Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen fre ins Haus gebracht 60 Pfg. monat lich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. (Oe40) Nr. 49. Sc UUTUlsoeTTUrT Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“. A. Gerisch& Co., Vieleseld. Bielefeld, Sonnabend, 27. Februar 1909. 20. Die heutige Rummer umfaßt 12 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Als die Lex Trimborn im Reichstage zur bedeutete die Sozialdemokratie den Zouwuterichen sie, von diesem Pflästerchen gar nichts halte. Ihr Redner, Abgeordneter Molkenbuhr, wies darauf hin, daß Freiherr v. Stumm die Witwen allgemein ähnlich gestellt haben wollte. wie die„Unfallwitwen". Dann würden bei den reichlich drei Millionen Personen, die in Frage kämen, rund 400 Millionen Mark erforderlich sein. 4.m zwssichen stinsstageich Molkenbuhr sagte weiter nach dem amtlichen stenographischen Berichte: „In der Kommission, wie dies ja auch im Berichte erwähnt ist, wurde vorgeschlagen, daß man der Witwe 100 Mark und jedem Kinde 33½ Mark oder aber der Witwe 80 Mark und jedem Kinder 40 Mark geben solle; das heißt also, da wir auf jede Witwe 1.7 Waisen rechnen können, so würde durchschnittlich eine Person im ersten Falle 58,02 Mark und im zweiten Falle 54,81 Mark erhalten, also 16 resp. 15 Pfg. pro Tag. Ja, können Sie damit irgendeine Witwe oder Waise ernähren?“ Wenn der Herr Staatssekretär diese und die weiteren Ausführungen des stenographischen Berichts nachliest, dann wird er, wie wir hoffen, zu der Ueberzeugung kommen, daß bei der Sozialdemokratie von einem schönen Traum nie und nimmer die Rede war; sie wußte vom ersten Augenblick an, daß es sich bei der Lex Trimborn um Augentäuschung und nichts weiter handelge.... P.Thstage bemüßhte sich aber iDie Sozialdemotratte im Reichstüge bemühle sich über, in dieser Erkenntnis, der Sache eine festere Grundlage zu geben. erinnerte daran, daß der Zentrumsabgeordnete Herold bei der ersten Beratung des Zolltarifs gesagt hatte: „Wir haben fest und bestimmt erklärt, daß die Mehrein.„„#####n für so:iale Zwecke verje zur Beratung stand, sofort, daß Zur Reichsfinanzreform. Ig. Als gestern im Reichstag die Vertagung der Kommissionssitzung bekannt wurde, war noch keine Klarheit darüber vorhanden, auf welcher Basis die Kuhhändler verhandeln wollten. Allerdings ließ der Eifer der Nationalliberalen, die sich am meisten um die Vertagung bemühten, die Vermutung zu, daß man im Block noch einmal eine Verständigung versuchen würde. Und wenn die Konservativen, die v.Richthofen, v. Hatzfeld und Gamp, die doch feierlich erklärt hatten, daß sie mit dem Zentrum nicht verhandelt hätten, sich nicht selbst desavouieren wollten, durften sie einen von den Nationalliberalen angebahnten Verständigungsversuch nicht zurückweisen. Nach dem, was bis jetzt über die angebahnten Verhandlungen bekannt wird, gewinnt es den Anschein, daß zwischen Bülow und Bassermann— wie schon so oft— die Sache inszeniert worden ist. Bülow ist als Reichskanzler unmöglich, wenn der Block in die Brüche geht, und Bassermanns„führende Rolle im Kern des Blocks“ ist dann auch nur eine Episode gewesen. Es ist daher durchaus verständlich, wenn Bülow und Bassermann nach Kräften sich bemühen, die Risse im Block zu verkleistern. Ob ihnen das noch einmal gelingen wird, ist allerdings zweifelhaft, aber nicht unmöglich. Zwar werden sich die Agrarier zur Annahme der Nachlaßsteuer nicht bewegen lassen, — aber ist es denn das erste Mal, daß die Nationalliberalen umfallen? ungefähr stehen die Dinge. Ueber Nacht ist es anders geworden in der Haltung der Nationalliberalen. Und was etwa noch an Grundsätzen, an einem unentwegten Festhalten an einer direkten Reichsvermögenssteuer heute früh noch vorhanden war, das hat augenscheinlich eine Konferenz der Blockführer beim Fürsten Bülow endgiltig beseitigt. Wie in Reichstagskreisen verlautet, ist man in dieser Konferenz, an der Vertreter der konservativen Parteien, der Nationalliberalen, der freisinnigen Gruppen und der wirtschäftlichen Vereinigung teilgenommen haben dahin übereingekommen, die Nachlaßsteuer fallen zu lassen, aber auch den Gedanken einer Reichseinkommenoder=Vermögenssteuer aufzugeben, und dafür die Eroschaftssteuer auszubauen. Da dieser„Ausbau", wie man jetzt schon weiß, die erforderliche Summe von 150 Millionen nicht bringen wird, sollen auch einige neue Steuervorlagen mit geringeren Erträgen eingebracht werden, über die aber noch Stillschweigen beobachtet wird. Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, die uns allerdings verbürgt erscheint, wären also wieder einmal die Kon servativen Sieger geblieben. Die Erbschaftssteuer betrachten sie nicht als direkte Steuer und werden deshalb gegen einen Ausbau nach ihren Wünschen nichts einzuwenden haben. Und die kleineren Steuervorlagen, die zur Ergänzung herangezogen werden sollen, werden ihnen auch nicht wehe tun. Aber der Arbeiter, der kleine Mann? Ach, die Steuervorlagen, die dessen Interessen berühren und aufs schwerste schädigen, werden schneller erledigt sein. Tabak=, Bier= und Branntweinsteuer, Erhöhung der Fahrkartensteuer und Ausdehnung der Steuer auf die 4. Wagenklasse,— alle diese Vorlagen werden schneller Gesetz werden und keine Blockkrisis heraufbeschwören. Und dann wird fortgewurstelt werden in der konservativliberalen Aera. Wie lange noch?—— Der„schöne Traum“ der Witwenund Waisenversicherung. nahme aus den Agrarzoilen für soziale Zwecke verwendet werden sollen, und in erster Linie ist hier die WitwenAls Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg am 5. eine sozia.politische Reichstagsrede hielt, sagte er, daß „schöne Traum“, mit den aus der Lex Trimborn von 1902 fließenden Geldern bis zum 1. Januar 1910 eine Witwenund Waisenversicherung aufbauen zu können, verflogen sei„Das Geld, das wir für diese Versicherung zu haben Herr v. Beihmann=Hollweg scheint wenigstens bürgerlichen Abgeordneten gegenüber ein ausnehmend höflicher Mann zu sein, denn anders hätte er zur Kennzeichnung des Schwindels der Lex Trimborn sich etwas kerniger ausdrücken müssen. Als das Zentrum 1902 den Wuchertarif schaffen half, wußte es sehr wohl, daß die katholischen Arbeiter mit beträchtlichem Unwillen beobachteten, wie die von ihnen gewählten Abgeordneten die Interessen des Junkertums förderten. Es galt daher, Gestützt auf Neußerung des Reichskanzlers Grafen Bülow vom 5. Mai 1901, wonach die Mehreinnahmen aus den künftigen Zollerhöhungen für Wohlfahrtseinrichtungen im Interesse der minderbemittelten Bevölkerungsklassen verwendet werden sollten, stellte der Abgeordnete Trimborn im Namen des Zentrums einen Antrag, der in folgender Fassung im Zolltarifgesetz vom 25. Dezember 1902 Aufnahme fand: „Der auf den Kopf der Bevöllsrung des Deutschen Reiches enthaltende Nettozollertrag der nach den Tarifstellen 1, 2, 102, 103, 105, 107, 107a und 160*) des Zolltarifs zu verzollenden Waren, welcher den nach dem Durchschnitte der Rechnungsjahre 1898 bis 1903 auf den Kopf der Bevölkerung entfallenden Nettozollertrag derselben Waren übersteigt, ist zur Erleichterung der Durchführung einer Witwen= und Waisenversicherung zu verwenden.“ *) Zölle für Roggen, Weizen, Vieh und Mehl. und Waisenversorgung ins Auge gefaßt."„ Danach mußten die Mehreinnahmen aus allen Agrarzöllen, und nicht nur die im§ 15 des Zolltarifgesetzes ausgenommenen der Witwen= und Waisenversorgung zugute kommen. Als unsere Parteigenossen nun in der Kommission beantragten, auch die Zölle für Hülsenfrüchte, Gemüse usw. für den sozialen Zweck zu verwenden, stimmte das Zentrum einhellig gegen den Antrag. Gewiß war auch das Zeutrum der Meinung, daß der Ertrag aus den im§ 15 festgesetzten Zöllen für den erwähnten Zweck unzureichend sein werde. Daher hebt der vom Zentrumsabgeordneten Speck abgefaßte Kommissionsbericht die Worte des Abgeordneten Trimborn hervor. daß nach den von der Kommission beschlossenen Zollsätzen die in ihrem Antrage genannten Artikel durchschnittlich 91 Millionen Mark Mehreinnahmen an Zöllen bringen wurden, und dann heißt es wörtlich in dem „Die erforderlichen Mittel könnten zur Hälfte aus den Zinsen des anzusammelnden Fonds und aus den jährlichen Mehreinnahmen, zur anderen Hälfte aber durch Beiträge der Versicherten und der Arbeitgeber aufgebracht werden.“ Damit hatte Herr Trimborn es aber mit den Zentrumsbauern verdorben, denen Beiträge für soziale Zwecke ein Greuel sind, und so erklärte er denn am 21. November 1902 im Reichstage, daß es sich bei dieser seiner Aeuzerung um ganz unverbindliche Erwägungen eines einzelnen Abgeordneten gehandelt habe und daß im Gegenteil hierzu im Kreise seiner Freunde lebhafte Bedenken obwalten, die Landwirtschaft und das Handwerk mit neuen Beiträgen für eine Witwen= und Waisenversorgung zu belasten. Die Sachlage war also, daß das Zentrum zuerst alle Mehrerträge aus Nahrungsmittel- und Agrarzöllen den Witwen und Waisen zu geben versprach. Dann sollte nur die Hälfte für diesen Zweck verwendet werden. Nach Annahme dieses Antrages tat das Zentrum der Regierung aber noch den Gefallen, daß es die Zölle für Gerste, Hafer, Butter, Käse und Eier strich und von dem verbleibenden Rest dem Reiche steigende Einnahmen zuschanzte. Dann stimmte es auf den Wunsch der Konservativen noch für weitere Verschlechterungen. So stand, abgesehen noch von dem Umstande, daß jede gute Ernte in Deutschland die Zolleinkünfte und somit die Aussichten auf eine Versorgung der Witwen und Waisen verminderte, auch für das Zentrum von vornherein fest, daß der ganze Versicherungsplan ein Unding war. 6 6 gsstal 4.6 Tatsächlich haben sich die Dinge denn auch so gestatter, oaß für die Witwen= und Waisenversicherung jährlich nur rund 43 Millionen Mark zur Verfügung standen. Will man den Witwen und Waisen aber eine Rente von je 136 Mark geben, wie sie der Unfallrente entspricht, so wären nach neuen Berechnungen jedes Jahr etwa 600 bis 700 Millionen Mark aufzubringen, also für fünfzehnmal so viel, als von den Getreidezöllen für diesen Zweck übrig blieb. Herr v. Bethmann=Hollweg hatte also recht, als er am 5. Februar den Bankerott der Witwen= und Waisenversicherung ankündigte. Nur hätte er nicht von einem„schönen Traum“ sprechen sollen. Denn tatsächlich wußte von Anfang an alle Welt, daß aus der Verauickung von Wuchertarif und Sozialpolitik, wie sie sich gestaltete, niemals etwas werden konnte Die Sozialdemokratie war ehrlich und stellte diese Tatsache sofort fest; die bürgerlichen Parteien, und vor allem das Zentrum handelten unehrlich, indem sie ihr Wissen für sich behielten und mit den Arbeiterwählern ein Gaukelspiel trieben. Die Reichsversicherungsordnung. Der vom Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg im Reichstage angekündigte Gesetzentwurf über die Reichsversicherungsordnung soll in diesen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben werden. Wie gemeldet wird, ist Vorsorge getroffen, daß die Gesetzesvorlage den weitesten Kreisen zugängig gemacht wird, um eine Beurteilung derselben zu ermöglichen. Die Mißhandlung Berlins durch die Regierung. Berlin, 26. Februar. In der heutigen Sitzung des Brandenburgischen Provinziallandtages gab Oberprasident Trott zu Solz im Namen der Staatsregierung die Erklärung ab, daß an eine Eingemeindung von Vorortgemeinden oder Gemeindeteilen in die Stadt Berlin nicht zu denken sei. Damit ist die geplante Eingemeindung eines Teiles des Tempelhofer Feldes in Berlin gescheitert. Rtuuat Meiten g.#8 Herr Kirschner wird dennoch unentwegt weiter bei fremden Monarchenbesuchen als Portier mit dem Zylinder in der Hand die Staffage am Brandenburger Tor bilden. Lästiger Ausländer. Hadersleben, 26. Febr. Nach der „Schleswiaschen Grenzpost“ wurde heute der staatsangehörigkeitslose Bankvorsteher Moeller in Scherrebeck wegen großdänischer Betätigung, zuletzt durch Teilnahme an der Demonstration einer irredentistischen Versammlung mit dreitägiger Frist ausgewiesen. Dies ist die erste politische Ausweisung aus der Nordmark seit einer Anzahl von Jahren. Aus dem Reichstag. Die Wahlprüfungskommission hat die Wahl des Abg. Kleye(2. Braunschweig), der am 22. September 1908 an Stelle des verstorbenen Abg. v. Kaufmann in den Reichstag gewählt worden war, für ungiltig erklärt. Kleye hat in der Stichwahl 15 408, der Sozialdemokrat 8906 Stimmen erhalten. Die Kommission stimmte der Ungiltigkeitserklärung zu, da erwiesen wurde, daß die Kandidatur Kleye eine amtliche Kanoioatur sei; der Kreisdirektor, mehrere höhere Staatsveamte und 38 Gemeindevertreter hätten in amtlicher Eigenschaft Wahlaufrufe unterzeichnet und wären für Kleye öffentlich eingetreten. Nach der ständigen Praxis des Reichstages bedurfte es deshalb weiterer Beweismittel nicht, die Frage der amtlichen Kandidatur sei zu bejahen, und deshalb sei die Wahl ungiltig. Der Kreis wird sich also in nächster Zeit einer dritten Wahl unterziehen müssen. Politische Uebersicht. Deutsches Der Oldenburger Landtag hat mit 26 gegen 18 Stimmen die Einführung eines Pluralwahlrechts beschlossen; nach diesem erhält jeder Wähler, der das 40. Lebensjahr erreicht hat, eine zweite Stimme.— Die weitergehenden Anträge auf ein schärferes Pluralwahlrecht wurden mit 23 gegen 21 Stimmen abAlkohol=Monopol in den Kolonien. Wie die„Nationalztg.“ erfährt, wird im Reichskolonialamt ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, der ein Monovol für die Herstellung von Bier und Branntwein in Deutsch=Südwestafrika schaffen will. Gleichzeitig will man neben höheren eigenen Einnahmen auch größeren Schutz der Eingeborenen erzielen. Gesetz zur Unterstützung von Seeunfallen. Das Reichsamt des Innern hat diese Materie in einem neuen Gesetzentwurf geregelt. Der Entwurf soll in der nächsten Zeit den Interessenten zugehen, damit eventuelle Einwendungen berücksichtigt werden können, ehe der Entwurf dem Reichstage vorgelegt wird Die Lage auf der Balkauhalbinsel. Gestern sah es danach aus, als ob der Krieg jede Minute ausbrechen könnte, heute läuten wiederum überall die Friedensglocken. Gewiß existiert dort zurzeit eine Spannung, welche durch Oesterreichs Vorgehen in frivolster Weise hervorgerufen worden ist. Aber es ist auch sicher, daß es sich hierbei nicht um Schwierigkeiten handelt, welche einer Macht das Risiko eines europäischen Krieges wert sind. Wenn die Lage nicht derart ist, daß irgend eine Macht, etwa Rußland, diesen Krieg braucht, ist keine Gefahr eines solchen vorhanden. Das ist ja allerdings für Rußland nicht ganz ausgeschlossen, aber auch Rußland allein ist ohnmächtig und wird keine Bundesgenossen finden. So kann man denn mit Bestimmtheit voraussagen, daß in dem südöstlichen Hexenkessel Europas kein Krieg zusammengebraut werden wird. Natürlich hat die Zunft der Diplomaten ein besonderes Interesse daran, recht viel Kriegsgeschrei ins Land gehen zu lassen, wird doch ihr Verdienst um den Frieden dann Wir registrieren noch folgende Nachricht, welche unserer Ansicht nach der Situation entspricht: gw.# Bariser 8 Frankfurt a. M., 26. Febr., Wie der Paaiser Korrespondent der„Frankfurter Zeitung“ aus zuverlässiger Quelle erfährt, haben sich sämtliche Mächte einschließlich Rußland endgiltig zu einer gemeinsamen Vorstellung in Belgrad entschlossen. Ueher die Form dieser Intervention wird noch verhandelt. Es besteht der Eindruck, daß die in den letzten Tagen bestandene Spannung geschwunden ist. Rußland. Bluthunde. Petersburg, 26. Febr. 15 politische Verbannte, die wegen Fluchtversuches in Irkutsk zum Tode verurteilt waren, haben im Gefängnis, um der Hinrichtung zu entgehen, Gift genommen. Einer ist an der Vergiftung gestorben, vier schwer erkrankt. Erst dann wurde den Verurteilten mitgeteilt, daß das Urteil vom Hauptkriegsgericht aufgehoben worden sei. Kommunales. Kommune und Privatunternehmer. Wie bedenklich es für Gemeinden ist, Wasser, Gas, Elektrizität usw. von privaten Unternehmungen zu beziehen, anstatt kommunale Betriebe zu errichten, sollte die Stadt Mühltroff bitter empfinden. Im Jahre 1906 hat die Leipziger Firma Hopfer u. Eisenstruck in Mühltroff ein Elektrizitätswerk errichtet. Die Abgabe von elektrischer Kraft und Licht hat dann die am Orte befindliche Firma Heckel u. Merkel, mechanische Weberei, übernommen. Laut Kontrakt sollten die Abgabe von Kraft die ersten 25 Jahre pro Stunde 20 Pfg. und für Licht 60 Pfg. gezahlt werden. Seit einiger Zeit ist die Firma Heckel u. Merkel mit diesem Preise nicht mehr zufrieden; sie will den zwischen der Firma Hopfer u. Eisenstruck und der Stadt eingegangenen Vertrag nicht mehr beachten und für Abgabe elektrischer Kraft 30 Pfg. die Stunde haben. Da sich die Abnehmer sträuben, diesen erhöhten Betrag zu zahlen, griff die Firma Heckel u. Merkel zu einem Radikalmittel: sie entzog den Abnehmern den Strom, auch der Stadt, so daß nicht nur alle Betriebe mit elektrischer Kraft stillstehen mußten, sondern auch die Stadt ohne Licht war. Der Stadtgemeinderat wurde schleunigst zu einer Sitzung zusammenberufen und die Amtshauptmannschaft beschäftigte sich mit der Angelegenheit. Der Vorfall zeigt jedenfalls, welchen Gefahren eine Stadt ausgesetzt ist, wenn sie sich von einem Privatunternehmer abhängig macht.(Komm. Praxis.) Stadtverordnete für Stadtteile oder für die ganze Stadt? Wir entnehmen der„Kommunalen Praxis“: Der Magistrat der Stadt Magdeburg hat gegen die dortige Stadtverordnetenversammlung Klage, im Verwaltungsstreitverfahren erhoben, weil sie die im Herbst vollzogenen Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung zu Unrecht für giltig erklärte. Das geschah, obwo die Versammlung vom Magistrat darauf aufmerksam gemacht worden war, daß die Hälfte der dritten Abteilung ent gegen der Bestimmung der Städteordnung statt 12 nur 11 Hausbesitzer aufwies. Der Magistrat, der gesetzlich verpflichtet ist, ungesetzliche Beschlüsse zu beanstanden, klagt auf Grund des § 15 des Zuständigkeitsgesetzes. Da dieses der Klage keine aufschiebbare Wirkung zubilligt, so behalten die drei Nicht=Hausbesitzer— darunter ein Sozialdemokrat—. gegen deren Wahl Klage erhoben ist, trotz der Klage Sitz und Stimme im Stadtparlament. Die eigentliche Ur ache der Klage ist in dem Umstand zu suchen, daß der Magistrat auf dem Standpunkt steht, die Halfte jeder Abteilung in jedem Stadtteil(die Stadtteile sind vollständig selbständige Wahlbezirke, müsse aus Hausbesitzern bestehen, während die Stadtverordnetenversammlung der Anschauung huldigt, daß den Bestimmungen der Städteordnung entsprochen worden ist, wenn die Hälfte jeder Abteilung über die ganze Stadt aus Hausbesitzern besteht Auf Grund seiner Ansicht bestimmte der Magistrat, daß im Stadtteil Neustadt, der seit neun Jahren von einem Nichthausbesitzer. einem Sozialdemokraten vertreten wird, diesmal ein Hausbesitzer zu wählen sei. Andererseits verlangte er für die Altstadt, daß nur drei Hausbesitzer u wählen seien, obwohl vier Hausbesitzer ausschieden. Auf eine Interpellation der Sozialdemokraten hin erklärte die Stadtverordnetenversammtung— ohne jedoch die gesetzliche Zulässigkeit ihres Standpunktes zu prüsen—, daß sie nach wie vor der Ansicht sei. die Halbierung have über die ganze Stadt zu erfolgen, und daß sie demzufolge eine eventuelle Wiederwahl des langjährigen sozialdemokratischen Vertreiers für die Neustadt nicht beanstanden werde. Und vom Magistrat wurde die Erklärung abgegeben, daß er— ohne seinen prinzipiellen Standpunkt preiszugeben—(gegen eine solche Giltigkeitserklärung keine Klage erheben werde. Voraussetzung war dabei wohl, daß trotz der Wahl des Neustädter Nichthausvesitzers die Zahl der Hausbesitzer— über die ganze Abteilung gerechnet — voll werden wurde Dieser Umstand trat aber nicht ein! Der Sozialdemokrat in der Neustadt wurde wiedergewählt, in der Altstadt gingen aber nur drei statt der vier ausgeschiedenen Hausbesitzer aus der Wahl hervor, so daß ein Hausoesitzer zu wenig vorhanden war. Dessenungeachtet erklärte, wie gesagt, die Stadtverordnetenversammlung die Wahlen für giltig und muß nun die Klage über sich ergehen lassen. Wie man sieht, liegt der Fall ziemlich kompliziert. Vielleicht gibt es den Andazu, daß die für die Stadtteile vorgenommene Drittclu sg der Wall.rchift d.rc die Trittelung üler die gunze St##dt—##ir kfg. Maßregeln gegen verschmutzte Milch. Man hat bezweifelt, daß die Zufuhr tadelloser Säuglingsmilch für Großstädte durchführbar ist. Den Gegenbeweis liefert die amerikanische Stadt Rochester im Staate Newyork. Dort hat man nach dem Berichte eines Arztes Golen eine behördliche Einrichtung zur Ueberwachung der Milchverhältnisse getroffen, die seit dem Jahre 1900 im vollen Umfange in Tatigkeit getreten ist. Die Stadt hat 170000 Einwohner, die Michzufuhr von täglich 60.000 Litern erfolgt aus einem Umkreis mit einem Halbmesser bis zu 60 englischen Meilen. Ein Hauptinspektor mit einem Gehalt von 1050 Dollar und ein Assistent mit einem solchen von 840 Dollar haben unausgesetzt darüber zu wachen, daß in allen zuführenden Milchstellen die peinlichste Reinlichkeit herrscht. Sie sammeln außerdem von den Verkäufern der Milch jährlich 5000 Proben zur chemischen und 500 Proben zur bakteriologischen Untersuchung. Ein Gehalt von über 100000 Keimen im Kubikzentimeter Milch wird beanstandet. Wenn zweimal über 500000 Keime gefunden werden, verliert der Verkäufer sein Patent. Die chemischen und bakteriologischen Untersuchungen werden je von einem Beamten mit 1200 Dollar Gebalt ausgeführt. Die Berichte der Beamten werden in einer besonderen Kommission des städtischen Amtes untersucht. Von diesem Amt aus werden dann die Versorgungen der Mischverteilung für den allgemeinen Konsum angeordnet. Ueber die Behandlung der Milch im Haushalt werden die Mütter der minderbemittelten Klassen unterrichtet. Von den Kosten der ganzen Einrichtung ist Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Heubner, der die Frage der Fürsorge für die Säuglingserkrankung in Großstädten in der„Vierteljahrsschrift für gerichtliche Medizin usw.“ behandelt, aus dem ihm zugegangenen Berichte nichts bekannt. Die Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren ist in Rochester seit 10 Jahren, wo die ersten Verbesserungen der Milchüberwachung getroffen wurden, von 730 auf 420 im Durchschnitt zurückgegangen Auch in Buenos Ayres findet eine sehr strenge Kontrolle unausgesetzt auf allen zuführenden Straßen statt. Zuwiderhandlungen gegen die gesetzlichen Vorschriften werden mit der sofortigen, gleich an Ort und Stelle erfolgenden Vernichtung des gesamten vom Produzenten zugeführten Mischauantums bestraft. Im Jahre 1904 wurde von 500000 Untersuchungen 38000 Liter ausgeschüttet. Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 27. Februar. Moral? Es ist eine Tante zu Besuch in einer Familie mit kleinen Kindern. Die Tante ist sehr flinken, beweglichen Geistes, hat zehn Vorhaben auf einmal und vergißt sie ungefähr zu hundert Prozent wieder. So passiert es ihr auch, daß sie Spuren ihrer Pergent guber. P. ugr, es che aluy,--# I. Existenz über die ganze Wohnung verbreitet. Einmal zieht die r vierjährige Lotte Tantens Stiefel unter dem Eßtisch hervor. Höchst entrüstet betrachtet sie die Dinger, sucht sich dann die Tante auf und sagt ihr sehr bestimmt:„Tante Marie, du bist ein Latschpeter, die Stiefel gehören doch nicht hierher. Nun meint ihr Rechtlichdenkenden alle wohl, die Tante Marie habe beschamt ihre Stiefel davongetragen mit dem sehr bestimmten Bewußtsein: das Kind hat aver wahrhaftig recht?, oder sie habe, weil sie sonst eine lustige Person ist, dem Kinde lachend zugestimmt und ihm Besserung versprochen? Aber ihr habt euch gewaltig geirrt. Die Tante Marie, die liebenswürdige lustige Tante Marie wird bitterböse, fährt mit der einen Hand nach den verhängnisvollen Stiefeln und mit der anderen nach Lottens Ohr und zupft sie recht merklich.„So, und nun merk dir, daß man einem Erwachsenen so nicht kommen darf!“ Stürzt dann zu Lottens Mutter, um auch dort noch einmal Rache für den ihr angetanen Schimpf zu fordern und ist erst recht emport, als ihr dort das Recht zu solcher Racheforderung bestritten ürlich geht sie seor b auszusagen, wie selbstsicher wie eingebildet, wie autoritätsstarr, wie dunelhaft unser alltägliches Verhalten zu Kindern, zu diesen „dummen Kleinen“ geworden ist. Indessen: es besteht die Moglichkeit, das noch jeden Tag zu ändern. Richt dadurch, daß wir weniger„empfindlich“ zu sein uns bemühen, dickselliger zu werden an unserem Gewissen, sonnteil: inde — Der Fall Liebenberg im Banausschuß. Lang', land ist's fast konnte man daran zweifeln, ob mans noch erdern im Gegen#,##m wir uns ernstlich bemühen, immer gewissenhafter und immer unpartetischer zu werden vor unseren Kindern. Sie haben das feinste Gefühl für Recht und Unrecht: so müssen wir die strengste Gewissenhaftigkeit üben. Für sie gibt es nur ein Maß der Gerechtigkeit: so müssen wir dieses Maß auch an uns selber anlegen lassen. Wir müssen uns unter dasselbe Gesetz beugen, dem sie sich unterwerfen sollen. Kurz: wir müssen die zweierlei Moral aus der Erziehung hinausschaffen. Es heißt nicht: was die Großen dürfen, dürfen die Kleinen nicht, sondern es heißt: was die Kleinen nicht dürfen, Gr dürfen die Sroßen erst recht nicht. H. M. wird. Natür.## vald aus einem Hause fort, wo die Kinder sich„so etwas“ gegen Erwachsene„erlauben“ durfen. Und was hat die kleine Lotte sich erlaubt? Sie hat ehrlich und rund herausgesagt, was ihr absolut selbstverständlich war: daß Unordnung bei einer großen Tante eben auch Unordnung ist. Daß die große Tante genau so verpflichtet ist, Oronung zu halten, wie es von der kleinen Lotte verlangt wird. Die Lotte hat weder eine boshafte, noch eine scherzhafte, noch eine moralische, noch überhaupt eine Absicht gegen die Tante gehabt. Sie hat nur sehr bestimmt und klar die Auffassung: was sie nicht dürfe, dürfe der andere auch nicht. gleichviel, ob der andere das Brüderchen oder die Tante ist. Das Gesetz, das ihr gilt, gelte ohne Ausnahme auch für die anderen. Nun wird der Fall aber kitz icher, wenn das Kind seine Kritik und seine urwüchsige Moral auch auf das Verhalten der Eltern anwendet. Solange es noch gegen einen dritten geht, bewahren immerhin noch eine ganze Menge von Erziehern soviel Ruhe und Unbefangenheit, um richtig zu zutscheiden, wo Recht und wo Unrecht steht. Es wird ihnen manchmal unangenehm sein, dem Kinde gegen einen Erwachsenen recht geben zu müssen, und oft gar werden sie feige den Mund halten und bloß in ihrem Gefühle dem Kinde yeimlich zustimmen. Aber sogar auch dieses Gefühl kehrt sich plötzlich gegen das Kind, wenn dieses nun auch an der moralischen Autorität von Vater und Mutter rüttelt. Der Vater, der heimlich oder laut darüber lacht, wie sein Junge einem anderen eine inbequeme Wahrheit sagt, der braucht noch lange nicht zu lachen, wenn sein Junge sie ihm selber agt. Und die Mutter, die ihr Kind gegen eine ungerechtfertigte Zuchtigung durch die Nachbarin leidenschaftlich in Schutz nimmt, die braucht noch lange nicht sich zu beherrichen, wenn sie selber durch ir Kind auf ein offenbares Unrecht geführt wird. Es ist garnicht —kr. Sozialdemokratischer Verein, Ortsgruppe Bielefeld. Die Mitgliederversammlung, die am Donnerstag in der „Zentralhalle" stattfand, ehrte zunächst das Andenken der im 4. Quartal 1908 gestorbenen Genossin Hoffmann, sowie der Genossen Klemme, Iseringhausen, Hellsinger, Hollmann und Lohmann durch Erheven von den Platzen. Hierauf erstattete Genosse Zenker die Abrechnung vom 4. Quartal 1908.„„ersammtung u Beim Punkt Stellungnahme zur Generalbersammlung wurde ein Antrag Herzwurm einstimmig angenommen, bei der Generalversammlung zu beantragen, 100 Mark für die Zentralarbeit.rbibliothek zu bewilligen. Die Wahl der Delegierten erfolgte in der Weise, daß 70 von den Bezirken in Vorschag gebrachte und 21 aus der Mitte der Versammlung vorgeschlagene Genossen und Genossinnen gewählt wurden. Genosse Schreck hielt hierauf einen interessanten Vortrag über„Private und öffentliche Gesundheitspflege“. Er führte ungefähr aus: Es ist nicht zu verkennen, daß die Aroeiterschaft sehr viel zur Förderung der Volksgesundheit, speziell auf dem Gebiete der Gewerbehygiene getan hat. Das Gebiet der Gesundheitspflege ist aber ein derart wichtiges, daß hier bedeutend mehr getan werden muß, sowohl aus dem Gebiet der privaten, als auch auf dem der öffentlichen Besundheitspflege. Die private Gesundheitspflege und die öffentliche Gejundheitspflege müssen sich gegenseitig ergänzen. Eine der wichtigsten Fragen ist die der gesundheitlichen Ernährung. Ob die vegetarische oder die Fleischkost vorzuziehen ist, diese Frage kann heute noch nicht als gelöst betrachtet werden. Richtig ist jedenfalls, daß unter den heutigen sozialen Verhältnissen. bei dem Fehlen von vegetarischen Speisehäusern usw. die vegetarische Ernährung nur chwer durchführbar ist. Den Hausfrauen fehlt vielfach die Kenntnis der richtigen Zubereitung der vegetarischen Speisen. Schon bei der Zubereitung von Gemüsen, Kartoffeln usw. kann man oeobachten, wie unzweckmäßig in gesundheitlicher Beziehung verfahren wird. Die für die Ernährung wichtigsten Substanzen fließen zum größten Teil in den Spülstein, während man sich mit dem anderen Ballast den Magen füllt. Die Nährmittel, welche an der Pelle sitzen, sini wichtiger für die Ernährung als die Stärkesubstanzen, die im Innern sich befinden. Geradezu grober Unfug ist die Ernährung mit künstlichen Nährmitteln. Schädigung der Verdauungsorgane, mangelhafte Arachanhildung sird vieliach auf das harte derartiger Knochenonldung sind vielfach auf das Konld derartiger Mittel zu jetzen. Irrig ist die Auffassung, daß beim Essen getrunken werden ß. Der Verdauungsprozeß wird dadurch gestört und Ermuß. trankungen der Verdauungsorgane sind die Folge. Noch schlimmer sind die Folgen, wenn gar alkoholhaltige Getränke beim Essen genossen werden. Anstatt Verdauung tritt Fäulnis der Speisen ein, und Magen und Darmleiden sind die Folge davon.„„„ Sehr wichtig ist die Haynpfiege. Nach jeder Mahlzeit müssen die Zähne geputzt, und so die Speisereste entfernt werden. Die Kinder müssen von frühester Jugend an schon daran gewöhnt werden, die Zähne regelmäßig zu reinigen. Durch Unterjuchung der Zähne der Schulkinder, Herausgabe von Merkolättern, kann auch von den Kommunen viel für die Zahrpflege getan werden. Auch die Kontrolle der Lebensmittel, Butter. Milch usw. muß von den Kommunen schärfer durchgeführt werden. Seor wichtig für die Gesundheitspflege ist die Wohnungsfrage. Ohne große Mittel kann schon mancherlei in bezug auf Wohnungshygiene getan werden. Notwenoig ist vor allem auch Reinlichkeit. Schmutzige Wäsche darf nicht in Wäschebeuteln oder in irgend einer Ecke des Schlafzimmers aufvewahrt werden, sondern gehört auf den Boden. Auch die am Tage getragene Kleidung soll möglichst während der Nacht nicht im Schlafzimmer aufbewahrt werden. Notwendig ist in erster Linie frische Luft. Die Fenster sollen deshalb auch des Nachts geöffnet sein, damit genugend frische Luft eindringen und die ausgeatmete Luft entweichen kann. Wir leiden im allgemeinen an der verkehrten Anlage unserer Städte. Der Staat und die Kommunen können hier sehr viel zu einer Besserung beitragen, indem sie bei Anlegung neuer Stadtviertel die gesundheitlichen Prinzipien genügend beachten. Verschiedene Städte, u. a. Ulm, Frankfurt a. M. und Stuttgart, haben auf diesem Gebiet schon vorbildlich gearbeitet. Durch den Bau von Arbeiterwohnungen in eigner Regie und nach gesundheitlichen Prinzipien können die Städte viel für die Voltsgesundheit tun.„„„ Sehr wichtig ist auch die Kleidung. In unserer Zeit ist der Körper viel zu wenig der Luft ausgesetzt. Die Stoffe, welche der Körper durch die Poren der Haut ausscheidet, können deshalb nicht entweichen und bleiben in den Poren stechen. Abwaschungen des Körpers an jedem Morgen, sowie öfters ein Brause= oder Wannenbad sind deshalb unerläßlich für eine richtige Körperpflege. Den Arbeitern muß in den Fabriken Gelegenheit gegeben werden, ein Brausebad zu nehmen, die Kommunen müssen durch Einrichtung von Brause= und Wannenbädern in genugender Zahl zur Förderung der Gesundheitspflege beitragen. Auch die Anlage von genügend Bedürfnisanstalten, vor allem für Frauen, ist in gesundheitlicher Beziehung notwendig. Den Genossenschaften empfahl der Redner, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob nicht ein Uebergang zur Eigenproduktion von alkoholfreien Getranken zweckmaßig wäre. Nachdem noch Genosse Mademann einige Ausführungen hierzu gemacht hatte, erfolgte Schluß der Versammlung. — Holzarbeiterverband. Die Funktionäre unseres Verbandes und die Kollegen, welche sich besonders für den Jahresbericht des Gewerkschaftskartells interessieren, werden ersucht, sich den Bericht im Verbandsbureau abzuholen. Einem Antrage der Handelskammer zu Bielefeld entsprechend haben die standige Tarisiommission der deutschen Eisenher, und sast„uie man daran zweiseln, ob man s nech.er. leben würde, namlich, daß das Prüfungsergebnis des beim Bau der Mädchen=Mittelschule verwandten Liebenberger Mörtels von bahnen und die Generalkonferenz der deutschen Eisenbahnverwaltungen beschlossen, in den Svezialtarif I und in das Verzeichnis der bedeckungspflichtigen Güter als neue Position aufzunehmen: „Johannisbrot(Karoben), auch zerkleinert". Die TarifmaßCharottenburg in Bielefeld eintreffen würde. Nun aber ist das Unzulängliche Ereignis geworden. Gestern erfogte die Mitteilung des Prüfungsergebnisses. Bei den Kalkproben, bei denen das Mischungsverhältnis 1:2,5 vorgeschrieben war, haben die drei Prooen eins von 1:4.6; 1: 3,7 und 1:3,6, im Durchschnitt 1:3,93 ergeben. Beim Zement war teilweise eine Mischung von 1:3, teilweise 1:5 vorgeschrieben. Da ist in den Proben ein Mischungsverhältnis von 1:5,1 und 1:6,1 festgestellt worden. Die Stadt ist dadurch um 461,81 Pfg. übervorteilt worden. Auf Antrag des Baurats wurde einstimmig beschlossen, Herrn Liebenberg diese Summe und die Kosten der Untersuchung, im ganzen 716,61 Mark, aozuziehen. Ausdrücklich betonte der Baurat, er halte es für selbstverständlich, daß Maurermeister Liebenberg in Zukunft für städtische Bauten nicht mehr in Betracht komme, to daß er einen dahingehenden Antrag als vollständig überflüssig nicht gestellt habe. Dieser Ansicht widersprach im Bauausschuß niemand. Davon, dem Maurermeister Liebenberg die Kosten des Bauauffehers aufzuerlegen, wurde Abstand genommen, obgleich die Berechtigung hierzu von keiner Seite angezweifelt wurde. Uebrigens betonte der Baurat, daß der verwandte Mörtel noch hinreichende Sicherheit für den Bau verbürge. Es werden fur die Zukunft andere Mischungsverhältnisse vorgeschrieben werden. — Bauausschußsitzung. Um dem zeitigen Raumbedürfnis abzuhelfen, empfiehlt der Bau=Ausschuß das Zimmer Nr. 71 im neuen Rathause als Unterrichtsraum für die Kaiserin=AugustaViktoriaschule einzurichten— Dem seitens mehrerer Interessenten gestellten Antrage auf Abänderung der Fluchtlinien der Planstraße 460 bei der Stadtheiderstraße kann nicht entsprochen werden.— Die Schulbänke für die Mädchenmittelschule sollen demnächst in öffentlicher Ausschreibung verdungen werden. — Aus dem Betriebe der Firma Seydel& Co. Obgleich die Spinnereimaschinenfabrik von Seydel& Co. auch in der Zeit der Krise noch leidlich beschäftigt ist, mehren sich die Klagen der Arbeiter über die willkürlichsten Akkordabzüge und die unangemessene Behandlung durch die Vorgesetzten von Tag zu Tag. Akkordabzüge, die bis zu 30 Prozent der früher gezahlten Sätze betragen, sind gar nichts jettenes. Ihre Durchführung ist deswegen verhältnismäßig leicht, weil durch das eingeführte Kolonnen= und Vorarbeiteriystem die Arbeiter selbst nur einen geringen Einfluß auf die Preisfestsetzung haben. Auch die Lohnsätze sind äußrst gedrückte. Während im vergangenen Jahre der Einstellungslohn noch 35 Pfg. betrug, zahlt die Firma jetzt an Neueintretende nur einen Lohnsatz von 30, höchstens 32 Pfennigen. Das alles macht der Betriebsführer mit den Kolonnenfuhrern unl Meistern aus, eine Vereinbarung mit dem Arbeiter kennt man im Betriebe nicht. Es ist daher durchaus nicht verwunder ich, daß das Gönner= und Günstlingswesen im Betriebe in hoher Blüte steht. Der Drehermeister insbesondere hat für seine Freunde stets fertige Teile für die in Arbeit befindlichen Maschinen, während andere erst bitten und betteln müssen, ihre Sachen zu bekommen. Auch die Umgangsformen dieses Meisters sind nicht die besten und— böse Beispiele verderben gute Sitten— auch die Kolonnenführer haben zum Teil diese ublen Gewohnheiten angenommen. Diese ungleiche Behandlung führt naturgemäß dahin, daß die bevorzugten Leute nicht nur mehr verdienen, sondern bei der Fabrikleitung als die fleißigeren Arbeiter gelten, obgleich sie die schnellere Fertigstellung ihrer Arbeiten nur dem Umstande verdanken, daß sie auf Teile nicht zu warter brauchen. Auch Strafabzüge sind nichts seltenes. Daß sie gerecht getroffen werden, kann nicht behauptet werden. Die Respektspersonen(!) des Betriebes können noch so viele und kostspielige Teile zu„altem Eisen“ verarbeiten, das gelangt nicht zur Bestrafung, weil es nicht einmal zur Kenntnis der Fabriklitung kommt. Wenn aber ein Schlosserlehrling einmal einen Gewindeschneider zerbricht, dann wird der Betrag dafür in Abzug gebracht. Die Strafgelder sind bisher zur Unterstützung kranker und hilfsbedürftiger Arbeiter verwendet worden Der Arbeiterausschuß machte der Firma Vorschläge und nach diesen Vorschlägen wurde den Kranken von der Firma aus den Mitteln der Strafkasse ein Zuschuß zum Krankengelde gezahlt. Auch mit diesen Gepflogenheiten scheint die Firma aufräumen zu wollen, denn jüngst wurde einem Arbeiter, der schon drei Wochen krank daniederlag, der erbeiene Zuschuß nicht gezahlt, obgleich hlun krank daniederlag, der erbetene Zuschuß nicht gezahlt, obgleich der Arbeiterausschuß die Auszah###### beantragt hatte. Ueberhaupt scheinen erkrankte Arbeiter sich teiner besonderen Sympathie zu erfreuen. Es ist wiederholt vorgekommen, daß solche Arbeiter nach ihrer Genesung entlassen worden sind. Die Firma könnte aber noch sehr viel mehr tun um Erkrankungen vorzubeugen. In der Schleiferei bestehen keine Einrichtungen, um den Staub abzusaugen. Die Bereitstellung von warmem Wasser zur Kaffeebereitung an kalten Tagen wäre ein weiteres Mittel, was da zu nennen wäre. Freilich ist dazu eine genügende Heizung der Räume erforderlich, daß die Rohre nicht einfrieren. Wir hoffen, daß diese Ausführungen dazu beitragen werden, die Firma zur Abstellung der gröbsten Mißstände zu veranlassen, und die, die es angeht, zur Anwendung angemessener Umgangsformen anzuhalten. Sollten wir uns in dieser Hoffnung getauscht sehen, müßten wir schon deutlicher werden. — Zeutral=Varieté Julius Kaiser, Kaiser=Wilhelms=Platz. Von der Direktion wird uns geschrieben: Das hier mit so großer Beliebtheit ausgenommene 1. Rheinische Burlesken= und Damen=Ensemble„Apollo". Direktion Otto Wagener, Düsseldorf, gibt am Sonntag, 28. dieses Monats, seine Schluß= und Abschiedsvorstellung. Wir wollen nicht versäumen, an dieser Stelle auf die mit außerordentlicher Bravour ausgeführten Possen und Burlesken hinzuweisen. Wer nach des Tages Last und Mühe einige Stunden vergnügt verleben und aus dem Lachen nicht herauskommen will, der versäume nicht den Besuch des Zentral=Varietés. —K.-K. Was ist und was will der„Kosmos“? Trotz der weiten Verbreitung dieser nun schon 55000 Mitglieder zahlenden Gesellschaft scheint, nach vielfaltigen Anfragen zu schließen, immer noch in vielen Kreisen Unkenntnis über deren Ziele zu herrschen, weshalb eine kurze Nachricht darüber angebracht sein dürfte. Der„Kosmos“ ist eine freie Vereinigung von Naturfreunden mit dem Sitz in Stuttgart und bezweckt, durch seine Veröffentlichungen Verständnis für die Erscheinungen und Gesetze der Natur im Volke zu verbreiten, damit zu erhöhter kleiten. Die Lebensfreude und vernünftiger Lebensführung anzulei###. D Mitglieder erhalten für den sehr geringen Jahresbeitrag von nur 4,80 Mark eine reichhaltige Monatschrift mit 5 Beiblattern und 5 naturwissenschaftliche Werke hervorragender Gelehrter umsonst. Im Jahre 1909 erscheinen Werke von W. Bölsche, R. H. Francé, Prof. K. Sajé, Dr. M. Wilh. Meyer, Dr. K. Floericke. Außerdem werden ihnen noch mancher ei sonstige Vorteile geboten. Der Beitritt kann bei jeder Buchhandlung angemeldet werden, oder auch bei der Geschäftsstelle in Stuttgart, woselbst Prospekt und Satzung erhältlich sind. nahme wird am 1. April 1909 auf den deutschen Eisenbahnen durchgeführt werden. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Die heutige Vorstellung zu kleinen Preisen bringt das bistorische Lustspiel„Die Anna=Lise“. Morgen abend geht Ludwig Thomas überaus lustige Komödie„Moral“ in Szene. Montag gibt es„Die Journalisten“ von Gustav Freytag und am Dienstag wird Sudermanns Schauspiel„Das Glück im Winkel“ zum Benefiz des ersten Heldeg und Liebhabers Herrn Emil Landerer gegeben. Die überaus croße Beliebtheit des Künstlers dürfte ihm ein volles Haus sichern, zumal der Baron Röcknitz eine seiner allerbesten Rollen ist. —kfg. Zitronensaft oder Essig? In den letzten Jahren ist der früher allein zur Zubereitung von Speisen verwendete Essig mehr und mehr durch den Zitronensaft verdrängt. Das muß seine Gründe haben, und diese liegen zum Teil in den Verfälschungen, dann aber auch in der Möglichkeit der Verunreinigung des Essigs des Handels, sowie in der starken Reizwirkung auf die Verdauungsschleimhaute und in der Einigsucht bei krankhaften „Ws in der er.... Per„agung=schrrimraug und in der Gsndig, Zustanden. In der Hauptsache geschieht die Fabrikation des Essigs allgemein nach dem Verfahren der Schnellessigfabrikation unter Zusatz von 20 Prozent Essigsprit, d. h. von Branntweinessig. Je stärker der Essig ist, um so mehr Alkohol enthält er, was wohl beachtet werden muß. Die Essigsäure ist eine flüchtige Fettsaure, die aus der Oxydation von Alkohol entsteht und im Organismus zu Kohlensäure und Wasser verbrannt wird, wobei sie chemische Energie abgibt. Trotzdem darf der Essig nicht als Nahrungsmittel betrachtet werden, eb.nsowenig wie der Alkohol. D * Nr. 49. Der Entwurf eints Die festere Gliederung der weitere Fortschritte, das wir Statuten=Entwurf bestätigt. 1 zu gestalten, sind schon sehr fr die Organisation der Eiser war, verfugren die Lassalle sation, den allgemeinen deutse im Sommer 1874 wurde durch bruferen Staatsanwalt Tesse dieser Organisation verfügt. Berliner Filiale der Eisenache der Reaktion hatte aber den jeden Grund feindlichen Brüde und auf dem gemeinsamen Ko Mai 1875) die Einigung zusta Die neue Partei, die„E partei Deutschlands“, sation. die, als Kompromißo auf einer guten Grundlage au nisationsstatuts bestimmte, köni.:, der sich zu den Grund kennt und für die Förderung auch durch Geldopfer, Beiträge leistet, sollte nicht: werden. Diese Vereinigung löste b Hatz gegen die Sozialdemokra rung auf Verschärfung des A beim Reichstage noch keine und das Berliner Stadtgerich erforderlich. Am 30. Marz 1 in Preußen wegen angeblich gelost. Bald darauf wurde ein Partei unter der Bezeichnun stenkongreß" nach Gotha berufen. Durch die Schließu es unmöglich gemacht worden. Jahre vorher beschlossenen F Staatsanwalt Tessendorf hat preußische Vereinsgesetz exist staltete Organisation der Soz# den. Aus diesen Ursachen her greß auf die Wahl eines Vors Reichstagswahlen in Aussicht tral=Wahlkomitee(aus 5 Mit in Hamburg eingesetzt. Zur wurde nur noch eine Revision 7 Mitgliedern gewählt. Wenn die Reaktionäre geg merung der äußeren Organis aufhalten zu können, so wurd getauscht. Auf demselben war 38 254 Mitgliedern vertraten, der Partei belief sich für 14 10. August 1876) auf 58 763 A wendungen für örtliche Parte Summe einschätzte. Nach den erfolgreichen W Ende Mai 1877 in Gotha Sozialisten=Kongreß. nahm von einer formellen X vielmehr, daß er mit Rücksich hörden förmlich proklamierte Vereine in Preußen von der! tion Abstand nimmt, und es Orte überlasse, sich je nach de dürfnissen zu organisieren. * Schließung der Partei in Ba er aromatische Geruch Dieselben gesetztlichen Best Partei vor dem Sozialisteng standen auch noch nach diesem klärlich, daß auch auf dem P tober 1890 von der Schaffun tion keine Rede sein konnte. tretens politischer Vereine m allein schon unmöglich. Es w die Parteiorganisation wieder aufzubauen. Das Vertrauer und die Parteiangelegenheite versammlungen erledigt werd tion konnten wohl in den ei Vereine gegründet werden, leitung in keiner Verbindung nicht Mitglied des Vereinsvo verschaft sein. Nachdem dann 1900 das V tretens politischer Vereine der festeren Gliederung der den Vordergrund, und der nahm eine Aenderung der X das Vertrauensmännersystem Vertrauensmann durfte in werden und auch Vorsitzendschlossen sich dann die einzel zu Kreisorganisationen mit einzelnen Wahlkreise selbst wi Parteitagen zusammen, um ü die Verbreitung des gemeinse pflegen. Diesem Entwicklung in Jena 1905 Rechnung g Organisation für jeden Reic tische Kreisverein erklärt. sich dann weiter die Bezirks men; letzteren wurde auch die überlassen. Es würde zu weit führen, die Kreisorganisat: und die Bezirksorgan Erwähnen wollen wir aber Provinz Westfalen einen Agi auf die Reichstagswahl om zwecks planmäßiger Agitatio lichen, mit dem Vorort Dort Vorort Bielefeld, eingeteilt, Lippe angegliedert. Zwei§ 1893, eine in Rheda für die rungsbezirks Minden und die Wahlkreise des neugeschaffen tral=Wahlkomitee, fur diesen Konferenz einzuberufen, um und die lippischen Fü für die Organisation und A legende Provinzial=Parteit Bielefeld statt. See„„ Nr. 49. Bielefeld, Sonnabend, 27. Februar 1909. 20. Jahrg. Der Entwurf eines neuen OrganisationsStatats dir Purkrk. Die festere Gliederung der Parteiorganisation macht immer weitere Fortschritte, das wird auch wieder durch den neuen Statuten=Entwurf bestätigt. Versuche, das Parteigebilde fester zu gestalten, sind schon sehr früh unternommen worden. Wähdie Organisation der Eisenacher ziemlich dezentralisiert war, verfugren die Lassalleaner über eine festere Organisation, den allgemeinen deutschen Arbeiterverein, aber bereits im Sommer 1874 wurde durch den von Magdeburg nach Berlin bruferen Staatsanwalt Tessendorf die vorläufige Schließung dieser Organisation verfügt. Dasselbe geschah auch mit der Berliner Filiale der Eisenacher Partei. Das brutale Vorgehen der Reaktion hatte aber den erfreulichen Erfolg, daß die ohne jeden Grund feindlichen Brüder einander nähergebracht wurden und auf dem gemeinsamen Kongreß in Gotha(vom 22. bis 27. Mai 1875) die Einigung zustande kam... Die neue Partei, die„Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“, gab sich auch sofort eine Organijation. die, als Kompromißorganisation betrachtet, immerhin auf einer guten Grundlage aufgebaut war. Der§ 1 des Organisationsstatuts bestimmte, daß der Partei jeder angehören köni.=, der sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt und für die Förderung der Arbeiterinteressen tatkräftig, auch durch Geldopfer, eintritt. Wer drei Monate keine Beiträge leistet, sollte nicht mehr als Parteigenosse betrachtet werden. J. Lr 9.n eiu tfg# Diese Vereinigung löste bei der Reaktion eine verschärfte Hatz gegen die Sozialdemokratie aus. Ein Antrag der Regierung auf Verschärfung des Aufreizungsparagraphen fand zwar beim Reichstage noch keine Gegenliebe, für einen Tessendorf und das Berliner Stadtgericht war eine solche auch gar nicht erforderlich. Am 30. März 1876 wurde die neue Organisation in Preußen wegen angeblicher„Zweigvereinsbildung“ aufgelöst. Bald darauf wurde ein zweiter Kongreß der vereinigten Partei unter der Bezeichnung„allgemeiner Sozialistenkongreß" nach Gotha(19. bis 23. August 1876) einberufen. Durch die Schließung der Partei für Preußen war es unmöglich gemacht worden, die Organisation in der erst im Jahre vorher beschlossenen Form weiter zu handhaben. Der Staatsanwalt Tessendorf hatte auch noch erklärt, solange das preußische Vereinsgesetz existiere, dürfe keine wie immer gestaltete Organisation der Sozialisten in Preußen geduldet werden. Aus diesen Ursachen heraus wurde auf dem zweiten Kongreß auf die Wahl eines Vorstandes verzichtet, es wurde, da die Reichstagswahlen in Aussicht standen, nur ein ständiges Zentral=Wahlkomitee(aus 5 Mitgliedern bestehend) mit dem Sitze in Hamburg eingesetzt. Zur Kontrolle dieser Zentralbehörde wurde nur noch eine Revisions- und Beschwerdekommission von 7 Mitgliedern gewählt. Wenn die Reaktionäre geglaubt hatten, durch die Zertrümmerung der äußeren Organisation die Entwicklung der Partei aufhalten zu können, so wurden sie durch diesen Kongreß bitter getäuscht.„Auf demselben waren 98 Delegierte, die 291 Orte mit 38 254 Mitgliedern vertraten, anwesend. Die Gesamteinnahme der Partei belief sich für 14 Monate(vom 8. Juni 1875 bis 10. August 1876) auf 58 763 Mark. Dazu kamen noch die Aufwendungen für örtliche Parteizwecke, die Auer auf die dreifache Summe einschätzte. Nach den erfolgreichen Wahlen von 1877 trat die Partei Ende Mai 1877 in Gotha wieder zu einem allgemeinen Sozialisten=Kongreß zusammen. Auch dieser Kongreß nahm von einer formellen Organisation Abstand, er erklärte vielmehr, daß er mit Rücksicht auf die von den preußischen Behörden förmlich proklamierte völlige Rechtlosigkeit sozialistischer Vereine in Preußen von der Herstellung irgend einer Organisation Abstand nimmt, und es den Parteigenossen der einzelnen Orte überlasse, sich je nach den örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen zu organisieren. Außer in Preußen war auch die Schließung der Partei in Bayern und Sachsen verfügt worden. Dieselben gesetllichen Bestimmungen, auf Grund deren die Partei vor dem Sozialistengesetz aufgelöst werden konnte, bestanden auch noch nach diesem Gesetz. So ist es denn auch erklärlich, daß auch auf dem Parteitage in Halle im Oktober 1890 von der Schaffung einer festgegliederten Organisation keine Rede sein konnte. Das Verbot des Inverbindungtretens politischer Vereine machte eine feste Organisationsform allein schon unmöglich. Es wurde deshalb der Ausweg gewählt, die Parteiorganisation wieder auf der losen Parteimitgliedschaft aufzubauen. Das Vertrauensmännersystem wurde eingeführt und die Parteiangelegenheiten mußten in öffentlichen Parteiversammlungen eriedigt werden. Neben dieser losen Organisation konnten wohl in den einzelnen Orten sozialdemokratische Vereine gegründet werden, sie standen aber mit der Parteileitung in keiner Verbindung, der Vertrauensmann durfte auch nicht Mitglied des Vereinsvorstandes oder einer sonstigen Körverschaft sein, 1000 Nachdem dann 1900 das Verbot des Inverbindungtretens politischer Vereine gefallen war, trat die Frage der festeren Gliederung der Parteiorganisation immer mehr in den Vordergrund, und der Mainzer Parteitag(1900) nahm eine Aenderung der Organisation vor dahingehend, daß das Vertrauensmännersystem zwar beibehalten wurde, aber der Vertrauensmann durfte in der Vereinsversammlung gewählt werden und auch Vorsitzender des Vereins sein. Allmählich schlossen sich dann die einzelnen Sozialdemokratischen Vereine pflegen. Diesem Entwicklungsgange wurde auf dem Parteitage in Jena 1905 Rechnung getragen und als Grundlage der Organisation für jeden Reichstagswahlkreis der sozialdemokratische Kreisverein erklärt. Aus den Kreisorganisationen setzte sich dann weiter die Bezirks= bezw Landesorganisation zusammen; letzteren wurde auch die Festsetzung der Mitgliederbeiträge überlassen., 475—2 Egften Eir un4 Es würde zu weit jurren, wollten wir noch schildern, wie sich die Kreisorganisationen in unserem Bezirk und die Bezirksorganisation selbst entwickelt haben. Erwähnen wollen wir aber doch, daß bis zum Jahre 1893 die Provinz Westfalen einen Agitationsbezirk bildete. Im Hinblick auf die Reichstagswahl om 15. Juni 1893 wurde die Provinz zwecks planmäßiger Agitation in zwei Bezirke, in einen westlichen, mit dem Vorort Dortmund, und einen östlichen, mit dem Vorort Bielefeld, eingeteilt, letzterem wurden auch die beiden Lippe angegliedert. Zwei Konferenzen am 21. und 22. Mai 1893, eine in Rheda für die westlichen Wahlkreise des Regierungsbezirks Minden und die andere in Herford für die übrigen Wahlkreise des neugeschaffenen Bezirks beauftragten das Zentral=Wahlkomitee, für diesen Bezirk zu gegebener Zeit eine Konferenz einzuberufen, um für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer bestimmte Normen für die Organisation und Agitation festzulegen. Dieser grundlegende Provinzial=Parteitag fand am 14. Januar 1894 in Bielefeld statt. schlechteru#g mit sich gebracht. Immerhin war es nunmehr möglich, die Parteiorganisation noch straffer zu gestalten. Nunmehr konnten auch die übrigen Wahtkreise, unseres Bezirks, soweit überhaupt eine nennenswerte Anzahl von Parteigenossen Schon vorher war in Minden=Lübbecke an die Stelle des Kreisvertrauensmannes ein Kreis=Agitationskomitee gesetzt worden. In den industriell fortgeschritteneren Kreisen wurde bald in derselben Weise verfahren. Mit der Aufhebung des Verbots des Inverbindungtretens politischer Vereine wurde wohl der Verkehr mit den einzelnen Sozialdemokratischen Vereinen des Wahlkreises ein engerer, aber die Wahl der Delegierten zu den Kreiskonferenzen erfolgte nach wie vor in Rücksicht auf Organisation und Agitation auf Grund der in einem Orte bei der Reichstagswahl abgegebenen sozialdemokratischen Stimmen. Es sollte damit auch den Genossen, für die eine politische Organisation noch nicht möglich war, die Möglichkeit, an den Beratungen über das Wohl und Wehe der Portei teilzunehmen, nicht genommen werden. Erst nachdem der Jenaer Parteitag die Kreisorganisation als Grundlage der Organisation für den Reichstagswahlkreis festgelegt hatte, wurde auch hier sofort dem entsprochen. Schon am 29. Oktober 1905 wurde für Bielefeld=Wiedenbrück ein Sozialdemokratischer Verein mit Ortsvereinen geschaffen. Die Wahlkreise Herford=Halle, Minden=Lübbecke und Lippe folgten bald darauf. Die Genossen von Schaumburg- Lippe konnten aus vereinsgesetzlichen Gründen keine feste politische Organisation erstehen lassen, und die Genossen der übrigen Wahlkreise des Bezirks aus wirtschaftlichen Gründen nicht, da ja die Verpflichtung der polizeilichen Anmeldung der Mitglieder politischer Vereine noch immer bestand. Aber auch diese und andere reaktionärem Geist entspringende Bestimmungen mußten fallen— nicht aus Liebe zu den freiheitlich gesinnten politischen Organisationen—, sondern weil sie in die heutige Welt, in unser ganzes Wirtschafts- und Verkehrsleben nicht mehr hineinpaßten und selbst für die bürgerlichen Parteien ein Hindernis bildeten. Das Reichsvereinsgesetz kennt weder eine Anmeldepflicht der Mitglieder politischer Vereine, noch die Verpflichtung der Auskunftserteilung über dieselben an die Behörden. Dafür hat das Gesetz, worauf sich ja der Block soviel zugute tut, bekanntlich manche Verschlechterung„mit sich gebracht. Immerhin war es, nunmehr möglich. mehr weit überhaupt eine nennenswerte Anzahl von Parteigenosse in Frage kam, an die Errichtung von Kreisorganisationen herantreten. In bezug auf die Genossinnen, die nunmehr ebenfalls der politischen Organisation als Mitglieder angehören dürfen, sind bereits auf dem Nürnberger Parteitage Bestimmungen getroffen worden, denen in den neuen Statuten unserer Kreisorganisation fast überall entsprochen worden ist. Diese Bestimmungen sind auch in den neuen Statutenentwurf übernommen worden; sie beziehen sich darauf; daß Organisationen, denen weibliche Mitglieder angehören, diesen eine Vertretung im Vorstande gewähren müssen. Damit kommen wir zu dem neuen Statuten=Entwurf selbst. Mit der festeren Giederung der Parteiorganisation mußten selbstverständlich auch die Bestimmungen über die Parteizugehörigkeit immer enger umgrenzt werden. Während noch das Organisationsstatut von Halle(1890) nur ausspricht und unter den gegebenen Verhältnissen ja auch nur aussprechen konnte daß als zur Partei gehörig jede Person betrachtet wird, die sich zu den Grundsätzen des Parteiprogramms bekennt und die Partei„nach Kräften unterstützt“, wurde in Mainz 1900] die Parteizugehörigkeit mit von der„dauernden Unterstützung der Partei durch Geldmittel“ abhängig gemacht, was der Zahlung regelmäßiger Beiträge gleichkam, und der Entwurf für das neue Organisationsstatut macht die Parteizugehörigkeit neben der Anerkennung der Grundsätze des Parteiprogramms von der Mitgliedschaft zur Parteiorganisation abhängig. Eine Forderung, der, nachdem die Verpflichtung zur polizeilichen Anmeldung der Mitglieder gefallen ist, einfach zuzustimmen ist. Denn die Befürchtung, wegen der Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei wirtschaftlich geschädigt werden zu können. kann jetzt niemand begründet hegen. Eine Neuerung ist die Festsetzung eines monatlichen Mindestbeitrages für die Gesamtpartei, und zwar für männliche Mitglieder auf 30 Pfg. und für weibliche Mitglieder auf 20 Pfg., wofür den letzteren die„Gleichheit“ unentgeltlich zu liefern ist. Ohne Zweifel sind die Aufgaben, welche die Partei insgesamt wie die Kreisorganisationen im besonderen zu erfüllen haben, immer größere geworden. Mit der Ausdehnung der Partei wachsen zunächst noch die Kosten für Agitation, für die Ausbildung der Genossen, Bibliotheken, Vorträge usw., für Erziehung und Bildung der Jugend und für den Ausbau der Organisation(Einrichtung von Ortsgruppen, Entschädigung an Bezirkskassierer, Beamte usw.), so daß es für Kreise mit allzu niedrigen Beiträgen unmöglich ist, die für die Vertiefung unserer Bewegung und für die allgemeine Aufklärungs= und Agitationsarbeit so notwendigen Aufgaben zu erfüllen. Mit der Einführung eines Mindestbeitrages für die Gesamtpartei wird aber auch eine größere Gleichmäßigkeit in der Beitragsleistung erzielt, deshalb ist die Regelung der Beitragsfrage auf dieser Grundlage zu begrüßen. So könnte man sich auch mit der Festsetzung eines Minimalbeitrages von 30 Pfg. ohne weiteres einverstanden erklären, wenn die ländlichen Wahlkreise keine allzu große Einbuße an Mitgliedern zu befürchten haben. Immerhin muß daran festgehalten werden, daß, wenn eine Organisation leistungsfähig sein soll, sie auch über die nötigen Mittel verfügen muß. Die größere Mitgliederzahl, die ja auch bei einem geringeren Beitrage höhere Einnahmen bringen würde, kann aber in der Regel auch erst wieder durch intensivere Agitation, die eben größere Geldmittel erfordert, erzielt werden. Uebrigens wird auch in zwei ländlichen Wahlkreisen unseres Bezirks bereits ein Beitrag von 30 Pfg. monatlich bezahlt, und was hier möglich ist, sollte es auch in anderen Wahlkreisen sein. Wesentlich anders liegt es mit dem Mindestbeitrag für die weiblichen Mitglieder: 20 Pfennige monatlicher Beitrag nebst unentgeltlicher Lieferung der„Gleichheit“ sind im Entwurf vorgesehen. Warum dieser individuelle Zwang für unsere weibichen Mitglieder innerhalb einer einheitlichen Organisation? Daß wir für die weiblichen Mitglieder niedrigere Beiträge wie für die Männer haben müssen, ist selbstverständlich, trifft ja doch die Beitragsleistung zur Partei in den meisten Fällen erwerbslose weibliche Mitglieder Aus diesem Gesichtspunkte heraus sind auch allgemein für die weiblichen Mitglieder niedrigere Beiträge eingeführt worden. In einigen Wahlkreisen ist ja nun woh! die Einrichtung getroffen, daß mit dem Beitrag zur Partei für die weiblichen. Mitglieder auch die freie Lieferung der„Gleichheit" verbunden wurde. Dabei hat aber auch das eine wichtige Moment, daß die„Gleichheit“ in einer Anzahl von Gewerkschaften den weiblichen Mitgliedern unentgeltlich geliefert wird, Berücksichtigung gesunden dadurch, daß diese der politischen Organisation angehörenden Genossinnen nur den einfachen, für die weibl. Mitglieder festgesetzten Beitrag zu zahlen brauchten. Auf diese Umstände wird aber im Statuten=Entwurf keine Rücksicht genommen. Ferner kommt hinzu, daß durch die vorgeschlagene Bestimmung den weiblichen Mitgliedern eine besondere Verpflichtung, mag sie in vuncto Aufklärung noch so gut gemeint sein, auferlegt wird. Vor allen Dingen darf in einer Sache, bei der die jeweiligen örtlichen Verhäftnisse mitsprechen, nicht verallgemeinert werden. Ueberlassen wir lieber die Agitation für die„Gleichheit" jeder einzelnen Kreisorganisation, und setzen wir den Mindestbeitrag für die weiblichen Mitglieder ohne irgendwelches Drum und Dran auf 10 Pfg. monatlich fest. Das ist dann der politischen Organisierung der Frauen und Mädchen und auch der Aufklärung förderlicher. Denn in den parteigenössischen Familien, wo die wirtschaftlichen Verhältnisse genügend Muße zum Lesen der„Gleichheit“ und das erforderliche Geld erübrigen lassen, findet sie auch so Eingang. Wir dürfen doch auch nicht der Genossin, die vielleicht Genüge am Parteiorgan des Ortes findet, oder die tatsächlich keine Zeit zum Lesen übrig hat, oder die Rücksicht auf den Geldbeutel nehmen muß, welche aber trotz alledem Genossin ist, den Eintritt in die sozialdemokratische Organisation erschweren. Das Geschäftsjahr für alle Parteiorganisationen ist vom 1. Juli bis 30. Juni festgelegt worden, und bis zum 15. Juli sollen die Vorsitzenden der Kreisvereine dem Parteivorstande Bericht erstattet haben. Die präzise Durchführung dieser Bestimmung halten wir für unmöglich. Wenn schon nach einem bestimmten Zeitpunkt über den Stand der Kreisorganisation genau Bericht gegeben werden soll, dann müssen auch den Kreisleitungen die Unterlagen dafür zur Hand sein. Dafür ist aber der Zeitraum von 14 Tagen zu kurz bemessen, sowohl für Kreisvereine mit vielen, wie mit wenigen Ortsvereinen; hier das räumliche, dort das massige Verhältnis. Es müßte bei einem so kurzen Zeitraum schon vorausgesetzt werden, daß die Beitragszahlung in den Ortsvereinen möglichst früh vor Quartalsschluß ihre vollständige Erledigung gefunden hat. Wir halten ein Geschäftsjahr vom 1. April bis 31. März, wie es Genosse Dittmann vorgeschlagen hat(siehe„Neue Zeit" vom 18. Dezember) für praktischer. Es würde dann tatsächlich ein vollständigeres Material zusammengetragen werden können. Die Vorschläge für die Beschickung des Parteitages nach der Zahl der Mitglieder der Kreisorganisationen, sowie die weiteren Bestimmungen betreffend den Ausschluß aus der Partei und die Wiederaufnahme in dieselbe sind zu akzeptieren. Desgleichen alle übrigen Aenderungen, die im wesentlichen nur geschäftlichen Charakter tragen. In bezug auf das Ausschluß= und Wiederaufnahmeverfahren sind dahingehend Aenderungen getroffen worden, daß nicht wie bisher ein Schiedsgericht über die Zugehörigkeit zur Partei entscheidet, sondern in erster Linie der Vorstand der zuständigen Bezirks= bezw. Landesorganisation. Gegen die Entscheidung dieser Körperschaft ist innerhalb vier Wochen der Antrag auf Einsetzung eines Schiedsgerichts zulässig. Gegen die Entscheidung des Schiedsgerichts steht den Beteiligten die Berufung an den nächsten Parteitag zu. Abgesehen von den monierten Punkten dürfte der StatutenEntwurf uns alles das bringen, was für die organisatorische Festigung der Partei heute erforderlich ist. Die Kritik der Parteiorgane und Parteiinstanzen wird uns jedenfalls noch Geegenheit geben, auf die eine oder andere Frage zurückzukommen. Auf alle Fälle ist es notwendig, daß die Parteigenossen auf den Werdegang der Parteiorganisation ihr Augenmerk lenken. Die Kenntnis ihres Wesens und ihres Aufbaues erleichtert unsere ganze Agitationsarbeit. A. 2. und Verkehr. Koks= und Kohlenberge im Ruhrrevier. Ueber das Anwachsen der Brennmaterialienvorräte im Ruhrrevier berichtet die„Köln. Volksztg.“:„Das Anwachsen der Kohlen= und Koksvorräte. Wenn man heute das niederrheinisch=westfälische Kohlengebiet von Osten nach Westen durchwandert, so muß man über die ungeheuren Vorräte von Kohlen und Koks staunen, welche auf den Zechen und sonstigen Lagerplätzer' aufgestapelt worden sind. Schon im Dortmunder Stadthafen erblickt man einen großen, weit sichtbaren Berg von Koks, den das rheinisch=westfälische Kohlensyndikat dort abgelagert hat. Setzt man von hier aus seine Reise nach Westen fort, so stößt man fast auf allen Zechen bei Marten, Lürgendortmund, Merklinde, Castrop, Langendreer, Bochum, Herne, Recklinghausen, Gelsenkirchen, Kray, Altenessen, Borbeck und Oberhausen auf ungewöhnlich große Haldenbestände von Kohlen und Koks. Zum großen Teil lagern dieselben nun schon seit der Mitte des Monats Dezember vorigen Jahres, und auch heute ist, trotz der starken Einschränkung der Förderung. nur wenig Aussicht vorhanden, daß sie bald wieder abnehmen oder gar verschwinden werden, da der Absatz sich noch fortwährend im Rückgang befindet, und auch die Händler noch über große Vorräte an Brennstoffen verfügen. Der Wert der vom Syndikat und den Zechen aufgestapelten Kohlen= und Koksmengen dürfte sich auf viele Millionen Mark belaufen. Jedenfalls hat man nie zuvor so große Lagerbestände im Kohlenbezirk gesehen. Diese angehäuften, einstweilen nutzlos daliegenden, wertvollen Brennstoffe verlieren durch das lange Lagern auch noch fortwährend an Güte und damit zugleich an Wert, weil sie dem Einfluß der Witterung schutzlos preisgegeben sind. Daß unter diesen Verhältnissen die Erträgnisse der Kohlenwerke zurückgehen müssen, ist zu natürlich, als daß es noch eines besonderen Beweises bedürfte. Auf alle Fälle aber gehen wir angesichts der sehr mißlichen Lage des gesamten Montangewerbes im Ruhrbezirk einer ernsten Zeit entgegen, wenn nicht bald entschiedener Umschwung zum Besseren eintreten wird, zumal da auch andere Gewerbe, namentlich aber die Arbeiterbevölkerung, stark in Mitleidenschaft gezogen werden.“— Mit der Marktregelung durch das Syndikat ist es nichts. Wer vorurteilslos die Verhältnisse prüft, kann sich nicht der Ansicht verschließen, daß die Syndikatspolitik die Schwierigkeiten am Wirtschaftsmarkt verschärft. Ki. Feudale Kohlenhändler. Gegen Schluß des Vorjahres ist durch das Finanzinstitut der Fürsten Hohenlohe und Fürstenberg die Wuiff u. Co. Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Berlin gegründet worden. Als Zweck des Unternehmens wurde angegeben die Herstellung von Briketts und Koks, sowie deren Nebenprodukte, der An- und Verkauf sowie die Bearbeitung von Kohlen, der Erwerb von Kohlenbergwerken und Immobilien, sowie die Beteiligung an Unternehmungen, die mit diesen Geschäftszwecken in Zusammenhang stehen. Bei der Erwähnung dieser Gründung bemerkten wir damals, daß sie dadurch besonders bemerkenswert ist, daß sie die Vereinigung schlesischer und rheinisch= westfälischer Kohleninteressenten herbeiführt. Neben dem Vertreter des Fürsten Fürstenberg ist auch das Kohlensyndikat durch einen seiner Direktoren in der Verwaltung vertreten, ferner stellt die Kohlenfirma Wulff u. Co. ein Aufsichtsratsmitglied. Das Stammkapital wurde bei der Gründung auf 100000 Mark festgesetzt, es war natürlich, daß mit der Aufnahme der Tätigkeit entsprechende Kapitalserhöhungen folgen Gesellschaft vorläufig den Verkauf von westfälischen und schlesischen Kohlen und Braunkohlenbriketts betreiben. Mit Kleinigkeiten wird dieses Unternehmen, wie zu erwarten war, sich nicht abgeben, mit Eile schreitet es zur Aufnahme Berliner Kohlenhandelsfirmen. Zunächst soll die Gesellschaft nach einer Meldung des„Berliner Tageblattes“ geplant haben, die Berliner Firma Louis Schulze, G. m. b. H., käuflich zu erwerben und zu diesem Zwecke das Kapital um weitere 3 Millionen Mark zu erhöhen. Eine Einigung mit der Firma Schulze wurde nicht erzielt, es schweben mit anderen Kohlenfirmen Aufnahmeverhandlungen. Vom Kalibergbau.„Die im Besitze des Herrn Hofprediger a. D. Stöcker befindlichen Kalipapiere sind in den vier Jahren 1900—04 um rund 1100 Prozent gestiegen.“ So las man in einem während des jüngsten Wahlkampfes im Siegerlande von nationalliberaler Seite herausgegebenen Flugblatt. Die Kali spekulationen des seligen Stöcker charakterisieren die Situation Kalibergbau. im deutschen„ultergrun. Der deutsche Kalibergbau macht jetzt trotz oder vielmehr wegen seiner Monopolsteuung in der Welt eine schwere Krise durch. Wahllos sind in den letzten Jahren neue Kalifelder erschlossen, Bohrgesellschaften gegründet, Berggewerkschaften geschaffen worden. Das jetzt vor seinem Ende stehende Kalisyndikat hat stets mit inneren Kämpfen zu tun gehabt. Ununterbrochen gab es Stürme von neugeborenen Außenseitern gegen die Syndikatsmauern, gegen die festgelegten Preise und Qualitäten. So ist's jahrlang gewesen, und es ist jetzt, wo das Ende bevorsteht, noch bedeutend schlimmer. . Gerade an der Kaliindustrie, der Industrie dieses für die Landwirtschaft der Welt imner wichtiger und unentbehrlicher werdenden Düngemittels, läßt sich deutlich die tolle Gegenwartspolitik erkennen, die die schrankenlose Ausbeutung nationaler Bodenschätze, den Raubbau großer Kulturwerte runig geschehen G5 Auch der Patriotismus der Profitmacher erscheint in diesen Kämpfen in schönster Beleuchtung. Stöcker kaufte Anteile einer Bohrgesellschaft für 120 Mk. das Stück und verkaufte sie nach vier Jahren für 1200—1300 Mk. Jetzt ist der Preis dieser Anteile wieder bedeutend gesunken. Als kürzlich bekannt wurde, daß die American Agrikultura Chemikal Company, die mit der Virginia Chemikal Co. bald zwei Drittel des amerikanischen Kunstdüngergeschäfts beherrscht, sich im deutschen Kalibergbau beteiligen wollte, um so von den deutschen Syndikatspreisen unabhängiger zu werden, und an der Bergbaugesellschaft Teutonia starkes Interesse zeige, kam es zu einem Massenangebot von Kalifeldern, Kaliberggesellschaften und Kaligewerkschaften an amerikanische Interessenten! Die Profitlüsternen bleiben darum natürlich doch gute Patrioten, die bei der nächstbesten Gelegenheit über die vaterlandslosen Sozialdemokraten schimpfen und toben, weil diese das liebe deutsche Vaterland zugunsten d### Auslandes schädigen. Militärisches. Soldatenmißhandlungen. Vom Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg wurde am Mittwoch der Sergeant Kirchner von der 7. Kompagnie des 27. Inf.=Reg. in Halberstadt wegen Mißhandlung von Untergebenen in 24 Fällen und vorschriftswidriger Behandlung in 26 Fällen zu sechs Wochen Mittelarrest verurteilt. Die Verhandlung fand wegen„Gefährdung militärischer Interessen" unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. In der öffentlich erfolgten Begründung des Urteils heißt es, daß der Angeklagte besonders in der Instruktionsstunde die ihm unterstellten Soldaten gestoßen, getreten und mit dem Seitengewehr geschlagen habe, so daß manchmal infolge der Mißhandlungen Blut floß.— An Kaisers Geburtstag ließ er die Soldaten den ganzen Tag Betten bauen und brachte sie so um einen freien Tag. Dem Angeklagten seine Vorgesetztencharge zu nehmen, lehnte das Gericht ab. Dazu läge kein Grund vor.(!) Der Hauptmann hatte dem Herrn Soldatenschinder das beste Zeugnis ausgestellt. Literarisches. 15. Jahrganges erscheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir Mar Schippel: England, Deutschland und N hervor: Mar Schip.g. Englaut,„Deutschignt und Arbeiterparteien.— Edward Reynolds Pease: Die Konsondierung der englischen Arbeiterpartei.— Paul Kampffmeyer: Produktions= verhältnisse und Produktionskräfte.— Dr. Max Maurenbrecher: Die Bedeutung des Klassengegensatzes für den israelitischen Monotheismus.— Friedrich Kleeis: Die geplante Fürsorge für die Witwen und Waisen.— Maxim Anin: Probleme des jüdischen Arbeiterlebens.— Elisabeth Siewert: Van Braakel. — Hermann Mattutat: Die Volksschulreform in Württemberg. — Politik von M. Schippel.— Wirtschaft von R. Calwer.— Gewerkschaftsbewegung von E. Deinhardt.— Geistige Bewegung von Dr. W. Hausenstein— Philosophie von Professor Dr. F. Staudinger.— Naturwissenschaften von Dr. B. Borchardt.— Bühnenkunst von R. Kurtz.— Verkehr von F. Linke. — Neuerscheinungen.— Der Preis des Heftes beträgt 50 Pfg., pro Quartal(6—7 Hefte) 3 Mk. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, bei allen Kolporteuren, auf jeder Postanstalt, in den Kiosken, sowie direkt vom„Verlag der Sozialistischen Monatshefte“, Potsdamer Straße 121h, Berlin W. 35(Zusendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Kuvert). Probehefte stehen auf Verlangen jederzeit kostenfrei zur Verfügung. Hermischtes. Streikende Kolonialschüler. In der staatlich subventionierten Kolonialschule Witzenhausen ist ein Schülerstreik ausgebrochen. Die Schüler erklären, nicht eher wieder zurückzukehren, bis ein von der Schule verwiesener Schüler wieder zurückkehren dürfe. Für Donnerstag abend hatten die Streiklustigen eine Straßendemonstration— unter Mitwirkung der Stadtkapelle— geplant. Von der Luftschiffahrt. Friedrichshafen, 25. Febr. Von der chemischen Fabrik Griesheim sind, wie der„Seebote“ Unserm Kollegen Heinrich Düker zu seinem am 27. Februar 1909 stattfindenden 25 jährigen Arbeitsjubiläum die Herzi tiachwunische! F escher Teheling * KA Todes=Anzeige. Am Donnerstag, den 25. Februar, nachmittags 3½ Uhr, starb plötzlich und unerwartet mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der Arbeiter(1196° Karl Kastrup im Alter von 58 Jahren.— Dies zeigen tiefbetrübt an mit der Bitte um stille Teilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, 1. März, nachmittags 2½2 Uhr, vom Trauerhause, Quelle Nr. 10, aus statt berichtet, zwei Waggons mit Wasserstoffgas in der Reichsballonhalle in Manzell eingetroffen, was mit Sicherheit auf eine baldige Fahrt des„Zeppelin I“ schließen läßt. Das Luftschiff soll dann in der an die Firma Stromeyer in Konstanz in Auftrag gegehenen neuen Feldhalle sein provisorisches Domizil erhalten. Die Ueberführung des Luftschiffes nach Metz kann erst nach gründlicher Ausbildung der militärischen Mannschaft erfolgen.„Zeppelin I“ muß möglichst bald auch der Reichsrallonhalle in Manzell entfernt werden, damit„Zeppelin II“ vollendet werden kann. Anderenfalls würde in den Arbeiten eine Stockung eintreten. Selbstmord zweier Soldaten. Merseburg, 25. Februar. Hier erschossen sich kurz hintereinander der Unteroffizier Blume und der Füsilier Pelz vom 36. Infanterieregiment. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Unglücksfall. Miesbach, 25. Febr. Bei den Bachaushebungsarbeiten der Leitzach wurden sechs Arbeiter durch eine 30 Zentner schwere Wasserpumpe in einen Sammelschaft gerissen. Hierbei wurden zwei Arbeiter schwer verletzt, während die übrigen leichtere Verwundungen davontrugen. Einer der Schwerverletzten ist heute gestorben. Personen wurden getötet. Die Detonation erfolgte Donnerstag, abends 11 Uhr, und war weithin hörbar. Böse Fastnachtsscherze. Frankfurt a. M., 25. Febr. Die Polizei beschäftigt sich gegenwärtig mit Ermittelungen über groben Unfug am Faschingsdienstag. Viele Anzeigen sind eingelaufen, namentlich über rohes Benehmen Maskierter gegen Frauen und Mädchen. Einen besonders bösen Faschingsscherz leisteten sich in Bornheim einige Burschen, die einem Festgenossen Lysol ins Bier gossen. Der Mann wurde nach dem Hospital gebracht und am anderen Morgen wieder entlassen. Er machte dann die Entdeckung, daß ihm von den Tätern sein Portemonnaie mit 350 Mk. Inhalt und die goldene Uhr gestohlen worden war. Erpressungsversuch. Frankfurt a. M., 26. Febr. Der Besitzer eines Gasthofes in der Kaiserstraße erhielt einen anoDer Aufschlitzer von Berlin. Berlin, 26. Februar. Heute vormittag wurde eine Tame in der Ziegelstr., Ecke Friedrichstraße, oon einem Manne angesalten und mit dem Messer gestochen. Glücklicherweise drang der Stich durch die Kleidung nicht durch, so daß die Dame mit dem bloßen Schrecken davonkam. Der Täter flüchtete in ein Haus der Ziegelstraße, wo er von Passanten ergriffen und von einem Schutzmann nach der Revierwache 6 in der Johannstraße gebracht wurde. Berlin, 26. Februar. Unter dem Verdacht, Messerstechereien verübt zu haben, wurde gestern der 23 Jahre alte „Agent“ Friedrich Schröder in Groß=Lichterfelde verhaftet. Er ist bereits mehrfach vorbestraft. Der Verhaftete soll heute den überfallenen und angestochenen Frauen gegenübergestellt werden. Selbstmord. Berlin, 26. Febr. In einer Badeanstalt erschossen hat sich gestern nachmittag um 5 Uhr das 26 Jahre alte Fräulein Marie Fischer, Tochter eines Rittergutsbesitzers aus der Niederlausitz. Seit zwei Monaten war sie von Hause fort, weil sie mit dem Vater in heftige Zwistigkeiten geraten war. Grubenunfall. Beuthen(Oberschl.), 26. Febr. Auf der „Ferdinandgrube“ stürzten Kohlenmassen ein. Ein Häuer war sofort tot. Mehrere andere Vergleute wurden verletzt. Brillantendiebstahl. München, 26. Febr. Aus einem hiesigen Hotel wurden einer hier zu Besuch weilenden österreichischen Brillanten im Werte von 15000 9 nymen Brief, in dem er unter Bedrohung mit Anzeige wegen Vergehens gegen§ 175 Str.=G.=B. aufgefordert wurde, einen Geldbetrag in einem postlagernden Briefe nach Hanau zu senden. Der Gasthofbesitzer zeigte die Sache an und der Hanauer Kriminalpolizei gelang es, wie die Blätter melden, einen aus Frankfurt a. M. gebürtigen Grenadier des 166. Infanterie=Regiments in dem Augenblick zu verhaften, als er die Sendung am Postschalter abheben wollte. Vergiftet. Frankfurt a. M., 26. Fedr. Gestern abend wurde, wie aus Hanau berichtet wird, dort der 35jährige Schreiner Friedrich Mohr aus Frankfurt auf der Straße vewußtlos aufgefunden. Er hatte Lysol getrunken. Mohr wurde nach dem Krankenhause gebracht, wo er noch bewußtlos daniederliegt. Es ist derselbe Mann, dem am Dienstag in einer Frankfurter Wirtschaft angeblich Gäste Lysol ins Bier gegossen und ihm dann 350 Mk. abgenommen haben sollen. Einbruch in die Kirche. Heidelberg, 26. Febr. In der verflossenen Nacht wurde in der St.=Bonifazius=Kirche ein schwerer Einbruchsdiebstahl verübt. Das Tabernakel wurde erbrochen und daraus zwei goldene Kelche und das silberne sogen. Repositorium mit der großen Hostie, des Allerheiligsten für die Monstranz, gestahlen. Die kleinen Hostien lagen zerstreut am Altar umher. Auch am Nebenaltar und verschiedenen Opferstöcken fanden sich Spuren gewaltsämen Einbruchs. Die Räuber, von denen jede Spur fehlt, hatten sich abends in die Kirche einschließen lassen. Wegen Vreßvergehens verhaftet. Triberg, 25. Februar. Die„Schwarzw. Chronik“, ein kleines hier erscheinendes Blatt, hatte eine Fastnachtsnummer herausgegeben. Diese wurde beschlagnahmt und der Redakteur wegen Verbreitung unsittlicher Schriften verhaftet. Es dürfte dies in Baden der erste Fall sein, daß wegen eines Preßvergehens alsbald mit Verhaftung eingeschritten wird. Gegen die Tuberkulose. Halle a. S., 26. Febr. Dr. Burow, der Leiter der hiesigen bakteriologischen Abteilung der chemischen Fabrik von H. Merk hat ein Impfverfahren erfunden, für das ein besonders hergestelltes Bakterienpräparat in Betracht kommt, um die Tuberkulose beim Rindvieh zu bekämpfen. Das Mittel hat viele Erfolge gehabt. Auch bei Menschen sind Versuche angestellt worden, doch liegt noch kein abschließendes Urteil vor. Ein Verbrechen gegen das keimende Leben eingestanden. Leipzig, 26. Febr. Frau Lohmann, die wegen Verbrechens gegen das keimende Leben und fahrlässiger Tötung des Dienstmädchens Emma Heine trotz ihres Leugnens auf Grund eines Indizienbeweises zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. hat gestern abend vor dem Staatanwalt ein volles Geständnis abgelegt. Nach ihrem Geständnis ist die Heine bei der Vornahme der verbrecherischen Handlungen unter ihren Händen gestorben, und um den Verdacht von sich abzulenken, hat das Ehepaar Lohmann unter Mithilfe einer Frau Mauß die Leiche. nachdem sie zerstückelt war, in die Pleiße geworfen. Der Kopf des Mädchens war vorher im Kücherherd verbrannt worden. Der Schaden des Hochwassers. Dillenburg, 26. Febr. Im Dillkreise beziffert sich der durch das Hochwasser angerichtete Schaden auf runk 200000 Mk, wovon etwa die Hälfte au Privateigentum entfällt. Explosion. Plauen i. Vogtl., 26. Febr. Der„Neuen Vogiländischen Zeitung“ wird aus Untersachsenberg gemeldet: Durch eine Explosion in der Lichtanlage des Köhlerschen Gasthauses in Schwaderbach ist der Gasthof mit Saal demoliert worden. Zwei Baronin Briuanten im Werte von 1###00 Mk. gestohlen., Alle Nachforschungen nach dem Täter sind bisher erfolglos geblieben. Die Fahrt eines Unterseebootes. Paris, 26. Februar. Das Unterseeboot„Emerande“ ist von Cherbourg nach Brest abgefahren. Es handelt sich um eine viertägige Fahrt, welche die Ausdauer des Bootes auf die Probe stellen soll. An Bord des Unterseebootes Vontose wurden gestern Versuche mit einem neuen Apparat bei 30 Meter Tiefe angestellt, um die Widerstandsfähigkeit der Schiffshülle gegen den Wasserdruck festzustellen. Was der Herr Kooperator bei einer Feuerbestattung erlebte. Im katholischen Männerverein zu Aibling hielt, dem dortigen Wochenblatt zufolge,„Herr Kooperator Knoll einen Vortrag über Leichenverbrennung“, der sich besonders durch die Anschaulichkeit auszeichnete, mit der die Greuel dieser unkirchlichen Bestattungsweise geschildert wurden. Der Herr Kooperator behauptet, das Krematorium auf dem Campo Santo in Mailand besucht zu haben und berichtet von den„Schrecknissen dieser Anstalt" das Folgende:„Gerade fand eine Leichenverbrennung statt. Der Raum war durch den Verbrennungsofen, in dem eine Temperatur von 600 Grad Celsius herrscht, mit erstickender, beängstigender Gluthitze erfüllt. Ein Wagen kam mit einem Zinksarg. Der Sarg wurde in den Verbrennungskasten geschoben. Durch ein Fenster aus Marienglas kann man den im Kasten sich abspielenden Vorgang genau beobachten. In 3—4 Sekunden, nachdem der Sarg eingeschoben und der Kasten verschlossen war, sind bereits Sarg und Kleider vollständig verbrannt. Der Leichnam liegt bloß da. Nun beginnt der Leichnam sich zu regen, er bekommt Leben. Die Augen rollen fürchterlich, die Glieder recken sich, ziehen sich zusammen, der Tote richtet sich auf die Knie; er schlägt mit den Fäusten gegen die Wände; das Gesicht ist grauenvoll verzogen; der Mund öffnet sich, aus der Kehle des Toten hört man Laute, der Tote bäumt sich, windet sich in schrecklichen Krümmungen. Einen Augenblick so voll Schreck und Grauen, daß sich der Zuschauer entsetzt wegwendet. Nach 20 Sekunden plötzlich ein Knall— von dem Leichnam ist nichts mehr übrig als ein Häufchen Asche, das in einem Quartglas Platz findet. Das ist der von den Freigeistern als „ästhetisch" und„gefühlvoll“ usw. viel gerühmte Verbrennungsprozeß. Voll Abscheu und Grauen verläßt der Besucher die Halle!“ Der arme Kooperator. Der„Knall“ hat sich offenbar in seinem Kopfe ereignet und dort nur ein Quartglas Asche übrig gelassen. Und das alles muß so ein frommer Mann erdulden, nur damit die oberbayerischen Bauernschädel vor dem Gifte der teuflischen neuen Zeit bewahrt bleiben! kasten der Redaktion. N. N. Gewiß, das ist zulässig. K. L., Minden. Hat das Statut 17 Paragraphen? Dann feblt,§ 16. Dehme Nr. 100. Wenn eine Zwangsinnung besteht, müssen Sie derselben angehören, vorausgesetzt, daß nicht die Anordnung getroffen ist, daß die Gewerbetreibenden, welche in der Regel weder Gesellen noch Lehrlinge beschäftigen, der Innung nicht anzugehören brauchen Die Beiträge können zwangsweise beigetrieben werden. Achtung, Filialexpeditionen! Von folgenden Filialen haben wir bis heute keine Nachricht erhalten, wieviel Zeitungen für März gebraucht werden: Ahaus, Heidenoldendorf, Holsen, Hüffen, Löhne Bhf., Nordhorn, Warendorf. Wir machen darauf aufmerksam, daß wir nicht eher Zeitungen überweisen, bis wir die Bestellung vom Expedienten bekommen haben. Seine Kollegen der Bielefelder Maschinenfabrik vorm. Dürkopp und Co. Abteilung Werkzeugbau. 1193“ Sohn achtbarer Eltern für meine Rind= u. Schweineschlachterei zu Ostern gesucht. 1225 Wilhelm Frankenberg, Gehrenberg 20. 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Theater, karnevalistischen Herrenkarte 54 Vorverkauf: Herrenkarte 40 Zu diesem genußreichen Feste lad 197 u Sonntag, den 28 veranst Radfahrer-Verein Anfang 4 Uhr. Es ladet freundlichst ein Kleine kn Jedes Wort kostel nur 2 Pfg., in# der setten Ueberschrift 10 Pfg. Anzeigen unter dieser Rubrit werden.: Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumnn shalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werd n. Teilzah ung gestattet. Adolf Heine, Ritteruraße 57. 490 Möbel billigst, komplette Zimmer in allen Stil= und Holzarten, sauberste und haltbarste Ausführung, keine Marktware, Gardinen billigst, wunderbare Muster. Vertikows, Büffets, echt Nußbaum und Eiche, modernne Ausführung. Ohne Preiserhöhung. Teilzahlungen gestattei. Verschwiegenheit! 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Februar, feiert der • Bielefelder Fuhrwerker- Verein e sein diesjähriges s1177“ „** im Lokale des Herrn Holz, Restaurant zum Siegfried, Siegfriedstraße. Zu diesem Feste ladet freundl. ein Der Vorstand. I. Bielefelder Bandonion-Klub feiert am Sonntag, den 28. Februar, in den Lokalitäten der Frau Ww. Kleinert, Detmolderstraße, ein Grosses Humoristisches *L Anfang 4 Uhr. Ohne Kappe darf nicht getanzt werden. lobet feundlicht ein. Der Vorstand. NB. Sämtliche Musik wird nur von Bandonions, Konzertinas usw. ausgeführt. Auf zum Schlosshof. Sonntag, den 28. Februar: Zentral-Verband der Schmiede Zahlstelle Brackwede feiert morgen, Sonntag, den 28. Februar 1909, sein diesjähriges W im Lokale des Herrn Schröder. = Entree: Herren 40 Pfg., Damen 25 Pfg.— Hierzu ladet freundlichst ein 1191] Der Festleiter. Eintritt: Herren 30 Pfg., Damen 20 Kappen gratis! 350 Mark in bar. Euf zum Restaurant G. Kickert Bielefeld, Ehlentrupperweg 30. 1035 Grosses Preis-Kegeln Erster Preis 100 Mark. Sonntag, den 28. Februar, Montag, den 1., Sonntag, den 7., Montag, den 8. März. — Dienstag, den 9. März: Schlußkegeln und Preisverteilung.— Tangenroieg an den ersten 4 Tagen je 10 Mark, an den Tagespreise letzten 3 Tagen 12, 15 und 15 Mark. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Kegelklub„Hansa“. 5 Kugeln 50 Pfg. 5 Kugeln 50 Pfg. Bewekenhorn, Bürgerweg 50. 146 Sonntag, den 28. Febr.: 1212: K Am Sonntag, den 28. Februar 1909: — Grosser Bal Hierzu ladet freundlichst ein XV. Vogt, Hallerwen. Carl Senker, Herforderstraße. Sonntag, den 28. Februar:(613 TAN Z. Restaurant G. Preudenau, Heeperstr. 126. Sonntag, den 28. Februar: 1203 PAINE. PTANZ. Es ladet freundlichst ein W. Ellermeyer. Auf zum Bürgersaal! Sonntag, den 28. Fobruar, veranstaltet der = Theater-Klub„Olympia“= im Lokale des Herrn Gustav Imkamp, Engerschestraße 1, sein diesjähriges unt„, Pest bestehend in Theater, karnevalistischen Auf- und Umzügen und Ball. Herrenkarte 50 Pfg., Damenkarte 25 Pfg. Vorverkauf: Herrenkarte 40 Pfg., Damenkarte 20 Pfg. Zu diesem genußreichen Feste ladet ergebenst ein 197. Das Fest=Komitee. Sonntag, den 28. Februar 1909 veranstaltet der Radfahrer-Verein Germania, Milse, ein 1195 in den Lokalitäten des Wirts H. Lohmann, Schildescherstraße. Anfang 4 Uhr. aw Anfang 4 Uhr. Es ladet freundlichst ein Der Vorstand. &am Restaurant zum Kamphof. a. Sonntag, den 28. Februar: 12s3 Grosses Borkbierfest Auftreten der lustigen Eggetaler sowie des berühmten vierjährigen Musikkünstiers Paul. Hierzu ladet freundlichst ein G. Schneider. Grosse Kurfürsten-Halle! 1210“ Am Sonntag, den 28. Februar: □ BAUL. Es ladet ein Fritz Risch. Aug. Heybrok, Spindestraße 68. Sonntag, den 28. Februar 1909: 1209 T A INT 2I. 18. Heute abend: Preis=Skat. C. H. Apenbrink, Herforderstr. 242. Am Sonntag, den 28. Februar: 1200“ 1 PANZ. Restaurant zurastenrost = Ferd. Ertel, Schildesche. Sonntag, 28. nachmittags 4 Uhr: G.etse0 Nuppen u. Bechsier-oc. Abfahrt der letzten Straßenbahn 11½ Uhr. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 1182 Ferd. Ertel. Wer die„Volkswacht unterstuthzt, von den Leserinnen und Lesern der„Volkswacht“ unterstützt zu werden. Bieleleider Kurnecur-Veremn„Heiau“ Gegründet 1900. Sonnabend, den 6. März 1909. findet in den hochnärrisch dekorienen Lokalitäten des Herrn C. Richter, hierselbst, unser diesjähriger Grbsser-Gala-Preis-Maskenball statt. 22 Vereinspreise 24 Preise! 2 Ehrenpreise befinden sich im Schaufenster des Schuhgeschästs Hansa=Haus, Niedernstraße 26.— Ma ken, welche auf einen Preis reflettieren, müssen bis 10 Uhr im Saale erschienen sein Vorstandsmitglieder sowie deren Damen erhalten keinen Preis. 1192 Anfang 8 Uhr 29½/2 Min. Einzug des hohen Rates 9 Uhr 45 Min. P eierichter=Sitzung 10 Uhr 1 Min. Prämiierung 11 Uhr 45 Min. Im Vorverkauf: Herren 1.25, Damen 0.75 Mk.: An der nasse: Herren 1.50, Damen 1.00 Mk. NB. Ab Freiag, den 5. März, ist es Freunden und Gönnern des Vereins gestattet, die hochnärrisch dekorierten Lokalitäten unentgeltlich zu besichtigen. Es ladet hierzu fteund ichst ein Der XI. Rat. Vereinsbibliotheken empfehlen wir unser Lager sozialistischer und gewerkschäftrichtr Literatur Kataloge gratis und franko. Buchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schulstraße 20. 255 2% Kleine Anzeigen=Ecke. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in## Worte mit mehr als 15 Buchstaben der setten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrit werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumnn shalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werd n. Teilzah ung gestattet. Adolf Heine, Rittergraße 57. 490 Möbel billigst, komplette Zimmer in allen Stil= und Holzarten, sauberste und haltbarste Ausführung, keine Marktware, Gardinen billigst, wunderbare Muster. 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Nachmittags 4 Uhr. Vorverkaufskarten haben Giltigkeit. An der Kasse 50 Pfg. Die Liste für das neue Abonnement liegt im Geschäftszimmer des Herrn Roifsmeyer aus. 1199 1 Zentral-Theater. 7 Direktion: Julius Kaiser Sonntag, den 28. Februar 1909: Abschieds- u. Ehren-Abena des I. Rheinisch. Variété- u. Buriesken-Eusemble Hpolls:. Direktion: Otto Wagener aus Düsseldorf. 5 Damen. 5 Herren. Extra für Familien=Publikum arrangiertes Familien-Programm. Unter andern: Nem gehört das Kind? Komische Burleske Die Bal etteuse oder der Indianer. Große Ausstattungs=Posse mit Gesang und Tanz. „Die 4 Apollos“ Das schneidige Damen=Gesang= und Tanz=Ensemble. Die Frühlingskinder. Ausstattungs=Ensemble. Allgem. Kranken= u. Sterbekasse der Metallarbeiter. Am Sonntag, 28. Februar, vormittags 10 Uhr, findet in unserem Kassenlokal, Marktstr. 8. Außer dem Riesen=Programm in jeder Vorstellung der Kinematograph. Sonntag=Vormittag 11 bis 1 Uhr: Grosse Matinee. Sonntag=Nachmittag 4 und 8 Uhr: Vorstellung. Montag, den 1. März: Montag, den 1. März: 1. Auftreten des Cusrtek- und Posen-Aasenbie Rrtur Belnan. Die Direktion. außerordentsiche Miiglor=Versammtung statt. Tages-Ordnung: Stellungnahme zur diesjährigen General=Versammlung in Halle a. S. und Aufstellung eines Delegierten zu derselben, 1211 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Vielefelo-Wiedenbi 1134 Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Brackwede. Sonnabend, 27. Februar, abends ½9 Uhr, bei Karl Schröder. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Restaurant Friedr. Koch, Herforderstrasse 28. Sonntag, den 28. Februar, 4 Uhr nachmittags, in den neuerbaut. Gesellschaftszimmern mit musikal. Unterhaltung. Es ladet freundlichst ein 1150 Friedr. Koch. 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Außerden der Essigessenz aus d.m Holzessig, tion des Holzes entsteht und oft m als Haushaltungsessig verkauft wir fähchungen und Verunreinigungen besteht bei krankhaften Verhältni süchtigen, ein starkes Verlangen. Speis.n. Uebrigens entsteht Essig dauung, bei Magen= und 2 Gärungsvorgängen im Magende Gebrauche des Essigs zeigen sich, katarrhalische Beschwerden der Ve können. Man erietzt daher, wie „Monatsichrift„für die physikali hervorhebt, den Eisig besser durch g nannten Schädigungen, namentl Verunreinigungen, vermieden wer Das Städtische Orchester hat Theater ein Konzert veranstalt Kammersängerin Helene Staegen Walter Frings. Zur Aufführung herrliche Iphigenien=Ouvertüre. einfache Er abenheit dieser Drei der modernen Ehromatik. Auch vielmehr wegen der Einfachheit d waltiger als die Notenfülle de modernen Orchesters, und wenn vollführt wird. Es wäre sehr zu Opernsaison Gluck wieder zu Ehre und Armida könnten recht gut ar Helene Staegemann eine Arie a Hirtenkönig) Die Sangerin verfügt über eir klingendes Organ, dem weder d mangelt. So brachte sie die wun zum prächtigsten Ausdruck. Es s# meister Ruyter=Korver bei der Be als ebenbürtiger Partner erwies. Violin=Konzert, welches Walter F schaft spielte. Daß sich diese Fülle Disharmonie hineingebracht wurd fonisches Gedicht:„Winter—Frühli billigen. Es war auch etwas Komponisten. Die Lieder von W Helene Staegemann zum vollen machte die Ouverture Wevers zu Versamm Bielefeld. Arbeiter=Säng tag, 28. Febr., vormittags Chorprobe. — Gewerkschafts=Kar abends 8½ Uhr, bei In werkschaftsversam: Arbeitersekretärs und Gen Jahr 1908. Musiker. Montag, 1. Restaurant„Stadt Biele Verwaltungsstelle Zivilmusiker. Verband der Schn und Wäschearbeite nach Geschäftsschluß, in de lung der Zuschneid und Schneiderinn tionsbetriebe. -— Holzarbeiter-Verl tischler. Sonntag, 28. „Centralhalle": Bespre — Allg. Kranken- und E (Hamburg E. H. 29). So in„Stadt Bielefeld": 6 Herford. Maurerverban 10 Uhr, bei Winkelman alle 14 Tage. Barkhausen. Soz. Verein. 4 Uhr bei Arensmeier: Wientg De * wird ihm durch Birnäther verliehen, der sich aus dem Fuselöl bei der Gärung bildet Weinessig wird auch heute noch nach dem alten langsamen Verjahren durch die Tätigkeit der Eisigsäurebakterien aus alkoho ischen Flüssigkeiten, durch die Eisigsäuregärung gewonnen. Außerdrm kennt man die Herstellung der Essigessenz aus d.m Holzessig, der durch die trockne Destillation des Holzes entsteht und oft mit Wasser verdünnt, fälschlich als Haushaltungsessig verkauft wird. Abgesehen von den Verfähchungen und Verunreinigungen, von denen die Rede war, besteht bei krankhaften Verhältnissen, namentlich bei„Bleichsüchtigen, ein starkes Verlangen, nach mit Essig gesäuerten Speis.n. Uebrigens entsteht Essigsäure auch bei gestörter Verdauung, bei Magen= und Tarmkatarrhen, infolge von Gärungsvorgängen im Magendarmkanal. Bei unmäßigem Gebrauche des Essigs zeigen sich, wenn dieser fortgesetzt wird, katarrhalische Beschwerden der Verdauungsorgane, die wachsen können. Man erjetzt daher, wie Dr. Bircher=Benner in der „Monatsichrift für die physikalisch=diätetischen Heilmethoden“ hervorhebt, den Eisig besser durch Zitronensaft, wodurch alle die g nannten Schädigungen, namentlich durch die Fälschungen und Verunreinigungen, vermieden werden. Das Städtische Orchester hatte gestern abend im StadtTheater ein Konzert veranstaltet unter Mitwirkung der Kammersängerin Helene Staegemann und des Violinisten Walter Frings. Zur Aufführung kam als Einleitung Glucks herrliche Iphigenien=Ouvertüre. Wie anders wirkt doch die einfache Er abenheit dieser Dreiklang=Musik als der Lärm der modernen Ehromatik. Auch die Fortes klingen trotz oder vielmehr wegen der Einfachheit der Instrumentierung viel gewaltiger als die Notenfülle des drei= und viermal geteilten modernen Orchesters, und wenn der moderne Lärm fortissimo vollführt wird. Es wäre sehr zu wünschen, wenn auch für die Opernsaison Gluck wieder zu Ehren käme, die beiden Iphigenien und Armida könnten recht gut aufgeführt werden. Dann sang Helene Staegemann eine Arie aus Mozärts„II re pastore“ Hirtenkon9)„ E ö KE mnbantghults Aubarft mahl. Die Sängerin verfügt über ein wohlgeschultes, äußerst wohlklingendes Organ, dem weder die Zartheit, noch die Stärke mangelt. So brachte sie die wundervolle Mozartsche Klangfülle zum prächtigsten Ausdruck. Es sei noch erwähnt, daß Konzertmeister Ruyter=Korver bei der Begleitung durch die Violine sich als ebenbürtiger Partner erwies. Dann kam das Beethovensche Violin=Konzert, welches Walter Frings mit vollendeter Meisterschaft spielte. Daß sich diese Fülle von Harmonien eine moderne Disharmonie hineingebracht wurde, nämlich Moellendorfs Sinfonisches Gedicht:„Winter—Frühlings Einzuz“, konnten wir nicht billigen. Es war auch etwas grausam gegen den modernen Komponisten. Die Lieder von Wolf, Gutheil und Grieg brachte Helene Staegemann zum vollendeten Vortrag. Den Schluß machte die Ouverture Webers zum Freischütz Versammlungen. Bielefeld. Arbeiter=Sängerbund, Bezirk 1. Sonntag, 28. Febr., vormittags 9½ Uhr, in der„Centralhalle": — Gewerkschafts=Kartell. Dienstag, 2. März, abends 8½ Uhr, bei Indiestel: Oeffentliche Gewerkschaftsversammlung. T.=O.: Bericht des Arbeitersekretärs und Gewerkschaftsausschusses für das — Musiker. Montag, 1. März, abends 7½ Uhr, im Restaurant„Stadt Bielefeld": Gründung einer Verwaltungsstelle des Zentralverbandes der Zivilmusikgrg#r Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter. Montag, 1. März, abends nach Geschäftsschluß, in der„Centralhalle". Versammlung der Zuschneider, Bügler. Schneider und Schneiderinnen sämtlicher, Konfektionsbetriebe - Holzarbeiter=Verband, Sektion der Modelltischler. Sonntag, 28. Febr., vorm. 10 Uhr, in der „Centralhalle": Besprechung. — Allg. Kranken= und Sterbekasse der Metallarbeiter (Hamburg E, H, 29)., Sonntag, 28. Febr., vorm. 10 Uhr, in„Stadt Bielefeld": General=Versammlung. Herford. Maurerverband. Sonntag, 28. Febr., vorm. 10 Uhr, bei Winkelmann: Versammlung. Dann alle 14 Tage. Barkhausen. Soz. Verein. Sonntag, 28. Febr., nachm. 4 Uhr bei Arensmeier: Versammlung. Febr. Aufforderung. Unterzeichnete * Brackwede, 26. Febr. Aufforderung. fordern hiermit diejenigen auf, welche uns Nachricht geb das Gespräch, welches zurzeit über uns bier in nen über das Bespräch, welches, zurzeit üher uns hier wede, besonders aber auf der G.ashütte kurster:,„dies so Nachricht geben kön„zurzeit üher uns hier in Brack; kursier; dies so ichnell wede, besonders aber auf der G.ashütte kursiert, dies so schnell wie möglich zu tun, damit wir den Urheber desselben gerichtlich belangen können. Erzärlt wird näm ich, un ere Frauen; owie unsere Mütter hätten Herrn Gößling angefleht, er möchte doch ihre Männer bezw ihre Söhne, die er entlassen hat, wieder in Arbeit stellen. Unterzeichnete erklären dies als eine infame Lüge. Albert Büchel. Gustav Böker. * Brackwede, 26. Februar. Pferd durchgegangen. Während sich der Kutscher des Bäckermeisters Kornfeld an seinem Wagen beschäftigte, scheute plötzlich das Pferd und lief im rasenden Tempo die Kaiserstraße entlang. Es kam auf der Biegung in der Güterslohersträße zu Falle und wurde nicht unerheblich verletzt. Der Wagen kippte um und wurde stark beschädigt. * Dornberg, 26. Februar. Am 11. Juli feiert der ArbeiterRadfahrer=Verein Dornberg sein Stiftungsfest. Vereine werden gebeten, an diesem Tage keine Festlichkeiten zu veranstalten.... I. dex an shelfabrit bl * Herford, 26. Februar.#g. ger Mobelahte gan Aug. Wolff Ww. waren Differenzen ausgebrochen, worauf am Donnerstag mittag die Kollegen die Arbeit niederlegten. Nach eintägigem Streik wurden die Forderungen bewilligt. Ein Erfolg der guten Organisation. * Herford, 25. Febr. Abstinenzbewegung. In letzter Zeit ist es durch lebhafte Agitation gelungen, für den „Deutschen Arbeiter=Abstinentenbund“ eine Anzahl. Mitglieder zu gewinnen. Pflicht der Partei= und Gewerkschaftsmitglieder ist es, unsere Sache zu unterstützen, damit wir hierselbst in Bälde eine Ortsgruppe des Arbeiter=Abstinentenbundes, der auf dem Boden der modernen Arbeiterhewegung steht,„gründen können. Auskunft erteilt Genosse Julius Finke, Waltgeristroße 459. T. Gricht. * Spenge, 25. Febr. Berichtigung. Der Begschlerstatter vom Tabakarbeiterkongreß schreibt von meinen Ausführungen, die ich auf dem Kongreß gemacht habe: Ais wir den Protest erhoben und darauf hinwiesen, wie viel durch vernichtet würden, jagte der Pastor; es schade nichts wenn die Leute auch fortzögen. Hierzu habe ich zu bemerken, daß nach genauer Information, die ich eingezogen habe, der Sinn, der aus vorstehenden Ausführungen spricht, den Tatsachen nicht entspricht. Ich bedaure, diesen Satz voreilig gesprochen zu haben und habe mich mit dem Pastor in Frieden hierüber auseinandergesetzt. Fritz Brinkmann., Delegierter des Tabakarbeiterkongresses für Spenge i. W. * Bünde. 26. Febr. Unternehmerterrorismus. Wie manche Unternehmer die Zeiten der Krise benutzen, um die Betriebe von organisierten Arbeitern zu„säubern", beweist das Vorgehen der Firma Althage& Herbrechtsmeier, Zigarrenkistenfabrik hier. Herr Herbrechtsmeier sen, exklärte seinen Arbeitern einzeln, entweder der Organisation den Rücken zu kehren und in die Svar= und Woh'tätigkeitskasse einzutreten, die er einzurichten beabsichtigt, oder aber seinen Betrieb zu verlassen. Als einig: Arbeiter Herrn Herbrechtsmeier entgegneten, daß er doch selbst einer Organisation angehöre, meinte Herr H., er flöte auf den Verband, er wolle sein eigener Herr sein. Dann versuchte er sein Ziel bei anderen Arbeitern zu erreichen. Nachher erzählte Herr H., ihm sei ein Schreiben zugegangen, worin er mit dem Tode bedroht und gewünscht würde er möge mit seiner ganzen Familie ins Jenseits fahren. Herbrechtsmeier meinte aber selbst das könne kein Sozialdemokrat geschrieben haben, das müsse ein Anarchist sein! Die Arbeiter halten die letzten Angaben des Herrn H. für aus der Luft gegriffen, um ihm als Entschuldigungsgrund für seine koalitionsfeindliche Handlung der Oeffentlichkeit gegenüber zu dienen. Lasse sich deshalb keiner von Herrn H. einschüchtern. Den Schmarotzern, die lieb Kind spielen bei Meister und Unternehmer, könnt ihr nur durch eure Einigkeit und in dem Festhalten an eure Organisation die richtige Antwort geben. * Bückeburg, 26. Febr. Ein fürstlicher Vertrag. Unter dieser Stichmarke erschien in Nr. 27 vom 2. Fehruar in unserer Zeitung eine Besprechung eines von der Fürstl. Schaumburgschen Verwaltung abgeschlossenen Vertrages mit einem Kutscher. Auf Ersuchen der Fürstl. Schaumburg=Lippischen Hofkammer, die einen solchen Vertrag bestreitet, teilten wir dieser im Einverständnis mit dem Kutscher den Namen des letzteren, sowie Datum und Namen der Unterzeichner des Vertrages mit. Darauf erhalten wir nun folgendes Schreiben: Fürstlich Schaumburg=Lippische 24 Hofkammer. Bückeburg, d. 24. Febr. 09. Auf das Schreiben vom 19. d. M. teilen wir der Redaktion mit, daß es in der Fürstlichen Verwaltung weder einen Kutscher Rensch gibt oder gegeben hat. noch einen Rendanten Meuser oder einen Verwaltungsche Frhr v. Hadeln; auch ist uns eine Gemeinde Schaumburg in unserem VerwaltungsDa der besprochene Vertrag ig der Fürstlichen Verwaltung nicht abgeschlossen worden ist, so ersuchen wir, dies in der Volkswacht“ richtigzustellen und uns ein Exemplar der betreifenden Nummer zugehen zu lassen,. v. Frese. * Herford, 27., Febr. Die fälligen Bezirksversammlungen des Soz. Vereins finden wegen anderweitiger Veranstaltungen diese Woche nicht stat. Letzte Nachrichten. Bingen, 26. Februar. Bei der Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Bingen=Alzey wurde Stadtrechner, Uebel(Ztr.) mit 12.027 Stimmen gewählt gegen PfarrerKorell(freis.), der 10877 StimDas lokale Wahlkomitee der Nationalliberalen hatte die Nationalliberalen aufgefordert, für Uebel zu stimmen, zochhen sich das Zentrum bereit erklärt hatte, bei der nächsten tagswahl keinen Kandidaten aufzustellen und gleich im ersten Wahlgang die Nationalliberalen zu unterstützen. Verden, 27. Febr. Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im Kreise Verden=Hova=Spie erhielt Dr. Heiligegteoy,%, 588. Harries(Wirtsch Vg.) 3411, Justizrat Lewin(Fr. Vp. 3162, von Dannenberg(Welfe) 6315 und Henke(Soz.] 3900 Stimmen. Es findet also Stichwahl zwischen Dr. Heiligenstadt und Dr. Hasle 27. Februar. In Dippmannsdorf bei Belzig wurde ein 19jähriges Mädchen ermordet aufgefunden. Von dem Täter Berlin. 27. Februar. Heute vormittag treten, wie verlautet, die vier Blockmitglieder des Unterausschusses der Finanzkommission Abgg. Dietrich(kons.), Frhr. v. Gamp(Rp.), Dr. (natl.) und Dr. Wiemer(Fr. Vp.] zu einer Besprechung zusammen, in der versucht werden soll, das Blockkompromiß in der Frage der Reichsfinanzreform zustande zu bringen oder doch astens Vorschläge für solches Kompromiß zu formulieren. Paris, 27. Februar. Dr. Heinrich Ilgenstein, der Herausgeber des Blaubuches, erklärte, daß er sich in Paris aufhalte, und bereits durch seinen Rechtsbeistand der Verliner Staatsanwaltschaft habe mitteilen lassen, daß er es als seine Ehrenpflicht erachte, die über ihn verhängte Strafe auf sich zu nehmen, Dr., Ilgenstein erklärte weiter, er habe Berlin lediglich aus dem Grunde verlassen, weil man im Gerichtssaale nach dem erorbitanten Antrage des Staatsanwalts allgemein der Agsicht gemesen sei, seine sofortige Verhaftung werde bei der Urteilsverkündung unvermeidlich sein. Er habe aber noch 5o Privatangelegenheiten zu ordnen zehabt, daß ein Aufschub derselben für ihn die ernstesten wirtschaftlichen Konsequenzen gehabt Honstantinopel. 27. Februar. Das österreichischtüxkische, Brg. tokoll ist, gestern nachmittag unterzeichnet worden. Der Gro wesir erließ ein Zirkulartelegramm, wonach der Boykott sofort Brüssel 27, Februar. Das zum Antwervener Festungsrinz gehörige Pulvermagazin Herental ist gestern nachmittag 2 Uhr in die Luft geflogen. Dobei wurden 2 Personen getötet, eine dritte tödlich verletzt. Das ist der dritte derartige Fall, der sich im Laufe der letzten 10 Jahre in Herental ereignet hat. Die Gründe sind noch unbekannt.— Aus Lüttich wird gemeldet, daß eine Konservenbüchse, die vor einigen Tagen bei der dortigen Staatsanwaltschaft von unbekannter Seite abgegeben wurde, sich näherer Untersuchung als richtige Bombe herausstellte., Die gefährliche Büchse war mit Pulver und Nägeln gefüllt und mit erchalsest dir Biehderaferien be, Direktor der austro=orientalischen Handels=Aktien=Gesellschaft ist die sgrhalß aus Wien hier eingetroffen.. Imt 6=s6ss 27. Februar. Das Auswärtige Amt beschloß, an Serbien eine Note zu senden, in der es zur Ruhe mahnt und die Unmöglichkeit einer Unterstützung seitens Rußlands im Falle eines Krieges betont. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für Interatenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. die besten u. ausgiebigsten! Nur mit Wasser in kürzester Zeit herstellbar. Der Würfel zu 10 Pfg. gibt Teller vorzüglicher Suppe, die von hausgemachter nicht zu unterscheiden ist. 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Die weil Folge einen immer größeren Pro schaft und damit in zunehmendem entbehrlichen Faktor im Wirtschaf Auf allen Gebieten, in der ’schaft, im Verkehrswesen, im Hand Wissenschaft, überall sind vielta tätig, mit Hand und Hirn das C und zu mehren, die Produkte zu und Fortentwicklung der Gesellsch In zunehmendem Maße werder wichtigen Stellung im Wirtschafts um so höherem Maße empfinden nende Schmach, daß man sie durch sten Staatsbürgerrechtes, des We loten stempelt, in um so höherem 9 Unrecht, welches darin besteht, Waffe beraubt, deren sie dringend ihrer Interessen in den geset Körperschaften. Und in zunehmen Zorn, die Empörung geweckt ob An uns ist es nun, Sorge das pörung der Frauen sich umsetzt 1 einer lebhaften Beteiligung an wegung, daß sie sich betätigt im Wahlrechtes. Doch nicht nur jene Frauen so zum Kampfe um ihre Rechte, die dern vor allem auch die Hausfraukein Tag, der sie nicht aufs neue daran erinnert, daß das Haus n ist, sondern daß ihre und der il tausend Fäden verknüpft sind mit und Einrichtungen. Daß sie des benötigen, welches ihnen Einflu und Verwaltung. Die Wirtschaft Arbeitslosigkeit, mit Not und El„Finanzreform mit ihren 500 M sie allein schon rufen der Arbeit Soviel du dich auch versteckst hi Hauses. so sehr du dich auch verl Rückhalt, den die Familie gewährt tischen Leben sind Kräfte wirksat leben, dein Heim, nicht unberühr treffen, schwer treffen, um so schwi kümmertest und je weniger du die vermagst! Und die Erfahrung hat denn a gelehrt, diese Rufe zu verstehen. eventuell Arbeitslosigkeit für ihr losigkeit für die ganze Familie. vergrößert die Ausgaben und schn karge Lebenshaltung; der mange höhte Unfallgefahr, wodurch ihre Frähre der Kinder und der Ernährer er gegen all digs,prghenden Gef Gedanken: Wie in das möglich Frage lautet: Dadurch, daß Ma campf führen gegen alle Gefahre beutung für dringend notwendig Kampf führen draußen unter und tariermassen, daß sie ihn führen Oliver Von Charle Aus dem Englischen vo# Auf einer Matratze am Boden in festem Schlafe. Zwischen ihm zerstreuten Blicke des alten Man in dessen Innerem einander drä stürmische Leidenschaften wogten druß über das Mißlingen sein tödlicher Haß gegen das Mädchen zu verkehren gewagt hutte, gänz richtigkeit ihrer Weigerung, ihn sich an Sikes nicht rächen zu könn urteilung und Tod, die wildeste, und neue Pläne der Arglist und da, ohne auch nur im mindesten se anscheinend die Zeit zu beachten, auf der Straße bei seinem feine zu erregen schien. „Endlich,“ murmelte er, über pen mit der Hand hinfahrend,„ Die Glocke ertönte leise, er darauf mit einem Manne zurü mummt war und ein Bündel ur Sikes. „Da,“ sagte der verwegene 9 Tisch werfend.„Mach' d'raus, Mühe genug gekostet; ich meint sein zu können.“ Fagin verschloß das Bündel, blickte hastig jedoch nach Sikes zitterten so heftig, und sein G wühlenden Leidenschaften so ver kürlich sich zurücklehnte und ihn „Was gibt's?“ fuhr er auf. nich so an?“... 4 Der Jude hob die rechte Hand den Zeigefinger; allein seine B lein Wort hervorzubringen imst „Gott verdamm' mich!“ rie greifend, aus.„Er ist verrückt Hut gegen ihn sein.“ „Nein. o nein,“ brachte Faleid's nicht, Vill. Gegen Euch Blll.“ *„ H m,' s i s t a u c h e i n G l ü c k viel für wen,“ sagte Sikes ein und in eine andere Tasche stecke Mache hierdurch dem verehrten Publikum von Bielejeld und Umgegend bekannt, dass sich ab S. März 1909 mein Ssder und Stusslattunges bedeutend vergrössert und mit allem Romfort der Neuzeit ausgestattet nur Bahnhofstrasse 2a, 1., 2. und 3. Stage befindet. vornehmstes Möbel- und Jetzt 2. Sralket, Waren-Kredithaus::::: Schillerplatz 17 b. im neuen Rathause. Tägliche Verzinsung der Spareinlagen Hinsfuß A Unentgeltliche Ausleihung von AerHParneffe“. Unentgeltliche Einziehung der Spareinlagen von auswärtigen Kassen. Geschäftsstunden: 8½-1 Uhr vormittags 3—6 Annahmestellen: Bürgerweg 34. Firma Kleinjung& Westerheyde. Herforderstr. 82. Herr Apothekenbesitzer L. Müller. Die Verwaltung der Stadtsparkasse. 1034 Toerner. Aals verschenkt werden ca. 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In Wirklichkeit jedoch mehren sich von Tag zu Tag jene Faktoren, die als Vorbedingung des schließlichen Sieges der Arbeiterschaft auf diesem Gebiete zu betrachten sind. So sehen wir, daß unausgesetzt eine Steigerung der Frauenerwerbsarbeit stattfindet. Die weiblichen Arveiter bilden in der Folge einen immer größeren Prozentsatz der Gesamtarbeiterschaft und damit in zunehmendem Maße einen wichtigen, unentbehrlichen Faktor im Wirtschaftsleben der Völker. Auf allen Gebieten, in der Industrie, in der Landwirt'schaft, im Verkehrswesen, im Handelsgewerbe, in der Kunst und Wissenschaft, überall sind vieltausend Frauen und Mädchen tätig, mit Hand und Hirn das Erbe der Kultur zu erhalten und zu mehren, die Produkte zu erzeugen, die zur Erhaltung und Fortentwicklung der Gesellschaft notwendig sind. In zunehmendem Maße werden auch die Frauen sich dieser wichtigen Stellung im Wirtschaftsleben der Völker bewußt; in um so höherem Maße empfinden sie alsdann die Tiefe, brennende Schmach, daß man sie durch Vorenthaltung des wichtigsten Staatsbürgerrechtes, des Wahlrechtes, zu politischen Heloten stempelt, in um so höherem Maße empfinden sie das große Unrecht, welches darin besteht, daß man sie dauernd einer Waffe beraubt, deren sie dringend benötigen zur Verteidigung ihrer Interessen in den gesetzgebenden und VerwaltungsKörperschaften. Und in zunehmendem Maße wird in ihnen der Zorn, die Empörung geweckt ob solcher Verhältnisse. An uns ist es nun, Sorge dafür zu tragen, daß diese Empörung der Frauen sich umsetzt und zum Ausdruck kommt in einer lebhaften Beteiligung an der sozialdemokratischen Bewegung, daß sie sich betatigt im Kampf um die Eroberung des Wahlrechtes. Doch nicht nur jene Frauen sollen und wollen wir aufrufen zum Kampfe um ihre Rechte, die im Erwerbsleben stehen, sondern vor allem auch die Hausfrauen und Mütter. Vergeht doch kein Tag, der sie nicht aufs neue in der unangenehmsten Weise daran erinnert, daß das Haus nicht mehr die Welt der Frau ist, sondern daß ihre und der ihrigen Interessen durch vieltausend Fäden verknüpft sind mit allen politischen Maßnahmen und Einrichtungen. Daß sie deshalb unbedingt eines Rechtes benötigen, welches ihnen Einfluß gewährt auf Gesetzgebung und Verwaltung. Die Wirtschaftskrisis mit ihrer furchtbaren Arbeitslosigkeit, mit Not und Elend im Gefolge, die drohende „Finanzreform“ mit ihren 500 Millionen Mark neuer Steuern, sie allein schon rufen der Arbeiterfrau laut und dräuend zu: Soviel du dich auch versteckst hinter die vier Wände deines Hauses so sehr du dich auch verlässest auf den Schutz und den Rückhalt, den die Familie gewährt, im wirtschaftlichen und politischen Leben sind Kräfte wirksam, von denen dein Familienleben, dein Heim, nicht unberührt bleiben, die dich packen und treffen, schwer treffen, um so schwerer, je weniger du dich um sie kümmertest und je weniger du dich deshalb gegen sie zu wehren vermagst! Und die Erfahrung hat denn auch allgemach die Arbeiterfrau gelehrt, diese Rufe zu verstehen. Sie weiß, die Krisis bringt eventuell Arbeitslosigkeit für ihren Mann, damit aber Brotlosigkeit für die ganze Familie. Die Steuerpolitik des Reiches vergrößert die Ausgaben und schmälert damit die ohnehin schon karge Lebenshaltung; der mangelnde Arbeiterschutz bringt erhöhte Unfallgefahr, wodurch ihr eventuell der Gatte, der Vater der Kinder und der Ernährer entrissen wird.— Der Wunsch, sich gegen all diese drohenden Gefahren zu schützen, gebiert dann den Gedanken: Wie ist das möglich? Und die Antwort auf diese Frage lautet: Dadurch, daß Mann und Weib gemeinsam den Kampf führen gegen alle Gefahren, gegen allen Druck und Ausbeutung für dringend notwendige Reformen.= Daß sie den Kampf führen draußen unter und mit den organisierten Proletariermassen, daß sie ihn führen im Parlament. Um das letztere zu können, benötigen wir aber der Waffe des demokratischen Wahlrechts auf breitester Grundlage, also des Wahlrechts für Mann und Weib. In der Hand der Arbeiterin und der Arbeiterfrau wird das Wahlrecht zur Waffe werden, um die Klassenforderungen der Arbeiterschaft durchzusetzen; Forderungen, die für heute den Aufstieg des Proletariats erleichtern, für die Zukunft seine Befreiung vorbereiten sollen. Deshalb haben nicht nur die Frauen des Proletariats ein Interesse an der Gewinnung des Frauenwahlrechts, sondern auch die Gesamtarbeiterschaft, denn es stärkt ungemein deren politischen Einfluß und damit ihre Macht. Im Interesse der Gesamtarbeiterschaft liegt es deshalb auch, die politische Erkenntnis in immer umfassenderem Maße in die Reihen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes zu tragen, sie aufzurufen zu Trägern der Forderung des Frauenwahlrechts, zu Kämpferinnen für dasselbe. Je größer die Zahl dieser Kämpfenden, je größer ihre Ausdauer, ihre Begeisterung, ihr Kampfesmut, die in der Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse wurzeln, sowie in der Erkenntnis dessen, was uns not tut, desto schneller wird der Kampfpreis errungen werden. Jedoch werden natürlich die weiblichen Proletarier, sobald sie vom Baum politischer Erkenntnis gegessen haben, nicht nur um die Durchsetzung dieser Forderungen ringen, vielmehr werden sie als gute Kampfesgenossinnen überhaupt an der Seite ihrer männlichen Klassengenossen zu finden sein. Die Aktioasfähigkeit der politischen Organisation, die Siegeszuversicht seiner Mitglieder wird dadurch ungemein erhöht werden. Alsdann aber werden unsere Frauen und Mädchen als Persönlichkeit außerordentlich gewinnen, sobald sie politisch denken und handeln werden. Das gilt auch vor allem von unseren Hausfrauen, die in dem ewigen Grau des Werkeltages, dem unaufhörlichen Tretmühlengang des häuslichen Aschenpuddeltums nur zu leicht geistig stumpf und apathisch werden, die in der Fülle von täglich wiederkehrender, eintöniger Arbeit kaum ein eigenes, inneres Erleben kennen, die das Streben und die Ideale des eigenen Mannes dann nicht verstehen und ihnen deshalb oft genug feindlich gegenüberstehen. Sie alle werden, erfüllt mit der Erkenntnis von der Notwendigkeit politischer Rechte, teilnehmend am politischen Kampfe, weit über das Alltagsleben hinausgehoben, ihr Leben bekommt Inhalt, es wird ein reicheres, glücklicheres werden. Denn das ist der doppelte Gewinn der kämpfenden Arbeiterschaft, daß sie, Schritt um Schritt Terrain gewinnend, ihrem Ziele, der Befreiung der Arbeit sich nähert, daß dabei aber gleichzeitig in den Kämpfenden geistige und sittliche Kräfte geweckt und entfaltet werden, die im anderen Falle hätten verkümmern müssen. Und an diesem doppelten Gewinn sollen unsere Arbeiterinnen und Arbeiterhausfrauen teilnehmen, zum Nutzen ihrer selbst, ihrer Familie, ihrer gesamten Klasse. Kämpfend werden sie emporsteigen, kämpfend Staatsbürgerrechte erringen, kämpfend ihre endgiltige Befreiung durchsetzen. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht., 214. Sitzung vom Freitag, den 26. Februar, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Dernburg. Zunächst wird über den gestern beratenen Antrag Brandys und Genossen(Polen) betreffend die Freiheit des Grundeigentumserwerbs namentlich abgestimmt. Der Antrag wird mit 189 gegen 132 Stimmen bei 5 Enthaltungen angenommen.(Lebh. Bravo! bei den Polen und Soz.) Es folgt die zweite Beratung des Etats der Schutzgebiete(außer Kiautschou) in Verbindung mit dem Titel des Etatsfür das Kolonialamt: Gehalt des Staatssekretärs(44000 Mk.]. Graf Hompesch und Genossen(Ztr.) beantragen hierzu, den Reichskanzler um Anordnungen zu ersuchen, wonach alle Verordnungen der Kolonialverwaltungen und der Kolonial= gouveure dem Reichstag vorgelegt werden. Abg. v. Liebert(Rp.): Die Schutzgehiete haben sich außerordentlich entwickelt. Der Handel, die Justiz, die Eingeborenenbehandlung, das Schulwesen, alles ist gehoben. Kolonialskandale gibt es nicht tehr. Die Hoffnung ist berechtigt, daß die Schutzgebiete sich bald selbst erhalten werden. Alle bürgerlichen Parteien schätzen den Kolonialsekretär, dessen zuweilen gereizte Stimmung daher nicht verständlich ist. Redner verteidigt dann 0 Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. 61— Auf einer Matratze am Boden ausgestreckt lag Noah Claypole in festem Schlafe. Zwischen ihm und dem Lichte schweiften die zerstreuten Blicke des alten Mannes bisweilen hin und wieder, in dessen Innerem einander drängend unruhige Gedanken und stürmische Leidenschaften wogten und wühlten— bitterer Verdruß über das Mißlingen seines gewinnverheißenden Plans, tödlicher Haß gegen das Mädchen, das hinterlistig mit Fremden zu verkehren gewagt hutte, ganzliches Mißtrauen in die Aufrichtigkeit ihrer Weigerung, ihn zu verraten, Ingrimm darüber, sich an Sikes nicht rachen zu können, Furcht vor Entdeckung, Verurteilung und Tod, die wildeste, durch das alles entzündete Wut und neue Pläne der Arglist und schwärzesten Bosheit. Er saß da, ohne auch nur im mindesten seine Stellung zu verändern oder anscheinend die Zeit zu beachten, bis der Schall von Fußtritten auf der Straße bei seinem feinen Gehör seine Aufmerksamkeit zu erregen schien.„6.— Li, tragenen Ficherfeigen G:. „Endlich, murmelte er, über die trockenen, sleverheißen Lippen mit der Hand hinfahrend,„endlich!“ Die Glocke ertönte leise, er ging hinaus und kehrte bald darauf mit einem Manne zurück, der bis an das Kinn vermummt war und ein Bündel unter dem Arme trug. Es war Sikes. „Da,“ sagte der verwegene Raubgesell, das Bündel auf den Tisch wersend.„Mach' draus, was du kannst. Es hat mir Mühe genug gekostet; ich meinte schon vor drei Stunden hier ein zu können.“ g6 Fagin verschloß das Bundei, setzte sich wieder, blieb stumm, blickte hastig jedoch nach Sikes scharf hinüber und seine Lippen zitterten so heftig, und sein Gesicht war infolge der in ihm wühlenden Leidenschaften so verändert, daß der Dieb unwillkürlich sich zurücklehnte und ihn bestürzt ansah.„ „Was gibt's?“ fuhr er auf.„Zu allen Teufeln, was nehst du Der Jude hob die rechte Hand emvor und schüttelte den bebenden Zeigefinger; allein seine Bewegung war so heftig, daß er lein Wort hervorzubringen imstande war. „Gott verdamm' mich!“ rief Sikes, in seine Brusttasche greifend, aus.„Er ist verrückt geworden. Ich muß auf meiner dut gegen ihn berz.“.. gndlich var Ihr a6 „Nein, o nein, brachte Fagin entlich vor.„Jyr— Jyr #seid's nicht, Vill. Gegen Euch hab' ich nichts— gar nichts, „Ich hab Euch zu sagen was, Bill,“ fuhr der Jude näher rückend fort,„was Euch noch mehr wird erzurnen als mich.“ „So!“ entgegnete Sikes mit einer ungläubigen Miene. „Wenn's aber wahr ist, so tu's Maul auf und mach g'schwind, oder Nancy wird glauben, daß ich verloren wär'". „Das hat sie schon ausgemacht bei sich selbst bestimmt genug!“ Sikes blickte ihn ungewiß an, streckte die mächtige Faust nach ihm aus, schüttelte ihn und forderte ihn barsch und polternd auf, sich deutlicher zu erklären. „Denkt Euch,“ sagte der Jude mit vor Wut fast erstickter Stimme,„der Bursch da schliche nachts hinaus auf die Straßen, knüpfte an Einverständnisse mit unsern schlimmsten Feinden, gäbe ihnen Beschreibungen von uns und unsern verborgensten Schlupfwinkeln, verriete unsere geheimsten Pläne und Taten, setzte auch hinzu noch viel Lügen— was dann, was dann?" Sikes erklärte unter einer furchtbaren Verwünschung, er würde ihm in einem solchen Falle den Schädel unter den eisernen Nägeln seiner Stiefel zermalmen. „Aber wie, wenn ich's täte!“ schrie der I ich weiß so viel und so viele kann bringen an den „Weiß nicht,“ erwiderte Sikes, bei dem bloßen Gedanken die de fast,„ in Galgen Bill.: gleich„Hm,'s ist auch ein Glück für einen von uns viel für wen,“ sagte Sikes ein Pistol absichtlich bervorziehend und in eine andere Tasche steckend. Zähne zusammenbeißend und erblassend.„Aber ich würd im Kerker was tun, daß sie mich in Eisen schlagen müßten, und stellten sie mich mit dir vor Gericht, würd' ich dir vor den Richtern und allen den Kopf einschlagen. Ich würde'ne solche Kraft haben, murmelte er, den sehnigen Arm auf= und niederschwingend,„daß ich ihn dir zu Brei schlagen könnte, als wenn ein belad'ner Frachtwagen drüber hingegangen wär“.“ „Würdet Ihr tun das wirklich?“ „Ob ich's wohl tun würd'! Stell' mich auf die Probe.“ „Wenn's aber getan hätte Charley oder der Baldowerer oder Bet oder—“ „Ist mir gleichviel wer,“ unterbrach Sikes ungeduldig.„Ich würd' ihn bezahlen, möcht's sein, wer wollte.“ Fagin blickte ihn abermals scharf an, winkte ihm, zu schweigen, beugte sich über den Schläfer und schüttelte denselben, während Sikes verwundert und erwartungsvoll, die Hände auf die Knie stemmend, 5gs9ß. m Gunsen fast S mit. „Bolter, Totter! Der arme Junge, lagle Fagin, mit einer Miene emvorblickend, in welcher die Vorahnung einer teuflischen Freude sich ausdrückte.„Er wird müd'— müde davon, daß er hat müssen wach sein ihretwegen so lange— ihr hat nachschleichen müssen noch so spät, Bill.“„„ 12 „Was willst du damit sagen: fragte Sites, sich zuruckDer Jude antwortete nicht, setzte seine Bemübungen, Noab zu wecken, fort, und es war ihm endlich einigermaßen ge„Erzähl' noch einmal— daß der es hört auch,“ sagte er, nach Sikes hinzeigend.„„„* 47 :„Was soll ich erzählen: fragte Noay, noch halb im Schlafe. den Gouverneur Rechenberg von Ostafrika gegen die erfolgten Presseangriffe. Die Prügelstrafe ist von 50 schon auf 10 Hiebe zurückgegangen, ganz kann man sie nicht beseitigen. Zu erwagen wäre ob man nicht die Hüttensteuer, anstatt überall gleich, nach verschiedenen Abstufungen in den verschiedenen Bezirken erheben soll. Die deutsche Schule in Dar=esSalaam verfügt über ganz ungenügende Räume, während ich schon vor 10 Jahren für die Suahelikinder einen wahren Schulpalast gebaut habe. Ein wunder Punkt ist auch der Wegebau, Die Mittel müssen aufgebracht werden.(Bravo! rechts.) Kolonialsekretär Dernburg dankt dem Vorredner für das freundliche Wohlwollen. Die Schwierigkeiten in Ostafrika bestehen darin, daß das Interesse der Indier gegenüber dem der Weißen nicht über Gebühr zurückgesetzt werden kann, so unerwünscht diese Konkurrenz auch ist. Zur Eingeborenenfrage meinte Herr Liebert, die Bestrafungen seien milder geworden. Das ist nicht richtig. Die Strafen haben um etwa 11 Prozent zugenommen. Die Zahl der Prügelstrafen hat freilich etwas abgenommen, und es wurden mehr Geldstrafen verhangt. Das beweist nicht größere Milde, sondern eine bessere pekuniare Lage. Wo wir können, strafen wir nämlich mit Geld, schon um die Kosten der Justiz einbringen.(Heiterkeit und Sehr richtig! Die Differenzierung der Hüttensteuer ist noch nicht spruchreif. Das Wegebauprogramm ist durch den Etat von 1905 bereits genehmigt. Beim Bahnbau muß festgehalten werden, daß die Rentabilitat erwiesen ist.(Sehr richtig! links.) Die Präponderanz und Autoritat der Weißen muß natürlich aufrecht erhalten werden. Das kann aber nur durch ein entsprechendes Betragen der Weißen selbst geschehen. Selbstzucht ist nötig.(Lebh. Zustimmung.) Wenn irgend ein Lump nach Ostafrika kommt und sich dort lumpig beträgt, so entgeht das den Negern auch nicht. Die Siedlungsfähigkeit ist für Ostafrika eine wichtige Frage. Man soll niemand zu- und niemand abraten. Wenn es aber tüchtige Leute sind und das nötige Geld haben, sollen sie hinausgehen und haben Gottes Segen mit auf den Weg.(Gr. Heiterkeit.) Ein tüchtiger Mann kann sich auf den Herrn drüben verlassen. Da ist nichts zu lachen.(Sehr richtig! rechts und erneute Heiterkeit.)„ Abg. Schwarze(Ztr.] bleivt auf per Trivune im Zusammenhang unverständlich, scheint sich uver das Missionswesen zu verbreiten.„„„„issignen Lamme 15 Staatssekretar Dernvurg: Den Missionen Wame ich gern entgegen. Die vom Herrn Vorredner gewünschte Zollfreiheit auf den Verbrauch der Missionen würde allerdings zu weit gehen. Damit könnte nur böses Blut bei den Beamten gemacht werden, welche diese Freiheit nicht genießen... Abg. Lattmann(W. Vg.) zollt dem Etat und dem Staatssekretär Anerkennung, freut sich über die fortschreitende Kolonial= freundlichkeit der burgerlichen Parteien und behauptet unter großer Heiterkeit der Sozialdemokraten, daß die Sozialdemokratie sich ihrer seitherigen abweisenden Haltung zur Kolonialvolitik zu schämen beginne.„. I. g dur woß.#.# Abg. Dr. Goller(Fr. Ip.): Wenn der große Konig wieder aufwachen würde, würde er wohl zu dem Kolonialsekretär sagen: „Mensch, hat Er ein Glück!“(Heiterkeit.) Das Glück besteht nicht nur im Auffinden von Diamanten, sondern auch im Aufblühen der Kolonien. Der Staatssekretar hat heute wieder gesunde Verwaltungsgrundsätze vertreten, mit denen wir im ganzen zufrieden sein können. Dem Streben nach Sparsamkeit sollten sich auch unsere Gouverneure anschließen. Im Verhältnis zur Zahl der Weißen haben wir noch zu viel Beamte draußen. Auch den Grundsätzen des Staatssekretärs zur Eingeborenenpolitik können wir im allgemeinen zustimmen. Daß die früheren Anschauungen über die Faulheit der Neger falsch waren, ist jetzt wohl allgemein anerkannt. Wenn die Neger auch eine niedrige Rasse sind, so müssen wir doch das koloniale Menschenmaterial, welches sie doch nun einmal sind, zu heben bestrebt sein. Wir müssen deshalb gerechte Richter sein. Die Streitigkeiten zwischen Plantagenbesitzern und Händlern und die vielen Klagen über das Gouvernement von Ostafrika sind von hieraus schwer zu entscheiden. Aber traurig ist's, daß man Herrn Dr. Rohrbach sofort entfernte, als er nicht mit den Händen an der Hosennaht stramm stand.(Zustimmung bei den Freis.)„„„ Staatssekretär Dernburg: Dr. Rohrbach ist auf eigenen Wunsch aus dem Dienst ausgeschieden, weil er nicht die Verwendung finden konnte, die er wünschte. Es ist nicht richtig, daß über den Gouverneur von Ostafrika Klagen vorliegen. Die Hamburger Kaufleute loben ihn, ebenso wird er im Sübdezirk und am Kilomandscharo gelobt. Einen Gouverneur, der unberechtig„Das von— Nancy, antwortete der Jude, Sikes fest am Arme fassend, wie, um ihn zu verhindern, fortzueilen, bevor er genug gehört hätte, und fragte darauf dem schlaftrunkenen Noah mit einer Wut, deren er nur mit Mühe Herr zu bleiben vermochte, alles ab, was der Lauscher erhorcht hatte. „Und was sagte sie,“ fragte er endlich mit wutschäumenden Lippen,„was sagte sie vom vorigen Sonntage?“ „Der Herr fragte sie, warum sie nicht am vorigen Sonntage gekommen wäre,“ antwortete Noah, in welchem eine Ahnung davon auftauchte, wer Sikes sein möchte;„und sie sagte, weil sie gewaltsam zurückgehalten worden ware von Bill, dem Mannc, von dem sie ihnen schon gesagt hätte.“ „Was weiter von ihm?“ rief der Jude.„Was sagte sie von dem und sie hätt' ihm daher, als sie das erstemal zu der Dame gekommen wäre, nen Schlaftrunk eingeben müssen— ha, ha, ha! „Höll' und Teufel!“ schrie Sikes, von dem Juden sich losreißend.„Laß mich!“... 4 ung Mt. 45 25 Er stürzte wütend hinaus, Fagin rief uno einte iom nach, würde ihn jedoch nicht zurückgehalten haben, wenn die Haustür nicht verschlossen gewesen wäre. 24 1 „Laß mich naus,“ tobte er,„oder nimm dich in achlt laß mich up= berst on! naus— hörst du?“„ 41g Wgrtu berfaht. „Ein Wort, Bill— bloß ein einziges Wort, versetzte der Jude, die Hand auf das Türschloß legend, und mit verstellter Besorglichkeit:„Ihr— Ihr wollt doch nicht tun etwas zu— zu Gewaltsames. Bill?"„. Der Tag brach an, es war hel genug, als sie einander in das Gesicht schauten, um deutlich sehen zu können, und in ihren Augen blitzte ein Feuer, dessen Bedeutung nicht mißzuverstehen „Ich meine,“ setzte Fagin hinzu, einsehend, daß Verstellung nicht mehr möglich war,„nichts Gewaltsames, wodurch wir geraten könnten in Gefahr. Fein listig, Bill, und seid nicht zu verwegen.... auFraschlossen Sisas v4u. Er hatte unterdes aufgeschlossen, Sites antworrete nicht, riß die Tür auf, stürzte hinaus und eilte, ohne rechts oder links zu schauen, ohne eine Gesichtsmuskel zu bewegen oder ein zorniges Wort zu murmeln, mit verbissenen Zähnen und trotzig=blutdürstiger Entschlossenheit nach seiner Wohnung. Er ging mit leisen Schritten hinauf, öffnete und verschloß die Tür seines Zimmers, stellte einen schweren Tisch gegen sie und schob den Bettvorhang zurück. Und da lag Nancy halb angekleidet. Sie schreckte aus dem Schlaf empor. „Steh' auf,“ sagte er. „Bist du es?“ rief sie ihm, erfreut über seine Rückkehr, entgege 7 „Ja. Steh' auf!“ len Ansprüchen nicht entgegenzutreten versteht, der eine Spirale als Rückgrat hat, und aus Butter und Schmalz besteht, können wir nicht brauchen.(Heiterkeit.) Den Deutschen, die nach Ostafrika gehen, können wir nicht mehr an Subvention oder Steuerfreiheit oder Aehnliches— und neun Zehntel aller Klagen beruhen auf solch unberechtigten Anspruchen— einräumen, als etwa einem Bergarbeiter, der 700 Meter tief Kohlen gräbt, oder einem deutschen Walfischfänger, der die nordischen Meere befährt. (Zustimmung links und im Ztr.) In dem Bestreben, unberechtizten Prätensionen entgegenzutreten, stehen wir immer auf seiten Gouverneure.(Beif der Gouverneure.(Beifall iinks.) Abg. Dr. Arendt: Der Staatssekretär hat anstatt des sachlichen Tones, den wir an ihm gewöhnt sind, in einem unberechtigten Ton persönlicher Schärfe gesprochen. Um den Beifall des Zentrums beneide ich ihn nicht.(Heiterkeit rechts.) Nicht einzeine Pflanzer, sondern die ganze weiße Bevölkerung nimmt gegen das verderbliche System des Gouverneurs Rechenberg Partei.(Hört, bört!] Gegen die Auffassung, daß wir die Pflanzerinteressen vertreten, protestieren wir.(Bravol rechts.) Ich habe Nachricht erhalten, wonach wir unmittelbar vor einem großen ostafrikanischen Aufstand stehen.(Lachen und Widerspruch im Zentrum.] Wenn er ausbricht, Herr Erzberger, werde ich Sie dafür verantwortlich machen.(Schallendes Gelächter im Ztr.) Die weiße Bevölkerung wird zurückgesetzt gegen die Farbigen. Das darf nicht sein, daß der Gouverneur gegen Deutsche immer ungerecht ist.(Zuruf: Nur gegen Polen! Heiterkeit.) Wenn wir erst lange Rentabilitätsberechnungen machen wollen, so hätten wir in Afrika überhaupt noch keine Eisenbahnen. Den Standpunkt des Staatssekretärs in dieser Hinsicht teile ich also auch nicht. Ich als einer der ältesten Ostafrikaner(Gelächter) habe das Recht, einen Gouverneurwechsel zu verlangen.(Beifall rechts. Staatssekretär Dernburg: Ich bin nicht in der Lage, Herrn Arendt Aussichten auf Erfüllung seines Wunsches nach einem Gouverneurwechsel in Ostafrika zu machen. Ich betrachte mich als den Hüter des deutschen Beamtentums in den Kolonien und trete für die Beamten ein. Anders würde ich die Integrität der Beamtenschaft untergraben, welche ich als eines der kostbarsten Güter betrachte. Unsere Eingeborenenpolitik betreiben wir seit 2 Jahren und haben keinen Aufstand gehabt. Unter dem Gouverneur v. Liebert hat es 25 Eingeborenenaufstände gegeben (Gr. Heiterkeit.) Ich mache dafür nicht seine Eingeborenenpolitik verantwortlich, aber ebensowenig darf man die jetzige Politik verantwortlich machen, wenn erwa ein Aufstand im Innern ausbräche Das Kolonialamt ist bereit, alle Klagen gegen das Gouvernement zu prüfen und auf ein harmonisches Zusammenarbeiten mit der weißen Bevölkerung hinzuwirken. Das Haus vertagt sich auf Sonnabend 2 Uhr.(Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 6¾ Uhr. Parteinachrichten. #n.„ findet am 27. und 28. Februar in Baden statt. Er beschäftigt sich in der Haupivorstehenden Landtagswahlen. Genosse Koly Der badische Parteita Offenburg in Baden statt. Er beschäftigt sich sache mit den dereigithenten Eanringrugen Kvrr spricht über die„Tatigkeit der Landtagsfraktion, Genosse Dr Frank über die„politische Situation in Baden und die Landtagswahlaussichten unserer Partei". Die zur Tagung eingereichten Anträge verlangen u. a. die Schaffung eines besonderen Parteiorgans oder wenigstens eines Kopfblattes des„Volksfreund“ für das badische Oberland. Dieser ist zurzeit in neun Wahlkreisen verbreitet.— Ein Antrag der Mitgliedschaf: Rheinau bei Mannheim wünscht, daß bei den diesmaligen Landtags=Stichwahlen ein Großblock=Abkommen nicht mehr getroffen werde: ein Antrag des Mannheimer Reichstagswahlkreises will Doppelmandate vermieden wissen. Für die diesjährigen Landtagswahlen soll der Beschluß aber keine Geltung haben.— Aus dem Bericht des badischen Landesvorstandes an den Parteitag ist zu ersehen, daß im Jahre 1908 in 14 Wahlkreisen 167 Mitgliedschaften mit 13 403 politisch organisierten Parteigenossen bestehen. Die Frauenorganisation zählt 346 Mitglieder. Vier Sekretäre, in Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg und Mannheim, erledigen und verwalten die Parteigeschäfte. Der Badische Volkskalender“ wurde in einer Auflage von 90000 Exemplaren verbreitet.— Bei den Kommunalwahlen hat die Partei erhebliche Fortschritte erzielt. Personalien. Genosse Vollmar, über dessen Gesundheitszustand die bürgerliche Presse vor kurzer Zeit überaus ungünstige Nachrichten verbreitete, ist so weit wieder hergestellt, daß er an den Verhandlungen des Reichstags wieder teilnehmen wird. „Das Gefängnis ist kein Taubenschlag.“ Genosse Markwald, Redakteur der„Könisberger Volkszeitung", verbüß gegenwärtig in Allenstein seine eineinvierteljährige Gefängnisstrafe, die ihm wegen des bekannten Schandsäulenartikels von Ve Es brannte ein Licht— er schleuderte es unter den Kaminrost. Sie stand auf und ging nach dem Fenster, um den Vorhang aufzuziehen. „Laß das,“ herrschte er ihr zu.„'s ist hell genug für das was wir zu tun haben. „Bill,“ sagte sie bestürzt,„was seht Ihr mich so an?“ Er heftete eine kurze Weile schnaubend und mit wogender Brust die Blicke auf sie, packte sie darauf beim Kopfe und der Kehle, zog sie in die Mitte des Gemachs, warf einen einzigen Blick nach der Tür und legte seine schwere Hand auf ihren Mund. „Bill, Bill!“ keuchte sie, in Todesangst unter seinem Griff sich sträubend,„ich will nicht schreien— nicht weinen— hört mich— sprecht doch nur— sagt mir, was ich getan habe.“ „Weißt es selbst, du Satan in Dirnengestalt. Bist belauert gewesen gestern abend; ich weiß jedes Wort, das du gesagt haft. „O, um der Liebe des Himmels willen,“ rief sie, sich fent an ihn anklammernd,„dann schont mein Leben, wie ich Eueres geschont habe. Bill, bester Bill, Ihr könnt mich ja nicht morden wollen. Bedenkt, was ich gestern abend um Euretwillen aufzegeben habe. Ihr sollt Zeit haben, es zu bedenken, Euch dies Verbrechen zu exsparen— ich lasse„Euch nicht los, nimmermehr! Bill, Bill, um Gottes Barmyerzigkeit, um Euret= und um meinetwillen, besinnt Euch, eh Ihr mein Blut vergießt. Bei meiner sündigen Seele, ich bin Euch treu gewesen!“ Er suchte sich gewaltsam von ihr loszumachen, allein vergebens, sie hielt mit der Kraft der Verzweiflung fest. „Bill,“ rief sie, und bemühte sich, den Kopf auf seine Brust zu legen,„n Herr und die liehe Dame boten mir einen Zufluchtsort außer Landes an. Laßt mich noch einmal zu ihnen, daß ich sie auf den Knien anflehe. Euch dieselbe Liebe und Güte zu erweisen, und dann laßt uns aus dieser Höhle entfliehen und weit von hier ein besseres Leben anfangen und unser voriges Leben, ausgenommen im Gebet, vergessen und uns nie wiedersehen. Es ist zur Reue niemals zu späl. Sie sagten es mir— ich fühle es jetzt— aber wir müssen Zeit— ein wenig, ein weni Zeit haben!“ Er befreite einen seiner Arme und ergriff seine Pistole; doch so wütend er war, der Gedanke, daß sogleich alles entdeckt werden würde, wenn er Feuer gäbe, flog ihm durch den Sinn, und er schlug sie daher mit aller Kraft, die er zu sammeln vermochte, zweimal auf das zu ihm emporgehobene, das seinige fast berührende Gesicht. Sie wankte und stürzte, fast erblindet von dem aus einer tiefen Wunde ir ihrer Stirn hervorströmenden Blute, zu Boden, richtete sich jedoch mühsam wieder auf die Knie, zog ein weißes Tuch— das ihr von Rosa geschenkte— aus dem Busen und hielt es in den gefalteten Händen so boch als es ihre schwachet Kräfte erlaubten, zum Himmel empor und flehte um Erbarmen zu ihrem Schövfer. Sie war gräßsich anzuschauen. Der Mörder wankte zurück nach der Wand, hielt die Hand vor die Augen um sie nicht zu sehen, ergriff einen schweren Knotenstock und schlug sie nieder. —„„(Fortsetzung folgt.“ der Königsberger Strafkammer auferlegt worden ist. Dieser Tage wollte ihm non ein Freund aus Konigsberg einen Besuch abstatten. Der Genosse mußte zum Ersten Staatsanwalt und dieser forschte ihn aus, was er dem Genossen Markwald zu sagen gedenke. Als er darauf Antwort gab, erklärte der Herr Staatsanwalt, das Gefängnis sei kein Taubenschlag und verweigerte die Unterredung mit Markwald. Beleidigte Reichsverbändler. Wegen angeblicher Beleidigung der Oberhaupter der Ortsgruppe des Reichsverbandes in Straßburg, des Rechstanwalts Zschweigert und des Bauinspektors Stegmann verurteilte das Schoffengericht in Leipzig den verantwertlichen Redakteur der Leipziger Volkszeitung, Genossen Richard Bahrdt, zu 75 Mk. Geldstrafe. Die angebliche Beleidigugg wurde in einer Notiz gefunden, die in der Nummer vom 10. September abgedruckt und„Gemeingefährlichkeit des Reichslügenverbandes" uberschrieben war. Gewerkschaftsbewegung. Konferenz zur Gründung eines Verbandes der Land=, Wald= und Weinbergarbeiter Deutschlands. Am 21. und 22. Februar fand in Berlin im Gewerkschaftshause eine Konferenz statt, in welcher die seit langem vorbereitete Gründung eines Verbandes der Land=, Wald- und Weinbergarbeiter Deutschlands beschlossen wurde. Die Organisation der Landarbeiter oblag bisher dem Verbande der Fabrik-, Land= und gewerblichen Hilfsarbeiter(Sitz Hannover). Schon seit 1902 ergingen Anregungen aus einzelnen Bezirken zur Gründung einer selbständigen Landarbeiterorganisation. Der Fabrikarbeiterverband hielt indes an seiner Zuständigkeit für diese Arbeiterkategorie fest. Erst der Münchener Verbandstag dieses Verbandes beschloß, auf sie zugunsten einer selbständigen Landarbeiterorganisation zu verzichten unter der Voraussetzung, daß die der Gewerbeordnung unterstehenden Arbeiter von dem neuen Verbande nicht erfaßt, sondern dem Fabrikarbeiterverbande verbleiben würden. Nachdem nunmehr die Bahn für eine neue Landarbeiterorganisation frei war, wurden die notwendigen Schritte zur Vorbereitung der Gründung in den einzelnen Reichsgebieten unternommen, die durch die Berliner Konferenz ihren Abschluß fanden. Die Konferenz beschloß, daß die neue Organisation, die den Namen:„Verband der Land=, Wald- und Weinbergarbeiter Deutschlands“ führt, ein einheitlicher Zentralverband für das ganze Reichsgebiet sein solle, der in Gaue, Bezirke und Ortsgruppen eingeteilt wird. Für Angehörige gewisser Spezialbranchen können Sektionen errichtet werden. Die Orts= bezw. Bezirksjektionen können zu einer Reichssektion vereinigt werden. Der Zweck des Verbandes ist die allseitige Förderung der wirtschaftlichen und geistigen Interessen seiner Mitglieder. Er soll erreicht werden durch Einwirkung auf die Gestaltung des Arbeitsvertrages, Gewährung von Rechtsschutz bei Streitigkeiten aus dem Dienstverhältnis, der Arbeiterversicherung oder der Verbandstätigkeit, durch Gewährung von Kranken=, Maßregelungs= und Sterbeunterstützung, durch Errichtung kostenofer Arbeitsnachweise, obligatorische Lieferung des Verbandsorgans(das einheitlich und monatlich erscheinen soll) und durch Pflege der Geselligkeit und Solidarität. Beitrittsberechtigt sind alle Land=, Wald- und Weinbergarbeiter und=arbeiterinnen Deutschlands. Das Eintrittsgeld beträgt 20 Pfg. Der Beitrag ist nach drei Klassen zu 30,. 60 und 80 Pfg. pro Monat abgestuft. Die Gauvorstände können auf Beschluß der Gaukonferenzen und mit Zustimmung des Verbandsvorstandes Wochenbeitrage an Stelle der Monatsbeiträge einführen. Die Einteilung der Gaue bleibt dem Verbandsvorstand überassen. Ortsgruppen sollen errichtet werden an Orten, wo eine genügende Anzahl von Mitgliedern vorhanden ist. Orte in denen es nicht zur Bildung von Ortsgruppen kommt, können zu Bezirken vereinigt werden. Organe des Verbandes sind der Vorstand, Ausschuß und Verbandstag. Der Vorstand wird seinen Sitz in Berlin g. d oder dessen Umgehung, der Ausschuß in Munchen haben Der Verbandstag sou aue drei Jahre stattfinden. Krankenunterstützung wird nach einjähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 12 Monatsbeiträgen, Sterbeunterstützun, nach zweijähriger Mitgliedschaft und Zahlung von 24 Monats beiträgen gezahlt. Die Krankenunterstützung beginnt nach Ablauf der ersten mit Erwerbsunfähigkeit verbundenen Krankheitswoche; sie beträgt:„... g. 310 mm Klasse 1 pro Tag 30 Pfg. oder pro Woche 2,10 Mek. „ 2„" 60„„„„ 4.20„ „ 3„„ 80„„„„ 5.60„ Das Sterbegeld beträgt in der 1. Klasse 20 Mark, in der 2 Klasse 30 Mark und in der 3. Klasse 40 Mark. Die Gauvorstände können auf Beschluß der Gaukonfcrenz und mit Zustimmung des Verbandsvorstandes obligatorische Beitragszuschläge erheben und eine Erhöhung der obigen Leistungen eintreten lassen. Maßregelungsunterstützung wird an Mitglieder, die infolg ihrer Tätigkeit für den Verband gemaßregelt werden, bis zum Höchstbetrag von 30 Mark gewährt. Die Festsetzung bleibt vor Fall zu Fall dem Vorstand überlassen. Auch über die Gewährung und Art des Rechtsschutzes entscheidet der Vorstand nach Prüfung der Sachlage. Arbeitsnachweise können mit Zustimmung des Vorstandes errichtet werden. Das monatlich erscheinende Organ führt den Namen:„Der Landarbeiter". Die Redaktion befindet sich am Sitze des Vorstandes. Für den Vorstand und die Redaktion sollen zwei vollbesoldete Kräfte angestellt werden, daneben zunächst drei besoldete Gauleiter. Es wird erwartet, daß die für die gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung tätigen Angestellten. die Arbeitersekretäre und Gewerkschaftskartelle sich nach besten Kräften in den Dienst der Organisierung der Land=, Wald- und Weinbergarbeiter stellen, damit es bald gelinge, in allen Provinzen und Bundesstaaten auf dem Lande Agitationszentren zu schaffen, die zu kräftigen Stützpunkten des neuen Verbandes werden. Möge die neue Organisation der Landarbeiter ein Bahnbrecher werden, der den Millionen deutscher Landproletarier ein freies Koalitionsrecht und einen mitbestimmenden Einfluß auf die Gestaltung der Arbeitsverhältnisse erringen A15. Bei den Neuwahlen zum Gewerbegericht in Linden erhielten die Arbeiterkandidaten des Gewerkschaftskartells 4560 Stimmen, die der Hirsch=Dunckerschen Gewerkvereine 276. Gegen die vorige Wahl bedeutet dies für die Kandidaten der freien Gewerkschaften eine Zunahme von 1212 und für die der HirschDunckerschen Gewerkvereine eine Abnahme von 188 Stimmen. — Bei der Arbeitgeberwahl erhielten die Sozialdempkraten drei, die Gegner 15 Beisitzer. Bei der Firma Giesecke in Peine befinden sich die Zwicker seit dem 23. Februar im Streit. Die Mißstande in dem Vetriebe sind schon jahrelang vorhanden, ohne daß Abhilfe geschaffen wurde. Jeder, der sich dagegen wehrte, wurde von dem Meister unbarmherzig auf die Straße gesetzt. Da es fortwährend an Zwickern mangelte, so war es den Maschinenarbeitern auch nicht möglich, einen auskömmlichen Wochenlohn zu verdienen. Vor einigen Wochen wurden die Zwicker wegen einer Lohnerhöhung vorstellig, worauf der eine Inhaber der Firma erklärte, daß er nicht abgeneigt sei, eine Lohnerhöhung zu gewähren, aber erst mit dem Meister Rücksprache nehmen müsse. Aber statt Peine ist fernzuhalten. Schwarze Listen bei tariftrenen Buchdruckereinnternehmern. Wie die„Leipziger Volkszeitung“ mitteilt, sandte die Geschäftsstelle des Vereins Leipziger Buchdruckereibesitzer vergangene Woche folgende schwarze Liste an seine Mitglieder: An die tariftreuen(!] Druckereien Leipzigs. Der 21 Jahre alte Maschinenmeister..... hat heute bei der Firma Oskar Brandstetter seine sofortige Entlassu F weigerte, Ueberstunden zu machen und sich wiederholt der Vorhaltungen des Saalmeisters nicht an seiner Mi aufhielt. Wir bringen dieses Vorkommnis, das wir auch dem Arbeitsnachweis gemeldet haben, auf Wunsch der Firma Oskar Brandstetter zur Kenntnisnahme. Hochachtungsvoll G# Die Geschäftsstelle des Vereins Leipziger######druckereibesitzer. Die Firma begnügt sich also nicht mit der Entlassung des unfolgsamen Gehilien, sie ersucht den Unternehmerverein, daß dieser die Mitglieder u.o den Arbeitsnachweis in Kenntnis setze, so daß, wenn der Entlassene um Arbeit anfragt, dieser mit offenen Armen empfangen wird, um— hinausspediert zu werden. Das ist dasselbe insame Aushungerungssystem, wie es von den Metallindustriellen und Zechenbaronen geübt wird. Zerstörte Arbeitslosenzählungslegende. Durch die bürgerliche Presse geht jetzt die Notiz, daß bei der letzten Arbeitslosenzählung in Halle durch das Gewerkschaftskartell laut polizeilicher Nachprüfung Dirnen, Zuhälter usw. als arbeitslos mitgezahlt worden sind. Bekanntlich zahlte die Stadt zu der Unkosten der Arbeitslosenzählung 300 Mk., und das Zählmaterial ging dafür in die Hände des Statistischen Amts. Der Direktor des Amtes versprach aber, das Material nur zu statistischen Zwecken verwenden zu wollen; es komme nicht aus dem Hause. Als der Beschimpfungsartikel zuerst im hiesigen Amtsblatte erschien, zapfte man den Direktor Wolf vom Amte öffentlich an. Er erklärt nun in einem an den Kartellvorsitzenden gerichteten Brief, daß er, sowie auch die Angestellten des Statistischen Amtes dem Polizeiartikel vollständig fernständen. Wo stammt nun der Polizeiartikel her? Das Kartell Halle verlangt das Zählmaterial gegen Einhändigung der 300 Mk. zurück, und dann werden die Feststellungen des Polizeiartikels geprüft werden. Wie Unternehmer über Gewerkschaftsbeamte urteilen. Das Kartell der Arbeitgeberverbände im Baugewerbe Groß=Berlins ist gegen die Errichtung von Arbeitskammern, hat jedoch für den Fall der Annahme des Gesetzes einen beachtenswerten Vorschlag gemacht. Die Unternehmer verlangen namlich, daß in diesem Falle durch das Gesetz bestimmt wird, daß als Vertreter auch die Angestellten der Berufsvereine der Arbeitgeber und Arbeiter wählbar sind. Als Grund dafür wird angegeben, daß 's viel leichter und fruchtbringender sei, mit zeschulten Gewerkchaftsbeamten zu verhandeln, als mit Arbeitern, die noch in der Arbeit stehen, und denen die nötige Geschicklichkeit und Unabhängigkeit fehlt. Die zechenfreundliche Zeitungskorrespondenz Kasparek behauptet, daß inn rhalb des Vorstandes des Bergarbeiterversandes über den Wert von staatlich besoldeten Arbeiter-Grubenontrolleuren geteilte Meinungen vorhanden seien.— Diese aus der Luft gegriffene Behauptung ist offenbar in der Absicht aufgestellt, die Bergarbeiterschaft zu verwirren, und womöglich den im Sonntag in allen deutschen Bergrevieren stattfindenden Demonstrationsversammlungen für Bergarbeiterschutz im Sinnder Beschlüsse des Kongresse Abbruch zu tun. Statt Arbeit— Korrektionsanstalt. Ein auf einer Zeche im Recklinghausener Revier beschäftigt gewesener Arbeiter war— weil er keine Arbeit hatte— gezwungen, wiederholt zu betteln. Er wurde deshalb vom Amtsgericht Recklinghausen zu vier Wochen Haft verurteilt. Damit war der Vertreter der Staatsanwaltschaft aber nicht zufrieden, er egte Berufung ein und beantragte Ueberweisung an das Arheitshaus. Die Berufungskammer des Bochumer Landgerichts zeigte aber soviel soziales Verständnis, daß sie den Antrag des Staatsanwalts ableynte mit der Begründung, daß der Mann durch die durch die Krise hervorgerufene Arveitslosigkeit gezwungen war, zu betteln. Ein Steinbruchbesitzer in Gröba bei Riesa sandte dieser Tage seinen Arbeitern folgendes interessante Schriftstück: „An die Arbeiterschaft meines Steinbruches! Infolge des eingetretenen schlechten Geschäftes in der Steinindustrie und der damit verbundenen gedruckten Preise ist es mir unmöglich, für fernerhin die bis jetzt gezahlten Löhne, außer denen für Tagelöhner, weiter zu bezahlen und ersuche Sie, mir bis nächsten Sonnabend mitzuteilen, und zwar schriftlich, ob und in welcher Weise Sie von den Löhnen zurückgehen wollen. MMuna m Sollten Sie meinen Wunschen in entsprechenver Form nicht nachkommen können oder wollen, so bin ich fest entschlossen, den Betrieb einzustellen, und sehen Sie dies mein Schreidann als Kündigung an. Achtungsvoll icker die Forderungen schriftlich formuliert und sie der Fiam 16. Februar überreicht. Herr Giesecke hat aber das Schriftstück gar nicht angefaßt, sondern kurz erklärt, er lehne die Forderung rundweg ab. Hierauf reichten die Zwicker ihre Kündigung ein. Die Firma hat hierauf den gesamten Arbeitern und Arbeiterinnen zum 26. Februar gekündigt. Am 22. Fegez. E. Kunze. Es ist jedenfalls neu, daß ein Arbeitgeber von seinen Arbeitern Vorschläge für die Reduzierung der Löhne verlangt. Die Differenzen in der Buckskinweberei von Achter u Ebels in München= Gladbach sind beigelegt. Die neuen Vereinbarungen gelten bis 1. Oktober 1909. Der Metallarbeiter=Ausstand bei der Deutschen Kugellagerfabrik in Leipzig=Plagwitz ist nach zweitägiger Dauer durch eine Einigung beendet worden. Die Firma machte Zugeständnisse bei der Zuschlagszahlung der Ueberstunden und stellte sämtliche Entlassenen wieder ein. Zigaretten=Arbeiterinnen! Ueber die Zigaretten=Fabrik Waldorf=Astoria=Kompagnie, G. m. b. H., in Königsberg ist vom Tabakarbeiterverband die Sperre verhängt worden. Die Fabrik tritt das Koalitionsrecht mit Füßen, indem die Arbeiterinnen unterschreiben müssen, daß sie Verbande angehören wollen; sonst werden sie entlassen. Die Fabrik sucht nun Ersatz und annonciert in Zeitungen. Deshalb eien die Zigarettenarbeiterinnen gewarnt, zumal auch in Königsberg die Löhne sehr niedrig sind! Das Zwickauer Gewerkschaftskartell kann auf eine 10jährige Tätigkeit zurückblicken. Während 1898 elf Organisationen mit 3500 Mitgliedern angeschlossen waren, sind es jetzt 43 Organisationen und 9181 Mitglieder. Selbst im Krisenjahre 1908 ist die Mitgliederzahl um 877 gestiegen. Die Gewerbegerichts., gerichts= und Krankenkassenwahlen endeten bisher unvennmit dem Siege der Listen des Kartells. Sowohl durch die zum Teil mit Erfolg gekrönten Bestrebungen zur Hebung der sozialen Lage der Arbeiter, wie auch durch die Bemühungen durch Veranstaltung von Unterrichtskursen den Bildungsbedürfnissen der Arbeiter gerecht zu werden, hat das Kartell eine segensreiche Tätigkeit im Interesse der Arbeiterschaft ausgeübt. — Standesamts-Nachrichten. Amt Herford. Vom 15. bis 20. Februar. Geburten: Söhne: Knecht Wi'helm Wöhler=Elverdissen; Heuerling Heinrich Schröder=Elverdissen. Töchter: Maurer Hermann Lindemann=Eickum: Arbeiter Heinrich Lange=Falkendiek; Schlachter Otto Priebe=Sundern. Aufgebote: Gerichts=Assessor Erich Vehring=Essen und Martha Meyer zu Hartum=Diebrock. 6 Sterbefälle: Maurer Hermann Heinrich SießelmannEickum, 26