Adonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. UerToto Se Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag veBuchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Wieleseld Nr. 25. Bielefeld, Sonnabend, 30. Januar 1909. 20. Jahrg. Die heutige Rummer umfaßt 12 Seiten einschließlich der Unterhaltungsbeilage„Nach Feierabend“. Die Handelskammer in Minden gegen die Tabaksteuer. Eine umfangreiche Denkschrift gegen den Entwurf eines Tabakverbrauchssteuergesetzes hat die Handelskammer zu Minden an den Reichstag gerichtet. Die schrecklichen Folgen, die die Annahme der geplanten weiteren Erhöhung der Besteuerung der Zigarrenfabrikation namentlich für untern Verbreitungsbezirk nach sich ziehen würde, veranlassen uns zu einer ausführlichen Wiedergabe der Denkschrift. Sie lautet: „Die Begrundung zu dem Entwurfe eines Tabakverbrauchssteuergesetzes führt aus, daß„angesichts der erheblichen Summen, die durch die Schaffung neuer Einnahmequellen aufgebracht werden müssen, um das Reich instand zu setzen, den an seine finanzielle Leistungsfähigkeit gestellten Anforderungen zu genügen, die verbündeten Regierungen es nicht zu umgehen zu dürfen glauben, auf den schon so oft vergeblich gemachten Vorschlag einer Erhöhung der Tabakabgaben zurückzukommen.“ Zu dem Zwecke ist dem Hohen Reichstage der Entwurf eines Tabakverbrauchssteuergesetzes vorgelegt worden, das die Einführung der Banderole für die Tabakfabrikate vorsieht und ein Mehrerträgnis von 81,9 Millionen Mark erbringen soll. Nach den statistischen Ausführungen der Gesetzesvorlage würde zur Erzielung dieses Erträgnisses der Verbrauch eine Mehrbelastung des Rauchgenusses um 133 Millionen Mark jährlich aufzubringen haben. Wir glauben nicht, daß die Kaufkraft der Verbraucher so stark ist, daß sie diese große Mehrbelastung ohne Einschränkung auf sich nehmen kann, zumal da ihr durch die Mehrbesteuerung von Getränken bereits große Opfer zugemutet werden. Die Zollerhöhung von 1879 hat durch den Rückgang des Verbrauches der Tabakindustrie, ganz besonders auch in unserm Minden=Ravensberger Lande schweren Schaden zugefügt, unter dem Fabrikanten und Arbeiter lange Jahrehindurch haben bitter leiden müssen. Eine neue Mehrbelastung des Tabaks würde jetzt die Zigarrenindustrie in verschärster Form treffen, da sie zugleich den in starker Zunahme begriffenen Uebergang zu dem Zigarettenverbrauch noch mehr begünstigen würde...6.58 ist nichts Die Frage der Mehrbesteuerung des Tavars ist nicht damit als abgetan zu betrachten, daß man sie als eine Steuer hinstellt, die ja nur von einem entbehrlichen Genußmittel erhoben wird und die von den Fabrikanten auf den Konsumenten abgewälzt werden kann. Für unsere nationale Volkswirtschaft, aus der die Finanzpolitik sich nicht als etwas für sich Besonderes loslösen kann, ist die Frage der Mehrbesteuerung des Tabaks in erster Linie und hauptsächlich eine Produktionsfrage, an der 20 000 Unternehmer und 200 000 Arbeiter beteiligt sind. Sie ist eine soziale Frage für diese weiten Kreise, zu denen noch die in den Hilfsgewerben der Tabakindustrie tätigen Personen, über 15000. sowie die zahlreichen Händler und Agenten hinzukommen. Den Hohen Reichstag bitten wir, diesen Gesichtspunkt bei der Beratung der Vorlage in den Vordergrund zu stellen, daß nationalwirtschaftliche und soziale Erwägungen die größte Rücksichtnahme auf das Tabakgewerbe erheischen und daß die Bewilligung jeder Mehrbelastung unter Verletzung dieser Grundsätze schwerwiegende, unheilvolle Wirkungen für die Tabakindustrie nach sich ziehen wird.... Bei den Beratungen des Jahres 1906 hat der Hohe Reichstag unsern Vorstellungen Gehör geschenkt und die damalige Mehrbelastung des Tabaks einstimmig abgelehnt. Wir vertrauen dem sozialen Empfinden des Reichstags, wenn wir unter erneuter Darlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse unserer westfälischen Tabakindustrie hoffen, daß der Hohe Reichstag auch diesmal sich nicht dem Gewicht unserer Gründe verschließen wird. Die westfälische Tabakindustrie ist besonders über die Kreise Herford, Lübbecke und Minden verzweigt, an die sich die benachbarten Kreise Halle, Bielefeld, Wiedenbrück, Höxter, Rinreln Melle, Wittlage, Osnabrück, sowie die Fürstentümer Lippe, Schaumburg=Lippe und Waldeck anschließen. Ein genaues Bild geben die Angaben der Landratsämter über die bei den Krankenkassen Ende 1905 angemeldeten Tabakindustrie=Arbeiter. Zusammen 24896 Tabakindustrie=Arbeiter. Dazu kommen noch die Kreise Höxter und Osnabrück, sowie die genannten drei Fürstentümer, von denen Lippe etwa 1000 und Schaumburg=Lippe 208 Tabakindustrie=Arbeiter aufweist, mit insgesamt über 2500,— so daß demnach 1905 in der westfälischen Tabakindustrie mit ihren Hilfsgewerben über 27.000 ansässige Arbeiter beschäftigt waren, welche Zahl inzwischen noch gestiegen sein wird..„„„5 8 Unsere Tabakindustrie ist über Stadt und Land dieses Bezirks weit verbreitet. In den drei Kreisen Minden, Lübbecke und Herford sind es über 150 Gemeinden, in denen Zigarrenfabrikation betrieben wird. Was man anderswo in künstlicher Weise zu erreichen sucht, die industriellen Arbeiter aus den übervölkerten Städten auf das flache Land zu verpflanzen, ihnen die Möglichkeit der Erwerbung eines eigenes Heimes und eines Stückchens Ackerlandes zu verschaffen, sie in den Mußestunden dem Garten= und Landbau zuzuwenden und sie einem gesunden Familienleben zu erhalten,— alles dieses hat sich in unserer Gegend auf natürliche Weise als eine Folge der Ausbreitung der Tahakindustrie entwickelt. In den Kreisen Minden, Lübbecke und Herford befinden sich über 5000 Häuser im Eigentum von Tabakarbeitern. Amtliche, der Denkschrift angefügte Pläne beweisen, wie die Entwicklung der ländlichen Gemeinden von den Hausbauten der Tabakarbeiter günstig beeinflußt wird. So sind allein im Amt Gohfeld-Mennighüffen des Kreises Herford von insgesamt 3727 Häusern 87 Zigarrenfabriken, 414 sonstige Häuser, in denen Tabakfabrikation betrieben wird, und 1088 Häuser im Eigentum von Zigarrenarbeitern, zusammen 1589.(In den Gemeinden Mennig= hüffen sind z. B. von 737 vorhandenen Häusern 445 Eigentum von Tabakarbeitern oder Fabrikanten bezw. wird Zigarrenfabrikation darin getrieben, in Obernbeck sind es 309 von 432, in Kirchlengern 209 von 346, in Eilshausen 159 von 251, in Hiddenhausen 66 von 133, in Bustedt 19 von 45 usw.) Mit diesem Eigenbesitz ist durchweg Gemüsebau und oft auch landwirtschaftlicher Kleinbetrieb verbunden. Wie eng die kommunalen wirtschaftlichen Interessen mit unserer Tabakindustrie verbunden sind, geht auch aus der an den Reichstag gerichteten Eingabe der Stadt Bünde hervor.(Folgt in nächster Ncummer.)„ Herhaift lich auf äberans sablreiche MatrichDie Arbeiterzahl verteilt sich auf überaus zahlreiche Betriebe kleineren und mittleren Umfanges, so daß unsere Zigarrenfabrikation mit Recht eine Mittelstandsindustrie genannt werden kann. Tüchtigen und strebsamen, dabei genügsamen Personen ist es bisher möglich gewesen, mit geringem Kapital in dieser Industrie selbständig zu werden und sich auch gegenüber größeren Betrieben erfolgreich zu behaupten. Denn in der Zigarrenfabrikation kommen keine gewaltigen Maschinenkräfte zur Anwendung, sondern es herrscht hier noch völlig die Handarbeit, und es ist auch bei der Eigenart dieses Arbeitszweiges nicht zu befürchten, daß sie jemals durch Maschinen verdrängt wird. Verarbeitet wird nur überseeischer Tabak. Deutscher Tabak findet in den wenigen Rauch=, Kau= und Schnupftabaksabrikationsbetrieben Verwendung. An Lohn wird jährlich in der westfälischen Tabakindustrie über 16 Millionen Mark ausgezahlt. Das ist allein an Lohn ebensoviel, als der gesamte Brutto=Gelderlös einer Jahresernte von deutschem Tabak überhaupt beträgt, der sich 1907 auf 16,7 Millionen Mark ausschließlich der Tabaksteuer belief. Auf das Bestehen und Gedeihen der Tabakindustrie sind mehr oder weniger beinahe alle Ortschaften der Kreise Minden, Lübbecke und Herford hinsichtlich ihres Gemeindesteuerwesens angewiesen. Betragen doch die Gemeindesteuern der Tabakfabrikanten und der Tabakarbeiter in diesen Gemeinden bis über 60 Prozent des gesamten Gemeindesteuersolls.(In einer Anlage wird von 31 Gemeinden bezw. Aemtern nachgewiesen, daß die von Tabakfabrikanten und Tabakarbeitern aufgebrachten Steuern in acht Gemeinden 63,5—50 Prozent, in 11 Gemeinden 49—31,40 Prozent und in 12 Gemeinden 30 bis 11 Prozent betragen. die Steuerkraft der Tabakfabrikanten und=Arbeiter angewiesenen ländlichen Gemeinden würden unter unerschwinglichem Steuerdruck verfallen. Eine große Entwertung der Pacht= und Bauländereien, eine Entwertung der zahlreichen Arbeitereigenhäuser würde stattfinden, wobei auch die Spar= und Darlehnskassen in Mitleidenschaft gezogen würden. Sind doch allein in dem einen Kreise Herford im Jahre 1905 nach amtlicher Aufstellung von den Sparkassen an 143 Tabakfabrikanten 1606002 Mark und an 1150 Tabakarbeiter 2494339 Mark auf deren Hausbesitz dargeliehen...... Will man unsere jetzigen durchaus gesunden und in ihrer glücklichen Vereinigung von Industrie und Landwirtschaft volkswirtschaftlich geradezu vorbildlichen Verhältnisse erhalten und sie nicht von Grund aus zerstören, so begnüge man sich mit den 80 Millionen Mark, welche man jetzt schon aus dem Tabak, abgesehen von der Zigarettensteuer, für Reichszwecke zieht.— Man halte sich immer vor Augen, daß bei allem guten Willen, nur den Verbrauch zu treffen, man in Wirklichkeit immer die Produktion treffen wird, und zwar in vernichtender Weise! Bei allen wirtschaftlichen Fragen ist immer von den Vertretern der verbündeten Regierungen darauf hingewiesen worden, daß die Produktion begünstigt werden müsse. Mit noch größerem Recht dürfen wir daher wohl für uns nicht eine Begünstigung, sondern nur die Unterlassung einer vernichtenden Schädigung fordern, die mit jedweder weiteren Belastung unserer Tabakindustrie durch Zollerhöhung auf Rohtabak verbunden sein würde. Gern bereit, dem Reiche zu geben, was sein Bestand und seine Befestigung erfordert, an Abgaben, die in gerechter Weise nach Maßgabe der Leistungskraft verteilt werden mögen, müssen wir Einspruch gegen die unserer Tabakindustrie zugedachte einseitige neue Belastung erheben. Den Hohen Reichstag vitten wir, aus den dargelegten nationalwirtschaftlichem und sozialpolitischen Gründen von einer starkeren Besteuerung des Tabaks abzusehen. Handelskammer zu Minden.“ findet. Das Bild, das unsere westfälische Tabakindustrie bietet, ist also in wirtschaftlicher, wie sozialpolitischer Hinsicht überaus erfreulich und dürfte deshalb wohl die Berücksichtigung der Staatsregierung verdienen......, 446.r Suue und Die westfälische Zigarrenindustrie verdankt iyren Ruf und ihre Bedeutung dem Umstande, daß sie stets bestrebt war, aus rein überseeischen Tabaken preiswürdige und wohlschmeckende Zigarren herzustellen, die von den Rauchern anderen, nicht aus rein überseeischen Tabaken hergestellten Fabrikaten vorgezogen werden. Bis zu der Zollerhöhung auf Rohtabak durch das Gesetz vom 16. Juli 1879 war es unter Beichränkung des Nutzens auf das bescheidenste Maß möglich, solche Zigarren zu einem Preise zu liefern der den Uebergang in den Konsum zu 3 und 4 Pfg. das Stück gestattete. Die Erhölung des Eingangszolls für Rohtabak von 24 auf 85 Mk. für den Toppelzentner machte dies unmöglich. Für die genannten Preislagen mußte der billigere deutsche Tabak verwendet werden und die naturgemäße Folge der Zollerhöhung war eine Verschiebung der Tabakindustrie von Norddeutschland, besonders unserer Gegend, nach Süddeutschland. Dort wächst der heimische Tabak, der Fabrikant hat auf seine Pflanzung und Kultur Einfluß, ist mit den Talikbauern in stetiger Fühlung, vermag die Preisbewertung der Tabakpflanzen richtig zu beurteilen, kann die geernteten Blatter an Ort und Stelle behandeln(fermentieren) und spart Frachten und Nebentosten. Dazu sind die Arbeitslöhne in der süddeutschen Tabakindustrie wesentlich billiger, als in hiesiger Gegend. Unsere Fabrikanten konnten den Versuch, auch deutschen Tabak mit zu verwenden, nicht durchführen, da ihnen der süddeutsche Wettbewerb hierin überlegen war. Sie mußten deshalb auf die Fabrikation der drei und vier Pfennigzigarre verzichten und sich ausschließlich den höheren Preislagen zuwenden. Einige Firmen unseres Bezirks aber sahen sich in Rücksicht auf die Erhaltung ihrer Kundschaft genötigt, in Süddeutschland Zweigfabriken zu errichten. Wie schädigend diese Zolleryoyung auf unsere Tabakindustrie eingewirkt hat, erhellt daraus, daß im Handelskammerbezirk Minden in den zehn Jahren 1870 bis 1879 durchschnittlich 2968956 Kilogramm Rohtabak jährlich verzollt worden sind, dagegen in dem Jahrzehnt von 1880 bis 1889 nur 2351 273 Kilogramm. Trotz der von Jahr zu Jahr regelmäßig steigenden Bevölkerungsziffer, welche eine entsprechende Konsumzunahme hätte mit sich bringen müssen, trat also damals ein sehr bedeutender Rückgang ein. Die allmähliche Ueberwindung dieser Schädigung geschah durch den Uebergang zahlreicher Raucher vom Verbrauch des Pseifentabats zur Zigarre, sodann durch die Einwanderung vieler Premer und Hamburger Tabakfabrikanten in unsere Gegend, wo sie für ihr höherwertiges Fabrikat gutgeschulte Arbeiter vorfanden,— Aufkommen neuer Zigarrenfassons, zu deren Herstellung mehr Zeit und daher mehr Arbeiter erforderlich sind. Da die westfälische Tabakindustrie von jeher nicht auf eine Massenherstellung, wie in Süddeutschland üblich, sich verlegt, sondern mehr auf Qualität geachtet hat, ist es ihr bis jetzt möglich gewesen, der süddeutschen Konkurrenz in den höheren Preislagen gewachsen zu sein. Doch wird sie schon j zt auf dem Absatzgebiete der 5 und 6 Pfennigspreislage von ihr sehr hart bedrängt. Die Folgen dieser Mehrbelastung des Tabaks würden für unsere westfälische Zigarrenindustrie überaus schwerwiegend und nachhaltig sein. Die Fabrikanten, die Arbeiter, die Gemeinden würden in gleicher Weise getroffen werden. Viele kleinere und mittlere Fabrikationsbetriebe, die nur die billigeren Preislagen herstellen und dementsprechende Kundschaft haben, werden diese ganz verlieren und deshalb zum völligen Erliegen kommen. Viele tausende ansässige Arbeiter würden brotlos werden, ohne Aussicht, in anderen Gewerben Unterkunft zu finden, da sie für schwere Berufe zum Teil nicht tanglich sind. Die traurigen früheren Zeiten würden sich in unserm Bezirk erneuern, wo eine große Auswanderung das Land entvöllerte. Die vielen, auf Politische Uebersicht. Deutsches Freie Eisenbahnfahrt für die preußischen Landtagsabgeord. neten. Wie neuerdings verlautet, soll die preußische Regierung mit einer Aenderung des Diätengesetzes für den preußischen Landtag sich nicht befreunden können. Dagegen sei sie bereit, den Abgeordneten freie Eisenbahnfahrt zwischen Berlin und ihrem ständigen Wohnort zu gewähren. Bisher wurden für die ganze Session nur einmal die Hinreise und einmal die Rückreise bezahlt. Theaterdiktatur an Kaisersgeburtstag. Der Bezirkspräsident Ober=Elsaß hat die Aufführung des sogenannten dramatischen spiel der Schauspielgesellschaft Burg=München) im Stadttheater von Mülhausen i. E. am Abend des 27. Januar verboten, da sich dieses Stück zur Aufführung an Kaisers Geburtstag„nicht eigne“.(!) Dem Publikum wurde das Geld für die bereits gelösten Eintrittskarten wieder zurückgegeben. Vorher schon hatte das Mülhauser Zentrumsblatt gegen die Aufführung des Stückes Einspruch erhoben. Das Stück, welches neulich in Stuttgart, angeblich aus„sittlichen“ Gründen, ebenfalls verboten wurde, ist in einer Reihe deutscher Städte, zuletzt in Straßburg, unbeanstandet aufgeführt worden,— allerdings nicht an Kaisers Geburtstag. Die sogenannte„sozialdemokratische Indiskretion“ in der Budgetkommission des Reichstages wird von der„Deutschen Tageszeitung“ in ihrer heutigen Abendausgabe vom Nr. 48 vom 29. Januar im Leitartikel behandelt. Selbstverständlich genügen dem agrarischen Blatt weder die Erklärungen der Genossen Noske und Lehmann, noch die Erklärung des Fraktionsvorstandes. Am Schlusse des giftigen Angriffs wegen des„Vertrauensbruches“ heißt es:„.. wan: Licht vom sozigl„Jedenfalls wird sich der Reichstag, wenn nicht von sozialdemokratischer Seite ernsthaftere Bürgschaften gegen die Wiederholung derartiger Vorkommnisse gegeben werden, sehr ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen haben, ob er die sozialdemokratischen Abgeordneten hiernach allgemein noch auf gleichem Fuße mit denen der bürgerlichen Partesen behandeln darf. Die Gefahr, die aus derartigen Indiskretionen entstehen kann, ist zu groß, als daß man gleichgiltig an ihr vorübergehen könnte.“ „Tabei gibt das Blatt wenige Zeilen vorher zu, daß sich die sozialdemokratischen Kommissionsmitglieder bisher noch immer durchaus korrekt benommen haben, wenn für irgend eine Mitteilung die Geheimhaltung beansprucht wurde. Der„Germania“ genügen die abgegebenen Erklärungen der beteiligten Genossen auch noch nicht; sie ergeht sich in Schimpfereien, spricht von kindischen Ausreden und meint, der Fraktionsvorstand habe die beiden Fraktionsmitglieder außerordentlich milde behandelt. Der Forderung nach außergewöhnlichen Maßregeln zum Schutze gegen Indiskretionen stimmt indessen das Blatt nicht zu. Es schreibt:„Wir halten das nicht für nötig, da wir wohl annehmen dürfen, daß der„Fall Noske“ vereinzelt bleiben wird. Andererseits erhebt sich auch die Frage, ob nicht manchmal unnötige Geheimniskrämerei getrieben und Geheimhaltung verlangt werde, wo in Wirklichkeit gar keine Geheimnisse enthüllt werden.“ Konservative und Die„Kreuzzeitung“, welche allerdings keine besonders gute Fühlung mit den tonangebenden Führern der konservativen Partei hat, scheint die Empfindung zu haben, als ob das Anerbieten Richthofens ans Zentrum in demselben Augenblick, wo dieses für eine weitgehende Wahlrechtsreform in Preußen eintritt, ein wenig blamabel für die konservative Partei wäre. Sic versucht es daher mit dem heute so sehr beliebten Mittel einer Interpretation der Rede:„c 1 ein unmieng. Der konservative Redner hat hier nicht auf ein unmogliches politisches Bündnis mit dem heutigen Zentrum angespielt, auch nicht auf den Block im Reichstage, sondern er sprach von den christlichen Fundamenten des Staates, die gegenüber den kulturkämpferischen Bestrebungen geschützt werden müssen; seine Worte galten dem konfessionellen Frieden. Es möchte ja den Liberalen willkommen sein, wenn die Konservätiven als erste dem Block den Rücken kehren würden. Aber wir werden den Liberalen hierbei den Vortritt nicht streitig machen. Darauf antwortet die„Kölnische Volkszeitung": Dadurch täuscht man uns nicht. Glaubt man, wir wüßten st mehr, was die„Ausschaltung" des Zentrums bewirkt hat? Wir dächten nicht mehr an die Wühlarbeit des Evangelischen Bundes, an den furor protestanticus, den auch konservative Kandidaten zu verspüren hatten? Und wenn die „Kreuzzeitung“ jetzt so großen Abscheu davor zu erkennen gibt, daß die Konservativen„als erste“ dem Block dem Rücken kehren sollten, so bestätigt sie damit nur, was wir immer gesagt haben: daß nämlich jene Bockstimmung, zu welcher der furor protestanticus den Hauptanteil beisteuert, noch keineswegs erloschen ist; sie ist es, die die Konservativen fürchten. Niemand will der erste sein, der den Block verläßt, denn sonst kämen die Alldeutschen und der Evangelische Bund über ihn! Das Zentrum lebt nicht in Illunonen und wird durch einige Redensarten nicht aus dem Gleichgewicht gebracht. Liest sich das nicht wie der Streit zwischen zwei schmollenden Liebesleuten? Gewiß, sie sind noch böse auf einander, sie haben den Weg zur Versöhnung noch nicht gefunden, aber es stehl felsenfest, sie werden ihn finden. Die Begierde nach einander ist gar zu 1.11g. erster Hand, und die jetzigen Besitzer haben dieselben beim ErDiamanten=Monopol. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht eine Allerhöchste Verordnung, welche bestimmt, daß die Förderer von Diamanten in Südwestafrika ihre gesamte Förderung der vom Reichs=Kolonial= ent bezeichneten Behörde oder Person zwecks Vermittlung der Verwertung zu übergeben haben. Die Vermessung erfolgt in der nach dem freien Ermessen der Kolonialverwaltung für die Förderer günstigsten Weise. Der Erlös für die Diamanten wird den Berechtigten ausgeliefert. Für die Verkaufs=Vermittlung ist eine vom Reichskolonialamt festzusetzende Gebühr zu entrichten. Die Menge der zum Verkauf kommenden Diamanien soll, um einen Preissturz zu verhüten, kontingentiert werden.— Die Förderung an sich wird nicht beichränkt, und die gesamten geförderten Steine müssen unter allen Umständen an das Verlaufsamt abgeliefert werden.— Die in Frage kommenden Interessenten haben bereits die Gründung einer Gesellschaft ins Auge gefaßt, die die Rolle des Verkaufsamtes übernehmen soll. Teilhaber der Gesellschaft sind eine Anzahl deutscher Großbanken. Man hofft. die Unkosten durch eine Gebühr von 1,50 Mark pro Karat decken zu können. In Berlin soll ein Diamantenmarkt gegründet werden. Auf diese Weise sollen erreicht werden: 1. die Sicherstellung eines geordneten und soliden Bergbaues in den Diamantenfeldern; 2. Vermeidung eines unnützen Preisdruckes und eine Entwertung der Diamanten; 3. die Beteiligung des Fiskus an dem Ertrag; 4. die Erschließung der im Sperrgebiet noch vorhandenen Diamantfelder durch deutsches Kapital; 5. die Vereinigung sämtlicher Interessenten zum Zwecke gemeinsamer Arbeit; 6. die Verhinderung von Schmuggel und Diebstahl; 7. die Belebung der deutschen Schleiferei. Aus der Stadt und Ua * Bielefeld, 30. Jannar. .— Zur Schankkonzessionssteuer=Ordnung für die Stadt Bielefeld. Von der Bieleselder Wirtevereinigung geht uns folgendes zu: Die am Dienstag, 26. Januar d. J., in Remkes Theatersaa! zah reich versammelt gewesenen Wirte Bielefelds nahmen nach eingehender Besprechung der vom Magistrat den Stadtverordneten zur Annahme vorgelegten Schankkonzessionssteuer einstimmig folgende Resolution an: „Wir erheben gegen die geplante Konzessionssteuer in der den Stadtverordneten vorgelegten Fassung als einer Sonderbesterung unseres ohnedies schon sehr stark belasteten Gewerbes entschieden Protest und werden die Gründe für unsere Stellungnahme in einer Eingabe einem jeden der Herren Stadtverordneten zugehen lassen. .. Gründe: ist ganz entschieden zu bestreiten, daß die Schankkonzessionssteuer im Interesse einer gerechten Besteuerung durchaus wünschenswert ist. Die Steuer ist schon deshalb ungerecht, weil sie eine Sonderbesteuerung eines einzelnen Gewerbes varstellt, noch dazu eines Gewerbes, welches durch besondere Abgaben, wie Betriebsteuer und eine schärfere Heranziehung zur Grund= und Gebäudesteuer— 4 Prozent vom Nutzungswert statt 2 Prozent wie die anderen Besitzer— schon wesentlich höher belastet ist, wie jedes andere. Dazi kommt noch, daß uns durch die in der Reichsfinanzreform=Vorlage vorgesehene Erhöhung der Brausteuer weitere Lasten auferlegt werden: denn die Brauereien werden sich an den meistens von ihnen abhängigen Wirten schadlos halten und den Bierpreis erhöhen, während eine Abwälzung auf das Publikum nicht möglich sein wird. Der erwartete finanzielle Effekt dürfte zudem kaum eintreten, da nach Inkrafttreten der Steuer der Verkauf einer Wirtschaft kaum noch möglich ist, weil durch Umsatzsteuer, Wertzuwachssteuer, Stempelgebühren. Vermittlungsgebühren und die neue Konzessionssteuer die Anzahlung vollständig absorbiert und für den Verkäufer nichts davon übrig bleiben würde. Als Folge davon ist ein Minderertrag an Umsatz= und Wertzuwachssteuern zu gewartigen, was im Interesse der städtischen Finanzen wohl zu verücksichtigen ist. In sozialer Beziehung muß noch darauf hingewiesen werden, daß di. Brauereien, welche manche Wirtschaft erwerben müssen, solche für die Folge nur durch Kastellane führen lassen werden. was ganz und gar nicht wünschenswert erscheint. Wenn in der Begründung der Vorlage weiter gesagt wird, daß di. Steuer dem Konzessionshandel Einhalt tun solle, so bemerlen wir dazu, daß gerade die Wirte entschiedene Gegner des spetulativen Handels mit Konzessionen sind und im übrigen ein solcher Handel doch immer nur dadurch möglich wurde, daß die zuständigen Behörden die betreffenden Konzessionsübertragungen genehmigten. Da schließlich dem Stadtsäckel demnächst, einerseits durch die Wertzuwachssteuer, andererseits durch die im Jahre 1910 in Kraft tretende Neuveranlagung zur Grund- und Gebäudesteuer erhebliche Mehreinnahmen zufließen werden, so erscheint es angebracht, zunächst den Effekt dieser Steuern abzuwarten, ehe man eine neue, einen einzelnen Stand schwer belastende Steuer einführt. Der soeben zur Einsicht ausgelegte Entwurf eines Haushaltsplanes der Stadt Bielefeld für das Jahr 1909 beweist aber zur Evidenz, daß die Einführung einer neuen Steuer durchaus nicht nötig ist. In den Vorjahren ist stets ein Teil der Ueberschüsse in die Einnahmen eingestellt— so 1908 80000 Mk., 1907 182 000 Mark—. Diesmal ist das nicht geschehen, und trotzdem ergeben sich noch 79000 Mk. für die Erhohung der Beamtengehalter, ohne daß die Steuerzuschläge erhöht zu werden brauchen. Statt nun ein ohnehin schon schwer um seine Existenz ringendes Gewerbe noch mit einer neuen Abgabe zu belasten, sollte man gerechterweise 30000 Mk. aus den Vorschüssen der Vorjahre nehmen und der Haushaltsvlan balanciert auch Sollte trotz dieser unserer prinzipiellen Bedenken, die gewiß die allerernsteste Würdigung verdienen, die Konzessionssteuer die Genehmigung der Stadtverordneten finden so haben wir der vorliegenden Fassung folgende Ausstellungen zu machen, deren Berechtigung jeder gewiß zug den muß. Es ist nicht recht ersichtlich, weshalb in der Vorlage Gastwirtschaften und Schankwirtschaften auseinandergehalten werden und erstere niedriger besteuert werden sollen, da diese fast alle den Bier= und Schnapsverkauf über die Straße beireien. Der wundeste Punkt der ganzen Vorlage ist der§ 2 Ab 9 Die hier vorgesehenen Sätze von 20 Proz. bezw. 10 Proz. des Konzessionswertes als Steuer erscheinen viel zu hoch gegenuter werben der Wirtschaften bereits teuer bezahlt. In vielen Fällen würde die Steuer für alte Konzessionen höher werden als die für neuerteilte. Zudem würde bei einem Verkaufe zweiselsohne der Käufer die Steuer von dem Preis, den er für die Konzession zahlt, abziehen und dadurch die Steuer auf den Verkäufer abwälzen. Dieser, der seinerzeit den vollen Wert der Konzession bezahlen mußte, bekommt dann nach Abzug der 20 Proz. Steuer nur 80 Prozent der von ihm gezahlten Summe zurück. Das ist doch eine große Ungerechtigkeit. Dazu kommt, daß die meisten Wirtschaften stark mit Hypotheken belastet sind. Bei einem Verkauf würde, wie schon oben angeführt, die Anzahlung durch die Abgaben als Umsatzsteuer, Stempelsteuer, Wertzuwachssteuer, Vermittlungsgebuhr und Konzessionssteuer, welche letztere leicht 6000 bis 10000 Mt ausmachen würde, vollständig verschlungen, so daß für den Verkäufer, der vielfach wegen Krankheit oder aus anderen Gründen verkaufen muß, kein bares Geld übrig bliebe und es ihm nicht möglich wäre, sich eine neue Existenz zu gründen. möglich wäre, sich eine neue##rug zu gennben, Durchaus nicht vereinzelt kommt es auch vor, daß der Käufer sich zur Führung einer Wirtschaft nicht eignet, was nicht immer vorauszusehen ist. Der Vorbesitzer ist dann gezwungen, die Wirtschaft wieder zu kaufen, um seine an letzter Stelle stehende Hypothek zu retten. Zu den vieren Verlusten, die ihm in einem olchen Falle entstehen solle 191—.- Faue entflehen, fu er va noch eine hohe Steuer zahlen für eine Konzession, die er früher bereits besessen hat. Auch ist es nichts Seltenes, daß ein Pächter sich nicht eignet und der Besitzer die Wirtschaft wieder übernehmen muß. Ist es nicht auch in diesem Falle wie in dem vorher angezogenen ein himmelschreiendes Unrecht, von dem Besitzer zu den vielen Unannehmlichkeiten, die er so wie so schon hat, noch eine Steuer für eine bereits in seinem Besitz befindlich gewesene Konzession zu erheben? Die Qualität eines Pächters richtet sich nicht immer und nicht nur nach seinen Geldmitteln, sondern auch nach seinen persönlichen Eigenschaften. Wird nun die Steuer in der vorgeschlagenen Fassung eingeführt, so wird die Folge sein, daß mancher Besitzer gezwungenermaßen einen ungeeigneten Pächter behält, um eine oftere Zahlung der Konzessionssteuer zu vermeiden. Alle diese Fälle weisen mit zwingender Notwendigkeit barauf hin, daß dieser Paragraph geändert und die Steuersätze wesentlich gemildert nerden müssen. Paragraph 5 birgt den Kern zu vielen Scherereien und Unzuträglichkeiten in sich, da die Festsetzung des Mehrwerts äußerst schwierig ist. Die Folge dürfte aber auch sein, daß wegen der damit verbundenen Steuerlasten manche Verbesserung der Wirtschaftsräume für die Zukunft unterbleibt, was im Interesse des Publikums sehr zu bedauern wäre. Bedenken erregt auch der Paragraph 7. Soll in Fällen, in denen kein Sohn vorhanden ist, oder die Söhne sich für das Ansichten der Detaillisten im Handelskammerbezirk über den Wert der Rabattsparvereinigungen erheblich auseinandergehen, ist die Kammer nicht in der Lage, zu dieser Frage eine entscheidende Stellung einzunehmen. Der Detaillistenverein der Textilbranche für Bielefeld hat die Kammer ersucht, in einem abzugebenden Gutachten gegen die Gewährung von Sonderrabatten an Beamtenvereine Stellung zu nehmen. In Erledigung dieses Antrages äußert sich die Kammer zu der beregten Angelegenheit folgendermaßen: Die Gewährung von Sonderrabatten an Beamtenvereine seitens der Detailhändler ist im Interesse des Detailhandels zu verwerfen, weil durch diese Sonderrabatte die Konkurrenz der Beamtenvereine, unter welcher der Detailhandel schon an und für sich sczwer zu leiden hat, noch verstärkt wird. hon an und für sich schwer zu leiden hat, noch verstärkt wird. Aus diesem Grunde verstoßt auch die Gewährung von Sonderrabatten an Beamtenvereine gegen die Grundsatze kaufmänniWirtsgewerbe nicht eignen, bei dem Schwiegersohn keine Befreiung von der Steuer Platz greifen? Dieselbe Frage ist zu erheben bei Stiefkindern. Diese kurzen Hinweise werden genügen, um eine andere Fassung auch dieses Paragraphen unbedingt notwendig erscheinen zu lassen. Bezüglich der Schätzung des Wertes der Konzession für Zwecke der Konzessionssteuer müssen bestimmte Normen, vielin Form einer Staffelung geschaffen werden. Als unerläßlich aber betrachten wir bei der Schatzung die Hinzuziehung von Wirten als Sachverständige. " Zum Schluß erheben wir auch hier wieder dringend die Forderung, bei Neukonzessionierungen und Uebertragung bereits bestehender Konzessionen Angehörige des Wirtestandes als Sachverständige zu horen, wie dies bereits in anderen Städten, z. B. in Hannover, mit gutem Erfolg geschieht. Der Erfüllung dieser die ihm unterstellten Behorden einwirken wolle. Wir bitten ergebenst, diese unsere Einwendungen einer wohlwollenden und eingeyenden Prüfung zu unterziehen und erhoffen ein günstiges Resultat derselben. — Der Haushaltsplan der Stadt Bielefeld für das Jahr 1909/10 schließt in Ausgaben und Einnahmen mit 3912703 Mt ab. Von den Einnahmen werden 2859 523,64 Ml. durch Steuer: nd Gobührer ausgebrocht also der bei weitem größte T## „ camtenvereine gegen die Grundsatze kaufmännischer Loyanital, deren Beachtung ein Berufsgenosse dem anderen schuldig sein sollte. "— Friedhofskunst. In Frogen des Geschmackes, in künstterischen Dingen bemüht sich unsere Stadt zum Teil mit Erfolg, nicht hinter anderen Städten zurückzubleiben. Auf dem Gebiet der Friedhofskunst kann man das beim besten Willen nicht behaupten; da sind uns was die Anlage der Iriedhöfe, was Grabanlage und Grabschmuck anbelangt, andere Städte weit voraus. Berühmt geworden ist seit langem der Parkfriedhof in Hamburg=Ohlendorf, auf dem Einzelgräber und Gräberfelder weich und unauffällig in Grün und Baummassen eingebettet sind. Im Süden hat München die Führung übernommen, seine neueren Stadtfriedhöfe sind vorbildlich und dem Stadtbaurat Grässel, der sie anlegte, verdankt München einen neuen Anziehungspunkt, den Waldfriedhof, auf dem häßliche Grabmale nicht geduldet werden und der in seiner Anlagt schon voller Poesie ist. Wiesbaden zeichnet sich durch wirkliche Verbesserungen auf dem Gebiet der Grabsteine und Grabdenkmäler aus und der Vorsitzende der„Wiesbadener Gesellschaft für bildende Kunst“, Dr. von Grotmann, steht in Deutschland an der Spitze aller planmäßigen Reformarbeit zur Hebung der Friedhofskunst. Seiner Anregung war auch die vorjährige Ausstellung für Friedhofskunst, die das Berliner Kunstgewerbemuseum in seinem Garten veranstaltete und die sich daran anschließende Gründung der„Werkste ten für Friedhofskunst" zu verdanken. Weihevoll und schön waren die künstlichen Friedhofsanlagen der großen Ausstellungen Dresden 1906 und Munchen 1908; auch in Darmstadt sah man im verflossenen Sommer eine Reihe von stimmungsvollen Grabanlagen ausgestellt. Selbst Provinzstädte wie M.=Gladbach haben sich großzügige Friedhöfe geschaffen. Gewiß, man ist nicht überall so weit. Aber das wäre für uns ein schlechter Trost, daß andere vielleicht noch schlechter sind als wir in ihren Friedhofsanlagen. Gut steht's damit in Bielefeld r#ct und dar####fsagigen. Gut steht's damit in Biele. zel nicht. Und boch hat unsere Stadt hervorragend schöne alte Friedhöfe voller Stimmung. Da ist der Friedhof am Jahnsplatz, der nicht nur etwa durch sein Alter schön geworden ist; romantische jüdische Friedhof da ist der wunderbar romantische jüdische, Frier, an der Eisbahn(Bolbrinker), da ist der alte Teil des Johannisfriedhofes. Der neue ist ja landschaftlich hervorragend schön geegen; da tut es doppelt weh, daß es so gemütskalt, so öde und leer wirkt. Es soll auch hier besser werden. Es liegt nicht am Gelde: denn teuer sind die jetzigen Anlagen und Steine auch; und es fehlt nicht an guttm Willen, denn jeder beabsichtigt doch mit seiner Graban age das Beste und schafft sie mit Gefühlen der Liebe und Pietät. Aber Einsicht und Leitung in Fragen des Geschmackes fehlt. Da ergreifen der Magistrat und der Gewerveverein die Initiative für unsere Stadt. In ihrem Auftrage wird der Regierungsbaumeister Professor Franz Seeck aus Berlia, derselbe, der die genannte Berliner Ausstellung geleitet hat, einen Vortrag über„Friedhofskunst“ halten. Dieser findet, wie die Anzeigen ersehen lassen, am Mittwoch, den 3. Februar 1909, im Neuen Vereinshause, Bahnhofstraße, statt. Er wird durch Vorführung von Lichtbildern unterstützt. Alle sind dazu eingeladen, Herren wie Damen. Der Eintritt ist frei. und Gebühren ausgebraust, arso der dei weitem größle Teil Die Einnahmen aus der Wertzuwachssteuer sind mit 20000 Mk. und die aus der Schankkonzessionssteuer auf(30000 Mk.??) angesetzt. Der Prozentsatz de Steuerzuschlägc zur Einkommensteuer soll für das kommende Jahr auch wieder auf 195 Prozent festgesetzt werden. Von der Grund= und Gebäudesteuer sollen wie bisher 210 Prozent erhoben werden. Der Haushaltsplan liegt im Zimmer 41 des Rathauses(Rechnungsamt) zur Einsicht aus. Bauausschuß. In der gestrigen Sitzung wurde beschlossen, für das Teeren von Straßen im nächsten Jahre 5190 Mark einzusetzen, wobei 8 bis 10 Pfg. Kosten auf das Quadratmeter kommen. Vorgesehen sind Teile der Luisenstraße, Oelmühlenstraße, Ehlentrupperweg, Oerlinghauserstraße, Mittelsraße, Jüngststraße, Fröbelstraße, Wittelindstraße, Krimhildstraße Siegfriedstraße, Ellerstraße, Schmiedestraße, Spengerstraße, Kurzestraße, Osnabruckerstraße, Mellerstraße Arndtstraße, Friedrichstraße, Rosandstraße, Meindersstraße, Oftstraße, Mühlenstraße, Metzerstraße, Heeverstraße, Kronenstraße, Blumenstraße Augustastraße. Ferner wurde zugestimmt zu dem Erwerb von Grundstücken von Honsel und Wellmann zum Preise von 15 298 Mark, das Quadratmeter zu 15.50 Mark, am Haller Wege. Dieser Grunddes der Stadt geerwerb ermöglicht eine bessere Ausnutzung hörigen Bollbrinkerschen Grundstückes. Endlich beschäftigte sich der Bauausschuß mit der Verlängerung der Friedenstraße. Der Teil zwischen Zimmerstraße und Jöllenbeckerstraße soll auf Antrag der Herren Reyscher, Klarhorst und Vincke bis zum 1. August ausgebaut werden. Für die Regulierung des Teils zwischen Arndt= und Lützowstraße fehlt nur noch die Zustimmung eines Besitzers. Gegen diesen soll das Enteignungsverfahren eingeleitet werden. Freie Turnerschaft. Dem vom Vorstand herausgegebenen Geschäftsbericht entnehmen wir folgende, von einem ersreulichen Aufschwunge zeugende Zahlen. Der Kassenbestand beträgt am Schluß des Geschäftsjahres 1006 Mk. gegen 307 Mk. am 1.1.08 — Der Verein zählt in sieben Abteilungen 377 Mitglieder. Das Gesamtvermögen an Geräten usw. betragt 7607 Mk. Es fanden im ganzen 83 Turnstunden statt, die durchschnittlich von 161 Turnern besucht waren Obiges Zahlen geben ein deutliches Bild von der Arbeit, die für moderne Körpererziehung und Ausbildung geleistet worden ist. Da in der kapitalistischen Gesellschaft der Beruf des einzelnen meist zu einer nur ganz einseitigen Betätigung seiner körperlichen Kräfte zwingt, so ist die Teilnahme am Turnen, die eine vielseitige körperliche Ausbildung gewährt, für den Arbeiter besonders notwendig. Angesichts dieser Tatsache sollte die Arbeiterschaft mehr wie bisher unsere Bestrebungen unterstützen und T ördern. Vor allem aber der Jugend rufen wir zu: Werdet urner!„Ein gesunder Geist in einem gesunden Korper. denjienigen, die für Neuerteilungen angesetzt sind. Fast samtliche in Vielefeld bestehenden Konzestionen befinden sich nicht mehr in — Von der Handelskammer. Aus dem Bericht über die itzung der Handelskammer vom 26. Januar 1909 ist folgendes zu entnehmen: Die Kammer beschließt, in einer an den Reichstag zu richtenden Eingabe sich gegen den Entwurf eines Arbeitskammergesetzes auszusprechen. Gegen die Einrichtung von Arbeiterkammern hat die Kammer dagegen keine Cinwendungen zu erheben. Dem Entwurfe eines Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb stimmt die Kammer im großen und ganzen zu. Dem Reichstag wird eine eingehende Begutachtung des Entwurfes übermittelt werden. Der Detaillistenverein der Textilbranche für Biesefeld hat die Kammer ersucht, sich grundsätzlich gegen die Einführung von Rabattsparvereinigungen auszusprechen. Aus Anlaß dieses Antrages ist von der Kammer eine eingehende * Gistenkreisen des Handelskammerbezirks Erhedung in den Tetainistentkeisen des Hanenrlamrbezirks veranlaßt worden. Da nach dem Ergebnis dieser Umfrage die — Die Benefize unserer Schauspieler am Stadt=Theater nehmen in nächster Woche ihren Anfang! Das bedeutet für die Theatersaison ungefähr so viel, als wenn im Herbst das Laub anfängt zu fallen; es ist die Mahnung an das Ende. Hans Freihen, unser ausgezeichneter Oberregisseur und Charakter= chauspieler, führt den Reigen der Benefizianten an. Er hat sich dazu das Sudermannsche Schauspiel„Stein unter Steinen“ ausgesucht. Unsern Geschmack hat er damit nicht getroffen, aber zugestanden muß werden, daß der Jakob Biegler eine überaus dankbare Rolle ist, die für ihn auch ausgezeichnet liegt. Wir wünschen ihm ein vollbesetztes Haus. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute geht„Alt=Heidelberg“ zu kleinen Preisen in Szene. Morgen(Sonntag) wird das Volksstück„Die Else vom Erlenhof“ gegeben. Die erfolgreiche Lustspiel-Novität„Die Tür ins Freie“ kommt Monteg zum letztenmal zur Aufführung. Dienstag ist das Benefiz für den Oberspielleiter und Charakter= arsteller Hans Freihen Der beliebte Künstler hat die Rolle des Jakob Biegler in Sudermanns Schausp.el„Stein unter Steinen“ für seinen Ehrenabend gewählt. — Das vollbesetzte städtische Orchester veranstaltet am Sonntag, 31. Januar, nachmittags 4 Uhr, das 48. AbonnementsKonzert auf dem„Johannisberg“ der Schützengesellschaft, unter persönlicher Leitung seines Kapellmeisters Max Cahnbley. — Der Eutomologische Verein Lepidoptera, der sich jetzt„Verein für Insektenkunde“ nennt, hält am Mittwoch, den 3. Febr., seine regelmäßige Sitzung im Vereinslokal ab. — Polizeibericht. Da die Rentenverzeichnisse der Landesversicherungsanstalt Westfalen in Münster i. W. bei dem Brande des Verwaltungsgebäudes am 31. Dezember 1908 verbrannt sind, ist die Aufstellung neuer Verzeichnisse erforderlich Die Invaliden= und Kranken=Rentenempfänger werden deshalo ersucht, bei der Beglaubigung ihrer Rentenquittungen am 1. Jebruar d. J. ihren Berechtigungsausweis(Rentenbescheid) bei dem zuständigen Polizeibezirk vorzulegen Ein Fayrrad beschlagnahmt ohne Fabrikmarke mit der Fabriknummer 1584. In der Tasche des Sattels befanden sich 1 Telkännchen, 1 Schraubenschlüssel und 1 Luftpumpe. Diese Gegenstände trugen die Bezeichnung„Ideal“. Da das Fahrrad allem Ansclein nach gestohlen ist, wird der rechtmäßige Eigen:.mer ersucht, sich umgehend bei der Kriminalpolizei, Turnerstraße 1. zu melden Eingeliefert ins hiesige Polizeigefängnis wurden dr:, Perso en wagen Bettelns, 1 Person wegen Trunkenheit und groben#nsug: 28 Obdachlose erhielter Ant.kunft. Der Viehmarkt am 26. dieses Monats war mit acht ferden, 82 Rindern und 1672 Schweinen betrieben. Es wurden ezahlt für Pferde 200 bis 400 Mark: für Rinder 150 bis 450 Nark; für 6 bis 8 Wochen alte Schweine 16 bis 20 Mark; für Stangen=Schweine 25 bis 45 Mark; für Schweine(Zuchttiere) 50 bis 130 Mark. Der Handel war ziemlich gut. Schwindel. Am 11. dieses Monats hat in Minden ein Unbekannter bei wohlhabenden Leuten unter Vorzeigung eines gesälschten Schreibens Geld erbettelt. In dem Schreiven ist der Name des in Minden wohnhaften Pastors Graeve und der Polizeiverwaitung Verden angegeben gewesen. Durch Vorzeigung des Schreibens, sowie durch sein sicheres und doch bescheidenes Auftreten und seine Angabe, er sei durch Verletzung der linken Hand unverschuldet in Not geraten, haben die Leute ihm Glauben geschenkt und Unterstützungen gegeben. Da der Schwindler kurz nachdem von Minden verschwunden ist, so ist es nicht ausgeschlossen daß er auch an anderen Orten denselben Trick versucht bezw. sfuhrt. Beschreibung: Größe: 1,80 m bis 1,85 m; Gestalt. schlank; Gesicht; oval; gebogene Nase; Schnurrbart; linke Hand anscheinend steif ober lahm mit braunem Lederhandschuh überzogen; Bekleidung: dunkler Jackettanzug. Es wird vor diesem Schwindler gewarnt. Sachdienliche Mitteilungen im Ermittlungsfalle nimmt die hiesige Kriminalpolizei enaege? 4 Nr. 25. Deutscher (Eigener 196 Sitzung vom Freitag, den Am Bundesratstisch: v. Bet Auf der Tagesordnung steht Sicherung der Freihei und des Koalitionsrec durch„schwarze Listen“ und äh Staatssekretär v. Bethma Beantwortung der Interpellatio Abg. 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Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg erklärt sich zur Beantwortung der Interpellation bereit. Abg. Giesberts(Ztr.): Schwarze Listen, die bei Streiks ausgegeben werden, sowie Sperrverhängungen können als Ausfluß des Kampfstandpunktes betrachtet werden. Anders verhält es sich mit schwarzen Listen, durch welche die Betroffenen dauernd oder auf längere Zeit vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden sollen. Diese Listen stehen in engem Zusammenhang mit dem Arbeitsnachweis der Arbeitgeber. Und dieses System wird von den Arbeitern als schwere Beeinträchtigung der Freizügigkeit empfunden. Das darf nicht geduldet werden. Namentlich im Bergbau und in der Metallindustrie sind solche Listen üblich. Von den gewerkschaftlichen Organisationen ich mehrfach festgestellt worden, daß auch Arbeiter auf den Listen stehen, bei denen Kontraftbruch nicht in Frage kam Der Kontraktbruch ist übrigens menschlich sehr erklarlich. Denn von oben bis unten gilt im Bergbau nur die Parole: Kohlen fördern und wieder Kohlen fördern! Dieses System ist im Ruhrgebiet in abgefeimter Weise Was ist nun zu tun, um diesen Mißständen ein Ende zu machen, die mit einer gesunden sozialen Entwicklung unvereinbar sind? Wir bedürfen einer tuchtigen sozialen Schulung der Bergbeamten, damit sie über dem Konflikt zwischen Arbeiter und Kapital stehen, anstatt einseitig die Unternehmerinteressen zu fördern. Die schwarzen Listen sind eine offenbare Umgehung der Vorschriften der Gewerbeordnung. Schon 1905 hat ein Antrag Stöcker ihre Beseitigung durch gesetzliches Verbot gefordert. Die gegenwärtige Gesetzgebung reicht nicht aus, die Arbeiter zu schützen. Eine Abänderung des Koalitionsrechts wäre zu erwägen. Solche Vereinbarungen der Unternehmer verstoßen auch nach dem Empfinden der christlichen Arbeiter gegen die guten Sitten. Die Regierung muß Wandel schaffen. um die Freiheit der Arbeit zu sichern. Es handelt sich nicht nur um die Arbeiter, sondern auch um die Beamten Wie kann man überhaupt eine Fortsetzung des Produktionsprozesses in der Zukunft sich denken, wenn man Arbeiter und Veamte unter die Knute des Kapitals beugen will? Die Beamtenverbände werden ebenso beeinträchtigt, wie die Arbeiterverbände. Auch gegen den Steigerverband wird im Ruhrgebiet vorgegangen. Wie wollen die Verwaltungen pflichttreue Arbeit von den Beamten verlangen, wenn sie ihr Ehrgefühl unterdrücken? Wir haben alle ein Interesse daran, daß die Unzufriedenheit nicht noch größer wird. Deshalb verlangen wir von der Gesetzgebung Schutz vor der Beschränkung des Arbeitsmarktes und Schutz der Freizugigkeit.(Lebh. Bravo! Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg: Nach der heutigen Rechtsprechung können Aussperrungen genereil nicht verboten werden. Das Sperrsystem der Unternehmer scheint mir nicht gegen den§ 113 der G.=O. zu verstoßen, wie Vorredner annimmt, weil dort nur von Merkmalen in Zeugnissen die Rede ist. Im einzelnen Fall kann in der Anwendung des systems etwa das Vergehen der Beleidigung oder ein zum Schadenersatz verpflichtendes Vergehen gegen die guten Sitten erblickt werden. Das System der Listen ist die Folge wirtschaftlicher und sozialer Zustände. Je nachdem dem haufigen, Wechsel der Belegschaft und Kontraktbruch vorgebeugt werden son over ob es sich gegen die Zugehörigkeit einer bestimmten Organisation richtet. Ursache des Kontraktbruchs sind nicht allein schlechte Löhne, sondern mitunter auch die Flucht vor dem Steuerexekuter. Ein wesentlicher Grund für den Kontraktbruch ist das gespunnte Verhältnis zwischen Unternehmern und Arbeitern im rheinischwestfälischen Industriegebiet.(Zuruf bei den Soz.: Sprachenparagraph!] Daß die Unternehmer sich gegen die Fluktuation der Arbeitskräfte zu schützen suchen und schließlich zum System der Aussperrungen gelangen, ist verständlich.(Sehr richtig! rechts) Schließlich hat man sich nicht auf kontraktbrüchige Arbeiter beschränkt, sondern auch agitatorisch tätige auf die Listen gesetzt. Der Gesetzgeber könnte nur paritätisch vorgehen. Auch unter Boykott und Streik leidet nicht bloß der große Unternehmer, sondern auch das mittlere und Kleingewerbe.(Sehr richtig! rechts.) Praktisch fragt es sich, ob denn ein besonderes Gesetz notwendig ist. Ich bin der Ansicht, daß Mißbräuchen am wirksamsten vorgebeugt würde, wenn im§ 826 des B. G.=B. der Begriff der guten Sitten so gefaßt wird, wie es die Zustände erfordern. Nämlich: die Aussperrung eines Arbeiters aus sämtlichen Werken eines kleinen Bezirks als erlaubt darzustellen, während dieselbe Aussperrung aus sämtlichen Werken eines großen Vezirks als gegen die guten Sitten verstoßend erscheint. Ein Spezialgesetz wurde sich den wechselnden Verhältnissen niemals so gut anpassen können, wie der Begriff der guten Sitten im§ 826. Theoretisch mutet das sehr gut an, aber in der Praxis laufen neben den großen Lohnbewegungen kleinere einher, und so sympathisch mir der Gedanke zuerst erschien, so halte ich seine Durchführung gesetzgeberisch für unmöglich. Der deutsche Durchschnittsarbeiter, der Idealarbeiter sozusagen, verurterlt den Kontraktbruch, außer wenn er sich in Volksversammlungen befindet.(Sehr gut! rechts) Er versteht, daß der Unternehmer seine Maßnahmen dagegen treffen muß und würde den Unternehmer verachten, der es nicht täte(Lachen bei den Soz.) Aber er verlangt Gerechtigkeit, namentlich Oeffentlichkeit des Verfahrens, die er als sichersten Schutz gegen Mißbräuche betrachtet. Von dem Zechenverband in Essen habe ich auf Anfrage erfahren, daß Arbeiter von der schwarzen Liste gestrichen werden, wenn sie sich wieder melden, wo sie kontraktbruchig geworden. Ebenso soll die Entscheidung nicht in der Hand der beteiligten Beamten liegen. In der allgemeinen Durchführung dieser Prinzipien würde ich einen großen Fortschritt sehen. Die sozialpolitische Wirkung der Gesetzmacherei dürfen wir nicht überschätzen. Der Gesetzgeber kann nicht die Waffen vorschreiben, sondern nur auf gewisse Regeln des Kampfes ein Auge haben. Die schwarzen Listen werden verschwinden oder doch seltener werden, wenn die Kampforganisationen berufliche Interessenorganisationen geworden sind. Dann wird eine gedeihliche Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern möglich sein. Dr. Stresemann(natl.): Vielleicht rührt die übergroße Fluktuation der Arbeiter im Ruhrgebiet davon her, daß man sie unter falschen Versprechungen dorthin gelockt hat. Sicher aber wandert ein großer Teil der Bergarbeiter ohne berechtigten Grund von einem Ort zum anderen. Diese Elemente durch schwarze Listen zu bekämpfen, hat kein Bedenken, wenn die Gewähr unparteischer Prüfung gegeben ist. Eine Verständigung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern, an deren Kommen wir glauben, wird gehassige Kampfmittel überflussig machen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) 64 Abg. Dr. Wagner(kons.): Wir halten sowohl Voylof wie schwarze Listen für bedenklich. Einer neuen paritätischen Regelung des Koalitionsrechts könnten wir zustimmen, wenn die Interessen der Arbeitgeber dabei zu ihrem vollen Recht kommen. Die Schärfe der Arbeiterkämpfe in Deutschland liegt daran, daß unsere Gewerkschaften im Gegensatz z. B. zu den englischen, den Klassenkampf betonen.— Als Beweis hierfür verliest Redner Artikel Kautskys und Karl Liebknechts aus der„Arbeitenden Jugend".— Nicht neue Gesetze können da helfen, die Menschen müssen besser werden.(Bravo! rechts.) Abg. Sachse(Soz.]: Auch die englischen Gewerkschaften sehen mehr und mehr ein, daß sie im burgerlichen Lager ihre Interessen nicht verfechten können, und stellen sich mehr und mehr auf den Klassenstandpunkt.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Herr Dr. Wagner hat sich wohl besonders darüber geärgert, daß wir auch der arbeitenven Jugend sagen, wie elend sie lebt, wie kümmerlich sie wohnt wie schlecht die Fabrikräume uno wie lang die auch der arbeitenden Jugend sagen, wie elend sie... meriich sie hhehnigwie schlecht die Favrikraume und wie lang die Arbeitszeit ist. Den Appell, daß die Menschen besser werden sollen, möge Herr Dr. Wagner an die scharfmacherischen Arbeitgeber richten. Wenn deren Gemüt etwas menschlicher würde, bliebe uns mancher schwere Kampf erspart.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Ausführungen des Staatssekretärs erinnern mich an das bekannte Wort seines Vorgängers:„Meine Herren! Wir arbeiten ja nur für Sie!“ Er brachte nichts vor, als Entschuldigungsgründe für die schwarzen Listen der Scharfmacher. Daraufhin werden die gewiß nicht einlenken. Es ist geradezu die Regel, daß Arbeiter massenhaft aus dem Osten durch falsche Versprechungen in die Bergbaureviere gelockt werden. Erst jüngst sahen wir ganze Eisenbahnzüge von österreichischen Arbeitern, die vom ersten Moment an streikten, weil sie statt der versprochenen 6 nur 4 Mk. Lohn erhalten sollten. Erst jüngst hat man Stettiner Arbeitslose nach Oberschlesien gewar und ihnen dort statt 5 Mk. 3,50 Mk. Schichtlohn gegeben. Auch die Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeitgeber dienen nur dazu, in der ungehörigsten Weise gegen das Interesse der Arbeiter ausgenutzt zu werden. Bei Krupp dienen die Unterstützungskassen nur dazu, die Arbeiter völlig rechtles zu machen. Wenn wir auf solche Mißstände hinweisen, so ist das kein Akt des Klassenkampfes, sondern einfach Pflicht der Wahrhaftigkeit. (Sehr wahr! b. d. Soz.) Der Staatssekretär sprach von einem Versprechen des Zechenverbandes, jedem Arbeiter solle gesagt werden, warum er auf die schwarze Liste kommt. Auf die Erfüllung des Versprechens bin ich gespannt. Es wird genau so gehalten werden wie die Zusicherung, daß nur kontraktbrüchige Arbeiter auf die Liste kommen sollen. Der Staatssekretär hat ferner seine Hoffnung auf die Zeit gesetzt, in der die Kampfesorganisationen Interessenorganisationen sein werden. Es liegt nicht an uns, wenn Interessenvertretungen nicht zustande kommen, sondern an der Hartherzigkeit der Unternehmer, die überhaupt keine Arbeiterorganisationen anerkennen.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Vor 12 Jahren sprach der deutsche Kaiser:„SchwerParteinachrichten. tungen verschwunden, weil die Arbeitgeber das Aussper und Listensystem eingeführt haben. Die Beamtenorganisationen haben doch keinen Klassenkampfcharakter. Das sind doch reine Interessenverbände nach dem Herzen des Staatssekretärs. Und trotzdem sehen wir, daß die Unternehmer auf das rigoroseste gegen sie vorgehen, daß sie Gesetz und Recht mit Füßen treten, um sie zu unterdrücken.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ein solches heimtückisches System, wie das der schwarzen Listen verstößt unbedingt gegen die guten Sitten. Wenn ein Arbeiter, weil ihm etwa das Gedinge nicht paßt, auf die schwarze Liste kommt, und sechs Monate lang nicht eingestellt wird, so ist das aber auch ein Verstoß gegen das Gesetz selbst. Solche Fälle hat der Herr Staatssekretar nicht gefunden. Ich werde ihm auf die Sprunge helfen. Es sind Leute auf die Listen gekommen, die regelrecht gekündigt haben, und das soll kein Verstoß gegen das Gesetz sein!(Zust. b. d. Soz.) Im September und Oktober standen 5300 Arbeiter auf der schwarzen Liste.(Hört, hort! b. d. Soz.) Wenn der Arbeiter am 19. oder 20 ein Gedinge bekommt, auf das er sich nicht einlassen will, so ist die Antwort: Machen Sie, daß Sie zum Teufel kommen! Der Kündigungstermin war aber am 15., und er ist dann vollständig im Recht nach§ 83 des Berggesetzes, die Arbeit zu verlassen, wenn der Besitzer sich der widerrechtlichen Uebervorteilung schuldig macht. Oft kommt der Arbeiter auf die schwarze Liste, einfach weil er krank ist, und er kann dagegen nichts unternehmen, weil er es nicht einmal weiß. — Redner trägt einen Fall von Krankheit aktenmäßig vor, in welchem der Richter, da es zur Klage kam, den Herren von der Zeche zu einem Vergleich riet. Nur in den seltensten Fällen kommt es aber zur Klage. Ein anderer Arbeiter wurde auf die schwarze Liste gesetzt, weil er sich weigerte, in einem Schacht zu arbeiten, in dem das Wasser so stark rauschte, daß die Arbeiter sich nicht verständigen konnten.(Hört, hört! b. d. Soz.) Wenn Arbeiter eine neue Stelle beziehen, so verlieren sie sie, wenn sie nicht rechtzeitig antreten. Urlaub aber bekommen sie bei der alten Stelle nicht für die notwendigen 1—2 Tage. Verlassen sie dann notgedrungen die alte Stelle einen Tag zu früh, so kommen sie auf die schwarze Liste.(Hört, hört! b. d. Soz.) Ich have weitere interessante Fälle hier vor mir. Eine Gruppe von Arbeitern ist wegen Organisation auf die Liste gekommen, wohlgemerkt, nicht wegen politischer Organisation, da ist man schon eher duldsam, sondern wegen wirtschaftlicher Organisgtion.„In Dresdener und im Zwickauer Revier mud turz nachernander 14 Arbeiter gemaßregelt worden, weil sie als Arbeitervertreter in die Krankenkassenverwaltung gewählt wurden.(Hört, hört!) Das System der schwarzen Listen wird ergänzt durch gesetzwidrige Kenntlichmachung der Abkehrscheine usw. Das Unwesen greift jetzt auch auf andere Berufe über, und auch die Staatsbehörden beteiligen sich an diesem gesetzwidrigen System. Dem Kutscher Wengmann in Liegnitz kündigt sein Arbeitgeber an. daß er ihn auf Drängen der Königlichen Eisenbahnverwaltung (Lebh. Hört, hört!) entlassen müsse, und daß der Spediteurverein beschlossen hat, ihn nirgends zu beschäftigen. Da braucht man sich nicht zu wundern, daß die privaten Scharfmacher vor den Staaten Respekt verlieren, und daß die Arbeiter Soziald mokraten werden. Der allmachtige Hilger zwingt sogar die Elektrizitätsgesellschaft in Kattowitz, einen Ingenieur zu entlassen, weil er in Technikerversammlungen aufgetreten ist.(Hört, hort!) Wenn der Staatssekretar andeutete, daß er gegen die schwarzen Listen nicht einschreiten könne, ohne gleichzeitig gegen das Streikrecht der Arbeiter vorzugehen, so bemerken wir: Ohne Streikrecht ist das Koalitionsrecht wertlos. Wogegen wir uns wenden, ist, daß man das mench'erische System der schwarzen Listen, das im Kriegszustand berechtigt sein mag. mitten im Frieden anwendet. Der Boykott der Arbeiter geschieht öffentlich. Wir verlangen, daß die Regierung endlich auf gesetzlichem Wege gegen das m.uchlerische System der schwarzen Listen vorgeht. (Lebh. Bravo! b. d. Soz.) Abg. v. Dircksen(Rp.): Daß die schwarzen Listen noch 3 Monate nach dem Streik fortdauern, kann auch ich nicht billigen. Kein Arbeiter darf aber das Recht haben, die Arbeit einfach niederzulegen, wenn es ihm paßt. Zu den Ursachen seutigen Kontraktbruches gehört freilich auch das gewissenlose Verlocken und Verschleppen Tausender von Arbeitern von dem Osten nach dem Westen. Alles in allem sehe ich in den Maßnahmen des Zechenverbandes keinen Angriff, sondern Abwehr und zwar berechtigte Abwehr.(Bravol rechts.) Das Haus vertagt sich. Fortsetzung der Besprechung: Sonnabend 11 Uhr vorher B.ratung der Denkschrift über die Ausführung des Anleihegesetzes, sowie Rechnungs:e Schluß 6½ Uhr. Von der Parteipresse. Der„Volksfreund" zu Karlsruhe hat in der inneren Stadt 500 Abonnenten gewonnen. Diese Zunahme ist gewiß keine allzugroße, aber sie ist in der Zeit der Krise. in welcher viele Arbeiter aus der Großstadt weg wandern, doppelt beachtenswert. Arbeiter=Jugend Nr. 1. Die erste Nummer des neuen Organs für die arbeitende Jugend ist erschienen. Mit frischem Ton und allgemeinverständlicher Darstellung führt sie sich gut ein. Der Inhalt zeigt, daß das Programm, das die Redaktion und die Zentralstelle für die arbeitende Jugend aufgestellt haben. eine Zeitschrift voll Anregung und Vielseitigkeit versprechen. Der einleitende Artikel verheißt den Lesern Einführung in Nationalökonomie, Geschichte, besonders Wirtschafts= und Kultur=Geschichte, Naturwissenschaft, Technik, Recht und Verfassung, Kunst und Literatur. Auch die Gesundheitspflege, zumal in ihrer Betätigung durch Spiel und Sport und Wandern, soll gepflegt werden. Daneben sollen die jugendlichen Arbeiter über i#re besonderen gewerblichen und staatsbürgerlichen Rechtsverhältnisse unterrichtet werden und schließlich soll über den Stand und die Entwicklung der Jugendbewegung fortlaufend berichtet werden. Die Vorläufer der„Arbeiter=Jugend“ behandelt der folgende Artikel. Genosse L. Frank gibt die Geschichte der„Jungen Garde". Ein Artikel des Genossen Max Peters uber die „Arbeitende Jugend“ soll in nächster Nummer folgen. Genosse Hermann Duncker beantwortet die Frage:„Was heißt SoziaGenosse Heinrich Schulz schreibt über Jugend und Bildung. Genosse F. Mehring hat einen Beitrag Ferdinand Lassalle beigesteuert, dem ein Porträt des großen Vorkämpfers beigegeben ist. Genosse Robert Schmidt behandelt das Thema „Die Gewerkschaft und die arbeitende Jugend". Zwei Revuen „Gewerkschaftliche Bewegung" und„Aus der Politik“ werden die wichtigsten Ereignisse auf beiden Gebieten verzeichnen. Unter der Rubrik„Vom Kriegsschauplatz“ werden die Anfechtungen der freien Jugendbewegung registriert und glossiert. Der Briefkasten kündigt die Einrichtung eines Sprechsales an, wo die Leser Vorschläge, die sich auf die Ausgestaltung der Bewegung und ihrer Einrichtungen beziehen, machen und Erfahrungen austauschen können. Die Beilage enthält ein Gedicht von Otto Krille:„An die Jugend“, eine Erzählung„Wie ich meinen besten Freund verlor“ von Martin Jäger, einen Artikel„Die Entwicklungslehre und ihre Bedeutung“ von M. H. Baege, eine Bücherschau„Bücher für die Jugend“, in der belletristische und naturwissenschaftliche Werke besprochen werden. Mit einem bunten Feuilleton und waffenklirrenden Versen John Henry Mackays Möge diese erste Nummer des neuen Kampforgans, das eine große bedeutsame Aufgabe zu erfüllen hat, recht große Begeisterung finden und in recht vielen jungen Kämpfern den Entschluß reifen lassen, regelmäßige Leser der„Arbeiter=Jugend“ und tätige Mitglieder der freien Jugendbewegung zu werden. Möchten besonders die proletarischen Eltern, die der Schule entwachsene oder erwachsene Söhne oder Töchter haben— die ohr 50 Pig. Von einem ernsten Konflikt in der hessischen Sozialdemokratie weiß das„Berliner Tageblatt“ zu berichten, der als Ergebnis vorläufig den Rücktritt des gesamten hessischen Parteivorstandes gezeitigt habe. Ur'oche des Konfliktes soll Streit zwischen den Revisionisten und Radikalen sein. Gegen die bisher herrschenden Revisionisten sollen jetzt die Radikalen die Oberhand gewonnen haben. An der ganzen Sache ist auch nicht ein Wort wahr. Wenn das Blatt noch weiter berichtet, daß in Darmstadt gegen die Wiederausstellung des Genossen Berthold ein heftiger Protest von den Radikalen erhoben wurde, so ist auch daran nichts nahr. Es handelt sich lediglich um noch nicht abgeschlossene Verhandlungen über die Person des Kandidaten. Zur Krisis in der sozialdemokratischen Partei Hollands wird dem„Vorwärts“ aus Amsterdam geschrieben: Infolge der in der holländischen Partei herrschenden weitgehenden Meinungsverschiedenheiten und des aus demselben Grunde erfolgten Austrittes der Kammerabgeordneten W. P. G. Helsdingen und J. H. Schaper aus dem Parteivorstande hatte dieser ein Parteireferendum über die Frage ausgeschrieben, ob ein außerordentlicher Parteitag stattfinden soll. Das Resultat ist jetzt zusammengestellt. Von 5571 Stimmen sprachen sich 3268 fur Abhalten eines außerordentlichen Parteitages aus, 1719 dagegen, während 577 Genossen sich der Stimme enthielten Die beiden ausgetretenen Parteivorstandsmitglieder Helsdingen und Schaper wurden mit 3416 bezw. 3447 Stimmen als Vertreter der revisionistischen Richtung wiedergewählt, während die zur marxistischen Richtung zu rechnenden Gegenkandidaten R. Kuyper und G. W. Sannes, ohne daß sie ausgesprochen als solche aufgestellt waren. 1097 bezw. 1041 Stimmen auf sich vereinigten. Ueberdies erhielt Genosse L. M. Hermans noch 1034 Stimmen und 312 Genossen enthielten sich der Abstimmung. Die Stimmenthaltungen sind wohl fast ausnahmslos den sich um das marxistische Wochenblatt„Die Tribune“ gruppierenden Genossen zuzuschreiben. Der außerordentliche Parteitag findet am 13. und 14. Februar, wahrscheinlich zu Utrecht, statt. Aus der französischen Partei. Genosse Jules Guesde ist von seinem Erholungsurlaub zurückgekehrt und nimmt wieder an der parlamentarischen und an der Parteiarbeit teil. Seine Gesundheit hat sich erfreulich gekräftigt. Den Wünschen der französischen Genossen für den Gründer der Arbeiterpartei schließt sich die ganze Internationale freudig an. ssenschaftsbewegung. Ein Bäckermeister über die Rückständigkeit im Bäckergewerbe. Unter den Handwerkern zählen die Bäcermeister zu den rückständigsten und deshalb zu den entschiedensten Konsumvereinsfeinden. Es sei hier nur kurz daran erinnert, daß der 15. Verbandstag des Bäckerverbandes„Germania", der vom 9. bis 11. August 1908 in Hannover tagte, an die Handwerkerkammern die dringende Bitte richtete, durch die Aufsichtsbehörde beim Ministerium für Handel und Gewerbe zu fordern, daß den Beamten die Tätigkeit in Konkumvereinen verboten werde, daß die Konsumvereine mit einer Umsatzsteuer belegt und ihnen eine höhere Rückvergütung als zwei Prozent auszuzahlen untersagt werde. Dieser Haß gegen die Konsumvereine entspringt unzweifelhaft der Erkenntnis, daß diese durch ihre in techrsscher und hygienischer Beziehung mustergiltigen Bäckereibetriebe dem seit Jahrhunderten auf einer Stufe stehengebliebenen Bäckergewerbe nicht nur das Wasser von der Profitmühle ableiten, sondern auch den Regierungen Veranlassung gegeben haben, den Bäckermeistern mit verschiedenen Verordnungen teils im Interesse der Beschäftigten, teils im Interesse der Volksgesundheit auf den Leib zu rücken Seit Jahren, seitdem man von außen her auf das Bäckergewerbe eindringt mit Verordnungen und anderen Maßregeln, muß als Verteidigung, daß die Bäcker beim alten beharren wollen, immer die„Eigenart des Gewerbes" herhalten. Diesen Bäckermeistern liest nun ein„Unke“ in der neuesten Nummer der Berliner Güntherschen„Bäcker= und Konditoren=Zeitung“, dem Publikationsorgan des Zentralverbandes deutscher Bäckerinnungen„Germania“ einmal gründlich den Text, indem er u. a. schreibt: . Ich behaupte ganz offen, daß die genannte Redeur auf Selbstbetrug" wendung nur auf Selengrinug herauskommt, und daß die Ursache fur das langsame Auffassen von Neuheiten in ehrlichster Bedeutung des Wortes„Rückständigkeit" oder Schwerfälligkeit bei vielen Kollegen ist. In jeder Beziehung waren wir Bäcker gegen die Fortschritte der Zeit kückständig. Aus uns selbst heraus haben wir wenig getan, um uns mit der Zeit auf dem Laufenden zu erhalten. Andere Gewerbe haben längst eine größere Sonntagsruhe, eine verkürziere, Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen für ihre arbeiter geschaffen. Die Bäcker waren dazu nicht imstande wegen der Eigenort des Gewerbes. Da wurde vor anderer Seite die Gesetzgebung auf die Bäcker aufmerksam gemacht. Zahlreiche Verordnungen regneten auf uns herab. Mordgeschrei an allen Ecken, daß das Gewerbe zugrunde gerichtet wird. Wohl ist es sehr schwer geworden, sich als Bäckermeister durchzuschlagen; es gehört vor allen Dingen heute mehr Denken, Rechnen und kaufmännische Befähigung dazu. Doch gibt es heute, ebenso wie zu allen Zeiten, noch wohlhabende Bäckermeister, wie es auch früher schwache Existenzen gegeben hat. Das Märchen von der guten alten Zeit ist Unsinn. Wer hat denn das Bäckergewerbe mobern vorwärts gebracht? Waren es nicht durchweg die Fabrikanten von Maschinen und Bedarfsartikeln, Bauunternehmer, Kaufleute und Mitglieder der Konsumvereine, also Nichtfachleute, die uns gezeigt haben, wie moderne Bäckereibetriebe aussehen? Sind nicht die Bäckermeister erst viel später, der Not gehorchend, nachgekommen? ..... Wir sollten nicht verabschenen, musterhafte Betriebe zu besuchen, selbst wenn ihre Leitungen unserem Streben unsympathisch sind Wir wollen uns freimachen von aller Voreingenommenheit, wir wollen lernen überall von jedermann und mit ruhigem Blick das beste für uns heraussuchen, dann werden wir bald herausfinden, daß unser Gewerbe gar nicht„eigenartig“ ist, sondern daß wir eigenartig gewesen sind, weil wir uns solange in den Kopf gesetzt hatten, die Zeit in ihrem Vorwärtsschreiten aufhalten zu wollen. Die Technik war schon lange imstande, alles zu leisten, die Väcker wollten es nur nicht annehmen, und sie würden es noch heute schwer annehmen, wenn die Gesetzgebung ihnen nicht streng auf den Leib rückte. Das mag manchem Kollegen, dem es an Geld fehlt, schwer bedrücken, dem Gesamgewerbe gereicht es aber nur zum Vorteil Wir zweifeln, daß diese Evistel eines der ihrigen auf die große Masse der Bäckermeister großen Eindruck machen wird. Wie die Krämer beschäftigen sie sich lieber mit dem Splitter der Konsumvereine als mit dem eigenen Balken. bis 40000 Mark stand heute der Registrator August Jutteick vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war seinerzeit in dem Hofhalt des Prinzen Albrecht und später in dem des Prinzen Heinrich als Registrator angestellt. Zu seinen Obliegenheiten gehörte die Verwaltung der Hofkasse. Diese Tätigteit henutzte er, jahrelang Unterschlagungen zu begehen, indem er die zu zahlenden Rechnungen mit höheren Beträgen versah und den Ueherschuß in seine, Tasche steckteis wurde zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Militärisches. Fluch der Heimarbeit. In dem Dorfe Wehrhalden an der badisch=schweizerischen Grenze läßt eine Posamentenfabrik fleißig Knöpfe aufnähen. Sie weiß, warum sie aufs Land flüchtet denn sie bezahlt— kaum glaublich— für das Aufnähen von 144 Stück— einen Pfennig. Nur die äußerste Not zwingt manche Einwohner. von dem schäbigen Anerbieten Gebrauch zu machen. Vom Maschinensetzerausstand. Paris, 29. Jan. Die ausständigen Maschinensetzer haben einen Aufruf an das Publikum erlassen, worin sie die Ausstandsbewegung rechtfertigen. Die Ausständigen halten täglich zwei Versammlungen ab, in welchen Bericht über die Lage erstattet wird. Die Zeitungen helfen sich mit Aushilfssetzern usw. und erscheinen meist etwas später als gewöhnlich. Wieder ein Soldatenschinder. In 61 Fällen hat der Vizewachtmeister Wirth von der 2. Batterie des Art.=Reg. Nr. 50 in Karlsruhe Soldaten mißhandelt Das Kriegsgericht verurteilte ihn zu acht Monaten Festung und Degradation. Die Mißhandlungen kamen durch einen seltsamen Zwischenfall zur Kenntnis der Behörden Wirth erhielt bei einem Manöver in einem Dorfe der Taubergegend anläßlich des Löhnungsappells von einem früheren Soldaten eine Ohrfeige. Ein Offizier sah das mit an und zwang den Wirth, den Zivilisten zu verklagen. Dieser packte nun aus und der Spieß wurde jetzt umgedreht. Wirth hätte gewiß gern die Ohrfeige anstatt der acht Monate Festungshaft hingenommen. Vermischtes. Urkundenfälschung. Berlin, 29. Jan. Wegen Urkundenfälschungen und Unterschlagungen ### schwexer in der Hohe von 30Ein Lentnant der Landwehr als Raubmörder. Berlin, 29. Januar. Zu dem Raubmordversuch in der Potsdamerstraße wird mitgeteilt, daß es noch heute nacht der Kriminalpolizei gelungen ist, auch den dritten Täter, den Kaufmann und Leutnant der Landwehr Georg Kühne, dingfest zu machen. Auch einige Helfershelfer der Bande wurden verhaftet. Der Verhaftete ist bis vor einiger Zeit Privatsekretär des Prinzen Hermann von Sachsen=Weimar gewesen und besaß in der Prinz=Albrechtstr. 3 ein Agentur= und Hypothekengeschäft, dessen Kundenkreis er, wie aus den vorgefundenen Briefen hervorgeht, auch nach Frankreich ausgedehnt hatte. Trotzdem ging es ihm in letzter Zeit finanziell sehr schlecht. Nach 14 Jahren. Hamburg, 29. Jan. Der 34 Jahre alte Schuhmacher Bruno Rasim aus Neiße stellte sich freiwillig der hiesigen Polizeibehörde unter der Angabe, er habe 1895 während seiner Militärzeit in Neiße bei Gelegenheit eines Streites seine Geliebte, eine Kellnerin mit Vornamen Adelheid. in deren Heimat Ziegenhals mit seinem Seitengewehr erstochen und die Leiche sofort an Ort und Stelle in Ziegenhals verscharrt. Rasim wurde verhaftet. Die oberschlesischen Behörden wurden benachrichtigt. Entgleisung. Eltville 29. Jan. Gestern vormittag entgleisten zwischen hier und Erbach fün Wagen eines Güterzuges. Die Wagen fielen auf das zweite Geleise. Der Verkehr mußte auf eine Stunde gesperrt werden. Ein neues Luftschiff. Paris, 29. Jan. Der Luftschiffer Brabazon machte gestern Versuche mit seinem neuen Luftschiff. Es gelang ihm, einen Flug von 5 Kilometer mit Wendungen auszuführen. Bei weiteren Versuchen erlitt sein Apparat eine Beschädigung, die ihn zwang, die Versuche einzustellen. Ein Eisenbahnraub. Paris, 29. Jan. Zwischen den Stationen Loubareste und Arcomie im Departement Cantal wurde in einem Abteil zweiter Klasse Frau Lafarge von einem Mitreisenden durch Chloroform betäubt, ihres kostbaren Schmuckes und eines bedeutenden Geldbetrages beraubt. Der Täter konnte ungesehen die Flucht ergreifen. Gerettet. Rotterdam, 29. Jan. Aus Kampen wird gedrahtet, daß der Postdampfer„Havelaar“ dort 18 von den 30 auf zwei Eisschollen in den Zuydersee hinausgetriebenen Fischern rettete, welche der Dampfer unweit Harderwyk entdeckt hatte. Unterschleife in Messina. London, 29. Jan. Der„Daily Chronikle“ bringt heute in einer Neapeler Depesche aufsehenerregende Details über große Schwindeleien, die bei den Spenden für die Opfer des furchtbaren Erdbebens vorgekommen sind. Der Bürgermeister von Messina, der Protokollführer der Stadt und 12 hervorragende Bürger von Messina wurden verhaftet. Man behauptet, sie hätten Kleider und Proviant, auch Geld das für die Opfer bestimmt war, an sich genommen. Die Plünderungen seien in großem Maßstabe verübt worden. Schiffszusammenstoß. London, 29. Jan. Der Kapitän eines Kustenfahrers hat in der Humber=Bai gehört, wie zwei Schiffe mit einem furchtbaren Krach aufeinanderstießen. Als er nahe genug heran war, sah er gerade eines dieser Schiffe in die Tiefe sinken. Er hörte Hilferufe, aber der Nebel machte es unmöglich, die in der See schwimmenden Menschen zu entdecken. Gestern abend stellte sich heraus, daß eines der beiden kollidierenden Schiffe die„Etruria“ von Grimsby war. Sie hat schweren Schaden erlitten. Das andere unbekannte ist mit allen Menschen an Bord gesunken. Schnee und Wölfe. Belgrad, 29. Jan. Im Krajnaerbezirk bei Negotin ist meterhoher Schnee gefallen, wodurch der Verkehr vollkommen unmöglich geworden ist. Die Wölfe verursachen großen Schaden an Schafen und anderem Vieh: auch Menschen wurden von den Wölfen angegriffen. Auf der Landstraße sieht man die Tiere täglich in großen Rudeln. Berlin, 30. Jan. Die konservative Parteikorrespondenz beschäftigt sich mit der sozialdemokratischen Indiskretion. Die Korrespondenz sagt, daß die Feststellungen des Fraktionsvores den Tatsache. standes chen entsprechen. Wir werden nicht in den Verdacht kommen, den Sozialdemotraten als Helfershelfer zur Seite springen zu wollen, aber wir fühlen uns gedrungen, der Wahrheit entsprechend hervorzuheben, daß zwar Noske die Indiskretion insofern begangen hat, als er dem sozialdemokratischen Pressebureau den erwähnten Bericht erstattet, daß aber anscheinend dem Bureau die Verbreitung der Indiskretion zur Last fällt. Das charakteristische ist vielmehr, daß der nichtsozialdemokratische Dr. Goldmann einen Angestellten des Pressebureaus veranlaßte, ihm den betreffenden Bericht zu übergeben, und daß er die vertraulichen Mitteilungen telegraphisch weitergab und so, gegen die Interessen Deutschlands handelnd, sie an das Ausland verkaufte. Das ist der springende Punkt der Situation.= Hildesheim, 30. Jan. Die beiden Bankiers Marheinike und Stuke, die vor längerer Zeit ihre Zahlungen einstellten, wurlangerem Veryör dem hiesigen Unterden heute morgen nach suchungsgefängnis zugeführt. Leipzig, 30. Jan. Das Schwurgericht verurteilte den Arbeiter Rauschenbach, der im November v. J. seine Ehefrau ins Wasser warf, um sich ihre Ersparnisse anzueignen, wegen Totschlags zu 12 Jahren Zuchthaus und gleichem Ehrverlust. Breslau, 30. Jan. In dem schlesischen Orte Wirschkowitz brannte die Besitzung des Eigentümers Jagel vollständig nieder. Die Witwe Hettasch und ihr achtjähriges Enkelkind konnten von den Rettungsmannschaften der freiwilligen Feuerwehr nicht mehr ins Freie gebracht werden und verbrannten. Der Eigentümer Jagel wurde als der Brandstiftung verdächtig verhaftet. Wien, 30. Jan. Im Reichsrat kam es gestern zu einer stürmischen Szene. Graf Sternberg begründete einen Antrag betreffend ein Farbenverbot für die Prager Studenten und sagte hierbei, Böhmen werde nur von Tschechen und Einbrechern, womit er die Deutschen meinte, bewohnt. Die deutschen Abgeordneten stürmten auf Sternberg mit erhobenen Fausten los und riefen ihm zu:„Besoffener Rotzbube, werft ihn hinaus, diese blödsinnigen Schimpfereien müssen ein Ende haben!" Der Lärm dauerte noch längere Zeit an. Der Vizepräsident rief darauf den Grafen Sternberg zur Ordnung. Petersburg, 30. Jan. Die Revolution in Persien greift weiter um sich. Neuerdings sind Regierungstruppen in mehreren Treffen bei Täbris von Sattar=Kyan geschlagen worden. Die Regierungstruppen beginnen nunmehr langsam in die Oppositionslager überzugehen. Sattar=Khan hat eine Reihe von Gouverneuren abgesetzt und seine eigenen Leute zur Verwaltung bergfen. Madrid. 30. Jan. In ganz Spanien herrscht eine sibirische Kälte. Wölfe kommen in vielen Rudeln aus den Pyrenäen. Nach einem Telegramm aus Barzelona wurde in Almacellas eine ganze Schafherde von Wölfen zerfleischt. In mehreren Gegenden herrscht große Not. EUPN Milde aromatische, rein türkische 590 ZIGANETTE Nur echt mit Firma:„Venidze“, Dresden Deutschlands grösste- Fabrik für Handarbeit- Zigaretten. Ventral-Bade- und Massage-Institut Bielefeld, Altstädterkirchstr. 10. Bäder aller Art u. sonstige ärztliche Anordnungen.— Gewissenhafte Behandlung nach Lehre d. Staatsschule. Billige u. reelle Preise. Heissluftbad 1.50, Kohlensaures Bad 2.00, Dampfbad 1.25, Fichtennadelbad 1.10, Packung 0.50, Schwefelbad 1.50, Wannen-, Rumpf-, Sitzbäder, Regen-, Wechselregen-, Stachel-, Fächer- und Sitzduschen per zu billigsten Preisen. Franz Jann, 304 staatlich geprütter Masseur. SreiTell auch 355 la. Torfstreu und Torfmull liefert auf Bestellung frei ins Haus. 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Jan „Engerschestaße, P verbunden mit Anfang 4 Herren-Karte 50 Pfg. Es ladet freundlichst ein Bleisteiner Kärke E. Brosser. in den Lokalitäten de in den Lokalitäten de bestehend in närrischen Auf= u trägen und großem B4 berühmten Zauberkünstlers„Kn lebenden Person aus d Anfang 4 Uhr. Damen Es ladet ergebenst ein NB. Der große Gala=Pr abend, 6. März, in sämtlichen Deutscher Meta Verwaltung Biel Sonntag, den 31. Jani T0MRt des Bezirkes Oberes im Lokale„Zum S. Eintrittskarten sind zum Bezirkskassierern und an der Einen zahlreichen Besuch aller erwartet Das Radfahrer-Vei (Mitglied des Arbeiter-R Am Sonntag, feiert obiger Verein in den Loka Bielefeld, Bürgerweunter Mitwirkung d Anfang: 3 Uhr 59 Minnte SEnde: Wän Zu zahlreichem Besuch ladet ei Entree: Herren=Karten 6 NB. Kappe wird an jeden grat Arbeiter-Radfahrei Gau 12. Sonntag, den: im Lokale des Herrn Lo Es ladet freundlichst ein Arb.-RadfahrerRestaurant Am Sountag, den 31. d. M., Liedertate Rapz unter gütiger Mitwirkung d's Arbe lustigen Eggetal Hierzu ladet freundlichst ein Frisch auf! Am Sonntag, den Freie Radfahrer-V Abt. II„Corona“ Mitglied des Ar ihr d "** in den Lokalitäten der Frau## Zu diesem genußreichen Feste le 6326 nr. Ber Bürge Sonntag, den 31. W. Tuxhor Sonntag, de TANZ. Es ladet freundlichst ein Restaurant G. Preu Sonntag, de 1 AANZ. Aug. Heybr Sonntag, den 3 TANZ. Frei Eeit! Frei Heil! Freie Turnerschaft Bielefeld Abtellung„Frisch Auf“ begeht am Sonntag, 31. Januar, im Lokale des Herrn Imnkamp, ### Engerschestaße, ihr närrisches ü P P e l h e r t Zentral-Theater Herren-Karte 50 Pfg. Es ladet freundlichst ein verbunden mit BAULI. Anfang 4 Uhr nachmittags. Damen-Karte 25 Pfg. Das Festkomitee. bleieteiher Kurheval-Verein„Helau. g *. Rreetel um und Harten Rochein . den Lokalitäten des Herrn C. Richter, Gadderbaum, bestehend in närrischen Auf= und Umzügen, humoristischen Vorträgen und großem BALT, unter Mitwirkung des berühmten Zauberkünstlers„Knitschke“. U. a.: Verschwinden einer lebenden Person aus dem Publikum frei im Saale.= Anfang 4 Uhr. Damenkarte 25 J Herrenkarte 50 Es ladet ergebenst ein Der XI. Rat. NB. Der große Gala=Preis=Maskeuball findet am Sonnabend, 6. März, in sämtlichen Räumen des Herrn C. Richter statt. 7000000000000088 Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltung Bielefeld und Umgegend. Sonntag, den 31. Januar, von nachm. 4 Uhr ab: Winteriest des Bezirkes Oberes Sieker und Stieghorst im Lokale„Zum Schwan“, Detmolderstraße. Eintrittskarten sind zum Preise von 30 Pfg. bei den Bezirkskassierern und an der Kasse zu haben. 535 Einen zahlreichen Besuch aller Verbandsmitglieder nebst Angehörigen erwartet Das Festkomitee. 33000068899348 Bewchner von Bieleteld und Ungebung! Wer hat sich noch nicht die am 31. Januar ihre Abschieds-Vorstellungen gebenden Dresdner erstklassigen Künstler angehört? (Dir.: Clemens Grosser.) Eine seltene Gelegenheit, eine so reiche Auswahl von Ensemble= Szeuen und Solo- Vorträgen für so wenig Eintrittsgeld zu hören. Allen voran. Die Revierkranken. Hochkomische Militärposse. Das verhängnisvolle Hochzeits-Geschenk. Wer da nicht lachen muß, ist noch nicht geboren.— Jeder Bewohner von Bielefeld aber darf nicht versäumen, die am Sonntag zum letzten Male auftretende # Original- Schutztruppe P# mit ihrem schneidigen Lentnant zu sehen, denn diese ist ein Meteor am Künstlerhimmel. Alles lacht, sogar Verheiratete. Eine Pièce allein des Entrees wert. Sonntag 4 und 8 Uhr: 2 grosse Galavorstellungen. = Vormittags 11—1 Uhr: Grosse Matinee.= Montag, den 1. Februar 1909: Neues vorzügl. Künstlerprogramm. Drum sei Parole Bielefelds und allen Orten: „„Zentral-Theater“ sei allein der Platz!“ Lauscht Alt und Jung den Witzen und den Worten! Für jeden Jüngling Amüsement mit seinem Schatz! 636 Die Direktion. wöchentliche Abzahlung Klaige? Herde Uhren Herren-Anzüge## Damen-Garderobe P## bei kleiner Anzahlung. ## Möbel- und Waren-Kredit-Haus L. Sachs Kaiserstrasse WEIrkus s Adolf Strassburger. Bielefeld 1 Radfahrer-Verein„Dornberg“ (Mitglied des Arbeiter-Radfahrer-Bundes Solidarität). Am Sonntag, den 31. Jannar, feiert obiger Verein in den Lokalitäten des Herrn August Indiestel, Bielefeld, Bürgerweg 14, sein diesjähriges großes aen Drace Wieker unter Mitwirkung der größten Spezialkräfte. Anfang: 3 Uhr 59 Minnten 60 Sekunden. Ende: Wänn jeder upu Koppe stächt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Dex Tat, Entree: Herren=Karten 60 Pfg., Damen=Karten 30 Pfg. NB. Kappe wird an jeden gratis verabfolgt. 634 Arbeiter-Radfahrer-Bund„Solidarität“ Gau 12. f. Bezirk. Sonntag, den 31. Jannar 1909: Grosses Winter- Fest im Lokale des Herrn Lohmann, Schildescherstraße. Es ladet freundlichst ein 591 Arb.-Radfahrer-Klub„Edelweisa“, Brake. Restaurant zum Siegtried. Am Sountag, den 31. d. M., feirt der Gesangverein Kamphofer Liedertafel sein diesjähriges Rappenfest 3538 unter gütiger Mitwirkung d's Arbeiter=Turnvereins Westsalia sowie der lustigen Eggetaler. Anfang 4 Uhr. 639* Hierzu ladet freundlichst ein Der Festleiter. Frisch auf! Frisch auf! Am Sonntag, den 31. Januar, feiert die Freie Radfahrer-Vereinigung Bielefeld Abt. II„Corona“ Mitglied des Arheiter-Radfahrer Bundes„Solidacität“ ihr diesjähiges " r Tres. in den Lokalitäten der Frau Ww. Kleinert, Detmolderstraße. Zu diesem genußreichen Feste ladet ergebenst ein 632* Das Fest=Komitce. Heinr. Bewekenhor Bürgermeg 50. s146 Sonntag, den 31. Jan.. Ball. Heute Sonnabend, den 30. Januar 1909, abends 8¼ Uhr: 635 Gr. Sport-Vorstellung. 8 Sonntag, den 31. Januar 1909: e brillante Vorstellungen nachmittags 4 Uhr und abends 8¼ Uhr. 8 In jeder Vorstellung: 2 Vorführung der Löwengruppe sowie Fortsetzung der internationalen Ringkampf=Konkurrenz. Sonntag abend ringen: Jacob Koch gegen Gebhardt Weltmeister Schweiz 5 Luppa gegen Gambier 8 Berlin Frankreich Brill gegen Christensen Westsalen Schweden Sonntag nachmittag 4 Uhr ringen: 0 Luppa gegen Christensen] Gebhardt gegen Michailows 2 Berlin Schweden 1 Schreiz Ural Kosak 2 Sonntag abend 8¼4 Uhr ringen: Jussuff Madrali geg Ehlert# Türkei Els.=Loth.# Brill gegen Karoli* Wesifalen Ungarn " Jacob Koch gegen André Wi meister Holland 3 Gerikoff gegen Luppa Rußland Berlin 1 Rathausstrasse 1. Fernsprecher 1540. unst. Vortrag des Prof. Seeck-Berlin mit Lichtbildern am Mittwoch, den 3. Februar, abends 8½ Uhr, im grossen Saale des Vereinshauses(Bahnhofstrasse), veranstaltet vom Magistrat der Stadt Bieleield u. d. Gewerbeuerein Sielsteld. Jedermann hat Zutritt! Eintritt frei 569 Der Magistrat. Verein für Inseklenkunde, Bieletein (früher Entomologischer Verein Lepidoptera). Mittwoch, den 3. Februar, abends 8½ Uhr: Vereins-Sitzung und Vortrag. Sonnabend, den 6. Februar, abends 9 Uhr: Gemütlicher Herren-Abend& im Vereinslokal Modersehn. 638 Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorotand. Frel-Konzert jeden Sonntag von 4 Uhr ab KEE Freitag, 5. Februar 1000, abends 8 Uhr: " Abchheinents Konzert des Städt. Orchesters im„Stadt-Theater“. Leitung: Kapellmeister Max Cahnbley. 1. H. G. Noren:„Kaleidoskop“, Variationen u. Doppelfuge. 2. P. I. Tschaikowsky: Symphonie pathétique Nr. 6, (H-moll). Vorverkauf in der Musikalienhandlung H. Seile. wozu freundlichst einladet.(595 Hugo Wöhler, Heeperstrasse 78. H. Bracksiek, Hallerweg. Tanz frei. Sonntag, den 31. Januar: 615 WGrosser Grosse Kurfürsten-Hallo! 614 Am Sonntag, den 31. Jannar: PBAUL. Es ladet ein Fritz Risch. 617• W. Tuxhorn, Bleichstrasse. 9— Sonntag, den 31. Januar:(6634“ TANZ. W• TANZ. Es ladet freundlichst ein VV. Tuxhorn. Restaurant G. Preudenau, Heeperstr. 126. Sonntag, den 31. Jannar S S 594 TANZ.G □ VANZ. Aug. Heybrok, Spindesstraße 68. Sonntag, den 31. Januar 1909: 622“ TANTZ. Lonzettina=Besetzung. Am Sonntag, den 31. Jannar 1909: Grosser Ball. Hierzu ladet freundlichst ein U0 Vogt, Hallerweg. C. H. Apenbrink, Herforderstr. 242. Am Sonntag, den 31. Jannar:(621* ANZ. ertei0es Gesangvereins„Concordia“ findet am Sonnabend, 6. Februar, in den Lokalitälen der Ww. Kleinert, Detmolderstr., statt. Anfang 8 Uhr abends. 480 Der Vorstand. Die Preise sind im Schaufenster des Herrn Friseur Schönemann, Ulm.ustraße, ausgestellt. Kassenöfinung 7½ Uhr. 596 Allen Freunden und Gönnern zur gefl. Nachlicht, daß ich mit dem heutigen Tage die F furf“, Wiethaule (Westfälischer Hof) Bahnhofstraße übernommen habe, und bitte daher um geneigten Zuspruch. 627* Hochachtungsvoll Hermann Brackwede. Der Arbeiter=Radfahrer=Verein feiert am Sonntag, den 31. Januar, seinen diesjährigen großen * #ca im Lokale des Wirts K. Schröder. Anfang 4 Uhr. Ende wenn's vorbei ist. Zu diesem genußreichen Feste ladet ergebenst ein 589 Der Festausschuss. Herford. Herford. Sonntag, den 31. Jannar * feiert der Arbeiter-Radfahrerverein„Meteor“ im Lokale des Herrn Withelm Läge, Bahnhofshotel, ein gemütliches Kranzenen Aufang nachmittags 4 Uhr. Zu diesem Feste ladet freundlichst ein 583 Der Vorstand. ** Ausverkauf Schonthons-Vereummlang Dienstag, 2 Februar, abends 6½ Uhr in der 00 in Uhren und Goldwaren mit 20 10 Rabatt auf sämtliche Waren. 80 Vom 1. April 1909 ab befindet sich mein Geschäft nur Niedernstr. 35, neben Gebr. Gottschalk. cuf wagler, Niedernstrasse 30. 624 Tagesordnung: Die Gewerbenovelle und der Ausbau der Arbeiterversicherung. Referent: Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt=Berlin. Gewerkschaftsmitglieder! Genossen und Genossinnen! Diese Versammlung soll der Demonstration für die berechtigten Forderungen der Arbeiter und für die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung dienen, es ist deshalb Eure Pflicht, in Massen in derselben zu erscheinen. Der Gewerkschafts=Ausschuß. Die Parteileitung. 1592 in vorliegender Nummer wollen die Lescri. nen und Leser sie Anzeigen Stauttheater. Sonnabend, den 30. Januar, abends 7½ Uhr: Vorstellung zu kleinen Preisen. All-Zeidelberg. Sonntag, den 31. Januar 1909, abends 7 Uhr: Die Else vom Erlenhof. Montag, den 1. Februar 1909, abends 8 Uhr: = Zum letzten Male!= Die Tür ins Freie. Dienstag: Benefiz für den Oberspielleiter Haus Freihen. Stein unter Steinen. Hiergen, Schnnag Schluss des AIoSindr-Aasbelkaufs Sonntag, den 31. Jannar, nachmittags 4 Uhr: 46. Abonnements-Konzert der Schützengesellschaft auf dem Johannisberg. Vocverkaufs=Karten gelten. An der Kasse 50 P'g.(602 sse 9 Husikaufträge 616 Herz Wissrun, Brackwede. zu allen Festlichke iten in jeder Besetzung von 1 bis 30 Mann übernimmt Vom 31. Januar bis einschliesslich 3. Februar. 641 Die zweite Mutter herzergreifendes Drama aus dem Leben. Der neue Kellner Humoristischer Schlager. Die Tochter des Briefträgers Wundervolles Drama. Die Freie Vereinigung Bielefelder Musiker.(605“ Meldungen erbitte an die Geschäftsstelle Bahnhofstraße 35. Hierdurch beehre ich mich, mitzuteilen, daß mein Teilhaber, Herr C. Schulenburg, aus der Firma 610 Schulenburg& Kirchhoff ausgetreten ist, und ich die Aktiva und Passiva dieser Firma allein übernommen habe.— Ich werde das Geschäft in der bisheren Weise unter der neuen Firma Milhelm Kirchhoff Die Wunder des Spiritismus Sehr amüsant. weiter führen. Indem ich die verehrte Kundschaft bitte, ihr geschätztes Wohlwollen auch auf die neue Firma zu übertragen, empfehle ich mich Bielefeld. Hochachtungsvoll im Januar 1909. Bloss einfache Leute Lebensschicksale einer Arbeitertochter. Drama. Eins, zwei, drei, Geschwindigkeit ist keine Hexerei Humorvoll. Der Mann mit dem Straussenmagen Sehr humoristisch. Wohin mit meinem Treffer. Humoristischer Schlager. im neuen Rathause. Tn 8 f /0 für den Wahlkreis Vieleseld-Wiedenbrück. 396 536 Die vereinigten ArbeiterGesang=Vereine feiern am Sonntag, 31. Jannar, ein Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Brackwede. Sonnabend, 30. Jannar, abends ½9 Uhr, im Lokale der Ww. Bischoff, Friedrichsdorferstraße. Vortrag des Genossen Schreck: ZolaIbsen=Tolstoi. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVersammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. „ in Brockmanns Berggarten, wozu freundlichst einladet 598 Der Bezirksvorstand. Unentgeltliche Ausleihung von Heimsparkassen. Unentgeltliche Einziehung der Spareinlagen von Geschäftsstunden: 8½—1 Uhr vormittags 3—6 Uhr nachmittags. Annahmestellen: Bürgerweg 34. Firma Kleinjung& Westerheyde. Herforderstr. 82. Herr Apothekenbesitzer L. Müller. Die Verwaltung der Stadtsparkasse. 6219 Toerner. 9. Sere 85 Nur Borst nr 27 Pfg. Ia. Schweinenen Fleischs ntlich untersucht, von Landschweinen. Eimer 30 und und beicioe Bonz, Ann.—. zurzch isem W6ias“(Sar 5o bfo. Bostpacke Nr. 4.—. C. J. Atscheisent, Niel 163 Alles ab Kiel, Nachnahme. Grosse Vorteile bietet beim Einkauf von Vorhemden, Kragen, Manschetten, Krawatten, Handschuhen, Korsetts, ". Schürzen, Unterzeugen, Schmidt'scher Wolle und Strümpfen 450 Ernst Zimmermann Comthurstrasse. Herford. Herford. Herford. Rindfleisch, gute Ware, das Pfd. 60 u. 65 Pfg., sowie gutes 573 Kalb= u. Schweinefleisch zu billigen Preisen. Auch sämtliche Wurstwaren empfiehlt zu eilligen Preisen Wilhelm Esch, Schlachtermeister, Radewigerstrusse 6. Paletots, I MO auf(376 Kreuft Eissch Brunnenstr. 12 a. Negrapt.. Prerar bleibt unerreicht. 831• Heate, Sonnabend, tritt Detektio Hick Carter mit seiner „Die Entlarvung der Banbräuber“ in Szeue. no.— Bibliothek Scherl. Stadtteilen unserer Stadt eine Scherliche Leihbioliothek in Sze die Auswahl der Bücher läßt sich befindet sich minderwertiges kammt es hier nicht an, sonder Lüice vorbanden, w# eine Lüce vorhanden, welche die füllen muß? Diese Frage ist zu hostoht die Arheite Arkeiterschaft besteßt die Arbeite solch reichaltige Auswahl von L Wissens hat, daß jeder, der lesen finden wird. Hiermit unte finden, wird. Hiermit unterstütz daß dies ihm etwas kostet. W 10 Pig ausgeben will, welche Poche und Band fürs Leihen ko zeitschrift„In freien Stunden“ „ d.— Cewrerbegericht(Stadt Jannar. Der Klempner R. klag bicker auf Zahlurg des rückständ Mark. Der Beklagte will dieser Kläger das ihm gelieferte Wer! bei seinem Austritt nicht abgel daß der ihm in der Werkstatt zu aufgebrochen und das Wertzeug d.shalh nicht dafür einstehen. der Beklagte zahlt dem Kläger 5 sich, in der Werkstatt nachzusehe noch etwas vorbanden ist.— D Buchhändler Woller auf Zahlur von 3,25 Mk. Gegen den Bekla lassen.— Der Arbeiter H. Piisterergeschäfts Müllenschläde stöndigen Lohnes in Höhe von zum Termin nicht erschienen ist, erkannt— Der Kutscher S. kl auf Zahlung des Restlohnes im 2 treter der Beklagten gibt an, atbeiter hälten bei dem Transpt zertrümmert, welche der Eigent habe. Der Kläger bezweifelt d von 15 Mk., sodan macht er ge den verursachten Schader aufgere teien vergleichen sich, die Veklagt — Um Sellerie in Massen m ist schweres Land(Weizenboden Stalldünger, am besten Rinderdi netsten. Im Winter wird der B oder Jauche überfahren, hierauf dünger gedüngt. Ist das für die kalkarm so ist es auch für den dem Pflügen im Frühjahr eine Bieleseld. Bauhilfsarbeit 31. Januar, vorm. 10 Uhr, in lungen. Bielefeld. Soz. Verein, 14 morgens 10 Uhr, bei Beckm Brake. Verband der Schn ter. Sonntag, 31. Jan., nac Arbeiterturnvereins: Oeffe Jeden“ B. Schöne, Kaiser-Wilhe — praktische Anstalt für Kur und elektrische Licht- und S Sowie alle an (Auch für Mitglieder sär Aufmerksame Bedienung. NB. Aelteste Kurbadeansta Kreine tn Jedes Wort kostet nur 2 Pig., in### der seilen Ueberschrift 10 Psg. Anzeigen unter dieser Rubrik werdenu Herrenanzüge, Paletols, Konfirmandenanzüge wegen Aufgabe dieser Artikel binig zu per kaufen. Dirksen, Arndistr. 2a.(608 Koufirmandenanzüge, Pal tots, Herrenanzüge wegen Aufgabe dieser Artikel billig zu verkaufen. Dieksen, Arndtstr. 2a.(609* Möbel, zebraucht, fast neu: Kleiderschrank nüchenschrank. Eimerschrank, Betts1lle. 3 Oberbetien, 3 Unterbetten, 6 Kissn, fab lhaft binig. Schillerplatz 175, Eingang durch Hof, 1. Tür ech6. 640 Oefen— Wegen vorgerückter Saison verkaufe jetzt alle noch am Lager habenden Oefen verschiedener Ausführung sowie auch einige sehr gut erhattene Kochherde, zu außergewöhnlich niedrigen Preisen. Vogelsang Nachf., Kaiserstr. 25.. 489* Fahrräder werden unter billigste Berechnung emailliet und vernickelt. Eigene Emaillier= und Reparatur=Werkstatt. Sämtliche Ersatzteile auf Lager. Otto Acler, Sieker 351.. 52.“ vo.— Bibliothek Scherl. In letzter Zeit ist in einzelnen Stadtteilen unserer Stadt eine planmäßige Agitation für die Scherlsche Leihbioliothek in Szene gesetzt worden. Schon über die Auswahl der Bücher läßt sich ja wool mancherlei sagen. Es gaft besteht die Arbeiter=Zentral=Bibliothek, welche eine nich remmitige Auswahl von Literatur aus allen Gebieten des Wissens hat, daß jeder, der lesen will, schon das Richtige herausfinden wird. Hiermit unterstützt er die Arbeiterbewegung, ohne daß dies ihm etwas kostet. Wer aber trotzdem durchaus die 10 zg ausgeben will, welche die Bibliothek von Scherl pro oche und Band fürs Leihen kostet, der bestelle sich die Romanzeitschrift„In freien Stunden“. " d.— Gewerbegericht(Stadt). Spruchsitzung vom 20. Jannar. Der Klempner R. klagt gegen den Installateur Steiner auf Zahlurg des rückständigen Lohnes in Höhe von 5,26 Mark. Der Beklagte will diesen Betrag nicht zahlen, weil der Aliger das ihm gelieferte Werkzeug im Werte von 11,75 Ml. sich, in der Werkstatt nachzusehen, ob dort von dem Werkzeug noch etwas vorbanden ist.— Der Arbeiter H. klagt gegen den Buchhändler Woller auf Zahlung des Restlohnes im Betrage von 3,25 Mk Gegen den Beklagten wird Versäumnisurteil erArbeiter H. klagt gegen den Inhaber des Pasterergeschästs Müllenschläder Nachf. auf Zahlung des rückständigen Lohnes in Höhe von 119,30 Mk. Da der Beklagte zum Termin nicht erschienen ist, wird den Klageantrage gemäß erkannt— Der Kutscher S. klagt gegen die Firma H. Heller auf Zahlung des Restlohnes im Betrage von 3.75 Mk. Der Vertreter der Beklagten gibt an, Kläger und drei seiner Mitarbeiter hälten bei dem Transport eines Klaviers eine Scheibe zertrümmert, welche der Eigentümer mit 15 Mk. angerechnet habe. Der Kläger bezweifelt die Angemessenheit des Preises von 15 Mk., sodain macht er geltend, daß der Lohn nicht gegen den verursachten Schader aufgerechnet werden könnte. Die Parteien vergleichen sich, die Veklagte zahlt den Kläger 2 Mk. — Um Sellerie in Massen mit gutem Erfolge heranzuziehen, ist schweres Land(Weizenboden), das ein Jahr zuvor gut mit Stalldünger, am besten Rinderdünger versehen wurde, am geeignetsten. Im Winter wird der Boden mehrere Male mit Latrinc oder Jauche überfahren, hierauf aber nicht wieder mit Strohdünger gedüngt. Ist das für die Selleriekultur bestimmte Land kalkarm, so ist es auch für den Sellerie von Vorteil, wenn vor dem Pflügen im Frühjahr eine Kalkdüngung gegeben wird. Versammlungen. Bieleseld. Bauhilfsarbeiterverband. Sonntag, der 31. Januar, vorm. 10 Uhr, in allen Sektionen: Versammlungen. Bielefeld. Soz. Verein, 14. Bezirk. Sonntag, 31. Jan., morgens 10 Uhr, bei Beckmann: Besprechung. Brake. Verband der Schneider und Wäschearbeiter. Sonntag, 31. Jan., nachm. 3 Uhr, im Holzschuppen des Arbeiterturnvereins: Oeffentliche Versammlung. Enger. Soz. Verein. Sonntag, 31. Januar, nachm. 1½ Uhr, an bekannter Stelle: Mitgliederversam mlung. Salzuflen. Soz. Berein. Sonntag, 31. Januar, nachm. 2 Uhr, bei Kaiser: General=Versammlung. Schötmar. Fabrikarbeiterverband Sonntag, 31. Januar, morgens 9 Uhr, im„Tivoli“: Mitgliederversammlung. Schötmar. Sonntag, 31. Jan., nachm. 3½ Uhr, im Hotel Brügemann: Gewerkschafts=Versammlung. T.=O. „Die Gewerbeordnungsnovelle und die Gefahr der Verschleppung. Ref. Gen. Sachs=Bielefeld. Münster. Arbeiter=Abstinenten=Bund. Sonntag, 11. Januar, nachm. 5 Uhr, bei Brinkmann: MitgliederVersammlung. s. Herford, 29. Jon. Stadtverordnetensitzung vom 29 Januar. Dei Verhandlung ging ein Vortrag über die höhere Tochterschule in Preußen voraus. Der Referent schilderte mit zu Herzen gehenden Worten, wie man Rücksichten auf die Mädchen nehmen müsse, wenn die Tage kommen, in denen sie Schonung bedürfen. Wie man daher auch für den Besuch des Gymnasiums anstatt 3 Jahre 4 Jahre angesetzt habe, um die Mädchen nicht an der Gesundheit durch Ueberanstrengung zu schädigen. Unwillkürlich fielen uns da die Hunderte Herforder Arbeiterinnen ein, die sich oom frühesten Mädchenalter an in langei Arbeitszeit abrackern müssen. Wer denkt da an Schonung? Ein hundertfaches Verbrechen wird da täglich begangen, ohne daß man solche herzlichen Won#e findet. Nach Beendigung des Referats trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Unter Mitteilungen verliest der Vorsteher eine Petition der Anwohner des Stiftberges, in welcher gebeten wird, der Stiftberger Kirchengemeinde die Erlaubnis zur Erweiterung des Friedhofs zu versagen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung gibt Stadtv. Hülsenbeck die Rechnung der Kasse der höheren Mädchenschule, dieselbe wird ohne Debatte angenommen. Hierauf referiert Stadtv. Modersohn über die vom Magistrat vorgelegte Lustbarkeitsordnung. Diese Vorlage hatte eine große Anzahl der hiesigen Wirte und Schausteller angelockt Es entspinnt sich zu Anfang eine Debatte, ob überhaupt eine solche Steuer weiter bestehen oder ob man sie nicht lieber ganz fallen lassen solle. Mit einer Stimme Mehrheit wird beschlossen, eine Ordnung anzunehmen. Es werden folgende Sätze beschlossen: Für Tanzbelustigung ohne Zeiteinschränkung 6 Mk., für Maskerssall 15 Mk. Bei Zirlusvorstellungen, sofern der Eintrittspreis 50 Pfg. beträgt, 5 Mk., bei einem Eintrittspreis von über 50 Pfg. 15 Mk. und einem Eintrittspreis bis 1,50 Mk 30 Mk. In der Debatte über diese Sätze passierte es dem Stadtv Wend, daß er erst gegen die Erhöhung der Steuer sprach und dann für den höchsten Satz von 30 Mk. stimmte. Bei Theater und Konzert bleibt die Steuer von 3 Mk. Dem Tingeltangel will man besonders zu Leibe gehen, der Magistrat verlangt pro Tag 8 Mk., der Stadtv. Wend stellt den Antrag auf 10 Mk., des letzteren Antrag wird angenommen. Für automatische Musikinstrumente sind pro Jahr 15 Mk. zu zahlen. Kein großer Musikfreund scheint der Stadtv. Depper mann zu sein, mit großem Eifer fordert und beantragt er, die Musikinstrumente, die sich im Privatbesitz befinden, auch zu besteuerm! Er mußte sich belehren lassen, daß nur die Besteuerung der öffentlichen Lustbarkeit au, der Tagesordnung stände. Gymnastiker usw. haben pro Tag 2—4 Mk. zu entrichten Für ein Karussell mit Handbetrieb soll 5 Mk. und für ein solches mit Dampfbetrieb 12 Mk. gezahlt werden. Je 3 Mk. haben die Schaukeln und die Würfel= und Schießbuden zu opfern Audere sind nicht angeführt. Schaustellungen sollen mit 1—15 Mi. bedacht werden, und endlich sollen für die sogenannten kinematographischen Vorführungen pro Tag 2—5 Mk entrichtet werden. Angenommen wurden dann die notwendigen Ausführungsbestimmungen. Die Bestimmungen treten am 1. April 1909 in Kraft. Der Einführung einer Billettsteuer wird im Prinzip zugestimmt, und es wird vom Magistrat eine dahingehende Vorlage erwartet. Ueber die Bürgschaftsübernahme der Stadt für den Bauund Sparverein in Höhe von 100000 Mk. referiert der Stadtv. Hülsenbeck: er empfiehlt die Vorlage an den Magistrat zurückzuverweisen. Der Magistrat soll ersucht werden, geeignete Vorschläge, durch welche der Stadt eine gewisse Sicherheit gegeoen wäre, zu machen. Nach kurzer Diskussion wird der Vorlage 615 Mk. für die Baumpflanzungen an der Werrestraße zu bewilligen, zugestimmt. Ebenso wird eine neue Geschäftsordnung für die Abnahme der Jahresrechnungen ohne Debatte angenommen. Als letzter Punkt wird die erste Lesung der Nebenvorschläge für den Haushalt 1909 vorgenommen. Einwendungen werden hierbei im allgemeinen nicht gemacht, nur bei dem Titel„Bürgerschulen“ wird von mehreren Seiten der Wunsch geäußert, daß die Schulleiter bei Anschaffung von Inventurstücken mehr wie bisher gehalten sein sollen, sich mit der Schulkommission ir Verbindung zu setzen Ganz besonders wird gerügt, daß ieure Schreibtische, Schreibsessel und Schreibzeuge angeschafft werden. Hierauf folgte eine dringliche vertrauliche Sitzung. * Burgsteinfurt, 29. Jan. In einer Volksversammlung referierte Genosse Nibbrig über seine Tätigkeit im Stadtparlament. Von den anderen Stadtverordneten der dritten Klasse war keiner erschienen. Aus dem Referat des Genossen Nibbrig war zu entnehmen, daß die Verhandlungen im hiesigen Stadtverordnetenparlament doch nicht so harmlos sind, wie sie von den hiesigen Blättern hingestellt werden. Mit dem Verhalten der übrigen Stadtverordneten war die Versammlung nicht zufrieden. * Langendreer, 29. Jan. Ein großer Brand wütet auf der Zeche„Amalie". Wie die meisten Fettkohlenzechen, so mußte,Amalia“ einen Teil der Kokserzeugung auf Lager nehmen. Schließlich war eine Menge im Werte von 400000 Mk. gelagert. Dieses Lager ist nun durch Selbstentzündung von innen heraus in Brand geraten. Alle Bemühungen, den wesentlichsten Teil des Kokses zu retten, sind erfolglos geblieben. Die dem Brand entströmende Kohlenoxydgase verpesten die ganze Umgegend. der Einladungen zu Sitzungen von Vereinsvorständen und Kommissionen können wir in Zukunft nicht mehr im textlichen Teil der Zeitung veröffentlichen. Nach Detmold. Die Briefe sind wiederholt ungenügend fraukiert. Warum? Ihr Verlangen war ungesetzlich. Uebr.Strafporto, das konnten Sie verhüten, wenn Sie von dem Doppelbogen Großfolio einen Bogen abtrennten. Nach Burgsteinfurt. gens kostete der Brief Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Besuchen Sie 8 Jeden Tag Neuauslagen. Besuchen Sie 637 Jeden Tag Neuauslagen. * B. Schöne. Kaiser-Wilhelm-Platz 6, Bielefeld, Teleph. 816 praktischer Vertreter der Naturheilkunde— Anstalt für Kur und Kastendampfbäder, elektrische Licht- und Wechselstrombäder, s sowie alle anderen Bäder. (Auch für Mitglieder sämtlicher Krankenkassen.)[5935 Aufmerksame Bedienung. D Billige Preise. NB. Aelteste Kurbadeanstalt am Platze und Umgegend. Kreine Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in#####-Worte mit mehr als 15 Buchstaben der setten Ueberschrift 10 Psg. 4 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Herrenanzüge, Paletols, Konfirmandenanzuge wegen Aufgabe dieser Artikel binig zu verkaufen. Dirksen, Arndistr. 2a.(608 Koufirmandenanzüge, Pal tots, Herrenanzüge wegen Aufgabe dieser Artikel billig zu verkaufen. Dieksen, Arndtstr. 2a.(609* Möbel, zebraucht, fast neu: Kleiderschrank üchenschrank, Eimerschrank. Bettstelle. 3 Oberbetten, 3 Unterbetten, 6 Kissn, fab lhaft binig. Schillerplatz 175, Eingang durch Hof, 1. Tür rechts. 646 Oefen— Herde. Wegen vorgerückter Saison verkaufe jetzt alle noch am Lager habenden Oefen verschiedener Ausführung sowie auch einige sehr gut erhattene Kochherde zu außergewöhnlich niedrigen Preisen. Vogelsang Nachf., Kaiserstr. 25.. 489* Fahrräder werden unter billigste Berechnung emailliet und vernickelt. Eigene Emaillier= und Reparatur=Werkstatt. Sämtliche Ersatzteile auf Lager. Otto Scler, Sieker 351.. 52.“ Kinderwagen, Sportwagen, Sessel, Reisekörbe kaufen Sie am billigsten bei Hrmann Schulze, Korbwarenfabrik, Obernstraße 38. 5457 Kochherde, weiß und schwarz emailliert, wenig gebraucht, in enorm großer Auswahl. sollen räumnneshalber zu jedem nur annehmbaren Preise verkauft werd n. Teilzah ung gestattet. Adolf Heine, Ritterstraße 57. 490 Herren=Anzüge. 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Es werden gesucht: 2 Ackerknchte, 1 Metallformer, 1 Schuhmacher, 4 Kaufmannslehrl., 1 Polstererlehrting, 2 Klempner, 2 Stellmacher, 1 Klempnerlehriing, 1 Schlosserlehrling, 1 Barbierlehrl., 7 Schneider, 1 Eisenformer, 1 Goldschmie delehrling, 1 Schmiedelehrling. Es suchen Arbeit: Bäcker, Drechsler, Bohrer, Bauarbeiter, Dreher, Fabrikarbeiter, Maschinenschlosserlehrling, Dachdecker, Tischler, Gärtner, Kutscher, Schleifer, Handlanger, Maler, Bau= und Maschinenschlosser, Lackierer, Erdarbeiter, Zimmerer, Ziegler, Schreiberlehrling. Weibliche Abteilung. Es werden gesucht: Mehrere Dienstmädchen für Stadt und Land, 1 Köchin zum 1. 2. 1909 nach Oeynhausen, I Zweitmädchen, Köchin nach Münster i. W., 2 junge Dienstmädchen. Es suchen Arbeit: 1 Kinderstäulein nach auswärts, mehrere junge Kontoristinnen, 2 Haushälterinnen, mehrere Arbeits=, Waschund Stundenfrauen. Bielefeld, den 28. Januar. Die Verwaltung. — Von Montag, den 1. 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Technik und# im Baug der„Grundstein“, das Organ in seiner letzten Nummer unter! Organisation“ einen Artikel, der e sationswesen im Baugewerbe dar sucht, inwieweit die technische Ent die davon betroffenen Organisatis bandstag der Maurer hat dem C mit dem Verbande der Bauhilfsar infolgedessen ist das vom„Grun zeitgemäß. Der Artikel bespricht fordernisse des gewerkschaftlichen „Will eine Arbeiterorganisatio glieder wirkungsvoll vertreten, so die Möglichkeit hat, den ganzen Gewerbe zu beeinflussen. Es n der Herstellung eines und des Arbeiter zum einheitlichen Woller deln geführt werden können. Ur Unternehmertum ausüben zu könn der Aktion aller Arbeiter eines F gehen einer verhältnismäßig klei um den Widerstand der Unterne stets muß die Möglichkeit des ge stets muß die Organisation die 9 jenen taktischen Zug tun zu kön wißheit haben, das Vorgehen de Gesichtspunkten bestimmen zu kön scheinlichkeit fehlt, daß ein gem werden könnte, muß sie die Mack sich die Freiheit der Entschließun eigenen Seite mit unbekannten Aber das heutige Gewerkschaf sätzen nicht vollständig, es trägt lichen Gliederung, wie sie vor 20 jener Zeit hat die technische Entn Produktion ganz gewaltig beeinf haben sich verändert, es sind neu haben ein anderes Gepräge er Fortschritt folgende Arbeitsteiln Produktionsprozesses in mehr Spezialgruppen entstehen lassen, Produktions= oder Industriever werkschaftlichen Arbeit dringend meistens nur Einzelverrichtunge dukt umfaßt, zu dessen gebraud fünf, acht, zehn und mehr Grup Es werden dann die Schwier beruflichen Zersplitterung der gewerkschaftlichen Aktionen erwac der speziellen Gruppeninteressen, meinheit der Arbeiter des betref Gefahr, daß die eine Gruppe b Arbeiten mit verrichtet; die Un tische Dispositionen zu treffen. der anderen Gruppen zu ungel gezogen zu werden. Man habe winden versucht durch Kartellver begrenzte Sicherheit gewährten. empfunden werde, habe auch die beteiligten Gewerkschaften bewidieser allgemeinen Reflexionen dann „ Für, unser Bangewerhe, hot. „Für unser Baugewerbe hat Seite, die sich nicht beleuchten l lung in unserem Beruf, wenigst Maurergewerbe ist in seiner liche Arbeitsvorgang beim Mau nicht wesentlich von dem, den w längstversunkener Kulturepochen Sklavenarbeit, die Zeit der Zür mus überdauert, ohne sich an (wenn man von der Anwendung Die Maschinen= wie die Frauei funden, und es ist auch wohl Oliver 37 Von Charl Aus dem Englischen v Unter anderen scharfsinnige geworfen, ob Mr. Giles wirkl als sein zweites Pistol untersuc mit Pulver geladen war,— Eindruck auf alle machte, den Minuten zuvor die Kugel here Eindruck machte sie aber auf schrecklichsten Angst geschwebt h wundet zu haben, und nunmehr günstigte, daß auch das erste gewesen sei. Endlich entfernten sich um Oliner viel zu kümmer Oliver viel zu zurücklassend und unter dem V wiederzukommen. Am anderen Morgen verbr welchem sie übernachtet, das 6 ein Knabe in der Nacht unte halten und nach Kingston gebro schrumpften hei genauer indes bei genauer schober geschlafen hatten. was, doch nur mit Gefängnis bestraft vollen Augen des englischen, m tanen umfassenden Gesetze, in dizien, nicht als ein genügende Schläfer gewaltsamen Einbruch Todesstrafe verfallen sind. B gerade so klug zurück, wie sie Kurz, nach mehrfachen Ver wohnende Friedensrichter leich Mr. Losbernes Bürgschaft für anzunehmen, falls er zitiert Duff gingen nachdem sie dr waren, mit geteilten Meinunge letztere, nach reiflicher Ueberle zu der Annahme hinneigte, de Familie Pet ausgegangen sei. geneigt war, das ganze VerdiChickweed zuzuschreiben. Mit Oliver besserte es sich Behandlung und Pflege Mrs herzigen Doktors. Wenn gl Dankbarkeit überfließend, im was sind Gebete, wenn der O 0 Nr. Bielefeld, Sonnabend, 30. Januar 1909. 20. Jahrg. Technik und Organisation im Baugewerbe. Der„Grundstein“, das Organ des Maurerverbandes, bringt in seiner letzten Nummer unter der Ueberschrift„Technik und Organisation“ einen Artikel, der eine Studie über das Organisationswesen im Baugewerbe darstellt. Es wird darin untersucht, inwieweit die technische Entwicklung im Baugewerbe auf die davon betroffenen Organisationen wirkt. Der letzte Verbandstag der Maurer hat dem Gedanken einer Verschmelzung mit dem Verbande der Bauhilfsarbeiter im Prinzip zugestimmt, infolgedessen ist das vom„Grundstein“ erörterte Thema sehr zeitgemäß. Der Artikel bespricht zunächst die allgemeinen Erfordernisse des gewerkschaftlichen Kampfes: „Will eine Arbeiterorganisation die Interessen ihrer Mitglieder wirkungsvoll vertreten, so kann sie das nur, wenn sie die Möglichkeit hat, den ganzen Produktionshergang in ihrem Gewerbe zu beeinflussen. Es müssen also möglichst alle an der Herstellung eines und desselben Produktes beschäftigten Arbeiter zum einheitlichen Wollen und zum solidarischen Handeln geführt werden können. Um den nötigen Druck auf das Unternehmertum ausüben zu können, bedarf es zwar nicht immer der Aktion aller Arbeiter eines Betriebes; oft genügt das Vorgehen einer verhältnismäßig kleinen, aber mächtigen Gruppe, um den Widerstand der Unternehmer zu erschüttern. Aber stets muß die Möglichkeit des gemeinsamen Handelns da sein, stets muß die Organisation die Macht haben, bald diesen, bald jenen taktischen Zug tun zu können. Stets muß sie die Gewißheit haben, das Vorgehen der Arbeiter nach einheitlichen Gesichtspunkten bestimmen zu können. Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit fehlt, daß ein gemeinsames Handeln notwendig werden könnte, muß sie die Macht, es zu entrieren, haben, um sich die Freiheit der Entschließung zu sichern, um nicht auf der eigenen Seite mit unbekannten Größen rechnen zu müssen.“ Aber das heutige Gewerkschaftswesen genugt diesen Grundsätzen nicht vollständig, es trägt noch das Gepräge der beruflichen Gliederung, wie sie vor 20 oder 30 Jahren bestand. Seit jener Zeit hat die technische Entwicklung die Verfassung unserer Produktion ganz gewaltig beeinflußt. Die Produttionsmethoden haben sich verändert, es sind neue Berufe entstanden, bestehende haben ein anderes Gepräge erhalten. Die dem technischen Fortschritt folgende Arbeitsteilung mit ihrer Zeclegung des Produktionsprozesses in mehrere Einzelverrichtungen hat Spezialgruppen entstehen lassen, deren Zusammenfassung zu Produktions= oder Industrieverbänden im Interesse der gewerkschaftlichen Arbeit dringend geboten ist, weil ihre Tätigkeit meistens nur Einzelverrichtungen an einem bestimmten Produkt umfaßt, zu dessen gebrauchsfertiger Herstellung sich oft fünf, acht, zehn und mehr Gruppen die Hand reichen. Es werden dann die Schwierigketten besprochen, die aus der beruflichen Zersplitterung der Arbeiterorganisationen für die gewerkschaftlichen Aktionen erwachsen: Die einseitige Vertretung der speziellen Gruppeninteressen, ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit der Arbeiter des betreffenden Produktionszweiges; die Gefahr, daß die eine Gruppe beim Kampf der anderen deren Arbeiten mit verrichtet; die Unmöglichkeit, weiterblickende taktische Dispositionen zu treffen, und die Gefahr, durch Kämpfe der anderen Gruppen zu ungelegener Zeit in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Man have diese Schwierigkeiten zu uberwinden versucht durch Kartellverträge, die jedoch auch nur eine begrenzte Sicherheit gewährten. Wie schwer dieser Zustand empfunden werde, habe auch die Konferenz der an den Werften beteiligten Gewerkschaften bewiesen. In der Nutzanwendung dieser allgemeinen Reflexionen auf das Baugewerve heißt es dann: „Für unser Baugewerbe hat die Frage noch eine besondere Seite, die sich nicht beleuchten läßt, ohne die technische Entwicklung in unserem Beruf wenigstens kurz zu kennzeichnen. Das Maurergewerbe ist in seiner Technik konservativ. Der eigentliche Arveitsvorgang beim Mauern unterscheidet sich heute noch nicht wesentlich von dem, den wir aus den ältesten Ueberresten längstversunkener Kulturepochen kennen. Er hat die Zeit der Sklavenarbeit, die Zeit der Zünfte und die Zeit des Kapitalismus überdauert, ohne sich anders als im Tempo zu ändern (wenn man von der Anwendung anderer Steinverbände absieht). Die Maschinen= wie die Frauenarbeit hat keinen Eingang gefunden, und es ist auch wohl nicht anzunehmen, daß es einOliver Twist. Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. mal geschehen wird, wenn man es auch nicht für alle Zukunft verreden soll. In dieser Hinsicht hat das Maurergewerbe seinen alten Charakter bewahrt. Aber trotzdem ist die neuzeitliche Technik nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Auch das Baugewerbe hat dem Prinzip der Arbeitsteilung seinen Tribut zollen müssen. Es hat Spezialgruppen erhalten, und gar nicht so wenig. Wir haben Putzer, Rabitzputzer, Stukkateure(soweit sie Putzarbeiten verrichten), Fuger, Fliesenleger und andere mehr. Aber die einschneidendste Umwandlung hat den Weg nicht über die Arbeitsverteilung, sondern über das Material gefunden. Der Beton, und besonders der Eisenbeton, diese schnellwachsenden Kinder der jüngsten Zeit, sind seit etwa zehn Jahren dabei, das Baugewerbe vollig umzugestalten. Der Beton an sich ist allerdings keineswegs erst eine Errungenschaft der neuesten Zeit. aber seine umfassendere Verwendung, und damit seine überragende Bedeutung für das Baugewerbe, ist noch nicht alt. Gegenwärtig wird er in großem Umfange als Baustoff verwendet; man kann fast sagen, daß gar kein größeres Bauwerk mehr entsteht, zu dem nicht der Beton in irgend einer Form beitrüge. Das Tiefbauwesen ist sozusagen vollständig vom Beton erobert worden. Abflußröhren aller Weiten. Tunnelkörper, Geleissockel usw., werden aus Beton hergestellt. Wo man fruher Tonröhren verwendete, oder wo man zum Ziegel- oder Quadermauerwerk griff, da nimmt man heute den Beton. Hafenanlagen, Brückenbauten, Stromböschungen, sie werden in Beton hergestellt. Wo früher Millionen Ziegelsteine vermauert wurden, da stampft man heute die graue Masse in die Gruben oder Schalungen. Der Vorzug dieses neuen Baustoffes liegt einmal in seinen geringeren Herstellungskosten, zum anderen aber in der Bequemlichkeit seiner Beschaffung und Verarbeitung. Ziegel- und Quadersteine müssen oft weit hergeholt werden, Zement aber ist leicht zu transportieren, und Kies oder einschlag findet man schließlich in jeder Gegend. Für den Hochbau kam der Beton erst dann ernstlich in Betracht, als man ihn armierte, d. h. als man ihn mit Eiseneinlagen versah. Dadurch wurde es möglich, ihm bei geringerem Rauminhalt eine größere Druck= und Zugfestigkeit zu geben, und nun konnte er auch im Hochbau verwendet werden. Zuerst geschah es in Amerika: aber bald hatte man auch bei uns die Vorteile der neuen Bauweise erkannt und führte sie gleichfalls im Hochbau ein. Man stellt aus Eisenbeton sowohl Ring= und Scheidewände wie Pfeiler, Balken, Bedachungen und alle möglichen Konstruktionsteile her. Es braucht in diesem Zusammenhang nicht erörtert zu werden, ob diese Bevorzugung des Betons gerechtfertigt ist— wir kennen seine Nachteile für uns, von denen die Erhohung der Unfallgefahr am meisten fühlbar ist—, wir haben hier nur die Tatsachen zu konstatieren und zu untersuchen, wie sie das Organisationsleben beeinflussen. Das muß man sich vor Augen halten, um so mehr, da sich die Betonbauweise stetig mehr ausdehnt und weitere Gebiete erobert. Schon heute stellt man ganze Gebäude in Beton bezw. Eisenbeton her, und welche Resultate man dabei erzielen kann, zeigt uns das große Kaufhaus in Berlin an der Friedrichstraßenpassage, das nahezu vollständig in Beton hergestellt ist. Mag der Wohnungsbau aus mancherlei Gründen dem Beton vorläufig, vielleicht für immer verschlossen bleiben, die Geschäftshäuser, die Speicher, die Silos werden ihm bald alle verfallen sein. Was ist nun die Folge dieser neuen Bauweise? Es kommt eine ganz besondere Gruppe von Bauarbeitern auf: die Zementierer, wie man sie genannt hat. Die berufliche Gliederung der Arbeiter, wie wir sie im althergebrachten Baugewerbe als Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter kennen, ist beim Betonbau zum großen Teil aufgehoben. Der sogenannte ungelernte Arbeiter mischt das Material und macht es gebrauchsfertig(wenn es nicht von Betonwerken fertig angeliefert wird), schafft es an Ort und Stelle, baut die Schalungen für Pfeiler, Träger, Decken usw., stampft die Masse zu festen Gebilden, schalt au. und liefert den Bau sozusagen fertig bis auf den Ausputz. Will und kann der bisherige Maurer nicht müßig zusehen, daß ihm ein Stück seiner früheren Arbeit nach dem anderen entwunden wird, so wird er denselben Gang gehen müssen. Er wird versuchen, an der Karre vorbeizukommen; da aber die Ausputzarbeiten nicht ausreichen, alle durch den Betonbau überzählig gewordenen Maurer zu beschäftigen, so ist es das nächste, daß sie Einschaler und Stampfer werden und auf diesem Felde mit den „Ungelernten“ in Konkurrenz treten; mindestens bei dem eigentlichen Aufbau des Gebäudes können also„Maurer" und„Hilfsarbeiter“ in bunter Reihe nebeneinander arbeiten und sich gegenseitig ersetzen. In dem Betonbau werden alle Handwerkertypen verschwinden und in den Betonarbeiter, der je nach seiner Anstelligkeit und in stetem Wechsel mit der Schaufel, mit Säge und Hammer, dem Stampfer oder dem Glätteisen arbeiten muß, aufgehen. Ganz gleich, aus welchen Berufen sie auch stammen mögen, sie alle sind an der Herstellung eines und desselben Produkts beschäftigt, und zwar in einem zusammenhangenden, gar nicht trennbaren Arbeitsprozeß. 8 3 Wir greifen wieder zu dem zurna, was wir eingangs ab. die Erfordernisse der gewerkschaftlichen Aktion auf dem Gebicte der Verbesserung der Lohn= und Arbeitsbedingungen gesagt haben: Soll der Einfluß der Arbeiter wirksam sein, so muß er sich auf den ganzen Produktionsprozeß erstrecken, und die Altionen der Arbeiter müssen nach einheitlichen Gesichtspunkten geführt werden. Beides wird durch den Umstand erschwert, daß die Arbeiter in verschiedenen Verbänden organüsiert sind. Die durch die Zersplitterung der Arbeiter herbeigeführte Differenzierung der Interessen wirkt aber auch notwendigerweise zersetzend auf die Solidarität. Selbst bei reichlich vorhandenem guten Willen ist es fast unmöglich, bei der Organisierung der Arbeiter Reibungen mit den anderen beteiligten Organisationen zu verhindern. Denn allhergebrachten Unterscheidungsmerkmale werden hier mehr und mehr verwischt. Der Abstand zwischen„gelernten" und„ungelernten“ Arbeitern verringert sich mehr und mehr, und in demselben Maße, wie dies geschieht, verringert sich die Möglichkeit einer zweifelfreien Bestimmung über die Zuständigkeit dieser oder jener Organisation. Wenn das bisher nicht so augenfällig war, so ist das lediglich das Verdienst der in Betracht kommenden Organisationen, die bei der Schlichtung etwa aufkeimender Grenzstreitigkeiten durch gegenseitiges Entgegenkommen stets eine Verständigung herbeiführten. Aber mit dem weiteren Vordringen der Betonbauweise wachsen die Verhältnisse schließlich auch den Leitungen über den Kopf.„ 1761245 Ein 8. Alle diese Umstände weisen auf die Notwenvi###en hin, die Organisationsverhältnisse im Baugewerbe dem veränderten Wesen des Arbeitsprozesses anzupassen. So, wie sich dieser bei dem Vordringen der Betonbauweise mehr und mehr vereinheitlicht, so müssen auch die daran beteiligten Arbeiter zu einer einheitlichen Organisation drängen. Unter diesen Gesichtspunkten besonders ist die durch den Beschluß des Hannoverschen Verbandstages aufgerollte Frage einer Verschmelzung der heiden größten baugewerblichen Arbeiterverbände, des Verbandes der Bauhilfsarbeiter und unseres Verbandes, zu beurteilen und zu diskutieren. Es ist nach diesen Ausführungen unnötig, zu sagen, daß sich daraus ergibt, die angebahnte Verschmelzung nach Kräften zu fördern.„„ Es mag dahingesteut bleiven, ob man der Argumentation des„Grundstein“ in allen Einzelheiten folgen kann; auf jeden Fall ist die von ihm beleuchtete Seite der Organisationsfrage sehr wichtig und darf nicht außer acht gelassen werden. Es ist dem„Grundstein“ auch darin zuzustimmen, daß die heutige Gliederung im Organisationswesen der Bauarbeiter ihre materielle Berechtigung verloren hat und daß bei der Anpassung an die gewandelten Verhältnisse die technische Entwicklung ge. bührend zu berücksichtigen ist. 87— Unter anderen scharfsinnigen Fragen wurde auch die aufgeworfen, ob Mr. Giles wirklich jemand getroffen habe, und als sein zweites Pistol untersucht wurde, fand sich, daß es nur mit Pulver geladen war,— eine Entdeckung, welche großen Eindruck auf alle machte, den Doktor ausgenommen, der zehn Minuten zuvor die Kugel herausgezogen hatte. Den größten Eindruck machte sie aber auf Mr Giles selbst, der in der schrecklichsten Angst geschwebt hatte, ein unglückliches Kind verwundet zu haben, und nunmehr nach Kräften die Vermutung begünstigte, daß auch das erste Pistol nur mit Pulver geladen gewesen sei. Endlich entfernten sich Blathers und Duff, ohne sich um Oliver viel zu kummern, den Konstabler aus Chertsey zurücklassend und unter dem Versprechen, am anderen Morgen wiederzukommen., 64. 5ich in dem Städtcken. Am anderen Morgen vervreitere sich in dem Stadichen, in welchem sie übernachtet, das Gerücht, daß zwei Männer und ein Knabe in der Nacht unter verdächtigen Umständen angehalten und nach Kingston gebracht wären, wohin sich demgemaß Blathers und Duff begaben. Die verdächtigen Umstände schrumpften indes bei genauerer Nachforschung zu dem einen Umstande zusammen, daß die Delinquenten in einem Heuschober geschlafen hatten, was, obwohl ein großes Verbrechen, doch nur mit Gefängnis bestraft werden kann und in den gnadenvollen Augen des englischen, mit gemeinsamer Liebe alle Untertanen umfassenden Gesetze, in Ermangelung aller sonstigen Indizien, nicht als ein genügender Beweis gilt, daß der oder die Schläfer gewaltsamen Einbruch begangen haben und deshalb der Todesstrafe verfallen sind. Blathers und Duff kehrten daher gerade so klug zurück, wie sie hingereist waren. Kurz, nach mehrfachen Verhandlungen ließ sich der nächstwohnende Friedensrichter leicht bewegen, Mrs. Maylies und Mr. Losbernes Bürgschaft für Olivers Erscheinen vor Gericht anzunehmen, falls er zitiert werden sollte, und Blathers und Duff gingen nachdem sie durch ein paar Guineen belohnt waren, mit geteilten Meinungen nach London zurück, indem der letztere, nach reiflicher Ueberlegung aller betreffenden Umstände, zu der Annahme hinneigte, daß der Einbruchsversuch von der Familie Pet ausgegangen sei, wogegen der erstere ebenso sehr geneigt war, das ganze Verdienst der Tat dem großen Conkey Mit Düiber besserte es sich unter der vereinten sorgältigen Behandlung und Pflege Mrs. Maylies, Roses und des gurherzigen Doktors. Wenn glühende Bitten, aus Herzen von Dankbarkeit überfließend, im Himmel erhört werden. und was sind Gebete, wenn der Himmel sie nicht erp###?—= vernahm er die Segnungen, die das verwaiste Kind auf seine Wohltäter herabflehte, die dadurch mit Friede und Freude in ihrem Innern belohnt wurden. Zweiunddreißigstes Kapitel. Von dem glücklichen Leben, das Oliver bei seinen gütigen Gönnerinnen zu führen anfing. Oliver litt nicht wenig. Zu den Schmerzen der Schußwunde kam noch ein heftiges Fieber, die Folge der Kälte und Nässe, der er nach seiner Verwundung ausgesetzt gewesen war. Er lag mehrere Wochen fest zu Bett, fing indes allmählich an zu genesen und konnte bald unter Tränen mit wenigen Worten ausdrucken, wie tief er die Güte der beiden freundlichen, liebevollen Damen empfände, und wie sehr er wünschte und hoffte, wenn er wiederhergestellt wäre, ihnen die Liebe zu zeigen, die sein Herz erfüllte, ihnen die Ueberzeugung zu verschaffen, daß sie ihre Güte an keinen Unwürdigen verschwendeten, sondern daß der arme verlassene Knabe, den sie vom Elende oder Tode errettet, den glühenden Wunsch hege, ihnen nach all seinen Kräften und mit lausend Freuden zu dienen. „Armes Kind!“ sagte Rose, als er eines Tages mit bleichen Lippen Worte des Dankes zu stammeln versuchte.„Du sollst viele Gelegenheiten erhalten, uns zu dienen, wenn du willst. Wir gehen auf das Land, und meine Tante beabsichtigt, dich mitzunehmen. Die ländliche Ruhe, die reine Luft und die Freuven und Schönheiten des Frühlings werden bald deine gänzliche Genesung bewirken, und wir wollen dir hundert kleine Geschäfte auftragen, sobald du der Mühe gewachsen bist.“ „Der Mühe!“ sagte Oliver.„Ach, wenn ich nur für Sie arbeiten— Ihnen nur Freude machen könnte, dadurch, daß ich Ihre Blumen begösse, Ihre Vögel futterte, den ganzen Tag hin und wieder für Sie liefe, was würde ich darum geben!“ „Du sollst gar nichts darum geben, versetzte Rose lächelnd, denn wie ich es dir schon gesagt habe, wir denken dich auf die vielfachste Weise zu beschäftigen, und du wirst mir die größte Freude bereiten, wenn du nur halb so viel tust, wie du jetzt ver„Ihnen Freude bereiten— o wie gütig Sie sind!“ rief „Du wirst mir mehr Freude bereiten, als ich es dir sagen kann" versetzte die junge Dame.„Es gewährt mir schon unsägliches Vergnügen, zu denken, daß meine liebe, gute Tante ein Werkzeug in den Händen der Vorsehung gewesen ist, einen Knaben aus einer so entsetzlichen Lage zu erretten, wie du sie uns beschrieben hast; allein zu erfahren, daß ihr ling dankbar und liebevoll gegen sie für ihre Wohltätigkeit und ihr Mitleid ist, wird mich weit glücklicher machen, als d vorstellen kannst. Verstehst du mich, Oliver? frugie sie, Olivers nachdenkliches Gesicht betrachtend.... Mint, unn 4aß „O ja, ja, ich verstehe Sie wohl; aber ich meinie uut, vaß ich jetzt undankbar wäre.“ Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 19. Sitzung vom Donnerstag, 28. Jan., mittags 12 Uhr. Am Ministertisch: v. Rheinbaben..... Auf der Tagesordnung steht zunächst vie oritte Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Vereinigung der Städte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt=Burbach zu einer Stadtgemeinde Saarbrücken...., 5— Wat Dr. Maurer(natl.) fragt an, wie es mit dem Wohnungsgeldzuschuß für die Beamten in der neuen Großstadt gehalten werden solle. Nach der neuen Besoldungsordnung ist Saarbrücken um eine Klasse degradiert, St. Johann in derselben geblieben. Da nun die gemeinsame Stadt den Namen Saarbrücken erhält, liege die Vermutung nahe, daß man plane, den Wohnungsgeldzuschuß von Saarbrücken maßgebend sein zu lassen. In der Tat sei aber St. Johann der wirtschaftliche MittelEin Regierungskommissar betont, daß es Sache des Reiches resp. des Bundesrates sei, die neue Stadt eventuell in eine andere Wohnungsgeldzuschußklasse zu versetzen. „Gegen wen denn?“ M S. „Gegen den gütigen Herrn und die gule alle Frau, denen ich so große Wohltaten verdanke, die sich meiner so liebevoll annahmen. Gewiß, sie würden sich freuen, wenn sie es wüßten, wie gut ich es hier habe.“ g—, glt 6 „Das glaube ich auch, und Mr. Losverne hal schon versprochen, dich mitzunehmen zu ihnen, sobald es deine Kräfte erlauben würden"..,„. W„. 145 „Hat er das versprochen: O, ich weiß nicht, was ich vor Freude tun werde, wenn ich sie einmal wiedersehe!“ Oliver war nach einiger Zeit hinlänglich wieder hergestellt, um stark genug zu einer Ausfahrt zu sein und fuhr eines Morgens mit Mr. Losberne in Mrs. Maylies Wagen ab. Als sie an die Brücke von Chertsey kamen, erblaßte Oliver plötzlich und stieß einen lauten Ausruf der Ueberraschung und BeWas gibt es?“ rief der Doktor mit seiner gewöhnlichen Lebhaftigkeit.„Siehst du etwas— hörst du etwas— hast du Schmerz— was gibt s?“. 6 1.45 „Da, Sir!“ sagte Oliver, aus dem Wagenfenster zeigeno. Da, jenes Haus!“., gas. Gutschers He 86 „Was ist mit dem Hause: Halt, Rulscher!— He— was Die Diebe— in das Haus schleppten sie mich, flüsterte „Ist es möglich! Halt, halt, Kutscher!“ rief der Doktor, sprang aus dem Wagen, noch ehe derselbe hielt, lief nach dem verödet aussehenden Hause und fing an wie toll gegen die Tür zu buend, Teufel, was sol. dos3“, jagte ein kleiner, häßlicher, buckliger Mann, der die Tur so plotztich öffnete, daß Losberne fast in das Haus hineingefallen ware. „Was das soll?“ rief der Doktor, ihm ohne Umstände beim Kragen fassend.„Sehi viel soll's. Es handelt sich um Diebstahl „Und es wird sich auch sogleich um Mord bandeln, erwiderle der Bucklige kaltblütig,„wenn Sie nicht sogleich von mir ablassen. „Ich höre sehr wohl,“ sagte der Doktor, ihn kräftig schüttelnd. „Wo ist— wie heißt der verwünschte Halunke gleich— ja, Siket — Spitzbube, wo ist Sikes?" Der Bucklige starrte ihn erstaunt uno wütend an, entschlüpfte ihm, stieß eine Flut der schrecklichsten Verwünschungen aus und ging in das Haus zurück. Bevor er jedoch die Tür wieder verschließen konnte, stürmte der Doktor in das nächste Zimmer hinein und blielte forschend umher, allein von allem, was er sah, wollte nichts mit Olivers Beschreibung zusammenstimmen. „Was soll das bedeuten, daß Sie auf solche Weise in mein Haus eindringen?" fragte nach einigen Augenblicken der Bucklige, der ihn scharf beobachtet hatte.„Wollen Sie mich bestehlen oder ermorden?“ — Abg. Borgmann(Soz.): Der Eingemeindungsvertrag enthält eine Reihe von Punkten, die allgemeines Interesse beanspruchen. Die Tragung der finanziellen Lasten der Durchführung der Singemeindung wird den beteiligten Gemeinden deshalb leichter ist var, das.n die Wertzwachssteuer eingeführt haben. Es . 55#enn eine solche neue Großstadt geschassen wird, der Wert#rs Scund und Bodens außerordentlich in die Höhe 85t3 ie Henzinden sind zum Zusammenschluß gekommen, weil ur tängs so zneinander gewachsen„waren, dag es selbst dem nicht möglich war, die Greuzen zu erkennen. Ganz ähnlich liegt es aber auch in anderen kommunalen Gebilden, und ich hoffe, daß die Einsicht der Regierung, die ihr Verbältmise ich semme ist auch in anderen Fällen, wo die in zwanzig- bis dreißigfach verstärktem Maße entwickelt haben, rommen möge. Ich denke da namentlich an die Berliner Verhältnisse. Auch Berlin mit seinen Vororten stellt zweifellos eine wirtschaftliche Einheit dar. Trotzdem wird die Trennung der einzelnen Gemeinden von Groß=Vertin durch Zie Regierung, känstlichz, hec gehglten. Wenn man den GemeinLehensunterbalt zu gewährleisten.„22gf. Kompxomüß ist zustande gehören hierzu einige Anträge des 3b. die nach den 1100 Mark bis 1500 M umfassen, zu einer Klasse 2 mit 1200 Mark bis 1800 Mark sammengeraßt werden. Und endlich sollen die Gehaltssätze der Klasse 4 statt auf 1200 Mark bis 1700 Mark auf 1300 Mark bis 1900 Mark festgesetzt werden. uehl(kons.):„Die Beschlüsse der Kommission sind schon mit 4 Millionen über die Regierungsvorlage hinausRegierung, künstlich hochge daß sie die Schu d an dem Andauern dieser Verwicsgehensste, muß ich das, namenlich soweit es sich um weisen.(Prösiden mit Entschiedenbeit zurighhegen.(Prustvent v. Kröcher bittet den Redner, bei dieser Gelegenheit nicht auf die Berliner Verhältnisse naher einzugehen.) Ich möchte dann darauf hinweisen, daß ich volles VerLösung 2u finser wird, daß an Stelle der drei Verwaltungen jetzt eine einheitliche Lösung zu Verwaltung tritt, ganz so wie bei Weiter wird in der Begründung mit die Produktion, die Abgabe von Gas, die gemeinsame Verwaltung wesentlich günstiger ausgestaltet werden kann. Bei nicht einheitlicher Verwaltung S 12 Ppsosteraueslm die größeren Gemeinden den kleineren (Heiterkeit) Ebensa ist die J.penatz so wie bei uns in Verin. ergerteiig Spenso ist vie Frage per Kanalisation, des ven. Die Anträsg 5ar Bg,:2isguerungsborigge binaus. gegangen. Die untrage der Sozialbemotraten aber wurden noch 6 Millionen mehr erfordern. Sie haben offenbar nur ggitatorischen Charakter.(Sehr wahr! rechts.] Wenn wir auch bedauern, daß im einzelnen, z. B. bei den Förstern, nicht meor zu erzielen war, so begrüßen wir es doch mit Freuden, daß es zu einem einhelligen Beschluß, aller bürgerlichen Parteien gegenüber.(Pravol rechts, Kommistion steben wie „Finanzminister v. Rheinbaben geht auf die Frage der ein. Es handelte sich dabei darum, eine reilung im Zivildienst die Militäranwärter erst so spät Fn. zur lich hinter so große Einsicht gezeict hat, so liegt das offenbar, caran, daß lungen geleitet dat: Spssernent zpfr., Pegierung die Verhandware wunschenswert, wenn die einsichtigen Dezernenten nach Berlin versetzen bei den Sazz vir auch hier endlich vorwärts kommen.(Bravol Abg. Cassel(Vp.) erklärt, bei dieser Gelegenheit auf die B- Der Geiesenltpilf Piseh sweden zu wolen u ur Ein Gesetzentwurs hei erauf angenommen. Gan do verreffend Abänderung des Gesetzes über dis Sanchare e taste zu Kassel wird in zweiter Beratung debatteu Nai der Tgeesoxfrens stebt alsdann die zweite BeraParteien auschließen, wird die Beratung vorläufig auf eine Stunde ver Schluß 123 Uhr. Wiederbeginn 2½ Uhr. welt gegenüber notwendigerweise gezeigt werde daß das 1.3 welt. gegenur; noinzungetwweng,#gotige gperben, daß das, was in dieser fleißigen, eingehenden Arbeit geleistet worden ist, auch in zweiter Gesung nur gesterteier Lorin ginig—, daß Anträge sam von den Einigungsparteien u gemeinsind. Zweitens ist auch zwischen g uuerschrieben worden Einigungsparteien eine völlige Bogen ver diegierung und den lebereinstimmung erreicht misses angenommen wird, auch von der Regierung als Grundbenutzt wird. Die Regierung hat also die Zusage gegeben, daß sie daß wir die bearündete dir, bigennerle haben, auch Sseisch Heser Jof 44, pes wie ber geschassen 85 att teit dielem Vorschlage gere„Regezigruch bei. du jemals einen Mann in solcher Absicht aus einer Mächen Siesich Sie denn aber sonst?“ fuhr ihn der Bucklige an. Sie reuen: u— angenblicklich aus meinem Hause, oder es wird # Ich, werde gehen sobald es mir beliebt,“ sagte Losberne in keit mit dem von Dlier beschries d eichfalls keine Aehnlich. nach Lister die Schsche, sonmerine, dute, und bil dr bier zu finden. Ich habe Fier e Sie mich suchen, ich bin : Soiür hüßhen sollen Sakür hichens. Sie sollen mi. pen, ouen mir ißgestaltete kleine Dämon fing darauf an, auf das Doktor murmelte vor sich dint& chreien und zu toben, der muß sich geirrt haben, warf Dumme Geschichte! Der Knabe Becg, Terraichrsien id. soen, der sich vor Wut schmend dals ein schien.“ mit den güßen stampste und ganz außer sich zu Stillschweigen.„Hast du das schon gewußt, Oliver as bas Haus„ fuhr er nach einer abermalgen fort,„und die Diebe darin gewesen wären— was hätt' ich als einzelner tun können? Und hätt' ich Veistand gehabt, so wäre auch nichts weiter dabei herausgekommen, als daß meine Voreiligkeit und die Weise kund geworden, wie ich den unangenehmen Handel zu vertuschen gesucht. Es wäre mir freilich gerade recht geschehen, und ich würde nicht dümmer danach geworden sein, denn ich bringe mich selbst in eine Patsche nach der andern, indem ich immer bloß nach den fatalen Eindrücken des Augenblicks handle."(Fortsetzung folgt.) etatsmäßigen Anstellung kommen läßt, daß sie wesentli ihren Kollegen aus dem Zivildienst zurückstehen. Die bealsichtigte Neuregelung erfordert 3 Millionen Mark, aber wir dürfen vor dieser Regelung nicht zurückschrecken. Für Militäranwärter, die 9 Jahre gedient haben, ist danach bei der ersten etatsmäßigen Anstellung, soweit die Militärdienstzeit plus Verbereitungszeit im Zivildienst 12 Jahre übersteigt, die Militärdienstzeit bis zu 3 Jahren mindestens mit einem Jahr, und soweit jene Zeit 12 Jahre nicht übersteigt, m 93. Besoldungsdienstjahr angerechnetz Dies halt ruckwirkende Kraft bis 1892.— Die vollkommer stimmung der Parteien ist ein außerordentlich erfreuliches Ergebnis. Davon weichen nur ab die Anträge der Herren Sozialdemokraten. Wer den Beamten eine Wohltat erweisen will. muß sch auf den„Boden des Erreichbaren, des Möglichen stellen (Bravo! v. d. Mehrheit.), nicht Anträge stellen, welche von vornherein unausführbar sind, und die offenbar— nur ein geeignetes Material zur Agitation— in der Presse bieten sollen. richtig! b. d. Mehrheit.) Ihre Verwirklichung würde 17 Millionen Mark mehr als die Regierungsvorlage und 12 Millionen Mark mehr als die Beschlüsse der Kommission erfordern. (Hört, hört! rechts.) Die Gehälter der Klasse I sind schon nach der Vorlage im Anfangs= und Endgehalt um 200 Mk. aufgebessert, nach dem Kommissionsbeschluß sogar um 300 Mf., wozu noch die Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses kommt. Das Ziel der Vorlage, Ruhe in der Beamtenschaft zu erzielen, wird am meisten dadurch gefördert werden, daß es sich hier um ein einhelliges Votum der gesamten bürgerlichen Parteien handelt. Bravo!] Selbstverständlich ist, daß die Regierung für die Beschlüsse des Kompromisses auch im Herrenhause eintritt. Wenn die Vorlage so in das Land hinausgeht, so hat sich kommission und das Haus einen dauernden Dank land erworben.(Bravo!) Abg. Büchtemann(Fr. Vp.): Wir haben, zu der Rechten, nur nach Ueberwindung sehr großer Bedenken dem Kompromiß zugestimmt. Die Erhöhung der Kosten der Lebenshaltung, wie sie durch eine einseitige Wirtschaftspolitik hervorgerufen worden ist[Unruhe rechts), kann jedenfalls für die Unterbeamten durch die hier vorgesehene Gehaltserhöhung nicht ausgeglichen werden. Die Gehälter des Kompromisses Beamten nur den notdürftigsten Lebensunterhalt gewähren. Besonders bedauerlich ist, daß infolge des Widerspruchs der Regierung die Lokomotivheizer nicht aufgebessert werden konnten. Wir empfinden es auch als unberechtigt, daß die technischen Beamten gegenüber den Verwaltungsbeamten immer noch zurückgesetzt sind.(Sehr wahr! links.] ewoldt(frk.): Ich hoffe, daß infolge des einmütigen Beschlusses der bürgerlichen Parteien in Zukunft die unangenehme Art des Kampfes ausgeschaltet wird, daß einzelne Parteien sich gegenseitig vorwerfen, daß sie ein besseres Herz für die Beamtenschaft hätten, sondern daß wir, nachdem diese Schlacht geschlagen ist, einen völligen trenga Dei(Gottesfrieden) machen. Bravo!) Das Erreichbare glauben wir erreicht zu haben. Wir naren genötigt, nicht nur auf die Interessen der Beamten zu sehen, sondern auch darauf, was unsre erwerbende Klasse ertragen konnte.(Sehr richtig! rechts.) Von einer Not des Lebens, von der der Herr Vorredner sprach, kann bei den BeDie gerommen auf Kosten der schlecht bezahltesten Beamten. Es kann keine Rede davon sein, daß unsere Anträge aus agitatorischen Grünen gestent sind. Ich bedauere, daß nicht nur Mitglieder des Hauses, sondern auch der Vertreter der Regierung uns solche Motive untergeschoben haben. Sie sollten wissen, daß wir mit einer Agitation unter den Beamten schon um deswillen nichts ausrichten könnten, weil die Beamten, die sich zu uns bekennen, doch entlassen würden. Wir haben nur beantragt, was leicht auszuführen ist. Sie könnten uns höchstens den Vorwurf machen, daß wir zu bescheiden gewesen sind.(Lachen rechts.) Man sagt, unsere Anträge erfordern zu viel Mittel. Die Summe von 17 Millionen hört sich gewiß groß an. aber Sie vergessen, daß über 100000 Beamte dabei in Betracht kommen. Es ist richtig, daß die Kommission über die Regierungsvorlage hinausgegangen ist, und daß das Gehalt der allerschlechtest entlohnten Beamten gegen früher schon teilweise um 300 Mk. ausgebessert wird. Aber wir sind eben der Meinung, daß dies, entsprechend den heutigen Lebensverhältnissen, bei den untersten Beamten nicht genügt. In der Tat sind auch die Hoffnungen, namentlich der unteren Beamten, schwer enttäuscht. Wir haven schweren Herzens darauf verzichtet, den untersten Klassen das Anfangsgehalt zu erhöhen, sondern wünschen nur eine Erhöhung des Endgehalts um 100 Mk., damit Preußen wenigstens nicht allzu sehr hinter Bayern zurücksteht. Die Bahnwarter z. B. sollen nach dem Kompromiß ein Gehalt von 1100—1300 Mark beziehen, dazu kommt ein Wohnungsgeldzuschuß von durchschnittlich 300 Mk. Bayern dagegen hat ein Anfangsgehalt für Bahnwärter von 1500 und ein Endgehalt von 1700 Mark. Dazu kommt, daß die Staatsarbeiter nicht das Koalitionsrecht haben und auch infolge des unerhörten Terrorismus der Regierung nicht von ihrem Wahlrecht freien Gebrauch machen können. Der Herr Finanzminister hat den Beamten, die von ihrem Petitionsrecht Gebrauch gemacht haben, agitatorisches Vorgehen vorgeworfen. Wer die Petitionen der Beamten liest, wird darin keine Begründungen für einen solchen Vorwurf finden. Im übrigen kann ich es den Beamten auch nicht übelnehmen, wenn sie sich einmal im Ton versehen, das kommt ja sogar hier im Hause bei hen Beamten vor. Ich erinnere Sie daran, daß der Herr Minister, ohne uns gehört zu haben, unsere Anträge als agitatorisch beeeichnet hat. Nein, unsere Antrage sind aus rein sachlichen####nden gestellt. Sie haben ja selbst zugegeben, daß Sie zum Tei unsere Anträge in der Kommission selbst eingebracht haben. Sind sie denn nur agitatorisch, wenn sie von uns gestellt werden?(Sehr gut! b. d. Soz.] Was die Petitionen der Beamten anbetrifft, so petitionieren sie doch nicht zum Vergnügen, sondern um ihrer Familien willen. Mit 1100 Mk. sollen die Beamten ihre Familien ernähren, ihre Kinder in die Schule schicken! usw. Was Bayern kann, das sollte doch der größte Staat, Preußen, können. Hier haben Sie Gelegenheit, zu zeigen, daß Preußen wirklich nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Welt vorangeht. Was für die Stellung der Mehrheit maßist ja in der Kommission deutlich gesagt worden. Es ist die Rücksicht auf die Industrie. Sie fürchten, daß, wenn Sie den Beamten auskömmliche Gehälter geben, dann die Industriearbeiter, vielleicht auch die Landarbeiter, mit Berufung darauf höhere Lohnforderungen stellen würden.(Sehr wahr! b. d. Soz. Anstatt den Privatunternehmern mit gutem Beispiel voranzugeben, vorenthalten Sie den unteren Beamten mit Rücksicht auf die Unternehmer in der Industrie die durchaus notwendige Erhöhung ihrer Lebenshaltung. Man sagt, das werktätige Volk kann eine höhere Belastung nicht vertragen. Aber es handelt eine Kleinigkeit.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Sie brauchten ja nur die Vermögenssteuer ein wenig, vielleicht um ¼ Prozent, zu erhöhen. Für Sparsamkeit sind wir auch, aber für Sparsamkeit am rechten Ort und nicht bei den Gehältern der schlecht bezahltesten Peamten. Wenn unsere Anträge abgelehnt werden, so haben musterailtig sind.(Bravol b. H. Soz)“ d die Staatsbetriehe Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. der der . In der Abstimmung werden unter Ablehnung sozialdemokratischen Anträge gegen die Stimmen Sozialdemokraten die Beschlüsse der Kommission zur ersten Gruppe angenommen. Nur über eine Position wird die Abstimmung noch ausgesetzt, da noch ein Kompromißantrag in bezug auf die Kanzleidiener des Abgeordnetenhauses eingehen soll. Schlus Pih.te eratung auf Freitag 11 Uhr vertagt. Standesamts-Nachrichten. Amt Ennigloh. Vom 1. bis 15. Januar: e. e r Söhne: Zia=Arbeiter Friedrich Pott, SüdHeiur, SRöße s#eiter Otomar Fritzsche, Südleugern; Kolon — Hilg Bünne: Taget. Friedr. Kxöger, Südlengern; Brüggemeier, Sudlengern; Viehhändler August Haubrok, Hunnebrock; Handarb. Heinr. Weber, Werfen; ZigArbeiter Herm. Riedenschäfer, Ennigloh; Zig.=Sortierer Heinr. Meyer, Ennigloh; Zig.=Arbeiter Heinrich Cahrel, Spradow; Handarbeiter Pörtner, Ennigloh; Pflasterer Wilhelm Kusenberg, Spraoow; Steindrucker Wilh. Lübbing, Ennigloh; Fatrigrkeiteg Aug, Preitegsgonp, Spradov. unte Finke, Ennigloh; Bahnarb. Ernst Schnücke, Ennigloh; Kohlenhändler Heinr. Petersmeier, Iole; Zig.=Arbeiter Herm. Budde. Hunnebrock; Heuerling Heinr. Hrormann, Dünne; Bahnarb. Friedr Ober=Entgelmeier, Haospar Krämer, Ennigloh; Tagelöhner Haspar He“ Sth. lengern: Zig.=Ar Var. Kragann, Holsen; LAistenarbeiter Angast Brodmann. Aufgebote: Zig.=Arbeiter Wilh. Brockmeier, Südlengern, und Zig=Arbeiterin Friederike Künkemeier, Südlengern; Fabrikarbeiter Heinr. Tiemeier, Ennigloh, und gewerbl. Wilhelmine Haddewig, Stockhausen: Ackergebilfe Herm. Hempe, Werfen, und gewerbl. Luise Wippersteg. Werfen. Eheschließungen: Zig.=Arbeiter August Tödtmann, Dünne, und Zig.=Arbeiterin Luise Westerhalt, Dünne; Landwirt With. Schmidt. Hoyel, und gewerbl. Johanne Koring, Hüffen. Sterbefälle: Zig=Arbeiter Kaspar Heinrich Oberein und verlangt von der Regierung eine bestimmte Erklärung ein und verlangt von der Regierung, eine bestimmte Exklürung darüber, ob jeder Unterbeamte um 100 Mk., jeder mi tlere Beamtsensr 15) Ml. gegen den Zustand von 1907 aufgebessert Unterstaatssekretär Dombois legt dar, daß alle Unterbeamten um mindestens 100, alle mittleren um mindestens 150 Mark gegen den Zustand von 1906 aufgebessert werden. Abg Schröder=Kassel(natl.): Auch uns ist die Zustimmung zum Kompromiß sehr schwer geworden.(Lachen b. d. Soz.) Es liegt eben im Wesen des Kompromisses, daß alle Parteien Opfer bringen müssen. Die 17 Millionen mehr würden wir den Beamten eben so gern bewilligen wie die Sozialdemokraten: aber wer die Verhandlungen über die Deckungsfrage verfolgt hat, weiß, wie schwer es schon wird, die nötigen Mittel für den Kompromiß aufzubringen. Auch wir erwarten, daß nun endlich Beruhigung in den Beamtenkreisen eintritt. Abg. Hirsch(Soz.): Meine Freunde haben es nicht nötig, sich an dem Wettbewerbe zugunsten der Rsamten zu beteitigen. Lachen rechts: Sehr gut! b. d. Soz.) Den Beamten wäre es gmten nicht die Rede sein, die für ihr Alter gesichert sind. Not des Lebens trifft ganz andere Kreise der Bevölkerung. (Sehr richtig!). Das Entgegenkommen in bezug auf die Militäranwärter begrüßen wir und hoffen, daß diese Grundsätze auch in werden,(Bragol rechis Reich Nachfolge finden Peltasohn(Fr. Vg.): Der Schwerpunkt der Besoldungsordnung liegt bei den unteren Beamten. Diese trifft die Not der Zeit, die ich doch trotz der Ausführungen des Herrn Vorredners als vorhanden ansehen möchte, zweifellos am meisten. Nur der Kostenpunkt hat uns hier Beschränkungen „Aus diesem Grunde können wir auch die sozialdemoAnträge, die wir ja zum Teil selbst in der Kommission gestellt haben, yier nicht annehmen. Bei Kompromissen muß eben jeder Teil etwas nachgeben.en muns Abg. König(Ztr.): Hunderttausende von Beamten und Familien sehen heute auf unsere Beschlüsse und erwarten von daß wir ihre schwere wirtschaftliche Lage erleichtern. monatelgngen anstrengenden Verhandlungen der Kommission besen, daß wir ernstlich und gewissenhaft geprüft haben, wie weit wir diese Hilfe gewähren können. Wenn wir nun zu einer Einzgans asler bürgerlichen Parteien gekommen sind, so haben meine Freunde, dahei große Opfer bringen müssen. Aver das Kompromiß hat so schwerwiegende Folgen, daß wir glauben, trotz unserer ernstesten Bedenken ihm beitreten zu müssen. Bei einem so wichtigen entscheidenden Werke durften nicht teirücksichten maßgebend sein. Wir glauben, daß der belieber gewesen, Sie hätten es sasen, eondern giten iren auch die Taien solgen igset, Ei Bundeneger, Besenlong. uud Iaariakbeiterin Baisist ja keine angenehme aufgabe, als letzter Redner Antrage zu! Sterbefälle. Heinrich Wilhelm Nottelmann, 1½ igloh, 4 M.: Wilhelm Keinrich Tiemann. Hunnebrock, 7 M.; Rentner Johann Chistian Uflerbaumer, Hunnebrock, 76 J.; Heinrich Hermann Richard Diestelhorst, Dünne, 7 M: Kolon Friedrich Wilhelm Ledendecker, Enniglob, 74 J.; Zig.=Arbeiter Johann Friedrich Krämer, Ahle, 9 J.: Luise Friederike Johanne Ebke, Hunnebrock, 15 T.; Zig.= Arbeiter August Friedrich Kindermann, Dünne, 53 J.; Willi Pörtner, Ennigloh, 1½ Stunde; Marie Johanne Stork, Südlengern, 22 T.: Maurer Johann Heinrich Nobbe, Muccum, 58 I.: Ww. Niedermöller geb. Nobbe, Ennigloh, 62 J.: eine Totgeburt. 4nnigloh, 62 J.; * Amt Enger. In der Zeit vom 15. bis 21. Januar 1909 sind beim hiesigen Standcsamt angezeigt: Geburten. Söhne: Ziegeleiarbeiter Hermann Nottelmann, Enger; Zigarrenarbeiter Heinrich Niestrath, Herringhausen. „„Töchter: Gastwirt Wilfelm Tüscher, Besenkamp; Lagerarbeiter Peter Oberhaus, Westerenger; Maurer Heinrich Hüllinghorst, Herringhausen. fgebote. Metallarbeiter Werner Krenzkamp, DortZulias Beinie, Bidinohausen,