O„ des Abonnements: vierteljährlich 2 Mark procnumerando bei der Expedition, den Agenturen und den Postanstalten; einzelne Nummern 10 Pfg. Die„Westsälische Zeitung“ erscheint wochentäglich und wird nach auswärts mit den nachmittags von Bieleseld abgehenden Zügen expediert. O O 0 Gegründet am 1. Jannar 1811 als„Oessentliche Anzeigen für die Graschaft Ravensberg“. Zugleich Kreisblatt für die Kreise Bielefeld und Palle i. Preis der Inserate: für die einspaltige Petitzeile oder deren Raum für Inserenten am Platze 12 Pig., für auswärtige 15 Pig.; für Reklamen 50 Pfg.— Inserate werden in der Expedition und bei sämtlichen Aunoncen=Bureaux angenommen. Bei Anfragen von auswärts über Inserate ist eine Briefmarke zur Autwort einzusenden. Einladung zum Abonnement auf die Westfälische Zeitung (Bielefelder Tageblatt). Für die Monate November u. Dezember eröffnen wir ein neues Abonnement zum Preise von 1 M. 40 Pfg. Bestellungen werden schon jetzt angenommen und die Nru. bis 1. November gratis geliefert. Die Erpedition. F. Der Kampf gegen den Anarchismus. Die jüngste Entdeckung einer anarchistischen Verschwörerbande in Wien lenkt das allgemeine Interesse wieder der der Frage zu, auf welche wirksamste und zweckmäßigste Weise die Regierungen der internationalen Rotte von Verbrechern entgegentreten könnten, welche zur Durchführung ihrer wahnwitzigen Theorien selbst vor den furchtbarsten Thaten nicht zurückschrecken und immer wieder von ihrem blutigen Fanatismus entsetzliche Beispiele ablegen. Daß der Staat den Kampf gegen die im Dunkeln ihre verderblichen Pläne ausbrütenden Feinde der heutigen gesamten staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung nicht mit den gewöhnlichen gesetzlichen Mitteln führen kann, erscheint bei dem eigenartigen Charakter des anarchistischen Verschwörer= und Verbrechertums selbstverständlich. Aber auch die Ausübung außergewöhnlicher Gewalten bietet dem einzelnen Staate nur eine unvollkommene Handhabe zur wirksamen Bekämpfung der Bekenner der anarchistischen Lehren dar. Gerade die noch so kurze und doch schon so lehrreiche Geschichte des Anarchismus in Oesterreich beweist, wie wenig sich gegen denselben auch mit Ausnahmegesetzen ausrichten läßt, denn trotz des seit den Zeiten der Kämmerer und Stellmacher über Wien und Umgegend verhängten Ausnahmezustandes konnte sich gerade in der österreichischen Hauptstadt wiederum eine gefährliche, weit. verzweigte und vortrefflich organisierte Verschwörerbande bilden und nur einem glücklichen Ohngefähr ist es zu danken, wenn deren Mitglieder noch rechtzeitig entdeckt und verhaftet wurden. Der Punkt, von welchem aus der Kampf gegen den Anarchismus einzig mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg geführt werden kann, liegt ganz wo anders, nämlich nicht in der Gesetzgebung der einzelnen Staaten, sondern in dem Zusammenwirken und gemeinschaftlichen Vorgehen der Staaten. Die Hauptstärke des Anuchismus liegt in seinen internationalen Beziehungen und Verbindungen und so ist nichts natürlicher, als daß auch die Waffen zu seiner Bekämpfung internationalen Ursprungs sein müssen. Dies ist nun allerdings von den Regierungen längst erkannt worden und es hat auch an wiederholten Anregungen, zu einer Verständigung auf diesem Gebiete zu gelangen, nicht gefehlt, aber dieselben sind immer an verschiedenen Klippen gescheitert und nach Lage der Verhültnisse muß das Zustandekommen eines wirklichen internationalen Anarchistengesetzes vorläufig bezweifelt werden. Indessen dürften sich die Staatsmänner Europa's doch nicht der Einsicht entziehen, daß irgendwelche gemeinschaftlichen Schritte zur Bekämpfung der ultrarevolutionären Partei unternommen werden müssen, will man nicht die von letzterer drohende Gefahr über kurz oder lang in's Riesenhafte wachsen lassen. Hierzu gehört nun offenbar in erster Linie die internationale Revision und Umgestaltung des Asylrechts, denn es leuchtet von selbst ein, daß an eine Unterdrückung des Anarchismus nicht zu denken ist, so lange anarchistische Verbrecher, um der rächenden Gerechtigkeit zu entgehen, nur in ein anderes Land zu flüchten braucheu, wo das politische Asplrecht guf diese Kategorie von Flüchtigen Ausdebnung findet. So lange freilich die anarchistischen Attentäter die Ehre genießen, mit zu den politischen Verbrechern gerechnet zu werden, wäre es unnütz, über den Begriff und die Ausdehnung des Asylrechts zu streiten. Es mag zugegeben werden, daß nicht alle anarchistischen Bestrebungen gleich vom Standpunkte des gemeinen Strafrechts aus beurteilt zu werden verdienen, aber in sehr vielen Fällen decken sich jene vollständig mit dem Begriffe des gemeinen Verbrechens und dang müssen auf ihre Träger auch überall die bezüglichen Strafgesetzbestimmungen der einzelnen Länder Anwendung finden und alsdann verengert sich auch die Ausdehnung des politischen Asylrechts von selbst. In dieser Beziehung empfiehlt sich vor allem eine Revision der Auslieferungsverträge, da in den meisten derselben der Gegensatz zwischen gemeinen und politischen Verbrechen in schärfster Weise festgehalten wird und hieraus entspinnen sich zumeist langwierige, oft resultatlose Unterhandlungen darüber, ob die von einem Staate verlangte Auslieferung eines politischen Verbrechers durch die Bestimmungen des Vertrages überhaupt gerechtfertigt ist oder nicht. Solchen Zuständen muß einmal ein Ende gemacht werden und selbst diejenigen Länder, in denen das politische Asylrecht seine eigentliche Heimat gefunden, in England, der Schweiz und Nordamerika werden zu dieser Erkenntnis gelangen müssen. Sind doch gerade die beiden letzten Länder zu energischem Vorgehen gegen fremde Anarchisten, denen sie Gastrecht gewähren, genötigt gewesen, die Schweiz durch Ausweisungen, Nordamerika gar durch Verurteilungen zu Zuchthaus= und selbst zu Todesstrafen. Umsomehr steht zu erwarten, daß man auch von dieser Seite her sich den Anregungen zu einer internationalen Verständigung über die Auslieferung anarchistischer Verbrecher empfänglich zeigen wird. Politischer Tagesbericht. * Bielefeld, 22. Oktober. Betreffs der„Arbeitseinstellungen der Schriftsetzer“ bringt die„Bad. Landesztg.“ einen längeren Artikel, der auch für das Zeitung lesende Publikum bei den Beziehungen desselben zur Presse nicht ohne Interesse sein dürfte. Das Blatt schreibt nämlich:„Aus Nachen, Elberfeld und einer Reihe anderer Städte liefen in den letzten Tagen Meldungen von dortselbst ausgebrochenen Arbeitseinstellungen der Setzer ein. Die Mehrzahl derselben waren mit den üblichen Lohnsätzen unzufrieden und versuchten die Geschäftsinhaber zur Annahme eines neuen, erhöhten Lohnsatzes zu zwingen. Die ganze Streikbewegung trägt indessen von vornherein den estempel der Ungesundheit an der Stirne, denn während sämtliche Industrieen und Erwerbszweige über empfindlichen Rückgang der Einnahmen klagen, während in der That die allgemeinen Geschäftszeiten als durchaus nicht glänzend bezeichnet werden müssen und viele Prinzipale— auch im Buchdruckergewerbe— nicht ohne Opfer ihren seitherigen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten suchen, war keinerlei äußerer oder innerer Anlaß gegeben, gerade in dieser schlimmen Zeit an den Lohnsätzen zu rütteln. Dabei kommt noch in betracht, daß namentlich das Setzergewerbe noch immer eines der bestdotierten ist, denn da in kleinen Land= und Provinzialstädten die Setzer zwischen 19 und 20 M., in mittleren Städten 20 bis 23 M. und in großen Städten gar 22 bis 30 M.(Viele beziehen sogar noch mehr!) in der Woche verdienen, ist nicht recht ersichtlich, mit welchen Gründen das Verlangen nach höheren Löhnen sich rechtfertigen ließe. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, haben die Prinzivale denn auch mit Recht überall die Forderungen der Setzer entschieden zurückgewiesen. Eine größere Anzahl der Setzer, welche ohne vorgängige 14tägige Kündigung die Arbeit im Stiche ließen, sind unterdessen von den Gewerbegerichten zu empfindlichen Strafen und Ersatzbußen verurteilt worden und die Prinzipale bohen für die Streikenden massenhaft von auswärts zugereiste Setzer angestellt. Die Arbeitseinsteller sind dadurch um Brot und Stellung gekommen, was sich angesichts der bevorstehenden Winterzeit schwer fühlbar machen dürfte. Der Setzerstreik ist so ziemlich an allen Orten dempoch als mißalict zu betrachten, und es drängt sich nun die Frage auf, ob die Setzer nicht besser daran gethan hätten, mit ihrer augenblicklichen Lage, welche wie hier hervorgehoben werden muß, stetsfort Gegenstand des Neides für fast alle übrigen Arbeiterklassen ist, sich zufrieden zu geben. Wir haben wiederholt unseren Standpunkt dahin präzisiert, daß wir eine auf gesunder Grundlage beruhende Arbeitseinstellung vom sozialen und vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus keineswegs für unstatthaft halten. Sofern Verhältnisse vorliegen, welche den Arbeiter nötigen, behufs Verbesserung eines unerträglichen Loses zur Selbsthülse zu schreiten, muß und soll ihm der letzte Ausweg einer korporativen Arbeitseinstellung offen bleiben und kein gerechtdenkender Volkswirt und Politiker wird darin etwas Ungehöriges finden. Ist diese Zwangslage aber nicht vorhanden, ist der Arbeitsgewinn als ein ausreichender zu erachten, sprechen noch andere gewichtige Gründe, wie wir beispielsweise hier oben mehrere angedeutet haben, gegen diese Selbsthülfe, dann ist eine Arbeitseinstellung ein frivoler Eingriff in die Rechte, in die Selbsterhaltungspflichten der Geschäftsinhaber und wird sich jederzeit bitter an den Urhebern rächen. Und gerade so und nicht anders liegen die Verhältnisse im Setzerberufe. Ein ungeheurer Ueberschuß an Arbeitskräften überflutet förmlich diesen Beruf, der Wettbewerb in dem Druckereigew rbe ist ein so überaus drückender geworden, daß die betreffenden Geschäftsinhaber das äußerste Maß geistiger und wirtschaftlicher Leistungskraft entwickeln müssen, um in ihren Einnahmen nicht zurückzugehen,— daneben aber bezieht der Setzer, welcher in einer durchschnitllich sehr erträglichen gesellschaftlichen und auskömmlichen wirtschaftlichen Stellung sich befindet, einen Lohn, welcher bei nicht übertriebenen Ansprüchen und bei Unterdrückung der gefährlichen großstädtischen Genußsucht als vollkommen hinreichend erscheint, um ein geachtetes, anständiges Dasein zu führen. Die Setzer hatten also keinerlei Veranlassung, zum zweischneidigen Schwerte der Arbeitseinstellung zu greifen, und für das Elend, welches durch das übereilte Vorgehen der Streikenden über eine große Anzahl Familien hereingebrochen ist, muß den Setzern allein die volle Verantwortung überbürdet werden.“ Bei Eröffnung der Schwurgerichtssession in Kottbus bemerkte der Vorsitzende, daß in neuerer Zeit Angriffe gegen die Geschworenengerichte gemacht worden seien. Er wolle hierauf nicht näher eingehen, sondern nur anführen, daß, wenn sich Mängel gezeigt hätten, dies nicht in den Gesetzesbestimmungen, auch nicht etwa im Mangel an Kenntnissen der Herren Geschworenen gelegen hätte, sondern nur auf eine zu große Gefühlswärme der Geschworenen zurückzuführen sei, und er wolle nur in Erinnerung bringen, daß die Geschworenen keine Begnadigungsbehörde wären, sondern nur nach den klargelegten Thatsachen ihren Wahrspruch abzugeben hätten. Das Begnadigungsrecht sei an einer anderen Stelle und werde, wo es sich nötig zeigen würde, immer voll und ganz geübt werden. Der Landrat von Krosigk=Arnstadt, ein Bruder des Dessauer Staatsministers, soll der„Post“ zufolge Chef des Schwarzburg=Sondershausen'schen Ministeriums wverden. Von freisinniger Seite ist wiederholt bezweifelt worden, daß es gelingen werde, für die Ansiedelung der Provinz Posen die nötigen Kolonisten zu finden. Wir haben diese Zweifel nie geteilt. In der That konstatiert die„Posener Zeitung“ nunmehr auch, daß bereits eine erhebliche Zahl von Bewerbern um die zunächst zu veräußernden Parzellen sich gemeldet haben und daß in dieser Richtung auf längere Zeit hinaus ein Hemnis für die Ausführung des Ansiedelungsgesetzes nicht zu befürchten ist. aufzuheben: 2. die Vollmachten, die seiner Zeit die Eigentümer des Blattes der jeweiligen sozialdemokratischen Fraktion des Reichstags einräumten, in deren Hände zurückzugeben. Im Uebrigen überläßt sie jedem einzelnen, wie er sich „Sozialdemokrat“ stellen will. zum 17 In der französischen Kammer sind bekanntlich wiederum 160 Millionen Mark zur Vermehrung der Kriegsmarine gefordert. Die„V. Z.“ schreibt dazu: Frankreich wird die gewaltigste Flotte schaffen, welche die Welt jemals gesehen. England ist ohne Zweifel noch im Stande, bei Ausbietung aller Kräfte mit Frankreich in Konkurrenz zu treten, aber die Seemächte zweiten und dritten Ranges können es nicht. Italien wird nicht mehr im Stande sein, das starke Ueberwiegen Frankreichs im Mittelmeer zu verhindern und in einem Kampf mit Deutschland und Frankreich eine Flotte nach der anderen opfern, um in unsere Häfen einzudringen. Man kann sich des Gedankens nicht erwehren, daß die furchtbaren Kriegsrüstungen Frankreichs allmählich für den Frieden Europas bedrohlich werden. Die sozialdemokratische Fraktion des des deutschen Reichstages erläßt eine Erklärung, wonach sie infolge des Urteils der Strafkammer des Freiberger Landgerichts beschlossen hat: 1. den Charakter des Sozialdemokrat; als offizielles Organ der sozialdemokratischen Partei Deutsches Reich. □ Berlin, 21. Oktbr.[Kaiser Wilhelml ist Donnerstag vormittag ½9 Uhr in Berlin aus Baden=Baden eingetroffen. Der Monarch trug, wie meistens auf seinen Reisen, den großen, grauen Militärmantel. Der Kaiser sah recht frisch aus, doch schienen die Spuren der letzten in Baden=Baden erlittenen Schwächeanfälle noch nicht ganz verwischt zu sein. Als das Publikum den Kaiser sah, brach es in nicht endenwollende Hochs aus, für die der Kaiser mit seiner bekannten Freundlichkeit dankte. Nach kurzer Rücksprache mit den zum Empfange erschienenen Herren fuhr der Kaiser unter Tücherschwenken und Hochrufen in offener Equipage nach seinem Palais.— Im Laufe des Tages erschienen dort der Kriegsminister, die Hoschargen, Generalintendant Graf Hochberg, die in Berlin und Potsdam anwesenden Mitglieder der kaiserlichen Familie. Vor dem Diner hielt der Staatssekretär Graf Herbert Bismarck Vortrag.— Daß der Kaiser sich jetzt wieder völlig wohl fühlt, beweist, daß er zur Fahrt in's Palais, trotz des kühlen Morgens, einen offenen Wagen benutzte. [Die zurzeit in Koburg anwesende Herzogin von Edinburg reist von dort am Sonnabend nach Malta zu ihrem Gemahl, der bekanntlich der Kommandeur des enalischen Mittelmergeschwaders, ist. [Der Reichskanzler] beschäftigt sich augenscheinlich mit der bulgarischen Angelegenheit. Nachdem er Ende der vorigen Woche erst in Varzin mit dem auf der Reise nach Petersburg hegriffenen, deutschen Botschafter. General von „Schweinitz, konferiert hatte, hat er jetzt den Besuch des russischen Botschafters in Berlin, des Grafen Schuwalow, empfangen... K K 4; [Der Bischof von Osnabrück, Dr. Höttig.] ist Donnerstag vormittag in Berlin anzekommen und wird auch vom Kaiser empfangen werden. Im Ständehause der Provinz Bragden= burg) ist gestern die Gewerbekammer der Provinz Brandenburg, im Auftrage des Ministers für Handel und Gewerbe, durch den Staatsminister a. D. Dr. Achenbach eröffnet worden. (Verhandlungen über Ostafrika.] Die Reichsregierung hat bereits begonnen, die Lösung der ostafrikanischen Wirren zur Sprache zu bringen. Aus London wird gemeldet: Hier haben neue Verhandlungen zwischen England und Deutschland über eine weitere feste Abgrenzung des gegenseitigen kolonialen Machtbereiches begonnen. Deutscherseits führen dieselben der Botschafter Graf Hatzfeldt und Geh. Rat Dr. Krauel vom Auswärtigen Amt in Berlin. Die jetzigen Verhandlungen drehen sich in erster Linie um Ostafrika und bezwecken, für die Zukunft in bezug auf Grenze und Machtsphäre die Möglichkeit jedes Streites auszuschließen. Es ist anzunehmen, daß ein zufriedenstellendes Resultat erzielt werden wird. Per lateinische Bullrr. Erzählung von Hieronymus Corm. Nachdruck verboten. Alle Rechte vorbehalten. 10)„ Urban Waldbrenner hatte Gelegenheit, große Augen zu machen, als ihm jetzt Schluck eine Schilderung gab, wie seine Tochter umworben sei, wie sich bei ihrer Schönheit und ausgezeichneten Erziehung angeblich die ersten Kavaliere des Hofes bemühten, ihr ein Lächeln abzugewinnen, und kein Mann in der Welt wäre, der sich nicht glücklich schätzte, wenn sie ihm ihre Hand reichte, obgleich die Hand leer war, Da das Antlitz des alten Müllers durchaus nicht danach aussehen wollte, als ob er von dem hohen Glück, eine solche Schwiegertochter zu bekommen, gründlich zu überzeugen wäre, sah sich der Sattler genötigt, mit seinem Verlangen unumwunden herauszurücken. Schon im Postellwagen hatte er von einer Hülfe gesprochen, und daran erinnerte er jetzt den Müller. „Was ich damals gesagt habe," versetzte dieser,„das sage ich noch heute. Geld? Baares Geld? Das giebts nicht. Ich habe Ihnen aber damals schon gesagt, Sie können durch mich Ihren Talisman wieder beisammen haben, die Hexerei, die ihnen Glück bringt. Wo ist denn der Türke, der zu Ihrem Haus gehört, wie heißt er nur?“ „Der läßt sich vor Fremden nicht sehen“, erwiderte Schluck, scheinbar ganz gleichmütig. im Innersten aber sehr gespannt, auf welchem Wege der Müller dazu gelangt war, ein solches Anerbieten machen zu können. „Also“, setzte Waldbrenner fort,„ich will noch den goldenen Präsentierteller mit den Edelsteinen, den Schild, wie man's nennt, draufgeben, dann können Sie von vorn anfangen, ein reicher Mann zu werden, und das Pech, seit Sie das Ding nicht mehr haben, hat ein Ende.“ Schluck zitterte in der That vor Begier nach der Wiedererlangung dieses Besitzes, was jedoch nicht hinderte, daß er mit dem Ausdruck der Verächtlichkeit äußerte: „Das ist purer Aberglaube. Darauf kann man ja in einem Geschäft nichts geben. Ich könnt mir ebensogut eine geweihte Kerze oder ein„Sackerl“ mit Kräutern von der Kartenaufschlagerin als einen großen Schatz ausbinden lassen; gehen S' weg!“ Der Müller schien in der That Miene zu machen, als ob er wegen Resultatlosigkeit; der Verhandlung weggehen wollte. „Uebrigens“, setzte Schluck, dies bemerkend, hinzu,„es wird mir schwer, zu glauben, daß Sie zu dem echten und se eisce scheice blche üic i e lche Der Graf Präuner hätte beinahe sein Schloß dafür gegeben, um nur so ein Stück in der Sammlung zu haben, und jetzt soll er's Ihnen verkauft haben, Ihnen, der Sie ja garnichts Gescheites damit anfangen können?“ Urban Waldbrenner stand auf und ging an's Fenster, um nach dem Wetter zu sehen. Es regnete noch immer in Strömen, und kopfschüttelnd kehrte er zu dem bequemen Sopha zurück, um es sich noch eine Weile hier behaglich zu machen, weil er bei solchem Wetter die nichts weniger als glatte Straße nach Baden zum Bahnhof nicht befahren wollte. Wie um sich die Zeit zu vertreiben, begann er die Geschichte zu erzählen, wie er zu dem Schmuckgegenstandgekommen war. Nichts konnte einfacher sein. Die Gräfin Präuner ergab sich dem damals auf dem Kontinent noch ziemlich neuen Vergnügen, Pferde, zu ziehen, um damit auf den großen Rennen hohe Preise dafür zu erzielen und große Wetten zu gewinnen, mit außerordentlicher Leidenschaft. Große Summen gingen verloren. Nicht nur auf dem„Turf“ selbst entschied sich dies, man wettete, auch im geselligen Verkehr des Salons. Zu der Gesellschaft der Gräfin gehörte auch der älteste Sohn des tief verschuldeten Grafen Oldfred, welcher es nur einem gewissen Erbarmen seines hauptsächlichsten Gläubigers, Urban Waldbrenner. verdankte, daß die Verhältnisse nicht mit Skandal und Eclat zusammengebrochen waren. Der Müller übte dadurch eine Art von Dankbarkeit, denn seine beiden verstorbenen Söhne waren vom Grafen gefördert und beschützt worden. Der älteste Sohn lebte seit langer Zeit in Paris und wußte dort anständig, seinem Range gemäß, aufzutreten. Die Gräfin Präuner sollte ihm eine große Wette bezahlen, die sie verloren hatte. Bereits war es zwischen ihr und ihrem Manne wegen des unverhältnismäßigen Geldverbrauchs zu bedeutenden Zerwürfnissen gekommen. Die zuletzt notwendig gewordene Zahlung zu leisten, weigerte sich Graf Präuner geradezu: selbst die Androhung eines Verzweiflungsschrittes der Gräfin rührte ihn nicht mehr, und erst als er erfuhr, daß der Gewinner Graf Oldfred war, wurde der erboste Gatte ztwas gefügiger. Zu seinen vielen unklaren Ideen gehörte auch eine Verbindung mit dem finanziell so herabgekommenen Hause Oldfred; ihm schimmerte dabei eine diplomatische Beziehung vor, die bis in die österreichische Staatskanzlei und sogar bis hinauf zum Hof des Kaisers Ferdinand reichen sollte. Darum war auch das nächste Resultat seiner Unterredung mit dem Gläubiger seiner Frau, daß dieser seinem Bruder Sigismund in Wien dringend empfahl, mit dem Grafen Präuner und seiner Tochter nach der Rückehr derselben in die Schönauer Gegend in näheren Verkehr zu treten. bese euist hechie de Kaiesient uier sche Oldfred die mit Edelsteinen besetzte Goldplatte an Zahlungsstatt annahm. Graf Präuner hatte sie nach Paris mitgenommen, weil er geglaubt, ebenfalls einen Talisman daran zu haben, auch ohne die dazu gehörige Hälfte in Gestalt eines orientalischen Sklaven. Nun war aber im Gegenteil in Paris Unglück ins Haus gekommen, was den Grafen Präuner nicht hinderte, sein Anerbieten dadurch zu verstärken, daß er den Gegenstand für ein höchst wirksames Glücksmittel ausgab. Graf Oldfred gab die Platte einem befreundeten Kavalier nach Oesterreich mit, um sie dem Vater zu überbringen, von dem er dafür Geld verlangte. Dieser versetzte das Objekt wie gewöhnlich bei Urban Waldbrenner, welcher wohl wußte, daß er es für eine entsprechende Nachzahlung als Eigentum hätte erwerben können. Es war daher natürlich, daß ihn die Mitteilungen Schluck's im Poststellwagen über den Ursprung und die Bedeutung dieser orientalischen Kuriosität sehr in anspruch nahmen. Was er von den äußeren Vorgängen, durch die sie in seinen Besitz gekommen war, in Erfahrung gebracht, erzählte er jetzt dem hoch aufhorchenden Sattlermeister und gab ihm von neuem zu bedenken, wie viel Wert er darauf legen sollte, den Schatz wieder in der Familie zu haben. „Das Ding kann ein Brautgeschenk sein“, sagte Urban, „am Tage des ersten Aufgebots kann's der Melchior bringen, und dann ist ja alles wieder gut.“ Schluck blieb anscheinend sehr kalt, und es war deutlich zu erkennen, daß er eine Aufforderung erwartete, die Bedingungen, unter welchen er die Heirat zugeben wollte, selbst auszusprechen. Waldbrenner, dem davor graute, unverrichteter Sache zu seinem Sohn zurückkehren zu müssen, sah sich denn auch endlich gezwungen, gerade herauszuJoger: „Was verlangen Sie denn eigentlich? Ziehen S' vom Leder.“ „Ich verlange nur, was billig ist“, erwiderte Schluck, „ich verlange für mich selbst keinen Groschen Geld. Für mich seldst will ich mich mit dem Talisman begnügen. Melchior aber muß alles bezahlen, was auf dem Gut lastet, und es dann als schuldenfreies Eigentum auf den Namen meiner Tochter umschreiben lassen. Ihr Haus muß es sein, ihr Hab und Gut, ihr alleiniges Eigentum, ihr Witwensitz, wenn sie den Mann überlebt, ihr eigenes Wohnhaus im Fall einer Scheidung. Ja, im Fall einer Scheidung hätte er nicht auf einen Nagel im Haus Anspruch, muß davongehen und ihr alles allein überlassen. Das wäre die Bedingung.“ Urban Waldbrenner schien fast beleidigt zu sein. „Sie denken weit voraus,“ sagte er,„sprechen schon vom AAdweahht und uu rist der von aner Schebung. Warum sollen denn die jungen Leute wieder auseinander gehen? Es schaut so aus, als ob Sie nicht auf eine Heirat, sondern auf eine Scheidung ausgingen.“ „Man muß in solchen Fällen auf alles Mögliche bedacht sein,“ fiel Schluck beschwichtigend ein, und der Müller ging langsam im Zimmer umher, sah wieder nach dem Wetter, das sich inzwischen gebessert hatte, und blieb endlich mit den Worten stehen:„Na wissen Sie, die Dirn ist ein ganz sauderes Stück Weibsbild und mein Bub ist in sie verschossen. Wir wollen einig werden.“ Es wurde nun zwischen den beiden Männern verabredet, daß an einem der nächsten Tage in Wien im Hause Schluck's auf Grund. der eben von ihm ausgesprochenen Bedingungen Alles fertig gemacht werden sollte. Noch immer ein wenig kopfschüttelnd stieg Urban Walddrenner die Treppe hinab und in seinen Wagen. Für Wendelin Schluck aber war jetzt erst das Schwierigste zu überwinden— der vorauszusetzende Widerstand seiner Tochter. Still und unaufhaltsam waren die beiden Frauen mit dem thätigen Abschied vom Hause beschäftigt, der darin bestand, hundert liedgewordene Gegenstände, die man sonst immer beim Scheiden im Herbst zurückgelassen hatte und auf die zuerst der Blick gefallen, wenn man im Frühling wiedergekommen war, jetzt zusammenzulegen, zu verpacken, für immer nach der Stadt zurückzunehmen. Schluck sah dieser Emsigkeit am Abend nach Waldbrenner's Entfernung ruhig zu, ohne Einhalt zu thun, obgleich er die Mühe bereits für unnötig hielt. Allein er war noch zu sehr mit seinen Gedanken beschäftigt, als daß er sich durch Fragen und Gegenreden, vielleicht sagar durch heftige Auftritte in dem Bestreben hätte stören lassen woklen, seine Lage, wie sie sich nun gestaltet hatte und noch ferner gestalten sollte, klar zu überblicken. Wenn der Plan zur Ausführung kam, so war vor Allem erreicht, daß seine Tochter die Gutsbesitzerin blieb, selbständige Herrin eines nicht unbedeutenden Grundbesitzes, zu jeder Verfügung darüber allein berechtigt. Er selbst war dann freilich anscheinend nicht reicher geworden, allein die Befreiung von der Zinsenlast für die Hypotheken war schon an und für sich ein außerordentlicher Gewinn, ferner brauchte er an eine weitere Mitgift für die Tochter nicht mehr zu denken, und endlich gelangte er wieder in den Besitz des väterlichen Erbstückes— ein Gedanke. der ihn mehr, als er### es irgend einem Menschen gestanden hätte, mit neuer Arbeitslust und mit neuen Glückshoffnungen erfüllte. Es blieb also nichts mehr zu thun, als seiner Tochter zu gebieten, ihre Hand in die des lateinischen Bauern zum ewigen Bunde zu legen. Hätte er Isidora zu einem der Mädchen erzogen, wie sie in seiner Heimat und in den Kreisen A W R en u A Parlamentarisches. * Berlin, 21. Oktdr. — Die deutsch=freisinnigen Vertrauensmänner des ersten Berliner Reichstagswahlkreises haben gestern beschlossen, als Ersatzkandidaten für den verstorbenen Ludwig Löwe den Landgerichtsrat Klotz aufzustellen. — Die Unfallversicherungsvorlage für Seeleute soll bestimmen, daß die Seeleute selbst zu den Kosten der Unfallversicherung nicht herangezogen werden. * Bulgarien. [Die Dinge in Bulgarien] sind nun soweit gediehen, daß eine Entscheidung nicht mehr lange auf sich warten lassen kann. Stellen wir einmal die Sachlage klar, wie sie jetzt ist. Die Großmächte sind wohl einig darin, daß der Fürst Alexander Herrscher von Bulgarien nicht wieder werden soll, aber damit hat auch die Einigungsherrlichkeit ein Ende. Weder ist ein neuer Thronkandidat aufgestellt, noch ist entschieden, ob und welche Konsuln den Verhandlungen der Nationalversammlung in Tirnowa beiwohnen sollen. Rußland verstärkt sein Auftreten. General Kaulbars, der in Petersburg nach wie vor auf's Beste angeschrieben ist, droht mit ernsten Folgen, wenn noch einmal Maßregeln gegen Personen ergriffen würden, die sich Rußland zuneigen und dafür gegen die bulgarische Regierung auftreten. Letztere hat sich daran aber nicht gekehrt, vielmehr russische Parteigänger in Philippopel verhaften lassen. Weiter hat Rußland den Rücktritt der bulgarischen Regierung als Vorbedingung einer Aussöhnung gefordert. Darauf will man aber in Sofia nicht eingehen. Endlich ist es Rußland gelungen, die Türkei total in's Schlepptau zu nehmen, und der türkische Vertreter Gadban Effendi hat in Sofia den russischen Protest gegen den sofortigen Zusammender Nationalversammlung unterstützt, mit höflichen Worten zwar, aber der türkische Protest ist doch da. Darauf hat die bulgarische Regierung geantwortet, die Türkei habe nicht das geringste Recht, sich in die inneren bulgarischen Angelegenheiten einzumischen; es bleibe bei der verfassungsmäßig beschlossenen Berufung der Nationalversammlung.— Einen Erfolg, wenn man so sagen will, haben die Russen auch in Sofia errungen. Der schon längst halb und halb zu ihnen gehörige Regent Karawelow hat sich nun offen von der bulgarischen Nationalpartei losgesagt, und damit auf die russische Seite gestellt. Karawelow scheint anzunehmen, daß die wahre Selbständigkeit Bulgariens vorüber, und da will er sich denn bei Zeiten den Russen als gehorsamer Minister empfehlen. Bekannt ist ja, daß er auch die Verschwörung gegen Fürst Alexander zuließ und duldete, wenn er ihr auch nicht ausdrücklich beitrat. Der Hehler ist freilich ebenso verwerflich und strafbar wie der Stehler. Karawelow ist eine käufliche Natur, und bei ihm ist das um so verwerflicher, als er Alles Fürst Alexander verdankte. [General Kaulbars] ist von Rustschuck wieder in Sofia eingetroffen. Er behauptet sehr zuversichtlich, die bulgarische Regierung werde bald genug erkennen, daß die Mehrheit der Bevölkerung auf Rußland's Seite stehe. * Oesterreich=Ungarn. [Der österreichische Botschafter in Rom, * England. [Der Obergeneral der in Birma] stehenden britischen Truppen, General Macpherson, ist am Fieber gestorben. * Frankreich. [In Paris hat sich ein elsassisches Komitee) gebildet, welches Geldsammlungen veranstalten will, um dem verstorbenen General Uhrich ein Denkmal zu errichten. [Der Glaube der Franzosen] an die Wunderkraft der Melinitgeschosse scheint nicht allzu fest begründet zu. sein, sonst würden sie schwerlich so viel Wert auf die Be„estigung ihrer Grenzfesten und die Ausstattung ihrer Truppen mit dem Repetiergewehr legen. Die Gewehrfabrik von Tulle ist mit der Herstellung von 10000 Gewehren nach dem Modell Lebel beauftragt worden. Dieses Gewehr hat ein Kalider von 8 Millimeter, es dient für Kugeln in Stahl= und Messinghülse, deren Aufangsgeschwindigkeit 530 Meter ist und deren Tragweite dem Soldaten gestattet auf 600 Meter zu schießen, ohne das Klappvisier anzuwenden. Fast komisch berührt die Begründung, welche Pariser Blätter für die Notwendigkeit der Einführung des Repetiergewehres anführen. Es heißt da: Wenn sich unsere Soldaten mit ihrer jetzigen Waffe einem Feinde gegenübersehen, der mit, wenn auch noch so schlechten Repetiergewehren, ausgestattet ist, so würden sie sich preisgegeben, ja sogar verraten fühlen, just ebenso, als wenn man ihnen das alte Steinschloßgewehr in die Hand geben wollte. * Italien. [Arbeiter=Unruhen in Italien.] Aus Mailand wird telegraphiert: In Fagnano=Olona, woselbst die Arbeiter sämtlicher Spinnereien streiken, brachen unter den Streikenden bedeutende Unruhen aus. Die Karabinieri, welche die drohende Menge auseinander treiben wollten, wurden mit einem Steinhagel empfangen, einer von der Karabinieri blieb tot mehrere wurden verwundet. Auch von den Arbeitern wurden zwei getötet. Zwei Kompagnieen Militär kamen von Mailand, die Ruhe wiederherzustellen. as eaeste ao e ae. ase e e. kleinbürgerlicher Art, gewohnt, in allen Fällen den Willen der Eltern zu thun, so würde er seinen Befehl für hinreichend gehalten und an keine Schwierigkeit geglaubt haben. Jetzt beschlich ihn in anbetracht des Wesens und der Bildung seiner Tochter ein unbestimmtes Gefühl, daß sie sich nicht nur widersetzen, sondern ihren Ungehorsam sogar als ein Recht und eine Tugend zur Geltung zu bringen suchen werde. Allein das Messer saß ihm an der Kehle. Hatte er sich doch sogar schon mit dem schauerlichen Gedanken vertraut gemacht, sein Kind mit dem alten Waldbrenner zu verbinden— nachdem dieses Schreckbild beseitig war, konnte Die Zumutung, einen hübschen und jungen Mann zu heiraten, nur ein billiges Verlangen sein. Widersprach doch auch seines Wissens keine Leidenschaft Isidora's für irgend einen anderen Mann der gehegten Absicht, und zuletzt— er zir ein Bürgersmann von alter Zucht und Ordnung und wollte schon zeigen, was er vermochte. Dies Alles war ihm während der Nacht durch den Kopf gegangen. Obgleich er sonst dem ersten Frühstück nicht beiwohnte, schon weil es auch von den beiden Mädchen nicht gemeinsam eingenommen wurde, so ließ er doch am Morgen dieselben in das Zimmer bitten, wo die Mahlzeiten stattfanden, Das Zeichen einer gewissen Beklommenheit war, daß er die Mitteilung des Sachverhaltes an seine Schwester richtete, ohne auch nur mit einem einzigen Blick die Wirkung auf Isidora zu beobachten. Als er jedoch, wie um alle Widerrede im Voraus abzuschneiden, die Verbindung seiner Tochter mit Melchior Waldbrenner in der Form einer abgemachten Thatsache verkündigte, zwang ihn das Aufstehen vom Stuhle, womit die Betroffene ihre Erregung zunächst kundgab, das Auge auf sie zu richten. „Das kann nicht sein,“ sagte sie gelassen;„ich bin keine Waare, der es gleichgültig sein muß, in welche Hand sie fällt, wenn der Preis für sie bezahlt ist.“ „Der Preis wird dem Eigentbümer der Waare bezahlt,“ erwiderte Schluck,„hier aber wird er Dir selbst bezahlt, und foiglich bist du keine Waare.“ „Welcher Preis?“ fragte Isidora, welche auf die makeriellen Auseinandersetzungen nicht geachtet hatte. Er wiederholte ihr, daß sie in den selbständigen Besitz des ihr so theuren Landgutes treten werde, daß sie dadurch unter allen Umständen einer sorglosen Existenz sicher sei und selbst einer beneidenswerten Unabhängigkeit sowohl während ##r. Ehe, als wenn der Mann stürde oder sie sich von ihm Fweiden wollt:. e gemikmit cheig... 100 antrorten konnte, ließ Ulrike einen vernehmen, und der Strahl ihrer Augen ezeugte, daß die auf die Scheilung bezügliche Bemerkung Graf Ludolf, hat seinen Abschied auf sein Ansuchen erhalten, wird aber noch einige Zeit in Rom verbleiben. [Die Cholera] hat in Pest in den letzten Tagen wieder zugenommen; die offiziellen Ausweise zeigen gegenwärtig die höchsten Zahlen seit Beginn der Epidemie. Bisher sind im Ganzen ca. 950 Personen erkrankt und ca. 400 gestorben. In der Pester Bevölkerung herrscht große Erbitterung gegen die Fahrlässigkeit der Behörden. So hat u. a. vor einigen Tagen in den beiden Theresienstädter Bezirken, in denen die meisten Erkrankungen vorgekommen, eine Kirmes stattgefunden, ohne daß die Sanitätskommission an diesem Zusammenströmen der Menschenmassen mit ihrem zügellosen Essen und Trinken Anstoß nahm. * Rußland. [Das Organ der russischen Regierung,] das„Petersburger Journal“, nimmt wieder zur bulgarischen Frage das Wort und schreibt: Die bulgarischen Angelegenheiten seien nicht derart, um den europäischen Frieden zu stören. Ganz Europa erkenne Rußland's Rechte auf Bulgarien an. Somit erscheine die bulgarische Krisis lokalisiert und nichts lasse befürchten, daß die vielfachen Fragen, die da mit in Zusammenhang stehen, nicht in friedlicher Weise gelöst werden könnten. Was die bulgarischen Machthaber angehe, so sei ihnen der Wille Rußlands bekannt, und man müsse hoffen, daß sie auch die Notwendigkeiten der Situation anerkennen würden.„Wir können nicht wissen, welche Mittel die russische Regierung zur Anwendung zu bringen gedenkt, um ihre Ansichten zur Geltung zu bringen; aber wir wissen, daß ihre Mäßigung ein weiterer Beweis dafür ist, daß sie zu diesem Ziele gelangen will und daß sie genügende Garanticen des schließlichen Erfolges besitzt, um nicht aus ihrer ruhigen Haltung heraustreten und den Lauf der Ereignisse übersturzen zu brauchen.“ W. Zur Von allen europäischen Großmächten wird jetzt dem Marinematerial erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet, es wird quantitativ und qualitativ nach Möglichkeit verbessert. Der Grund, weshalb das alles geschieht, ist sehr einfach, wenn man ihn freilich auch nicht gern nennt: Ganz Europa rechnet mit der Möglichkeit eines hoffentlich noch recht fernen großen Krieges, bei dem, der Natur der Sache nach, auch die Marine eine hochwichtige Rolle zu spielen hat. Mag nun Rußland und England, oder Rußland und Oesterreich, oder Deutschland und Frankreich zusammenprallen, immer wird die Flotte wichtige Dienste leisten können. Unserer deutschen Kriegsmarine sind befonders bei den letzten Manövern bedeutende Strapazen zugemutet, um die Schlagfertigkeit derselben klar zu stellen und erfreulicherweise hat das Resultat alle Erwartungen befriedigt. Deutschlands Aufgabe kann es in einem Seekriege nicht so sehr sein, die Küste des feindlichen Landes mit starken Geschwadern anzugreifen; uns liegt vor allem die Verteidigung der ausgedehnten heimischen Küsten ob. Und dazu ist unsere Panzerund Torpedoflotte im Stande. Ihre Kraft wird noch vermehrt werden, wenn erst der Bau des Nord=Ostseekanales vollendet ist, und damit unsere Schiffe die Möglichkeit gewinnen, in Sicherheit vor jedem feindlichen Angriff, von der Ostsee in die Nordsee einlaufen zu können, und umgekehrt. Unsere heutigen Kriege werden nicht mehr, wie die früherer Jahrhunderte durch einen Seekampf definitiv entschieden; wohl aber kann ein Angriff zur See die Entscheidung wesentlich beeinflussen. Für England bleibt der Seekampf sogar der entscheidende. Da Oesterreichs Bundesgenossenschaft noch auf Jahre hinaus dem deutschen Reiche gesichert ist, so interessieren uns besonders die Flotten Rußlands, Englands und Frankreichs. Rußland ist im Schwarzen Meere gesichert, so lange die Neutralität der Dardanellen gewahrt ist. Daß man in Petersburg aber mit allen Möglichkeiten rechnet, beweist die bedeutende Verstärkung der Schwarzen=Meerflotte. Die Küste des Schwarzen Meeres ist aber doch nicht mehr der wunde Punkt an dem Riesenleib des russischen Reiches, und ein Krimkrieg wird sich kaum wiederholen. Am empfindlichsten kann das Zarenreich in der Ostsee getroffen werden. Wohl sind auch dort starke Festungen, aber ein entschlossenes Vorgehen hier muß den russischen Handel ruinieren, zumal wenn das Auslaufen russischer Schiffe aus dem Schwarzen Meer gehindert wird. Der Landhandel könnte die erlittene Einbuße nicht ersetzen, und ein nachdrücklicher Angriff auf Rußlands Ostseeküste den Staat, wenn nicht militärisch, so doch finanziell dem Ruin nahe bringen. Das ist die Stelle, wo Rußland sterblich ist, wo eine Seemacht, wie England, den Kampf mit Erfolg aufnehmen kann. Die französische Kammer hat in diesen Tagen eine Vorlage von 140 Millionen erhalten, aus welcher die Flotte verstärkt werden soll. Frankreichs Seemacht ist eine ungemein bedeutende, aber es ist falsch, anzunehmen, sie wäre der englischen etwa gewachsen. Davon könne keine Rede sein. England ist nicht mehr im Stande, es angriffsweise zur See mit den übrigen europäischen Seemächten auszunehmen; wohl kann es aber, seinem Flottenmaterial nach, in der Verteidigung den Angriff aller Seemächte aushalten. Der englischen Flotte fehlt aber Eins, und darauf hat der durch ein Versehen in die Oeffentlichkeit gelangte Bericht des englischen Admiralitätsrates Lord Beresford mit ungemein scharfen Worten hingewiesen: Der Schlendrian in der englischen Verwaltung ist zu groß, es fehlen eine straffe, einheitliche Organisation, übersichtliche Pläne, die ein schnelles und entschlossenes Handeln gestatten. Wie die Verhältnisse heute liegen, die sich wohl kaum radikal ändern werden, haben wir schwerlich jemals einen Seekrieg mit England zu erwarten. In Frage können nur die Nachbaren rechts und links kommen. Einen von Beiden halten wir uns im Verteidigungskriege vom Leibe; sollte aber ein Vötkerkrieg entstehen, so wird auch England mit hineingezogen. Wir können also, wenn, was wohl sicher, unsere eigene Marine stets allen Anforderungen entspricht, bezüglich der Küsten ruhig sein. Ein gefährlicher Schade kann uns da kaum erwachsen. Aus der Provinz und Nachbarschaft. Bielefeld, 22. Oktbr.[Dengremont=Konzert.] In dem am kommenden Mittwoch stattfindenden Konzert von Maurice Dengrement wird, wie bereits mitgeteilt, die Konzertsängerin Frau Gertrud Krüger mitwirken. Die Dame ist in unserer Stadt noch nicht aufgetreten, es dürfte deshalb nicht uninteressant sein, zu erfahren, wie die Kritiker über bisherige Debüts der Sängerin urteilen. Die„Voss. Ztg.“ in Berlin, deren kurzes Referat wir hier wiedergeben wollen, schreibt anläßlich eines Auftritts der Dame in der dortigen Singakademie: Frau Getrud Krüger, welche das Konzert durch Gesangsvorträge unterstützte, entzückte die Zuhörer durch ihre volle wohlktingende, umfangreiche und vortrefflich gebildete Altstimme. In der Intonation und Aussprache gleich lobenswert, weiß sie diese seltenen Vorzüge zugleich durch edle Wärme des Vortrages zu erhöhen. Sie ist eine würdige Schülerin von Fräulein Jenny Meyer. * Bielefeld, 22. Oktbr.[Ueber die Verpflichtung, polizeilichen Vorladungen] Folge zu leisten, war vielfach in der Presse gestritten und die Meinung zur Geltung gebracht worden, daß eine solche Verpflichtung nicht anzuerkennen sei. Dieser Meinung ist jetzt die Regierung zu Schleswig auf amtlichem Wege entgegengetreten und hat, wie wir aus der„Köln. Ztg.“ ersehen, unterm 5. ds. in einem Erlasse an die Polizeiverwaltung dahin Entscheidung getroffen, daß ein Ungehorsam gegen polizeiliche Vorladungen dem bestehenden Rechtszustande nicht entspreche und auch in offenbarem Widerspruch mit den Entscheidungen des Reichsgerichts(vom 30. September 1880, vom 22. November 1883 und 25. Mai 1886) und des Oberverwaltungsgerichts(vom 11. Dezember 1880) stehe. Es unterliege keinem Zweifel, daß die Polizeibehörden berechtigt sind, das persönliche Erscheinen solcher Personen zu verlangen und erforderlichenfalls durch Anwendung der ihnen gesetzlich gewährten Zwangsmittel zu erzwingen, von welchen die Polizeibehörde Mitteilungen im Interesse ihrer berufsmäßigen Thätigkeit erwarten darf, und daß anderseits die Vorgeladenen verpflichtet sind, derartigen Vorladungen zu folgen.„Die Polizeibehörden haben nach eigenem Ermessen zu beurteilen, ob das persönliche Erscheinen des Betreffenden im Interesse der Sache und des Dienstbetriebes geboten erscheint, und die Ladung in den für polizeiliche Verfügungen gesetzlich vorgeschriebenen Formen(Androhung von Ungehersamsfolgen u. s. w.) genau zu erlassen. Es versteht sich von selbst, daß auch hierbei— wie bei Handhabung der Polizei überhaupt— jede unnötige Belästigung des Publikums zu vermeiden ist.“ § Bielefeid, 22. Okt.[Kanaria.] Am 29. cr. hielt der„Kan.=Vogel=Züchterverein" hierselbst eine außerordentliche, von den Mitgliedern gut besuchte Generalversammlung ab. Die Frage, ob eine Ausstellung nebst Verlosung stattfinden soll, gelangte ohne weitere Debatte und durch einstimmige Annahme zur Erledigung. Es wurde ferner beschlossen, um ein lohnendes Verkaufsgeschäft zu erzielen— dieselbe eine Woche vor Weihnachten im Vereinslokal bei C. Modersohn abzuhalten. Für die Verlosung, die am 19. Dezember stattfinden soll, sind die nötigen Schritte zur Erlangung der Genehmigung derselben bei der Königlichen Regierung bereits eingeleitet. Der Verein hat in diesem Jahre ca. 500 gute fehlerfreie Rollvögel gezüchtet, es sollen auch nur prima Vögel zum Verkauf resp. zur Verlosung kommen. 88 Bielefeld, 21. Oktbr.[Die Kunstbutter auf den hiesigen Märkten.] Nach der hier bestehenden Wochenmarkts=Ordnung sind diejenigen Verkäufer, welche auf hiesigem Wochenmarkte Kunstbutter(Margarinbutter) feil halten, verpflichtet, dieses durch Aushängen eines Schildes zu erkennen zu geben, damit dieselbe auf den ersten Blick von der natürlichen Butter unterschieden werden kann und das Publikum vor Täuschungen und Uebervorteilungen bewahrt bleibt. Trotz der sorgsamen Ueberwachung und Kontrolle der Butterverkäufer seitens der MarktpolizeiBeamten wissen die berufsmäßigen Händler diese dennoch zu täuschen, indem sie Kunstbutter vielfach durch gedungene Frauen, die sich meistens den Anstrich einer ehrsamen Bauersfrau zu geben wissen und vielen der Käufer unbekannt sind, an verschiedenen Stellen des großen Marktplatzes zum Verkauf ihrer Ware aufzustellen. Da die Verkäufer aber das betr. Schild auf der Verkaufsstelle selten sichtbar werden lassen und ihre Ware stets als vorzüglich gut und ächt anpreisen, so fordern und erhalten sie auch meistens von den nichts ahnenden Käufern den marktgängigen Preis einer guten Naturbutter. Letztere werden aber meistens, falls sie der artige Ware gekauft haben, nach einigen Tagen, zum nichtgeringen Aerger gewahr, daß sie schmählich betrogen und ihr Veroruß steigert sich umsomehr, je größer das Quantum ist, welches sie entnommen haben, da sich Geschmag und Geruch der, vielfach ohne erheblichen Kostenaufwond bereiteten Kunstbutter, meistens mit jedem Tage verschlechtere und dieselbe schließlich nicht einmal mehr zum Kochen, ge, schweige denn als Tischbutter, verwendet werden kann. Das Publikum auf derartige Vorkommnisse aufmerksam zu machen, sich die Verkäufer, ehe gekauft wird, anzusehen, um vor Betrügereien geschützt zu werden und die Verkäufer derartiger Waren zur Anzeige zu bringen, sowie überhaupt die Marktpolizeibeamten in dieser Richtung hin, in ihren wohlgemeinten Bestrebungen nach Möglichkeit zu unterstützen, ist der Zweck dieser Zeilen. Vor einiger Zeit wurde seitens der Marktpolizei von einem Handelsmanne aus einer benachbarten Ortschaft, welcher oft auf hiesigem Wochenmarkte Butter feil hält und längst in dem Verdachte stand, zur Täuschung des Publikums mehrere Verkaufsstellen auf dem Platze inne zu haben, und Kunstbutter als ächte zu verkaufen, eine Quantität feiner Ware entnommen und einem Sachverständigen zur chemischen Untersuchung übergeben, Die Analyse ergab, daß die betr. Butter, welche als ächte verkauft war, größtenteils aus Kunstbutter bestand, da das aus dem Untersuchungsgegenstande hergestellte, von Salz, Wasser und Käse befreite Fett nur annähernd 20 Prozent reines Butterfett enthielt, während der Rest aus anderen Fetten, Talg u. s. w. bestand. Die Untersuchung ist eingeleitet. 88 Bielefeld, 22. Oltbr.[Herbergsverkehr.] Im Monat September dieses Jahres sind in den hiesigen Herbergen 462 durchreisende Gewerbegehülfen beherbergt worden und zwar in der Herberge zur Heimat 410, bei Groß 19 und bei Kahl 3. Aus der Kasse des Vereins gegen Bettelei empfingen 180 hülfsbedürftige Personen Abendbrod, Logis und Kaffee, sowie 50 Personen Mittagbrod. Die Gesamtausgabe hierfür betrug 64 Mark. ** Gütersloh, 21. Oktbr.[Einführung.] Nachdem seit voriger Woche der Lehrer Beckmann uns verlassen hat, um einem Rufe als Rektor an der Schule in Gadderbaum zu folgen, wurden heute zwei neue Lehrer, Wiese und Röthe, in hiesige Elementarschule eingeführt. * Enger, 20. Okt.(Unglücksfall.] Als gestern der Maurermeister Klostermann mit einigen seiner Arbeiter beim Brunnenbau beschäftigt war, brach beim Hirterlassen eines Zementringes die Kurbel an der Winde, letztere erfaßte den Klostermann am Arme und verletzte K. schwer. Auf Veranlassung des schnell herbeigeholten Arztes wurde der Schwerverletzte noch am Abend nach dem Herforder Krankenhause transportiert. * Herford, 21. Okt.[Meteor.] Gestern abend zwischen 6 und 8 Uhr leuchteten am nördlichen Himmel ferne Wetter auf. Das Firmament war anfangs vollständig klar. Sternschnuppen, die anscheinend aus dem Sternbilde des Kassiopeia kamen, fielen häufig nieder und in derselben Himmelsgegend leuchtete, nach dem„Herf. Krbl.“, ein mächtiges Meteor auf, das langsam seine stille Bahn zog, und unterhalb des großen Bären erlosch. Dann verhüllten düstere Wolken den Himmel und das Wetterleuchten wurde greller. Nachmittags nach 5 Uhr war am Rheine ein sehr heftiges Gewitter niedergegangen. * Detmold, 20. Okt.[Die erledigte Pfarrstelle an St. Nicolai in Lemgo] ist laut Amtsblatt dem Pastor Ebeling zu Danzig übertragen. 8 Vlotho, 21. Okt.[Der hiesige Turnklub) hielt am gestrigen Abend eine außerordentliche Generalversammlung ab, in welcher Vorstandswahlen vorgenommen wurden. Die Vereinsbeiträge wurden von der Versammlung auf 50 Pfg. pro Monat(Zöglinge die Hälfte) festgesetzt. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde beschlossen, mit den Turnübungen zu beginnen, und zwar an jedem Donnerstag abend 8½ Uhr, eine Uebung stattfinden zu lassen. Dann machte der Vorsitzende noch die Mitteilung, daß sich ein Herr vom Turnverein zu Gadderbaum bei Bielefeld bereit erklärt hätte, den ersten Turnübungen hier mit beizuwohnen, resp. dieselben zu leiten. 8 Vlotho, 21. Oktbr.[Der Wasserstand der Weser,] welcher am hiesigen Pegel bis auf 48 cm. unter Null gefallen war, ist bis auf 20 cm. über Null, also im ganzen ca. 68 cm. gestiegen. Damit ist nun auch für die Schiffer der Anstoß zur Aufnahme ihres Schiffahrtgewerbes gegeben, denn dieselben können doch jetzt schon wieder 8 Quartier laden, wodurch die Fahrten, speziell der hier so zahlreich gewonnenen nach Bremen bestimmten Bruchsteine eigentlich erst ansangen, für die betreffenden Schiffseigner einigermaßen lohnend zu werden. v Minden, 21. Okt.[Städtisches.] In heutiger Stadtvertretung wurde die Rechnung der Entfestigungskasse vorgelegt. Aus derselben geht hervor, daß bis dahin aus dem ehemaligen Festungsterrain über 18 Hektar verkauft sind zum Preise von 433,624 M. 60 Pf. Vorhanden sind noch über 23 Hektar, allerdings meist nicht so wertvoll wie die schon verkaufte Bodenfläche. Die Jahresrechnung verzeichnet eine Gesamteinnahme von 531,181 M., eine Ausgabe von 543,151 M., somit einen Vorschuß von 11,970 M. Tieser ist indes nur scheinbar vorhanden. Sind die rechtlichen und bestimmt eingehenden Außenstände in sese hosce aite Se ienite anet ise Bae eigentlich hinauswollte, und hatte sie seine bisherigen Mitteilungen, wenn auch schweigend, doch durch ihre schroffe Haltung abgelehnt und mißbilligt, so wurde sie jetzt zum Bundesgenossen ihres Bruders in dem Bestreben, Isidora für die vorgeschlagene Heirat gefügig zu machen. Das Mädchen setzte nur ein ruhiges, aber unüberwindlich scheinendes Nein entgegen. Den ihr vorgehaltenen materiellen Vorteil behauptete sie, durch irgend eine Arbeit oder Dienstleistung leichter erringen zu können, als durch die Hinopferung ihres Herzens an einen ungeliebten Mann. Drohungen scheiterten wie Ueberredungen an ihrer gelassenen, aber festen Weigerung, und Schlack sah ein, duß er ihr von einer andern Seite beizukommen suchen müsse. Hatte er bisher im Tone des gebietenden und zugleich weise Ratschläge erteilenden Vaters gesprochen, so ließ er jetzt, wozu es ihn ohnehin schon lange gedrängt hatte, seinem tiefverwundeten Gemüt, dem unendlich bitteren Gefühl seines Unglücks freien Lauf. Indem er das Elend schilderte, das ihn überall bedrohte, als Handwerker wie als Gutsbesitzer, wurde seine Sprache immer mehr die eines Flehenden, als ob das Kind die gewährende Autorität und der Vater das hülfesuchende Kind wäre. Er erinnerte sie an den Abend, an welchem sie sich erschüttert an seine Brust geworfen, und wiederholte die Worte, die sie gesprochen hatte:„O, könnte ich Dir helfen! Wozu ist man auf der Welt, wenn man in solchen Lagen zu nichts nütze ist!“ Isidora senkte das Haupt. Wie ein vergessener Mahner, der plötzlich mit einer furchtbaren Forderung vor sie trete, trafen ihr die eigenen Worte das Herz. In der That war es nicht von jeher die Eigenthümlichkeit ihres Wesens, mit Gelassenheit zu entbehren, die Abwesenheit vieler Dinge, welche ihr Gewohnheit gewesen waren und die von Anderen nur mit Schmerz vermißt werden, nicht zu bemerken, als ob sie für den Mangel völlig unempfindlich wäre. Freilich ist es etwas Anderes um innere Entbehrungen, um den Mangel und das Vermissen von Besitztümern, die nur der Seele angehören können. Allein die Neigung zum Entsagen wird allmählich auch zu einem inneren Trieb— und es war ein Vater, der durch heroische Ueberwindung zu beglücken war. Einen noch tieferen Eindruck jedoch als sein Anblick übte auf sie seine Wiederholung ihres eigenen Ausspruches. Sie gehörte zu den vornehmen Naturen, die sich Sclaven des gegebenen oder behaupteten Wortes fühlen, die es nicht ertragen, daß das, was sie vielleicht unbedacht in der Erregung eines Augenblicks gesagt haben, wenn der Moment der Bewährung kommt, von ihnen selbst zu einer bloßer. Phrase herabaesetzt werden soll. Allein sie hatte noch ein anderes Wort gegeben, sie hatte dem Grafen Sigismund Oldfred versprochen, ihm eine Stande ie dbunent, in der ae sch elten Kalte. Der Allem glaubte sie sich verpflichtet, diese Erklärung anzuhören, bevor sie in irgend einer Weise über sich selbst entschied, und darum bat sie ihren Vater, seine Angelegenheit bis zum Abend des nächsten Tages ruhen zu lassen. Sie ging nach ihrem Zimmer. Auf dem Wege betrat sie einen Corridor, dessen großes, bogenartiges Fenster ihr stets der liebste Punkt gewesen war, um an trüben, reguerischen Tagen einen weiten Ausblick in das Freie zu gewinnen. Sie blieb dort stehen, wenn auch bei dem Sturm ihrer Gefühle und Gedanken nicht mit bewußter Absicht. Da sah sie in der Ferne einen Reiter, der ihr gerade um diese Stunde steis der lieoste Anblick gewesen war. Der Reiter war ein Diener des Hauses, der täglich vom Postamt der Kreisstadt die für das Haus angekommenen Briefe und Sendungen abholte. Zwar hatte sie an diesem Tage nichts zu erwarten, was ihr Sehnsucht erregt hätte, allein von trüben Vorstellungen umdüstert, streckt man unwillkürlich die Hand nach fremden, gleichgültigen Beziehungen aus. Sie ging die Treppe hinab, um sogleich in Empfang nehmen zu können, was der Reiter brachte. Ein freudiger Ruf entrang sich ihrer Brust. Sie erkannte auf einem Brief die Handschrift der Comtesse Isidora. Noch immer lag das große Schreiben, das sie seit Monaten fortsetzte, auf ihrem Tische, ohne daß sie es in Ermangelung einer Adresse hätte absenden können. Jetzt flüchtete sie mit dem empfangenen Briefe wie mit einem gefundenen Schatz in ihr Stübchen. Der Brief war aus Ungarn datirt, von einer Pußta des Barons Kertményi, und schilderte zunächst mit drolligen Klagen den Aufenthalt wie eine Wildniß, in der Alles nicht zu haben sei, was ein Mensch, der die üble Gewohnheit hätte, nicht auf Vieren zu gehen, für unentbehrlich halte, wofür ihm aber ungeheure Genüsse geboten seien, die nur das Ueble hätten, daß derselbe Mensch, der auf zwei Füßen gehe, nichts damit anzufangen wisse. (Fortsetzung folgt.) unentschieden geblieben, da keiner der beiden Wettenden das Richtige getroffen hat. Der Kaiser liebt nämlich vorzugsweise gebundene, nicht klare Suppen, welche aus einer kräftigen Brühe hergestellt werden. Als Einlage dienen. Graupen, Reis, besonders liebt er selbstgemachte Nudeln. Kleine Mitteilungen. [Die Suppe des Kaisers] ist Gegenstand einer Wette geworden. In Austin in Texas haben zwei Leute eine Wette von 100 Dollars über die Streitfrage gemacht, ob Kaiser Wilhelm seine Fleischsuppe klar, mit Muskatnuß und kleinen Fleischklößchen und mit dickgekochtem Reis, der separat gekocht ist, als Zuthat ißt, oder ober ob der Kaiser die Suppe mit Reis, Kartoffeln und allerlei Gemüsen(alles in und mit der Suppe gekocht) zu essen pflegt. — Die Entscheidung dieser Streitfrage ist der Zeitscheift „Die Küche" übertragen worden. Nach der erteilten Antwort ist die Wette(die wohl überhaupt nicht gemacht ist) [Ueber die chemische Zusammen setzung des Menschen] bringt„Iron“ eine Notiz, der wir Folgendes entnehmen: Der Mensch besteht aus 13 Grundstoffen, von denen fünf gasförmig und acht fest sind. Der Hauptbestandteil ist Sauerstoff in einem Zustande von äußerster Zusammenpressung. Ein Normalmensch von 70 Kilogramm Gewicht enthält 44 Kilogramm Sauerstoff, welche unter gewöhnlichen Verhältnissen einen Raum von 28 Kubikmetern einnehmen würden. Ferner birgt besagter Mensch 7 Kilogramm Wasserstoff, welche im freien Zustande einen Raum von 80 Kubikmetern füllen würden. Die drei übrigen Gase sind Stickstoff(1,72 Kiloer), Chlor(0,8 Kilogr.) und Fluo-(0,1 Kilogr.). An festen Stoffen enthält der Normalmensch 22 Kilogr. Kohle, 8.0 Gramm Phosphor, 100 Gr. Schwefel, 1750 Gramm Kalcium, 80 Gramm Potassium, 70 Gramm Sodium, 50 Gramm Magnesium und 45 Gr. Eisen. Edelmetalle birgt somit der menschliche Körper nicht, und er enthält in der Hauptsache nur Stoffe, die wohlfeil sind, wie Brombeeren.„Iron“ glaubt deshalb kaum, daß eine bergmännische Ausbeutung des Menschen sich verlohnen würde. Charade.*) Das Ganze kommt aus eines Tieres Rachen, Das sehr mit Unrecht in den Namen sein Das Wort der ersten Silbe flicht hinein, Und dies pflegt redend kein Geräusch zu machen: Es tummelt munterssich und ohne Bangen In seinem ewigen Lebenselement, Und meine zweite Silbe es nicht kennt, Es wüßt' mit ihr auch gar nichts anzufangen. Die zweite Silbe ist Dir selbst zu eigen, Ruch Deinem Hunde, Deiner Katze auch; Das Ganze nehmen Frauen in Gebrauch, Wenn sie in feiner Toileit' sich zeigen. Auflösung in nächster Nr. Nachdruck verboten. Auflösung der Cbarade in vor. Nr.: Drachensels. der Kasse, so hat Die von der Stad ist getilgt und so de Ankauf der Festungs macht hat. Rechnut Blatte mehrerwähnt 49 Pf. Die Eink 4500 M. stellen, w 100 M. an würdige Unserer Stadt zu ver d Minden, Abendstunde ist der in der, zum Stadt in Flammen aufgeg der Brandstiftung g los verschwunden. noch nicht von wei bäude und Ernte sin ruiniert. —f Petersh prüfung.] In de wurde hierselbst, un Schulrat Henning a nicht definitiv angest der Königl. Regier Hechtenberg aus Mi Prüfung 51 Lehrer wurden von allen lichen Examen warei letzten Cötus fielen Prüfung bestanden; * Warendor schützenverein] en derselbe wohl daran und Verschönerung Geschäftsjahre 1885 von 500 M. Der gelegener Grundstück einstimmig beschlossen hoffentlich recht kur Annehmlichkeit reiche * R e c k l i n g h e sigen Innungs Verhandlung statt, Meister und einem Recht gegeben. * Hamm, 1 Anz.“, im Hotel„ inbetreff der Kanalis selben an den projek! der Vertreter der bei Interessenten abgehal (Hamm) folgende 2 Erbauung des Rhein selben eine Kanalisier zweifelhaft geeignet, Schwerste zu schäd Lippeflusses für Schi kanalisierten Lippe Schiffseisenbahn oder scheint ratsam, ein g der Lippe und deren lassen. Die dem Ve würden auf die In sein. Diese Anträge nach soll die nächste und sollen bis dahin projekt angestellt wer geht hervor, daß das stellte und einer früher vorgelegte Projekt: d westlichsten Teil des Borken, Breden, Gre und die Steinkohlenz schluß zu bringen, hi Michaelis'sche Projekt zur Annahme gelang * Münster, jetzt endlich Auftrag für unseren neuen C. vorzugehen. Es ist d handeln.— Die Za meisterstelle mehrt sich heit anzunehmen, de Boele gewählt werder Buden wegen anstößi — Am Montag soll dem eine größere Einbruch gestohlen wo aller Zureden und Nachdem sie 72 Jah haben, wolle sie aud durch einen Eidschn Glück nahm der Stanicht mehr in vollem * Bochum, 2 tung.] Eine Ber gistrat das Gesuch ge winn die Genehmig leuchtung zu erteilen, komplex zwischen Hod absichtigte. Der Ma lehnt und will, der„ elektrischen Beleuchtun führen. An eine An eine Anfrage erlassen, Beleuchtung bereit Zeit einen großen Ei über 1200 Flammer Anlage als gesichert der Hof des neuen 9 * Bochum, 1 sinn, Petroleum gestern beinahe wied Ehefrau des Bergma im Kochherd zu lebhe offenen Petroleumbehö und die Kleider der Angst eilte sie in das der die Geistesgegenn werfen und mit einer zur Hand waren, di Kleider schon stark v „M. Spr.“ mitteilt, davongetragen. Auch während der Explosi Glück unverletzt gebli * Verge=Bor hoffte Freude], dieser Tage neun in rheinischen Bahn bese erhielten nämlich bei malige Zulage von je eines von dem Chef unterzeichneten Belol heißt es, daß in anb treffenden 25 Jahre Diensten der Eisen während dieser Zeit bemüht gewesen sind, vorschriftsmäßig aus kennung dieser Leistu das Betriebsamt erw sein werden, durch D lose Führung sich das zu erhalten. Wie n Betriebsamtes den Arbeiter nicht allein von dem immerhin n der Kasse, so hat dieselbe einen Bestand von 28 620 M. Die von der Stadt an den Staat zu zahlende Kaufschuld ist getilgt und so darf gesagt werden, daß die Gemeinde mit Ankauf der Festungswerke ein ganz erträgliches Geschäft gemacht hat. Rechnungsmäßig beläuft sich das in diesem Blatte mehrerwähnte Mühe'sche Legat auf 113,206 M. 49 Pf. Die Einkünfte daraus dürften sich auf etwa 4500 M. stellen, welche in Jahresbeträgen von wenigstens 100 M. an würdige Mitglieder der arbeitenden Bevölkerung unserer Stadt zu verteilen sind. d Minden, 21. Okt.[Feuer.] Gestern zu später Abendstunde ist der größte Teil des Kisau'schen Kolonats in der, zum Stadtbezirk gehörenden Bauerschaft Rodenteck, in Flammen aufgegangen. Es wiro dringender Verdacht der Brandstiftung gehegt. Der Knecht des Hauses ist spurlos verschwunden. Die Löscharbeiten wurden— man weiß noch nicht von wem— durch Steinwürfe behindert. Gebäude und Ernte sind versichert, der Hausrat ist zum Teil ruiniert. —fl Petershagen, 21. Oktbr.[Zweite Lehrerprüfung.] In den Tagen vom 15. bis zum 20. Oktbr. wurde hierselbst, unter dem Vorsitze des Regierungs= und Schulrat Henning aus Münster, die 2. Prüfung der noch nicht definitiv angestellten Lehrer abgehalten. Als Vertreter der Königl. Regierung war Regierungs= und Schulrat Hechtenberg aus Minden erschienen. Es hatten sich zu der Prüfung 51 Lehrer eingefunden. Die schriftlichen Arbeiten wurden von allen gemeinsam angefertigt. Bei dem mündlichen Examen waren 3 Cöten eingerichtet. Im ersten und letzten Cötus fielen je 5 durch, so daß nur 41 Lehrer die Prüfung bestanden; gewiß ein nicht allzugünstiges Resultat. * Warendorf, 20. Oktbr.[Der hiesige Bürgerschützenverein] entwickelt sich in erfreulicher Weise, daß derselbe wohl daran denken darf, etwas für die Erweiterung und Verschönerung seiner baulichen Anlagen zu thun. Im Geschäftsjahre 1885/86 erzielte der Verein einen Ueberschuß von 500 M. Der Verein hat deshalb den Ankauf passend gelegener Grundstücke zur Anlage eines Schützenplatzes fast einstimmig beschlossen. Unser liebes Städtchen wird also in hoffentlich recht kurzer Zeit um eine neue Zierde und Annehmlichkeit reicher werden. * Recklinghausen, 20. Oktbr.[Vor dem hiesigen Innungsschiedsgerichte] fand heute die erste Verhandlung statt, welche Lohn=Differenzen zwischen einem Meister und einem Gesellen betraf. Dem Gesellen wurde Recht gegeben. * Hamm, 18. Okt. Heute wurde, laut„Westf. Anz.“, im Hotel„zum Grafen von der Mark“ hierselbst inbetreff der Kanalisierung der Lippe und Anschlusses derselben an den projektierten Rhein=Ems=Kanal eine Konferenz der Vertreter der beteiligten Gemeinden, Gesellschaften und Interessenten abgehalten, zu welcher Bürgermeister Werner (Hamm) folgende Thesen zur Beratung gestellt hatte: die Erbauung des Rhein=Ems=Kanals ist, sofern nicht mit derselben eine Kanalisierung der Lippe Hand in Hand geht, unzweifelhaft geeignet, die Interessen des Lippethals auf das Schwerste zu schädigen; demnach is Die Kanalisation des Lippeflusses für Schiffverkehr und weiter der Anschluß der kanalisierten Lippe an den Kanal selbst(durch Schleusen, Schiffseisenbahn oder senkrechte Hebung) anzustreben. Es erscheint ratsam, ein generelles Projekt für die Kanalisation der Lippe und deren Anschluß an den Kanal aufstellen zu lassen. Die dem Vernehmen nach nicht erheblichen Kosten würden auf die Interessenten des Lippethales zu verteilen sein. Diese Anträge wurden angenommen. Dem Vernehmen nach soll die nächste Versammlung in Dorsten stattfinden und sollen bis dahin nähere Ermittelungen über das Kanal= projekt angestellt werden. Aus den heutigen Verhandlungen geht hervor, daß das zuerst seitens der Stadt Wesel ausgestellte und einer früheren Versammlung der Lippe-Interessenten vorgelegte Projekt: den Rhein=Ems=Kanal durch den Nordwestlichsten Teil des Reg.=Bez. Münster, an den Städten Borken, Vreden, Gronau vorbei nach Salzbergen zu führen und die Steinkohlenzechen durch einen Seitenkanal in Anschluß zu bringen, hinfällig geworden ist, nachdem das sog. Michaelis'sche Projekt durch Gesetzseitens der Staatsregierung zur Annahme gelangte. * Münster, 20. Okt.[Verschiedenes.] Es ist jetzt endlich Auftrag gegeben worden, mit dem Ankauf der für unseren neuen Centralbahnhof erforderlichen Grundstücke vorzugehen. Es ist dieserhalb mit ca. 40 Besitzern zu unterhandeln.— Die Zahl der Bewerber um unsere Oberbürgermeisterstelle mehrt sich gewaltig. Es ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß der bisherige zweite Bürgermeister Boele gewählt werden wird.— Auf dem Send wurden drei Buden wegen anstößiger Schaustellungen polizeilich geschlossen. — Am Montag sollte ein altes Mütterchen von Hembergen, dem eine größere Geldsumme von einem Knaben mittels Einbruch gestohlen worden, einen Eid leisten, war jedoch trotz aller Zureden und Drohungen hierzu nicht zu bewegen. Nachdem sie 72 Jahre alt geworden, ohne je geschworen zu haben, wolle sie auch in's Grab gehen, ohne ihr Gewissen durch einen Eidschwur beunruhigt zu haben. Zu ihrem Glück nahm der Staatsanwalt an, daß die Alte ihrer Sinne nicht mehr in vollem Umfange mächtig sei. * Bochum, 20. Okt.[Elektrische Beleuchtung.] Eine Berliner Firma hat an den hiesigen Magistrat das Gesuch gerichtet, ihr gegen einen Anteil am Gewinn die Genehmigung zur Anlage einer elektrischen Beleuchtung zu erteilen, welche sie vorläufig für den Häuserkomplex zwischen Hochstraße und Viktoriastraße anzulegen beabsichtigte. Der Magistrat hat dieses Gesuch jedoch abgelehnt und will, der„Dortm. Z.“ zufolge, die Anlegung einer elektrischen Beleuchtung der Stadt für eigene Rechnung ausführen. An eine Anzahl hiesiger Geschäftsleute hat derselbe eine Anfrage erlassen, ob sie zur Anlegung einer elektrischen Beleuchtung bereit wären. Diese Anfrage hat in kurzer Zeit einen großen Erfolg zu verzeichnen gehabt, da bereits über 1200 Flammen angemeldet sind und ist hiemnach die Anlage als gesichert zu bezeichnen. Für die Zentralstelle ist der Hof des neuen Rathauses bestimmt. chum, 18. Olke. r u ar###c 16. Sitdt.(De furchroareTeichtsinn, Petroleum ins Feuer zu gießen,) hätte hier gestern beinahe wieder ein Menschenopfer gefordert. Die Ehefrau des Bergmanns Joh. Bennauer goß, um das Feuer im Kochherd zu lebhafterem Brande anzufachen, aus dem offenen Petroleumbehälter hinzu, wobei der Behälter explodierte und die Kleider der jungen Frau Feuer fingen. In ihrer Angst eilte sie in das nahe Haus des Bäckers Joh. Schlenkhoff, der die Geistesgegenwart hatte, die Unglückliche zur Erde zu werfen und mit einer Lage nasser Runkelblätter, die gerade zur Hand waren, die Flammen zu ersticken. Obwohl die Kleider schon stark verkohlt waren, hat Frau B., wie der „M. Spr.“ mitteilt, doch keine sehr schweren Brandwunden davongetragen. Auch ihr 6 Monat altes Kind, welches während der Explosion nahe dem Kochherd saß, ist zum Glück unverletzt geblieben. * Verge=Borbeck, 29. Oktbr.[Eine unverhoffte Freudel, so schreibt die„Rh.=W.=Ztg." ward dieser Tage neun in der hiesigen Wagenwerkstätte der rechtsrheinischen Bahn beschäftigten Arbeitern zu teil. Dieselden erhielten nämlich bei der letzten Lohnauszahlung eine einmalige Zulage von je 30 M. ausgezahlt, unter Behändigung eines von dem Chef des Kgl. Eisenbahnbetriebsamtes Essen unterzeichneten Belobigungsschreibens. In dem letzteren heißt es, daß in anbetracht des Umstandes, daß die Betreffenden 25 Jahre und länger ohne Unterbrechung in Diensten der Eisenbahn beschäftigt gewesen sind und sich während dieser Zeit zur Zufriedenheit geführt, auch sonst bemüht gewesen sind, ihre Dienstgeschäfte ordnungs= und vorschriftsmäßig auszuführen, das Betriebsamt in Anerkennung dieser Leistungen jene Lohnzulage bewilligt habe; das Betriebsamt erwarte, daß sie auch fürderhin bemüht sein werden, durch Diensteifer, Pflichtbewußtsein und tadellose Führung sich das Wohkwollen der Verwaltung fortgesetzt zu erhalten. Wie wir hören, hat dieses Verfahren des Betriebsamtes den besten Eindruck auf die sämtlichen Arbeiter„nicht allein auf die prämiierten, gemacht; abgesehen von dem immerhin nicht unerhedlichen Betrag derührt es die Leute angenehm, daß ihre Vorgesetzten sich für sie interessieren und treue Arbeit auch anerkennen. Daß die neun Jubilare die Anerkennungsschreiben wie einen teuren Schatz aufbewahren, versteht sich von selbst. * Ottweiler, 21. Olt.[Eisenbahnzusammenstoß] Der„Elbf. Ztg." telegraphiert man: Auf dem hiesigen Bahnhose entgleiste gestern abend ein Zug bei der Einfahrt. Vier Wagen wurden stark, drei leicht beschädigt. Der Lokomotivführer erlitt eine leichte Handverstauchung, sonst ist niemand verletzt. Ein Fohlen ist tot, 13 Fohlen sind meist leicht verletzt. Gerichtssaal. 8 Bielefeld, 21. Okt.[Strafkammer.] Der Leibzüchter Joh. Heinrich Schmidt aus Südlengern befand sich wegen fahrlässiger Tödtung auf der Anklagebank. Derselbe besitzt eine Mergelgrube, welche den polizeilichen Bestimmungen zuwider im Betriebe gehalten wurde. Als im Mai 1884 der Kolon Kemner und Kolon Sieker in die Mergelgrube fuhren, um aus derselben Mergel zu fahren, war die Grube ohne jegliche Aufsicht. In derselben stieg eine Mergelwand senkrecht empor, die etwas unterminiert war. Indem die beiden Männer und der Kuecht des Erstern zwischen der Wand und ihrem Wagen sich zur Arbeit anschickten, stürzte plötzlich die Mergelwand hernieder und verschüttete die Arbeiter. Kolon Sieker wurde aus den Trümmern als Leiche hervorgezogen und Kemner erlitt einen Beinbruch, während der Knecht unverletzt daraus hervorging. Schmidt ist schon mehrfach wegen der gesetzwidrigen Einrichtung der Grube polizeilich bestraft und gewarnt, auch ist vor einigen Jahren, bereits ein Mensch in der Grube verunglückt. Das Gericht verurteilte Schmidt zu 1 Jahr Gefängnis.— In diesem Frühjahr verurteilte die Strafkammer des hiesigen Landgerichts den Kolon Hermann Langenberg in Hoberge, wegen Verletzung von Absperrungsmaßregeln, welche das Landratsamt zum Zweck Verhütens der Verbreitung von Viehseuchen angeordnet hatte, zu 1 Tage Gefängnis. Es wurde ihm nämlich vorgeworfen, daß er im Juli v. J. von seinen Schafen, welche vom Kreistierarzt für reudig erklärt und deshalb unter Sperre gelegt waren, einige verkauft habe. Auf die vom Angeklagten eingelegte Revision ist die Sache zur anderweiten Verhandlung und Entscheidung in die erste Instanz zurückverwiesen. In der diesmaligen Sitzung waren vom Angetlagten mehrere Zeugen benannt, welche über die Unzuverlässigkeit und Unbestimmtheit der Hauptzeugen, frühere Amtmann B. und Polizeidiener H., bekunden sollten. Das Gericht konnte aus der Verhandlung nicht die Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten schöpfen und sprach ihn daher frei. Ein Zeuge, welcher sich nicht rechtzeitig im Termin einfand, wurde mit 30 Mark Strafe belegt.— Das Schöffengericht in Halle hat die beiden Heuerlinge Peter Buschmann in Isingdorf und Hermann Lechtermann in Schröttinghausen von der Anklage auf offener Straße gemeinschaftlich über den Heuerling Zurmühlen hergefallen, und ihn mißhandelt zu haben, freigesorochen. Zurmühlen, welcher als Nebenkläger aufgetreten, legte gegen dieses Erkenntnis Berufung ein, welche zur Folge hatte, daß von den beiden Angeklagten Buschmann zu 2 Monaten und Lechtermann zu 1 Woche Gefängnis verurteilt sind. — In dem Forstrevier des Gutsbesitzers Tenge traf im Juni d. J. der Revierfärster desselben, Rehse auf einem Privatwege den Heuerling Heinrich Pott aus Liemke, welcher auf einer Karre frisch abgehauene Eichenstöcke in der Richtung nach seiner Wohnung schob. Rehse hielt ihn deshalb an, hielt ihm vor, daß er Holz gefrevelt habe und forderte ihn auf umzukehren. Als Pott sich weigerte und Schimpfreden ausstieß, schob ihn Rehse einige Schritt vor sich her. Plötzlich setzte Pott die Karre nieder, zog ein großes Messer aus der Tasche und drang damit auf Rehse ein. Dieser kam dem Stoße jedoch zuvor, und versetzte Pott mit seinen Stock einen Schlag über den Kopf, welcher ihn zu Boden streckte. Als er sich überzeugt hatte, daß die Verletzung nicht gefährlich war, entfernte sich Rehse alsdann. Wegen Widerstandsleistung mit Gewalt wurde Pott zu 1 Monat Gefängnis verurteilt.— Der schon mehrfach wegen Diebstahls und anderer Vergehen vorbestrafte Schlosser Karl Niemeyer aus Meißen wurde aus der Haft vorgeführt, unter der Anklage, einen schweren Diebstahl ausgeführt zu haben. Aus der eingefriedigten Weide des Kolon Südmeyer in Neesen war in der Nacht zum 18. August d. J. eine Kuh im Werte von 110 Mk. verschwunden. Als die Dienstmagd des Morgens in aller Frühe diese Entdeckung gemacht und ihrer Herrschaft davon Mitteilung gegeben, begab sich Südmeyer auf den Weg, um die Spur des Kuhdiebes zu verfolgen. In Bückeburg bot der Angeklagte unter verdächtigen Umständen eine Kuh zu dem billigen Preise von 60 Mk. zum Verkauf an; er wurde deshalb angehalten und der hinzugekommene Besitzer rekognoszierte sie als sein Eigenthum. Niemeyer will die Kuh von einem Unbekannten auf der Mindener Heide gekauft haben. Als Strafe erhielt derselbe 6 Monate Gefängnis.— Der Schlachtergeselle Fritz Wimmer in Minden hatte den Schlosser Meyer mit einem Stocke derartige Verletzungen beigebracht, daß Letzterer ärztliche Hülfe in anspruch nehmen mußte. Das Schöffengericht in Minden verurteilte deshalb den Wimmer zu 2 Monaten Gefängnis. Die vom Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung ist verworfen." * Dortmund, 20. Oktbr.[Schwere Strafe.] Vier Monat Gefängnis wegen Unterschlagung von 70 Pfg. ist eine strenge Ahndung. Diese Strafe erhielt, nach einer „Corresp.“ der„Osn. Z.“, heute von der hiesigen Strafkammer der Vollziehungsbeamte Paßmann von Castrop. Derselbe hatte bei der Erhebung von 3 M. Schulsteuern auf grund eines Pfändungsbefehls 1 M. 30 Pfg. Gebühren erhoben, obgleich er nur 60 Pfg. fordern durfte, da der Schuldner die Pfändung rechtzeitig durch Zahlung abwendete. Den zuviel erhobenen Betrag hatte Paßmann nicht an die Kasse abgeführt. Paßmann war auf die Gebühren angewiesen, da er kein festes Gehalt bezog, seine Einnahme delief sich aber auf über 2400 M. im Jahre. ermischtes. * Halle a. S., 21. Okt.[Verschiedenes.] Die „Köln. Ztg.“ läßt sich von hier mitteilen: Die Lederinteressenten Sachsens beschlossen, eine Ledermesse in Leipzig einzuführen.— 95 Zuschneider der Handschuhfabrik Neuhaldensleben forderten eine Lohnerhöhung und stellten, als dieselbe verweigert wurde, die Arbeit ein.— [Kurpfuscher.] Das Ferliner Polizeipräsidium warnt vor dem Droguisten Felix Meyer in Berlin, Gollnowstraße 31, und dem E. Funke, Friedrichstraße 217. Der erstere verkauft Mittel gegen Rheumatismus, der letztere ein spezifisches Pflanzen=Heilpulver. Beide sind wertlos. [Die Leiche der verunglückten Gräfin Arnim-Musk au] ist in der Kirche zu Gernsbach feierlich eingesegnet worden und dann nach Muskau überführt worden, wo Sonnabend nachmittag die Beisetzung in der deutschen Kirche daselbst erfolgt. [Allmählich erschließen sich für die Berliner Privatposten] neue Bahnen in den Massenaufträgen, welche bis jetzt keine dortige Anstalt besorgte. So ließ neulich die„Hansa“ in 2½ Tagen 305 000 Abonnementseinladungen für ein Dresdener Journal durch ganz Berlin austragen. Die Privatanstalten sind auch beweglicher in der Gestaltung ihrer Bedingungen. Zum Beispiel verbreitete die„Hansa“ 260000 Stück Abonnementselnladungen einer Tageszeitung mit bezahlter Rückantwort, hatte aber abgemacht, nur diejenigen Rückantworten bezahlt zu nehmen, welche wirklich mit Abonnements eingzugen Solche Zugeständnisse kann eine Staatsanstalt nicht machen und deshald können die Privatposten wohl besteyen, ohne der Reichspost Abbruch zu thun. [Das weit über die Grenzen Sachsens hinaus bekannte Casé auf der Brübl'schen Terrasse in Dresden] wird jetzt zum Abbruch gelangen, um den dort neu aufzuführenden staatlichen Gedäuden des Akademiepalastes Platz zu machen. Mit ihm verschwindet ein altes Stück Dresdens, an das sich viele schöne Erinnerungen knüpfen. Viehmarkte. * Enger, 20. Okt.[Marktbericht.] Der gestrige Jahrmarkt war von Käufern und Berkäufern stark besucht. Es waren 400 Schweine, gegen 100 Rinder und 100 Pferde aufgetrieben, in Schweinen entwickelte sich ein ziemliches Geschäft, dieselben gingen preiswürdig ab, dagegen wurde in Kühen und Pferden nichts umgesetzt. Die Budenbesitzer klagten sämmtlich über schlechte Geschäfte, was bei der gegenwärtigen Geschäftslage nicht zu verwundern ist. * Paderborn, 20. Olt.[Schaf= und Hammelmarkt.] Zu dem heute hier abgehaltenen 4. diesjährigen Schaf= und Hammelmarkte waren ca. 20 500 Stück Schafvieh zum Verkaufe aufgetrieben. Es kostete das Paar: fette Hammel und Schafe 42—45 M., 2= und 3jährige Hammel 30—40 M., 1jährige Hammel 25—35 M., gute Mutterschise 27—33 M., Schnittschafe 15—21 M., Lämmer 15—24 M. Die Kauflust war durchgehends schwach und der Umsatz ungewöhnlich klein. * Dortmund, 29. Oktbr.[Viehmarkt.] Zum heutigen Zucht= und Faselviehmarkt waren aufgetrieben: 511 tragende und frischmilchende Kühe und Rinder, ca. 930 Schweine einschl. Ferkel und 85 Pferde.— In Hornvieh waren Handel und Absatz recht flau, die augenblicklich herrschenden niedrigen Preise erfuhren keine Aenderung. Ueberstand ca. 150 Stück. Am Schweinemarkt war das Geschäft im allgemeinen recht lebhaft. 6 Wochen=Ferkel kosteten 2,50 bis 3,00 M. per Woche, ¼jährige Faselschweine 24,00—33 M., ½ jährige mit 38—47 M. pro Stück. Bei den Pferden war Handel und Absatz ziemlich gut.— Nächster Markt am 3. November er. * Hannover, 21. Oktbr.[Viehmarkt.] Zu heutiger Viehbörse waren aufgetrieben: 27 Stück Großvieh, 241 Schweine, 164 Kälber, 52 Hammel. Die Preise sind: Großvieh: I. Sorte 53—55 Mt., II. Sorte 49—53 Mk., III. Sorte 44—49 M. für 100 Pfd., Schweine per 100 Pfd. I. Sorte 48—62 M., II. Sorte 45 bis 48 M., III. Sorte 42—45 Mk., Kälber per Pfd. I. Sorte 60—70 Pfg., II. Sorte 50—60 Pfa., Hammel per Pfd, I. Sorte 55 Pfg., II. Sorte 50 Pfg.(Alles Schlachtaewicht.)— Das Geschäft war mitt lmäßig. * Handelsnachrichten. [Bulgarische Anleihen.] Einer Londoner Meldung zufolge, hat der in Paris lebende Amerikaner Makay mit der bulgarischen Regierung eine Anleihe von zehn Millionen Francs abgeschlossen. Der Abschluß einer weiteren Anleihe mit einer Londoner Firma soll bevorstehen. [Siegen=Solinger Gußstahl=Aktienverein.] Der Bruttogewinn beträgt in 188 5/86 193 530 M. Von dem Ueberschuß von 69 615 M. werden zu Abschreibungen verwendet 19 715 M., dem Garantie= und Delkredere=Konto überwiesen 25000 M., 2½ Proz. Dividende gezahlt, 4087 M. zu Tantiemen und 2493 M. zur Dotierung des Reservefonds verwendet, während 125 M. auf neue Rechnung vorgetragen werden. Frankfurt a. M., 20. Okt. Die„Frankf. Ztg.“ meldet: Das hiesige Haus Rothschild bleibt unverändert bestehen. Der Eintritt eines jüngren Familienmitgliedes ist nicht beabsichtigt. Dagegen wird man eine finanzielle Kapazität für teilwetse Uebernahme der Geschäftsführung zu gewinnen suchen. London, 21. Okt. Die Englische Bank erhöhte den Diskont von 3½ auf 4 Prozent. [Konkurseröffnungen:] Handelsmann Israel Simon, Hannover; Bernhard Weidelhofer, Haynau; H. Peter, Karlsruhe; Gebrüder Zeitz, Memel; Oswald Franke, Penig; B. Hoppe, Rhinow bei Rathenow. Staatspapiere. Deutsche Reichsanleihe 105,70 Preuß. Consols 3 1/2% 102,90 Berl. 3 1/% Stadt=Obl. 102,50 Hamburg. Rente 3½% 101,10 Bad. Präm.=Anl. 1867 137,75 Bayr. Präm.=Anl. 4% 137,80 Braunschw. 20 Rth.=Lose 96,— Köln=M. Pr.=Al. 3 1/2% 131,90 Goth. Präm.=Pfbr. 1. E. 107.— Rhein.=Westf. Indu Bochum. Bergw.=Ges. 37,90 Bochum. Gußstf. 100,90 Dortm. Union St.=Pr. 46,75 Gelsenkirchener Bergw. 104.40 Hibernia....... 95,50 Lospapiere. Rh.=Westf. Rentbr. 4% 104,— Westf. Pfandbriefe 4%—.— Oesterr. Silberr. 4 1/8% 68,70 Russisch. Anleihe v.1877—.— Hamburg. 50 Rth.=Lose—.— Kurhessische 40 Rth.=Lose 297,50 Meinig. 7. Gilden=Lose 24,10 Preuß. 3 1/2% Pr.=Anl. 149,— Russ. Präm.=Anl. 1864 144,— strie=Gesellschaften. Hörd.B.=u.Hütten=Ver. 21,— Luise Tiefbau...... 31,50 Mechan. Weberei(Köln) 175,— Phönix, Berg. u.H. Lit.A. 67,60 Westf. Drahtind.=Ver. 69,50 Bank= und Kreditbank=Aktien. Barmer Bankverein.. 99,10 Berg.=Märk. Bank. 115,75 Bremer Bank—.— Deusche Genossenschftsb. 133.25 Dorrmd. Bankverein. 101.50 Essener Kredit=Anstalt 101,75 Hannoversche Bank.. 117,50 Leipz. Kreditanstalt.. 173.60 Niedersächs. Bank. 103,70 Norddeutsche Bank. 149,20 Oldenb. Spar=u.Leihb. 149,75 Osnabrücker Bank. 128,30 Reichsbank(3 1/% Disc.) 139.80 Schaffh. Bankverein. 86,80 Hypotheken=Certisikate. Brusch.=Han.Hypbr. 4% 101, 80 Pr. B.C. 5% unk. rz.110 112,50 DeutscheHypothekb. 4% 102,40 Goth. UI.rzb. 110 3½% 98.— Hamb.Hyp.rzb. 100 4%102,— B. Cr. 4% rz. 100 101,90 „C.=B.C. 4%rz. 100 101,80 Stett.N=Hp. 4%rz. 100 100,50 Inländische Eisenbahn=Prioritäten. Berg.=Märk. 4 ½%"—. 3 1/% Lit. A. u. B. 100,60 3 1/% Lit. C.. 100,60 Köln.=M. Lit. A. 4 1/% 102,30 Rhein. 4½% 3. Em. 102,10 Oberschl. 4 1/% Ltr. F. Livre=Sterling 20=Frank=Stucke Gold=Dollars Holländische„ Geldsorten und Banknoten. 20,32 " 16,5 4,17,5 167,— Englische Französisch. Banknoten Oesterr. Banknoten. 20,38 80.50 163,10 Petroleum........ 6% Schmalz Wilcox.... 6,45 Fairbank„ 6,40 New=York, 22. Oktbr. Speck 6% Roter Winterweizen. 0,84“: Mais(ord. mized) 0,45¼ Telegraphischer Kursbericht, mitgeteilt von der Berliner Wechselbank, Herm. Friedländer& Sommerfeld, Hofbankiers, Berlin NW, U. d. Linden 45. (Schlußkurse. 2½ Uhr.) 20. Okt. 21. Okt. Paderborn, 20. Okt. 100 Kilo Erbsen 22,00—25,00 MI., Bohnen 22,00—24,00 Mk., Linsen 30,00—34,00 Mk., Kartoffeln 4,00—4,70 Mk., Stroh 3,20—4,40 Mk., Heu 4,00—4,90 Mk., 1/ Kilo Rindfleisch 0,10—0,60 Mt., Schweinefleisch 0,55—0,60 Mk., Kalbfleisch 0,40—0,50 Mt., Hammelfleisch 0,45—0,55 Mk., Speck 0,70—0,80 Mk., Butter 0,90—1,05 Mk., Schock Eier 3,30 bis 3,90 Mt. Köln, 21. Okt. Weizen, ziesiger loco 17,00, fremd. locs 18 25 pr. Novdr. 16.30, pr. März 16,90.— Roggen loco hiesiger 14.50 pr. Novbr. 12,50, pr. März 13,00.— Hafer loco 13,50— Rüdöl loco mit Faß 23,60, pr. Oktbr. 23,40. Neuß, 21 Okt. Weizen 15,80—17,20 M., Roggen 13,00 bis 14,00 M., Gerste—.— M., Hafer 15,00 M., Rüböl per 100 Klgr. 46 50 M., gereinigtes Oel 4950 M. Hamburg, 21. Okt. Kaffee ruhig. Heutiger Umsatz 3000 Sack. Rio reell ordinary 50 Pfg., Santos good average 51° Pfg. Bremen,(21. Okt. Taback. Umsatz 54 Kisten Seedleaf, 76 Ser. Carmen, 859 Packen St. Felix. Bremen, 21. Okt. Schmalz, Wilcox, 34 Pfg. Hamburg, 21. Okt. Schmalz, Wilcox, 30% Pfg. Bremen, 21. Okt. Petroleum, raff. Standard white. Ruhig. Loco 6 M. 30 Pfg. Hamburg, 21. Oktbr. Rübsl fest, loco 41 Br.— Leint! fest, loco 43 Br.— Petroleum behauptet, loco 6,45 Br., 6,40 G., pr. Oktbr. 6,35 Br., pr. Novbr.=Dezbr. 6,40 Br. Amsterdam, 21. Okt. Weizen pr. Mai 211.— Roggen pr. Okt. 118, pr. März 124. Familien=Nachrichten. (Von unseren Abonnenten uns zugehende, erkennbar beglaubigte Nachrichten finden in dieser Rubrik Aufnahme.) Verlobt: Frl. Emma Brunholt(Lütgendortmund) mit Hrn. Heinrich Berve(Bochum), Frl. Sophie Hunsche (Essen, Kr. Wittlage), mit Hrn. Wilhelm Böster(Osnabrück). Vermählt: Hr. Heinrich Beckmann mit Frl. Julie Brunholt(Zeche Margaretha b. Aplerbeck). Aeteorologische Beobachtungen. : Bielefeld, 22. Oktober. Niedrigst. Stand des Thermometers während der Nacht-1-8½° C. Stand des Thermometers um 12 Uhr mittags.+ 11°C. Barometer:(gestriger Stand 753).... 754 mm Die Luftdruckverhältnisse haben sich seit gestern wenig verändert. Im Westen ist niedriger, im Osten hoher Luftdruck. Der Himmel ist bedeckt, während der Nacht fiel Regen. Die gegenwärtige Witterung wird zunächst noch andauern. Neueste Nachrichten. * Berlin, Freitag, 22. Oktbr.(Privat=Telegramm der Westfälischen Zeitung.) Der letzte Besuch des russischen Botschafters beim Reichskanzler Bismarck in Varzin geschah aus Anlaß der deutsch=russischen Zoll- und Handelsverhältnisse. Der Papst beabsichtigt, dem„Berliner Tageblatt" zufolge, eine Berufung des ökumenischen Konzils zwecks der Erklärung der wiltlichen Herrschaft des Papstes als Dogma. Berlin, 20. Okt. Wie vielfach angenommen wird, sollen dem Reichstage in der nächsten Session die sämtlichen Entwürfe wieder unterbreitet werden, welche in der letzten unerledigt geblieben sind. Dem Bundesrate ist, wie man uns mitteilt, noch keine Mitteilung darüber gemacht worden; es wird auch dort nur vermutet, daß die Gesetze über das Seminar für orientalische Sprachen und über die Serviceverhältnisse einer Anzahl größerer Städte wieder erscheinen möchten. Ueber die Entwürfe bezüglich der Verjährung von Preßvergehen und den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei Gerichtsverhandlungen scheinen Entschlüsse noch vorbehalten zu sein, da erneute Erwägungen darüber in aussicht genommen sind. Die erstgedachten Vorlagen werden zweifellos die Zustimmung des Reichstags finden.(M. Ztg.) Wien, 21. Oktbr. Das„Tagebl.“ meldet aus Sofia: Der frühere Justizminister Grekow reist dieser Tage nach Konstantinopel, um im Auftrage der bulgarischen Regierung die Pforte über die Lage in Sofia aufzuklären und wvalöglich ein ersprießliches Einverständnis zwischen beiden Regierungen herzustellen.— Nach Petersburger Meldungen will die russische Regierung den Prinzen Georg Maximilianowitsch Romanowsky, Herzog von Leuchtenberg, als Kandidaten für den bulgarischen Thron vorschlagen. Derselbe habe sich vorgestern nach Berlin begeben, worauf er auch die übrigen Höfe besuchen wird.(F. Ztg.) Wien, 21. Okt. Cholerabericht. In Triest 7 Erkrankungen, 4 Todesfälle, in Pest 30 Erkrankungen, 18 Todesfälle. Rustschuk, 21. Okt. General Kaulbars ist nach Sofia abgereist.— Ein hiesiges Journal bringt einen von Stojanoff, dem Führer der antirussischen unversönlichen Partei, unterzeichneten Artikel mit einer nichts weniger als russenfreundlich gehaltenen Mitteilung über das Handgemenge bei den Wahlen in Dubnitza, wobei die Anhänger der viel stärkeren russischen Partei die Deputierten Gronscharoff und Zogroff getötet haben. London, 21. Okt. Der Oberkommandierende der britischen Armee in Indien, General Roberts, wird an Stelle des verstorbenen General Macpherson das Oberkommando in Birma übernehmen. London, 21. Okt. Die„Saint James Gazette“ erfährt, der französische Botschafter Waddington, welcher am Sonnabend nach London zurückkehrt, werde dei dem Minister des Auswärtigen, Lord Iddesleigh, Vorstellungen über die Fortdauer der englischen Okkupation in Egypten erheben. Das genannte Blatt will ferner wissen, es bestehe diesbezüglich ein vollständiges Einvernehmen zwischen Frankreich und dem Sultan; auch sei die Mitwirkung Rußlands bei einem erwaigen weiteren Vorgehen Frankreichs und des Sultans gesichert. Die sichersten Mittel gegen Husten, Catarrh, Heiserkeit, entzündliche Zustände der Lungen und Luftröhren, Verschleimung der Athmungsorgane 2c. sind die Malz=Extract=Präparate von L. H. Pietsch& Co. in Breslau. Diese Präparate sind Jedermann auf das Dringendste zu empfehlen und verdanken ihre wunderbaren Erfnige der naturgemäßen Wirkung ihrer Bestandteile. Nur echt mit dieser Schutzmarke:(23 Malz=Extract in Flaschen à Mk. 1, 1,75 u. 2,50. Caramellen in Beuteln(niemals lose) à 30 u. 50 Pf:, Zu haben in Bielefeld bei Th. Wolvers; in Beckum bei Stef. Keutmeyer; in Herford bei G. L. Pietschmann; in Gütersloh bei W. Küster; in Ennigerloh bei H. Lücke.(4137 Weiße Seidenstoffe v. M. 1.25 bis 18.20 per Met.(ca 150 versch. 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Mts., vormittags 10 Uhr anfangend, sollen in der Hermannshalle hier zwangsweise: 1 große Partie leere FässerDüten und PackpapierKaff=mehl, große BesenSteingutgeschirr, Pottlohe, 1 Wonduhr, ½ Ohm mit Sardellen, 1 Waschmaschine, 2 Fässer mit Essig, 1 Faß Lorberblätter, Streichhölzer, Soda, Wichse Ludwigs=Kaffee, 1 Sack mit Kaffeemehl, 1 Sackkarren, 1 Kiste wit Putzpomade und noch mehrere andere Gegenstände, sowie freiwillig: 1 große Partie fertiger Herren= und Knaben=Anz züge, Ueberzieher, Jaquets, Regenschirme, Wachstuchdecken, Hüte, Uhren 2c. öffentlich meistbietend gegen gleich bare Zahlung versteigert werden. Bielefeld, 22. Okt. 1886. Meichelt, Gerichtsvollzieher. 4161 Ein Pianino für einen Schüler zu miet. ges. Wo, sagt die Exp. d. Bl. 4140 Ein Klavier zu mieten gesucht. 4144 Die Exp. sogt von wem. 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Sämtliche Gegenstände sind neu von mir beschafft, wenig gebraucht und können jeden Tag in Augenschein genommen werden.(4075 Lübbecke, 15. Okt. 1886. W. Hunke, Maurer= und Zimmermeister. Ein: steunklice 414 E 2 Schtung zum Preise von 75 Thaler ist vesofort zu vermieten. Näheres in der Exp. Ein in angenehmer Lage Bahnhofes and Ni dernthors ug erdautes 4149 haus mit Garten ist unter günstiger Bedingung zu verkaufen oder auch im ganzen und geteilt zu vermieten, es enthält 2 verschließbare Etagen von je 7 Räumen und kann sofort oder später pezogen werden. Das Haus ist sehr dauerhaft gebaut Gefl. Offerten unter J. B. uimmt die Erpedit. d. Z. entgegen. Ein junger Mann erhät 41er Kost und Logis. Näheres in der Exped. Ein Mann kann 41468 Kost und Logis haben. Zu erft. in der Erp. 2 junge Leute finden 4135 Kost und Logis Zu erfragen in der Exp. KNRR Ein verheirateter Buchhalter sucht sofort Stelle. Offerten unter I. R. an die Exped. d. 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Todes-Anzeige. Heute Morgen 1 Uhr entschlief sanft nach schweren Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere gute, treusorgende Mutter und Schwiegermutter 4139 Wilhelmine geb. Schulte im 54. Ledensjahre. Pf. 78. 23 u. 24. Die trauernden bliebenen. Lehrer Büsching und Kinder. Kleekamp, 31. Okt. 1886.