4 für Bielefeld und Umgegend, soo wie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1.80 Mk. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg. Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= un Feiertage täglich nachmittags. Fernsprech=Anschluß Nr. 353. Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westsaten und die Appischen Curstenkumer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag per Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht" A. Gerisch& Co., Nieleseld. 28 Nr. 3. Bielefeld, Dienstag, 5. Januar 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Rückblick auf das Jahr 1908. Ein ernstes Jahr liegt hinter uns, das der Arbeiterklasse und der Arbeiterbewegung wenig Gutes gebracht hat. Schwer lastete der Druck der Wirtschaftskrisis, der sich seit Ende 1906, seit ihrem ersten Hervortreten auf dem Arbeitsmarkt, in rapider Weise gesteigert hat, auf der Arbeiterschaft, und die Wirkungen dieses Druckes spiegeln sich in der gesamten Entwicklung der Arbeits- und Arbeiterverhältnisse wieder,— in dem Beschäftigungsmangel, in der Arbeitslosigreit, in dem Stand der Arbeitsbedingungen, in den Lohnbewegungen und Streiks, in der Stagnation dei gewerkschaftlichen Organisation und in der sozialpolitischen Gesetzgebung,— in letzterer allerdings, wie schon fruher beobachtet werden konnte, in umgekehrter Weise. Als der nordamerikanische Bankkrach im Oktober 1907 seine Rückschläge auf Europa ausdehnte, konnte niemand mehr daran zweifeln, daß die bereits in einigen Gewerben, besonders in dem vom Geldmarkt abhängigen Baugewerbe und verwandten Industrien seit Jahresfrist schleichende Krisis sich zu einer allgemeinen Wirtschaftskrisis auswachsen werde. Das ist mit einer Schnelligkeit und Heftigkeit eingetroffen die kaum vorauszusehen war. Allerdings hat die Arbeitslosigkeit noch nicht die relative Höhe erreicht, die die Höchstjahre der früheren Krisis —.1901 und 1902— aufwiesen. Nach Calwer betrug das Arbeitsangebot an den öffentlichen Arbeitsnach weisen (auf je 100 offene Stellen berechnet) in den ersten elf Monaten des Jahres 1908: 147,3(1907: 113,6; 1906: 110,6; 1905: 119,9; 1904: 1289; 1903: 147,7; 1902: 177.3; 1901: 164,3; 1900: 122,6; 1899: 106,9; 1898: 118.9; 1897 124.9 und 1896: 138,8). Aber wie enorm der Ueberschuß an Arbeitsuchenden in dem Jahre 1908 gestiegen ist, das zeigt ein Blick auf folgende Monatsziffern der drei letzten Jahre: Es kamen Arbeitsuchende auf je 100 offene Stellen in den Jahren: Januar Fehruar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember Seit Juli 1907 ist also das Ueberangebot von Arbeitskräften gegenüber den gleichen Monaten des Vorjahres ständig gewachsen; es erreichte im Mai 1908 bereits den abnorm hohen Stand von+ 60,6, sank in den Monaten bis September wieder etwas herab, um im Oktober sich wieder zu erheben und im November zur Höchstziffer von+62,7 hinaufzuschnellen. Die Dezemberziffern liegen noch nicht vor, dürften aber zweifellos den ungünstigen Stand des Wirtschaftsjahres vollenden. Dabei lätzt sich noch nicht mit Sicherheit voraussagen, daß der Höhepunkt der Krisis überschritten oder auch nur erreicht sei. Mancherlei Anzeichen im Baugewerbe und in den Textilgewerben sprechen zwar für eine merkliche Verbesserung, die aber auf dem Arbeitsmarkt nur teilweise zum Ausdruck gelangen dürfte, weil in den Textilgewerben vielfach mit verkürzten Schichten gearbeitet wird. Aber für die Mehrzahl der Industrien lauten die Wirtschaftsberichte durchweg unbefriedigend und vor allem treten beunruhigend die erheblichen Betriebseinschränkungen der Kohlen= und Eisenproduktion hinzu, der größten Industrien, deren Rückwirkungen auf die übrigen Gewerbe nicht ausbleiben können. Noch sind wir ja von dem Höchststand des Angebots an Arbeitskräften, der im November und Dezember 1901: 247,9 und 242,5 Arbeitsuchende pro 100 offene Stellen betrug, ziemlich weit entfernt. Selbst der November 1902 mit einer Ziffer von 225,8 überragt den November 1908 mit 212,4 noch um ein Erhebliches. Aber wer kann sagen, wie weit wir heute noch von dem Höhepunkt der gegenwärtigen Krisis entfernt sind? Wer gibt uns die Gewißheit, daß nicht auch das neue Jahr 1909 ebenso unter dem Druck des Niederganges steht, wie das Jahr 1902 das von 1901 in seinem Gesamteindruck noch überflügelte? Wie diese ungünstige Wirtschaftslage auf die gesamten Arbeiterverhältnisse zurückwirkt, das kommt vor allem in den Mitgliederziffern der Gewerkschaften zum Ausdruck. Bis zum Jahre 1907 hatten unsere Gewerkschaften dem Ansturm der Krierfolgreich Stand gehalten. Nur einige baugewerbliche Organisationen, die am schwersten unter der Doppelwirkung der Arbeitslosigkeit und unglücklichen Kämpfe litten, hatten erhebliche Mitgliederverluste zu beklagen, während das Gesamtergebnis aller Gewerkschaften noch immer eine Zunahme von 73.853 Mitgliedern war. Die Entwicklung während des Jahres 1908 verlief bei weitem ungünstiger. Nach den uns zurzeit aus 40 Organisationen vorliegenden Mitgliederziffern des 3. Quartals 1908*) macht sich bereits ein Rückgang von 3830 bemerkbar. Diese Organisationen zählten im 3. Quartal 1907 1287734, im 3. Quartal 1908 nur noch 1283904 Mitglieder. Eine Zunahme weisen 17, eine Abnahme 23 dieser Verbände auf. Bei den 21 Verbänden, deren Angaben uns zurzeit noch fehlen, steht das Ergebnis voraussichtlich kaum günstiger; einzelne dieser Verbände, besonders im Baugewerbe, dürften noch erheblichere Abnahmen verzeichnen. Alles in allem dürfte bis zum 3. Quartal 1908 mit einer Abnahme von 5- bis 6000 Mitgliedern zu rechnen sein, die im 4. Quartal sich leicht um einige Tausend vermehren kann. Danach steht bereits heute als voraussichtliches Ergebnis der Gewerkschaftsentwicklung des verflossenen Wirtschaftsjahres ein Rückgang der Mitgliederziffern der Gewerkschaften fest, der zwar bei den Riesenziffern der letzteren als ein sehr minimaler zu bezeichnen ist, aber immerhin eine recht bedenkliche Erscheinung darstellt....„ Zweifellos ist Woher dieser Rückgang der Gewerkschaften? er hauptsächlich dem wirtschaftlichen Niedergange geschuldet, was sich daraus ergibt, daß die Organisationen der von der Krisis meistbetroffenen Industrien und Gewerbe besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen sind. So weisen die Organisationen der Lederindustrien ausnahmslos Rückgänge auf, auch diejenigen des Baugewerbes, soweit aus diesen bereits Ziffern vorliegen. Günstiger schnitten die Bergarbeiter und die Organisationen der Metallgewerbe ab, und von der Krisis verschont vlieben sämtliche graphische Gewerbe, mit Ausnahme der Buchdruckhilfsarbeiter. Der wirtschaftliche Niedergang dezimiert die Arbeiterzahl der betroffenen Gewerbe, und diese Arbeiter scheiden mit dem erzwungenen Berufswechsel aus ihrer Organisation aus, um sich der Organisation ihres neuen Berufes anzuschließen. So erklärt es sich auch, daß die Fabrikarbeiter noch einen ansehnlichen Zuwachs und die Transportarbeiter nur einen sehr minimalen Rückgang aufweisen. Aber die Arbeitslosigkeit ist allgemein bedeutend gestiegen— die übrigen Berufe vermögen bei weitem nicht alle Arbeitslosen aufzunehmen und von den Hunderttausenden, die auf der Straße bleiben, gehen leicht einige Tausend der Organisation verloren. Unter diesem Uebermaß von Arbeitslosigkeit versagt sehr häufig auch die Arbeitslosenunterstützung der Gewerkschaften, die ja zeitlich und materiell nur eine sehr begrenzte sein kann. Wenn auch aller Voraussicht nach die baugewerblichen Organisationen, die keine Arbeitslosenunterstützung gewähren, am schwersten von Mitgliederverlusten betroffen sind, so hat diese Unterstützungseinrichtung doch auch andere Gewerkschaften nicht vor Verlusten bewahren können. Besonders der Handschuhmacherverband, eine alte, gut gefestigte Unterstützungsorganisation, hat so bedeutende Verluste erlitten, daß sein Aufgehen im Lederarbeiterverband nur eine Frage weniger Monate sein kann. Aber auch die Verbände der Glaser, Holzarbeiter, Glasarbeiter, Lederarbeiter, Porzellanarbeiter, alles Organisationen mit wohlausgebautem Unterstützungswesen, haben schwer gelitten. Von den 40 Verbänden, deren Zahlen und Schätzungen uns vorliegen, haben 34 die Arbeitslosenunterstützung eingeführt: von diesen haben 13 eine Zunahme und 21 eine Abnahme an Mitgliedern zu verzeichnen. Von den 6 Verbänden ohne Arbeitslosenunterstützung weisen 3 eine Zunahme und 3 eine Abnahme auf. Dieser Vergleich kann als ausschlaggebender nicht erachtet werden, weil von 21 Verbänden, von denen 13 keine Arbeitslosenunterstützung im Berichtsjahre gewährten, die Angaben fehlen,— aber sie geben uns einen Anhalt für die Annahme, daß von einem gewissen Höhepunkt des Arbeitslosendruckes an die gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung sich als unzureichend erweist und ihre Wirkung als Bindemittel versagt. Daraus zu schließen, daß die Arbeitslosenunterstützung überhaupt nutzlos wäre, ist natürlich absurd, denn sicherlich würden die Mitgliederverluste bei weitem größer sein, wenn die Gewerkschaften diese Einrichtungen nicht besäßen. Hat doch der Bauhilfsarbeiterverband allein im Jahre 1907 bereits über 11000 Mitglieder und in einem einzigen Quartal sogar über 20000 Mitglieder verloren. Aber schließlich erlahmt die Kraft der Selbsthilfe auch bei den bestfundiertesten Organisationen, wenn die Arbeitslosigkeit eine Höhe und Dauer erreicht, die weit über die Grenzen und Mittel der Gewerkschaften hinausgeht. Nach den Angaben des Reichsarbeitsblattes haben die an der Arbeitslosenstatistik beteiligten Gewerkschaften aller Richtungen in den ersten drei Quartalen des Jahres 1908 insgesamt 5,6 Millionen Mark für Reise= und Arbeitslosenunterstützung verausgabt. Das vierte Quartal, in welchem die Arbeitslosigkeit des Jahres ihren Höhepunkt erreicht, fehlt in dieser Zusammenstellung. Jedenfalls sind weit über 8 Millionen im Jahre 1908 für diese Unterstützung seitens der Gewerkschaften aufgebracht, und zwar für einen Mitgliederkreis von etwa 1¼ Millionen. Dazu dürften noch etwa 2 Millionen Mark für Reise= und Arbeitslosenunterstützung der nicht an der reichsamtlichen Statistik beteiligten Organi ationen kommen, so daß die Arbeitslosigkeit der Arbeiterklasse eine direkte Last von etwa 10 Mill. Mark aufbürdet. Diese ungeheuren Opfer sind sicherlich nicht umsonst gebracht; sie haben die Bindekraft der Organisationen und die Widerstandsfähigkeit der Mitglieder gegen Lohndruck und Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse zweifellos bedeutend erhöht. Aber selbst diese Summe deckt nur den kleinsten Teil des der Arbeiterklasse durch die Krisis zugefügten Schadens. Namenloses Elend entzieht sich jeder Schätzung und Tausende werden durch die Not aus den Gewerkschaften herausgedrängt und verlieren dadurch ihren besten Halt, ihre Stütze im harten Daseinskampfe. Auch das Unternehmertum übt fortgesetzt einen starken Druck aus, die Reihen der Gewerkschaften zu lichten. Als Acquivalent bietet es den Ausscheidenden allerlei Wohlfahrtseinrichtungen, Sparkassen und sogar gelbe Organisationen, die aber samt und sonders dem Arbeiter kein Recht auf Arbeit sichern und dem Arbeitslosen nicht nur nichts nützen, sondern ihn sogar seiner durch eigene Beiträge erkauften Rechte berauben. Für den Arbeitslosen opfert das Unternehmertum keinen roten Pfennig— nur wenn es Arbeitskräfte braucht, zieht es sie mit wenig oder mehr hohen Kosten heran und gibt einiges aus, um sie solangean den Betrieb zu fesseln, als man sie nicht entbehren kann. Die Entbehrlichen aber stößt es von Stunde on aufs Pflaster. Je mehr wir uns dem Höhepunkt der Krisis nähern, desto dringender erweist sich die Notwendigkeit einer öffentlichen Arbeitslosenfürsorge. Wieder haben Reich und Staat die Jahre des Wirtschaftsaufschwunges ungenutzt vorübergehen lassen, ohne aus den Erfahrungen der vorigen Krisis die Lehre zu ziehen, daß praktische Hilfe auf diesem Gebiete not tut. In den Monaten der schlimmsten Arbeitslosigkeit 1901/02 erhob sich die Arbeiterschaft zu Arbeitslosendemonstrationen; Erhebungen wurden von Ort zu Ort veranstaltet und in manchen Städten kam es sogar zu öffentlichen Ansammlungen und Polizeischlachten. Damals wies der Stuttgarter Gewerkschaftskongreß auf die praktische Vorarbeit der Gewerkschaften hin und forderte das Reich auf, diese Hilfsarbeit der Gewerkschaften durch eine Organisation der Arbeitslosenversicherung nach dem Genter System zu unterstützen. Was hat das Reich seitdem auf diesem Gebiete geleistet? Es hat durch das Arbeitsstatistische. Amt Materialien über die Wirksamkeit der Arbeitslosenunterstützung in den Gewerkschaften und über die Höhe der Arbeitslosigkeit sammeln lassen, und hat eine dreibändige Denkschrift über dieses Problem veröffentlicht. Voild tout! Unterdes haben die Gewerkschaften praktisch weitergearbeitet. 1901 zahlten 22 unserer Gewerkschaften mit 230269 Mitgliedern Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 1 238 197 Mark; 1907 dagegen 43 unserer Verbände mit 1389 906 Mitgliedern Arbeitslosenunterstützung in Höhe von 6527577 Mark. Die Zahl der Verbände mit Arbeitslosenunterstützung hat sich seitdem verdoppelt, der Mitgliederkreis, den sie erfassen und stützen, stieg auf das Sechstache und die Ausgabe für Arbeitslosenunterstützung auf das 5½fache. Dabei ist zu beachten, daß die Arbeitslosigkeit im Jahre 1907 noch lange nicht jenen Grad von 1901 erreicht hatte; was die einleitend wiedergegebenen Ziffern der Arbeitslosen pro 100 offene Stellen deutlich erkennen lassen.„Im Jahre 1908 hat noch der Textilarbeiterverband die urveirslosenunterstützung eingeführt, so daß die Zahl der gegen Arbeitslosigkeit versicherten Mitglieder sich um 126 440 erhöht. Ueber 1½ Millionen Arbeiter haben unsere Gewerkschaften bereits gegen Arbeitslosigkeit versichert, ungerechnet diejenigen Gewerkschaften, die nur Reise= oder Krankenunterstützung zahlen und denen dadurch ebenfalls in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit bedeutend höhere Ausgaben erwachsen. Gegenüber dieser praktisch werktätigen Hilfe der Gewerkschaften haben Reich, Staat und Gemeinden in Deutschland völlig versagt. Das Reich beschränkt sich platonisch auf Statistiken und Denkschriften, in denen es deutlich genug zu erkennen gibt, daß auf eine Lösung des Arbeitslosenproblems fürs erste nicht zu rechnen sei. Von den Bundesstaaten hat nur Bayern in allerjungster Zeit der Frage seine Aufmerksamkeit durch Einsetzung eines Studienausschusses zugewendet und von den Gemeinden hat Berlin ein Gleiches getan. Nur eine einzige deutsche Stadtgemeinde hat Praktisches auf diesem Gebiete geleistet,— die Stadt Straßburg i. E., und diese hat mit Recht erkannt, daß nur auf dem von den Gewerkschaften bereits mit Erfolg beschrittenem Wege die Frage der Arbeitslosenversicherung zu lösen ist, durch Adoption des vom Stuttgarter Gewerkschaftskongreß geforderten Genter Systems. Erst an dieser Indolenz fast aller öffentlichen Gewalten läßt sich ermessen, welch bedeutende Vorarbeit die Gewerkschaften zur Herabminderung des Arbeitslosenelends geleistet haben. Heute wäre es für das Reich, Staat und Gemeinden ein leichtes, diese gewerkschaftliche Selbsthilfe zu ergänzen, zu fördern und dadurch ein geschlossenes System der öffentlichen Arbeitslosenversicherung anzubahnen. Zweifellos würde bei ergänzender öffentlicher Arbeitslosenfürjorge auch denjenigen Gewerkschaften, die bisher trotz bestem Willen außerstande waren, die Arbeitslosenunterstützung einzuführen, dieser Schritt wesentlich erleichtert, vor allem den Organisationen des Baugewerbes. Zugleich würde es für einen großen Teil der den Gewerkschaften heute noch fernstehenden Arbeitermassen ein Ansporn zur Selbsthilfe sein, sich den Arbeitslosigkeitskassen der Gewerkschaften anzuschließen, so daß binnen weniger Jahre der überwiegende Teil der Arbeiter der Wohltat der Versicherung teilhaftig würde. Aber nichts dünkt unseren Reichslenkern schlimmer, als eine Förderung der Gewerkschaften. Lieber sehen sie untätig zu, wie letztere allein sich gegen die verheerende Gewalt der Krisis stemmen, wie ihre Reihen gelichtet werden, wie ihr Widerstand erschlafft, wie ein jahrelang mühsam aufgebautes Organisationswerk der Gefahr der Zermalmung anheimfällt,— ehe auch nur eine einzige Mark aus dem Reichssäckel für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geopfert wird. Politischer Haß ist es, der ihre Herzen verhärtet und ihre Vernunft in Banden schlägt,— verblendeter Klassenhaß einer nur dasUnternehmerinteresse stützenden Regierungsclique duldet diesen beschämenswertesten aller Zustände, daß die Arbeiterschaft, die unter hochherzigster Aufopferung den Vorkampf gegen die Wirtschaftskrisis führt; anstatt unterstützt zu werden, durch Strafparagraphen und Polizeimaßnahmen gehetzt und verfolgt wird. Und doch hat diese Selbsthilfe der Gewerkschaften schon inmitten der vorigen Wirtschaftskrisis gefährlichen Ausbrüchen der Verzweiflung arbeitsloser Massen gegen die kapitalistische Ordnung entgegengewirkt und auch jetzt wiederum schützt sie den öffentlichen Frieden weit wirksamer. als Polizei, Justiz und Strafbücher, die einzigen Mittel des Staates gegen die Arbeitslosennot, dies vermögen. Vielleicht wäre es manchen der junkerlichen oder kapitalistischen Staatsstützen weit angenehmer, wenn der Polizeisäbel weit mehr hauen und wenn die Gerichte die Gefängnisse viel dichter füllen könnten, um endlich einmal der verhaßten Arbeiterbewegung ledig zu sein. Die Gewerkschaften werden die Arbeitermassen nach wie vor auch vor dieser Art Staatsfürsorge bewahren. Desto entschiedener verlangen sie aber nunmehr, daß die Gesellschaft gegenüber der Arbeitslosigkeit ihre Pflicht tue! Sie werden nicht nachlassen, diese Forderung öffentlich mit allem Nachdruck geltend zu machen. Das Arbeitslosigkeitsproblem ist bereits für die englische Regierung eine der ernstesten Fragen geworden. Binnen wenigen Jahren wird sich dieses Fragezeichen auch den deutschen Staatslenkern drohend in den Weg stellen und die Wahlen werden von seinem Einflusse beherrscht sein. Die wirtschaftliche Krisis hat auch der Lohnbewegung ihren Stempel aufgedrückt. Die Arbeitskämpfe sind an Zahl und Umfang ganz erheblich zurückgegangen, nicht nur die Angriffskämpfe, sondern auch die Abwehrstreiks und Aussperrungen. An der geschlossenen Organisation der Arbeiter stieß das Unternehmertum auf Widerstand gegen Herabdrückung der Arbeitsbedingungen. Das Fazit dieser Konstellation ist eine bedeutende Zunahme der Tarifabschlüsse und besonders ein auffälliges Vordringen der Reichs= und Bezirkstarife in zahlreichen Berufen. Im Holzgewerbe, im Baugewerbe, im Malerberufe und im Schneidergewerbe wurden Reichstarife teils angebahnt, teils abg:schlossen, in der Lederindustrie, im Kupferdrucker=, Chemigraphen= und Kylographenberufe wurden die Zentvaltarife unter Verbesserungen für die Arbeiter erneuert. Diese Vereinbarungen von Organisation zu Organisation bieten nicht allein Gewähr, daß die Arbeitsverhältnisse in den nächsten Jahren gegen Verschlechterungen gesichert sind, sondern auch dafür, daß der Mitgliederrückgang der Gewerkschaften schon im kommenden Jahre wieder überwunden werden dürfte. Schon früher konnten wir die Erfahrung machen, daß die Sozialpolitik in den Zeiten des Wirtschaftsaufschwunges nichts für die Arbeiterklasse leistet und erst allemal mit dem Eintritt der Depression einige kärgliche Zugeständnisse erübrigt. Das Gleiche zeigte sich auch im verflossenen Jahre. Nach mehrjährigem völligen Stillstand der Sozialreform, die seit der Einführung des Kinderschutzgesetzes und des Phosphorzündholzverbots keinen einzigen Fortschritt von einiger Tragweite brachte, präsentierte die Reichsregierung eine Gewerbeordnungsnovelle mir einigen Reformen, die vor allem den Zehnstundentag der Arbeiterinnen und die elfstündige Mindestruhezeit in Betrieben mir 10 und mehr Arbeitern betreffen. Ein weiterer Teil dieser Novelle kündigt Heimarbeitsreformen an, aber die letzteren sind derartig polizeilich verklausuliert, daß sie kaum praktische Geltung erlangen dürften. Der Reichstag ist in einigen Kleinigkeiten über die Regierungsvorlage hinausgegangen; er hat namentlich einige Einschränkungen der Frauenarbeiten an Sonnabenden und der Beschäftigung von Arbeiterinnen auf Bergwerken, Kokereien und Bauten beschlossen. Die Novelle soll am 1. Januar 1910, die Frauenarbeitsbeschränkungen auf Bergwerken, Kokereien, Bauten usw. am 1. April 1912 in Kraft treten; die in solchen Betrieben bereits beschäftigten Arbeiterinnen dürfen bis zum 1. April 1915 weiter beschaftigt werden. Das verflossene Jahr brachte ferner zwei Arbeitskammer= Entwürse, die von uns eingehend gewürdigt wurden. Zeigt sich Entwurf auch unverkennbar ein gewisser Fortschritt in der Anerkennung demotratischer Grundsätze, so kann doch auf dem von unseren Reichslenkern vorgeschlagenen Wege eine wirkliche Vertretung der Arbeiterklasse nicht erwartet werden. Vielleicht wagt der Reichstag einen Anlauf Errichtung vor Arheifecmtzern i Prrichtung vor arbensumiern auf der Grundlage einer Arbeitervertretung, die besser, als die Arbeitskammern des Regierungsentwurfs, der Gleichberechtigung der Arbeiter entspricht. 1908 kann nicht erwähnt werden, ohne des entsetzlichen Massenunglücks auf der Radbodgrube zu gedenken, das Nenschenleben vernichtete und die empörende Schutzlosigkeit unserer Fergarbeiterschaft ans nageslicht zerrte. Fast scheint um die Gewissen; nicht genug des Jammers und Grauens sei, in# der verantwortlichen Reichslenker zu mahnen. Wieder win man sich auf landesgesetzliches Flickwerk beschränken, um nur ja um die Forderung eines Reichsberggesetzes sich herumzudrücken. Aber chon die Ankündigung dieser Absichten hat in unseren Bergrevieren eine dumpfe Gärung ausgelöst, die sich zunächst in einem aus allen Bergrevieren beschickten Protestkengreise zu Berlin gepig Zanuar) bekunden wird. Aber schon falls die Massen der Bergarbeiter abermals mit der Forderung angehörte, aber ausschied, weil sein Mandat für ungiltig erklärt wurde, aufgestellt.— Füir die We Parteigenogen Härfterepe her Bcer, als. Reichstags=Kandidat. Dr. Becker, der es nach der Geichblags=Auflösung nicht mehr wagte, sich in Offenvach als Kandidat aufstellen zu lassen, ist von den Nationalliberalen in Bingen=Alzey aufgestellt worden. „Dr., Becker ist wegen seiner Reichsverbandsmanieren in den wellesten Kreisen„ruhmlich“ bekannt geworden. ihnen einen solchen Kampf verfür den Schutz von Leben und Gesundheit führen. Aber die Oeffentlichkeit wird dafür jene zur Rechenschaft ziehen, #.#%# Pohl eingr halben Million Arbeiter mit ihren nahezu gwei Millionen Angehbrigen den Interessen einer Handvoll Fertbszungent, an deren Spitze der preußische Bergfikus Gebiete brachte das Jahr 1908 als einsame Fecztz, inse ,Peichsvereinsgesetz, dessen einziger Fortschritt die darstellt, aufgewogen durch Erhaltung mancherlei Rückständigkeiten und durch Neueinführung einiger Rückschritte. Auswuchs, der berüchtigte Sprachenparagraph, Fichtet sich, Helezzer gggen die Gewerkschaften.: Die fieberhafte brachte verbinderte Gesetz in Sicherbeit S bt### eine„wvirksame Protestbewegung der Arbeiter. Die Foige vieser Vergewaltigungspolitik wird nur eine Zunahme der nationalpolnischen Bestrebungen sein, also das Gegenteil von dem, was die reaktionären Gesetzgeber zu erreichen gedachten. Der Jahresschluß zeigte die Blockpolitik in ihrer ganzen jämmerlichen Kraftlosigkeit. Die Finanznot des Reiches, gabg dem Reichstag wichtige Entscheidungen in die Hand. Zis einen Zucment erledte das System der autokratischen Poder Reichstag aume bruch vor der ganzen Welt. Nie hatte es leichter als jetzt, das Parlament zu einem mitbestimmenden Faktor der Gesetzgebung zu machen. Die Blockparteien wagten es nicht einmal, sich diese Möglichkeit auszudenken; sie haben die Gelegenheit, ein Zipfelchen Macht zu ermit einer moralischen Entrüstung zurückgewiesen, als re 1,, ir Verbrechen an der Mazestät handele. Kann als Nichtigkeit behandelts verdenten, wenn sie diesen „Des Jehr 1908 bat der Arbeiterklasse wenig Günstiges gewar eines der Jahre, die die Arbeiterschaft auf uell ihrer eigenen Kraft verweisen. Die Organisation I. gewerz chaftlichem wie politischem Gebiete bedarf noch weit wan s:, Stärkung und Befestigung als seither, denn sie allein macht die Masse der Arveiter zu einem Faktor von ausschlagSössien Fehesrui sie diese Massen mit dem einmütigen dem sozialen Elend, der Schutzlosigkeit und ein Ende zu machen, und ihnen zugleich die kammende Hiesen ihren, Willen, in die Tat umzusetzen. Das Emmende Fahr muß dayer auerorts zur emsigen, rastlosen i###clung der Organisation der Arbeiter auf allen Gevieten benußt werden.(Correspondenzblatt der Gen=Kom.) Gewerschaften und Whern aus Abrechnungen der betrefsenden aus. Schätzungen der Vorstände in der Arbeitslosenstatistik der Reichsarbeitsblattes. Politische Uebersicht. Deutsches in Württemberg ergab 1907 bei 1170 gewerbrauereien mit einem Gesamterzeugnis von 3953457 Hektoliter Bier einen Ertrag von 8199480 Mk. Dis. Jexg. der Sparsamkeit In einem Artikel, der sich mit „P####e#ten Verhalten beschaftigt, das der deutsche Kaiser gische Zentralorgan Zie a Tag legt, vermerkt das württember. Tatsache, daß der Posten eines HausPese i Khnislichen Hauses seit dem Ausscheiden des Herrn r. Wenlu=p#iesdorf nicht meyr besetzt werden soll, weil der Kaiser damit 25000 Mk. jährlich ersparen will. Das Blatt erauf ohre 1.680-Fodo Feprif Forderung, daß die Minister auch ein eutbehrlicher Lurast seien uu ge der versichten solen, die Das Feichefosg, Diamanten. Frankfurt a. M., 4. Januar. Kranft, zeit nglant bat sich einer Berliner Information der Eritung zufolge mit einer Finanzgruppe, der fast alle angehoren und an der auch die Deutsche Kolonial= Lirften, ine Venehmen gesetzt(frica: Gesellschaft teilnehmen Gegen die Freizügigkeit. Ein Vorschlag des Wirkl. Geheimen Oberregierungsrats von Knebel=Döberitz, die Freizügigkeit der einiges Aufzengen einzuschränken, hat in den letzten Tagen seststellen, dacn erreat. Die„Deutsche Tageszeitung“ muß nun derselbe Vorschlag bereits im Geschäftsbericht 1906 enshalten ist Landwirtschaftskammer für das Jahr Da Atan braucht deshalb nicht zu denken, daß der Herr v. Knebelmachte" Plagiat„hegangen hat, als er seinen Vorschlag schon 1906 auf di“ranvenburgische Landwirtschaftskammer je gleiche Idee gekommen ist, so war dies ja auch oder Beamten Beide sowoht diesen, Prübeln ihrer Mitglieder wer Geumien. Lrar, Twehl der Oberregierungsrat wie die als Kandidaten auf. Frauen als Verteidiger vor Jugendgerichtshöfen. Eine Berliner Korrespondenz hatte irrtümlich berichtet, der bayerische Justizminister habe verfugt, daß Frauen zur Verteidigung zugelassen werden, und es seien zunächst 50 Frauen als Verteidiger haperische Jnstizministerian Juli v. I. lediglich zn azm bat aber, wie mitgeteilt wird, im der Jugend einer allgemeinen Verfugung bezüglich is## gerichtshofe darauf hingewiesen, daß bei diesen GeAichlshofen Frauen unter umständen als Verteidiger mitwirken können und zugelassen, werden sollen. Davon, daß von Amts bestellt werden solen, ist keine Rede.e würen oder Der volnische Abgeordnete Korsanig hat in Katowitz eine vols einer der Geschestsfitrer. Mark Stammloptal. Korant, " In der Neujahrs=Nummer der„Deutschen Juristen=Zeitung“ hat der Limburger Landgerichtsprasident de Niem einen Artikel veröffentlicht, in dem er nicht mehr und nicht weniger als ein Gesetzgebungsmonopol für die Juristen fordert. Der Herr wetHilestemten der Fieslu der Parlamente, in denen großtenleils nik säßen,„welche die von Sachverständigen sorgfältig vorbereiteten Gesetzesvorlagen der Reeisrung zu der Regel nur verschlechterten. de Niem verlangt Aechals ausschaltung der Laiengesetzgeber und Uebertragung #.Isamten legislatorischen Arbeit an die Zunftjuristen. Er Vor allen Dingen sollte sich jeder, der an einem solchen Gesetz herumzubasteln versucht, die Gefahr vor Augen halten, daß jede Aenderung, die sich nicht auf unwesentliche Einzelheiten bezieht, wo sie dann unnötig ist, sondern auf wesentliche Bestimmungen, die Gefahr mit sich bringt, daß der Zusammenhang der Gesetzesvorschriften zerrissen und Widerspruchsvolles in ein einheitliches Ganzes hineingetragen werde. Aber ## denn das Parlament, auf jede Aenderung eines solchen Ich sage: Ja! mit möglichst seltenen und möglichst vorsichtigen Ausnahmen. Die Volksvertretungen sollten sich sagen, daß Aenderungen wohldurchdachter, organischer Gesetze noch selten Verbesserungen, häufig eklatante Verschlechterungen gewesen sind, daß dies nicht anders möglich ist, und daß solche Gesetze entweder angenommen oder avgelehnt werden müssen. Zu der Ausarbeitung eines umfassenden Gesetzes ist nun einmal die Studierstube unerläßlich, und weder die Zusammensetzung einer Volksvertretung, noch die Art ihres Arbeitens macht sie für eine solche gesetzgeberische Tätigkeit geeignet. Daß diese allerdings nicht neuen zünftlerischen Anmaßungen in werden; entschieden zurückzuweisen sind, braucht kaum gesagt gerben; verlangt doch unser Programm:„Rechtsprechung vurch vom Volke erwählte Richter. Wird doch von uns, da das Volk nicht nur„Objekt“ der Gesetzgebung sein will,„direkte Gesetzgebung durch das Volk vermittels des Vorschlags- und Verwerfungsrechts“ verlangt. Der Kouflikt auf der Balkauhalbinsel. „Wien, 4. Jan. Der österreichische Gesandte in Belgrad, Graf Forgach, ist von Frhrn. v. Aehrenthal beauftragt worden, Milowanowitsch zu fragen, ob die Stelle seiner Rede, Oesterreichs erster Schritt am Balkan bestehe darin, daß es das Volk ahen serbischer Länder zu Sklaven machte, richtig wiedergeWien, 4. Jan. Sollte die von dem österreichischen Gesandten in Belgrad vom Minister Milowanowitsch geforderte Genugtuung ein Ergebnis nicht erbringen, so werden die diplomatischen Beziehungen mit Serbien abgebrochen werden. Konstantinopel, 4. Jan. Das Blatt„Sabah“ interviewte den Großvezier, welcher erklärte, daß die Verhandlungen bezüglich Bosniens und der Herzegowina nach dem Beiramfeste wieder ausgenommen würden. „ Wien, 5. Jan. Die„Wiener Allgemeine Zeitung“ schreib:: Man glaubt in hiesigen diplomatischen Kreisen, das von der russischen Regierung die Rede des Ministers Milowanowitsch als ein Desaven der Erklärung Iswolskis aufgefaßt wird und daß Serbien mit vollem Bewußtsein auf den Ausbruch eines Krieges mit Oesterreich=Ungarn hinarbeitet und deshalb immer stärkere Provokationen versucht. stskam—. der Oberregierungsrat Fraupme Pun... nur ausgesprochen, was der haben die schönen waschechten Agrarier ist. Die Herren Knute ihre Heik: Zeiten noch, nicht vergessen, wo sie mit der rach ionen. zueit treiben konnten. Wenn es gestellt werdenz“ir die Leiveigenschaft schleunigst wieder herEinkreisungs=Onkels.„Daily Expreß" läßt er Ste. gtsctin nelden, daß nach den bisherigen Dispostionen des englischen Konigspaares dort am 9. Februar grwartet perdg., sollte der Konig einen Aufschrb wunso werde der wesuch doch jedenfalls im Monat Februar werde vom Faiser Pibe=su, 5 6 Tage berechnete Programm neim entworfen und König Eduard eingeladen werden, etwa ungemunschte Punkte zu streichen. Trennung sein Oerslichkeit berm Wiedersehen nach so langer ae nach Ia=sieriug... D“ Ostmarkenverein Westpreußen anzulocken, indem er behauptet, daß dart, Stellen vorhanden seien mit 8000 Mk. Fixum und dag dn Regierung gerade aus den in der Ostmark praktizierenden Aerzten mit Vorliebe die Kreisarztstellen in der Ostmark sowohl als auch im Reiche besetze. Wenn das wahr ist, dann wäre es ein sehr nettes Zugeständnis; denn es ist damit nicht mehr und nicht weniger behauptet, als daß die Regierung bei der Besetzung von Kreisarztstellen in der Hauptsache nicht auf fachliche Tüchtigkeit, sondern auf polenhetzerische Gesinnung sehe. Vielleicht wird gelegentlich im preußischen Landtag diese Frage einmal angeschnitten. Zur Reichstags=Ersatzwahl im 6. hannoverschen Wahlkreis haben die Nationalliberalen den Verlagsbuchhändler Dr. Max Jänecke=Hannover, der dem Reichstag schon einmal burze Zeit Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 5. Januar. Schundlektüre und ihre Vor kurzem wurde in München ein Mann namens Ganter verhaftet, der auf betrügerische Weise einen wertlosen Roman hon sfhrisitliche gringen versuchte dadurch, daß er etwa 400000 Zanrschristliche Briefe versenden ließ, die den Empfängern vorspiegelten, sie seien in dem Roman angegriffen worden. Das lappische Machwerk, von dem bereits einige Hunderttausend gedruckt waren, sollte pro Exemplar 7,50 Mk. kosten. Es war als ein Millionenbetrug beabsichtigt. Vielleicht wäre er gelungen, wenn der Betrüger es weniger plump angefangen hätte. Die Entrüstung war allgemein. Die Presse brachte spaltenlange Artikel. Der ungeschickte Macher des Ganzen wird für seine Niedertracht büßen müssen. Soweit ist alles in Ordnung. Aber andere laufen frei herum, die auf diesem Gebiete noch viel größeres Unheil anrichten. Leute, denen es gar nicht einfällt, sich in solche Betriebsunkosten zu stürzen wie Ganter, und die dennoch einen Millionenbetrug am Volke verüben. Am Volke. Ganter hatte mehr die wohlhabenden Schichten im Auge. Der Mittellose oder in seinen Mitteln Beschrankte zahlt so leicht keine 7,50 Mk. auf ein Brett bei solcher Gelegenheit. Aber Hunderttausende gibt es, die lassen sich dasselbe und noch mehr groschenweise aus der Tasche ziehen. Für nichts. Für Schlimmeres als nichts. Für den erbärmlichsten, albernsten Schund, den meist arme, halbverhungerte Schreibsklaven ausgeheckt, den millionenreiche Verleger unters Volk geworfen haben. Der Dürerbund hat kürzlich einige Zahlen veroffentlicht. Erschreckende Zahlen! Man denke: im Deutschen Reiche sind es nicht weniger als 8000 Buchhandlungen, die sich ganz oder vorzugsweise mit dem Kolportagevertrieb von Schundromanen oder anderen Erzeugnissen der sogenannten Hintertreppenliteratur beschäftigen! Im Dienste dieser edlen Achttausend stehen 30000(dreißigtausend) Kolporteure, die um des lieben Brotes willen von Haus zu Haus, von Ort zu Ort ziehen und Den Schund an den Mann oder an die Frau zu bringen. Der Bibliothekar Dr Ernst Schultze hat ausgerechnet, daß in Deutschland alljährlich 50 Millionen Mark für die schauderhaften Produkte der Schundromanverleger ausgegeben werden. Und er meint, daß er die Summe eher zu niedrig als zu hoch taxiert habe. Ein einziger jener Geschaftsleute, der außer solchen Blechromanen auch„agyptische" Traum=, Geister= und GeKosportagehest Jehrecamsat auf m5 Mil. Die geistige Brunnenvergiftung engros blüht und gedeiht ssse, in. prächtiesten Flor unter den Augen der Behörden und „ leht:# sonst so, gern als Vormünder des Volkes beNrachten. Mancher von ihnen mag in dieser systematischen Gebirsversleisterung vielleicht sogar etwas sehen, das dem„Staatsnoy. förderlich ist. Aber wer auch ernstlich dagegen anwollte, ist gebunden, venn es gibt keine gesetzlichen Bestimmungen, die bestrafen.„Glücklicherweise“ muß man, wie die Dinge heute liegen, sagen. Denn im anderen Falle könnten wir Anwendungen der betreffenden Bestimmungen erleben, daß uns die Haare zu Berge steigen würden. Also: wir rufen nicht nach Staatsanwalt und Polizei. Wir predigen den Schundverlegern auch keine Ethik. Der Kapitalismus kümmert sich nie und nirgends um das Heil der Seele. Für ihn ist der Profit maßgebend. Und nur der Profit. Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand unserer ParteigeFchleschende Gite sn„Wi sagen ihnen: achtet auf das schreichener Eist, das man schon euren Kindern in die Seelen zu Betrachtet die Unterhaltungslektüre nicht als sebensächliches, bei dem es„nicht so genau darauf ankommt“. Es kommt sehr genau, es kommt viel darauf an, was man liest, ob es nun zur Belehrung, ob es zur Unterhaltung geschieht. Die Schundtiteratur verunkrautet den Boden, auf dem eine klare, gesunde und feste Weltanschauung erwachsen soll. Sie nährt die schlechten Instinkte auf Kosten der besseren. Sie verdirbt das Gemüt und drangt die Charakteranlagen häufig in eine ganz falsche Richtung. In jedem Fall wirkt sie nachteilig auf den guten Geschmack. Wer die Phantasie stets mit schlechten Bildern belebte, wird unfähig, das Gute zu genießen; denn alles, was schlecht ist, stumpft die Sinne ab. Von da bis zur Verdummung und Verblödung ist nur ein Schritt. Und wir hrauchen nicht zu sagen, wem diese Indifferenz und mangelnde Ultiskraft zugute kommt. Nan hat der deutschen Arbeiterbewegung zuweilen ihren „Materialismus“ vorgeworfen. Aber nie noch hat sie diesen Materialismus so verstanden, daß darüber die rein geistigen Interessen vernachlässigt werden durften. Die Sozialdemokratie wäre keine Kulturpartei, dächte sie gering von der Pflege des geistigen Lebens, von der Gesundheit des Gemüts und seiner Nahrung. In Wahrheit gibt es keine Partei, die so wie die Sozialdemokratie und die freien Gewerkschaften von sich sagen kann: wir jeder Verblödung entgegen. Also auch der Konsumtion schlechter Unterhaltungslektüre. Die wenigen bürgerlichen anerkennenswertem Eifer in derselben Richtung tätig sind, klagen vielfach darüber, daß sie an das„eigentliche Volk“ so schwer heran könnten; es fehlen ihnen die vermittelnden Organe, besonders die Kolporteure. Die Sozialdemokratie braucht, soweit ihre eigenen Angehörigen in Frage kommen, in ideeller Hinsicht keine Vermittelung. Es ist ganz selbstverständlich, daß die Presse der Partei und der freien Gewerkschaften selbst diese Aufgabe besorgt; daß sie auch hier nachholt, was und Staat am Volke versäumt haben und versäumen. Ja, die vielgeschmähte„negative“ Politik der Arbeiterpartei weist sich wie in so vielen Dingen auch in dieser Hinsicht als höchst positiv und erfolgreich aus. Wir erinnern nur an die Tatigkeit des Bildungsausschusses, an die Weihnachtsausstellungen guter Bücher, die von Jahr zu Jahr an Zahl und Ausdehnung zunehmen und allmählich Wegweiser für Tausende geworden sind. Als spezielle Waffe gegen die Schundliteratur, die in gelben, grünen und roten Heften von Haus zu Haus vertrieben wird, hat sich die Partei ein Organ geschaffen, das den Feinden auf ihrem eigenen Felde entgegentritt und mit steigendem Erfolge dabei ist, die Unholde zu verdrängen und die Wohnungen der Arbeiter und Arbeiterinnen von dem giftigen Unrat zu reinigen, der aus den trüben Quellen der Schundromanverleger fließt und andauernd Stadt und Land überschwemmt. Im Verlage der Buchhandlung„Vorwärts“, Berlin, erscheint seit nunmehr zwölf Jahren die Romanbibliothek für das arbeitende Volk:„In Freien Stunden“, von der Partei zu dem ausgesprochenen Zwecke begründet, der Schmutzliteratur das Wasser abzugraben. Sie tut es, indem sie den Arbeitern und Arbeiterinnen für weniger Geld mehr und besseres bietet, als irgend ein Schundromanverleger. Sie vermittelt ihren Lesern gute und fesselnde Lektüre aus den Literaturen aller Länder. Der leitende Roman wird stets von Künstlerhand illustriert.„In Freien Stunden“ pflegt sowohl das ernste und humoristische Genre und ist bemüht, den Lesern stete Abwechselung zu bieten. Das wöchentlich erscheinende, 24 Seiten starke Heft enthält neben den laufenden größeren Erzählungen kleinere Aufsätze und Notizen aus allen Wissensgebieten sowie Anekdoten und Scherze. Der eben beginnende 13. Jahrgang von„In Freien Stunden“ bringt zunächst„Kenilworth“, einen der besten und spannendsten Romane Walter Scotts. der die heimliche Ehe des Grafen Leicester behandelt. An zweiter Stelle steht die ergreifende Erzählung einer russischen Frau:„Die Kummerjahre“ von S. A. Sawinkowa, eine zu Herzen gehende Schilderung aus der russischen Revolution. Niemand also ist gezwungen, zu den blöden Produkten der Schundromanverleger zu greifen. Im ureigensten Interesse jedes Arbeiters, jeder Arbeiterin liegt es, ihr Unterhaltungsbedürfnis dort zu befriedigen, wo ihnen das Gute für ein geringes Entgelt geboten wird. Und so sei denn jeder einzelne auch auf diesem Gebiete ein Kämpfer und ein Förderer des Kulturfortschritts— zum eigenen Vorteil und zum Segen der deutschen Arbeiterbewegung! st.— Sozialdemokr. Verein, Ortsgruppe Bielefelb. Besprechungen finden statt: Am Mittwoch, 6. Januar, abends 6 Uhr, für den 1. Bezirk bei Bewekenhorn. Am Donnerstag, 7. Januar, abends 8½ Uhr für den 14. Bezirk bei Beckmann, für den 15. Bezirk bei Kaiser, für den 16. Bezirk bei Kickert. — Zentralverband der Schuhmacher. Bei der gestrigen Gesellenausschußwahl wurden die Kandidaten des Verbandes mit großer Mehrheit wiedergewählt. Eine Generalversammlung des Verbandes findet am Sonntag, nachmittags 3½ Uhr, im Lokale des Herrn Blome, Webereistraße, statt.(Siehe Inserat.) — Deutscher Arbeiter=Abstinentenbund, Ortsgruppe Bielefeld. Mittwoch, 6. Januar, abends 8½ Uhr, im Restaurant „Stadt Bielefeld", Marktstr. 8: Generalversammlung. Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. Gäste willkommen. — Naturheilverein. Am Mittwoch, 6. Januar, findet abends 8½ Uhr in der„Harmonie, Oberntorwall, ein Belehrungsabend statt. Näheres siehe Inserat. st.— Eine Anregung. Infolge des Ankaufs der Besitzung von Meier zu Olderdissen sind ja schon bessere Wegeverbindungen in unseren Bergen geschaffen worden. Für das Erholung und Erquickung suchende Publikum würde aber auch eine Wegverbindung zwischen der Restauration„Waldhalla“ und dem Wege nach der„Hünenburg“(unterhalb des Bergkammes), der wieder mit dem Fußweg nach„Zweischlingen“ in Verbindung steht, mit Freuden begrüßt werden. Durch den Wald von der Höhe oberhalb der Wiese vor„Waldhalla ab, bevor der Weg nach der „Hünenburg“ in weitem Bogen das Tal hindurchführt, ließe sich ein schöner schattiger Weg herstellen, und das Publikum, von der „Hünenburg oder aus„Zweischlingen“ kommend, würde nicht — wie es jetzt oft geschieht— quer durch das Gehölz oder über die Wiese den Weg sich abkürzen, um zur„Waldhalla“ zu gelangen Allerdings müßte über die Schlucht vor„Waldhalla“ ein Steg errichtet werden. Ein solcher, hergestellt aus unbehauenen Birken= oder Fichtenstämmen, würde auch das Landschaftsbild in keiner Weise beeinträchtigen. Im Gegenteil. Auch der Kostenpunkt für das Ganze kann wegen seiner Geringfügigkeit doch wohl kaum in Betracht kommen. Andererseits leven wir ja immer noch in der Zeit des Arbeitsmangels; hier wäre Gelegenheit, zweckdienliche Arbeit verrichten zu lassen. # Achtung, Modelltischler! Mittwoch, den 6. d. M. abends Uhr, findet in der„Centralhalle“ eine Besprechung der in den Modelltischlereien beschäftigten Kollegen statt. Der Obmann. — Die Zahn= und Mundpflege ist ein überaus wichtiger Teil der Körperpflege; sie wird leider zum Schaden des einzelnen uno der Volksgesundheit noch viel zu oft aus Sorglosigkeit, Unverstand und Gleichgiltigkeit vernachlässigt, Kranke und schlechte Zähne üben einen ungünstigen Einfluß auf das Gesamtbefinden des Menschen aus, ganz besonders auch auf die geistige und körverliche Entwicklung der Jugend. Es ist festgestellt, daß Kinder mit schlechten Zähnen kleiner und leichter waren als gleichaltrige Kinder mit guten Zähnen, und daß die Schulleistungen der Kinder mit schlechten Zähnen hinter den Leistungen ihrer gleichaltrigen Schulgenossen mit guten Zähnen zurückstehen. Wie schon im eigenen Interesse fur jeden Erwachsenen eine richtige Zahnpflege geboten ist, so müssen Eltern, Lehrer, Erzieher der Jugend diese zu einer regelrechten Zahnpflege zum Wohle der einzelnen und im Interesse der Volksgesundheit unausgesetzt anhalten. Die Zahnpflege wird in richtiger Weise ausgeübt 1. durch regelmäßige, mehrmalige tägliche Reinigungen der Zähne und 2. durch in bestimmten Zeitraumen regelmäßig erfolgende Unterluchugsnd Zähne Ziesezeiznen Zahnarzt. Anbemittelten Einmer der Stadt Vielefeld, ist die Untersuchung der Zähne durch Inanspruchnahme der im alten Rathause eingerichteten zahnärztlichen Poliklinik, kostenfrei, ermöglicht. Zahnkranke werden in der Poliklinik kostenfrei behandelt. Nur die eigenen Auslagen der Herren Zahnärzte sind nach einem Tarife mit geringen Sätzen zu erstatten. Die Klinik ist an allen Wochentagen mit Ausnahme des Donnerstags, nachmittags von 2 bis 3 Uhr geöffnet. Es kann. die Benutzung der Klinik den Beteiligten in ihrem eigenen Interesse nur dringend empfohlen werden. — Die Ausstellung des Vogelschutz= und KanarienzüchterVereins„Edelroller"=Bielefeld=Gadderbaum am 12. und 13. Dezember war gut besucht. Preise wurden an folgende Aussteller verteilt:„Allgemeine Klasse an Herrn H. Wächter(276 Punkte) große goldene Medaille, 1. Preis und 1. Ehrenpreis; an Herrn E. Fischer(258 Punkte) kleine goldene Medaille und 2. Ehrenpreis; an Herrn W. Rabe(254 Punkte) große silberne Medaille und 3. Ehrenpreis; an Herrn H. Tüdermann(234 Punkte) kleine silberne Medaille und 4. Ehrenpreis; an Herrn E. Spillmann (219 Punkte) 5. Ehrenpreis; an Herrn W. Wullenkord(160 P.) 6. Ehrenpreis. Selbstzuchtklasse: An Herrn A. Vogel(282 P.) große goldene Medaille und 1. Ehrenpreis; derselbe 267 Punkte; an Herrn A. Martenvormfelde(258 P.) kleine goldene Medaille und 2. Ehrenpreis; an Herrn H. Faust(204 P.) große silberne Medaille und 3. Ehrenpreis; an Herrn H. Tüdermann(188 P.) kleine silberne Medaille und 4. Ehrenpreis. Ferner Herr Völkel goldene Medaille für Samen und Zuchtgerätschaften; Herr Oberschelp goldene Medaille für Heckeneinrichtung; Herr Strohmeyer für Vogelschutz goldene Medaille. — Der neue Leiter des St. Franziskus=Hospitals. Das Kuratorium des St. Franziskus=Hospitals wählre am Sonnabend zum leitenden Arzt des Krankenhauses Herrn Dr. Petermann, langjährigen ersten Assistenten von Prof. Dr. Rotter in Berlin. Zum Arzt für die inneren Krankheiten wurde Herr Dr. Oebbecke in Bielefeld gewählt. in- Eine Unsitte. Vielfach findet man noch die Unsitte, daß die Verkäufer die zum Einwickeln von Waren bestimmten Tüten mit dem Munde aufblasen. Es ist nachdrücklichst darauf hinzuweisen, daß darin eine Gefahr für das kaufende Publikum liegt, weil auf diese Weise ansteckende Krankheiten sehr wohl übertragen werden können. Das gleiche gilt für das Anfeuchten der Finger, das viele Verkäufer üben, wenn sie ein Blatt Papier zum Einwickeln gebrauchen. Das Publikum sollte streng darauf achten, daß sich die Verkäufer solche Unsitten abgewöhnen. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Heute abend geht Sudermanns Schauspiel„Die Ehre“ in Szene. Den stürmischen Heiterkeitserfolg, den das Lustspie „O diese Leutnants!“ am Neujahrstage und am letzten Sonn tage hatte, wird es gewiß bei der dritten Aufführung am morgi gen(Mittwoch) Abend auch haben. Auf gleicher Stufe mit den Lacherfolg von„O diese Leutnants!“ steht der Erfolg des Lust spiels„Die Tür ins Freie“, das am Sonntag zum dritten Malgegeben wird. — Der Brand der Wirtschaft„Zur schönen Aussicht". Wäh rend erst vor einigen Wochen die„Teutoburger Waldhöhe“ der Flammen zum Opfer gefallen ist, ist, wie bereits gemeldet, an Montag früh die Wirtschaft„Zur schönen Aussicht“ vollkommer niedergebrannt. Nur die Umfassungsmauern sind stehen geblieben. Viel hat nicht gefehlt und es wären auch Menschen leben dem Feuer zum Opfer gefallen. Um 1 Uhr nachts wachte die Frau des Besitzers Siekmann auf und forderte ihren Mann auf, nachzusehen, ob es regnete. Dabei bemerkte man Brand geruch. Das Dienstmädchen wurde geweckt, und als dieses die Fenster seines Zimmers öffnete, schlugen ihm schon die Flammen entgegen, so daß das Haus schleunigst geräumt werden mußte. Die Feuerwehr von Sieker wurde herbeigeholt und traf vor 2 Uhr an der Brandstätte ein. Sie konnte aber nicht viel aus tichten, weil es vollkommen an Wasser fehlte, und mußte sick deshalb damit begnügen, die Restaurationsmöbel herauszuholen Alles übrige ist verbrannt, so sämtliche Möbel, die sich in der Wohnung des Herrn Siekmann befanden und eine größere Anzahl Betten. Das Feuer soll durch einen Schornsteinbrand entstanden sein. — Polizeibericht. Kindesaussetzung. Am 25. 12. 08 wurde in Münster i. W. an dem Haupteingang des FranziskusHospitals ein neugeborenes Kind weiblichen Geschlechts aufgefunden. Das nur einige Tage alte Kind hat dunkle, fast schwarze Kopfhaare und war mit einem neuen Hemdchen aus weißem Halbleinen und 2 neuen gestrickten weißbaumwollenen Jäckchen bekleidet. Eingewickelt war es in ein dünnes weißes Tuch aus Halbleinen, in eine 75 Quadratzentimeter große wollene Decke mit weißen Streifen und in ein gehäkeltes weißes Wickelband. Einbruchsdiebstahl. In der Nacht zum 23. 12. 08 sind aus der katholischen Kirche in Hannover=Döhren mittels Einbruchs entwendet: ein etwa 35 Ztm. hoher, silbervergoldeter Abendmahlskelch mit Deckel im Werte von 350 Mk. und ein etwa c0 Stm. beher, kupfervergoldeter Kelch im Werte von 50 Mark. Der Abendmahlskelch tragt am Fuße die Firmenbezeichnung: „Juwelier Bruns, Münster i. W.“ Festgenommen wurde 1 Bettler; 23 Obdachlose wurden im Polizeigefängnis untergebracht. Zu der Berichtigung des Herrn Camps zu dem von mir stammenden Artikel„Ein christlicher Sieg“ moge mir die Redaktion auch noch ein paar Worte gestatten. Die Anmerkung der Redaktion hat ja dem Herrn Camps wohl schon gezeigt, wie anglücklich seine Berichtigung war. Herr Lamps zeigte wieder mal sein altes Gesicht; er verschiebt die Sachlage vollständig and zieht zu seiner Entschuldigung Sachen veran, die er wohl besser verschwiegen hätte. Um aber Herrn einen Gefallen zu erweisen, setzen wir die Abmachungen unseres Verbandes, des Deutschen Textilarbeiter=Verbandes, mit den Unternehmern des Erzgebirges hierher. Zuvor wollen wir der Ghesstacten, daß dieser Kampf der erzgebirgischen Wirker in der Geschichte der Arbeiterkämpfe mit seiner 32wöchigen Dauer als einer der denkwürdigsten mit verzeichnet sein wird. Der die Ankündigung von Lohnabzügen von 20 dis 30 Prozent in einigen Gornsdorfer Fabriken entstanden. Diese konnten und wollten sich die armen Wirker nicht gefallen lassen. Im Juni vorigen Jahres erfolgte dann die Aussperrung von zirka 2500 Arbeitern. In dem Dorfe Thalheim, welches 7000 Einwohner zählt, waren allein an 2000 Personen an der Ausübung der Arbeit verhindert. Die Unternehmer hatten nur die Zertrümmerung der Organisation im Auge. Am 29. Juli fanden dann in dem Streikgebiet Versammlungen statt, welche den Kampf durch Annahne folgender Resolution für beendet erklärten: „Die am 29. Juli 1908 in Müllers Gasthof zu Gorndorf versammelten Ausschüsse aus den im Streik oder in der Aussperrung befindlichen Betrieben der Strumpfwirkerei des Erzgebirges nehmen Kenntnis davon, daß am 28. Juli 1908 zwischen den Ausschüssen der Betriebe, die im Streik stehen, und den Unternehmern dieser Betriebe unter Assistenz der Unternehmerorganisation Verhandlungen stattgefunden haben, durch welche die Hauptstreitobjekte, namlich die angedrohte Vornahme einer allgemeinen Lohnreduktion in der Strumpfwirkerei des Erzgebirges, sowie das Verlangen der Unternehmer, daß die Arveiter aus der Organisation austreten sollen, aus der Welt geschafft wurden. Da die Zusicherung gegeben wurde, daß, so wie es der Bedarf erfordert, die alten Arbeiter wieder eingestellt werden, Maßregelungen also nicht stattfinden sollen, so kommen die versammelten Ausschüsse, unter Würdigung der gegenwärtigen Geschäftslage, insbesondere unter Würdigung der Tatsache, daß, solange der gegenwärtige Kampf noch wahrt, der Zustrom neuer Aufträge gehindert und dadurch die Situation für die kämpfenden Arbeiterschaft keineswegs gebessert wird, in weiterer Erwagung aber, daß der noch vorhandene Differenzpunkt kein Objekt mehr ist, der die weiteren großen Kosten und Opfer des Kampfes rechtfertige, zu der Ueberzeugung, daß die Möglichkeit gegeben ist, den jetzigen Kampf zu beenden. Indem die versammelten Ausschüsse unter Kenntnisnahme der mündlich und schriftlich gegebenen Zusicherungen der Unternehmer bezw. deren Organisation zu dem Beschlusse kommen, den Kampf zu beenden, empfinden sie die Verpflichtung, ihrer eigenen Organisation, dem Verband deutscher Textilarbeiter, ihre Anerkennung auszusprechen für die tatkräftige Hilfe, welche diese Arbeiterorganisation den 4000 kämpfenden Arveitern und Arbeiterinnen in dem viele Monate währendem Kampfe leistete. Um so mehr halten es daher die Versammelten für die Pflicht nicht nur der am Kampf beteiligt gewesenen, sondern aller in der Textilindustrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, dieser Organisation beizutreten und treu zu ihr zu stehen. Insbesondere richten die versammelten Ausschüsse diese Maynung an die Arbeiter und Arbeiterinren in der Wirkerei des Erzgebirges. Die versammelten Ausschüsse ersuchen die am Kampf beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen, dem Beschlusse, den Kampf jetzt zu beenden, beizutreten, aber alles daran zu setzen, um die Organisation zu stärken, denn nur durch eine starke Organisation werden wir alle Gefahren, die unserer Existenz noch drohen, abwenden. Wie wird Ihnen Herr Camps? Halten Sie auch jetzt noch einen Vergleich dieser Vereinbarungen mit den Abmachungen Ihrer Organisation in Schretzheim für möglich? Ich glaube nicht! Aber wie grundverschieden ist auch die Beendigung dieser beiden Bewegungen. In Schretzheim von der christlichen Organisation ein Siegesgewimmer, das selbst den Unternehmern zu bunt wurde, so daß diese mit der Wahrheit herausrücken mußten; im Erzgebirge die ruhige sachliche Einstellung des Kampfes, alle noch kommenden Fragen ruhig erwägend. Zum Studium möge Camps nur die Nummern des„Textilarbeiters", worin der Ausfall des Kampfes geschildert wird, nachlesen, er wird diese Ausführungen nur bestatigt finden. Wenn nun trotzdem nach einem Vierteljahr die Unternehmer herkommen und ihre Macht den Arbeitern fühlen lassen wollen, so zeugt es von einer echt christlichen Gesinnung, deshalb nun der Arbeiterirganisation einen Vorwurf zu machen, wie es Camps tut. Das Vorgehen der Unternehmer gegen die Arbeiter jetzt, während der Krise, ist ein solch brutales, daß es die Organisationen zusammen auf den Kampfplatz führen sollte und nicht auseinander, wie es die christliche Organisation tut. Einen Fall wie es die christliche Organisation mit der Wahriehmung der Arbeiterinteressen hält, können wir dann auch aus nächster Nähe berichten, damit können wir auch gleich einen Teil von dem Dreck vernichten, der angeblich vor unserer Tür liegen soll. Camps führte die Firma C. A. Telius u. Söhne an. Was dort in dem Betriebe nun für schlimme Zustände bestehen sollen. wissen wir nicht, nur das wissen wir, daß es Camps ärgert, in diesem Betrieb die Zersplitterung nicht fertig gebracht zu haben. Im Oktober vorigen Jahres schrieb ich einen Brief an den Leiter des„christlichen Tertilarbeiter=Verbandes“ in Jöllenbeck, Herrn Spiekerkötter. Es handelte sich um Manipulationen der Firma C. A. Delius u. Söhne in ihrem Bielefelder Betriebe. Bekanntlich hat diese Firma noch eine große Weberei in Jöllenbeck, ebenso noch einen Zweigbetrieb in Werther. In diesem Briefe hatten wir um Auskunft gebeten über die Art der Feststellung der Arbeitsleistung einer bestimmten Abteilung im beiderseitigen Betriebe. Der Schlußsatz des Briefes lautete wie folgt:„Ich denke nun, daß wir auch, ohne sonst gemeinsame Ideen zu vertreten, aber doch die Verpflichtung in uns fühlen können, gemeinsam unsere Interessen wahrzunehmen, um eine Verschlechterung der Lebenslage unserer Mitglieder abzuwehren." Jeder anständige Mensch hätte nun doch wohl auf dieses Schreiben geantwortet. Aber bis heute haben wir noch keine Antwort bekommen, obwohl inzwischen auch unser Nachbar, Wilh. Walbaum, den ich zufällig traf, über dieses Schreiben unterrichtet war, dieser mir auch versprach, die Sache mit den Jöllenbeckern zu regeln. So sieht also die christliche Nächstenliebe aus, obgleich Christus sagte, daß man seinen Feind lieben solle. Wollte Camps vielleicht andeuten, indem er die Firma Delius anführte, daß er eine kleine Schadenfreude empfindet über die Handlungsweise seiner Jöllenbecker Kollegen? So steht es aber überall in den umliegenden Ortschaften mit der christlichen Organisationsbetätigung. Die Mitglieder werden fanatisiert gegen die freien Gewerkschaften, an eine Durchführung gewerkschaftlicher Pflichten wird aber nicht gedacht. Es könnte ja auch zu leicht unter den Mitgliedern selbst der folgerichtige Gedanke entstehen, warum sich die Arbeiter in zwei Lager spalten müssen, wenn es sich um Kampf gegen einen geschlossenen Feind handelt. Was Herr Camps weiter mit der Anführung von Schönfeld in Herford andeuten will, ist uns nicht recht klar. Will er uns vielleicht verantwortlich machen für die Indifferenz der dort beschäftigten Arbeiter? Denn von Organisation kann in diesem Betriebe doch nicht die Rede sein! Bedauerlich genug, aber wir haben hier nun einmal mit einer ganz indifferenten Arbeiterschaft zu rechnen. Die Anführung der Orte Göppingen, Forst und der Gegenden, wovon es noch Herrliches zu berichten giot, übergehen wir, denn Camps weiß so gut als wir, was in diesen Orten vorgegangen ist. Die Leser der„Volkswacht" sind auch hier immer sehr gut unterrichtet worden. Wir bewundern nur den Mut, den Camps mit einem Male beweist, indem er die sozialdemokratischen Leser in Form einer„Berichtigung“ über Vorgänge innerhalb ihrer Bewegung „richtig" unterrichten will. Möge er lieber dafür sorgen, daß das Interesse seiner Anhänger in unserer Gegend über Vorgänge in unserer Bewegung nicht systematisch im Dunklen gehalten wird. Dadurch würden Camps und die christlichen Führer der gesamten Kulturbewegung einen Dienst erweisen. Ob aber diese Erziehung zur Selbständigkeit im Interesse dieser Personen liegt? Wilhelm Castrup. An die Parteigenossen in Die Landtagswahlkomitees der einzelnen Orte werden ersucht, bis zum 8. Januar die Abrechnungen, Sammellisten und Gelder von der Landtagswahl an den Unterzeichneten einzusenden. Die Abrechnungen der Ortsvereine müssen getrennt von der Landtagswahl gehalten werden, auch dürfen keine Gelder der Ortsvereine für die Landtagswahl verrechnet werden. Aug. Schmuck, Opingstr. 92. * Oeynhausen, 4. Jan. Die Gewerkschaften von Oeynhausen und Umgegend werden ersucht, die Beiträge an das Kartell für das 4. Quartal 1908 bis zum 10. Januar an den Kassierer des Kartells entrichten zu wollen. * Blotho, 4. Jan. Rentenhunger. Schon des öfteren hat man in arbeiterfeindlichen Blättern und auch aus dem Munde der Vertreter der Berufsgenossenschaften den Ausdruck „Rentenhunger“ vernommen. Es soll damit die üble Gewohnheit der versicherten Arbeiter gekennzeichnet werden, sich um jeden Preis, berechtigt oder nicht, in den Besitz einer Rente zu bringen. Tatsächlich wird ja auch von den Organen der Berufsgenossenschaften fast jeder Rentennachsucher zunächst als Gauner, der sich die Rente erschwindeln will, angesehen und behandelt. Wenn wir nun in der Ueberschrift zenes ominöse Wort „Rentenhunger“ gebrauchen, so wollen wir etwas anderes, zutreffenderes damit bezeichnen, nämlich die Gier der Berugsgenossenschaften, die Renten, die verletzten Arbeitern gewährt werden mußten, diesen wieder zu entziehen oder doch herabzusetzen. Es ist ja in diesen Tagen in einer Artikelserie in der „Volkswacht“ auch auf diese Praxis hingewiesen worden und bringen wir nachstehend hierzu eine Illustration. Der Knecht F. S. von hier erlitt im Jahre 1893 einen Unfall, infolgedessen, da der Mittelfinger der rechten Hand völlig steis blieb und sich laut ärztlichem Gutachten beim Handschluß 8 Zentimeter weit vom Handteller entfernt hält, ihm eine Dauerrente von 15 Proz. = 41,60 Mark pro Jahr zugesprochen wurde.— Jetzt, nach über 15 Jahren versucht es nun die Fuhrwerks=Berufsgenossenschaft, dem nunmehr 63jährigen Mann die Rente herabzusetzen. Zu diesem Zwecke hat man ihn durch den Sanitätsrat Dr. Pape zu Herford untersuchen lassen, obwohl der Arzt in Vlotho, der den Verletzten seinerzeit behandelte, noch hier wohnt. Warum man den Herforder Arzt nahm, wird die Berufsgenossenschaft wohl wissen—, ihr Bemühen fand seinen Lohn, der Herr Sanitätsrat konstatierte:„Der rechte Mittelfinger ist in allen Gelenken infolge Verlustes der Beugesehne versteift und beteiligt sich nicht mit am Faustschluß... An der Innenfläche des ganzen rechten Mittelfingers verläuft bis in die Hohlhand eine derbe, z. T. mit der Sehnenscheide verwachsene Narbe“ und weiter auf die Frage nach Besserung oder Angewöhnung stellte er fest:„Deutliche Arbeitsschwielen in der rechten Hand beweisen, daß diese bei der Arbeit nicht sonderlich geschont wird. Es muß demnach im Laufe der Zeit eine Gewohnung an den veranderten Zustand eingetreten sein, welche die Herabsetzung der Rente auf 10 Prozent rechtfertigt, wenngleich sich nicht leugnen läßt, daß der versteifte Mittelfinger bei vielen Hantierungen hinderlich ist..!" Also um 5 Prozent, hier der 3. Teil der Rente, kann diesem Gutachten zufolge die Rente gekürzt werden, weil der Verletzte sich an das Hindernis der steifen Finger„gewohnt“ hat. Die Rente reichte ja doch nicht aus zum Leben, der Krüppel mußte arbeiten, hierdurch entstanden Schwielen, diese wieder beweisen, daß er gearbeitet hat, ergo muß das der„Berufsgenossenschaft“ zum Besten dienen und die Rente gekürzt werden. Welche Logik? Ohne jed- weitere sanitätsrätliche Untersuchung wird man jetzt weiter folgern können, vielleicht übers Jahr: Da dem Verletzten ein Drittel der Rente entzogen ist, mußte er mehr arbeiten, um das Entzogene zu ersetzen, durch dieses Mehrarbeiten ist eine Mehrgewöhnung eingetreten, welche gar keine Hinderung mehr empfinden läßt, und demnach sich dann eine weitere Herabsetzung oder gänzliche Aufhebung der Rente rechtfertigt. Das Schönste aber im Gutachten des Herrn Sanitätsrat ist, daß er empfiehlt, dem alten 63jährigen Manne den steifen Finger jetzt, nach 15 Jahren, zu amputieren. Wem glaubt der Herr Rat mit diesem Rat zu dienen? Für den alten Mann bedeutet es doch nur eine Qualerei. Als zweckmäßig zu der Amputation empfiehlt der Mann dann das Kreiskrantenhaus in Herford, dessen Leiter er ist. Empfiehlt sich das auch der Billigkeit wegen? Man sollte denken, daß die Aerzte in Vlotho das auch wohl könnten. * Detmold, 4. Jan. Die fürstliche Regierung hat für die Bauerschaft Herrentrup die probeweise Selbsteinschätzung sämtlicher Steuerzahler angeordnet. Zu den festgesetzten Terminen haben sämtliche Steuerzahler zu erscheinen und ihre Erklärung avzugeben. Den Zieglern und Ziegelmeistern, die nicht das ganze Jahr beschäftigt sind, wird empfohlen, die Lohnabrechnungen mitzubringen. Genaueste Angaben über die Schulden= und Zinsenlast der Gebäude und Grundstücke wird verlangt. Wer ungenaue Angaben macht, begibt sich des Rechts der Beschwerde gegen die Steuerfestsetzung für die Dauer der Steuerperiode. * Bochum, 4. Jan. Betriebsunfall. In der Gußstahlfabrik des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation ereignete sich gestern infolge Ausströmens von Hochöfengasen ein schweres Unglück, wobei 2 Arbeiter, die sich um die Rettung ihrer schwer gefährdeten Kameraden bemühten, den Tod gefunnen haben. Zehn andere Arbeiter mußten, von giftigen Gasen betäubt, ins Krankenhaus transportiert werden. * Essen, 5. Jan. In der Ortschaft Günnigfeld fanden mehrere Knaben Dynamitpatronen und brachten sie zu Hause zur Explosion. 3 Knaben und eine Frau wurden lebensgefährlich verletzt. Cehls Nachrichten. Hamm, 5. Jan. Trotz aller Anstrengungen, das Wasser aus der Grube Radbod zu heven, ist es noch nicht gelungen, die erste Sohle frei zu machen, auf der sich die Opfer der Explosion befinden. Gestern abend fuhr der Zechendirektor Andrä mit einem Mitgliede des Bergamts in den Schacht, um sich von dem Stand des Wassers in der Grube zu überzeugen. Voryer hatte man, um den Schacht auf das Vorhandensein von Wettern zu prüfen, einen Behälter mit einigen Mäusen in den Schacht gelassen, die lebend wieder heraufkamen. Die leitenden Beamten fanden, daß das Wasser noch mehrere Meter über der ersten Sohle stand, während man ursprünglich angenommen hatte, daß das Wasser mindestens unter die erste Sohle gesunken sei End dieser Woche hofft man die erste Sohle zu erreichen. Köln, 5. Jan. Nach einem Telegramm der„Kölnischen Zig.“ sind gestern in Mörs zwei besetzte Straßenbahnwagen kurz vor dem Bahnhof in voller Fahrt zusammengestoßen. Ein Wagenführer wurde schwer verletzt, der andere leichter. Mehrere Fahrgäste erlitten leichte Verletzungen. Die Vorderperrons der beiden Wagen sind völlig zertrümmert. Das Unglück ist darin zu suchen, daß ein Wagen zu früh die Weiche passiert hat. Siegen, 5. Jan. In Siegen ist der Maler Gangloff, der in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle spielt, verhaftet worden. Seine Festnahme erfolgte auf die Angabe junger Leute, denen zufolge sich Gangloff seit langer Zeit gegen§ 175 des Str.=G.=B. vergangen haben soll. Die Affäre droht einen großen Umfang anzunehmen. Straßburg, 5. Jan. Die„Illustrierte Elsässische Rundschau“ in Straßburg beavsichtigte ein Wohltätigkeitskonzert zugunsten der in Calabrien und Sizilien Verungluckten zu veranstalten. Das vollkommen unpolitische Programm enthielt lediglich literarische Werke. Die Leitung hatte ein hiesiger französischer Deklamationslehrer übernommen. Der Ertrag war für die Sammlung bestimmt, zu der der kaiserliche Statthalter persönlich aufgefordert hatte. Den Veranstaltern ist nun vom Ministerium der Bescheid geworden, daß die Erlaubnis kierzu nicht erteilt werden könne. Eine Begrundung war dem Bescheide nicht beigegeben. Die altelsässischen Kreise sind hierüber mit Recht empört. Zürich, 5. Jan. Eine sechsköpfige Fälscherbande, an deren Spitze ein Lithograph stand, ist hier eentdeckt und verhaftet worden. Die Bande hatte für 30000 Franken eidgenössische National=Banknoten hergestellt und einen Teil davon bereits ausgegeben. Teheran, 5. Jan. Die Unruhen in Isphahan haben hier große Erregung hervorgerufen. Der Generalgouverneur von Isphahan ist in die englische Botschaft geflüchtet. Die Bachtiaren plünderten die Wohnung des Gouverneurs. Sie ernannten einen Bachtiarenchef zum Generalgouverneur.„Die Situation ist eine sehr gefährliche. Newyork, 5. Jan. Unter dem Verdacht des Mordes verhaftet wurde ein mit dem Dampfer„Lusitana" hier eintreffender Otto Sand. Er wird beschuldigt, am 21. Dezember eine alterreiche Dame namens Gilchhist in ihrer Wohnung in Glasgow getötet und beraubt zu haben. Schmuckstücke, die von der Getöteten herrühren, wurden im Besitze der Frau des verhafteten Sand geunden. Sand lengnet die Tat. Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. Beute, Dienstag, 5. Januar, morgen, Mittwoch, 6. Januur:# Stadttheater. grosse An unsern grossen Reste-Tagen verkaufen wir grosse Posten Reste und Restbestände, die sich im Laufe der Saison und infolge des lebhaften — Weihnachts-Geschäftes angesammelt haben— za Girkiichen Vertastrreisen sämtliche Fribh. Heterreis Der bis 5 Ht. sämt“’ohe Kleiderstoffe Reinwollene Stoffe Schwarze Kleiderstoffe Weisse Kleiderstoffe Nouvreauté Kleiderstoffe Tuchstoffe aller Art Cheurons ohne Unterschied des früh. 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Holz-Auktion. Am Mittwoch, den 6. Jannar 1909, nachmittags 2 Uhr, läßt der Kaufmann M. Korte auf seiner Besitzung in Stieghorst: 30 Haufen dickes Buchenbreunholz, 15 Haufen hartes Buchenbrennholz für Bäcker, 2 Haufen Erlen u. Birken für Holzschuhmacher, 4 Stück dicke Buchen für Stellmacher und Tischler, 1 Rummer Bandeschen für Stellmacher öffentlich meistbietend auf Kredit verkaufen. Sammelplatz unterhalb der Vill Opitz. 65“ Heepen, 29. Dezember 1908. H. Möller BIELEFELD. 6 Arbeiter= Rotiz-Kalender 1909 n sch Geb. 60 Pf. Porto 10 Pf. Ein nügz'icher Ratgeber, ein unentbehrliches Nachschlagebuch für alle in Partei und Gewerkschaften organisierten Arbeiter. Her diesjährige Kalender entD häu u. a.: Die Reichstagswahlen 1907 und die Nachwahlen. — Viogr. Notizen unserer Reichstagsabgeordneten.— Reichs= vereinsgesetz.— Die Bedeutung der Landtage.— Sozialdemokratische u. Gewerkschaftspresse. — Die Gewerkschaften Deutschlands.— Internationale Streikund Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1908.— Adressen der Arbeiter=Sekretariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Die deutschen Gewerbe=Imspektoren.— Kalendarium und Geschichtskalender.— Münz= und Gewichtstabelle.— Portokaxe.— Vielseitiges Adressenmaterial. Außerdem enthält der Kalender ein künstlerisch ausgeführtes Marx=Vorträt. Zu haben in der Buchhandlung„Voluswacht“ Bielefeld, Schulstr. 20. Soeben ist erschienen: Zeitbilder aus dem Klassenstaat XII. Das persönliche Regiment vor dem Deutschen Reichstage. Preis 25 Pfg.(Porto 10 Pfg.) Zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht", Bielefeld, Schulstraße 20. Schdrscherei Volswachl Schalstr. 20 ee Familiendrucksachen: Verlobungskarten Hochzenseinladungen Trauerbriefe etc. Vereinsdrucksachen: Mitgliedskarten Eintrittskarten “ Plakate, Statuten etc. Ged bechues Aid- eriten 0 ottsbacher Dit in allen Größen — gutes Papier— zu haben in der Tehhenddung Zeibanabff. Zentral-Verband der Schuhmacher, Zahlst. Bieleleld. Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 3½ Uhr: Gene, im Lotale des Herrn Wiome, Wevereistraße. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Abrechnung vom IV. Quartal 3. Vorstandswahl. 4. Verschiedenes. 77. Der Vorstand. Ein Posten gebrauchter, guter Nanmaschinen und In 10 Mark am Lager bei Priz-Schröder Arndtstrasse 6. 71 * Bei Drüsen, Skrofeln, englischer Krankheit, Blutarmut, zur Stärkung schwüchlicher, in der Entwicklung zurückbleibender Kinder empfehle eine Kur mit meinem beliebten = Lahusen’s Lebertran= JODELER“ Der beste und wirksamste Lebertran. Leicht zu nehmen und zu vertragen. Preis Mark 2.30 u. 4.60. Alleiniger Fabrikant: Apotheker Wilh. Lahusen, Bremen. Man achte auf den Namen„Jodella“. Alle anderen Präparate sind nicht echt. Frisch zu haben In Bielefeld: Aschoff’sche, Kreuz-, Krummacher'sche, Neue, Sparrenberg- und Stern-Apotheke, sowie in den Apotheken der Umgegend.(6580 Bringe hiermit den werten Bewohnern von Brackwede u. Umgegend meinen neuen Leichenwagen grose u. klein, sowie Hochzeits- u. Kindtaufafuhren in empfehlende Erinnerung. Alles in bester Ausstattung. Carl Wiehenstroth. 74. Telephon 1035. In der Buchhandlung„Volkswacht“, Bielefeld, ist zu haben: Die Abstammung des Mienschen. Von Wilh. Bölsche. Reich ilkustriert, in farbigem Amschlag. Preis 1.00 Mk.— Porto 10 Pfg. Städtische gewerbliche Fortbildungsschule. Der Unterricht beginnt erst wieder am Donnerstag, den 7. Januar 1909, nicht, wie festgesetzt war, am Dienstag, da Reparaturarbeiten an der Heizung vorgenommen werden müssen. Herford, den 4. Januar 1909. Der Vorsitzende des Kuratoriums der gewerblichen Fortbildungsschole. Busse, 1. Bürgermeister. Decius, Rektor. Milchuntersuchung. Die chemische Untersuchung entnommener Milchproben hatte folgendes Ergebnis: Name des Milchverkäufers Steffen, Radew. Feldmark Richter, Lohof Caag, Schwarzenmoor Schürmann, Altst. Fdk. Eimterbäumer, N. F. Rottmann, Elverdissen Helmann, Bürten Blomeyer, Herringhausen Zahmeyer, Bracke 11 Schrüder, Schmamene moor Rolff, Vermbeck v. Laer, Oberbehme Untersuchungsergebnisse. Gepicht 1,032 1,0305 1,029 1.032 1,031 1,032 1,0325 1,030 1,0305 1,032 1,031 1,031 Fettgehalt 2,2% 2,5% 4,2% 2,8% 2,7% 4.8% 3,4% 2,9% 2,9% 3,3% 2,7% 2,7% Trackene Jubstang 10,75% 11,19% 12,52% 11,55% 11,53% 13,02% 12,40% 11,55% 11,57% 12,22% 11,53% 11,525% Beuertungen Die Milch entspricht nicht den polizl. Anford. dito Vollmilch muß enthalten: 1,028 bis 1,034 spezifisches Gewicht, 2,7% Fettgehalt und 11,5% Trockensubstanz. Herford, den 24. Dezember 1908. Die Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeißer: Basse. Nr. 3. O O Bielefeld, Dienstag, 5. Januar 1909. 20. Eine höchst überfüssige Ausgabe. Die„Deutsche Musikerzeitung“ hat vor kurzem die Herabsetzung der Kopfzahl der Militärmusiker gefordert und ausgerechnet, daß durch die Realisierung ihres Verlangens im Jahre ungefähr drei Millionen erspart würden. Wir sind der Anschauung, daß die Militärkavellen überhaupt zu beseitigen sind, weil sie militärisch überflüssig geworden sind. Worin besteht denn jetzt die Haupttätigkeit der Militärkapellen? Sehr einfach darin, an Sonn= und Feiertagen Konzerte gegen Entree zu geben und dadurch den Zivilberufsmusikern, die für die Armee, also auch für die Militärkapellen, ebenso ihre Steuern entrichten müssen, als andere Leute, das Brot wegzunehmen! An den Wochentagen üben sie sich für diese schöne Beschäftigung ein. Einige Arbeit— aber keine große— verursacht den Militärmusikern das Offizierkorps ihres Reaiments. Haben die Herren ein Liebesmahl, so muß dabei die Regimentskapelle oder ein Teil davon konzertieren. Schwierig ist das meistens nicht, denn den Herren Offizieren wird dabei nichts Neues geboten. Es ist auch nicht nötig, weil die schmausenden und pokulierenden Epaulettenträger etwas anderes zu tun haben, als auf die oft gehörten Potpourris aus dem„Faust", aus dem„Lohengrin“, aus dem„Freischütz" usw. aufzumerken. Sie unterhalten sich lieber oder sie spielen Karten. " Am allerwenigsten Vorteile haben von den Militärkapellen am meisten davon profitieren sollten, nämlich die Mannschaften. Im Dienst bekommt der Soldat von der Meilitarmusik nicht viel zu hören. Als Rekrut übt er ein paarmal nach ihr den Parademarsch ein— man nennt das Rekrutenbälle— und später passiert es ihm in seiner Dienstzeit jährlich höchstens fünf. bis sechsmal, daß er sich auf dem Marsche so nahe un ver. must befindet, daß er sie wirklich hört. Am wenigsten Geräusch verursacht der Marsch der nichtberittenen Truppen und dennoch hört von einem marschierenden Infanterieregiment drei Viertel nichts vom Spielen der Musik, auch wenn diese fest drauflos tutet. Die ersten drei Kompagnien vernehmen die Musik noch deutlich, die vierte hört von ihr in der Hauptsache nur mehr die große Trommel. Und die übrigen acht Kompagnien vernehmen keinen Ton mehr. „Mit dieser Tatsache ist auch die bekannte Behauptung, daß das Spielen der Musik den Fußtruppen bei großen Märschen über die Ermüdung hinweghelfe, abgetan. Der großen Masse der marschierenden Truppen hilft es nichts! Im modernen Gefecht ist die Musik natürlich vollkommen unbrauchbar. Knattern Tausende von Magazingewehren, donnern Hunderte von Geschützen, dann hört man von der Musik auch dann nichts, wenn sie spielen würde und spielen könnte. Sie wäre aber gar nicht imstande, zu spielen, weil sie nur in geschlossener Formation musizieren kann eine derartige Formation im wirksamen feindlichen Feuerbereich aber sehr bald zur Vernichtung führen würde. denkt auch kein vernünftiger Mensch mehr daran, die Musikkorps als solche in der Schlacht oder im Gefecht zu verwenden. Vielmehr benützt man sie zum Bergen von Verwundeten. Es ist dies zwar ein sehr löblicher Zweck, aber wenn man statt der Musiker ebenso viele einfache Sanitätssoldaten einstellen würde, so käme die Sache bedeutend billiger und würde außerdem besser besorgt werden, weil die Sanitätsmannschaften im Frieden den größten Teil ihrer Arbeitszeit nicht für die Einübung von Musikstücken aufzuwenden brauchten. Wie verschwenderisch die hochverehrliche Reichsleitung mit den Musikkorps umgeht, beweist das Faktum, daß sogar die Trainbataillone, die Unteroffiziersschulen und die Artillerieschule eigene Musikkorps besitzen. Wie leicht kann im Krieg ein Trainbataillon mit seinen vierräderigen Rumpelkästen zu einer Attacke zegen die Franzosen befohlen werden, und wenn dann die cusik den„Donauwalzer“ oder„Im Grunewald ist Holzauktion“ dazu spielt, so wird der Elan ein so großer sein, daß der normale furor teutonicus dagegen nur ein unbedeutendes adenarich;st. Die Unterofizierschiler müissen auch den Laradenzu#h lernen und das können sie nicht ohne Musik. Das Trommern genügt für sie nicht. Und hätre die Artilierieschießschule keine eigene Kapelle, so wäre ja niemand da, der bei den anscheinend sehr zahlreichen Liebesmählern der zur Schule kommandierten Offiziere die Musik liefert. Wohin das Deutsche Reich mit seiner Verschwendung für Armee und Marine gekommen ist, zeigt seine schlechte Finanzlage. Armee und Marine sind nur für den Krieg da, also könnten ihnen auch die bürgerlichen Parteien, sofern sie über ein Gewissen und über ein Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber ihren Wählern verfügen würden, nur dann gewähren, was sie im Kriege brauchen. Musikkorps, glitzernde Uniformen, lange Präsenzzeit, Drill usw. sind Reste aus den Zeiten des Despotismus und der Lineartaktik. die den Geldbeutel der Steuerzahler ungeheuer in Anspruch nehmen und die Armee teilweise sogar schad lich beeinflussen. Aber auch die vernünftigsten Vorstellungen. prallen an den bürgerlichen Klassen ab: Wie ein Betrunkener torkeln sie dem Abgrund entgegen. Wäre ihr Weg nicht zugleich ein Leidensweg für das Proletariat, so könnte der Sozialdemokratie diese Blindheit sehr angenehm sein. Parteinachrichten. In die Redaktion der„Arbeiter=Zeitung" in Essen ist als drittes Mitglied der Genosse Wilhelm Neumann eingetreten. Die 2. Konferenz der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten der Thüringischen Staaten fand am Sonntag, 3. Januar, in Saalfeld a. d. S. statt. Anwesend waren aus Altenburg 2, Meiningen 6, Gotha 6, Koburg 1, Reuß j. L. 2, Weimar 3 und Rudolstadt 5 Abgeordnete. Der Parteivorstand war durch den Genossen Molkenbuhr vertreten. Nachdem Genosse Leber=Jena einen Ueberblick über die politische Lage in den Thüringer Kleinstaaten gegeben hatte, hielt Genosse Bock=Gotha einen informierenden Vortrag über das Thema:„Welchen Einfluß wird die Reichsfinanzreform auf die Finanzen der Thüringer Kleinstaaten ausüben?" Nach lebhafter Diskussion wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Durch die ins Ungeheuerliche wachsenden Ausgaben für den Militarismus, Flotten- und Weltpolitik und die dadurch bedingte finanzielle Auspowerung des arbeitenden Volkes und völlige Zerrüttung des Finanzwesens der Kleinstaaten protestiert die Konierenz der Thüringer sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten auf das energischeste gegen jede weitere Belastung durch indirekte Steuern. Sie verlangt vielmehr, daß das gegenwärtige Reichsdefizit— einschließlich der gestundeten Matrikularbeiträge— durch eine progressive Reichseinkommensteuer, beginnend von 3000 Mark Einkommen an, durch eine Vermögenssteuer, beginnend von 15000 Mark an, gedeckt wird.“ „Ferner fordert die Konferenz, um eine praktischere, zweckmäßigere, gangbare und billigere Verwaltung in den Thüringer Staaten zu erreichen, mit aller Energie darauf hin zu arbeiten, daß diese Staaten durch ein Ministerium und eine gesetzgebende Körperschaft verwaltet werden. Schon heute sind diese Kleinstaaten gezwungen, durch gemeinsame Justiz= und Strafdurchführung, Irrenpflege usw. diesen Weg zu beschreiten. Die gesamte Thüringer Bevölkerung hat ein Interesse daran, daß wir aus dieser politischen und wirtschaftlichen Rückständigkeit erlöst werden.“ Genosse Hofmann=Saalfeld sprach dann eingehend über die Frage:„Liegt in den Thüringer Landtagen die Möglichkeit vor, daß durch Ablehnung des Budgets ein für die Arbeiterschaft schlechteres Budget an Stelle des abgelehnten treten kann?“ Nach längerer Debatte wurde folgender Resolution zugestimmt: „Die zweite Konferenz der sozialdemokratischen Abgeordneten der Thüringer Landtage erklärt, daß sie in der Frage der Budgetbewilligung voll und ganz auf dem Boden der Nürnberger Resolution steht.“ Ueber die Beamtengehälter in den Thüringer Kleinstaaten referierte Genosse Baudert=Weimar. In der sich anschließenden, ausgedehnten Debatte wurde das Verhalten eines großen Teiles der Beamten kritisiert, die durch ihre Haltung und ihren Einfluß bei politischen Wahlen es mitverschuldet haben, daß eine Politik unterstützt wurde, die zur Verteuerung der Lebenshaltung führen mußte. Die nächste derartige Konferenz soll in Gorha stattfinden. Den Zeitpunkt setzen die Parteisekretäre fest. Wer terrorisiert? Die Metallwarenfabrik von August Böhmer u. Co. in Magdeburg=Neustadt hat für ihren Betrieb die Bestimmung getroffen, daß jeder dort in Beschäftigung tretende Arbeiter dem reichstreuen Arbeiterverein oder dem Hirsch=Dunckerschen Gewerkverein(!) angehören muß. Als vor anderthalb Jahren der Schlosser Lehmann bei der Firma wurde dies nun der Betriebsleitung bekannt und Herr Böhmer stellte Lehmann die Wahl, entlassen zu werden, oder dem reichstreuen Arbeiterverein beizutreten. Lehmann erbat sich drei Tage Bedenkzeit und erklärte nach Ablauf derselben, daß er es ablehne, Mitglied des Reichstreuen zu werden. Daraufhin wurde ihm gekündigt. Aber damit nicht genug, wurden ihm bei der nächsten Lohnzahlung— ohne daß man ihn danach fragte. Eintrittsgeld und ein Monatsbeitrag für den reichstreuen Arbeiterverein, zusammen 90 Pfennig, vom Lohn abgezogen! Lehmann protestierte dagegen, aber vergeblich, so daß er die 90 Pfg. beim Gewerbegericht einklagen mußte. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die Firma ihr Verhalten in keiner Weise rechtfertigen könne. Sie wurde daher zur Zahlung der 90 Pfg. und zur Tragung der Kosten des Rechtsstreits verurteilt. Der Vertreter der Firma fragte trotz alledem noch, ob er gegen die Entscheidung Berufung einlegen könne. Im reichstreuen Arbeiterverein wird mit besonderer Vorliebe und großer Entrüstung immer wieder die„ewige Wahrheit" verkündet, daß die Mitglieder der freien Gewerkschaften nur durch unerhörten Terrorismus zur Mitgliedschaft gepreßt worden seien. Die Art aber, wie er selbst zu seinen Mitgliedern kommt, scheint ihm dagegen offenbar ganz einwandfrei. Der reichstreue Arbeiterverein steht unter dem Protektorat des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie und wird v# Unternehmertum subr gleichgeachtet werden, Deutschland hält den Scharfmacher=Rekord! Die methodische Beobachtung der modernen Massenkämpfe schafft heute ein untrügliches Material zur Beurteilung der Stärke und Größe der wirtschaftlichen Reibungsflächen, zur Beobachtung der Gewalt des Klassenkampfes. Kürzlich brachte das„Reichsarbeitsblatt“ statistische Ergebnisse der Streiks und Aussperrungen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Von 1881 bis zur Gegenwart liegen über die amerikanischen Arbeiterkämpfe vier, in unregelmäßigen Intervallen vom Arbeitsamte herausgegebene Berichte vor. Im Gegensatz zu anderen Staaten, die zur Beschaffung der nötigen Unterlagen ihren Behördenorganismus benutzen, sucht das amerikanische Arbeitsamt sich die Angaben dadurch zu verschaffen, daß es die Tageszeitungen und Arbeiterblätter genau verfolgt und auch Agenten zur Vervollständigung der Berichte in die betreffenden Bezirke sendet. Durch dieses Verfahren entstehen sicher statistische Nachteile; eine jährliche Berichterstattung und bessere Verbindung mit den Arbeiterorganisationen würden sicher die Resultate noch präziser gestalten. In der folgenden Tabelle ist die Anzahl der Streiks und der daran beteiligten Personen von 1881 bis 1905 aufgezeichnet. Soweit die entsprechenden Zahlen für Deutschland vorlagen, sind sie in Vergleich gestellt worden. Es wurden dazu die Statistiken der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands benutzt, die ja bekanntlich bedeutend besser sind als die amtlichen Ergebnisse. Die Streiks, die in Deutschland 1900 nur 45 Prozent der amerikanischen Kämpfe ausmachen, sind 1905 schon bis zur gleichen Höhe gewachsen. Die tatsächliche Ausdehnung der Kampflinie wird damit aber nicht ausgedrückt, sie spiegelt sich in den Summen der beteiligten Personen wider. 1900 ist das 15 Oliver Tmist. Von Charles Dickens. dem Englischen von Julius Seybt. Fünfzehntes Kapitel. Was Oliver auf dem Wege zum Buchhändler begegnete. Olivers Rückkehr wurde beiden Herren immer zweifelhafter, zu Grimwigs Triumph und Brownlows tiefer Betrübnis. Ich hätte nun hier in meinem Prosaepos die kostbarste Verananlassung, die Leser mit vielen weisen Betrachtungen über die offenbareUnklugheit zu unterhalten, seinen Mitmenschen Gutes zu erweisen ohne Aussicht auf irdischen Lohn, oder vielmehr darüber, wie sehr es die Klugheit erfordere, in einem besonders hoffnungslosen Falle einige Liebe und Menschenfreundlichkeit an den Tag zu legen, und sodann dergleichen Schwachheiten für immer abzulegen. Die Vorteile liegen auf der Hand. Hält sich der, dem ihr unter die Arme gegriffen, gut und dient ihm euer geleisteter Beistand zum Wohlergehen, so erhebt er euch bis in den Himmel, ihr werdet sehr geachtete Leute und gelangt in den Ruf, unendlich viel Gutes im Verborgenen zu tun, wovon nur der zwanzigste Teil bekannt werde; zeigt er sich als ein Undankbarer und Nichtswürdiger, so habt ihr euch in die vortreffliche Stellung gebracht, daß man euch nachsagt, ihr hättet euch höchst uneigennützig, mildtätig und dienstfertig erwiesen, wäret nur durch erfahrenen Undank und Verrat menschenfeindlich geworden und man könne euch euer Gelübde nicht verdenken, nie wieder einem Menschenkinde beizuspringen, um nicht durch abermalige Täuschungen verletzt zu werden. Ich kenne eine Menge Personen, welche die angegebene Klugheitsregel befolgt haben, und kann versichern, daß sie in der allgemeinsten und natürlich verdientesten Achtung stehen. Brownlow gehörte indes zu ihrer Zahl nicht, denn er blieb hartnäckig dabei, Gutes zu tun um des Guten selbst und um der Herzensberuhigung und um der Freude willen, die es ihm gewahrte. Täuschungen raubten ihm sein Vertrauen und seine Milde und seine Menschenfreundlichkeit nicht, und Undankbarkeit von seiten einzelner führte ihn nicht zu dem Entschlusse, sich dafür an der ganzen leidenden Menschheit zu rächen. Ich werde daher die fraglichen vielen weisen Betrachtungen unangestellt lassen, und sollte dieser Grund ungenügend erscheinen, so kann ich noch hinzufügen, daß es obenein gänzlich außer meiner ursprünglichen Absicht liegt.....— Wintelcen“ Im finsteren Gastzimmer einer kläglichen Winreischenke, gelegen in der schmutzigsten Gasse von Little Saffren Hill, saß bei einem Bierkruge und Branntweinglase ein Mann, in welchem troßz dem herrschenden Halbdunkel kein irgend erfahrener Polizejagent Bill Sikes verkannt haben würde. Zu seinen Füßen lag ein weißer, rotäugiger Hund, und sei es, daß Bill seine nicht besser anzuwenden wußte, oder daß er seine üble Laune an irgendeinem Gegenstande auszulassen wünschte, genug, er versetzte dem Tiere einen derben Fußtritt. Dem Hunde mißfier der offenbare Mutwille dieser Behandlung so sehr, daß er nach seines Herrn Beine schnappte, Bill ergriff wütend das Schüreisen und sein Messer, als die Tür sich auftat und der Hund hinausschoß. Zu einem Streite gehören dem Sprichwort gemäß zwei, und Bill setzte daher den einmal begonnenen sogleich mit dem Eintretenden fort. „Verdammter Jude, was trittst du zwischen mich und meinen Hund?“ schrie er ihm entgegen. „Ich wußt's ja nicht, mein Lieber, wußt's ja nicht, daß Ihr wolltet dem Hunde zu Leibe,“ erwiderte Fagin demütig. „Spitzbube, hast du den Lärm nicht gehört?“ „So wahr mir Gott gnädig ist, nein, Bill, nicht'nen einzigen Laut" „Ja freilich, du hörst nichts, gar nichts,“ entgegnete Sikes höhnisch;„ebenso wie du selbst ein= und ausschleichst, ohne daß man dich hört. Ich wollte nur, daß du jetzt der Hund wärst.“ „Warum denn,“ fragte Fagin mit einem gezwungenen Lächeln. „Weil die Regierung, die das Leben solcher Halunken schützt, wie du einer bist, und die nicht halb so viel Mut haben, wie die schlechtesten Hunde, jedermann erlaubt, seinen Hund abzuschlachten, wenn's ihm beliebt— darum!" erwiderte Sikes, sein Messer mit einem sehr bedeutungsvollen Blicke wieder einsteckend. Der Jude rieb sich die Hände, setzte sich an den Tisch und zwang sich, über die Spaßhaftigkeit seines Freundes zu lachen, jedoch war ihm offenbar dabei nicht besonders wohl zumute. „Grinse nur, ja grinse nur,“ sagte Sikes, ihn mit verächtlichem Trotze anblickend;„über mich sollst du doch nicht lachen, es müßte denn unter der Nachtmütze sein am Galgen. Ich habe die Hand oben, Fagin, und will verdammt sein, wenn ich dir den Daumen nicht auf m Auge halten. Baumele ich, baumelst du auch; also hüte dich vor mir und trag' hübsch Sorge für mich.“ „Schon gut, mein Lieber,“ fiel der Jude ein;„ich weiß das alles: Gewian und Gefahr ist gemeinschaftlich bei uns.“ „Hm!“ murrte Sikes, als wenn er dächte, der Gewinn möchte wohl zumeist auf des Juden Seite sein.„Was hast du mir denn aber zu sagen?“ „'s ist alles in den Schmelztiegel gewandert und glücklich wieder eraus— da ist Euer Anteil. Ihr erhaltet eigentlich mehr, als ihr solltet, mein Lieber; doch da ich weiß, daß Ihr mir schon mal wieder sein werdet, gefällig, und—“ „Haltet ein mit dem Schwätzen,“ unterbrach ihn Sikes ungeduldig.„Wo ist's? Her damit!“ „Ja, ja doch, Bill; gönnt mir nur Zeit. Da ist's," versetzte Fagin, zog ein altes baumwollenes Taschentuch hervor, knöpfte einen Knoten auf und reichte Sikes ein Päckchen, der es öffnete und die Goldstücke hastig zu zählen anfing. „Ist das alles?“ fragte Sikes. „Ja, alles.“ „Hast du auch das Päckchen nicht aufgemacht auf dem Wege und ein paar Stück verschluckt? Stell' dich nur nicht beleidigt, hast's ja schon oft getan. Greif' an den Bimbam.“ Fagin klingelte, und es erschien ein anderer Jude, der jünger war, aber nicht weniger abstoßend und spitzbübisch aussah. Sikes wies stumm nach dem leeren Kruge hin. Jener verstand den Wink und ging wieder hinaus, jedoch nicht ohne Fagin vorher einen Blick zugeworfen zu haben, den dieser durch ein kaum bemerkbares Kopfschütteln beantwortete. Sikes hatte sich zufällig gebückt; hätte er den Blick des einen und das Kopfschütteln des andern Juden gewahrt, so möchte er der Meinung gewesen sein, daß ihm diese Pantomimen nichts Gutes bedeuteten. Ist niemand hier, Barney?“ fragte Fagin den wieder eintretenden Juden. „Bloß„Miß Nancy.“ „Schick' sie herein,“ sagte Sikes. Barney blickte Fagin fragend an, ging und kehrte gleich darauf mit Nancy zurück. „Du bist auf der Spur, Nancy, nicht wahr, mein Engel?“ fragte Bill und reichte ihr ein gefülltes Glas. „Ja. Bill,“ erwiderte die junge Dame, nachdem sie das Glas geleert hatte;„hab' aber Mühe genug gehabt. Er ist krank gewesen und—“ Nancy bemerkte ein Augenzwinkern Fagins, das eine Warnung vor übergroßer Mitteilsamkeit zu bedeuten schien. Sie brach ab und fing an von anderen Gegenständen zu reden. Nach zehn Minuten bekam Fagin einen Husten, worauf Nancy erklärte, daß es Zeit sei, zu gehen. Sikes sagte, daß er sie eine Strecke begleiten wolle, da er denselben Weg habe. Sie entfernten sich daher miteinander. Der Hund folgte in einiger Entfernung. Fagin sah Sikes durch das Fenster nach, schüttelte die geballte Faust hinter ihm, murmelte eine grimmige Verwünschung, setzte sich mit einem schauerlichen Grinsen wieder an den Tisch und war bald darauf in die Lektüre des Londoner Polizeiblattes vertieft. Oliver befand sich unterdes auf dem Wege zum Buchhändler, ohne zu ahnen, daß er dem lustigen alten Juden so nahe wäre. Er geriet in eine Nebengasse unweit Clerkenwell, bemerkte seinen Irrtum erst, als er sie bereits über die Hälfte durchwandert hatte und hielt es für das beste, um keine Zeit zu verlieren, ihr zu folgen, da sie ihn, wie er meinte, auch an sein Ziel führen müsse. Er trabte munter vorwärts und dachte an sein Glück, und was er darum geben würde, wenn er den armen kleinen Dick daran teilnehmen lassen könnte, als er durch den lauten Ruf:„O mein lieber kleiner Bruder!“ aus seinen Träumereien aufgeschreckt wurde. Als er aufblickte, umschlossen ihn schon die Arme eines jungen Mädchens. "„Lassen Sie mich los,“ rief Oliver sich sträubend.„Wer sind Sie? Was halten Sie mich an?“ Die einzige Antwort darauf war ein Schwall lauter Klagen 188 1/85 1886/90 1891/95 1896/00 1901/05 volle 55,8 45,0 435 60,3 42,3 zusammen 64.8 54,6 53,7 77,4 " Erfolg 35,0 42,2 46,1 22,5 37.5 kann nicht als Vergleichsziffer herangezogen werden, da in dem anormal viel sind. Für die Zeit von 1890—1905 ergibt sich ei Perioden, weil in einem solchen Zeitraum die abnormen guten und schlechten Resultate etwas mehr ausgeglichen werden und so einen besseren Vergleich zulassen. Erfolge i7, Frozent volle u. teilweise keinen 9.0 9,6 10,2 17,1 — 19,2 61.5 37, „Das Allgemeinbild ergibt unverkennbar einen Rückgang der is Erfolge zugunsten der teilweisen. Deutsch: Vergleichsanern können damit leider nicht zusammengestellt werden. Da solge nach den Verrieh Eisentümlichkeit bat, die Erwährend sonst.. 3“, berechnen, in denen gestreikt wurde, rechnet werden.. der Hagt der Streils die Erfolge usw. beeraißt das folgende Gid, der Forderungen von 1881 bis 1905 Zahl der Betriebe, in denen der Streik Ueberstunden und Lohnzablung von Ueberstunden 590 u Gegen Verlängerung der Arbeitszeit Kurzung der Arbeitszeit Sonnabend halber Feiertag Art und. Zeit der Lohnzahlung Tohnerhohung Arbeitsbedingung Anerkennung der Organisation Beschäftigung von zu anderen Berufen gehörigen Gegen Lohnherabsetzung Lohnabzüge und Geldstrafen Beschäftigung bestimmter Personen Sympathiestreiks Kämpfe für Lohnerhöhan hr günstigen Resztate de von. Die niedngen und Anerkennung der Organisac w##corige Zahl der Siege bei Sympathiestreiks läßt sich wohr vuraus erklaren, daß dies Mittel meist nur dann an erlahmen. Wenn dies beachtet wird muß rot # P##### wbirt, muh Alrpdem der volle Sieg i jevem funsten Falle als beachtenswert erscheinen. Zaß mit den Streiks nicht die sämtlichen Errungenschaften mof immer sind geht ja schon daraus hervor, daß der derungen ertr erst alg, setztes Mittel benutzt wird, um die ForPerungen ersaut zu Rrommen. Dieser Tatsache versucht das amerikanische Arbeitsamt dadurch zu entsprechen, daß es die von kürzerer Dauer als einem Tage seit 1901 besonders aufführt. Damit werden selbstverständlich die Resultate der Welche weittragen 56.7 51,8 51,7 50,5 48,6 472 46,8 45,7 42,0 32,2 25,7 19.9 Resultate der mehr Arbeiter streikten als in Deutschland. . Diese Tatsachen zwingen zu dem Schluß, daß in Deutschland die urbeitskämpfe mit größerer Erbitterung von der Seite der Unternehmer geführt werden als in Amerika. Da beide Staaten were haet markte als gleichwertige Konkurrenten angesehen Welren, algesehen von ven qualitativen Unterschieden in Spezialindustrien, so bleibt für das deutsche Unternehmertum Grund für die vielen Aussperrungen die größrxe Rücksichtslongkeit und die geringere wirtschaftliche " Der Generalstreik in Budapest. Der von der Arbeiterschaft Ludapests spontan inszenierte eintägige Generalstreik ist, wie in der Wiener„Arbeiterzeitung konstatiert wird, über alle Erwartung gelungen. Nachdem schon am 30. Dezember sämtliche Mühlenarbeiter und ein Teil der Fabrikarbeiter auf außeren Waitznerstraße die Arbeit niedergelegt hatten, sind um 31. Dezember in sämtlichen Fabriken und Kleinbetrieben die Arbeiter in den Streik getreten, sogar in der Lswehrfabrik und in der Weißschen Patronenfabrik, wo schon ### Monaten ununterbrochen mit Tag- und Nachtschichten gearbeitet wird. An vielen Orten versuchte man wohl, die Arbeiter mit dem Hinweis auf die ohnehin große Arbeitslosigkeit Sch Rakosi.„Esti Ujsag“ und„Budapesti Hirlap“, der sich noch am Tage vorher gerühmt, daß seinen Betrieb kein Streik beruhren neralstreit den Budapeste, nicht beabsichtigt war, nit dem GeKerurstrenl den Barapestern unangenehm zu werden oder gar herschanzen, Verkehr lahmzulegen, wurden gleich von vornherein ausgeschest Arheitszweige aus dem Streik teilweise oder ganz ausgeschaltel. So zum Beispiel wurde für die Kellner nur ein halbtägiger Streik ausgesprochen, um den Silvesterabend nicht zu„woren. Infolgedessen waren denn auch tagsüber alle Gast= und Caféhauser gesperrt und wurden erst um 6 Uhr übenos geöffnet. Auf den Lastenbahnhöfen stockte aller Verkehr, trotzdem die Eisenbahner nicht zum Streik herangezogen waren, schlossen Haiten. si0h der Bewegung angeguch hei der Kohlenversorgung der Stadt sehr fühlbar machte. Der Streit der Lebensmittelarbeiter bssang ers morgens. Abends gab es schon nirgendwo frisches in den Selcher= und Fleischerladen stockte vielfach die Arbeit, weil die Hilfskräfte fehlten. Und ebenso stockte Han elagranderen Kaufläden die Arbeit, weil die organisierten ingestellten ebenfalls an dem Streik teilnahmen. Die ###verbreitete Nachricht, daß in den Mühlen die Arbeit schon Donnerstag aufgenommen wurde, ist unwahr, da laut amtlicher Mitteilung des Mühlenverbandes dort erst Sonnabend die Arbeit ausgenommen wurde. Ueberhaupt müssen alle offiziosen Nachrichten diesmal mit doppelter und dreifacher Vorsicht aufgenommen werden, weil ja keine einzige Zeitung erschien, und niederträchtigen Willürakt, der Auflösung der beiden en teil umgeschlagen sie daßen Zin Ferbazs ver suche uind ins Gegenkent umgeschlagen, sie haben die artenerschaft machtig aufgerütin dem 24stündigen Massenstreik hat sie ihre innere Geschlossenheit und mutvolle Entschlossenheit zur Verteidigung Prer Rechte bewiesen.— Das Beispiel der Budapester Arbeiterguch auf die Klausenburger Arbeiter anfeuernd Rätten die 31“ dort stellzen die Arbeiter in den meisten Werk2#. urbeit ein, Nur in einigen Betrieben wurde gearversammlun pe eine Protest####mmung ab, nach der sie einen Demonstrationszug in den veranstalteten. Daran wurden sie jedoch von der Polizei gehindert, da der Umzug nicht angemeldet worden war! Als die Aufferderung an die Lemonstranten, sich zu zerstreuen, resultat###eo, schritt vie polizei mit blanker Waffe ein, wobei vier Petionen schwer und mehrere leicht verletzt wurden. In Limoges(Frankreich) sind sämtund sonstigen Druckereiangestellten wegen der neuen Lohnbedingungen in den Ausstand getreten. er hat, hat die Generalkommission der Deutschlan#### in ihren Statistiken nachgewiesen. , Sr. besonderes Kapitel im modernen Arbeit Miteg(verrungen dar; die Anvendung dieses roßen Maßstab für die volswirtschaftliche de; Hunger kann bald als tums angesehen werden gastliche Fähigkeit des Unternehmer. dnms Angesehen iherden. Deutschland seit 190g. Tabelle die Zahlen für Amerika und 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 Amerika Aussperrungen Kämpfe.,„ Personen 14 630 8 460 6791 45 763 31 402 144047 — 93 356 — 104 738 : 1809.,513. 1895 beträgt die Verhältnisziffer PTeutschlanch. Es haben also die deutschen zue Hhaben, ohaleich“ Ausberrungen AmeAmerika 62 653 20 457 31 715 131 779 56 604 80 748 Deutschland Mädchens, das einen kleinen Korb und einen Hausschlüssel in der Hand hatte. „O gütiger Himmel!“ rief das Mädchen aus.„Endlich hab' ich dich gefunden. Ach, Olwver, o du böser Funge, zugs hab' ich um deinetwillen ausgestanden! Gott sei endlich gefunden habe!“ und schigunge Frauenzimmer brach in eine Tränenflut aus so heftige Krämpfe zu bekommen, daß ein paar mitnicht meinte, das Fleischerburschen fragten, ob er er zu einem Doktor laufen müsse, worauf der icssezichg der eine sehr große Ruhe, wo nicht ein beträchtnicht dabin ginge, desitzen schien, erwiderte, daß seine Meinung dhenz sich fichle mich schon fisser vie,jebt auch das junge Mädgeh sogleich mit nun komm, mein Junge, Nas aiernt mur, mein boser kleiner Liebling. „Wus biegs denn, fragte eine der umstehenden Frauen. Leuten, die s“ vor, vier Wochen seinen Eltern entlaufen, guten sich unter Gauner... Hande Arbeit nähren, und hat aroher eräst neinen Eltern nicht entlausen!“ rief Oliver in ine Maiss“:„Ich habe weder Schwester noch Eltern. Ich bin .9ch dr und wohne in Pentonville. schluchzte das sunge Mädchen. er schon geworden isti“ Köichten Erstaunen aus. der debt erst ihr Gescht er kennt mich,“ sagte Nancy.„Helfen aUe Stherchen sonsk woch ieden Leute; seine Eltern aus slerden sonst nech vor Kummer über ihn. Vierladen herorftürzender Dt da dier““ schrie ein aus einen „Oliver, Satansbrut, komm gugenblicklich mit nach Hause zu deiner armen Mutter. Sofort vie binigiosen Nachrichtenbureaus ganz ungestört ihr Lügenhandwerk betreiben konnten. Die sozialistische Partei ließ über45 seus egnaue Statistik, der Streikenden aufnehmen, doch ließ ihon feststellen, vaß, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die gesamte Arbeiterschaft Budapests, sowohl die organisierte wie die nichtorganisierte, also an die 100000 Menschen, gestreikt Andrassystraße, wo sie einen Demonstrationsspaziergang veranen. Bei der Kreuzung der Andrassystraße und der Ringstraße sturmien aber mehrere hundert Polizisten zu Fuß und zu Pferde mit gezücktem Säbel gegen die friedlich heranziehende Arbeiterschaft, und schon nach wenigen Minuten glich der OktogonSchlachtfeld. Zahllose Arbeiter wurden bei dieser Attacke, die noch brutaler ausgeführt wurde als dies in Budapest an a#####rpundet, und darunter mehrere sehr schwer verletzt. Arbener wurden verhaftet. Das Vorgehen diesen Armen gegenüber war empörend. Dieselben wurden sofort gefesselt und dann jämmerlich geprügelt. Es gab auch noch an anderen Orten mit der Polizei und diese ist überall„auf höhere Weisung", nämlich auf direkte Weisung des magyarischen Tregenannt Graf Julius Andrassy, mit barbarischer Brutalität vorgegangen. Um 4 Uhr nachmittags fanden an 10 Orten Volksversammlungen statt, die so massenhaft besucht waren, daß der größte Teil der Genossen auf der Straße bleiben mußte. Die Begeisterung und Kamptesentschlossenheit waren außerordentlich. Die Arbeiter zahlreicher Betriebe wollten den Streik fartsetzen, und trotzdem die Vertrauensmänner bei dem Bedaß der Generalstreik nur 24 Stunden dauern soll, blieim Sie mir, und wir Ich kenne sie nicht, Hilfe, Hilfe!“ unter dem festen Griff des Mannes mm du mit!“ „Ich gehöre nicht zu ihnen. rief Oliver, indem er sich verzweifelt wand. „Ich will dir gleich helfen. Was sind.„ für Bücher?— Ohne Zweifel gestohlen— her und versetzte ihm damit einen beigeng geten die Beizer, in den wicher ur Besaunng auch meinen,, rief der Mann, gab Oliver noch ein paar Schläge auf ven nop und packte ihn beim Kragen.„Komm, du kleiner Taugenichts! Hier, Tyras, pas auf ihn auf! Paß Noch geschwächt von seiner Krankheit, betäubt durch die Schläge und das Ueberraschende des ganzen Vorgangs. in Schrecken gesetzt durch das Knurren des Hundes und die Brutalität des baumstarken Mannes, und überwältigt durch den Beifall, den die Umstehenden seinen Angreifern gaben— was konnte das geängstete Kind tun? Es war dunkel geworden, die Gasse sah an sich selbst schon verdächtig aus, Hilfe war nirgends zu erhngen, Widerstand nutzlos. Ohne recht zu wissen, wie ihm nie sich Oliver durch ein Labyrinth von engen Straßen geschleppt, und sein jeweiliges Rufen verhallte um so mehr, da er so schnell fortgerissen wurde, daß er keinen Augenblick zu Atem kommen konnte; doch würde es auch von niemand bebrachtet worden sein ** Die Gaslampen waren angezündet: Frau Bedwin erwartete mit herzpochender Ungeduld, daß die Haustür sich auftun sollte; die Magd war zwanzigmal die Straße hinuntergelaufen, um nach Oliver auszusehen; die beiden alten Herren saßen beharrlich im Dunkeln neben der zwischen ihnen liegenden Uhr. (Fortsetzung folgt.) Von der Schwerkraft. (Nachdruck verboten.) Die Schwerkraft ist die universellste Kraft, die dem Menschen entgegentritt. Wohin es uns zieht, das weiß jeder, und deshalb ist auch unsere Orientierung im Raume von nichts so abhängig wie von der Schwerkraft. Sie bestimmt unser ganzes Orientierungsvermogen. Ob wir im Ballon sitzen und über die Lande und uber die Wolken dahinfliegen, ob wir auf schwankem Schiffe über die beweglichen Wogen dahingleiten, von dichtem Nebel umgeben, daß wir nicht wissen, wohin unser Weg geht, oder auf endloser Wasserbahn, auf der überall, wohin wir blicken, der ferne weite Horizont sich dehnt und Himmel und Erde sich zu berühren scheinen, wenn uns alles verläßt, Auge und Ohr: Wohin es uns zieht, das wissen wir allemal! Nach unten ist die allgemeine Losung unseres Crientierungsvermögens. Ist es da ein Wunder, wenn die Menschen so fest an dem naiven Glauben hängen, es gäbe nur ein Unten, und diese Richtung, die unser ganzes Wirken bestimmt, wäre immer und einzig dieselbe? Was wollen alle Beweise der Gelehrten für die Kugelgestalt der Erde sagen gegen die unbändige und unentziehbare geheimnisvolle Kraft, die immer und überall nach unten strebt? Bei unkultivierten Menschen wird unser Gelehrter wenig Glück haben: der Zug nach unten ist zu stark! Und es gibt auch Wesen, die in ihrer Orientierung in der Tat ganz und gar auf ihn angewiesen sind. Wir, die wir uns meist auf festem Boden bewegen, haben auch noch andere Orientierungsrichtungen stark ausgebildet; bei uns spricht neben dem Senkrechten auch das Horizontale noch eine gewichtige Rolle, wozu uns unser Denkvermogen sehr mitverholfen hat. Was aber kann der Fisch im Wasser tun, dem die Welt nach allen Richtungen gleich geartet erscheint?. Das Wasser trägt ihn und da er sich ganz in ihm befindet, heot er die wirlung der Schwerkraft auf seinen Körper allseitig und gänzlich auf. Ihm fehlt auch das Oben und das ten, das uns die Natur so mächtig einprägt. Wie orientiert er sich: Natürlich mit Hilfe der Schwerkraft! Das erscheint uns paradox, denn wenn die Wirkung der Schwerkraft aufgehoben ist: wie kann er sich denn unter ihrem Einflusse noch ortentieren? Die Natur war so gütig, ihm dazu ein besonderes Organ Genossenschaftsbewegung. ic hzis Ienossenschaften in der Konkursstatistik. Ein mehr be# wirkungsvolles Agitationsmittel, der Genossenschaftsf#inde ist der Hinweis auf die Konkurse der Genossenschaften. gerät, stellen 2s die Hangsmat eine Genossenschaft in Konkurs Konkurs zu machen, n gern so dar, als sei die Gefahr, Dos Lännen sie indessen dn Venossenschaften besonders groß. Das konnen sie Wegssen, nur, weil sie vorsichtigerweise verschweigen, wic groß die Zahi der Konkurse anderer Unternehmungsformen ist. Die Statistik zeigt uns nämlich, ganz im mittelständlerischen Behauptungen, daß die Ienelenschaftskonkurse ganz gering an Zahl sind, und daß sie zur Statisik Zeälggnge begriffen sind. Die Vierteljahresheite Mitteilungen über Jeutden: Reiches veröffentlichen vorläufige Eenlenungen über die Konrurse im dritten Vierteljahr 1908. Stellen wir ihnen die Konkurse im dritten Vierteljahr 1907 gegenüber, dann erhalten wir folgendes Bild: Konkurse bei: Drittes Viertelzayr Drittes Vierteljahr natürlichen Personen 1848 1662 Nachlässen... 443 357 Handelsgesellschaften 129 107 Genossenschaften 19 24 anderen Gemeinschuldnern 76 55 Jahr 1908 war ein Krisenjahr. In Krisenzeiten nehmen die Konkarse immer zu. Unsere Statistik zeigt uns, daß sie sich von 2205 im dritten Quartal 1907 auf 2515 im dritten Quartal 1908 vermehrten. Die Konkurse der Genossenschaften vermindern sich aber trotz der Krise. Ist schon die geringe Zahl enossenschaftskonkurse— 19 bei rund 26000 Genossenschaften— ein Beweis für die solide Grundlage der Genossenso erst recht die Tatsache, daß in einer Zeit, in der die Unternehmungsformen eine bedeutende KonkursHamit ist das Geschwäß von der Hau.... Genossenschaften auf das bündigste widerlegt. Konturse 40 Inbustrie, Hanbel und Vernehr. zunehmende Vermehrung und Zerplitterung des Kleinautdels in Würstembergnzzeffungen, Kol. Statistischen Landesbemerkenswerken Zahler: Im gugen„sgsnehmen wir folgende Württemberg ein3 b11 Jahre 1830 hatte das Königreich Setne##### eine Bevollerung von 2070000 Personen; im Juhre 1907 betrug die Bevölkerungszahl 2338000. Es hat also in dem Zeitraum von 12 Jahren eine Vermehrung der Einsobrszsahlgun 268 000 gleich 13 Prozent stattgefunden. Nach von 1895 gab es in Württemberg 28241 Handeltreibende. Die Zahl der Händler vermehrte sich in den 82rahrer bis 1907 auf 35 862, also um mehr als 4770 oder Wie aus diesen Zahlen ersichtlich, hat sich die Zahl der Händler um 9,4 Prozent stärker als die Bevolkerung vermehrt. gsäites ergiht sich aus dieser amtlichen Statistik, daß im Jahre Jahre 1ock(3. Einwooner, ein Handler kommt, während im Io0t, schon jeder funfundsechzigste Einwohner Handel Rechnet man nun, daß im Durchschnitt auf jede Haushatlung 5 Personen kommen, so sehen wir, daß in Württemproduktivtätige Familienväter schon einen Händler auszubilden, das ein Bestandteil seines Ohres ist. Im Ohre befindet sich ein Behälter mit einer Flüssigkeit, in welcher die sogenannten Ohrensteine liegen. Dieses Organ ist allseitig gewelt v# und da die Flüssigkeit mit ihrem Inhalt von der Außenlig unabhängig ist, so ist den Steinen wieder die Gelegenheit gegebsn unter dem Einflusse der Schwerkraft einzustellen. natürlich: vei jeder Pewegung des Fisches im Ohrenwasser „Ktürtich immer so, duß sie„unten“ zu liegen kommen, d. b. daß dem Mittelpunkte der Erde zu fallen. Damit ist dem Fische im Wasser ein Mittel gegeben, sich zurechtzufinden. Für die Oberflächenfische kommt das nicht so sehr in Betracht, gie.„für die in der„Tiefe des Meeres unter enormem #####ebenven, wo serost bei hellstem Sonnenschein nur wenig hineindringt. Ihnen versagen Auge und Ohr, so daß beide vielfach gar nicht mehr ausgebildet werden, weil sie ja doch unter den Daseinsbildungen dieser Tiere überflüssig sind, und es Firt, an ihge Stelle ein sechster Sinn, der Orientierungssinn der " Wir erkennen aus diesen Betrachtungen, wie wichtig es ist. zuzuwenden. Denn man be n':e Dine ittelt ywerkraft unsere wissenschaftliche Betrachtung münche anbere Dinge verminln uns die zirkungsweise und ihrer Größe; die Phosik. vom Potsdamer geodätis mungen auf dem Attantischen , Teun, mancht andere T Cenntnis unserer Eintaggrwegst anb ihter Große die Astronomie und die Techni konnen das bezeugen. Es ist beshalb nicht verwunderlich, daß man auf die Kenntnis dieser Dinge großen Wert legt und daß auf dem geodätischen Institut in Lotsdam, wie auch sonst in anderen Kutturstaaten ihr viele Muhe und Arveit gewidmet wird. 1901 war deshalb Professor r vo.„er geodätischen Institut mit Schwerebestim. Ozean beschaftigt, und die gün„Allgemeine mit eben selchen Messungen auf dem Indischen und dem Grozen Ozean zu Schweremessungen erschöpfen sich in Messungen der Beschleunigung, die fallende Körper unter dem Einflusse der Erdanziehung erfahren. Läßt man einen Körper in der Höhe von einem Meter frei fallen, so erlangt er nach einer Sekunde eine ganz bestimmte Geschwindigkeit, die an einer und derselben Stelle der Erde für alle Körper immer die gleiche ist, wenn man den Widerstand ausschaltet, den die Luft dem Fallen entgegensetzt. Die Größe dieser Geschwindigkeit beträgt 9.81 Meter. Diese Zahl ist eine der wichtigsten in der ganzen Physik, und auf ihre genaue Feststellung an recht vielen Orten der Erde kommt es an. Sie wechselt nämlich etwas, je nachdem man sich dem Erdmittelpunkte nähert oder entfernt. Einer Näherung entspricht eine Verstärkung der Anziehung und demgemäß ein schnelleres Fallen jedes Körpers in einer Sekunde, einer Entfernung eine Versangsamung des Fallens, weil die Anziehung in großerer Entfernung schwächer wird. Auf hohen Bergen ist deshalb die Schwere eine Kleinigkeit geringer als auf dem Meeresgrunde, und könnte man sich im Ballon sehr hoch erheben, vielleicht mehrere hundert Kilometer über die Erde, so würde man eine deutliche Abschwächung der Schwerkraft verspüren. Leider sind die Feststellungen der Schwere noch nicht überall da ausgeführt worden, wo es auch nur annähernd wünschenswert ist. Die Messungen sind sehr schwierig und bedürfen größter ernahren müssen. Diese ämtliche Darstellung beweist aber auch ferner, daß die mißliche Lage des Händlertums nicht durch die Konkurrenz der Konsumvereine, wie aus Händlerkreisen mit Vorliebe behauptet wird, entstanden ist, sondern durch die Ueberfüllung in ihren eigenen Reihen. Die angegebenen Zahlen müssen aber auch jedem Konsumenten zu denken geben, denn es sagt wohl der gesunde Menschenverstand, daß eine derartige Bersplitterung des Handels und eine solche riesenhafte Kräftevergendung keine Verbilligung der Produkte herbeiführen kann. sondern im Gegenteil eine immer weitergehende Verteuerung zur Folge haben muß. B. Von der Wirtschaftskrisis wirk nach einer Meldung des Stuttgarter„Beobachter" di. Schmuckwaren= Ind.) ri= in Schwabisch=Gmünd sehr erheblich betroffen. Besonders stark ist der Export von Platin=, Gold- und Silberwaren zurückgegangen, der in den ersten 10 Monaten des Jahres 1908 nur noch 175,42 Doppelzentner gegen 222.85 in derselben Zeit des Vorjahres betrug. Am erheblichsten war der Rückgang in den Lieferungen nach Großbritannien und Oesterreich. Der Wert der Ausfuhr betrug ohne Rücksicht auf die Preisveränderungen: 1907 1908 Wertausfall Goldwaren 61,07 Mill. 48,07 Mill. 13 Mill. Silberwaren 19,18„ 8.4„ 10,73„ Platinwaren 7,16„ 2.04„ 5,12„ In Silberwaren ging besonders die Ausfuhr nach Belgien, Frankreich, Großbritannien, Mexiko und den Vereinigten Staaten zurück, während der Platinwarenexport unter der geringeren Aufnahmefähigkeit Frankreichs, Spaniens und Großbritanniens litt. Auch die Ausfuhr von vergoldeten Schmuckgegenständen ist gesunken, denn es wurden nur 674 Doppelzentner gegen 718 im Perjahre ausgeführt. Der Wert der Ausfuhr betrug 11,81 Mill. Mark gegen 17,67 Millionen in dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese schlechte Konjunktur ist das Ergebnis der Zollpolitik, die auch vom Zentrum mitgeschaffen wurde, das in Gmünd dominiert. Wird doch Gmünd bekanntlich das„schwäbische Rom“, genannt. Hier können also die katholischen Arbeiter wieder einmal den Wert der Zentrumsfürsorge am eigenen Leibe verspüren. Soziales. Was man Ingenieuren zumutet. Folgenden gedruckten Fragebogen sendet nach der„Sozialen Praxis“ die leider nicht genauer bezeichnete Firma B. u. S. in Altena i. W. den sich um Stellung bewerbenden Ingenieuren zu: Wie alt sind Sie? Wie war der Gang Ihrer Schulbildung? Wie war der Gang Ihrer Praxis? Weshalb haben Sie die einzelnen Stellungen verlassen, und warum wollen Sie jetzt wechseln? Sind Sie verheiratet? Haben Sie Kinder, eventuell wieviel, in welchem Alter? Welcher Konfession gehören Sie an? Welcher politischen Partei? Sind Sie ganz gesund und kräftig: Wie liegen Ihre Militärverhältnisse? Welches Gehalt mit eventuell welchem Zubehör beziehen Sie jetzt und welches würden Sie von uns beanspruchen? Wann könnten Sie bei uns eintreten? Geben Sie uns überhaupt vollständigen Lebenslauf und Kopie Ihrer Zeugnisse. Sollte sich in bezug auf Sie oder Ihre Familie noch onst etwas ereignet haben, was wir nach Beantwortung vorstehender Fragen noch nicht wüßten, so teilen Sie uns auch das offen mit, weil wir Sie natürlich ganz kennen und klar sehen müssen, bevor wir uns über Ihre eventuelle Anstellung entscheiden können. „Daß man sich erlaubt, derartige Fragen zu stellen, zeigt, wie groß heute die Versklavung dieser geistigen Arbeiter ist. Was gest den Arbeitgeber die Konfesnon und die politische Gesinnung der Ingenieure an? Offenbar werden nur Herren eingestellt, deren Gesinnung den Unternehmern genehm ist. Man hat oft versucht, auch die Arbeiter in eine solche Sklaverei zu bringen. Aber, wo sie gut or nisiert sind, haben sie sich durch ihre Gewerkschaften eine so he Position erkämpft, daß man es gar nicht mehr wagt, ihre Fi. heit in dieser Weise zu beschränken. Wollen die Ingenieure verhüten, daß ihnen eine derartige entwürdigende Behandlung zuteil wird, so mussen sie sich ebensolche Organisationen schaffen, wie sie die Arbeiter in ihren Gewerkschaften haben. Sonst bleiben sie trotz ihrer Kenntnisse dem Unternehmertum auf Gnade und Ungnade ausgeliefert und müssen sich alles mögliche gefallen lassen. Akkuratesse und vieler Nebenmessungen. Prof. Hecker hat nun am 23. März 1904 eine Reise angetreten, die von Bremerhaven über Gibraltar, Genua, Neapel, den Suezkanal, Colombo und Perth nach Melbourne ging. Hier und in Sidney wurden auf den Sternwarten Schwerebestimmungen angestellt und die Reise über Neu=Seeland, die Fidschünseln, Hawaii nach San Francisco fortgesetzt, wo Hecker am 18. Juli ankam. Der dritte Teil der Reite ging von San Francisco über Hawaii nach Tokio und von da nach Schanghai, Hongkong, Bangkok, Rangun, Jalpaiguri und Kalkutta. Sodann wurde Ceylon besucht und von dort lehrte Hecker auf dem Wege der Ausreise nach der Heimat zurück, die er am 8. April 1905 wieder erreichte. Es wurden natürlich nicht nur auf den Landstationen, sondern auch auf dem Schiffe Schwerebestimmungen ausgeführt. Bei letzteren machte sich das Stampfen und Schlingern des Schiffes, welches durch die Bewegungen der hin= und hergehenden Massen der Maschinen hervorgerufen wird, sehr störend bemerkbar. Diese Störungen bleiben nicht einmal gleich, weil der Schwerpunkt des Schiffes natürlich durch den immerwährenden Kohlenund Süßwasserverbrauch fortgesetzt verschoben wurde. Dagegen mußten besondere Maßregeln und Methoden angewandt werden. Nach der Ausgleichung und Auswertung der Messungsergebnisse fand man, daß die Messungen zur See denen auf dem Lande an Güte nur wenig nachstanden. Natürlich werden die Erfahrungen, welche Prof. Hecker auf seiner Reise in den Messungen gemacht hat, für spatere Arbeiten gleicher Art wertvoll sein, und die Veröffentlichung der Ergebnisse bringt Hinweise, wie man die Bestimmungen noch wird verbessern können. Das wichtigste dem Laien in die Augen springende Ergebnis ist, daß sowohl im Indischen wie im Großen Ozean die durchschnittliche Schwere nicht merklich verschieden ist von dem normalen Werte, der den betreffenden Orten rein nach ihrer geographischen Breite betrachtet zukommen würde. Die Anwendung dieser Tatsache auf die Geologie zeitigt den bemerkenswerten Schluß, daß die geringere Dichte des Wassers der Ozeane durch die großere Dichte des Meeresbodens und der darunter lagernden Gesteinsschichten aufgewogen wird, wie umgekehrt die über dem Meeresspiegel hervortretenden Kontinente durch geringere Dichte der Tiefenschichten aufgehoben werden. Die Kontinente stellen somit nicht wirkliche Massenanhäufungen auf der Erdoberfläche dar, sondern nur Erhebungen. Damit gewinnt eine Pratt aufgestellte Lehrmeinung eine exakte gewichtige Stütze. Sehen wir von diesem wertvollen Ergebnis ab, so wollen wir aus diesen Mitteilungen auch noch das lernen, daß die Arbeiten, die zunächst aus rein wissenschaftlichen Gesichtspunkten unternommen wurden, und nicht unerhebliche Kosten verursacht haben, Ergebnisse gezeitigt haben, die der Laie im voraus nicht erkennen kann, weil ihm die Zusammenhänge unbekannt sind, die die Erscheinungen miteinander verbinden. Er soll sich deshalb nicht ohne weiteres gegen die Wissenschaft und ihre Kosten stemmen, auch wenn er nicht gleich einsieht, welchen Zweck solche Arbeiten verfolgen, und soll nicht gleich abfällig urteilen über Dinge, die er nicht zu würdigen versteht. Man begegnet leider so oit absprechenden Urteilen über die Himmelskunde, ohne daß Leute wissen, daß unsere ganze Kultur zum Teil notwendigerdeise auf ihr basiert, und daß sie gar nicht möglich wäre ohne die geräuschlose und anspruchslose Arbeit, die emsige Arbeiter anter dem Fernrohre und über dem Rechentische vollführen. Felix Linke. Die allgemeine Einführung des Achtuhr=Ladenschlusses machte gewöhnlich vor den sämtlichen Lebensmittelgeschäften Halt, für die ein späterer Ladenschluß festgesetzt wurde. Jetzt ist in Stuttgart auch hierin in bemerkenswerter Weise Wandel eingetreten, indem von nun ab dei Achtuhr=Ladenschluß auch für das Metzgereigewerbe gilt. Nur die Spezerei=, Kolonialwaren= und Zigarrenhandlungen, sowie Bäckereien durfen länger offen halten. Auch dies ist nur ein Zopf, der hoffeatlich recht bald abgeschnitten wird, denn in den Spezerei= und Kolonialwarenhandlungen, die für die arbeitende Bevölkerung im wesentlichen in Betracht kommen— die Verkaufsläden des Konsumvereins— ist der Achtuhr=Ladenschluß längst freiwillig eingeführt. Rücksichtnahme auf die Arbeitsbedingungen bei Vergebung städtischer Lieferungen. Der Karlsruher Stadtrat hat beschlossen, Arbeitgeber, die in bezug auf die Arbeitszeit, den Arbeitslohn, die Behandlung ihrer Arbeiter und Angestellten unbillig handeln, von der Lieferung für städtische Arbeiten auszuschließen, insbesondere sollen Arbeitgeber, die der Koalitionsfreiheit ihrer Arbeiter und Angestellten Schwierigkeiten bereiten, ausgeschlossen werden. Eine Bande von Geldschrankeinbrechern wurde in der Silvesternacht in Berlin unschädlich gemacht. Am 23. v. M. wurde nach einem Einbruch bei der Konsumgesellschaft am Grünen Weg einer der Verbrecher, ein gewisser Anton Graetsch, auf der Flucht festgenommen, nachdem ihm der verfolgende Beamte den Revolver aus der Hand geschlagen hatte. Diese Verhaftung führte auf die Spur einer Bande, der ein Hermann Conrad, der Bruder eines in Frankfurt a. M. jüngst festgenommenen Geldschrankeinbrechers, ein Ladislaus Chudewicz aus der Zionskirchstraße, ein Maurer Georg Laverenz und ein Eugen Krull aus der Prinzenallee angehörten. Conrad und Laverenz, die keine Wohnung hatten, fanden Unterschlupf bei den beiden anderen. Die Vervrecher verließen stets einzeln die Wohnung und trafen sich in einer Kneipe im Norden der Stadt, wo sie ihr Brechwerkzeug untergebracht hatten. Von dort folgte, ihnen ein Kriminalbeamter, der sie schon länger beobachtete, nach der Pankstraße. Vor dem Hause Nr. 11 machten die Verbrecher Halt, gingen hinein und kamen nach einer halben Stunde wieder heraus. Wahrscheinlich hatte sie irgend jemand gestört. Jetzt gingen sie um den Häuserblock herum, legten vom Eisenbahngelände Handleitern an, stiegen auf das Dach und drangen von dort aus in das Kontor der Kolonialwarengroßhandlung von Meßner ein. Der Kriminalbeamte holte Schutzleute vom nachsten Revier, besetzte alle Ausgänge und stieg dann den Einbrechern nach. Oben an der Leiter stand ein Posten. Als der die Pelzmütze des Beamten sah, rief er seinen Spießgesellen zu:„Ein Köter kommt!“ Dann zog er einen Revolver und erklärte:„Einer von uns muß sterben!“ In diesem Augenblick aber hielt ihm der Beamte bereits seine Browning=Pistole an den Kopf, und nun gab sich der Posten gefangen. Zwei seiner Spießgesellen wurden im Kontor am Geldspind ergriffen, der vierte hatte sich hinter Reissäcken versteckt. Diese waren ihm auf den Leib gefallen, und halb erstickt wurde er unter der Last hervorgezogen. Die Verhafteten sind gewerbsmäßige Geldschrankeinbrecher und schon vorbestraft. Ein Opfer der Kälte. Frankfurt a. M., 4. Jan. Der vor drei Tagen in halberfrorenem Zustande aufgefundene Kaufmann Hehrauer aus Polkwitz(Kr. Glogau) ist heute im Heiligen Geist=Hospital gestorben. Zwei Touristen abgestürzt. Dresden, 4. Jan. Beim Erklettern des bekannten Gans=Felsens in der Nähe der Bastei in der sächsischen Schweiz sind am Sonntag nachmittag zwei Dresdner Touristen abgestürzt. Der eine, ein 20jähriger Kaufmann namens Loescher aus Dresden, wurde mit zerschmettertem Schädel aufgefunden, während der andere schwere Verletzungen davontrug. Raubmörder Sternickel gefaßt. Dessau, 4. Jan. Der Köthener Oberpolizeiinspektor verhaftete in Jütrichau den langgesuchten Raubmörder Sternickel, der längere Zeit auf dem Gutshofe Dornbock unter dem Namen Julius Kaufmann als Stallschweizer arbeitete und vorgestern flüchtig geworden war. Sternickel wurde nach Breslau übergeführt. Unfälle beim Rodeln und Schlittschuhlaufen. München, 4. Januar. Am gestrigen Sonntag haben unweit München acht Personen beim Rodeln und Schlittschuhlaufen schwere Verletzungen davongetragen. Außerdem wurde durch Ausgleiten eine große Anzahl Personen leicht verletzt. Kessel=Explosion. Budapest, 4. Jan. Im Hungaria=Bad ereignete sich eine Kessel=Explosion, bei welcher zwei Arbeiter tödlich verletzt wurden. Aus dem Garnison=Gefängnis entflohen. Triest, 4. Jan. Aus dem hiesigen Garnison=Gefängnis sind am Sonnabend zwei und gestern früh drei weitere Sträflinge entflohen. Sie konnten bisher nicht ergriffen werden. Auf der Jagd nach der Gattin. Aus London wird berichtet: Fünftausend englische Meilen der entflohenen Gattin ein ganzes Jahr lang nachzureisen und sie in London mit einer viertelPresse antrat. Er heiratete vor drei Jahren in Marseille ein schönes Mädchen, das die dunklen Augen und das schwarze Haar der Südfranzösin besaß. Die glücklich Vermählten wanderten nach Newyork aus, wo sie aber bald in Geldnöte gerieten. Am Weihnachtsfeiertag 1907 verließ Madame Brochier ihren Gatten, der sie in ganz Newyork vergeblich suchte. Mit dem letzten Geld, das er erraffen konnte, begann er eine wilde Jago auf die Entflohene, die ihn nach Boston, Philadelphia und den ganzen Staat Newyork und über den Atlantischen Ozean nach London führte, wo er Ende Oktober vorigen Jahres eintraf. Am 13. November erfuhr er, daß eine Dame, auf die die Beschreibung seiner Frau paßte, in einem Pensionat in der City wohne. Nach längerem Zögern entschloß er sich, hinzugehen, aber was er erfuhr, war nur die Nachricht, daß seine Frau vor einer Viertelstunde unbekannt wohin verzogen war. Da stand der kleine schmächtige Monsieur Brochier mit bleichem Antlitz und vor Schmerz geröteten Augen. Jetzt, da ihm die Gesuchte fast im letzten Moment aus den Fingern entschlüpft war, schüttelte er einem Londoner Journalisten sein betrübtes Herz aus. Die Geschichte seiner Nachsuchungen nach dem Aufenthalt seines Weibes hatte etwas Komisch=Rührendes. Der treulos VBerlassene glaubte, daß seine Frau in irgendeinem Londoner Geschäft als Kunststickerin angestellt sei, und Tag für Tag fragte er in allen in Betracht kommenden Läden nach seiner Frau. Endlich traf er sie durch Zufall auf der Straße. Halb ohnmächtig vor Freude berührte er sie am Arm, aber wie ein kaltes Sturzbad wirkten die Worte auf ihn, mit denen seine Frau ihm ruhig erklärte, daß sie gar nicht den leisesten Wunsch habe, zu ihm zurückzukehren. Und als er nicht aufhörte, sie flehentlich um Rückkehr zu bitten, ging sie kurz entschlossen zu einem Schutzmann, der in der Nähe stand, und dem sie die Sachlage kurz erklärte. Was tat der biedere Policeman? Er nahm sie beide auf die Wache, wo Madame mit dem Inspektor ein leises Zwiegespräch führte. Als der Beamte das Zwiegespräch beendet, richtete er an den zwischen Glücks= und Unglücksgefühlen jäh hinund hergeworfenen armen Franzosen folgende Ansprache:„Sir, Sie dürfen diese Dame nicht überall verfolgen. Sie haben nicht mit ihr zu tun, und wenn Sie trotzdem fortfahren sie zu belästigen, so werde ich Sie verhaften.“ Der unglückliche Monsieur Brochier schrie:„Aber sie ist meine Frau, ich schwöre, sie ist meine Frau, und als er sich umwandte, war seine Gattin verschwunden. Jetzt irrt der verlassene Ehemann, ein moderner Ritter Toggenburg, wieder durch die Straßen Londons auf der Suche nach seiner Frau, die nichts mehr von ihm wissen will. Das Erdbeben in Süd-Italien. Die Wissenschaft über das Erdbeben. Aus einem Berichte des Marburger Professors Th. Fischer geben wir noch das folgende wieder: Die Insel Sizilien verbreitert sich Kalabrien gegenüber so bedeutend, weil da der tertiäre Außengürtel der Appeninen erhalten ist. Aus gewisser Erscheinungen an den Küsten von Kalabrien, wenigstens an der tyrrhenischen Seite, muß man schließen, daß dieser schmale Steg, der nicht aus Appeninengestein cufgebaut ist, sondern aus alten, offenbar tief in der Erdrinde verankerten Werkstücken der tyrrhenischen Scholle, zwischen den beiden Tiefbecken, die noch heute zentripetalen Bewegungen zu unterliegen scheinen, eine Emporpressung erfahren hat und noch erfährt. Wir haben uns also Kalabrien an beiden Seiten von Bruchlinien oegrenzt zu denken, welche die Schollen mit zentrivetalen Bewegungen von diesen keilartig emporgepreßten Rindenstreifen trennen Zu diesen Längsbrucken— im Sinne der Erstreckung der Appeninen— kommen aber noch Ausbrüche hinzu, die mit der Umbiegung der Appeninen nach Westen zusammenhängen weil infolge dieser Umbiegung auch die Pressungen in der Erdrinde am stärksten sein mußten.... .. Die Meerenge von Messina ist an der engsten Stelle nur noch 3100 Meter breit und in der tiefsten Einkerbung nur 102 Meier tief Im Relief hätt, man hier, ähnlich dem Brenner bei Uebersteigung der Alpen, aber 4000 Meter emporsteigend, eine tiefe Einkerbung in dem das Jonische vom Tyrrhenischen Tiefbecken scheidenden Gebirgswalle als bequemste Berbindung beider zu überschreiten. Die furchtbaren Zerstörungen von Messina erklären sich also nicht bloß aus der Lage der Stadt an dieser Bruchlinie, sondern auch daraus, daß sie auf weniger festem Baugrunde steht. Dazu kommt, daß sich auch hier am tyrrhenischen Eingange der Meerenge wahrscheinlich zwei Bruchlinien schneiden: die der Meerenge und die bogenförmige, peripherische am Rande des tyrrhenischen Tiefbeckens. Die bisherigen Nachrichten melden, daß längs der Meerenge, sowohl auf der kalabrischen, wie auf der sizilischen Seite bis zur Bucht von Catania die Verheerungen am größten sind. Andererseits am tyrrhenischen Rande Kalabriens bis zum Golfe von Santa Eufemia, wo wiederum ein Ausbruch die südkalabrische Scholle abgrenzt. An Siziliens Nordküste scheint die Zerstorung nicht weit nach Westen zu reichen, denn der eingesturzte Eisenbahntunnel von Rometta, in welchem die Linie Messina=Palermo das Peloritanische Gneisgebirge durchbohrt, liegt ganz nahe bei Messina. Die Erdrinde, in Schollen zerstückt, ist also hier in bestandiger Bewegung, und do solche Bewegungen in dieser Erdgegend bis in die weit zurückreichende geologische Vergangenheit nachgewiesen werden können, so ist nicht aozusehen, wann einmal Ruhe eintreten wird. Größte Sorgfalt beim Bau der Häuser und Städte, von der man noch weit entfernt ist, kann allein hier einen gewissen Schutz gewähren.(!) *** Goethe und das Erdbeben in Messina. Eckermann erwähnt in seinen„Gesprächen mit Goethe“ eine sonderbare Gabe Goethes, große Naturereignisse vorauszuahnen, und bezieht sich hierbei auf die Aussagen des treuen Dieners Goethes Seidel als Augenzeugen. Eckermann schreibt: In der Nacht zum 17. Februar 1783 klingelte er mitten in der Nacht, und als ich zu ihm in die Kammer trete, hat er sein eisernes Ruhebett vom untersten Ende der Kammer herauf bis ans Fenster gerollt und beobachtet den Himmel.„Hast du nichts am Himmel gesehen?" fragte er mich, und als ich dies verneinte:„So laufe einmal nach der Wache und frage den Posten, ob der nichts gesehen. Ich lief hin; der Posten hatte aber nichts gesehen, welches ich meinem Herrn meldete, der noch ebenso lag und den Himmel unverwandt beobachtete.„Höre,“ sagte er dann zu mir,„wir sind in einem bedeutenden Moment: entweder wir haben in diesem Augenblick ein Erdbeben, oder wir bekommen eins. Und nun mußte ich mich zu ihm aufs Bett setzen, und er demonstrierte mir, aus welchen Merkmalen er das abnehme. Ich(Eckermann) fragte den guten Alten, was es für Wetter gewesen.„Es war sehr wolkig, sagte er,„und davei regte sich kein Lüftchen; es war sehr still und schwül.— Ich fragte ihn, ob er Goethe jenen Auspruch sogleich aufs Wort geglaubt habe.„Ja,“ sagte er,„ich glaubte ihm aufs Wort, denn was er vorhersagte, war immer richtig. Am nachsten Tage, fuhr er fort, erzählte mein Herr eine Beobachtungen bei Hofe, wobei eine Dame ihrer Nachbarin ins Ohr flüsterte:„Höre, Goethe schwärmt!" Der Herzog aber und die übrigen Männer glaubten an Goethe, und es wies sich auch bald aus, daß er recht gesehen: denn nach einigen Wochen kam die Nachricht, daß in derselben Nacht ein Teil von Messina durch ein Erdbeben zerstört worden.“ *** Messina. Eine weiße Stadt, gelagert um einen sichelförmigen, vom Lande gleichsam umklammerten Hafen. Eine Stadt mit flachen Dächern, mit Kuppeln, die fast an den Orient gemahnen, und mancher sonderbaren Turmspitze. Die Berge drangen sich dicht an das Meer, und die Stadt klettert mit ihren Häusern die Berge hinan. Weit draußen, an der Spitze der den Hafen abschließenden Halbinsel, liegt ein Leuchtturm und eine Zitadelle — eine harmlose Zitadelle übrigens, die abgetragen ist, weil sie in einem modernen Kriege doch zu nichts gut sein wurde. Das etwa ist das Bild, das Messina bietet, wenn man sich ihm vom Meere aus nähert. Alles in allem genommen: kein überwältigendes Bild. Die weißgrauen Häuser sind von der halbafrikanischen Sonne verbrannt, die Berge, die die Stadt umringen, sind hart, kahl wie Siziliens Berge alle, und entbehren der großen Formen. Und ebenso entbehrt auch das Bild der Stadt eines beherrschenden architektonischen Symbols, wie es St. Peter für Rom, die Domkuppel für Florenz ist. Aber schon sind wir im Hafen— und hier ist es, wo sich Messina von seiner glänzendsten Seite präsentiert. Denn gleich wird man inne, daß man sich in einer der bedeutendsten Handelsstädte Siziliens, ja des Mittelmeeres überhaupt, befindet. Schiffe neben Schiffen, Dampfer neben Dampfern aus allen Ländern und Weltgegenden. Der Hafen selbst einer der geräumigsten und sichersten des Mittelmeeres. Hier strömt Siziliens Reichtum zusammen. Hier wird die duftende Apfelsine verladen, die schimmernde Zitrone, der übelriechende Schwefel aus den berüchtigten Minen des Innern und der schwere dunkle Aetnawein. Messinas Lage und Messinas Hafen sind es, die seine Handelsbedeutung bedingen; und eben darum hat keine bedeutende Stadt Siziliens unter der modernen Entwicklung des Eisenbahnnetzes so zu leiden gehabt, wie Messina. Ihre Nebenbuhlerinnen sind gewachsen, Palermo vor allem und Catania, und Messina, einst unbestritten die Handelsmetropole Siziliens, hat in den letzten Jahrzehnten zurücktreten müssen. Aber noch heute spielen die„Apfelsinen aus Messina" in Deutschland ihre Rolle. Das Meer bildet das Lebenselement Messinas— das Meer hat die Stadtanlage bestimmt. Am Strande entlang zieht sich die Marina, die heute natürlich Corso Vittorio Emanuele genannt wird; und ihr parallel geht die Hauptstraße, die die Stadt durchzieht, die Via Garibaldi. Die Schmalheit des Geländes hat zu breiten Straßen, zu majestätischen Platzanlagen in Messina wenig Raum gegeben; bald werden die Straßen eng, winklig, unregelmäßig und klettern die Höhen hinan. Da oben liegt das Hinterhaus von Messina— die Fassade der Stadt ist dem Meere zugewandt— oder, so muß man leider sagen, sie war es. Diese Fassade der Stadt bildet der erwähnte Corso Vittorio Emanuele, oder wie er mit seinem geschichtlichen Namen heißt, la palazzata. Die Geschichte der paläzzata ist nicht zu trennen von der Geschichte der Erdbeben, die Messina heimgesucht haben. Als die Stadt im Jahre 1783 durch das große Erdoeben in Trümmer und Schutt verwandelt war, da wurde auf Regierungsanordnung diese palazzata als die Schmuckseite und Glanzfassade Messinas errichtet: eine Perlenschnur großartig gedachter, völlig gleichmäßiger, von Säulen getragener Paläste. palazzata bildete den Stolz der Messinesen, die sie als das achte Weltwunder rühmten— aber fertig geworden ist sie nie. Das Leben in Messina? Sieht man näher zu, so entdeckt man unter dem Oberflächengesicht einer Hafenstadt, wie es viele gibt, hier etwas anderes: das schon halb afrikanische Element. Betrachte diese Männer: ihre Augen schauen finsterer als die der Italiener vom Festland, mit einem Ausdruck von düsterem Stolz und zugleich von lauernder Schlauheit; die Gebärden sind heftiger, als wäre dieses Volk jeden Augenblick zum Kampfe bereit, als lebte es in einer fortwährenden Aufwallung von tobender Leidenschaft. Und dann die Frauen! Das sind nicht mehr die schlanken Weiber von Capri oder Sorrent mit ihrem stolzen Gang und ihrem edlen Profil; das sind halbe Afrikanerinnen Gung und ihrem eoien Hrosik, dus sins halde ufritanerinnen, von dunkler Hautfarbe, mit aufgeworfenen Lippen; ihr Kopf ist von einem schwarzen Tuche bedeckt, unterwürfig, geduckt wie von Sklavinnen sind Haltung und Bewegung. Die Wahrheit zu sagen: es ist ein unheimliches Volk, und dennoch ein Volk zugleich von unzerbrechlicher Stärke. Phönizier und Griechen, Karthager und Römer, Araber, Normannen, Franzosen und Spanier sind über dies Volk dahingegangen, allein in zähem Widerstand hat es sich gehalten. Das hat ihm aber auch den Zug des Mißtrauens, des lauernden, wir würden heute vielleicht sagen: der passiven Resistenz aufgedrückt. Doch wir entrinnen dem Gewimmel dunkler, enger Gassen und streben zur Höhe empor. Etwa hinauf nach dem neuen Campo Santo. Da liegt Messina und sein Hafen, das Meer und die Meerenge unter uns, und drüben vom Festland werden die weißen Häuser von Reggio sichtbar und die Hohen von Aspromonte garibaldinischen Angedenkens. Eine Walstatt der Geschichte breitet sich vor unsern Augen aus. Hier sind Griechen gelandet und Römer. Hier haben die Normannen zuerst ihren Fuß auf sizilische Erde gesetzt, hier haben sich die Anjous blutige Köpfe geholt. Hier ist endlich mit zuerst das neapolitanische Joch abgeworfen worden. Eine Walstatt der Geschichte— und eine Walstatt der Natur. Immer wieder stürzen sich des Vulkans wilde Gesellen auf die unglückliche Stadt an der Straße von Reggio.— Rom, 4. Januar. Die Behörden nehmen mit Sicherheit an, daß die Katastrophe noch weit mehr Menschenleben gekostet hat, als bisher selbst die pessimistischsten Schätzungen angenommen haben. Verschiedene Berichterstatter haben die Umgebung von Messina und Reggio abgestreift, und das Gesamtresultat, das sich aus ihren Berichten ergibt, ist, daß 24 Städte, viele Dörfer und sonstige Ansiedlungen durch die Katastrophe fast vollkommen zerstört wurden, namlich: Bagnara, Serlia, Villa San Giovanni, Canitello, Catona, Cgallico, Villa San Giuseppe, Palmi, Gerace, Gallina, Campo Calabro, San Roberti, Santo Stefano, Catasono, Pellaro Motte, Sazzare, Saline, Montabello, Archi, Reggio, Igonio, Maropa, Sant Eufemia und Seminara. Neapel, 4. Januar. Aus Messinc wird berichtet, 200 Plünderer sind bisher verhaftet worden. Sie werden vor ein Kriegsgericht gestellt und wahrscheinlich standrechtlich erschossen werden. Die Ortschaft Gatina in der Nähe von Messina liegt vollständig in Trummer. Die Zahl der Opfer ist groß. Der Dampfer„Umberto“ ist mit 700 Ueberlebenden vor Neapel eingetroffen. Alle öffentlichen Gebäude, Schulen und Kasernen, sind mit Verletzten angefüllt. In Catania sind 1000 Verletzte verbunden worden, darunter 600 Bauern in Pflege genommen. Sieben Verletzte sind gestorben, drei andere wahnsinnig geworden. Die am leichtesten Verletzten sind im Gefängnis untergebracht worden. Rom, 4. Januar. Der Kriegsminister versichert, daß die Verteidigungswerke von Messina intakt geblieben sind. Die Pulverkammern enthalten mehrere Tonnen Pulver und Millionen von Patronen. Von Professor Sanfelice, dessen Entdeckung eines Krebsserums viel von sich reden machte und der Direktor des hygienischen Instituts in Messina war, fehlt jede Spur. Neapel, 4. Januar. Ein Korrespondent erklärt, Kenntnis erhalten zu haben von einem Telegramm des Präfekten von Messina an den Minister des Innern, in dem der Präfekt vervier Fünftel der gesamten Bevölkerung, mithin etwa 120 000 Personen, in Messina umgekommen sind. " Neapel, 4. Januar. Die Bevölkerung legt einen guten Opfermut an den Tag und geht mit Kraft an das Rettungswerk heran. In allen Hausern der Stadt, selbst in fürstlichen Palästen, sind Betten für die Verletzten aufgestellt. Studenten der Medizin gehen den Aerzten zur Hand oder pflegen Verwundete Studenten der übrigen Fakultäten gehen von Tür zu Tür, um für die Notleidenden Spenden zu sammeln. Zahlreiche Ueberlebende, welche eintreffen, sind ohne Kleidung und besitzen nur ein Bettuch oder eine Bettdecke als einziges Kleidungsstück. Andere stecken in Militäruniformen. Eine Frau war vollständig 9•* Matrose in eine Marineuniform gekleidet. Viele#####losen pflegen mit der Milchflasche in der Hand Sauglinge, welche durch die Katastrophe zu Waisen geworden sind. Viele Waisenkinder sind in Nceapet in Familien ausgenommen worden. Selbst Arbeiterfamilien, deren Einkommen nur 2 Frank beträgt, nehmen Kinder in Pflege. Marquise Filiasi hat einen Aufruf an die Neapeler Frauengesellschaft mit der Bitte erlassen, jene, welche Juwelen besitzen, möchten einen dieser Juwelen für die Opfer hergeben. Mailand, 4. Jan. In den meisten Blättern führen die nach dem Erdbebengebiet entsandten Korrespondenten bittere Klage über schwere Mängel in der Organisation der Rettungsaktion. So telegraphiert der Berichterstatter des„Corriera de „. Messina,„es fehlt immer noch an Schiffen". Die la Sera“ aus Messina,„es fehlt immer noch an Schiffen“. Die Barken sino vou von Fluchtigen, irren um den Hafen einher und werden zurückgewiesen, weil alle Schiffe schon überfüllt sind. Tausende von Begrabenen hätten befreit werden können, wenn rechtzeitig 10000 statt nur 5000 Soldaten am Platze gewesen wären. 6—7000 hungrige Ueberlebende erwarten Brot und Schiffe.„In Reggio ereignen sich zahlreiche Fälle, daß noch levenve Verwundete zwischen Trummern ihrem Schicksal preisgegeben werden müssen, weil ihre Rettung noch schwere Unglücksfälle verursachen würde. Diesen Aermsten wird sogar gar keine Nahrung gereicht, damit ihr Todeskampf nicht länger andaure. Unweit Messina bei der Stadt Galati wurde ein Eisenbahnzug mit Nahrungsmitteln für Messina von einer hungrigen Volksmenge angehalten und vollkommen ausgeplündert. Vier Finanzwächter suchten die Angreifer durch Schüsse abzuwehren, waren aber der Ueberzahl von mit Revolvern bewaffneten Männern gegenüber ohnmächtig. 2 abr 2 c“. Jan. Die Insel Stromboli wurde gestern um uhr 22 Min durch ein mehrere Sekunden anhaltendes Erdimgesucht. Der Vulkan zeigte eine starke Tätigkeit. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine große Panik. Die Zahl der eingestürzten Häuser beträgt 40. Trotz der verminderten Temperaturverhältnisse kampiert alles im Freien. Der Panzer „Jaureguiberry“ erhielt einen Bereitschaftsbefehl nach Messina. Rottweil, 5. Jan. Gestern abend kamen hier drei Herren scheinlich umgekommen die Famiien Braus, Falkenburg, die Lottenburger, Lindner, Rügge, Ricke, sowie Fraulein Anleß. Mailand, 5. Jan. Meldungen aus Messina zufolge ist der Domschatz im Werte von mehreren Millionen Lire von Plünderern beraubt und nur ein kleiner Rest von kostbaren Gefäßen aufgefunden worden. Paris 5. Jan. Der französische Minister Pichon erhielt die Nachricht, daß die Königin Elena Anfälle von Bluthusten hat, seit eine wahnsinnige Frau heftig mit dem Kopf gegen die Brust der hilfsbereiten Königin anrannte. Standesamts-Nachrichten. „ Amt Enger. Vom 18. bis 24. Dezember wurden dem hiesigen Standesamt angezeigt: „ Geburten: Söhne: Tischler Heinr. Oberhaus, Enger; Maurer Will“: Söhne: Tischler Heint, Oberhaus, Enger: „ Wnh. Hartwig, Besenkamp; Handarb. Heinr. Menke, Enger.— Töchter: Zigarrenarb. Heinr. Oberhaus, Enger.— Töchter: Zigarrenarb. Heinr. Oberhaus, Westerenger; Handarb. Aug. Vogt, Herringhausen; Zigarrenarb. Wilhelm Schmidt, Enger. Eheschließungen: Kaufmann Heinr. Kehlenbrink, Lenzinghausen, und Auguste Ebmeyer, Westerenger; Zigarrenarbeiter Heinr. Oberbrinkmann, Oetinghausen, und Zigarrenarbeiterin Johanne Schröder, Herringhausen. Sterbefälle: Eine Totgeburt. Herford. Arbeiter=Turnverein„Stiftberg“ 9 Uhr bei Wirt Tiemeyer. Herford. Arb.=Turnverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Wirt H. Freitag, Ahmserstraße. B e s a n g v e r e i n„ „Solidarität“—2 Uhr bei „Solidarität“ Spenge. Arbeiter=C Wirt Lippelmann. Oerlinghausen. Arbeiter=Gesangverein 8¾ Uhr bei C. Löhr. Südlengern. Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr. Detmold. Arbeiter=Radfahrerverein„Vorwärts“ 9 Uhr. Minden. Arbeiter=Säugerbund 8¾ Uhr: Gemischter Chor. Briefkasten der Redaktion. F. K., Rheine. Der Wandergewerbeschein kann versagt werden, wenn noch nicht 5 Jahre verflossen sind. Beantragen Sie mundliche Verhandlung vor dem Bezirksausschuß. Briefkasten der Burgsteinfurt. 1000 Exemplare kosten 19,50 Mk. Hersord. Stadt Bünde. Geburten: Söhne: Zigarrenarbeiter Herm. Friedr. Wellensiek, Bünde, Feldmark 142; Ziegelarb. Karl Wilh. Aug. Heinr. Finke, Bünde, Feldmark 170.— Töchter: Handarb. Herm. Wilh. Westerbeck, Bunde, Feldmark 93; Kaufm. Herm. Heinr. Hoberg, Bünde, Roonstr. 12. Aufgebote: Zollaufseher a. P. Heinr. Eifert, Oeding, mit Anna Friedrike Kroger, Bünde. Eheschließungen: Zigarrenarb Heinr. Friedr. Vortriede, Bünde, mit Zigarrenarbeiterin Friederike Auguste Alwine Altemeier zu Ennigloh; Zigarrenarb. Karl Friedr. Heinr. Redecker, Bünde, mit Zigarrenarbeiterin Karoline Wilhelmine Schlüter, Isenstedt Vereins-Kalender. 5e: der### bestern abend kamen hier drei Herren an, welche bei der Kurastropye in Messina unversehrt entkommen Karl Müller, Hans Schneider aus Nürnberg und Paul Steinmann aus Wahrenberg bei WittenS„ Die drei Herren sind Kaufleute und wurden von dem venlichen Dampfer„Therapia“ nach Neapel befördert. Rom, 5. Jan. Die Gazetta Offiziale“ veröffentlicht ein isverbältnisse der an Kriegszeiten erinnernden Distritte Raugig der F Messina und die Kommunen des Distrilis meyuls der Belagerungszustand verhängt wird. italienische Kammer ist auf den 9. Januar zusammenberufen worden. Der Marineminister verzeichnet über die leichte Verletzung der Königin Elena folgendes: Während die Königin an Bord des Dampfers„Königin Elena“ mit der Pflege der Verwundeten beschäftigt war, fiel plötzlich ein Mann in Krämpfe und rief, er wolle sich töten. Sein Beispiel wirkte ansteckend, denn sofort rief eine Frau, sie wolle ins Meer springen und rannte gegen die Brüstung des Schiffes. Die Königin warf sich der Unglücklichen mit ausgebreiteten Armen entgegen und erhielt hierbei einen Stoß gegen die Brust, der immerhin so heftig war, daß ihr ein Blutstropfen aus dem Munde trat. Ohne sich aber darum zu kümmern, machte sich die Königin wieder an die Arbeit der Pflege der Verwundeten. Neue Erdstöße in Messina haben Angst und Schrecken verbreitet. Die wenigen übrig gebliebenen Menschen schreien wie toll. Einige Häuser, die noch standen, brachen krachend zusammen. In Reggio dauern die Erdstöße an. Man zieht immer noch Menschen aus den Trümmern. Aus Palermo wird gemeldet: Von den Deutschen sind wahrDie nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“. Arbeiter=Sänger=Bund Westfalen, Arbeiter=Turner=Bund. Mittwoch. Arbeiter=Sängervereinigung Bielefeld 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arb.=Gesangverein„Waldeslust“ 9 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Gesangverein„Liederblüte“. 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. „Sängerhain“ 9 Uhr bei Kickert, Ehlentrupperweg. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße.(Damen=Abteilung.) Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried: Männer=Riege. Radfahrerklub„Vorwärts“ 9 Uhr bei Imkamp, Engerschestr. 1. Radfahrerverein„Dornberg“ 8 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Radfahrerver.„Ruhig voran“ bei Apenbrink, Herforderstr. 242. Guttemplerorden. Loge Ravensberg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51. Guttemplerloge„Frei und beständig“, 8½ Uhr bei Viertmann, . Bürgerweg 16. Statklub„Gut Glück“ 9 Uhr bei Schneider, Kamphofstraße. Sieker. Radfahrer=Verein„Corona“ 9 Uhr bei Wöhler. Sudbrak. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf"(Altersriege) 9 Uhr bei Wirt Fohrmann. Brackwede. Theaterklub„Fidelio“ 9 Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Arbeiter=Radfahrerverein„Freiheit“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Kegelklub„Freie Bahn“ 9 Uhr bei Krämer. „Eggetaler“, 8½ Uhr bei G. Hartmann, Schillerstr. 75. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche“ 8 Uhr bei Lechterbeck. Schildesche. Männergesangverein„Concordia“ 9 Uhr bei W. Böke, Bielefelderstraße. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr. Oerlinghausen. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei L. Niewald. Herford. Arbeitergesangverein„Eintracht“ 9 Uhr bei Winkelmann. Schweicheln. Arbeitergesangverein„Frohsinn“ 8½ Uhr bei Wirt Generotzky. Bürde. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 9 Uhr bei Nühel. Bünde. Arbeitergesangverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt Timmert. Schötmar. Radfahrerverein„Wanderer“ ½9 Uhr im„Tivoli“. Lage. Radfahrerverein„Schwalbe“ 8½ Uhr bei Steinsiek. Rehme. Arbeiter=Radfahrerverein„Bahn frei“ 8½ Uhr bei Röbke. Minden. Freier Turnerbund abends 8½ Uhr. Lübbecke. Arbeiter=Turnverein„Vorwärts“ 9 Uhr bei Baumeister. Donnerstag. Männer=Gesangverein„Hoffnung" abends 9 Uhr bei Fischer, Herforderstraße. Arbeiter=Gesangverein„Solidarität“ 9 Uhr bei Hellsinger, Schmiedestraße. Arbeiter=Gesangverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Indiestel. Männer=Gesang=Verein„Alpenrose" bei Puls, Arndtstraße. A.=B.=V. Gadderbaum, Gesangstunde bei Bracksiek. Zitverklub„Alpenklänge“ 9 Uhr bei Lange, Teichstraße. „Zither=Quartett=Verein“ 9 Uhr bei Hagemann, Heeperstraße. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei „. Imkamp, Engerschestraße. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restaurant zum Siegfried. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld, Abteilung 3, ½9 Uhr bei H. Lohmann. Kegelklub„Hamburger Wappen“ 8½ Uhr bei Vogt, Hallerweg. Kegelklub„Einigkeit" abends 9 Uhr bei Beckmann, Kl. Howe. Radfahrerklub„Eilrad“ 9 Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. Schildesche. Radfahrerverein„Fliegender Adler“ 9 Uhr bei Krämer. Radfahrerverein„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Schneider, Kampstr. Skatklub„Zur guten Quelle“ 9 Uhr bei Witwe Pilgrim, straße 50. 1. Bielefelder Bandonion=Klub ½9 Uhr bei Tuxhorn, Bleichstr. Guttemplerorden, Loge„Westsalenland“, 8¾ Uhr. Sieker. Arbeiter=Raderfahrerklub„Wanderlust" bei Sittig, Detmolderstraße. Brackwede. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Schildesche. Gesangverein„Heiderose“ 9 Uhr bei Siekmann, Herforderstraße. Shildesche. Kraft=Sport=Verein ½9—½11 Uhr bei Wirt Schaepersmann, Wilhelmstr. 17. Schildesche. Guttempler=Loge„Rote Erde“ 8¾ Uhr bei Grothaus, Amselstraße 7. Babenhausen. Kegelklub„Freie Bahn“, 8½ Uhr bei Böke. Heepen. Turnverein„Jahn“ 8½ Uhr bei Wirt Müller. Ubberdissen. Radfahrerverein„Viktoria“ 9 Uhr bei Tigges, Rollkrug. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr bei Brünig. Herford. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Liedtke. Tagesordnung für die am Freitag, den 8. Jannar 1909, nachmittags 3 Uhr staltfindende Stadtverordneten-Versammlung. 1. Einführung der wiedergewählten Magistratsmitglieder Müller und Horstmann. 2. Beschlußsassung über die Giltigkeit der letzten Stadtverordnetenwahlen der I., II. und III. Abteilung. 3. Einführung und Verpflichtung der neu= und wiedergewählten Stadtverordneten, deren Wahl für giltig erklärt worden ist. 4. Wahl des Vorstandes und des Ausschusses der Stadtverordneten. 5. Vorlagen betr.: a) Aufnahme einer Anleihe von Mk. 40000 für Schlachthofzwecke. b) Bewilligung von Mk. 3000 für die Renovierung der Jakobikirche. c) Etat des Gymnasiums für 1910 bis 1913. 6. Mitteilungen. 7. Rechnung: a) der Armenkasse 1907. b) der Baukasse der katholischen Bürgerschule. c) der Einquartierungskasse. d) der Stadtschulkasse 1907. e) des städischen Gas=, Wasser= und Elektrizitätswerks. 8. Beantwortung der Erinnerungen zur Rechnung der Straßennenbaukasse 1907 und Antrag auf Entlostung. Herford, den 2. Januar 1909. Der bisherige Stadtverordneten=Vorsteher. Lücken. Donnerstag, den 7. Januar 1909, abends 6 Uhr: Sitzung des Ausschusses der Stadtverordneten. Herford, den 2. Januar 1909. Der bisherige Vorsitzende des Ausschusses, Lücken. Bei Magenkranken mit Appetitlosigkeit bildet„Kufeke“, entweder in Milch oder in Fleischsuppe gekocht, oft das einzige Nahrungsmittel, welches die Kranken ohne Widerwillen nehmen und leicht verdauen. 55 Kreine Anzeigen=Säll. seiten Ueberschrift 10 Plg..9 Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in#### Worte m. nehr als 15 Buchstaben der feiten Ueberschrift 10 Pfg. werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Vertikows, Ausführun. 2* 40 0 elegante Aubfühlung, 30.—, 40.— 50.—, 60.—, 80.— Mark bei F. Mertens. 159 Oefen, 65888 Trumeaux mit Stufe, 25.—, 30.—, 35.—, 40. 50.— Mk. bei F. Mertens. 160 Schreibtische, Nußbaum und Eiche, echt und imitiert, 50.—,80.—, 100.—,120.— Mk. bei Mertens. 161 Kleiderschränke, großer Posten, 26.—, 30.—, 35.— 40.—, 50.— Mk. bei F. Mertens. Kommoden, nußbaum oder eiche lackiert, 19.— 21.—, 23.—, 25.—, 30.— Mk. bei F. Mertens.(58 Büffets sehr billig bei F. Mertens. 162 Oefen. 79 vorzüglich erhalten, in den verschie denen Systemen, emailliert und schwarz, bringe einen großen Posten spottbillig zum Verkauf. Teilzahlung gestattet. Adolf Heine, Ritterstr. 57 Irische Dauerbreuner, von 12 Mk. an abzugeben bei Heinrich Brinkmann, Brackwede, Kaiserstr. 51. Wohnung, 170“ große Küche und 3 schräge Räume, 52 Taler, zum 1. April zu vermieten Schildescherstraße 90, Bielefeld. Wohnungen von 3 Räumen zu vermieten Sieker 278. Nähe Bäcker Wulfhorst. 78° Wohnungen, abgeschlossen, 3 und 4 Räumen, Mellerstraße 59, an ordentliche Leute zu vermieten. Zu erfragen Wittekindstraße 59, 1. 2. Tür r.(76“ Wohnung, 4 Räume, per 1. April zu vermieten. Sieker, Heeperstraße 213.(69 Grüne Sohlen, die starken, erhalten Sie Viktoriastraße 47. 1682 Paletots, 6632 Anzüge, zurückgesetzt und gebraucht, **** von 7 Mk. an. 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