Nr. 109. Paderborn, Dienstag, 15. September 1891. 5. Jahrg. Zeitung für Stadt und Land. Der Paderborner Anzeiger erscheint wöchentlich dreimal, des Dienstag, Donnerstags und Samstags, mit einer landwirthschaftl. Beilage und dem westfäl. General=Anzeiger. Organ des landwirthsch. Kreis-Vereins. Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mk. Inserate, welche in Paderborn und Umgegend große Verbreitung finden, kosten pro Petitzeile nur 10 Pfg., Reclame 30 Pfg. ∆ Die„Wiederaufrichtung Das Selbstgefühl der Franzosen ist seit den russisch= französischen Verbrüderungsfesten von Kronstadt und Petersburg unzweifelhaft ganz gewaltig gestiegen. Wenn im Laufe der letzten zwanzig Jahre von jenseits der Vogesen der Ruf zu uns beständig herüber erscholl: „Frankreich sammelt sich!“, so ist das seit Kronstadt mit einem Male anders geworden, denn nunmehr heißt es:„Frankreich hat sich gesammelt!“ Seitdem die Franzosen glauben, in Rußland ihren längst begehrten Verbündeten bei einem neuen großen Kriege zu besitzen, sind sie plötzlich zu der Ueberzeugung gelangt, wieder die erste Nation Europas zu sein, ihre frühere militärische und politische Macht im vollsten Umfange wiedererlangt zu haben. Von diesem selbstbewußten Geiste sind alle öffentlichen Kundgebungen, welche die Tage von Kronstadt auf französischer Seite gezeitigt haben, mehr oder weniger durchtränkt und erst in diesen Tagen wieder hat es kein Geringerer, als der französische Ministerpräsident, Herr de Freycinet, selber, in seiner Manöverrede von Vandoeuvres, erklärt, daß gegenwärtig Niemand mehr die Stärke Frankreichs bezweifele. Und sind nicht die Franzosen zu einem so selbstbewußten, zuversichtlichen Auftreten auch vollkommen berechtigt? Nach beispiellosen Niederlagen, welche das Land der Zerrüttung nahe zu bringen schienen, nach überaus schweren inneren Crisen hat sich Frankreich in wirklich überraschender Weise zu neuer Größe emporgearbeitet, sein Ansehen nach außen wiederhergestellt und sich im Innern mehr und mehr befestigt. Seine republikanischen Institutionen haben in der Nation kräftige Wurzeln geschlagen, so daß selbst der vordem weit überwiegend bonapartistisch oder orleanistisch gesinnte französische Clerus seinen Frieden mit der Republik gemacht hat. Die Finanzen Frankreichs sind trotz der Fünf=MilliardenAbzapsung blühender denn je und sein Heer, an dessen Reorganisation, Verstärkung und Verbesserung alle französischen Ministerien seit 1871 mit hingebendster Unterstützung aller Parteien unabläßig gearbeitet, ist zu einem kriegsbereiten, nach Millionen von Streitern zählenden Körper angewachsen. Gestützt auf diese Factoren, blühende Finanzen und ein starkes Heer, ist der politische Einfluß Frankreichs in der Welt unverkennbar ebenfalls ein größerer geworden und mit Recht dürfen darum die Franzosen stolz darauf sein, daß ihr Land heute wiederum Geheimniß der Frau de la Mare. 31 Roman von H. v. Limpurg. (Nachdruck verboten.) „Mein Gott, Juana,“ rief Luise erschrocken,„was ist Dir? Bist Du unwohl? Woher kam diese Schwächeanwandlung, die ich an Dir gar nicht vermuthete.“ Aber mit seltener Energie unterdrückte Madame de la Mare die so wunderbare Erregung, und mit einem wenn auch noch schwachen Lächeln schüttelte sie die dunklen Locken und sagte:„Es ist nichts— rein gar nichts, nur eine nervöse Angst, die mich in Folge meines früheren Nervenleidens mitunter ergreift, und ich bitte deshalb sehr um Vergebung, besonders da ich Sie, Herr von Norden, unterbrach, Sie wollten von— einem Fremden erzählen. „Nein, meine Gnädigste, antwortete der junge Assessor verbindlich,„ich erwähnte nur den Namen desselben; ihn kannte ich gar nicht und, da er sich auch nur auf der Durchreise hier aufhält, wird er wohl nur heute Abend bei uns sein... „Ah, auf der Durchreise,“ entgegnete Juana und ein tiefer, wie erleichteter Athemzug schien Juana's Brust zu heben,„Sie werden somit heute Abend Besuch haben?“ „Wahrscheinlich, denn, wenn die Herren in Kunstgespräche gerathen, hören sie sobald eben nicht auf, besonders Papa, der ein begeisterter Kunstfreund und leidenschaftlicher Autographensammler ist.“ „Umsomehr muß ich mich beeilen. Also lebe wohl, mein liebes Herz, sagte Fräulein von Norden, die Freundin umarmend,„ich rechne darauf, Dich bei unsrem nächsten Empfangsabend zu sehen. Vergiß es ja nicht er ist übermorgen!“ Leopold von Norden hatte inzwischen kein Auge von der schönen jungen Wittwe gewandt; ihre sonderbare Ereine achtungsgebietende Stellung in der europäischen Staatenfamilie einnimmt. Wir Deutschen sind gewiß die letzten, die der französischen Nation ihren Wiederausschwung mißgönnen, welcher derselben unter allen Umständen ein ehrendes Zeugniß ausstellt. Aber wir wissen genau, welches die Triebfeder für unsere westlichen Nachbarn bei ihren gesammten jahrzehntelangen Bestrebungen zur Wiederherstellung ihrer Macht gewesen ist, nämlich die Hoffnung auf Revanche, an Rache an dem verhaßten Deutschland für die unerhörten Demüthigungen von 1870/71. So lange Frankreich nicht allianzfähig war, lebte diese Hoffnung mehr im Verborgenen, seit der Herstellung des russisch=französischen Einvernehmens ist sie aber mächtig emporgeblüht und in Verbindung hiermit hat ein gefährlicher Chauvinismus von Neuem weite Kreise des französischen Volkes erfaßt. In den Pariser Regierungskreisen scheint man allerdings allmählich zu der Erkenntniß von der Bedenklichkeit einer solchen Strömung gelangt zu sein und sich zu bemühen, dieselbe einzudämmen. Hiervon zeugt die weitere Rede Freycinets von Vandoeuvres, in welcher der Ministerpräsident Maßhalten und Ruhe für Frankreich als dringend nothwendig für das Land empfahl und schließlich betonte, daß die Dispositionen zu den Anordnungen für die gegenwärtigen französischen Manöver nur friedliche gewesen seien. Diese Mahnungen und Versicherungen von Regierungsstelle aus sind sehr schör, indessen haben die Ereignisse in Frankreich nur oft gelehrt, daß daselbst auch die vorsichtigste und friedliebendste Regierung vor den Ausbrüchen der Volksleidenschaften nicht Stand zu halten vermag. Wir Deutschen werden daher trotz der friedlichen Dispositionen der französischen Regierung auch fernerhin unser Pulver trocken halten, wir könnten es eines Tages vielleicht sehr rasch brauchen, denn von dem„wiederaufgerichteten Frankreicht sieht eben Alles zu befürchten. Politische Uebersicht. Paderborn, den 15. September 1891. Den herzerquickenden Kaisertagen in Bayern sind nunmehr die Kaisertage in den hessisch=thüringischen Gauen gefolgt und die großartigen Huldigungen, welche den Schirmherrn des Reiches an den Ufern der Isar entgegengetragen wurden, haben jetzt zunächst an den Gestaden der Fulda ihre Fortsetzung gefunden. Kaiser Wilhelm wird gewiß nur mit den Gefühlen tiefster Genugthuung über die ihm seitens Bayerns Herrscherhaus und Volk bereitete überaus herzliche Aufnahme regung und deren mögliche Ursache beschäftigten ihn lebhaft, doch lag ihm der Gedanke fern, dieselbe mit dem Namen seines Fremden in Zusammenhang zu bringen. Als Juana sich jetzt zu ihm wandte, ergriff er mit ritterlicher Huldigung deren kleine Hand und zog sie an die Lirpen. Die Hand war eiskalt. „Sie sind noch immer nicht wohl, gnädige Frau,“ sagte er, ihr tief in die schönen, dunklen Augen sehend, „und ich bedaure lebhaft, daß meine Schwester gerade in diesem Augenblick Sie verlassen muß.“ „Ich danke Ihnen, Herr von Norden," erwiderte Madame de la Mare etwas befangen und schlug den Blick zu Boden, während eine dunkle Röthe ihr warm gefärbtes Antlitz überzog.„Mir ist wieder völlig wohl und ich denke sogar, noch ins Theater fahren zu können. Auf Wiedersehen also!“ Die Thür schloß sich hastig hinter der reizenden Erscheinung und Leopold stand sekundenlang wie bezaubert an der Treppe, während es vor seinen Augen flimmerte und sein Athem stockte. Er fühlte noch den leisen Druck der beringten Finger, sah das Aufleuchten jener tiefbraunen Augensterne.— Träumte er oder begannen die Augen der schönen Spanierin ihn in einen märchenhaften Zauberkreis zu ziehen, aus dem es keine Rettung mehr gab! „Kommst Du, Leopold?“ frug Luise von unten herauf, und hastig fuhr er sich mit der Hand über die Stirn. „Ja, Kind,“ gab er lachend zurück und folgte ihr, immer über zwei Stufen springend. Gerade als sie aus dem Hause auf die schneeflimmernde Straße traten, ging ein stattlicher Offizier vorüber, dicht in seinen Mantel gehüllt und grüßte ehrerbietig. Luise schrack unwillkürlich zurück und ihre Hand fuhr nach dem Herzen, aber der Blick, womit sie den Gruß erwiderte, glänzte dieses Land verlassen haben, während er zugleich die besten Eindrücke von dem trefflichen Zustande des bayerischen Heeres mit hinweggenommen hat. Wenn schon bei der Parade auf der Fröttmanninger Heide die bayerischen Truppen durch ihre vorzügliche Haltung und ihr Aussehen die Bewunderung des Kaisers erregten, so war dies noch mehr bei den Manövern der zwei bayerischen Armeecorps vom Donnerstag und Freitag der Fall. Wiederholt hat sich der kaiserliche Kriegsherr aus diesem Anlasse in ehrendster und anerkennendster Weise über die Leistungen der bayerischen Truppen wie über die Art ihrer Führung ausgesprochen und darum werden die Kaisermanöver von Röhrmoos immerdar Ehrentage für das bayerische Heer bleiben. * Die großen bayerischen Manöver sind am Freitag Mittag bei Röhrmoos zu Ende gegangen. Auf genannter Eisenbahnstation fand die in herzlichster Weise vor sich gehende Verabschiedung des Kaisers vom PrinzRegenten Luitpold und den bayerischen Prinzen statt, worauf der Kaiser mit dem preußischen Kriegsminister v. Kaltenborn und dem Generalstabschef Grafen Schlieffen nach Kassel abreiste. Der Prinz=Regent kehrte in Begleitung des Reichskanzlers v. Caprivi und des General= feldmarschalls Grafen Blumenthal nach München zurück, von wo aus dann die beiden Herren am Freitag Abend nach Berlin zurückreisten. Die Ankunft des Kaisers in Kassel erfolgte Freitag Abends 8 Uhr und wurde er am Bahnhofe von der Kaiserin und den anwesenden Fürstlichkeiten empfangen. Im offenen Wagen fuhr sodann das Kaiserpaar durch die großartig illuminirten und beflaggten Straßen unter dem Jubel der Bevölkerung nach Schloß Wilhelmshöhe. Abends wohnten die Majestäten dem ihnen zu Ehren vom hessischen Communal= Landtage gegebenen Festmahle im Orangerieschlosse bei. auf demselben begrüßte der Vicemarschall der althessischen Ritterschaft, Frhr. v. d. Malsburg, das Kaiserpaar in längerer Ansprache. Der Redner dankte für das Erscheinen der Majestäten in Kassel und betonte dann, da der hessen=kassel'sche Bezirk erst 25 Jahre mit der preuß. Monarchie verbunden sei, könne diese Verbindung noch nicht so stark sein, aber doch habe sich der Volksstamm der Hessen rasch genug in die größere Familie eingelebt. Unter Hinweis auf den Krieg von 1870/71 gab dann der Redner schließlich dem festen Vertrauen des bessischen Volkes zu seinem Kaiser und der Anhänglichkeit des Hessenstammes an das ganze königliche Haus warmen Ausdruck. wunderbar— genau so wie vorhin oben im als sie mit Juana von der wahren, edeln Liebe gesprochen. „Komm, Schwester, gieb mir den Arm,“ sagte Leopold jetzt.„Du scheinst mir ebenso erschrocken, wie vorhin Frau de la Mare, obschon ich bei Dir den Grund leichter errathe.“ „Leopold,“ bat das schöne Mädchen stockend. „Nun was ist dabei?“ frug er, sich zu ihr beugend, „ich denke, ein so großes Unglück kann Niemand darin finden, daß der Hauptmann von Leuthold Fräulein Luise von Norden auszeichnet.“ „Sprich nicht davon, Eugen. Was würde Papa dazu sagen.“ „Er wird sich, wie eben alle Väter, dareinfinden müssen, wenn Leuthold einen ernsten Antrag stellt.“ „Aber, Bruder, was fällt Dir ein? Mit mir in dieser späten Abendstunde solche Dinge zu besprechen. „Es ist die Wahrheit, mein Herz,“ sagte Leopold plötzlich sehr ernst,„Papa bevorzugt mich, der ihm so viel Sorgen macht und ist oft schroff und ungerecht gegen Dich, welche ihr ganzes Dasein einsetzt, um alles nach seinem Wunsch gehen zu lassen. „Ich thue nur meine Pflicht, Leopold, und Deine Liebe hilft mir über manches Schwere hinweg. Aber, Du bist heute so ernst; sage mir, ist etwas Schlimmes vorgefallen? Hast Du vielleicht wieder gewettet oder gespielt?“ Er seufzte schwer und schritt, ohne zu antworten, starr vor sich niederblickend weiter. „Ja,“ sagte er endlich rauh,„ich konnte es nicht lassen— und habe zehntausend Mark verspielt.“ Luise schrie nicht auf, aber sie blieb in stiller Verzweiflung stehen und seufzte tief. Nach dem Toaste des Freiherrn v. d. Malsburg erhob sich der Kaiser und dankte in seinem und seiner Gemahlin Namen für die Versicherung der Treue und den freundlichen Empfang. Er käme— fuhr der erlauchte Sprecher fort— direct aus Bayern und habe dort ebenso, wie jetzt in Kassel, eine so herzliche Aufnahme gefunden, welche von Treue und solcher Gesinnung zeuge. Es könne nicht Wunder nehmen, daß er mit besonderen Gefühlen die Stadt Kassel begrüße, wo er 3½ Jahre seiner Jugendzeit verlebt habe. Besonders gedenke er dabei der Zeit, als er im Stabe seines in Gott ruhenden Vaters im Jahre 1871 mit den siegreichen hessischen Truppen zum ersten Male in Kassel eingezogen sei. Seit jener Zeit sei eine schwere Verantwortung auf seine Schulter gelegt worden, aber er werde auf den von seinen Vorfahren betretenen Bahnen fortschreiten, um das Wohl des Volkes nach innen und außen unablässig zu wahren. Er versichere der Bevölkerung Hessens seine unausgesetzte königliche Gnade und erwarte, daß das Hessenvolk ihm helfen werde im inneren und eventuell im äußeren Kampfe wie bisher seinen Herrscherberuf zu erfüllen. In diesem Sinne erhebe er das Glas und trinke auf das Wohl der Provinz Hessen und ihrer Vertreter. * Kaiser Wilhelm soll, wie das Wiener„Fremdenblatt“ meldet, eine Einladung des Herzogs Ernst von Coburg zu Jagden in dessen Besitzungen in Hinterriß in Tyrol für October angenommen haben. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so würde aus ihr zu schließen sein, daß die gemeldeten Verstimmungen zwischen beiden Fürstlichkeiten, wenn sie überhaupt bestanden haben, inzwischen wieder beseitigt worden sind. * Der Prinz=Regent von Bayern erließ einen Tagesbefehl an den mit Oberleitung der Kaisermanöver betraut gewesenen Prinzen Leopold. In demselben spricht der Prinz=Regent allen bei den Manövern und der Parade vor dem Kaiser betheiligten Stäben und Truppentheilen für die bewiesene Kriegstüchtigkeit und Disciplin seine besondere Anerkennung aus. Zugleich verfügt der PrinzRegent zahlreiche Ordensverleihungen und sonstige Auszeichnungen. * Der in Köln versammelte deutsche Juristentag hat sich in seiner Mehrheit gegen den Entwurf des neuen Trunksuchtgesetzes ausgesprochen. * Der Congreß für internationales Recht in Hamburg ist am Samstag geschlossen worden. Der nächste Congreß dieser Art findet in Zürich statt. * In dem auf Schloß Fredensborg versammelten hochfürstlichen Familienkreise wurde am Freitag das Namensfest des Czaren gefeiert. Auch diese Gelegenheit haben die maßgebenden Persönlichkeiten der französischen Republik benutzt, um ihre tiefe Ergebenheit vor dem russischen Herrscher zu bezeugen. Der französische Gesandte in Kopenhagen, Graf d'Aunay, brachte dem Czaren in einer besonders hierzu bewilligten Audienz die Glückwünsche des Präsidenten Carnot und der französischen Regierung dar. Zur Feier des Tages trug die dänische Hauptstadt Flaggenschmuck, die im Hafen liegenden Kriegsschiffe gaben Salut ab. Anläßlich seines Namenstages verfügte der Czar zahlreiche Ordensverleihungen und Beförderungen in der russischen Armee. Auch Wirkungen in die Ferne hat das Ereigniß gehabt. In Belgrad wurde das Namensfest des Czaren zusammen mit dem ebenfalls auf den 11. September fallenden Namensfeste des Königs Alexander geräuschvoll begangen und in Galgocz, wo Kaiser Franz Josef anläßlich der ungarischen „Zehntausend Mark,“ murmelte sie dann mit blutlosen Lippen,„woher willst Du sie nehmen? Du weißt, daß unser einstiges großes Vermögen längst dahin ist— für Deine Schulden und Papas große Reisen und Kunstpassionen verbraucht.“ „Ich weiß es,“ entgegnete er düster,„aber ich habe die Schuld in einigen Wochen zu zahlen, bis dahin schaffe ich wohl Hülfe.“ „Armer Bruder! Woher soll diese kommen? Gieb Dich nicht nutzlosen sanguinischen Hoffnungen hin!“ „Vielleicht, daß der Vater noch einmal Rath schafft!“ „Er kann es nicht, Leopold, er nahm das letzte Mal bereits das Geld von meinem Vermögen, was mir die Mutter hinterlassen.“ „Wie durfte er das?“ brauste Leopold auf,„da hätte er wohl eher die Anschaffung des Prachtwerkes der Aeneide unterlassen können, welches Tausende verschlang. O, ich Elender, so habe ich ohne es zu wissen in frevlem Leichtsinn schon damals Dich bestohlen!“ „Nenne es nicht so, Leopold! Aber könnte ich dies mal Dir nicht auch helfen!“ „Laß das sein, Schwester. Ich will Dein kleines Vermögen nicht ruiniren, ich werde noch einen Ausweg versuchen und an Onkel Thießen nach Hamburg schreiben; vielleicht hilft er— sonst bleibt mir nur Amerika!“— „Um Gotteswillen, Bruder, nur das nicht! Mache mich nicht noch unglücklicher als ich bin, indem Du mich verläßt. Ohne Dich habe ich keine Freude daheim.“ (Fortsetzung folgt.) Manöver weilt, fand zu Ehren des Czaren Hoftafel statt. Bei derselben brachte der Kaiser folgenden Taast aus: „Auf das Wohl meines theueren Freundes, Sr. Majestät des Kaisers Alexander von Rußland!“ Hierauf spielte die Kapelle die russische Nationalhymne, welche die Anwesenden, unter denen sich auch der Militärattaché der russischen Botschaft in Wien befand, stehend anhörten. * Die Nachricht von einer angeblichen Verletzung der schweizerischen Grenze durch italienische Alpentruppen stellt sich als inbegründet heraus. An den betreffenden Meldungen ist kein wahres Wort. * Im chauvinistischen Herenkessel von Paris brodelt es wieder einmal lustia. Der Director der Großen Oper will die Wagnei'sche Oper„Lohengrin“ vollständig aufführen und die bloße Ankündigung des Unternehmens hat die Patrioten vom Schlage der Dérouléde und Consorten derartig in Erregung versetzt, daß die Probe=Vorstellung der Oper wiederholt verschoben worden ist. Nunmehr sollte sie bestimmt an diesem Montag stattfinden, aber es erscheint angesichts der in Folge der Hetzereien der Patriotenliga in der Bevölkerung hervorgerufenen erregten Stimmung fraglich, ob „Lohengrin“ am genannten Tage wirklich in Scene gegangen ist. Am Freitag Abend, wo die Probe=Vorstellung angeblich wegen Erkrankung eines Tenoristen verschoben wurde, hatten sich hunderte von Demonstrationslustigen vor dem Opernhause eingefunden, die von der Polizei gewaltsam auseinander getrieben werden mußten, wobei einige der Lärmmacher verhaftet wurden. Die Cafees und Wirthschaften in der Nähe des Opernhauses waren mit Menschen dicht besetzt. Jedenfalls zeigt diese Lohengrin=Affaire wiederum, wie sehr in Paris der blindwüthige Deutschenhaß noch immer herrscht. * Der englische Botschafter in Konstantinopel, Sir H. White, ist am Freitag endlich vom Sultan in Audienz empfangen worden, nachdem der Vertreter Englands auf eine solche schon wochenlang, und stets vergebens, gewartet hatte; höchst wahrscheinlich wird White hierbei das russisch= türkische Separatabkommen wegen der Dardanellen zur Sprache gebracht haben, mit welchem Erfolge, dürfte sich bald zeigen. Was die gerüchtweise gemeldete Berufung der türkischen Botschafter in London und Petersburg nach Constantinopel anbelangt, so ist der Grund einer solchen Citirung einstweilen noch unbekannt. * In China dauert die fremdenfeindliche Bewegung fort. So kann es am 2. d. M. in Itschang zu Unruhen, welche die in genannter Stadt wohnenden Ausländer veanlaßten, nach Hankow zu flüchten; nur die Consuln blieben zurück. Trotz dieser fortgesetzten Ausbrüche des chinesischen Fanatismus gegen die Fremden scheinen die Großmächte seltsamer Weise sich noch immer zu keinen energischen Gegenmaßregeln entschließen zu können— wollen sie denn erst abwarten, bis die chinesischen Pöbelmassen unter den Europäern in Shanghai, Futscheu u. s. w. ein allgemeines Blutbad anrichten. * Frankreich. * Paris, 3. Sept.(Allgemeines Aufsehen) ruft jetzt die Nachricht von dem Tode Grevy's, welche Anfangs kaum erwähnt wurde, hervor. Grevy hinterläßt zehn Millionen Vermögen. Die Gruft zu seiner Beisetzung wurde von ihm selbst erbaut und kostet 85.000 Francs. Aus dem Reiche. §§ Bielefeld, 10. Sept.(Versammlung.) Im benachbarten Brackwede fand gestern eine von SocialDemokraten einberufene Versammlung statt, zu welcher auch eine größere Anzahl von Conservativen erschienen war. Redakteur Lange und Pastor Iskraut traten den Ausführungen des Social=Demokraten Schneider Zwiener entgegen. Als Pastor Iskraut in seiner Entgegnung Denjenigen, der die deutsche Armee schmähe(der socaldemokratische Redner hatte dies gethan) einen Lump nannte, entstand eine derartige Erregung in der Versammlung, daß sie polizeilich aufgelöst wurde. 6 Münster, 11. Sept.(Bauplatzpreise.) Wie in jeder andern Stadt bei ähnlichen Gelegenheiten, so hat sich auch in Münster durch die Offenlegung eines großen Bau=Terrains zwischen Stadt und Bahnhof und Anlage vieler neuen Straßen in letzter Zeit die Speculation in auffallender Weise dem Ankauf von Grund und Boden und dem Bau von Häusern zugewendet. Die Preise sind ganz unglaublich gestiegen. Grundstücke, welche vor einigen Jahren in jener Gegend für 100 M. die Quadrat= Ruthe gekauft wurden, kosten augenblicklich 800— 1000 M. Uebrigens scheint sich die Speculation in hervorragender Weise dem Bau von Bierpalästen und Hotels zuzuwenden. So soll eine hiesige große Bierbrauerei vor einiger Zeit ein kaum einen halben Morgen großes, an der neuen Bahnhofstraße belegenes Gartengrundstück zum Preise von 57000 M. angekauft haben, um auf demselben ein großes Bierhaus zu errichten; an derselben Straße soll ferner eine andere hiesige Bierbrauerei ein Bier=Restaurant in großartigem Stile auf eigenem Boden herzustellen beabsichtigen. In einiger Entfernung hiervon ist ein neues Hotel, Hotel Pauli, in großartigen Dimensionen im Bau begriffen. Daß zum Bau derartiger großer Restaurants und Hotels augenblicklich in Münster kein Bedürfniß vorliegt, dürfte nicht zweifelhaft erscheinen. Die Ansicht vieler Speculanten, daß durch die Erbauung des neuen Central= Bahnhofes der Verkehr in ganz erheblicher Weise sich steigern würde, dürfte irrthümlich sein, da durch die Anlage desselben zunächst nur eine Centralisation des Verkehrs auf einen bestimmten Ausgangspunkt geschaffen, der Verkehr selbst sich aber nur allmälig steigern wird. Uebrigens hat sich bereits die richtige Meinung in allerjüngster Zeit durch ein allgemeines Weichen der Preise für Bauterrain und mangelhafte Nachfrage Bahn gebrochen. X8 Arnsberg, 10. September.(Die königliche Regierung) hat die Verwaltungs=Ordnung der NaturalVerpflegungs=Stationen in Westfalen, von denen 47 auf den Regierungsbezirk Arnsberg kommen, bekannt gemacht, nach welcher für das leibliche und geistige Wohl der zu Verpflegenden bestens gesorgt ist. Betrunkene Wanderer werden nicht aufgenommen; das Trinken von Branntwein, sowie das Mitbringen gefüllter oder leerer Branntweinflaschen ist verboten; zweischläfrige Betten sind zu vermeiden; an Sonn= und Feiertagen wird nicht gearbeitet noch gewandert, und wenn eine Haus=Andacht gehalten wird, so ist jeder Gast berechtigt, aber nicht verpflichtet, derselben beizuwohnen, wobei die Erwartung ausgesprochen wird, daß Jeder je nach seinem ReligionsBekenntniß daran theilnehmen werde. * Siegen, 10. Sept.(Die hiesige Stadtvertretung) hat in der Sitzung den Preis für Kraftgas von 19 auf 13 Pfg. pro chm herabgesetzt. Lingen, 9. Sept.(Verschiedenes.) Behufs Förderung des ländlichen Fortbildungsschulwesens hat der landwirth= schaftliche Verein für Stadt und Land Lingen beschlossen, denjenigen Schulgemeinden, welche eine ländliche Fortbildungsschule gründen wollen und sich dieserhalb beim Verein melden, je eine Beihülfe von jährlich 45 Mark auf die Dauer von zwei Jahren zu gewähren. Die betreffenden Gemeinden müssen sich dagegen verpflichten, für Schullocal, Licht und Feuerung zu sorgen. Nunmehr haben sich sieben Gemeinden im Bezirke des Vereins gemeldet und der Vorstand des Vereins hat den betressenden Gemeinden die ausgesetzte Beihülfe, jedesmal zahlbar am 1. Februar, zugesprochen. Der Unterricht, welcher sich auf Elementarfächer erstrecken soll, wird am 1. November beginnen und von den Volksschullehrern ertheilt werden. Von der königlichen Regierung ist die Anregung zu dem Ganzen ausgegangen, zweiffellos wird die Regierung das Unternehmen unterstützen.— Dem Vernehmen nach wird die Zahl der seit einigen Wochen in der Nähe von Geeste, auf der Strecke von nach Meppen, beim Bau des Dortmund Enshafen=Canals beschäftigten Arbeiter im Laufe des nächsten Monats um 100 vermehrt werden, und sollen alsdann die eigentlichen Bauarbeiten in vollem Umfange beginnen. Zunächst soll von Holthausen aus in der Richtung nach Meppen gebaut werden. — 10. September.(Feuer.) Heute Nachmittag zwischen 4 und 5 brannte das der Wittwe Schulte gehörende, in den sog. Sandwezen belegene Haus, welches von drei Familien bewohnt wurde, bis auf den Grund nieder. Beim Ausbruch des Feuers waren von den drei Familien ein kranker Mann mit einem kleinen Kinde anwesend und da es an sonstiger Hülfe fehlte, so konnte bei dem ungemein schnellen Umsichgreifen des Feuers von dem ganzen Eingut des Hauses leider nicht viel gerettet werden. Das Haus ist zu 3000 Mk. versichert, das Mobilar nicht. Die Entstehungsursache des Feuers hat sich nicht ermitteln lassen. In der Stadt hörte man erst gegen Abend von dem stattgehabten Brande. (*) Crefeld, 14. Sept.(Arbeitslosigkeit.) Auf Grund der Beschlüsse der Stadtvertretung zu Gunsten der Nothleidenden haben sich bei der Polizei bisher 260 beschäftigungslose Arbeiter gemeldet. Diesen und 40 weitern Arbeitern ist sofort ausreichender Verdienst bei Wegearbeiten angewiesen. ? Völklingen, 14. Sept(Die General=Versammlung) des Rheinisch=Westfälischen Vereins für Bienen= und SeidenZucht faßte eine Resolution, welche Bedauern darüber ausspricht, daß in dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch die Bienen nicht als Hausthiere anerkannt werden sollen, bezw. daß durch dasselbe das Eigenthum an den Bienen nicht genügend geschützt sein werde. Ferner wurde der Vorstand ersucht, dahin zu wirken, daß die chemischen Versuche, durch welche ermöglicht werden soll, Honigfälschung mit Bestimmtheit zu erkennen, fortgesetzt werden, und ferner, daß ein gesetzlicher Schutz gegen Honigfälschung herbeigeführt werde. (2) Düsseldorf, 10. Sept.(Der Ausstellung von Bier=Druckapparaten) und sonstigen zum Wirthschaftsbetriebe dienenden Gegenständen wurde sowohl von Fachleuten als Laien zahlreich besucht. Von Seiten der hiesigen königlichen Regierung statteten Hr. Gewerberath Theobald und Hr. Regierungs=Asfessor v. Peister der Ausstellung einen Besuch ab. Die Firmen Sürther Maschinenfabrik und I. Dollhäuser(Köln) erhielten die höchste Anerkennung für ihre Fabricate. Im Ganzen wurden sechs höchste, elf ehrenvolle und sieben lobende Anerkennungen vertheilt. Heute Abend fand im Wiener Cafee bei Herchenbach großer Commers statt. Eine Resolution gegen das Trunksuchtsgesetz wird vorbereitet und demnächst dem Rheinisch=Westfälischen WirtheVerband zur Annahme unterbreitet werden. —(Eine Fangprämie) hat die Vertretung unserer Stadt auf Sperlinge ausgesetzt. Alte Thiere werden mit je 3, junge mit je 1., Eier ebenfalls mit je 1 Pfg. honorirt. 6 Köln, 10. Sept.(21. deutscher Juristentag.) Nachdem Senatspräsident Karl Stöffer=Karlsruhe die Sitzung eröffnet hatte, wurde Senatspräsident Drechsler= Leipzig durch Zuruf zum ersten Präsidenten gewählt. Oberbürgermeister Becker hieß die Versammlung Namens der Stadt herzlich willkommen, wofür der Präsident in launiger Rede dankte. Der Rector der Universität Bonn, Professor Hüffer, wurde zum ersten Vicepräsidenten gewählt und begrüßte die Herren Namens der rheinischen Universität. Hierauf erstattete Geheimrath Eck=Berlin Bericht über die Rechtsentwickelung Deutschlands; dann folgten Abtheilungssitzungen. * Nöschenrobe, 8. Sept.(Scherzhafter Vorfall.) Als am Samstag die Ulanen einzogen, ereignete sich, wie die„Wernig. Ztg. mittheilt, im Mühlenthal ein scherzhafter Vorfall. Dort stand ein Milchwagen, vor dem ein altes allem Anscheine nach sehr ruhiges Pferd gespannt war. Als nun die Ulanen vorbeizogen, erinnerte sich das Thier vergangener Zeiten und gab seine Aufmerksamkeit durch Spitzen der Ohren kund; wie aber ein Trompetensignal ertönte, war es mit der Ruhe des Thieres vorbei, es vergaß den Milchwagen hinter sich und stürzte vorwärts, um sich seinen alten Kameraden anzuschließen. Hierbei gerieih der Wagen ins Schwanken und schlug um, die Milch ergoß sich über die Straße und der Kommandeur der Ulanen sah sich veranlaßt, seine Truppen halten zu lassen, damit nicht weiterer Schaden angerichtet wurde. Nachdem das Thier bei seinen Kameraden angelangt, ward es ruhig und ließ sich dann später wieder von seinem Herrn seiner jitzigen Beschäftigung zuführen. * Aachen, 14. September.(Billard=Wettstreit.) Der junge Billardkünstler Herr Hermann Algner, welcher durch sein vollendetes Spiel in allen größeren Städten Deutschlands die Bewunderung der Interessenten hervorrief, hat den Billardmeister der Pariser Académie de billard, Herrn M. Antoine, zu einem Entscheidungskampf herausgefordert. Die genannten Herren werden Mittwoch den 16. und Donnerstag den 17. d. M. im Wintergarten des Hotel Victoria hierselbst eine Partie mit 2000 Points spielen, bei welcher Herr Algner, nach dem„E. d. G.“, 500 Points vorgiebt. 200 Mark sind demjenigen zugesichert, welcher Sieger bleibt. * Dülken, 14. September.(Durch ein Schadenfeuer) wurden hier fünf Häuser zerstört und zwei weitere erheblich beschädigt. * Hamburg, 11. Sept.(Kellerbrand.) Der „Hamburgische Korrespond. meldet aus Helgoland: Seit 2½ Uhr wüthet im Kurhaus ein gefährlicher Kellerbrand. Die Löscharbeiten fanden unter Leitung des Gouverneurs mit Hülfe der Bewohner der Insel, der Marine und der Badegäste statt. Um 6 Uhr war die Gefahr beseitigt * Hamburg, 12. Sept.(Das Börsenspiel) hat hier einen früher reichen Mann in den freiwilligen Tod getrieben. Es handelt sich um den Kaufmann D. Davidsohn, welcher früher ein großes Geschäft an der Altonaer Grenze betrieb. Das Glück war dem Manne hold, so daß man sein Vermögen auf ca. ¾4 Millionen Mark schätzte. Nachdem seine Frau vor ca. sechs Jahren gestorben, heirathete D. vor etwa drei Jahren zum zweiten Male. und abermals vermehrte er durch die Heirath sein Vermögen um eine beträchtliche Summe. Nun aber wurde der reiche Mann durch gute Freunde zum Börsenspiel verlockt. Er versuchte namentlich in Fonds sein Glück zu machen, aber in ganz kurzer Zeit verlor er gegen 300000 Mk. Der Unglückliche nahm sich den Verlust so sehr zu Herzen, daß er sich in seinem Arbeitszimmer einschloß und daselbst erhängte. Nachdem er bereits mehrere Tage von seiner Frau vermißt worden war, die glaubte, er habe eine Reise angetreten, öffnete man die Thür gewaltsam und fand den Erhängten als Leiche vor. * Bremen, 12. Sept.(Die Bremische Bürger: schaft) machte heute eine Fahrt nach der Unterweser, um den Stand der Korrektions=Arbeiten zu besichtigen und namentlich die Arbeiten zur Verbesserung des Fahrwassers in der Außenweser unterhalb Bremerhavens, die auf Grund des Vertrages zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen ausgeführt werden, zu inspiziren. * München, 10. Sept.(Der Komiker Conrad Dreher) war vorgestern Abend für halb 11 Uhr nach der Serenade in das preußische Gesandtschaftshotel zum Grafen Eulenburg geladen. Der Künstler war nicht wenig erstaunt, als sehr bald der Deutsche Kaiser erschien, dem Herr Dreher auf Allerhöchsten Wunsch Couplets vorsang. Der Monarch lachte über Drehers Komik viel und herzlich. Erst gegen Mitternacht wurde das kleine Souper, das mit dem Abend verbunden war, aufgehoben. Tocales. Paderborn, den 15. September 1891. —(Unglück.) Am vorigen Freitag fiel ein 13. jähriger Knabe, der bei einem Neubau in der Bachstraße Handlangerdienste leistete, so unglücklich von der 2. Etage, daß er mehrere schwere innere und äußere Verletzungen davontrug und zum Krankenhause transportirt werden mußte. —(Die Durchschnittsmarktpreise) im Monat August betrugen in Paderborn für Weizen 23 Mk. 44 Pfg., Roggen 23 Mk. 44 Pfg., Gerste 16 Mk. 28 Pfg. Hafer 17 Mk. 33 Pfg., in Neuhaus Weizen 24 Mk. 50 Plg., Roggen 24 Mk. 50 Pfg., Gerste 17 Mk., Hafer 17 Mk. 50 Pfg., in Büren Weizen 24 Mk., Roggen 24 Mk., Gerste 20 Mk., Hafer 19 Mk. (Die Standesamts=Bezirke) Dalheim und Blankenrode im Kreise Büren werden am 1. Oktober zu einem Standesamt vereinigt und ist Herr Lehrer Schabedoth zu Blankenrode zum Standesbeamten und Herr Oeconom Carl Fischer daselbst zum stellvertretenden Standesbeamten ernannt worden. —(Ueber den großen Wassergehalt der Kartoffeln) in diesem Jahre wird allgemein geklagt. Und doch ist diesem Uebelstande leicht abzuhelfen. Wenn Kartoffeln gut mehlig sein sollen, so müssen sie, wie das Obst, eine Nachreise bestehen, d. h. sie müssen, wenn sie aus dem Boden kommen, ehe sie in der Küche verwendet werden, erst noch an einem trockenen Orte abgelagert werden, damit das überflüssige Wasser verdunstet und das Stärkemehl sich vollständig entwickeln kann. Das ist in solchen Jahren, wo durch das viele Regen der Boden kaum einmal vollständig austrocknen konnte, doppelt nothwendig. Sie werden durch diese Behandlung auch für die Gesundheit zuträglicher. Werden sie sodann im Keller aufbewahrt, so ist auch die Gefahr der Ansteckung der Fäulniß weit größer, als wenn sie erst einige Zeit lang trocken gelagert haben. —(Anstellungen.) Definit iv wurden angestellt die Lehrer Heinrich Kupfer zu Sende bei Elbracht, Ferdinand Wagner zu Westerwiehe II, Ferdinand Stöwer zu Rolfzen. Conrad Pollmeyer zu Sende bei Ebbinghaus, Wilhelm Dorstmann zu Höxter, die Lehrerinnen Theresia Wippermann zu Haaren. Antonia Pollmann zu Haarbrück, Anna Ising zu Pömpsen, Wilhelmine Hamelmann zu Sommersell, Maria Haurand zu Albaxen, Bertha Steffens zu Bredenborn; provisorisch wurden angestellt die Lehrer Hermann Bettenworth zu Stuckenbrock. Heinrich Schwarze zu Kempen=Feldrom, Rudolf Pollmeyer zu Osterwiehe, die Schulamtsbewerberinnen Elisabeth Wippermann zu Haaren, Katharina Falter zu Bokel. —(In den jetzigen großen Herbstferien) ist es an der Zeit, darauf hinzuweisen, wie viel Schaden und Unglück schon angerichtet ist durch das Feuerchenmachen der Kinder. Es mangelt der Kindern nicht an freie Zeit, sie wissen sich Streichhölzchen zu verschaffen und hinaus gehts, um Hecken anzuzünden oder sich bei einem Feuerchen Kartoffeln zu braten. Schon manches Kind hat dabei den Tod gefunden oder doch arge Verletzungen davongetragen. Da die Schule nicht unmittelbar in den Ferien auf die Kinder einwirken kann, so ist es zumeist Sache der Eltern, ihre Kinder in geeigneter Weise darauf aufmerksam zu machen, daß Streichhölzchen kein Spielzeug für Kinder sind und daß es gefährlich und darum verboten ist, Feuerchen zu machen. Uebertretungen des Verbotes sind zu bestrafen. Um den Kindern beim Hüten der Kühe die Langeweile, die sie auf allerlei lose Streiche führt, zu nehmen, halten die Eltern darauf, daß die Kinder ihre Schulbücher, den Katechismus, die biblische Geschichte und Lesebuch mitnehmen und das in der Schule Gelernte wiederholen. Zur Abwechselung kann den Kindern auch ein gutes Erzählungsbuch gegeben werden. Die Eltern dürfen sich allerdings am Abend die kleine Mühe nicht verdrießen lassen, durch Fragen sich zu überzeugen, ob die Kinder auch wirklich etwas gelernt haben. Wissen die Kinder, daß sie ohne Controle sind, so legen sie das Buch einfach bei Seite und fangen doch Unarten an. Eine gute Beaussichtung der Kinder wird manche Unart verhüten; weiß der Knabe, daß er von seinem Vater überrascht werden kann, so wird er sich schon hüten, etwas anzufangen, was den Unwillen des Vaters erregen könnte. Gut wird es auch sein, zuweilen die Taschen der Kinder nach Streichhölzchen zu durchsuchen. elektrotechnische Ausstellung in Frankfurt a. M. Im Nachfolgenden geben wir unseren Lesern eine kurze Darstellung der epochemachenden Kraftübertragung, welche gegenwärtig von Lauffen am Neckar nach dem Ausstellungsgebäude der elektrotechnischen Ausstellung zu Frankfurt a. M. geführt wird. Ein Problem, welches von vielen Gelehrten und sogar Fachleuten noch bis in die letzte Stunde als unausführbar bezeichnet wurde, ist glänzend gelöst und verspricht der Elektricität die großartigste Verbreitung auf dem Erdenrund. Es handelte sich darum, eine Wasserkraft von 300 Pferdestärken(einen Theil des Neckarfalles bei Lauffen) in elektrische Energie umzusetzen und letzteres weit entfernt, 175 km im Frankfurter Ausstellungsgebäude zu verwenden. Es kam ferner darauf an, möglichst dünne Leitungen anzuwenden; das hat zur Folge, daß die Ströme, welche durch die Leitungen geführt werden, sehr hoch gespannt sein müssen. Obgleich hierdurch die längs der Bahn sich hinziehende Luftleitung, etwa wie die Schiengeleise beim Nahen der Züge, gefahrbringend wird, sind Unfälle in den Krafterzeugungs= und Aufnahmestationen, auf die die Thätigkeit des Personals sich allein beschränkt, wegen der dort herrschenden geringen Spannung fast ausgeschlossen, und auch die Leitungen sind mit vortrefflichen Einrichtungen versehen, die eine momentane Unterbrechung des Stromes sichern. Die Einrichtung ist in Kurzem folgende: Eine Turbine in Lauffen treibt eine Dynamomaschine, die große Mengen elektrischen Stromes von niedriger Spannung erzeugt. Dieser wird in Stromumwandlern(Transformatoren), die sich in verschlossenen Räumen befinden oder gegen Berührung geschützt sind, auf die hohe Spannung gebracht. Aus den Transformatoren gelangt der hochgespannte Strom in drei für das Drehstromsystem erforderliche Kupferleitungen, von der Stärke gewohnlicher Telegraphendrähte, welche ihn seiner Verwendungsstelle Frankfurt zuführen. Als Stützen dienen 3000 Telegraphenstangen, welche besonders construirte, zum Theil sehr große Porzellanisolatoren tragen. Da diese ohne Weiteres die hohe Spannung, namentlich bei feuchter Witterung, nicht genügend isoliren, so sind im Innern der Isolatoren Oelrinnen angebracht; das in diesem befindliche Oel erschwert den Strom, der unter Umständen auf der äußeren Oberfläche der Isolatoren sich verbreitet, den Uebergang zu den Eisenstützen und Holzstangen, die mit der Erde in Berührung stehen. Das Gewicht der drei, zusammen 530 km langen Kupferdrähte beträgt nicht weniger als 6000 km. Ein Kilo Kupferdraht kostet etwa gegen 2 Mk. Die Fortleitung der in Lauffen vorbandenen Energie in Spannungen, wie sie gewöhnliche elektrische Lichtleitungen führen,(etwa 100 Volt) würde mehr als das 300 fache an Kupfergewicht und Stäbe von mehr als 1 kg Durchmesser erfordern; man ersieht schon hieraus, wie wichtig die Durchführung dieses Versuches ist.— Durch die Leitungen gelangt der Strom nach dem Ausstellungsgebäude und wird dort, da er in der hohen Spannung nicht Verwendung finden darf, in entsprechenden Transformatoren wieder auf eine geringe Spannung zurückgeführt. Der erhaltene Strom wird verwendet, theils um viele Hunderte von Glühlampen, theils eine Centrifugalpumpe in Thätigkeit zu setzen, deren Wassermengen von mindestens 10 m hohen Felsen kaskadenartig herabstürzen— eine anmuthige Allegorie auf den Kreislauf der Dinge: Der Lauffener Wasserfall ersteht in Frankfurt durch seine Kraft von Neuem. . Das System, welches den gelungenen Versuch ermöglichte, ist vas des Dreystroms, eine besondere Art der Gewinnung und FortGitzensagn eletrischer Energie. Die allgemeine Elektrietaäts. zu Berlin und ihre Licenzträgerin, die Maschinenfabrik Oerlikon, haven nach diesem die Maschinen erdacht und ausgeführt. ... Unternehmen verdankt seine Idee dem rührigen Austrlungsvorstand, Herrn Oskar von Miller, seine Ausführbarkeit der Opferfreudigkeit der Behörden und der beiden betheiligten Fabriken, sowie einem erheblichen Zuschuß Seitens der Ausstellung und hohen Gönnern der Wissenschaft und Industrie. .. Die Kupferdrähte sind von der Firma F. A Hesse Söhne in Lrodernheim hergeliehen. Die Construction und Herstellung der Leitungen sind vom Reichspostamt, und soweit sie durch das Württembergische Gebiet gehen, von der Königlich Württembergischen hergestellt, während die Isolatoren die genannten Gesellschaften beschafft haben. Die Versuche sollen, wenn möglich, auch nach Schluß der Ausstellung fortgesetzt werden. Die Beobachtungen der ad hoc eingesetzten Prüfungs Commission der Ausstellung haben sich mehrere Behörden, voran die technisch physikalische Reichsanstalt, angeschlossen. Mit großer Spannung sehen diese, ebenso die Eisenbahn= und Bauverwaltungen, sowie die gesammte Technik auf den Verlauf der Versuche. Dieselben werden bahnbrechend wirken für eine gänzliche Umgestaltung der Maschinentechnik. In zehn, fünszehn Jahren braucht kein Dampfschornstein mehr die Luft der Städte zu verunreinigen: Soweit die„Feuerkraft“ nicht der Wasserkraft gewichen sein wird, wird sie ihre wohlthätige Kraft im Verborgenen üben können. Der elektrische Strom wird bereit sein, ihre Wirkung untadelhaft in die weiteste Ferne zu übertragen. Ammoniak=Wasser=Dampf=Maschine. Eine Ersinbung von außerordentlicher Wichtigkeit, die berufen sein dürfte, das ganze bisherige Dampfmaschinen=System umzugestalten, erregt gegenwärtig die Aufmerksamkeit der Maschinender alten und neuen Welt. Es handelt sich darum, anstatt Wasserdampf, Ammoniak=Dämpfe als Triebkraft zu benützen, zu deren Entwickelung ungleich weniger Wärme benöthigt ist, als bei Wasser=Dampf. Es wird uns hierüber von dem Büreau für Patent: Angelegenheiten G. Brandt“), Kochstr. 4, Berlin SW. folgende Mittheilung gemacht: Bei Amoniak ist das Gas nicht chemisch, sondern nur mechanisch an die Flüssigkeit gebunden und hängt die Spannung und die Dichtigkeit, sowie das Volumen der zu entwickelnden Dämpfe nicht blos von der Temperatur, sondern auch von dem Quantum der Flüssigkeit ab und kann durch Letzteres die Spannung im Kessel regulirt werden. Das Ammoniak unterscheidet sich außerdem vom Wasser dadurch, daß je höher die Temperatur bei letzterem steigt, desto mehr Dampf entwickelt wird und im Wasser bleibt, während bei Ammoniak um so mehr Gas von der Flüssigkeit absorbirt wird, je niedriger die Temparatur ist. Die Wirksamkeit der Maschine nun beruht darauf, daß bei Erwärmung des Ammoniak das Gas von der Flüssigkeit getrennt und bei Abkühlung dasselbe wieder absorbirt wird, sodaß bei geeigneter Anwendung von Hoch= und Niederdruck=Cylindern in Verbindung mit dem Ammoniak=Generator kein nennenswerther Verbrauch von Ammoniak stattfindet, indem dasselbe Gas= und Flüssigkeits=Gemenge immer wieder benutzt wird und Dämpfe von beliebiger Spannung entwickelt werden können.— Durch Versuche, die in großem Maaßstabe sowohl an einem Dampfschiff, als an großen stabilen Dampfmaschinen von der Campbell Ammoniack Engine Comp. in New York gemacht wurden, ergab sich eine Brennmaterial=Ersparniß von vollen 50 p. Cent, vollständige Gefahrlosigkeit des Betriebes und sehr große Raum= und Gewichtsersparniß in der Kesselanlage, was ja besonders bei Dampfschiffbetrieb von ganz außerordentlicher Wichtigkeit ist. Es ist nachgewiesen, daß bei einem großen Ocean=Dampfer diese Ersparniß an Kohlen, Raum und Gewicht pro Jahr ca. 1 Million Mark beträgt. . Der Ammonink=Generator kann an jeder schon im Betrieb bescblichen Dampfmaschine angebracht werden und die einzige hierbei erforderliche Aenderung ist die, daß etwaige Messing= oder Kupfertheile an der Maschine durch eiserne oder stählerne ersetzt werden mussen, soweit dieselben mit dem Ammoniak in Berührung kommen. Die gewöhnliche Dampf Packung genügt vollkommen für Ammoniak=Dampf, auch ist die Wartung der Maschine nicht blos nicht erschwert, sondern im Gegentheil wesentlich erleichtert, indem außerordentlich wenig Wasser und weit weniger Feuerung gebraucht wird, sowie auch kein Schmieröl für die Cylinder nöthig ist, da das Ammoniak selbst als Schmieröl wirkt. Hoffentlich wird diese wichtige Neuerung auch in Deutschland bald allgemeinen Eingang ..“) Dieses Bürecu ertheilt unsern verehrl. Abonnenten Auskunste in Patent Angelegenheiten ohne Recherche gratis. Vermischtes. * Warschau, 10. Sept.(Brand.) Die Stadt Wierbiczne im Gouvernement Wolhynien ist heute total eingeäschert. Es liegt Brandstiftung vor, mehrere Menschen sind im Feuer umgekommen. —(Eine sehr hübsche Geschichte.) die den Vorzug der Wahrheit haben soll, erzählt die„Neue MusikZeitung"(Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart): In einem Coupee zweiter Klasse auf der neu eröffneten, von Dresden nach Leipzig führenden Bahnstrecke befanden sich mehrere Herren und Damen. Die Unterhaltung war eine sehr lebhafte, obschon sich die Gesellschaft, mit Ausnahme zweier Personen, nicht kannte und alle dem Zufall ihre Zusammenführung verdankten. Das Gespräch drehte sich um die Kunst und speciell um das Dresdener Hoftheater. Eine Dame, welche am vorhergehenden Abend Webers„Euryanthe“ beigewohnt hatte, äußerte sich sehr unzufrieden über die Vorstellung. „Und besonders die Schröder“, sprach sie,„ist viel zu alt für diese Rolle, ihr Gesang ist ja kaum mehr zum Anhören; ich begreife gar nicht, wie man so viel Aufhebens von dieser Sängerin machen kann. Finden Sie nicht auch“, wandte sie sich an einen neben ihr sitzenden Herrn,„die Schröder sollte endlich aufhören, das Publikum zu quälen?“— Doch ihr Nachbar entgegnete: „Wollen sie dies nicht der Madame Schröder=Devrient selbst sagen, sie sitzt Ihnen gegenüber!“ Darob allgemeine Stille, welche anfing, sehr unbehaglich zu werden, da niemand den Versuch machte, der Tadlerin aus der Verlegenheit zu helfen. Die Dame stammelte endlich zu ihrer Entschuldigung:„O, ich bitte tausendmal um Ver“ zeihung, allein ich war genöthigt, wegen Unwohlseins die Oper sehr bald zu verlassen und habe nur einen kleinen Theil gehört, in welchem Sie wenig zu singen hatten. Die abscheuliche Kritik in der Abendzeitung hat mich verleitet, so zu urtheilen;— dieser Schmieder, der die Theaterreferate schreibt, spricht sich immer so rücksichtslos über Sie aus, das muß ein recht eingebildeter, widerwärtiger Mensch sein!“—„Wollen sie ihm das nicht selbst sagen, er sitzt ja neben Ihnen!“ erwiderte die Sängerin. —(Professor J. F. Novack) in London arbeitet unausgesetzt an der Erforschung der Wetterplanze. Die „amtliche Wissenschaft“ in England erhält sich diesem Problem gegenüber ablehend, weil sie es nicht selber aufgestellt hat. Herr Novack hat bis jetzt unter bedeutenden Opfern, ohne irgendwelche Unterstützung, die Arbeit fortgeführt. Ob er sie allein zum Abschluß zu bringen vermag; bleibt abzuwarten. Seine neuesten Wetterprophezeiungen beziehen sich auf den 12., 14. und 16. September. Für den 12. wird ein Erdbeben und ein neuer Ausbruch des Vulkans Tongarino auf Neuseeland vorausgesagt, für den 14. ein Orkan auf der Insel Martinique und ein Erdbeben nebst Vulkanausbrüchen auf auf den Sandwich=Inseln und endlich für den 16. ein Erdbeben und vulkanische Ausbrüche(wahrscheinlich des Bandai San) auf Japan. Der Forscher bittet Meteorologen und besonders solche, welche Interesse an der Wetterpflanze nehmen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Seine Adresse ist: 7, Wells Streel, Gray’s Inn Road, London, W. G. —(Der verschlossene Kirchenstuhl.) Bekanntlich besteht vielfach die Sitte oder vielmehr Unsitte, die Stühle in den Kirchen zu vermiethen, und es kommt dann oft vor, daß manche Kirchenbesucher keinen Sitzplatz finden, während vielleicht eine Reihe Stühle leer sind und oft dazu auch noch verschlossen gehalten werden. Dies konnte der jetzt verstorbene alte Domprediger T. in B.— ein schlichter Mann und ein Original in mancher Beziehung — nicht leiden. Eines Tages bemerkt er während der Predigt, daß in der Nähe der Kanzel in einem verschlossenen, ein halbes Dutzend Plätze enthaltenen Kirchstuhl nur ein Herr sitzt, während daneben ein alter Herr stehen muß, weil er keinen Platz gefunden. an:„Lieber Bruder in Christo öffne doch deinem Mitbruder die Thür!" Dann predigt er weiter. Als seine Anrede indeß erfolglos bleibt, unterbricht er noch zweimal seine Pedigt, um den hartnäckigen Stuhlinhaber in gleicher Weise aufzufordern. Nicht geringe Heiterkeit erregte es aber, als derselbe bei der dritten Aufforderung aufstand und verlegen sagte:„Ja Herr Pastor, das kann ich nicht, ich bin ja selbst auch herübergeklettert!“ —(Wasserscheu.) Milchfrau:„Madamchen, wie kommt's nur, daß mich Ihr Amiechen immer so wild anbellt und knurret — ich sollte meinen, daß Viehchen kennt mich nun und wüßte, daß ich alle Tage die schöne Milch bringe.“— Hausfrau:„Ach meine Liebe, wenn nur das gute Thier nicht etwa wasserscheu ist, denn seit einigen Tagen will es Eure Milch nicht mehr saufen.“ —(Die Motive.) Einer jener Menschen, deren Neugier an's Unglaublichste grenzt, saß während einer Eisenbahnfahrt neben einem kleinen zehnjährigen Mädchen, welches er über Eltern, Geschwister, Zweck der Reise und alles Mögliche kreuz und quer auf die unverschämteste Weise ausfragte. Also nach Berlin willst Du, liebe Kleine? setzte er, nachdem er sein Verhör beendet hatte, hinzu. — Ja, nach Berlin, antworte das Mädchen.— Und welche Motive (Beweggründe) führen Dich dahin? fragte der Neugierige weiter. — Die Locomotive, antwortete die witzige Kleine und das schadenfrohe Gelächter der Mitreisenden bewog den Inquirenten, seine. Er unterbricht seine Predigt und redet den im Stuhle Sitzenden Nachbarin von nun an unbelästigt zu lassen. Venunntmachung. Vom 16. September ab erhält die Personenpost zwischen Horn und Pader born folgenden Gang: Minden(Westf.), 30. August 1891. Der Kaiserl. Ober=Postdirector Tybusch. Bekanntmachung. Die Mannschaften der Ersatz Reserve, welche nach ihrem Ersatz=Reserve=Paß dem Jahrgange 1834 angehören-. d. h. im Jahre 1886 zur Ersatz=Reserve geschrieben worden sind,— und noch nicht geübt haben, sowie diejenigen älteren Jahrgänge, welche bisher nicht übergeführt sind, haben sich bis den 20. October d. J. bei ihrem Bezirksfeldwebel unter Vorlage ihres Ersatz=Reserve=Passes behufs Ueberführung zum Landsturm ersten Aufgebots zu mel den, widrigenfalls sie noch bis zum künf tigen Herbst in der Ersatz=Reserve verbleiben. Paderborn, im September 1891. Königliches Bezirks=Commando Personal=Chronik für den Monat August. 1. Der Rechtscandidat Tiemann ist zum Referendar ernannt. 2. Die Referendare Lohmann und Niemeyer sind in den Oberlandesge richtsbezirk Köln bezw. Naumburg versetzt 3. Der Rechtsanwalt und Notar, Justiz= rath Neuhaus in Hamm ist in Folge seiner Zulassung zur Rechtsanwalschaft in Münster i. W. aus dem Amte als Notar ausgeschieden. 4. Der Amtsgerichtssecretär Flore: in Coesfeld ist mit Pension in den Ruhe stand versetzt. Hamm, den 2. September 1891. Der Oberlandesgerichtspräsident I. V.: v. Choltitz. Beste Mandelseife à Pfd. 65 Pfg. Prima Fettseife, wohlriechend, 3 St im Paquet à 40 Pfg. Lilienmilchseife sehr wohl Sommersprossenseife„tyuend für Theerschwefelseise die Haut. bei C. Bohning. Suche für meine Bäckerei und Condi torei für jetzt oder Herbst einen Lenrling. Werl, den 2. September 1891. Adam Köchling. A Für nur 2 Mk. 26 Pfg. versende ich, so lange der Vorrath reicht, eine sehr gut gehende schöne Scherzinger Bronce-Uhr mit vorzüglichem Werk, geeignet für Arm und Reich. Für den pünktlichen u. richtigen Gang dieser Uhren garantire ich schriftlich auf volle 5 Jahre. Versandt gegen vorherige Einsendung von 2 Mk. 25 Pfg. oder per Nachnahme. J. Kann& Co., Wien, II., Klosterneuburgerstr. Nr. 43. Lange schmale Rechnungsformulare, für Bäcker passend, vorräthig bei Th. Thiele. Harmonium-Magazin von HHI. NIANN&ap 5— Bielefeld. EAUEA der amerikanischen I S S für Kirche, Schule und Haus geeisnet. Die Estey-Orgel, einzig in ihrer Art und an Schönheit des Tones, sowie eleganter Ausstattung unübertroffen, ist eine Zierde für jedes Zimmer und sollte neben dem Piano in keinem Hause fehlen. Reiche Auswahl.— Absolute Garantie. Th. Mann& Cie. P Lager bei Th. Thiele in Paderborn. Visten=Karten fertigt billigst an Th. Thiele. Ein Wort an Alle, die Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Holländisch, Dänisch, Schwedisch, Polnisch, Russisch oder Böhmisch wirklich sprechen lernen wollen. Gratis und franco zu beziehen durch die Rosenthal'sche Verlagshdlg. in Leipzig. Ziehung 1. October 1891. Ankauf überall gesetzt. gestattet. T. Staats-Eisenbahnloose Haupttr. Fr. 600000, 400000, 300000, 200000, 60000, 30 000, 25000 2c. Mon. Einz. auf ein ganzes Loos Mark 5.— 30 Pfg. Porto a. Nachn. Gewinnl. gratis. Aufträge umgehend erbeten. Bank=Agentur F. Stroetzel Konstanz. 85 Der 2. Grasschnitt auf der 70 Morgen großen städtischen Fürstenwiese hinter dem Inselbade soll am 16. September cr., Vormittags 9 Uhr, öffentlich meistbietend verkauft werden. Der Magistrat. Frauen=Arbeitsschure Paderborn, Bachstrasse, beginnt der Unterricht am 1. October und werden Anmeldungen vom 29. Sept. ab entgegengenommen. 4 Zimmer, auch getheilt, zu vermiethen. Wo, sagt die Expedition des Anzeigers. Viehmärkte im September. 16. Rietberg; 18. Brakel; 22. Steinheim; 24. Halle i. W., Lippling; 29. Brilon, Dringenberg, Hamm 30. Wiedenbrück. Schreib= und Zeichenmaterialien: Zeichnenpapier in Bogen und meterweise, Holzkohle, feste u. flüssige Tuschen, Gold= und Silbertinte, sowie alle anderen Arten Tinten, Schultinten literweise, empfiehlt Th. Thiele. Kleiderzuschneiden und=Anfertigen nach bewährter Methode wird gelehrt in der Frauen=Arbeitsschule zu Bachstraße. In der nach Werl. Wallfahrt nach Werl am Namensfest Mariä(20. September) geht ein SonderZug von hier ab und beträgt der Preis für ein Retourbillet 2 Mk. 70 Pfg. Das Nähere über die Zeit der Ab= und Rückfahrt wird demnächst bekannt gemacht werden. Paderborn, den 20. August 1891. Pfarrer der Markkirche. Krsahrt der Eisenbahnzüge von Station Paderborn in der Richtung nach Altenbeken: mit Anschluß nach Höxter=Berlin 12,04 V. 4,35 V. 11,09 V. 12,55 N. 2,19 N. 6,19 V. mit Anschluß nach Warburg=Cassel 12,04 V. 4,35 V. 7,27 V. 12,55 N. 2,19 N. 6,49 N. mit Anschluß nach Northausen 4,35 V. 7,27 V. 11,17 V. 12,55 N. 2,19 N. in der Richtung nach Salzkotten: mit Anschluß nach Köln 4,43 V. 4,50 V. 8,11 V. 11,22 V. 1,44 N. 4,08 N. 4,50 N. 6,56 N. mit Anschluß nach Münster 4,43 V. 4,50 V. 8,11 V. 11,22 V. 1,44 N. 4,08 N. 4,50 N. 8,20 N. Männer=Sodalität. Mittwoch Nachmittag 5 Uhr: Beerdigung der Ehefrau des Mitbruders Eisenschlosser A. Barton von der Königstr. B 145 aus. Es ladet dazu ein der Vorstand. Marktbericht. Paderborn, 12. Sept. 100 Kilo Weizen 23,20 bis 24,40, Roggen 23,00 bis 24,00, Gerste 16,00 bis 18,40, Hafer 16,40 bis 17,40, Erbsen 23,00 bis 24,00, Bohnen 24,00 bis 26,00, Linsen 21,00 bis 22,00, Kartoffeln 7,00 bis 9,00, Heu 5,00 bis 6,40, Stroh 4,60 bis 6,00, ½2 Kilo Rindfleisch 0,60 bis 0,65, Schweinefleisch 0,60 bis 0,65, Kalbfleisch 0,50 bis 0,55, Hammelfleisch 0,60 bis 0,65, Speck 0,75 bis 0,80, Butter 1,10 bis 1,30, Schock Eier 3,00 bis 3,60. 4 Kilo Brod 1,10 bis 1,30 Mk. Köln, 12. September. Durchschnittspreise. Butter Mk. 1,15 das Pfund Eier 2,00 das Viertel. Hinkel 2,40, Tauben 1,00 das Paar, Hasen 0,00, Schnepfen 0,00, Feldhühner 1,30, Truthahn 10,00 das Stück, Kaninchen 1,00 das Stück, Krammetsvögel 0,00 das Bund, Hühner 1,50, Enten 3,00, Gänse 5,50 das Stück, Hecht 1,00, Aal 1,50, Karpfen 1,00, Salm 2,60, Schleien 0,70 das Pfund, Ochsenfleisch Mk. 0,70, Kalbfleisch 0,70, Hammelfleisch 0,70, Speck, geräuchert 0,80, gesalzen 0,70, Schmalz 0,80, Nierenfett 0,50, Zwiebeln 0,08 das Pfund, Aepfel 15,00 die 100 Pfund, Kartoffeln, weiße 4 40, rothe 4,50, Nieren 6,00 die 100 Pfd., Bohnen zum Einmachen 0,09 das Pfd., Weizen M. 25,00 bis 26,00, Roggen 23,00—25,00, Gerste 00,00, Hafer 16,00—17,00. Rüböl matter, die 100 Kilo mit Faß in Eisenband vorräthig in Partieen von 5000 Kilo Mark 60,50 B., Oct. 64,00 B., 63,00 G. Neuß, 12. Sept. Rüböl in Posten von 100 Ctr. 66,00 M. faßweise 67,50 die 100 Kil. Gereinigtes Oel 3 Mark höher als Rüböl. Preßkucher M. 114 die 1000 Kil.— Fruchtmarkt. Weizen, 1. Sorte M. 24,00, 2. Sort 23,00. Landroggen, 1. Sorte M. 23,50, 2. Sorte 22,00, Buchweizen M. 00,00 Hafer M. 16,00, Kartoffeln 8,00. Alles die 100 Kil. Heu M. 86, Stroh M. 22 die 500 Kil. Kleien M. 6,00 die 50 Kil. Magdeburg, 12. Sept. Zucker. Kornzucker ausschl. 92% Mk. 17,35, ausschl. 88% 00,00; Nacherzeugnisse ausschl. 75% Mk. 16,40. Schwächer. Brodraffinade I. 29,00, Brodraffi nade II. 28,25. Gemahlene Raffinade mit Faß 28,50. gemahlene Melis I. mit Faß 27,00. Fest. Rohzucker I. Erzeugniß zur Durchfuhr z. f. B. Hamburg, Sept. 13,70. Schwach. 16.14 20.: 80. 173. 219. 325. 40 80 1.90 5% Coursbericht. Berlin, 12. September 1891. Geldsorten und Banknoten. Sovereignes pr. Stück 20-Francs=Stück Dollars pr. Stück Engl. Banknoten Franz. Banknoten Oesterr. Banknoten. Russ. Banknoten Zinsfuß d. Reichsbank: Wechsel 4%. Lomb. 4½ u. Pfand= und Neutenbriefe. 4% Westf. Pfandbriefe 3½%„„ Hannoversche Rentenbriefe Rhein.=Westf.„ Hypoth. Pfandbriefe. Pomm. Hypoth. E. V. VI. Bank=Actien. Bank f. Rhld u. Westf. Berg.=Märk. Bank Kölner Wechslerbank Diskonto=Comm. Dortmunder Bankverein.. Hannov. Bank Reichsbank Schaaffhausen Westfäl. Bank Industrie=Actien. Bochumer Gußstahl Dortm. Union St. Pr. A. L. A „ Union=Brauerei 95. 102.0 101.4 102. 116.8 97.7 174. 102.7 100.: 142. 106. 113. 114. 67. 227. .00 .00 40 50 80 .70 00 75 .25 .30 .90 .50 .90 .70 .00 * Redaction, Druck und Verlag von Th. Thiele in Paderborn.