* # für Bielefeld und Umgegend, sowie bei sämtlichen Agenturen frei ins Haus gebracht 60 Pfg. monatlich. Durch die Post bezogen 1,80 ger. vierteljährlich exklusive Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pfg Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage täglich nachmittags. Fernsorech=Anschluß Nr. 353. Se UTeulsse Urosoe Organ der Sozialdemokratie für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Buchhandlung, Druckerei, Erpedition und Redaktion: Schulstraße Nr. 20. Insertionspreis für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Inseraten=Annahme bis ½9 Uhr vormittags. Größere Inserate müssen bis 5 Uhr abends tags zuvor aufgegeben sein. Druck und Verlag ver Buchdruckerei und Buchhandlung „Volkswacht“ Gerisch& Co., Nieleseld, Nr. 2. Bielefeld, Montag, 4. Januar 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Noch einmal aus dem„Reiche“ des Herrn Lizenkiaten Mumm. Im„Ravensberger“ vom 2. Januar finden wir folgende Zuschrift des Herrn Lizentiaten, die er eine Berichtigung nennt ldie fettgesetzten Stellen haben wir hervorgehoben. Red. der „Volksw.“): In eigener Sache. Der Wahlkampf in Siegen geht seinem Ende zu. Wenige Ruhetage während des Festes, dann kommen die letzten harten Tage. Da sucht die sozialdemokratiiche Presse, die mich in diesen Tagen wohl für wehrlos hält, allerhand über„Das Reich“, „Die Staatsbürger=Zeitung und über mich der Oeffentlichkeit vorzutragen in der Hoffnung, dadurch im Wahlkampf Stimmen zu ergattern. Ich erhalte eben Nr. 297 der Bielefelder„Volkswacht" zugesandt. Zunächst wird dort die Meinung erweckt, als sei die Unterstellung unseres Blattes unter die Chefredaktion von Herrn Dr. Lange beabsichtigt gewesen, aber gescheitert— die nüchterne Wahrheit, daß wir am 1. Januar die Druckerei, im vollen Einvernehmen mit dem seitherigen Drucker wechseln, soll auf diese Weise dazu gestaltet werden, uns, sowie Herrn Dr. Lange, der in manch Punkten eine andere politische Richtung einschlagt, zu diskreditieren. Dann wird behauptet, daß„Reich" und„Staatsbürgerzeitung“ einander gelegentlich bekämpfen, so in Sachen der Konsumvereine. In Wahrheit habe ich in stundenlangen Auseinandersetzungen mit einseitigen Gegnern dieser Genossenschaft fest auf dem Standpunkt gestanden, das„Reich" und„Staatsbürgerzeitung“, solange sie in einem Verlage sind, nie gegenüber stehen können. Es ist in der Redaktionsanweisung niedergelegt, daß beide Blätter nie einander widersprechen sollen— es ist darum zu verlangen, daß der Ankläger präzises Material durch Angabe der Nummer vorlegt— dann wollen wir weiter reden! Es wird weiter ein Unterschied konstruiert zwischen den Synodalber#ten des„Reich“ und den Theaternotizen der „Staatsbü= serzeitung“. Ich gestehe offen, daß manche solche Reklamen z mir keine Freude macht. Aber es ist den Zeitungen a#ein üblich, die Einsendungen der inserierenden Theater u.. kzunehmen, und der Druck kennzeichnet sie deutlich denug als Reklamenotizen. Liegt hier eine Schuld, so gibt es auch eine Mitschuld vieler anderer, auch ausgesprochenen christlichen Blätter. Brächte die„Staatsbürgerzeitung“ einmal einen schlüpfrigen Bericht— auch im„Reich“ ist solches Versehen schon vorgekommen— so sollte man bedenken, wie aufreibend und schwer redaktionelle Arbeit ist und wie bei der Fülle des vorliegenden Stoffes Versehen fast unvermeidlich sind. Die Redaktionsanweisung stellt fest, daß sittlich Anstößiges weder im„Reich“ noch in der„Staatsbürgerzeitung“ gebracht werden soll. Für die Möglichkeit vom Versehen darf dem sozialdemokratischen Bielefelder Blatt wohl das parlamentarische Stimmungsbild seiner Karlsruher Kollegin vorgehalten werden, die unlängst eine Rede des Sozialdemokraten Kolb pries,— die im letzten Augenblick gar nicht gehalten worden war. Des weiteren führt der Artike! Klage über die Gehälter der redaktionell Angestellten: „Die Redakteure im„Reich“ des Herrn Mumm sollen nach uns gewordenen Mitteilungen ganz jämmerlich bezahlt werden. Ihr Gehalt soll sich zwischen 150 und 190 Mark bewegen und es soll ihnen ausdrücklich untersagt sein, irgendwie schriftstellerische Nebenarbeit zu betreiben.“ Ein am 1. September 1907 angestellter Redakteur erhielt als Anfangsgehalt 175.— Mark, ab März 1908 185.— Mark, infolge Uebernahme im Vertrag nicht vorgesehener Arbeit ab April 230 Mark monatlich; ein am 1. September 1908 angestellter Redakteur als Anfangsgehalt 183,35 Mark mit vertragsmäßig zugesicherter Aufbesserung. Ein im Nebenamt angestellter Redakteur, der seine Hauptkraft einem anderen Unternehmen zuwendet, monatlich 140 Mark. Geringere Gehälter wurden und werden nicht gezahlt. Gewiß wäre es schön, große Ghälter zu zahlen. Man sollte aber doch wissen, daß die Herausgabe des„Reich“ Opfer erfordert. In caffinierter Sprache wird dann mein Gehalt im Gegensatz dazu gestellt. An mich kamen in den drei letzten Jahren je 4500 Mark zur Auszahlung— es ist bekannt, daß sämtliche andere Berliner Blätter, einschließlich des„Vorwärts“, für die leitende Arbeit ganz andere Summen zahlen. Noch jüngst wurde einem westfälschen Psarrer für die Leitung einer Zeitung 12000 Mark Jahresgehalt geboten, und er lehnte ab. Um, soweit es menschenmöglich ist, giftiger Verleumdung den Kopf zu zertreten, füge ich hinzu, daß ich außerdem von kirchlich=sozialer Konferenz und sozialer Geschäftsstelle je 300 Mark Jahresremuneration erhalte, im übrigen aber für die hämisch genannten Arbeiten— Kursus in Bielefeld, Predigtarbeit— keinerlei Vergütung erhalte, auch nicht für die Herausgabe des„Deutsch=Evang. Jahrbuches“, dessen Gewinn dem„Reich" zufließt. In den Kreisen anständiger Menschen, auch der Gegner, glaube ich Verständnis zu finden, wenn ich sage: für Herausgabe von Gesinnungs= blättern müssen heute durchweg Opfer gebracht werden. Sie sind auch für unser Blatt bekanntermaßen von mancher Seite gebracht worden. Aber auch ich rechne mich zu der Zahl derer, die Opfer gebracht haben. Was die Nebenarbeiten betrifft, so sind solche, soweit sie bezahlt werden, an die Zustimmung des Vorgesetzten geknüpft, eine, meines Wissens, sehr häufige, einem Formular entnommene Bestimmung. Endlich spricht der Anonymus vom kaufmännischen Personal des„Reich“. Die Monatsgehälter betragen hier 333,35 Mark, 175.— Mark und für zwei junge Hilfskräfte von 18 und 19 Jahren 85.— Mark und 90.— Mark, die weibliche Gehilfin erhält monatlich 95.— Mark. An den Radfahrer kommen monatlich 140 Mark zur Auszahlung. Gewiß können Geschäfte, die reichen Gewinn abwerfen, höhere Summen zahlen. Dagegen ist meines Erachtens hier der Durchschnittssatz für die erforderten Leistungen nicht unterschritten. Der Anonymus redet von einer Arbeitsleistung von 9 bis 10 Stunden; in Wahrheit ist die tägliche Arbeitszeit 9½ Stunden. Damit erledigt sich auch das Märchen, ich häte gesagt:„Zehn Stunden Arbeitszeit sei das Mindeste dessen, was ein gesunder Mensch leisten müsse.“ Das„Reich“ erfordert selten Ueberstunden von den Angestellten, gewährt volle Sonntagsruhe und jährliche Ferien für alle Angestellten. Die„Volkswacht" aber wird schwerlich den sittlichen Mut finden, diese Richtigstellung durch unverkürzten Abdruck ihrem Leserkreise darzubieten. Dann fiele ja ihr ganzer Angriff zusammen. Gries, 26. Dezember 1908. Reinhard Mumm.“ Aber Herr Lizentiate! Werfen Sie doch nicht mit dem sittlichen Mut so herum, als ob er bei Ihnen sich haufenweise umhertriebe. Gerade an diesem sittlichen Mut hat es der„Ravensberger“, bei seinen Polemiken stets in bedenklichster Weise fehlen lassen, während die„Volkswacht“ ihren Gegner immer zu Worte kommen ließ. Sie sehen, auch diesmal haben wir Ihre ganze Berichtigung gebracht, mit dem allergrößten Vergnügen, — ganz wahrhaftig! Warum denn nicht? Wir Wilden sind doch bessere Menschen,— das sollten Sie doch nachgerade herausbekommen haben. Und wenn Sie mal wieder was richtigzustellen haben, bitte, beehren Sie uns wieder! Aber den einen Rat nehmen Sie bitte noch an: Machen Sie's nächstens besser, notabene, wenn's besser zu machen geht. Es ist ja eine unangenehme Sache, hie„Staatsbürger=Zeitung“, hie „Reich“. Und schließlich kann ja niemand zween Herren dienen. Aber etwas besser hatten Sie's doch machen können. Was werden denn Ihre Parteifreunde dazu sagen, daß Sie zu einer Anschauung in grundsätzlichen Fragen Ihre Mitarbeiter erst durch stundenlange Auseinandersetzungen bekehren müssen? Und meinen Sie etwa, daß es für das„Reich“ weniger blamabel ist, wenn auch andere christliche Blätter schlüpfrige Berichte bringen? Wir verstehen es ja, wenn Sie im Unglucke Leidensgefährten suchen, aber was sagen Ihre frommen christlich=sozialen Parteifreunde dazu? Das eben ist's, was uns um Sie so besorgt macht. Was werden die von ihrem zielsicheren Kleinen=Pfeilschützen denken! Das Schwarze treffen in der Scheibe, das kann auch ein anderer; der ist mir der Meister, der seiner Kunst gewiß ist überall, dem's Herz nicht in die Hand tritt, noch in's Auge. Und recht haben die Leute, die das sagen. Für eine solche Richtigstellung hätten Sie doch Ihre teure Kraft dem Wahlkampfe nicht entziehen brauchen, die hätte der im Nebenamt angestellte 140=Markredakteur mindestens ebenso gut zurechtzimmern können. Auch die Frage der Gehälter hätte vielleicht eine diskretere Behandlung erfahren. So weiß nun alle Welt, daß der Abstand in der Bezahlung zwischen Ihnen und Ihren Redaktionskollegen ein ganz klotziger ist, und den Uneingeweihten, die nicht wissen, daß Sie für zwei Mann, für„Monheim“ und für Mumm, arbeiten müssen, muß sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß Ihre Redaktionskollegen mehr zu den Opfern Ihres Gesinnungsblattes— verzeihen Sie den starken Ausdruck— herangezogen werden, als wie Sie. Auch bezüglich der Handlungsangestellten erscheint dem Uneingeweihten das so. Vergessen haben Sie offenbar, anzugeben, welche Rangordnung in der Redaktionsanweisung vorgesehen ist und welcher Vorgesetzte z. B. dem Herrn Chefredakteur im„Reich“ die Zustimmung zu Nebenarbeiten erteilt. Oder ist die Nebenarbeit des Herrn Chefredakteurs nicht an die Zustimm.ng des Vorgesetzten geknüpft? Da wäre der Herr Chefredakteur seinen Redaktionskollegen gegenüber ja noch besser gestellt, als wie es aus den Gehältern hervorgeht! Vielleicht holen Sie die Auskunft über diesen Punkt noch nach. Sie meinten übrigens, Herr Lizentiate, daß, wenn wir Sie in den letzten Tagen genannt haben, das deswegen geschehen sei, weil wir Sie für wehrlos hielten. Das ist gar nicht hübsch von Ihnen, wenn Sie so tun, als ob Sie ein gar gewaltiger Kämpe vor dem Herrn wären. Das sind Sie nämlich ganz und gar nicht, im Vertrauen gesagt, sondern im besten Falle der Schwiegersohn Ihres Schwiegervaters, dessen politisches Erbe Sie jetzt antreten wollen, und wir haben die Angelegenheiten Ihres „Reichs“ nur deswegen besprochen, um zu zeigen, daß, wenn Sie sich in Ihren Blättern über sozialdemokratische Druckereien moquieren, Sie alle Veranlassung haben, zunächst vor der eigenen Türe zu kehren. Und im übrigen: Si tacuisses... Die Vernichtung des selbständigen gewerblichen Mittelstandes. sse. Als stärksten Trumpf gegen die kapitalistische Gesellschaftskritik spielen die konservativ=klerikalen„Mittelstandspolitiker" die Behauptung aus, die tatsächliche Entwicklung unserer Volkswirtschaft gehe anders vor sich wie die marxistische Theorie lehre. Es soll nun nicht bestritten werden, daß manche volkswirtschaftlichen Erscheinungen in den letzten Jahrzehnten nicht übereinstimmen mit den Voraussetzungen Marx=Engels' in ihrem genialen Kommunistischen Manifest. Aber das haben Engels sowohl wie Bernstein und Kautsky übereinstimmend anerkannt; nur in der graduellen Bewertung dieser Erfahrungen und ihrer Anwendung auf die politische Praxis bestehen unter den Sozialisten Meinungsverschiedenheiten. Daß jedoch MarxEngels im großen und ganzen den Werdegang insbesondere der gewerblichen Zustände richtig vorgezeichnet haben, wird wiederum bestatigt durch die in der Statistischen Korrespondenz publizierten Hauptergebnisse der gewerblichen Betriebsstatistik für Preußen vom 12. Juni 1007 Die amtlichen Juni 1907. Statistiker komm Statistiker kommen zu dem, Resultat, eine „Entwicklung der Gewerbe zum Großbetrieve sei unverkennbar! Von 1895 bis 1907 ist in Preußen die Zahl der Alleinbetriebe(d. h. Betriebe ohne Hiltspersonen oder Motore, also handwerksmäßige Kleinbetriebe) von 951642 auf 784197= um 17,60 Prozent zurückgegangen, während die Mitinhaber=, Gehilfen= und Motorenbetriebe von 791699 auf 1111 300= um 40,37 Prozent zunahmen! Wenn auch ein Teil der Alleinbetriebe sich durch Einstellung von Gehilfen oder Motoren in eine obere Betriebsklasse geschwungen hat, so kommen die amtlichen Statistiker doch zu dem Schluß:„ein anderer Teil der Alleinbetriebe ist offenbar eingegangen, was einen Rückgang des Kleingewerbes im allgemeinen und, soweit das eigentliche Gewerbe in Betracht kommt, des Handwerks im besonderen bedeutet"!„Alle Versuche, durch zünflerische Gesetze und Verordnungen den Niedergang der selbständigen Kleinhandwerker aufzuhalten, sind also fehlgeschlagen. Die„Mittelstandspolitiker" haben den Untergehenden nur Hoffnungen erweckt, die nicht in Erfüllung gehen konnten, weil sich die Entwicklung der Volkswirtschaft nicht durch Gesetzesparagraphen ihren Weg vorschreiben läßt. In welchem Maße der selbständige Handwerkerstand unter die Räder der Großindustrie und des Großkapitals gekommen ist, zeigen folgende Zahlen. Es entfielen Personen ung, auf die 1895 1907 Auemnbetriebe 951 642 784 197 Gehilfen= usw.=Betriebe 4924441 7584 715 zusammen: 5876083 8368912 Von der riesigen gewerblichen Entwicklung innerhalb der genannten 12 Jahre hat das Kleinhandwerk nicht nur nichts profitiert, sondern es hat während dieser Zeit noch ungemein an Boden verloren. Die Gesamtbevölkerung Preußens hat sich von 1895 bis 1907 um 19 Prozent vermehrt, die Zahl der gewerblich tätigen Personen nahm in derselben Periode um 42 Prozent zu; aber zugleich verminderte sich die Anzahl der handwerksmäßigen Alleinbetriebe um 17,6 Prozent! Wer angesichts dieser Ermittelungen den Handwerksmeistern noch vorspiegeln kann, unsere gewerbliche Entwicklung dränge nicht zur kapitalistischen Konzentration, der ist entweder Ignorant oder Demagoge.(Dabei läßt die Zählung die Frage noch ganz unberücksichtigt, wieviel einzelne Betriebe schon in einer Hand vereinigt sind.) Auch der Trost ist schwach, wenn auch die Alleinbetriebe sich verminderten, so hätten sich doch die Kleinbetriebe, d. h. solche, in denen bis zu 5 Personen beschäftigt sind, vermehrt, und es seien solche Betriebe immer noch als handwerksmäßige zu bezeichnen. Demgegenüber stellt die amtliche Statistik fest, daß von 1895 bis 1907 die Zunahme der„Hauptbetriebe“ und der darin beschäftigten Personen betrug .„ Betriebe Personen bei den Betrieben bis 5 Personen 6,10 12/21 „„„ über 5„ 44,43 66,43 Wieder ein überwältigender Fortschritt der größeren gegenüber den Kleinbetrieben. Auch die Zunahme der Kleinbetriebe ist weit hinter dem Bevölkerungszuwachs zurückgeblieben, was einem Niedergang gleich zu achten ist. Andererseits zeigen die Riesenbetriebe(mit über 500 Arbeitern) einen Zuwachs der Betriebe um 70,4 Prozent und der beschäftigten Personen von 89,11 Prozent auf; hier ist demnach eine doppelt so starke Vermehrung der Arbeiterschaft wie der Volksvermehrung eingetreten! Von 22 Gewerbegruppen weisen 9 eine absolute Verringerung der Kleinbetriebe auf, am stärksten ist der Rückgang, mit 52,14 Prozent der Betriebe, in der Textilindustrie! In der Textilindustrie hat sich der Untergang der Alleinbetriebe in einem ganz außerordentlich starken Maße vollzogen. 1907 gab es hier 62 Prozent weniger Alleinbetriebe wie 1895! Die wirtschaftliche Ruinierung der übrigens auch nur noch meistens dem Namen nach„selbständigen“ Handweber hat sich rapide vollzogen. Aber auch sonst bietet die Textilindustrie ein unerfreuliches Bild. Während sich im allgemeinen die Zahl der gewerblich tätigen Personen 1895 bis 1907 um 41,81 Prozent hob. betrug die Zunahme in der Textilindustrie nur 0,81 Prozent (von 441 885 aus 445 452); einer Verminderung der Kleinbetriebe um 52,14 Prozent steht nur eine Vermehrung der größeren Betriebe von 12,36 Prozent gegenüber. Wo sonst sich absolut die Kleinbetriebe verringerten, so im Baugewerbe in der Metallverarbeitung und in der Maschinenindustrie, da nahmen dafür die größeren Betriebe entsprechend zu. Man kann deshalb von einem allgemeinen Stillstand oder gar Rückgang der Textilindustrie sprechen, und wenn man sich vergegenwärtigt, wie gerade aus diesem Gewerbe sehr viele Klagen über üble Folgen der erhöhten Zölle in den neuen Handelsverträgen kommen, dann darf mindestens angenommen werden, an der trüben Lage dieser Industrie sei der neue Zolltarif nicht unschuldig. Auch hier finden wir wieder eine sozialdemokratische Voraussage bestätigt: Im Verlauf der Zolltarifdebatte(1902) hielten die sozialdemokratischen Parlamentarier den Zollfreunden vor, sie gebärdeten sich sonst als„Freunde und Förderer des Mittelstandes“, der neue Zolltarif würde aber gerade den wirtschaftlich Schwächeren die schlimmsten Wunden schlagen. Das ist eingetroffen. In der Textilindustrie, wo noch ungemein zahlreiche Kleingewerbetreibende ein freilich klägliches Dasein fristen, hat sich die Vernichtung des Mittelstandes außerordentlich stark vollzogen, und auch im allgemeinen ist dieser Erwerbszweig zurückgeblieben. So halten die„Mittelstandspolititer“ ourch ihre vielgerühmte Wirtschaftspolitik den„Untergang des Handwerks und der Kleinbetriebe beschleunigen, arbeiteten dem Großkapital in die Hände. Daß das Großkapital als Revolutionär auftritt, geht klar hervor aus der Betriebszählung. Die weitaus stärkste Konzentration hat sich vollzogen im Handelsgewerbe und in der Gruppe Bergbau, Hütten und Salinen. Hier ist das Großbankenkapital am aktivsten beteiligt. Sein Weg ist bedeckt mit den Trümmern des ruinierten Handwerkerstandes und der vernichteten Kleinbetriebe. Politische Uebersicht. Deutsches Parteisekretäre. Die Sekretäre der sozialdemokratischen Partei und der Gewerkschaften sind bekanntlich von seiten der bürgerlichen Parteien oft in sehr gehässiger Weise angegriffen worden. In der letzten Zeit haben aber diese Parteien erkannt, daß die Sekretariate eine im Parteileben und Gewerkschaftswesen unentbehrliche Einrichtung sind. Sie haben angefangen, sich auch solche„Sekretäre" zuzulegen. Jetzt schreibt die nationalliberale„Rhein.=Westf. Ztg.“: „Die Partei hat aus langer Erfahrung gelernt, welchen Wert solche, die agitatorische Arbeit auch in politisch ruhigen Zeiten lebendig erhaltende berufsmäßige Parteibeamte besitzen. Nicht nur für die Wahlzeit erfüllen sie ihren Zweck, viel wertvoller und unentbehrlicher ist ihre Kraft für die Zeit zwischen den Wahlkämpfen. In der Zeit der Wahlagitation finden sich zur Not noch freiwillige brauchbare agitatorische Kräfte in hinreichender Zahl, aber in der Zwischenzeit geschieht zumeist wenig oder gar nichts, da die freiwilligen Helfer schon genügend Opfer bringen müssen, wenn sie während der Wahlbewegung Zeit und Kraft für die Partei einsetzen. Gerade in den ruhigen Zeiten kann aber am nachhaltigsten gewirkt und der Kampf am zweckmäßigsten vorbereitet werden. Das ist die Zeit nicht nur der Sammlung und Schulung der Parteifreunde, sondern auch der einen in und digten UnterDie Die ffe gein 400 ierung iments ten in nleihe, nd die rschlag en die städten n will, Ablauf lassen, dieser nd die 's von ihe die kkehrte. Worten eft ein Kataereint. ildaten „ ohne strigen er ein en ein gleitet Kathekerung t. 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Je mehr andere Parteien sich der Parteisekretariate bedienen, um zum Wahlkampfe wohlgerüstet auf den Plan treten zu können, um so mehr wird es auch für die Konservativen zur Notwendigkeit, diese Einrichtung, die ja stellenweise schon geschaffen ist und sich bewährt hat, in größerem Umfange auszubauen. So ahmen also die burgerlichen Parteien das„böse Beispiel“ der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften nach. slast wird herschtel, in Sachsen. Dem„Verliner Tage. Dresden, 2. Januar. Das sächsische Volk soll auf der Hut sein, daß es über Nacht nicht ein Wahlrecht bekomme, bei dem ihm abermals die Augen übergehen. Das Wahlrechtsproblem wird nämlich gegenwärtig in streng vertraulichen Sitzungen— von denen heute die erste stattfand,— von den Direktoren der beiden Kammern, einzelnen hervorragenden konservativen und nationalliberalen Abgeordneten und Mitgliedern der Wahlrechtsdeputation der ersten Kammer beraten. Augenscheinlich soll in diesen verschwiegenen Konferenzen wenigstens in den Grundzügen ein Wahlrecht festgelegt werden, das schließlich auch die Zustimmung der zweiren Kammer findet. Ueber die Beratungen wird peinliches Stillschweigen bewahrt. Ebenso ist bemerkenswert, daß an den Konferenzen kein Abgeordneter vom linken Flügel der Nationalliberalen teilnimmt. Offenbar ist der Schwerpunkt in der Wahlrechtsfrage jetzt aus der zuständigen Deputation der ersten Kammer in diese Konferenzen verlegt worden. Theorie und Praxis. Was man von den Ver Liberalen zu halten hat, zeige wieverum die Steuung der „„„ Eer der Sehandinn) der sist wicherum d#, Stessprechungg... „herum die Stellung der Augsburger tiveralen Katyausmeyrheit bei der Behandlung eines von den sozialdemokratischen Gemeindevertretern eingebrachten Antrages auf Beseitigung der unverhältnismäßig hohen Bürgerrechtsgebühren. In allen Wählerversammlungen hatten die liberalen Redner die Beseitigung der Bürgerrechtsgebühr als dringend notwendig hingestellt, weil nicht mehr zeitgemäß. In der Sitzung des Gemeindekollegiums lehnte nun die liberale Mehrheit den Antrag der Sozialdemokraten unter nichtigen Ausreden glatt ab; ein Antrag des Zentrums, der eine Ermäßigung der Bürgerrechtsgebühren anstrebte, wurde eben falls abgelehnt. Von der Reform des Strafgesetzbuches. Die„Kölnische Ztg.“ die Meldung, daß dem Bundesrat in den nächsten inhaltunkt aus soll für gewisse Gesetzesverletzungen, bei denen nach geltendem Recht ausschließlich Gefängnisstrafe verhängt werden kann, gelindere Ahndung durch wahlweise Zulassung von Geldstrafen ermöglicht werden. Desgleichen soll eine mildere Behandlung der Entwendung geringwertiger Gegenstände zugelassen werden, namentlich dann, wenn die Tat aus Not begangen worden ist. Neues von Wilhelm II. Berlin 4. Jan. Am Sonnabend hat, wie schon mitgeteilt, im königlichen Schloß das übliche Diner der kommandierenden Generale stattgefunden. Nach Aufhebung der Tafel hielt der Kaiser einen sachlich militärischen Vortrag über die Aufgaben und Lehren der letzten Manöver. Der Kaiser wies an der Hand von Karten auf diejenigen Momente der Nanöver hin, die seiner Meinung nach geeignet sein könnten, a. regend und belehrend zu wirken. Am Schlusse dieses Vortrages spielte der Kaiser mit einigen Worten auf die Vorgänge an, die sich im Anschluß an die Veröffentlichung des „Daily Telegraph"=Interviews ereigneten. Der Kaiser sprach in sehr ruhiger Weise, und das, was er sagte, ließ erkennen, daß die letzten Ereignisse einen sehr ernsten Eindruck auf ihn gemacht haben. Er verlas dann einen kürzlich erschienenen„Review“=Artikel und fügte hinzu, daß dieser Artikel ungefähr das enthalte, was er selbst über die jüngsten Vorgänge sagen könne. Als der Monarch seine Rede beendet hatte, naym der Rangälteste der Generale das Wort, dankte dem Kaiser und versicherte ihm das rückhaltlose Vertrauen der Armee. Frankfurt a. M., 4. Jan. Einem Berliner Telegramm der„Frankfurter Zeitung" zufolge soll der Kaiser als Text der Predigt in der Schloßkapelle am Neujahrstage die Worte gegeben haben: Ich will Frieden haben mit meinem Volke. Schwarze Listen. Zu einer Besprechung über die Frage der schwarzen Listen sind die Abgeordneten Hue, Sachse, Giesberts und Behrends in das Reichsamt des Innern geladen worden. Weitere Lehrermaßregelung. „F#richulrat hat Der badische Obersch konferenz, die kuzlich in Neckarelz stattfan. Resolution für den gemaßlegelten Karlsruhe, 2. Januar. den Vorsitzenden einer Lehrernd und eine mit einem ür den gemaßregelten Hauptlehrer Rödel annahm, erweis und 50 Mark Geldstrafe bestraft. Strafe erspart bleiben soll. Innern hat laut Blättermeldung angeordnet, daß die Anträge auf Uebernahme der Auszuweisenden nach ihrem Heimatstaate alsbald nach Beginn der Strafvollstreckung im Inlande gestellt werden sollen. Nicht selten gehen, infolge Verspätung jener Anträge, die Uebernahmeerklärungen des fremden Staates erst nach Ablauf der Strafzeit ein, so daß die Auszuweisenden, wenn nicht auf ihre Ausweisung im Wege des Transportes verzichtet wird, nach der Strafverbüßung noch in Polizeihaft genommen werden müssen, bis die Erklärung der ausländischen Regierung eintrifft. Eine solche weitere Inyaftnahme müsse schon im Interesse der Auszuweisenden selbst vermieden werden, ganz abgesehen von den Kosten, welche daraus der Staatskasse erwachsen. Student und Sozialdemokratie. In Bonn sind für diesen Winter Volksunterrichtskurse eingerichtet worden, in denen der Unterricht von Studenten erteilt wird. Als Unterrichtsgegenstände kommen zunächst die Elementarfächer: Schreiben, Deutsch, Rechnen und Erdkunde in Betracht. Nach Bedarf sollen von dieser Grundlage aus auch schwierigere Oberstufen eingerichtet werden, ferner finden zur weiteren Ausbildung gemeinverständliche Vorträge über geschlossene Wissensgebiete, Führungen durch Museen, Volksunterhaltungsabende u. a. statt. Der Unterricht selbst wird so gestaltet, daß nach einem kleinen Vortrag der Kursleiter Uebungen über das Gehorte(im Deutschen z. B. Uebungen im Erzählen und Reden, Diktate, kleine Aufsätze, Aufsetzen von Briefen und Gesuchen und Besprechungen einzelner Werke unserer Nationalliteratur) unter Aussicht und mit Unterstützung besonderer Uebungsleiter vorgenommen werden. Den Unterrichtsteilnehmern steht die Wahl eines Vertrauensmannes zu, der den Kursleiter über die Wünsche seiner Zuhörerschaft aufklärt und auch sonst ihre Interessen vertritt. amechmähsgs. Urte zu über das Unternehmen, gegen dessen Ax#arrunetzreit an sich nichts einzuwenden wäre, da wir über u enzelheiten des Betriebes nichts Näheres wissen. Jeden„beweist eine derartige Einrichtung, wie mangelhaft es mit pielgerühmten Volksschule noch bestellt ist, da sie nicht einmal imstande ist, die Jugend mit dem nötigen Elementarwil e Später ihre du und nachhaltig genug ist, daLeben auszufüllen vermag, uu deichen und im öftentlichen den Studenten der Unterricht in diesen Kursen zuträglicher, als den Arbeitern, die daran teilnehmen, da sie am, diese Weise wenigstens Gelegenheit haben, mit den Angeer arbeitenden Klasse zusammenzukommen und, wofern sie Wert—.u, legen, deren Anschauungen und Meinungen kennen zu lernen. Der Rektor der Bonner Universität, Geheimrat Erdmann, hat kein Bedenken getragen, diese Unterrichtskurse zu genehmigen und den Studenten der PrinzenUniversität zu gestatten, daß sie unter das arbeitende Volk treten und auf diese Weise vielleicht auch mit Sozialdemokraten in Berührung kommen. Darüber darf man sich einigermaßen wundern, denn der Herr Rektor hat im übrigen eine tiefgehende Scheu vor Sozialdemokraten, wie folgender Fall beweist: Die. staats, und rechtswissenschaftliche Abteilung der Bonner Freistaventenschaft wandte sich vergangenen Herbst an den Genossen Erdmann in Köln mit dem Ersuchen, in der genannten Abteilung einen Vortrag über die deutsche Gewerkschaftsbewegung zu halten. Genosse Erdmann sagte zu, aber Rektor Erdmann, dem zu Beginn des Winters die Vortragsliste der Freistudentenschaft vorgelegt wurde, genehmigte den Vortrag des Genossen Erdmann nicht, als er hörte, daß es sich um den Kölner Sozialdemokraten handele. „Frei ist der Bursch!“— heißt es im Liede. Aber er ist voch nicht so frei, daß er dem Vortrage eines Sozialdemokraten beiwohnen darf und er ist erst recht nicht so frei, daß er gegen ein derartiges Verbot aufzumucken wagt. Und so ist es denn den Bonner Studenten wohl gestattet, von ihrem Wissen den Arbeitern, auch sozialdemokratischen, mitzuteilen, aber es ist ihnen verboten, ihr Wissen von einem Sozialdemokraten bereichern zu lassen. Offenbar muß man, wie Geheimrat Erdmann, Professor der Psychologie sein, um für solche Merkwürdigkeiten hinreichende Gründe zu finden.— prozentuale Belastung des Tabaks und der alkoholischen Getränke durch die neuen Steuern. Ein Dr. Jul. Lissner gibt in der Zeitschrift für Sozialwissenschaft eine Zusammenstellung über Konsumwert und Steuerbelastung des des Bieres, des Branntweines und des Weines. Danach stellt sich das Verhältnis folgendermaßen dar: Konsum. Steuerwert aufkommen Zigarren...... 563 Mill. K 51 Mill. K= 9 v. H. Zigaretten..... 135„„ Rauch=, Kau=, Schnupftabak 94„„ 18 Bier in Norddeutschland 1800„„ 72 Bier in Süddeutschland. 687„„ 65 Inländischer Schnaps„ 702„„ 140 Ausländischer Schnaps. 21„„ 6 Wein 550„„ 129 Schaumwein..... 49„„ 9 Tabakfabrikate, insgesamt 792 Bier, insgesamt... 2487 Branntwein, insgesamt. 723 Wein, insgesamt... 599 „„=20„ „„=19½3„ „"= 4„ „„= 9½„ 9 0 07 n 00 n 00 4 n 07 „ 96„ „ 137„ „ 146„ 38 =1934 =28 1/2 = 5¼ = 18 1/3 =12 = 5½ = 20 6 1/3 Durch die neuen Steuern soll weiterhin belastet werden: der Tabak mit 77 Mill. A das Bier mit 100„„ der Branntwein mit 100„„ der Wein mit 20„„ Vorausgesetzt, daß die Konsumwerte richtig eingesetzt sind, würde einem Gesamtwerte von 4601 Mill. R eine Steuerbelastung von 714 Mill. J, das sind 15,5 Prozent, gegenüberstehen. Im einzelnen geht die Belastung bis über ein volles Drittel des Wertes hinauf, wie die folgende Zusammenstellung mit Einbeziehung der projektierten Steuern zeigt: Bier Branntwein Wein 21,8 9.5 34,— 9,6 man berücksichtigt, daß das Bier durch bundesstaatliche Biersteuern noch stark belastet ist, sodaß sich die prozentuale Besteuerung noch wesentlich erhöht, so ergibt sich, daß selbst bei diesen Verbrauchsabgaben die besitzende Klasse durch die geringere Belastung des Weines erheblich begünstigt wird. Kriselt es? Wie verlautet, soll der Handelsminister Delbrück in Ungnade gefallen sein und zwar an einer Stelle, die schon manchen Minister gestürzt hat. Aus dem Handelsministerium läßt sich darüber ein konservatives Blatt schreiben: „Es ist im Ministerium schon lange ein offenes Geheimnis gewesen, daß große Zweige der Industrie dem Handelsminister gram feien. Man wagte nicht, offen gegen ihn aufzutreten, dazu war er beim Parlament namentlich zu populär; so benutzte man die erste beste Gelegenheit, ihn hinwegzuloben, ohne allerdings einen Erfolg zu erringen, denn dem Minister ist sein Ressort eng ans Herz gewachsen, und bevor er nicht seine Reformpläne verwirklicht hat, die auf verschiedenen Gebieten Verlassen seines Postens. Der Großindustrie ist in weiteren sen nicht bekannt geworden, weil die Großindustrie sich scheut, als antisozial bezeichnet zu werden. In Wahrheit grollt sie aber dem Minister, weil er zu sozial denkt und namentlich in Bergarbeiterfragen eine zu entgegenkommende Stellung einnimmt. Dazu kommt, daß man in den Großindustriellenkreisen es dem Handelsminister als schwere Schuld anrechnet, daß er seinen Einfluß bei der vor Weihnachten im Reichstage verabNovell der Texti sehr getroffen fühlt. Auch die Kohlenbarone grollen, weil ihnen die Frauenarbeit in ihren Kohlenwerken teilweise verboten wer den wird. Desgleichen wird das Versprechen, Arbeiterkontrolleure bei der Grubenkontrolle einzuführen, übel vermerkt. Aus nationalliberalen Kreisen sollen, wie die Zuschrift bemerkt, dem Hanelegenheiten bereitet diese Flucht in die Oeffentlichkeit Herrn Delbrück helfen wird? Wie ein hiegestes Depeschenbureau„Preß=Telegraph“ von einer dem Reichsschatzsekretar Sydow nabestehenden Seite erfahren haben will, sei der Rücktritt des Genannten nahe bevorstehend. Die ungünstige Aufnahme seiner Reichsfinanzreformpläne habe ihn veranlaßt, seinen Abschied zu erbitten. Nach einer Meldung der„Saalezeitung“ dementiert Staatssekretär Sydow in einem Telegramm an dieses Blatt jedoch diese Mitteilung. Herr Sydow erklärt diese Nachricht für„vollstandig aus der aft gegriffen". Die Stellung des Staatssekretars sei, wie das Blatt meint, nicht im geringsten erschüttert. Also das beliebte Frage= und Antwortspiel: Geht er, geht er nicht, wird immer noch so fleißig wie je zuvor betrieben. Viel Interessantes kommt dabei jetzt ebenso wenig heraus wie früher. Rußland. Skandal in der Duma. Petersburg, 3. Jan. Anläßlich der fortwährend steigenden Zahl der Todesurteile, deren gestern allein in Jekaterinoslaw 42 vollstreckt wurden, hat gestern der Führer der Kadettenpartei Miljukow in der Duma eine Interpellation eingebracht, die den Regierungsterror verurteilt. Das Zentrum und die Abgeordneten der Rechten protestierten empört gegen die Kadetten und nannten sie Mordgesellen und Bombenfreunde. Es entstand ein kolossaler Skandal. Schließlich wurde die Interpellation abgelehnt. Die gesamte Linke einschließlich der Kadetten verließ unter Protest die Duma, die gleichzeitig durch einen Ukas des Zaren auf einen Monat vertagt wurde. Somit entsteht ein pariamentarisches Interregnum. China. Yuanschikai in Unguade. Peking, 8. Jan. Ein kaiserliches Edikt von gestern entsetzt Yuanschikai aus Gesundheitsrücksichten aller seiner Aemter und befiehlt ihm, in seine Heimat dunkel ernste Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 4. Januar. e Preise der Wäschefabrikate. Aus dem Bureau der Handelskammer wird uns geschrieben: Die Berliner Wäsche. jabtikänten hielte ihre letzten Versammlung in diesem Jahre ab, um die Situation, wie sie augenblicklich in ihrer Industrie herrscht, zu besprechen. Das Resultat der eingehenden Aussprache war die Erkenntnis, daß die Verkaufspreise der Wäschefabrikate ihren Tiefstand eine Berechtigung zu einem weiteren Rückgange derselben nicht vorliegt. Auf demselben Standpunkt steht der Verein zur Förderung der Leinen= und Wäsche=Industrie zu Bielefeld und der Verein Sächsischer Wäschefabrikanten.: Verband der Schneider und Wäschearbeiter. Dienstag, 5. Januar, abends 8½ Uhr, findet im Lokale Heybrock, Spindelstraße, unsere Bezirksversammlung statt. schrishen u dem Theater=Bureau wird uns geOtto Erich Hartlevens„Rosenmontag“ wird heute zum letzten Maie gegeben. Dienstag abend geht„Die„Ehre“ von Hermann Sudermann in Szene. Die Novität„O diese Leutnants die am Neujahrstage und gestern die stürmische Heiterkeit des fast ausverkauften Hauses erregte, kommt Mittwoch zum dritten Male Aufführung. Sonntag findet eine Wiederholung der LustspielNovität„Die Tur ins Freie“ statt. — Biotophontheater. Von der Direktion wird uns geschrieben: Zweimaligen Programmwechsel in jeder Woche hat die Direktion des Biotophontheaters ab 1. Januar 1909 eingeführt. Nur erstklassige. garantiert letzterschienene Neuheiten kommen zur Vorführung. In dieser Woche ist ein besonders gut gewähltes Programm zu sehen. ##. Die Betriebs=Eröffnung der Neubaustrecke Bad Londungen—Buhlen, welche zum 1. Januar 1909 in Aussicht genommen war, findet erst am 1. Februar 1909 statt. — Kinematographen=Theater zur alten Post. Von der wird uns geschrieben Glanznummern im vollsten Sinne des Worts enthält das neue Programm des Kinematographen= Theaters zur alten Post.„Der Graf von Monte Christo“, der bekannte Dumassche Roman zieht in lebenswahren Bildern an uns vorüber, abwechselnd mit dem durch spannende Handlung ausgezeichneten„Der Sohn des Zollwächters". Natürlich kommt auch der Humor zu seinem Recht, denn„Der Lotteriegewinner und sein Guestigteit(Paulinchen, der Papaget“, geben Stoff zu ungeheurer — Aufgefundener Embryo. Am Sonnabend vormittag fanden spielende Kinder unterhalb der Osnabrückerstraße, in der Nähe des Eiskellers von Grabe, unter einer Tonröhre einen 5 bis 6 Monate alten menschlichen Embryo, der in Zeitungspapier eingewickelt war. Derselbe wurde nachmittags von der Polizei beschlagnahmt. — Vollkommen niedergebrannt ist heute nacht um ½3 Uhr vie Wirtschaft zur schönen Aussicht. — Polizeibericht. Fahrraddiebstahl. Am 24. 12. 08 wurde in Lübbecke ein Fahrrad im Werte von zirka 80 Mark entwendet. Marke„Westfalia“, Nr. 156 036. Oelgemälde=Diebstahl. Aus der Kunstausstellung von Sch. in Düsseldorf wurde am 23. 12. 08 ein Oelgemälde von verstorbenen Maler Karl Spitzweg im Werte von zirka 1800 Mk. entwendet. Das Bild ist zirka 23X35 Ztm. groß und oldrak E** befindet sich in einem älteren Golb#uhmen. Es stellt zwei Bauernhauser vor einer Schlucht dar: links befindet sich ein Wasserfall. Auf der Rückseite sind mehrere Zettel aufgeklebt, wovon vermutlich einer den Namen Eugen Spitzweg tragt. Gefunden: 1 schwarzer Pelz; 1 Doublé=Kneifer; 1 goldener Trauring ohne Zeichen. Zugelaufen: 1 schwarzer deutscher Schäferhund; 1 brauner Jagdhund. Sportportemonnaie mit 6 Mk. Inhalt; 1 goldenes Medaillon mit Kette; 1 Fünfzigmarkschein; 1 silbernes Kettenarmband mit 3 Anhänger. Entlaufen: 1 deutscher Schäferhund. Eingebrochen wurde in der Nacht zum 3. 1. 09 in den Laden des Händlers Fritz H. hier, Lützowstr., und dabei eine Gans und mehrere Apfelsinen entwendet. Festgenommen wurden 2 Personen wegen Trunkenheit und Verubung groben Unfugs; 19 Obdachlose erhielten im Polizeigefängnis Unterkunft. Deutscher Arbeiter=Abstinentenbund Gau Ostwestfalen und Lippe. Gau=Konferenz am Sonntag, 10. Januar 1909, nachmittags 2½ Uhr in Bielefeld im Restaurant zur Stadt Bielefeld, Marktstr. 8. Tagesordnung: 1. Konstituierung. 2. Bericht der Delegierten. 3. Unsere Taktik. Referent Genosse Max Sachs. 4. Wahl des Gauleiters. 5. Sonstiges. Wir ersuchen die Ortsgruppen, sich gemäß§ 14 des Bundesstatuts durch Delegierte an der Konferenz zu beteiligen, erwarten aber auch eine starke Beteiligung aller anderen Bundesmitglieder. Die provisorische Gauleitung. I. A.: Gustav Riep, Bielefeld, Hermannstr. 48. An die Parteigenossen in Lippe. Die Landtagswahlkomitees der einzelnen Orte werden ersucht, bis zum 8. Januar die Abrechnungen, Sammellisten und Gelder von der Landtagswahl an den Unterzeichneten einzusenden. Die Abrechnungen der Ortsvereine müssen getrennt von der Landtagswahl gehalten werden, auch dürfen keine Gelder der Ortsvereine für die Landtagswahl verrechnet werden. Aug. Schmuck, Opingstr. 92. Oeffentliche Protestkonferenz gegen die geplante Belastung des Tabaks durch neue Steuern für das Fürstentum Lippe=Detmold. Sonntag, den 10. Januar, nachmittags 3 Uhr, in Lage im Saale des Herrn Voß, Langestraße. Tagesordnung: 1. Die Folgen einer weiteren Belastung der Tabakindustrie durch neue Steuern. Referent: Kollege SchlüterBielefeld. Hierzu wird Herr Dr. Neumann=Hofer eingeladen. 2. Verschiedenes. Wir erwarten, daß alle Ortschaften in Lippe, wo Tabakindustrie oder deren Nebengewerbe, wie Etikettenfabrikation usw., vorhanden sind, auf dieser Konferenz vertreten sind. Ebenso sind auch die Zigarrenladeninhaber und fabrikanten freundlichst eingeladen. Die Zentralkommission zur Bekämpfung der Tabaksteuer “ für das Fürstentum Lippe=Detmold. I. A.: Fritzemeyer, Lemgo, Neuestr. 116. * Gadderbaum, 4. Januar. Parteibesprechung. Am Dienstag, den 5. Januar, abends 6 ½ Uhr, findet bei Bracksiek, Hallerweg, eine Parteibesprechung statt. Hierzu müssen sämtliche Straßen=Vertrauensmänner unbedingt erscheinen. * Herford, 3. Januar. Der Konsum=Verein Herford und Umgegend erzielte im Monat Dezember in seinen 6 Verkaufsstellen einen Umsatz von 29 727 Mark, ein Mehr gegen den gleichen Monat im Vorjahre von 12282 Mark. 48 neue Mitglieder wurden im Berichtsmonate ausgenommen. * Detmold, 3. Januar. Unterrichtsabend. Am Dienstag, den 5. Januar, findet in der Centralhalle präzise 8½ Uhr der zweite Unterrichtsabend statt. Genosse Schreck=Bielefeld wird das Thema„Geschichte der Gewerkschaftsbewegung“ behandeln. * Münster, 2. Januar. Großfeuer. Wie mir dem „Münst. Anzeiger“ entnehmen, ist am Donnerstag das Geschäftsgebäude der Landesversicherungsanstalt der Provinz Westfalen ein Raub der Flammen geworden. Das Geschäftsgebäude bestand aus zwei Gebäuden, einem vor mehreren Jahren auf gerahrten breistoirigen Neuvau und einem mit diesem in unmittelbarer Verbindung stehenden alten adeligen Hof, dem früheren Kerkerinck=Borgschen Besitztum, das für die Zwecke dei Landes=Versicherungsanstalt einem größeren Umbau unterzogen war. In diesem Gebaude war im dritten Stockwerk, anscheinend in der Renten=Registratur, Feuer ausgebrochen. Es mußte schon längere Zeit gewütet haben, denn als gegen 6½ Uhr früh die städtische Brandwache eintraf, hatte das Feuer, das man gegen 5½ Uhr bemerkt hat, bereits einen großen Umfang angenommen. Die Brandwache, die sofort umfassende Bekämpfungsmaßregeln traf, erhielt recht bald Unterstützung durch die gesamte freiwillige Feuerwehr einschließlich der Wehr von Werse=Delstrup, zahlreiche Privatleute und Unteroffiziere und Mannschaften der nahegelegenen Aegidikaserne. Alle Bemühungen konnten aber dem verheerenden Elemente keinen Einhalt tun. Fast sämtliche auf dem Dachboden liegenden reponierten Akten sind verbrannt, außerdem ein großer Bestand der im dritten Stockwerk liegenden General- und Rentenakten. Gerettet sind u. a. von wichtigen Aktenstücken die Personalakten und Schuldurkunden über die Hypothekendarlehen. Immerhin dürfte der Schaden, den die Landesversicherungsanstalt erleidet, ein recht empfindlicher und für den Fortgang der Geschäfte recht störender sein. Ueber die Entstehung des Feuers ist noch nichts bekannt, sie wird sich auch wohl schwerlich feststellen lassen. Man vermutet, daß das Feuer beim Ofenanmachen— das alte Gebäude hatte noch keine Zentralheizung wie der nebenanliegende Neubau— entstanden ist. Vielleicht hat auch ein sorglos hingeworfenes Streichholz das verheerende Element entfesselt. Bei der ganzen Bauart des Gebäudes, welches noch stark mit Holz durchsetzt war, war dem Feuer, das außerdem noch an den großen Papiervorräten reichliche Nahrung fand, der Weg geebnet. Das wuchtige Mansard=Dach ist bis auf einen kleinen Rest zerstort. Das oberste Stockwerk ist ganz ausgebrannt und vom mittleren Stockwerke nur wenig verschont geblieben. Und was das Feuer hier und in dem untersten Stockwerke nicht zerstört, das ist verdorben durch den niederstürzenden Schutt und die ungeheuren Wassermassen. Ein großer Teil der geretteten Akten wurde in einem hinter dem alten Gebäude liegenden Schuppen aufeinander geschichtet. Wenn es sich bestätigt, daß die Rentenakten, also die Dokumente, auf Grund deren festgestellt wird, welche Rente im Falle des Inkrafttretens der Versicherung jeder einzelne bezieht, verbrannt sind, dann ist der schon hier entstandene Schaden ganz ungeheuer und kaum zu ersetzen, im gegenwärtigen Augenblicke läßt sich aber noch gar nicht feststellen, was verbrannt und was erhalten ist. Bochum, 4. Jan. Rauferei mit tödlichem Ausgang In Altenbochum geriet ein Matrose, ein Husar und ein Infanterist mit 2 Bergleuten in Streit, der zu einer Prügelei ausartete. Im Verlaufe derselben wurde einer der Bergleute erstochen, der andere lebensgefährlich verletzt. Ein Bruder des erstochenen Bergmanns wurde beim Anblick der Leiche von Krämpfen befallen und schwebt in Gefahr den Verstand zu verlieren. Der Husar und der Infanterist wurden verhaftet, der Matrose ist entflohen. * Düsseldorf, 3. Januar. In dem benachbarten Eller verbrannten zwei Kinder von 4 und 6 Jahren in Abwesenheit der Eltern. Durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern war Feuer entstanden. Erdbeben in Süd-Italien. Die Wisserschaft über die Katast Die Aeußerungen über die Katastrophe. der Geologen, die ihre Theorien uoer Erdbeben darlegen, sind zahlreich. Der Direktor des geologischen und paläontologischen Instituts der Universität Berlin, Geheimer Bergrat Professor Dr. Branca, äußerte sich über die Erdbebenkatastrophe folgendermaßen: .. Die Erdbeben in Kalabrien und Sizilien gelten als tektonische, das heißt als solche, die infolge des Absinkens ungeheurer Erdschollen entstehen. Das Erkalten der Erde bedingt, daß solche riesigen Schollen sich auf einen möglichst kleinen Raum zusammenzudrangen suchen und es entsteht dann entweder durch das horizontale oder vertikale Reiben dieser riesigen Schollen das tektonische Erdbeben.... Ebenso wie das Festland kann auch der Meeresboden Stöße von unten bekommen, in deren Folge sich das Meer plötzlich erhebt. Wenn nun der Stoß nahe der Küste erfolgt, so wirft sich das Wasser mit ungeheurer Macht auf die Küste, wenn sie flach ist, und richtet große Ueberschwemmungen an. Auf solche Weise wurden im Jahre 783 bei Bagnara etwa 2000 Menschen, die sich an der flachen Küste vor den einstürzenden Häusern gerettet hatten, weggespült. Trotz der Gefahr haben diese Ueberschwemmungen doch noch einen Vorteil, besonders wenn sie zu einer Zeit eintreten, wo in vielen Häusern noch die Herdfeuer brennen, weil in den Trümmern ungeheure Feuersbrunste entstehen und die darunter begrabenen Menschen elend geröstet werden. So kamen 1783 die Nonnen eines Klosters, in dem noch große Oelvorräte lagerten, um, ohne daß ihnen Hilfe gebracht werden konnte. Auch als Lissabon im Jahre 1755 inge eines Erdbebens einstürzte und 30000 Menschen versuttet wurden, entstanden in den Ruinen zahllose Brande, die nur durch das plötzlich einbrechende Wasser des Tajo gelöscht wurden.... Seyr gefährlich werden solche Erdbeben durch Bergstürze, die häufig in ihrer Begleitung auftreten, denn wenn durch Stoße von unten auch die Berge zerbersten, werden von den Gehängen ungeheuere Schuttmassen ins Tal geschleudert. Eine Stadt also, die nahe an einem Bergabhange steht, rutscht unter Umständen mit allen ihren Häusern in die Tiefe hinab und wird zerstört. Ein Fluß, der das Tal entlang fließt, wird " Voilssealer. en. Sonntag, 3. Januar. O diese Leutnants! Lustspiel in drei Akten von Kurt Kraatz. Bei dinl. allen ten nirrnrt..##n diesem L sich uns nicht zuerst die Frage auf, oo es Mtrerzafferse ziges. namlich und dafür burgt auch der Name des Verfassers. diesem Lustspiel drängt zig ist. Das ist es ur burgt auch: ein richtiges Lustspiel muß zu allererst einen ernsten Inhalt haben, und das fehlt diesem Lustspiel vollständig. Es ist geradezu emporend, wenn dort, wo das deutsche Bürgertum zu Wort kommen soll, eine Verherrlichung der Leutnants in Verbindung mit: dem ostelbischen Junkertum losgelassen wird, die an Unwahrhaftigkeit das Menschenmögliche leistet. Der Leutnant Hans Joachim von Crossen hat sehr flott gelebt; er glaubte das auf seines Vaters Tasche sich leisten zu können. Aber da sein Vater ein noch inhaltloseres und kostspieligeres Leben führte als der Herr Sohn, so wurde das große Vermögen aufgebraucht, und der Herr Leutnant muß eine reiche Amerikanerin heiraten. Und für diese bohlen Nüsse soll man sich interessieren, man muß mitanhören, wie Hans Joachim und der alte Schützenjäger in Wehmut über das traurige Schicksal der kleinen Nelly zerfließen, und wie endlich Hans Joachims Mannesbrust geschwellt wird, wenn er auf des Kaisers Uniform zu sprechen kommt Nevenbei ist dieser Hans Joachim ein solcher Uebermensch, daß er sich nur den Arm zu brechen braucht, so daß er seine Leutnantsuniform auf ein halbes Jahr ausziehen muß, um durch kolossales Arbeiten auf agrarischem Gebiet das väterliche Besitzfum wieder flott zu machen und die Schulden zu bezahlen!! Solche Kindereien werden dem Publikum in einem Lustspiel vorgesetzt! Dabei das Lächerlichste: Zum Schluß kriegt die Amerikanerin Mabel Parker ihren Leutnant und zwar unter der Bedingung, daß dieser wie zuvor sich seinen beseligenden Relrutenübungen widmen darf— die Arbeit in der Landwirtchaft scheint keinen Reiz auf ihn ausgeübt zu haben— und der Amerikaner Bob Wurster kriegt die deutsche Jungfrau. Eine wirkliche Tendenz ist überhaupt in diesem Lustspiel nicht vorhanden, sondern nur ein blödes Durcheinander. c allerdings wurde prächtig gespielt. Es kommt fur den Erfolg alles auf die Mabel Parker an, und Melly Stollberg gab sie unübertrefflich. Ein würdiger Partner von ihr war Hubert Hopkirch als Bob Wurster. Brillant waren auch Hans Freihen als Graf Aribert und Fritz Reiff als Peter. Sonst waren in dem Stück keine Rollen vorhanden. Und der Titel paßt schon aar nicht zu dem Stück. durch die Erdmassen aufgestaut, bildet einen See, überschwemmt das ganze Tal und versumpft es. Im Jahre 1873 wurde in Kalabrien eine ganze Anzahl von Ortschaften mit all ihren Häusern in die Tiefe gerissen. Aber nicht nur das, sondern auch accher und Gärten hatten sich derart ineinander und übereinander geschoben, daß gar keine Grenzen mehr zu entdecken waren. Die Folge davon waren zahlreiche Prozesse, weil nun die Frage auftauchte, wem eigentlich das Grundstück gehören solle, dem, dessen Acker oben, oder dem, dessen Acker unten lag. Die Regierung hat damals Gesetze erlassen müssen, um die Verhältnisse zu regeln. In Südamerika, wo etwas ähnliches durch ein Erdbeben geschehen war, war die Regierung nicht so vorsorglich gewesen und die Folge davon waren endlose Prozesse. Ob vulkanische Gewalten bei der gegenwärtigen Katastrophe mitgewirkt haben, läßt sich zurzeit nicht feststellen. Der Aetna ist zwar nicht allzu weit entfernt, aber eine Entscheidung zu treffen, wäre völlig verfrüht.“ * Dr. Viktor Conrad, Privatdozent an der Wiener Universität und Sekretär der k. k. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, schreibt über das Erdbeben vom 28. Dezember: „... Was die Lage des Erdbebenherdes betrifft, so wird dieselbe, so weit man es aus den Diagrammen erblicken kann, nicht ganz identisch mit jener des großen kalabrischen Bebens vom 8. September 1905 sein. Während letzteres seinen eigentlichen Herd im Golf von Eufemia gehabt hat, wird der Herd des jetzigen Bebens wahrscheinlich in der Straße von Messina im Jonischen Meere zu suchen sein. Für diese Annahme sprechen auch die Zeitungsberichte, die Flutwellen mit zerstörender Wirkung auf Schiffe und die Küsten melden. Solche Flutwellen sind das Charakteristikum von Seebeben. Der Erdbebenherd gehört jedenfalls der Stoßlinie an, die von Sueß(dem Präsidenten der Wiener Akademie der Wissenschaften, einem der bekanntesten Erdforscher unserer Zeit) in Süditalien auf das bestimmteste nachgewiesen worden ist. Dieselbe beginnt zwischen dem Monte Cocuzzo und dem Silawalde, halbiert das kalabrische Massiv und streicht über die Straße von Messina am Südrande des peloritanischen Gebirges bis Nicosia und noch über dasselbe hinaus. Auf diesem der tyrrhenischen Küste parallelen Bogen setzten die Erdbeben Süditaliens meistens ein, indem sich das Epizentrum von Beben zu Beben auf demselben sprungweise verschiebt. In dieser Bebenlinie haben eine große Anzahl katastrophaler Beben stattgefunden, so zum Beispiel: am 27. März 1638, am 5. November 1659; das stärkste Beben fand wohl am 28. März 1783 statt, bei welchem in Kalabrien 29000 Menschen ihren Tod fanden. Große Beben fanden in dieser Stoßlinie noch am 12. Februar 1854, am 16. November 1894 und am 8. September 1905 statt. Nach Sueß handelt es sich bei all diesen tektonischen Versetzungen um ein Absinken der Massen in der genannten Bruchlinie, so daß es sich im ganzen um eine fortschreitende Erweiterung des tyrrhenischen Senkungsfeldes handeln würde. „Gegen diese großartige Auffassung, die alle morphologischen, tektonischen und seismischen Tatsachen samt den liparischen Vulkanen in die engsten Beziehungen bringen würde"(Löwl), haben einige Forscher in neuester Zeit freilich Einwände erhoben, auf die jedoch hier nicht näher eingegangen werden kann. Die Frage, ob sich solche Katastrophen wiederholen können, kann man leider nicht verneinen. Nach der geologischen Formation des Gebietes und den früher erwähnten Erdbeben wäre zu schließen, daß diese Katastrophen in längeren oder kürzeren Zeitabständen bis in eine ferne Zukunft immer wieder erscheinen werden. Es kann dabei aver nicht genug darauf verwiesen werden, daß wir heute noch keinerlei Hilfsmittel besitzen, um derartige Naturereignisse auch auf noch so kurze Zeit vorauszusagen, da man noch keinen gesetzmäßigen Zusammenhang zwischen Erdbeben und anderen Bedingungen, wie Bodenunruhe, Mondphasen usw., mit wissenschaftlicher Strenge hat feststellen können. ** ** Die Nachrichten vom Erdbeben geben ein Bild grauenhafter Verwüstung und entsetzliches Elend. Die Behorden lassen Lebensmittel verteilen. Die Menge bemächtigt sich derselben in blinder Wut. Die sozialen Unterschiede haben aufgehört, da alles unter Hunger zu leiden hat. Das Volk und die Soldaten bitten die Behörden flehentlich um Brot. Die Ueberlebenden sind beinahe ohne Kleidung und erzählen nur von ihren Leiden. Die Bevölkerung lebt zudem in panikartiger Angst, da die Erdbeben fortdauern und von unterirdischem, donnergleichem Getöse begleitet sind. Es regnet fast ununterbrochen, und aus der Erde dringen an vielen Stellen heiße Quellen hervor. Auch in Algier wurden, wie hier bemerkt sein mag, am 1. Januar abends in mehreren Stadtvierteln starke Erdstöße verspürt, die drei Minuten andauerten und den Telegraphenverkehr störten. Ein französischer Gelehrter Moreux, der Direktor des Observatoriums in Bourges. glaubt auf Grund seiner Erfahrungen voraussagen zu dürfen, daß erst das Ende des Jahres 1909 den Abschluß der großen Erd- und Seebebenperiode bringen werde; er begründet diese Voraussicht mit den Erfahrungen, die aus der Beobachtung der Tätigkeit der Sonne sich ergeben. Das dritte Jahr nach dem periodischen Tätigkeitsmaximum der Sonne ist meist verhängnisvoll. Fur 1908 traf dies vollkommen zu, da das letzte Maximum ins Jahr 1905 fiel. Von 1909 bis 1912 ist eine Verminderung der Erd= und Seebeben zu erwarten. Einer Schilderung des römischen Korrespondenten des „B. T.“ von der Unglücksstätte entnehmen wir folgendes: Sizilien gleicht einem Kriegslager; überall sieht man Soldaten, die zur Hilfeleistung und Aufrechterhaltung der Ordnung kommandiert sind. Ueberall hört man das Wehklagen der Verwundeten und der Sterbenden. Alle Verkehrswege und Verkehrsmittel sind staatlich reserviert, der direkte Schiffsverkehr von Neapel zum Erdbebengebiet ist nur für Soldaten und Beamte, für Aerzte und Pflegerinnen benutzbar. Selbst die Verwandten der Verunglückten müssen zurückbleiben. Der einzige Weg führt über Palermo, da die Eisenbahn von San Giovanni verschüttet ist. Alle möglichen Schiffe sind in Dienst gestellt, auch von der Florio=Rubattinischen Tunis=Linie und anderen, um den Verkehr zu bewältigen. Palermo ist ein großes Lazarett. In allen Hotels und Hunderten von Privathausern liegen die leichter Verletzten, die aus Messina hierher überführt wurden. Die Hospitäler sind überfüllt von vielen hundert Verstümmelten, von denen Hunderte stündlich sterben. Auf Palermos Bahnhöfen langen Tausende von Flüchtlingen halb verhungert, fast geistesgestört und verwirrt an. Die Bevölkerung starrt sie neugierig und mitleidig an und begleitet in Scharen die traurigen Züge der Verwundeten, die auf Tragbaren und Leiterwagen ruhen und von Polizei und Militär in die Hospitäler geschafft werden. Viele kommen als Leichen an, andere sterben auf dem Wege durch die Stadt, viele gestikulieren und schreien im Wahnsinn und vor Schmerzen, andere sind gänzlich apathisch. Mehr als hundert Frauen mit Säuglingen kamen heute früh in Palermo an und werden zwecks besserer Pflege weitergeschickt. Mit den Geretteten traf der protestantische Geistliche Messinas ein. Ungeheuer ist der Schaden, den die Kaufleute Palermos erleiden, denn selbstverständlich sind alle Kunden in Messina zahlungsunfähig, wenn nicht tot. Die Außenstände in Palermo und Reggio allein betragen viele Millionen. Die hiesigen Geschäftsleute entsenden Angestellte nach Messina, um zu retten, was noch zu retten ist, aber nur die wenigsten gelangen dorthin, und diese sehen nur Trümmer und Brand. Die Behörden wollen keine Besucher. Messina ist in meilenweitem Umkreise streng abgesperrt. Wie in Kriegszeiten regiert das Militär. Nur mit Passagierscheinen ist die Annäherung möglich. Reggio, 2. Jan. Es ist jetzt bekannt geworden, daß die Flutwelle in der Nähe von San Giovanni einen ganzen Eisenbahnzug mit Reisenden verschlungen hat. Gestern abend war die Bahn wieder hergestellt. Messina, 2. Januar. Von den verschütteten Opfern der Katastrophe dürften noch viele am Leben sein. Die Bemühungen der Rettungsmannschaften wenden sich vor allem den Orten zu, wo noch Schreie unter den Trümmern hervordringen. Gegen die Plünderer sind scharfe Maßnahmen ergriffen worven. Washington, 3. Januar. Der Kongreß wird morgen einen Kredit von 500 000 Dollars zur Beschaffung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken für die durch das Erdbeben in Italien Geschädigten genehmigen. Die betreffenden Spenden sind bereits an das Unterstützungskomitee abgesandt worden. Reggio, 3. Januar. Das Rettungswerk dauert fort. Die aufgefundenen Leichen werden außerhalb der Stadt beerdigt. Die Verwundeten werden auf die hier vor Anker liegenden Schiffe gebracht. In der Nähe der Stadt sind 1500 Verwundete in 400 Eisenbahnwagen untergebracht und werden dort verpflegt. Rom, 3. Januar. Der„Tribuna“ zufolge wird die Regierung in der bevorstehenden außerordentlichen Tagung des Parlaments behufs Wiederaufbaues der zerstörten Städte und Ortschaften in Sizilien und Calabrien nicht die Aufnahme einer neuen Anleihe, sondern die Inanspruchnahme der budgetären Ersparnisse und die zeitliche Erhöhung einer oder zweier Hauptsteuern in Vorschlag bringen. Mit den hierdurch erzielten Mehreinnahmen sollen die öffentlichen Gebäude und die Privathäuser in den zerstörten Städten und Ortschaften wieder aufgebaut werden. Mailand, 3. Januar. Wie das Blatt„La Sera“ wissen will, soll der Plan, ganz Messina mit seinen 80000 Toten nach Ablauf von acht Tagen mit ungeheuren Massen Kalk zudecken zu lassen, ernstlich ventiliert werden. Von Messina würden, wenn dieser Plan durchgeführt werden würde, nur die Torpedostation und die Festungswerke übrig bleiben. Rom, 3. Januar. Die Absetzung des Bürgermeisters von Messina erfolgte, weil der Bürgermeister bei der Katastrophe die Flucht ergriffen hatte und erst bei des Königs Ankunft zurückkehrte. Der König empfing den Bürgermeister mit vernichtenden Worten und bedeutete ihm, sich schleunigst zu entfernen. . Rom, 4. Januar. Der Corriere de la Sera entwirft ein schauerliches Bild von den Schandtaten in Messina. Die Katastrophe hat an dieser Stelle alle Desperators Siziliens vereint. Seit drei Tagen versammeln sie sich auf der Insel. Soldaten schießen auf sie, wenn sie beim Plündern betroffen werden, ohne Mitleid nieder. Rom, 4. Jan. In Messina wurden in der vorgestrigen Nacht neue Erderschütterungen wahrgenommen, darunter ein heftiger Stoß. Ja der Stadt Caltagirone wurde gestern ein starker Erdstoß, der von heftigem unterirdischem Getose begleitet war, verspurt. Das Schulhaus stürzte ein, ebenso die Kathedrale, die den Sakristan nebst Sohn begrub. Die Bevölkerung floh in Schrecken. In Joadi wurden 132 Erdstöße gezählt. Bei Gerocarne wurde durch das Erdbeben sagar ein tiefes Tal ausgefüllt. In Fano nahm man gestern Erdsloße wahr. Die Bevölkerung ist dort, trotz der großen Entfernung von der Erdbebenzone, sehr erregt. Sorrent, 4. Jan. Der hier etablierte deutsche Kaufmann Moritz Bernheimer hat sich gestern wegen der großen Finanzverluste, die er in Messina erlitten, das Leben genommen. Rom, 4. Jan. Zwei deutsche Matrosen der„Herta“ haben bei dem Rettungswerk ihr Leben eingebüßt. In Messina sind noch überall Menschen mit der verzweifelten Arbeit beschäftigt, um nach Verwundeten zu suchen. Viele Sizilianer, die in anderen Städten oder im Auslande leben, sind zurückgekehrt und betiligen sich mit Eifer an den Ausgrabungen. Man beginnt jetzt die Leichen, deren zu viele sind, als daß man alle begraben könnte, in Massen ins Meer zu senken. Der Leichengeruch ist allmählich unerträglich geworden, besonders in den Quartieren am Meere, wo noch einige Häuserreste stehen. Rom, 4. Jan. Aus Messina werden fortwährend grausige Einzelheiten berichtet. Eine junge Dame war vom Balkon gestürzt, blieb aber im Gartengitter hängen, wo sie vier Tage lang gepfählt blieb. Der Kopf hing nach unten. Die Tote war ganz schwarz geworden. Von einer, von der Gewalt des Erdbebens in die Tiefe geschleuderten und dort durch die Trümmer festgehakten Frau floß das Blut in Strömen auf ihren Mann und ihre Kinder herab, die genau unter ihr erdrückt lagen. Die Unglückliche ist gerettet worden aber sie wurde wahnsinnig. Rom, 4. Jan. Ein schreckliches Bild entwirft folgende Statistik: Umgekommen ist das ganze 83. Infanterieregiment mit Ausnahme eines einzigen Soldaten, die 1., 2., 3., 4., 9. 10. und 11. Kompagnie des 22. Regiments, das 89. Regiment bis auf 5 Unteroffiziere, alle Karabinieris, alle Zollwächter und alle Seminaristen, sowie alle städtischen Beamten und Gemeinderäte. *** Rom, 4. Jan. Wie jetzt amtlich festgestellt ist, sind bis jetzt von der italienischen Marine 12 270, von der russischen 1250, von der englischen 1139 und von der deutschen 900 Verletzte, zusammen also 15 559, ausgenommen und geborgen worden. Tehle Nachrichten. Breslar, 4. Jan. In der vergangenen Woche sind in der Provinz Schlesien 9, in Posen 6, in Ostpreußen 6 und in Westpreußen 4 Personen erfroren. Beuthen, 4. Jan. Durch zu spätes Losgehen eines Sprengschusses verunglückten 2 Grubenarbeiter im Carmerschacht. Beiden wurden die Köpfe abgerissen. Brüssel, 4. Jan. Vor dem Bahnhofe von Jenappes ereignete; sich gestern ein Zusammenstoß zweier Güterzüge. Beide Maschinen und mehrere Wagen wurden zertrümmert, das Lokomotivpersonal zum Teil schwer verletzt. Explosion einer Bombe. Paris, 3. Januar. Nach einer Meldung des„Matin“ aus Petersburg drang ein unbekanntes Individuum in Studententracht vorgestern gegen Mittemnacht in das Zentral=Café auf dem Newski=Prospekt und legte dort ein Pake nieder, welches bald darauf explodierte. Hierbei wurde ein Kellner getötet und großer Materialschaden angerichtet. * Herford, 2. Jan. Bei den Gewerbegerichtswahlen übten vorgestern von 83 eingetragenen Arbeitgebern 61 das Wahlrecht aus, und zwar entfielen auf die sozialdemokratische Liste 28 und auf die bürgerliche Liste 33 Stimmen. Es sind gewählt vier Beisitzer der sozialdemokratischen Liste, nämlich die Herren Konrad Horstmann, Otto Bodin, Wilh. Thöne, Aug. Ellerbrock, und funf Beisitzer aus der bürgerlichen Liste, und zwar die Herren Aug. Schaper, Herm. Ruben, Karl Höpker, Karl Nolting, Heinr. Wittland.(Herf. Kreisbl.) für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer. Bureau: Bielefeld, Marktstr. 8. Sekretär: Heinr. Klingenhagen. für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Bureau: Bielefeld, Marktstr. 8. Sekretär: Adolf Zenker. Sprechstunden: Nur an Wochentagen von 11 bis 1½ Uhr mittags und von 5 bis 7 Uhr abends. Krocner, ugmiett für ente Jeitung! Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Max Sachs, für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bielefeld. LNSgr apzen Eionier-zuraltenPosn Heute vollständig neues Programm mit folgenden Glanznummern: „Der Graf von Monte Christo“;„Der glückliche Gewinner und sein Esel“, „Der entflogene Papagei“, 2 Tonbilder aus der Operette„Der tapfere Soldat“; Eine Episode aus dem vendeeischen Kriege“ u. s. W Stäuttheuter. Heute, abends 8 Uhr: Zum letzten Male! Rosenmontag. Dienstag, den 5. Januar 1909, abends 7½ Uhr: Die Ehre.: Mittwoch: 0 diese Leutnants In der Buchhandlung„Volkswacht“, Wielefeld, Schulstr. 20, ist an Broschüren= und Flugschriften=Literatur vorrätig: Vorgerückter Saison wegen gebe Oefen verschiedener Systeme spottbillig ab. C. Brakemeier, 6585 Rohrteichstr. 72. Arbeiter= Motz=Aalender us 1909•3 Geb. 60 Pf. Porto 10 Pf. Ein nützlicher Ratgeber, ein unentbebrliches Nachschlagebuch für alle in Partei und Gewerkschaften organisierten Arbeiter. Ger diesjährige Kalender enthält u. a.: Die Reichstagswahlen 1907 und die Nachwadlen. — Biogr. Notizen unserer Reichstagsabgeordneten.— Reichs. vereinsgesetz.— Die Bedeutung der Landtage.— Sozialdemokratische u. Gewerkschaftspresse. — Die Gewerkschaften Deutschlands.— Internationale Streitkände der Zentralverbände. Die deutschen Gewerbe=Inspertoren.— Kalendarium und Geschichtskalender.— Münz= und Gewichtstabelle.— Portotaxe.— Bielseitiges Adressenmaterial. Außerdem enthält der Kalender ein künstlerisch ausgeführtes Marx=Porträt. Zu haben in der Zuchhandlung„Volkswacht“ Bielefeld, Schulstr. 20. Das Kommunistische Manifest. Preis 20 4, Porto 3 4. Grundsätze und Forderungen der Sozialdemokratie. Pr. 10 4, Porto 5 4. Die Entwicklung des Sozialismus. Von Friedr. Engels. Preis 40§, Porto 5 4. Die historische Leistung von Karl Marx. Von Karl Kautsky. Preis 30 J, Porto 3 4. Die Zukunft der Sozialdemokratie. Von J. Dietzgen. Preis 20 J, Porto. 3 J. Egoismus u. Sozialismus. Von C. Hoffmann. Pr. 25 4, Porto 5 J. Ethik und Sozialismus. Von Anton Pannekoek. Preis 30 J, Porto 5 4. Ziele und Wege. Preis 20 4, Porto 5 J. Kapitalismus, Sozialismus und Ethik. Von L. Kaguz, Pfr. Preis 25 J. Porto 3 4. Die soziale Revolution. Von K. Kautsky. I. Sozialreform und soziale Revolution. Preis 40 J, Porto 5 J. II. Am Tage nach der sozialen Revolution. Preis 30 4, Porto 3 4. Die Klassengegensätze im Zeitalter der französischen Revolution. Von Karl Kautsky. Preis 75 J, Porto 5 J. Sozialdemokratie und Antisemitismus. Von Aug. Bebel. Preis 30 J, Porto. 3 J. Porta 2 Der Schwindel der klerikalen Der Hamp Arbeiterpolitik. Von August Erdmann. Preis 35 4, Porto 3 4. Patriotismus und Sozialdemokratie. Von K. Kautsky. Preis 20 4, Porto 3 4. Christentum und Sozialismus. Von A. Bebel. Preis 10 g, Porto 3 J. Die Sozialdemokratie und die Die Religion der Sozialdemokratie. Von Jos. Dietzgen. Preis 25 J, Porto 5 J. Die wahre Gestalt des Christentums. Von Yves Guyot und Sigismund Lacrois. Preis 50 J. Porto 5 J. Religion ist Privatsache. Von Fr. Stampfer. Preis 20 4, Porto 3 4. Wie ein Pfarrer Sozialdemokrat wurde. Von Paul Göhre. Preis 10 J, Porto 3 4. Gott? Von J. Stern. Preis 20 4, Porto 3 4. Ist Rabbi Jeschia Gottes Sohn? Von Jul. Lederer. Preis 20 g, Porto 3 4. Sozialdemokratie und antikirchliche Propaganda. Von Herm. Wendel. Preis 20 J. Porto 9 Der Mensch und seine Götter. Von Jul. Lederer. Preis 20 4, Porto 3.4. Kann ein Christ Sozialdemokrat sein? Von Wilh. Gewehr. Preis 10 J, Porto 3 4. Der Kampf um eine Weltanschauung. Von Pfarrer C. Tinthauser. Preis 30 J, Porto 3 4. Darwins Leben und Lehre. Von Ludw. Antzenbrand. Preis 10 4, Porto 3 8. Marxsche Werttheorie. Von Paul Fischer. Preis 30 J, Porto 3 4. der Kampf der Arbeiter. Von Anton Pannekoek. Preis 20§, Porto 5. 4. Der Klassenkampf des Proletariats. Von Parvus. Preis 15 4, Norto 3 4. Gewerkschaften und Unternehmerverbände. Von Dr. August Müller. Preis 30 J, Porto 3 katholische Kirche. Von Karl Landarbeiter und SozialdemoKautsky. Preis 30 J, kratie. Von Luise Zietz. Porto 3 J.! Preis 20 J, Porto 5 J. Die kapitalistische Produktion u. das Proletariat. Von Parvu s. Preis 30 J. Porto 5 Z. Lohn, Preis und Profit. Von Karl Marx, übersetzt von E. R. Bernstein. Preis 20 4, Porto 5 4. Hochkonjunktur und Wirtschaftskrisis. Von Max Schippel. Preis 50 J, Porto 5 J. Die Sozialdemokratie und der Parlamentarismus. Von Parvus. Preis 25 J, Porto 5 4. Die Sozialdemokratie im Deutschen Reichstage. Von August Bebel. Preis 1 A, Porto 10 J. Die neuen Reichssteuern. Von Ed. Bernstein. Preis 30 J, derm. Porto 5 J. Die Wahlrechtsreform im Dreiklassenparlament. Preis 50 J, Porto 5 4. Die preußischen Landtagswahlen. Von Dr. Leo Arons. Preis 20 4, Porto 3 J Wahlrecht u. Wahlrechtsdemonstration vor dem Deutschen Reichstage. Preis 20 4. Porto 3°. Gegen Volksverdummung, Volksknebelung, Volksausbeutung. Preis 20 4, Porto 5 J. Der preußische Volksschulgesetzentwurf. Preis 20 J, Porto 3 4. Die Volksschule, wie sie ist. Von O. Rühle. Pr. 30 4, Porto S 85 Die Volksschule, wie sie sein soll. Von O. Rühle. Preis 30 c, Porto 3 4. Sozialdemokratie und Schule. Einführung Von Heinr. Schulz. Preis ökonomie. 30 4, Porto 3 8. Die Schulfrage. Von Zetkin. Preis 15 4, 3 4. Schule, Kirche, Arbeiter. P. Göhre. Preis Porto 3 4. Wie sollen wir unsere Kinder ohne Prügel erziehen? Von Julian Borchardt. Preis 30 J, Porto 3.4. Die Mutter als Erzieherin. Von Heinr. Schulz. Preis 50 4, Parte, 10 4. Die Aufklärung der Kinder über geschlechtliche Dinge. Von Otto Rühle. Preis 20 L Porto 3•9. Was hat der Vater seinem achtzehnjährigen Sohne zu sagen? Von Dr. C. Ravarini Preis 50 J, Porto 3 4. Die jugendlichen Arbeiter und ihre Organisation. Von L. Frank. Preis 20 J, Porto Das Weib, sein unglückliches Schicksal in der gegenwärtigen Gesellschaft. Preis 40 4, Porto 5 3. Welchen Wert hat die Bildung f. d. Arbeiterin? Von Wally Zepler. Preis 10 J, Porto 3. Zur Frage d. Frauenwahlrechts. Von Clara Zetkin. Preis 50 J, Porto 10 J. Die Mutterschafts=Versicherung. Von Lily Braun. Preis 20 J, Porto 3 J. Das Elend des Strafvollzuges. Von G. Gradnauer. Preis 50 J, Porto 5 J. Alkoholfrage und Sozialdemokratie. Von Emanuel Wurm. Preis 30 J, Porto. 5 4. Wie werde ich Abstinent? Preis 10 J, Porto 3 8. Schutz gegen Krankheitsgefahr. Preis 20 4, Porto 3 J. in die NationalVon Julian Borchardt. Preis 10 J, Porto Clara3 4. Porto Referenten=Führer. Von Ed. David. Preis 1,50 A, Von Porto 10. 15 J, Zeitungs=Fremdwörter und politische Schlagwörter. Von Ad. Braun. Preis 30 4, Porto 3 4. Gechen d eichon. Zeitbilder aus dem Klassenstaat XII. Das persönliche Regiment vor dem Deutschen Reichslage. Preis 25 Pfg.(Porto 10 Pfg.) Zu beziehen durch die Buchhandlung„Volkswacht", Bielefeld, Schulstraße 20. In der Buchhandlung Volkswacht ist zu haben: „roletarierkraukheit 2. 45d Krauke Proletarier. Ein Beitrag zur Hebung :: der Volksgesundheit::: von D. Thomas. Preis 20 Pfg. Porto(u. ausw.) 5 Pfg. In der Buchhandlung Volkswacht ist zu haben: „Morgenrot“, Soziald. Fest= u. Zeitgedichte. Von J. Stern. 152 Seiten. Preis 50. Porto 10.8. Sozialdemokratisches Liederbuch. Von Max Kegel. Preis 40 4, Porto 5 4. Der Deklamator und Coupletsänger. Preis 50 g, Porto 5 4. Schon wieder die Ersten!! Porto 5 J. Preis 20 J, Porto 5 J. ohne Prügel erziehen? Von Porto 3 4. Glückwunsch! Unserm Vereinswirt, Herrn Karl Lütkemeier nebst Gemahlin ein , frohes= Prosit Neujahr! Kegelklub„Bielefeld“. Für die Militär-Vereine etc. sehenswert! „Parole-Ausgabe Neujahr 1909 durch Kaiser Wilhelm II.“ Dieses Bild wird nur bis Donnerstag gezeigt. Um zahlreichen Besuch bittet 54 Kleine Anzeigen=Ecke. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in### Worte mit mehr als 15 Buchstaben der fetten Ueberschrift 10 Pfg. 2 werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Betten werden beim Einkauf neuer Inletts gratis entstäubt und ungefüllt. F. Rertens. 16630 Wuschiige Hausfrauen kaufen Lebensmittel am besten und billigsten im Westf. 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(Nachdruck verboten.) III. Schwerhörige Kinder. Der Ohrenarzt Dr. v. Reichard in Riga prüfte innerhalb eines Jahres 1055 Schulkinder mit der Uhr und fand, daß 22.3 Prozent das Ticken, das ein normales Ohr auf 30 bis 60 Fuß Entfernung hört, nur bis auf 18 Fuß vernahmen. Neben Kinderkrankheiten stellte er Unreinlichkeit und Erkältung als häufigste Ursache fest. Seine Veröffentlichung erregte in der medizinischen Welt Aufsehen und bewirkte, daß auch andere hervorragende Ohrenärzte ähnliche Untersuchungen vornahmen. Dr. Weil in Stuttgart prüfte gegen 6000 Kinder mittels Flüstersprache und Oyrspieger und stellte auch die vorliegenden Ohrenerkrankungen durch genaue Untersuchungen fest. Er fand in einzelnen Schulklassen 25 bis 30 Prozent Schüler, deren Gehörvermögen irgend einer Störung unterlag. Kreisphysikus Richter in Groß=Wartenberg untersuchte 700 der der Volksschule und konstatierte 110 mit geschwächtem Gehör, von denen nicht ein einziges in ärztlicher Behandlung sich befand. Unter 23 schwerhörigen Kindern war die Hälfte mit ihrem Leiden ganz unbekannt, auch die Lehrer wußten nichts davon. . In Dresden stellte Oberarzt Dr. Hänel unter den Kindern einer Schule 30,4 Prozent der Knaben und 22,6 Prozent der Mädchen als„an den Ohren nicht normal“ fest. Dr. Bezold in München fand bei seinen Untersuchungen von ca. 2000 Schulkindern, daß 20 Prozent an Schwerhörigkeit litten und höchtens ein Drittel der normalen Gehörschärfe besaßen. Bezüglich der Heilbarkeit kam er zu dem Schlusse, daß bei 11,7 Prozent sichere Aussicht auf mehr oder minder vollständige Heilung bestand. Der amerikanische Ohrenarzt Dr. Sexton ermittelte 13 Proz. Kinder mit stark geschwächtem Hörvermögen, aber nur in einem einzigen Falle wär dem Lehrer etwas davon bekannt; unter den Kindern selbst kannten nur 19 von 76 ihren eigenen Gehörfehler. vorgestellt und nur 98(39 Prozent) gelegentlich wegen ihres Ohrenleidens ärztlich versorgt worden waren. Dabei wäre bei zwei Drittel der Fälle die Möglichkeit einer Abwehr der Taubstummheit bei rechtzeitiger sachgemäßer Behandlung vorhanden gewesen. Die umfangreichsten Untersuchungen in neuerer Zeit hat Prof. Ostmann von der Marburger Universität vorgenommen. Er fand bei 7537 Volksschülern des Kreises Marburg, daß 2142(28,4 Prozent) schwerhörig und zum Teil mit den schwersten Ohrenleiden behaftet waren. Die Schwerhörigkeit war beiden Knaben verbreiteter(30 Prozent) als bei den Mädchen (26,8 Prozent). In einzelnen Ortschaften zeigten sich große Unterschiede, so daß die Zahl der Schwerhörigen zwischen 6,5 und 55,2 Prozent schwankte. Auf Grund einer Uebersichtskarte konnte Ostmann vier Bezirke mit hoben und höchsten Prozentzahlen abgrenzen. Der erste Bezirk umfaßte die von einer relativ starken Arbeiterbevölkerung bewohnten Dörfer der nächsten Umgebung Marburgs. Die drei übrigen Bezirke lagen in den am meisen vom Verkehr abgeschlossenen Ecken des Kreises. Verhautnismäßig niedrige Prozentzahlen wiesen die in den Flußtälern und deren unmittelbarster Umgebung gelegesten Umgebung Marburgs hat die weite Verbreitung der Schwerhörigen ihren Grund in den sozialen Verhältnissen. Die Bevölkerung ist arm und im höchsten Grade unsauber. Eine Folge dieser, Verhältnisse ist das häufige Auftreten von Infertionstrankheiten, in deren Verlauf sich nicht selten Ohrenleiden entwickeln. In den übrigen drei Bezirken mit hohen Prozentzahlen liegen die sozialen Verhältnisse wohl etwas günstiger; hier ist der Grund der Erscheinung vor allem in dem Umstande zu suchen, daß es der Bevölkerung nur mit den größten Oofern von Zeit Geld und Mäh liche Hilfe für wohner dieser Beziehung im Vorteil, indem sie schnell, billig und auf bequeme Weise die Universitätsstadt Marburg erreichen können. Die Untersuchungen Ostmanns führen auf die Ursachen der Schwerhörigkeit und die Ohrenerkrankungen bei Kindern. Hier steht die Unsauberkeit obenan. Alle Ohrenärzte stimmen darin überein, daß Unreinlichkeit der Haut, der Kleider und des Wohnraumes höchst nachteilig auf das Gehör einzuwirken vermag. Dr. v. Reichardt fand in einer Vorstadtschule Moskaus, daß unter 50 von Schmutz starrenden Kindern nur eins imstande war, daß Ticken der Taschenuhr in einiger Entfernung zu hören, während 22 überhaupt nichts vernahmen. Das Gehör der slawischen Rasse, behauptet er, sei durchgängig besser als das der gemanischen, da die slawische häufiger bade und mehr Fleiß auf die Kultur der Haut verwende. Als wirksamstes Mittel gegen die im Entstehen begriffene Schwerhörigkeit schreibt denn auch der Ohrenarzt zunächst gehörige Hautpflege vor. Eine zweite Ursache ist in Krankheiten zu suchen, besonders in Erkältung, sodann in den sogenannten Kinderkrankheiten(Scharlach, Diphtherie, Masern, Röteln usw.) Nach Untersuchungen von Bezold, Weil und v. Reichardt hatten von normal Hörenden 21,7 Prozent Scharlach und 27,7 Prozent Diphtherie überstanden., Unter 1807 Kindern im Alter von 6 bis 13 Jahren fanden sich Gehörstörungen infolge Scharlach bei 23,7 Prozent, Masern bei 52,49 Prozent, Röteln bei 20,7 Prozent, Diphtherie bei 22,69 Prozent und Meningitis (Entzündung der Hirnhäute) bei 1.72 Prozent. Weiter können Hörstörungen die Folge sein von Vernachlässigungen verschieden auftretender Katarrhe des Innenrohres, besonders der Paukenhöhle und des Trommelfells. Dr. Meyer nennt als ziemlich häufige Ursache, namentlich bei Kindern, noch organische Fehler der Nasenrachenhöhle. Von 175 Schüler in Kopenhagen, die hieran litten, wiesen 130 Gehördefekte als unmittelbare Folge davon auf. Auch angeborene Gaumenspalten, Verschleimung oder unnatürliche Verdickung der den Gehörgang bekleidenden Haut, Verstopfung des Gehörganges durch Ohrenschmalz, Eiter oder Zersetzungsprodukte usw. treten als Ursachen auf. Dr. Weil fand unter 5905 Schulkindern 11 Prozent Knaben und 15 Prozent Mädchen, die Schmalzpfropfen in den Ohren hatten und dadurch schwerhörig geworden waren. Auch Dr. Richter stellte unter 155 Gehörschwachen 48 fest, bei denen Gehörschädigungen auf das Ansammeln großer Mengen Ohrenschmalz zurückzufuhren waren. Uebrigens kann jeder Ohrenarzt aus seiner Praxis Fälle anführen, in denen er Schwerhörige durch Herausziehen von Schmalzpfropfen aus den Ohren von ihrem Leiden befreit hat. Schließlich sei noch erwähnt, daß auch Fremdkörper im Ohre (Flöhe, abgebrochene Stifte usw.) oder Ohrpolypen die Ursache der Schwerhörigkeit sein können. Das kindliche Alter stellt im allgemeinen ein recht bedeutendes Kontingent zu den Ohrenerkrankungen; Dr. Brückner berechnet die Zahlen der ohrenkranken und schwerhörigen Kinder bis zu 15 Jahren auf 22,2 Prozent, Dr. Bezold auf 20 Prozent der Gesamtzahl. Dabei steht fest, daß„die Gehörleiden der Volksschüler unendlich weit verbreiteter sind, als die der Schüler höherer Lehranstalten“, die ein preußisches Ministerialreskript für 1885 auf 2,18 Prozent beziffert. Die Bedingungen für die außerordnentliche Verbreitung von Gehörleiden im Proletariat sind in den elenden, sozialen Verhältnissen, in der wirtschaftlichen Notlage, dieser Gebärerin unzähliger Leiden und Uebel, zu suchen. Inwieweit die Schule an der Entstehung und Zunahme der Ohrenerkrankungen wie der Schwerhörigkeit beteiligt ist, läßt sich nur schwer ermessen. Die Feststellung Weils, daß die Zahl der Schwerhörigen im 6. bis 10. Lebensjahre etwa 25 Prozent, im 11. bis 13 aber 31 Prozent mehr beträgt, läßt die Annahme zu, daß die Schule, die der Gesundheit der Schüler im allgemeinen ja nur wenig Schonung und Rücksicht angedeihen läßt, das Heer der Schwerhörigen ebenso vermehren hilft, wie das der Kurzsichtigen, Engbrüstigen, Skoliotischen(Skoliose ist die häufigste der Wirbelsäulenverkrümmungen) usw. Mit ihren barbarischen Zuchtmitteln, unter denen die Ohrfeige ja besonders für das Ohr bestimmt ist, hat die Schule manches zerplatzte Trommelfell, manche Ohrenentzündung und manche Schwerhörigkeit auf dem Kerbholze. Daß die geistige Entwicklung schwerhöriger Kinder eine dem Grade ihrer Hörverminderung entsprechende Beeinträchtigung erfährt, liegt sehr nahe. Dr. Bezold hat dafür interessante Nachweise geliefert. Die Klasse zu hundert Schülern angenommen, ist der Durchschnittsplatz 50. Kinder, die die Flüsteru##e ein= oder doppelseitig auf acht Meter und weniger Entfernung hörten, hatten den Durchschnittsplatz 54, die doppel##itig auf vier Meter und weniger Hörenden 64, die doppelseitig auf zwei Meter und weniger Horenden 67,7 statt 50. Hochgradig schwerhörige Kinder bleiben in den untersten Klassen sitzen und eignen sich außer mechanischem Schreiben nicht die mindesten Kenntnisse an. Die geistige Entwicklung ist eine äußerst mangelhafte, so daß solche Kinder etwa die Stufe nicht unterrichteter Taubstummer einnehmen. Sie gehören in Hilfsklassen, wo sie einen besonders für ihre Bedürfnisse angelegten Unterricht genießen müssen. Dr. Dillner=Plauen i. V. fand in der dartigen Hilfsschule 27 Prozent Dr. Halischer in Berlin in der vortigen Gilssschule 27 Prozent, Dr. Kulischer in Bertin 35 Prozent Schwerhörige. Lehrer und Arzt beklagen sich mit Recht darüber, daß für die Schwerhörigen in der Schule bisher weder ärztliche Behandlung beschafft, noch sonstwelche Fürsorge getroffen worden ist. Daß dies unbedingt nötig ist, bezweifelt niemand— außer den regierenden Stellen. Sind schon Schulärzte gegen das System des Schlendrians und der Verdummung, das in der Schule waltet, wieviel mehr erst Spezialärzte! Und doch gehören diese mit in die Schule. Sie sollten neben dem Schularzt und dem Lehrer an der Entwicklung des Kindes tätig sein, sollten körperliche Untersuchungen vornehmen, die kranken Kinder entsprechend ärztlich behandeln und von ihren Leiden zu befreien suchen, damit die Erziehung um so erfolgreicher an ihnen arbeiten kann. Weiter sollte durch Schulbäder für intensive Pflege der Haut gesorgt werden. Gesundheitspflege wäre als Unterrichtsfach zu erteilen und schlecht genährte Kinder, die hungrig zur Schule kommen, sollten dort Beköstigung erhalten. Wo die Mittel der Gemeinden für diese Zwecke nicht ausreichten, sollte der Staat eingreifen. Er sollte.... sollte.... ach, es sollte noch viel mehr! Vor allem sollte das Elend aus der Welt verschwinden, sollten die Menschen ein menschenwürdiges Dasein führen können, damit sie nicht in Krankheit und Hunger, Schmutz und Verwahrlosung, Laster und Schande zu Hunderttausenden zugrunde gehen. Noch stößt das zerstampfte und zertretene Proletariat heute Schmerzensschreie aus, noch ruft es um Hilfe und verlangt nach Befreiung aus seiner Not. Die herrschenden Klassen und seine Willensvollstrecker aber stellen sich schwerhörig und reagieren auf keinen Laut. Parteinachrichten. Vom Strafkonto der Presse. Auf eine ungemein hohe Strafe erkannte das Schöffengericht in Stettin heute gegen den Genossen Redakteur Mehlich vom„Stettiner Volksboten“. Er hatte einen Aussatz veröffentlicht, wonach sich ein Lehrer einer erheblichen Ueberschreitung des Züchtigungsrechts schuldig gemacht haben sollte. Mehlich hatte einen umfassenden Wahrheitsbeweis angetreten: Es stellte sich jedoch während der Verhandlung heraus, daß er von seinen Gewährsleuten in ganz unverantwortlicher Weise angeschwindelt worden war. Er verzichtete infolgedessen auf weitere Beweisführung. Der Staatsanwalt beantragte gegen ihn 4 Monate Gefängnis; das Gericht erkannte zwar die fatale Lage, in die der Genosse Mehlich gebracht worden war, an, verurteilte ihn aber trotzdem zu 600 Mark Geldstrafe. Der diesjährige Parteitag der badischen Sozialdemokratie findet am 27. und 28. Februar in Offenburg statt. Auf der Tagesordnung steht: Bericht des Landesvorstandes, ein Referat Kolbs über die Tätigkeit der Fraktion im Landtage und ein Referat Franks über die im Herbst stattfindenden Landtagswahlen. Von der badischen Parteipresse. In einer Bezirkskonferenz der Genossen des badischen Landtagswahlkreises SäckingenRheinfelden ersuchte der Parteisekretär Engler= Freiburg die Delegierten, keinen Beschluß zu fassen, der sich für eine Uebertragung des Lörracher Parteiorgans auch auf den Säckinger Bezirk ausspricht. Dem nächsten badischen Parteitage würde ein Antrag unterbreitet, ein neues Parteiorgan herauszugeben, das, in Freiburg hergestellt, für die Parteigenossen des badischen Oberlandes bestimmt sein soll. Engler hat sich mit dem Landesvorstand wegen dieses Planes bereits in Verbindung gesetzt und eine befriedigende Antwort erhalten. Baden würde dann drei täglich erscheinende, ein wöchentlich Oliver Twist. Von Charles Dickens. Aus dem Englischen von Julius Seybt. Oliver vermochte vor Schluchzen ein paar Minuten nicht zu antworten, und als er sich endlich gefaßt hatte und seine Erzählung beginnen wollte, ließ sich ein Herr zum Tee einladen. „Es ist ein Freund von mir, Mr. Grimwig,“ sagte Brownlow zu Oliver.„Er hat ein wenig rauhe Manieren, ist aber im Herzen ein sehr wackerer Mann.“,„u,„N.:, H, Oliver fragte, ob er hinuntergehen solle, allein Brownlow hieß ihn bleiben, und in demeselben Augenblicke trat Mr. Grimwig, ein korpulenter alter Herr, gestützt auf einen tüchtigen Handstock— denn er hatte ein etwas lahmes Bein— schon in das Zimmer. Oliver hatte nie ein so verzwicktes Gesicht gesehen. Grimwig hielt dem Freunde sogleich auf Armeslänge ein Stückchen Zitronenschale entgegen und polterte, dergleichen würde ihm überall in den Weg geworfen.„Ich will meinen eigenen Kopf aufessen, wenn Zitronenschale nicht noch mein Tod sti“ betenerte er.., Malangrung: afl.in mann 6i. S. Es war seine gewöhnliche Beteuerung; allein wenn die Erfindung, den eigenen Kopf zu verspeisen, auch noch gemacht werden sollte, so würde es einem Herrn, wie Mr. Grimwig war, doch jedenfalls stets sehr schwer fallen, in einer einzigen Mahlzeit damit zustande zu kommen...... uaer Schritte znnüe Mr. Grimwig erblickte Oliver, trat ein paar Schritte zurück und fragte Brownlow verwundert, wer der Knabe wäre. „Der Oliver Twist, von welchem ich Ihnen erzählt habe,“ erwiderte Browntow. Oliwver verbeugte sich. 4#5 S. her gesaßt Gaton Taat„Doch nicht der Knabe, der das Fieder gehabt hat?“ sagte Grinwig, sich noch etwas weiter zurückziehend. „Gehabt hat,“ wiederholte Brownlow lächelnd. Grimwig setzte sich, ohne seinen Handstock zur Seite zu stellen, beäugelte den hocherrötenden Oliver und seine Lorgnette und redete ihn nach einiger Zeit an.„Wie befindest du „Danke, Sir, sehr viel besser,“ erwiderte Oliver. Brownlow schien zu besorgen, daß sein absonderlicher Freund etwas Unangenehmes sagen möchte, und hieß Oliver daher hinuntergehen und Frau Bedwin ankündigen, daß die Herren den Tee erwarteten. Oliver ging mit Freuden. „Er ist ein artig aussehender Knabe, nicht wahr?" „Kann's nicht sagen,“ entgegnete Grimwig verdrießlich. „Sie können es nicht sagen?“ Kchan us „Nein. Ich kann nie einen Unterschied an Knaben enwoecken. Ich kenne nur zwei Arten von Knaben— Milchsupppengesichter ud Rindfleischgesichter.“ „Zu welcher Art gehört Oliver?" „Zu den Milchsuppengesichtern. Ich kenne einen der einen Knaben mit einem Rindfleischgesicht hat einen Freund, hat— einen schönen Knaben, wie ihn seine Eltern nennen, mit rundem Kopf, roten Wangen und glänzenden Augen— einen abscheulichen Knaben, wie ich ihn nenne— mit einem Körper und Gliedern, die die Nähte seines blauen Anzuges zu sprengen drohen, mit der Stimme eines Matrosen und einem Wolfshunger. Ich kenne ihn— den Bengel!“ „Dann gleicht er Oliver nicht, dem Sie daher nicht zürnen dürfen.“ „Freilich gleicht er dem Oliver nicht, der vielleicht noch schlimmer ist.“ Brownlow hustete ungeduldig, was seinen Freund höchlich zu ergötzen schien. „Ja, ja, er ist vielleicht noch schlimmer,“ fuhr Grimwig fort.„Woher stammt er? Wer ist er? Was ist er? Er hat ein Fieber gehabt. Gute Menschen pflegen keine Fieber zu bekommen, wohl aber schlechte. Ich habe einen Menschen gekannt, der in Jamaika aufgehängt wurde, weil er seinen Herrn ermordet hatte. Er hatte sechsmal das Fieber gehabt und wurde deshalb nicht zur Begnadigung empfohlen.“ Grimwig war im innersten Herzensgrunde sehr geneigt, anzuerkennen, daß Oliver ein außerordentlich einnehmender Knabe wäre; allein er liebte noch mehr den Widerspruch, die Zitronenschale chatte ihn gereizt, er war entschlossen, sich von niemand ein Urteil über einen Knaben vorschreiben zu lassen und hatte sich aus diesen triftigen Gründen von Anfang an vorgenommen, seinem Freunde in allem zu widersprechen. Als Brownlow daher zugestand, daß seine bisherigen Erkundigungen noch ungenügend wären, lächelte Grimwig ziemlich boshaft und fragte, ob die Haushälterin auch wohl regelmäßig das Silbergeschirr nachsähe und wegschlösse, denn er würde sich eben nicht wundern, wenn sie einmal einige Löffel oder dergleichen vermißte, usw. Brownlow, obgleich selbst etwas heftigen Temperaments, ertrug dies alles sehr gutlaunig, da er die Sonderbarkeiten seines Freundes kannte; und da sich dieser mit dem Tee und den Semmeln sehr zufrieden zeigte, so ging alles weit besser, als man hätte erwarten sollen, und Oliver, der wieder heraufgerufen war, fühlte sich in des sauertöpfischen Herrn Anwesenheit leichter als zuvor. Als das Teegeschirr weggeräumt wurde, fragte Grimwig, wann sein Freund den Knaben zu veranlassen gedächte, ihm einen ausführlichen und wahrhaften Bericht über seine Lebensumstände und Schicksale zu erstatten? gx Suten... „Morgen früh,“ erwiderte Browntow.„Ich wunsche dabei unter vier Augen mit ihm zu sein. Komm morgen vormittag um zehn Uhr, zu mir herauf, Oliver.“.., einigem Stg. „Ja, Sir,“ sagte Oliver. Er antwortete mit einigem Stocken, weil er dadurch in Verwirrung geraten war, daß Mr. Grimw'g ihn bei seiner Frage so scharf angesehen hatte.. g#m „Ich will Ihnen etwas sagen,“ flüsterte Grimwig wrownow in das Ohr;„er kommt morgen früh nicht herauf zu Ihnen. Ich habe ihn beobachtet. Er betrügt Sie, lieber Freund.“ „Ich schwöre darauf, daß er's nicht tut,“ entgegnete Brownlow mit Wärme. „Ich will meinen Kopf aufessen, wenn er's nicht tut.“ „Und ich bürge mit meinem Leben für seine Wahrhaftigkeit.“ „Und ich mit meinem Kopfe für seine Lügenhaftigkeit.“ „Wir werden sehen,“ sagte Brownlow, seinen Unwillen bemeisternd. „Ja, ja, wir werden allerdings sehen,“ wiederholte Grimwig mit einem herausfordernden Lächeln. Das Schicksal wollte es daß gerade in diesem Augenblicke Frau Bedwin mit einigen Büchern hereintrat, welche Brownlow an demselben Tage von dem mehrerwähnten Buchhändler gekauft hatte. Sie legte sie auf den Tisch und schickte sich an, wieder hinauszugehen. „Lassen Sie den Ladenburschen noch warten,“ sagte Brownlow; „er soll etwas mit zurücknehmen— ein Päckchen Bücher und das Geld für die gekauften.“ Der Ladenbursche war aber schon wieder fortgegangen. „Ah, das ist mir aber sehr unangenehm,“ fuhr Brownlow fort.„Der Mann braucht sein Geld und ich würde es auch gern gesehen haben, daß er die Bücher noch heute zurückerhalten hätte. „Schicken Sie sie doch durch Oliver,“ fiel Grimwig mit einem ironischen Lächeln ein.„Sie wissen, er wird sie ohne Zweifel richtig abliefern.. „Ja, lassen Sie sie mich hintragen, Sir,“ sagter Oliver eifrig.„Ich will auch den ganzen Weg laufen.“ Brownlow wollte eben erklären, daß er Oliver unter keiner Bedingung hinschicken werde, als ein boshaftes Husien seines Freundes ihn bestimmte, seinen Beschluß abzuändern, um Grimwig der Ungerechtigkeit seines Argwohns zu überführen. Er hieß Oliver die Bücher hintragen und gab ihm zugleich eine Fünfpfundnote, worauf er zehn Schillinge zurückbekommen würde. Oliver versicherte, er würde in zehn Minuten wieder da sein, verbeugte sich ehrerbietig und eilte hinaus. Frau Bedwin folgte ihm vor die Haustür, gab ihm ausführliche Anweisungen in betreff des nächsten Weges und entließ ihn unter vielen wiederholten Ermahnungen, sich nicht zu überlaufen, sich nicht zu erkälten u. s. f. Es war ihr höchst unangenehm, ihn aus den Augen lassen zu müssen. Sie hätte auf Mr. Brownlow zürnen mögen und sah Oliver nach, bis er an der nächsten Ecke angelangt war, wo er sich noch einmal umwandte und ihr freundlich zunickte. „Er ist in höchstens zehn Minuten wieder hier,“ sagte Brownlow und legte seine Uhr auf den Tisch.„Es wird bis dahin dunkel geworden sein.“ „Sie glauben also wirklich, daß er wiederkommt?“ „Sie nicht?“ entgegnete Brownlow lächelnd. — mar und ein wöchentlich zweimal erscheinendes Parteiorgan n. Unser Lörracher Parteiorgan wendet sich gegen diese lgitation des Parteisekretärs. Rote Gemeindewahlen in Württemberg. Mit Befriedigung kann die Sozialdemokratie Württembergs auf die im Monat Dezember vollzogenen Bürgerausschußwahlen zurückblicken. Nach einer Zusammenstellung, die auf Vollständigkeit keinen Anspruch macht, sind der Sozialdemokratie in 82 Gemeinden 191 Mandate zugefallen. Von diesen Mandaten waren 38 bereits früher in ihrem Besitz, 153 hat sie neu hinzu erobert. In der übergroßen Mehrzahl der Gemeinden ziehen mit dieser Wahl zum ersten mal Sozialdemokraten in die Gemeindevertretung ein. Einen Teil der neuen Mandate hat unsere Partei der Einführung der Proporzwahl für Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern zu verdanken.(Maßgebend ist die durch die beiden letzten Volkszählungen ermittelte Einwohnerzahl.) Der Proporz öffnete ihr die Rathaustür auch in jenen Städten, in denen die burgerlichen Parteien der Sozialdemokratie eine ihrer Stärke entsprechende Vertretung bisher versagt hatten. Die große Mehrzahl der neuen Mandate holten sie aber in den kleineren Gemeinden. Selbst die kleinbäuerliche Bevölkerung gewinnt Verständnis für sozialdemokratische Gemeindepolitik. Sehr beachtenswert ist weiter die Tatsache, daß in den Gemeinden, in denen die Sozialdemokratie sich rege an der Kommunalpolitik beteiligt, die Wahlbeteiligung auch eine weit größere ist als in den Domänen der bürgerlichen Parteien. Das Vordringen der Sozialdemokratie auf der ganzen Linie hat denn auch fast überall dazu geführt, daß die Zahl der Abstimmenden sich ungemein erhöhte. Nur einzelne Gemeinden können sich noch das zweifelhafte Vergnügen leisten, einzelnen einflußreichen Familien die Verwaltung der Gemeindegeschäfte zu übertragen. In nicht wenigen Orten hat der Versuch des Bürgertums, an dem lieben alten Brauch festzuhalten, dazu geführt, daß der Wahlvorschlag unserer Genossen glatt siegte, zum größten Entsetzen der so unsanft aus süßem Schlummer geschreckten Spießburger. Im allgemeinen aber haben unsere Gegner es an Anstrengungen nicht fehlen lassen, den Ansturm der Sozialdemocratie abzuschlagen. Die Wahlbeteiligung stieg bis auf 90 Proz. und darüber. Es war ein Kampf, wie er bei Bürgerausschußwahlen in Württemburg noch nie geführt worden ist. Und die Sozialdemokratie ist die Siegerin! Bei den Stadtverordnetenwahlen in Durlach(Baden) siegte die Sozialdemokratie in der dritten Klasse glänzend über die vereinigte bürgerliche Gegnerschaft, bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent. Die sozialdemokratische Stimmenzahl(540 gegen 270) wäre noch größer geworden, wenn nicht der Andrang der Arbeiter in letzter Stunde in dem einzigen Wahllokale bei vielen die Ausübung des Wahlrechts unmöglich gemacht hätte. Sechzehn sozialdemokratische Stadtverordnete sind auf einen Schlag gewählt worden. " Wie ein Sozialdemokrat in der Schweiz zweimal in den Nationalrat gewählt wurde. Bei den Nationalratswahlen am 25. Oktober kam in Basel keine Wahl zustande. Unser Genosse Dr. Brüstlein erhielt die höchste Stimmenzahl, jedoch nicht die absolute Majorität, im zweiten Wahlgang wurde er mit der größten Stimmenzahl gewahlt. Bei der nachträglichen Bearbeitung der Stimmzettel durch das kantonale statistische Bureau stellte sich nun heraus, daß Dr. Brüstlein bereits im ersten Wahlgang mit 15 Stimmen Mehrheit gewählt worden war. Als unbewußt Gewählter ist er also zum zweitenmal gewählt worden.— Auf die„exakte“ Arbeit des Wahlbureaus wirft der Vorfall kein gutes Licht. Gewerkschaftsbewegung. Der„Genosse“ Wiesenthal. Der„Bund“ des Herrn Lebius verbreitet mit Behagen die„Enthüllungen“ Wiesenthals über den angeblichen Terrorismus der Freigewerkschaftler bei der Berliner Gewerbegerichtswahl. Auch die„Post“ zitiert Wiesenthal. Lebius nennt ihn einen fuhrenden Genossen, die„Post“ einen zielbewußten„Genossen". Diesen Bezeichnungen gegenüber sei festgestellt, daß Wiesenthal kein Genosse ist, sondern der Partei wegen Gewerkschaftszersplitterung gezwungenermaßen den Rucken kehren mußte. Ehemals nach seiner Meinung Anarchist, er unter großem äußeren Aufwand in die sozialdemokratische Partei über zu derselben Zeit, als für ihn ein Posten im Metallarbeiterverband frei wurde. Eine führende Rolle hat er jedoch in der kurzen Durchgangszeit durch die Partei in dieser nicht gespielt. Sein Leibblatt, das nur kurze Zeit der„Vorwärts“ war, ist jetzt die„Berliner Volkszeitung: Die„Post“ und der„Bund“ haben alle Veranlassung, es mit Herrn Wiesenthal nicht zu verderben. Ein seltenes Jubiläum feiert der„Töpfer“ in seiner letzten Nummer. Vor 25 Jahren, im Januar des Jahres 1884, wurde der Veltener Fachverein gegründet und bei dieser Gelegenheit Albert Krämer als Kassierer des Fachvereins gewählt. Dieses Amt hat er stets mit strengster Gewissenhaftigkeit verwaltet und auch weiter versehen, als im Jahre 1892 die Verbandsgründung perfekt wurde. Und so wurde Albert Krämer von Jahr zu Jahr bei jeder Vorstandswahl immer wieder als Verwalter der Veltener Finanzen gewählt und nie hat er sich geweigert, dieses ehrenvolle, aber auch verantwortungsvolle Amt immer wieder anzunehmen. Bekanntlich beherbergt gerade das kleine Velten eine der wichtigsten Filialen des Töpferverbandes. Es sind nun rund 25 Jahre verflossen, seit Albert Krämer den Kassiererposten der Veltener Zentralstelle verwaltet. Er hat dies und macht es noch heute mit seltener Ausdauer und Gewissenhaftigkeit. In der Töpferbewegung steht selbst dieses Jubiläum ohnegleichen da. Und es dürfte auch in der Gesamtarbeiterbewegung nur in vereinzelten Fällen vorkommen, daß irgend ein Funktionär mit gleicher Ausdauer auf einem Posten verharrt. Der„Deutsche Maschinist und Heizer“, Organ des Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer, sowie Berufsgenossen, erscheint ab 1. Januar in vergrößerter Gestalt, um die Interessen der Berufskollegen wirksamer vertreten zu können. Damit auch die fachliche Weiterbildung zu ihrem Recht kommt, wurde eine fachtechnische Beilage geschaffen, die dem„Deutschen Maschinisten und Heizer" beigelegt wird. Der„Weckruf". Organ des Verbandes der Eisenbahner, erscheint vom 1. Januar 1909 ab in Berlin SO. 16, Engelufer 21, I. Alle Bestellungen und Zusendungen sind an obige Adresse zu richten. Ebendaselbst befinden sich auch die Bureaus des Verbandes der Eisenbahner Deutschlands. Im Verbande der Schneider und Schneiderinnen wird demnächst eine Urabstimmung über die Frage der Einführung der Arbeitslosen= bezw. Erwerbslosenunterstutzung vorgenommen. Es handelt sich dabei um folgenden Antrag, der auf dem letzten Verbandstag der Schneider angenommen wurde:„Das gesamte Material und die Vorlage des Vorstandes, die Einführung der Arbeitslosenunterstützung betreffend, wird den Mitgliedern zur Beratung und Urabstimmung unterbreitet. Den Mitgliedschaften wird zur Pflicht gemacht, in der Zeit vom 1. Januar bis 1. April 1909 zu dieser Frage Stellung zu nehmen, damit die Urabstimmung am 1. April 1909 ihren Abschluß finden kann. Das Resultat der selben ist dem Vorstand mitzuteilen. Der nächste Verbandstag, der 1910 in Hamburg stattfindet, soll bestimmen, wann die Vorlage, wenn sie durch die Urabstimmung beschlossen wird, in Kraft treten soll. Ein„Entgegenkommen“. In dem Verlage des„Berliner Lokal=Anzeiger(August Scherl G. m. b. H.) bestand für die Zeit vom 11. Mai 1906 bis 31. Dezember 1908 für die Arbeiter der dortigen elektrischen Zentralstation, welche durchweg dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer angehören, ein Tarifvertrag, welcher einen Lohn von 28 Mk. bis 36 Mk. für Maschinisten, Schaltbrettwärter und Heizer, für Hilfsmaschinisten, Hilfsheizer, Batteriewärter und Kohlenwärter einen solchen von 26—32 Mk pro Woche vorsieht, bei einer 9½ stündigen Arbeitszeit und dreiviertelstündiger Pause. Dieser Tarif wurde von der Organisation am 28. September vorigen Jahres gekü sigt unter Beifügung einer neuen Vorlage, welche u. a. die Maximallöhne auf dem alten Satz stehen ließ, dagegen die Minimallöhne auf 34 Mk bezw. 32 Mk. heraussetzte sowie bei Nachtarbeiten den dort üblichen prozentualen Aufschlag festlegte sowie die achtstündige Schicht verlangte, so daß ein regelrechter Dreischichtwechsel eintreten sollte. Die Geschäftsleitung der Firma fand aber während der drei Monate Kündigungsfrist keine Zeit zu antworten, noch in Verhandlungen zu treten. Die Ortsverwaltung fragte deshalb am 29. Dezember v. J. per eingeschriebenen Brief wegen der Einleitung von Verhandlungen nochmals an. Die Geschäftsleitung der Firma Scherl fand während der dreimonatigen Kündigungsfrist weder Zeit, noch hatte sie dem Anschein nach auch nur Lust, mit den beteiligten Personen in Verhandlungen zu treten, und so sah sich die Ortsverwaltung genötigt, am 29. v. M. per Einschreibebrieb bei der Geschäftsleitung wegen der Einleitung von Verhandlungen nochmals anzufragen. Jetzt endlich sah sich der Verlag der an gewisser Stelle einzig ungekurzt gelesenen Zeitung bemüßigt, aus seiner Reserve herauszutreten, und machte durch folgendes Schreiben der Verwaltung den Vorschlag, den Tarif zu verlängern: Berlin, 30. Dezember 1908. An den Zentralvorstand der Maschinisten und Heizer usw. Auf Ihre Zuschrift vom 29. d. M. erwidere ich Ihnen, daß wir in neue Verhandlungen deswegen nicht eintreten können, weil in dem von Ihnen uns eingesandten Tarifvertrage Bedingungen enthalten sind, die wir unter keinen Umständen anzunehmen in der Lage sind. Dagegen erklären wir uns bereit, den Vertrag vom 11. Mai 1906 zu verlängern und zwar, wenn Sie es wünschen, auf ein Jahr. Wir beweisen hiermit ein Entgegenkommen, wenn wir mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Arbeitsmarkt die Bedingungen des Vertrages vom 11. Mai 1906 auch für die Zukunft gelten lassen wollen. Wir sehen Ihrer Erklärung auf diesen unseren Vorschlag entgegen. Hochachtungsvoll ppa. August Scherl G. m. b. H. gez. Tochtermann. Windeck. Die Arbeiter können sich also bei ungnädiger Laune der Geschäftsleitung eventuell vergegenwärtigen, daß der„Lokal= Anzeiger" die Löhne herabsetzt und die Arbeitszeit verlängert. 1## Das ist recht kennzeichnend für den sozialen Standpunkt dieses Blattes, das leider noch in vielen Arbeiterfamilien gelesen wird. Ganz so selbstverständlich hat sich die Organisation nun mit diesem Vorschlage nicht einverstanden erklärt und nochmals Verhandlungen erbeten. Wie weit sich die Geschäftsleitung des Berliner Lokal=Anzeiger“ herbeiläßt, mit der Organisation in Verhandlungen einzutreten, und ob diese dann zu einem zufriedenstellenden Resultat führen wird, wird die Zukunft lehren. Die Wiederaufnahme der Arbeit in den Strebelwerken scheint vrogrammäßig von statten zu gehen. Bisher haben alle Arbeiter, welche von der Fabrikleitung schriftliche Aufforderung erhalten haben, die Arbeit ausgenommen. Die Einstellung erfolgt aus betriebstechnischen Gründen sukzessive, jedoch so, daß nach der ersten Januarwoche 90 Prozent und der Rest der Arbeiter bis 15. Februar wieder beschäftigt sind. Christliche Entstellungskunst. Der Glasarbeiterverband schloß vor einigen Monaten mit der Vereinigung der Bayerischen Rohglasschleifereibesitzer einen Vertrag bis 1911 ab, durch den u. a. die beabsichtigte längere Stillegung der sämtlichen Werke verhindert und die Zusage erzielt wurde, daß die Arbeiter, wenn sie aussetzen müssen, ein sogenanntes Feiergeld erhalten. Der christliche Verband hat damals ebenfalls dem Vertrage zugestimmt, jetzt entfalten aber die Christlichen eine maßlose Hetze gegen den Glasarbeiterverband, dem sie vorwerfen, daß er durch diesen Vertragsabschluß die Arbeiter schwer benachteiligt und verraten habe. Die Versprechungen seien nicht gehalten worden, es werde kein Feiergeld ausbezahlt, zudem habe der Bezirksleiter des Glasarbeiterverbandes Dirscherl im Beisein der Glasherren erklärt, er habe nichts gehört von derartigen Abmachungen. Gegenüber dieser christlichen Hetze hat nun der Unternehmerverband in den Werken einen Anschlag anheften lassen, worin diese Behauptung als unwahr zurückgewiesen und erklärt wird, daß bereits 30000 Mark Feiergeld ausbezahlt sind, zugleich wird erklärt, daß der Bezirksleiter der Christlichen Salomon zu keinen Verhandlungen mehr zugelassen werde, da er es mit der Wahrheit nicht genau nehme. Thristt her Ingendverein. In der Stadt Weißenburg ir ahern besteht im Anschluß an den evangelischen Arbeiterverein ein Lehrlingsheim. Dessen Leitung gibt jetzt bekannt, daß ne sich genötigt sehe, das Lehrlingsheim bis auf weiteres zu schließen,„nachdem ie es trotz aller Opfer und Ermahnungen nicht durchzusetzen vermochte, daß sich die Lehrlinge eines anständigen und gesitteten Verhaltens befleißigen, sondern von Sonntag zu Sonntag nach Verlassen des Lokals sich ungezogen und flegelhaft benehmen".— Wenn das einer sozialdemokratischen Jugendorganisation passieren würde, so würden die Frommen sich beeilen, die Schuld daran dem„verrohenden Einfluß“ der Sozialdemokratie zuzuschreiben. Buchdruckerentlassungen. Klausenburg, 3. Januar. Die hiesigen Druckereibesitzer haben ihre Setzer entlassen, weil dieselben an dem vorgestrigen Generalstreik teilgenommen hatten. Infolgedessen erscheinen keine Zeitungen. Die Druckereibesitzer erklären, falls die Setzer nicht sofort aus dem Fachverein austreten, fremde Arbeitskräfte aufnehmen zu wollen. Handel und Warenpreise im Jahre 1908. Das Jahr 1908 zeichnet sich u. a. auch durch einen sehr hohen Warenpreisstand aus, der besonders empfindlich auf die Lebenshaltung druckt. Zwar haben wir die exorbitanen Preise des Jahres 1907 teilweise nicht mehr zu erdulden; für manche Artikel, wie z. B. Zucker, Melasse, Spiritus, Mais, Tabak, Schweine, Kälber, Schmalz und Petroleum sind die jetzigen Preise aber noch über die Durchschnittssätze des Vorjahres hinausgeschnellt. Für Industrieerzeugnisse ergeben sich, berücksichtigt man die Preise der letzten Monate, nicht nur gegenüber 1907, sondern auch im Vergleich mit dem Jahre 1906 Ermäßigungen. Anders ist das Resultat, bringt man die Preise landwirtschaftlicher Produkte nach dem Durchschnitt des Jahres 1906 mit den gegenüber dem Anfang dieses Jahres reduzierten Preisen aus Oktober und November in Vergleich. Nach den von der„Vossischen Zeitung“ regelmäßig veroffentlichten Uebersichten, die die Preisentwicklung durch Indexziffern veranschaulichen, gewinnt man bei Zusammenfassung der einzelnen Waren in Gruppen dieses Bild: Jahresdurchschnitt Okt. Nov. 1906 1908 1908 Getreide 105,05 113,82 113,78 Sonstige inländ. landw. Produkte 93,13 113,98 117,62 Ausländische landw. Produkte 110,97 118,60 118.50 Tierische Produkte 139,50 127,55 124,54 Textilprodukte 134,61 123,70 120,98 Mineralien 147,83 122,89 124,73 Danach ragen die jetzt wirksamen Preise bei allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, mit Ausnahme für tierische Produkte, In seinem Freunde regte sich der Widerspruchsgeist gerade mit besonderer Lebhaftigkeit, und Brownlows Lächeln verstärkte ihn noch.„Nein, erwiderte er mit großer Bestimmtheit.„Er steckt in einem nagelneuen Anzuge, hat ein Paket wertvoller Bücher unler dem Arme und eine Fünfpfundnote in der Tasche; er wird sich sofort wieder zu seinen alten Spießgesellen begeben und Sie auslachen. Ich will meinen Kopf aufessen, wenn er sich jemals wieder hier blicken läßt. Er rückte näher an den Tisch, und beide saßen in stummer Erwartung da. Es ist der Bemerkung wert und wirft ein Licht auf die Bedeutung, welche wir unsern eigenen Urteilen beilegen, und den Stolz, mit welchem wir uns auf unsere übereiltesten Schlüsse verlassen, daß Grimwig, obgleich er kein schlechtes Herz hatte, obgleich es ihn wirklich betrubt haben würde, wenn er seinen geschätzten Freund betrogen gesehen, im Augenblick ebenso lebhaft wünschte wie hoffte, Oliver möchte nicht wiederkommen. Aus solchen Widerspruchen ist die menschliche Natur zusammengesetzt! u„wurde so dunkel, daß die Zahlen auf dem Zifferblatt der Uhr nicht mehr zu erkennen waren; allein die beiden alten Herren saßen fortwährend da und hefteten schweigend die Blicke auf die Uhr.(Fortsetzung folgt.) Ueber allerlei Paviansgeschichten plaudert Hans Fischer in der„Deutschen Kolonialzeitung": In Afrika ist es vielfach Mobe, daß man zahme Affen hält, die wie Hunde oder sonstige Haustiere in den Gehöften frei umherlaufen oder auch notgedrungen angekettet sind, um sie an der Ausführung von allerlei Diebstählen zu hindern. So hatten auch wir auf unserer Station Otjimbingwe(Südwestafrika) einen Affen(einen Pavian) oder vielmehr eine Aeffin namens Fanny, die uns in unseren Freistunden mit ihren Streichen und lustigem Treiben oft unterhalten hatte. Fanny war mittels einer langen Kette an einen Baum festgemacht, die ihr nach jeder Richtung eine große Bewegungsfreiheit gestattete. Jedoch der Raum genügte ihr manchmal nicht; ohne langes Federlesen machte sich das Fräulein von der Kette los und spazierte dann frei auf der Station umher, hier und da einen Schabernack spielend. Allerdings, am Tage versuchte Fanny weniger die Kette abzustreifen, da sie genau wußte, daß sie von uns sowie auch von unseren auf der Station beschäftigten Eingeborenen, die übrigens vor dem Fräulein eine gewaltige Angst hatten, streng beobachtet wurde. Dagegen des Nachts hinderte sie kein Mensch an ihren Befreiungsversuchen. Hatte sich Fanny in der Nacht von ihrer Kette befreit, dann var es mit der Nachtruhe eines jeden einzelnen vorbei; di spektakel verursachte. Wütend und schimpfend stürmte alles aus den Stuben und begann auf die Ruhestorerin Jagd zu machen, wobei jedesmal erst eine besondere List zur Anwendung gebracht werden mußte, um das Tier wieder einzufangen. Hatte man sie endlich wieder an die Kette gebracht, so blieben natürlich die Schläge von diesem oder jenem aus der Nachtruhe gestörten Kameraden nicht aus; aber Fanny hatte, wie bekanntlich alle Affen, ein dickes Fell. Während sich die Kameraden, von denen das Fräulein fur ihre Bosheit gestraft worden war, schimpfend in ihre Zimmer wieder zuruckzogen, kletterte sie indessen auf den Baum und verspottete sie mit höhnischem Gebell. Bekam Fanny einmal ob ihrer schlechten Streiche von irgend einem der Kameraden eine Tracht Prügel, so konnte der Betreffende sicher sein, daß er die Rache des Fräuleins zu fühlen bekam. Ein beliebter Racheakt des Tieres war, dem Betreffenden die Pfeise, den Tabak oder die Zigarre fortzunehmen und in Stücke gebrochen oder zerstreut und zerpfluckt von dem Baume aus, wo sie natürlich niemand erreichen konnte, dem untenstehenden Beraubten, Schimpfenden, an den Kopf zu werfen. Es war drollig mit anzusehen, wenn Fanny auf dem Kriegspfade war. Langsam, mit dem harmlosesten Gesicht, blieb sie längere Zeit sitzen, um sich mit irgend einem gefundenen Gegenstande zu beschäftigen, so daß wir Zuschauenden der Meinung waren, sie hätte nichts Böses im Sinne. Dann spielte sie gewöhnlich harmlos Fangeball mit dem gefundenen Gegenstand, dabei sich langsam, wie unabsichtlich, ihrem ahnungslosen Opfer, das sie immer im Auge behielt, nähernd. gerissen, sich selbst ins Maul gesteckt und dann unter lautem Freudengeschrei auf den Baum. Ehe noch der Beraubte zum Bewußtsein dessen, was mit ihm geschehen, gekommen war, hatte Fanny ihre Beute schon in Sicherheit. Ein Eingeborener hatte ssie aus Versehen einmal verbrannt. Er trug eine Schüssel heißes Wasser und hatte von der Existenz des Fraulein Fanny keine AAhnung, als diese ihn plötzlich ansprang und dadurch das Umkippen des Gefäßes verursachte. Von nun an trug die verbrühte Fanny einen Haß gegen den armen Schwarzen. Eines Tages näherte er sich ihr und wollte sich jedenfalls nach ihrem Befinden erkundigen, als sie ihm plotzlich mit einem Wutgeschrei vor die Brust sprang und in den Arm biß. Jedesmal, wenn der Eingeborene auf dem Hofe der Station erschien, erkannte ihn Fanny schon aus weiter Entfernung mit unfehlbarer Sicherheit; dann, immer hin und her laufend, beobachtete sie ihn mit ihren großen, wutstrahlenden Augen auf Tritt und Schritt. Ein Bekannter, der schon 30 Jahre in Südwestafrika lebt, erzählte mir, daß die Affen auch kleise Vögel, wie Krähen, Tauben usw., zu fangen verstehen, indem sie ihnen Futter ausstreuen und sich dann tot stellen. gast genau dasselbe konnten wir von Fanny und unseren Hühnern ionen, Fu beobachten. Das Fräulein warf sutter hin und tat dann bereich zu begeben. War das geschehen, so griff Fanny urplötzlich zu und rupfte der armen Gefangenen samtliche Federn aus. Wie wohl hinlänglich bekannt ist, naschen die Affen sehr gern, und Fräulein Fanny machte keine Ausnahme. War es ihr gelungen, sich von ihrer Kette loszumachen, hatte sie es bald weg, wo für ihre Zunge Leckerbissen hingen, und wußte es so schlau anzustellen, zu ihnen zu kommen, daß es nur recht selten gelang, sie auf fxischer Tat zu ertappen oder sie vorher zu verscheuchen. Da sie nun nicht bescheiden war, auch sich stets das Beste aussuchte, so sollte ihr das Handwerk gelegt werden. Sie bekam also ein Halsband und daran befestigt eine kleine Klingel, und war nun, wenn sie sich freigemacht hatte, wenn nicht zu sehen, so doch zu hören. Anfangs machte ihr die Klingel vielen Spaß, so daß sie nicht genug umherspringen konnte, um sie in Bewegung zu setzen. Als sie aber merkte, daß ihr das Spielzeug zur Erlangung ihrer sehnlichsten Wünsche hinderlich war, sann sie darauf, es zu beseitigen. Wir konnten uns bei unseren täglichen Beobachtungen nicht erklären, weshalb Fanny fortwayrend an ihrem Halsband zerrte und zog, da sie doch anfangs so stolz darauf gewesen war; aber die Aufklärung sollte bald kommen. Das Zerren und Ziehen an dem Halsband hatte doch einen Zweck gehabt; es hatte sich nämlich gereckt, und nun nahm unsere Fanny, wenn sie auf Raub ausging, die Klingel in das Maul und gelangte so wieder ungehort zu den ersehnten Leckerbissen. War ihr das geglückt, so nahm sie rasch die Vorderhande und, die Klingel fahren lassend, das Maul voll, und unter lautem Triumphgeschrei und Geklingel ging es zurück zu ihrem Zufluchtsort auf den Baum, wo die Beute verspeist wurde. Eines Tages fiel uns das gedrückte Wesen von Fräulein Fanny auf: ihre rote Schnauze und die mit roter Farbe beschmutzten Pfoten ließen uns das Richtige ahnen; sie war über einen Topf mit roter Farbe geraten und hatte davon gefressen. Natürlich hatte diese unangebrachte Naschhaftigkeit zur Folge, daß sie sich sterbenselend fühlte und ganz den Mut zu dummen Streichen verloren hatte. Unser Lazarettgehilfe trichterte ihr eine gehörige Dosis Rizinusöl ein, was von dem Tier auch willig eingenommen wurde. Dieser Zustand dauerte drei bis vier Tage, wobei es rührend zu beobachten war, mit welchem dankbaren Blick sie die ihr in dieser Zeit dargereichte, in heißem Wasser gelöste, präservierte Milch einnahm, die ihr anscheinend Linderung ihrer inneren Schmerzen brachte. Nachdem sie sich wieder erholt hatte, war sie bald die alte wie früher und machte wieder allerlei Affenstreiche. Immer war sie neugierig, immer mußte sie ihre Pfoten und Schnauze * * welt über den Durchschnitt des Jahres 1906 hinaus. Und das für die Ernährung wichtige Schweinefleisch ist, obwohl der Preisstand für sämtliche tierische Produkte Senkung erfahren hat, heute teurer als im Jahre 1906. Es kann demnach auch gar keinem Zweifel unterliegen, daß selbst bei unveränderten Erwerbsverhaltnissen die Lebenshaltung Verschlechterung erlitten haben würde; die Einkommensverhältnisse haben sich aber sehr zuuggugsten der Arbeiter verschoben, deshalb bedentet die #chrurt Teuerung für tausende Familien nicht nur Einschrankung, sondern direkte Not.— Gesicherte Existenz der Arbeiter! Ki. Ein amerikanischer Maschinentrust in Deutschland. Als nach dem Ausbruch der Wirtschaftskrise in Nordamerika die Truste der Eisenindustrie zu gewaltigen Betriebseinschränkungen und entsprechenden Arbeiterentlassungen schritten, wurde in einer Versammlung rheinisch=westfälischer Industrieherren diese Trustpraxis als ein Segen für die europäischen Märkte begrüßt. Obwohl während der diesmaligen Krise von der amerikanischen Gefahr", dem forcierten Angebot amerikanischer Waren auf den europäischen Märkten wenig gesprochen wurde, haben wohl doch Befürchtungen über einen amerikanischen Wareneinfall bestanden. Jedenfalls war die Möglichkeit einer solchen Invasion heuer größer als während der Krise von 1900, da die wirtschaftlichen Erschütterungen, denen Amerika damals ausgesetzt war, lange nicht den Umfang des diesmaligen Krachs angenommen hatten. Im Dezember des Vorjahres schier es, als ob die amerikanischen Syndikate sich unter dem Druck der Absatzstockungen im Heimatlande rüsteten, für ihre angehäuften Produkte in Europa Absatz zu suchen. So wurde bekannt, daß der amerikanische Stahltrust 100000 Tonnen Halbzeug nach England verkauft habe, weiter verlautete, daß zu der gleichen Zeit sechs Dampfer in Newyork nach Europa zum Transport landwirtschaftlicher Maschinen gechartert wurden. Nun blieb in der Folge die befürchtete Ueberschwemmung der europäischen Märkte mit amerikanischen Waren aus die radikalen Produktionseinschränkungen und Betriebsstillegungen geben dafür eine, wenn auch nicht ausreichende Erklärung. Haben die amerikanischen Truste während der Krise die Märkte der alten Welt mit einem massenhaften Angebot ihrer Produkte verschont, so haben sie doch in anderer Beziehung ihr Augenmerk auf Europa gerichtet. Verschiedentlich verlautete in jüngster Zeit, daß amerikanische Truste in England und Frankreich Betriebe errichtet haben, jetzt bestätigt sich auch die Meldung, daß die International Harvester Compagnie zu Chicago, der amerikanische Landwirtschaftsmaschinentrust, in Deutschland Fuß gefaßt hat. Dieser Trust erwarb am neuen Hafen in Neuß ein Terrain von 40 Morgen, er errichtet eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, die schon im Herbst 1909 betriebsfertig hergestellt sein soll. In Kürze werden dann weitere Betriebsbauten vorgenommen werden. Nach einem Bericht des „B. T.“ werden im Jahre 1910 600 Arbeiter eingestellt werden, diese Zahl wird dem weiteren Ausbau entsprechend von Jahr zu Jahr erhöht werden. Wegen des Terrainkaufs soll der Trust mit 33 Stellen unterhandelt haben, er bezahlt für das Terrain den Preis von etwa einer halben Million Mark. Dieser Trust für landwirtschaftliche Maschinen ist im Jahre 1902 errichtet worden, er ist mit dem großen Stahltrust eng verbunden, in den Verwaltungen beider Trusts sitzen zum Teil dieselben Persönlichkeiten. Das Grundkapital des Trusts beträgt 120 Millionen Dollar. Mit der Harvester Compagnie zieht nicht der erste Trust in Deutschland ein, bekanntlich beherrscht die Standard Oil Compagnie die Petroleumversorgung Deutschlands, ferner hat auch der amerikanische Tabaktrust schon vor einigen Jahren die Fabrik Jasmatzi in Dresden erworben. Der Vernichtungskrieg, den Herr Roosevelt aus Wahlgründen sg. eifrig gegen die Truste gepredigt hat, ist diesen kapitalistischen Niesengebilden gut bekommen, gerade die stärksten Truste haben während des Verlaufs der Krise mehrfach ihre bisher stärksten Konkurrenten verschlucken können. ssc. Ursachen der Sänglingssterblichkeit. Prof. Dr. Axel Johannesen veröffentlicht im„Jahrbuch für Kinderheilkunde“ Untersuchungen über den Anteil der verschiedenen Todesursachen an der Säuglingssterblichkeit Norwegens. Norwegen ist bekanntlich das Land mit der geringsten Kindersterblichkeit; es ist deshalb n Interesse, die statistischen Ergebnisse für Norwegen Christiania einerseits— Preußen und Berlin andererseits mit einander zu vergleichen. Es starben von je 10000 Säuglingen im Durchschnitt der Jahre 1899 bis 1903 in Norwegen Christianio Preußen Berlin an Ernährungsstörunge „ angebor. Schwäche „ Lungenkrankheiten Säuglingssterblichkeit Während also die gesamte Säuglingssterblichkeit in Preußen etwas mehr als doppelt so groß ist wie in Norwegen, fordern die Ernährungsstörungen in Preußen fast fünfmal so viel Opfer als dort, in Berlin mehr als doppelt so viel wie in Christiania. Die Zahlen sprechen für sich selbst, wenn man bedenkt, daß in Norwegen die meisten Säuglinge mit Muttermilch ernährt werden. dabei haben. Den Hühnern rupfte sie die Federn aus, unseren Hunden sprang sie auf den Rücken, diese an den Ohren schüttelnd, um dann allerdings schleunigst Reißaus zu nehmen. Da Fanny mit der Zeit zu groß und wild geworden war, und immer mehr Unheil anrichtete, wurde sie im Jahre 1896 erschossen. Sie liegt in Otjimbingwe unter Palmen begraben, unvergessen von jedem, dem sie einen größeren Schabernack angetan hat.— In Swakopmund hatte ich folgendes Erlebnis mit einem Pavian: Aeußerst mißliebig hatte sich einer der in Swakopmund befindlichen zahmen Paviane gemacht, der den Namen Jakob trug. Das Tier hatte sich in einem unbewachten Augenblick von der Kette befreit und streifte, von niemandem beobachtet, ungehindert umher. Auf seiner Wanderung gelangte Jakob auch an das Offizierszimmer, dessen Tür sperrweit offenstand, und, da es zurzeit nicht bewohnt wurde, spazierte er ohne Besinnen hinein. Bald darauf kam ich an dem betreffendem Zimmer vorbei, und, da ich die Tür weit offenstehend vorfanb, war ich im Begriff, sie zu schließen, als plötzlich im Innern ein schwerer Gegenstand klirrend zu Boden fiel. Ich offnete die Tür sogleich wieder, um zu sehen, was passiert war. Da— als ich gerade auf der Türschwelle stand und in das Zimmer hineingehen wollte, sprang mir mit einem Riesensatze Jakob entgegen, so daß ich vor Schreck bis an die Tür zurücksaumelte. Ehe ich wieder zur Besinnung kam, war mein Freund langst über alle Berge. Ich begab mich nun, nichts Gutes ahnend, in das Zimmer: o weh!— wie sah es darin aus. Die Tischlampe, ein Spiegel, mehrere Bilder, Gläser, Teller, Tassen, alles lag in Scherben in buntem Durcheinander auf der Erde umher. Auf mein Rufen kam ein Feldwebel herbeigelaufen, dem ich beim Näherkommen die Worte zurief:„Sehen Sie sich das mal an, was unser Jakob hier angerichtet hat!“ Während wir uns beide den Schaden besahen, drang plötzlich von draußen, von der anderen Seite des Platzes, auf dem mehrere Kaufhauser erbaut waren, furchtbares Geschrei an unser Ohr. Indem wir nun hinauseilten, um zu sehen, was das Geschrei zu bedeuten habe, sagte der Feldwebel:„Passen Sie auf, da hat Jakob wieder seine Hande im Spiel!“— und richtig! Kaum hatren wir jene Stelle erreicht, wo wir den ganzen Platz übersehen konnten, da jahen wir auch schon Jakob mit einem gellenden Schrei in mächtigen Sätzen aus dem Hause der Kolonialgesellschaft herausgesprungen kommen, hirkter tom folgten mehrere Weiße des Platzes, je Ueber einen empörenden Fall von Gesindesklaverei berichtet die ostpreußische Provinzpresse, leider unter Verschweigung der Namen. Nach dem Bericht trat im November 1907 die 15 Jahre alte Auguste T. aus Soldau bei dem Gastwirt G. im Bahnhof G. als Kindermädchen in Dienst. Sie mußte nicht nur Kinder pflegen, sondern daneben auch alle Arbeiten in der Gast= und Landwirtschaft verrichten und hatte dazu noch eine Behandlung zu erdulden, die jeder Beschreibung spottet. Schließlich lief das geplagte Kind zur Mutter, während sich die Dienstherrschaft an die Polizei wandte. Anstatt daß diese den Fall gehörig untersuchte, beschränkte sie sich darauf, wie gewöhnlich, das Mädchen zurück in den Dienst zu führen, und die Mutter des Kindes mit einem Strafmandat von 3 Mk. zu beglücken, weil sie— das Mädchen bei sich aufgenommen hatte! Natürlich hörten die Mißhandlungen durch die„Dienstherr= schaft“ nicht auf, so daß das gepeinigte Mädchen wiederum fortlief. Diesmal wurde es von dem„Dienstherrn“ auf dem Fahrrad verfolgt, eingeholt und derart mißhandelt, daß es besinnungslos liegen blieb. Im Dienst, in den das Mädchen wieder eintreten mußte, wurde die Behandlung noch schlimmer, so daß das unglückliche Mädchen beschloß, sich das Leben zu nehmen. Es warf sich auch vor einem vorüberfahrenden Zug aufs Schienengeleise, konnte aber noch rechtzeitig von anderen Personen zurückgerissen werden. Jetzt erst, nach diesem Selbstmordversuch, erbarmte sich die preußische Behörde des armen Mädchens. Der Gemeindevorsteher, der Vormund des Kindes, stellte gegen die„Dienstherrschaft“ Strafantrag, und das Schöffengericht zu Soldau verurteilte den Gastwirt zu 60 Mk. Geldstrafe und die Ehefrau zu 15 Mk. Der Amtsanwalt hatte 100 Mk. Geldstrafe für jeden verlangt; das Gericht aber ließ Milde mit den gefährlichen Dienstbotenschindern walten.— Es gibt keine Klassenjustiz. Gerichtliches. ** Bielefeld, 2. Januar. Strafkammer. Dem 19 Jahre alten Kellner Hermann Kesting von Oeynhausen, welcher den Eindruck eines fünfzehnjährigen Jungen machte, hatte es die Liebe angetan. Um den jungen Mädchen näher kommen zu können, brauchte er Geld. Um sich dieses zu verschaffen, erbrach er die im Lokale befindliche Juristenkasse, wobei ihm 80 Mk. bares Geld in die Hände fielen. Ferner mußte die Trinkgelderkasse herhalten. Aus der verschlossenen Theke waren 5.60 Mk. verschwunden und dem Kellnerlehrling war ein Portemonnaie gestohlen worden. Mit diesem Gelde in der Tasche hat der Angeklagte die Damenkneipen besucht und eine Spritzfahrt nach Hannover unternommen, wo er alles verjubelte. Die Strafkammer verurteilte heute den leichtsinnigen Menschen wegen schweren Diebstahls in 2 Fällen und einfachen Diebstahls in 2 Fällen zu 9 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft. Aus der Untersuchungshaft wurde vorgeführt der Arbeiter Karl August Wilhelm Tielke von Minden, jetzt in Habighorst bei Stadthagen wohnhaft, mehrfach, darunter allein 11mal wegen Diebstahls vorbestraft. Er war geständig, zu Minden am 25. November 1908 von dem Hausflure des Buchdruckers Brandt Kleidungsstücke im Werte von etwa 70 Mark gestohlen zu haben. Er erhielt wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle 6 Monate Gefängnis. Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, daß das Bewußtsein durch Angetrunkenheit getrübt worden war. * Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen den Besenbinder Franz Soete aus Börninghausen verhandelt. Der Angeklagte hat die Ehefrau des Arbeiters Koch von Börninghausen, welche ihn von ihrem Besitztum, wo er sich eines Sittlichkeitsvergehens schuldig machte, verjagen wollte, mit einem Knüppel mißhandelt. Die Strafkammer verurteilte den vielfach vorbestraften Angeklagten wegen widernatürlicher Unzucht, gefährlicher Körperverletzung und Uebertretung zu 6 Monaten Gefängnis. Der Arbeiter Heinrich Sander von Oberbauerschaft, welcher schon einige Vorstrafen erlitten hat, hat am 19. September vor. I. den Lehrer Freind, der den Sohn des Angeklagten wegen einer zu untersuchenden Roheit in die Schule zurückbringen ließ, mit dem Totschlage bedroht. Er war vom Schöffengericht zu Lübbecke wegen Bedrohung mit dem Verbrechen der Tötung zu 1 Woche Gefängnis verurteilt worden und hatte Berufung eingelegt. Die Strafkammer sah die Sache viel milder an, hob das erste Urteil auf und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 25 Mark event. 5 Tagen Gefängnis. Hinter verschlossenen Türen wurde gegen die aus der Untersuchungshaft vorgeführte Ehefrau Hedwig Köpke, geborene Preuß. von Altenessen verhandelt. Aus der Verlesung der Anklage und aus der Urteilsbegründung ging hervor, daß sie im Juni und Juli vorigen Jahres sich in zwei Fällen der Zechprellerei(Betruges) schuldig gemacht hat, indem sie sich so aufgespielt hat, als sei sie bemittelt, und einen Hotelier in Herford mit einer Logisschuld von 25 Mark und einen anderen Hotelier in Gütersloh mit 36,80 Mark hineingelegt hat. Der Fall, den die Anklage als Kuppelei bezeichnete, charakterisierte sich als ein Betrugsversuch. Der Gerichtshof erkannte gegen die Angeklagte wegen Betruges in 2 Fällen und wegen Betrugsversuches auf eine Gesamtstrafe von 2 Monaten Gefängnis. Bei der Strafzumessung wurde berücksichtigt, daß sie sich zu der Zeit der Tat in großer Not befunden hat. Die Angeklagte hat sich außerdem noch in Köln und Düsseldorf vor dem Strafrichter zu verantworten. Einen recht groben Vertrauensbruch hat die Arbeiterin Berta Sacknus von Bielefeld gegen ihre Freundin, die Arbeiterin Judikat, von hier verübt. Diese hatte ihrem Besuche ihr Sparkassenbuch gezeigt. Als nun die Freundin fort war, stellte sich heraus, daß mit einem langen Stock in der Hand. Der Affe, der sich unausgesetzt nach seinen Verfolgern umsah, sah uns beide nicht und lief dem Feldwebel gerade in die Arme, der ihn sofort fest anpackte. Während er dem Pavian krampfhaft mit beiden Händen die Kehle zudrückte, erfaßte ich zeinen Schwanz, und wir trugen ihn so an seinen Platz; da das Tier inzwischen aber furchtbar wild geworden war, mußten wir unsere ganzen Kräfte zusammennehmen, um es ganz kurz an seine Kette zu legen. Alsdann aber sauste der Schambuck unbarmherzig auf sein dickes Fell nieder. Doch, als wir des vielen Schlagens müde waren, grinste uns Jakob mit freundlichem Zähnefletschen an. Auf der Heimreise nach Deutschland boten uns in dem an Bord herrschenden eintönigen Leben fünf Paviane, vier junge und ein schon etwas älterer, viel Abwechslung. Viel Spaß bereiteten uns die Tiere, wenn sie mittags ihre Mahlzeit verzehrten, die aus einer großen Schüssel Reis oder Fleischabfällen bestand. Punkt 12 Uhr erhielten sie ihre Kost, über die sich dann die Jüngeren mit einem wahren Heißhunger herstürzten. Hierbei hatten sie aber jedesmal die Rechnung ohne den älteren gemacht; letzterer, namens Jakob, schien stets darüber erbost zu sein, daß sie ihm beim Einnehmen der Mahlzeit, als dem Aeltesten, nicht den Vorrang ließen. Mit einer unbeschreiblichen Wut fiel er jedesmal über sie her, faßte sie beim Kragen und schleuderte die kleinen Dinger, auf deren Jammergeschrei alles auf Deck zusammenlief, mit einer derartigen Vehemenz gegen irgendeinen in der Nähe befindlichen Gegenstand, daß sie wie tot liegen blieben. Nach einigen Sekunden erholten sie sich jedesmal wieder, rafften sich au, und blieben nun entweder ruhig sitzen oder liefen in großem Bogen um die Futterschüssel herum, an der jetzt Jakob saß, den Inhalt mit dem großten Appetit und Wohlbehagen verzehrend. Seine Backentaschen gehörig vollstopfend, beobachtete er dabei mit seinen großen, voller Wut strahlenden Augen unausgesetzt die Jüngeren, die sehnsuchtsvoll nach dem Futternapf hinschielten. Hatte sich Jakob nun endlich satt gefressen und seine Tafelei beendet, so holte er seine schwacheren Stammesgenossen herbei und tauchte jeden einzelnen von ihnen so geschickt mit der Nase in das Fressen hinein, daß wir die Zuschauer dieses komischen Gebarens, jedesmal in helles Gelächter ausbrauchen. Nachdem er sie alle auf die eben beschriebene Weise herangeholt hatte, ging er wieder befriedigt von dannen. mit dem Besuche auch ihr Sparkassenbuch über 46 Mk. verschwunden war. Die Ungetreue hatte nun in dem Buche mit dem Namen ihrer Freundin quittiert, den Betrag erhoben und auch denselben durchgebracht. Die Strafkammer erkannte gegen die Angeklagte wegen Diebstahls und schwerer Urkundenfälschung auf 1 Monat Gefängnis. ** * Ein Lehrer wegen Unterschlagung verurteilt. Das Land gericht Magdeburg verurteilte den Lehrer Robert Becker aus Dreileben(Regierungsbezirk Magdeburg) wegen fortgesetzter Unterschlagungen zu 5 Monaten Gefängnis. Becker hatte als Rendant der Handwerker= und Arbeiter=Ortskrankenkasse seit dem Jahre 1891 insgesamt 3852,01 Mk. unterschlagen. Die Vorsteher der beiden Kassen hatten seit Jahren die vorgeschriebenen Revisionen unterlassen Vermischtes. Ein Dampfer in Flammen. Hamburg, 3. Jan. Auf dem im Hafen liegenden Dampfer„Sante Helena"“ entstand unter der Ladung aus Kleie und Oelkuchen Feuer, das erst nach 8stündiger Tätigkeit der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Der Schaden ist groß. Furchtbare Bluttat. Brandenburg, 3. Januar. Das Kloster Lehuin war gestern der Schauplatz einer furchtbaren Bluttat. Die Ehefrau und die Schwiegermutter des Postschaffners Schulze wurden kurz nach 6 Uhr morgens in ihren Betten von einem noch unbekannten Täter überfallen und durch Axthiebe lebensgefährlich verletzt. Es scheint ein Raubmord vorzuliegen.— Die Potsdamer Polizei nahm mit Unterstützung von Berliner Beamten die Verfolgung des Mörders auf. Mit Hilfe von Polizeihunden wurde dieser in der Person des Kaufmanns Kupatt ermittelt. Kupatt ist schon mehrfach wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraft. Liebesdrama. Berlin, 3. Jan. Vorgestern nacht gegen 12 Uhr erschien in einem Hotel in der Landsbergerstraße ein Paar, das ein Zimmer für die Nacht wünschte. Als am Morgen das Paar nicht zur üblichen Zeit erschien, öffnete man die Türe mit Gewalt und fand die beiden als Leichen vor. Wie die ärztliche Untersuchung ergab, hatte der Mann zuerst das Mädchen durch einen Schuß ins Herz getötet und dann sich selber das Leben genommen. Die Polizei stellte fest, daß die Verstorbenen der Bäcker Schachwald und das Dienstmädchen Zimer waren. Wahrscheinlich handelt es sich um ein Liebespaar, das gemeinsam den Tod suchte. Attentat auf die Geliebte. Berlin, 3. Jan. Der 29 jährige, von seiner Frau getrennt lebende Schlosser Lugat versuchte gestern in der Weserstraße in Lichtenberg seine frühere Geliebte, die 19jährige Arbeiterin Grieger, die bereits zwei Mordversuche auf ihn gemacht hatte, durch einen Revolverschuß zu töten. Die Geschossene wurde von Passanten ins Krankenhaus Friedrichshain transportiert. Ihre Verletzung, ein Schuß in der rechten Brustseite, scheint sehr ernster Natur zu sein. Kurze Zeit nach dem Attentat stellte sich Lugat auf der Polizei. Erfroren. Thorn, 3. Jan. Die strenge Kälte hat auch in West= und Ostpreußen mehrere Menschenopfer gefordert. Der Arbeiter Smuczynski aus Münsterwalde, sowie der Altsitzer Stanislawski sind erfroren. Im Blausteiner Walde bei Rastenburg wurde der Zimmergeselle Sommery halb erfroren aufgefunden. Ihm sollen beide Hände abgenommen werden. Ein Ballon gelandet. Budapest, 3. Januar. In dem bei der Ortschaft Kapuvar gelegenen Walde wurde gestern morgen ein gelber Ballon bemerkt, der in den Baumkronen festsaß. Die Insassen des Ballons konnten in der Finsternis und bei der schneidenden Kälte nur mit größter Mühe den festen Boden erreichen. Sie waren am 31. Dezember in der Nähe von Berlin in einem Militärfreiballon aufgestiegen. Es sind der Leutnant Stricker und ein jüngerer Herr in Zivil. Die Balloninsassen hatten volle 36 Stunden in der Luft im Schneesturm zugebracht. Der Ballon, welcher den deutschen Reichsadler und die deutsche Fahne führt, konnte bisher nicht freigemacht werden. Beiden Luftschiffern wurde im Schloß des Barrons Berg ein herzlicher Empfang zu teil. Ein preußischer Staatsangehöriger verhaftet. Newyork, 3. Januar. Auf der Farm Willow Glen wurde der preußische Staatsangehörige Wilhelm Ignatius verhaftet, der im Jahre 1906 in Rawitsch in Posen drei Männer ermordet hat. Die Verhaftung des Ignatius gelang erst nach schwerem Kampf. Er verbarrikadierte sich in seinem Haus und schoß aus drei Gewehren, mit denen er bewaffnet war, auf die Gendarmen. Schließlich gelang es einem Gendarmen, Ignatius zu verhaften. Kleines Feuilleton. Die Vorfahren des Hundes. Daß der Hund schon in vorgeschichtlicher Zeit der treue Genosse des Menschen ist, weiß man seit ziemlich langer Zeit durch Hohlenfunde und Ausgrabungen, namentlich aus der Zeit der Pfahlbauten. Dr. Studer hat in den Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern den Schädel eines Haushundes, der an einem vorgeschichtlichen Wohnplatz der sogenannten Hallstatt=Periode in der Nähe von Karlstein bei Reichenhall gefunden war, genau untersucht und bei dieser Gelegenheit die bisherige Kenntnis der Hundearten aus vorgeschichtlicher Zeit zusammengefaßt. In der älteren Steinzeit hat der Mensch Hunde gehalten, die schon in allen Haupteigenschaften dem heutigen Haushunde ahnlich waren. Immerhin lassen sich nach den gefundenen Skelettresten besondere Verwandtschaftsmerkmale ablesen. Dieser Hund der älteren Steinzeit hatte etwa die Größe eines deutschen Schäferhundes, glich aber sonst wahrscheinlich am meisten dem australischen Dingo und dem javanischen Hunde. Vermutlich lebte er noch in halbwildem Zustande neben dem paläolitischen Menschen und paarte sich wohl auch noch häufig mit dem Wolf, woraus eine neue Rasse entstanden zu sein scheint, die dem sibirischen Hunde (Laik!) geglichen haben mag. Reste dieser Rasse sind in den Pfahlbauten des Neuenburger Sees in der Schweiz und des Ladoga=Sees in Rußland gefunden worden. Außerdem muß noch eine Kreuzung mit dem Wolfe von flacher Schädelform stattgefunden haben, der als die Urform der heutigen Jagdhunde gilt. In einer anderen Linie des Stammbaums zweigten von dem der älteren Rasse der Steinzeit unsere Schaferhunde ab und in einer noch anderen Linie die Hunderassen, die im Bronzezeitalter die Kameraden des Menschen waren. Wahrscheinlich sind noch wektere Kreuzungen mit dem Wolf erfolgt, von denen z. B. der kleine Haushund der Pfahlbauten abzuleiten ist. Der beschriebene Hundeschädel von Karlstein gehort zu einer Rasse, von der die Rüden der heutigen Sauzagden stammen, und diese Rasse erschien erst mit der Eiszeit und scheint auf die Alpen beschränkt gewesen zu sein, wo sie noch jetzt durch die Bernhardiner vertreten wird. ag. Verheben und Lungentuberkulose. Es gibt in den verschiedenen Berufen eine ganze Reihe von Arbeiten, die eine große Anstrengung und Muskelanspannung erfordern, die unter Umständen bei Leuten, die schon krank sind, schädliche Folgen haben können. Geradezu vorbildlich ist in dieser Beziehung die Erkrankung eines Bergmannes, dessen Tuberkulose im Unterlappen der linken Lunge auf das Einheben eines entgleisten schweren Förderwagens zurückgeführt wird. Die verklagte Berufs=Genossenschaft machte geltend, daß gerade bei tuberkulösen Lungenerkrankungen die ursächliche Bedeutung eines Unfalles für dieses Leiden nur dann anerkannt werden kann, wenn durch eine an Gewißheit grenzende Wahrscheinlichkeit dargetan ist, daß der Unfall von wesentlichem Einfluß für den Ausbruch oder die Entwicklung des Leidens war. Dieser strenge Nachweis der ursächlichen Beziehung zwischen Unfall und Lungentuberkulose wurde in dem erwahnten Falle erbracht. Eine Anstrengung nämlich, sich der Bergmann zu unterziehen hat, ist nicht nur mit erheblicher Steigerung des Blutdrucks, sondern vor allem mit starker Anspannung der Atemmuskeln und starker Steigerung des Luftdrucks im Innern des Brustkastens verbunden. Diese Umstände sind aber geeignet, kleinere Zerreißungen an einem bereits durch den tuberkulösen Prozeß geschadigten Lungengewebe hervorzurufen und die angespeicherten Tuberkelbazillen in Bewegung zu setzen und in den Säftestrom des Körpers zu treiben. Es ist anzunehmen, daß auch beim Kläger infolge des anstrengenden Hebens kleinere Zerreißungen dieser Art stattgefunden haben. In diesem Falle trat dann gleich nach dem schweren Heben eine Beschleunigung im Krankheitsverlauf auf. Die Temperaturverhältnisse auf den Planeten sind für die Bewohnbarkeitsfrage von großer Wichtigkeit, weil das organische Leben in erster Linie von der Temperatur abhängt. Besaße die Erde keine Atmosphäre, oder wäre diese für die Sonnenstrahlen vollkommen durchlässig. so würde man bei der Kenntnis der Stärke der Sonnenstrahlung leicht die Mitteltemperatur der Erdoberfläche berechnen können wenn man ein von Stefan aufgestelltes Gesetz von der Abhängigkeit der Wärmestrahlung von der Temperatur benutzt. Der Physiker Thristiansen hat die Mitteltemperatur an der Oberfläche der verschiedenen Planeten berechnet. Dabei machte er die wahrscheinliche Annahme, daß beim mittleren Abstand der Erde von der Sonne die Sonnenstrahlung einem vollkommen schwarzen Körper, der alle auf ihn fallende Wärme und Licht verschluckt, in der Minute auf jeden Quadratzentimeter seines gegen die Sonne gerichteten Querschnittes 2½ Grammkalorim Wärme zustrahlt. Das ist soviel, wie dazu gehört, um 1 Gramm Wasser in einer Minute um 1 Grad zu erwärmen. Wir nehmen dabei an, daß die mittlere Entfernung der Sonne von der Erde 149,5 Millionen Kilometer betragt, und nennen diese Entfernung 1. Dann ist auf mit dem mittleren dem Planeten Abstand von der Sonne 9 039 0.72 1 1 1.52 5,2 955 19.22 30,12 0 Bei Merkur ist noch eine zweite Zahl in Klammern zugefügt, welche die Temperatur derjenigen Seite dieses Planeten bezeichnet, die der Sonne immer zugekehrt ist. Die heißeste Stelle des Merkur dürfte etwa 392 Grad warm sein, wohingegen die der Sonne abgewandte Seite fast so kalt sein wird, wie sie überhaupt sein kann, also etwa 273 Grad. Diese Zahlen rühren von Arrhenius her, der auch für den Mond ähnliche Zahlen berechnet hat. Der Mond kehrt der Erde bekanntlich auch immer dieselbe Seite zu, so daß jeder Punkt seiner Oberfläche etwa einen Monat lang von der Sonne beschienen und einen folgenden Monat seine ganze Wärme wieder an den kalten Weltraum hinausstrahlt. Etwa 106 Grad wird die Mitteltemperatur ur Mertur Venus Erde (Mond) Mars Jupiter Saturn Uranus Neptun Sonne die MittelDemperatur + + (106) 178(332) 65 6.5 6/5 37 147 180 207 221 + 6200 einer Stelle au, der sonnenbeleuchteten Mondoberfläche sein, während die heißeste Stelle etwa 150 Grad Temperatur haben wird. Würde die Atmosphäre der Venus ganz durchsichtig, so würde der Planet eine Mitteltemperatur von+ 65 Grad haben. Da aber dichte Wolken vorhanden sind, werden sehr viel Wärmestrahlen zurückgeworfen und die Temperatur wird vielleicht auf die Hälfte anzuschlagen sein, unter Berücksichtigung der schützenden Atmosphäre auf vielleicht 40 Grad. Hier können wir zuerst annehmen, daß Teile des Planeten dem organischen Leben günstig sein können. Auch auf die Temperatur der Erde haben die Wolken einen erheblichen Einfluß: sie schützen gegen zu starke Sonneneinstrahlung und schützen in der Nacht gegen zu starke Ausstrahlung, üben also eine mildernde Wirkung aus. Im ganzen dürfen wir eine Mitteltemperatur von 16 Grad annehmen. Bei Mars tritt ebenfalls eine starke Erhöhung der Mitteltemperatur ein, weil die Atmosphäre äußerst dünn ist und der Sonnenstrahlung ungehinderten Eingang gestattet. Man kann sie nach Arrhenius auf+ 10 Grad annehmen. Es ist daher durchaus nicht ausgeschlossen, daß organisches Leben auf dem Mars vorhanden ist, wenn man sich auch wegen der Leistungsfähigkeit usw. dieser Wesen nicht zu übertriebene Vorstellungen machen darf.. Für die anderen großen Planeten sind die Berechnungen sehr unzutreffend, weil sie wahrscheinlich alle noch recht betrachtliche Eigenwarme haben. Die Berechnungen haben daher hier keinen Wert mehr. Die Entscheidung der Bewohnbarkeitsfrage ist bei ihnen also noch viel schwieriger als bei den anderen Planeten. F. L. kfg. Die Wichtigkeit einer nationalen Rassenhygiene für den Staat. In dem„Archiv für Rassen= und Gesellschafts=Biologie“ wird von Dr. Hans Fehlinger die Uebersetzung der Arbeit von Peerson, einem englischen Forscher:„Ueber den Zweck und die Bedeutung einer nationalen Rassenhygiene(National=Eugenik) für den Staat“ wiedergegeben, die eine ganze Reihe von hochinteressanten Feststellungen enthält. An der Londoner Universität besteht namlich ein von Francis Galton begründetes„Laboratourium für Rassenhygiene“, in dem das Studium der Biologie des englischen Volkes besonders gepflegt wird. Das Material der Forschung bilden die Stammbaume und Familien= geschichten Tuberkulöser, Geisteskranker, verbrecherisch veranale ische, die wir hier nicht weiter auseinandersetzer Eine Reihe von Tabellen veranschaulichen die Vererbung körperlicher Eigenschaften bei Menschen und Tieren, die Krankheitsvererbung, den Korrelationskoeffizienten, der in Dezimalbruchteilen zwischen 0 und 1 den Grad der aufgefundenen Wechselbarkeit in krankhaften und normalen Familien; aus ihr ergibt sich, daß die krankhaften Ehen im Durchschnitt fruchtbarer sind als die normalen, und eine weitere Tabelle zeigt, daß die größere Kindersterblichkeit der fruchtbaren Kategorien ihre überwiegende Fruchtbarkeit nicht ausgleicht. Daraus wird der Schluß gezogen, daß die Fruchtbarkeit der krankhaften Ehen herabgesetzt, die der normalen aber nach Möglichkeit gesteigert werden müsse. In ersterer Beziehung sei es notwendig, alle denkbaren Hilfsmittel anzuwenden, um die Abnormen zu isolieren und unfruchtbar zu machen. Ferner soll die Neigung der besseren Klassen, ihre Familie freiwillig zu beschränken, energisch bekämpft werden. Eine letzte Tabelle zeigt, daß die späteren Kinder den erstgeborenen in bezug auf körperliche, geistige und moralische Widerstandskraft durchschnittlich überlegen sind. Besonders auffallend erscheint der Ueberschuß an Tuberkulose, Geistesstörung und verbrecherischen Neigungen bei den zuerstgeborenen. Ein lebhafter Appell an den Patriotismus und den rassenhygienischen Geist des englischen Volkes macht den Schluß der interessanten Arbeit. Man versteht solchen sehr wohl dann, wenn man berücksichtigt, daß in den letzten Jahren die Geburtenziffer in England eine ähnliche Abnahme erfahren hat wie in Frankreich. „Gegenbeispiel, unverkäuflich“. des„Kunstwarts“, erzählt Johannes 8 Tuschh m zweiten Dezemberheft des„Kunstwar. erzählt Johannes Buschmann:„Das hat mir kürzlich ein Hamburger Kunsthandier vorgemacht, der draußen in der Vorstadt seinen Laden hat. Zu Kunden hat er besser gestellte Industriearbeiter, Handwerker, Krämer,„kleine“ Beoder der Meisterbilder und Vorzugsdrucke a schwer verdaulich empfinden. Auch stellen sie sich lieber F und Gretchen in bunt bemalten Terrakottabüsten aufs„Vertikow“, als etwa den leicht getönten Abguß einer guten kleinen Plastik. Und gar Tonwaren! Da geht ihr Wunsch auf Majolikavasen„altdeutschen“ Stils und bronzierte Bierhumpen aus rotem Ton. Fur den Händler, der es aus Ueberzeugung verschmäht, sein Geld mit solchen Dingen zu verdienen, und der auch nicht den immer gefährlichen Weg des Kompromisses gehen, also das Gute hier und da vom Gewinn am Schlechten fördern will — für den sind die geschäftlichen Aussichten nicht gerade verlockend. Er muß sich sein Käuferpublikum tatsächlich erst erziehen. Daß dies möglich sei, daran zweifeln heute die meisten Geschäftsleute, sie lassen darum auch den Versuch dazu lieber ganz sein. Der Hamburger aber von dem ich erzählte, hat es doch gewagt, und zwar auf eine ebenso sinnvolle und— wie der richten. Er hat den Gedanken vom Gegenbeispiel verwertet. In seine Verkaufsvorräte von Bildern(Künstlersteinzeichnungen und Nachbildungen von Originalwerken), von Abgüssen antiker Skulpturen und von Töpserwaren nimmt er grundsätzlich nur gute und einwandfreie Stücke auf. Dazwischen aber hat er einige gestellt, die typisch sind für den schlechten Geschmack, also Gegenstande, wie ich sie oben als häufig begehrte kennzeichnete. Diese Bilder, Vasen und Büsten tragen ein kleines Schildchen mit der Aufschrift:„Gegenbeispiel, unverkäuflich!" Natürlich wird dadurch bei den Kaufern fast jedesmal die Frage herausgefordert: „Warum verkaufen Sie das nicht?“ Und der Handler hat dann die beste Gelegenheit, auf den Unterschried etwa zwischen einer guten Steinzeichnung von Haug oder von Kampmann und einem Oelfarbendrucke nach irgend einem Desdemonabilde hinzuweisen. Er kann es den Leuten klar machen, warum eine einfache, in Farbe und Brand gut gelungene Keramik erfreulich wirkt, der mit Preßornamenten überladene„Zierkrug" aber nicht. Und er ohen den Erfolg ausweist— praktische Art, daß es verlohnt, davon zu be- stauateur emit kann den„Betenden Knaben“ neven den bunten TerrakottaFaust im Federbarett stellen. Das Verfahren hat sich auch geschäftlich vortrefflich bewährt. Es gelingt fast immer, die Käufer zum Guten zu bewegen, wenn sie den Schund in solcher Umgebung sehen. Ich meine, man sollte das überall so machen. Gegenbeispiele haben wir nicht nur im Kunsthandel. Die Rache des Chinesen. Unter dieser Ueberschrift erzählt die Metropole d'Anvers folgendes Geschichtchen: Vor einigen Tagen sammelte sich eine große Schar von Gaffern vor dem Fenster einer Hafenkneipe an, wo zwei Maler sich abmühten, mit Pinsel und Wasser Hieroglyphen zu entfernen, die nur den Anbetern des Konfuzius vertraut sind. Die Zuschauer fanden anscheinend große Freude daran, den Arbeitern zuzusehen. Und ihre Freude war nicht ganz ohne innere Berechtigung. Vor ungefähr einem Jahre nämlich hatte sich ein Steward, der so ziemlich in allen Meeren der Erdkugel herumgesegelt und der des Lebens an Bord überdrüssig war, dazu entschlossen, sich in Antwerpen niederzulassen. Er verheiratete sich zuerst und kaufte dann das Café, vor dem sich kürzlich die belustigten Neugierigen ansammelten. Aber es gibt so viele Cafés am Hafen, dazu kam noch die wirtschaftliche Krise, kurzum, die Geschäfte gingen ziemlich flau. Glücklicherweise gibt es noch einen Gott für die Gastwirte, und unser guter Steward begegnete diesem Gott in der Gestalt eines kleinen gelben Mannes, den er als den ehemaligen Koch eines Seglers wieder erkannte, auf dem er lange gefahren war. Um dem Koch die Ueberlegenheit der weißen Rasse zum Verständnis zu bringen und gleichzeitig das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen richtig abzugrenzen, hatte der Steward ihn häufig gehörig verbleut. Das schien der gelbe Mann nicht weiter übel genommen zu haben, denn als er jetzt nach Jahren seinen alten Kameraden wiedersah, eilte er auf ihn zu, begrüßte ihn mit sehr erfreuter Miene, und wenige Augenblicke spater saßen die beiden bei Whisky und Soda und feierten die Freude des Wiedersehens. Die Geister des Alkohols gaben dem. Steward einen genialen Gedanken ein. Er sagte sich plötzlich, daß es ein Mittel gebe, um seine Geschäfte in Schwung zu bringen. Seine Kneipe müßte der Treffpunkt der Vertreter der gelben Rasse werden, die für kürzere oder längere Zeit nach Antwerpen kamen. Er teilte diese Idee seinem gelben Bruder mit und bat ihn, er möchte ihm doch eine kleine Aufschrift in chinesischen Buchstaben anfertigen, die er dann als Schild aushängen wollte. Bereitwilligst ging der Chinese auf diesen Wunsch seines Freundes ein; man leerte dann noch einige Gläser und trennte sich schließlich mit herzlicher Umarmung. Am nächsten Tage prangten die chinesischen Lettern am Fenster des Cafés, und der glückliche Wirt freute sich seines Einfalles. Aber merkwürdigerweise blieb der erwartete Erfolg aus. Niemals betrat ein gelber Mann die Kneipe, im Gegenteil, jedesmal, wenn bezopfte Leute daran vorüberkamen, sprachen sie erregt aufeinander ein, und es klang fast so, als ob sie in ihrer heimatlichen Sprache Flüche ausstießen. Erst vor einigen Tagen kam der Steward der Sache auf den Grund. Ein deutscher Marineoffizier, der Chinesisch kang, übersetzte ihm die Inschrift. Sie lautete:„Hier wohnt der Feind der Gelben, der sie vergiftet.“ Das war die Rache des Chinesen für die Prügel, die er einst hatte einstecken müssen. Schlangenhaut. Wenn man die vielen hübschen Sächelchen sieht, die jetzt zur Weihnachtszeit in den Schaufenstern unserer Galanteriewarenhändler ausgestellt sind, findet man, daß gerade in den letzten Jahren die Haut der Reptilien sehr häufig beautzt und als Krokodil=, Eidechsen= oder Schlangenleder verwandt wird. Die Nachfrage nach diesen hübsch gemusterten und oft auch lebhaft gefärbten Häuten ist größer als das Angebot, und so braucht man sich nicht zu wundern, daß sie oft durch Pressung anderer Ledersorten nachgeahmt werden. Wie„La Nature“ mitteilt, wird gerade in diesem Jahre Schlangenhaut in Paris besonders bei der Anfertigung von Täschchen, Geldbeuteln, Gürteln und Schuhen bevorzugt; aber manche der Käuferinnen würde doch den Erwerb eines solchen Luxusgegenstandes ablehnen, wenn sie wüßte, mit welcher Grausamkeit die Schlangen ihrer hübschen Haut beraubt werden. Da nämlich eine tote Schlange nur schwer und selten ohne Beschädigung enthautet werden kann, pflegt man die Haut den armen Tieren bei lebendigem Leibe abzuziehen, ähnlich also, wie das leider heute noch vielfach bei den Aalen geschieht. Eines der Hauptländer, die Schlangenhäute liefern, ist die Insel Java mit den ihr benachbarten Inseln. Dort hat sich mit dem Sitz in Batavia eine von holländischen und nordamerikanischen Unternehmern gegründete Handelsgesellschaft gebildet, die Java Reptile Skin Company, die sich vornehmlich mit der Ausfuhr von Schlangenhäuten befassen will. Insbesondere handelt es sich um eine Art, die der amerikanischen Boa constrictor nahe verwandt und ebenso hübsch wie diese gezeichnet ist. Die Schlangen werden den Jägern je nach der Länge für wenige Mark abgekauft. Für ein etwa sechs Meter langes lebendiges Tier bekommt der Eingeborene vielleicht vier Mark, und die Gesellschaft besitzt in allen Teilen des malaiischen Archipels zahlreiche Niederlassungen. Sobald ein solches Tier eingeliefert ist, ergreift ein Angestellter es am Kopf und am Schwanz, ein anderer befestigt es rasch mit einer um den Hals gelegten Schlinge an einen Baum. Dann wird ein ringförmiger Schnitt mit einem scharfen Messer um den Hals herum gemacht und die Haut dort ewas gelöst, so daß man sie fassen kann; der Eingeborene packt fest zu, zieht mit allen Kräften und die Haut löst sich von den Muskeln wie ein Handschuhfinger, den man umstulpt. Erst nach dreiviertel Stunden stellt der bloße Schlangenkörper seine Windungen und Zuckungen ein. Das ist gewiß ein rohes und bestialisches Verfahren; aber was fragt die Mode danach, wenn es gilt, ihre Narrheiten zu befriedigen! Man sieht, es sind nicht die Hunderte von armen Vögeln allein, die ihr Opfer bringen müssen. Briefkasten der Redaktion. D. Minden i. W. Die Innung zahlt keine Beiträge zur Handwerkskammer. Die Kosten derselben sind von den Gemeinden zu tragen. Die letzteren sind jedoch berechtigt, dieselben auf die einzelnen Handwerksbetriebe umzulegen. Dies wird wohl in Minden geschehen. Bielefeld. In der Zeit vom 28. Dezember 1908 bis 2. Januar 1909 sind beim hiesigen Standesamt angezeigt: Geburten: Söhne: Tischler Wilhelm Storck, Detmolderstraße 186: Schneidermeister Adolf Hofmeister, Ritterstr. 77; Arbeiter Heinrich Austmeier, Herm. Deliusstr. 7; Kaufmann Paul Holtmann, Gütersloherstr. 395; Arbeiter Bernard Obens, Hohenzollernstr. 16; Arbeiter Gustav Neumann, Schildescher= straße 53; Arbeiter Friedrich Bökenkamp, Rolandstr. 25a; Installateur Karl Hogelücht, Mellerstr. 9; Eisendreher Wilhelm Gehring, Jöllenbeckerstr. 75; Handelsmann Emil Kriete, Siegfriedstr. 66; Vizefeldwebel Eduard Kastrup, Bielsteinstr. 29; Fabrilportier Johannes Sauer, Siechenmarschstraße 16; Ini Gruben, Weststraße 28; Postassistent Ernst mann, Teutoburgerstr. 26. Töchter: Schlosser Friedrich Niemeyer, Mühlenstr 5; Wirt Gustav Flaßbeck, Rohrteichstr. 49; Postschaffner Herm. Kroos, Stadtheiderstr. 53a; Arbeiter Karl Reuter, Herm. Deliusstr. 17; Bäcker Wilh. Winkel, Bahnhofstraße 32a; Arbeiter Heinrich Schrage, Heinrichstr. 16; Arbeiter Aug. Brink, Johannistal 9; Gerichts-Botenmeister August Höner, Teutoburgerstr. 28; Arbeiter Hermann Neuhaus, Hakenort 33; Techniker Wilh. Wörmann, Thielenstr. 7; Schaufensterdekorateur Wilh. Bentlage, Am Goldbach 63; Postbote Karl Meier, Wittekindstr. 42; Tischler Aug. Voß lgen. Lütkemeyer), Jöllenbeckerstr. 101; Arbeiter Adolf Esche, Am Damm 13; Bäcker Heinrich Prüßmeier, Ehlentrupperweg 43: Arbeiter Gustav Schröder, Heeperstr. 118a; Fuhrknecht Franz Billa, Oelmühlenstr. 83; Metalldrucker Wilh. Kattendiek, Blumenstr. 17; Feldwebel Gustav Ernst, Kase straße 4; Schneider Welland, Siegfriedstr. 47; Schneidermeister Ernst Hoffmann, Lutterstr. 41. Sterbefälle: Knabe Kleine, 29 F; Herm. Nolte, 1 J., Ehefrau Arbeiter Vogt, Karoline geb. Schweppe, 57 J.; Anna Wassermann, 4 J.; verw. Wertmeister Wehrhahn, Lina geb. Kötz, 40 J.; Fabrikant Wilh. Kampmann, 57 J.; Paul Schwake, 1 J.: Rentnerin Luise Aufderheide, 71 J.; Karl Arend, 1 M.; Ehefrau Altersrentenempfänger Böke, Anna geb. Deppe, 76 J.; Wilh. Rogge, 16 I.: Dienstmagd Johanne Borgelt, 18 J.; Ehefrau Unfallrentenempfänger Brinkmann, Henriette geb. CordBentkamp. 68 J. Aufgebote: Arbeiter Friedrich Hemminghaus, Mellerstraße 39, und Amalie Büsing, geb. Kluckhuhn, Schildescherstr. 91; Lagergehilfe Wilh. Schüttfort, Brackwede, und Frida Lübker, Nordfeld 12; Arbeiter Adolf Strunk, Heimweg 4, und Auguste Heinemann, daselbst; Schlosser With. Klei, Detmolderstr. 60, und Luise Schwale, das.; Maurer Andreas Freckmann, Siechenmarschstraße 36, und Katharina Funke, Gütersloherstr. 84. Eheschließungen: Lehrer Heinr. Beckmann und Elisabeth Riechling; Installateur Karl Hogelücht und Karoline Sielemann; Eisendreher Hermann Stickan und Luise Burmann; Sergeant Aug. Deisenroth und Klara Hornberg; Kaufmann Heinr. Oppermann und Johanne Düwelhenke geb. Ellermann; Geschäftskutscher Ferdinand Denninghoff und Mathilde Schätelich; Geschäftspacker Wilh. Spilker und Pauline Plöger. Die nachstehenden durch Fettdruck hervorgehobenen Vereine gehören den in Betracht kommenden Zentralorganisationen an: Arbeiter=Radfahrer=Bund„Solidarität“, Arbeiter=Sänger=Bund Westfalen, Arbeiter=Turner=Bund. Montag. Diskutierklub 8 Uhr im Restaurant„Stadt Bielefeld". Männer=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr bei Viertmann, Bürgerweg. Werther. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 9 Uhr beBrünig. Gütersloh. Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr. Lage. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestr Rehme. Arbeiter=Gesangverein 9 Uhr bei Röbke. halle“. Dienstag. Gesangverein„Liederkranz“ 9 Uhr beim Wirt Pieper, Friedrichstraße. Gemischter Chor 9 Uhr im„Schützenhof“, Arndtstraße. Kamphofer Liedertafel 8½ Uhr bei Schneider, Kampstraße. Arbeiter=Turnverein„Westfalia“ 8½ Uhr bei Holz, Restauration zum Siegfried. Zitherklub„Edelweiß“ 9 Uhr bei Keimeyer, Herforderstraße. Kegelklub„Hansa“ 8½ Uhr bei G. Kickert. Bielefelder Kraftsport=Vereinigung 9 Uhr im Berliner Hof. Freie Radfahrer=Vereinigung Bielefeld Abt. IV bei Tuxhorn. Radfahrerklub„Westfalia 8½ Uhr bei Helsinger, Schmiedestr. 9. Freie Turnerschaft Bielefeld, Abt.„Vorwärts“ 8½ Uhr bei Freudenau, Heeperstraße. — Abt.„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Imkamp, Engerschestraße. — Abt.„Eintracht“ 8½ Uhr bei Langewort, Detmolderstraße. — Abt.„Eichenkranz“ 8½ Uhr b. Lohmann, Altenschildescherweg. — Abt.„Jahn“ 8½ Uhr bei Stockbrügger, Turnerstraße. — Abt.„Gadderbaum“, 8½ Uhr bei Bracksiek, Hallerweg. — Abt.„Hoffnung“ 8½ Uhr bei Apenbrink, Herforderstraße. Guttemplerorden Loge Teutoburg. 8½ Uhr. Gr. Kurfürstenstraße 51. Brackwede. Arbeiter=Turnverein„Frisch Auf“ 8½ Uhr bei Karl Schröder. Brackwede. Kraft=Sport=Verein 8½ Uhr bei Karl Schröder. Sieker. Arbeiter=Gesangverein„Einigkeit“ 8½ Uhr im Vereinslokal Sieker 228. Sudbrak. Arb.=Turnverein„Frisch Auf" b. Wirt Fohrmann. Schildesche. Arbeiter=Turnverein„Deutsche Eiche 8 Uhr bei Lechterbeck. Brake. Arbeiter=Turnverein 8½ Uhr in der Turnhalle. Dornberg. Turnverein Jahn 7—9 Uhr bei Indiestel, Bürgerweg. Euger. Turnverein„Eintracht“, 9 Uhr im Niermannschen Saale. Herford. Arb. Turnverein„Eintracht“ 8½ Uhr bei Wirt Herford., Arbeiter=Turnderein„Frisch Auf“ 815 Uhr bei Bichte Herford. Arbeiter=Turnverein„Vorwarts 9 Uhr bei wirt Brockmann. Herford. Radfahrerverein„Frisch voran“ abends 7 Uhr bei Witwe Tiemeier.„„„„ Tie Herford. Gesangverein„Arion 9 Uhr bei Tiemeler, Siiftberg. Herford.„Holzarbeiter=Liedertafel“ 6½ Uhr bei Liedtke, „Lindenhof.“ Herford. Arbeiter=Gesangverein„Immergrün“ 9 Uhr beim Wirt Büchner. Herford. Turnverein„Eichenkranz“ 9 Uhr bei Läge. Sundern. Arbeiter=Turnverein„Freiheit“ 9 Uhr bei Wirt Mester. Spenge. Arbeiter=Turnverein„Einigkeit“ 8¾ Uhr bei Heitmann. Porta. Freie Tunerschaft, Turnabteilung abends 7 Uhr bei Herrn Fricke. Rehme. Freie Turnerschaft 9 Uhr bei Röbke. Lemgo. Freie Turnerschaft 8½ Uhr bei B. Trilos. Lage. Arbeiter=Gesangverein„Vorwärts“, 8½ Uhr bei Karl Voß, Langestraße. Vlotho. Arbeiter=Gesangverein abends 8½ Uhr bei Gastwirt Casselmann. Minden. Arbeiter=Sängerbund 7½ Uhr: Männerchor. Stadthagen. Freie Turnerschaft 7½—9½ Uhr im Schaumburger Hof. Arbeiter! Genossen! Es ist Parteipflicht für jeden Genossen, energisch und unablässig für die„Volkswacht" Abonnenten zu werben. Jetzt ist eine besonders günstige und erfolgverheißende Zeit für diese Tätigkeit. Tue jeder seine Pflicht, den Gegnern zum Trutz, dem kämpfenden Proletariat zu Nutz. #: