Abonnementspreis für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen feei ins Haus gebracht 60 Pfg. monat lich. Durch die Post bezogen 1,80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. 3 1 Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ K. Gerisch& Co., Nieleseld. 842 Nr. 11. Bielefeld, Donnerstag, 14. Januar 1909. 20. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Herngischer Tnnotag. Abgeordneten haus. 18. Sitzung vom Mittwoch, 13. Januar, 11 Uhr. Am Ministertisch: Dr. Delbrück.(Zer) Die Besprechung der Interpellation Trimoorn(Hlr.) über die Arbeitslosigkeit in Verbindung mit der Beratung der Anträge Aronsohn(Fr. Vp.) und Rahardt (kons.), betr. schleunige Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten zur Hebung des Arbeitsmarktes wird fortgesetzt Abg. Graf v. Kanitz(kons.): Es handelt sich weniger um einen Arbeitsmangel, als um eine ungenügende Verteilung der Arbeiter, wie der Arbeitermangel auf dem Lande beweist. Eine Arbeitslosenzählung macht deshalb so große Schwierigkeit, weil es fast unmoglich ist, die arbeitswilligen Arbeitslosen von den Arbeitsscheuen zu trennen.(Sehr richtig! rechts.) Es müßten bei einer Zählung besonders behandelt werden die Saisonarbeiter, welche der höhere Verdienst im Sommer für die mangelnde Arbeitsgelegenheit im Winter entschädigt; dann die Arbeiter, die wegen Einführung von Feierschichten arbeitslos geworden sind, die auch auf Unterstützung keinen Anspruch machen könnten. Ferner kommen diejenigen, welche durch eigene Schuld arbeitslos geworden sind, in erster Linie durch Streiks.(Sehr richtig! rechts.) Ich erinnere auch erneut daran, daß es dem Magistrat von Berlin nicht möglich war, Arbeiter für die Rieselgüter um Berlin zu bekommen, obgleich bis 4 Mark Lohn geboten wurde. Ferner kommen in Betracht die Rentenempfänger, die es nicht nötig haben, zu arbeiten, sich aber gleichwohl in die Listen der Arbeitslosen einschreiben lassen. Eine zu weitgehende Ausgestaltung der Arbeitsnachweise könnte leicht zur Folge haben, daß bei aufsteigender Konjunktur noch mehr Leute als bisher vom Lande in die Industrie abwandern. Eine Verpflichtung des Staates zur Unterstützung der Arbeitslosen kann ich nicht anerkennen, weil dann auch die ländliche Bevölkerung die Lasten mittragen müßte, die selbst unter großem Arbeitermangel leidet. Vielmehr dürften die Kommunen dazu berufen sein, für die Arbeitslosen zu sorgen. Die Arbeitslosenversicherung hat seinerzeit der verstorbene Parteigenosse des Herrn Gyßling im Reichstag, Herr Lenzmann, mit Recht als eine Prämie auf die Faulheit bezeichnet. Der Arbeitslose ist vielfach sogar in einer besseren Lage als der Arbeitende, weil er spazieren gehen und sich die Zeit angenehm vertreiben kann.(Sehr richtig! rechts.) Zur Durchführung einer solchen Versicherung gehörte ein ungeheurer Beamtenapparat, während wir in Preußen bereits viel zu viel Beamten haben.(Sehr richtig! rechts.) Vielmehr sollten wir nach den Ursachen der Arbeitslosigkeit suchen. Hier kommt vor allem das Verhalten der Kartelle in Betracht. Eine KartellGesetzgebung, wie sie Präsident Roosevelt in Amerika empfohlen hat, wäre auch bei uns sehr angebracht. Die Praxis der Kartelle beleuchtet z. B. die Tatsache, daß Lokomotivkohlen, also eine bessere Kohle, nach Oesterreich erheblich billiger geliefert werden als sie unsere Eisenbahnverwaltung bezahlen muß.(Hört, hört!) Nur durch eingreifende wirtschaftliche Maßregeln, die auf die Ursache der Arbeitslosigkeit zurückgehen, kann die Arbeitslosigkeit vermindert werden.(Bravol, rechts.) Handelsminister Dr. Delbrück stellt gegenüber dem Vorredner fest, daß die fiskalischen Gruben in Oberschlesien nicht Kohlen nach dem Auslande billiger liefern als nach dem Inland. Abg. Graf v. Strachwitz(Ztr.) betont gegenüber dem Abgeordneten Graf Kanitz, daß die oberschlesischen Bergwerke auf die Ausfuhr nach dem Auslande angewiesen wären. Zur Beseitigung der Leutenot in der Landwirtschaft muß dem Staate ein gewisser Einfluß auf die Art der Freizügigkeit gewährt werden. Eine Arbeitslosenversicherung müßte von denen getragen werden, die dies angeht. Arbeiter, Arbeitgeber und die großen Städte könnten sehr wohl die Lasten einer solchen Versicherung unter Aussicht des Staates tragen.(Bravo! i. Ztr.) Abg. Haarmann(natl.) bestreitet gegenüber dem Abgerdneten Giesberts, daß die westliche Industrie durch trügerische Vorspiegelungen arbeiter aus dem Osten anwar, und wer sich gegen eine Arbeitslosenversicherung. Die Leute, die in den Krankenkassen das Geld auszahlen, denken über die Simulation ganz anders als Herr Giesberts. Seitdem die Arbeiterversicherung in Kraft ist, hat sich eine ganz besondere Krankheit ausgebildet, die Rentenkrankheit oder Rentenhysterie. Die mageren positiven Vorschläge des Herrn Borgmann sollten wohl nur als Folie dienen für das von ihm zitierte reichhaltige Menu.(Heiterkeit.) Herr Borgmann hat überhaupt sehr übertrieben. Auf der Grube„Concordia“ sind nicht so viel hundert Arbeiter entlassen worden, wie nach Herrn Borgmann Tausende entlassen sein sollten.(Hört, hört!) Die Angriffe des Grafen Kanitz gegen das Kohlensyndikat sind von berufenen Leuten längst widerlegt. Hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. Es folgen persönliche Bemerkungen.„, gg 1.20 i bi. Abg. Borgmann(Soz.) spersönlicht vemertt, daß er die von Herrn Haarmann kritisierten Zahlen der„Sozialen Praxis“, entnommen habe. Wenn Graf Kanitz sich gewundert hat, daß ich es nicht beklagt habe, wenn Arbeiter auf den Rieselwerken zu einem festen Lohn von 3—4 Mk. nicht zu haben gewesen wären, so ist von einem festen Lohn keine Rede gewesen, sondern es ist behauptet worden, daß im Akkord solche Löhne verdient werden Abg. Leinert(Soz.): Ich will zur Geschäftsordnung nur bemerken, daß mir durch den Schluß der Debatte die Möglichkeit genommen worden ist, auf die Ausführungen zu antworten, die beantwortet werden müßten und die von Haß erfüllt gewesen sind gegen die Arbeiter und die Arbeiterorganisationen. Die folgenden Schlußworte der Abgg. Rahardt(kons.) und Gyßling(Fr. Vp.) bleiben in der Unruhe des Hauses völlig unverständlich, die entsteht, als Fräulein Olga Desmond auf der Tribüne erscheint. Die große Mehrheit der Abgeordneten, namentlich des Zentrums, wendet sich mit dem Rücken nach dem Redner der Tribüne zu und starrt hinauf. In der Abstimmung wird hierauf der Antrag Aronsohn abgelehnt, der Antrag Rahardt angenommen. Es folgt die Interpellation Roeren(Ztr.), betreffend die Verhinderung der Schaustellung nackter Personen. Die Interpellation lautet:„Welche Maßnahmen gedenkt der Minister des Innern zu treffen, um die schon seit geraumer Zeit in Berlin stattfindenden und auch bereits für andere Städte in Aussicht gestellten Aergernis erregenden Veranstaltungen, bei denen männliche und weibliche Personen in völliger Nacktheit auftreten, endgiltig zu verhindern?“ Minister v. Moltke erklärt sich bereit, die Interpellation sofort zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort„ Maxstelanzen auf meiche 8i. Abg. Roeren(Ztr.): Die Vorseuungen, auf welche die Interpellation sich bezieht, sind keine vereinzelten Erscheinungen, sondern eine naturgemäße Konsequenz einer schon seit Jahren systematisch betriebenen Nacktbewegung. Die Verfügung des Herrn Ministers beschränkt sich leider darauf, zu unterscheiden zwischen konzessionspflichtigen und konzessionsfreien Unternehmungen, als welche geschlossene Gesellschaften bezeichnet werden. Auf die Frage der Sittlichkeit solcher Nacktvorstellungen geht die Verfügung überhaupt nicht ein. Derselbe Skandal geht denn auch in geschlossenen Versammlungen ruhig weiter. Das Unternehmen„Die Schönheit“ hat sich zur Ausgabe gesetzt,„die Menschheit von der ungesunden Askese des Christentums und der muffigen Kleiderkultur zu befreien und sie zur keuschen paradiesischen Nacktheit zurückzuführen".(Gr. Heiterkeit rechts und im Zentrum.) Der Begründer dieses weltumstürzenden Unternehmens ist ein junger Mann von einigen 20 oder vielleicht 30 Jahren, und er will diesen Zweck erreichen durch die Tänze, die ein nacktes Frauenzimmer in ihrer Schamlosigkeit vor dem Publikum ausführt. Die„Vereinigung für ideale Kultur“ ist zu ihrem Vorgehen jedenfalls ermutigt worden durch die unbehinderte öffentliche Verbreitung von Aktphotographien. Bei den hohen Eintrittspreisen gestalten sich diese Abende für den jugendlichen Unternehmer zu einem ganz guten Geschäft. Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen großen Städten ist er als Impresario der Desmond aufgetreten. Die angesehenen Preßorgane, wie„Frankfurter Zeitung",„Kölnische Zeitung", „Magdeburger Zeitung“,„Hamburger Nachrichten“, die„Post“ usw., haben diese Vorführungen entschieden verurteilt, ebenso Ernst v. Wolzogen, den doch niemand für prüde halten wird, (Heilerkeit rechts), im„Berliner Tageblatt". Dadurch wird die Behauptung des Unternehmers in einem offenen Briefe, der hier verteilt worden ist, widerlegt, daß die Presse im allgemeinen den Schönheitsabenden sympathisch gegenüber gestanden habe und die Proteste nur von Sittlichkeitsvereinen ausgegangen wären.(Redner verliest einige Preßäußerungen.) Als trotzdem der Skandal weiter andauerte, haben wir es für unsere Pflicht gehalten, unsere Interpellation einzubringen. Daraufhin hat es der Unternehmer für angezeigt gehalten, die verehrten Mitglieder dieses Hauses zu einer Separatvorstellung einzuladen. Ich weiß nicht, was eigentlich mit dieser Vorstellung bewiesen werden sollte. Denn es ist doch niemals bestritten worden, daß die Hauptakteurin in völliger Nacktheit aufgetreten ist. Es ist auch der Einladung eine photograplische Aufnahme der Person, wie sie an einem der Abende aufgetreten ist, beigefügt.(Redner legt die Photographie auf den Tisch des Hauses nieder.) Das Ministerium hat dann ein Gutachten der Akademie der Künste eingefordert(Heiterkeit rechts), welches dahin lautete, daß den Darbietungen höherer künstlerischer Wert nicht innewohne. Es ist daraufhin verfügt worden, daß diese Darstellungen der Konzession bedürften. Wenn die Habitués dieser Vorstellungen sich nach Schluß derselben zusammenfinden und in geheimen Konventikeln die Orgien fortsetzen und zum Abschluß bringen(Htkt. rechts), so mag man das den Einzelnen überlassen. Aber wenn solche Vorstellungen vor Hunderten von Gesellschaften stattfinden, muß die Polizei einschreiten. Es ist geradezu Hohn, solche Veranstaltungen als geschlossene zu bezeichnen. Die Frage zu beantworten, ob durch diese öffentl. Tänze eines nackten Frauenzimmers die Sitte und der öffentl Anstand verletzt werden, war nicht Aufgabe der Akademie der Künste(Sehr wahr! rechts.), sondern dazu war der Herr Minister selbst berufen. Der Herr Justizminister hat erst vor kurzem hier erklärt, daß es in solchen Fragen der Befragung oon sogenanten Sachverständigen nicht bedürfe. Hätte der Herr Minister etwa die öffentlichen Vorstel dürfe. Hätte der Herr Minister etwa die öffentlichen B####uungen ruhig weiter geoutdet, wenn das Gutachten der Akademie der Künste günstiger ausgefallen wäre? Die Unternehmer selbst wollen auch gar keine künstlerischen Zwecke mit ihren Veranstaltungen verfolgen, sondern erzieherische Zwecke. Es gibt sogar Nachtlogen, deren Mitglieder sich zu Gesellschaftsabenden vereinigen, wo Männer und Frauen völlig nackt erscheinen, miteinander verkehren, spielen, lebende Bilder stellen usw.(Hört, hört!) grdneten Hiesberzs, daß die westliche Zrdustzr, tr h, 1eiggrihe Stansplankt aus ois Verrobung der Siten verurteilen. TrozDie gemeinsamen Veranstaltungen werden öffentlich angekündigt, die Programme werden öffentlich versandt, und die Beteiligung schein; eine sehr umfangreiche zu sein. Die Duldung der BeVereine. Damit war vie Möglichkeit polizeilichen Einschreitens gegeben. Es wurde ein Verbot mangels vorgängiger polizeilicher Genehmigung ausgesprochen Dann hat am 21. Dezember ein tatsächlich öffentlicher Schönheitsabend stattgefunden unter der verlangten polizeilichen Zensur der Schöneberger Polizei. Durch diese Zensur war vorher verboten die völlige Nacktdarstellung. Es waren vorgeschrieben dichtere Schleier, durch welche die mittleren Körperteile verdeckt werden sollten. Ich habe noch vor der Interpellation der Schonebeiger Polizei aufgegeben, weiteren Ankündigungen öffentlicher Aufführungen gegenüber das Verlangen der Erlaubnis nach der Gewerbeordnung zu stellen, da ein höheres Kunstinteresse meiner Auf: fassung nach nicht anerkannt werden könnte. Es haben schließlich nur noch drei Aufführungen stattgefunden.— Wie wenig angezeigt eine nachsichtige Behandlung der Unternehmer war, hat sich für mich aus der nachträglich erhaltenen Kenntnis ergeben, daß die zu einem Abend an Liebhaber versandten Programme wesentliche Abänderungen der Polizei an den Programmen verschwiegen haben.(Hört, hört!) Gerade diese Art der Reklame war mir bezeichnend für die Spekulation des Unternehmens. und für seine Stellung zur höheren Kunst.— Die künstlerische Wiedergabe eines menschlichen Körpers in vollendeter, ideal geklärter Form ist von jeher das höchste Ziel des berechtigten Strebens jeder ernst schaffenden Kunst gewesen. Aber es ist das Wesen jeder echten und wahren Kunst, daß sie den Beschauer hoch über niedere Triebe erhebt und in den Bannkreis idealer Bewunderung zwingt. Wer würde anderes empfinden bei dem Anblick einer Venus von Medici, einer Venus von Tizian oder anderer unsterblicher Werke der Kunst. Nur hochgradige Prüderie oder völliges Versagen des Kunstempfindens würde sich hieran stoßen. Ein wirkliches Kunstwerk kann allerdings entheiligt werden durch die Art und den Ort der öffentlichen Darstellung. Das Entscheidende für die Polizei ist allein die Wirkung, die erzielt werden soll und erzielt wird. Sittlich unreife und weniger gefestigte Elemente müssen von verartigen Veranstaltungen ferngehalten werden. Das ist gerade in der jetzigen Zeit eine wichtige Aufgabe der Polizei(Sehr richtig! im Ztr.), wo unter dem Deckmantel hygienischer, wissenschaft licher oder künstlerischer Offenbarung Darstellungen, die das sittliche Volksempfinden verletzen müssen, vor die Oeffentlichkeit gebracht werden. Die Schönheitsabende bieten dem Beschauer keinen erhebenden künstlerischen Eindruck, sondern nur das lebende Modell, das niemals vollkommen sein kann. Ich habe bei meinem Vorgehen die Unterstützung des Herrn Kultusministers gefunden, der die Akademie der Künste zu ihrem Gutachten aufgefordert hat, in Rücksicht darauf, daß eine Anzahl Persönlichkeiten, deren künstlerischer Ernst über jeden Zweifer erhaben ist, sich für den künstlerischen Wert der Schönheitsabende ausgesprochen haben. Natürlich wäre dieses Gutachten nicht für mich maßgebend gewesen; was ich zu tun habe, weiß ich ganz allein. Gerade die Behauptung des Gutachtens, daß durch die Schönheitsabende die Beschauer an den Anblick des nackten menschlichen Körpers gewöhnt und dadurch zur Betrachtung des Schönen erzogen werden könnten(Lachen rechts), halte ich für falsch und habe deshalb die nackten Darstellungen verboten. Ein geschlossener Personenkreis würde erst dann dem polizeilichen Eingreifen unterliegen, wenn derartig grobe Verstöße gegen das allgemeine sittliche Bewußtsein in den Veranstaltungen enthalten wären, daß schon das Bekanntwerden der Tatsache eine Störung der öffentlichen Ordnung verursacher würde. Daß die von dem Herrn Interpellanten geschilderten Gesellschaftsabende unter den Augen der Polizei tagen, bestreite ich. An die Oeffentlichkeit haben sich solche Veranstaltungen bisher nicht gewagt. In der Tat aver gibt es eine Reihe geschlossener Vereine der geschilderten Art. Den Beweis dafür habe ich erst seit heute in der Hand. Es liegt mir seit heute die Denkschrift eines Apostels der nackten Wahrheit vor; die eine Reihe von Abbildungen enthält, und in der es z., B. heißt:„Das Mysterium der Dreieinigkeit von Mann, Weio und Kind int zugleich der einzige Rythmus von Sexual=Biologie, Sexual= Aesthetik und Sexual=Religion. Weiter ist die Rede von der „Verehrung der geschlechtlichen Dreieinigkeit, Gott=Vater, GottMutter und Gott=Sohn.“(Gr. Unruhe im Ztr. und rechts, Ruf: Irrenhaus!) Der Polizeipräsident hat die Publikation sofort der Staatsanwaltschaft eingereicht, das Landgericht hat aber ein Einschreiten abgelehnt.(Hört, hört! rechts.) Jedenfalls wird gegen solche Bestrebungen von der Polizei mit allen Mitteln eingeschritten werden. Sollte es sich herausstellen, daß gein, eue(De geutunzteige un gu. Die Dubung, der Ve, Miteln eingeschriten verden, Stauen, grcheinen ie winhte hörde diesem Treiben gegenüher muß zu einer bedenklichen Ver= in solchen Vereinigunger Minderjährige erscheinen, so würde drehung der Sittlichkeitsbegriffe des Volkes führen. Charghte= in Frage kommen, gegen die Eltern auf Entziehung des Erristisch ist, daß der Begründer dieser ganzen Bewegung, Dr.#### vorzugehen und die Heinrich Puder in Leipzig, von diesen Veranstaltungen in einem offenen Briefe abrückt. Er gibt zu, daß die treuesten Anhänger der Sache sich vielfach als Homosexuelle entpuppt hätten.(Lebh. Hört, hört!) Hier ist die breiteste Oeffentlichkeit direkt in Mitleidenschaft gezogen. Daher hat der Staat die Pflicht, mit starker Hand diesem Treiben ein Ende zu machen, das die Kraft und Gesundheit unserer Nation zu untergraben geeignet ist. Der Herr Minister wird dabei die Unterstützung des gesamten sittlich fühlenden Teiles unserer Bevölkerung rinoen.(Lebhaftes Minister des Innern Graf Moltke: Wenn man die Rede des Herrn Interpellanten hörte, sollte man wirklich glauben, daß der Polizeiminister Mitglied der Schönheitsvereinigung für ideale Kultur sei.(Unruhe im Ztr.) Ich schicke voraus, daß sein Standpunkt vollkommen der meinige ist, und ich bin ihm dankbar für seine Schlußworte. Aber die Lage der Polizei gegenüber Veranstaltungen, die sich zurückziehen in dunkle Schlupfwinkel, ist nicht so leicht, wie er sich das denkt. Was die rechtliche Seite der Sache anbelangt, so handelt es sich bei den Schönheitsabenden um Schaustellungen von Personen. Wenn sie nicht öffentlich sind, entziehen sich solche Vorführungen der polize lichen Zensur. Nichtöffentliche könnten eingeschränkt und auch verboten werden. Ermangeln diese Darstellungen bei öffentlicher Vorstellung eines höheren Kunstinteresses, so ist die vorgängige Genehmigung aus der Gewerbeordnung erforderlich. Ein Untersagungsgrund aus der Gewerbeordnung ist in solchem Falle der Verstoß gegen gute Sitten. Was ist nun vorgekommen? Im Frühjahr vorigen Jahres kündigte die Vereinigung für ideale Kultur zwei Schönheitsabende im Mozartsaale an. Nach der Ankündigung handelte es sich um Vorstellungen für Vereinsmitglieder und besonders geladene Gäste. (Zuruf im Ztr.) Gewiß ist das eine Verschleierung, und ich habe es auch alsbald als Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen gekennzeichnet, denn es ergab sich, daß ein Eintrittsgeld in Höh von 2 Mk erhoben und durch diese 2 Ml. die Mitgliedschaft zum Verein festgestellt wurde. Es waren also keine geschlossenen ziehungsrechts vorzugehen und die Kinder der Fürsorgeerziehung zu übergeben.(Sehr gut! rechts.] Ich erwarte auch, daß alle guten Elemente des Volkes die Behörden auf diesen dunklen Wegen, denen sie nachzugehen haben, unterstützen werden. Aber die Polizei kann nur vorbeugen und unsittliche Aeußerungen unterdrücken; es ist nicht ihre Aufgabe, die Erziehung der Menschheit zu besseren Sitten zu übernehmen. Soll das bekannte Taciteische Ehrenbild des germanischen Charakters unbefleckt erhalten bleiben, so müssen andere Kräfte dabei mitwirken, als die Polizei.(Lebh. Bravo!) Auf Antrag des Abgeordneten v. Pappenheim(kons.) wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Abg. Henning(kons.): Meinen Freunden ist es unverständlich, wie es möglich war, daß in heutiger Zeit solche Veraustaltungen geduldet werden konnten. In den Veröffentlichungen der Vereinigung für ideale Kultur ist immer davon die Rede, es ständen hohe Fürstlichkeiten, vornehme Personen hinter der Bewegung. Dann heraus damit! Wer sind die vornehmen Persönlichkeiten?. Hier muß Klarheit geschaffen werden.(Leohafter Beifall.] Ich will zu ihrer Ehre annehmen, daß sie von den Veranstaltern irregeführt worden sind. Die Sachen mit den Nachtlogen spielen übrigens in der Presse schon seit Monaten. Braucht denn die Polizei so lange Zeit, um dahinter zu kommen? Man sagt, die Polizei weiß, wenn sie dagegen vorgeht, wohl, wo sie anfängt, aber nicht, wo sie enden wird. In einer Frage aber, wo das Volkswohl auf dem Spiele steht, können solche Rücksichten nicht obwalten.(Lebh. Beifell rechts.) Minister des Innern v. Mollke: Der Herr Vorredner hat angedeutet, als wenn maßgebende Persönlichkeiten mich gehindert hätten, das zu sagen, was ich eigentlich meinte. Ich muß das auf das allerbestimmteste zurückweisen. Wenn ich von Persönlichkeiten gesprochen habe, deren künstlerischer und sittlicher Ernst nicht bezweifelt werden könnte, so waren damit lediglich Stimmen aus Künstlerkreisen gemeint. Daß irgend etwas Verdächtiges dahintersteckt, muß ich entschieden zurückweisen.— Gegen die Nachtlogen hat die Polizei bisher nicht eis schreiten können, da die Mitglieder sich gegenseitig verpflichten, ihre Namen nicht zu nennen. Wenn auch darüber etwas in der Presse gestanden hat, so ist es deshalb doch für die Polizei noch nicht greifbar. Abg. Dr. Lohmann(natl.): Wir begrüßen es, daß die Nacktdarstellungen verboten worden sind. Mit Kunst haben diese Sachen nichts zu tun. Ich bin gewiß nicht prüde, aber ich habe mich bei den Schönheitsabenden in die Seele der anwesenden Frauen hinein tief geschämt.(Lebh. Beifall.) Es gibt schon viel zu viel, was am sittlichen Mark des Volkes zehrt. Wir wollen, daß unser Volk gesund bleibt und begrüßen es dankbar, daß diese abscheulichen Darbietungen verboten sind.(Beifall bei den Natl.) Abg. Mertin(frkons.): Meine Freunde sehen in diesen Nacktdarstellungen eine Frechheit, gegen die nicht scharf genug vorgegangen werden kann.(Beifall.) Präsident v. Kröcher: Ich schlage dem Hause nunmehr vor, sich zu vertagen.(Lebh. Zurufe: Träger! Träger!) Der Abg. Träger will lieber nicht sprechen.(Gr. Heiterkeit.) Die Vertagung wird beschlossen Nächste Sitzung: Montag, 18. Januar, 1 Uhr.(Erste Lesung des Etats.) Schluß 4 Uhr. Politische Uebersicht. Deutsches Reich. lg. Die Geschäftslage des Reichstags. Ueber die geschäftlichen Dispositionen des Reichstages gingen schon vor einigen Tagen Mitteilungen durch die bürgerliche Pressc. Jeder einigermaßen mit den Gepflogenheiten des Hauses Vertraute konnte wissen, daß derartige Dispositionen noch gar nicht getroffen sein konnten und daß daher irgend ein Journalist die Nachricht erfunden haben mußte. Heute hat der Seniorenkonvent beschlossen, eine Pause von drei Tagen einzulegen vom 30. Januar bis einschließlich 2. Februar. Von weiteren Ruhetagen hat man vorläufig Abstand genommen, da die Geschäftslage des Hauses gar zu viele Pausen nicht gestattet. Bis zu den Osterferien sollen jedoch zwei Schwerinstage eingelegt werden, um eine Beratung der vielen. Initiativ=Anträge der Parteien zu ermöglichen. Ig. Von der Arbeiterfreundlichkeit der Christlich=Sozialen. Als am Schluß der Reichstagssitzung vom 12. Januar die Tagesordnung für die nächste Sitzung festgestellt werden sollte, beantragte der Abg. Singer, die Beratung und Beschlußfassung über die Berichte der Petitionskommission fortzusetzen. Bei Annahme dieses Antrages wäre auch eine Petition des christlich=sozialen Metallarbeiterverbandes auf erhöhten gesetzlichen Schutz der in den Zinkhüktenbetrieben beschäftigten Arbeiter zur Verhandlung gekommen. Die Besprechung dieser Sache aber hatte dem Reichstage auch Gelegenheit gegeben, die in den letzten Tagen veröffentlichten Bundesratsverordnungen für die Betriebe der Großeisenindustrie einer eingehenden Beratung zu unterziehen und gegen die beliebteArt der Erfullung von Reichstagswünschen zu protestieren. Diese Rücksicht hätte die„arbeiterfreundlichen“ christlich=sozialen Abgeordneten eigentlich bestimmen sollen, den sozialdemokranchen Antrag zu unterstutzen. Bei der Abstimmung aber zeigte sich wieder einmal, daß die ChristlichSozialen der Blockpolitik zuliebe auch die vitalsten Arbeiterinteressen opfern,— sie stimmten mit den Konservativen und Nationalliberalen für den Vorschlag des Präsidenten, dessen Ausführung die Beratung der Petitionen wieder für längere Zeit verschiebt. Petersprozeß. München, 12. Jan. Zur Verhandlung erscheint Dr. Peters persönlich mit seinem Verteidiger Dr. Rosenthal, Genosse Gruber ebenfalls persönlich mit dem Genossen Rechtsanwalt Dr. Bernheim als Verteidiger. Peters hatte früher seine Berufung bereits zurückgezogen, da er angeblich kein Interesse an der Weiterführung des Prozesses mehr habe. In Wirklichkeit aber wahrscheinlich, weil der Leutnant a.D. v. Bronsart v.Schellendorf, der in Afrika kommissarisch vernommen worden ist, belastend gegen Dr. Peters ausgesagt hat. Genosse Gruber erklärte, daß er seine Berufung aufrecht erhalte und zwar aus drei Gründen: 1. weil seiner Widerklage gegen Peters nicht stattgegeben sei, 2. weil er nicht freigesprochen sei, 3. weil, falls wirklich eine Beleidigung als vorhiegend erachtet wird, die Strafe viel zu hoch sei, da auswärtige Gerichte Beleidigungen des Dr. Peters weit milder bestraft haben. Gruber lehnte den von Peters vorgeschlagenen Sachverständigen Frhr. v. Pochmann, den Helfershelfer Peters am Kilimandscharo wegen Befangenheit av. Peters lehnte seinerseits den von Gruber vorgeschlagenen Sachverständigen Gouverneur a. D. v. Bennigsen ab. Es wurden das Schöffengerichtsurteil, die Disziplinarurteile gegen Dr. Peters u. a. verlesen. Die Verlesung dauert den ganzen Tag. Dernburg, der Reiseprediger. Staatssekretär Dernburg spricht am Montag in Dresden in einer Versammlung über „Die deutschen Kolonien". Die sämtlichen nationalen Vereine geben hierzu Eintrittskarten aus; der König wird auch an dem Vortrage teilnehmen. Der Fall Hammann=Schmitz. In dem Ermittelungsverfahren gegen Geleimrat Hammann und seine Gattin wegen Meineides, das, wie gemeldet, auf Anordnung des Generalstaatsanwalts von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht I wieder aufgenommen worden ist, finden heute vor dem Amtsgericht Charlottenburg Zeugenvernehmungen statt, und zwar gleichfalls auf Veranlassung des Generalstaatsanwalts, der dem Antrage des Pros. Dr. Schmitz stattgegeben und die gerichtliche und— soweit möglich schon jetzt — eidliche Vernehmung der von Schmitz angebotenen Zeugen angeordnet hat. Die Gesellschaftsstenervorlage wird nicht zurückgezogen. Wie die Scherlpresse mitteilen kann, beruhen die Gerüchte, wonach die preußische Regierung beabsichtigen soll, die Gesellschaftssteuervorlage zurückzuziehen, in keiner Weise auf Tatsachen. Der Handelstag zu Arbeitskammergesetz und Steuerfrage. Auf der Tagesordnung des deutschen Handelstages am Dienstag stand der Arbeitskammer=Gesetzentwurf. Er fand keine Gnade vor den Augen der Herren. Der Referent, Haphölsiammersekretär Stumpf, lehnte ihn grundsätzlich ab, weil erenssammern nur zur Forderung des Unfriedens dienen, wenn die Sozialdemokratie ihren weitgehenden Einfluß geltend macht, und verwarf sodann auch noch den größten Teil der Einzelbestimmungen, wie die Oeffentlichkeit der Verhandlungen, das„uferlose Tätigkeitsprogramm“ usw. Die Resolution, die er einbrachte, verwirft die Arbeitskammern, weil ein Bedürfnis nach solchen Einrichtungen nicht nachgewiesen ist, und bleibt der Ueberzeugung, daß sie, weit davon entfernt, Nutzen zu stiften, zur Verschärfung der leider bestehenden Gegensätze zwischen Unternehmern und Arbeitern beitragen und dem sozialen Frieden entgegenwirken würden. Die Diskussionsredner Franz v. Mendelsohn, stellvertretender Vorsitzender der Berliner Handelskammer, und Syndikus Roering=Bremen waren nicht ganz, aber doch im wesentlichen einverstanden: der erstere wollte eine nähere Begründung des Votums und eine Eventualerklärung, wonach der Handelstag den Arbeitskammern den Vorzug vor den Arbeiterkammern rent, da aber das Gesetz doch zustande kommen dürfte, so hält er und halten die Bremer Handelsherren es für gut, daß man „Verbesserungs“=Vorschläge mache. Als weißer Rabe trat Bahr=Landsverg auf, der sich scharf gegen verschiedene Ausführungen des Berichterstatters wandte. Er sei ebenfalls gegen paritätische Arbeitskammern, aber für reine Arbeitervertretungen. Auch der Arbeiterschaft müsse eine auf gesetzlicher Grundlage beruhende Vertretung geschaffen werden. Sein Antrag fiel indes gegen ganze vier Stimmen. Ein Antrag Mendelsohn mit 300 gegen 23 Stimmen; mit demselben Stimmverhältnis wurde der glatt ablehnende Antrag des Refereuten angenommen. Ferner wurde nach kurzen Beratungen die Elektrizitäts= und Gassteuer, die Weinsteuer und die Anzeigensteuer abgelehnt. Ebenso erging es der für Preußen vorgeschlagenen Gesellschaftsgeschlagenen, nicht auf einz Vermögens beschränkten Erhöhung der Einkommen= und Ergänzungssteuer wird zugestimmt. denke daran das Abstriche gemacht werden können“— lg. Eine eigentümliche Beleuchtung findet dieses Kanzlerwort wieder einmal durch eine Aeußerung des Unterstaatssekretärs Twele in der heutigen Sitzung der Budgetkommission. Bei der Etatsberatung des Haushalts für 1907 schon fragten einige Abgeordnete an, wo denn eigentlich Abstriche zu erwarten seien. Eine befriedigende Antwort ist den Fragestellern damals nicht gegeben worden. Auch als im vergangenen Frühjahr der konservative Abgeordnete v. Byern und Konrad Haußmann ihre Verwunderung darüber aussprachen, daß weder der Militär= noch der Marineetat solche in Aussicht gestellten Ersparnisse aufzuweisen hätte, war niemand der Herren vom Bundesrat in der Lage, eine Erfüllung der Versprechungen des Reichskanzlers zusagen zu können. Die heute gefallene Aeußerung des Unterstaatssekretärs Twele gibt nun eine überraschende Erklärung für die Schweigsamkeit der Regierungsvertretung auf die Fragen der wißbegierigen Reichsboten. Der Herr Twele „erfreute" die Mitglieder der Budgetkommission namlich mit die Erklärung, daß der Haushaltsplan von 1908 um etwa 100 Millionen Mark überschritten worden sei! Also statt Ersparnisse ganz bedeutende Mehrausgaben,— Ausgaben, die vom Reichstage nicht einmal bewilligt worden sind. Wie grimmiger Hohn nehmen sich diese Mitteilungen des Herrn Unterstaatssekretärs, dessen Worten man einen ungleich höheren Wert beimessen darf, als kanzlerischen Versprechungen, gegenüber der Bülowschen Sparsamkeitskapuzinade aus. Schall und Rauch ist alles, was sich unter dem Namen Blockpolitik birgt. Jeder neue Tag bringt einen neuen Beweis für unsere Behauptung, daß die vielgepriesene„liberale“ Aera dem Volke nur neue Lasten bringt. Die Blockliberalen scheinen aber immer noch nicht einzusehen, daß sie die„blamierten Europäer“ sind, wenn sie sich von kanzlerischen Versprechungen ins Schlepptau nehmen lassen. Die Denkschriften zur Begründung der Finanzvorlage sind nun mit einer soeben dem Reichstage zugegangenen Drucksache abgeschlossen worden. Die neue, alle Rezultate der einzelnen Denkschriften nochmals zusammenfassende Drucksache enthält ein Sachregister und eine größere Anzahl von Zusätzen und Berichtigungen zu den bisher erschienenen Teilen. In der Zusammenfassung wird darauf bingewiesen, daß sich im Budget des Deutschen Reiches eine Reihe von Posten befinden, die den Staatsbedarf weit größer erscheinen lassen, als er in Wirklichkeit ist. Es sind dies die Ausgaben der Betriebsverwaltungen, soweit sie durch die Einnahmen gedeckt werden, dann die Einnahmen der Betriebsverwaltungen, soweit sie nicht Ueberschüsse sind, die zur Deckung des allgemeinen Staatsbedarfs herangezogen werden, ferner die Matrikularbeiträge und Ueberweisungen, soweit sie sich nicht gegenseitig decken, und endlich die Einnahmen und Ausgaben des Reichsinvalidenfonds. Ziebt man diese Ausgaben und Einnahmen vom Bruttoetat ab, so verbleiben als Nettoetat ein eigentlicher Reichsbedarf von 1534.8 Millionen Mark und an wirklichen Reichseinnahmen 1416,8 Millionen Mark nach den Rechnungen im Jahre 1907. Somit sind für den eigentlichen Staatsbedarf um 36.6 v H., die Einnahmen um 8.9 v. H. niedriger, als sie etatsmäßig erscheinen. Mit Ausnahme des Jahres 1896 haben in den sämtlichen Jahrer seit der Reichsgrundung die Ausgaben des Reiches seine Einnahmen überschritten, besonders erheblich in den ersten Jahren nach der Reichsgründung, sodann 1887 und 1894, und endlich wiederum in den letzten Jahren seit dem Beginn des Jahrhunderts. Hinsichtlich der Steuerbelastung wird wieder gesagt, daß es nun zum ersten Male möglich sei, ein einigermazen. genaues Bild über die tatsächliche Belastung des einzelnen zu gewinnen. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen im ganzen, rund 49 Mk. Steuern und Abgaben, darunter 25 Mk. direkte Steuern, rund 0,70 Mk. Erbschafts= und Schenkungssteuern, rund 19 Mk Zölle, Verbrauchsabgaben und Aufwandssteuern, rund 4 Mk. Verkehrssteuern.— Auch für diese Berechnung gilt, was von allen sogenannten Durchschnitts=Kopfquoten gesagt werden muß: sie geben ein durchaus schiefes Bild. Man darf bei den Zöllen und Verbrauchsabgaben nicht außer acht lassen daß sie vorwiegend den Konsum der Massen belasten, und darum zu neun Zehntel von der arbeitenden Klasse getragen werden. Rußzland. R. K. Zur Geschichte des russisch=französischen Bündnisses. Wie aus Paris mitgeteilt wird, gehen die Unterhandlungen wegen der Abschließung der neuen russischen Milliardenanleihe ihrem Ende entgegen. Die Repubsik der Krämer und Wucherer bereitet sich abermals vor, die Blutherrschaft des Zaren mit neuem Golde zu unterstützen, und die Agenten der russischen Regierung verkünden stolz, daß der Gang der Anleiheunterhandlungen trotz der durch die Balkankrise geschaffenen Hindernisse den Beweis erbringe, daß das russisch=französische Bündnis nach wie vor auf fester Basis ruhe. In offiziellen russischen Kreisen herrscht freilich eine gewisse Verstimmung, daß die französischen Bankiers, die verzweifelte finazielle Lage Rußlands ausnutzend, sehr schwere Forderungen gestellt haben. Wie die Sache und die profitgierige französische Vourgeoisie— werden unter den gleichen Lobpreisungen der Allianz den Handel Krichtr rrrtengr.. au 0 Lum abschließen. ritt so einerseits in den gegenwartig gefuhrten Anleihehandlungen der spezifische Charakter der russisch=französiver Hlei Trik. unterhandlungen der spezifische Charakter der russisch=franzö schen. Allianz grell hervor, so wird andererseits in der„iulegalen wirft. Die Zeitschrift„Byloje“ bringt in ihrer letzten Nummer interessantes Material über die Rolle, welche die französische Regierung und die Agenten der russischen Regierung bei den sogenannten„Terroristenverhaftungen in Paris im Mai 1890 spielten. Auf Grund der Angaben des Provokateurs Landesen (Heckelmann) wurde damals eine ganze Reihe russischer Emigranten verhaftet und zur dreijährigen Zuchthausstrafe verurschaft, und M. Gorons, des früheren Chefs der Sicherheitspolizei, ergänzt werden, hat die russische Botschaft in Paris bei französischen Bündnisses in nicht geringem Maße gefördert hat. Erneste Daudet erzählt in seiner Geschichte der Allianz, daß der damalige Minister des Innern, Constant, über das Treiben der russischen„Nihilisten genau informiert war(offenbar durch den Provokateur Landesen, der sich in das Vertrauen der Russen eingeschlichen hatte). Im Verein mit dem russischen Botschafter, wurden. Baron Mohrenheim scheute sich sogar nicht, einige Tage vor den Verhaftungen Herrn Constant, der gerade verreisen mußte, auf den Bahnhof nachzueilen und nochmals von ihm die Versicherung abzunehmen, daß alle„Vorbereitungen“ getroffen seien. Die französische Regierung war sich der schmutzigen Rolle, die sie gespielt, sehr wohl bewußt, denn sie dementierte mit dem größten Eifer alle Gerüchte von der Teilnahme des russischen Konsulats an der ganzen Affäre. Jules Hansen, der nach seinen eigenen Worten die Rolle eines„offiziösen Vermittlers zwischen der russischen Botschaft und dem französischen Minister des Aeußern spielte und— nebenbei bemerkt— die Idee des russisch=französischen Bündnisses in der Presse propagierte, erzählt, daß die Initiative zur „Beobachtung und Verhaftung der Pariser Nihilisten“— aus Petersburg ausging. Dort schwankte man anfangs, ob man der französischen Regierung die Rolle eines russischen Gendarmen antragen konnte.„Man wies darauf hin, daß es einer republikanischen Regierung vielleicht schwer fallen würde, eine solche Bitte zu erfüllen. Aus den Worten Hansens kann man sogar schließen, daß Alexander III. diesen Antrag als eine Art Prufstein vor der Abschließung eines Bündnisses betrachtete. Der kaum erwartete Erfolg seines Antrages„überzeugte ihn, daß er auf Frankreich rechnen konnte".„Alles gestattet die Annahme — setzt Herr Hansen fort—, daß er seit diesem Moment sich ernstlich zu einer Annäherung mit uns rüstete. Ueberhaupt ist Herr Hansen der Meinung, daß die Verhaftung der„russischen Nihilisten“ einen ungeheuren Einfluß auf die Anknupfung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich“ ausübte. Wer sollte das auch besser wissen als er? Alexander=Newski=Orden verliehen. Das wichtigste Mitglied der ehrenwerten Gesellschaft, die mit der„Anknüpfung freundschaftlicher Beziehungen vermittels der Spionagetätigkeit beschäftigt war— der Provokateur Landesen, wurde reich belohnt und erhielt auf speziellen Wunsch des Zaren eine hohe Pension ausgesetzt. Er lebt gegenwärtig irgendwo in Deutschland und bezieht für seine Verdienste um die„Allianz“ eine Jahrespension von 2000 Rubel.— der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 14. Januar. — Der Kampf gegen die Hausfliegen als Krankheitsüberträger. Nachdem die Schadlichkeit der früher als harmlos anerkannten Haus= und Stubenfliege festgestellt ist, beschäftigt man sich naturgemäß auch mit den Mitteln ihrer Bekämpfung und Vernichtung. In England vertritt Dr. Armstrong in Newcastle= an-Tyme den Standpunkt, daß die Behörden in dieser Bekremente, der Düngerhaufen und der offenen Gefäße zur Aufbe wahrung von Abfallstoffen, sowie die Verlagung von Ställen an die Außengrenzen der Städte. Die letztere Forderung erklärt der„Lancet“ für unmöglich, drückt aber seine Uebereinstimmung damit aus, daß die Besitzer von Milchläden, Restaurationen uno Fischhandlungen angehalten werden sollten, die Fliegen zu vernichten oder ihre Ansammlung auf den verschiedenen Gegenständen zu verhindern, und zwar schon aus dem Grunde, weil durch ihre Absonderungen eine Verschmutzung der Nahrungsmittel entstehen kann. Auch der„Lancet" tritt dafür ein, daß sich die stadtischen Gesundheitsämter mit dieser Frage zu beschäftigen hätten. kfg. — Ein Mißstand im Theater=Restaurant. Wiederholt haben wir bemerkt, daß bei dem Büfett des Theaterrestaurants, das sich in dem obersten Stockwerk des Theaters befindet, keine alkoholfreien Getränke vorhanden sind. Es wäre doch ohne Schwierigkeiten möglich, dort ein paar Flaschen Selter vorrätig zu halten, damit auch diejenigen, die kein Bier trinken wollen. ihren Durst stillen können. — Gesundheitsschädliche Tapeten. Ueber einen interessanten und seltenen Fall von Gesundheitsschädigung durch Tapeten berichtet Dr. Becker in Hildesheim. Eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutrer, erwachsenem Sohn und Tochter, erkrankte unter deutlichen Erscheinungen der Bleivergiftung. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht, woselbst sich ihr Zustand besserte Nach Hause zurückgekehrt, stellten sich dieselben Erscheinungen wieder in dem Grade ein, daß der Sohn abermals das Krankenhaus aufsuchen mußte. Man stand vor einem Rätsel, da man die Quelle, wie das Blei in den Organismus gelangt war, nicht finden konnte. Da erinnerte man sich, daß vor einem Vierteljahr das Wohn= und das Schlafzimmer neu tapeziert worden waren. Man untersuchte die Tapeten und fand im Wohnzimmer 0,7 Gramm, im Schlafzimmer des Sohnes 0,7 Gramm Blei auf den Quadratzentimeter. Die Leute hatten im Winter die Zimmer nicht verlassen und auch nicht für genügend Lüftung gesorgt. Nach Entfernung sämtlicher Tapeten und Reinigung der Wände trat Heilung ein. Das Blei war chromsaures Blei, das in Wasser unlöslich ist und erst auf fixierenden Zusatz auf dem Papier zum Haften gebracht wird. Die Wände des Schlafzimmers des Sohnes enthielten eine ganze Portion chromsaures Blei. Daß die Vergiftung so stark auftreten konnte, lag daran, daß das Bett dicht an der Wand stand und die Kleider außerdem unmittelbar an die Wand gehängt wurden. Daher war Gelegenheit genug vorhanden, durch Einatmung staubförmiges Blei in den Korper aufzunehmen. Die Bleifarben finden tatsächlich in der Tapetenindustrie ausgedehnte Verwendung, obwohl ihre Verwendung durch das Farbengesetz verboten ist. Es kommen daher Bleivergiftungen gewiß haufig vor, sie werden aber tatsächlich verkannt, und die Erfahrung Dr. Beckers gibt einen Fingerzeig, bei rätselhaften Fällen von Bleivergiftung an die Tapeten zu denken. — Wieder verhaftet wurde gestern wie die bürgerlichen Zeitungen melden, der Oberbuchhalter Rottmann von der hiesigen Stadtkämmerei, der vor ca. drei Wochen wegen Unterschl bre im Amte zur Untersuchungshaft gerracht, aber nach Stellung einer angemessenen Kaution wieder freigelassen worden war. — Durchgegangen ist heute früh an der Gepäckkammer des Bahnhofs ein Gesvann der Anstalt Bethel. Die Pferde liefen die Bahnhofstraße entlang bis zur Lützowstraße, wo sie sich an einem Wagen des Zimmermeisters Schröder festliefen. Ein erheblicher Schaden ist nicht entstanden. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns ges beste militärische Lustspiel der GegenSzene. Sonnag 3½ Uhr und abends 7½ Uhr finden Vorzu kleinen Preisen statt. Nachmittags wird das Weihnachtsmärchen„Bruderchen und Schwesterchen" und abends Sudermanns Schauspiel„Die Ehre“ gegeben. Sonntag, Montag und Dienstag gastiert Ella Kobold vom Hamburger Stadttheater. Wochen=Spielplau. Montag, 18. Januar. Anfang 8 Uhr. Ende gegen 9½ Uhr. Erhöhte Preise. 2. Gastspiel des Frl. Ella Kobold:„Salome“. Drama in einem Aufzuge von Oskar Wilde. Ins Deutsche übertragen von Dr. Kiefer. Dienstag, 19. Januar. Anfang 7½ Uhr. Ende gegen 10½ Uhr. Erhohte Preise. 3. u. letztes Gastspiel des Frl. Ella Kobold: „Madame Sans=Gene". Lustspiel in 4 Akten von Viktorien Sardon. Mittwoch, 20. Januar. Anfang 7½ Uhr. Ende gegen 10 Uhr. „Wie es euch gefällt. Lustspiel in 3 Akten von William Shakespeare. Buhnenbearbeitung von Dr. Eugen Kilian. stellungen Weihnachts Sonnabend 23. Januar. Anfang 7½ Uhr. Ende nach 10½ Uhr. Vorstellung zu kleinen Preisen:„Die versunkene Glocke.“ Ein deutsches Märchendrama in 5 Akten von Gerh. Hauptmann.— Heinrich: Emil Landerer. Rautendelein: Tilly Musäus — * * — Was tut um die Jetztzeit der Gemüsegärtner? Es wird unn aller gesammelter Samen gereinigt, in Säckchen oder Papiertüten getan und an trockenem, womöglich warmen Ort aufbewahrt. Da im Freien wohl alle Arbeit ruht, kann man— im Zimmer— sich den Bepflanzungsplan für das kommende Jahr schon aufstellen. Daß Wechselwirtschaft auch im Gemüsebau betrieben werden muß, weiß jeder, nur eben nicht wie: nut ein Drittel des Gartens wird jedes Lahr gedüngt, darin werden die Kraut= und Kohlarten, Sellerie, Gurken, Melonen, Kohlrüben, Kürbisse und Puffbohnen gepflanzt. Versammlungen. Sudbrak. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8½ Uhr. GeneralVersammlung des Arbeiter=Turnvereins„Frisch Auf“ im Vereinslokale. Brackwede. Heute Donnerstag, den 14. Januar, abends 8½ Uhr, bei Karl Schröder, Sitzung der Gewerkschaftsvorstände und Gewerkschaftskommission. Minden. Freitag, den 15. Januar, abends 6½ Uhr, in der „Centralhalle", Ritterstr. 18. Arbeiter= Radfahrerverein „Vorwärts". Versammlung. Anmeldung zur Rekrutierungsstammrolle. Diejenigen Militärpflichtigen, die im Jahre 1889 geboren, oder früher geboren sind, und sich noch nicht einer Ersatz=Aushebungsbehörde gestellt haben oder zurückgestellt sind, haben sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar zur Rekrutierungsstammrolle unter Vorlegung ihrer Papiere(Losungsscheine und, wenn die Geburt in einem andern als dem Gestellungsort erfolgt ist, Geburtsschein, nicht Taufschein) zu melden. Die Anmeldung hat in den Städten bei den Magistraten, auf dem Lande bei den Aemtern zu erfolgen. Für die zeitig abwesenden Militärpflichtigen müssen deren Eltern, Vormünder, Lehr= oder Brotherren die Anmeldungen benzirken.„„„„„ 93 8 E.E Die Reklamationen sind in Bielefeld vom 1. bis 6. Februar dieses Jahres im Rathaus— Zimmer 43— von den Reklamanten persönlich anzubringen, auch sind in derselben Zeit die 1907 und 1908 angebrachten und inzwischen nicht erledigten Reklamationen zu erneuern. * Minden, 13. Januar. Am Sonntag, den 10. Januax, fand im„Rosental“ eine von fast 1200 Personen besuchte Protestversammlung gegen die geplante Tabaksteuer statt. Hierzu waren der Reichstagsabgeordnete Herr Sielermann, die Handelskammer, sowie der Magistrat eingeladen. Leider war keiner von den Herren erschienen. Das Referat des Reichstagsabgeordneten Geher=Leipzig wurde von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Die Resolution gegen jede weitere Besteuerung des Tabaks wurde einstimmig angenommen. Das Erdbeben in Süd-Italien. Innsbruck, 13. Januar. In Welschtirol wurde heute nacht ein mehrere Sekunden andauerndes, wellensörmiges Erdbeben verspürt. In San Martino flüchteten die Leute. In Innsbruck wurde gestern abend 9 Uhr 20 Minuten ein leichter Erdstoß verspürt. Ein neuerliches Erdbeben wurde heute früh in ganz Tirol bemerkt. In Innsbruck ist das Gerücht verbreitet, daß Welschtirol von einer Katastrophe heimgesucht worden sei. Eine Bestätigung liegt bisher nicht vor. Sescheäe ie esce sche eitäie cähelt Imola verspürt; die Bevölkerung versammelte sich auf der Plätzen um Feuerstellen Einige Schornsteine stürzten ein, an mehreren Bauernhäusern erhielten die Mauern Risse. In Imola ist das Gewölbe einer Kirche gespalten, ebenso die Mauern mehrexer Häuser. Getötet wurde niemand. Rom, 13. Januar. Hier trifft die Nachricht ein, daß heute früh eine Erdbebenwelle ganz Norditalien, von Venedig bi? Genua und südlich bis Florenz. heimsuchte. Das Städtchen Moliano hat schwer gelitten. Der Erdstoß wurde besonders lebhaft im Volksquartier von Florenz verspürt. Die Menge stürzte auf die Straßen. Die Behörden entsandten zur Aufrechterhaltung der Ordnung Patrouillen durch die Stadt. In anderen Stadtteilen von Florenz wurde der Erdstoß kaum verspürt. Arco, 18 Januar. Nachts um 2 Uhr trat ein ziemlich heftiges Erdbeben in Arco und Riva mit starkem Getöse auf. Viele flüchteten auf die Straße. Schaden wurde nicht angerichtet. Rom, 13. Januar. Neue Erbstöße sind in vergangener Nacht Rasce erlice Kaeähc e elie ic chclcheanr s. fürchtet neue Unfälle. Die Einwohner in verschiedenen Ortschaften wurden größtenteils aus ihrem Schlafe geweckt. Sie flohen eiligst in das Freie. Aus verschiedenen Ortschaften flüchtete die Bevölkerung auf die öffentlichen Plätze, wo Wachfeuer angezündet wurden. In Imola wiesen zahlreiche Häuser Risse auf. Die Schornsteine sind eingestürzt. Auch andere Gegenden haben erheblichen Schaden erlitten. Personenunfälle sind, soweit bis jetzt bekannt, nicht vorgekommen. Brand im Theater. Berlin, 13. Januar. Während der gestrigen Vorstellung der„Dollarprinzessin“ im Neuen Operettentheater erfolgte zweimal Kurzschluß. Trotz der Rauchentwicklung spielten die Künstler weiter und auch das Publikum bewahrte vollständige Ruhe. Nach kurzer Zeit wurde der hinter den Kulissen entstandene Brand gelscht.„ 6eg Berlin 16 8, Eine Einbrecherbande verhaftet. Berlin, 13. Jan. Eine 20 köpfige Einbrecherbande ist mit ihren Hehlern von der Kriminalpolizei verhaftet worden. An der Spitze der Gesellschaft, die im Norden und anderen Stadtteilen mindestens 100 Einbrüche verübte, stand ein gewisser Paul Gehlke.„. E66. 8.ebruc. Vatermord Danzig, 13 Januar. Ein furchtbares Verbrechen ist in der Nähe von Danzig verübt worden. In Meisterswalde bei Danzig erschlug die 16 jährige Tochter des Ortsarmen Kindel den schlafenden Vater mit einer Axt und versetzte ihm sodann einen tödlichen Messerstich. Gründe, die das Mädchen zu dem Vatermord veranlaßt haben, sind noch nicht bekannt. Gewitter und Schnee. Breslau, 13. Januar. Am Eulengebirge zog gestern unter heftigem Schneetreiben mit grellen Blitzen und wiederholten Donnerschlägen ein Gewitter entlang. Der heftige Sturm hat verkehrsstörende Schneewehungen verursacht. Auch im Riesengebirge stellte sich gestern nachmittag ein heftiger Schneefall ein. Der Schnee fiel in so großen Mengen, daß binnen kurzer Zeit die Schneelage 20 Zentimeter betrug. Es schneite auch heute vormittag noch. Der Stichling als Mückentöter. In den Blättern für Aquarien= und Terrarienkunde giht Dr. A. Brüning einen Beiestesier iichsächh- es eche ee reinem Wasser vorlieb nehme„Im kleinen sind schon im vergangenen Jahre Versuche mit dem Stichling als Mickenvertilger angestellt worden, die ein recht gutes Ergebnis liefert##. fe handelte sich um das Bassin eines Gorten=Sprinabrunner“, des jedes Jahr, den ganzen Sommer hindurch, zu einer, Mückenplage in der Umgebung Veranlassung gab Dieser U bessta.) war sofort beseitigt, als im Mai einige Stichlingspär#e in den Behälter gesetzt wurden, sie hielten mit ihrer##hl Her Nachkommenschaft das Wasser rein von jeder Mückenlerve. Weitere Versuche im großen dürtten jedenfalls zu öhnlichen Resultaten führen, denn unser Stichling leistet im Vertilgen von kleinen Wassertieren wirklich Unglaubliches und es wäre ihm Gelegenheit gegeben, seine bescheidenen Fähigkeiten zum Besten der Menschen, die von ihm meist doch nicht viel Gutes denken und kennen, zu verwenden und sich somit zu wohlverdienten Ehren zu bringen.“ Heiligenstadt, 14. Jan. Im Leinetal und im Harz fielen graße Schneemassen. Der Verkehr ist an vielen Stellen unterbrochen, da die Eisenbahnlinien verweht wurden. Viele Züge erlitten Verspätungen. Viele Unfälle wurden gemeldet. Beuthen, 14. Jan. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den 20jährigen Grubenarbeiter Farensci aus Königshütte, der seinen 64jährigen Vater erstochen hatte, zu 15 Jahren Zuchthaus. St. Ingbert. 14. Jan Das Schwurgericht in Saarbrücken verurteilfe den Bergmann Gerhard aus Dudweiler wegen Raubmordversuchs zu 10 Jahren Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Dauer. Innsbruck, 14 Januar. Hier glaubt man das Erdbeben sei in Südtirol am heftigsten fühlbar gewesen. In Trient hielt es sieben Sekunden an. Es machte sich zuerst durch Sausen und dann durch wellenförmige Stöße fühlbar. Vilder fielen von den Wänden. Viele Menschen eilten ins Freie, wo eine Panik entstand. Gestern früh erfolgte ein neuer Erdstoß. Nach Ansicht von Fachleuten wird sich das Erdbeben wiederholen. Budapest, 14. Januar.„Wie aus Resicza(Komitat Krassoszörenz] gemeldet wird, sind im Almassy=Schachte 10 Arbeiter durch ausströmende Gase getötet worden. Zwei werden noch vermißt. Newyork, 14. Jan. Wie aus Pernambuco gemeldet wird, kam es zwischen den streikenden brasilianischen Angestellten der in englischen Händen befindlichen westbrasilianischen Eisenbahn und Truppen zu Zusammenstößen, bei denen zwei Mann getötet und sechzig schwer verwundet wurden. Unter den letzteren befinden sich auch mehrere Soldaten und Beamte. Es gelang den Behörden nicht, die erbitterten Arbeiter von den Bahnhöfen zu vertreiben. Die Streikenden haben nach wie vor die Bahnhöfe und das gesamte rollende Material in den Händen. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. K daß Kathreiners Malzkaffee als wohlschmekkendes und bekömmliches Familien=Getränk nicht nur angepriesen wird, sondern sich seit fast 20 Jahren vorzüglich bewährt hat. 40 Man hüte sich vor Nachahmungen!— Nur echt in geschlossenen Paketen mit Kild und Tamenszug des Pfarrers Kneipp und der Firma Kathreiners Ralzkaffee=Fabriken. Aaes Fassuse-Pheutere 278 ist wiederum unerreicht! NB. Unsere ständigen Annoncen erscheinen Dienstags, Donnerstags und Sonnabends unter der des Stadttheaters. Bekanntmachung. Behufs Aufstellung der Rekrutierungs=Stammrolle für 1909 werden diejenigen im hiesigen Stadtbezirke sich aufhaltenden Militärpflichtigen, welche, 1. während des Jahres 1889 geboren ssind; 2. vor 1889 geboren sind, aber sich noch nicht vor einer ErsatzAushebungs=Behörde gestellt haben; mizzarr„##trig uachk 3. sich zwar gestellt, jedoch über ihr Militärverhältnis noch keine endgiltige Entscheidung erhalten haben, hierdurch aufgefordert, sich bei Vermeidung der gesetzlichen Strafen in der Zeit vom 15. Jannar bis 1. Februar=1909, vorm. von 9 bis 12½ Uhr, im Rathause— Zimmer 43— unter Vörlegung ihrer Losungsscheine, die nicht in Bielefeld geborenen Militärpflichtigen des Geburtsjahres 1889 unter Beibringung eines standesamtlichen Geburtsscheines(nicht Taufscheines) zur Stammrolle anzumelden. Für die zeitig abwesenden Militärpflichtigen müssen deren Eltern, Vormünder, Lehr= oder Brotherren die Anmeldungen bewirken... 2 Temme 1 S tu m. Die Reklamationen sind vom 1. bis 6. Februar d. J. im Rathause— Zimmer 43— von den Reklamanten persönlich anzuringen, auch sind in derselben Zeit die 1997 und 1908 angeachten und inzwischen nicht erledigten Reklamationen zu erbring brad neuern. Bielefeld, den 5. Januar 1909. Der Magistrat. 263 Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Vieleseld-Wiebenbrnck. Mitglieder=Versammlungen: Ortsgruppe Quelle. Sonnabend, den 16. Januar, abends 8“ 2 Uhr. Tagesordnung im Lokal. Die Beiträge müssen bis Sonnabend entrichtet sein. Ortsgruppe Gadderbaum. Sonnabend, 16. Jannar, abends 8½2 Uhr, bei Bracksiek, Hallerweg. Tagesordnung im Lokal. Die Mitglieder sind verpflichtet, in den MitgliederVerjammlungen zu erscheinen. Der Vorstand. Freitag, den 15. Januar, abends 8 Uhr: des Städt. Orchesters im Stadt-Theater. Leitung: Städt. Musikdirektor Professor W. Lamping. 1. J. S Bach: Brandenburgisches Konzert in D-durl für Klavier, Flöte, Violine und Orchester. 2. Fr. Schubert: Zwei Sätze aus der unvollendeten Symphionie in H-moll. 156 3. Joh. Brahms: Vierte Symphonie in E-moll. Kassenöffnung 7½ Uhr. Vorverkauf in der Musikalienhandlung Se11e. Betten werden beim Einkauf neuer Inletts gratis entstäubt und ungefüllt. F. Mertens.(6630 Matratzen. Die allerneuesten verbesserten Stahlfedermatratzen kauft man am billigsten in der Fabrik von F Mertens. 100 cm breit von Mk. 10.00 an. 6611 100 Stück Holzbeitstellen, ein= und zweischläfig, altdeutsche u. englische, 12.00, 15.00, 18.00, 20.00, 24.00, 28.00 Mk. bei J. Mertens. 66s2 Der ie, Valsduchr utarsih, a.. 3. rinnen und Lesern der„Volkswacht" unterstützt zu werden. Kleine Anzeigen“ Pu Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in ge= Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Oefen. 79 vorzüglich erhalten, in den verschiedenen Systemen, emailliert und schwarz, bringe einen großen Posten spottbillig zum Verkauf. Teilzahlung gestattet. 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Mertens. 6615 SegrasApenheu=Matratzen 6.00, 7.00, 8.00 10.00, 15.00, 20.00 Mi. in der Fabrik von F Mertens. 6616 Landleberwurst, Landblutwurst, ff., per Pfd. 40 Pfg. Wilh. Frankenberg. 275# Thüringer Rotwurst, ff., per Pfund 60 Pfg. Wilh. Frankenberg. 2772 Waschfrau 261 gesucht. Gr. Kurfürstenstr. 76 I. Kinderbettstellen, unübertroffene Auowahl 8.00, 10.00. 13.00, 16.00, 20.00, 24.00 Mt. bei 9 Mertens. 6618 * Kinderwagen, enorme Auswahl, faberhaft billig bei F. Mertens. 5619 Wohnung, schöne, 3 Räume, Baikon, Gas 2c., in neuem Hause zum 1. Apzil zu vermieten Lübbeck rstr.:(Osnabrücker= straße). E. Brandegge, Rolandstraße 232. 227 Wohnung von drei Räumen zu vermieten. Heeperstr. 107. 262° Verlobungs-Anzeigen liefert sauber und billig Buchdruckerei„Volkswacht“. 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Posten Schürzenslamosen 120 cm breit, solide Qual., Meter 39 Posten Köperbarchend ungebl, solide Qual., 75 cm breit, Posten 150 cm breit, solide Qual., Meter Posten Trockentücher □ Oerstkorn, gesäumt, ½ Outzend * Ein enormer Posten Hermar Wusche Herrenhemden, Hosen, Jacken etc. Serie Ig Serie l 165 Serie I1 9% end 1.45 J0([entb. 2.25[end 3.25 Ca. 8000 Teile Hemden, Beinkleider, Nachtjacken, Untertaillen etc. Serie 1 gp Serie I. 165 Serie II 9%5 Vertbis 1.45 O0g Wenbiss.55(Vertbss.50 Öntel-Frammern Werdenuie Verteizten und Leichen von aufopferungsvollen Hilfsmannschaften an den Unglücksstätten des Erdbebens geborgen. Bilder, direkt am Orte des Verderbens aufgenommen, bringt das Kinematographen-Theater„zur alten Post“ in dieser Woche, die mit grossen Kosten erworben sind, nur um dem Publikum das wirklich Neueste und Eindrucksvollste zu zeigen. Aus dem übrigen Programm ist besonders zu erwähnen: Die Nordlandsreise in das Reich der Mitternachtssonne. Eine ganz neue dreifarbig aufgenommene Attraktion! Vergissmeinnicht. Ain karbenprächtiges Liebeslägl. Die Tochter des Schleusenmeisters. Karos Rache. Ein Intrigenstück. unww, unvo. Eine Hunde-Komödie. Des Jetzigen grossen Andrange wegen beginnen die Vorstellungen in dieser Woche bereits um 2 Uhr nachmittags. Es liegt im Interesse des Publikums, den Besuch frühzeitig vorzunchmen. Der Eintrittspreis(für alle Plätze) musste der grossen Erwerbekosten wegen(doch nur für diese Woche) auf 40 Pfg. lezigeneist werden. 990 4 Nr. 11. O O Bielefeld, Donnerstag, 14. Januar 1909. 20. Deutscher Reichstag. (Eigener Bericht., 183. Sitzung vom Mittwoch. 13. Januar, 1 Uhr nachmittags. Am Bundesratstisch: Sydow. Dernburg. Zum Gesetzentwurf betr. die Kontrolle des Reichshaushalts, des Landeshaushalts von Elsaß=Lothringen und des Haushalts der Schutzgebiete für das Jahr 1908 ergreift das Wort Abg. Dr. Mugdan: Daß 38 Jahre nach seiner Gründung das Reich noch einer geordneten eigenen Instanz zur Kontrolle seiner Rechnungen entbehrt, ist ein Mißstand. Wir verlangen eine solche Instanz und erwarten einen entsprechenden Entwurf in dieser Session. Abg. Dr. Görcke(natl.) erklärt, daß er eine Resolution vorbereitet, den Reichskanzler um ein solches Gesetz zu ersuchen. Der Gesetzentwurf und die nunmehr eingegangene Resolution Görcke werden angenommen. Zur Beratung der Uebersicht der Reichsausgaben und=Einnahmen für das Rechnungsjahr 1907 bemängelt Abg. Görcke(natl.) eine Reihe von Etatsüberschreitungen. Für die Dienstwohnung des Staatssekretärs des Innern sind 130000 Mark verausgabt, dafür kann man schon ein sehr schönes Einfamilienhaus bauen.(Heiterkeit.) Abg. Erzberger(Ztr.): Die Chefs der Reichsämter scheinen nur anwesend zu sein, wenn ihnen Gelder bewilligt werden. Heute aber, wo sie Rechnung ablegen sollen, fehlen sie. setzung der Dienst wohnung, nicht des Gebäudes, wären, wenn ssie für diesen Zweck in einem Etat gefordert worden wären, von niemandem hier bewilligt worden.(Lebh. Zustimmung.) Ein Gesetz über die Etatsbewirtschaftung ist dringend notwendig, aber auch ohne ein solches Gesetz könnte mit den Ueberschreitungen aufgeräumt werden, wenn der Reichstag nur dazu entschlossen wäre. Im Etat des Kolonialamtes befinden sich Ueberschreitungen von 45, 70, 95 Proz. bei einzelnen Titeln. Das ist kein gutes Zeichen für den kaufmännischen Geist des Leiters.(Sehr wahr! im Zentrum.) Staatssekretär v. Bethmann=Hollweg:„Ich finde es begreiflich, daß der Reichstag erstaunt ist, daß meine Wohnung für 130000 Mark instand gesetzt wurde. Es war aber für diese Wohnung seit 20 Jahren nichts geschehen und für die Arbeitsräume mußte ein Anbau geschaffen werden. Abg. Noske(Soz.): Obwohl das Jahr 1907 noch nicht so igsübersicht zeigt davon nichts. Bevor der Etat an den Reichstag gelangt, steht das Reichsschatzamt mit den anderen Ressorts in Verbindung. Ist er aber verabschiedet so scheinen diese Verbindungsdrähte zerschnitten. Besonders bei der Marineverwaltung ist jede Rücksicht auf die Lage des Reiches zu vermissen. Wenn auch Ueberschreitungen selbstverständlich vorkomalche riesengroße Ueberschreitunsich zur Wehr setzen.„Wir arbeiten hier mit men können, so muß doch gegen##ol gen der Reichstag sich zur Wehr setzen. Wir arbeiten hier mit dem heißen Bemuyen, um Ersparnisse bei der Aufstellung des Etats zu machen und nachher tun die Ressorts, was ihnen paßt! (Zustimmung b. d. Soz.) Schon beim auswärtigen Amt beginnen die Ueberschreitungen. Eine Axzahl von Minderausgaben beim fragen, ob diese Stellen überhaupt notwendig sind.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Daß dem Herrn Staatssekretär die Ueberschreitung von 130000 Mark unangenehm ist, glauben wir. Bei den Umzugskosten sind 285000 Mark überschritten. Allerdings, wenn die Ernennung des Petersburger Gesandten zum Minister hat, egnügen, bezahlt haben. Für teuer egrüßen zu können, Depeschen und Porti hat das auswärtige reine ffizere, für die der Etat schon 118164 Mk. vorsieht, sind 20 696 Mk. mehr verausgabt. Zweifellos, um einem besonders dringenden Notstand abzuhelfen.(Hört, hört! b. d. Soz.) Die Militärverwaltung hat 1907 gewußt, daß mit einem Defizit zu rechnen ist. Da sollte es doch selbstverständlich sein, daß sie nicht mehr ausgibt als bewilligt ist. Es läßt sich nachweisen, daß das Kriegsministerium von vornherein mit Ueberschreitungen rechnet! Im Jahre 1907 ist bei den Remontekäufen eine Ueberschreitung von 61½ Mk. auf das Pferd zu finden. Trotzdem ist im Jahre 1908 nur ein um 10 Mk. höherer Preis eingesetzt als 1907. Unter solchen Umständen kann keine Ordnung in die Finanzen kommen.(Zustimmung b. d. Soz.) Dieses Beispiel wirkt ansteckend auf die Marineverwaltung und macht die Durchberatung einzelner Titel zwecklos. Wir sollten dem Marineamt lieber eine Pauschalsumme bewilligen und natürlich auch noch das Recht der Ueberschreitung dazu.(Heiterkeit.) Der Offizierspensionsfonds zeigt eine Ueberschreitung von 100000 Mk., der Titel Mannschaftspension aber eine Ersparnis von 58000 Mk. (Hört, hört! b. d. Soz.) Bei den kranken, armen Leuten wird gespart, für gesunde Offiziere, die gegen ihren Willen pensioniert werden, werden Hunderttausende ausgegeben.— Der Kolonial= etat erweist die Hoffnungen, die man auf das neue Regime Dernburg gesetzt hat, als trügerisch.— Beim Postetat sind die Ueberschreitungen besonders enorm. Bei solcher Fülle und Höhe von Ueberschreitungen erscheinen die Plenar= und Kommissionsberatungen des Postetats als eine Komödie. Bei den Postassistenten ist eine runde Million überschritten, bei den Löhnen 941 000 Mark, im ganzen 4 Millionen.(Hört, hört! b. d. Soz.) Ich freue mich, daß man von anderer Seite mit Besserungsvorschlägen kommt, verspreche mir aber nicht viel davon. Ich sehe in der energischen Handhabung des Ablehnungsrechts das beste Mittel, das Bewilligungsrecht zu wahren.(Lebh. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Hug(Ztr.) tadelt die Ueberschreitungen, setzt aber Hoffnungen auf die Rechnungskommission. Generalmajor v. Lochow erklärt, er habe die Rede des Abg. Noske zwar nicht gehört, müsse aber die Richtigkeit der Ausführungen über die Remontepferde, die Offiziers= und Mannschaftspensionen bestreiten. Abg. Noske(Soz.): Ich habe nur die Tatsache angeführt, daß die Offizierspensionen den Voranschlag weit überschritten haben, die Mannschaftspensionen hinter dem Voranschlag zurückblieben. Das beweist, daß die meist unfreiwilligen Verabschiedungen von Offizieren sich wieder stark vermehrt haben. Die Ueberschreitungen beim Ankauf der Remontepferde waren überflüssig. Die Festsetzung der Preise liegt völlig in der Hand der Militärverwaltung. Generalmajor v. Lochow bestreitet, daß man sich bei den Remontepferden genau an den Voranschlag halten könne, und daß ein innerer Zusammenhang zwischen den Offiziers= und Mannschaftspensionen besteht. Abg. Noske(Soz.): Jeder Sachkenner weiß, daß die Militärverwaltung die Preise der Remonten selbst festsetzt und daß sie höher sind als die Marktpreise.(Hört, hört! bei den Soz.) Die Vorlage wird an die Rechnungskommission verwiesen. Zur Beratung der Uebersicht über die Einnahmen und Ausgaben der Kolonien für das Rechnungsjahr 1907 ergreift das Wort Abg. Erzberger(Ztr.): Obwohl die Schlußsummen durchweg innegehalten seien, fänden sich im einzelnen allerhand Ueberschreitungen. Die Offiziere werden zu früh für tropenunfähig erklärt Die Schutztruppe erlaubt sich oft Ausschreitungen, daß man Maßregeln zum Schutz der Eingeborenen gegen die Schutztruppe braucht. Im allgemeinen ist die frühere, nicht die jetzige Kolonialverwaltung für die Mißstände verantwortlich. Staatssekretär Dernburg: Die Nachrichten über die Mißhandlungen der Eingeborenen durch die Schutztruppen werden geprüft werden. Uebrigens besteht die Kameruner Truppe aus Schwarzen. Direktor im Kolonialamt Conze tritt verschiedenen Ausführungen Erzbergers entgegen. Abg. Noske(Soz.): Der Staatssekretät hat gesagt, die schwarzen Soldaten betragen sich, wenn sie losgelassen werden, genau wie ihre Landsleute. Das glaube ich wohl. Zum Teil werden sie sich noch schlimmer betragen, weil ihnen ein übertriebenes Machtgefühl ihren Landsleuten gegenüber beigebracht wurde.(Sehr richtig! bei den Soz.) Dies ist also keine Entschuldigung. Die Offiziere müssen dafür sorgen, daß diese Leute eben nicht losgelassen werden Ich frage deshalb, was ist mit den Offizieren geschehen, denen jene Schutztruppe unterstellt war?(Sehr richtig! bei den Soz.) Eine sehr bedenkliche Einnahme ist die, welche von den unterworfenen Eingeborenen eingetrieben ist. Nach der Niederwerfung des Aufstandes befanden sie sich in einem ganz verelendeten Zustande. Unter den Etatsüberschreitungen finden wir auch einen Posten von 16.000 Mark, dadurch veranlaßt, daß der Gouverneur v. Puttkamer ein ganzes Jahr in Berlin weilte und sein Gehalt in die Tasche steckte. Diese Ausgabe wird im Lande gemischten Gefühlen begegnen.(Zustimmung bei den Soz.) Bei der Uebersicht für Südwestafrika zeigt sich zwar ein Ueberschuß, aber über die Verwendung von 75 Millionen Mark fehlt jedes Wort. Da kann man überhaupt nicht mehr von einer Abrechnung reden. (Zustimmung bei den Soz.) Abg. Dr. Arning(natl.): Wenn das Haus früher mehr für die Kolonien bewilligt hätte, so wären die Ueberschreitungen nicht vorgekommen Abg. Erzberger(Ztr.) polemisiert gegen die Ausführungen des Direktors Conze. Staatssckretär Dernburg: Daß die Eingeborenen Südwestafrikas zur Entschädigung der Weißen herangezogen wurden, entspricht einem Reichstagsbeschluß. Daß bei der Uebersicht für Südwestafrika der Ueberschuß nur ein etatstechnischer ist, gebe ich zu. Abg. Noske(Soz.]: Ich habe mich bei meiner Kritik auf die Denkschrift der Regierung gestützt, welche die Lage der Eingeborenen als trostlos schilderte. Die Vorlage geht an die Rechnungskommission. Der Gesetzentwurf betr. die Wechselstempelsteuer, welchen der Abg. Dove als eine Erleichterung des Wechselverkehrs begrüßt, wird in erster Lesung erledigt. Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Einwirkung von Armenunter stützungen auf öffentliche Rechte. Der Entwurf bestimmt, daß als Unterstützung, die den Verlust öffentlicher Rechte bedingt, nicht anzusehen ist: 1. Krankenunterstützung, 2. einem Angehörigen wegen körperlicher oder geistiger Verbrechen gewährte Armenpflege, 3. Unterstützung zwecks Erziehung oder Ausbildung für einen Beruf, 4. sonstige Unterstützungen, wenn sie nur in der Form vereinzelter Leistungen zur Hebung einer außerordentlichen Notlage gewährt sind, 5. Unterstützungen, die erstattet sind. Auch dauernde kleine Unterstützungen, wenn sie unverschuldet sind, sollen nicht als Armenunterstützung angesehen werden. Abg. Graf Westarp(kons.): Wir sind bereit, dem Gesetze zuzustimmen, werden aber einem Antrage auf Kommissionsberatung nicht widersprechen. Abg. Everling(natl.) erklärt sich für seine Fraktion ebenfalls für das Gesetz, das geeignet ist, gewisse Härten zu beseitigen. Abg. Kämpf(Fr. Vp.]: Auch wir sind im allgemeinen mit dem Entwurf einverstanden, haben aber auch nichts gegen Kommissionsberatung. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 1 Uhr. (Fortsetzung der Debatte, weitere kleine Vorlagen.) Schluß 6 Uhr. Lebius vor Gericht. Wer im Glashause sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Diese Lehre dürfte Lebius aus dem Beleidigungsprozeß ziehen, den er gegen den„Vorwärts“ eingeleitet hat. Die Kennzeichnung, welche Lebius, der Mann mit der bewegten Vergangenheit und der interessanten Gegenwart, vor Gericht erfuhr, dürfte ihm schmerzlicher sein als dem Genossen Weber die Strafe von 30 Mark, welche er wegen formaler Beleidigung des Herrn Lebius zahlen soll. kleine Zahl von Aktiengesellschaften, die zusammen 100 000 Arbeiter beschäftigen, einen Reingewinn von 64½ Millionen Mark erzielten, so daß also jeder einzelne Arbeiter jährlich 644 Mark von seinem Arbeitsverdienst in die Taschen der Aktionäre hat fließen lassen müssen.— Lebius, der ja— was durch die Veröffentlichung seiner Briefe erwiesen ist— in einem materiellen Abhängigkeitsverhältnis zu den Unternehmern steht, fühlte sich natürlich verpflichtet, in seinem Blatt„Der Bund“ diesem Artikel entgegenzutreten und zu„beweisen“, daß der Unternehmergewinn nicht aus dem den Arbeitern abgepreßten Mehrwert entsteht. Lebius produzierte bei dieser Gelegenheit einen nationalökonomischen Unsinn, dessen sich ein Karlchen Mießnick schämen würde, gleichzeitig verbrämte er seinen Artikel mit wüsten Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt, 23 Einen einzigen kurzen Augenblick schaute Oliver umher, und ein Hilferuf schwebte ihm auf den Lippen. Allein die Straße war öde und menschenleer. Nancys bittende Stimme tönte in seinem Ohr, und während er noch unentschlossen war, defand er sich schon im Hause und hörte dasselbe sorgfältig verriegeln. Sikes trat mit einem Lichte oben an die Treppe und begrüßte das Mädchen ungewöhnlich heiter und mild. „Tyras ist mit Tom nach Hause gegangen,“ sagte er;„er würde im Wege gewesen sein.“ „Das ist schön,“ erwiderte Nancy. „Du hast ihn also?“ bemerkte Sikes, als sie in das Zimmer eintraten. „Ja, hier ist er.“ „Ging er ruhig mit?“ „Wie ein Lamm.“ „Freue mich, es zu hören,“ sagte Sikes, Oliver finster anblickend,„um seines jungen Leichnams willen. Komm her, Bursch, daß ich dir nur gleich'ne gute Lehre gebe, je eher, desto besser.“ Er setzte sich an den Tisch und Oliver mußte sich ihm gegenüber hinstellen. „Weißt du, was dies ist?“ fragte er, eine Taschenpistole zur Hand nehmend. Oliver bejahte. „Dann schau hier. Dies ist Pulver, dies’ne Kugel und das ein Pfropfen.“— Sikes lud die Pistole mit großer Sorgfalt und sagte, als er fertig war:„Nun ist sie geladen.“ „Ja, Sir, ich sehe es,“ erwiderte Oliver bebend. Sikes faßte die Hand des Knaben mit festem Griffe und setzte ihm den Pistolenlauf an die Schläfe. Oliver konnte einen Angstschrei nicht unterdrücken. „Nun, merk' wohl, Bursch,“ sagte Sikes,„sprichst du ein einziges Wort, wenn du mit mir außer dem Hause bist, ausgenommen um zu antworten, wenn ich dich frage, so hast du ohne weiteres die ganze Ladung im Hirnkasten; also, wenn du gesonnen sein solltest, ohne Erlaubnis zu sprechen, so sag' erst dein letztes Gebet her. Soviel ich weiß, wird niemand besondere Nachforschungen deinethalben anstellen, wenn dir der Garaus gemacht ist;'s ist also bloß zu deinem Besten, daß ich mir so viel Mühe gebe, dir à Licht aufzustecken. Hasts gehört?“ Jetzt naym Nancy das Wort und sagte sehr nachdrücklich und Oliver etwas finster anblickend, wie um ihn aufzufordern, ihr so aufmerksam als möglich zuzuhören:„Das Lange und Kurze von dem, was du sagen willst, ist dies, Bill: wenn er dich stört bei dem, was du vorhast, so wirst du ihm, damit er nichts ausschwatzen kann, eine Kugel durch den Kopf schießen und die Gefahr auf dich nehmen, dafür zu baumeln, wie du diese Gefahr wegen sehr vieler anderer Dinge auf dich nimmst, die du im Geschäft jede Woche deines Lebens tust.“ „Ganz recht!“ bemerkte Sikes wohlgefällig.„Die Weibsen verstehen sich darauf, alles mit den wenigsten Worten zu sagen, ausgenommen wenn sie zanken und schimpfen, wo sie's desto länger machen und die Worte nicht sparen. Jetzo aber, nun er Bescheid weiß, schaff’ was zum Abendessen, und dann wollen wir noch ä Bissel dormen(schlafen), eh' wir losgehn.“ Nancy gehorchte, deckte den Tisch und verschwand auf ein paar Minuten; dann kehrte sie mit einem Krug Porter und einer Schüssel Hammelfleisch zurück, die sie auf den Tisch stellte. Sikes aß und trank tüchtig und warf sich auf das Bett, nachdem er Nancy geboten, ihn Punkt fünf Uhr zu wecken, und Oliver. sich auf die Matratze neben seinem Bette zu legen. Nancy schürte das Feuer und setzte sich an den Kamin, um die bestimmte Zeit nicht zu verfehlen. Oliver wachte noch lange und meinte, daß Nancy ihm vielleicht noch ein paar Worte zuflüstern würde; allein sie regte sich nicht, und er schlief endlich ein. Als er erwachte, stand Teegeschirr auf dem Tische; Sikes steckte verschiedene Sachen in die Taschen seines über einer Stuhllehne hängenden Ueberrocks, und Nancy war beschäftigt, das Frühstück zu bereiten. Der Tag war noch nicht angebrochen, und das Licht brannte noch; der Regen schlug gegen die Fenster, und der Himmel sah schwarz und woltig aus. Sikes trieb Oliver zur Eile an, der hastig sein Frühstück einnahm, worauf ihm Nancy ein Halstuch umband; Sikes hing ihm einen großen, groben Mantel über die Schultern, ging mit ihm fort, nachdem er sich von Nancy verabschiedet hatte. Oliver drehte sich an der Tür um, in der Hoffnung, einen Blick von Nancy zu erhalten, die sich jedoch schon wieder an den Kamin gesetzt hatte und regungslos in das Feuer schaute. Einundzwanzigstes Kapitel. Der Aufbruch. Es war ein unfreundlicher Morgen, als sie auf die Straße hinaustraten. Es ging ein scharfer Wind, und es regnete stark. Auf der Straße standen große Pfützen, und die Rinnsteine waren überfüllt. Am Himmel zeigte sich ein schwacher Schimmer des kommenden Tages, der aber das Düstere der Szene eher verstärkte als verminderte, da das trübe Licht nur dazu diente, das der Straßenlaternen zu dämpfen, ohne einen wärmeren oder lichteren Farbenton in das Grau der nassen Dächer und schmutzigen Straßen zu bringen. Es schien noch niemand in diesem Stadtviertel aufgestanden zu sein; die Fensterläden der Häuser waren noch fest verschlossen, und niemand ließ sich auf den öden, schmutzigen Straßen blicken Der Tag brach erst an, als sie sich Bethnal Green näherten. Viele Laternen waren schon gelöscht; dann und wann fuhr ein Marktwagen langsam daher, oder es rollte eine Postkutsche vorüber. Die Schenken standen schon offen und waren hell erleuchtet. Allmählich begannen sich auch einige Läden zu öffnen. Hier kamen Gruppen von Arbeitern, die zur Werkstatt oder Fabrik gingen, dort Männer und Frauen mit Fischkörben auf dem Kopfe, mit Gemüse beladene Eselkarren, Fleischerwagen mit geschlachtetem Vieh, Milchfrauen mit ihren Kannen— ein ununterbrochener Menschenstrom, der zu Fuß oder zu Wagen in die östlichen Vorstädte hineinflutete. Als sie sich der City näherten, wurde der Lärm und der Verkehr immer stärker; als sie die Straßen zwischen Shoreditch und Smithfield durchschritten, war er zu einem sinnbetäubenden Gewühl angeschwollen. In Shoreditch und Smithfield war lautes Getümmel und Gedränge. Es war Markttag. Oliver war vor Erstaunen außer sich. Er meinte, ganz London wäre aus einer ganz besonderen Veranlassung in Bewegung. Welch eine Geschaftigkeit, welch ein Gewühl, Rusen, Lärmen, Zanken und Streiten— jeden Augenblick neue Gegenstände, neue Gesichter und Menschenknäuel. Sikes zog seinen kleinen. Begleiter rastlos fort, beachrete kaum, was Oliver die Sinne verwirrte, nickte nur dann und wann einem begegnenden Bekannten einen Gruß zu und lenkte nach Holborn ein. Er trieb zur Eile an, Oliver vermochte, fast atemlos, kaum Schritt mit ihm zu halten und wurde so rasch fortgerissen, daß es ihm fast war, als wenn er über die Erde dahinschwebte. Auf der Straße nach Kensington hielt Sikes einen leeren Karren an und forderte den Eigentümer auf, ihn selbst und seinen Knaben bis Isleworth mitzunehmen. Er war mit dem Kärrner bald einig und hob Oliver in den Karren, wobei er nicht vergaß, bedeutsam auf seine Rocktasche zu schlagen. Nachdem sie durch Kensington, Hammersmith Chiswick, Kew Bridge und Brenford gefahren waren, ließ Sikes halten, stieg mit Oliver aus, wartete, bis der Fuhrmann vollständig aus seinem Gesichtskreise verschwunden war, und setzte dann mit Oliver seine Wanderung fort. Sie wandten sich erst nach links, dann nach rechts und kamen an vielen großen Gärten und schönen Villen vorüber, kehrten aber die ganze Zeit über nur einmal ein, um einen Schluck Bier zu trinken. Endlich erreichten sie eine Stadt, und Oliver sah an der Wand eines Hauses mit großen Buchstaben den Namen„Hampton“ geschrieben. Sie warteten einige Stunden zwischen den Feldern und wandten sich dann nach der Stadt zurück; Sites kehrte in einem alten verfallenen Wirtshause mit einem verblichenen Schilde ein und bestellte ein Mittagessen beim Küchenfeuer. Die Küche war ein alter, niedriger Raum mit einem großen Balken quer über die Decke und hochlehnigen Bänken in der Nähe des Feuers, auf denen mehrere rauh aussehende Männer Schirzpfereien gegen den„Vorwärts". Lebius bezeichnete die Angaven unseres Artikels als„bewußte Fälschung",„unverSeig HerserZorg zeten Hetzdiattes“„Blödsinn“ usw. diese„Schimpfereien in kräftig „auf diese, Schimpfereien in kräftigem Ton„antwortete und auch die nationalokonomischen Kindereien des Levius gebührend kennzeich tete, lief dieser zum Kadi und wscen Fese verantwortlichen Redakteur, Genossen Weber, tnung, dar Betr“. Lebius hatte die zweifelhaste Genugverurteire geige vom.,„Schöffengericht zu 30 Mark Geldstrate wurve.— Gegen vies Urteil ist von beiden Parteien Berufung eingelegt worden. Lebius glauhte ein20 Mart reiche nicht ous um sein:. Strase von stellen. ne verletzte Ehre wiederberzu. n#en, wahrend Wever seine Berufung damit begründete, daß Levius ein Mann sei, der bei Beurteilung von Beleidigungen seiner Person nicht mit demselben Maßstabe gemessen werden könne wie einwandfreie Leute. „Vor der Berufungskammer lieferte Lebius schon bei der Angabe seiner Personalien einen interessanten Beitrag zur KennHelsgian jes. Fr a er evangelischer also neuerdings wieder in den Schoß der epangelischen Kirche zurückgekehrt sein, der er vor Jahren— wie ein rheinisches Zentrumsblatt berichtete— mit großem Applomb den Rucken teyrte und austrat. Also auch hier zeigt sich der wandelbare Charalter des Herrn Lehius.6 69 der Verhandlung selbst ist mitzuteilen, daß Weber Gres- Strssfeesgen Zebius erbob und zur Begründung derselben sungen des Vors und verarzog, die sich in rohen Beschimpmern sind sz: gergebetz, Zwei der betreffenden Numstognte er sich verantwortlich gezeichnet, Foiserichte Verfasser der Artikel, so daß diese schieden. Es blieb also nur ein „Bund"=Artikel übrig, in dem Leoius, der seine eigene Ehre für so empfindlich hält, schreibt:„Wir wissen ja, daß der„Vorwärts“ eis, durch und durch verlogenes Blatt ist, daß er ein LügenWeben fassers nicht genann: Jetzt aber, nachdem Schmidt als Zeuge gegen ihn benannt ist hat Lebius an das Polizeipräsidium in Dresdei geschrieben daß Schmidt hon Hersshel# iener Notiz ist. Falls die Sache nicht men v#nrt ist„wird Schmidt nachträglich für jene Notiz büßen müssen, da ihn der Kläger als Verfasser denunziert hat.— Wenn sonst nichts gegen den Kläger vorläge, so wurde diese Handlung allein genügen, ihn aus der Gemeinschaft aller anständigen Menscheu auszuschließen.— Weiter dient folgender Fall zur Kennzeichnung des Klägers: In seinen Prozeß gegen Wermuth war Bezug genommen auf oas Zeugnis des schon erwähnten Schriftstellers May. Um diesen Zeugen noch vor seiner Vernehmung in den Augen des Gerichts zu diskreditieren, ließ der Angeklagte eine BroQualität angegriffen, sondern ihm vorgeworfen werde, habe als Redakicur Blödsinn geschrieben Wenn man auch dem Kläger in sittlicher Hinsicht Vorwürfe machen könnte, so sei er doch nicht vogelfrei. Der Schutz des§ 193 könne dem Redakteur, der keine eigenen Interessen vertritt, nicht zugebilligt werden. Bei Formalbeleidigungen versage überhaupt der§ 193. Es handele sich nicht um eine auf der Stelle erwiderte Belei125 Prserdi,; ign. Schzisteltr, der ein Weif schredben olse arsse goimidernd fir ben Velon, Jugzu Kuez bieie Gr. Feee Eime und Getblecghen.. Es meldete sich dgraufhin ein ernen Instanz verhängte Strafe vor 90 Kr u. Ddie von 9:“ ine Beibe nuerteidiger, Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld, stellte voll, das Joken Beweisanträgen, durch welche dargetan werden Leoius eine Persönlichkeit ist, zu deren Kennzeichnung ie schärfsten Ausdrücke nicht zu scharf sind, eine Persönlichkeit, der gegenüber eine beleidigende Aeußerung nicht so zu werten ist wie gegegüber, solchen Leuten, denen man nichts vorSciten Kaur asder Verreidiger bot Beweis an für folgende TatKläger habe gleichzeitig für Blätter veros hat er selbstzugegeben in einenen geschrieben. „Erinnerungen eines früheren Sozialdemogegen Wermuth, hat der Kläger behauptet, er lehe noch jetzt in Verbindung mit angesehenen Führern ssändige Politiser.atie. Das ist unwahr. Wie jeder so haben sich ngtürlich auch die Führer der #läger zurückgezogen. Der Kläger hat den Namen des Reichstagsabgeordneten wi sskum als einen derjenigen Sozialdemokraten genannt, uis Sisokerng0c in Verbindung stehen will. Durch das Zeugwohr igernusol erwiesen werden, daß diese Behauptung unichnens Für die morauische Qualiat des Klägers ist es kennzgu#nen, oaß er— wie bewiesen werden könne— gesagt Geld stebt höher* Jumanität sind Mumpitz, das Journalisten iste gie jede Moral, der Grundsatz der „ ig: Wer uns am meisten zahlt, der hat Ferner soll folgendes erwiesen werden: Im Prozeß Lebius Wermuth ist als Beweismittel gegen den Kläger eine Schrtgrte gensshärt deren Inhalt einer Erpressung gegen den hobe gp raff Zeht sehr ähnlich gesehen hat. Nach jenem Prozeß „-vius die Frau May zu bewegen„versucht, sie b##er#peerarges in dem Sinne einwirken gegen Werges h# Zeuge in dem Prozeß Lebius ermury vernommen wird, aussagt, er habe sich überzeugt, daß die betreffende Karte von Lebius veranlaßt sei. Als Frau May es ablehnte, ihren Mann zu einem falschen Zeugnis zu bewegen, drohte Frau Lebius, ihr Mann werde sofort die alten Angriffe gegen May wieder aufnehmen.— Im Prozetz, Lebius gegen Wermuth sagte der Kläger, er habe einen Su#gsteller Schmidt, der Mitarbeiter der„Dresdener Voltszeitung“ ist, ersucht, ihm Material über interne A##sssenheiten der Redaktion der„Dresdet##geitung, zu liesern, welches der Kläger in Kläger ie ek zn einise Personen, de ihm Material für ein Werk ligern rolgnten, und der junge Schlossergeselle machte sich an die Arbeit. uls er die Broschure fertig hatte und das Manuskript seinem Auftraggeber, dem Kläger brachte, sagte dieser, da müsse vieles gestrichen werden, denn es komme nur darauf an, zu beweisen, daß Mayein Verbrecher sei. Jetzt stieg selbst dem bis dahin ahnungslosen SchlosserZerdacht auf, daß er zum Werkzeug einer unsauberen erhob, daß ein derartiger Mißbrauch mit seiner Arbeit getrieben werde, war es bereits zu spat. Lebius hatte Kahls Arbeit soweit zusammengestrichen, daß nur die Angriffe gegen May stehen blieben und die Arbeit in Druck gegeben.„Sze trägt den Titel: Ist May ein Volksverderber?“ Wuhreno Kahl noch an der Broschüre arbeitete, hatte ihn Lebius zur Eile angetrieben mit dem Bemerken: Die Broschürc muß schnellstens fertig werden, denn wenn sie nicht vor dem neuen Termin im Prozeß gegen Wermuth erscheint, dann nutzt sie mir nichts. Als weitere Beweismittel führte der Verteidiger die in der Broschüre„Der gelbe Sumpf“ veröffentlichten Briefe an, deren Echtheit durch Zeugnis der Adressaten erwiesen werden kann. Durch diese Briefe soll bewiesen werden, daß die vom Kläger geleiteten gelben Vereine durch die Geldmittel der Unternehmer erhalten werden, während der Kläger die auf seiner Seite stehenden Arbeiter über die wahre Natur dieser Bewegung täuscht und ihnen vorspiegelt, in den Vereinen würden die Interessen der Arbeiter vertreten. Besonders verwies der Verteidiger auf den Brief an Direktor Budd., wo der Kläger die Absicht bekundet, die ihm folgenden Arbeiter unter der falschen Flagge einer nationaldemokratischen Partei derjenigen Partei zuzuführen, welche die Interessen der Unternehmer vertritt.— Durch diese Beweisanträge werde die Persönlichkeit des Klägers gekennzeichnet, die angebotenen Beweise würden also mindestens für das Strafmaß erheblich sein. der Verteidiger des Klägers, Rechtsanwalt Hennigsohn, dersprach der Beweiserhebung. Er berief sich auf den formalen Grund, daß Lebius nur wegen Beleidigung aus§ 185, nicht aber wegen Behauptung unwahrer Tatsachen Klage erhoben habe. Bezüglich der angeführten, in der Broschüre„Der gelbe Sumpf“ veröffentlichten Lebius=Briefe behaupiete Rechtsanwalt Hennigsohn: Die Briefe habe ein Fräulein Gerlach, welche bei Lebius angestellt war, diesem gestohlen und an den„Vorwärts“ verkauft. und en aa Weber bezeichnete diese Behauptung als erlogen und bot Beweis dafür an, daß er und die übrigen„Vorwärts"=Redakteure die Briefe erst durch die Broschüre kennen gelernt vorher nichts von denselben gewußt haben. Das Gericht lehnte sämtliche vom Rechtsanwalt Rosenfeld gestellten Beweisanträge ab, weil sie unerheblich seien, da nur wegen formaler Beleidigung geklagt sei. Damit waren diese Anträge der weiteren Erörterung entrilse eineruue gut ven, Belzaglen in Betramt ersten Junlunggherhungte Strafe von 30 Mark treffe das richJ5. 3pie gidertggas#s deshalb abzulehnen, weil der betreffende urtitel sich evenfaus nicht gegen einen bestimmten Redakteur, sondern gegen den„Vorwärts" im allgemeinen richtet. Dem Anschein nach nicht besonders erbaut von der ihm gewordenen Würdigung seiner Person verließ der geistige Führer der Gelben die ungastliche Stätte. Carkeinachrichten. achr, stzasser alter Pareiseieran Friehrich Lehüler ginz. hat der e Siacke aie Mlis ceste e s. Deckung einer alten Schuld, die er an Schmidt hatte, .— Jetzt hat sich herausgestellt, daß der Kläger in Sieier 8. eeslesseriet Fsch viel weiter gegangen ist. Der genannte Schmibt hal(tühet für eine vom Kläger herausgewelche sich die Polizei beleidigk sitzis geschrieben, zurch venwg. fühlte. In dem deshalb eingeleiteten Strafverfahren hat Levius, wie es sich für einen anständigen Redakteur von selbst versteht, den Namen des Vertrinkend saßen. Sie beachteten Oliver gar nicht und Sites seh: wenig, und da letzterer ebenfalls wenig Notiz von ereizer Pa ie dakger mit seinen. kleinen Gefährten ganz allein stören zu lasten, sih durch iore Anwesenheit im geringsten Si aßen etwas kaltes Fleisch und blieben so lange sitzen, sich den Genuß von drei bis vier Pfeisen Beiterz, haß Piger ganz sicher glaubte, sie würden heute nicht da er von der weiten Wanderung sehr ermüdet kamt endlich, sherwältigr... und verrauch in tiefen Schlummer. 2batden Fom Sise g# dunkel, alsze gr durch einen Rippenstoß, „igen#tter versetzt hatte, geloeut wurde. Als er sich geschauen zu können fahattk, un aufrecht sitben und sich umJuhrmann, der ziemlich Vesleiter mit einem Sbepvertoi wollz" detrunken, 5g, sein„schien und nach börte, wie er ihn Fr v“; einem Glase Ale zusammensitzen und wolle Der zu, fragte, ob er ihn und den Knaben mitnehmen Fuyrmann willigte ein, und als es Zeit zum in Bemeamar. Sites Oliver in den Wagen, der sich sofort rasfelte 44n0 setzte und in scharfem Trabe aus der Stadt lasse unch Fer. dun“ Ein dichter Nebel stieg von dem sich über die nassen gga, Boden xingsherum auf und breitete alles war düster.. au“ war es schneidend kalt; der Fuhrmann. Kein Wort wurde gesprochen: sich nicht in der Stimmuag geworden, und Sites befand knäpfen. Oliver saß zusamm Gespräch mit ihm anzuund her bewegten, kamen ihn. Als sie an der Kirche in Sunbury vorüberfuhren, schlug es sieben Uhr. Sie mochten noch zwei oder drei Meilen gefahren sein, als Siker abstieg und Oliver bei der Hand fassend weiterShenpgrtign Eischtf ein, sondern zie ade erwartet hatte, In zogen. „Rechtsanwalt Rosenfeld begründete die Widerklage und fünrte gegen die Klage aus, der Artikel, durch den sich der Kläger beleidigt fühlt, sei nur eine Erwiderung auf die vom Klager zuerst ausgegangenen Beleidigungen gegen den„Vorwärts“. Es handele sich um eine auf der Stelle erwiderte Beleidigung, auch stehe dem Kläger der Schutz des§ 193 zur Seite. Falls das Gericht überhaupt zu einer Verurteilung kommen sollte, sei die von der ersten Instanz erkannte Strafe im Hinvlick auf die Person des Klägers viel zu hoch. Es liege dem „Vorwärts“ fern, den Kläger— wie dessen Vertreter sagte— politisch tot zu machen. Das könne schon deshalb nicht geschehen, weil Lebius, längst.politisch tot ist. Rechtsanwalt Hennigsohn bezeichnete die Widerklage als unbegründet und beantragte eine höhere Bestrafung des Bekligten. werden verwortengins dahin: Die Vernfungen beider Parteien In der Begründung des Urteils sagte der Vorsitzende unter anderem: Der Artikel des„Vorwärts“ sei eine Entgegnung auf einen scharfen Artikel des„Bund". Beleidigend seien im„Vorwärts"=Artikel die Ausdrücke, der Kläger verstehe von Nationalökonomie so viel wie der Ochse vom Sonntag, er habe Blödsinn ceuesten Anhänger unserer Partei im 21. gestorben. In seinem Wirkungskreise Schwarzenberg Verstorbene unermützsch gearbeitet. rseaberg ich Si gegen Eid. In einem Prozeß gegen den verantwortwossen Sechgcheu de ied heinischen Arbeiterzeitung“. Ge. i S# weger Beleidigung eines Polizeisergeanten, hatte ein Heuge eine bestimmte, klare Aussage beeidet. Danach hatte er gehört, wie eines Abends jemand an die Tür eines auf der gleichen, Etage wohnenden Mädchens klopfte und unter Anrufen vergebens Einlaß begehrte. Dieser Vorgang war Iue Fennuns eines Namens in humorvoller Form erwähnt. Tzeisergeant Greifenstein bezog die Notiz auf sich und fühlte sich vele#dig.! In der Verhandlung bestritten er, das und die Eltern des Mädchens unter Eid den fraglichen Vorgang. Der Staatsanwalt ließ darauf den Zeugen, der den Hergang bekundet wegen Verdachts des Meineids sofort verS#„Die Verhondlung wurde zwecks Ladung weiterer vom Angerlagten gestellter Zeugen vertagt. lus Gefängnis. Wegen angeblicher Beleidigung der DirekGespn F.b annten Zeche„Hibernia“ bei Gelsenkirchen ist ton Bredenheck von der„Dortmunder Arbeiter= Zeitung" am Montag auf einen Monat ins Gefängnis gewandert. Er soll die Ehre der Hibernia=Direktoren in einer Notiz während des letzten Reichstagswahlkampfes— also vor nunmehr zwei Jahren— ramponiert haben! encie a cza Beleidigung mußte sich am Sonnabend Parteiblattes(Masizk.e, Redakteur unseres Braunschweiger („Volksfreund"), vor den Schöffen verantworten. Er hatte einem Schutzmann vorgeworfen: er mache bei Festc5iPspisge g erstoßes gegen die Radfahrordnung UnterBerecht Pritn..... Tres urteilung zu 30 Mi. Geldstrafe. „ Im Verband der Brauereiarbeiter wurden im Jahre 1908 in 109 Orten 218 Lohnbewegungen zu Ende geführt. Sie erstrecken sich auf 433 Betriebe und umfassen 12340 Perionen. Am 1. Januar 1909 waren unerledigt bezw. wurden verschoben 33 Lohnbewegungen, umfassend 93 Betriebe mit rund 6400 Personen. Der Ausgang der beendeten Lohnbewegungen war: Ersolgreich... Pezszngen in Vszrieben u.i, Zaghonen Teilweise erfolgreich 48 72 1 381 Erfolglos.....16 30 470 fanden ihre Erledigung: Mit Streit... ggungen in Betrieben mit Personen Durch erfolgr. Ver=“ 997 handlungen... 180 386 11 439 Tarifverträge und Abmachungen mit den Unternehmern wurden im Jagre 1908 177 vereinbart.—nehmern keister verlangen unter alen u aussesberrt. Die Die Hilfsaktion in Messina. sich (Spezialbericht des nach Sizilien entsandten Korrespondenten des„Vorwärts“.) Nuch gnerüher t in 1gumasu. Rom, 9. Januar. nuch gegenuver der zermalmenden Macht der Natur ist der groß, wenn er, sein Leben mißachtend, der Zerstörung spottet; er ist groß, wenn das unermeßliche Leid der anderen die Schranken seiner Selbstsucht durchbricht und er sich selbst und sein Gut hingibt für die leidenden Brüder. Viel Kleines und Wextloses kehrt solche Katastrophe aus dem Menschenherzen barität and zug die in der Tiefe schlummernde heilige SoliBruders Ansise, De fläche, die in jedem Menschenantlitz des ##iguitz sieht, in jeder Menschennot die Not des eigenen Leibes und der eigenen Seele. Die unerhörte Katastrophe vom hat nicht vergebens an die Herzen gepocht: Ströme des Erbarmens, tausendfache Todesverachtung hat sie freigeleg Der„Jermste der Armen hat seine Hand aufgetan, sogar die Straflinge in den Gefängnissen haben ihr Scherflein gegeben, aus dem Vatikan, von wo Leo XIII. sonst nur seinen Segen zu schicken pflegte, sind Ströme von Geld gekommen. Königin und König waren tagelang auf den Städten der Qual und haben ihren guten Willen in persönlichen Opfern dargetan, denen sich jeder in Hochachtung neigt. Alle haben aus ihrem Posten gearbeitet, gehungert und gedurstet, da ist kein Regiment, da ist kein Stand, der nicht in den unersättlichen Schlund der VernichSpepperton nicht ein, sonvern ging durch den Schlamm, die Finsternis und düstere Gassen und über öde offene Plätze weitet, bis sich die Lichter einer Stadt in geringer Entfernung zeigten. Sie gelangten an eine Brücke, und Sikes lentte in einen ein. Oliver erschrak heftig; er glaubte, daß Sikes ihn an diesen einsamen Ort gebracht hätte, um ihn zu ermorden. Er wollte sich schon niederwerfen, um verzweifelt für sein junges Leben zu kämpfen, als sie vor einem einzelnen verfallenen Hause standen. Licht war darin nicht sichtbar; es schien unbewohnt sein.„ Sirec trat leise an die Tür, legte die Hand auf den wur#f, und beide standen auf dem dunklen Hausflur. (Joltsetzung folgt.) waren, möchte ich antworten: Geh nach Messinal Seht diese T#adt an, die wie in einem Riesenmörser zerstampft ist, ohne Söasere one Jou Eisenbahn, ohne Behörde, ohne Licht, ohn. Brot, diese Stadt, in der man für vielleicht 40.000 Ueberlebende sorgen und ohnmächtig ringen mußte um das Leben von anderen 40000 lebendig Begrabenen. Wo ist ein Menschenhirn, in dem sich die Bedürfnisse einer solchen Stadt synthetisch gestalten können? Wei kann die psychische Anomalie lebenden in Rechnung setzen, die doch ebenso gut eine Folge des Erdbebens war, wie das Versagen der Gas= und Wasserleitungen? Die Ueberlebenden haben in der weiten Reitongsmerst mrzeieben land sich num Apathie haben sie dem Rellungswerte zugesehen und sich nur wie halsstarrige Tiere geauer, die in die Schule der Wer kannte, bei dem Mangel an sozialer Erziehung der auer, die in die Schule der Pfaffen und der Barone gegangen sind, verhindern, daß sie das Brot und Wasser vergeudeten, soWelt der Tat mnglos machte ch iun der einer Vei I:. Hat, da. ein Journalist herausgefunden, daß in San Francisco die Hilfsartion besser gewesen sei! Ja, das Unglück an der von San Franeiseo, unr gebr als hundertmal größer als das Stadt zu haben geße un 4nalgsien git der amerikanischen Dutzenden van Orten, zian nach Canitello, nach Bagnara, nach nach Messing das jeden medrer tuusend Tote hatten— nicht Was soll iolche sinnlose Kritits Franeiso war für Wessing. Dafür mache man aber nicht die veraniwortlich, die nicht aus der moralischen Atmosphäre heraus können, in der unsere Gesellschaft lebt. Dafür ist die bürgerliche Gesellschaft als solche verantwortlich, die das Menschenleben nicht ein für alle mal als das höchste Gut empdie in dem Eigentumsrecht ein heiliges Recht sieht, das hat Diese a,Frümmmerhaufen, einer Stadt noch seinen Thron hut. Diese Wertmaße, die in der Struktur unserer Gesellschaft lieger, konnten die improvisiexten Behörden Messinas nicht abschuttein, hat sie voch der„Avanti“ nicht abschütteln können, die Plünderer niederzuschießen wie Schakale. Jede Gesellschaft mit Privateigentum muß einerseits die Gier, Sie chinerfrest gen die Plünderer, entfesseln— das ist vn., Sagberkrast, der. Dinge. Daß man tatsächlich Plünderer seit zwonzig Jak.ar sich plochologisch— in einem Lande, das „Jahren keine Todesstrafe mehr hat— aus dem Gerise che des.#od in Messina etwas so Alltägliches war, an Leiche lag. Eine ehrende Erwähnung verdient s5o menternde Ger Reggio, dem die Aussicht über zu senuern, aber ich kann Meuterer wurden rußig. Wse geben lassen.“ Und die schstee die Aktion der Behörden betrifft, so ist ein großer begangen worden durch die Zentralisierung. Zentralisieren kann man, wo Ordnung ist— nur die höchstentwickelten Organismen haben eine weitgehende Zentralisierung geworfen wird, mußzite ben. paos gurückdie Verantwortlichkeit. einelnen Energien Spielraum lassen, auf, alle Schultern verteilen, die Verguwportlichkeit tragen wouten. Statt dessen hat man vom z. Januar an alle Gewalt in der Person des Kommandanten Landung zu gsstatenf“ a'aer Befebl war, niemand mehr die Inztets zu pescutiegt, ais wir gegen 2 Uhr im Hafen von einliefen, fragte man durch Sprachrohr, was bringe. Antwort:„Nichts als Passagiere". Befehl des auszuschiffen!" Ein wilder, tierischer antwortete. Die Leute; die von weit her kamen, um Irrigen zu suchen, gebärdeten sich wie Verzpeiselte:„Wir 1 haben die Arbeiter Vorsorge getroffen, daß die Herren Innungsgrößen die Wirkung, geuen Arbeitsordnung an sich seion erproven kannen Erine Mersammlung*. ir * „ Lirkung der neuen Arbeitsordnung an sich „Pier en konnen.“ Eine Versammlung der Stullateure einstimmig:„Auf keinen Fall die Arbeit aufzunehmen. bevor nicht seitens der Innung die Arbeitsordnung vom 1. Januar d. J. zurückgezogen ist. Von diesem Beschluß wird auch gegenüber einzelnen Innungsmitgliedern keine Ausnahme gemacht. Die Lohnkommission der beiden Organisationen(freie und christliche) ist jederzeit bereit, mit der Innung in Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag zu treten.“ Wie man Arbeiter auf den gelben Leim sockt. Die Verwalkung des Eisenwerkes Maxhutte in der Oberpfalz hat am Neujahr an Arbeiter Gratifikationen ausbezahlt. Die Christlichen sind emport, weil sie, trotz ihres Streikbruchs, nichts erhalten haben, und sie hätten es doch wahrlich verdient! Noch interessanter aber ist, daß das Werk die Gratifikationen nur an Gelbe ausbezahlt hat, aver auch nur an solche, die neuerdings ihre Bereitwilligkeit, dem gelben Verein beizutreten, erklärt haben. Die gesicherte Existenz! Auf der Rheinischen Glashütte in Köln=Ehrenfeld wurde ein alter Glasmacher nach neununddreißigjähriger Tätigkeit in der Fabrik entlassen, weil er es gewagt hatte, für die Zurücknahme der Kundigung eines jungen Arbeiters einzutreten! Die Versicherungs=Gesellschaft„Victoria“ und die Gewerkschaften. Die Versicherungsgesellschaft„Victoria“ in Berlin hatte es bekanntlich abgelehnt, wegen Arbeitsbedingungen ihrer Angestellten mit dem gewerkschaftlichen Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen zu verhandeln, weil sie keine „Einmischung fremder Elemente“ wolle. Mit diesem gewerkschaftsfeindlichen Verhalten der„Victoria“ haben sich in letzter Zeit verschiedene Gewerkschaftskartelle beschäftigt, und der Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen veranstaltet in allen größeren Orten Versammlungen, in denen bisher gewöhnlich nachstehende Resolution einstimmig angenommen wurde:„Die Versammlung nimmt Kenntnis davon, daß die Gehalts= und Arbeitsverhältnisse bei der Versicherungsgesellschaft„Victoria“ in Berlin durchaus verbesserungsbedurftig sind. Gehälter von 100 Mk. und darunter für Angestellte, die schon länger bei der Gesellschaft in Arbeit stehen, müssen bei der gegenwärtigen Teuerung der Lebensbedürfnisse als durchaus unzulänglich bezeichnet werden. Die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen der„Victoria“ können um so weniger als ein Ausgleich fur die geringen Löhne vieler Angestellten angesehen werden, als die Angestellten darauf keinen Rechtsanspruch haben und sie dauernd mit der Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechnen müssen. Die Versammlung protestiert ferner gegen das gewerkschaftsfeindliche Verhalten der„Victoria“, welches darin zum Ausdruck kommt, daß sie die Vertretung der von den Angestellten geäußerten Wünsche durch den Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als eine Einmischung fremder Elemente zurückwies, obwohl sie früher wiederholt mit diesem Verband verhandelt hat. Die Wirkung dieses gewerkschaftsfeindlichen Verhaltens hat die„Victoria“ schon verspürt; denn sie hat auf Anfrage ihren Agenten mitgeteilt, daß sie die diesbezüglichen Nachrichten der Arbeiterzeitungen totschweigen möchten. Verschiedentlich haben Arbeiter erklärt, daß sie ihre Versicherungen nicht eher weiterzahlen würden, bis die„Victoria“ den gewerkschaftlichen Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen als Vertreter ihrer Angestellten anerkenne. Die Versammlung freut sich dieses solidarischen Verhaltens der Arbeiterschaft, möchte den Versicherten aber empfehlen, sich durch den Vorfall nicht abhalten zu lassen, auf lange bestehende Policen weiterzuzahlen. Der Verzicht auf länger bestehende Versicherungen schadigt die betreffenden Versicherten selbst, trifft aber die Gesellschaft nicht; die empfindliche Stelle der„Victoria“ wird nur dann getroffen, wenn neue Versicherungen mit ihr nicht abgeschlossen werden. Ein Reinfall der„Reichstreuen“. In Saalfeld(Thüringen) wurde durch Gemeinderatsbeschluß die Verhältniswahl bei den Gewerbegerichtswahlen eingeführt, um auch den sogenannten „reichstreuen Arbeitern“, die nach den Hottentottenwahlen einen Verein gegründet hatten, eine Vertretung zu sichern. Der Verein machte aber ein klägliches Fiasko, da er nicht einmal die zur Einreichung der Vorschlagsliste notwendigen 60 Wähler zusammenbrachte.- Nur 18 Mann waren auszutreiben. Unter diesen Umstanden sind die Kandidaten des Gewerkschaftskartells ohne Widerspruch gewählt worden. Für die Arbeitgeberwahlen hat das Gewerkschaftskartell die 30 Wähler enthaltende Vorschlagsliste eingereicht, so daß ihm auch hier eine Anzahl Sitze sicher ist. Die Urheber der Verhältniswahl werden uber diese Wendung der Dinge wenig erbaut sein. Der gelbe Sumpf. In Magdeburg fand eine von etwa 2000 Personen besuchte Versammlung statt, die sich mit den neuerlichen Veröffentlichungen des Metallarbeiterverbandes über den Häuptling der Gelben, Lebius, beschäftigte. An der Versammlung nahmen nur Metallarbeiter von den Werken teil, für die gelbe Wertvereine bestehen. Auch zahlreiche gelbe Arbeiter waren erschienen, doch glänzte Lebius, der besonders eingeladen vorden war, durch Abwesenheit. Nach dem Referat des Gauleiters Voß=Halle wurden in der Diskussion allerhand Schilderungen darüder gegeben, wie weit der Druck auf die Arbeiter geht, um sie zu veranlassen, in die Werkvereine einzutreten. So z. B. mussen bei der Maschinenfabrik Buckau neueintretende Arbeiter ein Schriftstück unterzeichnen, durch welches sie sich zum Eintritt in den Werkverein verpflichten. Der Formermeister Müller habe erklärt, daß diejenigen, die sich wieder aus dem Werkverein abmelden, sofort entlassen würden. Für die Mitglieder des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands ist die Firma Arno Klee in Eisenach gesperrt. Maurer=Entlassungen. In Ulstaedt(Sachsen=Weimar) wurden 26 vorübergehend in der Zuckerfabrik arbeitende Maurer entlassen, weil sie fur 22 Pfg. Stundenlohn Maurerarbeiten nicht verrichten wollten. Inonstrie, Handel und Vernehr. Ki. Kapitalsrüstungen der Elektrizitätsgesellschaften. Nachdem unlängst die Elektrobank der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft und der Siemens- u. Halsre=Aktiengesellschaft gegründet worden ist, sind jetzt auch die Felten u. Guilleaume=Lahmeyer= Werke zur Gründung der mehrfach besprochenen Elektro Treuhandbank geschritten. Das Aktienkapital beträgt 25 Mill. Mark. worauf vorläufig jedoch nur 25 Prozent eingezahlt werden, die Felten u. Guilleaume=Lahmeyer=Werke übernehmen 24995.000 Mark, die übrigen Gründer je eine Aktie. Von Großbanken ist im Aufsichtsrat der Schaffhausensche Bankverein durch einen seiner Direktoren vertreten, der auch dem Aussichtsrat der Lahmeyer=Werke angehört, in einer demnächst stattfindenden Generalversammlung sollen Vertreter der Dresdener Bank und der Bank für Handel und Industrie in den Aufsichtsrat gewählt werden. Die Elektro Treuhandbank will Obligationen bis zur Höhe von 75 Millionen Mark ausgeben, um mit den dadurch zu erlangenden Mitteln die Finanzierung größerer Bestellungen zu erleichtern. Die Haupttätigkeit will die neue Elektrobank auf dem Gebiete der Elektrifizierung von Bahnen entfalten. An demselben Tage, an dem diese Gründung vollzogen wurde, kündigte die Deutsche überseeische Elektrizitätsgesellschaft die Erhöhung ihres Aktienkapitals um 8 Millionen Mark auf 80 Millionen Mark an, sowie die Aufnahme einer Obligationsanleihe von 15 Millionen Mark. Diese Gesellschaft errichtet und betreibt Elektrizitätsunternehmen in den südamerikanischen Staaten. Ihr Kapitalbedarf ist in den letzten Jahren außerordentlich stark gewesen, bei ihrer Errichtung im Jahre 1898 betrug das Aktienkapital 10 Millionen Mark, in 8 Jahren stieg es auf 36 Millionen Mark, vor zwei Jahren erfolgte dann eine Kapitalsverdoppelung. Im Juni des Jahres 1907 gab die Gesellschaft ferner Obligationen in Höhe von 15 Millionen Mark aus, erst im Januar des Vorzahres erfolgte eine Obligationsausgabe im Betrage von 25 Millionen Mark. Die Verwaltung glaubt, daß für die Durchführung ihres Bauprogramms weitere Mittel in größerem Umfange nicht mehr in Frage kommen dürften. Dem Aufsichtsrat dieser Gesellschaft gehören die Deutsche Bank, die den Vorsitzenden stellt, die Diskontogesellschaft, die Dresdener Bank, die Nationalbank, die Berliner Handelsgesellschaft, die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft und Vertreter einiger privater Bankfirmen und Elektrizitätsgesellschaften an. Bei der Einbringung der preußischen Gesellschaftssteuer=Vorlage teilte die Verwaltung der Deutschen Ueberseeischen Elektrizitatsgesellschaft offiziell mit, daß bei einer Annahme dieses Gesetzentwurfs der Gesellschaftssitz von Berlin nach einer der Hansastädte verlegt werden soll. Es wäre doch wünschenswert zu erfahren, ob diese Gesellschaft, die auf eine so erfolgreiche Tätigkeit und starke Entwicklung zurückblicken kann, die wie im Vorjahre eine Dividende von 9½ Prozent zur Verteilung bringen wird, sich noch mit der Absicht trägt, ihren Sitz aus Preußen zu verlegen, um sich vor der Gesellschaftssteuer zu drücken. Ein vernünftiger Richterspruch. In Aschaffenburg wurde am 11. Januar eine Kindesmörderin freigesprochen. Ein Dienstmädchen war bei einem Brauereibesitzer in Diensten, ließ sich mit ihm in intimen Verkehr ein und gebar am 17. November ein Mädchen, welchem sie sofort nach der Geburt mit einem Schirrhaken den Schädel einschlug; die Sache erregte seinerzeit großes Aufsehen. Das Gericht erkannte die sozialen Verhaltnisse und die Zwangslage, in der sich das arme, verführte Mädchen befand, an und sprach das Mädchen frei. Die zärtlichen Verwandten oder: Geld stinkt nicht! Am 7 Juni 1908 starb im Krankenhause zu Westend. Charlotteuburg, ein Fräulein H. O. aus dem Städlchen F. im ostelbischen Preußen im Alter von 34 Jahren. Infolge zu liebevoller Behandlung war das Mädchen vor 15 Jahren dem Elternhause entflohen und nach Berlin in einen Dienst gegangen. Ganz ohne Schutz, sich selbst überlassen, wurde das junge Mädchen durch die Herren Söhne der Herrschaft verführt, geriet auf Abwege und wurde Freudenmädchen. Samtliche an die frommen Eltern gerichteten Briefe um Wiederaufnahme in das Elternhaus und um Verzeihung waren umsonst. Das Mädchen mußte ins Krankenhaus und richtete noch kurz vor seinem Tode an Eltern und Geschwister einen Brief um Aufnahme. Auch diese Bitte blieb unberücksichtigt. Man verbat sich sogar jede fernere Annäherung. Sie solle nur nicht wagen, nach Hause zu kommen, das war der Trost für eine das Nahen des Todes fühlende Schwerkranke, die um Verzeihung bat! Als die Unglückliche tot war, wurden die Eltern benachrichtigt. Diese hielten es zwar nicht der Mühe wert einen Kranz zu schicken; als sie aber erfuhren, daß das Mädchen eine wertvolle Einrichtung und gute Sachen hinterließ, da stellten sich nach 14 Tagen sowohl der Bruder als auch der Schwager zum sofortigen Antritt der Erbschaft ein! Ohne jede Berechtigung ließ man sogar die verschlossene Tür zur Wohnung der O. aufbrechen, um die Sachen der so sehr verachteten Lebedame mit verlangenden Blicken besichtigen und sich an ihrem Anblick laben zu können. Echte Christen, was? Winter in der Dorfkirche. Die„Eis. Tagespost“ berichtet aus der Rhön: Eine reizende Episode, die ein heiteres Licht in unsere ländlich=friedlichen Verhältnisse wirft, ereignete sich während des Nachmittagsgottesdienstes am Neujahrstage im Dorfe K. Sitzt da unter der andachtigen Gemeinde auch der greise Schäfer B., der schon an die 80 Jahre zählt. Ihn friert, denn die Kirche ist ungeheizt, und die Predigt scheint noch immer kein Ende nehmen zu wollen. Da rafft er seine Lebensgeister zusammen und ruft in kindlich bittendem Tone zum Prediger auf der Kanzel gewendet:„Herr Pfarr, härns'n nu uff, mich friert's gar z'sehr!“ Und wirklich erhört der gutmütige Pastor das Flehen des Greises und sagt schnell Amen. Aber was ist das? Statt daß die Orgel nun zum Liede erbraust, bleibt's stumm und kolt in der Kirche. Alles schaut und guckt nach dem Organisten und dem Luftmacher. Die aber waren nicht zu entdecken. Sie waren längst in ein warmes Nachbarhaus geflüchtet, um dort die gewohnte lange Predigt abzuwarten, nicht ahnend, daß der Schafer heute ein fruhes Amen gebieten würde. Der Pfarrer aber faßt sich schnell. Ein paar Schritte zur Orgel, ein Schulbub tritt die Bälge und brausend tönt's durch das Kirchlein bald:„Das alte Jahr vergangen ist... St. Bureankratius treibt nach wie vor sein Wesen. Ein kürzlich vom Militär entlassener junger Mann in Kassel erhielt dieser Tage eine Geldsendung von fünf Pfennigen, die er jedoch sofort wieder an den Geldbriefträger als Bestellgeld geben mußte. Die Riesensendung rührte von seinem Truppenteil her, bei dem er noch 15 Pfg. Brotgeld zugute hatte. Zehn Pfennig davon wurden von dem Truppenten als Porto verwandt; die übersandten fünf Pfennig erhielt dann der Postbote. Sie mag nicht mehr. In einem Dorfe des oberen bayerischen Waldes ließ sich dieser Tage ein Pärchen standesamtlich trauen. Auf dem Wege zur Kirche streikte die Braut plötzlich und erklärte dem Bräutigam gegenüber:„Ich mag dich nicht mehr.“ Sprach's und verschwand. Dem jungen Ehemann bleibt nun nichts übrig, als sich wieder scheiden zu lassen. Briefkasten der Redaktion. 100 Herford. 3258968 Stimmen. 115 Abgeordnete. Amt Herford. In der Zeit vom 4. bis 9. Januar 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten. Söhne: Sagewerksbesitzer Georg Rolf, Eickum; Weber Hermann Voigt, Schweicheln; Bahnarbeiter Wilhelm Schröder, Diebrock. Töchter: Kolon August Fortmann, Laar; Maler Friedrich Meyer, Schweicheln; Arbeiter Hermann Bartling, Sundern. Aufgebote: Zimmermann August Grothaus, Laar, und Näherin Anna Monke Elverdissen; Knecht Friedrich Meier, Schwarzenmoor, und Arbeiterin Johanne Breder, Herford. Eheschließungen. Kutscher August König, Elverdissen, und Magd Mathilde Ellermann, Elverdissen; Bahnarbeiter Hexmann Tenhausen, Diebrock, und Johanne Gießelmann, maum.6 Sterbefälle. Kolon Bernhard Heinrich Meyer zur Heide gent. Lübke, 47 J., Diebrock; Witwe Anne Tiemann geb. uge, 68 J., Eickum: Ewald Rudolf Rolf, 3 Tage, Eickum; ferner 1 Totgeburt. Offiziere... Endlich, nach zwei Stunden, wurde der Befehl zurückgezogen. Aber am nächsten Tage sind Schiffe zurückgewiesen worden, die Feuerwehrmannschaften brachten, Schiffe mit Zelten, mit Verbandsmaterial, mit Sachen, deren man dringend bedurfte. Für diese Zurückweisung waren zwei Zwangsvorstellungen ausschlaggebend: erstens die verfluchte Angst vor Plünderern, zweitens die sinnlose Furcht vor dem Ausbruch von Epidemien, denen man durch Zulassung neuer Menschen nur neue Opfer darzubieten fürchtete. Diese Angst ist zum großen Teil der Unwissenheit entsprunden. Die zahllosen verwesenden Leichen waren eine Gefahr für die die sie anfassen mußten, also für die Soldaten. Im übrigen bildeten sie, bei dem durch die Jahreszeit gegebenen Mangel an Fliegen, keine Gefahr. Fälle von Tetanus hat es nicht gegeben, was wahrscheinlich dem Fehlen von Ackererde zu danken ist. Nichts bietet Veranlassung, den Ausbruch einer Typhusepidemie zu fürchten— allgemeine Erschöpfung hat viele aufs Krankenlager geworfen, aber diese wäre geringer gewesen, wenn man der Stadt neue Freiwillige des Rettungswerkes zugefuhrt hätte. Zu beklagen ist auch, daß die Wasserversorgung ungenügend war. Bis zum 6. kann ich als Augenzeuge versichern, daß Wasser gefehlt hat, als Brot und Fleisch schon da war. Wasser konnte mau aus Neapel schicken, genug, um den Durst zu löschen. Unfaßlich scheint auch, daß man nicht einen gewaltigen Scheinwerfer beschaffen konnte, der die Trümmer nachts beleuchtete. Tausende hätte man retten können, wenn man in der Stille der Nacht gesucht hätte. Auch haben mir Sachverständige erklärt, daß die Marconistation am 30. Dezember hätte in Funktion treten können, wenn die Marinebehörden nicht durch widersprechende Befehle die zweckmäßigen Maßnahmen vereitelt hätten! Also die Hierarchie mit ihrem hundertzähnigen Gefüge war ein Hemmnis, wie das Privateigentum, wie die ertötende Zentralisation. Ja, selbst das Verantwortlichkeitsgefühl des Kommandanten eines italienischen Kriegsschiffes war ein Hemmnis, als es ihn hindern wollte, seine Mannschaften in den lodernden Trümmerhausen zu schicken. Der Kommandeur hatte vergessen, daß ihm nicht nur das Leben, sondern auch die Mannesehre seiner Mannschaft anvertraut war und daß diese Mannesehre gebot, in den lodernden Trümmerhaufen zu gehen, um Menschen zu retten. Ein Matrose versicherte mir, daß sie gemeutert hätten, wenn man sie nicht hätte ausschiffen lassen! Aber welche Zentralleitung hätte die in diesen Tagen begangenen Mißgriffe nicht begangen, wenn vielleicht auch in geringerem Maße? Noch nie ist eine Regierung vor eine solche Aufgabe gestellt worden— handelt es sich doch um ein Unglück, das seines gleichen nicht hat in der Geschichte der Menschheit. Man ziehe ruhig die Lehre aus diesem Furchtbaren: daß die Hierarchie nichts tangt, daß dem Chaos die Einzelleistung angemessener ist, die Hand in Hand gehen muß mit der organisierten Aktion, die z. B. die Lebensmittelversorgung erheischt. #or Schiffe wären nötig gewesen und weniger Txuppen„Mehr Feuerwehrmannschaft und weniger Infanterie. Mehr Gerzte, mehr Verbandszeug, mehr Decken Aber man vergesse nicht, daß alle Hilfsleistung an ein Werk gesetzt war, dem keine Menschenkraft genügen konnte, daß die Bergung eines einzelnen oft vier Tage erfordert hat, daß dieser einzelnen viele Zehntausende waren, daß beständig neue Erdstöße die Arbeit wieder zunichte machten. Man vergegenwärtige sich die Unermeßlichkeit der Zerorung, die haushohen Schutthaufen, in deren Fundamenten vielleicht noch Menschen lebten, den Zermalmungsgang des Todes über Messina und Reggio! Jede, jede Regierung mußte hinter den Anforderungen der Stunde zurückbleiben, um so mehr im privatkapitalistischen Regime, wo die Sorge um den Besitz neben die Sorge um Menschenleben trat und treten mußte. Die größte organisatorische Kraft unserer Zeit wäre an dieser Aufgabe zunichte geworden. Zyklopenarbeit kann kein Mensch verrichten. Man erspare also die wohlfeile Kritik; denn nicht immer war der rechte Mann am rechten Platz, aber— mit ganz geringen Ausnahmen— hat jeder seine Schuldigkeit getan, auch an den höchsten Stellen: schwere Pflicht in schwerer Stunde.... Nun ein Wort über die Arbeit einzelner. Zunächst der Russen, der legendenhaften Retterlegion von Messina. In ihren weißen Leinenanzügen, stark wie Baume, geschmeidig wie Katzen, habe ich sie noch an der Arbeit gesehen: auf haushohen Trummerhaufen, sicher wie in einem vertrauten Element, tapfer, als hätte der Tod keine Schrecken für sie. Sie waren in Augusta, als das Unglück geschah und waren als erste zur Stelle. Ihnen sind mehr Rettungen zu danken als allen anderen. Sie haben fünf Stockwerke erklettert, haben Kinder und Frauen herabgelassen, haben Tag und Nacht gearbeitet, in Gruppen von 10 und 12.„Das sind herrliche Menschen,“ sagte mir eine alte Dienstmagd in der bilderreichen Sprache der Insel,„Menschen der Tat und des Mutes. Wer ihnen Schlechtes nachsagt, begeht eine Gotteslästerung Ich weiß nicht wer ihnen das Heldentum gab, aber solange ich lebe, werde ich ihrer nicht vergessen"— Die Russen arbeiteten Tag und Nacht, unbeschwert durch jede Hierarchie, gleichsam ihrem eigenen Instinkte überlassen. Sie waren gut mit Hauen und Stricken versehen, hatten Handschuhe, die sie vor der Infektion schützten(während die Italiener ohne Handschuhe arbeiten mußten), und wechselten sich regelmäßig ab, so daß sie immer bei Kräften waren. Sie sind recht der Beweis dafür, was individuelle Tüchtigkeit leisten konnte, wenn sie nicht gehemmt gewesen wäre durch all die Vorschriften, die der Sorge um das Besitztum entsprangen. Was die Russen für Messina waren, war die englische Mittelmeerflotte für die kalabresische Küste. Von der deutschen Flotte war jeider nur ein Schulschiff zur Stelle das übrigens alles getan hat was in seinen Kräften stand. Auf die italienischen Truppen drückte die Last der Disziplin. Das ist kein Vorwurf, das ist die Konstatierung einer Tatsache: im fremdem Lande, der Initiative der Besten überlassen, nur dem Triebe der Menschlichkeit gehorchend, hätten auch die italienischen Matrosen Wunder getan. Das hierarchische Getriebe eines„normal“ funktionierenden Heeresorganismus paßt nicht auf diesen Schauplatz, wo alle Voraussetzungen der Ordnung. alle Elemente des sozialen Lebens zerstört sind. Das gilt von dem Heeresorganismus jeden Landes Kommando von oben war ebenso eine militärische Notwendigkeit, wie ein unpraktischer Unsinn. Wie sollen wir des Rettungswerkes gedenken, ohne des Königs und der Königin Erwähnung zu tun? Beide haben besten Willen, Opfermut und Selbstverleugnung mitgebracht, haben alles getan, um nicht König und Königin zu sein, sondern Menschen mit Handen zum Helfen und, wo die Hilfe versagte, mit Augen zum Weinen. Aber etwas wie ein Fluch hat auf ihrem Tun gelastet— der Fluch der Knechtseligkeit der anSo war der König gegen seinen besten, edelsten Willen ein Hemmschuh, weil man immer ihn informieren wollte, immer um ihn scharwenzelte. Die Königin soll, in Verkennung der wirklichen Verhältnisse, ein Panzerschiff entsandt haben, um Milch für die geretteten Kinder zu besorgen! Uebrigens hat sie Tag und Nacht Pflegerinnendienste getan, hat, wie mir von Augenzeugen verbürgt wird. nachdem sie alle verbunden hatte, sich an die Nähmaschine gesetzt und Hemden genäht. Sie ist von einer Dilirierenden verletzt worden, so daß sie Blut gespuckt hat. Wenn man ihr dafür eine goldene Medaille anbieten will— kann sie dafür? Kann sie dafür, wenn es der Knechtseelen so viele gibt, die die Höbe ihrer Menschlichkeit nicht sehen über der Höhe ihrer sozialen Stellung? Was da von dem„Berliner Tageblatt" über ein Königswort gesagt wird, das das Unheil als„Strafgericht" bezeichnet, so handelt es sich hier um einen Mißgriff in der Uebersetzung: Der König hat die Worte:„strage und„flagello gebraucht: „Massenvernichtung" und„Geißel". Das zweite Wort hat wie so viele einen religiösen Ursprung, wird aber für jedes große Unheil gebraucht. Viktor Emanuel III. ist notorisch völliger Freidenker— warum soll man in seinen Worten einen religiösen Sinn suchen, angesichts eines Schauspiels, das nur Irrsinn oder Teufelsglaube einem allmächtigen Wesen zur Last legen könnte, einem Wesen, niederträchtig genug, dies Entsetzliche geschehen zu lassen, wenn es das Entsetzliche verhindern konnte. Die Gottesdiener fühlen das Schiefe ihrer Stellung. Ich habe in ganz Messina nur zwei Priester gesehen: einen Pralaten, der Waisen sammelte, und einen Laienpriester, der den Kranken beistand— sonst keinen in der bisher an Schwarzröcken so reichen Stadt.—— Die Kritik ist eine Funktion der Presse. Uns kann niemand im Verdacht haben, mit besonderer Begeisterung das Werk der italienischen Behörden zu beurteilen. Wir haben in diesen Tagen hundertmal dem Golde geflucht, dessen Zaubermacht sich zwischen den Elan der Hilfsbereiten und die Opfer stellte. Aber in den Chor der Angriffe gegen die Behörden kann ich nicht einstimmen. In ihn kann nur der einstimmen, der entweder keine Vorstellung hat von dem Uebermaß der Vernichtung oder in dem Wahne lebt, eine Gesellschaft konne ihre kapitalistische Wesenheit durch einen Willensakt abstreifen, könne die Schwerkraft ihres Privateigentums, ihrer Hierarchie, ihrer Disziplin aufheben. Das kann sie nicht. Gehemmt von dieser Schwerkratf, haben die italienischen Behörden das Ihre getan, unfähig, den ungeheuren Anforderungen zu genügen, wie jede andere Regierung es dem überwältigenden Geschehnis gegenüber gewesen wäre. Nach beendeter Inventur begimt heute Donnerstag mittag 2 Uhr unser diesjähriger InventurVerkauf. Es gelangen eine grosse Masse zurückgesetzter Schuhe teils Einzel- und Musterpaare, teils etwas beschädigte Paare Spottbillig zum Verkauf. Wir bieten in diesem Verkauf eine selten günstige Gelegenheit zum Einkauf guter Schuhwaren. Wir bitten um Besichtigung unserer Auslagen und wird jedes Paar bereitwilligst aus dem Fenster verabfolgt. 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Erklärungen an großen Bildern des früheren Rechtsanwalt Hau, Grete Bayer, Frau Steinheil, Paris, usw. vom Idealmenschen bis zum Mörder. — Eintritt 20 Pfg.— 226 Der Reinertrag ist für die, die keine Arbeit haben.= Sobeebeeee Verreter: F. V. Sundermann, Bleleteld. 5642 Sprrss: Bielefelder Schreibstube. Ner 3ss. Anfertigung von schriftlichen Arbeiten aller Art mn telst Hand und Schreibmaschine. Adressen, Abschriften, Vervielfalligungen 2c. „um Austrige wid ftraudlicht gebeten. Oternstr. 51 Ada Molke Obernsr. 51 empfiehlt Herren-Anterzeuge, Herren-Socken, . Krawatten, 25 267 * Kosenträger, Landschuhe zu billigsten Preisen. Frauen! Berücksichtigt bei Eueren Einkäufen die Inserenten der „Volkswacht.“ Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Hinscheiden unsres lieben Entschlafenen sagen wir hiermit allen Verwandten u. Bekannten, insbesondere Herrn Pastor Held für die trostreichen Worte am Sarge, sowie dem Personal der Ravensberger Spinnerei unsern verdindlichsten Dank. 2739 Familie Siebrasse. Bielefelder Konzerihaus. Mittwoch, 20. Januar: Großes Zither= und Gesangskonzert zugunsten der Notleidenden in Messina 264 unter Leitung des hiesigen Zitherlehrers A. Obez. Karten=Vo verkauf im Konzerthaus und der Zigarrenhandlung Niemeier am Jahnplatz. Anfang 8½ Uhr. Entree 50 Pfg. Deutscher holzarbeiter-Verband Zahistelle Detmold. Sonnabend, 16. Jannar 1909, abends 8½ Uhr, in der„Centralhalle“, Generar-Persammtung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal. 2. Jahresbericht. 266 3. Neuwahl der Ortsverwaltung und der Revisoren. 4. Neuwahl der Kartelldelegierten. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Holz=Verkauf! Am Sonnabend, den 16. Jan., nachmittags 1 Uhr, läßt Herr 35. Meyer Oberstebrasse in dem früheren Hartlager Holze in Sieker 100 Nru. starkes BuchenBrennholz in Haufen und Klaftern und eine große Partie dicke Eichen und Sishel lgegen Meistgebot und Kredit verkaufen.(260 Heinrich Möller. Crauerbriese mit Kouverts liefert Buchdruckerei Volkswacht. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten, Freunden und Besannten, für die zahlreichen Kranzspenden, insbesondere den Vereinen und seinen früheren Mitarbeitern von der Firma Hengstenberg& Co. meinen herzlichsten Dank. Bielefeld, den 14. Januar 1909. 280 Frau Ww. Lohmann geb. Schweckendiek.