Abonnementsbreis für Bielefeld und Umgeger“. wie bei sämtlichen agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. — Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Nr. 32. Si UUTUbtsTsosoe Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Expedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Bielefeld, Montag, 8. Februar 1909. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½29 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag vu Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" A. Gerisch& Co., Bielesekd. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Geheimnisse der Zeche Radbod. Der Bergarbeiterkongieß hat schon einen bemerkenswerten Erfolg zu verzeichnen: Die ungeschminkten Anklagen der Bergarbeiter haben einen hervorragenden Beamten im preußischen Bergwerksminsterium veranlaßt, in die Oeffentlichkeit zu flüchten, bevor die angekündigte Gerichtsverhandlung den Vorhang vor dem Radbod=Drama ganz in die Höhe zieht. Der Geheime Oberbergrat Meißner hat einem Informationsbureau interessante Mitteilungen zugehen lassen über seine Erfahrungen bezüglich der Betriebszustände auf der Zeche Radbod. Herr Oberbergrat Meißner hat häufig die Aufgabe, im Parlament als Bergbausachverständiger den Minister zu vertreten, wenn es sich um bergtechnische Einzelheiten handelt. Er war auch der von Herrn Delbrück in das Katastrophengebiet entsandte Kommissar. Bekanntlich hat auf dem Bergarbeiterkongreß einer der Geretteten von Radbod berichtet, er habe dem behördlichen Vertreter zwei Zeugen angegeben, die wichtige Aussagen über die Zustände in der Unglückszeche machen könnten, aber bis heute seien die Zeugen nicht vernommen! Ferner beklagte der Bergarbeiter, daß von der Behörde keine Mitglieder der Bergarbeiterorganisation, sondern nur„ausgesuchte Leute“ vernommen worden wären. Herr Oberbergrat Meißner hat nun, wie entnehmen das der„Täglichen Rundschau“, einem Informationsbureau mitgeteilt: „Nachdem in der Nacht vom 11. zum 12. November das Unglück passiert war, traf ich am 12. um ½10 Uhr an Ort und Stelle ein. Auf der Fahrt im Automobil erkundigte ich mich bereits bei dem mich begleitenden Revierbeamten und dem Berginspektor nach der Berieselung. Es wurde mir geantwortet, daß die Grube sehr intensiv berieselt worden sei. Der Berginspektor Holländer sagte mir auch, daß er noch am Morgen vor dem Unglück die Grube befahren habe. Dem Betriebsführer der Grube, bei dem ich mich über die Betriebsverhältnisse und den Verlauf des Unglücks erkundigte, gab ich dann den Auftrag, mir am nächsten Morgen Leute zuzuführen, die über die Berieselung Auskunft geben sollten. Es erschienen dann Berieselungsmeister, Schießmeister, die verpflichtet sind, nicht eher zu schießen als berieselt worden ist, und Mitglieder des Arbeitsausschusses. Außerdem sagte ich dem Betriebsführer, ich lege Wert darauf, daß Leute bestellt werden, die dem„alten (sozialdemokratischen] Verbande“ angehören. Im ganzen wurden 15 Mann vernommen. Als ich nach der Vernehmung den Betriebsführer nochmals fragte, ob auch Leute des „alten Verbandes“ sich unter den Vernommenen befunden hätten, antwortete er mir:„Ichglaube, sie sind alle rot; ich habe jedenfalls die Rotesten ausgesucht." Besonders betonen möchte ich, daß die Befragung meinerseits nur in Gegenwart eines Mitgliedes des Oberbergamtes stattfand. Weder ein Zechen= noch ein Revierbeamter war zugegen. Die Leute wurden ferner nicht nach ihren Namen, sondern nur nach ihrer Tätigkeit befragt. Alles dies geschah, damit die Leute sich in ihrer freien Aussage nicht irgendwie behindert fühlten. Es galt vor allem, viele Leute zu vernehmen und schnelle Informationen zu erhalten, um vorläufig einen Ueberblick über die Sachlage zu gewinnen, was für die anderen Zechen von Bedeutung sein konnte.“ „Selbstverständlich hat es dann,“ so stellt Geheimrat Meißner zum Schluß fest,„nicht an einer gerichtlichen Untersuchung gefehlt. Bereits fünf Tage nach dem Unglück wurden einzelne Leute gerichtlich vernommen. Die offizielle Voruntersuchung ist längst eingeleitet worden und schwebt gegenwärtig noch. Wenn auf dem Bergarbeiterkongreß gesagt wurde, ich hätte keine Mißstände gefunden, so möchte ich hervorheben, daß ich einem Berichterstatter vor der Vernehmung lediglich referierend mitgeteilt habe, daß mir nach den bisherigen Aussagen von Mißständen nichts berichtet sei.“ Das ist wichtig für die Beurteilung der Grubenzustände. Herr Meißner teilt der Oeffentlichkeit mit, der vielgenannte Berginspektor Holländer sei es gewesen, der dem Ministerialkommissar schon, bevor er den Zechenplatz betrat, versicherte, es sei„sehr intensip berieselt“ worden. Herr Holländer ist der für die sorgfältigste Inspizierung der Zeche verantwortliche Staatsbeamte. Wenn dieser schon auf der Automobilfahrt dem Ministerialkommissar suggeriert hat, zu glauben, die Berginspektion habe ihre Pflicht erfullt, dann kann kein Mensch oas dem Herrn verargen. Ister doch auch verantwortlich zu machen, wenn die Anklagen der Arbeiter zutreffen. Was der Berginspektor dem Ministerialkommissar sagte, steht aber im strikten Widerspruch zu den öffentlich von den Organen der Arbeiter und auch der Zeitung der Unterbeamten erhobenen schweren Beschuldigungen! Am wichtigsten ist, was Herr Oberbergrat Meißner verschweigt und doch aussagt! Er erwähnt gar nicht die Aussage des Bergarbeiters auf dem Bergarbeiterkongreß, zwei benannte wichtige Zeugen seien noch immer nicht vernommen! Man muß demnach die Nichtvernehmung als Tatsache hinnehmen. Wie verträgt sich das mit der Beteuerung des Regierungsvertreters im Landtage und Reichstage, es sollten ule namhaft gemachten Zeugen vernommen, es solle die strengste Untersuchung durchgeführt werden? Nach fast zwei Monaten warten immer noch wichtige Zeugen auf ihre Vernehmung! Die Arbeiter haben behauptet, auf Radbod hätten vor der Katastrophe große Mißstände bestanden, schlagwetterreiche Betriebspunkte seien sehr schlecht ventiliert worden; oft sei tagelang kein Wasser zur Berieselung vorhanden gewesen! Herr Meißner kennt die bisherigen Ergebnisse der gerichtlichen Voruntersuchung bestimmt, er sagt aber nicht, daß sie zugunsten der Zechenverwaltung und der Bergbehörde verläuft! Dagegen läßt der Schlußsatz der Erklärungen des Herrn Oberbergrats die Folgerung zu, daß er seine günstige Meinung von den Zechenzuständen sich gebildet hat„vor der Vernehmung“ der Arbeiter! Diese Vernehmung muß demnach doch Tatsachen festgestellt haben, die im Widerspruch stehen mit den Versicherungen des staatlichen Berginspektors und der Zechenverwaltung. Herr Meißner würde gewiß, wie er die Mitteilung des Berginspektors veröffentlicht, auch keinen Anstand nehmen, auch das Resultat der weiteren Untersuchungen mitzuteilen, wenn es die von ihm selbstverständlich verteidigte Berginspektion entlastete. Die Oeffentlichkeit wartet mit steigender Spannung auf die angekündigte Gerichtsverhandlung. Schon was Herr Oberbergrat Meißner veröffentlicht, noch mehr aber das, was er nur vermuten läßt, befestigt in uns die Ueberzeugung, daß die Arbeiteranklagen durchaus begründet sind. Das Neueste vom„Rückgang“ der Sozialdemokratie. Seit den ersten siebziger Jahren schon haben die bürgerlichen Preßhelden einen billigen Trost zur Hand, wenn sie zu ihrer Betrübnis sehen, wie unsere Kämpferschar sich unausgesetzt vermehrt. Schon damals erfanden sie in ihren Leiden den Rückgang der Sozialdemokratie; und dieser harmlose Fetisch blieb ihnen bis auf den heutigen Tag ein Hort der Zuflucht, wenn die Sozialdemokratie in ihrer bekannten Herzlosigkeit abermals Kehraus mit ihnen getanzt hatte. So darf es denn nicht wundernehmen, daß die„Post" und andere bürgerliche Blätter auch jetzt wieder freudig bewegt zahlenmäßige Belege über einen sozialdemokratischen Rückgang just auf dem Gebiet: bringen, wo jede Partei am empfindlichsten ist. Ueber einen Rückgang im Finanzwesen nämlich. Ein Reichsverbändler offenbart der Wel; die folgende frohe Mär: „Während das Jahr 1907 gegen das Jahr 1906 ein Plus von über 300000 Mk. aufzuweisen hatte, ergibt der Jahresabschluß vom Jahre 1908 ein Minus von über 300000 Mark. Die Einnahmen im Jahre 1907 betrugen, wie aus den Kassenberichten hervorgeht, 1 191819 Mark. Dieser Summe stehen im Jahre 1908 nur die Einnahmen von 852976 Mark gegenüber. Es ergibt sich also ein Ausfall von 338843 Mark. Dagegen hatte das Jahr 1906 810 917 Mark. Im nachfolgenden Jahre waren also die Einnahmen um 380912 Mark gewachsen Da nun die Sozialdemokratie von einer ständig und organisch sich ausbreitenden Vermehrung ihrer Anhänger spricht, so ist der Hinweis auf das enorme Sinken der Einnahmen im Jahre 1908 ganz besonders interessant.“ Weiter wird dann noch bewiesen, daß auch die Einnahmer unserer Presseunternehmungen sich stark vermindert haben. Ohne Zweifel hat der reichsverbändlerische Trostspender seine Zahlen aus dem Protokoll über den Nürnberger Parteitag entnommen, denn diese Zahlen stimmen an sich wirklich. Sie haben, vom ordnungsstützenden Standpunkt aus betrachtet. nur den einen Schönheitsfehler, daß der Finanzminister unserer Partei mit ihnen ganz zufrieden ist; und das will, diesmal vom sozialdemokratischen Standpunkt aus betrachtet, schon etwas besagen. Auf Seite. 65 des letzten Parteitagsprotokolls wird nämlich der Kassenbericht mit folgenden Worten eingeleitet: „Der Kassenabschluß weist gegen das Vorjahr eine erhebliche Mindereinnahme auf. Dieses scheinbar ungünstige Ergebnis ist auf verschiedene Umstände zurückzuführen. Erstens umfaßt die Berichtszeit, indem sie schon mit dem Monat Juni abschließt, nur elf Monate gegen zwölf im Vorjahre. Und gerade der Monat Juli des vorigen Berichtsjahres wies mit seinen 170 577,63 Mark eine ungewöhnlich hohe Einnahme auf. Wenn die Eingänge im Monat Juli 1908 auch nicht die gleiche Höhe erreichen, so sind sie doch jedenfalls hoch, kommen aber erst im Berichtsjahr 1908/09, das wieder zwölf Monate umfassen wird, zum Vorschein. Zweitens war das Berichtsjahr 1906/07 ein Wahljahr, in dem der Parteifasse Mittel zuflossen, wie sie in Form von Extrabeitragen usw. nur in den Zeiten des Kampfes geleistet werden. Neben den Erträgnissen von Einzelsammlungen erhielt im vorigen Berichtsjahr die Parteikasse allein von den Gewerkschaften in den Monaten Dezember und Januar 41 500 Mark. Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände muß der Abschluß als ein relativ guter bezeichnet werden. Die eigentlichen, von den Organisationen geleisteten Parteibeiträge zeigen nicht nur keinen Rückgang, sondern eine Zunahme, was um so erfreulicher ist, als breite Schichten der Arbeiterschaft schwer unter der wirtschaftlichen Krise leiden.“ Und weiter heißt es über den„Rückgang“ der aus Parteibetrieben erzielten Einnahmen: „Die Geschäftsergebnisse des„Vorwärts“, der„Neuen Zeit“, der„Gleichheit“ und des„Wahren Jakob“ sind aus den besonderen Abrechnungen zu ersehen. Im Kassenbericht sind infolge des früheren Abschlusses nur die Erträgnisse von drei Quartalen verrechnet worden, gegen vier Quartale im Vorjahre.“ — So bleibt als Wahrheit von dem neuesten Rückgang der Sozialdemokratie nichts übrig als die Tatsache, daß an Mitgliederbeiträgen in elf. Monaten nicht so viel eingegangen ist, als das Jahr vorher in zwölf Monaten und daß die in Betracht kommenden Parteibetriebe in drei Quartalen dieses Jahres nicht so viel abgeführt haben, als 1907 in vier Quartalen. Wenn diese Tatsache unseren Gegnern ein Trost im Leiden ist, so soll es uns recht sein. Da diese guten Leute sich aber anscheinend gern an Zahlen ergötzen, wird es sie vielleicht auch noch interessieren, wenn wir ihren Enthüllungen über den sozialdemokratischen Rückgang noch mit einigen nicht minder authentischen Zahlen unter die Arme greifen. Am Schlusse des Berichtsjahres 1907 zählten die sozialdemokratischen Vereine Deutschlands 530 466 Mitglieder, am Schlusse des Jahres 1908 hingegen 587336 Mitglieder; das ist nach Adam Riese eine Vermehrung um 56.870 Mitglieder. In den Landtagen der Einzelstaaten hatte unsere Partei 1907 135 Abgeordnete, 1908 hingegen 151. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter, die sich nach den Wahlen vom Herbst 1908 abermals bedeutend vermehrt hat, stieg in dem einen Jahr von 4996 auf 5931, die Zahl unserer Parteiblätter von 64 auf 71. Trotz einer relativ geringen Zunahme der Abonnenten erhöhte sich die Summe der von unserer Parteipresse vereinnahmten Abonnementsgelder von 5962370 Mark auf 6 782359 Mark; die Inserateneinnahme stieg von 3466 539 Mark auf 4 205 322 Mark. Doch genug der Zahlen. Aus diesmal bleibt von dem ganzen ordnungsparteilichen Geschwätz nichts übrig als der stille Herzenswunsch, doch endlich auch einmal einen Rückgang gleich dem sozialdemokratischen zu erleben. Vielleicht daß die„Post“, nach ihrem neuesten Reinfall diesem Wunsch noch die im Hinblick auf die Urheber derartiger kindiicher Mitteilungen besonders angebrachte Frage hinzufügt:„Welcher Esel hat denn das wieder geschrieben 2 Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Reichstagsauflösung in Sicht? München, 8. Febr. Zu einer Berliner Korrespondenz, in der das Gerücht über eine bevorstehende Maflösung des Reichstags als„wildes Gerücht“ bezeichnet wird, macht die„Münchener Post“ folgende Bemerkungen: „Im Gegensatz zu diesen Ausführungen halten wir infolge gewichtiger Informationen von anderer Seite die Möglichkeit einer Auflösung des Reichstags doch für gegeben. Wir haben Veranlassung zu der Annahme, daß einige süddeutsche RegieLungen auf die Nachlaßsteuer nicht verzichten, und daß für den Fau der Unmöglichkeit einer Einigung mit den Konservativen bereits bestimmte Vereinbarungen unter den Bundesregierungen getroffen sind. Unsere Freunde werden daher gut tun, sich auf die Möglichkeit einer solchen Ueberraschung einzurichten.“ Ein Theatergesetz. Von freisinniger Seite ist im Reichstag beantragt worden, der Reichslanzler möge dem Reichstage den Entwurf eines Reichs=Theatergesetzes vorlegen, in welchem einerseits die Bühnenvertragsregeln, andererseits die öffentlichen Rechtsverhältnisse einer zeitgemäßen Reform unterzogen verden. desorm unterzge Der sechste Nachtrag zum Reichshaushaltsetat für 1908, dem der Bundesrat am Donnerstag zugestimmt hat, ist dem Reichs. e zugegangen. Er fordert 4500000 Mk. für Verzinsung der Mittel, die für vorübergehende Verstärkung der ordentlichen Betziehsnzittel der Reichshauptkasse aufgenommen werden sowie 1 719 929 Mk. als Kosten zur Ausführung der Berufs= und Betriebszählung im Jahre 1907. Oberst und Landesfürst. Der Fürst von Lippe=Detmold ist in Berlin nicht besonders gut angeschrieben. Er konnte sein Thrönchen erst einnehmen, nachdem durch einen Schiedsspruch der Schwager des Kaisers die Verwaltung des Ländchens hatte aufgeben müssen. Bekannt ist auch noch das Telegramm, das vom Kaiser ausging und eine derbe Zurechtweisung des kleinen Fürsten enthielt. Neuerdings scheint der Oberst des dort garnisonierenden Truppenteils den Kampf mit dem Fürsten ausgezommen zu haben; er verbot nämlich die Mitwirkung der Militarkapelle bei den Opernaufführungen in dem dem Fursten gehörigen Hoftheater. Vorher hatte der Oberst schon die Promenadenkonzerte im Fürstlichen Schloßpark untersagt und alt die Regimentskapelle der Fürstin ein Geburtstagsständchet brachte, schickte er der Hofkasse eine Rechnung dafür. Man darf gespannt darauf sein, was aus dieser neuesten„Affäre“ wieder #. Folgen des Brotzolls. Seltsame Zustände werden in den bovisch=schweizerischen Grenzorten durch den deutschen Zolltarif ffen. Aus der Schweiz dürfen täglich gewisse Mengen von Mehl und Brot— jedoch nicht mehr als sechs Pfund— zollfrei nach Baden gebracht werden. Die Bewohner der badischen Grenzorte lassen sich vom Bürgermeister eine Brotkarte ausstellen und flugs geht'? nach der Schweiz, um das billigere Brot herüberzubefördern. In Kleinlaufenburg war bis jetzt der Bäcker am Orte der einzige, der noch keine Brotkarte gelöst hatte — aus sehr naheliegenden Gründen Jetzt hat auch der entdeckt, daß sich das Schweizer Brot noch billiger einführen, als selbst backen läßt und er holte sich vom Bürgermeister auch eine Brotkarte. T Schweizer Bäcker sind ob dieses Schutzes der„einheimischen deutschen Produkte“ gar nicht schlecht auf den deutschen Zolltarif zu sprechen. Eine Lehrerkammer. Die Bremer Regierungsplant die Errichtung einer Lehrerkammer. Das soll eine amtliche Organisation der Volksschullehrer sein, deren Aufgabe es wäre, Gutachten in Schulfragen usw. zu erstatten.— Damit wäre in Deutschland die erste Lehrerkammer geschaffen. u sichstag. .### Pablprüfungskommission beanstandete au die Wahl des Abg. Struve(Fr. Vg.] wegen amtlicher Wahlbeeinflussung. Ebenso wurde die Wahl des Abg. Winterfeldt=Menkin(kons.) in Prenz'au=Angermünde beanstandet, weil auf Verfugung des Prenzlauer Landrats v. Maltzan die sogenannten Saisonarbeiter grundsätzlich von der Aufnahme in die Wählerliste ausgeschlessen wurden. Eine Reklamation beim Regierungspräsidenten hatte zwar die Desavouierung des landrätlichen Erlasses zur Folge, aber eine Berichtigung der Wählerliste wurde von ihm abgelehnt. Die Kommission beschloß, durch amtliche Erhebungen die in Frage kommende Zahl der vom Wahrrecht ausgeschlossenen Wanderarbeiter feststellen zu lassen, um dann zu prüfen, ob die Mehrheit(2651 Stimmen) dadurch geändert werde. Die Kommission für das Gesetz zur Sicherung der Bauforderungen begann Freitag die zweite Lesung. Dazu waren von den Genossen Bömelburg und Franck folgende Anträge gestellt: 1. Zu§ 14 einen Absatz beizufügen, wonach die Anmeldefrist als gewahrt gilt, wenn die Anmeldung bei der Baupolizeibehörde oder dem Grundbuchamt(aiso nicht bei dem Bauschöffenami) eingekommen ist. 2. Zu§ 19: Ausdehnung des Vorrechts für zwei Wochen Lohn auf die Attordarbeiter. 3. Zu.§ 350: Mindestens die Hälfte der Bauschöffen soll aus Bausachverständigen und die Hälfte der Bausachverständigen aus Bauarbeitern bestehen. Die Abstimmung über diese Anträge erfolgt in der nächsten Sitzung. Heute wurde beschlossen, die Buchführungspflicht allgemein, nicht bloß für Baugewerbetreibende einzuführen. Die in§ 4 vorgesehene Sicherheitsleistung wurde von ein Viertel auf ein Drittel der voraussichtlich entstehenden Baukosten erhöht. * Bie Budgetkommission beschloß Freitag vormittag zunächst die Einsetzung einer Subkommission, die die Vorlage betreffend die Beamtenbesoldung und die Wohnungsgeldzuschüsse vorberaten soll— Für die sozialdemokratische Fraktion tritt Genosse Singer der Subkommission bei. Von einem Abgeordneten wird der Wunsch ausgesprochen, daß die Subkommission streng veriraulich verhandeln müsse; die Mitglieder sollten nicht einmal den eigenen Fraktionsgenossen Mitteilungen machen. Dem letzteren Verlangen widersprach Singer ganz entschieden. Die Kommission billigte Singers Standpunkt.— Ueber die weitere Absicht der Kommission wurde beschlossen: Am Dienstag soll die Beratung verschiedener kleiner Etats, dann des Kolonialetats beginnen, damit die„in Berlin weilenden Gouverneure. die nichts zu tun haben, wieder abreisen können. Nach dem Kolonial=Etat soll der Militär=Elat und dann der Post=Eta. beraten werden. #.Es wurde kann stundenlang über Titel 10 verhandelt: Eine Million Mark für geheime Ausgaben. Agrarische Tendenzen im preußischen Lehrerbesoldungsgesetz. Die Verhandlungen der Lehrerbesoldungskommission des preußischen A geordnetenhauses haben zu dem Vorschlage geführt, zur weiteren Aufbesserung der Gehälter der Lehrer auf dem Lande— in Gemeinden mit nicht mehr als 7 Schulstellen— Mittel dadurch zu gewinnen, daß die an die Schulverbande mit mehr als 7 Schulstellen bisher zu zahlenden Staatsbeiträge, Staatszuschüsse und Ausfall=Entschädigungen in Fortfall kommen. Gegen dieses Vorhaben haben sich früher schon die schlesischen und h unoverschen Städte und jetzt auch die Oberbürgermeister der rheinischen Großstädte in einer Eingabe an das Abgeordnete haus, Herrenhaus und Staatsministerium geIn der Eingabe wird darauf verwiesen, daß sich der Zuschuß auf eine Rihe gesetzlicher Vorschriften gründe und es heißt dann weiter: „Mit dieser vom Staat übernommenen Verpflichtung und mit dieser gesetzlichen Regelung steht der obige Vorschlag in direktem Widerspruch. Was als dauernder Zuschuß gesetzlich festgelegt und gewährleistet war, soll nach wenigen Jahren durch ein anderes Gesetz beseitigt werden, und zwar ohne jede Entschädigung und ohne irgend eine andere Regelung, welche als angemessener Ausgleich für die den Gemeinden zu entziehenden Staatszuschüsse angesehen werden könnte. Das ist eine Konfiskation gesetzlich dauernd festgelegter Renten der betroffenen Gemeinden zugunsten des Staates. Eine solche Entziehung des Vermögens der Gemeinden zugunsten der Staatskasse ist, soweit wir übersehen können, ein bis jetzt noch nicht erhörter Vorgang, und der Gesetzgeber sollte doch ernste Bedenken tragen, einen solchen Weg zu beschreiten. Die durch drei Gesetze anerkannte und verbürgte Verpflichtung des Staates, den Gemeinden durch die Erleichterung der Volksschullasten zu helfen. wird jetzt einfach aufgehoben. Dies geschieht durch ein Gesetz, durch welches den Gemeinden gerade neue schwere Lasten für die Volksschule auferlegt werden...... Leider wird in der Eingabe nicht mit der nötigen Deutlichkeit gesagt, daß das Experiment nur gemacht wird im Interesse Grundbesitzee.z Schube der Geldbeutel der landlichen * „ In der Finanzkommission ging der Kampf um die Nuchlaßsteuer Sonnabend weiter. Der württembergische Finanz= minister erklärte sich für die Nachlaßsteuer. Der Schatzsekretär Sydow teilt die Einwände der Finanzminister der Einzelstaaten gegen die Vermögenssteuer und gegen die Veredelung der Matrikularbeiträge. Abg. Ulrich(Soz.) erklärt, die Nachlaßstener gehe ihm und seinen Freunden nicht weit genug. Die Prozentsätze seien viel zu niedrige, aber diese Steuer sei für ihn und eine Freunde noch die akzeptabelste. Die damit verknüpfte Wehrsteuer, die auf Umwegen hier eingeführt werden solle, sei für uns Abg. Raab erklärt sich im Namen seiner Partei gegen die Nachlatzsteuer.„Die Reichseinkommensteuer sei wohl die .#ste.,orm einer direkten Steuer, aber die Reichsvermögensnieuer konnte besser Ersatz fur die Nachlaßsteuer sein. Der konservative Abg. Dietrich spricht unter großem Widerspruch und großer Heiterkeit das Wort gelassen aus:„Wer zahlt, regiert". Er möchte erst üiber indirekte Steuern beraten wissen, dann wür#rsagen und seine Freunde ja sehen, was dem Besitz noch aufzu(Ztr.) verteidigt das Zentrum gegen die VorFinanzreform durch seine Haltung hinderlich in den Weg träte Das vorliegende Gesetz entspräche ganz der Sozialdemokratie, sie habe noch keines so freudig begrüßt wie nd das Gesetz über das Erbrecht des Staates, das er „Gesetz über die Konfiskation des Vermögens" taufen würde. krette und Reierung sei zre derum zwischen Sozialtemo. se und########., in der pariamentarischen Geschichte noch nie dagewesen. Die Wehrsteuer in dieser Form einzuführen, sei der unglücklichste Gedanke.— Der Vorsitzende gibt dann einen Antrag Hatfeldt bekannt, der da lautet:„Die AnGekeszenmuriz Jalle einer Ablehnugg des, S 1 des "— einer Subkommission zu überweisen.— Der Abg. Weber beantragt, die Abstimmung über§ 1 bis nach der beantragten Beratung des Erbschaftsgesetzes auszusetzen.— Di Finanzminister v. Rheinbaben volemisiert dann gegen ###r wunscht dringend Weiterberatung der Vorlage Eine Reichsvermögenssteuer sei unmöglich; sie erfordere in den Einzelstaaten doppelte Einschätzung und Feststellung und entziehe den Einzelstaaten eine wichtige Quelle ihrer Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Der Steuerschacher. „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ erklärt nochmals. Regierungen unter allen Umständen an der steuer festhauen werden. Der Artikel greift auf das unterbreitest hat: ds Frbr. von Rheinbaben der Kommision 990g weigem Landgute mit einem jährlichen Reinertrage von auod Mark und 100000 Mark Schulden würde der zu zahlende Steuerbetrag 480 Mark sein, oder es müßte statt dessen 20 Jahre hindurch eine Rente von jährlich 35,32 Mark entrichtet werden. Mark bei 3agiggue eine jahrlichen Reinertrag von 24000 300 000 Mark Schulden hat, würde die Steuer 3600 Mark, die jährliche Rente 264,89 Mark betragen. Für ein eugs Ma mit einem Reinertrage von 80000 Mark und Schulden, bei einem Werte von 2 Millionen Wach Bürden die Verhältnisse sich so gestalten, daß die St.uer K" Muli, die jährliche Rente 1236,17 Mark betrügen. Das Organ des Fürsten Bülom erklärt, daß im Ernste nicht werden Täune Jaal0st gesprochen beraus sei der mur aus der Untennlnis der Gesetzbestimmungn i. S4#### widerklang zu verstehen, den die Agitation gegen vie Nachlaßsteuer im Lande angeblich gefunden hat. darin das Kliche Rundschau“ erblickt ein günstiges Symptom über den s 1 des'crvstiden beantragt haben, die Abstimmung konservativen haben 40gzahleuergesebzes auszusehzen. Die Freizwischen der F.“en sich bereit erklärt, die Rolle des Vermittlers chen der megierung uno den Konservativen zu übernehm nereien wird eine besondere Zahlung von drei Mark Brennsteuer für jedes Hektoliter auferlegt, das sie über den bisherigen Bedarf brennen. Nur neu errichtete landwirtschaftliche Brennereien sollen für die ersten fünfhun' Liter, die sie fabrizieren, von dieser Zuschlagabgabe befreit se. Die gesamte Blodpresse warnt die Regierung eindringlich davor, etwa der Steuer halber eine Auflosung Reichtages anzunehmen. Der Ausfall einer Neuähl wärde lediglich eine Stattung der Linken herbeiführen. Bülows Dank an Steinmann=Bucher. ki. Herr Steinmann=Bucher, der Redakteur der„Deutschen Industrie=Zeitung", ein journalistischer Vertreter der Scharfmacher=Interessen, hat kürz ich ein Buch„350 Milliarden deutsches, Volksvermögen“ erscheinen lassen, das er, dem Brauche des owbanieraten Pachnicke folgend, dem Reichslanzler als Huldigung übersandte. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung veroffentlicht das Dankschreiben, das Fürst Bülow Hrrn Steinmann=Bucher zugehen ließ. Steinmann=Bucher will das Vork „aus seiner wirtschaftlichen und politschen Verdrossenheit herausreißen und ihm zeigen, daß seine 40jährige Arbeit seit der Gründung des Deutschen Reiches nicht umsonst war, welche Stellung es sich durch diese Arbeit errungen hat und daß es mit starlem Vertrauen seiner Zukunft entgegengehen kann". Er versucht eine Schätzung des Volksvermögens auf Grund der versicherten Werte und gelangt dabei zu dem Ergebnis, daß die bisherigen Taxierungen des deutschen Volksvermögens weit zu niedrig sind und er rechnet das Volksvermögen Im ganzen Milliarden Auf den Kopf der &a Smtfhler:# Mark Bevölkerung Mark In Dentschiund heute 330—360 5—6000 „ Frankreich 1906 225—250 5—6000 „ Großbritanien 1905 06 253—300 6—7000 „ Vereinigte Staaten von Amerika 1905/06 428 5272 „ Er will also beweisen, daß Deutschland eins der reichsten Lander der Welt ist, daß in D utschland seit dem industriellen Aufschwung in den letzten 40 Jahren Riesenvermögen angeläuft worden sind. Diese Tatsache ist nicht neu, sie wird nur vergessen, wenn die Besitzer und Nutznießer dieser gewaltigen Vermogen zu Steuerleistungen herangezogen wirden sollen. Trotz des Anwachsens des gewaltigen Reichtums sind die Staatslasten von Jahr zu Jahr mehr in Gestalt von indirekten Steuern der Ar beiterschaft aufgehalst worden. Die schwebende klägliche Finanz reform wiederholt diese Praxis in dem stärksten Umfange. Die bescheidenen Ansätze zu einer verständigen Reichserbschaftssteue: werden von den Kliquen, die über das von Steinmann=Buch berechnete Vermögen verfügen, mit Leidenschaft bekämpft. Wer nun etwa annehmen wollte, daß Steinmann=Bucher, sich gegen die Steuerschen der Reichen mit seiner Abhandlung wenden will, der irrt. In dem Schlußteil seines Buches stellt er denn die alte Behauptung der Steuerscheuen auf, daß in Deutschland Zolle keine Steuern sind, daß das Vorhandensein und die Steigerung des riesigen Volksvermögens den Beweis erbringe, daß weitere indirekte Steuern mit Leichtigkeit vom Volke getragen werden können, daß sich insbesondere die Steuererhöhung für Taoak und Alkohol empfehle. Dem H.rrn Reichskanzler wird die Steinmann=Buchersche Arbeit vielleicht willkommen sein, um seinen Umfall in der Nachlaßsteuerfrage noch schneller vollziehen zu können, imponiert hat ihm an dem Buche aber gewiß der Dilettantismus des Verfassers, durch den er an seine eigene Art in der Behandlung politischer und wirtschaftlicher Fragen erinnert wird. Wir stimmen mit Herrn Steinmann=Bucher darin überein, daß die Behauptung von dem kapitalsarmen Deutsch= land eine alte Legende ist, daß der Reichtum in Händen kl.iner Kreise eine noch vor wenigen Jahren ungeahnte Höhe erreicht hat. Vielleicht sagt Herr Steinmann=Bucher, wie die Massen der Nichtbesitzenden ihren Anteil am Volksvermögen„flüssig“ machen können; entfallen doch nach seiner Berechnung auf den Kopf der Bevölkerung 5- bis 6000 Mk., also auf eine 5köpfige Arbeiterfamilie 25- bis 30000 Mark. Solange der Anteil am Volksvermögen nicht ausgezahlt wird, dürfte gerade vom bürgerlichen Standpunkt aus diese Berechnung förmliche Aufreizung zum Klassenhaß bedeuten. Doch diese Gefahr kann abgeschwäch werden, wenn Steinmann Bucher sich zu dem Vorschlag entschließen könnte— der von ihm entzückte Reichskanzler hatte es in der Hand, ihn zur Tat werden zu lassen—, eine Reichsvermögenssteuer zu schaffen. Würde die Steuer auf je 1000 Mark #### sich bereit erklart, die Rolle des Vermittlers Gag 8 der meglerung und ven Konsereuneen zu übernehmen. Nuch ruge der Dinge erscheint es dem Blocke zweckmaßig, der,„Finagskomgission zunächst die indirekten Steuern zu beruten, und die Beratung der direkten Steuern bis zum Schlusse überseben, wieniel gschieben. Bei dieser Praxis lasse sich desser viel Millionen die Kommission für indirekte Stezern hewilligt und wieviel weitere Millionen spater durch 5##tern aufzubringen wären. In der Zwischenzeit jeten die Parteien in der Lage, sich betreffs der direkten Bedann soviess eizigen.— Viell icht bewilligt die Kommission wendig sind, in Steuern, daß direlte nicht mehr notmonice Herichten kann die„Gera.= Dis Regierung verzichtet auf die Forderung des Monopols. Die visherige Verhrauchsabgabe von 70 Mark auf das Hektoliter und die Maischraumsteuer von 12 Mark auf das Hektoliter werden abgeschafft, dagegen eineFabrikatsteuer von 100 Mt. auf das Hektoniter ezngeführt. Diese Fabrikatsteuer wird gleichmaßig von allem Trinkoranntwein erhoben, so daß also die sogenannte Liebesgabe in Wegfall kommt. Neben der Fabrikatsteuer bleibt die bisherige Brennsteuer nicht nur bestehen, sondern wird progressiv weiter ausgestaltet. Sämtlichen Bren#genssteuer zu., gaffen. Würde die Steuer auf je 1000 Vermogen nur 1 Mer. betragen, so erbrächte sie vii einem Vermögen von 350 Milliarden jährlich 350 Millionen Mark. Auf die billigste, einfachste und gerechteste Weise könnten SteinmannBucher und Büsow die Finanzreform retten, während sie sonst den Vorwurf sich gefallen lassen müssen, die Begehrlichkeit der Besitzlosen aufgestachelt zu haben. Die Wirren auf der Valkaubalbinsel. Wien, 7. Febr. In Sofia eingetroffene Meldungen versichern, daß bei der Pforte die ungünstige Stimmung gegen den russischen Vorschlag zunimmt. Man hält den türkischen Gegenvorschlag, die ganze türkische Entschädigungssumme zu liquidieren, nur für einen Schachzug, um die Durchführung des russischen Vorschlages zu vereiteln. In Wiener offiziösen Kreisen ist man nicht so pessimistisch. Man betrachtet hier den türkischen Gegenvorschlag als ernsthaft und steht ihm sehr sympathisch gegenüber, da man darin eien wichtigen Schritt zur Konsoli dierung des türkischen Reiches und zu seiner Emanzipation vor fremden Einflüssen erblickt. Diese machten sich ja immer wiede: Seisbtgenn die Türkei mit ihren Kriegsschulden im Rück Italien. Neuwahlen. Rom, 7. Februar. Ein Ministerrat beschlo Könige das Dekret zur Auflösung der Kammer un zur B trauung des Ministerpräsidenten mit der Ausschreibung der Neuwah'en zu unterbreiten. Der Abgeordnete Cirmeni erklärt in der„Stampa“, es sei notwendig, daß die Neuwahlen o schnell wie möglich abgehalten werden. Auch ein lokalisierter Balkankonflikt, wie der Handstreich Montenegros und Serbien? gegen Oesterreich=Ungarn, könnte auf die nervöse, empfindliche Meinung Italiens einen ernenten Rückschlag ausüben. In der gleichen Sitzung hat der Ministerrat' die Aufhebung des BeBezirken Messina und Reggio di Rußsand. R. K. Zum Ueberhandnehmen der Todesurteile. Aus Petersburg meldet man uns: Der bekannte Arzt Schbankow veröffentlicht auf Grund genauerer Daten eine grauenerregende Statistik über die Entwicklung der Todesstrafe in Rußland. Im Jahre 1905 hatte es 96 Todesurteile gegeben, 1906 zählte man 1333, 1907 waren es schon 1610, das Jahr 1908 aber schlug den Rekord mit 2889, wobei nur 323 Begnadigungen bekannt geworden sind. Die Entwicklung der Todesstrafe steht im umgekehrten Verhältnis zur oser Meastign. ein Ausdruck sinn= und maßDie demoralisierende Wirkung der Henkersurteile äußert, sich liegt. Es wäre für ihn bei seinen außerordentlichen Vervindungen ein Leichtes gewesen, in seiner g'änzenden Karriere immer höher emporzusteigen und zu einer der machtvollsten Persönlichkeiten Rußlands zu werden, wenn ei nicht, durch en vureaufratischn Sumpf-rechtzeitig angeetelt, dem despol# Regiment Valet gejagt hätte. So ganz und gar hai er niemals das System der russtschen Regierung gebilligt, auch damals nich als er unter Ple we an der Spitze des Polizeidepartements stand. Man kann ihm glauben, wenn er versichert, daß er an die Uebernahme dieses Postens wesentliche Reformen der Schutzabteilung, ja ihre Ausschaltung vom Polizeidepartement als Vorbedingung g.lnupft habe, daß sie ihm auch zugestanden, aber nicht innegehalten worden sei. Jedenfalls hat er durch sein ganzes Verhalten unmittelbar nach den Kischinewer Greueln bewiesen, wie sehr er die Pogrome verabscheue, und Plehwe hatte gar bald das„Vertrauen“ zu ihm eingebüßt. In späterer Zeit trat seine reformfreuhdliche, bezw. seine konstitutionelle Gesinnung immer deutlicher hervor. Die Aufdeckung der amtlichen Pogromorganisation, mit deren ausg.zeichneter Klarlegung Fürst Urussow in einer historischen Dumasitzung dem russischen Volke einen unvergäng ichen Dienst erwiesen hat, ist in den Vorstadien vornehmlich sein Werk. Er hat nicht nur jene Geheimdruckerei, die im Gebäude des Polizeidepartements aus Anordnung des bochgestellten Geseimpolizeibeamten Ratschkowsky Hunderttausende von Pogromproklamationen anfertigte und erwiesenermaßen sowohl durch Polizeiämter als durch Privatpersonen über das ganze Land verstreuen ließ, eruiert, sondern auch das damalige Ministerium Witte zu energischen Maßnahmen gedrängt und Witte selber vor den ihn bedrauenden Gefahren gewarnt. Ihm hatte vor allem die Stadt Alexandrowsk die Abwendung eines gep'anten fürchterlichen Pogroms zu verdanken, wie er üb. rhaupt gemeinsam mit seinem Schwager Urussow in der zweiten Hälfte des Winters 1905/06 zur Hintertreibung einer drohenden Pogromepidemie sehr viel beigetragen hat. Noch vor den Dumaverhandlungen über das Pogromunwesen igsichen Fe lodann durch die Zeitung„Rietsch“ mauche diesbe. ## unthüllungen, darunter einen Aussehen erregenden offizienen Brief Makarows an Witte, der Oeffentlichkeit und setzte nach kurzer Zeit Stolypin von seinem Schritt in Kenntnis, amit nicht der Verdacht auf irgend einen untergeordneten Beamten fallen möchte. In einem im Sommer 1906 an den Ministervräsidenten wegen seiner verkehrten Beantwortung der Pogrominterpellation gerichteten Aufklärungsschreiben begrünete er seine eigene Handlungsweise mit den Worten, daß„nur ie durch die Presse gründlich informierte Reichsduma imstande sei, für immer die systematische Vorbereitung von Pegromen, sowohl gegen Inden als gegen andere, durch Behörden, eine Er Gaitenge die den Staat mit den höchsten Gesahren bebrohe, Aeußerlich genommen, hat also schon damals Lopuchin Geeimnisse, die er nur im Amte erfahren hatte,„verraten“, und iese seine Schuld unaufgefordert in unumwundenen Worten beeuert. Trotz der Selbstbezichtigung Lopuchins wagte es indes ####uden Tagen der ersten Duma nicht, ihn unter Anluge zu steuen.. Ja, er ließ sich sogar von Lopuchin im erpähnten Schreiven, ohne darauf zu reggieren, manche bittere Bahrheit sagen. Gegenüber der Stolypinschen Erllärung, daß r über die volle Staatsmacht verfüge, meinte der ehemalige Shef, des Pelizeisepartements aus eigener Ersahrung:„Die Nacht des minmriums des Innern und seines politischen Zentralorgaus ist völlig bedeutungslos. Nicht in seinen Händen befinden sich Polizei und Gendarmerie, sondern in den Händen dieser Institutionen befindet er sich selbst.“ Denn durch die Einrichtung des Staatsschutzes(„Ochrana“) sei die Macht tatächlich auf die niederen Organe übertragen. Stolypin hat diese Worte mehr als irgend ein Vorgänger vahrgemacht. Noch nie vermochte der Weizen der Satrapen im russischen Riche so wie unter ihm emporzublühen. Dem ehemaligen Polizeidepartementschef Lopuchin aber hat die hösische Kamarilla und die Provinzbureaukratie seinen Freimut, vor llem seine offenherzige Bloßstellung der Trepowschen Pogrompolitik und seine Sprache gegen die Polizeiwillkür niemals verziehen. Und was er neuerdings verbrochen hat, ist nur eine weitere Ausspinnung seiner vor drei Jahren ausgenbten Wirkamkeit. Wie er damals das behörd iche Pogromtreiben an den Pranger gestellt hat, so vermochte er jetzt das Provokationszystem zu enthüllen und zu zerreißen. Noch vor zwei Monaten leistete sich der damalige Ministergehilfe Makarow in der Duma geleg ntlich einer Interpellation über die Wilnaer provokatorischen ##rung das vorkommnisse die kühne Behauptung, daß die Regie Provokationshystem verdamme, daß eine eventuelle Provokation Sre di Vh. gzühr den Lesetze auf Grund des Paragraphen soundso Als Makarow unter frohlockenden Zurufen der Rchten diese Versichtrung abgab, hatte er wohl kaum geahnt, wie schnell er Lügen gestraft werden würde. Damals wußte bielleicht Lopuchin selber noch nicht, wie schnell er gezwungen werden würde, seinem Vaterlande von neuem einen unschätzbaren Dienst zu erweisen. tise aes sedoch Bofg-Afäre die Initiative er„######aschen Bestimi der frühere Warschauer politische Beite, mit spicher Bestimmiheit über Azeff verkündete, fand erst urch Lopnchins Zeugnis Glauben. Es gehört dabei zu den Inglaublichkeiten der gespenstischen Schauergeschichte, daß Louchin erst von Azff selber uber seine Rolle vollständig aufgelärt worden ist. Lopuchin hatte ihn, wie er versichert, zur Zeit, als er Chef des Polizeidepartements war, wohl als Polizeiagenten gekannt, der ihm von Durnowo als geschickter Enträtsler dei revolutionären Unternehmungen empfohlen worden sei; er habe jedoch nicht gewußt, daß Azeff innerhalb der sozialrevolutionär u. Organisation wirke, daß er, diese sogar mitbegründet habe. Ernt uis Azeff. von seinen Anklagern Bakai und Burzeff vor dem revolutionaren Parteitribunal beschuldigt, zu ihm kam und ihn für den Fall einer Auskunftseinholung seitens der 1803 im Jahre 1907) aus. — Stolypin— Azeff. Aus Petersburg wirz, un von., wohlunterzichteter Seite geschrieben: wenn Capuchin## Verkennung, der russichen Situation, wenn Topnihin von irgend welcher Seite als Verräter gekennwird. Weder seine früheren Handlungen noch seine jetzige Haltung geben bei ernster Analyse aller Vorgänge irgend wrichen unlaß zu einer solchen Charatterisierung eines Mannes, dem einzig und allein das Wohl des Vaterlandes am Herzen Pariser revolutionären Zentrale drohend aufforderte, das Geheimnis seines Polizeidienstes nicht preiszugeven, da wurde ihm allen seinen Phafen slar.stem der russischen Regierung in ga Setu hin. handelte nun, wie jeder Feind von Provokationen setzite, wenn Wahrbeit Ltsahren er sich ausweische Nachenasiste er damit os sagen sich entschließen würde, Welche Nüchegeinste er dumnt hervorrufen würde. Alle Verscherurgeg von seiner Zugehörigkeit zur sozialrevolutionären und schon das erste lugnerische Erzeugnis der aufgeregten russischen Geyeimpolizei, die ihre Grundfesten wanken sieht, und sie wird sicherlich alle Hebel in Bewegung setzen, um den Mann zu verderben. Allein Lopuchins Schicksal ist zugleich ein Menetekel für das verwahrloste russische Regierungsiystem. Die Affäre Lopuchin=Azeff in der Reichsduma. Man schreibt uns aus Petersburg vom 3. Februar: wer sch i Begitrung, die im Laufe einer Woche„zwei diametral Sctegegene Erklarungen in Sachen Lopuchin=Lzeff abgegeben das andere Mal daßz P die ganze Geschichte Azen ersunten sei. polisische Gesn:. uchin durch die Bloßstellung Azefs die Sochnerrat sveimpolizei einer, wertvollen Kraft b.raubt und Gembertal begangen habe, diese Regierung suchte dem ersten Dies sat sie Ppohl sei.“ fare durch Fernbleiben zu entgegen. „ se, bewohiein Errignis der letzten Zeit auf die Deputierten inen so niederschlagenden und erschütternden Eindruck audgend. hat wie die Enthüllungen die aus Paris kamen. Sämtliche Fraktionen befanden sich in hellster Erregung und Bestürzung, und die furchtbare Materie bewirkte es, daß auch die Hertreter, vex.extremen Rechten, deprimiert und v.rstört, ohne die ndlichen Larmszenen zu veranstalten, edner der Linken Selbst Purischkewitsch, erst vor kurzem von seiner nationalen parlamentarischen Tribüne herab erklärt zichem echols darauf, daß sein Verband eine Filiale der keine Lust zu der lisesigmie selbst, dieser Mann verspürte und ftörte die Opposition nicht. Bei der Besprechung der Affäre konnte der Sozialdemokrat Pokrowsky mit der Aufzählung einer Reihe von Einzelheiten über andere Provokationsfälle kommen, die trotz aller Heimlichkeit in die Gesellschaft durchsickern. So entpuppt sich in Twer vor dem Kreisgericht ein Angeklagter, gegen den wegen Ermordung eines Gendarmen ver#andelt wird, als Agent der Sicherheitsolizei. In Jekateringslaw wird ein Polizeioffizier mit Schweselsäure übergossen, der Täter aber erklärt, daß er als berufsmäßiger Provokateur in der Sicherheitsabteilung diene. In Grodno verhandelt die Gerichtskammer über eine Organisation der Sozialrevolutionäre, und als Hauptorganisator. der einen ganzen Plan terroristischer Akte ausgearbeitet hat, erweist sich wiederum ein Polizeiagent. In Kiew mußte der Chef der Geheimpolizei zugeben, daß eine Expropriation, über die dort vor Gericht verhandelt wurde, von einem Geheimagenten geleitet worden sei. Dank der Revision des Grafen Pahlen erfuhr man, daß der Polizeipristaw von Aschabad, Borow, zu verruchten Provokationszwecken die Ermordung des Isprawniks von Merw vorbereitet sat. In Piatjaorsk aber brachte es der dortige Polizeipristaw Ogtio fertig, in Gemeinschaft it seinem Bruder, dem Genbarmeriechef, ein Attentat auf seine eigene Person zu inszenieren, wob i ein Unschuldiger getötet worden sei. Ganz ähnlich war der Fall des Geudarmeriechefs von Wladikawskas. Die terroristische Provokationstätigkeit Azeffs, dank dessen energischer und verwegener Mitwirkung die Ermordungen von Plehwe, Lannitz, Bogdanowitsch gelungen, die Attentate auf Trepow, Kleigels, Durnowo, Dubassow, Stolypin und selbst auf den regierenden Kaiser versucht worden seien, unter dessen vom Polizeiderartement gekannter und gebilligter aktiver Teilnahme der Unglücksaufstand von Moskau und die Aufruhrversuche von Sweaborg und Kronstadt organisiert worden wären,— dieser Provokationsterror sei eben der Gipfelpunkt des ganzen Provokations ystems der russische# politischen Polizei. Daß die Forderung Potcowskys auf Dringlichkeit der Interpellation, eine in ihrem Kern von sämtlichen Rednern der Opposition vertretene Forderung, von der Duma abgelehnt worden ist, entspricht voll und ganz der Taktik der maßgevenden Partei, der Oktobristen. R. K. Zur Verhaftung Lopuchins und zu den Haussuchungen. Aus Petersburg schreibt man uns vom 3. Februar: Der Gesetzesparagraph 102, auf Grund dessen Lopuchin verhaftet worden ist, bedroht den Angeschuldigten mit Katorga bis zu acht Jahren. Auf Grund des außerordentlichen Schutzes kann man sogar, wenn man erst unter die Fuchtel dieses Gesetzes gerät, auf Beschluß des Stadthauptmanns hin vor ein Kriegsgericht gestellt werden, das für ein solches Verbrechen nur ein Strafmaß, den Strang, kennt. Lopuchin wird sicherlich nicht in diese Lage kommen, aber es ist für die Wut der Bureautratie kennzeichnend, daß sie Lopuchin zum Hochverräter stempeln will. Stolypin wird es bei den Reaktionären als heroisches Verdienst angerechnet, daß er Lopuchin, obwohl er mit ihm verwandt ist, ins Gefängnis gesteckt hat. Nicht unmöglich ist es, daß eine ironische Notiz von Jaurés in der„Humanite“, in der es hieß, in jedem anderen Staate würde ein Verräter von Staatsgeheimnissen verhaftet werden, während man in Rußland wohl weitere Skandale befürchte, eine Bemerkung, die von der„Nowoje Wremja“ mit Eifer aufgefangen wurde, auf Stolypin einen gewissen Druck ausgeübt hat. Lopuchin selber fühlt sich übrigens seiner Sache sicher, so daß er beim Abschied von seiner Frau ihr zurufen konnte:„Seid ruhig, es wird alles aufgeklärt werden. Und die Gattin des Verhafteten erhält fortwahrend Beweise der Sympathie aus allen Gesellschaftskreisen, die in der Tat ihres Mannes eine hervorragende patriotische Leistung erblicken Die Haussuchungen, die infolge der Verhaftung Lopuchins vorgenommen wurden, trafen eine Reihe bekannter Persönlichkeiten, so den ständigen Verteidiger in politischen Prozessen Sokolow, den bekannten Rechtsanwalt Sliosberg, der Rechtsvertreter des Ministeriums des Innern ist, den ehemaligen Staatsanwaltsgehilfen und jetzigen Rechtsanwalt Bibikow und andere mehr. Was den letzteren anbetrifft, so soll es sich um eine persönliche Rache Kurlows, des neuen Ministergehilfen, handeln. War es doch die Minsker Staatsanwaltschaft, die die mörderischen Pogromveranstaltungen des damaligen Minsker Gouverneurs furchtlos beleuchtet hatte. Obwohl Bibikow seine Tat durch Maßregelung bereits hat büßen müssen, wollte ihn Kurlow nochmals davon in Kenntnis setzen, daß er jetzt an der Spitze der Polizeiverwaltung stehe.... Zum Fall Azeff. Petersburg 7. Febr. Die Staatsanwaltschaft beschäftigte sich dem Vernehmen nach mit der Frage. ob Graf Witte im Zusammenhang mit der Affäre LopuchinAzeff nicht mit zur Verantwortung gezogen werden soll. Er wird beschuldigt, daß er als Ministerpräsident direkte Beziehungen zu revoltierenden Parteien unterhalten habe, doch scheint man bisher nichts Anhaltendes gefunden zu haben. Trotzdem verlautet, daß Graf Witte verhaftet werden soll. Hieirseider Itnottheiter! en. Sonnabend, 6. Febr.: Nathan der Weise, dramatisches Gedicht von Lessing. Es läßt sich nicht wegläugnen, zum Schluß bekommt man, sei man Leser oder Zuhörer, ein kaltes Sturzbad, wenn die beiden Liebenden sich glücklich als Bruder und Schwester in die Arme sinken. Aber es handelt sich in dem Stück, welches Lessing wohl mit Vorbedacht nicht Drama, sondern dramatisches Gedicht betitelt hat, nicht darum, ob sich zwei kriegen, sondern dieses letzte, nicht lange vor seinem Tode geschriebene Meisterwerk des literarischen Vorkämpfers des deutschen Bürgertums, ist das hohe Lied der religiösen Duldsamkeit, und seine Bedeutung besteht darin, ein Kampfruf gegen das reaktionäre Muckertum zu sein, wie es ja denn auch aus seinem Kampf gegen den Mucker Götze geboren ist. Aber wenn wir heute, nach 130 Jahren, betrachten, wie das Bürgertum die letztwillige Verfügung seines großen Vorkämpfers zur Ausführung gebracht hat, so fällt als edelste und wohlriechendste Blüte der Bülow=Block, die konservativ=liberale Techtelmechtelei in die Augen und Nase. Deshalb sollte der Nathan, wieder und immer wieder besonders hier in Bielefeld unseren lieben Muckern vorgespielt werden. Die Aufführung war vortrefflich. An der Szenerie hätten wir allerdings Kleinigkeiten auszusetzen, besonders der Schneeberg in der Palmenlandschaft scheint uns nicht am Platze zu sein. Der Nathan Norbert Berstls war uns nicht neu, ebenso die von Melly Stollberg, Anna Ueberhorst und Franziska Berstl gespielten Sittah, Recha, und Daja. Ganz ausgezeichnete Leistungen waren der Klosterbruder Willy Schweisguths und der Derwisch Fritz Freislers. Den Sultan Sa adin gab Emil Landerer, den Tempelherrn Hubert Hopkirk und den Patriar= chen Heinrich Albers. Der Nathan gibt uns Gelegenheit, auf den Unterschied der alten und der naturalistischen Darstellungsweise zurückzukommen.“ Es ist darüber im Wesentlichen dasselbe wie über die Dichlungsart zu sagen. In der Wirklichkeit würde keine der im Nathan austretenden Personen so sprechen, wie sie auf der Bühne zu sprechen hat. Damit ist aber nicht gesagt, daß das auf der Buhne gesprochene Wort nicht dennoch Realitat besitzt, ja, eine höbere, als die auf naturalistischem Wege angestrebte. So auch mit der Darstellungsweise. Wir haben da neuerdings Künstler in dieser, aber es ist doch nicht die wahre Kunst. So, wenn Wäsche aufgehängt, ein Nagel eingeklopft wird und dergleichen, kommt, wenn dies nur schilderndes Beiwerk sein soll, die wahre Realität stets zu kurz. Wenn indieser Naturalistik das Wahre läge, wäre ja die Oper ganz unmöglich. Aber mi. der klassischen Darstellungsweise in einem Stück wie Nathan die wahre Realität wiederzugeben, das ist auch viel schwerer als das Naturalistische zu kopieren. Und die wirklich bed utenden naturalistischen Schauspieler sind es auch nicht durch ih#e Naturalistik, sondern weil auch sie die wahre Realität zur Derstellung zu bringen wissen. Kommunales. Die Sondergewerbesteuer, die kürzlich von der konservativnationalliberal=freisinnigen Stadtverordnetenmehrheit in Görlitz beschlossen wurde, tritt nunmehr, da auch der Oberpräsident der Provinz Schlesien seine Genehmigung erteilt hat, am 1. April in Kraft. Die Steuer wurde hauptrachlich eingeführt, um dem Mittelstand entgegenzukommen, der sich durch die Großunternehmer, vor allem den Konsumverein und den Wareneinkaufsverein, A.=G., bedroht fühlt. Von der Sondergewerbesteuer werden alle stehenden Gewerbe betroffen, die durch einen in Görlitz betriebenen Handel von Waren einen Jahresumsatz von mindestens 300000 Mark erzielen. Der Magistrat rechnet damit, daß die Steuer jährlich 70000 Mk bringt. Nach der ersten Fassung der Steuerordnung sollte auch der Umsatz in den Bankgeschäften besteuert werden. Diese Steuerordnung stieß aber auf Schwierigkeiten bei der Regierung, so daß die Stadiverwaltung von der Besteuerung der Bankgeschafte absah. Kommnnale Arbeitslosenfürsorge. Die Stadtverordnetenversammlung zu Wernigerode bewilligte 3000 Mk zur Barunterstützung von Arbeitslosen. Der Kommission, die mit der Auszahlung der Unterstützung betraut wurde, sollen gegebenenfalls mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Die Stadtverwaltung von Magdeburg bewilligte am Donnerstag weitere 130000 Mt. für Notstandsarbeiten und weitere 5000 Mk. zur Speisung bedürftiger Schulkinder. Die bestehende Absicht, statt der noch fehlenden Wärmehallen Kohlen an die Arbeitslosen zu liefern. wurde ausgeführt. Diese Unterstützung gilt jedoch nicht als Armenunterstutzung. der Stadt und Nachbarschaft. 2 Bielefeld, 8. Februar. — Die Besichtigung des Bielefelder Konsumvereins. Am Sonnabend hatten sich auf Einladung des Bielefelder Konsumvereins Vertreter der Behörden und der Pesse eingefunden, um die Anlagen unseres Konsumvereins zu besichtigen. Es ware: erschienen vom Magistrat der Stadtbaurat Schulz, ferner der Direktor der städtischen Werke, Brüggemann, eine Anzahl Stadtverordnete, darunter auch der Stadtverordnetenvorsteher Lohmeyer. Von der Regierung in Minden nahmen die Gewerbeinspektoren an deir Besichtigung teil. Am Sonntag standen die Anlagen des Konsumvereins dem Publikum zur Besichtigung offen. Es hatten sich dazu 12= bis 15000 Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung eingesunden, ein Beweis dafür, ein wie großes Interesse für den Fortschritt, den der Konsumverein durch Uebergang zur Eigenproduktion gemacht hat, vorhanden ist. Hoffentlich werden alle die Leute, welche sich gestern von der Vortrefflichkeit der Einrichtungen des Konsumvereins überzeugt haben, auch nun den Konsumverein eisrig unterstützen. — Standesamt der Stadt Bielefeld. Im Januar d. J. wurden 127(165) Geburten und 76(107) Sterbefälle einschließlich 4(3) Totgeburten angezeigt. Ehen sind 27(44) geschlossen und 45(47) Aufgebotsanträge sind gestellt worden. Von den Lebendgeborenen waren 51(91) männlichen und 76(74) weiblichen und von den Verstorbenen 40(53) männlichen und 36(54) weiblichen Geschlechts. Von den Verstorbenen standen 13(17) Personen im ersten Lebensjahr, 7(12) zwischen eins und funf, 6(10) zwischen fünf und zwanzig, 6(14) zwischen zwanzig und vierzig, 10(16) zwischen vierzig und sechzig Jahren. Ein Alter hieruber hinaus wurde von 30(35) Personen erreicht. Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf Januar Vorjahres. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns gemeldet: Heute abend gastiert Herr Hofschauspieler August Junler= mann als Zacharias Bräsig. Morgen(Dienslag) wird die Novität„O diese Leutnants!“ zum 5. Male gegeben. In Vorbereitung befindet sich das Schönthan und Kadelburgsche Lustspiel Goldfische“. Versammlungen. Bielefeld. Holzarbeiterversammlungen. Dienstag, 9. Februar, abends 6½ Uhr, in der„Harmonie". Mittwoch, 10. Jebruar, abends 6½ Uhr, bei Husemann. Göbenstraße. Detmold. Gewerkschaftskartell. Dienstag, 9. Febr., abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle": Generalversammlung. Achtung. Tabakarbeiter! Die Konferenz in Herford am 14. Februar findet um 10½ Uhr morgens bei Fuhrmann, Göbenstr., Haltestelle der Kleinbahn, statt. Mittagessen zum Preise von 1 Mk. muß bis 13. Februar bei H. Puster, Herford, Salzuflerstraße, bestellt werden.„„„„„„„ Kollegen! Die Konferenz hat sich zur weiteren Organisation des Kampfes gegen die Tabaksteuer als notwendig erwiesen. Die Bezirksleiter wollen sorgen, daß in ihren Bezirken aus allen Orten Delegierte erscheinen. Die Gauleitung: W. Schlüter. a. Herford, 6. Febr. Die außerordentliche Generalversammlung der Allgemeinen Ortskrankenkasse befaßte sich mit der Neufestsetzung der Sterbegelder. Der Vorstand schlägt folgende Sätze vor: z. Klasse 30 Mark, 4. Klasse 70 Mark, 2." 40„ 6.„ 85„ 3.„ 55„ 6.„ 100„ Von einem Mitgliede wurde eine noch weitere Erhöhung der Sätze vorgeschlagen, nach kurzer Diskussion jedoch der Antrag des Vorstandes angenommen. Mit dieser Regelung ist dem Gesetz Rechnung getragen, es dürfte nun das Statut, in welchem u. a. auch die Bestimmung enthalten ist, daß alle Bekanntmachungen auch in der„Volkswacht“ erfolgen sollen, die Genehmigung finden. * Detmold, 5. Febr. Ein eigenartiges Vorkommnis spielte sich letzthin vor dem Detmolder Schöffengericht ab. Der Möbelfabrikant Kottmeier auf der Pivitsheide, früher Schmiedemeister in Bielefeld, hatte eine kaufmännische Kraft für sein Kontor engagiert. Es kam jedoch bald zwischen dem Fabrikanten und seinem Angestellten zu Zwistigkeiten, in deren Verlauf der letztere das Geschäft verlassen mußte. Er forderte nun von dem Fabrikanten das ihm zustehende Gehalt und zwar in Höhe von rund 500 Mark. Der Fabrikant erwiderte dem Rechtsanwalt, dem der frühere Angestellte die Angelegenheit übergeben hatte, daß, wenn nicht auf das ausstehende Gehalt verzichtet würde, er seinen früheren Angestellten wegen Diebstahls anzeigen werde. Es handle sich um Brennholz, welches der Angestellte, als er noch im Geschafte war, mit nach Hause genommen hatte. Da der Fabrikant dem Angestellten die Erlaubnis zur Mitnahme des Holzes, welches noch nicht einmal einen Wert von 5 Pfg. hatte, gegeben hatte, so verzichtete dieser indes nicht auf seine Gehaltsforderung. Nun erfolgte in der Tat die Anklage wegen Diebstahls. Der Angeklagte erklärte in der Verhandlung, daß er die Erlaubnis zur Mitnahme von Spänen und Abfallholz zum Feueranmachen erhalten habe; diese Angabe wurde von seiner Ehefrau und seiner Mutter, welche die Erlaubniserteilung mit angehört hatten, bestätigt. Kottmeier konnte sich indes nicht entsinnen, die Erlaubnis erteilt zu haben, während von anderen Angestellten bekundet wurde, daß in ähnlichen Fällen auch ihnen die Erlaubnis zum Mitnehmen von Brennholz zuteil geworden sei. Der Angeklagte wurde schließlich freigesprochen. In der Begründung wurde betont, daß es das Gericht doch für bedenklsch halte, aus die Aussagen der Behin“ N eklagten zu verurtenten. Einer der agers hinein, Unterstutzung Gericht, doch für bedenklsch halte, auf die„„de lastungszeugen, hin den Angel#g#u„verurteiten. Ein Angesteuten leote sich so sehr in die gone des Anklägers daß ihm der vorsitzende Richter ironisch für die unterst des Staatsanwalts seinen Dank aussprach. Der Angeklagte kieß u. a. eine Aussage des Fabrikanten Kottmeier protokollieren und bezeichnete den Zeugen, der ihn belastete, als von Kottmeier beeinflußt. * Rehme, 7. Febr. Eine Tabakarbeiterversammlung am 30. Januar ercärte sich nach dem Bericht des Kollegen Berg mit den Beschlüssen des Tabakarbeiterkongresses einverstanden und faßte eine dementsprechende Resolution.— Die Protestkommissirn hat beschlossen, von den noch vorhandenen gesammelten Geldern der Zentralkommission 25 Mk. und dem Gauleiter W. Schlüter ebenfalls 25 Mk. zu überweisen. Am Orte verbleiben dann noch 43,30 Mk.(Verspätet eingegangen.) * Münster, 5. Febr. Der ungeheure Dalles, der über das nordische Rom hereingebrochen ist, seitdem es den Altbierphilistern gestattet war, entblößten Hauptes zu paradieren, ist anhaltender als selbst die größten Schwarzseher vermutet haben. Ist die Stadtverwaltung doch der Ansicht, daß derjenige, dem sie gestattet, durch Planierung ihrer Rieselfelder sich per Stunde 30 Pfg. oder pro Woche 16 Mk. zu verdienen, ein unbedingtes Dankgefühl dafür in seinem Innernsempfinden müsse. Wie sagte der Herr Oberbürgermeister:„3 Mark verdient auch nur jider niedere Beamte pro Tag. Allerdings, das sind auch bloß sechz——, nein, 21 Mk. pro Woche denn die bekommen die Feiertage mit bezahlt.— Und was schrieb die von Arbeiterliebe triefende Zentrumspresse: 21 Mt. und 78 Pfg. wären nach statistischer Feststellung nötig, um eine Familie von vier Köpfen in der Woche zu ernähren. Dann sind es wohl diese Familienväter, die, um ihr Einkommen auf diese Höhe zu bringen, fortgesetzt die schönen Singvögel wegfangen? Denn wenn sie satt zu essen haben und sich kleiden wollen, sind doch 16 Mt. zu wenig! Oder gehen sie zur Armenkommission, die das Fehlende gibt? Was sagte ein Stadtverordneter: Entweder mussen wir die Arbeitslosen beschäftigen oder Armenunterstützung geben.“ Wilch verkehrte Welt! Der Armenfonds ist reich, dem bedürftigen Arbeitslosen und Familienvater aber gibt man nichts. Aber die öffentliche, stets geschlossene Suppenküche im Clemenshospital, die so rentabel gefuhrt wird, daß alle, die hinkommen, wieder nach Hause gehen können mit noch hungerigerem Magen als vorher, bedarf einer Unterstützung von 500 Mi., um auch im nächsten Jahre mit einem Ueberschuß prahlen zu können. Dieses Geld kann ja dann der Fastnachtszug bekommen, über den sich die Arbeiter so satt freuen, daß sie vier Wochen lang keiner Nahrungsmittel mehr bedürfen, und der eine Arbeitsgelegenheit schafft, wo alle arbeitslosen Familienväter eine Lebensstellung erhalten. O, Herr Chefredakteur Strietholt! Wie wahr sprachen Sie doch, als Sie auf dem Pressetage beaupteten, der Vers:„In Münster ist's finster.“ sei nur dem Reim zuliebe gemacht! So mächtig und schön wie der LambertiTurm Münster überragt, so groß und erhaben sind die erleuchteten Häupter, welche das nordische Rom durch ihr, unter einem Scheffel brennenden Licht erhellen! * Hamm, 6. Febr. Explosion. Auf der Zeche„Maximilian“ ist heute früh eine Gasexplosion erfolgt. Dabei sind vier Mann getötet und drei Mann verwundet worden. Gerichininses. ** Bielefeld, 6. Februar. Strafkammer. Der Malermeister Heinrich Kambartel von Vlotho, welcher nebenbei die Geschäfte eines Winkelkonsulenten betreibt und seine Nase in anderer Leute Prozesse steckt, war angeklagt, in einem Prozesse, den seine Ehefrau gegen eine Frau Erdbrugger führte, den iym auferlegten Zeugeneid fahrlässigerweise durch ein faliches Zeugnis verletzt zu haben. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, aß er die falschen Angaben, die er dem Prozesse zugrunde gelegt hatte, auch beschworen hat. Da der Angeklagte mehrfach vorbestraft war und die Sache an wissentlichen Falscheid grenzte, wurde der Angeklagtc zu 3 Monaten Gefängnis verurt. ilt. Der Kaufmann Hermann Kallenbach von Bielefeld, jetzt zu Tilsit wohnhaft, in dessen Geschäftsräumen von der hiesigen Polizeibehörde eine große Anzahl unsittlicher Bilder beschlagnahmt worden ist, hatte sich heute vor der Strafkammer wegen Feilhaltens unsittlicher Bilder zu verantworten. Sein Einwand, daß es sich um Kunstblätter handle, wurde durch die Beweisaufnahme widerlegt. Er wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mark eventl. 20 Tagen Gefängnis verurteilt. Zu gleicher Zeit wurde auf Vernichtung der beschlagnahmten Bilder erkannt. Nachrichten. Berlin, 8. Febr. Die Schreckenstat eines Geisteskranken rief gestern früh in der Ufnaustraße große Erregung hervor. Der 1 Jahre alte Steinhauer Hoffmann feuerte auf seinen im Hause Ifnaustraße 13 wohnenden 7 Jahre älteren Bruder Max Hoffnann, den er gestern früh besuchte und auf dessen 28jährige Braut wei Rovolverschüsse ab. Max Hoffmann wurde von zwei Kugeln ns Herz getroffen und war auf der Stelle tot, die Braut wurde in der Brust schwer verletzt. Der Mörder ist nach der Tat gelüchtet. Er leidet an religiösem Wahnsinn. Dresden, 6. Februar. Genosse Düwell hat heute die Angeschrift wegen Aufruhrs zugestellt erhalten. Man hat also ie Anklage wegen Landesfriedensbruchs fallen gelassen. Wandfried, 8. Febr. Das Werra=Hochwasser hat hier die Flutbrücke weggerissen. 3 Knaben sind dabei ertrunken. München, 8. Fehr. Beim Hochwasser in Vogtendorf sind 4 Personen umgekommen. Loudon, 8. Febr. Zum Tode des deutschen Gesandtschaftsekretär in St. Jago, der am Sonnabend unter den Trümmern des vom Feuer zerstörten Gesandtschaftsgebäudes in St. Jago als Leiche aufgefunden wurde, wird hierher berichtet, der Verdacht, daß der Sekretär der deutschen Gesandtschaft ermordet worden ist, bestätigt sich. Die ärztliche Untersuchung der Leiche hat ergeben, daß sein Schädel in 2 Teile gespalten war. Explosionen. Paris, 7. Febr. Aus Angouléme wird gemeldet, daß dor: gestern 3 Explosionen in dem dortigen Pulverturm stattgefunden haben. Die beiden ersten veranlaßten nur Ma terialschaden, während bei der dritten Explosion zwei Arbeiter schwer verletzt worden sind. Explosion eines Pulvermagazins. Paris, 7. Februar. Aus Briey wird berichtet, daß das Pulvermagazin der Grube „Tuzquegnieux“ vergangene Nacht in die Luft gerlogen ist. Sechs Arbeiter sind getötet worden. Die Ursache der Explosion ist noch nicht bekannt. Briefkasten der Redaktion. Spenge. Der zur Unterstützung verpflichtete Armenverband hat das Recht, etwas derartiges zu verlangen, rechtlich ist also dagegen nichts auszurichten. Immerhin kann eine Beschwerde an den Landrat versucht werden, in der darauf hingewiesen wird. daß die Mutter bei ihrem Sohn doch wohl besser aufgehoben ist. Kirchlengern 100. Frage 1 ist mit ja zu beantworten. Bei Frage 2 ist uns nicht klar, was Sie in diesem Falle unter„Material“ verstehen, deshalb nicht bestimmt zu sagen. Krbener, agnitt für kure Zinung! Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für “ d e n I n s e r a t e n t e i l: W i l h e l m B ö t t c h e r, b e i d e i n B i e l e f e l d. Seitener Gelegenheitekauf! Aeusserst preiswert! Ein grosser Lagerbestand reinwollener Kleiderstoffe Ein Posten Reindollene Cheviots im Gelegenheitskauf 10. 110 cm breit, uni Farben und gemustert, hochelegante, gute Qualitäten, im Gelegenheitskauf per Meter Ein grosser Posten einfarbige, gestreifte und karierte und la. 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Eine Vermehrung der Richterstellen wird auf keinen Fall zu vermeiden sein, wenn ich auch allen Anregungen auf Verminderung des Schreibwerks usw. zustimme. Mit dem Krebsschaden des Hilfsrichtertums muß im Interesse einer ordnungsmäßigen Rechtspflege ausgeräumt werden. Was die in der Diskussion bereits erwähnten Prozesse anlangt, so mißbilligen auch wir die bekannte Verteidigungsrede eines Staatsanwalts für einen Zeugen. Wenn wir auch diese betreffende Rede für deplaciert halten, so kann es aber doch in anderen Fällen sehr wohl vorkommen, daß ein Staatsanwalt einen Zeugen gegen unberechtigte Angriffe in Schutz nehmen muß. Was den Ausschluß der Oeffentlichkeit anlangt, so gebe ich zu, daß es Fälle gegeben hat, in welchen der Ausschluß besser erfolgt wäre. Aber dieser Ausschluß darf nicht weiter gehen, als es die Zwecke der Sittlichkeit und die anderen im Gesetze erwähnten Gesichtspunkte unbedingt erfordern. Im übrigen wird das Vertrauen in die Gerichte nur erhalten bleiden, wenn in vollster Oeffentlichkeit verhandelt wird.(Sehr richtig! links.) Die Vorwürfe der Anwälte über mangelhafte Vertretung ihrer Wünsche in den Parlamenten, die Herr Dr. Beu erwaynte, kann ich nicht als berechtigt anerkennen.(Sehr richtig! rechts.) Die speziellen Interessen der Anwälte sind übrigens zumeist im Reichstage vertreten und außerdem vertrete ich für meine Person lieber allgemeine Interessen als die Interessen des Standes, dem ich angehöre, soweit sie nichts mit allgemeinen Interessen zu tun haben.(Bravo! rechts.) Das Referen' irexamen muß jedenfalls geändert werden, da nur 71. Prozent, in Berlin 68 Prozent der Prüflinge das Examen bestehen, worunter noch eine Anzahl solcher ist, die zum zweiten Male das Examen machen. Das beweist, daß hier Mißstände vorhanden sein müssen. Vielfach wird zu viel auswendig Gelerntes verlangt. Es kommt auch vor, daß die Kandidaten deshalb durchfallen, weil sie Fragen des Prüfenden auf einem bestimmten Gebiete der Rechtswissenschaft nicht nach den Ansichten des Prüfenden beantworten, sondern nach den Ansichten seines wissenschaftlichen Gegners, der vielleicht an derselben Universität wirkt.(Hört, hört!) Dazu kommen dann noch die Klausurarbeiten, bei welchen der Examinant nur den Gesetzestext zur Hand bekommt, keinen Kommentar, während doch jeder Praktiker gezwungen ist, in schwierigen Fragen zum Kommentar zu greifen. Das Repetitorwesen wird nur dann beseitigt werden können, wenn das Studium in der Referendarzeit etwas verlängert wird und Repetitionskurse in den Lehrplan ausgenommen werden. Es sollte eine Kommission eingesetzt werden aus Universitätsprofessoren, Examinatoren und Praktikern, um über heraten, Frapass Vorbildung unserer Juristen zu Abg. Peltasohn(Fr. Va.) bestreitet, daß mit dem Fürsten Eulenburg anders verfahren sei als mit anderen Angeklagten. Die Länge der Verhandlung war in der Menge der Beweisanträge und in der mangelnden Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten begründet. Mit solchen Vorwürfen sollte man, zumal in der jetzigen Zeit des Schlagwortes der Klassenjustiz vorsichtiger sein.(Bravo! rechts.) Die Erfolge der Jugendgerichte mussen abgewartet werden; die hier an ihnen geübte Kritik war jedenfalls verfrüht. Abg. Dr. Mizerski(Pole) kritisiert einzelne Gerichtsurteile gegen Polen; seine Ausführungen bleiben auf der Tribüne fast ganz unverständlich. Ein Pole, der die Erklärung abgab, er stehe auf dem Boden der Verfassung, wurde in öffentlicher Verhandlung deswegen als Lügner bezeichnet. Seine Klage gegen den betreffenden Richter wurde zurückgewiesen. Abg. Leinert(Soz.): Es ist hervorgehoben worden, daß eine ganze Reihe von Neubauten im Justizetat vom Finanz= minister gestrichen sei. Das ist besonders bedauerlich in der jetzigen Zeit der wirtschaftlichen Krisis. Ich habe weiter eine Beschwerde vorzutragen von Bauarbeitern in Magdeburg. Dort sind zum Bau eines Justizgebäudes, weil im Gerichtsgefängnis in Magdeburg nicht genug gefangene Bauarbeiter vorhanden waren, Gefangene aus anderen Verwaltungen herangezogen worden. Die Organisation der Bauarbeiter hat dem Justizminister den Sachverhalt mitgeteilt, es ist aber nicht Abhilfe geschaffen worden.(Hört, hört! b. d. Soz.) Der Herr Abgeordnete Rosenow hat darauf hingewiesen, daß es notwendig sei, durch die Gefängnisarbeit nicht die wirtschaftliche Lage der Handwerker zu schädigen. Ich möchte an den Herrn Justiz= minister doch den dringenden Wunsch richten, die Gefangenen auch nicht zu benutzen zu Arbeiten, die den freien Arbeitern unbedingt zustehen. Es ist gesagt worden, daß die Jugendgerichtshöfe dazu dienen könnten, die Justiz zu verwässern. Wir haben die Einrichtung solcher Jugendgerichtshöfe deshalb begrüßt, weil sie die einzige Gelegenheit bieten, die in den letzten Jayren ,öffentlich besprochenen Schreckensurteile gegen die Kinder enolich einmal aufhören zu lassen. In einer Verfügung des Justizministers sind die Staatsanwälte angewiesen, wie sie bei den Jugendlichen sich verhalten sollen. Es sollen möglichst frühzeitig die Lebensverhältnisse der Jugend erforscht werden und alle sonstigen Umstände, die zur Beurteilung der zur Straftat erforderlichen Einsicht erheblich sind. Auch sollten die Staatsanwälte sich mit den Eltern und den Organen der Jugendfürsorge in Verbindung setzen. Eine solche Anordnung sollte aber auch für Erwachsene an die Staatsanwälte ergehen. Es unterliegt keinem Zweifel: wer das nötige Geld hat, ist immer in der Lage. Irrenärzte über seine geistige Zurechnungsfähigkeit zu befragen, während das den Armen unmöglich ist. Wir wollen nur wünschen, daß die Jugendgerichte auch wirklich ihren Zweck erfüllen, denn wir haben Urteile, die über das hinausgehen, was der gesunde Menschenverstand begreifen kann. In einem Falle wurden ein 12jähriger Junge und seine 13jährige Schwester verurteilt, weil sie auf ein Straßenbahngeleise Steine geworfen hatten, und zwar jeder zu einem Jahr Gefängnis.(Hört, hört!) Die erforderliche Einsicht hat das Gericht angenommen, weil die Bedeutung des Straßenbahnbetriebes einem Kinde zum Bewußtsein gekommen sein müsse. Es stellte sich aber nachher heraus, daß das Mädchen schwachsinnig gewesen war.(Hört, hört! b. d. Soz.] Ein 14jähriges Mädchen wurde in Dortmund wegen Brandstiftung zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Es war ein in der Entwicklung sehr zurückgebliebenes Kind. Freilich konnte es den 2. Artikel des sog. Glaubensbekenntnisses am Schnürchen hersagen.(Unruhe rechts.) Meist handelt es sich bei solchen Vergehen um Kinder mit mangelhafter Schulbildung. Solange der heutige Klassenstaat besteht, können wir nicht erwarten, daß es eine Gleichheit ohne Unterschie des Standes vor Gericht gibt. Die herrische Sprache gegen Angehörige der Arbeiterklasse steigert sich zur besonderen Liebenswürdigkeit, wenn irgend ein Fürst als Verbrecher vor die Schranken des Gerichts kommt. Das hat insbesondere der Prozeß Eulenburg bewiesen. Er durfte seine Familienangehörigen im Gerichtssaal haben, trotzdem sie nachher als Zeugen vernommen wurden. Ihm wurden Vergünstigungen gestattet, die nie ein Arbeiter bekommen hätte. Er wurde als„Herr Angeklagter“ angesprochen, während es bekanntlich in einem Schriftstück gegen ein Mitglied dieses Hauses hieß:„dem Liebknecht". Ein Arbeiter wurde zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt, die Strafe wurde verbüßt, und erst nachher stellte sich heraus, daß er bei Begehung der Straftat noch nicht 18 Jahre alt war und deshalb gar nicht zu Zuchthausstrafe verurteilt werden konnte.(Hört, hört!! Ein Verurteilter wird nicht mehr als Mensch, sondern als Objekt der Strafanoffenbares politisches Tendenzurteil.(Sehr wahr! b. d. Soz.)— Die soziale Gesetzgebung ist unseren Richtern und Staatsanwälten vielfach ein Buch mit 7 Siegeln. Vergehen gegen die Gewerbeordnung sind in einem Jahre 22100 Fälle mit 15755 inspektor aus Hildesheim berichtet, daß ein Ziegeleibesitzer wegen unzulässiger Beschäftigung eines Jugendlichen mit Transport geringer.(Hört, hört! b. d. Soz.) Wenn ein Arbeiter aus Not gebettelt hat, so erhält er 3—4 Tage Haft. und im Wiederholungsfalle Gefängnis, obgleich die Strafandrohung hier nicht sretung der Bestimmungen über das Arbeitsbuch zu 40 Mark. verletzen, ausgesprochen. Der erste Senat hat in einem Falle entschieden: von einer dreimone lichen Verjährungsfrist könne keine Rede sein, da bei Nichtachtung der verletzten Bestimmung bis 2000 Mi. Geldstrafe angedroht sei. Daß der Angeklagte die Strafe von 5 Mk. zu boch finde, komme wohl daher, daß so merkwürdig geringe Strafen bei Vergehen gegen die sozialen Gesetze verhängt würden. Wenn ein Angeklagter deshalb einmal mit 300 Mk. bestraft würde, würde er schon merken, daß es sich um ein ganz gehöriges Vergehen handelt und daß der Schutz der Arbeiter mit Energie verlangt werde. Auch dies Urteil des Kammergerichts sollte der Justizminister den Staatsanwälten mitteilen.— Ein Glasermeister wurde mit 9 Mk. Strafe belegt, weil er 35 Mk. Krankenkassenbeiträge den Arbeitern vom Lohn abgezogen und für sich behalten hatte.(Hört, hört! b. d. Soz.] Cin Arbeiter, der eine solche Summe veruntreuen würde, käme nicht so gelinde davon. Der Regierungsrat Dittmann berichtet folgenden Fall, der die Unkenntnis der Justiz in sozialen Dingen beleuchtet. Ein Arbeiter hatte sich durch einen Fall eine Wunde zugezogen. Er hatte nur wenige Tage gearbeitet und war deshalb nicht krankenversicherungspflichtig. Er geht zu seinem Arbeitgeber und bittet ihn um eine Unterstützung. Dieser zeigt ihn wegen Bettelns an und vor Gericht wird der Arbeiter zu 14 Tagen Haft verurteilt. Das war gesetzlich unzulässig. denn er konnte das, was er verlangte, rechtmäßig auf Grund des oder seinl Gebrauch in deser Slahisit vit doch nur eile Hersksetzung dieser Gefangenen zum Ausdruck bringen.(Lachen rechts.] Sie lachen, aber Sie werden in keiner anderen Statistik diese Bezeichnung der Frauen als„Weiber“ finden.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Weiter erinnere ich an die Verurteilung des Redakteurs der„Königsberger Volkszeitung", unseres Parteigenossen Markwaldt, zu 15 Monaten Gefängnis wegen angeblicher Bszescätäbebeidigung. Diese Verurteilung ist bei den Haaren herbeigezogen. Erst auf die Denunziation eines freisinnigen Blattes hin wurde eine Haussuchung vorgenommen, und auch dann wußte man noch gar nicht, auf Grund welcher Bestimmungen eigentlich ein Strafverfahren einzuleiten war. Erst später hat man eine Majestätsbeleidigung konstruiert. Die Strafe von 15 Monaten hat Markwaldt eben bekommen, weil er Sozialdemokrat ist.(Lachen rechts.) Es handelt sich hier um ein Unfallversicherungsgesetzes verlangen. Ein städtischer Beamter machte ihn darauf aufmerksam und mit einer Eingabe bei dem Amtsgericht hatte er Erfolg. Also bei 5 Personen, die als Nächstbeteiligte oder amtlich mit der Sache befaßt waren, hatte die Gesetzeskenntnis versagt. Erst der sechste, der lediglich aus freien Stücken sich des Falles annahm, verhalf dem Manne zu seinem Rechte.(Hört, hört! b. d. Soz.) Auch die Zivilgerichte kümmern sich oft sehr wenig um die Gesetzesbestimmungen, soweit es sich um Arbeiter handelt. Häufig wird der Arbeitslohn unzulässigerweise für Gerichts= und Anwaltskosten gepfändet. Bei Prozessen auf Grund des Krankenversicherungsgesetzes verVorschas nicht besgchlt werden komnte. Vein Umigerich. im Kreise Osnabrück trat ein Dienstherr in einer Klage gegen sein Dienstmädchen selbst als Amtsanwalt auf.(Hört hört!) gering die Strafen wegen Verletzung der sozialen Gesetze sind, so hart werden Arbeiter bestraft, ch in den Kämpfen mit den Arbeitgebern gegen§ 153 der Gewerbeordnung vergehen. Arbeitgebern wird in solchen Fällen stets Notwehr zugebilligt, Arbeitern nie. Beim Kampf der Holzarbeiter in Berlin hatte ein Arbeiter den andern Streikbreche; zenannt Er konnte nur bestraft werden auf Grund des§ 155 wenn es sich um die Erlangung besserer Lohn= und Arbeitsbedingungen handelte. Nun Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. 44— Sechsunddreißigstes Kapitel. Abermals ein kurzes Kapitel, das an seiner Stelle als nicht eben sehr wichlig erscheinen mag, aber doch gelesen werden sollte, weil es das vorgehende erörtert und einen Schlüssel zumnachfolgenden darbietet. „Sie sind also entschlossen, heute morgen mit mir abzureisen?“ jagte der Doktor, als sich Harry Maylie mit ihm und Oliver zum Frühstück niedersetzte.„Sie ändern ja Ihre Entschlüsse mit jeder halben Stunde.“ „Ich hoffe, daß Sie bald anderer Meinung sein werden,“ entgegnete Maylie, sich ohne ersichtlichen Grund verfärbend. „Ich wünsche sehr, Ursache dazu zu bekommen,“ versetzte Losberne,„obgleich ich bekenne, daß ich daran zweifle. Gestern morgen hatten Sie sehr eilfertig beschlossen, zu bleiben und als ein guter Sohn Ihre Frau Mutter an die Seelüste zu begleiten; kurz vor Mittag erklärten Sie, daß Sie mir die Ehre erweisen wollten, so weit mit mir zu suhren, wie ich auf der Londoner Straße bliebe: und gegen Avend drangen Sie unsäglich geheimnisvoll in mich. Paß ich abreisen möchte, bevor die Damer aufgestanden wären, wovon die Folge ist, daß Oliver hier veim Frühstück festsitzt, während er botanisieren gehen sollte. Ist's nicht zu arg, Oliver?“ „Es würde mich sehr betrübt haben, Sir, nicht zu Hause gewesen zu sein, wenn Sie und Mr. Maylie abgereist wären,“ antwortete Oliver. „Bist ein guter Junge,“ sagte der Doktor,„solist zu mir kommen, wenn du zurückgekehrt bist. Doch um ernsthaft zu reden Harry, hat eine Mitteilung Ihrer hohen Gönner und Freunde Ihren Abreiseeifer bewirkt?" „Ich habe,“ erwiderte Maylie,„seit ich hier verweile, durchaus keine Mitteilung von meinen Gönnern und Freunden, zu denen Sie ohne Zweifel meinen Onkel zählen, erhalten, auch ist es nicht wahrscheinlich, daß sich eben jetzt etwas ereignet, wodurch ich zu ihnen zu eilen mich gedrungen fühlen könnte.“ „Sie sind ein schnurriger Kanz,“ fuhr der Doktor fort„Indes werden besagte Gönner Sie bei der Wahl vor Weihnacht natürlich ins Parlament befördern, und Ihre plötzlichen Beschluß= und Willensänderungen sind keine schlechte Vorbereitung auf das öffentliche Leben. Ein gutes Trainieren ist allezeit wünschenswert, mag das Rennen Staatsstellen, Ehrenbechern oder Rennpreisen gelten.“ Harry Maylie machte eine Miene, als wenn er den Doktor leicht genug aus dem Felde schlagen könnte, begnügte sich indes zu sagen:„Wir werden sehen“ und ließ den Gegenstand fallen. Kurz darauf fuhr die Postkutsche vor, Giles holte das Gepäck, und Losberne war eifrig beschäftigt, die letzten Reisevorkehrungen zu beaussichtigen. „Ein Wort, Oliver,“ sagte Harry Maylie leise. Otiver trat zu ihm in die Fenstervertiefung, in welcher er stand, sehr verwundert über die stille Traurigkeit und Unruhe, die er zugleich an ihm bemerkte. „Du kannst jetzt recht gut schreiben, zugte Maylie, die Hand auf den Arm des Knaben legend „Ziemlich.“ erwiderte Oliver. Mr. Bumble saß in seinem Wohnzimmer im Armenhause und blickte nachdenklich und düster bald in den Kamin, in welchem kein Feuer brannte, da es Sommer war, und der daher öde und trostlos genug aussah und bald noch düsterer zu dem Leimzweige empor, der von der Decke herabhing und von den ihr Verderben nicht ahnenden Fliegen umschwärmt wurde. Vielleicht erinnerten ihn die Tierchen an eine traurige Begebenheit seines eigenen Lebens Sitin Prechiorl.. Sir!“ rief Oliver außerst erfreut über den „Ich komme vielleicht vorerst nicht wieder nach Hause und Angelegenheiten nich an sonstigen Anzeichen, daß in seinen ndern, Wilst du 2= Fahr Horrn furt einen Montag un den mugte. Wo wparen ern. Willst ou fuhr Harry sorr.... 1 trug noch Kniehosen und schwarze wollene Strümpfe.— doch es waren nicht die des Kirchspieldieners Der Rock war ein anderer. Der Hut ein gewöhnlicher, bescheidener, runder. Mr. Bumble war nicht mehr Kirchspieldiener. Es gibt Beförderungen im Leben, die, abgesehen von den mit ihnen verknüpften materiellen Vorteilen, doch noch einen ganz besonderen Wert und eine eigentümliche Würde durch das mit ihnen verknüpfte Kostüm erhalten Ein Feldmarschall hat seine Uniform, ein Bischof seinen Ornat, ein Richter seine große Perücke, ein Kirchspieldiener seinen dreieckigen Hut. Man nehme dem Nichter seine Perücke, dem Bischof seinen Ornat oder dem Kirchspieldiener seinen dreieckigen Hut, und was sind sie? Weiter nichts mehr als Menschen— bloße Menschen Würde, und bisweilen sogar Heiligkeit, hängen mehr von Uniformen, Ornaten. Perücken und Hüten ab, als viele Leute sich träumen lassen. wün ande„Mit Freuden, Auftrag aus. „Ich wünsche von dir zu hören, wie— es meiner Mutter und Miß Maylie ergeht; melde mir was für Spaziergänge ihr macht, wovon ihr plaudert und ob sie sich wohl befinden und recht heiter sind. Du verstehst?" „Vollkommen, Sir.“ „Auch wünsche ich, daß du ihnen nichts davon sagst; es möchte meine Mutter beunruhigen, so daß sie sich bewogen fände, mir öfter zu schreiben, was immer eine große Belästigung für sie ist. Also muß es ein Geheimnis unter uns bleiben, und schreib mir ja alles; ich verlasse mich auf dich.“ Oliver fühlte sich hochgeehrt, versprach, was von ihm verlangt wurde, und Maylie sagte ihm unter vielen Versicherungen seiner Zuneigung Lebewohl. Der Doktor war bereits eingestiegen, die Dienerschaft wartete am Wagen, Harry warf einen flüchtigen Blick nach Roses Fenster hinauf und stieg gleichfalls ein. „Fort, Pastillon!“ rief ex,„und fahre, so schnell du kannst; ich werde heute nur zufrieden sein, wenn es wie im Fluge geht.“ „Was fällt Ihnen ein?“ rief der Doktor;„Postillon, ich werde nur zufrieden sein, wenn es ganz und gar nicht im Fluge gebt.“ Die Dienerschaft sah dem Wagen nach, solange er sichtbar war, Rose aber, die hinter den Vorhängen gelauscht hatte, als Harry hinaufblickte, schaute noch immer in die Ferne hinaus, als;„Ich verkaufte mich,“ fuhr Bumble fort,„für sechs Teelöffel, sich die Dienerschaft schon längst wieder hineinbegeben hatte. eine Zuckerzange, einen Milchgießer, eine Stube voll alter „Er scheint ganz heiter und zufrieden zu sein,“ sagte sie end. Möbel und zwanzig Pfund Geld— nur gar zu billig, spottch. 23ch fürchte, dos das Geaenel der Falt sein Khate und waesteage.4 Whaud Geld ir ut tar zu baülch, buit. freue mich meines Sertums.“ Tränen sind Zeichen sowohl der Freude wie des Schmerzes; die aber, welche über Roses Wangen hinabträufelten, während sie sinnend und fortwährend in derselben Richtung hinausschauend am Fenster saß, schienen mehr Kummer als Lust zu bedeuten. Siebenunddreißigstes Kapitel. In welchem der Leser, wenn er in das sechs unddreißigste Kapitel zurückblicken will, einen im ehelichen Leben nicht selten hervortretenden Kontrast beobachten wird. Mr. Bumble hatte Mrs Corney geehelicht und war Armenhausverwalter. Ein anderer Kirchspieldiener war zur Gewalt gelangt, und der dreicckige Hut, der Tressenrock und der Stab waren auf ihn übergegangen. „Morgen sind's zwei Monate!“ sagte Mr. Bumöle seufzend. „Es scheint ein Jahrbundert zu sein.“ Mr Bumbie wollte vielleicht sagen, daß er in dem kurzen Zeitraum von acht Wochen ein ganzes glückliches Leben verlebt hätte— allein der Seufzer! Es lag gar viel in ihm. Wohl“ ####eill tönte ihm eine schrille Stimme ins Ohr.„Du wärest für jeden Preis zu teuer gewesen, und der Himmel weiß. daß ich dich mehr als zu teuer bezahlt habe.“ Bumdle drehte sich um und blickte in das Antlitz seiner liebenswürdigen Ehehälfte, welche seine kurzes Selbstgespräch nur unvollkommen verstanden und ihre erwähnte Bemerkung auf gut Glück hingeworfen hatte. I. Frau, sei so gut, mich anzusehen,“ sagte Bumble und dachte bei sich selbst:„Wenn sie solch einen Blick aushält, so hält sie alles aus. Er hat bei den Armen niemals seinen Zweck ver lag die Sache aber so, daß nach Ablauf des Tarifvertrages der Arbeitgeberverband die Arbeiter aussperrte, um sie zu einem neuen Vertrag zu zwingen. Die Arbeiter zogen die vertraglose Zeit vor in der Hoffnung, es werde ihnen später gelingen, einen besseren als den angebotenen Vertrag durchzusetzen. Das Kam. c enschied, die Bestrofung auf Grund bes S 158 wöre ig, weil eben die Arbeiter diese Hoffnung, bei einem spätevertrag mehr zu erreichen, gehabt hätten.— Jede kleine Rauferei zwi hen Arbeitern wird als Ausfluß des sogenannten gewerkschaftlichen oder sozialdemokratischen Terrorismus verurteilt. In Hannover hat der Erste Staatsanwalt die Anordnung getroffen, daß die Amtsanwälte gegen jedes Urteil Berufung einlegen müssen, auch dann, wenn sie selbst Freisprechung beantragt haben.(Hört, hört! bei den Soz.) Das kann nicht zux Kinschränkung der Prozesse beitragen. Es ist hier das Wort Klassenzustiz gefallen. Ein Schlagwort ist es nur für diejenigen. die von dieser Justiz nicht getroffen werden, die Arbeiter aber fühlen die Klassenjustiz am eigenen Leibe.(Sehr wahr! bei den In Düsseldorf kam es aus Anlaß eines Fliesenlegerausstandes zu einer Prügelei. Zu.. Arbeitswillige kamen dem Unternehmer zu Hilfe Es wurden von ihnen acht scharfe Schüsse abgegeben. Der Angeschossene hat Strafanzeige erstattet, der Staatsanwalt aber hat das Verfahren eingestellt. Es stehe hier nicht genügend fest, wer geschossen habe, auch sei anzunehmen, daß der Betrefsende in Notwehr gehandelt habe. Bei Schädigung organisierter Arbeiter wird eben immer Notwehr angenommen. Auch das Vorgehen der Bäckermeister in Berlin, die sich zweifellos gegen§ 153 der Gewerbeordnung vergangen haben, wurde vom Staatsanwalt mir Notwehr entschuldigt. Ein anderes ungeheuerliches Urteil ist neulich ergangen. Der Vorstand eines christlichen Maurerverbandes hatte hinter dem Rücken der anderen Arbeitnehmerverbände mit den Arbeitgebern einen Vertrag geschlossen, daß nur Angehörige des christlichen Arbeiterverbandes von den Arbeitgebern angenommen werden sollten, diejenigen Arbeiter aber, die sich von anderen Arbeiterverbänden meldeten, zurückgewiesen werden sollten. Auf diese Weise ist es gekommen, daß die Arbeiter aus anderen Verbänden keine Arbeit bekommen zonnten. Da haben einige Mitglieder des sozialdemo. Nratischen Maurerverbandes Vervandsvücher der christlichen Organisation genommen und einen anderen Umschlag darum geGrund dieses Buches sind sie in Arbeit genommen. Da hat der Staatsanwalt Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben und zusammen anderthalb Jahre Zuchthaus beantragt. hört! bei den Soz) Verurteilt sind die Maurer nachher wegen schwerer Urkundenfälschung, einer zu einem Jahre und einer zu zwei Monaten Gefängnis.(Hört, hört! bei den Soz.] Derjenige, der zu einem Jahr verurteilt ist, ist sofort in Untersuchungshaft genommen.(Erneutes Hört, hört! bei den Soz.) Diese Arbeiter haben in Notwehr gehandelt.(Sehr wahr! bei mußten das tun. um Arbeit zu eryalten!(GeKachter Tcches: Diese Rotwehr wird von Ihnen aber nicht anerden Soz.] Solche Urteile steigern nicht Ihrer angeblich unparteiischen Justiz. Man kennt nicht das soziale Empfinden der breiten Schichten der Begölkerung! Die Richter können sich gar nicht in die Lage eines urbeiters versetzen, sie wissen nicht, daß der Arbeiter seine ganze Organisationstätigkeit lediglich deshalb ausübt, um ein besseres Dasein zu erkämpfen.(Sehr richtig! bei den Soz.] Sie als „Patrioten“ nennen gewiß denjenigen einen Schurlen, der Hochverrat begeht oder das Vaterland verrät. Wenn Sie aber diejenigen, die. Streikbrecher perden, als solche hinstellen, die Interue vervienten, dann begehen Sie und mit Ihnen die Staatsanwalte und Richter, welche das tun, eine tief bedauerliche Handwahr! bei den Soz.) Diese Leute wissen ganz genau, daß sie den Schutz der Richter hinter sich haben(Sehr richtig! bei den Soz.) In diesem Bewußtsein begehen sie dann mzöglichen Provokationen gegen die organisierten Arbeiter. (Die nrechte sucht den Redner fortgesetzt durch Zwischenrufe zu unterbrechen.) Dieser Schutz, den die Gerichte den Streikbrechern und Provokateuren des Reichsverbandes zukommen lassen, erzieht diese Leute zur Charakterlosigkeit.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Die Gerichte glauben immer nur den Schutzleuten.(Widerspruch rechts.) Ich will Ihnen dafür ein Beispiel aus Hannover vortragen. Dieser Fall zeigt, wie wenig angebracht es ist den Zeugnissen der Schutzleute mehr zu glauben, der Zivilisten Mehrere Arbeiter sind nachts von einer Festlichkeit gekommen und haben gesungen. Die Schutzleute haben sie arretiert und auf der Wache blutig geschlagen.(Hört, hört! bei den Soz.] Einer von diesen Personen, ein Musiker, hat gegen die Schutzleute Strafantrag gestellt. Der Staatsanwalt hat das Einschreiten abgelehnt mit der Begründung, die Schutzleute bekundeten glaubhaft, daß der Antragsteller seinerseits tätlich geworden sei und die Schutzleute sich nur gewehrt hätten. Die Bekundungen seiner Vegleiter wären nicht glaubhaft, weil sie sich Elbst offenhar einer strafbaren Handlung schuldig gemacht hätten. Der Siaaisanwalt sagt also: Alle Zeugen, die Sie angeben, sind verdächtig. Der Staatsanwalt hätte doch die Verpflichtung gehoben, der die Strafanzeige eingereicht hat. In der Anklage heißt es noch, der Beschuldigte bestreitet zwar, sich schuldig gemacht zu haben, das Gegenteil wäre aber durch die glaubwürdigen Angaben der Schutzleute bewiesen. Die übrigen Zeugen seien nicht glaubwürdig. Die Anklage bemerkt schließlich, der Antragsteller habe wahrscheinlich, um den Verdacht von sich abzuwälzen, eine Anzeige erstattet. Diese„glaubhaften Aussagen“ der Schutzleute kamen nun auch vor die Strafkammer. Die Strafkammer sprach den Angeklagten aber frei.(Hört, hört! bei den Soz.) Die Schutzleute haben auch als Zeugen wieder erklärt: Wir haben nicht mißhandelt Als dann aber 12 bis 15 Zeugen aufmarschierten und die Mißhandlungen bekundeten, und ihnen der Vorsitzende sagte, wenn sie sich strafbar gemacht hätten, könnten sie die Aussage verweigern, da sagten sie: dann verweigern wir! (Hört, hörtl bei den Soz. Unruhe rechts.) Das sind die„glaubhaften Aussagen“! Das interessanteste ist, daß diese Sch viz mgng Tus inielessantene isn, daß hiese Schutzleute noch in Dienst und und wahrscheinlich auch am Sonntag wieder mitgeschlagen haben.(Bewegung.) In einem anderer Prozeß hatten sie einen Arrestanten ganz gehörig verprügelt. Es waren Zeugen da, die dies beschworen, die Schutzleute aber schworen es ab. Auf Grund ihrer Aussagen ist der Arbeiter zu 1½ Jahren verurteilt worden. Er sitzt im Gefängnis, obgleich die Schutzleute später zu 100 Mk Geldstrafe wegen Mißhandlung verurteilt sind.(Hört, hört! bei den Soz.) Wie ganz anders man darüber in anderen Ländern denkt, zeigt eine Auslassung des „Hannoverschen Couriers". Dort ist ausdrücklich festgestellt, daß das englische Gericht keinen Unterschied zwischen dem Eid eines Schutzmanns und dem eines Zivilisten kennt. Dieser Unterschied sei nur dem deutschen Untertanenverstande verständlich. Weit eher sei der englische Richter geneigt, dem Zeugnis des Schutzmanns zu mißlrauen, weil er Fälle zu bekommen suche.(Sehr gut! bei den Soz.) Der Minister hat früher erklärt, daß diejenigen, die sich bei Straßendemonstrationen beteiligt hätten, bestraft werden sollten. Strafbar ist bei solchen Anlässen aber nicht das Publikum, sondern die Polizei(Widerspruch rechts.) Gegen diese müßte der Staatsanwalt wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt vorgehen.(Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Aber diejenigen, die geschlagen sind, werden ausfindig gemacht und müssen nun noch eine Gerichtsverhandlung über sich ergehen lassen. In Hannover ist nur eine Stimme darüber, daß an den neuesten Vorgängen nichts schuld ist, als die Nervosität der Polizei.(Sehr richtig! bei den Soz.) Dort ist man— ein Gegenstück zum Eulenburg-Prozeß— rücksichtslos vorgegangen. Einen Mann, der Wundfieber hatte, hat man aus dem Bett gerissen und ins Gefängnis gebracht, der Staatsanwalt sollte Anlaß nehmen, sich diejenigen anzusehen, die das Blutbad in Hannover angerichtet haben.(Lebh Zustimmung bei den Soz.) Die Justiz ist noch immer das surchtbarste Werkzeug der besitzenden Klassen, und die besitzenden Klassen ergreifen dieses Werkzeug rücksichtslos. Das hat auch ein konservativer Politiker, Richard Nordhassen, aerlangt. Dieser Ausbrach bid 2.564 konstatiere, daß Sie eine Bekehrung zu venünftigen A schauungen für unmöglich halten.(Heiterkeit.) Norohausen klärt, daß man vor Gericht mit Arbeitern kürzeren Prozeß mache. Das ist die Anerkennung der Klassenjustiz, die die Arbeiterschaft fühlt. Es gibt in Deutschland eine Anzahl von Blutzichtern“ in den Straflammern, vor denen sich jeder graut. Gewoynlich sind das auch die Richter, die vom sozialen Verständnis keine Spur haben. Sehr richtig! bei den Soz.) Gäbe der Minister Anweisung, daß die sozialen Verhältnisse in der Rechtsprechung berücksichtigt werden, dann würden Sie auch die Behauptung los, daß wir in Deutschland Klassenjustiz haben! (Lebh. Beifall bei den Soz.) Justizminister Beseler bestreitet dem Abg. Cassel gegenüber, daß die Referendarprüfung zu schwer sei. Herr Leinert hat eine Reihe von Einzelfällen vorgebracht in einer Form, die es mir zweifelhaft macht ob er sich mit der Rechtspflege eingehend beschäftigt hat(Heiterkeit rechts.) Wir sind hier keine Berufungsinstanz.(Sehr richtig! rechts.) Weder ich noch das Haus können sich hier als Gerichtshof etablieren und Entscheidungen über gefällte Urteile treffen. Höchstens kann es darauf hinauslaufen, daß Herr Leinert für seine Person eine solche Instanz bildet.(Heiterkeit rechts.] Herr Leinert wird die einzelnen, Fälle nur vorgebracht haben, weil wir sie gar nicht nachprüfen konnen. seitig wür habt, zunächst einmal eine Untersuchung einzuleiten, um festzustellen, ob denn diese Zeugen wirklich verdächtig sind. Der Antragsteller hat darauf Beschwerde beim Oberstaatsanwalt erhoben, auch dieser hat abgelehnt und gleichzeitig mitgeteilt, daß gegen den Antragsteller Klage erhoben werden solle(Hört, hört! bei den Soz.) Jetzt hat der Staatsanwalt also den Spieß wie gewöhnlich umgedreht und Anklage gegen denjenigen erzur fehlt, und verfehlt er ihn bei ihr, so ist es mit meiner Macht und Gewalt vorbei.“ Er verfehlte seinen Zweck. Mrs. Corney wurde keineswegs durch ihn überwältigt, sondern erwiderte ihn durch einen äußerst verächtlichen und verband damit obendrein ein Gelächter, das zum wenigsten klang, als wenn es ihr von Herzen käme. Als Bumble die unerwarteten Töne vernahm, sah er zuerst ungläubig und dann erstaunt aus, worauf er wieder in sein Brüten und Sinnen verfiel, aus welchem ihn jedoch Mrs. Bumble erweckte.„Willst du den ganzen Tag dasitzen und schnarchen?“ fragte sie. „Ich denke, hier so lange sitzen zu bleiben, wie es mir beliebt,“ entgegnete er:„und obschon ich keineswegs schnarchte, so bin ich doch gewillt, von meinem Rechte Gebrauch zu machen und ganz nach meinem Gefallen zu schnarchen, zu niesen, zu lachen oder zu weinen oder was mir eben sonst behagt.“ „Von deinem Rechte!“ höhnte Mrs. Bumble mit unsäglich verächtlicher Miene. „Ja, von meinem Rechte! Es ist das Recht des Mannes, nach seinem Willen zu leben und zu befehlen.“ „Und was ist denn in Kuckucks Namen das Recht der Frau?“ kach des Mannes Willen zu leben und zu gehorchen Dein unglücklicher erster Mann hätte es dich lehren sollen; er wäre dann vielleicht noch am Leben— und ich wollte, daß er es wäre, der gute Mann!" Mrs Bumble erkannte, daß der entscheidende Augenblick gekommen war und daß es galt, sich der Herrschaft ein für allemal zu bemächtigen oder ihr für immer zu entsagen. Sie sank daher auf einen Stuhl nieder, erklärte Mr. Bumble für einen Anmenschen mit einem Kieselherzen und brach in einen Tränenstrom aus. Allein Tränen waren es nicht, was zu Mr. Bumbles Herzen drang: es war wasserdicht. Den Filzhüten gleich, welche gewaschen werden können und durch Regen besser werden, wurden seine Nerven durch Tränenschauer noch fester, die ihn als Zeichen der Schwäche und somit als stillschweigende Anerkenntnisse seiner Obergewalt erfreuten und stolz machten. Er blickte seine Hausfrau mit großer Zufriedenheit an und bat und munferte sie auf alle Weise auf, nur immerzu zu weinen und nach besten Kräften, denn es sei äußerst gesund, wie die Aerzte versicherten „Es erweitert die Lungen, wäscht das Gesicht rein, schärft die Augen und kühlt ein zu heißes Temperoment ab.“ sagte er;„also weine ja nur immerzu.“— Nachdem er die scherzenden Worte gesprochen, griff er zu seinem Hute, setzte ihn kecklich auf die eine Seite, wie ein Mann, der seine Ueberlegenheit sühlt und auf geeignete Weise zeigen will, steckte die Hände in die Taschen und jetzte sich stolzierenden Schritts nach der Tür in Bewegung. (Fortsetzung folgt.) angebracht haben, weil wir sie gar nicht Nebaun# er vorgetragen hat, sind lauter eineitige Beyauptungen und Ansichten. Kein Richter der Welt bürde danach ein Urteil fällen können. Die hannoverschen Prozesse schweben in der Hauptsache noch, so daß wir noch gar nichts darüber sagen können. Zu dem dort vorgekommenen Umzug möchte ich nur betonen, daß Straßendemonstrationen das allerunglücklichste sind, was vorgenommen werder kann.(Zustimmung rechts.) Es ist im lischsten Grade zu bedauern, daß eine große Anzahl urteilslofer Jeute sich so verführen läßt. Straßendemonstrationen sind ganz nutzlos und erfolglos.(Erneute Zustimmung rechts.) Leider gelingt es fast nie, die zu ercreifen, welche die Umzüge hervorrufen(Sehr wahr! rechts) Es können nur die vor Gericht gebracht werden, die auf der Straße sind, und diese sind bestraft worden, wenn ihre Schuld festgestellt war. So wird auch in Hannover vorgegangen werden. Wer das aber veranlaßt hat, das wissen wir nicht; er hat sich bisher noch nicht gemeldet.(Heiterkeit rechts.) Der Vorgang in Königsberg, der Bestrafung wegen Majestätsbeleidigung geführt hat, hat das Kleines Feuilleton. „Luzerner Tageblatt“ teilt folgende tragikomische Zoll=Episode mit. Sie spielte an der italienischschweizerischen Grenze, zur Zeit des Weihnachtsfestes, das bekanntlich in Italien und im Tessin mit ganz besonderer Feierlichkeit begangen wird. Nun wollte eine arme Italienerfrau Sieignachtsan Tresa ihrem Sohne einen Welhnachtsgruß in Form von Kirschen, die in Branntwein konserviert waren, senden, da jener seinen Posten in der Schweiz nicht verlassen konnte, um das Weihnachtsfest im Kreise seiner Familie zu Feiern. Wie aber war die arme Frau überrascht, als ior in Ponte Tresa von schweizerischen Zollbeamten mitgeteilt wurde, daß diese Flasche Branntwein mit Kirschen 1,50 Frank Eingangszoll koste, was offenbar den Wert des Geschenks höätie ac die Frau über diesen Betrag nicht verfügte, ent##.die Kirschen mit dem Branntwein wieder heimv.### welch neue ueberraschung wurde ihr zuteil, als sie auf der linren Seite der Tresabrücke, welche die Schweiz mit Italien verbindet, neuerdings angehalten wurde, da die aus der er wäre 1 Schweiz herkommende Flasche Branntwein mit den Kirschen verzollt werden müsse. Was nun tun? Die arme Italienerfrau befand sich auf der Brücke mit dem für ihren Sohn bestimmten Weihnachtsgruß, den sie nun weder nach der Schweiz noch nach Hause bringen konnte, ohne ihn zu verzollen. Bald war auf der Brucke eine Schar neugieriger Buben versammelt, die der verzweifelten Frau den guten Rat erteilten, die Kirschen unter sie zu verteilen. Sofort wurde dieser Vorschlag angenommen, allein die Zollbehörde der Schweiz konnte es nicht gestatten, daß die mit Branntwein getränkten Kirschen auf ihrem Gebiete konsumiert würden, ohne vorher verzollt zu sein. Der gleiche Bescheid wurde der bedrängten Frau vom italienischen Zollwächter zuteil. Da wußte sie in ihrer Verzweiflung nichts besseres zu tun, als zum großen Leidwesen der versammelten Buben die Flasche mit dem kostbaren Inhalt in das Wasser der internationalen Tresa hinunterzuwerfen und auf einer Karte ihrem Sohne das egoistische Benehmen der zwei freundnachbarlichen Länder zu klagen. patriotische Empfinden aller aufs schmerzlichste verletzt.(Lebh. Zustimmung rechts. Lachen bei den Soz.] Es war der Versuch gemacht worden, in sehr vorsichtiger Form diese kränkende, tief schmerzende Aeußerung zu tun, ohne daß eine Strafe erfolgen könnte. Aber der Betressende hat sich geirrt. Er war nicht vorsichtig genug, und auch das Reichsgericht hat auerkannt. daß eine Verurteilung mit vollem Rechte erfolgte. Ich sehe das als eine durchaus gluckliche Lösung dieses höchst unersreulicher Vorgangs an.(Lebh. Beisalt rechts.)tetige Abg. Strosser(kons) wünscht größere Sparsamkeit beim Bau von Dienstwohnungen für höhere Richter. Von den Jugendgerichten sind wir nicht so begeistert, wie Herr Leinert. Die Tendenz, den Amtsrichtern immer mehr Straffälle abzunehmen und sie an Sondergerichte zu verweisen, birgt große Gefahren. Von einer Klassenjustiz ist keine Rede. Die Behandlung der Strafgefangenen ist, von einzelnen Mißariffen abgesehen, eher zu gut als zu schlecht.(Abg. Hoffmann[Soz]: Versuchen Sie es doch einmal! Heiterkeit.) In dem Ausdruck Weibergefängnis sehe ich keine Beleidigung. Wie soll man diese für Frauen und Mädchen bestimmten Anstalten anders nennen? Den Terrorismus der organisierten Arbeiter nennen die Sozialdemokraten imner Notwehr. wenn aber ein Arbeitswilliger sich gegen die Terroristen kehrt, so erkennen sie keine Notwehr an.(Widerspruch bei den Soz.] Es ist nicht richtig, wenn Herr Leinert sagte, der Eid de. Schutzleute gelte vor Gericht mehr als der der Bürgerlichen. Freilich sollte er mehr gelten als der eines Sozialdemokraten, denn die sozialdemokratische Presse ist es, die die Heiligkeit des Eides untergräbt.(Lebh. Widerspruch bei den Soz.) In der„Leipziger Volkszeitung“ habe ich selbst gelesen, über die Zwirnsfäden des Eides brauchten die Sozialdemokraten nicht zu stolpern.(Zuruf bei den Soz.: Wann war das?) Als es sich um die Frage handelte, ob die Sozialdemokraten den Treueid als Landtagsabgeordnete leisten dürften.(Zurus des Abg. Hoffmann: Wir wären Narren, wenn wir den Eid nicht leisteten!) Dieses Zugeständnis. Herr Hoffmann, ist mir sehr willkommen, es beweist, wie Sie den Eid bewerten.(Lachen bei den Soz.) Gegen Roheitsvergehen ist die Prügelstrafe das einzig richtige. Beisall, rechts Abg. Hoffmann. Sie müßten dann die erste Portion berommen! Große Heiterkeit.) Hierauf vertagt sich das Haus. Es folgen persönliche Bemerkungen. Abg. Leinert: Herr Strosser meinte, ich sei für Jugendgerichte eingetreten, weil den Amtsrichtern dadurch wieder ein Teil ihrer Tätigkeit genommen werde. Das habe ich deshalb nicht gesagt, weil ich weiß, daß die Amtsrichter Vorsitzende der Jugendgerichte sind, während das Herr Strosser nicht weiß. (Sehr gut! und Heiterkeit bei den Soz.) Abg Strosser(kons.): Herr Hoffmann hat mit seinem geschmackvollen Zuruf, ich müßte die erste Portion Prügel haben, dokumentiert, daß er ein eifriger Vertreter der Prügelstrafe ist. (Heiterkeit rechts.) Abg. Hoffmann(Soz.): Wenn Herr Strosser sagt, ich hätte mich durch meinen Zuruf als Anhänger der Prügelstrafe entpuppt, so ist das nicht ganz richtig, wetl ich die Ueberzeugung habe: Wenn er die erste Portion bekommen wird, wird er zum Gegner der Prügelstrafe werden.(Große Heiterkeit.) Nächste Sitzung Montag 11 Uhr.(Zweite Beratung der Besoldungsgesetze der Lehrer und Lehrerinnen und Geistlichen.) Schluß 5½ Uhr. Gewerkschaftsbewegung. Unternehmer=Terrorismus. Der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller gibt weiter schwarze Listen heraus, ohne daß die Staatsanwaltschaft dagegen einschreitet. Heute können wir folgende Schreiben veroffentlichen: I.=Nr. 55. Berlin, den 21. Januar 1909. Rundschreiben Nr. 5 pro 1909. Hierdurch teilen wir Ihnen mit, daß die ursprünglichen Diff.renzen bei der Firma Maschinen= und Armaturenfabrik vorm. Klein, Schanzlin u. Becker in Frankenthal sich inzwischen erledigt haben, wodurch auch unser Rundschreiben Nr. 219 vom 25. November 1908 seine Erledigung findet. Es sind indessen bei der genannten Firma erneut Differenzen ausgebrochen und die Schlosser und Gußputzer haben bereits gekündigt. Wir bitten kommenden zustellen. Sie deshalb erneut, alle von genannter Firma Schlosser und Gußputzer bis auf weiteres nicht ein59/68. Berlin, den 23. Januar 1909. Rundschreiben Nr. 6 pro 1909. Bei der Firma Maschinenwerke Gubisch=Liegnitz sind die auf beiliegender Liste verzeichneten Arbeiter am 16. d. M. in den getreten, weil die Firma beabsichtigt, 5 Proz. der Gesamtlöhne bei Aufstellung der neuen Akkordsätze zu reduzieren, briten viel zu voch sinz. ave derselben gegenüber anderen JoWir bitten, dies #ese, sowie alle von genannter Firma kommenden Arbeiter bis auf weiteres nicht einzustellen. Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. Die Entwicklung der Sprache beim Kinde. Für die normale Entwicklung der Sprache ist die normale Entwicklung des GeVoraussetzung. Einen Beleg dafür bieten die Erfahrungen, die durch die Blindenschrift und Blindensprache, sowie durch den berühmten Fall der Amerikanerin Helen Keller, dem klassischen Veisziel für mangelbafte Ausstattung mit Sinnesempfindungen, bein Tolent noch geistige Qualität dem Meuichen ketia edten wrdg. In izren auitzerordensich inteueckanten Vo., in die Wiege glgt pich,u alit den Meuishan feriz richten und Vriesen ist deutlich zu erkennen, daß die Tast.". empfindungen die wesentlichen Grundlagen ihres Weltbildes mit dem geistigen Besitzstand ihres Fslcs Foß sie ein inniste verbunden, woraus ganz von selbst alter pas den tiesten Tiesen geisiger um... i Liudesalter von den Reisten Ticsen geistiger umnachtung in den ersten wickelt. In den Folia gus deig beistigen Kräfte allmählich ent. neurobiologica unternimmt Dr. Heinrich Vogt den Versuch, den Zusammenhang zwischen der kindlichen Sprache und der seelischen Entwicklung darzustellen. Die ersten Spuren der Sprache treten gewöhnlich um das Ende des ersten Lebensjahres auf. Schon vorher stellen sich allerdings andere Lautäußerungen:„Schreien, Lallen und ähnliche ein die für die kunftige Sprachbildung nicht ohne Belang sind. Auch sie sind der Selat icdoch#nes bestimmten geistigen Zustandes. Erst später zigt jeooch eine Periode der Aufnahme äußerer Reize, wenn auch in primitiver Form, die Periode der Nachahmung und des Sprachverständnisses, nach der erst im 12. bis 15. Monat das beginnt. Die ersten sprachlichen Aeußerungen, das Schreien, sind Kundgebungen des Unbehagens und der Unlust. Erst gegen das Ende des ersten Vierteljahres tritt— zur Freude —, die Aeußerung von Lust und Behagen auf. Die es Kindes enthält stets Laute, die sich in keiner ien= und die wohl ein Erbteil der langen Ahnenreihe jedes menschlichen Wesens sein durften. Andererseits ist es außerordentlich interessant, daß die Lallworte eine sehr große Gleichförmigkeit zeigen und in allen Sprachen der Welt die gleichen sind. So ist das Mama nicht, wie vielfach oehauptet u## gus dem Französischen übernommen, sondern nur im FranWarte„pappgg“a sahiszr Es ist wie die Sisner Biszikr a erige ign. ben un so zur Spubolserung ten„Einnortsäten“ und dementsfrechend ist auch sein Versändnis geue###. Wenn das Kind einen Gegenstand haben will, es ihn in einem Wort. Erst später beginnt es der Sro gogf f, u, werdenz,„ Die Sprache nach der Meinung von Eicen schaften und das a Spezmöger isge auch erworbene ###en— und das Sprachtermugeg, ist eine solche— dersrP##ren. Man sollte asso meinen, sie önne sich schließlich agen steren. Das ist jedoch nicht der Fall Nur genziste guigz Die Namen von 52 dort beschäftigt gewesenen Arbeitern, die sich gegen Lohnreduktionen zu wehren gewagt haben, sind beigegeben. dem Boykottschutzverband(der Arbeitgeber) für Hagen und Umgegend einen neuen Lohntarif zur Annahme unterbreiet; darauf haben die Brauereien einen Gegentarif aufgestellt, der wohl einige Zugeständnisse enthielt, jedoch die Arbeitnehmer in keiner Weise befriedigte. Eine Mitgliederversammlung nahm nach erregter Debatte folgende Resolution einstimmig an: „Die Versammlung der Brauereiarbeiter von Hagen und Umgegend nimmt mit Entrüstung Kenntnis von dem der Lohnkommission vorgelegten Tarifentwurf des Boykottschutzverbandes. Die Versammelten protcstieren gegen die minimalen, die gegenwärtigen bestehenden Verhältnisse sogar verschlechternden Zugeständnisse, und bedauern das geringe Entgegenkommen für die gerechten Forderungen der Arbeiter. In der Ablehnung hinsichtlich der Arbeitszeitverkürzung, Urlaub und Ablösung des Freibieres erblickt die Versammlung eine soziale Rückständigkeit der Arbeitgeber, und hätte man besonders hierbei eine andere Stellungnahme erwartet. Die Versammlung beauftragt die Lohnkommission, unverzüglich neue Verhandlungen anzubahnen und an den bis jetzt von uke semnachten Vorschlägen unter allen Umständen festDie Versammelten verpflichten sich dagegen, die Kommission nach besten Kräften zu unterstützen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die gewiß geringen Forderungen zur Durchführung zu bringen, und gegebenenfalls den Anweisungen der Organisationsleitung in jeder Beziehung Folge zu leisten.“ Eine Scharfmachergesellschaft ist die Zwangsinnung der Wagner in Nürnberg. Die Oberscharfmacher hielten die gegenwärtige Zeit dafür angetan, einen Beschluß durchzudrücken, der die Mitglieder der Innung zwingen soll, keine organisierten Arbeiter zu beschäftigen. Die Durchführung dieses Beschlusses würde einen erbitterten Kampf herausbeschwören. Einige vernünftige Meister haben hiergegen Beschwerde erhoben, weil sie sich nicht auf das Kommando einiger Heißsporne in den Konflikt mit den Arbeitern hineintreiben lassen wollen. Infolgedessen sah sich der Polizeisenat des Stadtmagistrats Nürnberg veranlaßt, sich als Aufsichtsbehörde mit der Angelegenheit zu beschäftigen. Aber noch ehe der Senat dazu kam, einen Beschluß zu fassen, beeilte sich die Vorstandschaft der Zwangsinnung, mitzuteilen, sie werde in der nächsten Innungsversammlung dahin wirken, daß der Beschluß wieder aufgehoben werde. Solange will nun der Senat noch zuwarten, weshalb er die Entscheidung vertagte. In der Schulbankfabrik von Fuhrmann u. Hauß in Frankenthal(Pfalz) haben sämtliche Arbeiter ihre Kündigung eingereicht Zuzug von Schreinern, Anschlägern, Maschinenarbeitern, Schlossern, Tünchern und Hilfsarbeitern ist fernzuhalten. Aussperung der österreichischen Holzarbeiter. Die Vereinigung der Tischlermeister Niederösterreichs beschloß, nachdem keine Einigung mit der Gehilfenschaft erzielt werden konnte, die Aussperrung der Gehilfen. Von dieser Maßregel werden etwa 8000 Personen betroffen. Achtung, Metallarbeiter! Bei den Gelsenkirchener Gußstahl= und Eisenwerken vormals Manscheid u. Co. bestehen Lohndisserenzen. Es wird daher ersucht, den Zuzug fernzuhalten. In Frage kommen Schlosser, Dreher, Fräser, Hobler und Putzer. Die Differenzen sind entstanden durch fortgesetzte Akkordabzüge, die systematisch vorgenommen wurden Unter Deckofferte sucht die Firma in auswärtigen Zeitungen Arbeitskräfte und verspricht einen Lohn von 65—75 Pfg. pro Stunde. Fallen auf dieses verlockende Angebot die Arbeitslosen hinein, dann wird nicht mehr als wie 35. im günstigsten Falle 40 Pfg. die Stunde gezahlt. Wie die Verdienste gestellt sind, mag daraus hervorgehen, daß ein Teil der gelernten Arbeiter ständig mit 25 Mk., sogar mit 20 Mk. bei 120stündiger Arbeitszeit nach Hause gehen müssen. Wir ersuchen die Arbeiter, Arbeitsangebote, die von dieser Firma kommen, strilte abzuweisen. Industrie, Handel und Die Krise macht noch immer ihre verheerenden Wirkungen in der elsässischen Industrie geltend. Die 400—500 Arbeiter be schäftigende Maschinenbaugesellschaft vorm. Ducommun in Mülhausen i. E. war am Sonnabend nicht in der Lage, den Fabrik beamten den Lohn voll auszuzahlen; die Leute bekamen sämtlich nur die Hälfte. Gleichzeitig hat die Firma einem halben Hundert Arbeiter gekündigt. Vor dem Gewerbegericht schwebt gegen die gleiche Firma eine Massenklage von Arbeitern, weil sie beim Jahreswechsel den Betrieb acht Tage ruhen ließ, ohne dem Personal 14 Tage zuvor angesagt zu haben. Die Urteilsfällung in diesem Prozeß wird von der Firma offenbar systematisch durch Anträge über Sachverständigengutachten und dergleichen seit Wochen hinausgeschleppt. Von verschiedenen Wollspinnereien in Mülhausen i. E. werden jetzt empfindliche Jahresverluste bekannt. Die mit 62810 Spindeln arbeitende Kammgarnspinnerei Glück u. Co. hatte einen Verlust von 410000 Mk., die Firma Engel u. Co. hatte einen solchen von 315000 Mk, die Firma Kuneyl u. Co. einen solchen von 300000 Mk. Die Firma Schwartz u. Co., die mit etwa 125000 Spindeln neben Stoehr in Leipzig als die größte Kammgarnspinnerei des Kontinents bezeichnet wird, verliert 255000 Mi. Daneben stehen für andere Firmen geringere Verluste oder auch ganz geringfügige Gewinne. Die Besserung der Konjunktur ist jedoch in den letzten Monaten sehr deutlich, und scheint wieder länger andauern zu wollen. In Frankfurt a. M. waren Ende 1907 16.350 Metallarbeiter beschäftigt, dagegen Ende 1908 nur noch 14810. Die Verwaltungsstelle des Metallarbeiterverbandes gab aus: Für urreitslosenunterstützung 32875 Mk(5741 Mk. im Vorjahre), für Krankenunterstützung 65 711 Mk.(34.552 Mk. im Vorjahre). gleichen Zeit fiel— hauptsächlich infolge Abreise— Mitgliederzahl um 900. bee). die Die Arbeitslosigkeit wäre noch größer, wenn nicht auf Betreiben der Organisierten— zwecks Vermeidung von Entlassungen— vielfach verkürzte Zeit gearbeitet würde. Dadurch 2934 Arbeiter in der Woche vom 14. bis 20. Dezember 23 210 Stunden Ausfall! Kl. Der Untergang der kleinen Bankgeschäfte. Wieder ist eine alte Bankfirma zusammengebrochen. Die Inhaber des seit vielen Jahren= bestehenden Bankgeschäfts L. Pappenberger u. Sohn in Landshut haben Konkurs angemeldet und sich wegen Depotunterschlagung dem Gericht gestellt. Die Firma hat bei dem Konkurs einer Brauerei in Straubing kürzlich 150000 Mk. bei anderen Kreditgeschäften weiter Verluste von 250.009 Mk. erlitten. Bei den vielen Zusammenbrüchen von Banifirmen während der herrschenden Krisenperiode ergibt sich immer das gleiche Bild: Ueberspannung der finanziellen Kräfte, Kreditgewährung an wenig sicher fundierte Unternehmungen. Mit den Ursachen der Zahlungseinstellungen und Krachs privater Bankfirmen und kleiner Aktienbanken befaßt sich der soeben erschienene Bericht der Hildesheimer Handelskammer, die sich zu diesen Betrachtungen besonders veranlaßt fühlt, da in Hildesheim in den letzten Wochen nicht weniger als drei Bankgeschäfte zusammengebrochen sind.. Allzu leichtsinnige Kreditgewährung, Beteiligung und Unterstützung ungesunder Pauspekulation, eigene und fremde Spekulation auf den Effektmärkten, ferner Beteiligung an wenig rentablen industriellen Gesellschaften haben nach dem Bericht zu den Katastrophen geführt. Die Handelskammer stellt dann einige Grundsätze für den ordentlichen und vorsichtigen Betrieb eines Bankgeschäfts auf. Ein Bankier darf sein eigenes Kapital, das als Sicherungsfonds für seine Gläubiger zu betrachten ist, nicht durch Spekulationen in Gefahr bringen, geschweige denn die ihm zur Verwertung übergebenen Geldmittel seiner Kundschaft. Vor allem aber müssen die eigenen Mittel hinreichend für den Betrieb eines Bankgeschäfts sein, und es muß ferner der Umjang des Geschäfts stets im richtigen Verhältnis zu den eigenen Mitteln gehalten werden. Ein Zuwiderhandeln gegen diese grundlegenden Bedingungen jur die Leitung des Bankgewerbes ist auf das schärfste zu verurteilen. Diese Grundsätze sind sehr schön und gut, sie werden auch den zusammengebrochenen Bankiers nicht unbekannt gewesen sein, die meisten von ihnen hätten danach wahrscheinlich auch gern gehandelt, wenn sie es vermocht hätten. Die Geschäftspraktiken der verkrachten Bankiers sollen gewiß nicht entschuldigt werden, viele von ihnen griffen zu betrügerischen Manipulationen, aber die guten Ratschläge der Hildesheimer Handelskammer geben doch noch keine Erklärung für das mehr oder weniger krachähnliche Verschwinden der kleinen Bankgeschäfte. Diese Privatfirmen sind von den Großbanken und ihren Tochtergesellschaften förmlich enteignet worden, den Großbanken fließen die Kundengelder in Strömen zu, sie verfügen immer über große flüssige Mittel und reißen alle besseren Geschäfte an sich. Die privaten Bankgeschäfte sehen je länger je mehr die Depositenkunden von dannen ziehen, sie müssen, wenn sie nicht selbst über großes Privatkapital verfügen, teuern Kredit in Anspruch nehmen, um damit riskante Geschäfte zu machen, die ihnen die Großbanken übrig gelassen haben. So führen viele der noch bestehenden Privatfirmen in. Bankgewerbe in Wirklichkeit ein Scheindasein, wenn sie nicht zu mehr oder weniger unverhüllten Wuchergeschäften greifen wollen. Der Bankier=Mittelstand gehört bereits der Geschichte an. Seine kümmerlichsten Reste ringen aussichtslos gegen die überragende Macht des Bankkapitals. In Hochbühnkamnstrophi dor Grricht. Am Sonnabend ist in Berlin nach dreitägiger Verhandlung das Urteil in dem Prozeß gegen die Angestellten der Hochbahn, Schreiber und Wende, gefällt worden, die beschuldigt waren, an dem Zugzusammenstoß, der sich am 26. September 1908 auf der Berliner Hochbahn zugetragen hat, schuld gewesen zu sein. Das Urteil hat folgenden Wortlaut: Nach dem Ergebnis der Ztägigen Hauptverhandlung hat der Gerichtshof die Ursache der Katastrophe für vollständig klargestellt erachtet. Der vom Zugführer Gesellius gefuhrte Zug ist am 26. September von der Bülowstraße gekommen und dem von der Leipzigerstraße kommenden Zug in die Flanke gefahren Dies ist dadurch geschehen, daß der von der Leipzigerstraße kommende Zug das Haltesignal überfahren hat. Der Führer des Zuges, der Angeklagte Schreiber, hat nun angegeben, er habe das Signal„Freie Fahrt“ gehabt. Der Gerichtshof erachtet diesen Fall jedoch für unmöglich und diese Behauptung Schreibers für vollständig widerlegt. Wenn das andere Signal auf„Freie Fahrt“ stand, so konnte das Signal des Schreiberschen Zuges nicht auf „Freie Fahrt" stehen; denn beide Signale sind feindlich. Das ergibt sich auch aus dem Zeugnis von Vogt und Gesellius und durch den Befund, der nach der Katastrophe ausgenommen wurde. Der Angeklagte Schreiber sagt nun, das Geleisdreieck sei eine verfehlte Anlage, die Verwaltung sei sich auch dieses Mangels bewußt, sie habe aber nur wegen der Kosten den Umbau noch nicht ausgeführt, sie habe vielmehr diesen Mangel zu vertuschen gesucht, indem sie einem Zeugen Schweigegelder gab. Von diesen Anschuldigungen ist so gut wie nichts erwiesen. Ob das Geleisdreieck eine verfehlt Anlage ist, darüber haben wir ein Gutachterkollegium von hervorragender Sachkunde gehört. Der Gerichtshof hat sich aber aus aus zahlreichen Vernehmungen der Angestellten die Ueberzeugung verschafft, daß keineswegs ungewöhnlich viele Unfälle und Störungen, die Gefahren in sich bargen, bei der Hochbahn vorgekommen sind. Das hat insbesondere der Sachverständige der Kgl. Eisenbahndirektion Mende bekundet. Auch von den übrigen Anschuldigungen, wie dem Zahlen von Schweigegeldern, ist nichts erwiesen. Daß im vorliegenden Falle ausnahmsweise eine Störung vorgekommen ist, hält der Gerichtshof für vollständig ausgeschlossen, einerseits durch das Zeugnis der beiden Weichensteller Vogt und Langfeld und auf Grund des Befundes. Ein unberechtigter Eingriff in die Plomben der Nottaste hat in diesem Falle nicht stattgefunden, wenn dies auch an anderer Stelle geschehen sein mag. Das Schreibersche Signal hat vorher auf„Halt“ gestanden und stand auch nach der Katastrophe auf„Halt". Die Zeit war so kurz, daß ein unberechtigter Eingriff in die Plomben ausgeschlossen erscheint. Es bleibt also dabei: der Angeklagte Schreiber hat das Haltesignal überfahren. Er hat nun angeführt, er habe infolge eines Schwindelanfalles das Signal überfahren. Der Gerichtshof hält dies aber durch sein Verhalten vor und nach der Katastrophe für ausgeschlossen. Der Gerichtshof hält auch nicht für nachgewiesen, daß der Angeklagte Schreiber abgehetzt gewesen sei Schreiber war sonach nach§§ 316, 222 und 230 Str.=G.=B. zu verurteilen. In Betracht kommt insbesondere der schärfste§ 222. Die schwerste Strafe bei fahrlässiger Tötung beträgt 5 Jahre Gefängnis. Es mag dem Angeklagten zugute gehalten werden, daß er bis zum Augenblick der Katastrophe als ein zuverlässiger Beamter gegolten und bis dahin seine Pflicht gewissenhaft erfüllt hat. Man mag menschliche Teilnahme mit ihm empfinden und ihm glauben, daß er unter dem niederdrückenden Bewußtsein, der Urheber des Todes so vieler Menschen zu sein, leidet Andererseits hat er aber eine große Fahrlässigkeit begangen. Wenn die Führer nicht mehr auf die Signale achten, dann muß schließlich jede Sicherheit im Eisenbahnbetriebe aufhören. Diese vornehmste Pflicht eines Zugführers hat der Angeklagte Schreiber verletzt und zwar an einer Stelle, wo sich ein Gefahrpunkt befand. Deshalb kann die Strafe nicht allzu niedrig ausfallen und der Gerichtshof hat unter Berücksichtigung dieser Umstände auf eine Gefängnisstrafe von ein Jahr neun Monaten erkannt, dem Angeklagten aber drei Monate auf die Untersuchungshaft angerechnet. Was den Angeklagten Wende anbetrifft, so hat sich der Gerichtshof den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung angeschlossen.„Der Angeklagte hat pflichtwidrig gehandelt, aber nicht jede Ptlichtwidrigkeit zieht eine strafrechtliche Verfolgung nach sich. Der Gerichtshof hat sich selbst überzeugt, daß die Gucklöcher, durch welche der Angeklagte Wende die Signale zu beobachten hatte, sehr klein waren. Der Angeklagte Wende war deshalb freizusprechen. Wir finden das Urteil übermäßig hart, wenn man sich nicht überhaupt auf den Standpunkt stellen will, daß eine Verurteilung in diesem Falle gar nicht angebracht war. Den letzteren Standpunkt möchten wir vertreten. Der verurteilte Zugführer hat jahrelang die betreffende Stelle passiert, ohne daß sich ein Unglücksfall ereignet hat. In dem einen Falle hat ihn die Aufmerksamkeit verlassen. Ist das etwas, für das er unter allen Umständen verantwortlich gemacht werden kann? Ist es nicht möglich, daß die Aufmerksamkeit eines Menschen in einem vielleicht ausschlaggebenden Moment ebenso versagt, wie etwa die Kraft seiner Muskeln, wenn er sich auch noch so sehr anstrengt? Kann man denn annehmen, daß es vollkommen in der Hand eines Menschen liegt. ein derartiges Versagen der Aufmerksamkeit zu verhüten? Wir meinen, nur dann sollte eine Verurteilung eintreten, wenn sich ein Beamter irgend eine besondere Fahrlässigkeit zuschulden kommen läßt, wenn er irgend etwas getan, was nach menschlicher Voraussicht ein Versagen der Aufmerksamkeit leicht herbeiführen konnte, wie z. B., wenn er während des Dienstes ein Buch gelesen oder vor dem Dienst sich reichlich Alkohol zugeführt hätte. Rekrut meldete den Ueberfall gar nicht da er sich offenber vor den beiden Peinigern fürchtete. Die Sache kam erst durch den revidirenden Arzt beraus, der die blutunterlaufenen Stellen und Beulen sah. Das Kri sgericht verurteilte den M. als Anstifter zu zwei Monaien Gefängnis und Degradation, den G. zu 43 Tagen Gefängnis. Der Leutnant Michaelis von dem nömlichen Trainbataillon hatte einen Soldaten geschlagen, daß der Mann hinstürzte und sich eine Körperverletzung zuzog. Das Gericht erkannte auf drei Mark Geldstrafe. Der Soldat ist durch den Sturz teilweise invalide geworden, wofür er auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen wurde. Das Gericht taxierte den Schlag als„Ohrfeige". die gewöhnlich nicht als Mißhandlung gilt. Militärboykott. Hanau a. M., 6. Febr. Die Militär= behörde, die bisher schon gegen alle Wirtschaften, die der Sozialdemokratie zur Verfügung standen, in rigoroser Weise deraing, hat den Boykott auch auf die Gewerkschaften ausgedehn: Am 2. Februar wurde der Boykott über ein Restaurant verbängt, das den Gewerkschaften offen steht. Gleichzeitig wurd der Boykott über die Volksvorstellungen im Stadttheater ausgesprochen. Bei den bisherigen Vorstellungen wirkte die Militärkapelle mit; dies wurde jetzt verboten. Vermischtes. Der Sohn als Mörder. Berlin, 7. Febr. Vor kurze. wurden, wie bekannt, in Lehnin die Postschaffnersfrau Schulze und deren Mutter erschlagen. Der Verdacht richtete sich von Anfang an gegen den Sohn der Frau Schulze, den jugendlichen Amtsschreiber Otto Schulze, der später in Haft genommen wurde. Er hat nunmehr gestern, wie aus Potsdam gemeldet wird, eingestanden, die eigene Mutter und deren Mutter, die sich auf Besuch in Lehnin aufhielt, erschlagen zu haben. Ebenso gibt Schulze zu, daß er das unter einem Holzstoß vorgefundene Geld entwendet und verborgen habe. Wegen Mordverdachts verhaftet. Dresden, 7. Febr. Mehrere Kriminalbeamte verhafteten gestern nachmittag in Zwickau einen im Hause Leipzigerstraße 17 wohnenden Leipziger Buchhandlungsreisenden. Dieser erscheint verdächtig, in Leipzig den Mord an dem Friedrichschen Ehepaar begangen zu haben. Der Verhaftete bestreitet, die Tat ausgeführt zu haben. 75 000 Kronen für eine Polarexpedition. Christiania, 7. Febr. Das Storthing bewilligte 75000 Kronen Staatssubvention für Amundsens Polarexpedition, die somit gesichert ist. Ein Ueberfall im Eisenbahnzug. Prag, 7. Febr. In einem Eisenbahnzug auf der Strecke Eger=Nürnberg hat vorgestern ein Deserteur des 21. bayerischen Infanterieregiments namens Schobert den Monteur Voigt in einem Abteil dritter Klasse rücklings überfallen und durch zwei Revolverschüsse verletzt. Voigt zog die Notleine und als der Zug zum Stehen kam, henutzte, der Räuber die Gelegenheit, um zu fliehen. Nach rurzer Zeit konnte er jedoch von einer Patrouille wieder festgenommen werden. Ein gefaßter Dieb. Krakau, 7. Febr. Die Polizei verhaftete einen gewissen Konstantinowitsch aus Odessa, welcher einer dortigen Bank 100000 Rubel entwendete und in Krakau zahlreiche falsche Wechsel in Umlauf gesetzt hatte. Ein Zyklon. London, 7. Febr. Aus Newyork wird telegraphiert, daß die Staaten Georgia, Mississippi und Texas von einem Zyklon heimgesucht wurden. Nach den bisherigen Meldungen wurden 22 Personen getötet und viele verletzt. Zahlreiche Häuser wurden zerstört. Genaue Nachrichten über den Umfang des Unheils fehlen noch.— Der Schneesturm, welcher kürzlich Kansas, Nebraska, Jowa und Oklahoma verheerte, kostet den Versicherungsgesellschaften 12 Millionen Mark. Wien, 7. Febr. Die Hochwassermeldungen aus den Provinzen lauten fortdauernd trostlos. Namentlich in Böhmen, Mähren und in den Sudeten sind teilweise viele Ortschaften überschwemmt, teilweise von jedem Verkehr abgesperrt. In Prag ist die Piotenbrücke dem Einsturz nahe, sie mußte vom Verkehr abgesperrt werden. In Littau in Mähren wurde ein Bauernwagen, auf dem sich außer dem Kutscher fünf junge Mädchen befanden, von den Fluten erfaßt. Alle sechs Personen ertranken. Dresden, 7. Febr. Gestern abend 8 Uhr begann die Elbe rapide zu steigen. Hunderte von Arbeitern waren beschäftigt, um den Brückenneubau zu schützen. Gegen 9 Uhr traf das böhmische Eis ein. Die Schollen hatten eine Stärke von einem Meter, so daß alle Schutzmaßregeln nichts nutzten, um die Stelle zwischen einzelnen Bögen der Interimsbrücke zu schützen. Sie brachen zusammen und schwammen weg Die großen Valken, die man aufgestapelt und mit eisernen Trägern beschwert hatte, wurden von den Schollen sofort weggespült. Für etwa 10000 Mark zugerichtete Balken gingen verloren. Gegen ½11 Uhr staute sich das Eis an der Interimsbrücke, die starken eingerammten Pfähle der Brücke hielten nur zum Teil stand, etwa zehn wurden weggebrochen und weggeschwemmt. Der Strom steigt noch fortwährend. Dresden, 7. Febr. Die Elbe ist in stetem Steigen begriffen. Unaufhörlich verkünden Kanonenschüsse die große Gefahr. Der König besichtigte gestern abend die Verwüstungen. Tausende von Menschen umsäumen die Ufer Die abgesperrte Hilfsbrücke am Neubau der Augustusbrücke scheint verloren. kamp, Waldeckstr. 5; Dachdecker Fritz Stichno Arbeiter Adolf Klaus, Detmolderstr. 159; Eisendreher Herm. Wendischhoff, Mellerstr. 18; Dachdecker Heinrich Kappe, Stadtbeiderstr. 74; Schuhmacher Karl Hüsemann, Siegfriedstr. 53; Postschaffner Wilh. Wittenberg, Jöllenbeckerstr. 97; Bankier Philipp Steinberg, Wilhelmstr. 13; Schneidermeister Heinrich Pieper, Welle 51; Arbeiter Heinr. Grüttemeier, Detmolderstraße 122; Schlosser Aug. König, Siegfriedstr. 31; Buchbindermeister August Weiße, Güsenstr. 9; Eisenbahnbauassisten: Herm. Schmidt, Meindersstr. 7; Tischler Gust. Wehmeyer, Schilderscherstraße 95. Töchter: Arbeiter Franz Nord, Teutoburgerstr. 16; Telegraphensekretär Paul Tenzer, Märkischestr. 20; Maurer Otto Schulze, Mellerstr. 44; Postschaffner Heinr. Riesmeier, Jöllenbeckerstraße 8; Architekt Edmund Clar, Dorotheenstr. 10; Gemüsehändler Johannes Stöwer, Nordfeld 16; Maler Theodorus Ramaekers, Dammstr. 1; Schlosser Joseph Bredemeyer, Bleichstraße 153a; Arbeiter Paul Fitze, Detmolderstr. 175; Schlosser Herm. Kuhlmann, Ed. Windthorststr. 17; Maurer Fr. Müther, Wittekindstr. 4a; Schneidermeister August Handelmann, Hallerweg 83; Schuhmacher August Niekamp, Herforderstr. 109; Oberpostassistent Julius Heinrich, Ellerstr. 25; Arbeiter Heinrich landstr. 48. Sterbefälle: Verw. Kolon Weitkamp, Luise geb. Hattenhorst, 71 J.; verw. Klempnermeister Haacke, Luise geb. Schroeder, 73 I.: Gewerbeschuldirektor a. D. Hermann Frost, 44 J.: Ehefrau Arbeiter Krüger, Luise geb. Kohsiek, 57 J.; Helene Huwendiek, 7 I.; Malermeister Gustav Dreinhöfer, 74 I.; Alfred Strunge, 27 Tage; Irmgard Kulbrock, 4 Mon.: Ehefrau UnfallSoldatenmißhandlungen. Vor dem Kriegsgericht in Koblenz standen die Unteroffizierer Mangold und Guratsch vom Trainbataillon Nr. 8. Sie hatten einen Rekruten, der etwas 30 J.; Metallfraiser Gustav Delker, 26 J.; Paul Rohde, 8 Mon.; schwerfällig und infolge von Krankheit in der Ausbildung etwas Hanna Holtfreier, 2 I.: Lehrerin a. D. Auguste Brockmann, zurückgeblieben war, nachts, als alles schlief, in feiger Weise im 69 J.; Briefträger a. D. Heinrich Kötter, 75 J.; Prokurist Karl len und ihn deerch klindlings guf den authläßten Scheffer, 48 Jahre. Aufgebote: Hausdiener Karl Kirchhoff, Bleichstr. 111, und Auguste Husemann, daselbst: Weichensteller 1. Klasse WilBette überfallen und ion durch virnolings auf den entblößten Körper geführte Stockhiebe schwer mißhandelt. So geheimnisvoll, wie sie gekommen waren, verschwanden sie wieder. Der 1 und verw. Arbeiter Blöchl, Anna geb. Reddig, Güterbohnhof 1: Kutscher Karl Schülting, Kaiserstr. 120, und Paula Claas, Lippstadt; Kaufmann Johannes Tadey, Kiel, und Eha Bossel, Lutterstraße 51. Eheschließungen: Handlungsgehilfe Bernhard Beckendorf und Hedwig Rothe Werkmeister Ludwig Ellermann und Luise Petrowsky(gen Schneider), Kutscher Karl Berger und Johanne Repohl. Metallschleifer Wilhelm Sandkühler und Helene Kiso, Bergmann Theodor Schlömer und Mimi Johanne Steinkrüger. Delorateur Hermann Wienstrath und Elise Holle, Maurer Robert Kornfeld und Friederike Stiephorst, Buchdrucker Otto Strate und Annette Cronshage, Maler Karl Olderdisse und Paula Voß, Damastweber Wilhelm Sievert und Pauline Fenske, Bautechniker Heinrich Franke und Marie Baumhöfener, Lagerist Matthias Umschlag und Charlotte Reinköster, Bautechniler Richard Strebach und Ida Brinkmann, Kaufmann Wilhelm Walkenhorst und Friederike Schnath. Amt Herford. In der Zeit vom 25. bis 30. Januar 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Sohn: Bahnarbeiter Heinrich Haubrock, Schweicheln. Töchter: Arbeiter August Bäumer, Eickum; Oberschweizer Theodor Fügenschuh, Oberbehme; Landwirt Gustav Rauschenbusch, Diebrock; Kolon Wilhelm Lange, Falkendiek. Eheschließung. Arbeiter Friedrich Wilhelm Heitlinde. mann, Herford, und Anna Auguste Riepe, Eickum. Sterbefall. Hermann Heinrich August Siekmann, ein Monat alt, Elverdissen. Vereins-Kalender. Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“. Arbeiter=Säuger=Bund Westsalen, Arbeiter=Turner=Bund. Montag. Diskutierklub 8 Uhr im Restaurant„Stadt Bielefeld". Männer=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Viertmann, Bürgerweg. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Gütersloh. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr. Ainlematsgraptien-Pheutel Zür alten-Post. Eine Augenweide bieten die Bilder des neuen Programms, aber auch für einen besonderen Ohrenschmaus ist gesorgt durch Engagement des Niederbayrischen Musik-Einsembles bestehend aus Herrn Kermer und Kindern, die hier nur kurze Zeit konzertieren. Natur-Aufnahme! „ deusseret spannend! Ein Stiergesecht in Nimes. Zeigt alle Phasen des auch in Südfrinkreich beliebt gewordenen Sierkampfes. Di se aufregenden Kampfspiele, die dort die ganze Bevölkerung lebhaft interessieren, zeitigen sehr aufregende Szenen, die in deutlichster Weise wiedergegeben und ganz geeignet sind, in ihrer Realistit Teilnahme und auch Giauen zu erregen. Der Regimentsbarbier. Ein solches Schuell=Rasieren spottet jeder Konkurrenz! Linger Longer-lo. Toubild, Repertoirn amnmer des Wintergartens zu Berlin. Olider Cromwell. Die Empörung Cromwells gegen den unglücklichen König Karl I. von England darstellend. Trotzdem sich Cromwells Tochter in aufopferndster Treue für den König verwendet, erfolgt doch dessen Gefangennahme und schließlich seine vom Volk geforderte Hin ichtung. Ein gefälliger Freund. In lustigster Weise wird hier der Nutzen der Hypnose bewiesen. Der elektrische Schutzmann. Wilde Kapriolen führt hier ein Polizist aus, der sich zur Verfolgung von Uebeltätern elektrische Stiefel zulegt. Niederbayrisches Musik-Ensemble H. Kermer und Kinder. Stadttheater. Heute, abends 8 Uhr: —— Erhöhte Preise.—— 1. außerordentl. Gastspiel des Kgl. Hofschauspielers Ang. Junkermann. Onkel Bräsig. Dienstag, den 9. Februar 1909, abends 7½ Uhr: Novität! Zum 5. Male! 0 diese Leutnants Des Schmugglers Tiebchen. Der Verrat eines Schmugglers durch seinen Nebenbuhler und die durch des ersteren Braut bewirkte Befreiung. 791 Rechnungs-Formulare liefert in sauberer Ausführung prompt und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. Für eine Cakes= und Biskuitfabrik Süddeutschlands wird per sofort ein tüchtiger, selbständiger 3 Werkmeister gesucht. Derselbe muß mit der Anfertigung von Cakes= und Mixedteigen, Zwieback und Lebkuchen bestens bewandert sein u. verstehen, in Desseris, Waffeln und Waffelfüllung stets das Neueste zu bringen. Nur Bewerber mit prima Zeugnissen wollen sich melden unter H. V. 373 an Haasenstein& Vogler, A.=G., Saarbrücken. OisoGasglamlhent. Brenner RSSSASSSSSSEE *„Kosmos“-Schriften. O. R. P. 178 502 und 191590. erfinden statt: Montag im Lokale von Flassbeck, Breitestraße, Dienstag in der„Harmonie“, Oberntorwall, Mittwoch im Lokale von Ausemann, Göbenstraße, Donnerstag„„„ Freese, Heeverstraße, Freitag„„„ Kahl, Herforderstraße, Sonnabend„„„ Strothotte, Jöllenbeckerstr. Die Versammlungen beginnen sämtlich abends 6½ Uhr mit der Tagesordnung: Kämpfe und Erfolge durch 25jährige erganisatorische Tätigkeit im Holzgewerbe. Referent: Kollege C. Schreck. Es ist Pflicht jedes Berufskollegen, für starken Besuch dieser Versammlungen zu sorgen. 788 Bekanntmachung. Militärreklamation. Die Aufnahme bezw. Erneuerung der Gesuche um Zurückstellung oder Befreiung vom Militärdienst findet am 10., 11., 12., 13., 15., 16., 17. und 18. Februar d. I., vormittags von 9½2 bis 12 Uhr, im Rathaus!(Elisabethstraße), Zimmer Nr. 5 statt. Die Antragsteller haben die Steuerzettel und sonstige Schriftstücke, B. Schuldokumente, Zinequittungen, Lehrverträge usw., vorzulegen müssen dieselben im stande sein, die Geburtsdaten sämtlicher Familienmitglieder anzugeben und die in Betracht kommenden Fragen über die Vermögens= und Familienverhältnisse genau zu beantworten. Reklamationen, welche erst nach dem Musterungsgeschäft eingebracht werden, können gemäß§ 63 der Deutschen Wehrordnung, auch wenn sie an sich begründet sind, nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Veranlassung zu denselben erst nach der Musterung entstanden ist. Herford, den 4. Februar 1909. Magistrat. Busse. wert, auch Wer die„Vollswacht unterstütht, von den Sse. rinnen und Lesern der„Volkswacht“ unterstützt zu werden. Bester Brenner der Gegenwart! Garanerte Gaserparnis 33-50 p0t. O. R. P. 120 312 und 138101. Unerreicht an Haltbarkeit und Leuchtkraft, unter ständiger Kontrolle des hiesigen Gaswerks. 792 Durch alle besseren InstallationsGeschäfte zu beziehen oder direkt von dem General-Vertreter cuft Feiner, Friedrichstr. 25.— Telephon 1293. Kleine Anzeigen=Eile. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in doc Worte mit mehr als 15 Buchstaden der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Handtuchhalter, imitiert und echt, 2.00, 3.00, 4.00 5.00, 6.00 Mk. bei F. Mertens. 233 Waschtische 12.00, 15.00, 20.00, 25.00 Mk. bei 3. Mertens. 235 Waschkommoden 20.00, 25.00, 30.00 Mark bei F. Mertens. 236 Betten werden beim Einkauf neuer Inletts gratis entstäubt und ungefüllt.„F. 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Teichmann: Vom Leben und vom Tode. Die Vererbung als erhaltende Macht. Fortpflanzung und Zeugung. Dr. Th. Zell: Streifzüge durch die Vierwekt. Straußenpolitik. Neue Vierfabeln. Vierfaßeln und andere Frrtümer in der Vierkunde. Preis pro Band Mr. 1.—(Porto nach auswärts 10 Pl.) Vorstehende sehr empfehlenswerte Schriften sind zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht", Bielefeld. R88 Seefische billiger! Grüne H ringe, fetter Cavliau ohne Kopf Pfd. 15 Pfg., blutfrisch. C. Reinke, Rotpfortenstraße 11. 12937 Deutscher Melallarbeiter-Verband. Verwaltung Wieleseld. Messina= Apfelsinen und=Zitronen Wagenladung. Probeftüchte zu Kistenpreisen. bille. Donnerstag nacht starb nach kurzem, treues Mitglied, der Metallarbeiter schweren Leiden unser 759 2 Zigarrenmacher, tüchtige und zuverlässige, stellt sofort ein Heinrich Bergmann, Brackwede. 795“ Gustau Delker im Alter von 26 Jahren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren! Die Ortsverwaltung.