oK 165.— 67. Jahrgang. Morgen-Ausgabe. Montag; den 18. Juni 1894. Dortmunder Zeitung verbunden„Wsh mit dem Gussiaen=Manzts# Erscheint wöchentlich zwölfmal. Vierteljährliche Bezugsgebühr 2 M. 25 Pf. durch die Post bezogen 2 M. 50 Pf. Dortmunder Ankündigungs-Gebühren die einspaltige Grundzeile im Allgemeinen#..—„„ 20 pf. für Arbeitsmarkt Amtliches Kreisblatt für den Anzeiger. Anzeigen=Annahme: Wederstraße 2. Druckerei und Geschäftsstelle: Mönchenwordt 2. Verantwortlicher Redakteur: Rud. Versen, Stadt= und Landkreis Dortmund. a 8,8r# srsgen. beide zu Dortmund. und Wohnungs=Nachweis 15 Pf. Sonntags=Beilage:„Für Haus und Hof“, Blätter für Unterhaltung, gewerbliches und soziales Leben, Haus= und Landwirtschaft. Fernsprecher Nr. 181.— eitungs. Preisliste Nr. 1875— Fernsprecher Nr. 181. Der Vierboykott in Berlin hat, wie das zu erwarten war und vorausgesagt worden ist, einen Umfang und eine Bedeutung angenommen, welche die jetzt gebräulich gewordene Bezeichnung„Bierkrieg" rechtfertigen. Die Sozialdemokratie hat dadurch, daß sie als Partei mit ihren bekannten parlamentarischen Führern an der Spitze, die Sache der am 1. Mai gegen Parteibeschluß und gegen Mahnung der Führer streikenden Brauereiböttcher zu der ihren gemacht hat, einen über den einzelnen Fall und das einzelne Gewerbe hinausgehenden Kampf um die politische Macht und um den Einfluß nicht nur auf die Lohn= und Arbeitsbedingungen, sondern thatsächlich auf den ganzen Betrieb der Industrie und verschiedener Zweige des Handelsgewerbes heraufbeschworen. Es ist ein Krieg, in den als offene oder stille Teilnehmer und Parteigänger immer weitere Kreise eintreten und dessen Ausgang darüber entscheiden wird, ob die Sozialdemokratie die Macht, die sie Dank der Zahl ihrer Anhänger und ihrer strammen Organisation gegenüber den Arbeitgebern in den meisten Betrieben thatsächlich schon erlangt hatte— eine Macht, welche die von ihr getroffenen als Terrorismus bezeichnen—, behaupten und durch den Sieg noch verstärken kann, oder ob die Einschüchterung, unter der jetzt zahlreiche Gewerbetreibende schon lebten, gebrochen und damit das unstreitige politische Uebergewicht der Sozialdemokratie in der Reichs: hauptstadt vermindert wird. Man kann es von großen und kleinen Industriellen und herab bis zum sogenannten Budiker hören, daß sie aus diesem Anlasse versuchen wollen, wieder Herr im eigenen Betriebe zu werden und zu erreichen, daß sie bei Entlassungen von Arbeitern, die nicht wegen Lohnstreitigkeiten und Differenzen, über Zeit und Bedingung der Arbeit erfolgen, sondern aus persönlichen Gründen nicht sofort die ganze Macht der organisirten Sozialdemokratie mit Streike und Boykott im Hintergrunde zu fürchten haben. Das ist die Bedeutung des Bierboykotts geworden und so erklärt es sich auch, daß die Sozialdemokraten, die übrigens von der anfangs verblüffenden Brutalität der Sprache in diesem Kampfe doch etwas zurückgekommen sind, den eigentlichen Anfang des Streites vergessen machen möchten. Der Ursprung war der Streik der Brauereiböttcher am 1. Mai; aber nicht mehr von diesem Ursprung hat Herr Auer in einer der letzten Versammlungen die Entstehung des Bierkrieges datirt, sondern in verständlicher Absicht von der als Repressalie gegen die Boykottirung der ersten Brauerei in Rixdorf beschlossenen Entlassung von 20 Prozent der Brauereiarbeiter. Die Brauereiarbeiter hätten den Kampf gewollt, sagt Herr Auer und die Sozialdemokratie habe mitmachen müssen, weil ihre Ehre auf dem Spiele stand. Das ist, wie die„Frankf. Ztg.“ ausführt, nicht richtig. Hat die Sozialdemokratie, wie Herr Auer jetzt behauptet, wirklich den Streik der Brauer mißbilligt, so hätten ihre Führer bei dem unstreitig großen Einfluß, den sie besitzen, vielleicht schon die Arbeitseinstellung am 1. Mai, jedenfalls aber den leichtsinnigen Boykottbeschluß gegen die rixdorfer Brauerei, vorher oder nachher verhindern und damit den Ausbruch des ganzen Kampfes vermeiden können. Sie haben ganz genau gewußt, daß der Verein der Brauereien, durch die früheren Erfahrungen gewitzigt, sich solidarisch gegen die Boykottirung einzelner verhalten und von dem Koalitionsrecht Gebrauch machen werde, das die Arbeiter handhaben. Es hat auch in den weiteren Stadien Zeit und Möglichkeit genug geeben, durch Aufhebung des voreiligen ersten Boykotteschlusses den Streit noch in ehrenvoller und vernünftiger Weise beizulegen. Das hat die Sozialdemokratie aus Nachgiebigkeit gegen die Krakehler und wohl auch in Ueberschätzung ihrer Macht verabsäumt. Sie hat dadurch einen wirtschaftlichen Krieg heraufbeschworen, der wie solche Kriege immer beiden Seiten Wunden schlägt und wie Herr Singer in seiner letzten Rede sagte, namentlich kleine Existenzen vernichtet, wofür das Singersche la guerre comme a la guerre nur ein geringer Trost ist. Mit allen großen und kleinen Mitteln wird dieser Krieg geführt; thatsächlich ist nicht nur das Bier der sieben ausgewählten Brauereien, sondern wie sich zeigt, das Bier aller zum Verein gehörigen Brauereien zum Verruf erklärt. Neue Begriffe und Bezeichnungen, so der des Bierschmuggels und der Bierschnüffler sind entstanden. Wie Steuerbeamte an den Grenzen wachen die Kontrolleure der Sozialdemokratie, meist entlassene Brauereiarbeiter, darüber, daß kein boykottirtes Bier unter falschem Namen in die Schankwirtschaften gebracht und verkauft wird. Sie nennen das Schmuggel und Betrug, sie überwachen die Thore der Brauereien, verfolgen deren Wagen, zwingen als Kontroll=Kommission die Wirte zur Offenlegung ihrer Bücher, revidiren deren Keller und suchen durch Ueberredung und Drohung auf die Wiederstrebenden einzuwirken. Das mag im Sinne der Partei eine verdienstliche Thätigkeit sein, beliebt bei den davon Betroffenen nicht und populär macht sich der Bierschnuffler selbst bei denjenigen nicht, die zu den Genossen gehören. Der grune Rock des Steuerbeamten und der blaue des Schutzmanns sind es nicht, die ihren Trägern die Unpopularität eintragen, der kontrollirende„Genosse“ im bürgerlichen Kleide ist auf dem besten Wege, und zwar nicht erst seit diesem Bierboykott, sich ein ähnliches Maß von Unbeliebtheit wie jene Beamten zu erwerben. Die Sozialdemokratie in Berlin übt ja schon lange eine stark kontrollirende Thätigkeit. Sie hat auch eine SanitätsKommission eingesetzt, um gesundheitsschädliche Häuser und Wohnungen zu untersuchen. Einer dieser Kontrolleure hat, wie die Zeitungen dieser Tage berichteten, seine verdienstliche Thätigkeit bis auf die körperliche Untersuchung von Abeiterfrauen unter dem wissenschaftlichen Vorwand einer Statistik über Kindersegen auszudehnen versucht: er ist von den meisten abgewiesen worden, eine hat sich ihm gefügt. Hoffentlich wird man des Biedermanns habhaft dann wird sich zeigen, ober wirklich ein bestallter Genossewar Ein lehrreiches Symptom ist die Geschichte aber jedenfalls, daß sozialistische Untersuchungen und Kontrollen ganz wie polizeiliche gewisse bedenkliche Grenzen haben. Für jede Kriegsführung sind Geld und Wetter wichtige Faktoren. Die Sozialdemokratie ist dank dem Opfermut ihrer Anhänger jedenfalls auf lange Zeit in der Lage, die entlassenen Brauereiarbeiter, deren Zahl auf 670 mit 511 Kindern angegeben wird, über Wasser zu halten. Diese Frage spielt für die Entscheidung des Kampfes so gut wie garnicht mit. Wichtiger ist, wie lange die Brauereien die Verminderung ihres Absatzes durch den Boykott aushalten konnen. Der Verein zählt gegenwärtig 34 Brauereien; eine rleine in Charlottenburg ist abgefallen und hat sich Unterworfen; dafür sind mehrere andere dem Vereine neu beigetreten und es ist thatsächlich eine Vereinigung aller „an eien der norddeutschen Braugemeinschaft zur Ab „„## des Boykotts im Werke; wenn diese wirklich zu stande Eme, würde der Ausgang des Kampfes entschieden sein. erwähnte Verein verfügt nach zuverlässigen Mitteilungen über ausreichende Mittel und eine Organisation zur gemeinschaftlichen Entschädigung der durch den Boykott Betroffenen, die ihn befähigen, den Kampf sehr lange Zeit, sogar Jahr und Tag auszuhalten. Dazu sind auch die Leiter der Brauereien in grundsätzlicher Würdigung der Tragweite des jetzigen Kampfes fest entschlossen. Es könnte nicht jetzt, sondern später möglich sein, daß einige kleinere Brauereien nicht zu halten sind und abfallen, alle großen und durch ihre Produktion maßgebenden glauben den Boykott auf absehbare Zeit aushalten zu können. Die Brauereien veröffentlichen keine Angaben über den Rückgang ihres Absatzes und zwar, wie sie versichern, weil sie überhaupt in diesem Kampfe sich möglichst ruhig verhalten wollen und vor allen Dingen, weil sie wirklich nicht berechnen können, wieviel vom Rückgang auf den Boykottt zu schreiben ist und wieviel auf andere Einflüsse. Das Wetterglück steht nämlich bisher auf seiten der Sozialdemokratie; seit mitte Mai haben wir ungewöhnlich niedrige Temperatur und viel Regen und dadurch vermindert sich der Bierkonsum sehr bedeutend. Heißes oder kühles Wetter, Furcht vor Seuchen, wie vor zwei Jahren die vor Cholera und ähnliche Einflüsse bringen in dem Absatz der Brauereien Schwankungen hervor, die nachweislich größer sind als die durch den Boykott verursachten. Die von sozialdemokratischer Seite veröffentlichten Zahlen über den Rückgang der Brauereien, wonach er bei einzelnen über die Hälfte des Absatzes betragen soll, sind nach glaubwürdiger Versicherung vollständtg falsch und willkürlich. Der Rückgang beträgt selbst unter dem Einflusse des kühlen Wetters im ärgsten Falle noch nicht einviertel; bei den meisten etwa einachtel; ja einzelne Brauereien haben aus besonderen Gründen sogar eine Zunahme des Absatzes zu verzeichnen. Das sind Schwankungen, mit denen das Brauereigewerbe selbst bei normalen Verhältnissen rechnen muß und die jedes einigermaßen sicher fundirte Unternehmen ertragen kann. Es ist nach den Angaben der berliner Blätter von den Wirkungen des Boykotts äußerlich im Besuche der großen Lokale kaum etwas zu merken, denn diese haben zum großen Teil ein bürgerliches Publikum und 20000 Landwirte, die zum Besuche der Ausstellung sich eine„Woche in der Hauptstadt aufhalten, sind beispielsweise für den Bierkonsum keine zu unterschätzende Hülfstruppe. Mehr bemerkbar macht sich der Boykott im Flaschenverkauf und in den kleinen Wirtschaften der Arbeiterviertel. Dort leiden die kleinen Gostwirte, die zum großen Teile Genossen sind, unstreitig schwer darunter. Ihre Stimmung und die Anhänglichkeit an die Partei verbessert das kaum und auch die Untersuchung ihrer Keller und Bücher durch revidirende Genossen ftischt ihre Laune nicht auf. Es ist daher eine offenkundige und auch in sozialdemokratischen Versammlungen beklagte Thatsache, daß zahlreiche Wirte, die sogar Sozialdemokraten sind, nach wie vor offen oder heimlich boykottirtes Bier beziehen und ausschänken. Dagegen hilft alle Bierschnüffelei nichts. Es wird unter fremdem Namen viel boykottirtes Bier getrunken. Die Zielbewußtheit der Genossen hat ihre Grenze, wenn es sich um den eigenen Ruin handelt. Wenn es schon fraglich ist— oder vielmehr nach allen Beobachtungen nicht fraglich— ob wirklich alle politisch zur Sozialdemokratie gebörigen an diesem Boykott teilnehmen, so steht doch jedenfalls fest, daß von den Arbeitern, die doch von dem sozialdemokratischen Organ zum großen Teil als darbende Prolekarier hingestellt werden, auch die Mehrzahl der kleinen Wirte allein nicht leben kann. Es stimmt nicht zu den gewöhnlichen Ansichten über die wirtschaftliche Lage der Arbeiter, wenn man jetzt behauptet, ihr Bierkonsum entscheide über die Existenz der Brauereien und Wirte. Es sollte uns wundern, wenn sich der steuerfindige Miquel diese Behauptung nicht fu die Zukunft merkte. Vorläufig muß man dem vielgeschmähten Bürgertum den einen Ruhm noch lassen, daß es im Bierkonsum starkes leistet. Damit müssen die Wirte und Händler, auch die sozialdemokratischen, rechnen und die Sympathien aller bürgerlichen Kreise stehen unstreitig diesesmal auf seiten der boykottirten Brauereien. Ursprung des Streites und allgemeine geundsätzliche Erwägungen über seine Traaweite sind dafür maßgebend. Diese Sympathie kommt im Geschäftsverkehr der kleinen Händler und Wirte mit den Brauereien zum Ausdruck, ferner aber auch öffentlich durch die bekannten Beschlüsse des Vereins der Gastwirte, der Saalbesitzer und der für das berliner volkstümliche Leben nicht zu unterschätzenden Weißbierwirte. Sie alle haben sich mit dem Verein der Brauereien solidarisch erklärt; auch zahlreiche Industrielle, die in ihren Etablissements Kantinen unterhalten, treten sogar auf die Gefahr eines Konfliktes mit ihren Arbeitern hin auf seiten der Brauereien. Ob den Beschlüssen jener Vereine, namentlich dem Beschlusse von 250 Saalbesitzern, ihre Säle vom 15. Juni ab den Sozialdemokraten zu verweigern, eine große, praktische Bedeutung beizulegen ist, halten wir für fraglich. In so großen Vereinen gibt es zu verschiedenartige, wirtschaftliche Existenzen, als daß sie einen so schweren Kampf geschlossen auf die Dauer durchführen könnten. Da wirds bald Abfall und Niederlagen geben, aber jedenfalls sind alle diese Kundgebungen ein sehr bemerkenswertes Symptom der politischen Stimmung, die sich gegen das Vorgehen der Sozialdemokratie richtet und einer richtigen Eckenntnis der über das Brauereigewerbe hinausgehenden Bedeutung dieses Bierkrieges. Wenn gar, wie jetzt gemeldet wird, einzelne Industrielle ihre Arbeiter entlassen wollen, so wäre das eine sehr bedauerliche Verschiebung des ganzen Kampfes, die der Sozialdemokratie Sympathien zuführen könnte, die sie jetzt nicht besitzt, und als eine ungerechte Maßregelung unbeteiligter Arbeiter die gesamte Arceiterschaft zu einer Parteinahme veranlassen würde, die bis jetzt iu diesem Bierkrieg noch nicht in so weitem Maße erfolgt ist. Die Brauereien fechten ihn auf grund der bisherigen Sympathie, die sie genießen, am besten allein aus. Er wird leider umso länger dauern, jemehr es klar ist, daß es sich um eine Machtfrage handelt, in der sich der Besiegte unterwirft. Berlin, 16. Juni. Aus Deutsch=Südwestafrika. Der Landeshauptmann von Südwestafrika, Major Leutwein, hat über die Ereignisse auf dem von ihm nach dem Süden des Schutzgebietes unternommenen Zug einen Bericht erstattet, der im„Kol.=BI.“ veröffentlicht wird. Ueber den Zug gegen die Khauashottentotten berichtet er: Am 24. Februar brach ich mit etwa 100 Mann, darunter 70 Weißen, und einem Geschütz, von Windhoek auf, nachdem vorher ein kurzer Briefwechsel zwischen mir und dem Häuptling Andries Lambert stattgefunden hatte, in dem ich ihm, falls er keine Besserung zeige, Bestrafung androhte. Außer dem Verdacht, den Tod des deutschen Händlers Krebs herbeigeführt zu haben, lastete nämlich auf dem Häuptling noch die Anschuldigung, einen Boten des Majors v. Francois mit 150 Hieben bestraft zu haben, weil dieser sich in einer Klagesache an die deutsche Regierung gewendet habe, sowie ferner die Beschuldigung des in neuester Zeit verübten meuchlerischen Ueberfalles und Niederschießens der unter deutschem Schutz stehenden Betschuanen, was die entkommenen Reste derselben bei mir in Windhoek zur Anzeige gebracht hatten. Diese Reste, im ganzen 22 Mann, begleiteten mich außerdem auf meinem Zuge und hatte ich mit Gewehren M. 71 ausgerüstet. Der ganze Stamm der Khauashottentotten hatte überhaupt seit langer Zeit sich durch seine Räubereien berüchtigt gemacht, so daß sein Gebiet zu dem verrufensten im ganzen Schutzgebiete gehörte, und kein Händler oder Ansiedler es wagen durfte, sich ohne schweres Risiko dort sehen zu lassen. Während meines Vormarsches sandte ich eine Patrouille unter dem Unteroffizier Bohr auf einige Tagemärsche voraus, um die Gelände, sowie die sonstigen Verhältnisse in der Werft des Stammes zu erkun digen. Für alle Fälle gab ich demselben die Erlaubnis, nach eigenem Ermessen auch offen zu dem Häuptling zu gehen und ihn meiner friedlichen Absichten zu versichern, falls er sich meinen Bedingungen unterwerfen würde. Offizier Bohr wählte den letzteren Weg und brachte zwei Abgesandte des Häuptlings mit gleichsfalls friedlichen Versicherungen zurück. Diesen beiden letzteren brachte ich indessen gerechtfertigtes Mißtrauen entgegen, hielt sie für Spione und ließ sie trotz ihres Widerstrebens erst so spät wieder los, daß ich mit den berittenen Mannschaften, mit denen ich den übrigen Truppen vorauseilte, unmittelbar nach ihnen in der Werft des Häuptlings eintraf. Dieser schien überrascht und wagte, als ich mich seiner Person versicherte, keinen Widerstand. Ich schlug mein Lager mitten in der aus zwei Teilen bestehenden Werft auf, derart, daß ich beide Teile beherrschte. Bald kam auch das Geschütz; desgleichen trafen die von Premierlieutenant v. Francois mit anerkennenswerter Schnelligkeit nachgeführten Wagen und Fußmannschaften ein. Gegen Abend versammelten sich auf mein Ersuchen die Ratsmänner des Stammes um den mittlerweile in meinem Gewahrsam verbliebenen Häuptling. In den nunmehr beginnenden Verhandlungen unterwarf sich der letztere allen meinen Bedingungen, welche lauteten: Anerkennung der deutschen Oberhoheit, Auslieferung von Waffen und Munition, Rückgabe des den Betschuanen geraubten Gutes und endlich Verpflichtung zu friedlichem und ruhigem Verhalten für die Zukunft. Unter Zurückhaltung von zwei Ratsmännern, worunter der Bruder des Häuptlings, als Geiseln entließ ich sodann den letzteren nebst den übrigen Ratsmännern, um ihr Volk zur Anerkennung der Bedingungen zu bewegen und vor allem die Zurückgabe des Gutes der Betschuanen, welches hauptsächlich in Ochsen bestand, in die Wege zu leiten. Kurz vor Anbruch der Dunkelheit erhielt ich aber sichere Nachricht, daß der ganze Stamm unter Zurücklassung der Geiseln in der Nacht den Platz zu ver lassen beabsichtige. Außerdem war mir schon morgens beim Durchreiten durch die Werft aufgefallen, daß die Pferde des Stammes nicht, wie dies sonst hier zu Lande üblich, draußen auf der Weide, sondern dicht bei den Pontoks angebunden waren. Die gleiche Wahrnehmung hatte auch Premierlieutenant v. Francois gemacht und mir sofort nach seiner Ankunft gemeldet. Die Sache schien mir daher um so wahrscheinlicher, und sandte ich sofort zwei stärkere Patrouillen unter meinen zwei Ossizieren, dem Premierlieutenant v. Francois und dem Sekondelieutenant von Ziethen, nach den beiden Teilen der Werft, um sich abermals der Person des Häuptlings, sowie der Pferde des Stammes zu versichern, während ich selbst mit dem größten Teile der Mannschaft in der Mitte der Werft in Bereitschaft blieb. Dank dem thatkräftigen Eingreifen der genannten Herren verlief das Unternehmen glatt, und wurden in kurzer Zeit 30 Pferde nebst der Person des Häuptlings, sowie des Schulmeisters, der rechten Hand des ersteren, seitens des Herrn Lieutenants v. Ziethen, außerdem gegen 30 Gewehre eingebracht. Die Pferde waren zum teil ganz gesattelt und aufgezäumt, die Gewehre sämtlich geladen und bei den Pontoks bereit gestellt gewesen, so daß kein Zweifel an dem beabsichtigten Ausmarsch des Stammes möglich war. Den anderen Morgen in der Frühe ließ ich das Lager alarmiren und gingen mit Tagesanbruch dieselben beiden Patrouillen nach den Wersten in Begleitung der Betschuanen, welche das ihnen geraubte Gut rekognosziren sollten. Es wurden nochmals über 30 geladene Gewehre mit zahlreicher Munition nebst dem ganzen Vieh des Stammes, soweit dasselbe auf den Werften anwesend war, eingebracht, außerdem zahlreiches sonstiges Gut, wie Wagen, Hausgeräte und dergleichen, welches die Betschuanen als das ihrige bezeichnet hatten. Den letzteren wurde nun im Beisein und unter Zustimmung des Bruders des Häuptlings, Eduard Lambert, das ihrige zugewiesen, den Hottentotten dagegen ihr Eigentum ausschließlich der Gewehre und Munition zurückgegeben. Da der Häuptling Andries Lambert, nachdem er eben erst zu ruhigem und friedlichem Verhalten verpflichtet hatte, sein Wort gebrochen hatte, indem er sich und seinen Stamm zu nächtlichem Aufbruch vorbereitete, da er außerdem hiermit deutlich zu erkennen gab, daß er sein altes Räuberleben fortzusetzen gedenke, fand ich keine Veranlassung, die anfänglich ihm zugedachte Gnade zu gewähren, sondern beschloß, die Strenge des Gesetzes walten zu lassen. Ich berief ein summarisches Kriegsgericht und übernahm den Vorsitz in demselben. Bei der nun folgenden Verhandlung, bei der zwei Ratsmänner, sowie der Bruder deAngeschuldigten als Zuhörer zugegen waren, traten die Betschuanen, sowie ein ehemaliger Treiber des ermordeten Händlers Krebs, der in gleicher Eigenschaft zurzeit bei der Truppe angestellt ist, als Zeugen auf. Es wurde dem Häupt ling mit Bestimmtheit nachgewiesen, daß er den Mord des Händlers Krebs, wenn nicht direkt befohlen, so doch minde stens ausdrücklich gebilligt habe, augenscheinlich, um sich der Bezahlung seiner Schulden an den letzteren zu entziehen, sowie daß er die Betschuanen an zwei Orten überfallen und sie, nachdem er sie teilweise durch falsche Vorspiegelung vor her wehrlos gemacht, einfach niedergeschossen habe. Das Kriegsgericht verurteilte den Häuptling für diese Verbrechen zum Tode. Andries Lambert bekannte sich schuldig, bat aber um Begnadigung zum Gefängnis, um seine Sünden noch bereuen zu können. Da ich indes bereits die Erfahrung gemacht hatte, wie schwer es ist, diese aalglatten und gewandten Eingeborenen bei den hiesigen Geländeverhältnissen festzuhalten und daher die Mitführung eines so wichtigen Gefangenen große Anforderungen an die Mannschaften hinsichtlich des Wachtdienstes auf meinem weiteren Zuge zurfolge gehabt hätte, und da ich ferner der festen Ueberzeugung war, daß nach seinem etwaigen Entkommen in dem Häuptling Andries Lambert uns im Osten unseres Schutzgebietes ein zweiter Witboy erwachsen würde, so bestätigte ich das Urteil und ließ dasselbe durch ein Kommando von einem Offizier und acht Mann vollstrecken. Der Bruder des Häuptlings, der bereits genannte Eduard Lambert, hatte mir selbst zugegeben, der erstere sei der schlimmste Kapitän gewesen, den sein Volk hätte haben können und habe er, Eduard, häufig vergeblich versucht, ihn von seinen schlechten Wegen abzuhalten. Ueber den Friedensschluß mit dem Stamm der Khaugshottentotten berichtet Major Leutwein folgendes: Nach dem bei den Hottentotten gültigen Recht ist der legitime Nachfolger des Andries Lambert der Sohn von dessen verstorbenen ältestem Bruder, Masse Lambert, welcher sich bis jetzt zu seiner Erziehung in Berseba befunden hat und vor kurzem volljährig geworden ist. Da ich auf meinem ferneren Zuge genannten Ort berühre, so werde ich denselben selbst von dem Geschehenen in Kenntnis setzen und ihn zur Rückkehr zu seiner Werft veranlassen. Ich habe dies in einer mit den Resten des Stammes der Khauashottentotten— die meisten waren nach Gefangennahme des Häuptlings aus überflüssiger Furcht entflohen— abgehaltenen Versammlung bekannt gegeben und zugleich den Eduard Lambert ersucht, bis zum Eintreffen des neuen Häuptlings das Amt des letzteren zu übernehmen. Dieser sowie die ganze Versammlung stimmte zu und willigte außerdem in den ihnen vorgelesenen Vertrag, betreffend Unterwerfung unter die Oberhoheit Sr. Mai. des Kaisers. Der stellvertretende Häuptling verpflichtete sich ferner, auch den neuen Häuptling zur Anerkennung des Vertrages zu bewegen und mit demselben binnen drei Monaten zur Ratifizirung in Windhoek zu erscheinen. Die weggenommenen Pferde gab ich dem Stamm nicht wieder zurück, sondern kaufte sie ihm ab, da dies ein erhebliches Moment zur Wehrlosmachung des Stammes ist. Das Geld sollte der Häuptling indessen persönlich in Windhoek erheben. Die Rückgabe von Gewehren und Munition bezw. des entsprechenden Gegenwertes stellte ich bei längerem Wohlverhalten in Aussicht. Ferner mußte der Stamm die bisher leihweise an die Betschuanen überlassenen Plätze Aais und Ami nois an Se. Maj. den deutschen Kaiser abtreten. Dem Berichte des Landeshauptmanns fügt das„Kol.=Bl.“ noch folgendes hinzu: Nach neueren, in der vorigen Nummer des„Kolonial=Blattes“ erwähnten Berichten hat das geplante Zusammentreffen mit dem Major Leutwein inzwischen in Bethanien stattgefunden. In Uebereinstimmung mit letzterem hat Major v. Francois den Lieutenant v. Ziethen mit zwei Unteroffizieren und 20 Mann in Bethanien stationirt und außerdem Angra=Pequenna mit einem Feldwebel(gleichzeitig Hafenmeister) und 3 Mann, Gubub mit 1 Unteroffizier und 5 Mann, Keetmanshoop mit 1 Offizier, 2 Unteroffizieren und 12 Mann, Rietfontein mit 1 Unteroffizier und 6 Mann, Warmbad mit 1 Unteroffizier und 1 Mann, Gibeon mit 1 Unteroffizier und 12 Mann, Uhabis mit 4 Mann belegt, so daß in Summa 2 Offiziere, 9 Unteroffiziere und 63 Mann verwandt worden. Die Stationen Angra=Pequenna und Gubub sind dem Stationschef in Bethanien, die übrigen dem in Keetmanshoop unterstellt. Witboi hat sich mit den 80 bis 100 Streitern, über die er noch verfügt, nordwestlich von Gibeon zurückgezogen und wird es bei der schwachen Zahl seiner Anhänger und dem Mangel an Munition kaum zu einer Einschließung kommen lassen, ebenso wenig zu einem ernsthaften Gefecht. Er wird vielmehr bei Annäherung der Truppen unbemerkt seinen Platz verlassen und alles vermeiden, was dazu beitragen könnte, seinen neuen Aufenthaltsort zu erkunden. Seinen Aufenthalt wird Witboi in dem an Schlupfwinkeln reichen, schwer zugänglichen Gelände zwischen Goob und Tsaris wählen. Berlin, 16. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen einen Spazierritt in der Umgebung des neuen Palais. Von demselben zurückgekehrt, nahm der Kaiser die Vorträge des Chefs des Generalstabes, Graf von Schlieffen, und des Chefs des Militärkabinetts, v. Hahnke, entgegen. Anschließend an die Parade des Garde=Jäger=Bataillons nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und stattete dann dem sog.„langen Stall“ einen Besuch ab, wo die Speisung der Mannschaften des Garde=Jäger= Bataillons und der ehemaligen Garde=Jäger als deren Gäste statttand. Hier brachte der Kaiser folgenden Toast aus:„Nach alter Waidmannsart erhebe Ich Mein Glas und leere es auf das Wohl der alten Jäger!" Oberst Graf von der Goltz dankte mit einem Hoch auf den Kaiser. Morgen vormittag 11½ Uhr findet, wie gemeldet, io Gegenwart des Kaisers und der Kaiserin im Lustgarten die jeierliche Grundsteinlegung für den Dom statt. Zu der Feier sind befohlen: die hier anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, die im Gardekorps dienenden und zurzeit bei ihren Truppenteilen anwesenden Prinzen aus regierenden deutschen Häusern, das allerhöchste Hauptquartier und die hier anwesenden Generaladjutanten, Generale à la suite und Flügeladjutanten Sr. Majestät, der Reichskanzler, der Generalfeldmarschall Graf von Blumenthal, der Generaloberst v. Pape, der Kriegsminister der Chef des Generalstabs der Armee, die hier anwesenden aktiven Generale und Aomirale, sowie die Kommandeure der hiesigen Garderegimenter-bezw. selbständigen Bataillone.(Auch die dortmunder Deputirten, die Herren Pastor Steinhoff und Eisenbahn=Sekretär Buschschulte, haben, wie wir hören, eine Einladung erhalten.) Das 3. Garderegiment z. F. wird eine Ehrenkompagnie mit Regimentsmusik und Fahne, sowie die Doppelposten vor dem Eingange zum Festplatz und am Kaiserzelt stellen. Die Kaiserin Friedrich hat die Einladung zur Teilnahme an der Enthüllung des Blücherdenkmals in Caub mit dem Hinweise beantwortet, daß der 18. Juni der Jahrestag der Beisetzung Kaiser Friedrichs sei und daß sie diesen Tag in stiller Zurückgezogenheit verleben wolle. Der Ministerpräsident Graf Euleuburg hat sein Erscheinen als wahrscheinlich, wenn auch nicht als sicher, angekündigt. Als Deputation der Blücher=Husoren erscheint der Oberst des Regiments mit zwei Offizieren. Wie die„Kreuzzeit.“ meldet, hat Graf v. d. Goitz das mit seinem Stade in Meiningen stehende 2. thürmgische Infanterie=Regiment Nr. 32 und Major Frhr. v. Plettenberg, bisher Kommandeur des westfälischen JägerBataillons Nr. 7, das Garde=Jäger=Bataillon erhalten. Der„Reichsanzeiger“ meldet: Der zum königlichen Gesandten in Hamburg ernannte geheime Legationsrat von Kiderlen=Wächter ist daselbst eingetroffen und hat die Geschäfte der Gesandschaft übernommen. Eine Depesche meldet der„Voss. Ztg.“ aus Brüssel: Die halbamtliche„Gazette“ meldet aus autorisirter berliner Quelle, Deutschland sei entschlossen, falls es nicht dem englisch=kongostaatlichen Abkommen gegenüber Genugthuung erhalte, die Neutralität des Kongostaates nicht mehr anzuerkennen. Die Zahl der auf den preußischen Staatsbahnen verkehrenden„Harmonikazüge“, in der Eisenbahnsprache.=Züge (Durchgangszüge) genannt, beläuft sich gegenwärtig auf 20. Im ganzen sind aber 48 Schnellzüge für die Umwandlung in Harmonikazüge in Aussicht genommen. Berechnet man die jährliche Einnahme für Platzkarten auf etwa 80 000 M für jeden Zug, so ergibt sich für diese 20 Züge eine besondere Einnahme von 1 600 000 M Die Herstellungskosten eines Wagens betragen, dem„H..“ zufolge, durschnittlich etwa 40000 M Rechnet man den Zug zu sechs Wagen(einschließlich der Reservewagen gerechnet), so ergibt dies einen Kostenaufwand von 240 000 M für den Zug, dessen gesamte Herstellungskosten somit schon nach drei Jahren durch die Einnahmen für Platzkarten allein vollständie gedeckt werden. Ausland. * Pest, 10. Juni. Abgeordnetenhaus. Die Valutavorlagen wurden in zweites Lisung ungenommen. * Paris, 16. Juni. Der vom General Edon durch einen Revolverschuß verwundete Unter=Lieutenant Schiffmacher ist heute gestorben. Wie verlautet, soll General Edon vor ein Kriegsgericht gestellt werden. * Madrid, 17. Juni. Ministerpräsident Sagasta gab im Senate die Erklärung ab, daß er aus der Annahme des Handelsvertrages mit Deutschland eine Kabinettsfrage mache und die Alternative zwischen seinem Rücktri t 2c. und der Auflösung der Kortes stelle. Der Ministerpräsident wird seine Rede morgen beendigen. * Rom, 16. Juni. Der Urheber des Attentats gegen den Ministerpräsidenten Crispi heißt Pietro Lega, ist aus Lugo in der Romagna, 25 Jahr alt und gibt an, Tischler zu sein. Er führt den Beinamen Marat und gehört anarchistischen Vereinigungen an. Nach seiner Aussage ist er heute morgen mit der Absicht, Crispi zu töten, nach Rom gekommen; er bedauere, daß es ihm nicht gelungen sei, seinen Zweck zu erreichen. Ferner erklärte er, Anarchist zu sein.— Das Attentat hat große Aufregung in der Stadt hervorgerufen. Der König entsandte seinen ersten Generaladsutanten, um Crispi sein Bedauern über das Attentat auszudrücken und ihn zu beglückwünschen, daß er unverletzt geblieben sei. Abordnungen des Senats und der Munizipalität begaben sich gleichfalls zu Crispi, um ihn zu beglückwünschen. Schon jetzt sind zahlreiche Telegramme bei dem Ministerpräsidenten eingelaufen. WTB Die feierliche : f ü r d e n D o m z u * a m 1 7. J u n i 1 8 9 4. Berlin, 17. Juni. Bei prächtigem Wetter hat heute vormittag um 11½ Uhr die feierliche Grundsteinlegung für den berliner Dom stattgefunden, ein Ereignis, welches, wie der Hof= und Domprediger Vieregge in seiner Ansprache mit recht hervorhob, nicht nur für Berlin und Umgebung, sondern weit darüber hinaus, seine hohe Bedeutung hat. Vor 143 von Friedrich dem Großen erbaut und von Friedrich Wilhelm III. in den Jahren 1816—20 umgebaut, faßte schon König Friedrich Wilhelm IV. und nach ihm Kaiser Wilhelm I. den Plan, ein würdiges Gotteshaus an die Stelle des alten berliner Domes zu setzen. Nachdem Kaiser Friedrich III. sofort nach seinem Regierungsantritt diesen Plan weiter ausbaute, konnte heute unter der Regierung Kaiser Wilhelms II. endlich der Grundstein zu dem neuen Gotteshause gelegt werden, dessen Vollendung zu ende des gegenwärtigen oder zu anfang des nächsten Jahrhunderts erfolgen dürfte, wenigstens insoweit, daß der Gottesdienst daselbst bereits wieder abgehalten werden kann. Die Feier selbst erhielt durch die Anwesenheit der Majestäten, der Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und der Prinzen und Prinzessinnen aus anderen souveränen Häusern, nebst den Hofstaaten und der zahlreichen hohen Würdenträger eine ganz besondere Weibe. Außer ihren kaiserlichen und königlichen Majestäten und den drei ältesten kaiserlichen Prinzen waren folgende höchste Herrschaften zugegen: Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, Prinz Friedrich Heinrich und Prinz Joachim Albrecht von Preußen, der Erbprinz von Sachsen, Coburg und Gotha, Herzog und Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg, Herzogin Wilhelm von Mecklenburg, Prinz und Prinzessin Aribert von Anbalt, Prinz Albert von Schleswig=Holstein=Sonderburg=Glücksburg, Erbprinz und Erbprinzessin von Hohenzollern und Prinz und Prinzessin Friedrich von Hohenzollern. Außerdem waren, wie erwähnt, das höhere Beamtentum und die geistlichen Würdenträger in großer Zahl bei der Feier zugegen, die Generalität vollzählig. Wir bemerkten unter anderm: den Reichskanzler Grafen Caprivi, den Feldmarschall Graf von Blumenthal, den Gouverneur, Generaloberst von Pape, den Präsidenten des kgl. Staatsministeriums Grafen zu Eulenburg, den kgl. Hausminister von Wedel, die Minister Dr. Miquel, Thielen und Dr. Bosse, den Kriegsminister Bronsart von Schellendorff, den Präsidenten des evangelischen Oberkirchenrats D. Dr. Barkhausen 2c. Ferner waren die Obersten Hof=, die OberHof= und die Vize=Ober=Hof=Chargen, die Kabinetts=Chefs und das Hauptquartier Sr. Majestät des Kaisers und Königs erschienen. Eine Kompagnie des 3. Garde=Reg. zu Fuß mit Fahne und Musik hatte außerhalb des eigentlichen Festplatzes, Front gegen das Kaiserzelt, Aufstellung genommen. Die Tribünen waren dicht besetzt, nicht minder die Abteilungen für die Stehplätze. Dem Kaiserzelte gegenüber waren auf einer erhöhten Tribüne das Bläserchor und das Domchor unter Leitung des Prof. Becker plazirt. Vor dem Kaiserzelte befand sich die Stelle, wo der Grundstein gelegt werden soll. Präzise 11½ Uhr trafen die Majestäten mit den drei ältesten kaiserlichen Prinzen auf dem Festplatze ein. Se. Majestät schritt zunächst die Front der Ehrenkompagnie ab, während Ihre Majestät die Kaiserin ins Zelt trat. Als Seine Majestät alsbald allerhöchstderselben folgte, nahm die Feier ihren Anfang. Der Bläserchor intonirte das„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ und die Anwesenden sangen zwei Verse desselben, worauf Hof= und Domprediger Vieregge die Festansprache hielt, der er das Textwort aus 1. Buch Könige, Kap. 5, Vers 4 und 5 zugrunde legte. Er schilderte in glühenden Farben die Bestimmung des auf diesem Platze zu erhauenden Gotteshauses in eingehender Weise und hob besonders den evangelischen Charakter desselben hervor, zugleich den Segen des Herrn auf diesen Bau herabflehend. Nach Gesang des Domchors erfolgte die Verlesung der Stiftungsurkunde durch den Vorsitzenden der DombauKommission, Minister des königlichen Hauses von Wedel. Diese in einen gläsernen Zylinder eingeschlossene und in den Grundstein gelegte Urkunde lautet wie folgt: „Im Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, urkunden und bekennen hiermit, daß Wir beschlossen haben, am heutigen vierten Sonntage nach dem Feste der heiligen Dreieinigkeit den Grundstein zu dem Neubau der Domkirche in Unserer Haupt= und Residenzstadt Berlin zu legen. 143 Jahre hat auf diesem Platze die alte Dom=Kirche gestanden, von König Friedrich dem Großen errichtet, von Unserem in Gott ruhenden Urgroßvater König Friedrich Wilhelm Ih. in den Jahren 1816 bis 1820 umgebaut. Dieselbe entsprach räumlich und künstlerisch den Anforderungen der neuen Zeit nicht mehr. Deshalb beschloß und begann schon König Friedrich Wilhelm IV. bald nach Seinem Regierungsantritt den Neubau des Doms und einer mit demselben verbundenen Grabstätte für Unser Königliches Haus. Die Ungunst der Zeiten hinderte die Vollendung des Baues. Ihn zur Ausführung zu bringen, erachtete Unser unvergeßlicher Herr Großvater Kaiser und König Wilhelm I. als ein Ihm überkommenes, heiliges Vermächtnis. Nach Seinem letzten Willen sollte der neue Dom ein Denkmal des Danks von Fürst und Volk für die göttliche Gnade sein, welche sich in den glorreichen Ereignissen der Jahre 1870 und 1871 offenbart und Preußen und die mit ihm verbundenen deutschen Stämme zum Siege geführt habe. Bereits wenige Tage nach Seiner Thronbesteigung befahlen Unser vielgeliebter Herr Vater Kaiser und König Friedrich III. die Wiederaufnahme der Vorbereitungen zu dem Dom; doch ein schweres Geschick vergönnte Ihm nicht, denselben auszuführen. So ist denn die Erfüllung jenes Vermächtnisses Uns überkommen. Ueber dem Grundstein, den Wir heute legen, soll sich ein Gotteshaus erheben, würdig des Platzes, auf welchem Wir stehen. In dankenswertem Entgegenkommen hat der Landtag Unseter Monarchie zur Bestreitung der Kosten dieses Baus, der nach den Entwürfen des geheimen Regierungsrats Professors Raschdorff ausgeführt werden soll, die Summe von zehn zaillionen Mark bewilligt. Der Segen des allmächtigen Gottes begleite dieses Werk und lasse es vollendet werden zu Seiner Ehre und zum Preise Seines heiligen Namens. Gegeben zu Berlin am siebzehnten Tage des Monats Juni im Jahre des Heils Eintausend Achthundert vier und neunzig, Unserer Regierung im siebenten. ——„ gez. Wilhelm.“ Nach Verlesung dieser Urkunde wurde dieselbe auf oben geschilderte Weise in den Grundstein gelegt und es ersolate dann die Verlegung des letzteren unter Gesang des Domchors. Hierauf vollzogen Ihre Majestäten die drei Hammerschläge. Seine Majestät der Kaiser begleitete dieselben mit den Worten:„Zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes!“ Nach den Majestäten vollzogen ferner die üblichen drei Hammerschläge der Reibhenfolge nach: Seine kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz, ihre kaiserlich=königlichen Hoheiten die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, ferner die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses und die Prinzen und Prinzessinnen souveräner Häuser, der Reichs kanzler Graf Caprivi, der Geneialfeldmarschall Graf von Blumenthal, der Gouverneue Generaloberst von Pape, der Präsident des königlichen Staatsministeriums Graf zu Eulenburg, der Minister des königlichen Hauses von Wedel, der Finanzminister Dr. Miquel, der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen, der Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse, der Kriegsminister Bronsart v. Schellendorf. Der Präsident des evang. Ober=Kirchenrats, D. Dr. Barkhausen, der Kommandant Generalmajor v. Natzmer, der Polizei=Präsident Frhr. von Richthofen, der Oberbürgermeister Zelle, der Hof= und Domprediger Vieregge, der Hof= und Domprediger General=Superintendent Faber, der Hof= und Domprediger Kritzinger und der Dombaumeister geh. Reg.=Rat Prof. Raschdorff. Das Schlußgebet, in welchem den Hoffnungen Ausdruck gegeben wurde, welche für die Zukunft, nach Vollendung des Baues, zu begen seien, sowohl in bezug auf das Herrscherhaus, das das Volk, der Armee, Wissenschaft und Kunst u. s.., hielt der General=Superintendent Faber, welcher dann auch den Segen erteilte. Den Schluß der Feier bildete der Gesang der Gemeinde und des Domchors:„Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten 2c.“ Als die letzten Töne verklungen waren, fiel der Bläserchor mit dem„Heil Dir im Siegerkranz“ ein, welches er schon vorher nach den Hammerschlägen des Kaisers intonirt hatte. Der Kaiser zog nach der Feier noch verschiedene Herren ins Gespräch, so u. a. den Oberbürgermeister Zelle. Kurz vor 12½2 Uhr bestiegen Ihre Majestäten mit den beiden ältesten kaiserlichen Prinzen die vierspännige Hofequipage und fuhren nach dem königlichen Schlosse. Prinz Adalbert folgte in einem zweiten Wagen an der Seite des militärischen Erziehers Majors v. Falkenhayn. Gesangfest. ** Dortmund, 18. Juni. „Du kräftig schöner Männersang, Verleih dem Feste guten Klang," so hieß es in dem Liede, mit welchem gestern der„Nördliche Sängerbund„Euphonia“ die auswärtigen Sänger bei der Feier am Steinplatze begrüßte. Es war ein Doppeljest, welches gestern hier gefeiert wurde. Der Nördliche Sängerbund Euphonia“, welcher Burch die Verschmelzung der Vereine„Euphonia“ und„Nördlicher Sängerbund" entstanden ist, beging die Feier seines 25jährigen Bestehens, gleichzeitig war damit das Verbandsfest des„Märkischen Sänger=Verbandes" verbunden und mit dieser Doppelfeier wiederum ein Gesangwettstreit. Die Feier hatte außerdem noch einen besonderen Charakter, es war ein Fest des nördlichen Stadtteils. Der Festzug bewegte sich nur durch die Straßen jenes Stadtviertels; auf dem großen Marktplatze des letzteren, dem Steinplatze, wickelte sich auch die Begrüßungsfeier ab. Der Norden hat wieder einmal gezeigt, daß er das, was er sich vornimmt, zu einem guten Ende zu führen weiß. Die Begrüßungsfeier verlief recht würdig, auch der Himmel war ihr hold, indem während derselben die Sonne den sie bisher umhüllenden Wolkenschleier durchbrach. Nachdem der festgebende Verein unter der Tirektion eines Dirigenten Herrn Lehrer Middelmann den Begrüßungschor gesungen hatte, bestieg Herr Oberbürgermeister Schmieding die Rednerbühne, um eine Ansprache zu halten, die ungefähr wie folgt lautete: „Im Juni, dem Rosenmonat, dem Teile des Jahres, in welchem nach der Frühjahrsentwicklung alles grünt und blüht, in dieser Jahreszeit pflegt auch der Gesang, die begeisterte Wiedergabe unserer deutschen Volksdichter, des Volksliedes, nach der Werktagsarbeit uns Menschen zu erfreuen. In dieser schönen Zeit haben auch Sie, die Landsleute aus der Nachbarschaft, dem alten Verbande der Grafschaft Mark sich hier zu friedlich sinnigem Wettstreite vereint. Wenn ich Sie auf Wunsch des festgebenden Vereins herzlich willkommen heiße, so thue ich das gern in der Meinung, daß in unserer arbeitgedrückten Zeit der Mensch der Erhebung, des Ergehens in idealen, edlen Regungen des menschlichen Herzens bedarf, wie sie am besten der klangreiche Gesang der menschlichen Stimme dem Liede verleihen kann; ich thue es gern auch in dem Gefühle der Achtung, die ich dem festgebenden Verein zolle, der in schwierigen Verhältnissen in dem erst in den letzten Jahrzehnten dem großen Gemeinwesen unserer Stadt zugewachsenen nördlichen Stadtteile Vaterlandsliebe und Treue zu Kaiser und Reich hochhält; ich thue es gern auch in der Anerkennung des Gemeinsinns des festgebenden Vereins, der seine Nächstenliebe noch vor nicht langer Zeit bewahrt hat in dem gemeinnützigen Eintreten für die Hinterbliebenen der auf dem Schachte„Kaiserstuhl“ verunglückten Bergleute. Möge dieser opferwillige patriotische Sinn auch ferner in Ihren Vereinen hochgehalten werden. Das wollen Sie bekräftigen in der Verehrung für unseren, allen guten Bestrebungen, und auch dem Männergesang geneigten hochverehrten Kaiser und König, indem Sie einstimmen in den Ruf: Seine Majestät unser allergnädigster Kaiser, König und Herr, Wilhelm II er lebe hoch!“ Nachdem das Heil dir im Siegerkranz verklungen war, hielt der Vorsitzende der„Euphonia“, Herr Konrad Müller, eine Ansprache und sagte: Liebwerte Sänger! Geehrte Festversammlung! Zuerst sage ich dem Herrn Oberbürgermeister herzlichen Dank für die schönen Worte, welche er unserem gemeinsamen Streben gewidmet hat. Die Anerkennung aus solch berufenem Munde kann nur ermutigend auf eine gedeihliche Weiter=Entwickelung einwirken, und glaube ich Ihnen allen an dieser Stelle das Versprechen abnehmen zu reichung der Zwecke und Ziele, welche sich unser Verband gestellt hat. Die gesammte Bürgerschaft nimmt lebhaften Anteil an unserem Jubelfeste und namentlich sind die Bürger dieses Stadtteils freudig bewegt, das Oberhaupt unserer Stadt zum erstenmale auf diesem Platz zu Ihnen reden zu hören. Im Namen des festgebenden Vereins und des märkischen Sängerverbandes heiße ich Sie, meine liebtrauten Sänger, nunmehr herzlich willkommen. Die unserer guten alten Stadt nachgerühmte Gastfreundschaft soll Ihnen aufrichtig zu teil werden. Tremonias Männer begegnen Ihnen mit offenen Herzen und offenen Armen. Der Bedeutung des heutigen Tages entsprechend ist die Festkommission bemüht gewesen, die Jubelfeier der Euphonia zu einer glanzvollen zu gestalten; möge sie einen würdigen Verlauf nehmen zu Ehren der Euphonia, zum Segen des Verbandes, 5 TLTHITT NET dem ich von dieser Stelle aus ein kräftiges vivat, floreat, crescat entgegenrufe, das seinen Wiederhall findet in dem Rufe, der märkische Sängerverband er lebe hoch! Sodann ergriff der Vorsitzende des„Wittener Sängerkreises“, Herr Koch, das Wort, um die„Euphonia“ zu ihrem Jubelfeste zu begrüßen. Im Namen und im Auftrage des von ihm vertretenen Vereins überreichte er der „Euphonia“, ein schönes Fahnenband, ebenso ein gleiches der„Westfalia"=Herdecke, die ebenfalls ihre Jubelfeier beging. Die gesamten Vereine sangen dann unter MusikGunst edler deutscher Fürsten im Sängerkriege um die Siegespalme rangen, so sind heute im geeinten Reiche Männer und Jünglinge aus der Mark zum Gesangwettstreit in unserer Stadt zusammengeströmt. Heute den über Streiter im fröhli soll Recht gesprochen werden über Streiter im fröhlichen Kampfe des Männergesanges, in der Wiedergabe der herrlichen Kleinode unserer deutschen Dichtungen, des Volksliedes, aus frohen Kehlen gesungen. Mögen die Lieder umso freudiger hinausklingen, als wir wissen, daß der Männergesang auch unserm allverehrten Kaiser lieb und wert, was er kürzlich wieder gezeigt hat, indem er selbst ein Lied komponirt hat. Wir können daher unseren Wettstreit nicht besser eröffnen, als daß wir auch hier wieder unsere Liebe, Ehrerbietung und Treue zum Ausdruck bringen gegen den obersten Dirigenten des Reiches, unter dessen Schutz wir singen; ich bitte Sie, mit mir einzustmmen in den Ruf: Se. Majestät, er lebe hoch, hoch, hoch! Es wurde in drei Abteilungen gesungen und zwar traten in der dritten auf die Vereine:„Westfalia"=Herdecke, „Germania“=Linden,„Liederkranz“=Kückelhausen,„BürgerGesangverein"=Vorhalle und„Liederkranz“=Altenhagen. Um den ersten Preis mußten bei gleicher Punktzahl die Vereine „Westfalia"=Herdecke und„Liederkranz“=Altenhagen(letzterer trat nur mit 10 Mitgliedern auf, sang aber ausgezeichnet) losen,„Westfalia"=Herdecke erhielt so den ersten Preis, der „Liederkranz“=Altenhagen mußte sich mit dem zweiten Preise bescheiden. Der„Bürger=Gesangverein"=Vorhalle erhielt den dritten Preis. In der zweiten Abteilung sangen die Vereine„Sangeslust"=Hagen,„Rütli“=Ueckendorf,„Sängerhalle"“=Dortmund, „Frohsinn"=Witten,„Einigkeit"=Bruch und„Konkordia"= Günnigfeld. Den ersten Preis erhielt„Einigkeit"=Bruch, den zweiten„Frohsinn"=Witten, den dritten„Sängerhalle“Dortmund. In der ersten Abteilung sangen:„Teutonia"=Lüden= scheid,„Germania"=Lüdenscheid,„Deutscher Sängerkreis"= Witten und„Oberhagener Liederkranz". Der letztere errang den ersten,„Teutonia"=Lüdenscheid den zweiten Preis. Die Preise waren gleichwertig, sie bestanden in silbernen Medaillen. Die preisgekrönten Vereine sangen dann um die Ehrenpreise. Den ersten Preis(ein Regulator, gestiftet von den Mitgliedern des Ehrenkomitees) errang der„Oberhagener Liederkranz“, den zweiten(einen silbernen Pokal, gestiftet von den Damen der Mitglieder des festgebenden Vereins) die„Teutonia"=Lüdenscheid, den dritten(ein prachtvolles Trinkhorn, gestiftet von den passiven Mitgliedern des festgebenden Vereins)„Frohsinn"=Witten und den vierten(eine Bowle, gestiftet von Brauereibesitzer Lehmkuhl) die„Sängerhalle"=Dortmund. Die Preisverteilung rief großen Jubel hervor. Als Preisrichter fungirten die Herren Musikdirektor JanssenDortmund, Direktor Jander=Gütersloh und Komponist Haselhoff=Dortmund. Provinzielles. ** Dortmund, 18. Juni. Nachdem am Samstag die deutsche Müllereiberufsgenossenschaft ihren Delegiertentag hier abgehalten hat, finden heute und morgen hier die Verhandlungen des Verbandes deutscher Müller statt. Dieselben werden am„Fredenbaum“ abgehalten. Morgen abend ist im„Kölnischen Hofe“„Probe der verschiedenen dortmunder Bräue“, gestern abend fand an der Kronenburg, woselbst die Merkertsche Kapelle konzertirte, Begrüßung der bereits erschienenen Gäste statt. Zu dem heute am„Fredenbaum“ stattfindenden Konzerte(abends große Illumination und Feuerwerk) hat jedermann Zutritt. §§ Personalnachricht. Der Kandidat der Tierarzneikunde, Herr Wilhelm Meyer,(Sohn des Herrn PolizeiKommissars a. D. Meyer von hier) hat auf der tierärztlichen Hochschule in Hannover das Staatsexamen als praktischer Tierarzt bestanden. Derselbe beabsichtigt nach absolvirte Militärpflicht demnächst auch das Examen als Kreistierarzt abzulegen. d In der Nachtschicht der Zeche„Tremonia“ wurde der Hauer Müseler von hier durch aus der First ausschlagende Kohlenstücke schwer am Kopf und einem Fuß verletzt. § I n d e r N a c h t z u m S o n n t a g g l a u b t e n B e w o h n e r eines Hauses an der Silberstraße im Erdgeschosse Einbrecher wahrgenommen zu haben. Sie requirirten Polizeibeamte, welche das Erdgeschoß ganz absuchten, von den vermuteten Dieben jedoch keine Spur fanden. In derselben Nacht wurde beim Schokolade= und Zuckerwarenfabrikanten Eick, Feldstraße, ein Einbruch ausgeführt. Die Diebe drückten eine Fensterscheibe, die sie vorher beschmiert hatten, ein, durchsuchten das Kontor und machten am Geldschranke Oeffnungsversuche. Den anscheinend gestörten Dieben sind nur wenige Nippsachen in die Hände gefallen. w Selbstmord. Im Forstbezirk„Süggel" im nahen Eving fanden gestern nachmittag Kinder, die auf der Suche nach Blumen waren, die Leiche eines Mannes an einem kletnen Birkenbaum erhängt vor. Nach den Personalien ist der Erhängte der in Wengern bei Witten geborene Fabrikarbeiter Karl Weise, ein Mann zwischen 40 und 51 Jahren. Er hat zuletzt auf dem Eisen= und Stahlwerk Hösch gearbeitet und ist, wie ein bei der Leiche gefundenes Zeugnis ergibt, am 12. Juni von genanntem Werke auf seinen Wunsch entlassen worden. Der Selbstmord kann erst am gestrigen Morgen oder am Samstag=Abend zur Ausführung gebracht sein, da die Taschenuhr des Mannes, der übrigens in sehr guter Kleidung war, noch im gange war. Geld wurde bei der Leiche nicht vorgefunden. s In nicht geringen Schrecken wurde vor einigen Tagen eine Familie in der Amalienstraße versetzt. Es fiel plötzlich unerwartet ein Schuß, wodurch eine große Spiegelcheibe an der Wohnstube zertrümmert wurde. Die Kugel, welche bis an die gegenüberliegende Wand geflogen war, war vor einem kleinen Kinde, welches auf einem Stuhle aß, niedergefallen. s Einem an der Bornstraße wohnenden Fabrikarbeiter wurde vorgestern aus einer unverschlossenen Kiste ein erheblicher Betrag entwendet. Die Zahlungen der Knappschafts=Benesizien, als Invaliden=, Witwen= und Kindergelder, sowie der nicht erhobenen Krankengelder für den Kommissionsbezirk Dortmund finden in diesem Monat zur bestimmten Zeit und an folgenden Tagen statt: am 25. Juni in Camen, Apler= beck II und Lütgendortmund, am 26. Juni in Dortmund, Hörde und Marten, am 27. Juni in Barop, Holzwickede und Kirchhörde, am 28. Juni in Dorstfeld, Unna und Eving, am 29. Juni in Aplerbeck I, Annen und Wellinghofen, am 30. Juni in Courl, Asseln und Castrop. In der Steinstraße schlichen sich gestern abend zwei begleitung das herrliche„Deutsche Lied“ von Kalliwoda „Wenn sich der Geist auf Andachtschwingen zum Himmel hebt“. Obschon nur eine Probe hatte stattfinden können, gelang der Vortrag ganz außerordentlich gut. Nachmittags fand dann am Fredenbaum das Preissingen statt. Vor Eröffnung desselben ergriff Herr Konrad Müller das Wort und führte aus; Wie im alten Griechenland der Kampf der Wagen und Gesänge, die sonst uneinigen Männer zum frohen friedlichen Wettkampfe zusammenführten, wie im deutschen Altertum Sänger und Dichter unter der belebenden Draht=Nachrichten. * Essen, 18. Juni. Durch das Herabstürzen eines Laufkrahns in einer Dreberei der Kruppschen Fabrik wurde ein Arbeiter so schwer verletzt, daß derselbe auf dem Transport verstarb. vem * Krefeld, 13. Juni. Gestern abend stiegen von der Zentralhalle der Luftschiffer Lattemann und Fräulein Paulus auf. In bedeutender Höhe unternahm die Dame den Fallschirm=Absturz mit glücklichem Erfolge. Der Versuch Lattemanns, den Ballon in einem Fallschirm umzuwandeln, mißglückte. Ballon und Lattemann kugelten sich zum Entsetzen der Zuschauer in der Luft und stürzte in rasender Schnelligkeit zur Erde. Lattemann stürzte aufs Pflaster und blieb sofort tot. Der Vorgang rief ungemeine Aufregung hervor. * Bremen, 18. Juni. Das Proviant=Amt des„Norddeutschen Loyd steht in Flammen. * Rom, 18. Juni. Crispi erhielt gestern zahlreiche Depeschen mit Glückwünschen zu seiner Errettung aus Berlin, London, Madrid und Wien. Der deutsche Botschafter begab sich zu dem Ministerpräsidenten und sprach ihm im Namen des Kaisers Bedauern über das gegen ihn verübte Attentat aus. Lord Rosebery gratulirte ebenfalls. Graf Caprivi sandte folgendes Telegramm:„Ich habe mit großer Erregung Nachricht von dem Attentate erhalten, welches ein verruchter Mensch gegen Ihr Leben begangen. Ich bin glücklich, zu hören, daß die göttliche Vorsehung Ihr für das Wohl Italiens und den Frieden Furopas so kostbares Leben erhalten hat. Ich bitte Sie, meine herzlichen Glückwünsche entgegenzunehmen“.— Auch Fürst Bismarck gab im Namen seiner Familie seiner Freude über die Errettung Crispis Ausdruck. * Konstantinopel, 18. Juni. Die türkischen Blätter veröffentlichen einen Erlaß Mahmud Paschas, durch welchen alle christlichen Versammlungen auf Kreta verboten werden. Die Maßnahme verursacht große Erregung. * Tanger, 18. Juni. Am 12. ds. Mts. haben die maßgebenden Mitglieder der Sultanfamilie in der Moschee den Huldigungsalt für Abdul=Aziz unterzeichnet. Hiermit ist der Besitz der Herrscherwürde gesichert. junge Burschen in den Hausflur eines Spezereigeschäfts, ergriffen dort eine Kiste mit Seifenpulver sowie einen Kübel Süßrahmbutter und machten sich damit davon, ohne daß der betreffende Händler etwas davon merkte. Als heute morgen einer der Diebe seiner Mutter einen Teil der Butter anbot, schöpfte dieselbe Verdacht und benachrichtigte die Polizei. Dieser gestand dann auch der Bursche den Diebstahl ein und wurde hierauf vorläufig hinter Schloß und Riegel gebracht. Sein Mitschuldiger wird hm wohl bald folgen. 2 8ue2 A 125.## a Auf der Bahnhofstraße wurde heute morgen ein äußerst recher Diebstahlsversuch gemacht. Ein Butterhändler welcher mit einer Ladung Butter in vollem Trabe vom Eilgutschuppen kam, bemerkte plötzlich wie ein Mann hinten auf sein Fuhrwerk sprang und versuchte einen Korb mit Butter von demselben zu werfen. Erst als der Händler zur Peitsche griff, sprang der freche Dieb ab und suchte, seine Beute im Stiche lassend, das Weite. Leider waren nur wenige Personen in der Nähe, sodaß es dem Spitzbuben gelang zu entkommen. b Einen eigentümlichen Unsall erlitt der auf einem hiesigen industriellen Werke beschäftigte Platzarbeiter N. von hier. Derselbe gab einem auf dem Werke zum abholen von Schrott anwesenden fremden Pferde sein Butterbrot. Dabei griff das Pferd so hastig zu, daß es ihm das erste Glied des kleinen Fingers der rechten Hand vollständig abbiß. ** Dortmund, 18. Juni. Der nördliche Schützenbund hielt am Samstag=Abend Kompagnie=Appells ab, die sämtlich von dem Präsidenten, Herrn Baecker, dem Oberst Heinemann und sonstigen Mitgliedern des Vorstandes besucht wurden, welche überall zündende Ansprachen hielten. Die Begeisterung für das Fest ist eine große. Am nächsten Sonntag findet die übliche Felddienstübung in der Waldung des Herrn Große=Leege bei Eving statt. Gewerbliche und soziale w Wien, 16. Juni. Bisher sind in Karwin zwanzig Leichen geborgen worden. Unter den Verunglückten befinden sich über 100 verheiratete Arbeiter, die insgesamt mehrere hundert Kinder hinterlassen. Nach dem Urteil von Fachleuten werden die brennenden Schächte erst nach mehreren Wochen wieder befahrbar sein. Karwin, 16. Juni. Zur Grubenkatastrophe ist noch folgendes nähere zu melden: Die Grubenexplosion erfolgte gleichzeitig in beiden Betrieben, nachdem zwei Rettungszüge verunglückt waren. Es fuhren noch zwei weitere Rettungszüge ein, denen es gelang, eine Anzahl Schwerverwundeter, sowie Toter zu bergen. Die Rauchwolken aus dem Franziskaschacht zeigten den Ausbruch eines Grubenbrandes an, welchem alsbald eine Reihe neuer Explosionen folgte. Hierauf erfolgte die Schließung sämtlicher Schächte und Ventilationen, um den Brand zu ersticken. Bis dahin ist weder eine Bergung der Leichen noch eine Hülfeleistung möglich. Die im Schacht gebliebenen sind selbstverständlich alle tot. Von der Rettungsmannschaft sind zwei Beamte, zwei Steiger, drei Häuer tot, elf Bergleute schwer verletzt. Von diesen dürften nur wenige aufkommen. Die Verwundeten und Toten erlitten zumeist Arm= und Beinbrüche, da sie vom Schlagwetter an die Grubenwände geschleudert worden. Vielen fehlen auch einzelne Gliedmaßen. Die Familienangehörigen der Verunglückten verhalten sich zumeist merkwürdig ruhig, doch kommen auch furchtbare Szenen vor. Die Gattin des verunglückten Schichtmeisters Kurz wollte sich aus Verzweiflung in den Schacht stürzen. Durch das Unglück sind 4000 Bergarbeiter in der Gruben des Grafen Larisch brotlos. Die Schächte werden jetzt hermetisch luftdicht verschlossen. Die Wiedereröffnung des Verschlusses steht in 14 Tagen bevor. Bis dahin erwartet man die Löschung des Brandes. Dann werden die verkohlten Leichen geborgen, die Gruben ventilirt und wieder brauchbar gemacht, was drei Monate erfordert. Bis dahin ruht die Arbeit. Die Ursache der Explosion dürfte nie genau ermittelt werden, doch glaubt man allgemein, daß sie durch einen Sprengschuß erfolgte und durch den Kohlenstaub sich durch alle anderen Gruben fortpflanzte. Karwin, 16. Juni. Die Verwirrung und Aufregung der ersten Stunden nach dem Unglück haben ernster, stiller Trauer Platz gemacht. Die nächste Arbeit kann sich nur auf Sicherung der Gruben und Löschung des Brandes beschränken. Der Werkarzt Dr. Hetschke erzählt: Als ich auf der Unglücksstätte eintraf, waren eben die ersten Toten und Verwundeten heraufbefördert; es waren darunter zehn Tote; unter den Verwundeten befanden sich zehn durch die Explosion Betäubte, welche zunächst auf die Schachtbrücke gelegt wurden, um sie durch Luftzug ins Leben zu rufen; bei neun gelang dies, einer erwachte nicht wieder. Zunächst wurden Notverbände angelegt; alle Verunglückte waren mit Brandwunden bedeckt und hatten mehr oder minder schwere Verletzungen an sich. Dann wurden 6 Leichen zutage gefördert, alle mit geschwärzten Gesichtern und versenkten Kleidern. Ihnen folgten wieder einige Betäubte, zehn oder zwölf Männer. Einer der Geretteten gebärdete sich wie rasend und schrie fortgesetzt: Rettet mich, rettet mich! Wollte man ihn anfassen, so stieß er seine Retter stets von sich. In den Leichenhäusern liegen die Toten in einfachen schwarzen Holzsärgen, in weiße Leinentücher gehüllt. Die blutigen, aufgedunsenen Gesichter bezeugen den schrecklichen Tod, den die Bergleute gefunden haben. Die Angehörigen schmückten die Leichen mit Heckenrosen und Heiligenbildern. Jammernd und wehklagend nahmen die Weiber der Verunglückten die Löhne in Empfang. w Karw n, 16. Juni. Nach den bisherigen Erhebungen waren in die von der Explosion betroffenen Schächte 750 Bergleute eingefahren. Im Johann= und Franziskaund Tiefbauschacht wurden 168 getötet; bis jetzt sind in allen drei Schächten 19 geborgen. Der Grubenbrand dauert fort, Rettungsarbeiten sind vorläufig unmöglich. m Troppau, 17. Juni. Nach den gestrigen Erhebungen ist die Anzahl der bei dem Grubenunglück in Karwin Getöteten auf 232 festgestellt. Bei den Rettungsarbeiten sind 35 Personen verunglückt, von denen 25 das Leben eingebüßt haben. 128 Opfer waren verheiratet; die Zahl ihrer Kinder ist noch nicht konstatirt. Die Erhebungen hierüber werden fortgesetzt. Die Hinterbliebenen werden aus den Bruderladen und vom Besitzer der Grusen versorgt werden. w London, 15. Juni. Infolge der außergewöhnlich tarken Nachfrage nach Kohle kündigten die Grubenbesitzer der Grafschaften Fife und Clackmannan eine Preiserhöhung von 2 Shilling pro Tonne an. * N e w= Y o r k e r S c h l u ß k u r s e.( T e l e g r a m m.) Pipe-lino-Cert. Feo Petrol: in New=York Mehl Jan. Mais Juni Weizen loko Juni Chieago. 15./6. 5,15 2,30 645 6012 16.6, 89¾ 5,16 .25 44⅞ 601/8 60 (Telegramm.) Weizen Juli August Dez. Fracht für Getreide Rohe Broth. Kanee Nr. 7 15..116./6. 611/ 60% 62¼4 60¾ — 7,25 16 61¾4 67 1 .35 16 Weizen Juni " Sept. Mais Juni 15./0. 58⅜ 606 40½ 16./6 57% 60 40⅛ Mais Juli " September 15./6 402/8 41 16.10. 40% 4% Weizen schwach eröffnend, gab im Verlaufe nach auf ungünstiges Wetter, Schluß stetig.— Mais im Verlaufe nachgebend, Schluß stetig. Gerichtliche w Siegen, 16. Juni. In dem Prozesse gegen Brüggemann und Genossen wegen Zusammenbruchs des siegener Bankvereins wurde heute das Urteil gefällt. Brüggemann wurde wegen Benachteiligung des Bankvereins, Differenzhandel, Verschleierung und Betrug zu 5 Jahren Gefängstatt Jeder besonder Anzeige! „ pie Verlobung ihrer eir Tochter Emma mit den rer Herrn Heinrich Gos beehrt sich ergebenst anzuz Witten, im Juni 1894 Witwe Friedrich 1 geb. Albert. Emma Luhn Heiprich Gossli Verlobte. Witten, im Juni 18 Großer Im Mittwoch, den 20. " Vormittags 9½ Ul fangend, werde ich Wiß line große Partie Möbsomplete Badeeinricht: dfen, 1 großes und 1 Real für Specereiwaar eine Plüsch= Garnitur Sophas, 6 hochfeine nu stellen mit Matratzen m. aufsatz, 1 eichen. u. 6 nu derschränke, 4 nußb. Ve mehrere nußb. Waschkonsolen mit Marmor, ind Ausziehtische v. Ni solz, 6 große Trümeg säulen= Spiegel, 3 D1 kohrstühle, 1 eleganten Schreibtisch, 20 Küch kleiderschränke, Kon Basch= u. Nachtkonlol chl. Bettstellen m. 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Geldstrafe und 3 Jahren Ehrverlust, Koelsch wegen derselben Strafthaten, ausgenommen Betrug, zu 2 Jahr 6 Monat Gefängnis und 9000 K Geldstrafe, Schroeder wegen absichtlicher Benachteiligung zu 1 Jahr Gefängnis und 3000 M Geldstrafe und Franz wegen Beihülfe zur Verschleierung und Bankerott und 2 Jahr Gefängnis und 1506 Nl Geldstrafe verurteilt. Frau sucht Pause 3. Wei gowie Flicken. bstürzen eines Fabrik wurde lbe auf dem stiegen von emann und Höhe unter'3 mit glücknanns, den ndeln, mißten sich zum in stürzte in nann stürzte er Vorgang nt des„Nordern zahlreiche irrettung aus deutsche Boten und sprach das gegen ihn irte ebenfalls. :„Ich habe em Attentate en Ihr Leben die göttliche den Frieden Ich bitte Sie, nen“.— Auch amilie seiner k. kischen Blätter durch welchen boten werden. s. haben die n der Moschee mnet. Hiermit itung. rwin zwanzig unglückten besie insgesamt b dem Urteil chte erst nach rophe ist noch losion erfolgte Rettungszüge tere Rettungserverwundeter, dem Franziskaan, welchem hierauf erfolgte ilationen, um eine Bergung die im Schacht der Rettungsrei Häuer tot, en nur wenige elitten zumeist wetter an die n auch einzelne Verunglückten kommen auch lückten Schichtn den Schacht rbeiter in den hächte werden Ziedereröffnung Bis dahin erin werden die: rt und wieder #t. Bis dahin ürfte nie genau daß sie durch ohlenstaub sich nd Aufregung ernster, stiller n sich nur auf es beschränken. der UnglücksVerwundeten le; unter den sion Betäubte, urden, um sie gelang dies, n Notverbände wunden bedeckt ungen an sich. it geschwärzten folgten wieder Einer der Getgesetzt: Rettet stieß er seine irn liegen die weiße Leinensichter bezeugen n haben. Die sckenrosen und nahmen die ing. gen Erhebunenen Schächte id Franziskajetzt sind in Grubenbrand unmöglich. gestrigen Erübenunglück in den Rettungsdenen 25 das erheiratet; die rt. Die Erzinterbliebenen tzer der Grußergewöhnlich Grubenbesitzer eine Preis15.16 40¾ 41 16.16. 40% 44% statt Jeder besonderen II Anzeige! 1 Die Verlobung ihrer einzigen## Tochter Emma mit dem Lehgerrn Heinrich Gosslich heehrt sich ergebenst anzuzeigen. * witten, im Juni 1894. 8 Witwe Friedrich Luhn, geb. Albert. — 8386 Emma Luhn Heiprich Gosslich Verlobte. Witten, im Juni 1894. Großer öbelverkauf. Im Mittwoch, den 20. d.., " Vormittags 9½ Uhr fangend, werde ich Wißstraße 3: eine große Partie Möbeln, eine komplete Badeeinrichtung mit dfen, 1 großes und 1 kleines Real für Specereiwaaren, zwei keine Plüsch= Garnituren, sechs Sophas, 6 hochseine nußb. Bettstellen mit Matratzen m. Muschelaufsatz, 1 eichen. u. 6 Nußb. Kleiderschränke, 4 nußb. Vertikows, mehrere nußb. Wasch= u. 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Um stille Theilnahme bitten Somborn, den 16. Juni 1894. Die trauernden Hinterbliebenen. Grosser Posten Leinen für Leib- u. Bettwäsche, Hlemdentuche, Tischtücher, Ilandtuche etc., Piqué, Damast empfehlen wir zu ausserordentlich billigen Preisen. Besonders preiswert ein Posten Cretonnes für Kleider. 8 Rose& Co Dortmund. s 3490 Die Beerdigung findet am Dienstag, den 19. Juni, Nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause aus statt. 8367 Unter dieser Rubrik: per Zeile 15 Pf. Arbeitsmarkt u. Wohnungs-Nachweis der„Dortmunder Zeitung“. Auskunft nur Monchenwordt 2, an der kathol. Kirche. Gestern Abend starb, nach kurzem, schwerem Leiden, der langjährige Steiger unserer Zeche, Herr. Carl Plake. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen pflichttreuen, durchaus braven Beamten und lieben Collegen, dessen Andenken bei uns stets in Ehren gehalten wird. Langendreer, den 16. Juni 1894. Die Verwaltung und die Beamten der Zeche„Siebenplaneten“. 8868 Statt besonderer Anzeige. Heute früh 12½ Uhr wurde meine geliebte Frau, Mathilde Herold, geb. Jaenisch, durch einen sanften Tod von ihrem langjährigen, schweren Leiden erlöst. In tiefer Betrübniss zeigt dies an Düsseldorf, den 16. Juni 1894. Dr. Fr. Herold. Be Eine der ersten dortmunder Brauereien sucht zum Eintritt in 2 bis 3 Monaten einen gewandten Neisenden. Es wird nur auf einen Herrn reflektirt, welcher eine ähnl. Stellung mit Erfolg für eine renommirte Brauerei bekleidet hat und mit der Wirthekundschaft in Rheinland und Westfalen bekannt ist. Die Stellung ist eine angenehme und dauernde bei hohem Salair und Spesen. 1 Schriftl. Angebote unter 8336 befördert die Geschäftsstelle d. Zig. Für ein technisches Bureau wird ein junger Techniker gesucht; derselbe muß flotter Zeichner sein und eine gute Handschrift haben. Bei entsprechenden Leistungen ist demselben gründliches Einarbeiten in ein Spezialfach geboten. Selbstgeschriebene Angebote mit Angabe des Eintritts sunter 8211 an die Geschäftsstelle d. 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Die Gewerkschaft der Zeche„Graf Schwerin“ hat den Antrag gestellt, den vom Gasthof„zum Jägerhof" nach Dingen führenden, auf Flur 6 in der Gemeinde Rauxel liegenden Weg, welcher die Zechenanschlußbahn zwischen weiche#######Ligen Samilie## den Parzellen 192/86, 195/87 und 190/89 schneidet, an die östliche Seite der außerdem aus anständiger Familie ist Ein Jnvalide, welcher eine gute Handschrift schreibt, womöglich kinderlos, für bessere, leichte Tagesarbeit— Portier— gesucht. Franko=Angebote beliebe man unter B D 8373 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung gelangen zu lassen. 1 Mehrere Ackerknechte u. Mädchen, die melken können, auch jüngere Mädchen, die Lust aufs Land haben, sowie Mädchen f. Küche, Hausarbeit und Restaurant, Haushälterinnen u. Kindermädchen, Lehrgenannten Bahn auf Parzelle 191/84 der Flur 6 zu verlegen. Dies wird mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntniß gebracht, etwaige Einwendungen binnen 4 Wochen nach Ausgabe dieses Blattes bei der unterzeichneten Behörde schriftlich oder zu Protokoll anzubringen, woselbst auch die Zeichnungen und Pläne zur Einsicht offen liegen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. s 3493 3 Die Wegepolizeibehörde. Der Amtmann: Barfels. Verdingung der Arbeiten zur Beseitigung einer Bodensenkung auf der Strecke Dorstfeld=11.—222= leden Berufs erhalten sofort Dortmund(Rh.) und Herstellung des zweiten Gleises auf der Strecke Langen=II: Eyhe. Lohn Stellung durch srges drer(Rh.)=Dortmund(Rh.) in folgenden Loosen: Igs, G i##a ga Wohonotr 95 1. Erd=, Böschungs= und Oberbau=Arbeiten zur Hebung der Strecke von Frau Sieffcka, weberstr. 25. km 65,9 bis 67,1(rund 9000 chm Bodenbewegung und rund 2200 m Gleis zu heben bezw. zu verschieben 2c.) und Herstellung des zweiten Gleises von Langendreer bis Dortmund(Rb.)(rund 10 700 m Gleis und 5 Weichen zu verlegen, 1900 m Gleis zu verschieben und 15000 chm Kies abzuladen 2c.). 2. Maurerarbeiten einschließlich Materiallieferung zur Hebung der Bahnunterführung in km 65,8+ 23. 3. Hebung der Eisenkonstruktionen in km 65,8+ 23 und 67,0+ 68. Termin am 26. Juni d.., Vormittags 11 Uhr, im Betriebsamtsgebäude. Angebotsbogen können zum Betrage von 50 4(nicht in Marken) Auf sofort ein junger 8384] Hausbursche ges. Näheres in der Geschäftsstelle. In Langendreer ist zum 1. November ein Ladenlokal nebst Wohnung zu vermiethen, worin eit mehreien Jahren ein Putz= und Weißwaarengeschäft mit bestem Erfolge betrieben wurde, dasselbe eignet sich auch zu jedem anderen Geschäft. 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Confection, Moussline, Batiste, Crepons, Paulus-KirchenGeneralprobe am Dienstag, den 19. d. 2 Abends 8½ Uhr. Pünktliches Erscheinen erford zum Einzeichnen fün Ansflug nach Cappenpera offen. Diese Waaren= Posten bieten das Vorteilhafteste, was bis jetzt gebracht wurde und wird sich jeder Käufer von deren außerordentlichen Billigkeit überzeugen. s 3487 3 Gebr. Eppinghausen, Westenhellweg 41. sowie ein Posten Kleiderbiber, Bettcattune, Leinen und Halbleinen etc., bedeutend herabgesetzten Preisen L. 3276 General-Versamm Montag, den 13. d. Mts. Abends 8 Uhr, im„Kölnischen Hof“: Vortrag von Pastor v. Bodelschwin Heimath und Heimathlosen“. Lotterie=Verein „Hoffnung“ Dienstag, den 19. Juni, Abends 8½3 Uhr: General-Versammt im Vereinslokale beim Wirth Eugen Heyll. 8388* Der Vorstan. Unsere 70. Filiale, Brückstraße 48, verlegten wir nach Brück= und 8 Lütgenbrückstr.-Ecke 2, Tanz=Unterricht beginnt am Montag, den 25. 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Twellmeyer, 8104• Tanzlehrer. N 165.— Erscheint wöchentlich Vierteljährliche Bezugsgebil durch die Post bezogen? Ankündigungs-C die einspaltige Grundzeile 20 Pf., für Arbe und Wohnungs=Nach Sonnta Der Berlin, 15. Juni. C soeben von einem Blatt Ein dortiger Katholik „Linke“ war darum eing in der Volksschule voln und ihnen auch der 9 Sprache erteilt werde. gaben, daß der Vater I noch evangelisch gewesen Nationalität angehört h demgemäß das Gesuch m der preußische Staat zwa als eine Privatangelegen kümmere, daß er aber ke gestatten könne, bei eine bens auch zugleich seine Demnach hätten die bet Religionsunterricht in Dieser Vorgang ist gerat Berlin, 16. Juni. revision hat sich inner ein Streit erhoben, der das empfindlichste betrof werden droht. Da die gramins eingesetzte Kom Bedachtsamkeit gewaltet verein, in dem ein fi erste Geige spielt, der geworden ist, einen eig wohl am besten durch charakterisirt wird, daß er der Sozialdemokratie“ sei die nicht sehr schmeiche Thätigkeit der bisherigen sich ein sehr lebhafter S Organ bereits zu einer und Verwahrungen vera er eine Bedeutung nur innerhalb der Partei, sozialpolitischen Maßnah zehnte, und zwar nicht: wie das führende Blatt dern auch dem Ausbau der Beschränkung der F gesetzt hatte, eine Strö einen entschiedenen Bruc Ueberlieferungen hinarbe In dem jetzigen Bier mus auf das üppigste gegengekommen ist den chener Brauhaus, dessen bemüht, größere Säle von den berliner Wirten für Boykottversammlung ist in den Verhandlung gesellen bekannt gewordder sich 1885 der Forder# der Arbeitszeit und Erh sten und längsten wide dagegen besonders arbe Krieg für die Hebung se Unter den Hetzern gegen gegen Herrn Rösicke zei Hilpert aus. Noch vor des Brauervereins der zeichnet, die Herrn Rösi zwanzigjährigen und erf heißschen Brauerei gewi gessen. 10 Novelle v Ich offerire: 8165 Würfelzucker a Pfd. 29 Pf., Hutzucker a Pfd. 28 Pf., Stampfzucker à Pfd. 27 Pf., sowie sämmtliche Colonialwaare Montag, den 18. Juni, begit im Saale des Herrn Heyll, Kalst straße, ein Tanz-Cursus. Aumeldungen Montags ise Donnerstags daselbst erbeten. P. Nolte 8271 S Tanzlehrer. Wirthe, Magenbeschwerden, schwache Verdauung, Appetitlosigkeit 2c. quälten mich viele Jahre. Auf Wunsch bin ich gern bereit, Jedermann unentgeltlich mitzutheilen, wie sehr ich daran gelitten und wie ich ungeachtet meines hohen Alters davon befreit worden bin. K. Koch, pens. Königl. Förster, Bellersen, Kreis Höxter. die ihren Bedarf an Liqueuren herstellen wollen, erhalten von Fachmann Rezepte und praktische weisung nach dem neuesten und sich“ sten Verfahren. Kosten gering.— Vortheil al% Schriftl. Angebote unter A. B postlagernd Marktpost Dortmund. Damen m. sich vertro. w. an Fr. Heb. Meilicke, Berlin., Wilhelmstr. 122a, Spr.-6 Ia. Metzer Spargel ber. 10 Pfd.=Postkorb## 6 frco. incl. gegen Nachnahme Emil Marcus, Metz„Nun? Und? Ich Verzicht auf Ehrenwort gedrucktem Gerichtssiege „Würde wohl nichts in Sie nun einmal ver einer ist nicht beizukomt auf andere Art versuch „Nämlich?“ „Sie bei ihr unmög „Bravo! Damit wä „Hm!“ Der Dokto Mittel ein bischen gefä „Wieso? Womit wi „Ja, da liegts eben Bart und blinzelte u kleinen, stechenden, grü jeder Mensch pflegt sei es milde auszudrücken Wetzler pflegt mit sal und dem ganzen übrig herrlichen Stadt am el Freier das Anathema wünschten zu ergeben,# als ein unmoralisches( fremden Jagdrevier wi „Herr Doktor!“ I meine Hand hatte sich „Ich bitte,“ sagte? nicht! Ich habe kein T ausschließlich aus dem geredet. Und ich habe keinerlei Möglichkeit u 19 besser. Ich wiederh 1 Ihr natürlicher Fei geht das alles gar nich Und nun lassen Sie die Vorboten des na meine Heiren! Sehre schaft kommt! Wir z Eunthiert und halten scheiten Wort,— was, Es waren mehrer Voktor mit seinen letzt sprach hatte schon um freilich auch sonst kan Doktor hatte sich ja u mich geschmiedeten Ko darüber geäußert, ob über mich in Umlauf kanns. nur au ibr ggen# tor aufmer! ym dafür dankbar sei N 165.— 67. Jahrgang. Nachmittags-Ausgabe. Montag, den 18. Juni 1894. den 20. Juni ds 8 Uhr: ert un anz. jeder und deren An imn Zutritt. 3 34 gungskommisien. irchenralprobe , den 19. d. 2 s 8½ Uhr. Erscheinen erforde m Einzeichnen fü ∆ Dortmunder Zeitung „ verbunden mit dem GutMuam Erscheint wöchentlich zwölfmal. Vierteljährliche Bezugsgebühr 2 M. 25 durch die Post bezogen 2 M. 50 Pf. Ankündigungs-Gebühren die einspaltige Grundzeile im Allgemeinen—.....11 81 20 pf., für Arbeitsmark. Amtliches Kreisblatt für den Dortmunder Anzeiger. Stadt= und Landkreis Dortmund. Anzeigen=Annahme: Weberstraße 2. Druckerei und Geschäftsstelle: Mönchenwordt 2. Verantwortlicher Redakteur: Rud. Versen, Drucker und Verleger: C. L. Krüger(G. Krüger), beide zu Dortmund. und Wohnungs=Nachweis 15 Pf. Sonntags=Beilage:„Für Haus und Hof“, Blätter für Unterhaltung, gewerbliches und soziales Leben, Haus= und Landwirtschaft Fernsprecher Nr. 181.— Fonzeilnnas-Preisliste Nr. 1875.— Fernsprecher Nr. 181. Versamm! en 13. d. Mis ds 8 Uhr, 1 Hof“; rtrag Bodelschwin nath und ithlosen“. ie-Verein fnung den 19. Juni, s 8½ Uhr: Versamm! beim Wirth Der Vorstan interrich ntag, den 25. im oberen Saale all 12, zu ermäßig amen die Hälfte. eich jederzeit entag V. Conradi Düppelstr. 36. f. Manufakture,# eine lange Theit# l. Reale w. Aufg. erk. Westenhellw.1 Müller. ncert pellen eit: Frwerk n) Irkaulagen. Deutschland. Berlin, 15. Juni. Eine sehr lehrreiche Geschichte wird soeben von einem Blatt der Provinz Posen mitgeteilt. Ein dortiger Katholik mit dem gut deutschen Namen Linke“ war darum eingekommen, daß seine drei Kinder in der Volksschule polnischen Sprachunterricht erhielten und ihnen auch der Religionsunterricht in polnischer Sprache erteilt werde. Eingezogene Erkundigungen ergaben, daß der Vater bezw. Großvater des Bittstellers noch evangelisch gewesen ist und unzweifelhaft der deutschen Nationalität angehört hat. Der Kreisschulinspektor hat demgemäß das Gesuch mit dem Bemerken abgelehnt, daß der preußische Staat zwar einen Religionswechsel durchaus als eine Privatangelegenheit ansehe und sich darum nicht kümmere, daß er aber keinem seiner deutschen Angehörigen gestatten könne, bei einem etwaigen Wechsel seines Glaubens auch zugleich seine deutsche Nationalität aufzugeben. Demnach hätten die betreffenden Kinder den katholischen Religionsunterricht in deutscher Sprache zu erhalten. Dieser Vorgang ist geradezu typisch. Berlin, 16. Juni. Ueber die Frage der Programm revision hat sich innerhalb der freifinnnige Volkspartei ein Streit erhoben, der für die bei den letzten Wahlen auf das empfindlichste betroffene Partei nicht unbedenklich zu werden droht. Da die für die Neubearbeitung des Programins eingesetzte Kommission ihres Amtes mit großer Bedachtsamkeit gewaltet hat, stellte ein hiesiger Bezirksverein, in dem ein früherer Reichstagsabgeordneter die erste Geige spielt, der bei den letzten Wahlen sattellos geworden ist, einen eigenen Programmentwurf auf, der wohl am besten durch die Bemerkung des„Vorwärts“ charakterisirt wird, daß er eine„schmeichelhafte Nachahmung der Sozialdemokratie“ sei. Ueber diesen Entwurf nun und die nicht sehr schmeichelhafte Kritik, die dabei an der Thätigkeit der bisherigen Parteileitung geübt wurde, hat sich ein sehr lebhafter Streit erhoben, der das führende Organ bereits zu einer Reihe geharnischter Erklärungen und Verwahrungen veranlaßt hat. Für weitere Kreise hat er eine Bedeutung nur insofern, als er zeigt, daß auch innerhalb der Partei, die sich um entschiedensten den sozialpolitischen Maßnahmen der letzten anderthalb Jahrzehnte, und zwar nicht nur der Versicherungsgesetzgebung, wie das führende Blatt glauben zu machen versucht, sondern auch dem Ausbau des eigentlichen Arbeiterschutzrechts, der Beschränkung der Frauen= und Kinderarbeit entgegengesetzt hatte, eine Strömung sich Bahn bricht, die auf einen entschiedenen Bruch mit den alten, sozialpolitischen Ueberlieferungen hinarbeitet. In dem jetzigen Bierkriege schießt der Geschäftssozialismus auf das üppigste in die Halme. Am weitesten entgegengekommen in den Sozialdemokraten sofort das münchener Brauhaus, dessen Direktor Arendt sich jetzt auch bemüht, größere Säle in Berlin zu pachten, um so die von den berliner Wirten angedrohte Verweigerung der Säle für Boykottversammlungen wirkungslos zu machen. Nun ist in den Verhandlungen des Bundes deutscher Brauergesellen bekannt geworden, daß dieser selbe Herr es war, der sich 1885 der Forderung der Gesellen wegen Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhnen am hartnäckigsten und längsten widersetzt hatte. Jetzt geberdet er sich dagegen besonders arbeiterfreundlich, weil er glaubt, den Krieg für die Hebung seines Geschäfts ausnutzen zu können. Unter den Hetzern gegen die„Bierprotzen“ und insbesondere gegen Herrn Rösicke zeichnet sich auch der jetzige Gastwirt Hilpert aus. Noch vor fünf Jahren hat er eine Adresse des Brauervereins der Provinz Brandenburg mit unterzeichnet, die Herrn Rösicke ehrerbietigst zu seiner fünfund zwanzigjährigen und erfolgreichen Thätigkeit in der Schultheißschen Brauerei gewidmet ist. Jetzt ist das alles ver gessen. Gerichtliche Entscheidungen. * Dortmund, 16. Juni. Berufungs=Strafkammer. Vom Kaffeehandel. Die Kaufleute Gebrüder Josef, Peter und August Kaiser in Viersen, die auch hier eine Filiale ihres Kaffeegeschäftes haben, bringen beim Rösten des Kaffees ein Verfahren zur Anwendung, infolgedessen der Kaffee eine bessere Farbe erhält. Es werden verschiedene Sorten Kaffee gemischt und dieser Mischung wird eine Kleinigkeit Oker beigegeben, was das Fleckigwerden der Bohnen verhindern soll. Auf Ersuchen der Behörde entnahm Herr Dr. Kaysser dem hiesigen Geschäfte eine Probe und fand dann, daß dem Kaffee Oker zugesetzt war, allerdings in ganz geringer Menge, so daß eine Benachteiligung des Käufers selbst bei mehreren Pfunden nicht infrage kam. Das Schöffengericht hierselbst, vor dem sich die obengenannten wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittelgesetz verantworten mußten, nahm zwar eine Verfälschung des Kaffees an, sprach die Angeklagten aber frei, da den Angeklagten die Strafbarkeit ihrer Hand lungsweise gefehlt habe. Hiergegen hatte die Staatsanwalt= schaft Berufung eingelegt. Zum heutigen Termin waren die Herren Gerichtschemiker Dr. Kaysser und Dr. Neuhöver München=Gladbach erschienen. Die Angeklagten, namentlich Josef Kaiser, der das Röstgeschäft leitet, machte geltend, der Kaffee werde nicht zum Zwecke der Täuschung des Publikums gefärbt, sondern um das Ankleben der Bohnen an die Rösttrommel, wodurch die Bohnen fleckig würden, zu verhüten. Die Bohnen bekämen ein gleichmäßiges Aus sehen; durch den Okerzusatz würden die Käufer nicht im mindesten benachteiligt. Bevor das Verfahren zur An wendung gekommen, sei Herr Dr. Neuhöver um Rat gefragt worden, der in Verbindung mit Herrn Professor Klinger in Bonn eine Fälschung des Kaffees im Sinne des Gesetzes durch die Anwendung des Okers nicht als vorliegend erachtete. Herr Dr. Neuhöver sprach sich auch heute dahin aus, daß er eine Fälschung nicht als vorliegend erachte. Herr Dr. Kaysser hielt insoweit eine Fälschung für erwiesen, als dem Kaffee durch das Verfahren ein besseres Aussehen verschafft, wodurch der Käufer ge täuscht werde. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Geldstrafe von je 50 M. Das Gericht trat jedoch der Auffassung der Verteidigung, welche die von dem Angeklagten vorgebrachten Gründe geltend machte, bei und sprach die Angeklagten frei. Als Mitglied des Ausschusses zur Einschätzung zur Gewerbesteuer in Holzwickede sollte der Bäcker und Wirt Friedrich Höing sich dortselbst gegen das GewerbesteuerGesetz vergangen haben, indem derselbe mit einem Steuerpflichtigen über die Verhandlungen gesprochen und diese Geheimnisse in bezug auf seine Verufung geoffenbart haben sollte. Das Schöffengericht zu Hörde hatte auch ein Vergehen gegen das Gewerbesteuer=Gesetz gefunden und Höing zu einer Geldstrafe von 5# verurteilt. Auf die Berufung des Angeklagten hin erfolgte jedoch heute die Freisprechung des Angeklagten, weil derselbe nichts anders gesagt hatte, als wenn der betreffende seine Bücher in Ordnung gehalten hätte, wäre er gewiß besser fortgekommen. Das Gericht nahm aber auch an, selbst wenn er mit einem Steuerpflichtigen über dessen Angelegenheiten gesprochen hätte, sich der Angeklagte dennoch nicht strafbar gemacht habe. Wegen eines Kohlendiebstahls waren die Fabrikarbeiter August, Karl und Wilhelm Lohne von hier vom Schöffengerichte hierselbst, ersterer mit 6, die beiden anderen mit 4 bezw. 3 Tagen Gefängnis bestraft. Die von den Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung wurde verworfen „Male fährt Veloziped, Male wohnt in Hamm— so sollte der Fabrikarbeiter Heinrich Holzsträter der bei dem Fabrikarbeiter Heinrich Brünnemann in Hamm wohnt, gesungen haben, worüber sich dieser, der Radfahrer ist, arg empört hatte. Die beiden kamen hart aneinander, Brünnemann soll ein Stocheisen, dessen Frau, die ihrem Mann bei dem Kampfe assistirte, mit einem dicken Knüppel auf Holzsträter eingeschlagen haben. Die Verletzungen waren nicht unerheblicher Natur, weshalb auch das Schöffengericht zu Hamm erhebliche Strafen gegen den Mann wie auch gegen die Frau festgesetzt und zwar je 1 Monat Gejängnis. Die hiergegen eingelegte Berufung seitens der Angeklagten wurde verworfen. Wegen Sachbeschädigung war der Bergmann Martin Isbahner vom Schöffengericht zu Castrop mit 20 J bestraft, weil derselbe einen dem Bergmann Heinrich Feldmann gehörigen eisernen Topf in Stücke geschlagen hatte. Die Berufung hiergegen wurde verworfen. In eine empfindliche Strafe hatte das Schöffengericht zu Hamm die Butterhändlerin Matiostik von hier genommen, weil dieselbe auf dem Wochenmarkte in Hamm, gefälschte Butter wissentlich feilgehalten haben sollte. Die Strafe, — 2 Monat Gefängnis— war so hoch ausgefallen, weil die Frau schon mehreremale wegen desselben Vergehens Strafe erlitten. Die Butter war mit 50 Prozent fremden Fetten durchsetzt und war ranzig, wie Herr Gerichtschemiker Dr. Neuhoff konstatirt hatte. Gegen dieses Erkenntnis hatte Frau Watiostik Berufung eingelegt, da sie behauptete, von einer fremden Person auf dem Markte in Hamm die Butter erhalten zu haben; daß diese Ware gefälscht gewesen, habe sie nicht wissen können. Das Gericht fand aber keine Veranlassung, das erste Urteil abzuändern, selbst wenn der von der Frau erhobene Einwand richtig sei. Bei den Vorstrafen sei eine hohe Strafe gerechtfertigt. Gelegentlich der Feier seines Geburtstages war der Bergmann Georg Flaut aus Lütgendortmund in eine derartig übermütige Stimmung geraten, daß er schließlich den Bergmann Veith mit dem Verbrechen der Tötung bedrohte. Das Schöffengericht hierselbst bitte gegen Flaut eine Geldstrafe von 15 J verhängt, wogegen derselbe Berufung eingelegt hatte, die aber verworfen wurde. Auf Einstellung des Verfahrens hatte das Schöffengericht zu Werl erkannt in einer Strafsache gegen dea Böttchergesellen Josef Hiltenkamp dortselbst, der den Lehr ling Willbrand mißhandelt haben sollte. In der Schöffen gerichtsverhandlung hatte sich nämlich herausgestellt, daß unter dem Strafantrag die eigenhändige Unterschrift des Antragstellers fehlte, was notwendig ist. Der Vormund des Knaben hat den Strafantrag nachher erneuert, infolge dessen Hiltenkamp, ohne vom Schöffengericht abgeurteilt worden zu sein, direkt vor die Berufungsinstanz kam. Die Verteidigung machte geltend, daß es nicht angängig sei, nachdem das Schöffengericht auf Einstellung des Verfahrens erkannt habe, noch einmal den Strafantrag zu erneuern, wonach dem Angeklagten dann eine ganze Instanz verloren ginge. Das Gericht war jedoch der Ansicht, daß innerhalb der gesetzlich gegebenen Frist von 3 Mo saten der Straf antrag erneuert werden könne, wenn auch die Vorinstanz auf Einstellung des Verfahrens erkannt habe. Hiltenkamp wurde zu 30 M Geldstrafe verurteilt. Paletotmarder. In die Stadesche Wirtschaft kehrten am 10. Februar der Schneider Franz Almeroth aus Lippstadt und der Bergarbeiter Franz Frackmann aus Hörde ein. Beide hatten es anscheinend auf einen UeberzieherDiebstahl abgesehen und als schließlich der Kaufmann Knapmann von hier sich auf einen Augenblick entfernte, nahm Almeroth den Ueberzieher desselben und entfernte sich damit; Frackmann spielte draußen den Abnehmer und kaufte den Ueberzieher für den billigen Preis von 3## In einer Wirtschaft auf der Märkischen Straße sollte dasselbe Manöver ausgeführt werden, Almeroth wurde jedoch gefaßt und der Polizei übergeben. Ju diesem Lokale besaß der Spitzbube auch noch die Frechheit, sich zur Wehr zu setzen, wobei derselbe zwei große Scheiben zerschlug. Mit Rücksicht auf das gemeingefährliche Treiben hatte das Schöffengericht hierselbst Almeroth wegen Diebstahls zu Jahre, Frackmann wegen Hehlerei zu 3 Monaten Geängnis verurteilt. Die hiergegen eingelegte Berufung eitens der Verurteilten wies das Gericht zurück. Provinzielles. § Dortmund, 16. Juni. Vortrag. Wir machen noch einmal darauf aufmerksam, daß der Zutritt zu dem Vortrag von Pastor von Bodelschwingh über:„Die Heimat und die Heimatlosen“ am Montag, den 18. d. Mts., abens 8 Uhr, im„Kölnischen Hof“ auch für Nichtmitglieder des Vereins und auch für Frauen frei ist. Gelsenkirchen, 12. Juni. Erschossen. Ein verheirateter Bergmann aus Braubauerschaft geriet vorgestern abend mit dem Hülfsbahnwärter Erter in Streit, weil er auf dem Wege zur Zeche die nach„Bismarck“ führende Bahnstrecke benutzte. Der Bahnwärter zog schließlich einen Revolver und gab einen Schuß auf den Bergmann ab, welcher diesen so schwer verletzte, daß er gestern nacht starb. Derselbe Bahnwärter soll am zweiten Pfingstfeiertage auch schon auf einen Arbeiter geschossen, diesen aber Kür leicht verletzt haben. Padervorn, 18. Juni. Herr Direktor Schl. veranstaltete kürzlich in Paderborn mit sehr unbefriedigendem geschäftlichen Erfolge Theatervorstellungen. Auf dem Zettel der Abschiedsvorstellung findet sich nun unter dem Personenverzeichnis folgender Scheidegruß:„Erklärung! Der gänzliche Mangel an Kunstsinn und Verständnis am hiesigen Orte, welcher sich derartig äußert, daß selbst bei einem so hervorragenden Gastspiel, wie das des Herrn Paul Wiecke, eines der bedeutendsten Vertreter seines Faches, kaum 10 Kasse sich zusammenfinden, zwangen Herrn Wiecke, welcher die Künstlerehre des weimarer Institutes nicht verletzen darf, bei der fast beleidigenden Interesselosigkeit des hiesigen Publikums sein Gastspiel sofort abzubrechen, und ich schließe mich seinen Intentionen an und mache mit heute Schluß, mich gleichzeitig solch undankbarem Publikum empfehlend. Den wenigen aber, die stets ein reges Interesse gezeigt und beibehalten haben, sage ich meinen verbindlichsten Dank. Hochachtend Felix Schl....“„ Solingen, 13. Juni. Der Mädchenmörder August Bläsing von hier, welcher vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden ist und der auf grund eines Gerichtsbeschlusses zur Beobachtung seines Geisteszustandes seit einiger Zeit in der Irrenanstalt zu Grafenberg untergebracht war, ist gestern von dort nach Barmen zurückgekehrt und wieder ins Arresthaus überführt worden. Titz(Kr. Jülich), 14. Juni. Ueber die Auffindung der Leiche der ermordeten Maria Schiffer gehen dem„E. d..“ nähere Mitteilungen zu. Hiernach wurde die Leiche heute nachmittag ausgegraben. Heute nacht entdeckte der Polizeidiener Hintzen aus Spiel auf dem dem mutmaßlichen Mörder gehörigen, mit Zuckerrüben bepflanzten Grundstücke, welches östlich von Titz in der Richtung nach Otzerath, etwa eine Viertelstunde von der Haltestelle Titz und etwa eine halbe Stunde vom Orte Titz gelegen ist, daß ein menschlicher Fuß und ein Teil einer Frauenschürze aus dem durch die letzten Regengüsse in auffallender Weise gelockerten und gesunkenen Ackerboden etwas herausragten. Auf dem betreffenden Grundstücke waren bereits mehrfach Nachgrabungen angestellt worden, ohne daß es gelungen wäre, die Leiche zu entdecken. Die Fundstelle liegt ziemlich dicht an dem nach Pesch führenden Feldwege. Heute nacmittag mit dem um 2 Uhr 24 Minuten einlaufenden Zuge traf die königliche Staatsanwaltschaft von Aachen in Titz ein und begab sich sofort in Begleitung der Ortsbehörde an Ort und Stelle, woselbst im Beisein mehrerer Aerzte, u. a. des Kreisphysikus, die Ausgrabung der Leiche stattfand. Der mutmaßliche Mörder, der Sohn ziemlich begüterter Eltern aus Titz, wurde, wie bereits gemeldet, heute nacht in seiner Wohnung verhaftet. ME Brückstr. 39. den 23. er., llard ttstreit MIK statt. renhandlung von Ut. 8321 8165 29 Pf., Pf. 27 Pf., alwaare rich, 7. Cursus. igen Montags aselbst erbeten. P. Nolte Tanzlehrer. Wirthe, sich § Sühne. 10) Novelle von Konrad Telmann. „Nun? Und? Ich will Ihnen all meinen schriftlichen Verzicht auf Ehrenwort und für Lebenszeit geben mit beigedrucktem Gerichtssiegel!“ „Würde wohl nichts helfen. Die liebliche Dörthe ist in Sie nun einmal vernarrt bis über die Ohren, und so einer ist nicht beizukommen. Schwartz wird es also wohl auf andere Art versuchen.“ „Nämlich?“ „Sie bei ihr unmöglich machen.“ „Bravo! Damit wäre uns ja allen gedient.“ „Hm!“ Der Doktor lächelte ironisch.„Nur ist das Mittel ein bischen gefährlich, find ich.“ „Wieso? Womit will er mich denn unmöglich machen?“ „Ja, da liegts eben.“ Der Sprecher wühlte in seinem Bart und blinzelte mich durch seine Brillengläser mit kleinen, stechenden, grün=grauen Augen an.„Wie gesagt: jeder Mensch pflegt seinen wunden Punkt zu haben, um es milde auszudrücken. Und ein Mädchen wie Dörthe Wetzler pflegt mit samt ihrem hochwohllöblichen Papa und dem ganzen übrigen Honoratiorenkonsortium unserer herrlichen Stadt am ehesten dann über einen erwünschten Freier das Anathema zu sprechen und sich einem uner wünschten zu ergeben, wenn der erwünschte ihr glaubwürdig als ein unmoralisches Subjekt geschildert wird, welches im fremden Jagdrevier wildern geht.“ „Herr Doktor!“ Ich war halb in die Höhe gefahren, meine Hand hatte sich geballt. „Ich bitte,“ sagte der Doktor ruhig,„ereifern Sie sich nicht! Ich habe kein Wort von mir gesprochen. Ich habe ausschließlich aus dem Geiste und Sinne anderer heraus geredet. Und ich habe Sie warnen wollen. Fürchten Sie keinerlei Möglichkeit unliebsamer Aufdeckungen, nun, um so besser. Ich wiederhole Ihnen also nur: dieser Mann ist Ihr natürlicher Feind, hüten Sie sich vor ihm! Mich geht das alles gar nichts an, aber auch nicht das geringste Und nun lassen Sie uns abbrechen. Da kommen schon die Vorboten des nahenden Unglücks.— Guten Abend, meine Herren! Sehr erfreut! Gott sei Dank, daß Gesellschaft kommt! Wir zwei haben uns schon schauderhaft nühiert und hatten lebhaftes Verlangen nach einem gescheiten Wort,— was, Assessor?“ # waren mehrere Stammgäste eingetreten, die der Oottor mit seinen letzten Worten begrüßte, und unser Gesprach hatte schon um deswillen ein Ende. Es wäre mir stellich auch sonst kaum etwas zu sagen geblieben. Der „Wor hatte sich ja nicht zum Teilnehmer an einem gegen niich geschmiedeten Komplott gemacht oder überhaupt sich Larüder geäußert, ob er die von dem Inspektor Schwartz Er## nich in Umlauf gesetzten Gerüchte glaube oder nicht kanne ich nur auf eine mir drohende, bisher undeihm.,#fabr aufmerksam machen wollen, und ich mußte en dafür dankbar sein. Was ging mich überhaupt die ganze, gegen mich angezettelte Intrigue noch an? Sie war lächerlich bis zum äußersten. Wie der Bürgermeister und sein von mir nicht begehrtes Töchterchen, wie die übrigen Honoratioren von Pollnow über mich dachten, galt mir völlig gleich. In wenigen Monaten war ich dieser kleinstädtischen, muffig=philiströsen Atmosphäre für immer entrückt, dann mochten sie den großen Bannfluch hinter mir herschleudern oder die Fäuste ballen, wie sie wollten. Und wenn ich schon vorher bei diesen ehrsamen Spießbürgern „unmöglich geworden“ war, ich würde es zu tragen wissen. War einmal mit Helene und mir alles entschieden, so mußte ich ja ohnehin mit offenem Visir handeln und durfte jedem Verrat trotzen, der nicht mehr zu verraten haben konnte. Infolge solcher Erwägungen nahm ich des Doktors Warnungen nicht schwer und hatte sie ebenso wie den Fabrikinspektor Schwartz, mit dem ich übrigens persönlich niemals in irgend eine Berührung gekommen war, und seine gegen mich geschmiedeten Rachepläne bald völlig aus dem Gedächtnis verloren. Ich mischte mich mit erheucheltem Interesse in die Gespräche, die nunmehr am Biertische hin und wieder flogen, ich ließ mir sogar die Liebenswürdigkeiten des Bürgermeisters gefallen, der an diesem Abende sicherlich mit mir zufrieden und betreffs der Zukunft seines Töchterchens hoffnungsvoller war, als je. Um die gewohnte Stunde löste der Stammtisch sich pünktlich auf, ohne daß ein Wort gefallen wäre, das über die übliche, ergebnislose Unterhaltung hinausging. Ich schlief in dieser Nacht seltsam ruhig. Es mußte eine wundersame Sieges= und Glückszuversicht in mir sein, die mir Frieden gab, und mit ihr erwachte ich auch. Es war ein strahlender Sommertag. Kein Wölkchen am Firmament, und die Luft ging doch frisch und erquicklich. Und heute, heute sollte es sich entscheiden. Ich ging früher ins Gerichtszimmer, als je, ich sehnte mich danach, mich mit Arbeit über die Stunden hinwegzutäuschen, die mich noch von der entscheidungsreichsten meines Lebens trennten. Es war mir wunderlich, daß gerade heute eine Reihe von Schriftstücken eingegangen war, welche sich auf die Untersuchung gegen den unbekannten Mörder Plancks bezogen. Wie fern lag mir plötzlich das alles, wie unbegreiflich schien mir mein Eifer jetzt, mit dem ich Licht in dieses Dunkel zu bringen versucht hatte. Was lag mir heute noch daran, ob jener geheimn isvolle Missethäter je entdeckt wurde oder nicht! Mechanisch öffnete ich die behördlichen Schreiben und durchlas sie. Sie enthielten nichts von Bedeutung, nichts, was mich fesseln konnte, und ich warf sie zu den Akten. Da war die Abschrift des schwurgerichtlichen Erkenutnisses gegen die unverehelichte Helene Halm, Tochter der Pfarrerswitwe Frau Maria Halm aus Dillenburg in Oberhessen, wegen Meineids, das sie zu einem Jahre Zuchthaus unter Annahme mildernder Umstände verurteilte. Ich bey#.#um mehr, weshalb ich die Einsendung dieses Schriftstückes verlangt hatte. Mich gelüstete nicht nach weiterem. Die Stunden schlichen unerträglich langsam. Aber endlich wurde es doch Mittag, endlich konnte ich doch daran denken, den Arbeitstag abzuschließen. Ich beorderte die noch zu erledigenden Aktenstücke in meine Wohnung. Der Aktuar hatte mich nun schon ein paarmal mit allem schuldigen Respekt darauf aufmerksam gemacht, daß ich eine Randverfügung getroffen hatte, die mit früheren in keinen Einklang zu bringen war; er sollte nicht weiter über mich zu klagen haben. Lieber mochte es ein paar Reste mehr geben. Ich ging. Durch mehrere Stunden beherrschte mich die Angst, es werde sich noch irgend etwas ereignen, das mich hindern mußte, rechtzeitig draußen am Waldsee zu sein, irgend was mir in den Weg treten, mich festhalten, mich mein Glück verscherzen, versäumen lassen. Es geschah aber nichts. Ich war schon viel eher an Ort und Stelle, als ich Frau Helene erwarten durfte. Kein Mensch hatte mich angehalten oder beobachtet, auf der Straße ebenso wie in den Wegen des Stadtwaldes war es völlig leer und still; das große Mittagsschweigen des Sommers brütete über der Landschaft. Ich hatte mich bei dem raschen Gehen, das die Furcht, auf irgend eine Abhaltung zu stoßen, veranlaßt gehabt, erhitzt und labte mich an der Schattenkühle des Platzes. Der kleine See hatte auch heute nichts unheimliches, nichts düsteres mehr für mich, wie neulich, ich fand ihn unter dem leuchtenden Sonnenhimmel nur noch märchenhaft und reizvoll in seiner schwermütigen Lautlosigkeit. Daß sich Helene vor allem immer nach dieser Waldstelle hingezogen gefühlt hatte, die wie ein Stückchen Poesie mitten in die öde Prosa dieser Welt, in welche sie verschlagen worden, hineingefallen war, konnte mich nicht wundernehmen. Und hier sollte es sich heute entscheiden, was meines Lebens Glück oder Unglück werden mußte. Die Uhr in der Hand, saß ich herzklopfend und wartete. Alle meine Pulse jagten, mein Blut fieberte. Wenn sie nicht kam, in der Erwartung dessen, was hier gesprochen werden sollte, nicht kommen wollte! Eine furchtbare Angst überfiel mich abermals und schnürte mir die Kehle zu. Wie würde ich es ertragen? Immer wieder lauschte ich mit angehaltenem Atem hinaus. Jedes Rascheln eines dürrigen Reisiges, jeder Windhauch in den Nadelkronen, jedes Hüpfen eines Vogels durch das Wachholdergestrüpp ließ mich zusammenfahren. Und immer wieder eine neue Enttäuschung, ein neues angstvolles Erschrecken! Die festgesetzte Stunde war vorüber. Eine düstere Trauer kam über mich, eine dumpfe Resignation. Sie kommt also nicht! sagte ich mir, sie will nicht kommen, es ist alles aus. Ich glaubte an nichts mehr, wollte an nichts mehr glauben. Wie ein schwarzer Flor senkte es sich über mich herab, mitten in der sonnigen Heiterkeit dieses strahlenden Tages. Ich hätte mich am liebsten niedergeworsen und mein Web ausgestöhnt, wie ein totwundes Wild. Wieder und wieder umkreiste ich das dunkle, stille Wasser. Was nun? gellte es in mir. Alles, alles vorbei! Ich sank auf die Rasenbank nieder, ich sprang wieder auf, ich war meiner selbst nicht mehr Herr. Zulett beschloß ich, zu gehen. Ich wollte mich hier nicht länger zum Narren vor mir selber machen. Zorn, Scham, Enttäuschung— das alles kämpfte in mir, wirrte sich in mir durcheinander. Ich war müde, ich fühlte mich schwach und gelähmt. Endlich trat ich den Rückweg an. Kaum dreißig Schritte hat ich gemacht, so hört ich mich angerufen— bei meinem Vornamen:„Ottomar!" Es traf mich wie ein Schuß. Ich sah mich um, meine Augen hatten sich schreckhaft erweitert, aber ich fühlte plötzlich den vollen Strom des Lebens wieder durch meine Adern rinnen. Den Klang dieser Stimme kannt. ich. Es konnte nur Helene sein, die mich gerufen— so gerufen hatte. Und sie war es auch. Da trat sie hinter einer Schutzmauer von Wachholdergesträuch, die sie mir bisher verborgen, hervor, in bellem Sommergewand, bleich, übernächtig, dunkle Schattenringe unter den Augen, ein seltsames Lächeln auf den Lippen. „Helene!“ Ich rief es halb fragend, halb zürnend, ich wußte nicht mehr, was ich denken sollte. Sie legte den Finger an die Lippen.„Still!“ flüsterte sie und sah mich an.„Ich glaube, man verfolgt mich. Oder war es nur mein böses Gewissen? Ich weiß es nicht. Aber mich dünkte immer, es schliche jemand hinter mir her. Ich bin gelaufen, aber ich konnte ihm nicht entkommen.“ Sie blickte mich ratlos an. Ich hatte mich allmählich gefaßt und trat ihr näher. Mein Herz schlug wild. „Wie lange bist Du schon hier?“ fragte ich. Das„Du“ kam mir wider Willen von den Lippen, sie nahm aber keinen Anstoß daran, bemerkte es wohl kaum. „Ich bin schon lange hier“, sagte sie und lächelte.— „Ich habe sie beobachtet. Und jetzt wollten Sie gehen, nicht wahr? Sie haben gezweifelt an meinem Kommen. Und mir thaten Ihre Unruhe, Ihr Schmerz so wohl. Sind Sie mir böse? Ich konnte nicht anders. Seben Sie, ich bin nun einmal so. Aber jetzt glaub ich an Sie, jetzt glaub ich an Sie!“ Sie reichte mir ihre beiden Hände hin und lächelte strahlend. Sie war von bezwingendem Liebreiz in diesem Augenblick, und ich konnte mirs nicht mehr versagen, ich mußte, um mich für all die angstvolle Qual dieser Stunde zu entschädigen, schon jetzt und ehe noch ein Wort der Verständigung zwischen uns gefallen war, meine Arme um ihren Nacken schlingen, sie an mich ziehen, sie küssen. Und ich thats, obgleich sie sich wehrte, obgleich ein Schreckenslaut ihren Lippen entfloh. Ich küßte diesen weichen, süßen Frauenmund, ich fühlte, daß mein Kuß erwidert wurde— trotz allem. Was bedurfte es da also noch der Worte zwischen uns? Wir hatten uns schon entschieden, beide.„„„ Um gotteswillen!“ war das erste Wort, das Helene nach dem ersten aufflammenden Rausche flüsterte,„wenn man uns sieht, uns belauscht! Ich bin gewiß, daß man uns auflauert. Ich hab es im Gefühl, es prickelt mir in den Nerven. Was machen Sie aus mir, Ottomar? Wohin bringen Sie mich? Ich— Lassen Sie mich doch los! (Fortsetzung folgt.) .4 Ein Posten tanin-Rosi à Pfd. 12 Pf., bei Kisten von ca. 35 Pfund Inhalt, à Pfd. 10 Pf., empfiehlt Wilh. Hummrich, 17. Ostenhellweg 17. imprägnirte, dabei ganz leicht und poröse: Joppen, Mäntel, 3896 Havellocks, Staubmäntel, Reise-Paletôts etc. etc. Dortmund, 78 Westenhellweg 78. Fernsprecher Nr. 61. à Pfd. 12 Pf., bei Wilh. Hummrich, 17. Oftenhellweg 17. 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Wirs bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die neben dem Hause Heiliger Weg Nr. 30 beginnende, in die Hohenzollernstraße mündende, neu projectirte Straße den Namen „Prinz Friedrich Karl-Strasse“ erhalten hat. 3 Dortmund, den 12. Juni 1894. Der Magistrat: Schmieding. Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die von der Dortmund=Gronau=Enscheder Eisenbahngesellschaft hinter der Funkenburg neu angelegte Straße den Namen „Lent-Strasse“ erhalten hat. Dortmund, den 12. Juni 1894. Der Magistrat: Schmieding. Dortmunder Corset-Fabrik, C. H. Pieper& Co., Brückstraße 51, Brückstraße 51, empfehlen ihr gut sortirtes Lager fertiger Corsets: Damen-Corsers von 55 Pf. an. Damen-Corsats aus besten Stoffen mit Stahleinlagen und gutem Facon, von.— an. Damen-Corsats aus Ia. Stoff und Ia. Einlagen in alllel-Corsers eleganter Ausstattung, von 2,50 an. Damen-Corsets für sehr starke Personen, bis 100 cm Dallien-Corsers Taillenweite, vorräthig. 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