Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Sc UUTasUu TTUrSS Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Insertionsbreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größer Inserate müssen bis 5 Uhr abend tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ N. Gerisch& Co., Nieleseld. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. 47. Bielefeld, Donnerstag, 25. Februar 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Gewerkschaften Bielefelds im Jahre 1908. Der gedruckte Bericht der im Gewerkschaft=Kartell Bi#lefeld vereinigten Gewerkschaften gelangt in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Wie in den früheren Jahren enthält derselbe den Bericht des Arbeitersekretariats, des Gewerkschaft=Kartells und=Ausschusses, sowie der Zentralarbeiterbibliothek. Besonders wichtig sind diesmal die Angaben über die Mitgliederzahlen und die gezahlten Unterstützungen, weil sie zeigen, in welch scharfer Weise Krise in Bielefeld herrscht. Am Anfang des Jahres 1908 gehörten 35 Verwaltungsstellen der Zentralverbände dem Kartell an. Im Laufe des Jahres 1908 ging.n hiervon 2 kleinere Verwaltungen wegen Abreise der Mitglieder ein. Während am 1. Januar 1908 an Mitgliedern 13008 männliche und 1429 weibliche, also insgesamt 14 437 Mitglieder vorhanden waren, verminderte sich die Zahl derselben auf 11780 männliche und 861 weibliche, insgesamt 12641 am Schlusse des Jahres 1908. Es ist demnach ein Rückgang um 1228 männliche und 568 weibliche, insgesamt 1796 Mitglieder eingetreten. An den Mitgliederrückgang sind beteiligt 26 Gewerkschaften, 2 hielten ihren bisherigen Mitgliederbestand und 7 hatten eine Zunahme an Mitgliedern zu verzeichnen. Der Rückgang der männlichen Mitglieder ist zum größten Teil auf Konto der Abreisenden zu setzen. Speziell im BauHolz- und Metallgewerbe mußten viele Mitglieder, und nicht nur ledige, sondern auch Familienväter, wegen Arbeitslosigkeit Bielefeld verlassen, um anderwärts zu versuchen Arbeitsgelegenheit zu finden. Bedauerlich ist der Rückgang der weiblichen Gewerkschaftsmitglieder. Wenn jeder organisierte Arbeiter seine Schuldigkeit getan hätte und im Sinne der diesbezüglichen Resolution des Hamburger Gewerkschafts=Kongresses gewirkt hätte, der Rückgang wäre zu vermeiden gewesen„Hoffentlich läßt sich im nächsten Jahre über ein besseres Resultat berichten. Von den Zentralverbänden der Fleischer, Gastwirtsgehilfen, Glaser, Hoteldiener, Maschinisten und Töpfer sind Einzelmitlieder vorganden, doch fehlen die Angaben über die Zahl derEin erfreuliches Bild der Leiftungsfähigkeit der Gewerkschaften gibt der Bericht über das Kassenwesen. Hierüber berichten sämtliche dem Kartell angeschlossene Gewerkschaften. Einschließlich von 15645,40 Mark, welche Anfangs des Jahres als Kassenbestände am Ort vorhanden waren, vereinnahmten die Gewerkschaften 397381,90 Mark, und zwar für Beitrittsgelder 1077,20 Mark, Beiträge 338546,73 Mark, sonstige Einnahmen 42112,57 Mark. Erfreulich ist es, daß trotz der Abnahme der Mitglieder die Summe für Beiträge gegen das Vorjahr um 1171,15 Mark gestiegen ist. Am Jahresschluß waren 9221,12 Mark als Kassenbestände am Ort vorhanden, die Gesamtausgaben betrugen 388 160.78 Mark. Hiervon sind 75349.86 Mark an die Hauptkassen, 65 144.08 Mark als sonstige Ausgaben den Loka kassen für Verwaltungs=, Bildungs= und sonstige Zwecke überführt worden, während 247 666,84 Mark für Unterstützungszwecke verausgabt wurden. Gerade in den Summen für Unterstützungszwecke veranschaulicht sich am besten die Wirkung der Krise auf die Bielefelder Gewerkschaften, aber auch deren Nützlichkeit, und vor allem Notwendigkeit während der Krise. Sind doch im Jahre 1908 110 473,37 Mark mehr als im Vorjahre für Unterstützungszwecke verausgabt worden. Summa: 247666,84 137193,47 Damit ist aber die Leistungsfähigkeit der Gewerkschaften noch nicht voll gewürdigt. Außer diesen, auf Grund der Statuten den Mitgliedern zustehenden Unterstützungen, wurden aus den Lokalkassen noch beträchtliche Aufwendungen gemacht. Es erhoben zur Bestreitung von lokalen Ausgaben 23 Gewerkschaften Lokalbeiträge und zwar: 1 Gewerkschaft 25 Pfg., 1 20 Pfg., 7 à 10 Pfg., 9 à 5 Pfg. pro Woche, 1 25 Pfg., 1 20 Pfg., 3 à 10 Pfg. pro Monat. Nach den von 28 Gewerkschaften gemachten Angaben betrugen die Gesamteinnahmen ihrer Lokalkassen inkl. der vorhandenen Kassenbestände 107775,25 Mk. Es verausgabten 1908 1907 Mk. Mk. 0 0 0 * 881,98 564,65 Arbeitslosenunterstützung 18518,31 2975,30 Krankenunterstützung 1060,75 952,73 Sterbegeld 9430,— 6190.— Gemaßregeltenunterstützung 834,10 367,09 Streikunterstützung 2351,42 14294,57 Unterstützung in Notfällen 1368.10 2142.08 Rechtschutz 9.20 227/16 19 Gewerkschaften für Reise= u. Umzugsunterstütz. 9„„ Arheitslasoneenterstützung 9 4 7 10 12 1 Summa: 34453 86 2771358 Am Jahresschluß verfügten 25 Gewerkschaften über lokale Kassenbestände in Höhe von 106 573,78 Mark. Eine umfangreiche Tätigkeit hat auch der Kartellausschuß in bezug auf Verwaltung, Egitation und Bildungsbestrebungen erledigt. Auch die seit Juli bestehende Kommission für Bauarbeiterschutz kann auf eine ersprießliche und segensreiche Tätigkeit zurückblichen. g.ren hat fich auk im Gahre 1000 bi. Wie in früheren Jahren hat sich auch im Jahre 1908 die Zentralarbeiter=Bibliothek als ein nützliches Institut zur Aufklärung und Weiterbildung der Arbeiterschaft erwiesen. Die Zahl der entliehenen Bücher stieg von 4456 im Jahre 1907 auf 7889 im Jahre 1908. Wenn man weiter in Betracht zieht, daß auch die Metallarbeiter in ihrer Bibliothek 8609 Bücher ausgeliehen haben, so kann man dem Bildungsdrang der Bielefelder Arbeiter nur Anerkennung zollen. Ueber die Loynbewegungen und Differenzen der einzelnen Gewerkschaften ist bereits fortlaufend berichtet worden, so daß sich eine Berichterstattung hierüber erübrigt. Die Bielefelder Gewerkschaften können mit Zufriedenheit auf das abgelaufene Jahr zurückblicken. Sie haben die Feuerprobe ausstehen müssen, und man kann wohl sagen, auch sehr gut bestanden Die Krise hat nicht vermocht, den Organisationen nennenswerten Schaden zuzufügen, sie in ihrer Grundlage zu erschüttern. Fest und geschlossen werden sie die Krise überstehen und der Einfluß der Organisation wird dafür sorgen, daß auch die Lohn= und Arbeitsbedingungen der Arbeiter bessere werden, damit die Schäden, welche die Krise verursacht, wieder wett gemacht werden. Hierbei mitzuhelfen, muß Aufgabe jedes Arbeiters sein. Uebersicht. Reichstagsauflösung in Sicht. Berlin, 24. Februar. Die Finanzminister der Einzelstaaten kamen am Mittwoch unter dem Vorsitz von Bülow zu einer Besprechung der finanzpolitischen und parlamentarischen Lage zusammen. Wie man erfährt, lehnen die Finanzminister jede Erhöhung der Matrikularbeiträge ab und bestehen auf der Nachlaßsteuer. Von einer Reichseinkommen= oder Vermögenssteuer wollen die Einzelstaaten nichts wissen. Gleichzeitig verlautet, der Reichskanzler hätte die Vorschläge der Subkommission nicht angenommen und stehe ganz auf seiten des Staatssekretärs Sydow. In parlamentarischen Kreisen sind ernste Zweifel an der Lösung der Reichsfinanzreform vorhanden und es wird damit gerechnet, daß es zu einer Auflösung des Reichstags kommt. Es ist vorläufig noch nicht daran zu glauben, daß eine Reichstagsauflösung erfolgen wird. Aber wie die Dinge in Deutschland nun einmal liegen, kann man überhaupt nicht sagen, daß irgend etwas ausgeschlossen ist. Das übliche Dementi. Daß im Jahre 1911 eine neue Militärvorlage kommt, hat das Kriegsministerium bestätigt. Ueber den Umfang der Vorlage sind nun verschiedene Gerüchte entstanden, denen ein amtliches Dementi entgegengesetzt wird, wonach es nicht richtig sei, daß die Errichtung eines neuen Armeekorps geplant werde. Ueber den wirklichen Umfang der Mititärvorlage schweigen sich die amtlichen Stellen aus:— Wenn man bestreitet, daß ein neues Armeekorps aufgestellt werden soll, so schließt das nicht aus, daß noch mehr verlangt wird. Der Block in Nöten? Allem Anschein nach bereitet sich eine Blockkrise vor. Die„Germania“ wandte sich, wie bereits mitgeteilt, am Dienstag abend scharf gegen die Nationalliberaen, die es sich herausnahmen, die anderen Parteien zu tyrannisieren. Unter diesen Umständen halte es das Zentrum für seine Pflicht, um die Würde und das Ansehen des Reiches zu wahren, endlich einzugreifen, und gemeinjame Sache mit den Konservativen zu machen. g raanauägeba fr“#i, Germania“ In ihrer Mittwoch=Morgenausgabe fährt die„Germania“ in ihren Angriffen fort und läßt durchblicken, daß das Zentrum gemeinsam mit den Konservativen darauf hinarbeiten werde, daß die von den Einzelstaaten zu erhebende Vermögenssteuer durchgeführt wird Die„Nationalliberale Korrespondenz“ erklärt, daß sie sich deshalb in keine Polemik einmischen könne, weil ihr durch die Vertraulichkeit der Verhandlungen die Hände gebunden seien. Die freisinnige Presse läßt bereits durchblicken, daß unter diesen Umständen der Block ernstlich gefährdet sei. Die Sudkommissionen haben mittlerweile ihre Arbeiten erledigt, so daß in den nächsten Tagen einigermaßen Klarheit über die Gestaltung der Reichsfinanzreform geschaffen werden dürfte. Wo Aas ist, da sammeln sich die Raben. Auch folgende Nachricht dürfte beachtenswert sein: Der freisinnige Reichstagsabgeordnete Enders erklärte in einer Versammlung der freisinnigen Volkspartei, der Beschluß der Unterkommission sei für den Freisinn unannehmbar. Wenn die Konservativen das Reichsschiff in die alte Zentrumsbrandung stoßen, würde der Liberalismus daraus die Folgerungen ziehen. Der Freisinn sei bereit zu neuen Kämpfen für Deutschlands Macht und Wohlfahrt, falls der Block durch die Schuld der Konservativen scheitern sollte. Arbeiterkontrolleure im Bergbau. Die Scharfmacherblätter im Ruhrgebiet sind ganz außer sich, daß mit den Arbeiterkontrolleuren ernst gemacht werden soll. Sie verlangen Bestimmungen in der neuen Berg=Gesetznovelle, durch welche den Kontrolleuren verboten wird, bei der Kontrolle Verhöre anzustellen, also Fragen an die Bergleute zu richten! Weiter müsse den Kontrolleuren verboten werden, Vorschläge zur Sicherung von Betriebspunkten zu machen, denn das sei ein Eingriff in die verantwortliche Betriebsleitung. Dann müsse von den Kontrolleuren ein Befähigungsnachweis in bezug auf die moralische Qualifikation gefordert werden und endlich müsse bei Strafe der Ungiltigkeit der Wahlen die Organisationsagitation für die Kontrolleurwahlen verboten werden. Die Scharfmacher erwarten, daß besonders mit dem zuletzt genannten Verlangen die Organisationen„einverstanden“ sein würden. Die Bergleute werden in Kürze das, was sie zu dem Trutzgesetz zu sagen haben, so laut und deutlich sagen, daß es auch den Scharfmachern in die Ohren klingt. Prämie auf die Feulheit. Die Scharfmacher fühlen sich nach der schönen anti=sozialpolitischen Rede des Herrn ,v. BethmannHollweg wieder obenauf. Die„Berliner, Neuesten Nachrichten“ bezeichnen mit der ihnen eigenen Unverschamtheit die Arbeitslosenversicherung direkt als„Prämie auf die Faulheit": Hinter all diesem Geschrei von Arbeitslosigkeit und dem damit angeblich verbundenen Elend steht nämlich nichts weiter als die sozialdemokratische Forderung nach einer Arbeitslosenversicherung, eine Forderung, die von den heutigen sozialpolitischen Ideologen natürlich mit begeisterter Gedanken= und Kritiklosigkeit ausgenommen werden würde. Das wäre die einzige Versicherung, der man bei uns im Reichsamte des Innern noch nicht näher getreten ist. In Wirklichkeit ist sie ja auch gar nicht durchzuführen, aber traue einer unseren sozialpolitischen Zauberkünstlern, die auf dem Papier ja die unmöglichsten Sachen fertig bringen. Und die Praxis muß sich dann, so schlecht und so recht es geht, mit der Gesetz gewordenen Unmöglichkeit abfinden. Wir haben schon so viele Pensionäre herumlaufen. Ein Unfall wird von so und so vielen Arbeitern freudig begrüßt, werden sie doch durch die Rente für das ganze Leben der Sorge um das tägliche Brot enthoben. Eine Arbeitslosenversicherung wird, sobald der betreffende Arbeitslose nicht gezwungen werden kann, jede für ihn geeignet erscheinende Arbeitsgelegenheit anzunehinen— und gegen die Annahme dieser Bestimmung wird man sich stets sträuben— nichts weiter sein, als eine Prämie auf die Faulheit. Und die hätte uns an unserer sozialpolitischen Vollkommenheit gerade noch gerchlt.„„„„ g g, im2 C. Und dieselbe Presse, die in dieser Weise die durch die Wirtschaftskrise getroffenen Arbeiter verhöhnt und verspottet, sucht dann hinterher dem deutschen Arbeiter einzureden, daß nicht die Sozialdemokratie, sondern sie die Lebensinteressen des deutschen Arbeiters wahrnimmt. Geheimrat Hamann kommt nicht wegen Meineid vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft hat zum zweiten Male das Verfahren gegen ihn eingestellt. Bekanntlich hatte Staatsanwalt Isenbiel auf Hamanns Selbstanzeige, die infolge der Angriffe des Professors Schmitz auf ihn erfolgte, das Verfahren eingestellt, weil nicht nachweisbar sei. daß Hamann, entgegen seinem Eide, mit der geschiedenen Frau des Professors Schmitz Geschlechtsverkeht gehabt habe. Schmitz beruhigte sich dabei nicht; auf seine Beschwerde beim Kammergericht wurde erneute Untersuchung angeordnet, die nunmehr zu dem eingangs angegebenen Resultät führte. Der große General und der große Staatssekretär. Der frühere Kommandierende in Südwestafrika, General v. Trotha, ist empört darüber, daß Staatssekretär Dernburg Kritik an seiner Kriegführung geübt hat. Er veröffentlicht eine Erklärung, die dahin geht, daß er seine Privatakten und sein Gedächtnis als unter dem Gesetz des Dienstgeheimnisses stehend betrachtet, es lei denn, die Regierung triebe ihn durch erneute Angriffe mit Gewalt und gegen seinen Willen in die Oeffentlichkeit. Offenbar will General v. Trotha damit andeuten, daß man an maßgebender Stelle in Berlin seine grausame Kriegsführung gekannt und gebilligt hat. Aus dem Reichstag. Etat=Notgesetz. Man rechnet bestimmt damit, daß es dem Reichstage unmöglich sein wird, den Etat bis zum 31. März fertigzustellen. In den Etat sind die erhöhten Beamtengehälter einzustellen; diese Materie selbst ist aber noch lange nicht spruchreif.— Dann sind die wichtigsten Etats, wie die der Marine, des Heeres und der Post von der Budgetkommission noch nicht einmal in Angriff genommen worden. Unter diesen Umständen wird der Regierung in der Tat nichts anderes übrig bleiben, als ein Notgesetz im Reichstage einzubringen Das Reichsamt des Innern und die streikenden Aerzte. Der Verband der Aerzte Deutschlands hat einen offenen Brief an Bethmann=Hollweg gerichtet, in dem Stellung genommen wird gegen die sanfte Mahnung, die der Staatssekretär des Innern gelegentlich der sozialpolitischen Debatten im Reichstage an die streikenden Aerzte ergehen ließ. An der Spitze der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung"(Nr. 47 vom 25. antwortet heute Bethmann=Hollweg den Aerzten. Es heißt in der Autwort: „Die Fürsorge, welche die Reichsverwaltung, insonderheit die von mir geleitete Behörde an der Hand der Reichsgesetze dem Gesundheitswesen und dem ärztlichen Stande angedeihen läßt, enthebt mich des Beweises, daß die Verhältnisse, und die Schwierigkeiten des ärztlichen Berufes hier bekannt sind und in dem Streben nach Abhilfe vollauf gewürdigt werden. Der Anteil, der den deutschen Aerzten an der Lösung des sozialen Problems zufällt, und die Verdienste, die sie sich dabei erworben haben, liegen vor jedermanns Augen. Mit Besorgnis sehe ich indessen, daß der Klassengegensatz unserer Tage die Erfüllung dieser bedeutungsvollen Aufgabe gefährdet. Allerdings erblickt nach wie vor die deutsche Aerzteschaft in ihrem Kern den vornehmsten Zweck ihres Berufs in der freien Ausübung der Wissenschaft zum Wohle der leidenden Menschheit. Aber in der Geltendmachung der materiellen Interessen, die infolge der Krankenkassengesetzgebung mehr als früher in den Vordergrund gedrängt ist, hat sich mancher Orten eine Schärfe auch auf seiten der Aerzte entwickelt. die die ideale Berufsauffassung trübt: Wenn ärztliche Vereinigungen die Abnahme des Ehrenworts benutzen, um den einzelnen Arzt zu verpflichten, die ärztliche Behandlung von der Erfüllung bestimmter wirtschaftlicher Forderungen abhängig zu machen, und wenn sie dem Arzte, der sich nicht fügen will, eine ehrengerichtliche Verfolgung in Aussicht stellen, so werden damit nicht nur für die Allgemeinheit, sondern auch für den ärztlichen Stand ernste Gefahren heraufbeschworen. Nicht der Kölner Streit, welchen ich ebensowohl in meiner Reichstagsrede vom 5. Februar wie in derjenigen vom 9. Februar von der Erörterung ausgeschlossen habe, und auch nicht die Rechtsprechung der Ehrengerichte, sondern die gesamte neuere Entwicklung hat mich zu der wohlbedachten Mahnung und Warnung veranlaßt, mit der ich dem wahren Vorteil der Aerzteschaft gedient zu haben vermeine.- Denn nur wenn auch in dem Kampfe um die Erwerbsinteressen die idealen Grundlagen des ärztlichen Berufs unerschüttert bleiben, wird der Aerztestand den Aufgaben gegen sich selbst, gegen Volk und Staat gerecht werden können. Unsere Gesetzgebung ist im Begriffe, mit der Neugestaltung der Arbeiterversicherung auch das Verhältnis der Aerzte zu den Krankenkassen auf eine festere Grundlage zu stellen. Ich vertraue, daß es dabei gelingen wird, die Berücksichtigung der ärztlichen Standes= und Erwerbsnotwendigkeiten mit dieser Hochhaltung des ärztlichen Berufs zu vereinigen.“ Dieser Streik der Aerzte und die Art, wie der Staatssekretär ihn behandelt, zeigt deutlich, daß schließlich doch der Weg der kapitalistischen Gesellschaft in eine Sackgasse führt Die Elektrizität in der Landwirtschaft. Ki. Die Anwesenheit der Landwirtsbündler in Berlin kommt der„Deutschen Tageszeitung“ gelegen, um für die neue Elektrizitätsagentur ihres Herrn und Meisters Podbielski zugkräftige Reklame zu machen. Die veröffentlicht eine„Zuschrift aus den Kreisen der Elektrizitatsindustrie“, in der angekündigt wird, daß„die Elettrizität im Begriff ist, sich nunmehr auch in der Landwirtschaft in umfassendem Maßstave zu bewähren. Die Elektrizitat hat, wie„die Zuschrift“ ausführt, in einer Anzahl landwirtschaftlich technischer Gewerbe bisher schon größeren Eingang gefunden. In Brennereien Zuckerfabriken und ähnlichen Betrieben wird sie bereits jetzt vieljach angewendet. Aber darüber hinaus ist sie berufen, der Lardwirtschaft auch sonst ihre Dienste zu evweisen, ihr insbesondere die Leutenot weniger fühlbar zu machen und den Bedars an Gespannen wesentlich zu verringern. Um nur einige landwirtschaftliche Arbeiten zu erwähnen, in denen die Elektrizität sich zu bewähren vermag, wird auf das elektrische Berieseln, Pflügea und Dreschen, auf elektrische Hebevorrichtungen und Entladungen, auf die Elektrizität in der Molkerei, in den Mahl= und Schneidemühlen, bei den Häckselmaschinen, für das Rübenschneiden und im Pumpen von Wasser wie von Jauche verwiesen. Dazu komme das Beleuchtungswesen, dessen Bereich sich vom Festsaale des herrschaftlichen Schlosses vis zum Kuhstall des Bauern erstrecke. Die technische Rückständigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland wird durch die Bemerkung des agrarischen Blattes bestätigt, daß die schon vor etwa einem Menschenalter in Benutzung genommenen Lokomobilen in ihrer Verwendung durch den Mangel einer Organisation außerordentlich eingeschrankt geblieben ist. Mehr noch sei das bei der Benutzung des DampfFfluges hervorgetreten. Mittelst der Elektrizitat könnte die Lunowittschaft aber noch wesentlich ökonomischer arbeiten als vermöge des Dampfes, freilich aber erweise sich da eine Organisation für die Anwendung noch um vieles zweckmäßiger und unentbehrlicher. Es bedarf keiner Betonung, daß wir der Schaffung von Organisationen zur systematischen und möglichst allgemeinen Anwendung der Elektrizität in der Landwirtschaft sehr sympathisch gegenüber stehen, wir halten es auch für sehr angebracht, daß die„Deutsche Tageszeitung“ für diese Bestrebungen eine wirkungsvolle Propaganda betreibt. Nach den sachlichen Ausführungen der„Zuschrift" wird lebhaft begrüßt,„daß im Sinne dieser Bemühungen neuerdings der frühere Landwirtschaftsminister v. Podbielsky es übernommen hat, für die Landwirte kostenlose Auskunftsstellen einzurichten, die es als ihre schaftsminister v. Podbielski es übernommen hat, für die Landwirtschaft zu fördern und den etwaigen Nachteilen, die aus verfehlten Einrichtungen entstehen könnten, vorzubeugen.“ Nun ist diese kostenlose Auskunftsstelle, wie wir kürzlich meldeten, eine Agentur der großen Elektrizitätsgesellschaften, die nicht nur kostenlose Auskunfte erteilen, sondern auch Aufträge für die Gesellschaften vermitteln soll. Diesen Umstand verschweigt das agrarische Organ aber seinen Lesern und Anhängern, die trotz der bekannten geschäftlichen Manipulationen des Herrn v. Podbielsk: ihn als ihren Heiland verehren. In der Zirkusversammlung ba der Elektrizitätsagent Podbielski gesetzliche Maßnahmen gegen die Herrschaft der Ringe. Kartelle und Trusts verlangt, in demselben Augenblick, in dem er sich anschickt, die Geschäfte eines der stärksten Kartelle zu betreiben. Was würde die„Deutsch Tageszeitung“ wohl sagen, wenn das Zentrasorgan einer anderer Partei einen ähnlich gesinnungstüchtigen Mann nicht nur els Führer duldete, sondern für seine privaten Geschäftsinteressen die aufdringlichste Reklame betriebe? Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 25. Februar. a. w.— Holzarbeiterverband. Montag, den 22. d. M. tagte Hieirseidet, ilh kaler. Erforschung der Lebewesen befaßten, das Aufzählen, Beschreiben und Sammeln von Tatsachen. Cuvier und seine Schule erlangten darin großen Ruhm. Weil man an die übernatürliche Verursachung der Tatsachen glaubte, so wurde lange Zeit jeder natürliche Erklärungsversuch(wie bei der Kopernicanischen Lehre) als verachtungswurdiges Verbrechen angesehen. Erst Darwin gelang es, durch die unwiderlegbare Macht beweisender Tatrachen und durch meisterhafte Handhabung der neuwissenschaftlichen Forschungsart, dem wissenschaftlichen Erklärungsversuch(sowie auch der Hypothese der Veränderungstheorief auch aus dem Gebiet der bis dahin nur beschreibenden Naturwissenschaften zu seinem Recht zu verhelfen. Nicht Tatsachen also oder bloße Erscheinungen, sondern Ursachen oder Prinzivien sind die letzten Ziele der wissenschaftlichen Forschungen. Redner schloß seine Ausführungen mit der Aufforderung, daß wir, die mit Bildung weniger Ausgestatteten, die Natur und ihre Entwicklungsgeschichte nicht nach biblischen Erzählungen anschauen oder auffassen sollen, sondern als das, was sie in Wirklichkeit ist. Reicher Beifall lohnte den Redner. Beim Punkt Verschiedenes gibt der Vorsitzende noch bekannt, daß am 16. März eine Agitationsversammlung stattfindet und die Kollegenschuft für einen guten Besuch zu sorgen habe. Schluß der Versammlung 8½ Uhr. Aus dem Theaterbureau wird uns ge— Stadttheater. in Szene. Dem Drangen aus allen Kreizen des Publikums nachgebend, hat sich die Direktion entschlossen, die Komödie „Moral“ von Ludwig Thoma. dem bekannten Mitarbeiter des „Simplicissimus“, zur öffentlichen Aufführung zu bringen, nachdem das Stück bereits zwei Aufführungen vor dem hiesigen Verein„Freie Volksbühne“ mit allergroßtem Erfolg erlebte. „Moral“ wird in Berlin jeden Abend im Kleinen Theater vor ausverkauftem Hause gegeven. — Künstler=Konzert. Der Direktion unseres städtischen Orchesters ist es gelungen, für das am Freitag, 26. dieses Monats, im Stadt=Theater stattfindende Konzert die königlich sächsische Kammersängerin Hilene Staegemann zu engagieren Ferner wird Herr Walter Frings. Lehrer am hiesigen Konservatorium, das D-aur=Violin=Konzert von Beethoven zu Gehör bringen. Wir empfehlen den Besuch dieses Konzerts, welches wohl zu den interessantesten der Saison zählen wird. dringend und sind überzeugt, daß jeder auf seine Kosten kommen wird. Vorverkauf bei Selle, Niedernstraße. — Polizeibericht. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht vom 16. auf den 17. dieses Monats wurde in einem Hotel in Wiedenbrück mittels Einbruchs ein dunkler Ueberzieher, mit schwarzer Seide gefüttert. Schrägtaschen, bezeichnet am Aufänger mit der Firma Robert Peinemann, Hannover, 1 kleiner Schokoladen=Automat mit annähernd 2 Mark Inhalt, eine Sammelbüchse und 1 schwarzer Spazierstock mit v.rsilberter Krücke gestohlen, ferner aus einem Privathause 2 gesalzene Schweineschinten. Ueber die Täter fehlt jede Spur. Vor Ankauf vorstehender Sachen wird gewarnt. Der Antrag auf Einführung des AchtuhrLadenschlusses für die Geschäftsinhaber, die Nahrungsund Genußmittel für Menschen(m.. Bgaum eine Mitgliederversammtung, in welcher der Naturwissenschaftter Dr. Bruno Borchardt=Charlottenburg über Darwin und sein Werk referierte. Redner führte ungefähr folgenoes aus: Es waren am 12. Februar 100 Jahre, als Tharles Tarwin geboren wurde. Sein Vater war Arzt, sein Großvater Erasmus Darwin Arzt, Naturforscher und Tichter, der in seinen Hauptwerken, besonders der Zoonomie, oder die Gejetze des organischen Lebens über die Vererbung, Anpassung, Zuchtwahl usw. philosophierte. Auch Charles Darwin sollte Mediziner werden. Er verließ mit dem 16. Lebensjahr das Kolleg und kam auf die Universitat zu Edinburg. Dort hörte er Vorlejungen über Medizin und Naturwissenschaften, fand aber infolge der geistlosen Unterrichtsmethode wenig Gefallen an ihnen, so daß er es vorzog, Theologie zu studieren. Aber auch während dieser Zeit schwärmte er für Sammlungen aus der Natur. Der Naturforscher Prof. Henslow veranlaßte ihn, auch Geologie zu studieren, und ermöglichte es, daß er an einer Forschungsreise nach Südamerika teilnehmen konnte, welche für ihn und für die Naturwissenschaft von Bedeutung wurde. Während der Reise und nach Beenoigung derselben arbeitete er eifrig an den Sammlungen von Pflanzen und Tieren, die er mitgebracht, und an seinem Tagebuch, in das er seine Beobachtungen niedergeschrieben hatte. Er sammelte Tatjachenmaterial auf Tatsachenmaterial, und so gewann sein Werk an Wert und Bedeutung. Mit Darwins Werk begann ein neues Zeitalter für die Wissenschaft von der Pflanzen= und Tierwelt. Darwin stellte neue Forschungsziele auf und bahnte neue Forschungswege. Dani seiner Geistesarbeit wurden die bis dahin nur als beschreibende Naturwissenschaften gehandhabten Disziplinen zum Rang erklärender Naturwissenschaften erhoben. Vor Darwin war Hauptziel und Zweck aller Wissenschaften, welche sich mit der on. Mittwoch, 24. Febr.: Einmaliges Gastspiel des BallettEnsembles Exzelsior unter Leitung der Ballettmeisterin Marianne Kunschmann. Wir haben uns in der letzten Zeit des Oefteren mit der Tanzpoesie zu beschäftigen gehabt, und im Stadttheater ist uns wahre Tanzpoesie vorgeführt worden und auch solche die Anspruch darauf machte ohne: wirklich zu sein. " ce, in ungrach Nauf machle, vyn. es Wirtlich zu sein. DasEnsemble von Marianne Kunschmann machte keinen Anspruch darauf, es wandelt in den alten Bahnen, die Beine werden geworfen, die Gliederbewegungen ausgeführt, die Gruppen gestellt ohne anderen Zweck, als um ein hübsches Bild darzubieten. Und es war wirklich recht hübsch. Der Schluß des zweiten Auftretens hätte allerdings etwas graziöser sein können. Zwischendurch wurde gegeben: Der Kammersänger, drei Szenen von Frank Wedekind, und Abschied vom Regiment, Drama in 1 Akt von Otto Erich Hartleb.n. Was der Dichter mit dem Kammersänger bezweckt, ist uns nicht recht klar geworden. Ein paar Stunden aus dem Leben eines Kammersängers vorzuführen, kann doch nicht seine Absicht gewesen sein, zumal dann die Bedeutung nur darin bestehen kann, daß Wirklichkeit damit vorgeführt wird und daß diesem Kammersänger jede Wirklichkeit abgesprochen werden muß. Darum interessiert auch die Weisheit gar nicht, die dieser frühere Tapezierergehilfe dem Backfisch, der verheirateten Frau und vor allem dem Komponisten, der den Widerstand der stumpfen Welt nicht besiegen konnte, von seinen Sängerlippen zuteil werden läßt. Daß die Frau sich schließlich erschießt, läßt auch kalt. Clarissa Linden, sie den Backsisch gab, war entzückend, ebenso brachte Melly Stollberg als Frau Helene Marowa die Tragik ihrer Rolle zur größtmöglichen Wirkung. Aber auch Carl Swinborne als Kammersänger und Hans Freihen als Professor Dühring waren sehr gut. Das Stück selbst möchten wir als eine unreife Arbeit eines talentvollen Dichters bezeichnen. Der Abschied vom Regiment ist ein sehr bedeutendes Werk. durchaus realistisch und doch poetisch. Diesen Hauptmann, der seiner reichen und ihres Reichtums wegen von ihm geheirateten Frau wegen den Abschied vom Regiment feiern muß, hat es gewiß schon gegeben Aber Otto Erich hat es verstanden und ist der Mann dazu gewesen, aus der Wirklichkeit die Poesie herauszuempfinden. So kommt die Kritik der Wirklichkeit im Drama zustande, bei der der Hauptmann, der nur den Abschied vom Regiment feiern will, den Abschied vom Leben erhält. Emil Landerer spielte den Hauptmann Griesfeld mit schöner Leidenschaftlichkeit, die anderen Rollen kamen dagegen wenig in Betracht. 4. Die Persicherungs#asten werden auf möglichst viele und verschiedenartige Schultern verteilt und hierdurch wird das Prinzip der Krankenversicherung, nach welchem die Gesunden und Starken die Kranken und Schlachen unterstützen sollen. am besten durchg führt. 2. Die Verschiedenheiten in dem Verhältnis zwischen Beiträgen und Leistungen der einzelnen Kassen wurden wegfallen, 8. Die Verwaltung, der gemeinsamen Krankenkasse wird einheitlicher, energiicher, übersichtlicher und beweglicher werden; auch wird sie in ihrer Art jedenfalls sehr erhebliche indirekte Vorteile bieten, die insbesondere in nachsolgender Richtung in die Erscheinung treten: a) durch scharfe und zweckdienliche Maßnahmen zur Untersuchung und Kontrolle der Kranten kann dem Simulantentum in einfacher und zweckmäßig. Weise gesteuert werden; b) es können infolge der wachsenden Bedeutung der Kasse und des steigenden Bedarfs günstige ertrage mit den Aerzten, Apotheken, Krankenhäusern, Kuranstalten und Lieferanten erlangt werden; e) in der jachlichen Verwatung werden zweifellos Ersparnisse erzielt, so z. B. in der Herstellung der Trucksachen, die bei mehreren Kassen natürlich für jede gesondert erfolgen muß. Bei einer größeren Kasse ist es auch möglich, Formulare für Vorgänge herzustellen, die sonst wenig vorkommen, weshalb kleine Kassen darauf verzichten müssen. Ersparnisse werden auch hinsichtlich der Bekanntmachungen(Annoncen) erzielt. die bei der Zersplitterung doch jede Kasse für sich allein erlassen muß: d) bei einer größeren Zahl der Versicherten wird es infolge der größeren Anzahl viel leichter sein. geeignete Personen zu Generalversammlungsvertretern und Kassenvorstandsmitgliedern zu finden, die sich mit Verständnis und Hingabe ihrem Amte widmen. 4. Die Krankheitsgefahr wird sich bei einer allgemeinen Kasse auf viel breitere Schichten der Bevölkerung als wie bei einer nach Bewerben geordneten und daher viel kleineren Ortskrankenkasse verteilen 5. Die Art des Heilverfahrens kann bei einer allgemeinen Kasse weit mehr der Eigenart der Krankheit angepaßt und Rekonvaleszenten können nach Genesungsheimen gebracht werden. Von den Diskussionsrednern seien erwähnt R Meier, Helmke und Müther, welche im wesentlichen den Ausführungen des Referenten beipflichteten und den schlechten finanziellen Stand einiger Kassen bestätigten. * Herford, 24. Februar. Zwei Diebe und Einbrecher gelang es gestern in den Kellerräumen eines hiesigen Kaufhauses, wo sie sich häuslich eingerichtet hatten, zu ermitteln und festsie sich häuslich eingerichtet hatten, zu ermitteln zunehmen. Eine große Menge Einbrecherwertzeuge und ein ansehnliches Warenlager fand man in dem Versteck vor. mit Ausnahme von solchen, die lediglich Bäckerei= und Konditorwaren, Tabak und Zigarren) feilhalten und für die Geschäftsinhaber, die Drogen=, Farb- und Parfümeriewarene feilhalten, ist vom Herrn Regierungspräsidenten in Minden abgelehnt worden, weil die Abstimmung der Geschäftsinhaber der Nahrungs= und Genußmittelbranche die nach§ 139 k. der Gewerbeordnung vorgeschriebene Zweidrittel=Meyrheit nicht ergeben hat. Von der Einführung des Achtuhr=Ladenschlusses für die Drogen=, Farb- und Parfümeriegeschäfte ist trotz der erreichten Zweidrittel=Mehrheit abgesehen, weil diese Geschäfte, namentlich die Drogengeschäfte, nicht streng von den anderen Nahrungsmittelgeschäften getrennt werden können, wodurch bei Durchführung des Achtuhr=Ladenschlusses Schwierigkeiten entstehen würden. Eingeliefert wurde eine Person wegen Bettelns. Perjonen erhielten Unterkunft wegen Obdachlosigkeit. Wochenspielplan des Bielefelder Stadttheaters. Sonntag, 28. Febr.: Anfang 7 Uhr. Ende 9¾ Uhr. Novität! Zum 1. Male!„Moral. Komödie in 3 Akten von Ludwig Montag, 1. März: Anfang 8 Uhr. Ende nach 10½ Uhr.„Die Journalisten. Lustspiel in 5 Akten von Gustav Freytag. Dienstag, 2. März: Anfang 7½ Uhr. Ende 10¼ Uhr. Benefiz für den ersten Helden und Liebhaber Emil Landerer.„Das Glück im Winkel.“ Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Mittwoch, 3 März: Anfang 7½ Uhr. Ende 10¼ Uhr.„Im Sperlingsnest. Lustsviel in 3 Aufzügen von Leo Walther Stein und Ludwig Heller. Donnerstag, 4. März: Anfang 7½ Uhr. Ende 10½ Uhr.„Das große Licht. Schauspiel in 4 Aufzügen von Felix Philippi [Verfasser von„Das Erbe“ usw.) Die zur Handlung gehörige Musik von Ferdinand Hummel 8 Sonnabend, 6. März: Anfang 7½ Uhr. Ende 10%4 Uhr. Vorstellung zu kleinen Preisen.„Alt=Heidelberg. Schauspiel in 5 Akten von W. Meyer=Forster.(Karl Heinz: Hubert Hopkirk. Käthie: Tilly Musäus.) In Vorbereitung:„Die fremde Frau.“(La femme X) Schauspiel=Novität von Alexandre Bisson. k. Herford, 24. Febr. Krankenkassen=Versammlung. Die zu heute abend vom hiesigen Gewerkschaftskartell einberufene Versammlung war von zirka 350 Personen besucht. Der Vorsitzende. Genosse Nadig, teilt mit, daß sich das Kartell verpflichtet gefühlt habe, zu dieser Versamm ung die Herren Stadtverordneten und den Magistrat einzuladen. Er begrüßt die Herren, welche der Einladung Folge geleistet haben und dankt ihnen für ihr Erscheinen. Hierauf referiert Gewerkschaftssekretär Genosse Schmidt über das Thema:„Warum fordert die Herforder Arbeiterschaft eine gemeinsame Ortskrankenkasse?" Der Redner geht auf die hohe Bedeutung, welche die Krankenversicherung für den Arbeiter hat, ein und schildert die Entwicklung derselben seit dem Jahre 1843. Besondere Beachtung verdienten die Betriebskrankenkassen. Der Referent beleuchtet die Praktiken in der Schönfeldschen Krankenkasse und unterzieht die Bestrebungen, die Lasten möglichst anderen Kassen aufzubürden, einer scharfen Kritik. An Hand von Zahlen weist er den Umfang und die Leistungen der Ortskrankenkassen nach und zieht einen Vergleich zwischen den einzelnen Ausgaben der Kassen im Deutichen Reich und denen der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Herford. Aus dem Vergleiche ist eine starke Belastung der hiesigen Kasse zu ersehen. In anschaulicher Weise schildert dann der Redner die Vorteile einer gemeinsamen großen Ortskrankenkasse gegenüber den jetzt bestehenden 20 verschiedenen Kassen am Orte. Nach dem betfällig aufgenommenen Referate gelangte folgende Resolution einstimmig zur Annahme: Resolution. Die heute, den 24 Februar 1909 im hiesigen Bürgerverein tagende, von zirka 350 Personen besuchte Krankenkassen=Versammlung richtet an den Magistrat der Stadt Herford folgende dringende Bitte: Der Magistrat wolle unverzüglich eine Umfrage an die Vorstände der hier bestehenden Ortskrankenkassen davingehend richten, ob von den einzelnen Kassen gewünicht wird, sich an die 2000 Mitglieder zählende Allgemeine Ortskrankenkasse für gewerbliche Arbeiter der Stadt Herford anzuschließen. Ferner wolle der Magistrat für diejenigen Kassen, deren Vorstände den Anschlug wünschen, unter Zustimmung der Generalversammlung die Auflösung bei der höheren Verwaltungsbehörde beantragen. Zur Begründung unserer Bitte lassen wir die aachstehenden, sich aus dem Zusammenschluß ergebenden Vorteile solgen: * Kirchlengern, 24. Febr. Wie's gemacht wird. Zu der unter dieser Stichmarke in Nr. 36 von uns gebrachten Notiz bringt der„Bünder General=Anzeiger“ in seiner Nr. 42 folgende Entgegnung: „Kirchlengern, 17. Febr. Ueber die Vergebung der Arbeiten der Kantorwohnung brachte die Bielefelder Volksw. einen Artikel, der der Richtigstellung bedarf. Zunächst sei bemerkt, daß der Gemeinderat mit der Sache nichts zu tun hat, weil nur die Kirchenkasse in Frage kommt. Dann ist es unzutreffend, daß der Kostenanschlag von F. um 500 Mk. höher gewesen ist. Die Sache ist wie folgt: Es besteht seit längerer Zeit für Bünde und Umgegend eine Tischlervereinigung, die lediglich den Zweck haben sollte, daß bei öffentlichen Ausschreibungen, wie hier der Fall ist, die Arbeiten nicht unterm Preis angeboten werden sollen, und dadurch nachher Schundarbeit oder sogenannte Klamottenware geliefert wird. Diesem Verein waren seinerzeit die hiesigen Meister beigetreten, auch W hatte sich kontraktlich verpflichtet, die vorgeschriebenen Preise inne zu halten und zur Bestrafung im Falle einer Uebertretung auch so gut wie andere einen Wechiel von 100 Mark unterzeichnet. Während sich F. nun verpfichtet hielt, bei dem Kostenanichlage die vorgeschriebenen Preise inne zu halten, um nicht einer Bestrafung entgegen zu gehen, ist sein Kollege W. ganz anderer Ansicht. Er hält die Preise für Türen und Fenster inne, greift sich die Treppe heraus, hängt vielleicht Gewissen und Geldbeutel so lange an die Wand, nimmt die Feder und schreibt flugs 50, also zirka die Hälfte des vorgeschriebenen Preises, um damit F. aus dem Sattel zu stoßen. Aber hierbei hatte er nicht daran gedacht, daß es heute Prinziv der Verwaltung der Städte, wie auch die Vertretung der Gemeinden ist, die Arbeiten an denjenigen Meister überhaupt nicht zu vergeben, der unter den wirklichen Preis fordert, weil da früher schon zu oft die Erfahrung gemacht ist, daß dann Schundarbeiten geliefert wurden, und dann die Gemeinde oder Stadt erst recht betrogen ist. Die Leute sagen immer Die Zeiten werden schlimmer, Die Zeiten bleiben immer, Die Menschen werden schlimmer.“ Dies:„Richtigstellung" stellt durcheinander, nur nicht richtig. Erst hat der Gemeinderat nichts mit der Sache zu tun, dann ist es wieder Prinzip der Gemeindevertretungen und Städteverwaltungen. Arbeiten nicht an Meister zu vergeben, die unter Vreis fordern. Wie reimt sich das? Und warum gab der Schulvorstand die Arbeiten trotzdem dem F., wenn er sie zu dem von W. geforderten niedrigeren Preis machen mußte? Warum erhielt sie dann nicht W.? Es soll dann unzutreffend sein, daß der Kostendaschlag von F. um 500 Mark höher war, als er dann forderte. Und doch ist es so. F. hat tatsachlich die gesamten Tischler=, Maurer= und Malerarbeiten zu 1500 Mark veranschlagt, während er bei der Ausschreibung 1000 Mark forderte und nuchtgen„angtop.„ und auch den Zuschlag erhielt. Die angeführte Vereinigung der Tischler fur Bünde und umgegend ist überhaupt nicht mehr vorhanden, das hat auch W. dem Kirchenvorstand an Ort und Stelle mitgeteilt. Ist die Lieferung von Schund= und Klamottenware aber denn jetzt so sicher ausgeschlossen, nachdem F. die Arbeiten so billig übernommen hat? Dann hat ferner W. die Treppe nicht mit 50, sondern mit 56 Mark eingesetzt, dazu kommt aber noch die Treppenverschalung, die Kellertür und das Trevdenloch, so daß die komphette Lieferung der Treppe auf 110 Mark kommt. Also wieder ein Reinfall. Die ganze„Richtig“= stellung stellt also alles schief dar. Daß sich die Richtigsteller nicht an die„Volkswacht“ gewandt, sondern in die Svalten des „Bünder General=Anzeigers“ geflüchtet haben, beweist ja auch schon zur Genüge, daß sich die Richtigsteller ihrer Sache nicht gerecht wußten. Hoffentlich erweisen wir den Herren mit dem Abdruck ihrer ominösen Richtigstellung einen Dienst. Oder etwa doch nicht? Nun, wir hielten dies für unsere Pflicht den Arbeitern von Kirchsengern gegenüber. Die Handlungsweise des Schulvorstandes ist also von uns mit Recht kritisiert worden. Damit müssen sich schon die Herren abfinden. * Bustedt, 24. Februar. Zu der Richtigstellung der Firma Rentsch u. Cie. in Werther, betreffend ihrer Filiale in Bustedt, wird uns geschrieben: Die Firma Rentsch u. Cie. sucht in ihrer Zuschrift alle Schuld auf den Meister Sewing abzuwälzen. Wir haben aber die Firma durchaus nicht beschuldigt, daß sie die Zustände in Bustedt verschuldete. In der Zuschrift gibt die Firma aber zu, daß die Mißstände ihren Grund in den Abmachungen, welche sie mit den Meister getroffen hat, haben. Sewing bekommt ein bestimmtes Quantum Tabak. Sewing beschäftigt so viel Leute, daß das Quantum nur für drei Wochen im Monat ausreicht. Die Lohnzahlung mit dem Meister ist monatlich vereinbart. Das ist der Inhalt des Schreibens. Daß ein Arbeiter gemaßregelt worden ist, scheint der Firma Rentsch u. Cie so selbstverständlich zu sein, daß sie diesem Punkt weiter keine Beachtung sch. Der entlassene Arheiter wird seine Schadenersatzansprüche vor Gericht geltend machen. Wir haben da aber doch andere Ansichten über die Verpflichtungen der Firma Rentsche u. Cie. gegenüber ihren Arbeitern in Bustedt. Ob der Meister Provision giltis sein. Monatlich ist Mona.s steht den Arbeiter dienstes zu. Die Firma be die Arbeiter ihrer Die Firma weiß ab zorigen Monat Umblatt a die Arbeiter nicht genüger wahl der Grund, warum zahl aufgegeben hat. Danc der: Sewing hat zuviel A halten. Die Firma weiß heraus. Die Firma will Damit nun die Arbeiter 1 die Wahrheit über den Tab Frage mag Meister Sewin * Votto, 24. Febr. D an mehreren Stellen derart behindert wird. Um diese baggerung des Stromes erf * Kaldorf, 24. Februar. Abbang herab, kam ein 9 und den Schlitten zu liegen der Kopf vollständig * Lage, 24. Febr. In de Sitzung, der eine gem Behorden vorausging, wu Entwurf zum Vora nung vorgelegt. Die Ei Rechnung, sind folgende: jahres 2500 Mk., Rückstän nahmen aus der Verwaltu basse zu den Verwaltungs in 15490 Mk., von G Nutzungen 14923 Mk., vo gewerblichen Betrieben un außerungen 5000 Mk., für Ausgaben 447 Mk., aus Rechnung vom Jahre 19 136,37 Mark. Die Ausg Vorjahren 50 Mk., Kosten und Abgaben 350 Mk., T fungen 4070 Mk., für städt Mark, Schulen 10014 M 3055,37 Mk., Straßenbele 1000 Mk., Stadtverordne 646,23 Mk., Rückstände 300 nung: Die Einnahme ur Die städtische Ziegelei schli von 4730 Mk. und einem städtische Sägewerk mit 15 tionsanstalt mit 150 Mar 520 Mk., die Stätte Nr. 25 Ziegler=Gewerbegericht mi gericht mit 265 Mk., die ste Mark, die städtische Fortb tische Kleinkinder=Bewahr gemeinschaftlichen Sitzung abgenommen und die Ver schworenen und Schöffen Sitzung erfolgten die We Ziegler=Gewerbegericht.— wurde ein festes Gehalt vi * Detmold, 24. Febr. Schloß vom Fürsten mit — Meine hochg Bei Beginn der neuen an dieser Stelle Sie als di Unseres Landes willkomm Ihre Arbeiten fallen der gesetzgebenden Organ vornehmsten Punkte auch Schaffung einer gesichert Ich glaube in Ihrem Sin Ausdruck verleihe, daße opferwilligen Einsicht alle möge, eine Verständigung finanzpolitischen Fragen Lösung dieser Fragen ist auch Unseres Landes nic sondern für alle folgender ein rechtzeitiger Ausglei nahme läßt sich nun dann nisse im Reiche auf eine Maß der Heranziehung d hilfen im voraus sich üb dies nicht der Fall, und Ihnen unterbreiteten 2 Etatsjahr 1909 wird um stalten, zumal der letztere Ob der Meister Provision oder Gehalt bezieht, kann da gleichgiltis sein. Monatlich ist Abrechnung, aber am 15. eines jeden Mona.s steht den Arbeitern Abschlag in der Höhe ihres Verdienstes zu. Die Firma hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter ihrer Filiale zenug Material haben. Die Firma weiß aber auch ganz gut, daß im zorigen Monat Umblatt als Decke verarbeitet worden ist, weil die Arbeiter nicht genügend Decke erhalten haben. Dieses ist wahl der Grund, warum Sewing jetzt seinen Arbeitern Stückzahl aufgegeben hat. Danach wäre der Sachverhalt also folgender: Sewing hat zuviel Arbeiter. Er will die Arbeiter aber halten. Die Firma weiß das, gibt aber nicht genügend Tabak heraus. Die Firma will auch in Zukunft nicht mehr geben. Damit nun die Arbeiter nicht davon laufen, erfahren sie nicht die Wahrheit über den Tabaksmangel. Warum wohl nicht? Die Frage mag Meister Sewing beantworten. * V otto, 24. Febr. Die Weser ist infolge des Hochwassers an mehreren Stellen derart versandet, daß die Schiffahrt dadurch behindert wird. Um diese Hindernisse zu beseitigen, ist eine Ausbaggerung des Stromes erforderlich * Kaldorf, 24. Februar. Beim Schlittenfahren einen steilen Abbang herab, kam ein 9jähriger Knabe zwischen einen Baum und den Schlitten zu liegen. Bei der sausenden Fahrt wurde ihm der Kopf vollständig vom Rumpfe getrennt. * Lage, 24. Febr. In der heutigen StadtverordnetenSitzung, der eine gemeinschaftliche Sitzung der städtischen Behorden vorausging, wurde den Stadtverordneten auch der Entwurf zum Voranschlag zur Gemeinderechnung vorgelegt. Die Einnahmen der Abteilung A, Laufende Rechnung, sind folgende: Ueberschuß der Rechnung des Vorjahres 2500 Mk., Rückstände aus dem Vorjahre 150 Mk., Einnahmen aus der Verwaltung 6850 Mk., Zuschuß aus der Landhaße zu den Verwaltungskosten 93/68 Mi., Steuern und Abden 15490 Mk., von Gebäuden 4970 Mk., Grundstücke und atzungen 14923 Mk., vom Kapital=Vermögen 7000 Mk., von gewerblichen Betrieben und städtischen Anstalten 2940 Mk., Veraußerungen 5000 Mk., für Armenzwecke—. Ersatz auf laufende Ausgaben 447 Mk., aus den Ueberschüssen der SparkassenRechnung vom Jahre 1908 29000 Mk, sonstige Einnahmen 136,87 Mark. Die Ausgaben betragen: Rückstande aus den Vorjahren 50 Mk., Kosten der Verwaltung 33718 Mk., Steuern und Abgaben 350 Mk., Bauten, Ausbesserungen und Anschaffungen 4070 Mk., für städtische Grundstücke und Nutzungen 4465 Mark, Schulen 10014 Mk., städtische Anstalten und Betriebe 3055,37 Mk., Straßenbeleuchtung 5000 Mk., Nachbewilligungen 1000 Mk., Stadtverordnetenversammlung 100 Mk., Sonstiges 646,23 Mt., Rückstände 300 Mark.— B. Außerordentliche Rechnung: Die Einnahme und Ausgabe beträgt 33900 Mark.— Die städtische Ziegelei schließt mit einer Einnahme und Ausgabe von 4730 Mk. und einem Ueberschuß von 2020 Mark.— Das städtische Sägewerk mit 1570 Mark.— Die städtische Desinfektionsanstalt mit 150 Mark.— Die städtische Badeanstalt mit 520 Mk., die Stätte Nr. 25 zu Heßloh mit 845 Mk., das livvische Ziegler=Gewerbegericht mit 2850 Mk., das allgemeine Gewerbegericht mit 265 Mk., die städtische höhere Knabenschule mit 18800 Mark, die städtische Fortbildungsschule mit 2870 Mk., die städtische Kleinkinder=Bewahransta't mit 1250 Mark.— In der gemeinschaftlichen Sitzung wurde die Jahresrechnung 1907/08 abgenommen und die Vertrauensmänner für die Wahl von Geschworenen und Schöffen gewählt.— In der StadtverordnetenSitzung erfolgten die Wahlen der Arbeitgeber zum lippischen Ziegler=Gewerbegericht.— Dem Svarkassenkassierer Ottemeier wurde ein festes Gehalt von 2500 Mk. bewilligt. * Detmold, 24. Febr. Der Landtag wurde heute im Schloß vom Fürsten mit folgender Thronrede eröffnet: — Meine hochgeehrten Herren! Bei Beginn der neuen Legislaturperiode heiße Ich heute hier an dieser Stelle Sie als die berufenen Vertreter der Bevölkerung Unseres Landes willkommen. Ihre Arbeiten fallen zeitlich zusammen mit den Beratungen der gesetzgebenden Organe des Deutschen Reiches, die in dem vornehmsten Punkte auch sachlich das nämliche Ziel verfolgen, die Schaffung einer gesicherten und dauernden Finanzverwaltung. Ich glaube in Ihrem Sinne zu sprechen, wenn Ich der Hoffnung Ausdruck verleihe, daß es dank der vaterlandsliebenden und opferwilligen Einsicht aller staatserhaltenden Parteien gelingen möge, eine Verständigung über die umfassenden und schwierigen finanzpolitischen Fragen im Reiche herbeizuführen. Mit der Lösung dieser Fragen ist die Feststellung des Staatsbaushalts auch Unseres Landes nicht nur für das kommende Etatsjahr, sondern für alle folgenden Jahre auf das engste verknüpft, und ein rechtzeitiger Ausgleich zwischen Ausgabebedarf und Einnahme läßt sich nun dann ermöglichen, wenn die Finanzverhältnisse im Reiche auf eine feste Basis gebracht werden und das Maß der Heranziehung der Deutschen Bundesstaaten durch Beihitfen im voraus sich überseher lasser wird. Gegenwärtig ist dies nicht der Fall, und die Beratung der wesentlichsten der Ihnen unterbreiteten Vorlagen. des Voranschlages für das Etatsjahr 1909 wird um so vorsichtiger und gründlicher sich gestalten, zumal der letztere mit einem unvermeidlichen nicht unerheblichen Fehlbetrage abschließt. Der Voranschlag für das Jahr 1909 weicht in seiner äußeren Form mehrfach von den früher aufgestellten ab, einesteils infolge der Verstaatlichung der Anstalt Lindenhaus. anderenteils infolge Eirgehens auf die von dem Landtage geäußerten Wünsche, die nicht sämtlich erfüllt werden konnten, weil dem zurzeit noch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegenstehen. Als ein solches wesentliches Hindernis ist der Mangel an Geschäftsräumen für die Landesverwaltung anzusehen, dem die Vorlage, den Neubau eines Regierungsgebäudes betreffend, abzuhelfen bestimmt ist. Das Bedürfnis, hierin Wandel zu schaffen, ist auch von dem Landtag in der verflossenen Legislaturperiode als ein dringliches anerkannt worden. Auch die Vorlage, die Hebung der direkten Steuern für die Bedürfnisse des Landes nebst den damit in Verbindung stehenden Vorlagen aeht wiederholt dem Landtage zu, wobei die von ihm in der vorjährigen Beratung gefaßten Beschlüsse Berücksichtigung gefunden haben. Die Verabschiedung derselben wird unter der Voraussetzung eines gerechten Ausgleichs der verschiedenen Steuerarten für die Ordnung und Stetigkeit der Finanzverwaltung des Landes von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein. Mit der Vorlage, betreffend die Beseitigung der Doppelbesteuerung der Wanderarbeiter, erfüllt die Staatsrezierung eine dem letzten Landtage gemachte Zusage, während die übrigen Vorlagen die auf verschiedenen Gebieten hervorgetretenen Staatsbedürfnisse zu fördern bestimmt sind.„ Meine hochgeehrten Herren! Die gegenwärtige Lage ist, wie nicht zu verkennen, eine schwierige. Möge es Ihren im mit der Staatsregierung betriebenen Arbeiten gelingen, diese Schwierigkeiten zu überwinden, dem Lande neue Einnahmequellen zu erschließen und die Wohlfahrt und eine ruhige gesunde Weiterentwicklung der Interessen Unseres lieben Heimatlandes zu schern..,.. G. S, meine chrten Gerren unch In diesem Sinne heiße Ich Sie, meine geehrten Herren, nochmals herzlich willkommen. * Herbede, 24. Februar. Bei der von der Ruhrstromverwaltung auf Veranlassung der Regierung vorgenommenen Feststellung der Schäden, welche die Hochflut der Ruhr verursacht hat, stellte sich heraus, daß diese Schäden viel bedeutender sind, als anfangs gedacht wurde Der Schaden, der dem alten Rittersitz„Haus Kemnade“ beim Bahnhof Blankenstein zugefügt worden ist, wird auf 30000 Mk. bemessen. Viel schadenbringender war auch die Hochflut des Jahres 1890 nicht Damals wurden die kleinen Schäden fast sämtlich aus Spenden gedeckt, was jetzt nicht der Fall ist. * Münster, 24. Februar. Unglücksfall oder Selbstmord? Der Major Freiherr v. Holzing=Berstett von der hier garnisonierenden 13. Division, ein Bruder des Flügeladjutanten des Kaisers, wurde auf der Loddenheide bei Münster tot aufgefunden. Nach einer Version soll der Offizier bei einem Ritt durch den Wald vom Pferde gestürzt und tödlich verunglückt sein: nach einem anderen Gerücht, das in Münster zirkuliert. soll er in einem Zustande geistiger Umnachtung freiwillig aus dem Leben geschieden sein. Vermischtes. Leichenfund. Berlin, 24. Febr. Ein entsetzliches Verbrechen scheint mit einem Leichenfund in Verbindung zu stehen, der in dem Hause Invalidenstr. 1a gemacht wurde. Es handelt sich um den Leichnam eines Knoben, der schwere Brandwunden aufwies, also bald nach der Geburt in einen Ofen oder in eine Kochmaschine gesteckt sein dürfte. Die Leiche war in rotkarierten Inlettstoff gewickelt und endlich in Zeitungspavier gehüllt. Die behördlichen Nachforschungen nach der Mutter sind im Gange. Ertrunken. Thorn, 24. Febr. Beim Ueberschreiten der Eisdecke auf der Weichsel sind gestern abend in der Dunkelheit drei Personen ertrunken, der Bäckermeister Paul Herrling, der Briefträger Stoyk aus Strelno und der Musketier Stoyk vom 21. Infanterieregiment, die einen Verwandten in der Bromberger Vorstadt besuchen wollten. Vergiftet. Königshütte 24. Febr. Nach dem Genuß von Leberwurst starb der Schlossermeister Koslowski. Die Aerzte stellten Vergiftung fest. Die Leiche wurde gerichtlich beschlagnahmt.„„„ 9 2.—** Uebergefahren. Nauenvurg, 24. Feor. Der Kutscher Friedrich Liebert fuhr heute gegen 10 Uhr in Nauenburg gegen eine Bordschwelle; er fiel vom Wagen und wurde von demselben übergefahren und sofort getöret. Feuersbrunst. Varis, 24. Febr. Eine Feuersbrunst äscherte gestern mehrere Hektar Buchwald bei Domfrant ein. Das Feuer konnte bis jetzt noch nicht eingedämpft werden.„ 9, 2 6r Pi. 6et Zwei Menschen verbrannt. Paris, 24. Fevr. Die bekannte Schauspielerin am Theater Antoine, Irene Muze, und ihr Friseur Gellis fielen gestern einem furchtbaren Unfall zum Opfer. Gellis wusch das Haar der Künstlerin mit einer essenzhaltigen Flüssigkeit, als die Künstlerin plötzlich in Flamnen geriet. Beide waren sofort von den Flammen umhüllt. Auf ihr Hilfegeschrei kamen die Nachbarinnen herbei, denen es gelang, das Feuer zu ersticken. Die beiden Verunglückten waren bereits bewußtlos geworden. Sie wurden in hoffnungslosem Zrstand in ein Krankenhaus gebracht. Massenverhaftungen. Lens, 24. Feor. Infolge eines blutigen Zusammenstoßes einer größeren Anzahl Arbeiter und der Zerstörung von Inventar in einer hiesigen Gastwirtschaft nahm die Gendarmerie heute Massenverhaftungen vor 129 Männer und 28 Frauen wurden festgenommen. Die Mehrzahl der Verhafteten sind Belgier. Viele davon dürften ausgewiesen werden. Kälte und Schneegestöber. Bern, 24. Febr. Aus dem Gebirge wird eine außergewöhnliche Kälte mit Schneegestöber gemeldet. Höhenstationen wie Rigt, St.=Gotthard und Pilatus verzeichnen heute 25 bis 30 Grad unter Erdbeben. Konstantinopel, 24. Februar. Einer Depesche aus Simav(in der asiatischen Türkei) zufolge sind in Kotich Hisar durch Erdbeben 1500 Häuser zerstört, 37 Menschen getötet und eine große Zahl Personen verletzt worden. Die Regierung hat eine Hilfsaktion eingeleitet.„ Wirbelsturm. Newyork, 24. Febr. In Fisyer in Arkansas hat ein Wirbelsturm 13 Menschen getötet und viele verwundet. Die Gebäude der Stadt sind bis auf zwei sämtlich beschädigt. Lehzte Nachrichten. Hamburg, 25. Febr. Als gestern abend die Schauerleute den Dampfer„Kaiserin Augusta Victoria“ der Hamburg=AmerikaLinie verließen, brach die Laufbrücke ein. Die gerade auf der Brücke befindlichen Schauerleute und sonstige Bediensteten fielen ins Wasser, in das die Flut schwere Eismassen gedrängt hatte. 7 Mann, die durch die Eisschollen schwere Verletzungen erlitten hatten, konnten gerettet werden, dagegen werden elf Mann vermißt, die wahrscheinlich ertrunken sind. Berlin, 25. Fekruar. Die Berliner Parteigenossen haben wieder einmal einen Spitzel in der Person des Berliner Schutzmanns Erich Scheunemann, der unter dem Namen John Frenck aus England sich in die Partei hatte aufnehmen lassen und eifrig Parteiarbeit verrichtete, entlarvt. Er hat auch an den strationen teilgenommen. Eine wohlgelungene Aufnahme des Spitzels ist in dem Schaufenster der Buchhandlung„Vorwärts“ ausgestellt. Wien, 25. Februar. Das neue serbische Kabinett macht hier den denkbar schlechtesten Eindruck, da ihm eine ganze Reihe der erbittertsten Feinde Oesterreichs angehört. Man bezeichnet hier die Einsetzung dieses Kabinetts als Beweis dafür, daß alle Ratschläge der Mächte in Belgrad völlig wirkungslos geblieben sind. Wien, 25. Februar. Die Anregung Deutschlands zu Intervention der Mächte in Belgrad erweckt hier große Genugtuung Man ist hier nach wie vor der Ansicht, daß nur eine ganz bestimmte Erklärung aller Mächte, Rußland nicht ausgenommen, wonach Serbien von ihnen im Kriegsfalle weder direkte noch indirekte Hilfe zu erwarten habe, zur Ernüchterung dieses Kleinstaates führen könne. Auch die französischen Bemühungen, Rußland für die deutsche Anregung zu gewinnen, machen hier die beste Wirkung. Die Lage wird infolge dieser diplomatischen Schritte in offiziösen Kreisen als günstig bezeichnet. Freilich besteht hier noch immer ein starkes Mißtrauen Brüssel, 25. Febr. Der Dampfer„Kurland“ bat gestern im Hafen von Livorno einen englischen Frachtdampfer, der direkt aus den Docks von Clyde seine erste Reise unternommen hatte, in den Grun' gebohrt und wurde selbst sehr schwer beschädigt. Wieviel Menschen verunglückt sind, wird nicht gemgßigtem„ London. 25 Febr.„Der Lloyddampfer„Kaiser Wilheln 41. ist auf der Fahrt von Newyork im Cedney=Kanal aufgelaufen. London, 25. Febr. Ein Herr von etwa 50 Jahren und eine Dame von etwa 40 besuchten gestern nachmittag die berühmte Bildergalerie auf dem Trafalgarsauare und gingen in ruhiger und später in lebhafterer Unterhaltung durch verschiedene Räume. In einem Zimmer, wo sich nur wenig Personen befanden, zog der Herr plötzlich einen Revolver hervor und schoß die Dame in die Schläfe. Die Dame stürzte mit furchtbarem Schrei zu Boden. Hierauf feuerte der Herr auf sich selbst. Der erste Schuß ging fehl, der zweite traf ihn in den Kovf und tötete ihn auf der Stelle. Die Dame wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie bald darauf verstarb. Die Identität der beiden steht noch nicht fest, man fand aber bei dem Herrn einen Brief. aus dem hervorgeht, daß der Vorgang geplant war. Brieffasten der Redaktion. 10. Das ist gestattet...., aghrem 6, fen Mnakuse Leopoldsthal. Wenn Sie in Herford Ihlen festen Toogusig haben, dann nicht. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inieratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. S* weit unter Preis, soweit Vorrat Hemdentuch... Kendenttienk, elsass. Qualität.. Betckattumeste bis 12 BeLCKaUTIIZ frische Muster. BettdAhas“ soen breit...... Bettdalkast 130 u. 160 cm breit Mett Bettuchhesser 16o em breit . 9.„Kesserbi mut!. reicht. Posten Meter nur (Unber. Nachdr. verb.) Unter starker Beteiligun Saale des Künstlerhauses die einigung der Steuer= und W den Erschienenen sah man Vertretung des verhinderten v. Manteuffel eröffnete Gra versammlung mit einer kurz Generalversammlung hat sie einmal auf politischem G.bi trachtung unserer Vereinigu schaftlichem Gebiet. Die W unserer direkten Steuern ist Steuern, die heute schon in dazu eine hohe kommunale schaftliche Leben hemmen, fü Bevolterung zuungunsten Deutsche Reich macht ebe Steuerkraft des Volkes. T stimmenden Ansicht, daß ei eine wirtschaftliche und pol richtig!] Wir wollen die er handelt sich dabei um die Lö wirtschaftlicher Fragen, und einer Reichsfinanzreform ni gehen, sondern nur auf Grr Deutsche Reich ist vermöge in der Wahrscheinlichkeit, ie gewaltige Auswendungen fi europäischen Staaten zu ma punkt verpflichtet, sein wirt entwickeln mehr wie irgend Schon unter diesem Gesicht einer Reichsfinanzreform schädigen und in dieser Entt stimmung.) Wir wollen an auf wenige Fragen beschränk Wichtigkeit, das sie unser I spruch nehmen werden. Vor gedenken wir auch in diesem ihm unsere Huldigung dar. dreimaliges Kaiserhoch ein. Dann wurde sofort in die erster Stelle die Steuervor stehen. Professor Dr. Gerla erster Referent die Frage, der Steuervorlagen der R wirtschaftlichem Gebiete hab die Er Er unterbreitete hierzu lution; „Die 34. Generalversan und Wirtschaftsreformer 1. von dem im deutsch satze, daß sich das Reich euerung beschränken u. bedarfs ausbauen muß, Besteuerung des Einkomn Reich würde seinen föde eines der wichtigsten Gese desstaaten entziehen und den Kulturaufgaben hemn 2. hinsichtlich der Rei bereits in der Generalve nommenen Standpunkt. des Reichs in das Gebiet stehenden Steuern Jed Gewerbe besonders hart 1 eine Vermögensbildung si schnell aufeinander folgen steuer zu einer umfangre „In der Begründung seit lach von der Rede des Reich Posten Meter Posten Meter Posten Meter Posten Meter Posten Posten Posten Meter fabelhaft WIT Posten solide Ware Logten aparte Streifen Posten helle und dunkle Dessins Diese Artikel sind auf Extra-Tischen mit Preisen ausgelegt. Niedernstr. 13 Soeben erschien: Extra=Numm. des„Simplicissimus von Resnicek. Preis 50 Pfennig. Stadttheater. Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück. 113 Mit dem heutigen Tage eröffne ich am Schillerplatz Nr. 14= (Haus des Herrn Gerichtsvollziehers Vonschott) eine. Filiale und halte mich dem geehrten Publikum in Lieferung von 1146 Nähmaschinen und Fahrrädern aller Systeme, sowie Zubehörteilen, Mangeln, Wasch-, Wring-, Kochmaschinen u. Haushaltungsgegenständen bestens empfohlen. Eigene Reparaturwerkstätte. Unterricht im Nähmaschinensticken gratis. Leichte Zahlungsbedingungen. Heute, abends 7½ Uhr: Flachsmann als Erzieher. Sonnabend, den 27. Februar 1909, abends 7½ Uhr: Vorstellung zu kleinen Preisen! Zum letzten Male: Die Anna-Lise. Aus der Jugendzeit des alten Dessauer. Sonntag, 28. Februar 1909, abends 7 Uhr: Moral. Tägliches Repertoirstücke des Kleinen Theaters in Berlin. Der Vorverkauf hat begonnen. Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Brackwede. Sonnabend, 27. Februar, abends ½9 Uhr, bei Karl Schröder. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Oltni Von Chl Aus dem Englisch 59 Sechsund Nancy e Die Kirchenglocken schlu Gestalten auf der Londoner und rasch vorwärts eilende ruhig um sich blickte, als e eines Mannes, der im tief der ersteren in einiger En wenn das Mädchen still ste oder langsam dasselbe sich über die Brücke von dem A über. Das Mädchen, dase Blicken gemustert hatte, schi zu haben, drehte sich plötzli Kundschafter war indes ar Vertiesung, lehnte über da über und folgte ihr sodann auf der Brücke angelangt, Es war eine sehr finster an den beiden vorüber und von dichtem Nebel bedeckt, Feuer auf den kleinen, in kaum zu durchdringen verm am Ufer nur als dämmr scheinen. Die Türme der Kirche— solange schon die waren sichtbar durch die F aber untei der Brücke und auch für den schärfsten Bli Das Mädchen war— Beobachter verfolgt— un über die Brücke gegangen, abermals das Hinscheiden nacht war gekommen über d und Hütten, die Bettler= u Irrenhaus, die Gemächer. abgelaufenes endete, Gesun starr dalangen und blühe träumten. Nicht zwei Minuten, na war stiegen eine junge D einem Mietswagen nicht wi zuschritten. Sie hatten sich Mädchen aufmerksam stillst S. Branehele Hauptgeschäft: Rohrteichstrasse Nr. 72. Beirisst Sienererhedung. Für die bis 15. d. Mts. fällig gewesenen, noch nicht gezahlten Staats= und Gemeindesteuern pp. ist heute das Mahnverfahren angeordnet. Es sind deshalb von heute ab die Mahngebühren zu entrichten, gleichgiltig, ob die Zustellung des Mahnzettels erfolgt ist oder nicht. 1141 Magistrat Bielefeld. Programm v. 25., 26. u. 27. Febr. Schlager! 1144 Cartouche. Aus dem Leben des Räuberhauptmanns Cartouche. Herrlich koloriert. Die Schwiegermutter hat Schwein. Humoristischer Schlager. Indian. Fakire. Schlangenzauberer u. Vorführung von Tierdressuren. Sehr interessant. Sensationell! Nab Pinkerton. Aus dem Leben des amerik. Detektivs. Aeußerst spannende Handlung. Unnützer Neid. Sehr humoristisch. Hervorragend! Die Tochter des Bergarbeiters. Herzergreifendes Drama, dem Leben entnommen. Willy auf Besuch. Humoristisch. Der Traum eines Arbeiters oder: Des einen Tod ist des andern Brot. Dramatisch. Grosse Formen-Auswahl für Mädchen und Knaben richten wir die dringende Bitte, Fahrrad=Reparaturen, wie Emaillieren, Vernickeln usw. möglichst jetzt vornehmen zu lassen. Di.se lassen sich jetzt besser und billiger herstellen, als wie zu Beginn der Fahrsaison. Ferner bringen wir unser greßes Lager in Fahrrädern in empfehlende Erinnerung, speziell in gebrauchten Rädern haben wir eine große Auswahl, welche wir wegen Platzmangel fabelhaft billig verkaufen. Falls Sie Bedarf hierin oder Reparaturen zu machen haben, wenden Sie sich vertrauensvoll an das 770 Ravensberger Fahrradhaus Hilbert& Bertram, Jöllenbeckerstr. 90. trstes Spezialhaus für Fahrräder, Zubehörtelle u. Reparaturen. Achten Sie bitte genau auf Firma, Strasse u. Hausnummer. Rathausstrasse 1. Bielefeld. Berücksichtigt bei Eueren Einkäufen die Ins reuten der„Voikswacht“. Nr. 47. 0 O Bielefeld, Donnerstag, 25. Februar 1909. 20. Jahrg. 34. Generalversammlung der Vereinigung örr Strurk= und Wirtschuftortforaet. (Unber. Nachdr. verb.) Hg. Berlin, 23. Febr. Unter starker Beteiligung trat heute vormittag im großen Saale des Künstlerhauses die 34. Generalversammlung der Vereinigung der Steuer= und Wirtschaftsreformer zusammen. Unter den Erschienenen sah man auch Professor Adolf Wagner. In Vertretung des verhinderten Herrenhauspräsidenten Freiherrn v. Manteuffel eröffnete Graf Mirbach=Sorquitten die Generalversammlung mit einer kurzen Ansprache. Seit unserer letzten Generalversammlung hat sich nicht viel Freudiges zugetragen, einmal auf politischem G.biet; indes scheidet das aus der Betrachtung unserer Vereinigung aus; dann aber auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Wahrscheinlichkeit einer Verschärfung unserer direkten Steuern ist in greisbare Nähe gerückt. Unsere Steuern, die heute schon in den ärmeren Landesteilen, wo noch dazu eine hohe kommunale Besteuerung hinzukommt, das wirtschaftliche Leben hemmen, führen zu einer Verschiebung unserer Bevölkerung zuungunsten dieser armen Landesteile. Das Deutsche Reich macht ebenfalls gewaltige Ansprüche an die Steuerkraft des Volkes. Trotzdem sind wir alle der übereinstimmenden Ansicht, daß eine Lösung der Reichsfinanzreform eine wirtschaftliche und politische Notwendigkeit ist.(Sehr richtig!] Wir wollen die erforderlichen Opfer bringen, aber es handelt sich dabei um die Lösung sehr wichtiger und schwieriger wirtschaftlicher Fragen, und man kann deshalb an die Lösung einer Reichsfinanzreform nicht in einer Hurrastimmung herangehen, sondern nur auf Grund sehr eingehender Prüfung Das Deutsche Reich ist vermöge seiner geographischen Lage nicht nur in der Wahrscheinlichkeit, sondern in der Sicherheit, dauernde gewaltige Auswendungen für seine Sicherstellung unter den europäischen Staaten zu machen. Es ist unter diesem Gesichtspunkt verpflichtet, sein wirtschaftliches Leben zu stärken und zu entwickeln mehr wie irgend ein anderes Land.(Sehr richtig!) Schon unter diesem Gesichtspunkt müssen wir uns hüten. bei einer Reichsfinanzreform wichtige wirtschaftliche Gebiete zu schädigen und in dieser Entwicklung zu hemmen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir wollen uns bei unierer diesjährigen Tagung auf wenige Fragen beschränken, aber diese sind von so eminenter Wichtigkeit, das sie unser Interesse in großem Umfange in Anspruch nehmen werden. Vordem wir unsere Arbeiten beginnen, gedenken wir auch in diesem Jahre unseres Kaisers und bringen ihm unsere Huldigung dar. Die Versammlung stimmte in ein dreimaliges Kaiserhoch ein. Dann wurde sofort in die Tagesordnung eingetreten, an deren erster Stelle die Steuervorlagen der verbündeten Regierungen stehen. Professor Dr. Gerlach=Königsberg i. Pr. untersuchte als erster Referent die Frage, welche Wirkungen die Realisierung der Steuervorlagen der Reichsregierung auf ethischem und wirtschaftlichem Gebiete haben, und behandelte vor allem die Erbschaftssteuern. Er unterbreitete hierzu der Versammlung folgende Resolution: „Die 34. Generalversammlung der Vereinigung der Steuerund Wirtschaftsreformer erklärt: 1. von dem im deutschen Steuersystem befolgten Grundsatze, daß sich das Reich auf die Verbrauchs= und Verkehrseuerung beschränken und diese im Ausmaß seines Finanzbedarfs ausbauen muß, darf nicht abgewiesen werden. Die Besteuerung des Einkommens und des Vermögens durch das Reich würde seinen köderativen Charakter in Frage stellen, eines der wichtigsten Gesetzgebungsgebiete den einzelnen Bundesstaaten entziehen und sie in der Lösung der ihnen obliegenden Kulturaufgaben hemmen. 2. hinsichtlich der Reichserbschaftssteuer steht sie auf dem bereits in der Generalversammlung vom Jahre 1906 eingenommenen Standpunkt. Auch diese Steuer ist ein Einbruch des Reichs in das Gebiet der direkten, den Bundesstaaten zustehenden Steuern Jede Erbschaftssteuer trifft diejenigen Gewerbe besonders hart und dieserhalb ungerecht, bei welchen eine Vermögensbildung sich nur langsam vollziehen kann; bei schnell aufeinander folgenden Erbgängen führt die Erbschaftssteuer zu einer umfangreichen Vermögenskonfiskation.“ „In der Begründung seiner Resolution ging Professor Gerlach von der Rede des Reichsschatzsekretärs Sydow im Reichstage bei Einbringung der Steuervorlagen aus. In dieser Rede hat Herr Sydow die Erbschaft als einen glücklichen Zufall bezeichnet, der den Erben trifft, und auf die Verpflichtung hingewiesen, von diesem Erbe einen Teil an das Reich abzufuhren. Diese formalistische Auffassung entspricht in keiner Weise dem Rechtsempfinden der Bevölkerung.(Lebhafte Zustimmung.) Es wird lediglich auf die formale Verfügungsmöglichkeit des Vaters Gewicht gelegt, während wir in der Familie eine sittliche Gemeinschaft der Eltern mit den Kindern sehen(Sehr richtig!), eine sittliche Gemeinschaft, die auch eine wirtschaftliche Gemeinschaft ist.[Lebhafter Beifall.) Man kann deshalb nicht von einem Zufall sprechen, wenn ein Kind etwas erbt. Geradezu unverständlich sind die Ausführungen des Reichsschatzsekretärs hinsichtlich des Verhältnisses der Ehegatten zueinander. Die Ehegatten stehen zusammen im Wirtschaftsleben, solange sie existieren. Gott sei Dank ist das Ziel der Frauenrechtlerinnen noch nicht durchgesetzt, daß die Frau als Wirtschafterin des Mannes gilt und auf Lohn gesetzt werden soll.(Sehr richtig!] Der Bund der Landwirte sagte gestern, die Erbschaftssteuer zerstöre den Familiensinn. Gegenüber einer mäßigen Erbschaftssteuer ist diese Behauptung eine maßlose Uebertreibung. Wenn etwas Erbschaftssteuer gezahlt wird, so kann doch damit nicht das Familienleben vergiftet werden, das ist zu viel behauptet, das läßt sich nicht beweisen. In einer gesunden Entwicklung sollte die Werkfortsetzung des Sohnes nach dem Tode des Vaters bestehen; diese Werkfortsetzung muß auch behauptet werden für den kaufmänniichen Betrieb und für das Gewerbe. Nun ist ja richtig, daß heute zerstörende Tendenzen diese Werksortsetzung gefährden, und es sind schon gesetzgeberische Maßnahmen getroffen, um diese Werkfortietzung zu fördern. Ich erinnere an die Maßnahmen der Entschuldung des Grundbesitzes. Aber wenn jetzt der Reichsfiskus mit einer hohen Erb=chaftssteuer hier eingreift, wenn das gar in einer Form geschieht, die dem Erben der Steuer die Abwälzung auf den, der das Werk fortsetzen soll, ermöglicht, dann ist die Gefahr nicht zu unterschätzen, daß sich der Bauernsohn es noch mehr als heute überlegen wird: Sollst du bei deinem Vater bleiben?(Sehr richtig!] Das ist der Kern, der in dem Widerstand gegen die Erbschaftssteuer liegt. Nun hat in jüngster Zeit Adolf Harnack sich von sozialethischem Stundpunkte aus zu den Erbschaftssteuern geäußert. Er hat gesagt, die Erbschaftssteuer erinnere an die Pflichten des nicht selbsterworbenen Kapitals und hat ihr vom sozial=ethischen Standpunkt aus zugestimmt. Er sagte weiter, daß die sittliche und kulturelle Entwicklung der Gegenwart geradezu auf diese Steuer hinweise(Lautes Hört, hört!), und er hat gesagt, daß im rechtlosen Staat der Tod des Besitzers ein Zeichen dafür ist, daß der Starke sich der Beute bemächtigt. Dieser Zustand sei heute überholt, weil der Staat seinen starken Arm über jede Hinterlassenschaft halte. Diese Ausführungen Harnacks sind nicht neu. In ähnlicher Weise äußerte sich der englische Schatzminister 1894 bei Einführung der Erbschaftssteuern in England. Die Ausführungen gehen aber von falschen Voraussetzungen aus. Auch das Eigentum des Lebenden beruht nicht auf der physischen Kraft des Besitzers, sondern auf den Rechtseinrichtungen des Staates. Es ist ganz und gar unmöglich, die Erbschaften herauszulösen und nun, weil auch bei den Erbschaften der Rechtsschutz des Staates besteht, auf diese eine besondere Steuer zu legen. Diese Funktionen des Staates sind die Gründe, weshalb überhaupt Steuerr gezahlt werden müssen. Die allgemeinen Steuern können damit gerechtfertigt werden, aber nicht eine einzelne Steuer.(Sehr richtig!] Die Pesteuerung nach dem Einkommen und Vermögen ist die gebotene Form der Besteuerung. Wo allgemeine Vermögens= und Einkommensteuern nicht bestehen, kann die Erbschaftssteuer berechtigt sein als ein Surrogat. Sie verweisen auf England, aber in England gibt es keine Vermögenssteuer, ebensowenig wie in Frankreich.(Hört, hört!) Wenn dagegen in einem Staat die Besteuerung des Einkommens und des Vermögens so vollkommen entwickelt ist wie in den meisten deutschen Bundesstaaten, so kann kein prinzivieller Anspruch bestehen, daß nunmehr auch eine allgemeine Erbschaftssteuer eingeführt werden müßte.(Lebh. Zustimmung.) Etwas anderes ist es bei den Erbschaften der Seitenlinien. Hier mag man von einer gewissen Berechtigung sprechen, aber nicht da, wo es sich um die Erbschaft der Abkömmlinge handelt. Wenn wir auch prinzipiell die Besteuerung der Erbschaften verwerfen, sehen wir uns doch gezwungen, die Vorlage der verbündeten Regierungen einer Prüfung zu unterziehen. Auch da, wo man eine Steuer prinzipiell verwirft, kann es politisch notwendig sein, sie als kleineres Uebel zu akzeptieren. Die Erbschaftssteuer bringt gewiß viel ein und ist auch sehr entwicklungsfähig.(Heiterkeit und Zustimmung.) Diese Eigenschaften einer Steuer sind für den Finanzpraktiker nicht zu unterschätzen.(Heiterkeit.) Die Erbschaftssteuer ist aber eine rohe Steuer, sie tnüpft an ein zufälliges Ereignis, den Tod, an. Besonders schwer trifft sie Familien, die kräntlich und kurzlebig sind; in solchen Familien kann sie eine ernstliche Gefährdung des Vermögens bedeuten. Die Steuer trifft das mobile Kapital weniger als das immobile. (Sehr richtig!] Die Folge wird sein, daß das mobile Kapital immer mehr in die Depots der ausländischen Banken fließt. Frankreich und England mußten Organisationen schaffen, um derartige Hinterziehungen zu vermeiden.(Hört, hört!] Den Steuersatz der Regierung können wir als mäßig bezeichnen, aber wer garantiert uns, daß nicht in zwei oder drei Jahren die Steuersätze erhöht werden?(Lebh. Zustimmung.) Wer garantiert uns, daß es sich jetzt nur handelt um eine äußere Form, die geschaffen wird, um sie dann weiter auszubauen mit ergiebigeren Erträgen. Wir können den Besitz nicht überantworten einem Parlament, das aus geheimen gleichen Wahlen hervorgeht. (Stürm. Beifall.) Die Regierung wird von diesem Parlament zu weiteren Konzessionen gedrängt werden, sie wird immer mehr Geld brauchen.(Sehr richtig!] Der Reichstag wird sich dann an den Besitz halten. Bedauerlich ist, daß die Regierung die Initiative zu einer Besteuerung der Deszendenten und Ehegatten ergriffen hat. Eine Reichsvermögenssteuer wäre viel gefährlicher als die Reichserbschaftssteuer ist, denn sie ist eine stetige Steuer. Wir müssen daran festhalten, daß die Einkommen= und Vermögenssteuern den Einzelstaaten überlassen bleiben. Nun war die Rede von einer Erhöhung der Börsensteuer; auch da würde die Abwanderung des Kapitals ins Ausland die Folge sein und die Schwächung unserer finanziellen Kriegsbereitschaft. Auch die vorgeschlagene Bankumsatzsteuer lehnen wir ab. Wären die Bismarckschen Pläne der Reichseisenbahnen und des Tabakmonovols durchgeführt worden, dann hätten wir die Finanzmisere jetzt nicht. Ich bitte Sie, die Resolution einstimmig anzunehmen. Rittergutsbesitzer v. Bodelschwingh=Schwarzenhasel: Wir müssen endlich einmal damit aufhören, vor der großen Masse fortgesetzt Verbeugungen zu machen. Nicht nur die Landwirtschaft, sondern weite Kreise des Bürgertums sind gegen die Nachlaßsteuer.(Sehr richtig!) In der Presse kommt das nicht zum Ausdruck, weil die liberale Presse die Interessen des bürgerlichen und bäuerlichen Mittelstandes nicht vertritt. Sehr richtig!) Herr Sydow sprach auf dem Handelstag ironisch davon, daß der germanische Familiensinn gegen die Nachlaßsteuer mobil werde. Uns ist es aber damit heiliger Ernst. Welcher Widerspruch besteht zwischen der Einführung der Witwen= und Waisenversicherung und der Nachlaßsteuer! Im Arbeiterstand ist der Tod ein Nachteil und in den Kreiser der redlich sich durchschlagenden Bauern und Bürger soll er einen Vorteil für den Staat bedeuten? Krasser kann die Verwirrung gewisser Kreise nicht bezeichnet werden.(Sehr richtig!) Professor Harnack möchte ich nur sagen, er möge sich mit seinem sozial=ethischen Wirken zunächst einmal in Berlin an die moderne Plutokratie wenden. Wenn er da Erfolg hat, mag er zu uns kommen. Bedauerlich ist, daß der Reichskanzler in seiner Rede im Landtag alle von uns gemachten Steuervorschläge nicht erwähnte. Wir kommen um die Besteuerung der Kohle und der Bodenspekulation nicht herum(Stürm. Beifall.). Geh. Rat Prof. Adolf Wagner: Ich sage ganz keck heraus, die Nachlaß= und Erbschaftssteuer halte ich für notwendig, da wir keine besseren direkten Steuern im Deutschen Reiche erhalten können.(Lebh. Widerspruch.) Eine bessere Steuer wäre eine direkte Einkommen= und Vermögenssteuer, aber die können wir aus den bekannten Gründen nicht einführen. In dem Gerlachschen Vortrag habe ich etwas vermißt, er hat immer nur mit den bestehenden indirekten Steuern gerechnet und nicht mit den neuen indirekten Steuern, die kommen sollen. Hätte er das getan, würde er abermals eine starke Belastung der Massen haben konstatieren müssen. Darüber ging er aber hinweg. Er sagte, es wäre eine Frage, daß die indirekten Verbrauchssteuern die Massen belasten. In der Tat aber wird relativ die Masse der Bevölkerung viel schwerer getroffen als die wohlhabenden Klassen.(Lebh. Widerspruch.) Darüber kann kein Zweifel sein. Die unentbehrlichen und notwendigen Agrarzölle haben auch bei uns im Durchschnitt zur Erhöhung der Preise geführt, und diese Erhöhung machte sich wieder bei den Massen fühlbar.(Widerspruch.] Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn wir auf das Einkommen des kleinen und mittleren Mannes die indirekten 50 Oliner Twist. Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. Sechsundvierzigstes Kapitel. Nancy erfüllt ihre Zusage. Die Kirchenglocken schlugen dreiviertel auf elf Uhr, als zwei Gestalten auf der Londoner Brücke erschienen. Die eine leicht und rasch vorwärts eilende war die eines Mädchens, das unruhig um sich blickte, als erwarte sie zemanden; die andere die eines Mannes, der im tiefsten Schatten, den er finden konnte, der ersteren in einiger Entfernung nachschlich, aber still stand. wenn das Mädchen still stand, und wieder vordrang, so schnell oder langsam dasselbe sich eben fortbewegte. Sr schritten sie über die Brücke von dem Middlesex- nach dem Surreyufer hinüber. Das Mädchen, das alle Vorübergehenden mit forschenden Blicken gemustert hatte, schien sich in seiner Erwartung getäuscht zu haben, drehte sich plötzlich um und ging wieder zurück. Der Kundschafter war indes auf seiner Hut gewesen, trat in eine Vertiesung, lehnte über das Geländer, ließ das Mädchen vorüber und folgte ihr sodann wieder nach wie vorher. Fast mitten auf der Brücke angelangt, stand sie still und er gleichfalls. Es war eine sehr finstere und kalte Nacht, nur wenige gingen an den beiden vorüber und beachteten sie nicht. Die Themse war von dichtem Nebel bedeckt, den der matte, rötliche Glanz der Feuer auf den kleinen, in den Werften ankernden Fahrzeugen kaum zu durchdringen vermochte, und die Feuer ließen die Häuser am Ufer nur als dämmrige, noch undeutlichere Massen erscheinen. Die Türme der alten Heilands= und St. MagnusKirche— solange schon die riesigen Wächter der alten Brücke— waren sichtbar durch die Finsternis, der Wald der Schiffsmaste aber untei der Brücke und weiter umher die Menge der Türme auch für den schärfsten Blick unerkennbar. Das Mädchen war— fortwährend von seinem ungesehenen Beobachter verfolgt— unruhig ein paarmal hin und wieder über die Brücke gegangen, als die Glocke der St. Pauls=Kirche abermals das Hinscheiden eines Tages verkündete. Mitternacht war gekommen über die menschenerfüllte Stadt, die Paläste und Hütten, die Bettler= und Gaunerhöhlen den Kerker und das Irrenhaus, die Gemächer. in welchen neues Leben begann und abgelaufenes endete, Gesunde ruhten und Kranke ächzten, Leichen starr dalangen und blühende Kinder süß schlummerten und träumten. Nicht zwei Minuten, nachdem der letzte Glockenton verklungen war stiegen eine junge Dame und ein graulöpfiger Herr aus einem Mietswagen nicht weit von der Brücke, auf welche sie rasch zuschritten. Sie hatten sich kaum auf derselben gezeigt, als das Mädchen aufmerksam stillstand und ihnen sodann entgegeneilte, deren Munde ein Ausruf der Ueberraschung entfloh, welchen sie jedoch sogleich unterdrückten, als ein wie ein Kärrner Gekleideter plötzlich fast gegen sie anrannte... 86 6u.24, wic „Nicht hier," flüsterte Nancy hastig.„Ich fürchte mich, hier mit Ihnen zu reden. Folgen Sie mir dort die Treppe hinunter.“ Der Kärrner drehte sich um, während sie so sprach und nach der Treppe hinwies, rief in rauhem Tone zurück,„wozu sie die Breite des ganzen Steinpflasters einnähmen,“ und ging vorDie Treppe, nach welcher das Mädchen hingewiesen hatte, befand sich am Surreyufer und führte zu einem Landungsplatze hinunter; der Kärrner eilte hin zu ihr, blickte forschend umher und fing an hinabzusteigen. Sie besteht aus drei Absätzen, auf deren zweitem die Mauer linker Hand in einen Pfeiler nach der Themse hin ausläuft. Die Stufen der unteren Flucht sind breiter, und wer nur um eine einzige tiefer hinter den Pfeiler tritt, ist denen verborgen, die, wenn auch ganz in seiner Nähe, auf dem Treppenabsatze stehen. An dieser Stelle versteckte sich der Kärrner, mit dem Rücken an den Pfeiler tretend. Er war in gespanntester Erwartung, denn was hier vorging, lag gänzlich außer dem Kreise aller seiner Vermutungen, und wollte schon wieder höher linaufgehen, als er den Schall von Fußtritten und gleich darauf dicht neben sich Stimmen vernahm. Er horchte mit verhaltenem Atem.„,„ g6(af, 8:. i, „Dies ist weit genug,“ sagte der Herr.„Ich lasse die junge Dame nicht weiter hinuntergehen. Viele andere würden Ihnen nicht einmal so weit gefolgt sein; Sie sehen, daß ich Ihnen Vertrauen bewiesen habe.“ „Sie sind in der Tat sehr vorsichtig— oder auch mißtrauisch, wie mir scheint. Doch gleichviel,“ sagte Nancy „Weshalb führen Sie uns denn aber an einen solchen Ort?“ fragte der Herr in einem milderen Tone.„Warum wollten Sie sich nicht dort oben sprechen lassen, wo es hell ist und wo doch Menschen in der Nähe sind?“ „Ich habe es Ihnen schon gesagt, daß ich mick fürchtete, dort mit Ihnen zu reden. Ich weiß nicht, wie es kommt,“ sagte Nanev schaudernd,„bin aber so beklummen und zittere so sehr daß ich kaum auf den Füßen stehen kann.“ „Was fürchten Sie denn?“ fragte der Herr mitleidig. „Ich weiß es selbst nicht,“ erwiderte das Mädchen.„Den ganzen Tag haben mich schreckliche Gedanken an die verschiedensten Todesarten und blutige Leichentücher heimgesucht, und fortwährend hat mich eine Angst gequält, daß es mir war, als weniich mitten im Feuer brannte. Ick las heut abend in einem Buche, um mir die Zeit zu verkürzen, und las nur immer dasselbe beraus.„ Gar, Garubisn# „Einbildungen, sagte der alte perr beruhigend.. „Nein, nein,“ entgegnete das Mädchen mit heiserer Stimme. „Ich will darauf schwören, daß das Wort„Sarg“ auf jeder Seite des Buches mit großen schwarzen Lettern gedruckt stand — und erst vor kurzem, als ich hierher ging, ward einer dicht an mir vorübergetragen.„„ 1.68#x k.k. 7.6r#s. „Das ist nichts Ungewohnliches. Ich habe sehr oft an mir vorübertragen sehen.".. „Wirkliche— das war aber dieser nicht.“ Sie sprach dies alles in einem Tone, daß es den versteckten Lauscher kalt überlief, ja, daß ihm das Blut in den Adern erstarrte. Er hatte nie eine größere Herzenserleichterung empfunden, als in dem Augenblicke, da er die süße Stimme der jungen Dame— Roses— vernahm, die Nancy bat, sich zu beruhigen und sich nicht so entsetzlichen Gedanken hinzugeben.....„ „Reden Sie ihr freundlich zu, der Armen: sie scheint es zu bedürfen.“ fügte sie, zu ihrem Begleiter sich wendend, hinzu. „Ihre hochmütigen frommen Damen würden mich, wenn sie mich in dieser Nacht sähen, wie ich bin, verächtlich anblicken und mir vom ewigen Höllenfeuer und der Rache des Himmels predigen,“ rief das Mädchen aus.„O, meine teure junge Dame, warum sind die nicht, die Gottes Auserwählte sein wollen, so mild und gütig gegen uns arme Unglückliche wie Sie! Ach, Sie besitzen alles, was jene verloren haben, Jugend und Schönheit und könnten ja wohl ein wenig stolz sein, statt so viel bescheidener.“ „Ah!“ fiel der Herr ein:„ein Türke kehrt sein Antlitz, nachdem er es reinlich abgewaschen, nach Osten, indem er seine Gebete spricht. Jene guten Leute reiben an der rauhen Welt die Freundlichkeit von ihren Gesichtern ab und wenden sich dann nach der finsteren Seite des Himmels. Hab' ich zwischen dem Muselman und Pharisäer zu wählen, so lobe ich mir den Er sprach die Worte zu der jungen Dame, doch vielleicht beabsichtigend, Nancy Zeit zu verschaffen, sich wieder zu sammeln. Bald darauf redete er das Mädchen an. „Sie waren am vorigen Sonntagabend nicht hier.“ „Ich konnte nicht kommen— wurde gewaltsam zurückgehalten.“ Von wem?“.„.. 16 4# „Von Bill— dem Manne, von dem ich der jungen Dame ersählt habe.“... 424# dacht wosen“ T.A „Ich will doch hoffen, daß niemand Verdacht wegen der Sache auf Sie geworfen hat, die uns jetzt zusammenführt?“ fragte der alte Herr besorgt. „Nein,“ antwortete Nancy kopfschüttelnd.„Es ist aber nicht eben leicht für mich, ihn zu verlassen, ohne daß er weiß, warum, und ich würde auch zu der Dame nicht haben gehen können, hätt' ich ihm nicht, um mich von ihm entsernen zu können, einen Schlaftrunk gegeben.“ „War er denn dor Ihrer Rückkehr erwacht?“ „Nein; und so wenig, wie er selbst, hat sonst jemand Verbacht auf mich geworfen. S. 4 8 „Gut Hören Sie mich jetzt an. Diese junge Dame hat mir und einigen andern, des vollkommenste Zutrauen verdienenden Freunden mitgeteilt, was Sie vor vierzehn Tagen ihr anver Verbrauchssteuern abrechnen, wir relativ eine viel höhere bekommen, als bei den Wohlhabenden und Reichen. (Stürm. Widerspruch.) Es ist sehr schwer, genau zu berechnen, wie die Zölle und Verbrauchssteuern wirken. Aber sicher bleibt im großen und ganzen eine Verteuerung der beireffenden Gegenstände übrig. Dazu trägt der kleine Mann im Verhältnis mit seinem Einkommen viel mehr bei.(Lebh. Widerspruch.) Wir müssen hinzufügen, daß wir uns nich: darauf beschränken dürsen, bloß das äußere Einkommen zu berechnen, wir müssen sagen, die Steuer soll sich richten nach dem, was nach Abzug der notwendigen Ausgaben frei bleibt. Was ist es aber, was bei dem kleinen Mann als freies Einkommen übrig bleibt? Es bleibt spruch.) Man sagt, die Nachlaßsteuer widerstrebe dem deutschen Gemüt; nennen Sie mir eine Steuer, die nicht dem deutschen Gemüt widerstrebt.(Vereinzeltes Sehr richtig! und Sturmischer Widerspruch.] Wir brauchen Geld.(Schlußrufe.) Wegen dieser Bagatelle dürfen Sie die Finanzreform nicht gefährden. Die Moglichkeit der Erhöhung der Nachlaßsteuer ist ja ca, aber die besteht auch bei der Eintommensteuer. Bei der Nachlaßsteuer wurden auch wesentliche Konzessionen an die Landwirtschaft gemacht, dadurch werden die Einwände noch kleiner. Ich hoffe, daß Pann des fteies Eintommen übrig pleidr? Es iym fur besiere materielle oder geistige Genüsse überhaupt nichts übrig.(Stürm. Widerspruch. Ohol=Rufe. Zuruf: 5 Glas Bier täglich!] Wir müssen doch daran denken, daß in Deutschland Hunderttausende von Menschen ein Einkommen von unter 900 Mk. haben, das steuerfrei bleiben muß.(Zuruf: Ungerechterweise!) Es fragt sich, ob es ungerechterweise ist. Was bleibt aber nach Abzug der notwendigen Genußmittel beim kleinen Mann übrig, wayrend die wohlhabenden Kreise ein viel größeres freies Einkommen haben.(Stürm. Widerspruch.) Die Hälfte bleibt den Wohlhabenden für Luxuszwecke übrig, während der kleine Mann nichts hat.(Erneuter stürm. Widerspruch.) Dieser Gesichtspunkt hat nun glücklicherweise auch in Regierungskreisen Anerkennung gefunden.(Zuruf: Leider, leider!]) Die Regierung steht auf dem richtigen Standpunkt und ich bin als Mann der Theorie und Wissenschaft..(Stürm. Hohngelächter.) Lachen Sie nicht darüber! Die Theorien, die Sie verfechten, sind auf Ihre eigenen kleinen Ansichten zugeschnitten(Erneuter stürmischer Widerspruch.), sie sind nicht zugeschnitten nach dem, was die Wissenschaft will.(Gelächter.] Das ist sicher, daß der Plan der Regierung, nicht wieder auf indirekte Verbrauchssteuern alles zu legen, ein gerechter und zweckmäßiger Plan ist. Warum wählt man die Erbschafts= und Nachlaßsteuer? Weil man sich sagt, daß die Matrikularbeiträge nicht erhöht werden können. Dirette Steuern im Reich können wir sonst nicht einführen, und es bleibt keine andere Steuer übrig.(Zuruf: Luxussteuer!) Mit der Luxussteuer werden Sie nichts erreichen außerdem wird sie nichts einbringen.(Zuruf: Kohle, Kohle!] Wenn Sie die Kohle besteuern, werden Sie auch nicht den eigentlichen Besitz als ser getroffen werden soll.(Stürm. Widerspruch.) lgschen treffen, der gellinn wewen son.„Sturm. Wiersptach. Was gegen die Erbschaftssteuer eingewendet werden solle, halte ich nicht für richtig. Ich habe das seit langen Jahren als Mann der Wissenschaft vertreten.(Lachen.) Ich glaube, die große Mehrheit meiner theoretischen Fachgenossen für mich zu haben. (Stürm. Hohngelächter.) Darauf legen Sie keinen Wert, das weiß ich, ich berufe mich aber auf die Praxis. Welche Staaten haben die Erbschaftssteuer eingeführt? England, das die höchste Einkommensteuer hat.(Zuruf: Aber es hat keine VermögensNun, die Erbschaftssteuern bringen in England allein 400 Millionen. In Frankreich sehen Sie denselben egoistischen Kampf der Besitzenden gegen die Besteuerung des Besitzes. (Stürm. Oho!=Rufe.) Vorzugsweise lehnt sich dort die Bourgeoisie dagegen auf. Außerdem hat Frankreich andere Steuern, die kolossal wirken. Und gehen Sie nach Oesterreich, da haben Sie eine neue Einkommensteuer und außerdem die Erbschaftssteuer. Die hier vorgebrachten Einwendungen führte man auch trotzdem wurde die Erbschaftssteuer angenommen. (Leider!] Was Prof. Gerlach aus dem Aufsatz Harnacks verlas, halte ich für völlig berechtigt.(Stürm. Widerspruch.) Ich wage daß die Regierungsvorlage das Richtige trifft. Das Erhrecht steht anders da als das gewöhnliche Privateigentums(Widerspruch.] Es ist nicht so ohne weiteres nach der geschichtlichen Entwicklung eine reine Konsequenz, es ist in der Tat eine besondere Schöpfung der Rechtsbildung, und dieser Rechtsbildung wird der Schutz des Staates erteilt. Man sagt, die Deszendenten und Abkömmlinge sollten nicht besteuert werden will zugestehen, daß bei Ehegatten die Sache schwierig liegt. (Schlußrufe.] Bei Deszendenten kann aber zugestanden werden, daß auch die Kinder vom Erbe etwas zahlen müssen.(Lebh Widerspruch.] Wenn das vollends ein solches Minimum ausmacht, wie jetzt die Regierung will. dann fallen auch die praktischen Einwände fort.(Widerspruch.) Es wurde nicht erwähnt daß die Nachlaßsteuer erst von 20000 Mk. an erhoben wird, daß der größte Teil des bäuerlichen Kleinbesitzes steuerfrei bleibt und daß bei 20000 Mk. 100 Mk. gezahlt werden sollen und in ein paar Raten. Da kann man doch nicht sagen, daß der Familien= siunr gestört wird, daß der Sohn nun nicht mehr erben will. Das sind Phrasen, mit denen man alles widerlegen könnte.(Widerdie Regierung festbleibt.(Tamit wird sie kein Glück haben! Dann sage ich Ihnen, daß Sie glücklicherweise nicht die Entscheidung allein zu treffen haben, da reden andere mit.(Stürm. Widerspruch.] Die Gesamtinteressen müssen berücksichtigt werden und jeder muß nachgeben. Man sagte, das mobile Kapital wird sich drücken. Nun da haben wir die Kontrolle durch die Einkommensteuer.(Widerspruch.) Man sollte außerdem die Steuerhinterziehung nicht nur mit Geld, sondern auch mit Gefängnis bestrafen.(Sehr richtig!] Wenn der kleine Mann immer sagt, ihr bestenert mein Salz, mein Bier, meinen Branntwein, das bißchen Kaffee und Zucker. alles, was ich genieße, und wenn ihr nun auch einmal etwas bezahlen sollt, dann erklärt ihr ein rundes Nein, was soll ich ihnen da erwidern?(Stürm. Gelächter.) Es ist kein Ruhm für das preußische Herrenhaus, daß es seinerzeit bei der Miquelichen Steuerreform 4 Prozent Einkommensteuer von 100000 Mk. ab ablehnte. Und doch, da konnten die kleinen Leute sagen das tut ihr in Konsequenz eures Patriotismus.(Gr Unruhe.) Sobald ihr ernstlich zahlen sollt, kommt ihr mit Einwendungen. So kann es nicht weitergehen. Ich habe meinen Standpunkt vertreten; wenn Sie darauf nicht mehr Wert legen, als Sie sonst zu tun pflegen bei einem Mann der Wissenschaft...(Große Unruhe, in der die nachfolgenden Worte des Redners verloren gehen.) Aber ich habe meine Pflicht getan, ich stehe hier und ich kann nicht anders. Ich halte die Nachlaßsteuer für gut und richtig, wir brauchen direkte Steuern für die wohlhabenden Klassen.(Erneute Schlußrufe.) Wenn wir die Finanzreform wollen, die politisch und sozial richtig durchgeführt ist, dann können wir von einer direkten Besitzsteuer nicht absehen. Deshalb möchte ich Sie bitten, die Nachlaß- und Erbschaftssteuer nicht unbedingt abzulehnen. Sie haben keine andere Steuer.(Stürmische Oho= Ruhe; Zuruf: Verbrauchssteuern!] Sie können nicht von neuem alles auf die Verbrauchssteuern abwälzen. Direkte Steuern müssen geschaffen werden. deshalb hoffe und wünsche ich, daß die Nachlaß= und Erbschaftssteuer eingeführt werde.(Stürmischer Widerspruch, Zischen, vereinzelter Beifall.) Prof. Ehrenberg= Rostock: Ich bin weder konservativ noch liberal. Ich bin reiner Wissenschafter. Aber gerade deswegen wende ich mich gegen jede weitere Heranziehung des Besitzes. Ich sehe in dieser Lösung der Reichsfinanzreform ein sozialistisches Element.(Sehr richtig!] Vor allem halte ich das Erbrecht des Staates für ein sozialistisches Experiment.(Lebh. Zustimmung Bei uns ist heute überhaupt eine Ueberspannung des Staatsbegriffes vorhanden.(Sehr richtig!] Schuld daran ist der Sozialismus der gebildeten Klassen. Die Familie ist älter als der Staat.(Sehr richtig') Auch für die Macht des Staates muß es eine Grenze geben. Die Lebenshaltung des Arbeiters ist sehr gehoben worden und für die Arbeiter ist genug getan worden. Das soziale Königtum droht sich zu verwandeln in eine Beherrschung des Kaisertums durch die Massen.(Großer Beifall.] Wir dürfen den Weg der sozialistischen Politik im Reiche nicht beschreiten. Wir sind nahe daran, und das Bürgertum müßte der Landwirtschaft dafür dankbar sein, daß sie die Regierung aufgesordert hat. Halt zu machen mit der sozialistischen Politik, natürlich aicht mit der sozialen Politik.(Stürmischer Beifall.) Kammerherr v. Frege= Nauendorf(Kr. Sachsen): Den Fehdehandschuh des Herrn Professor Wagner nehme ich auf. Ich halte fest an dem Grundsatze: direkte Steuern den Einzelstaaten, indirekte Steuern dem Reich. Das steht in der Verfassung. (Zuruf des Professors Wagner: Wo?) Ich gebe zu, daß es nicht wörtlich in der Verfassung steht, aber Fürst Bismarck ist mir ein besserer Interpret als der tote Buchstabe.(Sehr richtig!] Der Zoll hat den Arbeiter nicht belastet, er hat erst Arbeit geschaffen. Der lächerliche Aufschlag durch die Zölle ist nicht der Rede wert. Wir bleiben der alten Verfassung treue Grundbesitzer.(Stürm Beifall.) General v. Jagwitz: Gegenüber einem Mann der Wissenschaft, wie sich Professor Wagner wiederholt genannt hat. trete ich als einfacher Mann der Praxis auf. Ich stelle zunächst die Behauptung auf, daß jeder Mensch, der Aar und Halm besitzt, I niemals für diese Steuer stimmen kann. Wenigstens habe ich noch keinen gesehen. Er trete sonst vor, ich würde mich mit ihm messen.(Sturm. Beifall.) Dem Besitzenden werden immer mehr 1 Pflichten ausgepackt und Rechte genommen, dagegen werden den Besitzlosen Pflichten genommen und Rechte gegeben. Das ist der springende Punkt unierer Gesetzgehung.(Stürm. Beifall.) Rittergutsbesitzer v. Bodelschwingh=Schwarzenhasel: Die Rede des Professors Wagner hat gezeigt, welche erheblichen Irrtümer über die Lage der Landwirtschaft bei den Berliner Professoren herrschen.(Sehr richtig!) Prof. Wagner hat gesagt, bei Einnahmen von 10000 Mk. bleibe viel übrig für nich: notwendige Ausgaben.(Hört, hört!) Herr Prof. Wagner, ist Ihnen nicht bekannt, wie gerade durch die ungeheure Verteuerung der Lebensmittel und durch die Verteuerung der Mieten der Mittelstand ungeheuer belastet ist?(Sehr gut!) Auch die Leute werden schwer getroffen, die Einnahmen von 10000 Mk. haben. (Sehr richtig!] Im Arbeiterstand gilt als selbstverständlich, daß die Söhne mehr werden als die Väter waren. Bei den Beamten und Offizieren aber müssen die Kinder heruntersteigen. Es geht bei 10 000 Mk. knapp zu.(Sehr richtig!) Prof. Wagner sagte, dem Arbeiter bliebe für die notwendigen Ausgaben nichts übrig. Nun, in Hessen sagte mir ein Arbeiter, wenn er nicht täglich seine drei Glas Bier habe, wolle er lieber krepieren.(Lebh. Hört, hört!] In Westsalen bekommen die Arbeiter Land zur Verfügung gestellt. Sie lassen es unbebaut liegen.(Hört, hört!) Der Arbeiter will eben heute bar Geld und wenn er es nicht bekommt, dann streikt er. Damit ist die Sache fertig. Der Gedanke einer Arbeitslosenversicherung ist grober Unfug.(Sehr richtig!) Gegen die Behauptung des Prof. Wagner, wir wollten nicht zahlen, protestiere ich mit aller Entschiedenheit. Ich erinnere an die ungeheuren Lasten, die auf dem Grundbesitz liegen. Mein väterliches Gut zahlt heute mindestens 25 Prozent des Wertes an kommunale und Staatssteuern.(Hört, hört! Prof. Wagner ruft: Wenn Sie 9 Prozent Grundsteuer mitrechnen!] Nein, die rechne ich nicht mit. Gegen solche Aeußerungen protestiere ich mit aller Entschiedenheit. Prof. Wagner soll doch erst einmal für die Besteuerung der Bodenspekulation eintreten.(Prof. Wagner ruft: Das habe ich ja seit 30 Jahren getan!) Wenn er das täte, dann würde er sich ein Denkmal errichten aere verennius.(Lebh. Beifall.) Geheimrat Prof. Dr. Adolf Wagner: Daß mir hier zugemutet werde, ich solle für die Besteuerung der Bodenspekulation eintreten, hatte ich nicht erwartet, denn ich kämpfe seit 30 Jahren für diese Forderung. Auch in der weiteren Debatte kam immer wieder der Gedanke zum Ausdruck, daß dem kleinen Manne heute durch die Gesetzgebung schon derartige Vergünstigungen eingeräumt würden, daß er weitere Abgaben durchaus tragen könne. In seinem Schlußwort wendet sich Prof. Dr. GerlachKönigsberg vor allem gegen die Ausführungen des Prof. Wagner und suchte dessen Darlegungen über das Eigentums- und Erbrecht zu wiederlegen. Eigentums= und Erbrecht seien die Grundlagen unserer Rechtsordnung, an denen man nicht rütteln dürfe. (Lehh. Beifall.) Die vorgelegte Resolution wird hierauf einstimmig angenommen. An zweiter Stelle sprach Kammerherr Gans, Edler Herr und Freiherr zu Pudlitz= Groß Pankow über die Erhöhung der Branntweinsteuer. Er legte seinen Ausführungen folgende Resolution zugrunde: „Die 34. General=Versammlung der Vereinigung der Steuer= und Wirtschaftsreformer betrachtet das Brennerei=Gewerbe als einen wichtigen landwirtschaftlichen Kulturträger besonders dort, wo die Kartoffel als einzige Hackfrucht in Frage kommt. Jede Steuergesetzgebung, die den Verbrauch von Kartoffeln in der Brennerei erheblich mindert, sei es durch eine zu starke Belastung des Trinkbranntweins, sei es durch unzureichende Vergütungen für den denaturierten Spiritus, muß daher im Interesse der Landwirtschaft zurückgewiesen werden. Auch der Gesetzentwurf über den Zwischenhandel des Reiches mit Branntwein bedarf in wesentlichen Punkten der Abänderung, um den berechtigten Forderungen des Brennereigewerbes zu entsprechen.“ Der Referent untersuchte die Frage, welche Folgen eine Aenderung des Branntweinsteuergesetzes haben würde. Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß eine starke Einschränkung des Vernd denaturiertem Branntwein traut haben. Ich gestehe, anfangs Zweifel gehegt zu haben, ob man sich ganz auf Ihre Aussagen verlassen könnte, halte mich aber jetzt davon überzeugt.“ können Sie allerdings sein," beteuerte Nancy. „Ich widerhole, daß ich es fest glaube; und um Ihnen zu beweisen, daß ich Ihnen zu vertrauen geneigt bin, sage ich Ihnen ohne Ruavalt, daß wir das Geheimnis, worin es auch bestehen mag, Monks durch Furcht zu entreißen gesonnen sind. Doch wenn— wenn wir seiner nicht sollten habhaft werden können oder wenn ihm nichts abzudringen wäre, so müssen Sie uns den Juden in die Hände licfern.“ „Fagin!“ rief das Mädchen plötzlich zurücktretend aus. „Ihn— ja ihn müssen Sie uns in die Hände liefern.“ „Nimmermehr— das werd' ich nimmermehr tun,“ entgegnete Nancy;„werde es nie tun, solch ein Teufel er auch ist und obwohl er ärger als ein Teufel an mir gehandelt hat.“ „Sie wollen also nicht?“ fragte der Herr, der keine andere Antwort erwartet zu haben schien. „In keinem Falle!" „Dann sagen Sie mir, warum Sie es nicht wollen.“ „Aus einem Grunde,“ erwiderte Nancy mit Festigkeit,„aus einem Grunde, den die Dame kennt, und ich weiß, denn ich habe ihr Versprechen, sie wird dabei auf meiner Seite stehen; und aus dem weiteren Grunde, weil ich— ein so ruchloses Leben er auch geführt hat— gleichfalls einen schlechten Wandel geführt habe. Viele von uns sind miteinander schlecht und böse gewesen, und ich will sie nicht verraten, die mich hätten verraten können und es, so schlecht sie sind, nicht taten.“ „Dann,“ fiel der Herr lebhaft ein, als wenn er erreicht hätte, was er eben gewollt,„dann liefern Sie mir Monks in die Hände und überlassen Sie es mir, nach Gutdünken mit ihm zu verfahren.“ „Wie aber, wenn er die andern verrät?“ „Ich verspreche Ihnen, daß die Sache ruhen soll, sobald wir ihm die Wahrheit abgedrungen haben. In Olivers kleiner Lebensgeschichte kommen ohne Zweifel Umstände vor, die man nur sehr ungern der Oeffentlichkeit preisgeben würde, und ist nur die Wahrheit heraus, so soll niemand in Ungelegenheit kommen.“ „Aber wenn Sie sie nicht herausbekommen?“ „Dann soll der Jude nicht ohne Ihre Einwilligung vor gezogen werden, und ich glaube Ihnen für den Fall Gründe vorlegen zu können, nach deren Anhören Sie einwilligen werden.“ dafür das Versprechen der Dame?“ fragte Nancy mit Nachdruck. „Ich gebe es Ihnen,“ nahm Rose das Wort;„gebe Ihnen die aufrichtigste und bestimmteste Zusage.“ „Monks soll nie erfahren, wie Sie zu der Kunde, die Sie durch mich besitzen, gelangt sind?“ fuhr das Mädchen nach einem kurzen Stillschweigen fort. „Nein— nie,“ erwiderte der Herr.„Er soll es nicht einmal vermuten können. „Ich din eine Lügnerin gewesen und habe unter Lügnern gelebt von meiner frühsten Kindheit an, will aber Ihren Worten Glauben schenken,“ sagte Nancy nach einem abermaligen Stillschweigen.(Fortjetzung folgt.) kulose Lungenschwindsucht gerade in den Lungenspitzen beginnt. Es hängt das mit der anatomischen Beschaffenheit des Brustkorbes zusammen, und namentlich mit der Oeffnung, die durch die ersten Rippen gebildet wird. Wenn diese nicht sehr groß ist und brauchs an Trinkbranntwein und und infolge des Fehlens von Ersatzmöglichkeiten ein vernichtender Konkurrenzkampf der Brennereien untereinander die Folge sein müßten. Diesem Konkurrenzkampf würden naturgemäß die teuer arbeitenden kleinen Brennereien und die im Süden und Westen des Reichs gelegenen Betriebe zum Opfer fallen. Nur auf die mehr oder minder lange Dauer dieses Konkurrenzkampfes würde die Durchführung der einen oder anderen Steueränderung Einfluß haben. Die gesamte Landwirtschaft habe die Pflicht, die Lengenspitze in ie bineingeschoben pird, sg, bülbet sich ein1 Finsiagz hoben. Die gaser einen oder enderen Steuerögherano Art Furche oder Abschnürung, die iorerseits wieder eine ennms haven.. Die besumte, Landwiltschaf, habe die, Pflicht, mangelnde Ernährung dieser Lungenpartie mit sich bringt. Es eine Branntweinsteuergesetzgebung zu verhindern, die solche entsteht in den Snitzenhranchten eine tote Rohrstrecke, in der die gschweren Schädigungen mit sich bringen müßte. Die Aufgaben der 9,0rg, Lunpengat g%lich entsteht in den Spitzenbronchien eine tote Rohrstrecke, in der die Luft stillsteht, wo also auch eingeatmete Staubteilchen und Bazillen leicht liegen bleiben und zu Katarrhen der Schleimhaut Veranlassung geben. Die katarrhalischen Absonderungen bleiben ebenfalls liegen und bieten dadurch den besten Nährboden für Tuberkelbazillen, die schließlich die Bronchialwand selbst infizieren. Dr. Hart hat in seinem Vortrage auf dem letzten Internationalen Tuberkulosekongreß in Washington die Hilfsmittel erwähnt, durch die wir die Starrheit der ersten Rippen beseitigen können. Chirurgisch hilft man sich mit der Durchschneidung der Rippenknorpel, wodurch die Rippen beweglich und die Kreislaufverhältnisse in den Lungenspitzen gebessert werden. Indes ist dieser Ausweg nur mit Vorsicht zu benutzen. Die Hauptsache muß in der Jugend geschehen, solange der Brustkorb verhältnismäßig leicht erweitert werden kann. Nicht nur die Eltern. sondern auch die Lehrer und sozialhygienischen Gesetzgeber haben dabei in Tätigkeit zu treten. Neben der ständigen Besserung der allgemeinen Hygiene steht die Bekämpfung der Syphilis und des chronischen Alkoholismus obenan. Vor allem ist aber nach Hart[Münch. Medizin Wochenschrift) dem schwächlichen Kinde eine dauernde Aufmerksamkeit zu widmen. Die Dehnung und Kräftigung der Brust durch systematische Atemübungen und planvollem Turnunterricht muß gefördert, in der Schule für eine gesunde und zweckmäßige Sitzgelegenheit gesorgt und die Ausbildung einer seitlichen Rückgratverkrümmung in jeder Weise, eventuell durch Einführung der Steilichrift verhindert werden. Die schulentlassene Jugend ist möglichst durch obligatorische Turn= und Freiübungen auch ferner in ihrer körperlichen Entwicklung zu kräftigen. Wenn das geschieht, so wird die Ausbildung einer krankhaften Brustkordform verhindert, was die beste Unterstützung im Kampfe gegen den Tuberkelbazillus selbst ist, dessen Ansiedlung, Anreicherung und Verbreitung dadurch verhindert wird. Gesetzgebung mußten liegen in der möglichst schnellen Schaffung eines endgiltigen Ergebnisses, in der Schaffung von Maßnahmen Kleines Feuilleton. ag. Der Beginn der Tuberkulose in den Lungenspitzen. Viele Aerzte baben sich mit den Ursachen beschäftigt, weshalb die tuberDen Impfling auf dem einen Arm und in der anderen Hand die Schnapsflasche— so haben nach einer in das amtliche Wert „Das Gesundheitswesen des preußischen Staates im Jahre 1906“ aufgenommenen Mitteilungen des Kreisarztes von Ragnit(Rez.= Bezirk Gumbinnen] auf einem Impftermin die Mütter wahre Tanzorgien mit Gesang aufgeführt, die natürlich mit großer Betrunkenheit endigten und sogar zu einer Verwechslung der Impflinge geführt haben sollen.— Dem Kreisarzt in Johannisburg (Reg=Bez. Allenstein) teilte ein Lehrer mit, daß er im Jahre 1906 dreimal Kinder wegen Trunkenheit habe nach Hause schicken müssen: sie hatten statt des Frühstücks von der Mutter Schnaps mitbekommen. Im gleichen Kreise starb ein 16jähriges Mädchen(! an den Folgen gewohnheitsmäßigen Schnapsgenusses.— Als Veleg. wie jetzt noch gelegentlich gezecht wird, wird mitgeteilt, daß auf einer dreitätigen Arbeiterhochzeit im Kreise Krotoschin[Reg.=Bezirk Posen) von 16 Männern 16 Frauen und einigen gelegentlichen Mittrinkern verzehrt wurden: 40 Liter 96prozentiger Spiritus in entsprechender Verdünnung, 60 Liter Muskatwein, 142 Liter einfaches Bier, 5 Liter Liköre und für 3 Mk. Schnapz. Folge— von allem anderen abgesehen: 3 Todesfälle an Alkoholvergiftung und 2 schwere, wenn auch mit Genesung endende Vergiftungen. zur Steigerung des Absatzes an denaturiertem Branntwein, um den Rückgang des Verbrauchs von Trinkbranntwein auszugleichen, in der Sicherung auskömmlicher Preise für die Brenner und in der Schonung der bestehenden Verhältnisse, um eine Spaltung des Gewerbes mit ihren politischen und nachteiligen Folgen zu verhindern. Lebh. Beifall.]— Die Resolution wurde nach unwesentlicher Debatte einstimmig angenommen. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf das Thema: Was der preußische Staat und das Deutiche Reich auf dem Gebiet der Verwaltung für eine ersprießliche Lösung der Finanzfrage tun könne. Referent Herrenhausmitglied Dr. v. Brugsdorff=Markendorf behandelte ausführlich die Möglichkeit von Ersparnissen in den staatlichen Betrieben. Er trat für möglichst ausgiebige Anwendung der Stenographie und Schreibmaschine ein, für tunlichste Einfachheit bei den Neubauten für Bahn und Post. Außerdem könne in der Poft und Telegraphie der Dienst, den heute höhere Beamte ausüben, sehr wohl durch mittlere Beamte ausgeübt werden, und der Dienst der mittleren Beamten durch Unterbeamte. Dagegen wandte er sich scharf gegen den Gedanken, etwa in der Wehrhaftmachung Deutschlands zu Lande, zu Wasser und in der Luft irgendwelche Eriparnisse zu machen. Die Fahrkartensteuer war solange ein verkehrtes Experiment, als man die vierte Klasse steuerfrei ließ und sie noch dazu gerade in letzter Zeit so gut ausstattete, daß der Abgang in diese Klasse geradezu veranlaßt wurde.(Sehr richtig!) Auch viele kostspielige Brückenbauten hätte man sparen können. Früher gab es nicht einmal Barrieren und die Bahn begnügte sich mit kurzen Warnungstafeln. Dafür machte auch jeder die Augen auf! Sehr zu sparen ist auf dem Gebiet der Strombauverwaltung. Mir hat einmal ein Mann gesagt, einen regulierten Strom erkenne man daran, daß er regelmäßig Ueberschwemmungen zur Folge habe. Heiterkeit.) Der Abg. Ring hat die Menschen einmal in drei Klassen geteilt: Baumeister, Wasserbaumeister und andere Menschen.(Große Heiterkeit.) Was jo ein studierter Wasserbaumeister ausarbeitet, ist oft unglaublich. Aber es findet übera! Anklang, weil niemand davon etwas versteht.(Heiterkeit.] Die Oder ist ein iyvisches Beispiel dafür, wie an einem Strom herumgedoktert werden kann.(Sehr richtig!] Am Spreewald haben fünf Behörden herumgearbeitet und die Folge war eine große Wassersnot.(Heiterkeit.) Der Finanznot des Reiches kann nur durch indirekte Steuern abgeholfen werden. Das Ausland erhebt teilweise sechsmal so viel indirekte Steuern als Deutschland.(Hört. hört!] Wenn man die indirekten Steuern um 10 Mk. pro Kopf erhöhen dürfte, so würde das 600 Millionen Mark einbringen und die Finanzmisere wäre vorbei.(Sehr richtig!] Man darf dabei allerdings nicht zu viel Respelt vor dem Pfeifchen des armen Mannes und keine allzu große Angst vor der Sozialdemokratie haben. Haben Sie übrigens das Pfeischen des armen Mannes schon einmal gesehen? Zigarette, Importen!] Redner empfahl schließlich folgende Reolution zur Annahme: Reich „Zur Hebung und Gesundung der Finanzen im sowohl wie in Preußen erscheint geboten: eine und Verbilligung der gesan Abänderung der einschlägig Sparsamkeit in allen Verw zu übersehen, daß für Finanzwesens eine genaue zwischen dem Reich und de gestalt, daß dem Reich aus lassen verden.". Zum Schluß wurde einsti solution des Grafen v. Mi kommen- und Ergänzungsst nommen: „Die steuerliche Belastu ten Steuern mit einer### sammenfallen, bereits ein welche nicht bloß die wirt günstig beeinflußt, vielmeh völkerung zum Nachteil der Eine dauernde Erhöhung ist dieserhalb entschieden nächsten drei Jahre erfolge ßischen Staatssteuern hat zu berücksichtigen.“ Damit schloß die Genera Deutsche (Eige 212. Sitzung vom Mittwoch, Am Bundesratstisch: Tu Zur zweiten Beratung de hof beantragt die Budget Maßregein zu ersuchen, dur der gesamten Rechnu Der Referent Abg. Naes möge ein von der prei abhängiger Reichsrechnungs Die Resolution wird willigt. Es folgt die dri Postdampfschiffverb dern, welches die Subventi auf 500000 Ml. erhohen wil nommen. Ebenso wird der wirtung von Armen liche Rechte debattelos a ratung der Uebersicht de Schutzgebietes Kiaut Der Referent Abg. v. B Rechnungskommission, die 1 für erledigt zu erklären. Abg. Erzberger(Ztr. behaltlich der bei der Prüfu gen. Es sei zu bemerken, de handen sind. In Zukunft wert. Abg. Dr. Görcke(nat nungskommission würde wo Nach einigen Erwiderung den Abg. Erzberger, der u. teurer als in Deutschland, kungen des Abg. Erzber einstimmig angenomme Rechnung über den Ho Schutzgebiete für 1 und australischen S Rechnungskommission bea lastung zu erteilen. Abg. Erzberger(31 Jahren ist naturlich schwie Ueber diese verspätete Reschweren.(Sehr wahr!] V licher Weise mit den Reichs Der Rechnungshof erklärt scheinen überhaupt keine Ab Hört, hört! im Ztr. und# Jahr aus Jahr ein Hunder ausgeben und nachher dar Bauten noch das Geld da Posten von 55000 Mk. für schwunden(Hört, hört! i. Z es, daß diese Feyler sich in Auch dem Rechnungshof is waltung sollte die Gouvern zu halten, die der Rechnu baldige Vorlegung der Reck Seifall im Ztr.) Direktor im Kolonialan Rechnungshofes an und su gen. Es ist ein Plädoyer, einzelnen unverständlich bl Abg. Noske(Soz.): E ordentlich mangelhaft das handhabt wird. Aber die den konnte, wird noch über Rechnungshofes. Diese Bec fertigung für unsere seitl Stellungnahme zur Koloni Das Interessanteste ist di besondere Mißstände vorli fachsten Kontrolle, wie d hört! bei den Soz.] Dabei sondern er hat an die kolon forverungen gestellt. Auf nicht eingehen, aber wie u. a. aus der Tatsache. de für Streichbölzer um mehr Lebh. Hört hört!] Alles z den Kolonien unhaltbaren Kritik war, die wir übten. Abg. Dr. Görcke(n Augeben. Häg# Nach weiteren Bemerku Dr. Mugdan(Fr. Vp.) genommen Nächste Sitzung Donr Polen über die Freiheit d Schluß 4½ Uhr. Abge 39. Sitzung vom Mittw Am Ministertisch: Criewen. lich Die zweite Beratung chen Verwaltung fortgesetzt, Abg. Graf v. d. Gro wonach die Regierung er unter Hinzuziehung von eine Konferenz zu berufe hat, wie in den einzelnen Organisation des Ansiede besondere, unbeschadet der vinzen, eine Zusammenfa tralstelle zu ermöglichen Moore muß in wesentlich Andere Staaten, wie M Ansiedelungsweiens erhe der hohen Bedeutung de V und Verbilligung der gesamten Verwaltung nötigenfalls durch Abänderung der einschlagigen Gesetze, sowohl größtmöglichste Sparsamkeit in allen Verwaltungszweigen. Es ist jedoch nicht übersehen, daß für eine dauernde Gesundung unseres Finanzwesens eine genaue F zwischen dem Reich und den Einzelstaaten notwendig ist Eestett daß en Reich ausschließlich die indirekten Sieuern be. Zum Schluß wurde einstimmig und debattelos folgende Resolution des Grafen v. Mirbach=Sorquitten über die Einkommen- und Ergänzungssteuererhöhung in Preußen ange„Die steuerliche Belastung in Preußen ist da, wo die direk ten Steuern mit einer hohen kommunalen Besteuerung zu. sammenfallen, bereits eine überaus schwere und drückende, welche nicht bloß die wirtschaftliche Entwicklung vielfach ungünstig beeinflußt, vielmehr auch eine Verschievung der Bevölkerung zum Nachteil der ärmeren Landesteile zur Folge hat. Eine dauernde Erhöhung der derzeitigen direkten Steuern ist dieserhalb entschieden zurückzuweisen. Die innerhalb der nächsten drei Jahre erfolgende Neuordnung der direkten preußischen Staatssteuern hat auch die kommunale Steuerbelastung zu berücksichtigen. Damit schloß die Generalversammlung. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht. 212. Sitzung vom Mittwoch, den 24. Februar, nachmittags 2 Uhr. Am Bundesratstisch: Twele, Ternburg. Zur zweiten Beratung des Etats für den Rechnungs hof beantragt die Budgetkommission, den Reichskanzler um Maßregeln zu ersuchen, durch welche eine Vereinfachung der gesamten Rechnungslegung herbeigeführt wird. Der Referent Abg. Nacken(Ztr.) spricht den Wunsch aus, es möge ein von der preußischen Oberrechnungskammer unabhängiger Reichsrechnungshof geschaffen werden. Die Resolution wird angenommen, der Etat be willigt. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzes betreffend Postdampfschiffverbindungen mit über eeischen Ländern, welches die Subvention des Norddeutschen Lloyd auf 500000 Mi. erhohen will. Das Gesetz wird debattelos angenommen. Ebenso wird der Gesetzentwurf betreffend die Ein wirtung von Armenunterstützung auf öffent liche Rechte debattelos angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Schutzgebietes Kiautschou für das Rechnungsjahr 1906. Der Referent Abg. v. Bolko(kons.) beantragt namens der Rechnungskommission, die Uebersicht durch Kenntnisnahme für erledigt zu erklären. Kunnimianst Abg. Erzberger(Ztr.) beantragt nur Kenn#nisnahme vorbehaltlich der bei der Prüfung sich etwa ergebenden Erinnerungen. Es sei zu bemerken, daß bedeutende Ueberschreitungen vorhanden sind. In Zukunft sind schriftliche Berichte wünschensAbg. Dr. Görcke(natl.): Schriftliche Berichte der Rechnungskommission würde wahrscheinlich niemand lesen. Nach einigen Erwiderungen eines Regierungsvertreters gegen den Abg. Erzberger, der u. a. sagt, in Kiautschou sei das Bauen teurer als in Deutschland, und nach einigen weiteren Bemerkungen des Abg. Erzberger wird der Antrag Erzberger fast einstimmig angenommen. Es folgt die zweite Beratung der Rechnung über den Haushalt der afrikanischen Schutzgebiete für 1896/97 und der afrikanischen und australischen Schutzgebiete für 1899. Die Rechnungskommission beantragt, dem Reichskanzler Ent lastung zu erteilen.„„„„„4 18 Abg. Erzberger(Ztr.): Die Nachprufung nuch fast 13 Jahren ist natürlich schwierig, oft unmöglich.(Sehr richtig!) Ueber diese verspätete Rechnungslegung müssen wir uns beschweren.(Sehr wahr!] Vielfach ist in geradezu unverantwortlicher Weise mit den Reichsgeldern gehaust worden.(Hört, hört!) Der Rechnungshof erklärt u. a.: verschiedene Kolonialbeamte scheinen überhaupt keine Ahnung vom Rechnungswesen zu haben. Hört, hört! im Ztr. und bei den Soz.) Wir können doch nicht Jahr aus Jahr ein Hunderttausende fur Bauten in den Kolonien ausgeben und nachher damit zufrieden sein, wenn weder die Bauten noch das Geld da sind.(Hört. hört!] So ist z. B. ein Posten von 55000 Mk. für nicht aufgeführte Bauten spur'os verschwunden(Hört, hört! i. Ztr. u. b. d. Soz.] Höchst sondersbar ist es, daß diese Fehler sich immer gerade in Ostafrika ereigneten. Auch dem Rechnungshof ist das aufgefallen. Die Kolonialverwaltung sollte die Gouverneure anweiten, sich an die Grundsätze zu halten, die der Rechnungsrat aufstellt. Auch sollte sie für baldige Vorlegung der Rechnungen 1901/1904 sorgen.(Lebhafter Seifall im Str.).ums g.v..... hm 9ob des Direktor im Kolonial#ml Eonze schließt sich dem Dir des Rechnungshofes an und sucht die Unstimmigkeiten zu entechuldigen. Es ist ein Plädoyer auf mildernde Umstände, das aber im einzelnen unverständlich bleibt. 168— Abg. Noske(Soz.]: Es zeigt sich immer wieder, wie außerordentlich mangelhaft das Rechnungswesen in den Kolonien gehandhabt wird. Aber die schärfste Kritik, die bisher geübt werden konnte, wird noch übertroffen durch die Beanstandungen des Rechnungshofes. Diese Beanstandungen sind die glänzendste Rechtfertigung für unsere seitherige Kritik und fur unsere ganze Stellungnahme zur Kolonialpolitik.(Sehr richtig! bei den Soz.] Das Interessanteste ist die Feststellung, daß in Ostafrika ganz besondere Mißstände vorliegen. Dort fehlt es selbst an der einfachsten Kontrolle, wie der Rechnungshof hervorhebt.(Hört, hört! bei den Soz.] Dabei ist er. nicht etwa kleinlich vorgegangen sondern er hat an die kolonialen Verwaltungen schon geringe Anforderungen gestellt. Auf alle Einzelheiten kann ich natürlich nicht eingehen, aber wie darauf losgewirtschaftet wird, erhellt u. a. aus der Tatsache, daß in einem Schutzgebiet die Ausgabe für Streichbölzer um mehr als 1000 Mk. überstiegen worden ist. [Lebh. Hört hört!] Alles zusammen erweist, daß die Zustände in den Kolonien unhaltbare waren, und wie geboten die allerschärfste Kritik war, die wir übten.(Lebh. Bravo! bei den Soz.] Abg. Dr. Görcke(natl.) muß bedenkliche Unstimmigkeiten Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Schwarze(Ztr. und Dr. Mugdan(Fr. Vp.] werden die Kommissionsantrage anNächste Sitzung Donnerstag 2 Uhr.(Initsativantraz der Polen über die Freiheit des Grunderwerbs, Petitionen usw.) Schluß 4½ Uhr. zielle Beteiligung des Staates eine größere werden. Unser Antrag bezweckt nicht etwa eine Verschleppung der jetzt in Ostpreußen beschrittenen Regelung der Sache. Eine Versöhnugg der dort vorhandenen Gegensätze muß zu erreichen sein. richtig!] Die gewünschte Zentralstelle denken wir uns im Landwirtschaftsministerium. Es handelt sich bei dem wesen um ein Kulturwerk ersten Ranges, daher bitte ich Sie, unserem Antrage zuzustimmen.(Bravol rechts.) Abg. Glatzel(natl.) geht eingehend auf die Differenzen in Ostpreußen ein. Die ostpreußische Landschaft ist durchaus geeignet, die Besiedelung zu betreiben, besser als die Landgesellschaft m. b. H., die den„kaufmännischen Geist“ vor allem betont, der wohl bei dem Verkauf, aber weniger bei der Besiedelung von Wichtigkeit ist. Unsere Sozialpolitik muß auch auf die ländlichen Verhältnisse zugeschnitten werden und vor allem die Arbeiter jeßhaft zu machen. Dann wird auch die Landflucht aufhören. Wir werden dem Antrag Groeben zustimmen und hoffen, daß diese großzügige Frage, guch eine großzügige Lösung finden wird.(Bravo! v. d. Abg. Graf(Ztr.) erklärt, daß seine Freunde für die Einberufung einer Konferenz zur Besprechung der BesievelungsAbg, Rewpoldt(Frl), bofft, daß die ostprensiche, Harzischel, sich nicht aus formalen Grunden von dem Ansteorlung#ert ernhalten wird. Die Ansiedelung von Arbeiterstellen wird sich nicht aus dem Boden stampfen lassen, sie werden nur einzufügen sein in bestehende oder neu zu grundende Gemeinden. Die Aufgabe der Konferenz, für die wir auch stimmen werden, wird eine schwierige sein. Es sind keine Augenblickserfoge zu erzielen, die Wirkungen einer solchen Kolonisation können sich er, aumählich zeigen. In der Regierung muß das Bewußtsein wachsen, daß wir es hier mit einer Frage zu tun haben, die weit hinauswächst über das Ressort des Landwirtschaftsministeriums. Aog. Dr. Crüger=Hagen(Fr. Vp.): Die innere Kolonisation ist in der Tat ein außerordenzlich weitschichtiges Gepiel. Ihr ausgangspunkt ist die landliche urveiterfrage, die im Osten besonders schwierig ist. In der Kommission ist anerkannt, daß im Osten der Broßgrundbesitz zu sehr vorherrscht. Sehr wünschenswert wäre es, wenn wir authentisches Material uver die Besitzveränderungen im Osten erhielten. Es wurde sich dann zeigen, ob die Behauptung von dem Bauernlegen nur leeres rede ist. Wenn man planmäßig mit der Kolonisation vorgehen will, muß man die wirtschaftliche Struktur der Provinzen genau kennen. Die Kolonisation darf keinen Nebenzweck haben, insbesondere nicht den, unhaltbare Güter zu zerschlogen. De Finanzminister v. Miquel hat das 1901 als den Zweck eines ähnlichen Antrages v. Bockelberg bezeichnet und Herr v. Bocke'berg ist ihm damals nicht entgegengetreten. Es fragt sich, ob der Staat als solcher geeignet ist. die schwierigen Fragen auf diesem Gebiete zu lösen. Ich möchte dringend davor warnen hier alle Hoffnung auf den Staat zu setzen.(Sehr richtig! bei den Freis.] Dazu ist schon sein Beamtenapparat nicht geeignet, ganz abgesehen von der Größe der Kosten. Herr v Mique sprach von Hunderten von Millionen. Innere Kolonisation ist vielmehr Aufgabe der Selbstverwaltung. Um leistungsfähige Landgemeinden zu schaffen, ist eine Revision der Landgemeindeordnung notwendig. Vor allem spricht man von der von Arbeitern. Dabei muß die wirtschaftliche Selbständigkeit der Arbeiter sichergestellt werden. In den Kreisen der ländlichen Arbeiter besteht heute ein starkes Mißtrauen gegenüber all diesen Ansiedelungsbestrebungen. Angesichts der Reden im Reichstag über die Koalitionsfreiheit der ländlichen Arbeiter ist dieses Mißtrauen wohl berechtigt. Es ist tatsächlich ein Ausnahmerecht gegenüber den ländlichen Arbeitern, daß sie nicht, wie die übrigen Arbeiter, das Koalitionsrecht besitzen.(Sehr richtig. links.) Ich erinnere auch an die Verhandlungen hier über die Beschränkung der Freizügigkeit, an den Widerstand der Rechten gegen die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die ländlichen Arbeiter. Eine innere Kosonisation ohne großzügige Sozialpolitik ist undenkbar. Daß noch arge Zustände in bezug auf die ländlichen Arbeiterwohnungen, vor allem in Ostvreußen herrschen, gibt selbst eine Denkschrift des Kultusministeriums zu Den Besitzern im Osten fehlt leider häufig das Verstandnis für die wahren Aufgaben der inneren Kolonisation.(Sehr richti links.]— Redner wendet sich des weiteren gegen die ostpreußisch Landgesellschaft— Diese Gesellschaft ist vom Staate abhängig. Einer weiter bei dieser Gesellschaft beteiligten Genossenschaft soll der Staat 150000 Mk zu Sanierungszwecken zur Verfügung gestellt haben. Es fragt sich, aus welchem Fonds diese Summe enommen ist. Mit der Ausstoßung der Landvank aus dieser an nur fünf Schichten in der Woche gearbeitet werden. Das sind ziemlich trostlose Aussichten. Aber die Glasarbeiter dürfen nicht verzagen. Sie dürfen, so schwer auch die Opfer sind, die ausgesteuerten Mitglieder nicht zugrunde gehen lassen zur Freude der Scharfmacher in der Glasindustrie. Es ist deshalb zu hoffen, daß der Appell an die Solidaritat nicht ungehört verDer Textilarbeiterstreik im elsässischen Münstertal ist beendet. Es wurde erreicht, daß der alte Lohn unter Fortfall der vorgenommenen Abzüge und Einschränkung der hohen Strafen erzielt wurde. Nutzlos ist also die Bewegung der Arbeiter des Münstertales nicht geweien. Die Arbeiter nahmen sämtlich in Luttenbach, Mühlbach, Metzeral und Sondernach am Dienstag die Arbeit wieder auf. Ausgesperrt wurden unter Tarifbruch die Tischler der „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“, zu München. Die Arbeiter hatten sich geweigert, eine gesundheitsgefährliche Garderobe zu beziehen. Achtung, Metallarbeiter! In der Kugellagerfabrik in Leipzig=Plagwitz streiken die Arbeiter, weil 30 Mann entlassen worden sind, die sich geweigert haben, Ueberstunden zu machen, bei denen ihnen der Lohnzuschlag verweigert wird. Der Streik der Eulengebirgsweber, der zur Abwehr einer Lohnreduzierung bis zu 30 Prozent geführt wird, hat noch zu keiner Einigung geführt. Die bestreikte Firma, die„Schlesische Buntweberei vormals C. Neugebauer Söhne und Carl Postpischil“ hat deshalb jetzt 417 Arbeitern gekündigt, die in Nebenbetrieben beschäftigt sind, weil für sie für die Dauer des Streiks keine Arbeit vorhanden ist. Lohnreduzierungen in der Glasinoustrie. In Rauscha (Niederschlesien) haben die Glashüttenbesitzer den bisherigen Lohntarif zwecks Lohnreduzierung gekündigt. Da die Arbeiterschaft nicht gewillt ist, sich die ohnedies niedrigen Löhne kürzen zu lassen, dürfte es zum Streik kommen. Lohnkampf der Schuhmacher. Bei der Firma Giesecke in Peine(Hannover) stehen die Schuhmacher im Lohnkampf. Zuzug ist fernzuhalten. Eine Konferenz der Maler tagte am Sonntag in Straßburg im Elsaß. Die Konferenz, die von allen Filialen und Zahlstellen des Maler= und Lackiererverbandes in Elsaß=Lothringen beschickt war, nahm einen Situationsbericht entgegen, aus dem hervorging, daß die Organisation in den Reichslanden sehr daniederliegt und teilweise gegen früher sehr zurückgegangen, ist. Diese Erscheinungen wurden zumeist auf Mangel in der reitung der Filialen und Zahlstellen zurückgeführt. Dann wurde über den Reichstarif im Malergewerbe und über die notwendige Agitation für den Verband gesprochen. Aussperrung in der Kopenhagener Schuyinnu##e. Der vor drei Jahren zwischen dem Verein der Schuhwarenfabrikanten Kopenhagens und dem Schuharbeiterverband abgeschlossene Tarifvertrag ist am 15. Januar abgelaufen, ohne daß ein neuer Vertrag zustande kam. Die Arbeiter hatten bescheidene Verbesserungen der Lohn= und Arbeitsverhältnisse verlangt, die Fabrikanten wollten Verschlechterungen durchgeführt wissen und beschlossen, als sie damit nicht durchdrangen, eine Aussperrung zum 22. Februar, falls die Arbeiter sich bis dahin nicht fügen würden. Nun hat eine Generalversammlung der Schuharbeiterorganisation mit 445 gegen 230 Stimmen die Vorschläge der Fabrikanten und die weitere Verhandlung darüber abgelehnt. Danach ist also am 22. Februar die allgemeine Aussperrung der Schuhfabrikarbeiter von Kopenhagen zur Tatsache geworden. Die Banditenstreiche des ungarischen Ministeriums gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter werden fortgesetzt. Am 18. Februar wurde die Tätigkeit des Fachvereins der Fuhrwerksarbeiter suspendiert. Als Vorwand diente die Beschuldigung, die Leitung des Fachvereins habe regelmäßige B.iträge für einen Widerstandsfonds eingehoben und die Mitglieder seien zur Entrichtung dieser statutenwidrigen Beiträge gezwungen worden. Zur gleichen Zeit erfolgte auch die Suspendierung des Fachvereins der Kaffeehausgebilfen.— Gerichtliches. Preußischer Landtag Abgeordneten hau s. 39. Sitzung vom Mittwoch, 24. Februar, vormittags 11 Uhr. Am Ministertisch: Landwirtschaftsminister v. Arnim Die zweite Beratung des Etats der Landwirtshaftlichen Verwaltung wird beim Extraordingrium Abg. Graf v. d. Groeben(kons) begründet einen Antrgg, wonach die Regierung ersucht werden soll, so bald wie unter Hinzuziehung von Interessenten und Sachverständigen eine Konferenz zu verufen, welche in eine Prüfung einzutreten hat, wie in den einzelnen Provinzen des preußischen Staates die Organisation des Ansiedelungswesens zu gestalten und wie insbesondere, unbeschadet der Verschiedenheit in den einzelnen Provinzen, eine Zusammenfassung der ganzen Arbeit in einer Zentralstelle zu ermöglichen ist— Die Besiedelung der preußischen Moore muß in wesentlich beschleunigtem Tempo vor sich gehen. Andere Staaten, wie Mecklenburg, gaben auf dem Gebiete des Ansiedelungsweiens erheblich ehr geleistet als Preußen. Bei der hohen Bedeutung der inneren Kolonisation muß die finanenommen ist. Mit der Ausstoßung der Landbank aus dieser Gesellschaft hat man so ziemlich den einzigen jachhe..# Kolonisator aus ihr beseitigt. Dabei ist der Landban##na nuchzuweisen, daß sie schlecht kolonisier: hat. Dem Antrag Groeben stimmen wir grundsätzlich zu.(Bravo! Abg. v. Bockelberg(kons.): Herr Dr. Crüger hat von den ländlichen Wohnungen gesprochen; aber die städtischen Wobjungsverhältnisse sind viel schlimmer.(Sehr richtig! rechts. ür das Koalitionsrecht auf dem Lande sind die Voraussetzungen nicht gegeben. Wer darüber so leicht hingeht, bei dem muß ich doch mangelhaftes Verständnis für die Sache voraussetzen (Sehr richtig! rechts; Lachen links.) Wenn Herr v. Miquel einerzeit die Millionen nicht geben wollte für die Kolonisation so tat er das nicht aus sachlichen Gründen, sondern weil er eben die Millionen nicht missen wollte, und da waren ihm die Gründe immer billig wie Brombeeren.(Heiterkeit.) Landwirtschaftsminister v. Arnim-Criewen: Der Schwervunkt der Kolonisation liegt nicht in der Form, sondern in den Personen, die zu dem Zwecke zusammenwirken. Die Hauptsach: ist die Beweglichkeit der Organisation und die Möglichkeit, aue Kräfte, die sich für die Sache interesperen, dabei zu vereinigen. Wir kolonisieren vor allem dort, wo nicht die richtige Mischung von großem und kleinem Grundbesitz vorbanden ist. Die gewünschte Konferenz zusammenzuberufen, bin ich gern bereit, viel wird sie nicht erreichen, denn die in der Praxis Stehenden sind sich über die Sache klar. Vor allem brauchen wir zur Förderung der inneren Kolonisation die Unterstützung der landwirtschaftlichen Bevölkerung. Ich richte an die Landwirtschaftt den dringenden Appell, sich an dieser Kleinarbeit zu beteiliger(Bravo Abg. Dr. Bachnicke(Fr. Va): Wenn der Rechten an der Verbesserung der Wohnungsverbé tnisse etwas liegt, so hätte sie auf die Durchberatung des Wohnungsgesetzes dringen müssen. (Sehr richtig! links.) Begrüßt habe ich die Erklärung des Herrn v. Bockelberg., daß er kein Abhängigkeitsverbältnis fur die ländlichen Arbeiter, die angesiedelt werden sollen, wünscht. Ich hoffe. seine Freunde sind derzelben Meinung. Hierauf wird die Beratung vertagt. Es wird beschlossen, um 7½ Uhr eine Abendsitzung abzuhalten mit der Tagesordnung: Interpellationen über die Hochwasserschädigungen Stich( 85r. Gewerkschaftebewegung. Ein Appell an die Solidarität der Glasarbeiter! Der Hauptvorstand des Glasarbeiterverbandes gibt ein Flugblatt heraus, in dem er einen dringenden Appell an die Opferwilligkeit der arbeitenden Kollegen richtet, zirka 300 Kollegen, die ausgesteuert sind und starutengemäß keine Unterstützungsansprüche mehr haben, durch freiwillige Zuwendungen aus lokalen Mitteln und durch Sammlungen unter den arbeitenden Kollegen über Wasser zu halten. Der Verbandsvorstand weist darauf hin, daß die Organisation in der Zeit von kaum fünf Monaten, vom 1. September 1908 bis 20. Februar 1909, über 100000 Mark für Unterstützungen aufgebracht habe. Das ist für eine verhältnismäßig kleine Organisation eine große Leistung. Der Generalstreik vor einigen Jahren hatte der Organisation große Opfer auferlegt. Aber die Krise, die jüngst bei den Rohglasschleifern in Bayern einsetzte und bei den Faschenmachern eine so große Anzahl Entlassungen zur Folge hatte, daß allein im 4. Quartal 1908 42500 Mark an Arbeitslosenunterstützung gezahlt werden mußten, hat sich nun auch auf die Beleuchtungsbranche ausgedehnt; in etwa 40 Fabriken genannter Branche sollen von heute Berlin, 24. Febr. Im Prozeß Berger=Illgenstein lautete des Urteil gegen. Berger auf 5000 Mark Geldstrafe, ev. für je 19 Mark einen Tag Gefangnis, gegen Dr. Illgenstein auf 6 Monate Gefängnis. Die Kosten haven beide Angeklagten zu tragen. Den Beleidigten wird Publikationsbefugnis in 17 Zeitungen zugestanden. Gegen den verschwundenen Dr. Illgenstein wird ein Haftbefehl erlassen. Der Verbleib des Verschwundenen ist noch unbekannt, man glaubt, daß Illgenstein geflüchtet ist, die Verwandten Illgensteins befurchten hingegen, daß sich der übernervöse Mann in der zeelischen Depression, in der er sich seit gestern nach dem Antrag des Staatsanwalts befand, ein Leid jugefügt habe. Militärisches. Für dasselbe„Vergehen" zweimal bestraft. Dem Trainsoldaten Kitowski vom ostpreußischen Trainbataillon war in seiner Eigenschaft als Küchen=Ordonnanz anbefohlen worden, weder den Mannschaften noch den Unteroffizieren aus der Küche etwas zu geben. Als sich nun der Unteroffizier Lene in der Küche einen Topf Schmalz aneignen wollte, ließ das Kitowski nicht zu, was ihm, da der Vorgang nicht ganz militärisch zugegangen sein soll, im Disziplinarwege eine Bestrafung wegen Ungehorsams einbrachte. Er mußte 14 Tage Mittelarrest verbüßen.— Bei einer Revision des Strafbuches wurde diese Bestrafung vom Generalkommando als ungesetzlich aufgehoben und der Fall vor das Kriegsgericht verwiezen. Das Kriegsgericht verurteilte den Soldaten— mit Rücksicht auf seine frühere Strafe, die nach dem Gesetz nicht in Anrechnung gebracht werden dürfe— zu weiteren 14 Tagen strengem Arrest. Das Hochwüßser in dir Aimarn. Wir entnehmen der„Berliner Volkszeitung": Werben, 23. Febr. Das Hochwasser hat noch immer seinen alten Stand. Die sechs Eisbrecher sind heute mittag bei der kleinen Fährstelle hinter dem Städtchen Werben angelangt. Die Hoffnung, heute bis zur Stelle des Dammbruches zu kom men, erwies sich als trügerisch. Die gewaltigen Eisblöcke können nicht allein durch Eisbrecher bewältigt werden, die Pioniere müssen vielmehr eifrig mit Dynamitsprengungen nachhelfen; der Donner der Explononen erdröhnt meilenweit über die unendliche Wasserfläche. Bis zur Durchbruchstelle, durch die immer noch mit mächtigem Brausen sich die Fluten der Elbe in die Wische ergießen, find es noch etwa sieben Kilometer. Gestern haben die Pioniere eine halbe Stunde von dem überschwemmten Giesenslage ab den Bahndamm auf eine Strecke von sechzig Metern geschleift, damit das Wasse schnelleren Abfluß hat. Die Spandauer Pioniere sind heute nach ihrer Garnison zurückgekehrt. Die Wassermassen in Seeyausen sind bei strengem Frost um 15 bis 20 Zentimeter gefallen. Die Eisenbahn hat versucht, von Ostertrug nach Seehausen vorzudringen. Nachdem die Lokomotive einen Meter unter Wasser gestanden hatte, mußte sie umkehren, um einer Explosion vorzubeugen. Es wurde angeordnet, daß eine Kompagnie Pioniere noch mindestens zwei Wochen in Seehausen verbleibe. Es herrscht in Seehausen großer Mangel an Schuhwaren aller Art, namentlich an Stiefeln. Kleidungsstücke sind in Menge eingetroffen. In der Wische schwimmen große Eisblöcke, die leicht Verstopfungen herbeifuhren. Vom Pulvermagazin in Seehausen werden noch große Mengen Sprengmaterial verlangt. Vielbaum, Krüden, Beuster und Wendemark stehen unter Wasser. Neukirchen ist frei. Die Eisbrecher auf der Elbe erreichten in der Nacht Kilometer 426. Stendal, 24. Febr. Pioniere rotteten heute früh aus einem Gebüsch eines überfluteten Gehöftes eine aus drei Personen bestehende Familie, die 5 Tage ohne Nahrung daselbst zugehracht hatte. Man hofft, alle drei am Leben zu erVereins-Kalender. Donnerstag. Männer=Gesangverein„Hoffnung" abends 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 9 Uhr bei Hellsinger, Schmiedestraße. Arbeiter=Gesangverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Indiestel. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, Gadderbaum 9 Uhr bei Bracksiek. Zitherklub„Alpenklänge“ 9 Uhr bei Lange, Teichstraße. „Zither=Quartett=Verein“ 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Inkamp, Engerschestraße, M6 4.2#s.#. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried. Freis Radsahrer=Vereiniguno Bielefeld. Abteilung 8, 149 Uhr bei H. Lohmann. Kegelklub„Hamburger Wappen“ 8½ Uhr bei Vogt, Hallerweg. Kegelklub„Einigkeit“ abends 9 Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Radfahrerklub„Eilrad“ 9 Uhr bei Freudenau, Heeverstraße. Statklub„Zur guten Quelle“ 9 Uhr bei Witwe Pilgrim, Ziegelstraße 50. 1. Bielefelder Bandonion=Klub ½9 Uhr bei Tuxborn, Bleichstr. Theaterklub„Thalia“ 8 Uhr bei Freudenau, Heeverstraße. Guttemplerorden, Loge„Westfalenland“. 8¾ Uhr. Sieker. Arbeiter=Raderfahrerklub„Wanderlust" bei Sittig, Detmolderstraße. Brackwede. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Gesangverein„Heiderose“ 9 Uhr bei Siekmann, Herforderstraße. Schildesche. Radfahrerverein„Fliegender Adler“ 9 Uhr bei Krämer. Schildesche. Kraft=Sport=Verein ½9—½11 Uhr bei Wirt Schaepersmann, Wilhelmstr. 17. Schildesche. Guttemplex=Loge„Rote Erde“ 82 Uhr dei wroz, haus, Amselstraße 7. Babenhausen. Kegelklub„Freie Bahn“. 8½ Uhr bei Böke. Heeden. Turnverein„Jahn“ 8½ Uhr bei Wirt Müller. Ubberdissen. Radfahrerverein„Viktoria“ 9 Uhr bei Tigges, Rollkrug. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. Spenge. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8½ Uhr bei Wirt Lippelmann. Oerlinghausen. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 8¾ Uhr bei C. Löhr. Schötmar. Radfahrer=Verein„Wanderer". Detmold. Arbeiter=Radfahrerverein„Vorwärts“ 9 Uhr. Südlengern. Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr. Rehme. Arbeiter=Gesangverein 9 Uhr bei Röbke. Minden. Arbeiter=Sängerbund 8¾ Uhr: Gemischter Chor. Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr: F„ 8 6a des Stadtischen Orchesters Im Stadt-Theater. Leitung: Kapellmeister Max Cahnbley. Solisten: Königl. sächs. Kammersängerin Helene Staegemann, Sopran. Walter Frings, Violine. Gluck. Ouverture„Ephigenie in Aulis“. Mozart. Arie aus„Ire pastore“. Beethoven. Violin-Konzert D-dur. v. Moellendorf. Winter.— Frühlings-Einzug. Lieder von Wolf, Grieg, Gutheil. Weber. Ouverture„Freischütz“. Preise der Plätze: 1079 Premden-, Orchesteru. 1. Rangloge.. 3,50 Mk. 1. Rang-Balkon.. 3,00„ Parkett-Fauteuil und 1. Parkett.... 2.50„ 2. Parkett und 2. Rang-Balkon.. 1.50„ 2. Rang, 2. und 3. Reihe.. 1.25 Mk. 2. Rang 4. bis 6. Reihe 1.00„ Amphi-Theater 1. bis 3. Reihe 0,75„ „ 4. bis 5.„ 0,50„ Gallerie.... 0,30„ Vorverkauf in der Musikalienhandlung H. Selle. Den Konzert-Flügel(Bechstein) stellt die Firma Th. Mann& Co., hier. Schellsisch ohne Kof Pfund 35 Pfennig Denischer Buchbinder-Verband Pautsgalhfigh aun Zahistelle Bielefeld. Am 27. u. 28. Februar: ihb Sonnabend, 27. Februar, abde. 3½ Uhr: Festversammlung eit“ Kommers in den oberen Räumen der„Harmonie“, Oberntorwall. Sonning, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, in Richters Garten, Gadderbaum: 1139 bstchend aun Konzert, Theater und Peitbal. Festrede: Kollege B. Oroenhoff, Elberfeld. Freunde und Gönner, sowie Mitglieder anderer Gewerkschaften! Sultungs Pest der Zentralverbände der Brauer und verwandte Berutsgenosse = der Bäcker und Konditoren am Sonnabend, 27. Pobruar, in den Lokalitäten der„Central-Halle“, verbunden mit theatralischen Aufführungen, Konzert, Gesang und Ball. - Anfang 8½2 Uhr. Entree Herren 50 Pfennig. Damen 25 Pfennig. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein 1058„ Das Fest=Komitee. Na Na 1130 1147 Deutsche Gleige „Nordsee“. Seelachs Pfund 15 Pfernuig Kabliau Pfund 20 Pfennig Pfund 25 Pfennig Rugeschelisch Pfund 30 u. 35 Pfennig Grüne Heringe Pfund 12 Pfeunig Fischkotelettes Pfund 70 Pfennig sind freundlichst eingeladen. Das Fest-Komitee. E t u gs Per Stl assn 6 21" v Gisguu gauuich.:. s 62 — EINIOE FABRIKANTEN— □ Hervel:-%. Düsseldorf. ½ Keertehererchene Feuer-Versicherungen werden unt. kulanten Bedingungen reell aufgenommen. 1133 August Ostmann, Zastrowstr. 24. Hauptagent der„Albingia“, Versich.=Akt.=Gesellschaft Hamburg. Herm. Ostmann, Lutterstraße 50. Vertreter und Kassierer. Brackwede, Kaiserstraße 159. erteilt s1128 Edmund Fischer, Musikinstrumenten=Handlung. Reschnsce chch Zither=Unterricht erteilt Erwachsenen und Kindern Edmund Fischer, 1127] Musikinstrumenten=Handlung. Erfolg wird garantiert. Wertchre. rlaube mir, meiner werten KundE schaft die ergebene Mitteilung zu machen, daß sich meine von jetzt ab Hämelingerstraße 7 befindet und bitte, mir das bisher geschenkte Vertrauen auch ferner bewahren zu wollen. Hochachtungsvoll Heinrich Köster, 1061 Schuhmachermeister. Herford. Herford. Kindfleisch, gute Ware, das Pfd. 60 u. 65 Pfg, sowie gutes 828 Kalb= u. Schweinefleisch zu billigen Preisen. Auch sämtliche Wurstwaren empfiehlt zu eilligen Preisen Wilhelm Esch, Schlachtermeister, Radewigerstrasse 6. wenn man alles glauben wollte, Papier ist geduldig. Ganz recht, verehrte Hausfrau, darum machen wir nicht viele Worte, sondern überlassen Ihnen allein das Urteil über Reeses Puddingpulver u. Reeses Vanillinzucker. Bitte prüfen Sie. Reese Gosellschaft, Hameln. [Kleine Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in## Worte mit mehr als 15 Buchstaben der setten Ueberschrift 16 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Dr. Cratos 812 Back= und Pudding=Pulver mit Prämienbons. Aufdruck 50 Bons. 10 Pack 60 Pfg., 100 Pack 5.85 Mk. Kaufhaus Wirths, Kreuzstraße 28. Beste Qualität in Bentwäsche, Unterzeugen, Normalhemden, Hautjacken, Hosen, sowie blaue und grüne Jacken, Kittel kaufen Sie nur Friedrichstraße 50, P. Riffelmacher. 9023 Waschechte Schürzen, Reform, Mieder. Kimono, neue Muster, empfiehlt P. Riffelmacher, Friedrichstraße 50. 903“ Betten werden beim Einkauf neuer Inletts gratis entstäubt und ungefüllt. F. Mertens. 1686 Reform=Butter! Allerfeinste Pflanzen=Butter=Margaine, Pfd. nur 90 Pfg, Kaufhaus Wirths, Kreuzstraße 28.(993 Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumungshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werden. Teilzah ung gestattet. Adolf Heine, Ritterstraße 57. 490 985 Achtung! Herford. Achtung! Deutscher Metallarbeiter-Verband, Verwaltungsstelle Herford feiert seinen diesjährigen Großen Preis=Mlaskenball .) am Sonnabend, den 27. Februar er., im Bahnhofshotel Wilh. Läge. Ansang 7 Uhr 59 Minuten 59 Sekunden. Die zur Verteilung gelangenden wertvollen Preise sind im Schaufenster der Firma Wwe. Weinberg, Backerstraße, ausgestellt. Es ladet freundlichst ein Der Festausschuss. NB. Karten sind zu haben beim Wirt Büchner, Brüderstraße, und Gustav Petzold, Hollandstraße 20. Paletots, 936 Anzüge, zurückgesetzt und gebraucht, von 7 Mk. an. Brunnenstr. 12a. Kaffee. Mein jahrzehntelang bekannter und beliebter gebr. Plantagenkaffee, pro Pfund 1 Mark, bieibt unübertroffen Beweis: Das gleich autende Urteil aller Hauefrauen, sowie der standig steigende Umsatz. Wer nicht probiert— verliert! Kaufhaus Wirths, Kreuzstraße Nr. 28, Nebelswall. s1131 Wiebrock. Kartoffeln, hiesige rote. Heeperu. Kaiserstraßen=Ecke. 1099 Wiebrock. Heringe, prima Dtd. 55 Pfennig, sowie Marinaden und Rauchfisch billigst. 1102 Nähgarn, prima Obergarn 30 Pfg., Untergarn 20 Pfg., jeden Posten. Gebrauchte Nähmaschinen billigst. August Hagemeier, Riederwall. 981 Getragene Anzüge, Jacketts, Hosen, Westen, Damengarderobe, Kindergarderobe, Schuhe und Stiefel kaufen Sie billig bei W. Wörmann, Ravenobergerstr. 6, neben Gundlachs und Hengstenbergs Fabriken. 1145“ Nachlaßverkauf der Ww. Vankoke findet am Sonnabend abend um 5½ Uhr, Bleichstraße 69 statt. 11486 grüne Heringe, große fette, Pfund 10 Pfg., fetter kopfloser Kabliau 15 Pfg. feinste Bücklinge Stück 5 Pfg. Conrad Reinke, Notpfortenstr. 11.(1137“ Maskenkostüme 436 zu verleihen. Gr. Kurfürstenstr. 57 I. Westennäherinnen, geübte, auf sofort gesucht. Eolentrupperweg 43 a, 1. Eig.(1132“ Wohnungen, von 3 und 4 Räumen in allen Preislagen, zum 1. April zu vermieten. F. Manter, Mellerstr. 59a.(1015“ Kost 11016 und Logis für 2 junge Leute frei. Mellerstraße 59a. Kost 1097 und Logis für 2 anständige junge Leute offen. Wo sagt die Expedition. zum Mitbewohnen, auch mit Kost, frei. Wittekindstraße 112.(1138“ Soeben erschien: Simplicissimus Nr. 4c. (Karneval=Nr., Preis 30 Pfg.) Buchhandlung„Volkswacht“. Hochzeits-Einladungen liefert Buchdruckerei Volkswacht. Kinematographen-Theater zur alten Post. Rückhaltlose Anerkennung zeilt jeder Besucher dem neuen Programm, denn wir sind fortgesetzt bemüht, Neuheiten zu erwerben, die aufs angenehmste unterhalten und belehren. Sportfest in Die Finsternis. Wintersport in den Bergen. Brillante Eislaufkünstler, Skiläufer in den gewagtesten Situationen, Rodelpartien über steil abfallende Stellen mit oft komischen Entgleisungen bringen die Reize der Winterbelustigungen dem Beschauer naturgetreu nahe. Ein Drama. Ein junger Bauunternehmer verliert bei dem S##n Einsturz eines Tunnels durch Explosivnoffe das Augenlicht und gerät mit seiner Frau in große Dürftigkeit. Diese Lage nützt der ihn bebandeinde Arzt aus, indem er die Frau zu seiner Geliebten macht, die der Blinde, nun sein Unglück doppelt empfindend, in einem Wutanfall erdrosselt. Die Geschenke der Fee. Ein Märchenspiel von wunderbarer Farbenpracht. Neueste Aufnahme vom 22. Februar. Der Festzug mit dem ganzen Gepränge des Karnevaltreibens. Rosenmontag in Köln. Die Rache des Sträfljngs En Zuchthäusler, der strengen Behandlung müde, entflicht an die Meresküste, wird aufs grausamste verfolgt, entkommt aber und rücht sich indem er das kleine die Kache des=Straftingn. kind seines Afsehers entführt. Aufs neue gestellt, reicht er der verzweifelnden Mutter das Kind zurück und findet seinen Tod durch einen Sprung in die Tiefe. Das Hochzeitsgeschenk. Des Fieheshazillug. Von erschütternder Komik sind die Versuche eines Forschers mit den Der Tirbrvvuztung. herzbezwingenden Bazillen, die er einem kosenden Liebespaare entnimmt. Humoristisch=drastische Wirkungen eines Purgativs, das zrrtümlich als Wein genossen wird. Tonbild, die Stimmen verschiedener Vögel durch den im Wintergarten zu Berlin 1142 auftretenden Künstler Alexander zu Gehör bringend. Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, so wie bei sämtlichen Agenturen fre ins Haus gebracht 60 Pfg. monarlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 48. Die heutige Numm In der Ig. Von der heutigen S# Reichstages hatte man eine Situation erwartet und zuglei und auf welcher Weise es gel der Regierung entsprechenden Besteuerung zu bekommen. Erwartungen nicht erfüllt, all er sich lichtet, sieht man zwar wohl aber die Herren, die sie Konservative und Reichspart Finanzreform in ihrem Sin genehmen Weise zu machen. Klarheit besteht. Sie haben si hofen heute versicherte, die K trum und das Zentrum ist: men. Verwandte Seelen fir suchen. Aber sie haben sich die Regierung an diesem S Vorschläge des Nationalliber und wirksame Besitzsteuer di zeichnete der Schatzsekretär artige Steuergesetzgebung in greife und dem Geiste der R gleich entschiedene Ablehnung ordneten Gamp und Herold gegei der Schatzsetretär eini am liebsten seine Nachlaßste immer noch der Hoffnung hi reformen und alledem, daß e Lesung bekehrt. Bekommt er wahrscheinlich mit dem vorli Papier wenigstens— wollen. Der Zentrumsantrag hat „Die Kommission wolle reformgesetzes wie folgt zu fa §.1. An Stelle der nach zubringenden Matrikularbeine durch Belastung des E bringende Abgabe(Besitzste ihrer Entrichtung werden? Der zu erhebende Betra haushaltsetatsgesetz bestimn jahre 1909 bis 1913 die Su nicht übersteigen. Die Abgabe ist in vie Anweisung des Bundesrat Der von den einzelnen trag ist auf Grund des ir lichen Grundsätzen zu ermi reinen Vermögensbestande Solange die Grundlag allen Bundesstaaten vorhat gabe der Bevölkerung zu er Meiningen, Waldeck. Lippe der Bevölkerung außer Be Eine Steuer nach diesen eine Besitzsteuer sein, weil i geben hätten. Die Wirkung die trügerische Bezeichnung sertigen. Wer erwartet vom als ein agrarisches Gesetz? Preußens, daß sie die Lasten werden?—— In der Sackgasse! Das Hinter den Kulissen wird ge die Kommissionsberatung u sich einig geworden sind. Ein Rückschritt Der Reichstag beendete kratischen Initiativantrags Land= und Forstwirtschaft schreibt ein freisinniges Blat freiwillig und unfreiwillig viel Vergnügen, so daß eine Das klingt recht wenig chn die Lage der ländlichen Arb die Heiterkeit einer gesetzg ein Parlament, das sich seit nur zornigen Unmut und to Immerhin darf der Rei mildernde Umstände beanspr regiment stellte in dem bi Labiau einen Preisfechter, wechseln ähnlich sah. Des zeistigen Anspruchslosigkeit um io weniger mag man e# Hanswurst zunächst als da Jedoch ist er damit nicht Person sehr ernst zu nehme teien nicht untergeht. muß aber doch auch eine Sache, Fäßen hot. 8— Die ostelbischen Junker gescheut, wenn es ihre greu