Re 183.— 64. Jah Morgen-Ausgabe I. Freitag, den 6. Juli 1894. Dortmunder Zeitung Erscheint wöchentlich zwölfmal. Vierteljährliche Bezugsgebühr 2 M. 25 Pf. durch die Post bezogen 2 M. 50 Pf. verbunden ortmunder Ankündigungs-Gebühren die einspaltige Grundzeile im Allgemeinen####Iy: F 01151.1111 E31 Ca 20 pf., fülr Arbeitsmark. Amtliches Kreisblatt für den mit dem Druckerei und Geschäftsstelle: Mönchenwordt 2. Verantwortlicher Redakteur: Rud. Versen „—„ Drucker und Verleger: Stadt= und Landkreis Dortmund.“ e und Wohnungs=Nachweis 15 Pf. Sonntags=Beilage:„Für Haus und Hof“, Blätter für Unterhaltung, gewerbliches und soziales Leben, Haus= und Landwirtschaft Fernsprecher Nr. 181.— Postzeitungs-Preisliste Nr. 1875— Fernsprecher Nr. 181. Deutschland. L Berlin, 5. Juli. Im Bundesrat soll es, nach der „Nationalliberalen Korresondenz“, eine Strömung zu gunsten der Aufhebung des Jesuitengesetzes geben, das wäre nicht weiter wun erbar, aber seltsamer erschiene es schon, wenn es wahr wäre, daß gerade Preußen und Baiern für die Wiederzulassung des Jesuitenordens seien. An diese Behauptung wird eine, sich ganz hübsch ausnehmende Berechnung geknüpft, wie sich das Schicksal des Reichstagsantrages zu gestalten hätte. Preußen und Baiern mit zusammen über 36 millionen Einwohnern würden mit ihren doch nur 23 Stimmen in der Minderheit gegen die übrigen 35 Stimmen der Mittel= und Kleinstaaten bleiben. Man muß fragen, worauf sich die Vermutung stützt, daß die beiden ersten Bundesstaaten den Zentrumsantrag annehmen wollen. Graf Caprivi hat vor wenig mehr als zwei Jahren im preußischen Abgeordnetenhause namens der Staatsregierung bestimmt erklärt, daß diese die Aufhebung des Jesuitengesetzes nicht gutheißen könnte. Zwar ist Graf Caprivi heute nicht mehr preußischer Ministerpräsident, aber die meisten seiner damaligen Kollegen sind doch noch im Amte. Sollten sie etwa unter der Führung der Herren Miquel und Bosse inzwischen entdeckt haben, daß sich mit dem Zeutrum eine schöne Steuer und eine noch schönere Schulpolitik machen läßt? Man muß schließlich auf alles gesatzt sein. Dann aber bliebe es unverständlich, wie der Reichskanzler es dermaßen gehen lassen könnte, daß über ihn hinweg etwas beschlossen wird, was er als erster verantwortlicher Reichsbeamter nicht vertreten kann. Zu einer solchen Krise wird es nun aber schwerlich kommen, und auch das ist unwahrscheinlich, daß die preußischen Stimmen im Bundesrat nur in der Hoffnung auf Mojorisirung Preußens für den Zentrumsantrag werden abgegeben werden, damit das Zentrum sehe, wie wohlgesinnt man ihm sei. Die Taktik wäre doch etwas zu durchsichtig. Der Gedanke, daß die deutsche Gesetzgebung behufs der Bekämpfung des Anarchismus einer Ergänzung bedürfe, findet auch in der klerikalen Presse Zustimmung; so wird im„Westfäl. Merk.“ bemerkt: Man muß nicht Gedanken fassen wollen, sondern nur Handlungen, die an sich schon unsittlich und nach den Grundsätzen jedes vernünftigen Strafgesetzbuches strafbar sind. Zu solchen Handlungen gehört die Aufreizung zu einem Verbrechen gegen die Person und das Eigentum; selbstverständlich die Vorbereitung dazu erst recht. Diese Aufreizung bildet das Grundprinzip des Anarchismus. Bei richtiger Anwendung dieses Kiiteriums kann man also die Anarchisten schon fassen. Es wäre höchstens eine kleine Verbesserung der Fassung der bezüglichen Paragraphen im allgemeinen Strafgesetzbuch nötig. Aber Vorsicht und dreimal Vorsicht, daß man nicht über das Ziel schießt und übereifrigen Richtern Kautschuk=Paragraphen an die Hand gibt, mit den verhältnismäßig harmlose Leute oder gar eine fittlichernste Opposition getroffen werden würde. Es darf nichts weiter behelligt werden, als nur die wirklichen, auf Verbrechen ausgehenden Anarchisten. An den bevorstehenden Kaisermanövern in Ostvreußen werden, wie es heißt, nicht bloß der Kaiser von Oesterreich, sondern auch der russische Thronfolger teilnehmen. Nahrungsmitteluntersuchung. Durch die Fachvresse geht die Mitteilung, daß auf Veranlassung des Direktors des kaiserlichen Gesundheitsamtes zu anfang August in Erfurt, Eisenach oder Leipzig ein Kongreß hervorragender Vertreter des Nahrungsmittel=Untersuchungswesens stattfinden solle. Demgegenüber ist die„Chemiker=Zeitung“ in der Lage, diese Mitteilung dahin zu berichtigen, daß von einem Kongreß nicht die Rede ist. Der Direktor des kaiserlichen Gesundheitsamtes hat vielmehr zunächst nur an eine ganz beschränkte Anzahl hervorragender Sachverständiger auf dem Gebiete der Nahrungsmitteluntersuchung die Anfrage gerichtet, ob sie geneigt seien, zu anfang August an einem der oben bezeichneten Orte zusammenzukommen, um ihre Meinung zunächst nur vertraulich und persönlich darüber zu hören, in welcher Weise es möglich sei, die bei dem Erlaß der neuen Prüfungsvorschriften regierungsseitig verfolgten Absichten durch gemeinsame, zunächst private Arbeiten auf dem technischen Gebiete zu unterstützen. In der französischen Presse wird jetzt das Verhalten der Polizei gegenüber dem dieser schon seit geraumer Zeit als gejährlich gekennzeichneten Caserio einer scharfen Beurteilung unterzogen.„Ist es wahr?“ schreibt der„Figaro": Anser Garten im Die Höhenfeuer der Johannisnacht sind erloschen. Ein stilles Mahnen zieht durch unsern blühenden Juligarten: seid fröhlich, ihr lieblichen Blumenkinder, freut euch, benutzt eure Blütentage— sie nehmen schon leise wieder ab! „Nein“, sagt der Lawendel„vom abnehmen wollen wir nichts wissen: für uns geht des Blühens Lust und Freude erst recht an! Wenn die Johannislieder verklungen und das goldene Aehrenfeld der reifen Gerste zu uns über den Gartenzaun herüberlacht, da ist just unsere rechte Zeit!“ Und die stille Gemeinde der Würzkräuter des häuslichen Apothekergärtchens nickt ihm freundlichen Beifall. vom Mittelmeer, hat der Lawendel(richtiger Mwittelast..d O. als,„deutsche Narde“ schon im frühen ger den Einzug in unsere Gärten gehalten und vfrau hat dafür gesorgt, daß er den kommenden u bleibe. Wer in seinem Gärtchen ##ah th vaee gaubaren Lawendelstöcke besitzt, freut Lustwäldchen ihrer mattblauen Blüten und manche liebenswürdige Leserin pflückt pietätvoll die mit Zuhiltenahn. a angem Stengel, um daraus, P. Thutfenayf., gunz schmaler, rosaroter und mattvioletter Seidenbändchen, mit geschickten Fingern die reizenden Lawendel=Flaschenkörbchen zu flechten die eine ebenso niedliche als fein= und wohlduftende Gartengabe bilden. Man legt sie in die blüt=weißen Wäscheschätze und freut sich bei deren Duft in der Erimnerung an verklungene glückliche Sommertage.9 Schon früh schätzte man ja die gewürzhaft wohlriechenden Blüten als„Flores lavandulae“, als angenehmen Zusatz zum Waschwasser und zu erfrischenden Zädern, und es gab eine Zeit, in der ein ganz zarter Lawendelduft, die Gegenwart einer vornehmen Dame verrict. Und unsere alte treue Gartensalbei blüht auch! Wie ist dieser schlichte, oft ein halbes Jahrhundert alte Kräuterbusch und Gartengast im Volksmund von Sagen und wunderkräftigem Glauben umrauscht! Jedes Kind kennt ihn und das gebückte Urgroßmütterchen geht an ihm nicht vorbei, ohne mit mildem Blick sein Buschwerk zu streifen oder ein weiches Blatt mit fast segnender Geberde von ihm mitzunehmen, „Man erzählt, der Präfekt des Herault habe schon vor einigen Monaten die Anwesenheit des Anarchisten Caserio angezeigt und beschlossen, ihn aus Frankreich auszuweisen, aber auf das Andringen eines radikalen Abgeordneten sei der Ausweisungsbefehl wieder zurückgenommen worden". Der„Filaro“ bezeichnet den Abg. Salis als den, welcher zu gunsten Caserios eingetreten sein solle, und fordert dringend Aufklärung. Das Blatt wiederholt auch, daß nach der Erklärung des Maires von Cette, Caserio seit mehreren Monaten schon als gefährlicher Anarchist amtsbekannt war. Dem „Temps“ zufolge war denn auch, wie„H. T..“ meldet, ein Polizeibeamter in Cette mit der Ueberwachung Caserios beaustragt. Der Agent begnügte sich jedoch, Caserio in seinem Stammlokal zu beobachten, ohne auf den sonstigen Umgang desselben acht zu geben. Ist„H. T..“ recht berichtet, so scheinen speziell auch bei der pariser Polizei eigentümliche Zustände zu herrschen. Ein von heute datirtes Telegramm dieses Bureaus meldet: Die gegen den Chef der pariser Sicherheitspolizei Goron angestellte Untersuchung hat ergeben, daß Unregelmäßigkeiten im Rechnungswesen seines Ressorts vorgekommen sind, für welche der Chef verantwortlich gemacht werde. Derselbe wird zum einfachen Polizeikommissar degradirt. Berlin, 5. Juli. Zu den glatzer Vorgängen schreibt die„Nat.=Ztg.“ mit berechtigtem Ingrimme: Nach der Begnadigung der beiden französischen Marine=Offiziere ging uns ein Telegramm aus Glatz zu, wonach dort bei der Abreise der beiden Herren ihnen— Ovationen bereitet, Blumen aus dem Publikum in den Wagen gewor: fen worden 2c. Wir beförderten das Telegramm in den Papierkorb, nicht etwa aus Unglauben, denn wer die Würdelosigkeit eines Teils des deutschen Publikums gegenüber französischen Kriegsgefangenen im Jahre 1870 miterlebt hat, der hält in dieser Beziehung sehr viel für möglich, aber aus Aerger und Widerwillen. Die Kunde von den glatzer Ovationen ist indes nach Paris gelangt, und sogar der„Figaro“, der sich im übrigen telegraphiren läßt, hier habe man die beiden spionirenden Offiziere niemals für Uebeltbäter, sondern immer nur für mutige Männer angesehen, die ein unglücklicher Zufall(!) bei der Erfüllung ihrer Pflicht überraschte— selbst der„Figaro" bezeichnet den glatzer Vorgang als eine„seltsame Kundgebung". Darin hat er recht, nur daß man statt„seltsam“ ein deutlicheres Wort brauchen müßte. So viel ist klar: sowohl in Deutschland, als in Frankreich waren weite Kreise nicht reif für eine Aufnahme des Gnadenaktes, durch welche die Gefahr unerwünschter Wirkungen desselben wäre ausgeschlossen worden. Noch heute finden wir in mehreren deutschen Blättern Artikel, welche an hohler Sentimentalität das menschenmögliche leisten. In einem solchen in der„Bresl. Ztg.“ wird über Spionage im allgemeinen bemerkt: Es ist ein Unterschied zwischen gemeinen Spionen, die sich bezahlen lassen, und zwischen militärischen Kundschaftern, die nur in Ausübung ihres Amtes handeln. Solche Offiziere, die ihren Kopf wagen, jedenfalls ihre Freiheit gefährden, indem sie die militäri schen Einrichtungen eines fremden Staates kennen zu lernen streben, sind nicht zu vergleichen mit ehrlosen Burschen, die um des Geldes willen Verräterdienste leisten. Gewiß nicht; wenn aber das„Wagen des Kopfes“, wie nach der deutschen Gesetzgebung in Friedenszeiten, ausgeschlossen ist und die Meinung hervorgerufen wird, daß es mit der Gefährdung der Freiheit auch nicht schlimm sei, so können militärische Spione sich zum Betrieb ihres Handwerks in Deutschland sehr ermuntert fühlen. Wir ziehen die Auffassung des Reichsgerichts, daß sie abgeschreckt werden müssen, vor. Erfreulicher ist dagegen folgende Mitteilung der„Köln. Ztg.“: Die beiden SeeOffiziere Degouy und Delguey sind in Parts eingetroffen und haben Berichterstattern gegenüber sowohl ihre Freure über ihre Heimkehr als ihre Genugthuung über ihre gute Behandlung in der Festungsgefangenschaft ausgesprochen, freilich nicht ohne der wenig guten Behandlung zu gedenken, die ihnen während ihrer viermonatlichen Untersuchungshaft in Moabit zuteil wurde, wo sie mit gemeinen Verbrechern zusammen geworfen waren. Die Herren stellen eine durch die Blätter gegangene Meldung in Abrede; danach hätten die Einwohner von Glatz beim Abschied ihnen Blumengebinde in den Wagen geworjen. Thatsächlich sind sie zu Fuß abends um 7 Uhr nach dem Bahnhoj gegangen; die daselbst des Sonntags wegen versammelte zahlreiche Menge begnügte sich mit stillen Abschiedsgrüßen. Der Abgeordnete Enneccerus schreibt: Zur Bekimpfung einer Verleumdung von jener Art, wie sie manchen Zentrumsblättern bei der üblichen Verlegung des politischen Kampfes auf das persönliche Gebiet zur zweiten Natur geworden, erhalten wir folgende Zuschrift: Anläßlich des Selbstmordes des Abg. vom Heede hat die ultramontane Zeitung„Tremonia“ zu Dortmund, wie mir von befreundeter Seite mitgeteilt wird, ihren Lesern erzählt, vom Heede habe für die geschäftliche Besorgung der Konzession der altenaer Schmalspurbahn 100 000 J Provision erhalten. Auch berliner Firmen hätten ihn zu Bahngeschäften benutzt und seien ihm aus diesem Grunde „gefällig" gewesen. Die Agitation im Abgeordnetenhause für eine direkte Eisenbahnlinie Köln=Kassel, für welche unter andern auch„ich mich so fürchterlich ins Zeug geworfen“, sei von einem Bankier in Szene gesetzt und vom Heede der von diesem gelenkte Agitater gewesen, der auch mir meine„Rede in die Finger diktirt“ habe. Nicht die thörichte Schlußbemerkung, sondern die in der ganzen Erzählung liegende versteckte Insinuation veranlassen mich zu einer Erwiderung. Wahr ist von der Erzählung, soweit sie mich anbetrifft, nur, daß ich für die hochwichtige Linie Kassel=Köln im Interesse der beiden Städte, der zwischenliegenden Landschaften und des gesamten ostwestlichen Verkehrs entschieden eingetreten bin. Alles übrige auf meine Person bezügliche ist dreiste Erfindung. Ich bin von Herrn vom Heede weder zur Befürwortung der Bahn veranlaßt, noch bezüglich meiner Reden irgendwie, sei es auch nur durch Materiallieferung unterstützt, wie ich mich denn nicht einmal entsinne, mit Herrn vom Heede über die Bahn gesprochen zu haben. Wober mir, dem Abgeordneten für Kassel, in dieser Sache Anregung und Information gekommen, konnte die„Tremonia“ sich ohne große Kombinationsgabe zusammenreimen. Am einfachsten zeigt es wohl folgender Brief: Oberbürgermeister der Residenzstadt Kassel. Kassel, 4. Juli 1891. Im Auftrage des Stadtrats und Bürgerausschusses der Residenz habe ich die Ehre, Ihnen, hochgeehrter Herr Professor, den lebhaftesten Dank dieser Behörden für die energische Vertretung der Interessen der Stadt Kassel im Abgeordnetenbause gelegentlich der letzten Eisenbahnvorlage aussprechen. Indem ich Sie bitte, die bezüglichen, seinerzeit Ihnen übersandten Akten mir wieder zugehen zu lassen, verbleibe ich in bekannter vorzüglichster Hochschätzung Ihr ergebenster: Der Oberbürgermeister der Residenz. I..: Klöffler. Zudem handelte es sich garnicht, wie man aus dem Artikel der„Tremonia“ herauslesen muß, um Erlangung der Konzession einer Privatbahn, also um Privat=Interessen, sondern um die Erbauung der Linie durch den Staat. Endlich sind für die Bahn Abgeordnete der verschiedensten Fraktionen, namentlich auch viele Zentrumsabgeordnete, unter ihnen auch Dr. Bachem und Dr. Lieber, eingetreten. Der Versuch des Zentrumsblattes, mir, dem Nationalliberalen, bei dieser Gelegenheit etwas am Zeug zu flicken, ist bei aller Böswilligkeit also auch verzweifelt ungeschickt. Blätter, welche etwa von der auf mich bezüglichen Bemerkung der„Tremonia“ Notiz genommen haben sollten, bitte ich, auch diese Erwiderung abzudrucken. Marburg, den 3. Juli 1894. L. Enneccecus, M. d. R. u. M. d. A. Gerichtliche En., cheidungen. * Dortmund, 5. Juli. Vor dem Schwurgericht stand heute der Former Heinrich Derr aus Lünen wegen Körperverletzung und Körperverletzung mit Todeserfolg angeklagt. Der Angeschuldigte ist am 26. Juni 1872 geboren, mehrfach wegen Körperverletzung vorbestraft, u. a. von der hiesigen Strafkammer mit einem Jahre Gefängnis. Der Getötete ist der Arbeiter Karl Löhr aus Lünen. Der Sachverhalt, welcher der Anklage zu grunde liegt, ist folgender: Am 22. April d. J. befand sich der Angeklagte in Gemeinschaft des ältesten Sprößlings des bekannten Konrad Herbrechter und anderen Personen in der Wohnung des Arbeiters Almsieck, wo sie in Gemeinschaft des Löhr dem Schnaps zusprachen. Schließlich gerieten Löhr und Derr An schönen Sommernachmittagen gibt es kaum eine interessantere Unterhaltung, als sich einen Sitz an solch alten reich blühenden Kameraden zu rücken und nun im warmen Sonnenschein das Hofhalten im kleinen Königreich seiner Blütensphäre zu beobachten. Der würzige Honig, den die Tiefe der Blumenkrone birgt, zieht ein reiches munteres Völkchen herbei. Welch Schwingen und Schweben der zahlreichen eigentümlichen und vielgestalteten Wesen! Haben auch sie von den Sagen, von den Wunderkräften der Treuen vernommen? Sieh hier, goldglänzende, purpurschimmernde Wespchen; sie fliegen zierlich an und nippen ebenso zierlich am süßen Becher. Fleißige Bienen mit dicken„Höschen“ statten ihre Blitzvisite ab; Hummelgestalten, groß und klein, mit gutmütigem Pelz und Brummbaß summen herbei, hängen sich mit Schonung und gewisser Galanterie an den Lippenrand und trinken dann in mächtigen Zügen Lust und Lebensfreude aus dem geheimnisvollen Schlund. Hier„plotzen“ dickköpfige Fliegen mit lüsternen Augen und kleichen Rüsseln hernieder, so daß der liebliche Adonis, der an einem Blütenbecher hängt nervös erschrickt und mit prächtig schillernden Flügeln enteilt. Dort tastet zaghaft mit trommelnden Fühlern eine schlanke Ichneumonide harmlos durch der Zecher Schar, um sich eine kleine Labung zu neuen Thaten ihres Mordhandwerks zu gönnen. Jetzt schwirrt ein liebliches Schwesternpaar reizender „Taubenschwänzchen herbei; ihre Flügelchen schwirren mit solch ungeheurer Schnelligkeit, daß sie nur als leichter Schein in der Luft zu erkennen und der wohlgenährte Leib mit dem ausgebreiteten Flugsteuer, dem der Taube ähnlich, aller Schwerkraft spottend, in der Luft festzustehen scheint. Von Blüte zu Blüte gebt ihr Besuch, gewandt und freundlich die anderen Trinker umgehend: bei jedem Blütenkelch rollt sich die mehr als körperlange Zunge heraus und versenkt sich mit unfehlbarer Sicherheit in das Geheimnis des Nektariums, kurz und nachhaltig den Blütenhonig zu schlürfen. Immer neue und possirlichere Gäste kommen. Vertieft in deren bunten Anblick in das reiche Seelenleben ihres Gebahrens, nehmen sie für uns plötzlich die köstlichsten menschlichen Karrikaturen an: wir glauben da alle Tem: paramente, alle lächerlichen gesellschoftlichen„Usancen“, den gespreizten Stolz des Hohlkopfs, den Gist= und Geldbeutel des Wucherers, den unterwürfigen Bückling des Stellenjägers und Strebers zu erblicken. Hier machen einige dünne Stechmücken mit mächtigen Haarbüschen einer goldaugigen Eintagshaft den Hof und dort läuft ein Trüppchen markiger Ameisen an, um ein Hausrecht auszuüben und die frechen, sonst nur im Schmutz wühlenden Eindringlinge, schmerbäugige Aasfliegengestalten mit krummem Rüssel und schiefen Gehwerkzeugen aus dem Bereich der reinen„Salvia salvatrix“ hinauszuboxen! Jetzt scheint sich uns ein Regen vorzubereiten: unter Hüpfen und fliegenden Tanzschritten sammelt sich ein Teil der Gesellschaft auf der rechten, ein anderer auf der linken Blütengruppe. Wie zwei dithyrambische Chöre der antiken Dionysosfeste stehen sie sich im kühnen Spiel freier Begeisterung gegenüber. Man merkt: eine gewichtige Frage kommt da zum Austrag. Eine mächtige Gartenhummel nimmt auf erhöhtem Sitze platz, wirft den bekannten überlegenen Blick des Konzertmeisters auf die eine Gruppe, erhebt einen Blütengriffel als Taktstock in der schwarzen, bekrallten Rechten. Nun ein ermunterndes Zunicken und brausend fällt der Chor in einen feierlichen Gesang. Uns ist, als börten wir es deutlich beraus, was von der berühmten Heilschule zu Salerno einst ausging, ein langezogener Choral: „Cur moritur bomo, cui crescit Salvia in horto?“ Dann zündete schnell der Taktmeister des anderen Chors Begehr: er setzte ein, und als Wiedergesang erscholls von dieser Seite, ernst, fast elegisch:„Contra vim mortis, non est medicamen in hortis!“ In Vartationen klang es aus. Dann schwirrte wieder alles fröhlich durcheinander. „Nee, beeren Sie, da bin ich nu nicht auf Ihrer geschätzten Seite“, rief eine dünne, etwas belegte Stimme unter den Blättern hervor.„Wenn Sie, beeren Sie, die schätzbare Frage stellten:„Warum stirbt der Mensch, dem Salbei im Garten wächst?“ so antworte ich nicht, erlauben Sie, wie der geehrte Widergesang:„Gegen den Sensenmann wächst kein Kraut im Garten!“ sondern: „Contra vim mortis crescit salvia in hortis!“ Ja verzeihen Sie, ich kann och lateinisch:„Gegen des Todes Macht und Gewalten, mässen im Garten Sie Salbei halten!“„Salbei, dafür laß ich mein Leben!" Dann tauchten zwei goldgeringelte braune Augen aus der Vlätternacht am Boden, eine derbe Zunge klappte blitz schnell die nächste honigsatte Fliege von einem Blatt, um sie in einem gutmütig breiten und warzigen Maule verin Wortwechsel, welcher mit der Aufforderung an Löhr endete, vor die Thür zu kommen. Draußen sind die beiden aneinandergeraten. Löhr hat bei dem Vorgange einen Stich in den Kopf erhalten. Nun eilte Löhr in seine Wohnung zukück, um einen Stock zu holen, wohl deshalb, damit er dem Derr den Stich heimzahle, Derr flüchtete in die in der Näbe belegene Wohnung des Schieferdeckermeisters Dörr. Vor dem Hause kam es zu einer zweiten Schlägerei zwischen den beiden, welche damit endete, daß Löhr einen Stich in den Rücken erhielt, welche Verletzung den Tod des Löhr herbeigeführt hat. Der Angeklagte bestreitet, den Löhr mit einem Messer verletzt zu haben, er habe an jenem Tage ein Messer aicht bei sich geführt, den Angriff des Löhr habe er mit einem Schraubenschlüssel abgewehhrt. Demgegenüber bekundet der Arbeiter Almsiek, Derr habe an jenem Tage nicht nur ein sondern drei Messer besessen, darunter ein langes Dolchmesser, das er in dem Aermel verborgen gehalten habe. Derr habe auch schon vorher gesagt, einer müsse fallen, entweder Löhr oder ein anderer. Deutlich hat Almsiek bemerkt, daß Derr den Löhr in den Kopf gestochen hat. Er will dieses vom Fenster aus gesehen haben, an welchem er gestanden. Der Vorgang habe sich auf der Treppe vor dem Hause abgevielt. Die Frau des Zeugen Almsiek sagt jedoch, ihr Mann habe während des Vorganges im Zimmer an dem Tische gesessen. Es bestand anfangs ein erheblicher Widerpruch zwischen den Aussagen der beiden Eheleute, durch die Vernehmung des 15jährigen Lehrlings Brune, der den ganzen Vorgang angesehen hat, wurde der vermeintliche Widerspruch jedoch gelöst. Brune hat genau gesehen, daß Derr bei dem ersten Vorgange den Löhr in den Kopf gestochen habe. Bei dem zweiten Zusammenstoße der beiden handelte es sich angeblich darum, den Derr wegen des Messerstechens zur Polizei zu bringen. Auch bei diesem Vorgange eröffnete Derr nach Angabe einiger Zeugen die Feindseligkeiten; er stieß den Löhr erst, sodaß dieser zurseite stolperte und fast zur Erde fiel. In dieser Lage brachte er seinem Gegner den Stich in den Rücken bei. Derr war an jenem Abende erregt, weil Löhr angeblich ihn verdächtigt hatte, er unterhalte ein Verhältnis mit Frau Löhr. Der Verletzte ist am 26. April im Krankenhause zu Lünen durch den Amtsrichter Herrn Gerson aus Dortmund vernommen worden, er hat genau so ausgesagt, wie die Belastungszeugen heute bekunden. Herr Gerson hat hierbei den Eindruck gewonnen, als halte Löhr mit der Wahrheit zurück und suche sein Verhalten in einem sehr günstigen Lichte erscheinen zu lassen. Der Bergmann Heinrich Knäpper hat den Eindruck gewonnen, als wenn bei dem zweiten Vorgange der Angeklagte habe weglaufen wollen; da seien zwei, Almsiek und Löhr, auf ihn zugesprungen, um auf ihn einzuschlagen. Da habe auch Derr die Hand zum Schlagen ausgeholt, die Schläge von beiden Seiten seien gleichzeitig gefallen. Die Vernehmung der beiden Brüder Dörr ergab, daß Löhr und Genossen, worunter auch der bekannte Konrad Herbrechter und dessen Sohn Heinrich, bei dem zweiten Vorgange nichts weniger als in friedlicher. Stimmung vor das Dörrsche Haus gezogen waren; die Zeugen waren der Meinung, es werde dem Derr schlimm ergehen, wenn er den Leuten in die Hände falle. Derr, der an der linken Hand eine Stichverletzung hutte, rief dem Löhr, als dieser auf ihn eindrang, zu: Wenn Du schlägst, so fällst Du! Die Zeugen haben auch in der Hand des jüngen Heinrich Herbrechter ein langes Messer gesehen, aber nicht bemerkt, daß er damit gestochen habe, wie der Angeklagte behauptet. Weil Herbrechter aber zu den Freunden des Löhr gehörte, ist solches wohl nicht anzunehmen. Der Zeuge Karl Herbrechter sagte, als Derr aus dem Derrschen Hause gekommen sei, wäre er sofort auf Löhr zugelaufen und habe auf diesen eingeschlagen. Der Zeuge Klempner Kampmann hiigegen sagt, Löhr sei auf Derr zugelaufen und habe diesen mit einem Knüppel niedergeschlagen. Die Zeugenaussagen gingen über haupt erheblich auseinander. Nach dem Gutachten des Kreisphysikus Sanitätsrats Herrn Dr. Schulte aus Hörde, welcher in Gemeinschaft des Herrn Dr. Schmitz hier die Obduktion der Leiche des Löhr vorgenommen hat, ist der Tod infolge jauchiger Rippenfellentzündung eingetreten. Das Messer war zehn Zentimeter tief in den Rücken eingedrungen. Die Wunde schwinden zu lassen.— Auch dieses paßte zu unseren kleinen Träumereien: wir sehen, wie im deutschen Märchen vom„Krötenring“ die in eine dicke Kröte verwindelte Prinzessin immerfort im Salbeibusche sitzen, wir erblicken sie, nach der anbaltischen Schloßsage, von der Fürstin fürsorglich gefüttert, bis sie, erlöst, dieser zum Dank im Entschweben den Krötenring reicht! Je mehr sich der Nachmittag zum Abend senkt, desto ruhiger wird es im Salbeidusch, bis schließlich alles verduftet und nur noch einige Eulen= und Spinnenfalter, als Vorboten nächtlicher Gäste, zur Abendtafel erscheinen. Wir aber seben uns nach dieser kleinen Salbeiidylle noch im Juligarten um. Durch den fast zu reichlich gefallenen Regen des Juni ist er zwar frisch und üppig in seinem Pflanzenwuchs, im allgemeinen aber hat der junge Sommer bis jetzt nicht gehalten, was der so früh lächelnde Frühling versprach. Desdalb mit doppeltem Fleiß an die noch nötigen Arbeiten: ver allem die geleerten Beete bübsch kompostiren und umgraben, dann neu bestellt. Winterund Rosenkohl, auch Endivie, gilt es zu pflanzen; Frühsalat, Rettiche und nochmals Radieschen zu säen.= Wer klug ist, lockert den Boden, sobald er trocken, jätet, behackt und dehäuselt. Die Tomaten entspitzt er und lichtet sie aus, bleicht Bleichsellerie und bekämpft mit kundiger Hand das Heer der Schädlinge. Besonders der Kohlweißlings= plage muß er durch Aufsuchen und Vernichten der gelben Weißlingseier an den Blattunterseiten energisch abwicken. Sind die Raupen erst aus, dann ist hundertfache Mübe! Im Obstgarten gebt der Sommerschnitt um: im Blumengarten werden Senker und Stecklinge gemacht und die Rosen aufs schlafende Auge okulirt. Es ist eigentlich wunderbar, daß dies nicht mehr und nicht vorzugsweise von den zu feinen Arbeiten so geschickten Händen liebenswürdiger blumenpflegender Gartenfreundinnen geschieht! Wie kö lich, gerade für das weibliche Gemüt, sich die allerschönsten Lieblingsrosen selbst zu schaffen, durch eine ganz leichte, kleine Uebung der Hand! Die Zeitenmahnerin Georgine mit ihren koketten Krausen taucht freundlich auf; sie ruft uns lustig zu: „Pflücket die Rose, eb sie verblüht!“ und schneidet Euch tüchtig Blumensträuße, setze ich hinzu, füllt die Körbe mit lachenden Kirschen, üppigen Johannis=, Stachel= und Himbeeren, mit köstlichen Gemüsen, als Dank des lieben Gartens für Eure Winter= und Frühlingsmühen! Heinrich Freiherr Schilling v. Canstatt. —— am Kopfe des Löhr war ebenfalls nicht unerheblich, ein Knochenstück war abgetrennt. Bei der Fragestellung wurde von amtswegen die Unterfrage nach milderndem Umstände gestellt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, Herr Assesson Banning beantragte das Schuldig nach Inhalt der Anklage, gab aber anheim, dem Angeklagten bezüglich der Körperverletzung mit Todeserfolg mildernde Umstände zuzubilligen. Der Verteidiger, Herr Rechtsanwalt Bonzel beantragte bezüglich dieses Anklagepunktes das Nichtschuldig, da der Angeklagte in Notwehr gebandelt habe. Die Herren Geschworenen fällten ihren Spruch nach den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Angeschuldigten zu vier Jahren Gefängnis. *. Dortmund, 5. Juli. Zmeite Strafkammer. Etwas vom„Freierfangen". Eine alte, noch jetzt auf dem Lande herrschende Sitte besteht darin, daß am Polterabend die jungen Burschen auf den Bräutigam Jagd machen, um von diesem ein Fäßchen Bier als Lösegeld zu erhalten. Am 12. März d. J. fand zu Brackel auch ein solches Freierfangen statt. Man hatte den Bräutigam glücklich eingefangen, dieser hatte auch ein Fäßchen Bier spendirt, dem recht fleißig zugesprochen wurde." Nachdem die Köpfe erhitzt waren, kam es unter den Teilnehmern zu Streitigkeiten, die schließlich zu einer blutigen Schlägerei führten. Der Bergmann Karl Multhaupt hat zwei Stichwunden, eine am rechten Oberarin, eine zweite im Rücken erhalten, August Multhaupt bekam ebenfalls zwei Stiche, ebenso mehrere Stockschläge über den Kopf. Beide Verletzte waren einige Zeit arbeitsunfähig. Wegen jenes Vorganges waren heute angeklagt der 1872 geborene Bergmann Heinrich Läge, der 1873 geborene Bergmann August Trappe und der 1874 geborene Bergmann Rudolf Kellerhoff, sämtlich aus Brackel. Die Angeklagten bestreiten, von einem Messer Gebrauch gemacht zu haben, sie wollten sich auch in Notwehr befunden haben. Da dieser Einwand nicht widerlegt werden konnte, erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung. Um Diebstahl und Hehlerei handelte es sich bei der folgenden Sache. Der 1879 geborene Schüler Karl Heimann entwendete am 10. Februar d. J. ein Zinkabflußrohr im Werte von 15 J. bei einem anderen Diebstahle, wo ein Junge eine eiserne Wagenachse stahl, stand er Schmiere. Bei dem Absatze der Sachen an den Lumpenhändler Paul Skrobak soll der Schüler Friedr. Schneider mitgewirkt, sich also der Hehlerei schuldig gemacht haben, welches Vergehen ebenfalls dem Skrobak zur Last gelegt wurde. Schneider wurde freigesprochen, Heimann kam welch einem gefährlichen Menschen man es zu thun hatte, ergab das Strafregister, nach welchem Henke, der noch nicht 30 Jahre alt ist, wegen Diebstahls eine Zuchthausstrafe von 7 Jahren, die ihm die bochumer Strafkammer auferlegte, verbüßt hat. Neben dieser Strafe laufen noch verschiedene Strafen wegen Diebstahls und Unterschlagung her. Es lag somit Diebstahl im wiederholten Rückfalle vor, die Sache wurde an die Strafkammer des Landgerichts verwiesen, Henke aber mit Rücksicht auf die Höhe der zu erwartenden Strafe sofort verhaftet. Sein Bräutchen, die ihren Bräutigam bis in den Gerichtssaal begleitet hatte, war infolge dieses schlimmen Ausgangs der Sache recht traurig gestimmt. Krefeld, 4. Juli. Ein Eisenbahnunglück vor Gericht. Vor der Strafkammer wurde über den hier am 14. Oktober vorigen Jahres erfolgten Zusammenstoß zweier Personenzüge verhandelt. Zwei Lokomotiven, zwei Packwagen und drei Personenwagen wurden teilweise zertrümmert. Sieben Zugbeamte und Reisende wurden mehr oder weniger erheblich verletzt. Ein Zugführer ist dauernd dienstunfähig geworden. Der Vernachlässigung ihrer Amtspflichten und der dadurch verursachten Körperverletzung von sieben Personen waren angeklagt: Weichensteller Duzaar=Krefeld, Bahnwärter Düsterwald=Krefeld, Stations=Assistent PfeifferKrefeld, Lokomotivführer Reintges=Kempen und Hülfsbahnwärter Nopper=Krefeld. Duzaar und Reintges wurden zu je 6 Monaten, Pfeiffer zu 2 Monaten und Düsterwald zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Provinzielles. mit einem Verweise davon, Skrobak erzielte ebenfalls Freisprechung. Auf schlimmer Bahn befindet sich der Schlosser Karl Meyer aus Hörde. Schon zweimal haben ihn Strafen wegen Diebstahls getroffen, zuletzt erhielt er ein Jahr. Heute war er wegen ähnlicher Geschichten angeklagt. Im vorigen Jahre entwendete er einem Namensvetter in Annen einen Siegelring, verschiedene andere Schmucksachen und Wäschestücke, zuletzt noch einer Witwe ein Beil. Diese neuen„Verfehlungen“, wie jetzt einige Juristen sagen, brachten dem Meyer eine Zusatzstrafe von 6 Monaten Gefängnis ein. „Nachts um die zwölfte Stunde" betrat der Fabrikarbeiter Schroder von hier in der Nacht zum 24. Mai dieses Jahres in Gemeinschaft des Keliners Karl Eggenstein eine Wirtschaftzan der Betenstraße. Es wurde auf Kosten des Schröder„immer noch eins“ getrunken. Eggenstein wurde übermütig, er rief mehreren in der Wirtschaft sitzenden Leuten„papierne Tagelöhner“ 2c. zu. Die Leute waren verständig genug, auf diese Anzapfungen nicht zu reagiren, sie beobachteten den vorlauten Menschen aber genau. Sie hatten bemerkt, daß Eggenstein unmal 60 Pfennige einsteckte, als Schröder ein Zweimarkstück zum bezahlen von vier Tulpen bergab. Nachdem Schröder und Eggenstein die Wirtschaft verlassen hatten, folgten ihnen die jungen Leute, weil sie glaubten, es werde dem Schröder von seinem Genossen noch etwas zustoßen. In der Kampstraße fanden sie denn auch den Schröder am Boden liegen, Eggenstein lag auf ihm. Unter den Verfolgern befand sich auch der Schornsteinfegergeselle Lauday, welcher den Eggenstein festhielt und einem Polizeibeamten übergab, da er glaubte, er wolle den Schröder berauben. Lauday erhielt von Eggenstein zwei kräftige Stockhiebe über den Kopf. Die Strafkammer verurteilte den Eggenstein, der sich in Haft besindet, zu 9 Monaten Gefängnis. X Dortmund, 5. Juli.„Herr Sergeant, Herr geant, stellen Sie mal eben die Sache fest, ich bin verhauen worden“, mit diesen Worten stürzte am 14. Juni der Arbeiter Karl Wupper, dessen Hauptaufenthaltsort der Steinplatz ist, auf die Straße. In früher Morgenstunde war Wupper in das Haus des Schneiders Kramps am Mönchengang gedrungen, jedenfalls um zu stehlen. Den Einwohnern, die morgens früh auf den Beinen sind, entging der fremde Eindringling nicht, er wurde von einer Frau bemerkt und mit den Worten:„Was wollen Sie hier, heraus, heraus!“ empfangen. Das genirte indessen den Wupper nicht, er drängte die Frau zur Seite und ging den Flur entlang. Auf dieses Gespräch hin hatte sich eine Mannsperson auf die Strümpfe gemacht, und mit einer Kohlenschaufel bewaffnet, trat dieser dem Eindringling entgegen und gab ihm auch ohne viele Umstände mehrere Schläge mit der Kohlenschaufel auf den Schädel, sodaß Wupper sich schleunigst aus seinem Bereiche machte. Mit den Worten:„Herr Sergeant, Heer Sergeant, ich bin verhauen!“ lief Wupper aus dem Hause. Ein Polizeibeamter war jedoch nicht gleich zurstelle, erst nachdem Wupper versuchte, noch in ein anderes Haus zu dringen, war Polizei in Sicht und nahm sich des Menschen an. Das Schöffengericht setzte den Wupper heute wegen widerrechtlichen Eindringens auf die Dauer von zehn Tagen in ein stilles Kämmerlein, damit ihm nicht so leicht wieder ähnliche Dummhditen in den Kopf kommen. X Dortmund, 5. Juli. Einen vergnügten Nachmittag hatte sich der Schneidergeselle Lambert Oberst hierselbst mit fremdem Gelde gemacht. Der Schneidermeister Johann Becker, bei dem Oberst arbeitete, hatte diesen mit einem Geldbetrag von 90 J zur Post geschickt und da Oberst den Unterschied zwischen mein und dein nicht genau zu kennen schien, verpraßte er die 90M undlmachte sich einen vergnügten Nachmittag. Das dicke Ende kam indessen nach, die Nichtsnutzigkeit blieb nicht unentdeckt und Oberst wurde vor das Schöffengericht gestellt. Mit Rücksicht auf die Höhe des Betrages und mit Rücksicht darauf, daß das lose Schneiderlein auch sonst der beste Bruder nicht ist, erkannte das Gericht auf eine Gefängnisstrafe von 5 Monaten. X Dortmund, 5. Juli. Der holden Weiblichkei halber entspann sich am Abend des 10 März, gelegentlich eines Tanzvergnügens in der Turnhalle eine größer Hauerei. Dieserhalb erschienen heute auf der Anklageban des Schöffengerichts der Bergmann Ferd. A. aus Eving, der Zimmermann Ludwig., der Schreiner Franz Kl und die Schlosser Friedr. und Alfred W. Der Streit war bei weitem kein minilimaler, da alle ziemlich erhebliche Verletzungen erhalten haben. Alfred hatte sogar zu einem scharfen Gegenstande gegriffen, womit er dem Kl. sowie F. mehrere Schläge auf den Kopf gab, sodaß diesem das Blut vom Kopfe rann. Während sich die anderen noch ziemlich passiv verhielten, war dieses ein Zeichen zum allgemeinen Angriff, die Leute fielen über die beiden W. her und keilten tüchtig auf sie los, während die ersteren um sich schlugen und manchen trafen, der mit der Sache nichts zu thun hatte. Die obengenannten mußten sich infolge dieses Auftritts wegen gemeinschaftlicher Körververletzung verantworten und suchten sich alle, ein jeder so gut wie er konnte, vor Strafe zu drücken, da jede Partei die Angelegenheit in ihrem Interesse beleuchtete. Der Ge richtshof nahm auch mit Rücksicht darauf, daß es sich um eine gewöhnliche Wirtschaftsrauferei handelte, äußerste Milde en, und verhängte nur Gelostrafe über die Angeklagte, die aber ziemlich hoch bemessen wurde. Alfred W. hat seget 60 zu berappen. 1#igendortmund, 5. Juli. Verhaftet. Der Berg mars Heinrichz Henk gen. Molitor sollte sich heute vor dem Saltengeria zu Dortmund wegen Diebstahls ver etworten. Der Angeklagte sollte dem Kürschner Klier in Dertwund zwei Schume im Werte von 24 und zwei dergleichen im Werte von 15 A entwendet haben. Mit ** Dortmund, 5. Juli. Donnerstag=Morgen fand im„Kölnischen Hofe“ eine Konferenz der Bürgermeister und Amtmänner des Landkreises Dortmund unter Vorsitz des Herrn Landrats, geheimen Regierungsrats v. Rynsch, statt. Gegenstand der Verhandlung war die Ausführung des neuen Kommunalsteuergesetzes. Nach Schluß der Verhandlungen vereinigten sich die Teilnehmer an der Konferenz zu einem gemeinsamen Mittagsmahle. § Evangel. Gesellen=Verein Dortmund. Am Sonntag, den 1. Juli fand eine Versammlung von Delegirten der evangel. Gesellen=Vereine in dem schönen geräumigen Vereinshause zu Bochum statt, um über die Gründung eines Verbandes genannter Vereine zu sprechen. Herr Redakteur Quandel=Bochum, der eifrige Förderer und Leiter dieser so zweckmäßigen Vereine, eröffnete die Sitzung um 4 Uhr. Derselbe hieß die Herren aufs herzlichste willkommen und drückte seine Freude darüber aus, daß alle seiner Einladung gefolgt wären. Es wurde nach kurzer Debatte die Zwecke und Ziele des Verbandes auseinandergesetzt und fand infolgedessen die Gründung statt, mit allem gegen eine Stimme. Doch auch dieser Verein war später für den Verband. Nachdem nun die Organisation des Verbandes, Rechte und Pflichten der Mitglieder nach einigen sehr heftigen Debatten besprochen waren, fand die Wahl des Leiters des Verbandes, welche einstimmig auf Herrn Quandel fiel, sowie die Wahl einer Kommission statt, welche die Statuten aufzustellen und der nächsten Delegirten=Versammlung am 26. August vorzulegen hat. Es wurden hierzu die Herren Quandel=Bochum, Strauch=Dortmund und Jansen=Herne gewählt. Sodann wurde die Anregung zur Anfertigung eines Verbandsliederbuches gegeben und fand auch dieser Punkt seine Erledigung. Herr Pastor Goldberg nahm hierauf das Wort und feierte in kurzen Worten den Gründer dieser so herrlichen evang. Sache, Herrn Redakteur Quandel. Derselbe dankte für die ihm dargebrachten Worte und schloß hierauf die erste Versammlung der Delegirten der evangelischen Gesellenvereine. Zuvor gedachte Herr Quandel noch unseres Kaisers und brachte die Versammlung ein Hoch auf den Beschützer Deutschlands und des Verbandes deutscher evang. Gesellenvereine aus. Hierauf besichtigte man das Heim der evang. Bürger von Bochum, in welchem sämtliche evang. Vereine von Bochum tagen und waren die Herren erstaunt über die Größe und Einrichtung des Hauses und beneideten die dortmunder die bochumer sehr um ein solch trautes und geräumiges Lokal. Als Delegirte waren von Dortmund anwesend die Herren Pastor Goldberg, Nolle, Rickelt, Strauch und Geilsdorf. Nachdem die Delegirten von Bochum zurückgekehrt waren, eröffnete der 2. Vorsitzende, Herr Otto Nolle, die für denselben Tag einberufene General=Versammlung des evang. Gesellenvereins Dortmund und fanden die einzeluen Punkte: 1. Beschaffung von Fachschriften 2c., 2. Bücherschrank, 3. Bericht der Delegirten von Bochum seitens des Herrn Ehrenvoritzenden Pastor Goldberg, ihre Erledigung. Der vierte Zunkt betraf die Lokalfrage, welche einer Kommission, betehend aus den Herren Pastor Goldberg, Tappe, Rickelt, Gildkötter, Engel und Beilipp überwiesen wurde. Damit and die General=Versammlung ihren Schluß und blieben die Mitglieder nach derselben noch zum gemütlichen Teil bei Domino=, Gänse=, Schwarze Peter=Spiel 2c., auch Lesen von Büchern, beisammen. Es ist den evang. Gesellen nur u raten, dem Verein, der nur das Beste der Gesellen verolgt, beizutreten mit der Devise:„Gott segne die evang. Gesellenvereine";„Gott segne das ehrbare Handwerk". w Selbstmord. Gestern nacht hat sich der Bergmann Gottschalk, Kesselstraße wohnhaft, in seiner Wohnung erhängt. Was den noch jungen Menschen zu der That veranlaßt hat, konnte nicht festgestellt werden. Die Selbstmorde mehren sich bedenklich, das ist innerhalb 4 Wochen der fünfte. g Auf dem Hauptwochenmarktplatze ist am MittwochMittag ein Korb mit etwa 15 Pfund Butter stehen geblieben und auf dem Polizeibureau abgegeben.— Auch ist ein großer Korb mit Erbsen und Wirsing stehen gelieben, welcher ebenfalls bei der Polizeibehörde abgegeben ist. + Kirchlinde, 4. Juli. An Kommunal=Einkommen= teuer für 1894/95 werden in hiesiger Gemeinde 200 Proz. erhoben und zwar von ein Drittel der Grundsteuer, von ein Drittel der Gebäudesteuer, von ein Drittel der Gewerbesteuer und von der ganzen Einkommen= und Ge meindesteuer. An evangelischer Kirchensteuer 20 Prozent von ein Drittel der Grund= und Gebäude= und der ganzen Einkommen= und Gemeindesteuer. An katholischer Kirchensteuer 50 Prozent von der ganzen Einkommen= und Gemeindesteuer. Hombruch, 2. Juli. Gemeinde jagd Kirchhörde betreffend. Der„Allg. Anz.“ schreibt: Unter=Hombruch, den 29. Juni, st in der Nr. 178 der„Dortmunder Zeitung“ ein Artikel erschienen bezüglich einer Sache,„die eines gewissen humoristischen Beigeschmacks nicht entbehre“. Es handelt sich da um die event. in Aussicht stehende Klage gegen sämtliche Gemeindeverordneten von Kirchhörde. Die darin in bezug genommenen Schreiben eines Rechtsanwalts zu Dortmund lassen wir unter Fortlassung der Adressen hierunter folgen: (Einschreiben.) Dortmund, den 26. Juni 1894. . H e r r n N. N., H o m b r u c h. Indem ich Ihnen Abschrift eines von mir heute an gemeinschaftlichen Jagdbezirke nach Maßgabe der Beschlüsse der Gemeindebehörde die Jagd, sei es öffentlich im Wege des Meistgebots, oder aus freier Hand verpachtet werden. Anfangs des Jahres 1892 hat nun die„Gemeindebehörde“ — in Westfalen ist dieses die Gemeindeversammlung— von Kirchhörde beschlossen, den Gemeindevorsteher zu ermächtigen, die Jagd nach freiem Ermessen unter der Hand zu verpachten.— Es ist dieses bei der letzt voraufgegangenen Verpachtung der Gemeindejagd in derselben Weise geschehen.— Der zu grunde liegende Beschluß vom Jahre 1892 verstößt hiernach in keiner Weise gegen den§ 10 des Jagdpolizeigesetzes, ist, wie wir nicht anders wissen, ordnungsmäßig zustande gekommen, und ist daher rechtsgültig. Eine Verbindlichkeit der einzelnen bei der in rede stehenden Beschlußfassung beteiligten Gemeindeverordneten ist daher ausgeschlossen; denn sie können niemals regreßpflichtig gemacht werden für eine gesetzmäßige Beschlußfassung und Handlung und sie mögen nur mit größter Ruhe jedem im vorerwähnten rechtsanwaltlichen Schreiben enthaltenen Klageantrage entgegen sehen. Für die Beschlußausführung des Gemeindevorstehers kann man in diesem Leben keinen Gemeindeverordneten haftbar machen. Man darf also die betreffenden Gemeindeverordneten mit jeder Klagedrohung füglich verschonen. In Kirchhörde Gemeindeverordneter zu sein, ist wirklich keine Kleinigkeit! X Camen, 5. Juli. Der hiesige Postmeister T. entfernte sich gestern plötzlich, als eine unerwartete Revision stattfand. Man fand gegen Abend seine Leiche im Westicker Hamm, wo er seinem Leben, dem Anscheine nach durch Gift, ein Ende gemacht hatte. Es wurde schon seit langem in der Stadt gemurkelt, daß an der Post nicht alles in Ordnung sei. Es kamen mancherlei Unregelmäßigkeiten vor. Auf ein so schreckliches Ende war man aber nicht gefaßt. Die arme Witwe, die mit mehreren unerzogenen Kindern zurückbleibt, wird allgemein bedauert. Hohenlimburg, 30. Juni. Eine aufregende Szene spielte sich heute abend in der Lenne ab. Ein Oekonom von Oege ritt sein Pferd zum Baden in den Fluß. Plötzlich stürzte das Pferd und einen Augenblick später waren Roß und Reiter verschwunden. Doch kaum tauchten sie wieder aus der Tiefe hervor, als sie im nächsten Augenblick abermals wieder in dieselbe verschwanden. Das wiederholte sich noch einmal und schon glaubte man, daß Roß und Reiter lebend nicht wieder das Ufer erreichen würden, als von beiden Ufern Schwimmer zur Hülfe herbeieilten, jedoch gelang es dem schwimmkundigen Reiter allein, der Wellen Herr zu werden und glücklich mit seinem Roß das beger Ufer zu erreichen. Möge dieser Vorfall anderen Personen eine Warnung sein: Schwelm, 3. Juli Schwere Unglücksfälle haben sich hier in den beiden letzten Tagen ereignet. Die Frau des einem italienischen Krämer in Streit. Die Umstehenden nahmen für den ersteren Partei. Der Italiener wurde mit Steinen beworsen und flüchtete sich in einen Gemüseladen, der von den Verfolgern vollständig ausgeraubt wurde, als der Besitzer desselben den Italiener nicht ausliefern wollte. Auch hier wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Paris, 5. Juli. Nach einer Meldung aus Montevideo stieß der Dampfer„Uruguay“ beim Auslaufen aus dem Hafen auf ein Riff und wurde leck. Trotzdem hofft man das Schiff zu retten. Ein hiesiges Blatt bringt die etwas abenteuerlich klingende Meldung, die Polizei hätte schriftliche Beweise dafür, daß die Anarchisten einige Zeit vor dem lyoner Attentat den Plan gefaßt hatten, sich der Frau Carnots, gelegentlich einer Spazierfahrt, zu bemächtigen und als Geißel in Gewahrsam zu halten. Wie verlautet, wird der Präsident der Republik demnächst eine größere Anzahl von Begnadigungen bewilligen. Gestern starb hier die Mutter des Generals Boulanger im Alter von 92 Jahren. Seit dem Selbstmorde ihres Sohnes hatte die Frau, die fast vollständig gelähmt war, ihre Wohnung nicht verlassen. * Paris, 5. Juli. Die 1. Zivilkammer fällte gestern das Urteil im Prozesse der irischen Parteiführer gegen den Bankier Munroe wegen Herausgabe der irischen Homerulekasse. Mac Carthy wurde ermächtigt, über die Summen zu verfügen, sobald dieselben nicht unter dem Titel Parnell und übrige Fideikommissäre deponirt sind, in welchem Falle die gleichzeitige Unterschrift Patrik Egand erforderlich wird. * Paris, 5. Juli. Anstelle Gorons wurde der Polizeikommissar Cochefert zum Chef der Sicherheits=Polizei ernannt. Cochefert wurde 1870 bei Gravelotte verwundet und gefangen genommen. * Nimes, 4. Juli. Das Zuchtpolizeigericht verurteilte zwei Anarchisten wegen Verherrlichung des Attentats gegen Carnot zu einmonatlichem Gefängnis. * L o n d o n, 4. J u l i. D a s j a p a n e s i s c h e M i n i s t e r i u m e r klärt, Japan wird vor der Erfüllung seiner Pflicht in Korca nicht zurückweichen, welche Hindernisse ihm China auch auf diesem Wege entgegenbringen möge. China sei zwar die oberhoheitliche Macht Koreas; Japan aber muß seine Rechte in Korea schützen und wird energisch die Unversehrtheit dieses Landes in Schutz nehmen. Japan ist entschlossen, auf die Notwendigkeit einer Verwaltungsreform in Korea zu beharren. 5 Juli Mit Rücksicht auf die schwierige Rio de Janeiro Lag * Rom, 5. Juli. Mit Rücksicht der italienischen Kolonie in schickte Crispi, wie die„Tribuna“ meldet, Instruktionen an den dortigen italienischen Gesandten, worin demselben aufgetragen wird, in energischer Weise Beschwerde Landwirts N. am Heed bei Schwelm stürzte gestern aus der zu erheben. Der Gesandte Tugini schifft sich morgen nach hohen Bodenluke herab, wodurch sie sich erhebliche Verletzun=Rom und übergibt die Geschäfte dem Legationssekretär. gen zuzog.— Noch schrecklicher ist ein Unglücksfall, der sich Die„Tribuna“ fügt hinzu, Crispi werde infolge der abgestern abend am brunner Berg ereignete. Die Frau des lehnenden Haltung der brasilianischen Regierung gegenFeilenhauers A. daselbst hatte die allbekannte Unvorsichtigkeit über dem italienischen Vorschlage, alle noch ungelösten begangen, Petroleum in das brennende Feuer zu schütten. Fragen bezügl. der italienischen Unterthanen einem SchiedsDabei explodirte die Flasche, im nächsten Augenblick stand die spruche der vereinigten Staaten von Nordamerika zu unterFrau über und über in hellen Flammen. In ihrer furcht= werfen, auf das Entschiedenste vorgehen. Das Blatt baren Angst rannte die Unglückliche über die Straße. Nach=kündigt schließlich an, daß die Kriegsschiffe„Tieramoska“ barsleute hatten Mühe, die Flammen zu ersticken. Schrecklich und„Vesuvio“ demnächst zur Unterstützung der italienischen war die Bedauernswerte zugerichtet; besonders wiesen die Reklamation nach Rio de Janeiro abgehen werden. Arme entsetzliche Brandwunden auf. Auf Anordnung des Rom, 5. Juli. In einer Meldung des„Papoke sogleich herbeigeholten Arztes wurde die Frau noch am selben Romano“, hat die Polizei ein anarchistisches Komplott emAbend ins hiesige Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand soll deckt, welches Leger beauftragt hatte, den Mi. isterpräside ten jedoch sehr besorgniserregend sein.— In der hiesigen Draht zieherei wurde heute nachmittag der Arbeiter Vr. in der Weise von der Maschine erfaßt, daß er mehrere male mit der Drehscheibe im Kreise herumgeschleudert wurde. Durch das wiederholte Anschlagen gegen die Scheibe wurde ihm ein Bein ganz zerschmettert. Der Verunglückte wurde ins städtische Krankenhaus transportirt. Bocholt, 4. Juli. Zwei traurige Mordfälle halten laut dem„Merk.“ unsere Stadt seit gestern in Aufregung. Die Näherin Str. lebte von ihrem Manne getrennt. Während sie sich durch ihrer Hände Arbeit hier durchschlug, verbrachte ihr Mann sseine Zeit in der Fremde. Vor einigen Tagen besuchte derselbe, wie die Nachbarn erzählen, seine Frau und verschwand dann wieder. Mit ihm schien auch seine Frau verschwunden zu sein, denn in Crispi zu töten. * Stavanger, 5. Juli. Kaiser Wilhelm machte gestern vormittag einen Ausflug, nachmittags setzte das Kaiserpaar die Weiterreise fort. * Belgrad, 5. Juli. Zwischen der radikalen und der liberalen Partei finden Verhandlungen statt, welche den Abschluß einer Allianz zum Zwecke der Wiederh.rstellung der aufgehobenen Verfassung von 1888 zum Gegenstande haben. * Oran, 4. Juli. Bei als Anarchisten verrufenen Individuum fanden Haussuchungen statt. Die Polizei verhaftete ein kürzlich aus Cette angekommenes Individuum. * Washington, 5. Juli. Vierzehn Eisenbahnzüge mit 2000 Fahrgästen sind in Bloomington aufgehalten worden. Die Brücken der Atlantic= und Pacific=Bahn wurden bei der verschlossenen Wohnung blieb es in den letzten Tagen Needles in der Grasschaft St. Bernardin von Volkshausen unheimlich still. Ihre polizeiliche Eröffnung deckte jedoch verbraunt......— Sstand wurde ein ein scheußliches Verbrechen bloß. Die Näherin lag erdrosselt Chicago, 5. Juli. Auf New Island wurde ein in ihrer Stube. Der Verdacht der That hat sich auf ihren Chicago, 5. Juli. war zusammen mit dem Hern B kgwerke in der Graschast Hogese(C) in Michigan. Ober=Kontrolleur S. zur Revision der Grenze ausgeritten.1 Es. kam., Hegn Mziliz zu an Ort und Stelle gesanx lnauffällig blieb er während des Ritts plötzlich 15—20 getötet wurden. Miliz ist an Ort und Stelle gesanbSchritt zurück. Der Ober=Kontrolleur hört einen Schuß worden. allen, wendet sich um und sieht seinen Begleiter vom! 2.#umung&m. Juli Pferde sinken. Er hatte durch einen Schuß in den Munds" Dortmund, 5. Juli. Das„Wolffsche Telegrapheneinem Leben, das seiner zahlreichen Familie, Frau und Bur.“telegraphirte heute nachmittag:„Die Zeche„Gneisenan 9 oder 10 Kindern, so teuer sein mußte, ein gewaltsames der„Harpener Bergbau=Gesellschaft“ ist infolge enormer Cohn gehörende Bulle wurde gestern in der Nähe der Wi zogen sofort an zusändiger Stelle Erkandigungen Wirtschaft Holbeck wild und ging seinen Wächtern durch. ein und können mitteilen, daß an der Nachricht kein wahres Erst nach einer mehrstündigen Treibjagd durch Felder und#ort ist. Es scheint sich um ein freches Börsen=Manöver Gärten, wobei stellenweise arge Verwüstungen angerichtet#, handein, wurden, gelang es endlich, in der Nachbargemeinde Berger hausen das wütende Tier durch einige wohlgezielte Schüsse zu erlegen und so weiterem Unheil ein Ende Düsseldorf, 2. Juli. Der Verkauf von Baugrund den Herrn N. N. gerichteten Schreibens übersende, ersuche ich Sie höflichst auch Ihrerseits um gefl. Erklärung, daß Sie den Pachtvertrag vom 23. März 1892 als ungültig anerkennen. Nach den maßgeblichen, gesetzlichen Bestimmungen ist die Klage auf Ungültigkeit des Pachtvertrages gegen die derzeitigen Gemeindeverordneten als solche zu richten. Falls Sie also nicht gütlich anerkennen, würde ich zu meinem Bedauern genötigt sein, die Klage, wie gegen alle übrigen Gemeindeverordneten, so auch gegen Sie ein reichen zu müssen. gez. Westhoff, Rechtsanwalt. — Dortmund, den 26. Juni 1894. Herrn N.., Löttringhausen. * Sie haben durch Pachtvertrag vom 23. März 1892 die Jagd in der Gemeinde Kirchhörde vom 1. September 1892 auf 12 Jahre gepachtet. Der Pachtvertrag ist ungültig, weil beim Abschluß desselben die Bestimmungen des§ 2 des Gesetzes vom 15. Juli 1891 nicht beachtet sind. Im Auftrage des Grundbesitzers Herrn Westermann Tönniges gen. Portmann, Kruckelmann, Bovermann, Neuhoff, Neuhoff gen. Lenz und Meinberg ersuche ich Sie höflichst um gefl. Erklärung binnen 8 Tagen be Klagevermeidung, a) daß Sie die Ungültigkeit des Pachtvertrages anerkennen, d) daß Sie sich demgemäß einer weiteren Ausübung der Jagd enthalten werden. gez. Westhoff, Rechtsanwalt. Beleuchten wir diese höchst interessante Angelegenheit nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen: Gemäß§ 10c des Jagdpolizeigesetzes vom 11. März 1850 kann auf dem stücken auf dem alten Bahnhofsgelände gestaltet sich immer schwach. Tendenz: avwarteno. Umjaße: gering Gewerbliche und soziale Zeitung. H Dortmund, 5. Juli. Getreide=Börse. Besuch: nach. Tendenz: abwartend. Umsätze: gering. Das alhaltend schöne Wetter war die Folge einer total lebhafter. Obwohl noch nicht einviertel der ganzen Liegen=]. Das alhaltend schone Weiter war die F heiten verkauft worden ist, beträgt heute schon der Erlös lustlosen Stimmung; Umsätze sehr gering. weit über 4 millionen Mark. Der Stadt Düsseldorf war!,„Weizen, znländischer 14.75-—15.00 J4. einerzeit das ganze für 4 geben worden. Millonen an die Hand geDraht=Nachrichten. * Eisenach, 5. Juli. Die Erbprinzessin von Sachsendert, ohne glücklicherweise erheblichen Schaden zu erleiden Sie ist nach hier zurückgekehrt, um sich zu erholen. * Pest, 5. Juli. Der Bankier Loewy, welcher steckbrieflich verfolgt ist, wurde in Auwinkel erschossen auf gesunden.„ * Pest, 5. Juli. Die gestrige Meldung von einer Katastrophe auf der Sau wird offiziell als unbegründet 2 Triest, 5. Juli. Wie dem hiesigen„Piccolo“ aus Pisa gemeldet wird, ist gestern dort der Direktor der!### visaner Tramwoy=Gesellschaft in der gleichen Stunde, in Hafer lauf. Monat der im Liworun das Leichenbegängnis Bandis stattfand, 1 Sept.=Oktober „anvischer 14,75—15,00 M, Weizen, fremder, 14,50—15,50 M. Roggen, inländischer, 13,00—13,25 fremder 13,50—14,50 M. Hafer, inländischer, 00,00 bis 00.00 M. fremder 13,50—15,00 K. Futtergerste .60—9,80 M. Mais 10,50—11,75 J. Weizenvorschuß 19,00—21,00 M. Roggenvorschuß 17,50—18,00., Weizenkleie 8,00—8,50 Ml. Rüböl(inkl. Faß) 47,00 bis 47.50 M. Alles per 100 Kilo Frachtparität Dortmund Doppell adungen. Ruhrbezirk waren Tienslag, den 3. Juli d. J. 10•485 Doppelwagen zu 10 t angefordert. Gestellt und beladen mit Kohlen und Kokes sind 10 485 Doppelwagen. 6 Berlin, 5. Juli. Getreidebörse.(Telegramm.) Roggen und Weizen billiger, Hafer—, Rüböl etwas fester, Spiritus flau. Weizen lauf. Monat Sept.=Oktober Roggen lauf. Monat Sept.=Oktober durch einen Dolchslich getötet worden. Man ist über=1 Berliner Börse.(Telegramm.) zeugt, daß es sich hier abermals um ein anarchistisches.#. Hand=GesenlenVerbrechen handell. Darmstädter Bank * Paris, 5. Juli. Casimir Perier unterzeichnete heute Diskonto=Gesellsch. ein Dekret, durch welches 374 wegen Teilnahme an Ar= Dorim. Bank=Verein beiter=Ausständen Verurteilte begnadigt werden. * Paris, 4. Juli.„La Patrie“ meldet, daß der Mi nister des Innern seit einigen Tagen aus verschiedenen Gegenden Petitionen erhalten, in welchen die Bitle ausgesprochen wird, die Regierung möge eine der gegenwartigen Lage entsprechende Abänderung der Preßvorschriften durchführen. Die erwähnten Petitionen sollen von angesehenen Persönlichkeiten aller Parteirichtungen angeregt It Timgad(Algerien), dem römischen Thamugadis, 5. 140.— .7. 141.— 142.13|141,25 141,- 119.— 126,50s122.— 132,— 13-,25 18,25[119,— Rüböl lauf. Monat Sept=Oktober Spiritus lauf. Monat Aug. Sept.=Oktober 47. 45.— 44,90 34.80 95.20 35,95 ./2. □10 4910 14.50 38.— 36.75 Aplerbeck. Margaretbe Bochumer Gußstahlj. Bonifazius Consolidation Dortmunder Bergbau Dortmunder Union Gelsenkirchen Harpener 4. 134,40 135,10 184.55 107.20 ./7. 134,00 135,10 185,00 107,10 120,00/120,70 31,10132 60 *7 20 160,90 .60 56,60 149 75 132,70 88,00 100.60 Hibernia Hörder St.=Prior. Kölner Bergwerk König Wilhelm, conv. .17..h. 122,10 123.30 63,0¼ 62.30 43,80 144.00 111.50 111.10 dto. St.=Prior.— Königs= u. Laurahütte Louise Tiefbau, Aktien dto. St.=Prior. .60 1Dortmund=Enschede 56.25 1 Pluto, Aktien 49,00 vto. St.=Prior. 131 70 124,20 48,0 24.25 49.00 127.30 120,80 125.28 124.25 t Hombruch, den 5. Juli. Gemäß Generalversammwurden weitere bemerrenswerte alteriumer zutage gesor= lungs=Beschluß wird der hiesige Prieggrz, und Lezdme#rdert. Unter anderen die Bruchstücke einer Kolossalstatue, verein sein Jahresfest in gewohnter Weise am 8. Juli deren Höhe nach dem ausgegrabenen Rumpf und Beinen in seinem Vereinslokal„Jägerhaff feiern, nur mit wurden weitere bemerkenswerte Altertümer zutage geför-lungs ....fün. slare Galqualstatue herein auf nein Dete geschößt, plicd., Nn. drei Ju.biz. Pernen Unterlst=2, 2 ia“ Dagezen sol ia kommend. Jasa 48. märk eines Italieners ein, fingen mit demselben Streit an, brachte Wohlwollen auch zu Samstag durch Beflagg Camen, 4. Jul schmückt, um ebens Lehrer=Gesangverein die verschiedenen A. Herrn Bürgermeist schmückung, Unterh und als heute mor rückten, war alles Festesstimmung. 2 Beratungen gewidn Versammlung statt hat den Zweck, d gesang zu heben um elternlose evang. zu unterstützen. 8 Einnahmen, nach! Natorpstiftung. G dann auch eine H eröffnete der Vors einer Begrüßung de Vorsitzenden, Schöl Rüstigkeit das Fest dahingerafft wurde Ausdauer dem Ve biederer, gerader C die Anwesenden.— Ungerath=Hagen ist der Engelhardt=St hoben!!) betrugen Partituren 45,20 Festes 1893 323,40 der eine Ausgabe Ueberschuß von 4. Natorp=Stiftung a recht lebhafte Best noch weiter auszi schauung entgegen, besten Beweis vom Natorp=Stiftung. Mitglieder mehr al Gesangvereine gebe die Pflege des g Eigentümlich sei es vertreten sei. Me Konferenzen und b jüngeren Kollegen in Zukunft die Ver Stiftung erst nac Konferenz=Vortrag schlag, die Partitu Einübung der Lie Vorstande und H Erwägung überwies wurde Castrop best sitzenden Herrn Le Herrn Berensmani Herr Ungerath=Hag Mitglied, lange I außerordentlich sch Amt niederzulegen, Wir freuen uns, i wohl hier zu sehen Gruße sich zu erh alle Herrn Klappei Sitzung der Bezirl hat den Zweac, Vereinsmitglieder die gute Erziehung fördern. Jahresbe (emer.) eröffnete d fest und teilte, nac mit, daß Herr Sem 700 M überwiesen!. Einnahme 272( Ausgabe 2038 Bestand 68. Es wurden an stützung verteilt, zi 403.21 U(mehr: 742.60 MK. 2 Heri einen größeren B Gevelsberg bracht 59 A im Vorjahr 12 232,68 5 am1 950.50 J mehr prüfern wurden ge Tüselmann=Camen ergab: Högen=Kör Rendant und E Schriftführer. Im folgenden bezw. 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Gestellt 10 485 Doppel(Telegramm.) böl etwas fester, onat r Monat or rk t, conv. krior. rahütte Aktien Prior. chede 5 44,90 34.80 95,20 35.95 ./2. 4520 4510 14.50 33.— 36.75 lor. 124,20 48,0 197.30 125,80 24.25 49.00 25.28 124.25 n. dwehr= uli kr. st dem nd 6e3 Jahre 870/71 sch die egengeflaggen lnahme de=Aufe allge∆ a 48. märkisches Lehrer-Gesangfest. Camen, 4. Juli. Unser Städtchen hat sich reich geschmückt, um ebenso würdig wie freudig den märkischen Lehrer=Gesangverein zu empfangen. Schon lange waren die verschiedenen Ausschüsse unter der Oberleitung unseres Herrn Bürgermeisters von Basse thätig, um für Ausschmückung, Unterhaltung, Unterkommen u. s. w. zu sorgen, und als heute morgen um 10 Uhr die ersten Gäste anrückten, war alles bereit und auch, trotz des Regens in Festesstimmung. Der Vormittag war allerdings ernsten Beratungen gewidmet. Es fand nämlich zuerst eine HauptVersammlung statt. Der märkische Lehrer=Gesangverein hat den Zweck, den Gesang, insbesondere den KirchenFesang zu heben und hülfsbedirftige, Lehger=Pittren, und elternlose evang. Lehrer=Waisen in der Grafschaft Mark zu unterstützen. Zu letzterem Zwecke fließen die jährlichen Einnahmen, nach Abzug der Unkosten, in die Kasse, der Natorpstiftung. Gelegentlich des jährlichen Festes findet dann auch eine Haupt=Versammlung statt. Die heutige eröffnete der Vorsitzende, Herr Erlenbauer=Schüren, mit einer Begrüßung der Gäste, und gedachte dann des früheren Vorsitzenden, Schönebeck, der noch im vorigen Jahre in Rüstigkeit das Fest leitete und plötzlich durch die Influenza dahingerafft wurde. Viele Jahre habe er in Treue und Ausdauer dem Verein genützt, allerseits beliebt als ein biederer, gerader Charakter. Ihm zu Ehren erhoben sich die Anwesenden.— Aus dem Kassenberichte des Herrn Ungerath=Hagen ist zu erwähnen: Die Einnahmen aus der Engelhardt=Stiftung(Vereinsbeitrag wird nicht erhoben!!) betrugen 234,81#4. der Erlös für verkaufte Partituren 45.20 M. der Ueberschuß des gevelsberger Festes 1893 323,40 U. zusammen Einnahmen 603,41 u, der eine Ausgabe von 163,30 e. gegenübersteht. Der Ueberschuß von 440,11 u wurde an den Kassirer der Natorp=Stiftung abgeführt.— Darnach erhob sich eine recht lebhafte Besprechung über die Mittel, den Verein noch weiter auszubreiten. Allseitig trat man der Anschauung entgegen, als sei er in Abnahme begriffen. Den besten Beweis vom Gegenteil liefert die Rechnungslage der Natorp=Stiftung. Aber doch sei es nötig auch die jüngeren Mitglieder mehr auf den Verein aufmerksam zu machen. Gesangvereine gebe es genug, aber keinen bei uns, der die Pflege des geistlichen Liedes sich zum Ziele stecke. Eigentümlich sei es, daß gerade Dortmund so sehr wenig vertreten sei. Man beschloß, unter der Hand in den Konferenzen und besonders den freien Vereinigungen die jungeren Kollegen aufmerksam zu machen, dann aber auch, in Zukunft die Versammlung des Vereins und der NatorpStiftung erst nachmittags abzuhalten und dafür den Konferenz=Vortrag fortfallen zu lassen. Ein anderer Vorschlag, die Partituren an die Seminare zu senden zur Einübung der Lieder in der ersten Klasse, wurde dem Vorstande und Herrn Seminar=Musiklehrer Knabe zur Erwägung überwiesen.— Als Festort für das nächste Jahr wurde Castrop bestimmt. Die Neuwahl ergab als 1. Vorsitzenden Herrn Leineweber=Hagen und als Schriftführer Herrn Berensmann=Schwerte. Zum Schlusse ergriff noch Herr Ungerath=Hagen das Wort:„Ein langjähriges, treues Mitglied, lange Jahre Vorstandsmitglied, das nur durch außerordentlich schwere Krankheit veranlaßt wurde, sein Amt niederzulegen, weilt heute wieder in unserer Mitte. Wir freuen uns, ihn trotz seines Leidens verhältnismäßig wohl hier zu sehen, und ich bitte Sie deshalb, ihm zum Gruße sich zu erheben!“ Mit lautem Beifall begrüßten alle Herrn Klappert=Dortmund.— Es folgte alsdann die Sitzung der Bezirksvertreter der Natorp=Stiftung. Diese hat den Zweck, die Witwen und Waisen verstorbener Vereinsmitglieder durch Geldmittel zu unterstützen und die gute Erziehung der Waisen durch Rat und That zu fördern. Jahresbeitrag 1 M. Herr Högen=Königsborn (emer.) eröffnete die Sitzung, stellte die Anwesenheitsliste fest und teilte, nach Verlesung des vorjährigen Protokolls mit, daß Herr Seminarlehrer Schenkberg=Soest der Stiftung 700 M überwiesen habe. Der Rendant legte dann Rechnung: Einnahme 2720,92 cn.(mehr gegen 1892: 1129.59 5) Ausgabe 2038,38 M Bestand 682,54 Es wurden an 29 Witwen je 25 J4. Jahres=Unterstützung verteilt, zusammen 975 c An Zinsen gingen ein 403,21 M(mehr: 39,53), von Vereinsmitgliedern: 742.00 u. 2 Herren, die nicht genannt sein wollen, gaben einen größeren Betrag zur Kasse. Das Gesangfest zu Gevelsberg brachte an Ueberschüssen 323,40 i(gegen 59 im Vorjahre.) Das Vermögen des Vereins betrug 12 232.68 cm am 1. Januar 1893 und 13 183,18 J. oder 950.50 M mehr am 1. Januar 1894. Zu Rechnungsprüfern wurden gewählt: GenniteHagen, Lethaus=Deusen, Tüselmann=Camen. Die Ergänzungswahl des Vorstandes ergab: Högen=Königsborn, Vorsitzender, Lohmann=Unna, Rendant und Saarmann=Lindenhorst, stellvertretender Schriftführer. Im folgenden Vereinsjahre werden an 46 Witwen, bezw. Waisen je 25 d Unterstützung gezahlt. Es wurde dabei darauf aufmerksam gemacht, daß das betr. Schriftstück jedes Jahr wieder bei dem betr. Bezirksvertreter oder beim Vorstande direkt einzureichen ist. Nachdem dem Rendanten Entlastung erteilt war, wurde um 1 Uhr die Versammlung geschlossen. 2 M#e. a Camen, 5. Juli. 46. märkisches Lehrer=Gesangsest. Dem gemütlichen Abend ging ein so guter Ruf voran, daß schon lange vor der festgesetzten Zeit der große Reinhardtsche Saal bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war. Herr Bürgermeister von Basse hieß im Namen der Stadt den Verein willkommen, der nun nach 33 Jahren wieder einmal hier einkehrte. In dem einstigen Ackerstädtchen seien inzwischen riesige Schornsteine emporgewachsen, aus den großen Scheunenthoren seien vielfach schöne Läden geworden, manches habe sich geändert, aber eines sei sich gleich geblieben: Das Gesicht der Bürger sei den Lehrern noch immer so freundlich wie einst. Seien diese damals freundlich willkommen geheißen, so sei das heute eher mehr als minder der Fall, und zum Beweise dessen bäte er alle Bürger, den Gästen ein dreifaches Hoch als Gruß zuzurufen. Herr Berensmann dankte im Namen des Vereins. Er führte aus, wenn die Straßen so reich geschmückt seien, wenn man die Gäste mit Wort und Blick so freundlich empfangen habe und nun mit Frau und Töchtern so zahlreich anwesend sei, so käme das nicht daher, daß die Lehrer säugen, sondern daß die Lehrer sängen, die man in Camen als die Güter des höchsten Schatzes liebe und ehre. Redner dankte den Herren, die sich um das Gelingen des Festes so verdient gemacht hätten, insbesondere den Herren Bürgermeister von Basse, Pustor Pröbsting, dem Freunde der Jugend, und Hauptlehrer Siegler, von dem er sagte: Graut von Gestalt just is hei nich, hei het dat Graute innerlich“, und schloß mit einem Hoch auf die Stadt Camen, die ihre Gäste so äußerst freundlich empfangen habe. Die musikalischen Vorführungen: das Konzert der Hüttnerschen Kapelle, Sologesänge der Herren Jacoby=Camen und Klepzig=Iserlohn, das Tyrolerquintett, das fidele Gefängnis u. s. w. gefielen so sehr, daß bald die fröhlichste Stimmung herrschte, und daß das Hoch mit lautestem Beifall aufgenommen wurde, welches Herr Ungerath=Hagen den Mitwirkenden ausbrachte, mit der Erklärung, daß der Verein nun aber nicht wieder 33 Jahre warten, sondern recht bald wiederkommen werde.— Mitternacht war schon vorbei, als die ersten sich zum Aufbruche rüsteten, die Urfidelitas trat in ihre Rechte und hielt die Ritter von der Gemütlichkeit bei Lied und Spruch noch lange beisammen. Sprechsaal. (Für Artikel unter dieser Rubrik ist die Redaktion dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich.) Dortmund, 5. Juli. Ein älterer Herr löste gestern am Körnerplatze ein Straßenbahn=Billet nach der Kronenburg und stieg an der Kreuzung regelrecht um. Der Wagen fuhr jedoch nur bis zur Gutenbergstraße und der Kontrolleur ersuchte den Herrn zu warten bis zum nächsten Zuge. In diesem aber wollte der Schaffner das Billet nicht anerkennen und schließlich sogar den 70jäbrigen Mann mit Gewalt aussetzen, wobei derselbe eine ziemliche Kratzwunde an der Hand erhielt. Hoffentlich tritt da die gebührende Rektifikation ein. In Nr. 180 Ihrer Zeitung erzählt uns ein Leser Ihres Blattes etwas vom alten Rathause, von dem Vorschlage eines„auswärtigen Besuchers" des Kaiser Wilhelm=Haines, den„architektonischen groben Unfug“, in den Kaiser Wilbelm=Hain zu setzen, wo es dekorativ wirken würde, und sagt selbst dann weiter, es fehle dem Hain ein Restaurationslokal, für 30—40 000# ließe sich der Abbruch und Aufbau des Rathauses wohl machen. Eine Gesellschaft würde sich event. finden, die das Recht haben möge, 25 Jahre das Restaurant zu betreiben oder zu verpachten, oder einige große Brauereien würden die Pacht auf ihre Rechnung finanziren, falls man ihnen auf 25 Jahre den Bierausschank freigäbe.— Also der Kaiser Wilhelm=Hain, gestiftet von der Bürgerschaft Do tmunds dem Andenken des großen Kaisers, ein künstlerisch angelegter Park, der schon jetzt ein stark besuchter Platz für alt und jung ist, geziert mit einer großen Zahl von Erinnerungen an den Kaiser Wilhelm und seine Paladine, soll entwürdigt werden zu einem gewöhnlichen Biergarten. Der„auswärtige Besucher" und sein Freund, der die„altdeutsche“ Bierrestauration mit dem alten Rathause als Aushängescild für ein Geschäftsunternehmen im Kaiser=Hain wünschen, die auch schon einen vorläufigen Kostenanschlag und eine Rentabilitäts. rechnung gemacht zu haben scheinen, werden bei der Bürgerschaft wenig Gegenliebe finden. Keiner, der sein Scherflein, viel oder wenig, zur Errichtung des Hains beige tragen, hat daran gedacht, daß der Hain jemals etwas anderes, als ein würdiger, seinem edlen Zweck, als Erinnerungszeichen an den großen Kaiser dienender Ort für jetzt und später sein solle, nicht aber ein Platz für einen Bierausschank mit Musik und Sonntagskonzert 2c. 2c. In der Nähe des Kaiser Wilhelm=Hains existiren Ubrigens schon jetzt eine Anzahl Biergärten für die Durstigen und wahrscheinlich werden noch mehrere entstehen. Einer besonderen Anziebungskraft für den Besuch durch Errichtung eines Vierrestaurants hat der Hain nicht nötig. Wir empfehlen: 50 Ausslüge in die Umgegend von Dortmund. Von Heinrich Lemberg. Mit einer Karte von Dortmund und Umgegend und einer Ruhrthalkarte. Preis: 50 Pf. In der soeben erschienenen neuen 4. 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Juli 1894. Schlüter, 9269; Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. Am Montag, 9. Juli d.., Nachmittags 4½ Uhr, werde ich auf dem Hofe des Landwirths Timmermann zu Dorf Marten, Hohenzollernstr. 12: die im guten Zustande befindliche frühere Heinrich'sche maschine mit sämmtlichem zwangsweise versteigern. Maschine steht daselbst zur An sicht. Verkauf findet statt. Kremer, 91091 Gerichtsvollzieher. Roggen=Verkauf des Herrn Kötters Brinkhoff in Perse beck, 4 Morgen auf der Haide und im Sahlinger Felde: Mittwoch, 11. Juli, Nachm. 4 Uhr. Versammlung beim Wirth Stein. Menglinghausen. 9272 Baumeister. 1 Küchenanrichte, 1 Schrank, 1 Pult 1 anderthalbschläsige Bestelle mit Matratze, u. 1 Kommode billig zu verkaufen : Ostenbellweg 28. Ein Kind z. Mitschenken od. i. Pflege zu nehmen gesucht. Adlerstraße 77. 3 Bekanntmachung. Am Samstag, den 7. Juli er. Vormittags 9 Uhr, werde ich Aachener Straße 14 hier: 1 Bierleitung mit Druckapparat öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigern. Dortmund, den 5. Juli 1894. Wesselmann, 92705 Gerichtsvollzieher. Bekanntmachung. Vormittags 9½ Uhr, werde ich 1. Kampstraße A bestehend in: 92 2 Bettstellen mit Matratz und Bettwerk, 1 Soph 1 Kommode, 1 Eisschrau 2 Oefen, 1 Waschtisch, Kleiderschrank, 2 Tischen, Kronleuchter, Teppichen, u. s. w. öffentlich meistbietend gegen B zahlung versteigern. Dortmund, den 5. Juli 1894. Wesselmann, Gerichtsvollzieher. Sichere Kapitalanlage, 3% Ein schönes Landgut Kultur, fast neue Gebäude, f# langjährige Pachtung, zu verkaufen erbeten. 1 zweitbüriger f. neuer Kleiderschrank f. 36 d zu verkaufen. Ostenbenw. 28. k 1 guter Sprungheerd, m. geldem Kessel f. 36 J zu verkaufen. Osteuhellw. 28.1 Prima Kautabak, per Pfund 21 Rollen K 1,45 „„ 24„„ 1,65 empfiehlt und versendet. 169 S. Wolft, Ostenbellweg u. Markt=Ecke. Morgenmädchen. Morgenmädchen, tüchtig, und im ochen erfahren, gesucht. 9158; Meldungen Jakobstraße 14, Morgens vischen 8 und 12 Uhr. Nur beste Empfehlungen finden BeZum 1. 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Mts., Nachm. 5 Uhr anfangend, wird Herr Kohlpoth den starken Graswuchs in der Breitenwiese gegen Credit verkaufen lassen. Dortmund, 1. Juli 1394. 9021] Sonnenschein. Am Samstag, den 7. Juli er., Nachmittags 5 1 wird Unterzeichne". per DieckmannBrüderweg 3, das sohnhaus Nr. 10 daselbst— Flur 13, Nr. 204; ferner das.d. verlängerten Heroldstraße liegende Baugrundstück, Flur 2 Nr. 374/94, groß 10 ar 64 qm, zum meistbietenden Verkaufe aussetzen. s 4044 Dortmund, den 4. Juli 1894. Lessing. Dortmunder Privat=Leih=Anstalt von H. Ramrath, Zimmerstraße 1, am Steinplatz. Am Freitag, den 20. Juli 1894, Morgens 9 Uhr anfangend, sollen beim Wirthe Herrn S. Siewers, am Steinplatz, diejenigen Pfänder, welche in der Zeit vom 1. Mälz 1893 bis zum 30. Juni 1893(Nr. 12 837 bis 18481) verpfändet und noch nicht wieder eingelöst sind, als: eine große Parthie Leinensachen, Kleidungsstücke aller Art, eine große Parthie Taschen= Uhren, Regulateure, Konsolen, Spiegel, Nähmaschinen, Bettwerk u. s.., öffentlich meistbietend verkauft werden. Die Berechtigten werden darauf aufmerksam gemacht, daß sie den Ueberschuß aus dem Erlöse innerhalb 14 Tagen nach stattgefundenem Verkaufe an meiner Geschäftskasse in Empfang nehmen können, widrigenfalls derselbe bei der Ortsarmenkasse hinterlegt wird. Diejenigen Geldbeträge, welche nicht binnen Jahresfrist von den Berechtigten in Anspruch genommen sind, geben in das Eigenthum der Ortsarmenkasse über. 92511 Roggen=Verkauf und Landverpachtung zu Wambel. Am Samstag, den 7. Juli er., Nachmittags 5 Uhr, werde ich im Auftrage des Herrn Oeconomen Börgerhoff zu Wambel dessen sämmtliche 9161 i Roggenfrucht am sogenannten„Rüschenbrink“ öffentlich meistbietend gegen Kredit verkaufen. Gleichzeitig werde ich die Ländereien daselbst auf 8 Jahre öffentlich meistbieiend verpachten. Zusammenkunft an Ort und Stelle. Carl Wolters, Cörne. schwarz und farbig. Auswahl Beste Qualitäten verkauft zu Fabrikpreisen Elsäßer Fabriklager Rheinische Straße 13. Eine im flotten Betriebe befindliche Wirthschaft nebst kleiner Brennerei in Witten gelegen, zu verkaufen. Für den Betrieb eines Flaschenbiergeschäfts sind genügende Localitäten vorhanden. s 4060 Angedote unter L 680 an Friedrich Crdwell, Dortmund Der Männer-Gesang-Verein(3 „Abendglocke“ feiert am Sonntag, den 8. Juli cr., in den Anlagen des Herrn Eugen Heyll, Kaiserstrasse 204, sein X. Stittungs-Gest unter gütiger Mitwirkung mehrerer hiesiger und auswärtiger Gesang-Vereine. Anfung Nachmittags 3 Uhr. 9275 Der Vorstand. legen der stattgehabten Feier des Stiftungsfestes und der sonstigen stattfindenden Festlichkeiten findet für Monat Juli die übliche General=Versammlung nicht statt. Gestatten uns gleichzeitig, den geehrten Bürgern Dortmunds für das Beflaggen der Häuser und den zahlreichen Besuch bei unserer Festesfeier, sowie den Mitgliedern des Gesang=Vereins„Sanssouci“, welche durch ihre freundliche Mitwirkung zur Verherrlichung desselben beigetragen haben, und den Mitgliedern des Landwehr=Vereins für die zahlreiche Vetheiligung und gute Haltung beim Festzuge unsern verbindlichsten Dank auszusprechen. Der Vorstand. s 4061 Jedes Blatt läßt sich längs der Blechkarte sauber abtrennen. Bekanntmachung. D..=P. Nr. 17570. Imit. Pergament= Papier! Fettdicht. Imit. Pergament= Papier! Wasserdicht. Die ordentliche General=Versammlung des VerschönerungsVereins findet statt am Freitag, den 6. Juli 1894, Abends 8 Uhr, im weißen Saale des„Kölnischen Hofes“, und werden die Herren Vorstandsmitglieder, sowie die Mitglieder des Vereins dazu eingeladen mit der Bitte, recht zahlreich erscheinen zu wollen.„ 9259 Tages=Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Rechnungsabnahme. 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. Vereins=Angelegenheiten. Dortmund, den 4. Juli 1894. Der Vorsitzende des Verschönerungs=Vereins: Baeumer. für jeden Sparsamste Ausnutzung des Erhält alle Nahrungsmittel in frischem Zustande. Höchst praktisch Einem hiesigen und reisenden Publikum zur gefl. Kenntnißnahme, daß ich von heute ab mein und billig. 100 Blatt! Preis 50 Pf. Zu haben bei: 8288 Heinrich Ruhfus, Dortmund, Herrn Christian Führing, früher Wirth der Phönixhalle, geschäftlich übertragen habe. Vollständig neue Renovation. Vorzügliche Küche. Schöne Logirzimmer. ff. Bier aus der Brauerei Thier& Cie. Empfehle noch meine oberen Localitäten für Vereine, Gesellschaften und Hochzeiten. Französisches Billard. Sommer= und Winterkegelbahn. Kleine Gartenanlagen. Achtungsvoll Paul Pollack, 9274„Hotel zur rothen Erde“, Brückstraße 47. Reine Weine. Fredenbaum. Freitag, den 6. Juli 1894: IV. AbonnementsConcert, ausgeführt von der Merkert'schen Kapelle, unter Leitung des Herrn Merkert. Ler Anfang 7½ Uhr. Eintrittsgeld 75 Dutzendkarten sind bei Herrn Carl Schroeder, Betenstraße, zu haben. Bei günstiger Witterung: Grosse Illumination der Parkanlagen. Die Wagen der Straßenbahn nach Schluß des S 4053 fahren bis Concerts „Bergischer Hof“, Dortmund. Täglich Konzert. Damen=Orchester„Svea“. Anfang Sonntags 4 Uhr Nachmittags. " Wochentage 7 Uhr Nachmittags. 91425 Entree frei! Kaiser Friedrich-Hain *( A u g. B e i s n e r). Sonntag, den 8. Juli, und Sonntag, den 15. Juli: 4 Frei-Concert und Frei-Ball Es ist für gute Musik bestens gesorgt. Freunde und Gönner sind hierzu freundlichst eingeladen. Wellinghoferheide, im Juli 1894. 6 Wellinghoferheide, im Juli 1894. Aus Beisper Kastroper. Kastroper sämmtlicher Truppentheile, leicht und schwer, werden eingeladen zur Berathung behufs Theilnahme am 1. Verbandsfeste, welches am 29. Juli zu Wetter a. d. Ruhr stattfinden soll. Zusammenkunft Montag Abend 9 Uhr beim Wirth Rüsche, 1. Kamptraße. 9268 1 Das prov. Comitee. und in allen besseren Papierhandlungen. 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Juli, Nachmittags 4 Uhr, dringend eingeladen. 9253 1 Der Vorstand des OstpreußenVereins. oll, um vor dem Umbau damit zu räumen, unter Einkaufspreis ausverkauft werden. Spitzen- und Feston-Reste billigst. S. Löwenstein, Brückstraße 20. —— Gewerbe-Verein. Sonnabend, den 7. Juli er., Abends 8½ Uhr: Vereinsversammlung. S 4064: Der Vorstand. Gustav Briefköpfe, Couverts mit Firma. GeschäftsFormulare, ActienScheine. Dr. Dapper’s Sanatorium„Neues Kurhaus“, Bad Rissingen. Aussehank von Specielle Behandlung von Magen- und Darmkrankheiten, Zuckerkrankheit, Gicht, Fettsucht, Herzkrankheiten. Comfortabelste Einrichtung. Vorzügliche, bequeme Lage. Auch Aufnahme von Kurgästen ohne Pension. Das ganze Jahr geöffnet. Prospecte. ls 4057 Ziehung am 11. Juli. ric g stmolder Pfe vorzüglichem, hellem sowie 9085 feinstem Münchener Löwenbräu. F. Wehling. 1 Loos 1, 11 Loose K 10, Porto und Liste 25 Z mehr, empfiehlt und versendet 9276 2 S. Wollf, Dortmund, Markt=Ecke. 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Sobalk treten war, dräng lichen jungen Bu# unmittelbar vork zog jetzt unter sei So stellten sie ert Gasse bildend, du mußte, was aus Aber ihre Abs Nach einem al Kirche bis zu nicht zum Schein, Vergebens hat der nicht zum Ba siunigen, selbst in unerklärlichen Brzäher an ihm. E ein Aberglaube de Juli 1894: * mentsert, r Merkert'schen Leitung des erkert. 2 Uhr. 75 J. ind bei Herrn Betenstraße, zu Litterung: mination inlagen. Straßenbahn Schluß des S 4053 Morgen=Ausgabe II. Nr. 183.— 67. Jahrgang. Drucker und Verleger L. Krüger,(G. Krüger) in Dortmund. Vortmunder Zeitung. Freitag, den 6. Juli 1894. Verantwortlicher Redakteur: Rudolf Versen in Dortmund. — er Hof“, und. Lonzert. „Svea“. Uhr Nachmittags. Uhr Nachmittags. rei! lrich-Hain isner) 8. Juli, und 15. Juli: Incert 3all Musik bestens gt. iner sind hierzu aben. e, im Juli 1894. Beisner. oper. her Truppentheile, erden eingeladen Theilnahme am idsfeste, li zu Wetter den soll. Montag Abend üsche, 1. Kamp9268 4 2ov. Comitee. rur! ortmund u. Unstpreußen werstpreußen=Verein Besprechung in Wehmhöner, Sonntag, den gs 4 Uhr, drin9253 s Ostpreußenins. Verein. n 7. Juli er., 2 Uhr: sammlung. der Vorstand. eiten Stein. Rank hellem die 9085 ner Löwenbräu. Wehling. Nüsser, weg 19. ndlung d 6709 stube. er für Familieng schaften. Vwww garten Thiel, ei Castrop. biergarten mit inumständeh, billig Ostenhellweg 30. Amtliches Kreisblatt für den Stadt= und Landkreis Dortmund. Deutschland. S Berlin, 5. Juli. Die Sozialdemokratie kann auföfitäiösen Brief in der„Wiener Politschen,Korrespondenz“ mitteilen läst, daß er keine Polik der Ausnahmegesetze wolle. Alle solche Maßregeln seien unnütz, schaden mehr, als daß sie nützen; die Leute, die so laut nach neuen Maßregeln rufen, wüßten entweder gar keine eigenen Vorschläg u machen oder ganz unbrauchbare. Es gebe nur ein einziges Mittel, nämlich die Verbesserung der Polizei. Wir haben gute Gründe dafür, daß diese Ansichten nicht bloß die persönlichen des Grafen Caprivi sind(was für ihre praktische Bedeutung übrigens schon ausreichte), sondern daß sie auch von den anderen maßgebenden Personen bis hoch hinauf geteilt werden. Die Rückkehr zu Ausnahmegesetzen, sei es auch in der Form von Verschärfungen des Strafgesetzbuches, wird nicht beliebt werden. Man darf daran erinnern, daß bisher jede derartige Anregung einer gleichmäßig kühlen Aufnahme an leitenten Stellen begegnet ist. Im Reichstage haben die Herren v. Stumm und v. Kardorff schon vor mehreren Sessionen das lebhafte Verlangen nach Erneuerung des Sozialistengesetzes geäußert und es ist ihnen von seiten der verbündeten Regierungen keine Aufmunterung zuteil geworden. Als nach dem Anschlage auf den Reichskanzler, nach dem sogenannten Radieschen=Attentat, wiederum Ausnahmemaßregeln gefordert wurden, war die Abweisung schon beinahe heftig, jedenfalls ungemein bestimmt. Es wäre ein sonderbares Schauspiel, wenn ein Teil der öffentlichen Meinung die Regierung zu einer Politik drängen wollte, die sonst umgekehrt von den Regierungen den Völkern aufgenötigt zu werden pflegt. Aber dies Schauspiel wird uns doch wohl erspart bleiben. So begreiflich die Regungen sind, die jetzt nach Ausnahmegesetzen verlangen, so erscheinen sie doch nur als die Folge einer unmittelbaren rein menschlichen Empfindung des Gemüts, und solche Störungen haben nur dann Bestand, wenn ein Regierungswille da ist, der sie in feste Grenzen leitet. Man kann es nicht bestimmt genug sagen: nicht irgend ein sentimentales Mitgefühl mit den Befürwortern des Umsturzes veranlaßt zur Zurückhaltung, sondern es ist ausschließlich die Unmöglichkeit, die erstrebten Ziele durch Ausnahmeparagraphen zu erreichen. Dem Anarchismus wird man durch die schönsten und die schärfsten Gesetze nicht so an den Kragen können wie durch eine eifrige, tüchtige, unerschrockene Polizei. Der frühere Minister des Innern, Herr Herrfurth äußert sich am Schluß einer Besprechung des Gneistschen Buches„Die nationale Rechtsidee von den Städten und das preußische Dreiklassenwahlsystem" im„Juristischen Litteraturblatt“ eingehend über das jetzige preußische Wahlsystem. Wir heben folgendes hervor: Die preußische Verfassung beruht auf dem Zweikammersystem, und bei der Zusammensetzung des Herrenhauses nach dem Gesetze vom 7. Mai 1853 und der Verordnung vom 12. Oktober 1854 ist dem Großgrundbesitze in der Zahl der erblichen und der auf Lebenszeit ernannten Mitglieder eine umfangreiche Vertretung eingeräumt, ja er beherrscht diesen Faktor der Gesetzgebung vollständig. Umsoweniger wird deshalb auf die Dauer für die Bildung des Abgeordnetenhauses die Forderung abgewiesen werden können, das Wahlrecht müsse so gestaltet werden, daß nicht wiederum eine verhältnismäßige Bevorzugung der besitzenden Klassen unvermeidlich eintritt, sondern daß alle Schichten der Bevölkerung auch wirklich ihre Vertretung in dem House of commons finden können. Diese Forderung erscheint um so berechtigter, als das Dreiklassenwahlsystem im Laufe der 45 Jahre seines Be stehens vielfache Veränderungen erfahren hat, welche seinen Charakter mehr und mehr umgestaltet und verschlechtert, und die Grundlagen, auf denen es beruht, vollständig erschüttert haben. Diese Veränderungen sind teils durch die verschiedenartige Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Teilen der Monarchie, teils durch die Ausbildung der preußischen Steuergesetzgebung eingetreten, und äußern ihre Wirkung einerseits in einer Bevorzugung der rein ländlichen Kreise gegenüber den größeren Städten und den Kreisen mit erheblicher Industrie, andererseits in einer zu starken Bevorzugung der besitzenden Klassen gegenüber den minder wohlhabenden Teilen der Bevölkerung;— sie sind teils agrarischer, teils plutokratischer Natur. Wenn jetzt bei 75 Abgeordneten rein ländlicher Kreise noch nicht 50000, bei 19 Abgeordneten von Großstädten und Industriekreisen mehr als 150000—200000 Seelen auf jeden Vertreter entfallen, wenn die 9 Abgeordneten von Berlin mehr Wahlberechtigte vertreten als 36 Abgeordnete ländlicher Kreise, und wenn man ferner die vie höheren Leistungen der Großstädte und Industriekreise für öffentliche Zwecke ins Auge faßt, so wird nicht in Abrede gestellt werden können, daß die jetzige Abgrenzung der Wahlbezirke, auf welcher zum großen Teil der agrarische Charakter des zeitigen Abgeordnetenhauses beruht, dem Grundgedanken des Dreiklassenwahlsystems, den höheren Leistungen für den Staat gebühre auch ein stärkerer Anteil an der Regulirung des Staatswesens, nicht entspricht. Die Revision der Wahlbezirks=Abgrenzung kann deshalb dem Bedürfnisse nicht genügen, sondern sie wird, ohne in eine mechanische Verteilung nach der Seelenzahl umzuschlagen, auch in Festhaltung des kommunalen Prinzips für die Bildung des House of commons doch einen erheblich größeren Umfang annehmen müssen, und sie wird auf lange Zeit nicht mehr verschoben werden können. Noch viel erheblicher und bedenklicher sind die Veränderungen, welche in der Gestaltung des Landtagswahlrechts einerseits durch das allmähliche Steigen des Wohltandes, andererseits, und zwar in noch viel höherem Grade, durch die preußische Steuergesetzgebung seit Erlaß der Verordnung vom 30. Mai 1849 eingetreten sind und in nächster Zeit noch eintreten werden— Aenderungen, welche sich sämtlich in plutokratischer Richtung bewegen. Bei der Einführung des Dreiklassenwahlsystems waren die Rittergüter großenteils grundsteuerfrei, der Höchstbetrag der Personalsteuer belief sich auf 144 Thaler. Seit dieser Zeit sind infolge der Aufhebung der Grundsteuerbefreiungen im Jahre 1861, infolge der Einführung einer wirklichen Einkommensteuer durch die Gesetze vom 1. Mai 851/25. Mai 1873, namentlich aber infolge der Staats steuerreform von 1891, der Einführung einer Ergänzungs teuer, einer auf der Deklarationspflicht beruhenden Einlommensteuer mit progressiver Skala und der Reform der Gewerbesteuer die Steuerleistungen der wohlhabenden Klassen, des Großkapitals, der Großindustrie und namentlich des Großgrundbesitzes und mit diesen Leistungen zugleich der Umfang und das Gewicht ihres Wahlrechts in einer Weise gestiegen, welche durch die stetige und erhebliche Verminderung der Zahl der Wähler der 1. und 2. Abteilung und durch die entsprechende Vermehrung der Zahl der Wähler der 3. Abteilung den ursprünglichen Charakter des Dreiklassenwahlsystems mehr und mehr verändert hat, sodaß, falls hier nicht bald Abhülfe geschafft wird, das bekannte Wort des Altreichskanzlers von dem„elendesten aller Wahl systeme“, Wahrheit zu werden droht. Wer in Ueber einstimmung mit von Gneist den Grundgedanken des Dreiklassenwahlsystems für einen richtigen hält und die Beibehaltung dieses Systems im Interesse der gedeihlichen Entwickelung des preußischen Verfassungslebens für notwendig erachtet, wird auf die Befestigung der Uebelstände, welche aus den vorerwähnten Veränderungen entstanden sino, bedacht nehmen und zugleich dafür sorgen müssen, daß in Zukunft nicht mehr, wie dies zurzeit der Fall ist, in einzelnen Wahlbezirken die Wahlmänner von einem einzigen Wahlberechtigten ernannt werden, sondern daß überall eine wirkliche Wahl stattfinden kann. Dazu genügt es aber nicht, wenn von Gueist in Uebereinstimmung mit der Regierungsvorlage von 1892/93 die Verteilung des Steuerbetrages auf die drei Wahlabteilungen statt mit je le mit 5/12, 4/12 mit 3/12 vornehmen will; dazu würde selbst die auf Seite 222/23 erwähnte, von dem Verfasser jedoch nicht für opportun erachtete Verteilung mit 50, 30 und 20 Prozent des Steuerbetrags nicht genügen, und zwar umsoweniger, als durch die Erfüllung der von von Gneist mit vollem Recht gestellten Forderung, daß die Anrechnung eines fingirten Steuerbetrages von 3 4 für jeden nicht einkommensteuerpflichtigen Wahlberechtigten und die Zerstückelung der drei Wahlabteilungen in den Städten wieder beseitigt werde, nach der entgegengesetzten Richtung ihre Wirkung äußern und zu einer Steigerung des Wahlrechts der wohlhabenden Klassen führen muß. Es dürfte, um der Forderung der Einführung des Reichstagswahlrechts für die Bildung der Landesvertretung in Preußen mit Erfolg entgegentreten zu können, nichts übrig bleiben, als die Festsetzung von Mindestzahlen eines Prozentsatzes der Wähler für deren Zugehörigkeit zur 1. und 2. Wahlabteilung, wobei mindestens auf die Durchschnittszahlen bei der Einführung des Dreiklassenwahlsystems, d. h. auf die Sätze von 5 zu 15 Proz. zurückzugehen sein wird. Wenn daher gegen diesen Teil der von Gneistschen Ausführungen das Bedenken zu erheben sein dürfte, daß dieselben die Nachteile der seit der Einführung des Dreiklassenwahlsystems eingetretenen Aenderungen und das Schwergewicht der Thatsache, daß das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für die Vertretung des deutschen Reichs geltendes Recht ist, nicht ausreichend würdigen, so wird man sich mit dem sonstigen Inhalte dieses geistreichen Buchs um so rückhaltloser einverstanden erklären können. Namentlich das Kapitel über die Entstehung und die Zersetzung der sozialen Parteibildungen, insbesondere die darin enthaltene Charakteristik der Sozialdemokraten und Agrarier, die nüchterne Beurteilung der Entfesselung der gesellschaftlichen Interessen, die unter „Freiheit“, nur die Ungebundenheit ihrer eigenen Betrebungen verstehen“, die Darlegung der Gründe des „Notstandes der Landwirtschaft“, sowie die Klage über das Sinken des Niveaus der Landesvertreter, ihrer Leistungsähigkeit und ihrer Sitte, enthält goldene Worte. Nur hat ihr Gold keinen Münzwert, und sie werden deshalb ür diejenigen, welche sie vorzugsweise angehen, leider nur Worte bleiben:„verba et voces, praetereaque nihil“. der Handelskammer zu Dortmund für das Jahr 1893. IV. Staffeltarise. Die Staffeltarife, wenigstens die für Getreide= und Mühlenfabrikate, gehören— nach einem Ausspruche des Herrn Ministers für öffentliche Arbeiten— zwar der Vergangenheit an, aber da nach der gleichen kompetenten Quelle die königliche Staatsregierung nach wie vor an der Meinung festhält, daß dieses System„ein wirtschaftlich und finanziell richtiges“ sei, erscheint es statthaft, daß die Handelskammer, welche die Aufhebung der zurzeit bestehenden Staffeltarife für Getreide mit beantragt hat, diesen Antrag auch hier des näheren präzisire und motivire. Allgemeine Herabsetzung der Getreidetarife wird sie mit Freuden begrüßen, sie ist auch nicht grundsätzlich gegen die Staffelform, aber sie ist der Meinung, daß dieselbe nur unter gewissen Voraussetzungen„wirtschaftlich und finanziell richtig“ sei und sie war der Meinung, daß diese Voraussetzungen wohl bei der Einführung derselben im September 1891, nicht mehr aber bei der Wiederkehr normaler und sogar niedriger Getreidepreise vorhanden gewesen seien. Staffeltarife sind unseres Erachtens geborene Notstands= und Ausnahmetarife, solange sie nicht ein für allemal, nicht ganz allgemein für alle Bahnstrecken und für alle Güter eingeführt werden. Für einzelne Relationen und Güter wirken sie nicht etwa, wie man denken könnte, wie die Eröffnung neuer Verkehrswege, sondern wie persönliches Monopol auf der einen, wie willkürliche Besitzentwertung auf der andern Seite. Ein neuer Weg ist für alle Leute, alle Zeiten und in beiden Richtungen gangbar, der Staffeltarif vom 1. September 1891 z. B aber war praktisch nur in der einen Richtung zu benutzen, Westfalen kann nach den östlichen Provinzen mit keinem Tarif Getreide exportiren. Ein neuer Weg bleibt auch be stehen, die Dauer von Staffeltarifen ist aber doch ge legentlich der wechselnden Auffassung der Verwaltung an heimgestellt. Unter diesen Umständen mag der Staffeltarif für den Händler, den Spediteur und vielleicht auch für die Eisenbahn finanziell richtig sein, für den an die Scholle gefesselten Produzenten der Importstationen wirkt er in regelmäßigen Zeiten perniziös und ist nur erträglich, kann sogar wohlthätig wirken in Zeiten lokalen und vorübergehenden Mangels, wie das 1891 bei der Getreideteuerung der Fall hätte sein können, wenn damals die Landwirtschaft in Preußen und Posen Getreide nach dem Westen hätte versenden können oder wollen. Bekanntlich ist 1891 auf diesen Staffeltarif hin fast garnichts von Osten nach Westen versandt worden. Nach Beseitigung der hohen Getreidepreise aber gaben die Staffeltarife nur die Möglichkeit mit preußischem, posenschem, russischem und öster: reichischem Getreide und Mehl den Landwirten und Mü lern des Westens und Südens eine Konkurrenz zu machen, die durch die willkürliche Verschiebung der geographischen Verhältnisse eine höchst unbillige war und die den hiesigen Müllern, Landwirten und Händlern nicht nur durch effektive Lieferungen, sondern noch vielmehr durch preisschleudernde Offerten das Geschäft verdarben, ohne daß ihnen durch Herabsetzung ihrer Versandtarife irgend ein Ausgleich geboten worden wäre. Es ist volkswirtschaftlich u. E. nicht richtig, daß auf diese Weise durch die Eisenbahnfrachtpolitik nicht nur im Lande selbst die Entfernungen willkürlich verschoben und damit die kommerzielle Grundlage aller Produktionsstätten infrage gestellt, sondern auch dem Ausland Konzessionen gemacht werden, die auf eine Durchlöcherung der offiziellen Zollpolitik hinaus laufen. Was helfen den Landwirten die Zölle der Handelsverträge und wo bleibt die„Stabilität“, derselben für zwölf Jahre, wenn in Deutschland durch einfache Verwaltungsmaßregeln für Russ., Amerikaner und Oesterreicher, Rumänien 1000 Kilometer billiger gefahren werden, wie dem armen Deutschen 600! man jenen also über 400 Kilometer Fracht und damit 1/3—½ der Zölle schenkt. Auch das erscheint uns unbillig, daß staatliche Staffeltarife in Konkurrenz mit privaten einheimischen Verkehrsanstalten, seien es nun Schiffe oder Eisenbahnen, Güter zu 2,72+ pro Tkm fahren dürfen, während die Normalfracht für dieselben— also diejenige, die unter natürlichen Verhältnissen der Landwirt und der Müller bezahlen muß— 4,62 bis 5,10 Pf. pro Tkm beträgt. Vor der Verstaatlichung(und soviel wir wissen heute noch) durften die Privatbahnen die Konkurrenz allgemein nur bis 20 Prozent der Normalfracht aufnehmen. Wenn der Satz von 2,72 in der That noch finanziell richtig ist— was uns der Herr Minister versichert— dann scheint uns der Satz von 4,62 bis 5,10 für normale Getreidefracht volkswirtschaftlich zurzeit doch sehr anfechtbar. Einem notleidenden Erwerbsstand, zu dessen Erleichterung seit Jahrzehnten alle möglichen und nicht mögichen Maßnahmen geplant und geprüft werden, für sein Hauptprodukt beinahe das Doppelte dessen als Fracht abzunehmen, was noch als„finanziell richtig“ bezeichnet werden kann, erscheint mindestens hart, besonders wenn zugegeben werden muß, daß der Getreidebau im östlichen Deutschland in regelmäßigen Jahren die Selbstkosten kaum und in ungünstigen garnicht deckt. Stehen so der Einführung von einzelnen Staffeltarifen als dauernden Einrichtungen unseres Erachtens in vielen Fällen sehr gewichtige Bedenken gegenüber, so würde die allgemeine Einführung des Staffelprinzips sich wohl diskutiren lassen, aber doch auch nur unter der Voraussetzung, daß dieselben den wirklichen Selbstkosten der Bahn angepaßt sind, daß sie nicht den Lokalverkehr zu gunsten weiterer Entfernungen belasten und daß das Ausland, welches an denselben teilnehmen will, uns für Ein= und Durchfuhr nicht die gleichen, sondern gleichwertige Zugeständnisse bewillige, und daß die unglückliche Bestimmung des deutsch=österreichischen Handelsvertrags in§ 15 beseitigt werde, nach der die ganze Welt das Recht hat, auf unseren deutschen Eisenbahnen billiger zu fahren, wie wir selbst. Daß jener§ 45 Oesterreich zur gleichen Gegenleistung verpflichtet, ist keine wirkliche Gegenleistung, wir schicken kein deutsches Getreide durch Oesterreich, wir schicken durch Amerika, Rußland und Australien wahrscheinlich garnichts, jedenfalls keine Massenfrachten, Deutschland dagegen, im Mittelpunkt des Kontinents gelgen, wird fast von allen nächsten Verbindungslinien der großen Handelsstädte und Häfen nach den großen Konsum= und Produktionsplätzen berührt, seine Verpflichtung, fremdes Gut zu den billigsten Ausnahmetarifen zu fahren, ist demnach eine sehr schwere; für England, Frankreich, Amerika, Rußland 2c. ist es kaum irgendwelche, auch verstehen andere derartige Verpflichtungen viel leichter zu tragen als wir! Finanzlage. In unserem vorigen Jahresbericht hatten wir, wie bereits in verschiedenen vorhergegangenen, auf das Anschwellen der Staatsausgaben, der Reichsausgaben und daraus resultirend der Steuerbelastung hingewiesen, mit dem Zusatz, daß die Ausgaben mit den Einnahmen besser in Einklang gebracht und erstere nach ihrer größeren oder geringeren Dringlichkeit geordnet werden müßten, da sie nur getragen werden könnten, wenn in sehr viel höherem Maße durch produktive Ausgaben und Hebung der Arbeitsgelegenheit im Lande die Erwerbsmöglichkeit gesteigert gesteigert würde. Als Belag für dieses Anschwellen der Belastung hatten wir die offiziellen Schlußzahlen der Etats des Reiches und von Preußen seit 1879, wie sie in den amtlichen Berichten veröffentlicht werden, mit folgender Ausführung nebeneinander gestellt: „1. Ausgaben des deutschen Reichs: 1879/80 1884/85 1887/88 1892/93 1893/94 „a) Fortwährende „Auch unter Berücksichtigung des Umstandes, des in den Ausgaben Preußens auch die Ausgaben der Staatsbahnen durchlaufen, ist die Entwickelung, welche diese beiden Etats namentlich seit 1887/88 genommen haben, ganz ohne Verhältnis zu der Steigerung der Bevöllerungsziffer und zeigt klar, daß die„schlechten stel 4550 J Eine westfälische Bauern-Hochzeit. Von J. D. H. Temme. 7)— Jetzt kam der Zug der Frauen. Es war der eigentliche Ehrenzug des Tages, von dem die Männer nur den Vortrab bildeten. Der Gastebitter mit seinem großen, buntbebänderten Stabe ging stolz und wichtig wie ein Hofmarschall voran. Hinter ihm kam die Braut in der Mitte ihrer beiden Brautjungfern. Hinter ihr, da sie keine Mutter und keine Schwester mehr hatte, ihre künftige Schwiegermutter und die kränkliche Leibzüchterin. Es folgten die älteren Frauen, zuletzt die jungen Mädchen. Der Zug bewegte sich so in großer Ordnung zur Kirche. An der Kirchthür machten die Musikanten halt; ihre Musik verstummte; sie blieben vor der Thür stehen. Die andern begaben sich in die Kirche. In dieser warteten schon der Pfarrer, der Küster und die Schuljugend. Das hohle, blasse Gesicht des noch jungen Pfarrers wurde pflichtmäßig strenger, als der Zug eintrat. Der Küster stimmte mit der Schuljugend ein geistliches Lied an. Nachdem alle eingetreten waren, begann der Pfarrer den Akt der Trauung, streng nach dem protestantischen Ritus. Er hielt dabei eine Anrede an das Brautpaar; er sprach viel von der Furcht vor dem Herrn. Die Tranung war zu Ende. Der Bräutigam gab den alteren Frauen, die Braut den älteren Männern die Hand. Gesprochen wurde dabei kein Wort. Das war wieder die durch das Herkommen vorgeschriebene Begrüßung. Der Braut hatten Thränen in die Augen treten wollen; sie mußte sie sorgsam zurückhalten. Erst als sie nach Beendigung jener formellen Begrüßung sich ihrer Freundin, der Mamsell Therese, wieder nahte— ihrem Bräutigam durfte sie auch jetzt noch nicht wieder nahekommen— konnte sie an deren Busen still ausweinen, was ihr auf dem Herzen lag; es war wohl nur meist Glück und Freude . T u m u i t, d e r p l ö t z l i c h i n d e r K i r c h e e n t s t a n d, s o l l t e ihre stille Freude in eine recht bittere Aengstlichkeit verwandeln. Sobald der Prediger von dem Altar zurückgetreten war, drängten eilig, laut und ordnungslos die sämtlichen jungen Burschen sich zur Kirche hinaus. Draußen unmittelbar vor der Kirchthür, blieben sie stehen. Jeder zog jetzt unter seinem Rock einen derben Knittel hervor So stellten sie erwartend sich in zwei Reihen, eine dichte Gasse bildend, durch welche unvermeidlich alles passiren mußte, was aus der Kirche kam. Aber ihre Absicht war nur gegen einen gerichtet. Nach einem alten Brauch mußte der Bräutigam von irche bis zu seinem Hofe geprügelt werden, und zwar nicht zum Schein, sondern derb,„tüchtig, ehrlich“. den„Trgebens hatte schon längst in ganz Westfalen jeder, ziuni### zum Bauernstande gehörte, gegen den rohen, un192„selbst in seinem Entstehen und seiner Bedeutung jäher aulicen Brauch geeifert; der Bauernstand hing desto ein Ircan. IDm. Er war eine Freude der jüngeren Burschen, Aberglaube der älteren Männer und Frauen. Vor den aus der Kirche stürmenden Burschen hatten schon vorher die Musikanten sich zurückgezogen. Ein anderer aber wich nicht vor ihnen. Es war der Fremde mit dem großen Hunde und dem tückischen Affen. Er war dem Hochzeitszuge gefolgt und stand dicht vor der Thür. An seiner Seite war der Hund, große, scharfe, weiße Zähne zeigend. Auf dem Rücken des Hundes saß wieder der Affe, bereit zum Springen, zum Kratzen und zum Beißen. Um den Fremden und seine Tiere, die nicht wichen, mußte die Gasse der Burschen sich bilden. Diese waren unruhig geworden. Einige wandten sich an den Gastebitter, der aus der Kirche trat. Sie sprachen leise mit ihm. Hund und Affe schienen wohl die Worte nicht hören zu dürfen. Der Gastebitter zuckte die Achseln. Man wurde lauter:„Aber es ist ein altes Recht! Das darf nicht abkommen. Es wäre Schimpf und Schande! Wir dürfen es um unserer Nachkommen willen nicht leiden.“ „Und ich leide es nicht", rief am lautesten Peter Langenkamp; freilich mit dem Zusatze:„Gastebitter, ich halte mich an Dich. Du mußt Deine Pflicht thun. Du mußt den Mann mit den Bestien wegschaffen. Sie gehören nicht in den Zug.“ Der Gastebitter zuckte wiederholt die Achseln. Der Fremde stand ruhig, als wenn rund um ihn her kein Wort gesprochen werde. Der Zug kam aus der Kirche zurück; er mußte in derselben Ordnung zum Hofe zurückkehren, in welcher er hergekommen war. Der erste, der in der Kirchthür erschien, war der Bräutigam. Er trat, in Erwartung seines Empfanges zwar gefaßt, aber gedrückt vor. Zunächst an der Thür in der Reihe der Burschen stand der vierschrötige Peter Langenkamp. Er hatte trotz aller heimlichen Warnungen des Gastebitters seinen derben Stock drohend aufgehoben. Als der Bräutigam in die Kirchthür trat, ging diesem der Fremde aus dem Wege; er stellte sich unmittelbar neben den vierschrötigen Burschen. Seine Tiere folgten ihm. Peter Langenkamp wurde wütend. „Das ist unrecht“, rief er,„das ist himmelschreiendes Unrecht. Das ist Gewalt!“ Aber weiteren Mut hatte er nicht. Er ließ den Stock sinken und verließ seinen Platz. „Peter Langenkamp, wohin?“ rief man ihm zu. „Ich?“ antwortete der Renommist.„Ich lasse mir das nicht gefallen. Ich gehe zum Hofe und hole mein Gewehr. Ich will Euch zeigen, daß ich mich vor den dummen Bestien nicht fürchte.“ Er nahm in der That den Weg nach dem Hofe, und zwar sehr eilig. Einige folgten ihm; andere lachten hinter ihm her. Die Stöcke ließen alle sinken, und der Bräutigam, der hatte fürchten müssen, den blauen Maihimmel ber sich von Stöcken und Knitteln verdunkelt zu sehen, konnte ruhig und unangetastet zwischen seinen Bräutigamsknechten den Rückweg nach seinem Hofe antreten. Die andern folgten ihm in der näher beschriebenen Ordnung. Wie sehr der Bräutigam sich freuen mochte und die Braut und ihre Freundin sich wirklich freuten, umso mehr Unwillen herrschte unter allen Anwesenden über die bedenkliche Neuerung. Man hätte ihn laut, sehr laut werden lassen, wenn nicht der Prediger, der von nun an zu den Gästen der Hochzeit gehörte, sich in dem Zuge befunden hätte. Er hatte sich an die älteren Männer geschlossen. Es war bekannt, wie sehr er gegen den Brauch stets geeifert hatte. Er gab auch bald seine Freude über dessen heutige Unterlassung zu erkennen. „“, sagte er zu seinen Nachbarn,„mein Auge hat ja heute jene Unsitte nicht sehen müssen, vermöge welcher der Bräutigam, unmittelbar nachdem er den Segen des Himmels empfangen, mit dicken irdischen Stöcken zu seinem Herd gejagt wird.“ Einer der Nachbarn, ein stämmiger alter Bauer, konnte seinen Unmut nicht zurückhalten. „Es war aber doch ein alter und ehrlicher Brauch“, sagte er;„und den muß man nicht abkommen lassen.“ „Ich begreife nur nicht, was Ihr dadurch verlieren könntet.“ Der dürre Kompeer mit der langen Nase, der schon auf dem Hofe die alte Sitte verteidigt hatte, entgegnete: „Das kann man nicht wissen, Herr Pfarrer. Es können bedenkliche Präjudizien und neue Hofesrechte daraus entstehen.“ „Ich bin nicht der Meinung“, entgegnete der Pfarrer; „und ich habe daher immerdar mit aller meiner Kraft meine Zunge dagegen erhoben, und mein Herz ist freudig, zu sehen, wie die Saat, die ich ausgesäet, bereits ihre guten Früchte trägt.“ Der Pfarrer war mit den letzten des Zuges aus der Kirche gekommen, und es war ihm deshalb der eigentliche Grund des von ihm belobten Ereignisses unbekannt geblieben. Die Bauern sahen ihn über seinen Irrtum verwundert an. Anders der Küster, der nebenher ging, vorlaut, oft bloß aus Naivetät, auch aus irgend einer kleinen Schadenfreude. „Herr Pastor“, rief er,„das ist eine Sache, die absolument anders ist. Der Affe, der Affe hat es gethan. Sehen Sie ihn dort mit dem Fremden? Der Mensch hatte den Burschen erklärt, er werde absolument den Affen loslassen auf den ersten, der den Bräutigam anrühren werde.“ Der Pastor wurde sehr rot vor Zorn. „Küster“, sagte er,„er gewöhnt sich selbst zu viel von einem Affen an. Das schickt sich nicht für ihn.“ Man war dem Hofe nahe gekommen. An dem Heck stand Peter Langenkamp und die Burschen, die mit ihm den Zug verlassen hatten. Sie waren wirklich alle mit ihren Gewehren versehen. Aber sie gebrauchten sie nur, um das neue Ehepaar mit Freudenschüssen zu empfangen. Der Hochzeilstisch. Bald nach der Rückkehr des Zuges aus der Kirche begann ein sehr wesentlicher Teil der Hochzeit, der, dem fast allein alle Anstalten und Vorbereitungen zu dem Feste gegolten batten die Mittagsmahlzeit. Vorber mußte wwar. alter Sitte gemaß, noch der Lauf nach dem Brautapfe stattfinden; es wurde aber schon damals eben nur um der alten Sitte willen auf ihn gehalten; die Sympathie für ihn hatte unter den reichen Bauernsöhnen sich verloren: jetzt laufen meist nur noch die Knechte nach dem Apfel. Ich erzähle daher nur kurz den Lauf. Gleich nach der Rückkunft aus der Kirche war einer der jungen Burschen mit einem zinnernen Teller, auf dem ein großer roter Glockenapfel lag, unter den Hochzeitsgästen umhergegangen. Er hielt jedem den Teller hin, indem er bloß sagte:„Der Brautapfel". Jeder steckte dann ein beliebiges Stück Silbergeld in den Apfel. Als der Apfel, so voll war, daß auch kein Mariengroschen mehr hineingesteckt werden konnte, rief der Bursche mit lauter Stimme:„Der Brautapfel ist fertig". Er begab sich nun auf die Wiese hinter dem Bauernhause, wohin alles ihm folgte. Am Ende der Wiese war ein Pfahl aufgestellt, auf dessen Spitze wurde der Brautapfel gesteckt. Ihm gegenüber, in einer Entfernung von einigen hundert Schritten, stellten sich die jungen Burschen auf in einer langen Reihe, zum Wettlauf nach dem Apfel. Wer ihn zuerst erreichte und von dem Pfahl herunterlangte, dem ward er mit seinem Inhalt zum Eigentum. Der Gastebitter war auch hier der Unentbehrliche. Er gab das Zeichen zum Ablauf; er war Kampfrichter, wenn Streit entstand. Heute sollte an den Lauf sich ein kleines Abenteuer anschließen. Die jungen Burschen warteten auf das Zeichen des Gastebitters. In ihrer Mitte stand Peter Langenkamp. Er machte auch hier den Renommisten. Der vierschrötige Mensch hatte in der That nicht bloß das größte Maul, er hatte auch die längsten Beine. Der Apfel schien ihm daher gewiß zu sein; er selbst glaubte das, und er sprach es auch laut und frech genug aus. Der Gastebitter kommandirte:„Los,. Wie das wilde Heer brachen die Burschen los. Peter Langenkamp war mit seinen langen Beinen an der Spitze. Wollte einer, flinker als er, an ihm vorbeilaufen, so hielt er ihn mit seinen groben Armen zurück. Der reichgespickte Brautapfel schien ihm nicht mehr entgehen zu können. Allein unter den Zuschauern stand der Fremde mit den beiden Tieren. Als der eine Weile zugesehen hatte, schnalzte er leise mit der Zunge, zeigte nach den langen Siegesbeinen von Peter Langenkamp und rief seinen Tieren zu:„Auf ihn!" M„ Da flog schnell wie ein Pfeil der große kluge Hund nach den Wettlaufenden, direkt auf Peter Langenkamp zu, und der Affe, der auf seinem Rücken saß, richtete sich zum raschen Sprunge hoch in die Höhe, und in dem Augenblick als der grobe Bauernbursche seine Fäuste nach dem Apfe ausstrecken wollte, saß ihm der tückische Affe im Nacken und zerzauste ihm das Haar, und Peter Langenkamp bekam einen solchen Schrecken, daß er der Länge nach auf der Wiese hinschlug. Ein anderer erhielt den Apfel. (Fortsetzung folgt.) Flnanzverhältnisse“ absolut nicht an einem Mangel an Einnahmen, sondern in einer Vermehrung der Ausgaben begründet sind, die um so härter zu wirken beginnen, als die nötigen fruchtbringenden Ausgaben ganz unerträglich beschränkt und in ihren längst bewilligten Raten und Posteu von Jahr zu Jahr hinausgeschoben werden. Lagen doch s. Z. bei den verschiedenen Ministerien etwa 600 millionen und anfangs dieses Jahres noch 323 millionen unverbrauchte Kredite vor!“ Provinzielles. — Dortmund, 5. Juli. Ueber den vom inrather Männergesangverein in Krefeld veranstalteten GesangwettKreit, wo bekanntlich der„Dortmunder Liederkranz“ in der ersten Klasse den 3. Preis errang, schreibt die„Krefelder Zeitung" u. a. folgendes: Der„Dortmunder Liederkranz“ stach am Sonntag mit seinem trefflichen Vortrage des Rietzschen Morgenliedes wohlthuend von den Ruhrortern ab. Auch seine zweite Darbietung„Im Frühling“ von Brambach war lobenswert.— Ueber das am Montag stattgefundene Prima=vista=Singen bemerkt dieselbe Zeitung mit recht folgendes: War bei dem Wettstreit, wie üblich, lediglich die Güte der Leistung maßgebend, so war bei dem folgenden Preissingen insofern eine Neuerung getroffen, als es sich um eine in vorgeschriebener Zeit zu ssende Aufgabe handelte. Den beteiligten Vereinen— es waren die am Tage vorber preisgekrönten Vereine der 1. Klasse— wurde zwei Stunden vor der Aufführung ein neuer, eigens für diesen Zweck von Herrn Musikdirektor Müller=Reuter komponirter Chor überreicht, der also in dieser Zeit zu studiren und„herauszubringen“ war. Wir sagen gleich, daß wir von dieser Neuerung keineswegs erbaut sind. Welchen Sinn hat eine solche GesangesSchnellpresse? Für Vereine, die auf einer gewissen Höhe musikalischer Bildung steben, mag es vorübergehend interessiren, sich in der„Fixigkeit“ zu messen; für alle sonstigen Vereine aber kann und darf der Ehrgeiz nur darauf gerichtet sein— um mit Onkel Bräsig zu reden— sich in der Richtigkeit, nicht in der„Fixigkeit“, einander über zu sein. Ist gegen die Gesangwettstreiterei ästhetisch schon manches einzuwenden, so muß gegen eine Uebertragung der Prinzipien des Pferderennens auf die Gesangeskunst erst recht Einspruch erhoben werden. Nicht daß wir gegen den„Inrather Männergesangverein“ wegen dieser Veranstaltung einen Vorwurf erheben wollen— er hat es gewiß gut gemeint; aber wir möchten doch beizeiten im Namen aller Freunde eines schönen Männergesangs das sagen, was über diese Versuche gesagt werden muß. Das Ergebnis des gestrigen„Schnell=Wettsingens“ gibt uns jedenfalls recht. Der von Herin Musikdirektor MüllerReuter komponirte Chor:„Der Troubadour“ hätte ein besseres Schicksal verdient, als ihm gestern bereitet wurde. Es ist allerdings richtig, daß diese Komposition auch von einem hervorragend musikalisch geschulten Verein in zwei Stunden kaum in genießbarem Zustand herausgebracht worden wäre, dazu wich sie doch zu sehr von der einfachen Liedform ab; andererseits muß man aber dem Komponisten recht geben, wenn er sich sagte, daß die Sache gerade dadurch zu einer wertlosen Spielerei werden müßte, wenn den Vereinen die zu bewältigende Aufgabe bequem gemacht würde. Das Ergebnis war bezeichnend. Der erste auf den Plan tretende Verein,„Harmonie"=Mülheim a. d.., sang den Chor mutig durch, aber es war sozusagen ein Sprung ins dunkle. Die Sänger werden selbst nur mit leisem Grauen an die stürmische Fahrt zurückdenken. Der zweite Verein, dei„Dortmunder Liederkranz“, trat unverrichteter Sache nach zweimaligem Ansatz ab. Zu schämen hat er sich deshalb keineswegs. Der dritte Verein,„Sanssouei“ von Essen hatte das Glück, die Aufgabe richtig zu packen. Er sang kräftig darauf los und bewältigte auch die schwierigen Stellen annehmbar, so daß wenigstens die gefällige Melodie zur Geltung kam. Das Preis richterkollegium, bestehend aus den Herren Bahnen, Musikdirektor Müller=Reuter, Prömpler, Tüffers und königlicher Musikdirektor Oertling, bezeichnete die Leistung der essener Sänger als die relativ beste und somit wurde ihnen der Kaiserpreis zuteil. Das Publikum, in drangvoll fürchterlicher Enge, verfolgte dieses Wettsingen mit großer Spannung und spendete reichlich Beifall. Mancher mag aber das Gefühl gehabt haben, einem Sport beizuwohnen, bei dem nur noch fehlte, daß regelrecht auf den Ausgang gewettet worden wäre. Wir wiederholen: lasse man alle Veranstaltungen von fragwürdigem Nutzen beiseite und lege Wert darauf, durch einen gut geschulten Gesang sich selbst und andern Freude zu bereiten. Das ist das einzig wünschenswerte.— Wie wir von einem Mitgliede des „Dortmunder Liederkranz“ erfahren, mußten dieser und der mülheimer Verein von—5 Uhr üben, worauf ihnen die Noten weggeholt wurden, während der essener Verein von 4 bis nach 6 Uhr probte. Zwischen der Zeit des Auftretens(gegen ½8 Uhr) lagen also bei dem dortmunder und mühlheimer Verein fast volle 3 Stunden, wohingegen der essener Verein nach nur kurzer Zeit auftrat, sodaß also das eingeübte noch im vollen Gedächtnis sein mußte Wäre der dortmunder Verein gleich nach 5 Uhr aufge treten, so hätte derselbe, wie dieses die der Probe bei wohnenden Obmänner bekundeten, das Lied gut durchge sungen. Jedenfalls wäre es richtiger gewesen, wenn die Zeit der Einübung eine gleiche gewesen wäre. § Am Mittwoch ist unser bekannter Mitbürger Herr Generaldirektor Daniel Hilgenstock, der frühere technische Leiter des hörder Bergwerks= und Hüttenvereins, in Wies baden, woselbst er zur Kur weilte, plötzlich verstorben. b Infolge eines Fehltritts stürzte der Bra uereiarbeiter Gogrewe auf einen Querbalken und zog sich dadurch eine nicht unerhebliche Rückenverletzung zu. a Camen, 4. Juli. In der heute nachmittag abgehaltenen Konferenz hielt Herr Lehrer Otten=Schwerte einen sowohl inhaltlich äußerst gediegenen als auch form vollendeten freien Vortrag über Konferenzen. Derselbe gefiel allgemein so sehr, daß man, um seinen Eindruck nicht abzuschwächen, auf jede Besprechung verzichtete und einmütig den Wunsch aussprach, den Vortrag bald gedruckt zu sehen. Es würde nur ein schwaches und schlechtes Bild geben, wollten wir hier etwas aus demselben erwähnen, wir bringen deshalb nur die Leitsätze: 1. Bedeutung und Zweck der Konferenzen: a) die Konferenzen dienen der beruflichen Fortbildung sowie der Pflege der Kollegialität. b) Diese Ziele sind nur bei ernster Arbeit sämtlicher Teilnehmer zu erreichen. Arbeitsgelegenheit bieten Lehrproben und Vorträge. 2. Die Erreichung der Ziele: a) Mit jeder Konferenz ist eine Lehrprobe zu verbinden. b) Die Vorträge sind thunlichst frei zu halten. c) Die Vorträge behandeln in angemessener Abwechselung Fragen aus dem Gebiete der Erziehung und des Unterrichtes, pädagogische Zeitfragen und pädagogische Lebensbilder. d) Die Leitsätze des Vortrages sind vor dem Halten desselben in geeigneter Weise bekannt zu geben. e) Der Vorsitzende der Konferenz bezeichnet als Leiter der Debatte zunächst das Ziel derselben, leitet sie an der Hand der Leitsätze und hält auf rege Beteiligung. k) Der Vorsitzende halte in geeigneten Zwischenräumen selbst einen Vortrag. g) Die Bedingungen einer fruchtbringenden Debatte sind: Allseitige Beteiligung, praktische Richtung und sachliche Erörterung. Münster, 4. Juli. Leichensund. Gestern abend um 6 Uhr wurde die Leiche des ertrunkenen Malergehülfen in einer Entfernung von 20 Meter von der Wersebrücke durch den Gendarm Wertmann und Polizeidiener Schlüter von Mauritz gefunden. Der Verunglückte ist ungefähr 19 Jahre alt, ist aus Berlin und einziger Sohn einer Witwe. Nach Aussagen seiner Begleiter war derselbe im Begriffe, sein einziges Hemd zu waschen, wobei er das Gleichgewicht verlor und kopfüber in den Strom fiel. Sein Kollege, welcher ihm nachsprang und fast eine Viertelstunde tauchend nach ihm suchte, fand ihn verstrickt. Es sei hiermit warnend aufmerksam gemacht, in der Werse nur an Badestellen zu baden, da die Werse durch die Schlingpflanzen zu einem recht tückischen Wasser geworden ist. Der Verunglückte wurde per Wagen nach Wolbeck geschafft. Altendorf, 2. Juli. Wehende Fahnen, belebte Straßen, Musik und Festzüge— das war das Bild, was unsere große Gemeinde gestern bot. Galt es doch, wie die„Ess. Vztg.“ schreibt, nicht weniger denn vier Kriegerfeste zu feiern und zwar auf Kronenberg, in Altendorf, auf Amalia und in Frohnhausen. Hinzu kam das Fest der Eröffnung unseres neuen Schlachthofes, welches wohl die meisten Schaulustigen angezogen hatte. Vom Rathause aus bewegte sich gegen 4½ Uhr der Festzug mit zwei Musikchören, über die Kolonie Kronenberg zum Schlachthof. Vorauf ritt in altdeutscher Tracht ein Herold, das Wappenschild der Fleischer stolz in seiner Rechten. Dann folgten der Gemeinderat und die Beamten des Schlachthofs per Wagen. Hieran schlossen sich die Handwerksmeister, welche für das Schlachthaus Arbeiten geliefert haben. Ein mächtiger Ochse, ein Stier und eine Kuh trotteten, von Gesellen und Lehrlingen geführt, hinterdrein, festlich bekränzt zu ihrem letzten Gange. Hiermit war der Zug zu ende und jeder fragte erstaunt nach den meist Interessirten, nach den Metzgern. Nach Verlauf einer Viertelstunde erst ertönte wieder Musik und die Langersehnten— welche infolge von Mißverständnissen zurückgeblieben waren— kamen stolz heranmarschirt, an ihrer Spitze vier Vorreiter. Es waren in diesem Zuge vertreten die essener Metzgerinnung, die altendorfer Metzger, in Buchführung, Schnellschönschreiben, Praktischen Comp toirwissenschaften 2c. werden hier gegen Ende Juli eröffnet. Ausführliche Prospekte kostenfrei in der Krügerschen Buchhandlung. Levor, Privatdocent. Decorationen, Festgrüße, Inschriften 2e. für alle nur denkbaren Festlichkeiten, dauerhaft auf Leinewand, liefert 7854 Louis Middendorff, Lütgenbrückstrasse 8, Papier= u. Schreibwarenhandlung, — Buchbinderei. RE TEEE E e Sa HETAERA LHAEN T e I RIAWE M W Tür Haustelegraphie! Elektrische Anlagen iss unter Garantie billigst. Wilh. Maess Optiker, Westenhellweg 50. Pyrmonter Loose a 1 Mk. Ziehung 12. Juli. Liegnitzer Loose a 1 Mk. Ziehung 16. Juli. Gewinn beider Lotterien mit 90 Proz. baar zahlbar. Detmolder Loose à 1 Mk. Ziehung 20. Juli. Obige Loose sind noch vorräthig bei[9169 Schulte& Bartels, Brückstr. 35. ben Kochsalz-, Stahl- u. Schwefelquellen. Gasreiche Sprudelvoll- u. Sitzbäder. Gas- u. 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Vertreter: Heinrich Hempelmann, Dortmund. s 1708 zwei Metzger=Gesellenvereine von Essen in heller Jacke und weißer Schürze, sowie ein Festwagen mit der Devise „Auf zum Schlachthof“, auf welchem eine Anzabl Fleischer in ihrem Arbeitskostüm platz genommen hatten. Nicht vergessen wollen wir aber die zwei Wagen mit der Zukunftsinnung, nämlich den Knaben und Mädchen der Metzgermeister, wovon die ersteren auch im Metzgeranzug glänzten, während die letzteren weiß gekleidet waren und ein Schäfchen in ihrer Mitte hatten. Am Schlachthof angekommen, wurden seitens des Herrn Baumeisters dem Herrn Bürgermeister die Schlüssel überreicht. Gewerbliche und soziale u Husumer Fettviehmarkt vom 4. Juli. Die Gesamtzutrifft zum heutigen Fettviehmarkt betrug einschließlich des gestrigen Vorverkaufs, der auf 266 Stück festgestellt ist, 1014 Stück Hornvieh. Im Vorverkauf verlief das Geschäft ruhig. Heute in der Frühe fand lebhafter Handel statt. Derselbe geriet später etwas ins Stocken und wickelte sich von da an bis zum Schluß schleppend ab. Bezahlt wurde diese Woche für I. Qual. 60—63 M. II. Qual. 54—57 M, III. Qual. 46—49 J pro 100 Pfd. Schlachtgewicht. Der Markt wird nicht völlig geräumt.— Am Schafmarkt standen 739 Schafe und Lämmer zum Verkauf. Bei lauer Nachfrage vermochten die vorwöchentlichen Preise sich nur mit Mühe zu behaupten und waren Käufer im Vorteil. Eine Preisreduktion machte sich jedoch nicht bemerkbar. Gute fette Schafe bedangen 50—, desgleichen Lämmer 55—60 c das Pfund Fleischgewicht. Der Auftrieb wurde nicht völlig ausverkauft. Ausgeführt wurden nach Hamburg 300, Berlin 200, Kiel 40, Elmshorn 17, Lunden 35 und Oldesloe 15 Stück Schafe. — So weit sich hat ermitteln lassen, sind an Hornvieh gekauft für den Rhein 550—600, Rendsburg 15, Schleswig 20, Friedrichstadt 8 Stück. Meyer zu Astrup, Vehrte. Kl. Nordhaus, Hörne Lewedag, hier.. leischmann, hier 10,0 Hünefeld, hier 10,0 Fr. Finkhaus, Westholzhausen..1 6,6 Vermischtes. — Vom Besuche Kuserer Kaiserin in Schleswig=Holstein berichtet der„Tgl. Rdsch.“ eine Leserin aus Eckernförde folgendes:„Immer sind es reizende Tage, wenn die geiebte Kaiserin auf dem Wege zu ihrer Schwester, der Frau Herzogin auf Grünholz, unsere kleine Stadt streift. Da herrscht keine Etikette, man merkt es, sie fühlt sich als Landeskind unter Landeskindern. Hier gibt es keine berittenen Schutzleute, keine gesperrten Wege, keine Begleiter des Wagens. Alt und Jung steht am Wege, Freude auf edem Gesicht, und jubelt der anmutigen Landesmutter zu; Kinder werfen froh ihre Blumen in den Wagen, und froh werden sie empfangen. Als am 27. v. M. bei der Segelregatta die„Hohenzollern“ unter stolzer Kaiserflagge aus dem kieler Hafen in die eckernförder Bucht einfuhr, ließ sich die Kaiserin nur in Begleitung des Herrn v. Seckendorf nebst Gemahlin an der äußersten Ecke der Landschaft Schwansen ans Land setzen. Ihre Majestät beabsichtigte von da den, wie sie meinte, nicht sebr langen Weg nach Grünholz zu Fuß zurückzulegen, um ihre Schwester zu überraschen. Da treffen die drei Wanderer Herrn Schartau, den Pächter eines kleinen Gutes— Bookniß—, das an der östlichen Spitze Schwansens liegt, einen ehrlichen, zlattdeutschen Landmann, den sie fragen, ob es gar weit ei nach Grünholz. Erstaunt blickt der sie an und sagt: „Dar wöllt Se to Fot hen? Denn söllt Se noch arig chweeten(schwitzen). In en par Stünn' kamen Se nich hen.“— Ja, was machen wir dann aber?“—„Mien Peer sünd man all int Heu. Awer wenn Se dat recht s, ick heff noch sön lütten Stohlwagen, da kann ick dat Botterpeerd vörspann“. Das war den Herrschaften recht, und Herr Schartau fuhr sie selbst auf ihren Wunsch bis „Vogelsang“, einem Wirtshause, von wo sie die letzte Strecke zu Fuß gingen. Hinten auf dem Stuhl die beiden Damen, bei ihm vorn Herr v. Seckendorf.„Uennerwegens“ — so berichtete Herr Sch. meiner Schwester—„frag der Herr mi, ob ick ok wüß, wen ick föhren de? Und säh mi denn, dat dat uns Kaiserin wär. He nenn Ehr awer ümmer„Majestät“, un mi dich, dat mut doch Majestätin heten. Ick kreeg denn noch en 20=Markstück, dat kunn ick ja nich gut torüg wiesen, Se meenen wull, ick war mien Kutscher". — Königsberg, 30. Juni. Ueber einen entsetzlichen Unglücksfall, der sich auf dem hiesigen Viehmarkt ereignete, liegen jetzt nähere Nachrichten vor. Danach führten zu jener Zeit zwei Faktore eines Färbereigeschäfts auf einem Handwagen zwei mit Benzin gefüllte Glasballons über den Platz. Plötzlich zerbrach dicht an mehreren Kürschnerbuden der eine der Ballons und der Inhalt ergoß sich über das Straßenpflaster. Da begingen zwei halbwüchsige Burschen den nichtswürdigen Buben streich, das Benzin mittels eines Streichholzes anzuzünden. Im Augenblick war der ganze Erdstreifen, über den sich die Flüssigkeit Soxhlet Milch=Kochapparate, complet und alle Theile einzeln. 8558 Schulzes Sterilisir=Apparate für Kindermisch. Hugo Brabänder, Brücstr. 50. verbreitet hatte, ein Feuermeer. Der Platz war## Menschen wegen des Marktes dicht besetzt. Alles rann. davon, eine ungeheure Panik entstan. Indessen gelang es den meisten, ohne größere Beschädt. gungen davonzukommen. Nur eine Marktbesucherin, die sich plötzlich von Flammen umringt sab, vermochte nicht mehr zu entfliehen. Das Feuer erfaßte ihre Kleider, it Hülfe zu bringen war unmöglich und vor den Augen de entsetzten Zuschauer fand die Frau den Flammentod. Alz es gelang, an sie heranzukommen, sah man bereits eine gräßlich entstellte, fast verkohlte Leiche. Während dieses schreckliche geschah, hatten die Flammen schon die Kürschnerbuden erfaßt, wo sie reichliche Nahrung fanden. Im Augenblick waren drei Buden mit dem gesamten Inhalt bis auf den Grund eingeäschert. Die Eigentümer konnten kaum das Leben durch schleunige Flucht retten. In die eine Bude war gerade das vier Jahre alte Töchterchen des Kürschnermeisters Braun zum Besuch des Vaters gekommen Die Kleider des Kindes gerieten ebenfalls in Brand und ehe es gelang, die Flammen zu löschen, hatte die Kleine schon so schwere Brandwunden davongetragen, daß wenige Aussicht ist, die Verunglückte am Leben zu erhalten Besonnene hatten inzwischen die Feuerwehr gerufen, die das Feuer löschte und so weitere Ulglücksfälle verhütete Die Persönlichkeit der verbrannten Marktbesucherin## sich noch nicht feststellen lassen. Leider ist es auch nicht möglich gewesen, die beiden Burschen, die das Benzin in Brand gesetzt haben, zu ermitteln, da sie im Marktgewühl spurlos verschwunden sind. Sprechsaal. (Für Artikel unter dieser Rubrik ist die Redaktion dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich.) Die osnabrücker Polizei läßt wiederholt die zum Verkaufe gebrachte Milch untersuchen und veröffentlicht die Resultate wie folgt: .0 .0 .5 3,1 28 29 36 .15 26 Künne, hier(Hausverkauf) 1 6,5[3,0 11,6 W. Maug, hier (Hausverkauf) 8,5 4,3 12,9 W. Klute, hier (Hausverkauf)(10,0[2,8(11,3 Fr. Damm, hier.410,0 3,8 12,5| Sollte sich eine derartige Einrichtung nicht auch für Dortmund empfehlen. 11,98 11,75 11,74 12,33 11,8 10,1 17° 0 18° 15° Resultate. 18° 17° 18° 14° Gute Milch. Normale Milch, schnellgerinnend. Normale Milch, schnellgerinnend. Gute Milch. Gute Milch. Abnormale Milch. Normale Milch. Gute Milch. Normale Milch. Gute Milch. Küppers Kraftbier ärztlich empfohlen, stärkt den Magen, belebt den Appetit, hebt den Stoffwechsel, fördert die Ernährung des Körpers u. bildet daher für Gesunde, Verdauungsschwache, Nervöse, Magen= und Darmleldende, s. a. chronische Kranke der verschiedensten Art, Wöchnerinnen, Kinder u. Reconvalescenten, ein beliebt., bewährt. Haus- und Genussmittel Besond. 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Dortmunder Zeitung „ verbunden mit dem Anzeigen=Annahme: Erscheint wöchentlich Vierteljährliche Bezugsgebühr 2 M. 25 Pf., durch die Post bezogen 2 M. 50 Pf. Ankündigungs-Gebühren die einspaltige Grundzeile im Allgemeinen 20 Pf., für Arbeitsmarkt und Wohnungs=Nachweis 15 Pf. Dortmunder Amtliches Kreisblatt für den Anzeiger. Anzeigen=Annahme: Weberstraße 2. Druckerei und Geschäftsstelle: Mönchenwordt 2. Verantwortlicher Redakteur: Rud. BersenDrucker und Verleger: Stadt= und Landkreis Dortmund.“ e lungs=Nachweis 10 Pj. Sonntags=Beilage:„Für Haus und Hof“, Blätter für Unterhaltung, gewerbliches und soziales Leben, Haus= und Landwirtschaft. Fernsprecher Nr. 181.— Postzeitungs-Preisliste Nr. 1875.— Fernsprecher Nr. 181. G Deutschland. Berlin, 5. Juli. Die Botschaft des Präsidenten der französischen Republik. Die Botschaft, mit der der neue Präsident der französischen Republik vor die französische Nation getreten ist, hat einen weit allgemeineren Charakter, als von dem energischen und„autoritären“ Casimir=Perier erwartet worden war. Es fehlt ihr zwar nicht an einzelnen Wendungen, die bekunden, daß er ungleich seinem Vorgänger mehr sein möchte, als der Knopf auf der Kirchturmspitze. Er spricht von seiner Stellung als Oberhaupt des Staates und bezeichnet es als seine Pflicht, die iym von der Verfassung anvertrauten Rechte weder verkennen noch irgendwie verkümmern zu lassen. Aber das ist doch nur der Rahmen, der das Bild der neuen Präsidentschaft fassen soll! Was dieses selbst bringen wird, darüber werden nur Andeutungen gemacht, die vieldeutig sind, wie stets bei derartigen Gelegenheiten. In den monarchischen Kreisen, die sich trotz der letzten Wahlen wieder kräftiger in Frankreich bei dem plötzlichen Präsidentschaftswechsel geregt haben, hat man in Perier den Monk der französischen Republik erkennen wollen und diese Hoffnungen mit dem Hinweis auf den Großvater des jetzigen Präsidenten begründet. Wohl um diese Deutungen abzuwehren, hat Herr Perier von der neuen Weihe der Institutionen der Republik, die durch seine Wahl bekundet sein soll, gesprochen, und zugleich die Versicherung gegeben, die Geschicke der Republik nach sieben Jahren anderen Händen zu übergeben. Was er sonst, an Montesquieu sich anlehnend, über die beiden Hauptaufgaben der Republik gesprochen hat, braucht hier nicht weiter berührt zu werden. Für uns sind von rößerer Bedeutung die Bemerkungen über die auswärtige Lolitik. Auch hier werden aber nur allgemeine, vorsichtige, edewen vieldeutige Redewekdungen gebraucht. Frankreich, das seiner selbst sicher sei, das auf seine Armee und seine Marine vertrauen könne und das soeben von den Regierungen und Völkern einstimmige rührende Beweise der Sympathie erhalten habe, könne erhobenen Hauptes seine Liebe zu einem seiner selbst würdigen Frieden versichern. Wir nehmen an, Herr Perier habe sagen wollen, daß Frankreich gegenwärtig diesen seiner selbst würdigen Frieden sitzt. Aber die Worte sind so gewählt, daß sich ein Widerspruch auch nicht ergibt, wenn einmal die Entdeckung gemacht werden sollte, daß dieser Frankreichs nicht mehr würdig ist. Aber so sind nun einmal die Franzosen. Der Bruder eines der beiden begnadigten Spione schreibt in dem Organe Clémenceaus, der„Justice", daß trotz der Vorgänge der letzten Tage„in der Stellung der beiden Nationen nichts geändert sei; denn leider blieben die Ursachen der Spaltung.“ Wenn im sozialistischen Lager die Wahl Periers mit lärmendem Widerspruch begrüßt wurde, so wird das begreiflich erscheinen. Herr Perier versichert, die Republik werde fortdauernd bestrebt sein, in materieller und moralischer Hinsicht das Beste zu suchen, die nationale Bethätigung fruchtbarer Gedanken und edler Leidenschaften, das reine Wesen einer Regierung zu sein, welche den unverdienten Leiden gegenüber nicht unempfindlich sei, und deren Mitglieder die niemals täuschen würden, die nichts anderes als Hoffnungen haben könnten. Das sind gegenüber der notorischen Korruption, wie sie durch den Panama= schwindel bloßgelegt ist, und gegenüber den aus dem Sozialismus doch auch für Frankreich drohenden Gefahren zu abstrakt gewählte Phrasen, als daß sie einen lebendigen Eindruck machen könnten. Alles in allem genommen: wir haben keinen Anlaß, besorgt und unzufrieden darüber zu sein, wie der neue Präsident der französischen Republik an sein schweres Amt herangetreten ist; aber über die Bedeutung der Wandlung, die sich jetzt in Frankreich vollzogen hat, werden wohl erst die nächsten Monate oder Jahre vollen Aufschluß bringen können. Redemptoristen und Jesuiten. Wie jetzt berichtet wird, hat der Bundesrat dem Antrage Baierns auf Wiederzulassung der Redemptoristen bereits zugestimmt, dagegen soll die Ablehnung des Reichstagsbeschlusses wegen Aufhebung des Jesuitengesetzes zu erwarten sein. Der Antrag Baierns hat nahezu drei Jahre im Bundesrat geruht. Als er eingebracht ward, galt er vielfach als ein Beschwichtigungsmittel des Kultusministers v. Müller für die baierischen Klerikalen. Im Ausschuß des Bundesrats wurden nochmalige Erhebungen über die Zugehörigkeit der Redemptoristen zu den Jesuiten für notwendig erachtet. Ihr Ergebnis kennen zu lernen, würde bei der sorgfältigen Prüfung der Angelegenheit im Jahre 1873 doppelt von Interesse sein, wenn sich die Meldung von der Wiederzulassung der Redemptoristen wirklich bestätigen sollte. In Deutschland hatte der in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts von dem Neapolitaner Alfonso Maria de Liguori(daher auch der Name Ligorianer) begründete Orden nur geringe Verbreitung gefunden. König Ludwig, der den eifrigsten Förderer des Ordens, Hofbauer, persönlich kennen gelernt hatte, berief, nachdem er 1839 der Heiligsprechung Liquoris beigewohnt, 1841 die Redemptoristen an den bekannten Wallfahrtsort Altötting. Im Jahre 1846 genehmigte er eine zweite Niederlassung an dem Wallfahrtsort Vilsbiburg. Aber schon 1848 erschien ein Ministerialerlaß, worin es hieß: Seine Majestät habe die Ueberzeugung gewonnen, daß die Redemptoristen, wie die Erfahrung lehre, sich für Baiern nicht eigneten; ihr Haus in Altötting sei daher aufzulösen. Kurz darauf dankte der König ab; die Redemptoristen blieben, und König Max 2. genehmigte 1857 eine dritte Niederlassung in Gars. Außerdem hatten sie bis 1873 noch vier kleinere Stationen in Baiern errichtet, die letzten, wie es scheint, ohne die erforderliche gesetzliche Genehmigung. Denn Minister Lutz teilte 1874 mit, daß, als Verhandlungen über die Auflösung der Ordensniederlassungen gepflogen wurden, das Ministerium noch nicht einmal alle gekannt habe. In Preußen siedelten sich die Redemptoristen zuerst 1849 zu Koblenz an, gaben aber diese Station bald wieder auf. 1859 grindeten sie ein Haus zu Aachen. Außerdem hatten sie bis 1873 Häuser zu Trier, zu Bochum, zu Hamikolt in der Diözese Paderborn und zu Bornhofen in der Diözese Limburg(Nassau). Der weibliche Orden der Redemptoristinnen, der gleichfalls von Liquori zur Erziehung von Mädchen aus vornehmen Familien gestiftet wurde, hat in Deutschland keine und auch sonst nur geringe Verbreitung gefunden. Berlin, 5. Juli. Ahlwardt erweitert seine Angriffsfront: Anfangs hieß es nur: gegen die Juden, dann: gegen Juden und Junker, neuestens: gegen Fürsten und Pfaffen, Junker und Juden, und Geldbürgertum. Die „Germania“ fragt sich zwar, ob es angebracht sei, sich mit diesem Manne und seiner Agitation zu befaffen:„aber“ — so meint sie—„wir haben die Sozialdemokratie die stärkste Partei in Deutschland werden sehen; wir haben eine Anzahl Anarchisten in Deutschland und, was wir Deutsche so leicht vergessen, auch schon anarchistische Attentate hinter uns(in Stuttgart, Elberfeld, Frankfurt a. M. die Ermordung des Polizeirats Rumpf durch Lieske 2c.) ja, das scheußlichste aller anarchistischen Verbrechen, das überhaupt in der Welt geplant worden ist, war in Deutschland schon der Ausführung nahe: wenn nicht Regen die Zündschnuren unwirksam macht, dann waren bei der Enthüllung des Niederwalddenkmals Kaiser Wilhelm., die deutschen Fürsten, Minister, Generale, Abgeordneten in Gefahr, in die Luft gesprengt zu werden; wir haben Gefahr, in die Luft gesprengt zu werden; wir haben ferner eine antisemitische Bewegung zumteil mit verwerflichen Ausschreitungen entstehen sehen, und ein Ahlwardt konnte noch bei der letzten Reichstagswahl zwei der festesten konervativen Wahlkreise erobern, Arnswalde und Neustettin, rüher die Sitze der bedeutendsten konservativen Vertreter, des kernigen ehrenfesten Meyer=Arnswolde, des Bismarckchen Faktotums Wagner=Neustettia. Wir haben die landwirtschaftliche Bewegung zumteil die unreifsten bezw. denschaftlichsten Formen annehmen, in Demogagie ausarten und ihre Spitze gegen den Kaiser und König richten seben, und auch in einigen katholischen Wahlkreisen richtete die Bauernbewegung ihre Spitze gegen Geistlichkeit und Adel und Regierung und Beamtentum“. Weiter sagt dann das Vlatt von Ahlwardt:„Gerade während er vor anderthalb Jahren seinen JudenflintenProzeß hatte, stand er zum erstenmale in Arnswalde zur Wahl und kam in die Stichwahl; die am 8. Dezember 1892 im berliner Tivoli zur Aufstellung ihres neuen Programms versammelten Deutschkonservativen brachten dem vor Gericht stehenden Manne Ovationen; bei der unmittelbar darauf folgenden Stichwahl traten ein Landrat und andere angesehene Konservative in öffentlichem Aufruf für Ahlwardt ein; nach der Wahl wurde er in Stadt und Land des Wahlkreises als Triumphator empfangen, weißgekleidete Mädchen streuten ihm Blumen, Prediger und Ortsvorsteher hielten Anreden an ihn". Dann wird folgende Stelle aus Ahlwardts„Bundschuh“ vom 12. Juni, welches Organ an seiner Spitze das Motto trägt:„Wenn die Reform versäumt wird tritt der Umsturz in kraft“, zitirt:„Der natürliche, aller dings noch wenig entwickelte, aber auch noch unverdorbenVerstand der Massen befaßt sich nur mit Thatsächliche keiten. Die wirtschaftliche, politische und religiöse Knech: tung ist eine immer deutlicher in das allgemeine Bewußtsein getretene Thatsache. Die ursprünglichen und no# jetzt ziemlich uneingeschränkten Machthaber, wie Fürsten, Junker, Pfaffen, zu denen sich in neueren und neuesten Zeiten das liberale, mit Hebräern reichlich durchsetzte Geldbürgertum und Händlertum gesellt hat, haben es an Reden nicht fehlen lassen, daß ihnen das Wohl der Massen am allermeisten am Herzen lage. Sie haben auch dadurch zuzeiten ihren Zweck erreicht, denn zu arbeitslosen Machthaberschaften ist eine arbeitende und unwissende Menge unerläßlich. Nach und nach sind jedoch die Massen durch die in einigen Generationen gemachten thatsächlichen Erfahrungen dahinter gekommen, daß die Sorge jener machthabenden Gesellschaftselemente um das Massenwohl eitel Heuchelei und Betrug und es jenen Elementen nur darum zu thun sei, sich ein willfähriges für sie Werte schaffendes Arbeitertum zu erhalten“. So Ahlwardt, nachdem er, seiner eigenen Angabe nach, während seines fünfmonatlichen Aufenthaltes in Plötzensee die soziale Frage„studirt“ hat! Die„Germania“ aber bemerkt zu dem allen:„Ahlwardt besitzt jetzt nach Ausweis seiner Wochenschrift auch ein Programm. Er ist nicht von ihm selbst, denn dazu ist er zu unbedeutend; seine Stärke ist nur die rasche Aneignung und die demagogische Kraft der Verwertung. Ahlwardt ist auch nicht Sozialdemokrat geworden, sondern religiös, wirtschaftlich sozial und politisch Dübringianer. Und in Eugen Dühring steckt allerdings eine geistige Kraft, und die in den letzten Jahren immer mehr hervortretenden Versuche, seine rein materialistischen Lehren ins Volk zu tragen, verdienen jetzt allerdings einige Aufmerksamkeit". Dazu bemerkt die offiziöse„Nordd. Allg. Ztg.“. ist richtig, nur meinen wir, nicht erst„jetzt" verdienten diese Versuche„einige Aufmerksamkeit"; wir haben denselben recht große schon sehr lange erwiesen, von welcher Seite sie auch kommen mochten; leider aber gabs und gibts noch so manche, die ihre Freude an der hatten, und bei denen vergeblich war, ihre ernste Aufmerksamkeit auf den Kern der Sache lenken zu wollen“. Es ist schon erwähnt worden, wie das offizielle Organ der deutschen Sozialdemokratie, das Wochenblatt„Der Sozialdemokrat“, sich über die Ermordung Carnots äußerte: es nannte den Mörder Caserio einen„Politiker, der in blindem Eifer auf eigene Faust an der heutigen Gesellschaft mit dem Eisen herumkurirt, ein bedauernswertes Opfer elendester Verhältnisse". Ueber Caserios Motive könne„man denken, wie man will". Viel ungenirter aber äußert sich ein anderes Organ der Sozialdemokratie, die„Sächsische Arbeiterzeitung“. In diesem Blatte liest man:„Wäre die That aus revolutionären Gründen geschehen, die herrschende Klasse hätte keine Urache zur Entrüstung, hätte kein Recht, den Mörder zu verurteilen. Gerade die herrschende Klasse ist es, welche mit solchen Mitteln kämpft und ihre Gegner dem Schaffott überliefert. Die Hinmordung der„Anarchisten“ in Frankreich, Spanien u. s. w. ist viel gemeiner, niederträchtiger und zugleich feiger als die Ermordung Carnots. Hätte Santo seinen Dolch deshalb auf Carnot gerichtet, um sich an diesem für die Hinschlachtung Vaillants, Henrys u. s. w. zu rächen, was hätte er anderes gethan, als die französtschen Richter, die jene kranken Geschöpfe ermorden ließen? Das ist eine so unverhüllte Aufforderung, die gerichtliche Bestrafung des Mordes durch neue Mordthaten zu beantworten, wie sie überhaupt möglich ist, wenn man die Aufforderung nicht in dürren Worten aussprechen will. Zwischen Leuten, welche derart über anarchistische Unthaten urteilen und erklärten Anarchisten können wir keinen Unterschied erkennen. Das gegenwärtige deutsche Strafgesetzbuch enthält keinen Paragraphen, der sich ohne Zwang auf derartige indirekte Aufforderungen zu Verbrechen, auf die Anpreisung solcher anwenden ließe. In bloßen Strafparagraphen gegen Anarchisten könnten wir indes auch keine ausreichende Ergänzung der Waffen des Staates erblicken. Was wäre damit gewonnen, daß irgend ein als Sitzredakteur fungirender Strohmann oder daß selbst der Verfasser derartiger Artikel ins Gefängnis wandert, sofern dieselben ungehindert verbreitet werden konnten und andere ungehindert verbreitet werden? Berlin, 5. Juli. Aus Stavanger wird von heute gemeldet: Gegen 5 Uhr fuhr das Kaiserpaar auf der „Hohenzollern“ nach dem Lysesjord und kehrte gegen 8 Uhr zurück, um ohne Aufenthalt die Fahrt nach Hardangerfjord fortzusetzen. Der König von Sachsen ist heute mittag in Eisenach eingetroffen und von dem Erbprinzen von Meiningen am Bahnhofe empfangen worden. Der König nahm in Röhrigs Hotel Absteigequartier. Der Präsident des Staatsministeriums, Minister des Innern Graf zu Eulenburg, der sich am 2. d. M. von hier nach Helgoland und der Provinz Schleswig=Holstein § Don Juan.*) Novellette von Emil Peschkau. Herr Luitpold Schmiednagel, Rentier und Hausbesitzer, befand sich auf einer Schweizerreise. Er war ein untersetzter, wohlbeleidter Mann von etwas spießbürgerlichem Aussehen, aber so gut erhalten und so frisch in die Welt blickend, daß die Hotelkellner immer im Zweifel waren, ob sie das zierliche Geschöpfchen, in dessen Begleitung er reiste, mit„Madame“ oder Fräulein“ ansprechen sollten. Es war sogar schon zu komischen Mißverständnissen gekommen, die Cäcilie nicht wenig Spaß machten, während sie Herrn Schmiednagel nur anfangs erheitert hatten, dann aber immer ernster stimmten. Er war sich zum ersten male bewußt geworden, daß seine Tochter kein Kind mehr war, und in der flotten Touristen=Toilette, mit Herrenweste, Jackett und keck in das krause Blondhaar gesetztem Filzhütchen sah sie in der That so reif und verführerisch aus, daß man sie auch für eine junge Frau halten konnte. Herr Schmiednagel hing aber an dem Mädchen aufs zärtlichste, und in dem Augenblicke, da sich ihm solche Betrachtungen aufdrängten, mußte auch die Sorge in seinem Herzen erwachen. Man war von Lindau nach Bregenz gefahren, hatte den Pfänder bestiegen, dann Rohrschach, St. Gallen und Konstanz besucht, und nun ging es von Schaffhausen hinab zum Rheinfall. Auf dem Wege dortbin, der an den Gebäuden der Aluminium=Fabrik vorbeiführt, hielt Herr Schmiednagel seiner Tochter einen kleinen Vortrag über dieses interessante Metall, aber Cäcilie hörte nur mit halbem Ohr. Sie dachte an einen jungen, schlanggewachsenen Mann, mit spitzem dunklen Bartanflug, der sie an der Table’hôte in Konstanz so sonderbar angeblickt hatte und der dann auf dem Bahnhof doch nicht in.8 Coupe stieg, aus dem sie eben herausguckte. Dabei huschte bis weilen ein schalkhaftes Lächeln über ihre Lippen, ihre Suzen sahen träumerisch in die Ferne, und als Herr mit den begeisterten Worten schloß:„Dem Alti.„ gehört die Zurunft!“ da schrak sie plößzlich zusammen und fragte verwirrt:„Die Zukunft, Popak meinst Du?“ Herr Schmiednagel gab gewünschten Aufklärungen, und dann ging Bexo hinab und unter dem Tosen der gewaltigen Wassermasse weiter bis zu der Wendung des Flusses, von der aus man den Fall am besten übersiebt. Hier steht im Schatten uralter Kastanien eine Bank, und als man dieselbe erreicht hatte, ging ein jähes Zucken über das frische Gesichtchen. An dem unteren Ende dieser Bank saß, die Beine weit vorgestreckt, behaglich sein Pfeifchen schmauchend, ein Arbeiter— an dem oberen Ende saß der junge Mann mit dem schwarzen Bartanflug. Als er die beiden herankommen und Herrn Schmiednagel zogernd nach der Bank blicken sah, machte er mit einer einladenden Geberde platz, während der Arbeiter sitzen blieb.„O bitte— ich will Sie nicht berauben“, wandte Herr Schmiednagel ein. Aber der junge Mann entgegnete daß er noch hinüber nach Schloß Lauffen wolle, zog den Hut und entfernte sich. Herr Schmiednagel erwiderte den Gruß aufs freundlichste und dann sagte er mit einem weniger freundlichen Blick auf den Arbeiter, dessen Knasterwolken Cäcilie schon zum Husten reizten:„Das war doch *) Nachdruck verboten. einmal ein liebenswürdiger Mensch“. Cäcilie nickte, aber sie dachte an anderes, sie fragte sich, warum er nur wieder gleich fortgelausen war. Eine Viertelstunde später hatte sich Herr Schmiednagel auf Vorschlag seines Töchterleins entschlossen, auch hinüber nach Lauffen zu geben und dann von der Station Dachsen aus die Reise fortzusetzen. Es war ein köstlicher Sommertag, nicht heiß, die Luft noch frisch von dem letzten Gewitter, der Himmel klar, tiefblau und die Sonne warf reizende Lichter durch die smaragdgrünen Laubgewölbe und die Schaumperlen des abstürzenden Wassers. Aber Cäcilie zeigte nur wenig Interesse für die anmutigen Bilder und elbst als man unten auf dem in den Fall hinausgebauten Känzeli stand, in erschreckender Nähe des großartigen Schauspiels, mahnte sie gleich wieder zum Aufbruch. „Vor fünf Uhr können wir doch nicht fort“, entgegnete Papa, aber dann meinte sie, daß er ja noch eine Tasse Kaffee trinken wolle und daß man sich auch noch auf dem Wege da oder dort aufhalten könnte, und so jagte sie ihn von einem Punkt zum anderen, bis sie endlich wieder draußen auf der Straße nach Dachsen standen. Es war vier Uhr, noch eine Stunde Zeit bis zum Abgang des Zuges, aber in zehn Minuten hatte man den kleinen Bahnhof, der zugleich Hotel ist, bereits erreicht. Das gesamte Reisegepäck hatte Herr Schmiednagel direkt nach Zürich geschickt und jetzt war er nur mit seinem Ueberrock, seinem Opernglase, seiner Trinkflasche und seinem Regenschirm belastet. Trotzdem goll ihm der Schweiß von der Stirn und er begann— wie er sagte — seine Beine zu spüren. Als man aber in die Nähe des Hauses gekommen war, vergaß er plötzlich die Aussicht auf Ruhe, Schatten und eine Tasse Kaffee, er blieb vielmehr in der hellen Sonne stehen, neigte den Kopf ein wenig vor und lauschte. Vielleicht fünf Minuten lang — und dabei kam ein verklärter, wonniger Ausdruck in sein rundes Gesicht— und als er sich endlich wieder aufraffte und weiter ging, nickte er Cäcilie zu und sagte: „Das hat mir wieder einmal wohlgethan!“ Herr Schmiednagel war nicht bloß Rentier und Hausbesitzer, er war auch Kunstenthusiast, und was da drinnen auf dem Klavier gespielt worden, das war Musik, wie man sie nur selten zu hören bekommt: eine jener ernsten, tiefinnigen und doch süßmelodischen Weisen in der Art Palestrings. Cäcilie war jetzt geduldig neben dem Vater stehen geblieben, denn eine dunkle Stimme sagte ihr, daß der Spieler der junge Mann mit dem blassen Gesicht, den sanften Augen und dem sonderbar hübschen, schwar zen Spitzbart war. Und sie hatte sich in der That nicht getäuscht. Als sie die Thür öffneten und in das Gast zimmer traten, da schloß er das Piano, stand auf, verneigte sich grüßend und wollte gehen. Aber Cäcilie wurde plötzlich seltsam energisch.„Entschuldigen Sie“, sagte sie leicht errötend,„hier— mein Papa— mein Popa....“ und sie betonte das Wort „Pupa“ ganz auffalleno....„mein Papa ist großer Musikfreund— wir haben Sie belauscht— bitte, spielen Sie ihm noch etwas— ja?“ Der Fremde starrte sie erst verwundert, verlegen an bei dem Wort„Papa“, aber war es, als ob ein Blitz über seine Züge hinleuchtete, und nun thaute er auf, wurde gesprächig, liebenswürdig im höchsten Grade und setzte sich endlich wieder vor das Klavier und begann aufs neue zu spielen. Als um fünf Uhr der züricher Zug kam, stiegen die drei in ein und dasselbe Coupee und jedes befand sich in ichtlich gehobener C mmung. Nun nannte auch Herr Schmiednagel seinen Namen und der neue Gefährte überreichte seine Korte.„Dr. Franz Kopetzky“ stand auf derselben, und während Herr Schmiednagel sie in seine Brieftasche steckte, sagte er freundlich:„In Frankfurt haben Sie es gut getroffen. Da wohnen viele reiche Leute, da saben Sie wohl schon eine schöne Praxis?“ Dr. Kovetzky aber schüttelte lachend den Kopf. „Ich bin kein Mediziner“, erwiderte er. „Also Jurist— wohl bei Gericht?“ fragte Herr Schmiednagel. „Nur Doctor philosophiae“, war die Antwort. „Nun— die Philosophie ist ja auch eine schöne Sache. Sie verdienten übrigens Doktor der Musik zu sein, Ihr Spiel hat mir wirklich wohlgethan. Leider hört man so etwas selbst in den Konzerten nicht oft. Aber die Herren Lehrer haben wohl immer Vorliebe für die alten Meister.“ Nun lächelte der Doktor abermals.„Ich bin auch nicht Lehrer“, sagte er. „Vielleicht gar Musiker von Fach?“ „Allerdings.“ Ich bin Sänger.“ „Sänger?“, fragte Herr Schmiednagel gedehnt. „Bis vor kurzem noch Bariton des mainzer Stadttheaters— gegenwärtig in Frankfurt zur Aushülfe— und wenn es mir glückt, in bälde Mitglied Ihres Hoftheaters. Ich soll schon im September in München gastiren.“ Diese Aufklärungen hatten zur folge, daß sich die Stimmung in der kleinen Gesellschaft ein wenig änderte. Herr Schmiednagel wurde schweigsam, nachdenklich, ernst, sonderbar aufgeregt, während Cäciliens Heiterkeit sich plötzlich noch steigerte. Zuletzt bewegte sich das Gespräch fast nur noch zwischen dem Mädchen und dem jungen Mann hin und ber und Papa schien seine ganze Aufmerksamkeit dem Fortschreiten der Uhrzeiger und dem Vergleich der Stationsnamen mit seinem Fahrplan zu widmen. In Zürich angekommen, hatte er kein einladendes Wort für den Reisegenossen, aber diesem fiel es gar nicht ein, an Abschied zu denken und dann stieg er in denselben Hotelwagen, zu dem Herr Schmiednagel seine Tochter führte. Dann hieß es„Auf Wiedersehen“, aber es sollte dazu nicht kommen. Das Abendessen ließ Papa aufs Zimmer bringen und am Morgen begrüßte er das Mädchen mit den Worten:„Jo habe mich anders be sonnen— in Zürich ist nicht viel zu sehen— wir reisen gleich weiter.“ Cäcilie erbleichte und die Thränen schossen ihr in die Augen. Dann fuhr sie mit einer jähen Bewegung in die Tasche ihres Kleides und reichte dem verblüfften Vater ein Blatt Pavier. Herr Schmiednagel sah seine Tochter an, den Brief bogen und wieder seine Tochter und endlich las er das folgende: „Verehrtes Fräulein! Ich lege Ihnen mein Herz zu Füßen und ich glaube, daß auch Sie mir gut sind. Leider ist Ihr Vater mißtrauisch geworden. Ich weiß nicht, was ihn plötzlich gegen mich eingenommen hat. Ich merkte es gleich und dani sind Sie ja auch zum Abendessen nicht hinabgekommen. Das Stubenmädchen wird Ihnen dieses Blatt zustecken. Es ist in Eile geschrieben, aber ich muß Ihnen heute noch sagen, daß ich Sie liebe und daß Ihr liebes Wesen immer bei mir ist und bei mir sein wird. Wenn ich mich in Ihren Gefühlen nicht täusche, dann, teuerstes Fräulein ergründen Sie vor allem das Mißtrauen Ihres Vaters und helfen Sie mir, es besiegen. Ihr Franz Kopetzky.“ Als Herr Schmiednagel gelesen hatte, schritt er eine Weile heftig erregt durchs Zimmer, dann blieb er vor Cäcilie stehen und sagte: Kleide Dich an! Wir reisen.“ Warum, Papa?“ fragte sie zitternd, mit gefallteten händen. „Weil dieser Mensch ein Theatermensch ist. Ein Sänger, ein Bariton, ein Mädchenverführer. Aber das verstehst Du nicht,— geh, kleide Dich an.“ „Ich verstehe Dich, Papa. Das also ist es! Herr Schmiednagel fing wieder an zu marschiren. „Du verstehst mich!“ brummte er.„Diese Jugend heutzutage! O— o— o!...“. Dann, zu Cäcilie gewendet, fuhr er fort:„Nun gut. Da Du mich verstehst, wirst Du auch einsehen, welche Antwort auf diese Unverchämtheit gehört.“ Wenn Du mit ihm sprächest, Papa— wenn Du erlaubtest, daß... er würde kommen und um meine Hand bitten.“ Jetzt lachte Herr Schmiednagel auf. Dann aber wurde er gleich wieder ernst und eiferte weiter: „Du bist eine Närrin. Du würdest ein unglückliches, gequältes, betrogenes Weid werden. Aber ich, Dein Vater, ich kenne das... und ich, ich liebe Dich wahrhaft ich werde es zu verhindern wissen. Diese Menschen sind alle Don Juans... ja Don Juans. Und ich will nicht, daß Du das Opfer eines Don Juan wirst.“ „Tu verkennst ihn, Papa“, erwiderte sie sanft mit bebender Stimme.„Sieb ihm nur einmal in die Augen — die sind so gut, so ehrlich— und ein Mann, der Kirchenmusik spielt!“ Das war nichts als eine Intrigue. Die Baritons sind immer Intriganten. Erst überließ er uns die Bank— dann sagte er, daß er nach Lauffen gebe— o diese Vamphre, diese Rattenfänger, diese Dämonen... und dann dann... als das Mäuschen richtig kam, da spielte Palestrina! Kleide Dich an, Cäcilie!“ „Papa!“ Er trat zu ihr und faßte ihre Hände. „Du bildest Dir also ein, ihn zu lieben?“ „Es ist so sonderbar in mir...“ „Der Blickzdes Holländers! Laß gut sein, arme Senta, ich bin Dein Vater und ich führe Dich fort. In acht Tagen hast Du alles vergessen. Gehe und kleide Dich an „Papa!“gschmeichelte sie, ihm um den Hals fallend. Aber er blieb fest. Zehn Minuten später verließen sie das Hotel, ohne daß Dr. Kopetzky sichtbar geworden ware. und dann fuhren sie weiter— nicht nach Luzern und auf den Rigi, wie es im Plan gelegen hatte, sondern nach Genf und über den Simplon nach Italien. Herr Schmiednagel hoffte, daß die neue Welt, die sich dier dem Mädchen erschloß, ihr leichter über das Erlebte hinüberhelfen wür de, als irgend etwas anderes. Aber die gedrückte Stimmung schwand nicht so rasch und erst in Venedig wurde Cäcilie wieder heiter... nachdem sie dort im Postbureau die Antwort Kopetzkys auf ihr Brieschen gefunden hatte... (Schluß folgt.) er — * — #en hat, trifft am 8. d. M. wieder in Berlin ein Aeinen Sommerurlaub tritt Graf zu Eulenburg, der „Kreuzztg.“ zufolge, ende dieses oder anfangs nächsten Monats an und wird denselben wahrscheinlich auf Helgo land zubringen. Der deutsche Botschafter Graf Münster hat in Bad Homburg Wohnung für eine mehrwöchige Kur gemietet und wird dieser Tage dort erwartet. Wie die hiesige„Post“ erfährt, ist in dem Befinden des Kultusministers eine Besserung eingetreten und es gilt noch keineswegs für sicher, daß Herr Dr. Bosse es sich werde versagen müssen, an den Universitätsjubiläen von Königs berg und Halle teilzunehmen. Das Leiden, von welchem der Herr Minister in den letzten Tagen befallen wurde, ist eine akute Gallensteinkolik. Die Krankheit wurde im vorigen Jahre verhälnismäßig leicht überwunden; es steht zu hoffen, daß dies auch jetzt der Fall sein werde. Im August gedenkt Herr Dr. Bosse wieder nach Karlsbad zu gehen. Als Redakteure der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ zeichnen heute die Herren Dr. Griesemann und O. v. Ebren berg. Die Redaktion schreibt an der Spitze des Blattes folgendes:„Wir genügen einem persönlichen Bedürfnis und erfüllen eine angenehme Pflicht, wenn wir in dem Augenblick, wo wir die Leitung dieses Blaltes übernehmen, unserem auf seinen dringenden und leider unerschütterlichen Wunsch aus seiner Stellung geschiedenen Vorgänger, dem Herrn geheimen Kommissionsrat Pindter, für die langjährige hingebende und erfolgreiche Thätigkeit, die er an und mit der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" geübt hat, unseren wärmsten Dank aussprechen. Zu dem Ausdruck dieses herzlichen Dankes vereinigen sich die Be sitzer des Blattes mit uns. Herr geheimer Rat Pindter kann überzeugt sein, daß bei ihnen, wie in der Redaktion der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ sein Andenken allezeit in hohen Ehren gehalten werden wird". In ihrem Leitartikel bezweifelt heute die„Nordd. Allg. Ztg.“ die Opportunität etwaiger Maßnahmen gegen den Anarchismus; u. a. sagt sie:„Man hat angeregt, die Anarchisten zu deportiren, auch wohl sie auf eine entlegene Insel zu schaffen, wo sie nach Gefallen sich untereinander totschlagen oder der Natur mit harter Anstrengung ihren Lebensunterhalt abgewinnen mögen. Wir fürchten schon a priori, daß eine solche Insel, bei der jede Möglichkeit der Entweichung oder Befreiung durch Genossen ausgeschlossen ist oder selbst durch kreuzende Kriegsschiffe unfehlbar verlegt werden kann, auf der Erdkugel nicht existirt. Vor allem aber wäre zu fragen: Wer soll deportirt werden? Mit Anarchisten, die ihr politisches Glaubensbekenntnis mit einer That besiegelt haben und sich in den Händen der Justiz befinden, wissen wir schon jetzt fertig zu werden: wir legen ihnen den Kopf vor die Füße. Ein mehr in der scharfen Behandlung ist nicht möglich und ein anderer Weg höchstens eine Verschlechterung. Es könnte sich also nur um Leute handeln, die bisher lediglich mit Worten ihre anarchistische Gesinnung an den Tag gelegt haben. In ihnen kann der Keim zu einem blutdürstigen Fanatiker und Mordbuben stecken, ein Keim, den die erste Gelegenheit reif werden läßt; sie können aber auch zeitlebens Worthelden, innerlich zitternde Schächer, die sich lediglich an blutrünstigen Tiraden oder Greueln der Phantasie berauschen, bleiben, oder nach einigen Jahren die wüsten Dünste aus ihrem Gehirn herausgefegt haben und sich in brauchbare Staatsbürger verwandeln“. Dagegen fordert die„Post“ erneut in energischer Weise ein scharfes Vorgehen gegen die Sozialdemokratie, sich wendend gegen den bekannten berliner Artikel der„Pol. Korr.“; das freikonservative Blatt bemerkt:„Wir vermögen weder in dem Anwachsen der Zahl der sozialdemokratischen Wähler und Reichstagsabgeordneten, noch in dem planmäßigen, in Berlin zum schärfsten Ausdrucke gebrachten Versuche, durch den Boykott die wirtschaftliche Herrschaft an sich zu reißen, noch in der direkt zur Vergeltung von Repressionsmaßregeln durch neue Morde auffordernden Sprache der sozial demokratischen Presse einen Beweis dafür zu erkennen, daß die sozialdemokratische Krankheit der Heilung entgegenreift. Noch ist es wahrscheinlich möglich, einen großen Teil der Massen, welche der sozialdemokratischen Fahne folgen, wieder fest an das Vaterland anzuschließen. Aber sicher ist, wenn in dem Wahne, daß alles zum besten geht, immer mit verschränkten Armen der Entwickelung ruhig zugesehen wird, dies nur eine Frage sehr kurzer Zeit"“. Eine Extraausgabe des„Kleinen Journals“ meldet, daß der Zeremonienmeister v. Kotze heute abend aus der Haft entlassen worden ist. * K ö n i g s b e r g i. P r., 5. J u l i. D i e K o n f e r e n z d e r preußischen Landesdirektoren erledigte in der gestrigen Sitzung die zur Beratung gestellten Gegenstände. Unter denselben befanden sich namentlich die Fragen wegen der Hülfsbedürftigkeit nach dem Gesetze vom 11. Juni 1891 ferner den Austausch von Erfahrungen und Bedenken betreffend die Milzbrand=Entschädigungen. Hinsichtlich des ersteren Gegenstandes wurde eine Uebereinkunft auf mili ere Auslegungen für die Beurteilung der Hülfsbedürftigkeit bei Unterbringung in Anstalten getroffen. Bezüglich der Milzbrand=Entschädigung wurde konstatirt, daß die bisherigen Erfahrungen wenig günstig seien. * Eisenach, 5. Juli. Der König von Sachsen ist heute abend 73/2 Uhr abgereist. Der Erbprinz und die Erbprinzessin von Meiningen verbleiben noch hierselbst. Das Befinden der Erbprinzessin ist ein gutes. * B r e m e n, 5. J u l i. D e r ö s t e r r e i c h i s c h= u n g a r i s c h e Botschafter von Szögyeny ist heute früh 6 Uhr hiei eingetroffen und hat vormittags den Senatspräsidenten Dr. Lürmann sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Später folgte der Botschafter einer Einladung des Senats zum Frühstück im bremer Ratskeller. Die Abreise nach Berlin erfolgte 4½2 Uhr nachmittags. * München, 5. Juli. Die Polizeidirektion löste den radikalen Sozialistenklub in München,„Frei Wort“, auf. — Dem„Baierischen Kurier" zufolge verlangen gleich den Braugehüljen auch die Brauschäffler günstige Arbeitsbedingungen. Der„Düsseleine Teilung des * Sofia, 5. Juli. Anläßlich der bevorstehenden Kommu nalwahlen wurde gestern abend eine Wählerversammlung zur Nominirung der Kandidaten abgehalten. Nach Schluß der Versammlung zogen die Teilnehmer vor die Häuser der Minister Radoslawow und Stoilow und brachten daselbst Ovationen dar. Sodann zogen sie unter Pseisen bei dem polizeilich geschützten Hause Stambulows vorüber. Schließlich hielt der Deputirte Peschew in der Redaktion der„Swobodno Slowo“ eine Rede, welche die Versammel:]# Beim Forkkrügen gefuulter Selterswasserflaschen in ten mit Hochrufen auf den Prinzen und das Ministerium, einer hiesigen Selterswasserfabrik zersprang plötzlich eine sowie mit dem Rufe:„Nieder mit Stambulow“ begleiteten. derselben und drangen von den umherfliegenden Glas Teilung des Regierungsbezirks Arnsberg dorfer General=Anzeiger“ teilt mit, daß ei Regierungsbeziks Aensberg in der Weise geplaut sei, daß einbalb Meter im Geviert lieferte schon 50 Bfund Grde Basthent gassnund, Sied: Lon.= Sa.. Lal=Tkrctfg,. biresz, aoe dash berseibe gani sioseraiek vor. Voneiluer Zwischen dem grünen Laube sehen traubenweise die vollentwickelten, roten Beeren hervor. Eine Fläche von einHattingen, Dortmund, Hörde, Hamm, Hagen und Schwelm einem neu zu bildenden Regierungsbezirk mit dem Sitze in Dortmund zugeteilt werden sollen.—„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir feblt der Glaube.“ p Beim Forttragen gefüllter Selterswasserflaschen * K o n s t a n t i n o p e l, 5. J u l i. D i e„ A g e n c e d e C o n stantinople“ erklärt die Blättermeldungen von Verwüstungen des Vilajets Erzerum durch die Kurden, sowie von abermaliger Schließung der bulgarischen Schulen in den Vilajets Kossovo, Saloniki und Monastir für unbegründet. * Chicago, 5. Juli. Die Vereinigung der Direktoren der Eisenbahngesellschaften hat beschlossen, heute zu versuchen, den Betrieb wieder aufzunehmen durch Ersetzung der Streikenden durch andere hier eingetroffene Arbeiter. Die Direktoren erklären, sie würden sich auf keinerlei Zugeständnisse einlassen. Gleichzeitig beschloß die Regierung, die Aufreizer zum Streike wegen verbrecherischer Ver schwörung gerichtlich zu verfolgen.— splittern mehrere der Arbeiterin Koch in das rechte Auge Das letztere wurde dadurch so schwer verletzt, daß sein Verlust zu befürchten steht. m Wickede, 4. Juli. Heute fand in der Wirtschaft des Herrn Wenker hierselbst eine Generalversammlung des landwirtschaftlichen Vereins für das Amt Brackel statt. Nachdem der Herr Vorsitzende Ewringmann=Wambel die Versammlung gegen 4 Uhr eröffnet hatte, gab derselbe einen recht ausführlichen Bericht über die diesjährige Ausstellung der deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft in Berlin. Vorab wies Redner auf die Entstehungsgeschichte der deutschen Ländwirtschaftsgesellschaft hin, zeigte dappelt, so großen Rabatte verkaufte ein hiesiger Gärtner 138 Pfund dieser vorzüglichen Frucht.— Der gestrige Viehmarkt hatte nur in bezug auf Pferde Bedeutung, deren gegen 50 Stück zu gutem Preise gebandelt wurden. Die Schweine waren sehr teuer, und zahlte man für sechs Wochen alte Tiere 33—40 M. ältere waren verhältnismanig noch besser bezahlt. Einfluß hatte der gute Stand der Gartenfrüchte und der Futterkräuter. Iserlohn, 3. Juli. Eine Bezirkstour unternimmt am nächsten Sonntag der Radfahrerklub„Vorwärts"=Dortmund in Gemeinschaft mit Nachbar=Vereinen. Abfahrt resp. Sammelpunkt ist der Krengeldanz bei Witten. Die Abfahrt ersolot um 8 Uhr nach Hohenlimburg, Letmathe, Dechenhöhle, Iserlohn. Nach einem gemeinschaftlichen Mittagessen mit hiesigen Sportsfreunden im Restaurant Plugge geht die Fahrt über Felsenmeer, Deilinghofen, Menden, Unna, Königsborn weiter und über Hörde u. s. w. nach Hause zurück. Der hiesige Radfahrerklub fährt den Touristen bis Hohenlimburg entgegen, um dieselben von „ zeigke dies Wgegen, Um vieserden Vol Zwecke und Ziele derselben und erinnerte an die Vorteile, dort abzuholen und wird später die auswärtigen Gäste eine welche diese Gesellschaft nicht nur für deu Großgrund= längere Wegestrecke begleiten. besitz, sondern auch für die kleineren Besitzer hat, wenn letztere statutengemäß ihren Anschluß erwirken. Der Amts Provinzielles. m Dortmund. 6. Juli. Ein großer Skandal, der einen Menschenauflauf verursachte, ging am Mittwoch=verein Brackel hat im verflossenen Jahre durch Bezug von Nachmittag auf der Neuen Radstraße in Szene. De- Lainit allein 50 4. Mautan der Maurer Bath hatte sich von dem Händler Mell eine Karre geborgt, mit welcher der erstere seinen Umzug bewirken wollte. Well mußte sich schließlich seine Karre selbst wiederholen, und da der eine dieselbe nicht gleich verabfolgen wollte, kam es zwischen den beiden zu einem heftigen Streit, in dessen Verlaufe Bath seinem Gegner die Hälfte des Bartes ausriß. Der Schutzmann Oberlies kam hinzu, um dem Streit ein Ende zu machen, nun richtete sich die Wut gegen den Beamten, so daß derselbe nunmehr von seiner Waffe Gebrauch machen mußte.— Er konnte den Rasenden jedoch noch immer nicht bändigen, bis schließlich noch drei weitere Beamte hinzukamen, die dann mit vereinten Kräften gegen den Wüterich operirten. Bis es so weit kam, dem Manne die Schließkette anzulegen, verging geraume Zeit, da derelbe mit allen seinen Kräften gegen die Beamten vorging. Er schlug, biß, trat und warf sich zur Erde, sodaß es fast unmöglich schien, den Menschen nach der Polizeistation zu Kainit allein 50# Vorteil erzielt. Redner ging darnach auf die diesjährige oben erwähnte Ausstellung des näheren ein, teilte die Erfahrungen mit, welche er in Berlin gesammelt, besonders machte er auf die Fortschritte auf merksam, welche auf den mancherlei Spezialgebieten zur an der großen: Ausstellung waren. Wir wollen begleiten. #emen, 5. Juli. Gegen den früheren Pfarrer Idel in Velbert ist bei dem hiesigen Landgeritte eine Untersuchung wegen Religionsvergehens§ 166 des Str.=.=B. eingeleitet. Elverfeld, 5. Juli. Zum Krach der elberfelder Gewerbebank wird der„Barm. Ztg.“ von beteiligter Seite gemeldet: Die elberfelder Gewerbebank wurde im Jahre „bieren1 1868 gegründet, wie alle derartigen Genossenschaften zu Schau gestellt worden dem Zwecke, durch Vereinigung von Kräften und Kapitalien dieser Stelle den in=wirtschaftliche Erfolge zu erzielen, die dem einzelnen unerTretchhar te:en teeshafandgen Flatsaen,Gaaa teressanten Ausführungen des Herrn Redners nur folgende reichbar sind, insbesondere kleineren Gewerbetreibenden und Zahlen mitteilen, welche uns, einen wenn auch nur an=Geschäftsleuten gegen billige Zinsen Darlehen zu ver nähernden Begriff von der Größe der Ausstellung geben. schaffen, zur Sparsainkeit anzuregen u. s. w. Die elberAusgestellt waren 572 Pferde, 1193 Rinder, 396 Schweine,]felder Gewerbebank verstand es, durch hohe Zinsen, 4, 4½ 77 Ziegen. Merkenswert ist auch noch, daß das west= und 5 Proz., viele Leute zu veranlassen, verhältnismäßig fälische Schwein in der entsprechenden Abteilung die meisten viel Geld zu deponiren, sodaß sich die gesamten SpareinPreise und Auszeichnungen erhalten hat. Auf dem Ge=lagen, die bei ihr gemacht wurden, wie die Bilanzen der biete der landwirtschaftlichen Technik haben besonders die letzten fünf Jahre ergeben, durchschnittlich auf 370 bis mit Elektrizität getriebenen Maschinen allgemeines Auf=1400000# belaufen haben. Zweifellos haben diese Sparsehen erregt. Unerreicht schien dem Herrn Vortragenden einleger sich nicht genügend weder um die Zahl der Mitunser heimisches Getreide zu sein, sowohl inbezug auf die glieder noch um ihre Solvenz bekümmert, wenn aber doch, „„ G r ö ß e d e s H a l m e s, w i e d i e L ä n g e d e r A e h r e. R e c h t i n t e r= s o s i n d i h n e n f a l s c h e A n g a b e n g e m a c h t w o r d e n. B e i d e r bringen. Man brachte ihn jedoch schließlich hinein, hier essant waren auch die letzten Ausführungen des Herrn Falliterklärung waren nämlich amtlich noch 315 Mitglieder die Wut gegen die in der Zelle befindlichen Vortragenden, welche die Belehrungen betraf, welche der= in den Listen aufgeführt. Von diesen hätten Ausland. * Paris, 5. Juli. Deputirtenkammer. Im weiteren Verlaufe der Sitzung beantragte Pelletan den Erlaß einer Amnestie für wegen Streik= und Preßvergehen Verurteilte und verlangte für seinen Antrag die Dringlichkeit, welche abgelehnt wurde(Widerspruch auf der äußersten Linken.). Vaillant begründete eine Interpellation betreffend Maßregeln zur Verhinderung der im Mai an dem Grabe der Fördericten von 1871 aus dem Père Lachaise beabsichtigten Kundgebung. Ministerpräsident Dupuy verteidigte diese Maßnahmen und erklärte, die Regierung würde eine Verheirlichung der Kommune nicht dulden. Das Land empfinde Abscheu bei der Erinnerung an die Kommune. (Beifall.) Vaillant brachte hierauf eine Tagesordnung ein, in welcher die Regierung aufgefordert wird, Paris die Toten von 1871 ehren zu lassen. Diese Tagesordnung wurde mit 470 gegen 65 Stimmen abgelehnt. Der Präsident verlas die gelegentlich der Ermordung Carnots im ungarischen Abgeordnetenhause gehaltene Rede. (Beifall.) Der Senat genehmigte den Gesetzesvorschlag betreffend die Bildung von Reserve=Kavallerie=Regimentern mit requirirten Pferden. * Paris. 5. Juli. Die Deputirtenkammer wählte Burdeau mit 259 Stimmen zum Präsidenten. Brisson erhielt 157 Stimmen. London, 5. Juli. Unterhaus. Der Parlamentsuntersekretär des Auswärtigen Grey erklärte auf eine Anfrage, die britische Regierung habe an die Regierungen von China und Japan im Interesse des Friedens eine Korea betreffende Mitteilung gelangen lassen und es werde alles Thunliche aufgeboten werden, um eine freundliche Lösung herbeizuführen. Rom, 5. Juli. Nach einer Depesche der„Nazione“ aus Livorno scheint die Behörde den Mörder Bandis entdeckt zu haben. Ein gewisser Henri Lucchesi, ein anarchistischer und übelbeleumdeter Arbeiter, soll am Tage des „Attentates verschwunden sein, man hoffe seiner habhaft zu erden. * Christiania, 5. Juli. Das„Morgenblatt“ will wisse.., as Arbeitsordnungskomitee des Storthings sei nach Prüfung des noch nicht erledigten Arbeitsstoffes zu Troshnis eskommen,„daß der Schluß der Session des Storthings etwa am 18. Juli erfolgen könne. richtete sich die#. Gegenstände, indem er dieselben zerschlug, schimpfte und tobte wie ein Rasender. Wie es heißt, soll der Wüterich einen Polizei=Kommissar nachher noch in den Finger gebissen haben. Die Verletzungen, die Bath erhalten hat, ollen auch derartige sein, daß seine Aufnahme ins Kranken haus erfolgen mußte. § Vor einigen Nächten wurden von einem betrunkenen Maurer in der Westerbleichstraße mehrere Straßenlaternen mutwilligerweise zertrümmert. Der Thäter wurde hierbei von einem Polizeibeamten abgefaßt. s In einem Spezereigeschäfte im nördlichen Stadtteile wurde gestern abend ein frecher Diebstahl ausgeführt. Mehrere schulpflichtige Burschen hatten mittels eines Messers eine Fensterscheibe gelöst und waren eben beschäft tiet, die im Fenster ausgelegten Waren sich anzueignen, als sie überrascht wurden. Die Diebe ergriffen die Flucht und konnten nur einige Kleinigkeiten mitnehmen. Zwei derselben sind erkannt worden. ** Im Schausenster des Herrn Weeck ist seit heute ein Tablean ausgestellt, welches eine getreue Kopie des Bildes st, welches die Stadt Dortmund Sr. Majestät dem Kaiser übersandt hat. In der Mitte unten befindet sich das Denkmal des Kaisers Wilhelms I. in ziemlicher Größe, darüber dasselbe kleiner mit der näheren Umgebung; rechts der Tempel der Königin Luise, darüber die alte Stadtmauer mit dem Relief des Ehrenbürgers Fürsten Bismarck. Links die Molike=Linde und unter dieser der Eingang zum Hain mit dem Obelisken. Die Zeichnung des Kartons ist in künstlerischer Weise von Herrn Regierungs=Baumeister Otte gefertigt. Die Photographien sind aus dem Atelier des Herrn Weeck hierselbst. § Besitzwechsel. Das seither den Bauunternehmern Heßler u. Neumann gehörende Wohnhaus, Lippestr. 2. ist zum Preise von 35000 u in den Besitz des Bureauvorstehers Ludwig Wolff übergegangen. § Personalnachricht. Der Regierungsbauführer Heinekamp in Siegburg ist an das königliche Kanal=Bauamt versetzt worden. m Eine entsetzliche Roheit beging gestern abend auf der Bornstraße ein Vater seinem Kinde gegenüber. Der Mann, der anscheinend nicht ganz nüchtern war, mißhan delte das ungefähr 3jährige Kind in einer so unmenschlich rohen Weise, daß sich Passanten des Kindes annahmen und den Rabenvater von weiteren Mißhandlungen abhielten. Der Vater bekam von einigen handfesten Leuten auf der Stelle eine gehörige Tracht Prügel für seine Schändlichkeit, und die immer mehr sich ansammelnde Menge, die im höchsten Grade erbittert war, hätte den lieblosen Vater halb tot geschlagen, wenn nicht zwei Polizei=Beamten den Mann festgenommen hätten. Das Kind wurde von mitleidigen Leuten aufgehoben und wie tot in die Wohnung des Mannes, die sich in der Rolandstraße befindet, gebracht. Ein Arzt, der hinzugerufen wurde, erklärte, die Verletzungen seien derart, daß das Kind kaum mit dem Leben davonkommen werde. ** Dortmund, 6. Juli. Auf einem den Westenhellweg passirenden Fuhrwerke platzte gestern abend ein Ballon mit Schwefelsäure. Die ätzende Flüssigkeit ergoß sich auf die Straße. Nachbarn eilten herbei, um die Säure mit welche verbundenen 100 gestrichen sein müssen, teils weil hätten mindestens sie nicht mehr am selbe auf einer mit der Reise nach Berlin nnn.... Tour nach Schlesien empfangen hatte. Welch ungeheurer Leben waren, teils flüchtig oder auch ausgewandert waren Kontrast zwischen dem Osten und Westen auf landwirt= tei#s weil sie in ihrer Vermögenslage soweit zurückgeschaftlichem Gebiete sich bemerkbar macht, zeigt die Mit teilung, daß dort Arbeitskräfte zu 60 Stäglich exkl. Kost 2c. zu haben sind; die besten Knechte werden dort mit 90 J4 bezahlt. Der zweite Vorsitzende, Herr. BenninghausBrackel, dankte dem Herrn Redner für seinen ausführ lichen Bericht; die Versammlung erhob sich zu Ehren des Vortragenden von den Sitzen. Die Rechnungs lage über das vorjährige Geschäftsjahr seitens des Herrn Vereins=Rendanten ergab eine Einnahme von 1392,15. die Ausgabe betrug 327.38., mithin wurde ein Ueberschuß erzielt von 1064,77 M Zur Prüfung der einzelnen Positionen der Rechnung waren die Herren Wibbeling= und Berge=Brackel gewählt worden, dieselben beantragten heute die Entlastung des Herrn Rendanten, die Decharge wurde einstimmig erteilt. Drittens stand folgender Punkt auf der Tagesordnung: Ueber Bildung von landwirtschaftlichen Krankenkassen. Herr HötterWambel referirte in dieser Angelegenheit. Besonders hob der Antragsteller hervor, daß die Versicherung des Gesindes bei der Ortskrankenkasse sehr viel Belästigungen 2c. mit sich führe. Der Herr Referent dachte sich eine allgemeine landwirtschaftliche Oitskrankenkasse für die Provinz, vielleicht als Zweiginstitut des Bauernvereins. Die Versammlung machte aber soviel Bedenken dagegen geltend, daß von der Angelegenheit schließlich Abstand genommen wurde. Im Laufe der Debatte gelangte folgender Antrag zur Annahme:„Der Vereinsvorstand wird ersucht, folgende Anfrage bei den entsprechenden Verwaltungen zu stellen: Ist es bei der Verwaltung des Krankenhauses zu Dortmund resp. Hörde gestattet, eine einmal fest bestimmte Anzahl von Personen für die Zeit eines Jahres gegen eine einmalige Vergütung in Krankheitsfällen zur Aufnahme in das Krankenhaus zu bringen, gleichviel ob innerhalb dieser Zeit ein Personenwechsel stattfindet oder nicht? Wie hoch stellen sich eventuell die Kosten? Der Bericht über die stattgefundene Einführung von Rindvieh holländischer Rasse fiel sehr günstig aus; die eingeführten Kühe haben sich durchweg bewährt. Ein Antrag, die weitere Einführung holländischen Rindviehs zu bewirken, fiel dahin aus, wiederum die Erlaubnis zur Einführung von 60 Kühen bei der Behörde zu beantragen. Besonders em pfohlen wurde eine Runkelrüben= 2c. Reinigungsmaschine, welche, von dem Schmiedemeister Herrn Hans angefertigt, ausgezeichnete Dienste thut. Auf Antrag des Herrn Budde wurde folgendes beschlossen: Fortab ist der Paragraph der Statuten, bezügl. Aufnahme neuer Mitglieder, streng nach seinem Wortlaute zu beachten, namentlich soll ausdrücklich in jedem Einzelfalle darauf hingewiesen werden, daß erst nach Aufnahme durch die Generalversammlung der Angemeldete die Rechte eines Mitgliedes erwirbt. Darnach trat der Verein in die Beratung eines Antrages des Herrn Direktors Geibel=Dortmund ein, darauf hinausgehend, der Amtsverein möge den Imker=Kreis=Verband zu seinem in Brackel stattfindenden Vereinsfeste durch eine Barunterstützung dazu verhelfen, daß dem Kreisvereine eine würdige Durchführung Wasser wegzuspülen; so mancher Passant dürfte sich aber des Festprogramms ermöglicht werde. Herr Schellewald doch die Schuhsohlen verbrannt haben. W Unglücksjälle im Bergbaubetriebe. Der Lehrhauer Stevens aus Westerfilde wurde auf der Zeche„Westhausen“ durch niederstürzende Kohlenmassen am rechten Fuße und an der Stirn erheblich verletzt. —* Am., 8. und 9. Juli findet in den Räumen der Lesegesellschaft in Köln der XVIII. rheinisch=westfälische Stenographentag(System Stolz:) statt. In gleicher Weise wie im Jahre 1886 beim II. Kongreß Stolzescher Stenographen, und 1891 bei der 50 jährigen Jubelfeier der Stolzeschen Stenographie ist von den hiesigen Stolzeschen Stenographen Vereinen alles vorbereitet worden, was einen würdigen Verlauf der Versammlung verbürgen kann. Die angesehendsten Bürger wie die Behörden unserer Stadt haben dem Werke ihre Unterstützung geliehen und sind zu einem Ehrenkomitee zusammengetreten. Eine große Anzahl Schriftgenossen aus den beiden Schwesterprovinzen haben ihre Teilnahme an dem Feste zugesagt, sodaß Köln an diesen Tagen eine stattliche Zahl von Stenographen in seinen Mauern sehen wird. Die Lesegesellschaft hat ihre Räume zu sämtlichen Festlichkeiten zur Verfügung gestellt. Der 7. Juli ist den geschäftlichen Beratungen gewidmet; am Abend findet ein Festkommers statt. Am Sonntag, den 8. Juli beginnt um 10 Uhr die Hauptversammlung im großen Saale der Lesegesellschaft; auf derselben kommt auch zur Verhandlung die hochwichtige Frage aller Schulbehörden: die Einführung der Stenographie in die höheren Lehranstalten. Den einleitenden Vortrag hierzu, betitelt: Der stenographische Unterricht an den höheren Lehranstalten und seine Beziehungen zum Unterricht im Deutschen, hat Herr Chr. Wolff, Lehrer in Köln=Ehrenfeld übernommen. An ein auf die Hauptversammlung folgendes gemeinschaftliches Festessen schließt sich eine Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Kölns. Am SonntagAbend findet die Festversammlung im großen Saale der Lesegesellschaft statt, bestehend aus musikalischen und deklamat rischen Vorträgen, einem Theaterstück und Festball. Für Montag, den 9. Juli, ist eine Fahrt zum Siebengebirge geplant. Die hiesigen Vereine haben zu der Versammlung eine Festschrift herausgegeben, die außerordentlich reich ausgestattet und mit zahlreichen Illustrationen versehen ist. Sie enthält außer einem Führer durch die Stadt und einer kurzen Geschichte Kölns, die Geschichte der hiesigen Stolzeschen Stenographen=Vereine, Aussprüche hervorragender Männer der Wissenschaft und des praktischen Lebens über den Wert und Nutzen der Stenographie, eine Abhandlung über die Art und Weise wie die parlamentarischen Verhandlungen im Reichs= und Landtage stenographisch aufgenommen werden u. a. mn. Asseln begründete in längerer Ausführung die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Antrages. Beschlossen wurde: Mit Rücksicht auf die engen Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Bienenzucht und in Erwägung bes Umstandes, daß durch die Wahl des Festortes Brackel der hiesige Amtsverein der Ausstellung ein ganz besonderes Interesse entgegenbringen muß, unterstützt der Verein das Unternehmen durch Gewährung einer Beihülfe von 50 c. Herr Schellewald dankte für die Unterstützung und lud zur regen Teilnahme an dem Feste ein. Nach Verlesung der Ernte=Statistik und Erörterung anderer landwirtschaftlicher Fragen wurde die Versammlung geschlossen. Die nächste Versammlung soll in Asseln beim Wirt Herrn Jöster stattfinden. * Lünen, 5. Juli. Der Formerlehrling St. auf der „Luisen=Hütte“ wurde vor einigen Tagen von einem älteren Manne in der Werkstatt in roher Weise mißhandelt. St., fast noch ein Knabe, sollte einem anderen Lehrlinge mit einem Sandwagen an den Kopf gefahren haben, was dieser weinend seinem Vater klagte. Letzterer ergreift den kleinen St. und schleuderte ihn mit großer Wucht mit dem Kopfe auf eine Eisenplatte, infolgedessen der Knabe in Krämpfe verfiel und in diesem Zustande längere Zeit liegen blieb. Später wurde der Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Die Sache ist zur Anzeige gebracht. § Annen, 5. Juli. In den Freiherr von Romberg= schen Waldungen im Ardeygebirge, Schutzbezirk„kleine Borbach“, hat wieder ein kleiner Waldbrand stattgefunden, der durch das energische Eingreifen der dortigen Bewohner schnell gelöscht werden konnte.— Der Schulamtsbewerber Herr Alstäde aus Brauersdorf hat die ihm von der königlichen Regierung übertragene Lehrerstelle an der hiesigen evangel. Gesamtschule heute übernommen. Er ist mit der Verwaltung einer Klasse an der Schule Roonstraße betraut worden.— Zur Teilnahme an dem in Camen stattfindenden Kreisfeste der ev. Jünglingsvereine der Kreisverbindung Dortmund=Witten wird der hiesige Jünglingsverein, wie wir vernehmen, mehrere Wagen gegen geringes Entgelt bereit stellen. Eine Liste zum Einzeichnen ist zu diesem Zwecke aufgelegt. Bochum, 5. Juli. Eröffnung der städtischen Badeanstalt. Die städtische Badeanstalt an der Marien= und Spichernstraßenecke ist nunmehr insoweit vollendet, daß die Hauptteile derselben— Schwimmbassin und Wannenbäder— am Samstag ihrer Bestimmung übergeben werden können, nachdem, wie dei„De. Spr.“ berichtet, inzwischen eine Besichtigung der neuen Anlage seitens der städtischen Behörde stattgefunden hat. 0 Soest, 8. Juli. Besonders ertragreich sind in diesem Frühjahr neben den Kirschenbäumen auch die Erdbeeren. kommen waren, daß sie als solvent schon lange nicht mehr konnten bezeichnet werden. Unter anderen ist beispielsweise noch eine Person als Mitglied aufgeführt, die schon vor 14 bis 15 Jahren nach Holland geflohen ist und nach Deutschland nicht mehr zurückkehren darf. Ohne Frage liegt hier ein böswilliges oder mindestens fahrlässiges Verschulden des Vorstandes, des Aufsichtsrates und des Kassirers vor, die diese Unregelmäßigkeiten hätten finden und abstellen müssen. Die Spareinleger aber werden, auf das Haftpflichtgesesetz gehend, die vorhandenen und wenigen solventen Mitglieder für alles verantwortlich machen, woraus diesen nach Lage der Sache kaum ein Vorwurf gemacht werden kann. Der Vorstand hat es nämlich in Gemeinschaft mit dem Kassirer meisterhaft verstanden, die seit schon 14 bis 15 Jahren vorhandene Unterbilanz durch Vorlage falscher Bilanzen zu verschleiern. Seit längeren Jahren betrieb er auch ein Immobilien=Tauschgeschäft, bei dem der Bank erhebliche Verluste erwachsen sind. Dagegen sollen einige der Herren dabei für sich erklecklichen Gewinn herausgeschlagen haben. Diese Verluste wurden dann einfach unter den Kontokorrent=Debitoren als gute Forderungen aufgeführt. Trotz aller dieser unsauberen Manipulationen konnte die Bilanz in einem der letzten Jahre nicht zum Stimmen gebracht werden, man wußte sich aber schließlich auf ganz einfache Weise zu helfen; man schrieb einem der erwähnten falschen Konti noch 4500 M hinzu. Die Bilanz stimmte jetzt! Noch mehr zu bedenken aber gibt die Thatsache, daß der amtliche Revisor diesen Posten fand und hiervon dem Gerichte keine Anzeige machte. Elverfeld, 4. Juli. Die Obduktion der Leiche der Frau Otto Frankholz fand auf Anordnung der Staatsanwaltschaft am Samstag=Nachmittag statt. Die Untersuchung hat, der„Barm. Zeit.“ zufolge, ergeben, daß weder dem Masseur, noch dem Arzt aus Dortmund, der die Chloroformirung der Frau vorgenommen hat, eine Schuld an dem Tode der Unglücklichen beigemessen werden kann. Standesamt Dortmund. Anmeldungen vom 5. Juli 1894. Aufgebote. Maschinenschlosser Klemens Höke mit Laura Büttmann, Wilhelmstraße 17 und 45. Küfer Heinrich Brummel, Rheinische Straße 10, mit Johanna Frese, Brüderweg 16. Uhrmacher Peter Schwers, Hamm, mit Elisabeth Reising, Brügmannstraße 6. Eheschließungen. Stations=Aspirant Heinrich Hahn, Gelsenkirchen, mit Ida Franke, Münsterstraße 79. Maschinist Kail Sternberg mit Karoline Michalowski, Teichstraße 12. Bahnarbeiter Gottlieb Bannach mit Auguste Oppermann, Kirchenstraße 20. Geburten. 1 Sohn: Fuhr=Unternehmer Aug. Requardt, Münsterstraße 47. Brauereiarbeiter Johann Linnemann, Lange Straße 40. Stations=Aufseher Wilhelm Overlack, Leopoldstraße 64. Bäcker Ernst Calcum, Wüstenhof 4, Buchbinder Wilhelm Gläser, Heilige Gartenstraße 36. Gruben=Direktor Heinrich Schausten, Schliepstraße 9. — 1 Tochter: Bergmann Bernhard Kirn, Kaiserstuhl 16. Händler Wilhelm Fricke, Westerbleichstraße 17. Bahnarbeiter Heinrich Scheibel, Kreuzstraße 13. Fabrikarbeiter Wilhelm Hölter, Bornstraße 232. Lokomotivheizer Karl Kanel, Schwanenstraße 47. Bergmann Heinrich Barkhoff, Walzwerkstraße 12(Zwillinge). Fabrikarbeiter Christian Müller, Papengarten 6. Werkmeister=Diätar Wilhelm Barlmeyer, Breiter Weg 23. Todesfälle. Alma Meyer, Hövelstraße 20, 6 M. Anna Nehme, Knappenberger Straße 120, 2 J. Theresia Biermann, Düppelstraße 5, 1 J. Bergmann Heinrich Schürhoff, Eving. 43 J. Hausirer[Heinrich Scheel, Schützenstraße 30, 54 J. Ida Tholfuß, Sunderweg 70, 1 M. Georg Dippel, Kaiserstraße 203, 9 M. Ehefrau Wiethaup, Maria geb. Ewers, Balkenstraße 17, 25 J. 2— Berlin, 5. Juli. Am Dienstag=Abend hat die dreizehnjährige Schülerin Anna., Tochter der Tischler Pschen Eheleute in der Georgenkirchstraße, einen Selbstmordversuch ausgeführt. Die Mutter des Mädchens hatte in dessen Tasche einen Brief gefunden, in welchem die Geliebte Anna“ zu einem Redezvous in die Gollnowstraße bestellt wurde. Die Kleine wurde ins Verhör genommen und gestand nun auch unter Thränen ein, daß sie mit einem 15jährigen Arbeitsburschen eine Liebschaft# unterhalte und ihren Bräutigam stets lieben werde. Die Drohung der Frau., daß der abends nach Hause kommende Vater ihr alle Liebesgelüste nehmen werde, setzte Anna P. derartig in Angst, daß sie gegen 7 Uhr abends aus dem Küchensenster der im zweiten Stock belegenen Wohnung nach dem Hof hinabsprang und sich innere Verletzungen zuzog, die ihre Ueberführung nach dem Krankenhause Friedrichshain notwendig machten. Kiel, 5. Juli. Am Dienstag=Nachmittag erfolgte bei Fehmarn eine unbedeutende Kollision des Dampfschiffs „Deutschlands“ mit dem Aviso„Wacht". Das Manövergeschwader fuhr, wie die„Kieler Zig.“ meldet, in halbschräger Linie, wobei die Avisos links von den Panzerschiffen dampften. Beim Einschwenken traf das Panzerschiff„Deutschland“ den Aviso„Wacht“ vor den Bug und knickte den Rammsteven des Avisos, der in Begleitung des Avisos„Pfeil" nach Kiel dampfte, wo die unerhebliche Reparatur in acht Tagen beendet sein wird. Das Panzerschiff„Deutschland“ wurde nicht beschädigt. —w Wien, 5. Juli. Die Dichterin Betty Paoli (Barbara Glueck) ist 78 Jahre alt gestorben. —w Glasgow, 5. Juli. Während der heutigen internationalen Segelregatto auf dem Clyde, an welcher auch die amerikanische Jacht„Vigilant“ und die Jacht des Prinzen von Wales„Britannia“ teilnahmen, kollidirte Lord Dun ravens„Valkyrie“ mit der Jacht„Satanita“. Die„Valkyrie“, welche von Lord Dunraven gesteuert wurde, sank binnen fünf Minuten. Die Bemannung wurde gerettet. —v. Petersburg, 5. Juli. In der Zeit vom 1. bis 3. Juli erkrankten hier 21 und starben 6 Personen an der Cholepa. — Gewerbliche und soziale Zeitung. ** Dortmund. 6. Juli. Um ein Prozent sind schließ lich gestern die Aktien der harpener Bergbangesellschaft infolge des gestrigen Börsenmanövers— wie wir in der letzten Nummer schon erklärten— doch nur gefallen, nach welchem fälschlich gemeldet wurde, die Zeche sei ersoffen. Der„Börsenkourier“ knüpfte an die Mel dung folgende Bemerkung:„Auf die Betriebsverhältnisse der harpener Bergbau=Gesellschaft dürfte dieser beklagens werte(glücklicherweise gar nicht eingetretene) Unfall irgend welchen bestimmenden Einfluß nicht ausüben; denn infolge der Kontingentirung der Förderung erfolgt der Betrieb der Gesellschaft keineswegs nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit und so wird sie die Einbuße leicht verschmerzen können, die durch das Unglück der Zeche„Gneisenau" herbeigeführt wird. Immerhin erleidet die Gesellschaft einen nicht unbeträchtlichen materiellen Schaden durch das erwähnte Grubenunglück. Es wird zuerst festgestellt werden müssen, ob der vorhandene Schacht etwa durch Auspumpen der Wassermengen zu retten ist. Wenn dies nicht der Fall ist, so dürfte es sich um die Notwendigkeit einer Schachtanlage handeln, deren Kosten aus den reichlich vorhandenen Mitteln bestritten werden dürften.“ Die„Köln. Ztg.“ schreibt in ihrem Börsen=Berichte: „Der durch die sinzwischen als falsch erkannte] Drahtnachricht, daß die Zeche„Gneisenau" total ersoffen sei, plötzlich hervorgerufene Preissturz von harpener Aktien zog schließlich den ganzen Bergwerksmarkt in Mitleidenschaft. Neben Harpenern wichen nachläßlich auch die Aktien der dortmund=gronauer Bahn erheblich, da letztere für„Gneisenau“ große Fahrten besorgt.“— Weiter schreibt dasselbe Blatt: Die gestern während der berliner Börse durch das Wolffsche TelegraphenBureau verbreitete dortmunder Nachricht, daß die Zeche „Gneisenau“ der harpener Gesellschaft ersoffen sei, erweist sich nach uns zugegangenen zuverlässigen Mitteilungen als gänzlich erfunden. Der„Einbruch“ hat also nicht auf der genannten Zeche, sondern lediglich an der berliner Börse stattgefunden. Hoffentlich wird es diesem so augenfälligen Vergang gegenüber der zuständigen Bebörde gelingen. den Urheber dieser falschen Nachricht zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen. Nach Art. 249a des Hanbelsgesetzbuchs ist mit Gefängnis und zugleich mit Gelostrafe bis zu 10 000 M zu bestrafen, wer in betrügerischer Absicht auf Täuschung berechnete Mittel anwendet, um auf den Kurs von Aktien einzuwirken. Das Wolffsche Bureau selber, dessen Nachrichten als zuverlässig bekannt sind, kann natürlich hier nur soweit infrage kommen, als es eine ihm zugegangene falsche Meldung gutgläubig verbreitet hat. Es wird sich darum handeln, zu ermitteln, aus welcher Quelle ihm dieselbe geworden ist. Jedenfalls hat derjenige dortmunder Berichterstatter, der, ohne nur bei der dort seßhaften harpener Verwaltung anzufragen, das erwähnte falsche Gerücht in die Welt hinaustelegraphirt hat, höchst fahrlässig gehandelt. Vielleicht ist die ganze Tartarennachricht als die Aufwärmung einer alten Geschichte zu erklären, denn in der jüngsten ordentlichen Haupt=Versammlung am 28. Oktober vorigen Jahres hat der Vorsitzende mitgeteilt, daß sich auf der Zeche„Gneisenau“ neuerdings vermehrter Wasserzufluß zeige, daß man aber binnen wenigen Tagen den Schaden zu beseitigen hoffe. Seitdem ist über den Stand der Dinge auf der Grube nichts bekannt geworden. Der Wasserzufluß der Grube betrug nach dem Geschäftsbericht für 1892/93 durchschnittlich etwa 5 Kubikmeter die Minute. Eine neue Wasserhaltungsmaschine über tage, welche 6 Kubikmeter die Minute aus 400 Meter Teufe und später, durch weitere Maschinenkräfte vergrößert, 12 Kubikmeter aus derselben Teufe heben kann, sollte noch ende 1893 aufgestellt werden. Die Zeche„Gneisenau" ist hiernach von allen im Betriebe stehenden Gruben der„Harpener Gesellschaft“ allerdings die wasserreichste; denn von den meisten übrigen Zechen heißt es im Geschäftsbericht, daß die Wasserzuflüsse gering oder mäßig seien. ** Dortmund, 6. Juli. Die allgemeine Lokal= und Straßenbahn=Gesellschaft hat im vergangenen Jahre befördert: Auf der Strecke Bahnhof=Hörde 655 621 zahlende Personen, wofür eine Einnahme von 102684,05 J erzielt wurde, auf der Strecke Dorstfeld-Funkenburg sind 688686 Personen befördert, die Einnahme betrug für diese Strecke 81792,80 J, Auf der Strecke Steinplatz=Fredenbaum wurden 426843 Personen befördert; die Einnahme für diese Strecke belief sich auf 62 403,85 J Auf Abonnements und im Extrawagen wurden befördert 94877 Personen, welche eine Einnahme von 9915,90 u brachten. Außerdem wurde für beförderte Gepäckstücke eine Einnahme von 1710,10 M erzielt. Es sind mithin im ganzen 1 866027 Personen befördert worden, gegen 1839000 im Jahre vorher. Die Einnahme belief sich auf 261 506,70 M gegen 258310,05 K in 1892. r Dortmund. 6. Juli. Im hiesigen städtischen Schlachthause wurden im Monat Juni kr. 626 Stück Großvieh, 1544 Schweine, 810 Kälber, 149 Schafe und 36 Pferde geschlachtet.— Der Auftrieb zu den im beeichneten Monate stattgehabten Schlachtviehmärkten betand aus 2512 Stück Großvieh, 1942 Schweinen, 2036 Kälbern und 130 Schafen. h Dortmund, 5. Juli. Bericht über den Kuxenmarkt. Tendenz sommerlich still. Stimmung im allge meinen fest. Die Lage der Kohlenindustrie scheint sich zu bessern, man erwartet daher auch bessere Zeiten für Kohlen=Papiere. Wir notiren: „Baaker=Mulde“ 1000.,„Bickefeld 800.,„Blankenburg“ 1250.,„Bommerbänker“ 1375.,„Karoline“ 475.,„Zentrum“ 7200 Br.,„Dorstfeld“ 2000., „Ewald“ 10400.,„General Blumenthal“ 50000 Br., „Grof Bismarck“ 21000.,„Graf Molike“ 4050 Br., „Julius Philipp“ 1100 Br.,„Kaiser Friedrich“ 1400., „Langenbrahm“ 5100.,„Lothringen“ 4100.,„Schlägel salig: 050.5.:=Siebenplaneten“ 700.,„WestKohlen= und Kokes=Versandt. Im Ruhrbezirk waren von den Zechen und Kokereien für Mittwoch, den 4. Juli d. I.-,95 Doppelwagen zu 10 t angefordert. Gestellt und beladen mit Kohlen und Kokes sind 10395 Doppelwagen. „* Köln, 5. Juli. Getreidemarkt. Weizen alter Liesiger loko—.—, do. neuer hiesiger 14.00, fremder loko 15,00. Roggen hiesiger loko 12,50, fremder loko 13.50, Hafer, alter hiesiger loko—— oo. neuer hiesiger 14,50, fremder 14,75. Rüböl loko 48,50, per Juni—.— Dr., per Oktober 46.10 Br.—. Schön. New=Yorker Schlußkurse. 3 /7. 84 5,15 .25 45⅞ 61 ¼4 607 .17. 84 5,15 .20 45¾ 59¾ 59½ (Telegramm.) Weizen August für Getreide chmalz, Rothe Brotb. Kassee Nr. 7. 62⅛ 63¼ 66 ¾ 1¼ 7,45 16½ .7. 69 1/8 61 ¾4 65½ 1% .60 16½ Pipe-line-Cert. Gebr. Petrol. in New=York Mehl Januar Mais Juli Weizen loko Juli Chieago.(Telegramm.) ./7.1./7 I 12./7, 1./7 Weizen Juli1 53 56¼ 1 Mais Septemde. 41% 43½ „ Sept. 60½ 58½ 1„ Oktober 41½] 53¾ Mais Juli1 41 141 46¼„ Mai 3711 Weizen eröffnete schwach und fiel dann, Schluß schwach. Mais steigend, doch ging die Steigerung später wieder verloren. Schluß stetig. Wetterbericht für die Zeit vom 5. Juli, mittags 12 Uhr, bis 6. Juli, morgens 8 Uhr. Ueber Frankreich, Westdeutschland und England sowie über Nordskandinavien übersteigt der Lustdruck 765 Mm sonst allenthalben 760 Mm. Das Maximum des Lustdruckes in Höhe von etwa 769 Mm. befindet sich über den Niederlanden. Während in Süddeutschland bei mäßigen nordöstlichen Winden der Himmel bereits vielfach wolkenlos ist, herrscht über Norddeutschland noch wolkiges Wetter mit schwachen vorwiegend nordwestlichen Winden, doch ist auch daselbst Aufklaren sowie allgemein Steigen der Temperatur, allerdings auch stellenweise Auftreten von Gewittern zu erwarten. Die Morgentemperaturen liegen heute in Deutschland meist unter den normalen, besonders im norddeutschen Binnenlands und über den Provinzen Preußen gingen teilweise sehr erhebliche Regenfälle nieder. Deutsche Seewarte. Aussichten(8 Uhr morgens): Heiter und warm. 12 Uhr mittags 767 6 Uhr abends 8 Uhr morgens 766 765,5 Wärme. + 16,50 + 20,60 R. C. + 22,50 R. +28,2° C. Taupunkt. + 6,5°C. S 2 6 38% + 9,5° C. +11 26% 67% — — □ 6/8 .5 10,1 + 14° R. + 17,5° C. (Setzt man bei den Zahlen für den Dunstdruck statt der Millimeter die Bezeichnung Gramm, so erhält man jeweilig das Gewicht des in einem Kubikmeter Luft enthaltenen Wassers.) Höchste Tageswärme+ 23° R.(+ 28,8°.), nie drigste Tageswärme+ 12,50 R.(+ 15,6°.), böchste Nachtwärme+ 22,50 R.(+ 28,2°.), niedrigste Nachtwärme+ 120 R.(+ 15°.) Draht=Nachrichten. ° Berlin, 6. Juli. Zu der gestern abend 7½ Uhr erfolgten Haftentlassung von Kotzes teilt der„Lok. Anz.“ mit, den letzten Anstoß zu derselben habe der Handschriften=Vergleich ergeben, welcher nicht den geringsten Anhalt für die Autorschaft von Kotzes dargeboten. Der Hausminister von Wedel empfing von Kotze vor dem Haftlokale. Letzterer begab sich sogleich zu seiner Familie nach Friedrichsfelde. * Thorn, 6. Juli. Der Sekundaner Szuolz ist aus der Haft entlassen. Seine angeblichen Spionageversuche erwiesen sich als kindische Prahlerei. * Paris, 6. Juli. Die Deputirtenkammer beriet über die Dringligkeit des Antrages Viviani betreffs einer erweiterten Amnestie. Dupuy bekämpfte den Antrag als unpassend, weil die Regierung zahlreiche Begnadigungen von Verurteilten, darunter die Streiker, unterzeichnet habe. Der Antrag wurde mit 367 gegen 167 Stimmen abgelehnt. * L o n d o n, 6. J u l i. U n t e r h a u s. B e i d e r B e r a t u n g des Budgets des Krieges erklärte der Staatssekretär im Kriegsministerium Woodall, der Achtstundentag für die Arbeiter im Arsenal sei erfolgreicher gewesen, als erwartet worden sei. Er habe große Zeitersparnisse ergeben. Die Arbeiter seien im stande gewesen, mehr Lohn zu verdienen als früher. * London, 6. Juli. Bei der Nenwahl eines Mitgliedes des Unterhauses im Attercliffe, einem Stadtteile von Sheffield, anstelle des verstorbenen Lord Oberrichters Coleridge(liberal) wurde Sangley(liberal) mit 4486 Stimmen gewählt. Der Kandidet der Unionisten erhielt 3495. der Arbeiterkandidat 1249 Stimmen. 5“ Rom, 6. Juli. Der Papst empfing gestern den belgischen Gesandten beim päpstlichen Stuhle, welcher ihm sein Beglaubigungsschreiben überreichte. Die Audienz dauerte ¾/4 Stunden. Darauf stattete der Gesandte dem Kardinal=Staatssekretär einen Besuch ab. * New=York, 6. Juli. Ein großer Brand brach gestern in Hudson, Staat Massachusetts, aus. Um der Einäscherung der ganzen Stadt vorzubeugen, hat man eine Reihe von Häusern mit Schießpulver sprengen müssen. Man schätzt den Schaden auf 76000 Dollar. S Sprechsaal. (Für Artikel unter dieser Rubrik ist die Redaktion dem Publikum gegenüber nicht verantwortlich.) Hombruch, 3. Juli. Wie man hört, ist in einer der letzten Gemeinderatssitzung beschlossen worden, den Herrn Rektor Brummert, welcher hier an einer höheren Privat= schule als Rektor angestellt ist, inbetreff der Steuern gleich mit den Gemeindebeamten anzusehen. Der Grund dazu ist bisher noch nicht veröffentlicht worden, hoffentlich werden aber die Herren Gemeinderäte Veranlassung nehmen, ihren Wählern doch hierüber näheren Aufschluß zu geben. War doch von vornherein bei der Gründung esagt worden, die Gemeinde sollte in keiner Weise in Anpruch genommen werden, die Schule sei und solle privat Es scheint jedoch, als wenn dies, schon nach dem Bestehen, in Vergessenheit geraten sei. Wie man sind doch auch Kinder aus anderen Gemeinden zugezogen worden, weshalb soll nun die Gemeinde Kirchhörde allein den Ausfall tragen? Hoffentlich werden uns die Gründe mal klar dargelegt werden. .. Auch ein Steuerzahler Hombruchs. VerlangtUnion-Sprudel o. Flora-Brunnen Gerolstein, 14gold Med. u. höchste Ausz., Dep. Arn.Goldenberg. Horst, Dortmund. .######-#####-#########--eStatt besonderer Anzeige! Die glückliche Geburt eines ge I sunden(9295+ Mädchens beehren sich ergebenst anzuzeigen. " D o r t m u n d, 5. J u l i 1 8 9 4. : K ö n i g l. R e g i e r.= B a u m e i s t e r* Boy u. Frau, Maria geb. Müller. ###ch----##hc#-######--4Weisse Kinder-Kleidchen Specialität in s 2862 Wäsche u. Aussteuer. Heinr. Oppenheiner a.„Dortmund, estenheilner“ Bekanntmachung. Die nach Wahlabtheilungen eingetheilte Liste der stimmfähigen Bürger biesiger Stadt zur Wahl der Stadtverordneten liegt nach erfolgter Berichtigung in Gemäßheit des§ 20 der Städteordnung vom 19. März 1856 vom 15. bis 30. Juli d. J. im Verwaltungsgebäude, Betenstraße Nr. 19, Zimmer Nr. 1, während der Büreaustunden offen. Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste können während dieser Zeit bei uns erhoben werden. Dortmund, den 3. Juli 1894. Der Magistrat: Schmieding. Dortmund, den 4. Juli 1894. Bekanntmachung. Der Kreis=Ausschuß des Landkreises Dortmund hält Ferien während der Zeit vom 21. Juli bis 1. September cr. Während der Ferien dürfen Termine zur mündlichen Verhandlung in der Regel nur in schleunigen Sachen abgehalten werden. Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß. Der Vorsitzende des Kreis=Ausschusses: v. Rynsch. Ein kleiner Teckel, auf den Namen „Walom n. hörend, entlaufen. Wiederbringer erbält Belohnung. Wilhelmstr. 25. Kissen=Rover(kompleti), gut erhalten, Rahmenbau, Tangenispeichen u. Kugelsteuerung. Eink. 300 4 für 130.4 P. Bethke, Jakobstr. 12. Ein älterer Kaufmann besorgt und empfiehlt sich zum Abschließen der Bücher, Aufstellen der Bilanzen u. all schriftl. Arbeiten. Näb. Grünst raße 8 Stellensuchende aller Branchen placirt schnell Neuter's Bureau in Dresden, Ostra=Allee.* Todes-Anzeige. Heute verschied zu Wiesbaden, in Folge eines Herzschlages, mein lieber Mann, Herr Daniel Hilgenstock, im Alter von 62 Jahren. 9294 Dortmund, den 4. Juli 1894. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Mathilde Hilgenstock, geb. Spennemann. Die Beerdigung findet Samstag, den 7. d. Mts., vom Hause Kaiserstrasse 5, Vormittags 9 Uhr statt. s 4069 Die besten Schuhwaaren für Herren, Damen und Kinder kauft man am billigsten in großartiger Auswahl bei Großes Lager fertiger Herren-und Knaben-Garderoben. Dortmund, Westenhellw. 82a, (gegenüber der PetriKirche). Große Flurthür, gebr. Sprungheerd! C und Osen billig zu verkaufen.I" Praninos, Uebelgönne 19, 1 Tr.! sfast neu, zu verm. Burgwall 21.! Die Verlobung ihrer Tochter Auguste mit dem Herrn Regierungs-Supernumerar Fritz Weiberg beehren sich ergebenst anzuzeigen. 9286 Stockum. im Juli 1894. (Landkr. Bochum) Heinr. Putsch u. Frau, Alwine geb. Thiemann. Auguste Putsch Fritz Weiberg Stockum (Landkr. Bochum) Arnsberg. =DamenHemden. 9293 Hosen, Röcke, Nachthemd. und Jacken. Corsets, anerkannt bestes Fabrikat. Handschuhe. Schwarze Kinderstrümpfe, waschecht, zu 22, 25, 28, 30 4 und höher. 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(Ohne Gewähr.) 518 649 951 52 85 1174 230 92 485 739 855 928 2235 656 705 67 835 60 84 3066 207 95 713 865 4102 19 333 407 502 702 898 5138(200) 247 484 508 861 6001 25 28 352 459 521 832 82 963 7137 320 609 89 808 39 8139 368 93 451 582 9226 503 57 724 10666 763 902(500) 60 11098 396 482 700(100) 892 12127 289 347(150) 439. 607 705(100) 895 923 13098 406 616 37 814 14057 154 465 567 68 69 93 736 15058 145 482 634 732 928 16042 279 483 699 893 17160 402 500 668 865 945 18333 648 19467 837 20006 122 85 387 409 57(100) 610 21 751 21025 204 336 421 608 792 K2105 255 661 720 995 23020 100) 21 202 308 450 88 550 87 24006 148 289 308 62 488 568 83 648 817 907 40 25575 789 855 924 29 26117 256 405 515 29 27330 534 716 32 33(100) 817 28043 114 305 423 862 99(150) 929 29418 88 606 30192 209 378 646 861 910 31213 313 426 49 77 601 28 938 32331 32 458.653(1001 83 790 856(100) 983(100) 33025 98 121 453 532 78 722 876 907 34019 105 470 638 794 876 978 35202 498(200) 739 840 36087 189 610 733 906 63 37248 453 794 899 951 150) 38547[200) 67 677 807 48 39065 113 28 454 609 786 865 956 40082 167 358 87 488 549 626 41076 289(100) 316 835 978 42118 449 820 43049 187 272 463 578 695 811 44730(1001 871 45043 91(100) 247 350 477 570 93 612 837 82 46288 349 625 52 935(100) 47(1001— 631 826 31 905 10—.—— 848 40148 573 615 922 50107 203[200) 31 994 51000 280 489 567 652(100) 733 811 995 52089 124 42 58 327 67 495 728 923 53518 19 65 608 711 25 864 93 993 54031 671 81 713 36 885 904 55318 424 80 97 547 820 56133(1501 75 99 263 640 57081 89 446 56 605 46 795 58077 83 125 233 402 665 97 818 82 922 86 59379 649 711 866 60037 349 751 98 820 997 61075 103 230 329 68 637 61 711 973 62140 72(100) 768 825(100) 93 63272 571 682 85 923(100] 64096 225 49 427 542 97 606 880 962 65072 105 487 631 66372 545 79 615 38 771 938 67017 59 63 198 202(100) 570 610 86 753 814 927 97 100). 68098 129 248 60 340 746 859 09159 84 370 87 89 91 469 97 515 692 770 982"——— 25 70145 396 420 90 594 826 69 71276 329 502 16 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Ankündig die einspaltige Gr 20 Pf., und Wohnun □ Berlin, 6. J die konservative daß der zum L Hohenlobe=Oebrin Handelsvertrag n geschieden sei, son habe ihm„in 9 Gründe, die ihn machten“, die Ab Verwechslung mi fürst, wie die nicht vor. Die„ Verhandlungen u stimmung fast i# Mitglied der kon vertrag eintrete, trachtet würde. Schillingsfürst u Fraktion waren, ten, ihr Verhält Graf von Dönho Da ist es denn die Gründe die fanden, die des Fraktion so sehl Verbleiben einzu In der politi sich durch den ändern. Herr C auswärtigen als seines Vorgänger in der Nation di die wachsenden mit fester Hand niederzuhalten. einer Katastroph allem, was schon lebt hat. Wir n unvorhergesehene europäische Situ in die Zukunft ja die Lage noch Züge bietet sie r jüngsten Ver zu Rußland ist günstigeres gewe auf Frankreich, reich keine mäc sichert. 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