Nr. 42. Paderborn, Dienstag, 7. April 1891. 5. Jahrg. Pabrrobrner Zeitung für Stadt und Land. Organ des landw. Kreis-Vereins. Der Paderborner Anzeiger erscheint wöchentlich dreimal, des Dienstags, Donnerstags und Samstags, mit einer landwirthschaftlichen Beilage und dem Westfäl. General=Anzeiger. welche in Paderborn und Umgegend große Verbreitung finden, kosten pro Petitzeile nur 10 Pfg., Reclame 30 Pfg. Bestellungen auf den„Paderborner Anzeiger“ für das 2. Quartal werden von jeder Postanstalt, Landbriefträger und in der Expedition Markt D 106 zum Preise von 1 Mark entgegengenommen. Die bereits erschienenen Nummern werden nachgeliefert. ∆ Zur Eisenbahntarif=Reform in Deutschland. Die öffentliche Meinung Deutschlands beschäftigt sich fortgesetzt lebhaft mit der vom preußischen Minister v. Maybach angeregten Reform der Personentarife im Eisenbahnverkehr, was bei einer Frage von so weitgehender allgemeinen Bedeutung ja auch ganz erklärlich erscheint. Wie bekannt, gipfeln die Maybach'schen Reformvorschläge in einer wesentlichen, durchschnittlich vierzigprocentigen, Herabminderung der bisherigen Sätze für einfache Hinfahrt, sowie in einer weniger bedeutenden Verbilligerung der Sätze für Rücksahrten mit Personenzügen, und endlich im Wegfall der vierten Wagenklasse. Dafür sollen jedoch die Rundreisebillets und die Gewährung von Freigepäck fortfallen, während sich außerdem die Preise für Rückfahrten mit Schnellzügen in erster und zweiter Wagenklasse erheblich theurer gestalten würden, wie bieher.., g., L W.sarig, bahen Diese Grundzuge der Maybach'schen Vorschlage haben indessen im großen Publikum wie in Fachkreisen eine sehr getheilte Aufnahme gesunden. Wohl erkennt man es dankbar an, daß die Frage der Verbilligerung des Reisens mit der Eisenbahn, nachdem sie bei uns in Deutschland lange Jahre hindurch gänzlich geruht, jetzt überhaupt wieder in Anregung gebracht worden ist, und weiter würdigt man auch die bedeutenden Preisermäßigungen des geplanten neuen Tarifs für die einfachen Fahrten. Aber anderseits werden auch schwere Bedenken gegen letztere laut und diese Einwendungen erscheinen in der That nicht ungerechtfertigt. Besonders erregt die Verschmelzung der dritten mit der vierten Wagenklasse Bedenken, es ist ganz klar, daß die Aufhebung der vierten Wagenklasse eine Ueberfüllung der dritten Klasse zur Folge haben würde und bei längeren Fahrten dürften sich hieraus für die Insassen der dritten Klasse schwere Belästigungen ergeben. Ebenso würde die radikale Beseitigung des Freigepäcks unzweifelhaft mancherlei Unzuträglichkeiten im Gefolge haben, während die geplante Maßregel für viele Reisende auch in finanzieller Beziehung mit einer Belastung gleichbedeutend wäre. Weiter muß auch die nach dem neuen Maybach'schen Tarife faktisch eintretende Vertheuerung des Reisens mit Rückfahrkarten erster und zweiter Klasse in Schnellzügen als ein empfindlicher Nachtheil des vorgeschlagenen Reformsystems bezeichnet werden und endlich möchte zu bezweifeln sein, ob die vorgeschlagene Aufhebung der Rundreisebillets in der That allenthalben als ein vortheilhaftes Zugeständniß an das reisende Publikum zu betrachten wäre. Wie man also sieht, erweist sich dieses Geschenk der Personentarifreform als ein recht zweiseitiges. Auf der einen Seite gewährt es eine gewiß höchst anerkennenswerthe Herabsetzung der Fahrpreise auf den Eisenbahnen, auf der anderen Seite jedoch vermindert sie für einen großen Theil des Publikums die Bequemlichkeit des Reisens, soweit von einer solchen überhaupt gesprochen werden kann, und vertheuert zugleich bestimmte Fahrgelegenheiten auf der Eisenbahn in nicht unerheblicher Weise. Es finden sich nun allerdings auch unbedingte Vertheidiger der Maybach'schen Tarifreform, welche darauf hinweisen, dieselbe könne nicht lediglich auf das reisende Publikum allein Rücksicht nehmen, sondern müsse auch die rein finanzielle Seite der Angelegenheit in rechnung ziehen. Da würde aber, heißt es weiter, die Reform zu einem voraussichtlichen Rückgang in den Einnahmen aus dem Eisenbahnverkehr führen, wenn hierbei nicht gewisse bisher bestandene Vergünstigungen und Erleichterungen für das reisende Publikum in Wegfall kämen, wie das Freigepäck, die Rundreisebillets, die Rückfahrkarten u. s. w. Dieser Behauptung braucht man jedoch, um sie hinfällig erscheinen zu lassen, nur die Erfahrung entgegenzuhalten, daß bisher jede wirkliche Verbilligerung des Verkehrswesens auch einen erhöhten Verkehr und hiermit größere Einnahmen zur Folge gehabt hat, und dies gilt auch hinsichtlich des Eisenbahnreisens. Es stünde darum auch nicht zu befürchten, daß eine allgemeine Herabsetzung der seitherigen Personentarifsätze auf den deutschen Eisenbahnen zu bedenklichen Ausfällen für die Bahnverwaltungen führen würde, denn sicherlich würde die sich aus einer solchen Herabsetzung der Fahrpreise ja zunächst ergebende Mindereinnahme durch die verstärkte Benutzung der Eisenbahnen alsbald wieder mehr als ausgeglichen werden. Jedenfalls steht zu hoffen, daß in der vorgeschlagenen Eisenbahnreform in Deutschland regierungsseitig noch lange nicht das letzte Wort gesprochen worden ist, sonder daß man sich hier bereit zeigt, den unverkennbaren Mängeln der Reform nach Möglichkeit abzuhelfen. Gewiß müssen hierbei auch die fiscalischen Interessen und somit diejenigen der Gesammtheit mit berücksichtigt werden, aber diese Rücksichtsnahme darf nicht so weit gehen, um berechtigte Interessen des reisenden Publikums empfindlich zu schädigen, dann wäre die erstrebte Reform des Eisenbahnreisens aber keine Reform mehr. Politische Uebersicht. Paderborn, den 7. April 1891. Die Kaisertage an der Ostsee haben für den Generalfeldmarschall Grafen Moltke, welcher sich in der Begleitung des Kaisers befindet, eine besondere Auszeichnung gebracht. Gelegentlich der vom Kaiser über die Kieler Gesammtgarnison abgehaltenen Parade, welcher der greise Feldherr beiwohnte, wurde derselbe à la suite des 1. Seebataillons gestellt. In dem hierauf bezüglichen allerhöchsten Tagesbefehl heißt es, der Kaiser wolle hierdurch sein reges Interesse an der Fortentwickelung der Marine bekunden und letztere weiter anspornen. Jedenfalls bedeutet der Vorgang auch für Moltke selbst eine ungewöhnliche Ehrung seitens seines kaiserlichen Herrn.— Am Freitag besichtigte der Kaiser die kaiserliche Werft und die Germania=Werft in Kiel. * Das vom commandirenden General v. d. Goltz eingereichte Entlassungsgesuch ist vom Kaiser abgelehnt worden. In diesen Tagen nehmen der Reichstag wie das preußische Abgeordnetenhaus ihre durch die Osterferien unterbrochene Thätigkeit wieder auf. Die österliche Ruhepause war diesmal in beiden Parlamenten kürzer bemessen als sonst, was mit Rücksicht auf das von ihnen noch immer zu erledigende große Arbeitsmaterial geschah. Für Reichstag und Abgeordnetenhaus ist der Sessionsschluß zu Pfingsten vorgesehen, aber soll dies wirklich ermöglicht werden, so muß dort wie hier noch fernerhin ein wahrer Riesenfleiß entfaltet werden. Im Reichstage gilt es vor Allem, die Einzelberathung des Arbeiterschutzgesetzes endgiltig durchzubringen; daneben harren aber noch die neue Zuckersteuer=Vorlage, sowie die Novellen zum Krankenkassengesetz und zum Branntweinsteuergesetz der zweiten Lesung und alle diese Vorlagen repräsentiren zusammen noch ein gewaltiges Ar Organist von Mirabella. 4) Novelle von C. v. Ilmenan. (Nachdruck verbeten.) Der kleine Mann war nämlich in der Kirche sogleich die Treppe zur Orgel hinaufgeklettert und richtig, da sah er ja den Menschen, den Otti Joseph genannt, auf der Orgelbank sitzen und den Choral begleiten. Er machte seine Sache wirklich gut. Mit Erstaunen sah der junge Organist auf den kleinen Mann in Hoftracht, der so zwangslos neben ihm Platz nahm und dann und wann in die Tasten griff, bis er ihm vertrauensvoll das Werk überließ. Aber die Orgel schien unter den Händen des kleinen Herrn piötzlich eine andere geworden zu sein. Es erklangen Töne und Modulationen von solcher Weichheit. daß man weinen konnte. Mozart spielte den Choral figurirt, wie er es in den Werken Johann Sebastian Bach's gelernt hatte. Die italienischen Künstler im Gefolge des Kaisers Salieri und Martin, spitzten die Ohren. „Wer spielt da?“ fragte Martin. Mozarts kleine Figur, welche das Rückpositiv verdeckte, blieb verborgen, man sah nur Joseph Wilhelmi, den Schulmeister des Ortes, auf der Orgelbank sitzen. Salieri stützte den Kopf und sagte: „Es klingt wie Mozart, und dennoch...“ „Mozart ist es nicht. Sehen Sie nur!“ Die Orgel schwieg, der Geistliche hielt eine Ansprache und celebrirte die Messe. Dann war der Gottesdienst zu Ende und die Orgel spielte in dithyrambischen Fugensätzen den Ausgang. Wilhelmi ward ganz bestürzt. „Mein Herr,“ sagte er zu dem großen ihm unbekannten Orgelspieler,„mit wem habe ich die Ehre zu sprechen?“ „Mit einem Berufsgenossen! Da unten ist der Hof! Schweigen Sie gegen Jedermann und zeigen Sie mir Ihr Wohnhaus!“ Sie gingen durch ein Seitenthürchen, Niemand erblickte sie; so kamen sie in's Schulhaus. „Geben Sie mir Tinte, Feder, Notenpapier!“ sagte dort Mozart. Bald war alles zur Stelle und der kleine Mann schrieb eine Composition, schrieb sie schön und deutsch, daß auch nicht eine Korrektur nöthig ward. „So!“ sagte er nun,„Können Sie das prima vista spielen, Herr Wilhelmi?“ „Mit einiger Uebung getraue ich's mir wohl!“ „Versuchen Sie's!“ Jener setzte sich an sein schlechtes Klavier und spielte für die Verhältnisse recht wacker. „Bravo! Ueben Sie noch und sollten Sie aufgefordert werden, in der Hofkapelle zu Mirabella zu spielen, so tragen Sie dieses vor! Auf den Hoforganisten werden Sie dann nicht zu warten haben!“ sagte Mozart. „Ho—5o—Hoforganist?“ „Ja!“ lachte Mozart.„Was ist denn dabei?“ „Wer sind Sie lieber Herr?“ „Das wird sich finden. Adieu!" Mozart lachte recht herzlich und war schon davon. Nach dem Diner befahl Se. Majestät Mozart in den grünen Salon, wo die Herrschaften schon warteten. Lichnowsky führte den Meister ein. „Wo waren Sie heute Morgen, ich suchte Sie vergeblich!“ frug dabei Lichnowsky. Mozart lächelte und meinte:„Ich spielte— Schäfer!“ „Se. Majestät wollen eine Oper bei Ihnen bestellen!“ „Gott sei Dank! Jetzt spiele ich noch einmal so gut!“ rief der Meister. Man trat ein. Mozart verbeugte sich und küßte dem Kaiser die Hand. „Lieber Mozart, spielen Sie uns ein wenig vor!“ sagte der Kaiser milde. „Sehr gern, Majestät! Was befehlen Höchstdieselben?“ „Spielen Sie, was Sie wollen!“ Mozart dachte an Konstanze, an das Liebespärchen von heute früh und begann mit Reminiscenzen aus„No so d’onde viene“ und ging dann in die Arie„Ach,ich liebte, war so glücklich“ über, deren Motive in den wunderbarsten Verschlingungen vorgeführt wurden, bis sie neckisch entflohen und zu verhallen schienen. „Köstlich!“ flüsterte Malfetti. „Aus der Entführung!“ rief Fürst Kaunitz. Und wieder schlug Mozart Töne an; gewaltig wie ein Strom brausten sie daher, im Chor schwellend und dann erlöschend, um sich in eine liebliche, wiegende Melodie zu verlieren. „Idomeneo!“ flüsterte Graf Thun. Und dann nahmen die Töne immer mehr Form an, immer gewaltiger griffen die kleinen Hände Mozarts in die Tasten; der kleine Mann schien zu wachsen; in imposanten Fugengängen bewegten sich die Akkorde auf und ab, als stiegen Götter vom Olymp und gössen Melodienfluthen aus ihrem Füllhorn auf die Erde herab, Melodieen, die zur Liebe entzünden sollten. Fürst Lichnowsky lächelte; jetzt hatte er vernommen, was er heute früh in der Kirche gehört: Mozart war also dort gewesen! „Es ist aus seiner neuen C=Dur= oder JupiterSymphonie!“ flüsterte er.„Mozart, Du hast gesiegt!“ Eben schloß die gewaltige Recitation in Tönen mit beitsmaterial. In der preußischen Volksvertretung aber muß hauptsächlich der Etat völlig fertiggestellt, sowie die Landgemeindeordnung und die Sperrgelder=Vorlage erledigt werden, während von einer Erledigung auch des Volksschulgesetzes gar nicht mehr die Rede ist. Von diesen Gegenständen dürfte namentlich die Landgemeindeordnung das Abgeordnetenhaus noch Wochen hindurch in Anspruch nehmen, die vollständige Fertigstellung ist vielleicht erst kurz vor Pfingsten zu erwarten. Der Reichsboten wie der preußischen Volksvertreter harren demnach auch in dem bevorstehenden nachösterlichen Sessionsabschnitte Arbeiten in Hülle und Fülle und kann man nur wünschen, daß beide parlamentarische Versammlungen wenigstens immer beschlußfähig sein mögen, sonst ließe sich die Dauer ihrer gegenwärtigen Session gar nicht übersehen. * Die Wiener Verhandlungen über den deutsch=österreichischen Handelsvertrag sollen endlich vor ihrem unmittelbaren Abschlusse stehen. Doch wird, wie die „Nordd. Allg. Ztg. meldet, das getroffene Uebereinkommen einstweilen noch geheim gehalten werden, nur dürfte der nächstens zusammentretende deutsche Handelsvertrag sich voraussichtlich über die Thatsache des Abschlusses des Handelsvertrages zu äußern haben. * Die Hamburger Socialdemokraten hatten beschlossen, am Sonntag, den 3. Mai. geschlossen durch die Stadt ziehen, was ihnen anfänglich von der maßgebenden Behörde auch gestattet worden war. Nachträglich hat aber die Polizei die Erlaubniß zur Abhaltung des Zuges wieder versagt, was gewiß nur gebilligt werden kann, denn das geplante Unternehmen würde doch lediglich den Charakter einer großen öffentlichen Demonstration getragen haben. * Die„Nordd. Allg. Ztg.“ tritt den Gerüchten entgegen, wonach in letzter Zeit Truppen=Verlegungen aus dem Kaukasus nach den westlichen Grenzen Rußlands stattgefunden haben sollten. Die Zeitung erklärt, daß nach zuverlässigen Nachrichten eine solche Versicherung nicht ins Werk gesetzt worden sei. Weiter bespricht das genannte Blatt die Verleihung des russischen AndreasOrdens an den Präsidenten Carnot und meint, man habe hierin nur einen internationalen Höflichkeitsakt zu erblicken. Derselbe sei auf die dem Herzog von Leuchtenberg seitens der französischen Regierung erwiesenen letzten Ehren, sowie auf die Auszeichnungen zurückzuführen, mit denen die französischen Behörden in Saigon den russischen Thronfolger überhäuft hätten.— Nun, es hat wohl auch Niemand in der Verleihung eines russischen Ordens an das französische Staatsoberhaupt einen für den Weltfrieden bedrohlichen hochpolitischen Vorgang erblickt, aber er bleibt immerhin für den Stand der russisch=französischen Beziehungen bemerkenswerth. Der schweizerische Bundesrath hat das eidgenössische Commissariat im Canton Tessin, welches einem moroso, als Kaiser Joseph aufsprang und Mozart armend, sagte: „Bravo, mein Freund! Zum Dank bestelle ich bei Ihnen auch eine neue Opera buffa, zu welcher unser vortrefflicher Da Ponte bereits das Textbuch unter der Feder hat. Er hat mir versprochen, nur Nachts für Sie zu schreiben und dabei an Dante Alligheri's Hölle zu denken. Die Oper heißt Cose fan tutte! Adieu, mein lieber Mozart!“ 3. Das Patent. Am andern Morgen wandelte Kaiser Joseph unruhig in seinem Gemache auf und ab, als Fürst Kaunitz eintraf. „Gut, daß Sie kommen, Fürst!“ rief ihm der Kaiser entgegen. Joseph hatte eine Fülle von Geschichten abzuwickeln, der Fürst hielt beständig die Notiztafel in der Hand, um nichts zu vergessen. „Und nun bin ich zu Ende, Fürst! Ich danke Ihnen, — Apropos, wie gefiel Ihnen gestern unser Mozart?“ „Er übertraf sich selbst, Majestät!“) „Ganz meine Meinung, lieber Kaunitz! Lassen Sie ihm das Patent als kaiserlichen Kapellmeister mit 800 Gulden jährlichen Gehalts ausstellen. Der Teufel schaffe mehr Geld!“ „Majestät thun recht daran; Mozart ist ein Edelstein und werth, in Go'd gefaßt zu werden!“ „Wenn die Kassen nur nicht so leer wären! Woher Geld genug nehmen?“ Der Fürst zuckte die Achseln und empfahl sich. Leise aber brummte er: „Er versteht ihn nicht!“ Gleich darauf ließ sich Graf Thun melden. „Er soll eintreten!“ befahl Joseph. Der Kaiser empfing den Grafen sehr jovial. „Majestät.“ begann der Hofeeremonienmeister ernst, „wir haben gestern die Dorfkirche in Brunnen besucht!“ „Allerdings, Graf!“ „Die Orgel wurde vorzüglich gespielt!“ „Nun fangen Sie auch noch von der Musik an, Thun! Meine Ohren werden zu wahren Midasohren!“ (Fortsetzung folgt.) seinerzeit in Folge der Tessiner Liberalen errichtet worden war, jetzt aufgehoben. Die Beseitigung dieser Ausnahmemaßregel beweist, daß die schweizerische Bundesregierung nunmehr die politischen Verhältnisse im Tessin wieder als normale betrachtet, eine Auffassung, welche die in genanntem Canton seit geraumer Zeit herrschende Ruhe Recht zu geben scheint. Freilich sind aber neue Zwischenfälle im Tessin bei dem heißblütigen Charakter seiner Bevölkerung und den trennenden schroffen Parteigegensätzen noch keineswegs unbedingt ausgeschlossen. * Die soeben vollzogenen Wahlen zum Gemeinderathe von„Groß=Wien“ sind zwar in ihren abschließenden Resultaten noch nicht bekannt, aber er steht schon fest, daß die deutsch=liberale Partei hierbei empfindliche Einbuße erlitten hat. In den mit dem alten Wien jetzt verschmolzenen Vororten wurden fast in allen Bezirken antisemitische Gemeindevertreter gewählt, nur der Vorort Fünfhaus entsandte durchweg Liberale in den Gemeinderath, außerdem wählten die innere Stadt und der Bezirk Leopoldvorstadt liberal. Der Gemeinderath von GroßWien wird 140 Mitglieder zählen, von denen circa 60 der antisemitischen Richtung angehören dürsten. Die Wahlerfolge, welche die Antisemitenpartei in der österreichischen Reichshauptstadt schon bei den politischen Wahlen vorzeichnen konnte, sind demnach durch die communalen Wahlen bedeutsam ergänzt worden. Wenn dessen ungeachtet in liberalen Kreisen Oesterreichs diese Thatsache anscheinend unterschätzt wird, so liegt hierin eben eine ernste Selbsttäuschung auf liberaler Seite. * Der internationale Bergarbeiter=Congreß in Paris droht nachgerade zum Gespött der Welt zu werden. Seit dem Beginne der Congreßberathungen hat noch jeder Tag Zänkereien in der Versammlung gezeitigt, ja, in der am Freitag Nachmittag abgehaltenen Sitzung kam es sogar zu einem so ungeheueren Scandal, daß die Sitzung abgebrochen werden mußte. Der Congreß verhandelte über den Antrag der deutschen Vertreter, zur Erzwingung des achtstündigen Arbeitstages bei etwaiger Weigerung der Regierungen sofort den Generaistreik der Bergleute aller Länder zu verkünden, als sich die Tribünen einmischten. Von ihnen herab erschallen schwere Beschimpfungen der Deutschen und der entstandene große Lärm nöthigte schließlich den Vorsitzenden Piccerd, die Sitzung abzubrechen. Einer der Sprecher, Basly, mußte um Mißhandlungen zu entgehen, sich durch eine geheime Thüre fortschleichen. Infolge dieser Vorgänge wurde die Congreßsitzung vom Sonnabend bei geschlossenen Thüren abgehalten; vielleicht, daß der Congreß jetzt endlich zu positiven Beschlüssen kommt. Wer übrigens noch an dem socialistisch=revolutionairen Charakter des BergarbeiterCongresses zweifeln wollte, den müßten die Worte des Hauptvertreters der belgischen Bergleute, Deffuisseaux, bei der vom belgischen democratischen Verein in Paris zu Ehren der Congreßmitglieder veranstalteten Festlichkeit eines Bessern belehren. Defuisseaux forderte unter lebhaftem Beifall der Versammlung die Delegirten auf, Alles zur Errichtung der großen Weltrepublik vorzubereiten — olso soll der Pariser Bergmannstag im Grunde nur dazu dienen, den Umsturz der gesammten staatlichen Verhältnisse von heute einzuleiten! * Der diplomatische Conflict zwischen Italien und Nordamerika lenkt allgemach in ruhigeres Fahrwasser ein. Die italienische Regierung zeigt sich jetzt geneigt, den regelmäßigen Gang des gerichtlichen Untersuchungsverfahrens über die Vorfälle von New Orleans abzuwarten was man in der Washingtoner Regierungskreisen als eine Besserung der Lage auffaßt. * In Rom gingen briefliche Meldungen aus Ostafrika ein, welche besagen, daß gegen den Negus Menelik von Abyssinien eine Revolution bevorstände. Infolge dessen soll Menelik seine beabsichtigte Expedition nach Norden zur Wiedererlangung der von den Italienern besetzten Gebiete von Keren und Asmara aufgegeben haben. Ferdinand von Bulgarien hat in einer Zuschrift an den Ministerpräfidenten Stambuloff seiner Entrüstung und seinem Beoauern über das Attentat gegen Stambuloff und Bentschew Ausdruck verliehen. Fürst Ferdinand spricht dann die Ueberzeugung aus, daß die Feinde Bulgariens auch nicht auf dem Wege mörderischer Anschläge zu ihrem Ziele gelangen würden, nachdem schon die unternommenen Aufstandsversuche ihren Zweck verfehlt; Beltschew's unschuldig vergossenes Blut werde den Patriotismus der Bulgaren nur erneut stärken. Schließlich beglückwünscht der Fürst Stambuloff auf's Wärmste zu seiner Errettung und drückt die Hoffnung aus, daß die energischen Maßnahmen der Regierung bald auch die letzten Ueberreste seindlicher Elemente in Bulgarien vernichten würden. * * Berlin, 6. April.(Vom Hofe.) Seine Majestät der Kaiser und König erledigten am Sonnabend in Kiel in den Morgenstunden Regierungsangelegenheiten und begaben Sich um 10½ Uhr in Begleitung des Prinzen und Prinzessin Heinrich nach der Kaiserlichen Werft zum Stappellauf eines Kreuzers. Die Taufe vollzog Prinz Heinrich, der dem Kreuzer auf Allerhöchsten Befehl den Namen„Falke" beilegte. Darauf gingen Seine Majestät mit dem Feldmarschall Grafen Moltke an Bord der Kreuzer=Fregatte„Moltke“. Abends um 7 Uhr begaben Seine Majestät Sich mit dem Prinzen Heinrich zu einem Vortrag des Kapitän=Lieutenants Weyer nach der MarineAkademie. —(Gestern besuchten Seine Majestät) in Begleitung des Prinzen un der Prinzessin Heinrich den Gottesdienst in der Garnisonkirche. (Heute begaben Seine Majestät) Sich Morgens um 8½ Uhr zu Wagen nach Levensau und besichtigten in Begleitung des Prinzen Heinrich, des Staatssekretärs von Voetticher und der Spitzen der Marine= 2c. Behörden die Bauten des Nord=Ostsee=Kanals. Die Rückkehr ist über Rendsburg für Abends 6 Uhr in Aussicht genommen. Oesterreich. * Wien, 6. April.(Wie der„Politschen Correspondenz") aus Sofia gemeldet wird, hat eine Kommission von Artillerie=Offizieren festgestellt, daß eine kürzlich auf der Straße aufgefundene Bombe zur Herbeiführung einer Explosion nicht geeignet war, man nimmt daher an, daß nur eine Irreführung der Behörden beabsichtigt war, um deren Aufmerksamkeit von den Nachforschungen nach den Mördern des Ministers Beltschew abzulenken. * Teschen, 6. April.(Eine trotz behördlichen Verbotes) von etwa 1000 Bergleuten aus Ostrau unter Theilnahme fremder sozialistischer Wanderredner in Bartelsdorf abgehaltenen Versammlung ist aufgelöst worden. England. * London. 6. April.(Das„Reuter'sche Bureau") meldet aus Rangun von heute: In dem Distrikt von Haka in Oberbirma wurde eine kleine Truppenabtheilung, welche einem englischen politischen Agenten auf der Reise als Schutzwache diente, von Eingeborenen in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen. Ein englischer Offizier und fünf Gurkhas wurden getödtet, elf Mann verwundet. Verstärkstruppen sind abgesandt, um den verätherischen Stamm zu züchtigen. Frankreich. * Cannes, 6. April.(Großfürst Michael Michailowitsch von Rußland) hat sich mit der ältesten Tochter des Prinzen Nicolaus von Nassau, der Gräfin Sophie Merenberg vermählt. Aus dem Reiche. ∆ Dortmund, 2. April.(Der berüchtigte Einbrecher) Bäcker Stephan Herbsthoff von hier stand heute wiederum vor der hiesigen Strafkammer und wurde wegen eines in Soest im Mai vorigen Jahres ausgeführten Diebstahls zu einer Zusatzstrafe von 1 Jahre Zuchthaus verurtheilt, so daß derselbe gegenwärtig 13 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat. Heute wurde Herbsthoff nach Paderborn abgeführt, um sich demnächst wegen zweier zur Last gelegten Kirchendiebstähle in Erwitte und Anröchte zu verantworten. T Darfeld, 4. April.(Da sich der Mangel an Kartoffeln,) dem Hauptnahrungsmittel für die ärmeren Klassen der Bevölkerung, immer mehr bemerkbar macht, so läßt die hiesige Armencommission etliche Tausend Pfund schöner Speisekartoffeln an die bedürftigen Eingesessenen unseres Ortes vertheilen. c Münster, 3. April.(Jubiläum.) Der commandirende General des 7. Armeecorps, General von Albedyll, begeht die Feier seines 50 jährigen Dienstjubiläums am 10. dss.(nicht am 5.). Die von einem Festausschuß getroffenen Veranstaltungen sind in vollene Gange; an die Beglückwünschungen bei Ueberreichung des Ehrengeschenkes des Armeecorps wird sich ein Festessen im Officiercasino anschließen. * Oelde, 2. April.(Unglück.) Auf betrübende Art ist hier ein Müller ums Leben gekommen. Derselbe lief durch eine sogen.„Luke"(Oeffnung) in das untere Stockwerk der Windmühle. * Solingen, 4. April.(Die neue Linie Ronsdorf=Müngsten) auf der Theilstrecke Ronsdorf=Klarenbach, eine zweite Schmalspurbahn, wird, nachdem die Wermelskirchen=Burger Bahn durch's Eschbachthal etwa vor Jahresfrist dem Verkehr übergeben worden ist, am 1. Mai zur Eröffnung gelangen und einige Monate später die ganze Strecke dem Betriebe übergeben werden. Längs der neuen Linie sind zwanzig öffentliche Verkehrsstellen vorgesehen, welche zum größten Theil Personenund Güter=Verkehr gleichzeitig dienen sollen. Zu Müngsten wird eine Personen= und eine Güter=Haltestelle errichtet werden. Es sollen nunmehr Pläne aufgestellt werden für die Verbindung der Ronsdorf=Müngstener Bahn: 1) mit einer Linie Müngsten=Sonnborn(an den Ortschaften Papiermühle, Kohlfurt vorbeiführend), 2) mit einer Linie Müngsten=Burg, 3) mit einer Linie Sonnborn=Müngsten=Burg. —(Die Communalsteuerzuschläge) sind von der vierten Stufe der Klassensteuer an und zu der Einkommensteuer von 420 pCt. auf 375 pCt. herabgesetzt worden. Die Zuschläge für die untern Stufen 1—3 sind mit 200 pCt., 250 pCt. und bezw. 300 pCt. unverändert geblieben.— Die katholische Gemeinde in Obligs beginnt demnächst mit der Errichtung einer neuen Kirche; der Neubau ist den Architekten Roß u. Knauth in Köln übetragen, welche auch in Solingen die neue katholische Kirche erbauen. * Bocholt, 2. April. Die Herren Minister des Innern und der geistlichen Angelegenheiten haben genehmigt, daß in hiesiger Stadt eine Niederlassung der Genossenschaft„Unserer lieben Frau“ zu Mülhausen(früher in Coesfeld) von neuem errichtet werde, und zwar zum Zwecke des Unterrichtes und der Erziehung der weiblichen Jugend in einer höhern Mädchenschule und behufs Uebernahme der Kleinkinder=Bewahranstalt. An beiden Anstalten haben die Schwestern der genannten Genossenschaft von 1866 bis 1877 gewirkt, und ihre damalige segensreiche Thätigkeit steht bei der Bürgerschaft noch jetzt in bestem Andenken. * Vom Niederrhein, 4. April.(Dem Oberförster Hrn. Aumann) ist die durch den Tod des Oberförsters Brünings in Cleve erledigte Oberförsterei der Rheinwaden von der niederländischen Grenze bis Düsseldorf übertragen worden. Derselbe hat sein neues Amt bereits angetreten. (2) Düsseldorf, 3. April.(Der amerikanische Lieutenant P. H. Clarke) vom 10. Cavallerie=Regiment der Bundes=Armee ist mit Zustimmung der deutschen Regierung von Seiten des amerikanischen Kriegsministeriums zur Dienstleistung beim 2. westfälischen Husaren=Regiment Nr. 11 in Düsseldorf beordert worden, um den Cavalleriedienst der deutschen Armee gründlich kennen zu lernen. Lieutenant Clarke gilt als einer der fähigsten amerikanischen Cavallerie=Offiziere. * Bertrich, 1. April.(Hr. Hauptmann a. D. Gierlich), unser seitheriger Bade=Inspector, hat uns mit dem heutigen Tage verlassen. Allgemein wird anerkannt, daß der Aufschwung, den Bertrich in den jüngsten Jahren genommen hat, unserm seitherigen Bade=Inspector zu verdanken ist. Mit unermüdlichem Eifer arbeitete er an der Verschönerung der Cur=Anlagen und Promenadewege. Zu seinem Nachfolger ist Hr. Rittmeister a. D. Warder ernannt. * Cronenberg, 2. April.(Eröffnungsfeier.) Heute wurde hierselbst die Eröffnung des Betriebes der Nebenbahn Cronenberg=Elberfeld festlich begangen. An der Festversammlung nahmen über 200 Personen Theil. X Cleve, 4. April.(Herr Major von Kronstein,) ein Greis von 97 Jahren, hat jetzt, nachdem er schon früher hier gewohnt, unsere Stadt von neuem aufgesucht, um den Rest feiner Tage hier zu verleben. Um sich eine gute Pflege zu sichern, ist der alte Herr bei den Schwestern vom heil. Franciscus im St. Antonius=Hospital eingekehrt. * Wesseling, 3. April.(Jubiläum.) Nachdem im Jahre 1885 bereits Hr. Jacob Haas in der hiesigen Lederfabrik von H. Schmitz=Dumont sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum gefeiert hatte, begeht am nächsten Montag der Vormann Hr. Christ. Gießen in seltener Frische und Rüstigkeit ebenfalls sein goldenes Jubiläum nach fünfzigjähriger treuer Thätigkeit in derselben Fabrik. An diesem Tage wird die genannte Firma den Jubilar und das ganze Fabrikpersonal zu einem hübschen Arbeiterfeste vereinigen. In der heutigen Zeit ist es besonders wohlthuend, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in solcher Eintracht wie dort zusammenwirken zu sehen. * Mainz, 2. April.(Diphtheritis.) Zur Zeit tritt unter der hiesigen Jugend die Diphtheritis sehr heftig auf. Einer Familie raubte dieselbe drei Kinder.— Die hiesige militärische Conservenfabrik hat gestern ihren Winterbetrieb eingestellt, wodurch zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen brodlos geworden sind. § Aachen, 1. April.(Influenza.) Eine erhebliche Anzahl von Pferden in hiesiger Stadt ist an der Influenza erkrankt. Der Polizeipräsident fordert die Pferdebesitzer durch öffentliche Bekanntmachung auf, ihre Pferde von den verseuchten Stallungen fern zu halten und vor der Berührung mit kranken Pferden zu hüten. —(Sonntagsruhe.) Die Geschäfts= Inhaber von hier und Burtscheid haben in einer gestern stattgehabten Versammlung eine Petition beschlossen, worin der Reichstag gebeten wird, bei der dritten Lesung das Gesetz über die Sonntagsruhe dahin abzuändern, daß die Schlußzeit der Geschäfte an Sonntagen einheitlich für je eine Provinz oder mindestens für je einen Regierungsbezirk durch die betreffende Landes= bzw. BezirksRegierung gleichmäßig festgesetzt werde. Für die Rheinprovinz wird als geeignetste Zeit des Geschäftsschlusses 3 Uhr Nachmittags bezeichnet. * Trier, 2. April.(Dem hiesigen HusarenRegiment) sind 20 Pferde(jeder Schwadron 4) zugetheilt worden, welche einen Stamm des neu eingerichteten Depots zur Berittenmachung von Infanterie=Offizieren bilden. Versuchsweise werden den Cavallerie=Regimentern des 8. und 3. Corpt zu dem erwähnten Zweck ze 20 Pferde(im Ganzen also 160 Pferde) überwiesen. — An die Stelle des nach Berlin zur 1. Garde=Inf.= Division versetzten Divisions=Pfarrers Herrn Platz dahier tritt, laut der„Trier. Zig.“ Herr Divisions=Pfarrer Dr. Uhlig, welcher bisher schon der 16. Division angehört, aber seinen Amtssitz in Koblenz gehabt hat. Locales. Paderborn, den 7. April 1891. —(Ein sehr starkes Geklirr) lenkte heute Morgen die Passanten des Marktplatzes und des Schilderns auf den Ausgang des Schildern. Hier an der engsten Stelle war ein Frachtwagen mit einer Droschke zusammengefahren und letztere hatte dabei die große Spiegelscheibe des Kruhm'schen Ladens eingestoßen. Da die Scheibe bereits entzwei und durch eine neue ersetzt werden sollte, ist der Schaden nicht so groß, leider hat aber das Pferd eine Wunde erhalten. —(Strafkammersitzung.) Der harte Winter in diesem Jahre hat sich nach den verschiedensten Richtungen fühlbar gemacht, für den Menschen Theuerung der Lebensmittel und des Heizmaterials, für die Thiere Noth an Futter. Manches arme Häslein, das der Hunger in die Nähe menschlicher Wohnungen trieb, hat seinen Vorwitz mit dem Leben bezahlen müssen; mit Schlingen und Schießgewehr wurden dem Thierlein nachgestellt. Als Baron von Fürstenberg zu Eggeringhausen am 31. Januar sein Jagoterrain besuchte, bemerkte er in der Nähe von Altenmellrich, daß ein Mann sich im tiefen Schnee zu schaffen machte, er ging hin und fand da einen rein gefegten Platz, auf dem Futterkörner gestreut waren und weiter wurden Schlingen von Pferdehaaren entdeckt. Die Spuren in der Nähe zeigten, daß die Häslein mit der Oertlichkeit vertraut waren. Der Mann behauptete, sein schulpflichtiges Söhnlein habe das Futter für die darbenden Vögel gestreut; er kam aber wegen unerlaubter Ausübung der Jagd vor die Strafkammer des hiesigen Landgerichts und dieses verurtheilte deshalb ihn am vorigen Freitag zu 1 Monat Gefängniß. Ebenfalls wegen Wilddieberei stand der Ernst E. aus Amelunxen vor der Strafkammer; er sollte am Abend des 8. December vorigen Jahres in der Metternich'schen Jagd dem Wilde nachgestellt haben. Eine Anzahl Förster hatten sich an dem Abend auf die Lauer gestellt, als plötzlich ein Schuß fiel; sie dringen nach der Richtung vor und eine wilde Jagd begann hinter einem fliehenden Menschen, der endlich, aus verschiedenen Verstecken vertrieben, in der Person des Angeklagten gefaßt wurde. Er bestreitet zwar geschossen zu haben, er sei nur als Hülfsnachtwächter einem Holzdiebe nachgelaufen. Er brachte sogar einen Zeugen zur Stelle, welcher angab, daß er den Schuß abgegeben habe. Die Aussage war jedoch so wenig glaubwürdig, daß der Gerichtshof von einer Vereidigung absah und der Vorsitzende dem Zeugen einen strengen Verweis gab. Der Angeklagte erhielt einen Monat Gefängniß.— Ein Tagelöhner auf dem Gute Thienhausen der die Erlaubniß des Herrn von Haxthausen, sich an Gräben und Hecken Futter für die Ziegen suchen zu dürfen, auch auf das Futter in den Ställen ausgedehnt hatte, erhielt dafür 1 Woche Gefängniß.— Ein früherer Vollziehungsbeamter zu W., der eine Anzahl kleinerer Beträge einkassirt aber nicht abgeliefert, sondern für sich verwendet hatte, mußte seinen Leichtsinn mit 4 Monaten Gefängniß büßen, da nur zwei Fälle als erwiesen angenommen wurden und ihm noch sonstige Milderungsgründe zur Seite standen.— Wegen Erpressungsversuchs hatten sich der Ackerer M. und sein Schwiegersohn H. aus Hoinkhausen zu verantworten. Letzterer hatte im Auftrage des Ersteren und mit dessen Unterschrift einen Brief an den Kaufmann Neumann in Lippstadt, der aus Versehen die Jagdgrenze überschritten hatte, geschrieben des Inhalts, daß er von einer Anzeige absehen wolle, wenn er 100 Mk. Buße zahle. Er gibt zwar an, aus Scherz den Brief geschrieben zu haben. Der Gerichtshof war jedoch anderer Ansicht, die Anklage wurde voll erwiesen und erhielt M. 4 Wochen und sein Schwiegersohn 1 Woche Gefängniß. —(Die Versammlung des landwirth. Kreisvereins) gestern war von einer so großen Menge Mitglieder besucht, wie selten zuvor, ein Beweis, daß der Vorstand mit dem Thema über den Schaden an der Winterfrucht das Richtige getroffen hat. Der Direktor der Landwirthschaftsschule zu Warburg, Herr Hartmann, ging in längerem Vortrage auf die schädlichen Folgen des harten Winters ein; Felder die zu stark gelitten, müssen mit Sommerkorn, mit Erbsen, Wicken und dergl. bestellt werden, bei weniger angegriffenen Feldern genügt vielleicht ein Walzen um die blosgelegten Wurzeln wieder zu befestigen. Von den Kunstdüngemitteln empfahl Herr Hartmann die schnell löslichen. An den Vortrag knüpfte sich eine sehr rege Debatte. —(Die Stadtverordnetenversammlung) am vorigen Freitag war von 14 Mitgliedern besucht, den Magistrat vertrat Herr Beigeordneter Müller.— Die Anlage eines Kanals sowie der Verkauf einer kleinen Fläche auf dem Uekern wurde nach der Vorlage des Magistrats genehmigt. Das Grundstück darf jedoch nicht mit einer Mauer eingefaßt werden. Herr Lehrer Iseken, der in Berlin einen Cursus von der Heilung stotternder Kinder durchgemacht und bereits glänzende Erfolge in einem Probekursus nachzuweisen hat, wurde für weitere Kurse ein Zuschuß von 150 bis 200 Mk. je nach der Anzahl der Kinder bewilligt. Eine längere Debatte verursachte der Antrag des Herrn Buchdruckereibesitzers Schöningh, ihm die Ueberbrückung der Jühengasse zu einem Neubau zu gestatten. Der Magistrat war mit der Erlaubniß gegen jederzeitigen Widerruf einverstanden. Aus dem Colleg wurden jedoch die verschiedensten Bedenken geltend gemacht. Schließlich wurde ein Antrag angenommen, nach dem die Erlaubniß gegen eine Abgabe von 20 Mk. jährlich, auf jederzeitigen Widerruf gegeben werden solle, außerdem solle Antragsteller die schriftliche Einwilligung sämmtlicher Hausbesitzer der Jühengasse beibringen.— Weitere kleinere Sachen wurden nach dem Antrage des Magistrats genehmigt. —(Schlachthaus=Bericht.) Im Monate März sind im hies. Schlachthause geschlachtet worden: 5 Pferde. 5 Ochsen, 93 Kühe, 17 Rinder, 195 Schweine, 478 Kälber, 41 Schafe, 1 Ziege; zusammen 835 Thiere. Verworfen wurden: 1 Herz, 8 Lungen, 6 Lebern 1 Magendarmcanal, 2 Nieren, 1 Euter und 77 Pfund Fleisch, welches mit Blut infiltrirt war, von Großvieh; 1 Unterschenkelbein von einem Pferde; 8 Lungen, 6 Lebern und 2 Nieren von Schweinen, 3 Lungen und 3 Lebern von Kälbern; 1 Lunge und 3 Lebern von Schafen. Ferner wurde das Fleisch von einem Rinde, einem Schweine und von einem Kalbe als minderwerthig unter Angabe der Fehler der Thiere auf dem Schlachthofe öffentlich verkauft. Eingesandt! Von Herrn Baumeister Didden wurde im Herbst verflossenen Jahres der Vorschlag gemacht, auf dem, dem Kriegerdenkmal gegenüber gelegenen Platze am Westernthore einen Springbrunnen zu errichten, zu den sich auf ca. 1200 Mk. belaufenden Kosten wurden von Anwohnern des Westernthores, welche die Anlage gewissermaßen als die Ihrige betrachten, sofort ca. 1000 Mk. gezeichnet. Warum das von allen Seiten mit Freuden begrüßte Projekt seiner Ausführung bis heute nicht näher gerückt ist, darüber— schweigt die Weltgeschichte. Ob persönliche Verstimmungen im Magistrat der Sache bisher hinderlich gewesen sind, wissen wir nicht; jedenfalls wäre es zu bedauern, wenn ein Projekt, welches dem Stadtsäckel durchaus keine Kosten verursacht, auf Hemmnisse stoßen sollte, wo man vernünftiger Weise Sinn für alles Gute und Schöne erwarten sollte. Wirkung der Getreidezölle. Wie unbillig die häufig vernehmbare Behauptung ist, daß mit den in Deutschland bestehenden Getreidezöllen eine Besteuerung des gesammten Getreidekonsums zu Gunsten der Getreideproduzenten bewirkt werde, hierfür kann wohl kein besserer Beweis erbracht werden als mit nachstehender Zusammenstellung aus einem zur Verfügung gestellten Auszuge aus den Einkaufsbüchern eines größeren bayerischen Mühlenetablissemeuts, welche wir, nach der „Hann. ld.= u. forstw. Ztg.," dem Jahresbericht des Generalkomitees des landwirthschaftlichen Vereins in Bayern für das Jahr 1889 entnehmen. Demnach wurde bezahlt als Jahresdurchschnittspreis per 100 Kilogr.: „„„„ Es kosteten sonach bei 5 Mk. Eingangszoll 100 Kilogr. Weizen 5,49 Mk. weniger als in dem achtjährigen Zeitraum vor Einführung der Getreidezölle. Letztere haben nur ein noch weiteres Sinken der Getreidezölle bewirkt und abgesehen von dem finanziellen Erträgniß für die Reichskasse, die deutsche Landwirthschaft vor unberechbarem Schaden bewahrt, keinesweges aber eine Vertheuerung der Brodpreise verursacht. 1) ab 1. Oktober. 3) ab 1. Juli. 8) ab 26. November bezw. 15. Januar 1888. Literari Neue offizielle Wegekarte der Provinz Westfalen in 30 Blatt. Maaßstab 1:80000. Berlin S. W. Verlag von Max Pasch. Seit beinahe einem Jahrhundert hat in unserer Provinz keine offizielle Vermessung behufs Herstellung einer neuen Karte von Weftfalen stattgefunden. Es ist daher die uns vorliegevde neue offizielle Wegekarte von Westfalen im Maaßstab 1: 80000, von dem Herren Landeshauptmann für die Zwecke des Wegebaues herausgegeben, eingetheilt in 30 Sektionen, welche je einen größeren, oder mehrere nebeneinander liegende kleinere Kreise darstellen, mit Freuden zu begrüßen. Dem rühmlichst bekannten Geograph. Institute von Wilh. Greve in Berlin ist die Herstellung der Karte in lithogr. Stich und dreifarbigem Druck übertragen worden, welches dieses umfangreiche Kartenwerk in der kurzen Zeit von einem Jahre zur vollen Anerkennung aller Fachmänner erledigt hat. Die Karte zeichnet sich durch sauberen Stich, Klarheit des Drucks und Uebersichtlichkeit beim Gebrauch wesentlich von dem alten, bisher im Verkehr bekannten Kartenmaterial hervorragend aus und die uns vorliegende Karte unseres Kreises ist mit einer Genauigkeit ausgeführt, die nichts zu wünschen übrig läßt. Wir finden jeden Weg und Steg auf derselben verzeichnet und können Jedem, der sich nur einigermaßen für die Geographie seiner engeren Heimath interessirt, die Anschaffung dieses Blattes empfehlen, zumal auch der Preis im Hinblick auf die saubere und kostspielige Herstellung.(Mark 8 pr. Blatt bei einer Größe von 60/75 cm), ein wohlfeiler genannt werden muß. * Invaliditäts- und Alters=Verscherung, Um die für eine versicherte Person im hies. Stadtbezirk zu verwendende Wochenbeitragsmarke zu bestimmen, ist es unbedingt nothwendig, folgendermaßen zu verfahren: 1. Frage: Gehört die Person zu einer Orts= oder Innungskrankenkasse (gleichviel ob als pflichtiges oder freiwilliges Mitglied)? Bejahenfalls ist die Klasse, welcher die Person in der Kranken kasse zugetheilt ist, festzustellen, worauf das Weitere sich aus der veröffentlichten Tabelle vom 9. December 1890 ergiebt. 2. Gehört die Person nicht zu einer Ortsoder Innungskrankenkasse, so fragt es ob dieselbe etwa„landwirthschaftlicher Betriebsbeamter“ ist; in diesem Falle(aber auch nur in diesem einzigen Falle) richtet sich die Höhe der Marke nach der Höhe des wirklichen Jahresverdienstes(bis 350 Mk.= 14 Pfg., bis 550 Mk.= 20 Pfg., bis 850 Mk.= 24 Pfg., über 850 Mk.= 30 Pfg.) 3. Gehört die Person weder zu einer Orts oder Innungskrankenkasse, noch auch zu den„landwirthschaftl. Betriebsbeamten“, so ist ohne alle Rücksicht auf das wirk liche Verdienst eine 14=Pfg.=Marke(für weibliche Personen) bezw. eine 20=Pfg.Marke(für männliche Personen) zu verwenden. Die Berwendung höherer Marken ist in allen Fällen gestattet. Paderborn, den 31. März 1891. Die Polizel-Verwaltung. Bekunnimachung. Vom 1. April d. J. ab wird zwischen Paderborn und Stuckenbrock ein zur Postsachenbeförderung dienendes PrivalPersonenfuhrwerk mit folgendem Gang eingerichtet: Minden(Westf.), den 28. März 1891. Der Kaiserl. Ober=Postdirector Tybusch. Bei Beginn des neuen Quartals zum Abonnement bestens empfohlen. Abonnements=Einladung auf auf den neuen XVII. Jahrgang 1891 der beliebten Zeitschrift Fratscher Hausschag von October 1890 bis October 1891. Zu jedem Hefte eine Extra=Beilage. „Für die Frauenwelt.“ Wochen=Nummern=Ausgabe Quartal Mk. 1,80. Heft=Ausgabe 18 Hefte à 40 Pfg. Im nächsten Halbjahr, April bis October, gelangen zum Abdruck: Fort: setzung und Schluß der spannenden Romane von Philipp Laicus: Feder, Schwert und Fackel und Karl May: Der Schatz der Inkas, sowie die ausgezeichneten Novellen aus dem modernen Leben: Incognito. Von A. Jüngst. Der rechte und der linke Flügel. Von E. von Dincklage. In der Oberförsterei. Von H. Seewald. Daran reihen sich kleinere Erzählungen von M. Herbert, Leo Tepe, Freifrau von Berlepsch, Fr. Meister u. A. Außerdem belehrende Artikel aus allen Gebieten des Wissens, von bewährten Verfassern, gediegen und populär. Illustrationen in reichster Auswahl und in künstlerischer Vollendung aus Natur und Kunst, Wissenschaft und Leben. Die bereits erschienenen zwei Quartale werden vollständig nachgeliefert. Man abonnirt bei allen Postanstalten und Buchhandlungen. Friedrich Pustet, Verlagsbuchhandlung in Regensburg. 1 * Jedes Bändchen ist einzeln käuflich. Auswahl des Besten aus allen Litteraturen in trefflicher Bearbeitung und gediegener Ausstattung. Jedes Bändchen bildet ein abgeschlossenes Ganze und ist geheftet. Verzeichnisse der jetzt erschienenen 800 Nummern sind durch jede Buchhandlung kostenfrei zu beziehen. Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien. Paderborner Bürger=Verein. Außerordentliche Generalversammlung Sonntag den 12. April er. 8 Uhr Abends. Tagesordnung: Ankauf eines Grundstückes. Der Vorstand. Tehrpran In unser Genossenschaftsregister ist bei der laufenden Nr. 10— Consum=Verein zu Paderborn eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht— in lone 4 eingetragen: „Die Vorstandsmitglieder Schlosser Knaup, Schlosser Kaese und Schlosser Fischer sind ausgeschieden und sind an deren Stelle in der General Versammlung vom 8. März 1891 Werkmeister Brockmeyer, Kanzlist Korte u. Schlosser Brinkmann, sämmtlich zu Paderborn, zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Eingetragen zufolge Verfügung vom 1. April 1891 am 2. April 1891. Acten über das Genossenschafts=Register des Consum=Vereins zu Paderborn, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. Bd. I Bl. 47.“ Paderborn, den 2. April 1891. Königliches Amtsgericht. für den Obstbaukursus an der„Landw. Schule“ des Kreises Warburg in Warburg. I. Frühjahrscursus. Derselbe beginnt am 7. April Vormittags 9 Uhr und endet am 18. April. Der theoretische Theil des Unterrichts findet in den Vormittagsstunden von 9 bis 11½ statt, die practischen Uebungen fallen in die Zeit von 2 bis 5 Uhr Nachmittags. Der Lehrstoff vertheilt sich in folgender Weise: 1. Algemeines über Obstbau und Obstbaumzucht. Bau und Ernährung des Baumes(7. und 8. April); 2. Die Erziehung des Obstbaumes in der Baumschule.— Die wichtigsten Veredelungsarten(9. und 10. April); 3. Ansprüche der einzelnen Baumgattungen an Boden und Klima. Auswahl geeigneter Sorten(11. April); 4. Pflanzung des Baumes(12. April); 5. Pflege des Baumes(13. und 14. April); 6. Baumschnitt(15. und 16. April); 7. Baumkrankheiten und deren Heilung(17. April); 8. Die den Obstbäumen schädlichen Insekten und deren Vertilgung(18. April). II. Sommercursus. Der Beginn dieses viertägigen Cursus wird noch besonders bekannt gegeben. 1. Tag. Wiederholung des Wichtigsten über Ernährung und Wachsthum der##e 45—54, Bäume.— Leitung des Wachsthums durch Schnitt u. s. w. z26, Luzerne s Gesuch. Für eine Restauration, in der hauptsächlich feine Damen verkehren, wird zum Bedienen ein Mädchen gesetzten Alters gesucht. Photographie oder persönliche Vorstellung erwünscht. Näheres durch die Exped. d. Bl. unter Nr. 24042. 2. Tag. Anleitung zum Okulieren.— Baumpflege. 3. Tag. Sommerschnitt:— Formirung der einzelnen Zwergobstformen. 4. Tag. Baumschularbeiten und sonstige Pflegearbeiten. III. Herbsteursus. Dieser währt ebenfalls 4 Tage(Anfang October) und werden in demselben behandelt: 1. Ernte und Aufbewahrung des Obstes; 2. Obstverwerthung. Bereitung von Dörrobst, Obstwein u. s. w. tr Fohlen und Rinder finden ab 16. Mai Annahme in den Weidekämpen des Vorwerks Hellhof bei Driburg. Das Weidegeld beträgt für Fohlen 36—45 Mark, für Rinder 21 Mark. Näheres durch die Gutsverwaltung in Neuenheerse. Nervenschwäche und deren Folgezustände: Angstgefühl, Appetitlosigkeit, Gedächtnißschwäche, Gemüthsverstimmung, Herzklopfen, Magenschwäche, Ohrensausen, Mattigkeit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Uebelkeit, Zittern der Glieder u. s. w. beseitige ich auch in den hartnäckigsten Fällen nach rationeller Heilmethode. Heyden, Chemiker, Hamburg. * für landwirthschaftl. Buchführung sind vorräthig in der Bonifacius-Buchhandlung (Th. Thiele.) Saatbericht von Wilhelm Werner& Co. landwirthsch. Samenhandlung. Berlin, 4. April 1891. Mit der Rückkehr des Winter=Wetters ist auch im Saatgeschäft in der letzten Woche eine größere Ruhe eingetreten, als sie das Osterfest allein herbeigeführt haben würde. Allerdings ist eine lebhaftere Entwickelung noch sicher zu erwarten, da in den nächsten Wochen noch viel Klee zur Einsaat in das Sommergetreide gebraucht werden wird, ebenso wie viele Landwirthe auch von den Gräsern einen großen Theil erst dann kaufen, wenn sie das Land zur Aussaat gehörig abgetrocknet und erwärmt finden. Aber die Ruhe, welche sich momentan zeigt, hat doch schon bei mehreren Artikeln auf die Preise gedrückt.— Jetzige Preise für Saaten mit garantirter Keimkraft per 50 Kilo ab hier je nach Qualität: Rothklee, inländischer, garantirt seidefrei Mk. 48 bis 57, Weißklee 65—86, schwedisch Klee 75—86, Incarnatklee, zur Ausbesserung ausgewinterter Kleestellen in diesem Jahre sehr viel verlangt, fast durchweg 25, Wundklee 45—54, Gelbklee 28—32, Steinklee provencer 60—64, deutsche 54—60, Sandluzerne 63—68, Thimothee 22—28, Englisch Raigras 18 bis 20½, Italienisch Raigras 18—21, Französisch Raigras 47—53, Knaulgras 47 bis 56, Honiggras 22—30, Schafschwingel 14—15, Wiesenschwingel 47—56, Serradella 7½—8½, prima virginischer Pferdezahn=Saatmais 10—10½, Spörgel kleiner 11—12, Riesen 13—14, Saatsenf 15—17, Sandwicke 16 bis 17, Peluschken 10½, Pferdebohnen 10½, Lupinen per 1000 Kilo Mk. 100, Leinsamen Rigaer per To. 26 Mk., holländischer Sommerraps per 50 Kilo Mk. 20—21, Harzer SommerRübsen 18—19, Dotter 14—15, Oelrettig 16—17, Runkeln je nach den Sorten 35 50, Futtermöhren 45. Ganz unabhängig von allen sonstigen Saatartikeln bleibt das Sommer-Getreide nach wie vor in ganz enormer Nachfrage. Je nach Sorte und Qualität per 1000 Kilo Sommerroggen Mk. 225—250, Sommerweizen 250—280, Gerste 240—280, Hafer 240—280, Buchweizen, silbergrauer, franKatholischer Verein für Kaufleute, Beamte und Kunstgewerbetreibende zu Paderborn. (Hotel Titz.) Heute, Dienstag den 7. April er. Abends 8½ Uhr Vortrag des Herrn Baurath Güldenpfennig: „Ueber die Baudenkmale Paderborns“. Der Vorstand. Freiwillige Teurrwrht Paderborn. Mittwoch 8. d. M. Abends 7 Uhr Uebung sämmtlicher Mannschaften von Spritze I. und II. sowie der Hydranten=Abtheilung. Der Commandeur. Bilder, Brautkränze, Haussegen, ararbeiten werden in jeder gewünschten Einrahmung gut und billig hergestellt. Sücher werden dauerhaft eingehunden in der Buchbinderei von Heinrich Tewes, Giersstr. C 143. Nusikälischer Hausfreund. Blätter für ausgew. Salonmusik. IV. Jahrgang. Monatlich 2 Nummern(mit Textlage). Preis pro Quartal 1 Mark. Probenummern gratis und france Leipzig. S. A. Kochs Verlag. Mieim Lager in Violinen, Gultarren, Zithern, Flôten, Ziehharmonikas, Mundharmonikas u. s. w., sowie Saiten, Colophoniun, Bogen, Stimmgabeln, Stimmpfeifen, Holzetuis, halte bestens empfohlen Reparaturen werden schleunigst besorgt. Th. Thlele. Marktberichte. Köln, 4. April. Rüböl matter; die 100 Kilo mit Faß in Eisenband. vorräthig in Partieen von 5000 Kilo Mark 63,00 B., Mai 62,80 B., 62,50 G — Fruchtmarkt. Weizen M. 18,80—19,20, Roggen 17,40—17,60, Gerste 00,00 Hafer 16,60—17,00. Neuß, 4. April. Rüböl in Posten von 100 Ctr. 62,00 M. faßweise 62,00 die 100 Kil. Gereinigtes Oel 3 Mark höher als Rüböl. Preßkuchen M. 108 die 1000 Kil.— Fruchtmarkt. Weizen, 1. Sorte M. 21,00, 2. Sorte 20,00. Landroggen, 1. Sorte M. 16,40, 2. Sorte 15,80, Buchweizen M. 00,00 Hafer M. 15,50, Kartoffeln 8,00. Alles die 100 Kil. Heu M. 30, Stroh M. 18 die 500 Kil. Kleien M. 5,80 die 50 Kil. Magdeburg, 4. April. Zucker. Kornzucker ausschl. 92% Mk. 18,60, ausschl. 88% 17,00; Nacherzeugnisse ausschl. 75% Mk. 14,90. Schwächer. Brodraffinade I. 28,50, Brodraffinade II. 00,00. Gemahlene Raffinade mit Faß 28,85. Gemahlene Melis I. mit Faß 27,00. Fest. Rohzucker I. Erzeugniß zur Durchfuhr a. B. Hamburg, 13,57. April 13,60. Schwach. Breslau, 4. April. Lupinen schwach gefragt, gelbe 8,30—9,30—9,80 blaue 7,40—8,40—9,40, Wicken unverändert, Mk. 11,00—12,00—13,00. 4. April. Zuckermarkt. Rüben=Rohzucker, 1. Sorte 88% neue Bedingung frei an Bord Hamburg, 13,65 August 13,80.-Ruhig. Febr. 13,80, März 13,65, Wer sparen will, bestelle Lolft. Doll. Käse à Centner K 24.— Lesck-=Tiuburger CKäse 4 Sr. K 23, Holft. Edamer Käse a Centner K 30.— ab hier gegen Nachnahme empfiehlt Julius Werner, Nenmünster i. 6. 10 Pfund=Probepostcolli K 3.40 und 86 Meine Wohnung befindet sich jetzt Weberstrasse 155. Schornsteinfegermeister. Dünger, Wollstaubdünger, vorzüglich für Wiesen, billigst abzugeben. Kunstwollfabrik Neuhaus bei Paderborn. „* Karten in reichster Auswahl, zum Geburtstage, zum Namenstage, zur Verlobung, zur Hochzeit 2c., empfiehlt Th. Thiele. 4 gründl. in u. a. Hause. Näh. d. Exp Redaetion,Druck und. Verlag von Th. Thiele in Paderborn. 773 Hierzu: Landwirthschaftliche Beilage.