Abonnementspreis : für Bielefeld und Umgegend, sos wie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Si UUradob Jsorue Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ A. Gerisch& Co., Nieleseld. Nr. 12. Bielefeld, Freitag, 15. Januar 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Graf Schlieffen als Schriftsteller. Der„Reichsanzeiger“ hat also feierlich erklärt, daß die Neujahrsansprache des Kaisers an die kommandierenden Generäle nicht für die Oeffentlichkeit bestimmt war. Da die Regierungen stets nur die reine Wahrheit sagen und es noch keiner von ihnen jemals eingefallen ist, ein Vorkommnis abzuleugnen, so wird der„Reichsanzeiger“ wohl recht haben. Auffällig ist es freilich, daß von den Neujahrsansprachen, die der Kaiser von 1889 bis 1908 an die kommandierenden Generäle gehalten hat, niemals Genaueres in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, obwohl Wilhelm II. auch bei diesen Gelegenheiten gewiß manches gesagt haben dürfte, was dem deutschen Volk sehr auf die Nerven gegangen wäre. Erst 1909, just nach dem großen Krach wegen des Interviews, hat sich ein Indiskreter gefunden. Seltsam, sehr seltsam das! So seltsam wie der ganze TschindarabumKurs überhaupt. Nun zu dem vielgenannten Artikel des Generals v Schlieffen! Von einem ehemaligen Chef des Großen Generalstabes, also einem Mann, dem im Ernstfalle die Führung eines Millionenheeres anvertraut ist, hätte man eigentlich besseres erwarten können. Herr v. Schlieffen verwendet z. B. sehr viel Platz für die Konstatierung der jedem Schusterlehrling bekannten Tatsache, daß man in der Gegenwart nicht mehr so angreifen könne, wie in den Zeiten der Lineartaktik und der Kolonnentaktik Napoleons I., daß vielmehr nur dünne Schützenlinien, die sich Deckungen im Terrain suchen müssen, verwendbar seien. Wunderbare Perlen der Weisheit gibt Herr v. Schlieffen über die Landwehr und den Landsturm zum besten, indem er schreibt: „Der Mann, der aus der Kaserne in die Fabrik oder in die Kohlenzeche entlassen ist, kann sich nach 15 Jahren nicht mehr an die Taktik erinnern, die ihm auf dem Paradeplatz seiner Garnison beigebracht worden ist.“ Da haben wir es wieder! Die Fabrikarbeiter und die Bergarbeiter geben die minderwertigen Landwehr- und Landsturmmänner, die sich nicht einmal an das Plänkeln, Patrouillen= gehen, das sie früher gelernt haben, erinnern könnnen. Von den Bauern schweigt Graf Schlieffen, obwohl der Durchschnittsarbeiter wohl nicht geistig minderwertiger ist, wie der Durchschnittsbauer. Selbstverständlich hat der Herr Graf hier kolossal übertrieben. Das bißchen Taktik, das der Soldat im Kriege braucht, kann sich jeder, der nicht zu den Kretins gehört, leicht merken. Außerdem bieret die Mobilmachungsperiode Gelegenheit zur Auffrischung dieser Kenntnisse. Als sehr sonderbar muß es bezeichnet werden, daß Herr von Schlieffen just einen Zeitraum von 15 Jahren für das Schwinden des sozusagen militärischen Gedächtnisses der Arbeiter festsetzt. Sollten dem ehemaligen Chef des Großen Generalstabes vielleicht gar die Fundamente der deutschen Wehrorganisation nicht geläufig sein? Es sieht wirklich so aus, wie wir hiermit beweisen wollen. Der deutsche Soldat ist während seiner Dienstpflicht in der Landwehr ersten Aufgebots zu zwei Uebungen verpflichtet. Eine Uebung wird jeder Landwehrmann tatsächlich absolvieren. Das Alter der Landwehrleute ersten Aufgebots differiert zwischen dem 27. und 35. Lebensjahre, je nachdem sie im ersten, zweiten oder dritten Militärpflichtjahr eingestellt wurden. Auch jene von ihnen, die ihre Uebungsverpflichtung am frühesten erfüllen, kommen erst mit ungefähr 30 Jahren zu ihrer letzten Einberufung. Die Wehrpflicht endet mit dem Beginn des 46. Lebensjahres. Wer 45 Jahre alt und älter ist, darf auch im Kriegsfalle nicht mehr zum Waffendienst einberufen werden, denn mit dem vollendeten 45. Lebensjahre hört auch die Verpflichtung zum Dienst im Landsturm zweiten Aufgebots auf. Rekapitulieren wir: In dem für ihn günstigsten Fall leistet der Mann seine letzte Uebun, mit 30 Jahren ab und mit 45 Jahren ist er jeder Wehrpflicht ledig. Ja, um des Himmels willen, wo sind denn die Leute, die seit 15 Jahren nicht mehr geübt haben und dem Herrn Grafen so großen Kummer verursachen? Sie bilden einen Teil des allerletzten Jahrganges des Landsturmes zweiten Aufgebots. Aber nur einen Teil! Denn jene, die erst mit 31 Jahren und später ihre letzte Uebung absolviert haben, zählen schon nicht mehr mit. Auch bei sehr optimischer Schätzung ergibt sich, daß die Zahl der kriegsbrauchbaren Landsturmmänner zweiten Aufgebots, die seit 15 Jahren nicht mehr geübt haben, nur 90000 betragen kann. Was will das bei dem deutschen Millionenheer bedeuten? Tabei ist nicht zu vergessen, daß die letzten Jahrgänge des Landsturmes zweiten Aufgebotes im Feldkrieg nicht mehr zu verwenden sind. Man sehe sich nun die oben zitierten Worte des Grafen von Schlieffen genau an. Aus ihnen geht deutlich hervor, daß der Herr Graf es geradezu als normal ansieht, daß die Angehörigen der Landwehr zweiten Aufgebotes und des Landsturmes zweiten Aufgebotes sich seit 15 Jahren an keiner militärischen Uebung beteilig thaben. Ist das nicht reizend? Kann man uns unrecht geben, wenn wir die Vermutung aussprechen, daß der ehemalige Chef des Großen Generalstabes die Fundamente der deutschen Wehrorganisation nicht genau kennt? Lieb Vaterland magst ruhig sein! „ Aber es kommt leider noch ärger. Der Herr Graf fährt namlich fort: „Das Gewehr, aus dem der Landwehrmann als Rekrut auf dem Schießstande geschossen hat, ist längst an einen schwarzen Krieger der Kolonialgebiete verhandelt worden. Die neue Waffe, die ihm in die Hand gedrückt wird, betrachtet er mit dem gleichen Mißtrauen, mit dem ein Grenadier des alten Dessauers an ein Zündnadelgewehr herangegangen wäre.“ Hier gerät man in die Versuchung, sich an den Kopf zu greifen und zu fragen, ob ein kgl. preußischer General so etwas schreiben konnte. Wer solche Behauptungen aufstellt, hat offenbai keine Ahnung von dem Gewehrsystemen, die die deutsche Infanierie bisher geführt hat. Diese Systeme haben nämlich, was den Verschluß= und Spannmechanismus anbelangt, miteinander eine sehr große Aehnlichkeit. Ebenso wie das Gewehr M 71 hat das Gewehr M 98 einen Zylinderverschluß, d. h. der Lauf wird nach rückwärts durch einen hohlen Zylinder abgeschlossen, der in seinem Innern die Schlagbolzenfeder und den Schlagbolzen enthält. Wer ein Gewehr M 71 und ein Gewehr M 98 nebeneinander legt, wird sehen, daß die beiden Waffen äußerlich durchaus keine großen Verschiedenheiten aufweisen, sondern einander sehr ähnlich sind. Noch größer ist die äußere Aehnlichkeit zwischer dem Gewehr M 88 und M 98. Das Gewehr, das nach Herrn von Schlieffen dem Landwehrmann in die Hand gedrückt wird(wie zärtlich!), unterscheidet sich also äußerlich von dem, das er als Rekrut führte, nur wenig, so daß gar kein Grund zu einem Mißtrauen vorhanden ist. Wer weiß, wie das Gewehr M 71 geladen wird, lernt in einer Minute, wie die Gewehre M 88 und M 98 geladen werden. Und wenn dann der Landwehrmann auf dem Schießplatz mit dem ihm in bezug auf Schußleistungen bisher fremden Gewehr schon nach den ersten zwei Schüssen die Erfahrung macht, daß diese Waffe viel präziser schießt als die frühere und auch viel besser in der Hand liegt, so wird er herzlich froh sein, daß er von der„alten Latte“ befreit ist. Amüsant ist es auch, daß Graf Schlieffen die Grenadiere des alten Dessauers aus dem Grabe zitiert. Du lieber Himmel, Exzellenz, wissen Sie denn nicht, daß damals die Soldaten noch gar nicht nach der Scheibe schossen, daß es ein regelrechtes Zielen gar nicht gab, ja die Militärgewehre nicht einmal darauf eingerichtet waren, weil sie keine abgeschrägten Kolben hatten? Uebrigens hätten die Grenadiere des alten Dessauers vollkommene Trottel sein müssen, wenn sie nicht sehr bald erkannt hätten, daß das Zündnabelgewehr besser schießt und viel schneller zu laden ist, als die jämmerlichen Flinten, die man ihnen gab, Flinten, bei denen das Laden in 22 Tempos eingeteilt war und die nicht weiter schossen als 200 Schritte. Auf jeden Fall hätten sie sehr schnell eingesehen, daß ihnen das Zündnadelgewehr bedeutend weniger Prugel einträgt. In folgendem Satz kommt der Herr Graf schon wieder mit dem militärischeminderwertigen Fabrikarbeiter. Hier heißt es: „Der Fabrikarbeiter, der gewohnt ist, morgens den Arbeitsplatz, abends sein Heim mit dem Rade aufzusuchen, wird schwerlich, mit Waffe, Munition und Tornister beladen, täglich 30 bis 40 Kilometer zurückzulegen vermögen.“ Das Radeln macht also untauglich zum Marschieren. Wahrscheinlich hat der Spaßvogel recht, der einmal sagte, die zivilisierten Menschen würden infolge des Radfahrens in dreißig Jahren überhaupt nicht mehr gehen, sondern nur hüpfen können, wie die Flöhe. Der zur Verfügung stehende Raum verbietet es, die Schlieffenschen Ausführungen Satz für Satz zu besprechen, und daher müssen wir uns, nachdem wir die Kenntnisse Seiner Exzellenz auf den Gebieten der Wehrorganisation und der Waffenlehre näher beleuchtet haben, kürzer fassen. Der Herr Graf spricht u. a. sein Befremden und seine Sorge darüber aus, daß das Deutsche Reich und Oesterreich= Ungarn von einem Ring fremdländischer Befestigungen umgeben seien. Der Grund hierfür ist aber sehr einfach und durchaus nicht in einer furchtbaren Feindschaft gegen das Deutsche Reich, sondern nur in der Geographie zu suchen. Deutschland und Oesterreich=Ungarn liegen im Zentrum von Europa, und daher ist es selbstverständlich, daß sie von den Befestigungen, die die anderen Staaten, gewitzigt durch die preußischen Eroberungen von 1866 und die deutschen von 1870, an ihren Grenzen errichtet haben, umgeben sind. Das Ausland ist eben sehr vorsichtig geworden. Das kann ihm angesichts der Bismarckschen Blut= und Eisenpolitik und der darauf folgenden Periode„der Friedensreden mit der Hand am Schwertknauf“ kein vernünftiger Mensch verargen. Von den sonstigen Provokationen, die die ausländischen Regierungen in der genannten Periode über sich ergehen ließen, wird man leider erst in 40 oder 50 Jahren, wenn aus den geheimen Staatsarchiven etliche Aktenstücke herausmarschieren können, erfahren. Ist übrigens das Deutsche Reich gar so harmlos im Festungsbau? Hat es in Metz nicht ein kolossales Bollwerk errichtet, dessen äußerste Westforts bis auf wenige Kilometer an die französische Grenze heranreichen? Dabei beträgt die Entfernung (Luftlinie) von Metz nach Paris nur 270 Kilometer, jene von den französischen Sperrforts an der nordwestlichen Grenze Lothringens nach Berlin aber 700 Kilometer. Sehr sonderbar klingt die Klage des Herrn Grafen, daß auch Serbien, die Türkei und Montenegro die Klappe vor Oesterreich-Ungarn geschlossen haben. Wer hat denn die Lunte dem Pulverfaß auf dem Balkan bedenklich nahegerückt? Doch niemand anderer als Herr von Aehrenthal, dessen Annexion Bosniens und der Herzegowina eine mutwillige Provokation des größten Teiles der eigentlichen Balkanvölker war. Graf Schlieffen aber stellt die Angelegenheit wie folgt dar: „Durch die jüngsten Ereignisse auf der Valkanhalbinsel sieht sich Oesterreich für geraume Zeit nach jener Seite gebunden. Es verlangt von seinem Verbündeten Unterstützung, kann ihm selbst eine solche nicht gewähren. Der gegnerischen Taktik ist es gelungen, jedem der beiden einen gesonderten Kriegsschauplatz anzuweisen, sie zu verhindern, mit vereinter vernichtender Ueberlegenheit erst einen, dann den anderen Gegner niederzuwerfen. Oesterreich muß die Front nach Süden, Deutschland nach Westen nehmen. Rußland behält sich vor, mit voller Kraft die Entscheidung hier oder dort zu geben.“ Diese Sätze des Grafen gehören besonders an die Rampe gerückt. Entweder ist ihm das aufreizende Vorgehen des Herrn von Aehrenthal unbekannt oder er weiß hier mehr, als andere Leute wissen. Waren die Annexion Bosniens und der Herzegowina und ihre Folgen wirklich eine Konsequenz der gegnerischen Taktik(siehe oben), so kann sich Herr von Aehrenthal, wie man bei uns zu sagen pflegt, einglasen lassen. Dann ist er einfach auf die Leimrute, die ihm in Petersburg oder sonstwo gestrichen wurde, prompt gekrabbelt und hat sich so von Gegnern in ein Abenteuer hineinhetzen lassen, das im Kriegsfalle zur Zersplitterung der Kräfte Deutschlands und Oesterreichs führen muß. Für Süddeutschland ist die Stelle besonders interessant, die vom Niederwerfen mit vereinten überlegenen Kräften zuerst des einen, dann des anderen Gegners handelt. Demnach scheint bisher in Berlin und in Wien der Plan bestanden zu haben, im Falle eines Krieges mit Frankreich und Rußland zuerst mit vereinten Kräften Rußland anzugreifen und Süddeutschland bis auf weiteres der Gefahr einer französischen Invasion auszusetzen. Neu ist dieser bundesbrüderliche Gedanke ja nicht. Auch im Jahre 1870 ließ Preußen den weitaus größten Teil der süddeutschen Grenze gegen Frankreich offen. Damals mußte aber die deutsche Armee nur gegen die französische marschieren und war ihr dabei um nahezu 100 Prozent der Ausrückungsstärke überlegen, so daß den Franzosen die Invasionsgelüste sehr bald vergingen. Verwendet dagegen das Deutsche Reich seine Hauptmacht gegen Rußland, so ist es sehr leicht möglich, daß die französischen Regimenter den Weg über die süddeutsche Grenze genau so finden, wie sie ihn vor der Errichtung„des schutzenden Daches“, das das Deutsche Reich für alle Bundesstaaten auf dem Papier vorstellt, gefunden haben. Süddeutschland hätte also nach den Worten des Grafen Schlieffen, der als ehemaliger preußischer Generalstabschef gewiß weiß, wie die Verteilung der Kräfte im Kriegsfalle gedacht ist, vor der Annexion Bosniens und der Herzegowina begründete Aussicht gehabt, der Prügeljunge Preußens zu werden, wenn ein Krieg gegen Frankreich und Rußland ausgebrochen wäre. Nachdem Graf Schlieffen in seinem Artikel die Lage des Deutschen Reiches mit dem schwarzesten Schwarz gemalt hat, bringt er plötzlich mildere Farben. Er erinnert sich endlich daran, daß Koalitionen um so ungefährlicher werden, je mehr daran beteiligt sind, weil dann umsomehr Gründe zu gegenseitigen Eifersüchteleien bestehen, und nicht zuletzt auch sehr leicht der Moment eintreten kann, wo die verschiedenen Interessen der Verbündeten miteinander kollidieren. China wäre es z. B. im Jahre 1900 viel schlechter ergangen, wenn es von Deutschland oder Rußland oder Frankreich oder gar Italien allein angegriffen worden wäre. Da sich aber fast die ganze Welt gegen China verbündet hatte, kam es verhältnismäßig sehr glimpflich davon. So gelangt Graf Schlieffen doch noch zu der Ueberzeugung, daß die Sache eigentlich gar nicht so schlimm sei, wie er sie vorher dargestellt hat..„ Schsisie Imponierend sind Herrn von Schlieffens Ausführungen, trotzdem sie manchmal in einem sehr feierlichen, bilderreichen Deutsch geschrieben sind, wirklich nicht. Nach unserer Meinung wäre es besser gewesen, wenn Graf Schlieffen Wilhelm II. bei Gelegenheit über die Fehler der kaiserlichen Politik aufgeklärt hätte. Vielleicht wäre er in Ungnade gefallen. Aber ein Soldat, der jederzeit bereit ist, für das Vaterland zu sterben, sollte auch jederzeit bereit sein, sich für sein Vaterland die Ungnade des jeweils regierenden Herrn zuzuziehen. Rudolf Krafft in der„Münch. Post“. Politische Uebersicht. Die Vielseitigkeit der Landräte. Der preußische Landrat gilt als die beste Stütze des Staates. Er weiß alles, macht alles und kennt alles. Vor einiger Zeit soll der Kronprinz sich dahin geäußert haben, daß die Landräte überbürdet seien. Man weiß ohnehin, daß das nicht zutreffen kann, sonst würden nicht so viele Landräte Zeit haben, in den Parlamenten tätig zu sein. Nun macht sich die„Berliner Volkszeitung“ das Vergnügen, die angebliche Ueberbürdung der Landräte etwas näher zu beleuchten. Von den 482 Landräten bekleiden nicht weniger als reguläre Nebenämter. 223 Landräte sind nebenbei noch Direktoren der Kreis=Feuersozietät, 4 Landräte sind PolizeiDirektoren, 4 sind Vorsitzende der Steuerveranlagungskommission, andere sind Kuratoren von Stiftungen und Wohltätigkeitsanstalten. Neben dem Gehalt aus ihrem Hauptamte beziehen diese Herren noch Nebeneinnahmen bis zu 5000 Mark pro Jahr. Man kann daraus den Schluß ziehen, daß die Landräte für die Arbeit, die sie dem Staate tatsächlich leisten, entschieden zu hoch bezahlt sind. Die Hauptarbeiten in den Landratsämtern haben zumeist die Kreissekretäre zu leisten, die alles soweit vorzubereiten haben, daß der Landrat nur seinen geschätzten Namen unter das Schriftstück zu setzen hat. Selbst diese Kreissekretäre sind aber nicht vollbeschäftigt; sie sind noch tätig für die Kreis=Kommunal= verwaltung, ganz besonders aber als Mitredakteure an den Kreisblättern. Einer dieser Kreissekretäre ist sogar im Nebenamt Sekretär einer Handelskammer und bezieht aus diesem Nebenamt 2400 Mark. Jedenfalls sprechen diese Verhältnisse nicht dafür, daß Landräte und Kreissekretäre vollbeschäftigt, geschweige denn überbürdete Beamte sind. Der liebesgabenfreundliche Kommerzienrat. Das Intermezzo, welches der Kommerzienrat Sinner aus Karlsruhe auf dem deutschen Handelstage bei der Diskussion über die Branntweinsteuer heraufbeschwor, hat in der engeren Heimat des Liebesgabenschwärmers, ob dessen politischer Parteizugehörigkeit, einiges Aufsehen erregt. Sinner ist nämlich ein waschechter Freisinniger und hat als solcher auch verschiedene kommunale Ehrenämter bekleidet. Er ist Generaldirektor der„Gesellschaft für Brauerei=, Spiritus= und Preßhefenfabrikation vorm. G. Sinner“ in Grünwinkel bei Karlsruhe. Das Unternehmen ist weitverzweigt und gilt als das größte seiner Art in Südwestdeutschland. Die Dividende, die es abwirft, ist ziemlich erheblich; sollen doch einzelne Aufsichtsräte 10000 Mark und mehr pro Jahr erhalten. Daß Herrn Sinner die Vorrechnung seiner Bezüge an Liebesgaben nicht angenehm war, begreift man, denn von den 400000 Mark lassen sich fast allein die Dividenden begleichen. Man behaupiet sogar, daß sie dazu vollständig ausreichen, somit der Staat den Aktionären des Sinnerschen Unternehmens die Taschen füllt. Herr Sinner behauptete auf dem Handelstage, die Liebesgabe komme nicht dem Brenner, sondern dem Konsument zugute! Davon merkt man in Baden nichts. Es glaubt auch niemand daran... Mgris: k.samten 8 4. Daß die freisinnige Partei vesonvere Freude an dem branntweinbrennenden Kommerzienrat hat, dürfte bezweifelt werden. Sie hat im Reichstage doch einstmals mit der Sozialdemokratie gegen die Liebesgabenwirtschaft an die Branntweinbrenner gekämpft. Freilich, lang, lang ist's her! Zur sächsischen Wahlrechtsänderung. In dem neuen Wahlgesetzentwurf ist vorgesehen, daß außer den Geistlichen, Aerzten und Rechtsanwälten auch die übrigen sogenannten„freien" Berufe, wie Techniker, Schriftsteller und Künstler, ebenfalls ohne Rücksicht auf die Höhe ihres Einkommens 4 Stimmen haben sollen. Das württembergische Volksschulgesetz. Stuttgart, 13. Jan. Die zweite Kammer erledigte gestern die Bestimmungen des Volksschulgesetzes über die Maximalschülerzahl in den einzelnen Klassen. Der sozialdemokratische Antrag, die Schülerzahl auf 40 pro Klasse festzusetzen, wurde abgelehnt, dagegen ein Antrag— an Stelle der Regierungsvorlage, die eine Maximalschülerzahl von 70 vorsieht. 60 zu setzen— mit 41 gegen 40 Stimmen angenommen. Das Zentrum beantragte, die Regierungsvorlage wieder herzustellen. Dieser Antrag wurde aber mit dem gleichen Stimmenverhältnis abgelehnt. Der Preußische Eisenbahnminister hat sich bisher stets als ein Feind des Koalitionsrechtes erwiesen. Alles, was er den Eisenbahnern gestattete, war die Gründung eines unbedeutenden Unterstützungsvereins. Diesen Umstand machen sich die Christlichen zunutze, deren Führer Giesberts uns Behrens, wie die„Liberale Korrespondenz" erfährt, beim Eisenbahnminister gewesen sind und ihn „## haben, den Eisenbahnern die Gründung von Organtstionen auf christlicher Grundlage zu gestatten. Der Eisenzunminister, will die Koalitionsfreiheit, die reichsgesetzlich gewährleistet ist, in dem Umfange gestatten, daß die Vereine der Eisenbahner weder direkt noch indirekt sozialdemokratisch sein dürfen und auf das Streikrecht verzichten müssen.— Wie die „Liverale Korrespondenz“ erfährt, hat der Minister zwei Vertretern der Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaften erklärt, er wünsche an sich überhaupt keine Organisation, jedenfalls denke er aber nicht daran, die Christlichen zu bevorzugen. Reichsgesetze scheinen für den Eisenbahnminister nicht zu existieren. Wertzuwachssteuer. Königsberg, 13. Jan. Die Stadtverordnetenversammlung nahm eine Wertzuwachssteuer an, die so abgeschwächt und verwässert wurde, daß sie fast völlig unwirksam bleiben dürfte. Der Magistrat hatt mait Mestimmr...“ Beirimmungen vorgeschlagen. kollegiui der Magstzal. Die Mehrhe besteht hatte weit scharfere icorheit des Königsberger aus freisinnigen kapitaStadtveroxdnetenkollegiums kistischen Vertreten. Für Auswanderungslustige mit Vermogen von 20 000 Mark an aufwärts! Einer der ruhmvollen Führer im Vernichtungskriege gegen die aufständigen Eingeborenen in Südwestafrika, der ob seiner schneidigen Abkanzlung der pflichtvergessenen deutschen Volksvertreter vor den Hottentottenwahlen auch aus dem Reichstage bekannte v. Deimling— jetzt Generalmajor und Befehlshaber einer Brigade in Mühlhausen i. Els., sprach öffentlichen Vorfrage über die„Kolonisation von sch=Südwestafrika". Der Vortragende prophezeite zwar Wüst=West eine große Zukunft; verteidigte die zu Unrecht verwpettete,„Wunschelrute des Landrats von Uslar, deren„untrügliche Zeichen" und bewährte Dienste er feststellte; er sprach auch davon, wie Dernburg und seine Begleiter sich„die Taschen voll erbsengroßer Diamanten stecken konnten", aber was die Niederlassung im Lande betrifft, erklärte er sehr bestimmt, dazu brauch ein Farmer mindestens 20000 Mark. Nur Leuten, die soviel hätten, rate er an, hinzuziehen und sich dort niederzulassen.— Hoffentlich verhallte diese Aufforderung nicht ungehört bei denen, die über die Not der Landwirtschaft bei uns so viel klagen. Wahlprüfungskommission des Reichstags. Abg. Euen im 3. Breslauer Wahlkreise Die Wahl des Eise(Oels=Wartenberg wurde beanstandet. Die Antisemiten yatten Protest erhoben, die Säle ahgetrieben worden sr. weil ihnen die Sute aoger####ben worven waren. Ein Landrat soll an die Gendarmen einen entsprechenden Geheimerlaß haben ergehen lassen, ebenso haben die Amtsvorsteher die Wirte in der gleichen Weise beeinflußt. Einer Anzahl Wähler ist sogar der Zettel aus dem Kuvert genommen und durch einen Zettel für Euen ersetzt worden.— Zu der Wahl Rieseberg=Wanzleben wurde, nachdem eine Reihe von Protestpunkten als erheblich erklärt wurden, die Beschlußfassung sta llt erd. J gsgung. gusgesetz bis genau festgestellt werden kann, wieviel urbeiter der Einflußsphäre der Zuckerfabrik Rabätge u. Giesecke in Klein=Wanzleben unterliegen, die bekanntlich unerhörte Wahlbeeinflussung im Kontor ausgeübt haben. Budgetkommission des Reichstags. Am Donnerstag setzte die Beratung mit dem Etat des Reichsamts des Innern ein. Bei den einzelnen Titeln wurden Anregungen zu größerer Sparsamkeit gegeben. In der Hauptsache handelte es sich aber um Kleinigkeiten, und es kam deshalb auch zu keinen Beschlüssen. Bemängelt wurde, daß einzelne Beamten mehrere besoldete Posten haben, so daß sie zuweilen ein im Vergleich zu ihren Leistungen viel zu hohes Gehalt beziehen. Es kam ferner zu levyaften Aussprachen über die 30000 Mk., die für Instandsetzung der Wohnung des Staatssekretärs ausgegeben worden sind. Der Staatssekretär bedauerte selbst, daß der Betrag so hoch angewachsen sei. Der Anregung, bei den Bauten zu sparen, widersprach Unterstaatssekretär Twele vom Reichsschatzamt im Auftrage des Schatzsekretärs. Das Reichsschatzomt befürchtet, daß bei Abstreichungen im nächsten Jahre große Etatsüberschreitungen zu verzeichnen sind. Bei der Neuforderung der Regierung sei für 64 Millionen Mark keine Deckung vorgesehen: das Jahr 1908 werde voraussichtlich Ueberschreitungen in Höhe von 100 Millionen Mark bringen, wofür ebenfalls keine Deckung vorhanden sei. Deshalb müsse es um jeden Preis vermieden werden, daß im Jahre 1909 Ausgaben entstehen, für die kein Geld vorhanden ist. Die Kommission strich insgesamt 8000 Mk. ab. Die übrigen Kapitel des Reichsamts des Innern— soweit Fe. Lulturzwecke betreffen— gaben zu Ausstellungen keinen Die Rechnungsprüfungskommission des Reichstags beschäftigte sich heute auch u. a. mit der Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben für die Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1904 und der Forderung der Indemnität für außeretatsmäßig ausvon gehender Debatte mit 5 gegen 3 Stimmen, die Indemnität zu erteilen. Der Referent in dieser Frage, Genosse Ulrich, beantragte Ablehnung der Indemnität und begründete sehr eingehend diesen Antrag. Für den Antrag des Genossen Ulrich stimmte nur der eine anwesende Nationalliberale und ein Zentrumsmitglied. Die Freisinnigen, die im Jahre 1904 und 1906 gegen die Indemnität in solchen Fällen gestimmt hatten, stimmten ihr diesmal zu. Die Finanzkommission des Reichstags beendete die Bedes Voranschlages zu den einzelnen Etats. Der Vortagsmehrheit auslöste, da bemühten sich die klugen Zentrumsführer, Mittel ausfindig zu machen, um den Zorn in katholischen Arbeiterkreisen zu beschwichtigen. So entstand die sogenannte Ler=Trimborn im Zolltarifgesetz, die Erträge der Agz für die im nächsten Utarifgesetz, die Erträge der Agrarzölle ## im nächsten Jahre zu errichtende Witwen= und Waisenversicherung zu verwenden, und so wurde auch eine weitere Bestimmung in den§ 13 des Zolltarifgesetzes aufgenommen, des Inhalts, daß bis zum Jahre 1910 die städtischen indirekten Steuern auf die namentlich aufgeführten Objekte(vornehmlich wichtige Lebensmittel) aufgehoben werden sollen. Das Jahr 1910 rückt nun heran und die vielen Stadt= und Landgemeinden, die bisher aus den Oktrois und den Akzisen zum Teil bedeutende Einnahmen bezogen haben, sehen sich verpflichtet, andere Einnahmequellen dem Gemeindehaushalt zu erschließen. Da eine weitere Erhöhung der Zuschläge der Einkommensteuer den besitzenden Kreisen nicht genehm ist, und da aus den gleichen Gründen auch die Einführung einer Wertzuwachssteuer in manchen Gemeinden unüberwindlichen Schwierigkeiten begegnet, versuchten die Städte schon wiederholt durch Eingaben an den Reichstag, den Termin auf Aufhebung der städtischen Oktrois auf weitere Jahre zu verschieben, vermutlich in der Hoffnung, daß einmal aufgeschoben auch aufgehoben bedeuten würde. Schon im Jahre 1907 hatte sich die Petitionskommission des Reichstags mit den Petitionen verschiedener Stadtgemeinden um Aufschlebung de daß diese Manöver weniger erfolgreich wären, wenn nicht gerade die Zentrumspolitik selbst sie so begünstigte. Wäre das Zentrum nicht so sehr bereit, in eine reaktionäre Regierungsmajorität einzutreten und selbst den Konservativen zu leisten, was der Blockfreisinn versagen möchte, so würde die Drohung mit dem Zentrum weniger schrecken. Für die reaktionärsten Blocktaten trägt so die Zentrumspolitik trotz allen scheinoppositionellen Gehabens ein vollgerüttelt Teil der Mitschuld. an. Dis=Kölzische, Volkszeitung“ hat auch durchaus nicht den Wunsch, die Angst vor dem Zentrum zu bannen. Ihr ist es nur nicht recht, daß durch das allzu geschäftige Gehaben einiger Zentrumsjournalisten, vor allem des draufgängerischen Erzbergers, den Blockpolitikern das Spiel erleichtert werde. gredigt mehr Zurichalton 86/a8 Dir Dinge „mehl Zurüchallung“: Denn so lange so unangenehme wie die Reichsfinanzreform zu erledigen sind, läßt sich's für das Zentrum in der Opposition besser leben als in der Majorität. Die Herren können warten und sie wissen, daß sie aller freisinnigen Verrätereien ssich rechtzeitig mit ihren iktionären Brüdern, den Konservativen, verständigen werden. trot reat schäftsordnungsdebatte konstatierten Geyer und Stadthagen, daß der Versuch, den Bedarf durch diese Beratung festzustellen, vollständig fehlgeschlagen sei. In Voraussicht dessen hätten sie es unterlassen, die Anträge zu stellen. Auch die Zentrumsabgeordneten Müller=Fulda und Speck gaben die Erklärung ab, daß sie bei der Aussichtslosigkeit dieser Beratung Anträge nicht stellen. Paasche zog daraufhin seinen Vorschlag auf Abstimmung zurück. dann trat die Kommission in die Beratung des§ 2 des Finanzgesetzes, die Schuldentilgung betreffend, ein. Die Freisinnigen beantragten die Herabsetzung der Tilgungsquote für Anleihen, die zu werbenden Zwecken gemacht sind, von 1,9 auf 1 Prozent und im übrigen von 3 auf 2 Prozent. Ein abgeschlagener Vorstoß. lg. Als im Jahre 1902 der Zolltarif mit seinen Erhöhungen der Fleisch= und Getreidezölle in den ärmeren Volksschichten Empörung und Unwillen gegen die Regierung und die ReichsStadttheater. Gagernsomösie m: 8; Januar: Die Kreuzelschreiber, in dieser Homs i 3 Akten von Anzengruber. Auch Herrschiugtr=Anzengruber seinen Kampf gegen die Pi#schsucht der katholischen Kirche, und wenn seine Kampfeshier in urwüchsigstem Humor bestehen, so sind sie darum weniger wirkungsvoll. Vferr bringt Zwie mirter hier in urwüchsigstem Fielungsvon, Der Pfarrer bringt Iwietracht in das eheliche Leben der Glieder seiner Gemeinde, er stiftet die Frauen an, ihren Männern die ehelichen Pflichten zu verBirche iun erhalten.“e Männer in Unterwürfigleit gegen die liche Enthaltsamkeit seibst schwer genze ebe Konfliktes. Gespielt wurde ganz ausgezeichnet. Gut waren Emil Landerer und Tilly Schulte als Bauer und Bäuerin vom Gelben Hof, gut auch Marie Hilbrecht als Liesl. Eine hervorragende Leistung aber war der alte Brenninger Fritz Freislers und der Steinklopferhans Hans Freihens. Auch die Regie war vorzüglich. ## eines längerer„ausgedehnten Verhandlung bestand in einer Cmpfehlung auf Uevergang zur Tagesordnung. Das hat indes die Stadtgemeinden nicht entmutigt. Es sind nicht nur inzwischen neue indirekte Steuern eingeführt und bereits bestehende erhöht worden,— jedenfalls ein Zeichen dafür, daß man doch noch ein Eingehen des Reichstags auf die Wünsche der Gemeinden erhoffte— sondern die interessierten Gemeinden sind von neuem an den Reichstag herangetreten mit der Bitte, eine Aenderung des§ 13 des Zolltarifgesetzes nach ihren Wünschen in die Wege zu leiten. Heute stand diese Petition zur Beratung. Ein ganzes Aufsot von Regierungsvertretern war erschienen, um den petichsen, die Bayern, die fiskalischen Preußen, und die sich Vertreter der Reichslande heißen,— die zogen all aus, um die Petitionskommission für die Wunsche der Petenten gefügig zu stimmen. Verwunderung erregten die Ausführungen des preußischen Vertreters, der eine wahre Hymne auf die Einführung indirekter Steuern in den Kommunen anstimmte. Ob die 15 preußischen Städte, in denen heute noch der Oktroi auf Fleisch usw. besteht, schon an der Grenze der steuerlichen Leistungsfähigkeit bezüglich der direkten Steuern angelangt sind, und ob diese Städte insbesondere schon wirksame und ertragversprechende Wertzuwachssteuer eingeführt haben, ging aus seinen Ausführungen nicht hervor. Dafür sprach er sehr viel von den hohen sozialpolitischen Aufgaben, die unsere Städte heute zu leisten haben,— vergaß aber wieder, hinzuzufügen, daß die Erfüllung dieser Aufgaben wieder sehr durch dieselbe preußische Regierung erschwert wird, die den Städten ungeheure Lasten auferlegt, ohne ihnen dafür Rechte zu gewähren. Von den Mitgliedern der Petitionskommission traten nur die Bayern ohne Unterschied der Partei für die Wünsche der Petenten ein. Bayerische Nationalliberale und Zentrumsmänner im trauten Verein mit dem freisinnigen Volksparteiler stimmten für Ueberweisung zur Berücksichtigung, während die Mehrheit der Kommission sich dem Antrag der sozialdemokratischen Vertreter anschlossen, zur Tagesordnung überzugehen. Es ist zu erwarten, daß durch diesen Beschluß den betreffenden Städten klar gemacht werden wird, daß sie sich in letzter Stunde nach anderen, gerechteren Steuerquellen umzusehen haben, wenn das Gemeinwesen keinen Schaden erleiden soll. Durch die Oktrois und die Akzise ist die ohnehin gedrückte Lebenshaltung der ärmeren Volksklassen in den einzelnen Städten noch mehr belastet worden zugunsten der Besitzenden, die sich bisher gegen eine wirksame direkte Besteuerung mit allen Kräften gewandt haben. Jetzt ist's Zeit, den Wechsel vornehmen, im Namen der ausgleichenden Gerechtigkeit! Weil die Reichen sich zu drücken wissen. darum müssen die neuen Steuern der großen Masse auferlegt werden!„Das hat der nationalliberale Reichstagsabgeordnete# denden Ministerrate seine„Ak Rimpau=Halberstadt ausgeplaudert, zu dem kürzlich eine Kom- I denke an einen Thronwechsel. Zentrumsrache. Aus dem Rheinland wird dem Vorwärts“ geschrieben: Die Ungiltigkeitserklärung der Wahl von drei Sozialdemo kraten durch die Zentrumsstadtverordnetenmehrheit in Mülheim a. Rhein stellt sich als ein sorgfältig vorbereiteter Streich heraus. Wie wir schon mitteillten, wurde die Ungiltigkeitserflät hauptsächlich durch eine besitzerparagraphen der Städteordnung erreic mehrheit behauptete, es genüge nicht, daß der Gewählte Hausbesitzer im gewöhnlichen Sinne sei, sondern er müsse Alleinbesitzer sein, das heiße, er dürfe nicht ein Haus zusammen mit seiner Ehefrau besitzen. bisher im politischen Leben noch nicht dagewesenen tückischen Weise vorgegangen wäre. Daß das Zentrum die Wahl anfechten wolle, war bekannt geworden, auch daß man hervorragende Kölner Zentrumsjuristen(Kausen, Trimborn] zu Rate gezogen hatte. Auf welche Gründe aber das Zentrum seinen Protest stützen wolle, darüber brachte die Zentrumspresse kein einziges Wort. Als unser Parteiblatt seiner Verwunderung über dieses Verhalten Ausdruck gab, wurde es von dem Mülheimer Zentrumsorgan verhöhnt und ihm geantwortet, seine „Neugier“ werde schon befriedigt werden. Mit raffinierter Berechnung kam man mit der Begründung erst in der Stadtverordnetensitzung heraus, die zugleich über die Giltigkeit der Wahl entscheiden sollte. Und diese Begründung ist nichts als ein Taschenspielertrick. Denn man unterschob ihr eine Oberverwaltungsgerichtsentschon dann„im Sinne des§ 16 der Städteordnung ein in die Klasse der Hausbesitzer zu zählender Nießbraucher ist, falls seine Ehefrau das Eigentum an einem Hause nachweisen kann.“ pam#f 0 00 N. IT 1#00. N. M.B1. XXIX (Entscheidung vom 20. 9. U2 Nr. I1 1050; Nr.=B.= S. 603.) Also der Ehemann braucht nicht nur nicht Alleinbesitzer, er braucht überhaupt nicht eigentlicher Besitzer, sondern nur Nießbraucher des Hauses seiner Ehefrau zu sein, um dem Hausbesitzerparagraphen zu genügen. Wäre die„Begründung“ des Protestes vorher bekannt geworden, so wäre der Zentrumsmehrheit ihr Streich nicht möglich gewesen. Der Kouflikt auf der Balkauhalbinsel. Wien, 14. Jan. Aus Belgrad wird telegraphiert: König Peter wird heute im Ministerrat seine Absicht mitteilen, von der Regierung abzudanken und den Thron dem Kronprinzen Georg zu überlassen. Gestern fand zwischen Belgrad und Cetinje ein lebhafter Depeschenwechsel statt, in dem Fürst Nikita ebenfalls seine Absicht kundgetan haben soll, abzudanken. Pien, 14. Jan. Wie der„Neuen Freien Presse“ auf der Gesandtschaft mitgeteilt wird, ist dort nichts darüber Peter in einem heute nachmittag stattfinseine Abdankung mitteilen wolle. Niemand serbischen Gesandtsche bekannt, daß König denden Ministerrate Rimpau: Sie wünschen? Der Tabatarbeiter: Im Auftrage einer Kommission der Tabakarbeiter bitte ich Sie, dieser eine Unterredung zu gewähren. Rimpau: Das lehne ich entschieden ab. Für mich hat das gar keinen Wert, die Kommission anzuhören. Ich habe schon genügend. Petitionen erhalten. Was ist dabei nicht alles erlogen! Und vor allen Dingen lasse ich mich nicht beeinflussen. Ich stimme im Reichstag nach bestem Wissen und Gewissen. Der Tabakarbeiter: Unsere Absicht ist es nur, Ihnen ein richtiges Bild von den tatsächlichen Verhältnissen unterer Industrie zu geben und in welcher Weise die neue Steuer wirken wird. Rimpau: Was wollen Sie denn? Sie wollen doch weiter hschir, ud. dub a. bigen die Tabarsteuer stimmen son, und bas lann ich nicht. Wir können doch unser Vaterland nicht zuarunde Dänemark. „ 20. Außerordentliche Veranstaltungen zur Linderung der arbeitslosennot. Die ungeheure Arbeitslosennot, der immer mehr anwachsende Notstand hat in Dänemark infolge des tatkräftigen Eingreifens der Sozialdemokratie und Gewerkschaften zu einer Reihe von Maßnahmen geführt, die das Uebel natürlich nicht beseitigen, wohl aber seine Folgen um ein gut Teil mindern können. Das neueste, das auf diesem Gebiete geschieht, ist, daß der Verband der dänischen Gewerkschaften eine allgemeine Sammlung von Unterstützungsmitteln veranstaltet. Der Aufruf, der soeben erschienen ist, besagt, daß die Sammlung teils innerhalb der Gewerkschaften— durch Bewilligung aus den Kassen oder durch freiwillige Beitragssammlung in den Werkstätten— teils unter dem großen Publikum in den Städten und Landesteilen ausgeführt werden soll. Die auf die erste nichts, als daß ich gegen die Tabaksteuer stimmen soll, und das Art gewonnenen Mittel sollen, wo es angebracht ist, in Form länn ich Nicht.„ir konnen boch unser Valerland nicht zugrunde s von Naturalien den Arbensgen zugute kommen, die von ihrer gehen kassen. Es ist immer dasseibe Bild, sobald ein Steuer= Gewerkschaft, sei. es wegen aussteuerung oder aus, anderen gesetz erscheint, kommen die Interessenten und sagen: Wir können das nicht tragen. sondern laßt die anderen bezahlen. Das ist nichts weiter als krasser Egoislus, denn der Tabak ist schon lange geschont worden. Nun werden Sie aber einwenden, laßt doch die Reichen bezahlen, die haben es doch. Ja, diese würden aber dann unser Vaterland verlassen, denn jetzt schon ziehen die reichen Leute von Berlin weg, um sich außerhalb anzusiedeln, und die hohen Steuern nicht zu bezahlen. Der Tabakarbeiter: Alles das kann Sie aber doch nicht abhalten, die Kommission zu empfangen und sie anzuhören. Rimpau: Ich erkenne an, daß Ihr Lohn gering ist. Aber da können doch die Abgeordneten nichts dafür, das liegt an den Fabrikanten, die solche schlechten Löhne zahlen. Die alte Wahrheit bleibt doch ewig neu: Der Patriotismus, mit dem die oberen 10.000 so gern prunken, reicht nicht weiter als bis an den Geldbeutel. Block und Zentrum. So oft die Blockparteien störrisch zu werden drohen, wird von besorgten Blockpolitikern das Gespenst der Rückkehr des Zentrums zur Regierungsmacht an die Wand gemalt, und namentlich bei den Freisinnigen wird stets damit die gewünschte Wirkung erzielt. Nicht übel spottet die„Kölnische Volkszeitung": „Das„ausgeschaltete“ Zentrum steht heute beim Wiederbeginn der Reichstagsverhandlungen mehr im Mittelpunkt des politischen Parteigetriebes, als vielleicht jemals zur Zeit seiner „ausschlaggebenden“ Stellung. Man kann es eine Ironie des Schicksals nennen oder eine Folge der Zentrumsscheu, tatsächlich ist der Einfluß des Zentrums und das Gewicht seiner daltung heute, wo die Partei„ausgeschaltet“ sein soll, für dieslockparteien beängstigend groß. Der Hinweis auf das Zentrum ist heute die Peitsche, mit der die Blockparteien namentlich der linken Seite zu jedem Beschluß, werden kö sätze, als der Wille der liberalen Wähl nerung an eine liberale Vergangenheit. Das Wort Zentrum ist beim Block rein zum Zaubermittel geworden, das alles fertig t. Wenn der Blockwagen im Reichstag einmal stille stehl en Arbeitslosen zur Gewerkschaft, sei. es wegen Aussteuer Gründen keine Unterstützung erhalten, breiten Oeffentlic werden ihre Bedürftigkeit. ing oder„aus anderen während für die in der Deisentlichkeit gesammelten Mittel Naturalien beschafft soulen zur Verteilung an die Notleidenden lediglich auf bringt. will, dann braucht sein Fahrer bloß„Zentrum“ zu rufen und mit verdoppelten Kräften und im Galopp ziehen die Blockgäule die Karre aus dem tiefsten Sumpf.“ Nur schade, daß das Zentrumsblatt hinzuzufügen unterläßt, nden Volksschulkindern den Winter über jeden Tag warmes Essen in den Schulen gewährt wird. Bis jetzt geht die Schulspeisung, die Sache eines von der Stadt unterstützten Vereins ist, nur jeden zweiten Tag vor sich. Der Magistrat von Kopenhagen beantragt außerdem daß dem Ur verein, der, wi lichen Mitteln subventionierten Hilfskassen, Notleidend leistet, ohne daß sie ihre Bürgerrechte einbüßen, 100000 Kronen überwiesen werden. Dieser Verein ist im verflossenen Jahre schon zweimal mit je 120 000 Kronen subventioniert worden, wovon der Stadt ein Drittel aus Staatsmitteln ersetzt wurde. Man erwartet, daß dies auch bei den nun zu bewilligenden 100000 Kronen geschieht. Der Gesetzvorschlag der sozialdemokratischen Folketingsfraktion über außerordentliche Zuschüsse zu den Arbeitslosenkassen und den kommunalen Hilfskassen beschäftigt gegenwärtig noch den parlamentarischen Ausschuß, wird aber jedenfalls baldigst zur Verhandlung kommen. Uebrigens benützen unsre Genossen auch fortgesetzt jede Gelegenheit, die Oeffentlichkeit immer wieder auf die wachsende Not hinzuweisen. , ac. Der Proporz. Am vergangenen Sonntag fand in Zürich eine von den demokratischen Parteien einberufene Versammlung unter dem Vorsitz des Genossen Dr. Studer statt. Unter anderem nahmen auch die Genossen Lang und Greulich das Wort. Es wurde ein Initiativ=Komitee von 170 Mann gewählt, das in allen Kantonen die Bewegung zur Erringung des Proporzes zu den Nationalratswahlen in Fluß zu bringen hat. Versten. Fortschritte der Revolution. Petersburg, 14. Jan. Wie aus Teheran gemeldet wird, bereitet sich die revolutionäre Bewegung auf den ganzen Süden Persiens aus. Zahlreiche Städte des Südens sind bereits dem Beispiele Teheraus gefolgt und von der jetzigen Regierung abgefallen. * Aus der Stadt und * Bielefeld, 15. Januar. — Die auf den Kopf gestellte Weltordnung ohne Menschenkenntnis. Ueber dieses Thema sprach gestern in der Centralhalle der Psycho=Physiognomiker Amandus Kupfer. Die PsychoPhysiognomik beschäftigt sich mit dem Zusammenhang der außeren Form und der geistigen Eigenschaften. Leider machte der Vortragende denselben Fehler, den wir schon öfters bei derartigen populären Rednern bemerkt haben. Sie tun des Guten zu viel. Anstatt gerade auf das wesentliche loszugehen, kramen sie eine Menge naturwissenschaftlicher und philosophischer Einzelheiten aus die mit dem Thema nur oberflächlich zusammenhängen. Herr Kupfer hat zwei Stunden lang geredet. Das. worauf es ankam, hätte er wohl auch in der Halfte der Zeit sagen können. Daß es von außerordentlichem Vorteil für die Menschheit wäre, wenn es gelänge, von der Körperbeschaffenheit einen exakten Schluß auf die geistigen Eigenschaften der Menschen zu ziehen, liegt auf der Hand. Der Vortragende stellte zunächst drei Naturell=Grundtypen auf. Er unterscheidet den Ruhe= und Ernährungsmenschen, den Bewegungs= und Betätigungsmenschen, und den Denk= und Empfindungsmenschen. Bei dem ersten seien vor allem die Verdauungs= und Ernährungsorgane ausgebildet, er neigt zur Körperfülle, seine Denkweise ist materialistisch, kurz und gut, er repräsentiert etwa den Typus eines deutschen Bierphilisters. beim Bewegungs= und Betätigungsmenschen seien die Muskeln besonders gut entwickelt und infolgedessen sei dieser besonders gut zu körperlicher Arbeit geneigt, während beim Denk= und Empfindungsmenschen vor allem das Gehirn ausgebildet sei. Die einzelnen Typen erläuterte er durch Bilder Beim Ernährungs= wie beim Bewegungsmenschen liege der größte Teil der Gesichtsmasse unterhalb der Nasenwurzel, beim Denk= und Empfindungsmenschen oberhalb. Natürlich wollte er nicht behaupten, daß ein jeder Mensch irgend einen dieser Grundtypen ausgesprochen repräsentiere, es kommen Zwischenformen vor. Wenn bei einem Menschen die Eigenschaften der drei Grundnaturells in gleicher Weise ausgebildet seien, dann hätte man den harmonischen Menschen. Diesem stände gegenüber der unharmonische Mensch, der Verbrecher. Herr Kupfer führte dann an der Hand von Bildern vor, welche typischen Merkmale wir bei Verbrechern finden. Er benutzte hierzu u. a. auch die Porträts von Karl Hau und Grete Bayer. Es kann ja wohl nicht bezweifelt werden, daß ein Zusammenhang zwischen äußerer Form und den geistigen Eigenschaften besteht. Dafür spricht schon die Erfahrung des täglichen Lebens. Ob die Psycho=Physiognomik, die der Privatgelehrte Karl Hutter, wie der Referent ausführte, ausgebaut hat, so entwickelt ist, daß es wirklich möglich ist, ganz exakt von der äußeren Form auf die geistigen Eigenschaften zu schließen, können wir natürlich nach diesem einen Vortrag nicht beurteilen. Die Möglichkeit wollen wir auf jeden Fall nicht von der Hand weisen. Widersprechen müssen wir aber, wenn der Vortragende meinte, die Erfolge der Engländer seien dem Umstande zu verdanken, daß sich unter ihnen viel Bewegungsund Tatmenschen befinden, oder das Zurückbleiben Chinas und Rußlands dem Umstand, daß dort viel Ernährungsmenschen seien. Wir sind eher geneigt, den Schluß zu ziehen, daß die verschiedenen wirtschaftlichen Verhältnisse in England einerseits. und in China und Rußland andererseits die verschiedene Zusammensetzung der Bevölkerung bedingen. Heute abend um 8 Uhr erteilt Herr Amandus Kupfer im Restaurant KKeimeyer Unterricht in der praktischen Menschenkenntnis, die sonst, was der Redner in seinem Vortrag lebhaft beklagte, nirgends gelehrt wird. Das Honorar für einen zweistündigen Unterrichtskursus beträgt 50 Pfg. — Für die Textilarbeiter. Nach einer Meldung von hier an die„Berliner Börsenzeitung" ist die Beschäftigung in den hiesigen Flachsgarnspinnereien eine lebhaftere und die Preise für fertige Garne haben weiter angezogen. Die Aussichten können im allgemeinen als günstige bezeichnet werden. Bei der Ravensberger Spinnerei wird die Dividende für 1908 auf 10—12 Proz.(im Vorjahre 16½ Proz.), bei der Spinnerei„Vorwärts“ auf 7 Proz. geschätzt. Die Arbeitszeit ist wieder eine volle 10½stündige. Die Textilarbeiter mögen an dieser Notiz nicht achtlos vorbeisehen, besonders sich das Steigen der Preise merken. — Freie Volksbühne. Die Verlosung der Plätze findet am Sonnavend, nachmittags von 5—7½ Uhr in der Centralhalle statt. Einige Mitglieder können noch ausgenommen werden. Verein für okkulte Forschungen. Sonnabend, abends 8½ Uhr, wird in der„Harmonie, Oberntorwall, ein Vortrag über das Thema„Es gibt ein Fortleben nach dem Tode“ gehalten werden. Näheres siehe Inserat. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Das Weihnachtsmärchen„Brüderchen und Schwesterchen“ kommt morgen nachmittag noch einmal zur Aufführung. Abends wird Sudermanns Schauspiel„Die Ehre“ gegeben. Beide Vorstellungen finden zu kleinen Preisen statt. Sonntag gastiert Ella Kobold zum ersten Male und zwar als Crevette in Feydeaus übermütigem Schwank„Die Dame von Maxim“. — Kinematographen- Theater zur alten Post. Man mag gegen die Kinematographen=Theater sagen, was man will, sie sind imstande, uns ein Stück Wirklichkeit vorzuführen, so lebenswahr, wie dies auf andere Weise nicht möglich ist, und mit überraschender Schnelligkeit. So werden uns im KinematographenTheater zur alten Post bereits jetzt Bilder vom Erdbeben in Mefsina gezeigt. Hier sehen wir die Verwüstungen, die die Naturkräfte angerichtet haben, Häuser, von denen die eine Hälfte noch steht, während die andere in Trümmern liegt, Eisenbahnschienen sind wie dünner Draht verbogen. Dort steht man, wie die Einwohner der zerstörten Stadt auf der Flucht sind, dann wird uns gezeigt, wie die Verwundeten eingeschifft werden. Soldaten sind mit Rettungsarbeiten beschäftigt, und Tote, aber auch noch Lebende, werden aus den Trümmern hervorgezogen. Von den übrigen Bildern möchten wir noch hervorheben„Eine Reise nördlich vom Polarkreis", das uns die großartige Natur des Nordens vorführt, und„Chinesische Hochzeit“, das uns einen Einblick in das Leben und Treiben der Bewohner des Reiches der Mitte tun läßt. Das scheint uns überhaupt das Wertvolle an den Kinematographen-Theatern zu sein, daß sie auch dem, der nicht von seiner heimatlichen Scholle wegkommt, mal ein Stück von dem Welt dort draußen zeigen. Wir glauben, diese Art der Vorfuhrungen kann man auch vom pädagogischen Standpunkt nur begrüßen. Von den gebotenen humoristischen Vorführungen sind sehr niedlich„Caros Rache" und„Zwei gute Freundinnen“. Sehr hübsch ist auch das Bild„Der Alexandrinische Tanz, das uns einige Kinder zeigt, die sich in graziösem Tanze bewegen. Wann pflanze ich Brombeeren? Die Anpflanzung geschieht von Ende Oktover bis Mitte März, wobei man die jungen Stöcke auf 15 Zentimeter Höhe verkürzt und sie auf 170 bis 200 Zentimeter Entfernung an eine Wand oder an ein freies Spalier pflanzt. Jeder Haupttrieb wird angeheftet. Nach der Anpflanzung gießt man den Stock reichlich an und wiederholt dies noch einigemal im darauffolgenden Sommer. Bielefeld. Montag, 18. Januar, abends 7 Uhr, bei Indiestel, Burgerweg 14. Steinsetzer und Berufsgenossen. Mitgliederversammlung. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Gauseiter Linke wird in dieser Versammlung anwesend sein. Bielefeld. Sonntag, den 17. Januar, vormittags 10 Uhr, bei Gröppel, Soz. Verein, 10. Bezirk: Besprechung. Babenhausen. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8½ Uhr, an bekannter Stelle: Besprechung. Grackwede. Sonntag, 17. Januar, morgens 10 Uhr, bei Goldstein, Friedrichsdorferstraße. Besprechung der „Volkswacht"=Abonnenten von Senne, Holterstraße, Westfeld und Südwestfeld. Herford. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8½ Uhr, bei Hillert: Sitzung der Gewerbegerichtsbeisitzer. * Bünde. Sonnabend, 16. Januar. abends 9 Uhr, bei Nübel. Sitzung des Gew.=Kartells. Bünde. Sonntag, 17. Januar, nachmittags 3 Uhr, bei Tiemert (Feldmaxk). Arbeiter=Radfahrer=Verein„Elsethal, abteilung Freiheit. Versammlung. Bünde. Sonntag, den 17. Januar, abends 8½ Uhr, bei Nübel, Arbeiter=Abstinentenbund: Generalversammlung. Bölhorst. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 5 Uhr, an bekann Stelle, Soz. Verein: Besprechung. Holsen. Sonnabend, den 16. Januar, an bekannter Stelle, Soz. Verein: Besprechung. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Rehme. Sonnabend, 16. Januar, abends 9 Uhr, bei Robke. Soz. Verein. Mitgliederversammlung. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Südlengern. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 2 Uhr, Soz. Verein: Mitglieder=Versammlung. Vlotho. Sonntag, 17. Januar. Soz. Verein. Mitgliederversammlung. Oetinghausen. Sonntag, 17. Januar, nachmittags 3½ Uhr. bei C. H. Düsdieker. Arbeiter= Turn=Verein „Eichenkranz“, Generalversammlung. Schötmax. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 3 Uhr, im „Tivoli“, Fabrikarbeiterverband: Generalversammlung. Lage. Sonnabend, den 16. Januar, bei Voß, Soz. Verein: Generalversammlung Detmold. Sonnabend, 16. Januar, abends 8½ Uhr, in der „Centralhalle". Holzarbeiterverband. Generalversammlung. Lemgo. Sonntag, 17. Januar, nachmittags 2 Uhr, bei Volland. Soz. Verein. Generalversammlung. Stadthagen. Sonntag, 17. Januar, morgens 10 Uhr, im „Schaumburger Hof“. Soz. Verein. Mitgliederversammlung. Mitgliedsbücher sind mitzubringen. Münster. Sonntag, den 17. Januar, vormittags 10½ Uhr, bei Brinkmann, Krummentimpen 29/30, Arbeiter=Abstinentenbund: Konst Vers. der Ortsgruppe. Coesfeld. Sonntag, 17. Januar, nachmittags 5 Uhr, bei Grote. Besprechung der Genossen, Genossinnen und„Volkswacht"=Abonnenten. Genosse Heußle=Münster wird anwesend sein. Die Mitglieder des Soz. Vereins haben ihre Mitgliedsbücher mitzubringen. Lippstadt. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 5 Uhr: Parteibesprechung. Rheine. Sonntag, den 17. Januar, nachmittags 2 Uhr, Hohe Luft 13, Besprechung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Arbeiter=Abstinentenbundes. Gauleiter Genosse RiepeBielefeld ist anwesend. * Brackwede, 14. Januar. Gemeinderatssitzung. Der erste Punkt betraf das Gesuch des Kesselschmieds Hampeter, ihm einen Teil des Schulgrundstücks zu verkaufen. Die Gemeindevertretung ist der Ansicht, das Grundstück selbst sehr gut gebrauchen zu konnen und es nicht durch Verkauf eines Teiles zu verstümmeln. Gegen eine Vermietung dieses Teiles ließe sich nichts einwenden. Das Gesuch wurde einstimmig abgelehnt. Im Falle der Klara Brindöpke, Bewilligung von 100 Mk. Schulgeld für dieselbe, wird abermals noch kein endgiltiger Beschluß gefaßt, sondern die Sache dem Schulvorstande überwiesen, welcher Erhebungen anzustellen hat, ob und wieviel schwach begabte Kinder vorhanden sind. Aisdann soll der Plan erwogen werden, ob es zweckmäßig erscheint, auch für Brackwede eine Klasse für derartig veranlagte Kinder zu errichten. In der Prozeßsache Sickermann kontra Gemeinde Brackwede wird beschlossen, den Prozeß weiter zu führen. Eine Anfrage des Genossen Ramsbrock, wie es um die Badeanstalt steht, wird dahin beantwortet, daß der Minister zunächst die Bedürfnisfrage festgestellt haben will. Uns erscheint dieses nicht recht klar, da die Regierung doch selbst es gewesen ist, die dazu gedrängt hat, und nun diese Frage? * Brake, 13. Januar. Turnerisches. Am Sonntag, eden 10. Januar, fan. die Generalversammlung des ArbeiterTurnvereins statt. Der Bericht des Vorstandes für das abgelaufene Geschäftsjahr ist als ein günstiger zu bezeichnen. Nach demselben betrug die Mitgliederzahl am Jahresschluß 60, der Kassenbestand rund 200 Mk., dem nur noch eine Schuldenlast von 28 Mk. gegenübersteht. Dabei hatte der Verein seit seinem Bestehen mit enormen Schwierigkeiten zu kämpfen. Um Irrümer zu vermeiden, wurde einstimmig beschlossen, den Verein in Zukunft Arbeiter=Turnverein„Eintracht" zu nennen. Der alte Vorstand wurde bis auf den 2. Schriftführer einstimmig wiedergewählt. Aus der Mitte der Versammlung wurde der Antrag gestellt, das Vereinsvermögen nutzbringend anzulegen. Dies wurde abgelehnt. Dagegen beschlossen, noch einige Geräte in der Höhe des Kassenbestandes anzuschaffen. Ein Antrag, in Zukunft unter der turnfähigen Jugend eine intensivere Agitation in die Wege zu leiten, fand einstimmige Annahme. * Herford, 14. Jan. Passage=Theater. Die Direktion macht besonders auf das in heutiger Nummer erscheinende Inserat aufmerksam. * Vlotho, 13. Januar. Herr Schöning und der Tabakarbeiter=Kongreß. Wie den Lesern der„Volkswacht“ seinerzeit mitgeteilt ist, waren hier in Vlotho in öffentlicher Tabakarbeiter=Versammlung sieben Delegierte zum Tabakarbeiterkongreß in Berlin gewählt. Die nötigen Gelder waren aufgebracht worden. Am kommenden Sonntag aber werden sich nur vier Delegierte aufmachen, um das ihnen übertragene Mandat auszuüben, und das hat mit seinen Reden Herr Schöning hierselbst getan. Hat da nämlich vorige Woche eines Tages Herr Sch. die sieben Delegierten zu einer Besprechung ins Hotel Schmidt rufen lassen und hat ihnen klar zu machen versucht, daß der Kongreß möglicherweise zum ganz unrichtigen Zeitpunkt einberufen sei und daher wohl wenig Einfluß auf die Gestaltung der Tabaksteuer=Vorlage haben werde; wisse doch niemand, auch Schöning selber nicht, wann die einzelnen Blüten aus dem Sydowschen Bukett, genannt„Reichsfinanzreform", zur Verhandlung im Reichstage gelangen würden. Er, Herr Schöning, schlage daher den Delegierten vor, den Kongreß nicht zu besuchen, wenigstens nicht alle. Es sei am besten, sich zu teilen, die eine Hälfte der Delegierten besucht den Kongreß, die andere Hälfte bleibt zurück, hält ihr Pulver trocken und sich des Winkes des Herrn Schöning gewärtig; wenn er ein Zeichen gibt: Jetzt ist's Zeit! dann fahren die Zurückgebliebenen nach Berlin und retten die schon verlorene Schlacht. Herr Sch. wird ihnen dann Adressen von Reichstagsabgeordneten mitteilen und vielleicht noch anderen einflußreichen Leuten, und die von Herrn Sch. inspirierten Vlothoer Tabakarbeiter werden diesen Herren dann den Standpunkt klar machen und womöglich sogar die Bülowsche Schöpfung, den Block, sprengen. Tatsachlich sind drei der gewählten Belegierten hierauf eingegangen, während die anderen vier(Verbandsmitglieder) erklärten, ihr Mandat so ausüben zu wollen, wie es ihnen seitens ihrer Auftraggeber und gemaß den Beschlüssen der Versammlungen aufgetragen sei. An Herrn Schöning wäre wohl erlaubt, die Frage zu richten: Wozu das? Und die zurückbleibenden drei Delegierten mögen sich doch einmal die Frage vorlegen, ob sie überhaupt berechtigt waren, eigenmächtigerweise, entgegen dem Willen ihrer Mandatgeber zu handeln. Sie mußten wenigstens dem Herrn Schöning antworten:„Was Sie uns zumuten, können wir nicht erfüllen, Sie müssen sich an die am Orte bestehende Kommission wenden, damit diese Ihren Vorschlag prüft und eventuell eine Versammlung einberuft zur Beschlußfassung!" Das wäre korrekt gewesen; so aber haben unseres Erachtens die betreffenden Delegierten sich selber ihres Mandats verlustig erklärt; sie hatten zu tun, was ihnen die Versammlung aufgetragen hat, weiter nichts. * Ahlen, 14. Jan. Zur Flugblattverbreitung wollen sich die Genossen und Gewerkschaftler am Sonnabend, 16. Januar, abends 8½ Uhr, bei Sandgathe einfinden. * Detmold, 14. Jan. Die Krankenkassen in Lippe sind mit verschwindend wenigen Ausnahmen weit entfernt, das zu sein, was sie eigentlich sein sollten, Helfer im Erkrankungsfalle. Und woran liegt das? In erster Linie an der Interessenlosigkeit der lippischen Arbeiterschaft selbst. Die Generalversammlungen werden nicht besucht; da findet sich der Vorstand höchstens mit noch einem halben Dutzend Vertretern bezw. Kassenmitgliedern zusammen, und dann wird oft in einer Viertelstunde über das Wohl und Wehe der Kassenmitglieder beraten und beschlossen. Es braucht deshalb nicht Wunder zu nehmen, wenn die meisten ländlichen Krankenkassen das horrende Krankengeld von täglich 75 Pfg. bezahlen, und außerdem im Statut den Passus haben, daß von anderer Seite bezogene Krankenunterstützung auf das Krankengeld angerechnet wird. Die in den Statuten enthaltenen ortsüblichen Tagelöhne entsprechen ebenfalls nicht den jetzigen Verhältnissen, und bedürfen um so mehr einer Aenderung, als sich die Beitragszahlung zur Invalidenversicherung ja nach den Tagelohnsätzen der Kranenkassen richtet. Es kommt also vor, daß gutbezahlte Tischler 2c. nicht die höchste Marke seitens des Betriebsinhabers geklebt erhalten können, weil der Tagelohnsatz im Statut der Krankenkasse, zu der der betr. Betrieb gehört, zu niedrig ist. Die ländlichen Krankenkassen haben noch dazu einen gleichen Beitrag, und nur einige machen einen Unterschied zwischen Erwachzenen und Jugendlichen. Mehrleistungen über die gesetzlichen Mindestleistungen finden sich nur wenig. Die meisten lippischen Krankenka sen stellen sich noch auf den Standpunkt, daß das Plombieren der Zähne seitens der Kasse nicht bezahlt zu werden braucht. Die Krankenkassen in den Städten entsprechen zum Teil der jetzigen Zeit, bedürfen aber sehr der Reform in bezug auf Leistungen der Unterstützung und ortsüblichen Tagelöhne. Es sind diese Uebelstände aber nur möglich, weil es die lippischen Krankenkassen in ihrer großen Mehrheit nicht für nötig befunden haben, sich den Krankenkassen=Verbänden anzuschließen. Durch diese Vereinigungen wird Aufklärung geschaffen. Aber auch die Gewerkschaftler müssen sich mehr um die Krankenkassen kümmern, ebenso die Parteigenossen, da die Krankenkassen die Organe sind, die großen Einfluß ausüben bei den Wahlen zu den unteren Verwaltungsbehörden(Schiedsgerichte der Invalidenversicherung 2c.). Deshalb. Parteigenossen und Gewerkschaftler, seht euch die Stauten eurer Krankenkasse mal genau an und stellt zu der im April stattfindenden Generalversammlung die nötigen Anträge. Zu beachten ist dabei, daß die Anträge von den Vertretern der Kassenmitglieder vier Wochen vor der Generalversammlung beim Vorstand eingereicht werden müssen und das Ende der vierwöchigen Frist der 15. März ist. Bei den Kassen, die bereits im März ihre Generalversammlung abhalten, endet die Frist mit dem 15. Februar. * Essen, 14. Jan. Unwetter. In den frühen Morgenstunden ist über das rheinisch=westfälische Industriegebiet ein ziemlich heftiges Unwetter mit starken elektrischen Entladungen niedergegangen. Teilweise war das Gewitter von Schneefällen, an anderen Orten von starkem Sturm begleitet. In Solingen schlug der Blitz mehrfach ein, ohne jedoch zu zünden. * Bonn, 14. Jan. Eine schwere Bluttat ereignete sich in Merten. Auf dem Nachhausewege von seiner Arbeit wurde am Vorgebirge der 22jährige Johann Fring von drei Burschen überfallen und mit einem Knüppel zu Boden geschlagen. In der Notwehr gab der Angegriffene drei Revolverschüsse ab, welche sämtlich trafen. Einer der Angreifer wurde durch einen Schuß in den Unterleib getötet, ein anderer erhielt einen Schuß in die Brust und die Arme. Die Täter sind verhaftet. Nachrichten. Düsseldorf, 15. Jan. Das hiesige Kriegsgericht verurteilte den Sergeanten Friedrich Vorhoff vom Infanterieregiment 159 in Mülheim a. d. R. wegen fortgesetzter Mißhandlung Untergebener zu 3 Monaten Gefängnis. Berlin, 15, Jan. Wegen schweren Sittlichkeitsverbrechens an seiner eigenen Tochter verurteilte die Strafkammer den 19jährigen Maurer Ferdinand Schmidt zu vier Jahren zwei Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Schmidt ist bereits wegen Sittlichkeitsverbrechens an seinem Mündel vorbestraft. Berlin, 15. Jan. Graf Hompesch, Reichstagsmitglied und Kammerherr auf Schloß Rurich, wurde gestern abend in einem hiesigen Restaurant von einem leichten Schlaganfall betroffen und in seine Wohnung im Zentral=Hotel gebracht. Sein Befinden ist verhältnismäßig zufriedenstellend. Wie weiter gemeldet wird, rief der Schlaganfall Lähmungserscheinungen auf der linken Seite hervor. Der Graf steht im 83. Lebensjahre. Leipzig, 15. Jan. In der Kieler Landesverratsaffäre verurteilte das Reichsgericht die Journalistin Johanna Petersen wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu 4 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. 3 Monate der Untersuchungshaft wurden der Angeklagten angerechnet. Die Angeklagte, die als politische Agentin in ausländischen Diensten stand, hatte bekanntlich ihren Geliebten, den Oberfeuerwerksmaat Dietrich zum Landesverrat verführt. Budapest, 15. Jan. In der Aikaer Kohlengrube brach gestern infolge Oelentzündung eine Explosion schlagender Wetter aus. Das entstandene Feuer breitete sich vom Luftschacht der Grube einwärts mit rasender Schnelligkeit aus und versperrte den dort befindlichen Arbeitern den Weg zur Rettung. Bis 6 Uhr abends wurden 10 bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen herausbefördert. Bis jetzt wurden 95 Leichen geborgen. 5 Bergleute konnten noch lebend gerettet werden. Zusammen waren 250 Bergleute in der Grube. Man glaubt, daß noch 150 Mann in der Grube sind, deren Rettung unmöglich ist. Messina, 15. Jan. Seit Dienstag regnet es hier wiederum sehr stark. Gestern wurden wieder Erdstöße verspürt. Die Nacht war jedoch ruhig. Sechs weitere Plünderer wurden verhaftet, darunter drei Gefangene, die bei dem Erdbeben am 28. Dezember entwichen waren. Rom, 15. Jan. Tarentinische Seeleute erzählen, daß vier bis fünf Tage vor dem Erdbeben das Wasser in den Austernbecken am Leuchtturm so heiß geworden sei, daß alle Kulturen eingingen. Der Deputierte Morgari berichtet aus Reggio: Ueber die gewaltige Woge erzählt in Lazarro ein Beamter, der zur Zeit der Katastrophe die Wacht am Meere hatte: Hoch wie ein Haus war sie und kam heran wie Oel, lautlos, ohne Wellen und ohne Schaum.— In Brancaleone schilderte sie ein Fischer. Er befand sich am Ufer, als er plötzlich sah, wie einige gelien, die gewöhnlich nur zwei bis drei Meter aus dem Wasser ragen, sich wie Türme heraushoben. Das Meer war dabei ruhig. Eine halbe Stunde später sab er, wie die Felsen verschwunden waren. Brüssel, 15. Jan. Wegen unheilbarer Krankheit haben in Rochefort zwei Brüder von 32 und 28 Jahren Selbstmord verübt. Nachdem sie ihre Mutter aus dem Hause entfernt hatten, erschoß der ältere Bruder den jüngeren und dann sich selost. London, 15. Jan. Die gefährlichen Zwistigkeiten zwischen Mohamedanern und Buddisten in Indien sind wieder im Abnehmen begriffen. Nach einer Woche großer Sorge ist unter den Religionsfanatikern von Serampur und anderen Bezirken, in denen das mohamedanische Element herrscht, die Ruhe wieder hergestellt und Militär und Polizei haben zurückgezogen werden können. Die Regierung von Ostbengalen und Assam geht jetzt gegen die Boykottbewegung gegen englische Waren mit schweren Strafen vor. Petersburg, 15. Jan. Gestern starb hier Admiral Rostjestwensky. Entführung eines russischen Millionärs. Der bekannte Millionär Tagiew in Baku wurde, wie aus Petersburg gemeldet wird am Sonntag auf einer Spazierfahrt von Räubern fehlt jede Spur von seinem Aufenthalte. Die Polizei hofft jedoch, daß die Räuber sich bald melden werden, um hohe Lösegelder für Freilassung ihres Gefangenen zu fordern. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. erprobte Qualitäten Geolin Flasche 42, 28, Meyers Putz-Cream 45, 28, Messerputzpulver 9 Ofenputzschmirgel „Prometheus“ 20 u. 15. Paket 18 u. 9; 12 u. 9, 28, 18 u. 10 18 u. 9, 8 u. 5 18 3 Beutel 10 3 Bog. 10 42 Flasche 48 3 Stück 25 5= u. 6er Paket 39 58 u. 42; 295 Emaille-Putz Seifenpulver Schuheream Kernseife Borax-Pulver Glanz-Stärke Wäscheblaue Schmirgelleinen Bohnerwachs Mobelpolitur Rausnaltseife Kerzen Kerzen Stadttheater. Sonnabend, 16. Januar 1909, nachm. 3½ Uhr! Vorstellung zu kleinen Preisen. Zum 10. Male! Brüderchen u. Schwesterchen. Abends 7½ Uhr: Vorstellung zu kleinen Preisen! = Die Lihre.= Sonntag, den 17. Januar 1909, abends 7 Uhr: 1. Gastspiel der ersten Naiven und jugendlichen Charakter=Darstellerin des Hamburger Stadttheaters Ella Hobold! Die Dame von Maxim. Crevette.. Ella Kobold als Gast Kertens neueste verbesserte Verein für okkulte Forschung zu Bielefeld. Mitgl. d. Deutschen Spiritualistenbundes. Sonnabend, 16. Jannar, abends 8½2 Uhr, in der„Harmonie“, Oberntorwall Vortrag über Eseibtein Fortiehe. Stahlieder nach dem Fode! Neue Beweise durch Experimente in der Société Magnätique de France in Paris. 29= Entree für Nichtmilglieder 25 Pfg. Bielefeld. Sonntag, 17. Januar 1909, morgens 9½ Uhr: General-Versammlung im Lokale des Herrn Stockbrügger. 281 Turnerstraße. Einen recht zahlreichen Besicher Der Vorstand. wartet Matrutzen versäume niemand bei Bedarf zu besichtigen. Matratzen werden „Woeizen Aufgearbeiter. in allen Größen — gutes Papier— zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“. Kuurgs Termuläre sauberer Austühr. Buchdruckerei„Volkswacht“. Verwaltung Bielefeld. Auf vielseitigen Wunsch ist die Bibliothek jetzt auch Sonntags vormittags von ½11 bis ½1 Uhr geistnet. Wir ersuchen die Mitglieder, hiervon zahlreich Gebrauch zu machen. Die Ortsverwaltung. Freitag, den 15. Januar, abends 8 Uhr: des Städt. Orchesters im Stadt-Theater. Leitung: Städt. Musikdirektor Professor W. Lamping. 1. J. S Bach: Brandenburgisches Konzert in D-dur für Klavier, Flôte, Violine und Orchester. Schubert: Zwei Sätze aus der unvollendeten Symphonie in H-moll. 156 3. Joh. Brahms: Vierte Symphonie in E-moll. Kassenöffnung 7½ Uhr. Vorverkauf in der Musikalienhandlung Se11e. Verumand Evers, Bleisleis Spedition— Möbeltransport. Uebernahme von Speditionen nach allen Richtungen des In- und Auslandes. Güter-An- und-Abfuhr sowie Lagerung. 6633] Prompte und biilige Bedienung. Bureau u. Kager Lützoustrasse. Telef. 278. Brackwede. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8 Uhr, hält der Arb.-Turnverein Frisch Auf seine diesjährige General=Versammlung ab im Vereinslokal(C. Schröder.) Tagesordnung im Lokal. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung wird um pünktliches und zahlreiches Erscheinen gebeten. 253 Der Vorstand. Rasloton! Bielefeld. Zimmerstr. 19. Fernsprecher 292. Nur Werktags geöffnet: vormittags von 8—1 Uhr, nachmittags von 4—7 Uhr. Männliche Abteilung. Es werden gesucht: 2 Ackerknechte, 1 Barbier, 2 Stellmacher, 7 Schneider, 1 Klempnerlehrl., 2 Schuhmacher, 2 Sattler, 2 Klempner, 3 Schlachter, 1 Schmiedelehrling, 1 Viehwärter, 4 Kaufmannslehrlinge, 1 Schlosserlehrling, 1 Goldschmiedelehrling, 1 Polstererlehrling. Es suchen Arbeit: Bäcker, Drechsler, Bohrer, Dreher, Bauarbeiter, Fabrikarheiter, Former, Tischler, Gärtner, Kutscher, Schleifer, Handlanger, Maier, Bau=u.Maschinenschlosser, Zimmerer, Ziegler, Lackierer, Erdarbeiter. Weibliche Abteilung. Es werden gesucht: Mehrere Dienstmädchen für Stadt und Land, 1 Haushälterin, 1 Köchin nach Oeynhausen, 4 Haus= u. Küchenmädchen, mehrere Mädchen für eine Fleischwaren=Fabrik. Es suchen Arbeit: 1 Haushaltlehrling nur Privat, „mehrere Kontoristinnen, Arbeits=,1 Wasch= und Stundenfrauen. Bielefeld, den 15. Januar. Die Verwaltung. Hine Partie Einoleumiäufer-Stone Schöne bessins, Meter 90 Pfg., 1.00 und 1.40 Mk. ferner elwes Linoleum-Teppiche, beste Ware. Inlet Stück von 7.50 bis 16.00 Mk. tinen Posten Futtersachen weit unter Preis. KAkASGCS! am Jahnsplatz. Der Vorkburtenzinamewalen Bahnhofstr. 6 dauert nur kurze Zeit und empfehlen wir jedem, der Bedarf hat, dort bald zu kaufen, da eine gleich günstige Gelegenheit, gute Waren billig zu kaufen, sobald nicht wieder kommt. Kaffeckannen 35, 45, 50 bis 120 Pfg. Kochtöpfe 50 bis 150 Pig. Jauswühnen, tuschnesser,b äusserst billig! KAAMS aCST O O G Bielefeld, Freitag, 15. Januar 1909. Sentscher Krichblag. (Eigener Bericht.) 184. Sitzung vom Donnerstag, 14. Januar, mittags 1 Uhr. Am Bundesratstisch: v. Bethmann=Hollweg. Nach debatteloser Erledigung des Handelsvertrages mit dem Freistaat Salvador wird die Beratung des Gesetzentwurfes über die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte fortgesetzt. .. Abg. Brühne(Soz.): Im Gegensatz zu den gestrigen Ausführungen des Herrn Staatssekretär bin ich der Ansicht, daß Leuten, die einem Armenasyl oder einer Versorgungsanstalt überwiesen sind, wenn dies nicht durch eigenes Verschulden verursacht ist, das Wahlrecht auf ihre alten Tage nicht entzogen werden darf. Diese Härte würde übrigens nicht nur Arbeiter, sondern Angehörige aller Stände treffen. Wir sollten uns der französischen und der noch weiter gehenden belgischen Gesetzgebung anschließen. Eine Unterscheidung zwischen verschuldeter und unverschuldeter Unterstützung gebe ich dem Kollegen Eberling zu. Notorisch Arbeitsscheuen kann man öffentliche Rechte nicht zugestehen. Diese machen sich auch nichts daraus. Sie verkaufen höchstens ihr Wahlrecht für ein Glas Bier, was ja vorgekommen ist. Arbeitsscheue gibt es indessen in den höchsten Schichten der Gesellschaft, aber diese wollen Sie freilich nicht dazu gezählt wissen.(Sehr gut! b. d. Soz.) Es ist bedenklich, was in Deutschland alles als Armenunterstützung betrachtet wird. In Straßburg hat die Stadt Unterstützungen, die aus privaten Mitteln herrührten, als öffentliche bemessen. In Polen Hört, hörtl. 5 d. Natl.) Aber die bisherige Praxis ist eine haarstraubende gewesen.(Sehr wahr! b. d. Soz.] Der Gesetzentwurf hätte auch mit den landesgesetzlichen Bestimmungen aufräumen müssen. Das gesamte Wesen unserer Armenpflege wird auch durch dieses Gesetz nicht wesentlich gebessert. Sie sollte einsetzen nicht erst, wenn die Not am großten ist, sondern so lange es noch Zeit ist, die Familie vor gänzlicher Verarmung zu schützen. In der Gesetzesbegründung heißt es: in Zukunft verlieren nur solche Personen die öffentlichen Rechte, die dauernd der öffentlichen Unterstützung zur Last fallen. Wir erleben aber täglich, daß die Gesetze nicht im Sinne der Gesetzgebung ausgelegt werden.„Die jetzige Armenpflege wird von jedem, der sie kennt, verurteilt. Die Armenhäuser und Zwangserziehungsanstalten üben eine gemeingefährliche Wirkung aus. Bei einem dieser Tage in Kaiserslautern verhandelten Prozeß kam die Verwaltung des Ortes Sitters, die Heimat des Angeklagten, am schlechtesten weg. Der Untersuchungsrichter bezeichnete den Zustand des dortigen Armenhauses dem Adjunkten von Sitters gegenüber mit den Worten:„Ihr Armenhaus ist kurz gesagt ein Saustall.“ Präsident Graf Stolberg: Diese Dinge haben doch mit dem vorliegenden Entwurf nichts zu tun. Abg. Brühne(fortfahrend): Ich komme zum Schluß. Ich empfehle Ihnen dringend, die belgischen Bestimmungen anzunehmen. Ich bin ferner der Meinung, daß wir Verbesserungen in das Gesetz hineinbringen müssen. Vor allen Dingen müssen wir diejenigen landesgesetzlichen Bestimmungen beseitigen, die dem Entwurf entgegenstehen. Deshalb beantrage ich namens meiner Fraktion, den Entwurf an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu verweisen. Abg. Raab(W. Vg.): Wir stimmen dem Entwurf zu und werden die Verbesserungsvorschläge der Sozialdemokraten in der Kommission prüfen. Persönlich meine ich, man sollte einfach bestimmen, daß Armenunterstützung den Verlust öffentlicher Rechte nicht zur Folge hat. Abg. Dove(Fr. Vp.): Bei der allgemeinen Zustimmung scheint die Kommissionsberatung überflüssig, doch werden wir dem Antrag der Sozialdemokraten nicht widersprechen. Wir müssen dahin gelangen, daß öffentliche Rechte durch öffentliche Hilfe nicht gefährdet werden. Abg. Brandys(Pole): Auch die besten Gesetze werden in der Praxis gegen die Polen angewendet. Trotzdem stimmen wir für dieses Gesetz zugunsten der Aermsten. Abg. Dr. Hoeffel(Rp.]: Auch wir begrüßen die Vorlage und hoffen, sie wird dem Landtage und den Gemeinden zum Vorbild dienen. Boehle(Soz.) kommt auf den Straßburger Vorgang Oliver Twist. Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. 24 Zweiundzwanzigstes Kapitel. Der Einbruch. „Wer da?“ rief eine laute, heisere Stimme. „Mach' kein solchen Hamore(Lärmen),“ sagte Sikes, während er die Tür verriegelte.„Ae Chandel(Licht), Toby!“ „Aha, mein guter Chawwer,“ erwiderte dieselbe Stimme; „a Thandel, Barney, à Chandel! Führ' den Herrn nein, Barney; wach' aber erst auf, wenn dir's recht ist.“ Man hörte, daß irgend etwas Gewichtiges nach jemand geworfen wurde und sodann auf die Erde fiel. „Hörst nicht?“ rief dieselbe Stimme.„Da steht Bill Sikes draußen im Dunkeln, und du dormst, als wenn du'nen Schlaftrunk g'soffen hättst und nichts Stärkeres. Wirst du jetzt munter, oder soll ich dich mit'm eisernen Leuchter wecken?" Endlich schlürfte der Kellner im Hotel von Saffron Hill mit Licht heran und begrüßte Sikes mit wirklicher oder erkünstelter einer langen Tonpfeife rauchend lag. Er trug einen dunkelbraunen Rock mit großen Metallknöpfen, ein orangefarbenes Halstuch, eine buntfarbige Weste und hellbraune Beinkleider. Mr. Crackit(denn er war es) hatte dünnes, rötliches, in Locken gedrehtes Haar, durch das er von Zeit zu Zeit mit schmutzigen, beringten Fingern hindurchfuhr. Er war etwas über Mittelgröße, und seine Beine schienen ziemlich dünn zu sein, wodurch indes keineswegs die Bewunderung und Zufriedenheit vermindert wurde, womit er oft genug seine hohen Stiefeln beversucht haben würde. Was der Teufel!" setzte er, als er Oliver erblickte, erstaunt hinzu, richtete sich zum Sitzen empor und fragte, wer der Knabe wäre. eben der Knabe,“ erwiderte Sikes und setzte sich an den Kamin. „Einer von Fagin seinen,“ bemerkte Barney grinsend. „Von Fagin, so?“ rief Toby, nach Oliver hinblickend, aus. „Was für'n prachtvoller Junge er werden wird für die Taschen der alten Damen in Kirchen und Kapellen! Sein Ponum (Mund, Gesicht) ist so gut wie'n Kaptal für ihn.“ „So schweig doch still—'s ist schon mehr als zuviel Schwätzens davon,“ unterbrach ihn Sikes ungeduldig und flüsterte ihm etwas in das Ohr. Toby Crackit lachte ausgelassen und starrte Oliver lange verwundert an. zurück und sagt: Es sollte eine Bestimmung aufgenommen werden, welche private und öffentliche Mittel klar unterscheidet. Mittel, die von privater Seite der Armenverwaltung zur Verfügung gestellt werden, müssen getrennt verwaltet werden und unter keinen Umständen die öffentlichen Rechte berühren. Gemeinden und Landesregierungen müssen gezwungen werden, sich dem Gesetz anzupassen.(Beifall b. d. Soz.) Das Gesetz geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Zu der nun folgenden Beratung des Gesetzentwurfes betr. die Preisfeststellung bei dem Markthandel mit Schlachtvieh, welcher die Landeszentralbehörden befugt, über die Feststellung der Preise erlassen, so m auf das Lebend- und Schlachtgewicht erstrecken.“ Abg. Fischbeck(Fr. Vp.) begründet einen freisinnigen Antrag, wonach Vorschriften, durch welche die Feststellung von Preisen nach Schlachtgewicht verboten wird, auf Grund dieses Gesetzes nicht erlassen werden dürfen. Scheidemann(Soz.): Es soll sich nach Aeußerungen des Staatssekretärs nur darum handeln, eine bessere Statistik zu erreichen. Iym spreche ich den guten Glauben durchaus zu. Anders liegt es mit den ausgesprochen extremen Agrariern. Wenn diese von durchsichtigeren Preisnotierungen und im selben eheösehgiche it nicht en besteitet, boch, venn boider Hiesch Preisen und den Verkaufspreisen des Fleischers zu einer Irreführung des Publikums führt. Von einer ganzen Anzahl agrarischer Interessenten wird doch weiter nichtsbeabsichtigt, als ein neues Agitationsmittel für Fleischnotzeiten gegen die Fleischer zu gewinnen.(Sehr wahr! b. d. Soz.) Den Antrag Fischbeck halte ich für überflüssig, er kann aber immerhin als Sicherheitsriegel dienen. Unser Antrag aber bietet die Garantie, daß die Notierungen nach Lebendgewicht zu agitatorischen Zwecken gegen große Teile des Mittelstandes nicht ausgenutzt werden können. Die„Deutsche Fleischer= Zeitung" bezeichnete in diesem Zusammenhang die Sozialdemokratie als„Schützer des Handwerks“. Es ist mir von Mitgliedern anderer Parteien privatim gesagt worden, daß vernünftigerweise gegen unseren Antrag nichts einzuwenden ist. Wenn Sie(nach rechts) wollen, daß der Entwurf seinen angeblichen guten Zweck erfüllt, müssen Sie unserem Antrag zustimmen.(Bravo! b. d. Soz.) Abg. Dr. Roesicke(kons.) begründet einen eingelaufenen konservativen Antrag, wonach auf Grund des Gesetzes Verbote der Preisfeststellung nach Schlachtgewicht nicht erlassen werden bursen, soweit diese Feststellungen auf tatsächlichen Unterlagen und nicht auf Schätzungen beruhen.— Redner schilt auf den „Fleischnotrummel“ und preist die Opferwilligkeit der Agrarier. (Rufe: Nachlaßsteuer!) Der erwähnte Antrag zerstreue alle Befürchtungen, die so wie so unbegründet seien. Bei Licht besehen, sei das vorliegende Gesetz für die Fleischer, nicht gegen sie.(Heiterkeit links.) Abg. Wachhorst de Wente(natl.) bezeichnet den sozialdemokratischen Antrag als unnütze Komplizierung. Die Sozialdemokraten sollten sich ein andermal um das Handwerk verdient machen. Abg. Gerstenberger(Ztr.): Der Antrag Albrecht ist unklar und muß deshalb abgelehnt werden. Dem Antrag Fischbeck mit dem Zusatz des Grafen Schwerin stimmen wir zu. Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg: Wir wollen nicht in die Gewohnheiten des Handels eingreifen. Deshalb scheinen sämtliche Anträge überflüssig. Geradezu gefährlich ist der sozialdemokratische. Nach ihm mussen in Zukunft gegen den Willen aller Beteiligten Notierungen nach Schlachtgewicht geschaffen werden auf solchen Märkten, wo jetzt schon nach Lebendgewicht notiert wird. Abg. Kobelt(wildliberal): Die Notierung nach Schlachtgewicht ist das reellste. Von den interessierten Gruppen hat man aber nur die Landwirte gehört.(Zuruf links: Weil sie am meisten schreien! Heiterkeit!) Die Viehhändler, die Fleischer und die Konsumenten sind gegen den Entwurf, weil er das Fleisch wieder verteuern soll. Ich bitte, den Entwurf an eine Kommission von 14 Mitgliedern zu verweisen. Abg. Vogt=Kreilsheim(W. Vg.) und Abg. Hilpert (Bayr. Bauernbund)) befürworten die Annahme des Entwurfs. Die Anträge Kobelt, Albrecht und Fischbeck werden abgelehnt. „Gebt uns zu essen und zu trinken— es wird uns Courage machen— mir wenigstens,“ sagte Sikes.„Setz dich ans Feuer, Bursch, und ruh' dich aus, du gehst noch mit uns aus heute nacht, wenn auch eben nicht weit.“ Oliver sah ihn in stummer und furchtsamer Verwunderung an, setzte sich aus Feuer und stützte, kaum wissend, was um ihn her und mit ihm vorging, den schmerzenden Kopf auf die Hände. Der jüdische Jüngling trug Speisen und Getränk auf, und Toby und Sikes tranken auf ein glückliches Schränken. Toby füllte ein Glas, reichte es Oliver und forderte ihn auf, es auszutrinken. Der Knabe versicherte, nicht trinken zu können und bat mit jammervollen Mienen, ihn damit zu verschonen. Toby ließ sich jedoch nicht abweisen. „Hinunter damit!“ rief er.„Meinst du, ich wüßte nicht, was dir gut ist? Bill, sag's ihm, daß er trinkt!" „Soll ich dich lehren, gehorsam zu sein?“ sagte Sikes, die Hand in die Tasche steckend.„Gott verdamm' mich, wenn mir der Bube nicht mehr Beschwerde macht, als ein ganz Dutzend Baldowerers. Trink aus, Galgenstrick, oder—!“ Erschreckt durch die drohenden Gebärden der beiden Männer, stürzte Oliver hastig den Inhalt des Glases hinunter und wurde sofort von einem heftigen Husten befallen, worüber Toby und Barney in ein lautes Gelächter ausbrachen und sogar der grämliche Sikes den Mund verzog. „Nachdem Sikes seinen Hunger gestillt hatte(Oliver konnte Grot, die er zu. essen, gezwungen wurde, nichts känner zu einem kurzen außer einer Rinde Brot die ei zu esser zu sich nehmen), legten sich die beiden Schlafe nieder. Oliver blieb auf einem Stuhle am Feuer sitzen, und Barney streckte sich, in eine Decke gehüllt, dicht neben dem Kamine aus. Sie schliefen oder schienen zu schlafen, denn es regte sich niemand außer Barney, der ein paarmal aufstand, um Kohlen in das Feuer zu werfen. Oliver verfiel in einen dumpfen Schlummer, der von schweren, ängstlichen Träumen beunruhigt wurde, bis Toby aufsprang und erklärte, es sei halb zwei Uhr. Im nächsten Augenblicke waren die beiden anderen auf den Beinen, und alle drei waren habei, oi. nötigen Vorbereitungen zu treffen. Die beiden Schränker zogen vogleich ihre Ueberröcke an und verhüllten sich mit Tuchern bis über den Mund. Barney füllte eiligst ihre Taschen mit mehreren Gegenständen an, die er aus einem Schranke holte. „Barney, meine Lupperts(Pistolen),“ sagte Toby Crackit. „Da sind sie. Ih. hab ne selbst geladen.“ „Ja, ja.„Di.„Wurmer(Bohrer).“ „Die hab' ich, fiel Sike, ein. „Chlamones(Diebesschlüssel), Drehbarsel, Hänenehres(Laterne), nichts vergessen?“ fragt. Toby, ein kleines Brecheiten einsteckend. „Alles da,“ antwortcte Sikes.„Barney, die grandige Makel. Es ist höchste Zeit.“ Barney reichte ihm und Toby große Knotenstöcke und legte Oliver den Mantel um. Der Entwurf mit dem Antrage Schwerin=Löwitz wird angenommen. Zur Beratung der Petition der BauarbeiterSchutzkommission betreffend die Anstellung von Baukontrolleuren aus dem Arbeiterstande, welche die Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen beantragt, ergreift das Wort Abg. Bömelburg(Soz.): Herr Pauly hat sich von Vorurteilen gegen die Arbeiterorganisationen erfüllt und über die Verhältnisse im Baugewerbe nicht unterrichtet erwiesen. Hätte er z. B. den Vorstand der christlichen Bauhandwerker befragt, so würde er mit uns zu der Ansicht kommen, daß die Mißstände im Baugewerbe nur durch Maßnahmen der vorgeschlagenen Richtung beseitigt werden können. Die Unfallsziffer rangiert an zweiter Stelle, gleich nach dem Bergbau. In Rücksicht hierauf und auf die große in Frage kommende Arbeitermasse, weit über eine halbe Million, muß jeder, der in dem Arbeiter nicht nur ein Ausbeutungsobjekt, sondern auch einen Menschen sieht, bedauern, daß bei Schaffung des Unfallversicherungsgesetzes nicht zugleich wirksame Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen getroffen sind. Dieses gefährliche Gewerbe ist nicht einmal der Gewerbeinspektion unterstellt! Das hat sich gerächt. Denn die Berufsgenossenschaften haben bewiesen, daß ihnen das Verständnis für eine wirksame Unfallverhütung fehlt. Sie hätten sonst wenigstens einmal den Versuch unternommen, nach den Gründen der großen Unfallzahlen zu forschen. Ueber alle Kritik haben sie sich seit Jahren einfach hinweggesetzt. Sogar zu dem einzigen, was geschehen ist, zu dem Erlaß von Unfallverhütungsvorschriften, mußten sie vom Reichsversicherungsamt gedrängt werden. Die Berufsgenossenschaften sind nach allen Erfahrungen unfähig, die Frage der Beaussichtigung der Bauten ohne Hinzuziehung von Arbeitern zu lösen. Herr Pauly meint, die Arbeiter eignen sich nicht für diese Kontrolle. Sie sollen sie aber gar nicht selbständig betreiben, sondern nur dabei mitwirken. Es stünde schlimm um das Baugewerbe, wenn es nicht Arbeiter hätte, die zur Ausübung der Kontrolle befähigt sind. Das deutsche Baugewerbe hat ganz hervorragende Leistungen aufzuweisen, die nur mit Hilfe eines tüchtigen Arbeiterstandes möglich waren.(Sehr wahr! bei den Soz.) Bei den meisten Bauten ist derjenige, der praktisch den Bau leitet, nicht der Unternehmer. Jedenfalls nicht bei großen Bauten, sondern in 70 bis 80 Prozent ist es der Polier, also ein Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Soz.) Bei Ausübung der Bautenkontrolle kommt es vor allem auf die praktische Erfahrung an und nicht auf besondere statische und mechanische Kenntnisse, welche Herr Pauly den Arabsprach, und welche auch die Unternehmer meistens nicht haben. Ueber den Einwand des Herrn Pauly, die Baukontrolle solle zu agitatorischen Zwecken ausgenützt werden, kann man ruhig zur Tagesordnung übergehen, nachdem selbst Arbeitgeber sich gegen ihn gewandt haben, und süddeutsche Minister erklärten, daß dort ein solcher Mißbrauch niemals zu beklagen war.(Hört, hört! bei den Soz.) Die Arbeiterorganisationen sind auch ohne Baukontrolleure groß geworden. Sie wären zu bedauern, wenn sie darauf angewiesen wären.(Sehr wahr! bei den Soz.] Man sollte endlich aufhören, eine für das ganze deutsche Volk so wichtige Frage mit derartigen Argumenten zu verquicken.(Sehr gut! bei den Soz.) Die elende Verdächtigung, die Unglücksfälle kämen durchweg auf das Konto der Arbeiter infolge von Trunkenheit usw., weise ich auf das entschiedenste zurück. Vizepräsident Kämpf: Hoffentlich bezieht sich der Ausdruck „elende Verdächtigung“ nicht auf ein Mitglied des Hauses. se chhr 8(fortfahrend): Ich bemerke, daß ich kein gemeint habe. Bei näherer Prüfung der itistischen Angaben ergibt sich, daß ein gorßer Teil der den Arbeitern zur Last gelegten Unfälle sich aus der Natur des Gewerbes ergibt. Auf Trunkenheit, Neckerei, Streitigkeiten usw. berschwinden mögen auch sie Pauly stützt sich nicht auf amtliche, eines Herrn Willer“n. Autras seines Gewährs. alle Verstöße gegen Ziz Vgeschrist die Genossenschaft beschlossen, zu bringen, Fasen vir vorschriften unnachsichtlich zur Anzeige wiesche sch wurden aver alle Unternehmer bestraft werden, stla un gegen die Unfallverhütungsvorschriften vergehen, so hatten wir Jahr für Jahr Tausende von Straffällen.(Sehr „Jetzt also,“ sagte Sikes, seine Hand ausstreckend. die ungewohnte Anstrengung, die schlechte und das ihm aufgezwungene Getränk vollig betäubt war, legte seine Hand mechanisch in die Sikes'. „Nimm seine andere. Hand, Toby,“ sagte Sikes.„Schau noc, grgz, 90 gals sicher i. Ster. 4604 „ Der Keuner ging vor die Tür und kehrte mit der Meldung zuruck, daß alles stiu sei. Die beiden Schränker eilten hinaus und, Jogen Oliver mit sich fort. 4uten 9 Die Nacht war rabenschwarz und der Nebel so dicht, daß nach wenigen Minuten große Tropfen an Olivers Augenbrauen Sie eilten im tiefsten Schweigen über die Brücke und durch den nächstgelegenen Ort und erreichten um zwei Uhr ein einzeln stehendes, von einer Mauer umgebenes Haus, die Toby Crackit sogleich erklomm. Sikes hob Oliver empor, und nach wenigen Augenblicken waren alle drei hinüber. Sikes und Toby schlichen nach dem Hause und zogen den Knaben mit sich; fort, dem die Sinne fast entschwanden, denn jetzt zum erstenmal tauchte der Gedanke in ihm auf, daß Sikes auf Raub, wo nicht auf Mord ausginge und ihn als Werkzeug dabei zu gebrauchen denke. Er schlug die Hände zusammen, und seinen: Lippen entfloh ein unwillkürlicher Schrei des Entsetzens. Ihm schwindelte, kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, er wankte und fiel auf die Knie nieder. „Steh auf!" flüsterte Sikes und zog bebend vor Wut die Pistole aus der Tasche;„steh auf, oder ich schieße dir den Brägen aus'm Kopfe raus!“ „O, um Gottes willen, lassen Sie mich gehen!“ rief Oliver; „lassen Sie mich fortlaufen und hinter dem Zaune sterben. will nie wieder nach London kommen— nie, nie; haben Sie Barmherzigkeit mit mir und zwingen Sie mich nicht, zu stehlen. Um der Liebe der Engel willen, die im Himmel wohnen, haben Sie Erbarmen mit mir!" Sites stieß einen fürchterlichen Fluch aus und spannte den Hahn, Toby schob indes seine Hand zur Seite, hielt Oliver den Mund zu und zog ihn fort nach dem Hause. „Pst!“ flüsterte er;„das ist hier nichts. Ist's nicht anders und soll's sein, so sprich ein Wort, und ich schlag' ihn auf den Kopf, was ebenso gut ist und kein Geräusch macht. Hierher, Bill, brich den Fensterladen auf. Ich stehe dafür, er hat jetzt Courage genug. Ich hab's g'sehn, daß ältere als er in ner kalten Nacht's Kanonenfieber auf ne Minute oder so was ghabt haben." Sikes murmelte Perwünschungen gegen Fagin, ihm Oliver zu einem solchen Unternehmen geschickt zu haben. setzte das Brecheisen an. und nach kurzer Zeit war der Fensterladen geöffnet. Das kleine Gitterfenster war fünf bis sechs Fuß über der Erde im Hinterhause und gehörte zu einem kleinen, zum Waschen oder Brauen bestimmten Gemach am unteren Ende des Hausflurs. Das Gitter war gleichfalls bald durchbrochen. „Jetzt hör' und merk', du kleiner Teufelsbraten!" flüsterte K don ertbeildplähen nicht einmal die Vorschriften ausgehäng! war n. aren. Der Hauptschlager des Herrn Pauly war, daß in Norddeutschland die Zahl der Unfälle relativ kleiner sei als in Süddeutschland. Hatte er aber nicht die entschädigungspflichtigen, fondern alle angemeldeten Unfälle in Betracht gezogen, so wäre er zu einem ganz anderen Resultat gelangt. Betrachtet man die Verhältnisse vorurteilslos, unabhängig von der Parteistellung, so muß man ernsthafte Maßnahmen verlaugen. Abhilfe gegen die bohe Unfallszahl ist nur durch wirksame Kontrolle möglich, und diese nur unter Heranziehung vonArbeitern. Ich bitte daher, dem Antrage der Petitionskommission zuzustimmen.(Lebh. Beifall bei den Soz.) Abg. Wölzl(natl.]: Herrn Pauly gegenüber bemerke ich, daß die Baukontrolleure sich in München und Bayern überhaupt volbkommen bewährt haben.(Hört, hört! bei den Soz.) Gegen den politischen Mißbrauch der Institution lassen sich Kautelen schaffen. In München hat man davon nichts gemerkt, und die Kontrolleure, einschließlich der sozialdemokratischen, haben sich das Vertrauen der Arbeitgeber erworben. Die Einführung der Lentrofleure ist ein bedeutender Fortschritt auf dem Gebiete des —#nrschutzes,(Lebh. Beifall im Ztr. und links.) Abg. IrI(Ztr.) bedauert, daß die Konservativen den AusEhruggen Paulos kritiklos Beifall gezollt haben, und bittet um m#udue des Kommissionsagtrages.(Bezfall im Ztr.) Abg. Wieland(Sudd. Sp.] ist der Ansicht, daß die Kontrolle wesentlich durch technisch gebildete Beamte auszuüben sei. Es empfehle sich aber die Heranziehung von Arbeitern, die den technisch gebildeten Kontrolleuren zur Seite stehen sollen. Redner bittet um Ueberweisung zur Berücksichtigung.(Beifall bei Abg. Dr. Burckhardt(W. Vg.): Die bayerischen Kontrolleure werden nicht von Arbeitern gewählt, sondern von der Regierung bestimmt. So wünscht es auch die Petition. Ich hoffe, die Einführung über das ganze Reich wird bald erfolgen. Abg. Pauly(kons). betont, daß die Berufsgenossenschaften selbst großes Interesse an der Verhütung von Unfällen haben und halt die Behauptung aufrecht, daß Arbeiterkontrolleure zu agitatorischen Zwecken mißbraucht werden. Wenn die Kontrolleure nicht gewählt werden, so kommt die Sozialdemokratie doch wieder mit dem Einwand, daß diese Kontrolleure kein Verkrauen verdienen.. Muinge 4.„.— Die Petition wird nach dem Antruge der Kommission dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen. Das Haus vertagt sich auf Freitag 1 Uhr.— Schluß 6½ Uhr. „Toleranz“ in der christlichen Kroriierbrwegung. Wer kennt sie nicht, die Heulmeierei in den christlichen Gewerkschaftsorganen und ihnen nahestehenden Zeitungen über den Terrorismus der freien Gewerkschaften, wie oft wird in den Versammlungen der unschuldigen Christlichen gejammert, wie sehr ihre Mitglieder durch die Roten zu leiden hätten. Was für eine Anzahl Terrorismusfälle sind schon gegen die Sozialdemokraten und freien Gewerkschaftler veröffentlicht worden, die bei genauer Untersuchung sich als christlicher Schwindel herausstellten. O, diese armen, unschuldigen Lämmer, die sich auf christlicher Grundlage zu organisieren gezwungen sahen, weil ihre religiösen Gefühle durch die nichtchristlichen Arbeiter verletzt wurden..„ Einer, der diese Leute rennt, weiß genau, daß auf diese sich christlich nennenden der Ausspruch paßt: Man kann nicht schlechter von anderen Menschen denken, als wie man selbst ist. Wir wollen nur auf den Kampf zwischen der Brust= und Breidenbachrichtung, auf den Krach zwischen Giesbert und Wieber während der Zollkampagne verweisen, auf die Versammlung in Köln im Kristallpalast, wo die Brüder in Christo nur dadurch auseinandergebracht werden konnten, daß der Wirt das Gas abdrehte und es im Saal so dunkel wurde, wie es in den Köpfen der Christen war; wir wollen an die Breslauer Räubersynode erinnern, auch noch an die Stoßseufzer des Herrn Wieber, der sich vor Jahren noch darüber beschwerte, daß die Geistlichkeit im Sauerlande seine Zahlstellen auflöste und dem Siegerländer Verband Breidenbachscher Richtung zuführte. Wir könnten noch viel mehr anführen, doch lassen wir nur ein Vorkommnis folgen auß der letzten Zeit, das so recht die Christlichkeit der Patentchristen Andersdenkenden gegenüber, selbst wenn es ebenfalls Christen sind, kennzeichnet. Gegen den Pastor Schlingel aus Dreitausendsolden hat der christlich=soziale Sekretär Herr Ruffer, geil der Herr Pastor zu liberal war, in der„Nassauer uchtaube“ folgenden Artikel verbrochen: „Seine Hochehrwurden, der Herr Pfarrer Schlingel aus Dreitausendfelden war ein durch und durch moderner Mann. Wenigstens bekannte er sich mit Stolz zur modernen Schule, und jeder, der es hören wollte, konnte es hören, daß der Herr Pfarrer modern, durch und durch modern dachte, fühlte, handelte und sich kleidete. Modern war er in der Kleidung, d. h. den alten, ehrwürdigen, zugeknöpften Lutherrock hatte er schon längst ausgezogen, wie er die altbiblische Lehre schon lange an den Nagel gehangt hatte. Dafür war er aber mit der modernen Gesinnung in ganz mo. derne Kleider geschlüpft. Sein schmales Gesicht, das durch den Glanz eines schwarzen Schnurrbartes verschönt wurde, schien eher einem Bureaukraten als einem Pfarrer anzugehören, und seine bindfadendürre Erscheinung ließ darauf schließen, daß sie wohl die Behausung eines spindeldürren Leutnants, aber nicht diejenige des wohlbestallten Psarrers von Dreitausendfelden sein mochte. Wenn man dann noch die blaue, modern am schwarzen Schirm befestigte Mütze auf seinem Haupte thronen sah, dann mußte jedermann den Leuten in Dreitausendfelden recht geben, die da sagten:„Unser Pfarrer sieht aus wie ein Stinkdroschken= kutscher aus Berlin. Die Gebildeten beliebten sich allerdings etwas weniger despektierlich auszudrücken, indem sie meinten: „Unser Pfarrer hat mit einem Chauffeur verzweifelte Aehnlichkeit.„„ Diesem modernen Priester in Chauffeur=Kieidung genügte seine geistige Arbeit keineswegs. Er wollte auch ein Priester der hohen Politik werden und fühlte es als seine Aufgabe, der Führer seiner Gemeinde in das Paradies des Linksliberalismus zu sein. Deshalb vertauschte er in den Wochentagen die friedliche Ruhe der Kanzel mit der Unruhe des Versammlungslokals. Er stürzte sich tollkühn in das politische Treiben und schleuderte wie ein moderner Merkur gewaltige Blitze gegen seine Gegner. Manchmal suchte er auch wie Poseidon„mit des Tritendes Stoß" das unterste nach oben zu kehren und manchmal griff er zur Feder und schrieb Urigsbriefe. Natürlich bangten seine Gemeindeglieder um ihren heißgeliebten Seelenhirten, der wie Lützows verwegene Jagd dazwischenfuhr, und sagten:„Mit unserem Pfarrer nimmt es einmal kein gutes Ende“. Und was die Leute prophezeiten, das trat ein. Der Herr Pfarrer wurde nämlich aus einer wunderschönen politischen Versammlung wegen zu liberalen Benehmens an die frische Nachtluft befördert behufs Abkühlung seines erregten, linksliberalen Temperaments. Ueber diesen Hinauswurf Sr. Hochehrwürden freute sich die ganze Gemeinde wie ein Mann, denn sie hatten ihren Pfarrer lieb, besonders dann, wenn er ihr die Nordseite seiner Erscheinung zukehrte oder wenn sie seine Stiefelabsätze in gebührender Entfernung verschwinden sahen. Trotz seiner Avancierung zum politischen Hinausbeförderungsrat glaubte der Herr Pfarrer nach wie vor berufen zu sein, die Sache des Linksliberalismus zu führen. Weil nun aber seine treue Gemeinde in dieser Beziehung den Kopf für sich hatte, deshalb suchte der Herr Pfarrer seinen politischen Stützpunkt bei den Kindern Juda. Als nämlich Wahltag herangekommen war, steckte der Herr Pfarrer den Kopf durch die Tür des Wahllokals und verschwand wieder mit der Schnelligkeit eines Rehbocks. Aber er kam wieder und zwar in Begleitung eines Sohnes Abrahams, eines Sohnes Isaaks und eines Sohnes Jakobs. Und mit diesem Dreigespann rettete der Herr Pfarrer Schlingel für den Linksliberalismus die Ehre des Nun sind die Tage des Kampfes vorbei und es blühen die Tage der Rosen. Friede, schöner Friede, holder Friede, süßer Friede ist auch in Dreitausendfelden eingekehrt, aber ich verbleibe nach wie vor Ihr sehr ergebener Hadrian Nikodemus Tobias Strumpel.“ Rüffer ist wegen des Artikels zu sechs Wochen Gefängnis Herr Rüffer ist ein streitbarer Kämpe für die christlichsoziale Arbeiterbewegung, es wird aber jedem, der diesen schmutzigen Erguß gelesen hat, klar sein, daß diese Leute, die fortwährend das Wort Christentum im Munde führen, in letzter Linie dazu berechtigt sind. Wenn die Herren Christen ihren eigenen Glaubensgenossen gegenüber eine solche Unduldsamkeit an den Tag legen, wie wenig werden dann diese Helden den Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern gegenüber Anstand beweisen, und sicherlich bekommen dann diese Leute keine Gewissensbisse, wenn sie Verleumdungen gegen uns loslassen. Da sind wir doch immer noch bessere Christen. Die Verleumdungssucht der Sozialistenfeinde trat in einer Werichsvexhandtung in Scheib Gerichtsverhandlung in Scheibenberg im Erzgebirge wieder einmal recht start zutage. Der Hilfslehrer Geryart Restler schimpfte im September v. J. gelegentlich einer Bahnfahrt kräftig auf Genossen Göhre. Er nannte ihn einen Heuchler und behauptete, daß Göhre sein geistliches Amt wegen eines Sittlichkeitsverbrechens niederlegen mußte. Ein Mitreisender stellte den Verleumder. Vor dem Schöffengericht in Scheibenberg wollte er wohl nichts mehr davon wissen, doch er wurde durch Zeugenaussagen überführt. Genosse Göhre erklärte, er habe kein Interesse daran, daß Nestler in seinem Fortkommen geschädigt werde, deshalb wurde folgender Vergleich geschlossen:„Nestler erklärt, daß er seine durch nichts gerechtfertigte Beleidigung bedauernd zurücknimmt. Er übernimmt die gesamten Kosten des Rechtsstreits einschließlich der Auslagen des Privatklagers, insbesondere die Gebühren des Rechtsanwaltes. Der Angeklagte gestattet dem Privatkläger, aus vorstehendem Vergleich soviel als dem Privatkläger gut dünkt, in der„Erzgebirgischen Volksstimme“ und im„Ehrenfriedersdorfer Amtsblatt" zu veröffentlichen. Die Kosten dürften über 100 Mark betragen. Gewerkschaftsbewegung. Arbeitslosenversicherung. Der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen hat an den Reichstag, das Reichsamt des Innern und an die Ministerien der deutschen Bundesstaaten eine Eingabe gesanot, in der um Einführung einer Arbeitslosenversicherung ersucht wird. Die Eingabe geht davon aus, daß das Arbeitseinkommen der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen im Durchschnitt zu gering ist, als daß davon Ersparnisse für den Fall der Arbeitslosigkeit gemacht werden könnten. Unter diesen Umständen treffe die gegenwärtig besonders stark hervortretende Arbeitslosigkeit die Handlungsgehilfen ebenso schwer wie die Arbeiter. Nach den Vorschlagen der Eingabe soll die Versicherung nach dem Genter System erfolgen, d. h. in Gestalt von Zuschussen zu der Arbeitslosenversicherung der Gewerkschaften. Doch, so wird darin weiter ausgeführt, sollten diese Aufwendungen nicht allein von den Gemeinden, sondern auch vom Reiche oder den Bundesstaaten getragen werden.— Der Zentralverband der Handlungsgehilfen beavsichtigt, diese Eingabe auch den Gemeindeverwaltungen der Großstädte zugehen zu lassen. Antisemitische Treu und Treu und Redlichkeit. Die„HandlungsgehilfenZeitung, das Organ des gewerkschaftlichen Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen, tein in Nr. 1, 1809, folgendes über den Deutschnationalen Handlungsgegilfen=Verband mit: „Die ersten Jahresberichte des genannten Verbandes und die Protokolle über die ersten deutschnationalen Handlungsgehilfentage wurden seinerzeit in der„Deutschen Handelswacht" veröffentlicht. Die späteren Berichte und Protokolle, soweit sie für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, erschienen dann, als der Deutschnationale Handlungsgehilfen=Verband inzwischen größer geworden war. in Broschürenform. Nachträglich, im Jahre 1902, gab der Deutschnationale Handlungsgehilfen=Verband auch die ersten Jahresberichte und Protokolle in Broschürenform heraus. Die älteren Originalberichte und Originalprotokolle enthielten aber mancherlei, was den deutschnationalen Führern Warichts und unbequem geworden war. Dies fehlt in jenen Neudrucken. Man braucht die Broschurenausgabe der alteren Berichte und Protokolle nur mit den Originalen in den ersten Jahrgängen der„Deutschen Handelswacht zu vergleichen, dann findet man die Fälschungen sehr leicht.“ Harteinachrih Sikes, zog eine Blendlaterne aus der Tasche und hielt sie (Oliver gerade vor das Gesicht.„Ich stecke dich durch dies Fenster hier. Nimm diese Laterne, geh' leise die Stufen ter für natt iber den Rur noch der hentür, natt auf, und laß uns ein.— Ist die Waschhaustür offen, Toby antwortete, nachdem er hineingesehen hatte:„Sie steht weit offen und sie lassen sie immer offen, daß der Hund, der hier sein Lager hat, im Hause rumspazieren kann. Ha, ha, ha! wie hübsch ihn Barney gestern abend weggelockt hat!“ So leise Crackit gesprochen und gekichert hatte, befahl ihm doch Sickes in gebieterischem Tone, still zu schweigen und an das Werk zu gehen. Er setzte die Laterne auf die Erde, stellte sich unter dem Fenster, die Hände auf die Knie gestützt, mit dem Kopfe die Wand Sikes stieg auf den Rucen Tol unter dem Fenster, die Hände auf.. Kn. gzg, 6#ng und Kopfe gegen dir Wunig Eiler fineg um den Rücken Torh. und vob Blwer durch das Fenster in das Haus hinein...... H flüsterte er ihm zu.„Sieyst on die „Nimm die Leuchle, Stusen da vor dir?“„9, ein W Oliver keuchte, mehr tot als lebenbig, ein maltes„Ja“; Sikes wier mit der Pistole nach der Haustur hin und erinnerte ihn, daß er ihn bis zur Haustür fortwährend in Schußweite hätte und ihn niederschießen würde, wenn er sich verweilte oder auch nur einen Schritt zur Seite ginge. ist in ner Minute geschehen,“ flüsterte er Oliver zu. „Sobald ich dich loslasse, tu, was dir geheißen ist. Pst! „Was ist denn?“ fragte Toby. Sie horchten.„(8 Geht „Nichts,“ sagte Sites und ließ Glider kos.„Beg. vorDer Knabe hatte sich indes wieder einigermaßen gesammelt und den raschen und festen Entschluß gefaßt, wenn es sein Tod wäre, den Versuch zu machen, auf dem Hausflur zur Seite zu springen und Larm zu machen. Von diesem Gedanken erfüllt, ging er bebend vorwärts.„u.g nt. Mu „Komm zurück!“ schrie Sikes plotzlich lauf,„zurauk, zurück! Erschreckt durch die plötzliche Unterbrechung der Totenstille und ein lautes Geschrei, ließ Oliver die Laterne fallen und stand still, ohne zu wissen, ob er vorwärts gehen oder entfliehen sollte. Das Geschrei wiederholte sich, es zeigte sich ein Licht— es war ihm, als sähe er bestürzte, halb angekleidete Männer an der Tur — es schwamm ihm vor den Augen— ein Gewehr blitzte auf ein Donner traf sein Ohr— er taumelte zurück. Sikes faßte ihn sogleich beim Kragen, feuerte nach den zurückweichenden Männern und zog ihn durch das Fenster,„ „Drück' den Arm dichter an den Leic,„flusterte er, wayreno er ihn durchzog.„Toby, ein Tuch! Sieshaben ihn getroffen. Geschwind! Holl' und Teufel, wie der Bursch blutet!“ Oliver war sich dunkel bewußt, daß der Lärm im Hause immer mehr zunahm und daß er rasch fortgetragen wurde. Geräusch verlor sich in der Ferne, die Sinne entschwanden ihm gänzlich, es war ihm, als wenn eine kalte Hand sein Herz unfaßte, es schlung und er sah und bört,gorsetzung gigt) Der erste Sozialdemokrat in den Braunschweiger Landtag gewählt. Für den verstorbenen braunschweigischen Landtagsabgeordneten Fabrikanten Selwig mußte im dritten Wahlkreise der Stadt Braunschweig eine Ersatzwahl vorgenommen werden. Die Industriellen und Finanzleute hatten den Hofbrauereibesitzer Dr. Wolters, der Innungsaus chuß und der Schutzverein für Handel und Gewerbe den durch Ausführung städtischer und staatlicher Arbeiten emporgekommenen Zimmermeister Albert Nieß als Kandidaten aufgestellt, der es als früherer Landtagsabgeordneter und Stadtverordneter sehr gut verstanden hat, seinen eigenen Interessen zu dienen. Bei der am 18. Dezember 1908 erfolgten Wayl erhielten Dr. Wolters 34, Nieß und Genosse Rechtsanwalt Dr. Jasper aber je 31 Stimmen der Wahlmänner. Am 12. Januar fand die Stichwahl zwischen den drei Kandidaten statt, da das braunschweigische Wahlgesetz ein Auslosen der Kandidaten mit gleichen Stimmenzahlen fur den ersten Wahlgang nicht kennt. Bei dieser Wahl erhielt Genosse Dr. Jasper 39, Dr. Wolters 34 und Zimmermeister Nieß 24 Stimmen. Genosse Jasper ist also gewählt worden. Aus eigener Kraft haben wir den Sieg nicht errungen, das muß offen gesagt werden. Aus eigener Kraft werden wir bei dem elenden, indirekten Wahlrecht auch schwerlich ein Mandat erringen, weil die erste und zweite Wählerklasse bei der Wahl immer die dritte Wählerklasse überstimmen werden. Das braunschweigische Wahlrecht ist ein rein plutokratisches. Die Klassen wählen für sich die Wahlmänner, und diese gemeinschaftlich den Abgeordneten. Eine Abmachung zwischen unserer Partei und den Mittelständlern bestand nicht. Von diesen waren einige von selbst einsichtig genug, sich zu sagen, daß bei ihrer Stimmenabgabe für den eigenen Kandidaten der Kandidat der Großkapitalisten gewählt werden würde, dessen Kandidatur deswegen bei ihnen so verhaßt geworden ist, weil er sich gegen den Willen der zuständigen politischen Bezirksorganiation aufstellen ließ. Das hat die Mittelständler vor den Kopf gestoßen, die dann zum Teil für unseren Genossen stimmten. Zum Wahlrechtskampf in Oldenburg. Zahrreiche Versammlungen werden gegenwartig gegen die von. v=B, Lagrazigg##e mit den Agrariern im Fürstentum Lübeck durch Dick und Dünn gegangen sind und durch ein Kompromiß kraten für ungiltig erklärt. schloß, den Klageweg im Verwaltungsstreitverfahren gegen diese De Abersandesgericht endallig zuungunsten des Redakteurs ist vom Oberlandesgerie, enggullig zuungunsten"#####neur bandstiole, HH, Heleidsot fühliek, Revision vom Oberlandesgericht bestätigt worden. Sparsamkeit in der Heeresverwaltung. Die auf der Reichstagstribüne feierlichst verkündeten Sparsamkeitstheorien in die Wirklichkeit umzusetzen, wandelt die Heeresverwaltung sonderbare Bahnen. Sie gibt jährlich viele tausende Geschäftskörbe in Auftrag und diese staatlichen Lieferungen haben für die Elendsindustrie, die Korbmacherei, erhebliche Bedeutung, um so mehr, als bisher die Körbe noch leidlich bezahlt wurden. Jetzt hat man aber die Sparwut bekommen und da muß natürlich bei den Korbmachern mit Sparen angefangen werden. Für die zuletzt zur Ausgabe gelangten Lieferungen ssind um fast die Hälfte niedrigere Preise als bisher angesetzt worden. Der Erfolg dieser Maßnahme ist, daß die Fabrikation aus den bisherigen Fabrilationsorten nach den Gebieten der Heimarbeit mit den rückständigsten Arbeitsbedingungen gedrängt wird. Das berüchtigte Zwischenmeistersystem mit allen Schäden der Hausindustrie droht in die Geschoßkorbfabrikation einzudringen. Da= gegen wollen sich die Korbmacher mit Recht wehren. Für Sonntag, 17. Januar, sind an allen für die Korbmacherei in Betracht kommenden Orten Korbmacherversammlungen einberufen, in denen gegen ein solches Sparverfahren Protest erhoben werden soll. Man beabsichtigt eine Petition an die Heeresverwaltung zu beschließen, in der gefordert der Verpflichtung zur tarifmaßigen Bezahlung, das Ausschalten der Zwischenmeister in die Lieferungsbedingungen aufzunehmen. Auf diese Versammlungen wollen wir die Korbmacher allerorts aufmerksam machen. Die Buchdruckereihilfsarbeiter und=Arbeiterinnen in M#inz haben mit den Prinzipalen einen Tarifvertrag abgeschlossen. Anerkannt wurden die allgemeinen Bestimmungen, welche vor zwei Jahren zwischen dem Deutschen Buchdruckervereig Organiz sation der Unternehmer) und dem Verband der Buch= und Steindruckerei=Hilfsarbeiter vereinbart worden sind. Dieselben enthalten in 14 Paragraphen Bestimmungen über dei vom Hilfspersonal zu verrichtenden Arbeiten einzelnen Sparten. Anerkennung des§ 616 des B.=G.=B., sowie die Geschäftsordnung für den Arbeitsnachweis und das Tarifschiedsgericht. Festsetzung der Zuschläge für Ueberstunden, wenn solche vom Geschäft verlangt werden, nach voraufgegangener 9stündiger Arbeitszeit. Anarchisten und Arbeitslosigkeit. Ueberall, wo bei erbitterten Kämpfen zwischen Arbeitern und Unternehmertum erstere unterliegen, stellen sich die Anarchisten oder als solche zu bezeichnende Leute als Schlachtfeld=Hyänen ein, um bei der Arbeiterschaft ihre arbeiterschädigende Propaganda zu treiben. So machen sie es jetzt auch bei den Arbeitslosen; daher ist in allen Städten Vorsicht vor diesen Elementen am Platzg, 4 den letzten 14 Tagen wandelten in Leipzig einige Mule en. hundert Arbeitslose vom kommunalen urbeitsnachweis nau dem Rathause. Dort sandten sie eine Deputation zum Oberbürgermeister, Arbeit und Unterstützung für die Arbeitslosen war und in welcher der Anarchist Sepp Orperer=Berlin und noch einige seiner Freunde auf unsere Partei und auf die Gewerkschaften schimpften, die praktische Tätigkeit#„hpag lamenten lächerlich zu machen suchten, die Argeitezezgn porn, die Straße hetzten, um ihnen dann eine Resolut##n.### schlagen, in der— vom Stadtrat— die Vornahme von Roistandsarbeiten und Arbeitslosenunterstützung also in abgeschwächter Form dasselbe, was unsere Genosenz in demonstrieren. Sie wurden aber nach einiger Zeit von Polizer fortgebrängt.., g.. Jahen sich Die Arbeitslosendemonstrationen in Leipzig guben silh am Mittwoch bis in die späten Abendstunden fortgesetzt. Zur Arbeiterbewegung nicht gehörende Elemente begingen A schreitungen, indem sie gegen Schutzleute wörtlich und tätlich sorgingen. In der Universitatsstraße wurde eine Fensterscheibe im Werte von 400 Mk. zertrümmert.„Es wurden auch, einige Verhaftungen vorgenommen. Die Ponzei benahm sich bei der Zerstreuung der Demonstrantentrupps äußerst zuruckhaltend. Die Krakeeler waren, wie selbst die bürgerliche Presse Leipzigs halbwüchst beiterbewegung und de werden dürfen. Von noch einmal eine De arbeiten und Untersti Notstandsarbeiten um sondere Arbeitslosen„a, dagegen würde n nicht als Armenunte Staatsbürgerrechten n ersuchte dann die Der menden Demonstratio Arbeitslosen nicht gest Eine Massenklage 24. Dezember bis 10. commun in Mülh kündigt hatte die Fir schädigung für die Zei für den ausgefallenen ihnen rundweg abgele Gewerbegericht eine für die ausgefallenen wird demnachst stattfi Die schwedischen M# sperrung. Die Masch wöchentliche Arbeitsze Arbeiter setzen sich dag Industrieverband gew ac. Der Führer de der bekannte Führer Gefängnis verurteilt Gewerkschaftsblattes Attentat des Kellnerpublik im Zusammen ###el entfernt; jeden zeiner Briefschaften zu ac. Die 9. Jahresk vom 23. bis 29. Jani besondere Konferenz Frauen=Konferenz geh tionen, die der al wieder eine solche der beiter=Partei sich als soll die Partei nur so Sozialismus bekenner unter dieser Bedingt ziehen können. Siel gänzliche Ausschaltung Partei, oder die Z1 weniger denn 16 Reso die meisten hiervon n Newcastle, Dundee. es jedenfalls zu einer Teil der Mitgliedere mus in= und außerh sedann noch Anträge all- und Altersstundentag, obligator schäftigen. Eisenbahnerstreik meldet aus Pernai der Great Western R treten. Die Polizei auf die Hauptbureaus aus die Hauptbureaus ständigen haben das r sächlich im Besitz der werden befürchtet. T Wolffs Bureau n brasilianischen Angest pany veröffentlichen d aus Newyork, nach u den brasilianischen Tr ist, wobei zwei Per sind; unter den letzt Soldaten. Die amerikanischen die 18. 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Eine Massenklage vor dem Gewerbegericht. In der Zeit vom 24. Dezember bis 10. Januar ließ die Maschinenfabrik Ducommun in Mülhausen i. Els. ihre Arbeiter feiern. Gekündigt hatte die Firma nicht, sie stellte aber auch keine Entschädigung für die Zeit in Aussicht. Die Arbeiter forderten nun für den ausgefallenen Verdienst eine Vergütung. Diese wurde ihnen rundweg abgelehnt, worauf sämtliche 500 Arbeiter beim Gewerbegericht eine Klage auf Auszahlung des ganzen Lohnes für die ausgefallenen Tage anhängig machten. Die Verhandlung wird demnachst stattfinden. Die schwedischen Metallindustriellen drohen wieder mit Aussperrung. Die Maschinenfabrik Skania in Malmö will die wöchentliche Arbeitszeit von 54 auf 57 Stunden erhöhen; die Arbeiter setzen sich dagegen zur Wehr. Die Firma hat sich an den Industrieverband gewendet. ac. Der Führer der Gelben verurteilt. Der Abg. Bietry, der bekannte Führer der Gelben Frankreichs, ist zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. In der Redaktion des gelben Gewerkschaftsblattes sollte Haussuchung stattfinden, die mit dem Attentat des Kellners Matthis auf den Präsidenten der Republik im Zusammenhange stand. Bietry hatte die Gerichts##gel entfernt; jedenfalls hatte er Ursache, die Durchsuchung zeiner Briefschaften zu furchten. ac. Die 9. Jahreskonferenz der englischen Arbeiterpartei wird vom 23. bis 29. Januar in Portsmouth abgehalten. Eine besondere Konferenz über die Arbeitslosen=Frage und eine Frauen=Konferenz gehen voraus. Unter den zahlreichen Resolutionen, die der allgemeinen Konferenz vorliegen, figuriert wieder eine solche der Steindrucker. Diese fordert, daß die Arbeiter=Partei sich als eine sozialistische Partei erklärt; ferner soll die Partei nur solche Kandidaten aufstellen, welche sich zum Sozialismus bekennen, und auch die Gewerkschaften sollen nur unter dieser Bedingung ihren Anschluß an die Partei vollziehen können. Sieben Resolutionen verlangen entweder die gänzliche Ausschaltung der Abgeordneten aus dem Vorstand der Partei, oder die Zulassung einer beschränkten Zahl. Nicht weniger denn 16 Resolutionen beziehen sich auf die Parteitaktik; die meisten hiervon nehmen Bezug auf die Nachwahlen in Leetz, Newcastle, Dundee. Bei der Beratung dieses Punktes wird es jedenfalls zu einer sehr heißen Debatte kommen, da ein großer Teil der Mitglieder eine schärfere Prononcierung des Sozialismus in= und außerhalb des Parlaments fordert. Es liegen sodann noch Anträge vor, die sich mit der Arbeitslosen=Frage, „all= und Alters=Pensionen, Fabriks=Gesetzgebung, Achtstundentag, obligatorische Schiedsgerichte, Unterricht usw. beschäftigen. Eisenbahnerstreik in Brasilien. Das offiziöse Reuterbureau meldet aus Pernambuco: Die brasilianischen Angestellten der Great Western Railway Company sind in den Ausstand getreten. Die Polizei rückte zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf die Hauptbureaus der Gesellschaft zu verhindern. Die Ausaus die Hauptbureaus der Gesellschaft zu verhindern. Die Ausständigen haben das rollende Material in Händen und sind tatsächlich im Besitz der Bahnstationen. Weitere Gewalttätigkeiten werden befürchtet. Truppen werden in Bereitschaft gehalten. Wokffs Bureau meldet weiter: Ueber den Ausstand der brasilianischen Angestellten der Great Western Railway Company veröffentlichen die Londoner Abendblätter ein Telegramm aus Newyork, nach welchem es zwischen den Ausständigen und den brasilianischen Truppen zu einem Zusammenstoße gekommen ist, wobei zwei Personen getötet und 60 verwundet worden sind; unter den letzteren befinden sich mehrere Offiziere und Soldaten. Die amerikanischen Secleute hielten jüngst in New=Orleans die 18. Jahres=Konferenz ihres Verbandes ab. Etwa dreißig Delegierte waren anwesend. Die Lage der Seeleute wurde als eine sehr gedrückte geschildert. Es fehlt überall an Schutzgesetzen für die Arbeiter auf den Schiffen, die Schiffsinspektionsbestimmungen sind sehr mangelhaft. Die Seeleute sind der Ausbeutung der Schiffseigentümer weit mehr ausgeliefert als irgend ein Arveiter auf dem Lande, dem das Gesetz immerhin noc manche Schutzwehr bietet, wo der Seemann hilflos dasteht. Der Sekretär wurde beauftragt, mit den Organisationen anderer Länder in Verbindung zu treten, um innerhalb dieses Jahres eine internationale Seemannskonferenz zustande zu bringen. Ohne internationale Regelung der Verhältnisse ist eine durchgreifende Besserung der Lage der Seeleute kaum zu erwarten. Soziales. Die Lage am Arbeitsmarkt. Nach den vorläufigen Ziffern der an den„Arbeitsmarkt" berichtenden öffentlichen Arbeitsnachweise kamen auf je hundert offene Stellen im Dezember 195,20 Arbeitsuchende gegen 162,63 im Dezember 1907. Die Spannung gegen 1907 beträgt demnach nur noch 32,57, nachdem sie im November 60 und in jedem Monat seit Februar mehr als 95 betragen hatte. Die Dezemberziffer für 1901 war 240,6, für 1902 203,9 gewesen. Zu der bedeutenden Erleichterung, die demnach im Dezember wider Erwarten eingetreten ist, hat nun der Umstand viel beigetragen, daß in größeren Städten Deutschlands durchweg Notstandsarbeiten ausgeführt wurden, die einem erheblichen Teil der Ungelernten, aber auch vielen Gelernten Beschäftigung boten. Aus der großen Anzahl der Städte, die Notstandsarbeiten ausführen ließen, seien nur einige wenige hier aufgezählt, wie Potsdam, Flensburg, Magdeburg, Freiberg i. S., Hannover, Osnabrück, Barmen, Essen, M.-Gladbach, Köln, Bonn, Koblenz, dann alle größeren elsässischen, badischen und bayerischen Orte. In Essen und Köln z B. wurden nahezu je 500 Arbeiter mit Notstandsarbeiten beschäftigt. Bei diesen wurden ganz allgemein in erster Linie männliche Arbeitskräfte berücksichtigt; daher werden von der Erleichterung am Arbeitsmarkt auch fast ausschließlich die männlichen Arbeitsuchenden betroffen. Es kommt hinzu, daß nach dem diesjährigen Weihnachtsfeste die Entlassungen im Handelsgewerbe, bei denen hauptsächlich weibliche Arbeitskräfte in Frage kommen, umfangreicher waren als in den Vorjahren, wodurch die Lage des Arbeitsmarktes für Weibliche ungünstig beeinflußt wurde. Leider ist in sehr vielen Kommunen die bürgerliche Majorität sozialpolitisch so rückständig, daß sie nicht mal den ernsthaften Willen auslösen kann, den Versuch zu einer Milderung der durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Not zu unternehmen. Aus dem Bergwerksbetriebe. Essen, 12. Jan. Ein großer Prozeß wurde am Montag, den 11. Januar, durch Vergleich aus der Welt geschafft. Im Herbst 1907 hatte die„Deutsche Induitzehsamten=Zeitung nach Briefen und persönlichen Angaben der Theitossenen die Leidensgeschichte eines Grubensteigers wiedergegeben, der nach 15jähriger Dienstzeit entlassen wurde und seitdem nirgends wieder als Beamter Unterkunft fand, so daß er der Armenfürsorge zur Last fiel und heute als gebrochener Mann als Tagesarbeiter auf einer Grube beschäftigt ist. Die Entlassung und spätere Verfolgung führte der Grubensteiger auf Intrigen des Grubenverwalters und des Betriebsführers eni ie Steaten wrich erstgzgt bund fenr be. streuen, die Sorge fur Kohlenforderung nicht unter allen Umstanden über die Sicherung der Gruvenvaue zu stellen. Er uyrte zum Beweise an, daß Radierungen in den Wetterbuchern vorgenommen worden seien, daß Blater mit belastenden Eintragungen entfern“ worden seien usw. Diesen Artikel hatten zwei Essener Zeitungen, der„Allgemeine Beobachter" und unser Parteiorgan, oie Arbeiter= zeitung", abgedruckt. Die„Arbeiterzeitung“ hatte besonders Veranlassung genommen, angesichts der unglaublichen Behauptungen des Steigers, die Bergbehörde und den Staatsanwalt zum Einschreiten aufzufordern, denn wenn dies nicht geschähe, dürfe man sich nicht wundern, wenn zukünftig auch die tollsten Behauptungen über systematischen Betrug der Bergbehörde durch Grubenverwaltungen Glauben fanden. Ein solchen Einschreiten beliebte der Staatsanwalt nicht, wohl aber stellten der Grubenverwalter, der Betriebsführer und ein mitbeleidigter Geistlicher Strafantrag gegen den Steiger und die drei Redakteure. 17 Zeugen, darunter Wetterkontrolleure und Steiger der betreffenden Grube, Bergwerksdirektoren und Beamte der Bergbehörde waren geladen. Ein als Zeuge geladener Bergwerksdirektor war so naiv, vor der Verhandlung den Vorsitzenden zu bitten, ihm Einsicht in gewisse Teile der Akten zu gestatten,„um sein Gedächnis aufzufrischen", mußte sich aber selbstredend eine Abweisung gefallen lassen. Weil der Steiger in dem Artikel leider auch Vorwürfe(Verleitung zum Meineid) gegen die als Nebenkläger zugelassenen Strafantragsteller erhoben hatte, deren Beweis nicht gelang, kam es zu einem Vergleich und damit fiel leider die Beweisaufnahme über die behaupteten Mißstände fort. Angesichts der ihm drohenden Strafe nahm der Steiger alle seine Behauptungen als unwahr mit Bedauern zurück, obwohl er noch ein paar Minuten vorher bei seiner Vernehmung geschildert, wie ihm der Grubenverwalter vor seinen Augen ein Blatt aus dem Jahrbuch gerissen habe. Danach blieb den drei Redakteuren nichts übrig, als auch ihrerseits den Abdruck des Artikels zu bedauern, und die Verpflichtung zur Tragung der Kosten zu übernehmen. Psychologisch ist das Verhalten des in Elend versunkenen Beamten nur zu begreiflich, immerhin bleibt sehr zu bedauern, daß die Beweiserhebung über die behaupteten Mißstände unterblieb, da sie auf jeden Fall sehr interessant geworden wäre. Gerichtliches. ** Bielefeld, 12. Jan. Strafkammer. Bei dem Kleinhändler Carl Osthus zu Isselhorst, der keine Schankkonzession besitzt, besteht schon seit einer Reihe von Jahren ein Verein namens„Frohsinn“, der sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Mitglieder über landwirtschaftliche Verhältnisse zu belehren. Osthus überläßt dem Verein seine Lokalitäten unentgeltlich, während der Verein seine Getranke selber beschafft und nur an Vereinsmitglieder abgibt. Der erzielte Ueberschuß wird in jedem Jahre vertrunken. O. wurde nun beschuldigt, daß er hinter dem Verein stecke und selber unbefugterweise das Schankgewerbe ausübe. Das Schöffengericht zu Bielefeld, vor dem sich O. wegen unbefugten Betriebes der Schankwirtschaft zu verantworten hatte, hatte ihn freige prochen. Gegen dieses Urteil war von seiten der Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, die aber von der Strafkammer verworfen wurde, weil nicht festgestellt werden konnte, daß der Angeklagte das Schankgewerbe ausgeübt hat. Der Händler Friedrich Hille war beschuldigt, am 23. September v. J. auf dem hiesigen Güterbahnhofe den Gemüsehändler Steinkrüger, der sich an seiner Ware zu schaffen machte, über die Hände geschlagen und einige Stunden später auf dem Siegfriedplatze denselben weiter mißhandelt zu haben. Das hiesige Schöffengericht hatte den Hille wegen der Mißhandlung auf dem Bahnhofe zu einer Geldstrafe von 30 Mk. eventl. sechs Tagen Gefängnis verurteilt, während es ihn im zweiten Falle freigesprochen hatte. Gegen dieses Urteil hatten der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Strafkammer erkannte heute auf Verwerfung der Berufung dr Staatsanwaltschaft. Auf die Berufung des Angeklagten hin wurde das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte wegen Mißhandlung zu einer Geldstrafe von 15 Mk. eventl. 3 Tagen Gefangnis verurteilt. Die vorbestraften Arbeiter Gustav Sonnenborn von Dortmund und Anton Heßling von Münster waren in Rietberg wegen Bettelns aufgegriffen und ins Gefängnis eingeliefert worden. Bei ihrer Einlieferung haben sie, um ihre Vorstrafen zu verdecken, falsche Namen angegeben und sind auch unter falschen Namen in das Gefangenenvuch eingetragen worden. Die Strafkammer verurteilte beide wegen intellektueller Urkundenfälschung, den Sonnenborn zu 10 Tagen und den Heßling zu 2 Wochen Gefängnis. Der aus der Haft vorgeführte und wegen Diebstahls vorbestrafte Schmiedegeselle Johani Manka von Herford, geboren in Lautenburg, ist in der Nacht zum 27. November v. J. in das Kontor des Schmiedemeisters Wrobel zu Herford eingestiegen, hat mit einem Dietrich einen Schrank geöffnet und daraus 180 Mark und ein Portemonnaie gestohlen. Das Geld hat er bei einer Negertruppe in Sekt vertrunken. Er erhielt von der Strafkammer wegen schweren Diebstahls 9 Monate Gefängnis. Der Zigarrenarbeiter Heinrich Held von Oberbecksen, schon einigemal vorbestraft, war vom Schöffengericht zu Oeynhausen wegen Mißhandlung und Bedrohung seines 75 Jahre alten Vaters mit 14 Tagen Gefängnis und wegen Werfens mit einem Formdeckel mit 1 Tage Haft bestraft worden, wogegen die Staatsanwaltschaft, der die Strafe zu gering erschien, Berufung eingelegt hatte. Nach Lage der Sache erkannte die Strafkammer auf Verwerfung der Berufung. Der Arbeiter Heinrich Kuylmann von Dankersen bei Minden hat nacheinander bei drei verschiedenen Fahrradhändlern in Minden mit der Angabe, daß er sich ein neues Rad zulegen wolle, aber noch nicht fahren könne, ein altes Fahrrad gelieyen erhalten. Anstatt nun aber mit den Rädern zurückzukehren, versetzte er dieselben für geringes Geld. In einem Falle hatte er auch schon einen Bestellschein auf ein neues Rad unterschrieben, aber mit falschem Namen. In einem Falle scheiterte der Schwindel daran, daß der Fahrradhändler Verdacht schöpfte. Die Strafkammer erkannte gegen den bisher noch nicht vorbestraften jungen Mann wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug wegen vollendeten Betruges in 2 Fällen und versuchten Betruges in 1 Falle auf eine Gesamtstrafe von 5 Monaten Gefängnis. Militärisches. Diebstähle in der Erfurter Gewehrfabrik kamen am Mittwoch, soweit Militärpersonen dabei beteiligt sind, vor dem Kriegsgericht der 38. Division in Erfurt zur Aburteilung. Angeklagt waren der Depotsergeant Sackwitz und der Depotfeldwebel Lüdicke, in den Jahren 1907 und 1908 Gewehrläufe und andere Gewehrteile aus der Königlichen Gewehrfabrik entwendet und durch Vermittlung Erfurter Unterhändler nach Suhl und Zella=St. Blasii i. Th. verkauft zu haben. Sackwitz gibt an, von dem später noch abzuurteilenden Depotfeldwebel Frickert zu diesem„Nebenverdienst" verleitet worden zu sein, der dann in ziemlich umfänglicher Weise— gut organisiert— betrieben wurde: er soll die zu etwa 10 kompletten Gewehren erforderlichen Teile beiseite geschafft und dafür einige 100 Mark bekommen haben. Die Geldsendungen gingen ebenfalls an die Erfurter Mittelsperson, einem Kaufmann, unter der Bezeichung:„Für Kolonialwaren“ oder„Für Fleisch= und Wurstwaren. Der Angeklagte, Depotfeldwebel Lüdicke, hat Sackwitz unterstützt und ist deshalb wegen Hehlerei und Unterschlagung angeklagt. Er hat für über 400 Mk. Gewehrteile verkauft. Das Kriegsgericht verurteilte den Angeklagten Sackwitz zu 2 Jahren Gefangnis, den Angeklagten Lüdicke zu 9 Monaten Gefangnis; außerdem wird gegen beide auf Degradation und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes erkannt. Die in derselben Sache unter Anklage gestellten Zivilpersonen werden sich in Kürze vor der Strafkammer in Erfurt zu verantworten haben. Kirche und Schule. Ein Jugenderzieher nach dem Herzen Kunten=Oertels. Seit dem 1. April 1907 ist an der katholischen Schule zu Eisemost im Kreise Lüben der 24jährige Georg Beyer als Lehrer und Kankor tätig. Da die Schule sich nach seiner Meinung und vielleicht auch— wie eben auch sonst in Ostelbien— in verlottertem Zustande“ befand, so glaubte Herr Beyer sich als großer Reformator betatigen zu müssen. Indessen fehlt ihm wohl noch allzuviel an Erfahrung und pädagogischer Einsicht, um zu erkennen, daß die„Verlotterung“ preußischer Dorfschulen für gewöhnlich ihren Grund weniger in den Schülern als vielmehr ganz wo anders hat. Vielleicht hat auch das rühmliche Beispiel gewisser preußischer„Erzieher“ in Uniform zur Nachahmung begeistert. Kurz und gut: in der Schule zu Eisemost war der Bakel in einem Grade Trumpf, daß die armen Kinder bald vor Schwielen am Gesäß nicht mehr sitzen und vor Striemen an den Händen nicht mehr schreiben konnten. Einige Jungen konnten tagelang weder sitzen noch liegen; drei mußten in ärztliche Behandlung treten, weil eine blutunterlaufene Schwiele neben der anderen sie bedeckte. So hatte einer jener Aermsten 31, der andere 16 Schläge auf einmal erhalten. Ohrfeigen, bei denen das Blut aus der Nase floß, waren auch an der Tagesordnung; die Ohren wurden gezogen, daß sie tagelang wie bei Eseln abstanden oder eingerissen waren. Auch kam es vor, daß die Jungen mit den Köpfen zusammengestoßen wurden. Trotz dieser empörenden Roheiten billigte die Liegnitzer Strafkammer, vor der sich Beyer zu verantworten hatte, dem netten Jugenderzieher mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu— fünfzig Mark Geldstrafe. Erdbeben in Süd-Italien. Rom, 13. Januar. Professor Ricco von der Sternwarte in Catania berichtet, daß in Messina die Quaimauer und die anstoßenden Gebäude sich bedeutend gesenkt haben. Die Flutwelle vom 28. Dezember hatte in Giovanni eine Höhe von 3¼ Meter, in Pelaro von 3,80 Meter, in Messina von 2,80 Meter und in Catania 2,60 Meter. Rom, 13. Januar. Die Zeitungen veröffentlichen Schilderungen vom wiedererwachten Leben in Messina. Die Geschäfte schicken Südfrüchte ab. Auf einem Trajektboot funktionieren die Präfektur und das Polizeiamt. Eingerichtet sind ein embryonales Telephon und eine Apotheke. Ein Zivilstandsregister funktioniert und verzeichnet bereits außer den Todesfällen und den Toten vier Geburten in der Ruinenstadt. Zwei Droschken tun Dienst, doch nur außerhalb der Stadt Sogar eine Druckerei ist von dem Abgeordneten Micheli hergerichtet, die eine Zeitung mit amtlichen Nachrichten und kurzen Notizen druckt. Rom, 14. Januar. In Ravenna wurde ein neuer Erdstoß wahrgenommen, der 30 Sekunden dauerte und von unterirdischem Rollen begleitet war. Mehrere Wohnhäuser wiesen Risse auf. Grenoble, 14. Januar. Die hiesige Erdbebenwarte verzeichnete gestern morgen um 1 Uhr 23 Minuten ziemlich heftige Erdstöße. Innsbruck, 14. Januar. Gestern abend um 8 Uhr 30 Minuten wurde hier ein leichter Erdstoß, heute nacht um 1 Uhr 56 Minuten ein wellenförmiges, stärkeres Beben, um 4 Uhr früh ein leichter Erdstoß verspürt. Messina, 14. Januar. Gestern abend wurde ein neuer Erdstoß verspürt. Die Nacht verblieb indes ruhig. Die Zahl der Ueberlebenden in Messina ist nunmehr zum größten Teil festgestellt, so daß mit der Verteilung der Unterstutzungsgelder demnächst begonnen werden kann. Vermischtes. Professur für Lustschiffahrt. Wie aus Göttingen berichtet wird, ist dem ordentlichen Professor in der Göttinger philosophischen Fakultät, Dr. Prandtl, ein Lehrauftrag für das gesamte Gebiet der Aeronautik erteilt. Dies dürfte die erste Professur für Luftschiffahrt in Deutschland sein. Liebesdrama. Oldenburg, 13. Januar. Eine Liebestragödie hat sich gestern in dem münsterländ. Städtchen Vechta abgespielt. Tort wurde gegen Mittag in einer Gastwirtschaft ein Liebespaar, das in der Nacht zugereist war, tot aufgefunden. Als man das Zimmer öffnete, fand man die Leichen im Bett. Wie aus hinterlassenen Briefen hervorgeht, hat der Mann das etwa 20jährige Mädchen und dann sich selbst getötet. Die Untersuchung ergab, daß der junge Mann Artur Kohde heißt und aus Groß=Apenburg im Kreise Salzwedel stammt. Das Mädchen hat sich in einem an die Geschwister Müller in Hannover gerichteten Briefe nur mit Lotte unterzeichnet. Eine Erpresserin verhaftet. Berlin, 13. Januar. Wie die „B. Z. a. M.“ meldet, wurde wegen versuchter Erpressung gegen einen oberschlesischen Aristokraten eine Frau Schuwardt aus Schöneberg verhaftet. Sie hatte dem Aristokraten erklärt, daß ein ihr bekannter Redakteur Intimes über sein Leben und das seiner Gattin veröffentlichen würde, und daß sie bereit sei, diese Publikation gegen Entschädigung zu verhindern. Ihre mehrfachen Gespräche mit dem Aristokraten wurden durch die Kriminalpolizei überwocht und die Frau schließlich verhaftet. Als Komplize wurde der Redakteur Dahsel verhaftet. Ein Unhold. Berlin, 13. Dez. Wegen Blutschande ist der 37jährige Chauffeur August Ziebel aus der Exerzierstraße 5 verhaftet worden. Ziebels Frau liegt im Krankenhause. Unterdessen bedrohte der Unhold seine 14 Jahre alte Tochter mit einem Beil und einem Dolch und zwang sie, ihm zu Willen zu sein. Pocken in Berlin? Berlin, 13. Jan. In das VirchowKrankenhaus ist unter Pockenverdacht ein 25 Jahre alter Monteur aufgenommen worden, doch bedarf es noch der amtsärzt= lichen Bestätigung, daß tatsächlich Pockenverdacht vorliegt. Ein überfallener Bürgermeister. Mainz, 13. Januar. Ein entlassener Schutzmani griff den zweiten Burgermeister Berndt auf der Straße mit der Waffe an. Er wurde überwältigt und in das Spital gebracht, da man ihn für geisteskrank hielt Nachdem sich dort herausgestellt, daß der Mann gesund ist, entließ man ihn wieder. Der Kircheneinsturz in Nax. Zürich, 12. Januar. Ueber den Einsturz in der Pfarrkirche zu Nax berichtet ein Augenzeuge folgendes: Ein friedlich stiller, schöner Winter=Sonntagmorgen lagert über dem Plateau. Das anmutige Geläute der Pfarrlirche zu St. Maurice, zu der einst am St. Gotthardstage viel gewallfahrtet wurde— man schrieb diesem Heiligen die Macht zu, Fieber und Rheumatismus heilen zu können—, rust die Gläubigen zur Andacht. Die Kirche ist bald gefüllt; es bedars dazu nur eines geringen Teils der Bevölkerung von Nax und eines kleineren Zuzuges aus dem benachbarten Vernamiege. Allmählich verstummt das Geläute. Der Pfarrer betritt die Kanzel und waltet seines Amtes. An sein Gebei reiht sich die Predigt. Da plötzlich, nach wenig Sätzen, ertönt die Stimme eines auf der Empore stehenden Sängers:„Achtung, dort oben löst sich ein Stück von der Decke!" Der Pfarrer halt inne und stellt die prosaische Zwischenfrage:„Was ist denn los? Was ist denn los?“ In demselben Augenblick gibt auch schon das unerbittliche Schicksal die Antwort auf die so ungewöhnliche Frage. Das Unglück ist geschehen; in wenigen Sekunden ist namenloser Schmerz über das Dorf hereingevrochen; mit einem Schlage ist das Gotteshaus in ein Leichen- und Trauerhaus verwandelt worden. Auf eine Länge von 18 Metern von der Orgel an gerechnet stürzt mit gewaltigem Krachen das aus Tuffstein vestehende Gewölbe auf eine Breite von fünf bis sechs Metern ein. Eine entsetzliche Panik bemächtigt sich der Leute. Unbeschreiblich ist das Durcheinander und entsetzlich schaurig das Weinen und Heulen der Verwundeten. Die Bergungsarbeiten wurden sofort mit Umsicht und Erfolg begonnen. Unverzüglich eilen in alle benachbarten Dörfer und weiter, zunächst in das 2½ Stunden entfernte Sitten, Eilboten. Die Verwundeten werden auf Schlitten gebracht und nach Vernamiége geführt. Von Sitten, wo die Meldung um 12 Uhr bekannt wurde, brach sofort eine aus mehreren Aerzten und zahlreichen Einwohnern bestehende Rettungskolonne auf. Unterwegs begegnete diese den ersten Verwundeten, die ins Krankenhaus nach Sitten geführt wurden. Der Marsch von Sitten nach Nax auf dem mit Glatteis und Schnee bedeckten Wege ist äußerst mühsam und gefährlich. Als die Rettungskolonne auf dem Unglücksort anlangte, entstand eine neue Panik unter den Verletzten. Man stritt sich um die sich zur Verfügung stellenden Aerzte. Nach kurzer Zeit langte auch Nationalrat Kuntschen mit den Gerichtsbehörden auf dem Unglücksort an. Die Kirche bietet ein schreckliches Bild. Das Innere ist zertrümmert; am Boden und an den Wänden bis hoch hinauf finden sich Blutlachen. Ein gewaltiger Block liegt mitten im Hauptgange; wäre er nur einige Zentimeter abseits gestürzt, so wären durch ihn allein sicherlich zehn Personen erschlagen worden. Unter den Trümmern liegen Betbücher, Rosenkränze. Hüte. Orgelpfeifen, alles bunt durcheinander. Der Pfarrer auf der Kanzel blieb unversehrt. Unter den Trümmern befinden sich zwei Mütter von je sieben Kindern, ein 25jähriger Vater eines Kindes, ein 67jähriger Vater mit seiner Tochter, der Posthalter und Organist Constantin und ein neuvermählter Ehemann, ferner mehrere ältere Frauen. Die Geretteten brüten stumm vor sich hin oder zeigen sich kaltblütig. Von den Verwundeten sind inzwischen sechs gestorben. Die Zahl der Toten wird offiziell auf 31 angegeben. Das Unglück ist nicht einem Erdbeven, sondern der Baufälligkeit der Kirche zuzuschreiben. Das ganze Gewölbe mit Ausnahme des Chores ist eingestürzt. Der Turm mit den Glocken steht noch. Die Regierung des Kantons Wallis hat den Architekten Kalbermatten mit der Untersuchung betraut. Die letzten Reparaturen an der Kirche wurden im letzten Sommer vorgenommen. In diesem Frühjahr sollte eine umfassende Renovation der Kirche stattfinden. Die Bevölkerung ist schmerzlich erregt. Fast jede Familie hat den Verlust eines Angehörigen zu beklagen. Di. Einwohner sind durchweg arm. Die Beerdigung der Verunglückten findet morgen in Nax statt. Die Ursache des Kircheneinsturzes in Nax. Aus Bern wird geschrieben: Der Staatsrat des Kantons Wallis hat den Architekten Kalbermatten beauftragt, über die Ursache des Einsturzes des kürzlich renovierten Kirchengewölbes in Nax eine Untersuchung vorzunehmen. Diese hatte zum Ergebnis, daß ein Konstruktionsfehler im Gewölbe vorliegt. Es fehlte ein Spanneisen. In dem 12 Zentimeter dicken, aus Tuffstein und Kalk bestehenden Gewölbe war ein Riß entstanden, das Gewölbe gedrückt, und diese gaben nach. Es wurde auch das Vorhandensein eines zweiten parallelen Risses konstatiert. Dolchstiche in den Unterleib. Rom, 13. Januar. In Capus begab sich die Witwe Menna vor das Asyl der messinesischen Fluchtlinge, um diesen ein Ständchen auf der Mandoline darzubringen. Diese ließen ihr aber sagen, sie seien nicht in Stimmung, Musik zu hören. Die Frau spielte aber ruhig weiter. Da verbat ihr der Arzt, die Unglücklichen zu stören. Frau Menna aber wurde daruber so aufgebracht, daß sie ihren Tolch dem Arzt zweimal in den Unterleib stieß. Dann entfloh die Frau. Standesamts-Nachrichten. Herford Stadt. Nachrichten vom 4. bis 9. Januar: Söhne: Handarbeiter Hermann Wulfmeier; Schlichter Wilh Vorndamm; Schneider Heinrich Stöbener; ArFrievrich Klemeyer; Schmied Ernst Fleher; Tischler Aug. Pahmeyer; Schlosser Wilh. Seppmann; Malermeister Heinrich Bahlbruch; Tischler Herm. Westerheide. veintich Mädchen: Zuckerbäcker Karl Claus; Landwirt Herm. Dieckmeier; Fabrikarbeiter Gustav Lotte; Arbeiter Herm. Koch; ferner 1 uneheliches. Der amerikanische Aviatiker Orville Wright, der Bruder Wilbur Wrights, ist am Montag mit seiner Schwester an Bord des Dampfers„Kaiser Wilhelm der Große" in Cherbourg eingeiroffen. Orville Wright leidet noch, wie aus Paris berichtet wird, an den Folgen des Sturzes, den er vor wenigen Monaten erlitten hat. Er wird deshalb keine Flüge mit dem Aeroplan in Frankreich unternehmen, bringt aber neue Ideen zur Verbesserung der Flugmaschine mit, deren Ausarbeitung er zusammen mit seinem Bruder vornehmen wird. Außerdem gedenkt er, einige große Geschäfte zu regeln. Statt seiner wird seine Schwester den Aeroplan besteigen. Sie hat die Absicht, in Frankreich ihre erste Fahrt in der Flugmaschine zu unternehmen. „ Aufgebete: Arbeiter Wilh. Heitlindemann und Auguste miepe; Ziegler Simon Dingerdissen und Luise Pape; Monteur Johggr. Joseph Brockerhof und Anna Wirtz; Geschäftsreisender wilh Wendd Julius Emil Roepke und Olga Pötzscher; Sattler Sopb.: Fislert Dorothea Kolbe, Maler August Kopp und hoif“ Möhelischlarie Leinrich Siekmann und Anne Menk. Julius Glatzel und Franziska Johanna Cialck; Arbeiter Karl Schröder und Auguste Sundermann. Srica 65l ch! Sscsrnessg: Postschaffner Ernst Kötter und Krleu. Wind, Steuwerisschlosser Aug. Wehmeier und Wilhelmine. Schroder; Fabrikarbeiter Heinrich Landwehr und Johanne Breder; Dekorateur Heinrich Funhoff und Wilhelmine Lüdemann „ Sterbefälle: Provinzial-Wegemeister a. D. Karl Hieby, co a;: Köfgnann Kroh, 10 M.; Landwirt Gottlieb Strodtholz, Srich### Quest, 3 J.; Haustochter Auauste Potthast, 35 J.; Erich Bovel, 3 J; Ehefrau Luise Lammering, 58 J.; Invalide Heinrich Koch, 61 J.: Ehefrau Marie Beckendorf, 73 J.; Wilh. Seppmann, 8 Std.; Johanne Wächter, 4 M.; Frida Lange, 1 J. Unser Aveltur u. WinterwarenAusverkauf 287 soll in diesem Jahre für uns ein Reklame-Verkauf sein. Er überragt alles bisher von uns Gebotene!!! bestes Rohmaterial und sorgfältige Fabrikation bedingen die wertvollen Eigenschaften von Knorr’s Haferflocken als leicht verdauliche, nahrhafte und bekömmliche Speise. Für Kindernahrung empfehlen viele Aerzte Knorr’s Hafermehl. 5669 S ruunnrmachung. Bescheid. Die in dem Beschlusse des Bezirksausschusses zu Minden vom 14. Juli 1904 festgesetzte Zeitbeschränkung(auf die Dauer von 5 Jahren) der Genehmigung des Ortsstatuts der Stadt Herford, betreffend die Uebernahme der Straßenreinigung durch die städtische Verwaltung, wird hiermit zurückgezogen. Minden, den 15. Dezember 1908. Namens des Bezirksausschusses: Der Vorsitzende. I. V.:(gez.) Bartels. Vorstehender Bescheid wird hiermit veröffentlicht. Herford, den 8. Januar 1909. Der Magistrat. Busse. Wochenmarkts=Preise per Pfd. 110—120 70—.80 in Bielefeld am 7. Januar 1909. 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Die heutige Numu einschließlich der Unterhalt Oesterreichs 8 Kut Die Türkei hat die öster: und die Völker Oesterreichs Kriegsgefahr gebannt ist, in stürzt hat. 55 Millionen Kr. aber schließlich sind es ja do an Zinsen, und die wird man selbst zur Zahlung überlasser mit heiler Haut davongekom Reputation ist dabei verloren sche Staatsaktion. die Oester: tor in der Weltpolitik machen verwandelte. Die Oesterreicher sind ja listisch gesinnt und wenn sie hinter den anderen Großmäch Ruhe nicht stören ließ, auch diese Politik doch mehr nach di kis Nachfolger, Aehrenthal, ir weil es österreichischen Patri Maße gibt. Ganz abgesehen lichkeit aus zwei Staaten best gierende Interessen haben, si Gebiet diesseits der Leitha be Einheit zu fühlen. So hat Herzegowina außerhalb des zialen wenig Begeisterung ge Art, mit der diese Annexion der Freunde des österreichisc Presse ihn nannte— nicht! daß Aehrenthal die Kompen wollte, die Rückgabe des So sich vorher zu erkundigen, da würde. Freilich damals fi wirklich als der österreichise so wurde in einer sehr kate wärtigen Amtes„verkündet", Novibazar vorlieb nehmen findung in welcher Form im sprach damals namlich davon, die annektierten Provinzen türkischen Staatsschuld über; wollte Aehrenthal mit aller 2 Seither haben sich allerd ändert. Seither hat nämlich Waren sich mit solcher Gewa lich so selbstbewußte Diplom der Lage glauben lernte. Oest europaischen Türkei allein u exportiert und es mußte fü großen Teil an seine Konku surchtbare Waffe dieser Boy Erz=Exportes, des Exportese wie man annehmen mußte, n Oesterreich bis dahin ein un Eine soeben vom Handelsmir Uebersicht über den auswärti 1908 spricht da eine deutliche 1907 Oesterreich=Ungarn 589 Export bis zum November gangen und diese dürften wr der europäischen Türkei abge der plötzlich ausbrechende kri Serbien. Daß die serbische mit Oesterreich denken könn serbische Armee würde einfac Versuch, Banden nach BosniBesatzung, die Oesterreich nu los. Jedenfalls aber mußte veranlaßt werden, den Fried alle Hoffnungen Serbiens al Wenn Baron Aehrenthal schloß, seine früheren Groß Rückzug anzutreten, so ist das den er in dieser ganzen Affi gescheiter, ein paar Million reichischer Soldaten. Allerd mit unserem Auswärtigen die Annexion Bosniens das und auch darüber, ob das G wesen wäre— jedenfalls m europäischen Frieden— wenn ständigt hätte, ehe man sich einließ. Es ist nicht ausgese vorher die Raumung des S lösung der türkischen Staats veränität über Bosnien und war als ein bloßer Name, hätte dann wenigstens den spart; und wenn das Geschäf hätte Oesterreich sich schließl delfen können. Die Kriegsgefahr ist vor nun in Servien und Mont kehrt. Der Rechtsanspruch wahrlich nicht größer als der auf die Hilfe der Türkei nu einsehen, daß es das klügste i Daß irgend ein europaische machtsgelüste willen sich in unzunehmen— so sehr auch d einzureden versuchte, ihre Se österreichischen Machthaber der letzten Monate die Lehr reich am besten ist, wenn es politik recht fern hält.