Paderborn, Dienstag, 27. Januar 1891. 5. Jahrg. 8 Tugeet für Stadt und Land. Organ des landw. Kreis-Vereins. M Der Paderborner Anzeiger erscheint wöchentlich dreimal, des Dienstags, Donnerstags und Samstags, mit einer illustrirten und landwirthschaftlichen Beilage. Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mk. Inserate, welche in Paderborn und Umgegend große Verbreitung finden, kosten pro Petitzeile nur 10 Pfg., Reclame 30 Pfg. K Dem Kaiser! Roch liegt Natur in starren Eisesbanden, Noch ruh'n im Winterschlafe Flur und Hain, Und doch ist's Frühling heut' in deutschen Landen— In unser'n Herzen glänzt sein Widerschein: Der Kaisertag, den jubelnd wir begehen, Und der des jungen Herrschers Wiegenfest— Er däucht uns Allen ja wie Frühlingswehen, Er bringt die Zeit, die wieder hoffen läßt. O nimm Alldeutschlands frohen Gruß entgegen Zum heut'gen Tag, Du kaiserlicher Herr— Fest hältst des Reichs Panier Du allerwegen, Wie weht es doch so stolz vom Fels zum Meer! Wohl ward noch nicht der Lorbeer Dir beschieden, Von dem das Blut des grimmen Kampfes fließt, Und doch ist's schöner Ruhm auch, wenn im Frieden Die Myrthe und der Oelzweig grünt und sprießt! Und dieser Ruhm ist längst Dir ja geworden, Du bist in Wahrheit uns ein Friedensfürst; Als solchen preist man laut Dich allerorten, Der Du das blut'ge Kampfschwert nimmer führst— Du bist ein Freund den Schwachen und den Armen, Ein güt'ger Schützer dem geringsten Mann, Du predigst laut der Liebe Allerbarmen Durch Deine Thaten lichterhellte Bahn! Du lebst in uns, Herr, wie in Dir wir leben, Für Dich der alten deutschen Treue voll— Es sei auf's Neue heute Dir gegeben Von Deinem Volk des Dankes heißer Zoll: Wir Alle folgen in dem Sturm der Zeiten Getrost Dir nach, Du flügelstarker Aar— Der alte Gott mög' ferner dich geleiten, Der allzeit schon mit Deinem Hause war! Wilhelms II., der heute sein zweiunddreißigstes Lebensjahr vollendet, Theil. Hat doch das noch nicht einmal vollendete dritte Regierungs jahr des Kaisers abermals die herrlichen Beweise dafür gebracht, daß ein mit seltenen Herrschertugenden begabter Monarch an Preußens und Deutschlands Spitze steht, und hat es sich doch abermals in dem verflossenen Jahre gezeigt, wie groß und muthig der Kaiser Wilhelm seine hohe Mission auffaßt und wie gründlich der erlauchte Herrscher seine Zeit und ihre Aufgaben versteht. Den Frieden nach Außen und Innen mit klarem Blick und fester Hand zu fördern, ein Mehrer des Reiches an friedlichen Gütern zu sein, die Gerechtigkeit zu schirmen und dringenden Reformen auf verschiedenen Gebieten des staatlichen und öffentlichen Lebens die Bahnen zu ebnen, in diesem segensreichen Wirken gipfelte auch im veeflossenen Lebensjahre des Kaisers hohes Herrscheramt und aus vollem Herzen kann sich die deutsche Nation freuen, einen solchen Herrscher und Führer an ihrer Spitze zu sehen. Blickt man zurück auf Kaiser Wilhelms II. kurze Regierungszeit, erinnert man sich der traurigen, trüben Monate, welche der Tod des großen Kaisers Wilhelm I. und das tragische Geschick des edeln Kaisers Friedrich kennzeichnete, und verfolgt dann mit sehendem Auge die Entwickelung der Regierung unseres hochbegabten jungen Kaisers, so kann man nur zu der Beobachtung gelangen, daß Preußen und das Reich unter dem neuen Herrscher sich in einer Epoche glücklichen Vorwärtsstrebens befinden. In der für das Völkerleben kurzen Spanne, welche die bisherige Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. ausfüllt, konnten natürlich verschiedene Reformwerke noch nicht zu Ende geführt werden, aber wir sehen auf so vielen Gebieten die guten Anfänge zeitgemäßer Reformen, daß, wenn nicht ganz unerwartete Ereignisse die friedliche Culturarbeit des Reiches hemmen, wir uns ohne Zweifel allmählig einem neuen Aufschwunge des geistigen und wirthschaftlichen Lebens nähern müssen, in welchem Aufschwunge dann wohl auch am leichtesten die Mittel gefunden werden, welche die socialen Gebrechen unseres Volkes heilen helfen. Den Segen des Höchsten. der auch im letzten Jahre so sichtlich auf dem Kaiser und seiner erlauchten Familie ruhte und auch durch die am Vortage des kaiserlichen Geburtstages stattfindende Taufe des jüngsten Prinzen des kaiserlichen und königlichen Hauses so weihevoll manifestirt wird, flehen wir deshalb abermals auf den Herrscher herab, der von der Vorsehung berufen wurde, an der Spitze der deutschen Nation zu stehen. Politische Uebersicht. Paderborn, den 27. Januar 1891. Zwei festliche Tage im Schooße der Kaiserfamilie, an denen das deutsche Volk den herzlichen Antheil nimmt, hat die neubegonnene Woche gezeitigt. An diesem Montag ist im Berliner Residenzschlosse im Kreise der kaiserlichen Familie und einer Anzahl fürstlicher Gäste von auswärts— unter ihnen König Albert von Sachsen, Erzherzog Eugen von Oesterreich und der Herzog von Genua, der zweitälteste Sohn des Königs von Italien— die feierliche Taufe des jüngstgeborenen kaiserlichen Prinzen vollzogen worden und dieses Ereigniß bildete gleichsam die Einleitung zu der Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms am folgenden Tage. Der erlauchte Monarch vollendet jetzt sein 32. Lebensjahr, ein Bild blühendster, edelster Männlichkeit, und in erfreulichstem körperlichen Wohlbefinden, mit welchem sich eine staunenswerthe geistige Frische und Regsamkeit und ein fast beispielloser Schaffenstrieb paaren, tritt der hohe Herr nunmehr in einen neuen Lebensabschnitt ein. Möge die göttliche Vorsehung auch fernerhin das theuere Leben unseres allverehrten Kaisers schirmen, möge sein Thun und Wirken auch fernerhin ein gesegnetes sein! * Die Zeitungsnachrichten über Aeußerungen, welche Kaiser Wilhelm bei seinem kürzlichen Besuche beim Fir anzinister Dr. Miquel, hinsichtlich der Abrüstungs= arbeiten gethan haben sollte, werden jetzt vom„Reichsanzeiger“ in aller Form für unbegründet erklärt, mit dem Hinzufügen, daß bei jener Gelegenheit von der Abrüstungsfrage überhaupt gar nicht die Rede gewesen sei. * Im Reichstage wurde am Freitag die Tags zuvor begonnene Debatte über den Antrag Barth, betr. die Aufhebung des Einfuhrverbotes für amerikanische Schweinefleischwaaren, zu Ende geführt und ergab sie am Schlusse die Ablehnung des genannten Antrages mit 133 gegen 106 Stimmen; die Minderheit setzte sich aus den Natinalliberalen, Freisinnigen, Volksparteilern und Socialdemokraten, also aus den sämmtlichen Gruppen der Linken, zusammen. In der Freitagsdebatte spielte, wie schon in der Donnerstagsverhandlung über den Antrag Barth, die sanitaire Frage eine Hauptrolle. Die Befürworter des Barth'schen Antrages machten in dieser Beziehung geltend, daß die sanitairen Gründe, welche seinerzeit zum Erlasse des Einfuhrverbotes füc Weiße Haare. 5 Novelle von H. von Ziegler. (Nachdruck verboten.) Drei Jahre sind verflossen seit jener entsetzlichen Stunde und nach einer ebenso langen Abwesentheit kehrt Frau von Wehlen heute mit Julie in die Heimath zurück. Aber es ist eine traurige Heimkehr, denn die Kranke ist nach wie vor in tiefste Gleichgiltigkeit gegen die Außenwelt versunken, aus der sie weder freundliche noch zürnende Worte herauszureißen vermögen. Frau von Wehlen pflegte die Patientin sehr aufopfernd, wenn ihr auch wohl jene weiche Zartheit fehlte, welche sonst bei Frauen vor), herrscht; sie konnte es eben niemals begreifen lernen, daß der energische Wille allein die Macht jenes düstern Verhängnisses nicht zu brechen vermochte. Der Arzt, welcher Julie behandelte, hatte sich nun zu 4 einem letzten, gefährlichen Mittel entschlossen, welches den ## Geisteszustand der Leidenden auf einmal gänzlich herstellen sollte. Er hatte mit Leopold von Nordeck und dessen -Gattin berathen und eine Zusammenkunft derselben mit der Patientin vereinbart und diese pflichteten ihm lebhaft bei, wenn schon auch sie vor dem gefährlichen Wege Furcht empfanden...... umd 8 tre. Auf Schloß Nordeck war vor zwei Jahren ein ganz allerliebster, gesunder, kleiner Knabe angekommen, welcher das volle Entzücken nicht nur seiner Eltern, sondern auch aller andren Menschen ausmachte. Curt Albrecht hieß der Kleine, denn es war in der Nordeck'schen Familie beinah stets Sitte gewesen, Doppelnamen den Söhnen zu ertheien.. p 67.29 und Ghriians fekZur Ankunft Frau von Wehlens und Juliens fuhr die junge Frau von Nordeck nebst ihrem Söhnchen hinüber nach Wehlen, ihre Gatte wollte sie am selben Abend noch abholen, denn er hatte keine Zeit, sie gleich zu begleiten, wollte auch das Wiedersehen besonders mit der Kranken, nach so langer Trennung nicht stören. Es war ein heißer, sonniger Julitag gewesen, die Sonne stand bereits im Westen als endlich der Wagen, welcher die Reisenden von der Station geholt, vor dem Wehlenschen Hause hielt. Lilli stand auf der Rampe, doch ohne ihr Kind, und streckte jubelnd den geliebten Ankommenden die Arme entgegen; drei Jahre waren sie getrennt gewesen und diese Trennung allein hatte vermocht, hier und da einen Schatten in das lichte Eheglück der jungen Frau zu werfen. Aber sie schrak zurück, als sich nun nach der mütterlichen Umarmung Julie aus den Kissen des Wagens erhob. War das ihre Schwester! Wie alt und schlaff schaute dies Antlitz drein und wie grau waren die früher so dunklen Haare Juliens geworden! „Julie, liebe Schwester, sei herzlich gegrüßt!“ rief Lilli. Aber die Kranke schüttelte den Kopf und sagte: „Ich habe keine Schwester mehr. Früher besaß ich wohl eine, sie hieß Lilli und hatte blonde Haare— auch hielt man sie für— sein Weib— Leopold Weib. Aber sie war es nicht— ich weiß es besser, denn ich hatte ihr ja nicht die Hochzeitsfackel angezündet— haha— die Hochzeitsfackel—“ So viel hatte die Kranke schon lange nicht zusammenhängend gesprochen, der Ton von Lillis Stimme mußte ihr Denkvermögen doch erweckt haben, die junge Frau alles ings schauderte vor Juliens Stimme zurück und wur.. todtenblaß. Das hatte sie nicht geahnt, dem Hasse, welcher aus diesen müden Augen urplötzlich hervorloderte, fühlte sie sich nicht gewachsen. „Sei ruhig, Lilli,“ flüsterte Frau von Wehlen,„vielleicht wirkt der Anblick Kurts oder Deines Mannes Stimme heilsam auf sie ein!" „O, Mutter, nur nicht mein Kind darf sie sehen.“ flehte die junge Frau ängstlich,„sie könnte in einen einen Zornesausbruch verfallen!" Willenlos hatte sich währenddem die Kranke in das Haus führen lassen. Niemand gewahrte den bösen Blick, welchen sie im Vorüberschreiten der Schwester zuwarf, niemand hörte die wild gemurmelten Worte:„Die Hochzeitsfackel— haha— ich muß sie anzünden— es wird Zeit!“ Wie viel hatten sich währenddem Mutter und Tochter zu erzählen. Der Kleine, welcher anfing, müde zu werden, sollte in Frau von Wehlens Schlafzimmer auf das Bett gelegt worden, denn Herr von Nordeck konnte nicht vor acht Uhr eintreffen und würde voraussichtlich erst gegen zehn Uhr abfahren. So konnte das Kind noch ruhen. Die Wärterin war hinabgegangen zum Abendessen, da der Knabe schlief, da schlich das Unheil vom Corridor näher und immer näher: eine graue unheimliche Frauengestalt, in der Hand eine brennende Kerze. Es war Julie, ihr Auge leuchtete unheimlich, ihr Athem flog keuchend und sie kicherte vor sich hin: „Die Hochzeitsfackel,— haha— ich will sie noch heute anzünden——“ Auf dem Bette lag friedlich schlummernd der kleine Kurt mit rosig angehauchten Wangen und dunklen in die Stirn fallenden Härchen. Die Wahnsinnige erblickte jetzt das Kind, sie stutzte, dann schritt sie auf dasselbe zu und stieß plötzlich einen gellenden, markerschütternden Schrei aus: „Leopold— es sind seine Augen!“ 1 ** Schweinefleischwaaren amerikanischen Ursprunges führten, heute nicht mehr zuträfen. Speciell wies der nationalliberale Abgeordnete Dr. Marquardsen auf Holland und England hin, wo die unteren Volksklassen amerikanischen Speck ohne Nachtheil für ihre Gesundheit genössen, und das Nämliche führte Abg. Bebel(socialdem.) in Bezug auf die deutschen Seeleute aus. Dem gegenüber betonte Staatssecretair v. Bötticher nochmals, daß die deutsche Regierung im Hinblick auf die einschlägigen Verhältnisse in Nordamerika das daselbst producirte und zur Ausfuhr bestimmte Schweinefleisch als noch immer für die Gesundheit nachtheilig erachten müsse, auch wies er darauf hin, daß in Amerika gar kein rohes Schweinefleisch genossen würde, in Deutschland aber sehr vieles. Die nachfolgenden Redner von den Conservativen, die Abgg. v. Kardorff und Graf Kanitz, sprachen hauptsächlich im Interesse der deutschen Landwirthschaft gegen die Wiederzulassung amerikanischen Schweinefleisches, während der wildliberale Abgeordnete Wisser gegen diese Anschauungen der beiden Herren Namens des deutschen Bauernstandes Protest einlegte. Freisinnigerseits sprach Abg. Dr. Barth nochmals für seinen Antrag, hervorhebend, daß derselbe vorzugsweise die Aufhebung des Einfuhrverbotes für gesalzenen Speck und Schinken aus Amerika bezwecke; wenn die Regierung von dem Genusse dieser Waaren nachtheilige Folgen für die Gesundheit der Consumenten befürchte, so brauche sie ja für jene nur die obligatorische Fleischschau einzuführen. All' die Ausführungen zu Gunsten des in Rede stehenden Antrages hinderten indessen nicht, daß derselde, wie schon erwähnt, abgelehnt wurde, womit die„Schweinefrage" im Reichstage vorerst wieder zur Ruhe gekommen ist. Am Freitag nahm der Reichstag außerdem den Vertrag über den Anschluß der österreichischen Gemeinde Mittelberg(Vorarlberg) an das : V o l l g e b i e t d e s d e u t s c h e n R e i c h e s a n u n d e r l e d i g t e s e r n e r den Rest des Capitels„Gesundheitsamt", sowie das Capitel„Patentamt", beide zum Etat des Reichsamts des Innern gehörig, discussionslos. Am Sonnabend wurde die Einzelberathung des Etats fortgesetzt. Dem Bundesrath ist ein Gesetzentwurf zugegangen, welcher das Reichsmonopol auf dem Gebiete des Telegraphenwesens regelt. * Dem preußischen Herrenhause ging der Gesetzentwurf über die Vereinigung der Insel Helgoland mit 4 dem Königreich Preußen zu. Danach soll die Insel mit I dem Kreise Süder=Dithmarschen, Provinz SchleswigHolstein, vom 1. April d. J. ab vereinigt werden. Die Insel wird dem Gehilfen des Landraths genannten Kreises zum Amtssitz dienen. Helgoland soll eine Land: gemeinde bilden und dem Bezirke des Altonaer Amtsgerichts zugetheilt werden. Der commandirende General des 9. Ar1 meecorps v. Lesczynski, wird am kommenden 1. April von diesem Posten zurücktreten. Ueber die Ursachen des Rücktritts dieses Generals der erst noch im vorigen Jahre bei dem Kaisermanöver in Schleswig vom Kaiser besonders ausgezeichnet wurde, lauten die Angaben 1 verschieden. Wenig wahrscheinlich klingt indessen die * Mittheilung, der Rücktritt Lesczynski's hänge mit dem Besuche, den Fürst Bismarck neulich dem General ab: gestattet, zusammen. * Das belgische Königshaus— und mit ihm 4 das ganze belgische Land— ist durch das plötzliche Hinscheiden des Prinzen Balduin von einem schweren Schicksals„ Drunten im Salon stutzte Lilli als sie den seltsamen 1 Ton vernahm und stand unruhig auf:„Ich will doch I nach dem Kleinen sehen, Mama; die Wärterin ist viel9 leicht unten und er könnte erwacht sein.“ „„Wie Du willst, Kind, aber geschehen kann ihm doch nichts; Kurt liegt auf meinem Bette.“ Von unerklärlicher Angst gefoltert, eilte Lilli nach dem Schlafzimmer der Mutter. Sie fand die Thüre - geschlossen und von innen erklang ein unheimliches Kichern zwischen das Weinen des erwachten Kindes. Lillis Blut schien in den Adern zu erstarren, denn sie wußte nun. " was sie geahnt und gefürchtet— daß Julie drinnen bei ihrem Liebling sei. Lautlos streckte Lilli die gefalteten Hände gen Himmel, die blassen bebenden Lippen flüsterten seltsame Töne, dann knieete sie auf der Thürschwelle nieder une rief bittend: „Julie, willst Du nicht aufmachen? Ich bin es— 901: „Lilli?“ schrie die Wahnsinnige,„wer ist das? So hieß einst meine Schweste, aber ich habe keine mehr; sie floh, als ich sie hinderte, Leopold von Nordeck sich anzi trauen zu lassen, welcher doch mich liebte.“ „Julie, wenn Du ihn liebst, so schone sein Kind!“ „Sein Kind?. Ja, es sind seine Augen und ich will die Hochzeitsfackel anzünden, damit ich sie besser sehen 9 kann. Seine Augen— haha.“ ka„Julie! Bei der Barmherzigkeit Gottes, öffne die * Thür, laß mich zu meinem Kinde.“ wie die Flamme auflodert, wie es hell wird! - Leopolds Augen, ich will sie küssen, denn ich habe sie geliebt von Aubeginn bis zu dieser Stunde.“ #is uis sm erietung, fe.. schlage betroffen worden. Prinz Balduin war der älteste Sohn des Grafen Philipp von Flandern, welcher als der Bruder König Leopold II. bei der Kinderlosigkeit desselben Thronfolger in Belgien ist, mithin würde Prinz Balduin dereinst den belgischen Thron bestiegen haben. Diese Voraussicht hat nun der unerbittliche Tod vernichtet, zum tiefsten Schmerze der belgischen Königsfamilie und des ganzen Landes, da Prinz Balduin, welcher ein Alter von nur 22 Jahren erreicht hat, zu den schönsten Erwartungen berechtigte. Der Prinz litt seit einigen Tagen an einer Erkältung, welche sich am Donnerstag ganz unvermuthet verschlimmerte und am Freitag früh ½2 Uhr den Tod des hoffnungsvollen Fürstensohnes herbeiführte. Aus allen Kreisen des belgischen Volkes wie aus dem Auslande sind dem belgischen Königspaare und den tiefgebeugten Eltern des dahingeschiedenen Prinzen die herzlichsten Theilnahmsbeweise zugegangen und um so größer ist das allgemeine Mitgefühl für die königliche Familie, als zur Zeit die ältere Tochter des Grafen von Flandern, Prinzessin Henriette, schwer krank darniederliegt. Der künftige Thronerbe in Belgien ist nunmehr der jüngere Sohn des Grafen von Flandern, der am 8. April 1875 geborene Prinz Albert.— In Brüssel laufen übrigens allerhand seltsame Gerüchte um, denen zufolge Prinz Balduin keines natürlichen Todes gestorben sein soll, zumal sich die officiellen Angaben über die directe Todesursache des Prinzen allerdings einigermaßen zu widersprechen scheinen. * Die Pariser Anarchisten haben den in der französischen Hauptstadt in Folge der großen Kälte herrschenden Nothstand zu einer lärmenden Straßenkundgebung ausgebeutet, bei der es echt anarchistisch zuging. Die Polizei nahm aus diesem Anlaß etwa 400 Verhaftungen vor, doch wurde die große Mehrzahl der verhafteten Personen alsbald wieder entlassen. Es scheint sich um einen geplanten größeren anarchistischen Putschversuch gehandelt zu haben, denn unter den Verhafteten befanden sich sieben als anarchistische Führer bekannte und gut bewaffnete Persönlichkeiten, mehrere andere erklärten, sie hätten zur Betheiligung an dem Tumult Geld von anarchistischen Zeitungen erhalten. Die russische Regierung hat in Sosia wieder einmal eine diplomatische Action eingeleitet, deren Endzweck indessen noch nicht recht klar ist. Soviel aus den hierüber vorliegenden Meldungen erhellt, scheint Rußland die bulgarische Regierung veranlassen zu wollen, gegen die in Bulgarien weilenden russischen Flüchtlinge straffere Saiten aufziehen zu wollen, nur erscheint es verwunderlich, daß zu diesem Zwecke ein so großer diplomarischer Apparat in Bewegung gesetzt wird. Denn Rußland hat die bezüglichen Vorstellungen in Sofia nicht nur durch den dortigen deutschen Vertreter erheben lassen, sondern sich auch noch hinter die übrigen Mächte versteckt, so daß der bulgarischen Regierung ganz himmelangst werden möchte. Zunächst nimmt dieselbe aber die Sache sehr kaltblütig, wie die Aeußerungen der bulgarischen Regierungsblätter über den Zwischenfall bekunden; seine weitere Entwickelung bleibt jedoch noch abzuwarten. * In der Bergarbeiterschaft Nordamerikas fängt der 1. Mai schon wieder zu spuken an. Die Bergleute in den Kohlenbezirken der Union stellen für kommenden 1. Mai einen Massenstreik von 500000 Mann zur Erlangung des achtstündigen Arbeitstages in Aussicht. * Die Republik Mexiko will sich auch wieder einmal eine kleine innere Bewegung gönnen. Es scheint irgendwo im Lande zu gähren, denn der Präsident Diaz, der frühere Präsident Gonzales und mehrere Gouverneure hielten in der Hauptstadt Mexiko eine Berathung über die innere politische Lage ab. * In Brasilien ist ein ganz neues Ministerium mit Uchea als Cabinetschef ans Ruder gelangt. Das eigentliche Haupt der brasilianischen Regierung bleibt aber nach wie vor der Präsident der Republik. der Marschall Da Fonseca. Unruhen im Inneren Brasiliens sind, soweit bekannt, durch den Cabinetswechsel nicht veranlaßt worden. * * Berlin, 23. Jan.(Vom Hofe.) Se. Mazestät der Kaiser und König trafen gestern früh um 8 Uhr in Cuxhaven ein, wo Allerhöchderselbe vom kommandirenden General Leszczynski und dem regierenden Bürgermeister von Hamburg, Senator Versmann, empfangen wurden. Se. Majestät fuhren alsdann bis zur Kugelbake und ließen Sich Vortrag über die projectirten Hafenanlagen halten. Darauf inspicirten Se. Majestät das Hamburger Passagier=Dampfschiff„Augusta Victoria" und traten um 10½ Uhr die Rückreise nach Berlin an, wo Allerhöchstderselbe um 6 Uhr Abends eintrafen. Während der Fahrt hatten Se. Majestät die Vorträge der Chefs des Militär=, des Civil= und des Marinekabinets entgegengenommen.— Heute Vormittag sprachen Se. Majestät den Staatssekretär des Auswärtigen, Freiherrn von Marschall in dessen Wohnung. —(Das Herrenhaus) wählte an Stelle des verstorbenen Hrn. v. Rochow Hrn. v. Manteuffel(Krossen) um asten Ales=Teisshanten. Belgien. * Brüssel, 23. Januar.(Prinz Balduin,) der belgische Thronfolger, starb verflossene Nacht plötzlich um 2 Uhr in Folge einer Erkältung, zu welcher ein Nervenfieber hinzugetreten war, nachdem er vorher die heil. Sterbesacramente empfangen hatte. Der Prinz verschied, umgeben von der ganzen königlichen Familie, vom ganzen Hofe und den Ministern. Die Aufregung in Brüssel ist sehr groß. (In dem Befinden der Prinzessin Henriette) ist seit gestern eine wesentliche Besserung eingetreten. * Antwerpen, 24. Jan.(Die Schifffahrt) auf der Schelde wird heute um Mitternacht officiell wieder eröffnet; von dann ab werden Dampfschiffe von einem gewissen Tonnen=Inhalt mit Lootsen bestellt. Morgen wird die Schifffahrt für alle Dampfschiffe und Segelschiffe wieder eröffnet. Oesterreich. * Wien, 24. Jan.(Der Kaiser) empfing gestern in besorderer Audienz den Erzherzog Eugen, welcher sich heute Abend den Tauffeierlichkeiten nach Berlin begiebt. Rußland. * St. Petersburg, 24. Jan.(Die„Nowoje Wremja“) hört, der Senat habe die ihm vorgelegte Frage, ob Juden berechtigt seien, überall in Entfernung von fünf Werst von der westlichen Landesgrenze unbewegliches Eigenthum zu erwerben, oder nur im Weichbilde der Städte und Flecken, in welchem sie vor dem 27. August 1858 eingeschrieben waren, dahin entschieden, daß dieselben nur im Weichbilde der vorgezeichneten Städte und Flecken unbewegliches Eigenthum zu erwerben berechtigt seien. Aus dem Reiche. *. Lippstadt, 23. Jan.(Verkehrsübergabe.) Gestern ist an der Bahnstrecke Lippstadt=Rheda der Haltepunkt Lipper=Bruchbaum dem öffentlichen Verkehr übergeben worden. * Münster, 23. Januar.(Begräbniß.) Heute fand in Leer die Beerdigung der Gemahlin des Freiherrn v. Schorlemer=Alst, geb. Reichsfreiin v. Imbsen statt. Die kleine Dorfkirche vermochte die Leidtragenden nicht zu fassen, und die Spitze des Leichenzuges hatte den etwa zehn Minuten vom Dorfe belegenen Kirchhof bereits betreten, als der Zug noch im Dorfe war. Wir bemerkten die Vertreter der Provinzial=Behörden, an der Spitze Herrn Oberpräsidenten Studt; als Vertreter des Centrums die Herren Graf Ballestrem, Dr. Lieber und Brandenburg, die ebenso wie der Vorstand des Westfälischen Bauern=Vereins herrliche Blumenspenden überbracht hatten. Der Adel der Provinz war vollzählig vertreten. Münster, 24. Jan.(Verbot.) Der hiesigen königlichen Regierung ist angezeigt worden, daß schulpflichtige Kinder zu Treibjagden herangezogen werden. Um dem entgegenzutreten, verbietet eine neue Verordnung den Schul=Inspectoren und Lehrern, Kinder für derartige Verwendungen zu dispensiren. Eltern, deren Kinder gleichwohl aus besagter Veranlassung der Schule fernbleiben, sollen unverzüglich zur Bestrafung herangezogen werden. § Horstmar, 24. Januar.(Hier ist ein neues Krankenhaus) eingerichtet worden. Die Pflege wird von drei Krankenschwestern aus dem Franziscus=Orden besorgt. ? Gelsenkirchen, 24. Jan.(Grubenunglück.) Wiederum hat der Tod große Ernte gehalten unter den Knappen des Ruhrgebiets. Auf Zeche Hibernia hierselbst entstand gestern Nachmittag gegen 3 Uhr eine fürchterliche Schlagwetter=Explosion. Bis Nachts 3 Uhr wurden 43 Todte und 35 Verwundete aus der Grube Hibernia hervorgeholt. In den verschütteten Strecken werden noch über zehn Todte vermuthet. Berge=Borbeck, 24. Jan.(Hochwasser.) Die Ruhr und ihre Zuflüsse sind in Folge des plötzlichen Thauwetters in schnellem Steigen begriffen. Hier stehen bereits große Strecken unter Wasser. In Wesel und Emmerich sind Pioniere zur Sprengung des Rheineises. eingetroffen. +- Schwerte, 23. Jan.(Unglück.) Die Unsitte beim Feueranzünden Petroleum zu benutzen, hat in vergangener Woche hier wieder zwei Opfer gefordert. Eine Frau ist bereits an den dabei erhaltenen Brandwunden gestorben, während ein achtjähriges Mädchen schreckliche Brandwunden im Gesicht erlitt. X8 Bielefeld, 23. Jan.(Eine Deputation von Arbeitslosen) wurde gestern beim Herrn Oberbürgermeister vorstellig und bat um Arbeit für sich und ihre Genossen. Heute Morgen trat denn auch eine Schaar von etwa 250 Mann die Arbeit des Schneeschaufelns an. Der Tagelohn beträgt.50 M. I Herford, 23. Jan.(Hohes Alter.) Der an Geist und Körper noch sehr frische erste Prediger am hiesigen Münster, Herr Pastor Rauschenbusch, feiert seinen 80. Geburtstag. Derselbe ist fast 47 Jahre in der Münstergemeinde thätig gewesen und gedenkt die Gemeinde den Tag ihres Seesorgers durch ein Festmahl zu feiern. + Altena, 21. Jan.(Auf der Ruhr=Sieg=Bahn) stießen gestern bei Altenhundem der Ausladezug mit dem Zuge Nr. 40 zusammen. Ein Hilfsbremser ist bei dem Unglücksfall schwer verletzt und im Laufe des Tages bereits gestorben. Das. Schneegestöber hat heute den ganzen Tag angehalten. Die Personen üge treffen mit großer Verspätung ein. Die Strecke HagenLüdenscheid, Werdohl=Augustenthal und Brügge=Halver haben bis jetzt den Betrieb aufrecht erhalten. * Melle, 23. Jan.(Eiserne Hochzeit.) Die Eheleute Heuerling zu Hoyel feierten am 22. d. M. ein seltenes Fest, nämlich die eiserne Hochzeit, d. i. ihren 65. Hochzeitstag. Das nahezu 90 Jahre alte Ehepaar ist noch verhältnißmäßig rüstig. O Hagen, 23. Jan.(Die Strecke Hagen=Westhofen) wird am 1. Februar d. J. dem Betrieb wieder übergeben. Die für die Dauer der Betriebstörungen eingeführten besonderen Fahrpläne und Aenderungen einzelner Züge treten außer Kraft, auch das Anhalten des Zuges Nr. 12 Siegen=Hagen in Cabel fällt fort. I Essen, 21. Jan.(Dem nationalliberalen Abg. Müllensiefen) hat der nationalliberale Vorstand des bergbaulichen Vereins für Rheinland und Westfalen in der Sitzung zu Essen am 21. Januar einstimmig sein Bedauern darüber ausgesprochen, daß mit solchen Mitteln, wie geschehen, der Wahlsieg erkauft worden sei. Es handelt sich um die bekannten Versprechungen Müllensiefens an die Bergleute in betreff des Arbeitsverhältnisses. Nur dem Umstande, daß die von Müllensiefen abgegebene Erklärung zu spät bekannt geworden sei, um vor der Wahl des Herrn Müllensiefen mit Aussicht auf Erfolg warnen zu können, verdanke der Abgeordnete den Wahlsieg. (:) Düsseldorf, 24. Jan.(Pioniere sprengten) heute an der Hammer Eisenbahnbrücke Eismassen, wobei große Schollen ein Segelschiff zertrümmerten. * Mainz, 23. Jan.(Schreiner=Ausstand.) Der seit Wochen hier bestehende Schreiner=Ausstand geht seinem Ende entgegen. In verschiedenen größern Werkstätten haben gestern die Ausständigen die Arbeit theilweise wieder aufgenommen. “. Aachen. 24. Jan.(Der Fernsprechverkehr) zwischen Aachen und den folgenden größern Plätzen: Neuß, Düsseldorf, Crefeld, Duisburg, Essen(Ruhr), Dortmund, Bochum, Elberfeld, Barmen, Mülheim(Rhein) und Coblenz ist seit gestern bis auf weiteres wieder aufgenommen worden. □ Hildesheim, 25. Januar.(Als geriebener Schwindler) wurde kürzlich von der Strafkammer hierselbst der Sattlergeselle Wilhelm Muttone aus Barmen entlarvt und mit Gesängnißstrafe von drei Jahren bestraft. Er hatte angeblich als Förster und Wittwer in hannoverschen Zeitungen eine Haushälterin gesucht und das Anerbieten eines jungen Mädchens aus Ilten erhalten, welches bereit war, seine Haushälterin zu werden, und nach wiederholtem Besuche sogar auf seinen Heirathsantrag einging. Ihre Möbel nach Dessau voranschickend, trat sie in Begleitung des Schwindlers die Brautfahrt an und händigte dem„Bräntigam“, als er in Geldverlegenheit gerieth, einen Tausendmarkschein aus. Nahe vor dem Ziele der Fahrt sah sich das Mädchen bei einer Eisenbahnstation plötzlich verlassen und hatte noch 40 M. Kosten, um ihre abgesandten Möbel ausgeliefert zu erhalten. Der hannoverschen Polizei gelang es, den Gauner, als er wieder durch eine ähnliche Anzeige auf Beute ging, in ihre Gewalt zu bekommen. * C u r h a v e n, 2 4. J a u.( S t a r k e s T h a u w e t t e r) m i t zeitweilig starkem Regen ist eingetreten. Die Elbe ist vollständig eisfrei. Es herrscht Nebel. M Würzburg, 24. Jan.(Verunglückt.) Heute Morgen verunglückten auf dem hiesigen Bahnhofe zwei Arbeiter, welche auf dem Bahndamm beschäftigt waren. Die Maschine eines heranbrausenden Schnellzuges erfaßte beide und schleuderte sie von der Böschung herunter. In ganz bewußtlosem Zustande wurden sie in die Klinik gebracht, wo schwere innere Verletzungen konstatirt wurden. Beide sind bereits im Laufe des Mittags gestorben. S Locales. Paderborn, den 27. Januar 1891. —(Zur Vorfeier des Geburtsfestes) Seiner Majestät des Kaisers hatte das hiesige Gymnasium gestern Mittag um 11 Uhr einen Festactus auf dem Rathhaussaale. An demselben betheiligten sich außer den Lehrern und Schülern des Gymnasiums auch die Herren Weihbischof Dr. Gockel, Landrath Jentzsch, Oberstlieutnant von Below, Landgerichtspräsident Müller, LandgerichtsDirector Heldberg, Dompropst Stuckmann, Oberstabsarzt Götting und andere hochgestellte Persönlichkeiten geistlichen und weltlichen Standes. Nach der vom gemischten Chor vorgetragenen Motette von C. Runge: Singet dem Herrn, hielt Herr Oberlehrer Dr. Niggemeyer die Festrede. Er gedachte der Wünsche und Gebete, die augenblicklich auf dem weiten Erdenrunde für Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. dargebracht werden des großen Sohnes des christlichen Dulders Friedrich. Er erinnerte an die Bemühungen zur Erhaltung des Friedens, an sein Bestreben zur Mehrung des Reiches Ruhmes und Ehre. Insbesondere gedachte Redner der Erwerbung der deutschen Colonien, deren Lage, Klima, Producte u. s. w. Redner in anschaulicher Weise schilderte und für unser Vaterland günstig bezeichnete. Traurig aber lautete der Bericht über die Bewohner Ostafrikas, die noch im Fetischdienst versunken, Menschenopfer darbringen und noch schrecklichere Gräuel treiben, bei denen Sklaverei, Sklavenhandel und Sklavenraub an der Tagesordnung sind. Hier mit Hülfe der Missionen und durch Errichtung von Militärstationen Wandel zu schaffen, dürfe wohl zunächst Aufgabe des Reiches sein. Mit dem Wunsche un Beites Schot und Schhrn iür Ge. Matellt schlch Redner. In höchst gelungener Weise trug darauf der Sängerchor den Torgauer=Marsch vor. Sodann ergriff Herr Director Dr. Hechelmann das Wort. Er erinnerte an die augenblicklich in Berlin stattfindende Taufe des jüngsten Sprosses des erlauchten Hohenzollernhauses und, sich an die Schüler wendend, stellt er ihnen Se. Majestät den Kaiser als Muster vor, wie er fast ohne Ruhe stets für das Wohl des Vaterlandes arbeitet. Das am Schlusse ausgebrachte dreifache Hoch auf Se. Majestät wurde brausend aufgenommen. Mit dem Gesange des„Heil Dir im Siegerkranz“ endete die hehre Feier. —(Der Landwehr= und Reserveverein) hatte am Sonntag in der Volkshalle zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers ein Fest veranstaltet, das den Theilnehmern noch lange im Gedächtniß bleiben wird. Der große Saal war bis auf den letzten Raum gefüllt. Ein militärisches Theaterstück, ergötzlich mit seinen vielen Mißverständnissen und drolligen Scenen, hielt die Zuschauer in steter Spannung, besonders Lorenz, der arme Bursche, führte seine Rolle vortrefflich durch und erntete großen Beifall. Herr Steinkamp brachte in schwungvoller Rede einen Toast auf Se. Majestät aus, der jubelnd aufgenommen wurde und dem die Kaiserhymne folgte. Die Musik war von dem Trompetercorps des hiesigen HusarenRegiments gestellt und trug nicht wenig zur Hebung der Festesstimmung bei. Ein Tänzchen am Schlusse ließ auch die jüngere Generation zu ihrem Rechte kommen und hielt sie bis spät in die Nacht zusammen. (Der Harmoniesaal) im Preußischen Hofe hatte am Sonntag Abend sein schönstes Festgewand angelegt. Die Wände waren hübsch mit Emblemen und Fahnen geziert, die Büsten der drei Kaiser thronten inmitten eines Parkes von Lorbeerbäumen und anderen exotischen Gewächsen. Hier hatte der Kriegerverein sein Heim aufgeschlagen, um das Wiegenfest des Landesvaters feierlich zu begehen durch Concert, Theater und Ball. Nachdem Herr Kaufmann den Toast auf Se. Majestät den Kaiser ausgebracht, begann die Aufführung des Festspiels: Im Banne der Fee. Sämmtliche Darsteller hatten sich gehörig in den Character ihrer Rollen eingelebt und führten sie glänzend durch. Hübsch war auch die Gruppirung der lebenden Bilder; leider wurde die Darstellung durch die Helligkeit im Saale etwas beeinträchtigt. Das Concert, wie auch zum nachfolgenden Ball wurde von der hiesigen Civilcapelle gespielt, deren Leistungen immer bessere werden. —(Ein kleines Eisenbahnunglück) passirte am Samstag in der Nähe des Bahnhofs. Eine Rangier= maschine rannte mit einem Güterzuge zusammen. Verletzungen von Personen sind nicht vorgekommen, nur drei Wagen wurden etwas beschädigt. —(Herr Amtsgerichtsrath Honselmann) hierselbst schoß vor einigen Tagen in der Nähe der Alme einen Singschwan von gewaltiger Größe. (Das plötzlich eingetretene Thauwetter) Ende voriger Woche, verbunden mit ständigem Regen in der Nacht vom Freitag zum Samstag, hat auch in unserer Stadt, die sonst Ueberschwemmungen nicht zu fürchten hat, einer Anzahl Bewohnern die Leiden der Ueberschwemmten genießen lassen. Die Straßenrinnen, welche des Eises wegen theils nicht geöffnet, theils zuwaren, faßten das andringende Wasser nicht und in einer Anzahl Nebenstraßen drang dieses durch Kellerfenster, in die Hausthüren, sogar die Schlafstuben einiger Häuser wurden nicht verschont und wurden die süß Schlummernden aus ihren warmen Betten getrieben. Auf der Westernstraße drang ein Strom in die Hofthür über den Flur zur Hausthür hinaus, ohne weiteren Schaden anzurichten. —(Herrn Locomotivführer Gerber) hierselbst und Herrn Locomotivführer Bergfried zu Elberfeld ist seitens Sr. Majestät des Königs gestattet worden, die ihnen von dem König der Belgier verliehene Verdienstmedaille anzulegen. Herr Gerber fuhr im vorigen Herbste den Extrazug, worin die Belgische Majestät, von hier nach Braunschweig und zurück, Herr Bergfried von Cöln nach hier und zurück. —(In einem hiesigen Restaurant) saßen vor einigen Abenden eine Partie Stammgäste, die sich auf das Wohl Sr. Majestät zu einem festlichem Mahle vereinigt hatten. Es war ausgemacht, daß Reden nicht gehalten werden sollten; wenn aber trotzdem einer seine Zunge nicht zügeln könne, so solle das 3 Mark kosten. Anfangs dachte jeder an die Strafe und nahm sich in Acht. Als aber einer mal den Reigen eröffnet, konnten auch andere sich nicht bemeistern, sie ließen ihren Redestrom freien Lauf und jeder mußte die festgesetzten 3 Mk. zahlen. Binnen Kurzem kamen 18 Mk. zusammen, die einem guten Zwecke gewidmet wurden. —(Vepflegt wurden) während des Zeitraums vom 1. October 1889 bis 30. September 1890 auf den Verpflegungsstationen zu Paderborn 2491 Personen, zu Salzkotten 1580, Lichtenau 504, Büren 95, Peckelsheim 275, Höxter 1135, Brakel 901, Rheda 1878. Von allen Stationen des Regierungsbezirks hat Paderborn die meisten Pfleglinge aufzuzeigen. Die meisten Nachtquartiere hat Rheda gegeben, nämlich 1876. —(Alters= und Invaliditäts=Versicherung) Um Irrthümern vorzubeugen, sei mitgetheilt, daß diejenigen Arbeiter, welche seit dem 1. Januar d. I. bis jetzt arbeitslos waren und weiterhin keine Arbeit haben werden. für die Leit dieser Arheitslosiakeit keine Marke in die Arbeitskarten eingeklebt erhalten, und daß irrthümlich gedacht ist, wenn die Arbeitgeber glauben, darauf ihr Augenmerk richten zu müssen, ob Marken eingeklebt sind. Tritt ein Arbeiter erst in der 20 oder 30. Woche des Jahres in Arbeit, so erfolgt dessen ungeachtet das Einkleben der Marken immer von dem Felde Nr. 1 ab. Durch die hiernach innezuhaltende Reihenfolge der Felder beim Aufkleben der Marke ergiebt sich am Jahresschlusse von selbst, wie viele Wochen der Betreffende gearbeitet hat. (Eine Firma ohne Geschäft kann nicht verkauft werden.) Die Veräußerung einer Firma als solche, abgesondert von dem Handels=Geschäft, für welches sie bisher geführt worden, ist nach Art. 23 des .=.=B. nicht zulässig. Es ist zur Uebernahme der Firma jedoch nicht nothwendig, daß auch von dem Erwerber die Activa und Passiva übernommen werden. Die Continuität des Geschäftsbetriebes, auf deren Erzielung es bei der Frage, ob ein Geschäft veräußert wird, wesentlich ankommt, kann nach einem Urtheil des Reichsgerichts sehr wohl auch trotz des Verbleibens der Activa beim Veräußerer und der Uebernahme der Ordnung der Passiva durch diesen, durch die Uebertragung bestimmter anderer Gegenstände vermittelt werden. Vermischtes. —(Ernst v. Wildenbruch) sandte dem Generalpostmeister v. Stephan zum 60. Geburtstage eine Blumenspende mit folgenden launigen Versen: „Durch Post und Telegraph und Telephon Hast Du die Zeit zur Eile so befeuert, Daß sie Dich heut verfrüht in die Saison Des sechzigsten der Jahre hat gesteuert. Nun hast Du 24 Stunden Rast, Seit heut geliebt, gepriesen und bewundert Alsbald steig' ein und fahre ohne Hast, Zur Station 70, 80, 90, 100.“ (Spaziergang nach Paris.) Ein russischer Lieutenant mit dem deutschen Namen Winter, vom 109. russischen Infanterieregiment, traf vor einigen Tagen auf seiner Fußwanderung von Rußland nach Paris dort ein. Die Zeitungen hatten auf das Ereigniß aufmerksam gemacht, es war also etwas Volk zur Stelle, das den Wanderer mit Hochrufen auf Rußland und Blumensträußen bewillkommnete. Der Held kann leider nicht französisch sprechen, immerhin mußte er„Vive la France!“ und „Vive Paris!“ zu rufen und das genügte für die erste Begegnung. a(Erfrorene Kartoffeln), deren es in diesem Winter besonders in den überschwemmten Gegenden in Menge giebt, lassen sich, wenn auch nicht für Menschen, so doch ganz gut als Kochsutter fürs Vieh benutzen. Zu diesem Zwecke muß man aber das Aufthauen zu verhindern suchen. Man bewahre daher solche Kartoffeln wie Eis auf oder halte sie in kaltem Wasser. Wo dies nicht geschehen kann, dämpfe man die Kartoffeln und stampfe sie in Gruben luftdicht ein, um sie später als Sauerfutter zugebrauchen. In den Gruben halten sie sich lange und sind, allerdings in mäßigen Portionen verabreicht, ein gedeihliches Futter. 88 Ein Ebbe= und Fluth=Motor. In unserm rastlosen und beweglichen Zeitalter ist man nicht mehr zufrieden, die uns auf unserer Mutter Erde zur Verfügung stehenden Naturkräfte, wie Luft, Wärme, Electricität, Magnetismus u. s. w. zu beherrschen und uns nutzbar zu machen; man greift über unsern Planeten bereits hinaus und zwingt den Mond, den treuen Begleiter der Erde, der bisher zu nicht viel anderem gut war, als mit seinem milden Scheine die elegische Stimmung der verliebten Erdenbewohner zu erhöhen und höchst reale, nach Mark und Dollar zu berechnende Knechtsdienste zu erweisen. Es geschieht ihm aber eigentlich ganz recht, was hat er sich um unsere irdischen Angelegenheiten zu kümmern und durch seine Anziehungskraft die Ebbe und Fluth unserer Meere zu verursachen. Damit packen ihn die klugen Menschen und natürlich allen voran die schlauen Yankees. Schon seit vielen Jahren wird immer von Zeit zu Zeit darauf hingewiesen, welche ein ungeheure Kraft durch das täglich 2 malige Steigen und Sinken des Meeres gewonnen werden könnte, aber es blieb dies stets eine Stimme des Predigers in der Wüste und über akademische Erörterungen kam man nicht hinaus. Ein Amerkaner H. B. Rankin hat nunmehr ein Ebbe= und Fluth=Motor hergestellt, der von verblüffender Einfachheit ist und für dessen Verwerthung in großem Maßstabe sich kürzlich eine Actiengesellschaft gebildet hat, welche die Stadt Boston nicht blos mit electrischem Lichte, sondern auch mit mechantscher Triebkraft in größten Umfange und zwar um 75% billiger, als dies bis jetzt möglich ist, versorgen will. Ueber das Princip, nach welchem dieser Motor eingerichtet ist, erhalten wir von dem Büreau für Patentangelegenheiten G. Brandt,“) Berlin SW., Kochstraße 4, folgende nähere Mittheilungen: Rankin's Motor besteht aus einem großen Floß, welches durch Taue verankert ist, die um Trommeln gewunden sind, die an beiden Seiten des Floßes vorstehen. Die oberen und unteren Enden der Taue sind festgemacht und von gleicher Länge. Das Floß wird nunmehr ca. 4 Fuß unter Wasser versenkt, d. h. mit etwa 2 Fuß größerem Tiefgang als ohne Verankerung. Bei jeder Veränderung des Wasserniveau's sowohl beim Steigen als Fallen des Wassers wird eine langsame Drehung der Trommeln bewirkt, deren Triebkraft dem Flächenraum des Floßes entspricht und die durch entsprechende Räderübersetzung zu dem Betrieb der Dynamosowie allen anderen Maschinen benützt werden kann. Da die electrische Energie auf große Entfernungen übertragen werden kann, so steht dem Ebbe= und Fluth=Motor eine große Zukunft bevor. 1 Biedes Bürent wihel unlem uudelen eute * ru e! 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Rüböl in Posten von 100 Ctr. 60,50 M. faßweise 62,00 die 100 Kil. Gereinigtes Oel 3 Mark höher als Rüböl. Preßkuchen M. 108 die 1000 Kil.— Fruchtmarkt. Weizen, 1. Sorte M. 19,00, 2. Sorte 18,00. Landroggen, 1. Sorte M. 16,50, 2. Sorte 15,50, Buchweizen M. 15,00 Hafer M. 14,50, Kartoffeln 8,00. Alles die 100.Kil. Heu M. 30, Stroh M. 18 die 500 Kil. Kleien M. 6,00 die 50 Kil. Hamburg, 23. Jan. Zuckermarkt. Rüben=Rohzucker, 1. Sorte 88%, neue Bedingung frei an Bord Hamburg, Jan. 12,72½, März 12,80, Mai 12,97½, August 13,25. Ruhig. Magdeburg, 23. Jan. Zucker. Kornzucker ausschl. 92% Mk. 17,45, ausschl. 88% 16,50; Nacherzeugnisse ausschl. 75% Mk. 13,90. Schwächer. Brodraffinade I. 27,25, Brodraffinade II. 27,75. Gemahlene Raffinade mit Faß 27,50. Gemahlene Melis I. mit Faß 25,50. Fest. Rohzucker I. Erzeugniß zur Durchfuhr a. B. Hamburg, Jan. 12,70. Febr. 12,70. März 12,60. Ruhig. Breslau, 23. Jan. Lupinen schwach gefragt, gelbe 8,30—9,30—9,80 blaue 7,40—8,40—9,40, Wicken unverändert, Mk. 11,00—12,00—13,00. Musikalischer Hausfreund. Blätter für ausgew. Salonmusik. IV. Jahrgang. Monatlich 2 Nummern(mit Textlage). Preis pro Quartal 1 Mark. Probenummern gratis und franco Leipzig. C. A. Kochs Verlag. RechnungssVematäte mit Namen liefert schnell u. billig Th. Thiele. S Nen. Karten in reichster Auswahl, zum Geburtstage, zum Namenstage, zur Verlobung, zur Hochzeit 2c., empfiehlt Thiele. 800 Stün 9 Winter-& Frühjahrs-Neuhetten, etfectir für die Mältte. 60 Ctm. br. Mülh. Waare, sehr stark. Meter 30 Pfg. 60 Ctm. br. Mohair mottled, Hauskleid, Meter 35 Pfg. 60 Ctm. br. reinwollene Unterrockstoffe, neue Streifen, Meter 50 Pfg. 100 Ctm. br. reinw. Beige, statt 1,60 Mk. Meter 90 Pfg. 100 Ctm. breite Noppes, Meter 75 Pfg. 100 Ctm. breite wollene Crêpes in allen Tuchfarben, statt .50 Mk. Meter 85 Pfg. 100 Ctm. br. reinw. Ball=Crêpes, statt 1,75 Mk. Met. 90 Pfg. 100/5 Ctm. br. reinw. 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