokalitäten des Herrn C. Richter, hierselbst, unser diesjähriger Grocser Gala-Preis-Maskenball statt. 22 Vereinspreise 24 Preise! 2 Ehrenpreise befinden sich im Schaufenster des Schuhgeschästs Hansa=Haus, Niedernstraße 26.— Masken, welche auf einen Preis reflektieren, müssen bis 10 Uhr im Saale erschienen sein. Vorstandsmitglieder sowie deren Damen erhalten keinen Preis. 1102 Anfang 8 Uhr 29½2 Min. Einzug des hohen Rates 9 Uhr 45 Min. Preisrichter=Sitzung 10 Uhr 1 Min. Prämiierung 11 Uhr 45 Min. Im Vorverkauf: Herren 1.25, Damen 0.75 Mk. An der Kasse: Herren 1.50, Damen 1.00 Mk. NB. Ab Freitag, den 5. März, ist es Freunden und Gönnern des Vereins gestattet, die hochnärrisch dekorierten Lokalitäten unentgeltlich zu besichtigen. Es ladet hierzu freundlichst ein Der XI. Rat. V Minden: Tapeten- Bielefeld: Misternr. u Eogers Rathausstr. 7 R W Vertreter: Ad. Fiecher, Bielefeld. Berücksichtigt bei Eneren Einkäufen die Inserenten der atowact: Tapeten...... Goldtapeten Salontapeten Fond Ingrain.... abwaschb. Küchentapeten Lincrusta-Imitation Borden.. 7 3 0 30 1.5 35 30 5 1.60— per Meter von# 4an Borden 15-23 cm, per Meter von 5 Der Wegweiser! zeigt Ihnen, wo Sie beim Einkauf von an Silbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche! Die dankbaren Kinder u. Schwiegersohn. BORRRRARRRGRRARRGRRSGRRGGGR Unserem Verbandskollegen Heinrich Püster zur gilbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünschel Die Mitglieder des Deutschen Tabakarbeiter-Verbandes. Zahlstelle Herferd. 1297 OROSSORSRRSOROSSRRSASSA! „alt= Knnöstisch WPSten und Borden Pfund 60 Pfg. Kalb= u. Schweinesleisch zu billigen Preisen. Verschiedene Wurstwaren und Aufschnitt empfiehlt[723 Fritz Ellenbeck, Metzgermeister, Herford Lübberstr. 24. Telephon 417. viel Geld sparen: E GVE 1310 Rathausstrasse 7. Filiale: Minden i. Westf., Bäckerstr. 15. fertigt schnell und sauber an Sothtrbrdt. Sebonatt“ Nr. 54. Deutsche Eige 219. Sitzung vom Donn Am Bundesratstisch: Kré Auf der Tagesordnung: Etats der Postverw ersten Beratung des Entw sprechgebührenordn: Abg. Dr. Dröscher(ko volles Vertrauen. Unsere besten der Welt. Sie solle leiden. Die neue Fernsprech nen unsere Zustimmung. Re Hymnus auf den Staatssekr Abg. Singer(Soz.]: williger Postkommissar ausge Das ist seine Sache. Aber jenigen Kreise, die durch Hal der Postverwaltung kommen. Herrn Krätke und seinem! es die: Herr v. Stephan hat den Anforderungen des Verk Herr Krätke hat damit ang Er hat auf Handel und Ver nommen.(Sehr richtig! bei daß nicht am unnötigen Or notwendige Zahl der Beamt aber die Auffassung, daß au viel Beamte vorhanden sind Lebhafte Zustimmung bei de einrichten. Man hat nur deshalbe beamten geschaffen, um über geben zu können. Es hat auf 4 bis 5 Beamte immer hört! links.) Diese Existenz Nutzen. Aus Düsseldorf wir Aussicht Unregelmäßigkeiten von den vielen Aufsichtsbear Aufsicht in dem betreffende keit und Hört, hört! links.) amt wird mir gemeldet, d seine Arbeit regelmäßig dam übrigen Beamten einen S bei den Soz.) Auch aus Fra Zahl der Aufsichtsbeamten g Der Vorredner hat seine Arbeitszeit zum Ausdruck wird aber gemeldet, daß im Umständen wöchentlich 67½ (Hört, hört! bei den Soz.) die Arbeitszeit ist überhaup Verhältnisse wenig geeignet. offenbar ein gestrenger Her es besteht dort folgende wen ante und jede Beamtin mü Zeit verlassen wollen, diese gabe des Grundes mitteilen tigt sind, sollte man doch de richtig!] Von einer Reihe der Urlaub dadurch entwerte des Urlaubs liegen blieb ir Angesichts eines solchen Ver durch Urlauberteilung eine (Sehr richtig! links.) Die Unterbeamten haber Institut der Postvertrauen kommt. Heute sind sie dav " Auf die Besoldungsfrage soldungsvorlage eingehen. I der Postboten auf den Ag niedrig sind.(Sehr richtig: anderen Mißständen: UebLandesfürsten will ich jetzt stellen Nobel ist es jedenfau Privileg in Anspruch nehn Oltul Von C Aus dem Englise Der Kampf war jede können. Sikes hatte sein ihm dus Knie auf die Miene emporriß und nach Lichter auf der Straße der nächsten Brücke her w tritten vernommen, wie überkäme, unter welcher denn man hörte deutlich unebenen Steinpflaster. Anzahl immer größer, u geklopft, während ein he Stimmen auch wohl den „Hilfe, zu Hilfe!“ sd Tone.„Hier ist er, hier „In des Königs Na wiederum erhob sich, nur „Schlagt die Tür ein nimmermehr. Schlagt d Licht ist!“ Ein lautes Hussa ertö und abermals hundert Kl läden gehämmert würde. „Macht mir das Loch Galgenstrick einschließen den Knaben in ein Gem schloß es.„Ist die Tür "„Verschlossen und dop Crackit, der gleich den a danken fassen zu können „Wie ist's mit den weiter. „Verwahrt wie ein G „Jetzt öffnete Sikes „Seid alle verdammt! ihr bekommt mich doch Erschütterndes Geschr Einige riefen, man möge zeidiener möchten den M zine solche unsinnige Wu gprung, sich durch die M Lärna.eit“ und dicht 9.11 übertönenden Stit Leiter bringt.“ Und nunmehr riefen we etrrH 0S 54. Bielefeld, Freitag, 5. März 1909. 20. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht.) 219. Sitzung vom Donnerstag, 4. März, nachm. 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Krätke. Auf der Tagesordnung: Fortsetzung der Beratung des Etats der Postverwaltung in Verbindung mit der ersten Beratung des Entwurfs einer neuen Fernsprechgebührenordnung. Abg. Dr. Dröscher(kons.): Wir haben zum Staatssekretär volles Vertrauen. Unsere postalischen Einrichtungen sind die besten der Welt. Sie sollen unter falscher Sparsamkeit nicht leiden. Die neue Fernsprechgebührenordnung hat im allgemeinen unsere Zustimmung. Redner schließt mit einem nochmaligen Hymnus auf den Staatssekretär.(Bravol rechts.) Abg. Singer(Soz.]: Herr Dröscher ist hier als freiwilliger Postkommissar aufgetreten.(Sehr richtig! bei den Soz.) Das ist seine Sache. Aber seine Meinung ist nicht die derjenigen Kreise, die durch Handel und Verkehr in Berührung mit der Postverwaltung kommen. Wenn es eine Aehnlichkeit zwischen Herrn Krätke und seinem Vorvorgänger Stephan gibt, so ist es die: Herr v. Stephan hat in den letzten Jahren seines Amtes den Anforderungen des Verkehrs nicht mehr Rechnung getragen. Herr Krätke hat damit angefangen, womit Stephan aufhörte: Er hat auf Handel und Verkehr niemals die nötige Rücksicht genommen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Auch ich bin der Ansicht, daß nicht am unnötigen Ort gespart werden soll, und daß die notwendige Zahl der Beamten vorhanden sein muß. Ich habe aber die Auffassung, daß auf bestimmten Gebieten tatsächlich zu viel Beamte vorhanden sind, nämlich zu viele Aufsichtsbeamte. Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Hier läßt sich eine Reform einrichten. Man hat nur deshalb eine so große Anzahl von Aufsichtsbeamten geschaffen, um überhaupt höher besoldete Stellen vergeben zu können. Es hat sich der Brauch herausgebildet, daß auf 4 bis 5 Beamte immer ein Aussichtsbeamter kommt.(Hört, hört! links.) Diese Existenzen bringen aber keinen wesentlichen Nutzen. Aus Düsseldorf wird z. B. berichtet, daß die vermehrte Aussicht Unregelmäßigkeiten deshalb nicht entdeckte, weil jeder von den vielen Aufsichtsbeamten glaubte, der andere würde die Aufsicht in dem betreffenden Fall ausgeführt haben.(Heiterkeit und Hört, hört! links.) Vom Berliner Haupttelegraphenamt wird mir gemeldet, daß jeder Abteilungsaufsichtsbeamte seine Arbeit regelmäßig damit beginnt, sich aus den Reihen der übrigen Beamten einen Stellvertreter zu suchen.(Heiterkeit bei den Soz.) Auch aus Frankfurt a. Main wird über die große Zahl der Aufsichtsbeamten geklagt. Der Vorredner hat seine Befriedigung über die herabgesetzte Arheitszeit zum Ausdruck gebracht. Aus Frankfurt a. Main wird aber gemeldet, daß im dortigen Haupttelegraphenamt unter Umständen wöchentlich 67½ Stunden gearbeitet werden muß. (Hört, hört! bei den Soz.] Die uns vorgelegte Statistik über die Arbeitszeit ist überhaupt zur Beurteilung der tatsächlichen Verhältnisse wenig geeignet. Es herrscht in Frankfurt a. M. offenbar ein gestrenger Herr. Es hagelt an Geldstrafen, und es besteht dort folgende wenig appetitliche Vorschrift: Jeder Beamte und jede Beamtin müssen, wenn sie den Dienst für kurze Zeit verlassen wollen, dieses dem Aufsichtsbeamten unter Angabe des Grundes mitteilen.(Heiterkeit.) Wo Damen beschäftigt sind, sollte man doch derartige Fragen nicht stellen.(Sehr richtig!) Von einer Reihe anderer Aemter wird mitgeteilt, daß der Urlaub dadurch entwertet wird, daß die Arbeit, die während des Urlaubs liegen blieb. in der anderen Zeit nachgeholt wird. Angesichts eines solchen Verfahrens darf man sich nicht rühmen, durch Urlauberteilung eine große soziale Fürsorge zu betätigen. (Sehr richtig! links.) Die Unterbeamten haben den dringenden Wunsch, daß das Institut der Postvertrauensärzte auch ihren Familien zugute kommt. Heute sind sie davon ausgeschlossen. " Auf die Besoldungsfrage werden wir bei Beratung der Besoldungsvorlage eingehen. Heute nur soviel, daß die Tagegelder der Postboten auf den Agenturen, die 2 Mark betragen, zu niedrig sind.(Sehr richtig: links.] Ich wende mich zu einigen anderen Mißständen: Ueber die Portofreiheit der deutschen Landesfürsten will ich jetzt keine weiteren Betrachtungen anstellen Nobel ist es jedenfalls nicht, daß die Landesfürsten dieses Privileg in Anspruch nehmen trotz ihres hohen Einkommens. zumal in einer Zeit, wo das Volk neu belastet werden soll. [Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Ganz anders aber wird die Sache noch, wenn diese Herren das persönliche Vorrecht für ihren geschäftlichen Verkehr in Anspruch nehmen. Wie kommt der Landesfürst dazu, für Personen, denen er bestimmte Geschäftszweige verpachtet hat, von dem Privileg der Portofreiheit Gebrauch zu machen? Lägen derartige Fälle aus anderen Kreisen vor und kämen vor ein bürgerliches Gericht, so würde dies wohl einen Maßstab anlegen, der den Fürsten nicht schmeichelhaft sein dürfte. Die Meierei des Großherzogs von Oldenburg liefert z. B. täglich unzählige Butterpakete, die portofrei befördert werden. Die Einladungen, welche die Jagdpächter an ihre Freunde erlassen, werden ebenfalls als großherzogliche Angelegenheit portofrei befördert.(Hört, hört! bei den Soz.) Sogar die Berichtigungen, die Herr Botho Ebhardt, der Rekonstruktor der Hohkönigsburg, an die Zeitungen schickte, die ihm seine Irrtümer vorgehalten hatten, wurden portofrei als kaiserliche Angelegenheit verschickt.(Lebhaftes Hört, hört!) Man könnte diese Fälle noch unzählig vermehren. Der Unfug hat einen derartigen Umfang angenommen, daß der Staatssekretär verpflichtet ist, damit aufzuräumen.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.] Ein für die soziale Fürsorge bezeichnender Mißstand ist noch sehr erwähnenswert. In Posen werden schulpflichtige Kinder in der Paketannahme beschaftigt.(Hört, hört! bei den Soz.) Der Posener Polizeipräsident gab auf Beschwerde die Tatsache zu, bestreitet aber, daß ein Verstoß gegen das Kinderschutzgesetz vorliege. Da die betreffenden Kinder solche von Postbeamten sind, zeigt das, daß diese Beamten völlig unzureichende Gehälter beziehen. Gegen diesen Mißbrauch sollten alle ernsthaften Sozialpolitiker ohne Unterschied der Parteirichtung energisch protestieren.(Sehr richtig! bei den Soz.) Die oft gerügte Einflußnahme der Postverwaltung auf die politische Betätigung der Postbeamten dauert noch immer fort. (Sehr wahr! bei den Soz.) Dem gegenüber sei mit aller Kürze aber mit aller Entschiedenheit betont, daß die Postverwaltung sich um die außerdienstliche Betätigung ihrer Beamten nicht zu kümmern hat.(Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Die Oberpostdirektion in Kiel hat sogar der Stimmenabgabe der Beamten nachspioniert, als bei der Kieler Stadtverordnetenwahl die sozialdemokratische Partei siegte.(Stürmisches Hört, hört! bei den Soz.) Ich frage den Staatssekretär, ob er das billigt. Derartiges ist frivol und unverschämt.(Stürmische Zustimmung bei den Soz.] Das Postabkommen mit AAmerika findet unsere Anerkennung. Wir freuen uns über die Portoverbilligung und wünschen, daß auch im Inlande der gleiche Weg beschritten wird. Da hat aber der Staatssekretär keinen Verbilligungseifer gezeigt.(Sehr richtig! links.) Nun zur Telephonreform. Ich kann nur sagen, sie bringt nicht den Geist zum Ausdruck, der einem Verkehrsinstitut entspricht,„Der Staatssekretär sagt einfach, ich habe ein Monopol und ich bestimme die Preise. Das ist nicht der Standpunkt eines weitsichtigen Verkehrsministers.(Sehr richtig! links.) Die Vorlage, anstatt auf die Hebung des Verkehrs abzuzielen, ist von echt bureaukratischem Geiste diktiert. Gewiß, das Telephon muß auch dem platten Lande zugute kommen. Es hat ein Recht auf die Segnungen dieser Erfindung. Aber das darf nicht auf Kosten der Großstädte, sondern nur auf Kosten der Allgemeinheit geschehen. (Sehr richtig! links.) Wenn zur Befriedigung der Bedürfnisse auf dem platten Lande Reichszuschüsse notwendig wären, so würden wir sie zu allererst bewilligen, vorausgesetzt, daß wir nur die Quellen billigen können, aus denen sie gedeckt werden. Wir sind es aber schon gewohnt, daß alles, was unter der Bezeichnung der Reform von der Postverwaltung an uns herantritt, nichts anderes ist, als eine Verteuerung des Verkehrs, und daß jede Reform eine Liebesgabe an die Agrarier ist.(Sehr richtig! links. Unruhe rechts.) Es muß ein anderer Weg gefunden werden, als die Vorlage ihn beabsichtigt. Vielleicht könnte man die Lösung in der Weise herbeiführen, daß man die Gebühr für das Einzelgespräch herabsetzt, wenn die Zahl der überhaupt geführten Gespräche eine gewisse Höhe überschreitet. Vielleicht kann man diesen Gedanken ausbauen. Für gangbarer halten wir den anderen Weg der Erhebung eines Zuschlages zu der Pauschalgebühr, wenn eine gewisse Zahl von Gesprächen, sagen wir 5000 im Jahr, überschritten wird. Wenn man mit ernstem Willen in der Kommission an die Arheit geht, so müßte doch etwas Brauchbares herauskommen. Das hängt aber natürlich davon ab, inwieweit die Regierung und die Parteien Verständnis für die Bedürfnisse von Handel und Verkehr zeigen werden. Wir wollen es an unserer Mithilfe nicht fehlen lassen.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Staatssekretär Krätke bestreitet unter dem Beifall der Rechten, daß die neuen Gebühren eine Liebesgabe für das platte Land bedeuten. DasTelephon muß mehr einbringen.— DieKieler Postdirektion hat nicht der geheimen Stimmabgabe der Beamten nachspioniert, sondern sich nur erkundigt, ob die Beamten von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Bei der Portofreiheit der Fürsten handelt es sich nicht um materielle Vorteile, sondern um ideelle Rechte.(Große Heiterkeit bei den Soz.) Von der Verwendung von Schulkindern im Posener Postamt ist mir nichts bekannt.— Wir haben in der Post nicht zu viel Aufsichtsbeamte. Abg. Beck=Heidelberg(natl.) lobt die Postverwaltung wegen ihrer Sozialpolitik; bezeichnet einige. Abstriche der Kommission als zu weitgehend, wünscht Verbilligung der Sendungen an Blinde, bezeichnet die neue Telephongebührenordnung einen weisen Interessenausgleich und bestreitet, daß sie irgendwie agrarisch sei. Einzelheiten sind in der Kommission zu prüfen. Als öffentliche Institution darf sich die Post nicht immer ausschließlich von Rentabilitätsberechnungen leiten lassen.(Bravo! bei den Natt.)„.. 9 s. g. 9 Urf. u. Abg. Dr. Doormann(Fr. Vp.]: Die Vorwurfe, welche gegen die neue Gebührenordnung erhoben sind, halte ich mit dem größten Teil meiner Freunde nicht für berechtigt. Man sagt, der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung werde nicht durchgeführt. Aber auf die Spitze getrieben muß jeder Grundsatz zu einem vollständigen Unsinn werden. Es ist allerdings nicht zu verkennen, daß bei der vorgeschlagenen Ordnung in einzelnen Fällen eine starke Verteuerung eintreten kann. Wir werden in der Kommission versuchen, die größter Härten zu beseitigen. (Bravol bei den Freif,„„e s. 9.2 mi 8 Abg. Schmidt-Altenvurg(3p.): Auch meine Freunde erkennen die Grundzüge der Vorlage als berechtigt an. Wie man die Vorlage als agrarisch bezeichnen kann, verstehe ich nicht. (Sehr richtig! rechts.] Es ist nur gerechtfertigt, das Prinzip der Bezahlung der einzelnen Gespräche in den Vordergund zu stellen (Bravo! rechts.) Das Haus vertagt die Weiterberatung auf Freitag 2 Uhr. Schluß 6¾ Uhr. Gewerkschaftsbewegung. „Jahrbuch 1908 des Verbandes der Bäcker, Konditoren und verwandten Berufsgenossen Deutschlands.“ In stattlichem Umfang von 456 Druckseiten erscheint in diesem Jahrbuch der Geschäftsbericht obiger Gewerkschaft für das Jahr 1908. Aus demselben ist ersichtlich, daß trotz der Wirtschaftskrise, die außerordentlich große Arbeitslosigkeit auch in den Berifen zur Folge hatte, über welche sich der Verband erstreckt, der Verband der Bäcker und Konditoren das Jahr 1908 gut abgeschlossen hat. Am Beginne des Jahres 1908 zählte derselbe 16014 männliche und 1289 weibliche Mitglieder, dagegen am Jahresschluß 17•328 männliche und 1458 weibliche, zusammen 18 786 Mitglieder, oder im Jahresdurchschnitt 18092 Mitglieder. Eine Erhebung über die Berufsangehörigkeit der Mitglieder ergab, daß 80,4 Prozent gelernte Bäcker, 6 Prozent gelernte Konditoren, 4,3 Prozent ungelernte Hilfsarbeiter, 8.7 Prozent Arbeiterinnen und 6,6 Prozent Lehrlinge in Bäckereien und Konditoreien sind.— Die gesamte Jahreseinnahme der Organisation betrug 508937,86 Mk., die Ausgabe 343184.45 Mk., so daß ein Vermögen der Organisation von 165 753,41 Mk. am Jahresschlusse vorhanden war. Von den Ausgaben entfallen allein 35,8 Prozent auf die verschiedenen Unterstützungszweige der Organisation, ein Zeichen, daß auch unter den Mitgliedern dieses Verbandes Arbeitslosigkeit und Krankheit in großem Maße vorhanden waren.— Dem Jahrbuch ist eine im November des Jahres 1908 veranstaltete statistische Erhebung einverleibt, die sich auf 916 Verbandsorte, in denen es 29975 Bäckereien mit 57888 Hilfskräften gibt, erstreckt. Von diesen Hilfskräften in Bäckereien sind 36365 Bäcker, 1886 Konditoren, 4392 ungelernte Hilfsarbeiter und 15245 Lehrlinge. Die Lehrlingszahl ist im Bäckergewerbe noch eine überaus große, wobei noch zu bemerken ist, daß diese Erhebung die eigentlichen Herde der Lehrlingszüchterei im Osten Deutschlands, wie in Sachsen und Thüringen gar nicht erfaßt. Durch diese große Zahl der Lehrlinge wird Oliver Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. 66 „ Der Kampf war jedoch zu ungleich, um lange währen zu konnen. Sikes hatte seinen Gegner unter sich gebracht und setzte In dus Knie auf die Kehle, als ihn Crackit mit bestürzter Miene emporriß und nach dem Fenster hinwies. Es schimmerten Lichter auf der Straße unten, eifrige Stimmen ertönten, von der nächsten Brücke her wurde der unaufhörliche Schall von Fußkritten vernommen, wie wenn eine zahllose Menschenmenge herüberkäme, unter welcher sich ein Berittener zu befinden schien, denn man hörte deutlich das Geräusch von Rossehufen auf dem Unebenen Steinpflaster. Es wurde immer heller, der Nahenden Anzahl immer größer, und endlich wurde laut an die Haustür geklopft, während ein heiseres Gemurmel unzähliger zorniger Stimmen auch wohl den Beherztesten mit Beben erfüllte. „Hilfe. zu Hilfe!“ schrie der Knabe im durchdringendsten Tone.„Hier ist er, hier ist er! Brecht die Tür auf!“ „In des Königs Namen!“ wurde draußen gerufen, und wiederum erhob sich, nur lauter, das zornige Gemurmel. „Schlagt die Tür ein!“ schrie Charley.„Sie öffnen sie Licrinmehr. Schlagt die Tür ein und dann herauf, wo das Ein lautes Hussa ertönte, und es war, als wenn mit hundert und abermals hundert Knütteln und Stangen gegen die Fensterläden gehämmert würde. „Macht mir das Loch da auf, daß ich diesen verfluchten kleinen Galgenstrick einschließen kann,“ rief Sikes wütend, schleuderte den Knaben in ein Gemach hinein, das Toby öffnete, und verschloß es.„Ist die Tür unten gut verwahrt?“ „Verschlossen und doppelt und dreifach verriegelt,“ erwiderte darsseit der, gleich den andern beiden kaum einen deutlichen Gevunten fassen zu können schien. weiten i ist's mit den Wänden und Fenstern?“ fragte Sikes „Verwahrt wie ein Gefängnis.“ „Jetzt öffnete Sikes das Fenster und rief trotzig hinunter: m 1, alle verdammt! Macht eure Sachen, so gut ihr könnt, ior bekommt mich doch nicht!" Erschütterndes Geschrei der wütenden Menge erfüllte die Luft. Einige riefen, man möge, das Haus anzünden, andere, die Poliseidiener möchten den Mörder totschießen, und niemand zeigte Frs, solche unsinnige Wut, wie der Reiter, der aus dem Sattel Waffer sasi...— die Menge hindurchdrängte, als wenn er nur Känue„ceilte= und dicht vor dem Hause mit einer den gräßlichen Larm übertönenden Stimme rief:„Zwanzig Guineen, wer eine Leiter bringt.“ Und nunmehr riefen Hunderte nach Leitern und Schmiedehämmern, andere rannten mit Fackeln hin und her. und noch andere stießen Flüche und Verwünschungen aus, drängten wie rasend gegen die Tür oder versuchten an dem Hause emporzuklimmen. „Es war Flutzeit, als ich kam.“ rief Sikes das Fenster wieder verschließend.„Gebt mir'nen Strick. Sie sind alle vorn. Ich kann mich hinten in den Graben nunterlassen und entkommen. ’nen Strick— hurtig— oder ich tue noch drei Mordtaten und mache mir dann selber den Garaus.“ Die drei von dem Schrecken Gelähmten wiesen nach einem Winkel hin, in welchem Stricke lagen. Sikes wählte hastig den stärksten und längsten aus, eilte hinauf und bestieg das Dach. Der eingesperrte Knabe hatte unterdes nicht aufgehört zu schreien und zu rufen, man möchte das Haus von allen Seiten bewachen. Als der Mörder daher aus der Dachluke herausstieg, wurde er sogleich bemerkt, da Hunderte bereits Wege gesucht hatten, um nach dem Hinterhause zu gelangen. Die Ebbe war! eingetreten, und er sah, daß der Graben nur mit Schlamm gefüllt war. Die Fenster und Dächer aller Hinterhäuser umher waren bereits lebendig, um von oben und unten und allen Seiten! ertönte Triumphgeschrei, daß er nicht entrinnen könne. „Nun haben sie ihn, hurra!“ schrie ein Mann auf der nächsten, unter der Menschenwucht sich beugenden Brücke, und ein tausendfaches Hurra hallte durch die Luft wieder. „Ich gelobe demjenigen fünfzig Pfund,“ rief ein alter, gleichfalls auf der Brücke stehender Herr.„der ihn lebendig greift. Ich will hier bleiben und zahle die Summe auf der Stelle." Ein abermaliges allgemei es Geschrei ertönte, in das sich der Ruf mischte, die Tür sei endlich erbrochen; der Menschenstrom flutéte nun wieder zu dieser zurück, denn jeder wollte den Mörder von den Polizeibeamten herausbringen sehen. Es entstand das furchtbarste Gedränge, und das Dach wurde für den Augenblick weniger beachtet.., 6 uuscgässig 8. Der Mörder, der, bereits verzweifelnd, unschlüssig dagesessen hatte, faßte jetzt wieder Hoffnung und beschloß, den letzten Rettungsversuch zu wagen und sich auf die Gefahr, im Schlamme zu ersticken, in den Graben hinabzulassen, um womöglich mit Hilfe der Dunkelheit und Verwirrung zu entfliehen. Die Hoffnung gab ihm neue Kraft, der sich ihm nähernde Lärm im Hause stachelte ihn noch mehr an, er sprang auf, erreichte in zwei Augenblicken den Schornstein, befestigte das eine Ende seines Strickes an demselben und hatte im Nu an dem anderen eine starke Laufschlinge geknüpft. Er konnte sich mit dem Stricke fast bis auf Manneslänge hinunterlassen und nahm sein Messer zur Hand, um ihn zur rechten Zeit abzuschneiden und sich in den Graben zu werfen. In demselben Augenblicke, als er die Schlinge über den Kopf warf, um sie unter den Armen zu befestigen, und indem der erwähnte alte Herr laut rief, der Mörder sei im Begriff, sich hinunterzulassen, blickte er hinter sich, schlug die Hände über dem Kopfe zusammen und stieß einen lauten Schrei des Entsetzens sie aus.,„Die Augen— da sind sie wieder!“ rief er mit hohler Grabesstimme, wankte, wie von einem Blitzstrahl getroffen, verlor das Gleichgewicht und taumelte vom Dache herunter; die Schlinge war an seinem Halse, und seine Schwere bewirkte, daß sie straff wie eine Bogenschnur und schnell wie ein Pfeil hinauflief. Er fiel fünfunddreißig Fuß— ein plötzlicher Ruck— ein krampfhaftes Gliederzucken— und da hing er mit dem offenen Messer in der zusammengepreßten, steif werdenden Hand. Der alte Schornstein bebte von der Erschütterung, hielt sie jedoch aus. Der entseelte Mörder schwebte hin und wieder; Charley, dem er die Aussicht versoerrte, stieß ihn zur Seite und rief, daß man seiner Gefangenschaft ein Ende machen möchte; der Hund lief mit schrecklichem Geheule auf dem Dache hin und her und sprang endlich hinunter auf die Schulter des Erhängten, vermochte sich eber nicht festzuhalten, stürzte und lag gleichfalls darauf tot da, denn er war mit dem Kopfe gegen einen spitzen Stein gefallen. Einundfünfzigstes Kapitel. Enthüllung mehr als eines Geheimnisses und ein Heiratsantrag ohne Erwähnung eines Leibgedinges oder Nadelgeldes. Zwei Tage nach den im vorigen Kapitel erzählten Ereignissen befanden sich Mrs. Maylie und Rose, Oliver und der gute Doktor, Mr. Brownlow und Mrs. Bedwin und noch jemand auf der Reise nach Olivers Geburtsstadt. Oliver vermochte nur schwer seine Gedanken zu sammeln, und den übrigen erging es keineswegs besser. Brownlow hatte ihn und die beiden Damen mit den Monks abgepreßten Aussagen genau bekannt gemacht; und obwohl sie wußten, daß der Zweck ihrer Reise in der Vollendung des so glücklich angesangenen Werkes bestand, so war doch die ganze Sache noch in ein so beträchtliches Dunkel gehüllt, daß die größte Spannung sie folterte, obgleich Brownlow und Losberne die Schreckensauftritte der letzten Tage für jetzt noch verborgen vor ihnen gehalten hatten; und so setzten sie denn ihre Reise schweigend miteinander fort. Sie gelangten währenddessen auf die Straße, auf welcher Oliver einst entflohen war, und mit Lebhaftigkeit erneuerte sich ihm die Erinnerung an jene Leidenszeit.„Sehen Sie, da, da!“ rief er in der höchsten Erregtheit, Roses Hand ergreifend und aus dem Wagenfenster hinauszeigend.„Das ist der Steg, über den ich hinübersprang, und das ist die Hecke, hinter welcher ich fortschlich, und das ist der Fußpfad, der nach dem Hause führt, wo ich mich als kleines Kind aushielt. O Dick, mein lieber Dick, wenn ich dich doch jetzt auch sehen könnte!" Du wirst ihn bald sehen,“ sagte Rose;„sollst ihm sagen, wie glücklich du geworden bist und wie dich nichts so sehr freute, als daß du gekommen seiest, um ihn an deinem Glücke teilnehmen zu lasseg. „Ja, ja! Und wir wollen ihn mit uns fortnehmen, ihn kleiden, und er muß an einem guten Ort, wo er stark und gesund werden kann— nicht wahr?" den Bäckereiarbeitern der Kampf zur Erringung menschenwürdiger Lohn= und Arbeitsbedingungen außerordentlich erschwert. Durch die Lohnsämpfe der letzten Jahre ist es erreicht worden. daß jetzt 30 Prozent der befragten Backer Kost und Wohnung icht mehr beim Arbeitgeber haben, 10,3 Prozent haben Kost ni und Wohnung nur zum Teil und 59,7 Prozent sind noch vollständig in Kost und Wohnung beim Arbeitgeber. Die Organisation hat also auch hier noch große Kämpfe durchzuführen, um dieser System vollstandig auszurotten. Vom Jahre 1906 bis 1908 sind die Durchschnittslöhne der Arbeiter in Kost und Logis um 51 Pfennige pro Woche. die der Arbeiter ohne Kost und Logis beim Meister um 1,37 Mk. pro Woche gestiegen. Auch diese Lohnsteigerung zeugt von dem energischen Wirken der Organisation, die Lohn- und Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder besser zu gestatten. Dieser Kampf wird wesentlich gefördert durch die immer mehr Platz greisende Entwicklung der Bäckerei zum modernen Großbetriebe. Während i. J. 1901 in Deutschland 97 Großbäckereien mit je mehr als 10 und zusammen 1639 beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen gab, wurden 1904 172 Großbetriebe mit 3266 Arbeitskräften, 1906 367 Großbetriebe mit 5426 Arbeitskräften und 1908 422 Großbetriebe mit 7087 Arbeitskräften gezählt. In 7 Jahren hat sich also die Zahl der bestehenden Glogbetriebe, wie auch die Zahl der in denselben beschäftigten Arbeitern mehr als vervierfacht. An dieser Eatwicklung nehmen die Genossenschafts- und Konsumvereins=Bäckereien einen wesentlichen Anteil. Solche von den Arbeitergenossenschaften errichtete Bäckereien gab es im Jahre 1901 36 mit 579 beschäftigten Bäckern und 8978258 Mt. Jahresumsatz an Backwaren; im Jahre 1903 156 Betriebe„mit 1156 beschäftigten Bäckern und 16 425 435 Mk. Jahresumsatz; im Jahre 1907(teilweise auch Geschäftsjahr 1907/08) 216 Betriebe mit 1945 beschäftigten Bäckern und Konditoren und 47310 134 Mk. Umsatz an Brot, anderen Backwaren und Konditoreiwaren. Unter diesen genossenschaftlichen Bäckereien sind natürlich auch eine Anzahl Großbetriebe, darunter der in Leipzig-Plagwitz mit 117 beschäftigten Bäckern und andere. Diese rapide Entwicklung der genossenschaftlichen Brotproduktion zeigt, daß sich dieselbe überall rentiert, und wie weiter auch aus dem Jahrbuche hervorgeht, steht die Gewerkschaft mit diesen Vereinen im Tarifvertrag, der seinen Mitgliedern durchweg bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen garantiert, als dieselben bisher in Privatbetrieben erreichen konnten. Die statistische Erhebung erfaßt dann weiter 206 Fabriken für die Herst n Zwieback, Nudeln, Honigkuchen, Kates, Spekulatius, Pllm und Waffela, in denen 7083 Arbeitskräfte beschäftigt waren; weiter umfaßt sie 2309 reine Konditoreien mit 6161 Arbeitskräften, und 502 Schokoladen- und Zuckerwarenfabriken mit 24938 Arbeitskräften.— In diesen Betrieben ist mit Ausnahme einiger großer Industrieorte die Organisation noch wenig eingedrungen, und gewaltiger Anstregungen wird es noch bedürfen, die Arbeiter und besonders die Arbeiterinnen dieser Betriebe erst in nennenswerter Zahl der Organisation zuzuführen, um dann die traurigen Lohn- und Arbeitsbedingungen dieser Arbeiterkategorie, die bei den Arbeiterinnen geradezu zum Himmel schreien, menschenwürdig zu gestalten! Dem Kampfe um die Erringung eines wöchentlichen Ruhetages fur Bäcker und Konditoren, der außerordentlich lebhaft in Versammlungen wie bei den Lohnkämpfen geführt wird, und der in Hamburg und Berlin schon zu schönen Erfolgen geführt hat, wird ein breiter Raum in dem Jahrbuch eingeräumt, desgleichen der Agitation im allgemeinen, wie auch den sehr erfolgreich verlaufenen Lohnkämpfen des letzten Jahres. Besondere Kapitel sind den Gegnern der gewerkschaftlichen Organisation gewidmet, darunter in erster Linie den in den reaktionär verknöcherten Innungen im Kleingewerbe von Bäckerei und Konditorei, dann aber den christlichen, HirschDunckerschen, national=deutschen und gelben Gegenorganisationei., die alle mehr oder weniger darauf ausgehen(die gelben Vereine werden direkt mit Innungsgeld dazu ausgehalten), in der schmutzigsten Weise die vorwärts schreitende Gewerkschaft aufzuhalten und ihre Kämpfe zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Berufsangehörigen zu vermindern, oder durch schlimmstenVerrat geradezu unmög ich zu machen Wie aber die Berichte in diesem Jahrbuch, besonders auch die Tätigkeitsberichte der Gauleiter, zeigen, hat man mit dem schmutzigen Verrat der Gegner den Fortschritt der Gewerkschaft nicht im mindesten aufhalten können sondern gerade dadurch die Gewerkschaftsmitglieder zur regen Gegenwehr und zu energischer Aufklärungsarbeit aufgepeitscht, und so konnte die Organisation das Berichtsjahr nach jeder Richtung hin erfreulich abschließen. Jedem Gewerkschaftler und Parteigenossen zeigt das Jahrbuch des Bäcker= und Konditorenverbandes, mit welchen großen Schwierigkeiten, als da sind große Fluktuation durch die große Lehrlingszahl bedingt, sowie die Kampfesweise der Innungen gegen die Organisation, gerade in diesen Berufen bisher zu kämpfen war, um die gewerkschaftliche Organisation zu Achtung gebietender Macht bringen zu können. Die bedeutenden Erolge bei den Lohnkämpfen und die zugunsten der BerufsangeRose nickte bejahend, denn der abe lächelte durch so selige Rose... ahend, denn der Knabe läck Tranen, daß sie teines Wortes machtig war. „Sie werden freundlich und liebevoll gegen ihn sein,“ fuhr diner fort denr Sie sind es gegen jedermann Ich weiß es Ender sonl,„venn Eie Iind es gegen Kvermann. Ich weis 89, Sie werden weinen mussen, wenn Sie hören, was er Ihnen wird „werden weinen müssen, wenn Sie hören, wa erzahlen können, aber auch wieder lacheln, wie Sie es bei mir taten, als ich so ganz anders geworden war. Er sagte, als ich fortlief:„Geh mit Gott, Gottes Segen begleite dich!“ o, und ich will nun sagen:„Gottes Segen sei mit dir“ und ihm zeigen, wie lieb ich ihn dafür habe!“ Als sie endlich durch die engen Straßen der Stadt fuhren, war Oliver wie außer sich. Da war des Leichenbestatters Haus, nur weit kleiner und lange nicht so stattlich wie es ihm vormals erschienen war, und alle wohlbekannten Gebäude und Läden und Gamfields Karren wie sonst vor dem Gasthause, und das Armenhaus, das traurige Gefängnis seiner Kinderzeit, mit den düsteren Fenstern, und am Tore stand derselbe hagere Pförtner. Oliver schreckte unwillkürlich zurück, lachte über sich selbst, so töricht zu rigen erfolgte Einwirkung auf die Gestaltung der Lohn= und Arbeitsbedingungen zeigen aber, daß sich in schwerem Kampfe diese Gewerkschaft jene Macht errungen hat, und wenn sie bisher schon in diesen Kampfen stets die Unterstützung der gesamten organisierten Arbeiterschaft fand, so wird ihr diese Unterstützung bei ihren Kämpfen auch weiter zur Seite stehen. Denn die organisierte Arbeiterschaft wird ihre Macht als Konsument der Fabrikate dieses Gewerbes auch weiter in die Wagschale werfen, um dadurch mit dazu beizutragen, daß auch in jenem Berufe mit den alten, den Arbeiter druckenden Verhältnissen aufgeräumt wird, und an deren Stelle den Zeitverhältnissen entsprechende Lohn= und Arbeitsbedingungen geschaffen werden! Die Bäcker und Konditoren aber, soweit diese sich noch nicht zu der Erkenntnis aufgeschwungen haben, daß es für sie eine Notwendigkeit ist, ihrer gewerkschaftlichen Organisation anzugehören, sehen an den Erfolgen jenes Verbandes, wie vorteilhaft auch für sie die Zugehörigkeit zu jener Organisation sein muß. Wir erwarten, daß sie nicht mehr in gelben oder sonstigen Klimbimvereinen dem reaktionären Innungskrautertum Vorspann leisten, sondern sich ihrer Gewerkschaft anschließen! unwillkürlich zurück, lachte über sich selbst, so töricht zu sein, und weinte und lachte aber= und abermals. So viele Geund lachte aver= und abermals. So viele Gesichter an den Türen und F###stern erkannte er wieder; es war ihm, als wenn er die Stadt erst gestern verlassen hätte und als wenn seine letzte Zeit nur ein glücklicher Traum gewesen wäre. Allein sie und die Gegenwart waren Wirklichkeit. Die Reisenden fuhren vor dem ersten Gasthause vor das Oliver einst wie einen Valast angestaunt hatte, und Mr. Grimwig empfing sie dienstbeflissen, küßte die alte und junge Dame, und war lauter Lächeln und Freundlichkeit, als wenn er aller Großvater wäre und nicht von fern daran dächte, seinen Kopf aufzuessen, nicht einmal, all er einem sehr alten Postillon widersprach und es besser zu wissen behauptete, welcher Weg der nächste nach London wäre, obwohl er denselben nur ein einziges Mal gekommen und obendrein im Schlafe. Die Zimmer und das Mittagsessen standen bereit, und alles war wie durch Zauber geordnet. #### ean kleidete sich um, kam wieder zusammen, und dieselbe Stille und Zurückheltung begann wieder zu herrschen. Brownlow erschien nicht beim Mittagsessen; die beiden anderen Herren liefen mit wichtigen Mienen aus und ein und flüsterten miteinander, wenn sie im Zimmer waren Endlich wurde auch Mrs. Manlie hinausgerufen und kehrte erst nach einer Stunde mit rotgeweinten Augen zurück. Dieses alles versetzte Rose und Oliver, die in die neuesten Geheimnisse nicht eingeweiht waren, in große Unbebaglichkeit und Unruhe. Sie saßen stumm da, und wenn sie bisweilen ein paar Worte sprachen, so geschah es flüsternd, als ob sie den Laut ihrer eigenen Stimmen fürchteten. (Fortsetzung folgt.) Genossenschaftsbewegung. Gegen die Beamtenkonsumvereine wendet sich folgende Petiür He tion der deutschen Mittelstandsvereinigung für werbe an das preußische Abgeordnetenhaus: „Dem Hohen Haus der Abe Handel und Ge„Dem Hohen Haus e.! Tbgeordneten gestatten wir uns folgendes zu untervreiten: Die Kampfe, welche der handel= und gewerbetreibende Mittelstand in dem Bestreben geführt, die Selbständigkeit der Eristenz zu erhalten, sind allen einsichtsvollen Kreisen bekannt und haben auch wiederholt der Leitung unserer inneren Wirtschaftspolitik zu Kundgebungen Anlaß gegeben, die eine möglichste Kräftigung dieser für die wirtschaftliche und kulturelle Blüte des Landes unentbehrlichen Bevolkerungsschichten verhießen. Gewiß hat das Verhalten von Gesetzgebung und Verwaltung in manchen Punkten diesem Programm entsprochen; eine Reihe Kleingewerbetreibende und Kleinkaufleute aufs schwerste schädigende Auswüchse des Geschäftslebens sind dank ihrer Maßnahmen verschwunden. Dieselbe Ueberzeugung von der Bedeutung des Mittelstandes hat auch neuerdings in Konsumentenkreisen mehr Platz gegriffen und in einer stärkeren Berücksichtigung der mittleren kleinen Betriebe bei der Bedarfsdeckung s# aauß sich hierin ein großer Teil der Reichs- und Staatsbeamten. Der Zusammenschluß zu Beamtense umpe ergebende Umgehung des Zwischenhandels und Preisdrückerei bedeutet eine schwere Schädigung des gewerbeichen Millerstandes und muß das Verschwinden einer großen Zahl selbständiger Existenzen notwendig zur Folge haben. Gerade die Bildung von Konsumvereinen seitens der im festen Einkommen= und Pensionsverhältnis befindlichen Beamten, deren Bezüge erst jetzt wieder eine erhebliche Aufbesserung erfahren sollen, zeugt von geringem Verständnis für die schwierige Lage jener Erwerbsstände, die die Kosten der Gehaltserhohung zu nicht geringem Teil zu tragen haben und verdient eine entschiedene Verurteilung. Auch widerspricht sie der obenerwähnten Kleingewerbeund Kleinhandelsförderung seitens der Staatsregierung. Wir richten daher an das Hohe Haus der Abgeordneten die ergebene Bitte bei der Staatsregierung darauf hinwirken zu wollen, daß sie die Bildung weiterer Beamtenkonsumvereine untersage, möglichst aber auch für eine Beschränkung der gegenwärtig bestehenden Sorge trage. Je bescheidener die volkswirtschaftliche Funktion der Krämer wird, desto unverfrorener sind ihre Forderungen. Was sie in ihrer Petition verlangen, ist nicht mehr und nicht weniger als die Aufhebung der wirtschaftlichen Freiheit der Beamten, die Festsetzung einer Tributpflicht der Beamten an das Kleinkrämertum. Hoffentlich macht das Abgeordnetenhaus den Petenten klar daß die Beamten ihre Gehaltszulagen nicht bekommen, um den Krämern Gelegenheit zu bieten, sie in Form höherer Warenpreise den Beamten wieder abzuknöpfen. Industrie, Handel und Verkehr. Ki. Das Kohlensyndikat gegen die Kohlensteuer. Das Kohlensyndikat hat gegen den vorgeschlagenen Kohlenausfuhrzoll und die Kohlensteuer Stellung genommen. Es erklärt nach einer Meldung des Berliner„Lokalanzeiger“, daß fast die ganze einer Meldung des Berliner„Lokalanzeiger“, daß fast die deutsche Kohlenausfuhr nach Ländern gehe, wo sie einer eigenen Förderung oder der englischen Konkurrenz gegenübertrete. Bei einer Einführung der Kohlensteuer würde der Bergbau sich nur noch mit dem Abbau hochwertiger Flöze befassen. Der Ausfuhrzoll könne nicht auf den ausländischen Verbrauch abgewälzt werden, nicht ein einziges ausländisches Gebiet sei unbedingt auf deutsche Kohle angewiesen. Die Konsequenz des AusfuhrKe 7 49e u6r„(5641 k zolles sei lediglich eine Erhoyung der Seibstosten und damit eine Steigerung der Kohlenpreise, zumal die ausfallenden Ausfuhrmengen, selbst wenn sie zu Schleuderpreisen r7 angeboten würden, vom Inland nicht ausgenommen werden war handelt es sich darum in welcher Form es wirksam ist. Professor Abderhalden gibt darüber in einem in der„Zeitschrift für ärztliche Fortbildung“ abgedruckten Vortrag über die„Physiologie der Verdauung nähere Auskunft. Es handelt sich in der Hauptsache darum, ob das Eisen in organischer Bindung eine bessere Wirkung entfaltet als in anorganischer Form. Man konnte darüber nicht eher eine Entscheidung treffen, als die Zusammensetzung des Blutfarbstoffes und vor allem die Bindungsweise des Eisens in ihm unbekannt war. Der Blutfarbstoff besteht aus einem Eiweißteil, dem Globin, und dem Hämatin, und dieser letztere Baustein enthält das Eisen. Wie dieses daran gebunden ist, ist noch nicht klar erkannt, aber wir wissen, daß das Hämatin außerordentlich kompliziert aufgebaut ist. Es enthält nämlich eine ganze Reihe von bestimmten Ringen. Von diesen Kenntnissen aus läßt sich die ganze Frage, ob Eisen in organischer oder anorganischer Bindung zu bevorzugen ist, sehr Man kann mit aller Bestimmtheit sagen, daß wohl erwägen..— git aller Bestimmih it nur das anorganische Eisen einen Zweck haben kann, die organische Bindung aber sicher nicht. Die in dem Handel befindlichen, organischen Eisenpräparate können daher vom theoretischen Standpunkte aus nur dann einen Wert haben, wenn das Eisen aus ihnen leicht abspaltbar ist. Es will nämlich nicht recht einleuchten, daß eine organische Eisenverbindung, die das Eisen in sehr fester Bindung enthält, direkt in Hämatin übergeht. Derartige Vorstellungen widersprechen allen unseren chemischen Erfahrungen. Stets folgt im Körver dem Aufbau ein weitgebender Abbau. Je einfacher die Bausteine sind, um so leichter muß es den Zellen sein, die Produkte aufzubauen, derer sie bedürfen. Heiteres. Die Lehrer und der Schnee. Die Kreisschul=Inspektoren Bickenbach und Pepken haben im„Schrimmer Kreisblatt“ eine Bekanntmachung über die Lehrer und das Schneeschaufeln veröffentlicht. Sie beauftragen die Lehrer, nach größeren Schneefällen sich von dem Zustand der Zugangswege zur Schule zu heantraggn Gerade zur zzugender(zung ganghareg. Wege z1 Kleines Feuilleton. kig. Die Heilwirkung des Eisens bei Blutarmut. Von jeher Aerzten die Frage nach der Wirkung des Eisens bei nd Bleschnucht großen Interesse er nun eugen und nötigenfalls die Herstellung gangbarer Wege zu Feunrragen.„Gerabe füe Jugenverzieher ist es geboten, wie überall so auch bei derartigen Naturereignissen die unsere Aufgaben beeinträchtigenden liebelstände durch tatkräftiges Handeln auf das erreichbare Mindestmaß zu beschränken, nicht aber in undeutschem Fatalismus sie als etwas Unabänderliches untätig hinzunehmen Das sind goldene Worte! Der undeutsche Fatalist überläßt den Verpf'ichteten, die Straße, wegsam zu machen; der deutsche ntitatalist aber geht bin und irhinnt!(O#rum anf ihr s hat bei den Aerzten die Frage nach der Wirkung des Eisens bei der Blutarmut and Gleichsucht glozes Inleresse krleg., und Verpflichteten, die Straße wegsam zu machen; der deutsche Antisalatin Aber gehr hin und schidpr. Darum auf, ior Lehrer: Nehmt den Spaten und schaufelt den undeutschen Schnee von den deutschen Straßen! Eure Muskeln werden sich stärken, eure Wangen sich röten, und ihr werdet so frisch und gesund werden, daß ihr im Sommer die Ferien zur Erholung nicht braucht. Dann könnt ihr sie benutzen, um auf dem Gutshof Erntearbeiten zu verrichten.(Jugend.) gerechtigkeit, daß geringwertige Kohle die gleichen Lasten wie bochwertige zu tragen habe. Erforderlich wäre dann auch ein Kohleneinfuhrzoll, da man deutsche Kohle nicht mit Steuern belasten ins(7 könne, wenn gleichzeitig ausländische Kohle abgabefrei ius Land gehe. Die Vorschlage einer Kohlensteuer und des Kohlenausfuhrzolles sind von den Konservativen wohl nur gemacht worden, um bei dem Steuer mpromißverhandiungen den nationalliberalen und freisinnigen Blockbrüdern damit drohen zu können. Der Widerstand der industriellen Kreise gegen eine zu können. Der Widerstand der industriellen Kreise gegen eine Kohlensteuer ware sicher viel energischer gewesen, wenn diese Beurteilung der Kohlensteuerpläne nicht allgemein vorgeherrsch hätte. Wenn das Kohlensyndikat behauptet, daß eine Telastung in Höhe von 50 Pfg. pro Tonne die durchschnittliche Hälfte des Gewinnes ausmache, bei den unter weniger günstigen Bedingungen arbeitenden Zechen sogar den ganzen Gewinn aufzehren würde, so bleibt es seiner gewohnheitsmäßigen Abneigung ggen die Wahrheit treu, doch durch diesen Streich wird der Beweis von der Sinnlosigkeit und Gemeingefährlichkeit der Kohlensteuerpläne nicht geschmälert. Was die Einführung der Kohlensteuer und des Kohlenausfuhrzolles bedeuten würde, das hat das Syndikat wahrheitsgemäß und unumwunden erklärt: Eine weitere Steigerung der Wucherpreise für Kohlen. Eitrkärisches. Soeben erschien: Gemeinde und Alkohol. Von E. MehlichStettin. 1. bis 5. Tausend. 52 Seiten 8° Preis 25 Pfg. In „„ die e. Tuuiegg, er Einne. besserer Ausstattung 1 wer. Verlag: Deutscher Arbeiter=Abstinenten=Bund, Joy. Michaelis, Berlin O. 17, Langestr. 11. Der Verfasser schreibt in seinem Vorwort:„So bedeutet der Alkoholismus nicht nur einen Feind des Arbeiters schlechthin, sondern auch ein gefährliches Hindernis, das sich dem Befreiuugskampfe der Arbeiterklasse entgegenstellt. Und in dieser Erkenntnis hat sich der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in Essen im Jahre 1907 mit der Alkoholfrage beschäftigt und die Notwendigkeit der Bekämpfung des Alkoholismus anerkannt. Auch ausländische Partei= und Gewerkschaftsorganisationen haben sich in diesem Sinne offiziell geäußert. Hat aber die moderne Arbeiterbewegung erst einmal erkannt, daß der Kampf gegen die Alkoholgefahr fur sie zu einer dringenden Notwendigkeit geworden ist, dann erwächst ihr auch die unabweisbare Pflicht, alle Positionen, die sie in ihrem Ringen um politische Macht und wirtschaftlichen Einfluß erobert, auch zur Vekämpfung des Alkoholismus auszunutzen. Diese Gelegenheit bietet sich im Reich, in Staat und Gemeinde.... Hier soll dieses Büchlein einspringen, das allen denjenigen ein Führer sein will, die die Notwendigkeit der Bekämpfung des Alkoholismus durch die Gemeinden anerkennen und denen die Zeit zu einem eingehenden Studium der heute schon recht umfangreichen Antialkoholliteratur fehlt.“ Wir können das Büchlein unseren Genossen zum Studium nur empfehlen. Amt Enger. Beim hiesigen Standesamt wurden vom 19. bis 25. Februar angezeigt; Geburten: Sohne: Maurer Wilhelm Hönerhoff, Enger; Landwirt August Göbner, Westerenger.— Töchter: Werkführer Wilhelm Hägerbäumer, Herringhausen. Eheschließungen: Malergehilfe Gustav Richter, Enger, und Albertine Peters, Enger: Zigarrenfabrikant Robert Kenter, Enger, und Emilie Breder, Enger. Sterbefälle: Witwe Hanne Wilhelmine Beckhoff geb. Brackmann, Herringhausen, 74 Jahre; Bernhard Hermann Heinrich Stratmann, Enger; Witwe Anna Marie Ilsabein Hasse geb. Kenter, Enger, 61 Jahre. Vereins-Kalender. Freitag. Männer=Gesangverein„Freie Stunde“ 9 Uhr bei Sewing, Bürgerweg 93. Gesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei Kleinert. „Teutonia I“ 9 Uhr bei Kahl, Herforderstraße 137. Zitherklub„Alpenrose“. Rickes, Nebelswall. Freie Turnerschaft Vie#efeld. Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann. Altenschildescherweg — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“ 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Bielefelder Kraftsportvereinigung 9 Uhr im„Perliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung, Abteilung 5, 9 Uhr bei Apenbrink. Radfahrerverein„Tourist“ Sitzung bei Helms, Jöllenbeckerstr. Radfahrerverein„Transvaal“ 9 Uhr bei Wirt Höner zu Eißen. Radfahrerklub„Flora“ 9 Uhr bei Wöhler, Heeperstraße. Kegelklub zu den drei Linden 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Guttemplerorden. Loge Bielefeld. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstr. 51. Ringklub„Aberg“ 8½ Uhr bei Karl Blome, Webereistraße. Brackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit" 8½ Uhr bei Karl Schröder. ewede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Theesen. Arbeiter=Gesangverein„Horstheide 8½ Uhr bei Wilhelm Meier=Ditrich. Sndbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf" b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Radfahrerklub„Einigkeit“ 8½ Uhr im Hellingskrug. Schildesche. Arb.=Turnverein„Deutsche Eiche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Arbeitergesangverein„Schildesche“ 8½ Uhr bei Höner, Bielefelderstraße. Schildesche. Kegelklub„Fortuna“ 8½ bei Siekmann, Herforderstraße 8. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Enger: Turnverein„Eintracht“ 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Radfahrerverein„Freie Radler“ 9 Uhr in Restaurant„Zur Traube“, A. Seeger. Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Wirt Brockmann. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Oetinghausen. Arbeiter=Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr beim Wirt Düsdicker, Spenge. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmans. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr beHerrn Fricke. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“, 8½ Uhr bei Röbke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Werther. Arbe ter=Turnverein„Frisch) Auf“ 9 Uhr. Rheda. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr bei August Kipp. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß. Langestr. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr in Gasthaus Zu der drei Linden. 9 42 Detmold. Arbeiter=Gesangverein 8½ Uhr in der„Ventiul halle“. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaumburger Hof.„„ Stadthafen. Arbeitergesangberein„Edelweiß(—9 Uhr. für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei gebracht 60 Pfg. monatsich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstgge mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Die heutige Rumn Die St 1g. Berlin, 5. März. Anschein, als ob das Interes der Steuerfragen sich ledigli Anträge auf Einführung d Das wäre ja auch durchaus Liberalen, als auch die verbi ginn dieses Sessionsabschnit mehrung der indirekten Ste zeitiger Einführung einer d besitzenden Volksschichten stät sollten. Ja, die Liberalen „Reform“ von der Einführ: macht. Die Verhandlungen schlüsse der Finanzkommissio entscheidend sein fur das GReichsfinanzreform. Und d teresse des Volkes an den Ar klärlich. Wir würden es aber aufs Verhandlungen der Finanzk der Oeffentlichkeit verfolgt: vorüber, sie ist im Gegenteil lich, daß aus den indirekter gepreßt werden als von de Nachlaßsteuer sollte nach Millionen Mark ergeben. T Erträge der sogenannten B 100 Millionen Mark festgese überhaupt nicht erhoben, ur samose Kompromiß auch der kräftigere Heranziehung der schlossen erscheint. Das all Ausfall gegenüber den Ber die Freunde der indirekten Verbündeten, liegt doch nu Steuern so„auszubauen“, wird, sondern daß auch eine der„Besitzstcuer durch Scho Erbschaften möglich wird. darum alle Ursache, auf de weitere Schädigung ihrer I Für unseren Bezirk ist di Verarung der Tabaksteu des östlichen Westfalens sic höherein Maße interessieren sitzsteuer. Die Annahme d reiche Gemeinden speziell 1 Ruin bedeuten. Tausende den und zur Abwanderung zwungen sein, die ihnen al gelegenheit bieten werden, k die wirtschaftliche Depressie macht. Der kleine Gewerr ebenfalls empfindlich geschäl Arbeiter durch einen derar schaftsleben, wie das die Be Heute begann die Kom Banderolesteuer hat die Re Kreth bekehren können, dem lich noch nicht weit genug Sielermann auf seinen Par legungen nichts verspüren, 1 fällig in Minden=Lübbecke sicherlich in dieselbe Melol auf die Bestenerung des T undigen Darlegungen Mo Abgeordneten, die in der he Standpunkt, daß die Bande andere Form der Besteue heben. Zu einer Entscheidung steht, wie wir schon gestern einer Subkommission mit überweisen. In der nächs halten werden soll, wird Kommission kommen. 4014 Deut Der Branntweinsteuersüddeutschen Brennereikrei wurf große Bedenken und die landwirtschaftlichen B und Badens schwer geschä Kreisen sicher, daß die süd nen aus diesem Grunde de sagen werden und der Rei läßt und auf den Monopol Krisenwirkung. Die E betrug in den ersten 8 Mi weniger als in der entspr Krise hält auch in diesem 90000 Mk. weniger einger Der Streit um die Rei essor Angelo Jank hatd sich mit dem Vorschlaged standen erklärt, daß die sondern in einem andere werden. Professor Jank und etwa notwendige Abäi Adolf Wagn Herr v. Mirbach=S schen Steuerreformer, die schaftliche Kapazität des Wagner, durch Hohngeläch weil er in der Nachlaßster